MoMent Sommer 2019

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Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer Sommer 2019 / € 4,00 MoMent 50 Jahre Mauer, 100 Jahre Waldorf

MoMent ...

Zeitschrift von und für eltern, freundInnen, lehrerInnen und SchülerInnen der rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer im 27. Jahr, heft Nr. 197

liebe freundinnen und freunde unserer Schulzeitung MoMent!

Alleingänge sind meist eine ausgesprochen bewundernswerte Sache. Als Rudolf Steiner und Emil Mold 1919 die erste Waldorfschule für die Kinder der Waldorf-Astoria-Arbeiterinnen und Arbeiter gründeten, war das solch ein bildungspolitischer Alleingang. Dass es Widerstände geben würde, wusste Steiner – aber auch, welch Potenzial in dieser solitären Initiative steckte.

Heute, 100 Jahre später, hat es sich voll entfaltet und zeigt sich in den unterschiedlichsten Folgeinitiativen, die mit ihrem WaldorfNetzwerk die ganze Welt umspannen. Diesem runden Geburtstag ist der Schwerpunkt dieser MoMent-Ausgabe gewidmet – mit Blitzlichtern pädagogischer Randnotizen und Berichten zu den vielen Waldorf 100-Projekten und -Veranstaltungen. Leider konnte das Programm unserer Schule zur „Langen Nacht der Waldorfschulen“ am 19. September noch nicht aufgenommen werden, da es erst im Sommer erarbeitet wird – wir werden dies in unserem Jahresheft nachholen und vor allem auch auf unsere Homepage www.waldorf-mauer.at aufnehmen.

Ein Alleingang war allerdings auch die Erstellung dieser Ausgabe, die Nadja Berke gemeinsam mit Karl Hruza schupfte. Ihnen, Brigitte Födinger und Margarete Goss sowie all den vielen AutorInnen und FotografInnen gilt unsere Bewunderung und ein ganz besonderes Dankeschön!

Mit herzlichen Grüßen für das Redaktionsteam Roman David-Freihsl

Termine: Seite 33, Kleinanzeigen: Seite 60

Die Fotos in dieser Ausgabe stellten zur Verfügung:

N. & M. Berke, U. Dotzler, Eltern 1., 8. Klasse, S. Habdank, J. Heidinger, M. Hofer, K. Hruza, U. Khol-Haidenthaler, W. Kollewijn, V. Monshi, Freie Musikschule, M. Peters, L. & S. Trierenberg, S. Wolf

liebe externe MoMent-abonnentInnen

Der Druck der Ihnen vorliegenden Ausgabe kostet ca. € 2.650,- bzw. inkl. Versand € 3.120,-.

Wenn Sie hinkünftig auf eine per Post zugeschickte Druckversion verzichten und mit der Online-Version (https://www.waldorf-mauer.at/moment) Vorlieb nehmen wollen, dann ersuchen wir um ein kurzes Email an: moment@waldorf-mauer.at

Gerne senden wir Ihnen weiterhin drei Mal im Jahr Ihr persönliches Exemplar zu und ersuchen Sie, die dafür anfallenden Kosten von € 12,-/Jahr auf das MoMent-Konto zu überweisen. Kontoverbindung: siehe Impressum

Impressum:

Medieninhaber, Verleger, Herausgeber: Verein zur Förderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG), Obmann Josef Prüller / DVR NR.: 7864 9742

Absender: moment@waldorf-mauer.at 1230 Wien, Endresstraße 100

Verlagspostamt: 1230 Wien Zulassungsnummer: 13Z039641 M

MitarbeiterInnen: B. Födinger e: moment@waldorf-mauer.at / R. David-Freihsl e: roman.freihsl@gmx.at / M. Goss E: moment@ waldorf-mauer.at / K. Hruza e: karl.hruza@waldorf-mauer.at / E. & A. Amann, N., P. & Th. Berke, U. Dotzler, E. Frank, A. Haensel, M. Hofer, M. Khol, U. Khol-Heidenthaler, A. Kohlhofer, W. Kollewijn, Kinder und Eltern der 1., 2. & 9. Klasse, D. Muchna, B. Pázmandy, K. Reiner-Friedl, T. Richter, J. Röhsler, A. Schindler, M. SchusterSzabo, Chr. Trattner, L. & S. Trierenberg, L. Weiss, R. Welte, M. Wetter, S. Wolf, U. Wöhlert

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lautend auf: Redaktion Schulzeitung

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PädagogIk, dIe IN deN lebeNSforderuNgeN der gegeNWart WurZelt

„Die Art, wie sich die moderne Industrie in die Entwickelung des menschlichen Gesellschaftsstrebens hineingestellt hat, gibt der Praxis der neueren sozialen Bewegung ihr Gepräge. Die Eltern, die ihre Kinder dieser Schule anvertrauen werden, können nicht anders als erwarten, dass diese Kinder in dem Sinne zu Lebenstüchtigkeit erzogen und unterrichtet werden, der dieser Bewegung volle Rechnung trägt. Das macht notwendig, dass bei der Begründung der Schule von pädagogischen Prinzipien ausgegangen wird, die in den Lebensforderungen der Gegenwart wurzeln. Die Kinder sollen zu Menschen erzogen und für ein Leben unterrichtet werden, die den Anforderungen entsprechen, für die jeder Mensch, gleichgültig aus welcher der herkömmlichen Gesellschaftsklassen er stammt, sich einsetzen kann. Was die Praxis des Gegenwartslebens von dem Menschen verlangt, es muss in den Einrichtungen dieser Schule sich widerspiegeln. Was als beherrschender Geist in diesem Leben wirken soll, es muss durch Erziehung und Unterricht in den Kindern angeregt werden.

Verhängnisvoll müsste es werden, wenn in den pädagogischen Grundanschauungen, auf denen die Waldorfschule aufgebaut werden soll, ein lebensfremder Geist waltete. Ein solcher tritt heute nur allzu leicht dort hervor, wo man ein Gefühl dafür entwickelt, welchen Anteil an der Zerrüttung der Zivilisation das Aufgehen in einer materialistischen Lebenshaltung und Gesinnung während der letzten Jahrzehnte hat. Man möchte, durch dieses Gefühl veranlasst, in die Verwaltung des öffentlichen Lebens eine idealistische Gesinnung hineintragen. Und wer seine Aufmerksamkeit der Entwickelung des Erziehungs- und Unterrichtswesens zuwendet, der wird diese Gesinnung vor allem anderen da verwirklicht sehen. In einer solchen Vorstellungsart gibt sich viel guter Wille Kund. Dass dieser anerkannt werden soll, ist selbstverständlich. Er wird, wenn er sich in der rechten Art betätigt, wertvolle Dienste leisten können, wenn es sich darum handelt, menschliche Kräfte für ein soziales Unternehmen zu sammeln, für das neue Voraussetzungen geschaffen werden müssen. – Dennoch ist gerade in einem solchen Falle nötig, darauf hinzuweisen, wie der beste Wille versagen muss, wenn er an die Verwirklichung von Absichten geht, ohne die auf Sach-Einsicht begründeten Voraussetzungen in vollem Maße zu berücksichtigen. Damit ist eine der Forderungen gekennzeichnet, die heute bei der

Begründung einer solchen Anstalt in Betracht kommen, wie die Waldorfschule eine sein soll. In ihrem pädagogischen und methodischen Geiste muss Idealismus wirken; aber ein Idealismus, der die Macht hat, in dem aufwachsenden Menschen die Kräfte und Fähigkeiten zu erwecken, die er im weiteren Lebensverlauf braucht, um für die gegenwärtige Menschengemeinschaft Arbeitstüchtigkeit und für sich einen ihn stützenden Lebenshalt zu haben.“

Aus: Rudolf Steiner, „Die pädagogische Grundlage der Waldorfschule“, Aufsatz 1919

Ausgewählt von Roman David-Freihsl

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bIlduNg brauCht: ZeIt

PädagogISChe raNdNotIZ ZuM tag der offeNeN tür aM SaMStag, 19. JäNNer 2019

Waldorfpädagogik möchte Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, zu selbständigen und urteilsfähigen jungen Menschen zu werden; zu Menschen, die in der l age sind, auch über den „eigenen tellerrand“ hinaus zu sehen. Wer eine solche entwicklung fördern möchte, muss sich selbst um eine weite Perspektive bemühen. Waldorfpädagogik versucht daher, SchülerInnen nicht auf in einzelnen unterrichtsfächern erbrachte „leistungen“ zu reduzieren, sondern über fächer und Schuljahre hinweg die persönliche entwicklung der heranwachsenden wahrzunehmen.

Denn Bildung ist immer ein Prozess; ein Prozess, der Zeit braucht – und dessen „Ergebnisse“ daher auch nicht punktuell „überprüfbar“ sind, sondern sich oft

erst viel später in Haltungen oder Handlungen zeigen. Waldorfschulen sind auch deswegen als (in der Regel 12-jährige) Gesamtschulen angelegt, weil sie Heranwachsenden diese Zeit für ihre Entwicklung geben wollen und weil dafür manchmal auch gewisse „Wieder-Holungen“ nötig sind. So erscheinen Themen und Motive im Laufe der Jahre in verschiedenen Fächern und Klassenstufen immer wieder, doch in bewusst veränderter methodischer Form und inhaltlicher Gewichtung. Wenn etwa in der 2. Klasse über das Leben des Heiligen Franziskus und sein Verhältnis zu den Tieren erzählt wird und in der 4. Klasse in der ersten Tierkunde-Epoche versucht wird, ein sinnreiches Bild des Tintenfisches in seinem Lebensraum zu zeichnen – geht es dabei nicht auch um Fragen

nach dem Wesen des Menschen und seines Verhältnisses zur Natur, genauso wie, in veränderter Form, im Biologieunterricht der Oberstufe? Und wenn in einer 12. Klasse im Philosophieunterricht über „gut“ und „böse“ diskutiert wird, tauchen dann nicht Fragen wieder auf, die den SchülerInnen bereits in den in der 1. Klasse erzählten Märchen als Bilder implizit begegnet sind?

In diesem Sinn kann wohl so manches, was am 19. Jänner durch die geöffnete Tür einer Oberstufenklasse zu beobachten ist, auch eine „Fortsetzung“, eine „Weiterentwicklung“ eines Unterrichts der Unterstufe darstellen, und manches, was in einer der unteren Schulstufen zu erleben ist, die Grundlage für Späteres sein. BesucherInnen dieses „Tages der offenen Tür“ ist da-

her zu empfehlen, sich Zeit zu nehmen und möglichst viele unterschiedliche Klassen zu besuchen. Vielleicht kann so die eine oder andere „Querverbindung“ zwischen Fächern und Schulstufen erlebt werden. Raum und Zeit zu geben für solche Verbindungen und Bezüge, darum bemüht sich Waldorfpädagogik –  und das seit 100 Jahren.

Eine Randnotiz von Leonhard Weiss, Schülervater und Lehrer an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer sowie Juniorprofessor für Bildungsphilosophie und Pädagogische Anthropologie am Zentrum für Kultur und Pädagogik. An-Institut der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Tilgnerstr. 3, 1040 Wien

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die 10. klasse: Wir sind… Waldorf, aber nicht nur auf der bühne, nicht nur an zwei abenden!

Erzählen, Dichten, Darstellen: Das sind die literarischen Genres Epik, Lyrik und Dramatik, die wir zum hundertjährigen Jubiläum auf die Bretterbühne bringen. Neuerlich haben wir dem Keller(theater) abgeschworen, dessen Bestand nicht zuletzt in Erwartung von Bau und Baggern fraglich schien. Mit einem maßgeschneiderten Konzept für die 10. Klasse und mit Fokus auf den horizontalen, alle Unterrichtsgegenstände umfassenden Lehrplan starteten wir in den Schaffensprozess, der vor allem den Formaspekt, aber auch Gestaltungskraft und Sprachregister auslotet. So ste-

hen die Aufführungen am 22. und am 23. Januar 2019 am Ende eines kompakten kreativen Prozesses. Mögen die Theaterabende wohl anregen und unterhalten, so steht dennoch die Entwicklung, nicht das Ergebnis allein im Vordergrund. Theaterpädagogik vermag so vieles, das weit über den flüchtigen Moment der Vorstellung hinausgeht. Wir casten keine Schauspieler und Schauspielerinnen, wenn auch schon bekannte Größen aus der Schule im Maurer Schlössl hervorgegangen sein mögen: Jeder und jede soll die eigenen Fähigkeiten auf der Indoor-Pawlatschenbühne erproben können und sich selbst dabei ein wenig tiefer entdecken, den seelischen Innenraum entfalten.

bIlduNg brauCht: ProbeN

PädagogISChe raNdNotIZ Zu deN

theaterabeNdeN der 10. klaSSe aM

dIeNStag, 22. uNd MIttWoCh, 23. JäNNer 2019

Die Schülerinnen und Schüler entschieden sich, nachdem sie im Brainstorming viele Aspekte eingebracht hatten, in einem Auswahlverfahren für die Themen „Digitale Überwachung“, „Vorurteile und Rassismus“ sowie „Drogen und Süchte.“ Sehr viele schöne und gelungene Texte wurden von den Jugendlichen in kürzester Zeit selbst verfasst; ergänzt wurde das Programm mit ausgewählten Gedichten und Sketches sowie Songs, die ihre Wahrnehmung der Welt wiedergeben. Eine gewisse Schwere und der – im Sinne Peter Pans nur notdürftig angenähte – Schatten sind in diesem Kontext Chiffren für den Gefühlhaushalt der Heranwachsenden...

In der kurzen Probenzeit von einer Woche entstand eine dichte und produktive Atmosphäre, in der wir uns auch ein schlüssiges Raumkonzept erarbeiteten. Es wurde geprobt, gefilmt, geschrieben, kaum gestritten, gestaltet, gedichtet und gelacht.

Auf dass die Metrik- und Poetikepoche kein Schattendasein mehr fristen möge; mit seinen Lyrics reüssierte schließlich auch Bob Dylan, und Poetry Slam ist in aller Munde: Auf die Bühne bringen wir unsere Kunst allemal! Es gibt noch viel zu sagen.

Eine Randnotiz von Mag.a Micha Schuster-Szabo, Lehrerin an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

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bIlduNg brauCht: feSte

PädagogISChe raNdNotIZ ZuM

SChulball der 12. klaSSe

aM SaMStag, 26. JäNNer 2019

„eine Schule soll in erster linie ein or t des lernens sein.“ kaum jemand wird dieser behauptung wohl widersprechen. doch (Waldorf)Schulen wollen noch mehr sein. Nicht nur „or te des lernens“, sondern auch „or te der bildung“. und bildung ist immer mehr als lernen.

Wir lernen, wenn wir neue Erfahrungen machen, neue Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, uns neues Wissen aneignen. Doch nur dort, wo Menschen ihr Selbst- und Weltverständnis verändern, wo sie ihre Persönlichkeit entwickeln, ihre eigenen

Potentiale entfalten, können wir tatsächlich von Bildung sprechen. Daher erfordern Bildungsprozesse viel mehr als nur eine gute „Lernumgebung“: vielfältige praktische Erfahrungen, soziale Umgangsformen, gemeinsame Arbeit, geteilte künstlerische und kulturelle Erlebnisse – also auch gemeinsam gefeierte Feste. Denn hier überall kommt es zu Begegnungen zwischen Menschen, und diese sind das eigentliche Fundament jeder Bildung. Bildung braucht auch Feste, ebenso, wie ja auch Feste Bildung brauchen, damit sie tatsächlich Zeiten ge-

meinsam geteilter Freude sein können. Waldorfschulen versuchen daher, der Gestaltung von Festen und Feiern besondere Bedeutung zu geben. Sei es eine klassenübergreifende Michaelifeier, ein Fest zum Abschluss eines „Bauprojektes“ in der 3. Klasse, der Abschluss eines Tanzkurses in der 8. Klasse oder der von SchülerInnen der 12. Klasse organisierte Schulball. Jede einzelne Waldorfschule hat so im Laufe der Jahre ihre eigenen Traditionen entwickelt und diese immer wieder auch verändert.

Gemeinsam ist allen Waldorfschulen, dass sie sich

um die Pflege einer „Festeskultur“ bemühen –  und das seit 100 Jahren.

