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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinebauern, Dresdnerstrasse 89/18,1200 Wien

Ausgabe Österreich 3/2021

Innovationen in der Schweinehaltung

www.schweine.at


Ausgabe Österreich 3/2021 06

03 Inhalt

Im Interview ...

20

... Dr. Birgit Heidinger über Pro-Sau, IBeSt und die Verbesserung bestehender Systeme ...

04 Leitartikel

Spermaqualität ...

... als wichtige Voraussetzung für den Besamungserfolg ...

in

05 Kommentar 06 Interview 08 Markt 09

Mit dem Rüssel in Brüssel

10 Ferkelmarkt 11

PIG Austria: Neuer Film

12

Recht & Politik

14

Rieder Messe

15 LARK 16

Management: Hitzewelle

24

Emissionsminderung ...

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Social Media ... ... in der Landwirtschaft ...

34

... in der Schweinehaltung ...

Insekten ...

... als Futtermittel ...

18 AMA 20 Spermaqualität 22 Betriebsreportage 24

Vision Pig: Emissionsminderung

26 Tierwohl 28

Insekten als Futtermittel

30 melange.in.gummistiefeln 32

VÖS aktuell

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Rezept-Tipp & Rätsel-Stall

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NTÖ aktuell

IMPRESSUM

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Rezept-Tipp ...

...Grillkoteletts mit Kräutermarinade...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/18 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: DI Michael Klaffenböck, VÖS-Geschäftsführer. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/18, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl Titelfotos: Fraukoeppl, Vision Pig

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Josef Brandstätter VÖS-ObmannStv.

Mehr Tierwohl ist in aller Munde. Tierschützer, Medien, Politik, Gesellschaft und Konsumenten fordern mehr Tierwohl. Oft werden die Landwirte als Massentierhalter und Tierquäler bezeichnet, das müssen wir auf das Schärfste zurückweisen. Jeder Schweinebauer ist stets um das Wohl seiner Tiere bemüht. Jeder weiß, dass er nur mit gesunden, frohwüchsigen Tieren seinen Betrieb führen kann. Die Schweinebauern sind immer bereit für höhere Standards und mehr Tierwohl zu sorgen, wenn es auch finanziell abgegolten wird. In diesem Bereich ergibt sich oft eine Zwickmühle, denn der Handel ist kaum bereit für mehr Tierwohl ein paar Cent mehr je Kilogramm Schweinefleisch zu bezahlen. Zum Beispiel: für 10 % mehr Platz je Mastschwein ist es unmöglich, 5 Cent zu lukrieren. In den vergangenen Monaten wurde auch die Forderung nach der Einbindung der Ferkelstufe ins Gütesiegel der AMA Marketing von AMAPolitik und Handel vehement gefordert. Die Branchenvertreter der Sparte Ferkel haben sich im VÖS-Vorstand sehr intensiv und eingehend mit dem Thema beschäftigt und haben einen Stufenplan erarbeitet, der vorsieht, dass bis 2027 4 | Leitartikel | 3-2021

alle AMA-Gütesiegel-Schweinemäster mit Gütesiegel-Ferkel beliefert werden können. Der Stufenplan ist für die Ferkelerzeuger als auch für die Vermarktungsorganisationen sehr ambitioniert und fordernd. Die Teilnahme am Programm AMA-Gütesiegel ist natürlich wie in der Schweinemast freiwillig und muss jeder Betrieb für sich entscheiden. Aus heutiger Sicht ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Handel sich finanziell beteiligt, da ja die Ferkel nicht marktrelevant sind, sondern als Mastschwein verkauft werden. Daher ist die Politik gefordert, über entsprechende Förderprogramme den finanziellen Anreiz so zu gestalten, dass die Betriebe daran teilnehmen. Für die Vermarktungsorganisationen ist es eine große Herausforderung, die entsprechenden Ferkel den Mastbetrieben mit und ohne Gütesiegel zuzuteilen.

Bildquelle: Fraukoeppl

Schweinebauern brauchen Planungs- und Rechtssicherheit


PRRS-Programm Die Ferkelsparte hat im Jahr 2020 mit dem PRRS-Screening bei den Ferkelbetrieben begonnen und alle Betriebe mittels Blutund Kaustrickproben 2-mal jährlich untersucht. Ziel ist es, ab dem 4. Quartal 2021 nur mehr PRRS-stabile Ferkel über die Ferkelvermittlung der Vermarktungsorganisationen anzubieten und auf den Markt zu bringen. Mit dieser Maßnahme setzen wir einen großen Schritt für die Tiergesundheit, um den Einsatz von Antibiotika in Zukunft zu reduzieren. EU-weit liegt Österreich im Mittelfeld beim Verbrauch von Antibiotika. Wir müssen alles daran setzen, um diesen Status zu halten.

ASP rückt immer näher Nachdem in Deutschland auch schon bei Hausschweinen die ASP Einzug gehalten hat, ist es mit größter Wahrscheinlichkeit nur mehr eine Frage der Zeit, bis der erste ASP-Fall auch in Österreich eintreten wird. Wir sollten uns daher so gut wie möglich vorbereiten und absichern. Es ist jeder Landwirt gut beraten den Biosicherheitscheck am Betrieb durchzuführen und eine Kontrolle zu beantragen. In Niederösterreich werden die Kosten der Kontrolle bis Ende September von Gut Streitdorf übernommen. Sollten Betriebe noch keine ASP-Versicherung abgeschlossen haben, würde ich raten, dies am schnellsten Weg zu machen, denn auch in so einer Situation sollte das finanzielle Risiko überschaubar bleiben. Um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden, investieren motivierte Landwirte in Neu- oder Umbau von Ställen. Voraussetzung ist Planungs- und Rechtssicherheit, um betrieblich und finanziell abgesichert zu sein. Nur so wird es uns gelingen, die Schweineproduktion in Österreich aufrecht zu erhalten und die Konsumenten mit heimischen und regionalen Lebensmitteln zu versorgen. Abschließend wünsche ich allen einen schönen Sommer, eine gute Ernte, viel Freude im Beruf und bleiben Sie gesund!

Vermehrt Stalleinbrüche auf Schweinebetrieben In den vergangenen Wochen fanden im Zusammenhang mit Kampagnen des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) vermehrt Stalleinbrüche, Besetzungen und Demonstrationen vor schweinehaltenden Betrieben statt. Anfang August wurden auf einem burgenländischen Betrieb eingebrochen und zwei Schweine entwendet. Der Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS) lehnt diese Form der Selbstjustiz entschieden ab und wird sämtliche rechtliche Vorgehensweisen gegen die Verantwortlichen prüfen. Das Entwenden von Tieren aus Ställen hat mit Aktivismus nichts mehr zu tun, sondern ist ein Eingriff in die Rechte der Bäuerinnen und Bauern. Außerdem ist aus Sicht der Praxis klar, dass die Foto- und Videoaussendungen des VGT in den meisten Fällen nicht die Realität der betroffenen Betriebe, und schon gar nicht die Realität der gesamten österreichischen Schweinehaltung abbilden. Hier ist die Landwirtschaft gefragt, durch intensivere Kommunikation dem radikalen Tierschutz nicht die Deutungshoheit über die Schweinehaltung in Österreich zu überlassen!

Stalleinbrüche sind Gesundheitsrisiko und Psychoterror für die Betroffenen Die Stalleinbrüche im Zusammenhang mit dem VGT stellen ein beträchtliches Risiko für die Biosicherheit und Gesundheit der Tiere auf den betroffenen Betrieben dar. Deshalb darf laut Schweinegesundheitsverordnung ein Stall ausschließlich in Abstimmung mit dem Tierhalter betreten werden. Insbesondere im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest ist jegliches unabgestimmte Betreten höchst fahrlässig. Darüber hinaus kann man diese Vorgehensweise des VGT nur als Psychoterror gegen die Betriebsleiterinnen und –leiter sowie deren Familien bezeichnen. Die Identität der betroffenen Landwirtinnen und Landwirte ist aufgrund der Hinweise VGT-Aussendungen auch für Außenstehende meist leicht herauszufinden. Diese Form der öffentlichen Anprangerung von Privatpersonen ist keine legitime Form der Kritik, und es ist schockierend, dass hier menschliches Leid scheinbar achtlos in Kauf genommen wird. Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem sich Aktivistinnen und

Michael Klaffenböck VÖS-Geschäftsführer Aktivisten nicht über rechtsstaatliche Normen hinwegsetzen können.

Bekenntnis zu mehr Tierwohl, Methoden des VGT inakzeptabel Der VÖS nimmt die Forderungen der Konsumentinnen und Konsumenten nach höheren Tierwohl-Standards sehr ernst. Es gibt ein klares Bekenntnis zu mehr Tierwohl und eine Vielzahl an Initiativen, um so viele Betriebe wie möglich auf höhere Tierhaltungsstandards umzustellen. Wir führen auch regelmäßig Gespräche und sachliche Auseinandersetzungen mit NGOs und Tierschutzorganisationen. Dieser kritische Dialog ist wichtig, um in Tierwohl-Angelegenheiten weiterzukommen. Mit einer Organisation, die mit skrupellosen Methoden wie Angstmache, Einbrüchen und öffentlicher Anprangerung arbeitet, fehlt jedoch jegliche Gesprächsbasis. In einem Rechtsstaat darf eine solche Vorgehensweise nicht akzeptiert werden. In Zusammenarbeit mit den betroffenen Bäuerinnen und Bauern prüft der VÖS nun rechtliche Schritte, um derartige Vorgehensweisen künftig hintanzuhalten. Ich empfehle Ihnen, sämtliche Präventivmaßnahmen gegen solche Aktivitäten am eigenen Betrieb zu setzen. Sinnvolle Maßnahmen sind zum Beispiel: Versperren der Stalltüren (insbesondere bei Nacht und wenn niemand zuhause ist), Beleuchtung mit Bewegungsmeldern sowie die Installation von Alarmanlagen. Wenn Sie am eigenen Betrieb Aktivisten oder Aktivistinnen antreffen, ist es ratsam die Ruhe zu bewahren, die Polizei zu verständigen und die Situation mit Fotos und Videos zu dokumentieren. In der letzten Ausgabe des VÖS-Magazins (02/2021, S.26) finden Sie einen umfassenden Artikel von Franz Strasser zu möglichen Vorkehrungen! 3-2021 | Leitartikel | Kommentar | 5


Im Interview: Dr.in Birgit Heidinger Dr.in Birgit Heidinger ist Abteilungsleiter-Stellvertreterin der Abteilung für Tierhaltungssysteme, Technik und Emissionen an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Dr.in Heidinger war bereits im wegweisenden Projekt Pro-SAU (20132017) Projektleiterin und ist auch im geplanten Projekt IBeSt (Innovationen für bestehende Mast- und Aufzuchtställe – zum Wohl von Tier und Mensch) als Projektleiterin vorgesehen. Was von diesem Vorhaben zu erwarten ist, und wie man sich ihre Arbeit vorstellen kann, erzählt sie uns im Interview. In Ihrer Tätigkeit an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein arbeiten Sie unter anderem an der Entwicklung tiergerechter, kostengünstiger und arbeitswirtschaftlich angepasster Tierhaltungssysteme. Können Sie uns einen Einblick in Ihre Arbeitsbereiche geben?

Dr.in Birgit Heidinger Abteilungsleiter-Stellvertreterin der Abteilung für Tierhaltungssysteme, Technik und Emissionen an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein Bildquelle: Heidinger

Ich bin seit 2012 an der Höheren Bundeslehrund Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein als Wissenschaftlerin beschäftigt. Der Fokus meiner Forschungsarbeit liegt im Bereich der Untersuchung und Weiterentwicklung von Tierhaltungssystemen bzw. Aufstallungstechniken im Hinblick auf Tiergerechtheit bzw. Tierwohl, tierische Leistungen, Tiergesundheit sowie stallklimatische Bedingungen für die Nutztierarten Schwein, Pferd und Geflügel. In der Forschungsarbeit unserer Abteilung ist neben der Bearbeitung von wissenschaftlichen Fragestellungen in einem konkreten Versuchssetting in den Stallungen an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein auch der unmittelbare Praxisbezug und die Einbindung von Praxisbetrieben in Projekte ganz essenziell, das heißt Forschung mit der Praxis – für die Praxis. Neben völlig neuen Innovationen und stallbaulichen Lösungen im Schweinebereich, wie aktuell beispielsweise der Untersuchung eines „emissionsarmen Tierwohlmaststalles“, beschäftige ich mich auch mit Adaptionsmöglichkeiten und Verbesserungen im Bereich bestehender Stallsysteme, wie das im geplanten Projekt IBeSt der Fall sein wird. Welchen Herausforderungen stehen die österreichischen SchweinehalterInnen in den gängigen Haltungssystemen in Bezug auf Tierschutz und Tierwohl und Kosteneffizienz gegenüber? SchweinehalterInnen sind mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert – diese umfassen Themen der Ökonomie, der Fütterung,

6 | Interview | 3-2021

der Umweltwirkung und natürlich Aspekte des Tierwohls bzw. der Tierhaltung, Stichwort „Vollspaltenverbot“. Darüber hinaus sind SchweinehalterInnen in einem gesellschaftlichen Spannungsfeld aus den Anforderungen und Vorstellungen seitens der KonsumentInnen, TierschützerInnen und auch AnrainerInnen verortet. Allgemein bekannt ist, dass Haltungsverbesserungen für die Tiere bezüglich mehr Platz, Zugang zu Auslauf etc. häufig gegenläufig zu den Umweltwirkungen stehen. Auch können beispielsweise bei Verwendung von minderwertiger oder nicht entstaubter Einstreu durch die gesteigerte Staubentwicklung im Stallinneren Gesundheitsprobleme im Respirationstrakt der Tiere entstehen. Staub fungiert zusätzlich als Trägersubstanz für Ammoniak und Geruch. Daneben verursacht ein gesteigertes Platzangebot oder verbessertes Beschäftigungsangebot beispielsweise mit Stroh deutlich höhere Kosten für Investitionen, Material und Arbeit, welche abseits von Label-Programmen vom Markt nicht abgegolten werden. Österreichische SchweinehalterInnen sind hier eingebettet in den europäischen Marktkontext und können sich auch nicht entkoppeln. Die Herausforderung liegt nun darin, nicht zu versuchen mit den „großen Playern“ international mitzuhalten, sondern sich mittels herausragender Produktqualität bzw. Produktdiversifikation am Markt abzuheben. Hier spielt auch das AMA-Gütesiegel, für das uns andere Länder durchaus beneiden, eine große Rolle. Für die breite Masse der SchweinehalterInnen muss es langfristig gelingen, das klare Bekenntnis von Frau und Herrn ÖsterreicherIn für österreichische Lebensmittel, zu angemessenen Preisen, im LEH zu erhalten. Die Forderung nach mehr Tierwohl muss vom explizit danach ausgerichteten Griff ins Regal begleitet sein. Diesbezüglich soll auch in IBeSt intensive Aufklärungsarbeit durch KommunikationsexpertInnen stattfinden.


Sofern bewilligt, werden Sie als Projektleiterin im geplanten IBeSt-Projekt fungieren. Bestehen Parallelen zwischen Pro-SAU und IBeSt? Welche Fragestellung liegt dem geplanten Projekt zu Grunde? Im Projekt Pro-SAU wurde im Bereich der Schweineforschung erstmalig der Ansatz verfolgt Wissenschaft, Beratung, Praxis und Stallbaubranche miteinander an einem Thema – den Abferkelbuchten – arbeiten zu lassen. Dies war essenziell, um eine gemeinsame und auch für alle vertretbare Lösung zur Umsetzung der Vorgaben in der 1. Tierhaltungsverordnung zu erzielen. Im neuen Projekt IBeSt soll im Grunde die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Team aus Pro-SAU eine Fortführung finden. Völlig neu ist eine Erweiterung des Projektteams um ExpertInnen zur Kommunikation, Ethik und Soziologie. Die zentrale Fragestellung im Projekt soll lauten: „Wie können bestehende Systeme in der Aufzucht und Mast verbessert werden und welche Effekte hat dies auf Tier, Mensch und Umwelt?“ Neben dem Wohlergehen der Schweine soll auch die Zufriedenheit der LandwirtInnen zentraler Inhalt des Projektes sein. Welche Veränderungen erhofft sich IBeSt für die SchweinehalterInnen in Österreich zu erreichen? Was würden Sie sich als Outcome für Österreichs SchweinehalterInnen wünschen?

