The Red Bulletin CD 04/24

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DER GROSSE SPRUNG

Eine Disziplin? Kann jeder. Zehnkämpfer Simon Ehammer liebt und lebt den vielseitigsten Sport der Welt.

SCHWEIZ, CHF 3.80 04 / 2024 JETZT ABONNIEREN getredbulletin.ch
PLUS JACOB COLLIER / JULIE MEHRETU / OCEVNE / NOEL ROBINSON / ORIANE BERTONE

4 4 FÜR DIE

Von Natur aus entspannt. Und ideal für alle, die gerne viel erleben.

Der neue Crosstrek 4×4 und der neue Impreza 4×4.

Entspannt in der Stadt unterwegs, auf dem Land und im Gebirge: Der neue Crosstrek 4×4 ist ein Vorbild an zuverlässiger Vielseitigkeit. Genauso wie der neue Impreza 4×4. Beide begeistern mit ihrer Serienausstattung inklusive der neusten Version des Fahrerassistenzsystems EyeSight.

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Abgebildete Modelle: Crosstrek 2.0i e-BOXER AWD Advantage, 136/16,7 PS, Energieeffzienz-Kategorie E, CO2-Emissionen kombiniert: 174 g/km, Treibstoffverbrauch kombiniert: 7,7 l/100 km. Impreza 2.0i e-BOXER AWD Advantage, 136/16,7 PS, EnergieeffzienzKategorie E, CO2-Emissionen kombiniert: 166 g/km, Treibstoffverbrauch kombiniert: 7,3 l/100 km.

DER

Contributors

LITTLE SHAO

hält Street-Action so kunstvoll und authentisch fest wie kein anderer. Kein Wunder, schliesslich war der Fotograf aus Paris selbst als B-Boy in der Szene unterwegs. Für uns inszenierte er Zehnkämpfer und Sonnyboy Simon Ehammer in der Zürcher Innenstadt.

Ab Seite 38

PATRICIA

M cALLISTER-KÄFER

ist freie Journalistin und Schreibmentorin. «Nur Helden werden uns nicht retten» heisst eines ihrer Bücher. Für unsere Heroes-Rubrik hat sie aber dennoch mit der Künstlerin Julie Mehretu über haushohe Kunst und ein ganz besonderes Rennauto gesprochen. Seite 20

JOSÉ GSELL

entführt mit seinen Erzählungen in wilde Gegenden. Buchstäblich. Wie er seine Liebe zur Natur – und ganz nebenbei sich selbst – wieder neu entdeckte, beschreibt er in unserer Literaturkolumne «On a positive Note». Ab Seite 96

EINE RUNDE SOMMER!

Wenn ein Breakdance-Fotograf und ein Zehnkämpfer in Zürich unterwegs sind, geht es rund: Wie der Appenzeller Simon Ehammer nicht nur eine Sportart, sondern gleich zehn Disziplinen meistert, erfährt ihr ab Seite 38. Rund geht’s auch mit Noel Robinson – und zwar um den Erdball. Der Reise-TikToker gewinnt Millionen von Social-Media-Herzen mit viel Witz, Charme –und einer imposanten Haarpracht (ab Seite 56). Wie es dem Musik-Genie Jacob Collier ergeht, der mit erst 29 Jahren bereits sechs Grammys abräumen konnte, verrät er uns ab Seite 74. Und für alle, die einfach erst einmal so richtig in den Sommer eintauchen wollen, liefert SurfFotograf Ted Grambeau ab Seite 22 in überwältigenden Bildern die passende Inspiration. Bis hierher war Alltag – ab jetzt ist Abenteuer!

Backflip ist zwar keine der zehn Disziplinen, die Simon Ehammer professionell betreibt – beim Fotoshoot drehte er aber trotzdem eine akrobatische Extrarunde.

EDITORIAL
THE RED BULLETIN 3 LITTLE SHAO (COVER), STEFAN FUERTBAUER, ILJA MEEFOUT

PHANEE DE POOL 16

Poetry Slam meets Rap. Die Schweizerin schaft mit ihrem«Slap» den internationalen Durchbruch.

DAWN RICHARD 18

Sängerin, Animateurin, Food-TruckBesitzerin? Mit Bezeichnungen hält sich dieses Multitalent nicht auf.

JULIE MEHRETU 20

Haushohe Projekte oder Rennauto? Die äthiopisch-amerikanische Künstlerin setzt auf Intuition.

PORTFOLIO

MEHR MEER 22

Tauche ein in die gewaltige BilderWelt des australischen Surf-Fotografs Ted Grambeau!

COVERSTORY

EINER KANN ALLES? 38

Wie Simon Ehammer aus Appenzell die Zehnkampf-Welt erobert und dabei doch beide Beine auf dem Boden behält. MUSIK

R&B MAL NEU GEDACHT 50

Mit Tiefgang und Selbstironie mischt die Genferin Ocevne die Musikszene auf.

REISEN

EINER BEWEGT DIE WELT 56

Wie der reisende TikToker Noel Robinson Millionen Fans zum Lachen, Tanzen und Nachdenken bringt.

KLETTERN

STEIL NACH OBEN 66

Mit ihren 19 Jahren klettert die Französin Oriane Bertone schon ganz oben mit.

Jacob Collier ist wahrlich ein bunter Vogel. Mit 29 hat das GenZ-Musikgenie sechs Grammys abgeräumt. UND JETZT DU!

50 56 GALLERY
ZAHLEN, BITTE!
HYPE-CHECK
HEROES
6
12
14
INHALT MUSIK TAUSENDSASSA
DE LUXE 74
REISEN 83 BIOHACKING 86 HÖREN 87 FITNESS 88 UHREN 90 ERLEBEN 92 IMPRESSUM 95 ON A POSITIVE NOTE 96 CHECK-OUT 98 4 THE RED BULLETIN MARKUS BURKE, NEUFNEUF, TED GRAMBEAU
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Barcelona, Spanien

NUMMER EINS

Eine ganze Weile musste das Team von Alinghi Red Bull Racing auf das BoatOne warten, das hier vor der Küste Barcelonas über das Wasser fiegt. Umso grösser war die Freude, als es zu Wasser gelassen wurde: «Du verbringst drei Jahre damit, das Boot am Computer zu entwickeln. Wenn du es dann in der Realität siehst, hat das etwas Magisches», sagt Chefdesigner Marcelino Botin. Mit der individuell angepassten AC75­Yacht geht das Team in den Trainings­Endspurt für den 37. America’s Cup im Herbst. Noch mehr Segel-Facts: bitte vorblättern auf Seite 12; alinghi.com

THE RED BULLETIN 7 OLAF PIGNATARO/ALINGHI RED BULL RACING/RED BULL CONTENT POOL ANNA MAYUMI KERBER

Cleveland, Ohio, USA

Bei diesem Shooting in einem alten Lagerhaus verschwimmen die Grenzen von oben und unten. US-Fotograf Thaddeus Schau liess Skater Nick Merva über eine gigantische Pfütze springen, trotz geringer Geschwindigkeit gelang dem ein 360-Grad-Kickfip. «Wegen der Refexion sieht es aus, als würde er in einer seltsamen Doppelwelt schweben», sagt Schau. Sein Lohn: ein Finalplatz beim Red Bull Illume-Fotocontest. Alle Final-Bilder: redbullillume.com

8 THE RED BULLETIN THADDEUS SCHAU/RED BULL ILLUME, ROMAN NEIMANN/RED BULL ILLUME SASKIA JUNGNIKL-GOSSY, DAVYDD CHONG
SPIEGEL-REFLEX

Hiiumaa, Estland

RITT ZUR WELLE

«Auf der Insel Hiiumaa gibt es einen Windsurfspot namens Ristna. Bei grossen Stürmen in der Ostsee entstehen riesige Wellen. Wenn der Wind nachlässt, bleiben die Wellen noch eine Zeitlang: perfekte Bedingungen zum Surfen! Dieses Foto entstand an einem dieser Tage auf dem Weg zum Strand.» So weit der O­Ton des estnischen Fotografen Roman Neimann. Man ahnt, dass es für ihn und seine Freunde ein Traumtag war. vanaisa.ee

Akureyri, Island

LANGSTRECKENFLUG

Skisprung-Star Ryōyū Kobayashi – 174 Zentimeter gross, 59 Kilogramm leicht – hält seit April den inofziellen Skifugweltrekord. Das japanische Ausnahmetalent, 27, fog nach dem Absprung von einer eigens für ihn konstruierten Schanze in den Bergen Islands in acht Sekunden auf 291 Meter. Damit übertraf Kobayashi die bisherige Bestmarke des Österreichers Stefan Kraft um 37,5 Meter. «Der Rekordfug wird meine persönliche Kraftquelle für die Zukunft sein», sagt der für seine stoische Ruhe bekannte Olympiasieger.

Scan den QR-Code und schau dir Kobayashis Flug an! Instagram: @ryo_koba

JÖRG MITTER/RED BULL CONTENT POOL NINA KALTENBÖCK
THE RED BULLETIN 11

DAS SCHLÄGT WELLEN

Einst waren es riesige Yachten, heute sind es fiegende Boote. Seit 173 Jahren treibt der America’s Cup – der älteste noch ausgetragene Bewerb im internationalen Sport – Technik und Innovation an, wie diese Zahlen zeigen.

2003

gewann das Schweizer Team Alinghi erstmals den AC. 2007 verteidigten sie den Titel. Im Oktober soll der dritte Sieg gelingen.

4

14

Bootstypen gingen seit Beginn des Cups an den Start: transatlantische Schoner und riesige J-ClassYachten. Heute sind es Hightech-Einrumpfboote.

61,3

Meter mass das längste Boot, das je den AC gewann: die «Reliance» des New York Yacht Club, 1903. Sie wog 172 Tonnen und hatte eine 64-köpfge Besatzung.

Crew-Mitglieder von Alinghi Red Bull Racing treten in die Pedale. Die Power Group, Cyclors genannt, treibt die Segel-TrimmHydraulik des Boots an. 230 000

Franken musste Titelverteidiger Oracle Team USA für illegale Modifkationen am Boot vor dem AC 2013 bezahlen – und kassierte zwei Strafpunkte.

36

Mal wurde der America’s Cup bisher ausgetragen. Die Gewinner: USA (30 Siege), Neuseeland (3), Schweiz (2) und Australien (1).

132

Jahre lang dominierte der New York Yacht Club den America’s Cup. Das ist die längste Siegesserie im modernen Sport. 1983 gewann Australien erstmals die Wandertrophäe.

6

Seglerinnen von Alinghi Red Bull Racing werden die Schweiz beim ersten Puig Women’s America’s Cup vertreten.

1

Sekunde war der Zeitunterschied, mit dem der Cup-Verteidiger Alinghi den Herausforderer Team Neuseeland im letzten Rennen 2007 schlug.

53,31

Knoten (98,7 km/h) betrug die Höchstgeschwindigkeit des letzten America’s Cup. Das ist doppelt so schnell wie ein Killerwal. Dieses Jahr soll es noch rasanter zugehen.

ZAHLEN, BITTE! 12 THE RED BULLETIN GETTY IMAGES, OLAF PIGNATARO/ALINGHI RED BULL RACING/RED BULL CONTENT POOL, LORIS VON SIEBENTHAL/ALINGHI RED BULL RACING/ RED BULL CONTENT POOL, LORENZ RICHARD/ALINGHI RED BULL RACING/RED BULL CONTENT POOL HANNES KROPIK CLAUDIA MEITERT

artiges zu leisten. Es mit dem Unbekannten aufzunehmen, etwas Neues zu wagen und vor nichts zurückzuschrecken? Es ist die Willenskraf, die auch TUDOR hervorbrachte. Eine Kraf, die mit dieser Uhr in jeder Frau und jedem Mann lebendig ist. Ohne diese Menschen gibt es keine Geschichte, keine Legende und keinen Sieg. Es ist die

Pro Cycling Team jeden Tag inspiriert. Es ist die Energie, für die jede Armbanduhr von TUDOR steht. Das Leben mancher Menschen wird von Kompromissen bestimmt. Andere sind bereit, ein Leben lang etwas zu wagen.

PELAGOS FXD
CHRONO

DAS TEIL

«Inspiriert von der japanischen Faltkunst Origami hat Hersteller Oru dieses klappbare Kajak entwickelt. Es wiegt nur 10 Kilo, lässt sich auf Taschengrösse falten und somit in jedem Auto transportieren. Für die letzten Meter bis zum Wasser gibt es Rucksackgurte.»

DER HYPE

«Wegen des futuristischen Looks bleiben viele dran hängen. Von Mel Casey stammt das erfolgreichste TikTok mit 2,6 Millionen Views. Creator Theo Hofmann paddelte von Manhattan nach Brooklyn und ging damit viral.»

DER CHECK

«Auf einen Schlag löst dieses Teil alle Transportprobleme in diesem Sport. Pluspunkte gibt es für das supermoderne Design. Abzüge für happige Preise ab CHF 600 bis 2000.

Must-have-Faktor:

VOLLE ENTFALTUNG

Das Oru Kayak kannst du wie einen Kofer einklappen. Unser Tech-Checker Kirafn prüft, ob dieser Plan wasserdicht ist.

PERFEKT FÜR ... alle, die Kajaks lieben, aber weder Bootsschuppen noch Dachträger besitzen.

NICHT PERFEKT FÜR ... Puristen, die auf Holzkajaks stehen und für die das mühsame Schleppen einfach dazugehört.

