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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinebauern, Dresdnerstrasse 89/18,1200 Wien

Ausgabe Österreich 1/2021

Wege aus der Krise

www.schweine.at


Ausgabe Österreich 1/2021 06

03 Inhalt

Im Interview: DI Dr. Blaas ...

14

Afrikanische Schweinepest ...

24

... Leiter der Abteilung für tierische Produkte im BMLRT ...

04 Leitartikel

PRRS-Programm ...

... spezialisierte Ferkelerzeuger nehmen geschlossen teil ...

05 Kommentar 06 Interview 08 Markt 09

Mit dem Rüssel in Brüssel

10 Ferkelmarkt 11 Verlustersatz 12

PIG Austria

14

Recht & Politik

16 Management 18 AMA

22

... was erwartet Schweinebetriebe ...

... Erfolgsgeschichte mit Potenzial ...

20 Ammoniakemissionen 22

HaltungsformKennzeichnung ...

Afrikanische Schweinepest

24 Haltungsform-Kennzeichnung 26 Totgeburten 28

Donau Soja

29

Firmen-Informationen

30

Würmlas Wände

32 Darmgesundheit 33 Firmen-Informationen 34

Rezept-Tipp & Rätsel-Stall

35 Nachhaltige Tierhaltung Österreich

IMPRESSUM

30

Würmlas Wände ...

... urbane Kunst als Brücke ...

34

Rezept-Tipp ...

...Waldviertler Schnitzel...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/18 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: DI Michael Klaffenböck, VÖS-Geschäftsführer. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/18, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl Titelfotos: Fraukoeppl, Alexander Rauch

1-2021 | Inhalt | 3


Foto: FRAUKOEPPL

Ing. Kurt Tauschmann VÖS-ObmannStv. ©Styriabrid

Gemeinsam und mit gutem Willen Nach einem der außergewöhnlichsten Jahre der Vergangenheit, in denen die Erwartung zu Anfang und die Realität zum Jahreswechsel sehr weit auseinanderlagen, haben wir auch im heurigen Jahr einiges an Herausforderungen zu bewältigen. Das ist eigentlich nichts Neues, nur haben sich die Geschwindigkeit der Veränderungen und die Art der Themen stark verändert. Unterhielt man sich früher eher über Produktionstechnik, sind heute gesellschaftliche Fragestellungen, mediale Darstellungen und globale Entwicklungen prägend. Letztes Jahr wurde mit dem Tierwohlpakt ein Schritt gesetzt, der für die heimische Schweineproduktion einen Maßstab für die Zukunft darstellt. Das Bemühen, Markt, Produktion und Konsument in Einklang zu bringen, ist eines der schwierigsten Unterfangen, das eine nicht leicht zu bewerkstelligende Balance der Interessen benötigt. Die Landwirtschaft kann sich nur entsprechend den Möglichkeiten am Markt entwickeln und nicht in eine Richtung produzieren, wo die Kosten davonlaufen und über den Standard hinausgehende Programme nicht nachhaltig sind. Viel zu oft ist man hier in den letzten 20 Jahren enttäuscht wor-

4 | Leitartikel | 1-2021

den und hatte oft das Gefühl, dass man als Landwirt im Bemühen der verschiedenen Handelsketten, sich von den Mitbewerbern abzuheben, als Schachfigur missbraucht wird, die dann schnell wieder fallen gelassen wird. Als Betriebe mit Verantwortung für die Familie, den Hof und die Tiere müssen wir wirtschaftlich denken und müssen Planungssicherheit einfordern. Zudem ist es in der Kalkulation unerlässlich, nicht immer nur darauf abzuzielen, die zusätzlichen Kosten zu decken, sondern auch für eine Mehrleistung entsprechende Aufschläge zu bekommen.


Ganz wichtig in der schon angesprochenen Balance ist es auch, dass der Markt realistisch eingeschätzt wird. Gerade in der derzeitigen Wirtschaftslage mit vielen Bürgern, die - hoffentlich nicht auf Dauer - ein verringertes Einkommen haben werden, ist es ungeheuer wichtig, nicht nur einer privilegierten Schicht der Besserverdiener, sondern auch der breiten Masse hochwertige Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen. Hier ist auch mit dem Tierwohlpakt der Schritt gesetzt, dass vollperforierte Böden als Standard bleiben. Die Absicherung der Produktion und die Verhinderung von Insellösungen, die uns im internationalen Wettbewerb zusätzliche Nachteile verursachen, ist eines der Hauptziele der Arbeit im VÖS. Alleine das Beispiel von Schweden, wo eine völlig überzogene Gesetzgebung die heimische Produktion marginalisiert hat, ist genug Warnung um Entwicklungsschritte Hand in Hand mit den Bedürfnissen des Konsumenten zu entwickeln, und nicht umgekehrt mit der Veränderung der Produktionsbedingungen den Konsumenten zu entwickeln. In diesem Zusammenhang ist die Vorgansweise mancher Tierrechtsorganisationen und Ernährungsaposteln, die andauernd meinen sie müssen die Bevölkerung bevormunden und die alleinige Weisheit und Deutungshoheit zu besitzen, wenig hilfreich. Einer Diskussion über die Tierhaltung stellen wir uns selbstverständlich – allerdings nur auf einer Ebene, auf der nicht immer nur der, der am lautesten schreit oder am präsentesten in den Medien ist, Recht hat. In der Vergangenheit hat man immer viel erreicht, wenn man sachlich geblieben ist und alle Beteiligten guten Willens an einen Tisch gebracht hat. Nach wie vor gilt aber auch, dass man auch klar nein sagen muss zu überschießenden Forderungen, und auch eine Einbindung von radikalen Aktivisten ablehnt. Mit dem Programm IBeSt, einer Kooperation unter anderem mit der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und dem VÖS, wird versucht Adaptierungsmöglichkeiten in bestehenden Stallungen auf ihre Praxistauglichkeit hin zu überprüfen. Dadurch sollen den Landwirten Wege aufgezeigt werden um auch in bestehenden Stallungen Weiterentwicklungen vorzunehmen. Gerade weil nicht alle Stallungen neu errichtet werden können ist es wichtig, auch in bestehenden Einheiten neue Wege aufzuzeigen.

Es ist auch Zeit einmal Danke zu sagen Die Coronakrise hat unser tägliches Leben in einer Art und Weise verändert die wir uns zu Beginn des Jahres nicht vorstellen konnten. War zu Beginn 2020 das Virus noch weit weg in China, hat es uns ab März in einem Ausmaß getroffen, das gesellschaftlich und wirtschaftlich weder zu prognostizieren noch vorstellbar war. Ein bisschen erinnert mich dieses Geschehen an die Viruserkrankung PRRS, die auch in der kalten Jahreszeit die meiste Viruszirkulation mit sich bringt und in der warmen Jahreszeit wieder weniger Probleme macht. Und genauso, wie aktuell die politisch Verantwortlichen in der Coronakrise, standen und stehen wir beim Auftreten von PRRS vor der Schwierigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir haben mittlerweile damit umzugehen gelernt und den Schlüssel in einer gemeinsamen Strategie gefunden, die in diversen Gesundheitsprogrammen ihren Niederschlag findet, was allerdings auch seine Zeit gebraucht hat. Daher verstehen wir nur zu gut, wie es jemandem geht, der Entscheidungen trifft und Verantwortung trägt. Dafür andauernd kritisiert zu werden ist wohl politisches Tagesgeschäft, und bei den derzeit geschätzt sieben Millionen österreichischen Virologen auch nichts Außergewöhnliches, muss aber trotzdem weh tun. Daher möchte ich mich einmal ausdrücklich bedanken für das Verständnis für die Sorgen und Nöte der Schweinebauern, das uns in diesem Zusammenhang entgegengebracht wurde und wird. Seitens der Politik mit Ministerin Köstinger, dem Bundeministerium für Landwirtschaft (DI Dr. Konrad Blaas), den Landesräten und den Landwirtschaftskammern wurde in dieser außerordentlichen Zeit viel auch gegen heftige Widerstände unternommen, um zu zeigen, dass wir nicht alleine in dieser Zeit stehen, und auch eine dringend benötigte Hilfe bekommen. Natürlich kann eine Entschädigung, so wie eine Versicherung auch nicht, immer alles zu 100 % ersetzen, aber die Vorgehensweise und die Wertschätzung die wir hier erfahren ist eine Wohltat. Daher noch einmal allen, die dazu beigetragen haben, ein aufrichtiges Dankeschön!

Michael Klaffenböck VÖS-Geschäftsführer

Projektbetriebe gesucht

Ferkelaufzucht und Schweinemast finden zunehmend im Spannungsfeld zwischen den Erwartungen der Gesellschaft nach höchsten Tierwohlstandards und der begrenzten Nachfrage des Marktes nach Tierwohl-Fleisch statt. Wie soll man also in Zukunft den Spagat zwischen Tierwohl, Wirtschaftlichkeit, Umweltwirkung und Arbeitsqualität schaffen? Genau hier setzt das Forschungsprojekt IBeSt („Innovationen für Bestehende Schweineställe“), das von BOKU, HBLFA Raumberg-Gumpenstein und dem VÖS konzipiert wurde, an. In dem vierjährigen Projekt sollen auf 18 Projektbetrieben individuelle Umbaulösungen geplant, umgesetzt und bewertet werden. Das Ziel des Umbaus soll es sein, mit kleinem Kosteneinsatz möglichst rasch Verbesserungen für viele Tiere zu erreichen. Im Gleichklang mit den neuen Anforderungen in der Investförderung sollen in einzelnen Abteilen testweise folgende Punkte untersucht werden: mehr Platz, größere Gruppen, Einrichtung von Funktionsbereichen, optimiertes Beschäftigungsmaterial und Stallkühlung. Dabei werden tierbezogene und ökonomische Indikatoren laufend berücksichtigt. Aber auch der Mensch wird in diesem Projekt nicht zu kurz kommen! Teilnehmende Landwirte und Landwirtinnen werden von einer Arbeitsgruppe eng begleitet. Im Rahmen von Workshops sollen auch Themen wie Identifikation mit dem eigenen Arbeitssystem, Motivation sowie ethische Fragestellungen besprochen werden. Es gilt das Motto: „Tierwohl und Bauernwohl müssen Hand in Hand gehen!“ Falls Sie gerne im Rahmen eines Forschungsprojekts bei kleineren Umbauten auf Ihrem Betrieb begleitet werden möchten, oder bereits Umbauten dieser Art vorgenommen haben, melden Sie sich bitte bis 31. Mai bei mir. Wir freuen uns auf eine spannende Projektzeit! Kontakt: klaffenboeck@schweine.at

1-2021 | Leitartikel | Kommentar | 5


Im Interview: DI Dr. Konrad Blaas – Leiter der Abteilung für tierische Produkte im BMLRT DI Dr. Konrad Blaas ist seit 2004 Leiter der Abteilung für tierische Produkte im Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT). Der gebürtige Innviertler (Bezirk Schärding) wuchs auf dem elterlichen Milchviehbetrieb auf. Später absolvierte er ein Hochschulstudium an der Universität für Bodenkultur mit Schwerpunkt Tierproduktion. Nach den Tätigkeiten als Vertragsassistent am Institut für Nutztierwissenschaften nahm DI Dr. Konrad Blaas 1993 seine Arbeit im BMLRT auf. Im Interview ermöglicht uns Herr Blaas einen Einblick in seinen Tätigkeitsbereich, die aktuelle Situation der tierischen Produktion in Österreich und seine Einschätzung zukünftiger Entwicklungen im landwirtschaftlichen Sektor.

DI Dr. Konrad Blaas Leiter d.Abt.f. tierische Produkte BMLRT Foto: BMLRT

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus ist unter anderem für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständig. Darunter fällt auch die Produktion tierischer Erzeugnisse. Als Leiter der Abteilung für tierische Produkte sind Sie für eine Reihe von Tätigkeitsbereichen verantwortlich. Wie würden Sie Ihr Tätigkeitsfeld und das Ihrer Abteilung beschreiben? Den Aufgabenbereich darf man ruhigen Gewissens als vielfältig bezeichnen. Von der Tierzüchtung im engeren Sinn über die Tierhaltung einschließlich des Tierschutzes und der verschiedenen Umweltauswirkungen der Tierhaltung geht es bis zu den tierischen Produkten und Märkten. Von der Biene bis zum Pferd haben es meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit spannenden Aufgaben sowohl national als auch auf EU-Ebene zu tun. Der wechselseitige Austausch mit den Branchen ist hier unbedingt notwendig, um sachgerechte und praktikable Lösungen zu finden. Dabei ist es eher die Ausnahme, wenn gerade in keinem Sektor ein Problem auftritt. Das macht es immer interessant.

6 | Interview | 1-2021

Die aktuelle Corona-Krise hat beträchtliche Auswirkungen auf die nationale und internationale Wirtschaft – davon bleibt auch der landwirtschaftliche Sektor nicht verschont. Welche Strategien bzw. Maßnahmen wären aus Ihrer Sicht denkbar, um vor allem die tierhaltenden landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich sicher durch die Krise zu führen? Aus Sicht der Landwirtschaft muss man sich immer vor Augen halten, dass die Krise andere Bereiche viel schlimmer betrifft. Aber gerade in der Schweinehaltung haben wir es jetzt gleichzeitig mit zwei Problemen zu tun: wichtige Absatzkanäle sind seit längerer Zeit Corona-bedingt geschlossen und dann auch noch die Schweinepest in Deutschland. Jetzt bewährt es sich, dass über Jahre große Anstrengungen unternommen wurden, zusätzliche Exportmöglichkeiten zu eröffnen. Und über den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) fließt viel heimische Ware ab. Wer einigermaßen unbeschadet durch Krisen kommen möchte, darf nicht erst an Maßnahmen denken, wenn das Problem schon da ist. Natürlich sind manchmal Krisenmaßnahmen


notwendig, so wie wir jetzt den Verlustersatz für die Landwirtschaft im Ausmaß von 60 Mio. € in einer gemeinsamen Kraftanstrengung geschaffen haben. Aber es geht auch darum, die Anfälligkeit für Krisen zu reduzieren: Wie können wir unseren Heimmarkt erhalten und stärken? Was macht unsere heimische Produktion und unser Fleisch für unsere Konsumentinnen und Konsumenten besonders wertvoll? Haben wir Qualitätsprogramme und Absatzkanäle, die nicht jedes Auf und Ab des internationalen Fleischmarktes mitmachen müssen? Starke und untereinander gut abgestimmte Organisationen bewähren sich in Krisenzeiten und auch eine langfristig aufgebaute Zusammenarbeit mit Verarbeitung und Handel bietet dann Vorteile. Tierschutz und Tierwohl-Themen stehen aktuell im Fokus der Öffentlichkeit. Bereits im Herbst 2020 wurde von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger in Zusammenarbeit mit dem Dachverband Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) ein „Pakt für mehr Tierwohl“ geschlossen. Ziele des Paktes sind die langfristige Weiterentwicklung der tierischen Produktion sowie die Absicherung der österreichischen Selbstversorgung. Mit welchen Veränderungen müssen die österreichischen Schweinebauern und -bäuerinnen durch den „Pakt für mehr Tierwohl“ rechnen? Das klingt fast, als ob hier jemand zu etwas gezwungen würde. Der Pakt für mehr Tierwohl ist im Gegenteil ein wirklich gutes und jedenfalls freiwilliges Angebot an die Betriebe. Jede und jeder, der die – oft leider auch unsachlichen – Diskussionen der letzten Jahre

mitverfolgt hat, weiß doch, was es braucht: Wir brauchen Ställe, die mehr Tierwohl bieten und die ohne Schwanzkupieren funktionieren, weil die Schweine genügend Beschäftigung haben. Diese Ställe kosten mehr in der Anschaffung, sie kosten mehr im laufenden Management. Zentrale Elemente des TierwohlPaktes sind daher die deutliche Erhöhung der Investitionsförderung sowohl von den Gesamtmitteln wie auch bei den Förderprozentsätzen für besonders tierfreundliche Ställe und eine Abgeltung für die laufenden Kosten über die jährliche ÖPUL-Maßnahme Tierwohl Stallhaltung. Das ist ein sachgerechtes Angebot, um sich den Anforderungen der Zukunft zu stellen. Aber stets mit Anreizen verbunden und ganz ohne einen Zwang, das ist der Ansatz, den Bundesministerin Köstinger verfolgt. Tierwohl- und Tiergesundheitsprogramme sollen über den in Vorbereitung befindlichen Österreichischen Tiergesundheitsdienst einheitlich durchgeführt werden. Endlich soll es dann die Möglichkeit geben, auf die vielfältig vorhandenen Daten zentral zuzugreifen. So könnten zum Beispiel Betriebe mit überdurchschnittlich hohem und teurem Medikamenteneinsatz gezielt beraten und unterstützt werden. Es gibt im Schweinesektor eine Vielzahl an regionalen Qualitätsprogrammen mit unterschiedlichen Anforderungen an Haltung und Fütterung der Schweine. Es zeigt sich immer wieder, dass die Nachfrage nach Schweinefleisch aus solchen Programmen aufgrund der beträchtlichen Mehrkosten begrenzt ist. Wie könnte Ihrer Meinung nach die Entwicklung solcher Programme am Markt gestärkt werden?

