__MAIN_TEXT__
feature-image

Page 1

Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinebauern, Dresdnerstrasse 89/18,1200 Wien

Ausgabe Österreich 2/2021

Schweinegesundheit im Wandel

www.schweine.at


Ausgabe Österreich 2/2021 06

03

Inhalt

04

Leitartikel

05

Kommentar

06

Interview

08

Markt

09

Mit dem Rüssel in Brüssel

10

TGD-Exportprogramm

11

Ferkelmarkt

12

Recht & Politik

13

PIG Austria

14

Künstliche Befruchtung

16

Management

18

AMA

20

Tierwohl

21

Afrikanische Schweinepest

22

Antibiotika

24

Schweineproduktion online

26

Einbruchschutz

28

Mutter-Sauen

30

Proteinreduktion

33

CO2-Reduktion

34

Rezept-Tipp & Rätsel-Stall

35

Studie

IMPRESSUM

Im Interview: Dr. Schoder ...

14

Antibiotika ...

28

Proteinabsenkung ...

34

... Geschäftsführer des oö. TGD und Leiter der AG Schwein ...

22

... der Weg eines Ebers ...

... AGES berichtet über AntibiotikaVertriebsmengen ...

30

... gegen Durchfall beim Absetzen ...

Künstliche Besamung ...

Sauen als gute Mütter ...

... beschäftigen Wissenschaft, Branchenvertretung und LandwirtInnen ...

Rezept-Tipp ...

...Weinbeuschel mit Semmelknödel...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/18 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: DI Michael Klaffenböck, VÖS-Geschäftsführer. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/18, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl Titelfotos: Fraukoeppl, PIG Austria GmbH, Ebner

2-2021 | Inhalt | 3


Ing. Rupert Hagler VÖS-ObmannStv.

Die österreichische Schweineproduktion und insbesondere das AMA-Gütesiegel sind zunehmender Kritik von gesellschaftlicher und politischer Seite ausgesetzt. Die Forderungen konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Bereiche Tierwohl und Fütterung GVO-freier Eiweißfuttermittel. Weiterentwicklung über Anreize statt Verbote

Weg mit „Pakt für mehr Tierwohl“ beschritten

Immer wieder sehen sich Schweinebauern mit folgendem Widerspruch konfrontiert: Konsumenten fordern immer höhere Produktionsstandards (z.B. mehr Platz, Stroh, GVO-freie Fütterung, …), greifen aber beim Einkauf trotzdem sehr häufig zu günstigen Produkten.

Einen wesentlichen Schritt im Bereich Tierwohl sind BMLRT und Schweinebranche bereits im Herbst 2020 mit dem „Pakt für mehr Tierwohl“ gegangen. Neben angehobenen, sehr attraktiven Fördersätzen für besonders tierfreundliche Stallungen, wurden neue Förderkriterien für die Investitionsförderung im Bereich der Schweine definiert. Der sogenannte „Förderstandard“ verlangt nun mehr Platz in Mast und Aufzucht, größere Gruppen, strukturierte Buchten mit einem weniger perforierten Liegebereich, Kühlung und ein zusätzliches Beschäftigungsmaterial. Das bedeutet in der Praxis, dass jeder, der ab 2022 neu baut und eine Investitionsförderung in Anspruch nehmen möchte, ohnehin auf Stallsysteme setzen wird, die maßgeblich über dem internationalen Standard liegen. Mit dieser Strategie zählt Österreich auch in der Schweinehaltung zu den internationalen Vorreitern! Es ist wichtig, diese Schritte im Bereich der Investförderung und im Bereich des AMA-Gütesiegels

Die Marktanteile von Bio- und Tierwohl-Schweinefleisch betragen nach wie vor nur wenige Prozent! Im letzten halben Jahr wurde in den VÖS-Gremien intensiv daran gearbeitet, wie man das AMA-Gütesiegel marktkonform weiterentwickeln, und die bestehenden Markenprogramme besser nach den Bedürfnissen der Bevölkerung gestalten kann. Der Grundsatz lautete hier immer: alle Weiterentwicklungen müssen für die Landwirte und Landwirtinnen umsetzbar sein, und Mehrkosten müssen sich in den Aufschlägen wiederfinden! Eine nachhaltige Weiterentwicklung der Produktion funktioniert nur über Anreize, nicht über Verbote. 4 | Leitartikel | 2-2021

Foto: FRAUKOEPPL

AMA-Gütesiegel: marktbasierte Weiterentwicklung in Aussicht?


Foto: FRAUKOEPPL

auch als Schutz des bestehenden gesetzlichen Standards zu verstehen. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und die heimischen Betrieben nicht gegenüber der internationalen Produktion, die ja genauso nach Österreich liefert, zu benachteiligen, ist es essentiell den gesetzlichen Standard beizubehalten. Das BMLRT und allen voran Landwirtschaftsministerin Köstinger setzen hier gemeinsam mit der Schweinebranche auf eine nachhaltige Weiterentwicklung durch finanzielle Anreize bei Investitionen und bei den laufenden Kosten, um gleichzeitig für viele Jahre Produktionssicherheit am gesetzlichen Standard zu gewährleisten.

Weiterentwicklung um das Gütesiegel zu erhalten Das AMA-Gütesiegel spielt seit seiner Entwicklung eine wesentliche Rolle am heimischen Frischfleischmarkt, wodurch der Marktanteil stetig gesteigert werden konnte. Es steht für unabhängige Kontrolle hoher Standards und eine nachvollziehbare österreichische Herkunft für den Konsumenten. Es ist aber zunehmend in die Kritik von politischer und gesellschaftlicher Seite gekommen – der Druck, das Gütesiegel weiterzuentwickeln, ist enorm. Um sicherzustellen, dass Konsumenten auch in Zukunft gerne zu AMA-Produkten greifen und weiterhin knapp die Hälfte der österreichischen Schweine auf kontrollierten AMA-Gütesiegel-Betrieben produziert wird, müssen hier Entwicklungsschritte gesetzt werden. Die wohl zentralste Forderung ist es, das AMA-Gütesiegel in Haltungsfragen deutlich über den gesetzlichen Standard zu heben. Der VÖS hat einen Vorschlag erarbeitet, der u.a. ein erhöhtes Platzangebot und eine Umsetzung des neuen Förderstandards in der Schweinemast vorsieht. Dieser Vorschlag soll in den kommenden Monaten als Grundlage für Verhandlungen mit den Abnehmern dienen. Gemeinsam mit allen Stakeholdern und den Ministerien werden wir diesen Stufenplan nun in die Umsetzung bringen.

Mehrkosten müssen gedeckt sein Für große Verunsicherung sorgten im Mai Medienberichte, wonach das AMA-Gütesiegel verpflichtend auf GVO-freie europäische Futtermittel umgestellt werden soll. Die Position des VÖS ist hier glasklar: eine teilweise oder vollständige Umstellung ist nur dann vorstellbar, wenn die Verfügbarkeit der europäischen Eiweißfuttermittel gewährleistet ist, und entstehende Mehrkosten in der Fütterung auch in schlechten Marktphasen abgegolten werden! Unter

Berücksichtigung des langjährigen Preisdurchschnitts und des Risikos einer mangelnden Verfügbarkeit und kurzfristiger Preisspitzen fordert der VÖS einen Aufschlag von € 10,00 je Mastschwein. Ein Blick auf die aktuellen Sojapreise zeigt, welchen enormen Preisschwankungen diese Märkte ausgesetzt sind! Für jede Weiterentwicklung im Bereich der Haltung, die die Forderungen nach mehr Tierwohl umsetzen soll, gilt dasselbe: mehr Tierwohl bedeutet höhere Produktionskosten, und diese müssen durch angemessene Aufschläge ausgeglichen werden. Es braucht hier auch ein Bekenntnis aller Abnehmer, die Weiterentwicklung der Schweineproduktion finanziell zu tragen und am Markt umzusetzen. Neben dem Handel müssen auch Verarbeiter, Gastronomie und vor allem die öffentliche Beschaffung die Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels mittragen!

Klare Struktur für Qualitätsprogramme Neben einer Weiterentwicklung des Basis-Gütesiegels soll auch das bestehende Modul „Mehr Tierwohl“ entsprechend den Bedürfnissen des Marktes weiterentwickelt werden. Der VÖS schlägt hier ein dreistufiges AMA-Gütesiegel vor: das Basis-Gütesiegel, eine erste Tierwohlstufe (entsprechend ÖPUL „Stallhaltung“) und eine neue zweite Tierwohlstufe darüber. Die zweite Tierwohlstufe ist als Premium-Stufe zu verstehen, in der eine Vielzahl an kostenintensiven Forderungen (Langschwanz, Kastration unter Narkose, doppelt so viel Platz, …) durch einen attraktiven Aufschlag umgesetzt werden sollen. Diese Einteilung des Gütesiegels in drei Stufen soll als Leitfaden für bestehende Qualitätsprogramme dienen, und dem Wunsch der Konsumenten nach mehr Transparenz in Fragen der Haltung entgegenkommen!

Weiterentwicklung nur gemeinsam möglich Abschließend möchte ich noch festhalten, dass neben der Umsetzbarkeit am Markt auch die Forschung für jede Weiterentwicklung wichtig ist. Insbesondere das Projekt IBeSt („Innovationen für bestehende Ställe in Aufzucht und Mast“) soll noch dieses Jahr beginnen, umsetzbare Lösungen für Tierwohl-Forderungen zu erforschen. Wenn die österreichische Schweinebranche mit der Politik, den MarktteilnehmerInnen und der Forschung gemeinsam an einem Strang zieht, sind nachhaltige Weiterentwicklungen bestimmt möglich!

Michael Klaffenböck VÖS-Geschäftsführer

Verlustersatz & LeserInnenbefragung

Die österreichischen Schweinebauern und – bäuerinnen waren von den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie schwer betroffen und mussten insbesondere im vergangenen Jahr enorme Marktverwerfungen hinnehmen. Deshalb wurde vom Landwirtschaftsministerium unter intensiver Mitarbeit des VÖS ein Verlustersatz-Paket geschnürt, um den schweinehaltenden Betrieben die entstandenen Verluste teilweise abzugelten. Lassen Sie hier kein Geld liegen und beantragen Sie noch bis 15. Juni den Verlustersatz im eAMA! Das VÖS-Magazin ist seit 1997 mit einer aktuellen Auflage von über 20.000 Stück das etablierte Fachmagazin für Schweineproduktion in Österreich. Das Magazin erscheint viermal im Jahr mit dem Ziel, schweinhaltende LandwirtInnen und allen interessierten Personen mit einem breiten Spektrum an Fachbeiträgen zu informieren. LeserInnen des VÖSMagazins erhalten immer alle Informationen über aktuelle Entwicklungen in der Branche aus erster Hand! Wir sind stetig bestrebt, die hohe Qualität des Magazins zu erhalten und sogar noch zu verbessern. Deshalb wenden wir uns jetzt mit einer LeserInnenbefragung direkt an Sie! Wir möchten wissen, welche Beiträge und Themengebiete Sie besonders interessieren und wo Sie im VÖS-Magazin noch Verbesserungsbedarf sehen. Ihre Teilnahme an dieser Umfrage ermöglicht es uns, den hohen Qualitätsanspruch auch in Zukunft aufrecht zu erhalten. Sie finden die Umfrage auf unserer Website www.schweine.at bzw. direkt über den untenstehenden QR-Code. Ihre Unterstützung zahlt sich auch aus – denn unter allen TeilnehmerInnen der Befragung verlosen wir fünf Gutscheine im Wert von je € 100,- für den Zubehörshop der PIG Austria GmbH!

2-2021 | Leitartikel | Kommentar | 5


Im Interview: Dr. Gottfried Schoder Leiter des Tiergesundheitsdienstes in OÖ Dr. Gottfried Schoder absolvierte ein Studium der Veterinärmedizin mit anschließender vierjähriger Assistenz an der Rinder- und Schweineklinik. Seit 1994 ist er beim Land Oberösterreich im Tiergesundheitsdienst tätig. Im Jahr 2003 übernahm Dr. Schoder die Geschäftsführung des Oberösterreichischen Tiergesundheitsdienstes sowie die Leitung der Arbeitsgruppe Schwein. Seit dem Jahr 2014 ist er außerdem Bundeskoordinator der Tiergesundheitsdienste Österreichs. Aktuell ist in Österreich in jedem Bundesland (ausgenommen Wien) ein Tiergesundheitsdienst (TGD) eingerichtet. Seit März 2021 ist die Schaffung des Österreichischen Tiergesundheitsdienstes (ÖTGD) als bundesweite Dachorganisation für die Länder-TGD beschlossene Sache. Diese Neuerung bringt eine Reihe an strukturellen und organisatorischen Änderungen mit sich. Dr. Gottfried Schoder gewährt einen Einblick in seine Tätigkeit und seine zukünftige Funktion im ÖTGD.

Dr. Gottfried Schoder Geschäftsführer d. OÖ Tiergesundheitsdienstes Leiter der Arbeitsgruppe Schwein Foto: Schoder

Als übergeordnete Ziele der TGD sind die Beratung landwirtschaftlicher TierhalterInnen und die Betreuung von Tierbeständen zur Minimierung des Einsatzes von Tierarzneimitteln und der haltungsbedingten Beeinträchtigungen innerhalb der tierischen Produktion definiert. Welche Aufgaben umfasst Ihre aktuelle Tätigkeit als Leiter der Arbeitsgruppe Schwein? Die TGD Arbeitsgruppe Schwein wurde im Jahre 2003 eingerichtet, um die laufenden Herausforderungen im Bereich Tiergesundheit, Tierschutz, Tierarzneimitteleinsatz und Lebensmittelsicherheit aufzugreifen und Lösungen zur praktischen Umsetzung auszuarbeiten. Meine Aufgabe in der Arbeitsgruppe ist es, gemeinsam mit den betroffenen TierhalterInnen, TierärztInnen, der Wissenschaft, der Wirtschaft und den Interessensvertretungen Antworten zu finden. TGD Programme sind dabei ein wichtiges Instrument, wo nach einheitlichen Vorgaben verschiedene Fragestellungen transparent und nachvollziehbar gelöst werden können. Ein

6 | Interview | 2-2021

weiterer Schwerpunkt liegt in der Wissensvermittlung. Mit Hilfe von Weiterbildungsmaßnahmen, Broschüren, etc. wird der aktuelle Stand der Wissenschaft und gesetzlichen Vorgaben vermittelt. Das Wissen um die Vorgaben und Möglichkeiten der Fehlervermeidung hilft tiergesundheitliche und ökonomische Ziele zu erreichen. Der zukünftige ÖTGD soll als Dachorganisation für die bestehenden Länderorganisationen dienen. Dabei sind Entscheidungen im Ausgleich zw. Landwirtschaft und Tierärzteschaft herzustellen. Bitte beschreiben sie kurz den strukturellen Aufbau des zukünftigen ÖTGD. Mit dem ÖTGD wird den bestehenden Tiergesundheitsdiensten ein „Dach über den Kopf“ gegeben. Welche Vorteile eine zentrale Koordinationsstelle hat, kann man beim bundesweit tätigen Geflügelgesundheitsdienst (Anm.: Qualitätsgeflügelvereinigung – QGV) sehen. Die Länder-TGD werden in der bestehenden Form weitergeführt und spielen als verlängerte Arme des ÖTGD bei der Umsetzung von bundesweiten Maßnahmen eine


wichtige Rolle. Länderspezifische Fragestellungen (Tiergesundheit auf Almen, regionale Problemstellungen, etc.) können weiter über die Länder-TGD bearbeitet werden. Die neue Struktur soll auch den einzelnen Branchen mehr Eigenständigkeit und Mitspracherecht bringen. Die derzeitigen Arbeitsgruppen werden durch TGD-Ausschüsse ersetzt. Bei der personellen Zusammensetzung der TGD-Ausschüsse ist die ganze Produktionskette zu berücksichtigen. Sofern Beschlüsse der TGD-Ausschüsse nicht gegen Ziele und Qualitätsansprüche des ÖTGD widersprechen, sind sie in weiterer Folge verbindlich umzusetzen. Die praktische Umsetzung der Maßnahmen auf den Betrieben wird wie bisher in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen TierhalterInnen und TierärztInnen erfolgen. Dieses Modell hat sich in den letzten 18 Jahren sehr bewährt und soll auch beibehalten werden. Bereits seit März 2021 ist die Etablierung eines österreichweiten TGDs beschlossene Sache. Welche Gedanken und Ideen stecken hinter dieser strukturellen Änderung? Der ÖTGD ist eine Organisation, in der LandwirtInnen, TierärztInnen und Wirtschaftsbeteiligte gemeinsam Ziele definieren und an Lösungen arbeiten. Mit dieser Organisation soll das gegenseitige Verständnis gestärkt werden, um vernünftige Antworten auf die zukünftigen Themen zu bekommen. Eine der ersten Aufgaben wird es sein, bei der Umsetzung des europäischen Tiergesundheits- und Tierarzneimittelrechts mitzuarbeiten und Angebote zu schaffen.