To go! Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich das Kajak vom langen Kahn in ein praktisches Paket. Gurte nicht vergessen!

Kirafin heisst bürgerlich Jonas Willbold, ist 29 und unterhält seine 1,2 Millionen Follower auf TikTok mit ComedyFormaten. Nebenbei folgt er seiner Faszination für Tech-Produkte und -Trends. Für uns nimmt er aktuelle Hypes unter die Lupe.

14 THE RED BULLETIN

HEROES

PHANEE DE POOL

arbeitete sieben Jahre lang als Polizistin und studierte Jazz, bevor sie als Sängerin und Komponistin ihren ganz eigenen Stil auf die Bühne brachte: einen Mix aus Poetry Slam und Rap – den «Slap»!

So geht eine nicht­alltägliche Karriere: Phanee de Pool wurde zweimal bei den Swiss Music Awards und dann in Paris mit dem Prix Georges Moustaki ausgezeichnet und ist Gewinnerin der Trophée Brassens 2024. Mit bürgerlichem Namen heisst sie Fanny Diercksen. Zuvor war die 35­Jährige Polizistin, erschuf ihr Alter Ego 2015 und macht nun klare Ansagen über ihre Musik: «Ich mache Poetry Slam. Und Rap. Also Slap!»

the red bulletin: Deine Laufbahn ist eher ungewöhnlich: Du hast eine Handelsschule besucht. Dann hast du eine Karriere bei der Polizei gemacht, und jetzt räumst du Musikpreise ab. Und das als Autodidaktin in Sachen Musik … phanee de pool: Das war bereits das Dilemma meiner Eltern: Ich habe mich schon immer schwergetan, etwas zu lernen. Sie haben mir sieben Jahre lang Klarinettenunterricht bezahlt, und ich kann immer noch keine Noten lesen. Dann habe ich mit dem Gitarrespielen angefangen. Ich war 14. Mein Gitarrenlehrer brachte mir bei, wie man Tabulaturen liest. Eines Tages sagte er mir: «Du hast Talent, geh zur Jazzschule!» Ich habe ein Jahr lang eine Vorbereitungsklasse besucht, die mit Folgendem endete: «Hör zu, Fanny, was du machst, ist super. Aber wenn ich dir einen Rat geben darf: Mach es woanders!» Und das war erst einmal das Ende meiner Musikkarriere. Es war gleichzeitig das Härteste und Befreiendste, was ich je gehört hatte – und auch das Realistischste, was man mir sagen konnte.

Dann bis du zur Polizei gegangen. Ein ziemlicher Sprung … Ich war schon immer so etwas wie ein «einsamer Wolf» und hatte ein riesiges Bedürfnis nach Unabhängigkeit. Also dachte ich mir:

Versuche es mit einen Job, bei dem es keine Routine gibt, und mit dem du nicht arbeitslos wirst. Ich stand am Fenster, rauchte eine Zigarette, und es fuhr ein Polizeiauto vorbei. Ich dachte: Okay, ich bewerbe mich und werde Polizistin. Wir waren 350 Bewerber. Sie nahmen drei Männer und mich. Das beweist doch, dass ich dahin gehörte!

Was hat dir diese Erfahrung gebracht? Ich war sieben Jahre bei der Polizei. Es war keine Berufung: Ich war wie ein Hipster, eine Aussenseiterin, zwar nicht locker, aber auch nicht wirklich streng. Ich zog die Prävention vor, wollte die Menschen verbessern statt zerstören. Der Job hat mir gezeigt, dass man dankbar sein muss, wenn alles gut läuft.

fung von Phanee de Pool ein Ventil. Sie ist jemand, der ich alles erzählen kann, die Anspielungen macht, die nur ich verstand, sodass ich nicht gegen das Berufsgeheimnis verstiess.

ON POINT

Geboren

2. Januar 1989 in Biel Bürgerlicher Name Fanny Diercksen Schönste Begegnung war mit Sänger Henri Dès, ihrem Kindheitshelden, bei einem ihrer Auftritte.

Kommen wir zur Musik. Woher kommt der Begrif für deinen Stil: «Slap»? Eigentlich ist es mein Schutzpanzer! Als meine ersten Stücke rauskamen, fragten die Leute: «Was soll denn das sein? Französische Chansons?» Aber das war und ist nicht mein Anspruch. Ich erzähle Geschichten, mit einem Anfang und einem Ende, und es gibt keinen Refrain. Seitdem erkläre ich, dass meine Musik eine Mischung aus Slam und Rap ist, also «Slap». Das haben die Leute sofort verstanden.

Du «slappst» also aus einem Gefühl der Dringlichkeit heraus. Und dein Slap besteht aus scharfen Worten mit Flow … Die brutale Realität des Alltags als Polizistin spiegelt sich in meinen Texten wider. Dahinter steckt etwas sehr Therapeutisches, das mich geformt hat und mich wachsen liess. Ich spreche über Armut, Drogen, Schizophrenie, häusliche Gewalt –Themen, mit denen ich mich als Polizistin befasst habe und die ich nun mit einem Hauch von Poesie in Worte fasse.

Selbstporträt «Ich bin Heuschrecke und Schwalbe, männlich und weiblich, ich bin ein Zwilling.» –Songtext von «Je suis».

«Bonsoir Paris!» konntest du mittler weile schon auf verschiedenen Bühnen der französischen Hauptstadt sagen. Bald heisst es: «Bonsoir Avignon!» – auf einem der wichtigsten Events im Festivalsommer. Wie fühlt sich das an? Ich erkenne gleich an den Blicken, ob ein Publikum mich kennt oder nicht. Und es macht mich unglaublich stolz, wenn es zu Anfang noch kühl reagiert, aber am Ende meiner Show mit einem breiten Smile – von Ohr zu Ohr – aus dem Saal geht!

Wie wurde aus Fanny dann Phanee? Am 11. September 2001 schaltete ich den Fernseher ein und sah den Sturz der Zwillingstürme. Da sagte ich mir: «Jetzt bewegst du deinen dicken Hintern, stehst auf und wirst kreativ!» Ich hab den Fernseher ausgeschaltet, und seitdem schmeisse ich mit Worten um mich. Für mich war die Erschaf­

Live: am 29. Juni beim Bassecourt Festival (Jura) und im Juli auf dem Festival d’Avignon. Alle Infos: phaneedepool.com

16 THE RED BULLETIN
«Das war der härteste und der befreiendste Satz, den ich je gehört habe.»
Phanee de Pool über die dringende Empfehlung ihrer Lehrer, die Jazzschule zu beenden
THE RED BULLETIN 17

HEROES

DAWN RICHARD

folgt nach Jahren in Girlgroups und Mainstream-Pop nur noch ihrem eigenen Beat – ob auf der Bühne oder im Foodtruck. Wie so ein Start ins neue Leben gelingt?

Eine Unabhängigkeitserklärung der Sängerin aus den Südstaaten.

Eigentlich muss Dawn Richard schon mehrere Leben gelebt haben: Immer wieder tourt die Künstlerin aus New Orleans mit ihrem markanten Sound – übermütig, etwas trotzig und mit unwiderstehlichen Beats –durch die USA und Europa. Und wenn sie nicht gerade schreibt, singt oder tanzt, betreibt sie einen veganen Imbiss oder erstellt Inhalte für den US-Kabelfernsehsender Adult Swim.

Richard war schon immer eine Getriebene. Sie ist im Lower Ninth Ward in New Orleans aufgewachsen – einer Gegend mit schwacher Infrastruktur und grossen Träumen, wie sie sagt. Als Teenager sang Richard im Vergnügungspark, im College wurde sie NBA-Cheerleaderin. 2004 bewarb sie sich beim US-Casting-TV-Format Making the Band. Was folgte, war eine Reise durch die Popstar-Welt als Mitglied zweier Girlgroups: Danity Kane und Dirty Money. Doch Richards erfand sich 2011 als Künstlerin DAWN neu, diesmal unabhängig. Seitdem hat sie sechs Alben veröfentlicht – einige unter ihrem musikalischen Alter Ego King Creole als halb menschliche, halb künstliche Kriegerin. Am Telefon in Louisiana erklärt uns Richard, wie es gelingen kann, wirklich seinen eigenen Weg zu gehen.

the red bulletin: War die Welt der Popmusik anders, als du sie dir vorgestellt hattest?

dawn richard: Mir war schon klar, was das Musikgeschäft mit sich bringt, aber es war trotzdem ein Schock. Wir nähten unsere Kostüme, hörten auf zu schlafen, tanzten mit 18 Zentimeter hohen Absätzen, probten acht Stunden am Tag. Wir konnten nie den Moment geniessen. Aber wir durften auch Teil von etwas Schönem sein, und dafür bin ich dankbar.

Was hat dich bewegt, dich unabhängig zu machen?

Zehn Jahre lang habe ich anderen geholfen, viel Geld zu verdienen. Ich dachte: Wenn ich zurückkehre, dann mache ich alles mit voller Absicht und teste Grenzen aus.

Wie hat sich dein Musikstil entwickelt? Ich konnte mein elf Jahre altes Ich verwirklichen. Björk, Prince, Grace Jones, Portishead, Queen, Jazz, Funk, R&B, Chicago House, Bounce Music – all das gehörte schon immer zu mir. Aber niemand erzählt mir jetzt mehr, dass dieser Refrain nicht kommerziell genug ist oder dass man als Sängerin unbedingt hübsch und vom Hautton her etwas heller sein muss. Ich darf endlich grösser träumen.

Ist es schwierig, sich treu zu bleiben?

war, dass ich zu den Siegerinnen gehörte, war ich obdachlos. Ich konnte nicht jubeln. Mein einziger Gedanke war: Wir müssen sofort arbeiten, ich muss Geld verdienen. Meine Eltern hatten so hart gearbeitet, und jetzt schliefen sie auf dem Fussboden in der Einzimmerwohnung meines Bruders. Das meine ich mit: Es muss funktionieren.

Wie kam es zum Nebenjob im Film?

ON POINT

Kommt aus New Orleans Ist

40 Jahre alt

Aktueller Hit «Babe Ruth»

Gastauftritte u. a. bei Nelly, T-Pain, Guy Gerber Zweitjob

Mich kümmert es einen Dreck, was jemand von mir denkt. Es ist so wichtig, dass man zu sich selbst steht – ohne sich zu entschuldigen. Niemand weiss etwas in diesem Geschäft, alle stellen nur Vermutungen an, also glaub nicht dem Hype. Sonst verlierst du dich, während du den Ideen folgst, die jemand anderes von dir hat.

Besitzerin eines veganen Foodtrucks Drittjob Animationszeichnerin

Als unabhängige Musikerin musste ich meine Projekte selbst finanzieren. Ich zeichne gern, ich liebe Anime, also rief ich Adult Swim an. Sie mochten das schräge Zeug, das ich machte, also verkaufte ich ihnen Musik. Dann sagte ich ihnen, dass ich gern auch bei ihren Filmen mitarbeiten würde. Die dachten, ich mache Witze. Aber sie sahen sich meine Arbeit an und waren bereit, es zu versuchen. Jetzt helfe ich dabei, schwarze und queere Animatoren zu uns zu holen, teilweise haben sie noch nie in der Branche gearbeitet.

Hast du einen Rat, wie man Ängste überwinden kann?

Also war Aufhören wohl keine Option. Als wir den Hurricane Katrina erlebten, haben wir alles verloren. Ich wusste, wie null aussieht. Es gibt kein «Das geht nicht». Es wird gehen. Das musst du manifestieren.

Wo standst du in deiner Karriere, als New Orleans 2005 überfutet wurde? Genau eine Woche nach Katrina wurden wir zurückgeschickt in die Casting-Show, wir waren unter den letzten zwölf. Als klar

Ich liebe Angst, als Sternzeichen Löwe versuche ich sofort, mich ihr zu stellen. Deswegen mag ich Fallschirmspringen. Ich mag dieses Gefühl, nicht zu wissen, ob ich mich etwas traue. Und dann springe ich.

Richards letzte EP, «The Architect», ist bei Merge Records erschienen; dawnrichard.io

18 THE RED BULLETIN
«Ich mache alles mit voller Absicht und teste Grenzen aus.»

Wie sich Dawn Richard als Künstlerin neu erfand

THE RED BULLETIN 19

HEROES

JULIE MEHRETU

ist mit ihren meterhohen Gemälden eine der bedeutendsten Malerinnen unserer Zeit. Jetzt hat sie einen Rennwagen für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gestaltet.

Julie Mehretu steht auf der zweiten Stufe eines kleinen Gerüstwagens ganz nah vor einer riesigen Leinwand. Sie tupft mit dem Pinsel schwarze Farbe auf die Oberfäche des entstehenden Gemäldes, verwischt die Tupfer, erst mit den Fingern, dann mit dem Handballen. «Mich interessiert besonders, wie Bilder sich vor unseren Augen entwickeln», sagt sie im Gespräch und meint damit: vor den Augen des Publikums, die sie zu sehen bekommen – aber auch im Schafensprozess vor ihren eigenen.

ON POINT Kommt aus Äthiopien

Ist

53 Jahre alt

Arbeitete auch schon in einem alten Fabriksgelände in Berlin

Erklären, was sich auf ihren Bildern abspielt, kann und will sie nicht. Betrachter sollen sich auf ihre Intuition verlassen. Wenn sie dann doch einmal über ihre Bilder spricht, klingt das, als würde sie über Menschen, jedenfalls Lebewesen sprechen: Je mehr Zeit man mit ihnen verbringe, umso mehr erkenne man in ihnen. «Doch ist das nicht notwendigerweise eine Erfahrung des Wissens», sagt sie. Es sind gefühlte Wahrnehmungen, die sie interessieren.

