MoMent Frühling 2023

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Machen MoMent Zeitschrift für die Rudolf Steiner-Schule Wien-MauerFrühling 2023 / € 4,00

MoMent

Zeitschrift von und für Eltern, FreundInnen, LehrerInnen und SchülerInnen der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer im 31. Jahr, Heft-Nr. 207

Liebe FreundInnen unserer Schule!

Wer oder was ist „die Schule“?

Immer wieder höre ich bei Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen Sätze wie: „Die Schule macht das so.“ oder „Die Schule erlaubt das nicht!“ Oder: „Das müssen wir die Schule fragen ...“

Wenn ich dann frage, wer denn „die Schule“ sei, werden die Antworten oft sehr vage oder bleiben unbeantwortet. Das ist wohl eine der großen Unbekannten, aber auch die unglaubliche Chance in unserer Schule:

Die Schule sind wir alle!!

Dieser Umstand macht viele Entscheidungen sehr kompliziert und langatmig – auf der anderen Seite ist er aber die beste Grundlage für selbständiges Handeln und eine Beteiligungskultur, wie sie heute in allen Gesellschaftsbereichen eingefordert wird.

Die Waldorfschule ist auch in diesem gesellschaftlichen Bereich eine Vorreiter-Institution, weil die Gemeinschaft seit jeher ein gestaltendes und korrigierendes Element ist –und zwar per Definition!

Jörg Schmiedbauer – ein langjähriger Schülervater und ehemaliger Schulvorstand – sprach immer von einer Anliegens-Gemeinschaft, die diese Schule ins Leben gerufen hat und am Leben erhält. Dieser Begriff trifft es für mich sehr gut: eine Anliegens-Gemeinschaft!

Wir sind, ob wir es wollen oder nicht, durch unser Anliegen, unseren Kindern eine andere Art von Schule zu bieten, als Gemeinschaft verbunden.

Aber: Dieses Anliegen kann nur so gut erfüllt werden, wie alle Teile dieser Gemeinschaft es voranbringen.

Die Schule kann nur so gut sein, wie alle Teile dieser Gemeinschaft zusammen.

Ein anderer Gedanke noch – eine Selbstreflexion vielleicht: Sind die Strukturen, die Gruppen und Gremien so in sich geschlossen, dass es schwierig ist für „junge“ Eltern, einen Platz zu finden? – Da, wo ich dabei bin, versuche ich das ständig zu hinterfragen und mich offen zu halten!

Oder: Funktioniert bei uns alles so gut, dass der Bedarf an Mitarbeit – Mitgestaltung – nicht wahrgenommen wird?

Darüber könnten wir uns auch freuen – in Wirklichkeit aber funktionieren viele Dinge nur unter sehr prekären Umständen… oder aus Gewohnheit.

Es gibt hier großen Spielraum für neue Ideen und ein neues gemeinsames Gestalten!

Ergreifen Sie die Chance, an einem sehr konkreten Projekt aktiv die Welt zu gestalten – die Wirkung dieser Arbeit wird über Generationen von SchülerInnen in die Welt getragen!

Wir sind die Schule!

Lothar Trierenberg

Nachsatz aus der Redaktion: Die Fotos im Thementeil stammen vom Theaterstück der 12. Klasse. Die Höhepunkte der Schulgemeinschaft wie das große Chorkonzert und die Grundsteinlegung auf 113 finden Sie im hinteren Teil des Heftes.

Impressum

Medieninhaber, Verleger, Herausgeber: Verein zur Föderung der Waldorf-Gemeinschaft (VFWG), Obmann: Lothar Trierenberg / DVR-Nr: 7864 9742 / Absender: moment@waldorf-mauer.at / 1230 Wien, Endresstraße 100

Verlagspostamt: 1230 Wien, Zulassungsnr: 13Z039641M

MitarbeiterInnen der Redaktion: Nadja und Matthias Berke, Brigitte Födinger, Margarete Goss, Seweryn Habdank-Wojewódzki, Bettina Schwenk, Sabine Trierenberg und Martin Völker

Kontoverbindung lautend auf „Redaktion Schulzeitung“: IBAN AT44 2011 1822 2175 1000

Druck: Donau Forum Druck Wien / Umweltfreundliche Druckproduktion

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Matthias Berke

Unsere Schulgemeinschaft – nur gemeinsam zu schaffen

Erster Elternabend vor zwölf Jahren: Nadja Berke stellt den Elternrat vor. Sie ist Mama in der 2. und in der 1. Klasse, und ich kenne sie schon, seit unsere Kinder gemeinsam in den Kindergarten gegangen sind. Für mich ist es der erste schulische Elternabend als Mama. Als Schülerin durfte ich neun Jahre lang diese Schule besuchen. Die erste Elternratssitzung war aufregend. Vieles neu, manches bekannt. Im alten Handarbeitsraum, in dem ich schon mit glatten und verkehrten Maschen kämpfte. Schnell tauchte ich in die Gemeinschaft ein, wurde herzlich willkommen geheißen. Bei der Aufnahme und dem Finanzgespräch war in mir schon das Interesse an der Mitarbeit in der Schule geweckt worden. Der logische Schritt nach dem Elternrat führte mich dann noch im 1. Jahr in die Elternbeitragsgruppe.

Vieles hat sich an dieser Schule in den letzten zwölf Jahren geändert. Der Neubau ist endlich im Entstehen, viele Neuerungen wurden im Kollegium und im Schulganzen durchgesetzt. Und doch ist eines gleich geblieben: Eine der grundlegenden Säulen dieser Schule ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Eltern und der Schule. Die Elternmitarbeit ist von entscheidender Bedeutung für das Funktionieren der Selbstverwaltung – sowohl im „Kleinen“ innerhalb der Klasse, als auch im „Großen“, dem Schulganzen. Die Selbstverwaltung sieht vor, dass bestimmte Bereiche der Gemeinschaft durch Arbeitskreise und -gruppen abgedeckt werden. Diese Gruppen setzen sich im Idealfall aus Eltern, LehrerInnen und vielleicht sogar SchülerInnen zusammen, die sich für den betreffenden Bereich interessieren oder ihre Expertise einbringen können. Diese reichen von dem Elternrat über die Elternbeitragsgruppe, Konfliktbearbeitungskreis, PRKreis, Veranstaltungskreis bis hin zu MoMent und Vorstand. Im Grunde muss jeder Bereich durch aktive Zusammen- und Mitarbeit der Schulgemeinschaft abgedeckt werden. Die Schule ist also dringend auf die Unterstützung durch Eltern angewiesen, um das „Werkl am Laufen zu halten“. Eines fällt auf: Die engagierten Eltern sind überall anzutreffen. Die verschiedenen Kreise sind oft ähnlich besetzt, aber es funktioniert. Irgendwie wird das MoMent fertig, irgendwie werden die Beitragsgespräche durchgeführt, irgendwer organisiert den Basar... und die Liste geht weiter. Doch diese Eltern werden älter, die Kinder verlassen die Schule, und die Arbeitskreise dünnen aus. Der Nachwuchs bleibt aus.

Liebe Eltern, gerade der unteren Klassen: Wir brauchen euch! Die Schule braucht euch! Ja, wir sind alle viel beschäftigt, haben wenig Zeit und viel zu tun. Aber – auch ihr habt euch für diese Schule und damit für dieses System entschieden. Und es funktioniert nur, wenn ihr euch einbringt! Wir sind keine Schule der „Bildungskonsumenten“. Wir können als Gemeinschaft nur funktionieren, wenn sich jede und jeder engagiert!

Es gibt so viele Bereiche, in denen es eurer Tatkraft bedarf. Ja, es ist für eure Kinder, aber es ist auch für euch. Die Mitarbeit in den Gremien ist belebend, interessant und macht wirklich Spaß. Der Arbeitsaufwand ist überschaubar, vor allem, wenn sich viele Menschen einbringen. Je weniger, desto mehr Arbeit bleibt an diesen wenigen hängen.

Ohne eure Mitarbeit ist die Rudolf Steiner-Schule nicht in der Lage zu existieren. Ihr seid eine unverzichtbare Stütze der Schule und tragt dazu bei, eine lebendige und engagierte Schulgemeinschaft zu schaffen bzw. zu erhalten. Mit eurem finanziellen Beitrag kann ein Teil der Kosten gedeckt werden. Ein wichtiger Teil ist aber auch eure Mitarbeit. (Lest dazu auf Seite 58 und 59 mehr, Red.)

Wir haben als Familie in dieser Schule ein Zuhause gefunden. Ich bin unendlich dankbar, dass wir Teil dieser Gemeinschaft sind und ich durch meine Mitarbeit in den diversen Gremien so vieles an diese Gemeinschaft zurückgeben kann. Waldorf ist so viel mehr als nur Schule – wir geben unsere Kinder nicht hier her, nur um sie vor dem „normalen“ Schulsystem zu bewahren, sondern um ihnen diese Gemeinschaft zu ermöglichen. So viele Freundschaften aus meiner Schulzeit halten bis heute, so viele Ehemalige geben ihre Kinder wieder hier her. Stehen wir gemeinsam auf, krempeln die Ärmel auf – und lasst uns die Arbeitsgremien wieder gut besetzen, damit sie auch in Zukunft diese Gemeinschaft tragen und unserer Schule dienen!

Uschi Wagner ist Mutter in der 8. Klasse und Mitglied in der Elternbeitragsgruppe sowie im Konfliktbearbeitungskreis.

Dem Zukünftigen real begegnen –

Ein Gespräch zwischen Tobias Richter und Leonhard Weiss

Tobias Richter: Lieber Leonhard, das letzte Mal hatten wir uns unterhalten über das Thema „Dankbarkeit“, jetzt sag mal du, über welches Thema wir uns heute austauschen wollen?

Leonhard Weiss: Ich hab’ es jetzt mal für mich mit „AktivWerden“, „Tätig-Werden“, „Machen“ gefasst. Auf jeden Fall alles Themen, die meinem Verständnis nach viel mit dem zu tun haben, was Steiner „Wille“ nennt. Und damit ist ein Motiv berührt, das für das waldorfpädagogische Selbstverständnis sehr zentral ist: Schule hat die Aufgabe von „Willenserziehung“ – was auch immer damit gemeint ist …

TR: Wenn ich versuche, eine kleine Brücke zu schlagen zu dem Thema Dankbarkeit, dann fällt mir ein, dass Steiner in seinem Lehrerbildungskurs am vierten Tag über den ersten Schultag spricht. Er extemporiert eine erste Schulstunde. Dabei hat er ErstklässlerInnen vor sich und spricht ungefähr so: „Ihr kommt also in die Schule, um etwas zu lernen und habt zwei Hände, eine rechte Hand und eine linke. Die Hände habt ihr zum Arbeiten, damit könnt ihr allerlei machen.“ Und im weiteren Verlauf dieser imaginären Schulstunde geht es meiner Meinung darum, den Kindern zu zeigen, dass sie dankbar sein dürfen, zwei Hände zu haben, mit denen sie etwas machen können: Welt verändern, Welt gestalten – eben auch das machen, was die Großen machen. Da gibt es so einen Motivstrang, der da durch geht, denn Steiner lässt nun diese imaginierten Kinder gleich etwas an der Tafel machen: Eine gerade Linie und eine gebogene Linie sollen sie zeichnen. Er redet nicht über das Machen, sondern lässt die Kinder etwas machen, etwas zeichnen. Und so fängt die Schulbiografie von Generationen von WaldorfschülerInnen an: mit Machen und Dankbarsein, dass man etwas machen kann.

LW: Ja, diese Verbindung ist interessant, weil Dankbarkeit sich ja immer auf etwas bezieht, was schon war oder ist: Ich

kann dafür dankbar sein, dass ich zwei Hände (bekommen) habe und damit so tätig werden kann, wie es die Großen können und dabei vielleicht sogar etwas schaffen, was die Großen bis jetzt noch nicht konnten. Zum „Willen“ gehört aber bei Steiner doch immer auch ein Zukunftsaspekt dazu. Im Willen werden wir von dem angesprochen, was noch nicht da ist. Man könnte sagen, die Zukunft „zieht“.

TR: Natürlich! Es geht um die Zukunft – und für das Kind ist das Können der Erwachsenen die erste, die nächste Zukunft. Wenn dies erreicht ist, geht es nicht darum, das zu überwinden, zu übersteigen? Du hast gesagt, dass Steiner das Machen immer in Verbindung mit dem Willen sieht und den Willen verbunden mit dem Zukünftigen. Da gebraucht er solche Formulierungen, dass Wille in seinem Zukunftscharakter immer so etwas wie ein „Keim“ sei, der nie ausgeschöpft werden kann. Er ist inhaltslos. Wir können dem Willen Inhalt geben, ihm Anlässe zu seiner Realisierung schaffen im Machen, Gestalten, Bewegen, Denken usw. usw. Aber wie das Meer nach stürmischer Tätigkeit wieder glatt ist, so ist auch der Wille immer wieder rein, bereit zu neuen Aktionen, bereit, einen zu neuen Ufern zu tragen. Er bleibt also nicht „besetzt“.

LW: Möglicherweise stellt Steiner deswegen in der Menschenkunde das Willenshafte dem Vorstellungsmäßigen gegenüber. Was sich aus einem Keim alles entwickeln kann, das geht oft über das hinaus, wovon wir uns zunächst konkrete Vorstellungen machen. Daher ist ein Keim nicht einfach ein Ausläufer oder eine Fortsetzung.

TR: Du hast dich jetzt ja auf zwei Vorträge der Allgemeinen Menschenkunde bezogen, in denen „Wille“ versus „Vorstellung“ beschrieben wird, und es ist dann irgendwie konsequent, wenn Steiner im weiteren Verlauf des Kurses meint, dass, wenn man eine Zukunftspädagogik begründen will, man ein genaues Bild braucht von dem, was Wille ist, den

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Gedanken zu einer „Menschenkunde des Machens“

er dann in sieben Stufen charakterisiert: vom Instinkt über Trieb, Begierde zum Motiv, Wunsch, Vorsatz, Entschluss. Schließlich möchte diese Pädagogik etwas in die Welt bringen, was es vorher noch nie gegeben hat. Vielleicht ist das Signum der Waldorfschulen, dass es neben so einer Rindenund Stammbildung – zu der auch all die Traditionen gehören – auch permanent neue Keime geben muss, die die Pädagogik weiter impulsieren, damit diese Offenheit am Leben erhalten wird.

LW: Allerdings könnte man natürlich auch sagen, dass, wenn Generationen von WaldorfschülerInnen die erste Schulstunde in gleicher Weise erleben, hier etwas doch schon recht fest geworden ist. Das gehört vielleicht zur Rindenbildung…

Was mir bei der Gegenüberstellung des Vorstellungshaften und Willenshaften auch wichtig erscheint, ist, dass das Vorstellungsmäßige stärker die Gefahr des Egoismus in sich birgt, weil wir uns leicht Vorstellungen bilden von dem, was wir kennen und auch von dem, was wir für uns vielleicht

wollen, wogegen das Willenshafte, das Keimhafte offener ist für Impulse, die von außen kommen und vielleicht zunächst nicht im eigenen „Interesse“ sind. Mir scheint dies ein großes Thema unserer Zeit zu sein: der Gegensatz zwischen dem egoistisch Vorstellungshaften und dem zukunftsoffenen Willenshaften. Ganz banal zeigt sich das für mich in der aktuellen Diskussion über E-Fuels. Geht es vielen hier nicht einfach darum, eine Vorstellung zu finden, die uns erklärt, dass wir unser Leben so weiterführen können, wie wir es bisher getan haben, ohne auf etwas verzichten zu müssen, dass wir etwa ganz genauso bequem und oft Auto fahren können wie bisher? Das ist doch eine ziemlich eingeengte Vorstellung des Zukünftigen.

Dagegen versuchen gerade die jetzt protestierenden jungen Menschen zu zeigen, dass heutiges Handeln von dem ausgehen sollte, was die Zukunft braucht, nicht von dem, was wir, aus der Vergangenheit kommend, gewohnt sind.

TR: Ist denn nicht die Frage der Kinder oder Jugendlichen an uns LehrerInnen oder Eltern die: „Wie macht ihr denn

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WaldorflehrerIn werden? MA Waldorfpädagogik berufsbegleitend studieren. 23 Anmeldung und Information zentrum@kulturundpaedagogik.at www.waldorflehrerwerden.at 0670 359 33 22

das, wofür engagiert ihr euch?“ Sich da zurückzuziehen und zu meinen, „Die Zukunftsprobleme betreffen euch, nicht uns, die müsst ihr lösen“, gilt nicht! Die Erwartung, zu erfahren, wie wir uns selbst dazu verhalten, ist zutiefst berechtigt.

Für mich ist da interessant gewesen, dass mit aus dem Grund, sich dem Neuen gegenüber offen zu halten und situationsgemäß zu agieren, Steiner zwei Übmöglichkeiten anbietet: Das Eine ist die Selbstverwaltung von Organisationen wie z. B. Schulen. Dort kann erlebt werden, dass eine Organisation wie etwa eine Schule eine im Werden begriffene Struktur hat. Daran sollen sich LehrerInnen und damit befasste Eltern üben – mit allen Schwierigkeiten, die damit verbunden sind: Es gilt, professionell zu werden im Aufgreifen dessen, was werden will und werden muss und nicht, diese Herausforderungen einem Direktor umzuhängen, der dann sagt: „So wird’s gemacht!“ Dann verabschiedet man sich davon, dass es gilt, ein neues, ein richtigeres Modell zu finden. – Das Andere hängt mit dem von Steiner immer wieder benutzten Begriff der „Erziehungskunst“ zusammen: Wenn Unterrichten auch ein künstlerischer Akt, ein künstlerisches Ereignis sein soll, dann muss ich offen sein für das Zukünftige, für das, was es noch nicht gibt und dem ich zu seinem Erscheinen beistehen will. Was ja die Aufgabe für jeden Künstler ist. Dazu muss ich Formen suchen, Techniken finden, unterschiedliche „Sprachen“ kennenlernen, in denen es sich artikuliert, ein entsprechendes Klima schaffen, in dem es zur Erscheinung kommen kann… Kurzum: Beide, Selbstverwaltung und Erziehungskunst, hängen für mich mit dem Ziel zusammen, den Kindern und Jugendlichen erlebbar zu machen: Wir setzen uns mit Fragen auseinander, die aus der Zukunft auf uns zukommen und sind so auch Teil dieses Zukunftsstromes.

Besonders die Künste können einen immer wieder heranführen an das, was werden will. – Gerade gestern durfte ich im Eurythmieunterricht einer 11. Klasse dabei sein, in welchem die jungen Damen und Herren Eurythmie-Soli probten für eine Eurythmie-Performance mit eigenen Texten, mit selbstgewählten Musikstücken und Gedichten. Dabei konnte ich wahrnehmen, wie sie sich auch auseinandersetzen mit ihrem Können, das, was sie wollen, zu gestal-

ten. Es gilt, sich zu disziplinieren, dieses Können zu entwickeln, um dem Zukünftigen – also ihrem Vorhaben – real zu begegnen.

LW: Ja, das ist oft das Schöne bei solchen Prozessen: Das Zukünftige ist offen, hat aber doch auch eine gewisse Ordnung in sich, die es zu entdecken gilt. Also muss man sich in beidem üben, in Offenheit und Gestaltungsfähigkeit. Offenheit heißt ja nicht, dass ich immer irgendwie wechsle, sondern dass ich zu erkennen versuche, welche Tendenz zu einer neuen Ordnung, zu einem neuen Sinn in der Zukunft liegt. Das scheint mir auch eine wichtige Polarität unserer Zeit zu sein.

Möglicherweise hat damit auch das von dir angesprochene Thema der ersten Schulstunde zu tun: das Erleben von gerader und gebogener Linie!

TR: Es ist ja interessant, dass nirgendwo geschrieben steht, man müsse die erste Schulstunde immer so machen, an allen Waldorfschulen! Steiner greift nach einem in seiner Einfachheit und Prägnanz anscheinend nicht zu überbietenden Beispiel, das nicht nur bei den Bedürfnissen des Kindes ansetzt, etwas gestalten zu wollen, sondern sofort zwei Gestaltungspolaritäten ins Spiel bringt: eine Gerade, zielgerichtet, eine eindeutige Richtung vorgebend, stringent, unerbittlich, klar usw. Wogegen eine gebogene Form sämtliche Möglichkeiten der Spannung, der Dynamik, des Hineinschwingens in einen Raum offenlässt. Steiner ist damit etwas eingefallen, das vielleicht mit der Polarität, von der du vorher sprachst – Vorstellungsmäßiges, Willenshaftes –, zu tun hat. Anscheinend „sitzt“ dieses Beispiel so, beinahe wie eine Naturerscheinung, dass man sich fragen muss: Warum soll Kindern das vorenthalten werden?

Aber gelobt sei der, der etwas Treffenderes findet – denn das wird es sicher geben, wenn man genügend sucht.

