marie 63/ September 2021

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2,80 Euro

davon 1,40 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer

Hoffnungsvolle Optimistin Ruth Swoboda (43) ist seit zehn Jahren Direktorin der inatura Erlebnis Naturschau in Dornbirn. Die studierte Biologin und frühere Profi-Handballerin sprach mit der marie über ihren sportlichen Ehrgeiz, die Liebe zu den Wölfen, den Klimawandel und ihre Aufgabe als Wissensvermittlerin. Seiten 4 bis 7 Foto: Petra Rainer


Marie 182x260_RZ.qxp_Layout 1 26.08.21 10:00 Seite 1

DIENSTAG, 7. SEPTEMBER 2021 17.00 Uhr – Feldkirch, Pförtnerhaus Agora Theater/Belgien Das Geheimnis der wilden Gans 5+ MITTWOCH, 8. SEPTEMBER 2021 11.00 Uhr – Feldkirch, Sparkassenplatz Belle Etage/Österreich SPLASH! Straßentheater-Circleshow 15.00 Uhr – Nenzing, Feuerwehrhaus Belle Etage/Österreich SPLASH! Straßentheater-Circleshow 17.00 Uhr – Feldkirch, Pförtnerhaus Mezzanin Theater/Österreich Jo im roten Kleid 8+

33. internationales 2|

Theaterfestival für ein junges Publikum 26. Dramatiker_innenbörse

7.9.–11.9.2021 Feldkirch und Nenzing

DONNERSTAG, 9. SEPTEMBER 2021 15.00 Uhr – Nenzing, Ramschwagsaal Heidrun Warmuth/Deutschland Wie sieht’s denn hier aus? ! 4+ 17.00 Uhr – Feldkirch, Theater am Saumarkt Theater Trauminsel/Österreich Der kleine Häwelmann 4+ 20.00 Uhr – Feldkirch, Theater am Saumarkt Theater Trauminsel/Österreich Das Leben ist wie ein Fisch an der Wand 12+ FREITAG, 10. SEPTEMBER 2021 15.00 Uhr – Nenzing, Ramschwagsaal Töchter der Kunst/Österreich Über Piratinnen – Geschwestern der See 10+ 17.00 Uhr – Feldkirch, Pförtnerhaus Gubcompany/Schweiz Vercheert 6+ SAMSTAG, 11. SEPTEMBER 2021 15.00 Uhr – Nenzing, Ramschwagsaal Theater Fabula/Schweiz Die Bremer Stadtmusikanten 5+ 17.00 Uhr – Feldkirch, Pförtnerhaus Johanna Jonasch, Regina Picker und Julia Schreitl/Österreich Buddeln, baggern, bauen 4+

www.luagalosna.at

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Inhalt

Editorial

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Sportlich betrachtet inatura-Direktorin Ruth Swoboda im Porträt

Liebe Leserin, lieber Leser,

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Wir sind Teil der Lösung Plädoyer von Clarina Kaufmann für einen globalen Zusammenhalt in Sachen Klimaschutz

„dieses unaufgeregte, faktenbasierte Denken“ ist genau das, was Ruth Swoboda, Museumsdirektorin der inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn an der Naturwissenschaft schätzt. Unaufgeregt und faktenbasiert 9 Impressum möchte auch die marie ihre Geschichten erzählen, zugleich natürlich lebendig und nah am Menschen. Was 10-13 Die Hägi Wendls sind los entsteht sind Porträts wie jenes von Schreiner Rudolf Uraltes Gemäuer wird zu einem Ort der Kultur Pichler, der mit bald 95 Jahren noch immer im „Unru13 Rätsellösungen hestand“ ist (Seiten 18 bis 21), von Bio-Bäcker Markus Stadelmann, der leidenschaftlich fortführt, was sein Vater 14-16 Weinen, toben, trotzen bereits in den 1970er-Jahren begann (Seiten 26/27) und Wie straffreie Kindererziehung gelingen kann von Wissensvermittlerin Ruth Swoboda (Seiten 4 bis 7). 17 Rechenrätsel, Schachecke Unermüdlich setzt sich die Direktorin dafür ein, in der Bevölkerung ein Verständnis der großen Zusammenhän18-21 Der Holzwurm ge zu schaffen, gerade in Sachen Klimawandel. Um dieses Rudolf Pichler ist aus einem besonderen Holz geschnitzt weit weg und komplex scheinende Thema anschaulich zu 22-24 Schnee ade? machen, sprach die marie mit dem Meteorologen Johan Meteorologe Johannes Vergeiner erklärt, wie dramatisch nes Vergeiner und fragte den Fachmann ganz konkret, sich der Klimawandel bei uns in den Alpen auswirkt wie sich zwei Grad globale Klimaerwärmung bei uns in den Alpen auswirken werden (Seiten 22 bis 24). 26-27 Frisch backen mit Bio-Mehl Zu Besuch in der Bio-Bäckerei von Markus Stadelmann Vor bald vier Jahren wurde ich Redakteurin bei der 28-29 „Ich bin nicht unsichtbar” marie. Nun ist die Zeit für mich gekommen, meiner ei marie-LeserInnen versuchen sich als VerkäuferInnen genen naturwissenschaftlichen Ader zumindest vorübergehend den Vorrang zu geben. Dem sozialen Medien30-32 Kulinarische Zeit der Fülle projekt marie mit seinen besonderen Menschen bleibe Von Zwetschgenröster bis zu selbstgemachtem Sauerkraut ich natürlich weiterhin verbunden und möchte an dieser 33 Sudoku Stelle ein großes Lob und tausend Dank an meine Kolleg/innen und unsere Verkäufer/innen aussprechen sowie 34 „Alle haben Angst“ mich bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einstweilen Assadullah bangt um seine Familie in Afghanistan verabschieden. 36-37 Stilblüten Hoppalas, die jedem und jeder passieren könnte Herzlich, 38-39 Veranstaltungskalender

Christina Vaccaro, Redakteurin

Kontaktieren Sie uns marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo

Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden? Dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems. E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677/61538640. Internet: www.marie-strassenzeitung.at. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

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NATURWISSENSCHAFT – SPORTLICH BETRACHTET 4|

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Mit ihr zu reden ist ein Genuss. Sie glüht für die Themen Klimawissen, Artenvielfalt, Umweltschutz und begeistert sich für viele andere mehr – auch unabhängig von ihrem eigenen Fachgebiet. Wie es dazu kam, dass die einstige Profi-Handballerin Ruth Swoboda (43) vor zehn Jahren zur jüngsten Museumsdirektorin Vorarlbergs wurde, erzählte die studierte Biologin der marie und gab einen Einblick, warum sie mehr denn je vom Auftrag ihres Hauses, der inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn, überzeugt ist. Text: Brigitta Soraperra, Fotos: Petra Rainer


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ufgewachsen ist sie als älteste von drei Mädchen mitten im Waldviertel in einem „sehr kleinen Dorf mit 70 Häusern, wo jeder jeden kennt, bis hin zum Namen des Hundes“. Ihr Vater und ihre Mutter waren Lehrer und Lehrerin an der nahe gelegenen Mittelschule, die auch ihre Töchter besuchten. Die Eltern liebten Sport, unterrichteten Sport und praktizierten ihn von klein auf mit den Mädchen und „weil meine Eltern ja die Sportlehrer waren, bildeten die schulischen Schikurse und Sportwochen immer auch unsere Familienausflüge“, erzählt Ruth Swoboda. „Wir sind alle gelaufen und haben gefühlt jedes Wochenende an einem Volkslauf teilgenommen“, sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu: „Mama, meine kleinere Schwester und ich sind fast immer mit Pokalen nach Hause gefahren, und Papa, der sicher am meisten trainiert hat, ohne.“

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„Mama, meine kleinere Schwester und ich sind fast immer mit Pokalen nach Hause gefahren, und Papa, der sicher am meisten trainiert hat, ohne.“

Erwachsenwerden – komprimiert

Kurz vor dem Ende der Mittelschule machte sich die junge Ruth auf die Suche nach einem Sport, den sie auch im Winter praktizieren konnte, und entdeckte das Handballspielen in der nahe gelegenen Stadt Krems. Bei einem Auswärtsmatch gegen das Team „Hypo Niederösterreich“ fuhr sie das erste Mal in die Südstadt, einem Profi-Sport-Ressort in Maria Enzersdorf bei Wien, und realisierte: „Hoppla, da kann man ja in die Schule gehen.“ Daraufhin absolvierte sie erfolgreich die Aufnahmeprüfung für das als Internat geführte Oberstufen-Gymnasium in der Südstadt, in dem Hochleistungssportler:innen ausgebildet werden, und reüssierte sowohl in Leichtathletik als auch im Handball. Sie entschied sich für den Ballsport und es folgten fünf Jahre, die sie „zwischen Zimmer, Schule, Halle“ und den Reisen zu zahlreichen Wettbewerben, vornehmlich in den ehemaligen Ostblock und nach Skandinavien, verbrachte, und die sehr prägend waren. Steffi Graf, die Tennisspielerin, habe einmal gesagt, dass Hochleistungssport eine sehr komprimierte Art und Weise sei, erwachsen zu werden, erzählt Ruth Swoboda. Genau so habe sie das auch erfahren: „Ich habe im Alter von 14 bis 19 Jahren Dinge erlebt, die vielen Menschen erst in ihrer Arbeitswelt das erste Mal begegnen. Mit dem Abhängigsein von Verträgen, von Menschen und von Verhältnissen muss man sich auseinandersetzen und das hat mich klarerweise zur Teamplayerin gemacht.“

Fluch und Segen

Auch andere Eigenschaften habe sie dem Sport zu verdanken, erzählt Swoboda im lauschigen Gastgarten des inatura-Cafés, beispielsweise, dass man sehr genau wisse, was man könne und wo die eigenen Grenzen liegen. „Ich war sicher nicht das Übertalent, aber ich war jemand, der sehr brav und gut trainiert hat und damit habe ich in Österreich zum oberen Drittel gehört.“ Obwohl die heute 43-Jährige die Zeit in der Südstadt nicht missen möchte und dankbar für die „Top-Ausbildung“ ist, die sie dort erhalten hat, bemängelt sie den Aufbau der Ausbildung. „Hypo ist sicher die weltbeste Klubmannschaft gewesen – das war Fluch und Segen zugleich, denn man will so schnell es geht in diese Kampfmannschaft, man will im Nationalteam spielen und denkt sich bereits als 14-Jährige: Wenn du nicht in zwei Jahren dort bist, bist du schlecht.“ Sie sei ständig unter Druck gewesen, Olympia vor Augen, und wurde unter Druck gesetzt. Das habe fast zwangsläufig dazu geführt, dass viele im Laufe der Jahre die Freude am Sport verloren haben – so auch sie: „Ich war nach der Matura abgefüllt, ich wollte nichts mehr vom Handball wissen.“

Die 100% Frau

Um Abstand zu gewinnen ging Ruth Swoboda nach der Schulzeit als Au Pair nach Norwegen, arbeitete in einem Kindergarten, schloss sich aber auch dort einer Handballmannschaft an, „um Menschen kennen zu lernen“. Dabei realisierte sie, wie gut sie eigentlich ausgebildet war. Das „absichtslose“ Spiel brachte ihr auch die Freude am Sport zurück. Fast hätte es im Jahr 2000 dann mit Olympia geklappt, denn ihre früheren Trainer:innen trommelten die Handballerinnen für die Spiele in Sydney zusammen, woraufhin sie nach Österreich zurückkehrte. Es kam >>

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„Dieses Vermitteln hat mich immer interessiert. In der Verhaltensforschung gibt es so viele tolle Geschichten und ich wollte von Anfang an vermitteln, wer wir sind und was wir tun.“

jedoch anders, interne Querelen verunmöglichten ihr die Teilnahme, aber Ruth Swoboda nahm auch das sportlich. „Ich bin dann mit den ersten weiblichen Heeressportlerinnen beim Bundesheer gelandet.“ Dort blieb sie sogar drei Jahre. „Ich habe mich ernsthaft für eine Karriere beim Heer interessiert und habe mich schon als Militärattachée in Paris gesehen“, erinnert sie sich. Aber die Realität „mit viel Büroarbeit und Verwaltung“ zeichnete sich dann doch eher ernüchternd ab. Es sei ihr schlicht zu wenig gewesen, denn „was ich im Sport wirklich gelernt habe: Wenn ich mich nicht 100 Prozent einbringen kann, dann mache ich es lieber nicht.“ Ihr Ausstieg aus dem Bundesheer führte zu einem kleinen Eklat, „weil es nicht sein konnte, dass eine Frau aufhört, weil es ihr zu wenig ist“, lacht Swoboda verschmitzt.

Graugänse statt Wölfe

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Für sie sei immer klar gewesen, dass sie studieren wird. Dass es dann das Biologiestudium wurde, hänge mit ihren Vorbildern zusammen. Ihr Vater war neben Sportauch Biologielehrer und sie selbst habe immer hervorragende Lehrpersonen in Biologie gehabt. „Da wir am Waldrand gewohnt haben, habe ich schon als Kind jedes Reh aufgeschrieben, und dieses Beobachten und Forschen hat mich von klein auf geprägt.“ Biologie habe sie aber auch wegen der Wölfe studieren wollen, ihren Lieblingstieren: „Ich habe mir immer vorgestellt, ich gehe mal nach Kanada und erforsche mein eigenes Wolfsrudel“. Aus dem Rudel kanadischer Wölfe ist dann eine Schar Graugänse im oberösterreichischen Almtal geworden. Für ihre Masterarbeit beobachtete Swoboda monatelang das Sozialverhalten dieser heimischen Zugvögel an der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle, die dem Wildpark Grünau angeschlossen ist. Dort sei sie nach einem Praktikum hängen geblieben, „weil es so schön war, fast wie in Kanada“, schwärmt sie, die durch den Sport bereits viel in der Welt herumgekommen war. „Es gab und gibt in meinem Leben immer so Orte, da komme ich hin und habe sofort das Gefühl, uh, da könnte ich leben.“ Und wie war das mit Vorarlberg?

Ein Museum – wozu?

Bereits während der Schulzeit war Ruth Swoboda mehrfach zum Handballspielen nach Dornbirn gekommen und fühlte sich auch hier gleich zuhause. Und als sich noch während des Studiums eine Liebesromanze im Ländle ergab, die sich zu etwas Ernstem entwickelte, war es für die frischgebackene Magistra ganz selbstverständlich, nach dem Studium ihren Lebensmittelpunkt nach Vorarlberg zu verlagern. Sie war sich aber nicht sicher, ob sie in ihrem Bereich, der Biologie mit Fachgebiet Zoologie, arbeiten werde können. Mit Hilfe eines Berufseinstiegsprogramms des AMS landete sie zunächst in einem Umweltbüro und begann mit Begeisterung Führungen für den Naturschutzverein Rheindelta zu machen. Man habe ihr geraten, sich auch in der inatura umzusehen, „und so kam ich das erste Mal in dieses Haus und war – ähnlich wie in Grünau – von Anfang an begeistert. Ich kannte die inatura nicht, während der gesamten Studienzeit sind wir weder in den Zoo noch ins Museum gegangen, es wurde uns nie vermittelt, dass es das gibt.“ Die heutige Direktorin gibt auch zu, dass sie deshalb keine Vorstellung davon hatte, was eine Zoologin in einem Museum tun könnte, und von Museumspädagogik – heute ihr Steckenpferd – hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch nie etwas gehört.


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„Was ich im Sport wirklich gelernt habe: wenn ich mich nicht 100 Prozent einbringen kann, dann mache ich es lieber nicht.“

sei da hoffnungslos positiv. Wenn im Klimabericht stehe, man könne das und das eh nicht mehr umdrehen und die allgemeine Reaktion darauf sei, „ist eh schon egal, machen wir halt nichts“, dann findet sie das nicht zu Ende gedacht. „Denn Nichtstun heißt, es wird wahnsinnig teuer, und nicht nur für arme afrikanische Länder, wie man das so gerne weit wegschiebt, nein, für uns! Für jede Familie. Hier.“

Reine Freude

Sie wurde dann Teil des pädagogischen Teams in der inatura, machte Führungen, und als ihr eine Stelle in der Marketingabteilung angeboten wurde, sagte sie sofort zu. „Ich hatte zwar von Marketing wenig Ahnung, aber ich dachte mir, es schadet nichts, wenn da eine sitzt, die begeistert ist von der Materie.“ Ruth Swoboda war zufrieden mit dem Job, fühlte sich im Haus angekommen, konnte auch bald eigene Ideen einbringen und Veranstaltungen organisieren, als völlig unerwartet die Stelle der Direktorin ausgeschrieben wurde. Damals war sie 33 und fühlte sich „eigentlich zu jung“ für die Aufgabe, aber „sportlich betrachtet“ habe sie gedacht, könne es nicht schaden, sich zu bewerben. Dass sie allerdings nach einem langwierigen und anspruchsvollen Auswahlverfahren als jüngste Bewerberin tatsächlich ausgewählt wurde, das hat die quirlige und sprachgewandte Naturwissenschaftlerin dann doch kurz aus der Fassung gebracht, bevor sich reine Freude eingestellt habe.

