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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinebauern, Dresdnerstrasse 89/18,1200 Wien

Ausgabe Österreich 2/2020

Schweinemarkt in der Corona-Krise

www.schweine.at


Ausgabe Österreich 2/2020 06

03

Inhalt

04

Leitartikel

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Kommentar

06

Interview

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Markt

09

Mit dem Rüssel in Brüssel

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Ferkelmarkt

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PIG Austria

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Recht & Politik

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Reisebericht

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Notfallsysteme

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AMA

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Klimawirkungen

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Ferkelaufzucht

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Mycoplasma hyopneumoniae

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Zinkoxid-Einsatzverbot

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Anomalien

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Öffentliche Wahrnehmung

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Rezept & Rätsel

Im Interview

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Notluftsysteme

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Anomalien

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... Alexander Bernhuber ...

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... negative Auswirkungen von Anomalien und Gendefekten...

IMPRESSUM

... Aktionsplan mit Risikoanalyse ...

...das Schlimmste, was einem Schweinehalter passieren kann ...

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Thema Schwanzkupieren

Impfung

... Erfolg gegen Mycoplasma hyopneumoniae ...

Rezept-Tipp

... Gefüllte Paprika nach Mexikanischer Art ...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/18 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Steininger, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/18, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl Titelfotos: Adobe Stock, Fraukoeppl Mit Unterstützung vom

2-2020 | Inhalt | 3


Foto: FRAUKOEPPL

Corona – Krise und Chance! Rupert Hagler VÖS-ObmannStv.

Das Corona-Virus wirbelt die gesamte Schweinebranche auf – aufgrund der stark schwankenden Nachfrage erscheint eine genaue Angebotsplanung derzeit als sehr schwierig. Ein Faktor kristallisiert sich jedoch klar heraus: Die Versorgungssicherheit – vor allem in Krisenzeiten – kann nur durch einen Fokus auf den heimischen Markt gewährleistet werden. Das Bekenntnis des Handels, der Gastronomie sowie der Konsumenten zu österreichischen Produkten ist hier der Schlüsselfaktor! Dazu braucht es jedoch auch ein verstärktes „Wir-Gefühl“ entlang der eigenen Produktionskette! Die Unsicherheit derzeit ist groß – doch das Licht am Ende des Tunnels wird bereits wieder sichtbar!

Angebot und Nachfrage – ein volatiler Markt Die aktuelle Situation am Schlachtschweinemarkt ist derzeit alles andere als normal. Sowohl die Ferkel- als auch die Mästerseite erleben eine noch nie dagewesene preisliche Talfahrt innerhalb kürzester Zeit (Minus 20 % seit Jahresbeginn). Wenngleich in der Ferkelproduktion bei den Deckungsbeiträgen noch schwarze Zahlen erzielt werden können, ist bei den Mästern die Luft schon dünn und unterm Strich werden hier rote Zahlen geschrieben. Das Schweineangebot 2020 ist im Vergleich zu 2019 nicht mehr so üppig. Trotzdem übersteigt das aktuelle Angebot bis jetzt deutlich die Nachfrage (Wegfall des Außer-Haus-Verzehrs, massive Einbu4 | Leitartikel | 2-2020

ßen im Export, stark eingeschränkte Ausfuhren im EU-Binnenmarkt sowie hohe Kühlvorräte). Doch das Überangebot kann jetzt wieder Schritt für Schritt abgebaut werden, da die Nachfrage langsam durch verschiedene Maßnahmen und Entwicklungen anzieht: Die Gastronomie ist wieder geöffnet, die Grillsaison lässt auf einen verstärkten Verkauf hoffen und auch die Drittlandexporte nehmen wieder zu. Die Schlachthöfe könnten noch zu einem Problem werden. Mit einem Blick nach Deutschland, können die Auswirkungen einer Covid-Infektion von Schlachthofmitarbeitern abgeschätzt werden: Durch die Situation (Leiharbeiter, Werkverträge, enge Wohnverhältnisse) kann es zu einer kurzfristigen Schließung des Schlachthofes kommen – die Auswirkungen auf die Marktentwicklung in Österreich wären herausfordernd.

Gastronomie – Österreichischer Schulterschluss Der Wegfall der Gastronomie während der Corona-Beschränkungen war ein Hauptproblem für die Fleischbranche. Knapp 50% des Absatzes fielen einfach weg.


Foto: FRAUKOEPPL

Mit Mitte Mai haben viele gastronomische Betriebe wieder aufgesperrt, doch die Besucherzahlen setzen nicht mehr dort an, wo sie vor der Krise aufgehört haben. In den Städten bleiben aufgrund der ausbleibenden Touristen viele Gaststätten geschlossen und auch die österreichische Bevölkerung ist eher zurückhaltend. Festlichkeiten wie Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Erstkommunionen oder Firmungen, aber auch größere Veranstaltungen, wie zum Beispiel Feuerwehrfeste, fallen nach wie vor gänzlich weg. Nur ein gemeinsames Vorgehen bringt die österreichische Wirtschaft wieder in Schwung, gegenseitige Unterstützung hilft uns allen! Somit wäre jetzt ein idealer Zeitpunkt, unser Fleisch aufmerksamkeitswirksam in der Gastronomie zu platzieren. Oft wurde während der Corona-Krise der Ruf nach heimischen Qualitätsprodukten und weniger Abhängigkeit von ausländischer Ware laut. Eine große Chance, ein Umdenken einzuleiten! Doch dafür müsste der Staat unterstützend eingreifen, da die Krisenzeit auch für die Gastwirte eine besondere Herausforderung darstellt. Durch finanzielle Anreize, die an eine gesetzliche Herkunftskennzeichnung von Seiten der Regierung gekoppelt sind, könnten Gastronomen dazu animiert werden österreichisches Qualitätsfleisch auf ihre Speisekarte zu setzen – eine Win-Win-Situation für Gastronomen und Landwirte. Zusätzlich wäre es nach diesen Erkenntnissen aus der Krise in puncto Grundversorgung absolut wünschenswert auch die Kantinen und Küchen öffentlicher Einrichtungen, wie Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, etc., mit österreichischem Qualitätsprodukten zu beliefern. Hier bräuchte es genau jetzt ein deutliches Signal unserer Regierung.

Konsument – Bewusstseinsbildung Das Corona-Virus bringt auch manches Gute: So ist es bei vielen Menschen zu einem Umdenken gekommen. Vor allem in Bezug auf Versorgungssicherheit in Krisenzeiten wurde vielen Konsumenten bewusst, was es heißt, auf ausländische Ware angewiesen zu sein. Daher ergibt sich gerade jetzt eine einzigartige Gelegenheit, das Bewusstsein für heimische Lebensmittel zu fördern. Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit (CO2Abdruck, Transporte, etc.) kann hier als schlagkräftiges Argument den Konsum von österreichischen Produkten unterstützen.

Export versus strategischen Fokus auf den heimischen Markt China war letztes Jahr der Preismotor für

österreichisches Schweinefleisch. Aufgrund der ASP musste China etwa ein Drittel importieren, auch Österreich lieferte nach China. Durch die Covid-Krise nahm jedoch auch in China der Schweinefleischkonsum ab. Zudem wurde der asiatische Markt durch die aggressive Vorgehensweise der USA bedient (80 Cent pro Kilogramm Schlachtgewicht). Aufgrund der immer wiederkehrenden Spannungen zwischen China und den USA bleibt zu hoffen, dass dies auch positive Auswirkungen auf den Schweinemarkt mit sich bringt. Es muss jedoch klar sein, dass China wieder einen 100%igen Selbstversorgungsgrad anstrebt, das heißt, die Absatzmärkte für das 5. Viertel vom Schwein stehen nur mehr 3-5 Jahre in diesem Ausmaß offen. Umso wichtiger ist für uns, den österreichischen sowie den europäischen Markt im Fokus zu behalten und dort unsere Absatzkanäle auszubauen (z.B. Gastronomie).

„Wir sitzen – entlang der Produktionskette – alle im selben Boot“ Über den Tellerrand blicken und strategische Ausrichtungen vorzunehmen, macht nur dann Sinn, wenn der eigene Warenfluss absolut reibungslos läuft. Wird das Gleichgewicht innerhalb der eigenen Produktionskette durch einseitiges Vorgehen gefährdet, muss uns Landwirten klar sein, dass es uns alle treffen wird – denn wir sitzen im gleichen Boot. Nur durch eine vorausschauende Preisbildung auf allen Stufen, nur durch eine langfristige Zusammenarbeit ist es möglich, den Balance-Akt zwischen Mästern und FerkelProduzenten aufrecht zu halten. Daher muss die Preisbildung bei den Ferkeln in Zukunft mehr im Fokus der gesamten Produktionskette stehen, um unsere Aufgabe – den Absatz der Lebendmengen – bestens erfüllen zu können.

„Wir Bauern sind Botschafter für österreichische Qualitätsware!“ Abschließend möchte ich noch einen besonderen Appell an Sie richten: Wir, als Landwirte, sind Vorbilder für die Bevölkerung! Es ist unser Auftrag, den österreichischen Konsumenten als gutes Beispiel voranzugehen – und vor allem heimische Produkte in unser Einkaufswagerl zu legen. Sie müssen sich bewusst sein: Jeder Griff ins Regal ist gleichzeitig ein Produktionsauftrag! Auch wenn ein billigerer Preis uns in Versuchung führt, zu ausländischer Ware zu greifen – entscheiden Sie sich bitte bewusst für das österreichische Produkt und damit für die heimische, landwirtschaftliche Produktion!

Maria Steininger VÖS-Geschäftsführerin

Selbstversorgung wichtiger denn je Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass eine Eigenversorgung mit Lebensmitteln von hoher Bedeutung ist. Durch die am Anfang der Corona Krise getätigten Hamsterkäufe, war die Nachfrage zur Versorgungssicherheit bei diversen Lebensmitteln all gegenwärtig. Bei Schweinefleisch haben wir derzeit einen Selbstversorgungsgrad von 101 %, dieser ist zwar in den letzten Jahren leicht rückläufig (2010 = 108 %), aber grundsätzlich über die letzten 25 Jahre betrachtet,sehr stabil rund um 100 %. Neben einer gesicherten Versorgung mit heimischen Lebensmitteln ist nun auch der Konsum dieser besonders wichtig! Nach wie vor werden täglich Lebensmittel importiert. 2019 belief sich der Wert importierter Produkte im Bereich Ernährung auf 10,2 Milliarden Euro, was 13,4 % mehr waren als noch 2015! Diese Zahlen entstammen einer Studie der JKU Linz und der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW). Die Studie wurde im Auftrag der Hagelversicherung erstellt und kam zu weiteren spannenden Ergebnissen. Besonders interessant- würden um 20% mehr heimische Lebensmittel gekauft, ergebe das ein Plus von 46.000 Arbeitsplätzen und ein um 4,6 Milliarden Euro erhöhtes BIP. Und nebenbei würden die kürzeren Transportwege auch das Klima schützen. Das ergibt für mich drei essentielle Schlussfolgerungen: 1. Beim Einkauf von Lebensmitteln auf die Regionalität achten. 2. Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung einführen. 3. Die Selbstversorgung heimischer Produkte muss sichergestellt werden, um auch in Krisenzeiten nicht auf Importe angewiesen zu sein.

2-2020 | Leitartikel | Kommentar | 5


Im Interview: Alexander Bernhuber

Der Niederösterreicher Alexander Bernhuber (Jahrgang 1992) begann seinen landwirtschaftlichen Werdegang an der HBLFA Wieselburg, welche er 2011 mit der Matura abschloss. Nach seiner Matura wurde er 2012 Betriebsführer eines landwirtschaftlichen Betriebes mit Rindermast und Ackerbau. Im Jahr 2018 beendete er die BOKU mit dem Diplomingenieur in Nutzpflanzenwissenschaften. Seine politische Funktion nahm er bereits 2015 im Jugendgemeinderat der Gemeinde Kilb auf. Zudem war er von November 2018 - März 2019 Bundesleiter der Landjugend Österreich. Im Mai 2019 wurde er zum Abgeordneten im Europäischen Parlament gewählt. Hierbei ist er unter anderem im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vertreten. Herr Bernhuber was sind Ihre Ziele für die Arbeit als Abgeordneter im Europäischen Parlament?

DI Alexander Bernhuber Abgeordneter im Europäischen Parlament Foto: Martin Lahousse

Ich will eine starke Stimme für unsere Landund Forstwirte sein. Daher ist für mich ein wesentliches Ziel, dass es in der kommenden GAP-Periode zu keinen Budgetkürzungen kommen wird. Ein wichtiges Anliegen ist mir die Petition www.stopp-mercosur. at. Der Kampf gegen die Einfuhr von BilligFleisch aus Südamerika wird bereits von mehr als 40.000 Menschen unterstützt. Freihandel darf nicht ohne Einhaltung von europäischen Produkt- und Produktionsstandards für Umwelt- und Tierschutz sowie zu Lasten der Bäuerinnen und Bauern erfolgen. Das ist eine Frage der Fairness und Solidarität mit der heimischen Landwirtschaft. Mit 28 Jahren sind Sie der jüngste Abgeordnete der europäischen Volkspartei. Wie setzen Sie sich für die jungen Landwirte ein? Haben Sie einen Plan, um die Landwirtschaft besonders für junge Menschen attraktiver zu machen? Zum einen braucht es ausreichend finan-

6 | Interview | 2-2020

zielle Unterstützung für Junglandwirte, die von der Europäischen Union gestellt werden muss. Auch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bei ihrer Antrittsrede im Europaparlament versprochen, dass junge Landwirte Zugang zu Kapital haben müssen – ich nehme sie beim Wort. Zum anderen muss das Leben in ländlichen Regionen für Junge attraktiv bleiben. Es ist die Aufgabe der Politik, die Infrastruktur, Mobilität oder Kinderbetreuungsangebote zu optimieren, um den ländlichen Raum vor Abwanderung zu schützen. Im EU-Parlament sitzen 705 Parlamentarier. Was kann einer allein da bewirken? Als ÖVP-Delegation im EU-Parlament sind wir Teil der Europäischen Volkspartei und gehören somit zur stärksten Fraktion im Parlament. Wir sind also nicht alleine. Innerhalb der Fraktion kann es schon mal zu hitzigen Diskussionen kommen, da die Länderinteressen unterschiedlich sind. Hier ist es wichtig standhaft zu bleiben und gute Netzwerke aufzubauen, um auf die gemeinsame Linie einzuwirken. Wesentlich ist für mich auch der länderübergreifende Schul-


terschluss der agrarischen Abgeordneten, um Mehrheiten im Sinne der heimischen Land- und Forstwirtschaft zu gewinnen. Was sind aktuelle Themen im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit? Neben dem Green Deal ist der Umgang mit Pflanzenschutzmittel ein wesentliches Thema, genauso wie die Lebensmittelkennzeichnung. Eine lückenlose und transparente Kennzeichnung muss endlich auf europäischer Ebene umgesetzt werden. Nur so haben die Konsumenten es in der Hand, sich für Qualität und Regionalität zu entscheiden und geben unseren Landwirten einen Produktionsauftrag. Das ist gut für das Klima und eine echte Wertschätzung für die harte Arbeit der Bäuerinnen und Bauern. Beim Green Deal wird die europäische Landwirtschaft eine wichtige Rolle einnehmen. Gibt es schon einen genaueren Plan, wie die GAP dazu beitragen soll die Landwirte, bei den auf sie zukommenden Maßnahmen zu unterstützen und zu entlasten, ohne die Finanzierung anderer Förderungen einzuschränken? Die Gesetzesvorschläge des Green Deal werden schrittweise präsentiert und hier

prallen Welten aufeinander: Klimaromantiker, die die Realität auf den Feldern verkennen und auf der anderen Seite die Landwirtschaft, die vom Klimawandel ohnehin maßgeblich betroffen ist. Mit dem Green Deal wurde das Ziel gesetzt, in der EU bis 2030 50 % der Treibhausgasemissionen zu reduzieren und bis 2050 Europa zu einem klimaneutralen Kontinent zu machen. Um das zu schaffen, müssen alle Branchen einen Anteil leisten. Die Landwirtschaft ist für ca. 10 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich, versorgt Europa aber zu 100 % mit Lebensmitteln. Als Landwirtschaft werden wir natürlich unseren Anteil zum Erreichen der Ziele beitragen, nur sehe ich den wirklichen Handlungsbedarf in anderen Sektoren wie in der Schifffahrt, beim LKWVerkehr oder bei Kohlekraftwerken in Oststaaten. Sie sind ja selbst aktiver Bauer. Was möchten sie den heimischen Schweinebauern mit auf dem Weg geben?

kleinsten Preis und der größten Rendite zu bewerten, kann nicht der richtige Weg sein. Vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für viele gekommen, das Schnitzel aus Österreich wieder mehr zu schätzen. Was würden Sie jungen Menschen raten, wenn sie sich politisch in der Landwirtschaft engagieren wollen? Wenn man Verantwortung in der Politik übernehmen will kann ich jedem ans Herz legen, sich freiwillig zu engagieren. Mir persönlich hat die Landjugend das nötige Werkzeug mitgegeben. Dort habe ich früh angefangen mich zu engagieren, gelernt anzupacken und gemeinsam für die gute Sache einzutreten. Die Landjungend und die Österreichische Jungbauernschaft haben mir Mut gemacht, mitzugestalten, zu Beginn als Gemeinderat und anschießend in vielen weiteren Gremien.