Im Zuge meiner Forschungsarbeit bin ich auch viel in der Praxis unterwegs und muss leider immer häufiger feststellen, dass Bäuerinnen und Bauern mit den vielfältigen Herausforderungen und Problemstellungen überfordert sind und sich mit ihrem Berufsstand gewissermaßen in ein gesellschaftliches Abseits gedrängt fühlen. Hier muss es Ziel sein, für die teilnehmenden Betriebe, aber nachfolgend auch für die gesamte Schweinebranche Zukunftsperspektiven zu schaffen. Die Änderungen in der Ferkelaufzucht und Mastschweinehaltung sollen also nicht von außen aufoktroyiert werden, sondern ganz nach dem Motto des Pakts für mehr Tierwohl „Anreize statt Verbote“ geschaffen werden. Freiwilligkeit und Motivation „von innen“ sowie Akzeptanz „von außen“ sehe ich persönlich hier als unabdingbare Grundpfeiler, in denen letztlich auch die notwendige Innovationskraft für Neuerungen steckt. Im Projekt soll dadurch neben der Bearbeitung der bekannten und relevanten Faktoren des Tierwohls, der Tiergesundheit, der Umweltwirkung und der Ökonomie der Fokus zusätzlich auf die „Komponente Mensch“ gelegt werden. Neben Zahlen, Daten und Fakten ist es enorm wichtig, die Bäuerin, den Bauern, ja die gesamte bäuerliche Familie, als Menschen mit ihren jeweiligen Bedürfnissen und Empfindungen abzuholen und über das Projekt hinweg zu begleiten. Daneben soll auch ein intensiver Wissenstransfer über KommunikationsexpertInnen vom Projekt nach außen stattfinden, um die Akzeptanz und das Verständnis in der Gesellschaft für die Schweinehaltung zu fördern.

Insgesamt würde ich mir wünschen, dass SchweinehalterInnen wieder stolzer auf ihren Beruf sein können. Gleichzeitig erhoffe ich mir auch einen Übergang von der „Geiz-istgeil-Mentalität“ im Lebensmittelkonsum in Richtung mehr Wertschätzung und Blick auf Herkunft bzw. Qualität, die auch ihren Preis haben darf. Mit Blick auf die Schweine besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Forschungsergebnisse dieses Projekts zu einer Verbesserung für sehr viele Tiere in Österreich beitragen werden und letztlich auch mögliche Ansätze für den geforderten Übergang in Richtung Ringelschwanz bzw. Kupierverzicht bieten können. Wie ist der aktuelle Status-Quo in der Projektplanung? Welche Schritte müssen noch gesetzt werden, bis das Projekt offiziell losgehen kann? Mit dem im November 2020 geschlossenen „Pakt für mehr Tierwohl in der produzierenden Landwirtschaft“ wurde von Frau Bundesministerin Köstinger ein neuer Weg in der Ausrichtung der künftigen landwirtschaftlichen Tierhaltung und Förderschiene vorgezeichnet. Das geplante Projekt IBeSt soll genau an diese Zukunftsvisionen anknüpfen und Antworten für die Praxis liefern. Ein entsprechender Projektantrag wurde im 1. Quartal 2021 eingereicht. Seitens des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus gibt es bereits ein klares Bekenntnis dieses Projekt unterstützen zu wollen. Wir hoffen und sind zuversichtlich, dass die Genehmigung heuer im Spätsommer erfolgen wird.

Wie können bestehende Systeme in der Aufzucht und Mast verbessert werden und welche Effekte hat dies auf Tier, Mensch und Umwelt? Bildquelle: AMA-Marketing 3-2021 | Interview | 7


Kein Sommer wie damals Zu gerne erinnern wir uns zurück an die Zeit vor Corona und den ASP-Fällen in Deutschland. Der Sommer 2019 war geprägt von hohen Schweinepreisen. National wie international liefen die Märkte gut und Asien, insbesondere China, hatte Appetit auf europäisches Schweinefleisch wie nie zuvor. Und auch für den Herbst 2019 gab es ausschließlich positive Aussichten. Doch das alles ist Geschichte. Seit Sommer 2020 ist die Schweinebranche durch die Covid-Pandemie und internationale ASP-Entwicklungen in schwierigeres Fahrwasser geraten. Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse Bildquelle: Fraukoeppl

Preistreiber China ist verlorengegangen Die ASP-bedingten Turbulenzen im bevölkerungsreichsten Staat der Welt haben sich inzwischen weitgehend gelegt. Der Verlust von mehr als einem Drittel der Schweinepopulation in den Jahren 2018 und 2019 und die daraus resultierende Verknappung des Fleischangebotes haben die Schweinepreise auf ein historisches Niveau von umgerechnet 6 Euro hochgetrieben. Die Grundprinzipien des Schweinezyklus wurden damit massiv befeuert. Einerseits wurde die Produktion durch den ökonomischen Anreiz schneller angekurbelt als erwartet, andererseits haben die hohen Schweinefleischpreise die Kauflaune der Chinesen deutlich getrübt. Laut chinesischer Regierung hat sich der Schweinebestand wieder auf Vor-ASP-Niveau erholt und die Schweinepreise sind im Laufe der letzten acht Monate von ca. 6 auf ca. 2 Euro/kg eingebrochen. Auch der hohe Verbraucherpreis für Schweinefleisch hat das Konsumverhalten beeinflusst. So wurden signifikante Rückgänge beim Schweinefleischverzehr festgestellt, während der Geflügelfleischkonsum ein Allzeithoch erlebt. In der Gesamtschau bedeutet dies, dass der Importbedarf sich wieder auf die Zeit vor der ASP einpendeln wird und China nicht mehr die begehrteste Exportadresse für europäische Schweinefleischexporteure sein wird.

Schweinshaxl und -ohren bleiben Delikatesse China war schon vor ASP-Zeiten die gefragte Adresse für Exporteure von sogenannten Schweinenebenprodukten. Also Teile von Schlachtkörpern unserer Schweine, die hierzulande für den menschlichen Verzehr nur mehr untergeordnete Bedeutung haben. Während diese Produktgruppe querbeet in Normalzeiten per Kilo mit 30 – 50 Cent/kg Richtung Hunde- und Katzenfutterin8 | Markt | 3-2021

dustrie gehandelt werden, kann bei der Absatzschiene Richtung delikatem Humanverzehr in China ein Mehrfaches erzielt werden. Immerhin, so hört man aus der Branche, können dadurch 10 Euro und mehr am Schwein erlöst werden. Dies ist auch der Hintergrund am großen Interesse von Seiten Land- und Fleischwirtschaft ein entsprechendes Exportprotokoll auch für Österreich zu erhalten. Wir gehen davon aus, dass dies noch im Laufe 2021 erfolgen wird.

Mal zu heiß, mal zu nass Der zu Ende gehende Sommer war im Hinblick auf den Schweinfleischkonsum alles andere als ideal. Die Lockerungen der Corona-Restriktionen im Frühjahr ließen darauf hoffen, dass die heurige Grillsaison wirklich spürbare Absatzimpulse setzen wird. Leider spielte der Wettergott nicht im entsprechendem Ausmaß mit, wodurch der Absatz von Grillartikeln deutlich unter den Erwartungen blieb. Ähnlich wenig erfreuliche Verhältnisse zeigten sich beim Neustart der Gastro- und Hotellerieszene. Nur wenige Gastronomen können auf ein zufriedenstellendes Sommergeschäft verweisen. Neben dem eher ungünstigen Wetter fürs Gastgartengeschäft dürften die potenziellen Gäste noch eher ängstlich und abwartend zum AußerHaus-Verzehr zurückkehren. Entsprechend unter den Erwartungen blieb das Fleischgeschäft bei Gewerbe und Großhandel Richtung Gastro. Nicht in Schwung gekommen bis dato ist auch die Festl- und Bierzeltszene, ebensowenig der Städtetourismus. Unter dem Strich fällt der Absatz von Schweinefleisch im 1. Halbjahr 2021 national wie international unterdurchschnittlich und klar unter den Erwartungen aus. Trotz ebenfalls klar unterdurchschnittlichem Schweineangebot gelang es uns an der Schweinebörse nicht, unsere Preisvorstellungen umzusetzen. Im Gegenteil, wir mussten eher immer darum kämpfen das mittelmäßige Preisniveau halbwegs halten zu können.


Mit dem Rüssel in Brüssel EU plant Tierschutzkennzeichnung Die EU-Kommission hat vor kurzem eine gutachterliche Bewertung zum Tierschutz eingeleitet. Zu den vielen Themen, die dabei berührt werden, gehört die mögliche Schaffung einer Art EU-harmonisierter Tierschutzkennzeichnung. Zu diesem Thema schlägt die Kommission drei verschiedene Optionen vor: Option 1: Regulierung von Tierschutzansprüchen Im Rahmen dieses Ansatzes würden gemeinsame Mindestanforderungen für alle Tierschutzangaben zu Lebensmitteln auf dem EU-Markt festgelegt. Option 2: Ein EU-Tierschutzlabel, beschränkt auf Käfig-/Nichtkäfigsysteme Option 3: Ein EU-Tierschutzlabel mit wichtigen Tierschutzkriterien Im Rahmen dieses Ansatzes wird ein EUTierschutzsiegel über das Thema Käfige hinaus entwickelt (z. B. Regelungsführung, technische Standards, Überprüfung der Einhaltung und Logo/Bildelement). In der kommenden öffentlichen Konsultation zu diesen Plänen, wird COPA-COGECA mit einer konkreten Positionierung auftreten. Aus diesem Grund wurde bereits folgendes Entwurfsdokument erstellt, das die wichtigsten Elemente darstellt, die nach Ansicht von COPA-COGECA von einem harmonisierten EU-Tierschutzkennzeichnungssystem befolgt werden sollte. Dieses Papier ist das Ergebnis eines langen Diskussions- und Konsultationsprozesses mit den Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der betroffenen Arbeitsgruppen, wie z.B. der Arbeitsgruppe Schwein.

Hauptlinien zur Tierschutzkennzeichnung • Die Tierschutzkennzeichnung muss ein freiwilliges Instrument sein, um den Wert europäischer Nutztierprodukte zu steigern. • Das System der Tierschutzkennzeichnung muss einfach sein und technische und bürokratische Komplikationen bei der Verwaltung von Informationen und zugehörigen Datenbanken vermeiden.

• Die Kriterien müssen messbar und überprüfbar sowie wissenschaftlich fundiert sein. Dabei sollten die geografischen, produktions- und klimatischen Besonderheiten der Mitgliedstaaten berücksichtigt werden. • Die Maßnahmen müssen an einzelne Arten angepasst sein und eine Stigmatisierung von Sektoren durch unangemessen hohe Anforderungen (z. B. unterschiedlicher Anteil der Freilandhaltung bei verschiedenen Arten) vermeiden. • Das Siegel muss unter Berücksichtigung bestehender Systeme die Möglichkeit bieten, dass nationale, regionale und private Programme mit einem potenziellen EU-Siegel koexistieren. • Die Kennzeichnung muss klar zwischen EU- und Nicht-EU-Produkten unterscheiden (z. B. durch unterschiedliche Farben). Es gibt mehr Unterschiede zwischen der Produktion in der EU und den Drittländern als nur Tierschutzanforderungen (z. B. die Verwendung von Antibiotika) und dies sollte sich in der Kennzeichnung widerspiegeln. • Vor Einführung der Tierschutzkennzeichnung muss unbedingt ein System der Gegenseitigkeit in den Freihandelsabkommen angewandt werden und nur Produkte auf den EU-Markt gelangen, die nach europäischen Tierschutzstandards hergestellt werden. • Das Label sollte anerkennen, dass EUProdukte bereits gesetzlich hohe Tierschutzstandards einhalten und daher Produkte auszeichnen, die nach den EU-Standards hergestellt werden. Die in der geltenden EU-Gesetzgebung festgelegten Tierschutzanforderungen sollten nicht erhöht werden, und das Kennzeichnungssystem sollte nicht den falschen Eindruck erwecken, dass der Ausgangswert nicht hoch genug sei.

• Es muss sichergestellt werden, dass Landwirte, die freiwillig höhere Tierschutzstandards als die in der EU-Gesetzgebung vorgeschrieben anwenden, einen ausreichenden wirtschaftlichen Return of Investment und zusätzliche variable Kosten erhalten. Das Tierschutzsiegel sollte darauf abzielen, die Erträge für die Landwirte zu steigern, um die verringerte Produktionseffizienz und die erhöhten Kosten auszugleichen, die sie erleben. Es kann nicht riskiert werden, dass die höheren Kosten zwangsläufig von den Landwirten getragen werden und sich nicht in den anerkannten Preisen für zertifizierte Produkte niederschlagen. • Die Verbraucher müssen angemessen über die neu eingeführte Kennzeichnung aufgeklärt und informiert werden. Sie müssen in der Lage sein, alle relevanten Informationen über das Produkt, das sie kaufen, leicht zugänglich zu machen. • Die negative Diskriminierung von Betrieben, die sich gegen die Tierschutzkennzeichnung entscheiden, muss verhindert werden. Aus irgendeinem Grund nicht in das System aufgenommen zu werden, bedeutet nicht, dass diese Betriebe nicht strikt und sogar darüber hinaus die geltenden Tierschutzgesetze anwenden, die weltweit einige der höchsten Standards haben.

Dr. Johann Schlederer Vizepräsident COPA – Arbeitsgruppe Schwein

3-2021 | Mit dem Rüssel in Brüssel | 9


Aus der Sicht eines Ferkelproduzenten

Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss Bildquelle: Styriabrid

Bei einem Betriebsbesuch habe ich ein Gespräch mit einem steirischen Ferkelproduzenten geführt, welches dann zu einem Interview geworden ist und die aktuelle Stimmungslage in der Ferkelproduktion gut abbildet.

Warum wollen Sie nicht, dass Ihr Betrieb mit vollem Namen genannt wird?

Warum ist die Tierwohldebatte für die Landwirte eine so schwierige?

Es ist mir bewusst, dass Aktivisten und NGOs unsere Medien sehr genau lesen, wie wir es umgekehrt auch tun. Ich will daher nicht Zielscheibe von diesen Personen werden und eine Dachbesetzung, Einbrüche oder Ähnliches in Kauf nehmen. Grundsätzlich hätte ich kein Problem damit, ich will aber meine Frau und die Kinder vor verzerrten medialen Darstellungen schützen. Vor einigen Jahren wurde von der Styriabrid und der Initiative „Saugut“ der Versuch unternommen, den Konsumenten und Interessierten die Möglichkeit zu geben, die Schweineproduktion vor Ort zu besichtigen. Das Ergebnis waren Einbrüche auf den Betrieben und eine Pressekonferenz mit den altbekannten Aussagen dieser sogenannten Aktivisten. Eigentlich traurig, dass es so weit gekommen ist und hart geschaffenes Eigentum nicht mehr respektiert wird.

Für mich wird diese Debatte sehr weit weg von der fachlichen Ebene geführt. Das finde ich schade, da eben nur eine auf Fakten basierende Auseinandersetzung uns in der Sache weiterbringt. Tagespolitik und Aktivismus haben einen viel zu großen Einfluss auf Entwicklungen, die ohnehin stattfinden.

Wie ist die Stimmung bei Ihnen und Ihren Kollegen in der Umgebung?

Wie wollen Sie Ihren Betrieb in den nächsten Jahren ausrichten?

Derzeit sind viele Betriebsleiter verunsichert und befinden sich in einer abwartenden Haltung, die bewirkt, dass über eine Weiterentwicklung kaum bis gar nicht nachgedacht wird. Die Preise stagnieren und die Kosten wie zum Beispiel für Zukauffutter und Betriebsmittel sind stark gestiegen.

Für eine gut geplante Investition gibt es eigentlich keinen schlechten Zeitpunkt. Angesichts der aktuellen Diskussionen warte ich noch etwas ab, um klarer zu sehen. Dann werde ich unseren Betrieb weiterentwickeln.

Warum ist das so? Das Problem sind die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen mit oft viel zu kurzen Übergangszeiten, die Investitionen zum Risiko machen. 10 | Ferkelmarkt | 3-2021

Wie sehen Sie die Einbindung der Ferkelstufe in das AMA-Gütesiegel? Ganzheitliche Qualitätssicherung ist schon wichtig. Mehr Auflagen und zusätzliche Kontrollen werden aber nicht jeden Betrieb zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Ich habe den Tierarzt ohnehin alle drei Wochen am Hof und habe heuer zusätzlich schon eine Vorort-Kontrolle meiner Flächen von der AMA gehabt.