Die Basis der Weiterentwicklung der Qualitätsanforderungen ist und bleibt das AMAGütesiegel. Hier gibt es die Bekanntheit und die ausreichenden Mengen, Verarbeitung und Handel sind darauf eingestellt. Darauf aufbauend sollten Spezialprogramme mit zusätzlichen Anforderungen eine ÖsterreichDimension haben, sonst verzettelt man sich. Ich denke, hier haben die im VÖS zusammengeschlossenen Erzeugergemeinschaften alle Möglichkeiten zur Entwicklung solcher Qualitätsprogramme. Neben der Erarbeitung von Qualitäts- und Produktionsrichtlinien sind die Marktbearbeitung und die Absatzförderung mit den Marktpartnern entscheidend. Wie schätzen Sie die bevorstehende Entwicklung in der österreichischen Schweinehaltung ein? Welche Herausforderungen werden Ihrer Meinung nach die kommenden Jahre prägen? Für mich gibt es zwei große Herausforderungen: Konsumentinnen und Konsumenten müssen auch in Zukunft mit gutem Gefühl zu österreichischem Schweinefleisch greifen können. Und wir brauchen junge Bäuerinnen und Bauern, die mit gutem Gefühl Schweine halten und erstklassisches Fleisch erzeugen wollen. Dazu wird es eine Schweinehaltung mit verbessertem Tierwohl, mehr Transparenz und eine noch intensivere Zusammenarbeit mit allen Marktpartnern brauchen. Ein wichtiger Meilenstein ist hier sicher der Pakt für mehr Tierwohl.

DI Dr. Konrad Blaas: „Wir brauchen junge Bäuerinnen und Bauern, die mit gutem Gefühl Schweine halten und erstklassiges Fleisch erzeugen wollen.“ Foto: FRAUKOEPPL 1-2021 | Interview | 7


Jetzt kann es nur aufwärtsgehen Die unvorhersehbaren Ereignisse des letzten Jahres haben bekanntlich dazu geführt, dass zum Jahreswechsel nur unbefriedigende Schweinepreise erzielt wurden und in vielen Fällen schlachtreife Schweine verspätet abgeholt wurden. Die Talsohle scheint aber überwunden und ein Blick nach vorne zeigt Licht am Ende des Tunnels, soferne nicht wieder Unvorhersehbares passiert. Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse Foto: FRAUKOEPPL

Neustart unter erschwerten Bedingungen Der Jänner ist alljährlich der schwierigste Monat im Schweinejahr und es dauerte auch heuer bis Anfang Februar bis der Markt wieder flüssig zu laufen begann. Befürchtungen, dass sich die preisliche Talsohle im Jänner noch weiter nach unten bewegen könnte, haben sich gottlob nicht bewahrheitet. Zum einen florierte der Frischfleischabsatz über den Lebensmittelhandel der vom Gastro-Lockdown anhaltend profitiert und andererseits konnten unsere fünf zum Chinaexport zugelassenen Großabnehmer die Geschäfte nach Asien als gute Alternative zu weggebrochenen Absatzschienen nützen.

Gastro-Lockdowns verursachten monatelanges Preistief Mit der Bekanntgabe des neuerlichen Gastro-Lockdowns Anfang November letzten Jahres war der Preis nicht mehr zu halten und wir mussten ein Minus von 9 Cent zur Kenntnis nehmen, was letztendlich einen Basispreis von € 1,22 zur Folge hatte. Nach 2016 das zweitschlechteste Preisniveau der letzten zehn Jahre. Zu diesem Zeitpunkt war natürlich nicht klar, dass dieses Niveau zwölf Wochen lang unverändert bestehen würde. Schon im November war uns allerdings klar, dass wir als Schweinebranche im direkten Zusammenhang mit den staatlichen Corona-Maßnahmen als Geschädigte zu bewerten sind. Da die Bundesregierung vielen vom Zusperren betroffenen Branchen einen direkten finanziellen Schadensausgleich zugesichert hatte, forderten wir im Sinne der Gleichbehandlung als stark betroffenes Glied der Lieferkette ebenfalls Schadenskompensation. Auch die Agrarpolitik auf Landes8 | Markt | 1-2021

und Bundesebene konnten wir rasch vom Schadensausmaß für unsere Branche überzeugen. Gemeinsame Anstrengungen hatten letztlich dazu geführt, dass dann am 22. Jänner Frau Bundesministerin Elisabeth Köstinger ein Verlustausgleichsprogramm auch für Schweinebauern offiziell bekannt geben konnte. Ich möchte mich für die konstruktive Zusammenarbeit persönlich bei den involvierten Institutionen bedanken, die für die Gestaltung und Abwicklung des Programmes zuständig waren, wie z. B. Ministerium, Landwirtschaftskammer, VÖS, Bauernbund, Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und AMA.

Schweinezyklus und andere Umstände geben Hoffnung Wenngleich die Vorausschau auf das laufende Schweinejahr eher bescheiden ausfällt, so ist man dennoch auf der Suche nach Veränderungsfaktoren die heuer zu einer Verbesserung der Marktlage beitragen werden. Aus europäischer Sicht ist dabei der Blick auf Deutschland zu richten, aus globaler Sicht ist maßgeblich, wie schnell oder langsam China ihre ASP-geschundene Schweinepopulation wieder auf Vordermann bringt. Nachdem Deutschland letztes Jahr mehrfach massive Keulenschläge hinnehmen musste, d. h. seit April Corona und seit September Wildschweine-ASP, mussten die BRD-Schweinehalter nahezu das ganze Jahr über noch stärkere Preiseinbußen hinnehmen als in anderen EU-Ländern. In der Konsequenz reifte bei vielen Marktbeteiligten sehr schnell der Gedanke zur Produktionsrücknahme. Damit werden die oftmals totgesagten Prinzipien des Schweinezyklus wieder lebendig. D. h.: Hat ein deutscher Landwirt im Mai 2020 entschieden, seine 100 Zuchtsauen nicht mehr zu belegen, so fehlen heuer im April ca. 1.300

Schweine am Schlachtband. Wie gut informierte Kreise berichten, lag zum Jahresende das Besamungsgeschäft bereits 15 % unter Vorjahresniveau. So wird nicht nur die deutsche Bruttoeigenerzeugung im Laufe des Jahres ca. 10 % abnehmen, der noch größere Reduktionsposten dürfte im Zusammenhang mit den rückläufigen Ferkelimporten aus Holland und Dänemark zustande kommen. Berücksichtigt man auch die reduzierte Einfuhr von Schlachtschweinen, vornehmlich aus Belgien und Holland, so könnte das in Summe eine Rücknahme der deutschen Schlachtzahlen von bis zu 15 Millionen Stück zu den Vorjahren bedeuten. Der Warendruck aus dem „China-Export gesperrten“ Deutschland wird damit spürbar abnehmen. Apropos Produktionsrücknahme: Die jüngsten Meldungen aus Holland betreffend des staatlichen Produktionsrechterückkaufmodels deuten darauf hin, dass auch dort die Produktion um 8-10 % abnehmen wird.

China bleibt ein Fragezeichen Für heuer scheint gesichert, dass das Land der aufgehenden Sonne noch große Mengen zu guten Preisen importieren wird müssen, um das Volk ausreichend mit Schweinefleisch versorgen zu können. D. h., dass alle Länder, die diese Chance nützen können, davon profitieren werden. In Österreich haben wir als Schweinebörse massiv dazu beigetragen, dass wir dem Club der europäischen Chinaexporteure angehören. Allein ASP-Probleme würden uns von diesem zu erwarteten Anteil am Chinakuchen fernhalten. Summa summarum stehen also doch gewichtige Argumente im Raum, die für eine vernünftige Entwicklung des Marktes in diesem Jahr sprechen. Für einen längeren Ausblick müsste man jedoch schon Hellseher sein.


Mit dem Rüssel in Brüssel COPA und COGECA konstatieren EU-weit Probleme Die „Europäische Landwirtschaftskammer“ analysiert laufend die Corona-bedingt erschwerten Entwicklungen in der Agrar- und Lebensmittelkette am Binnenmarkt. Die Aussichten für den EU-Agrarmarkt werden demnach für die kommenden Monate aufgrund der Verschärfung bestimmter Einschränkungen in den Mitgliedstaaten, Auswirkungen der Handelsentwicklungen auf verschiedene Erzeugnisse (z. B. Wein, Käse, Oliven, verarbeitete Produkte) und Probleme in Bezug auf die Tiergesundheit (z. B. Vogelgrippe, Afrikanische Schweinepest) als negativ bewertet. Diese schlechten Aussichten sind insbesondere auf die Veränderungen im Konsumverhalten, z. B. durch die Schließung des Gastro-, Hotel- und Cateringsektors und die Veränderungen in der Handelslandschaft zurückzuführen.

Sektorspezifische Analyse zeigt schwierige Lage Laut COPA verschlechtert sich die Lage am europäischen Schweinefleischmarkt unter dem gemeinsamen Einfluss von COVID-19, der gesundheitlichen Situation, sprich ASP und des internationalen Handels. Die Preise sind sehr niedrig und liegen unter den Produktionskosten. Kleiner Hoffnungsschimmer: Zuletzt gab es einige Verbesserungen bei der Schlachtkapazität und dem Schlachtgewicht sowie eine leichte Verbesserung der Ferkelpreise. Die Lagerbestände in den Gefrierhäusern erreichen neue Rekordwerte. Absatzprobleme gibt es insbesondere bei hochwertigen Fleischteilen, die für Restaurants und Catering-Dienste bestimmt sind. Der europäische Verbrauch ist leicht zurückgegangen, ebenso kann bereits ein Produktionsrückgang beobachtet werden.

COPA Arbeitsgruppe Schwein tagte am 5. Februar, Online • Auch dabei waren Lichtblicke Mangelware, wie aus den Berichten der Ländervertreter hervorging. Die Preise in verschiedenen Mitgliedstaaten liegen immer noch unter den Produktionskosten, es gibt jedoch Anzeichen für eine Verbesserung. Gleichzeitig steigen die Rohstoffpreise deutlich an. In einigen Mitgliedstaaten warten immer noch Schweine darauf, geschlachtet zu werden, und die Schlachtgewichte sind

höher als erwartet. Die Situation verbessert sich von Woche zu Woche und es besteht die Hoffnung, dass sich bis spätestens April alles wieder normalisiert. Aufgrund der Covid-19-Probleme in den Schlachthöfen wünschen sich viele Länder, dass die Arbeitnehmer in diesem Sektor bei der Impfung Vorrang haben.

nicht so optimistisch in die nahe Zukunft. Im Moment ist es nicht der richtige Zeitpunkt, eine Maßnahme zur privaten Lagerhaltung einzuführen. Dennoch muss die EK gebeten werden, sich die kleinen Länder und Produzenten anzusehen, die am Ende des Tunnels noch kein Licht sehen.

• Die Nachfrage im Binnenmarkt ist aufgrund des geschlossenen Horeca-Sektors schwächer. Die Nachfrage aus China ist weiterhin sehr stark. China ist wahrscheinlich weit davon entfernt, autark zu sein, und die europäischen Länder werden noch einige Zeit nach China exportieren können. Grenzkontrollstellen zwischen der EU und Großbritannien wurden noch nicht eingerichtet, und der derzeitige Austausch ist sehr gering.

COPA Position zum Thema „Tierschutz“ bei Schweinen

• Afrikanische Schweinepest: Unterschiedliche Probleme bei verschiedenen Mitgliedsstaaten. In Polen wurden in diesem Jahr bereits viele infizierte Wildschweine gefunden, aber es gab noch keine Ausbrüche bei Hausschweinen auf den Farmen. Die Zusammenarbeit zwischen polnischen und deutschen Behörden muss verbessert werden, um die Situation in den Griff zu bekommen. Deutschland kann wahrscheinlich längere Zeit nicht nach China exportieren, aber Thailand hat die Regionalisierung akzeptiert, was ein gutes Zeichen ist. Die ASP-Situation in Ungarn soll lt. Behörden unter Kontrolle sein und ihre Regionalisierung wurde von Japan akzeptiert. Belgien erhielt Ende Dezember seinen OIE-Status „ohne ASP“, und die Exporte in die Drittländer haben begonnen, allerdings nicht nach China.

Die EU-Kommission überarbeitet alle fünf Jahre die sogenannte Tierschutzstrategie, die eine Art Leitlinie und Zielsetzung für die Arbeit der zuständigen Behörde in den nächsten fünf Jahren sein soll. Die Planung und Festlegung der Inhalte für die nächste Periode ist im Gange und für den Schweinebereich stehen diesbezüglich mehrere bekannte „Baustellen“ im Fokus. Die COPA Arbeitsgruppe Schwein unter dem Vorsitz des Portugiesen Antonio Tavares ist dabei Ansprechpartner für die Kommission im Hinblick auf die Brancheninteressen. Laut Herrn Tavares laufen die Gespräche mit der Kommission kritisch aber konstruktiv. Das nächste Treffen ist im Laufe des März geplant. Beim Thema Kastration vertritt die Kommission nach wie vor das langfristige Ziel, auf die chirurgische Kastration auch unter Anwendung von Narkose gänzlich zu verzichten. Bezüglich Kastenstandhaltung zeigt sich die Kommission sehr zufrieden mit Entwicklungen in den Mitgliedsländern. Sie unterstützt auch die Strategie von langen Übergangszeiten und entsprechende Unterstützung bei Investitionen. Hinsichtlich Schwanzkupieren will die Kommission am Ziel eines gänzlichen Verbotes weiter festhalten.

• Es gibt einen großen Unterschied zwischen großen und kleinen Ländern und Produzenten, gut und weniger gut organisierten Systemen. Kleinere Länder wie Slowenien und die baltischen Staaten blicken

Die COPA verlangt praktisch in allen Bereichen eine praxisorientierte wissenschaftliche Forschung bzw. Machbarkeitsstudien. Strikt abgelehnt werden rechtliche Vorgaben die in der Praxis nicht umsetzbar sind. 1-2021 | Mit dem Rüssel in Brüssel | 9


2020 - Ein durchwachsenes Jahr für den Ferkelmarkt Mit einem durchschnittlichen Basispreis von € 2,63 zählt das vergangene Jahr zu einem der besten in der jüngeren Vergangenheit. Stark getrübt wird dieser Rückblick aber von den negativen Einflüssen der Coronakrise und dem Auftreten der ASP in Deutschland, die eigentlich sehr positive Aussichten ins Gegenteil verwandelten. So ging man mit einem wenig zufriedenstellenden Niveau von € 1,80 ins Jahr 2021. Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss Foto: Styriabrid

Traditionell kann am Ferkelmarkt nach einer eher schwierigen Zeit im Jänner mit Anfang Februar eine Phase der Notierungsverbesserungen verzeichnen. Dies war auch heuer so und im Einklang mit der Europäischen Entwicklung steigen die Ferkelpreise wieder langsam aber kontinuierlich an. Nach dem ASP-Fall in Deutschland im Oktober, der den gesamten Europäischen Markt durcheinander gebracht hat, sind die dortigen Entwicklungen natürlich von großem Interesse. Wie Dr. Hortmann-Scholten in einem Vortrag beim Ökosozialen Forum ausführte, werden die Bestände bei unserem Nachbarn teils drastisch reduziert. So sollte der Selbstversorgungsgrad an Ferkeln auf 50-60 % im Jahr 2025 fallen. Zusätzlich wird mit weniger Ferkeln aus den Niederlanden gerechnet, da die dortige Umweltgesetzgebung massiv verschärft wird/wurde. Mit der Korrektur der starken deutschen Überproduktion ist eine wesentliche Voraussetzung für eine Erholung gegeben und man sollte, wenn man in Österreich von der ASP verschont bleibt, davon dann doch einigermaßen profitieren können. Wir raten jedem Betrieb, der noch keine Versicherung für den Seuchenfall abgeschlossen hat, dies zu tun und seinen Bestand entsprechend der Schweinegesundheitsverordnung im eigenem Interesse zu schützen.