Unaufgeregt, faktenbasiert

Nun war sie also die wissenschaftliche Direktorin des größten Naturmuseums im Bodenseeraum, eine Aufgabe, die sie seit nunmehr zehn Jahren voll erfüllt. „Dieses Vermitteln hat mich immer interessiert. In der Verhaltensforschung gibt es so viele tolle Geschichten, und ich wollte von Anfang an vermitteln, wer wir sind und was wir tun.“ An der Naturwissenschaft schätzt sie „dieses unaufgeregte, faktenbasierte Denken und diese Neugierde, ich bin begeisterte Freilandbiologin und schaue gerne genau hin, was sich jeden Tag verändert.“ Mit Bedauern beobachtet sie aber auch die aktuellen Entwicklungen in der Wissenschaft. „Wo man früher ein Jahr lang eine Schar Dohlen beobachten konnte, steckt man nun die Forschungsgelder in die Mikrobiologie und sollte sich nur mehr mit einer einzigen Nervenzelle einer einzelnen Dohle beschäftigen, ohne die Zusammenhänge und das große Ganze zu sehen.“ Kurzsichtigkeit und Unverhältnismäßigkeit attestiert sie der Spezies Mensch ganz generell. Vor kurzem erschien der aktuelle globale Klimabericht, der eindeutig belegt, dass der Klimawandel menschengemacht ist und schneller voranschreitet, als bisher angenommen wurde. „Aber die Wissenschaft hat so wenig Autorität, dass das weder von der Industrie noch von den Einzelnen ernst genug genommen wird. Und das wäre schön zu knacken.“ Sie

Handeln statt Resignieren

Die Menschen schon im Kindesalter mit faktenbasierten Argumenten zu einem nachhaltigen Lebensstil zu bringen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse als Ansporn für die Suche nach neuen Lösungen zu begreifen, die intellektuellen Möglichkeiten und die technischen Errungenschaften der Menschheit zum Vorteil für Mensch und Umwelt zu nutzen und nicht zur reinen Kapitalförderung eines hoffnungslos veralteten Wirtschaftssystems auf Kosten der Nachwelt, das sehe sie als große Aufgabe der Menschheit und als „kleine“ Aufgabe ihres Museums. „Wir müssen vermitteln, dass wir handeln können, dass es noch nicht zu spät ist, und dass es sich lohnt – wo nötig – zu verzichten.“ Deshalb liebe sie auch die sogenannten SDGs, die 17 „Ziele für eine nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen, die in einem Projekt der Jugendbotschafter:innen der Caritas an sie herangetragen worden sind. „Weil das perfekte Übersetzungswerkzeuge sind, für das, was wir als Gesellschaft und als Einzelne nun zu tun haben.“ Und weil sie als „hoffnungslose Optimistin“, die Menschen zum Handeln motivieren will, werden diese 17 Handlungsanweisungen gerade durch ein aktuelles Projekt der jungen Vorarlberger Mediendesignerin Clarina Kaufmann überall in der inatura dauerhaft sichtbar gemacht (siehe nächstfolgender Text auf Seite 8).

Factbox Aktuelle inatura Sonderausstellung: „Klimawissen frisch serviert“ (bis 06.01.2022) Hintergrundinfos & Programm unter www.inatura.at „Lange Nacht der Museen“: 02.10.2021 – www.langenacht.orf.at

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WIR – ALS TEIL DER LÖSUNG Tobende Waldbrände, Millionen Arbeitslose, endlose Hungerkrisen. Die Notlagen könnten derzeit nicht präsenter sein. Doch bei wem liegt die Verantwortung und wer hat einen Lösungsvorschlag?

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in menschenwürdiges Leben für alle Menschen auf der Erde zu gewährleisten – das ist das Ziel der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Fast alle Staaten weltweit haben 2015 die 17 „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ unterschrieben und sich dadurch dazu verpflichtet, diese innerhalb der nächsten zehn Jahre in konkrete Taten umzusetzen. Die Sustainable Development Goals, kurz SDG, dienen zur Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf sozialer, ökonomischer und ökologischer Ebene. Aufgrund der Konnektivität der 17 einzelnen Ziele kann ein einzelnes SDG nur dann erreicht werden, wenn auch auf die anderen Ziele Rücksicht genommen wird. Ein gutes Beispiel dafür ist das SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“, mit dem Ziel, bis 2030 allen Menschen jeden Alters ein gesundes Leben zu gewährleisten und ihr Wohlergehen zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, muss langfristig allen Menschen auch Zugang zu sauberem Wasser geschaffen (SDG 6) und eine ausgewogene und gesunde Ernährung (SDG 2) gewährleistet werden. Ein für mich sehr wichtiges Ziel ist „Maßnahmen zum Klimaschutz“ (SDG 13) und eng damit verknüpft die Ziele „Leben an Land“ (SDG 15) und „Leben unter Wasser“ (SDG 14). Naturkatastrophen, Artensterben und Ernteausfälle und deren Folgen können verhindert werden, wenn Maßnahmen gegen den Klimawandel und dessen Auswirkungen ergriffen werden. Mit dem Projekt „Drastic Plastic“ der Jugendbotschafter:innen für UN-Kinderrechte und SDG möchten wir alle Schulen in Vorarlberg dazu animieren, von Automaten mit Plastikflaschen auf Automaten mit Mehrweg-Glasflaschen und Pfandsystem umzustellen. Ich selbst bin Teil dieser Jugendgruppe und wir wollen vermitteln, dass der Wechsel zu Getränken von regionalen Herstellern in Pfand-Glasflaschen nicht nur weniger Plastik, sondern auch kürzere Transportwege bedeutet. Im Rahmen der SDG-Challenge, ausgerufen vom Vorarlberger SDG Forum, war ich im Juli eine von insgesamt sieben Studierenden, die die Möglichkeit hatten, gemeinsam mit einem Partnerunternehmen eine Fragestellung zur Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen zu erarbeiten. In dieser Zeit habe ich in Kooperation mit der inatura in Dornbirn ein Konzept entworfen, mit der Intention, die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung in die Dauerausstellung des Museums zu integrieren. Unzählige Gespräche, Brainstorming-Nachmittage und Entwürfe später sind bunte Bodensticker entstanden, die die Besucher:innen zum Handeln und Denken auffordern. Jeweils ein Bodensticker repräsentiert ein SDG und befinClarina Kaufmann, 20 Jahre, det sich inhaltlich passend in einem bestimmten Bereich der Ausstellung, lebt in Hittisau und studiert sodass ein Bezug zur dortigen Thematik hergestellt werden kann. im Fernstudium „MediendeDie Erreichung der Ziele liegt neben der politischen Verantwortung sign“ an der Internationalen immer auch in den Entscheidungen und Handlungen jedes und jeder Hochschule IU. Seit 2017 ist Einzelnen. „Wir können die erste Generation sein, der es gelingt, die Arsie Jugendbotschafterin bei mut zu beseitigen, ebenso wie wir die letzte sein könnten, die die Chance der Caritas für UN-Kinderhat, unseren Planeten zu retten“, sagte der langjährige UN-Generalsekrerechte und SDG. tär Ban-Ki Moon. Er hat recht. Wir stehen vor großen gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen, die aber durch globalen Zusammenhalt bewältigt werden können. Es liegt in der Hand jedes einzelnen Menschen, sich für eine enkeltaugliche Zukunft zu engagieren und den kommenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. Und dafür setze ich mich mit meinen Möglichkeiten ein.

Text: Clarina Kaufmann

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Benefiz-Jazzbrunch Sonntag, 5. September 2021, 10:30 Uhr, im Garten Kaplan Bonetti

Impressum Grundlegende Richtung Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 2,80 Euro verbleibt den Verkäufern. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt. Redaktion marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems, Telefon: 0677 61538640, eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at, Internet: www.marie-strassenzeitung.at Redaktion: Frank Andres, Christina Vaccaro MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Andrea Blum, Eckart Drössler, Daniel Furxer, Simone Fürnschuß-Hofer, Guntram Gärtner, Clarina Kaufmann, Christine Mennel, Daniel Mutschlechner, Brigitta Soraperra, Gerhard Thoma

Peter Niedermair spricht über die Arbeiten des Bildhauers und Künstlers Roland Adlassnigg, die im Garten wie auch in der Kantine präsentiert werden. Dazu spielen Philipp Lingg & Band Lieder über Berge, Kater und Zöllner. Gesungen wird in diadenglischer Sprache vom Leben im und außerhalb des Hinterwalds. Genießen Sie einen unbeschwerten Gartenbrunch mit Musik und Kunst und feiern Sie mit uns das Leben in all seiner Vielfalt. 10:30 Uhr Jazzbrunch im Garten Kaplan Bonetti 12:30 Uhr Ausstellungseröffnung „Unlimited“ Roland Adlassnigg Frühstücks- und Lunchbuffet aus der hauseigenen Küche. Eintrittspreis Jazz-Brunch: 22 Euro Erwachsene, 12 Euro Kinder. Um eine Anreise mit Bahn, Bus oder Fahrrad wird gebeten. Der Erlös dieser Benefizveranstaltung fließt in den Kaplan Bonetti Einzelfallhilfe-Fonds. Damit können wir Menschen in Krisensituationen schnell und unbürokratisch helfen! Unterstützt von: G*GRASS, Ganner & Partner Versicherungsmakler, Nägele Wohn- und Projektbau, Raiffeisenbank im Rheintal, Dornbirner Sparkasse, Vorarlberger Energienetze GmbH, HAGSPIEL kfztech, Katholische Kirche Dornbirn, Micheluzzi „der Grüne“, Kritzinger GmbH & Co KG, Ball, Markus Stolz Ges.m.b.H & Co. KG, Ball Beverage Can Ludesch, Dr. Christina Preisenhammer

Verein der Freunde Kaplan Bonetti Kaplan-Bonetti-Straße 1, 6850 Dornbirn, T +43 5572 23061 www.kaplanbonetti.at

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Zeitungsausgabestellen: Dornbirn: Kaplan Bonetti Sozialwerke, Kaplan-Bonetti-Straße 1, Montag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 9 Uhr Bregenz: dowas, Sandgrubenweg 4, Montag und Donnerstag 8.30 bis 10.30 h Feldkirch: Caritas-Café, Wohlwendstraße 1, Montag bis Freitag 8.30 bis 14 h Bludenz: do it yourself, Kasernplatz 5-7/3b, Montag und Mittwoch 14 bis 16 h Anzeigen Kontakt: anzeigen@marie-strassenzeitung.at Medieninhaber und Herausgeber Verein zur Förderung einer Straßenzeitung in Vorarlberg, ZVR-Zahl 359044778 6833 Klaus eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Vorstand Frank Andres, Obmann Christina Vaccaro, Obmann-Stellvertreterin, Schriftführerin Oliver Mössinger, Kassier Externe Beiräte DSA Markus Hämmerle, DSA Heidi Lorenzi, Cornelia Matt, Mag. Peter Mayerhofer, Dr. Claudio Tedeschi Druck: Russmedia Verlag GmbH, Schwarzach Auflage: 15.000 Exemplare, Erscheinungsweise monatlich Layout/DTP/Bildbearbeitung :TAGWERK Grafik|Design Monika Dür Bankverbindung & Spendenkonto Raiffeisenbank im Rheintal, IBAN: AT94 3742 0000 0648 3580, BIC: RVVGAT2B420 © 2021 marie. Alle Rechte vorbehalten.

Die Firma blum unterstützt die Berichterstattung über privat initiierte, gemeinnützige Projekte in Vorarlberg.

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Die Hägi Wendls sind los Hägi bitte wer? Ein Hausname, ein Baustellenexperiment und zwei, die sich echt was trauen. Dazu eine Schar Lernwilliger, bei denen Probieren über Studieren geht: Die Hägi Wendls sind los! Ein uraltes Gemäuer in die heutige Zeit übersetzen, einen Ort für Kultur wollen sie schaffen, einen Möglichkeitsraum, kombiniert mit privater Wohnlichkeit. Alles ziemlich ungewöhnlich, alles ziemlich spannend. Text: Simone Fürnschuß-Hofer, Fotos: Petra Rainer

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an nehme: ein Haus mit Geschichte, eine Gruppe von Architektur-Student:innen mit Lust auf Praxis, ein Paar mit Hang zum Unkonventionellen sowie: eine große Portion Vertrauen. Heraus kommt dabei ein Baustellenexperiment, das das Ländle in dieser Art wohl noch nicht gesehen hat. Schauplatz ist Muntlix, wo Grafikdesignerin Silvia Keckeis, 37, das Haus Nr. 24 von ihrer Mutter geerbt hat. Seit über 320 Jahren ist es im Besitz ihrer Familie. Bis zuletzt hat sie einen Teil davon mit Partner Johannes Lampert, Sohn Junis, 2, und ihrem Bruder Philipp, 39, bewohnt. Längst schon sei eine Entscheidung, wie es mit dem renovierungsbedürftigen Gebäude weitergehe, fällig gewesen. Dabei half ihnen – mehr oder weniger ungewollt, man weiß es nicht mehr so genau – Freund Dominik Abbrederis, 38, auf die Sprünge. Der an der Kunstuni Linz engagierte Lehrgangsleiter meinte bei einem gemeinsamen Frühstück lapidar, er könne ihnen doch einfach mal seine Studenten vorbeischicken. Das war insofern tatsächlich nicht ganz abwegig, als dass er für seine Lehrveranstaltungen („BASEhabitat“, siehe Factbox auf Seite 13) stets nach Bauobjekten mit Praxisbezug Ausschau hält. Nach Orten, wo Studierende ihre Ärmel hochkrempeln und sich eine Portion „learning by doing“ abholen können. Meist jedoch im Ausland. Indien, Thailand, Afrika und Südamerika zum Beispiel. Weil man aber aufgrund ökologischer Überlegungen die Flugreisen einschränken möchte, kommen seit neuestem auch Baustellenprojekte im näheren Umfeld in Frage. Aus dem anfänglichen Geplänkel wurde jedenfalls schnell ein konkreter Plan und bereits im November 2020 reiste der erste Trupp aus Linz an. Um zu schremmen, zu hämmern, auszuhöhlen: Acht Frauen, zwei Männer, Chapeau! „Das war echt eine Hack‘n im Winter – das hat uns schon sehr mitgenommen. Umso schöner ist es jetzt mit diesen überall auf der Baustelle herumwuselnden Menschen und dem behutsamen Wiederaufbau“, so Dominik. Trotz winterlicher Temperaturen und mühevoller Abbrucharbeiten sei die Stimmung aber damals schon gut gewesen. Das sei vor allem Silvia und Johannes zu verdanken, die mit ihrer fürsorglichen Art, ihrem generellen Vertrauensvorschuss, ihrer Mitarbeit und Präsenz den Grundstein für diese besondere Atmosphäre legen. „Es ist ja fast ein bisschen wie ein klösterliches Zusammenleben“, versucht Johannes – seines Zeichens Jugend- und Kulturarbeiter – zu beschreiben, wie die zusammengewürfelte Gemeinschaft tickt.