LW: Das ist doch ein schöner Schluss für ein Gespräch übers „Machen“: Ein Lob auf alle, die aus dem, was als Tradition da ist, etwas Neues entwickeln! ¶

Leonhard Weiss und Tobias Richter sind Dozenten am Zentrum für Kultur und Pädagogik.

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Gespräch mit den Berkes

Holger Finke in einem Gespräch in 12 Akten mit Nadja und Matthias Berke sowie mit deren Söhnen Paul und Theo als special guests

Holger Finke (HF): Liebe Nadja, lieber Matthias, als Eltern seid Ihr mit der Schule seit 13 Jahren verbunden. 2010 wurde Euer älterer Sohn Paul in die 1. Klasse eingeschult. Ein Jahr später wurde Euer zweiter Sohn Theo in die wiederum neue 1. Klasse aufgenommen. Paul schloss seine Waldorfschulzeit vor einem Jahr ab und maturiert soeben. Theo ist jetzt in der 12. Klasse. Damit zeichnet sich das Ende Eurer Schulzugehörigkeit als Eltern ab. Es ist ein bisschen, als wenn Sand durch eine Sanduhr rieselt. Die Uhr ist fast leer, die Körner scheinen immer schneller zu rieseln. Nur kann man die Uhr am Ende nicht umdrehen, damit der Vorgang von vorne beginnt. Die Sache hat also etwas Finales.

1. Wie geht es Euch mit der Situation? Könnt Ihr ein Stimmungsbild zeichnen, flüchtig und unverbindlich?

Matthias Berke (MB): Ja, es geht in schnellen Schritten auf das Ende der Schulzeit zu – fein, dass noch die Referate vor uns liegen, das 12.-Klass-Spiel und für die SchülerInnen die Klassenreise, aber auch noch das Sommerfest; mein liebstes Fest.

Stimmungsbild? Irgendwas zwischen Nachdenklichkeit und Zuversicht … oder: einerseits Aufatmen und andererseits ein zweites Zuhause verlieren. Und muss ich jetzt eigentlich den Schulschlussel abgeben?

Nadja Berke (NB): Von jetzt aus gesehen, scheint diese Zeit sehr schnell vergangen zu sein. Zur Sanduhr muss ich sagen, wir drehen sie schon um, denn unsere Nichte Luise besucht gerade die 1. Klasse. Somit können wir, aus der Tanten- und Onkel-Distanz und -Perspektive heraus, doch nochmal 12 Jahre miterleben. Das macht die „Finalität“ weicher und ganz gut erträglich.

HF: Ihr habt Euch im Laufe der Jahre immer intensiver in verschiedenen Bereichen der Schule engagiert: als Mitglieder im Elternrat, als PR-Vertretung im Waldorfbund, Matthias als Grafikdesigner in unzähligen PR-Projekten, und schließlich habt Ihr beide von Karl Hruza das MoMent geerbt, welches in diesen Tagen ein letztes Mal unter Eurer Regie entsteht. Daneben habt Ihr, wie viele andere Eltern

auch, immer wieder bei unterschiedlichsten Schul- und Klassenaktivitäten mitgeholfen.

2. Wie seid Ihr in den Schulbetrieb hineingewachsen? War das ein langsamer oder schneller Prozess? Was waren Eure Motivationen?

NB: Die Motivation waren Paul und Theo. Mit ihnen sind wir hineingewachsen, und mit ihnen wachsen wir wieder heraus. Ich habe mich gleich in der ersten Klasse von Paul für den Elternrat gemeldet, weil ich damals im Kindergarten ein paar Kritikpunkte hatte, und ich wollte bei der Schule mitgestalten können. Berührungsängste hatte ich deshalb keine, weil ich selbst hier an der Schule war. Das ist zwar schon bei Pauls Einschulung sehr lange her gewesen, gab mir aber eine gewisse Sicherheit, obwohl die Rudolf Steiner-Schule WienMauer da schon eine ganz andere war als damals zu „meiner Zeit“ – so wie sie jetzt eine etwas andere ist als vor 13 Jahren. Das ist gut so, denn Weiterentwicklung ist notwendig und gut.

MB: Ich fühle mich im Machen wohl, und es dauerte ja nicht lang, bis die ersten Aufgaben und Notwendigkeiten an unserer Türe anklopften … so erlebt, war es ein schnelles Eintauchen ins gemeinsame Tun.

HF: Ihr habt den Schulorganismus von innen und aus verschiedenen Perspektiven heraus kennengelernt. Ihr habt gute und schlechte Zeiten erlebt.

3. Was waren dunkle, was waren helle Momente für Euch?

MB: Dunkle und helle Momente? Ich denke eher an die vielen hellen Köpfe und Talente, die ich in den vergangenen Jahren in der Schule sah …

NB: Die hellen Momente sind „Sternstunden“ der Jungs und ihrer KlassenkollegInnen für mich gewesen – wo sie z.B. plötzlich einen Entwicklungsschritt gemacht haben. Diese waren eigentlich immer dann am stärksten für mich erlebbar, wenn sie nicht mit kognitiven Fähigkeiten zusammenhingen,

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sondern mit sozialen Kompetenzen, die plötzlich spürbar wurden.

Helle Momente waren natürlich all die Praktika, Reisen, Aufführungen, für mich vor allem jene, die mit Musik verbunden waren, und in Form von diversen nachhause gebrachten Werkstücken, entstandenen Texten, allen voran die Jahresarbeiten, die eben tatsächlich dem Wort Reife-Prüfung gerecht werden.

Schwierige Situationen gab es in beiden Klassen hin und wieder. Einer unserer Söhne hatte es eine kurze Zeit recht schwer mit Klassenkollegen – das war ein dunkler Moment. Mal war ein Teil der Elternschaft gegenüber der Klassenlehrerin unsicher, mal war ein Teil der Elternschaft bemüht, einige Kinder, die als „schwierig“ benannt wurden, aus einer Klasse zu bekommen.

In beiden Fällen war ich sehr froh, Teil des Elternrates zu sein und damit einen Blick zu haben, der nicht nur auf eine Klasse beschränkt ist. Dadurch ließen sich Situationen vernünftig relativieren und erkennen, dass die Aufregungen um Ereignisse, Umstände oder Unsicherheiten im Ganzen gesehen, nebensächlich waren. Da half ein grundsätzliches Vertrauen in die Pädagogik, die eigenen Kinder und die LehrerInnen. Und die Corona-Zeit würde ich durchaus auch als eher „dunkel“ beschreiben. Wobei das weniger bis gar nichts mit unseren beiden Söhnen zu tun hatte – die sind damit gut zurechtgekommen – als vielmehr mit dem Umgang Einzelner innerhalb der Schulgemeinschaft mit dem Thema. Aber da muss man sagen, dass die Gesellschaft eben nicht vor den Toren unserer Schule Halt gemacht hat – auch die Waldorfschule ist keine Insel der Seligen.

HF: Zwischen den Höhen und Tiefen liegen die Normalwettertage. Durchlebt man solche, weiß man nie genau, wann das nächste Gewitter kommt. Nehmen wir an, es herrscht, bedingt wodurch auch immer, gerade einmal eine schwierige Zeit.

4. Wie habt Ihr den Umgang der Schule, also der Eltern, der SchülerInnen und LehrerInnen, mit einer solchen Krisensituation erlebt? Was habt Ihr als erschwerend oder fördernd erlebt?

MB: Ich nehme unsere Schule als eine von uns freiwillig gewählte Gemeinschaft in Selbstverwaltung wahr, in der jede und jeder gesehen wird – sei er oder sie laut oder leise, fordernd oder verhalten. Dergestalt schauen wir hin und nicht weg – und das würde ich mir von allen wünschen.

NB: Fördernd und bereichernd war und ist immer das gemeinsame Tun, offen über Dinge reden können und sich einbringen oder auch mal zurückzunehmen, wenn man merkt, anderen sind Dinge so wichtig, dass es da eine Lösung oder Bearbeitung braucht.

Prinzipiell muss ich sagen, dass „die Schule“ – und das sind ja wir alle gemeinsam – mit Krisensituationen immer ganz gut umgegangen ist. Manches Mal könnte es für mich da durchaus ein bissl mehr Entscheidungswille geben und ein bissl weniger basis-demokratisches Vereinsgebaren – klarere Entscheidungsträger-Aufteilungen – aber das ist jetzt sehr subjektiv.

Was mir sehr positiv aufgefallen ist, ist, dass mit „Wege zur Qualität“ ein Leitfaden an unserer Schule vorhanden ist, auf den man gut und gerne öfter und bewusster zurückgreifen kann. Dieses Qualitätsmanagementverfahren birgt viele Lösungsmöglichkeiten für schwierige Situationen (nur ein Stichwort: Dynamische Delegation). Da müssen wir alle dranbleiben, das bewusster wahrzunehmen und daraus zu schöpfen. Vor allem bei den Eltern würde ich mir in Zukunft da mehr Interesse wünschen. Schließlich unterschreiben wir ja alle bei der Aufnahme unserer Kinder in die Schule den Eltern-Schule-Vertrag, der auf den 12 Gestaltungsfeldern von WzQ aufbaut.

HF: Viele Krisen können nicht ohne Vertrauen zueinander bewältigt werden.

5. Wie schätzt Ihr die Vertrauenskultur an unserer Schule ein? Was können wir tun, um diese immer wieder zu beleben und zu pflegen?

MB: … Holger, einen Moment bitte, ich schaue kurz in meinem kleinen Ratgeber „Wenn Krisen kriseln“ nach …

NB: Vertrauen und Offenheit – also im Sinne der Unvoreingenommenheit – empfinde ich als eines der wichtigsten Dinge überhaupt. Ich versuche immer, jedem Menschen unvoreingenommen entgegenzutreten (behaupte allerdings nicht, dass mir das immer gelingt!). Auch wenn ich schon über jemanden das eine oder andere gehört habe, möchte ich dem Menschen begegnen, als hätte ich das eben nicht, um mir selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Vertrauensvorschuss braucht es in einer Waldorfschule halt besonders, weil wir ja unsere Kinder in die Obhut einer Klassenlehrerin, eines Klassenlehrers geben, der sie dann für so lange Zeit begleitet. Als ehemalige Waldorfschülerin weiß

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ich sehr genau, wovon ich da spreche. Ein grundsätzliches Vertrauen in die Waldorfpädagogik selbst muss man auch haben, weil es sonst wirklich anstrengend ist. Ich weiß das, weil meine Mutter ursprünglich dieses Vertrauen nicht hatte. Mein Vater schon. Die Unsicherheiten, die sich aus diesem Nicht-Vertrauen entwickeln können, sind nicht gut – weder für die Kinder noch für die Eltern noch für die Schule. Das heißt jetzt aber nicht, dass „blindes Vertrauen“ angesagt ist. Nein. Aber ein wenig Grundwissen von Waldorfpädagogik und eine grundsätzlich positive Einstellung dieser gegenüber sollten schon da sein. Was wir tun können, um die Vertrauenskultur zu beleben und zu pflegen? Mitgestalten. Informiert sein. Machen.

HF: Blicken wir auf die sonnigen Tage. Ich wage die These, dass wir Menschen diese weniger intensiv registrieren als die schlechten Tage. Schnell ist das gute Wetter, das Glück, in dem wir leben, selbstverständlich, und wir versäumen es, uns daran zu freuen und Kraft daraus zu schöpfen, die wir einsetzen könnten, um uns und andere weiterzubringen.

6. Seht Ihr Maßnahmen, wie wir unsere Stärken und das, was uns gelingt, bewusster wahrnehmen und erleben können?

NB: Bewusst Rückmeldungen geben!

MB: Indem wir mehr darüber reden, loben und auch feiern. Richten wir diese Frage doch beherzt an alle!

HF: Ihr habt, wie ich oben schon umrissen habe, wirklich einen großen Teil Eurer Zeit und Kraft der Schule zur Verfügung gestellt.

7. Was sind wesentliche Erfahrungen, Lernschritte oder Einsichten, die Ihr für Euch aus dieser Phase Eures Lebens mitnehmt?

MB: Freunde, gute Erinnerungen, Optimismus und ja, zwei junge Erwachsene (bin eh gespannt auf deren Antworten).

HF: Leben bedeutet Veränderung, natürlich nicht zu 100 % in jedem Augenblick. Lebenskunst besteht vielleicht darin, in jedem Moment die richtige Mischung aus Bewahren und Verwandeln zu finden.

8. Was sind wesentliche Dinge, die Ihr der Schule für ihre weitere Entwicklung wünscht? Was soll sie momentan bewahren, wo darf/sollte sich etwas ändern?

MB: Schule ist per se ein Ort des Wachstums. So braucht es Sonne und Wasser, also Eltern, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken, sondern mitgehen …

NB: Was mir wichtig wäre, dass in der Schule bewahrt wird, ist unser freies Finanzmodell. Dass Eltern mit Eltern über die Finanzbeiträge sprechen, Notwendigkeiten erläutern, PädagogInnen nicht wissen, wer wieviel zahlt, und dass dadurch diese Schule nicht nur konfessionell und ethnisch, sondern auch aus finanzieller Sicht für ALLE offen ist, ist eines der für mich besten Dinge dieser Maurer Waldorfschule. Was ich mir für die KlassenlehrerInnen und SchülerInnen wünsche, ist ein selbstverständlicher, ehrlicher und offener Umgang mit dem Thema KlassenlehrerInnen-Zeit: Jede/r sollte die Möglichkeit haben, für sich und die „eigene“ Klasse entscheiden zu dürfen, ob sie/er ab der 6. Klasse Epochen abgibt oder die Klasse lieber nur bis zum 6. Schuljahr führen will.

Was ich mir für die SchülerInnen wünsche, ist eine flexiblere Oberstufe mit mehr Möglichkeiten, die individuellen Interessen der SchülerInnen zu fördern und zu stärken. Vielleicht in Form von klassenübergreifenden Angeboten.

Und ja, mir ist sehr bewusst, dass diese Wünsche organisatorisch und finanziell erst einmal stemmbar gemacht werden müssen.

Für die SchülerInnen der Oberstufe wünsche ich mir auch noch, dass von LehrerInnenseite aus genauer hingeschaut wird auf die einzelnen Lebensumstände der jungen Menschen und deren Entwicklung – gerade in der 11. und 12. Klasse kann es passieren, dass zu selbstverständlich zu viel Übernahme von Eigenverantwortung vorausgesetzt wird. Für und von den Eltern wünsche ich mir viel Zusammenhalt und ein gewisses Selbstverständnis, aus dem heraus Aufgaben innerhalb der Schulgemeinschaft übernommen werden, den Begabungen, Professionen und Talenten entsprechend.

Ganz konkretes Beispiel dafür: Der „Mauer Waldorf Lauf“ sollte wieder möglich gemacht werden!

9. Gibt es etwas, das durch meine Fragen noch nicht angesprochen wurde, das Euch aber bewegt und Ihr mitteilen möchtet?

NB: Ich wünsche mir von Herzen, dass es endlich irgendwann gelingen möge, dass die Waldorfschulen eine finanzielle Gleichstellung mit konfessionellen Privatschulen erreichen. Das wäre so erleichternd und hilfreich und würde so viele Ressourcen freisetzen, die seit über 50 Jahren in der Aus-

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einandersetzung mit finanziellen Schwierigkeiten gebunden sind. Ich hoffe, die Zeit ist bald reif dafür!

HF: Vor Euch liegt eine Zeit ohne Schulelternschaft.

10. Womit werdet Ihr die neue freie Zeit zukünftig füllen?

MB: …sicherlich auch mit fortgesetzter Elternschaft…

NB: …denn die hört ja nicht nach 12 Jahren Schulzeit auf…

MB: …und dem einen oder anderen Gastauftritt als Onkel…

NB: …und Tante.

Und fad wird uns sicher nicht.

HF: Unsere Schule ist Euch und allen Eltern sehr dankbar, die sich wie Ihr so aktiv, umsichtig und feinfühlig in die Gemeinschaft eingebracht haben und einbringen. Dadurch erfüllt sich erst der Waldorfschulgedanke, der ohne die Initiative und Gestaltungsfreude aller Beteiligten ins Leere laufen würde.

Zum Abschluss dieses Interviews sollen die angekündigten „special guests“ zu Wort kommen.

11. Lieber Paul (PB), lieber Theo (TB), wie habt Ihr als Schüler es erlebt, so engagierte Eltern zu haben? War Euch das zeitweilig zu viel Elternpräsenz in Eurer Schule?

PB: Naja, die Elternpräsenz war im Schulalltag nicht spürbar. Nur bei Veranstaltungen und der Organisation war etwas von dieser mitzubekommen.

TB: Hin und wieder war ich etwas genervt, aber im Endeffekt brachte ihr Engagement Positives für mich und vor allem für die Schule mit sich.

12. Könnt Ihr drei Kriterien nennen, die eine Schule der Zukunft erfüllen müsste, damit Ihr Eure Kinder dorthin geben würdet? Wollt Ihr abschließend etwas aussprechen, was Euch in Bezug auf Eure Schulzeit besonders wichtig scheint?

PB: Schwierig… Wahrscheinlich das Fördern von individuellen Stärken, kompetenten Umgang mit Konfliktsituationen zwischen SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern, viel Bewegungsmöglichkeiten für die SchülerInnen, vor allem in der Unter- und Mittelstufe.

TB: Wahlfächer, viel Sport und ein gutes SchülerInnen-LehrerInnen-Verhältnis. Aber eigentlich ist die Frage falsch gestellt – denn es gibt nicht wirklich Alternativen. Was ich von

Freunden mitbekomme, lässt mich glauben, dass das öffentliche Schulsystem veraltet ist. Man lernt statt fürs Leben nur „für die Matura“, für „ein Zeugnis“, und das bringt nix.

HF: Liebe Familie Berke, vielen herzlichen Dank, dass Ihr der Einladung zu diesem Gespräch gefolgt seid. Alles Gute auf Euren weiteren Wegen! ¶

Holger Finke ist Oberstufenlehrer und war Tutor von Paul.

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Unser weiter Weg zum VfGH

Lothar

Manchmal muss man auch unseren Rechtsstaat in die Pflicht nehmen, um Veränderungen zu erkämpfen – oder zumindest auch diesen Weg nicht unversucht lassen.

Vor rund sieben Jahren haben wir mit vielen anderen Schulen in freier Trägerschaft (Waldorf-, Montessori- und Alternativschulen) unser erste „Klage“ auf Gleichbehandlung unserer Schulen mit konfessionellen Privatschulen eingebracht.

Durch viele Abweisungen, weitere Verfahrensschritte und negative Bescheide haben wir diesen Weg weiterverfolgt.

Zum Glück hat auch Wolfram Proksch, unser Anwalt in dieser Sache, einen langen Atem und versucht mit uns gemeinsam immer wieder, neue Wege zu finden, den Verfassungsgerichtshof (VfGH) zu einer eindeutigen Entscheidung zu zwingen.

Der Weg des Verfahrens ist so verworren, dass ich ihn hier gar nicht mehr erläutern kann, aber im Grunde ist das Ärgerliche in der ganzen Sache, dass der VfGH bis heute keine inhaltliche Stellungnahme zu der von uns dargestellten Ungleichbehandlung abgegeben hat.

Das aktuelle Privatschulgesetzt stammt aus dem Jahr 1962; damals gab es nur unsere Schule (mit wenigen SchülerInnen), die davon betroffen war.

Wir hoffen nun, durch die noch einmal nur von unserer Schule eingebrachte Beschwerde, die mit einer neuen Argumentation dasselbe Ziel verfolgt, endlich einen Schritt weiter zu kommen.

Mit einer entsprechend abschlägigen Antwort können wir dann auch vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen – wir werden sehen. Hier ein Ausschnitt aus dem Pressetext, der begleitend veröffentlicht wurde, auch als Argumentationshilfe für Sie, wenn Sie in der Gesellschaft für unsere Schule Position beziehen möchten:

Waldorfschule zieht wegen Ungleichbehandlung vor den VfGH

Österreichs älteste Waldorfschule klagt erneut auf Gleichheit und Gleichstellung und gegen Diskriminierung. Für Österreichs Waldorfschulen wird die VfGH-Entscheidung zur finanziellen Überlebensfrage. Die rechtliche wie finanzielle

Ungleichbehandlung nichtkonfessioneller gegenüber konfessionellen Privatschulen ist im Konkordat begründet. Warum für die Mitglieder des VfGH bereits zweimal ein Vertrag mit dem Heiligen Stuhl mehr wog als das Recht der Verfassung auf Gleichheit aller Staatsbürger, bleibt den Antragstellern ein Rätsel. Handelt der VfGH abermals nicht, wird die pädagogische Vielfalt des Landes ruiniert.

