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Ruedi Götz

75 Jahre Naturschutzvereinigung Grütried NVG Geschichtlicher Rückblick und aktuelle Bilder Wängener Heft 2


Inhalt 1

Vorwort des Präsidenten

2

Vorbemerkungen des Verfassers

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Gründung der Naturschutzvereinigung

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Langjährige Präsidenten der Gründerzeit

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Hohe Ziele, unsichere Konzepte und Irrtümer der Gründerzeit

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NVG- Präsidenten und Vorstandsmitglieder:

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Mitglieder und Finanzen

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Erwerb der Schutzgebiete

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Weiher und Tümpel

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Aus dem Grütried droht ein Auenwald zu werden . . .

50

Wandel der Flora

56

Fauna, eine kleine Auslese der Grütried-Tierwelt

66

Erholungsraum, alternative Nutzungen, Schule und Grütried

76

Arbeit in den Schutzgebieten heute

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Tätigkeiten und Aktivitäten ausserhalb der Schutzgebiete

86

Aktuelle Arbeit des NVG-Vorstandes

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Das Grütried aus kantonaler Sicht

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Quellen-, Bilder- und Personenverzeichnis

98

Pflanzenbestimmungshilfen


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Vorwort des Präsidenten Leben bedeutet Veränderung. Vor 75 Jahren war der Zeitgeist geprägt durch die Erfahrungen des ersten Weltkriegs und der anschliessenden Wirtschaftskrise, welche auch für unsere ländlichen Bevölkerung mit viel Entbehrungen verbunden war. In der Landwirtschaft hielt die Mechanisierung Einzug, und die daraus folgende Steigerung der Produktivität verwandelte das Landschaftsbild grundlegend. Mit der Gründung der Naturschutzvereinigung Grütried vor 75 Jahren zeigten unsere Vorfahren Pioniergeist; sie gehörten zu den Ersten im Thurgau, welche sich auf Gemeindeebene für ihre Interessen organisierten. Die Bedeutung von Biodiversität war ihnen bewusst, lange bevor der Begriff in die Umgangssprache aufgenommen wurde. Mit vereinten Kräften ist es ihnen gelungen, das Grütried als Fläche für aussergewöhnliche Lebensräume zu schützen. Wer sich mit den Vorgängen der Natur auseinandersetzt, erkennt bald, dass es mit dem Schutz allein nicht getan ist. Das Grütried wäre kein Ried sondern ein sumpfiger Wald, wenn nicht Menschen rodend und mähend eingegriffen hätten – und dies nicht weiterhin täten. Weil bei diesen Arbeiten kaum ein finanzieller Ertrag erwirtschaftet werden kann, sind weiterhin Menschen nötig, welche sich für die Pflege und weitere Entwicklung des Grütrieds einsetzen. Die Veränderungen in der Natur lassen sich aber nicht vollständig steuern. Auf den Klimawandel weltweit haben wir kaum Einfluss. Für

viele Lebensräume ist der Nährstoffeintrag massgebend, denn die wirklich seltenen Tier- und Pflanzenarten finden im Grütried mehrheitlich auf kargen Böden ihren Lebensraum. Anhand des Aussterbens von einst verbreiteten Pflanzenarten – wie beispielsweise der Mehlprimel – kann man erkennen, dass die Düngermenge (v.a. Stickstoff) im Grütried mittels Regen und Wasserzuleitungen aus den umliegenden Feldern in den letzten 75 Jahren erheblich zugenommen hat. Seit 12 Jahren bin ich in diesem Verein mit dabei, und seit bald sechs Jahren Präsident. Die vielleicht geringsten Veränderungen haben sich während dieser Zeit im Vorstand des Vereines ergeben. Die Aufgaben zugunsten der biologischen Vielfalt im Grütried wahrzunehmen, aber auch für die Bevölkerung einen erlebnisreichen Erholungsraum zu erhalten, ist mit diesem eingespielten Team leicht zu erfüllen. Herzlichen Dank! Im Sinne einer lebendigen Veränderung freue ich mich, wenn möglichst viele Mitmenschen das Grütried kennen lernen und wenn immer auch neue Leute uns unterstützen, sobald helfende Hände oder gute Ideen erforderlich sind. Bernhard Wettstein im September 2011


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Vorbemerkungen des Verfassers Die Naturschutzvereinigung Grütried und ich sind diesen Frühling beide 75-jährig geworden. Während etwas mehr als der Hälfte dieser Zeit war ich Beobachter, gewissermassen erster Augenzeuge und mit andern Aktiven auch Mitgestalter. Nun versuche ich Rückschau zu halten, vom Wandel zu erzählen und die Arbeit der Akteure zu würdigen. Natürlich gebe ich mir Mühe, dies möglichst wahrheitsgetreu zu tun. Wie total unterschiedlich präsentiert sich die Aktenlage: Für die ersten Jahre liegen sehr viele schriftliche Dokumente vor: Briefe von zähen, ja gehässigen Verhandlungen, ausführliche Protokolle, Jahresberichte, detaillierte Abrechnungen, aber – abgesehen von einer kleinen Serie von Ansichtskarten der Gründerzeit – kein Bildmaterial, schon gar keine Personenbilder. Mit viel Mühe war schliesslich noch ein Foto des Hauptinitianten Joseph Debrunner aufzutreiben. Ein Mitarbeiter der ersten Stunde sagte mir einmal, dass sie eben ins Grütried gingen, um zu arbeiten und nicht, um sich für die Nachwelt ablichten zu lassen! Ab den 70er Jahren werden die schriftlichen Dokumente spärlicher, denn der Grundbesitz ändert sich kaum mehr. Auch die Veränderungen in den Schutzgebieten werden kleiner, weil die Unterhaltsarbeiten sich kaum mehr ändern. Von 1968 an war ich selber aktiv, ich weiss also noch «wie es war» und lasse Bilder und Erinnerungen sprechen. Auch diese direkten Zeugnisse sind mit Vorsicht aufzunehmen. Die Fotografien wurden mit einer bestimmten Absicht gemacht, das Bild sollte eine Idee zur Darstellung bringen. Die Erinnerungen sind ebenfalls nicht objektiv, da sie vom Gedächtnis unbewusst dauernd bearbeitet und neu bewertet werden.

Ausserdem: Die Ansichten über Wald- und Landschaftspflege haben sich im Laufe von zwei Generationen verändert. Während anfänglich die fast kahle, baumlose Fläche kräftig aufgeforstet wurde, setzte sich die zweite Generation dafür ein, den ursprünglichen Charakter des Rieds wieder sichtbar zu machen und es nicht in einem Auenwald versinken zu lassen. Die Luftaufnahmen belegen diese Entwicklung. Auch bei den leitenden Persönlichkeiten meine ich einen Wandel ausmachen zu können. Die Gründer waren von ihrer Mission völlig durchdrungen. Es schwang etwas vom Geist der Wandervogel-Naturbewegung aus den Dreissigerjahren mit, der sich schon im Anfangssatz des ersten Jahresberichts kämpferisch dokumentiert: «Die mächtigen Welle rücksichtsloser Nutzungsbestrebungen auf landwirtschaftlichem Gebiet hat auch die thurgauische Landschaft erfasst». Die heutige Betrachtungsweise kommt ohne Feindbilder aus und ist realistisch genug zu erkennen: Ein solches Schutzgebiet ist keine unberührte, paradiesische Naturoase, sondern gehört zu den gewachsenen Kulturlandschaften, welche sich seit der menschlichen Besitznahme kontinuierlich verändert haben. Ruedi Götz im September 2011


GrĂźndung der Naturschutzvereinigung


Gründung der Naturschutzvereinigung

Im Frühjahr 1936 trat die NVG als eigenständiger Verein erstmals in Erscheinung. Natürlich existiert eine Vorgeschichte. Ein Zusammenspiel verschiedener zeitbedingter Umstände und das Engagement von Persönlichkeiten des Dorfes waren Voraussetzungen zu dessen Gründung: Zur Vorgeschichte: Jakob Früh, Geometer aus Münchwilen, war in dieser Zeit mit der technischen Durchführung der Güterzusammenlegung der Munizipalgemeinde Wängi betraut. 1934 regte er in der Korporationskommission an, dem damaligen Ornithologischen Verein «Verein für Vogelschutz, Geflügel- und Kaninchenzucht» ein Riedgebiet im Grüt von etwa drei Jucharten als «Reservation» zur Verfügung zu stellen. Diese Organisation habe «selbstredend zugegriffen», wie Debrunner im Jahresbericht 1936 schreibt, und so wurde die Vogelreservation ins Leben gerufen. Das Gebiet von etwa einer Hektare bildete ungefähr ein Drittel der eigentlichen Riedfläche und es war dem Vorstand klar, dass das Ziel sein sollte, das ganze Ried zu besitzen. Zu diesem Zwecke wurde eine Vogelschutzkasse geschaffen, weil ja die Mehrzahl der Mitglieder Kleintierzüchter und keine Ornithologen waren. Ende 1935 überstieg die Zahl letzterer diejenige der Kleintierzüchter und so kam es zur friedlichen Trennung. Am 22. Februar 1936 wurde diese unter dem Patronat des Verkehrs- und Verschönerungsvereins vollzogen:

Postkartenaktion für Erweiterung des Vogelschutzgebietes (OMW)

Detail des Beitrages in der Zürcher Illustrierten vom 4. September 1936 von O. Staub (NVG)

Postkartenaktion für Erweiterung des Vogelschutzgebietes Grütried (OMW)

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Gründung der Naturschutzvereinigung

Paul Zuppinger

Albin Angst

Johann Bartholdi

Gottlieb Höppli

Eduard Alpiger

Jakob Früh

Albert Nägeli

Alfons Krähenmann

Otto Bischof

Bleistiftzeichnung J.A. Berkmüller ca. 1936; es handelt sich um die weniger bekannte Zeichnung mit der Frau auf der Grütstrasse. (OMW)

Tagespräsident war Posthalter Paul Zuppinger. Folgende Chargen wurde durch Wahl besetzt: Als ordentlicher Präsident der NVG Joseph Debrunner, bisheriger Obmann der Vogelschutzgruppe, Lehrer Stefan Meyer als Aktuar, Sekundarlehrer Ernst Wiesmann als Kassier. Beisitzer im Vorstand: Albin Angst, Mechaniker, Johann Bartholdi, Kaufmann, Edi Alpiger, Pomologe und Landwirt, Gottlieb Höppli jun. (Jg.1916) Landwirt «zum Schwert». Rechnungsrevisoren: Emmy Gamper und Johann Hasler. Noch in der ersten konstituierenden Versammlung wurde dem Vorstand die Aufgabe erteilt, der Versammlung möglichst schnell Vereins-Statuten vorzulegen, was dann auch innerhalb einiger Monate geschah (siehe Seite 7 Statuten). Im ersten umfangreichen JB von 18 Seiten, ebenso in den beiden vorausgehenden der Vogelreservation und den nachfolgenden bis Kriegsende zeichnet sich bereits die ganze Geschichte der Vereinigung ab.


Gründung der Naturschutzvereinigung

STATUTEN NVG Am 23. Mai 1936, nur drei Monate nach der Gründung verfügte die NVG bereits über Statuten, welche von der Vollversammlung genehmigt wurden. Am 23. Oktober 1948 erfolgte die erste Revision. Die heute noch gütigen Statuten vom 17. Januar 1985 werden vollständig wiedergegeben, hingegen sind von den Vorgängern nur die wesentlichsten Unterschiede angegeben: In der ersten Fassung wird neben dem Naturauch der Vogelschutz genannt, ebenso als eine wichtige Aufgabe die Winterfütterung.

Statuten der Naturschutzvereinigung Grütried Gegründet am 22. Februar 1936 Art.1 Name und Sitz Unter der Bezeichnung «Naturschutzvereinigung Grütried» im folgenden NVG bezeichnet, besteht ein Verein im Sinne von Art. 60 ff. des ZGB mit Sitz in Wängi. Art. 2 Zweck der Vereinigung 2.1 Unterhalt und Pflege der Schutzgebiete, die im Besitz der NVG oder von ihr gepachtet sind. 2.2 Ankauf, Pacht oder servitutarische Sicherung von naturschützlerisch wertvollen Gebieten, Baumgruppen, Hecken, Bachläufen usw.

Die Generalversammlung, welche in der zweiten Fassung nur jedes dritte Jahr stattfinden muss, wird durch die jährliche Hauptversammlung ersetzt. Bei Auflösung des Vereins ist in der letzten Fassung nicht mehr der Schweizerische Naturschutzbund Generalerbe, sondern der Thurgauische Naturschutzbund (dieser wurde 1996 in Pro Natura Thurgau umbenannt) Einige Änderungen beziehen sich auf die juristische Klarheit und sind kaum erwähnenswert.

2.3 Wahrung der Umwelt-, Landschafts- und Naturschutzinteressen, insbesondere bei behördlichen Verordnungen oder Massnahmen. 2.4 Förderung und Verbreitung des Umwelt- und Naturschutzgedankens durch Exkursionen, Ausstellungen, Vorträge usw. 2.5 Ausübung praktischen Natur- und Landschaftsschutzes zur Verbesserung der Lebensräume von Pflanzen und Tieren. 2.6 Schaffung von Nist- und Brutgelegenheiten für bedrängte Tierarten, z.B. durch das Aufhängen von Nisthöhlen, die Schaffung von Laichgewässern usw. und die Fütterung von Tieren in Notlagen. 2.7 Die NVG ist bereit, mit andern Körperschaften mit ähnlichen Zielen zusammenzuarbeiten.