„Ackervirus“ noch immer von Bedeutung zu sein und man sollte im Fall von immer wieder kehrenden Fruchtbarkeitsproblemen (Sommerloch) nach Möglichkeit darüber nachdenken, die eine oder andere Sau mehr zu belegen. Auch der Zukauf von Zuchtmaterial bringt in der Regel neben dem Ausnutzen des Zuchtfortschrittes eine kontinuierliche Liefermenge. Die Ferkelvermarktungen registrieren eigentlich jedes Jahr mit dem Rückgang der Angebotsmengen von Februar bis März/ April eine ähnliche Situation. Das Rückstellen von Einstallwünschen hat in der Folge dann seine Auswirkungen in den Monaten Mai und Juni, wo die zum Auffangen des gestiegenen Ferkelangebotes benötigten Mastplätze noch nicht frei sind.

Ausblick Die gestiegenen Ferkelangebotsmengen um den Jahreswechsel waren zwar eine Herausforderung, für die Vermittlung sehe ich aber dennoch positive Zeichen, dass noch immer Potential vorhanden ist – die Preisfantasie passt. Für heuer wird ein Zurückpendeln des Angebotes erwartet und damit sollten neben einem flüssigen Markt auch wieder bessere Preise möglich sein. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass kein außerordentliches Ereignis wie die ASP eintritt. Aber auch für diesen Fall bereitet man sich im VÖS und den Verbänden seit längerer Zeit intensiv vor, um für die Mitglieder Möglichkeiten zu finden, das Beste aus so einer Situation zu machen.

Grafik 1: Vermarktete Ferkel der drei großen Erzeugergemeinschaften Österreichs. Quelle: Bäck

Kontinuierliche Produktion zahlt sich aus! Wie man in der Grafik 1 zu den Vermarktungsmengen erkennen kann, ist das Ferkelaufkommen in den Erzeugergemeinschaften nicht unerheblichen wöchentlichen Schwankungen unterworfen. Neben der Biologie gibt es auch immer wieder Faktoren, die man auf den Betrieben durch exakte Arbeit beeinflussen kann. So scheint das 10 | Ferkelmarkt | 1-2021

Grafik 2: Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2018 bis 2021. Quelle: Bäck


Verlustersatz für die Landwirtschaft kann beantragt werden In den vergangenen Monaten gab es hartnäckige Vorstöße auf politischer Ebene, um den Entscheidungsträgern die schwierige Lage der schweinehaltenden Betriebe in der Covid-Pandemie, sowie die Notwendigkeit einer Verlustentschädigung näherzubringen. Experten aus den VÖS-Mitgliedsorganisationen waren in die darauffolgenden Gespräche laufend eingebunden, um ihre Expertise zur Marktlage und der weiteren Entwicklung beizusteuern. Wir dürfen an dieser Stelle über alle bis zum Redaktionsschluss bekannten Informationen über die Sonderrichtlinie informieren. Der Betrachtungszeitraum für den Verlustersatz ist Oktober 2020 bis März 2021. Alle landwirtschaftlichen Betriebe, für deren Branche in einem betroffenen Monat ein Verlust im Deckungsbeitrag von 30 % oder höher im Vergleich zum Vorjahreszeitraum berechnet wird, können einen Antrag stellen. Diese Betriebe bekommen dann einen Ersatz in der Höhe von 70 % des effektiven Verlustes pro Zuchtsau bzw. verkaufsfähigem Mastschwein für diesen Zeitraum ausbezahlt. Alle Berechnungen werden von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) durchgeführt, es sind keine betriebsindividuellen Darstellungen notwendig. Für Oktober bis Dezember 2020 ist bereits gewiss, dass die Voraussetzungen für die Antragstellung für alle schweinehaltenden Betriebe erfüllt sind. Auf Basis von Marktprognosen ist davon auszugehen, dass auch in den Monaten Jänner bis März 2021 alle Kriterien erfüllt werden.

Stichtagsbestand die Grundlage für den Verlustersatz. Wenn ein Betrieb keinen Mehrfachantrag gestellt hat, wird der Tierbestand nach Zustimmung des Landwirts/ der Landwirtin im VIS abgefragt. Eine Antragstellung ist also für alle Rechtsformen möglich.

Alles läuft über einen Antrag

Für die Monate, die bereits vollständig berechnet wurden (Oktober bis Dezember 2020) wurde von der BAB ein Verlustersatz in der Höhe von € 34,20 pro DurchschnittsZuchtsau und € 7,80 pro DurchschnittsMastschwein errechnet. Auf Basis von Marktprognosen von Marktexperten im

Ein Antrag im eAMA zwischen 15. Februar und 15. Juni ist für die Gesamtperiode ausreichend. Für Betriebe, die im Jahr 2020 einen Mehrfachantrag gestellt haben, ist der dort angegebene Durchschnitts- bzw.

Die erste Tranche wird für alle Anträge, die bis 15. März gestellt werden, für die bereits berechneten Monate ausbezahlt. Mit der zweiten Tranche ist im Sommer zu rechnen. Der u.a. für schweinehaltende Betriebe zugängliche Fördertopf ist mit € 45 Mio. gedeckelt. Falls das Antragsvolumen diese Summe überschreitet, womit nicht zu rechnen ist, kommt es gegebenenfalls im Rahmen der zweiten Tranche zu einer aliquoten Kürzung der Gesamtsumme. Es werden somit alle Anträge gleichbehandelt, egal wann sie im Beantragungszeitraum gestellt werden. Die Förderuntergrenze liegt nach aktuellem Stand zwischen € 700,- und € 1 000,- und die Förderobergrenze bei € 100 000,-.

VÖS ist mit einer Gesamtsumme von € 66,70 pro Durchschnitts-Zuchtsau und € 12,20 pro Durchschnitts-Mastschwein für die Gesamtperiode der sechs Monate von Oktober bis März zu rechnen. Die Gesamtsumme hängt allerdings noch von aktuellen Marktentwicklungen bis Ende März ab.

Ein Beispiel Ein Beispiel könnte so aussehen: ein Landwirt hat im Mehrfachantrag 2020 nur einen Stichtagsbestand angegeben (100 Zuchtsauen, 100 Mastschweine). Es wurde kein Fixkostenzuschuss 800.000, kein Verlustersatz für direkt Betroffene, kein Ausfallsbonus und kein Umsatzersatz II beantragt. Bei der 1. Tranche Ende April werden in diesem Fall € 4.201,18 ausbezahlt. Die Monate Jänner, Februar, März 2021 werden, vorbehaltlich der Genehmigung, mit der 2. Tranche ausbezahlt. Weitere Informationen finden Sie im entsprechenden Merkblatt im eAMA, bzw. unter https://www.landwirtschaft.at/ oder bei Ihren BeraterInnen auf der Landwirtschaftskammer.

Tabelle: Ein Beispiel für eine Förderung. Quelle: VÖS 1-2021 | Verlustersatz | 11


PIG Austria: Positive Entwicklungen in der österreichischen Schweinezucht Die aktuelle Erlössituation für Schweineproduzenten ist schlecht, eines der wichtigsten Produktionsmittel, das Futter, hat sich stark verteuert und liegt nun auf einem Niveau wie das letzte Mal im Jahr 2012/2013. Gerade in solchen Zeiten sind gute biologische Leistungen in der gesamten Produktionskette besonders wichtig.

DI Christian Draxl GF ÖSPA Streitdorf

Als wichtige Maßzahl gelten in der Ferkelerzeugung die produzierten Ferkel je Zuchtsau und Jahr. Die Anzahl der Würfe pro Sau und Jahr ist dabei vor allem eine Frage des Managements, die Anzahl der Ferkel pro Wurf hat eine starke genetische Komponente und ist ein wichtiges Zuchtziel. In der Schweinemast sind die Mastleistung (Zunahmen, Futterverwertung) sowie ein für unsere Marktverhältnisse optimaler Muskelfleischanteil

wichtig für die Wirtschaftlichkeit der Produktion. Alles Merkmale, die sich gut züchterisch verbessern lassen. Aufgabe des Zuchtsektors ist es, die Produzenten mit Zuchttieren zu versorgen, die eine möglichst wirtschaftliche und ressourcenschonende Produktion ermöglichen, und auch die hohen Qualitätsansprüche unserer Verarbeiter und der Konsumenten erfüllen.

Leistungsprüfung Um diese Aufgabe – die ständige Verbesserung der Schweinefleischproduktion in allen relevanten Merkmalen – zu erfüllen, greift die Zucht auf eine umfangreiche Palette an

Leistungsprüfungen zurück. Denn nur was geprüft wird, kann auch verbessert werden. Diese Palette umfasst die Stationsprüfung von Verwandten der Zuchttiere (Nachkommen, Vollgeschwister, Halbgeschwister...), sowie Eigenleistungsprüfungen am Zuchtbetrieb (geborene und aufgezogene Ferkel, Geburtsgewichte der Ferkel, Vitalitäts- und Mütterlichkeitsmerkmale, Lebenstagszunahmen der Jungtiere). Da der Zuchtsektor im Schweinebereich relativ klein ist, können nicht alle wichtigen Merkmale bei allen Zuchttieren im eigenen Sektor geprüft werden. Hier kommt der nachgelagerten Produktionsstufe eine ganz wesentliche Bedeutung zu. So werden in aus-

Grafik 1: Genetischer Trend lebend geborener Ferkel/Wurf.

Grafik 2: Genetische Trends Edelschwein, Landrasse 2000-2008.

Grafik 3: Genetische Trends Edelschwein,Landrasse 2009-2019.

Grafik 4: Genetische Trends Tageszunahmen (Gramm/Tag).

Quelle: Gut Streitdorf

Quelle: Gut Streitdorf

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Quelle: Gut Streitdorf

Quelle: Gut Streitdorf


gewählten Ferkelerzeugerbetrieben die Besamungseber auf Erbfehler geprüft und über den Schweinedatenverbund (Internet-Sauenplaner) in großem Umfang Wurfleistungen aus der Produktionsstufe an die Zuchtstufe zurückgemeldet. Damit lassen sich Fruchtbarkeit und Lebensleistung der Eber und Sauen in der Zuchtstufe wesentlich besser und genauer beurteilen. Ein gutes Beispiel für spartenübergreifende Zusammenarbeit zum Nutzen aller.

Erfolgskontrolle Als Erfolgskontrolle in der Zucht dienen die „genetischen Trends“. Diese stellen die genetische Entwicklung der Eber und Sauen in der Zuchtpopulation bei einem Leistungsmerkmal nach Jahrgang der Tiere dar.

Fruchtbarkeit Wurfleistung: In der Grafik 1 ist der genetische Trend des Merkmals lebend geborene Ferkel pro Wurf zu sehen. Da die Sau in der Produktionsstufe im Regelfall ein F1-Tier aus Kreuzung der Rassen Edelschwein und Landrasse ist, wird der gemittelte genetische Trend dieser beiden Rassen dargestellt. Es zeigt sich, dass die jährlichen Verbesserungen (Zuchtfortschritte) bei der Wurfleistung mit Einführung des Schweinedatenverbunds im Jahr 2009 deutlich angestiegen sind. Dieser Effekt liegt nicht nur an der Erschließung neuer Datenquellen aus der Produktionsstufe, sondern auch an der Schwerpunktsetzung bei den Mutterrassen des PIG Austria Zuchtprogramms. Während früher die Mast- und Schlachtleistung vordergründig war und in diesem Bereich auch die Verbesserungen höher waren als bei der Wurfleistung (Grafik 2), hat sich die Entwicklung ab 2009 zugunsten der Wurfleistung gedreht (Grafik 3). Das Zuchtziel Fruchtbarkeit wurde laufend mit zusätzlichen

Merkmalen erweitert (2012 Nutzungsdauer der Muttersau, 2020 Wurfqualität und Ferkelvitalität), dennoch konnte der positive Trend bei den Ferkeln je Wurf unvermindert weitergeführt werden.

Mast- und Schlachtleistung Die genetischen Trends bei der Mastleistung der Mutterrassen sind je nach Merkmal unterschiedlich. Bei den Tageszunahmen sind kontinuierliche Verbesserungen gegeben (Grafik 4), bei der Futterverwertung gibt es Phasen mit geringen Verbesserungen (Grafik 5). Eine Entwicklung, die man auf Grund der wirtschaftlichen Bedeutung dieses Merkmals im Auge behalten sollte. Pietrain: Bei der Vaterrasse Pietrain, die ja im Wesentlichen nur auf Mast- und Schlachtleistung gezüchtet wird, erfahren sowohl Tageszunahmen als auch Futterverwertung eine kontinuierliche Verbesserung. Seit der Stressfreizüchtung ist auch der Muskelfleischanteil beim Pietrain wieder deutlich angestiegen und dies ohne Nachteile bei der Fleischqualität zu bewirken. Da die Rasse Pietrain 50 % der Genetik unserer Mastschweine bildet, werden diese Verbesserungen in hohem Ausmaß auch im Mastendprodukt wirksam.

Genomische Selektion Der neueste Bestandteil in der Palette Leistungsprüfung beim Schwein sind Genominformationen. Bereits als Jungtiere werden alle Eber in der Zuchtstufe sowie alle Ebermütter einem Gentest unterzogen, der Rückschlüsse auf ihre Leistungsvererbung möglich macht. Diese Genotypisierung dient nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu den Daten aus der klassischen Leistungsprüfung. Dies erlaubt bei jungen Tieren eine genauere Vorselektion. Diese verbesserte Genauigkeit wirkt sich dann in höheren Zuchtfortschritten aus. Alle Verbesserungen, die in der Zuchtstufe erreicht werden, kommen den Produzenten über den Zuchttierankauf bzw. den Einsatz von streng selektierten Ebern in der künstlichen Besamung zu Gute und ermöglichen ihnen eine bessere und wirtschaftlichere Schweineproduktion.

Grafik 5: Genetische Trends Futterverwertung (kg Futter pro kg Zunahme). Quelle: Gut Streitdorf

Dr. Peter Knapp Geschäftsführer von PIG Austria Foto: Fraukoeppl

Den Zuchtfortschritt nutzen Neben dem Zukauf von selektierten Jungsauen ist der Einsatz von Spitzenebern aus dem PIG Austria Zuchtprogramm der effizienteste Weg den Zuchtfortschritt zu nutzen. Mit über 440 Pietrain (Felix) und 100 Edelschwein- bzw. Landrasseebern steht eine große Auswahl an den PIG Austria Besamungsstationen Gleisdorf, Hohenwarth und Steinhaus zur Verfügung. Umfangreiche Feld- und Stationsdaten aus der Leistungsprüfung werden in der Zuchtwertschätzung genutzt. Nach der strengen Vorselektion und Genotypisierung werden nur Eber mit überdurchschnittlichen Zuchtwerten angekauft. Die genomische Information wird zusätzlich zur Abstammungskontrolle genutzt. Die besten Pietrain-Eber werden als Felix BEST Performer (Gesamtzuchtwert >125) und Felix HIGH Performer (GZW >115) eingestuft. Nachkommengeprüfte Mutterlinieneber mit über 120 Gesamtzuchwertpunkte bekommen das Prädikat „TOP“. Wenn Sie bei Felix mehr Schwerpunkt auf Wuchs oder auf Fleisch setzen wollen, sind überdurchschnittliche Vererber in diesen Merkmalen speziell mit „W“ oder „F“ gekennzeichnet. Überdurchschnittliche Leistung macht sich bezahlt. Eine Übersicht über den Zuchttierbezug und Informationen zu den Besamungsebern finden Sie unter www.pig.at

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Foto: FRAUKOEPPL

DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

PRRS-Programm: Spezialisierte Ferkelerzeuger nehmen geschlossen teil

Die heimischen Ferkelerzeuger haben im letzten Jahr mit der flächendeckenden Grunduntersuchung ihrer Bestände auf PRRS (Porzines reproduktives und respiratorisches Syndrom) einen entscheidenden Schritt zur Gesunderhaltung ihrer Sauen- und Ferkelbestände gesetzt und schaffen damit eine Basis für zukünftig noch stabilere Verhältnisse der Tiergesundheit in der Ferkelaufzucht und Schweinemast. Die Schweinebranche und die Tiergesundheitsdienste sind davon überzeugt, dass damit ein wesentlicher Beitrag zur weiteren Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes geschaffen wurde. ÖTGD Programm als Grundlage Im Juli 2019 wurde ein Programm des Österreichischen Tiergesundheitsdienstes (ÖTGD) zur „Stabilisierung der Tiergesundheit in Ferkelproduktionsbetrieben“ veröffentlicht. Schwerpunkt in diesem Gesundheitsprogramm ist die Erreichung stabiler Verhältnisse im PRRS-Geschehen. Die Biosicherheit spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt zum leichteren Verständnis unter dem Begriff „PRRSProgramm“. Ende 2019 haben sich die österreichischen Ferkel-Erzeugergemeinschaften dazu entschlossen, gemeinsam und gleichzeitig das PRRS-Programm zu starten. Die österreichischen Verbände haben danach eine verbindliche Teilnahme ihrer Ferkelerzeuger mit Ferkelverkauf beschlossen. 14 | Recht & Politik | 1-2021

Zweck der Programmdurchführung Ziel dieser Entscheidung ist eine nachhaltige Sicherung und Verbesserung der Tiergesundheit auf den Einzelbetrieben und eine Stabilisierung der Gesundheit der Verkaufsferkel und der Mischpartien. Im Vordergrund dieses Programmes steht als erster Schritt die Feststellung des PRRSStatus der Ferkelerzeugerbetriebe und als zweiter Schritt die darauf aufbauenden fortlaufenden Maßnahmen auf den jeweiligen Betrieben, sowie die notwendigen Anpassungen in der Vermarktung der Ferkel an die Schweinemäster.