Die letzten Wochen haben aufgezeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns auf unsere heimische Landwirtschaft verlassen können, zu keinem Zeitpunkt musste sich jemand vor leeren Regalen fürchten. Jetzt ist aber Solidarität von den Konsumenten gefragt. Regionale Produktion vor Ort gibt Sicherheit, ist besser für die Umwelt und schafft Arbeitsplätze. Alles immer nur kurzfristig nach dem

Die Landjungend und die Österreichische Jungbauernschaft haben mir Mut gemacht, mitzugestalten. Quelle: Philipp Monihart 2-2020 | Interview | 7


Corona zerstört tolle Aussichten Das Hauptthema der letzten Monate in Politik und Gesellschaft, die Covid-19 Pandemie, war und ist ein massiver Störfaktor am Schweinemarkt. Zwar konnten die Preisverluste bis Ostern relativ gering gehalten werden, doch dann kam die bittere Flaute mit rekordverdächtigem Preisabsturz.

Ostern war Knackpunkt

Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Mit den Osterfeiertagen fielen in weiten Teilen Europas zwei umsatzträchtige Schlachttage weg, der Schlachtschweineabsatz begann zu stocken. Die Aufarbeitung von Überhängen erfolgt in florierenden Zeiten durch Überstundenleistung binnen Tagen. Bei der zu diesem Zeitpunkt schwierigen Verfügbarkeit von Arbeitskräften in den Schlacht- und Zerlegebetrieben und wenig attraktiven Spannen in der Fleischbranche belasteten die Überhänge bis Ende Mai. Am stärksten schmerzte der Wegfall der Gastroszene und des Exportes nach Italien. Auch die Fleischindustrie hat nach den Hamsterkäuen die Supermarktregale wieder schnell befüllt und war dann zurückhaltend. Nur der LEH war mit einem Plus von 20-30 % beim Frischfleischabsatz zufrieden, konnte den Ausfall der anderen Absatzsektoren aber nicht wettmachen.

Amerika ruiniert Weltmarktpreise und China-Geschäft Schon im letzten Jahr lag das amerikanische Schweinepreisniveau 50-70 Cent/kg unter EU-Niveau. Der US Mitbewerb in China war trotzdem nicht im Dumpingmodus, da seitens China ein Einfuhrschutzzoll von bis zu 72 %, bedingt durch den US/China Handelskrieg, eingehoben wurde. Die zwischenzeitliche Entspannung führte zu einer Schutzzollreduktion, auf 33 %, was den amerikanischen Chinaexport um gut 140 % im 1. Quartal nach oben schnellen lies. Unter Normalbedingungen würde man annehmen, dass das Preisniveau auf Erzeugerebene in den USA anziehen würde. Leider war von dieser Logik nichts zu sehen. In Gegenteil, die US Erzeugerpreise sanken noch weiter, was nicht nur auf unser, sondern auch auf das Unverständnis der US-Schweinebauern stößt. Zum einen wirkt die Produktionssteigerung der letzten zwei Jahre, zum anderen der Ausfall von führenden Schlachtunternehmen aufgrund von Corona infizierten Mitarbeitern und nicht zuletzt die Billigkontrakte aus der Terminmarkt8 | Markt | 2-2020

börse in Chicago. Gerade letzteren Faktor kritisieren US-Bauern inzwischen heftig und machen die Futures an der CME (= Chicago Mercantile Exchange) hauptverantwortlich für das preisliche Desaster. Dieses US Szenario erlaubt nun den Exporteuren mit Schleuderpreisen den chinesischen Markt aufzumischen. Folgedessen sind die Geschäftsabschlüsse zwischen EUExporteuren und ihren chinesischen Partnern preislich nicht mehr mit dem Herbst 2019 zu vergleichen, wodurch auch eine mengenmäßige Drosselung aktuell wirkt.

Zweites Halbjahr lässt hoffen Auch wenn momentan, wie oben beschrieben, düstere Wolken über dem Schweinemarkt aufziehen, sollte man das Schweinejahr 2020 noch nicht abschreiben. Dabei sollte man sich an den fundamentalen Marktdaten orientieren. Und hier kommt eine weitere Viruserkrankung ins Spiel, nämlich die Afrikanische Schweinepest. Unter der wünschenswerten Annahme, dass in Europa keine weiteren Länder ASP-verseucht werden, müssten sich aufgrund der ca. 20 %igen Reduktion des Weltschweinebestandes im bevorstehenden Sommer eine erhebliche Knappheit mit entsprechend freundlichen Erzeugerpreisen ergeben. Die Lebensmittel- und damit auch die Fleischversorgung gehört zu den systemrelevanten Branchen. Die massiv eingeschränkte Mobilität der Bevölkerung, die in den letzten Wochen den Außer-HausVerzehr weitgehend zum Erliegen gebracht hat, wird in ähnlicher Form den heurigen Sommertourismus verändern. Dies wird besonders für die südeuropäischen Mittelmeerländer zur zusätzlichen Belastung, während es mittel- und nordeuropäische Märkte begünstigen sollte. Die sonst übliche nord-süd Völkerwanderung wird wohl ausbleiben und in vielen Ländern wird der Binnenkonsum über den Vorjahreswerten liegen. Und sollte sich der Sommer mit anhaltend grillfreundlichem Wetter einstellen, so wäre auch dies ein hoffnungsvoller Aspekt.


Mit dem Rüssel in Brüssel Corona und ASP – Strategien zur Schadensminimierung Zwei Viruserkrankungen stiften massive Verwirrung am Schweinemarkt. Das ohnehin volatile Preisgefüge wird dadurch zusätzlich hin und her gebeutelt, ebenso das wirtschaftliche Ergebnis der Marktbeteiligten. Wo bzw. wie kann die EU hier einen hilfreichen Beitrag leisten? Spezial-PLH gefordert Überraschend schnell hat die Kommission für den Rindfleisch- und Milchbereich die geförderte Lagerhaltung geöffnet. Gut, der Rindfleischmarkt lag schon vor dem Shutdown am Boden. Im Schweinebereich waren Italien, Spanien und Portugal die ersten Länder, die Brüssel um Lagerstützung baten. Allerdings eine spezielle Version der Private Lagerhaltung (PLH), nämlich nur für die Produktion von ParmaSchinken, Iberico bzw. Spanferkel in Portugal. Der Absatz dieser Produkte, welcher primär in der gehobenen Gastronomie stattfindet, war gleich zu Beginn der Krise weggebrochen. In einer erstmals abgehaltenen Videokonferenz der Arbeitsgruppe Schwein der COPA wurde dieser Plan der Mittelmeerländer auch unterstützt. Der Antrag wurde seitens der Kommission allerdings nicht wahrgenommen bzw. realisiert. Am 14. Mai, bei der zweiten COPA Videokonferenz, wurde dann die PLH-Anfrage erweitert. Nun war man mehrheitlich der Meinung, dass es dringend eine allgemeine Schweinefleisch PLH geben sollte. Weil allerdings die bekannten Kritikpunkte an einer PLH, d. h. sie sei nur eine Verschiebung des Problems nach hinten, stark geäußert wurden, sollte die PLH an einen Drittlandexport gebunden werden. D. h. das gefördert eingelagerte Fleisch muss beispielsweise nach Asien exportiert werden. Weiters sollte diese PLH im Falle eines überraschend positiven Marktverlaufes kurzfristig gestoppt werden. Beim Verfassen des Artikels war noch offen, in wie weit dieser Plan realisiert werden konnte.

ASP ist und bleibt Hauptproblem Auch wenn in Coronazeiten der Anschein erweckt wird, dass COVID 19 das Schlimmste für Schweinebauern wäre, bleibt dies leider die Afrikanische Schweinepest. Sobald es wirksame Medikamente und einen Impfstoff gegen COVID 19 geben wird, ist COVID eine von vielen Krankheiten der Menschheit, der sich die Humanmedizin

erfolgreich stellen wird. Völlig anders liegen da die Verhältnisse bei der ASP. Während für die Problemlösung bei COVID 19 die ganze Welt mit voller finanzieller Power forscht, ist das Engagement bzgl. ASPImpfstoff sicher bescheidener. Außerdem ist die ASP-Problemstellung eine noch weitaus größere Herausforderung, da man einen Köderimpfstoff zum Einsatz gegen Wildschwein ASP entwickeln sollte. D. h. der Impfstoff sollte auch Wirkung zeigen, obwohl er durch den Verdauungstrakt von Wildschweinen gehen muss. Wer hier den Durchbruch schaff t hat gute Chancen auf einen Nobelpreis.

ASP Wildschweinpopulation in Polen und Ungarn explodiert Bereits Ende April wurden in den Ländern jeweils ca. 2.000 positive Fälle gezählt und damit so viele wie im Ganzen Jahr 2019. Logisch, dass damit die Alarmglocken läuten und feststeht, dass in beiden Ländern die ASP Situation in der Wildschweinpopulation außer Kontrolle geraten ist. Vor der Entwicklung in Polen zittert primär Deutschland, aber auch der Rest Europas. War man bis vor kurzem noch zuversichtlich mittels Bejagung und Errichtung von Zäunen das Fortschreiten Richtung Westen, sprich Grenzfluss Oder, zu unterbinden, deuten jüngste Meldungen eher Hilflosigkeit an. Wie polnische Kollegen in der COPA Videokonferenz mitteilten, gelingt es nicht die Bejagung zu forcieren, im Gegenteil. Aufgrund des beinahe wertlosen Wildbretts und durch öffentlichen Widerstand von Tierschutzorganisationen wird nicht mehr, sondern weniger gejagt. D. h. die Population wächst rapide, auch wegen des zuletzt milden Winters. In Sachen Zaunbau ist man sich auch darüber im Klaren, dass Elektrozäune oder Duftzäune im Ernstfall wenig Schutz bieten, wodurch es Überlegungen zur Errichtung massiver Zäune gibt, wie dies Dänemark entlang der dänisch-deutschen Grenze umgesetzt hat. Doch dabei spießt es sich. Neben der Beschaffung der finanziellen Mittel sind auch rechtliche Fra-

gen ungelöst, d. h. Grundbesitzer verwehren sich vermehrt gegen die Errichtung von Zäunen auf deren Grundstücken. Infolge dieser besorgniserregenden Situation an der polnisch-deutschen Grenze war man sich in der COPA Arbeitsgruppe einig, dass dies ein gesamteuropäisches Problem werden könnte, sofern Deutschland ASP infiziert würde. Infolgedessen wird die Kommission aufgefordert, hier Maßnahmen zu setzen, um mittels Hilfestellungen für Polen einen besseren Schutz gegen die Seuche gewährleisten zu können.

Warten auf Regionalisierung Sollte es zu einem ASP Fall in Deutschland kommen, wäre nach derzeitigem Regelwerk das ganze Land für den Export nach China und die meisten anderen asiatischen Länder gesperrt. Nur wenn es gelingt in Asien die Akzeptanz der Regionalisierung zu erreichen d. h., dass nur in den betroffenen Regionen das Exportieren untersagt wäre, so wäre die befürchtete Marktverwerfung wahrscheinlich weniger dramatisch. Von europäischer Seite gibt es unterschiedliche Versuche und Verhandlungen mit Peking. Zuletzt waren der damals noch amtierende Agrarkommissar Hogan mit dem französischen Präsidenten Macron unterwegs und hatten erreicht, dass sich China im April diesbezüglich entscheiden würden. Dieses Ultimatum fiel Corona zum Opfer. Nun heißt es, dass im Oktober eine entsprechende Entscheidung seitens Peking zu erwarten ist. Somit bleibt also die Hoffnung, dass wenigstens bis Oktober Deutschland und alle anderen noch nicht betroffenen Länder ASP sauber bleiben. Dr. Johann Schlederer 2-2020 | Mit dem Rüssel in Brüssel | 9


Vor ASP gefürchtet – Corona bekommen

Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss ©Styriabrid

Im Mai versuchte man noch mit einer „sanften Landung“ das Notierungsniveau anzupassen, wurde aber dann mit der sich massiv verschlechternden Situation am Schlachtschweinemarkt zu einer noch nie dagewesenen Preisreduktion um -30 Cent gezwungen, um einen Nachfrageabriss zu verhindern. Aktuell (KW 21) stabilisiert sich der Markt wieder und aus dem Ausland werden in Folge steigender Schlachtschweinepreise teils steigende Notierungen gemeldet. Ein ungewöhnliches Jahr findet hier seine Fortsetzung und macht oft auch nur kurzfristige Prognosen unmöglich. Generell ist aber festzuhalten, dass sich an den grundlegenden Einschätzungen zu Jahresbeginn nicht alles geändert hat und weiter ein hoher Prozentsatz der Weltschweinepopulation der ASP zum Opfer gefallen ist. Die Nachfrage ist zwar durch die CoronaVerwerfungen stark beeinträchtigt worden, wird sich aber trotzdem, in welchen Tempo auch immer, erholen.

Der Marktbericht der letzten Ausgabe war noch geprägt von der Verwunderung über den rasanten Preisanstieg. Heute, 15 Wochen später, hat man in der Coronakrise deutliche Preisreduktionen in allen Produktionsstufen hinnehmen müssen. Zu Beginn des Sommers ist aber immer wieder eine gewisse Unsicherheit zu spüren, da die Vermarktungsprobleme des Sommers bekannt sind und auch jedes Jahr wiederkehren. Weitere Markttrends Wie in jedem Jahr ist der Mai der Monat in dem sich der Markt zu drehen beginnt. Von der eklatanten Unterversorgung in den ersten Monaten kommt man in ein Marktgleichgewicht mit der Hoffnung, dass es möglichst lange anhält. Letztes Jahr war es aufgrund der guten Preissituation bei den Mastschweinen möglich die kritische Phase der Überversorgung ab Juni ohne wesentliche Preisverluste zu überstehen. Für heuer könnte durchaus ein ähnliches Szenario im Raum stehen, wenngleich auch mit dem Export ein wichtiges Steuerungselement des Mengenflusses wohl nur eingeschränkt verfügbar sein wird. Es ist im Jahr 2019 gerade in der kritischen Sommerzeit möglich gewesen die Exporte doch deutlich auszuweiten. So konnten gegenüber dem Jahr 2018 um ca. 45.000 Stück Ferkel mehr aus dem übervollen Markt genommen werden.

Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2017 bis 2020. Quelle: Bäck 10 | Ferkelmarkt | 2-2020

Bei einer Gesamtmenge von ca. 80.000 Stück bedeutete dies mehr als eine Verdoppelung. Im Gegenzug reduzierten sich die Ferkelimporte von ca. 140.000 Stück (2018) auf 110.000 Stück (2019). Die Entwicklungen auf dem Rindermarkt nach dem Entfall der Exportmöglichkeiten sind eine deutliche Warnung und so ist auch im Forderungspapier des VÖS eine Streichung der Pauschalierungsgrenze gefordert, die vorhandene freie Mastkapazitäten aktivieren kann. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es sinnvoll möglichst viel Wertschöpfung im Inland zu generieren. Zusätzlich wird auch gefordert über die Steuersätze den Ferkel- und Betriebsmitteleinkauf (Reduzierung auf 10%) zu vergünstigen. Diese Forderungen haben das Ziel den Mengenfluss zu sichern und Wettbewerbsnachteile auszugleichen.