Kuhdung-Verputz

Während des Lokalaugenscheins der marie im Sommer 2021 werkeln gerade 19 Student:innen im Rahmen des Workshop-Programms „BASEhabitat Summer School“ im Haus. Ein Teil stampft die Lehmböden, während andere den Kuhdung vom benachbarten Landwirt herbeikarren und in den Lehm einrühren, um das seltsame Gemisch anschließend an die Wand zu spachteln. Ein Düftchen bahnt sich den Weg über die Treppe in den ehemaligen Heuboden hinauf. Es ist eines von vielen Experimenten und so bezeichnend für das ganze Unterfangen. Der Kuhfladen härte den Putz besser aus und mache ihn widerstandsfähiger. Zweifelsohne ist es kein Zufall, dass er genau dort angebracht wird, wo früher ein Stallgebäude das Vieh beherbergte. „Die Dinge dürfen sich in diesem Haus ergeben. Und so manches gibt sowieso das Haus vor. Mehr noch: Wenn du nicht weiterweißt, zeigt dir das Haus die Lösung.“ Silvia Keckeis mag das Prozesshafte, das Experimentieren und Kennenlernen von Materialien und Funktionsweisen: „Du kaufst dir nicht nur einen Lehmputz, du lernst zu testen und wie das Material funktioniert. Das alles geschieht immer im Austausch miteinander. Eine Idee wird vorgeschlagen und gemeinsam weitergesponnen oder verworfen. Einfach reingedrückt wird gar nichts.“ Johannes ergänzt: „Wir fühlen uns gerade selber wie Studierende. Wie Passagiere auf einer ungewöhnlichen Reise.“

Bausubstanz aus dem Mittelalter

Ein wichtiger Aspekt, dieses Baustellenexperiment wahr werden zu lassen, war und ist dem Wunsch geschuldet, die Bausubstanz und das damit verbundene Erbe zu erhalten. Es neu zu beleben. Zuzuschauen, wie das Zuhause verändert und ausgehöhlt wird, sei emotional schon schwer genug gewesen, sagt Silvia. Nicht daran zu denken, wie es sich angefühlt hätte, so ein Haus abzureißen. Zumal sich im Zuge der Arbeiten herausstellte, dass Mauern und Holzbohlen aus dem 15. Jahrhundert stammen. Um genau zu sein: Die ursprüngliche Gebäude-Errichtung wurde vom Dendrochronologen (Jahresringe-Forscher) Klaus Pfeifer auf 1458 datiert. „Es ist eine Katastrophe, was heutzutage an Substanz niedergerissen wird und mit was für kurzlebigem Müll diese ersetzt wird“, so Johannes, der dem „Use-What-You-Have“-Prinzip umso mehr abgewinnen kann. Der Zuspruch von außen motiviert zudem: „Viele Menschen zeigen ganz viel Anteilnahme und Freude, dass das Haus renoviert wird“, so Silvia. Im Haus >>


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„Wenn du nicht weiterweißt, zeigt dir das Haus die Lösung.“

Ziel und Herausforderung: die alte Bausubstanz zu erhalten und für die Gegenwart zu adaptieren. Vorwiegend eingesetzte Materialien: Lehm, Holz, Hanf und Kalk.

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Hier in Muntlix geht Probieren über Studieren: Student:innen des Lehrgangs BASEhabitat arbeiten gemeinsam mit Handwerksleuten, Kulturschaffenden und Freiwilligen an der Umsetzung eines Kulturraumes. Ebenso soll ein neues Zuhause für die Familie Keckeis/Lampert entstehen. Timeline: Einzugstermin Herbst 2021, Kulturangebote ab dem Frühjahr 2022.


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„Hier spüren die Leute, dass sie Vertrauen und den Freiraum haben, auch Fehler zu machen. Natürlich sind Studierende dabei, die erst keine Schraube in die Wand drehen können – aber das Projekt hält das aus. Besonders ist auch, dass die Bauherren mitarbeiten – es ist wichtig und wertvoll, dass wir alle da sind und so dieses Zusammenspiel funktioniert.“ Dominik Abbrederis, Bauleiter

„Das war echt eine Hack‘n im Winter – das hat uns schon sehr mitgenommen. Umso schöner ist es jetzt mit diesen überall auf der Baustelle herumwuselnden Menschen und dem behutsamen Wiederaufbau. “

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herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, Besuch ist willkommen, jede und jeder hat eine Geschichte zum Besten zu geben. Auch die Handwerker-Profis – ihr Wissen, ihre Beteiligung am Projekt ist unerlässlich – spüren sofort, dass dies keine gewöhnliche Baustelle ist. Kein rauer Ton, dafür Kaffee, Kuchen und viel Gelächter.

Kulturelles Nutzungspotenzial

Johannes und Silvia fiebern nicht nur einem neuen Zuhause entgegen, sondern – und das ist eine weitere Besonderheit auf der Hägi-Wendls-Spielwiese – ebenso dem hier entstehenden Raum für ihr kulturelles Schaffen: Der Heuboden inklusive Sanitäranlagen wird durch den bestehenden Verein „Schatzmann“ zukünftig für Kultur, Austausch und Sozial-Experimente aller Art zur Verfügung stehen. Kultur fange dort an, sagt Johannes, wo Menschen zusammenkämen, um im Austausch miteinander zu lernen. „Deshalb ist dieses Haus jetzt schon ein Kulturraum.“ Und man darf sich bald über Konkretes freuen, viele Ideen sind bereits in der Pipeline: „Als wir in der Konzeptphase ein Probe-Programm entworfen haben, hat sich gleich so viel ergeben, dass wir Stoff für Jahre hätten. Auch hier gibt das Haus viel vor. Wir meinen immer, wir müssen allem einen Stempel aufdrücken, aber es entsteht so viel Leben, wenn man es lässt – insofern, ja, ist das hier auch eine Schule des Vertrauens.“ Irgendwie sei das Ganze ja schon wie die Jungfrau zum Kind zu ihnen gekommen. Wie ein großartiges Geschenk, ist sich das Paar einig. Sie seien unfassbar dankbar und meinen nachdenklich: „Soviel Mut hat es uns gar nicht gekostet. Man muss nur aushalten können, dass Fragen im Raum stehen. Insofern: Wir können nur ermutigen, sich ähnliches zu trauen. Use what you have. Und das ohne Angst.“

„Ich bin immer mal wieder auf Baustellen unterwegs. Aber das hier ist anders. Hier steht der Prozess im Zentrum, es geht ums Lernen und die Erfahrung, man darf sich Zeit nehmen und die Stimmung ist entspannt. Die Arbeit ist außerdem sehr vielfältig.“ Viva Greuter, 32, Summer School-Assistenz


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LÖSUNGEN Schachecke 1 1.Da5! Schwarz gab bereits auf, da er die weiße Doppeldrohung 2.Dxc5 und 2.Sxc7+ nicht mehr abwehren kann. Nach 1...b6 (Auf 1...Se6 folgt einfach 2.Sf6+ Lxf6 3.Txd6.) 2.Lxc5 bxa5 3.Lxd6 cxd6 4.Sxc7+ ist Materialverlust für Schwarz unvermeidbar. 2 1.Lxc6! [Dieser Zug gewinnt forciert. Erstaunlicherweise waren beide Spieler davon überzeugt, dass 1.Lxc6 nur zu Dauerschach führt. Nach der Partiefortsetzung 1.h4 steht Weiß zwar auch auf Gewinn, allerdings weniger zwingend.] 1...bxc6 [Nach 1...Sc7 gewinnt der Läuferrückzug 2.Lg2 am klarsten.] 2.Dxa6+ Kc7 [2... Kb8 verliert nach sofortigem 3.Lb6! noch schneller.] 3.Da7+ Kc8 4.Da8+ Kc7 [Auch die Fortsetzung 4...Sb8 5.Txd8+ Kxd8 6.Dxb8+ bietet Schwarz keine Rettungsaussichten.] 5.Lb6+! Sxb6 [5...Kxb6 6.Dxd8+ Weiß steht klar auf Gewinn.] 6.Dxd8+ Kb7 7.The1 Die schwarze Stellung ist völlig hoffnungslos. 3 1...h5! [Der einzige Zug, der gewinnt. Schwarz geht konsequent gegen den weißen König vor. 2.Kf4 [2.gxh5 Txg2+! 3.Kf4 (3.Dxg2? scheitert natürlich an 3...Tg8+) 3...e5+ und durch Zugumstellung ist die gleiche Position wie in der Partie entstanden.] 2...Txg2 3.gxh5 [Die Königsflucht 3.Kf5 wird durch die Fortsetzung 3...hxg4! 4.Df4 Dh7+ 5.Ke6 Df7+ energisch unterbunden.] 3...e5+ 4.Kf5 und Weiß gab unmittelbar nach Ausführung dieses Zuges auf, ohne die Antwort 4...Tg5+ abzuwarten. Rechenrätsel Für Anfänger = 9 Für Fortgeschrittene = 96 Für Genies = 37

„Jetzt erst verstehen wir das Haus – den Aufbau, das Material, Bauetappen und Handwerksschritte. Und weil du dieses Verständnis fürs Haus bekommst, kannst du plötzlich mit dem Handwerker laut denken – das traust du dich ja normalerweise nicht. So entstehen ganz neue Lösungen. Du wirst gewissermaßen zum Handwerker, zur Handwerkerin.“ Silvia Keckeis und Johannes Lampert, Auftraggeber

Warum Hägi Wendls? Der Hausname geht auf Wendelin Längle zurück, dessen Sohn Petrus 1820 vom Hägi-Rank in Buchebrunnen nach Muntlix gezogen ist, wo er in das Haus Nr. 24 gezogen ist, das seine kürzlich angetraute Maria Margretha Mittelberger geerbt hatte. Urkundlich ist inzwischen erwiesen, dass das Haus zumindest seit Ende des 17. Jahrhunderts im Besitz der Familie Mittelberger war und 1820 durch die Hochzeit in Längle-Besitz überging. Vier Generationen später erbte Eleonore Längle, verheiratete Schnetzer, das Haus von ihrem Onkel Siegfried Längle. Sie ist heute 95 Jahre alt und lebt in der unmittelbaren Nachbarschaft. Über deren Tochter Vroni ist das Haus nun an Enkelin Silvia übergegangen.

Beteiligte am Experimentierraum Hägi Wendls Hausbesitzer:innen: Silvia Keckeis, Johannes Lampert und Sohn Junis Baustellenleiter: Lehmbauer Dominik Abbrederis (BASEhabitat, DADO) Architekt: Martin Mackowitz (ma_ma, Werkraum für interaktive Baukunst) BASEhabitat – Master Architekturlehrgang der Kunstuni Linz: Student:innen arbeiten pro Semester drei Monate lang auf einer Baustelle mit; darüber hinaus Workshops im Rahmen der „BASEhabitat Summer School“ Verein Schatzmann. Plattform für Kulturkooperation: www.dubisteinschatz.at

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Die nächste marie erscheint am 1. Oktober.

Selber ernten in Rankweil Auf dem „Üsa bio“ Selbsternteacker am Maldinaweg in Rankweil steht die Ernte an. Das Prinzip auf dem von den Landgenossen zur Verfügung gestellten Feld: Auf 30, 45 bzw. 60 Quadratmeter großen Flächen darf selbst gesät, gesetzt und geerntet werden, wobei die Bodenbearbeitung bereits im Vorfeld „erledigt“ wird. So ist gärtnern leicht gemacht! Mehr Infos im September direkt am Acker, jeweils freitags und samstags ab 14 Uhr oder bei Arnold Feuerstein unter 0664/4036671 bzw. arnold.feuerstein@gmail.com

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Mittendrin in V

WEINEN, TOBEN, TROTZEN: ALLES BESTENS! 14 |

Das Lachen und das Spiel, aber genauso das Weinen, Toben und Trotzen: alles Kompetenzen des Kindes, um sich zu entlasten und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. „Aware Parenting“ – Bewusstes Elternsein – ermutigt, auch schwierigen Verhaltensweisen des Kindes Raum und Rahmen zu geben.

Text: Simone Fürnschuß-Hofer Fotos: privat, Johanna Rauch

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er tobende Knirps an der Supermarktkassa, der stante pede den Schokoriegel will. Das Turbo-Schreibaby, das allabendlich den frischgebackenen Eltern den letzten Nerv zieht. Die Vierjährige, die sich entschieden die Hose über den Kopf stülpt, statt in diese „einfach schnell, weil wir sollten doch schon im Kindergarten sein“ reinzuschlüpfen: Ja, mit diesen Kindern ist alles in Ordnung, sagt HannaNaphegyi, 32, aus Feldkirch. Gleichzeitig weiß sie um den Druck, den solche Verhaltensweisen auf Eltern ausüben. Und sie weiß auch um die Kunst, diesem beidseitigen Stress entgegenzuwirken. Die Krankenpflegerin ist zertifizierte „Aware Parenting“-Dozentin und berät Eltern wie Pädagog:innen im bewussten und achtsamen Umgang mit ihren Sprösslingen. Was einen prall gefüllten – und durchaus fordernden – Familienalltag angeht, kann die Mama von drei Kindern im Alter von 1, 3 und 5 Jahren selbst aus dem Vollen schöpfen. Umso auffallender ihre entspannte Präsenz beim Interview. Und äußerst spannend ihr Blick auf und hinter jene kindlichen Reaktionen, die Eltern in Ohnmacht und Verzweiflung bringen können. Vorweg: „Aware Parenting“ („Bewusste Elternschaft“) gibt keine schlauen Erziehungstipps für wohlgefälliges Benehmen. Brav sein ist keine Kategorie, denn dabei müsse das Kind seine eigenen Bedürfnisse und Gefühle unterdrücken. Hanna: „Brav sein heißt ja nur, dass sich ein Kind nach unseren Erwartungen verhält. Darum geht es nicht.“ Genauso wenig kann sie dem vielzitierten „Konsequent-Sein“ etwas abringen. Das sei im Grunde auch bloß „eine Verniedlichung von Bestrafen.“


#63 | September 2021

„Kinder haben die Fähigkeit, sich durch Weinen, Trotzen und 2016 ist Hannas erstes Baby auf die Welt gekommen – und es ging ihr wie vielen anderen Müttern auch: „Unser Erstgeborener schrie viele Nächte durch. Ich wollte als Mama alles richtig machen und war dementsprechend niedergeschlagen und am Ende meiner Kräfte, weil ich das Gefühl hatte zu versagen.“ In Büchern wie auch im Gespräch mit anderen hätten sie sehr widersprüchliche Ratschläge erreicht. Hanna Naphegyi: „Der klassische Weg, wie man mit Kindern umgeht, war nicht stimmig für mich und meinen Partner – dieses vorgefertigte Bild, dass sie nach unseren Vorstellungen erzogen werden, hat uns nicht gefallen.“ Irgendwann sei sie auf die Philosophie der Entwicklungspsychologin Aletha Solter gestoßen. Das traf mitten ins Schwarze. Mit „Aware Parenting“ fand sie, was sie suchte: eine völlig neue Einstellung gegenüber starken Gefühlsausbrüchen wie dem Schreien und Wüten. Den liebevollen Blick hinter das vordergründig Unliebsame. „Aware Parenting ist keine Methode, das sage ich immer gleich als erstes. Es ist eine Haltung.“ Wohl kein Zufall, dass die „Haltung“ auch im Wort „aushalten“ steckt. Denn ums Aushalten, darum, den Rahmen zu halten, Kinder ohne kräftezehrendes Erziehen ins Leben zu begleiten, das sind, vereinfacht gesprochen, Kernthemen von „Aware Parenting“. Kinder in der Bewältigung von Stress zu unterstützen, sie also einen Tobsuchtsanfall ausleben zu lassen, ihrem Weinen „zuzuhören“, währenddessen präsent und einfach für sie da zu sein und nicht auf schnelle Erfolgsrezepte wie Belohnung und Bestrafung zurückzugreifen: Wie kann das funktionieren? Und verstärken wir damit nicht eher jenes aufreibende Gebaren, das wir doch eigentlich verhindern wollen? Hanna winkt entschieden ab. „Kinder haben die Fähigkeit, sich durch Weinen, Trotzen und Spielen zu entlasten, sich selbst von Traumata zu heilen. Wenn wir Erwachsenen dieses Weinen und Toben zulassen, unterstützen wir es dabei, dass es sich angenommen fühlt, dass es sich sicher gebunden fühlt.“ Am eigenen Leib hat sie gespürt, wie wohltuend sich ein liebevolles Ja zum Weinen auswirken kann: „Mein Sohn hat so dankbar darauf reagiert, sich spürbar entspannt, sodass ich meine zwei Töchter von Anfang in dieser Haltung begleitet habe. Der Unterschied war unglaublich: Wenn sich die Kinder von Geburt an von Stress lösen können, entlastet das die Grundstimmung.“ Dieser Effekt sei ausschlaggebend dafür gewesen, sich schließlich zur Dozentin für „Aware Parenting“ ausbilden zu lassen. >>

Bei „Aware Parenting“ geht es um eine straffreie Erziehung ohne Drohen, ohne Belohnen. Ziel ist die friedliche Konfliktlösung und das Verhalten des Kindes richtig zu deuten.