Ein weiterer Gedanke bei der Etablierung der neuen Struktur war auch die Förderfähigkeit im Bereich der Tiergesundheitsdienste sicherzustellen. Länder-TGD können auf Grund der föderalen Struktur keine EU und Bundesförderung in Anspruch nehmen. Daher war es naheliegend eine Bundesstelle zu etablieren, die in Zukunft dies ermöglichen soll. Worin bestehen Ihrer Meinung nach aktuell die größten Herausforderungen im Bereich Schweinegesundheit? Welche Verbesserungen sind durch die Schaffung des ÖTGDs insbesondere für Schweinebauern und –bäuerinnen zu erwarten? Die größten Herausforderungen liegen im Bereich der Haltung (Vollspalten, etc.), der Eingriffe (Schwanzkupieren, Kastration, etc.) sowie des Antibiotikaeinsatzes. Um der öffentlichen Meinung etwas entgegensetzen zu können, braucht es Transparenz und eine gute Datengrundlage. Hier kann der ÖTGD mit Hilfe von Programmen und Projekten unterstützend wirken. Wenn man etwas macht und es erklären kann, warum man es macht, kann es auch verstanden werden. Besonders bei Themen, wo es um die Tiergesundheit geht (Antibiotikaeinsatz, Schwanzkupieren), kann der ÖTGD einerseits über eine gute Datenlage sowie andererseits über Maßnahmen (Weiterbildung, Diagnostik, etc.) Hilfestellung geben. Gerade im Bereich der Datenlage gibt es Defizite, die zu beseitigen sind. Die Etablierung einer Tiergesundheitsdatenbank soll hier Abhilfe schaffen. Dabei soll nicht eine neue Datenbank entstehen, sondern eine Vernetzung mit bestehenden Datenbanken geschaffen werden. Das dabei der Datenschutz eine zentrale Rolle spielt, ist selbstverständlich.

Nach aktuellen Stufenplan zur Etablierung des ÖTGD wird vor allem auf Sparsamkeit und Effizienz gesetzt. Sowohl die Nutzung bestehender Fachkompetenzen und bestehender Ressourcen (Know-how/Personal) sind darin vorgesehen. Wie sehen Sie den Stand der Entwicklung in fünf Jahren? Ich hoffe, dass sich der ÖTGD in fünf Jahren gut etabliert hat und zu einer Institution geworden ist, die man nicht mehr vermissen möchte. Die Abläufe werden sich gefestigt und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des ÖTGD vertieft haben. So wie mit der Etablierung der Tiergesundheitsdienste vieles erreicht werden konnte, so braucht es jetzt den nächsten Schritt, um weiter erfolgreich sein zu können. Aus meiner Sicht gibt es keine Alternative dazu, denn in der Zusammenarbeit liegt die Stärke. Ich vertraue darauf, dass die handelnden Personen sich dessen bewusst sind.

Besonders bei Themen, wo es um die Tiergesundheit geht (Antibiotikaeinsatz, Schwanzkupieren), kann der ÖTGD über eine gute Datenlage sowie über Maßnahmen wie Weiterbildung und Diagnostik Hilfestellung geben. Foto: Fraukoeppl 2-2021 | Interview | 7


Außer-Haus-Verzehr startet durch und belebt Schweinemarkt Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse Foto: FRAUKOEPPL

Die Preise im Sommer sollten passen, weil Gastronomie, Hotellerie und hoffentlich auch die „Festl-Szene“ für kräftige Nachfrage sorgen werden. Aber viele Fragezeichen am Weltmarkt bleiben bestehen und erschweren die Markteinschätzung für einen längeren Zeitraum. Längerfristige Prognosen immer schwieriger Die Einflussfaktoren auf das Geschehen am Schweinemarkt waren noch nie so vielfältig wie aktuell. Die Erstellung von kurz- und mittelfristigen Prognosen ist in der Konsequenz so komplex und zugleich unsicher wie nie zuvor. Mit der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Europa und Asien und der globalen COVID-Pandemie haben sich zu den bis vor wenigen Jahren gut bekannten angebots- und nachfragebeeinflussenden Faktoren zwei zurzeit alles überragende Schwergewichte in der Marktbeeinflussung dazugesellt. Trotz aller erschwerten Bedingungen wird natürlich auf Marktexpertenebene versucht, die Zukunft ein wenig vorhersehbar zu machen und ein gewisses Mindestmaß an Erwartbarkeit darzustellen. Zumindest für heuer schaut es unter dem Strich nicht schlecht aus.

Drittlandexport ist ausschlaggebend Noch am besten einschätzbar ist die Angebotsseite. Die EU-weit routinemäßige Erfassung der Schweinebestände, differenziert nach Kategorien zeigt, dass in der EU nicht mehr aber auch nicht weniger produziert wird. Massive Rückgänge von bis zu 10 % verzeichnet unter anderem Deutschland, während Länder wie Dänemark und Spanien mit Zuwächsen dieses Minus wieder egalisieren. In Österreich rechnen wir mit einem leichten Minus von ca. 1 %. Insgesamt bleibt damit die Abhängigkeit des Binnenmarktes vom Drittlandexport hoch und dessen Entwicklung auschlaggebend. Bei einem Eigenversorgungsgrad von ca. 120 % muss nämlich jedes sechste Schwein die EU verlassen. Und 80 % dieser Drittlandexport-Schweine finden ihren Bestimmungsort in Asien. Gut 60 % gehen nach China, den Rest teilen sich Hongkong, Japan, Philippinen und Südkorea etwa zu gleichen Teilen.

8 | Markt | 2-2021

Schwer einschätzbares China China spielt also das Zünglein an der Waage des Weltschweinemarktes. Noch relativ sicher erscheint, dass das ASP-gebeutelte China auch 2021 einen sehr hohen Importbedarf haben wird, zwischen 4 und 5 Millionen Tonnen Schweinefleisch, nur geringfügig weniger als letztes Jahr. Diese Einschätzung einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie deckt sich auch mit unserer Erfahrung in Österreich. Unsere fünf Chinaexportbetriebe sind gut im Geschäft und verladen bis zu 10 % der österreichischen Produktion in Hochseecontainer Richtung Asien. In der angesprochenen EU-Studie klingt auch der mittelfristige Ausblick in Sachen Chinaexport verheißungsvoll. Demnach dürfte der Politplan aus Peking, wonach man im Laufe des Jahres 2021 wieder auf das Niveau vor ASP zurückkehren wird, deutlich verfehlt werden. GIRA, das englische Institut, das die Studie durchgeführt hat, rechnet eher damit, dass es noch weitere Jahre dauern wird, bis sich China von ASP erholt haben wird.

ASP-Seuchenfreiheit – wertvoll wie nie zuvor ASP bleibt aber auch in der EU, insbesondere auch in Österreich, das größte Fragezeichen und Fluch und Segen zugleich. Wer sauber bleibt, hat Exportzugang zum asiatischen Markt und profitiert. Wer Ausbrüche verzeichnet, egal ob bei Wild- oder Hausschweinen, verliert. Es bleibt nur der Export innerhalb der EU und der gelingt nur mit Dumpingpreisen. Deutsche Schweinebauern mit 20-25 Cent Mindererlöse je kg Schlachtgewicht im Vergleich zu Österreich können aktuell ein Lied davon singen.


Mit dem Rüssel in Brüssel COPA-Kampf gegen unrealistische Tierwohlziele der EU-Kommission Der europaweite Druck auf die Landwirtschaft in Sachen Tier- und Umweltschutz steigt enorm. Ausgehend vom Pariser Klimaabkommen hat die Kommission für die neue GAP den sogenannten „Green Deal“ ausgerufen, was mit der begleitenden Farm-to-Fork-Strategie zu radikalen Veränderungen in der europäischen Landwirtschaft führen soll. Die Schweinehaltung ist von diesen Plänen stark d. h. doppelt betroffen. Machbare Schritte und zumutbares Tempo Die große Herausforderung der europäischen Agrarvertretung COPA ist es nun, die Kommission von überzogenen Plänen abzubringen und eine machbare Weiterentwicklung zu realisieren. Die COPA-Arbeitsgruppe Schwein fokussiert ihre Arbeit aktuell auf den Bereich Tierwohl. Dabei stehen die bekannten drei K´s (Kastenstand, Kastration und Kupieren) im Zentrum der Arbeit. Allen ist klar, dass das Verbot des routinemäßigen Schwanzkupierens der mit Abstand schwergewichtigste Themenbereich für die Schweinehalter ist und die mit Abstand größte Herausforderung darstellt. In einem jüngst in der ARGE Schwein verabschiedeten Papier wurde die gemeinsame Position zusammengefasst, die als Leitlinien für Verhandlungen mit der EU-Kommission dienen.

Positionspapier mit klaren Forderungen zum Schwanzkupieren Es ist bekannt, dass Schwanzbeißen als abnormales Verhalten bei Schweinen auftritt, sowohl in Bio, Freiland und konventionellen Haltungsformen. Der Schmerz beim Kupieren der Ferkelschwänzchen steht nicht in Relation zu den Konsequenzen, die bei Schwanzbeißen entstehen. Neben den Schmerzen für die betroffenen Tiere entsteht ein hohes Infektionsrisiko im Schwanz, welches zu Abszessen in anderen Körperteilen führt, was in der Folge zum Verwerfen von ganzen Schlachtkörpern oder Teilen am Schlachtbetrieb führt und die Lebensmittelqualität beeinträchtigen kann. Es ist unstrittig, dass das Auftreten von Schwanzbeißen bei intakten Schwänzen signifikant höher ist als bei teilkupierten Schwänzen. Eine Studie in Portugal hat gezeigt, dass 68,8 % der intakten Schwänze im Laufe des Lebens mit mindestens einer Verletzung konfrontiert waren. In der Vergleichsgruppe der teilweise kupierten Schwänze war das Problem nur sehr gering. Dann wurde versucht, für Besatzdichte, Beschäftigungsmaterial, Klima, Gesundheit, Futter und Genetik sowie Trinkwasserversorgung Idealbedingungen zu schaffen und trotzdem gab es bei 9,7 % der Schweine das Problem des Schwanzbeißens. Wir wissen also, dass das Problem des Schwanzbeißens ein komple-

xes multifaktorielles Problem darstellt und den Landwirten bis heute kein einziges zuverlässiges Lösungsmodel vorliegt, das sie anwenden könnten.

Hilferuf an Forschung Und dies, obwohl europaweit in vielen umfangreichen Forschungstätigkeiten versucht wurde, für die Praxis zuverlässige Lösungen zu entwickeln. Daher braucht es noch mehr Forschung, d. h. nationale Forschungsfarmen sollten beauftragt werden, um in Zusammenarbeit mit der Praxis einen entsprechenden Fortschritt zu erzielen. Es sollte Licht ins Dunkel gebracht und die verschiedenen Umstände, die Schwanzbeißen auslösen, erforscht werden, um robuste Maßnahmen dagegen zu entwickeln. Auch Landwirte, sogenannte Pionierlandwirte, sollten auf freiwilliger Basis an diesen Forschungsprojekten mitwirken können. Die EU-Kommission hat sich bereits verstärkt darauf konzentriert Wege zur Durchsetzung der Reduzierung des routinemäßigen Kupierens zu finden und nationale Aktionspläne sind in vielen Mitgliedsstaaten am Laufen. Weiters war das Verbot des Kupierens bei vielen Tierwohlprogrammen vorgeschrieben. Leider zeigt die Erfahrung, dass die zusätzlichen Kosten, die durch intensivere Betreuung, zusätzliches Beschäftigungsmaterial, Veterinärbehandlungen aber auch Ausschuss von Schlachtkörpern anfallen, den Landwirten nicht fair abgegolten werden. Daher war es schwierig, die Anzahl der mit intakt gehaltenen Schwänze zu erhöhen, obwohl dies viele Landwirte ernsthaft versuchten. Als COPA haben wir zwei verschiedene Umfragen bei unseren Landwirten durchgeführt, zum einen in Finnland und Schweden, das sind die beiden einzigen Länder der EU, in denen Schwanzkupieren gesetzlich verboten ist, sowie bei allen anderen, in denen Ausnahmeregelungen für das Kupieren bestehen.

Zwei Länder mit fraglicher Vorbildwirkung In Schweden und Finnland zeigte sich, dass nur in 80 % der Betriebe weniger als 2 % Schwanzbeißen auftrat. Dieses Ergebnis konnte hauptsächlich durch Veränderung bei der Fütterung, Abstocken des Bestandes/der Be-

standsdichte sowie mehr Beschäftigungsmaterial erreicht werden. Dabei wurde Stroh als Einstreu verwendet, was in der Konsequenz deutlich erhöhte Produktionskosten verursachte. In der zweiten Umfrage, in der mehr als 1.800 Landwirte aus ganz Europa teilnahmen, zeigt sich, dass bei 81 % der Bestände die Schwänze kupiert werden. In der Gruppe der Landwirte, die zumindest teilweise Schweine mit ganzen Schwänzen halten, wird mit ähnlichen Mitteln wie in Finnland und Schweden versucht, das Problem in den Griff zu bekommen. Auch hier sind die erhöhten Produktionskosten das Hauptproblem. In der Befragung zeigt sich weiters, dass die größte Angst vor einem Ausbruch des Schwanzbeißens mit enormen Auswirkungen auf Tierschutz das mit Abstand wichtigste Motiv für das Schwanzkupieren darstellt.

Auch die Kommission hat Tierwohlverantwortung Daher fordern wir die Kommission auf, neben den bisher gesetzten Maßnahmen hinsichtlich nationaler Aktionspläne für den Schutz von Schweinen in Bezug auf reduziertes Schwanzkupieren weitere Punkte festzulegen. Forschungsarbeit unter Einbindung von Pionierbauern, die für ihren Aufwand entsprechend entschädigt werden, um über einen längeren definierten Zeitraum festzustellen, ob Maßnahmen praktikabel und sinnvoll sind. Wir sind jedenfalls bereit, den Bedarf an sogenannten Pionierbauerngruppen bereitzustellen. Diese Forschungsprojekte sollten in allen Ländern, in denen noch Schwanzkupieren weitgehend routinemäßig erfolgt, durchgeführt werden. Weiters müssen die Stakeholder der gesamten Wertschöpfungskette eingebunden werden und die Bewusstseinsbildung für alle Beteiligten ist voranzutreiben. Bei Umsetzungsschritten ist die Gewährleistung gleicher Wettbewerbsbedingungen national aber auch am Binnenmarkt sicherzustellen. Abschließend muss auch das Modell der Entwicklung von Marktanreizen für die Aufzucht von Schweinen mit intakten Schwänzen mitbedacht werden. Dr. Johann Schlederer 2-2021 | Mit dem Rüssel in Brüssel | 9


TGD-Exportprogramm Chinaexport – Das „meist unterschätzte“ Programm China ist in vielen Bereichen der Wirtschaft eine Weltmacht geworden. Mit ca. 1,4 Milliarden Einwohnern muss die bevölkerungsreichste Volkswirtschaft der Welt gut dreimal so viele Menschen mit Nahrungsmittel versorgen wie die EU. Eine maßgebliche Rolle dabei spielt Schweinefleisch, wodurch China etwa die Hälfte des weltweiten Schweinebedarfes zu verzeichnen hat. Während man bis zum Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) 2018 diesen Bedarf weitgehend selber decken konnte, vernichtete die ASP mehr als 1/3 des Schweinebestandes und der Schweinefleisch-Eigenproduktion. Seither saugt China Schweinefleisch vom Weltmarkt ab, wovon alle Länder profitieren, die einen Zugang zum chinesischen Markt haben.

Begehrte Lizenz Nach umfassenden Verhandlungen und Formalitäten auf höchster staatspolitischer Ebene gehört seit drei Jahren auch Österreich mit fünf zugelassenen Schlachtbetrieben zu diesem erlesenen Kreis von ca. zehn europäischen Ländern. Warum diese Lizenz zum Chinaexport so begehrenswert ist zeigt der Preisvergleich bei Ländern die aufgrund eines ASP-Ausbruches seitens Peking von der Liste der zugelassenen Länder gestrichen wurden. Zwei Beispiele dafür sind Belgien und Deutschland. In beiden Ländern zeigt eine längerfristige Analyse, dass mindestens € 20,- je Schlachtschwein an Preiseinbuße hinzunehmen sind. Übertragen auf Österreich würde eine Abnabelung vom asiatischen Markt einen jährlichen Schaden von ca. 100 Millionen Euro allein für die heimischen Schweinebauern bedeuten. Allein 2020 wurden rund 54.000 Tonnen Schweinefleisch und Schweineinnereien aus Österreich nach Asien exportiert. D. h. gut 10 % des von heimischen Schweinebauern produzierten Schlachtkörpergewichtes findet seinen Bestimmungsort in den asiatischen Ländern.

Fünf Betriebe machen´s möglich Dieses Absatzventil bedienen fünf heimische Schlachtbetriebe: Die Fa. Großfurtner in OÖ, die Fa. Marcher, die Fa. Steirerfleisch und Jöbstl sowie die Fa. Raabtal. Zwei weitere 10 | Exportprogramm | 2-2021

Betriebe Higelsberger in Schwertberg sowie Dachsberger könnten demnächst dazustoßen. Sie zählen in Summe zu den namhaftesten Schlachtunternehmen Österreichs, decken gemeinsam einen Marktanteil von ca. 50 % ab und sind gleichzeitig die maßgeblichen Preisverhandler Woche für Woche an unserer Schweinebörse. So spüren wir permanent, ob das Asienventil mehr oder weniger attraktiv genutzt werden kann und der Bedarf an schlachtreifen Schweinen positiv beeinflusst wird. Daher haben wir die Möglichkeit, an der Schweinebörse den gerechten Anteil eines attraktiven Asiengeschäftes auch für die heimischen Schweinebauern herauszuholen.