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Gründung der Naturschutzvereinigung

STATUTEN NVG Art. 3 Mitgliedschaft 3.1 Die NVG besteht aus Aktiv- und Ehrenmitgliedern. 3.2 Mitglieder der NVG können natürliche und juristische Personen, sowie öffentlich rechtliche Körperschaften werden, die sich zu den Grundsätzen des Naturschutzes bekennen. 3.3 Mitglieder, die sich um die NVG besonders verdient gemacht haben, können durch die Hauptversammlung zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. Ehrenmitglieder sind beitragsfrei, geniessen aber alle Rechte der Aktivmitglieder. 3.4 Die jährlichen Mitgliederbeiträge werden durch die Hauptversammlung festgesetzt. Der Jahresbeitrag kann auch in Form zweckdienlicher Arbeiten für die NVG geleistet werden. 3.5 Der Austritt kann auf Ende Jahr nach erfüllter Beitragspflicht erfolgen. Für den Ausschluss eines Mitgliedes ist nur die Hauptversammlung zuständig. Austretende haben keinen Anspruch auf das Vermögen der NVG. 3.6 Die persönliche Haftbarkeit der Mitglieder für Verbindlichkeiten der NVG ist ausgeschlossen. Art. 4 Organe Die Organe sind: 1. Die Hauptversammlung 2. der Vorstand 3. die Rechnungsrevisoren

Art. 5 Hauptversammlung 5.1 Die ordentliche Hauptversammlung findet auf Einladung des Vorstandes jährlich einmal statt. Ausserordentliche Versammlungen werden einberufen, wenn der Vorstand es als notwendig erachtet, oder wenn ein Fünftel der Mitglieder die Einberufung verlangt. 5.2 Der Hauptversammlung steht die Erledigung nachstehender Traktanden zu: 1. Wahl des Vorstandes, des Präsidenten und der Revisoren 2. Abnahme der Jahresrechnung und des Jahresberichtes 3. Festsetzung des Jahresbeitrages und der Finanzkompetenzen 4. Mutationen 5. Statutenrevision 6. Beschlussfassung über Anträge des Vorstandes oder von Mitgliedern 7. Ernennung von Ehrenmitgliedern. Art. 6 Wahlen und Abstimmungen 6.1 Wahlen und Abstimmungen werden offen vorgenommen, sofern von der Mehrheit der anwesenden Mitglieder nicht anderes bestimmt wird. 6.2 Bei Abstimmungen über Sachgeschäfte entscheidet die Mehrheit der Stimmenden (vorbehalten Art. 9.1). Der Vorsitzende stimmt mit. Er gibt bei Stimmengleichheit den Stichentscheid.


Gründung der Naturschutzvereinigung

STATUTEN NVG 6.3 Bei Wahlen entscheidet im ersten Wahlgang das absolute, im zweiten Wahlgang das relative Mehr. Der Vorsitzende stimmt mit. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. 6.4 Beschlüsse dürfen nur über die in der Einladung angekündigten Verhandlungsgegenstände gefasst werden. Art. 7 Vorstand 7.1 Der Vorstand setzt sich aus 5 bis 9 Mitgliedern zusammen, die für drei Jahre gewählt werden. 7.2 Der Vorstand konstituiert sich selbst. Der Präsident führt mit dem Aktuar die rechtsverbindliche Unterschrift. 7.3 Der Vorstand besorgt alle anfallenden Geschäfte, die nicht der Hauptversammlung vorbehalten sind. Art.8 Rechnungsrevisoren 8. 1 Die Rechnungsrevisoren haben die Jahresrechnung zu prüfen, den Vermögensstand zu kontrollieren und der Hauptversammlung einen schriftlichen Bericht mit Antrag vorzulegen. Die Jahresrechnung ist auf den 31. Dezember abzuschliessen.

8. 2 Die Amtsdauer der Revisoren beträgt drei Jahre. Art.9 Auflösung 9. 1 Die Auflösung der NVG kann nur durch die Hauptversammlung mit Zweidrittelsmehrheit beschlossen werden. 9. 2 Im Falle der Auflösung der NVG geht der gesamte Besitz (Schutzgebiete und übriges Vermögen) an den Thurgauischen Naturschutzbund. Wird innert fünf Jahren in der Gemeinde Wängi wieder ein Verein gegründet mit entsprechendem Zweck, so soll der gesamte Besitz diesem übergeben werden. Diese Statuten ersetzen diejenigen vom 23. Oktober 1948. Die Hauptversammlung der NVG hat sie am 17. Januar 1985 genehmigt. Sie treten sofort in Kraft. Der Präsident:

Der Aktuar:

Grütried 1980

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Pflanzenrundgang 25. Juni 2011


Sumpfwurz im Sรถll Epipactis palustris


Langjährige Präsidenten der Gründerzeit


Langjährige Präsidenten der Gründerzeit

Diese Angaben stützen sich auf die noch vorhandenen Dokumente und mündliche Zeugnisse, welche für die vier Persönlichkeiten ganz verschieden sind. Joseph Debrunner (1890 – 1980) darf als Gründer der Vereinigung bezeichnet werden. In der reichen Vereinskorrespondenz wird er als «Prokurist der Eidgenössischen Bank» angesprochen. Auf Umwegen ging diese Bank schliesslich in der heutigen UBS auf. Die KonzernarchivAG suchte vergeblich nach seinen Spuren. Er war in der Wängenerzeit Junggeselle, verheirate sich erst fast 60-jährig und zog etwa 1946 nach Wittenbach. In Wängi bewohnte er mit seinen beiden ledigen Schwestern eine grosse Liegenschaft im Kalkbühl (ehemalige Wirtschaft «Zum Kalkbühl»). Die Vereinsakten sind überreich an Debrunner’schen Spuren. An der Generalversammlung vom 28. Oktober 1948 wird er als zurücktretender Präsident von Ernst Wiesmann folgendermassen gewürdigt: «Mit der Gründung der NVG spielte sich etwas Eigenartiges ab: Eine grosse Aufgabe fand ihren Mann und der Mann seine Aufgabe. Im Grütried arbeitete er mehr als alle Vorstandsmitglieder zusammen. Das Schutzgebiet war Frau und Kind des Junggesellen, der er damals zum Glück noch war(!)» Debrunner war überzeugter Ornithologe, der sich aber nicht auf die Feldarbeit beschränkte, sondern auch mit Begeisterung Öffentlichkeitsarbeit leistete. Seine pathetisch anmutende Sprache – vor allem aus den Bettelbriefen und Jahresberichten bekannt – sind Zeitzeugnisse. So schreibt er zum Tode zweier Mitglieder und Förderer: «Dr. med. vet. Schönenberger und Staatsförster Knecht waren treue Mitkämpfer, welche in der Vollkraft ihrer Mannesjahre ins Grab gesunken sind und trauernde Witwen und Kinder hinterlassen haben» oder ganz anders . . . «den Zaunkönig beobachteten wir lange auf einer Rottanne sitzend, wo er seinen Gesang nur so in den prachtvollen Maimorgen schmetterte..» oder dann als Aufruf an die Ornithologen vor der NVG-Gründung: «Liebe Freunde des Vogelschutzes! Helfen Sie beim Aufbau unseres Heimatwerkes für die kommende Generation – ALLES FÜR DEN VOGELSCHUTZ!»

Joseph Debrunner (CR)

Ein Schreiben Joseph Debrunners an die Mitglieder

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Langjährige Präsidenten der Gründerzeit

Heute klingt seine Sprache reichlich schwülstig, muss damals aber angekommen sein, denn seinen unzähligen Bettelbriefen in die ganze Schweiz war ein grosser Erfolg beschieden. Dass diese etwas aufdringliche Art nicht nur Freunde fand, zeigte sich an den zum Teil heftigen und gehässigen Reaktionen in kantonalen Gremien. Auch folgende Begebenheit kann aufzeigen, dass es sich beim Präsidenten um eine Persönlichkeit handelte, welcher Ethik und Idealismus wichtiger waren als juristische Klarheit. Anlässlich der Gründungsversammlung stellte er sich gegen die Ausformulierung von Vereinsstatuten, weil «solche der hohen Gesinnung und idealistischen Arbeit der

Mitglieder abträglich sein würden». Seiner Opposition zum Trotz wurden die Statuten in der Rekordzeit von zwei Monaten geschaffen. Nach 14-jähriger aufopfernder Tätigkeit, welche ihn wohl oft bis an die Grenzen forderte, schien er amtsmüde geworden zu sein, heiratete, zog von Wängi weg und legte sein Amt nieder. Zum Ehrenpräsidenten wurde er anlässlich des 25-jährigen Bestehens der NVG 1961 ernannt. Zwischen 1970 und seinem Tode 1980 war er gelegentlich ein gern gesehener Gast der Jahresversammlungen.

Ernst Wiesmann (1905 – 1964) ist wohl eine der markantesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Wängi. Folgende Institutionen gehen auf ihn zurück oder wurden durch ihn entscheidend gefördert: Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVW), Verein für Kulturförderung (heute «Wängi und Kultur» W.U.K.), Volksbibliothek , Ortsmuseum und eben die NVG.

Ernst Wiesmann (OMW)

Der Begriff «Umweltschutz» war zu seiner Zeit noch nicht gebräuchlich, die Erhaltung einer intakten Umwelt war ihm an der Zeitschwelle zur mechanisierten Landwirtschaft ein Anliegen. Der Anthroposophie nahestehend, war er ebenfalls an der ästhetischen Erziehung interessiert. Sein Temperament und sein intellektuelles Niveau in Wort und Schrift überforderten gelegentlich seine Zeitgenossen in Schule und Gemeinde. Bis kurz vor seinem Tode war er Präsident der NVG.


Langjährige Präsidenten der Gründerzeit

Johann Hasler (1900 – 1983) Wann immer man auf die persönliche Vergangenheit zu sprechen kam, betonte er seine Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen. Wegen dem frühen Tod seiner Mutter wurde er bereits im Schulalter Verdingbub. In der Weberei Wängi arbeitete er sich durch charakterliche Integrität, zähen Fleiss und persönliche Weiterbildung in eine führende Position auf. Er wurde Schulpräsident in einer Zeit, als dieses Amt eher Pfarrherren oder Ärzten anvertraut wurde. In Pension nahm er sich – seinem Vorbild Ernst Wiesmann entsprechend – der Kulturpflege, dem VVW und vor allem dem Grütried an. Hunderte von Stunden verbrachte er hier als Reservatspfleger; der Vereinskasse verrechnete er lediglich die Hälfte der Unfallversicherungsprämie! Hie und da liess er sich von einer Schulklasse bei mühsameren Arbeiten helfen. Den Rat von Fachleuten nahm er gerne an, da er keine Möglichkeit hatte, sich ins komplexe biologische Fachwissen einzuarbeiten. Für ihn war der Dienst in den dörflichen Institutionen nicht nur Pflicht, sondern er liebte diesen! Er war, wie dies eine alte Ausdrucksweise sagt, in gutem Sinne leutselig.

Johann Hasler (PC)

Edwin Herzog ( 1919 – 2004) Als junger Primarlehrer folgte er seinem Vater in der Schule Tuttwil, wechselte dann nach Wängi, wo er mit einem kurzen Unterbruch ein Leben lang blieb. Die lebende Natur war ihm in seinem Unterricht ein zentrales Anliegen, und heute noch erinnern sich Ehemalige gerne an seine Naturkundestunden. Als NVG- Präsident führte er seine Aufgabe praktisch aber auch administrativ sorgfältig aus. Für den Umweltschutz – zu seiner Zeit bereits ein Modewort geworden – trat er auch mit Voten in Gemeindeversammlungen ein, leider aber glich er dem Rufer in der Wüste. So lange es seine Gesundheit zuliess, half er auch bei den Unterhaltsarbeiten im Grüt eifrig mit.