Spielen zu entlasten, sich selbst von Traumata zu heilen.“

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© Johanna Rauch

Starke Gefühle


Mittendrin in V Lappalien sein: Der Becher hat die falsche Farbe, die Lieblingshose ist in der Wäsche, das Kind bestellt eine Milch und will dann doch Wasser. Alles Zeichen, dass das Kind bereits randvoll ist mit Stress.“ Wie ein Gefäß also, das bis obenhin mit Wasser gefüllt ist – ein Wassertropfen mehr und es läuft über. Das Kind flippt aus. Statt großer Worte rät Hanna zu physischer und seelischer Verbundenheit. Das Kind sei in dem Moment komplett „offline“, da würde sowieso nichts an verbaler Besänftigung ankommen. „Wenn das Kind sehr wütet, dann kann man die Schläge auch mit einem Polster abfangen.“ Keine Angst, dass der Sprössling diese Verhaltensweise auch über das Kindesalter hinaus beibehält? Hanna: „Diese Frage kommt immer. Doch wenn den Kindern der geschützte Rahmen gegeben wird und sie lernen, dass ihre Gefühle okay sind, sie sie rauslassen und über das Ventil des Wütens zum Ausdruck bringen dürfen, dann nimmt das Bedürfnis auf Dauer ab. Das Schlagen und Treten hat in diesem Zusammenhang nichts mit Aggression zu tun, sondern mit der fehlenden Erfahrung, wie diese Gefühle ausgelebt werden können.“

Das Spiel als Therapeutikum

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Wieder weinen lernen

Wie können Eltern nun also ganz konkret ihre Kinder unterstützen? Natürlich sei es wichtig, beim Weinen erstmal unterscheiden zu lernen, ob es Ausdruck eines Grundbedürfnisses wie Hunger, Müdigkeit etc. ist oder ob sich das Kind von Stress und Überreizung zu entlasten versucht. „Ein Einkauf, eine Familienfeier: Je nach Kind kann das Stress auslösen, der im Entlastungsweinen einen Kanal findet. Was wiederum uns Eltern unter Druck setzt, weil nichts hilft, was wir machen, um unser Baby zu beruhigen. Hier ist es unsere Aufgabe – und dabei gilt es einfach langsam hineinzuwachsen – die Gefühle des Kindes zu akzeptieren, statt das Weinen unbedingt stoppen zu wollen. Für das Baby ist das Weinen die einzige Sprache – und eigentlich auch für jene, die schon sprechen können –, um dadurch Gefühle authentisch auszudrücken.“ Das Kind in dieser Situation nicht alleine zu lassen, es zu halten, präsent zu sein mit ganzem Herzen, sich selbst mittels Atmung und Körperübungen zu beruhigen, dem Weinen seine Zeit zu geben, das sei das Wichtigste. „Natürlich triggert uns das“, so Hanna schmunzelnd. „Wir haben ja selbst nicht gelernt, unsere Gefühle auszudrücken. Aber je öfter man sich darauf einlässt, desto größer wird das Vertrauen, dass es klappt.“ Sie würde jede:n ermutigen, das Weinen wieder zu lernen. Das Wüten sei ja gesellschaftlich gesehen noch das größere Tabu. Wird uns doch als Eltern nur zu oft gespiegelt, dass wir die Kinder nicht im Griff haben, wenn sie sich tobend Luft verschaffen. „Oft zeigt uns das Kind schon mit Quengeln an, dass etwas Grundsätzliches nicht passt. Das mögen für uns

Echtes Lachen hat im Übrigen denselben Effekt wie das Weinen und Wüten: Es entlastet enorm von angestautem Stress. Wichtig dabei ist, dass das Kind den Impuls gibt, wir es also beispielsweise nicht kitzeln und es dann reflexartig lacht, sondern wir seine Einladungen zu erkennen lernen. „Die goldene Regel lautet: dem Lachen zu folgen, wenn es sich im Spiel ergibt. Wenn zum Beispiel ein Turm umfällt und das Kind lacht, dann lässt du noch ganz viele Türme umfallen und verstärkst damit das, was es lustig findet“, so Hanna. Einen besonders hohen Wert für die gesunde Entwicklung des Kindes spricht „Aware Parenting“ auch den Bindungsspielen zu. „Aletha Solter hat neun Arten von Bindungsspielen entwickelt. Einige davon wie Kissenschlachten oder das Fangenund Versteckspiel sind uns bekannt. Eigentlich laden uns die Kinder unermüdlich auf diese Spiele ein. Im Übrigen sind diese auch für Erwachsene sehr nährend und heilsam“, weiß Hanna Naphegyi um das Spiel als regelrechtes Therapeutikum. Um die Erkenntnisse von „Aware Parenting“ auch in Vorarlberg zu verbreiten, um Eltern und Pädagog:innen in einer straffreien Erziehung und friedlichen Konfliktlösung zu unterstützen, hat sie gerade die „Familientankstelle“ (siehe Factbox unten) gegründet. Hanna abschließend: „Bei alldem ist es auch wichtig, sich selber nicht zu vergessen, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und im besten Fall jemanden zu haben, dem man seine Gefühle zeigen darf.“

Factbox „Aware Parenting“ nach Dr. Aletha Solter, einer schweiz-amerikanischen Entwicklungspsychologin, wohnhaft in Kalifornien, fördert die achtsame und bewusste Haltung gegenüber Kindern, stärkt die sichere Bindung zwischen Kindern und Eltern und unterstützt Kinder bei der Bewältigung von Stress und Traumata. Infos: www.awareparenting-institut.de „Aware Parenting“-Dozentin (Workshops und Einzelberatung) in Vorarlberg: Hanna Naphegyi, T 0676 496 5296 www.familientankstelle.com


#63 | September 2021

Lösen Sie es in 60 Sekunden Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts – Kästchen für Kästchen. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden! Lösung

Für Anfänger

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Für Fortgeschrittene

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3/4

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der Summe

×12 Lösung

Für Genies

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zum Quadrat

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zum Quadrat

+2/3

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der Summe

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S C HAC H E C K E Es wird wieder Turnierschach im Ländle gespielt. Endlich! Stefan Kienböck vom Schachklub Hohenems initiierte ein spezielles Mannschaftsturnier mit der originellen Bezeichnung „Alte Wölfe vs. Junge Füchse“. Routinierte Vorarlberger Schachgrößen vertraten dabei das Team „Alte Wölfe“ und spielten gegen Talente der Vorarlberger Schachjugend, welche unter dem Namen „Junge Füchse“ diesen Vergleichskampf bestritten. Der Grundgedanke dieses Turniers war, endlich wieder „richtiges“ Turnierschach am Brett zu ermöglichen. Außerdem legte Organisator Stefan Kienböck größten Wert darauf, dass die Jugendlichen auf möglichst starke Gegner trafen. Demzufolge bestand das Team „Alte Wölfe“ aus bekannten Meisterspielern (darunter sogar einige mit einem internationalen Titel) der Vorarlberger Schachszene. Uros Nisavic (Lustenau) Markus Neidlinger (Bregenz) Wölfe-Füchse Turnier, Hohenems 2021 1

Insgesamt wurden fünf Runden in den neuen Klubräumen des Schachklubs Hohenems gespielt. Dieser interessante Wettkampf ging in der ersten Augustwoche über die Bühne und schlussendlich setzten sich die favorisierten Routiniers mit 13 zu 7 Punkten durch. Obwohl die „Jungen Füchse“ einen schweren Stand hatten, gewannen sie in jeder Runde zumindest eine Partie (somit erreichten sie 5 Einzelsiege bei 4 Remisen und 11 Niederlagen). Neben einigen sehenswerten Partien gelang den Nachwuchstalenten auch die eine oder andere hübsche Kombination gegen die renommierten Meister. Drei dieser Kombinationen bringen wir nun in den nachstehenden Diagrammen und wünschen viel Spaß beim Lösen.

Benjamin Kienböck (Hohenems) FM Fabian Matt (Wolfurt) Wölfe-Füchse Turnier, Hohenems 2021

Mit welchem Doppelangriff erobert Weiß am Zug Material?

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Erreicht Weiß am Zug mit der Fortsetzung 1.Lxc6 eine Gewinnstellung?

Herbert Wohlfahrt (Schach ohne Grenzen) Christian Kozissnik (Bregenz) Wölfe-Füchse Turnier, Hohenems 2021 3

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Wie nützt Schwarz am Zug die unsichere weiße Königsstellung aus?

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Der Holzwurm 18 |

Rudolf Pichler ist aus einem besonderen Holz geschnitzt. Mit bald 95 Jahren ist der gelernte Schreiner noch immer im Unruhestand. Die marie hat den gebürtigen Südtiroler in seinem Haus in Klösterle besucht und mit ihm über Heimat, Krieg und die heile Welt gesprochen. Text und Fotos: Frank Andres

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Rudolf Pichler mit einem Foto seiner Kinder, Enkel und Urenkel

ie Tür zur Schreinerei steht offen. Doch von Rudolf Pichler fehlt jede Spur. Ich bin drei Minuten zu früh. Noch ist also Zeit. Die Sekunden verstreichen. Den Mann, den ich zum Gespräch treffe, ist ja schließlich nicht mehr der Jüngste. Im Oktober wird er 95 Jahre alt. Da ist man vielleicht nicht mehr so fit, denke ich mir. Also einfach abwarten. Doch plötzlich sehe ich einen Mann, der auf einer Wiese auf mich zuläuft. Schnellen Schrittes. Fit wie ein Turnschuh. Das wird doch nicht mein Interviewpartner sein? Doch er ist es. Rudolf Pichler hat es pünktlich geschafft. Er begrüßt mich freudig und will wissen, was ich eigentlich von ihm will. „Wir müssand schwätza“, sage ich zu ihm. „Gut, dann frag, was du wissen willst“, antwortet er. Wir gehen in die Küche, setzen uns an den Tisch und das Gespräch kann beginnen. Aufgewachsen ist Rudolf Pichler, Jahrgang 1926, in Südtirol. In Marling, drei Kilometer von Meran entfernt. Gemeinsam mit seinen jüngeren vier Brüdern und vier Schwestern. Das Dorf ist umgeben von Weinbergen und Obstanlagen. Dort besucht er die Schule. Der tägliche Fußweg dauert eine halbe Stunde. Er lernt Italienisch. Widerwillig. Aber damals ist es Pflicht. „Heute kann ich die Sprache kaum mehr. Zuhause haben wir immer Dialekt gesprochen“, erinnert er sich. Sein Vater arbeitet in einem Sägewerk. Der Lohn ist karg. „Wir haben recht einfach gelebt. Täglich gab es Brennsuppe und Polenta. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Im Gegenteil. Diese Zeit war aus heutiger Sicht geradezu idyllisch“, sagt er. Doch mit nur 14 Jahren verändert sich das Leben von Rudolf Pichler schlagartig. 1940 verlassen er und seine Familie ihre Heimat Südtirol. Eine Folge des Abkommens zwischen Adolf Hitler und Benito


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Diese Kinderwiege hat er auf Auftrag gefertigt

Mussolini (siehe Infobox auf Seite 21). „Wir sind per Bahn mit Sack und Pack nach Innsbruck gefahren. Eine Woche später hat mein Vater eine Anstellung in einem Sägewerk im Klostertal bekommen“, erzählt er. Die Familie zieht nach Dalaas. Dort geht Rudolf Pichler noch ein Jahr zur Schule. Macht danach eine Lehre. „Für mich war klar, dass ich Schreiner werde. Meine Onkel waren auch alle Holzwürmer“, erzählt er mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.

Splitternackt am Boden

Doch lange währt der Friede nicht. Rudolf Pichler muss als Soldat an die Front und gerät schließlich 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Lager Remagen (Rheinland-Pfalz) durchlebt der junge Mann eine schreckliche Zeit. Es gibt nichts Richtiges zu essen. Kaum sauberes Wasser. Er muss wochenlang im Freien am Boden übernachten. Kann sich nicht waschen, schläft in seiner völlig verdreckten Kleidung. Eine Begebenheit ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben. „Ich war schon total geschwächt und lag am Boden eines Betonbunkers. Keiner hat sich um mich gekümmert. Ich war splitternackt und wurde mit eiskaltem Wasser abgespritzt. Da bin ich plötzlich wieder wach geworden.“ Rudolf Pichler überlebt. Kommt wieder langsam zu Kräften, auch weil er mehr zu essen bekommt. Einen Monat später keimt Hoffnung auf. Es heißt, alle Österreicher könnten wieder nach Hause. Aber statt zurück ins Klostertal wird er zusammen mit anderen Kriegsgefangenen in einem offenen Güterwaggon verfrachtet und nach Frankreich in das Lager Voves transportiert. „Dort wurden wir alles andere als freundlich begrüßt. Zivilisten standen bei unserer Ankunft mit Messern in den Händen am Gehsteig. Die hatten einen >>

Solche Schnapsbänke schnitzt er bis heute selbst

Wir haben recht einfach gelebt. Täglich gab es Brennsuppe und Polenta. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Im Gegenteil. Diese Zeit war aus heutiger Sicht geradezu idyllisch.

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Mittendrin in V

unglaublichen Hass auf uns. Wenn wir nicht von Amerikanern begleitet worden wären, dann hätten sie uns wohl abgestochen“, ist Rudolf Pichler, der im Oktober seinen 95.Geburtstag feiert, noch heute überzeugt. Der Leidensweg geht für ihn weiter. Wieder nichts zu essen, nur wässrige Suppe. In der Früh ist er so geschwächt, dass er kaum aufstehen kann. Erst als Rudolf Pichler in ein anderes Lager kommt und ihn die Amerikaner mit Proviant versorgen, geht es aufwärts. Die Zeit des extremen Hungers ist vorbei. Nach langen Monaten ist die Gefangenschaft für Rudolf Pichler im Februar 1946 endlich zu Ende. In einem Güterzug kehrt er zu seiner Familie nach Klösterle zurück. „Am Anfang konnte ich es gar nicht glauben. Es wurde uns schon davor mehrmals gesagt, dass wir nach Hause dürfen. Am Ende stellten sich diese Meldungen als falsch heraus.“ Dass er am Ende das alles überlebt hat, schreibt er dem Herrgott zu. „Ich war schon praktisch klinisch tot. Aber er hat zu mir gesagt: Du hast noch eine Aufgabe.“

Heile Welt

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1946 ist aber nicht nur ein Jahr der Freude. Sein Vater stirbt. Er als ältester Sohn übernimmt mit nur 20 Jahren praktisch über Nacht die Familie. Doch das Leben geht weiter. Die Familie pachtet eine kleine Landwirtschaft. Muss nicht Hunger leiden. Die Geißen, Schafe und Schweine liefern Milch, Butter, Käse und Fleisch. Für Rudolf Pichler beginnt ein neues Leben. „Für mich war es nach dem Krieg die heile Welt.“ Er beginnt wieder zu arbeiten. In einer großen Zimmerei in Wald am Arlberg. Er baut jahrelang Dachstühle für Häuser in Lech. Ein anstrengender Beruf. Denn damals gibt es noch keine Kräne, um die Balken hochzuziehen. Muskelkraft ist gefragt. Später wechselt er in die Schreinerei seines Schwagers in Braz. „Das war körperlich viel einfacher. Wir hatten da schon Maschinen“, erzählt er. 1953 heiratet er seine Frau Agnes. Wird Vater von fünf Kindern. Baut sich ein Haus in Klösterle, in dem er noch heute lebt. 1986, mit 60 Jahren, geht Rudolf Pichler in Pension. 2009 stirbt seine Frau an Krebs.

Genussskifahrer

Auch abseits von Beruf und Familie ist Rudolf Pichler aktiv. Er ist im Kirchenchor, bei der Feuerwehr und bei der Harmoniemusik. Gibt es irgendwo ein Fest oder eine Feier, ist er mit von der Partie. Auch heute noch. Zudem ist er seit vielen Jahrzehnten ein leidenschaftlicher Skifahrer. Manche bezeichnen ihn sogar als Pistensau. Als er in jungen Jahren seine ersten Schwünge in den Schnee zaubert, gibt es noch keinen Lift. Da heißt es zuerst mühsam den Hügel hinaufsteigen. Dann geht es Schuss und mitunter kopfüber in den Schnee. Zu einem richtig begeisterten Skifahrer wird er aber erst, als die Bahn auf seinen Hausberg, den Sonnenkopf, 1975 eröffnet wird. „Das war eine schöne Zeit. Und seit der Pensionierung genieße ich das Skifahren noch mehr.“ Nur Corona hat ihm in den letzten beiden Wintern einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. „Die Restaurants hatten alle geschlossen. Es gab keine Möglichkeit für einen Einkehrschwung. Das ist eine halbe Sache“, sagt er enttäuscht. Und was macht Rudolf Pichler im Sommer? Da rufen ihn die Berge und da vor allem die seiner alten Heimat. Wenn der Bergfex von den jährlichen Wochenend-Ausflügen in die Dolomiten spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen. „Das sind herrliche Berge.“ Und bis in seine 80er war Rudolf Pichler sogar noch in den Klettersteigen unterwegs. Angst, dass ihm irgendwann langweilig werden könnte, hat Rudolf Pichler nicht. Er bekommt heute noch Schreiner-Aufträge. Für einen Kasten, eine Kinderwiege oder einen Krautstampfer. „Ich könnte mir nicht vorstellen, einfach nur dazusitzen“, sagt Rudolf Pichler. Schreinern sei ein wunderschöner Beruf. Nur eines will er heute nicht mehr. Auf Termin arbeiten. Es dauert so lange, wie es eben dauert.