Österreichweit besuchen im laufenden Schuljahr 2.593 Schülerinnen und Schüler eine Waldorfschule. Lagen die jährlichen staatlichen Subventionen im Jahr 2014 noch bei 815 Euro pro Jahr und Kind, liegt die Förderung mittlerweile nur mehr bei 704 Euro pro Jahr und Kind. Seit zehn Jahren steigt die Schülerzahl, während die Förderung stagniert, was de facto eine Kürzung um 25 Prozent ergibt. fessionellen Volksschulen werden um das über Zehnfache höher gefördert als Waldorfschulen, nämlich mit rund 7.300 Euro pro SchülerIn und Jahr versus den 704 Euro pro SchülerIn und Jahr an einer Waldorfschule.

WaldorfpädagogInnen verdienen nur die Hälfte Pädagoginnen und Pädagogen an Waldorfschulen verdienen nur die Hälfte des Gehalts der Staatslehrer. Denn vom Bund und den Ländern erhalten nichtkonfessionelle Privatschulen maximal zehn Prozent des aufgewendeten Budgets. Hintergrund dieser Ungleichbehandlung ist das Konkordat, also der Vertrag Österreichs mit dem Heiligen Stuhl. Darin verpflichtet sich Österreich seit 1934 neben vielen weiteren Kirchenprivilegien, die Lehrerkosten konfessioneller Privatschulen zur Gänze zu finanzieren. Die Lehrergehälter konfessioneller Privatschulen werden bei laufend steigenden Schülerzahlen aus dem Steuertopf bezahlt und valorisiert. Katholische und evangelische Privatschulen veröffentlichen weder die Bilanzen ihrer Schulen, noch werden Gewinne an die Republik Österreich zurückbezahlt.

Dr. Wolfram Proksch: Verfassungsrecht auf Gleichheit wird verletzt

„Wir bauen darauf, dass die Mitglieder des VfGH anders als bisher die verfassungsrechtliche Ungleichbehandlung als solche auch benennen. Während konfessionelle Privatschulen einen Rechtsanspruch auf Subventionen zur Deckung

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ihres gesamten Personalaufwands haben, werden nichtkonfessionelle Privatschulen lediglich mit jederzeit widerrufbaren Ermessensförderungen bedacht, die den Personalaufwand nicht annähernd decken. Zudem werden die Förderungen nach nicht nachvollziehbaren Kriterien intransparent und willkürlich vergeben. Die massive Schlechterstellung ist sachlich unbegründet, da die Antragsteller ebenso wie konfessionelle Privatschulen die öffentliche Hand entlasten, einen Beitrag zum staatlichen Erziehungsauftrag und zur pädagogischen Vielfalt leisten. Hinzu kommt, dass der Staat zu religiöser und weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist. Durch die jetzige Schlechterstellung werden die nichtkonfessionellen Privatschulen in ihrem Verfassungsrecht auf Gleichheit verletzt“, sagt Anwalt Wolfram Proksch, der die Beschwerde beim Verfassungsgericht eingebracht hat.

Novellierung des völlig veralteten Privatschulgesetzes ist überfällig

Ein Ende der Diskriminierung der Schulen in freier Trägerschaft wurde bereits im Expertenbericht der Bildungsreformkommission 2015 gefordert. Die Expertengruppe empfahl, „nichtkonfessionelle Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht in Bezug auf die Lehrerpersonalbewirtschaftung mit konfessionellen Privatschulen gleich zu behandeln.“ Der Reformbedarf bei diesem Gesetz wird seither vom Gesetzgeber ignoriert. „Die rechtliche Ungleichbehandlung ist neben dem Konkordat im Privatschulgesetz begründet, das im Jahr 1962 zu einem Zeitpunkt in Kraft getreten ist, als es überwiegend konfessionelle Privatschulen und noch keine nichtkonfessionellen Privatschulen in freier Trägerschaft gab. Abgesehen davon, dass die Differenzierung zwischen

konfessionellen und nichtkonfessionellen Privatschulen bereits zum Zeitpunkt des Inkrafttretens gleichheitswidrig war“, sagt Proksch.

In Deutschland längst Realität: Waldorfschulen dürfen nicht benachteiligt sein Dass eine rechtliche wie finanzielle Gleichstellung der Waldorfschulen problemlos möglich ist, zeigt Deutschland. In deutschen Waldorfschulen werden rund 70 Prozent des gesamten Schulbudgets vom Staat abgegolten. Aus einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ging hervor, dass Eltern für die Schule ihrer Wahl nur „sozial verträgliche Kosten“ in der Höhe von maximal 150 Euro pro Kind und Monate entrichten müssen.

In den Waldorf-Unterstufen ist die pädagogische Freiheit der Schulen groß, in den Oberstufen sehr ähnlich der in öffentlichen Gymnasien. In Deutschland besuchen 90.000 SchülerInnen eine Waldorfschule – ohne deren Eltern in finanzielle Bedrängnis zu bringen und ohne finanzielle Selbstausbeutung der Lehrerinnen und Lehrer. ¶

Lothar Trierenberg und Christina Aumayr sind Eltern an unserer Schule.

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Matthias Berke

Vita Activa!

In ihrem Buch Vita Activa beschreibt die Philosophin Hannah Arendt die Bedeutung des bewussten Schrittes in den öffentlichen Raum. Dieser lässt das Individuum in seiner Menschwerdung reifen und ist unabdingbar für eine Offene Gesellschaft im Sinne des Philosophen Karl Popper.

Der Ansatz, dem individuellen Leben einen Sinn fürs Gemeinwohl zu geben, begleitet mich auch als Lehrerin und ist Kern der politischen Bildung. Es beginnt mit dem Buchstabieren der Politik: Was ist der Nationalrat, was der Bundesrat, das Präsidium, das stenographische Protokoll, der Ordnungsruf? Was ist eine parlamentarische Anfrage, die Erste Lesung, ein Ausschuss, eine NGO? Warum ist die Gewaltenteilung wichtig? Wie entsteht ein Gesetz? Wie setzen sich Klub, Partei und Akademie sowie Landtage zusammen? Was ist die Verfassung? Welche Werkzeuge der Bürgerbeteiligung gibt es?

In der 10. Klasse stehen auch Besuche von Parlament und ORF sowie ein fiktiver Wahlkampf am Programm: Gründung von Parteien mit Wahlprogramm, Slogans, Plakaten, politischer Rhetorik, „Elefantenrunde“, Interview der Parteispitzen durch „Armin Wolf“ und die Wahl selbst.

Strahlende SiegerInnen und überraschende Wahlniederlagen inklusive.

In der 11. Klasse steht das Erfassen von tagespolitischen Zusammenhängen im Vordergrund: von der Kryptowährung über Österreichs Abstieg im internationalen Ranking der Pressefreiheit bis zum Gerrymandering in den USA. Der zweite Schwerpunkt umfasst die ersten Schritte ins Projektmanagement, da Politik immer auch Management ist. Wer organisieren kann, kann die Welt mitgestalten. Der dritte Schwerpunkt ist die Gründung eines Vereines. Da Vereins- und Parteirecht quasi deckungsgleich sind, können die Jugendlichen danach reale Vereine und Parteien gründen. Ein Werkzeugkoffer für die eigene Vita Activa.

Der öffentliche Raum ist auch immer Raum für Kunst. So war es ein Glück, dass unsere Schülerin Maryna Marmazinskaja alias KüR den FM4 Protestsongcontest gewann. Als jüngste Gewinnerin und mit der höchsten Punktezahl ever! Das Event im Rabenhof gedenkt seit 20 Jahren der Kämpfe am 12. Februar 1934 und dem Beginn des Austrofaschismus. Neben Jury-Bewertungen wie „Bombe!“ und „Gänsehautmomente“ begründete Sigi Horn das überwäl-

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von Maria Stern Johanna Singer

tigende Voting mit folgenden Worten: „Sie hat uns dort abgeholt, was wir alle kennen. Menschen gehen spazieren, verlieben sich, es ist schön, und dann sagt sie einfach nur: Es sind Menschen. Alles, was sie nicht sagt, sind Sachen, die wir wissen, die wir in den Nachrichten lesen, und genau da erwischt sie uns. Mit den Sachen, die sie nicht sagt. Und das ist so großartiges Songwriting“.

Dem ist nichts hinzuzufügen, und es sei lediglich erwähnt, dass Maryna ihr berührendes Friedenslied Ljudi (Menschen) zwei Tage später im Parlament sang, am 24. Februar 2023 vom Wiener Bürgermeister zum Empfang in den Roten Salon des Rathauses geladen wurde und das Lied vor dem Parlament vor 10.000 Menschen performte. Gigs am Wiener Kultursommer (7.7. um 18:30 am Herderplatz) und in Deutschland werden folgen. Vita Activa als musikalisches Kleinod.

Und dann gibt es noch das Tanzen. Spätestens seit Rolando Toro, dem chilenischen Begründer des Biodanza, kennen wir die Kraft des Tanzens im öffentlichen Raum. Die 11. Klasse studierte die Choreografie von Break the Chain ein. Der Tanz ist Bestandteil der internationalen Kampagne One

Billion Rising, die 2013 von der New Yorker Künstlerin Eve Ensler ins Leben gerufen wurde. Seither wird Break the Chain am Valentinstag als vitaler Protest gegen Gewalt an Frauen und Mädchen auf allen Kontinenten getanzt. Wir tanzten zum 10-Jahres-Jubiläum im historischen Sitzungssaal des Parlaments und lauschten dann gemeinsam mit der 10. Klasse internationalen Speakerinnen, die über die Situation ihrer Länder berichteten. So gibt es in Österreich, dem europäischen Frauenmordland Nr. 1, monatlich zwei bis drei Femizide. Getanzte Vita Activa, um patriarchale Strukturen aufzubrechen und Menschenleben zu retten.

Die 9. Klasse beschäftigte sich währenddessen eurythmisch mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Für manche das wichtigste Schriftstück der Menschheit. Geronnen aus leidvollen Erfahrungen und aus dem hellen Geist von Vernunft und Menschlichkeit geschrieben, sind die Absätze geradezu prädestiniert, getanzt zu werden. Denn, so Hannah Arendt: „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen.“ ¶

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Maria Stern ist Lehrerin an unserer Schule. Maria Stern

Selbst wirksam werden

Lieber Lorenz, kannst Du uns kurz Deinen eingeschlagenen Lebens- und Bildungsweg nach Abschluss der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer schildern?

Ich habe einen Bachelorabschluss in Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der Universität für Bodenkultur Wien und absolviere derzeit den Master dieses Studiengangs in den Fachbereichen Klima und Regionale Entwicklung. Zwei Jahre war ich bei Global2000 engagiert und habe dort verschiedene Veranstaltungen zur Bewusstseinsbildung mitorganisiert. Ab Ende 2021 war ich dann bei der Regionalgruppe Wien der Gemeinwohlökonomie aktiv und seit September 2022 bei der Letzten Generation. Dort bin ich derzeit Mobilisierungskoordinator, organisiere und halte Vorträge und war schon an vielen Straßenprotesten beteiligt.

Du bist Teil der „Letzten Generation“, die gegen die Ignoranz gegenüber dem Klimawandel kämpft und durchaus Anfeindungen ausgesetzt ist, als „Klima-Kleber“ – was für eine außerordentlich blöde Wortkreation! – bezeichnet wird und im medialen Widerhall anfangs mehr negativ als positiv dargestellt wurde. Warum stellte die „Letzte Generation“ die Möglichkeit dar, die Du ergriffen hast, um gegen das NichtsTun von Politik und Gesellschaft anzugehen?

Im Sommer letzten Jahres haben mich einige Klimapolitikseminare und gleichzeitig die schockierenden Nachrichten über die derzeitigen Auswirkungen der Klimakrise dazu bewegt, in den zivilen Widerstand zu gehen. Es hat mir nicht mehr gereicht, Bewusstseinsbildung zu betreiben, denn auch die Dringlichkeit zu handeln wurde mir immer klarer. Wir stehen vor der größten Menschheitsherausforderung und kurz vor dem Kollaps des Klimasystems der Erde.

Bei der Letzten Generation habe ich das Gefühl, selbst wirksam zu sein, etwas bewegen zu können. Lieber würde ich normal demonstrieren, doch die Nachricht an die Politik, endlich wirksame Maßnahmen zu setzten, darf nicht länger ignoriert werden können. Deswegen braucht es jetzt zivilen Ungehorsam und entschlossene Menschen, die auch bereit sind, Strafen und Gefängnisaufenthalte in Kauf zu nehmen.

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„Es gibt Hoffnung, ich habe sie gesehen. Aber sie kommt nicht von den Regierungen oder Unternehmen, sie kommt von den Menschen.“
Greta Thunberg
Lorenz Trattner im Gespräch mit Nadja Berke

Für mich ist der gewaltfreie Protest eine Möglichkeit, meinen Politikverdruss und die Wut über die Untätigkeit der Regierung zu kanalisieren. Ich möchte meine Verantwortung als privilegierter Mensch hier in Europa wahrnehmen und einsetzten. Bei der Letzten Generation kann ich das, gemeinsam mit einer starken Gemeinschaft, mit der ich mich inzwischen sehr verbunden fühle.

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass die Stimmung gegenüber der Letzten Generation in der Allgemeinheit besser wird. Ihr hattet ja gerade eine Aktionswoche in Wien. Hast Du das Gefühl, dass Eure Aktionen die Politik langsam in Bewegung bringen?

Es stimmt durchaus, dass wir immer mehr Solidarisierung erfahren. Auf der Straße, wo z.B. RadfahrerInnen uns bei der Blockade zujubeln, aber auch in der Politik. Die Stadt Bregenz hat sich bereits offiziell hinter unsere Forderungen gestellt und diese an die Regierung herangetragen. Auch die Wissenschaft steht hinter uns. Regelmäßig beteiligen sich führende KlimawissenschaftlerInnen an unseren Protesten und zeigen ihre Unterstützung.

Aber auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie z.B. viele „For Future“-Bewegungen gehen inzwischen mit uns auf die Straße.

Auf der anderen Seite sehen wir natürlich immer häufiger die Äußerungen von ÖVP-PolitikerInnen nach härteren Strafen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese eingeführt werden, ist jedoch sehr gering.

Wie gehst Du mit Aggressionen um, die Dir bei Deinen „Einsätzen“ sicher begegnen? Und erlebst Du auch positive Rückmeldungen?

Ich versuche, mich nicht von Aggressionen abschrecken zu lassen. Ich kann die Wut der AutofahrerInnen ja verstehen, aber leider bekommt der Protest nur so genügend Aufmerksamkeit. Die Medien berichten auch deswegen darüber, weil es eine Debatte auslöst und eine Störung verursacht wird. Viele PassantInnen bekräftigen jedoch oft, wie wichtig dieser Protest ist und vermitteln uns ihre Dankbarkeit. Generell steigt die Zustimmung. Gleichzeitig ist es uns aber egal, ob man unsere Blockaden gut findet oder nicht. Solange das Thema auf der Agenda ist und politischer Druck entsteht, können die Menschen unsere Methode auch verteufeln. Die Letzte Generation ist eine Art Feueralarm. Entweder wir handeln jetzt sofort oder haben für Jahrtausende lebensfeindliche Bedingungen auf diesem Planeten. Wenige wollen so etwas hören. Viele verdrängen oder verleugnen das Pro-

blem. Das ist nachvollziehbar, da wir einerseits in einem fossilen Wirtschaftssystem leben und gleichzeitig sehen, wie diese Art des Zusammenlebens unsere Welt zerstört. Durch unsere Aktionen sind wir der Überbringer schlechter Nachrichten, und dass dadurch Aggressionen entstehen, ist verständlich. Wir bieten den Menschen oft eine Projektionsfläche für viele verschiedene Emotionen.

In den letzten Monaten habe ich Dich ein paar Mal in den Nachrichten und in einer ORF-Reportage gesehen. Wie erging es Dir damit, Dich da selbst zu sehen? Hattest Du das Gefühl, dass das verwendete Material dem gerecht wurde, was Du sagen wolltest? Oder fehlten Dir da Teile Deiner Aussagen, die Dir aber wichtig gewesen wären?

Oft bleibt in Interviews nur so viel Zeit, dass ich die wichtigsten Inhalte und Zusammenhänge erklären kann. Manchmal kommt es auch vor, dass ich gern mehr sagen wollen würde, als dann möglich ist. Generell versuche ich einfach jede Chance zu nutzen, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen und die Aktivitäten der Letzten Generation in Kontext zu setzen.

Wir veranstalten jede Woche ein Krisengespräch in Wien, bei dem wir auch detaillierter erklären, wie der Ist-Zustand der Klimakrise aussieht, was ziviler Ungehorsam bedeutet und was wir als Letzte Generation für Schlüsse daraus ziehen.

Gibt es etwas, das Du uns noch verbal mitgeben möchtest, als SchülerInnen, Eltern und PädagogInnen?

Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen für unsere Zukunft einsetzen. Egal in welcher Position, es gibt immer Möglichkeiten, an Lösungen zu arbeiten, wie wir kollektiv die Klimakrise eindämmen und unsere Lebensgrundlagen schützen können. ¶

Lorenz Trattner ist ehemaliger Schüler unserer Schule. Nachgefragt hat Nadja Berke.

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“Climate activists are sometimes depicted as dangerous radicals. But the truly dangerous radicals are the countries that are increasing the production of fossil fuels.”
UN-Generalsekretär Antonio Guterres

Gemeinschaftsgeist verlebendigen

„Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele sich bildet die ganze Gemeinschaft und in der Gemeinschaft lebet der Einzelseele Kraft.“

Wie können wir als einzelne Individuen etwas zur Gemeinschaft, die im Waldorfkindergarten lebt, beitragen? Jede/r einzelne von uns hat einen oft getakteten Alltag zu beschreiten, und am Ende des Tages bleiben keine Initiativkräfte mehr, um noch etwas für sich oder gar für die Gemeinschaft zu tun. Die Beziehung zwischen Eltern und Kind, Kind und PädagogIn sowie PädagogIn und Eltern ist uns sehr wichtig. Wenn wir mit den Kindern in der Gruppe arbeiten, haben wir stets die ganze Familie dabei. Durch die Gespräche, wenn auch kurz, wissen wir um die Not und kennen sowohl die Bedürfnisse als auch die Sorgen.

Wie können wir helfen, einerseits den Wunsch nach einer Gemeinschaft zu erfüllen, andererseits als Gemeinschaft zu wachsen und etwas gemeinsam für uns zu schaffen?

Von der „Gatschküche“ zum „Erdenreich“

Schon vor längerer Zeit ist bei uns im Kindergarten der Wunsch nach einer „Gatschküche“ für den Garten entstanden. Am ersten Wochenende nach den Osterferien war es dann soweit. Beim Gartentag der Kindergartengruppe 3 kamen fleißige HelferInnen zusammen und gruben, schaufelten und schwitzten. Erde wurde ausgehoben, gestampft, fein gerecht und sorgfältig verteilt. Eine lustig-leichte Stimmung kam auf

und belebte den Garten an diesem Samstagvormittag mit

Die drei Kolleginnen dieser Gruppe, Esther Schmidt, Xu Chen und Claudia Tiedge, hatten im Vorfeld alles gut durchdacht und vorbereitet. Die Lage im seitlich-hinteren Bereich des Gartens erlaubt den Kindern, sich auf das Spielen zu konzentrieren, ohne beim Graben, Bauen und Gatschen unterbrochen zu werden. Auch der Weg zum Wasseranschluss ist nicht weit. Baumstämme für die Begrenzung waren vorhanden und wurden eingegraben. Erde gibt es dort in Hülle und Fülle. Rundherum darf nun ein neuer Rasen wachsen.

Anfangs dachten wir, dass „Gatschküche“ zwar nicht besonders schön klingen würde, aber dass es genau das sein soll. Denn Gatsch wird über kurz oder lang auf jeden Fall entstehen, und wir sind uns sicher, dass dort ordentlich gerührt, in Kübelchen gefüllt, umgeleert und mit kleinen Sandförmchen „gebacken“ werden wird. Darum dann die „Küche“.

Am Ende des Tages waren wir jedoch mit dem Namen gar nicht mehr so recht zufrieden, denn es war durch das gemeinsame Tun ein ganz besonderer Platz in unserem Garten entstanden: Ein wunderschönes „Erdenreich“ ist entstanden, in dem sich die Kinder ganz gewiss sehr wohl fühlen werden.

Vom Kopf bis zum Fuß

Mit unserem Gartenprojekt „Erdenreich“ wollten wir nicht nur einen schönen Spielort schaffen, sondern den Kindern – im

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von Xu Chen, Esther Schmidt und Claudia Tiedge Xu Chen, Esther Schmidt und andere

wahrsten Sinn des Wortes – helfen, sich zu erden. Durch das Tätigsein in der reinen Natur schärfen die Kinder ihre Sinne. Da das junge Kind ganz Sinnesorgan ist, will es sich mit dem ganzen Körper bewegen, mit Händen und Füßen tätig sein, seine Umwelt ergreifen und begreifen. Die schönsten Spiele entstehen dort, wo es „nichts“ zum Spielen gibt, es aber sinnlich stark angeregt wird. Unser „Erdenreich“ ist dafür geschaffen.