Ablauf des Programms 1. Grunduntersuchung und Status erhebung 2. Interpretation und Schlussfolgerungen aus der Grunduntersuchung 3. Laufende Folgemaßnahmen am Betrieb und in der Vermarktung • Folgeuntersuchungen bei den unver dächtigen und stabilen Betrieben • Verbesserung der Biosicherheit und Impfmaßnahmen bei den positiven Betrieben Die Ferkel-Erzeugergemeinschaften waren sich vor dem Programmstart der hohen Sensibilität dieser Thematik bewusst und haben deswegen gleich zu Beginn eine einvernehmliche Klarstellung getroffen: Es werden keine „Positiven“ oder „Nega-


tiven“ Betriebe ausgewiesen oder so bezeichnete Ferkel vermarktet, sondern ausschließlich Ferkel, die an diesem Gesundheitsprogramm teilnehmen. Es wird für alle diese Ferkel einen einheitlichen Preiszuschlag geben, der entweder die regelmäßigen Untersuchungskosten oder die Impfkosten zum Teil abdeckt.

Grunduntersuchung abgeschlossen Die Durchführung der Grunduntersuchung der Tierbestände auf den heimischen Ferkelerzeugerbetrieben war im ersten Halbjahr 2020 vorgesehen, dauerte dann aber wegen der Corona-Einschränkungen das gesamte Jahr über an. Über die Grunduntersuchung wurde der jeweilige einzelbetriebliche PRRS-Status festgestellt. Die Statusvergabe erfolgte auf Basis der Ergebnisse von Vollblutproben, die nach den vorgegebenen Probenplänen im ÖTGD-Programm von den Betreuungstierärzten entnommen und in Laboren ausgewertet wurden. Diese Arbeiten wurden in enger Abstimmung und mit fachlicher Unterstützung mit Frau Prof. Dr. Andrea Ladinig von der Vetmed-Universität Wien durchgeführt. In den letzten Wochen fanden dann für die betroffenen Ferkelerzeuger Fach-Webinare zu den Hintergründen des PRRS-Programmes, den Herausforderungen bei der Statusvergabe und den weiteren Schritten, je nach Status (siehe unten), statt. Ebenso erhielten die Betreuungstierärzte die notwendigen Informationen durch den TGD. Aktuell erfolgt die Versendung der Einstufungen an alle Mitgliedsbetriebe samt Anleitung der weiteren Schritte.

2. PRRS positiv Biosicherheits- und Impfmaßnahmen Die Hauptaufgabe bei positiven Betrieben ist die PRRS Viruszirkulation am Betrieb zu unterbrechen und bestmöglich zu verhindern, dass das PRRS Feldvirus an andere Betriebe weitergegeben wird. Dazu ist die Einführung von entsprechenden betriebsindividuellen Biosicherheits- und Impfmaßnahmen notwendig. Eine Arbeitsgruppe unter Einbindung der Universität arbeitet an einem Maßnahmenkatalog für positive PRRS Betriebe, welcher voraussichtlich mit April 2021 vorliegen wird. Dazu gehört auch die Möglichkeit der Einbindung des Betriebsleiters in die Verabreichung des PRRS-Lebendimpfstoffes.

Zusammenfassung Mit dem nun vorliegenden Überblick über die österreichweiten Ergebnisse dieser Grunduntersuchung, werden die Erzeugergemeinschaften gemeinsam mit dem TGD und der Universität die weitere Vorgehensweise vereinbaren und notwendige rechtliche Weiterentwicklungsschritte vorantreiben:

• Einheitliche Vorgehensweise in der tierärztlichen Betreuung der Betriebe bei Setzung von PRRS Maßnahmen • Einheitliche Regeln in der Vermarktung der Ferkel • Schaffung der rechtlichen Möglichkeit einer Einbindung des Tierhalters in die Verabreichung des PRRS-Impfstoffes. • Festlegung der Zuschläge in der Ab rechnung von Ferkeln aus diesem Gesundheitsprogramm In den nächsten Wochen erfolgen bereits die Folgeuntersuchungen auf den Betrieben mit unverdächtigem oder stabilem Status. Damit wird dieser Status auf den Betrieben abgesichert. Eine rechtliche Möglichkeit zur Einbindung des Betriebsleiters in die Verabreichung des PRRS-Impfstoffes wird bis spätestens Mitte des Jahres angestrebt. Sobald eine solche Legalisierung erreicht ist, werden die Betriebe mit einem positiven Status mit der PRRS-Impfung ihrer Ferkel beginnen. Ich möchte zum Abschluss die hervorragende Zusammenarbeit unter den heimischen Erzeugergemeinschaften in dieser sensiblen Sache hervorheben und bedanke mich für die großartige Unterstützung der Tiergesundheitsdienste in den Bundesländern.

Weitere Schritte je nach Status 1. PRRS unverdächtig oder stabil Durchführung von Folgeuntersuchungen Da Stichprobenuntersuchungen immer nur eine Momentaufnahme darstellen, sind für PRRS unverdächtige und PRRS stabile Betriebe regelmäßige Untersuchungen vorgesehen. Damit wird die getroffene Einstufung der Grunduntersuchung regelmäßig hinterfragt. Diese Folgeuntersuchungen finden nach einem vorgegebenen Plan bei Ferkeln ab der 10. Lebenswoche statt. Die Probennahme kann bei einem Teil der Folgeuntersuchungen auch mittels Kaustrick entnommen werden.

Absicherung des Betriebsstatus auf stabilen Betrieben. Foto: FRAUKOEPPL 1-2021 | Recht & Politik | 15


Mit „Top Leistungen“ durchtauchen Bei der Durchsicht der aktuellen Schlachtschweineabrechnung kommt jetzt kaum Freude auf. Franz Strasser ABL, Fachberater für Schweine an der Beratungsstelle für Schweinehaltung hat sich an Hand der VLV-Zeitraumauswertung die 25 % besten Betriebe genauer angeschaut und deren Produktionstechnik analysiert.

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Ende Februar lassen sich mit einem Erlös von € 160,pro Mastschwein bei 98 kg gerade die Kosten für Ferkel, Futter und die sonstigen Kosten decken. Im Vergleich zum Februar des Vorjahres erhalten die Mäster für diese Schweine um ca. € 57,- weniger. Das Ferkel, das 112 Tage vorher eingekauft wurde, kostete um € 35,32,- weniger, gleichzeitig sind Eiweißfuttermittel teurer. Wer keinen Vorkaufskontrakt mehr hat und sich am Tagespreis eindecken muss, zahlt für Soja 43 derzeit € 537,- / Tonne. Damit steigen die Futterkosten auf ca. € 70,-. Auf Grund dieser Tatsachen könnten manche die Nerven verlieren und sozusagen „den Hut draufhauen“. Spitzenmäster konzentrieren sich aber jetzt voll auf die Produktion und versuchen damit durch die Flaute zu kommen.

Klasse vor Masse Jetzt ist nicht wie im Winter 2020 „Masse“, sondern „Klasse“ gefragt. D.h., waren vor einem Jahr möglichst viele Schweine, hohes Schlachtgewicht pro m² Stallfläche gefragt, sind es jetzt die Leistungen des Einzeltieres. Dieser Grundsatz beginnt schon beim Einstallen der Ferkel: Wer bis jetzt den Schweinen nur die gesetzliche Mindestfläche von 0,7 m² und 33 cm Troglänge zur Verfügung gestellt hat, sollte überlegen, den Stall dünner zu belegen. Mäster, die langfristig 870 g tägliche Zunahmen bei 60,5 % Muskelfleischanteil und < 1,2 % Ausfälle erzielen geben ihren Schweinen 0,78 - 0,8 m² Platz. D. h. am Quertrog bei 12 Buchten ein Schwein weniger und bei 35 Schweine am Automaten bzw. Kurztrog nur mehr 32 Stück pro Bucht. Mäster, die ihre Ställe lockerer belegen, berichten von besseren Masterfolgen: der „Futterstress“ wird reduziert und durch mehr Platz sind die Schweine gerade in der Endmast ruhiger. Gleichzeitig ist für den Mäster bei der Betreuung die Übersicht besser.

Magerfleischanteil: Durchschnittswert ist nur die halbe Wahrheit

Verschmutzte Tröge bremsen die Fresslust. Quelle: Strasser

Die Top-Betriebe liegen im MFA-Wert bei 61,5 %. Da der Durchschnitt im VLV 60,9 % beträgt, ist das ein Plus von 0,6 %. Wichtiger noch als der Durchschnittswert ist die Streuung. So schaffen es die Spezialisten einerseits auf > 75 % S–Anteil, andererseits aber auch auf unter 1 % U–Schweine. Wird das Klassifizierungsprotokoll genauer unter die Lupe genommen, fällt bei diesen Betrieben auf, dass das durchschnittliche Fleischmaß über dem Durchschnitt von 81,5 mm zu liegen kommt. Jeder Millimeter mehr Fleisch „verträgt“ auch etwas mehr Fettauflager, was im gegenwärtigen Fall auch mit knapp 15 mm über dem Durchschnitt liegt. Das ist ein Zeichen für eine sehr intensive Fütterung und hohe Tageszunahmen.

Lockere Belegung verhindert „Futterstress“. 16 | Management | 1-2021

Quelle: Strasser


Wie erreichen diese Betriebe die 61,5 % Magerfleischanteil? Die heutigen ÖHYB-Ferkel entstammen aus den Mutterrassen Edelschwein und Landschwein (Fortuna) gekreuzt mit Pietrain (Felix). Geschlossene Betriebe züchten genauso nach diesem System und sind bei der Eberauswahl eher wählerisch. Die Besamungsanstalten von PIG Austria legen darauf höchsten Wert. Mit der Einstufung in „Best Performer“ und „High Performer“ wird dem Rechnung getragen. Beim Einsatz von Ebern zum Hofabzapfen werden die ersten Würfe gezielt gekennzeichnet. Um die Leistungen des jungen Ebers noch zu verfolgen, wird den ersten 10-20 Würfen eine Marke eingezogen. Diese Kennung lässt sich bis zur Verladung der Schlachtschweine nachvollziehen. Wenn irgendwelche Besonderheiten (Anomalien, Fundamentschwächen, unzureichende MFA %) auftreten, so lässt sich unmittelbar ein Bezug zur neuen Genetik herstellen. Die elektronische Ohrmarke in Verbindung mit dem Sauenplaner wird vor allem in dieser Hinsicht einerseits Erleichterung, andererseits viele Informationen für eine zielgerichtete Selektion bringen.

Wie schwer mästen die erfolgreichen Betriebe ihre Schweine? Mit 99 kg sind die Schweine der TOP-Betriebe um 0,4 kg schwerer als der Durschnitt im VLV (98,6 kg). Diese Daten sind aber auch nur die halbe Wahrheit, da AMA-Betriebe ihre Schweine mit 97 kg, konventionelle Schweinemäster aber mit 100 kg verkaufen. Die Streuung im Gewicht zwischen den Betrieben ist dennoch groß.

So schaffen es die Spezialisten bei einem Partiedurchschnitt von 97 kg unter 10 % übergewichtige Schweine abzuliefern. Dies geht nur, wenn die Verkaufszeitpunkte unabhängig vom Steigen oder Fallen der Preise und nur nach dem Gewicht der Tiere gewählt werden. Geschlossene Betriebe mit Wochenrhythmus verkaufen 14-tägig. Bei einem 3-Wochen-Abferkelrhythmus ergibt sich automatisch auch ein 3-wöchiger Verkauf. Betriebe mit eigener Ferkelherkunft kompensieren durch Ausschöpfung des Optimalkorridors (90-102 kg bei Schweinen zwischen 58-61 % MFA von 2 Cent) und mit der AMA-Prämie den Nachteil der kleinen Verkaufspartien. Die durchschnittliche Partiegröße der 25 % Top-Betriebe beträgt 70 Stück. Das heißt: Optimaler Gewichtsbereich geht vor der Mengenstaffel.

Fazit Eine hohe Mast- und Schlachtleistung kann die wirtschaftlich triste Situation in der Schweinemast etwas lindern. Die Betriebe überstehen diese Flaute aber nur, wenn die Verkaufspreise bei den Schweinen bald steigen. Die Tendenzen in Richtung Abstockung in Deutschland lässt das hoffen. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, mit welchem Engagement und Können viele „Spezialisten“ ihre Schweine füttern, betreuen und damit erfolgreich sind. Diese werden folgenden Spruch voll gerecht: „Das Auge des Herrn mästet sein Vieh“. Es lohnt sich, darüber nachzudenken und die eigenen Betriebsdaten mit unabhängigen Beratungskräften zu besprechen.

Bei 0,78m2 Fläche pro Mastschwein ist in der Vormast reichlich Platz. Dieser wird in der Endmast aber ausgefüllt. Quelle: Strasser

Worauf legen „870g – Mäster“ Wert • Geregelter Ferkelbezug: Teilweise Direktbezug, aber auch gemischte Ferkelherkunft, die streng kontrolliert wird • Klare Trennung der Infektionsketten: + sauberer, desinfizierter, trockener Stall + Infektionen nicht selbst verschleppen • In der Ferkeleinstallphase mit Wärme und individueller Betreuung nicht sparen • Keine Würmer mitfüttern – effektive Entwurmung der Einstallferkel und Kontrolle des Wurmbefalls aus den SFU-Daten • Top Futterqualität des hofeigenen und zugekauften Futter Futtermitteluntersuchung • Entsprechende Trinkwasserqualität • Hoher Aminosäureneinsatz aus Soja + Wirkstoff oder Konzentrat • Hohes Futteraufnahmevermögen: + Stallklima dem Tiergewicht angepasst + Maisbetont aber mit einem Getrei deanteil im Futter + Ausgeglichene Ration mit Rohfaser anteil von 3,7 % - 4 % + Gut angepasste Futtermengen an das max. Fressverhalten + Kein Trogverkoten • Krankenboxen • Bekanntgabe der Ferkeleinstalldaten am Lieferschein • Genaue Überprüfung der Mast- und Schlachtleistung jeder Partie • Beachtung der SFU-Datenauswer-tung + Durchsicht mit den TGD-Tierarzt

Top Mäster beobachten regelmäßig die Qualität der Maissilage. Quelle: Strasser

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Erfolgreiche AMA-GütesiegelKampagne wird fortgesetzt TV-Spots laufen wieder

Foto: Paul Gruber

Seit Dienstag, 12. Jänner läuft der zweite Flight der TV-Kampagne. Bis Ende Februar sind 576 Ausstrahlungen des Fleisch- und 665 Ausstrahlungen des Milchspots gebucht. Die Spots werden von produktspezifischen Printinseraten begleitet. Die Printanzeigen wurden im Jänner vom Focus Institut getestet. Sie erreichten Platz 2 unter den werbestärksten Sujets. Eine ebenso gute Platzierung errangen die TV-Spots. Bewertet wurden die Faktoren Recognition, Gefälligkeit, Glaubwürdigkeit und Markenprägnanz. In der Kategorie „sympathisch“ schaffte es der AMA-Spot sogar zum Imagesieger.

b2b-Bereich auf der Website

ICH SCHAU AUF

Der Relaunch unserer Website beinhaltete unter anderem die Trennung in Inhalte für Konsumenten und Teilnehmer. Der b2b-Bereich wurde zu Jahresende fertiggestellt. Nun finden die User mit wenigen Schritten die Inhalte zu allen AMA-Güte- und Qualitätsrichtlinien. Die b2b-Startseite sowie die Inhalte über pastus sind bereits in englischer Sprache vorhanden. Weitere Seiten in Englisch werden folgen.

hohe Futterqualität

nachvollziehbare Herkunft

AMA-Forum 2020 Das AMA-Forum 2020 beschäftigte sich Ende November mit der Entstehung von und mit Strategien gegen Verschwörungstheorien. Die Schlüsse für die Land- und Lebensmittelwirtschaft: Es führt kein Weg an glaubwürdiger Information vorbei, auch wenn die Absender dabei viel Geduld und Einfühlungsvermögen brauchen und nicht alle Interventionen erfolgreich sein werden. Außerdem erzählten Kolleginnen und Kollegen aus ihrem Arbeitsalltag während der letzten, sehr herausfordernden Monate. 381 Zuseher waren an ihren Bildschirmen online dabei, an die dreißig inhaltlichen Fragen wurden schriftlich gestellt. Das AMAForum sowie die Beantwortung der Fragen stehen frei verfügbar auf der AMA-Website.