Edwin Herzog

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Hohe Ziele, unsichere Konzepte und IrrtĂźmer der GrĂźnderzeit


Hohe Ziele, unsichere Konzepte und Irrtümer der Gründerzeit

Dass die NVG- Bewegung mit einem Kleintierzüchterverein begann, darf als Laune des Zufalls verstanden werden, weil man ja einen Trägerverein für das aus der Güterzusammenlegung freiwerdende Land benötigte. Der Gedanke eines integralen Naturschutzes entsprach aber in keiner Weise den Ornithologen, welche von der Gründung bis in die 60er-Jahre das Sagen hatten. Die Vögel spielten die zentrale Rolle, wie in vergleichbaren Naturbewegungen dies Schmetterlinge oder Orchideen waren, Begriffe wie Ökologie, Lebensräume, Biotope oder gar Biodiversität waren kaum bekannt oder ihre Bedeutung noch nicht ins Bewusstsein interessierter Laien gedrungen. Amphibien oder Insekten wurden kaum erwähnt, Ameiseneier (= Larven) nur im Zusammenhang mit der Herstellung von Vogelfutter während des Krieges! Die Vögel waren unter den freilebenden Tieren die lieblichsten Partner der menschlichen Gesellschaft, und für diese musste Lebensraum, Nahrung und Brutmöglichkeiten geschaffen werden. Man dachte sogar innerhalb des Vogelschutzes in Begriffen wie «Nützlinge und Schädlinge», Krähen und Elstern gehörten zu den Letzteren, weil sie sich gelegentlich von Singvögeln ernähren. Bis in die frühen 70er-Jahre gehörte die Beschaffung für Winterfutter zu den Aufgaben der NVG. Der Vogelschutz blieb während 75 Jahren immer ein Sonderressort im Vorstand; andere Spezialaufgaben wurden geschaffen und verschwanden wieder. Die damalige moderne Landwirtschaft gehörte wohl kaum zu den engsten Verbündeten der NVG, weil Landmeliorationen, maschinelle Bearbeitung und beginnender chemischer Pflanzenschutz als eine aufziehende Gefahr wahrgenommen wurden. So machte Ernst Wiesmann in einer Ansprache kurz nach dem Kriege die Bemerkung, «dass man sich damals (im Kriege) am besten still ins Gras geduckt habe, um nicht die Aufmerksamkeit des schweizerischen Anbaugenerals Wahlen auf sich zu ziehen» Man bedenke: Traugott Wahlen genoss damals in bürgerlichen und besonders bäuerlichen Kreisen oft eine Verehrung, welche diejenige von General Guisan überstieg!

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Hohe Ziele, unsichere Konzepte und Irrtümer der Gründerzeit

Grütried-Signet aktuell

Eine Sonderstellung in der Landwirtschaft hatten die Pomologen (Obstbaumpfleger); ihre Arbeit beeinflusste positiv oder negativ die Lebensgrundlage der Vögel. Auch die Pflanzenwelt hatte anfangs diesen dienstbar zu sein, ihre Heimat waren damals Baumund Buschwerk. Die etwa drei Hektar grosse Riedfläche war ausser einigen kleinen Randzonen reine Schilf- und Seggenzonen ohne Bäume und Sträucher, solche konnten wegen der jährlichen Mahd zur Gewinnung von Viehstreue nicht aufkommen. Bis zum Kriegsbeginn wurden weit über 1000 Baum- und Buscharten gepflanzt. Da anspruchsvollere Bäume wie Fichten, Tannen und Hainbuchen, Ebereschen und Ahornarten einen Wurzelbereich über dem Was-

Alte Tafel, ca. 1970

serniveau verlangten, wurde kleine Dämme aufgeschüttet. Dabei entstanden die Tümpel als Nebenprodukt, welche dann später eine Umdeutung als Amphibienlaichstätten erfuhren! Da aber die Rehe den Jungpflanzen arg zusetzten, wurde das Ried mit einem Gitterzaun versehen, teilweise aber auch mit eng gepflanzten Schlehenhecken. Während einer kurzen Zeit wurde sogar ein Riedwächter eingesetzt, welcher pro Tag zwei Rundgänge ausführen musste, allerdings nicht nur um Rehfrass zu verhindern, sondern Schäden einzudämmen, welche durch «übelgesinnte» Besucher entstanden!


Hohe Ziele, unsichere Konzepte und Irrtümer der Gründerzeit

Im Herbst 1936 wurde in den zwei renommierten Blättern, der Neuen Zürcher Zeitung und der Zürcher Illustrierten in Beiträgen unter dem Titel «EIN DORF SCHÜTZT SEIN RIED» auf das mutige Unternehmen in Wängi mit einem Bildbericht hingewiesen und als eines der schönsten Erholungsgebiete so nahe am Sonnenberg empfohlen . Allerdings so optimistisch wie es in den Zeitungsberichten angekündigt wurde, ging die Entwicklung nicht weiter. Die vielen Jungpflanzen in den Randzonen begannen das Landschaftsbild zu verändern und zudem verwandelte der Wegfall des Streuemähens schon 1938 das Ried in eine «dschungelhafte Wildnis». Zwei auswärtige Initianten regten zudem die Aushebung einer grossen Wasserfläche für die Aufzucht von Enten an. In den bestehenden Tümpeln wurden in speziellen Körben Rhizome von Wasserpflanzen versenkt, Geschenke des Pflanzenzentrums Oeschberg/BE und Hauenstein Rafz. Vom Botanischen Garten Zürich (Prof. Däniker) wünschte man Gelbe Teichrosen (Nuphar luteum). Den Rektoraten der Kantonsschule Frauenfeld und des Seminars Kreuzlingen wurde in Briefen die baldige Eröffnung eines kantonalen botanischen Schulreservates angekündigt, und man bat um mindestens ideelle Unterstützung.

Gründungssignet nach einem Linolschnitt von Ernst Wiesmann, nur für zwei Jahresberichte verwendet. (NVG)

Signet nach erfolgreichem Kauf der Eichenallee von den Gebrüder Walter, verschwindet aber wieder, als keine Jahresberichte mehr gedruckt werden. (NVG)

Offizielles Naturschutz-Signet wird übernommen

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Hohe Ziele, unsichere Konzepte und Irrtümer der Gründerzeit

Dr. Heinrich Tanner (OMW)

Dies schien der damaligen Aufsichtsbehörde, der Naturschutzkommission der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft unter der Leitung von Dr. H. Tanner doch mit etwas zu grosser Kelle angerührt. Es folgte ein nicht gerade liebenswürdiger Briefwechsel. Man warf den Wängenern vor, sie wollten eine Parkanlage schaffen, welche sehr wenig mit Naturschutz zu tun hätte! Für damalige Fachleute war jeder menschliche Eingriff in einem Schutzgebiet schädlich, Pflanzen durften nur angesiedelt werden, wenn ihr Vorkommen in früheren Zeiten nachgewiesen werden konnte, was auch heute noch gilt. Dass man es im Grütried damals in Sachen Standorttreue nicht gerade ernst nahm, zeigt noch die heutige Flora: In der oben erwähnten NZZ wird die Wiederansiedlung des Pfeilkrautes lobend erwähnt, welches auch heute im südwestlichen Teil rund um den Klärweiher noch gut gedeiht. Es handelt sich aber um eine amerikanische Art (Sagittaria latifolia)! Auch wurden nicht nur weisse Seerosen (Nymphaea alba) eingepflanzt, sondern rötliche und gelbliche, wie wir diese von den berühmten Bildern von Claude Monet kennen. 1970 wurde dann endlich der letzte Rhododendronstock entfernt! Heute versteht man die Naturschutzkommission, welche sich über die gar leichtfertige Florenbereicherung beschwerte. Gleichzeitig widersetzte sich diese aber dem Streueschnitt, welchen man einzelnen ehemaligen Riedbesitzern noch erlaubte. Die Folge davon war eine rasante Verbuschung, die noch heute bekämpft werden muss. Die Auseinandersetzungen auch mit andern Gremien gingen so weit, dass J. Debrunner vorschlug, alt Bundesrat Häberlin aus Frauenfeld als Vermittler zwischen den verschiedenen Fronten einzusetzen. Dieser konnte sich dafür nicht erwärmen und mahnte zu einer «vernünftigen Bescheidenheit». Der Zweite Weltkrieg brachte andere Sorgen und drosselte die Naturschutzaktivitäten gewaltig. Zu den menschlichen Versorgungsproblemen kamen noch die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Vogelfutter für die Winterfütterung. Die Aktivitäten in den Schutzgebieten sanken in dieser Zeit auf ein Minimum, und vielleicht war dies eine heilsame Pause für das Unternehmen Grütried .

Dr. August Schläfli 1989 (AS)

Eine Generation später war Dr. August Schläfli, neuer Präsident der Naturschutzkommission, glücklicherweise häufigerer Gast im Grütried als seine Vorgänger. Er brachte auf freundlich-diplomatische aber verbindliche Art den Präsidenten und Hauptpfleger Johann Hasler dazu, die Fremdlinge nicht etwa auszurotten, sondern in eines der privaten Feuchtbiotope umzusiedeln, welche damals überall entstanden.


Eichblattkreuzspinne entdeckt am Erlebnistag vom 25. Juni 2011


NVG-Präsidenten und Vorstandsmitglieder


NVG-Präsidenten und Vorstandsmitglieder

Gründungsvorstand 22. Februar 1936

Präsident der vorherigen Organisation: Albin Angst

Mechaniker, Matzingen Präsident des Vereins für Vogelschutz, Geflügel- und Kaninchenzucht

Tagespräsident Paul Zuppinger

Posthalter, Präsident Verkehrs- und Verschönerungsverein, Wängi

In den Vorstand der neu gegründeten Naturschutzvereinigung NVG wurden gewählt: Präsident

Joseph Debrunner, Bankprokurist, Wängi

Aktuar

Stefan Meyer, Lehrer, Wängi

Kassier

Ernst Wiesmann, Sekundarlehrer, Wängi

Beisitzer

Albin Angst, Mechaniker, Matzingen Johann Bartholdi, Kaufmann, Wängi Gottlieb Höppli jun., Landwirt, Wängi Eduard Alpiger, Landwirt und Leiter Pomologiekurse (Baumwärterkurse), Wängi

Rechnungsrevisoren

Emmy Gamper, Sekretärin, Johann Hasler, Webermeister, Wängi

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NVG-Präsidenten und Vorstandsmitglieder

Die Präsidenten

Ruedi Schluep (SR)

1936 – 1948

Joseph Debrunner, ehemals Obmann Vogelschutz im Vorgängerverein

1948 – 1951

Edwin Herzog

1951 – 1961

Ernst Wiesmann

1961 – 1965

Ruedi Schluep

1966 – 1979

Johann Hasler

1979 – 1986

Edwin Herzog

1986 – 1990

Ruedi Götz

1990 – 1999

Walter Zuppinger

1999 – 2006

Ruedi Götz

ab 2006

Bernhard Wettstein

Ruedi Götz (MH)

Walter Zuppinger

Bernhard Wettstein


NVG-Präsidenten und Vorstandsmitglieder

Neue Vorstandmitglieder mit wechselnden Amtszeiten

1940 – 1960

Eugen Herzog, Wängi Albert Müller, Wängi E. Läubli, Wittenwil Otto Bischof, Wängi

1960 – 1980

Karl Wüthrich, Wängi Albert Nägeli, Wängi Ivo Steccanella, Wängi Fridolin Häne, Wängi Alfons Krähenmann, Heiterschen

1980 – 2011

Maud Zehnder, Wängi Karl Scheck, Wängi Jürg Gamper, Wängi Andreas Winkler, Wängi Josef Ruckstuhl, Lommis Werner Muther, Wängi Remo Volpez, Wängi Walter Wiesli, Wängi Daniela Zehnder, Wängi Peter Brunner, Wängi Markus Meier, Wängi Regula Stricker, Wängi Heidi Pfaffhauser, Tuttwil Felix Restle, Tuttwil

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Niederdruckmäher Erb 9. September 2004


Mäher 2009


Mitglieder und Finanzen


Mitglieder und Finanzen

Schon 1935 begann J. Debrunner als Obmann der Vogelschutzgruppe eine grossangelegte Sammelaktion. Dass eine einzige Person zu dieser Leistung fähig war, grenzt fast an ein Wunder, denn dieser war vollzeitlich in einer Bank in Zürich tätig und reiste täglich, auch samstags, mit der Bahn von Wängi an seinen Arbeitsort. Bei der Suche nach Gönnern und Spendern wird ihm sowohl seine Banker-Erfahrung wie auch seine Überzeugungskraft zugute gekommen sein. Er kannte eine grosse Zahl von spendefreudigen Leuten, und dies noch während der Wirtschaftskrise der Dreissigerjahre! 1940 erreichte der NVG-Grundbesitz den endgültigen Zustand von ca. 450 Aren, welcher bereits auf einen Franken Buchungswert abgeschrieben war! Dies weckte natürlich auch den Neid von andern Naturschutzorganisationen im Kanton. Im Gründungsjahr war allerdings die Wängener Beteiligung an Gönnern und Spendern relativ klein: von rund 200 Personen stammte nur ein Dutzend aus Wängi und Umgebung, die am Sammelergebnis von knapp 2000 Franken nur etwa 150 Franken beisteuerten.1938 wurde eine neue Mitglieder- und Gönnerliste erstellt, und da – der damaligen Sitte entsprechend – auch Berufe und Funktion aufgeführt wurden, lässt sich ein sehr gutes Bild der gesellschaftlichen Struktur der Mitglieder machen: Auswärtige (davon 7 % juristische Personen) ca. 160 Wängi und Umgebung (10 % juristische Personen) ca. 80 Selbstständig Erwerbende, Geschäftleute 35 Landwirte 22 Lehrerinnen, Lehrer und Pfarrherren 16 Angestellte 5 Arbeiter (siehe folgende Seite) 1


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Mitglieder und Finanzen

Die Mitglieder gehörten der Mittel- und «Oberschicht» an, natürlich wurde gezielt nur hier Werbung betrieben, weil es ja vorerst einmal um die Finanzierung ging. Dieser einzige «Arbeiter» ist als Nachtwächter der Weberei aufgeführt (hier waren damals mehr als 250 Personen beschäftigt), dieser übernahm dann für kurze Zeit das Amt des Reservataufsehers und hatte täglich zwei Rundgänge zu machen, um «das Tun Übelgesinnter» zu verhindern. An den General- oder Jahresversammlungen nahmen aus verständlichen Gründen nur Mitglieder der Umgebung teil, neu Eintretende wurden aber feierlich aufgenommen.