Neue Lizenz macht auch Export von Nebenprodukten möglich Während in den letzten drei Jahren nur grob zerlegte Teilstücke nach China exportiert werden durften, bemühen wir uns seit Anfang 2020 auch um die Erlaubnis für den Export von Kopffleisch, Haxl, Innereien und Schwänzen nach China. Damit man alle Teile vom Schwein liefern kann, bedarf es der Erfüllung aller Bedingungen im sogenannten Chinaprotokoll 2. Weil Innereien und Nebenprodukte aus lebensmittelhygienischer und seuchentechnischer Sicht „heiklere Artikel“ sind, werden diesbezüglich nun höhere Biosicherheitsmaßnahmen gefordert. Demzufolge haben wir mit dem Österreichischen Tiergesundheitsdienst federführend namentlich mit Herrn Dr. Schoder ein für alle beteiligten Betriebe praktikables Konzept entwickelt.

Möglichst alle sollen mitmachen, es kostet nichts! Während beim bisherigen Verfahren, dem sogenannten Protokoll 1, der Landwirt alleine die Freiheit von klinischen Erscheinungen diverser Krankheiten der gelieferten Schweine am Lieferschein bestätigen musste, braucht es für Protokoll 2 die offizielle Einbindung des TGD, in unserem Fall des TGD-Betreuungstierarztes. Daher empfehlen wir allen Schweinehaltungsbetrieben die zu den angeführten Schlachtbetrieben ihre Schweine liefern, sei dies dauerhaft oder fallweise, sich in Sachen Chinaexportprogramm mit dem bereits informierten Betreuungstierarzt in Verbindung zu setzen. Wir erwarten bzw. hoffen, dass in

den nächsten Monaten der Startschuss für die Protokoll 2 Exportmöglichkeit möglich wird. Dies hängt von der endgültigen Zulassung durch die chinesischen Behörden ab (Verfahren ist im Gange). Ab diesem Zeitpunkt sollten die betreffenden Landwirte bereits die Bescheinigung des TGD-Tierarztes als Teilnehmer am TGD-Exportprogramm erledigt haben.

PRRS-Impfen vor der Mast! Während das Freisein von klinischen Erscheinungen der schon bisher definierten Krankheiten weiter relevant bleibt, ist dem Thema PRRS-Impfung neue Aufmerksamkeit zu widmen. Der TGD-Tierarzt hat nämlich zu bestätigen, dass, sofern es einer PRRS-Impfung bedarf, diese nicht im Bereich der Schweinemast erfolgen darf. Ferkelzukauf-Mäster sollen demnach umgehend mit dem Ferkellieferanten bzw. Ferkel-EZG in Verbindung treten und diese Vorgabe abklären. Für geschlossene Zucht-/Mastbetriebe gilt ebenfalls, dass allfällige PRRS-Impfmaßnahmen vor der Stalltür des Mastabteils zu erfolgen haben. Die Abklärung der Exportprogrammpunkte mit dem TGD-Tierarzt kann im Rahmen einer routinemäßigen TGD-Visite abgehalten werden, die Extrakosten für diese Maßnahme wird seitens der Exportschlachtbetriebe getragen und direkt über den TGD und den Tierärzten verrechnet. Somit entstehen für den Landwirt keinerlei finanziellen Mehrbelastungen.

TGD-Zentrale und ÖFK verwalten Daten Bei entsprechend positiver Bewertung der Teilnahme am TGD-Exportprogramm ist der TGD-Tierarzt verpflichtet diesen Status an die TGD-Zentrale zu melden, welche sich wiederrum verpflichtet, den Status an die ÖFK-Datenbank weiterzuleiten. Dies ist nämlich eine weitere Vorgabe der chinesischen Behörden, dass eine nationale Datenbank zu führen ist, die eine statistische Auswertung über Zuund Abgänge und Anzahl der TGD zugelassenen Betriebe ermöglicht. Dr. Johann Schlederer


Vertrauen in Markt und Planungssicherheit gewinnen Zu Beginn des Jahres war wohl kaum denkbar, dass sich die Ferkelnotierung in der Kalenderwoche 21 bei 2,80 € Basispreis befinden wird. Eine Erholung war vorausgesagt, aber dass es nach zähem Start so schnell geht, ist sehr erfreulich und notwendig. Zwar liegt die Durchschnittsnotierung aktuell bei 2,43 € gegenüber dem (außergewöhnlichen) Vorjahr um ca. 60 Cent zurück, ist aber dennoch annähernd im Schnitt der letzten zehn Jahre. Wie jedes Jahr war der Ferkelmarkt bis in den Mai hinein von relativ ausgeglichenen Angebots- und Nachfrageverhältnissen gekennzeichnet. Und wie jedes Jahr um diese Zeit beginnt das Ferkelangebot nach dem Maisanbau zu steigen und die Vermarktung wird schwieriger. Derzeit nimmt in Diskussionen die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten breiten Raum ein. Dem Ansteigen der Rohstoffe folgen unsere Produkte wie üblich zeitversetzt. Bei den aktuellen Trockenmaispreisen wäre es natürlich gut, solchen verkaufen zu können, nur ist der eben kaum vorhanden. Die Nassmaispreise scheinen auch jeden Tag zu steigen. Wenn man aber konkret um Kontrakte fragt, bekommt man kaum konkrete Aussagen. Ein bisschen erinnert die Situation an den Herbst des vergangenen Jahres, wo die Ankaufspreise eben in eine andere Richtung tendierten und die Meldungen - wenn auch mit negativen Vorzeichen - ähnlich waren. Für die Schweinewirtschaft sind höhere Rohstoffpreise nicht unbedingt die schlechteste Ausgangslage für bessere Erlöse, da die Notierungen in Europa maßgeblich von den schweinestarken Ländern im Norden bestimmt werden; diese haben einen sehr hohen Anteil an Fertigfutter und daher beginnen neben den Ferkelpreisen aktuell auch die Mastschweinepreise zu steigen. Diese Entwicklung ist auch in Deutschland trotz der Afrikanische Schweinepest zu beobachten.

den Haltungsanforderungen 2033 eine große Herausforderung, um auch weiterhin die heimischen Mastbetriebe mit Ferkeln versorgen zu können. Nach der Vorstellung eines Masterplanes für die Weiterentwicklung des AMAGütesiegels hat sich der VÖS-Ferkelausschuss nicht zum ersten Mal intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Die präsentierten Änderungen beim Platzbedarf für Mastschweine stellen für das eingespielte Mengengerüst in der Ferkelvermittlung eine große Herausforderung dar, da zu erwarten ist, dass die Abnahmemengen sinken werden und dies gerade zu den schwierigen Zeiten in der Vermarktung zu ernsthaften Schwierigkeiten führen kann. Prinzipiell besteht Konsens darüber, dass eine Einbindung der Ferkelstufe unter folgenden Aspekten erfolgen kann: • Die Teilnahme am Programm muss freiwillig erfolgen. • Eine gesonderte Ausweisung von „AMAGütesiegelferkeln“ muss unterbleiben • Der Betrieb muss am Tiergesundheitsdienst teilnehmen • Der gehobene Förderstand für Neubauten ist einzuhalten Neben der finanziellen Abgeltung von Mehrleistungen muss auch die Aufrechterhaltung des Mengenflusses berücksichtigt werden, da miteinander gewachsene Partnerschaften von Ferkelerzeugern und Mästern kurzfristig nicht so leicht neu ausgerichtet werden können.

Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss Foto: Styriabrid

Ausblick Das Vertrauen in den Markt und die Motivation durch gute Erlösmöglichkeiten sind die Grundvoraussetzung für die Schweineproduktion. Ständig wechselnde Rahmenbedingungen mit kurzen Anpassungszeiträumen und die ständigen Diskussionen darüber sind wenig hilfreich. Daher wird im VÖS alles daran gesetzt für die Mitgliedsbetriebe weitgehende Planungssicherheit zu erreichen um nicht durch ständige neue Themenfelder den Betrieben die Perspektive zu nehmen. Mit der Neuausrichtung der Förderrichtlinien wurde der Weg für die Schweinehaltung in den nächsten Jahren aufgezeigt. Genauso wichtig ist es aber, bestehende Stallungen zu erhalten und möglichst viele Betriebe auch für die Zukunft zu erhalten. Positiv sei zum Schluss auch angemerkt, dass die Sparte Schweinhaltung maßgeblichen Teilen der Politik und den Verantwortlichen in den Ministerien nicht egal ist – die großartige Unterstützung durch den Verlustersatz für indirekt betroffenen Betriebe hat das wieder einmal eindrucksvoll gezeigt.

Einbindung der Ferkelstufe in das AMA-Gütesiegel Mit dem „Tierschutzvolksbegehren“ hat auch die Diskussion über die Haltung von Schweinen eine gewisse Dynamik bekommen auf die wir gerne verzichtet hätten. Für mich hat es beinahe den Anschein, dass es neben der Pandemie auch bei der Schweinehaltung einen Hotspot gibt, der besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Wenn es eine Strategie diverser Gruppierungen sein sollte, die Schweinproduzenten zu verunsichern, ist das durchaus gelungen. Man vergisst dabei, dass wir uns sowieso in einer ständigen Weiterentwicklung befinden. Speziell die Ferkelproduktion erwartet wegen der gravierenden Umstellung in

Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2018 bis 2021. Quelle: Bäck 2-2021 | Ferkelmarkt | 11


Recht & Politik

Ende des routinemäßigen Schwanzkupierens Eine der größten Herausforderungen für alle SchweinehalterInnen in der EU

DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Aktuelle Situation bei der Umsetzung eines heimischen Aktionsplanes Seit geraumer Zeit liegt ein fertig ausgestalteter heimischer Aktionsplan zum Schwanzkupieren im Gesundheitsministerium und wartet auf die Veröffentlichung. Dieses Konzept wurde in den letzten zwei Jahren in einer vom Gesundheitsministerium eingesetzten und breit aufgestellten Arbeitsgruppe erarbeitet und regelmäßig mit den zuständigen Fachstellen im Ministerium abgestimmt. Noch vor Beginn der Erstellung dieses Aktionsplanes hat man sich darauf geeinigt, sich am bereits vorhandenen Aktionsplan Deutschlands zu orientieren und diesen an österreichische Strukturverhältnisse anzupassen. Umso überraschender ist nun, dass bereits außer Streit gestellte Inhalte knapp vor Veröffentlichung auf politischem Druck wieder geändert werden sollen. Ganz konkret geht es um die Frage, ob bereits mit Beginn des Aktionsplanes alle schweinehaltenden Betriebe eine gewisse Anzahl Tiere mit Langschwanz halten müssen. Vereinbart war aber, so wie in Deutschland auch gehandhabt, eine Freiwilligkeit bei jenen Betrieben, die bei der Durchführung der Risikoanalyse und der Tierhaltererklärung eine Verletzungsquote bei Schwänzen und Ohren von über 2 % feststellen.

Warum ist ein Aktionsplan zum Schwanzkupieren notwendig? Mit der Aufforderung der EU-Kommission an die Regierungen der Mitgliedsländer das routinemäßige Schwanzkupieren in der Schweinehaltung zu beenden, stehen die europäischen Schweinehalter und die gesamte Branche vor einer der größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. So auch die 12 | Recht & Politik | 2-2021

heimischen Bäuerinnen und Bauern. Die Herausforderung ist umso größer, wenn man weiß, dass es aktuell keine allgemein gültigen Antworten für die betroffenen BetriebsleiterInnen gibt, wie ein Haltungsverfahren in der konventionellen Schweinehaltung aussehen soll, um mit Langschwanztieren produktionssicher arbeiten zu können. Damit wird man auch in der nächst überschaubaren Zeit nicht ohne Schwanzkupieren auskommen können, um Tierleid während der Aufzucht und Mast zu verhindern. In dieser Phase muss aber bereits die derzeitige Routinemäßigkeit des Eingriffes durch eine einzelbetriebliche Feststellung der Unerlässlichkeit des Schwanzkupierens ersetzt werden. Zusätzlich sind auf der Basis einer regelmäßig durchzuführenden standardisierten Risikobewertung der sieben Einflussfaktoren für das Auftreten von Schwanz- und Ohrenverletzungen zukünftig alle Schweinehalter nicht nur verpflichtet ihre Haltungsbedingungen zu beurteilen, sondern müssen auf der Grundlage dieser Ergebnisse auch Verbesserungen bei diesen Risikofaktoren definieren und umsetzen: • Tierbeobachtung und Maßnahmen • Beschäftigungsangebot • Stallklima • Gesundheit • Wettbewerb um Ressourcen • Ernährung • Struktur und Sauberkeit der Bucht Schrittweise muss es und wird es dadurch gelingen den Anteil der Langschwanzferkel zu erhöhen.

den Betrieben in Nieder- und Oberösterreich sowie in der Steiermark ausgetestet und die Erfahrungen und Rückmeldungen der Bäuerinnen und Bauern evaluiert. In den Fortbildungsprogrammen der Landes-Landwirtschaftskammern sind für die Bildungsperiode 2021/2022 eigene Bildungsprodukte für eine rasche und bestmögliche flächendeckende Umsetzung des „Aktionsplanes Schwanzkupieren“ geschaffen worden. Aktuell wird seitens der Offizialberatung und der heimischen Erzeugergemeinschaften an der Entwicklung spezieller Beratungsprodukte für die betroffenen SchweinehalterInnen zur Unterstützung bei der Bewältigung dieser Herkulesaufgabe gearbeitet.

Umsetzung wird nur mit praktikablen Lösungen gelingen Die gesamte Branche ist natürlich auch weiterhin bereit sich aktiv in der Begleitung dieses Themas einzubringen und die zuständigen Ministerien bei der Umsetzung der EUVorgaben zu unterstützen. Wir schlagen in diesem Zusammenhang die Gründung eines Forschungsprojektes unter wissenschaftlicher Begleitung am Beispiel des sehr erfolgreichen Projektes ProSAU vor. Wir stellen aber auch fest, dass es kontraproduktiv und wenig zielführend wäre, wenn man schon jetzt und sofort das rigorose und ausnahmslose Halten von unkupierten Ferkeln in allen Betrieben gesetzlich verlangen würde. Und zwar auch dann, wenn es nur kleine Ferkelgruppen wären. Dafür sind weder die arbeitsteilige Struktur der heimischen Schweinehaltung noch die derzeitigen Bedingungen auf den Betrieben geeignet.

Heimische Schweinebranche ist sich der Verantwortung bewusst Die heimische Branche ist sich der riesigen Herausforderung aber auch Verantwortung diesem Thema gegenüber bewusst. Deshalb hat man sich von Anfang an in enger Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministerium und der Landwirtschaftskammer und unter Federführung des Gesundheitsministeriums in die Entwicklung eines „Aktionsplanes Schwanzkupieren“ eingebracht. Die Landwirtschaftskammern haben in den letzten Monaten die Entwurfsvariante der Risikoanalyse auf zahlreichen schweinehalten-

Ende des routinemäßigen Schwanzkupierens? Europäische Schweinehaltung steht vor einer der größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. Foto: Fraukoeppl


Rassenportrait: Rarität mit Qualität

Duroc: Das Duroc-Schwein kommt ursprünglich aus den USA. Die Rasse mit dunkler Haut und rotbraunen Borsten zeichnet sich durch guten Wuchs aus. Das etwas dunklere Fleisch weist bei gutem Muskelfleischanteil auch eine gut ausgeprägte Fettmarmorierung (intramuskuläres Fett) auf.

Neuer Trend bei der Fleischqualität: Speck is back? Die Fleischqualität wird von einer Vielzahl an Faktoren bestimmt. Den Grundstein legen die LandwirtInnen mit der Auswahl von Rasse und Genetik. Darauf aufbauend müssen alle weiteren Faktoren abgestimmt werden, um die bestmögliche individuell erwünschte Qualität zu erreichen. Die Fleischqualität wird wesentlich durch Rasse aber auch durch Fütterung, Geschlecht, Mastdauer, Schlachtung, Kühlung sowie Fleischreifung beeinflusst.

Einflussfaktor Genetik

Schwäbisch-Hällisch: Diese großrahmige Rasse hat ihren namensgebenden Ursprung im Raum Schwäbisch-Hall in Baden-Württemberg. Die typische Zeichnung dieser Schweine ist ihr schwarzer Kopf, ein schwarzes Hinterteil und die grauen Übergänge zum weißen Rumpf, da hier weiße Borsten auf dunkler Haut liegen. Diese robuste Rasse zeichnet sich durch fruchtbare Sauen mit guten Muttereigenschaften und eine gute Fleischqualität mit ausgeprägter Fettauflage aus. Die Rasse findet häufig in Freilandhaltung ihren Einsatz.

Iberico: Diese kleinrahmige Rasse mit dunklen Borsten, dunkler Haut und feingliedrigen, langen Beinen findet ihren Ursprung in Spanien. Das Fleisch des Ibericos weist eine dunklere Farbe auf. Prägnant ist der stark ausgeprägte intramuskuläre Fettgehalt. Diese intensive Marmorierung ist die ideale Voraussetzung für saftig, zarten Fleischgenuss. Das Iberico Schwein liefert traditionell die Grundlage des luftgetrockneten Schinkens „Jamon Iberico“ aus der Freilandhaltung in den Eichenwäldern Südspaniens.