Eine Randnotiz von Leonhard Weiss, Schülervater und Lehrer an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer sowie Juniorprofessor für Bildungsphilosophie und Pädagogische Anthropologie am Zentrum für Kultur und Pädagogik. An-Institut der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Tilgnerstr. 3, 1040 Wien

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als die Waldorfschule 1919 in Stuttgart gegründet wurde, war in b aden-Württemberg jeweils der erste Montag im Monat schulfrei. Steiner machte aus dem freien tag, den er später auf den donnerstag als den geeigneteren Wochentag legte („Montag ist ein Philistertag“…), ein Schulfest – eben eine Monatsfeier.

Am 3. November vor 100 Jahren fand die erste Monatsfeier statt. Der Inhalt dieses Festes sollte einerseits ganz aus dem pädagogischen Leben der Schule herauswachsen, indem die Kinder zeigten, was sie im Unterricht gearbeitet hatten und andererseits die Möglichkeit bieten, Gedanken zu sammeln über das

Besondere des jeweiligen Monats, den Monatsinhalt. Schulgesetze ändern sich – das Anliegen, sich gegenseitig wahrzunehmen und Gelerntes lebendig vorzutragen, ist das gleiche geblieben. Es gibt keine verordneten schulfreien Montage mehr – stattdessen meist schulfreie Samstage. An solchen, doch nicht monatlich, sondern deutlich seltener, finden öffentliche Monatsfeiern, die ehrlichkeitshalber inzwischen Schulfeiern heißen, statt. Geblieben ist aber der Donnerstag als Tag der internen Schulfeiern, die jeweils den öffentlichen vorangehen.

Und dort kann man erleben, was diese Feste für die

bIlduNg brauCht: aNteIl-

NahMe uNd WertSChätZuNg

PädagogISChe raNdNotIZ Zur öffeNtlICheN

SChulfeIer aM SaMStag, 23. februar 2019

„Schulfamilie“ bedeuten. Staunend werden die „Großen“ als Vorbilder von den jüngeren SchülerInnen wahrgenommen (vor allem, wenn es sich um die Patenklassen handelt): „Machen wir das auch?“ Und umgekehrt: Verwunderung bei den „Großen“ über das, was die „Kleinen“ können.

Natürlich werden auch die Lehrerinnen und Lehrer wahrgenommen, und es wird wertgeschätzt, was sie mit einer Klasse erarbeitet haben, neu und einzigartig. Und wie erstaunlich, wenn sogar Altbekanntes allein dadurch, dass es von einer anderen Klasse auf die Bühne gebracht wird, völlig anders und überra-

schend neu erscheint.

Keine Leistungsschau, sondern eine besondere Gelegenheit, bei der das Lernen, das Arbeiten und Können gefeiert werden – und das seit 100 Jahren.

Eine Randnotiz von Tobias Richter, 1972 - 1991 Klassenlehrer, Fachlehrer (Musik und Puppenspiel) und Oberstufenlehrer an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer. Seit 1980 tätig in der Waldorflehrerausbildung in Österreich (Zentrum für Kultur und Pädagogik. An-Institut der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft), Deutschland und Kroatien.

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bIlduNg brauCht: über SICh hINauSWaChSeN

PädagogISChe raNdNotIZ ZuM SPIel der 8. klaSSe

„eleNd uNd revolutIoN“ NaCh vICtor hugo

aM SaMStag, 6. uNd SoNNtag, 7. aPrIl 2019

„elend und revolution“ – nach dem roman „die elenden“ von victor hugo – wird dieses Jahr als Spiel meiner 8. klasse dargeboten.

Warum dieses Stück? Warum dieser Stoff? drei Motive lagen mir für meine klasse besonders am herzen:

1. es ist nie zu spät, sich selbst und Zustände zu ändern, denn es gibt immer hoffnung.

2. das vorbild eines Menschen, der immer auf dem Weg des gu ten bleibt, egal wie schwer das für ihn ist

3. alles kann verziehen werden.

Darüber hinaus beinhaltet die Geschichte jede Menge großer Gefühle, Liebe, Begeisterung wie auch Verzweiflung. Genau das Richtige für Jugendliche dieses Alters, die von ihren Gefühlen hin- und hergerissen sind. Auch ergibt sich aus der Erarbeitung des Stückes viel Gesprächsstoff und Bedarf an praktischem Zupacken und Tun für alle Beteiligten. Theaterspielen fördert den Teamgeist und stärkt das soziale Gefüge. Einmal jemand ganz anderer sein! Sich darin auszuprobieren, zu erproben und dadurch das innere Erleben erweitern sowie neue Erfahrungen sammeln. Verborgene Talente werden an sich selbst und an anderen entdeckt. Die Herausforderung wird gemeinsam gemeistert. Jede/r gibt einen Beitrag nach eigenen Fähigkeiten, eingebettet in das große Ganze. Liberté, Egalité, Fraternité – der Geschichtestoff der 8. Klasse als Unterricht der anderen Art. Maßgeschneidert für meine Klasse, erfuhr das Stück noch eine Steigerung in Form ganz persönlicher Anpassungen der Texte für einzelne SchülerInnen durch Maria Leutzendorff und Elmar Dick, die auch die Regie übernahmen. Dafür ein riesen Dankeschön!

„vorhang auf“ für meine 8. klasse!

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Eine Randnotiz von Barbara Pázmandy, Klassenlehrerin an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

Seit vielen Jahren können wir die Schülerinnen und Schüler der 6. klasse in verschiedenen Singspielen auf der bühne erleben.

doch warum ein Singspiel in der 6. klasse?  die Stimme ist das Instrument, das uns seit unserer geburt begleitet. Sie entwickelt sich, von der kinderstimme bis zum Stimmbruch, und sie verändert sich weiter, ein leben lang. Im Alter unserer SechstklässlerInnen hat die Kinderstimme ihre höchste Blüte erreicht, bevor sich dann der Stimmbruch allmählich einschleicht. Das gilt für die Mädchenstimmen genau so wie für die Knabenstimmen.

PädagogISChe raNdNotIZ ZuM

SINgSPIel „PeroNNIk“ der 6. klaSSe voN

dIeNStag, 9. bIS doNNerStag, 11. aPrIl 2019

Da zu dieser Zeit im Lehrplan des Musikunterrichtes auch so besondere Werke wie Mozarts Zauberflöte auftauchen, bietet es sich an, dieses oder auch andere Singspiele mit den SchülerInnen zu erarbeiten und auf die Bühne zu bringen. Dabei geht es nicht um solistischen Gesang, sondern um das Erleben dieser Werke im gemeinschaftlichen Singen.

Die Suche nach anderen musikalisch anspruchsvollen und altersgerechten Werken ist nicht einfach. In diesem Jahr fiel die Wahl auf „Peronnik“. Der Schweizer Komponist Heinz Bähler (geb. 1954) hat das bretonische Märchen als Grundlage für sein „Singspiel

für Kinder“ genommen.

Im April konnten wir nun wunderschöne Aufführungen sehen und hören. Mit Marion Gianellos (Klassenlehrerin und Regisseurin) und Vivian Stürzenhofecker (Musiklehrerin) haben die Kinder der 6. Klasse ein berührendes und musikalisch höchst gelungenes Singspiel auf die Bühne des kleinen Festsaals gebracht. Herzliche Gratulation!

Eine Randnotiz von Angelika Schindler, bis 2018 Musiklehrerin an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

bIlduNg brauCht:
klaNg
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brauCht: reIfe

PädagogISChe raNdNotIZ

Zur referatSWoChe der 12. klaSSe

voN MoNtag, 6. bIS freItag, 10. MaI 2019

dezentrale reifeprüfung. der Mount kailash in tibet gilt sowohl für hindus als auch für buddhisten und die bön-religion als heiliger berg und wird von ihnen als Zentrum der Welt angesehen. als Werner her zog für seine dokumentation „rad der Zeit“ über die buddhistische kalachakra-Initiation den dalai l ama interviewte, fragte er ihn, ob er den kailash auch für das Zentrum der Welt halte. Nach kurzem Nachdenken antwortete dieser: “ the center of the world is, where you are and where I am.” Damit bewies der Dalai Lama ein hohes Maß an Zeitgenossenschaft. Denn heute, in einer Zeit hoch entwickelter Individualität ist das Zentrum in jeder und

jedem einzelnen von uns. Nicht eine übergeordnete Autorität entscheidet über Gut und Böse, über den Wert unserer Gedanken und Handlungen – es ist vielmehr unsere moralische Intuition, unser ethischer Individualismus gefordert.

Die Intention einer Erziehung zur Freiheit ist es, Menschen bei der Entwicklung einer Individualität zu fördern, die in der Lage ist, sich gestaltend in die Welt zu stellen. Nicht die angepasste Person, die unhinterfragt gesellschaftliche Bedingungen hinnimmt, ist das Ziel, sondern Menschen, die in der Lage sind, ihre starke Individualität aus eben diesem ethischen Individualismus heraus zum Wohle des Gan-

bIlduNg

zen einzubringen.

In diesem Sinne ist der Abschluss einer zwölfjährigen Waldorflaufbahn als individuelle, dezentrale Reifeprüfung zu sehen.

Daneben steht das, wohin sich die allgemeine, gesellschaftlich und staatlich anerkannte Bildungspraxis immer deutlicher bewegt: eine überprüfbare, vergleichbare Allgemeinbildung, die zwangsläufig zu standardisierten Fragestellungen, zu einer Zentralmatura führen muss.

Unsere WaldorfschülerInnen, die sich zum Großteil auch dieser Überprüfung stellen und die Matura machen werden, sind – wie die Erfahrung zeigt – auch

in der Lage, diese Ansprüche zu erfüllen – darüber hinaus haben sie aber auch eine Erziehung genossen, die sie im besten Fall in ihren ganz individuellen Fähigkeiten gefördert hat und damit zu aktiv Gestaltenden macht.

In dieser Woche wird die 12. Klasse die Ergebnisse ihrer Jahresarbeiten präsentieren – ein Fest der Individualität, und das seit fast 100 Jahren!

Eine Randnotiz von Alfred Kohlhofer, Kunstlehrer und Tutor der 12. Klasse an der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer

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bIlduNg brauCht: SeeleNfarbeN

PädagogISChe raNdNotIZ

ZuM SINgabeNd der 11. klaSSe

aM freItag, 17. uNd SaMStag, 18. MaI 2019

die 11. klasse singt – und das nicht, wie gewohnt, als gesamtheit, in einem Chor, sondern jede Schülerin und jeder Schüler einzeln ein selbst gewähltes lied. es gilt, solistisch die eigene Stimme zu finden. das erfasst den gesamten Menschen – das Zusammenspiel von körperspannung, atem, Stimme und seelischem ausdruck. das erfordert Mut, überwindung, Selbstreflexion, elastizität und nicht zuletzt übung. In der 10. Klasse bereitet die Auseinandersetzung mit den Gesetzmäßigkeiten, dem „Skelett“ der Dinge und Phänomene, das diese hält und ihnen Struktur gibt, den Boden für die bewusste Entfaltung der eige-

nen Persönlichkeit, die in der 11. Klasse einsetzt – es leuchtet das als Stern auf, was jede/r Einzelne als individuelle Färbung in diese Welt bringen möchte. Zwischen dem Apollinischen, der formgebenden Ästhetik, und dem Dionysischen, der schöpferischen Leidenschaftlichkeit, wollen der eigene Standpunkt und Weg gefunden werden, im allgemeinen Rauschen aller Stimmen die eigene – nicht nur im Gesang, sondern in allen Lebensbereichen. In der Gemeinschaft, im Zusammenspiel die Strahlkraft des Individuums leuchten lassen – das lässt sich an diesen Abenden erleben.

Daher ist die Pflege des Sologesangs, wie ihn auch Rudolf Steiner gerade für dieses Alter angeregt hat, so enorm wichtig. Jetzt sind die Jugendlichen das erste Mal reif dafür, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Der 11.-Klass-Singabend zählt wohl zu den absoluten Höhepunkten des Schuljahres, ist an unserer Schule ein Spezifikum, das hoch geschätzt wird und auf das Schülerinnen und Schüler schon lange, bevor sie selber auf der Bühne ihre Stimme zum Klingen bringen, hinschauen. Und mit ihnen die gesamte Schulgemeinschaft.

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CIrCuS dIvertISSIMo

aM 23. uNd 24. MaI IM groSSeN feStSaal der SteINerSChule

voN aNdrea haeNSel (lehrerIN für bIologIe uNd SPort)

Geboren wurde die Idee eines inklusiven Zirkusprojektes im März dieses Jahres an der Karl-Schubert-Schule im Rahmen der Aktivitäten zu Waldorf 100. Aus den ersten vagen Ideen wurde bald eine lebendige und freundliche Zusammenarbeit der Koordinatoren beider Schulen.

Im Hintergrund liefen die Proben jeweils an den verschiedenen Schulen: Kinder der Karl-Schubert-Schule sowie die Karl-Schubert-Bande, Kinder der 3. Klasse aus der Waldorfschule Pötzleinsdorf, zahlreiche Kinder der Waldschule aus dem 13. Bezirk sowie fünf Jugendliche der Rudolf SteinerSchule Wien-Mauer. Daniel Torron Mack als erfahrener

Zirkuspädagoge war an der Waldschule, der Karl-SchubertSchule sowie auch in Pötzleinsdorf im Einsatz.

Die Arbeit, das intensive Training und das koordinierte Einstudieren der Choreographien und Nummern der einzelnen

Schulen mündeten in einem ersten Zusammentreffen der über 70 AkteurInnen an einem Dienstagvormittag zu einer Durchlaufprobe. Es entstand durch den gemeinsamen Auftakt aller Kinder und Jugendlichen ein zarter Beginn des Wahrnehmens, des Achtens und auch gemeinsamen Handelns und voneinander Lernens. Die Vielfalt der Darbietungen war bemerkenswert; die Kinder und Jugendlichen achteten sich untereinander und staunten über die Vielfalt. Es entwickelte sich aus den Einzeldarbietungen der Kinder und Jugendlichen aus den Bereichen Jonglage und Flowersticks, Clownerie, Zauberei, Boden- und Luftakrobatik, Seiltanz und Stelzenlauf unter der Regie von Kirsten Wiebers allmählich eine kleine Geschichte. Diese konnten alle bei einem zweiten langen Probenvormittag mit der Musik der Karl-Schubert-Bande am Mittwoch verfolgen. In konzentrierter und aufmerksamer Weise folgte ein Auftritt reibungslos gereiht dem nächsten. Respektvoll war der Umgang der Kinder von der ersten bis zur letzten Minute.

Am Donnerstagmorgen dann war es so weit. Beim ersten Aufführungstermin nahm jeweils eine Klasse der beteiligten Schulen an der Aufführung unter dem Motto „Gemeinsam Träume wahr machen“ teil.

Am Freitag um 16 Uhr folgte der große Moment. Eltern und Geschwister waren geladen, um sich von den Talenten, den Fähigkeiten, der Vielfalt und den künstlerischen Darbietungen der Kinder und Jugendlichen verzaubern zu lassen.

Kurzweilig, frisch und fesselnd waren die Auftritte. Das Publikum bejubelte ein fantasievoll gestaltetes und berührendes Programm. Strahlende und stolze Kinder verneigten sich zum tosenden Applaus des Publikums und verließen gereiht als gleichwertige ArtistInnen, Clowns, AkrobatInnen, Jongleure und DarstellerInnen die „Manege“.

traININg für daS ZIrkuSProJekt

voN MurIel Wetter (SChülerIN der 12. klaSSe)

Bei diesem Projekt waren wir zu viert: Matilda aus der Achten, Estrella und Muriel (ich) aus der Zwölften und Andrea aus der Fraktion der LehrerInnen. Matilda und ich waren, soweit ich weiß, sofort von der Idee begeistert, bei dem Zirkusprojekt eine Vertikaltuchnummer aufzuführen, als uns Andrea davon erzählte. Estrella haben wir auch irgendwie mit ins Boot geholt. In der Schule hatten wir schon länger einen Vertikaltuchkurs veranstaltet, der aber in diesem Jahr aufgrund des Platzmangels in der Schule ausgesetzt werden musste. Genau wegen dieses Platzmangels fingen wir auch in der wirklich niedrigen Halle der Karl-Schubert-Schule an zu trainieren. Ab Ostern konnten wir dann in den großen Festsaal zurückkehren.