Dr. Heinz Haeberlin Bundesrat

Hans Reutlinger Regierungsrat

Aus dem Jahresbericht von 1940: «Mit Gruss und Handschlag wurden folgende Mitglieder aufgenommen: · H. Geser, Massgeschäft, Frauenfeld · Eugen Herzog, Landwirt und Pomologe, Wängi · Adolf Müller, Posthalter, Eglisau · Kantonsrat und kantonaler Bauernsekretär Hans Reutlinger Weinfelden» (wurde bald nachher zum thurg. Regierungsrat gewählt) Interessant ist auch die Liste von «besonderen Mitgliedern» (dem Sinne nach prominente Persönlichkeiten) · alt Bundesrat Dr. Heinz Haeberlin · Ständerat Dr. Paul Altwegg · Regierungsrat Dr. Jakob Müller (von Krillberg stammend) · Dr. A. Pfaehler, Präs. Schweiz. Naturschutzbund · Prof. Dr. H. Tanner, Präs. Naturschutzkommission TG · Walter Bruggmann, Grossgrundbesitzer, Manila · Dr. Gottlieb Bachmann, Präs. Direktion Schweiz. Nationalbank · Alfred Huggenberger, Schriftsteller, Gerlikon/Frauenfeld


Mitglieder und Finanzen

· · · ·

Johann Künzli, Kräuterpfarrer, Zizers Prof. E. Laur, Schweiz. Bauernsekretär, Brugg Dr. Willi Schohaus, Seminardirektor, Kreuzlingen Dr. Binswanger, Direktor Kuranstalt Bellevue, Kreuzlingen

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieg brachte eine brutale Wende 1940 war die Arrondierung des Schutzgebietes abgeschlossen. Schwere Differenzen mit einem Anstösser, Meinungsverschiedenheiten mit kantonalen Organisationen belasteten die Arbeit im Vorstand. Zudem machte die neue Situation gewisse weltanschauliche Schwierigkeiten sichtbar: Die Anbauschlacht von Bundesrat Traugott Wahlen war nicht leicht mit der Philosophie der Idealisten zu vereinbaren, zudem mussten alle Kräfte für die Vogelfutterbeschaffung aufgebracht werden (der Vogelschutz war immer noch eine der Hauptaufgaben!).

Prof. Ernst Laur Bauernsekretär (STG)

Mitgliederlisten wurden keine mehr erstellt, ab 1941 keine Jahresberichte mehr gedruckt, und die NVG wurde rasch zu einem lokalen Verein. Der Mitgliederbeitrag von «mindestens 4 Franken» wurde schliesslich auf 1 Franken gesenkt, zuletzt begnügte man sich mit freiwilligen Spenden. Anlässlich der Jahresversammlung 1948, wo als wichtigstes Traktandum die Demission von Gründungspräsident Jos. Debrunner angekündigt wurde, erschienen nebst dem Vorstand gerade zwei Mitglieder! Worauf dieser rasche Rückgang an Engagement und Erfolg zurückzuführen ist, kann heute nicht leicht beurteilt werden. Andere kantonale Naturschutzorganisationen drücken sich in dieser Hinsicht vornehm verhalten aus: man hätte in Wängi «das Fuder halt doch etwas überladen».

Dr. Jakob Müller Regierungsrat (OM)

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Mitglieder und Finanzen

Nach dem Kriege erholte sich die Wirtschaft, und im Grütried pendelten sich die Aktivitäten auf ein gesundes, der Bevölkerung angepasstes Mass ein. Fortschritte waren bescheiden aber stetig und dauern glücklicherweise bis heute an. Mitglieder In den Mitgliederlisten der Gründerjahre wurden praktisch nur Männer aufgeführt, immerhin erscheinen Emmy Gamper als Rechnungsrevisorin und die beiden Töchter des in Wängi berühmten Arztes Hermann Walder: Mariette Rentsch-Walder, Geschäftsführerin Rentsch Druck AG, als Sponsorin des ersten NZZ-Separatdruckes und Anna Walder, erste weibliche thurgauische Berufsberaterin, welche auch in finanziellen Angelegenheiten oft um Rat angegangen wurde. Heute wird ein wichtiger Teil der Arbeit von Frauen ausgeführt, und der Vorstand wäre ohne diese wohl kaum mehr funktionsfähig. Auch wandelte sich die schweizweite Gönnergesellschaft zu einem Gemeindeverein, wie die beiden Darstellungen zeigen: Jahr

Mitgliederzahl

Wängi und Umgebung

von auswärts

1936

ca 200

12

ca 190

1938

ca 240

ca 80

ca 160

1949

99

58

41

1950

89

58

31

1962

160

132

28

1990

221

210

11

100%

ca 95%

ca 5 %

1990 – 2010


Mitglieder und Finanzen

Naturschutzvereinigung Grütried Mitgliederzahlen und Beiträge Jahre

Anzahl Gönner

Betrag

1975

260

3000

1993

162

3600

1976

258

2840

1994

142

3650

1977

231

2700

1995

132

3000

1978

225

2800

1996

125

2800

1979

ca. 200

3000

1997

133

3700

1980

fehlt

fehlt

1998

140

3700

1981

ca. 200

2200

1999

132

3200

1982

ca. 200

2800

2000

147

5300

1983

198

2800

2001

130

4300

1984

ca. 200

2850

2002

184

7300

1985

ca. 200

2800

2003

192

8900

1986

ca. 210

3100

2004

221

7000

1987

ca. 220

3700

2005

247

8700

1988

ca. 220

3800

2006

220

7000

1989

219

3400

2007

202

6600

1990

221

3700

2008

188

6200

145

4950

93

3200

1991

fehlt

fehlt

2009

1992

fehlt

fehlt

2010


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Mitglieder und Finanzen

Finanzielle Entwicklung 1935 bis 1940: Vom Erfolg der Geldsammlungen Debrunners wurde bereits berichtet. Mit Kriegsbeginn waren diese zur Hauptsache abgeschlossen. In den ersten Jahren nahm man etwa 10'000 Fr. durch Spenden und Jahresbeiträge ein; etwa die Hälfte davon wurde für den Landerwerb verwendet. Da alle Vorstandsmitglieder noch berufstätig waren und grossteils am Samstag noch gearbeitet wurde, mussten Landwirte und Unternehmer für die Aktivitäten in den Schutzgebieten engagiert und selbstverständlich bezahlt werden. Die Aufwendungen für · Erdbewegungen, Neupflanzungen von Mischwald und Gebüsch · Errichtung eines Maschenhages gegen Rehfrass · Administrativen Aufwand und Druckspesen machten in den ersten Jahren fast soviel wie der Landerwerb aus! Kriegszeit bis 1960 Dass diese Zeitspanne wohl als schwierigste Periode angesehen werden darf, wurde bereits erwähnt. Die Einnahmen durch jährliche Mitgliederbeiträge sanken bis 1960 auf durchschnittlich 300 Franken und begannen erst später wieder zu steigen. An der 25-JahreJubiläumsversammlung waren neben den Ehrengästen nur zehn Mitglieder anwesend!


Mitglieder und Finanzen

Finanzielle Entwicklung 1960 bis heute: Die Mitgliederzahlen aus den ersten Jahren sind bekannt, dann fehlen diese aber bis 1974. Sicher ist aber, dass die Einnahmen stetig stiegen, von 1963 mit 750 Fr. auf 2500 Fr./ Jahr 1974. Ab 1975 existieren genauere Angaben (siehe Tabelle vorheriges Kapitel). Gründe für die erfreuliche Entwicklung dürften folgende sein: Einerseits nahm das Umweltbewusstsein in dieser Zeit zu, der Begriff «Umweltschutz» entstand in diesen Jahren. Auf der anderen Seite ist es sicher das Verhältnis zur Freiwilligenarbeit in der NVG. Während vor 1960 noch beachtliche Summen für Löhne ausbezahlt wurden, sind heute praktisch alle Pflegeeinsätze Freiwilligenarbeit! (Siehe Kapitel 14, «Arbeitseinsätze im Grütried»). Die daraus resultierende komfortable finanzielle Situation erlaubte es sogar, hie und da freiwillig auf die Kantonsbeiträge zu verzichten. Das beachtliche heutige Vermögen von über 50 000 Franken ist für zukünftige Neuerwerbungen von Schutzgebieten vorgesehen. Hier glückte aber leider seit zwei Generationen kein Ankauf mehr!

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Erwerb der Schutzgebiete


Erwerb der Schutzgebiete

Im Grütried Anlässlich der Gründungsversammlung vom 22. Februar 1936 übergab die Vorgängerorganisation der NVG zwei Hektaren Sumpfgebiet. Zu der von der Güterzusammenlegung zugeteilten Fläche kamen noch 58 Aren, welche 1935 von Aug. Müller gekauft wurden. Den ersten, wohl wichtigsten Kauf konnte die NVG im Herbst 1936 von den Gebrüdern Walter tätigen: Es handelte sich um 25 Aren auf der Ostseite, zusammen mit einem Streifen Wiesland mit einer stattlichen Eichen- und Tannenallee längs des Abflussgrabens in östlicher Richtung. Nicht nur wegen der Schönheit war dies ein wichtiger Kauf, sondern damit hatte die Organisation ein praktisches Wegrecht zum Schutzgebiet, welches bis zu diesem Zeitpunkt nur vom Sonnenhof her bestand. Die Verbin-

dungsstrasse Greuthof – Höchi (Stettfurterstrasse) bestand noch nicht. Der Kaufpreis pro Quadratmeter betrug zwar fast das Zehnfache des sonst üblichen Riedpreises, wurde aber vom Vorstand als angemessen eingeschätzt, weil der Abfluss von einem schönen Eichen- und Tannenbestand gesäumt war, zudem gehörte dieses Gebiet praktisch zur «Hauswiese» der Liegenschaft der Gebrüder Walter. Diese verlangten dann auch das Vorkaufsrecht auf zehn Jahre, welches ihnen bereitwillig zugestanden wurde. Die Absicht der Greuthofbesitzer war möglicherweise, dass nach dem Bau der geplanten Strasse über die Höchi die NVG ihr Interesse an der etwas teuren Baumallee verlieren würde. Diese Rechnung ging dann allerdings nicht auf: Im Jahre 1954 wünschte der neue Besitzer Hans Walter (Jhg. 1920) die Allee zurückzukaufen, da ja die Zufahrt mit der neuen Strasse Greuthof-Stettfurterstrasse gewährleistet sei. Der

Aus Katasterplan 1931: Das Ried ist ganz in N-S-verlaufende Parzellen aufgeteilt: Etwas mehr als eine Hektare wurde 1934 bei der Vorbereitung der Güterzusammenlegung Wängi/Anetswil dem Ornithologischen Verein übertragen. Die Parzellen wurden jährlich einmal gemäht, das Material fand als Viehstreue Verwendung

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Erwerb der Schutzgebiete

Vorstand lehnte aber mit dem Hinweis auf die geltenden Statuten ab! Dieser Umstand vermochte das Verhältnis zwischen dem Greuthofbesitzer und der NVG etwas zu trüben, heute aber erinnert man sich kaum mehr an die Differenzen jener Zeit. 1937 erfolgte ein Kauf von 48 Aren von Albert Müller.

Katasterplan von 1938 und Ergänzungen späterer Mutationen: A Der Bau der Verbindungsstrasse Richtung Höchi (Siedlung Paul/Heinz Walter 1959) wurde 1954 gebaut. B Eichen/Tannenallee der Gebrüder Walter 1936 für 2000 Fr. der NVG verkauft C Kauf von (48 Aren) von Albert Müller, Sonnenhof, 1937 D Die unerfreulichen Grenzstreitigkeiten mit Alfred Greuter konnten 1940 endlich beigelegt werden. C Kauf von (48 Aren) von Albert Müller, Sonnenhof 1937 E Mit dem Kauf des Dreiecks in der Südwestecke beim heutigen Klärweiher war die endgültige Rechtecksform des Grundstückes erreicht.

1940 erwarb man von Alfred Greuter 27 Aren im Süden. Dieser Kauf erfolgte nach jahrelangen Streitigkeiten und ab diesem Zeitpunkt herrscht mit den Nachbarn ein meist gutes Einvernehmen.1957 konnte ein Dreieck von 12 Aren im Südwesten (heutiger Klärweiher) ebenfalls von A. Müller erworben werden. Damit hatte das Schutzgebiet seine Grösse und Form erreicht, wie es heute, 50 Jahre später, noch ist.