Qualitätskontrollen

Hygiene und Frische

WEIL ICH AUFS AMA-GÜTESIEGEL SCHAU.

Wer beim Einkauf von Schweinefleisch aufs AMA-Gütesiegel schaut, schaut auf mehr. Auf die nachvollziehbare Herkunft der Tiere. Darauf, dass sie ordnungsgemäß gehalten werden und geprüftes, hochwertiges Futter bekommen, auf Hygiene und Qualitätskontrollen. So sind Frische, Saftigkeit und bester Geschmack garantiert. Ich schau auf amainfo.at

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Netzwerk Kulinarik: Erfolgsgeschichte weiterschreiben Im Frühjahr 2019 wurde das Netzwerk Kulinarik neu aufgestellt, das Gütesiegel AMA GENUSS REGION im Sommer 2020 präsentiert. Es garantiert Gästen und Kunden die regionale Herkunft und standardisierte Qualität der Lebensmittel und frisch zubereitete Speisen in der Gastronomie. 1.870 Betriebe nehmen bereits teil: 621 bäuerliche Direktvermarkter, 162 Lebensmittelmanufakturen und 1.087 Gastronomiebetriebe.

Vernetzung von Produzenten, Gastronomen und Tourismus Beim Auftakt der Landeskonferenzen präsentierte das Netzwerk Kulinarik seine Arbeitsschwerpunkte für 2021. Wichtiger Schwerpunkt ist der weitere Ausbau der digitalen Genuss-Landkar-

te www.genussregionen.at. Dort finden Konsumenten regionale Spezialitäten, alle zertifizierten Betriebe und kulinarische Erlebnisse. Die Plattform dient auch der Vernetzung zwischen Produzenten, Gastronomen und Tourismus. Dies soll sich auch in einer gemeinsamen Kampagne zeigen. Unter dem Slogan „Land der behutsamen Veredelung“ werden die teilnehmenden Betriebe in den Regionen und ihre Spitzenleistungen mit diversen Maßnahmen on- und offline vorgestellt. Und gemeinsam mit der Österreich Werbung ist eine ganzjährige und weltweite Kommunikation mit Contentwerbung und Medienkooperationen, Newslettern und Social Media geplant. Mit kostenlosen betriebsindividuellen Fotoshootings und Webinaren zum Thema „Digitalisierung und Innovationen“

will das Netzwerk die Betriebe auf ihrem Weg der Professionalisierung unterstützten. Darüber hinaus erhalten die teilnehmenden Betriebe Werbemittel und können sich an Veranstaltungen und an einem Genuss-Gutschein-System beteiligen.

Regionsstammtische zum persönlichen Austausch Sofern es Corona-Maßnahmen zulassen, werden ab April Regionsstammtische in allen Bundesländern abgehalten. Dort wird das Arbeitsprogramm für 2021 vorgestellt, aber vor allem Ideen ausgetauscht und Inputs von den Teilnehmern und Organisationen mitgenommen. Mehr unter www.netzwerk-kulinarik.at

Boom von heimischen Lebensmitteln Heimische, insbesondere regional erzeugte Lebensmittel haben während der Corona-Krise für zwei Drittel der Konsumenten an Bedeutung gewonnen. Einkaufskriterien wie Aktionen oder günstiger Preis nehmen hingegen eine untergeordnete Bedeutung ein. Dies belegt eine aktuelle RollAMA-Motivanalyse. Regionale Produkte haben an Bedeutung gewonnen. Quelle: AMA

Während des vergangenen Jahres kam es aufgrund der Corona-Pandemie und dem dadurch bedingten Einbruch im Außer-Hausverzehr zu einer mengenund wertmäßigen Absatzsteigerung im Lebensmitteleinzelhandel von rund 8 %. Die höchsten Steigerungsraten hatten Hühnerfleisch (+18 %) und Faschiertes (+11 %) zu verzeichnen. Der mengenmäßige Absatz von Schweinefleisch blieb auf demselben Niveau gegenüber der Vorjahresperiode, allerdings kam es aufgrund rückläufiger Aktionen des Handels zu einem Umsatzanstieg von etwa 8 %.

Marktentwicklung Fleisch inkl. Geflügel im Lebensmitteleinzelhandel. Quelle: AMA 1-2021 | AMA | 19


Die Feinstaub-Richtlinie stellt hohe Anforderungen Gemäß EU-NEC-Richtlinie hat sich Österreich bis 2030 verpflichtet, 12 % der AmmoniakEmissionen (NH3) zu reduzieren. Da diese Emissionen überwiegend aus der Tierhaltung kommen, sind Reduktionsmaßnahmen in allen Bereichen wie Fütterung, Stall, Lager, Ausbringung, Weidehaltung und in der Anwendung von N-Mineraldüngern (insbesondere Harnstoff) umzusetzen. Die Schweinehaltung kann und soll einen bedeutenden Beitrag dazu leisten. DI Franz Xaver Hölzl Boden. Wasser. Schutz. Beratung Abt. Pflanzenbau LK OÖ

Laut aktuellen Berichten des Umweltbundesamtes hat der Sektor Landwirtschaft an der PM10Staubfraktion einen Anteil von knapp 18 %.

Auswirkungen von Feinstaub und Ammoniak

EU-NEC-Richtlinie verpflichtet zur Feinstaubreduktion

Staub umfasst alle Schwebeteilchen in der Luft und wird über die durchschnittliche Partikelgröße definiert. Die als „Feinstaub (PM10)“ bezeichnete Staubfraktion enthält 50 % der Teilchen mit einem Durchmesser von weniger als 10 µm (10 Tausendstel Millimeter). Partikel dieser Größe können über den Kehlkopf hinaus bis tief in die Lunge gelangen. Sie sind daher besonders gesundheitsschädlich. Die PM2,5-bezeichnete Staubfraktion ist eine Teilmenge von PM10 und Partikel dieser Größe können bis in die Lungenbläschen gelangen. Die Folge können schwere Gesundheitsauswirkungen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) sein. (Quelle: Homepage Umweltbundesamt „UBA“). Ammoniak (NH3) ist ein farbloses, stechend riechen-des Reizgas, das überwiegend aus der Landwirtschaft stammt. NH3 reagiert in der Luft relativ rasch mit Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden, dabei bilden sich sekundäre anorganische Feinstaub-Partikel. Darüber hinaus kann Ammoniak zur Eutrophierung und Versauerung von Flächen beitragen.

Im Dezember 2016 haben alle EU-Mitgliedsstaaten individuelle staatliche Reduktionsverpflichtungen für die Emissionen von Feinstaub (NEC-Richtlinie) beschlossen. Die rechtliche Umsetzung in Österreich erfolgt im Emissionsgesetz Luft (EG-L). Die Landwirtschaft in Österreich hat an den NH3-Emissionen einen Anteil von etwas über 93 % (siehe Grafik 1), die vorrangig aus der Tierhaltung und bei der Wirtschaftsdüngerausbringung entstehen.

Grafik 1: NH3-Verursacher 2018. Quelle: Umweltbundesamt

20 | Ammoniakemissionen | 1-2021

Österreich ist verpflichtet, die AmmoniakEmissionen, ausgehend vom Basisjahr 2005, bis 2020 um 1 % und bis 2030 um 12 % zu reduzieren. Aktuell konnte das Reduktionsziel 2020 in Österreich nicht erreicht werden und nach wie vor ist auch kein sinkender Trend festzustellen. Aufgrund dieser Zielverfehlung ist ein Vertragsverletzungs-Verfahren durch die EUK zu befürchten. Aufgrund der aktuellen Daten des Umwelt-

Grafik 2: Durch Tierhaltung verursachte NH3Emissionen (Widü-Kette). Quelle: Umweltbundesamt

bundesamtes (UBA) besteht nunmehr eine Reduktionsverpflichtung von ca. 20 % bzw. 12 kt NH3 bis zum Jahr 2030.. Daher sind enorme Anstrengungen von Seiten der Landwirtschaft vorzunehmen, um diese Reduktionsverpflichtung zu erreichen. Die Landwirtschaftskammer vertritt dabei den Weg „Freiwilligkeit vor Zwang“, indem über Investitionsförderungs- und ÖPUL-Maßnahmen die Reduktionen erreicht werden sollen. Von WissenschaftlerInnen und der Bundesverwaltung wird dies als zu unverbindlich und zu unsicher betrachtet. Daher wird parallel an gesetzlichen Vorgaben per Verordnung gearbeitet. Aus den Erfahrungen der Nitrat-Richtlinie sind bei Nichteinhaltung (erhebliche) Sanktionen zu erwarten. Daher ist es unausweichlich und vordinglich, Maßnahmen zu definieren und umzusetzen, die möglichst effizient, kostenmäßig tolerabel, in der Praxisbewirtschaftung akzeptabel und nachweisbar sind.

Fütterung – weitere Steigerung der N-reduzierten Fütterung In der Schweinehaltung wird durch N-optimierte Mehrphasenfütterung ein großes Emissionsreduktionspotenzial gesehen. Für eine Rationsgestaltung sind dabei Futteranalysen die Grundvoraussetzung. Laut Tier-

Grafik 3: Wirtschaftsdüngemanagement Quelle: Umweltbundesamt


haltungsstudie II (TIHALO II) werden derzeit etwa 80 % der Zuchtsauen (38 % zweiphasig und 42 % drei- und mehrphasig) sowie etwa 70 % der Mastschweine (45 % der Mastschweine zweiphasig und 25 % drei- und mehrphasig) N-reduziert gefüttert. Damit wird durch die Schweineproduktion bereits ein entsprechender Beitrag geleistet. Eine weitere Steigerung der N-reduzierten Fütterung insbesondere bzgl. verstärktem Aminosäureeinsatz, aber auch in Richtung Multiphasenfütterung wird als Handlungsansatz in der Schweineproduktion bis 2030 gesehen, wobei hier noch ein entsprechender Forschungsbedarf besteht. Detaillierte Informationen können bei den Beratungsstellen Schweineproduktion der Landwirtschaftskammern bezogen werden.

Wirtschaftsdünger-Management Betrachtet man die aus der Tierhaltung stammenden Ammoniakemissionen, so sind 45 % der NH3-Verluste der Ausbringung, 37 % den Verlusten im Stall und 14 % den Lagerverlusten zuzuordnen (siehe Grafik 2). 20 % der Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft stammen aus der Schweinehaltung (siehe Grafik 3).

Stall Bei der emissionsarmen Gestaltung von Schweineställen wird gemäß aktueller Untersuchungsergebnisse vom Forschungsinstitut Raumberg-Gumpenstein in der Dämmung und Kühlung sowie in der Staubvermeidung (Sprühnebel/Zweistoffdüsen-Technik gleichzeitig auch Kühlung, Strohentstaubung) sowohl im Neubau als auch bei der Nachrüstung ein entsprechendes Potenzial gesehen. Funktionsgetrennte Ställe und Luftwäscher sieht man eher kritisch (Praxistauglichkeit, hoher Wartungsaufwand, Manipulation mit Säure, Kosten). Bei zahlreichen angeführten Maßnahmen ist aber noch erheblicher Forschungsbedarf bezüglich Absicherung der Praxistauglichkeit gegeben. Darüber hinaus ist des Potenzial im Stallneubau bis 2030 jedenfalls begrenzt.

Tatsache in der Form Rechnung getragen, dass in der LE 2015 ausschließlich Güllegruben mit fester Abdeckung gefördert werden. Daher wird eindringlich empfohlen, nur mehr geschlossene Güllegruben zu errichten.

Gülle-Ausbringung – zentrale Maßnahme Die Ammoniak-Verluste bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern stellen mit 45 % Anteil an den NH3-Verlusten aus der Wirtschaftsdüngerkette (Stall-Lager-Ausbringung) die Haupt-Emissionsquelle dar (siehe Grafik 3). Die Betrachtung der Ammoniakverluste über die gesamte Wirtschaftsdüngerkette ist von zentraler Bedeutung. Werden im Stall und am Lager die Verlustpfade minimiert, sollte dies zu einem höheren Stickstoffgehalt in der Gülle führen. Wird nun dieser höhere Stickstoffgehalt nicht optimiert (bodennah, verdünnt, optimaler Zeitpunkt) ausgebracht, sind höhere Ammoniakverluste zu erwarten und der ganze Minderungseffekt im Stall und am Lager verpufft bei der Ausbringung ohne Wirkung. Daher führt in der gesamten Wirkungskette an einer optimierten Ausbringung kein Weg vorbei! In der Schweinehaltung werden grundsätzlich alle verfügbaren bodennahen Ausbringungstechniken (Schleppschlauch mit einem Minderungsfaktor von –30 %, Schleppschuh mit einem Minderungsfaktor von –50 % und Injektion mit einem Minderungsfaktor von –80 %) empfohlen. In Österreich werden aktuell durch die ÖPUL 2015-Maßnahme „Bodennahe Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern und Biogasgülle“ nachweisbar ca. 3 Mio. m³ flüssiger Wirtschaftsdünger bodennah ausgebracht.

Diese Menge ist zu 85 % der Schweinehaltung zuzuordnen (siehe Grafik 4). Damit werden schätzungsweise etwa 35 % der in Österreich anfallenden Schweinegülle bereits mit der verbesserten Technik gedüngt. Für die Zielerreichung ist in der Schweinehaltung eine erhebliche Steigerung bzw. Verdoppelung der bodennahen Ausbringung auf mind. 70 % der anfallenden Gülle erforderlich. Um dem Prinzip „Freiwilligkeit vor Zwang“ zu entsprechen, wurden für diesen enormen Kraftakt von politischer Seite die Weichen hervorragend gestellt: • Verbesserte Investitionsförderung für die Verteiltechnik • Die Covid-19-AWS-Förderung (Antrag bis 28. Februar 2021 möglich) hat einen zu sätzlichen Anreiz für diese Technik bewirkt • Aufhebung des Einstiegsstopps für die ÖPUL-Maßnahme „Bodennahe Ausbringung“ • Erhöhung der Grenze auf 50 m³ pro ha düngungswürdiger Acker- und Grün landfläche • Wegfall der Mindestgrenze; bis dato musste mindestens 50 % der am Betrieb anfallenden Gülle bodennah ausge bracht werden; damit können sich auch Betriebe, die nur einen untergeordneten Anteil an für diese Technik geeigneten Flächen haben, an dieser Maßnahme be teiligen • Prämienanpassung im ÖPUL 2023; es besteht weitgehender Konsens, dass die Abgeltung pro Kubikmeter bodennah ausgebrachter Gülle entsprechend ange passt wird Daher wird eindringlich an alle Schweinehalter appelliert, diese Angebote wahrzunehmen und ihre Gülle künftig mit der bodennahen Technik auszubringen.

Gülle-Lagerung Gemäß ÖKL-Merkblatt 24 können feste Abdeckungen die Ammoniak-Emissionen am Lager um 85 bis 95 % reduzieren. Waren laut den Tierhaltungs-Studien im Jahr 2005 noch ca. 87 % der Güllelager abgedeckt, so hat sich dieser Anteil auf 57 % im Jahr 2015 reduziert. In der Investitionsförderung wurde dieser

Grafik 4: Verteilung der Betriebe mit Teilnahme an der ÖPUL-Maßnahme „Bodennahe Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern und Biogasgülle“. Quelle: BMLRT, 2020

1-2021 | Ammoniakemissionen | 21


Foto: Agrarfoto

Dr. Birgit Kaltenböck Amtstierärztin Land Oberösterreich Abteilung Ernährungssicherheit und Veterinärwesen

Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch Was erwartet Schweinebetriebe und wie können sie sich vorbereiten? Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest schreitet voran Die Afrikanische Schweinepest (ASP) erreichte im Jahr 2014 über Georgien und Russland Europa, und hier als erstes die baltischen Staaten. Mittlerweile sind weite Teile Osteuropas und seit September 2020 auch Deutschland betroffen. Die erfolgreiche Tilgung der Seuche im Wildschweinebestand ist bisher nur in Tschechien und Belgien gelungen.

Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe im Seuchengebiet Im Seuchengebiet, dem Gebiet, in dem der ASPErreger bei Wildschweinen nachgewiesen wurde, werden Maßnahmen gesetzt mit dem Ziel, die ASP in der Wildschweinepopulation zu tilgen. 22 | Afrikanische Schweinepest | 1-2021

Hierfür kommt je nach den Gegebenheiten vor Ort eine Kombination verschiedener Maßnahmen zu tragen, wobei vor allem Jahreszeit, Topographie, Vegetation und Wildschweindichte eine wichtige Rolle spielen. Anfangs wird es darum gehen, die aktuelle Ausbreitung der Seuche zu beurteilen. Dies erfolgt durch Fallwildsuchen mit anschließender Bergung und Untersuchung der Kadaver auf ASP. Dabei gilt es, die Wildschweine nicht zu beunruhigen, was durch Jagdverbot, Betretungsverbote und auch durch Verbot oder Einschränkung der Bewirtschaftung erreicht werden kann. Diese Maßnahmen haben auch Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe im Seuchengebiet. So kann zum Beispiel für ein Maisfeld ein Ernteverbot ausgesprochen werden, weil der Mais als Futter für die Wildschweine dienen soll, um für diese das Gebiet attraktiv zu machen bzw. um ihnen keinen Anlass zu geben, das Gebiet zu verlassen, wodurch eine Weiterverbreitung der Seuche verhindert werden soll.


Ist in dem betroffenen Gebiet ohnehin genug Futter für Wildschweine vorhanden, so kann sich die Maßnahme auf Auflagen für die Maisernte beschränken. Eine Fallwildsuche im Maisfeld vor der Ernte kann vorgeschrieben werden, um die Weiterverbreitung der Seuche über Kontamination der Ernte, Kontamination der verwendeten Fahrzeuge und Gerätschaften zu verhindern. Auch darf frisches Gras aus dem Seuchengebiet nicht an Schweine verfüttert werden. Heu und Stroh dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen in den schweinehaltenden Betrieb eingebracht werden; nämlich nach entsprechender Lagerung oder Hitzebehandlung, so dass davon ausgegangen werden kann, dass kein übertragungsfähiger Erreger mehr in Heu und Stroh ist und es zu keinem Eintrag der Seuche in den Hausschweinebestand kommen kann.

Wie kann der Eintrag der Seuche in den Hausschweinebestand verhindert werden? Der Erreger der ASP, ein behülltes DNA-Virus, ist sehr lange überlebensfähig - in Fleisch (auch in tiefgekühltem Fleisch) und in Wildschweinkadavern mehrere Monate lang. Im Gegensatz zur langen Überlebensfähigkeit ist der Erreger jedoch nicht sehr kontagiös, das heißt nicht sehr übertragungsfähig, eine Eigenschaft, die wir nützen können: durch gute und konsequent umgesetzte Biosicherheitsmaßnahmen kann der Erregereintrag in den Hausschweinebestand verhindert werden. Es müssen also Maßnahmen gesetzt werden, die verhindern, dass eventuell vorhandenes ASP-Virus in den Betrieb eingetragen wird. Diese Maßnahmen umfassen u.a.: • die Lagerung oder Erhitzung von Heu und Stroh aus dem Seuchengebiet vor Einbringen in den Bestand • die wildschweinsichere Lagerung von Futter und Einstreu • Kontakt von Wildschweinen zu Gerät schaften, Maschinen, die im Betrieb ver wendet werden, wird verhindert • Möglichst eingeschränkten Personen verkehr am Betrieb • Anziehen betriebseigener Stallkleidung und Stiefel vor dem Betreten der Stallun gen, Hygieneschleusen • Kadaverlagerung in geschlossenen Be hältnissen, die am Rande des Betriebs geländes stehen, so dass bei der Ab holung das Betriebsgelände nicht befahren werden muss

Die Biosicherheitsmaßnahmen setzen sich aus zwei wichtigen, sich ergänzenden Teilen zusammen – den baulichen Voraussetzungen und dem Betriebsablauf. Die rechtliche Grundlage hierfür stellt die Schweinegesundheits-Verordnung dar. Zu dieser wurde im Jänner 2021 das „Handbuch zur Umsetzung und Kontrolle der Biosicherheitsmaßnahmen bei der Haltung von Schweinen in Österreich“ veröffentlicht. In diesem Handbuch werden alle Anforderungen an die Biosicherheit näher beschrieben, mit Beispielen verdeutlicht, Mindeststandards festgesetzt und Empfehlungen ausgesprochen. Die Einhaltung und Umsetzung dieser Biosicherheitsmaßnahmen hat – abgesehen von der Verhinderung des Erregereintrags in den Bestand – noch ein weiteres wichtiges Ziel: Sollte in Österreich die ASP im Wildschweinebestand ausbrechen und Ihr Betrieb im Seuchengebiet liegen, wird die Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen eine der Voraussetzungen für eine Verbringungsgenehmigung aus Ihrem Betrieb sein.

Ist das Verbringen von Hausschweinen im Seuchengebiet möglich? Innerhalb des Seuchengebietes und aus dem Seuchengebiet heraus ist das Verbringen von Hausschweinen, Schweinefleisch und Schweinefleischprodukten sowie Samen, Eizellen und Embryonen von Schweinen verboten, aber als Ausnahme unter Erfüllung von bestimmten Voraussetzungen und mit behördlicher Genehmigung erlaubt. Für das Verbringen von Hausschweinen aus dem Seuchengebiet gibt es bis April 2021 zwei Möglichkeiten. Die eine ist das Verbringen aus Statusbetrieben. Das sind Betriebe, die ein festgelegtes Kontrollprogramm aus regelmäßigen Betriebsüberprüfungen (Kontrolle der Biosicherheit und klinische Untersuchung der Schweine) und Untersuchungen verendeter Schweine auf ASP durchlaufen, und sodann Schweine verbringen können, ohne diese jedes Mal vorab untersuchen zu müssen. Eine Genehmigung der zuständigen Behörde für die Verbringung ist erforderlich. Die zweite Möglichkeit für das Verbringen ist die Untersuchung von Blutproben auf ASP und eine klinische Kontrolle der Schweine vor jeder Verbringung. Auch in diesem Fall ist eine Genehmigung der zuständigen Behörde für die Verbringung erforderlich.

Ab 21.4.2021 tritt das neue Tierseuchenrecht der EU in Kraft, wobei auch die Verbringung von Schweinen, Schweinefleisch und -produkten sowie Samen, Eizellen und Embryonen von Schweinen in einer Durchführungsverordnung der EU neu geregelt wird. Diese Rechtsgrundlage liegt derzeit (Anmerkung: Redaktionsschluss 8.2.2021) nur als Entwurf vor, wodurch die Bedingungen im Detail noch nicht endgültig feststehen. Jedoch zeigt sich, dass die derzeit bestehenden zwei Möglichkeiten – Verbringen als Statusbetrieb oder Verbringen über Blutuntersuchungen und klinische Untersuchungen – voraussichtlich zu einer Verbringungsmöglichkeit zusammengefasst werden. Dies hat zur Folge, dass jeder Betrieb im Seuchengebiet, der Schweine aus seinem Betrieb in einen anderen Betrieb oder zur Schlachtung verbringen will, für die Verbringung die vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen erfüllen muss. Anders formuliert: Betriebe, die die Biosicherheitsanforderungen nicht erfüllen, dürfen Schweine aus ihrem Betrieb nicht verbringen.

Was können Schweinebetriebe zur Vorbereitung tun? In der Schweinegesundheits-Verordnung sind die erforderlichen Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen festgelegt. Die Einhaltung dieser Vorgaben ist die Grundvoraussetzung für ein Verbringen von Schweinen im Seuchenfall und dient der Verhinderung der Einschleppung der ASP in den Hausschweinebestand. Es wird dringend angeraten, die Biosicherheit im eigenen Betrieb zu evaluieren und falls erforderlich anzupassen. Hierfür ist das online abrufbare Handbuch der Schweinegesundheitskommission eine gute fachliche Unterstützung. Die Vorkehrungen hinsichtlich Verhinderung oder nötigenfalls Bekämpfung der ASP fordern große Anstrengungen von sehr vielen Seiten. Umso mehr darf zur Einhaltung der erforderlichen Biosicherheitsmaßnahmen aufgerufen werden; denn die beste Tierseuche ist jene, die erst gar nicht auftritt. Das Handbuch ist unter www.verbrauchergesundheit.gv.at > „Tiere“ > „Publikationen“ abrufbar.

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Haltungsform-Kennzeichnung: Erfolgsgeschichte mit Potenzial

Dr. Alexander Hinrichs Geschäftsführer der Initiative Tierwohl

Seit einigen Jahren äußern die Deutschen in Umfragen regelmäßig ihre Bereitschaft, mehr Geld auszugeben, wenn dafür mehr Tierwohl in die Ställe gebracht wird. Dies gaben etwa 90 Prozent der Befragten noch im Ernährungsreport des deutschen Bundeslandwirtschaftsministeriums im Jahr 2018 an. Im Januar 2019 erschien dann eine Studie der Hochschule Osnabrück von Professor Ulrich Enneking. Hier wurde das reale Kaufverhalten von Kunden in der Praxis getestet, wenn diese tatsächlich die Auswahl haben. Das Ergebnis liegt den Umfrageresultaten diametral entgegen: 73 Prozent kauften die günstigste Ware, obwohl das Tierwohl-Angebot nur etwa 30 Cent teurer war. In diesem Unterschied von Umfrage und Realität stecken zwei Wahrheiten. Die erste ist: Lippenbekenntnisse von Verbrauchern in Umfragen sind keine verlässliche Basis, wenn es um die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung geht. Die zweite Wahrheit aber ist: Selbst im direkten und härtesten Wettbewerb zeigt sich für Produkte mit einem Tierwohlplus ein Marktpotenzial, das noch gehoben und vielleicht sogar ausgebaut werden kann. Denn 27 Prozent kauften bei dem Realexperiment der Hochschule Osnabrück Tierwohl- bzw. Bioware, während der Marktanteil von Bio-Schweinefleisch deutschlandweit etwa zwei Prozent beträgt. Ziel der Haltungsform-Kennzeichnung der teilnehmenden Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland ist es, eine wichtige Grundvoraussetzung zur Hebung dieses Potenzials zu schaffen: Verbraucher müssen das Tierwohl-Niveau eines Produktes einfach und schnell erkennen und bei ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen können. Vor diesem Hintergrund wurde 2019 eine einheitliche vierstufige Haltungsform-Kennzeichnung für tierische Produkte von den großen Lebensmittelhändlern eingeführt. Die Trägergesellschaft der Haltungsform-Kennzeichnung ist die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung mbH, die auch Trägerin der Initiative Tierwohl ist. Die Haltungsform-Kennzeichnung ist kein Produktsiegel, sondern eine Siegel-Klassifikation. Das heißt: sie ordnet für Verbraucher die auf dem Markt befindlichen Tierwohl-Siegel entsprechend dem Tierwohl-Niveau, das während der Haltung der Tiere geherrscht hat, ein. So waren im Januar 2021 bereits 20 Siegel in dem vierstufigen System der Haltungsform klassifiziert. Für jede Stufe gibt es ein eigenes Siegel, neben dem das klassifizierte Tierwohl-Siegel auf der Verpackung abgebildet ist. Verbraucher sehen

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in den deutschen Filialen der Händler zum Beispiel neben dem Siegel „Nature & Respect“ das Haltungsform-Zeichen der Stufe 3 und wissen: hier steckt etwas weniger Tierwohl drin als bei Bioprodukten mit dem Zeichen der Stufe 4 und etwas mehr Tierwohl als bei dem Siegel der Initiative Tierwohl mit der Stufe 2. Das System der Haltungsform enthält für vier Stufen Anforderungen in zentralen Bereichen wie Platzangebot, Haltung, Beschäftigung und Tiergesundheitsmonitoring. Bislang sind die Tierarten Hähnchen, Pute, Ente, Schwein und Rind abgedeckt. Weitere Tierarten sind in der Vorbereitung. Die Tierwohlprogramme werden nach Antrag eines Lebensmittelhändlers von der Trägergesellschaft einer entsprechenden Stufe der Haltungsform-Kennzeichnung zugeordnet. Um Verbrauchern eine erste grobe Vorstellung davon zu ermöglichen, was sich hinter den einzelnen Stufen der Haltungsform-Kennzeichnung verbirgt, sind die Stufen neben der Nummerierung von 1 bis 4 noch mit einem Schlagwort benannt. Die Stufe 1 heißt „Stallhaltung“. Das Siegel ist durch rote Farbe gekennzeichnet. Die Kriterien entsprächen hier in etwa den gesetzlichen Mindestanforderungen, gehen aber teilweise, wie etwa im Bereich Fütterung und Tiergesundheitsmonitoring, über diese hinaus. In diese Stufe werden die Produkte mit den QS-Prüfzeichen einsortiert. Die Stufe 2 heißt „Stallhaltung Plus“ und trägt blaue Farbe. Die hier eingeordneten TierwohlSiegel müssen den Tieren mindestens 10 Prozent mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial bieten. Mit dieser Stufe werden zum Beispiel Produkte gekennzeichnet, die das Siegel der Initiative Tierwohl tragen.


Die Stufe 3 heißt „Außenklima“ und ist orange eingefärbt. Hier haben die Tiere noch einmal mehr Platz und dazu unmittelbaren Frischluftkontakt zum Beispiel durch so genannte Offenfrontställe. In dieser Stufe sind z.B. Qualitätsfleischprogramme des Lebensmitteleinzelhandels zu finden. Die vierte und höchste Stufe ist grün eingefärbt und heißt „Premium“. Hier finden Verbraucher Produkte der Bioverbände und andere Siegel, die besonders hohe Tierwohlkriterien erfüllen. So müssen die Tiere etwa neben einem im Vergleich zu Stufe 3 noch einmal erhöhten Platzangebot auch verpflichtend Auslaufmöglichkeiten haben. Die Einführung der Haltungsform-Kennzeichnung kann als Erfolgsgeschichte betrachtet werden. Inzwischen finden Verbraucher die vierstufige Siegel-Klassifikation deutschlandweit in über 20.000 Filialen der teilnehmenden Lebensmitteleinzelhändler. Diese kennzeichnen über 90 Prozent des einschlägigen Fleischangebots mit dem Haltungsform-Siegel. Bei den Verbrauchern kommt das Ganze ebenfalls gut an. Laut einer repräsentativen Befragung des renommierten forsa-Instituts vom Dezember 2020 haben fast die Hälfte der Deutschen das Siegel beim Einkauf bewusst wahrgenommen. 87 Prozent finden die Kennzeichnung der Haltungsform gut oder sehr gut. Und 79 Prozent der Bürger in Deutschland sind davon überzeugt, dass durch die Kennzeichnung die Verbraucher das Thema Tierwohl beim Einkauf stärker berücksichtigen. Mithin deutet einiges darauf hin, dass die Haltungsform-Kennzeichnung einen wertvollen Beitrag leisten kann, wenn es darum geht, den Erfolg von Tierwohlprodukten auszubauen und erhofftes Marktpotenzial zu heben.

Infografik zur forsa-Befragung. Quelle: Hinrichs

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Mumien, Totgeburten, lebensschwache Ferkel – es muss nicht immer nur Parvo sein! Treten bei einer Abferkelung vermehrt Mumien in verschiedenen Größen sowie Totgeburten oder lebensschwache Ferkel auf, macht man sich meistens Gedanken darüber, ob die letzte Parvovirusimpfung vielleicht schon zu lange zurückliegt oder vielleicht vergessen wurde. Tatsächlich ist das porzine Parvovirus (PPV) der „Klassiker“ unter den Auslösern des „SMEDI-Syndroms“ (Stillbirth, Mummification, Embryonic Death, Infertility).