Arbeitsschwerpunkte Die aktuelle Situation darf aber den Blick auf die noch immer gültigen Fragestellungen für die Ferkelproduktion, die nach wie vor Gültigkeit haben, nicht verstellen. Vorrangig sind hier die Anhebung der Tiergesundheit und die Ausrichtung neuer Stallsysteme mit Blick auf das Jahr 2033. Das gemeinsam mit dem TGD initiierte PRRS-Screening der Sauenbestände ist teilweise durch Corona beeinträchtigt worden, sollte aber doch im heurigem Jahr zu Ergebnissen führen, auf denen weitere Maßnahmen eingeleitet werden können. Ausgesprochen wichtig wäre auch eine massive Investitionsförderung für die Sauenhaltung. Neue Abferkelsysteme sind finanziell sehr aufwändig und auch Investitionen in die steigenden Ferkelzahlen mit angepassten Aufzuchteinheiten sind dringend notwendig, um auch weiter den heimischen Markt mit Ferkeln zu versorgen.


Was sagen die Zuchtwerte der Besamungseber? Um den richtigen Eber für eine Sauenherde zu wählen, ist es wichtig, sein genetisches Potential zu kennen, um Zuchtfortschritt zu erreichen. Allerdings können wir die genetische Veranlagung eines Tieres nie allein anhand der von ihm erbrachten Leistung erkennen, da diese zu einem großen Teil auch von der Umwelt beeinflusst wird. Die Zuchtwertschätzung ermöglicht es uns, diese Umwelteinflüsse von dem genetischen Leistungspotential eines Tieres zu trennen und somit dessen genetische Veranlagung abzuschätzen. Je mehr Leistungsinformationen von einem Tier vorliegen, umso sicherer können die Zuchtwerte geschätzt werden. Aufgrund des bereits erwähnten Einflusses der Umwelt auf die Leistung eines Tieres, bedarf es bester Management-Maßnahmen (z.B. hinsichtlich Fütterung, Stallklima, Stressvermeidung, usw.), um das genetische Potential voll auszuschöpfen. Bei schlechten Management-Maßnahmen kann der beste Besamungseber ein bestehendes Defizit einer Sau/Herde nicht beheben. Zudem ist der Besamungseber nur die halbe ‚Herde‘, denn die Nachkommen erhalten jeweils die Hälfte der genetischen Veranlagung vom Vater und die andere Hälfte von der Mutter. Kurz gesagt entspricht der Zuchtwert (ZW) der Schätzung der genetischen Veranlagung eines Tieres in einem definierten Merkmal (z.B. Muskelfleischanteil). Die geschätzten Zuchtwerte können entweder als Naturalzuchtwerte (NZW) dargestellt oder in Indexpunkten ausgedrückt werden. NZW beziehen sich immer auf die jeweilige Merkmalseinheit (z.B. Prozent Muskelfleischanteil). Dabei werden die geschätzten NZW als Abweichung zum Herdendurchschnitt der drei- bis fünfjährigen Herdebuchsauenund Eber dargestellt. Der Gesamtzuchtwert (GZW) wird mit einem Herdendurchschnitt von 100 und einer genetischen Streuung von 20 Indexpunkten standardisiert. Um Zuchtfortschritt zu erreichen, gilt es Tiere mit einer Leistung, die über dem Herdendurchschnitt liegt für die Zucht auszuwählen. Daher sind Zuchtwerte über 100 wünschenswert.

Dr. Peter Knapp Für alle anderen Merkmale erfolgt die AnGeschäftsführer von PIG Austria gabe der Zuchtwerte in ihren naturalen Foto: Fraukoeppl Einheiten (z.B. Gramm). In diesem Fall wird der Herdendurchschnitt mit 0 ausgedrückt. In der Darstellung der Zuchtwerte in Balkendiagrammen entsprechen die Markie- Detaillierte Informationen finden Sie unter rungen ±1 bzw. ±2 der (positiven oder ne- https://www.pig.at/zucht/zuchtwerte-13114.html. gativen) Abweichungen um ein bzw. zwei Standardabweichungen (Streuung) vom Für weiteführende Fragen bzw. BeratungsgeHerdendurchschnitt. Eine genetische Stan- spräche stehen Ihnen Dr. Christina Pfeiffer und dardabweichung (Streuung) wird in natura- Ing. Ernst Schamberger zur Verfügung. len Einheiten ausgedrückt. Nimmt man das Merkmal tägliche Zunahme beim Pietrain als Beispiel, so liegt eine Standardabweichung bei rund ±30 Gramm. In diesem Fall sind positiv gerichtete ZW, die im Balkendiagramm nach rechts ausschlagen, züchterisch wünschenswert. Je weiter der Balken nach rechts ausschlägt, umso mehr weicht der ZW des jeweiligen Tieres in einem bestimmten Merkmal vom Herdendurchschnitt in die positive Richtung ab (‚besser‘). Ist der ZW unter 0, liegt das Tier unter dem Herdendurchschnitt der jeweiligen Rasse (‚schlechter‘). Unsere Besamungseber werden in die Nutzungsrichtungen Fleisch (F – Eber mit einem naturalen ZW + 0,80 % MFA) und Wuchs (W – Eber mit einem naturalen ZW über + 30 g TGZ) eingeteilt. Sind die ZW einer Sauenherde nicht bekannt, empfiehlt es sich den Eber so zu wählen, dass er im betreffenden Merkmal sehr stark vom Herdendurchschnitt Darstellung eines Ebers aus dem PIG Austria Besamungseberabweicht. katalogs. Quelle: PIG Austria 2-2020 | Pig Austria | 11


Foto: FRAUKOEPPL

DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Thema Schwanzkupieren – Aktionsplan mit einzelbetrieblicher Risikoanalyse Das Kupieren von Ferkelschwänzen ist in der EU nach geltender Rechtslage nur für den Einzelfall und mit ausdrücklicher Begründung erlaubt. In vielen EU-Mitgliedsländern, wie auch in Österreich, werden jedoch die Schwänze in den ersten Lebenstagen routinemäßig gekürzt, um ein späteres Tierleid durch Schwanzbeißen verhindern zu können. In den letzten Jahren hat nun die EU-Kommission in zahlreichen EU-Ländern vor Ort überprüft, ob ein Anpassungsbedarf im Umgang mit dem Schwanzkupieren auf Basis der EU-Gesetzgebung besteht. Nach einem Audit der EU zum Thema Schwanzkupieren im Frühjahr 2019, wurde Österreich gegen Ende des letzten Jahres eine schriftliche Bewertung der vorgefundenen Situation zugestellt. Wie bereits in der Ausgabe 4/2019 berichtet, wird Österreich darin aufgefordert Maßnah-

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men zur Verhütung des Schwanzbeißens und zur Vermeidung des routinemäßigen Schwanzkupierens umzusetzen. Österreich sitzt damit in einem Boot mit den so prominenten Schweineländern Deutschland, Spanien, Dänemark oder Niederlande. Mit der Androhung von Vertragsverletzungsverfahren verschärfte die Kommission zusätzlich den Druck auf die Mitgliedsländer, den Kupierverzicht voranzubringen und den Anteil von Schweinen mit intaktem Schwanz kontinuierlich zu erhöhen.


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Österreichischer Aktionsplan

Der Einstieg in den Kupierverzicht erfolgt

Unter Federführung des Gesundheitsministeriums wurde noch im letzten Jahr eine breit besetzte Arbeitsgruppe mit dem Ziel der raschen Erstellung eines Aktionsplanes Schwanzkupieren für die heimische Schweinehaltung eingerichtet. In der ersten Sitzung einigte man sich darauf, dass man sich bei der Erstellung ganz wesentlich am Deutschen Aktionsplan orientieren wird, der dort bereits am 1. Juli 2019 in Kraft getreten ist. Auf dieser Basis wurde unter der Koordination des VÖS eine kleine Facharbeitsgruppe eingesetzt, die einen Erstentwurf eines österreichischen Aktionsplanes bis Mitte 2020 erstellen soll. Die Fachgruppe wurde mit wissenschaftlichen Vertretern der Universitäten für Veterinärmedizin und Bodenkultur, des Tiergesundheitsdienstes, der Landwirtschaftskammer und des VÖS besetzt. In mehreren Sitzungen, zuletzt coronabedingt über Videokonferenzen, wurde ein auf österreichische Verhältnisse abgestimmter Maßnahmenplan erstellt und Mitte Mai im Gesundheitsministerium eingereicht.

Dieser Weg wird entweder freiwillig beschritten oder ist dann vorgegeben, wenn die Dokumentation von Schwanz- und Ohrenverletzungen in den letzten 12 Monaten ergibt, dass weniger als 2 % der Tiere Auffälligkeiten gezeigt haben. In diesen Fällen müssen eine bestimmte Anzahl Schweine (mindestens ein Prozent der Stallplätze) mit intakten Schwänzen gehalten und die auftretenden Verletzungen bei diesen Tieren dokumentiert werden.

In der Folge erhalten Sie einen ersten Einblick in diesen Entwurf eines österreichischen Aktionsplanes zum Thema Schwanzkupieren. Der Aktionsplan baut auf 3 Bausteinen auf: • Dokumentation der Schwanz- und Ohrenverletzungen samt jährlicher Berechnung des Anteiles betroffener Tiere • Durchführung einer jährlichen Risikoanalyse in den einzelnen Produktionsstufen Saugferkel, Aufzuchtferkel, Mastschweine und Jungsauen/Jungeber samt der Planung und Umsetzung von Optimierungsmaßnahmen • Erstellung der Tierhalter-Erklärung auf Basis der Ergebnisse der beiden erst genannten Punkte

Zwei Wege können beschritten werden Vorerst werden weiterhin kupierte Ferkel und Mastschweine gehalten Voraussetzung dafür ist, dass bei der Dokumentation von Schwanz- und Ohrenverletzungen in den letzten 12 Monaten bei mehr als 2% der Tiere am eigenen Betrieb oder am Fremd-/Partnerbetrieb Auffälligkeiten aufgetreten sind.

In beiden Fällen ist die Durchführung einer Risikoanalyse der einzelbetrieblichen Produktionsverhältnisse sowie der Umsetzung und Dokumentation von Verbesserungsmaßnahmen bei definierten Risikofaktoren verpflichtend durchzuführen. Die Risikoanalyse erfolgt dabei weitgehend in Form einer Eigenevaluierung.

Risikoanalyse Das Herzstück des Aktionsplanes stellt die sogenannte Risikoanalyse dar. Die Risikoanalyse wird jährlich durch den Tierhalter selbstständig und bei Bedarf in Zusammenarbeit mit Fachberatern und dem Betreuungstierarzt erstellt. Zur Risikoanalyse gehört die Erhebung der Istsituation und gegebenenfalls die Erstellung eines Maßnahmenplanes zur Verbesserung folgender Faktoren, die den Grad von Schwanz- und Ohrenverletzungen ganz wesentlich beeinflussen können. Diese Faktoren sind: • • • • • •

Beschäftigungsangebot Stallklima Gesundheit Wettbewerb um Ressourcen Ernährung Struktur und Sauberkeit der Bucht

Risikofaktoren im Check Bei den Beschäftigungsmöglichkeiten wird erfasst, ob die verwendeten Materialien organisch sind, permanent zur Verfügung stehen oder als regelmäßige Einzelgabe verabreicht werden. Weiters werden die Eigenschaften der eingesetzten Materialien (fressbar, kaubar, untersuchbar, bewegbar) und wie häufig die Beschäftigung von den Tieren genutzt werden,erhoben.

Im Abschnitt Stallklima wird nachgefragt, ob es in den letzten zwölf Monaten einen dokumentierten Klimacheck eines Fachmannes gab. Die subjektive Einschätzung der Temperaturverhältnisse im Liegebereich sowie der Luftqualität ist zu vermerken. Zusätzlich wird abgefragt, ob Anzeichen von Atemwegsproblemen vorliegen. Der Abschnitt Stallklima ist jeweils in den Sommer- und Wintermonaten zu erheben. Bei der Gesundheit werden das tierärztliche Betreuungsverhältnis sowie die durchgeführten Weiterbildungsmaßnahmen und vorliegende Untersuchungsbefunde abgefragt. Zusätzlich werden Produktionskennzahlen erhoben. Eine persönliche Einschätzung der Tiergesundheit insgesamt am Betrieb ist ebenfalls vorzunehmen. Beim Faktor Wettbewerb um Ressourcen muss sich der Betriebsleiter mit dem Flächenangebot für die Tiere sowie der Art und dem Umfang der Futter- und Wasservorlage auseinandersetzen. Im Abschnitt Ernährung wird erhoben, ob in den letzten 12 Monaten eine externe und dokumentierte Fütterungsberatung oder eine Futtermittel- bzw. Tränkewasseruntersuchung stattgefunden hat. Futtermengen und Dosierungen werden genauso wie Durchflussraten abgefragt. Bei Struktur und Sauberkeit wird die Erkennbarkeit und die Nutzung von Funktionsbereichen in der Bucht erhoben. Die subjektive Einschätzung des Verschmutzungsgrades wird ebenfalls abgefragt. Jeweils zum Abschluss des Check´s der 6 Risikofaktoren sind Optimierungsmaßnahmen zu benennen und terminlich zu planen.

Tierhalter-Erklärung Auf Basis der Ergebnisse der Dokumentation von Schwanz- und Ohrenverletzungen sowie der Risikoanalyse hat der Betriebsleiter auf der sogenannten Tierhalter-Erklärung seinen Weg beim Thema Schwanzkupieren zu beschreiben. Diese Tierhalter-Erklärung muss der Behörde bei Kontrollen vor Ort vorgelegt werden. Die Tierhaltererklärungen finden aber natürlich auch im Tierverkehr dementsprechend Berücksichtigung. Der Tierhalter kann angeben, ob er selbst oder einer seiner Partnerbetriebe Probleme mit Schwanzbeißen hat oder ob der Weg mit einer Gruppe nicht kupierter Tiere gegangen wird. 2-2020 | Recht & Politik | 13


Recht & Politik

Diese Informationen benötigen zukünftig auch die Vermarktungsorganisationen. Damit wird gewährleistet, dass die unterschiedlichen Formen der Lieferketten weiterhin aufrechterhalten werden können.

Große Herausforderung für alle Schweinehalter in der EU Die Aufforderung der EU Kommission an die Regierungen der Mitgliedsländer das routinemäßige Schwanzkupieren in der Schweinehaltung zu beenden, wurde unmissverständlich mit der Androhung von Vertragsverletzungsverfahren untermauert. Damit stehen die europäischen Schweinehalter und die gesamte Branche vor einer der größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. Die Herausforderung ist umso größer, wenn man weiß, dass es aktuell keine allgemein gültigen Antworten für die betroffenen Betriebsleiter gibt, wie ein Haltungsverfahren in der konventionellen Schweinehaltung aussehen soll, um mit Langschwanztieren produktionssicher arbeiten zu können.

Damit wird man auch in der nächst überschaubaren Zeit noch mit der Maßnahme des Schwanzkupierens versuchen müssen, Tierleid während der Aufzucht und Mast zu verhindern. Schrittweise und am besten über Projekte wird man aber die Haltung von Tieren mit unversehrten Schwänzen erforschen müssen. In dieser Phase muss aber bereits die derzeitige Routinemäßigkeit des Eingriffes durch eine einzelbetriebliche Feststellung der Unerlässlichkeit des Schwanzkupierens ersetzt werden. Ein Instrument dazu ist eben die Analyse der 6 Risikofaktoren für Schwanz- und Ohrenverletzungen. Das Inkrafttreten des heimischen Aktionsplanes steht noch nicht fest, wird aber relativ zeitnah erfolgen müssen. Es bedarf jedenfalls einer genügend langen Vorlaufzeit, damit dieses anspruchsvolle Programm auch dementsprechend erfolgsversprechend in die Branche eingeführt werden kann.