Die bewährte Basis für den größten Teil der österreichischen Mastschweine bilden die Rassen Edelschwein, Landrasse und Pietrain mit den daraus hervorgehenden Kreuzungstieren. Das Zuchtziel ist für die österreichischen Marktverhältnisse und die Preismaske optimiert. Bei den Mutterrassen Edelschwein und Landrasse (PIG Austria Fortuna) ist der Schwerpunkt auf Fruchtbarkeit und Wurfqualität gesetzt, die Vaterrasse Pietrain (PIG Austria Felix) liefert die nötige Fleischfülle. Die aus diesen drei genannten Rassen vermehrten Kreuzungstiere bestechen durch hohe Magerfleischanteile (MFA) bei gleichzeitig guter Fleischqualität. Die Ferkel aus dem PIG Austria Programm ermöglichen den LandwirtInnen eine rentable Mast. Die österreichische Qualität findet ihre Bestätigung bei zufriedenen Verarbeitern sowie der großen Beliebtheit bei den KonsumentInnen. Nicht zufällig ist Schweinefleisch nach wie vor das beliebteste Fleisch der ÖsterreicherInnen.

Qualitätsparameter in der Leistungsprüfung Das Thema Fleischqualität spielt im österreichischen Zuchtprogramm traditionell eine besondere Rolle. So werden sämtliche objektiv erfassbaren Fleischqualitätsparameter wie pH-Wert, Tropfsaftverlust, intramuskuläres Fett, Leitfähigkeit, Rückenspeck regelmäßig bei allen Prüftieren an der Österreichischen Schweineprüfanstalt erhoben und in der Zucht berücksichtigt. Dies ist eine wichtige Grundlage für die hohen österreichischen Qualitätsstandards.

Romana Grundböck Leiterin PIG Austria Station Hohenwarth Foto: PIG Austria

Speck is back? Neben den genannten Basisrassen erfreuen sich auch „alternative“ Schweinerassen wie Duroc, Schwäbisch-Hällisch und Iberico immer größerer Beliebtheit. Diesen Rassen ist eines gemeinsam: sie haben mehr Fett - in Form von Rückenspeck (Auflagefett) und intramuskulärem Fett (Marmorierung). Die Nachfrage kommt aus Spezialprogrammen, der Spitzengastronomie und aus der Direktvermarktung. Ist das eine Rückbesinnung auf die guten Geschmackseigenschaften von Fett und damit mehr Speck? Fett ist tatsächlich ein Geschmacksträger und verbessert die Zartheit des Fleisches. Gourmets schätzen diese Eigenschaften und sind teilweise auch bereit dafür mehr zu bezahlen. Die Mehrheit der KonsumentInnen bevorzugt jedoch mageres Fleisch, Fett gilt - zum Teil zu Unrecht - als ungesund. Als PIG Austria haben wir das Ziel diese Trends wahrzunehmen und ein breites Rassenangebot für diese Bedürfnisse anzubieten. So finden sich seit vielen Jahren Züchter der Rassen Duroc und Schwäbisch-Hällisch in den Reihen der PIG Austria. Auch Eber dieser Rassen stehen auf den Besamungsstationen in Steinhaus, Hohenwarth und Gleisdorf. Neu dazugekommen ist ein Eber der Rasse Iberico, der ab sofort in Hohenwarth zum Einsatz steht. Mehr Information zu den Züchtern und Ebern finden sie unter: www.pig.at 2-2021 | PIG Austria | 13


Foto: PIG Austria

PIG Austria

Dr.in Christina Pfeiffer Zuchtleitung PIG Austria Foto: Fraukoeppl

Was steckt in einer Spermatube? Die künstliche Besamung ist ein entscheidender Faktor in der Ferkelproduktion. Das volle Leistungspotential von streng selektierten Ebern kann unmittelbar genutzt werden. Doch was steckt in einer Tube Spitzengenetik? Welche Hürden muss ein Eber nehmen, bis er bei der PIG Austria tatsächlich zum Einsatz kommt? Auf den Besamungsstationen der PIG Austria GmbH in Gleisdorf, Hohenwarth und Steinhaus, stehen derzeit über 600 ausgewählte Eber. Den Kunden steht ein breites Angebot der Rassen Pietrain, Landrasse, Edelschwein sowie Duroc, Schwäbisch Hällisch und Iberico zur Verfügung.

Genomische Vorselektion Dr. Peter Knapp Geschäftsführer von PIG Austria Foto: Fraukoeppl

Damit ein Jungeber auf den Besamungsstationen eingestellt wird, muss er vorab einige „Prüfungen“ bestehen. Die erste bei der genetischen Vorselektion. Dabei wird bereits bei den Jungebern eine Gewebeprobe genommen und die Erbinformation (DNA) analysiert. Diese Genotypisierung wird bei der Zuchtwertschätzung berücksichtigt. Nur Eber mit positiv vorgeschätzten Zuchtwerten kommen für die Auswahl in Frage.

Test durch Zuchttechniker Die zweite Prüfung ist die Selektion mit durchschnittlich 200 Tagen durch geschulte Zucht-MitarbeiterInnen. Dabei wird eine Dreipunkt-Rückenspeckdickemessung durchgeführt, das Tier gewogen, die Anzahl der Zitzen gezählt, das Exterieur beurteilt und die Zuchtwerte sowie der Grad der Inzucht kontrolliert. Sind alle Selektionskriterien erfüllt, hat das Tier erst die Chance 14 | PIG Austria | 2-2021

ins Herdebuch aufgenommen zu werden. Parallel dazu werden umfassende Daten auf Feldbetrieben und der österreichischen Schweineprüfanstalt erhoben. Die starke Verknüpfung der einzelnen Produktionsstufen (Zucht- Vermehrung- Ferkelproduktion-Mast sowie Schlachthof und Feldanomalienprüfung) bietet eine hervorragende Datenbasis, auf deren Zuchtwerte geschätzt werden können. Je mehr Information über ein Tier vorliegt, desto sicherer sind die geschätzten Zuchtwerte.

Überdurchschnittliche Zuchtwerte Dieser Informationsgehalt ist auch für die dritte „Prüfung“, der Eberauswahl für die Besamungsstation wichtig. Um das hohe genetische Leistungspotential zu gewährleisten, werden nur Jungeber, die aus einer gut geprüften Verwandtschaft stammen und einen überdurchschnittlichen Zuchtwert haben, angekauft. Neue Linien aus internationalen Partnerschaften, die dem österreichischen Zuchtziel entsprechen, werden gezielt vereint, um weiterhin auch für eine genetische Breite zu sorgen. Alle zwei Monate werden neue Eber nachgestellt, um den Zuchtfortschritt rasch zu den Kunden zu bringen. Durch die rasche Remontierung werden Eber deren Nachkommenleistungen nicht überdurchschnittlich


sind, regelmäßig ausgeschieden. Zur besseren Orientierung für die Kunden werden die Leistungsklassen und Nutzungsrichtungen eingeteilt (siehe Kasten).

Hoher Gesundheitsstatus Für die vierte Prüfung – dem hohen Gesundheitsstatus des Ebers wird eigentlich schon eine Vorauswahl getroffen. Es kommen für die Selektion nur Eber aus Betrieben in Frage, die als „PRRS unverdächtig“ gemäß dem Programm des TGD eingestuft sind und am regelmäßigen PRRS Monitoring teilnehmen. Vor der Einstallung in die Quarantäne muss für jedem Eber ein negativer PRRS Befund vorliegen. Dieser Gesundheitsstatus wird ein Eberleben lang streng überprüft.

Computergestützte Spermaanalyse Ist der Eber in der KB-Station eingestallt erfolgt nach erfolgreicher Erstprüfung bei jedem Sprung eine immer wiederkehrende Prüfung der Spermaqualität. Seit Mitte 2020 sind alle PIG Austria Besamungsstationen mit modernster Labortechnik ausgerüstet, um eine standardisierte und verlässliche Spermaqualität zu garantieren. Jedes Ejakulat wird individuell mittels computergestützter Spermaanalyse (CASA) aufbereitet. Mit dem AndroVision-System des deutschen Herstellers Minitüb, ist es mittels bildgebenden Verfahrens möglich, neben den klassischen Parametern wie äußere Gestalt der Spermien (Morphologie) oder deren Beweglichkeit auch deren Funktionalität zu analysieren. Die Analysewerte des Spermas werden automatisch berechnet und sind somit genauer. Aus der Beweglichkeit, der Dichte und der Spermamenge wird die Portionsanzahl berechnet. Auch die Haltbarkeit sämtlicher Spermaproben wird laufend geprüft, um die Mindesthaltbarkeit von drei Tagen zu gewährleisten.

Genetische Zusammenhänge bei Spermaqualität? Zurzeit werden im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit genetische Verankerungen der Spermaqualitätsmerkmale analysiert, um auch hier eine mögliche züchterische Optimierung umsetzen zu können. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen ZüchterInnen, Abläufen im Zuchtprogramm, Forschung und Entwicklung, Gesundheitsmonitoring sowie präziseste Labortechnik, garantieren wir für hohe Qualitätsstandards und verlässliche Spitzengenetik in jeder Tube.

Foto: Fraukoeppl

Foto: PIG Austria

PIG Austria

Felix

Nutzungsrichtung

W

BEST PERFORMER sind geprüfte Pietrain Eber mit einem Gesamtzuchtwert > 125.

HIGH HIGH PERFORMER sind geprüfte Pietrain Eber mit einem Gesamtzuchtwert > 115 bis 125.

Mutterrassen

TOP

Felix, der Wüchsige, garantiert ausgesprochen hohe tägliche Zunahmen und eine besonders gute Futterverwertung. Um mit einem W ausgewiesen zu werden, muss Felix im Merkmal tägliche Zunahme in Gramm (TGZ) eine genetische Standardabweichung über dem Populationsduchschnitt liegen.

F Felix, der Fleischige, zeichnet sich durch eine sehr gute Fleischbeschaffenheit und einen hohen Magerfleischanteil aus. Um mit einem F ausgewiesen zu werden, muss Felix im Merkmal Magerfleischanteil in Prozent (MFA) eine genetische Standardabweichung über dem Populationsdurchschnitt liegen.

TOP Eber sind geprüfte Edelschwein und Landrasse Eber mit einem Gesamtzuchtwert > 120. Ein TOP Eber muss zudem einen Fruchtbarkeitsindex von > 110 und mindenstens acht Nachkommenprüfungen der Mastund Schlachleistungsmerkmale vorweisen.

2-2021 | PIG Austria | 15


Foto: PIG Austria

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Als Quereinsteiger mitten in die Schweinezucht

In der Nähe von Naarn befindet sich der Hof von Markus Gaisberger und seiner Partnerin Julia Aschauer. Beide sind nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen, sind aber von Kindesbeinen an eng mit der Landwirtschaft verbunden. Markus verbrachte schon als Bub fast jede freie Minute auf dem Hof seines Onkels Christian in Au. Markus maturierte in der HLFS St. Florian und Julia im Francisco Josephinum Wieselburg. Bei mehreren mehrmonatigen Praxisaufenthalten in Schwäbisch Alb in einem Schweinezuchtbetrieb setzen sie sich mit professioneller Ferkelerzeugung und Schweinezucht auseinander. 2018 übernahm Markus den Betrieb seines kinderlosen Onkels. Zu dieser Zeit war er auch noch bei einem nahen Landesproduktehandel als Verkaufsberater tätig. Bald war ihm aber klar: „Ich sehe meine Zukunft gemeinsam mit Julia auf dem landwirtschaftlichen Betrieb im Vollerwerb.“ Um den Betrieb in diese Richtung auszubauen, wurden viele Varianten geprüft: Umstellung auf BIO, Gemüseproduktion, Geflügel und Eiererzeugung. Schlussendlich entschieden sich Julia und Markus für die Schweinezucht. „Wir arbeiten gerne mit Schweinen, insbesondere mit Ferkeln, und wenn so viele Ferkelerzeuger aufhören, sehen wir gute Absatzchancen in der Region.“ Dazu die bestehenden Ställe im Hof zu adaptieren schien zu teuer und zu umständlich. 16 | Management | 2-2021

Bald stand der Entschluss fest: Es wird ein freistehender Zuchtstall für 170 Zuchtsauen unmittelbar neben dem bestehenden Hof errichtet. Die Planung wurde daraufhin begonnen. Auch die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Förderzusage und bei der Baugenehmigung wurden gemeistert. Ende Februar 2019 begann der Erdaushub. Die Stallbaufirma organisierte den Bau der Bauhülle und die Montage der Einrichtung. Das war eine arbeitsreiche Zeit – kaum eine freie Minute. Im Sommer wurden schon Jungsauen in den geplanten Gruppen von PIG Austria Jungsauen-Lieferanten angedeckt, sodass Ende Oktoberr der Stall mit trächtigen Sauen bezogen werden konnte. Zu Weihnachten 2019 ferkelte die erste Gruppe ab.

Stallkonzept Der Stall wurde für 24 Zuchtsauen bei Gruppenabferkelung im 3-Wochenrythmus errichtet. Im Deckzentrum stehen Selbstfangkastenstände, in der Wartehaltung zwei Fressstände/Gruppe mit einer Portionsfütterung (GESTAL). In beiden Stalleinheiten können die Zuchtsauen in den Auslauf ins Freie. Am zweiten Tag nach dem Absetzen werden die Zuchtsauen im Stand fixiert. Das brauchen die Schweine, weil sie vom Säugen und dem Absetzstress mitgenommen sind. Nach der Belegung haben sie wieder die Möglichkeit in der Gruppe den Auslauf zu nutzen.


Foto: PIG Austria

Eine Woche vor dem Abferkeln wird die Schweinegruppe mit warmem Wasser eingeschäumt und gründlich gewaschen in die Abferkelbucht gebracht. Die Bewegungsbuchten werden verschlossen, weil die Bucht bis zum Abferkeln sauber bleiben soll. Ein Geburtsvorbereitungsfutter für drei bis fünf Tage aus Leinschrot, Dextrose und Faser sorgt für einen weichen Kot. Das macht sich bezahlt: Der Anteil an Schweinen mit Mastitis-Metritis-Agalaktie-Komplex (MMA) ist sehr gering (1 von 24 Schweinen). Die Geburt wird überwacht und notwendige Hilfe geleistet. Auf die Ferkelerstversorgung wird großer Wert gelegt. Dabei werden auch Naturheilmittel eingesetzt. Beim Impfen und Kastrieren hat man die Arbeitsgänge laufend verbessert. So wird ein Ohrmarkenapparat eingesetzt und viele Arbeitsschritte zusammengefasst. Was anfänglich von drei Personen gemacht wurde, schaffen Julia und Markus jetzt zu zweit in der gleichen Zeit. Die Zuchtsauenfütterung erfolgt bei den säugenden Sauen auch über die GESTAL Portionsfütterung. Am Betrieb ist eine technische Amme vorhanden, in der die größeren überzähligen Ferkel (über 11-12) aufgezogen werden. Beim Beifüttern der Ferkel setzen die beiden auf den Geschmack von Cola. Prästarter wird in den Ferkelschalen damit leicht angefeuchtet. Hohe Futteraufnahme erleichtert das Absetzen, sind Julia und Markus überzeugt. Nach dem Absetzen bleiben die Ferkel noch drei bis fünf Tage in der Abferkelbucht. In dieser Zeit steigt die Futteraufnahme. Im Absetzstall werden die Ferkel zuerst mit den roten Automaten per Hand, später mit der Airfeed in den Kurztrog. Gemanagt wird die Herde mit dem Sauenplaner des VLV-Ferkelrings. Zusätzlich wird mit jeder Abferkelgruppe ein Partieblatt geführt, welches in den einzelnen Produktionsstufen mitgeht. Dort werden alle Sonderheiten aufgeschrieben und sind beim nächsten Abferkelturnus nachlesbar.

Derzeit werden aus diesem Betrieb fünf Mäster aus dem Umkreis beliefert. Interessant ist, dass die abnehmenden Betriebe früher ihre Ferkel selbst erzeugten und jetzt als zusätzliche Abnehmer auftreten. Abgerechnet wird über den VLV Ferkelring.

Leistungszahlen Der erste Jahresabschluss im Sauenplaner lag knapp beim Verbandsdurchschnitt. Derzeit werden 12 Ferkel/Wurf abgesetzt. Die Umrauschquote liegt bei 7 %. Dass beim Hochfahren des Bestandes nicht alles nach Plan lief, war auch bei Julia und Markus so. Jetzt aber, hat man alles im Griff. Markus ist auch ein leidenschaftlicher Ackerbauer, Pflanzenschutztechniker und Lohndrescher. Auf den 55 ha wird Weizen Gerste, Zuckerrübe, Zuckermais und Soja angebaut. Seit zwei Jahren wird auch Kürbis angebaut.

Was die beiden allen jungen Hofanwärtern mitgeben möchten „Macht das, was ihr gerne tut, dann habt ihr Erfolg dabei.“ „Und wenn ihr Euer Ziel kennt, dann wird sich die Sache rechnen, und lasst Euch durch die kleineren oder größeren Stolpersteine nicht aus der Bahn werfen.“ Und obwohl 170 Zuchtsauen eine Menge Arbeit sind, bei guter Organisation lässt sich damit ein gutes Einkommen erzielen und die Freizeit kommt auch nicht zu kurz. Schade finden Julia und Markus, dass sie bis zum Beginn der neuen Förderperiode 2023 keine Abgeltung des gehobenen Tierwohlstandards bei den Zuchtsauen bekommen. In Summe entgehen ihnen dabei mehr als 10.000 Euro.