Tzt. Heinrich Kreutzmann Universitätsklinik für Schweine Veterinärmedizinische Universität Wien

Dr. Christine Unterweger Universitätsklinik für Schweine Veterinärmedizinische Universität Wien

Da sich das Virus nur langsam von Fetus (Bezeichnung ab Trächtigkeitstag 35, da ab diesem Zeitpunkt die Verknöcherung stattfindet) zu Fetus ausbreitet, sterben diese in unterschiedlichen Trächtigkeitsstadien ab. So ist es nicht ungewöhnlich, dass in einem Wurf sowohl kleine als auch größere Mumien, fast fertig entwickelte totgeborene Ferkel und lebensschwache Ferkel vorkommen. Aufgrund der Größenunterschiede der Mumien bzw. der totgeborenen Ferkel spricht man von dem sogenannten „Orgelpfeifen-Bild“ (siehe Abbildung). Ebenfalls können verlängerte Tragzeiten beobachtet werden, sodass Geburten häufiger eingeleitet werden müssen. Wer aber bei diesem Wurf Parvovirus gesucht hätte, wäre erfolglos geblieben. Es handelte sich um eine Infektion mit dem porzinen Circovirus Typ 2 (PCV2), das in aller Regel zum selben klinischen Bild (SMEDI) wie PPV führt – mit dem kleinen Unterschied, dass bei PCV2-Infektionen der Sau zusätzlich auch Aborte, also ein Abbruch der Trächtigkeit zu jedem Zeitpunkt, auftreten können, was bei Parvo nicht der Fall ist.

Abbildung: Feten und Ferkel in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, das „Orgelpfeifenbild“ Quelle: Klinik für Schweine/VUW Wien 26 | Tiergesundheit | 1-2021

Typische klinische Zeichen von SMEDI sind in Tabelle 1 aufgeführt. PCV2 ist allen Ferkelproduzenten aus einem anderen Zusammenhang, den typischen Kümmerern nach dem Absetzen, wie man es in den 2000er Jahren erlebt hat, ein Begriff. Durch die flächendeckende, wirksame Impfung der Saugferkel hat der Infektionsdruck auf die Schweinepopulation abgenommen und Kümmerer lassen sich schon lange nicht mehr regelmäßig auf PCV2-Infektionen zurückführen. Der von den Herstellern garantierte Impfschutz hält in der Regel bis zum Mastende an, was aber auch heißt, dass Jungsauen keine Impfantikörper mehr haben. Sie sind somit empfänglich für eine Infektion und können außerdem über die Biestmilch

Tabelle 1: Auswirkungen einer Infektion im jeweiligen Trächtigkeitsstadium (modifiziert nach Madson und Opriessnig, 2011).


keine Antikörper gegen PCV2 übertragen. Infizieren sich diese Zuchttiere vor oder während der ersten Trächtigkeit, besteht ein erhöhtes Risiko einer Infektion der ungeborenen Feten. Da sich PCV2 in sich schnell teilendem Gewebe vermehrt, ist für den Nachweis das fetale Herz am besten geeignet. Im Jahr 2020 haben wir an der Veterinärmedizinischen Universität in ca. 20 % aller Abort- oder Mumieneinsendungen im fetalen Herzen PCV2 nachweisen können. Dieses Ergebnis darf auf keinen Fall überinterpretiert werden, denn das Virus kommt in fast allen Schweinehaltungen vor. Der alleinige Nachweis heißt somit nicht unbedingt, dass das Virus auch eine Rolle an den Krankheitsgeschehen gespielt haben muss. Ganz wesentlich ist zum einen die Menge des gefundenen Virus und zum anderen die charakteristischen mikroskopisch sichtbaren Läsionen im fetalen Herz.

Macht es Sinn, auch Sauen gegen PCV2 zu impfen? Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Liegt die klinische Symptomatik vor und wurde PCV2 im Abortmaterial, in Blutproben der Sauen oder bei Saugferkeln nachgewiesen, kann eine Impfung angebracht sein. Grundsätzlich hat sich die Impfung von Sauen in Studien und Fallberichten als eine erfolgreiche Maßnahme erwiesen. So konnte in einer Studie auf einem Betrieb in Spanien, wo zwar Virusübertragungen innerhalb der Sauenherde nachgewiesen

worden sind, aber keine schwerwiegenden reproduktiven Störungen beobachtet wurden, mittels Impfung der Sauen die Anzahl an lebendgeborenen Ferkeln und die Vitalität der Ferkel gesteigert werden (Oliver-Ferrando und weitere Autoren, 2018). In einer norddeutschen Sauenanlage, welche mit 440 Jungsauen neu aufgebaut wurde, sind verlängerte Tragzeiten, Mumien sowie totgeborene und lebensschwache Ferkel aufgefallen. Insgesamt haben nur 65 % der Sauen zum geplanten Termin abgeferkelt. Obwohl die Jungsauen bei Eingliederung gegen PCV2 geimpft wurden, konnte PCV2 in Blutproben der Sauen und in fetalem Material mit charakteristischen mikroskopisch sichtbaren Läsionen gefunden werden. Der bestandsbetreuende Tierarzt hat in diesem Fall eine verspätete PCV2Impfung der ersten Jungsauengruppen für diese klinische Symptomatik verantwortlich gemacht, denn eine folgende Gruppe, welche direkt nach Anlieferung geimpft wurde, war deutlich weniger betroffen. Zusätzlich wurde die gesamte Sauenherde nochmals geimpft, um den Infektionsdruck zu senken (Dr. Heike Engels, Sonderdruck aus dem dlz agrarmagazin/primus Schwein Heft 4/2016). Auch aus Österreich ist uns ein Fallbericht bekannt, auf welchem der Anteil von mumifizierten Feten nach Infektion von 0,5 % auf 15,5 % angestiegen sind. In diesem Fall konnte nach der Herdenimpfung aller Sauen der Anteil der mumifizierten Feten drei Monate später wieder auf 1,5 % reduziert werden. Grundsätzlich gilt es zu bedenken, dass eine Impfung keinen vollständigen Schutz des Einzeltieres bieten kann. Vielmehr geht es um die Erzeugung einer sogenannten „Herdenimmunität“, also die

Fähigkeit eines Großteils der Herde, immunologisch auf die Infektion reagieren zu können, die Folgen einer Infektion zu verhindern und den Erregerdruck im Bestand zu senken. Eine besonders gefährdete Altersgruppe sind, wie oben beschrieben, die Jungsauen. Generell gilt die Empfehlung, diese Tiere in dem von der restlichen Herde abgegrenzten Quarantänestall gegen PCV2 zu impfen und die Tiere erst nach Immunitätsausbildung in die Herde zu integrieren.

Fazit PCV2 kann, neben anderen infektiösen und nichtinfektiösen Ursachen, für Fruchtbarkeitsprobleme im Sauenbestand verantwortlich sein. Bei vorhandener Symptomatik sollte eine Diagnostik in Zusammenarbeit mit der bestandsbetreuenden Tierärztin/ dem bestandsbetreuenden Tierarzt eingeleitet werden, um die Ursache eingrenzen zu können. Ein regelmäßiges und zielgerichtetes Impfprogramm bei Sauen in Kombination mit einer adäquaten Jungsaueneingliederung ist eine effektive Möglichkeit, PCV2-bedingten Fruchtbarkeitsproblemen vorzubeugen.

Autorenhinweis Literatur kann bei den Verfassern angefordert werden. Die Weiterverwendung der Bilder ist nicht gestattet.

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Österreichischer Sojaanbau, regionale Wertschöpfung

Axel Grunt Pressesprecher Verein Donau Soja

Auch in der Landwirtschaft wächst der globale Trend zu immer stärkerer Spezialisierung, Österreich kann sich dem nicht komplett entziehen. Reduzierte Deckungsbeiträge und verkürzte bäuerliche Wertschöpfungsketten machen allerdings neue Wege erforderlich. Eine Rückkehr zu verstärkt regionaler Wertschöpfung bzw. zu Eigenversorgung bietet interessante Alternativen. Ein Teil davon: Eine Ausweitung des Sojaanbaus für den betrieblichen Eigenbedarf inklusive eigener Verarbeitung. Aus der Region für die Region.

Soja statt von Mato Grosso nun von der Nachbarin oder dem Verarbeiter im nächsten Ort. Neue Chancen für viele kleine VerarbeiterInnen, die Soja für den Eigenbedarf und den lokalen Bedarf in der Region verarbeiten. Das Ergebnis: Geld bleibt in der Region, Arbeitsplätze auf dem Land werden gesichert. Rund 500.000 Tonnen Soja importiert Österreich pro Jahr - der überwiegende Teil davon ist gentechnisch manipuliert. Noch landet dieses Soja auf den österreichischen Tellern – indirekt auch über die Futtermittel in der Schweinemast. Ein Schwenk auf regionales Donau Soja könnte auch einem deutlichen KonsumentInnenwunsch nachkommen. Ein Schulterschluss von LandwirtInnen, Handel und KonsumentInnen könnte die gentechnik-freie Position Österreichs stärken und beitragen, Schweinefleisch und seinen Wert neu zu entdecken.

10.000 Kilometer Speziell bei Soja ist der Weg vom Anbauort zum Futtertrog besonders lang. Zwischen Österreich und Brasilien liegen etwa 10.000 Kilometer. Donau Soja setzt darauf, dass Soja nur innerhalb Europas, bzw. im Donauraum transportiert wird. Schweinefleisch ist die wichtigste Fleischquelle in der EU mit einem jährlichen Verbrauch von 32 kg pro Person. Die Schweineproduktion ist von Soja abhängig und ein erheblicher Teil des importierten Sojas geht in die Fütterung von Schweinen.

Schließen der „Regionalen Eiweißlücke“ Gerade bei regionalen Erfolgsmodellen für tierische Erzeugnisse steht man vor dem Problem der „Regionalen Eiweißlücke“. Der einzige Weg diese zu schließen, ist eine regionale Anbau- und Verarbeitungsstruktur für 28 | Fütterung | 1-2021

Soja: Heizlüfter, Toaster, Röster, Röstschnecken oder Extruder. Die Vielfalt der Anlagen erlaubt individuelle Zugänge. Und sie bieten die Chance, die verstärkte Produktion von regional angebauten Proteinquellen für die Schweinefleischproduktion voranzutreiben.

Regionales Toasten stärkt die bäuerliche Wertschöpfung Neben gentechnikfreiem Schrot (BAG Güssing), bieten Sojakuchen oder vollfett getoastete Sojabohnen neue Chancen. Die Bohnen können am eigenen Betrieb verarbeitet werden und bringen die Möglichkeit, die Versorgung der Tiere selbständiger zu gestalten und mehr Wertschöpfung für den eigenen Betrieb zu schaffen. Donau Soja schätzt, dass in Österreich bereits mehr als 30 entsprechende Kleinanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben im Betrieb sind. Dabei kommen verschiedene technische Verfahren und Anlagen zum Einsatz. Die häufigsten sind Extruder und Toaster, die HerstellerInnen befinden sich entweder direkt in Österreich oder in den Nachbarländern. Beispiele für Toaster in Österreich, die bereits als regionale Sojaverarbeiter auf dem Markt sind, sind das Mischfutterwerk Großschedl im steirischen Feistritztal, die südoststeirische Ölmühle Lugitsch in Gniebing oder die Firma Garant in Pöchlarn im niederösterreichischen Donautal. Aufgrund der dezentralen Produktion bieten diese Toaster gute Möglichkeiten zur Steigerung bäuerlicher Wertschöpfung bei guter Kostenstruktur. Mit Donau Soja bekommt Soja ein heimisches, ein regionales Gesicht. Regionale Klimapartnerschaften fördern regionale AkteurInnen. Regionale Futterkreisläufe stärken die heimische Landwirtschaft und schützen das Klima. Betriebe vor Ort erhalten die Möglichkeit sich neue Standbeine aufzubauen, LandwirtInnen, ProduzentInnen und KonsumentInnen profitieren.

Donau Soja-Tierfutter vermeidet 40 Prozent der CO2-Emissionen Vor knapp zehn Jahren waren die Mengen der im deutschen Sprachraum verarbeiteten Sojabohnen kaum nennenswert. Inzwischen konnte Donau Soja mit seinen PartnerInnen und Mitgliedern die regionalen Wertschöpfungsketten ausbauen. Im Jahr 2012 wurden etwa 5.000 ha in Deutschland, 37.000 ha in Österreich und etwa 2,6 Millionen ha in Europa für den Sojaanbau genutzt. Diese Zahl hat sich bis 2020 in Österreich auf 69.000 ha, in Deutschland auf 33.000 ha und in Europa auf über 4 Millionen ha enorm gesteigert. Durch den Einsatz von Donau Soja-zertifiziertem Soja können rund 40 Prozent der CO2-Emissionen aus der Fleischproduktion vermieden werden. Das hat kürzlich das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) berechnet. Schweinefleisch der EDEKA-Marke „Hofglück“ mit Donau Soja-Fütterung verursacht 2,16 kg CO2 pro kg Schweinefleisch, während eine vergleichbare Produktion mit Soja aus Übersee 3,42 kg CO2 pro kg Fleisch verursacht – ein Minus von 40 Prozent! Auch die GUSTINO Strohschweine „Klimafit“ lassen sich aktuell vom FiBL durchleuchten. Nachdem auch dort Donau Soja-zertifiziertes Futter zum Einsatz kommt, werden bei GUSTINO vergleichbare CO2-Reduktionen wie bei „Hofglück“ erwartet.


Erster Schritt: Wirtschaftliche Bewertung Die wesentliche Frage: „Reicht der Verbrauch von Sojaprodukten auf meinem Betrieb aus, um innerhalb eines angemessenen Zeitraums einen Return on Investment zu erzielen?“ Gute Aussichten auf wirtschaftlichen Erfolg bei der Verarbeitung von Sojabohnen auf dem Hof haben Betriebe mit einem jährlichen Verbrauch von mindestens 70-100 Tonnen Sojabohnen. Für Bio-Betriebe kann die Rentabilität bereits bei 50 Tonnen pro Jahr beginnen. Wichtig ist freilich die Kosten-Nutzen-Rechnung für das gesamte System. Die Faktoren dabei: Abschreibung der Anlage, Energiekosten pro Leistungseinheit, Wartungskosten und Zeitaufwand für Wartung, Verarbeitung und Überwachung. Wenn Verarbeitungsanlagen nur in kleinen Chargen und mit vielen Pausen betrieben werden, arbeiten die Maschinen mit einem unterdurchschnittlichen Wirkungsgrad. Die volle, vom Hersteller angegebene Energieeffizienz wird möglicherweise nicht erreicht. Es ist wie beim Autofahren. Stop-and-Go ist weniger effizient als eine kontinuierliche Fahrt.

Donau Soja und die LandwirtInnen - eine neue Klimapartnerschaft Wenn LandwirtInnen vor Ort ihr Soja produzieren und es an eine Ölmühle in der Region liefern, oder wenn sie gleich selbst oder gemeinsam mit NachbarInnen eine Toastanlage betreiben, dann entsteht eine neue Klimapartnerschaft. Transportwege werden kurz, der Einsatz von zertifiziert europäischem Soja birgt die Chance klimafreundlicher zu werden. Die Unabhängigkeit wächst, die Soja-Produktion bleibt in der regionalen bäuerlichen Wertschöpfungskette: Die eigenen Produkte werden auf dem eigenen Hof oder von Betrieben in der Region für deren Schweinemast verwendet – es profitieren die regionalen Betriebe, die Umwelt und das Klima.

Schweine sicher durch die Übergangszeit bringen Kennen Sie das Problem? Gerade jetzt in der Übergangszeit, wenn die Tage schon warm werden aber die Nächte oftmals noch sehr kalt sind, treten vermehrt Probleme mit hustenden und kranken Tieren auf. Die starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht können vom Lüftungssystem oftmals nur unzureichend abgefedert werden und sind dadurch auch im Stall zu spüren. Das bedeutet eine hohe Belastung für das Immunsystem und Stress für Ihre Schweine. Die Folgen können von leichtem Husten über Leistungsrückgang bis hin zu erhöhten Ausfällen führen. Das Ziel ist es daher, das Immunsystem Ihrer Schweine in dieser Phase bestmöglich zu unterstützen und dadurch Leistungseinbußen hintanzuhalten. DI Markus Mader Garant setzt dazu im gesamten Mastschweinefutter Garant Tiernahrung die Wirkstoffkombination OxiProtect ein. Diese Kombination aus Vitamin C und unterschiedlichen Antioxidantien (Vitamin E, sowie natürliche Pflanzenextrakte) fördert das Immunsystem und unterstützt die Immunabwehr. Das sorgt für ganzjährig vitale Tiere, auch in Stressphasen. Sollte es dennoch zu Problemen mit den Atemwegen kommen, bietet der Wirkstoffergänzer Aerofit Unterstützung. Die Kombination aus natürlichen Pflanzeninhaltstoffen von Eukalyptus, Thymian und Knoblauch fördert bei Husten die Schleimlösung in der Lunge. Eine hohe Vitaminausstattung unterstützt zusätzlich das Immunsystem. Weitere Informationen über das Produktsortiment von Garant erhalten Sie beim Garant Verkaufsteam oder im Lagerhaus.