Dann kamen die Proben mit allen anderen, die an diesem Zirkusprojekt teilnahmen. Die erste Probe war für mich wirklich anstrengend. Alle waren dort, alle saßen im großen Festsaal und niemand wusste genau, wann und wie sie/er auftreten sollte und was zu tun sei. Nach dieser Probe war ich wirklich müde. Die zweite Probe war schon sehr viel geordneter; alle wussten schon, wann sie wo zu sein hatten (ich bin wirklich dankbar für diese großartige Organisation).

Ob die Aufführungen noch besser waren, kann ich nicht sagen. Wir als die „Großen“ waren etwas distanziert, denn wir wussten immer genau, wann wir wo sein sollten und kamen deshalb mit den Leuten nicht so viel in Berührung. Wir kamen pünktlich zu unserem Auftritt und gingen wieder ab, wofür uns Simone, die alle zu ihren jeweiligen Auftritten geholt hatte, sehr dankbar war.

Es hat mir wirklich Spaß gemacht, für das Zirkusprojekt zu trainieren. Die Aufführungen waren auch schön. Man hat zwar nicht so viel Gelegenheit, wirklich etwas zu erüben, was der eigentliche Spaß daran wäre, aber man hat den Applaus, der einen anspornt.

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gedaNkeN auS deM reISekoffer

“The ones that are crazy enough to think they can change the world are the ones that do.“

„diejenigen, die verrückt genug sind zu denken, dass sie die Welt verändern können, sind diejenigen, die es tun.“

Nicht wahr? Es ist ja schon schwierig genug, sich selbst zu ändern –da muss man schon verrückt sein, um sich anzumaßen, eine Wirkung auf die Welt ausüben zu können. Solche Ver-rückte, die angesichts von Herausforderungen oder Bedrohungen, die sie im Kleinen wie im Großen erleben und erkennen, aktiv handeln und eine Veränderung in Gang setzen, sehen wir jedoch – und zum Glück – immer wieder, momentan etwa in der Fridays For Future-Bewegung von Jugendlichen, die ein Klima rettendes, globales Handeln fordern.

Wir sehen sie auch in der Waldorf-Bewegung: Waldorf 100 - Learn to change the world. Lernen, um die Welt zu verändern, ist unser Motto, um auf 100 Jahre Waldorfpädagogik zurückzublicken, aber auch, um in die Zukunft zu schauen.

Es war durchaus etwas Verrücktes – im Sinne von Zurecht-Rücken – für die damalige Zeit, als Rudolf Steiner 1919 postulierte, dass die Schule die Aufgabe habe, den schlummernden Impulsen der Kinder zur Entfaltung zu verhelfen und nicht die Aufgabe, die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse zu legitimieren.

Letztes Wochenende habe ich den eingangs zitierten Spruch auf dem Flug nach Edinburgh wieder gefunden. Er findet sich auf der Website von Waldorf 100 unter einigen wirklich originellen und witzigen Werbeideen.

In Edinburgh fand die alljährliche Frühsommerkonferenz des Internationalen Kreises statt. In diesem Kreis, der die Fortsetzung des 1971 gegründeten Haager Kreises bildet, arbeiten die Leiter der Pädagogischen Sektion, Mitarbeitende der Kindergartenvereinigung IASWECE, VertreterInnen der Freunde der Erziehungskunst und über 40 VertreterInnen von Schulen aus über 30 Ländern als Wahrnehmungsorgan und Initiativträger für die Weltschulbewegung. Der Kreis wirkt auch als Verantwortungsträger für die Markenrechte der Waldorfschulen.

Als ich 2015 in den Kreis gebeten wurde, war gerade das Thema „Wie wollen wir auf 100 Jahre Waldorfpädagogik blicken?“ im Gespräch. Feiern wir uns nur selbst, oder sprechen wir in der Gestaltung von Waldorf 100 auch das Herausfordernde, das Zukünftige an, suchen wir Verbindung dazu?

Viel hat sich seither bewegt und entwickelt:

Es wurde intensiv zur inhaltlichen Erarbeitung der Menschenkunde geforscht und publiziert. Die Vorträge des Lehrerkurses liegen nun als Studienmaterial chronologisch vor, die Konferenzen mit den Lehrern der ersten Waldorfschule sind vollständig überarbeitet, und es gibt mehrere wunderbare Publikationen zur Geschichte der Waldorfschulen und ihrer Menschen weltweit. Im Bereich der Ausbildung werden internationale Verbindungen zu gemeinsamen Fortbildungskonferenzen genutzt, zum Beispiel die Oberstufentagung in Buenos Aires in Zusammenarbeit mit dem Oberstufenseminar Kassel oder eine Mittelstufentagung in Bangkok mit Hilfe der Freunde der Erziehungskunst.

22 MoMent Sommer 2019

Zu Waldorf 100

Es wird in vielen Kollegien die innere Wesensbegegnung mit den SchülerInnen in den sogenannten Kinderbesprechungen oder Entwicklungsdialogen geübt und gepflegt, und die Zusammenarbeit mit den Eltern gewinnt – jedenfalls für mein Empfinden – eine tiefere Dimension, zusätzlich zum Brötchenbacken und vielen anderen so wichtigen Dingen, die sie für die Schule tun. Es sind zwei Kurzfilme zum Thema “Learn to change the world“ entstanden, die zeigen, wie Menschen weltweit waldorfpädagogisch arbeiten und mit Herausforderungen unserer Zeit umgehen. Der dritte Film – “Becoming“ – legt den Fokus auf die ersten Jahre der Kindheit und die Bedeutung von Sinneserfahrungen und Beziehungen zu Menschen für die weitere Entwicklung.

Es gibt viele Projekte, die im praktischen Handeln die Möglichkeit zur Veränderung ansprechen:

Waldorfintern wurde letztes Jahr eine weltweite Postkartenaktion gestartet, durch welche einander die WaldorfschülerInnen gegenseitig über einen Kartengruß wahrnehmen können. Die erhaltenen Postkarten werden in den Schulen auf einer Weltkarte sichtbar gemacht.

Das Projekt “Bees and Trees“ zielt ganz direkt auf einen Beitrag zur Heilung der Erde, indem Bäume und Wildblumen gepflanzt oder/und Bienenvölker auf dem Schulgelände angesiedelt werden und die Bienenhaltung Teil des Lehrplanes wird.

Im künstlerischen Bereich gab es eine Ausschreibung für ein Theaterprojekt zum Thema „Wo ist der Mensch“. Die drei von

einer namhaften Jury ausgezeichneten Stücke sind:

• Projekt Arche Noah

• Ohne uns könnten wir auch wegbleiben

• Deine blauen Augen (übrigens ein österreichisches Theaterstück)

Die Stücke werden für Schulen allgemein verfügbar gemacht (und übersetzt werden).

Es gab auch eine Ausschreibung für ein Orchesterstück:

Metamorphosen

Zwei chinesische Stücke wurden prämiert und werden auch aufgeführt werden.

Als Kulmination wird am 19. September 2019 im Berliner Tempodrom ein Fest stattfinden, das – digital vernetzt – alle Länder simultan erreichen und damit verbinden wird.

Das Programm ist auf der Website von Waldorf 100 ersichtlich. Die genannten Projekte entstammen alle aus dem eigens dafür geschaffenen Verein Waldorf.100, dem sich viele Landesvereinigungen – auch Österreich – angeschlossen haben. Den Großteil der Kosten trägt dabei der deutsche Bund und damit die deutschen Waldorfschulen. Ohne sie könnten wir Waldorf 100 nicht so gestalten, wie wir es tun. Danke!

Daneben gibt es natürlich viele andere landesspezifische Projekte, wie zum Beispiel:

• Ein Staffellauf als Lauf um die Welt, gestartet in Deutschland, von Schule zu Schule, von dem fast jeden Tag irgendwo in den Lokalberichten in Zeitung und Fernsehen ganz positiv berichtet wird. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg würdigt die Waldorfbewegung, besucht die Hochschule in Stuttgart und fragt sie nach ihren Zukunftsvisionen.

• Die Schweiz veranstaltete anlässlich Waldorf 100 Olympische Spiele für alle 5. Klassen in der Schweiz.

• In Finnland gibt es ein großes Sibelius-Projekt, wo Musik, Theater und Malerei zusammenklingen werden.

Bei einem Treffen des Internationalen Kreises mit dem European Council wurden alle Mitglieder um einen kurzen Beitrag in einem Satz gebeten: Was ist Waldorf 100 für dich? Ich erinnere mich wieder an meine Antwort: „Ein Beitrag zur globalen Erwärmung der Herzen für die Idee der Waldorfpädagogik.“

Fotos: www.waldorf-100.org

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voN rIta Welte

Staffel-lauf ZuM JubIläuM Waldorf 100

Staffel-Start und -Ziel in klagenfurt

Weltweit feiern wir dieses Jahr 100 Jahre Waldorfpädagogik. Aus Anlass des Jubiläums wurde vom Waldorfbund Österreich ein landesweiter Staffellauf initiiert, der am 8. April um 8.45 Uhr in der Waldorfschule in Klagenfurt startete. Der Staffellauf zieht sich wie ein roter Faden durch ganz Österreich. Beginnend in Klagenfurt, verbindet er eine Waldorfschule nach der anderen, bis nach Neusiedl oder Götzis. Das Ziel des Laufes ist, das Staffelholz möglichst kreativ von Schule zu Schule zu transportieren und die Übergabe einfallsreich in Szene zu setzen.

„Müssen wir laufen?“ – Das ist die am häufigsten gestellte Frage, und wir können sie ganz klar beantworten mit: „Wenn ihr möchtet.“ Beim Staffellauf geht es um ein sportliches und verbindendes Erlebnis für alle Waldorfenthusiasten in Österreich. Wie das Staffelholz transportiert wird, ist ganz egal. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, dies zu tun. Abhängig von der Entfernung zur

Waldorf 100 Österreich Staffellauf zum Jubiläum 19.09.2019

Stand: 11. Juni 2019

Weitere Information: www.waldorf.at/waldorf100

Kufstein

Ankunft (07.06.19)

Freie Waldorfschule Kufstein

Innsbruck

Ankunft ( )

Freie Waldorfschule Innsbruck

Götzis

Ankunft ( ) Familienschule Rheintal

nächsten Schule und den regionalen Gegebenheiten gibt es Spielraum für die Gestaltung, denn es geht vor allem darum, dabei zu sein. Auf welchem Weg das Staffelholz von einer Schule zur anderen transportiert wird und welche grandiosen Ideen dabei mit einfließen, hätten wir uns im Vorfeld kaum träumen lassen. Auf unserer WaldorfbundWebseite ist alles nachzulesen, nachzusehen und nachzuerleben: http:// www.waldorf.at/waldorf100/zeitplan-und-eindruecke-vom-staffellauf Am 19.9.2019 kommt das Staffelholz wieder zurück in die Waldorfschule Klagenfurt – zum Ausgangspunkt des Staffellaufes. Dieses Holz, das von einem Schüler der Klagenfurter Schule geschnitzt wurde, ist dann hoffentlich mit vielen schönen Inschriften versehen.

Gemeinsam werden wir am 19.9.2019 um 15 Uhr das Jubiläum begehen. Wir feiern 100 Jahre Waldorfpädagogik mit der Ankunft der Staffel, aber auch das 40-jährige Bestehen der Waldorfschule Klagenfurt. Ein abwechslungsreiches und interessantes Geburtstagsfest erwartet uns.

5. Ankunft 15.05.19

Rudolf Steiner Schule Wien-Mauer

4. Ankunft 15.05.19 Karl Schubert Schule Wien

3. Ankunft 15.05.19

Rudolf Steiner Schule Pötzleinsdorf

2. Ankunft 14.05.19 Waldorf Campus Wien

1. Ankunft 11.05.2019

Freie Waldorfschule Wien West

3. Ankunft 30.05.19

Rudolf Steiner Schule Salzburg

2. Ankunft 28.05.19 Waldorfschule Tiere hautnah

Wien

1. Ankunft 24.05.19

Paracelsus Schule Salzburg

Linz Salzburg

Ankunft 18.05.19

Freie Waldorfschule Linz

Neusiedl

Ankunft 09.05.2019 Waldorfschule Panonia

Schönau

Ankunft 10.05.2019

Landschule Schönau

Eisenstadt

Ankunft 07.05.2019

Sonnenlandschule

Graz

1. Ankunft 09.04.2019

Freie Waldorfschule Graz

Villach

Ankunft ( ) Waldorfschule Villach

2. Ankunft 06.05.2019

Waldorfschule Karl Schubert Graz

Klagenfurt

Start 08.04.2019

Freie Waldorfschule Klagenfurt

Ankunft 19.09.2019

Freie Waldorfschule Klagenfurt

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Organisation / Kontakt: Waldorfbund Österreich / Mattias Sereinig +43 660 20 20 20 9

appe Wien-Mauer nach

Unsere Schule erhielt das Staffelholz im Rahmen des Zirkusfestes am 15.5. von der Karl Schubert Schule und überbrachte es am 18.5., pünktlich zur dortigen Schulfeier, der Linzer Schule.

Dank an Klaus Kalauszek, Schülerinnen-Vater, der sich auf die knappe Anfrage hin sofort bereit erklärt hat, diesen Teil der Staffel zu übernehmen, an seinen Begleiter Paul Berke, 9. Klasse, sowie an Mateusz Habdank-Wojewódzki, ebenfalls 9. Klasse, der aus dem bei der Fahrt entstandenen Filmmaterial ein kleines Video geschnitten hat. Bei Redaktionsschluss war die Staffel schon über die drei Salzburger Schulen hinweg, auf dem Weg nach Kufstein!

terMINe uNd INfoS Zur aufführuNg

Am letzten Ferienwochenende treffen wir uns im Großen Festsaal der Schule. Alle mitwirkenden SängerInnen werden da sein und bereits Teile des Orchesters. Ich wünsche mir sehr, dass trotz Ferien möglichst alle SchülerInnen zu den Proben kommen.

30. august von 18:30 bis 21:00 Uhr und am 31. august von 9:30 bis 12:30 Uhr und nach einer Mittagspause von 13:30 bis 16:00 Uhr

In der ersten Schulwoche probe ich dann intensiv mit den SchülerInnen von 2. Sept. bis 6. Sept. täglich von 11:20 bis ca. 13:10 Uhr.

Nun zur au fführungswoche:

Alle folgenden Termine finden im Odeon, Taborstraße 10, 1020 Wien, statt. Mo. 9. September 17:45 bis 21:00 Uhr (Aufstellung, Einsingen, Probe)

di. 10. September 17:45 bis 21:00 Uhr (Einsingen, Hauptprobe)

Mi. 11. September Treffpunkt 17:30 Uhr, öffentliche Generalprobe 18:30 Uhr

do. 12. September Treffpunkt 18:30 Uhr, Aufführung 19:30 Uhr

fr. 13. September Treffpunkt 18:30 Uhr, Aufführung 19:30 Uhr

kartenreservierungen laufen über das Schulbüro. Kartenpreise: öffentl. Generalprobe: Erwachsene: 15 Euro, Schüler/Studenten: 8 Euro, Förderkarte: 50 Euro

Aufführungen: Erwachsene: 25 Euro, Schüler/Studenten: 15 Euro, Förderkarte: 50 Euro

Bitte die Karten spätestens eine halbe Stunde vor Beginn abholen.

voM SPrüChleIN ZuM ZeugNISSPruCh

Schon bevor kinder selbst zu sprechen beginnen, lieben sie rhythmische Sprüche. unsere acht Monate alte enkeltochter strahlt über das ganze gesicht, wenn ein el ternteil mit einem Sprüchlein beginnt. die rhythmik des gesprochenen Wortes lässt sie aufmerksamst lauschen. kinder erkennen bald, wenn ein Spruch wiederholt wird und freuen sich darüber. Wenn sie es dann formulieren können, fordern sie dieselben Sprüche immer wieder ein und begeben sich mit ihrem ganzen körper und ihrer ganzen au fmerksamkeit in den rhythmus. auch im kindergarten werden Sprüche gepflegt. Sie erschaffen innere bilder, die in reigen, bewegungen und Spiele umgesetzt werden. kinder brauchen die Sprüche nicht aktiv zu üben; durch deren Wiederkehr und die kindliche Nachahmung prägen sich diese in ihnen ein. Sprüche sind ein teil des rhythmus, der das kleinkind seinen körper und die bildekräfte entwickeln lässt.

