Chornachrichten Heft 1/2022

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„Banner der Zeit“ Die Geschichte des Metronoms

Fast ein Volkslied Das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms

1 - 2022 70. Jahrgang


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E D I TOR I AL

Liebe Leserinnen und Leser, nachdem es nach nunmehr zwei Jahren zu ersten Lockerungen bei den Einschränkungen in vielen Lebensbereichen durch die Corona-Pandemie gekommen ist, hat auch der Sinfonische Chor im Hinblick darauf am 8. März 2022 seine regelmäßige Probentätigkeit mit etwas mehr als der Hälfte seiner Chormitglieder wieder aufgenommen. Das Oratorium „Die letzten Dinge“ von Louis Spohr, dessen Aufführung ursprünglich für den Herbst 2020 geplant war, soll nun am 13. November 2022 in der Gebhardskirche in bewährter Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Philharmonie erklingen. Birgit Westphal

Das erste Heft der Chornachrichten, das 2022 bereits im 70. Jahrgang erscheint und erneut eine neue farbliche Auffrischung erhalten hat, hält wieder viele verschiedene Artikel zum Lesen bereit. Neben einem kleinen Ratespiel zum Komponisten des Oratoriums „Die letzten Dinge“, Louis Spohr, bringt Gisela Auchter in ihrem zweiten Beitrag „Banner der Zeit“ die Geschichte des Metronoms näher. Anlässlich des 125. Todestags von Johannes Brahms steht in einem weiteren Artikel das fast jedem aus seiner Kindheit bekannte Wiegenlied „Guten Abend, gut‘ Nacht“ im Mittelpunkt der Betrachtung. Und in dem darauffolgenden Beitrag wird dargestellt, dass die „Natur“ in all ihren Ausprägungen in der klassischen Musik umfassend Eingang gefunden hat. Abgerundet wird dieses Heft durch Neuigkeiten von unserem ungarischen Partnerchor Szt. István aus Budapest sowie, angeregt durch einen Artikel im SÜDKURIER, mit einem Beitrag über das Wiederauffinden eines „Stücks Kulturgeschichte“. Die Redaktion der Chornachrichten wünscht Ihnen schöne Frühlingstage und vor allem wieder viel Freude beim Lesen. Bleiben Sie weiterhin gesund oder werden es wieder!

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Aus dem Inhalt 1

Editorial

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»Banner der Zeit« Die Geschichte des Metronoms

Fast ein Volkslied Das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms

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Von Jahreszeiten, Naturgewalten und der Artenvielfalt Die „Natur“ in der klassischen Musik

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Impressum

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Letzte Seite

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Wussten Sie … Louis Spohr – ein kleines Ratespiel

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Neuigkeiten vom Partnerchor Szt. István, Budapest Auszeichnungen für László Féher und Virágh András Gábor

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Die Puppen verlassen den Schrank Vergessenes Lager in der Theodor-Heuss-Schule

Titelbild: Der Stern für Johannes Brahms auf dem „Walk of Fame“, der Musikmeile der Klassischen Musik in Wien (führt vom Theater an der Wien bis zum Stephansplatz) (Quelle: Google images)

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BA N N E R D E R Z E I T

„Banner der Zeit“

Quelle: wikipedia.org

Die Geschichte des Metronoms

Das Metronom von Johann Nepomuk Mälzel, Paris 1815. Wien, Kunsthistorisches Museum Von Gisela Auchter

Mit einiger Sicherheit wären zu allen Zeiten ganze Heerscharen von Musikschülern und -schülerinnen vor diesem kleinen Monster am liebsten davongelaufen, um sich dem Zwang zur Genauigkeit zu entziehen. Aber auch ausgewiesene Profimusiker haben sich schon vor 200 Jahren die Zähne an ihm ausgebissen und drohten zu verzweifeln. Wir sprechen von einem kleinen hölzernen Gerät von kaum mehr als 20 cm Höhe, dem Metronom – einem „Banner der Zeit“.1 Dabei bietet es nichts weiter als eine verlässliche Möglichkeit, mit seiner Hilfe eine möglichst eindeutige Tempobestimmung bei der Wiedergabe eines Musikstücks zu erzielen. Im Lexikon wird es beschrieben als „ein Gerät, das die Anzahl der Schläge in der Minute bestimmt. Es hat ein von einem Uhrwerk bewegtes Pendel mit einem auf einer Skala verschiebbaren Gewicht…“2 Der

Metronom-Körper, in den das mechanische System eingebaut ist, ist zudem ein idealer Resonanzraum. Ein Nachteil: Durch ihn wird das Geräusch, das beim Einrasten der Hemmung entsteht, verstärkt. Das wird oft als laut, störend und Nervosität hervorrufend von den Musizierenden empfunden. Auch ich selbst erinnere mich gut an dieses laute und lästige „Tik, Tak“, vor dem auch ich gerne davongelaufen wäre. Aber zum Einstudieren eines vorgegebenen Rhythmus‘ war und ist es hilfreich. Seit etwa 1820 wird in unzähligen Kompositionen von ihren Schöpfern das Zeitmaß überwiegend nach dem „Metronom Mälzel“ (1772–1838) angegeben. Jedoch schon einige Zeit davor gab es ernsthafte Versuche, die Tempobestimmung in den Griff zu bekommen. So wie zum Beispiel der französische Theologe und Musiktheoretiker Marin Mersenne (1588–1648) oder