LIKRA-San ist eine Mischung ausgewählter Kräuter und Gewürze. Den natürlichen Pflanzeninhaltsstoffen (z. B. ätherische Öle) werden zahlreiche positive Eigenschaften zugeschrieben. Dazu gehören die Appetitanregung für eine gesteigerte Futteraufnahme, eine Erhöhung der körpereigenen Sekretion zur effektiven Nährstoffausnutzung als auch eine ammoniakreduzierende Wirkung für eine deutlich verbesserte Qualität der Stallluft. Dabei bietet LIKRA-San für jede Produktionsrichtung das passende Konzept. 14 | Recht & Politik | 2-2020


Brüssel Reise der Jungen Veredler Oberösterreich und des NTÖ Gemeinsam mit den Jungen Veredlern Oberösterreich reiste der Verein NTÖ (Nachhaltige Tierhaltung) vom 11. – 13. Februar nach Brüssel. Dort konnten wir die verschiedenen Organisationen und Verantwortlichen im Bereich Landwirtschaft in Brüssel kennenlernen. Am Tag der Anreise besichtigten wir am späten Nachmittag die Stadt Brüssel – auch nach Einbruch der Dunkelheit ist es eine ganz besondere Stadt. Sehr eindrucksvoll war der Grand-Place, welcher seit 1998 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Auch die Geschichte von Brüssel wurde uns nähergebracht und so gab es immer wieder den einen oder anderen Österreicher, der die belgische Geschichte prägte. Zurückzuführen ist dies auf die Habsburger-Heiratspolitik. Nach der interessanten Führung durch die Stadt gab es auch noch einen gemütlichen Ausklang des Abends mit typisch belgischen Muscheln (wer sich traute) und natürlich Pommes. Den zweiten Tag schmückte das „eigentliche Programm der Reise“. In Begleitung von ÖkR Franz Reisecker, ehemals LK Oberösterreich Präsident und noch österreichischer Vertreter, als Vizepräsident, in der COPA-COGECA tätig, ging es als Erstes zur ständigen Vertretung Österreichs in Brüssel. Diese ist sozusagen die „EU-Botschaft“ Österreichs und gibt es seit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union im Jahr 1995. Ihre Aufgabe ist es, Österreichs Standpunkte in den Verhandlungen mit

europäischen Partnern zu vertreten. Jedes Ministerium, aber auch Interessenvertretungen wie AK, WKO und LKÖ sind dort vertreten. Andreas Thurner, Vertreter der Landwirtschaftskammer Österreich, stellte uns auch seinen umfangreichen Aufgabenbereich vor. Danach besuchten wir die DG Agri (Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission), sozusagen das Landwirtschaftsministerium der EU. Dort stellte uns der Burgenländer Valentin Opfermann die Aufgaben der Europäische Kommission vor und gab uns einen Überblick über den Green Deal. Danach konnten wir auch noch mit Kai Uwe Sprenger, Leiter der Abteilung Fleisch in der Kommission, über den Bereich Tierproduktion sprechen. Dabei gab er uns interessante Einblicke in den Markt und aktuelle Entwicklungen zur ASP. Nach einer kurzen Stärkung ging es zur COPACOGECA, dem Europäische Bauernverband und Dachverband der Genossenschaften. Dort erhielten wir zuerst von Franz Reisecker einen interessanten Einblick in die Abläufe der Interessensvertretung und seine Rolle in Brüssel. Anschließend folgte noch eine Vorstellung des Verbandes und es wurden aktu-

elle Themen besprochen. Immer wieder war natürlich auch die nächste GAP das Thema der Gespräche. Nun fehlte uns aber noch eine wichtige Institution - und zwar das Europäische Parlament, welches wir im Anschluss besuchten. Nach einer allgemeinen Führung durch das Gebäude und Infos zur EU, konnten wir auch noch die Büros des Abgeordneten Alexander Bernhuber besuchen. Simone Schmiedtbauer und Alexander Bernhuber, beide Vertreter des Bauernbunds, konnten leider nicht anwesend sein, da sie jeweils eine Woche pro Monat in Straßburg Plenarsitzungen haben. Simone Schmiedtbauer hinterließ uns aber eine Video-Grußbotschaft, worüber wir uns ganz besonders freuten. Abschließend gab es noch ein gemeinsames Abendessen und am nächsten Tag erfolgte die Abreise. Insgesamt war es eine tolle und informative Reise. Die oft doch sehr abstrakt erscheinende EU und deren unterschiedlichen Institutionen wurden uns sehr gut erklärt – viele Zusammenhänge und auch das Gesamtsystem EU verstehen wir nun um vieles besser, als vor der Reise!

Die Jungen Veredler Oberösterreichs lernten auf ihrer gemeinsamen Reise mit dem Verein NTÖ nach Brüssel die landwirtschaftsrelevanten Behörden und Institutionen der EU kennen. Quelle: VÖS 2-2020 | Reisebericht | 15


Notluftsysteme geben Sicherheit im Schweinestall Das Schlimmste, was einem Schweinehalter passieren kann, ist ein unbemerkter Lüftungsausfall in seinen Ställen. Alarmanlagen sollen diesen Ernstfall melden. Zusätzlich müssen in diesem Fall Notluftsysteme für ein Mindestmaß an Luftaustausch sorgen.

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Lüftungsausfälle können zu hohen Tierverlusten und damit auch wirtschaftlichen Verlusten führen. Dem Thema Notlüftung sollte daher immer ausreichendes Augenmerk geschenkt werden. Auch nach dem Tierschutzgesetz (§ 18 Abs. 5) müssen eine Alarmanlage, die den Ausfall der Lüftung meldet und eine Notlüftung vorhanden sein. Bei einer amtlichen Kontrolle ist dieser Punkt dann erfüllt, wenn Alarm- und Ersatzsysteme vorhanden und funktionsfähig sind und Alarmsysteme regelmäßig überprüft werden. Folgende technische Lösungen haben sich in der Praxis bewährt.

Fensteröffner Ältere Systeme arbeiten dabei mit Elektromagneten, die bei Alarmierung bzw. Stromausfall das Fenster „loslassen“, wodurch das Fenster aufgehen soll. In der Praxis hat sich leider schon öfters gezeigt, dass über einen längeren Zeitraum geschlossene Fenster an der Dichtung ankleben und sich durch die Schwerkraft alleine nicht mehr öffnen. Die Auswirkungen daraus kann sich jeder vorstellen. Neuere Systeme arbeiten daher mit einer Mechanik, die im Notfall über ein Gestänge die Fenster öffnet. Erkennt die Alarmanlage eine Störung oder Übertemperatur, z. B. durch Stromausfall, dann wird zeitverzögert ein Signal ausgesendet, das zur Entlastung eines durch eine Feder vorgespannten Druckzylinders führt. Folglich öffnen sich die Fenster ins Freie. Dieses System hat den Vorteil, dass z. B. geöffnete Fenster nach einem Stromausfall zentral geschlossen werden können.

Ein Seilzug mit Gewicht öffnet die entriegelte Tür. Quelle: Strasser 16 | Notluftsysteme | 2-2020

Türöffner – die bessere Wahl Selbsttätig öffnende Türen haben sich als Notluftsystem in der Praxis besser bewährt. Dazu muss an jeder in ein Abteil führenden Tür ein Elektromagnet eingebaut werden. Gleichzeitig muss der Sperrmechanismus der Türklinke ausgebaut werden. Ein Schalter neben der Tür unterbricht den Strom zum Magneten. Dieser lässt los und ein Gewicht, welches über eine Rolle zur Tür gespannt ist, zieht die Tür auf. Die Tür ist offen und Frischluft strömt ins Abteil. Gleichzeitig muss aber auch dafür gesorgt werden, dass der Zentralgang großzügig belüftet wird (große Türen ins Freie, die ebenfalls aufgehen). Der Vorteil dieses Systems ist, dass es täglich beim Kontrollgang durch die Ställe betätigt wird und damit die Funktionssicherheit gewährleistet ist. Bei Ställen mit mittigen Zentralgängen kann eine Kombination aus Tür- und Fensteröffnern für ausreichende Notbelüftung notwendig sein.

Zuluftklappen in der Porendecke Im Fall eines Lüftungsausfalls, wenn keine Luft mehr abgesaugt wird, reicht die natürliche Thermik nicht aus, damit Zuluft durch eine kontrollierte Zuluftführung in die Ställe gelangt. Abhilfe können zusätzliche Zuluftöffnungen in der Prodendecke bieten, die im Ernstfall durch einen pneumatischen Zylinder geöffnet werden bzw. selbsttätig auffallen. Jetzt kann ohne merklichen Widerstand Frischluft einfallen und der Raum notdürftig belüftet werden. Ist die Regeltemperatur

Die Abteiltüren werden mit einem Elektromagneten zugehalten. Quelle: Strasser


wieder erreicht, dann schließt der Zylinder die Klappe wieder.

Zu und Abluftklappen müssen bei Alarm selbsttätig auf vollen Durchgang gestellt werden Bei Zentralabsaugung wird die erforderliche Luftrate mit Hilfe von verstellbaren Lüftungsklappen angepasst. Bei einem Alarm müssen die Klappen nochmals zur Gänze öffnen, um einen maximalen Luftaustausch zu ermöglichen. Gut gewartete Anlagen gewährleisten dies. Leider kommt es bei älteren Anlagen öfter vor, dass diese Funktion nicht mehr gewährleistet ist. Entweder ist ein Stellmotor nicht richtig justiert oder die USV (unabhängige Stromversorgung) gibt bei Stromausfall keinen Strom zum Öffnen der Klappen frei. Daher bei jedem Lüftungscheck diese Funktion auch zu überprüfen.

Jedes Fenster wird bei Alarm mit einem Zylinder geöffnet. Quelle: Strasser

Nach der Alarmierung die Ursache suchen Hat der Alarm angeschlagen und Fenster bzw. Türen sind geöffnet, muss rasch die Ursache für die Alarmierung gefunden werden. Dies ist oft nicht einfach, da z. B. bei Wackelkontakten in der elektrischen Anlage die Ursachen verschleiert sind. Gerade bei Zentralabsaugungen mit mehreren Klappen in der Abluft muss jeder Stellmotor auf seine korrekte Funktion überprüft werden. Der Hauselektriker, der die Anlage von der Installation gut kennt, tut sich leichter. Er kann die einzelnen Alarmkreise durchmessen und den Fehler lokalisieren. Gleichzeitig muss man bedenken, dass es nur ein Notluftsystem ist und der Luftaustausch nur eingeschränkt mit Hilfe von Wind und Thermik stattfindet. Wichtig: Wie ein Fall in jüngster Vergangenheit zeigte, müssen sich bei einem Alarm bzw. bei Stromausfall die Zu- bzw. Abluftklappen selbsttätig öffnen. Dazu ist eine USV-Anlage (unterbrechungsfeie Stromversorgung) oder ein federbelasteter Stellmotor notwendig.

Geöffnete Zuluftklappe in der Porendecke. Quelle: Strasser

Nachträglicher Einbau eines Notluftsystems Wer jetzt kurz entschlossen die Sicherheit seiner Lüftungsanlage erhöhen will, ist gut beraten sich an jene Firma zu wenden, die die Lüftung geplant bzw. installiert hat. Die Lüftungsfirmen bieten Systeme an, die je nach Stalltyp die Funktionssicherheit für die Zu – bzw. Abluftführung gewährleisten.

Der Übertemperatursensor steuert den Luftzylinder an, der mit Hilfe eines Seilzuges die Klappe öffnet. Quelle: Strasser 2-2020 | Notluftsysteme | 17


Corona-Kampagne der AMA: „Unsere Bauern liefern“ Die Corona-Situation hat bewiesen: Konsumenten schätzen regionale Lebensmittel wie nie zuvor. Diese Wertschätzung nutzt die AMA in ihrer neuen Kampagne, um die Partnerschaft zwischen Bauern, Verarbeiter, Handel und Konsumenten nachhaltig zu stärken, vor allem für die Zeit nach der Krise. Phase I setzte auf Versorgungssicherheit, Phase II auf faire Partnerschaften. Die gemeinsame Klammer der Kampagne lautet „Unsere Bauern liefern“. Bewusst setzt die AMA bei den Bauern als Produzenten aller Rohstoffe an. Die Konsumenten nehmen mit ihrer

Einkaufsentscheidung Einfluss auf die Strukturen in der Landwirtschaft und der Verarbeitung. Der Handel ist in einer Schlüsselrolle, wenn es um die Absicherung der landwirtschaftlichen

Produktion und der nachgelagerten Verarbeitungsstandorte geht. Der erste TV-Spot beinhaltete die Versorgungssicherheit durch die heimische Land- und Lebensmittelwirtschaft und startete am 26. März. Bis zum 23. April liefen rund 600 Ausstrahlungen im ORF und privaten TV-Sendern. Daran schloss ein zweiter Spot an, der zur fairen Partnerschaft zwischen allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette und zur bewussten Einkaufsentscheidung der Konsumenten aufruft. Dabei wird das AMA-Gütesiegel als Zeichen für Herkunft und Qualität positioniert. Dieser Spot wurde bis 2. Juni knapp 700 Mal ausgestrahlt. Beide Phasen der Kampagne wurden mit Online-Maßnahmen entsprechend begleitet. In den ersten Tagen nach dem Lockdown veröffentlichte die AMA auf ihren Social-Media-Kanälen Postings mit authentischen Bildern der Bauern. Die Landwirte fotografieren sich völlig uninszeniert bei ihrer täglichen Arbeit im Stall und auf dem Feld. Die Kommentare und Likes waren überwältigend positiv. Die Online-Maßnahmen der zweiten Phase rücken die Partnerschaft ins Zentrum – mit einem gemeinsamen Posting eines Bauern und einem Vertreter einer weiteren Stufe, sei es ein Verarbeiter, ein Wirt, dem Handel oder einem Konsumenten. „Wir alle brauchen uns alle“, lautet der Slogan der kommenden Wochen. Beide Phasen der Kampagne wurden auch mit dazu passenden Print-Anzeigen begleitet.

TV-Spots gefallen Ein unabhängiges Marktforschungsinstitut wurde mit der Abtestung des ersten Spots beauftragt. Knapp drei Viertel der Befragten spricht der Spot gut an. Neun von Zehn empfinden ihn als verständlich, glaubwürdig und können ihm eine zentrale Botschaft zuordnen. Der Spot vermittelt die Güte von Lebensmitteln und macht Lust auf heimische Produkte. Bei 86 % der Seher stärkt der Spot das Vertrauen in die Versorgungssicherheit durch unsere Land- und Lebensmittelwirtschaft. 18 | AMA | 2-2020


Corona und seine Auswirkungen auf das Kaufverhalten Laut aktuellen RollAMA-Marktdaten legte der Lebensmitteleinzelhandel im März kräftig zu. Produkte mit langer Haltbarkeit haben besonders profitiert. Der Aktionsanteil im LEH ging zurück, der Bio-Anteil blieb stabil. Jedoch fehlte mit der Gastronomie ein bedeutender Absatzkanal. Gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019 verzeichnen der klassische Lebensmitteleinzelhandel, die Diskonter und weitere Einkaufsquellen wie Bäcker, Fleischer, Märkte oder Zustelldienste Zuwächse zwischen 12 und 14 % (siehe Chart 1).

Konserven und Zutaten zu Kochen boomen Betrachtet man die Steigerungsraten der einzelnen Warengruppen im Detail, zeigt sich, dass länger haltbare Produkte besonders gepunktet haben. Auch bei Kartoffeln, Eier, Frischgemüse oder Butter gab es Absatzsteigerungen. Bei Fleisch, Wurst und Schinken sind die Zuwächse über das Quartal gerechnet etwas geringer, im März verzeichnen aber auch diese Warengruppen zweistellige Zuwachsraten.

30 % Plus vor Ankündigung des Lockdowns

Aktionsanteil sinkt, Bio bleibt konstant

Der Monat März lief für den Lebensmitteleinzelhandel besonders gut, mit einem wertmäßigen Plus von 22 % gegenüber dem März 2019. Mit dem ersten Gefühl der Unsicherheit füllten viele Haushalte ihre Grundvorräte auf. Mit der Ankündigung der Ausgangsbeschränkungen, haben die Menschen richtige Großeinkäufe getätigt. Hier gab es rund 30 % mehr Einkaufsmenge und Umsatz. Fleisch und speziell Faschiertes landeten in vielen Haushalten als eiserne Reserve in der Tiefkühltruhe.