Markus Gaisberger: „Ich sehe meine Zukunft gemeinsam mit Julia auf dem landwirtschaftlichen Betrieb im Vollerwerb.“ Quelle: Aschauer-Gaisberger

Zuchtsauen werden in Gruppen gehalten. Quelle: Aschauer-Gaisberger

Gesunde Zuchtsauen als Grundlage für erfolgreiche Ferkelproduktion. Aschauer-Gaisberger 2-2021 | Management | 17


AMA-Lukullus für die besten Geschäfte des Landes Die AMA ermittelt heuer wieder die Besten der Besten – diesmal mit frischem Wind. Bereits ein Dutzend Mal wurde der begehrte AMA-Lukullus für die besten Fleisch- und Wurstabteilungen des LEH sowie der besten Fleischerfachgeschäfte des Landes vergeben. Zeit, um diesen erfolgreichen Wettbewerb, der das strategische Ziel verfolgt, die Qualität im Verkauf ständig voranzutreiben, wieder ein Stück weiterzuentwickeln.

die höchste Aussagekraft hinsichtlich der Sortimentsqualität und Kundenberatungskompetenz aufwiesen. Der Wettbewerb für die besten Fleisch- und Fleischwarenabteilungen im Lebensmittelhandel bleibt, wie bereits in den letzten Jahren, auf drei Kategorien - 900 m², bis 2.000 m² und über 2.000 m² Verkaufsfläche beschränkt.

Die Auszeichnungen im Überblick

Um dem Netzwerk Kulinarik, das eine neue Abteilung der AMA-Marketing bildet, eine entsprechende Bühne zu bieten, werden künftig die besten AMA-GenussregionFleischerfachgeschäfte und die bäuerlichen Direktvermarkter mit dem besten Fleischund Fleischwaren-Angebot ausgezeichnet.

Im Laufe der Zeit hat es bezüglich des Austragungsmodus ständig Anpassungen an die Märkte gegeben. Letztendlich haben sich aber die klassische Super- und Verbrauchermarkt-Segmente durchgesetzt, da sie

Der AMA-Lukullus war und bleibt hochbegehrt bei allen Preisträgern! 18 | AMA | 2-2021

Quelle: AMA

Ein Höchstmaß an Objektivität In all den Jahren ist man aber den hohen Ansprüchen des Ablaufes dieses einzigartigen nationalen Wettbewerbes treu geblieben. Ein zweistufiges Selektionsverfahren und ein sehr aufwändiges Prozedere der Beurteilung liefern ein Höchstmaß an Objektivität und Aussagekraft. Nicht zuletzt deshalb ist dieser AMA-Lukullus für die besten Geschäfte des Landes so hoch angesehen und begehrt, die Preisträger gelten als Vorbild und Motivation für KollegInnenen und WettbewerberInnen.

Hochkarätige Expertenjury entscheidet Auch heuer werden sich insgesamt wieder hunderte TeilnehmerInnen diesem hochkarätigen Wettbewerb stellen. Nach einer Vorselektion auf Basis der Einreichunterlagen müssen die Finalisten mit mehrmaligen unangemeldeten Storechecks von AMA-Experten rechnen. Beurteilt werden über 80 Kriterien bis hin zur Fachkompetenz des Bedienungspersonals und eines Testeinkaufes. Die aufbereiteten Ergebnisse bilden die Beurteilungsbasis einer hochkarätigen Expertenjury. Wer gewonnen hat, bleibt ein wohlbehütetes Geheimnis, das erst anlässlich der feierlichen Lukullus-Gala Ende November gelüftet wird.


Köstlich kommt von Können Nützen Sie die Vorteile des AMA-Grillclubs. Grillen ist mehr als nur gutes Essen in seiner ursprünglichsten Form, es ist auch Lebensgefühl und Lebensart. Denn beim Grillen ist die gemeinsame Zubereitung der Speisen fast genauso wichtig, wie das kulinarische Ergebnis. Ein Ergebnis, das mit etwas Know-how ein besonderes Erlebnis ist, denn die ursprüngliche Kraft des Feuers kann von keinem Küchenherd ersetzt werden. Deshalb an alle, die mehr vom Grillen wollen als nur ein heißes Würstel. An alle, die sich gerne mit Gleichgesinnten und GrillexpertInnen übers Grillen austauschen möchten: Die AMA lädt Sie herzlichst ein, Mitglied im AMA-Grillclub zu werden. Die Anmeldung ist jederzeit – kostenfrei und unverbindlich – möglich. Die Mitgliedschaft selbst ist ebenfalls kostenlos.

Vom Kenner zum Könner Seit seiner Gründung im Jahr 2005 steht der AMA-Grillclub für Lebensfreude und ein produktives Miteinander. Der Club ist eine genussorientierte Interessensgemeinschaft. Derzeit gehören ihr rund 9.000 Österreicherinnen und Österreicher an. Ganz nach dem Motto „Vom Kenner zum Könner“, profitieren Grillclubmitglieder vom vielfältigen Angebot. Es gibt nicht nur zahlreiche Grill-Rezepte, viele Tipps und Tricks von Grillexperten, son-

Neuer Podcast „Über den Tellerrand“ Staffel I: Schweinehaltung

Am 13. April 2021 startete der neue Podcast „Über den Tellerrand“, er befasst sich mit der Erzeugung, Verarbeitung und dem Konsum von Lebensmitteln. Die erste Staffel mit sieben Folgen (jeweils 50 Minuten) widmete sich dem Thema Schweinehaltung. Der Podcast ist über alle gängigen Audioplattformen verfügbar (Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Overcast, etc). Die AMAMarketing ist Initiator und Unterstützer des Podcasts. Im Rahmen dieses Podcast stellen die beiden Hosts ihren Gästen Fragen zum aktuellen Thema. Dafür wurden folgende Gäste vors Mikrophon gebeten: Martina Gerner, Schweineberaterin in der LK NÖ, Viktoria Eichinger, konventionelle Schwei-

dern es werden auch Videos, Warenkunde, Produkt-Tests, Infos über Neuentwicklungen, Trends und Veranstaltungen sowie Grillkurse allen Mitgliedern regelmäßig zur Verfügung gestellt. Außerdem erhält jedes Clubmitglied die digitale Ausgabe des Magazins „GRILLZEIT“ gratis. Ab sofort können Mitglieder auch der exklusiven Facebook- Gruppe „AMA-Grillclub“ beitreten und den AMA-Grillprofis über die Schulter blicken. Köstliche Rezeptideen, zahlreiche Tipps und Tricks rund ums Grillen sowie Gewinnspiele runden das Angebot ab.

Grillen und grillen lassen Wer noch tiefer in die Materie eintauchen und sein Wissen auch aktiv weitergeben

möchte, kann sich zum AMA-Grilltrainer ausbilden lassen. Über 220 Clubmitglieder haben dieses Angebot bereits in Anspruch genommen. Rund 70 von ihnen bieten derzeit Grillkurse an. In einem weiteren Schritt ist es möglich, seine eigene Grillschule zu gründen und durch die AMA offiziell zertifizieren zu lassen.

Der Club im Netz Alle Infos rund um den Grillclub finden sich auf der Website www.amagrillclub.at. Dort gibt es auch Videos und Tipps rund um das Thema Grillen und Infos zu aktuellen Veranstaltungen.

BROSCHÜRE HEISS AUFS GRILLEN Die beliebte Broschüre „Heiß aufs Grillen“ ist in einer modernisierten Fassung neu aufgelegt worden. Darin finden sich Ratschläge für den Einkauf, eine Teilstückkunde, Zubereitungstipps. Die Broschüre für alles, was das Herz von Grillbegeisterten höherschlagen lässt. Zusätzlich gewährt Grill-Weltmeister Adi Matzek wertvolle Einblicke in die „Profi-Grillerei“. Die Broschüre kann ab sofort kostenfrei über den AMAWebshop http://shop.amainfo.at/ bestellt werden.

nebäuerin in Niederösterreich, Andrea Ladinig und Johannes Baumgartner von der VetMed Uni Wien, Josef Göltl, Schweine Bio-Freilandhalter im Burgenland, sowie Thomas Weber, Herausgeber des Magazins „Biorama“. Zu Wort kamen auch der Gastronom Max Stiegl und Eduard Zentner, der über die Stall-Entwicklung in der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt RaumbergGumpenstein berichtete. Ziel dieser Marketingmaßnahme ist, mit ausführlichen und neutralen Informationen aktiv in die Diskussion über aktuelle Themen einzusteigen und dabei auch kritische Zuhörern anzusprechen. Deshalb wertet und bewertet der Podcast nicht, sondern er bietet Informationen aus verschiedenen Blickrichtungen, damit sich die Zuhörer eine eigene, fundierte Meinung bilden können. Eine Website mit diversen Blogbeiträgen unter www.tellerrand.io begleitet und vertieft den Podcast mit weiterführenden Informationen.

Broschüre „SchweinefleischKüche“ im neuen Gewand Viele Jahre zählte die Broschüre „Schweinefleischküche“ mit ihren „Schritt-für-Schritt“Foto-Anleitungen zu unseren absoluten Klassikern. Sie präsentiert sich fortan in einem frischen und modernen Look. Was geblieben ist, sind neben den zahlreichen klassischen Rezepten, eine übersichtliche Teilstückkunde und praktische Tipps und Tricks rund um die Zubereitung. Die Broschüre kann ab sofort über den AMA-Webshop http://shop. amainfo.at/ at/ bestellt bzw. über ausgewählte Geschäfte des Lebensmitteleinzelhandels bezogen werden.

(Alle Fotos und Abbildungen: AMA)

2-2021 | AMA | 19


Foto: Fraukoeppl

Tierwohl

Mag. Andreas Hermann Bereichsleiter Qualitätsmanagement Landwirte Rind/Schwein AMA-Marketing Foto: Hermann

Tierwohl zwischen Produktion und Gesellschaft

Kaum ein anders Thema der Landwirtschaft wurde in den letzten Jahren so intensiv diskutiert. Und der Schweinebereich scheint der Nabel der ganzen Diskussion zu sein. Für die Bauern und Bäuerinnen ist es keine Frage, dass sie die Tiere nach bestem Wissen und Gewissen halten, aber die gesellschaftlichen Erwartungen an die Tierhaltung haben sich geändert. Nehmen wir z.B. das Schwanzkupieren, das für die einen eine Tierschutzmaßnahme zur Vorbeugung gegen Kannibalismus, für die anderen eine Verstümmelung zur Anpassung an ein falsches Haltungssystem ist. Die Zugänge zu Tierwohl könnten oft unterschiedlicher nicht sein.

Tierwohl: Qualitätsparameter für KonsumentInnen KonsumentInnen sehen Tierwohl als einen wesentlichen Qualitätsparameter. Das zeigen Umfragen und es wird zunehmend Argument beim Fleischeinkauf, bzw. fehlende Kriterien führen zu sinkendem Fleischeinkauf.

AMA-Gütesiegel ist Taktgeber Viele Diskussionen wurden in den letzten Monaten zur Weiterentwicklung der AMA-Gütesiegelrichtlinien geführt. Sie sind noch lange nicht abgeschlossen. Die Forderung der Konsumenten nach mehr „Schweinewohl“ ist ein Auftrag für die Bäuerinnen und Bauern, denn sie wollen mit dem AMA-Gütesiegel eine verlässliche und vertrauenswürdige Qualität für die KonsumentInnen erzeugen. Differenzierung vom anonymen Massenmarkt ist eine bewährte Strategie aus der sich nach unten drehenden Preisspirale.

Differenzierung schafft Mehrwert Das AMA-Gütesiegel soll zukünftig noch stärker zur Differenzierung dienen. In der breiten 20 | Tierwohl | 2-2021

Mitte der Qualitätsproduktion steht die Basis des AMA-Gütesiegels. Die Kriterien liegen in verschiedenen Bereichen über den gesetzlichen Mindestanforderungen und liefern ein Qualitätsprodukt auf gehobenem Niveau. Die Anforderungen im Bereich Tierwohl sollen über das gesetzliche Niveau hinausgehen, aber nicht auf das Niveau des derzeitigen freiwilligen Moduls „Mehr Tierwohl“. Hier sind planbefestigte, eingestreute Liegefläche und wesentlich mehr Platz (rund 60 %) vorgeschrieben. In der zweiten Stufe von „Mehr Tierwohl“ werden die Anforderungen noch höher liegen und 100 % mehr Platz, einen verpflichtenden Auslauf, kein Schwanzkupieren, Kastration unter Narkose, etc. verpflichtend. Auch die Fütterung mit europäischen Futtermitteln wird hier einbezogen. Ein System der Kennzeichnung soll es für die KonsumentInnen möglich machen, die verschiedenen Produkte vergleichen zu können.

Frischfleisch und Verarbeitung Diese Differenzierungsstrategie wird erfolgreich, wenn die gesamte Branche bis hin zur Gastronomie mitmacht. Auch die Verarbeitungsindustrie ist gefordert, abgesicherte, heimische Qualitätsrohstoffe einzusetzen. Das AMA-Gütesiegel kann die große ge-

meinsame Klammer für die Qualitätsproduktion in der Breite und in den Modulsegmenten sein, wenn alle Beteiligten mit voller Überzeugung daran arbeiten. Das AMA-Gütesiegel muss ständig weiterentwickelt und die Kriterien regelmäßig evaluiert werden. Diese Weiterentwicklung werden wir brauchen, um auch künftig auf die Anforderungen der KonsumentInnen und des Marktes reagieren zu können. Dies braucht Zeit für die Produzenten, sich auf die geänderten Anforderungen einzustellen. Und es braucht Mut, die Entwicklungen aufzunehmen, um nicht an den Bedürfnissen der Gesellschaft und am Markt vorbei zu produzieren. Damit die Menschen auch in zehn Jahren noch gerne Schweinefleisch und Wurst mit dem AMA-Gütesiegel essen.


Foto: Fraukoeppl

Foto: Naturpark Sparbach/Käfer

Afrikanische Schweinepest – Vorbereitungen in Niederösterreich

Dr.in Christina Riedl Leiterin d. Abt. Veterinärangelegenheiten u. Lebensmittelkontrolle Foto: Dürr

Aufgrund der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen bis in die Nachbarstaaten ist das gesamte Bundesgebiet der Republik Österreich seit 15. Dezember 2019 als Revisionsgebiet festgelegt (ASP-Revisions- und Frühwarnverordnung, BGBl. II Nr. 399/2019). Eine aktuelle Studie der AGES besagt, dass in den östlichen Bundesländern aufgrund der geografischen Lage mit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest zu rechnen ist. Die reelle Bedrohung zeigt sich auch durch die Beobachtung der Entwicklung der ASP in den Nachbarländern. Neben den allgemein notwendigen Präventionen mit der Jäger-, Landwirt- und Tierärzteschaft laufen in Niederösterreich zurzeit folgende konkrete Vorbereitungsarbeiten. Die Bekämpfung der Seuche im Wildschweinebestand ist nur sehr schwer möglich, daher muss einer Einschleppung in unsere Hausschweinebestände bestmöglich entgegengewirkt werden. Die Einhaltung der Biosicherheit nach ASP-Gesichtspunkten in schweinehaltenden Betrieben ist dafür eine wirkungsvolle Maßnahme. Sie ist auch im Falle eines ASP-Ausbruchs eine Grundvoraussetzung für das Verbringen von Schweinen (vorgegeben im neuen Animal Health Law - AHL). Die niederösterreichischen LandwirtInnen

wurden ersucht, in einer Selbstevaluation ihre Betriebe auf die Einhaltung der ASP-Biosicherheit zu prüfen. Den Betrieben wurden dafür bundeseinheitliche Checklisten zur Verfügung gestellt. Wenn nö. LandwirtInnen zum Schluss kommen, dass die ASP-Biosicherheit in ihren Betrieben vollständig eingehalten wird, können sie bei der Veterinärbehörde im Amt der nö. Landesregierung einen amtlichen ASP-Biosicherheitscheck (siehe Website der nö. Landesregierung: www.noe. gv.at/noe/Veterinaer) beantragen. Amtlich bestellte TierärztInnen, in vielen Fällen die BetreuungstierärztInnen der Betriebe, nehmen den Check vor. Vielfach sind sie bereits in der Vorbereitungsphase eingebunden. Damit ist im Ernstfall eine Grundvoraussetzung für eine Schweineverbringung (zum Beispiel zu einem anderen schweinehaltenden Betrieb und Schlachthof) gegeben und

die Betreuung der Betriebe durch amtliche TierärztInnen für amtliche Kontrollen nach dem Auftreten der ASP gesichert. Die organisatorische Abwicklung erfolgt zum großen Teil mit Hilfe des nö. Tiergesundheitsdienstes. Um die Lebensmittelproduktion aufrecht zu erhalten, können bereits jetzt die Schlacht-, Zerlege- und Verarbeitungsbetriebe prüfen lassen, ob sie im Falle des Auftretens der ASP Hausschweine aus den Sperrzonen schlachten, zerlegen und verarbeiten dürfen. Damit kann auch bereits im Vorfeld abgeschätzt werden, ob die Schlachtung der Schweine aus der Sperrzone ohne Verzögerungen ablaufen kann.