Alle Sinne werden angeregt: Hören, wie die Erde „krümelt“, wenn sie trocken ist, wie der Gatsch „schmatzt“, wenn er nass ist. Die Augen erleben, wie sich die Farben verändern, wie das Wasser von klar zu braun changiert. Kinder erleben den erdigen trockenen Geruch bis hin zum vielleicht modrigen Gatsch. Trockene Erde in den Händen und an den Füßen fühlt sich anders an als nasser Gatsch, wenn er mit den bloßen Händen und Füßen erlebt wird. An warmen Tagen ist der Boden anders, als wenn der Frost ihn hart gemacht hat.

Und durch all diese Sinneserfahrungen und das Tun mit und in der Erde kann sich das Kind mit dem Ur-Element Erde verbinden und so auf der Erde ankommen.

Wir freuen uns schon auf die warmen Tage, an denen wir auch mit nackten Füßen so richtig ins Erleben eintauchen können. ¶

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Xu Chen, Esther Schmidt und Claudia Tiedge für das Kindergartenkollegium

Sachen MACHEN lassen

von Verena Ott

Wenn ich an den Überbegriff „Machen“ denke, dann fällt mir zunächst mein Erstklässler ein, wie er seine Hausübungen erledigt. Manches ganz ruhig und gewissenhaft und anderes wieder schnell und hudelig – Hauptsache, es wird gemacht. Ein Lernprozess der Erstklasskinder ist ganz bestimmt der, dass einige Dinge eben gemacht werden sollen. Viel wichtiger allerdings empfinde ich den Prozess, dass etwas entstehen und gedeihen darf. Sich mit einer Sache beschäftigen und durchhalten oder üben, bis es gelernt wurde, dass ist der Prozess, den es braucht, um etwas gut zu machen. Viel Übung, Geduld und Fleiß benötigt der Mensch, um Dinge gut und richtig zu erledigen. Geben wir uns allen also die Zeit und den Raum, um üben zu dürfen. Man muss eben auch Fehler machen (dürfen).

Unsere Kinder sind nun angekommen und dürfen neue Erfahrungen „machen“, viele neue Dinge lernen, Freundschaften schließen, als Klasse zusammenwachsen und gedeihen. All das passiert in einem ersten Schuljahr und viele Jahre darüber hinaus, denn manche Dinge kann man eben auch nicht zu Ende bringen oder fertig machen. Manches ist ein Prozess, der immer andauert. So hoffe ich auf noch viele schöne weitere Jahre des gemeinsamen „Tuns“ für unsere großartigen Kinder. ¶

Verena Ott ist Mutter in der 1. Klasse.

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Teambuilding im Bienenstock

manchen großen Schritten. Die Kinder lernen einander immer besser kennen; jedes erkennt die Talente und Aufgaben von einzelnen Kindern. Die Neugier auf alles, was kommt im Jahreszeitenlauf, spornt die Klasse an. Endlich die Schreibschrift im schönen Schwung, Rechnungen, bei denen Finger ausgeborgt werden müssen und erste selbst erlesene Abenteuer begeistern besonders. Die Bienenkönigin mittendrin mit viel Humor und manchmal strengem Blick genießt das Summen und die Energie dieses wunderbaren Schwarms. Ach ja, Bienenepoche übrigens …

PS: Die zwölf katholischen Kinder der zweiten Klasse haben sich gemeinsam in der Wotruba-Kirche auf die Erstkommunion vorbereitet. Vielen herzlichen Dank an Frau Kittel für die samstäglichen Vorbereitungsstunden und die liebevolle Begleitung. Es wird ein Fest! ¶

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Ursula Khol-Haidenthaler ist Mutter in der 2. Klasse. von Ursula Khol-Haidenthaler Nadja Berke

Die 3. Klasse bei HandwerkerInnen

Zitate aus den Epochenheften

Maja: Zuerst haben wir gesehen, wie Schafe geschoren werden, das jüngste Schaf hieß Valentina, weil es am Valentinstag geboren wurde. Außer Schafen gab es noch Hühner und Hasen. Nachdem wir die Tiere angeschaut hatten, gingen wir in den Wald, ein Pecher hat uns gezeigt, wie man Harz gewinnen konnte. Danach haben wir eine Pechsalbe gemacht. Es war sehr, sehr schön.

Stanislaus: Wir besuchten eine der letzten Messerschmieden in Wien. Der Schmied zeigte uns ein besonderes Messer aus Damaststahl, das 1.000 bis 1.500 Euro kostet. Bei diesem Stahl werden mehrere Eisenstücke bei 1200 Grad zusammengeschmolzen und dann geschmiedet. Dann zeigte uns der Schmied, wie man schmiedet, und jeder von uns durfte mitmachen. Zum Schluss hat jeder ein Zuckermesser bekommen.

Alva: Beim Schuster durften wir verschiedene Lederstücke angreifen und sogar mitnehmen. Es war sehr beeindruckend. Dann sind wir weitergegangen zum Goldschmied Dort wird echtes Gold, aber auch Silber mit Vergoldung hergestellt. Dann waren wir beim Uhrenmacher und haben dort sehr besondere Uhren anschauen dürfen. Zum Schluss haben wir noch einen Sacherwürfel bekommen, das fand ich sehr großzügig.

Oskar: Heute waren wir beim Köhler. Direkt neben einer Hütte sind zwei Kohlenmeiler. Ein Kohlenmeiler ist ein sortierter Haufen aus Holz. In die Mitte kommt ein Rohr. Das Reisig legt man zuerst darauf und danach die Erde. Wir haben Würstel und Steckerlbrot gegessen. Oben beim Bauernhof gab es Katzen, Kühe und Hühner. Im Stall hat Nareg gesagt: „Die schleckt mich mit ihrer Fünf-MeterZunge ab“. Wir sind wieder runtergelaufen – Stani und ich barfuß.

Mila: Wir sind mit der U4 und der U1 zum Stephansdom gefahren. Zuerst haben wir die Kirche angeschaut. Dann sind wir zum Steinmetz in die Halle gegangen. Der Steinmetz hat uns gezeigt, mit welchen Werkzeugen der Stein geklopft wird. Wir waren auch am Dachboden und durften mit dem Hamsterrad fahren. Es war einfach prima.

Annelie: Wir haben dann endlich den richtigen Kohlenmeiler von Nahem angeschaut und erklärt bekommen, dass man Löcher in den Kohlenmeiler macht, damit er weiß, dass er schneller arbeiten muss. Der Kohlenmeiler hat an vielen Stellen geraucht, und wo der Rauch blau war, wusste die Köhlerin, dass er drinnen irgendwo brennt. Wir haben Kohle

bekommen und sind noch alle auf den Bauernhof gegangen. Da wurde Frau Trierenberg von einer Kuh abgeschleckt.

Eleonore: In der Patisserie mussten wir uns lustige Haarnetze aufsetzen und waren in einem Riesenkühlschrank. Es hat mir sehr leidgetan, dass Anja und Natalie nicht dabei sein konnten, obwohl sich beide so auf den Ausflug gefreut hatten.

Katharina – Rose: Wir waren bei der Buchbinderin. Wir haben viel gelernt und auch verstanden. Wir haben auch ein eigenes Buch gebunden. Wir haben uns alle sehr gefreut, wie wir wieder in der Klasse waren. Es war sehr schön!

Aeneas: Es war sehr cool, vor allem, dass wir gehobeltes Holz haben und die Klanggabeln hören konnten. Die Geige besteht aus Decke, die besteht aus Fichte, der Boden aus Ahorn, die Zwirbel aus Ebenholz, das Griffbrett auch aus Ebenholz und der Kinnhalter aus Plastik oder auch aus Ebenholz. Und es war sehr schön.

Oslo: Und das Coolste in der Patisserie, fand ich, war das Minus-achtzehn-Grad Kühlhaus. Außerdem fand ich die Wasserlaserkuchenschneidemaschine sehr beeindruckend.

Niklas: Beim Feldbestellen hat mir besonders gut das Körnersäen gefallen, weil wir die Körner in die Erde pflanzen durften. Ich bin so gespannt, wie viel aus der Erde wächst. Das Pflügen und Eggen war lustig.

Nareg: Der Schneider nimmt zuerst Maß. Der Oberkörper und der ganze Mensch werden abgemessen und die Taille nicht vergessen! Dann werden die Maße auf ein Papier übertragen und der Schnitt gezeichnet. Ein passender Stoff wird ausgesucht und zugeschnitten. Die einzelnen Teile werden zusammengenäht. Das Kleidungsstück darf mit Freude getragen werden!

Max: Wir durften heute bei Frau Platz töpfern. Dort konnte man entweder ein Amulett oder einen Eierbehälter machen. Der Ton enthält alle Elemente: Erde, Luft, Wasser und Feuer.

Juno: Ich bin mit dem Nareg und Clemens mitgefahren, und die Autofahrt war sehr lustig, kann ich euch sagen. Es hat damit angefangen, dass die Schafe geschoren wurden. Danach konnte man sehen, was die Mutter ist und was das Baby ist. Dann wurden wir in Gruppen geteilt, wir haben zuerst eine Pechsalbe gemacht: Man mache den Herd heiß, dann muss man das Bienenwachs, dann Öl dazugeben, und dann erst kommt das Pech, dann warten bis es getrocknet ist. Es war sehr schön! ¶

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Lothar Trierenberg
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Steffl, Pizza fertig!

Die 4. Klasse weihte ihren Pizzaofen ein ...

Anfang Mai hatte die 4. Klasse endlich Gelegenheit, den Pizzaofen einzuweihen, den die Kinder im Rahmen ihrer Hausbauepoche im Juni 2022 in der Karl-Schubert Schule gebaut hatten.

Es war ein lauer Sonntagnachmittag, das Wetter hat gehalten, sogar die Sonne hat kurz vorbeigeschaut. Fast alle Familien waren dabei und haben Vorfreude, Hunger und viele, viele Köstlichkeiten mitgebracht: massig selbstgemachten Pizzateig, Paradeissaucen „nach Rezept des Hauses“, allerhand Käse-Wurst-Gemüse zum Belegen und die süßesten Kuchen, Brownies und Tiramisu.

Den ganzen Nachmittag lang wurden große und kleine, dicke und dünne Pizzen geformt, kunstvoll belegt, knusprig gebacken und von uns allen mit Genuss gegessen. Die Kinder haben den schönen Garten in der Karl-Schubert Schule bespielt, die Eltern und die Klassenlehrerin Frau Blasel haben angeregt geplaudert und die Stimmung war eine sehr gute.

Ich glaube, wir werden das nächstes Jahr wiederholen! ¶

... und besuchte den Steffl.

Am Montag ist die 4. Klasse zum Stephansdom gefahren. Sehr viele Kinder freuten sich. Als wir schließlich da waren, gingen wir mit Frau Dalik um den Stephansdom herum.

Frau Dalik erklärte, ein paar Kinder machten aber etwas anderen und interessierten sich nicht, ABER sehr viele von uns hatten Spaß.

Als es endlich die Stufen hinauf ging und Frau Dalik unten bei den Rucksäcken blieb, freuten sich dann alle sehr. Sie rannten und zählten die Stufen, sie keuchten und atmeten, sie schleppten sich den Stephansdom hinauf.

Oben angekommen, genossen wir, die 4. Klasse, den Ausblick. Hin und wieder rannten ein paar Kinder hinunter und wieder hinauf, sie waren etwas laut, und manche kauften sich auch ein Souvenir.

Die Kinder liefen alle wieder ganz hinunter, bis schließlich alle wieder unten waren. Manche spielten Fangen, manche redeten einfach, dann ging es in die Kirche, wo Frau Dalik noch etwas Wichtiges erzählte. Plötzlich sagte Frau Dalik, dass wir uns noch etwas die Orgel im Dom anhören. Auf einmal gingen wir alle zum Basilisken, der in der Schönlaterngasse 7 steht. Dann ging es wirklich in die Schule zurück. ¶

Egon ist Schüler in der 4. Klasse.

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Bernhard Pfaffeneder ist Vater in der 4. Klasse. von Alice Kurz-Wagner Bernhard Pfaffeneder

Alice’s Adventures in Wonderland

Theaterstück der 5. Klasse

Alice: „Dear, dear. How queer everything is today. Have I changed overnight? And if so, who am I?“

Alices Reise durch das Wunderland ist voller Verwirrungen. Sie ist in einer absurden Traumwelt gelandet, und ihr Ziel ist unklar.

Auf ihrer Suche nach dem Heimweg trifft Alice auf eine Vielzahl von eigenartigen Kreaturen, die sich ihr mit absoluter Selbstverständlichkeit präsentieren und sie als eine von ihnen wahrnehmen, obwohl sie ihre eigene Zugehörigkeit ständig hinterfragt.

Alice schafft es im Laufe des Stücks, sich ihren Weg zu bahnen, Missverständnisse und Chaos zu bewältigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und Verbündete zu finden. Als sie aufwacht, ist alles wie vor Beginn ihrer wundersamen Reise, aber innerlich ist sie völlig verändert.

So passend für unsere fünfte Klasse! Sie befinden sich mitten in dieser aufregenden, verwirrenden Veränderung. Nicht alles ergibt einen Sinn, das Leben ist manchmal frustrierend, die Suche nach der eigenen Identität hat begonnen, und manchmal sind sie schon groß und manchmal noch klein.

Alice: „It’s difficult, Sir, sometimes I’m big and sometimes I’m small. It’s all very confusing.“ Caterpillar: „What size would you like to be?“

Der Reifeprozess ist oft ein Zusammenspiel aus Neugier, Widerwillen und Anpassung; zuvor wichtige Dinge werden zurückgelassen, und Empathie und Verantwortung für andere werden weiterentwickelt. Flexibilität und Geduld sind oft erforderlich. Das spiegelt sich im Stück wider. Es ist eine gut gezeichnete Allegorie für das Erwachsenwerden. Kindsein ist manchmal schwer, und der Versuch,

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erwachsen zu werden, auch. Auf einfache Fragen erhalten unsere Kinder manchmal obskure Antworten, Ratschläge sind widersprüchlich, Autorität erscheint oft willkürlich. Anfangs ist Alice oft verzweifelt und weint sogar heftig, aber am Ende hat sie Selbstvertrauen gewonnen und stellt sich sogar der Königin.

Alice: „Well I’m not leaving and that is not a real rule. You invented it just now.”

King: „It’s the oldest rule in the book.“ Alice: „Then why is it not rule number one?“

Unsere Kinder lernen, ihren eigenen Entscheidungen zu vertrauen. Und das lernen sie auch anhand der vielen unterschiedlichen Personen, die ihnen auf ihrem Weg Halt geben, sie herausfordern, sie anregen, Dinge zu hinterfragen, ihnen vertrauen und ihnen vorleben, dass jeder seinen Weg für sich entdecken kann.

Vom ersten Lesen des Buches bis zur Aufführung war es für die Kinder auch eine Art gemeinschaftliche Entdeckungsreise:

Saskia Van Gijzen hat ihnen mit ihrem so wunderbar adaptierten Theaterstück viel zugetraut. Es gab, der Geschichte

geschuldet, teils ziemlich absurde Zeilen zum Auswendiglernen, und die eigensinnige Rechtschreibung des Englischen war hier eine weitere Herausforderung. Die Kinder hatten sich ihre Rollen selbst ausgesucht und gegenseitig empfohlen, und so machten sie sich selbstbewusst und gewissenhaft daran, ihre Texte zu lernen. Zuerst erkannten sie nur einzelne Fragmente – ihre Zeilen, ein Kostüm hier oder da, Teile des Bühnenbilds oder Requisiten, welche sie mit Hilfe Christina Bauers Humor und Vertrauen selber hergestellt hatten – aber mit den Proben kamen die Zeilen auch vom Blatt und wurden lebendig, wurde die Geschichte immer begreiflicher, Alices Welt bildhaft, und der Zusammenhalt der Klassengemeinschaft in ihren Rollen im Ensemble immer deutlicher.

Es war auch eine Übung in Was-alles-möglich-ist-wennwir-zusammenarbeiten, und sie waren sichtlich stolz auf ihr gelungenes Stück. Saskia und Christina auch. Zu Recht! Danke!!

Danke auch allen Eltern, die Requisiten und Kostüme produziert haben! ¶

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Barbara Persoglio ist Mutter in der 5. Klasse. Katharina Schaller, Andrea Hutkova und Petra Lehner

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Der Prinz und der Bettelknabe

„Eine Geschichte vom englischen Hof. Ein König, ein Vater stirbt. Ein Prinz tauscht Rolle mit einem netten Straßenbuben. Wer wird dann wirklich gekrönt? Der Straßenbub oder der Königssohn?“

Als Eltern weiß man ja nie so genau, was in der Schule gemacht wird. Die eigenen Kinder sind keine sachlichen Berichterstatter. Sie erzählen nicht immer ganz detailliert vom „was“. Sie übermitteln ihre Stimmungen, und Du weißt als Vater oft nicht, was dann wirklich geschieht und vor allem nicht, was dabei herauskommt.

Dann rückt der Termin der Aufführung immer näher. Plötzlich werden alle emsig und fleißig. Eine Mutter, die „bloß ein bisschen mitmachen“ wollte, übernimmt notgedrungen die gesamte Leitung und Koordination der Bühnenbildgruppe. Es wird genäht, gemalt, besorgt, gezimmert. Im Nu ist buchstäblich alles aus dem Boden gestampft.

Dann folgt vor der Abendaufführung eine Einleitung, aus der hervorgeht, dass wir eine unbekannte Schwester Mozarts als Musiklehrerin haben, die aus mehreren Opern Henry Purcells die passenden Arien und Chöre zusammengetragen und mit neuem Text unterlegt hat.

Ich habe keine Ahnung, was auf mich zukommt und kann mir noch nicht vorstellen, wie diese Thematik ein Singspiel werden soll. Denn es gibt auch gesprochene und gespielte Rollen, wie im Theater – wohlgemerkt in drei!!! unterschied-

lichen Besetzungen mit stets neuer Rollenverteilung. Ich bin ganz offen. Ich bin ganz Ohr.

Und wirklich, wir alle sind überrascht, wir sind begeistert. Die Kinder singen und spielen mit Ernst und Hingabe. Sie schlüpfen ganz in ihre Rollen. Ein Prinz bleibt edel und großmütig.

Ein Straßenbub schlüpft geschickt in die Rolle des Prinzen und handelt weise. Ein Priester kümmert sich hingebungsvoll um die Straßenkinder. Ein Vater tritt rüde und unfreundlich auf. Eine Mutter streichelt liebevoll den vermeintlichen Sohn. Das arme Volk ist lustig und ausgelassen. Und der Bischof versucht, Haltung zu bewahren, wenn er erst den vermeintlichen und danach dann den echten Prinzen krönt.

Und gesungen mit der Beteiligung aller werden Arien und Chöre, die auch musikalisch oft sehr anspruchsvoll sind. Aber die 6.-KlässlerInnen machen das. Und auch wenn zuhause zuvor manches Lied eher lieblos erklang, so war alles Musikalische bei den Aufführungen so schön und gut verständlich gesungen.

Unglaublich, was da in so wenigen Wochen auf die Beine gestellt wurde. Und das Schönste ist wohl, dass man richtig spüren konnte, wie die Klasse zusammenwächst!

Es bleibt nur noch, einen herzlichen Dank alle LehrerInnen und HelferInnen auszusprechen. Es war sicher anstrengend. Aber – es hat sich mehr als ausgezahlt. ¶

MoMent Frühling 2023 _ 29
Martin David ist Vater in der 4., 6. und 8. Klasse. Das Singspiel der 6. Klasse von Martin David

Warum kann ein Schikurs für den Menschen wertvoll sein?

Die 7. Klasse war Anfang März auf Schikurs in Mühlbach am Hochkönig und hat NACHgedacht:

Wir, die 7. Klasse, sind mit einem Reisebus nach Salzburg gefahren. Die Fahrt hat sehr lange gedauert. Wir waren in drei Gruppen aufgeteilt: Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Ich bin nach eineinhalb Tagen zu den Profis gewechselt. Das Schigebiet in Mühlbach am Hochkönig hat Naturschnee. Die Bergluft und die Bewegung haben uns allen gut getan. Und wir waren nicht gestresst wie in der Schule. In dieser Woche waren wir eine sehr gute Klassengemeinschaft und hatten viel Spaß. Ein paar Kinder hatten Heimweh, aber ich hätte es noch ein paar Wochen ausgehalten. Wir sind immer mit Schnee aufgewacht, und er blieb liegen, nicht so wie in der Stadt. Ich fühlte mich viel wohler in den Bergen mit der frischen Luft. Ich könnte mir vorstellen, am Land zu leben. Am dritten Tag gingen wir in ein Museum und in einen Schaustollen. Mir haben die Steine im Museum sehr gut gefallen. Mich hat es beeindruckt, wie die Menschen damals mit Pressluft und Licht die Maschinen betätigen konnten. Nach dieser Woche habe ich gemerkt, wie wichtig ein Schikurs für die Klassengemeinschaft und die Gesundheit ist.