Der Anteil an Lebensmittel, die in Aktion gekauft wurden, ist nach dem Lockdown leicht rückläufig. Eine Erklärung dürfte darin zu finden sein, dass es den Menschen in Zeiten der Hamsterkäufe weniger um Preis und Aktionen, sondern um Versorgungssicherheit geht. Trotz der vielfach angespannten Situation blieben die Bio-Anteile auf konstantem Niveau.

Alternative Einkaufsquellen konnten im ersten

Junge Haushalte legen Grundstock an Quartal ebenfalls punkten. Der Einkauf beim Auswertungen zeigen, dass sich insbesondere Haushalte mit jungen Menschen und solche mit älteren, berufstätigen Personen, die normalerweise häufig außer Haus essen, ganz besonders mit Grundvorräten eingedeckt haben.

So viele Fertiggerichte wie noch nie

Chart 1: Zuwachs bei allen RollAMAWarengruppen (wertmäßig in Mio. Euro). Quelle: Gastro Data / AMA-Marketing, Feldarbeit:GfK Austria/Auswertung: KeyQuest Marktforschung

Fertiggerichte waren absolute Top-Seller im ersten Quartal, sie verzeichnen ein Mengenplus von zwanzig Prozent. „Normalerweise sehen wir in unseren Auswertungen eher einen Umsatzrückgang in den Kategorien Nass- und Trockenfertiggerichte. In den letzten Wochen feierten Trockensuppen, Dosenravioli und Co ein echtes Revival. Diese Produkte wurden eingelagert bzw. von Menschen gekauft, die nicht mit frischen Zutaten kochen können oder möchten.“, stellt Marktforscherin Micaela Schantl fest.

Chart 2: Alternative Vertriebsquellen legen zu (Veränderung Menge in % 1. Quartal 2020 zu 1. Quartal 2019). Quelle: Gastro Data / AMA-Marketing, Feldarbeit:GfK Austria/Auswertung: KeyQuest Marktforschung

Mehr Einkaufen direkt beim Bauern

Bauern hat um mehr als 20 % zugelegt, auch Bauernmärkte und Fleischhauer profitieren vom neuen Einkaufsverhalten (siehe Chart 2). Diese Zahlen kann man als Indiz dafür werten, dass sich Konsumenten verstärkt mit Lebensmitteln und ihrer Produktion beschäftigen und dort Vertrauen schenken, wo sie Persönlichkeit und Glaubwürdigkeit finden.

Gastro fehlt als Abnehmer Trotz aller erfreulichen Zuwächse im Lebensmitteleinzelhandel fehlte die Gastronomie als Abnehmer. Besonders betroffen war Frischfleisch, denn knapp die Hälfte des Fleisches wird außer Haus konsumiert (siehe Chart 3). Auch für die Eierproduzenten sind Wirte und Hotels wichtige Kunden, sie nahmen in den letzten Wochen keine Ware ab.

Chart 3: Anteil Haushaltskonsum und Gastronomie nach Warengruppen (Anteil geschätzt in %). Quelle: Gastro Data / AMA-Marketing 2-2020 | AMA | 19


Klimawirkungen von Schweinefleisch

Univ.Prof. DI Dr. Werner Zollitsch Institut f. Nutztierwissenschaften, Dept. f. nachhaltige Agrarsysteme, Universität f. Bodenkultur Wien Quelle: https://boku.ac.at

Die Bewertung von Umweltfolgen bzw. – darüber hinausgehend – der Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Tierhaltung steht gegenwärtig im Mittelpunkt von Diskussionen sowohl von WissenschafterInnen als auch anderen interessierten gesellschaftlichen Gruppen. Mit der global zunehmenden Nachfrage nach Lebensmitteln tierischer Herkunft und wegen der verglichen mit pflanzlichen Lebensmitteln größeren Umweltwirkungen tierischer Produkte wird die Bedeutung dieser Thematik in näherer Zukunft noch zunehmen. Auch wenn sich das öffentliche Bewusstsein derzeit vor allem auf die Bewältigung der Corona-Krise und ihrer Folgen konzentriert, werden die nächsten Jahre und Jahrzehnte vor allem vom Umgang mit der Klimakrise geprägt sein.

Treibhausgase und Erderwärmung

DI Dr. Stefan Hörtenhuber Institut f. Nutztierwissenschaften, Dept. f. nachhaltige Agrarsysteme, Universität f. Bodenkultur Wien Quelle: Hörtenhuber

Bekanntlich wurde durch menschliche Aktivitäten (v.a. die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas) der natürliche Treibhauseffekt so verstärkt, dass es in den letzten 140 Jahren zu einem Anstieg der bodennahen Lufttemperatur um mehr als 1°C kam (für Österreich ist von einer fast doppelt so hohen Erwärmung auszugehen). Dieser und andere Effekte (bspw. Verminderung der Menge an Niederschlägen und Verschiebung ihrer zeitlichen und örtlichen Verteilung, zunehmende Häufigkeit von Trockenperioden und Extremwetterereignissen) werden unter dem Begriff Klimawandel zusammengefasst.

Abb. 1: Anteil der Treibhausgas-Emissionen Österreichs nach Sektoren. Quelle: Umweltbundesamt 2018

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Dessen Minderung stellt eine der entscheidenden Herausforderungen für die Zukunft menschlicher Gesellschaften dar. Österreich stößt derzeit jährlich je Kopf der Bevölkerung rund 9,8 t an Treibhausgasen aus. Die wichtigsten darunter sind neben dem Kohlendioxid (CO2) das Methan (CH4) und das Lachgas (N2O), die in sogenannten Kohlendioxid-Äquivalenten (CO2-eq) zusammengefasst werden. In Abbildung 1 ist der Beitrag der einzelnen Sektoren zu den Treibhausgas-Emissionen dargestellt (Umweltbundesamt 2018). Da der Treibhausgas-Ausstoß je Kopf der Weltbevölkerung längerfristig auf nicht mehr als 2 Tonnen CO2-eq gesenkt werden muss, wenn die Erderwärmung auf unter 2°C gehalten werden soll, ist der Beitrag der einzelnen Sektoren kritisch auf Einsparungspotenziale zu prüfen.

Treibhausgase aus der Landwirtschaft Aus Abb. 1 ist zu entnehmen, dass in der Landwirtschaft rund 10 % der in Österreich ausgestoßenen Treibhausgase entstehen. Bei dieser Betrachtung

Tab. 1: Streuungsbreite für Treibhausgas-Emissionen der Erzeugung von Lebensmitteln tierischer Herkunft. Quelle: De Vries und De Boer, 2010


wird allerdings ausgeblendet, dass bei Prozessen, die für die Landwirtschaft wesentlich sind (Mineraldünger-Erzeugung, Futtermittel-Anbau außerhalb Österreichs, Treibstofferzeugung, Transporte, usw.), große Mengen an Treibhausgasen entstehen, die anderen Sektoren (v.a. Energie und Industrie, Verkehr in Abb. 1) oder anderen Ländern (z.B. importierte Futtermittel) zugerechnet werden. Dabei wird das Verursacherprinzip ignoriert, das besagt, dass bspw. der Treibhausgas-Ausstoß aus der Mineraldünger-Erzeugung der Landwirtschaft anzurechnen ist. Bei Berücksichtigung des Verursacherprinzips trägt die gesamte Lebensmittelbereitstellung unter mitteleuropäischen Verhältnissen knapp ein Viertel der vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen bei. Dem Schweinefleischkonsum käme dabei ein geschätzter Anteil von bis zu 4 % zu. Dieser umfasst alle Emissionen von der Herstellung der landwirtschaftlichen Betriebsmittel über die eigentliche Schweinehaltung, die Schlachtung und Verarbeitung bis hin zur Zubereitung durch die KonsumentInnen. Davon verursacht die Primärproduktion, d.h. die Landwirtschaft, den weitaus größten Anteil. Eine der ersten umfassenden Untersuchungen zu den Umweltfolgen der Erzeugung tierischer Lebensmittel, in der auch die Treibhausgas-Emissionen bewertet wurden, wurde von Wissenschafterinnen der Universität Wageningen (NL) durchgeführt (Tabelle 1). Um so unterschiedliche Produkte wie Fleisch, Eier und Milch vergleichen zu können, wird die Streuungsbreite der für die Erzeugung von 1 kg Protein (Eiweiß) über diese Produkte ausgestoßene Menge an Treibhausgasen angegeben. Daraus ist ersichtlich, dass die TreibhausgasEmissionen und damit der Beitrag zum Klimawandel von Schweinefleisch ähnlich wie der von Hühnerfleisch, Milch oder Eiern einzuschätzen ist.

Treibhausgase aus der Schweinefleisch-Erzeugung Einer EU-weit durchgeführten Untersuchung (Leip u.a. 2010) ist zu entnehmen, dass die österreichische Schweinefleischerzeugung hinsichtlich des Treibhausgas-Ausstoßes im EU-Vergleich relativ günstig abschneidet; die hohe Streuung (senkrechte Linien über den Säulen) weist auf das bestehende Verbesserungspotenzial hin (Abbildung 2). Die Hauptursache für das im europäischen Vergleich relativ günstige Abschneiden der österreichischen Schweinehaltung liegt v.a. in der betriebseigenen Basis für energiereiche Futtermittel, die in anderen EU-Mitgliedsstaaten vielfach nicht (mehr) gegeben ist, sowie in der weitgehenden Flächenbindung der österreichischen Schweinehaltung, was v.a. die Lachgas-Emissionen nach Ausbringung überhöhter Stickstoff-Mengen begrenzt. Nach wie vor besteht allerdings ein kritischer Punkt in der Schweinefleisch-Erzeugung, dem im Zusammenhang mit dem Klimawandel, aber auch anderen unerwünschten Folgen der tierischen Produktion, besondere Aufmerksamkeit zukommen sollte: Der Abhängigkeit der heimischen Schweinehaltung von eiweißreichen Importfuttermitteln. Wie in eigenen Arbeiten zu dieser Fragestellung bei Milchkühen nachgewiesen werden konnte, verursacht der Einsatz von Sojaextraktionsschrot, der zu ungefähr gleichen Teilen aus Nord- und Südamerika stammt, ungefähr viermal so hohe Treibhausgas-Emissionen wie ein ernährungsphysiologisch ähnliches Gemenge aus regionalen Alternativfuttermitteln (Mischungen aus Körnerleguminosen, Nebenprodukten der Pflanzenöl- sowie Äthanol-Erzeugung). Auch wenn die Ergebnisse nicht 1:1 auf die Schweinehaltung umgelegt werden können, weisen sie doch in die Richtung, in welche die Entwicklung ge-

Abb. 2: Treibhausgas-Emissionen der Schweinefleisch-Erzeugung (kg CO2eq. je kg Schweinefleisch, Durchschnitt und Streubreite. Quelle: Leip u.a. 2010

hen sollte, sowie auf das Einsparungspotenzial durch regionale Futterbereitstellung hin. An dieser Stelle ist anzumerken, dass der Ausstoß an Treibhausgasen in der Bewertung der Nachhaltigkeit der Lebensmittelerzeugung nur ein Merkmal unter vielen ist. In eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung müssen jedenfalls die wichtigsten davon eingehen. So sollten beispielsweise der Nährstoff-Austrag aus dem agrarischen Produktionssystem (v.a. Stickstoff und Phosphor betreffend), der Beitrag zur globalen Ernährungssicherung (Stichwort Nahrungskonkurrenz von Nutztieren zum Menschen), das Tierwohl, aber auch der Beitrag zum Einkommen von Bäuerinnen und Bauern sowie deren Lebensund Arbeitsqualität, oder zur Tragfähigkeit ländlicher Regionen berücksichtigt werden. Daraus wird klar, dass eine isolierte Betrachtung der Klimawirkung der SchweinefleischErzeugung zu eng ist, um in einer Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft bestehen zu können.

Fazit Die Schweinefleisch-Erzeugung verursacht im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmitteln deutlich mehr Treibhausgas-Emissionen, liegt aber im Bereich anderer Lebensmittel tierischer Herkunft. Im europäischen Vergleich schneidet die österreichische Schweinehaltung gut ab, v.a. im Bereich der Futtermittel-Bereitstellung und dem Stickstoff- und Phosphor-Ausstoß besteht noch Verbesserungspotenzial. Auch wenn dem Beitrag zum Klimawandel mittel- und langfristig sehr hohe Bedeutung zukommt, ist die Begrenzung der Diskussion auf das Merkmal Treibhausgas-Ausstoß ungeeignet, um die Nachhaltigkeit und damit die Zukunftsfähigkeit der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu bewerten bzw. diese nachhaltig zu entwickeln.

In der Landwirtschaft entstehen ca. 10 % der in Österreich ausgestoßenen Treibhausgase. Foto: FRAUKOEPPL 2-2020 | Klimaschutz | 21


Eckpfeiler einer erfolgreichen Ferkelaufzucht – von der Geburt bis zum Absetzen Das Absetzen der Ferkel von der Sau stellt viele LandwirtInnen vor große Herausforderungen. Ob die Aufzucht erfolgreich ist oder nicht zeigt sich bereits in den ersten Tagen nach dem Absetzen und hinterlässt Spuren bis zum Schlachthaken. Faktoren wie Fressunlust, Immunschwäche, Rangkämpfe und Absetzdurchfall resultieren oftmals in reduzierten Leistungen bis hin zu Ausfällen, schwächen die Basis für die erfolgreiche Mast und gehen so mit hohen ökonomischen Verlusten einher. Neben altbewährten Strategien soll im folgenden Artikel auf weitere innovative Maßnahmen eingegangen werden, um von der Geburt bis nach dem Absetzen eine erfolgreiche Aufzucht der Ferkel zu gewährleisten.

Grundstein der Gesundheit: Der Darm

Julia Slama Foto: Slama

Reinhard Puntigam Foto: Puntigam

22 | Ferkelabsetzen | 2-2020

„Der gesunde Darm ist die Wurzel aller Gesundheit“. Was bereits vor tausenden Jahren von Hippokrates (griechischer Mediziner, 300 vor Christus) erkannt wurde, erfreut sich heute ebenfalls der Bestätigung durch die moderne Tierernährung. Zunehmend wird erkannt, dass der Darm nicht nur für die Verdauung und Aufnahme der zugeführten Nahrung und Flüssigkeit zuständig ist, sondern auch bei der Abwehr von schädlichen Substanzen und Krankheitserregern eine entscheidende Rolle spielt. Der Darm ist das größte Immunorgan und steht in engem Austausch mit einer Vielzahl dort angesiedelter Mikroorganismen. Bereits kleine Ungleichgewichte bringen jedoch die Symbiose und deren wichtige Funktion ins Wanken.

kann. In Folge konnte das Auftreten von Durchfallerkrankungen der Saugferkel verringert werden (Leurs, 2016). Neueste Forschungsarbeiten beschäftigen sich ebenfalls mit dem gezielten Einsatz einer fast vergessenen Getreideart „dem Roggen“. Der hohe Gehalt an Nicht-Stärke-Polysacchariden dieser Kultur trägt im hinteren Verdauungstrakt der Tiere zur Bildung von organischen Säuren bei, der pH-Wert sinkt und somit wird den pathogenen Keimen der Lebensraum entzogen.

Frühzeitige und ausreichende Kolostrumaufnahme Eine frühzeitige (in den ersten 24 Stunden; Darmschranke der Ferkel ist nur eine bestimmte Zeit für maternale Immunglobuline geöffnet) und ausreichende Kolostrumaufnahme (ca. 150200ml pro Ferkel) ist für das gesunde Überleben der Saugferkel von großer Bedeutung. Bei großen Würfen hat sich das geteilte Säugen „split suckling“ sehr gut bewährt. Bereits hier legt man die Basis für die erfolgreiche Absetz-, Aufzuchtund Mastphase.