Ihre Kontaktstelle des Landes Niederösterreich Amt der NÖ Landesregierung Abteilung Veterinärangelegenheiten und Lebensmittelkontrolle Landhausplatz 1, Haus 12 3109 St. Pölten E-Mail: post.lf5@noel.gv.at Tel: 02742/9005-13437 Fax: 02742/9005-12801

Ein amtlicher ASP-Biosicherheitscheck kann online beantragt werden. Quelle: NÖ Landesregierung 2-2021 | ASP | 21


Foto: Fraukoeppl

Antibiotika

Univ.-Doz. DI Dr. Klemens Fuchs Leiter d. AGES Fachbereichs Integrative Risikobewertung

Sorgsamer Umgang mit Antibiotika Die europäische Kommission stellte im Mai 2020 die Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ (englisch “Farm-to-Fork“) vor. Sie gibt Antworten auf die Herausforderung, Lebensmittelsysteme nachhaltiger zu gestalten. Diese sollen fair, gesund und umweltfreundlich sein. Dabei liegt eine ganzheitliche Betrachtung – von der Erzeugung bis zu den KonsumentInnen – im Fokus. Die Strategie enthält entscheidende Vorhaben, einige davon mit sehr konkret formulierten Zielen, die eine große Wirkung auf die Erzeugung gesunder Lebensmittel, mehr Klimaschutz und die Verringerung der Belastung der Umwelt haben. Eines dieser klaren Vorhaben ist die Verringerung des Antibiotikaeinsatzes bei Nutztieren und Aquakulturen um 50 % bis 2030.

Tabelle 1: Vertriebsmengen an Antibiotika 2015-2019 in Tonnen in Österreich. Quelle: AGES 22 | Antibiotika | 2-2021

Antibiotikaverbrauch in Österreich In Österreich ist in der Veterinär-Antibiotika-Mengenströme-Verordnung die Erfassung des Vertriebs und Verbrauchs von Antibiotika geregelt. Die jährlich gemeldeten Mengen werden von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ausgewertet und auf ihrer Homepage veröffent-

Abbildung 1: Normierte Abgabenmengen in mg/ kg produzierter Lebendmasse-Schweineproduktion. Quelle: AGES


Foto: Fraukoeppl

Antibiotika

Abbildung 2: Beispielgrafik aus Benchmark-Berichten Zeitlicher Verlauf der AB Kennzahl im Jahresverlauf. Quelle: AGES licht. In Tabelle 1 erkennt man, mit Ausnahme des Jahres 2018, eine Abnahme der Verkaufsmengen.

Antibiotikaverbrauch in der Schweineproduktion in Österreich Der Großteil, der in Österreich an LandwirtInnen abgegebenen Antibiotikamengen, wird in der Schweineproduktion eingesetzt (rund drei Viertel); rund 20 % entfallen auf die Rinderproduktion und rund 4 % auf die Geflügelproduktion. Innerhalb der Schweineproduktion gehen rund 43 % der verkauften Antibiotika in die Mast, 29 % in die Zucht, 19 % in die Ferkelproduktion und der Rest in andere bzw. nicht genauer angegebene Produktionsformen. Da sich die Tierzahlen bzw. Produktionsmengen der unterschiedlichen Nutztierarten stark voneinander unterscheiden, müssen die Antibiotikamengen erst normiert werden, um diese miteinander vergleichen zu können. Dazu wird die international übliche technische Maßzahl PCU („population correction

Abbildung 3: Beispielgrafik aus den Benchmark-Berichten Vergleich der AB-Kennzahl eines Betriebes mit anderen Betrieben - 2019. Quelle: AGES

unit“) verwendet, die sich auf ein Kilogramm Körpergewicht bezieht. In Abbildung 1 sind die normierten Abgabemengen in mg/kg für die Schweineproduktion dargestellt. In Abbildung 1 sieht man, dass im Schweinebereich im Jahr 2019 für ein kg produziertes Schweinefleisch im Schnitt 66 mg Antibiotika eingesetzt wurden, und obwohl dieser Wert der niedrigste der letzten fünf Jahre ist, liegt er immer noch um das Vierfache höher als im Rindersektor und um das 2,5-fache höher als in der Geflügelbranche.

Benchmark-Berichte für schweinehaltende Betriebe Bis 2018 waren die Auswertungen der AGES Berichte so allgemein gehalten, dass ein einzelner Landwirt/eine einzelne Landwirtin daraus keinen Rückschluss auf seinen/ihren eigenen Betrieb ziehen konnte. Seit 2018 werden über die Tiergesundheitsdienste (TGD) einzelbetriebliche Auswertungen in Berichtsform angeboten. Darin kann jeder Landwirt/ jede Landwirtin seine/ihre ein-

gesetzten Antibiotikamengen anhand eines zeitlichen Verlaufs bzw. eines Vergleichs mit anderen Betrieben ablesen. Die Einhaltung des Datenschutzes und die Zustimmung jedes einzelnen Landwirts/jeder einzelnen Landwirtin sind dabei selbstverständliche Voraussetzungen. Gemäß den Empfehlungen der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA kann man Antibiotikawirkstoffe in vier Klassen einteilen: „Anwendung verboten“ (kommt in Österreich nicht vor), „Anwendung einschränken“, „Anwendung mit Vorsicht“ und „Anwendung mit Sorgfalt“. Abbildungen 2 und 3 zeigen beispielhaft die Grafiken aus dem Benchmark-Bericht, wo LandwirtInnen die Antibiotika-Anwendungen über die Jahre (getrennt nach den Anwendungsklassen) beobachten können. In Abbildung 3 ist der Vergleich mit anderen LandwirtInnen angeführt. So sieht man etwa, dass dieser spezielle Betrieb in der Gesamtanwendung genau im Durchschnitt aller LandwirtInnen liegt, während er bei den Antibiotika mit eingeschränkter Anwendung über dem Durchschnitt liegt.

2-2021 | Antibiotika | 23


Foto: Durec

YouTube

Schweineproduktion auf YouTube Fehlende Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Verbrauchenden führt zu zunehmendem Unverständnis der Bevölkerung gegenüber der tierhaltenden Landwirtschaft. Aufgrund dieser aktuellen Lage haben sich Norbert und Lawrence Lackenbauer dazu entschieden die Arbeit auf ihrem Betrieb an die Öffentlichkeit zu tragen und auf digitale Ebene zu heben. Vater und Sohn führen einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Schweineproduktion im Weinviertel und möchten mit wöchentlichen Videos auf ihrem YouTube-Kanal „Pigs Might Fly im Weinviertel“ interessierten Personen einen Blick in den Alltag der Schweineproduktion ermöglichen. Das Ziel ist es, die Schweinehaltung so herzuzeigen, wie sie ist. Der Betrieb Der Betrieb befindet sich auf dem Standort des ursprünglichen Ziegelofens, der von Norberts Eltern Ende der 1950er erworben wurde und seitdem für die gemischte Landwirtschaft diente. 1991 hat Norbert den Betrieb übernommen und in den Folgejahren schrittweise umgebaut. Im Jahr 2004 wurde der Wartestall mit Auslauf und Teilspaltenboden umgesetzt. Die Zuchtsauen werden in einer dynamischen Gruppe gehalten, derzeit wird noch im konventionellen Ferkelschutzkorb abgeferkelt. Der Betrieb umfasst 161 Zuchtsauenplätze (inklusive Jungsauenplätze) und setzt sich zusammen aus 112 Stellplätzen im Wartestall, 19 im Deckzentrum und 30 Abferkelplätzen. Der Maststall wurde 2009 gebaut und bietet Platz für etwas mehr als 700 Mastschweine. Die Mastabteile verfügen über einen mit Stroh eingestreuten Innenbereich und einen Außenbereich mit perforierten Bodenelementen. In der Endmast stehen etwa 1,1m² pro Mastschwein zur Verfügung. Der Großteil des Futters wird auf den betriebseigenen Flächen (100ha) angebaut. Beim Futtermittelanbau legen die Landwirte besonderen 24 | YouTube | 2-2021

Wert auf bodenkonservierende Bewirtschaftung und den angemessenen Einsatz von Wirtschaftsdünger.

Motivation hinter den Videos Seit Anfang des Jahres kann man Norbert und Lawrence auf YouTube bei der Arbeit zusehen und bekommt dadurch eine Idee von der Schweineproduktion in Österreich. „Pigs might fly im Weinviertel“ heißt die Videoreihe der passionierten Schweineproduzenten. Die Idee dazu entstand vorrangig durch die immer größer werdende Lücke zwischen den Vorstellungen der Bevölkerung und der Praxis in der Veredelungswirtschaft. Auch Skandalvideos, die immer wieder von NGOs angefertigt und im Netz verbreitet werden, waren Anlass für die Lackenbauers, selbst Initiative zu ergreifen. Die Landwirte sehen die Videos als aktive Botschaften um den Alltag der Schweineproduktion transparent und verständlich allen interessierten Personengruppen näher zu bringen. „Wir wollen zeigen, wie es wirklich rennt und unsere Sicht der Dinge präsentieren!“ erläutert Lawrence die Idee hinter dem YouTube-Kanal: „Wir wünschen uns gezielte Rückfragen statt schwammiger Kritik!“


Foto: Durec

YouTube

Monetärer Aufwand für die Videoerstellung Kamera: GOPRO Hero9 Action Cam inkl. Speicherkarten und Akkus und Stativ € 500,+ GOPRO Hero (2014) für Time-Lapse Aufnahmen

€ 140,-

PC für Schnitt und Überarbeitung inkl. Monitor (€ 300,-) und Mikrofon (€ 70,-) gesamt rund € 2.800,Norbert und Lawrence Lackenbauer beim Drehen der Einleitungssequenz. Foto: Durec

Transparenz und Information als Vorsorge Bei der Präsentation der Arbeit am Betrieb legen die Landwirte besonderen Wert darauf, nichts zu verstecken und möchten möglichst alle internen Abläufe des Produktionsalltags herzeigen. Dabei halten sie Aufklärung als Antwort auf Skandalvideos und Kritik von Seiten der Verbrauchenden für den falschen Ansatz. „Wir wollen mit unseren Videos kein „Feuer löschen“, sondern mit Informationen und Aufklärung vorsorgen.“, erläutert Norbert. „Es ist keine Kunst ein grausliches Video zu drehen. Es ist die Herausforderung, die Abläufe und Hintergründe für fachfremde Personen schlüssig zu erklären.“

Kompetenz im Vordergrund Wer komplexe Inhalte einfach erklären möchte, muss auch in den fachlichen Details sattelfest sein, und das ist den beiden Landwirten durchaus bewusst. „Niemand kann alles wissen. Daher ist es wichtig bei Unklarheiten nachzufragen.

Es ist gut, in der Landwirtschaftskammer und im Arbeitskreis Ansprechpersonen für Fachfragen hinter sich zu wissen.“ so Norbert.

Equipment und Arbeitsaufwand Das Filmmaterial für die etwa 15-minütigen Videos erarbeiten Norbert und Lawrence im Rahmen der täglichen Arbeit am Betrieb. „Es ist wichtig, dass die Sequenzen nicht zu lang sind – je kürzer die Sequenz desto einfacher das Zuschneiden“ erklärt Lawrence. Gefilmt wird mit einer Go-Pro 9 (ca. € 500,-), Zeitraffer-Aufnahmen werden mit einem älteren Go-Pro Modell (2014) aufgezeichnet. Zusätzlich wurde für Schnitt und Aufarbeitung ein neuer PC (ca. € 2.800,-) angeschafft. Das Schneiden des Videomaterials übernimmt Norbert, dafür hält er sich den Samstagnachmittag frei. Die Software dazu (Shotcut) gibt es gratis im Netz. Vorkenntnisse brachte keiner der beiden Landwirte mit: „YouTube ist der beste Lehrer“ lacht Norbert, „ich habe mir praktisch alles anhand frei zugänglicher Videos selbst beigebracht“.

Schnittprogramm: Shotcut € 0,-

Verständliche Information für alle, die es interessiert Aktuell werden die Videos rund 500 Mal angesehen. Um in Zukunft noch mehr Zuschauer zu erreichen wird bereits eine Übersetzung ins Englische überlegt. Eine spezielle Zielgruppe wollen Norbert und Lawrence nicht definieren: „Die Videos sind für alle, die sich für Schweineproduktion interessieren und sich darüber informieren möchten.“ Auch für die Zukunft gibt es schon Ideen zur Fortsetzung. Norbert und Lawrence planen, alle wichtigen Bereiche der Schweineproduktion abzudecken. Zum Beispiel sind Kooperationen mit benachbarten Produktionsbereichen, wie Besamungsstationen oder Stallbaufirmen vorstellbar. „Solange es etwas gibt, über das berichtet werden kann, sind wir motiviert, weiterzumachen!“, so Norbert.

Steh hinter dem was du tust! „Am Wichtigsten ist die Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit.“ in diesem Punkt sind sich Norbert und Lawrence einig. „Authentizität ist das Um und Auf! Wir wollen uns nicht in die Opferrolle begeben oder jemand anderen schlechtreden. Unser Motto lautet: Steh hinter dem, was Du tust, sei stolz darauf und zeig‘ es her.“ Um keines der spannenden und informativen Videos von Norbert und Lawrence Lackenbauer zu verpassen, empfiehlt es sich den Kanal „Pigs might fly im Weinviertel“ auf YouTube zu abonnieren!

Wer etwas über die Schweineproduktion in Österreich lernen und dabei das Projekt der Lackenbauers unterstützen möchte, kann den Kanal „Pigs might fly im Weinviertel“ auf YouTube abonnieren. Foto: Bildausschnitt YouTube 2-2021 | YouTube | 25


Einbruchschutz

Einbruchschutz in Schweineställen Leider kommt es immer wieder vor, dass in Schweineställe eingebrochen wird. Die Täter gehen dabei oft so geschickt vor, dass der Einbruch oft nur im Nachhinein bemerkt wird. Landwirtsfamilien, auf deren Betriebe einmal eingebrochen wurde, sind daraufhin sehr verängstigt. Vor allem ältere Personen und Frauen bringen solche Erfahrungen nicht mehr aus ihren Köpfen und fürchten sich wenn sie abends alleine zu Hause sind. Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Führung eines Besucherbuches empfohlen. • Im Betrieb steht jederzeit ausreichend Einwegkleidung oder betriebseigene und gereinigte Schutzkleidung zur Verfügung

Personen, die illegal in Ställe eindringen, stellen ein enormes gesundheitliches Risiko für den Schweinebestand dar. Es darf nicht sein, dass der Gesundheitszustand in Betrieben, der mühevoll über Jahre aufgebaut wurde, durch unliebsame Gäste in Gefahr gebracht wird. Spätestens seit Covid-19 weiß die Bevölkerung, wie schnell Infektionen übertragen werden können und was ein Krankheitsausbruch für Mensch bzw. Tier bedeutet.

Weiters kommt es leider immer wieder vor, dass Eindringlinge Schweine zur nächtlichen Stunde erschrecken und Fotos von aufgescheuchten Tieren machen. Die Schweine werden durch die Anwesenheit fremder Personen und deren Blitzlicht aus dem Schlaf gerissen und reagieren dadurch aufgeschreckt. Das umso mehr, da die Tierhalter in der Regel behutsam mit ihren Schweinen umgehen und jede unnötige Unruhe vermieden wird.

Die Schweinegesundheitsverordnung besagt in diesem Zusammenhang: • Ein- und Ausgänge werden gegen unbefugten Zutritt oder unbefugtes Befahren gesichert • Der Stall wird durch ein Schild mit der Aufschrift „Unbefugtes Betreten verboten – wertvoller Schweinebestand“ oder einer sinngemäßen Formulierung kenntlich gemacht • Der Stall wird von betriebsfremden Personen nur mit Einwegkleidung oder betriebseigenen Schutzkleidung betreten und diese Personen legen die Schutzkleidung nach Verlassen der Ställe ab. In diesem Zusammenhang wird die

Wie Sie Ihren Schweinebestand vor Eindringlingen schützen können und welche rechtliche Möglichkeiten Sie im Fall des Ergreifens dieser Personen haben, erfahren Sie in der folgenden Zusammenstellung aus den Referaten bzw. Diskussionen mit einem Kriminalbeamten. Nach den Erfahrungen der Kriminalisten wählen Einbrecher ihr Objekt nach folgenden Kriterien aus: • nach dem Risiko entdeckt zu werden • nach der Schwierigkeit ins Objekt eindringen zu können • nach dem Wert der möglichen Beute

Mit dieser Tafel erkennt jeder Besucher den zu schützenden Schweinebestand . Quelle: Strasser 26 | Einbruchschutz | 2-2021

Eindringlinge spionieren Ihr Objekt gut aus Daher ist darauf zu achten, ob Unbekannte mehrmals in der Nähe eines Betriebes zu sehen sind. Ist das der Fall, dann sprechen Sie die betroffene Person einfach an. Bestätigt sich der Verdacht nicht, so kann sich ein interessantes Gespräch ergeben. Andererseits, wenn der „Spion“ stotternd nach Antworten ringt, können Sie sicher sein, dass er nicht mehr kommt, da er von Ihnen erkannt worden ist. Gleichzeitig ist es auch gerechtfertigt, im Zweifelsfalle die Polizei zu rufen (Tel. 133). Dieser Anruf kostet nichts.