Merryn

Wir waren in Salzburg am Hochkönig und sind dort für eine Woche Schifahren gegangen.

Für einen Menschen ist Bewegung extrem wichtig, da ist so eine Schiwoche natürlich perfekt. Dennoch muss man beachten, dass das Schifahren nicht für jeden das Gleiche ist; das heißt, dass jeder Mensch andere Erfahrungen macht und man sich darüber austauschen kann. Viel sozialer Kontakt und Bewegung, das vereint Schifahren, und einige Menschen brauchen das. Ich hole mir Bewegung und frische Luft und soziale Kontakte auch anders. Dennoch muss ich sagen, war die Schiwoche etwas ganz Neues, auch wenn ich nicht so viel Schi fahren konnte.

E.H.

Am fünften März trafen wir uns beim Maurer Friedhof und fuhren dann mit dem Bus nach Mühlbach am Hochkönig. Nach unserer Ankunft richteten wir unser Zimmer ein und machten einen Spaziergang zu einer Piste in der Nähe unserer Selbstversorgerhütte.

Am Montag ging es dann ans Schifahren. Wir Anfänger fuhren mit dem Bus zu einer Piste, die gut zum Üben war. Dort übten wir eine Zeit lang. Zwischendurch machten wir eine Mittagspause. Am Ende des Tages konnte ich schon die Piste von ganz oben runterfahren. Am nächsten Tag

30 _ MoMent Frühling 2023
Charlotte Goldmann

durften wir dann schon mit dem Schlepplift fahren. Am Mittwoch fuhren wir sogar schon Tellerlift. Mittwoch nachmittags fuhren wir in ein Museum und schauten uns unter anderem an, wie die Menschen früher im Bergwerk gearbeitet haben. Am Donnerstag fuhren wir, trotz Nebel und Schneesturm, Pisten mit lustigen Extras wie zum Beispiel einer großen Schanze oder vielen Kurven. Leider war der Schnee besonders am Nachmittag recht gatschig. Am Freitag fuhren wir eine Route mit drei besonders langen Schleppliften. Teils war es eisig, aber auf jeden Fall hat es viel Spaß gemacht.

Die Schiwoche hat unsere Klassengemeinschaft gestärkt. Außerdem stärkt die viele Bewegung an der frischen Luft die Muskeln, die Atmung ist tiefer, und das Immunsystem wird gestärkt.

Mir hat es gut gefallen. Ich fand es schön, so viel Zeit mit meinen Klassenkameraden zu verbringen, und auch das Essen hat sehr gut geschmeckt. Alles in allem war es sehr, sehr lustig!

Hannah

Wir waren auf Schikurs in Mühlbach am Hochkönig in einer Unterkunft. In einem kleinen Schigebiet.

Ich glaube, dass der Schikurs für uns wichtig ist, weil wir uns bewegen und an der frischen Luft sind. Was ich selber gemerkt habe, ist, dass man das Gefühl hat, sich mit allen aus der Klasse zu verstehen. Sonst sind wir ja immer in zwei Gruppen aufgeteilt, und da sieht man die andere Gruppe fast nie – und beim Schikurs waren wir alle zusammen. Wenn man an der frischen Luft ist, tankt man gleichzeitig auch Sonnenlicht, und das ist auch sehr wichtig. Man lernt auch neue Dinge kennen: neue Umgebungen, neue Teile von Österreich und vielleicht neue Menschen. Ich fand die Schiwoche sehr schön, ich habe neue Dinge gelernt und hatte sehr, sehr, sehr viel Spaß!

Ich persönlich fand den Schikurs sehr toll, weil ich das Gefühl hatte, dass ich beim Schifahren richtig viel Neues gelernt habe. Ich fand es außerdem sehr toll, dass so viele Lehrer mitgefahren sind und sich so gut um uns gekümmert haben, uns Schiunterricht gegeben haben, mit uns Party gemacht haben und Eltern für uns gekocht haben.

Ich glaube, dass der Schikurs sehr gut für unseren Körper war, weil es in den Bergen so gute Luft gibt, weil wir uns so viel bewegt haben, Muskeln aufgebaut haben und sehr viel sozialen Kontakt hatten.

Also im Großen und Ganzen war es eine wohltuende Woche für unseren Körper. Ich fand den Schikurs sehr toll und hoffe, dass es allen nächsten Klassen genauso gehen wird wie mir.

Ein Schikurs kann für den Menschen sehr sinnvoll sein. Bei einem Schikurs ist man körperlich ziemlich gefordert. Der tägliche Sport von mehreren Stunden am Vormittag sowie am Nachmittag hat viele positive Wirkungen auf den Körper. Die Bewegung an der frischen Luft ist sehr gesund. Zum Fahren auf den Schiern braucht der Mensch viele Muskeln, was über eine Woche auch zum Muskelaufbau führt. Der Kreislauf und der Stoffwechsel werden ebenfalls angeregt. Beim Schifahren arbeitet man viel mit dem Gleichgewichtssinn, der Koordination und der Reaktion.

Obwohl mir der Schikurs nicht so gefallen hat, war er wahrscheinlich doch gut für mich. Auf jeden Fall hatten wir viel Spaß in der Hütte.

G.K.

Wir waren als Klasse für eine Woche in Mühlbach am Hochkönig Schi fahren. Dort waren wir in einer Selbstversorgerhütte untergebracht und sind jeden Tag in verschiedenen Gruppen Schi gefahren.

Ich denke, das Schifahren ist für den Menschen wichtig, weil man an der frischen Luft ist und viel Sauerstoff einatmet. Es ist auch gut, weil man sich dabei bewegt und man seine Muskeln stärkt.

Für mich war die Schiwoche sehr schön, wir haben viel miteinander gemacht, gelacht und hatten wirklich großen Spaß. Ich hoffe, dass wir bald wieder eine Klassenreise unternehmen – es stärkt auch unsere Klassengemeinschaft, und tut uns allen gut. Danke, dass wir diese coole Schiwoche erleben durften.

!!! Vielen Dank an alle Schi- bzw. SnowboardlehrerInnen, die diese schöne Woche ermöglicht haben: Christine Rumetshofer, Manuel Saurer, Franziska Heller-Meixner, Uschi Wagner und Paul Vallen. ¶

MoMent Frühling 2023 _ 31
Nachgefragt und zusammengestellt von Bettina Schwenk, Mutter in der 7. Klasse

Die Rote Zora – Uskoken für immer vereint!

Ein besonderes Highlight in der 8. Schulstufe ist das Klassenspiel. Für die diesjährige 8. Klasse wurde es ein besonderes Erlebnis. Bereits um die Weihnachtszeit begann die Klasse, sich verschiedene Stücke anzusehen und sich schließlich auf „ihr“ Stück zu einigen. Die Rollen wurden verteilt, und um die Semesterferien begab sich die Klasse in die intensive Vorbereitungszeit. Ende Februar war es dann soweit. An drei Vormittagen und einem Abend versammelten sich aufgeregt Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer, um ihr lang erwartetes Theaterstück „Die Rote Zora“ aufzuführen. Das Stück, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Kurt Held, erzählt eine bewegende Geschichte von Freundschaft, Zusammenhalt und sozialer Gerechtigkeit.

Das Theaterstück wurde von den Schülerinnen und Schülern mit großer Hingabe vorbereitet. Unter der Leitung ihrer engagierten Lehrerinnen und Lehrer arbeiteten sie

intensiv an ihren Rollen und identifizierten sich vollständig mit den Charakteren. Ihre Darbietungen waren geprägt von Leidenschaft und Authentizität, wodurch sie das Publikum in ihren Bann zogen.

Das Bühnenbild war bewusst schlicht gehalten, um den Fokus auf die Handlung und die Darstellerinnen und Darsteller zu lenken. Eine minimalistische Kulisse, bestehend aus einigen Requisiten und einer flexiblen Raumgestaltung durch weiße und schwarze Quader, ermöglichte es den Zuschauenden, ihre Fantasie einzusetzen und sich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen.

„Die Rote Zora“ erzählt von einer Gruppe von Waisenkindern, die in einem kroatischen Küstendorf während der Zeit des Ersten Weltkriegs lebt. Die titelgebende Figur, die mutige und entschlossene Zora, führt die Gruppe an und kämpft gegen Ungerechtigkeiten und Ausbeutung. Ge-

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von Uschi Wagner Clarissa Steinbach

meinsam mit ihren Freunden bilden sie eine selbstorganisierte Gemeinschaft, in der sie füreinander einstehen und für ihre Rechte kämpfen.

Die Schülerinnen und Schüler der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer schafften es, die Emotionen und die Botschaft des Romans auf die Bühne zu bringen. Sie nahmen die Zuschauenden mit auf eine Reise in eine Zeit der Herausforderungen und der Hoffnung, in der Freundschaft und Solidarität alles überwinden können.

Das Publikum war von der Leistung der jungen Darstellerinnen und Darsteller begeistert. Die Schülerinnen und Schüler schafften eine Atmosphäre, in der das Publikum mitfiebern und sich mit den Charakteren identifizieren konnte. Der Applaus am Ende der Aufführungen war wohlverdient und ein Zeichen der Anerkennung für die harte Arbeit und das Engagement der Schülerinnen und Schüler.

Das Theaterstück „Die Rote Zora“ der 8. Klasse der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer war ein beeindruckendes Ereignis, das die Zuschauenden zum Nachdenken anregte und sie mit einem Gefühl der Inspiration und der Hoffnung zurückließ. Es war eine bemerkenswerte Leistung der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, die gezeigt hat, wie wichtig kreativer Ausdruck und gemeinschaftliche Zusammenarbeit in der Bildung sind. ¶

Regie: Laura Palden und Lukas Aschenreiter

LehrerInnen: Lena Michailova, Stefan Albrecht, Barbara Budin-Schwartz und Welmoed Kollewijn

Beleuchtung: Valerie Hammer und Krzysztof HabdankWojewódzki

MoMent Frühling 2023 _ 33

Wer wagt, gewinnt!

Unsere Reise nach Dornach mit dem Oberstufenchor und dem Orchester SchallMauer

Die Proben des Orchesters SchallMauer im Schuljahr 2022/23 begannen ungewöhnlich früh. Bereits Anfang September trafen wir uns zu den ersten Proben, denn: Wir hatten viel vor. Dank Angela Schindlers Beziehungen zur pädagogischen Sektion des Goetheanums waren wir zu einem Auftritt ins Zentrum der Anthroposophie eingeladen worden. Im Rahmen des anthroposophischen WeltlehrerKongresses sollten wir in der Woche nach Ostern ein Konzert in Dornach spielen – eine großartige Chance und gewichtige Aufgabe, an der wir in den folgenden Monaten arbeiten und wachsen sollten.

Aber war es möglicherweise zu gewagt gewesen, dem zuzusagen? Nach coronabedingtem Schwund in allen Stimmgruppen des Orchesters waren wir vor allem bei den Geigen zu licht besetzt, und es war schwierig, genügend streichende Oberstimmen zu finden. Wie sollten wir so unserem Vorhaben gerecht werden? Nach und nach füllten sich jedoch dank der aktiven Recruiting-Maßnahmen des gesamten Orchesters und vor allem unseres Dirigenten Stefan Albrecht die Plätze. So standen wir mengenmäßig zwar auf etwas wackeligen Beinen, aber das Engagement jeder und jedes Einzelnen glich Vieles aus.

Das Programm war bereits von Stefan festgelegt worden: Als Hauptwerk sollten wir das Oratorium „Our World Is On Fire“ des in München lebenden Komponisten Rainer Bartesch spielen. Inspiriert von der „Fridays for Future“-Bewegung, schrieb dieser ein Stück, das uns die drängenden Fragestellungen unserer Zeit vor Augen führen soll: Klimaerwärmung und Turbokapitalismus versus Naturverbundenheit und Umweltökonomie.

Rainer Bartesch hatte sich bereit erklärt, sein Werk an unsere Besetzung anzupassen. Da sich während der Proben die Zusammenstellung des Orchesters auf Grund von Krankheiten oder anderer Ereignisse einige Male änderte, sind wir ihm sehr dankbar, dass er stets zuverlässig und schnell neues Notenmaterial lieferte.

Zusätzlich zum Hauptwerk standen das „Te deum“ in C-Dur von Joseph Haydn und der Walzer „Gold und Silber“ von

Franz Lehar auf dem Programm. Im „Te deum“ sollte dem Oberstufenchor die Möglichkeit geboten werden, sein Können auf hohem Niveau zu präsentieren. Der Walzer war als klangfarbenreiches „Gastgeschenk“ des Orchesters an unsere Gastgeber in der Schweiz gedacht und auch wegen unserer repräsentativen Rolle als Vertreter der österreichischen Waldorfschulen eine gelungene Wahl.

Die Werke waren also festgelegt, und die Proben begannen. Jede Woche trafen wir uns montags abends und übten an den anspruchsvollen Stücken. Jörg Dekan-Eixelsberger machte die Bläsergruppe fit, während Rubén Ramírez Yanes mit den Schlagwerkern probte. Ich bemühte mich, die Bassgruppe als Fundament des Orchesters auf sichere Beine zu stellen und wurde dabei dankenswerterweise von Miriam Bijkerk im Kontrabass unterstützt. Parallel zu alledem bereitete Stefan Albrecht mit Hilfe von Ursula Bosch, Angela Schindler, Thomas List, Ryan Langer und Jakob Pejcic den Oberstufenchor in intensiven Proben vor.

Zu Beginn des neuen Jahres fand ein Treffen aller an der Organisation beteiligten Personen statt. So waren als Vertreter der Steiner-Schule Mauer Engelbert Sperl, Gerhard Rumetshofer und Matthias Berke mit dabei. Die Reise nach Dornach wurde geplant und die zu erledigenden Aufgaben verteilt. Auf der schweizerischen Seite wurde ein großer Teil der Organisation unseres Aufenthaltes und Auftrittes in Dornach von Dorothee Prange, Mitarbeiterin der pädagogischen Sektion des Goetheanums, übernommen. Dieser haben wir zu verdanken, dass wir eingeladen wurden, und sie sorgte für die Unterkunft und alles, was mit unserem Tag am Goetheanum verbunden war.

Im Laufe des Jänners und Februars intensivierten sich die Proben, und es kamen noch einige Musiker als Verstärkung im Orchester dazu. Im März war es schließlich soweit: Der Tenor Gernot Heinrich, zwei Knabensolisten von den St. Florian Sängerknaben (Einstudierung: Markus Stumpner) und der Filmtechniker Moritz Reifner stießen mit zur Partie, und nach einem gelungenen Ostermontag-Probentag mit anschließender Generalprobe waren wir bereit, uns am nächsten Tag auf den Weg in die Schweiz zu machen.

Morgens um 6.30 Uhr begann die Reise in drei Bussen mit zwei Anhängern, und schließlich – 14 Stunden später –

34 _ MoMent Frühling 2023
Maria Stern

waren wir, 156 Personen, in unserer Unterkunft angekommen.

Am ersten Tag unseres Aufenthaltes fand ein Museumsprogramm statt, das von Alfred Kohlhofer und den begleitenden Lehrerinnen Ursula Kaufmann, Angelika Kellner und Maria Stern in logistischer Meisterleistung ausgetüftelt worden war. So fuhren die drei Busse jeweils zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlicher Zusammenstellung in das Vitra Design Museum, in die Fondation Beyeler und ins Museum Tinguely. Alle drei Museen hinterließen nicht nur wegen ihrer bedeutenden Ausstellungsstücke einen bleibenden Eindruck, sondern boten auch mittels ihrer Architektur interessante Perspektiven. An diesem Tag hatte jede Gruppe auch Zeit, einen Stadtspaziergang durch Basel zu machen.

Der Tag unserer Aufführung war gekommen. Nach einem Frühstück in der Jugendherberge machten wir uns auf den Weg nach Dornach. Am Goetheanum wurden wir herzlich von Dorothee empfangen, die uns zunächst zu einer Stärkung einlud, um anschließend gemeinsam mit uns in den Konzertsaal zu gehen. Der Saal ist in ansteigenden Reihen für etwa 1000 Zuhörerinnen und Zuhörer ausgelegt und besticht in seiner Farbigkeit, die nicht nur in den Fenstern, sondern vor allem im Deckengewölbe prominent zur Geltung kommt. Jeweils sieben Säulen mit anthroposophischer Symbolik säumen die Seiten des Saales und führen den Blick auf die große Bühne, auf die man als ZuschauerIn herabsieht. Die Akustik ist für das Sprechtheater ausgelegt – recht trocken, aber wie sich am Abend zeigen sollte, nicht unangenehm zu bespielen.

Im Saal wurden wir in Gruppen aufgeteilt, um anschließend in Führungen das Goetheanum zu besichtigen. Wir erhielten nicht nur Erklärungen zur Deutung des KonzertsaalDeckengemäldes und des „Roten Fensters“ im Westtreppenhaus, sondern besichtigten auch in der Schreinerei ein Holzmodell des ersten Goetheanums, welches vor dem Bau des jetzigen Gebäudes seinerzeit abgebrannt war. Auch wurde uns die Holzskulptur „Der Menschheitsrepräsentant“ erläutert. Ich selbst habe die Führung als sehr bereichernd empfunden, da sie für mich Möglichkeiten eröffnete, zu dieser Art des ästhetischen Ausdrucks der anthroposophischen Geisteshaltung einen Zugang zu finden. Vieles,

was für mich vorher unverständlich und in seiner künstlerischen Form befremdlich war, konnte durch die Erklärung unseres Führers besser nachvollzogen werden.

Nach einem köstlichen Mittagessen folgte unsere Einspielund Akustikprobe im Saal. Danach war Zeit zum Ausruhen oder auch für einen Spaziergang in den Gärten. Schließlich kam der Moment, auf den wir alle so lange hingearbeitet hatten. Ein vollbesetzter Saal empfing uns, und voller Konzentration gab jeder musizierend sein Bestes. Das Engagement einer jeden und jedes Einzelnen ließ den Funken der Begeisterung auf das Publikum überspringen, und so endete das Konzert mit viel Applaus und standing ovations.

Die Rückfahrt zu unserer Unterkunft war von dem erhebenden Gefühl getragen, gemeinsam etwas Besonderes auf die Beine gestellt zu haben, dem Publikum ein in Erinnerung bleibendes Geschenk gemacht zu haben und von der Erleichterung, dass sich der Mut zu diesem Programm auf dieser Bühne ausgezahlt hatte. Vor allem war es schön zu sehen, dass die Jugendlichen erleben durften, dass, weil sie Verantwortung für ihr eigenes Handeln und besonders für die Gruppe getragen hatten, viel erreicht worden war und sie sich selbst somit beflügelt hatten.

Am folgenden Tag folgte die lange Rückfahrt. Nach einem Tag Pause spielten wir zwei Konzerte vor ausverkauftem Saal des MuTh in Wien. Auch hier vor heimisches Publikum waren die Auftritte gelungen und begeisterten die ZuhörerInnen.

Die Reise und die Wiener Konzerte werden uns noch lange in Erinnerung bleiben, und es bleibt eigentlich nur noch, unserem Dirigenten Stefan Albrecht zu danken, der sich unermüdlich für die Musikbildung an der Steiner-Schule und für die Belange des Orchesters SchallMauer einsetzt und – wie ich finde, ganz zu Recht – oft nach dem Motto wirkt: „Wer wagt, gewinnt!“. ¶

Franziska Grunze ist Cellolehrerin an der Freien Musikschule und Teil des SchallMauer-Teams.

Die Oberstufe in der Schwyz

Ich kann jetzt nicht unbedingt sagen, dass der Tag schön beginnt, wenn man um 5:00 Uhr schon aufstehen muss, um den Bus zu erwischen. Spannung und Spaß lassen die 13stündige Busfahrt dennoch schnell vergehen. Obwohl die Zimmer unserer Jugendherberge in Lörrach, Deutschland, ein wenig an Gefängniszellen erinnern und manche davon interessanterweise von dutzenden Marienkäfern bevölkert sind, sinkt die Stimmung auch nach unserer Ankunft nicht. Am nächsten Morgen steigen wir wieder in den Bus und besuchen klassenweise unterschiedliche Museen in und um Basel. Ich, der Zehntklässler, gehe ins Vitra Design Museum, wo wir bei einer Führung verschiedene architektonische Meisterwerke kennenlernen. Anschließend besuchen wir das Museum Tinguely, wo all die verrückten Maschinen Tinguelys ausgestellt sind und uns sehr faszinieren.

bedrohliche Wirkung, kalt und abweisend. Kaum ist man aber drinnen, ist man von dem genauen Gegenteil schockiert. Die Wände sehen aus, als wären sie mit Wachsmalkreiden ausgemalt worden, die Holztüren sind nach typischer Waldorf-Manier geschnitzt. Nach rechten Winkeln muss man lange suchen, und spätestens, wenn man die fliehende Eurythmistin auf dem Notausgang-Schild entdeckt hat, begreift man, dass hier beim Waldorf-Branding nicht einmal das kleinste Detail übersehen wurde. Bei einer Führung über das Gelände wird uns die anthroposophische Bedeutung der Wandmalereien im großen Auditorium genau erklärt. Wir alle fühlen uns, an den großen Festsaal in unserer Schule erinnert, quasi wie zu Hause. Das heißt, wir werden heute Abend gut singen!