Katasterplan Grütried 2011 (nach AfG)


Erwerb der Schutzgebiete

Anwandel in der damaligen Ortsgemeinde Wittenwil 1938 wurden die 41 Aren der alten Kiesgrube samt Baumbestand für 100 Jahre gepachtet. Die einmalige Abfindung von 200 Franken (Holznutzung eingeschlossen) war innerhalb von fünf Jahren zu entrichten. Im gleichen Jahr wurde von A. Horber, Schloss Wittenwil, ein 43 Aren grosses Stück anstossendes «ungefreutes Wiesland mit einem munteren Bächlein und einer 100-jährigen Kopfweide» gekauft. Diese Wiese wurde dann im Laufe der Jahre aufgeforstet. Von A. Horber wurde zur gleichen Zeit im Schindbühl das «Vorhölzli» pachtweise auf 100 Jahre übernommen. Das Wittenwiler Schutzgebiet blieb während 70 Jahren immer etwas ein Stiefkind der NVG. Im Jahre 2010 wurden der Besitz der Parzelle 6271 und die übrigen Pflegeverpflichtungen (Parzellen 6272 und Teile der Parzelle 6270) für einen symbolischen Preis dem Vogelschutzverein Aadorf abgetreten.

Alte Kopfweide im Anwandel 1988 Bächlein Anwandel Winter 1987

Anwandel in der Übersicht Im Norden: Vorhölzli in Pacht Mittelteil mit Bach Besitz NVG Südteil mit alter Kiesgrube in Pacht. (nach AfG)


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Erwerb der Schutzgebiete

Übersicht Grütried Luftaufnahme vom 11. April 2011 1. Eichenallee, bis zur Grütstrasse

9. «Ruedi-Weiher» letzter Weiher von 2004

2. Birkenweiher, Birkenbestand schon vor 1936

10. Parkiermöglichkeit für Autos

3. «Zuppingerweiher» von 1996

11. Findling Glaukonitsandstein und Beginn des Rundweges

4. Wiese Weiheraushub, liegt über dem Riedniveau

12. Sitzplatz mit Feuerstelle

5. Depot Schnittgut, wird jährlich kompostiert

13. Seerosenweiher

6. Einfahrt für Riedmäher und -lader 7. Aufgeschüttete Ausfahrt für Riedmäher, Material des Weiheraushubs

14. Klärweiher (Naturklärweiher für Drainagewasser aus dem Kulturland)

8. «Lago Giovanni» (Erinnerung an den Präsidenten Johann Hasler)

15. Weidenweiher


Grütried Vorfrühling 8. Februar 2011 Blick gegen Stettfurt


Weiher und TĂźmpel


Weiher und Tümpel

Aus einem vielleicht gar phantasiereichen Bericht des Präsidenten JD geht hervor, dass zur Zeit des ersten Weltkrieges durch das Eis der Tümpel meterlange Hechte zu beobachten waren (!). Verbürgt ist aber, dass in dieser Zeit Torf zu Heizzwecken gestochen wurde, allerdings soll dessen Qualität zu wünschen übriggelassen haben. Dass aber bei kalter Witterung sowohl im Grütried wie auch im Lauchenfeld zwischen der Stettfurter- und der Wängenerjugend die ersten Eishockey-Wettkämpfe ausgetragen wurden, ist mehrfach verbürgt. Bereits zu Zeiten des Ornithologischen Vereins wurden die ersten Tümpel ausgehoben, allerdings entstanden diese nur, weil man durch den Aushub ein Pflanzniveau über dem Wasserspiegel gewinnen wollte, um die Artenvielfalt der zu pflanzenden Holz- und Gebüscharten zu vergrössern. Es ging vor allem um Brutmöglichkeiten von Vögeln, nicht um Amphibienvielfalt. 1939 boten zwei auswärtige Unternehmen an, einen mehrere Aren grossen Weiher mit Insel als Entenbrutstätte auszuheben. Ob dieser zur Ausführung kam ist unklar, die Naturschutzkommission der Naturforschenden Gesellschaft TG bekämpfte vehement das Anlegen einer «idyllischen Parkanlage» wie dies offenbar der Traum der Wängener war; vielleicht ist dies aber der heutige Seerosenweiher, welcher dann noch einige Naturschutz-Sünden über sich ergehen lassen musste. Wann und wie die einzelnen alten Tümpel ausgehoben wurden, lässt sich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, weil die weniger tiefen, mit Drainierspaten ausgehobenen, nach etwa zehn bis fünfzehn Jahren wieder verwachsen waren.

Seerosenweiher Grütried Mai 2009

Aus einem Bericht von Dr. August Schläfli der Thurg. Naturschutzkommission vom 22. 8.1967 geht hervor, dass fünf Tümpel mit allerdings zu steilen Ufern existierten. Ab 1970, also seit 40 Jahren hat sich folgende Praxis eingebürgert und scheint sich zu bewähren:

Kleiner Amphibien-Tümpel 2004

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Weiher und Tümpel

Wasserlinsen bedecken oft den ganzen Klärweiher

Der grosse Seerosenweiher mit Sitzgelegenheit im Westteil in der Nähe der Feuerstelle wird als «Spaziergängeridyll» in seinem Zustand belassen. Etwa alle 20 Jahre muss er wieder einmal ausgebaggert werden, weil sonst durch üppigen Seerosen, Binsen- Schilf- und Wasserschlauchbewuchs die offenen Wasserflächen verschwinden würden. In der SW-Ecke bei der Einmündung der Sonnenhofdrainage entstand vor 30 Jahren der sogenannte Klärweiher. Er funktioniert als Natur-Kläranlage, welche das stark mit Düngstoffen belastete Wasser aus dem Kulturland zurückhält. Üppiges Wachstum von Algen, Moosen, Laichkräutern, Rohrkolben und Pfeilkräutern bauen die Nährstoffe ab, welche so in gebundener Form herausgebaggert werden können. Natürliche Abflussrinnen ins Innere der Rieds wurden geschlossen, damit eine langsame Diffusion mit zusätzlicher Reinigung ermöglicht wird. Der Verschmutzungsgrad dieses Tümpels ist auch leicht erkennbar, weil nicht einmal die anspruchslose Rotfeder darin leben kann. Ausser TubifexWürmern und wenig Arten von Insektenlarven kommen kaum Tiere darin vor. Dieser Zufluss an der SW-Ecke bleibt trotz Naturklärung eine Belastung. Gerade anfangs 2011 wurde eine massive Verschmutzung durch Jauche festgestellt. Grössere Weiher mit flachen Ufern entstehen vor allem auf der Nordseite und ersetzen den nun fast 70-jährigen Wald.

Wasserläufer ertragen auch schlechte Wasserqualität

Eine Anzahl kleiner Tümpel von wenigen Quadratmetern Grösse werden periodisch ausgehoben. Diese trocknen fast jährlich einmal aus und verhindern das Aufkommen von Rotfederpopulationen, welche den Amphibienlarven jeweils arg zusetzen.


Samen der gelben Schwertlilie


Aus dem Grütried droht ein Auenwald zu werden . . .


Aus dem Grütried droht ein Auenwald zu werden . . .

Auf einem Dia von 1954 von der Höchi aus aufgenommen, sind es vor allem die Fichten, welche den Nordrand säumen. Im Laufe der Jahre entstand aber in den erhöhten Randzonen, besonders auf der Nordund Westseite ein dichter Wald, im Innern dominierten Birken, Erlen und Salweiden. Von der Sonnenbergterrasse aus betrachtet, glich das Ried vor 15 Jahren einem lockerten Auenwald, was auch Luftaufnahmen belegen. Diese Verwaldung und Verbuschung wurde ab 1985 deutlich und hängt vielleicht mit dem erhöhten Stickstoffeintrag durch die Luft zusammen. Seit etwa 15 Jahren bestehen die winterlichen Arbeitseinsätze vor allem aus Forstarbeit, damit die ursprüngliche Riedfläche wieder entsteht. Das Scheitholz zu Heizzwecken wird unter die Helfer aufgeteilt, während Fichten und Eichen als Nutzholz verkauft wurden. Im Laufe der Zeit soll die Nordseite wieder geöffnet werden, um neue Wasserflächen entstehen zu lassen. Im Innern sollen Birken- und Erlenbestände so reduziert werden, damit Schilf und Seggen im Herbst leicht maschinell gemäht werden können.

Aufnahme 1935, Ried ist praktisch baumfrei. Jährliches Mähen verhinderte die Verbuschung. (OMW)

Ernst Wiesmann schliesst den Schutzzaun 1936 gegen «Rehfrass und unerlaubtes Betreten durch Übelgesinnte». (NVG)

Foto ca. 1954 vom Standort der heutigen Liegenschaft Heinz Walter aus. (1960 gebaut) (OMW)

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Aus dem Grütried droht ein Auenwald zu werden . . .

Flugaufnahme 13. Juli 1970 schwach bewaldet (GAW)

Flugaufnahme 1.Juli 1982 Verbuschung nimmt zu (GAW)

Flugaufnahme November 1992 Wald in stärkster Ausdehnung

Satellitenaufnahme 2005 Wald ist zurückgedrängt, nur noch in Randzonen (GAW)


Spinnennetz 5. Juli 2007

Becher- oder Trichterflechten


Wandel der Flora


Wandel der Flora

Die natürliche Pflanzensukzession vollzog sich bei genauerem Hinsehen auch anders, als man sich dies vorstellte: Von den neu aufgetauchten Pflanzen fand man die meisten schon in einem Inventar von 1938, wahrscheinlich wusste man später nichts mehr von der Existenz dieser früheren Bestandesaufnahme. Folgende Arten wurden erst nach 1975 genannt: der Wassernabel (Hydrocotyle vulgaris), heute aber wieder verschwunden, der Igelkolben (Sparganium erectum) und seit etwa zehn Jahren an mindestens drei Standorten das Torfmoos (Sphagnum palustre). Ganz verschwunden ist der Fieberklee (Menyanthes trifoliata), welcher 1938 noch verlandende Torflöcher besiedelte. Die unscheinbare Zwiebelorchis (Liparis loeselii) soll vor 1940 noch vorgekommen sein, heute ist sie wohl aus dem Thurgau verschwunden. Das breitblättrige Wollgras (Eriophorum latifolium) war stellenweise bis vor wenigen Jahren noch recht häufig, jetzt sind die Bestände stark geschwunden. Die Mehlprimel (Primula farinosa) ist wahrscheinlich verschwunden, während sie 1938 noch als «Massenblüher, welcher ganze Flächen rotviolett einfärbt» genannt wird.

Wasserschlauch Inventar 1938 genannt

Sumpfdotterblume, SW-Ecke (EH)

Knabenkraut Orchis sp. wahrscheinlich gefleckte Orchis, sicher ab 1970 vorhanden

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Wandel der Flora

Nicht erwähnt wurde die Sumpfdotterblume (Caltha palustris), ihre Bestände im Grütried gehörten noch in den 80-Jahren zu den grössten der Ostschweiz, aber möglicherweise liegt eine Verwechslung mit der Trollblume vor. Das Studentenröschen (Parnassia palustris) wurde seit einigen Jahren nicht mehr gesehen, kommt heute aber noch im «Söll» östlich der Grütstrasse vor.

Torfmoos Sphagnum palustre 2004 genannt

Die Sumpfwurz (Epipactis palustris), welche um 1980 in der Nähe des Seerosenweihers massenhaft auftrat, verschwand während einigen Jahren. Nachdem die wuchernden Seggenbestände am ehemaligen Standort zurückgedrängt wurden, tauchte sie wieder auf, ebenso findet man sie im östlich gelegenen Söll. Die Pflanzengesellschaften im südöstlichen Birkenwäldchen waren den aktuellen sehr ähnlich: Wohl war der Birkenbestand kräftiger, ein Pilzbefall durch den Birkenporling hat diese von geraumer Zeit stark geschwächt, hingegen sind die Polster des goldenen Frauenhaares (Polytrichum) von damals auch heute noch vorhanden, ebenso die Heidelbeere (Vaccinium) und das sehr selten gewordene Wintergrün (Pyrola rotundifolia). In den grossen Riedflächen war der Schilf (Phragmites communis) und die Schneide (Cladium mariscus) dominierend, ebenso der breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia). Alle drei Arten sind noch vorhanden, die Dichte nahm aber stark ab.

Igelkolben 1989 genannt

Erst nach 2000 wurde das Lebermoos (Marchantia) und die Becherflechte (Cladonia) genannt, in frühern Zeiten vielleicht ihrer Unscheinbarkeit wegen schlicht übersehen.


Wandel der Flora

Mehlprimel 1985 heute wahrscheinlich verschwunden

Wintergrün, Pyrola (BW) selten geworden

Bunte «Monet»-Seerose, vor 1963 angesiedelt heute praktisch verschwunden

Amerikanisches Pfeilkraut 1936 gepflanzt

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Wandel der Flora

Calmus 1970 wahrscheinlich 1936 gepflanzt

DrĂźsiges Springkraut 1998, eingeschleppter Neophyt wieder verschwunden!