Was wird sich auf Ihrem Betrieb hinsichtlich 2033 und danach ändern? Von der Stückzahl her habe ich meinen Betrieb so ausgerichtet, dass ich für meine Familie ein Auskommen habe. Höhere Platzvorgaben bedeuten aber, dass ich etwas dazu bauen muss, wenn ich meinen Bestand halten will. Bei den

derzeitigen Schwierigkeiten im Baurecht ist das aber nahezu unmöglich. Ich finde es sollte hier erleichterte Bauauflagen für Betriebe wie mich geben, die ihren Bestand nur gleichhalten und nicht erweitern wollen. Sehen Sie nach den vielen kritischen Dingen, die Sie beleuchtet haben, auch positive Entwicklungen? Ja sicher, da ist vor allem die Jugend zu nennen, die sich viele Gedanken macht wie es weitergehen soll. Gerade bei der Jugendorganisation in der Styriabrid ist vieles in Bewegung gekommen. Es wird von dort berichtet, dass auch in Richtung Stallbauten neue Systeme gesucht werden, die auch in Zukunft den Anforderungen in Bezug auf Arbeitswirtschaft, Einkommen und der Stellung in der Öffentlichkeit gerecht werden. Nicht vergessen möchte ich auch, dass der COVID-Verlustersatz ein wirkliches Zeichen der Wertschätzung für mich ist. Da hat sich gezeigt, dass es in Teilen der Politik und in den Ministerien schon noch Leute gibt, die auf uns nicht vergessen haben. In Summe bin ich trotz aller Herausforderungen positiv gestimmt, da ich in der Schweineproduktion in der Regel immer Geld verdient habe.


PIG Austria – neuer Film: „Im Auftrag der nächsten Generation“ Der Erfolg der züchterischen Arbeit wird an den Leistungen der Tiere sichtbar. Vieles davon geschieht im Hintergrund. Was steckt hinter einem erfolgreichen Zuchtprogramm? Was ist im Vorfeld an genetischer Arbeit notwendig, um Fleisch bester österreichischer Qualität auf den Teller zu bringen? PIG Austria hat einen Film dazu gedreht. Filmpremiere ist im Rahmen der Rieder Messe. Spezielle Arbeit am Zuchtbetrieb Leistungsstarke Familienbetriebe mit vorwiegend eigener Futtergrundlage und geschlossenen Kreisläufen sind das Kennzeichen der österreichischen Schweineproduktion. PIG Austria mit seinen Mitgliedsbetrieben und drei Besamungsstationen liefert die genetische Grundlage für die Wertschöpfungskette von österreichischem Schweinefleisch. Der Film zeigt die spezifische Arbeit in einem Herdebuchzuchtbetrieb wie Einzeltierkennzeichnung, Ferkelwiegen, Sauen und Eber testen, Selektieren, Daten erfassen mit modernster Technik – einfach gesagt: „Big Data“ in der Schweinezucht.

Umfangreiche Stationsprüfung Dass die Nachkommen und Geschwister der Elitetiere auf einer Prüfstation geprüft werden, ist eine Besonderheit der österreichischen Genetik. Der Film gibt einen Einblick über die Arbeit an der Schweineprüfanstalt Streitdorf. Die Futtermenge wird von jedem Schwein während der gesamten Mastperiode automatisch erfasst, zahlreiche Qualitätsparameter werden bei der Zerlegung in der anstaltseigenen Schlachtstätte erhoben.

Das Filmteam: bei der Arbeit an der Schweineprüfanstalt Streitdorf und auf einem Zuchtbetrieb ...

Blick in die Besamungsstationen Diese Daten, kombiniert mit Informationen aus der Genomanalyse, liefern nach der Zuchtwertschätzung die Grundlage für die Auswahl der nächsten Generation der besten Besamungseber. Über 600 Eber stehen an den drei Standorten der PIG Austria. Von der Absamung bis zur computergestützten Spermaanalyse ist die Arbeit an der Besamungsstation zu sehen. Mit dem Film „Im Auftrag der nächsten Generation“ zeigen wir, dass bereits am Beginn der Kette - bei der Genetik - viel Arbeit, Erfahrung und Know-How notwendig ist, damit ein Schnitzel bester Qualität am Teller liegt. Nach der Premiere am 9. September ist der Film abrufbar unter www.pig.at.

... und beim Ferkelwiegen. Bildquellen: PIG Austria 3-2021 | PIG Austria | 11


Weiterentwicklung AMA-GütesiegelSchweinefleisch DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Mitte Juli wurde im AMA-Fachgremium ein Richtungsbeschluss zur Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels im Schweinebereich gefasst. Der VÖS und die Erzeugergemeinschaften bekennen sich dazu und waren in die Weiterentwicklung eingebunden. In Absprache mit der Politik soll damit eine Veränderung der gesetzlichen Mindeststandards in der Schweinehaltung vermieden werden. Der VÖS hat im Rahmen dieses Beschlusses klargestellt, dass diese Weiterentwicklung nur gelingt, wenn sich die Abnehmerseite zu einer weiteren Abnahme von Gütesiegel-Schweinefleisch und zur Auszahlung fairer Aufschläge bekennt.

Ein wesentlicher Teil der Weiterentwicklung im AMA-Gütesiegel betrifft die schrittweise Anpassung und Verbesserung der Haltung von Ferkeln und Mastschweinen hin zu mehr Tierwohl. Das Platzangebot, die Bodengestaltung, das Beschäftigungsmaterial und die Kühlmöglichkeit spielen dabei eine wesentliche Rolle. Mit dem Ziel einer ganzheitlichen Qualitätssicherung wurde auch die schrittweise Einbindung der Ferkelstufe vereinbart. Zuletzt haben verschiedene Berichterstattungen über die Weiterentwicklung der AMA-Gütesiegelrichtlinie in Richtung mehr Tierwohl Verunsicherung unter den Schweinebauern ausgelöst. In vielen Zeitungen wurde die Weiterentwicklung ausschließlich auf ein zukünftiges Vollspaltenverbot reduziert. Das ist in dieser Form weder korrekt noch wird man mit dieser reißerischen Headline der komplexen Weiterentwicklungsmaßnahmen gerecht. Deshalb werden im Folgenden einige grundlegende Fakten dieser Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels aufgezeigt, ohne damit ins Detail zu gehen.

Mehr Tierwohl – Haltungsnote 2 Diese Stufe entspricht in den Anforderungen der bisher schon bekannten Maßnahme „ÖPUL Stallhaltung“ (60 % mehr Platz, eingestreute Liegefläche, Stroh/Heu als Beschäftigungsmaterial) Mehr Tierwohl – Haltungsnote 1 Diese nächst höhere Stufe hat neben der Anforderung eines doppelt so hohen Platzangebotes je Tier die Auflagen: Auslauf, eingestreute Liegefläche, Kastration unter Narkose, Kupierverzicht und den Einsatz von Euro-Soja in der Fütterung. Damit haben zukünftig nicht nur die Schweinehalter eine Wahlmöglichkeit, sondern auch die Schlacht- und Verarbeitungsseite, der Handel und vor allem die Konsumenten. Je nachdem, wie die der Landwirtschaft nachfolgende Kette bereit ist, den Schweinebauern die jeweils in den Stufen anfallenden Mehrkosten abzugelten, wird sich auch die Teilnahmebereitschaft der Bäuerinnen und Bauern in den drei Stufen entwickeln.

AMA-Gütesiegel-Basis Differenzierung Das AMA-Gütesiegel „Schweinehaltung“ weist zukünftig eine 3-stufige Struktur auf: • Basis • Mehr Tierwohl – Haltungsnote 2 • Mehr Tierwohl – Haltungsnote 1 Die Module „Mehr Tierwohl“ bauen auf den Grundanforderungen der Basisstufe auf, haben jedoch zusätzliche Vorgaben:

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Auch in der Basisstufe findet in den nächsten Jahren eine kontinuierliche Weiterentwicklung zu mehr Tierwohl statt: Platzangebot So wird das Platzangebot je Mastschwein für alle Gütesiegelbetriebe bereits ab 2022 um 10 % erhöht. Ab 2025 sollen es dann 15 % und ab 2033 20 % mehr Platz sein. Bodengestaltung Für Neubauten von Ferkelaufzucht- und Maststallungen in Gütesiegelbetrieben, ist

ab 2022 die herkömmliche Form des Vollspaltenbodens nicht mehr erlaubt, sondern es gelten die Richtlinien des Neuen Förderstandards: • Der Liegebereich im Ausmaß von mind. 1/3 der Buchtenfläche darf nur mehr einen Perforationsanteil von max. 10 % aufweisen (Öko-Bodenelemente erfüllen diese Anforderung). • Die Buchtenfläche je Gruppe beträgt mindestens 10 m² bei Aufzuchtferkeln und mindestens 20 m² bei Mastschweinen. • In der Ferkelaufzucht können im Liegebereich weiterhin Kunststoffböden mit einem höheren Perforationsanteil verwendet werden. Kühlung Für Neubauten von geschlossenen Warmstallungen zur Haltung von Aufzuchtferkeln und Mastschweinen ist ab 2022 eine Kühlmöglichkeit vorzusehen. Beschäftigungsmaterial Ab 2022 müssen den Tieren in der Ferkelaufzucht und Schweinemast mindestens zwei verschiedene Beschäftigungsmaterialien angeboten werden, wobei eines davon organisch sein muss. Tiergesundheit und Fütterung Neben der verpflichtenden Durchführung des Tiergesundheitsdienstes ist zukünftig auch die Teilnahme am Antibiotikamonitoring der AGES verpflichtend sowie die Durchführung einer stickstoffreduzierten Fütterung vorgeschrieben.


Die Auflagen des neuen Förderstandards sind für alle AMA-Gütesiegelbetriebe in der Basisstufe bis spätestens 1.1.2033 zu erfüllen.

Eingliederung der Ferkelstufe Die Einbindung der Ferkelstufe erfolgt mit dem Ziel einer ganzheitlichen Qualitätssicherung und soll in Schritten bis spätestens 1.1.2027 umgesetzt werden. Ab 2022: In AMA-Gütesiegelbetrieben mit Zucht und Mast wird die Ferkelstufe bereits ab 2022 in die Kontrollmaßnahmen miteingeschlossen. Ab 2023: Beginn der freiwilligen Teilnahme der spezialisierten Ferkelerzeuger beim AMA-Gütesiegel aber ohne die Verpflichtung für spezialisierte AMA-Gütesiegel-Schweinemäster Ferkel aus AMA-Gütesiegel-Sauenbetrieben beziehen zu müssen.

Der Vorschlag des VÖS zu einer Differenzierung und Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels. Quelle: VÖS

Bis 2027: Eingliederung der spezialisierten Ferkelerzeugerstufe mit der Verpflichtung für spezialisierte AMA-Gütesiegel-Schweinemäster Ferkel aus AMA-Gütesiegel-Sauenbetrieben beziehen zu müssen. Im Zuge dieser Umsetzungsschritte ist die Aufrechterhaltung des Mengenflusses in der Vermittlungstätigkeit zwischen spezialisierten Ferkelerzeugern und Schweinemästern unabdingbar. Dies ist nur mit tatsächlichen Mengengerüsten aus der jeweiligen Entwicklung des Ferkelbezugs für Gütesiegel-Mäster aus Gütesiegel-Ferkelerzeugerbetrieben zu gewährleisten. Insbesondere kann der verpflichtende Ferkelbezug für AMA-Gütesiegel-Mastbetriebe aus AMA-Gütesiegel-Ferkelerzeugerbetrieben erst dann erfolgen, wenn solche Ferkel in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Eine freiwillige Teilnahme der spezialisierten Sauenhalter wird nur dann stattfinden, wenn dementsprechende finanzielle Anreize garantiert sind. Da diese Honorierung aus heutiger Sicht nicht über die Produktionskette selber gewährleistet scheint, müssen die Anreize über Förderprogramme erfolgen.

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Rieder Herbstmesse 2021 Schweinekompetenzzentrum – Alles rund ums Schwein! Wichtige Informationen zur Schweineproduktion erhalten Sie im Schweinekompetenzzentrum in der Halle 34 zwischen SZV-Halle und der ehemaligen Baulehrschau. Alles über Vermarktung, Beratung und Interessenvertretung

Die Ausstellung steht unter dem Motto Schweinehaltung im Wandel der Zeit und wird neben den Informationsangeboten für die Bäuerinnen und Bauern auch für die KonsumentInnen mit dem Schweinelehrpfad interessante Einblicke in die Welt der Schweinehaltung in Österreich geben. ExpertInnen der Landwirtschaftskammer, des VLV, von PIG Austria und des Tiergesundheitsdienstes stehen den Besuchern täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr zur Verfügung.

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Die Landwirtschaftskammer, der Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) und PIG Austria präsentieren ihren Leistungsumfang in Sachen Vermarktung, Beratungs- und Serviceangebote sowie Qualitätssicherung und Interessensvertretung. Heuer im Mittelpunkt stehende Schwerpunkte sind neben Gesundheitsprogrammen die Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegelprogrammes Richtung mehr Tierwohl und die Vorstellung von Möglichkeiten zur Ammoniakreduktion in der Schweinehaltung. Für Fragen zu den Gesundheitsprogrammen PRRS und China-Protokoll sowie zur Biosicherheit stehen den BesucherInnen MitarbeiterInnen des Tiergesundheitsdienstes zur Verfügung. Ausführlich informieren kann man sich im Kompetenzzentrum über die vielen Facetten des weiterentwickelten AMA-Gütesiegelprogrammes. Neben der Stallbau-, Fütterungs- und

Produktionsberatung gibt es ein umfassendes Informationsangebot zu den Themen Sauenund Mastplaner, Beschäftigungsmaterial, Kastration und Schwanzkupieren.

AMA-Verleihungen Ein Höhepunkt im Kompetenzzentrum ist auch heuer wieder die Verleihung von Auszeichnungen an die besten AMA-Gütesiegel Rinder- und Schweinemäster, die am 2. Messetag um 13:45 Uhr im Beisein von Frau BM Elisabeth Köstinger stattfindet.

Virtuelle Eberschau Aufgrund der seuchenhygienischen Vorsorgemaßnahmen hinsichtlich ASP wird die Schweineschau heuer nicht im gewohnten Umfang stattfinden und keine lebenden Tiere präsentiert werden. PIG Austria informiert mit einem neuen Film über die Zuchtarbeit und zeigt in einer virtuellen Eberschau eine Auswahl des breiten Angebotes der Spitzeneber.


Intensive BundesländerKooperation für erfolgreichen Schweinesektor Für die notwendige politische Abstimmung zwischen den Bundesländern ist die Konferenz der Landes-Agrarreferenten (LARK) maßgeblich. Die für die Landwirtschaft zuständigen Landesräte gestalten mit den dort erfolgten Beschlüssen auch den Schweinesektor maßgeblich mit. Einrichtung eines Österreichischen Tiergesundheitsdienstes Der Beschluss der Landes-Agrarreferenten zur Einrichtung eines Österreichischen Tiergesundheitsdienstes (ÖTGD) ist ein wichtiger Schritt zur Bewältigung der steigenden Anforderungen im Bereich Tiergesundheit. Als Vertreter des stärksten Tierhaltungslandes hat Oberösterreichs Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger dieses Vorhaben vorangetrieben: „Oberösterreich liegt sehr viel an einer intensiveren Zusammenarbeit im Bereich der Tiergesundheit und hat daher die Idee einer Dachorganisation eingebracht. Aktuelle und zukünftige Herausforderungen können nur in enger Abstimmung zwischen den bestehenden Ländertiergesundheitsdiensten und dem Geflügelgesundheitsdienst bewältigt werden.“

lich vorbereiten. Oberösterreich kommt als Tierhaltungsland Nummer Eins hier eine besondere Verantwortung zu“, betont LR Hiegelsberger. • Vorrang für heimisches Eiweiß: Um die Abhängigkeit von Importen weiter zu reduzieren, wurde auf Initiative von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger eine österreichische Eiweiß-Strategie erarbeitet. Mit Erfolg: Seit 2010 hat sich die Soja-Anbaufläche auf heuer 75.000 Hektar mehr als verdoppelt. • Herkunftskennzeichnung umsetzen: Die Landes-Agrarreferenten haben in der ver-

LR Max Hiegelsberger Bildquelle: Hermann Wakolbinger

gangenen Konferenz ihre langjährige Forderung nach einer Herkunftsdeklaration der Lebensmittel in der Gastronomie nach Schweizer Vorbild neuerlich untermauert. • Nutztierhaltung in der gesellschaftlichen Diskussion: Die gesellschaftlichen Anforderungen an die TierhalterInnen müssen mit der Realität der landwirtschaftlichen Produktion stärker in Einklang gebracht werden. Die SchweinehalterInnen sind bereit zu Veränderungen. Das geht aber nur mit einer realistischen wirtschaftlichen Perspektive. Die Landesagrarreferenten stimmen sich hierzu laufend ab.