Zusperren: wenn das am Hof so leicht wäre Eindringlinge wählen immer den einfacheren Weg, geräuschlos und ohne Werkzeug, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Daher schreckt eine versperrte Tür oder Tor zuerst mal ab. Das mitunter gewaltsame Überwinden von Sperrvorrichtungen jeglicher Art stellt einen Umstand dar, der strafrechtlich verfolgt werden kann. Das bloße Hineingehen in einen unversperrten Stall ist keine Straftat, das Aufbrechen eines Schlosses sehr wohl. Gerade in freistehenden Gebäuden ist es aber lästig immer einen Schlüssel mitzu-

Dieser Zaun sieht optisch schön aus und schützt den Schweinebestand vor unbefugtem Zutritt. Quelle: Strasser


Einbruchschutz

nehmen und aufsperren zu müssen. Zumindest am Abend und wenn niemand am Hof ist, sollte jedoch alles verschlossen sein.

Unbekannte meiden Licht Ob Einbruch oder sonstige Eigentumsdelikte, angehendes Licht vertreibt unliebsame Besucher. Scheinwerfer und Bewegungsmelder können hier wertvolle Dienste leisten. Nur muss man sich damit abfinden, dass Katzen oder Vögel auch die Ursache für ein hell erleuchtetes Stallgebäude sein können. Übrigens: Ordentlich platzierte Scheinwerfer sind kein Luxus, denn sie leuchten den Hof und die Wege um Stallgebäude ausreichend aus und erleichtern somit die Arbeit in den Nachtstunden.

Alarmanlagen anschließen Im privaten Bereich sind Alarmanlagen in vielen Häusern und Wohnungen installiert. Auf unseren Schweinehaltungsbetrieben haben wir schon Alarmanlagen, die uns technische Störungen in den Ställen melden. Dieses System lässt sich einfach nutzen: Bei den vorhandenen Außentüren einen Sensor anbringen, der bei Öffnen den Alarm auslöst. Mit einem Zentralschalter, wiederum im Hofgebäude installiert, lässt sich die Alarmbereitschaft aktivieren oder ausschalten. Sie können sicher sein, dass in einem Ernstfall jeder Einbrecher Reißaus nehmen wird, wenn neben ihm die Alarmhupe ertönt und die Scheinwerfer angehen.

Hat der Hofhund ausgedient? Auf schweinehaltenden Betrieben werden häufig auch Hofhunde gehalten. Ob Jagdoder Familienhund – er muss gut ausgebildet sein und darf sich nicht durch Leckereien ablenken lassen. Gleichzeitig muss er die notwendige Aufmerksamkeit aufbringen und dabei nicht lästig sein.

Und wenn man einen „Einbrecher“ ertappt? Laut Aussagen der Kriminalexperten ist kein „Heldentum“ angebracht. Die Person darf zwar an der Flucht gehindert (festgehalten) werden, jedoch sollten Handgreiflichkeiten vermieden werden. Gleichzeitig ist sofort die nächste Polizeidienststelle zu kontaktieren (Tel. 133).

Fazit Hab und Gut vor dem Zutritt von Unbefugten zu schützen, ist ein Grundrecht und zugleich laut Schweinegesundheitsverordnung eine Verpflichtung für alle SchweinehalterInnen. Im Gegensatz dazu gewähren viele Landwirtsfamilien interessierten BesucherInnen gern einen Einblick in die Schweinehaltung. Dies aber nur dann, wenn sie sich vorher anmelden und unter Einhaltung der hygienischen Vorgaben gemeinsam mit dem Landwirt/der Landwirtin durch den Betrieb geführt werden. Das Projekt „Schule am Bauernhof“ ist ein gutes Beispiel dafür.

Ein Hund am Betrieb erkennt Besucher frühzeitig. Quelle: Strasser

Für eilige Leser • Eindringlinge erkunden ihr Objekt vorher genau • Zusperren – wenigstens in der Nacht und wenn niemand am Hof ist • Ausreichende Beleuchtung erleichtert das Arbeiten und schreckt gleichzeitig unerwünschte Eindringlinge ab • Stallaußentüren mit Alarmanlage der Lüftung kombinieren • Ertappt man den Einbrecher: nicht den Helden spielen, Polizei verständigen (Tel. 133) und Fotos machen • Für interessierte KonsumentInnen, immer ein offenes Ohr haben und die Produktion unter Einhaltung hygienischer Vorgaben herzeigen.

Ein von innen verschlossener Riegel schützt sicher. Quelle: Strasser 2-2021 | Einbruchschutz | 27


Foto: Pro-SAU

Was macht die Sau zur guten Mutter? Diese Frage beschäftigt Wissenschaft, Branchenvertretung und LandwirtInnen zunehmend mehr. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen erleben Sauenhalter derzeit maßgebliche gesetzliche Änderungen, da Tierschutzthemen auch auf gesellschaftspolitischer Ebene immer mehr in den Fokus rücken. In Österreich ist die Gruppenhaltung von tragenden Sauen seit 2013 verpflichtend und im Abferkelstall sind ab 2033 nur mehr Bewegungsbuchten mit temporärer Fixierung erlaubt. Außerdem gilt es Ferkelverluste zu minimieren, um Wirtschaftlichkeit und Wohlergehen von Sau und Ferkel zu verbessern. Strenge Selektion auf Fruchtbarkeit ließ die Ferkelzahlen höher werden, wodurch aber auch die Ferkelverluste stiegen. Zu den häufigsten Verlustursachen zählen Tod durch Erdrücken, Verhungern sowie stark eingeschränkte Ferkelvitalität. Aufgrund dieser Veränderungen in den Haltungssystemen werden deshalb zukünftig robuste Muttersauen mit bestem Fundament und Gesäuge, guten Muttereigenschaften und einfachem Handling gefragt sein. Zudem soll sich die Wurfgröße in einem optimalen Bereich befinden und die Ferkel mit ausgeglichenen, möglichst einheitlichen Geburtsgewichten zur Welt kommen.

Was zeichnet mütterliches Verhalten aus? Verhaltensforscher definieren ein sogenanntes Ethogramm, um Qualität und Quantität von Verhaltensmerkmale zu beschreiben. Sprechen wir von Muttereigenschaften, sind das viele komplex miteinander in Beziehung stehenden Merkmale, die 28 | Gute Mütter | 2-2021

die Sau vor allem wenige Stunden vor und während der Geburt (Nestbauverhalten; ruhiges Abferkelverhalten) bis viele Tage nach der Geburt zeigt. Nach der Geburt spielen Verhaltensweisen, die dem Schutz der Ferkel dienen, eine tragende Rolle: Versammeln der Ferkel im Sichtbereich, die Kommunikation zwischen Sau und Ferkel vor dem Abliegen, behutsames Abliegen, ruhiges Säugeverhalten, rasche Reaktion der Sau auf Ferkelschreie sowie der Schutz der Ferkel vor Eindringlingen. Letzteres steht allerdings oft im Widerspruch zum einfachen Handling der Sau. Eine weitere ungewollte Verhaltensweise ist die Aggression der Sau gegenüber ihren Ferkeln. Dieses Verhalten tritt häufig bei Jungsauen auf und wird oftmals in Zusammenhang mit Furcht gebracht, was etwa durch Umstallung, ungewohnte Einzelhaltung in den Abferkelställen oder auch durch Schmerzen bei der Geburt bedingt sein könnte. Bei Betrachtung der verschiedenen Verhaltensweisen ist es wichtig zwischen Verhaltensweisen, die als Reaktion auf äußere Einflüssen erfolgen, und intrinsisch motivierten Verhaltensweisen, durch innere Motivation der Sau, zu differenzieren. So können z.B. Sauen mit schlechtem Fundament, Lahmheit oder Klauenfehlstellungen kein behutsames Abliegeverhalten zeigen, weil sie durch Fehlstellungen oder Schmerzen in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind.

Wehenschwächen, die vor allem bei älteren Sauen auftreten, können zu unruhigem Abferkelverhalten führen. Unzureichende Futteraufnahme bzw. Nährstoffunterversorgung oder auch Krankheiten (zB. MMA) können zu Milchmangel und/ oder schlechtem Säugeverhalten führen. Ein klassischer Hinweis auf diese Erkrankung ist das Liegen auf dem Gesäuge. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Sauen mit hohen Ferkelzahlen absichtlich Ferkel erdrücken, um Stress zu minimieren.

Zuchtziel: Gute Mutter 2017 haben österreichische SchweinezüchterInnen und WissenschaftlerInnen begonnen, sich züchterisch intensiv mit mütterlichen Verhaltensmerkmalen zu beschäftigen. Dazu wurden die ZüchterInnen zu Beginn gefragt, was eine gute Muttersau in ihren Augen auszeichnet (Abbildung 1). Basierend auf der Befragung und bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen wurden sechs mütterliche Verhaltensmerkmale definiert (Tabelle 1) und einige zusätzlichen Informationen (Hormongaben vor/während der Geburt, manuelle Geburtshilfe, Vorliegen einer MMA-Erkrankung) von den Züchtern aufgezeichnet.


Foto: Pro-SAU

Zur Berechnung der Heritabilitäten (h2), genetischen Korrelationen (rg) und der Schätzung der Zuchtwerte lagen insgesamt 2.900 Datensätze vor. Zudem wurden 807 Sauen SNP-genotypisiert, um eine genomweite Assoziationsstudie durchzuführen. Dabei wurden SNP-Marker gesucht, die in einem Zusammenhang mit den erhobenen Verhaltensmerkmalen stehen.

Ist Verhalten genetisch verankert? Für das Merkmal Nestbauverhalten war die h2 so niedrig, dass dieses Merkmal nicht weiter forciert wurde. Die h² für das Verhaltensmerkmal „Aggressives Verhalten gegenüber der Betreuungsperson“ betrug 0,05 und die rg mit der Anzahl abgesetzter Ferkel wurde mit 0,42 geschätzt. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Muttersauen, die aggressives Verhalten gegenüber der Betreuungsperson zeigen, ihre Ferkel verstärkt vor potenziellen Feinden schützen. Dieser Beschützerinstinkt könnte auf stärker ausgeprägte mütterliche Fähigkeiten schließen lassen, was schließlich auch die höhere Anzahl abgesetzter Ferkel bedingen könnte. Eine Studie zur Charakterisierung von Aggressivität von Sauen gegenüber Betreuungspersonen konnte zeigen, dass aggressivere Sauen als „mutig“ einzustufen sind, während nicht-aggressive Sauen ängstlich waren. Aus Sicht der Züchter stellt dies ein Dilemma dar, da gute mütterliche Fähigkeiten zwar erwünscht sind, aggressives Verhalten jedoch eine Herausforderung darstellt. Außerdem könnte eine Selektion auf weniger aggressive Sauen gleichzeitig die Selektion ängstlicher Sauen begünstigen. Dies ist aus Sicht des Tierwohls unbedingt zu vermeiden, da ängstliche Sauen permanent einem höheren Stresslevel ausgesetzt und daher in ihrem Wohlergehen eingeschränkt sind. Auch für die Ferkel stellt dies ein Tierwohl-Problem dar. Dies zeigte eine weitere Studie welche den Zusammenhang zwischen Ängstlichkeit von Sauen und erhöhten Ferkelverlusten beobachtete. Basierend auf den genetischen Korrelationen mütterlicher Verhaltensmerkmale zueinander bzw. mit der Anzahl abgesetzter Ferkel sowie der eindeutigen Erfassung der Merkmale durch die Züchter wurden die Merkmale „Aggressives Verhalten gegenüber Ferkeln“, „Abferkelverhalten“, „Erdrückungsverluste in %“ (h2=0,07) sowie “Gute Mutter“ in einem Mütterlichkeitsindex kombiniert, der voraussichtlich heuer noch veröffentlicht wird.

Änderung des Zuchtziels in Richtung mehr Tierwohl Zusammenfassend kann gesagt werden, dass mütterliche Verhaltensmerkmale zu einem kleinen Teil genetisch verankert sind, die Umwelt allerdings einen weitaus größeren Einfluss auf das Verhalten hat. Dennoch stehen sie in einem Zusammenhang mit der betriebswirtschaftlich wichtigsten Kennzahl, nämlich der Anzahl abgesetzter Ferkel. Inzwischen erfassen alle größeren Zuchtbetriebe in Österreich mütterliche Verhaltensmerkmale sowie die individuellen Geburtsgewichte und die Wurfvitalität.

Anfang 2020 wurde außerdem der Wurfvitalitätsindex in den Gesamtzuchtwert implementiert. Durch die Einführung dieser beiden Indices – Mütterlichkeitsindex und Wurfvitalitätsindex – schlagen die ZüchterInnen den Weg zu einem wichtigen Zuchtziel ein. Dr. Katharina Schodl wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität für Bodenkultur Wien Dr. Christina Pfeiffer Zuchtleiterin der österr. Schweinezuchtorganisation PIG Austria GmbH

Abbildung 1: „Was zeichnet eine gute Muttersau aus?“ - Ergebnisse der Befragung von 33 ZüchterInnen mit insgesamt 103 Nennungen. Quelle: BOKU

Tabelle 1: Erfasste mütterliche Verhaltensmerkmale. Quelle: BOKU 2-2021 | Gute Mütter | 29


Foto: Durec

Proteinreduktion

Dr. Reinhard Puntigam Foto: Puntigam

Früher weniger ist später oft mehr Die Proteinabsenkung um die Zeit des Absetzens – dass aus Durchfall kein Reinfall wird!

Dr.in Julia Slama Foto: Slama

Beide: Universität Rostock Agrar- u. Umweltwissenschaftliche Fakultät jupi.nutrition@gmail.com 30 | Proteinreduktion | 2-2021

Absetzdurchfall und Ödemkrankheit - bei manchen Betrieben sporadisch, bei vielen jahrelange Begleiter - enorme ökonomische Einbußen können die Folge sein. Meist handelt es sich vorrangig um eine Infektion mit dem Erreger E. coli. Viele Stämme sind harmlos und stellen sogar einen Teil der natürlichen Darmflora von Schweinen dar - manche können jedoch auch gefährlich oder sogar tödlich sein.

Rücken, eingefallen Flanken, reduzierte tägliche Zunahmen, Auseinanderwachsen bis hin zur tödlichen Austrocknung sind die Folgen. Typische klinische Anzeichen der Ödemkrankheit sind hingegen geschwollene Augenlider (Lidödem), zentralnervöse Störungen, Koordinationsstörungen und Seitenlage bis hin zum Tod der Tiere. Auch hier sind es meist pathogene Stämme des E. coli. -Erregers.

Absetzdurchfall und Ödemkrankheit

Hintergrund und Entstehung

Das Absetzen zählt zu den schwierigsten Phasen im Leben eines Ferkels und damit einhergehend können multifaktoriell bedingt Durchfall sowie die Ödemkrankheit auftreten. Ersteres wird durch enteropathogene und enterotoxische E. coli. -Stämme verursacht, wobei diese an das Darmepithel anheften, Giftstoffe (Enterotoxine) bilden und den Verlust an Wasser und Elektrolyten veranlassen. Struppiges Haarkleid, schmaler

Der Verlust der Mutter, abrupter Futterwechsel, Rangordnungskämpfe mit unbekannten Buchtengenossen, neue Futter-, Tränke- und Klimatechnik und eine neue Keimflora sind klassische Stresssituationen in dieser Phase des Ferkellebens. Zudem befinden sich die Ferkel in einer immunologisch kritischen Übergangsphase, da die passive Immunität über die Biestmilch bereits abnimmt und der körpereigene Aufbau der Im-


Foto: Durec

munität noch nicht ausreichend vollzogen ist. Physiologisch ist die Salzsäureproduktion im Magen noch nicht voll ausgeprägt und somit die Durchsäuerung des Futterbreies und die Enzymaktivierung zum Abbau des Futterproteins reduziert.

Futteraufnahme und Stress Eine Kombination aus den genannten Stressfaktoren resultiert oftmals in anfänglichem Hungern, gefolgt vom Überfressen und kann als die maßgebliche Ursache des Absetzdurchfalls sowie der Ödemkrankheit genannt werden. Dieser Zusammenhang wurde von Kleine Klausing (2003) grafisch dargestellt (Abbildung 1). Die „gewünschte“ kontinuierlich gesteigerte Futteraufnahme (grün dargestellt) tritt meist nicht ein und konnte auch im Zuge eigener Fütterungsversuche bereits verdeutlicht werden. Die „reale“ Futteraufnahme nach dem Absetzen reicht in den ersten Tagen von wenigen Gramm pro Tag und mäßigem Gewichtsverlust bis hin zur absoluten Fressverweigerung. Die Studie von Bruininx et al. (2010) verdeutlicht, dass erst 70 Stunden (knapp 3 Tage) nach dem Absetzen alle Tiere Futter aufgenommen hatten (Abbildung 2). Dabei verweigern vorwiegend gut entwickelte Ferkel die Futteraufnahme da diese länger von den guten Reserven zehren und zudem mit Rangkämpfen beschäftigt sind. Versuche verdeutlichen auch, dass die Verabreichung des Absetzfutters begrenzt auf eine bestimmte Zeitdauer oftmals nicht zielführend ist. Die Anwendung des Absetzfutters sollte daher bestmöglich nicht an einer Zeitspanne gemessen (7 bis 10 Tage nach dem Zeitpunkt des Absetzens), sondern über die aufgenommene Futtermenge pro Ferkel definiert werden. Hierbei werden Futtermengen von 4 bis 6 kg pro Ferkel empfohlen. Dadurch kann das „Enzymtraining“ optimal gestaltet und diese Phase seitens der Futtervorlage ohne zusätzlichen Stress gestaltet werden. Auch ein mikroskopischer Blick in den Darm ist bei der Beurteilung von Durchfallerkrankungen interessant. Einige Studien beschäftigten sich mit dem Zusammenhang der Nährstoffaufnahmefläche im Darm nach dem Auftreten von Durchfällen und fanden deutliche Reduktionen dieser oberflächenvergrößernden Strukturen. Da diese besonders wichtig für die Absorptionsleistung von Nährstoffen sind können dadurch weniger Nährstoffe aufgenommen und in tierische Leistung transformiert werden. Außerdem kostet die Neubildung dieser Strukturen viel Energie und weitere Nährstoffe – sowie natürlich auch Zeit.