Ausspruch Beethovens. In: Geck, Martin. Ludwig van Beethoven. Reinbeck b. Hamburg 1996. S. 91 2 Goodman, Alfred A.: Musik von A – Z. München 1971. S. 324

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BA N N E R D ER Z E IT

in Cambridge geborene Thomas Mace (um 1613–1709?) in seinem Hauptwerk zur englischen Musizierpraxis Musick’s Monument den Gebrauch eines Fadenpendels vor. Danach konnte man durch das Aufhängen einer Kugel oder eines anderen runden Gegenstands, vor eine Skala gehängt, das Spieltempo vorgeben (s. Abb.). Thomas Mace wird deshalb als eigentlicher Vater des Metronoms angesehen.3 Diese Technik, per Fadenpendel das Tempo zu bestimmen, führte natürlich zu weiteren Überlegungen und letztendlich zur Erfindung eines moderneren, handlicheren Taktmessers. Das Metronom schließlich, wie wir es heute kennen, wurde von Johann Nepomuk Mälzel 1815 entwickelt und ein Jahr später in Paris patentiert. Der begnadete, ideenreiche Erfinder, geschäftstüchtige Konstrukteur mechanischer Musikinstrumente, immerwährender Sucher nach seinem nächsten Coup, schließlich zum Kaiserlichen Hofkammermaschinisten in Wien aufgestiegen, wurde 1772 in Regensburg geboren und starb nach einem abenteuerlichen Leben 1838 in Venezuela. Er gilt als der eigentliche Erfinder des Metronoms, das den Musizierenden erstmals ermöglichte, wirklich den genauen Tempoangaben eines Komponisten folgen zu können und damit dessen Vorgaben gerecht zu werden. Das Fadenmetronom von Thomas Mace, um 1650 Quelle: MGG. 1989. Bd. 9

Joachim Quantz (1697–1773), Flötenlehrer Friedrichs des Großen. Beide favorisierten den menschlichen Herz- und Pulsschlag als mögliche Tempobestimmung, während der Schritt eines mittelgroßen Menschen eine Option aus noch früherer Zeit war. Zum anderen gab es auch zahlreiche Bemühungen für die Entwicklung technischer Konstruktionen. Um 1650 schlug dann der 4

Beethoven gehörte als einer der Ersten zu den Benutzern eines Mälzelschen Metronoms. Komponist und Erfinder kannten sich auch persönlich. Im Frühjahr 1812 soll Beethoven anlässlich eines geselligen Abschiedsessens, an dem auch Johann Nepomuk Mälzel teilgenommen hat, den Scherz-Kanon „Ta ta ta…“ komponiert haben. Das war zu einem Zeitpunkt, als Mälzel mit seiner Erfindung noch gar nicht an die Öffentlichkeit getreten war. 3

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Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Bd. 9. Sp. 234 ff.


BA N N E R D E R Z E I T

Quelle: MGG. 1989. Bd. 9

„Ta ta ta … lieber Mälzel, leben Sie wohl, sehr wohl! Banner der Zeit. Großer Metronom!“ – so lautet der vollständige Kanontext.4

Ein von Mälzel hergestelltes Hörrohr für Beethoven. Quelle: Geck, M.: Beethoven. Reinbek b. Hamburg 1996

Heute rätselt man allerdings darüber, ob dieser Abend überhaupt stattgefunden hat. Aber den Kanon gibt’s, und auch die von Mälzel für Beethoven gefertigten Hörrohre. Viel hat die Nachwelt darüber nachgedacht und gestritten, in welchem Tempo Beethoven seine Sinfonien gespielt haben wollte. Seine Interpreten und Dirigenten verzweifelten schier an den irrwitzig schnellen Tempoangaben des bereits fast Ertaubten. Sollte das Metronom falsch angezeigt haben? Sollte Beethoven es schlichtweg falsch abgelesen oder auch auf Grund seiner Erkrankung nicht wirklich gehört haben? Sollte er die Tempoangaben unter statt über dem Gewicht an der Zahlen-Skala abgelesen haben? Möglich wäre es gewesen. Das Gewicht an der Skala war damals ein Dreieck, dessen Spitze nach unten zeigte. Nachträglich ergänzte Beethoven alle damals bereits veröffentlichten Sinfonien mit Metronom-Werten, um seine eigene Idealvorstellung anzuzeigen. Auf dem Manuskript der Neunten Sinfonie jedenfalls hat er „108 oder 120 4 Geck: Beethoven. S. 91/92 5 Vgl. Strünkelnberg

Mälzel“ notiert. Das deutet zumindest auf eine Unsicherheit hin, wie man das Metronom abzulesen habe.5 Es ist gut vorstellbar, dass nicht gleich jeder sofort mit dieser Neuheit umgehen konnte. Das Metronom zur Zeit seiner Erfindung bedeutete für die musizierende Gesellschaft einen Umbruch in Richtung Fortschritt. Im heutigen digitalen Zeitalter genügt ein schlichtes Smartphone.