Rudolf Pichler unterwegs in den geliebten Bergen seiner Heimat Südtirol


#63 | September 2021

Option in Südtirol

Rudolf Pichler im Kreise seiner acht Geschwister und seiner Eltern

Geschenk von oben

Obwohl Rudolf Pichler seine Heimat vor mittlerweile 81 Jahren verlassen hat, ist er heute noch mit Leib und Seele Südtiroler. „Als ich nach dem Krieg das erste Mal dort gewesen bin, kamen mir fast die Tränen.“ Heuer, so sagt er, fahre er aber nicht in seine alte Heimat. „Vielleicht nächstes Jahr, wenn ich dann noch lebe“, sagt er mit einem Schmunzeln. Die Chancen stehen gut. Denn sein Hausarzt will unbedingt, dass Rudolf Pichler noch seinen 100er feiert. „Ich kann zufrieden sein. Die Gesundheit ist ein Geschenk von oben.“ Mit Unterstützung von dem einen oder anderen Gläschen Wein bzw. Stamperl Schnaps. Bis auf eine Gallenoperation vor ein paar Jahren hatte er bisher nur ein paar kleine Wehwehchen. Und selbst nach der Entlassung aus dem Spital saß er zwei Tage später in der Bäckerei und trank einen Kaffee. Rudolf Pichler ist eben aus einem besonderen Holz geschnitzt.

23.10. bis 26.10.2021 JUFA Laterns

Die Option bezeichnet eine vom faschistischen Italien (Benito Mussolini) und nationalsozialistischen Deutschland (Adolf Hitler) ausgehandelte Wahlmöglichkeit, die die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung Italiens, also hauptsächlich die Bevölkerung des heutigen Südtirol, vor folgende Entscheidung stellte: entweder Option fürs Deutsche Reich mit anschließender Emigration oder Verbleib in Italien. Obwohl prinzipiell als Akt individueller Selbstbestimmung ausgelegt, war die freie Entscheidungsfindung durch eine Reihe von Faktoren stark beeinträchtigt. Die Option begann 1939 und hatte große gesellschaftliche Verwerfungen zur Folge. Die Frage, ob man im Zuge einer Emigration ins Deutsche Reich die Heimat verlassen oder im durch die faschistische Italianisierungskampagne geprägten Südtirol bleiben solle, entwickelte sich zu einem großen Konfliktthema, was auch gewaltsame Übergriffe und Terrorakte von „Optanten“ auf „Dableiber“ zur Folge hatte. Entscheidenden Einfluss hatte dabei die breitenwirksame Propaganda des Völkischen Kampfrings, bestehend u. a. aus Appellen ans völkisch-nationale Bewusstsein und sorgsam entwickelten Drohszenarien (etwa dem Gerücht, Italien werde alle „Dableiber“ in den Süden umsiedeln). Rund 85 Prozent der etwa 250.000 zur Wahl Aufgerufenen entschieden sich letztlich für eine Deutschland-Option. Allerdings wanderten bis zur Eingliederung der Operationszone Alpenvorland in den deutschen Machtbereich im September 1943, was die Optionsfrage vorerst obsolet machte, nur zirka 75.000 Südtiroler tatsächlich ins Deutsche Reich aus. Nach dem Kriegsende kehrten ca. 20.000 bis 25.000 ehemalige Optanten als „Rücksiedler“ wieder nach Südtirol zurück, wo das Gruber-De-Gasperi-Abkommen von 1946 der deutschsprachigen Minderheit eine Gleichstellung ihrer Sprache, weitgehende kulturelle Freiheiten und eine gewisse politische Autonomie garantierte. Quelle: Wikipedia

Auf die Koffer, fertig, los!!! Einfach mal raus aus dem Alltag! Unsere Reise führt uns in das idyllische Laternsertal auf ca. 1.000 Meter Seehöhe. Das neu errichtete JUFA Hotel LaternsKlangholzhus bietet einen perfekten Rahmen für spannende und erholsame

Ferientage. Unser kreatives Team freut sich auf Sie. Dieses leistbare Angebot richtet sich an alleinerziehende Mütter/Väter mit Kindern und Patchwork-Familien. Anmeldung bis spätestens 08.10.2021

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ANMELDUNG & INFO: +43 5522 74139 oder info@efz.at Bezahlte Anzeige

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Mittendrin in V

VIER GRAD IN DEN ALPEN Können wir in Vorarlberg bald Zitrusfrüchte anbauen? Zwei Grad Klimaerwärmung global bedeuten im Alpenraum eher vier Grad. Es wird österreichweit mehr trockene Tage geben, gleichzeitig nehmen Starkniederschläge zu. Und der diesjährige nasse Sommer lag nicht außerhalb der Norm. Ein Gespräch mit dem Meteorologen Johannes Vergeiner. Text: Christina Vaccaro, Foto: privat, Illustrationen: flaticon

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efühlt hat es dieses Jahr nur geregnet. Bikini und Badehose jedenfalls blieben überwiegend trocken – lagen sie doch schließlich in der Schublade. 2021 liegt niederschlagsmäßig jedoch (bis jetzt) nicht außerhalb der klimatischen Norm. Wer das nicht glaubt, der kann sich das Klimamonitoring der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ansehen. Oder Johannes Vergeiner fragen. „Der Niederschlag ist eine Größe, die von Jahr zu Jahr und Jahreszeit zu Jahreszeit sehr stark variiert, viel mehr als die Temperatur. Das hängt einfach mit der Wetterkonfiguration zusammen – einmal kriegt man mehr Luft vom Norden oder Süden und so weiter. Das Interessante dabei ist, dass in Österreich die Niederschlagssumme im Jahr zwar annähernd gleich bleibt, die Verteilung sich aber ändert“, erklärt der Meteorologe. Konkret: Es gibt mehr Tage ohne Niederschlag als vor 30, 40 Jahren. Doch wenn es regnet – vor allem im Sommer, der wärmer ist und deshalb mehr thermische Energie besitzt als früher – entwickeln sich Schauer- und Gewitterwolken intensiver. Und es regnet mehr. Mit all den bekannten Problematiken wie Murenabgänge und überflutete Keller. Hinzu kommt noch ein weiterer Effekt, der diesen nassen Sommer zumindest mitverschuldet hat: Ist der Boden einmal sehr feucht, verdunstet mehr Wasser, wenn es wärmer ist. Damit ist die Luft wieder feuchter – und schwups regnet es schon wieder! „Ist es im Frühjahr beispielsweise trocken, bleibt es oft länger, also wochenlang, so. Bis eine Wetterfront kommt, die Feuchtigkeit heranführt. Deshalb gibt es feuchte und trockene Sommer. Es ist die normale Bandbreite, die wir haben“, klärt Vergeiner auf.

Heiß, heißer, Schnee ade?

Genug vom Regen. Wovon die Welt spricht sind zwei Grad, manchmal auch nur eineinhalb. Gemeint ist die globale Lufttemperatur: Ihre Erwärmung soll nicht über zwei Grad hinaus gehen, wie die 195 Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen 2015 in Paris beschlossen. Das Ziel des Übereinkommens lautet, die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu beschränken. „Wenn man in die Zukunft schaut und sich fragt, was wäre, wenn es global zwei Grad wärmer wird, muss man sagen: Das wird bei uns im Alpenraum Richtung vier Grad Erwärmung gehen“, informiert Vergeiner. Der Grund ist ein physikalischer: Wasser reagiert träger als Luft. Landflächen erwärmen sich damit schneller als die Wasserflächen der Meere. Wer nun vier Grad für übertrieben hält, dem sei vor Augen gehalten, dass die Temperatur im Mittel in Österreich bereits nachweislich stärker gestiegen ist als global – nämlich um 2,0 anstatt 1,1 Grad, wie es weltweit der Fall war. Doch was bedeuten vier Grad überhaupt? Stellen wir uns die Auswirkungen konkret für die heißesten Tage des Jahres vor. Die Höchstwerte in diesem eher verregneten Sommer lagen in Bregenz bei 34,2 Grad, in Innsbruck hatte es schon 36,3 Grad und in Wien wurden sogar 37,2 Grad gemessen. Addieren wir, nur als Gedankenspiel, nochmals zwei Grad zu den 34, 36 bzw. 37 Grad dazu – nun, wem hier nicht der Schweiß rinnt...


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Großräumig betrachtet befindet sich Österreich nun öfter im subtropischen Hochdrucksystem des Mittelmeerraumes, das jetzt weiter nach Norden stößt.

Weinbau, Zitrusfrüchte, Borkenkäfer

Übrigens sind bislang von der ZAMG keine jahreszeitlichen Unterschiede in der Erwärmung zu beobachten. „Der jahres- und tageszeitliche Rhythmus bleibt gleich, bewegt sich jedoch auf einem höheren Niveau. Die Erwärmung kann quasi überall auf die bisherigen Temperaturwerte draufgeschlagen werden. Es wird also weniger ganz kalte Tage im Winter geben, dafür mehr ganz heiße Tage im Sommer. Das ganze Temperaturniveau wird angehoben werden – das ist die erwartete Zukunft“, sagt Vergeiner. Die meteorologischen Beobachtungen in Österreich zeigen außerdem sehr geringe räumliche Unterschiede. Es gebe aber Mechanismen, merkt der Fachmann an, die lokal zu einer höheren Erwärmung führen können. Etwa wenn an einem Ort früher zu einer bestimmten Jahreszeit mehr Schnee lag. Dieser reflektiert nämlich deutlich mehr Strahlung als die Oberfläche darunter, weshalb der Untergrund kühler bleibt. Fehlt nun der Schnee, wird weniger Strahlung reflektiert und es kommt zur stärkeren Erwärmung. Positive Rückkopplung nennt man das. Sie erklärt, weshalb es höhenabhängig zu einer stärkeren Erwärmung kommen kann. Wichtig ist auch, welche Luftmassen den Alpenraum beeinflussen. „Großräumig betrachtet befindet sich Österreich nun öfter im subtropischen Hochdrucksystem des Mittelmeerraumes, das jetzt weiter nach Norden stößt“, erklärt Vergeiner. Für die Landwirtschaft bedeuten die höheren Temperaturen eine längere Vegetationsperiode – das heißt, die Saison fängt früher an und hört später auf. „Wir sind da bei ungefähr drei bis vier Wochen mehr als vor 50 Jahren. Es ist deutlich bemerkbar“, informiert der Meteorologe. „Pflanzen können länger wachsen, was hinsichtlich landwirtschaftlicher Produktivität potenziell einen Vorteil ergibt. Man kann hier Kulturarten anbauen, die es früher nicht vertragen hätte, etwa Wein. In begünstigten Lagen kann man auch mal an Zitrusfrüchte denken.“ Doch man darf sich nicht zu früh freuen. Denn das „günstige“ Klima ist auch für Schädlinge günstig. Anstatt zwei Brutzyklen im Sommer schaffen sie beispielsweise drei und vermehren sich entsprechend. In

der Forstwirtschaft fällt hier das Stichwort Borkenkäfer, doch auch landwirtschaftliche Schädlinge und Plagegeister, die den Menschen heimsuchen, profitieren von den wärmeren, eben mitunter auch feuchteren Sommern und auf jeden Fall milderen Wintern. Gleichzeitig werden die Böden trockener. Das klingt zunächst absurd, insbesondere im niederschlagsreichen Vorarlberg. Doch die Bodenfeuchte hängt eben nicht nur von der Menge an Regen ab, die auf den Boden fällt, sondern auch von der Menge an Regen, die im Boden bleibt. Ist es heißer, verdunstet mehr Wasser aus dem Boden. Das trocknet die Böden aus. Im Osten Österreichs, so Vergeiner, ist das bereits jetzt ein starkes Problem. „Was wir beobachten ist, dass der Jahresniederschlag gleich bleibt, aber aufgrund der höheren Temperaturen mehr Wasser aus dem Boden verdunstet und damit nicht für die Pflanzen verfügbar ist.“ Doch trockene Böden behindern nicht nur das Pflanzenwachstum direkt, sie können auch zur Abtragung von Boden, zu Bodenerosion, führen. Laut Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) verschwindet heute durch Erosion im Durchschnitt deutlich mehr Boden von den österreichischen Ackerflächen als durch Gesteinsverwitterung neu gebildet wird. Dem Potenzial einer längeren Vegetationszeit stehen also reale Nachteile gegenüber.

Menschengemacht. Punkt.

Der Klimawandel, so abstrakt zu fassen und komplex er auch ist, findet bereits statt. Für die meisten Wissenschaftler/innen und Expert/innen, wie auch Vergeiner, steht außer Frage, dass er menschengemacht ist. Über eine mögliche Abbremsung der globalen Erderwärmung und die notwendigen Maßnahmen lesen Sie im nachfolgenden Interview (Seite 24).

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>> marie: Ist der Klimawandel vom Menschen verursacht? Was sagt die Wissenschaft? Johannes Vergeiner: Aus meiner Sicht gibt es da keine zwei Meinungen – menschengemacht. Punkt. Und menschengemacht bedeutet im Wesentlichen durch den Ausstoß von Treibhausgasen. Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (CH4) sind hier sicher die beiden wichtigsten.

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Zur Person: Johannes Vergeiner, Jahrgang 1968, arbeitet seit fast zehn Jahren bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Innsbruck. Nach seinem Studium der Meteorologie forschte er zunächst im Bereich Föhn, später wandte er sich in Neuseeland zunehmend dem Bereich Umwelt und Klima zu. Er wirkte auch am Projekt Klimaatlas für Tirol und Norditalien mit. Seine heutigen Schwerpunkte bei der ZAMG sind Klima- und Umweltmeteorologie (z.B. Ausbreitung von Schadstoffen in der Luft).

Kann man den Klimawandel überhaupt noch stoppen beziehungsweise abbremsen und wenn ja, in welchen Zeiträumen? Es gibt eine Trägheit im Klimasystem beziehungsweise in der Atmosphäre: Was in den nächsten zwanzig Jahren passieren wird, basiert großteils auf Emissionen, die bereits stattgefunden haben. Was wir jetzt tun, wirkt sich dann auf die kommenden Zeiten nach 20 Jahren aus.

nahe das CO2 dem Boden ist. Aber: Heute befinden sich alle Techniken immer noch total in den Kinderschuhen, werden nur in kleinem Maße ausprobiert und es gibt sie noch überhaupt nicht in der Größenordnung, die es für eine Klimawirksamkeit braucht. Ich traue mich nicht auszuschließen, dass wir in einigen Jahrzehnten dahin kommen, doch derzeit sind wir davon weit entfernt.

Weshalb ist das so? Die CO2-Konzentration, die wir jetzt in der Luft haben, bleibt eine Zeit lang dort und bleibt damit dort auch wirksam. Wärme, die von der Erde abgestrahlt wird, bleibt folglich im „Treibhaus“, wird also zurückgehalten wie unter einer Glasscheibe, um bildlich zu sprechen. Das Sonnenlicht kommt durch, doch die Wärme kommt nicht raus.

Was wären Ihrer Meinung nach die richtigen Maßnahmen? Die ganz große Überschrift lautet hier: Anreize für alles, was CO2-Emissionen mit sich bringt, entsprechend teuer zu machen. Kostenwahrheit. Denn CO2-Ausstoß ist in Wahrheit teuer für die Menschheit. Die Verantwortung liegt für mich bei den politischen Entscheidungsträgern, die richtigen Teuerungsmechanismen herzuleiten. Eine CO2-Bepreisung ist sicher notwendig, so wie es notwendig ist, ökologisch-soziale Ausgleichsmaßnahmen zu setzen.