Weitere Maßnahmen der Landesagrarreferenten-Konferenz im Schweinesektor • Verlustersatz in der Schweineproduktion: Um die Einkommensausfälle bedingt durch Corona abzufedern, wurde ein Verlustersatz für die Schweinebauern auf den Weg gebracht und bereits mehr als 4,5 Mio. Euro ausbezahlt. • Vorkehrungen gegen ASP: Die Vorbereitungen auf ein mögliches Auftreten der Afrikanischen Schweinepest werden österreichweit abgestimmt. Oberstes Ziel ist eine schnelle und effektive regionale Eingrenzung des Virus, um auch mögliche Exportbeschränkungen regional einzugrenzen. „Wir müssen uns auf den Ernstfall bestmög-

„Es ist unsere Aufgabe, teilweise widersprüchliche Anforderungen von Seiten der KonsumentInnen für den Schweinesektor handhabbar zu gestalten. Dabei ist eine einheitliche Kommunikation ganz entscheidend“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Oberösterreichs Vertreter in der LARK. Bildquelle: Hermann Wakolbinger 3-2021 | LARK | 15


Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Die vergangenen Wochen haben es wieder mal gezeigt: Mehrere aufeinanderfolgende Hitzetage machen Mensch, Tier und Vegetation zu schaffen und auch in den Schweineställen steigen die Temperaturen tagsüber auf über 28°C. Die Folgen sind eine deutlich höhere Belastung des Organismus und somit eine Beeinträchtigung der Leistung: verminderte Fresslust, niedrige tägliche Zunahmen in Aufzucht und Mast, sowie verringerte Fruchtbarkeit und höhere Verluste unmittelbar um die Geburt sind die Folge. Franz Strasser ABL von der Beratungsstelle für Schweinehaltung beschreibt wie Betriebe darauf reagieren und stellt praktikable Lösungen vor.

Was hat es mit dem Gebäude auf sich? Wir kennen es alle zur Genüge: ein Baukörper mit massiven Mauern isoliert und speichert zugleich. Er heizt sich langsam auf gibt eine gewisse „Kühle“ wieder laufend ab. Wer im Winter mit Kältebrücken im Baukörper zu kämpfen hat, soll daran denken, dies durch zusätzliche Isolierung zu verbessern. Damit wird nicht nur im Winter die Wärme besser gehalten, auch im Sommer zeigt sich Wirkung, da die Hitze nicht ungehindert eindringt. Bei der Isolierung der Decke bzw. der Dachhaut ist das augenscheinlich. Da sich die Eindeckung (ob Ziegel oder Paneele) entsprechend aufheizt, werden die Räume darunter umso wärmer. Dies trifft auch zu, wenn durch diesen Raum die Zuluft geführt wird. Es zahlt sich daher aus, den Dachraum zu isolieren. In der Praxis reicht ein Kaltdach - dieses muss aber sauber, möglichst ohne Ritzen aufgebracht und gut hinterlüftet sein.

Abb. 1: Hochdruckvernebelung im Zentralgang. Bildquelle: Strasser 16 | Management | 3-2021

Kühle Luft ansaugen Die Möglichkeiten dazu sind beschränkt. Dies kann aber bei der Planung der Lüftungsanlage schon mitüberlegt werden. Gezieltes Ansaugen aus einem schattigen Bereich ist oft einfach und erhöht nicht die Kosten. Dazu eignen sich die Nordseite oder angrenzende Gebäude wie Durchfahrten oder Hallen. Manche Mäster bespritzen die Futtergänge mehrmals täglich mit Wasser. Andere öffnen bald in der Früh alle Zentralgangtüren, um kühle Luft in die Gänge zu bringen.

Süd- bzw. westseitige Fenster beschatten An Hitzetagen werden im Wohnhaus unter Tags die Vorhänge vorgezogen bzw. die Rollos runtergelassen. Genau diese Vorkehrung kann auch bei besonders der Sonnenstrahlung ausgesetzte Fenster getroffen werden. Manche Mäster setzen dünne Styroporblatten den Scheiben vor. Genauso kann eine „Abdeckhaube“ die Sonneinstrahlung dämpfen (siehe Abb. 4).

Zu- und Abluftkanäle sauber halten

Erd- bzw. Schotterspeicher nutzen Speichermasse zum Kühlen der Zuluft. Im Neubau sind solche Speicher leicht zur realisieren. Der Bauaufwand ist aber beträchtlich. Neuerdings werden vermehrt Unterflurzuluftkanäle im Erdreich verlegt. Das bringt schon etwas.

Gerade in den Abluftkanälen und Ventilatorengitter legen sich hohe Mengen an Staub ab. Diese Ablagerungen verengen die Querschnitte und verursachen eine Leistungsminderung der Lüftungsanlage.

Abb. 2: Transportables Cool Pad zum Nachrüsten. Bildquelle: Strasser

Abb. 3: Tränkerkontrollen sind spätestens bei jedem Stallwaschen durchführen. Bildquelle: Strasser


Abluftkanäle säubern ist eine sehr unangenehme Arbeit, die am leichtesten mit einem Industriestaubsauger zu schaffen ist. Bei Unterflurabsaugung empfiehlt es sich, zusätzlich die Oberflurklappe zu öffnen. Damit muss die volle Luftrate nicht unter den Spalten abgesaugt werden.

Solltemperatur und Bandbreite erhöhen Als Faustregel kann gesagt werden, dass bis zu einer Außentemperatur von 30° C der Sollwert der Lüftung um 5° C niederer eingestellt sein sollte. Es soll auch darauf geachtet werden, dass bei Außentemperaturen von über 28° C eine hohe Luftrate den Stall sicher nicht abkühlen kann. Es genügen 100 m³/Stunde (bei 100 kg Schweinen) für die notwendige Sauerstoffzufuhr. Zusätzlich kann an extremen Hitzetagen die Abteiltür in den Zentralgang geöffnet werden um zusätzlich Frischluft widerstandfrei ansaugen zu können und die Luftrate zu erhöhen. Natürlich darf am Abend nicht vergessen werden, diese wieder zu schließen.

Futtermengen anpassen Bei Hitze werden die Tröge oft nicht ausgefressen. Gleichzeitig koten einzelne Tiere hinein. In solchen Fällen ist ein konsequentes Ausputzen vor der Fütterung unerlässlich. Zusätzlich ist die Futtermenge meist drastisch zu reduzieren. Je nachdem wie sich die Fresslust stabilisiert können die Futtermengen wieder erhöht werden.

Wasseranteil bei Flüssigfütterung erhöhen Schweinen geht es nicht anders als uns – bei Hitze müssen sie mehr trinken. Wenn normalerweise je nach Leitungslänge, Steigungen der Leitungen und Quellfähigkeit des Futters ein Trockensubstanzgehalt von > 25 % angestrebt wird, reicht bei Hitze 24 % TS. Bei Flüssigfütterung kann ganz einfach die Was-

sermenge bzw. der Flüssigkeitsfaktor erhöht werden.

Tränker kontrollieren Ist die Durchflussrate im Sommer zu gering, sind die Auswirkungen der verminderten Futteraufnahmen noch dramatischer. Ein Zapfentränker sollte pro Minute 1,5 Liter Wasser liefern. Daher soll beim Stalldurchgang immer ein Blick auf saufende Schweine geworfen werden. Stehen die Tiere „ewig“ am Tränker, stimmt der Durchfluss nicht! Spätestens beim Waschen der Bucht sind die Tränker selbst zu kontrollieren. Bei Trockenfütterung ist das umso wichtiger, da die Tränker die einzigen Wasserquellen sind (siehe Abb. 3).

Sprühvernebelung Das Prinzip mit Wasserverdunstung die Umgebungstemperatur zu senken, ist hinlänglich bekannt. Von diversen Firmen werden Anlagen angeboten, die zum Stalleinweichen und zur Kühlung geeignet sein sollen. Dabei ist aber Vorsicht geboten, da die Wasserverteilung im Stall sehr feinporig erfolgen muss. Die Schweine dürfen auf keinem Fall nass werden. Am sichersten funktionieren Anlagen, die mit Hochdruck zerstäuben. Die Materialkosten für einen 80 Zuchtsauenbestand im Abferkelbereich und teilweise im Mastställen belaufen sich auf € 8.000,-. bis 10.000,-. Die Technik lässt sich gut einstellen und die Zuchtsauen sind an Hitzetagen ruhiger und nehmen mehr Futter auf (siehe Abb. 1)

Coolpads Diese funktionieren ähnlich einem Kühler bei Verbrennungsmotoren, indem durchfließendes Wasser im Kreislauf die durchströmende Zuluft abkühlt. Schweinemäster sprechen von einer deutlichen Abkühlung. Die Wartung dieser Anlagen ist einfach, da das durchfließende Wasser die Kühlrippen laufend säubert. Besonders in den Schweinehochburgen Spaniens arbeiten viele Betriebe mit dieser einfachen Technik (siehe Abb. 5).

Abb. 4: Abdeckhauben bei Fenster auf der Süd- und Westseite schirmen ab. Bildquelle: Strasser

Stallkühlung zum Nachrüsten Hochdruckkühlung • •

Aggregat + Hochdruckleitungen mit Düsen können in jeden Stall nachträglich eingebaut werden. Eine Hochdruckanlage kann auch in die Zuluftschächte oder in den Zentralgang eingebaut werden (auch in Kombination mit einer Porendecke möglich). Je nach Wasserqualität kann erheblicher Wartungsaufwand entstehen!

Niederdruckanlagen • •

Eine Zeit- bzw. Temperatursteuerung sorgt für Besprühung des Zentralganges. Vorteil: Gute Überwachung und preisgünstige Anschaffung.

Mobile Kühlung • Kann im Ansaugbereich des Zentral ganges vorgeschaltet werden, das Aggregat hat auf einer Palette Platz und ist somit mobil. • Nur Strom und Wasseranschluss not wendig • Kostenaufwand (Gerät mit einer Luftleis tung von 18.000 m³/h) etwa ca. € 2.400, bis 2.700,-

Der gehobene Tierhaltungsstandard ist ab 2022 Grundbedingung für die Investförderung. Darin ist bei konventioneller Ferkelaufzucht und Mastställen eine Stallkühlung vorzusehen wie z. B. • Sprühnebelkühlung • Cool Pads • Zuluft-Kühlung durch Unterflur • Klimatisierte Liegeflächen (Kühlung-Heizung)

Abb. 5: In der Hochburg der Schweinehaltung, in Spanien, werden Cool Pads oberhalb der Fenster eingebaut. Bildquelle: Strasser 3-2021 | Management | 17


Neue AMA-Gütesiegel-Kampagne mit Themenschwerpunkt KONTROLLE Anfang August startete die AMA ihre neue Kampagne zum AMA-Gütesiegel. Dieses Mal stehen die GütesiegelKontrollen im Zentrum der Kommunikation. Für TV, Schaltungen in Zeitungen und Magazinen, Plakate sowie für Online-Maßnahmen sind bis Ende des Jahres knapp drei Millionen Euro budgetiert.

Alte Kampagne weiterentwickelt Aus Gründen der Wiedererkennbarkeit, aber auch der Synergien und Wirtschaftlichkeit, kommen einige Szenen aus früheren Spots wieder zum Einsatz, andere wurden Mitte Juli in der Steiermark gedreht. Wind und Wetter machten es der Filmcrew nicht einfach. Nur ein sehr enges Zeitfenster stand zur Verfügung, bevor heftige Gewitter über das steirische Berg- und Hügelland zogen. Auch in dieser Kampagne werden realistische Bilder der zeitgemäßen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion gezeigt. Für den Dreh hat die AMA ein kleines, aber sehr feines Filmteam engagiert, das zwei Tage mit vollem Einsatz vom Morgengrauen bis spät abends im Einsatz war.

Online und Print-Sujets vertiefen die Information In 30 Sekunden TV-Spots kann man Themen signalhaft ausleuchten. Soll es inhaltlich in die Tiefe gehen, haben Online-Maßnahmen eine große Bedeutung. Herzstück ist ein tagesaktuelles Dashboard auf der Website https://amainfo.at/konsumenten/siegel/ ama-guetesiegel/kontrolle. User können sich informieren, wieviele Kontrollen an dem jeweiligen Tag durchgeführt wurden und wie viele Beanstandungen in den unterschiedlichen Sanktionsstufen erfolgt sind. Damit wollen wir absolute Transparenz für die Konsumenten schaffen und zeigen, welchen Stellenwert die Kontrolle bei der Qualitäts- und Herkunftssicherung hat. Anzeigen in Tageszeitungen und Magazinen ergänzen die Kampagne. Auch hier schauen die Leser „in das AMA-Gütesiegel hinein“ und erfahren, was sich bei den jährlich 15.000 Kontrollen im AMA-Gütesiegelprogramm abspielt. Das Mediabudget beträgt bis Jahresende knapp drei Millionen Euro. Der Schwerpunkt liegt mit 70 % des Budgets auf TV. Zu sehen sind die Spots sowohl im ORF als auch in den Privatsendern. Rund 5000 Ausstrahlungen sind geplant.

In der neuen Kampagne wird die Kontrolle in der Lebensmittelproduktion thematisiert. 18 | AMA | 3-2021

Das Filmteam war von morgens bis abends im Einsatz.

Das AMA-Gütesiegel ist das einzig staatlich anerkannte Siegel mit unabhängigen Kontrollen.

Fotos (5): AMA-Marketing

Wie schon bei der letzten Kampagne steht die Perspektive der Konsumenten im Mittelpunkt. Eine Konsumentin blickt im TV-Spot „auf das große Ganze“ und fragt sich, wofür das AMA-Gütesiegel steht. 15.000 Kontrollen auf allen Stufen der Produktion - also Kontrollen auf Bauernhöfen, in Molkereien, in Fleisch-Verarbeitungsbetrieben bis hin zum Verkaufsgeschäft - werden thematisiert. Kernbotschaft: Das AMA-Gütesiegel ist das einzig staatlich anerkannte Siegel mit unabhängigen Kontrollen auf allen Ebenen der Lebensmittelerzeugung.


AMA-Fleischsymposium 2021 – Raus aus der Defensive Fleisch und Fleischerzeugung stehen mehr denn je im Fadenkreuz der Kritik. Noch nie waren die Gegner gegenüber diesem Lebensmittel so engagiert und zahlreich. Wie halten wir es mit dem Tierwohl? Wie ist das mit den Auswirkungen des Fleischkonsums auf das Klima im Allgemeinen und die direkte Umwelt im Besonderen? Zu diesem Thema lud die AMA-Marketing am 26. Mai zum 2. AMA-Fleischsymposium – erstmals in Form eines Webinars - ein und führende Experten versuchten den rund 200 Gästen vor den Bildschirmen Antworten auf diese brennenden Fragen zu geben. Eröffnet wurde das Symposium durch Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing. Er definierte zu Beginn die Rolle der AMA und die Anforderung, vor allem auf die Bedürfnisse der Fleischbranche zu achten und zu reagieren. Kommunikationsexperte Daniel Kapp, bislang längst dienender Pressesprecher Österreichs, appellierte in seinem Vortrag vor allem an den Tierschutz. Geht es nach Kapp, muss die

Branche vor allem hier die Kritik sehr ernst nehmen. Betriebswirt Peer Ederer, unter anderem Programm- und Wissenschaftsdirektor des Global Food & Agribusiness Network, vertrat in seinem polarisierenden Referat einen ausgeprägten Kurs pro Fleisch, wobei er vor allem auf das Thema Gesundheit und Klimaveränderung einging. Wilhelm Windisch, Lehrender an der TU München, beschäftigt sich mit der Frage, ob wir auf fleischliefernde Nutztiere überhaupt verzichten können. Laut Windisch ist dies allein

aus Effizienzgründen nicht sinnvoll, da Tiere die einzigen sind, die nicht essbare Biomasse verwerten und dadurch selbst Lebensmittel erzeugen. Abschließend stellte Martin Greßl, Leiter des AMA-Qualitätsmanagements, den mittel- und langfristigen Masterplan zur Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels vor, wobei derzeit vor allem Schweinefleisch im Fokus steht. Nähere Informationen zum Fleischsymposium finden Sie unter https://amainfo.at/konsumenten/aktuelles/ama-fleischsymposium-2021-1.