Die ersten Lebenstage als Fundament für erfolgreiches Absetzen

Wurfausgleich / natürliche und technische Amme

Gesunde Umgebung für vitale Ferkel: Die gründliche Reinigung und Desinfektion der Abferkelbuchten sind unumgänglich. Ferkel werden nahezu keimfrei geboren und dadurch kann der erste Kontakt mit pathogenen Keinem minimiert werden. Es gilt zusätzlich die Devise, dass Sauen die eine positive Mikroflora durch ihren Kot absetzen, die Ferkel ebenfalls darin unterstützen, ihre Immunabwehr besser zu entwickeln. Dies kann beispielsweise grundlegend über eine ausreichende Versorgung mit Faser in den Rationen der tragenden Sauen erreicht werden. Fütterungsversuche zeigen, dass eine zusätzliche Faservorlage rund um den Geburtszeitraum (7 Tage vor und 2 Tage nach der Geburt) die Keimflora im Kot und damit im Stall positiv verändern

Nach gesicherter Kolostrumaufnahme können unterschiedliche Strategien angewendet werden, um einerseits eine ausreichende Versorgung der Ferkel mit Milch zu gewährleisten wie auch andererseits die Sau zu entlasten, um eine rasche Trächtigkeit sicherzustellen. Bei der Wahl zwischen Wurfausgleich, natürlicher bzw. auch technischer Amme sollte immer zuerst das betriebliche Potential genutzt werden, bevor man auf technische Lösungen setzt.

Enzymtraining - Anfüttern der Ferkel In der 2. und 3. Säugewoche kann ein Abflachen der Milchleistung beobachtet werden. Somit


sind die Ferkel angewiesen ihren steigenden Nährstoffbedarf zusätzlich über Festfutter abzudecken. Es ist darauf zu achten, dass Prästarter schmackhaft und hochverdaulich sind, um den Magen-Darmtrakt ab der 2. Lebenswoche langsam an das feste Futter zu gewöhnen. Hierzu bestätigen neuste Studien (Middelkoop et al. 2019) die positive Wirkung von Prästartern ab dem 10. Lebenstag mit zwei interessanten Aspekten: Einerseits wurde das Augenmerk auf die Milchversorgung gelegt, die über eine restriktive, also portionierte oder ad libitum Fütterung der Sau gesteuert wurde. Andererseits wurde den Ferkeln ein Prästarter entweder in einem herkömmlichen oder in einem speziell ausgestatteten Trog (Abbildung 1) angeboten, welcher zusätzlich zum Spielen und Erkunden anregte – „spielerisch fressen lernen“. Die Ergebnisse zeigten zwar, dass die verknappte Milchversorgung der Ferkel zu geringeren täglichen Zunahmen führte, jedoch nahmen sie dadurch mehr Prästarter auf und konditionierten sich frühzeitig auf die Aufnahme von festem Futter. Die Futterumstellung im Zuge des Absetzens konnten diese Ferkel anschließend besser meistern als jene, die zuvor optimal mit Sauenmilch versorgt waren und daher weniger Prästarter aufgenommen hatten. Ebenfalls wurde ein Unterschied zwischen den Trogvarianten festgestellt, denn vor allem jene Ferkel, die vor dem Absetzen Futter aus einem „Spieltrog“ zu sich nahmen, zeigten weniger Umstellungsstress von Flüssig- auf Festfutter. Sie waren an Tag 15 nach dem Absetzen um bis zu 5 % schwerer gegenüber anderen Ferkeln, die ihren Prästarter in einem herkömmlichen Trog ohne besonderen Anreiz zum Spielen erhalten hatten. Schlussendlich traten ebenfalls weniger Probleme hinsichtlich Absetzdurchfall

sowie Bissverletzungen als Folge von Rangkämpfen auf. Das richtige Absetzfutter: Der endgültige Umstieg zu festem Futter ist die größte Herausforderung beim Absetzen. Speziell an die Bedürfnisse der ersten Tage angepasst, kann ein Absetzfutter maßgeblich dazu beitragen diesen Wechsel zu erleichtern. Wichtig ist es dabei auf geringe Säurebindungskapazität und Mineralfutteranteil sowie ausreichend Faser zu achten. Der Rohproteingehalt sollte nicht über 16,5 % liegen und aus gut verdaulichen Eiweißträgern bestehen. Die Devise lautet, durch den reduzierten Rohproteingehalt vorerst lieber ein paar Gramm weniger an täglichen Zunahmen in Kauf zu nehmen, als die langfristigen Auswirkungen von einem Absetzdurchfall zu riskieren. Nicht zu vergessen ist dabei eine optimale Verschneidung des Absetzfutters mit dem nachfolgenden Aufzuchtfutter. Über Futterzusatzstoffe wie Probiotika (Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien) oder gezielte Ansäuerung des Futters kann ebenfalls eine sorgenfreie Umstellung betriebsindividuell durchgeführt werden.

Faserreiches Beschäftigungsfutter Neben der Futterumstellung müssen es die Ferkel in den Tagen nach dem Absetzen meistern, sich in ein neues soziales Gefüge einzugliedern. Rangkämpfe, Aggressionen und Stresssituationen resultieren nicht selten in Schwanzbeißen. In aktuellen Versuchen der LFL Bayern konnten durch die separate Zugabe faserreicher Futtermittel (hier Luzernecobs oder Melasseschnitzel) in einem gesonderten Trog positive Effekte auf das Verhalten der Tiere erzielt werden. Durch die Beifütterung nahmen die Ferkel in diesem Versuch täglich zusätzliche 100g Ferkelaufzuchtfutter auf und erzielten so-

mit ebenfalls höhere Zunahmen. Ausreichend Platzangebot und genügend Fressplätze machen ein hastiges Überfressen in kurzer Zeit nicht erforderlich und schützen somit vor Stress und Aggressionen. Uneingeschränkter Zugang zu sauberem Wasser, d.h. sowohl in baulicher wie auch in Verfügbarkeit der Tränkeplätze/ -fläche, ist ein oftmals wenig beachteter, aber wesentlicher Bestandteil erfolgreichen Absetzens. Neben der gründlichen Reinigung der Tränkeeinrichtungen, nach dem Waschen und Desinfizieren des Ferkelstalles, sollte ebenfalls die Funktionstauglichkeit wie auch die Durchflussmenge und Temperatur des Wassers (0,5-0,7 Liter pro Minute mit 12-22°C; Büscher et al. 2008) kontrolliert werden.

Fazit Der Grundstein der Gesundheit und damit das Fundament eines erfolgreichen Absetzens liegt im Darm . Daher muss auf diesen ab dem ersten Tag ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Dabei sind die ersten grundlegenden Schritte: Eine optimale Umgebung ab dem Tag der Geburt durch eine vorab gezielte Versorgung der Sau (z.B. Faser) und frühzeitige, sowie ausreichende Kolostrumaufnahme. Darauf aufbauend bilden Säugestrategien und anschließendes spielerisch gestaltetes Anfüttern der Ferkel das weitere Fundament. Um diese gute Basis nach dem Absetzen erhalten zu können, sollte das Absetzfutter mit Bedacht gewählt und z.B. Strategien wie das Anbieten an faserreichem Beschäftigungsfutter verfolgt werden. Diese Ansätze bieten die Möglichkeit, den Herausforderungen rund um das Absetzen von Ferkeln bestmöglich entgegen zu treten.

Abb. 1: Herkömmlicher Futtertrog (a) und „Spieltrog“ (b) zur Vorlage des Prästarters. Quelle: Middelkoop et al. 2019

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Einflussfaktoren auf den Erfolg der Impfung gegen Mycoplasma hyopneumoniae Mycoplasma hyopneumoniae (M. hyo) ist ein kleines, zellwandloses, gram-positives Bakterium, das sehr eng an die Wirtszelle, nämlich Schleimhautzellen im Atmungstrakt des Schweines, angepasst ist. M. hyo gilt als Erreger der sog. Enzootischen Pneumonie, einer chronischen Lungenentzündung, die vorwiegend ältere Aufzuchtferkel und Mastschweine betrifft. Da M. hyo einerseits zilientragende Schleimhautzellen der Atemwege zerstört, die normalerweise für den Abtransport von Schleim und Partikeln (inklusive Infektionserregern) aus den Atemwegen verantwortlich sind, und andererseits auch das Immunsystem in der Lunge unterdrückt, gilt M. hyo als Wegbereiter für andere, sekundäre Infektionserreger der Atemwege. Darin liegt auch die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Erregers begründet. Da M. hyo in unseren Betrieben sehr weit ver24 | Impfung | 2-2020

breitet ist, werden Ferkel in den meisten österreichischen Schweinebetrieben zumeist während der Saugferkelphase oder seltener auch in der Aufzucht gegen M. hyo geimpft. In den meisten Fällen ist diese Impfung sehr erfolgreich, jedoch gibt es Einzelfälle, in denen der Verdacht eines nicht ausreichenden Schutzes gegen M. hyo trotz Impfung besteht. In solchen Fällen sollte in jedem Fall durch Kooperation mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt eine Aufarbeitung des Problems angestrebt werden.


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Eine Vielzahl an Impfstoffen steht zur Verfügung

Genaue Überprüfung der Ursachen ist enerlässlich

Die derzeit in Österreich zugelassenen Impfstoffe gegen M. hyo sind in Tabelle 1 gelistet. Es stehen eine Vielzahl an Impfstoffen, die entweder als 1-shot oder als 2-shot Präparate zugelassen sind, zur Verfügung. In den jeweiligen Impfstoffen sind unterschiedliche Stämme von M. hyo in inaktivierter Form sowie auch unterschiedliche Adjuvantien, also Hilfsstoffe die für die Entwicklung einer zuverlässigen Immunantwort erforderlich sind, enthalten.

Werden Ferkel gegen M. hyo geimpft und treten trotzdem Probleme auf, die auf eine Mykoplasmeninfektion hindeuten, so kann dies unterschiedliche Ursachen haben, denn der Erfolg der Impfung wird von vielerlei Faktoren beeinflusst.

Grundsätzlich gilt zu bedenken, dass keiner der gelisteten Impfstoffe vor einer Infektion mit M. hyo schützt oder diese verhindern kann. Den Zulassungsbeschreibungen der Impfstoffe ist vielmehr zu entnehmen, dass das Ziel der Impfung eine Reduktion der Lungenläsionen verursacht durch M. hyo in Häufigkeit und Schweregrad ist. Es sollen also durch die Impfung lediglich die klinischen Folgen einer Infektion, also die klinischen Symptome wie Husten, die pathologischen Lungenläsionen und damit die wirtschaftlichen Einbußen verhindert werden, jedoch nicht die Besiedelung mit M. hyo.

Zu allererst gilt es abzuklären, ob es sich tatsächlich um ein Problem verursacht durch M. hyo handelt. Denn weder die klinischen Symptome noch die Lungenveränderungen am Schlachtband sind für eine Infektion mit M. hyo beweisend. Eine Vielzahl anderer Erreger kann Atemwegssymptome, wie Husten und Atemnot, und reduzierte Wachstumsleistung der Tiere verursachen. Auch die für M. hyo typischen Veränderungen der Spitzenlappen der Lunge können durch andere Erreger verursacht werden. So kommt es beispielsweise in der Routinediagnostik häufiger vor, dass zwar die typischen Veränderungen an der Lunge gesehen werden, jedoch nicht M. hyo nachgewiesen wird, sondern andere Erreger, wie beispielsweise Mycoplasma hyorhinis. Daher sind für eine eindeutige Diagnosestellung Laboruntersuchungen inklusive einer pathologischen Beurteilung von Lungengewebe und einem Nachweis des Erregers unerlässlich. Der Nachweis von M. hyo wird

in der Routinediagnostik zumeist mittels PCR durchgeführt, ein Verfahren welches die genetische Information des Erregers nachweist. Alternativ kann auch mittels spezifischer Färbemethoden der Erreger in histologischen Gewebeschnitten sichtbar gemacht werden. Eine Anzucht von M. hyo im Labor wird in der Routinediagnostik nicht durchgeführt, da die Kultivierung sehr aufwendig und langwierig ist, die Erfolgsaussichten eher gering sind und mit einem endgültigen Ergebnis frühestens nach 4 Wochen zu rechnen ist. Dies hat zur Folge, dass die im Feld zirkulierenden Stämme auch nicht näher charakterisiert werden können, was eine Kultivierung des Erregers voraussetzen würde. Demnach ist es auch nicht möglich, eine Aussage über den zu wählenden Impfstamm im Vergleich zum im Betrieb zirkulierenden M. hyo Isolat zu treffen. Als Alternative zum direkten Nachweis von M. hyo stehen Verfahren zum Nachweis von Antikörpern, die das Immunsystem nach einer Infektion gebildet hat, zur Verfügung. Hierfür werden in der Routinediagnostik zumeist ELISA Verfahren verwendet. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass diese Verfahren sich nicht zur Einzeltierdiagnostik eignen, sondern lediglich für eine Interpretation auf Bestandsebene herangezogen werden können. Zudem sind sie für die Diagnostik in geimpften Beständen unge-

Impfstoffname Hyogen Ingelvac MycoFLEX M+Pac

Inhaber/-in Ceva Boehringer Ingelheim Intervet

M. hyo Stamm M. hyo Stamm 2940 M. hyo J Stamm, Isolat B-3745 Stamm ATTC#25934 von M. hyo

Mypravac suis Porcilis M Hyo

Hipra Intervet

M. hyo, inaktiviert, Stamm J M. hyo, Stamm 11

Porcilis M Hyo ID ONCE Porcilis PCV M Hyo Stellamune Mycoplasma Stellamune One

Intervet Intervet Richter Pharma Richter Pharma

M. hyo, inaktiviert, Stamm 11 M. hyo J-Stamm, inaktiviert M. hyo, inaktiviert Inaktivierte M. hyo, Stamm NL 1042

Suvaxyn Circo+MH RTU Suvaxyn M.hyo Suvaxyn M.hyo- Parasuis Suvaxyn MH-One

Zoetis Zoetis Zoetis Zoetis

M. hyo Stamm P-5722-3, inaktiviert M. hyo, inaktiviert, Stamm P-5722-3 M. hyo Stamm P-5722-3, inaktiviert M. hyo, inaktiviert, Stamm P-5722-3

Empfohlene Anwendung einmalig 2ml ab 3. LW einmalig 1ml ab 3. LW zweimalig 1ml ab 7. Tag od. einmalig 2ml ab 21. Tag zweimalig 2ml ab 7. Tag zweimalig 2ml ab vollendeter 1. LW, einmalig 2ml ab 3. LW einmalig 0,2ml ab 2. LW einmalig 2ml ab 3. LW zweimalig 2ml ab 3. Tag einmalig 2ml ab 3. Tag bzw. ab 3. LW einmalig 2ml ab 3. LW zweimalig 2ml ab 3. Tag zweimalig 2ml ab 7. Tag einmalig 2ml ab 7. LT

Tabelle 1: Derzeit in Österreich zugelassene Impfstoffe gegen Mycoplasma hyopneumoniae. 2-2020 | Impfung | 25


Es stehen eine Vielzahl an Impfstoffen gegen M. hyo zur Verfügung, die entweder als 1-shot oder als 2-shot Präparate zugelassen sind. Foto: Agrarfoto.com

eignet. Ein alleiniger Nachweis von Antikörpern gegen M. hyo in geimpften Tieren hat keinerlei Bedeutung, da eine Besiedelung der Atemwege mit M. hyo durch die Impfung ja nicht verhindert wird.

Impfzeitpunkt ist wichtig Zu den Faktoren, die den Erfolg der M. hyo Impfung beeinflussen, zählt zum einen die Auswahl des geeigneten Impfzeitpunktes. Dabei sollten die vom jeweiligen Impfstoffhersteller empfohlene Anwendungsart bzw. der empfohlene Anwendungszeitpunkt in Bezug auf das Alter der Ferkel berücksichtigt werden. Zudem gilt es den Infektionszeitpunkt im Bestand zu berücksichtigen. Zusätzlich beeinflusst der Erregerdruck im Bestand den Erfolg der Impfung. So kam es in den vergangenen Jahren zu mehreren Fällen sog. Mykoplasmendurchbrüche, also klinischer Probleme durch M. hyo trotz Impfung der Ferkel, in deren Aufarbeitung die Universitätsklinik für Schweine involviert war. Teilweise waren die klinischen Symptome in diesen Beständen bei geimpften Ferkeln zu beobachten, teilweise kam es durch den erhöhten Erregerdruck im Bestand auch zu Husten bei Zuchtsauen. Zumeist wurde als eine Ursache des Ausbruches der Zukauf M. hyo negativer Jungsauen ausfin26 | Impfung | 2-2020

dig gemacht. Wenn zugekaufte Jungsauen keine Immunität gegen M. hyo aufweisen und sich im Bestand das erste Mal mit M. hyo infizieren, ist davon auszugehen, dass sie für einen Zeitraum von über 200 Tagen M. hyo ausscheiden. Wenn Sauen den Erreger ausscheiden während sie Ferkel säugen (was bei Jungsauen in einem Zeitfenster von 200 Tagen nach Zukauf häufig der Fall ist), ist von einer erhöhten Ansteckungsrate der Saugferkel auszugehen, was den Erregerdruck im Bestand soweit erhöht, dass die Impfung der Ferkel ohne Erfolg bleiben kann.