Das Metronom heute Quelle: Die Musik. 1000 Jahre illustrierte Musikgeschichte. München 1983, S. 103

Quellen: Geck, Martin: Ludwig van Beethoven. Reinbek b. Hamburg 1996 (rowohlts monographien 570) Goebels, Franzpeter: Das Metronom. In: Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Bd. 9. München 1989. Sp. 234 ff. https://br-klassic.de Mälzel Strünkelnberg, Thomas: Beethoven ausgebremst. In: SÜDKURIER vom 26.01.2021

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Quelle: Wikipedia „Louis Spohr“

W U S S TE N S IE …

(1784–1859)

Ein kleines Ratespiel Wussten Sie …

Zusammengestellt von Gisela Auchter

… dass Louis Spohr, als Sohn eines Arztes in Braunschweig geboren, seinen eigentlichen Vornamen Ludewig in Louis selbst umwandelte, … und dass sein musikalisches, geigerisches Talent früh vom Herzog von Braunschweig erkannt und nachhaltig gefördert wurde?

Quelle: Wikipedia „Louis Spohr“

… dass Louis Spohr als Violinvirtuose an Berühmtheit nur von Nicolo Paganini übertroffen wurde?

… dass Louis Spohr während seiner Wiener Jahre (1813– 1815) mit Beethoven befreundet war, dass er über diese merkwürdige Verbindung in seinen Lebenserinnerungen, erschienen ab 1860, berichtet hat und dass er Beethovens Werk eigentlich gar nicht zu schätzen wusste?

Quelle: Paul Fiebig (Hrsg.): Über Beethoven. 1993. S. 59

… dass Louis Spohr nicht nur ein herausragender Violinpädagoge war (man schätzt 187 Schüler), sondern genauso als hoch angesehener Dirigent in Deutschland und England gefeiert wurde und neben Mendelssohn Bartholdy dort als meist geschätzter deutscher Komponist galt?

… dass Louis Spohr trotz seiner Skepsis gegenüber der „Zukunftsmusik“ seiner Zeitgenossen Liszt und Wagner und anderen den „Fliegenden Holländer“ noch im Jahr seiner Uraufführung (1843) in Kassel aufführte und Wagner sich brieflich als dessen „bewunderungsvollen Schüler“ bedankte? 6

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Quelle: Wikipedia „Louis Spohr“

W U SSTE N SI E …

… dass Louis Spohr als einer der wichtigsten Chor- und Orchesterdirigenten seiner Zeit galt, dass er als Befürworter der in dieser Zeit Mode gewordenen bürgerlichen Musikfeste und Chorgründungen große Massen von Mitwirkenden zu Höchstleistungen führte und in diesem Zusammenhang auch seine großen Werke für Chor und Orchester entstanden, wie z. B. „Die letzten Dinge“?

Quelle: Wikipedia „Kassel“

… dass Louis Spohr durch die Empfehlung Karl Maria von Webers 1822 nach seiner lebhaften Reisetätigkeit durch Europa eine Lebensstellung als Hofkapellmeister in Kassel bekam und die Stadt unter ihm zu einem bedeutenden musikalischen Zentrum wurde, und dass durch ihn die Einführung von Abonnementskonzerten und die Gründung des „Cäcilienvereins“ erfolgten?

… dass Louis Spohr als Bindeglied zwischen der Wiener Klassik und der Romantik galt und Mozart sein absolutes und unerreichbares Vorbild war? Dass Spohr wegen seiner liberalen und republikanischen Ansichten öfter in Konflikt mit dem Hof in Kassel geriet?

Quelle: Wikipedia „Louis Spohr“

… dass Louis Spohr neben Felix Mendelssohn Bartoldy einer der ersten Dirigenten war, der das Orchester nicht vom Klavier aus, sondern vom Pult mit Taktstock leitete?

… dass Louis Spohr ein umfangreiches, vielseitiges Werk hinterlassen hat? Dass es zehn Sinfonien, zehn Opern, darunter die bekannteste „Faust“, acht Werke für Chor und Orchester wie das Oratorium „Die letzten Dinge“ umfasst, außerdem weltliche Kantaten und Männerchöre, eine Messe, zahlreiche Kammermusik und Solokonzerte für Geige und Klavier?

… dass die Annalen des Sinfonischen Chors bislang keine Eintragung über die Aufführung eines Spohr-Werkes aufzeigen? Und zwar seit 1854? Es wird also Zeit!

Literatur: Fiebig, Paul (Hrsg.): Über Beethoven. Von Musikern, Dichtern und Liebhabern. Eine Anthologie. Stuttgart 1993. S. 143 ff. Goebels, Franzpeter: Metronom. In: Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Bd. 9. München 1989. Sp. 234 ff. Die Musik. Menschen, Instrumente und Ereignisse in Bildern und Dokumenten. Stuttgart 1983. S. 107 Strünkelnberg, Thomas: Beethoven ausgebremst. In: SÜDKURIER vom 26.01.2021

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N E U I G KE I TE N VO M PARTN E RC H OR SZT. ISTVÁN, BUDAPEST

Neuigkeiten von unserem ungarischen Partnerchor Szt. István, Budapest Auszeichnungen für László Féher und Virágh András Gábor