Wenn das kind in die Schule kommt, wird die lehrerin die Pflege der Sprüche weiterführen. Neben dem rein spielerischen element im kindergarten wird nun auch der erwachte Wille mit eingebunden. gu t zu beobachten ist in der ersten klasse dabei die entwicklung des einzelnen kindes, wie es sich in diese rhythmik hineinbegibt (oder sich schwer damit tut), aber auch, wie die klasse beim gemeinsamen Sprechen zu einem ganzen wird.

Während eines ganzen Schuljahres, erstmals in der ersten kl asse, dann jedes Jahr, erlebt der lehrer seine kl asse und die einzelnen k inder. e s entsteht ein b ild in ihm von jedem k ind, von seinen talenten, seinen Schätzen, die es mitgebracht hat, von den Steinen, die dem k ind am Weg liegen, von seinem d enken, fühlen und Wollen und seinem temperament. ausgehend von diesem bild, sucht der lehrer nun einen Spruch für jedes k ind aus und schenkt ihm diesen für das kommende Schuljahr. e s ist sein persönliches ge schenk für dieses individuelle k ind auf dem Weg durch ein neues Schuljahr. Nicht mehr die kl asse wird den Spruch gemeinsam sprechen, sondern jedes k ind seinen eigenen, der es beschreibt und begleitet. d er Spruch hat das b ild des k indes zum Inhalt; er hat aber auch l aute und rhythmen. Jedes dieser elemente hat seine b e deutung und spezifische pädagogische Wirkung.

Im Sommer, während der ferienmonate, sagt das kind den Spruch im beisein seiner el tern und nimmt ihn mit in den Schlaf. die el tern hören ruhig und andächtig zu. Wenn er dem kind zu schwierig ist, können sie (oder die geschwister) ihn mit dem kind sprechen. Wie immer gehen die el tern den Weg gemeinsam mit ihrem kind, bis sie es dann im herzen begleiten, während das kind allein seinen Weg weiter geht. Jede Woche wird das kind im nächsten Schuljahr seinen individuellen Spruch vor der klasse und der lehrerin sprechen. Sie wird dem kind helfen, wenn es die Worte noch nicht findet, wenn es zu leise spricht, die konsonanten oder vokale noch nicht klar artikulieren kann, oder der rhythmus stolpert. Sie arbeitet mit dem kind ein ganzes Jahr an seinem Spruch. alleine vor der klasse zu stehen und seinen Spruch aufzusagen, ist eine große herausforderung für das kleine Menschenwesen. es ist aufgabe der lehrerin, dass das kind trotz unsicherheit und angst den Mut entwickelt, sich mit seinem Spruch zu zeigen. dies geschieht mit leichtigkeit, liebe und auch humor. Natürlich hilft es, dass jedes kind der klasse einmal pro Woche vorne steht. auch lernen die anderen kinder die Sprüche ihrer Mitschüler von Woche zu Woche besser kennen, sprechen sie innerlich schon mit und helfen gerne aus.

Jedes Jahr- vom ende der 1. bis zur 7. klasse- bekommt das kind nun gemeinsam mit seinem Zeugnis einen Spruch, der vom lehrer einfühlsam ausgesucht wurde. die Motive dieser Sprüche sind jeweils den al tersstufen angepasst, manchmal sind es Sprüche oder gedichte, die es schon gibt, manchmal schreibt der lehrer sie selbst. In der Mittelstufe kann es angebracht sein, den Spruch auch einmal ruhen zu lassen, nachdem das kind ihn sich zu eigen gemacht hat.

am Jahresende nimmt der junge Mensch dann nicht nur seinen eigenen Spruch mit, sondern auch alle anderen. So wirken alle Sprüche bei allen kindern mit ihrer kraft zur verwandlung.

Lehrerinnen und Lehrer wurden abwechselnd erwähnt. Immer ist aber auch das andere Geschlecht gemeint (Anmerkung der Autorin).

taguNg:

Seit ihrer Gründung vor 100 Jahren versteht sich die Waldorfpädagogik als „Pädagogik ihrer Zeit“ – als Versuch, auf aktuelle gesellschaftliche Fragen und Herausforderungen pädagogisch zu antworten. Das derzeitige Jubiläumsjahr ist daher auch eine gute Gelegenheit, zu schauen und zu zeigen, wo und wie Waldorfpädagogik sich heute positioniert, welche zentralen pädagogischen Ideen, Ansätze und Erfahrungen sie beitragen kann zu einer humanen Gesellschaft. Im Mittelpunkt der am 17. und 18. Oktober in der Diplomatischen Akademie Wien stattfindenden Tagung „Sinn-Bildung durch Welt-Begegnung“ sollen daher v. a. zwei zentrale gesellschaftliche Herausforderungen und die sich daran anschließenden pädagogischen Fragen stehen:

Wie kann es gelingen, Heranwachsende in einer Zeit zunehmender Virtualisierung und Medialisierung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Technik und mit Natur zu verhelfen, und wie ist auf die zunehmende soziale, kulturelle und religiöse Pluralisierung unserer Gesellschaft pädagogisch zu antworten?

Aus waldorfpädagogischer Perspektive spielen bei beiden Fragen zwischenmenschliche Beziehungen eine entscheidende Rolle. Auch dies soll daher bei der Tagung besprochen werden. Veranstaltet wird das Symposion im Auftrag des Österreichischen Waldorfbundes vom Zentrum für Kultur und Pädagogik in Kooperation mit der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems. Bewusst wurde dabei diese Form einer gemeinsamen Veranstaltung gewählt, um Waldorfpädagogik auch im Rahmen der Tagung ins Gespräch zu bringen mit anderen pädagogischen Konzepten und Ideen.

festvortrag, Podiumsdiskussion, ehemaligen-befragung und viel dialog…

Eröffnet wird die Tagung am Abend des 17. Oktobers mit einem Festvortrag des langjährigen Waldorflehrers und Lehrerbildners Walter Riethmüller sowie einer daran anschließenden Podiumsdiskussion über Herausforderungen einer modernen Pädagogik des 21. Jahrhunderts. Der Vormittag des darauffolgenden Freitags, 18. Oktober, gehört denjenigen, die im Mittelpunkt aller waldorfpädagogischen Überlegungen stehen: den Schülerinnen und Schülern, die im Rahmen von Schulfeiern an mehreren Waldorfschulen im Wiener Raum Waldorfpädagogik erlebbar machen. In der Diplomatischen Akademie geht es dann um

14 Uhr weiter, zunächst mit einer Präsentation der ersten Ergebnisse der derzeit laufenden Waldorf-EhemaligenBefragung. Dirk Randoll und Jürgen Peters von der Alanus Hochschule werden ausführen, wie österreichische WaldorfabsolventInnen auf ihre Schulzeit zurückblicken, was für die Ehemaligen das Prägendste ihrer Schulzeit war, etc. Ein spannender Einblick in die Erfahrungen und Einschätzungen ehemaliger WaldorfschülerInnen erwartet uns. Daran anschließend, wird in Arbeitsgruppen den oben skizzierten aktuellen Themen und Fragen nachgegangen. PädagogInnen und ErziehungswissenschaftlerInnen aus dem Bereich der Waldorfpädagogik, aber auch von anderen Hochschulen und Universitäten, werden dabei in Kurzvorträgen ihre Überlegungen vor- und vor allem zur Diskussion stellen; im Sinne des oben genannten gemeinsamen Gesprächs. Wir freuen uns auf eine spannende und anregende Veranstaltung im Zeichen des Dialogs.

„Sinn-bildung durch Welt-begegnung. Waldorfpädagogik im gespräch“ 17. - 18. ok tober 2019 diplomatische akademie Wien favoritenstraße 15a, 1040 Wien

PS: An der oben erwähnten Ehemaligen-Befragung können alle ehemaligen österreichischen Waldorfschülerinnen und -schüler noch bis zum 30. Juni teilnehmen. Wer das noch nicht getan hat, bekommt über das Schulbüro gerne den Link zur Onlinebefragung zugeschickt…

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„SINN-bIlduNg durCh Welt-begegNuNg. WaldorfPädagogIk IM geSPräCh“
voN leoNhard WeISS

3. Mauer Waldorf lauf (Jubiläumslauf anlässlich 100 Jahre Waldorfschule)

8. SePteMber 2019, 9:00

ein tolles gemeinschaftsprojekt für unsere Schule!!!

Unser Waldorflauf geht nunmehr in die dritte Runde und ist heuer gleichzeitig ein Jubiläumslauf anlässlich 100 Jahre Waldorfschule. ein guter grund zum feiern und Mitmachen!

Was als Konzept zweier sehr motivierter Organisatoren, großen Dank an dieser Stelle an Holger und Momo Kossdorff, startete, sollte im heurigen Herbst wirklich zu einem Gemeinschaftsprojekt unserer Schulgemeinschaft werden.

dazu gibt es ab heuer ein neues konzept: die Waldorflauf-Patenschaft

Was ist die Waldorflauf-Patenschaft?

Waldorflauf-Paten sind Lehrer und Lehrerinnen oder Eltern, die sich bereit erklärt haben, bei der Organisation des Laufes aktiv mitzuarbeiten. Sie sind das Bindeglied zwischen den Organisatoren einerseits und den Lehrern, Lehrerinnen und Eltern andererseits. Die Waldorflauf-

Paten koordinieren die Aufgaben der jeweiligen Klasse, helfen bei der Suche von Sponsoren und sind generell AnsprechpartnerInnen für Fragen der jeweiligen Klasse. Wichtig ist jedoch auch der Kontakt zu anderen Schulen (insbesondere über die Lehrerschaft) und Vereinen.

ganz wichtig: Sie motivieren freundInnen, el tern und SchülerInnen, am l auf teilzunehmen und verbreiten gute Stimmung für den l auf!!!

So wie es für den Weihnachtsbazar bereits üblich ist, wird es in Zukunft auch für den Waldorflauf mit den Eltern abgestimmte Klassenaufgaben geben, die von Jahr zu Jahr weitergegeben werden. Insbesondere haben wir dabei den aktuellen Arbeitsumfang der Eltern und SchülerInnen berücksichtigt und bereits vorhandene „Expertisen“ einbezogen J (z. B. Lotsen und Buffet).

28 MoMent Sommer 2019

Waldorf Lauf www.mauer-waldorflauf.at

Die Aufteilung der Aufgaben für das Schuljahr 2019/20 sieht vorläufig wie folgt aus:

Klasse Aufgabe

1. Klasse Verpflegungsstation / Motivationsstation 10km Lauf

2. Klasse Buffet

3. Klasse Informieren anderer Schulen

4. Klasse Informieren parkender Autos (Anrainer)

5. Klasse Flyer verteilen bei Veranstaltungen

6. Klasse Müll einsammeln nach dem Lauf

7. Klasse Frühlingsfest/Sommerfest/Weihnachtsbasar und Anmeldung zum Lauf

8. Klasse Frühlingsfest/Sommerfest/Weihnachtsbasar und Anmeldung zum Lauf

9. Klasse Schilder abnehmen

10. Klasse Plakatieren Indoor/Outdoor

11. Klasse Einladen anderer Waldorfschulen

Vielen Dank an die Waldorflauf-Paten, Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen, die diesen Lauf so großartig unterstützen und damit sicherstellen, dass der Mauer Waldorf Lauf über die Schulgrenzen zu einem Fixpunkt wird, was letztlich zum positiven Image unserer Schule und finanziellen Erfolg der Veranstaltung beitragen wird. Sämtliche Einnahmen kommen der Schule zugute, sodass der Lauf (neben dem Weihnachtsbasar) eine wichtige Einnahme für unsere Schule darstellt.

Wir freuen uns daher, Euch alle am 8. September 2019 zu sehen – entweder als LäuferInnen, Walker, Lotsen, beim Auf- und Abbau oder am Buffet. Bitte lasst Euch diese großartige Gelegenheit, unsere Schule in der Öffentlichkeit zu präsentieren, nicht entgehen.

MoMent Sommer 2019 _ 29 Mauer

eIN Neuer Weg ZuM aNfaNg

Zur WelterZIehertaguNg IN dorNaCh

Vom 15. - 19. April 2019 fand in Dornach die Welterziehertagung statt – als erste der großen Waldorf-100-Tagungen, die in Bangkok, Nairobi, Buenos Aires, Stuttgart und Dornach noch folgen werden. Waldorf feiert weltweit – so auch die Kindergärten, die genau genommen die 100-jährige Gründung des ersten Waldorfkindergartens 1926 erst in sieben Jahren zu feiern haben.

400.000 Kinder kommen täglich auf die Welt, wie sie bis jetzt geworden ist, und mit jedem Kind kommt ein Stück reine Zukunft mit. PädagogInnen stehen so vermittelnd im Spannungsfeld von menschheitlich Gewordenem und individuell Zukünftigem. Menschlichkeit, Herzensbildung und ein gewissenhafter Umgang mit den Kindeskräften sollen Kindern helfen, ihre mitgebrachten Impulse sozial kompetent zu verwirklichen. Was brauchen wir, um ihnen hierbei Vorbild zu sein, der Verantwortung gerecht zu werden und Einrichtungen in allen Teilen der Welt führen und verwalten zu können?

Innere freiheit – soziale verantwortung: Wege finden in eine menschliche Zukunft

Das Thema – vorbereitet von der Pädagogischen Sektion am Goetheanum und der IASWECE (International Association for Steiner/Waldorf Early Childhood Education) – hat offenbar weltweit gestellte aktuelle Fragen auf den Punkt gebracht: Die Tagung war bereits Mitte November ausgebucht, und letztendlich kamen 1.100 TeilnehmerInnen aus 59 Ländern, viele hätten noch kommen wollen. Wie geht es heute den vielen Menschen, die in ALLEN Teilen der Welt auf unterschiedlichen Wegen die Menschenkunde Rudolf Steiners aufgegriffen haben und in rund 2.000 Kindergärten darin immer neue Inspiration für die tägliche Erziehungspraxis finden?

Wie arbeiten wir an der Organisation sozialer Zusammenhänge, die nicht auf Hierarchie, sondern auf Motivation des Einzelnen und auf gegenseitigem Interesse und Wertschätzung beruht – an einer Organisation, die dem Einzelnen Freiraum für die eigene Entwicklung und die Möglichkeit bietet, mit dem Blick auf das Ganze selbstverantwortlich daran mitzuwirken?

dialogfähigkeit als soziale grundlage

Die in Dialogform gestalteten Vorträge gaben Beispiele des Zusammenwirkens im Sozialen: Jeweils eine Frau und ein Mann – eine Kindergartenpädagogin bzw. eine Ärztin und ein anderer Experte (Lehrer, Sozialwissenschaftler, Therapeut) – bewegten gemeinsam das Thema Beziehung und soziale Kunst rund um die Pädagogik in der frühen Kindheit: Stephanie Allon (Waldorfpädagogin, Israel) und Claus-Peter Röh (Pädagogische Sektion), Clara Aerts (IASWECE) und Christof Wiechert (Internationale Konferenz), Gerald Häfner (Sozialwissenschaftliche Sektion) und Sabine Häfner (Waldorfpädagogin), Silvia Jensen (IASWECE, Brasilien) und Florian Oswald (Pädagogische Sektion), Lakshmi Prasanna (Anthroposophische Ärztin, Indien) und Michael Kokinos (Physiotherapeut, Australien). Sie alle kamen in ihren Aussagen zu einer Reihe von Schwerpunkten. Im Folgenden sei dazu ein Überblick gegeben: Jeder Mensch ist auf Beziehungen angewiesen, und wo Menschen zusammenkommen, muss im Kreis gedacht werden. Jede Erneuerung führt auch wieder an den Anfang zurück (Stephanie Allon) Wir erkennen das Gefühl des anderen Menschen, wenn wir in unserer Haltung musikalisch, d. h. immer in Bewegung bleiben (Claus-Peter Röh).