Auktionsrekord für das teuerste Gemälde einer afrikanischen Künstlerin (9,32 Mio. US­Dollar)

Die frühen Werke der amerikanisch-äthiopischen Künstlerin erinnern an Landkarten, Stadtpläne. Heute sind es eher Einblicke in vielschichtige, abstrakte Welten. Manche Details darin lassen sich klar ausnehmen, es könnten Buchstaben einer unbekannten Bildsprache sein, «marks», wie Mehretu sagt, Zeichen, die fast lebendig wirken. Andere Elemente erscheinen verschwommen, schemenhaft. Mehretu arbeitet dafür nicht nur mit dem Pinsel. Zwischendurch bearbeitet sie Fotos der Leinwand am Computer weiter und integriert Elemente dann wieder ins Bild. Mehretu gilt als eine der wenigen schwarzen Frauen, die, wie die «New York Times» 2023 schrieb, in den westlichen Kanon bildender Künstlerinnen aufgenommen wurden. Nach Ausstellungen unter anderem im Museum of Modern Art in New York zeigte das Whitney Museum 2021 eine Retrospektive. Und im Palazzo Grassi, Venedig, läuft noch bis Anfang 2025 ihre grösste Ausstellung bisher in Europa.

Einflussreich?

Ja! «Time Magazine» zählte sie 2020 zu den 100 einflussreichsten Personen.

Privileg und Inspiration 1970 in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geboren, füchtet ihre Familie, der Vater Universitätsprofessor, die Mutter MontessoriPädagogin, als sie sechs ist, vor politischen Unruhen in die USA. Sie studiert am Kalamazoo College in Michigan, an der Université Cheikh Anta Diop in Dakar im Senegal und schliesst 1997 ihr Masterstudium an der Rhode Island School of Design ab.

Heute lebt sie in New York. Ein Grossteil ihrer Familie ist äthiopisch, doch wenn sie sich in der Welt bewegt, tut sie das als Amerikanerin. «Als Bürgerinnen und Bürger der USA und der EU sind wir enorm privilegiert», betont Mehretu. Das bringe auch eine gewisse Verantwortung. Als Malerin versuche sie, all das, was in der Welt geschieht, in ihrer Arbeit zu verhandeln: Migration, Revolutionen, Pandemien, soziale Gerechtigkeit, Klimawandel. Ihre Inspiration holt sie sich aus verschiedensten Quellen: Massen- und soziale Medien, Architektur, antike Geschichte, Literatur und Musik. Dabei korrespondiert sie auch immer wieder mit Werken anderer. «Ich bin immer im Dialog», sagt die Künstlerin. Davon zeugt

etwa die aktuelle Ausstellung in Venedig mit dem Titel «Julie Mehretu. Ensemble»: Befreundete Künstlerinnen und Künstler wirken daran mit. Für nächstes Jahr plant sie gemeinsam mit der Produzentin und Autorin Mehret Mandefro in mehreren afrikanischen Städten Workshops zur besseren Vernetzung von Medienschafenden.

Karosserie statt Leinwand Davor präsentiert Mehretu im Mai aber das Ergebnis einer anderen Kollaboration: Für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans hat sie dieses Jahr das ArtCar für BMW designt (siehe Seite 93), das vor ihr schon Künstler wie Andy Warhol oder Jenny Holzer gestaltet haben. Mehretu wollte den Rennwagen dabei «nicht einfach dekorieren», wie sie sagt. Stattdessen wurde das Motiv eines ihrer Bilder auf die Karosserie aufgebracht, «als wäre das Auto durch das Bild durchgefahren».

Die Zusammenarbeit mit Technikern, Designern, Ingenieuren und Fahrern war für sie völlig neu und beeindruckend. Das Auto sei eine ganz starke gemeinschaftliche Leistung – bis hin zu jenen Mitarbeitern, die beim Boxenstopp die Reifen wechseln. Mehretu sieht den Rennwagen dabei nicht als «rollende Skulptur», sondern in seiner Funktion, im 24-Stunden-Rennen zu bestehen. Das Kunstwerk sei erst vollendet, wenn das Rennen vorbei ist: «Mein Bild wirkt auf das Auto, und das Rennen wirkt auf das Auto.» Durch das Ein- und Aussteigen der Fahrer, durch die Abnutzung auf der Strecke wird es in Mitleidenschaft gezogen. Es macht etwas durch. Wie Mehretus Bilder. Wie wir alle.

Instagram: @juliemehretu Jetzt QR-Code scannen und alle Art Cars ansehen.

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«Mich interessiert, wie Bilder sich vor unseren Augen entwickeln.»

Wenn Julie Mehretu über

Kunstwerke spricht, klingt es so, als ob es Lebewesen wären.
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GEFÄHRLICHE BRANDUNG

Teahupo‘o, Tahiti, 2022

Ein Albtraum jedes Surfers: Der Peruaner Rodrigo Reinoso schaft es nicht mehr über den Wellenkamm. Die Folgen: ein Waschgang in der Riesenröhre, Prellungen und Schürfwunden. Aber auch: ein ikonisches Bild als Erinnerung.

BLAUE GIGANTEN

Wellen, so schwer wie beladene Güterzüge. Surfer in Kung-Fu-Posen. Ein unglaubliches Gespür für Licht. Willkommen in der Welt des australischen Fotokünstlers Ted Grambeau.

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TEXT SIMON SCHREYER FOTOS TED GRAMBEAU

ENERGIEENTFALTUNG

Nazaré, Portugal, 2022

Die massive Brandung von Nazaré ist weltbekannt. Hier sucht sie Einlass in einen Canyon, um wieder mit aller Gewalt himmelwärts auszubrechen: 25 Meter hoch reicht die Fontäne. «Besonders gelungen fnde ich auch die Komposition der Silhouetten am Strand», sagt Fotograf Ted Grambeau.

«Die physische Macht des Meeres fasziniert mich.»
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BLUETUBE

Teahupo‘o, Tahiti, 1992 Manoa Drollet im blauen Innenraum der Walze von Teahupo‘o. Manoa ist wie sein Bruder Matahi einer der legendären Surfer Tahitis. Diese Aufnahme unter der Wasseroberfäche gelang Ted, indem er sich Bleigürtel um die Hüfte schnallte, die ihn im Sog der Welle stabilisierten.

«Experimente wie dieses machen den Reiz der Fotografie aus.»

Jetzt QR-Code scannen und Surf-Action auf Red Bull TV erleben:

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VON DER LIPPE

Galápagos, Ecuador, 1995

Brad Gerlach hebt von einer Wellenlippe vor den Galápagos-Inseln ab. «Hunderte Vogelarten, eine üppige Botanik und vulkanische Landschaften prägen diesen Surfspot. Brad und ich wurden ausserdem von zutraulichen Robbenbabys umzingelt.»

SURFARI

Mosambik, Südostafrika, 1994 Lebensgefühl pur. Ein Sonnenaufgang in Blutorange vor der afrikanischen Küste. An Bord der Yacht: ein aufgewecktes Rudel Surfer, das einem brandneuen Tag entgegenfebert. Ziel der Mission: spannende Surfspots zu fnden.

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NATURVERBUNDEN

Teahupo‘o, Tahiti, 2023

Der Australier Russell Bierke ist bekannt dafür, seine Grenzen zu pushen, wo es nur geht. Hier hat er sie überschritten und wird das Augenblicke später auf dem Korallenrif unter der Welle zu spüren bekommen.

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IM GOLDRAUSCH

Nias, Indonesien, 2018 Gerade noch zum rechten Zeitpunkt droppt der Hawaiianer Mark Healy in die perfekte Welle von Lagundri auf der Insel Nias – abendliches Goldlicht obendrein. «Es war der grösste Wellengang, den ich je im Indischen Ozean erlebt habe», schwärmt Ted.

HINTEN ANSTELLEN

Teahupo‘o, Tahiti, 2006

Die Rangordnung unter Surfern ist naturgegeben. Sie darf auch von den talentierten Kids nicht durchbrochen werden: Zuerst kommen die Besten, und die anderen müssen sich in Geduld üben. Im Hintergrund rollt eine der gefährlichsten Wellen der Welt über das Rif.

IM VORTEX

Teahupo‘o, Tahiti, 2013

Mark Mathews in KungFu­Pose und in einer meisterhaften Aufnahme. Der Innenraum des Tunnels («Barrel» oder «Tube» genannt; Anm.) ist so gross wie ein Apartment. Über ihm rollt die Welle von Teahupo‘o mit der Masse eines beladenen Güterzuges.

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VERLEIHT FLU

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GEKOMMEN, UMZU BLEIBEN

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ERSTE REIHE

FUSSFREI

Teahupo‘o, Tahiti, 2015 «Bevor er 2023 seine Profkarriere beendete, war Owen Wright auf der World Surf Tour vorn dabei», sagt Ted, «aber für mich war es das grössere Privileg, so wie hier sein elegantes Free-Surfng zu dokumentieren.»

Die Fotoausstellung Red Bull Illume, die auch Ted Grambeaus Siegerbild zeigt, ist im Oktober im Haus der Fotografie in Olten zu sehen. Alle Termine: redbullillume.com

DER FOTOGRAF

TED GRAMBEAU

Er gilt als Meister seines Fachs und als Pionier: Seit 40 Jahren ist der Australier Ted Grambeau Surf-Fotograf. Noch immer wird er seekrank, wenn er an Bord von Booten auf Wellen warten muss, doch sobald Ted die Kamera im Wasser einsatzbereit macht, geht es ihm wieder gut. Sein Lieblingsgericht ist Poisson cru, eine tahitianische Variante des gebeizten Fisches mit Kokosmilch. Freunde beschreiben Ted als Ruhepol, trotzdem ist er rastlos unterwegs zwischen Fidschi, Tahiti und Hawaii. Von dort bringt er epische Fotos mit, die vom Spirit des Surfens erzählen, von der Kraft des Wassers und von dramatischen Momenten.

Seine Aufnahme eines solchen Moments (erstes Bild in dieser Strecke) schafte es ins Finale des Red Bull Illume Image Quest 2023 und gewann in der Kategorie Energy. Auch in anderen seiner Fotos verewigt er die Welle von Teahupo‘o, Schauplatz des Sur fbewerbs bei den Olympischen Spielen 2024. Nebenbei beschäftigt sich Ted im Bereich der abstrakten Fine-Art-Fotografe. Das Motiv? Natürlich Wasser!

Instagram: @tedgrambeau

34 THE RED BULLETIN

Elektrisch fahren?

Gerne, aber wer kennt sich

da noch aus?

Renault bringt Licht ins Dunkel

Der Umstieg aufs Elektroauto ist in vollem Gange, gewiss. Aber von heute auf morgen vom Dieselmotor auf einen rein elektrischen Antrieb zu wechseln, ist gar nicht so einfach. Wir liefern hilfreiche Erklärungen, damit Sie den Durchblick behalten und in Ihrem Tempo zur Elektromobilität wechseln können.

Hybrid – für wen eignet sich das? Für Menschen, die einen Kompromiss bevorzugen: in der Stadt und auf Kurzstrecken elektrisch unterwegs, über Land und auf langen Fahrten mit Benzinmotor.

Aber welche Hybrid-Variante ist die passende? Denn Hybrid ist nicht gleich Hybrid.

Im Hybrid-Dschungel kann man schon mal den Durchblick verlieren. Wir von Renault möchten für Klarheit sorgen. Es gibt nur drei Hybridantriebe, die Sie kennen sollten. Diese unterscheiden sich voneinander in Sachen Batteriekapazität (kWh), Leistung des Elektromotors (kW) und elektrischer Reichweite, sprich, wie lange das Fahrzeug rein elektrisch fahren kann. Plug-in Hybride verfügen über die grösste Batterie und müssen regelmässig geladen werden. Nicht extern aufladbare Hybridfahrzeuge (Vollhybride und Mild-Hybride) nutzen hauptsächlich die beim Bremsen gewonnene Energie (sogenannte kinetische Energie), um die Batterie autonom aufzuladen.

Blick auf die Vorteile der verschiedenen Technologien.

Ein Mild-Hybrid ist kein Vollhybrid. Der Mild-Hybrid ist mit einem kleinen Elektromotor ausgestattet, der den Verbrennungsmotor unterstützt, und zwar beim Anlassen und Beschleunigen. Dieses dynamische Duo verringert die Emissionen um bis zu 20 % verglichen mit einem gleichwertigen Verbrennungsmotor. Allerdings ermöglicht dieses auch kurz «Hybrid»-Technologie genannte System nicht die gleiche elektrische Leistung wie ein E-Tech full hybrid. Fragen Sie im Zweifel Ihren Verkaufsberater nach der Leistung der elektrischen Batterie: Bei 48 V ist rein elektrisches Fahren nur auf wenigen Metern, oder in bestimmten Fällen wenigen Kilometern möglich. Mit den 200 V bis 400 V der Vollhybrid Fahrzeuge können hingegen etliche Kilometer zurückgelegt werden.

E-Tech full hybrid.