Nach eher beunruhigenden Meldungen in den letzten Monaten im Zusammenhang mit dem Weiterbestehen unseres ungarischen Partnerchores Szt. István nach dem Ausscheiden von dessen langjährigen künstlerischen Leiter, László Féher, scheint der Chor nun seit März 2022 mit dem jungen Dirigenten Dávid Farkasházi einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. Darüber hinaus haben uns zwei weitere sehr erfreuliche Nachrichten erreicht:

Foto: privat

Überarbeitet von Birgit Westphal

Foto: privat

Ausgezeichnet wurde auch Komponist und Organist Virágh András Gábor, der schon einige Konzerte sowohl in Budapest als auch in Konstanz mit dem Sinfonischen Chor mitgestaltet hat. Ihm wurde von dem Liszt-Ferenc-Universitäts-Kuratorium die Medaille Bartók Béla – Pásztory Ditta Díjat verliehen.

László Féher erhielt für seine langjährige Tätigkeit Anfang des Jahres aus der Hand des Bürgermeisters Péter Szentgyörgyvölgyi den Preis „Pro Civibus“. Er wurde damit insbesondere für sein 60-jähriges kulturelles Engagement für Budapest und seine Tätigkeit in der Basilika St. Stephan ausgezeichnet. 8

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Beiden Geehrten gratuliert der Sinfonische Chor ganz herzlich zu diesen verdienten Auszeichnungen und wünscht ihnen weiterhin ein Leben voller Musik. Nicht zuletzt würden wir uns freuen, wenn es möglichst in naher Zukunft wieder zu einer so belebenden musikalischen Zusammenarbeit kommen würde, wie wir sie schon mehrmals erlebt haben, und hoffen daher, dass der eigentlich für diesen Sommer geplante Besuch unseres ungarischen Partnerchores baldmöglichst nachgeholt werden kann.


Foto: Silvia Thalemann

D I E P U P P E N VE R L ASSE N D E N SC H R A N K

Freuen sich über den Fund: der ehemalige Schüler Lothar Maier, Wolfgang Müller-Fehrenbach, der damals die Puppenstücke initiierte, Anahita Fischer und Frank Raddatz (v.l.n.r.)

Die Puppen verlassen den Schrank Vergessenes Lager in der Theodor-Heuss-Schule Überarbeitet von Birgit Westphal*

Das waren 1968 noch ganz andere Zeiten, als Schüler in der Aula der Theodor-HeussSchule anspruchsvolle Theaterstücke wie „Dr. Faustus“ mit Handpuppen aufgeführt haben und auch der SÜDKURIER durch Artikel über diese Theaterstücke in der Blütezeit der Handpuppen in den 70er-Jahren dem noch Aufmerksamkeit zollte. Die jährlich „vor vollem Haus“ im Bürgersaal und später in der Aula des sog. Petershauser Schulhauses aufgeführten Stücke hatten Schüler aus der 9. und 10. Klassenstufe mit ihrem Klassen- und Deutschlehrer Wolfgang Müller-Fehrenbach, der das Puppentheater damals ins Leben gerufen hatte, um die Begegnung mit klassischen Stoffen der Literatur lebendig werden zu lassen, einstudiert und auswendig gelernt. „Das ging nicht anders, sie mussten die Hände frei haben“, sagt Wolfgang Müller-Fehrenbach.

Er konnte damals einen Künstler für das Projekt begeistern – den Freien Bildhauer Hans Stingl, der dann im Rahmen eines Lehrauftrags für den Werkunterricht in der Theodor-Heuss-Schule eingestellt wurde und die Entwicklung und Produktion der Handpuppen leitete. Der damalige Schüler Lothar Maier erinnert sich, dass die Gesichter der Puppen zuerst in Ton modelliert wurden und diese Formen nach dem Brennen dann als Vorlagen für die aus Pappmaché geformten Gesichter dienten, welche nach dem Trocknen individuell angemalt wurden. Auch die Kleider der Puppen wurden unter der Leitung von Frau Miletzki (Textiles Gestalten) selbst hergestellt. Lothar Maier ging 1971 von der TheodorHeuss-Schule ab und fragte sich und seine Mitschüler während eines Klassentreffens, was wohl aus den Puppen geworden sei. Er

*Quelle: Artikel von Silvia Thalemann im SÜDKURIER vom 01.04.2022, Seite 21

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D I E P U P P E N VE RLAS S E N DE N S CHRANK

wandte sich mit dieser Frage dann an Wolfgang Müller-Fehrenbach, der wiederum Frank Raddatz, Rektor der Theodor-HeussSchule, anfragte – vor allem, da die Schule bald in eine Gesamtschule umgewandelt wird. Und siehe da: Nach einigen Recherchen fand Rektor Frank Raddatz einen ganzen Schrank, abgeschlossen im Flur des zweiten Stockwerks, mit 72 Handpuppen in perfektem Zustand nebst Requisiten für das Bühnenbild, Theatertexten und originalen Reststoffen. Anscheinend wurde der Schrank seit 1975 nicht mehr geöffnet.