Um das Soziale zur Kunst erheben zu können, muss die Kunst der eigenen Lebensführung und Lebenshaltung in Selbsterziehung und -reflexion erübt werden (Christof Wiechert). Die daraus wachsende Fähigkeit, ungeteilt präsent zu sein, ermöglicht die besondere Stimmung der Zeitlosigkeit und Geschlossenheit, die Kinder in den ersten Jahren brauchen (Clara Aerts).

Die Erziehung setzt fort, was in der geistigen Welt begonnen wurde; das Kindergartenalter ist eine Zeit der Samen- und Wurzelpflege, nicht der Blüte (Silvia Jensen) . Der Bogen der Erziehung ist dann bis zur Oberstufe gespannt, wo erst alles bis dahin Gelernte noch einmal umgebaut wird, um dann in die Fähigkeit zum eigenen Tun zu münden (Florian Oswald).

Ein Kindergarten „gehört“ niemandem; alle Beteiligten sind mitgestaltend in der Selbstverwaltung einbezogen (Gerald Häfner). Der Atem mit der Außenwelt und der stetige Wechsel der Perspektiven – auch auf anderen Erfahrungsfeldern – machen das soziale Gefüge erst zur Kunst. Jeder begleitet den anderen in seinem Werden (Sabine Häfner).

Wer sind wir in diesem Leben, und was haben wir miteinander zu tun? Wir werden wach für das Urbild des anderen und die Begegnung mit seinem inneren Wesen. Dazu müssen wir vom Lernen zum „Verlernen“ und Umdenken übergehen (Lakshmi Prasanna). Sensible Kinder mit ihren besonderen Veranlagungen bis hin zu Autismus fordern uns unumgänglich heraus, mit allen unseren Sinnen Wege der Kommunikation mit ihnen zu finden, ihre Gestimmtheit zu erfühlen und sie in ihrem Wesen zu erkennen. Den Schlüssel zueinander zu finden, wird letztendlich zur Aufgabe in JEDER Beziehung (Michael Kokinos).

Im Spiel verbindet sich die lebensintention des kindes mit seinem irdischen Wesen

Es wurde deutlich, dass soziale Kunst im Sinne des freien Spiels immer in Bewegung ist und diese Bewegung in ihrer Wandelbarkeit eine musikalische Qualität hat. Vertrauen, dass etwas neu werden kann, wenn man etwas zurücklässt, ist dabei unerlässlich. (Claus-Peter Röh).

Die Kindergartenzeit fließt noch „zeitlos“, das freie Spiel ist absichtslos, abenteuerlich, kreativ, nichts muss sein. Sich spielend am Leben erziehen – nicht durch Einwirkung von außen – legt Grund für innerseelisches Miteinander, die Fähigkeit, die Perspektive zu wechseln, für freie Initiative und soziale Kompetenz. Jede Erwartung, äußeren Erwartungen zu entsprechen, lähmt diese Entwicklung.

kind sein und Mensch sein haben einen ursächlichen Zusammenhang

Kleinkindpädagogik und soziale Zukunft weben ineinander. Der Mensch als Werdender wird auf neuen Wegen Kind im Sinne der Offenheit im Hier und Jetzt.

Zunehmende staatliche Vorgaben wirken einschränkend auf die Grundlagen des Kindseins. Spielprogramme, enge Hygienevorschriften, Ansprüche aus gesteigertem Bedürfnis an Absicherung unter dem Blickpunkt der künftigen „Employability“ im wirtschaftlichen Kontext erfordern, dass das „Nichtlernen“ im Vorschulalter zunehmend häufig und nachdrücklich gerechtfertigt werden muss.

Wie lernen Kinder jedoch, sich als soziales Wesen zu empfinden, wenn diese Art der „Optimierung“ immer im Vordergrund steht?

Waldorfkindergärten schaffen einen selbstlosen pädagogischen Raum für Kinder; sie pflegen eine Kultur der Würde, die erlangt wird, wenn man aus eigenen Impulsen lernen darf.

den anderen Menschen zur erscheinung bringen Wir schaffen kein gemeinsames Werk – die soziale Kunst versteht sich als gemeinsames, bewegliches Werken und Gestalten: als SPIEL (von althochdeutsch spil für „Tanzbewegung“) in seiner musikalischen Qualität. Sind die Kinder dabei füreinander Spielgefährten, werden wir als Erwachsene füreinander zum Mittler – um dasjenige zur Erscheinung zu bringen, was der andere selbst nicht zur Erscheinung bringen kann. Um der eigenen Persönlichkeit auf die Spur zu kommen, braucht man die Begegnung von ICH zu ICH. Wir gestalten diese Begegnung bereits in der Art, wie wir übereinander sprechen und denken. (Gerald Häfner).

Nach 100 Jahren: er wachen für die Innenseite des lebens

Die Stimmung der Tagung hatte etwas vom Zauber der Kindheit. Freude am Spiel hatte überall Platz: In den Vorträgen, den 35 Gesprächsgruppen und über 70 Arbeitsgruppen wurden die Aufgaben der Zeit und die Möglichkeiten in den eigenen Lebensgegebenheiten bewegt, ausgetauscht und in Beziehung gebracht. Wege der Verständigung durch das zunehmend vielfältige Sprachengemisch wurden gefunden und führten zusätzlich zur Empfindung: Die Begegnung entwickelt sich anders als erwartet, braucht mehr Zeit, aber es fühlt sich neu und frisch an! Das konkrete Erlebnis, Teil eines weltweiten Zusammenhangs zu sein, wirkte stärkend und impulsgebend.

Ein derart offenes aufeinander Zugehen und Wahrnehmen und Arbeiten auf allen Wegen und über den ganzen Tag – solche sozialen Gesten können Kinder nachahmen; sie können sich ihnen in ihrer inneren und äußeren Bewegung anschließen.

Ist nach 100 Jahren Waldorfpädagogik etwas erwacht? Wege zum aneinander Erwachen und Wachsen und zum Finden in die Gemeinschaft führen nach innen – und sie entstehen im Gehen!

So wird das Weltenziel erreicht, Wenn jeder in sich selber ruht, Und jeder jedem gibt, Was keiner fordern will.

Steiner

Zur weiteren Information siehe: https://www.iaswece.org

Anlässlich 100 Jahre Waldorferziehung wurde auf Initiative der IASWECE der Film BECOMING über die frühe Kindheit im Spiegel verschiedener Kulturen produziert. S. d.

Die IASWECE initiiert und betreut weltweit Projekte zur Entwicklung und Förderung der Waldorferziehung – jede Spende zur Unterstützung ist willkommen! S. d.

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rüCkblICk auf daS erStklaSS-Wo

rüCkblICk der begleIterINNeN uNd begleIter auf daS erStklaSSWoCheNeNde

Sechs von uns 9.-KlässlerInnen sind zum Erstklasswochenende mitgefahren: Paul K., Raphael, Anna, Lara, Caro(lyn) und ich (Mia). Wir sind jeweils bei den Eltern unserer Patenkinder mitgefahren. Nur Caro ist bei Annas Patenkind mitgefahren, weil ihres inzwischen leider die Schule verlassen hat.

Wir sind am Freitag, den 10. Mai 2019 losgefahren und alle nachmittags und teils am Abend angekommen. Erst am nächsten Tag haben wir begonnen, auf die Kinder aufzupassen. Ab ca. 9:00 Uhr haben wir die Kinder betreut. Wir waren anfangs in sechs Gruppen aufgeteilt, aber haben dann zu zweit zwei Gruppen betreut.

Zum Aufwärmen haben wir „Versteinern“ gespielt – das hat einen großen Spaß gemacht. Es gab dort auch eine Tellerbahn „Flying Fox“ für kleine Kinder. Eigentlich wollten fast alle damit fahren. Wir haben auch Frisbee und Ball gespielt. Ein paar Kinder wollten dann nicht mehr. Caro, Lara und ich sind mit ihnen nach drinnen gegangen und haben für Muttertag Karten und Blumen gebastelt.

Nach dem Mittagessen hatten wir ein bisschen Freizeit. Inzwischen wurden aber Perlen, Bänder, etc. aufgelegt. Später sind dann die Kinder nach und nach gekommen, und wir haben Schlüsselanhänger geknüpft und Lesezeichen bemalt, Armbänder oder Ketten gemacht. Caro hat dann später begonnen, die Kinder zu schminken. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, auf die Kinder aufzupassen. Ich vermisse mein Patenkind jetzt schon. Ich bin mir sicher, dass jeder von uns gerne noch geblieben wäre. Es war eine sehr tolle Zeit.

Die Arbeit am Erstklass-Wochenende war nicht sonderlich anstrengend, aber es war doch etwas ganz Neues, sich um Kinder kümmern zu dürfen, die nicht ein kleines Geschwisterchen sind. Gerade für mich, da ich selbst keine jüngeren Geschwister habe. Am Anfang kamen in mir doch gewisse Selbstzweifel hoch, ob das Ganze so klappen würde, wie ich mir es vorgestellt hatte. Aber nach den ersten zehn bis fünfzehn Minuten waren diese Zweifel weg, und im Endeffekt lief es genauso gut, wenn nicht noch besser, als erhofft, da die Kinder direkt und komplett vertrauensvoll mit uns gespielt und sich uns anvertraut haben.

Alles in allem war es vor allem wahnsinnig lustig, mit den Kleinen zu spielen, und schön zu sehen, dass man ihnen damit eine Freude bereitet hat.

-WoCheNeNde beI MarIaZell

voN kINderN uNd elterN der 1. klaSSe

Für uns Eltern war es super, bisher nicht so gut bekannte Eltern näher kennenzulernen und den jeweiligen Kindern zuordnen zu können. Mit den Namen aller Eltern dauert es jedoch vielleicht noch etwas… Das Seminar war sehr gut; es hat zum Nachdenken angeregt und gab einen positiven Ausblick aufs zweite Schuljahr.

Für unsere Tochter ist es klar: „Die zwei besten Dinge beim 1.-KlassWochenende waren das Schwimmen und das Übernachten mit zwei Freundinnen.“ Das Ständchen der drei Kinder zum Muttertag hätte jedoch gerne auch nach 5:30 morgens stattfinden können!

„Manchmal waren wir draußen und haben mit den 9.-Klässlern Fangen und Frisbee gespielt.

Einmal hatten wir ein buntes Tuch, und das hatten Kinder und 9.-Klässler in der Hand. Und die restlichen Kinder sind dann unten durchgelaufen. Und einmal hat es stark geregnet, wir hatten aber Regenjacken mit.

Wir waren auch drinnen, da gab es ein Schwimmbad. Da sind wir gesprungen und getaucht.“

Timo

terMINe

lernen, um die Welt zu verändern

100 Jahre Waldorf-Schulen

Ö1 - Radiokolleg

19. - 22. Aug. 2019 jeweils ab 9.30 Uhr

3. Mauer Waldorf l auf (s. Seite 28/29)

So, 08. Sept., 8 Uhr TP Sternwarte, 9 Uhr Start

orchester- und Chorkonzert (s. Seite 25)

karl Jenkins: „the armed Man: a mass for peace“

Mi, 11. Sept., 18.30 – öffentliche GP

Do, 12. u. Fr, 13. Sept., je 19.30 Uhr – Aufführung

Odeon, Taborstraße 10, 1020 Wien

l ange Nacht der Waldorfschulen (österreichweit)

100 Jahre Waldorfpädagogik

Do, 19. Sept.

Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer, Endresstraße 100

tag der Wiener Schulen

Mi, 09. Okt.

offener Unterricht

Ein super organisiertes Wochenende, welches – obwohl kühl und regnerisch – für Kinder und Eltern sehr bereichernd war. Während die Kinder hervorragend durch fünf 9.-KlässlerInnen betreut und gut unterhalten wurden, konnten die Eltern ein Seminar zum Thema „Kennenlernen, Gemeinschaftsbildung, Zusammenarbeit, Verantwortung und Verpflichtung“ erleben. Durch verschiedene Übungen und Arbeit in Kleingruppen wurde zu unterschiedlichen Themen gearbeitet und präsentiert. Dabei wurde unter anderem auch eine Verbesserung in der Willkommenskultur für die jeweils neue 1. Klasse erarbeitet. Diese soll die neuen Erstklass-Eltern unterstützen, um sich im Schullalltag schneller gut zurechtzufinden.

Auf jeden Fall kennen wir einander jetzt alle viel besser!

Die Kinder waren begeistert beim Spielen und fanden das Hallenbad besonders toll. Leo fragte, warum wir nicht alle eine ganze Woche bleiben können…

Danke an Frau Bosch und an Kathi Schaller für die ganze Organisation.

Sinn-bildung durch Welt-begegnung. Waldorfpädagogik im gespräch (s. Seite 27)

Do, 17. – Fr, 18. Okt.

Diplomatische Akademie Wien, Favoritenstr. 15a, 1040 Wien

Schulfeier Sa, 19. Okt. 9 Uhr

adventbasar der rSS Wien-Mauer

Fr, 29. – Sa, 30. Nov.

Schulfreie tage im Schuljahr 2019/20

Erster Schultag SJ 2019/20 Mo, 02. Sept. 2019

Herbstferien Sa, 26. Okt. – So, 03. Okt. 2019

Weihnachtsferien Sa, 21. Dez. – Mo, 06. Jän. 2020

die nächste ausgabe von MoMent erscheint voraussichtlich Mitte November 2019

redaktionsschluss: 25. ok t. 2019

Wir wünschen schöne ferien!

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L. F.

dIe 3. klaSSe Zu beSuCh

beI haNdWerkSbetrIebeN IN uNd uM WIeN

voN SabINe trIereNberg (SIe durfte dIe MeISteN auSflüge begleIteN)

Die dritte Klasse in einer Waldorfschule ist wohl etwas ganz Besonderes: Der Weg in die Welt wird in vielen Bereichen sichtbar. Die Besuche alter Handwerksbetriebe sind ein ganz wesentliches Beispiel dafür.

Die dritte Klasse mit ihrer engagierten Lehrerin Frau Rumetshofer hatte in diesem Frühling besonders viel Glück.

Danke auch an die 4. Klasse, die mit uns ihre guten Erfahrungen und Adressen geteilt hat. Viele Menschen öffneten für uns ihre Werkstätten, und wir durften reich beschenkt zurück in die Klasse kommen.

Unsere „Schatztruhen“ füllten sich zunächst mit einem Schneidebrett und einem selbst gebogenen Stahl-Ring aus der Tischlerund Schlosserwerkstatt WerK von Katja und Werner Nussbaumer (einem ehemaligen Schüler unserer Schule), und auch Hobelspäne aus der Schlafstätte des Pumuckl durften wir mitnehmen. Ein selbst mit Stoff überzogener Knopf (es gibt noch alte, händisch zu bedienende Knopfmaschinen) aus der Tapeziererwerkstatt Kohlmaier kam an diesem Tag ebenfalls dazu.

Der Geigenbaumeister Cai von Stietencron beschenkte uns mit Klängen seiner selbstgebauten Instrumente in der wunderschönen Werkstatt im Heiligenkreuzerhof. Sandsteine und Marmor durften wir aus der Dombauhütte im Stephansdom mitnehmen, wo wir tatsächlich selbst Hand anlegen konnten.

Unsere Schatzkiste füllte sich weiter mit Rosshaaren, einem Geschenk der traditionellen Herrnmaßschneiderei Kastner & Dronia (in einem handgenähten Herrenanzug wird ein Vlies aus Rosshaar eingearbeitet, damit der Anzug seine Form behält und die Elastizität nicht verliert), sowie mit Seidenstoffresten aus der wunderbaren CoutureWerkstatt in der Hietzinger Altgasse.

Herr Moser, der nette Goldschmied am Maurer Hauptplatz 11, hat für und mit der Klasse einen Anhänger und einen Ring angefertigt – der Ring wandert jetzt bei den Zeugnissprüchen von Hand zu Hand, von Finger zu Finger. Arte Aurelia, die Vergolderwerkstatt im vierten Bezirk, zauberte Gold-, Silber- und Kupferblättchen in unsere Schatzkiste.