Aus irgendwelchen Metallteilen und allem möglichen Schrott schweißte der Künstler lärmende, lustige und sinnlose Monstergeräte zusammen. Die 11. und 12. Klasse sind währenddessen im Kunstmuseum Fondation Beyeler. Basel als Stadt dürfen wir nur kurz kennenlernen, für mehr bleibt leider keine „Ziit“.

Am darauffolgenden Tag fahren die ganze Klasse und das Orchester in den Anthroposophen-Hotspot Dornach. Auf einem Hügel oberhalb der Ortschaft thront seit fast 100 Jahren das mächtige Goetheanum. Ich muss sagen, dieser Betonklotz kommt nicht gerade nach meinem Geschmack. Von außen betrachtet, hat das Goetheanum eine eher

Nach der gelungenen Aufführung herrscht allgemeine Party-Stimmung. Wir haben’s geschafft! In der Jugendherberge tanzen Leute aus allen Klassen in der spontan herbeigezauberten Disco, und erst nach Mitternacht geht man zögerlich ins Bett. Auf der Heimfahrt haben wir ja genug Zeit, um etwas Schlaf nachzuholen. Besonders schön fand ich, auch mal etwas mit den anderen Oberstufenklassen zu unternehmen und andere Leute kennenzulernen. Ich glaube, für alle waren sowohl die Busfahrt als auch unser Aufenthalt in der Schweiz ein lustiges Erlebnis. ¶

Luka Veverka ist Schüler der 10. Klasse. Maria Stern

Projekt Dornach und die Vorbereitung

Vor ungefähr einem Jahr hörten wir zum ersten Mal von der Idee des Dornach-Projektes. Nach den Sommerferien war es dann so weit: Die Proben begannen. Wir probten fast jeden Montag in den ersten beiden Stunden. Zusätzlich hatten wir insgesamt acht Wochen Musik als Zweitepoche, und in dieser Zeit übten wir konzentriert und engagiert die beiden Stücke für den großen Tag.

Es fühlte sich so an, als wäre dieser Tag noch Ewigkeiten entfernt, doch auf einmal standen wir vor dem überwältigenden Goetheanum. Wir wurden

Curry und bekamen etwas Freizeit. Nachdem wir uns alle ausgeruht hatten, gingen wir wieder in den Saal und probten nochmals beide Stücke mit dem Orchester.

Als auch die Generalprobe geschafft war, begannen wir uns langsam herzurichten und bereit zu machen. Eine halbe Stunde vor dem Beginn des Konzertes kam Herr Albrecht zu uns in den Aufenthaltsraum, und wir sangen uns ein. Man spürte richtig die Anspannung und Vorfreude, als wir uns in Richtung Bühne begaben. Das Orchester spielte vor uns noch einen Walzer, und wir SchülerInnen hinter der Bühne wurden immer aufgeregter.

durch den Bühneneingang in unsere Aufenthaltsräume geführt und legten dort erst mal unsere Jacken und Taschen ab. Danach gingen wir in den Eingangsbereich, wo eine Jause für uns bereitstand. Nachdem wir uns gestärkt hatten, wurden wir in den Saal gebracht, in dem wir in wenigen Stunden unser Konzert darbieten sollten. Um ein Gefühl für die Akustik des Raumes zu bekommen, sangen wir unsere Stücke kurz an. Anschließend erhielten wir eine Führung durch einige Teile des Goetheanums, welche sehr interessant und informativ war. Nach der Führung aßen wir ein leckeres

Erst in diesem Moment wurde uns allen klar: In wenigen Minuten stehen wir auf der Bühne vor 1000 Menschen und singen die Stücke, welche uns das ganze Jahr begleitet haben. Dieses Gefühl war überwältigend. Doch als wir auf der Bühne standen und den ersten Ton gesungen hatten, war eindeutig, dass das Konzert ein großer Erfolg werden würde. ¶

Klara Herzfeld ist Schülerin der 9. Klasse.

Das Konzert im MuTh am 16. April

Mir fehlen die Worte…

Trotzdem versuche ich jetzt Worte zu finden, um eine Hymne auf dieses außergewöhnliche Konzert zu schreiben.

Zu Beginn Franz Lehars Gold und Silber, op. 79! Ein Walzer mit dem gewissen Etwas, der einem die Beine vom Boden lupft, so richtig zum Tanzen! Ich musste unwillkürlich an Hans Knappertsbusch denken, der bei einer Probe zu den Berliner Philharmonikern gesagt haben soll, sie sollten es spielen wie die Wiener Kollegen, „mit der gewissen schlamperten Präzision“… und genau diese präzise Nichtpräzision hat Stefan Albrecht einem Schülerorchester entlockt. Unglaublich! Und zudem natürlich hoch geeignet, um sich auf der Konzertreise in Dornach (Schweiz) als Wiener optimal vorzustellen.

Chor und Orchester haben hochkonzentriert, professionell gearbeitet und musiziert, jeder und jede stark für sich und gleichzeitig völlig selbstverständlich in Gemeinsamkeit verbunden im Realisieren dieser höchst anspruchsvollen, sehr unterschiedlichen, wunderbaren musikalischen Werke… von Josef Haydns Te Deum in C-Dur bis zu Our World Is On Fire, einem zeitgenössischen Oratorium von Rainer Bartesch.

Selten hat mich ein Konzert derart berührt (und das ganz unabhängig von der impliziten zeitgeschichtlichen Mahnung des Oratoriums, die einer eigenen Betrachtung wert ist).

Dem Dirigenten zuzuschauen, war allein schon ein Vergnügen – wie er mit jeder Faser seines Körpers „singt“. Und in diesem seinem „Gesang“ wirkte es wie selbstverständlich, dass alle SängerInnen, SolistInnen und InstrumentalistInnen inkludiert, mitgenommen waren. Sie „sangen“ miteinander. Es ist ein großes Geschenk, lieber Stefan Albrecht, dass Sie – gemeinsam mit Ihren engagierten KollegInnen der Freien Musikschule – dieses hoch künstlerische Miteinander ermöglichen und dass wir ZuhörerInnen, Eltern, Großeltern... an diesem Glück teilhaben dürfen. Wen wundert es da noch, dass ihr in Dornach standing ovations geerntet habt! Die habt ihr verdient!!!

PS: Dass auch der Auftritt und Abgang von der Bühne hervorragend geklappt haben, ist für Schülerinnen und Schüler nicht unbedingt selbstverständlich. Einfach professionell! ¶

Angelika Teichmann ist Großmutter in der 11. Klasse. von Angelika Teichmann
38 _ MoMent Frühling 2023
Seweryn Habdank-Wojewódzki und Nadja Berke

Auszug aus der Rede des Marquis Posa an den König Don Karlos

Sie wollen pflanzen für die Ewigkeit, Und säen Tod? Ein so erzwungnes Werk Wird seines Schöpfers Geist nicht überdauern.

Dem Undank haben Sie gebaut – umsonst Den harten Kampf mit der Natur gerungen, Umsonst ein großes königliches Leben

Zerstörenden Entwürfen hingeopfert.

Der Mensch ist mehr, als Sie von ihm gehalten. Des langen Schlummers Bande wird er brechen Und wiederfordern sein geheiligt Recht.

Zu einem Nero und Busiris wirft

Er Ihren Namen, und – das schmerzt mich; denn Sie waren gut.

In Schillers Fußstapfen

Es braucht Zivilcourage und Menschen, die sich getrauen, Unrecht anzusprechen. Wie kaum ein anderer kämpfte Friedrich von Schiller mit seinen Werken um Freiheit und Gerechtigkeit; die 9. Klasse verfasste Texte, die auf heutiges Unrecht aufmerksam machen und Änderung einfordern. Bei der Schulfeier Anfang des Jahres wurden diese Texte als Collage auf die Bühne gebracht. (UK)

Texte an Verantwortliche aus aller Welt

An Präsident Xi Jinping!

Der Artikel 1 der Menschenrechte lautet: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Was gibt Ihnen das Recht, Uiguren wegen ihrer Religion und Kultur zu unterdrücken und verfolgen? Haben Sie denn kein bisschen Respekt vor anderen? Gestehen Sie den Uiguren Gleichberechtigung zu! (VK)

An Präsident Putin!

Sie regieren ein so schönes und großes Land – und bringen so viel Leid in die Welt! Wie können Sie das vor sich selbst rechtfertigen? Geben Sie Ihre verhärtete Position auf und zeigen Sie Menschlichkeit und Verhandlungswillen! (AS)

An die Waffenindustrie!

Wie ist es möglich, dass Sie aus dem Ukrainekrieg und anderen Kriegen Gewinn schöpfen? Ist Ihnen menschliches

40 _ MoMent Frühling 2023
von Ursula Kaufmann und SchülerInnen der 9. Klasse

Leben so wenig wert? Ist Ihnen die Verantwortung bewusst, dass Sie über Leben und Tod entscheiden? Zeigen Sie Achtung vor dem Leben aller Menschen! (MKH)

An Präsident Kim Jong-un!

Jeder Mensch hat das Recht auf ein freies und friedliches Leben, und niemand darf das anderen wegnehmen. Es liegt an jedem von uns, was wir mit unserer Macht anfangen –Sie haben mehr Macht als andere. Warum nutzen Sie diese nicht, um Schönheit, Frieden und Freiheit zu schaffen?

Geben Sie den Menschen Ihres Landes die Freiheit zurück! (KH)

An die Wirtschaftselite!

Ihr könnt so nicht weitermachen, wenn Ihr nichts ändert, wird die Menschheit bald nicht mehr existieren. Die Umwelt kann sich anpassen, wir Menschen können das nicht, und bald ist es zu spät! Ändert Eure Ziele, je später das geschieht, desto aufwändiger wird es. Ihr müsst auch einmal auf Gewinn verzichten können. Trefft längerfristige Entscheidungen, achtet auf unsere Umwelt, es gibt nicht unendliche Ressourcen, und wir müssen uns noch länger ernähren können. Pflanzt Bäume, stellt Eure Industrien auf erneuerbare Energien um, schafft autofreie Städte. Wir brauchen Veränderung! (SH)

O, könnte die Beredsamkeit von allen Den Tausenden, die dieser großen Stunde Theilhaftig sind, auf meinen Lippen schweben, Den Strahl, den ich in diesen Augen merke, Zur Flamme zu erheben! Geben Sie Die unnatürliche Vergöttrung auf, Die uns vernichtet! Werden Sie uns Muster Des Ewigen und Wahren! Niemals – niemals Besaß ein Sterblicher so viel, so göttlich Es zu gebrauchen. Alle Könige Europens huldigen dem spanischen Namen. Gehn Sie Europens Königen voran. Ein Federzug von dieser Hand, und neu Erschaffen wird die Erde. Geben Sie Gedankenfreiheit.

MoMent Frühling 2023 _ 41
Lothar Trierenberg

Das Arbeitsweltpraktikum

Erfahrungsberichte der 10. Klasse und Besuch des ORF-Zentrums

In der 10. Klasse sieht der Lehrplan der Waldorfpädagogik vor, dass die Schülerinnen und Schüler im Umfang von 40 Stunden erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln, dies möglichst nicht bei familiennahen Betrieben. Im Rahmen von kurzen Präsentationen werden die Erlebnisse und Beobachtungen abschließend vor der Klasse präsentiert. Nachfolgend eine Kurzauswahl von Erfahrungsberichten. (Red.)

Ich absolvierte mein Praktikum auf dem Bio-Weingut „Bodega Kieninger“ meines Onkels im Süden Spaniens. Ich half bei der Ernte, kümmerte mich um den Haushalt und um die Instandhaltung des Weingartens, etikettierte, verpackte und lieferte die Flaschen und half bei den Verkostungen. Ich lernte innerhalb dieser zwei Monate nicht nur viel über die Weinherstellung, sondern verbesserte nebenbei mein Spanisch. Das Praktikum machte mir, auch wenn mir kein Wein schmeckt, sehr viel Spaß und war eine gute Erfahrung!

Ich hab’ mein Praktikum bei einem Kommunikationsbüro gemacht. Ihre Arbeit ist es, Produkte zu bewerben in Form von Events. Bei den Veranstaltungen, bei denen ich dabei war, habe ich bei den Vorbereitungen mitgeholfen. Die besten zwei Events waren das Senfevent für Mautner Markhof; dort konnte man seinen eigenen Senf mischen. Das andere war ein Thaievent mit vielen g’schmackigen thailändischen Spezialitäten.

Mir hat das Praktikum sehr gut gefallen, und ich könnte mir vorstellen, in Zukunft in diese Richtung zu arbeiten.

Das Arbeitsweltpraktikum war eine coole Erfahrung: Ich hatte die Möglichkeit, eine Woche lang in der KFZ-Werkstatt Nemec alles rund ums Thema Autoreparatur mit Schwerpunkt Automatikgetriebe kennenzulernen. Reifen wechseln, Getriebe überprüfen, Getriebeölwechsel, Bremsen, Bremsschreiben tauschen, soviel gab es zu tun. Toni, mein Lehrmeister für diese Woche, hat mir alles erklärt und gezeigt. Ich habe gerne mitgeholfen und viel über Autos und den Beruf des KFZ-Mechatronikers dazugelernt.

Ich habe bei einem Filmset gearbeitet, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe eigentlich jeden Tag was Neues gelernt. Beim Filmset ist das aller wichtigste Teamwork. Ich habe einen guten Einblick hinter die Kulissen der Filmwelt bekommen. Ich würde ein Praktikum bei einem Filmset sehr empfehlen.

Ich habe mein Arbeitsweltpraktikum in zwei verschiedenen Betrieben absolviert. Erst habe ich am Filmset vom Tatort hinter den Kulissen ausgeholfen, und dann in einem Blumengeschäft gearbeitet. Ich habe bei beiden Praktika die verschiedensten Arbeiten gemacht und hatte bei beiden viel Spaß.

Zoe Bangert

Die AutorInnen sind SchülerInnen der 10. Klasse.

Wir, die 10. Klasse, waren Ende November im Rahmen der Politischen Bildung mit Frau Stern im ORF-Zentrum WienKüniglberg. Bei der Führung durch das große Gebäude wurde uns Einblick hinter die Kulissen des größten Fernsehsenders Österreichs gewährt. Wir waren überrascht, wie klein die Studios dort sind. Am Fernseher – optisch vergrößert und mit allen möglichen Effekten – schaut das ganz anders aus. Auch von den unzähligen technischen Geräten bekommt man ja im eigenen Wohnzimmer nichts mit. Vor einer Greenscreen-Wand präsentierten uns SchülerInnen unserer Klasse das Wetter, und wir hatten die Möglichkeit, ein Interview nachzustellen. Bei der spannenden Führung wurde uns die Radio- und Fernsehwelt nähergebracht. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Lottokugeln auf Milligramm genau geeicht und deshalb ganz schön teuer sind? Oder, dass es in den Studios oft sehr heiß wird und die TeilnehmerInnen der Shows mit Make-up geschminkt werden, das den Schweiß zurückhält?

Nun können wir beim Fernsehen auf solche Tricks achten. ¶

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Kilian und Luka sind Schüler der 10. Klasse.
MoMent Frühling 2023 _ 43

Unsere Gewinnerinnen des VET Poetry Contests 2023

Theater und Poetik standen im Mittelpunkt des Englischunterrichts im heurigen Schuljahr. Die bekannte und am Vienna´s English Theatre (VET) sehr aktive Regisseurin Adrienne Ferguson lud die 11. Klasse nach erfolgreich absolviertem Shakespeare-Workshop zur Teilnahme am diesjährigen „VET Poetry Contest“ ein.

In Anlehnung an das Theaterstück „I and You“ der zeitgenössischen US-Dramaturgin Lauren Gunderson sowie an den Klassiker von John Coltrane hatte die Jury das Thema

A LOVE SUPREME

(Jolanda Amann, 17 Jahre)

You once asked me what loving feels like - I don´t know, I said.

I just know that my stomach feels, like a thousand butterflies are dancing in it. That my heart gets as warm as the

first sunbeams touching my face.

I know that a smile heals wounds, a smile spoken with sparkles in your eyes. I know that loving bursts things into a million pieces and I know it can glue all of them back together again.

After you and I met You asked again what loving feels like, Now I know, I said.

„A Love Supreme“ ausgeschrieben. Das Thema stand im Zeichen der „Fähigkeit zu lieben als essentielles Bindeglied innerhalb der Menschheit (…) selbst oder gerade in Krisenzeiten“ und sollte in Gedichtform präsentiert werden.

Viele SchülerInnen reichten eigene Gedichte ein, und wir freuen uns ganz besonders, dass gleich zwei Werke zu den prämierten Gewinnern zählen. Wir stellen sie hier vor. Herzliche Gratulation an Jolanda Amann (2. Platz) sowie Anouk Hailwax (4. Platz)!

A Love Supreme

(Anouk Hailwax, 16 Jahre)

Your smile, now frozen on the paper, the date says you’ve been dead for years. You always asked to meet again, I replied with maybe later.

Your voice, still echos in my head, if I had known how little time was left, it haunts me now you’re dead.

Your heart, stopped beating long ago, but still your presence fills the room. I lie motionless on the floor waiting for the world to slow.

Our love, will last for eternity. My soul still tangled in yours, one day it will again be you and me.

Death, his fingers snatched your life away. But your heart still belongs to me. In the garden of my mind we are still dancing in may.

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Mehr Fotos auf www.waldorf-mauer.at/ eindruecke/galerie-2022-23

Streets of Vienna –Singabend der 11. Klasse

Fotos von Petra Lehner

Reise nach Krakau und Auschwitz von Ulrike Borovnyak und SchülerInnen

Eine Reise der 11. Klasse zurück in die immer fernere Geschichte? Oder doch ins Heute, zur Begegnung mit Anderen und damit im Grunde mit und zu uns selbst?

Wenn wir die Reise nach Krakau und Auschwitz auf einen Nenner bringen sollen, dann lässt sich sicher sagen: Das Erlebte hat uns tief berührt und wirkt in uns fort. Gemeinsam haben wir ein Zeichen der „kollektiven Verantwortung“ gesetzt! Die Rückblicke der Schülerinnen auf dieser Seite lassen das buchstäblich Unfassbare erahnen, machen deutlich, dass die Grausamkeiten Worte und Gefühle übersteigen. Die einzelnen Programmpunkte waren Gelegenheiten, mit der jüdischen Geschichte der Shoa, aber auch mit jüdischer Kultur und Lebensstil in der Gegenwart in Kontakt zu treten. Sie beinhalteten den Besuch im Konzentrationslager Auschwitz, Führungen durch ehemalige Ghettos und Lager rund um Krakau, die Teilnahme an der internationalen jüdischen Gedenkveranstaltung „March of the Living 2023“, einen Vortrag und Austausch mit einer Zeitzeugin und Über-

lebenden, eine Gesprächsrunde mit jüdischen Jugendlichen der Organisation LIKRAT zu Fragen, wie es Juden und Jüdinnen heute so geht, sowie das musikalische Highlight: ein Konzert mit Oberkantor Shmuel Barzilai in der Tempel-Synagoge in Kazimierz.

Die beste Antwort auf Rassismus und Antisemitismus wurde hier laut und deutlich mit allen Sinnen proklamiert: gemeinsames Singen und Tanzen, gemeinsam auf einer gleichen Wellenlänge!

Die Reise wurde veranstaltet vom gemeinnützigen Verein MoRaH (www.morah.at).

Den beiden OrganisatorInnen Iris Singer und Philipp Doczi sowie unserem Reiseleiter Theo Krausz wie auch dem Begleitlehrer Klaus Madzak gilt unser großer Dank für die super professionelle und sehr empathische Betreuung vor und während der Reise. ¶

Ulrike Borovnyak ist Tutorin der 11. Klasse.

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Sophia Hill

Die Wege von Auschwitz zu gehen, die Wege, die damals Jüdinnen und Juden gingen – sie am Weg hinein und wir am Weg hinaus.