Umso mehr freut sich Wolfgang Müller-Fehrenbach, dass er nun in Anahita Fischer, Schulleiterin der Grundschule in Dingelsdorf, eine interessierte Abnehmerin gefunden hat. Er kennt als ehemaliger Realschulrektor in der Geschwister-SchollSchule Anahita Fischer nicht nur seit Jahrzehnten aus den Rektorenkonferenzen, sondern auch als langjährige Chorfreundin aus dem Alt des Sinfonischen Chores, dessen Ehrenvorsitzender er ist, und hat sie daher aufgrund ihrer Kreativität und musikalischen Versiertheit als Grundschulrektorin angesprochen. „Ich habe die Puppen zurückgelassen und gehofft, dass sie jemand findet, ein Schulleiter, der das aktiviert“, sagt Wolfgang Müller-Fehrenbach, der Ende 1975 die Theodor-Heuss-Schule verlassen hat. Sein Gesamtwerk, bestehend aus vielen Elementen wie Bühnenbild, Beleuchtung, Musik, Kunst und Literatur wird daher sicherlich unter der zukünftigen Verantwortung von Anahita Fischer als „ein Stück Kulturgeschichte weitergeführt werden“.

Foto: Silvia Thalemann

„Die Puppen haben es unbeschadet überlebt“, freut sich Wolfgang Müller-Fehrenbach, zumal „das Puppenspiel eine der idealsten Möglichkeiten ist, den Schülern klassische Literatur, gekoppelt mit Musik, Sprachtechnik, Bewegung, Licht, Gestaltung u.v.m., nahezubringen, sie verstehen und auch schätzen zu lernen“. Leider spielt das Handpuppenspiel in der heutigen Zeit in den Schulen wohl nur noch eine untergeordnete Rolle, obwohl das Spiel mit Puppen, deren Kopf und Gliedmaßen mit einer Hand bewegt werden – in den Puppenkopf wird der Zeigefinger gesteckt, die Arme werden mit Daumen und kleinem Finger bewegt –,

in vielen nationalen Kulturen bekannt ist: z.B. als „Mister Punch“ in Großbritannien, als „Pulcinella“ in Italien und als „Kaspar“ in Deutschland.

Alle 72 Handpuppen, die in einem Schrank in der Theodor-Heuss-Schule seit 1975 aufbewahrt wurden

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FAST E I N VOL K SL I E D

Fast ein Volkslied Das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms Von Birgit Westphal

Quelle: Google images

„ Guten Abend, gut’ Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck’: Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt.“ Es wird in der heutigen Zeit wohl nur noch selten vorkommen, doch ist es wenigstens eine bleibende romantische Vorstellung, dass Kinder von ihren Müttern in den Schlaf gesungen werden. Auch wenn heutzutage als Einschlafhilfe für Kleinkinder meist die

digital-musikalische Version oder gar das Fernsehen gewählt wird, bleibt zumindest in den noch vorhandenen Spieluhren in den Kinderzimmern ein Hauch von Nostalgie erhalten. Eine kleine musikalische Ikone – von einem der großen Komponisten der abendländischen Musik kunstvoll eingerahmt – erinnert an diese „gute alte Zeit“: das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms (1833–1897), dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 125. Mal jährt. Es ist eigentlich vieles zugleich: ein altes Kinder- und Volkslied, aber auch ein Kunstlied der Romantik, das von Brahms in

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FAS T E I N VOLK S LIE D

eine klassische Fassung für Singstimme mit Klavierbegleitung gebracht wurde, ebenso wie ein Gedicht deutschsprachiger Volkspoesie. Das „Wiegenlied“, im englischsprachigen Raum auch als „Brahm’s Lullaby“ bekannt, gehört auch heute noch zu den bekanntesten Schlafliedern. Diese erste Strophe des Liedes mit spätmittelalterlichen Wurzeln erschien in ihrer heute bekannten Form erstmals 1808 unter dem Titel „Gute Nacht, mein Kind!“ im dritten Band der von Achim von Arnim und Clemens Brentano herausgegebenen Sammlung poetischer Fundstücke „Des Knaben Wunderhorn“. Die darin enthaltene Pflanzenmetaphorik erschließt sich allerdings heutzutage nicht mehr unmittelbar: Die Rosen sollen ein schützendes Dach bilden, und die „Näglein“ – eine veraltete, regional aber auch heute noch gebräuchliche Bezeichnung für Gewürznelken – sollen einen Schutz darstellen, da sie wegen ihrer ätherischen Öle gegen Ungeziefer und Krankheitserreger eingesetzt wurden. Der Schutzwunsch bezieht sich dabei allgemein auf einen geliebten Menschen. Eine weitere Textstelle, die für heutige Hörer ebenfalls nicht unmittelbar verständlich ist, ist die Wendung „Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“. Damit soll nicht die Assoziation verbunden sein, dass das Aufwachen am folgenden Morgen von einer Willkürentscheidung Gottes abhängen könnte. Tatsächlich soll diese Formulierung einfach die Demutshaltung zum Ausdruck bringen, dass die Zukunft in Gottes Hand liegt. Die zweite Strophe des Liedes stammt indes aus einer anderen Quelle, und zwar aus der 1849 erschienenen Sammlung „Alte und neue Kinderlieder“ des Philologen 12