Traditionellerweise hat auch diese dritte Klasse den Köhler be-

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sucht: Um eine große Erfahrung reicher kamen die Kinder mit einem großen Sack Kohle nach Hause, zu groß für die Schatztruhe. Nicht nur für die Buben gab es einen spannenden Besuch in der Messerschmiede Nagl in Hietzing. Jetzt wissen wir, wo man seine Messer und Scheren schleifen lassen und neue, handgefertigte Messer kaufen kann.

In die Schatzkiste kamen weiters kleine Geschenke vom Puppendoktor aus der Innenstadt; die kleinen Büchlein und Malplatten verkürzten netterweise die U-Bahnfahrten erheblich. Wir durften außerdem in die Welt von Landtmann’s feiner Patisserie eintauchen. In der Führung inkludiert war nicht nur eine Torte für unser Geburtstagskind, sondern natürlich auch herrliche Kostproben für uns alle. Der Weg durch das Kühlhaus war fast so spannend wie eine Geisterbahnfahrt im Prater.

Von der Hutmanufaktur Mühlbauer durften wir schönen Filz für diverse Hüte zukünftiger Handpuppen in unsere Schatztruhe legen. Diese wunderschöne und alte Werkstatt hat uns alle besonders fasziniert, und die heißen Öfen haben uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Und wenn man schon am Schwedenplatz umsteigen muss, dann liegt ein Besuch im Eissalon am Schwedenplatz sehr nahe. Auch dort durften wir netterweise einen Blick in die Eisproduktion werfen, die „Schokoladepipeline“ bewundern und selbstverständlich auch köstliches Eis essen.

Der Besuch beim altehrwürdigen k. u. k. Hof-Schuhmacher Rudolf

Scheer & Söhne war ein Erlebnis für sich – die traditionsreiche Werkstatt hat uns in eine andere Welt gezaubert. In den Räumlichkeiten oberhalb des Geschäfts wird gearbeitet wie vor 150 Jahren. Klavierbaumeister Bernhard Balas spielte in seiner großen Werkstatt voller Klaviere auf seinen historischen Instrumenten für uns.

In den kommenden Wochen werden wir neben der Hausbauepoche noch folgende HandwerkerInnen besuchen:

Die Buchbinderin Ira Laber ist unserer Schule schon seit einigen Jahren sehr zugetan; auch diesmal wird jedes Kind mit einem selbst gebundenen Buch nach Hause gehen dürfen. Den krönenden Abschluss werden der Imker Doogie Spät und der Pecher Robert Rendl machen, und im Herbst, passend zum geernteten Korn, wird die Klasse noch eine Bäckerei besuchen.

Was für eine schöne Zeit – so viele Erlebnisse und Erfahrungen. Die Hinterhöfe dieser Stadt sind voller handwerklicher Überraschungen… Schade, dass die 3. Klasse jetzt bald vorbei ist.

Ein Schüler meinte: „Ich möchte nur mehr Ausflüge machen, das ist so schön“; die Antwort eines anderen Schülers folgte: „Ja, dann haben wir ganz viele Erfahrungen von der Welt.“

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kurSe, PrüfuNgeN uNd beWeguNg

dIe freIWIllIge fahrradPrüfuNg uNd der SChWIMMkurS IN der 4. klaSSe

voN MaNfred hofer, klaSSeNlehrer der 4. klaSSe

das fahrradfahren

Beim Fahrrad handelt es sich in der Regel um das erste Transportmittel, mit dem Kinder selbstständig und teilweise über lange Strecken am Straßenverkehr teilnehmen. Dabei stellt das „Radl“ an seine jungen FahrerInnen hohe Anforderungen in Bezug auf Motorik und Konzentrationsfähigkeit. Für die meisten WaldorfschülerInnen ein Klacks! Sagen auch die BeamtInnen, die die Kinder während der Übungsfahrten genau im Auge haben. Man erkennt, dass die Schule viel bewegt arbeitet.

Bei der Theorie sieht es ein wenig anders aus. Selbstständige Mitarbeit, rege Anteilnahme und Ideenreichtum sind nicht so sehr gefragt. Stattdessen werden „gut Zuhören” und das Anwenden der Verkehrsregeln verlangt. Gut so. Solange es keine Waldorfhighways gibt, sollte man sich dem einfach unterordnen. Das führt auch dazu, dass die Kinder merken und schätzen lernen, wie bei uns in den Klassenzimmern mit ihnen umgegangen wird und wie Verkehrserziehende agieren müssen, um Ersteren in kurzer Zeit die wichtigsten Regeln nahezubringen. Die Jobausschreibung für WaldorfverkehrserziehungsexpertInnen, verknüpft mit Verkehrs- und Städteplanung sowie inklusive sozialer Dreigliederung ist naheliegend, aber wahrscheinlich erst in ferner Zukunft angesiedelt. Den Kindern macht es Spaß zu radeln, und die Möglichkeit, mit dem Fahrtwind im Gesicht zur Schule zu fahren, erinnert mich an meine Kindheit. Es gab nichts Schöneres, als vor und nach der Schule mit den Freunden am Fahrrad durch die städtischen Park-

anlagen oder auf Waldwegen dahinzubrausen. Und dieses Gefühl den Kindern in der 4. Klasse zu ermöglichen, ist es wert, die Organisation und Durchführung der freiwilligen Fahrradprüfung auf sich zu nehmen. Also rauf auf den Drahtesel und ab die Post!

das Schwimmen

Der Leib wird leicht im Wasser. Wenn der Arm

Leicht aus dem Wasser in den Himmel fällt

Wiegt ihn der kleine Wind vergessen

Weil er ihn wohl für braunes Astwerk hält.

Bertold Brecht

Es gibt doch nichts Schöneres, als im Sommer ins kühle Wasser zu hüpfen und sich rundum pudelwohl zu fühlen. Dazu muss man natürlich schwimmen können. Gut gelernt und gut geübt, sorgt das richtige Schwimmen für viele Stunden Freude und Erregung – und die Kinder schlafen abends rasch ein!

Im Einklang zu sein mit jenem Element, aus dem wir alle stammen, ist etwas Wunderbares. Der schwebende Zustand, den man dank der Gliedmaßen, die man im Menschenkundeunterricht bewusst kennen gelernt hat, bewusst verlassen kann, um sich „fliegend“ fortzubewegen, ist grandios. Die Möglichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes einzutauchen in eine Welt, die uns so nahe ist und doch

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auch fern, ist das pure Abenteuer. Also machen wir den Schwimmkurs im nahegelegenen Hietzinger Bad.

Dem fehlt allerdings das abenteuerhafte Flair, dessetwegen er eigentlich absolviert wird, weshalb er eher als Training betrachtet wird. Ein Junge aus der Klasse formuliert es treffend: „Der Mann muss nicht freundlich sein; er muss wie ein guter Fußballtrainer gute Trainings machen.“

Also trainieren wir und heben uns das Abenteuer für später auf. So soll es sein. Je besser wir schwimmen können, desto mehr Spaß werden wir haben. Und wir wollen eine Menge Spaß! Schon wieder ein guter Grund, den Schwimmkurs in der 4. Klasse durchzuführen.

Sowohl im Fahrradfahren als auch im Schwimmen steckt ein lebendiges Bewegungselement, das die Kinder in der Regel magnetisch anzieht. „Ich will das können! Ich kann das!“ Es ist eine Erweiterung der bisherigen Fähigkeiten. Dabei ist es egal, wann man damit beginnt. Die Mitwelt wird in der 4. Klasse mehr und mehr zur Umwelt, und die Gelegenheit, sich mit Hilfe eines Fahrrads oder den charakteristischen Schwimmbewegungen in der Umwelt fortzubewegen, ist Teil dieser Entwicklungsstufe. Die Kinder fühlen sich herausgefordert und haben Spaß an der Sache. Um Bestätigungen und Abzeichen soll es dabei nicht gehen. Vielmehr geht es um das Gewahrwerden seiner selbst und um den Umgang mit dem Gerät beziehungsweise dem Element. Und so geht es auf zu neuen Ufern…

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dIe olyMPISCheN SPIele 2019 SChNell, hoCh uNd Stark SINd WIr Nur geMeINSaM!

voN urSula khol-haIdeNthaler uNd deN kINderN der 5. klaSSe

Nach Trainingsstunden in der Schule, Laufrunden im Maurer Wald, Packlistenbesprechungen, Zelteinteilungsdiskussionen und freudvollen Erzählungen darüber, was alles sein wird und sein könnte, bricht die fünfte Klasse auf zu den Olympischen Spielen nach Schönau.

Das Olympische Feuer wird entzündet.

Die Kinder werden herausgefordert, angespornt und triumphieren. Ob Marathon, Ringen, Hochsprung, Diskuswerfen, Wagenrennen, Speerwurf und Staffellauf – alles wird freudvoll und harmonisch gemeistert.

Bunte Gruppen mit Kindern aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen, im kunstvoll genähten Chitons. Eine Augenweide für Körper, Geist und Seele.

Ein großes Dankeschön an die Klassenlehrerin Frau Bolleter, die das ganze Abenteuer mit so viel Freude und Gelassenheit begleitet hat, und an die einfach grandiose Organisation durch die Waldorfschule Schönau!

Es war nie langweilig, und es gab ganz viele nette Menschen. Ich fand es auch sehr lustig, dass wir zelten durften. Und der Volleyballplatz war cool.

Julie

Die Olympischen Spiele waren sehr schön, weil man viele Kinder kennengelernt hat. Und das gemeinsame Zelten war auch sehr schön. Zusätzlich gab es auch einen coolen Volleyballplatz, und alle hatten viel Spaß!

Ich fand den Hochsprung sehr toll, aber auch das Wagenrennen war sehr spannend, weil es immer so knapp war. Ich fand es auch super, dass wir in den Zelten geschlafen haben.

Ich fand, dass das Ringen und der Speerwurf sehr lustige Disziplinen waren. Am griechischen Abend war unser Beitrag der letzte. Als wir den Tanz aufführten, stockte die CD, aber das fand ich nicht schlimm, denn so war die letzte Aufführung die lustigste!

Beim Wagenrennen sitzt einer im Wagen, und zwei andere ziehen den Wagen. Die Kinder, die den Wagen zogen, mussten um einen Speer und dann wieder zurücklaufen. Ich war in der Polis Troja, und wir haben sehr oft gewonnen.

Ich fand unsere Aufführung am griechischen Abend sehr lustig, aber am besten hat mir doch das Speerwerfen gefallen. Ich würde es gerne öfters machen.

Es war richtig lustig, mit der ganzen Klasse zu zelten. Wir mussten schon um 5.50 Uhr aufstehen. Ich habe das erste Mal im Zelt geschlafen, und es war toll.

Krzysztof

Mir hat der griechische Abend sehr gut gefallen. Das Wagenrennen hat mir gut gefallen, weil ich gezogen habe.

Die Olympischen Spiele haben mir sehr viel Spaß gemacht. Der Speerwurf hat mir gut gefallen.

Als wir am Donnerstag angekommen sind, haben wir die Zelte aufgebaut. Die 8. Klasse, besser gesagt, zwei Buben aus der 8. Klasse holten uns beim Bahnhof ab. Ich hatte viel Spaß bei den Olympischen Spielen. Das Wagenrennen war neu.

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WSd – WIr StärkeN dICh!

PerSöNlIChkeItS- uNd SICherheItStraININg IN der 1. uNd 2. klaSSe der rudolf SteINer-SChule WIeN-Mauer

In einem vierwöchigen WSD-Kidskurs wurde mit den Kindern der Unterstufe besprochen und praktisch geübt, wer eine Vertrauensperson ist, wie man sich richtig in kritischen Situationen verhält und ihnen in vielen praktischen Beispielen bewusst gemacht, dass es ihr Recht ist, auch Nein zu sagen. Mit einer Urkunde im Rucksack und einer gehörigen Portion Mehr an Selbstbewusstsein wurde das Training zufriedenstellend für alle beendet.

„Mir hat besonders gut gefallen, dass… man seine Energie an einem Schlagpolster auslassen konnte. der Lehrer immer so gut aufgelegt und lustig war. ich gelernt habe, dass ich nicht alles machen muss und ich nein sagen kann! wir geübt haben, Blickkontakt zu halten. „

Jakob Kiffe, 2. Klasse

Der WSD-Kurs hat unserer Valerie sehr gut gefallen. Wir hatten auch den Eindruck, dass es ihr sehr gut getan hat und hier wichtige Themen klar und kindgerecht erarbeitet wurden.

„Mir hat es sehr gut gefallen; der Hans Heidinger war sehr nett! Besonders cool war es beim letzten Mal, wo wir den Kindern geholfen haben, die geärgert wurden.“

Valerie Neu & Eltern, 2. Klasse

„Es war sehr cool. Hans ist sehr lustig und hat eine laute Stimme. Schade, dass es schon aus ist!“

So die Worte unseres Sohnes über die vier Stunden Persönlichkeitstraining mit Johann Heidinger.

Wir begrüßen es sehr, dass es an der Schule derartige Gelegenheiten gibt, unsere Kinder im Selbständigwerden zu stärken.

Nina Juritsch, Mutter von Nils Juritsch, 2. Klasse

dIe klaSSeNreISe der 6. klaSSe INS ferIeNSChloSS WetZlaS (WaldvIertel)

Mit dem Bus fuhren wir am Montag, den 13. Mai nach Maissau in die amethyst Welt . Nachdem wir eine Führung besucht und Amethyste ausgegraben hatten, fuhren wir weiter ins Ferienschloss. Als wir dort angekommen waren und die Zimmer eingerichtet hatten, gab es Mittagessen, und wir hatten den Rest des Nachmittages Freizeit. Es wurde auf hohen Schaukeln geschaukelt, Volleyball, Ball-über-die-Schnur und fünf Stunden Fußball gespielt. Nach dem Abendessen machten wir eine laternenwanderung zu einer Burgruine und lernten dabei einiges, zum Beispiel: „fichte sticht, tanne nicht.“

Jeden Abend musste tagebuch geschrieben sowie ein Bild gezeichnet werden, das haben alle mit viel Eifer getan.

Am Dienstag waren wir in der Früh in einer unterwasserwelt und sahen eine o t terfütterung. Anschließend waren wir bei den Wackelsteinen, dort aßen wir dann ein Lunchpaket. Bei einem glasbläser durfte jeder seine eigene Glaskugel blasen, die alle sehr schön geworden sind. Am Abend gab es eine Disco mit den Songs, die wir uns zuvor gewünscht hatten. Das war sehr lustig und ein unvergesslicher Abend für viele von uns.

Am Mittwochvormittag machten wir eine Wanderung im Wald. Leider war es da sehr kalt, aber die unterschiedlichen Gruppen machten ein bäume-rätselspiel oder ein lagerfeuer, und so wurde es trotz der Kälte sehr lustig. Am Nachmittag hatten wir Freizeit. Es wurde Ringerl beim Tischtennis gespielt, am Tischfußball angefeuert und am Kamin gelacht. Am Abend gab es ein kabarett mit einer anderen Schulklasse, und dabei wurde viel Blödsinn gemacht.

Am Donnerstag besichtigten wir ein Schloss und spielten dort ein hohes gericht nach. Anschließend machten wir ein Rätselspiel über das Schloss. Am Nachmittag unternahmen wir von Schloss Wetzlas aus eine Wanderung zu einer Höhle namens „frauenlucke“, wo sich in einem Krieg Frauen versteckt hatten. Dort fanden wir eine Geocaching-Schachtel und verewigten uns auf einem Block, der darin lag, mit Worten. Am Abend grillten wir Marshmallows über dem Lagerfeuer und genossen den letzten Sonnenuntergang.

Leider mussten wir am Freitag schon die Rückreise antreten. Zuerst besichtigten wir allerdings noch greifvögel und besuchten eine Vorstellung. Dabei flogen ein paar Vögel erschreckend

tief über unseren Köpfen, sodass wir uns ducken mussten. Ein Geier pickte vor unseren Füßen sein Fleisch auf, da wichen die meisten Kinder zurück. In einem Gasthaus gab es Mittagessen, danach sind wir nach Wien gefahren. Leider hatten wir Verspätung, aber dann wurden wir herzlichst begrüßt und in Empfang genommen.