Negative Emissionen: Ist die Rückbindung von CO2 möglich? Hier möchte ich zuerst vorwegschicken, wie ist es überhaupt zustande gekommen ist, von negativen Emissionen zu sprechen. Beim Bericht des Weltklimarats von 2014 hat man erkannt, dass man über das 1,5-Grad-Ziel hinausschießen wird, wenn man jetzt nicht irgendwie versucht, ein technisches Mittel zu entwickeln, das CO2 bindet. Es gibt hier zwei Ansätze, um diese technischen Lösungen zu denken: Man kann versuchen, Sonneneinstrahlung auszuschließen – etwa durch große Sonnensegel irgendwo im Weltall oder durch künstliche Wolkenbildung, mit all den Folgen, die das jeweils hat – oder man kann versuchen, CO2-Emissionen aus der Erde zu entnehmen und dauerhaft zu binden. Der Mensch mag halt gerne technische Lösungen. Kann die Rückbindung von CO2 funktionieren? Die Wirksamkeit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre wird mit ungefähr 100 Jahren angegeben und hängt vom Ausstoß, der Konzentration und deren Veränderung ab. Die Rückbindung ist unter anderem auch davon abhängig, wie

Was sagen die meteorologischen Messungen und was die Klimamodelle, wie es weitergeht? Die Antworten gehen in dieselbe Richtung: Die Temperaturen werden steigen, an Land noch stärker als über dem Meer. Es wird mehr Tage ohne Niederschlag geben und gleichzeitig stärkere Niederschläge. Link zum Klimamonitoring: www.zamg.ac.at/cms/de/klima/klima-aktuell/klimamonitoring


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Frisch gebacken mit Bio-Mehl Markus Stadelmann führt mit seiner Bäckerei im Oberdorf in Dornbirn fort, was sein Vater bereits in den 1970er Jahren begann: Er bäckt leidenschaftlich Bio-Brote. Text und Fotos: Daniel Furxer

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eit 1978 verwendete sein Vater Biogetreide für einzelne Brote. Da war Markus sieben Jahre alt. Er hat diese Tradition weitergeführt und noch verstärkt. In seiner Bäckerei wird das Brot handwerklich, also nur mit den Händen, geformt. „Ich stelle sukzessive auf Bio um, zuletzt war das Weißmehl dran, das nun auch aus Bioanbau in meine Backstube geliefert wird.“ Aber ist denn das Brot auch regional? „Bio und regional, das spießt sich oft beim Brot“ erklärt Markus. „Roggen hat es gern kalt und nicht feucht, Weizen braucht auch eine trockene Witterung. Die wachsen in Vorarlberg nicht so gut. Hafer und Dinkel kann man jedoch auch hier anbauen. Die Anbauflächen für Getreide in Vorarlberg sind aber sehr eingeschränkt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meiner Kundschaft die Regionalität wichtiger ist als bio.“ Wo es geht, wird regionales Korn verarbeitet. So kommt der überwiegende Teil des Dinkelmehls, das er verwendet, aus Vorarlberg. „Viele Menschen mit Weizen- oder Hefeunverträglichkeit sind auf mich aufmerksam geworden. Für die ist mein Brot sehr gut geeignet.“ Sie kommen extra von weit her zur Bäckerei im Dornbirner Oberdorf. Allerdings merkt Markus Stadelmann auch an: „Manchmal ist es wirklich eine Allergie, oft aber nur das Resultat, dass im modernen, industriell erzeugten Brot viel zu viel Hefe drinnen ist. Dem Teig wird keine Zeit mehr gegeben sich zu entwickeln. Das Zuviel an Hefe führt dann zur Unverträglichkeit.“ Denn schädliche Stoffe im Getreide bauen sich nur ab, wenn man dem Teig genug Zeit gibt.


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„Dem Brot wird keine Zeit mehr gegeben aufzugehen. Das Zuviel an Hefe führt dann zur Unverträglichkeit.“

Neben den vielen Brotsorten und normalen Konditoreiwaren kann man im Café auch biovegane Kuchen kaufen. Es sind Kuchen ohne Milch und Eier. „Das Ziel ist es natürlich, dass sie geschmacklich gleich gut sind wie andere Kuchen. Der vegane Vespenstich am Donnerstag ist – neben dem traditionellen Bienenstich – ein Spezialität von uns“, so Markus. Der Pudding wird mit Sojamilch gemacht, ein Apfelkuchen oder Apfelstrudel ist auch leicht vegan zu backen. Sein Arbeitsbeginn ist meist 3.15 Uhr am Morgen. Aber auch das ist nicht immer gleich. „Wenn ein Mitarbeiter fehlt, kann es sein, dass ich am Freitag schon um 21.15 Uhr in der Backstube bin. Und ich bleibe dann meist bis zum Mittag des nächsten Tages“. Ein langer Arbeitsalltag. Am Abend muss dann noch der Natur-Sauerteig vorbereitet werden. Zeit für seine Leidenschaft, die Geschichte des Getreides, bleibt ihm aber trotzdem genug. In kleinen Mengen experimentiert er mit alten Kulturpflanzen. In Vereinen, im ORF, der inatura und anderen Bildungseinrichtungen gibt er sein Wissen dann weiter. „Ich habe vor, alte Sorten auch großflächig anzubauen, dazu brauche ich aber eine Fläche von mindestens 5000 Quadratmeter. Momentan bin ich mit einem Experimentierfeld beschäftigt.“ Markus Stadelmann hat insgesamt 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, inklusive den Angestellten für das Café. In der Backstube selber arbeiten zwei Meister, fünf Gesellen, vier Lehrlinge und er selbst. „Die Lehrlingsausbildung, der Nachwuchs, ist mir sehr wichtig. Und auch, dass wir miteinander eine gute Arbeitskultur pflegen. Ich glaube, die geringe Fluktuation von Mitarbeiter*innen gibt mir Recht. Ich habe Leute in meinem Betrieb, die sind schon über 25 oder 40 Jahre hier.“ Eine Liste von Broten gibt jeden Tag an, wie viel Stück von jedem Brot gebacken werden soll. Am Samstagmorgen

werden bis zu 1000 Handsemmel produziert, dienstags sind es „nur“ 145. Drei Tonnen Weizen, eine Tonne Roggen und eine Tonne Dinkel werden im Schnitt pro Monat verarbeitet. Aber das sind nur die nackten Zahlen. Die Vielfalt der Brote ist groß: Pärle, Laugenbrot, Weißbrot, Schwarzbrot, Spezialbrote, Vollkornbrote und diverses Süßgebäck. „Wir wohnen in einem Gebiet, wo viele Backtraditionen aufeinandertreffen, darum auch diese Vielfalt an Broten. Klar ist, dass damit auch die Ansprüche der Kundschaft sehr hoch sind.“ Aber was macht nun das Besondere an seinen Broten aus? „Die Grundzutaten sind immer die gleichen: Wasser, Mehl und Salz. Das Geheimnis liegt aber darin, wie ich den Teig bearbeite, wie lange ich ihn gehen lasse, wann ich ihn wieder aufnehme und knete.“ Aber nicht nur die Zutaten des Brotes sind bio. Auch auf dem Gebiet des Stromverbrauchs handelt Stadelmann ökologisch. Er backt heute mit 100 Prozent Ökostrom. Auch hier war sein Vater Vorreiter. Bereits in den 1960er Jahren hat er den Müll konsequent getrennt und in den 1980er Jahren von Öl auf Erdgas umgestellt. Damit war er einer der ersten in seiner Branche, der auf den Energieverbrauch und die Umwelt geachtet hat. Bei der Bäckerei Stadelmann wird alles wiederverwertet. Altbrot wird vielfältig weiterverarbeitet, das Mehl wird vom Boden aufgekehrt und an die eigenen Schweine verfüttert. „Es wird zu viel Brot weggeworfen, da will ich einfach als gutes Beispiel vorangehen.“ Und er merkt an: „Auch heute noch esse ich zuerst das alte Brot, bevor das Frische auf den Tisch kommt.“ Aber das Gute bei diesen Broten ist, auch nach einigen Tagen schmecken sie fast wie frisch. Das hat der Autor dieser Zeilen selbst getestet.

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Mittendrin in V

„Ich bin nicht unsichtbar“ Wie schwierig oder wie leicht ist es, vor einem Geschäft zu stehen und die marie zu verkaufen? Was erlebt man alles und mit wie vielen Menschen kommt man in Kontakt? Zwei Leser und eine Leserin unserer Straßenzeitung haben sich auf ein Experiment eingelassen und verkauften drei Stunden lang die marie. Text und Fotos: Daniel Furxer

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Peter Windhager in Götzis

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Uhr vormittags, es regnet, es ist kalt. Alles andere als sommerliche Temperaturen. Peter Windhager steht vor dem Spar-Markt in Götzis und hält ein paar marie-Zeitungen in der Hand. Die Menschen huschen an ihm vorbei. Viele schauen, dass sie so trocken wie möglich ins Geschäft kommen. „Die Menschen waren sehr kurz angebunden, habe ich gemerkt. Wenn jemand mit mir gesprochen hat, dann waren es vor allem Frauen. Eine Frau hat mir ein Gebäck gekauft, weil sie das immer für den marie-Verkäufer mache, wie sie mir danach mitteilte.“ So schildert Peter rückblickend seine Erfahrungen. Viele haben die Zeitung am 15. Juli, am Tag, an dem Peter verkaufte, bereits erworben. „Einige haben mir dann ein kleines Trinkgeld zugesteckt.“ Zu seiner Motivation, warum er das gemacht hat, meint er: „Ich wollte einfach einmal die Erfahrung machen, wie es ist, auf der anderen Seite der Wohlstandsgesellschaft zu stehen. Für mich sind die drei Stunden trotz allem schnell vergangen. Aber natürlich weiß ich nicht, wie es sich anfüllt, jeden Tag hier zu stehen.“ Peter verkaufte in drei Stunden drei Zeitungen und bekam sieben Euro Trinkgeld. Das Geld für die verkauften Zeitungen und das Trinkgeld bekommt der Verkäufer, der normalerweise an diesem Standort steht. Standortwechsel: Hofer in Alberschwende. Es ist 7.30 Uhr und ein sehr sonniger Tag kündigt sich an. Werner Fuchsberger steht mit seinen Zeitungen bereit. Doch niemand will ihm eine abkaufen. „Ich habe die Menschen sehr freundlich gegrüßt und sie haben freundlich zurückgegrüßt. Aufgrund meiner Freundlichkeit habe ich nur positive Erfahrungen mit den Leuten gemacht. Auf meine Frage, ob sie eine marie kaufen wollen, hat ein Drittel gesagt, dass sie diese schon haben, ein Drittel hatte kein Interesse und die anderen haben sich dazu nicht geäußert.“ Nach zweieinhalb Stunden hat Werner noch keine Zeitung verkauft. In der letzten halben Stunde kaufte ihm jemand eine Zeitung ab. „Ich habe zusätzlich 90 Cent Trinkgeld bekommen.“ Natürlich, Zweck des Rollentausches war es nicht, so viele Zeitungen wie möglich zu verkaufen oder viel Trinkgeld zu bekommen. Es ging vor allem um die Begegnung und wie man sich in der Haut eines/r marie-Verkäufers/in fühlt. Letze Station: Spar-Markt in Rankweil. Cornelia Giesinger hat sich, wie Werner Fuchsberger und Peter Windhager, spontan auf die Anzeige in der marie gemeldet, die Straßenzeitung für drei Stunden zu verkaufen. „Meine Vorstellung war, dass ich mit der marie in der Hand für die Menschen ‚unsichtba-


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Eine Frau hat mir ein Gebäck gekauft, weil sie das immer für den marie-Verkäufer mache, wie sie mir danach mitteilte.“

Godgift mit Werner Fuchsberger in Alberschwende

Cornelia Giesinger in Rankweil

rer‘ werde und die meisten einen Bogen um mich machen. Dem war aber nicht so.“ Cornelia erzählt, dass sie vor ein paar Jahren in Dublin einen großen Bogen um Leute gemacht habe, die „Big Issue“ geschrien haben. Erst später habe sie erfahren, dass „The Big Issue“ die Straßenzeitung von England und Irland ist. „Meine Zurückhaltung habe ich dann bereut. Gerne hätte ich jemandem eine Zeitung abgekauft. „Ich war beim Verkaufen der marie nicht unsichtbar. Die Leute haben mich alle sehr freundlich gegrüßt, ich habe einen kläffenden Hund beruhigt und auf die Inlineskates eines Mädchens aufgepasst, während sie einkaufen war.“ Cornelia teilt die Beobachtung der Kunden, dass die marie zum Straßenbild in Vorarlberg dazugehört und die Verkäufer*innen meist freundlich und hilfsbereit sind. Verkauft hat Cornelia eine Zeitung und bekam 8,50 Euro Trinkgeld. Cornelia merkt abschließend an: „Ich bin mir bewusst, dass ich nur im Ansatz spüren konnte, wie es sich für die echten Verkäufer*innen anfühlt. Ich bin mit meinem Aussehen und meinem Dialekt ein klar erkennbarer Teil der Vorarlberger Mehrheitsgesellschaft. Und ich weiß nicht, wie es ist, wenn ich auf diese einzelnen Münzen der Vorbeigehenden angewiesen bin, um meine Grundbedürfnisse zu stillen.“

Buchverlosung Die GewinnerInnen sind ermittelt. Doris Kerber aus Ludesch, Nicole Gächter aus Altach und Margit Hecht aus Rankweil dürfen sich über ein Flora-Kartenset samt Buch von Magdalena Türtscher freuen. Das wunderbar gestaltete Werk mit 33 ausgewählten heimischen Pflanzenwesen und ihren Botschaften ist aber auch käuflich zu erwerben. Im Internet unter magma-zeug.com

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Mittendrin in V

Goldener Herbst Kulinarische Zeit der Fülle Allmählich werden die Tage wieder kürzer, der morgendliche Nebel lässt erahnen, dass die Temperaturen wieder sinken und wir uns auf eine kühlere Jahreszeit vorbereiten sollten. Die Überfülle des Sommers ist noch immer überall zu sehen.

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© Andrea Blum

© Andrea Blum

Text: Andrea Blum | Büro für nachhaltige Kommunikation

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s ist nun die Zeit, in der seit jeher die Getreidespeicher gefüllt und die Vorratskammer für den Winter noch einmal aufgefüllt werden. Die letzten Kräuter werden zum Frauendreißiger in der Zeit von Mitte August bis Mitte September noch gesammelt, um die Hausapotheke mit wertvollen Heilpflanzen und Gewürzkräutern zu bestücken. Vor allem klassische Teekräuter wie die allgemein heilkräftige Schafgarbe, der beruhigende Baldrian, das Wiesen-Aspirin Mädesüß oder das gemütsaufhellende Johanniskraut und viele andere haben zu dieser Jahreszeit den höchsten Gehalt an Inhaltsstoffen. Werden sie schonend getrocknet, bleiben diese erhalten.

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vgl. Maria Jenkinson, Erding

Zwetschgenröster

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/ 500 g Zwetschgen / 70 g Rohrohrzucker / 100 ml Rotwein / ½ Vanilleschote / 1 Zimtstange / 1 TL Zitronensaft / 1 TL Speisestärke Vollreife Zwetschgen waschen, halbieren und entkernen. Den Zucker unter ständigem Rühren bei mittlerer Hitze goldgelb karamellisieren und mit dem Rotwein ablöschen. Auf kleiner Flamme weiterköcheln lassen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Die Zwetschgen, Vanilleschote, Zimtstange und Zitronensaft dazugeben und weitere 5 bis 10 Minuten köcheln lassen. Mit angerührter Speisestärke binden und den Röster in Gläser abfüllen. Tipp: Die dann abgewaschene Vanilleschote kann getrocknet und in einem Glas mit Zucker vermischt werden. Fertig ist ein hochwertiger Vanillezucker.


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Tee-Kräuter trocknen

© iStock

Alle Kräuter, die du für den Tee trocknen möchtest, hängst du am besten kopfüber in Sträußen gebunden an einem warmen, luftigen, aber eher dunklen Ort auf oder legst die einzelnen Blättchen und Blüten zum Trocknen aus. Nach zwei bis drei Wochen kannst du die Blättchen abrebeln und in Papiersäckchen, Glas- oder Keramikbehältern aufbewahren. Kunststoffoder Metallbehälter solltest du zur Aufbewahrung eher nicht nehmen, da sie den Geschmack beeinflussen können.