1-2021 | Fütterung | 29


Mag.a Katharina C. Herzog Projektinitiatorin und Art Direktorin Würmlas Wände Foto: Werner Streitfelder

Würmla liegt etwa 60 km entfernt von Wien in Niederösterreich, genauer gesagt im Mostviertel, Bezirk Tulln. Rund um Würmla befinden sich 14 weitere Ortschaften, welche ebenfalls zum Gemeindegebiet gehören. Auf einem kleinen Bauernhof in einer dieser Ortschaften bin ich aufgewachsen. Meine Eltern waren Nebenerwerbslandwirte und führten einen Schweinemastbetrieb mit 450 Mastschweinen. Als Jugendliche spürte ich oft welche Verantwortung das Betreiben einer Landwirtschaft mit sich brachte und vor welchen Herausforderungen meine Eltern standen. Deshalb war es für mich spannend, genau in meiner Heimatgemeinde ein Projekt umzusetzen, welches den Menschen am Land als Sprachrohr dient. Im Zeitraum von April bis Dezember 2019 entstand deshalb gemeinsam mit meinem Studienkollegen David Leitner ein Kunstprojekt das Stadt und Land verbinden soll: Würmlas Wände – urbane Kunst auf ländlichen Fassaden. Mit dem Medium der Street-Art, also der urbanen Malerei, wurden insgesamt 13 alte Stadel, Keller und Silos in zehn Ortschaften der Gemeinde gestaltet. Dabei war es uns wichtig die Landbewohner*Innen in das Projekt miteinzubeziehen und die Motive in Zusammenarbeit mit den Besitzer*Innen der Wände zu entwickeln. 30 | Kunstprojekt | 1-2021

So entstanden ganz persönliche Geschichten über die Dorfbewohner*Innen von Würmla und ihrem Leben am Land, ihren Wünschen und Sorgen, was sie beschäftigt und bewegt. Sie teilten ihre Sicht der Welt und was sie mit den Gebäuden verbinden. Die unterschiedlichsten Themen wurden auf diesem Weg ins Rampenlicht gerückt: die Rolle der Frau am Bauernhof, Mobilität, der Wert von Lebensmitteln, Klimaschutz und viele mehr.

Foto: Alexander Rauch

Würmlas Wände - Urbane Kunst als Brücke zwischen Stadt und Land


Würmlas Wände ist eben der Versuch, Brücken zwischen Stadt und Land zu bauen um Vorurteile und Stereotype beiseite zu räumen, um nicht nur den Dialog im Ort anzuregen sondern weit über die Dorfgrenzen hinaus Austausch zu generieren. Ein Projekt, das diese zwei Welten einander wieder näher bringen soll, die oftmals den Bezug zueinander verloren haben. Das bemerken auch Christoph Heiss, 34, und sein Vater Karl, 63. Die beiden führen gemeinsam einen Schweineaufzucht- und einen Mastbetrieb nahe Anzing, einen Kilometer entfernt von Würmla. Sie beschäftigt seit Jahren ein Thema: „Warum wird nicht mit der Qualität von Fleisch Werbung gemacht, sondern nur mit dem billigen Preis?“ Sie erzählten, dass sie in Österreich nach den höchsten Richtlinien der EU arbeiten, aber nicht den höchsten Preis für ihr Produkt bekommen. Fleisch sei oft ein Lockmittel, um die Konsumenten in die Lebensmittelmärkte zu bringen. Den beiden Landwirten war es daher wichtig, dass bei ihrem Wandbild die Wertigkeit des Fleisches thematisiert wird. Wertigkeit wird in unserer Gesellschaft oft mit Markenprodukten in Verbindung gebracht. Für Prestigeobjekte wie iPhone und Co. wird bereitwillig die Bankomatkarte gezückt. Um zu zeigen, wie wertvoll das österreichische Produkt Schwein ist, wurden diese Marken-

bilder referenziert. Durch Anbringung teurer Markenlogos auf dessen Körper wird ein ungewohntes Bild geschaffen. Das Markenschwein von Anzing.

Es wird Zeit dass wir aufeinander zugehen und Orte der Begegnung und des Miteinanders schaffen, denn nur so entsteht sie - die gegenseitige Wertschätzung.

12 weitere Geschichten vom Land können entlang einer 23 km langen Wanderroute durch die Gemeinde entdeckt werden.

würmlaswände.at wurmlaswalls.com

Die Artdirektorin Katharina C. Herzog und der Künstler David Leitner initiierten das Projekt Würmlas Wände. Foto: Alexander Rauch

LANDWIRT – Fachwissen seit über 100 Jahren! Praxisnahe Fachinformation für die bäuerliche Familie und ein breitgefächertes Informationsspektrum: Das bietet die Fachzeitschrift LANDWIRT schon seit über 100 Jahren. Die Inhalte zeichnen sich vor allem durch eine kritische, praktische und unabhängige Berichterstattung aus. Die führende Agrarfachzeitschrift in Österreich versorgt Sie im 2-Wochen-Takt mit Inhalten aus der Praxis. Von Landwirten/Landwirtinnen für Landwirte/Landwirtinnen. Zusätzlich zur Print-Ausgabe ist es für Abonnenten möglich die Artikel online als E-Paper auf landwirt-media.com zu lesen. Haben wir Ihr Fachinteresse geweckt? Eine kostenlose Leseprobe können Sie online unter landwirt-media.com/landwirt-probeheft telefonisch unter 0316/821636-164 oder per Mail an leserservice@landwirt-media.com anfordern.

Auszug aus LANDWIRT Reportagen Tierwohl-Schweinestall für die Direktvermarktung Ausläufe mit Festflächen und Stroh, aber vor allem mit Spaltenböden und Gülle führen insbesondere in der wärmeren Jahreszeit zu stark erhöhten Emissionen von Ammoniak, Staub und Geruch. Denn durch das Zusammentreffen von Kot und Harn wirkt das Enzym Urease. Dieses Enzym verwandelt einen Teil des Harnstoffs aus Kot und Harn in gasförmiges Ammoniak, welches emittiert, also austritt, und die Umwelt belastet. Herkömmliche Außenklimaställe können deshalb oft aufgrund ihrer Emissionswerte nicht gebaut werden. Den ganzen Artikel und weitere Infos unter www.landwirt-media.com/ schwein

1-2021 | Kunstprojekt | 31


Ein gesunder Verdauungstrakt bei Schweinen fördert das Wohl der Tiere und ihre Leistung. Der Verdauungstrakt ist für die Aufnahme der gefütterten Nährstoffe zuständig und damit für ein effizientes Wachstum. Andererseits schützt er das Tier als Barriere gegen pathogene Keime, die aus der Umwelt, dem Futter oder dem Wasser aufgenommen werden. Der Verdauungstrakt, genauer gesagt die Darmschleimhaut, besitzt ein eigenes Immunsystem. Dieses Immunsystem ist die erste Verteidigung des Körpers gegen Krankheitserreger. Ist dieses System geschwächt, ist das gesamte Tier geschwächt. Daher ist es notwendig den Verdauungstrakt gesund zu erhalten, um Tiere effizient zu ernähren und Ressourcen zu schonen. Auf die Darmgesundheit achten

Von der Zuchtsau bis zum Mastschwein

Futtermittel, v.a. hofeigene Futtermittel und Trinkwasser, sollen möglichst hygienisch gehandhabt werden. Eine bedarfsgerechte Futterzusammensetzung ist Voraussetzung. Eine Über- oder Unterversorgung mit Nährstoffen sowie eine Imbalance führen zu Entwicklungs- und Leistungsstörungen, Stoffwechselstörungen sowie Qualitätseinbußen. Die richtige Zusammensetzung des Futters, der Einsatz von wissenschaftlich geprüften Futtermittelzusätzen (z.B. pflanzliche Zusätze, Probiotika, Säuren, usw.) wirken sich positiv auf die Darmflora und die Darmgesundheit aus. Zu wenig Futterstruktur, also eine zu geringe Partikelgröße, führt schnell zu Magengeschwüren und anderen Darmerkrankungen. Ein zu geringer Anteil an Faser und deren Zusammensetzung können bei Schweinen zu schwerwiegenden Darmproblemen führen.

Darmerkrankungen können in jeder Altersgruppe auftreten. Ob Ferkel, Zucht- oder Mastschweine, jede Kategorie stellt besondere Anforderungen an das Futter. Es ist essentiell die Darmgesundheit in allen Altersgruppen zu fördern. Gerade in einer der kritischsten Lebensphasen des Schweines, nämlich der frühen Absetzphase der Ferkel, sollten wir uns Gedanken über die Darmgesundheit machen. Diese kann bereits über die Fütterung der Zuchtsau und dadurch die Zusammensetzung des Kolostrums beeinflusst werden. Je gesünder die Ferkel, desto besser funktioniert die Mast. Der Einfluss der Fütterung auf die Darmgesundheit beginnt bei der Auswahl der Rohstoffe und Futtermittelzusätze, der Optimierung des Futters und geht hin bis zur Produktion und dem Transport. Durch die richtige Auswahl und Zusammensetzung

32 | Firmeninformation | 1-2021

der Futtermittel kann die Darmgesundheit der Schweine gefördert werden und der wirtschaftliche Erfolg verbessert werden. Leopold Jungbauer Produktmanagement Schwein Fixkraft-Futtermittel GmbH, Enns

Unser Beitrag zur Darmgesundheit • Optimale Nährstoffversorgung • Wissenschaftlich geprüfte Futtermittelzusätze + Mit antibakteriellen Effekten + Mit anti-oxidativen und entzündungs hemmenden Effekten + Zur Verbesserung der Nährstoff verwertung + Zur Stabilisierung der Darmflora • Ideale Futterstruktur • Auf das Alter abgestimmte Faserzusammensetzung

Foto: Fixkraft

Darmgesundheit beim Schwein Der Schlüssel zum Erfolg


1-2021 | Firmeninformation | 33


Waldviertler Schnitzel Zubereitung 1. Schnitzel klopfen, mit Salz und Pfeffer würzen, mit Knoblauch einreiben.

4 Schweinsschnitzel á 18 dag

2. Für die Fülle Zwiebel und Speck würfelig schneiden und anrösten.

Knoblauch

3. Sauerkraut wässern, gut ausdrücken, etwas zerschneiden und zugeben.

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4. Die Fülle würzen, etwas auskühlen lassen und gleichmäßig auf den Schnitzerln verteilen.

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Zutaten für 4 Personen

5. Rouladen formen und mit Nadeln fixieren. In heißem Schmalz rundum kräftig anbraten. Mit Suppe aufgießen und das Fleisch weich dünsten. Sauerrahm mit Mehl versprudeln und den Saft damit binden. Kurz durchziehen und servieren.

Salz, Pfeffer Schmalz 1/8 L Suppe 1/8 L Sauerrahm Mehl Fülle: 5 dag durchzogener Speck 1 kleine Zwiebel 20 dag Sauerkraut Salz 1 TL Kümmel

Beilagenempfehlung Braterdäpfel

©Rezept und Foto „Waldviertler Schnitzel“ - Herausgeber: AMA

... im VÖS RÄTSEL-Stall >

4

1. Schweine wurden vor ca. 9.000 Jahren zu Haustieren - sie wurden d ...

>2

2. Ca. 700 Mio. Schweine werden in China gehalten, das ist ca. die H ... des weltweiten Bestandes. >

1

3. Im Lebensmitteleinzelhandel liegt der mengemäßige Marktanteil bei Schweinefleisch (zu anderen Fleischarten) bei ca. 27 ...

>

6 >

5

4. 36,4 kg beträgt der Pro-Kopf-V ... 2019 bei Schweinefleisch. 5. Schweine unterscheiden sich in Aussehen und Eigenschaften. Es gibt weltweit ca. 150 verschiedene R ...

>7

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>3

6. Unverdauliches wird vom Schwein ausgeschieden und wird als Mist und Gülle auf die Felder ausgebracht. Für die Pflanzen ist das ein guter D ... 7. Bei einer AMA-Motivanalyse gaben ca. 60 % an, Schweinefleisch wegen des guten G ... zu kaufen. 8. Liegt die Kerntemperatur beim Schweinefleisch bei ca. 58 bis 65 °C, ist es meistens noch r ... und noch nicht ganz „durch“. 9. Soja ist in Österreich die viertwichtigste Ackerkultur. Die Sojafläche hat sich innerhalb des letzten Jahrzehnts verd ... Erstellt mit XWords - dem kostenlosen Online-K reuzworträtsel-Generator https://www.xwords-generator.de/de

34 | Rezept/Rätsel | 1-2021


NTÖ hat mit Josef Fradler einen neuen Obmann Am 10.02.2021 wird Josef Fradler als neuer NTÖ Obmann gewählt. Im Rahmen der Generalversammlung des Vereins Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) am 10. Februar wurde Josef Fradler, Rinderbauer aus Kärnten und Obmann der ARGE Rind, zum neuen Obmann gewählt. Er folgt damit Walter Lederhilger, welcher von Jänner 2019 bis Februar 2021 das Amt des NTÖ-Obmanns bekleidete. Ihm gilt großer Dank und Anerkennung für sein Engagement und seinen Einsatz in den beiden vergangenen Jahren. Als Obmann des VÖS (Verband Österreichischer Schweinebauern) bleibt Walter Lederhilger weiterhin im Vorstand des NTÖ. Eine Funktionsperiode im NTÖ endet automatisch nach 2 Jahren – als Zusammenschluss der österreichischen Veredelungswirtschaft möchte der NTÖ gemeinsam die Interessen der Tierhalter*Innen aller Sparten vertreten und dies spiegelt sich auch in der rotierenden Obmannschaft wider. Obmann-Stellvertreter bleibt Josef Stöckl, Obmann des Österreichischen Bundesverbandes für Schafe und Ziegen. NTÖ Nachhaltige Tierhaltung Österreich www.nutztier.at

Am Punkt-Netzwerktreffen für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung Möglichkeiten in der Gemeinschaftsverpflegung Der Verein Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ) spricht sich seit Jahren für eine verpflichtende Lebensmittelkennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung aus. So sollen zukünftig Konsument*Innen in Gasthäusern, Kantinen, Großküchen, Lieferservices etc. Transparenz über die angebotenen Lebensmittel erhalten. Im österreichischen Regierungsprogramm 2020 bis 2024 ist eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung der Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier in der Gemeinschaftsverpflegung und in verarbeiteten Lebensmitteln ab 2021 verankert. Beim „Am Punkt-Netzwerktreffen Herkunftskennzeichnung“ des NTÖ am 10.11.2020 wurden gemeinsam mit den beteiligten Stakeholdern an einer Konsensfindung, der Definition der konkreten ersten Schritte sowie die Auslotung der Möglichkeiten und Grenzen ausgearbeitet.

Modellvorschlag Die Mitglieder der Gemeinschaftsverpfleger (GV)-Austria setzen bereits seit Jahrzehnten regionale Produkte ein und haben höchstes Interesse, Regionalität weiterhin zu fördern. Aktuell stammen bereits etwa 75 % der gesamten Frischwaren (Fleisch, Geflügel, Eier, Milch, Butter, Obst und Gemüse) in Österreichs Großküchen aus heimischer Produktion. Nach dem Muster der Bio-Zertifizierung soll künftig auch dieser Anteil heimischer

Viktoria Egger NTÖ - Nachhaltige Tierhaltung Österreich Lebensmittel gekennzeichnet werden. Die GV-Austria zeigt sich bereit, an der Erstellung eines praxistauglichen Zertifizierungssystems mitzuwirken. Es bleibt zu überlegen, wer die zu erwartende Erhöhung der Verkaufspreise 20 – 25 % trägt. Derzeit sind rund 60 % der GV private Betreiber, die überwiegend zu vertraglich festgelegten Preisen agieren. Eine Veränderung des Verkaufspreises ist letztendlich eine soziale Frage, da dies u.a. Mitarbeiter*Innen in Betrieben, Kindergärten und Schulen, Essen auf Rädern etc. betreffen würde. Um die Dienstleistungen der GV auch weiterhin sozialverträglich anbieten zu können, wäre durchaus auch eine öffentliche Stützung des Endpreises zu empfehlen.

1-2021 | ... im VÖS RÄTSEL-Stall | 35


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VÖS-Magazin 1/2021  

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