Die E-Tech full hybrid Technologie ermöglicht die Umwandlung der beim Fahren entstehenden Antriebsenergie und das Aufladen einer im Vergleich zum Mild-Hybrid leistungsstärkeren Batterie (400 V statt 48 V). Diese Spitzentechnologie wird von zu wenigen Herstellern genutzt. Das Fahrzeug kann mithilfe der Batterie und des Elektromotors fahren, Sie verfügen also über zwei Energiequellen –elektrische und thermische Energie –, die das Fahrzeug antreiben. Selbst bei hoher Geschwindigkeit ist rein elektrisches Fahren möglich. Als Beispiele seien der Espace E-Tech full hybrid, der Austral E-Tech full hybrid oder auch der Rafale E-Tech full hybrid genannt, die über eine Reichweite von bis zu 1 100 km(3) verfügen, rein elektrisch eine Geschwindigkeit von bis zu 130 km/h erreichen und bis zu 40 Prozent(2) weniger Energie verbrauchen.

Und was hat es mit dem Plug-in

Hybrid bzw. extern aufladbaren

Hybrid auf sich?

Der Plug-in Hybrid, kurz PHEV, bietet eine grössere Reichweite beim 100 % elektrischen Fahren (mehr als 50 km) und höhere Kraftstoffeinsparungen, muss aber zum Laden an die Steckdose angeschlossen werden. Eine fehlerhafte Nutzung dieses Antriebstyps wäre kontraproduktiv. Wird das Fahrzeug nicht extern geladen, was bei vielen Stadtbewohnern der Fall ist, schaltet sich der Elektromotor nicht oder nur selten dazu. Aufgrund der grossen Batterie zusätzlich zum Verbrennungsmotor ist das Fahrzeug schwerer, und kommt der Elektroantrieb nicht häufig genug zum Einsatz, kann das Auto deutlich mehr Schadstoffe ausstossen als ein Benzin- oder Dieselfahrzeug.

Und nun?

Bei Renault setzen wir auf die Entwicklung effizienter Technolo gien, nicht auf einen «Möchtegern»Hybriden, sondern auf echte Spitzentechnologie, die auf solidem Knowhow basiert, das auf den anspruchsvollen Renn strecken der Formel 1 erworben wurde. Dank dieses Knowhows sind die E-Tech full hybrid Modelle auch auf längeren Strecken und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 130 km/h zu 100 Prozent elektrisch unterwegs, wobei die Gesamtreichweite bei bis zu 1 100 km(3) liegt. Eine einfache und nützliche Technologie für all jene, die noch nicht für ein Elektroauto bereit sind, und die deutliche Einsparungen beim Verbrauch (bis zu 40 %(2)) und geringere CO 2 -Emissionen bietet.

Kurz: Wir von Renault haben Verständnis, dass ein direkter Wechsel vom Verbrennungsmotor zu einem reinen Elektroantrieb nicht einfach ist. Und auch wenn einige von Ihnen diesen Schritt bereits gemacht haben bzw. kurz davor stehen, ihn zu gehen, schien es uns äusserst wichtig, zwei komplette Modellreihen zu entwickeln, damit jede und jeder den Weg zur Elektromobilität im eigenen Tempo beschreiten kann. Wir haben für diese beiden Modellreihen keine gemeinsame Plattform entwickelt und beschlossen, unsere Fahrzeuge passgenau auf die jeweilige Antriebstechnologie abzustimmen, um ihr Gewicht, ihre Effizienz und ihre Fahrleistungen zu optimieren.

Bei Renault steht E-Tech einerseits für die 100% electric Modellreihe mit Zoe, Twingo, Megane, Kangoo, R5 und Scenic, der jüngst zum Auto des Jahres 2024 gekürt wurde, sowie allen Nutzfahrzeugen und andererseits für die E-Tech full hybrid Modellpalette mit Clio, Captur, Arkana, Austral, Espace und Rafale. Schauen Sie gern bei unseren Vertragspartnern vorbei, um noch mehr zu erfahren.

Warum Sie sich die Zeit nehmen sollten, unseren Artikel zu lesen?

Weil wir seit Einführung des Renault Zoe E-Tech 100% electric vor zwölf Jahren und mit insgesamt 250 000 Elektro fahrzeugen aus der Renault Model l palette auf den Strassen die Pioniere der Elektromobilität sind. Und weil wir über ein grosses und umfassendes Sortiment an sogenannten «elektrifizierten» E-Tech Fahrzeugen verfügen: von reinen Stromern über aufladbare Plug-in Hybride bis hin zu Vollhybriden (nicht extern aufladbar).

E-Tech 100% electric oder E-Tech full hybrid?

100 % elektrisch – für wen eignet sich das?

Für Menschen, die Wert darauf legen, dass ihr Auto bei der Nutzung (1) kein Gramm CO 2 ausstösst, und die kein Benzin mehr tanken möchten. Und auch für all jene, die ein noch nie da gewesenes Fahrgefühl erleben möchten: leise und intensiv. Doch diese engagierte Entscheidung erfordert einige Änderungen im Verhalten und in der Nutzung.

Elektromobilität bei Renault –was steckt dahinter?

Elektromobilität beschränkt sich bei Renault nicht nur auf das SUVSegment: Vom Stadtflitzer über Familienwagen bis hin zu Nutz -

fahrzeugen, vom Renault Zoe E-Tech 100% electric bis hin zum Renault Scenic E-Tech 100% electric – wir haben entschieden, Modelle für jeden Bedarf und jeden Einsatzzweck zu entwickeln.

Renault, der Elektrofahrzeugspezialist. Im Unterschied zu anderen Marken haben wir beschlossen, seit dem Renault Zoe bis zum Renault Scenic E-Tech 100% electric, 100 % elektrische Modelle zu bauen. So können wir optimale technische Lösungen entwickeln, da diese speziell auf Elektrofahrzeuge zugeschnitten sind. Dank unseres grossen Expertennetzwerks in der ganzen Schweiz können wir Sie bei Ihrem Wechsel auf ein Elektroauto optimal unterstützen. Entdecken Sie die Elektromobilität bei unseren Fachleuten und erfahren Sie über den untenstehenden QR-Code noch mehr zur Renault E-Tech Modellpalette und Technologie.

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(1) Verschleissteileausgenommen.

(2) verglichenmiteinemgleichwertigen VerbrennungsmotorimStadtverkehr. (3)ReichweitemitvollemTankgemäss WLTP-Daten.

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Startklar!

Simon Ehammer beim Fotoshooting in Zürich: Weil sie alles gleichmässig trainieren, haben Zehnkämpfer einen Körper wie von Leonardo da Vinci gezeichnet.

38 THE RED BULLETIN

KÄMPFER HOCH ZEHN

TEXT CHRISTOF GERTSCH FOTOS LITTLE SHAO

Man nennt sie die «Könige der Leichtathletik», aber das ist eine Unter treibung. Zehnkämpfer sind die Könige aller Sportler. Und der Appenzeller Simon Ehammer ist einer ihrer Besten.

auch im Weitsprung bei den Spezialisten ganz vorne mit.

Hoch hinaus Simon Ehammer gehört nicht nur zu den besten Zehnkämpfern. Er mischt
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Ehammers Ziel? Ausgeglichen sein. Das Training ist für Zehnkämpfer knifflig: Zu gut in einer Disziplin heisst schlechter in anderen.

Jede Sportart hat ihre zauberhafte Seite. Im Fussball ist es das Spielerische, im Surfen die Körper- und Wasserbeherrschung, im Triathlon die Bereitschaft zum Leiden. Keine Sportart aber verlangt mehr als der Zehnkampf. Innert zweier Tage reihen die Zehnkämpfer Disziplinen aneinander, die alles erfordern: Schnellkraft, Rohkraft, Technik, Ausdauer. Es ist Vielseitigkeit in Vollendung.

Und so sehen Zehnkämpfer auch aus: Sie haben nicht die supermuskulösen Hintern der Sprinter, nicht die spindeldürren Beine der Langstreckenläufer. Sie haben keine ultrabreiten Schultern wie die Schwimmer, nicht die Waden von Velofahrern. Sie haben von allem ein bisschen, aber von nichts zu viel, sie sind der vitruvianische Mensch von Leonardo da Vinci. Oft heisst es, weil Zehnkämpfer alles ein bisschen können, könnten sie nichts richtig gut. Dass das nicht stimmt, beweist der Appenzeller Simon Ehammer. Simon ist einer der besten Zehnkämpfer auf diesem Planeten und einer der besten Weitspringer der Welt.

Der Zehnkampf ist eine Mühsal. Wer ihn beherrscht, kann allerdings auch auf eine Weise belohnt werden, wie es keine andere Sportart vermag. Das Geheimnis des Zehnkampfs besteht darin, dass man die Disziplinen nicht einzeln betrachtet, sondern als Ganzes. Der Zehnkampf setzt sich nicht aus zehn nacheinander ausgetragenen Wettkämpfen zusammen. Es ist ein einziger Wettkampf, verteilt über zwei Tage.

Aber wie genau geht ein Zehnkampf vonstatten? Hier erzählen uns Simon und sein Trainer René Wyler einen typischen Ablauf, von Tag zu Tag, von Disziplin zu Disziplin zu Disziplin.

Den ersten Tag mögen die meisten Zehnkämpfer. Er besteht weitgehend aus Grundübungen, die jeder Leichtathlet beherrscht. Es ist der Tag der Schnellkraft, der Tag von Simon Ehammer. Wenn alles gut läuft, liegt er am Abend vor allen anderen. Der Tag beginnt um 9 Uhr:

100-METER-SPRINT

Exakt vier Stunden vor dem ersten Einsatz wacht Simon auf, um fünf Uhr früh. Er frühstückt, begibt sich zur Wettkampfanlage. Das Einwärmen dauert eine Stunde. Dann noch ein oder zwei Starts aus dem Block und technische Übungen. Unter den Zehnkämpfern zählt Simon zu den besten Sprintern, seine Bestzeit:

10,42 SEKUNDEN.

Den Weltrekord bei den Spezialisten hält der Jamaikaner Usain Bolt mit 9,58 Sekunden. Der nächste Bewerb ist Simons Paradedisziplin:

WEITSPRUNG

Wenn er sich an den Start des 100-Meter-Sprints begibt, hat er die Nagelschuhe für den Weitsprung immer schon dabei (über die zwei Tage verteilt werden insgesamt acht verschiedene Paar Schuhe zum Einsatz kommen). Der 100-Meter-Sprint ist für Simon nicht nur wichtig, um gut in den Tag zu kommen. Er ist auch bedeutsam als Vorbereitung auf den Weitsprung. Nach den 100 Metern ist er bereit. Sein Anlauf beim Weitsprung beträgt genau 41,90 Meter. Neunzehn Schritte braucht er dafür, er startet mit dem rechten Bein und springt dann mit dem linken ab.

Meistens springt er im Zehnkampf weiter, als wenn er sich mit den Spezialisten misst. Wirklich eine Erklärung dafür hat er nicht, vielleicht liegt es daran, dass er die Aufmerksamkeit des Publikums mag, die während eines Zehnkampfs oft intensiver ist. Simon steht gern im Mittelpunkt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Druck im Spezialwettkampf grösser ist, weil wenige Zentimeter darüber entscheiden, ob man eine Medaille gewinnt oder nicht. Simons Bestweite:

8,45 METER.

Kein Zehnkämpfer war – innerhalb eines Zehnkampfs – je besser. Der Weltrekord des US-Spezialisten Mike Powell ist uralt, erzielt 1991: unglaubliche 8,95 Meter. Interessanterweise trainiert Simon seine stärkste Disziplin am wenigsten. Erstens, weil er sie beherrscht, zweitens, weil die Belastungen auf die Fussgelenke in den Sprungdisziplinen besonders gross sind.

Nach dem Weitsprung gibt es eine längere Pause. Simon isst dann etwas – einen Riegel, Reiswafeln oder Pasta. Den 100-Meter-Sprint und den Weitsprung erlebt er als Einheit, beide Disziplinen erfordern Höchstgeschwindigkeit, einmal über 100, dann dreimal über 41,90 Meter (man hat im Weitsprung drei Versuche).

Das ändert sich jetzt abrupt, denn die dritte Disziplin verlangt das Gegenteil:

THE RED BULLETIN 43

KUGELSTOSSEN

erfordert nicht Anspannung, sondern Entspannung. Simon liebt die Geschwindigkeit und ist eher ungeduldig – zwei Eigenschaften, die dem Kugelstossen zuwiderlaufen. Wenn er sich – wie später noch einmal fürs Diskuswerfen – in den Ring begibt, sich die Kugel an die rechte Schulter legt und Anlauf holt, muss er dem drängenden Impuls widerstehen, die Schulter zu früh aufzuziehen. Die Füsse müssen die Drehung auslösen und von unten nach oben weiterleiten, über die Hüfte und den Oberkörper in die Schulter, und erst wenn Simon am Balken zu stehen kommt, kann er auch die Arme aufreissen und die Kugel wegstossen.

Der Unterschied zwischen einem gelungenen und einem misslungenen Versuch ist in keiner Wurfdisziplin so deutlich wie im Kugelstossen: Wenn alles passt, ist die Kugel federleicht. Wenn nicht, schmerzt jeder Finger, und es fühlt sich an, als würde es einem gleich den Arm ausrupfen. Simons Bestweite beträgt 14,68 METER.