Letztendlich gilt es auch bei Impfstoffen gegen M. hyo generelle Empfehlungen zur adäquaten Lagerung der Impfstoffe und zur Impfhygiene zu berücksichtigen, um einen optimalen Impfschutz der Tiere zu erzielen. Abschließend kann gesagt werden, dass bei M. hyo wie auch bei anderen Erregern für jeden Bestand ein geeignetes Impfkonzept mit dem Betreuungstierarzt ausgewählt werden muss und bei Auftreten klinischer Probleme trotz Impfung eine diagnostische Aufarbeitung erforderlich ist. Andrea Ladinig


Verbot des Einsatzes von Zinkoxid in der Schweinehaltung – die Uhr tickt! Ab 26. Juni 2022 wird der Einsatz von Zinkoxid bei Schweinen endgültig verboten sein. Aber wie bringe ich meine Ferkel ohne Antibiotikaeinsatz gut über die Absetzphase? Gibt es überhaupt Alternativen? Was ist Zinkoxid und wie wirkt es? Die chemische Verbindung aus Zink und Sauerstoff wirkt zwar nicht wie ein Antibiotikum, wird jedoch aufgrund seiner antimikrobiellen Eigenschaften seit Anfang der 1990er vermehrt in der Nutztierhaltung eingesetzt. In Schweinebetrieben findet Zinkoxid vor allem zur Therapie von Absetzdurchfall, welcher mitunter durch Escherichia coli ausgelöst wird, Anwendung. In Österreich zugelassene Präparate gibt es sowohl in Reinform als auch in Kombination mit dem Antibiotikum Colistinsulfat.

Ab wann wird der Einsatz von Zinkoxid verboten sein? Der von der Europäischen Kommission verabschiedete Durchführungsbeschluss trat bereits am 26. Juni 2017 in Kraft und beinhaltet sowohl ein Verbot für das Inverkehrbringen neuer als auch die Aufhebung bisheriger Zulassungen von Zinkoxid-haltigen Präparaten. Im Falle mangelnder Alternativen für Zinkoxid (Antibiotika – wie Colistin sind keine Alternativen) und der Gefahr die nationale Schweineproduktion durch dieses Verbot zu gefährden, gewährte die EU einigen Mitgliedstaaten einen Aufschub des Verbotes um bis zu fünf Jahre. Spätestens am 26. Juni 2022 dürfen somit Zinkoxid-haltige Therapeutika nicht mehr in der Schweineproduktion eingesetzt werden. Länder – wie Finnland – machten von der Möglichkeit zum Aufschub nicht Gebrauch. Die Konsequenz für die Schweineproduktion in Finnland, wo es zusätzlich strengere Regulatorien hinsichtlich des Einsatzes von Antibiotika gibt, war verheerend – unzählige Betriebe mussten aufhören.

Darf Zink auch nicht mehr im Futter zugesetzt werden? Zink ist ein essenzielles Spurenelement und Bestandteil vieler lebensnotwendiger Enzyme und wichtig für Haut und Immunsystem – für Schweine wie für Menschen. Ein Mangel an Zink führt beim Schwein zu borkenartigen Hautveränderungen und verminderten Gewichtszunahmen. Der Einsatz von Futtermittelzusatzstoffen – also von Zink im Mineralfutter – wird von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geregelt (VO 1334/2003), während der Einsatz von Zinkoxid als Therapeutikum (z.B.: gegen Absetzdurchfall) durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) geregelt wird. Somit darf Zink in einer Menge bis zu 150 ppm (parts per million) weiterhin Zink in einer Menge bis zu 150 ppm (parts per million) auch nach 2022 als Futtermittel verabreicht werden. Verboten wird allerdings die Verabreichung therapeutischer Dosen (2.000 - 3.000 ppm).

Wieso verbietet die EU den Einsatz von Zinkoxid? Ausschlaggebend für diesen Beschluss waren vor allem zwei Punkte: 1. Die Akkumulation von Zinkoxid in den Böden Die anorganische Verbindung Zinkoxid wird von Schweinen wieder ausgeschieden und gelangt über die Gülle in den Boden. Im Gegensatz zu purem Zink, welches in einigen Regionen Österreichs sogar nur mangelhaft im Boden vorkommt, ist Zinkoxid immobil. Dadurch kann es nicht abgebaut werden und reichert sich in den Böden an. Größere Mengen dieser toxischen Verbindung gelangen somit oft ins Grundwasser. Dieser Umstand stellt in besonders schweinedichten Regionen Europas ein Problem dar.

Der häufig erfolgende Einsatz therapeutischer Mengen an Zinkoxid zur Behandlung von Absetzdurchfall in Dänemark und die strengen Bestimmungen durch die Düngeverordnung in Deutschland führten immer wieder zu Diskursen zwischen dänischen Ferkelproduzenten und deutschen Mästern, wodurch das Interesse der EU für einheitliche Bestimmungen zum Einsatz von Zinkoxid geweckt wurde. 2. Die Entstehung von Antibiotikaresistenzen Diverse Studien belegen einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz therapeutischer Mengen Zinkoxid bei Absetzferkeln und dem vermehrten Auftreten multiresistenter Keime (v.a. MRSA) sowie Antibiotikaresistenzen von E. coli gegen z.B. Tetrazykline (Vahjen et al. 2015, Slifierz et al. 2015). Aufgrund dieser Erkenntnisse relativierte sich die Verwendung von Zinkoxid als Alternative zum Antibiotikaeinsatz schnell. Des Weiteren hemmt Zinkoxid nicht nur das Wachstum krankmachender Escherichia coli, sondern auch jenes wichtiger Darmbakterien wie Lactobazillen oder Bifidobakterien. Dies führt auch zu einer verminderten Produktion der darmunterstützenden flüchtigen Fettsäuren – wie Butyrat. Außerdem kann die Verabreichung von ZinkoxidMengen, die über die doppelte therapeutische Dosierung hinaus gehen, unverzüglich zum Tod der Ferkel führen. Wenngleich der Einsatz von Zinkoxid beim Absetzen zu einer Steigerung der Futteraufnahme führt, zeigten bereits Studien, dass jene Ferkel, die nach dem Absetzen für 14 Tage therapeutische Mengen (3.000 ppm) Zinkoxid erhalten haben, am Ende der Aufzucht signifikant weniger wogen, als Ferkel der Kontrollgruppe, welche lediglich nutritive Mengen (100 ppm) an Zink im Futter hatten.

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Welche Alternativen zu Zinkoxid gibt es? Zahlreiche Alternativen zur Vorbeugung von Absetzdurchfall wurden bereits beschrieben. Manchen Betrieben gelingt es bereits ohne den Einsatz von Zinkoxid die Ferkel gut über die Absetzphase zu bringen. Aber warum schaffen das manche Landwirte problemlos, während in anderen Betrieben sofort Absetzdurchfall auftritt, wenn Zinkoxid versuchsweise abgesetzt wird? Beschriebene Alternativen sind mitunter die frühe Verabreichung von Prästartern oder das Verschneiden von Futter bei jeder Futterumstellung. Eine Reduktion des Rohproteingehaltes im Absetzfutter senkt die Inzidenz von Absetzdurchfall, muss aber durch den vermehrten Zusatz limitierender Aminosäuren – v.a. Lysin – kompensiert werden. Etliche Studien belegen die positiven Auswirkungen von Säuren, Pro- sowie Präbiotika und einer Erhöhung des Rohfasergehaltes auf die Darmgesundheit. Da viele im Futter zugesetzte Säuren im Verdauungstrakt inaktiviert werden, wird momentan intensiv an neuen Formulierungen gearbeitet, wie zugesetzte Säuren den Dünndarm erreichen können, ohne davor inaktiviert zu werden. Welche Rohfaserträger am geeignetsten sind, ist ebenfalls stark umstritten. Studien reichen von Arabinoxylan-reichen Getreiden, wie Roggen, über Beta-glukan-haltige Rohfaserkomponenten, wie Hafer, bis hin zum Inulin-haltigen Chicorée. Von der präventiven Wirkung von pflanzlichen Extrakten aus Oregano oder Thymian wurde auch schon berichtet.

Aber warum gibt es Betriebe, die alle genannten Punkte einsetzen, aber trotzdem noch ein Problem mit Absetzdurchfall haben, sobald Zinkoxid abgesetzt wird? Hinzu kommen die immer genannten Managementfaktoren. Eine Verbesserung vom Tier-Fressplatzverhältnis, einer fachgerechte Reinigung und Desinfektion sowie eine Minderung der Tierdichte klingen plausibel zur Verminderung der Problematik, sind aber nicht unbedingt immer praxistauglich. Tierärzte und Landwirte sind sich hinsichtlich einer Sache einig: es gibt nicht die eine Alternative zu Zinkoxid. Um zu verhindern, dass es beim Abstellen des Zinkoxideinsatzes nicht zum vermehrten Auftreten von Absetzdurchfall kommt, müssen Veränderungen auf mehreren Ebenen (Fütterung, Management etc.) erfolgen.

Doch welche Faktoren sind das genau und sind diese auch praxistauglich? Um diese Faktoren ausfindig zu machen, startete die Universitätsklinik für Schweine der Veterinärmedizinischen Universität Wien heuer ein Projekt, bei dem sämtliche Informationen rund ums Absetzen (Fütterung, Haltung, Management, Desinfektion etc.) auf Betrieben mit Absetzferkeln mit Hilfe eines Fragebogens gesammelt werden. Diese Informationen werden zwischen Betrieben, die nach wie vor Zinkoxid einsetzen, und solchen, die es erfolgreich geschafft haben auf Zinkoxid zu verzichten, verglichen.

Ab 26. Juni 2022 wird der Einsatz von Zinkoxid bei Schweinen endgültig verboten sein. 28 | Zinkoxid | 2-2020

Um jedoch aussagekräftige Unterschiede zwischen diesen Betrieben ausfindig zu machen, brauchen wir so viele freiwillige Betriebe mit Absetzferkeln wie möglich. Deswegen bitten wir um Ihre Kooperation und Mithilfe! Ganz egal, ob in Ihrem Betrieb Zinkoxid eingesetzt wird, oder nicht, würden wir uns sehr freuen mit Ihnen gemeinsam unseren Fragebogen zu erheben. Die Erhebung dauert ca. 30 Minuten und erfolgt absolut anonym und vertraulich. Dies ist uns wichtig, um durch den Erhalt ehrlicher Aussagen auch richtige Alternativen zu Zinkoxid finden zu können und erhobene Daten nicht verfälscht werden. Die Erhebung kann – auch abhängig von der aktuellen COVID19 Situation – entweder telefonisch oder bei Ihnen am Betrieb durch einen Tierarzt der Universitätsklinik für Schweine und/oder ihrem Betreuungstierarzt durchgeführt werden. Wir freuen uns mit Ihnen den Fragebogen zu erheben. Melden Sie sich bitte in Absprache mit Ihrem Betreuungstierarzt unter 0664 60257 6857. Mag.med.vet. René Renzhammer Universitätsklinik für Schweine Veterinärmedizinische Universität Wien


Von Anomalien, Gendefekten und anderen genetischen Besonderheiten bei Schweinen Das Auftreten von verschiedensten Anomalien und Gendefekten hat negative Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Schweineproduktion. Einerseits erhöhen sich die Tierverluste und andererseits steigen auch die Tierarztkosten. Abgesehen von diesen ökonomischen Auswirkungen, ist das Wohlergehen der Tiere durch die Anomalien selbst sowie die dadurch notwendigen tiermedizinischen Eingriffe stark eingeschränkt.

Die Bandbreite der Anomalien und Gendefekten beim Schwein ist groß. Sie reicht von dramatischen Erscheinungsbildern, die meist zum Tode führen (z.B. Afterlosigkeit beim männlichen Ferkel) bis hin zu oftmals übersehenen Gendefekten wie zum Beispiel dem Auftreten von Stülpzitzen. Die Ausprägung kann auf Defekte des ganzen Genoms (Gesamtheit der Erbinformation), der Chromosomen oder gar einzelner Genorte zurückzuführen sein. Dieser Artikel umreißt nicht nur wirtschaftlich wichtige Gendefekte und Anomalien, sondern gibt auch einen kurzen Einblick in genetische Besonderheiten, die wir uns in der Tierzucht zu Nutzen machen können.

Wege der Vererbung Derzeit sind 278 Erbdefekte bzw. Merkmale beim Schwein bekannt, darunter 84, die nur durch einen Genort beeinflusst werden. Als Beispiel können hierfür die allseits bekannte Stressempfindlichkeit (Magline Hyperthermie Syndrom (MHS)) aber auch die Resistenz gegen Escherichia (E.) Coli F18 (Auslöser der Ödemkrankheit bei Ferkeln) genannt werden. In der züchterischen Arbeit sind Gendefekte bzw. Merkmale, die von nur einem bekannten Genort beeinflusst werden, einfacher zu beheben, wie durch eine relativ rasche Stresssanierung beim Pietrain gezeigt werden konnte. Seit kurzer Zeit wird in Österreich auf E. Coli F18 - Resistenz selektiert. Von jedem genotypisierten Schwein der österreichischen Herdebuchzucht ist neben dem MHS – Status auch der E. Coli F18 - Status bekannt. Schweine, die am FUT1-Gen den Genotyp AA aufweisen, sind resistent und ein Auftreten der Ödemkrankheit kann ausgeschlossen werden. Diese Genotypen haben keine Anheftmöglichkeiten für E. Coli F18 - Bakterien auf der Darmschleimhaut. Eine Besiedelung

von E. Coli F18 - Bakterien kann somit nicht erfolgen. Diese genetische Information wird bei EliteAnpaarungen in der Reinzuchtstufe beachtet. Eine größere züchterische Herausforderung sind Erbfehler, die von mehreren Genorten beeinflusst werden und somit einen weitaus komplexeren Erbgang aufweisen. Hierzu zählen Afterlosigkeit, Hernien (Nabelbruch, Hodenbruch, Leistenbruch), Binneneber, Zwitter und das Spreizersyndrom. Speziell bei Mehr-Rassen Kreuzungen, aber auch in der Reinzucht, sind die Erbgänge dieser von mehreren Genorten beeinflussten Anomalien nicht immer geklärt. Abgesehen von der genetischen Komponente, kann auch das betriebliche Management einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Vorkommen von Anomalien haben.

Dr. Christina Pfeiffer Zuchtleitung PIG Austria Foto: Fraukoeppl

Afterloses Ferkel. Quelle: Hagmüller 2-2020 | Anomalien | 29


Es gibt immer wieder Hinweise darauf, dass bei einzelnen Eberlinien vermehrt Anomalien, im Speziellen Hodenbrüche, auftauchen. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass auch die Muttertiere Gene, bzw. Chromosomenabschnitte, die an der Ausprägung von Brüchen beteiligt sind, weitergeben können.