Kanadische Goldrute ungeliebter Neophyt (EH)

Wassernabel, Hydrocotyle vulgaris wahrscheinlich verschwunden


Blutweiderich, Ackerleinkraut, Zaunwinde 2005


Fauna, eine kleine Auslese der GrĂźtried-Tierwelt


Fauna, eine kleine Auslese der Grütried-Tierwelt

Im offiziellen kantonalen Amphibieninventar von 1981/83 (P. Beerli) und dessen Revision 1998/2000 (Joggi Rieder) erfahren wir einiges über die Verbreitung und die Veränderung der Populationen. Allerdings wurden diese Untersuchungen nicht flächendeckend für den ganzen Kanton durchgeführt, sondern die Auswahl erfolgte nach gewissen Kriterien. Wenn eine bestimmte Art nicht erwähnt wird, heisst das nur, dass diese bei der Erhebung nicht zu finden war. Aus diesem Grunde dürfen wir unsern eigenen Erfahrungen mehr vertrauen, da sich ja unsere Leute in der Materie auskennen und nur Aussagen machen, wenn sie absolut sicher sind. Mit Sicherheit waren zwischen 1970 und heute von den vier Molcharten bis 1985 alle gesichtet und fotografiert worden, der Kammmolch ist in Tümpeln der Südseite, im Birkenweiher (Südost-Ecke) auch im Söll (kantonales Schutzgebiet östlich der Strasse Schüürli-Greuthof) nachgewiesen worden, ein Weibchen wurde auch im Mai 2011 gesehen. Ob der Fadenmolch heute noch vorhanden ist, ist unsicher. Heute steht fest, dass die Molchpopulationen wesentlich kleiner geworden sind. Bei den Froschartigen (Anuren) nahm die Individuenzahl in den letzten Jahren ab, zur Laichablage kamen aber sowohl Gras- wie auch Wasserfrosch, auch wurden einige Laichschnüre der Erdkröte gesehen. Laubfrösche wurden einzeln gehört und auch fotografiert, aber weder Laich noch Larven wurden gefunden. In den 80er Jahren trat im März zweimal ein grosses Froschsterben auf die Ursache wurde nicht herausgefunden. Man erklärte sich dies mit einem plötzlichen Luft-Sauerstoffmangel, nachdem die Weiher während der bereits vitalen Phase der Grasfrösche nochmals für mehr als eine Woche zufroren. Mit Sicherheit kann aber gesagt werden, dass sich dieses Sterben nicht im Geringsten auf die Populationsstärke der darauffolgenden Jahre ausgewirkt hat. Seit etwa zehn Jahren bemüht sich glücklicherweise auch ein Vorstandmitglied der NVG um die Amphibienentwicklung und die Rettung während der Wanderphase. Diese Aufgabe wird seit 2004 von Regula Stricker-Schäfler wahrgenommen.

Bergmolchmännchen (JR)

Fadenmolch (JR)

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Fauna, eine kleine Auslese der Grütried-Tierwelt

Fadenmolch (JR)

Kammolchmännchen (JR)

Das Schwergewicht des Schutzgebietes lag anfangs bei der Vogelwelt, in den letzten Jahren hat sich in einen Amphibienstandort von nationaler Bedeutung entwickelt. Vor 20 Jahren waren mit Sicherheit alle vier einheimischen Molcharten vorhanden, jetzt sind es sicher noch deren drei. 2007 wurde das Grütried mit der Nummer TG349 ins «Bundesinventar der Amphibilenlaichgebiete von nationaler Bedeutung» aufgenommen.

Grasfrosch


Fauna, eine kleine Auslese der Grütried-Tierwelt

Grasfroschlaich

Laichschnüre der Erdkröte

Wasserfroschlaich, 4-Zellstadium

Erdkröten, Paarungszeit März

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Fauna, eine kleine Auslese der GrĂźtried-Tierwelt

Posthornschnecke

Grosse Schlammschnecke

Rotfeder, Laich durch Enten eingeschleppt (PR)

Wasserkolbenkäfer (RSt.)


Fauna, eine kleine Auslese der GrĂźtried-Tierwelt

iO

Waldameisen, Anwandel

Asseln unter HolzstĂźck, echte Landkrebse

Eintagsfliege

Gefleckter Schmalbock

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Fauna, eine kleine Auslese der Grütried-Tierwelt

Bergmolchlarve (siehe äussere Kiemen)

Grosslibellenlarve, Fangmaske

Schaumzikadenlarven im Söll

Kleinlibellenlarve (RG)


Fauna, eine kleine Auslese der Gr체tried-Tierwelt

Rotkehlchen (RS)

Teichrohrs채nger (RS)

Wintergoldh채hnchen (RS)

Trauerschn채pper Weibchen (RS)

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Neuer Weiher Mai 2004


Neuer Weiher 8. Juni 2011


Erholungsraum, alternative Nutzungen, Schule und GrĂźtried


Erholungsraum, alternative Nutzungen, Schule und Grütried

Wie viele Besucher erträgt das Ried und welche? Dies war über Jahre hinweg oft das Thema von heissen Diskussionen. Oft herrschte die Meinung vor, die Zahl der Besucher so tief wie möglich zu halten. Diese störten ohnehin nur die Lebensgemeinschaften oder kämen mit bösen Absichten. Dann aber glaubte man, mit einer luxuriös ausgebauten Feuerstelle, einem Aussichtsturm für Vogelbeobachtungen und einem offiziellen Parkplatz eine touristische Attraktion für den Hinterthurgau zu schaffen, da dieser Kantonsteil auch gar im Schatten der Bodenseegegend dahindarbe.... Heute scheint sich die Praxis auf ein gutes Mittelmass eingependelt zu haben: Soviel Besucher wie möglich, unter der Bedingung, dass besonders im Frühjahr das Brutgeschäft nicht gestört wird, und die bezeichneten Wege respektiert werden, um auch die Pflanzenwelt zu schonen. Obwohl von ortsansässigen Firmen schon oft die Errichtung eines ausgebauten Grillplatzes offeriert wurde, blieb man nach der Zerstörung durch den Sturm Lothar 99/00 bei einer einfachen Feuerstelle. Der Rundweg – übrigens vom ehemaligen Präsidenten Johann Hasler fertiggestellt – wird mit Schnitzeln aus «eigener Produktion» auch für normales Schuhwerk begehbar gemacht. Allerhand leichte Schikanen reduzierten die Attraktion für Reiter und Töfflifahrer. Auch auf einen Vogelbeobachtungsturm wurde verzichtet, weil der heutige ornithologische Reichtum sich in Grenzen hält. Geschätzt werden natürlich Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen, weil man hofft, mit ihnen zukünftige Interessierte zu rekrutieren. Oft haben sich Schulen im Ried auch mit Anschauungsmaterial für den Unterricht bedient und bewegten sich damit am Rande der Legalität. Zentral ist aber die Einsicht, dass Engagement für die Natur nur durch direkte Anschauung und mit sinnlichen Erlebnissen gefördert werden kann. Der mögliche Verlust von einigen Insekten- oder Amphibienlarven durch unsachgemässe Behandlung wird durch das Erlebnis des unmittelbaren Kontakts bei weitem wettgemacht. Es zeigte sich immer wieder: Wer als Kind positive Naturerlebnisse hatte, gibt diese meist auch an die eigenen Kinder weiter und setzt sich als Stimmbürger für die Bewahrung einer intakten Umwelt ein.

Exkursion Immenberg 2004

Aktionstag Anwandel, Kinder unterhalten sich selber

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Ein Wasserkolbenkäfer wird aus der Nähe betrachtet

Viele Besucher kommen einzeln oder in Gruppen aus den umliegenden Gemeinden oder von auswärts und lassen sich durchs Ried führen. Den wohl wichtigsten Besuch verzeichnete die Vereinigung gleich im Sommer des Gründungsjahres 1936, als die Ornithologische Gesellschaft Zürich an einem Sonntag dem Grütried eine Exkursion widmete. Wer nicht mit dem Zug reisen konnte, wurde mit einem Taxidienst von Zürich aus ins Ried gebracht. Im ausführlichen Exkursionsbericht mit einer Liste der gehörten und gesichteten Vögel schreibt Präsident Hottinger, nachdem die Gäste mit belegten Broten, Süssmost, Wein und Wolldecken für eine Siesta(!) von den Wängenern verwöhnt worden waren: «Zu unsern Häuptern schlug eine Singdrossel das Tafelkonzert an, in abwechslungsreichen, verständlichen Strophen, danebst berappte der Zilpzalp sein Vermögen, draussen über dem Ackersaum trillerte die

Lerche zum Himmel empor und der Herold des Waldfrühlings, der Kuckuck, charakterisierte wie nicht schnell ein anderer besser, mit seinem Ruf das Waldleben». Nachher wurden die Besuchergruppen eher bescheidener, so wie es eben eher der heutigen Vereinigung entspricht. Führungen für auswärtigen Organisationen werden immer noch regelmässig organisiert.


Auch eine Besucherin von auswärts hat keine Angst vor einem Wasserfrosch

Auch ist der Kontakt mit Kindern und Jugendlichen wertvoll. Heute werden fast jährlich in Schulprojektwochen Arbeitseinsätze mit Sekundarschülern durchgeführt. Allerdings wird das Ried nicht mehr so häufig für Unterrichtszwecke eingesetzt wie einst. Sicher wird es wieder einmal von unsern Schulen entdeckt werden, auch wenn es nicht zu einem thurgauischen Jugend-Reservat im Sinne der Gründer kommen wird!

Besser als Beschreibungen können die nachfolgenden Bilder die Vielfalt früherer Nutzungen illustrieren.

An Sommerabenden sind Rundgänge mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der nähern Umgebung ein wichtiger Bestandteil. Alle Generationen nehmen daran teil; an einem Rundgang mit über vierzig Teilnehmern zählte die jüngste Teilnehmerin 3 Jahre, die älteste um die 80.


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Erholungsraum, alternative Nutzungen, Schule und Grütried

Erlebnistag 25. Juni 2011 Fische (Rotfedern) sind häufige Teichbewohner

Erlebnistag 25.Juni 2011 Herstellung von Insektenwohnungen

Am Rande des Schutzgebietes gibt es Spielmöglichkeiten

Erlebnistag 25.Juni 2011 · Vater erklärt


Erholungsraum, alternative Nutzungen, Schule und Grütried

Da der Grütried ein Schutzgebiet ist, dürfen selbstverständlich keine Pilze gesammelt werden. Schon vor dreissig Jahren wurde von einem Pilzspezialist festgestellt, dass das Gebiet reich an seltenenen Arten ist. Diese sind aber meist so klein, dass sie vom Laien übersehen werden und für die «Magenbotaniker» kaum interessant sind. Gewisse Arten leben nur auf totem Schilf und sind nur wenige Millimeter gross.

Flechten und Spaltblättling

Schmetterlingstramete

Pilzgruppe aus Helmlingen

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Erholungsraum, alternative Nutzungen, Schule und Grütried

Schule, Erwachsenenbildung im Grütried: Besonders in den 70er- und 80er-Jahren wurde in der Sekundarschule im Grütried viel skizziert, im Zeichnungssaal wurden die Eindrücke dann auf verschiedene Weise verarbeitet. In der neuen Zeit leisten die Sekundarschüler und -schülerinnen vor allem während der Projektwoche körperliche Schwerstarbeit beim Ausheben von neuen Tümpeln. Noch vor zwanzig Jahren fanden im Zeichnungssaal Wängi oft kantonale Weiterbildungskurse statt; im Grütried holte man sich Anregungen. Teilnehmer und Teilnehmerinnen von Fotokursen der WängenerErwachsenenbildung waren nicht selten im Grütried anzutreffen. Zeichnen Grütried, Sommer 1972

Sonja Meier 1987, Kaltnadel Birken erschien als Titelseite auf dem Thurg.Schulblatt


Erholungsraum, alternative Nutzungen, Schule und Gr체tried

Fotokurs Sekundarschule 1996

Fotokurs Erwachsene 2002

Kartondruck 1981 Sch체lerarbeit

Frottage mit Gr채sern, Sch체lerarbeit 1981

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Erholungsraum, alternative Nutzungen, Schule und Grütried

Seerosenteich jäten 1975

Projekttage 2006 Tümpel ausheben

Männerriege Wängi Chlaustag

Hochzeitsfoto-Ambiance


GrĂźtried-Rohrkolben 20. Januar 2006


Arbeit in den Schutzgebieten heute


Arbeit in den Schutzgebieten heute

Seit 1960 nahm die Freiwilligenarbeit zu. Durch das Vorbild des eben pensionierten Johann Hasler wurde die Gratisarbeit des Vorstandes zur Pflicht, der ehemalige Obermeister der Weberei verbrachte allein Hunderte von Stunden im Grütried, Alfons Krähenmann und Edi Alpiger nahmen sich eher dem Anwandel an.

Häckseln von Baum- und Buschholz für den Rundweg mit Willi Frieden

Ruedi Schluep organisierte die ersten Einsätze von Oberstufenschülern und Lehrern (Lehrerinnen nahmen damals noch keine teil). 1979 tauchten zum ersten Mal Listen von freiwilligen Helfern und Helferinnen auf, welche nicht dem Vorstand angehörten. 2006 umfasste diese Liste 53 Personen, welche bei Bedarf zur Mithilfe gebeten werden konnten. Es kam vor, dass bis 30 Erwachsene und ein Dutzend Jugendliche jeweils an einem Samstag anwesend waren; pro Jahr wurden oft 250 Arbeitsstunden gratis erbracht. Unterstützt wurde die Gruppe durch Besitzer von schweren Geräten, wie Traktoren und Seilwinden, und wenn der feuchte Grund genügend gefroren war, zogen Pferde die gefällten Bäume aus dem Ried. Die Gemeinde stellte Werkzeuge, Karretten und ein Fahrzeug zur Verfügung. Am frühen Nachmittag bildet jeweils ein grosszügiges Essen den Abschluss. Hier wird nicht nur gegessen und getrunken, sondern auch manch unzensuriertes Gespräch regt zum Lachen und Verweilen an . . .