Gut gefüllte Vorratskammer

© Andrea Blum

Der Garten deckt uns im Spätsommer und Herbst den Tisch noch einmal reichlich mit allerlei Früchten, Kräutern und Gemüse. Die Weinreben hängen voller saftiger Trauben. Die Obstbäume biegen sich und haben an ihrer köstlichen Last schon schwer zu tragen. Äpfel, Birnen, Quitten, Zwetschgen oder Pflaumen versüßen uns im Herbst den Alltag, frisch genascht vom Baum oder auch in zahlreichen leckeren Gerichten verarbeitet. Wer kennt nicht den fruchtigen Zwetschgenröster oder das klassische Apfelmus, das einfach am besten zu einem flaumigen, noch warmen Kaiserschmarren schmeckt. Kürbis, Kohl und Kraut haben in dieser Jahreszeit Hochsaison. Wer den gesunden Inhalt des Gemüses auch für den Winter konservieren möchte, der macht sich am besten jetzt an die Vorratshaltung. Warum nicht einmal Sauerkraut selbst herstellen oder milchsauer eingelegtes Gemüse für die Jause auf Vorrat zubereiten? So bleiben uns die guten Vitalstoffe auch über die kalte Jahreszeit erhalten und versorgen uns mit allem, was wir brauchen.

Kornel-Oliven Eine heimische Alternative zu den herkömmlichen Oliven stellen die eingelegten Kornelkirschen dar. Vollreif geerntet werden sie in einem heißen Essig-Kräuter-Sud nach Wahl für rund zehn Minuten leicht gekocht. Direkt abfüllen und kühl und dunkel für mindestens zwei Monate ziehen lassen. Oder eine Woche ziehen lassen und dann in Öl einlegen. Mit unreif geernteten Kornelkirschen oder Schlehen kann gleich verfahren werden.

Sauerkraut selbst gemacht / 10 kg Kohl / 100 g Kümmel / 150 g Ursalz Mit einem Krauthobel die Kohlstücke hobeln, in einen hohen, weiten Topf schichten und mit einer Schicht Salz-Kümmel und anderen Gewürzen nach Belieben (Lorbeer, Wacholderbeeren, etc.) bedecken. Schicht für Schicht bevor das Kraut gestampft wird bis sich ein Saft bildet, der höher stehen sollte als das Kraut. Küchentuch, Holzbrett drauf und Stein drauf. In einem kühlen, dunklen Raum für vier Wochen lagern und dabei zwei bis drei Mal pro Woche den trüben Schaum abschöpfen oder ggf. mit Salzwasser übergießen. Fertig ist das Sauerkraut, das in Gläser abgefüllt werden kann.

Wilder Geschmack auf dem Teller

Auch in der Natur finden wir im Herbst zahlreiche Schätze, die schon seit Generationen die herbstliche Speisekarte bereichern und uns ganz besondere Köstlichkeiten versprechen. Die Hagebutten und Kornelkirschen leuchten rot in der Spätsommersonne, es gibt immer noch Brombeeren. Und auch die ersten Haselnüsse können geerntet oder das Holz als Rankhilfen genutzt werden. Vogelbeere, Schlehe sowie die Beeren von Weißdorn und Schneeball reifen heran und warten darauf, zu einer Delikatesse verarbeitet zu werden. Rosskastanien laden zum Sammeln und Verwenden als Waschmittel ein. Die Edelkastanien laden zum Verspeisen und genussvollen Abenden ein. Viele der genannten Wildobstgehölze sind übrigens klassische Heckenpflanzen, die früher für die Einfriedung von Siedlungen gepflanzt wurden. Sie bildeten den sogenannten „Hag“, der sowohl eine Schutzfunktion als auch den Zweck hatte, das Vieh und die Bevölkerung zu versorgen. Auch vor bösen Geistern soll der Hag geschützt haben. Noch heute ist der Weißdorn eine der wichtigsten Heckenpflanzen in Irland, er zählt zu den heiligsten Bäumen der Kelten und wurde als Wohnstatt der Feen angesehen. >>

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© Andrea Blum

Mittendrin in V

Fast alle diese Früchte haben eines gemeinsam. Sie versorgen uns mit einer unglaublichen Fülle an Vitalstoffen, allen voran mit dem immunstärkenden Vitamin C, das uns hilft, die kalte Jahreszeit gesund zu überstehen. Sowohl Hagebutten als auch Weißdorn stärken das Herz, die gekochten Holunderbeeren unterstützen das gesamte Immunsystem und sind ein hervorragendes Stärkungsmittel bei grippalen Infekten. Ob man nun die goldenen Herbsttage nutzt, um die Früchte aus dem eigenen Garten zu ernten oder auf den Streifzügen durch die Natur die wilden Kostbarkeiten sammelt, es ist die beste Zeit, um dankbar und achtsam die Fülle der Natur zu genießen.

Holundermarmelade / 1 kg Holunderrispen / 1 kg Gelierzucker 1:1 / 3 El Wasser / 1 Zitrone Die Holderbeeren in einem großen Topf mit Wasser, Zitronensaft und -abrieb weichkochen, passieren und anschließend mit Gelierzucker aufkochen und fünf bis zehn Minuten köcheln lassen. In Gläschen abfüllen und kurz auf den Kopf stellen.

Wer die Überfülle in seinem Garten gerne teilen möchte, kann sich mit den Obst- und Gartenbauvereinen in der Umgebung abstimmen. Die ehrenamtliche Initiative „Obstbörse“ von Obst- und Gartenbaukultur Vorarlberg koordiniert gerne Angebot und Nachfrage, damit das wertvolle Obst nicht liegen bleibt und am Boden verfault. Nähere Informationen unter www.ogv.at. Auch Wildobst, das an Wald- und Wegesrändern wächst, darfst du ganz problemlos sammeln. Auf www.mundraub.org findest du alle regionalen Sammelplätze dafür. Bitte eines dabei nicht vergessen: Auch die Vögel und Wildtiere sind auf das Wildobst angewiesen. Deshalb immer auch etwas stehen lassen.

Auf den richtigen Zeitpunkt der Ernte kommt es an. Schlehen genauso wie Mispeln oder die leuchtend roten Früchte des Schneeballs sollten unbedingt den ersten Frost abbekommen, damit sie für uns zum unbedenklichen kulinarischen Genuss werden. Die Beeren des Weißdorns und des Holunders werden üblicherweise vor dem Frost geerntet und können entweder pur oder mit Obst gemischt zu Marmelade, Mus oder Likör verarbeitet werden.

Wildobst-Likör

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© Bruno Germany auf Pixabay

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Obstbörse und Mundraub

Der Likör lässt sich mit Wildobst-Arten wie Schlehe, Kornelkirschen oder Weißdorn herstellen / 200 g Wildobst / 1 Vanilleschote / 150 g Kandiszucker / 0,75 l Edelbrand Das Wildobst mit Kandiszucker, einer aufgeschnittenen Vanilleschote und dem Alkohol in ein verschließbares Glas geben und acht Wochen an einem kühlen Ort durchziehen lassen. Dabei einmal pro Woche durchschütteln. Abgeseiht kann der Likör in Flaschen gelagert werden. Tipp: Aus dem abgeseihten Wildobst lässt sich noch eine leckere Marmelade herstellen. 2

vgl. Franziska Polsterer, Wien


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Sudoku

Bildungshaus Batschuns Ort der Begegnung

Unsere Heimat – unsere Berge Interessenskollisionen in den Alpen Mi 29. Sept. 19.30 – 21.30 h Dr. Andreas Schmidt, Vorsitzender Alpenverein Mag. Franz Ströhle, Erich Zucalli, Alpenschutzverein — Grundkurs für Schauspieler*innen Ein Seminar für Einsteiger und erst Eingestiegene Fr 1. Okt. 18.00 h – So 3. Okt. 12.00 h Thomas Gassner, Schauspieler, Regisseur, Innsbruck — Große Gefühle – Über Freude, Zorn und Traurigkeit von Kindern Fr 15. Okt. 19.30 – 22.00 h Dr. Jan-Uwe Rogge, Bargteheide | D — Schmau dich fit! | Vom WAS zum WIE des Essens Sa 30. Okt. 9.00 – 17.00 h Christoph Simma, Schmauen ® - Coach nach JürgenSchilling-Schmauen ® Methode, Rankweil

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„ALLE HABEN ANGST“ Der Afghane Assadullah Ahmadzai, 22, ist seit über sechs Jahren auf der Flucht. Seit 2018 verfolgt die marie seinen Werdegang. Trotz seiner Abschiebung aus Österreich im Sommer 2019 hat er es rund ein Jahr später erneut nach Europa geschafft. Die aktuellen Entwicklungen in Afghanistan beobachtet er mit Schrecken. Text: Simone-Fürnschuß-Hofer, Foto: Frank Andres

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ur Erinnerung: Als Jugendlicher – und Analphabet – schaffte es Assadullah Ahmadzai im Frühjahr 2016 nach Vorarlberg. Geflohen war er vor den Taliban, die um sein Leben trachteten, nachdem er sich ihrer Armee nicht anschließen wollte. Seine Schwester starb bei einem Bombenangriff, der Rest seiner Familie lebt bis heute in Dschalalabad. Assadullah lernte Deutsch in Wort und Schrift, absolvierte die erste Klasse Berufsschule, fand eine Lehrstelle und wurde Mitglied der Jungen Bühne Hard. Ein Musterbeispiel für gelungene Integration, würde man meinen. Doch im Mai 2018 erreicht ihn der zweite negative Asylbescheid. Obwohl sein engagierter Vorarlberger Freundeskreis alle Hebel in Bewegung setzt, um eine Abschiebung zu verhindern, wird der junge Afghane in die ehemalige Heimat ausgeflogen. Weil ihn die Taliban erneut bedrohen und seine Anwesenheit die Familie in Lebensgefahr bringt und weil Rückkehrer aus Europa in seiner Heimat gesellschaftlich geächtet werden, versteckt er sich und versucht erneut zu fliehen. Nach mehreren erfolglosen Anläufen, willkürlichen Inhaftierungen und Gewalterfahrungen an Leib und Seele schafft er es im Herbst 2019 bis in die Türkei. Erst ein Jahr später gelingt ihm in einem weiteren Kraftakt die Flucht bis nach Mitteleuropa. An seinem aktuellen Aufenthaltsort, den er geheim halten möchte, versucht er sich, wie er sagt „auf eigene Beine zu stellen“. Indem er arbeitet, wieder eine neue Sprache lernt und alles daransetzt, in diesem Land einen positiven Asylbescheid zu bekommen. Jetzt nach Afghanistan abgeschoben zu werden, würde Assadullah zufolge seinen sicheren Tod bedeuten. Wir konnten anlässlich der aktuellen Ereignisse ein kurzes Telefonat mit ihm führen. „Ich bin bereits vor zwei Jahren, nach meiner Abschiebung, dreimal nur mit Glück und Gottes Segen bei Bombenanschlägen nicht getötet worden. Damals haben die Taliban die Anschläge

„Alles, was sich dieses Land 20 Jahre lang aufgebaut hat, ist innerhalb von zwei Tagen zerstört worden.“

verübt, jetzt heißt es, ist es der IS. Und auf Fotos sieht man Taliban und Amerikaner in freundschaftlicher Pose. Was kann man noch glauben?“ Assadullah ist verunsicherter denn je. Er weiß nicht mehr, wem und welchen Informationen er noch trauen kann. Selbst unsere Anrufe aus der Redaktion beantwortet er nur zögerlich, da er befürchtet, es könnte jemand sein, der ihm Böses will. Als ihm die Mutter vor wenigen Wochen gesagt hatte, dass sie große Angst hätten, weil die Taliban bereits drei Provinzen belagerten, habe Assadullah sie noch beruhigt. Am darauffolgenden Morgen konnte er kaum glauben, was er über Facebook erfuhr: dass die Taliban auch die Stadt, in der seine Familie wohnt, eingenommen hatten. „Alles, was sich dieses Land 20 Jahre lang aufgebaut hat, ist innerhalb von zwei Tagen zerstört worden. Niemand weiß, wie es weitergehen wird. Alle haben Angst“, sagt Assadullah, der nach wie vor die leise Hoffnung und Sehnsucht in sich trägt, einmal zu seiner Familie zurückkehren zu können. Er ist sich allerdings sicher, dass, sobald die letzten Amerikaner evakuiert wurden, die Lage für die Bevölkerung unerträglich wird. „Keine Musik, keine Freiheit mehr. Niemand wird sich mehr die Haare schneiden oder sich rasieren dürfen. Die Taliban werden die privaten Häuser kontrollieren.“ Und die Frauen? „Die Frauen werden nicht mehr arbeiten dürfen. Es gibt sehr viele Frauen, die ihre Väter und Ehemänner verloren haben und jetzt für die Familie sorgen, indem sie einer Arbeit nachgehen. Wie soll es für sie weitergehen, wenn sie das nicht mehr dürfen?“ Nein, niemand glaube an eine Besserung der politischen Situation und Lebensumstände durch die Taliban, niemand sei mit den aktuellen Entwicklungen einverstanden. Assadullah: „Ich habe ja mit eigenen Augen gesehen, wie es dort zugeht, und jetzt ist alles noch viel schlimmer.“


#63 | September 2021

Von Daniel Mutschlechner, probelokal.com

Freshe Früchtchen Zitronen-Sorbet auf mariniertem Obst

Zutaten: Viel frisches Obst! Wer an diesen spätsommerlichen Tagen mit offenen Augen durch das Land zieht, wird nicht nur die unfassbare Fülle an Kindertrampolinen in den Gärten entdecken. Sondern auch jede Menge reifer Äpfel, Pfirsiche oder Beeren. Ein Kilogramm brauchen Sie für dieses Rezept.

Die Kinder haben mir in den Ferien Nachhilfe in Sachen Jugendsprache gegeben. „Fresh“ ist demnach das neue „cool“. Das finde ich durchaus erfrischend. Und dank meiner Tochter weiß ich nun auch, was es heißt, wenn etwas so richtig „bockt“ oder „stabil“ ist. Nämlich alles andere als „lost“. Ich muss aber aufpassen, diese Vokabeln nicht in meinen Wortschatz aufzunehmen, denn aus dem Munde eines Erwachsenen klänge das einfach nur „crincy“. Und diese neue Art des Fremdschämens will der Papa der jungen Dame keinesfalls antun. Er ist ja sonst schon oft genug ein „Alman“, wie Spießer mittlerweile genannt werden. Allein schon, wenn er wieder Obst schneidet und den gesunden Snack als kulinarischen Höhepunkt anpreist. Doch dieses Rezept holt wirklich die feinsten Aromen aus den freshen Früchten. Und wenn ich der jungen Veggie-Dame dann auch noch eine Kugel Zitronen-Sorbet obenauf setze, dann lässt es sich mit einem Alman-Papa durchaus komfortabel leben.

Zutaten für die Marinade:

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• 2 Limetten • 1 Orange • 50 g Honig • 1 TL Vanillezucker • 1 Sternanis und 1 Nelke

Zutaten für das Sorbet: • 3-4 Zitronen (Sie brauchen die abgeriebene Schale sowie 150 ml Saft) • 150 g Kristallzucker • 350 ml Wasser

Zubereitung: Für das Sorbet die Zitronenschalen fein abreiben und Zesten mit Zitronensaft, Zucker und Wasser leicht erwärmen, bis sich der Zucker auflöst. Auskühlen lassen, drei Stunden im Kühlschrank ziehen lassen und in der Eismaschine gefrieren (oder in einer flachen Schale im Tiefkühler unter gelegentlichem Umrühren gefrieren lassen). Für die Marinade Limetten- und Orangenschalen abreiben und Früchte auspressen. Schale und Saft mit den anderen Zutaten erhitzen und leise köcheln lassen, dann auskühlen und ziehen lassen. Obst waschen und klein schneiden, die Marinade darüber sieben, gut verrühren. Gemeinsam mit dem Sorbet anrichten.

Musiktipp: Diesen Sommer habe ich die Musik der New Yorker Indie-Pop-Band „Bleachers“ entdeckt. Auf ihrem aktuellen Album „Take the Sadness Out of Saturday Night“ stecken herrlich-melancholische Lieder. Beim mitreißenden Titel „Stop Making This Hurt“ kann es jedoch plötzlich passieren, dass man mit dem Obstmesser durch die Wohnung tänzelt – bitte gut aufpassen! Weitere Rezeptgeschichten und Musiktipps finden Sie auf www.probelokal.com.