Damit liegt er unter den Zehnkämpfern im vorderen Mittelfeld, vom besten Spezialisten aber trennt ihn eine Welt: Das ist der US-Amerikaner Ryan Crouser mit 23,56 Metern. Der Wechsel zur vierten Disziplin ist am ersten Tag Simons grösste Herausforderung:

HOCHSPRUNG

Er muss zurück in den Zustand der Anspannung fnden, muss wieder schnell sein, sich nochmals aufwärmen. Dann misst er den Punkt ab, von dem er auf die Latte zurennt, vierzehn Füsse zur Seite, sechzig Füsse nach hinten. Erstaunlicherweise muss Simon sich dann aber doch bremsen, obwohl im Hochsprung Geschwindigkeit gefragt ist. Er ist für den Hochsprung nämlich fast zu schnell. Dann kann er die Fliehkräfte in der Kurve nicht halten und verpasst die ideale Absprungposition.

Das ist der grosse Unterschied zu seiner Lieblingsdisziplin: Im Weitsprung muss man einfach schnell sein, dann stimmt auch die Weite. Im Hochsprung muss der letzte Fuss sitzen, und das gelingt nur, wenn man in der Kurve das Gleichgewicht zwischen Dynamik und Beschleunigung fndet. Der Schwierigkeit zum Trotz: Auch im Hochsprung zählt Simon zu den besten Zehnkämpfern, überspringt relativ verlässlich die Zwei-Meter-Marke. Seine beste Höhe:

2,08

METER.

Zum Vergleich der Weltrekord des kubanischen Spezialisten Javier Sotomayor: 2,45 Meter. Die letzte Disziplin des Tages ist die brutalste. Das liegt zum einen an der Uhrzeit: 21 Uhr, zwölf Stunden nach Wettkampfbeginn. Es liegt aber auch an der Disziplin selbst:

400 METER

Die 400 Meter sind kein Sprint, aber auch kein Dauerlauf. Sie sind das fese Dazwischen. Trotzdem fühlt sich der Lauf für das Publikum häufg länger

Schwächen stärken

Die Wurfdisziplinen (Speerwurf 55,98 Meter) liegen Simon nicht so wie die Bewerbe, in denen es auf Tempo ankommt.

an als für den Athleten: Auf den ersten 200 Metern entwickelt man das Tempo, in der Kurve fokussiert man auf die kurzen Schritte, und auf der Zielgeraden beschleunigt man, um die Geschwindigkeit so lang wie möglich hochzuhalten. Simon mag die 400 Meter und beherrscht sie auch gut, seine Bestzeit liegt bei

47,27 SEKUNDEN.

Der Weltrekord des südafrikanischen Spezialisten Wayde van Niekerk: 43,03 Sekunden. Es ist, abgesehen vom 100-Meter-Sprint am Anfang, der einzige Bewerb, bei dem bei Simon so etwas wie Nervosität aufkommt – weil er weiss, dass er gleich leiden wird.

Obwohl es schon spät ist, legt er sich danach nicht sofort schlafen, sondern in ein Eisbad: Kälte regt die Blutzirkulation an, wodurch die Säure, die sich im Verlauf des Tages im Körper angesammelt hat, schneller abgebaut wird. Dann will Simon zurück ins Hotel, um zu Abend zu essen. Dazu gibt’s ein alkoholfreies Weizenbier, auch ein Ritual, das ihm wichtig ist: Weizen fördert die Erholung. Hat das Hotel nichts Alkoholfreies im Angebot, darf es auch eine normale Stange sein.

Simon mag Traditionen. Er ist einer, der Grenzen sprengt und ausbricht, die Kraft dazu holt er sich aber im Bewährten. Im Appenzell, wo er lebt und trainiert. Und in Tirol, wo sein Vater herkommt. Wie viel ihm diese Wurzeln bedeuten, zeigt das Tattoo, das er auf den Rippen trägt: Es ist der Adler aus dem Tiroler Wappen. Simon ist 24, hat sich mit seiner Partnerin Tatjana Meklau, einer österreichischen Hammerwerferin und Skicrosserin aus der Steiermark, aber schon verlobt. Mit dem Geld, das er als Zehnkämpfer verdient, will er sich irgendwann ein Haus kaufen.

Der zweite Tag ist der Tag der Analytiker, Taktiker und Techniker. Für die Disziplinen des zweiten Tages ist aufwendiges Techniktraining nötig, manchmal erzielt man über Jahre keinen nennenswerten Fortschritt. Am zweiten Tag kann ein Zehnkämpfer zerbrechen. Simons Vorsprung auf die anderen wird schon bald schmelzen wie Eis in der Sonne. Aber zuerst baut er den Vorsprung noch aus, denn die Disziplin, die jetzt kommt, ist seine zweitbeste:

110-METER-HÜRDENLAUF

Es ist die Disziplin, die er am häufgsten übt, was einen nur so lange erstaunt, bis man weiss, dass sich dabei besonders viele Fähigkeiten trainieren lassen: die für die schnellen Laufdisziplinen ebenso wie die für die Sprungbewerbe. Etwa Schnelligkeit und

44 THE RED BULLETIN

Schnellkraft, Rohkraft, Ausdauer, Technik: Ganz kurz erklärt ist Zehnkampf Vielseitigkeit in Vollendung.

Weitsprung ist Simons Parade-Disziplin. Trotzdem trainiert er sie kaum. Weil er sie kann.

46 THE RED BULLETIN

Auf und davon Im Weitsprung schafft Simon fabelhafte 8,45 Meter. Zum Überfliegen eines Zebrastreifens würde das locker reichen.

einen guten Rhythmus. Zehn Hürden, dazwischen jeweils drei Schritte. Simon Ehammers Bestzeit liegt bei

13,43 SEKUNDEN.

Die ist er allerdings ausserhalb eines Zehnkampfs gelaufen. Seine Zehnkampf-Bestzeit ist mit 13,56 etwas langsamer. Weltrekordhalter bei den Spezialisten ist der US-Amerikaner Aries Merritt – 12,80 Sekunden. Dann wird’s auf einen Knall schwieriger:

DISKUSWERFEN

SPEERWERFEN

Es heisst, ein Zehnkämpfer erreiche sein bestes Wettkampfalter mit 28. Simon hat also noch vier Jahre Zeit, und die will er nützen, an seiner Konstanz zu arbeiten. Im Zehnkampf bringt es nichts, in einer Disziplin einmal einen Ausreisser nach oben zu haben. Das Ziel muss ein konstant hohes Niveau in möglichst vielen Disziplinen sein. Seine Bestweite im Speerwerfen: 55,98

METER.

Er wäre zufrieden, wenn es ihm gelänge, den Speer in den nächsten Jahren regelmässig auf 60 bis 62 Meter zu werfen. Der Spezialisten-Weltrekord des Tschechen Jan Železný liegt bei irren 98,48 Metern. Das dicke Ende kommt wie immer am Schluss:

METER.

Simons schwächste Disziplin. Der Bewegungsablauf ist noch nicht perfekt automatisiert. An guten Tagen wirft er den Diskus 38,39 Meter, aber es gibt auch schlechte Tage, da kommt er bloss auf 34 Meter. Seine Bestweite: 39,13

Weltrekordhalter bei den Spezialisten war bis vor wenigen Wochen der DDR-Sportler Jürgen Schult, der den Diskus im (Doping-befeuerten) Jahr 1986 74,08 Meter weit geworfen hatte. Es war der älteste Männer-Weltrekord in der Leichtathletik. Diesen Frühling aber überraschte ein junger Litauer alle, Mykolas Alekna kam auf 74,35 Meter.

Doch zurück zu Simon, dessen grosses Karriereziel darin besteht, irgendwann die magische 9000-Punkte-Marke zu übertrefen, was in der langen Geschichte des Zehnkampfs erst vier Athleten gelungen ist. Allerdings kann kein Zehnkämpfer erwarten, in zwei Tagen zehn Bestleistungen aufzustellen, man orientiert sich deshalb an einer Faustregel: Wer 9000 Punkte machen will, muss auf ein Total von 9500 Punkten kommen, wenn er seine individuellen Bestleistungen zusammenzählt. Wenn Simon das macht, kommt er auf ziemlich genau 9000 Punkte.

Von allen Zehnkampf-Disziplinen ist die achte die vielleicht atemberaubendste:

STABHOCHSPRUNG

Es ist die Disziplin, in der Simon so hoch – oder höher – springt wie andere vom Sprungturm im Bad. Seine grösste Höhe war

5,20 METER.

Der Spezialisten-Weltrekord liegt bei 6,24 Metern, gehalten vom schwedisch-amerikanischen Doppelstaatsbürger Armand Duplantis. Für den Fall, dass ihm der Auftritt im Diskuswerfen missglückt, kann Simon hier wieder Zuversicht aufbauen. Wie im Weitsprung läuft er auch im Stabhochsprung mit Höchstgeschwindigkeit an, wobei sein Anlauf je nach Tagesform 31,50 bis 31,80 Meter beträgt. Immer gleich bleibt die Anzahl Schritte: vierzehn. Simon ist 184 Zentimeter gross und wiegt 80 Kilo, aber weil er eine hohe Grundgeschwindigkeit mitbringt, kann er Stäbe benutzen, die für ein Körpergewicht von 86 Kilo gemacht sind.

Jeder Zehnkämpfer hat Stärken und Schwächen. Simons Stärken sind die Sprung- und Sprintdisziplinen. Die Wurfdisziplinen sind seine Schwächen. Am Ende des zweiten Tages kommt nun noch einmal so eine:

1500-METER-LAUF

Kein Zehnkämpfer freut sich auf diese Disziplin, niemand hat noch Energie, gleichzeitig fällt die Entscheidung um den Sieg häufg erst jetzt. Der 1500-Meter-Lauf ist extrem trainingsintensiv, es ist aber auch die Disziplin, die sich von allen anderen am stärksten unterscheidet. Für Simon und seinen Trainer René Wyler ist es darum immer ein Abwägen: Wie viel kann man investieren, ohne dass wertvolle Trainingszeit für die anderen Disziplinen draufgeht? René sagt oft, dass die Woche eigentlich zu wenig Tage habe, um vernünftig Zehnkampf zu trainieren. Simon weiss, dass er im 1500-Meter-Lauf noch besser werden muss, aber klassisches Dauerlauftraining ist zu zeitaufwendig und würde ihn auf den kurzen Strecken langsamer machen.

Simon imitiert den 1500-Meter-Lauf mit Serien von achtmal 100 Meter mit einer halben Minute Pause, wobei es weniger um die Distanz geht, mehr um die richtige Atmung und darum, streng zu sich sein. Bestzeit: 4:42,54 MINUTEN.

Der Spezialisten-Weltrekordhalter, der Marokkaner Hicham el Guerrouj, lief die Distanz vor 26 Jahren in 3:26,00 Minuten. Vor dem 1500-Meter-Lauf liegt Simon Ehammer meist in Führung, häufg büsst er dann noch ein paar Ränge ein, immer öfter reicht es dennoch zu einem Podestplatz.

Simon Ehammer ist wahnsinnig ehrgeizig, früher brach er Wettkämpfe ab, wenn es nicht gut lief. Heute hat er das besser im Grif, aber verlieren kann er immer noch nicht gut.

Vielleicht ist es genau diese Mischung, die ideal ist für einen Zehnkämpfer: Dass er von beidem etwas in sich trägt, ein bisschen Ausgeglichenheit ebenso wie ein wenig Verrücktheit.

Instagram: @simiar2000

Alles im Griff? Diskuswerfen ist Simons schwächste Disziplin. Hier nimmt er es mit Humor.

48 THE RED BULLETIN STYLING: MONIKA STUTZ

Vielleicht ist das die ideale ZehnkämpferMischung: ein bisschen ausgeglichen, ein bisschen verrückt.

Bunter Soundmix Auf ihrem Album «Nishati» würzt Ocevne R&B-Beats mit Elementen aus Jersey, Gospel, Two-Step, Bossa Nova und Rap.

Das Spiel der Klangfarben und Kontraste: Mit «Nishati» legt die Schweizer Künstlerin Ocevne ihr Debüt album vor und sprengt darin mal eben so die Grenzen des Rhythm and Blues.

R&B MALT SICH NEU

TEXT NICOLAS ROGÈS FOTOS NEUFNEUF
THE RED BULLETIN 51

Emotionales Neuland

In ihren Texten verarbeitet Ocevne Themen, die im R&B sonst so nicht vorkommen.

«Wir alle brauchen Momente, in denen wir uns wie Heldinnen und Helden fühlen.»