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und Volksliedersammlers Georg Scherer (1824–1909), wodurch das Lied einen „weihnachtlichen Charakter“ erhält: „Guten Abend, gut’ Nacht, von Englein bewacht, die zeigen im Traum dir Christkindleins Baum. Schlaf nun selig und süß, schau im Traum’s Paradies.“ Johannes Brahms komponierte sein „Wiegenlied“ im Juli 1868 in Bonn und widmete es der befreundeten Bertha Faber anlässlich der Geburt ihres zweiten Sohns „zu allzeit fröhlichem Gebrauch“. Er kannte sie von einem Frauenchor, den er ein Jahrzehnt zuvor in Hamburg geleitet hatte. Im Begleitschreiben vom 15. Juli 1868 an das Ehepaar Faber beschreibt Brahms, wie er sich die häusliche Situation des Wiegenlied-Singens vorstellt: „Frau Bertha wird nun gleich sehen, dass ich das Wiegenlied gestern ganz bloß für ihren Kleinen gemacht habe; sie wird es auch, wie ich, ganz in Ordnung finden, dass, während sie den Hans in Schlaf singt, der Mann sie ansingt und ein Liebeslied murmelt.“ In der neueren Volksliedforschung findet sich die Vermutung, das Kinderlied sei aus einem früheren Liebeslied entstanden – wie ja die Sprache der Verliebten häufig spielerisch anklingt und manchmal geradezu kindlich anmuten kann. Wie auch immer: Nicht zuletzt verbinden schließlich nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene mit dem Zubettgehen und dem Schlafen häufig angenehme Gefühle. Das „Wiegenlied“ erschien noch im Jahr 1868 als Nr. 4 von Brahms’ Sammlung „Fünf Lieder für eine Stimme“ op. 49 im Druck. In der ersten Auflage umfasste es nur die erste Strophe. Als Textvorlage diente Brahms der Abdruck


Quelle: wdr.de/stichtag/stichtag8774.html

FAST E I N VOL K SL I E D

Auszug aus den Originalnoten des „Wiegenlieds“ von Brahms mit Widmung an Bertha Faber

im „Deutschen Kinderbuch“ (1848) von Karl Simrock, einem Onkel von Brahms’ Verleger. Da der Text dort ohne Quellenhinweis abgedruckt wurde, erkannte Brahms zunächst nicht, dass das Gedicht auch schon in „Des Knaben Wunderhorn“ enthalten ist, wodurch die Erstausgabe folgerichtig mit dem Quellenhinweis „aus Simrock’s Kinderbuch“ auf der Titelseite versehen wurde. Auf die zweite, von Georg Scherer gedichtete Strophe des Liedes wurde Brahms von einem Freund indes erst zu einem späteren Zeitpunkt aufmerksam gemacht mit der Folge, dass das vollständige Strophenlied erst ab 1874 erschien. Bei der Melodie des „Wiegenlieds“ hat sich Brahms an eine alte Volksweise angelehnt, wodurch das Pianissimo-Lied volksliedhaft schlicht gehalten ist. Dennoch zeigen bestimmte Stellen, dass das Werk als Kunstlied eigentlich für die Aufführung

durch eine ausgebildete Stimme gedacht ist, so beim Oktavsprung ( … unter die Deck’: Morgen früh, …), der inhaltlich auch als „Weckruf“ gedeutet werden kann. Geprägt ist das Lied von dem rhythmischen Kontrast zwischen der Melodiestimme und der synkopierten Oberstimme der Klavierbegleitung als Ausdruck des sanften Schaukelns der Wiege. Öffentlich aufgeführt wurde das Lied erstmals am 22. Dezember 1869 in Wien durch die Opernsängerin Marie Luise Dustmann-Meyer (Gesang) und Clara Schumann (Klavier). Das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms wird oftmals als „das schönste aller Wiegenlieder“ bezeichnet. Gerühmt wird dabei vor allem die meisterhafte Verbindung von Kunst- und Volkslied. Obwohl es im Laufe der Zeit unzählige vokale und instrumentale Bearbeitungen erfahren hat, ist es mit seiner ursprünglichen bürgerlich-häuslichen Fassung quasi eine Momentaufnahme des 19. Jahrhunderts und wurde durch einen Komponisten vom Rang eines Johannes Brahms zu einer kunstvollen, aber doch auch volkstümlichen Musikikone. Quellen: Kaspar, Peter Paul: Wer hat das Ave Maria geklaut? Die wechselvolle Geschichte musikalischer Ohrwürmer. Salzburg 2016. S. 123–126 https://de.wikipedia.org/wiki/Guten_Abend_gut’_Nacht

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VO N J A H R E SZ E ITE N, NATU RG E WALTEN UND DER ARTENVIELFALT

Von Jahreszeiten, Naturgewalten und der Artenvielfalt

Quelle: Wikipedia „Die Schöpfung“

Die „Natur“ in der klassischen Musik

Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung“ 1808 im Festsaal der alten Universität Wien Von Birgit Westphal

In kaum einem anderen Genre gibt es derartige legendäre Musikstücke wie in der klassischen Musik, die zum Teil mehrere Jahrhunderte bis in die heutige Zeit überdauert haben. Dabei fällt auf, dass unter den bekanntesten „Top 100“ der klassischen Stücke das Thema „Natur“ eine große Rolle spielt, sei es in Form von Jahreszeiten, Naturgewalten oder dem Artenreichtum auf unserer Erde.