Gsi

„ Ich bin zwar nicht getauft, dafür aber geimpft“ Ein neues Schuljahr beginnt. Aber die allerwenigsten ehemaligen ABC-Schützen haben ihre Schulaufsätze aus der Kindheit aufbewahrt. Schade. Denn fast jeder von uns hat früher die eine oder andere Stilblüte fabriziert. Einige Hoppalas, die jedem und jeder passieren hätten können. Text: Gerhard Thoma, Fotos: Archiv

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Als ich heute Morgen aufstehen wollte, war ich noch nicht wach. Deshalb habe ich verschlafen. Alle Fische legen Eier, die russischen sogar Kaviar. Bei uns dürfen Männer nur eine Frau heiraten. Das nennt man Monotonie. Das Fernsehen ermöglicht uns frühzeitige körperliche und geistige Schäden. Von der Seele wollen wir gar nicht erst anfangen. Das Gebäude brannte bis auf den Dachstuhl nieder. Der Papst lebt im Vakuum. Meine Schwester ist sehr krank. Sie nimmt jeden Tag eine Pille. Aber sie tut das heimlich, damit sich meine Eltern keine Sorgen machen. Als wir über die Wiese gingen, galoppierte plötzlich ein Stier auf uns zu und wollte uns auf die Hörner nehmen. Wir rannten schreiend weg. Nur unsere Lehrerin blieb stehen. Der Stier sah sie an und ergriff die Flucht. Gartenzwerge haben rote Mützen, damit sie beim Rasenmähen nicht überfahren werden. Meine Eltern kaufen nur das graue Klopapier, weil das schon mal benutzt wurde und gut für die Umwelt ist. Eigentlich ist adoptieren besser. Da können sich die Eltern ihre Kinder aussuchen und müssen nicht nehmen, was sie bekommen. Adam und Eva lebten in Paris. Bei uns hat jeder sein eigenes Zimmer. Nur Papi nicht, der muss immer bei Mami schlafen. Unter der Woche wohnt Gott im Himmel. Nur Sonntag kommt er in die Kirche. Kühe dürfen nicht schnell laufen, damit sie ihre Milch nicht verschütten. Die Alm liegt hoch im Gebirge. Dort ist der Senner und die Sennerin. Im Frühjahr wird aufgetrieben, im Herbst abgetrieben. Die Nordhalbkugel dreht sich entgegengesetzt zur Südhalbkugel. Regenwürmer können nicht beißen, weil sie vorne und hinten nur Schwanz haben. Die Fischstäbchen sind schon lange tot. Die können nicht mehr schwimmen.

Ich bin zwar nicht getauft, dafür aber geimpft. Nachdem die Menschen aufgehört haben, Affen zu sein, wurden sie Ägypter. Der Zug hielt mit kreischenden Bremsen und die Fahrgäste entleerten sich auf den Bahnsteig. Im Frühjahr legen die Hühner Eier und die Bauern Kartoffeln. Vom Onkel wurde das Schwein in die Scheune gebracht und dort kurzerhand mit dem Großvater geschlachtet. Als unser Hund nachts zu bellen anfing, ging meine Mutter hinaus und stillte ihn. Die Nachbarn hätten sich sonst aufgeregt. Vor 14 Tagen gab es in der Wirtschaft meiner Tante eine Schlägerei wegen einer Kellnerin, die sich auf der Straße fortpflanzte. Meine Tante hatte so starke Gelenkschmerzen, dass sie die Arme kaum über den Kopf heben konnte. Mit den Beinen ging es ihr ebenso. Vorigen Sonntag kam mein Vater sehr spät nach Haus. Er hatte sich im Stadtpark vergangen. Die Erde dreht sich 365 Tage lang jedes Jahr. Alle vier Jahre braucht sie dazu einen Tag länger, und das ausgerechnet immer im Februar. Warum weiß ich nicht. Vielleicht weil es im Februar immer so kalt ist und es deswegen ein bisschen schwerer geht. Eines der nützlichsten Tiere ist das Schwein. Von ihm kann man alles verwenden, das Fleisch von vorn bis hinten, die Haut für Leder, die Borsten für Bürsten und den Namen als Schimpfwort. Wenn zwei Verliebte sich zum ersten mal küssen, kippen sie gleich um und stehen mindestens eine Stunde lang nicht mehr auf. Unkosten verursachen unsere Polizeihunde nicht, denn sie ernähren sich von Verbrechern. Was werden eigentlich Männer im Himmel, wenn die Engel alle Frauen sind? Beim Roten Kreuz widmen sich Männer und Frauen der Liebe. Manche tun es umsonst, andere bekommen es bezahlt. Beim Schwitzen wird die Haut undicht und das Wasser sickert raus. Ich bin am 27. Juli geboren. Komisch, genau an meinem Geburtstag.


#63 | September 2021

Wenn ein Mann und eine Frau sich verlieben, lügen sie sich zuerst ein bisschen an, damit sie sich auch füreinander interessieren. Morgens kuschle ich immer mit Mama, da mag ich keine anderen Männer in ihrem Bett. Wenn ich erst mal aus dem Kindergarten raus bin, suche ich mir eine Frau und heirate. Die Liebe findet einen immer, egal wie gut man sich versteckt. Schwanger werden ist einfach, dafür nimmt die Mama so einen Papierstreifen und pinkelt drauf. Das ist alles. Wenn eine Frau ein Baby bekommt, wird sie Gebärmutter. Mein kleiner Bruder ist schon abgestillt, jetzt muss er noch abgeflascht werden. Meine Mama hat ein Baby im Bauch, aber ich weiß nicht wie sie das runtergeschluckt hat. Mineralwasser ohne Kohlensäure mag ich nicht, das ist mir zu flüssig. Wenn Frauen zu viel Männersamen abbekommen, wachsen ihnen kleine Bärte. Am nächsten Tag wollten wir in die Berge fahren. Wir hatten großes Glück. An diesem Morgen ging die Sonne schon in aller Frühe auf. An heißen Sommertagen gehen viele Menschen in den Wald, weil es dort kühl ist. Das tun auch viele Pflanzen, weil sie Schatten brauchen. 1896 entdeckte ein Franzose in Athen die alten Olympischen Spiele. Wenn die toten Gladiatoren in die Arena zogen, brüllten sie dem Herrscher zu: „Affe Cäsar!“ Im Mittelalter sind die Leute sehr jung gestorben. Heute weiß man: Wer früher stirbt, ist länger tot. Die Ritter waren oft weg auf Kreuzzügen, und die Burgfräuleins standen vor den leeren Burgen und warteten auf ausgezogene Männer. Auch ein Schiedsrichter kann nicht alles sehen. Er hat auch nur zwei Paar Augen. Der Hauptgrund für die vielen Scheidungen sind die vielen Heiraten. Die Eltern sollten dafür sorgen, dass sie das Kind richtig führen. Das nennt man Führsorge. Wenn mein Vater heimkommt, warte ich oft auf ihn und stehe Spalier.

Als meine Schwester noch mal was von ihrem Nachtisch nehmen wollte, hat ihr Freund zu ihr gesagt, sie solle jetzt aufhören, er schlafe nicht gern auf vollem Magen. Wenn ein Einbrecher in unsere Wohnung kommen sollte, halte ich mich ganz ruhig und bin ganz still und schreie nach meinen Eltern. Wir gingen in die Oper. Auch Vater hatte sein bestes Abendkleid an. Für die Wanderung nahmen wir als Verpflegung Brot, Streichwurst, Limonade und unseren Bello mit. Wir sahen lange einem Angler zu. Er hatte einen Köter ins Wasser geworfen, aber niemand biss an. Man nannte Ludwig XIV. Sonnenkönig, weil er ein so strahlendes Lächeln hatte. Alle diejenigen, die Hunde halten, müssen mit einem Halsband versehen sein. Neben meinem Schreibtisch hat ein Stuhl Platz genommen. Mein älterer Bruder musste zum Militär, denn er ist gewehrpflichtig. Meinem Großvater müssen wir öfters ein Extrasüppchen rösten. Meine Oma hat Pillen, die muss sie immer eine Stunde vorher nehmen, bevor die Schmerzen anfangen. Wir haben in der ganzen Verwandtschaft keinen Hund. Der Landwirtschaftsminister ließ die Bauern zusammenkommen, denn die Schweine fraßen zu viel. Meinem Vater gelingt es, alle Schwierigkeiten, die sich mir bieten, zu überwältigen. Wenn man einen Roman liest, merkt man leicht, dass es uns genau so gut nicht so gut gehen könnte, wie es uns geht, wenn es uns schlechter ginge. Butter wird aus Kühen gemacht, sonst heißt sie Margarine. In den südlichen Ländern gibt es viele Straßenhändler, die ihr Geschäft draußen verrichten.

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Veranstaltungskalender

07.09.

VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at

02. - 05.09.

INATURA – KRÄUTERGARTENTREFF

„Queen Special“, Konzert

Den Kräutergarten im Laufe der Jahreszeiten erleben.

09.09.

Do., 20 Uhr, Metrokino, Bregenz

ANTHROPOCENE: THE HUMAN EPOCH

Die Epoche des Menschen, Kinofilm

25. BLUDENZER KLOSTERMARKT

Do., 17:00 Theater am Saumarkt, Feldkirch

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Sa., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard

Do., Bludenz, Altstadt

Donnerstagabend, 2. September um 19 Uhr: Start Gottesdienst im Franziskanerkloster, offizielle Eröffnung ist am Freitag, den 3. September um 10 Uhr feierlich eröffnet. Der Markt erstreckt sich über die gesamte Altstadt.

02.09.

09.09.

REISEZIEL MUSEUM „GEBOREN SIND WIR ALLE“ 2021

05.09.

So., 10 bis 17 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems

REISEZIEL MUSEUM – AUF CLARA'S SPUREN

Durchgehend Familienprogramm

07.09.

Di., 16 bis 19.30 Uhr, inatura, Dornbirn

EXPEDITION DURCH DEN SUPERMARKT Exkursion Wo unsere Lebensmittel herkommen und unter welchen Bedingungen sie erzeugt werden.

PROJEKTSCHMIEDE

Hier bekommen Initiativen und Ideen neuen Aufschwung.

15.09.

Mi., 20 Uhr, Metrokino, Bregenz

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

Do., 19 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz

10.09.

Veranstaltungen zum Thema Finanzbildung. Start der Vortragsreihe, Workshop, Vorlesen.

05.09.

15.09.

Mi., 18 bis 21 Uhr, Bludenz, Fabrik Klarenbrunn

GERALD KNAUS – WELCHE GRENZEN BRAUCHEN WIR?

So., 10 bis 16 Uhr, Frauenmuseum, Hittisau

Kinofilm

Puppentheater Stäckschneck „Der kleine Häwelmann“

Fr., 19 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn

THE SOULJACKERS

LUAGA & LOSNA THEATERFESTIVAL 2021

Do., 19 bis 21 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn

Vortrag, Diskussion

11.09.

Di., 17 bis 19 Uhr, inatura, Dornbirn

LET´S TALK MONEY

10.09.

Fr., 19 Uhr, Stadtbibliothek, Dornbirn

DINGE NEU DENKEN

Start der Vortragsreihe über neue Perspektiven

10.10.

bis So., Kunsthaus, Bregenz

ANRI SALA

Sommerausstellung

11.09.

Sa., 15 Uhr, Vorarlberger Landestheater, auswärts Kornmarktplatz, Bregenz

YOUNG ART GENERATION 2021

Performance

11.09.

Sa., 15 bis 17 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems

FLUCHTWEGE – AN DER GRENZE. FLUCHT IN DIE SCHWEIZ 1938-1945 Öffentliche Führung – Ein Spaziergang an die Grenze

16.09.

YUCA

Ausstellung Lorenz Helfer

16.09.

Do., 20 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz

LOHN DER NACHT

Theaterpremiere, Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen

16.09.-21.10.

Do., ab 08.45 Uhr, Domino´s Hus am Kirchplatz, Frastanz

ICH IN MEINEM KÖRPER

Zweiteiliger Bewegungskurs für Frauen mit Physiotherapeutin Isolde Vonach für Beckenboden, Wirbelsäule und allgemeines Wohlbefinden.

16.09.

Do., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard

SPINNEREI SLAM

17.09.

Fr., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard

PRINZ GRIZZLEY

Countrymusik mit Blues, Folk und Americana


#63 | September 2021

18.09.

Sa., 15 bis 16 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems

DIE LETZTEN EUROPÄER

Öffentliche Führung durch die aktuelle Ausstellung

21.09.

Di., 19.30 Theater am Saumarkt, Feldkirch

DAS VIRUS UND DAS DIGITALE. CORONA UND DAS ENDE DER DEMOKRATIE

Vortrag mit Roberto Simanowski

21.09.

Di., 18 bis 21 Uhr, Bludenz, Remise

GRENZGÄNGER

Kabarett und Konzert mit Bandi Koeck und Thomas Rauch

21.09.

Di., 19 bis 20 Uhr, inatura, Dornbirn

IMMUNSYSTEM AUS SICHT DER TCM

Vortrag und Tipps zur Stärkung und Unterstützung ihres Immunsystems mit Dr. Marc Sohm.

22.09.

Mi., 18.30 Uhr, Rathaus, 3. OG Bludenz

SMARTPHONES, TABLETS & CO.

Familie im Gespräch Anmeldung direkt telefonisch in der Bildungsabteilung (+435552/63621-434) oder per Mail: familie@bludenz.at

23.09. 24.09.

Do., 19 Uhr und Fr., 20 Uhr Pförtnerhaus, Feldkirch

BEFLÜGELTE WORTE

Von der freien Rede im Madrigal

23.09.

Do., 20:30 Uhr, Spielboden, Dornbirn

KREISKY

Konzert

23.09.

Do., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard

LISA FITZ: DAUERBRENNER

Österreichpremiere des Kabaretts

24.09.

Fr., 20:30 Uhr, Spielboden, Dornbirn

VIDEO-PLAYLIST: JAZZ&: ONQ FESTIVAL

Musik

24.09.

Fr., 19:30 Theater am Saumarkt

BRAINFISCH

Konzert

25.09.

Sa., 15 Uhr, Remise, Bludenz

KINDERWELTEN

Kinderkonzert „Der gestiefelte Kater“

25.09.

Sa., 20:30 Uhr, Spielboden, Dornbirn

HEARTS HEARTS

Konzert

25.09.

Sa., 10 bis 14 Uhr, inatura, Dornbirn

PILZEXKURSION UND PILZKUNDE FÜR FORTGESCHRITTENE

Pilzexkursion für Fortgeschrittene mit Pilzexperten Friedrich Matzer.

25.09.

Sa., 20.30 Uhr, Kammgarn, Hard

KRAUTHOBEL

Konzert im Montafoner Dialekt

26.09.

So., 19 Uhr, Conrad Sohm, Dornbirn

DUB FX

Konzert

26.09.

So., 10 bis 18 Uhr, Frauenmuseum, Hittisau

SCHREIBWERKSTATT

Mit Eva Maria Dörn

26.09.

So., 15 Uhr, Kammgarn, Hard

EIN DRACHE ZUM VERLIEBEN

Theater-Moment – Zack Prack! Für Kinder

28.09.

Di., 19 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch

DANTE ALIGHIERI VORARLBERG

Pflege und Verbreitung der italienischen Sprache und Kultur

29.09.

Mi., 11 Uhr, Vorarlberger Landestheater (Klassenzimmer), Bregenz

WILD!

Evan Placey (Theater-Premiere)

29.09.

Mi., 20 Uhr, Metrokino, Bregenz

TASTE THE WASTE

Kinofilm

30.09.

Do., 19:30 Uhr, Spielboden, Dornbirn

NEUE SPIELRÄUME – KORRUPTION IN ÖSTERREICH

Gespräch mit Hubert Sickinger. Potentiale

30.09.

Do., 20 Uhr, Altes Kino, Rankweil

BERNI WAGNER „BABYLON!“

Kabarett

ACHTUNG: IMMER NOCH EINSCHRÄNKUNGEN BEI VERANSTALTUNGEN

Die Beschränkungen aufgrund von COVID-19 werden weniger und bieten inzwischen einen gewissen Spielraum für Kulturveranstalter. Sie sind bemüht, die jeweiligen Veranstaltungskalender auf den betreffenden Homepages aktuell zu halten. Interessenten werden dennoch gebeten, auf der jeweiligen Website der Veranstalter zu überprüfen, ob die Konzerte, Lesungen etc. tatsächlich stattfinden.

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Bukahara Die 3 Friseure Kurzfristig Mona Ida Philipp Lingg Band Ausstellung Dialog DJs Kulinarik Theater täglich ab 16 Uhr Eintritt frei

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Das Haus für Arbeitskultur Widnau 10, Feldkirch schaffarei.at

Ein Projekt der Arbeiterkammer Vorarlberg

Eröffnung 9. – 11.9.21