Ein böses Klischee besagt, dass Rhythm and Blues (R&B) nichts weiter sei als kitschige und oberfächliche Musik, die sich ausschliesslich um substanzlose Liebesgeschichten dreht. Doch wer das glaubt, hat sich vermutlich noch nie mit der französischsprachigen R&B-Szene in Frankreich und der Schweiz auseinandergesetzt. Seit 2019 sorgen Ausnahmekünstler wie die Musikerin Enchantée Julia, der Rapper Franglish, Oscar Emch oder auch Monsieur Nov, Sänger und Komponist vietnamesischer Herkunft, für eine radikale Neuorientierung des R&B. An ihrer Musik ist defnitiv nichts Kitschiges, sie erzählt von echten Schicksalen, die unter die Haut gehen. Der Stil hat seine Wurzeln im NeoSoul von Stars wie der US-amerikanischen Sängerin Erykah Badu oder der dreifachen Grammy-Gewinnerin Jill Scott: Es ist ein leicht minimalistischer Sound, der nicht zu viel will und viel Raum für die Stimme lässt. Der perfekte Hintergrund also für persönliche Geschichten – und die gibt es auch auf

dem Debütalbum «Nishati» der Künstlerin Ocevne in hoher Konzentration zu hören. Die 28-jährige Genferin zählt derzeit zu den grossen R&B-Hofnungen – in Frankreich. Das Album ist eine Hommage an Ocevnes afrikanische Wurzeln, der Name «Nishati» ist Swahili und bedeutet «Energie». Und Ocevne – ihre Schreibweise von Océane – stellt sich darin einer grossen Herausforderung: Denn «Nishati» ist ein Konzeptalbum. Im Rap gibt es solche zwar schon lange, im R&B betritt Ocevne damit hingegen Neuland. Auf «Nishati» steht jeder Song für einen weiteren Schritt in ihrer Geschichte. «Das Album ist eine eigene Welt, und um sie zu verstehen, muss man es in der richtigen Reihenfolge hören», erklärt die Sängerin. Insbesondere in Zeiten von Playlists eine mutige Ansage. Nur hätte das Album für sie anders einfach nicht funktioniert: Vergangenes wird Stück für Stück aufgearbeitet, um es ein für alle Mal hinter sich zu lassen. Die Wunden scheinen zwar sehr tief, aber sie werden sich schliessen. Ocevne nutzt ihre Musik, um Themen anzusprechen, die man im R&B-Genre nicht erwartet. Da geht es um Männer, die junge Körper zerstören («Jeux d’Enfants»), um geliebte Menschen, die plötzlich nicht mehr da sind, und die Erinnerung an diese, die das Gefühl eines «Friedhofs des Lächelns» («Boulevard Magenta») vermittelt. Ocevne blickt auf ihren Werdegang zurück, auf die Zeit, in der sie als junge Frau ihren Platz in einer Welt sucht, die wenig Rücksicht auf sensible Menschen nimmt («G ot It»). Sie erforscht die verschiedenen Seiten ihrer Persönlichkeit («Plan A») und singt über Dämonen, die sie tagtäglich verfolgen.

THE RED BULLETIN 53

Bereits in «Lucy», dem ersten Track des Albums und gleichzeitig die erste Single, schliesst sie mit ihrer Vergangenheit ab. Hier auch der grosse Unterschied zu ihrer letzten EP namens «Wingu». Dort sprach sie über toxische Beziehungen und die Probleme, die sich daraus entwickeln – jetzt, in «Nishati», nimmt Ocevne das Zepter selbst in die Hand: «Es ist, als hätte ich alles zerstört und neu angefangen», sagt sie. Und so gibt es auf dem Album auch durchaus positive Seiten: «Happy Jersey» etwa ist ein Geburtstagssong, der den Erfolg nach einem steinigen Weg feiert. Generell ist das Album in zwei Abschnitte unterteilt: «Im zweiten Teil von «Nishati» geht es um all das, was mich zur Frau gemacht hat, die ich heute bin», erklärt die Sängerin, die von sich selbst sagt, sie hätte lange gebraucht, um ihren eigenen Weg zu fnden. «In meinen ersten EPs wusste ich nicht, wo ich eigentlich hinwollte. Dann wurde mir klar, dass R&B schon immer mein Zuhause war. Ich hatte Lust, dieses Genre voll zu erforschen.»

Erforschen bedeutet für Ocevne auch hinterfragen: Sie lässt sich keine Grenzen aufzwingen, wagt Neues und baut Musikstile wie Jersey, Gospel, Two-Step, Bossa Nova und sogar Rap in ihre R&B-Beats ein. Dazu passt, dass sie all ihren Veröfentlichungen einen Namen in Swahili gibt. Als Tochter einer kongolesisch-burundischen Mutter und eines Schweizer Vaters lebt Ocevne ihre kulturelle Diversität gerne aus und feiert ihre Wurzeln. «Wingu» bedeutet «Wolke», und «Nishati» eben «Energie». Ihr Konzept wird auch durch das Albumcover widergespiegelt: Verschiedene Facetten der Persönlichkeit von Ocevne werden in einem Schaufenster ausgestellt, die Künstlerin öfnet sich in diesem Werk völlig. Allerdings tut sie das nicht allein. Mit Tuerie fand sie einen Co-Künstler, der ähnliche Emotio -

nen ebenfalls künstlerisch aufarbeitet. Der französische Rapper des Labels Foufoune Palace brachte ihr in der Zusammenarbeit seine Vision, seine Ideen und seine Einfüsse näher und holte so das Beste aus ihr heraus. «Ich wollte eine Person fnden, der ich vertraue», erklärt Ocevne. «Eine Person, die sich in mich hineinversetzen kann und mir bei Dingen helfen kann, die ich allein nicht hinkriege.»

Janet Jackson in Dauerschleife Symbolisch für die Zusammenarbeit steht «Nobody», ein Song mit zwei komplett unterschiedlichen Dynamiken – quasi eine Metapher für das ganze Album. «Das Album zeigt eine Seite von mir, die man noch nie gesehen hat – experimenteller und selbstbewusster, ein echter Egotrip. Ich rappe sogar zum ersten Mal in meinem Leben!», sagt Ocevne. «Ich fand das befreiend. Wir alle brauchen Momente, in denen wir uns wie Heldinnen und Helden fühlen. Als wären wir die Besten der Welt. Das gibt uns Selbstvertrauen.» Um seine Ideen in Songs zu verwandeln, vertraute das Duo auf das Know-how des Produzenten BlackDoe, ein weiterer Schlüssel zum Erfolg von «Nishati». BlackDoe war überzeugt, dass Ocevne einen vom amerikanischen R&B beeinfussten, gleichzeitig jedoch ganz eigenen Stil abliefern kann. Und so liess sich Ocevne von zahlreichen US-amerikanischen Vorbildern inspirieren: von Brandys Gesangsharmonien, Aaliyahs Gespür für den Chorus, Kehlanis Wärme in der Stimme und SZAs Selbstvertrauen und Kühnheit. Ihre Stimme wird von Energie, Gefühlen und Bildern getragen.

Apropos Bilder: Während der Arbeit an «Nishati» liefen in Dauerschleife Videoclips im Hintergrund, insbesondere die von Janet Jackson und von Missy Elliott. Die Clips

«Es ist, als hätte ich alles zerstört und neu angefangen.»
«Einige gehen zum Arzt, ich mache lieber Songs.»

waren voller Übergänge und Stilefekte, radikal in ihrer Form, aber auch in ihren Bildern. Ocevne war beeindruckt. «Wenn ich an einem Stück arbeite, stelle ich mir immer einen Film dazu vor», erklärt sie. «Je nachdem, was produziert wird, habe ich bereits eine visuelle Vorstellung davon. Für die Topline von «Seule (Again)» zum Beispiel hatte ich ein Video von einem kleinen Kind mit Brille im Kopf, das in einem Club tanzt. Für «Nasty» waren es die Konzerte von Janet Jackson. Wir dachten uns alle, diese Frau ist echt krank! Einfach unglaublich. Ich wollte mich davon inspirieren lassen.»

So kam es also: Ocevne wollte live so viel Ausstrahlung haben wie Janet und so faszinierende Musikvideos und Alben produzieren wie Missy. Zwei Künstlerinnen, die es mit ihrer völlig authentischen Art bis ganz nach oben geschaft haben.

Dementsprechend entstanden dann explizite Songs wie «Nasty» und «Cheesecake» – aus dem Wunsch heraus, sich nichts mehr vorschreiben lassen zu wollen. Eine mutige Entscheidung für eine Künstlerin, die sich nie sicher war, ob sie überhaupt einen Platz in der Szene verdient hat. Mit der Zeit waren die Selbstzweifel für sie aber nicht mehr nur ein Hindernis, sondern auch eine Quelle der Motivation, die ihre künstlerische Ausdrucksart antrieben: «Ich werde immer zweifeln und mich hinterfragen. Das erlaubt mir, mich weiterzuentwickeln und – so glaube ich zumindest – weiterhin gute Musik zu produzieren. Ich war noch nie so stolz wie auf dieses Album.»

R&B wird so zum Katalysator – und die Musik zur Therapie. «Einige gehen zum Arzt, ich mache lieber Songs. Das ist meine Art, Dampf abzulassen, mich herauszufordern und weiterzuentwickeln», sagt Ocevne. Gerne mehr davon. 2

Instagram : @ocevneofficiel

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Kraft-Werk

Der Titel von Ocevnes Debütalbum «Nishati» ist Swahili und bedeutet «Energie».

Brezel, flieg! Für seine Videos reist Noel um den Globus. Wir schickten ihn auf eine Weltreise durch seine Heimat München. Start: das Hofbräuhaus.

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NOEL BEWEGT DIE WELT

Afro, Street Dance, grenzenloser Charme: Mit dieser Mischung hat Creator Noel Robinson, 22, die Herzen von 40 Millionen Fans erobert. Der ReiseTikToker bringt Menschen zum Tanzen, Lachen und Nachdenken –ohne dabei ein Wort zu sagen.

TEXT PAULINE KRÄTZIG FOTOS MARKUS BURKE

9.10 Uhr, Bayern

Im Hofbräuhaus fühlt sich Noel zu Hause. Bairisch spricht der Münchner aber «gaaaaar nicht» –seine Mutter kommt aus Norddeutschland, sein Vater aus Nigeria.

Eine junge Frau im pinken Dirndl und fünf junge Männer in Alltagsklamotten stehen um einen Bierfass-Tisch auf dem Münchner Frühlingsfest. Quatschen, trinken, rauchen. Auf einmal nähert sich unbemerkt ein junger Mann, die Hoodie-Kapuze über den Kopf gezogen. Blitzschnell schnappt er sich eins der Handys auf dem Tisch, die Gruppe erstarrt, der Besitzer greift nach dem Dieb, woraufhin dieser plötzlich zu tanzen anfängt, seinen Afro aus der Kapuze entfesselt und so breit grinst, dass es ansteckt: Spontan groovt auch die junge Frau mit, der Handybesitzer bounct Arme und Beine, die übrigen Freunde brechen in Lachen aus. «Passed the vibe» lautet die TikTok-Caption zu dem 12-sekündigen Video.

Mit Clips wie diesem wurde Noel Robinson zum globalen Phänomen. Seine Fans sind über die Welt verteilt, kommen aus Europa, vor allem auch aus Amerika und Afrika, tragen grosse Namen wie die Fussballer Thomas Müller, Manuel Neuer, Ronaldo und – Held seiner Kindheit – Neymar Jr. Mit seinem Kanal «noelgoescrazy» führt der 22-Jährige seit Monaten die TikTok-Charts der DACH-Staaten an. Als Adidas-Ambassador wird er, wie schon bei der WM 2022, auch bei der diesjährigen EM in Deutschland die Trikots der deutschen FussballNationalmannschaft promoten. Und auch Noel selbst reist um die Welt. Gerade erst war er für die Drehs seiner Videos in Dubai, Saudi-Arabien und Uganda. Das alles fürs Kapuze-Absetzen und Tanzen? Um die Dynamik von Noels Geschichte zu verstehen, muss man ihn in Aktion sehen. Wenn er Menschen rund um den Globus antanzt, angrinst, mit seinem Signature-Move –«Free the Afro» – überrascht. Wie er in unserer superhektischen, kopflastigen Welt

Freude gratis verteilt und einen friendly reminder, wie wenig es oft zum Glücklichsein braucht. Noels unbändige Energie, seine unerschütterliche Lebensfreude und Leichtigkeit, dazu diese unstillbare Lust, so viele Menschen wie möglich damit anzustecken, hat über Landesgrenzen und Denkblockaden hinweg eine Art «Welle der Positivität» ausgelöst. Für ihn selbst hat die Reise seines Lebens gerade erst begonnen.

Von null auf Millionen Menschen in knapp vier Jahren – über 40 Millionen auf TikTok, über 9 Millionen auf Instagram, über 15 Millionen auf YouTube. Ein «sozialer» Aufstieg in einem Tempo, das jeden verglühen lässt, der nicht für seine Ziele brennt. «Ich war schon immer ein Entertainer und Energiebündel», sagt Noel. Auch beim Interview im vietnamesischen Restaurant Jaadin in München-Schwabing ist er on fre. Seine Füsse tanzen selbst im Sitzen weiter. Auch beim Reden hat Noel Rhythmus, Dreivierteltakt genau gesagt: «Okay, okay, okay», «ja, ja, ja», «genau, genau, genau», sprudelt es aus ihm heraus. «Ich fnde Interviews gechillt,

GERADE WAR NOEL IN DUBAI UND NIGERIA. RONALDO IST FAN. NEYMAR SCHICKTE EINE VIDEONACHRICHT.

9.20 Uhr, Tanzstunde Wenn Noel seine Moves auspackt, kann kaum jemand widerstehen. So steht auch Kellnerin Kathi schon in der Frühschicht auf den Bänken.

THE RED BULLETIN 59 NOEL TRÄGT EINEN ROSAFARBENEN HOODIE, GESTREIFTE SOCKEN UND «SAMBA»-SNEAKERS VON ADIDAS. HELLGRAUE CARGOHOSE VON A KIND OF GUISE

Style mit Ansage Noel trägt mit Vorliebe Hoodies, auch weil sie in den USA Zeichen des Protests gegen Rassismus sind.

14.30 Uhr, Syrien Beim syrischen Händler im Bahnhofsviertel kauft Noel Baklava, im arabischen Raum ist er enorm populär.

in meinen Videos sage ich ja nichts» – was nur buchstäblich stimmt, denn statt Worten transportiert Noel mit kleinen Gesten grosse Emotionen und starke Botschaften. Wie er es schaft, in einer Welt voller monströser Egos und Krisen gute Stimmung zu verbreiten? Wahrscheinlich, weil er früh dafür sorgte, dass er selbst bei Laune bleibt.