Ich machte mir viele Gedanken darüber, wie ich mich an diesem Ort verhalten sollte. Ich hatte Angst, dass ich nicht genug trauerte, nicht genug bestürzt war und nicht achtsam genug mit meinen Schritten dort umging.

Mich berührte der Ort viel weiter drin, als ich dachte. Ich weinte nicht, sondern dachte nach. Ich fühlte mich schuldig, dass ich nicht weinen konnte, in mir schien es leer zu sein. Im Nachhinein kamen die Eindrücke jedoch oft wieder, und sie werden mich noch lange begleiten, das weiß ich. Ich hatte wenig Zeit zum Nachdenken. Wir wurden wie Touristen in Reih und Glied durch Auschwitz geführt, von einer schlimmen Ausstellung zur nächsten. Todeszahlen über Todeszahlen, die so unvorstellbar waren, dass man nicht im Geringsten etwas damit verbinden konnte.

Oft hätte ich mich gerne einfach hingesetzt und nachgedacht, darüber, was wir uns eigentlich gerade anschauten,

dafür blieb jedoch keine Zeit. Und doch war es schön, durch die Räume und Wege gemeinsam als Klasse zu gehen. Wo man sich auch hindrehte, bestürzte, immer leiser werdende Menschen, die das gleiche fühlten wie du selbst. Traurig, und doch stützend.

Der „March of the Living“ hat mich tief bewegt und nachdenklich gemacht über die Schrecken des Holocausts und die Bedeutung der Erinnerungskultur.

Und ich fragte mich, darf ich Auschwitz betreten? Darf ich auf dem aschebedeckten Weg der Menschen gehen? Deren Friedhof und gleichzeitig ein Ort der schrecklichsten Erinnerungen.

Sarah Lehner

Eine Sache aus Auschwitz, die mir stark in Erinnerung geblieben ist, war der Zaun, der das ganze Lager eingrenzte. Er löste ein bedrohliches Gefühl aus.

Haddy Mbye

Ich fand es schön, dass, obwohl die Reise mit so viel Leid verbunden war, wir am Ende in der Synagoge voll Fröhlichkeit und Verbundenheit zur Musik getanzt und gesungen haben.

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Tanzt Eure Weltsicht

Eurythmie- und Tanz-Performances von Jugendlichen, die sich am Ende ihrer Schulzeit befinden. Noch dazu, wenn sie angeleitet, moderiert werden von Lehrerinnen, die ihr Selbstverständnis an einer Bewegungskunst spiegeln, welche von inneren Perspektiven und Substanz zu sprechen sucht. Das verspricht spannend und anregend zu werden!

So erlebt Anfang März 23. Bewegung, Tanz und Wort, Sprache fließen ineinander. Gedanken bekommen Hände und Füße. Das getanzte Wort wird Bild verbindlicher Visionen und einer werteerfassenden Sprache und Musik. Eine kritische Haltung sich selbst gegenüber und Impulse, um über sich selbst hinaus zu gelangen, gehören dazu.

So werden die jugendlichen Performerinnen und Performer dazu angeregt, selbst zu texten bzw. selbst Texte und Musik zu sammeln und diese dramaturgisch zu bearbeiten. Auch das Bühnen-Setting (z.B. die Gazen) und die Kostüm-Ausstattung sowie der Umgang mit Objekten (z.B. die Schuhe) werden von den SchülerInnen selbst überlegt und gestaltet. Die Jugendlichen beobachten gegenseitig ihre Arbeiten. Und sie begegnen einander am Nachmittag in einem Gespräch, wo sie sich austauschen über ihre Erfahrungen in Bewegung und Dramaturgie. Sie teilen ihre Visionen einer Zukunft bzw. Gesellschaft, in die sie jetzt einsteigen und mehr und mehr eingreifen werden. Diese Visionen äußern und kommentieren sie also über das Medium Tanz und Performance. Und wenn sie das Ganze aus sich heraus tun,

weil die Lehrerinnen sie entsprechend im Prozess moderieren und anregen – aber dann eigenständig choreografieren, texten und dramatisieren lassen –, dann wird das Ergebnis, wie gesagt, bewegend, berührend und begeisternd.

Es beginnt am Vormittag in der Karl Schubert Schule:

I HAD A DREAM

Der Titel des großen Vortrags von Martin Luther King klingt hier immer wieder als Motiv der einzelnen Jugendlichen, womit sich verbindet, was sie in ihrem Alltag sein, bzw. was sie verwirklichen wollen. Kirsten Arafune lässt jede Schülerin und jeden Schüler dieses eigene Motiv tanzen und somit jede und jeden von ihnen kurz im Zentrum des Kreises, in der Mitte der Gemeinschaft stehen und aufblühen. Eine farbige Vielfalt, zuletzt in der Leichte fliegender Ballons, lässt alle diese Motive zum Vorschein kommen, musikalisch, getanzt, gesprochen ... am meisten geschätzt von den SchülerInnen, die selbst erst am Abend auftreten werden und so sehr mitleben mit den anderen, so bescheiden mancher Beitrag auch ist. Dieser erste Abschluss ist ein buntes Fest, ein herrliches JA zum LEBEN und zur FREUDE!

Am Abend ist der große Festsaal der Rudolf Steiner-Schule Wien-Mauer prall gefüllt, wiederum mit den einbezogenen SchülerInnen und wieder mit Eltern, Geschwistern, FreundInnen und KollegInnen. Zuerst zeigt die 12. Klasse der Rudolf Steiner-Schule WienMauer mit der eurythmischen Interpretation eines ganzen

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Nadja Berke

Werks: DER KLEINE PRINZ von Antoine de Saint Exupéry. Auf jeder Station der Reise wechselt die Rolle des kleinen Prinzen, und alle übrigen Rollen werden ebenso in wechselnder Besetzung gezeigt. Und auch die Texte werden die ganze Zeit über von den MitschülerInnen gesprochen. So zieht sich das Motiv der außergewöhnlichen Dialoge fortwährend durch die ganze Gruppe. Dies gipfelt darin, dass alle miteinander den eurythmischen Tierkreis tanzen – in einem lebendigen, fließend-dynamischen Bewegungsstrom. Das durchgehende Motiv der Begegnung und des Dialogs erhöht sich im Bilde dieser „kosmischen“ Gemeinschaft. In gelungener Art schafft es diese Klasse, ein hohes Ideal darzustellen und einzufügen in das eurythmische Panorama des Tages.

Dann zeigen vier Schülerinnen der Rudolf Steiner Landschule Schönau eine zur Gänze eigenständig erarbeitete Choreografie: SPIEGEL ZUM SELBST.

Mit eurhythmisiertem Text und Musik erscheint wieder das Motiv der künstlerischen Spiegelung einer imaginierten Zukunft als Gemeinschaft. Mit großer Reife in der Bewegung, der Dramaturgie und dem Zusammenspiel bzw. dem Aufblühen der Solistinnen kommt diese Darstellung daher. Es ist eine würdige Eröffnung des Abends und Erhöhung dessen, was bereits am Vormittag intendiert und gelebt worden ist.

Und zuletzt die 12. Klasse der Rudolf Steiner Schule Pötzleinsdorf mit ihrer getanzten Zukunftsvision: ICH UND DIE WELT. Beethovens Appassionata als virtuose Gruppencho-

reografie mit selbst geschriebenen Texten: als Gesamtensemble eurythmisch/tänzerisch vor allem originell und sehr dynamisch interpretiert.

Passend zum Titel wird hier mit Leidenschaft getanzt und zum Beispiel virtuos in gemeinsam gegriffene Sprünge umgesetzt. Diese Virtuosität ergreift auch die choreografische Umsetzung der eigenen Texte und Aktionen mit den Schuhen, die als Objekte bildhaft zum Ausdruck bringen, dass es den Jugendlichen darum geht, mit den Füßen und im Handeln anwesend zu sein, sich zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen, ganz da bzw. hier zu sein.

Leidenschaft zieht durch diese Darstellung. Leidenschaft ergreift die komplette Gruppe und lässt am Ende auch das Publikum begeistert aufstehen und applaudieren.

Den SchülerInnen und ihren Lehrerinnen sei hiermit ein großes Kompliment zugesprochen: Es ist vom Beginn bis zum Ende der Performances tatsächlich spannend und anregend! Alle Jugendlichen sind voll dabei, sowohl als ZuschauerInnen als auch in der eigenen Performance. Das ist bewegend und herzerwärmend. Dieser Tag ist ein voller Erfolg und zeigt einmal mehr, was diese Pädagogik, was diese Menschen miteinander erreichen können. ¶ Herzlichen Dank!

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Ernst Reepmaker war Eurythmielehrer an unserer Schule.

Man sieht nur mit

Über das gesamte erste Semester haben wir unseren Eurythmieabschluss einstudiert. Erst haben wir uns mit der Geschichte des Kleinen Prinzen vertraut gemacht. Wir haben uns zusammengesetzt, das Buch gelesen und uns mit den Themen der Geschichte auseinandergesetzt. Nach der Rollenverteilung haben wir uns in Gruppen angeschaut, wie man die Charaktere und deren Geschichten am besten eurythmisch darstellen kann. Mit der Zeit sind schöne und individuelle Bilder und Szenen entstanden. Begleitet haben wir die Szenen sowohl musikalisch, sprachlich, als auch malerisch. Auch wenn sowohl die ganzen 12 Jahre als auch die Proben durchaus anstrengend

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Nadja Berke

dem Herzen gut ...

waren, haben wir den Eurythmieabschluss genießen können und hatten Freude an dem Projekt. Viele haben jetzt im letzten Jahr Eurythmie schätzen gelernt und verstanden, warum man es macht und warum es durchaus Sinn macht.

Die Aufführung selbst war sehr besonders, da sowohl die Waldorfschule Pötzleinsdorf als auch Schönau nach Mauer kamen und wir einen gemeinsamen Abend gestalten und uns gegenseitig unsere Projekte zeigen konnten. Durch diesen Eurythmieabend sind neue Verbindungen und Freundschaften entstanden, die bis heute halten.

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Luna Bangert und Alida Hartmann

Die lächerliche Finsternis –

Der Pirat Ultimo Michael Pussi versucht vor dem Landesgericht den von ihm begangenen Überfall auf das Frachtschiff MS Taipan zu rechtfertigen. Er appelliert an das Verständnis der Richter, auch wenn sein Leben für mitteleuropäische Menschen vielleicht fremd und unverständlich wirken mag. Hauptfeldwebel Oliver Pellner und Stefan Dorsch fahren für eine Mission den Fluss hinauf, immer tiefer in die Regenwälder von Afghanistan. Ihr Auftrag ist es, den verrückt gewordenen Oberstleutnant Deutinger zu liquidieren. Immer tiefer dringen sie in diese fremdartige Wildnis vor. Weit entfernt von jeglicher Zivilisation, offenbart sich ihnen die Grausamkeit des Lebens.

„Die lächerliche Finsternis“ ist ein Hörspiel von Wolfram Lotz, welches von dem Buch „Heart of Darkness“ von Joseph Conrad und dem adaptierten Film „Apocalypse Now“ (1979; von Francis Ford Coppola) inspiriert wurde.

Wolfram Lotz beschreibt auf skurrile Art eine Reise, weit entfernt von jeglicher Zivilisation, immer weiter hinein ins Ungewisse. In die Dunkelheit. In die Finsternis. Die lächerliche Finsternis.

Der Probenprozess

Die letzten vier Wochen haben wir uns intensiv mit unserem Theaterstück beschäftigt. Wir stellten uns zu Beginn gegenseitig verschiedene Stücke vor und entschieden uns vor den Osterferien schließlich für „Die lächerliche Finsternis“. Uns faszinierte von Anfang an die Erzählart des Hörbuchs. Die ersten zwei Wochen durften wir die Räumlichkeiten der Studienstätte nutzen. In der ersten Woche verteilten wir die Rollen und machten uns mit unseren Charakteren vertraut. In der zweiten Woche war die Aufgabe, sich von dem Text zu lösen und in die jeweiligen Situationen hineinzufinden. In der dritten Woche probten wir erstmals auf der Bühne. Wir beschäftigten uns mit der Inszenierung und holten parallel in kleinen Gruppen nochmals unsere Rollen an uns heran. In der vierten Woche hängten wir die Szenen aneinander und perfektionierten die Übergänge. Die Zeit verging wie im Flug, und wir freuen uns nun, das Ergebnis präsentieren zu dürfen.

Matthias Berke

Theaterstück der 12. Klasse

Ein großer Dank geht an:

Valli und Natan für das Licht, die Studienstätte für die Räumlichkeiten zum Proben, das Off-Theater für das Leihen der Kostüme, Karl Hruza für die große Unterstützung beim Bühnenbild, Stefan Albrecht für das Komponieren des Chorals sowie das Einstudieren der Musikstücke, Wolfram Lotz, dafür, dass wir sein Theaterstück aufführen dürfen und sogar die Ehre hatten, ihn kennenzulernen, Lukas Aschreiter für seine große Unterstützung beim Entwickeln des Theaterstücks ... ... und zum Schluss ein riesiger Dank für die großartige Regieführung an Emanuel Fellmer – ohne ihn wäre dieses Stück so nicht möglich gewesen!

Der Autor

Wolfram Lotz, geboren 1981, ist ein deutscher Dramatiker, Lyriker und Hörspielautor.

Für das Stück „Die lächerliche Finsternis“ wurde er 2015 zum „Dramatiker des Jahres“ gewählt. Inzwischen ist er ein gefeierter Schriftsteller und wurde mit mehreren Auszeichnungen geehrt.

Besuch des Autors

Entgegen unseren Erwartungen durften wir Wolfram Lotz sogar persönlich kennenlernen. Wir kontaktierten ihn über seinen Verlag, und er freute sich sehr über die Einladung. Wolfram Lotz kam uns am Ende der dritten Woche bei unseren Proben besuchen. Zunächst zeigten wir ihm Teile des Theaterstücks, danach unterhielten wir uns mit ihm über das Hörspiel. Er nahm sich Zeit, unsere Fragen zu beantworten und interessierte sich für unsere Kritik an seiner Geschichte. Während des Gesprächs offenbarten sich weitere Ebenen des Stücks, und unser Verständnis dafür erweiterte sich. Unter anderem führte er uns an den besonderen Umgang des Stücks mit der Erzählperspektive heran.

Laura Jackel und Alida Hartmann sind Schülerinnen der 12. Klasse.

Mehr sehen? Weitere Fotos auf www.waldorf-mauer.at/eindruecke/galerie-2022-23

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Matthias Berke

Grundsteinlegung

31. März 2023

Von Vorstand und Schulleitung

Mit großer Freude feiern wir heute, am 31. März 2023 die Grundsteinlegung für unser neues Schulhaus auf 113.

2012 wurde in einer Vorstandssitzung dazu der Beschluss gefasst und danach ein Architekten-Wettbewerb durchgeführt. Mit der Planung des neuen Schulgebäudes wurde das Architektenbüro Dietrich/Untertrifaller & Andi Breuss beauftragt. Erst mit der Umwidmung im Februar 2022 ist es gelungen, Anfang Oktober 2022 die Fa. Handler als Generalunternehmer zu beauftragen und Mitte Oktober 2022 mit dem Schulbau zu beginnen. So ist nach einer langen Reifezeit ein sehr ausgereiftes Bauprojekt entstanden.

Dieser Neubau folgt in der Wahl der Werkstoffe dem Prinzip der Nachhaltigkeit und macht mit der Turnhalle erstmals möglich, dass dem Bewegungs- und Sportaspekt in unserem Schulalltag ausreichend Raum gegeben werden kann.

Auch die Klassenräume der Unterstufe, ein Musikraum, ein Eurythmiesaal und Handarbeitsräume sowie der Kindergarten und der Hort sollen darin nun die ihren Bedürfnissen entsprechende Hülle finden. Das gemeinsame Essen und die Nachmittagsbetreuung sollen ebenso wie der FörderTherapie-Bereich ein Herzstück des Schullebens werden. Hier soll sich Waldorfpädagogik im besten Sinne lebendig entwickeln.

Ein neues Haus für unsere Schule der Gegenwart für die Zukunft.

Das Kind

In Ehrfurcht aufnehmen

In Liebe erziehen

In Freiheit entlassen

Rudolf Steiner

Vom Kindergarten

Wir wollen unsere Gedanken so gestalten, dass wir das Bewusstsein haben können: Hinter jedem von uns steht sein Engel, ihm die Hände sanft aufs Haupt legend. Dieser Engel gibt Euch die Kraft, die Ihr braucht. - Über Euren Häuptern schwebt der Reigen der Erzengel. Sie tragen von einem zum andern, was einer dem andern zu geben hat. Sie verbinden Eure Seelen. Dadurch wird Euch der Mut, dessen Ihr bedürft. (Aus dem Mut bilden die Erzengel eine Schale.)

Das Licht der Weisheit wird uns geschenkt von den erhabenen Wesenheiten der Archai, welche sich nicht im Reigen abschließen, sondern aus Urbeginnen kommend sich offenbaren und in Urfernen verschwinden. Sie ragen nur wie eine Tropfenform hinein in diesen Raum. (In die Schale des Mutes hinein fällt von dem wirkenden Zeitgeist ein Tropfen des Zeitenlichtes.)

In Liebe geborgen Von Freude durchklungen Durch Güte geleitet

Mag das Kind die Welt erleben! Dafür sei dies Haus gegeben. Bronja Zahlingen

Wünsche der Eltern

Wenn wir von „Schule“ sprechen, meinen wir nicht nur Gebäude – alt oder neu –sondern auch uns hier, einen Festsaal voller Menschen, Kinder, PädagogInnen und Eltern.

Wir als Eltern von heute

wünschen unserer Schule für morgen: positiv bewegte Zeiten und Eltern, die freudvoll und aktiv das Schulganze mit ihren Kindern gemeinsam erleben, mitgestalten und weitertragen.

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Mitten im Wimmelbild

Als es klar wurde, dass der Umbau tatsächlich beginnen würde, gab es auch Enttäuschung: Viele hatten schon ältere Kinder im verträumten Gebäude auf 113 begleitet oder selbst vor über dreißig Jahren dort die Schule begonnen. Wie wird das drüben – schon so richtig Schule, und die hohen Gänge… und der Hort im Park?

Inzwischen sind wir schon fast am Ende des ersten Schuljahres. Die Kinder huschen in den Gängen an LehrerInnen vorbei, kennen jedes Gesicht, haben ihren Platz in der großen Schule mit Selbstverständlichkeit eingenommen, waren sofort Teil des Ganzen – viele haben ältere Geschwister und waren stolz, gleich nach dem Kindergarten mitmischen zu dürfen. Im Hort haben sie im Park alles für sich vereinnahmt! Das ist „unser“ Park geworden. Und wenn ich die Kinder der ersten Klasse frage, wie es so ist, mit der Oberstufe das Gebäude zu teilen, verstehen sie die Frage nicht. Wie soll es denn anders sein?

Und die Oberstufe? Was denkt die?

Barbara Persoglio ist Mutter in der 1. und 5. Klasse.

Gaaaanz langsam, nur drei, dann fünf Zentimeter die Türe aufgemacht, die Ohren angestrengt nach draußen gespitzt, die Nase aus dem Türspalt hinausgestreckt – wuuuschdongdingdong, ein Tischtennisball saust knapp vor der Stirn vorbei und prallt von der Wand neben der Türe ab, aber kein Kinderkörper rollt, hopst, sprintet oder rutscht gerade zu nah vorbei. Also so weit geöffnet, dass ich durchschlüpfen kann, zur Vorsicht noch „Achtung“ gerufen, und der Weg aus dem Lehrerzimmer ist erkämpft.

Unter dem Flügel eine Erstklass-Katzenfamilie oder sonst ein bunter Kinderspieltraum, obacht, dass keine Kinderfinger versehentlich unter meine Schuhe geraten, in der Türnische versteckt sich ein Bub und zwinkert mir verschwörerisch zu, Finger auf den Mund, nein, ich verrat’ ihn sowieso nicht. Beinahe verliere ich die Mappen, die ich unter dem

Arm trage; die suchenden Burschen waren mit viel Schwung unterwegs und haben sich neben mir auf Socken rutschend eingebremst, kurzer Bodycheck, alles gut. Sirrende Springschnüre der DrittklässlerInnen, ideal wäre ein beherzter Sprung hindurch, allerdings mit den Mappen unterm Arm und der Handybox zu ambitioniert; ein Bogen um gummihüpfende MiniakrobatInnen, die lautstark Anweisungen geben, wie hoch das Gummiband um die Beine zu schieben sei und ob der letzte Sprung gegolten hat. Hoppla! Ein Papierflieger von oben, dank der Brille prallt er ohne weiteren Schaden problemlos von meinem Gesicht ab. „Tschuldigung!“ Lachende Gesichter, rangelnde Kinder, ein Lärmpegel wie im Freibad im August vor dem Kinderbecken. Plötzlich falle ich fast über meine knieende Kollegin, die hinter einer rangelnden Burschentruppe versteckt war. Ein Erstklässler ist gestolpert, es gilt, ein paar Tränen wegzuwischen und das angeschlagene Knie mit Trost zu bedenken, geht schon wieder!