Experten beim AMA-Fleischsymposium.

Masterplan zur stufenweisen Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels beim Schwein Ziel: Eine Million Schweine ohne Vollspaltenböden bis Ende 2030 Am 21. Juli tagte das Fachgremium zur Richtliniengestaltung der AMA-Schweinefleischproduktion. Vertreter der Landwirtschaft, der Schlacht- und Zerlegebetriebe sowie des Lebensmitteleinzelhandels trafen eine Richtungsentscheidung über die inhaltliche Weiterentwicklung der Richtlinie „Schweinehaltung“ im AMA-Gütesiegel.

Folgende Ziele wurden vereinbart 1. Ab sofort: Erweiterung um ein zusätzliches, freiwilliges Modul in der Richtlinie zu „Mehr Tierwohl“ mit 100 % mehr Platz im Stall. Ein Modul mit 60 % mehr Platz gibt es bereits seit einigen Jahren. Bei beiden Systemen sind zusätzlich eingestreute Liegeflächen vorgeschrieben. 2. Bis 2030 sollen insgesamt eine Million Schweine aus biologischer Haltung bzw. aus

den freiwilligen AMA-Gütesiegel-Modulen „Mehr Tierwohl“ stammen und vermarktet werden. 3. Bis Ende 2026 vollständige Einbindung aller Zuchtsauen- und Aufzuchtbetriebe in das AMA-Gütesiegel. 4. Beitrag zur Zielerreichung der österreichischen Eiweißstrategie: Bis 2030 Reduktion der Importe von Übersee-Soja um 50 %. Das bedeutet eine Erhöhung des Selbstversorgungsgrades mit Eiweißfuttermitteln über alle Tierkategorien auf 90 %. Damit soll ein wesentlicher Beitrag in Sachen Klimaschutz, Unterstützung der regionalen Kreislaufwirtschaft und der kleinstrukturierten Produktion als Differenzierungsmerkmal der heimischen Herstellungsweise und Qualität geschaffen werden. 5. Sukzessive Umrüstung aller Schweinemastbetriebe im AMA-Gütesiegel auf Haltungssysteme ohne Vollspaltenböden bis Ende 2032.

In einem ambitionierten Stufenplan, der 2022 starten soll, werden die Zwischenschritte nun zeitlich konkretisiert und begleitende Maßnahmen für die Umsetzung definiert. Notwendig dafür ist die Unterstützung möglichst vieler Marktpartner und eine Abgeltung der Mehrleistungen an die Landwirte, um eine echte Branchenlösung zu erreichen. 3-2021 | AMA | 19


Bildquelle: Fraukoeppl

Dr. Christina Pfeiffer Zuchtleitung PIG Austria Bildquelle: Fraukoeppl

Spermaqualität bei Ebern – wichtige Voraussetzung für Besamungserfolge Jedes geborene Ferkel entsteht aus einer Eizelle der Sau und einer Samenzelle des Ebers. Während die weibliche Fruchtbarkeit der Sau (Anzahl lebend und tot geborener Ferkel) seit Jahrzehnten erhoben und züchterisch bearbeitet wird, ist über die Spermaqualität und -quantität bei Ebern nur wenig bekannt. Neueste Analysetechnologie

Martin Bauer, BSc. Universität für Bodenkultur Wien Bildquelle: Bauer

20 | Spermaqualität | 3-2021

In Österreich stammen rund 90 % aller Ferkel aus künstlichen Besamungen. Damit diese funktioniert, bietet PIG Austria auf ihren Besamungsstationen Steinhaus, Hohenwarth und Gleisdorf ca. 600 Eber verschiedener Rassen und Nutzungsrichtungen an. Wurden früher die Spermaqualitätsmerkmale noch mittels Photometer und Mikroskop überprüft, so kommen auf den PIG Austria Besamungsstationen nun modernste Technologien (CASA – computergestützte Spermaanalysen) zur Anwendung. Die neue Methode ermöglicht einheitliche und präzise Analyseergebnisse, die nicht nur Qualität garantieren, sondern auch eine Grundlage für Weiterentwicklungsschritte hinsichtlich Spermaqualität und -quantität liefert. Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit der PIG Austria in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur Wien beschäftigt sich mit den wichtigsten Einflussfaktoren auf, sowie den genetischen Hintergründen von Spermaqualitäts- und -quantitätsmerkmalen.

Wesentliche Einflussfaktoren auf die Spermaqualität Im Zuge der Analysen wurden Daten aus allen drei Besamungsstationen von den Rassen Pietrain, Edelschwein und Landrasse analysiert. Die Daten reichen von 2012 bis 2021 und umfassen 127.544 Absamungen von gesamt 2.257 Ebern. Die Ergebnisse zeigen, dass die oben genannten Merkmale von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden. Diese umfassen die jahreszeitlichen Schwankungen, Alter des Ebers, Rasse und das Absamungsintervall. Das Absamungsintervall stellt einen der wichtigsten Einflussfaktoren für die Spermamenge dar. Das durchschnittliche Absamungsintervall beträgt bei den PIG Austria Ebern rund sieben Tage. Volumen und Dichte schwanken naturgemäß stark - es gibt Eber, die weniger Menge dafür aber sehr dichtes Ejakulat erzeugen, andere produzieren eine größere Menge (> 500 ml), mit höherem Wasseranteil. Für eine erfolgreiche Besamung ist eine bestimmte Spermienanzahl pro Portion notwendig.


Die Empfehlungen des Fachgremiums im internationalen Forschungsverbundes FBF liegen bei 1,3 Mrd. morphologisch intakten vorwärtsbeweglichen Spermien pro Portion. Um diese Standards zu gewährleisten, werden bei jedem Ejakulat folgende Parameter im Labor erhoben: Volumen in ml, SpermienDichte in Milliarden pro ml, Anteil intakter, vorwärtsbeweglicher Spermien (Motilität) in %. Aus diesen Analyseergebnissen errechnet sich die notwendige Verdünnermenge. Bei PIG Austria werden die Ejakulate pro Portion auf 1,6 Mrd. morphologisch intakte vorwärtsbewegliche Spermien gemessen mit CASA System ausverdünnt und liegen somit mit einer Restsicherheit über der FBF Empfehlung. Die Anzahl Spermien, die ein Eber pro Sprung produziert, ist also die zentralste Größe in der Spermaproduktion. Diese berechnet sich aus Volumen [ml] x Dichte [Mrd./ml] und wurde als wichtigstes Merkmal in dieser Analyse ausgewählt. Die Dichte und die Motilität als zweiter wichtiger Parameter werden mit einer hochauflösenden Videokamera (CASA) erfasst. Bei einer Motilität unter 75 % bei der Erstanalyse, wird das Sperma verworfen. Weil die Motilität während der Lagerung aber abnimmt, bestimmt sie die Haltbarkeit der Portionen. Für die Haltbarkeit gilt eine Motilität von 65 % als Grenzwert.

Leistungen der Eber In der folgenden Tabelle finden sich die wichtigsten Durchschnittswerte (plus/minus ihrer Streuung) der Spermaqualitätsmerkmale der untersuchten Besamungseber. Anzahl Spermien Motilität Volumen Dichte Haltbarkeit

84,1 Mrd. (+-30,3) 87 % (+-8,2) 255 ml (+-98,2) 0,367 Mrd./ml (+-0,176) 4,12 Tage

Diese Ergebnisse stellen Mittelwerte über einen Zeitraum von gut neun Jahren dar. Über die Jahre sind die Werte konstant, während jahreszeitlich größere Schwankungen auftreten. Auffällig ist ein gewisses „Sommerloch“, da die Anzahl Spermien je Absamung im Sommer immer um 10-20 Mrd. absinkt. Mehrere Studien haben bereits darauf hingewiesen, dass bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit Menge und Befruchtungsfähigkeit des Spermas sinken. Im Natursprung wird dieser Effekt für höhere Umrauscherquoten verantwortlich gemacht. In der künstlichen Besamung wird der Effekt über die standardisierte Konfektionierung und damit immer gleichbleibende Spermamenge pro Portion ausgeglichen. Zwischen den drei Hauptrassen waren nur kleine Unterschiede in der Spermienanzahl erkennbar. Im Vergleich zum Edelschwein erzeugt Landrasse um 0,38 Mrd. Spermien weniger, Pietrain um 0,34 Mrd. weniger.

Genetischen Ursachen auf der Spur Unsere Studien haben gezeigt, dass neben diesen Faktoren auch die genetische Komponente eine wichtige Rolle spielt. Die analysierten Merkmale weisen Erblichkeiten zwischen 5 (Haltbarkeit) und 32 (Dichte) Prozent auf. Zudem gingen wir in unseren Forschungsarbeiten bestimmten einzelnen KandidatenGenen, die die Spermaqualität positiv oder negativ beeinflussen können, auf die Spur. Von den 2.257 Ebern lagen 1.233 Genomproben vor. Diese DNA-Daten wurden verwendet, um herauszufinden, welche Regionen im Schweine-Genom die untersuchten Spermaqualitätsmerkmale besonders beeinflussen. Die Ergebnisse zum Merkmal „Anzahl Spermien“ zeigten insbesondere eine Auffälligkeit auf Chromosom 14 des Schweins. Dort befinden sich mehrere Kandidaten-Gene, u.a. auch ein Gen (PCDH15), das beim Menschen männliche Unfruchtbarkeit, Taubheit und Sehschwierigkeiten verursachen kann.

Wie viele Sprünge sind optimal? Für die Planung der Absamungen ist es interessant, ob kürzere oder längere Intervalle für die Qualität und Ausbeute an Sperma vorteilhaft sind. Während der Einfluss auf die Motilität vernachlässigbar gering ist, ist der Einfluss auf die Anzahl Spermien deutlich feststellbar. Eine Absamung z.B. alle zehn statt alle fünf Tage, wie in der Grafik zu sehen, erhöht zwar die Zahl um rund 15 Mrd. Spermien je Absamung, was die Verringerung der Absamungen auf die Hälfte aber nicht ausgleichen kann. Daher kann für eine maximale Ausbeute weiterhin ein praxisüblich kurzes Intervall um fünf bis sieben Tage empfohlen werden. Einen Einfluss kann auch die Fütterung haben. Mykotoxinbelastetes Futter würde sich zum Beispiel negativ auf die Spermaqualität auswirken.

Inzucht und Spermaqualität Wir nehmen unsere Eber sehr genau unter die Lupe. Es wird in den nächsten Schritten überprüft, ob der Grad der Inzucht eine negative Auswirkung auf die genannten Spermaqualitätsmerkmale hat. Weiters untersuchen wir den Zusammenhang zwischen Mast- und Schlachtleistungsmerkmalen und den Spermaqualitätsmerkmalen, leiten einen Spermaqualitätsindex für die züchterische Arbeit ab und blicken noch tiefer in das Genom und die morphologischen Eigenschaften der einzelnen Ejakulate unserer Besamungseber.

Anzahl Spermien (Milliarden)

10

0

-10

-20

10

20

30

Absamungsintervall (Tage)

Grafik: Die Länge der Absamungs-Intervalle ist für die Anzahl der Spermien entscheidend. Bildquelle: Bauer

Absamung eines Ebers. Bildquelle: Daniela Köppl 3-2021 | Spermaqualität | 21


Bildquelle: Durec

Mut zum Wandel: Der Ursprung von IBeSt Im oberösterreichischen Innviertel bewirtschaftet Thomas Reisecker gemeinsam mit seiner Frau Martina einen konventionellen Schweinemastbetrieb. Wer Thomas kennenlernen darf, dem ist sofort klar: Er ist Schweinebauer aus Leidenschaft! Bei einem Betriebsbesuch gewährte Thomas einen Blick hinter seine Stalltüren.

Betriebsleiter Thomas Reisecker bei seinen Schweinen. Hinter der Idee von IBeSt stand der Wunsch nach verbessertem Tierwohl für möglichst viele Schweine. Bildquelle: Bauertothepeople 22 | IBeSt | 3-2021

Der Betriebsleiter

Der Betrieb

Um den Zusammenhalt und den Austausch einer neuen Generation von SchweinehalterInnen zu stärken, entsteht 2016 die Organisation „Junge Veredler Oberösterreich“ bei deren Gründung Thomas maßgeblich beteiligt war.

In St. Georgen bei Obernberg liegt der für diese Gegend typische Vierseithof der Familie Reisecker. Auf 60 Hektar werden Mais und Getreide kultiviert. Der Großteil der Feldfrüchte wird über die Schweinemast weiterveredelt. 950 Stellplätze stehen zur Verfügung, gemästet wird auf konventionellen, vollperforierten Böden. Um die Gesundheit seiner Tiere zu fördern, setzt Thomas besonders auf die sorgfältige Verarbeitung und Lagerung der Futtermittel. Ein spezieller Kräuterzusatz fördert die Darmgesundheit der Schweine und wirkt sich positiv auf die Güllequalität aus. Das „schwarze Gold“ wie Thomas die Gülle lächelnd nennt, sieht er als wertvollen Baustein für erfolgreichen Ackerbau.

Doch nicht nur das Wohlbefinden der schweinehaltenden LandwirtInnen liegt Thomas am Herzen, auch das Thema Tierwohl gewann in der Vergangenheit für ihn immer mehr an Bedeutung. Thomas ist Mitinitiator des geplanten Projektes IBeSt („Innovationen für bestehende Schweineställe“) und möchte als Schweinehalter mit großer Motivation Verbesserungen im Stall in puncto Tierwohl umsetzen.


Bei einem Blick in den Stall sieht man gesunde und aufgeweckte Schweine, die neugierig nach den Besuchern schnuppern. Auch verschwindend geringe Tierarztkosten und marginale Verlustraten unterstreichen den Top-Zustand des Betriebes. Doch ganz zufrieden ist Thomas mit der jetzigen Situation nicht…

verbessern. Für Thomas führt der Weg der Schweinehaltung in Österreich klar in Richtung mehr Tierwohl. „Man darf aber nicht den Fehler machen das gängige System von heute auf morgen zu verbieten, sondern sollte es kontrolliert auslaufen lassen. Dabei muss man für Innovationen neuer Systeme offenbleiben und darf sich nicht am Alten festbeißen.“, so die Einschätzung des Landwirtes.

Anstoß zum Wandel Gemeinsam mit seinen Eltern baute Thomas nach und nach die bestehenden Tieflauf- und Teilspaltenställe zu einem modernen Haltungssystem mit vollperforierten Böden um. Was damals als das Nonplusultra der zeitgemäßen Schweinehaltung galt, ist für Thomas heute in Bezug auf Tierwohl nicht mehr ausreichend. „Über meine Funktion bei den Jungen Veredlern bin ich sensibler geworden, was Reize von außen angeht“, erzählt Thomas. Auch Gespräche mit Ehefrau Martina inspirierten Thomas, das Haltungssystem bezüglich Tierwohl aufzuwerten. „Ich gehe gern in den Stall,“ sagt Thomas „aber ich möchte in Zukunft noch lieber hineingehen und mein System mit Stolz herzeigen können.“

Mitwachsen statt Umreißen Im Laufe der Zeit haben sich die Wünsche und Vorstellungen des Landwirtes und der Gesellschaft verändert. Jedoch kann ein bestehendes System nicht so einfach verändert werden. Das Projekt IBeSt soll den Grundstein für SchweinehalterInnen legen, die in einer ähnlichen Situation sind wie Thomas: Innovationen für bestehende Schweineställe sollen geschaffen werden um Tierwohl und Arbeitszufriedenheit zu

Innovationen für Tier und Mensch Was sich einfach anhört, ist in der Realität ein langer Weg und mit viel Aufwand verbunden. Zunächst probierte Thomas einige Veränderungen in der Buchtenstruktur auf eigene Faust aus. Doch war der Wunsch danach mehrere Betriebe auf diesen Weg mitzunehmen groß, und so entstand im Jahr 2019 ein Dialog mit dem Verband Österreichischer Schweinebauern. Nach einigen Konzeptmeetings wurde in Zusammenarbeit mit den Nutztierwissenschaftlerinnen Dr. Tina Leeb von der Universität für Bodenkultur und Dr. Birgit Heidinger von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein das Projekt IBeSt initiiert. Momentan ist mit einem Projektstart Ende 2021 zu rechnen. „Mit dem Projekt mitzuwachsen“ ist Thomas wichtig. „Der bestmögliche Output wäre ein Maßnahmenkatalog, auf den SchweinehalterInnen einfach zugreifen können und der das Tierwohl für möglichst viele Schweine verbessert“, so Thomas. Für die Zukunft wünscht er sich den Mut etwas auszuprobieren, sich auch mal etwas zu trauen und dadurch das Tierwohl in bestehenden Ställen zu verbessern ohne jedoch die Selbstversorgung zu gefährden.