Diese Reise wird uns noch lange in Erinnerung bleiben, und wir bedauern die Kinder, die leider nicht teilnehmen konnten. Umso mehr steigert das unsere Vorfreude auf die Skiwoche nächstes Schuljahr, und Fotos, die unser Klassenzimmer jetzt schmücken, erwecken ein gutes Gefühl in uns. Wir sind auf dieser Klassenreise zu einer guten Gemeinschaft geworden, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

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“the goldeN bIrd”

In der Mittelstufe stehen die Seelengesten als Thema im Lehrplan für den Eurythmieunterricht. So wie jeder Unterrichtsinhalt wirft auch dieses Thema verschiedene methodische und didaktische Fragen auf und stellt Lehrende dadurch vor neue Aufgaben: Was soll den Schülerinnen und Schülern mitgegeben werden, wenn wir uns mit diesem Thema beschäftigen? Was ist der Kern der Sache, was das Wesentliche daran? Und warum ist dieses Thema jetzt überhaupt in dieser Klassenstufe dran? Sind diese Fragen beantwortet, kann man anfangen, darüber nachzudenken, wie diese Inhalte am besten vermitteln werden können.

Bei den Seelengesten geht es um Emotionen, Stimmungen oder innere Haltungen, die in Armbewegungen und in der ganzen Körperhaltung zum Ausdruck kommen. Im Schattentheater müssen Bewegung und Körperhaltung verstärkt dargestellt werden, um sie deutlich auf der zweidimensionalen Fläche sichtbar zu machen. Die Körpersprache muss dabei verlangsamt werden, um zu einer klaren Aussage zu kommen; die Gefühlsebene kann sich dadurch intensiv mit dem physischen Körper verbinden.

Hierbei bietet es sich an, eine Geschichte mit Figuren zu wählen, die ganz klare Charakterzüge haben. Das Buch “The Golden Bird”, ein Märchen von Edith Brill, konnte dieser Anforderung gerecht werden. Diese Geschichte so umzuschreiben, dass sie als Theaterstück aufgeführt werden kann, war für mich persönlich eine tolle Lernerfahrung! Um den Lernprozess auf der Ebene von Gesten und Körpersprache zu unterstützen, haben wir beschlossen, für jede Figur eine darstellende sowie eine Sprechrolle zu vergeben und die jungen Darstellenden nicht selber sprechen zu lassen. Dadurch konnten sich letztere noch besser darauf einlassen, sich mit ihrer Körpersprache zu verbinden. Eine Sprechrolle wiederum – also für eine andere Person zu sprechen – setzt große Aufmerksamkeit und viel Einfühlungsvermögen voraus, damit Bewegung und Sprache auch zusammen wirken können. Da “The Golden Bird” in englischer Sprache verfasst ist, war es naheliegend, das Stück ebenfalls auf Englisch aufzuführen. Dies verlangte von den Schülerinnen und Schülern, sich intensiv mit dem Text auseinanderzusetzen, um so die sprachlichen Hürden zu überwinden. Um für das Stück frei und deutlich sprechen zu können, mussten die Texte dann freilich auch gut auswendig gelernt werden. Damit Gefühlsausdruck in Stimme und Geste gelegt werden konnte, musste der Inhalt genau verstanden werden. Die Schülerinnen und Schüler haben dafür mit Frau Welte im Englischunterricht an ihrer Aussprache gearbeitet

42 MoMent Sommer 2019 LEBENS- UND SOZIALBERATUNG SUPERVISION 0676 453 50 03 | beratung@julia-roehsler.at
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daS SChatteNtheater der 7. klaSSe

und dabei auch ihren Wortschatz beträchtlich erweitert. Gerade im Schattentheater gibt es auf bühnentechnischer Ebene viele spannende Herausforderungen und Aufgaben wie etwa den Umgang mit primären und sekundären Lichtquellen. Wenn Bühnenbild und Ausstattung fast nur aus Licht und Schatten bestehen, wird es zur besonderen Herausforderung, geeignete Kostüme, Objekte und Vorlagen zur Projektion der Szenen zu gestalten.

Die Aufführungen waren ein wunderschönes Beispiel von erfolgreichem Teamwork. In und hinter jeder Szene waren so viele Personen gleichzeitig im Einsatz: sprechend, spielend, beim Projizieren der Bühnenbilder, bei der Bereitstellung von Requisiten, beim Spielen der Vogel-Puppen oder beim Umziehen für die nächste Szene. Eine ganz tolle gemeinschaftliche Leistung!

So ein Projekt schafft man aber nicht alleine! Vielen Dank für Eure Unterstützung, Rita Welte, Stefanie Czellari, Wolfgang Seyringer und Daniel Themessl-Kollewijn.

Vor allem geht dieser Dank aber an die 7. Klasse, die sich mit mir auf dieses Abenteuer eingelassen und so ein schönes Resultat hervorgebracht hat! So kann aus einem Unterrichtsthema eine ganz neue Welt entstehen...

eine auswahl an aussagen der 7. klasse im rückblick auf das Schattentheater:

Was habe ich gelernt?

Mir hat gefallen, dass man hinter einem Tuch spielt und die Zuschauer nur den Schatten sehen.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, weil ich Theaterspielen sehr gerne mag!

Ich habe Englisch gelernt.

Ich habe ein bisschen Schauspielen gelernt.

Ich habe gelernt, dass man beim Schattentheater mehr im Profil spielen muss.

Ich habe gelernt, große Bewegungen hinter dem Tuch zu machen, weil man die Bewegungen sonst nicht so genau sieht.

Was ist mir schwer gefallen?

Es war schwer, Sprechen und Spielen zu koordinieren. Die Geschichte war kompliziert und dadurch unübersichtlich. Das Spielen fand ich schwer.

Langweilig war das Warten, wenn ich nicht dran war.

Am Ende war es stressig, weil wir zu wenig Zeit hatten und Frau Kollewijn ungeduldig wurde.

Wenn manche unkonzentriert waren und abgelenkt haben, war das anstrengend.

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eleNd uNd revolutIoN daS klaSSeNSPIel der 8. klaSSe

ÜBER SICH HINAUSWACHSEN ist der Untertitel der pädagogischen Randnotiz zum Spiel der 8. Klasse im vorderen Teil dieses Heftes. Über sich hinausgewachsen sind sie, die Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse. Ein ernstes Stück haben sie zur Aufführung gebracht. Großen Themen haben sie sich damit gewidmet. Sie sind daran gewachsen. Selbstbewusste, klare Worte waren auch von einigen zu hören, deren Stärke das bislang nicht zu sein schien. Sie haben einander hinter der Bühne geholfen, sind füreinander auch eingesprungen, haben die Umbauten auf offener Bühne gemeistert und haben das Publikum auf vielerlei Weise zum Staunen gebracht.

Der Einsatz jeder und jedes Einzelnen war ein gleich wichtiger Baustein zu einem Ganzen, das entstanden ist. Der Mut der Schülerinnen und Schüler kommt dem der Klassenlehrerin Barbara Pazmandy gleich, ein solches Stück für eine 8. Klasse vorzuschlagen, und dem Mut der Regieführenden, Maria Leutzendorff und Elmar Dick, sich dieses Stückes anzunehmen und es mit den Schülerinnen und Schülern umzusetzen.

Die Eltern staunten über die eigenen Kinder so wie über die MitschülerInnen und wohl auch darüber, dass trotz der ernsten Thematiken gelacht werden konnte. Und zwar genau deshalb, weil es so ernste Themen waren, die so ernsthaft behandelt wurden, dass einem dann das Herz aufging, als...

...der verliebte Marius das Mädchen Cosette anlächelte, sodass man wusste, dass die Liebe siegen würde

...man mit ansah, dass die alte Revolutionärin, die schon so viel erlebt hatte, den jungen Revolutionären Leid ersparen wollte, indem sie von ihren Erfahrungen berichtete und dabei genau wusste, sie würde damit nichts ausrichten…

... man genau wusste, dass die „bösen“, ausgefuchsten Gauner immer Gauner bleiben, egal was ihnen passiert, aber dass auch das „Böse“ das Gute in sich trägt – in diesem Falle ihre Kinder Gavroche und Eponine

... man wusste, dass auch das „Gute“ – in diesem Falle die Gesetzestreue – manches Mal das Gegenteil bedeutet

... man wusste, dass der gute Mensch Jean Valjean standhaft und gut bleiben würde – egal, wie sehr ihm das Schicksal auch Steine in den Weg legen würde.

Ein bewegendes Spiel. Danke dafür an alle Beteiligten.

NaCh vICtor hugoS leS MISérableS

voN NadJa berke

uNSere klaSSeNreISe NaCh uNgarN

Wir haben uns am Montag, den 6.5., beim Maurer Friedhof getroffen und sind von dort mit dem Bus bis Verpelét gefahren. Verpelét ist ein kleines Dorf in Ungarn. Dort waren wir, die 8. Klasse und die Begleiter, in einem Kindergarten untergebracht. Als Gegenleistung haben wir für den Kindergarten einen Sinneslehrpfad gebaut und im Kindergarten geholfen: nach dem täglichen viel zu frühen Aufstehen um 5:30. (Wir mussten so früh aufstehen, weil der Kindergarten um 6:00 geöffnet wurde und die Mädchen, die in einem anderen Raum als wir Buben schliefen, ihre Sachen noch in den Jungs-Raum bringen mussten.)

Wir haben uns jeden Morgen in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe half im Kindergarten, auf die Kinder aufzupassen, die zweite nähte für die Kinder Bälle, Kronen und weitere Spielzeuge, die dritte baute am Sinneslehrpfad. Am Abend aßen wir in einem Lokal namens Villa Rigo. Um 22:00 war Schlafenszeit. So war der Tagesablauf für die ersten fünf Tage.

An einem Tag spielten wir ein Fußballmatch gegen eine Schule des Ortes, die uns herausgefordert hatte. Das Match ging 1:1 aus, also waren alle zufrieden. Danach besuchten wir ein RomaDorf und brachten Geschenke mit. Die Roma leben dort in sehr heruntergekommen Häusern, zum Teil ohne Strom und fließendem Wasser.

Am sechsten Tag waren wir in Eger. Dort verbrachten wir den Tag damit, uns die Stadt anzusehen. Eger ist eine kleine, aber schöne Stadt. Viele alte Gebäude aus der Kaiserzeit sind gut erhalten, und das Wahrzeichen der Stadt ist die Burg. Auch ein Minarett gibt es dort, auf dem einige von uns oben waren. Am Abend fuhren wir wieder zurück nach Verpelét. Wir verbrachten noch zwei Tage im Kindergarten, bevor wir mit dem Bus nach Budapest fuhren. In Budapest angekommen, suchten wir erst einmal unser Hostel auf und verstauten das Gepäck. Danach gingen wir in ein Café mittagessen. Das Essen schmeckte sehr gut. Eine schöne Abwechslung zum Essen in der Villa Rigo. Danach gingen wir zurück ins Hostel und konnten unsere Zimmer beziehen.

In Budapest haben wir uns den Burg-Berg, die Stadt und eine Synagoge angesehen. Es war entspannter als in Verpelét, vielleicht gewohnter, weil Budapest Wien doch sehr ähnelt. An einem Tag sind wir auch mit einem Amphibienfahrzeug gefahren – naja, es war wie ein Bus, der auch auf dem Wasser die Donau entlang fahren konnte. Während der Fahrt wurde vieles erzählt: z. B., wann die zu sehenden Gebäude erbaut wurden und in welchen Gebäuden berühmte Künstler gelebt haben. Das interessanteste Erlebnis in Budapest war für mich der Besuch in der Synagoge, weil ich davor noch nie in einer Synagoge war und so die jüdische Religion ein wenig kennenlernte. Der letzte Tag war ein bisschen fad, weil wir gleich nach dem Frühstück die Rückreise angetreten haben.

Für mich war es lustig, zwei Wochen gemeinsam mit der Klasse zu sein. Es hat Spaß gemacht!

Auf jeden Fall möchte ich mich bei den Lehrern und Eltern bedanken, die mitgefahren sind, und wünsche der nächsten 8. Klasse eine schöne Klassenreise.

erSter beNefIZabeNd deS Club of PI

Die meisten LeserInnen sollten mittlerweile wissen, was der Club of Pi ist. Für die, welche es nicht wissen: Der Club of Pi ist eine von der 9. Klasse gegründete Organisation, die Gelder sammelt und an die Notfallpädagogik sowie Schulen ärmerer Länder spendet.

Der Benefizabend am 10.04.2019 war die erste Veranstaltung, die der Club of Pi organisiert hat. Das meiste wurde von einer kleinen Gruppe vorbereitet, die aus Paul Kaufmann, Julian Tesch, Mateusz Habdank-Wojewodski, Samuel Wetter, Benjamin Czech, Herrn Finke und mir, Paul Berke, bestand. Ich fand diese Vorbereitungen lustig wie auch anstrengend.

Eine Zeit lang dachten wir, wir würden es nicht schaffen. Wir gründeten einen „Rat“, in dem wir den ganzen Abend planten. Plakate, ein Programm und Produkte zum Verkauf wurden gemacht.

Die Veranstaltung lief dann meiner Meinung nach sehr gut. Es war ein tolles Erlebnis. Die vielen Menschen hörten unsere Reden und die musikalischen

Beiträge. Das Mitwirken der ersten Klasse war eine liebenswerte Bereicherung. Der Vortrag von Herrn Finke war sehr aufschlussreich über die Zahl Pi.

Ich war nachher sehr stolz auf unsere Klasse, dass wir die Veranstaltung so gut gemeistert haben. Auch die Einnahmen können sich sehen lassen, wobei ich diese hier nicht veröffentlichen möchte. Ich hoffe, dass der Club of Pi bald wieder eine Veranstaltung organisieren kann.

Am Anfang, wo es hieß, dass wir den Club of Pi gründen wollen, war ich persönlich nicht sehr überzeugt von der Idee. Doch mit dem Benefizkonzert lösten sich meine Zweifel in Luft auf. Ich dachte, dass niemand dort hinkommen würde, und dass wir uns für Nichts die Mühe machten. Doch es war ein voller Erfolg. Die Reden unserer Klassenkameraden Mateusz, Paul B., Paul K., Julian und Samuel waren für eine 9. Klasse meiner Meinung nach sehr professionell gehalten. Es kamen auch viel mehr Menschen, als ich erwartet hatte. Das Buffet war wunderbar und am Ende des Abends auch leer. Es waren auch alle unsere Produkte ausverkauft.

Mich haben alle aus unserer Klasse überrascht, wie musikalisch sie sind! Der ganze Abend war ein voller Erfolg, und ich hätte nichts dagegen, noch einmal ein Benefizkonzert zu machen. Von vielen Erwachsenen kam die Rückmeldung, dass sie sehr begeistert waren und gerne wieder kommen würden. Es war ein wunderbarer Abend mit vielen neuen Erfahrungen.

Wer Lust hat, mehr über das Crowdfunding-Projekt der 9. Klasse zu erfahren oder spenden möchte, sei hier auf die Webpage des Club of Pi verwiesen, die ebenfalls von Schülern der 9. Klasse eingerichtet wurde. (Anm. der Red.)

https://club-of-pi.org

Besonderen Dank auch allen Eltern der 9. Klasse und anderen fleißigen Helferinnen für die wunderbaren und sehr einfallsreichen Buffetkreationen, zumeist in Pi-Form, allen voran Marianne Lawatsch und Jacqueline Auwärter.

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der SINgabeNd

voN eMelIe aMaNN (SChülerIN der 11. klaSSe)

Erstmal vorab: „Wow, jetzt gehört dieser Teil meiner Schulkarriere ebenso der Vergangenheit an… Gibt es einen Zeitstoppknopf?“

Back to the topic. „11.-Klass-Singabend“ – wenn ich dieses Wort, ob in der 10. Klasse oder auch schon in der 8., gehört habe, ist sofort Aufregung pur in mir aufgestiegen. Nie hätte ich mir vorstellen können, den Mut aufzubringen, mich dort oben auf die Bühne zu stellen und ein Lied zu singen, mich vor so viele Leute zu stellen und bereit zu sein, meine Seele ein Stück weit zu öffnen, nie…

Als wir Anfang des Schuljahres begonnen haben, uns mit dem Singabend zu beschäftigen und jeder langsam sein Lied fand, hatte ich ehrlich gesagt jedes Mal Angst vor den Musikstunden, denn nur der bloße Gedanke, vor der ganzen Klasse zu singen, löste ein Fluchtgefühl in mir aus. Unvorstellbar war es für mich, ganz alleine vor meinen Freunden singen zu müssen.