Aus dem Handarbeitsraum quillt Peddigrohr, SiebtklässlerInnen machen lautstark Witze und schauen fast, aber nur fast, schuldbewusst, weil ich das unflätige Wort sehr wohl gehört habe – ein Wunder bei diesem Geräuschpegel. Eine Schar ViertklässlerInnen ergießt sich noch über die Treppe, die Unterhaltung klingt gewichtig wie eine Parlamentsdebatte zum Budget, handelt aber Gott sei Dank nur von einem Kindergeburtstag, zu dem man eingeladen war.

An der Wand im stilleren Gang zu den Werkstätten ein Pärchen aus der Oberstufe, augenscheinlich ist gerade ein wichtiges Thema zu klären – ich bemerke das selbstverständlich überhaupt nicht und bin ganz auf meine Mappen konzentriert; die Klotüre fliegt auf, ein Name gellt mit vermutlich gesundheitsgefährdender Lautstärke in mein Ohr, gut, dass ich schon schlecht höre: Nein, sie ist schon in der Klasse, die Gesuchte. Durch leises Klingeln im rechten Ohr höre ich einen gemurmelten Gruß, baumlange Burschen drücken sich an mir vorbei zu ihrem Unterricht. Wann ist das

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passiert? Sie sind seit der letzten Fachstunde schon wieder größer geworden, bald werden sie ein Fernglas brauchen, um mich da herunten noch zu sehen. Einem von ihnen fliegt ein halb so langer Wirbelwind gegen die Beine, die kleine Schwester hat ihren großen Bruder entdeckt, ein Kuss auf den Scheitel, dann saust sie weiter. Mir geht das Herz auf, hätt’ ich auch gern gehabt, einen großen Bruder.

Im Werkraum fuchteln MittelstufenschülerInnen mit Feilen herum, mein Kollege hat eine Traube Kinder um sich, ich sehe nur seine Kappe über ein Werkstück und Kinderköpfe gebeugt. Dann öffnet sich die Feuerschutztüre zum hintersten ehemaligen Werkraum, und ich tauche ein in die vertraute, gemäßigte, plätschernde, unaufgeregte Plaudergemütlichkeit meiner Oberstufenklasse.

Wer hätte je gedacht, dass das so entspannend sein kann?

„Frau Kaufmann, also zu unserer Zeit hätte es das nicht gegeben, die rennen ja wie die Wilden, wir mussten immer langsam gehen, wir durften nie …“ Oh ihr heilige Schar!

Ja, unsere Schule gleicht einem bunten, quicklebendigen, quirligen, lauten, lachenden Wimmelbild, seit auch die Klei-

nen bei uns wohnen. Kein Winkel bleibt unentdeckt, keine Brüstung unbeklettert. Beim Begrüßen schütteln wir nun Hände von ganz klein bis groß, erinnern an Hausschuhe, holen runtergerutschte Schultaschenriemen an ihren Platz, fangen Kinder, die wie Pfitschipfeile um die Ecke geflogen kommen, in unseren Armen auf. Ermahnen fallweise zu ein bisschen mehr Mäßigung. Erfreuen uns aber meistens an dem wunderbaren Miteinander, dem achtsamen Umgang der Großen mit den Kleinen, erinnern an Vorbildwirkung und bemühen uns, selbst gute Vorbilder zu sein. Lassen manchmal Fünf gerade sein, finden das Auslangen mit viel zu wenigen Räumen und sehen, dass alles geht, wenn man es nur will. Und dennoch freuen wir uns unbändig auf die neuen Möglichkeiten, die uns das neue Haus bieten wird. Dann wird das alte Schlössl aufatmen, aber bestimmt auch ein wenig traurig sein und auf Besuch von drüben hoffen. Und die Großen können dann wieder mit zum Himmel gewandten Augen feststellen, dass sie ja gaaaaanz anders waren, und dass es soooo unfair ist, dass die Kleinen jetzt dieses tolle Haus haben … ¶

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Ursula Kaufmann ist Oberstufenlehrerin an unserer Schule.

Schule macht sich nicht von selbst, sondern ...

von Andreas Amann, Angelika Kellner und Uschi Wagner

Der Konfliktbearbeitungskreis (KBK)

Der Konfliktbearbeitungskreis besteht im Augenblick aus sechs Personen im Innenkreis und noch einmal sechs Personen im erweiterten Kreis. Zahlreiche Mitglieder des KBK sind beruflich als Psychotherapeutinnen und BeraterInnen tätig.

Alle Anfragen nach Konfliktbegleitung werden im Innenkreis beraten. Dort entwickeln wir ein nach unserem Verständnis passendes Vorgehen und suchen nach geeigneten Personen, die den Konflikt begleiten können.

Im Augenblick arbeitet der KBK neben den individuellen Anfragen nach einer Konfliktunterstützung daran, in Klassen der Mittel- und Oberstufe zusammen mit den SchülerInnen und den LehrerInnen diejenigen Themen zu bearbeiten, welche die Zusammenarbeit und das Zusammenleben erschweren.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit in diesem Schuljahr ist die Qualifizierung von 14 SchülerInnen aus den Klassen 8 bis 10 zu KonfliktlotsInnen. Diese KonfliktlotsInnen werden ab dem nächsten Schuljahr immer zu zweit Konflikte und Spannungen unter SchülerInnen als MediatorInnen begleiten, um so zum einen den KBK zu unterstützen und zum anderen an der Weiterentwicklung der Konfliktkultur an der Schule zu arbeiten. Parallel dazu qualifizieren sich im Augenblick drei Lehrerinnen zu Konfliktmentorinnen, die dann ab nächstem Schuljahr die KonfliktlotsInnen als Mentorinnen begleiten und weiterentwickeln.

Wenn Sie Interesse an unserer Arbeit haben oder Unterstützung durch den KBK suchen, schicken Sie uns eine e-mail an: konflikt@waldorf-mauer.at

Andreas Amann ist Vater in der 11. Klasse.

Ausbildung zum Konfliktlotsen oder zur Konfliktlotsin an unserer Schule

Seit Mitte Februar 2023 werden bei uns an der Schule Schülerinnen und Schüler zu Peer- bzw. KonfliktlotsInnen ausgebildet. Nachdem bereits vor Weihnachten diese Ausbildung den SchülerInnen der Klassen 8, 9 und 10 vorgestellt worden war, meldeten sich 6 SchülerInnen aus der 8. Klasse, 4 aus der 9. Klasse und ebenfalls 4 aus der 10. Klasse, um sich auf dieses spannende Angebot einzulassen.

Seitdem treffen sich diese 12 jungen Menschen mit ExpertInnen aus unserer Elternschaft, um an Themen wie Gewaltfreie Kommunikation, Mobbing, Gruppendynamik und AußenseiterInnen und Kommunikation und Konflikt – das Eisberg Modell zu arbeiten. Diese Ausbildung wird durch den Konfliktbearbeitungskreis ermöglicht und gestützt (siehe dazu auch der Beitrag des KBK in dieser MoMent-Ausgabe).

Von Schulseite her machen Miriam Bijkerk, Angelika Kellner und Julia Röhsler parallel die Ausbildung zu Mediatorinnen, damit in Zukunft die Ausbildung der SchülerInnen von ihnen an der Schule durchgeführt werden kann.

Ziel ist es, dass ab dem kommenden Schuljahr unsere KonfliktlotsInnen bei Problemen zwischen Schülerinnen und Schülern in Klassen oder klassenübergreifend versuchen, diese auf SchülerInnenebene zu lösen und Konflikte zu deeskalieren. Dabei haben die LotsInnen, wo notwendig, immer Unterstützung durch die oben genannten Pädagoginnen.

Diese Ausbildung soll es ermöglichen, dass wir künftig eine KonfliktlotsInnen-zertifizierte Schule sind und als Gemeinschaft besser lernen können, mit Konfliktsituationen umzugehen und diese wertschätzend zu lösen.

Unsere Konfliktlotsinnen und -lotsen des ersten Ausbildungskurses:

Yasmin Dziadek, Nina Hirschböck, Aenea Hitsch, Ilvy Steinbach, Luca Armenat, Valentin Eichberger (8. Klasse); Flora Osterbauer, Fenja Schadauer, Laurenz Langfelder, Aurel Schmid (9. Klasse) und Zoe Bangert, Lauren Födinger, Emilia Goldmann, Luka Veverka (10. Klasse)

Angelika Kellner ist Tutorin der 9. Klasse.
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Die Elternbeitragsgruppe sucht Nachwuchs!

Finanzen, Geld, Verhandeln – das klingt auf den ersten Blick nicht besonders ansprechend für die meisten. Das ist sicher auch mit ein Grund, warum die Elternbeitragsgruppe (EBG) seit Jahren händeringend nach Nachwuchs sucht. Was macht die Elternbeitragsgruppe: Delegiert direkt vom Vorstand, ist die EBG für alles rund um die Elternbeiträge zuständig. Wir führen mit allen neuen Eltern der kommenden

1. Klasse, allen Quereinsteigern und regelmäßig auch mit allen Familien, die bereits an der Schule sind, Gespräche über den zu bezahlenden Elternbeitrag. Das Finanzielle ist jedoch nur ein Teil. Wir sind nach der Anmeldung des Kindes der erste Kontakt der neuen Eltern mit der Elternschaft. So wird dieses Gespräch auch dazu genutzt, die Schule vorzustellen und die Struktur und die Neuankömmlinge von den Freuden der Elternarbeit zu überzeugen.

Gemeinsam mit Frau Nedved aus der Buchhaltung schauen wir, dass offene Beiträge bezahlt werden und kümmern uns um die Weiterentwicklung des Beitragssystems.

Zurzeit besteht die Elternbeitragsgruppe aus folgenden

Mitgliedern: Nadja Berke, Martin Kaufmann, Rudi Schiedlbauer, Markus Seidl-Konzett und Uschi Wagner. Um den Arbeitsaufwand aufzuteilen und vor allem um den Fortbestand der

EBG zu sichern, suchen wir nach mindestens 2 bis 3 interessierten Menschen, die sich gerne in diesem Bereich einbringen möchten.

Arbeitsumfang: je mehr Menschen, desto weniger – im Jahr führen wir zurzeit ca. 130 Gespräche, wobei die Zeiteinteilung individuell ist und wir wirklich über jede/n froh sind, der/die mithelfen möchte.

Voraussetzung: Interesse, die Schule mitzugestalten, Einfühlungsvermögen, Klarheit, Interesse am finanziellen Fortbestand der Schule

Unser Beitragssystem in der jetzigen Form funktioniert nur, wenn wir als Elternschaft diese Aufgabe der Beitragsgespräche übernehmen.

Und auch wenn vielleicht den einen oder die andere das Thema Finanzen schreckt: Im Grunde geht es darum, gemeinsam einen finanziellen Rahmen zu schaffen, in dem unsere Schule als Ganzheit existieren kann. Das Zwischenmenschliche steht bei den Gesprächen an erster Stelle, und die Gespräche sind in den allermeisten Fällen wirklich schön, fruchtbringend und konstruktiv.

Wir freuen uns über Zuschriften von Interessierten an: elternbeitrag@waldorf-mauer.at

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Vom Tun zum Wollen und zur Begeisterung

Die Lebenserinnerungen von Walter Schulz – eine Buchbesprechung von Leonhard Weiss

Werner Heisenberg erhält den Physik-Nobelpreis, Konrad Adenauer eröffnet als Kölner Bürgermeister die erste Autobahn Deutschlands, Johnny Weissmüller spielt erstmals „Tarzan“, Paul von Hindenburg wird als deutscher Reichspräsident wiedergewählt, mit einem Sieg über die Schweiz gewinnt das österreichische „Wunderteam“ den „Europapokal“ im Fußball, … Alles Ereignisse des Jahres 1932, jenes Jahres, in dem Walter Schulz am 9. Jänner geboren wurde. 90 Jahre später machte sich Tobias Richter daran, die vielfältigen Lebenserinnerung von Walter Schulz aufzuschreiben. Nach einer zunächst internen Familienausgabe liegen diese nun als in der „AT Edition“ des LIT Verlages veröffentlichtes Buch vor. Unter dem Titel „Der singende Schmied“ ist darin die Biografie eines Menschen nachzulesen, die nicht nur eng mit der Entwicklung der Waldorfpädagogik in Wien verbunden ist, sondern in der sich an vielen Stellen auch Ereignisse der dramatischen Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegeln.

Erinnerungen an eine „untergegangene Welt“

Geboren und aufgewachsen ist Walter Schulz im südmährischen Muschau. Liest man heute seine Erinnerungen an das Leben im elterlichen Gasthof, an die Mitarbeit in Haus und Stall, an das „Kinderparadies“ Muschau, in dem Wiese, Wald und Wasser (letzteres speziell, wenn der Fluss Thaya wieder einmal über die Ufer trat oder aber im Winter zufror und zum mehr oder weniger sicheren Eislaufplatz wurde) Orte des abenteuerreichen Spielens waren, dann begegnet einem hier nicht nur im übertragenen Sinne eine „untergegangene Welt“. Nach der Errichtung eines Stausees in den 1970er Jahren erinnert heute nämlich nur noch eine auf einer Insel liegende Kirche an jenen Ort, in dem Walter Schulz eine offensichtlich glückliche Kindheit verbrachte, in dem für ihn allerdings auch die ersten Vorboten der Katastrophen des 20. Jahrhunderts erlebbar wurden: In dem fast ausschließlich von deutschsprachigen Menschen bewohnten Muschau tauchten bald erste Hakenkreuz-Schmierereien auf, wurde über „Heim ins Reich“ gesprochen – und wurden im Oktober 1938 die einmarschierenden deutschen Soldaten von manchen Bewohnerinnen und Bewohnern des Ortes jubelnd empfangen. Die Auswirkungen der Besetzung des sogenannten Sudentenlandes durch das nationalsozialistische Deutschland waren bald auch für den kleinen Walter deutlich spürbar, v.a. darin, wie anders manche Menschen nun plötzlich behandelt wurden. Zwei der vielen, manchmal recht knapp skizzierten Erinnerungen seien an dieser Stelle er-

wähnt: zum einen die „Prüfung“ eines beeinträchtigten Jungen im Musikunterricht der Volksschule:

„Hartwig wurde vom Lehrer aufgefordert, das Lied ‚Ich hatt´ einen Kameraden‘ zu singen. Hartwig gab sein Bestes, doch das Singen geriet ihm zu einem mühsamen Stottern des Textes – Gelächter von manchen Schülern – und von Seiten des Lehrers eine Verhöhnung.“ (S. 27f).

Zum anderen der für den siebenjährigen Walter erschütternde Umgang mit „Herrn Binder“, dem tschechischsprachigen „Strosseneiramer“ des Ortes:

„Ein paar Männer holten Herrn Binder aus einem Haus und trieben ihn durch den Ort, spuckten, schimpften und schrien: ‚Weiß, Rot, Blau: böhmische Sau!“ […] Weinend bin ich nach Hause gelaufen. Meine Mutter versuchte mich zu trösten. Ich fragte meine Eltern, wieso die Menschen, die immer lieb waren, plötzlich so voller Hass seien, nur weil der Herr Binder Tscheche ist?“ (S. 26).

Doch nicht nur dieses Erschrecken über den plötzlichen Hass in seiner Umgebung blieb für Walter Schulz mit Herrn Binder verbunden, sondern v.a. auch dessen Handeln nach seiner Rückkehr in den Ort nach dem Ende des Krieges 1945: „Herr Binder, der ‚Strosseneiramer‘, dem man so Schlimmes angetan hatte, kam auch zurück nach Muschau. Das sprach sich schnell herum und hat bei manchen Angst ausgelöst. Herr Binder bezog sein Haus, lud das Werkzeug in seinen Schubkarren, fuhr durch den Ort und nahm seine Arbeit auf –die, die er vor Jahren abbrechen musste“ (S. 39).

Die Begegnungen mit Menschen, die Beziehungen zu anderen, vermeintlich schwächeren Menschen und die Bedeutung von Arbeit als zentralem Element dieser menschlichen Beziehungen – das sind Themen, Motive, die Walter Schulz’ gesamtes Leben und die nun veröffentlichen Erinnerungen daran durchziehen.

„Wir arbeiten vor allem für andere“

Ob in Muschau, wo er nach dem Kriegsende als 13-Jähriger kurzzeitig Kutscher eines Sowjetoffiziers war, im schwäbischen Hepsisau, wohin er mit seinen Eltern als aus der Heimat vertriebener Sudetendeutscher schließlich kam und per Zufall die anthroposophische heilpädagogische Einrichtung „Michaelshof“ kennenlernte und wo er – beeindruckt davon, wie „auffallend liebevoll“ Kinder, Jugendliche und Erwachsene hier mit einander umgingen –, ein regelmäßiger Gast der Gemeinschaft und Mitwirkender bei zahlreichen

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musikalischen Aufführungen (u.a. beim Oberuferer Christgeburtsspiel) wurde oder in Wien, wohin es ihn nach verschiedenen privaten und beruflichen Entwicklungen schließlich führte und wo er als Schlossermeister seine eigene Metallwerkstätte aufmachte und diese mehr als dreißig Jahre lang führte: Immer waren es Begegnungen mit Menschen und die Wahrnehmung einer notwendigen Arbeit, die Walter Schulz’ Leben prägten und ihn, wie er selbst erzählt, zu einer für ihn wichtigen Entdeckung führten:

„Das Tun führt zum Wollen und zur Begeisterung – sowie zur Erkenntnis, das Hände lernen und die Fantasie anregen. Wir arbeiten vor allem für andere.“ (S. 147).

Aktiv in vielen Rollen

Begeisterung empfand Walter Schulz nicht nur viele Jahrzehnte lang für seine handwerkliche Arbeit und das von ihm so geliebte Singen, sondern auch für die Waldorfpädagogik. Seit seiner ersten Begegnung mit letzterer am „Michaelshof“ in Hepsisau ließen ihn die pädagogischen und auch sozialpolitischen Ideen Rudolf Steiners nicht mehr los, und so war es kein Wunder, dass es für ihn und seine Frau Charlotte ein großer Wunsch war, dass die drei Töchter in Wien in eine Waldorfschule gehen konnten. Doch Wünsche sind sinnlos ohne Tun, davon war und ist Walter Schulz überzeugt, und so brachten er und seine Frau sich von Anfang aktiv in die Gründung der ersten Wiener Waldorfschule nach dem Zweiten Weltkrieg ein, ganz besonders, als die Waldorfschule 1968 das Maurer Schlössl als Schulgebäude erhielt: „Mit einer riesigen Begeisterung von Lehrern, Eltern und Freunden ging es an die Arbeit. […] Alle daran Mitarbeitenden wurden zu Freunden und haben sich am Baufortschritt

erfreut. Für den Schlosser gab es natürlich einiges zu tun, angefangen beim Entwurf und der Ausfertigung des Namensschildes – man sollte ja wissen, wer da einzieht. Geschmiedete Lampen und Beleuchtungskörper aus Kupfer, Einfriedungen, Stiegengeländer usw. sollten folgen.“ (S. 104).

Ob als Schülervater, kurzzeitiger Werklehrer, Schlosser, Mitspieler bzw. Spielleiter der Weihnachtsspiele oder für viele Jahre als Vorstandsmitglied – sowohl der Rudolf Steiner-Schulen in Mauer und Pötzleinsdorf als auch der Karl Schubert Schule und des Zentrums für Kultur und Pädagogik –, Walter Schulz war tätig, wo er für und mit anderen arbeiten konnte; immer getragen von seiner tiefen Sympathie für die ihm begegnenden Menschen. Und auch, wenn heute wahrscheinlich nicht mehr alle LehrerInnen und nur noch einzelne Eltern und SchülerInnen Walter Schulz persönlich kennen (als aktiver SchülerInnen-Urgroßvater besucht er weiterhin regelmäßig Klassenspiele und Schulveranstaltungen!): Seine Arbeit, seine Handwerkskunst haben wohl alle Maurer SchülerInnen schon mal gesehen und v.a. buchstäblich begriffen!

Wer mehr über den Menschen dahinter wissen möchte, dem ist das von Tobias Richter herausgegebene Buch „Der singende Schmied. Lebenserinnerungen“ unbedingt zu empfehlen – übrigens auch wegen des Werkkatalogs am Ende des Buches, der einen spannenden Einblick in das immer wieder ganz unterschiedliche Strömungen und Ansätze der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts aufgreifende Schaffen eines Meisters des Kunsthandwerkes gibt. ¶

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Nadja Berke Walter Schulz: Der singende
Schmied. Lebenserinnerungen.
Herausgegeben von Tobias Richter. AT Edition, Münster 2023.

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Impressum Seite 2

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