Strategien der Vermeidung

Protein – Spagat zwischen Fluch und Segen

Aus Sicht der Tierernährung stellt neben dem Einsatz von zootechnischen Futtermittelzusatzstoffen (Pre- und Probiotika, Säurekombinationen, mineralische Ergänzung z.B. Zinkquellen etc.) zur Unterstützung der Darmflora auch die gleichmäßige Futteraufnahme einen Schlüsselfaktor dar. Diese beruht maßgeblich auf einem gleitenden Futterwechsel, optimaler Futterhygiene, sowie einem optimalen Tier-Fressplatz-Verhältnis. Dadurch kann gewährleistet werden, dass keine starke Abpufferung der Magensäure eintritt und die Verdaulichkeit des Proteins hochgehalten werden kann. Somit wird das Anfluten großer Mengen an unverdautem Futterprotein im hinteren Teil des Verdauungstraktes verhindert und die Bildung erwähnter Toxine kann auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Der Begriff Protein, aus dem griechischen als „erstes“ und „wichtigstes“ abgeleitet, unterstreicht die enorme Bedeutung dieses Nährstoffs für den Organismus. Die Bausteine, sog. Aminosäuren, sind essenziell für Immunität, Enzymbildung, Nähstoff transport und Muskelaufbau. Ein „zu wenig“ beeinflusst die tierische Leistung negativ, jedoch kann sich ein „zu viel“ speziell in dieser bedeutenden Phase „rund ums Absetzen“ ebenfalls negativ auf die Tiergesundheit auswirken. Der Großteil der ferkelerzeugenden Betriebe ist „rhythmusgebunden“ und somit besteht kaum die Chance, Ferkel verlängert in der Aufzucht zu belassen. Ein bestimmtes Maß an Leistung ist also ein MUSS, speziell im Hinblick auf das Verkaufsgewicht und den damit erzielbaren Erlösen. Es stellt sich also die Frage nach dem „optimalen Proteingehalt“ in der Ferkelabsetz- bzw. Auf-

Abbildung 1: Futteraufnahme nach dem Absetzen - zwischen SOLL und real. Quelle:

Kleine Klausing, 2003

Abbildung 2: Die Futteraufnahme nach dem Absetzen. Quelle: Bruininx et al., 2010 2-2021 | Proteinreduktion | 31


Proteinreduktion

Tabelle 1: Versuchsaufbau des Ferkelversuchs. Quelle: Lynegaard et al. 2021 zuchtration, um die Leistung bestmöglich aufrecht zu erhalten und dennoch keinesfalls Absetzdurchfall bzw. eine Ödemerkrankung zu provozieren.

Weniger ist oft mehr Bei durchschnittlichem Absetzgewicht nach 28 Tagen von ca. 7,5 bis 8,0 kg und einer Lebendmasse von ca. 31 kg am Ende der Ferkelaufzucht (8 Wochen), entspricht dies einer durchschnittlich Zunahme von etwa 450 g Lebendmasse pro Tag. Das „gezielte Bremsen“ des Rohproteingehaltes innerhalb der Absetzphase kann somit ein „Fordern“ reduzieren und ein „Fördern“ für die folgende Leistungsentwicklung darstellen. Dies kann praxisrelevant durch einen aktuellen Fütterungsversuch aus Dänemark veranschaulicht werden (Lynegaard et al., 2021). Für diesen Versuch wurden knapp 7.000 Ferkel (Danbred) nach einer Säugendphase von 4 Wochen 6 Fütterungsgruppen zugeteilt. Die Rationen unterschieden sich wie in der Tabelle 1 dargestellt im Rohproteingehalt (RP) der jeweiligen Lebensphase und setzen sich vorrangig aus Weizen, Gerste, Sojaextraktionsschrot sowie Sojaproteinkonzentrat und Kartoffelprotein zusammen. Ergänzt wurde nach Bedarfsempfehlungen mit den Aminosäuren Lysin, Methionin, Threonin, Tryptophan, sowie Valin.

Ergebnisse aus dem Versuch Die Versuchsgruppen unterschieden sich weder beim Einstallen (6,7 kg) noch am Ende des Fütterungsversuches (durchschnittliches Gewicht 31,1 kg). Über den ge32 | Proteinreduktion | 2-2021

samten Versuchszeitraum wiesen Gruppe 5 und 6 mit 504 g im Vergleich zu den weiteren Versuchsgruppen etwas geringere tägliche Zunahmen auf. Die reduzierten täglichen Zunahmen in der Absetzphase auf Grund des reduzierten Protein- und Aminosäurengehaltes konnten speziell in der Phase 3 nahezu vollständig kompensiert werden. Die sehr geringen Unterschiede in Futteraufnahme und Futterverwertung sind als kaum praxisrelevant zu erachten. Die durchfallbedingten Antibiotikabehandlungen konnten durch den Einsatz von Zink in Gruppe 1 um knapp 42 % im Vergleich zur Gruppe 2 (identer Rohproteingehalt wie Gruppe 1; kein Zinkzusatz) reduziert werden. Demgegenüber konnte ebenfalls nachgewiesen werden, dass speziell durch den stark abgesenkten Proteingehalt in

der Phase 1 das Auftreten von Durchfällen, auch ohne den Zusatz von Zink, maßgeblich reduziert werden kann.

Fazit Leistungseinbußen und Ausfälle auf Grund von Durchfallerkrankungen sowie der Ödemkrankheit verursachen jährlich enorme wirtschaftliche Schäden. Neben dem Tier-Fressplatz-Verhältnis und einer ausreichenden Menge an Absetzfutter pro Tier, kann speziell über die Rationsgestaltung ein wertvoller Beitrag zur Gesunderhaltung der Ferkel geleistet werden. Zudem können durch eine gezielte Rohproteinabsenkung die Futterkosten unter Erhalt der Leistung und Tiergesundheit gesenkt werden.


Donau Soja

CO2-Reduktion bei Schweinefleisch mit Donau Soja GUSTINO-Strohschwein „Klimafit“ vermeidet 42 % der Treibhausgase! Der CO2-Fußabdruck von Schweinefleisch wird maßgeblich durch die Futtermittel bestimmt. Eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) Österreich belegt das anhand der österreichischen GUSTINO-Strohschweine „Klimafit“. Durch den Einsatz von Donau Soja-zertifiziertem Futter vermeidet das GUSTINO-Programm rund 42 % der CO2Emissionen.

Emissionen aus Landnutzungsänderungen in Brasilien. Der Emissionsanteil von SojaExtraktionsschrot verringert sich nach den Zahlen der vorliegenden Studie maßgeblich von 44 % auf nur 9 %, wenn Donau Soja-Extraktionsschrot in der Fütterung eingesetzt wird. Weiters können durch den Einsatz von Donau Soja Transportemissionen mehr als halbiert werden.

regionale und entwaldungsfreie Futtermittel. GUSTINO-Strohschweine wachsen auf österreichischen Familienbetrieben auf und fressen ca. 80 % hofeigenes Futter wie Gerste, Weizen, Ackerbohne und Mais. Außerdem haben sie 60 % mehr Platz im Stall und eine Ruhezone mit Stroh-Einstreu. GUSTINO nennt diese Haltung „Tierwohl & Klimafit“ und geht damit über die gesetzlichen Standards hinaus.

CO2- Reduktion in der Schweinefleisch-Produktion

Warum ein GUSTINOStrohschwein „Klimafit“ etwas Besonderes is(s)t

Die Studie von FiBL Österreich zeigt, wie sich die Fütterung mit regional produzierten Sojafuttermitteln positiv auf die Emissionen von Treibhausgasen auswirkt (Abbildung). Schweinefleisch der Marke GUSTINO-Strohschwein „Klimafit“ mit Donau Soja-Fütterung verursacht 2,5 kg CO2 pro kg Schweinefleisch, während eine vergleichbare Produktion mit Soja aus Übersee (50 % USA, 50 % Brasilien) 4,3 kg CO2 pro kg Fleisch verursacht. Das bedeutet eine Reduktion von 1,8 kg CO2 pro kg Schweinefleisch, also ein Minus von 42 % der Emissionen. Beim Einsatz von Übersee-Soja beträgt der Anteil von Sojaextraktionsschrot an den Gesamtemissionen 44 % - v.a. wegen der

Die Europäische Union ist stark von SojaImporten abhängig. Im Jahr 2018 beliefen sich diese auf fast 40 Millionen Tonnen, hauptsächlich aus Übersee. Etwa 12 Millionen Hektar werden benötigt, um diesen Bedarf zu decken. Nach Angaben der Sustainable Trade Initiative (IDH) stammen nur 19 % des Sojabedarfs der EU aus zertifiziert entwaldungsfreier Produktion. Bereits vor 30 Jahren begann der Verband Landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) gemeinsam mit den VertragsbäuerInnen und HandelspartnerInnen mit dem Markenaufbau von GUSTINO. Die GUSTINO-LandwirtInnen sind VorreiterInnen und setzen im Rahmen des „Klimafit“-Programms auf

Auch der kritische Sojaschrot stammt aus regionaler oder europäischer Produktion: Seit 2018 erhalten GUSTINO-Strohschweine „Klimafit“ als Eiweißfuttermittel überwiegend Donau Soja-zertifizierte Futtermittel. Die Qualitätssiegel Donau Soja / Europe Soya garantieren die europäische Herkunft, Nachhaltigkeit und Gentechnikfreiheit von Soja. Donau Soja / Europe Soya-zertifizierte Lieferketten schützen wertvolle Ökosysteme denn Sojaanbau erfolgt nur auf Böden, die schon vor 1. Januar 2008 für landwirtschaftliche Nutzung gewidmet wurden. Durch den Einsatz von Donau Soja trägt das GUSTINO-Strohschwein „Klimafit“ Programm zum Schutz von Wäldern und anderen wertvollen Ökosystemen bei und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Abbildung: Vergleich Futtermittelration mit Donau Soja versus marktüblichem Soja. Mix aus Übersee (50:50 USA und Brasilien). Quelle: Austrian Development Agency / Europe Soya - Donau Soja

https://www.gustino.at/gustino

Die Qualitätssiegel Donau Soja / Europe Soya garantieren die europäische Herkunft, Nachhaltigkeit und Gentechnikfreiheit von Soja. Foto: Bits and Splits - Fotolia.com 2-2021 | Donau Soja | 33


Weinbeuschel mit Semmelknödel Zubereitung 1. Zwiebel halbieren und an den Schnittflächen in einer Pfanne stark bräunen lassen. 2. Beuschel und Herz gründlich waschen, mit Wurzelwerk, Zwiebelhälften, Lorbeerblättern, Pfefferkörnern, Piment, Thymian u. Essig ca. 1 ½ Stunden lang köcheln u. im Sud erkalten lassen. 3. Danach das Beuschel von Luftröhren und knorpeligen Stücken befreien und fein nudelig schneiden. 4. Aus Butter, Mehl und etwas Zucker eine lichte Einbrenn zubereiten, mit Wein sowie ½ Liter Beuschelsud aufgießen, fein gehackte Frühlingszwiebeln sowie Gewürze beigeben und einige Min. köcheln lassen. 5. Beuschelfleisch zugeben, gut durchrühren, mit Salz, Pfeffer und Majoran abschmecken, aufkochen und etwa 20 Min. ziehen lassen. 6. Vor dem Servieren ½ Becher Sauerrahm unterrühren und mit 1-2 EL Gulaschsaft garnieren.

p

ip T t-

p e z

Re

©Rezept und Foto „Weinbeuschel mit Semmelknödel“ - Herausgeber: AMA

Semmelknödel 8 altbackene Semmeln klein würfelig schneiden. ½ Bund fein gehackte Petersilie in 4 dkg heißer Butter anlaufen lassen, über die Semmelwürfel gießen und gut vermischen. Zwei Eier mit etwas Salz in ¼ l Milch gut versprudeln, über die Semmeln gießen und 10 dkg Mehl einrühren. Nach 10 Min. in Salzwasser langsam kochen, bis die Knödel oben schwimmen.

Zutaten für 4 Personen 1 Schweinsbeuschel (Lunge) mit Herz (80 dkg) 1 Bund Wurzelwerk 1 Zwiebel, mittelgroß 2 Lorbeerblätter 6 Pfefferkörner, 4 Pimentkörner 1 EL Thymian 3 EL Weinessig Einbrenn 6 dkg Butter 6 dkg Mehl 1 Prise Zucker ¼ l Grüner Veltliner 2 Frühlingszwiebeln, fein gehackt 2 Kapern, fein gehackt 1 EL Petersilie, fein gehackt 1 MS Estragonsenf Zitronenschale, gerieben Salz, Pfeffer 1 TL Majoran ½ Becher Sauerrahm (oder Crème fraíche) etwas Gulaschsaft

... im VÖS RÄTSEL-Stall 5

4

>

>8

>

>

6

Kreuzworträtsel rund ums Schwein

>

1 >

9

>2

>

7

>3

1. Österreichweit gibt es mehr als 100 Qualitätssiegel im Lebensmittelbereich. Das AMA-Gütesiegel ist eines der wenigen, das gesetzlich geregelt ist und auch k... wird. 2. Die Umsetzung einer verpflichtenden Herkunftsk... von Produkten und in der Gemeinschaftsverpflegung wurde im Regierungsprogramm beschlossen. 3. Für die Impfung von Schweinen kann ein Gerät verwendet werden, das ohne N... auskommt. 4. In China gibt es mehrstöckige G... für die Aufzucht und Haltung von Schweinen. 5. Wenn Schweinebetriebe in Holland aufhören, erhalten sie eine E... 6. „Beuschel“ ist ein Gericht, für das meist L... und Herz verwendet wird. 7. In Deutschland heißt sie „Schweinshaxe“, in Österreich S... 8. Schweinehaltung verlangt viel Verantwortung und W... 9. Während der Corona-Lockdowns haben landwirtschaftliche Produkte aus der R... an Bedeutung gewonnen. Erstellt mit XWord - dem kostenlosen Online-Kreuzworträtsel-Generator https://www.xword-generator.de/de

34 | Rezept/Rätsel | 2-2021


Studie: Bild der Landwirtschaft in der Gesellschaft Qualität, Tierwohl und Herkunft: Die Top-3-Bereiche in der Landwirtschaft. Studie zum Bild der heimischen Landwirtschaft in der Bevölkerung und der eigenen Einschätzung der Bäuerinnen und Bauern über ihre Arbeit und ihren Stellenwert in der Gesellschaft veröffentlicht. Im Rahmen des Projekts „Innerlandwirtschaftliche Bildungsinitiative für Agrarkommunikation“ (IBAK) wurden von der ARGE Bäuerinnen gemeinsam mit dem Dachverband „Nachhaltige Tierhaltung Österreich“ (NTÖ) erstmals in Österreich zwei Umfragen in Auftrag gegeben, die einerseits das Bild der heimischen Landwirtschaft in der Bevölkerung und andererseits die eigene Einschätzung der Bäuerinnen und Bauern über ihre Arbeit und ihren Stellenwert in der Gesellschaft thematisieren. Die Ergebnisse des Marktforschungsinstituts KeyQUEST zeigen, dass die Arbeit der LandwirtInnen in der nicht-agrarischen Bevölkerung hoch angesehen ist und man sich durchaus der Relevanz dieses Berufsstandes auch für die künftige Lebensqualität in Österreich bewusst ist. Mit der Studie sollte ein repräsentatives Bild der Landwirtschaft aus Sicht der österreichischen Bevölkerung entstehen. Untersucht wurden daher das Image der Landwirtschaft und des Berufs Landwirt/Landwirtin in der Gesellschaft, die Aufgaben der LandwirtInnen für die Gesellschaft mit Fokus auf die Versorgung der Bevölkerung mit heimi-

schen/hochwertigen Lebensmitteln, eine nachhaltige Wirtschaftsweise, Tierwohl und Landschaftspflege. Ebenso beleuchtet wurden Berührungspunkte und Informationsquellen, Interesse an der Landwirtschaft und landwirtschaftlichen Themen sowie Schule und Landwirtschaft. Alle Ergebnisse der Studie können auf der Webseite der LK Bäuerinnen (www.baeuerinnen.at) im Detail nachgelesen werden.

Viktoria Egger NTÖ - Nachhaltige Tierhaltung Österreich

Antworten-Spiegel auf die Frage: Welche Bereiche in der Landwirtschaft sind für Sie von besonderem Interesse? Quelle: keyQUEST, Nov. 2020; n=1.033; Grafik: Oberngruber

2-2021 | ... im VÖS RÄTSEL-Stall | 35


Profile for VÖS Online

VÖS-MAGAZIN 2/2021  

VÖS-MAGAZIN 2/2021  

Profile for voes
Advertisement

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded

Recommendations could not be loaded