Umwelteinflüsse, die das Auftreten von Anomalien begünstigen Anomalien haben zwar eine genetische Komponente, allerdings wird ihr Auftreten auch durch Umwelteinflüsse begünstigt. Überfüllung des Darms, Überanstrengung, Jahreszeit und Alter der Muttersau können besonders das Auftreten von Brüchen beeinflussen. Nabelentzündungen erhöhen das Risiko für Nabelbrüche. Das Vorkommen von Spreizern kann durch einen Nährstoffmangel der Sau hervorgerufen werden. Hier sollte insbesondere auf die Versorgung mit dem Vitamin Cholin (Vitamin B-Komplex) und der essentiellen Aminosäure Methionin geachtet werden. Auch Mykotoxine, besonders ein erhöhter Anteil an Zeralenon, im Futter führen zu einem vermehrten Auftreten von Spreizferkeln. Zudem gibt es Hinweise, dass Spreizer in mit PRRS infizierten Herden häufiger zu finden sind.

und Spreizer (Erblichkeiten können Zahlenwerte von 0 bis 1 einnehmen; 0 nicht erblich und 1, es sind zu 100% Gene an der Merkmalsausprägung beteiligt, ein Einfluss der Umwelt an der Merkmalsausprägung kann ausgeschlossen werden). Werden die Häufigkeiten auf Ferkelebene umgerechnet, wären nach Sauenplanerdaten rund 1,5% aller lebend geborenen Ferkel von Anomalien betroffenen.

Gelenkte Anomalienfeldprüfung Zusätzlich zur Erfassung im Sauenplaner wird eine gelenkte Anomalienprüfung auf Eberfeldtestbetrieben durchgeführt. Diese

Betriebe bekommen von den Besamungsstationen Gleisdorf, Hohenwarth und Steinhaus Sperma von Ebern zugeteilt. Nach Rückmeldung der Betriebe wird das Ergebnis der gelenkten Feldanomalienprüfung mit dem Anomalienindex kombiniert. Dieser Index umfasst Hodenbruch, Binneneber und Spreizer. Besamungseber mit erhöhten Anomalienhäufigkeiten werden geschlachtet. Positiv geprüfte Besamungseber (niedrige Anomalienhäufigkeit) werden durch die Besamungsstationen mit einem A gekennzeichnet. In Steinhaus ist ein Großteil der Besamungseber Anomalien-geprüft. In der Steiermark und in Niederösterreich hat die gelenkte Feldanomalienprüfung Anfang April 2020 begonnen.

Systematische Datenerfassung als Grundlage einer verbesserten züchterischen Bearbeitung Um ein Merkmal züchterisch zu bearbeiten, müssen systematisch Daten von hoher Qualität erfasst werden. Je mehr Genorte an der Merkmalsausprägung (z.B. Hodenbruch) beteiligt sind, umso stärker gewinnen große Datensätze an Bedeutung, um die genetische Komponente von Anomalien besser zu verstehen. In Österreich werden die wichtigsten Anomalien im Sauenplaner in der Zucht- und Produktionsstufe erfasst. Für genetische Auswertungen muss sichergestellt sein, dass die Datenerfassung regelmäßig erfolgt und die Daten von bester Qualität sind (systematische und regelmäßige Erfassung, Ausschluss von Mischbelegungen, kein Ferkelversetzen bzw. eindeutige Zuordnung der betroffenen Ferkel zu Vater und Mutter usw.). Die Grafik Abb. 1 zeigt den prozentuellen Anteil der Würfe mit Anomalien an den im Sauenplaner erfassten Würfen. Hodenbruch, Binneneber und Spreizer stellen dabei die drei häufigsten Anomalien dar. Die Erblichkeiten liegen zwischen 0,12 und 0,15 für die Merkmale Hodenbruch, Binneneber 30 | Anomalien | 2-2020

Abb. 1: Prozentuellen Anteil der Würfe mit Anomalien an den im Sauenplaner erfassten Würfen.

Spreizer. Quelle: Hagmüller


Viel Lärm um nichts! Oder doch nicht? Zur gesellschaftlichen Wahrnehmung der Schweinehaltung Seit Jahren nimmt die gesellschaftliche Kritik an der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung und insbesondere an der Schweinehaltung stark zu. Mehr und mehr zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den aktuellen Haltungsbedingungen auf der einen und den gesellschaftlichen Erwartungen auf der anderen Seite. Landwirte können schon lange nicht mehr grundsätzlich mit der Wertschätzung durch „den“ Verbraucher rechnen und „schwarze Schafe“ innerhalb der Branche verschlimmern die Situation zusätzlich. Doch was für Vorstellungen hat die Gesellschaft von der Schweinehaltung und ist es notwendig, dass sich Schweinehalter mit diesem Thema beschäftigen? Der vorliegende Beitrag gibt Einblicke in die aktuelle Wahrnehmung der Mastschweinehaltung in Deutschland und nennt Gründe für den Praktiker, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vorgehen Um die unterschiedlichen Vorstellungen und Bilder zur Mastschweinehaltung zu erfassen, wurden sechs leitfadengestützte Gruppendiskussionen durchgeführt. An den Diskussionen nahmen Personen unterschiedlichen Alters teil, die sämtlich keinen Bezug zur Landwirtschaft hatten. Da das Thema im Voraus nicht bekannt gegeben wurde, konnten sich die Teilnehmer nicht (strategisch) vorbereiten. Insgesamt wurden ca. 48 Personen befragt. Gruppendiskussionen eignen sich nicht für die Übertragung der Ergebnisse auf ganz Deutschland. Sie decken aber unbekannte Punkte auf und liefern Erklärungsmuster. Dies kann mit groß angelegten Befragungen nicht erreicht werden.

Ergebnisse Allgemein herrschte großes Interesse am Thema und die Teilnehmer diskutierten lebhaft über ihre Vorstellungen. Auffällig war dabei ein vielfach vorherrschendes Schwarz-Weiß-Denken (vgl. Tabelle 1) mit den zwei Gegenpolen Massentierhaltung versus Bio- bzw. Nebenerwerbshaltung. In erster Linie wurde die Haltung stark kritisiert. Allerdings waren unter den Teilnehmern vereinzelt auch Personen, die das Thema nicht interessierte und darauf hinwiesen, dass es in Deutschland wichtigere Themen als die Schweinehaltung gebe, z. B. arme Kinder.

Dr. Inken Christoph-Schulz Thünen-Institut f. Marktanalyse Foto: Florian Gaertner/photothek.net/BMEL

Stall Den Schweinestall stellten sich die meisten Diskutanten als Halle mit „Boxen“ oder „Parzellen“ vor. Diese hätten meistens einen Spalten- oder Betonboden ohne Einstreu. Einige Teilnehmer hießen diese Form des Bodens zwar nicht gut, argumentierten jedoch, dass dieser Boden aufgrund der Wirtschaftlichkeit erforderlich sei, da das Ausmisten eines Strohstalls zu zeitaufwändig wäre. Aufgrund fehlender Frischluftzufuhr äußerten einige Teilnehmer den Verdacht, dass es im Stall „stickig“ sei. Ein weiterer Aspekt, der in Hinblick auf die Gestaltung des Stalls genannt und kritisiert wurde, war, dass die Tiere in der Regel keinen Freilandzugang hätten. In Bezug auf den pro Tier zur Verfügung stehenden Platz wurde betont, dass dieser unzureichend sei und die Tiere „eingepfercht“ seien. Eine Vorstellung darüber, wie viel Platz den Tieren wirklich zur Verfügung steht oder wie viel sie brauchen, hatten die Diskutanten jedoch nicht.

Massentierhaltung

Biohaltung/Nebenerwerb

Sehr viele Tiere Stallhaltung Enge „Künstliches“ Futter Prophylaktische Medikation Tieren geht es schlecht Haltung nicht artgerecht

Wenig Tiere (auch) Weidegang Viel Platz Natürliches Futter Medikamente nur im Krankheitsfall Tieren geht es gut Haltung artgerecht

Tabelle 1: Öffentliche Wahrnehmung als „Schwarz-Weiß-Malerei“ 2-2020 | Studienbericht | 31


Welche Vorstellungen hat die Gesellschaft von der Schweinehaltung? Im Zusammenhang mit dem angenommenen Platzmangel wurde jedoch mitunter vermutet, dass die Bewegungsfreiheit der Tiere auch gar nicht erwünscht sei. Die Tiere sollten vielmehr möglichst schnell an Gewicht zunehmen. Der Platzmangel aber auch fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten wurden vielfach scharf kritisiert und als Ursache für unerwünschtes Verhalten, wie gegenseitiges Beißen, verantwortlich gemacht. Beschäftigungsmaterial Die Teilnehmer gingen davon aus, dass die wenigsten Tiere Beschäftigungsmöglichkeiten hätten. In diesem Zusammenhang wurde mehrfach betont, dass Schweine intelligente Tiere seien, die ohne ausreichende Beschäftigung depressiv werden könnten und sich langweilten. Ein Diskutant äußerte hierzu: „Die hocken da wie verblödet“. Auf die Frage, was die Tiere den Tag über machen könnten, wurde meist „stehen“, „atmen“, „grunzen“ oder „schlafen“ angegeben. Auffällig war eine starke Übertragung menschlicher Bedürfnisse/menschlichen Verhaltens auf die Tiere. So wurde beispielsweise folgendes geäußert: „Wenn die Tiere so unglücklich … sind, also die kriegen ja, ähnlich wie Menschen, Depressionen“. Gesundheitszustand und Einsatz von Medikamenten In jeder Diskussion kamen die Teilnehmer, ohne dass die Diskussionsleitung das Thema ansprechen musste, auf den möglichen Einsatz von Medikamenten zu sprechen. In diesem Zusammenhang wurde diskutiert, dass die Tiere zahlreiche Medikamente erhielten. Als Grund hierfür wurden die ver32 | Studienbericht | 2-2020

Foto: AdobeStock

muteten schlechten Haltungsbedingungen angegeben. Vor allem wurden Antibiotika erwähnt. Den Tieren würden diese präventiv „unters Futter gemischt, damit (…) Epidemien oder Krankheiten sich nicht ausbreiten“ könnten. Neben Antibiotika wurden auch Präparate genannt, die die Tiere „fett machen“ oder das Wachstum fördern sollten. Die Tiere bräuchten darüber hinaus Beruhigungsmittel, da sie ständigem Stress ausgesetzt seien. Zudem wurden Antidepressiva erwähnt, die fehlende Auslauf- und Beschäftigungsmöglichkeiten kompensieren müssten. Einige Teilnehmer sprachen zudem von Schmerzmitteln, die gegen Gelenksschmerzen aufgrund Bewegungsmangels oder zu schnellen Wachstums verabreicht würden. Ein Teilnehmer äußerte in diesem Zusammenhang: „ … die kriegen einfach Betäubungsmedikamente, um alles abzuschalten, das Gehirn abzuschalten und die Schmerzen abzuschalten“. In diesem Zusammenhang wurde auch darüber diskutiert, ob und inwiefern die Tiere unter den herrschenden Bedingungen leiden. Auch wenn die Mehrheit eher die Auffassung vertrat, dass „gewisse Instinkte (…) von vornherein da“ seien, wurde auch die Vermutung geäußert, „dass es den Schweinen doch gut geht, weil die (…) nichts anderes gewohnt sind“.

Fazit Es ist offensichtlich, dass die Mastschweinehaltung in Deutschland sehr negativ wahrgenommen wird. Im Gegensatz zur Milchviehhaltung, zu der ebenfalls Diskussionen

durchgeführt wurden, gab es kaum Diskussionen zu den einzelnen Punkten. Dies zeigt, dass die Vorstellungen bezüglich der Haltung sehr ähnlich waren. Genauso deutlich ist aber auch, dass vielen Teilnehmern der Diskussionen konkretes Wissen zu diesem Thema fehlt. Und hier kann die Chance der Praktiker liegen! Auch wenn DIE Landwirtschaft immer wieder scharf kritisiert wird, ist das Ansehen persönlich bekannter Landwirte deutlich besser. Über das persönliche Gespräch kann leicht Vertrauen aufgebaut werden. Ideal ist in diesem Zusammenhang ein Hofladen und unerlässlich Transparenz. Bieten Sie die Möglichkeit, Fragen zu beantworten und Ihren Beruf zu erklären. Selbstverständlich verlangt dies einiges von Ihnen ab: Zum einen benötigen Sie Zeit zum anderen aber auch Geduld. Aber ich bin überzeugt, dass dies sehr viel für Ihr persönliches Ansehen bringen kann, da wir im Rahmen von Diskussionsrunden zwischen Verbrauchern und Landwirten dies bereits eindrucksvoll beobachten konnten. Die Verbraucher waren sehr interessiert und nahmen die Möglichkeit, den Landwirten Fragen zu stellen, gerne an. Am Ende der Veranstaltung hatte sich die Einstellung der Verbraucher gegenüber den Landwirten messbar verändert. Danksagung Die Studie ist Teil des Projektes “SocialLab“. Förderung: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Projektträgerschaft: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.


Bestens versorgt mit Schweinefutter von Garant Tiernahrung Um Ihre Tiere bestmöglich zu versorgen, werden Mineralstoffe, Eiweißkonzentrate und Fertigfutter von Garant stetig weiterentwickelt. Bei der Produktgestaltung stehen sowohl Leistung, Vitalität und Ökonomie als auch effizienter Futtereinsatz und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Für hohe Leistungen und beste Futterverwertung werden die Rationen von Garant optimal an den Bedarf der Tiere in der jeweiligen Leistungsphase angepasst. Eine ausreichende Aminosäureversorgung ist dabei die Grundlage für hohe Zuwächse und gute Milchleistung. Daher werden in vielen Futtermitteln neben Lysin, Methionin und Threonin auch Tryptophan und sogar Valin

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2-2020 | Firmeninformationen | 33


Gefüllte Paprika nach Mexikanischer Art Zubereitung

i T t

p e z

Re

pp

1. Paprika der Länge nach halbieren, Kerne und Rippen entfernen. Zwiebel würfeln, die Knoblauchzehe grob zerkleinern und mit dem Salz zerdrücken. Die Paradeiser kurz in heißes Wasser tauchen, häuten und klein schneiden. Die Rosinen waschen.

40 dag Faschiertes

2. Zwiebel im Öl glasig anbraten. Faschiertes kurz mitbraten. Mandeln, Knoblauch, Pfeffer, Rosinen, Oliven, Paradeiser und Essig untermischen. Alles 5 Min. durchbraten und die Paprika damit füllen. Öl in einer Pfanne erhitzen, die gefüllten Paprika darin ca. 30 Min. im Rohr goldbraun braten und danach warm stellen.

2 Paradeiser

3. Für die Sauce Paradeiser häuten, würfeln und in etwas Öl erhitzen. Die Petersilie und die Gewürze beifügen, kurz dünsten lassen. Die Banane in Scheiben schneiden, untermischen und servieren.

©Rezept und Foto „Gefüllte Paprika nach Mexikanischer Art“ - Herausgeber: AMA

Zutaten für 4 Personen

Beilagenempfehlung Salzerdäpfel, frisches Baguette

4 grüne Paprikaschoten 1 Zwiebel 1 Knoblauchzehe ½ TL Salz 1 EL Rosinen 2 EL Öl 5 dag gehackte Mandeln 1 MS schwarzer Pfeffer 1 EL gehackte grüne Oliven 1 EL Essig, Öl Sauce 6 Paradeiser 2 EL gehackte Petersilie je 1 MS Salz, schwarzer Pfeffer, Chilipulver 1 Banane

... im VÖS RÄTSEL-Stall 1.Stallreinigung, Schadnagerbekämpfung, Desinfektion der Stallschuhe usw. sollen Erreger von K... vermeiden helfen. 2. Schweine und Hühner sind laut versuchen nicht für das C...-Virus empfänglich. 3. Ein rundes, mageres, zartes Teilstück von der Keule des Schweins nennt man N... 4. Von der Geburt bis zum Mastendgewicht (Schlachtreife) frisst ein Schwein ca. 300 kg F... 5. Raps wird an Schweine in Form von Rapsextraktionss... verfüttert. 6. Das Gewicht, das ein Schwein pro Tag zunimmt, ligt bei ca. 750 - 850 G... 7. Nach ca. 16. W... (4 Monaten) sind Mastschweine fertig gemästet. 8. Lebensmittel der Bauern können wir im Supermarkt oder auch direkt vom Bauern im ...-Laden kaufen. 9. Österreichisches Schweinefleisch ist von hervorrageder Q... Erstellt mit XWords - dem kostenlosen Online-KreuzworträtselGenerator: https://www.xwords-generator.de/de 34 | Rezept/Rätsel | 2-2020


2-2020 | Rezept/Rätsel | 35


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