…und die Öffentlichkeit? Eine direkte Reaktion der Öffentlichkeit auf die Ergebnisse des geplanten Projektes IBeSt erwartet sich Thomas nicht. Als Grund nennt er unter anderem fehlende Kommunikation zwischen der nicht-agrarischen Bevölkerung und der Landwirtschaft. „Ich wünsche mir proaktives Vorgehen und Beiträge zur Aufklärung, die zu mehr Verständnis für die landwirtschaftliche Produktion beitragen.“ Nach Thomas‘ Ansicht sollte nicht nur das Endprodukt „Fleisch“, sondern vielmehr auch die Produktionsweise dahinter beworben und präsentiert werden. Denn schließlich gäbe es ohne LandwirtInnen auch kein Produkt. „Meiner Meinung nach fehlt eine Medienabteilung, die auf die landwirtschaftliche Produktion mit Bauer und Bäuerin im Mittelpunkt aufmerksam macht.“, so die Angabe des Landwirtes.

Steh hinter dem was Du tust! Stolz auf seinen Betrieb und die eigene Arbeit zu sein steht für Thomas an erster Stelle. Auch wenn es nicht immer einfach ist, behält Thomas seine positive Einstellung und sieht der Zukunft mit viel Motivation und einem Lächeln entgegen. „Steht’s zu dem was ihr tut und wenn ihr nicht zufrieden seid, dann ändert es!“ so die abschließende Botschaft von Thomas an die österreichischen SchweinehalterInnen. Wir wünschen der Familie Reisecker alles Gute und hoffen auf zukünftige Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes IBeSt! Nähere Infos zum geplanten IBeSt Projekt finden Sie unter: https://short.boku.ac.at/IBeST

Präzisionsfütterung und besondere Sorgfalt bei der Vorbereitung und Lagerung der Futtermittel als Erfolgsrezept für gesunde Schweine. Bildquellen: Durec 3-2021 | IBeSt | 23


Bildquelle: Vision Pig

Emissionsminderung in der Schweinehaltung Umweltschutz im Einklang mit einer verbesserten Tierhaltung – Die Gesellschaft fordert von der Landwirtschaft nicht nur mehr Tierwohl, sondern auch mehr Umwelt- und Klimaschutz. Die Forderungen nach höheren Tierwohlmaßnahmen in der Tierhaltung stellt die konventionelle Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Denn ein höheres Platzangebot je Tier geht in Vollspaltenställen einher mit einer größeren Emissionsfläche. Dadurch wird ein Widerspruch erzeugt: mehr Tierwohl bei gleichzeitig geringerem Emissionsschutz. Die Lösung der Vergangenheit war oft die geregelte Luftführung mit Abluftfilteranlagen. Solch aufwendige und energieintensive Technik lohnt sich ökonomisch eher für größere Betriebseinheiten. Ein weiterer Nachteil besteht in der permanenten Exposition der Tiere mit den Emissionen. Hier wurden nur Lösungen für die Umwelt, aber nicht für das Tier und das Betreuungspersonal geschaffen.

Verbindung Tierschutz und Umweltschutz Um Tierwohl und Umweltschutz miteinander vereinen zu können, bieten sich mehrere Möglichkeiten an: • Strukturierung bzw. eine Verkleinerung der Kotflächen in den Buchten kann die Emissionsflächen minimieren. Gleichzeitig wird dem Tier eine Wahl gelassen, verschiedene Bereiche der Haltungsumgebung aufzusuchen. • Ansäuerung oder Kühlung der Gülle unterhalb des Stallbodens. 24 | Vision Pig | 3-2021

• Schiebersysteme, die Kot und Harn direkt aus dem Stallbereich transportieren. • Die Trennung von Kot und Harn verhindert von vornherein die Entstehung von Emissionen. Dieses Prinzip wird zum Beispiel durch die Schweinetoilette umgesetzt.

Die Schweinetoilette Um Kot und Harn voneinander zu trennen, wurde im Sauen- und Schweinemastbetrieb von Ralf Remmert die Toilette für Schweine entwickelt. Remmerts Betrieb umfasst 1200 Sauenplätze und 6000 Mastplätze. In einem Ende Juni 2021 eingeweihten Familienstall mit 1700 m² Grundfläche wurde die Schweinetoilette verbaut. Die Toilette besteht aus einem perforierten Förderband, durch das der Urin direkt abfließen kann und in einer Auffangwanne gesammelt wird. Der Kot bleibt auf dem Band liegen und wird mehrmals die Stunde abtransportiert und gesondert vom Urin gesammelt. „Die Schweinetoilette bietet mehrere Vorteile. Zum einen die Strukturierungsmög-

lichkeit für die Tiere, zum anderen die sofortige Entfernung der Exkremente aus dem Tierbereich, was zur Erhöhung der Hygiene führt und die Gesundheit der Schweine fördert,“ berichtet Remmert. „Die Kot-HarnTrennung sorgt dafür, dass deutlich weniger Ammoniak entstehen kann“. Im Stall von Herrn Remmert werden zwischen 1 und 3 ppm Ammoniak gemessen. Abluftfilter brauchen daher nicht mehr eingesetzt werden. Neben den Tieren profitieren somit auch die MitarbeiterInnen von diesem System und seiner besseren Stallluft. Der Einsatz von Strukturfuttermittel, aber auch Einstreu ist in einem System mit Schweinetoilette kein technisches Hindernis mehr und erfüllt dadurch den Wühl- und Suchtrieb der Schweine.

Vom Protein zum Ammoniak „Nur ein Drittel des durch das Futter aufgenommenen Proteins wird für das Wachstum der Tiere benötigt, der überwiegende Teil wird als Urin und Kot wieder ausgeschieden“, erklärt Betriebsleiter Ralf Remmert.


„Im normalen System werden diese beiden Fraktionen dann gemischt. Es kommt dadurch zu Ammoniakverlusten, die bis zu 30 % ausmachen. Diese Verluste werden durch die Kot-Harn-Trennung gemindert. Ein weiteres großes Problemfeld ist die Reststoffverwertung. Die Landwirtschaft steht häufig in der Kritik, wenn es um Nitratauswaschungen ins Grundwasser und daraus resultierende Trinkwasserbelastungen geht. Hier hilft uns die Schweinetoilette“. Durch die Trennung der Fest- und Flüssigphase wird der Reststoff in organische (Festphase) und mineralische (Flüssigphase) Bestandteile getrennt. Hiermit ergeben sich dann neue Möglichkeiten der bedarfsgerechten Düngung. Die organischen Nährstoffe kommen bei der Grunddüngung zum Einsatz, die mineralischen Nährstoffe können gezielt zur Wachstumssteuerung der Bestände genutzt werden.

Tränker im Kotbereich zur zusätzlichen Lenkung der Tiere. Bildquelle: Vision Pig

Umwelt- und Tierschutz gemeinsam denken Ralf Remmert ist sich sicher: „Das arteigene Verhalten beim Schwein ist nur mit einer Strukturfütterung möglich. Hier hilft uns die Kot-Harn-Trennung und leistet einen wichtigen Beitrag in Sachen Tierwohl. Gleichzeitig dürfen wir den Klimaschutz nicht außer Acht lassen. Für mich ist klar, dass beides keinen Widerspruch ergibt. Die Schweinetoilette ist meiner Meinung nach ein guter Weg Umwelt- und Tierschutz ganzheitlich zu denken.“

Information Wissenstransferprojekt Vision Pig Dieser Artikel wurde aus dem Videovortrag „Emissionsminderung in der Schweinehaltung“, der auf der EuroTier 2021 gezeigt wurde, entnommen. Der Videovortrag ist im Rahmen des Wissenstransferprojekts Vision Pig entstanden, das vom Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz des Bundeslandwirtschaftministeriums Deutschland über einen Zeitraum von zwei Jahren gefördert wird. Weitere Informationen zum Projekt: www.vision-pig.org Weitere Informationen zu MuD Tierschutz: www.mud-tierschutz.de

Was sich unter dem Stallboden befindet: Trennung von Kot und Harn durch ein durchlässiges Förderband. Bildquelle: Vision Pig

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Computergesteuerter Futterdosierer GestalTM Solo

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Vorteile von computergesteuerten Futterdosierer • immer frisches Futter • die Sau wird bis zur Sättigung gefüttert, gemäß ihrem Appetit • Fütterung in kleinen Mengen, nach Bedarf • Steigerung der Futteraufnahme ohne Stoffwechselprobleme • Kontrolle des Fressverhaltens der Schweine am Dosierer • Reduktion von Gewichtsabnahme und Fettverlust während des Säugens • bessere Kondition nach dem Abferkeln und in der Rausche für den nächsten Zyklus

Abferkelbucht Simple Free Vorteile der Bewegungsbucht Simple Free • Bedienerfreundliche Handhabung • Das schnelle Öffnen und Schließen bietet Schutz für den Menschen vor allem bei unruhigen Tieren • Durch spezielle Schutzbügel und dem gewählten Abstand zwischen Ferkelnest und Sau bietet das Design höchsten Schutz für die Ferkel • Optimale Übersicht über die Bucht durch nur 50 cm hohe Trennwände • Pflege und Betreuung von Sau und Ferkeln vom Inspektionsgang aus möglich • Einfache Reinigung durch höchstmögliche Zugänglichkeit der gesamten Bucht • Hohe Stabilität der gesamten Bucht durch verbundene Bügel • Bodengestaltung: Kunststoff, Guß, Keramik

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Aktuelle Entwicklungen in Deutschland Was kosten die Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung in der Schweinehaltung? Im Februar 2020 hat das von Bundesministerin Klöckner eingesetzte Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung (KNW) unter Leitung von Bundesminister a.D. Jochen Borchert weitreichende Empfehlungen zur Transformation der Nutztierhaltung in Deutschland vorgelegt. Ziel der KNW-Empfehlungen ist es, schrittweise alle tierhaltenden Betriebe in Deutschland auf ein hohes Tierwohlniveau zu bringen, das deutlich oberhalb des bisherigen gesetzlichen Standards liegt. Hierzu werden drei Tierwohlstufen definiert. Ab 2040 sollen alle Nutztiere mindestens in der Stufe 2 gehalten werden. Sie bekommen dann wesentlich mehr Platz, eine strukturierte Haltungsumgebung, intensivere Tierbetreuung und Kontakt zum Außenklima. Christa Rohlmann, M. Sc. Thünen-Institut f. Betriebswirtschaft Bildquelle: Rohlmann

Förderung und Kalkulation der Mehrkosten Die Umsetzung erfordert in den meisten Betrieben bauliche Änderungen an der Stallhülle oder Stallneubauten, außerdem einen höheren Arbeitseinsatz. Betrieben, die diesen Schritt (noch) nicht gehen können oder wollen, wird die Tierwohlstufe 1 angeboten, die innerhalb der bestehenden Ställe eine gewisse Verbesserung der Situation ermög-

licht. Die landwirtschaftlichen Betriebe sollen durch Investitionsförderung, Tierwohlprämien und eine staatliche Produktkennzeichnung wirtschaftlich in die Lage versetzt werden, ihre Tierhaltung auf diese neuen Ziele auszurichten. Die Investitionsförderung wird als einmaliger Zuschuss sofort ausgezahlt. Die Tierwohlprämie muss hingegen durch langfristige Verträge abgesichert werden. Außerdem wird angestrebt, die für alle Tierhaltungen verpflichtenden Standards im Ordnungsrecht 2030 auf Stufe 1 und 2040 auf Stufe 2 anzuheben, wenn dies nicht zu einer Absenkung der Prämien führt. Die zentralen Annahmen für die Kalkulation der Mehrkosten sind die Fortführung der Produktion im bestehenden Gebäude (und somit Bestandsre-

Mandes Verhaagh, M. Sc. Thünen-Institut f. Betriebswirtschaft Bildquelle: Verhaagh

Tabelle 1: Kriterien der Stufen der Tierwohlmaßnahmen Ferkelaufzucht und Schweinemast. Quelle: Rohlmann/Verhaagh

26 | Tierwohl | 3-2021


duzierung) in Stufe 1 und Neubau mit Beibehaltung der gegenwärtigen Bestandsgröße in den Stufen 2 und 3. Eine Ausnahme bildet die Sauenhaltung. Weil dort auch schon in Stufe 1 erhebliche bauliche Veränderungen erforderlich sind, wurden für die Stufe 1 zwei Varianten kalkuliert: zum einen eine Bestandsreduzierung und zum anderen der Bestandserhalt.

Tierwohlmaßnahmen Sauenhaltung Zu den Kriterien in der Sauenhaltung gehören das Angebot von Nestbaumaterial, die betriebliche Eigenkontrolle, Fortbildungen im Bereich des Tierschutzes, die Säugedauer sowie Vorgaben zum Transport und Kupieren des Ringelschwanzes der Ferkel. Die Kriterien lassen sich in allgemeine Anforderungen, die über alle Stufen identisch sind, und szenariospezifische Anforderungen einteilen. Da die betäubungslose Ferkelkastration seit 01. Januar 2021 verboten ist und somit ab diesem Datum ohne weitere Übergangsvorschriften den gesetzlichen Standard darstellt, werden die damit verbundenen Kosten bereits in Stufe 0 in Ansatz gebracht. Die Vorgaben zum Transport sowie die dreijährige Übergangsfrist beim Kupierverzicht sind in den Kalkulationen nicht berücksichtigt worden. Beim Ringelschwanz wird sofort auf das Kupieren verzichtet. Da zum Zeitpunkt der Kalkulationen nur wenige Kriterien für die Sauenhaltung formuliert waren, sind zusätzlich die Vorgaben zum Platzbedarf und der Dauer der Fixierung der Sau im Deckzentrum und der Abferkelbucht aus der diesjährigen Novelle der Tierschutznutztierhaltungsverordnung angenommen worden. Diese beinhalten im Deckzentrum 5 m² je Sau und eine Fixierung während der Besamung sowie in der Abferkelbucht 6,5 m² je Sau und eine Fixierung über 5 Tage um den Geburtszeitraum.

Tierwohlmaßnahmen Ferkelaufzucht und Schweinemast Die Anforderungen für die Ferkelaufzucht und Schweinemast sind in Tabelle 1 aufgeführt. Die Vorgaben zum Transport sind wie in der Sauenhaltung bei den Kalkulationen nicht berücksichtigt. Bei dem Kriterium „Buchtenstruktur“ müssen die Landwirte in Stufe 1 aus acht Strukturierungselementen drei auswählen. Da nicht klar ist, welche Kombinationen die Landwirte wählen werden, sind in der Schweinemast zwei Varianten berechnet worden. In beiden Varianten sind als Strukturierungselemente „Kontaktgitter“ und „Scheuereinrichtungen“ ausgewählt worden sowie in

Variante 1 „eingestreute Liegefläche“ und in Variante 2 „Abkühlvorrichtung“. Variante 1 stellt somit die „teure“ und Variante 2 die „günstige“ Alternative dar. In der Ferkelaufzucht ist nur die „teure“ Variante berücksichtigt worden. Bei einer ausreichend eingestreuten und sauberen Liegefläche muss keine zusätzliche Einrichtung zur Erfüllung der Anforderung „Beschäftigungsmaterial“ verwendet werden. Die Vorgabe zum Halten von Schweinen mit intaktem Ringelschwanz sind wie beim Kupierverzicht in der Sauenhaltung ohne die dreijährige Übergangsfrist in Stufe 1 umgesetzt worden. Hierzu wurden in allen Stufen in der Ferkelaufzucht 18 € je Ferkelaufzuchtplatz berücksichtigt.