Aber auch dieser Tag kam und wurde überwunden, mit zittriger Stimme und heißem Gesicht. Nach und nach wurde das Singen leichter, und Sicherheit schlich sich ins Gefühlschaos ein. Natürlich waren da auch oft Tage, wo sich die Zweifel überschlugen: Werden wir das in der verbleibenden Zeit schaffen? Wie wird das mit dem Bühnenbild klappen? Waren andere Klassen schneller oder besser… Kann ich überhaupt singen?!

Doch langsam fingen Ideen an, zu Taten zu werden und schiefe Töne zu einer Melodie.

Als wir dann das ganze Wochenende vor dem Singabend nützten, um das Bühnenbild von einer vagen Zeichnung zu dem zu machen, was es im Endeffekt wurde und jede/r das erste Mal die Chance hatte, auf der Bühne zu singen, verflogen schnell die Zweifel und wurden allmählich zur Vorfreude.

Uns blieb noch eine Woche: fünf Tage vollgestopft mit Proben, die wir ausnützten, bis das erste Mal das Wort „überprobt“ fiel. Am Donnerstag ergriff uns dann jedoch noch einmal der volle Ehrgeiz, und wir perfektionierten bis spät am Abend das Bühnenbild, bis es unserer Ansicht nach bereit zum Vorführen war!

Und so standen wir am Freitagabend, den 17. Mai, noch ein wenig ungläubig auf der Bühne und genossen den tranceartigen Zustand von Aufregung und Bewunderung.

So, und eines möchte ich jetzt noch an die folgenden Klassen weitergeben: Egal, wie sehr dieser Abend und vor allem auch Herr Albrecht an Euren Nerven zerren können – es ist eine der krassesten Erfahrungen in Eurer Waldorfschulzeit. Genießt jede noch so nervenaufreibende Minute davon!!!

weitere Fotos: https://www.waldorf-mauer.at/eindruecke/galerie-2018-19

der 11. klaSSe

voN aStrId aMaNN (SChülerINNeNMutter)

Seit Jahren bin ich – und ich glaube, da kann ich für viele aus unserer Schulgemeinschaft sprechen – ein großer Fan, sozusagen ein Groupie des Singabends der 11. Klasse. Ein Musikprojekt mit Tiefgang. Die Vorbereitungen beginnen zart und leise am Anfang des Schuljahres. Sensibel, konsequent und mit viel Freiraum von Stefan Albrecht begleitet und geführt. Viele können sich da noch nicht vorstellen, vor einem großen Publikum zu stehen und zu singen, ihr Lied, das sie erst noch finden müssen… Der Prozess beginnt…

Zwei Wochen vor dem Termin – die Plakate sind gedruckt, es gibt kein Zurück mehr J – beginnt eine intensive Zeit für die 11. Klasse. Das Wochenende davor wird in der Schule verbracht: Die Lieder werden auf der Bühne geprobt, das Bühnenbild, in der Fantasie der Klassengemeinschaft entstanden, wird umgesetzt, mit großem Einsatz der SchülerInnen und ihrer großartigen HelferInnen. Das Ergebnis ist beeindruckend: ein weißer Raum, eine weiße Tür, darüber eine große Wolke aus Luftballons, von der Lichtregie in viele Farben getaucht. Ganz dem Motto des Abends entsprechend: „Colours“!

Die Spannung, die Aufregung, die erwartungsvolle Vorfreude sind schon Tage zuvor im ganzen Schulhaus zu spüren. Und endlich ist es so weit: Der Vorhang geht auf, die Vorstellung beginnt. Das Publikum tobt.

Es folgt nun eine Aneinanderreihung von magischen Momenten: Ein junger Mensch nach dem anderen betritt die Bühne – alleine – und beginnt zu singen. Es ist unglaublich berührend, bewunderns- und auch beneidenswert.

Was für eine Mutprobe, was für eine Selbsterfahrung, was für ein Geschenk!

In meinen Augen ist dieses Projekt, das den SchülerInnen ermöglicht, diese Erfahrung in diesem Alter machen zu dürfen, ein pädagogisches Meisterwerk unserer Schule. Dafür bedanke ich mich von Herzen.

theaterabeNde der 12. klaSSe

Pharao auS Zagreb ISt tot, Mysteriöser Mord in der Ilica Straße

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klIMaStreIk MIt greta

Es war eine intensive Woche für KlimaaktivistInnen; innerhalb weniger Tage fanden drei Veranstaltungen statt. Das Besondere daran: Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg kam extra dafür nach Wien.

Am 24. Mai, kurz vor der EU-Wahl, gingen zum zweiten weltweiten Klimastreik wieder Tausende von Menschen auf die Straße. Österreichweit wurde die Zahl der Teilnehmer auf 25.000 geschätzt; neben Wien fanden auch in zahlreichen anderen Städten Veranstaltungen statt. In Wien waren wieder SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer mit dabei.

„What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!“, skandieren die SchülerInnen der 9. Klasse unermüdlich. Zum Abschluss übergeben die OrganisatorInnen eine Resolution an VertreterInnen der SPÖ und der Grünen Wien, in der gefordert wird, den Klimanotstand auszurufen. Diese Maßnahme würde der Eindämmung der Klimakrise höchste Priorität einräumen; Städte wie Basel, Konstanz oder Bochum haben sie bereits umgesetzt. Einige Tage später fiebern hunderte Menschen auf dem Wiener Heldenplatz einem großen Moment entgegen: Erstmals wird Greta Thunberg, die Initiatorin der weltweit wachsenden Fridays for Future-Bewegung, eine Rede in Österreich halten. Der Climate Kir-

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tag findet im Anschluss an den Austrian World Summit statt, einem von Arnold Schwarzenegger organisierten Klimagipfel. Nach einer musikalischen Einleitung wird die 16-jährige Klimaaktivistin von der Moderatorin angekündigt und mit Jubelschreien empfangen. Sobald sie zu reden beginnt, ist klar, woher die große Wirkung dieser kleinen und zarten Person kommt: Sie spricht besonnen und mit aller Deutlichkeit Dinge aus, die andere verschweigen. „Das ist ein Notfall, doch die Verantwortlichen handeln nicht entsprechend“, kritisiert sie die Untätigkeit der Politik hinsichtlich der Klimakrise. „Politiker denken immer nur bis zur nächsten Wahl.“ Auch Arnold Schwarzenegger, der danach die Bühne betritt, betont die Notwendigkeit, endlich zu handeln.

„Eine Aufgabe für die gesamte Menschheit“

Mittlerweile steht fest, dass Greta Thunberg am darauf folgenden wöchentlichen Klimastreik in Wien teilnehmen wird. Innerhalb kürzester Zeit werden tausende Menschen mobilisiert, und am 31. Mai finden sich bei strahlendem Sonnenschein Teilnehmende aus ganz Österreich am Heldenplatz ein; auch SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer sind unter ihnen. Mit dabei sind VertreterInnen der Scientists for Future – WissenschafterInnen, die die Friday for Future-Bewegung unterstützen – sowie die Artists for Future. Nach einigen Reden formiert sich ein Demonstrations-

zug, und alle halten Ausschau nach Greta. Wie sich später herausstellt, ist diese still und heimlich in die Gruppe an der Spitze des Zuges eingeschleust worden und führt nun die Demonstration an. Über den Ring geht es Richtung Schwarzenbergplatz vorbei an der Oper, an deren Fassade Transparente mit den Worten „Act now“ montiert wurden. Was auffällt: Unter die SchülerInnen und StudentInnen haben sich diesmal viele Erwachsene gemischt. Vielleicht folgen sie dem Aufruf von Friday for Future-AktivistInnen, der zeitgleich in mehreren Medien erschienen war: „Wir haben das Gefühl, dass viele Erwachsene noch nicht ganz verstanden haben, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können... Aber das ist keine Aufgabe für eine einzelne Generation. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit. Wir bitten Sie, sich uns anzuschließen.“

Auf der Bühne am Schwarzenbergplatz ergreift Greta Thunberg unter großem Jubel erneut das Wort: „Die größte Lösung ist genau vor euren Augen – es sind wir Menschen. Lasst uns keine Zeit mehr verlieren, lasst uns jetzt handeln.“

MoMent Sommer 2019 _ 53

Der Klimawandel ist wirklich zum Heulen ...

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frühlINgSfeSt 2019 –eIN feSt der begegNuNg

voN koNStaNZe reINer-frIedl

Bei strahlendem Sonnenschein konnte unser diesjähriges Frühlingsfest wieder im Schulgarten auf 113 stattfinden. Zur Eröffnung gab es einen beherzten SchülerInnen-Chor unter der Leitung von Stefan Albrecht. Traditionellerweise hat auch heuer wieder Sabine Trierenberg mit der dritten und vierten Klasse fröhliche Tänze einstudiert und dargeboten. Es war eine Freude, die Kinder in ihrer schönsten Trachtenkleidung tanzen zu sehen. Musikalisch wurden sie von Herrn Albrecht am Piano und Herrn Hofer am Kontrabass begleitet.

Ein vielfältiges Programm mit Puppenspiel, Mitmach-Zaubershow, Bastelstationen, Kinderschminken, Töpfern an der Drehscheibe und Verkaufsständen sorgte für einen festlichen Rahmen. Das von Eltern liebevoll gemachte und betreute Buffet sorgte für das leibliche Wohl aller. Einzig und allein die Kaffee-

maschinen streikten an diesem Tag, und wir mussten improvisieren. Auch das beliebte Würstelgrillen am offenen Feuer durfte nicht fehlen: Es ist immer der krönende Abschluss des Festes.

Der Förderkreis als neuer „Frühlingsfestkreis“ bedankt sich bei allen ganz herzlich, die mitgeholfen haben. Ein großer Dank gebührt besonders Michaela Eberharter, die unser neues, unerfahrenes Organisationsteam sehr unterstützt hat. Alles in allem ein gelungenes Fest!

MoMent Sommer 2019 _ 55

kurZMelduNg ZuM Neubau auf 113

Diesmal gibt es nur eine Kurzmeldung zum Stand der Dinge auf 113 – unser Neubauprojekt. Dafür ist diese Meldung eine positive, wenn auch noch lange nicht die erhoffte Freigabe der Baugenehmigung. Wir haben ja, wie zuletzt berichtet, nach dem negativen Entscheid des Wiener Verwaltungsgerichts eine außerordentliche Revision beim Verwaltungsgerichtshof eingebracht: als letzten möglichen Schritt, unsere ursprüngliche Baugenehmigung wieder zur Gültigkeit zu bringen.

Entgegen vieler Einschätzungen hat uns der VwGH vor ein paar Wochen mitgeteilt, dass die Revision angenommen wurde und alle am Verfahren Beteiligten dazu eingeladen wurden, Stellungnahmen abzugeben. Das heißt, unser Fall wird vom Höchstgericht noch einmal geprüft! Dies ist zumindest ein Signal dafür, dass die Entscheidung der Wiener Richterin nicht so eindeutig war.

Wann diese Überprüfung nun stattfindet und wie die Entscheidung darüber ausfällt, ist natürlich offen, aber es gibt zumindest ein wenig Hoffnung.

Das zugleich betriebene Ansuchen um Änderung der Flächenwidmung läuft davon ungestört natürlich weiter und wird von den zuständigen Stellen der Stadt auch positiv bewertet. Allerdings wird dieses Verfahren sicher bis nach der Wien-Wahl dauern, und diese ist erst für 2020 geplant...

Wir halten Sie/Euch auf dem Laufenden! Für den Vorstand Lothar Trierenberg

daS garteNfeSt der MuSIkSChule

Nach einem unvergesslichen Eröffnungsfest im letzten Sommer wurden die Weichen für ein alljährliches Gartenfest der Musikschule gestellt.

Am Samstag, den 25. Mai war es soweit; der Garten war ab 15 Uhr für alle geöffnet. Lehrende, Schülerinnen und Schüler sorgten im Musikhaus und im Garten für feinste musikalische Kostproben.

Bei einem herrlichen Kuchenbuffet konnten sich die Gäste in der Wiese zugleich den akustischen und leiblichen Genüssen hingeben.

Aus dem Stiegenhaus erklang ein Duett von Johann Sebastian Bach. Im Konzertsaal folgte ein buntes SchülerInnenprogramm mit Blockflöte, Gesang, Querflöte, Violoncello und Klavier. Der zweite musikalische Teil im Garten wurde durch eine

Hochzeitsgesellschaft samt Blasmusik in der Nachbarschaft vor eine akustische Herausforderung gestellt, der sich die Band bei ihrem großen Auftritt vor dem Pavillon auf der Gartenbühne bravourös entgegenstellte.

Zu guter Letzt saß man noch gemütlich um die Bühne versammelt und lauschte dem LehrerInnenkonzert.

Alles in allem war es ein gemütliches Fest, und eines ist sicher: Es gibt eine Wiederholung im kommenden Jahr.

MoMent Sommer 2019 _ 57

Um kaum eine andere Pflanze ragen sich so viele Mythen wie um die Mistel. Alleine die Ernte bei zunehmendem Mond mit einer goldenen Sichel, der keltische Druidenpriester dabei in weißes Gewand gehüllt und die Mistel selbst in weißen Tüchern aufgefangen, sodass sie die Erde nicht berührt, stellt eine mächtige Inszenierung dar. Hexennest, Drudenfuß oder Donarbesen sind Synonyme für die Mistel, die den Riten der Kelten und den Mythen germanischer Sagen entspringen. Ihr Wachstum hoch oben in den Bäumen ließ vermuten die, Götter selbst hätten die Samen in die Baumwipfel gestreut.

Heute weiß man, dass die Verbreitung durch Vögel erfolgt. Entweder die ganze Beere wird gefressen und die keimfähigen Samen ausgeschieden oder sie fressen nur die Beerenhaut und der Samen mit dem eigenen Schleim haftet an der Wirtspflanze. Bis zu einem Jahr kann es nun dauern, bis der Samen ein Hypokotyl ausbildet und keilartig den Wirt infiltriert. Als Halbschmarotzer in den Wipfeln von weichholzigen Laubbäumen (Apfel, selten Eiche) oder Nadelbäumen (Kiefer, Tanne), bedient sie sich über Tracheen am Wasser und Mineralstoffhaushalt ihrer Wirtspflanze, wohingegen sie zur Photosynthese und zur Energiegewinnung selbst in der Lage ist. Jede Verzweigung repräsentiert ein Lebensjahr. Sogar bis zu 70 Jahre kann sie alt werden und dabei bis einen Meter Durchmesser erreichen.

Diese Dualität findet sich wieder bei den Wirkstoffen: Viscotoxin und Mistellektin. Viscetoxin unterstützt die Pflanze in ihrer Ausbreitung indem sie schnell wirkend Zellmembranen auflöst. Man findet sie vor allem im Stängel und in den Blättern. Mistellektin hingegen dringt langsam in den Zellstoffwechsel ein und hemmt diesen. Man findet es vor allem in den nur im Winter wachsenden Beeren. Dies führt zu einer zweimal jährlichen Ernte: im Juni und im Dezember.

Ihre Wirkung entfaltet die Mistel sowohl bei Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Arthrose und Schwindelanfällen als auch in der Krebstherapie. Hier spielt der Wirtsbaum eine wichtige Rolle. Auch in die Kosmetik körperstraffender Ölmischungen hat die Mistel Einzug gefunden. Häufig werden Kruzifixe aus dem Holz der Mistel geschnitzt. Der gute alte Brauch des Kusses unter einem Mistelzweig, geht wiederrum auf die Briten zurück. So könnten noch viele weitere sagenumwobene Verwendungen der Mistel genannt werden, begonnen bei den alten Griechen durch das ganze Mittelalter hindurch bis zur Neuzeit…

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