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In seinen „Vier Jahreszeiten“ hat Antonio Vivaldi (1678 – 1741) in der Form von vier Violinkonzerten, die jeweils eine Jahreszeit vertonen, gleichsam einen ganzen Jahreslauf musikalisch eingefangen. Dabei ist es dem Komponisten gelungen, die Charakteristiken der einzelnen Jahreszeiten so treffend umzusetzen, dass man sich völlig lebendig in die verschiedenen Jahreszeiten hineinversetzt fühlt. Der Frühling kommt feierlich daher, der Sommer stürmisch und mitreißend, der Herbst wiederum festlich, während der Winter eine kältestarrende


VON JAHRESZEITEN, NATU RGE WALTE N U N D D E R A RTE NV I E L FALT

Quelle: www.musikverlag-bornmann.de

(Violinsonate Nr. 5 F-Dur op. 24) von Ludwig van Beethoven (1770–1827), während Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) mit gerade einmal 17 Jahren die Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“ von Shakespeare als Klaviermusik zu vier Händen schrieb. Aber auch der Winter inspirierte einige Komponisten zur Schaffung von klassischen Werken. Im Rahmen seiner mehr als 600 Kunstlieder komponierte Franz Schubert (1797–1828) den Zyklus „Winterreise“, basierend auf 24 Gedichten von Wilhelm Müller, der vom Ende einer Liebe und der düsteren Wanderschaft des Enttäuschten erzählt.

Titelblatt der „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi in italienischer Sprache, ca. 1739

Atmosphäre hervorruft. Neben die Imitation von sanften Winden, heftigen Stürmen und Gewitter treten allerdings auch verschiedene Vogelstimmen, die Jagd, ein Bauerntanz oder das Schlittschuhlaufen.

Auch den verschiedenen Tageszeiten und Naturstimmungen werden bekannte klassische Werke gewidmet. Die „Morgenstimmung“, der erste Satz der Peer-GyntSuite Nr. 1 von Edvard Grieg (1843–1907), gehört zum Beispiel zu den bekanntesten

Foto: unsplash.com - Justin Ha

Einzelne Jahreszeiten wurden jedoch auch von anderen Komponisten aufgegriffen und vertont. So gibt es eine „Frühlingssonate“

Ganz anders kommt dagegen die „Musikalische Schlittenfahrt“ von Leopold Mozart (1719–1787), dem Vater des berühmten Musikgenies Wolfgang Amadeus Mozart, daher, in dessen heiteren Divertimento das Bimmeln der Schlittenglocken wie auch das Knallen der Kutscherpeitsche eine rhythmusgebende Rolle spielen.

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VO N J A H R E SZ E ITE N, NATU RG E WALTEN UND DER ARTENVIELFALT

Quelle: Wikipedia „Wassermusik (Händel)“

kleine Nachtmusik“, den sie Mozarts Eintrag in seinem Werkverzeichnis verdankt. Mit Nachtmusik übersetzt er den Begriff „Serenade“ ins Deutsche, der eine Gattung der Unterhaltungsmusik bezeichnet, die traditionell abends und oft im Freien zur Aufführung kam.

Händel (in der Mitte) mit Georg I. während der Bootsfahrt auf der Themse. Gemälde von Edouard Jean Conrad Hamman

Sehr anschaulich ist die Naturstimmung eines ganzen Flusses in der Komposition „Die Moldau“ von Friedrich Smetana (1824–1884) eingefangen, die das Plätschern, Fließen, Strömen und Wogen akustisch versinnbildlicht. Auch der Donau ist mit der Komposition von Johann Strauss

Quelle: Wikipedia „Feuerwerksmusik“

klassischen Melodien überhaupt und wird heute oftmals in Werbung, Film und Fernsehen verwendet. Von Ludwig van Beethoven gibt es unter seinen insgesamt 32 Sonaten seine berühmte „Mondscheinsonate“ (Klaviersonate Nr. 14 op. 27 Nr. 2 in cis-Moll), die er selbst zu seinen Lebzeiten jedoch nicht so betitelt hat und die als wichtiger Vorläufer der musikalischen Romantik gilt. Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang ist die Serenade Nr. 13 für Streicher in D-Dur KV 525 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), besser bekannt unter ihrem Beinamen „Eine

Naturgewalten finden exemplarisch ihren Ausdruck in „Der Sturm“ (Klaviersonate Nr. 17 d-Moll op. 31 Nr. 2) nach Shakespeare von Ludwig van Beethoven oder dem gleichnamigen Stück von Peter Tschaikowski (1840–1893) in einer anderen Vertonung (op. 18), der auch mit „Das Gewitter“ (op. 76) eine Konzertouvertüre für großes Orchester zu einem Bühnenstück schrieb. Von Frédéric Chopin (1810–1849) ist eine „Regentropfenprélude“ (Klavier solo) bekannt.