Mehrkosten für Sauen und Aufzuchtferkel Die Mehrkosten der Stufe 1 belaufen sich in Variante 1 (Bestandsreduzierung) auf 624 € je Sau bzw. rund 19 € je aufgezogenes Ferkel. Das entspricht bezogen auf die Vollkosten in Stufe 0 einer Kostensteigerung von 28 %. In Variante 2 (Stallanbau) liegen sie bei 435 € je Sau bzw. gut 13 € je aufgezogenes Ferkel. Das entspricht einer Kostensteigerung von 19 %. In Stufe 2 beziffern sich die Mehrkosten auf 541 € je Sau bzw. 16,62 € je aufgezogenes Ferkel und liegen in Stufe 3 bei 652 € je Sau bzw. knapp 21 € je aufgezogenes Ferkel. Das entspricht einer Kostensteigerung von 31 % im Vergleich zu Stufe 0.

Mehrkosten für Mastschweine Die Mehrkosten der Stufe 1 liegen in der ersten Variante bei rund 22 € je Mastschwein und in Variante 2 bei etwa 14 € je Mastschwein. Entgangene Erlöse tragen hierzu maßgeblich bei. Weitere variable Kostenkomponenten steigen hier im Wesentlichen aufgrund der Bereitstellung einer Liegefläche und der Nutzung von Stroh. Festkosten steigen proportional aufgrund der sinkenden Tierzahlen. Damit ist Variante 1 ca. 60 % teurer als Variante 2. Im Vergleich zu Stufe 0 sind dies Mehrkosten von 12 % (V 1) bzw. 8 % (V 2). Die Mehrkosten liegen in Stufe 2 bei rund 19 ct je kg SG, also zwischen den beiden Stufe 1 – Varianten, in Stufe 3 bei rund 26 € je Mastschwein (27 ct je kg SG). Im Vergleich zu Stufe 0 bedeutet dies Kostensteigerungen von 10 % Stufe 2) bzw. 14 % (Stufe 3).

Komponenten aufteilen, zum einen in tierwohlbedingt höhere Investitionen und zum anderen in höhere laufende Kosten. Ersteres bildet die Grundlage für die einzelbetriebliche Förderung der Investitionen, während die laufenden Kosten die Grundlage für die Tierwohlprämie sind. Unter den „sonstigen Investitionen“ gehören Investitionen, um den Anforderungen der jeweiligen Stufe zu genügen wie z. B. Scheuerbüsten. Die Mehrkosten entstehen vor allem durch höheren Arbeitsaufwand, höhere Materialkosten (z. B. Stroh als Einstreu und Beschäftigung), eine geringere Besatzdichte in den Tierställen und teilweise geringere Tierleistungen. Für die Haltung von Schweinen mit Ringelschwanz wurden in der Schweinemast € 15,- pro Mastplatz berücksichtigt. Die Politikfolgenabschätzung zu den Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung ist hier nachzulesen: https://www.thuenen.de/media/publikationen/thuenen-workingpaper/ThuenenWorkingPaper_173.pdf

Da die Kriterien den aktuellen Diskussionsstand vom Winter 2020 darstellen und noch nicht abgeschlossen waren, sind die Ergebnisse zu den Kalkulationen der Mehrkosten vorläufig. Die Mehrkosten lassen sich in zwei 3-2021 | Tierwohl | 27


Insekten als Futtermittel In der Schweinefütterung besteht eine hohe Abhängigkeit von importierten Eiweißfuttermitteln. Deren Produktion hat massive negative ökologische als auch soziale Auswirkungen in den Herkunftsländern. Insekten könnten grundsätzlich zur Bereitstellung von Eiweiß beitragen. Das Potential von Insekten als Futtermittel ist hoch, aber noch müssen zahlreiche Fragen geklärt werden, bevor Produkte oder Verfahren die Marktreife erlangen. Ausgangslage Der Bedarf an Eiweißfuttermitteln in der Schweinefütterung wird derzeit zu einem großen Teil durch Sojaextraktionsschrot und andere Sojaprodukte gedeckt. Davon importiert Österreich jährlich mehr als eine halbe Million Tonnen, mehr als die Hälfte davon für die Schweinefütterung. In Südamerika, woher zirka die Hälfte der Importe stammen, hat die starke Nachfrage nach Soja zu einer massiven Ausweitung der Anbauflächen geführt. Die Folgen: großflächige Zerstörung/Brandrodung von Regenwald, einhergehend mit extremen Biodiversitätsverlusten und negativen Klimaauswirkungen, sowie negative soziale Auswirkungen. Das in viel geringerem Ausmaß an Schweine verfütterte, ebenfalls importierte, Fischmehl ist in der Herstellung auch extrem problematisch: bereits besorgniserregend dezimierte marine Fischbestände werden ausgebeutet, mit direkten Folgeschäden für die Ökosysteme und für die davon zur Ernährung abhängigen Menschen. Dass diese Importfuttermittel international gehandelt werden und daher den Preisschwankungen am Weltmarkt unterliegen, betrifft auch heimische Produzenten. Vor diesem Hintergrund ist die Verfügbarkeit alternativer Eiweißfuttermittel, mit 28 | Larvenprotein | 3-2021

möglichst heimischer wünschenswert.

Wertschöpfung,

Insekten als Tierfutter und Insektenzucht Insekten sind in natürlichen Nahrungsketten die Nahrungsgrundlage für viele andere Tierarten. So durchsuchen z.B. Schweine in Freilandhaltung ihren Lebensraum unter anderem nach Insekten. Für einen praktikablen Einsatz als Eiweißfuttermittel müssen die Insekten jedoch gezüchtet werden. Die schwarze Soldatenfliege (black soldier fly = BSF) und die Stubenfliege haben sich als dafür geeignet erwiesen: beide lassen sich leicht vermehren und können organische Reststoffe in hochwertiges, körpereigenes Eiweiß umwandeln. Besonders die Larven der ursprünglich in tropischen bis warm temperierten Regionen Amerikas vorkommenden BSF können fast jedes organische Substrat, auch Neben- und Reststoffe der landwirtschaftlichen Produktion sowie nachfolgender Verarbeitungsprozesse, bis hin zu tierischen Ausscheidungen sehr effizient aufschließen. Die Zucht und Nutzung von Insekten als Futtermittel ist am Beispiel der BSF bis-

her am besten untersucht. Stark verallgemeinert und abhängig von den jeweiligen Zuchtbedingungen beträgt die gesamte Lebensdauer vom Eischlupf bis zum Ableben der adulten Fliegen knapp 6 bis 8 Wochen. Adulte Fliegen in der Erhaltungszucht (siehe Abb. 1) sorgen für eine kontinuierliche Eiproduktion. Die Eier werden auf ein geeignetes, ausreichend feuchtes Substrat transferiert, wovon die Junglarven wenige Tage nach dem Schlüpfen zur Mast auf das endgültige Futtersubstrat kommen. Die Larven entwickeln sich rasant innerhalb von zirka 3 bis 4 Wochen, wonach sie sich hauptsächlich an der Substratoberfläche zu verpuppen beginnen und abgesammelt werden. Das verbleibende Restsubstrat weist teils ähnliche Eigenschaften wie verschiedene organische Düngemittel auf.

Eignung in der Schweinefütterung BSF-Larven besitzen einen im Vergleich zu Sojamehl ähnlichen Eiweiß-, aber einen höheren Fett-Gehalt. Das von den BSF-Larven produzierte Eiweiß weist eine ernährungsphysiologisch hohe Qualität auf, mit einer dem Soja- und Fischmehl ähnlichen Aminosäuren-Zusammensetzung.


Insektenlarven beinhalten auch einige potentiell gesundheitsförderliche Inhaltsstoffe. In den bisherigen, allerdings noch nicht sehr zahlreich bei Schweinen durchgeführten Verfütterungs-Studien wiesen vollfette BSF-Larven eine geringere Verdaulichkeit auf als teilweise entfettete Larven. Auch wurden bei der Untersuchung von ausgewählten Blutwerten, biochemischen Markern und Parametern der Darmgesundheit keine negativen Gesundheitseffekte festgestellt. Nach aktuellem Wissensstand können Larvenprodukte (Mehl oder Öl) derzeit übliche Eiweiß- oder Fettfutterbestandteile teilweise ersetzen, ohne dass die Gewichtsentwicklung oder Fleischqualität beeinträchtigt werden - in welchem Ausmaß ist Thema aktueller Studien. Während diese Ergebnisse eine Eignung von Insekten als potentielles Futtermittel für Schweine nahelegen, muss auf den derzeit noch unzureichenden Wissensstand hingewiesen werden. Der Nährwert von Insektenprodukten und deren Eignung als Futtermittel hängt maßgeblich unter anderem von der Insektenart, den Zuchtbedingungen (z.B. Futtersubstrat), dem Lebenszyklus-Stadium und der nachfolgenden Verarbeitung zum Futtermittel ab. Für gut abgesicherte Ergebnisse zu diesen und weiteren Grundlagen, die eine Vorbedingung für einen praxistauglichen Einsatz darstellen, bedarf es noch weiterer detaillierter Untersuchungen.

Ökologische Aspekte und Potential Die aktuell hohe Umweltwirkung der Fleischproduktion, bei Schweinen besonders durch die stark negativen Folgen der Futtermittelproduktion verursacht, könnte durch eine Nutzung von Insekten als Futtermittel reduziert werden. Dass dies nicht automatisch der Fall ist, zeigen z. B. hohe Emissionen des klimaschädlichen Methans bei der Zucht mancher Insektenarten (Termiten). Die Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit von Futtermitteln auf Basis von Insekten muss daher eine fundierte Analyse der Auswirkungen auf alle betroffenen Umweltbereiche umfassen. Das inkludiert z.B. auch eine Berücksichtigung des Risikos von aus der Zucht entkommenen Individuen als Neobiota. Auch muss sichergestellt werden, dass zukünftig mögliche Zuchtsubstrate keine Belastung durch organische oder anorganische Verunreinigungen oder Krankheitskeime aufweisen.

Vorausgesetzt einer Klärung rechtlicher Fragen, besitzt die Nutzung von Insekten als Futtermittel das Potential, die Nachhaltigkeit der Schweineproduktion zu erhöhen. Dies besonders im Fall einer kleinstrukturierten Umsetzung, wobei auch in diesem Bereich noch Entwicklungsarbeit erforderlich ist. Eine Voraussetzung dafür, sowie auch für die Rentabilität, ist die Verfügbarkeit und Nutzung bisher wenig bis ungenutzter Rest- oder Nebenstoffe. Dies könnte auch einen Beitrag zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft liefern. Dagmar Gordon Dr. Peter Schweiger GLOBAL 2000

Rechtliche Grundlagen Insekten werden in Österreich futtermittelrechtlich als Nutztiere betrachtet und dürfen nur mit zugelassenen Futtermitteln gefüttert werden. Daher dürfen an Insekten keine potentiell geeigneten Substrate wie Speiseabfälle, die tierische Bestandteile aufweisen können, oder andere organische Reststoffe ohne Genehmigung als Futtermittel verfüttert werden.

Abb. 1: Besonders die Larven der schwarzen Soldatenfliege eignen sich gut als Eiweißkomponente in Futtermitteln. Bildquelle: Pixabay; lynnlockhart328

Abb. 2: Aktuell wird vermehrt auf heimisches Soja gesetzt, jedoch stammt immer noch ein Großteil der benötigten Mengen aus Übersee. Bildquelle: DonauSoja

In Österreich ist die Verfütterung von Insekten an Schweine aktuell generell nicht zugelassen (eine Folge der Rinderseuche BSE). Im Gegensatz zu einigen anderen EU-Ländern (z.B. Deutschland) gibt es in Österreich auch keine Genehmigung für die Verfütterung von lebenden Insekten an Schweine. Eine kürzlich auf EU-Ebene erfolgte Befürwortung der Zulassung von verarbeitetem Insektenprotein zur Verfütterung auch an Schweine lässt erwarten, dass dies in absehbarer Zeit auch auf nationaler Ebene (möglicherweise auch in Österreich) umgesetzt wird. 3-2021 | Larvenprotein | 29


Bildquelle: melange.in.gummistifeln

Melange in Gummistiefeln oder die kommunikative Brücke zwischen Menschen und Landwirtschaft Bianca Blasl brennt für Essen und Landwirtschaft. Die junge Wienerin fährt mit ihrem Feuerwehrauto durch‘s Land, um in ihren Podcasts und Social-Media-Beiträgen über Landwirtschaft zu kommunizieren. In diesem kritischen Artikel schreibt sie über Kommunikation in der Landwirtschaft! Ich liebe Essen. Meine früheste Kindheitserinnerung ist der Duft des Osterschinkens meines Großvaters. Der erste Weihnachtsfeiertag heißt in meiner Familie nur mehr „Heiliger Truthahntag“ und Kochbücher sind meine Gutenachtlektüre. Immer und überall suche ich nach leiwandem Essen. Weil Landwirtschaft nun mal der Ursprung des Essens ist, habe ich genau das an der BOKU in Wien studiert. In dieser Zeit hat sich meine These immer mehr bestätigt: Die meisten Menschen stehen vor dem Supermarktregal und assoziieren das Schnitzel nicht mit dem Schwein, den Käse nicht mit der Kuh und das Mehl nicht mit dem Acker. Schon gar nicht wissen wir, wie das Schwein gelebt hat, was die Kuh frisst und wer das Essen herstellt. Dass wir nicht mehr wissen, was wir essen, liegt meiner Meinung nicht daran, dass wir Konsumenten so deppert und ignorant sind. 30 | melange.in.gummistiefeln | 3-2021

Es liegt daran, dass die Bauern in Österreich nur mehr zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen UND, dass unsere LebensmittelWertschöpfungskette hoch spezialisiert ist. Wir reden nicht mehr miteinander und haben schlicht den Bezug zueinander verloren. Zwischen uns ist eine Lücke entstanden. Wenn wir diese Lücke schließen und den Bezug zu unseren Lebensmitteln und der Landwirtschaft wieder herstellen wollen, müssen wir eine Brücke bauen – zwischen Konsumenten, Bauern und allem dazwischen. Genau das möchte ich tun. Deshalb bin ich seit über einem Jahr mit meinem Roten Blitz auf den unterschiedlichsten Bauernhöfen in Österreich unterwegs und arbeite selbst mit. Ich möchte Essen und Landwirtschaft, im wahrsten Sinne des Wortes, begreifen. Nur so kann ich die Geschichte ehrlich erzählen, so dass sie Menschen bewegt.

Am Anfang dieser Reise ist melange.in.gummistiefeln entstanden. Eine kommunikative Brücke zwischen Wien und Landwirtschaft, zwischen Menschen und ihrem Essen. Dann kam Willy Geiger. Mit der Idee von BauertothePeople, einem Ort, an dem wir wieder miteinander reden. Über Essen, Menschen und Landwirtschaft.

Rampensau in den Sozialen Medien? Wie kann man am einfachsten und schnellsten viele Menschen erreichen? Digital. Über Soziale Medien. Denkt´s und startet mit Instagram, erweitert mit Facebook und ist dann plötzlich auch noch Teil des BauertothePeople-Podcast. Ich bin ehrlich, es ist viel Arbeit und ein hartes Geschäft. Denn um nachhaltig


Menschen zu bewegen und zum Handeln zu bringen, braucht es eine Strategie und ausreichend Zeit. Ganz wichtig: man muss Herz UND Hirn der Menschen erreichen. Am Ende des Tages kommen wir alle weder ohne Kommunikation noch ohne Social Media aus. Digitale Medien sind ein mächtiges Werkzeug, um Menschen zu erreichen und miteinander in den Dialog zu treten. Man muss sie nur benutzen lernen und geduldig sein. Wenn ich´s kann, könnt ihr es auch lernen.