«Meine Eltern haben meinen zwei Schwestern und mir beigebracht, zu tun, was uns Freude macht», erzählt Noel, der bei seiner norddeutschen Mutter und seinem nigerianischen Vater in München aufwuchs. «Das Tanzen gehört zu seiner Kultur. Ich mochte es auch immer, dachte aber lange, ich sei nicht gut darin. Ich hab mich so steif gefühlt.» Der damals 13­Jährige klickte sich begeistert durch Tanzvideos auf YouTube. Mit 16 traute Noel sich dann selbst – noch unter Ausschluss der Öfentlichkeit. «Ich hab mich in meinem Zimmer eingeschlossen, Musik angemacht, einfach losgetanzt, ohne Plan, ohne Choreo, ohne nachzudenken, wie ich gerade aussehe, und mich so frei gefühlt.» Von da an übte Noel jeden Tag, startete mit Freestyle, nahm dann Stunden in Street Dance. Bald konnte Noel selbst Tanzunterricht geben. Um für sich zu werben, teilte er Ende 2019 auf Instagram erste Tanzvideos aus seinem Kinderzimmer, ab Anfang 2020 nutzte er TikTok. Es folgten Clips auf öfentlichen Plätzen, die meisten in der Münchner Fussgängerzone, in denen Noel zu Hip ­ Hop ­ Sound und Afrobeats tanzte. Mit deutlicher Resonanz: «Nach zwei Monaten hatte ich 15 000 Follower.» Den grossen Turn aber brachte eine schnelle Handbewegung.

Im März 2020 versanken weite Teile der Welt in Lockdown und Lethargie. Noel bewahrte seine Energie und gute Laune –und kam auf die entscheidende Idee für seine Videos. Was ihm bereits zu Schulzeiten Lacher einbrachte, wiederholte er vor der Kamera: «Ich hab meinen fetten Afro unter der Kapuze versteckt und ihn dann rausploppen lassen. Auf einmal hatte das 40 Millionen Views.» Seine Followerzahlen stiegen rasant von 300 000 auf 1,7 Millionen. Eine Reichweite, von der er leben konnte.

KLEINE

GESTEN STATT GROSSER

WORTE: IN EINER WELT DER KRISEN UND RIESENEGOS SORGT NOEL FÜR GUTE STIMMUNG.

Es ist schon verrückt: Von täglich mehr als 100 Millionen Videos, die auf TikTok hochgeladen werden, ging dieses eine von Noel viral. Warum? «Der Move ist einfach, man hat ihn davor noch nie gesehen, und meine Haare stechen direkt raus», versucht Noel zu erklären, was er sich selbst schwer erklären kann und niemals erwartet hätte. Tatsächlich bremst seine Haar­Explosion den Daumen: Selbst beim achtlosen Durchscrollen der sozialen Netzwerke sieht man sie immer wieder gerne an.

In einem Clip vom März 2022 schlendert Noel in der Münchner Innenstadt einem Sicherheitsmann entgegen. Der Mann trägt einen Mund­Nasen­Schutz, die Hände hat

er in seiner neongelben Weste verstaut. Die Blicke der beiden trefen sich, der Mann nickt Noel zu … als ihm plötzlich dessen voluminöse Frisur entgegenspringt. Man sieht, wie sich seine Augen über der Maske erst kurz weiten, dann in Lachfalten legen. Seine Hände schnellen unter der Weste hervor, geben Noel zwei Thumbs­up und setzen zur Umarmung an. Eine Szene, die über 100 Millionen Menschen berührte. Das Video wurde Noels Durchbruch.

Dass er mit seinem Look, nicht nur mit seinen Skills durchstartete, «das hat mich anfangs voll genervt. Als Tänzer willst du kreativ sein, Abwechslung. Das in meinen Shorts (kurzen Videos; Anm.) ist eher ein

THE RED BULLETIN 61 LINKE SEITE: WEISSER HOODIE PRIVAT RECHTE SEITE: BLAUER HOODIE VON ADIDAS, GESEHEN BEI MR PORTER
«MEINE

ELTERN HABEN MIR BEIGEBRACHT, NUR ZU TUN, WAS UNS FREUDE MACHT.»

Viben als richtiges Tanzen.» Aber deshalb alles aufgeben? «Ich hab meinen Tänzerstolz gebremst, hab mir gesagt: Man muss sich ja auch erst mal aufbauen und seine Zukunft absichern. Und solange ich Leute zum Lächeln oder Lachen bringe, bin ich glücklich.» Das gelingt Noel seither mit der goldenen Mitte aus Afro und Afrobeats, vereint in einer Sequenz: Er nimmt Touristen, Teenagern, älteren Damen oder Herren auf der Strasse, beim Arzt oder im Supermarkt Handy oder Tasche weg – Freeeeze! – und beginnt zu tanzen. Im Hintergrund läuft der Song «Calm Down» des nigerianischen Musikers Rema. Noels Feedback besteht nicht nur aus Likes und Views, sondern aus den Reaktionen der Menschen – die sind in Deutschland bis heute nicht nur nett.

«Es gibt viele, die sich über mich freuen und es voll enjoyen», sagt Noel, «aber oft sehen mich die Leute irritiert, verständnislos, manchmal auch schockiert an.» Manchmal gebe es abweisende oder beleidigende Reaktionen. Dass in München jemand mittanzt, sei sehr selten – «mit Glück einer von zehn» –, in Berlin etwas besser. Es muss ja keine feurige Tanzeinlage sein. Freundlichkeit würde schon reichen. Wer sich selbst mal ansatzweise wie Noel fühlen möchte, lächle einen Tag lang fremde Menschen an.

Noel ist ein Performancekünstler, der im analogen und digitalen Raum auftritt und interveniert. Darin steckt auch eine politische Komponente. Denn Noel spielt bewusst mit rassistischen Klischees, indem er die ahnungslosen Protagonisten und das Publikum seiner Videos mit dem Vorurteil über vermeintlich kriminelle POCs konfrontiert; er treibt es sogar noch einen Schritt weiter, indem er immer wieder Polizisten involviert: «Ich habe damit zur selben Zeit angefangen, vielleicht auch unbewusst, als das alles mit George Floyd und #BlackLivesMatter war. Als Schwarzer im Kapuzenpulli, der was ‹klaut›, hab ich natürlich das Stereotyp bedient und wollte sehen, wie die Polizei reagiert.» Das Besondere an Noels Clip: Er löst die gespannte Situation positiv auf und setzt sie in einen neuen, versöhnlichen Kontext. Den ganzen Impact bemerkte Noel erst im Nachhinein, als viele unter den Polizei-Post «Nice Message!» geschrieben haben. «Dass die Polizei am Ende grinst, zeigt: Da sind noch genug Menschen, denen die Hautfarbe egal ist; die gute Absichten erkennen», sagt er.

Nicht die einzige Botschaft, die Noels Fans erreicht. «Meine Haare sind auch mehr als ein funny Gadget.» Sie setzen ein Statement: Früher trug er kleine defnierte, eher

10.30 Uhr, Vietnam

Im Restaurant Jaadin in München (rechts) tanzt nach kurzer Zeit die ganze Crew samt Leiterin Kim im grauen Oberteil mit Noel. Viele seiner Freunde in München stammen aus Vietnam, sind wie er Teil der Tanzszene. Unterwegs zum nächsten Stopp, macht er halt im Al Arabi Markt im Münchner Bahnhofsviertel.

unauffällige Locken. Seit zweieinhalb Jahren kämmt Noel seine Haare aus, präsentiert seinen Afro in voller Grösse. Ein unübersehbares Zeichen gegen all die negativen Assoziationen, die der Afrolook heute noch in vielen Menschen weckt. «‹Du hast lustige Haare. Wie mein Hund!›, so was kommt immer noch oft. Ich hab schon so viel gehört und erlebt, mich trift das nicht mehr», sagt Noel, und man will ihm glauben. Dass er dieses Selbstbewusstsein gerade jungen Fans schenken kann, bedeutet ihm viel. «Immer mehr Mütter sind auf mich zugekommen, mit Schwarzen oder gemixten Kindern wie mir, und meinten: ‹Seitdem meine Tochter deine Videos schaut, trägt sie die Haare mit Stolz.› Das ist für mich das schönste Feedback.»

Seit etwa einem Jahr verteilt Noel seinen Spirit in der Welt, ist permanent unterwegs, bisher in 16 Ländern gewesen – Uganda, Marokko, Vereinigte Arabische Emirate, Türkei. Es wäre auf Dauer wohl auch langweilig und ganz sicher frustrierend, wenn seine Clips immer nur in Deutschland spielten. Noel sucht die weite Ferne: «Mein erster Trip ging nach Brasilien. Dort sind die Polizisten auf mich zugekommen, um einen Tanzclip zu drehen, und Fünfjährige sind mir in die Arme gesprungen. Neymar Jr. schickte sogar eine Videobotschaft. In Ägypten war der Hype am krassesten. Am Tag meiner Abreise haben mich dreitausend Menschen verabschiedet. Das war unglaublich. Diese Länder schätzen meinen Besuch richtig, die Leute rufen ‹Thank you for coming!›, wenn ich gehe. Das ist ja auch Promotion für das ganze Land.»

Nein – Noel will nicht weltweit mit Paraden und Handküssen empfangen werden. Es geht ihm nicht um sich selbst, sondern darum, ein Land, dessen Kultur und Menschen sichtbar zu machen. Noel interagiert auch auf seinen Reisen mit den Menschen vor Ort, integriert sie in seine Videos, anstatt nur Sehenswürdigkeiten und fotogene Strände für ein paar pittoreske Selfies

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DASS IN MÜNCHEN JEMAND SPONTAN MITTANZT, SEI SELTEN, SAGT NOEL. «WENN DU GLÜCK HAST, EINER VON ZEHN.»

12.45 Uhr, Nigeria Im Barbershop AfroKings & Ebony Beauty im Bahnhofsviertel groovt Noel mit Inhaber Oscar zu Afrobeats.
«MEIN SCHÖNSTES FEEDBACK?
MÜTTER SCHREIBEN, DASS IHRE TÖCHTER IHRE AFRO-HAARE
MIT STOLZ TRAGEN, NUR WEGEN MEINER VIDEOS.»

Hair and Music

Noel sitzt kurz beim Afrofriseur Probe (oben), zuletzt hat ihm vor zwei Jahren seine Schwester die Haare geschnitten. Wenig später startet im Salon die Party (unten).

abzuklappern. An Wahrzeichen wie der Jesusstatue in Rio macht er ein Video, damit die Leute wissen, dass er in ihrer Stadt ist. Ansonsten möchte Noel die Atmosphäre eines Landes aufspüren. Dazu verbringt er dort mindestens einen Monat, um eine Community aufzubauen. Er will Zeit mit den Menschen verbringen, will sehen, wie sie leben. Oft setzt er lokale Musik und Tänze ein. Das Reisen, die Begegnungen und Erfahrungen haben ihn verändert. «Gerade das Tanzen verbindet. Man muss nichts sagen, einfach gemeinsam im Rhythmus sein, egal wo auf der Welt, selbst wenn man nicht dieselbe Sprache spricht und sonst völlig verschieden ist.» Trotzdem bleibt es wichtig, einen Ort zu haben, an den man immer zurückkehren kann. Den man sein Zuhause nennen darf. München ist seine Heimat, das steht für Noel ausser Frage. Weil er so viel unterwegs ist, wohnt er sogar noch in seinem Kinderzimmer. Dort, wo alles anfng.

Negative Nachrichten nimmt Noel heute gelassen. «Alles, was ich mache, ist tanzen und lachen. Mir geht’s echt gut. Schwer, mich wirklich zu verletzen.» Auf einen «He’s just showing hair, no talent»-Kommentar antwortete Noel mit einem Tanzvideo mit dem Artist Avemoves. Es hat aktuell 30,8 Millionen Views und 1,2 Millionen Likes. Ohne Afro-Pop-up, ohne «Tanzüberfall». Der Clip deutet eine neue Richtung an, in die Noel gehen könnte. Von seinem Signature-Move gibt es bereits etliche Variationen: Noel zieht in der Bahn sein Ticket für die Kontrolleurin aus dem Afro, oder mehrere Barbiere nehmen Reissaus, als er im Salon seine Kapuze lüftet. «Als Nächstes will ich mit YouTube Longform-Videos anfangen», verrät er. Vielleicht wird es weiterhin ums Tanzen gehen, vielleicht auch mehr ums Reisen. Noel liebt es, zu überraschen. «Aber jetzt geht’s erst mal nach Indien, Mexiko, Kolumbien, Korea, Japan und Vietnam», sagt er, trinkt seinen Tee aus, bedankt sich und macht sich auf den Weg.

Noel im Video-Interview und mehr Eindrücke von seiner Weltreise durch München erlebst du, wenn du den QR-Code scannst.

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Mit 19 Jahren ist Oriane Bertone Vize-Weltmeisterin und ein Star der BoulderSzene. Aber wie kommt man ganz nach oben? Die Französin über Klimmzüge, Social Media und das richtige Verhältnis zwischen Spass und harter Arbeit.

SCHWERKRAFT IST ABGESCHAFFT

TEXT PATRICIA OUDIT FOTOS CHRIS SAUNDERS und MATTEO CHALLE 66 THE RED BULLETIN

Obwohl noch ein Teenager, ist sie bereits Vizeweltmeisterin und steht vor ihrer wichtigsten Wettkampfsaison.

Voll im Fokus Oriane in der Halle Arkose Massy bei Paris.

