ROLLSTUHLSPORT
sen und habe einen grossen Varianten reichtum an Fahr- und Schlagbewegungen. «Eigentlich ist es eine Einzelsportart, im Zweierteam werden aber auch interes sante Doppel gespielt, die in Team-Wett bewerben zu grosser Bedeutung gelangen. In diesem Sinn kommt die Kameradschaft nicht zu kurz.» Ab einem gewissen Spiel niveau und mit höheren persönlichen Zielen reise man um die ganze Welt. Bou Bou hofft, beim nächsten «move on», an Schnupper- oder Sportkursen wieder ein paar Junge fürs Rollstuhl-Tennis zu be geistern.
TENNIS FÜR ALLE
Bärenstarkes Tennis Herbert «BouBou» Keller ist in Nottwil seit drei Jahren engagierter Trainer im Rollstuhl-Tennis, seit zwei Jahren ebenfalls im Tischtennis. Von Gabi Bucher
Auf den ersten Blick wirkt er etwas ernst, der Mann, der da auf dem Tennisplatz die Bälle übers Netz schickt. Aber Herbert «BouBou» Keller ist einfach nur voll kon zentriert. Neben dem Platz ist er offen, kommunikativ und hat ein fast schelmi sches Lachen. Woher der Name BouBou? Sein Schulkollege habe den Kosenamen Yogi gehabt und da er selber einen Kopf kleiner gewesen sei, sei er BouBou gewor den, Yogis kleiner Bärenkollege. Das mit dem «Kopf kleiner» ist heute kaum nach vollziehbar, seine Statur und vor allem die sonore Stimme erinnern aber durchaus an einen Bären. Neubeginn im Rollstuhl BouBou wollte schon früher Tennislehrer werden, brach aber die Ausbildung ab, weil ihn seine Krankheit läuferisch zu sehr ein schränkte. Zum Glück lud ihn ein Tennis kollege zu einem Schnupperkurs im Roll stuhl-Tennis ein. «Da hat es mich gepackt», 38
erzählt er. Vor drei Jahren übernahm er nach abgeschlossenen Trainerausbil dungen die Kurse seines Leh rers Eugen Trost. Am Montag und Mittwoch trainiert er jeweils von 17.00 bis 20.00 Uhr Anfänger und Fort geschrittene; an weiteren Tagen Spieler aus dem Nationalkader. Durchhaltewillen und Disziplin BouBou würde gerne mehr junge Rolli fahrer fürs Tennis begeistern. «Leider ist Tennis die letzte Sportart, die ein Neuver letzter von der körperlichen Belastung her ausüben darf. Nach der Reha zu Hause gibt es viele andere Probleme, die den Sport vergessen lassen.» Ein einfacher Sport sei es nicht. «Es braucht einiges an Durchhal tewillen, hat man jedoch einen Spielpart ner, der die Bälle regelmässig zurückspielt, macht es riesig Spass und Fortschritte zei gen sich zusehends.» Dazu sei man draus
Fussgänger erlaubt Rollstuhl-Tennis unterscheidet sich nur in einer Regel vom Tennis für Fussgänger: Der Ball darf zwei Mal auf dem Boden aufprallen, bevor er gespielt werden muss. Man könne auch mit Fussgängern spielen, «aber gegen einen wirklich guten Spieler kommst du im Rollstuhl in Sachen Beweg lichkeit und Schnelligkeit im Ernstkampf nicht an». Dennoch lohnt sich ein solches Training. «Ein Fussgänger kann Bälle, die du verhaust, meist noch kontrolliert zu rückspielen, das ist sehr trainingsför dernd.» Das Training mit Roll stuhlfahrern sollte aber auch nicht zu kurz kommen, ist es doch sehr wichtig, die Schläge aus dem Sport rollstuhl lesen und antizi pieren zu können.
Wenn in der Winterzeit die offiziellen Trainings wegfallen, ist BouBou als Privatlehrer zu haben. «Bis zu einer Stunde Fahrzeit nehme ich gerne auf mich», meint der in Wohlen (Aargau) Le bende. Ab Anfang April fangen die Kurse auf dem 2020 neu renovierten ReboundAce-Tennisplatzbelag in Nottwil wieder an. «Es gibt nirgends in der Schweiz einen sol chen Belag zum Trainieren», erklärt Bou Bou, «er entspricht vielen Turniertennis plätzen. Da ist man mit dem Rolli schnell unterwegs und der Ballabsprung ist regel mässig genau.» Ja, Tennis ist BouBous Ding. «Und weisst du was», meint er fast verschwörerisch, «es war mein Bubentraum, Sportlehrer zu wer den. Jetzt hab ichs doch noch geschafft.» Paracontact I Frühling 2021