Wir müssen reden – oder wie Kommunikation zwischen Kitsch und Skandal funktionieren kann Ihr findet das rosa Schweinchen, das durch die Werbung hüpft, scheiße? Dann hören wir auf, solche Bilder selbst zu zeichnen und idyllische Geschichten zu erzählen. Ja, in der Schweinebranche ist die Kommunikation nicht einfach. Alle haben Angst vor den Reaktionen der Menschen, vor Anfeindungen und Beschimpfungen, vielleicht vor Tierschutzorganisationen. Und am Ende des Tages will man ja auch verkaufen und von den Schweinen leben, nicht wahr? Doch dann müssen wir unsere Geschichten erzählen. Die echten, nicht die G´schichtln! Und wir müssen auch den Geschichten der anderen zuhören. Gerade in der Landwirtschaft ha-

ben wir das vergessen. Wir reden nicht mehr miteinander. Kommunikation funktioniert aber nur im Dialog. Wir können idyllische Bilder von unserer Landwirtschaft in den sozialen Medien posten. G´schichtln drucken, über effiziente Produktion, die die Welt ernährt. Wir können jedem Wort einen schönen Rahmen geben: „Ferkelschutzkorb“, klingt doch nett, oder? Wir können unsere Stalltüren zusperren, aus Angst. Wir können auf die bösen Medien und generell übereinander schimpfen, uns verteidigen. All das ist defensiv. So kann Dialog und Kommunikation nicht funktionieren. Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Menschen aufschreien, wenn sie Landwirtschaft sehen, wie sie wirklich ist – es einen Skandal gibt, wenn Bilder von Vollspaltenböden und Ferkeltonnen an die Öffentlichkeit kommen. Die sind gesellschaftlich nicht akzeptiert und lassen sich auch nicht schönreden. Was also tun? Unterm Strich lässt sich dieses Problem nur mit ehrlicher Kommunikation lösen. Im Dialog. Indem wir darüber sprechen, warum die Dinge sind, wie sie sind. Auch anerkennen, dass nicht immer alles leiwand ist. Gemeinsame Werte mit der Gesellschaft finden und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Wieder Verbindungen zueinander schaffen. Weg von Schwarz und Weiß. Weg von “die Konsumenten“ und „wir Bauern“. Die Lebensmittel-Wertschöpfungskette sind wir alle:

Vom Bauer, über die Verarbeitung, die Politik, die Gastro, die Konsumenten und alles dazwischen. Und wir alle sind gefordert, in Dialog zu treten. Ihr wisst ja: Durch´s Reden kommen die Leut´ zam. Zwei, die es vormachen, sind Viktoria Eichinger und Thomas Reisecker (s. Bericht S. 22-23). Sie reden ehrlich über ihre Betriebe. Sie erklären in unserem Podcast sachlich, was ist und reden offen über Probleme und Ängste. Auch für die beiden ist die Kommunikation und der Dialog mit den Menschen alles andere als einfach. Doch er hat sie bewegt, zum Nachdenken und zu gemeinsamen Lösungen gebracht. Die Reaktionen auf die Podcasts und die Geschichte in den Sozialen Medien sprechen für sich. Ich kann euch nur empfehlen, schaut und hört rein – Wenn ihr eine Brücke bauen wollt, wisst ihr, wo ihr mich findet. Instagram: #leiwandelandwirtschaft (@melange.in.gummistiefeln) Facebook: melange.in.gummistiefeln | Facebook Web: https://www.bauertothepeople.at/

Viktoria Eichinger (femme.farm) mit ihren Schweinen. Bildquelle: bauertothepeople

Bianca Blasl & Willy Geiger aka BauertothePeople. Bildquelle: bauertothepeople

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Erfinder unserer Schweineklassifizierung Professor Dr. Helmuth Pfeiffer verstorben

Kennenlerntermin Österreichische Schweinebranche

Prof. Helmuth Pfeiffer hat in seiner wissenschaftlichen Arbeit in den Jahren 1969 und 1970 an der Universität in Leipzig, damals in der DDR, das LSQ-Klassif izierungssystem (Lendenspiegelquotient, später als 2-Punkt-Methode bezeichnet) für Schlachtschweine entwickelt. In diesen Jahren hat die Erzeugergemeinschaft Styriabrid nach einem korrekten Bewertungssystem für die Schweineschlachtkörper gesucht, und das LSQ-Bewertungssystem in der Praxis erprobt. Die LSQ-Bewertung hat sich danach in ganz Österreich als sehr genaues und sowohl für die Landwirtschaft, als auch für die Schlachtbetriebe korrektes Abrechnungssystem bewährt. In Österreich wurde schon vor dem EUBeitritt auf Basis der Erfindung von Prof. Pfeiffer (Speck- und Fleischmaß) die MFA%-Methode weiterentwickelt. Bis zum heutigen Tag ist sie die einzige in Österreich anerkannte Klassifizierung unserer Schweineschlachtkörper. Anlässlich der Begräbnisfeierlichkeiten in Leipzig hat sich August Jost, ehemaliger Obmann des VÖS und der Styriabrid, sowohl bei der Familie Pfeiffer, als auch bei den zahlreich anwesenden Professoren der Universitäten von Leipzig und Halle für diese, für die österreichische Schweineerzeugung so wichtige Entwicklung des LSQ – Klassifizierungssystems bedanken können.

Der Verband Österreichischer Schweinebauern war zu Gast bei Bundesminister Dr. Wolfgang Mückstein. Der Gesundheitsminister ist auch für die Agenden Tierschutz, Konsumentenschutz und Veterinärangelegenheiten zuständig.

32 | VÖS aktuell | 3-2021

Beim Treffen am 04.06.2021 mit Bundesminister Dr. Wolfgang Mückstein präsentierte der VÖS die aktuelle Lage der Schweineproduktion in Österreich. Als Branchenvertreter bekannte man sich zu einer marktbasierten Weiterentwicklung im Bereich Tierwohl (Tierwohlprämien, Pakt für mehr Tierwohl). Sehr eingehend wurden die geplanten Verbesserungen im AMA-Gütesiegel besprochen und das transparente dreistufige System erläutert. Nach Ansicht des VÖS muss die nachhaltige Weiterentwicklung der Schweineproduktion von der Forschung eng begleitet werden. Das Forschungsprojekt IBeSt soll innovative Lösungen für bestehende Mast- und Aufzuchtställe mit positiven Auswirkungen auf Tierwohl und Arbeitszufriedenheit der heimischen SchweinehalterInnen erarbeiten. Als eine große Herausforderung wird aktuell der von der EU geforderte Verzicht auf rou-

tinemäßiges Schwanzkupieren gesehen. Auch hier setzt man in erster Linie auf Forschung an geeigneten Haltungssystemen um in Zukunft die Haltung unkupierter Tiere zu ermöglichen. Eine praxistaugliche Umsetzung des in Anlehnung an Deutschland erarbeiteten „Aktionsplanes Kupierverzicht“ wurde ebenfalls besprochen. BM Mückstein zeigte großes Interesse an den aktuellen Entwicklungen innerhalb der österreichischen Schweinebranche und sprach sich positiv für die bevorstehenden Projekte aus: „Eine bessere Erkennbarkeit von Qualitäts- und Tierwohlkriterien sind für die Kaufentscheidung enorm wichtig. Die geplanten Entwicklungsschritte im AMA-Gütesiegel begrüße ich sehr.“ Wir vom VÖS bedanken uns herzlich für das Kennenlerngespräch und stehen kommender Zusammenarbeit positiv entgegen.

BM Dr. Mückstein im Gespräch mit der Branchenvertretung. Bildquelle: VÖS


Optimale Ferkelproduktion mit Lignocellulose Trächtigkeit und Laktationszeit sind wichtige Phasen in der Schweinezucht. Eine rohfaserreiche Ernährung mit Lignocellulose wirkt sich sehr positiv auf Muttertiere und Ferkelproduktion aus. Vorteile für die Schweinezucht Studien belegen, dass Rohfasern positive Effekte auf Tiere haben. Allerdings kommt es auf die Art der Rohfaser an. Die Zugabe von unlöslichen und unverdaulichen Fasern zum Futter erzielt bessere Ergebnisse. Die beigemischte Lignocellulose senkt den Energiegehalt des Futters und beugt Übergewicht vor. Außerdem haben Sauen, die z.B. mit Lignocellulose gefüttert werden, weniger Schwierigkeiten beim Abferkeln und zeigen ein ruhigeres Verhalten. Der Rohfaserträger hat auch positive Auswirkungen auf das Ferkelgewicht: Die Ferkel sind sowohl bei der Geburt als auch beim Absetzen im Durchschnitt schwerer. Der Faserkomplex stimuliert die Entwicklung der Darmzotten und verbessert die Futterverwertung. Das wiederum führt zu höheren Tageszunahmen bei den Ferkeln.

Lignocellulose besser als andere Rohfaserträger Lignocellulose besteht aus reinen Pflanzenfasern und setzt sich vor allem aus Cellulose, Hemicellulose und Lignin zusammen. Der Anteil der Rohfaser in der ursprünglichen Substanz ist mit mindestens 65 % (bei einer Feuchtigkeit von lediglich 6-7 %) höher als bei anderen, üblichen Rohfaserträgern. Es sind die unlöslichen Fasern, die positiv auf den Verdauungstrakt der Tiere wirken. Da Lignocellulose mykotoxinfrei ist, werden keine Mykotoxine ins Futter eingebracht.

Restriktive Sauenfütterung Lignocellulose hat ein Wasserbindevermögen von mehr als 500 %! Das heißt: Die Lignocellulose quillt im MagenDarm-Trakt sehr gut auf. Der Darm ist schneller gut gefüllt, was ein größeres Sättigungsgefühl hervorruft. Bei laktierenden Sauen ergeben sich durch die höhere Flüssigkeitsaufnahme beim Laktieren zusätzliche Vorteile. Sauen, deren Futter Lignocellulose beigemischt wird, nehmen weniger Energie auf. So erreichen sie mit Beginn der Laktationsphase ein ideales Gewicht – ganz ohne Hungerstress. Durch die Gewichtsregulierung sinkt u.a. das Risiko erdrückter Ferkel.

Geringeres MMA-Risiko Trächtige Sauen haben eine geringere Darmaktivität. Ohne Rohfaserzugabe können sie an Verstopfungen leiden. Damit steigt das Risiko, am MMA-Komplex (Mastitis-Metritis-Agalaktie-Komplex) zu erkranken. Lignocellulose hat positive Effekte auf den Verdauungstrakt. Die unlöslichen Fasern regen die Darmperistaltik an und reduzieren die Passagezeit. Die Kotkonsistenz verbessert sich und das MMA-Risiko sinkt.

Fazit Alles in allem schneidet Lignocellulose im Vergleich mit anderen Rohfaserträgern besser ab. Das liegt am hohen Anteil an unlöslichen Fasern.

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Grillkoteletts mit Kräutermarinade Zubereitung 1. Im Mörser oder mit dem Mixstab eine Marinade aus Öl, Zitronensaft, Kräutern sowie Knoblauch herstellen. 2. Koteletts nicht klopfen, lediglich mit dem Handballen leicht auseinanderdrücken, Koteletts auf beiden Seiten kräftig mit Marinade bestreichen. Koteletts über Nacht in der Kräutermarinade kühl gestellt aufbewahren. 3. Koteletts mit Küchenpapier abtupfen, die Ränder einschneiden, dann salzen und pfeffern. Koteletts auf beiden Seiten bei niedriger Hitze, also mit Abstand zur Glut grillen. Während des Grillens öfter mit Marinade bepinseln. Das Fleisch immer mit einer Zange wenden (nicht anstechen!).

Zutaten für 4 Personen 4 Schweinskoteletts à ca. 20 – 25 dag Salz, Pfeffer Marinade: ¼ l Pflanzenöl, Saft einer Zitrone je ½ EL gehackte Petersilie, Kerbel, Estragon Basilikum, Kresse, Rosmarin, Schnittlauch, Dille, einige Pfefferminzblätter, 2 Knoblauchzehen

4. Fühlt sich das Fleisch auf Druck mit der Gabel eher hart an, ist es durchgebraten. Die fertiggegrillten Koteletts, in Alufolie gepackt, 10 Min. rasten lassen, dann servieren. ©Rezept und Foto „Grillkoteletts mit Kräutermarinade“ - Herausgeber: AMA

... im VÖS RÄTSEL-Stall Neuer Rätselspaß für unsere kleinen LeserInnen Die Neuauflage des Pixi-Buches „Schnitzel, wo kommst du her?“ wurde für Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter gestaltet, um zu zeigen, wo das österreichische Nationalgericht herkommt. Darin sind alle wichtigen Schritte der Schweinefleischproduktion inklusive Transport und Schlachtung altersgerecht dargestellt und erklärt. Die Neuauflage wurde außerdem grafisch überarbeitet und für alle Rätselhungrigen gibt es auch etwas zu tun. Wenn Sie Interesse an dem Pixi-Buch haben, kontaktieren Sie uns bitte unter office@schweine.at! Weitere Infos, Spiele, ein Video mit den Aufgaben der Schweinebauer und ihren Hof findet Ihr unter www.rund-ums-schwein.at.

Impressum Herausgeber und Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdner Straße 89/B 18 (Bauteil B1), 5. Stock, 1200 Wien Rückfragen und Bestellungen unter office@schweine.at Website: www.schweine.at oder www.voes-online.at Grafik: Daniela Köppl & Stefan Eibelwimmer 34 | Rezept/Rätsel | 3-2021


Weltbauerntag am 01.06.2021: Wertschätzung für die heimische Nutztierbranche Einmal mehr sollten gerade am Weltbauerntag die heimischen Bäuerinnen und Bauern und ihre erzeugten Produkte im Mittelpunkt stehen. Die tierhaltende Landwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit mit wertvollen Lebensmitteln und sorgt für eine gesunde Ernährung der heimischen Bevölkerung. Der NTÖ sieht den von Bundesministerin Elisabeth Köstinger initiierten Tierwohlpakt als wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung der heimischen Nutztierbranche. Aber auch eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, ein „Nein“ zum Mercosur-Abkommen und eine faire Abgeltung für tierische Lebensmittel sowie Wertschätzung unserer heimischen Landwirtschaft stellen wesentliche Voraussetzungen für den Erhalt und die Stärkung der österreichischen tierischen Produktion dar. Die kürzlich durchgeführte Studie von KeyQUEST zum Bild der heimischen Landwirtschaft in der Bevölkerung und ihren Stellenwert in der Gesellschaft zeigt ein positives Bild der heimischen Bäuerinnen und Bauern, aber auch die Forderungen der KonsumentInnen nach mehr Tierwohl, artgerechter Tierhaltung und besserer Produktqualität. Diese Ansprüche bedingen höhere Produktionskosten, welche auch entsprechend fair abgegolten werden müssen. Nach NTÖ-Obmann Josef Fradler würde eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung mehr Transparenz bringen und die Nutztierhaltung wesentlich unterstützen.

naBe-Plan als wichtiger Schritt zu Herkunftskennzeichnung und mehr heimischen Produkten in der öffentlichen Beschaffung Am 23.06.2021 wurde im Ministerrat der naBe-Plan beschlossen. Der Verein NTÖ begrüßt diesen Beschluss zur Umsetzung des Aktionsplans für die nachhaltige öffentliche Beschaffung des Bundes. Im Rahmen des Revisionsprozesses hatte auch der NTÖ die Möglichkeit, Stellungnahmen ab zugegeben und Vorschläge für die Entwicklung und Definition der Beschaffungskriterien einzubringen. In der Umsetzungsphase des naBe-Plans sieht der NTÖ nun eine verpflichtende Einhaltung der definierten Kriterien und auch die entsprechende Kontrolle als Notwendigkeit. „Die tatsächliche Nachweiserbringung ist ein wesentlicher Faktor, ohne welchen ein Einkaufsstandard, wie es der Aktionsplan vorsieht, kaum den erwünschten Erfolg bringen kann. Ein wesentliches Kriterium ist auch die „Verfügbarkeit“ von Produkten, wie Frischfleisch oder Fleisch in Verarbeitungsprodukten, Frischei und Eiprodukten, Milch und Milchprodukten“, weist NTÖ-Obmann Josef Fradler auf das eventuelle „Schlupfloch Verfügbarkeit“ hin. Eine verpflichtende Information über die Herkunft von Fleisch, Eiern und Milch nahe des Verabreichungsplatzes ist im Aktionsplan vorgesehen. Der nächste Schritt zu mehr Transparenz in der Lebensmittelkennzeichnung ist eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung im gesamten Außerhausverzehr und in der Gastronomie. Billige Lebensmittel über lange Transportwege aus fernen Kontinenten importiert und unter niedrigsten Standards produziert stehen dann wertvollen regionalen Eiern, Milch, Fleisch und deren Produkten klar und erkennbar gegenüber. Der NTÖ begrüßt außerdem den Vorstoß, nach den Bundesküchen nun auch Landes- und Gemeindeküchen in den Aktionsplan miteinzubinden! 3-2021 | NTÖ aktuell | 35


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VÖS-Magazin 3/2021  

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