Aufbauten zur „Feuerwerksmusik“ im Londoner Green Park am 27. April 1749

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VON JAHRESZEITEN, NATU RGE WALTE N U N D D E R A RTE NV I E L FALT

(Sohn) (1825–1899) „An der schönen blauen Donau“, die jedes Jahr im Rahmen des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker erklingt, ein musikalisches Werk gewidmet. Neben dem Naturelement Luft („Der Sturm“) finden aber auch die drei weiteren Elemente Erde, Feuer und Wasser in der klassischen Musik ihren Ausdruck. Gustav Mahler (1860–1911) vertonte nach mehreren Schicksalsschlägen im Jahr 1907 mit dem „Lied von der Erde“ seine melancholische Stimmung in einem sinfonischen Liederzyklus. Die beiden Elemente Feuer und Wasser sind indes unweigerlich mit der „Feuerwerksmusik“ und der „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel (1685–1759) verbunden. Bei der „Feuerwerksmusik“ handelt es sich um eine fünfsätzige Orchestersuite in D-Dur, die im Auftrag von König Georg II. als Festmusik zum Feuerwerk anlässlich des Aachener Friedens 1749 entstanden ist. Die „Wassermusik“, die 1717 erstmals als Untermalung einer Lustfahrt des englischen Königs Georg I. auf der Themse erklang, ist als Sammlung von drei Suiten mit Ouvertüre und einundzwanzig Tanzsätzen wie die „Feuerwerksmusik“ eine

sog. Freiluftmusik mit repräsentativem Charakter. Zu dem Thema der Vertonung der Natur in der klassischen Musik gehören nicht zuletzt die Stücke, in denen Tiere musikalisch abgebildet werden oder denen gar ganze Werke gewidmet sind. So handelt das weltberühmte Ballett „Schwanensee“ zur Musik von Peter Tschaikowski von einer verzauberten Schwanenprinzessin, die nur durch wahre Liebe aus dem Bann des bösen Zauberers erlöst werden kann. In dem Musikmärchen „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjew (1891–1953) erzählt ein Hörspielsprecher das Märchen des Komponisten, das zugleich durch seine Musik in der Größe eines Sinfonieorchesters

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Quelle: Wikipedia „Klaviersonate Nr. 14 (Beethoven)“

VO N J A H R E SZ E ITE N, NATU RG E WALTEN UND DER ARTENVIELFALT

Das Gartenhäuschen, in dem Beethoven die „Mondscheinsonate“ komponiert haben soll

erstmals aufgeführt und ist komponiert für drei Gesangssolisten (Verkörperung von Erzengeln: Sopran (Gabriel), Tenor (Uriel) und Bass (Raphael)), vierstimmigen Chor und ein großes spätklassisches Orchester, bestehend aus Flöten, Oben, Klarinetten, Fagotten, Kontrafagott, Waldhörnern, Trompeten, Posaunen, Pauken und den üblichen Streichinstrumenten Violine, Viola, Cello und Kontrabass sowie einem Cembalo für die akkordische Ausführung des Basso continuo.

untermalt wird. In diesen Zusammenhang gehört auch der „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns (1835–1921), ein Werk mit vierzehn kleinen Sätzen, in denen vielerlei Tiere auftreten wie z. B. Löwen, Hühner und Hähne, Gazellen, Zebras, Schildkröten, Elefanten, Känguruhs, Fische und Vögel.

Das allumfassendste Werk der musikalischen Vertonung der Natur als solcher stellt jedoch das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn (1732–1809) dar, das die Erschaffung der Welt thematisiert, wie sie im ersten Kapitel der Genesis erzählt wird. Das Werk folgt den dort genannten Werken Gottes an den Tagen eins bis sechs, führt aber statt des siebten Tages eine Betrachtung des ersten Menschen im Paradies aus. Das dreiteilige Oratorium wurde 1798 18

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Quelle: www.notendownload.com

Der Hummel ist in dem „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow (1844–1908) aus dem dritten Akt der Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“ ganze 113 Takte gewidmet. Das Stück zeichnet sich durch eine virtuose Lautmalerei aus, die für jeden Instrumentalisten wegen seiner chromatisch gesetzten Sechzehntelnoten im 2/4-Takt eine wahre Herausforderung darstellt.

Die Erste Seite des „Hummelflugs“ aus dem Klavierauszug.


Quelle: annemarie-schaepman / unsplash

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Frühling ist die Musik der Natur Monika Minder

Quellen: https://popkultur.de/klassische-musik https://www.focus.de/kultur/medien/die-klassik-besten-klassik-top-30_id_1995108.html https://fa-gem.dmg-ev.de/musikundwetter.html https://de.wikipedia.org/wiki/Die_vier_Jahreszeiten https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schöpfung

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um seine ehemalige langjährige Sängerin im Alt Simone Lorenz, die am 2. März 2022 im Alter von nur 62 Jahren verstorben ist. Simone Lorenz hatte sich aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme im ersten Coronajahr 2020 endgültig aus unserem Chor, dem sie sich immer herzlich verbunden fühlte, verabschieden müssen. Sie war seit 2002 Mitglied im Sinfonischen Chor und wurde in den Jahreshauptversammlungen des Chores 2013 und 2018 für ihre 10-jährige bzw. 15-jährige Chormitgliedschaft geehrt. Als sehr freundliche, ruhige und verlässliche Mitsängerin, die auch bei den meisten Konzerten und Chorfahrten gerne dabei war, wird der Chor sie in bleibender Erinnerung bewahren. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt ihren Angehörigen.


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