Schnitzel werden auf Wege verteilt

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. . .  auch Nicht-Landwirt Mario Bertogg


Tätigkeiten und Aktivitäten ausserhalb der Schutzgebiete


Tätigkeiten und Aktivitäten ausserhalb der Schutzgebiete

Bald nach der Gründung 1936 beschäftigte sich die NVG auch mit Naturschutzfragen allgemeiner Art in der Gemeinde. Aktionen wurden oft gemeinsam mit dem VVW durchgeführt. Da in der Gemeindepolitik keine Partei explizit grüne Anliegen vertrat, bemühte sich die NVG oft um diese Belange, nicht immer mit durchschlagendem Erfolg! Ein paar Beispiele in Stichworten: · Erhalt der Riesentanne im Fuchsbühl (später gefällt wegen Blitzschäden) · 1951 trat der Vorstand massiv ein gegen die chemische Maikäferbekämpfung mit den berüchtigten Nebelblasern und dem heute verbotenen Insektizid Aldrin; der Zugang zu den NVG-Gehölzen wurde verweigert! Der Einsatz dieses Insektengiftes wurde in Europa als eines der «dreckigen Dutzend» erst 1981 verboten.

Blutweiderich, besiedelt, offene Gräben

· Bekämpfung der wilden Schuttdeponien in Tobeln und Kiesgruben. · Platzieren von Findlingen an geeigneten Stellen, 1956 auf dem Steinler-Schulhausplatz anstelle der Pferdestatue, welche keine Gnade vor dem Volk fand. 1970 wurde der Glaukonit-Findling beim Grütriedeingang platziert, gefunden beim Autobahnbau. · Vergeblicher Kampf um die Erhaltung der Heiterscherbrücke aus dem Jahre 1836 · Kampf gegen die Trinkwasserverschmutzung von 1962 · Verschiedene Heckenpflanzungen in der ganzen Gemeinde · Pflege der Schäflilinde zusammen mit dem VVW.

Landsberg Süd 2011

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Tätigkeiten und Aktivitäten ausserhalb der Schutzgebiete

· Mithilfe bei den Verhandlungen um die Erhaltung des Webereiweihers 1975 · Schutzaktion «Rote Waldameisen» durch Lehrer A. Nägeli · Anstoss zum Erwerb des Feuchtgebietes «Söll» * durch den Thurg. Naturschutzbund 1981 · Pflanzung der Eiche zum 50. Jubiläum 1986 an der Kreuzung Steinlerstrasse/Chüechligasse. Die Eiche wurde von Frau Maud Zehnder geschenkt. · Mitarbeit mit VVW und Gemeinderat am Raumplanungsgesetz · Ab 2007 Anstrengungen zur sinnvollen schrittweisen Renaturierung der Kiesgrube Tuttwil (Parzelle 289)

Idylle am Webereiweiher 2010

· Vermehrte Zusammenarbeit mit Hinterthurgauer Naturschutzorganisationen ab 2007


Tätigkeiten und Aktivitäten ausserhalb der Schutzgebiete

· Pflegearbeiten zusammen mit «Vereinigung Tuttwilerberg» in «der Binse», bei den Molchweihern Rütistall und Trockenbordpflege beim Chronenbüel · Fragen der Zusammenarbeit mit der Politischen Gemeinde: Pflege des Südhanges bei der Weberei, Generelle Förderung der Umsetzung des Natur- und Heimatschutzgesetzes. Speziell im Jahr der Biodiversität : Förderung und Schutz von Lebensräumen mit besonderer ökologischer Qualität. · 2008 konnte mit den drei Eigentümern der Parzellen 4251 (49 a), 4252 (59 a), 4253 (48 a) auf der südexponierten Südseite der Ruine Landsberg ein Pflege- und Bewirtschaftungsvertrag abgeschlossen werden. * Die Bezeichnung «Söll» ist ein geologischer Begriff für diese Geländeformation. Offiziell heisst die Flurbezeichnung «Im Grüt», die neue Bezeichnung hat sich eingebürgert, weil es immer zu Verwechslungen mit dem «Grütried» kam.

Webereiweiher Mai 2007

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Schlehe ¡ Schwarzdorn (Prunus spinosa)


Schlehe ¡ Schwarzdorn November 2009


Aktuelle Arbeit des NVG- Vorstandes


Aktuelle Arbeit des NVG- Vorstandes

In den letzten 20 Jahren hat sich die Vorstandsarbeit eigentlich nicht mehr wesentlich geändert, sondern es haben sich nur noch Schwerpunkte verschoben: Zentral bleibt weiterhin die Winterpflege: Schneiden der Schilf- und Seggenflächen durch eine spezialisierte Firma, welche mit einem Niederdruckmäher ausgerüstet ist und das Material auf den Lagerplatz transportiert. Weiterhin verbleiben noch feuchte unzugängliche Stellen, welche mit der Sense gemäht werden müssen. Jährlich fallen 60 bis 120 m3 Schnittgut an, welches von ortsansässigen Landwirten gratis in die gemeindeeigene Kompostanlage transportiert wird. Die Forstarbeit nimmt weiterhin viel Zeit in Anspruch. Auch werden ungefähr alle zehn Jahre mit Handspaten oder Baggern neue Wasserflächen ausgehoben, diese besitzen je nach Tiefe eine Lebensdauer von etwa einer menschlichen Generation, bis sie wieder verlandet sind. Kleinere Tümpel von 5 bis 10 m2 Grösse, welche wegen gelegentlicher Austrocknung nicht von Fischen besiedelt werden können, sind eher für Amphibienentwicklung geeignet. Diese Handarbeit wurde in den letzten Jahren oft von Oberstufenschülerinnen und -schülern in einer Projektwoche ausgeführt. Tannen- und Eichenstämme werden als Bauholz verkauft, Scheitholz findet bei den Helfern Abnehmer, die Äste werden gehäckselt und meist von Helferinnen auf dem Rundweg verteilt. Ungefähr alle zehn Jahre muss der Klärweiher im SW ausgebaggert werden, der Aushub eignet sich vorzüglicher als Dünger, weil er frei von Unkräutern ist. Jährlich werden zwei bis drei Arbeitseinsätze durchgeführt, ebenso Rundgänge im Schutzgebiet und Exkursionen auswärts. Vogelkundliche Führungen fanden vor allem in der Vergangenheit statt.

Vorstand 15. August 2011 (Felix Restle fehlt auf dem Bild)

Felix Restle und Erich Appert schleppen Schilf aus dem Ried (BW)

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Aktuelle Arbeit des NVG- Vorstandes

Erich Appert entdeckt bei der Nistkastenkontrolle junge Schleiereulen

Aufgabenverteilung des heutigen Vorstandes Präsident (Bernhard Wettstein): Fachliche und administrative Leitung und Verantwortung, Kontakt mit Gemeindebehörden, kantonalen und nationalen Amtsstellen und Organisationen. Exkursion Juni 2011 Ein Landwirt erklärt seine Sicht der Dinge

Kassier (Walter Wiesli) Rechnungsführung, und Versand der Mitteilungen und Einzahlungsscheine, die Rechnung wird jährlich von der Hauptversammlung genehmigt. –siehe auch Kapitel 7, Mitglieder und Finanzen. Forstarbeiten (Josef Ruckstuhl) Da der unerwünschte Holzzuwachs drohte, den Riedcharakter zu verändern, ist ein Forstfachmann im Vorstand auch darum wichtig, weil dieser den Zugang zu schweren Geräten wie Traktoren, Seilwinden und Motorsägen hat. Er ist zudem für den Verkauf von Nutzholz verantwortlich. In den letzten Jahren machten vor allem Stürme wie Lothar immer wieder den raschen fachkundigen Einsatz eines Försters nötig.

Grütriedeinsatz 26. März 2005 Daniela Zehnder

Verpflegung bei Aktionstagen und andern Anlässen (Daniela Zehnder) Nach solcher Schwerarbeit lassen sich die meist etwa dreissig Personen gerne kulinarisch verwöhnen. Für die professionelle Organisation und Durchführung des feldmässig-gastronomischen Betriebes ist seit mehr als zehn Jahren die Vizepräsidentin verantwortlich.


Aktuelle Arbeit des NVG- Vorstandes

Fledermausschutz (Peter Brunner) Eigentlich begann die Fledermausbetreuung anlässlich des 50-jährigen Jubiläums 1986, als Wolf-Dieter Burkard aus Landschlacht vor etwa sechzig Personen ein viel beachtetes Referat über die Fledermäuse hielt. Seit etwa zehn Jahren werden diese bedrohten Tiere durch ein Vorstandsmitglied sehr intensiv betreut. In der Lokalpresse und einem Schaukasten im Dorfzentrum erscheinen auch regelmässig Informationen zu den aktuellen Forschungen und Beständen. Amphibienschutz (Regula Stricker) Der intensive motorisierte Verkehr verwandelt die jährlichen Wanderungen von Fröschen und Kröten zu ihren Laichplätzen in eigentliche Todesfallen. Zäune mit versenkten Kübelfallen verhindern die Tiere am Überqueren der Verkehrswege. Diese Massnahme rettet in unserm Gebiet jährlich Hunderten von Fröschen das Leben. (siehe auch Kapitel Fauna Seite 57)

Fledermausschutz Peter Brunner erklärt an einem Präparat

Renaturierungen, Rekultivierungen und Pflege von Gebieten ausserhalb des Grütrieds (Heidi Pfaffhauser, Felix Restle) Seit längerer Zeit ist die Zusammenarbeit mit der «Vereinigung Tuttwiler Berg» sehr gut. Zudem liegen viele neu betreute Gebiete im südlichen Teil unserer Gemeinde. Die beiden Vorstandsmitglieder garantieren nicht nur die Verbindung zu ihrer Region, sondern helfen natürlich auch im Grütried eifrig mit, vor allem wenn plötzliche Arbeit anfällt. Felix Restle ist zudem verantwortlich für Initiativen und Koordination von Naturschutzanliegen im gesamten Gemeindegebiet, und er kümmert sich um die diesbezügliche Bewusstseinsbildung bei Behörden. Vogelschutz (Werner Muther) Da die NVG ihren Ursprung in einer ornithologischen Vereinigung hat, besteht seit mehr als 75 Jahren hier eine Tradition. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde die Winterfütterung als äusserst wichtig eingestuft, später verlagerte sich der Vogelschutz mehr auf das Anbringen von künstlichen Nisthilfen, weil sich eben der moderne Obstbau grund-

Heidi Pfaffhauser 22. März 2011

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Aktuelle Arbeit des NVG- Vorstandes

legend geändert hat. Auch erschweren die Dach- und Fassadenkonstruktionen unserer Bauten den Kulturfolgern unter den Vögeln den Einbau von geeigneten Nestern. Die Institution der systematischen Nistkastenkontrolle begann 1964 mit E. Herzog. Heute werden durch den Obmann verschiedene Arten von Nistkästen abgegeben. Er ist aber auch für die Rekrutierung und Betreuung der Nistkastenkontrolleure verantwortlich. Ebenso sammelt er die Daten für die kantonale Vogelschutzstatistik, welche heute nach einem einheitlichen digitalisierten Raster durchgeführt wird. Erfreulich ist die Tatsache, dass sich Werner Muther auf ein Dutzend zuverlässiger Helfer verlassen kann, und mit Heidi Pfaffhauser hat die NVG endlich wieder eine engagierte Ornithologin mit profunden Kenntnissen, die erste seit der Gründerzeit. Rechnungsrevisorinnen Esther Bertogg Kathrin Sproll Amphibienschutz März 2008 Sepp Ruckstuhl am Amphibienzaun

Vogelschutz Walter Wiesli

Regula Stricker mit einer Klasse beim Einsammeln der Frösche (NK)


Das GrĂźtried aus kantonaler Sicht


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Im landwirtschaftlich intensiv genutzten Lauchetal ist das Grütried eine wichtige Ergänzung zu den grossen Feuchtgebieten bei Lommis. Das kantonale Vernetzungskonzept trägt diesem Umstand Rechnung: Das Grütried wird in Folge seiner hohen Artenvielfalt als wichtiges Kerngebiet bezeichnet und über einen Vernetzungskorridor mit dem Fliesswasserkorridor der Lauche und dem Imenberg im Westen sowie dem Kaabachtobel im Südosten verbunden. Dies ist heute auch im Kantonalen Richtplan im Sinne eines «Gebietes mit Vernetzungsfunktion» behördenverbindlich festgehalten. Vor 75 Jahren war der Schutz des Riedes eine Pioniertat des Grütriedvereins. Die Bemühungen um das Gebiet waren wohl oft ein Kampf gegen Windmühlen und über einige Zeit gesellschaftlich kaum breit abgestützt. Heute aber ist das Grütried gesichert: Naturschutzzone im Gemeindezonenplan, ein wichtiges Schutzobjekt nach dem Natur- und Heimatschutzgesetz des Kantons Thurgau (das erst seit dem 1. April 1994 in Kraft ist!) und – wie oben geschildert – es ist auch in die kantonale Planung als wichtiges Objekt integriert. Die Pioniere von einst haben offensichtlich einiges bewegt, denn ohne die Initiative von damals kein Schutzobjekt heute! Ohne jahrelange Bemühungen der Vereinsmitglieder vor Ort und ohne deren Pflege hätte das Gebiet nicht über die Jahre erhalten werden können. Bereits mein Vorgänger, Res Stauffer hat den Wert des Grütriedes anerkannt und so besteht seit geraumer Zeit eine enge Zusammenarbeit mit unserer Fachstelle bezüglich der Pflege des Gebietes: Schon immer ist die Pflege nur mit grossem Aufwand möglich. Der Einsatz von gewöhnlichen landwirtschaftlichen Maschinen funktioniert in Feuchtgebieten oft nicht. Streueschnitt in Handarbeit mit vielen Leuten ist heute kaum mehr organisierbar. So werden diese Arbeiten schon seit längerem durch unseren kantonalen Reservatspfleger mit Spezialmaschinen

ausgeführt. Vorarbeiten dazu und die Entsorgung des Schnittgutes sowie Entbuschungsaktionen und Weiherpflege sind hingegen Arbeiten der Vereinsmitglieder. Diese funktionierende und unbürokratische Zusammenarbeit zeigt insgesamt gute Resultate und so wurde das Naturschutzgebiet vom Bund im Jahr 2007 sozusagen in den Adelsstand erhoben: Mit der Nummer TG349 wurde das Grütried ins «Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung» aufgenommen. Nach §17 NHG-TG ist für Biotope von nationaler Bedeutung der Kanton zuständig. Entsprechend werden mit der Inkraftsetzung des Bundesinventares die Gemeinden aus der Verantwortung für diese Amphibiengebiete entlassen. Aus Sicht unserer Fachstelle gibt es deshalb aber keinen Grund von der bewährten Zusammenarbeit abzuweichen. Die Zusammenarbeit mit Organisationen und Leuten vor Ort bietet die beste Gewähr für eine regelmässige Aufsicht und eine gute Pflege. Der heutige Zustand des Gebietes ist gut. Er kann sicher in einigen Bereichen noch verbessert werden, aber gerade deshalb: Zusammen und auf mehreren Schultern verteilt fällt die Arbeit für alle etwas leichter! Ich freue mich auf eine erfolgreiche gemeinsame Weiterentwicklung der Naturschutzarbeit im Grütried!

Dr. Raimund Hipp Amt für Raumplanung Abteilung Natur und Landschaft


Quellen-, Bilder- und Personenverzeichnis


Auskünfte bekam ich von folgende Personen Erich Appert Tuttwil, Otto Bischof Wängi, Hubert Frömelt Frauenfeld, Hannes Geiser Frauenfeld, Toni Kappeler Münchwilen, Els und Henri Müller Wängi, Otto Müller Krillberg, Urs Müller Konzernarchiv UBS, Josefine Raschli Wängi, Charles Rieser Wängi, Ruedi Schluep Frasnacht, Hedi Schneggenburger Sirnach, August Schläfli Frauenfeld, Linus Schwager Wängi, Andreas Stauffer Frauenfeld, Hans Walter Wängi, Paul Hasler Wängi, Christl Zoller-Hasler Rorschach, Walter Zuppinger Wängi, Vorstandsmitglieder NVG Wängi Fachliche Beratung Paul Pfaffhauser, Andreas Raas, August Schläfli, Alfons Schmidlin Durchsicht der Texte Susi und Hans Tobler Stettfurt Fotomaterial Falls keine Angabe Ruedi Götz Claire Angst Wängi, Johann Bartholdi Wängi, Otto Bischof Wängi, Elisabeth Bommeli Herdern, Christl, Notburga und Paul Hasler (PC), Manuel Heim Wängi (MH), Edwin Herzog Wängi (EH), Otto Müller Krillberg, Karin Keller Wiezikon, Nadja Kotz Wängi (NK), Susi Kappeler Goette Frauenfeld, Andreas Raas Wängi (AR), Peter Rey (PR), Joggi Rieder Frauenfeld (JR), August Schläfli Frauenfeld, (AS), Ruedi Schluep Frasnacht (SR), Rita Schmidlin Wiezikon (RS), Alfons Schmidlin (AS) Wiezikon, Regula Stricker (RSt), Staatsarchiv Thurgau (STG), Bernhard Wettstein Wängi (BW), Kathrin Götz Basel (KG), Charles Rieser Wängi (CR), Grundbuchamt Münchwilen (GBM), Ortsmuseum Wängi (OMW), Archiv Grütriedvereinigung Wängi (NVG), Amt für Geoinformation Frauenfeld (AfG), Gemeindearchiv Wängi (GAW) Allen danke ich für die bereitwillige Mithilfe.


Quellenverzeichnis · Jahresberichte NVG, praktisch alle erhalten seit 1936 · Protokolle Jahres- und Generalversammlungen NVG · Protokolle der Vorstandssitzungen · Gönnerlisten der Gründungsjahre · Text- und Bildbeiträge aus: · Neue Zürcher Zeitung 1936 · Zürcher Illustrierten 1936 · Thurgauer Zeitung · Anzeiger von Wängi · Regionalzeitung Hinterthurgau · Jahresrechnungen NVG ab 1980 alle vorhanden · Vereinskorrespondenz soweit vorhanden · Verträge und Entscheide Flurkommission, Gerichtsentscheide · Staatsarchiv Thurgau: Korrespondenz zwischen Präsidenten NVG und Naturschutzkommission der Thurg. Naturforschenden Gesellschaft · Unterlagen Grundbuchamt und Notariat Bezirk Münchwilen · Mitteilungen der Thurg. Naturforschenden Gesellschaft Bände 26, 27, 34, 46, 57 · 50 Jahre Pro Natura Thurgau von Toni Kappeler · Ortsmuseum Wängi, Werknachweis von J.A. Berkmüller · Flora Helvetica · Insekten, Steinbachs Naturführer

Wasserschlauch im Seerosenweiher

· Engelhardt Wolfgang, Leben im Tümpel, Bach und Weiher · Binz, Exkursionsflora der Schweiz · Bäume, Inselbuch Gottfried Honnefelder


Vierfleck, Grosslibelle auf blĂźhender Segge


Pflanzenbestimmungshilfen


Pflanzenbestimmungshilfen

Wasser- und Sumpfpflanzen

Die deutschen Namen entsprechen denjenigen der Flora Helvetica. Ein zweiter, bei uns oft gebräuchlicher Name wird gelegentlich noch angefügt

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Armleuchteralge, vergrössert Chara hispida

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Wasserschlauch Utricularia australis

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Schläuche (Fanggefässe) der Utricularia

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Kleine Wasserlinse Lemna minor

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Schwimmendes Laichkraut Potamogeton natans

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Schwimmendes Laichkraut vergrössert

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Breitblättriges Pfeilkraut Sagittaria latifolia

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Weisse Seerose Nymphaea alba

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Seerose Colonel Welch 1937 eingeschleppt

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Pflanzenbestimmungshilfen

Wasser- und Sumpfpflanzen

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11 Schilf Phragmites australis

12 Schneidebinse Cladium mariscus

13 Breitblättriger Rohrkolben Typha latifolia

14 See-Flechtbinse/Teichbinse Schoenoplectus lacustris

15 Ă„stiger Igelkolben Sparganium erectum

16 Steife Segge Carex elata

17 Braune Segge Carex nigra

18 Gelbe Segge Carex flava


Pflanzenbestimmungshilfen

Wasser- und Sumpfpflanzen

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21 Wasserdost Eupatorium cannabinum

22 Gebräuchlicher Baldrian Valeriana officinalis

23 Gemeiner Gilbweiderich Lysimachia vulgaris

24 Blutweiderich Lythrum salicaria

25 Sumpfdotterblumen Caltha palustris

26 Breitblättriges Wollgras Eriophorum latifolium

27 Lungen-Enzian Gentiana pneumonanthe

28 Blutwurz Potentilla erecta

29 Gewöhnliche Vogelwicke Vicia cracca

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Pflanzenbestimmungshilfen

Wasser- und Sumpfpflanzen

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31 Gefleckte Orchis Orchis maculata

32 Gefleckte Orchis Einzelblütenstand

33 Engelswurz, Brustwurz Angelica sylvestris

34 Bittersüss Solanum dulcamara

35 Sumpfhelmkraut Scutellaria galericulata

36 Sumpfkratzdistel Cirsium palustre

37 Studentenröschen Parnassia palustris

38 Zottiges Weidenröschen Epilobium hirsutum


Pflanzenbestimmungshilfen

Wasser- und Sumpfpflanzen

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41 Wald-Weidenröschen Epilobium angustifolium

42 Weidenröschen Samenstand

43 Weisse Sumpfwurz Epipactis palustris

44 Gelbe Schwertlilie (EH) Iris pseudacorus

45 Kuckuckslichtnelke Lychnis floscuculi

46 Mädesüss, Spierstaude Filipendula ulmaria

47 Sumpfstorchenschnabel (EH) Geranium palustre

48 Sumpfschachtelhalm Equisetum palustre

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Pflanzenbestimmungshilfen

Bodenpflanzen am Rundweg

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51 Aronstab Arum maculatum

52 Gemeiner Wurmfarn Dryopteris filix-mas

53 Einbeere Paris quadrifolia

54 Herbstzeitlose Colchicum autumnale

57 Buschwindröschen Anemone nemorosa

58 Dunkle Akelei Aquilegia atrata

55 Herbstzeitlose 56 Schlüsselblumen Frühlingstrieb mit Fruchtknoten Primula elatior


Pflanzenbestimmungshilfen

Bäume und Sträucher

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61 Schwarzdorn, Schlehe Prunus spinosa

62 Schwarzdorn, Schlehe Früchte

63 Eingriffliger Weißdorn Crataegus monogyna

64 Eingriffliger Weißdorn Früchte

65 Gemeiner Schneeball Viburnum opulus

66 Gemeiner Schneeball Früchte

67 Wolliger Schneeball Viburnum lantana

68 Rote Heckenkirsche mit Früchten Lonicera xylosteum

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Pflanzenbestimmungshilfen

Bäume und Sträucher

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71 Hundsrose Rosa canina

72 Hagebutten Früchte der Hundsrose

73 Traubenkirsche Prunus padus

74 Traubenkirsche Früchte

75 Faulbaum, Pulverholz Beeren, Früchte Frangula alnus

76 Roter Hartriegel Cornus sangunea

77 Roter Hartriegel Früchte

78 Pfaffenhütchen, Früchte Euonymus europaeus


Pflanzenbestimmungshilfen

B채ume und Str채ucher

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81 Gemeiner Kreuzdorn Rhamnus cathartiva

82 Schwarzer Holunder Sambucus nigra

83 Schwarzer Holunder Fr체chte

84 Haselnuss Corylus Avellana

85 H채nge-Birke Betula pendula

86 Zitterpappel oder Espe Populus tremula

87 Schwarzerle Alnus glutinosa

88 Grauerle Alnus incana

89 Berg-Ulme Ulmus glabra

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Bäume und Sträucher

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91 Korbweide Salix viminalis

92 Salweide Salix caprea

93 Esche Fraxinus excelsior

94 Vogelbeerbaum oder Eberesche Sorbus aucuparia

95 Hagebuche oder Hainbuche Carpinus betulus

96 Rotbuche, mit Keimling Fagus sylvatica

97 Stieleiche Quercus robur

98 Bergahorn Acer pseudoplatanus

99 Feldahorn Acer campestre


Impressum Sponsoren Amt für Raumplanung, Natur und Landschaft Johann Bommer-Stiftung Naturschutzvereinigung Grütried Politische Gemeinde Wängi Raiffeisenbank Wängi-Matzingen Thurgauer Kantonalbank Urico Hoepli-Stiftung Herausgeber Naturschutzvereinigung Grütried Autor Ruedi Götz, Wängi Fotos Ruedi Götz, Wängi Diverse Fotografen Layout/Satz/Bildbearbeitung VMA Media AG, Affeltrangen Ueli Mattenberger Druck GENIUS MEDIA AG, Frauenfeld November 2011

Ruedi Götz wurde 1936 geboren und wuchs in Oberneunforn auf. In der Zeit nach seiner Ausbildung zum Primar- und später zum Sekundarlehrer war er an verschiedenen Lehrstellen tätig, die längste Zeit am Gymnase Pestalozzi in Matadi (Kongo/Kinshasa). 1966 kam er nach Wängi, wo er bis zu seiner Pensionierung als Sekundarlehrer unterrichtete. Von 1983 bis 2002 wirkte er als nebenamtlicher Sekundarschulinspektor des Kantons Thurgau. Seit 1966 engagiert er sich für die Naturschutzvereinigung Grütried.


Ruedi Götz

75 Jahre Naturschutzvereinigung Grütried NVG Geschichtlicher Rückblick und aktuelle Bilder Wängener Heft 2

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Ruedi Götz: 75 Jahre Naturschutzvereinigung Grütried NVG · September 2011  

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