Wer mit Oriane Bertone spricht, spürt ihre Leidenschaft bereits nach wenigen gewechselten Sätzen. Es ist die Freude einer jungen Frau, die ihre Bestimmung gefunden hat: Klettern auf Weltniveau – nicht nur um Titel zu gewinnen, sondern um Spuren in ihrem Sport zu hinterlassen. Das gilt besonders für ihre Paradedisziplin Bouldern. Die Frankoitalienerin, 1,67 Meter, ansteckendes Lächeln, ist Vizeweltmeisterin 2023 und französische Meisterin 2024. Und dieses Jahr im Sommer greift sie nach noch höheren Zielen. Ihren Alltag verbringt Oriane mittlerweile grossteils beim Training in der Halle, wo sie immer und immer wieder jene Bewegungsabläufe übt, die sie nicht nur metaphorisch ganz nach oben bringen sollen. Oriane ist ein Workaholic, sagt sie selbst. Sie geniesse es, eine Crux nach der anderen zu überwinden – also die schwierigsten Stellen einer Kletterroute. Klingt nach Masochismus? Nicht im Geringsten! Oriane liebt Rätsel. In der Wand wirkt sie ganz bei sich und klettert meistens wie im Flow. Uns erzählt sie, wie sie bereits als Kind ihr Talent formte. Und wie sie die prägenden kommenden Jahre ihrer Karriere anlegt.

the red bulletin: Oriane, du bist Frankoitalienerin, hast deine sportliche Laufbahn aber weit weg von Europa auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean begonnen. Wie kam es dazu?

oriane bertone: Ich bin in Nizza geboren, und als ich drei Jahre alt war, ist meine Familie nach La Réunion gezogen, in den Ort Les Avirons. Mein Vater stammt aus Italien. Er war Professor an verschiedenen Universitäten mit Sport als Schwerpunkt und früher ein erfolgreicher Judoka. Ich bin seinem Beispiel gefolgt und habe im Alter von sechs bis acht Jahren mit Kampfsport begonnen, Judo und vor allem Ringen.

Was gefel dir denn am Ringen?

Ich mochte es schon immer, mich mit anderen zu messen. Vielleicht hat es auch mit meiner Mutter zu tun. Sie war zwar nicht wirklich sportlich, aber sie weiss viel über das Leben. Sie hat mir beigebracht, immer auf mich selbst zu hören. Mein jüngerer Bruder Max klettert übrigens auch. Er hat dieses Jahr mit 16 Jahren den französischen U18-Meistertitel im Bouldern gewonnen!

Mit acht Jahren hast du also als damals junge Ringerin das Klettern entdeckt. Wie fühlten sich die ersten Griffe in der Wand für dich an?

Ich habe es in einem Freizeitzentrum einmal zum Spass ausprobiert. Es hat mir sofort gefallen. Ich weiss nicht mehr genau, was ich dabei empfunden habe. Ich weiss nur, dass ich so begeistert war, dass ich direkt mit dem Ringen und den anderen Sportarten aufgehört habe. Dabei war es gar nicht das Klettern an sich, was mir so gefallen hat.

Sondern?

Das hohe technische Niveau, das Problemlösen in der Wand. Was mich morgens aufstehen lässt, ist das Streben nach Perfektion. Ich möchte arbeiten, trainieren und erfolgreich sein. Harte Arbeit macht mir nichts aus.

«Als Kind hatte ich mit Klettern nichts am Hut. Ich mochte Judo und Ringen.»

Ehrgeiz mit Herz Oriane sagt, sie sei ein Workaholic. Bei Wettkämpfen lässt sie trotzdem ihren Emotionen freien Lauf.

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«Es gibt natürliches Talent, das angeboren ist. Was du daraus machst, liegt an dir.»

Steiler Aufstieg

Seit ihren ersten Kletterversuchen auf La Réunion hat Oriane eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Heute trainiert sie meist in Paris (Bilder li. und re.).

«In der Halle triffst du Leute aller Könnens-Stufen. Ich liebe dieses familiäre Gefühl.»

Was waren bisher die prägendsten Momente deiner Karriere?

Ich habe mit internationalen Wettkämpfen bei den Junioren begonnen, so mit 14 Jahren. Das war der Zeitpunkt, ab dem ich bei Europaund Weltmeisterschaften mitmachen konnte. In diesem Jahr gewann ich alle Europacups und wurde Doppelweltmeisterin. Das war ein Schlüsselmoment, denn ich hatte ein Ziel erreicht, von dem ich schon eine ganze Weile geträumt hatte. Von den Junioren wurde ich dann zu den Erwachsenen hochgestuft und war auf einmal drei Jahre jünger als die Konkurrenz.

Wie ging es dir damit?

Bei meinem ersten Weltcup belegte ich den zweiten Platz. Danach habe ich einen Podestplatz nach dem anderen geholt, und letztes Jahr war dann wirklich eine Erfolgsgeschichte!

(2023 gewann Oriane bei der WM die Silbermedaille im Bouldern sowie erstmals einen Boulderweltcup und qualifzierte sich für Paris in der Kombination Bouldern und Lead; Anm. d. Red.). Ich bin nun in meinem dritten Jahr in den internationalen Bewerben der Erwachsenen. Ich würde sagen, mein Einstieg in die Disziplin war nicht schlecht.

Du bist mit 12 Jahren schon Schwierigkeitsgrad 8b+ geklettert. Wie erklärst du dir diese Leistung in so einem jungen Alter?

Es gibt ein Grundtalent, eine Begabung fürs Klettern, die wahrscheinlich angeboren ist. Darüber hinaus geht es um das, was man aus dieser Gabe macht. Anfangs war ich ein Talent. Heute würde ich sagen, dass ich jemand bin, der sehr hart arbeitet und das Notwendige tut, um seine Ziele zu erreichen. Ich weiss ganz genau, wo es für mich hingehen soll: Ich will die beste Kletterin der Welt sein!

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«Das Verhältnis von Gewicht und Kraft ist wichtig. Ich mache derzeit viele Klimmzüge.»
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Die Halle und die weite Welt Im Moment bestimmt die Boulder-Wand Orianes Alltag. Später will sie die Felswände rund um den Globus erkunden.

Gab es Vorbilder, die dich inspiriert haben? Es war nie so, dass Poster von jemandem in meinem Zimmer hingen. Ich schätze viele Sportlerinnen und Sportler und deren Leistung. Aber um nur eine zu nennen: Janja Garnbret (die 25-jährige Slowenin und amtierende Olympiasiegerin; Anm. d. Red.) hat uns alle angespornt. Wir haben uns alle durch ihren Erfolg weiterentwickelt, und jetzt versuchen wir, sie zu übertrefen!

Wie wird deiner Meinung nach das Sportklettern heute wahrgenommen?

Durch Social Media und den ereignisreichen Sommer, der vor uns liegt, gibt es eine besondere Begeisterung für unseren Sport. Das macht es einfacher und öfnet uns viele Türen. Die Teilnahme in Paris ist für uns noch etwas Neues, das ist ja in vielen Sportarten ein Lebenstraum! Sie gibt uns noch einmal viel mehr Sichtbarkeit. Die Öfentlichkeit lernt unseren Sport noch besser kennen, er wird immer populärer, und das bringt uns auf ein neues Level.

Wie würdest du deine Kletter-Philosophie definieren? Dir geht es ja nicht nur um Leistung, sondern auch um Werte … Klettern ist eine Lebenseinstellung und gleichzeitig etwas sehr Familiäres. Man kann mit jemandem klettern, der nicht auf demselben Level ist, aber dieselben Werte hat, und das ist schon etwas Besonderes. Vor dem Einstieg unterhält man sich; dann gibt es diese starke Verbundenheit, dieses Vertrauen in den anderen. Man kommt in eine Halle und klettert am selben Ort wie jemand, der gerade erst anfängt. Man muss auf dem Boden bleiben und für alle ofen. Teil dieser Community zu sein ist mir sehr wichtig.

Wie beschreibst du deinen Kletterstil?

Ich bin eher im Bouldern zu Hause als im Lead (Vorstiegsklettern; Anm. d. Red.), da habe ich den grössten Spielraum für Verbesserungen. Ich setze meine Füsse gut an, bin präzise, technisch geschickt und gut auf der Platte (eine Wand, die leicht nach hinten geneigt ist und viel Geschick erfordert; Anm. d. Red.). Ich verstehe meine Körper sehr gut, ich weiss, wo ich mich im Raum

«Ich glaube, meine Arme sind

befnde. Dadurch werden meine Bewegungen viel müheloser und füssiger, und ich bin sehr koordiniert und dynamisch. Für eine Kletterin bin ich recht gross, 1,67 m, habe lange Arme, und mir kommt vor, als wären sie dieses Jahr noch länger geworden! Ich bin auch kräftig und kann mich mit den Beinen gut abstossen.

Was fehlt dir noch, um in den grossen Wettkämpfen an die Spitze zu kommen?

Die Kraft. Das war lange Zeit meine Schwachstelle. Da habe ich noch Luft nach oben. Ich trainiere fünf bis acht Stunden pro Tag an sechs Tagen in der Woche in verschiedenen Hallen in Paris und Umgebung und mache drei- bis viermal pro Woche eineinhalb Stunden Krafttraining. Im Klettern ist das Verhältnis von Gewicht und Kraft entscheidend. Ich mache Klimmzüge mit Gewichten. Zusätzlich gehe ich noch laufen für meine Ausdauer, mindestens ein- bis zweimal pro Woche. Und ich habe einen Mentaltrainer. Der Umgang mit Emotionen ist im Klettern sehr wichtig, da es in dieser Hinsicht eine fordernde Sportart ist, bei der verdammt viel Adrenalin im Spiel ist!

Du bist erst 19 Jahre alt, aber schon unglaublich zielstrebig. Wie willst du die kommenden Jahre deiner Karriere anlegen?

Normalerweise mache ich sechs bis sieben Weltcups im Jahr. Aber ich bin noch jung und habe Zeit, die Welt zu entdecken. Ich hofe, dass ich mich 2024 noch steigern kann, dann 2025, 2026 und immer weiter. In den nächsten Jahren werde ich sehr viel Zeit und Energie investieren und Opfer bringen müssen.

Das klingt jetzt eher anstrengend und kalt. Dabei spürt man, wenn man dich beim Klettern oder deine Gesten beobachtet, meist deine Freude am Sport – sogar im Wettkampf …

Ja, stimmt. Ich feiere es total. Ich liebe Klettern. Und ich bereue es nicht eine Sekunde, dass ich dafür alles andere zurückgestellt habe. Denn diesen Weg hab ich selbst gewählt, und damit erfolgreich zu sein macht mich happy.

Hättest du nicht Lust, die andere Seite des Klettersports zu erkunden? Filmdrehs, Fotoaufnahmen, Trips zu den schönsten Outdoor-Spots …

Die Filmdrehs, die Reisen, die grossen Wände, das kommt alles von allein. Ich bin mir sicher, dass sich Gelegenheiten ergeben werden. Aber aktuell denke ich vor allem an das Hier und Jetzt.

Instagram: @oriane_bertone

länger geworden!»
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Als Teenie coverte er Hits im Wohnzimmer, heute ist Jacob Collier sechsfacher Grammy­ Gewinner. Der 29­ Jährige arrangiert Songs für Coldplay, wird von HollywoodLegende Hans Zimmer gefeiert –und liess 100 000 Fans auf seinem Album mitsingen. Besuch beim Pop ­ Genie der Generation Z.

TAUSENDSASSA DE LUXE

TEXT STEPHANIE PHILLIPS FOTOS BENEDIKT FRANK
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Farben, froh Jacob Collier, in London fotografiert für The Red Bulletin. Im Dezember ist der Multiinstrumentalist, Sänger und leidenschaftliche CrocsTräger live in Zürich zu hören.

Im Rampenlicht

Der legendäre Produzent Quincy Jones, Jazz-Ikone Herbie Hancock und der Rapper Stormzy gehören zu den prominenten Fans von Jacob Collier.

Wir treffen Jacob Collier in einem Studio im Osten Londons. Jacob ist Multiinstrumentalist, Komponist, Produzent, 29 Jahre alt und wird bereits mit den grössten Genies der Musikgeschichte verglichen. Er hat mit Giganten wie Musikproduzent Quincy Jones und Filmkomponist Hans Zimmer nicht nur zusammengearbeitet – er hat sie zu seinen Fans gemacht! Der gefragte Arrangeur hat bisher sechs Grammys gewonnen. Im Musikbusiness gibt es weltweit derzeit wahrscheinlich kaum einen begehrteren Kollaborateur.

Wir erwarten, jemanden zu trefen, der ein bisschen spröde wirken, sich seiner Genialität und seines Ruhms vielleicht einen Hauch zu bewusst sein könnte. Tatsächlich begrüsst uns Jacob Collier lachend und winkend, sein Manager trägt ihn huckepack durch den Raum, das Thema «spröde» hat sich erledigt. Der junge Mann aus London ist völlig ungezwungen, ofen und spontan, sein Outft passt zu ihm: MulticolorJacke, eine mit Sternen übersäte Hose und zwei verschiedenfarbige Crocs.

Jacob Collier ist in einem musikalischen Zuhause aufgewachsen. Seine Mutter Suzie ist Geigerin, Dirigentin und Lehrerin an der Royal Academy of Music in London; sie hat seine Entwicklung sehr geprägt. «Meine Mutter lebt Musik, verkörpert Musik, ich habe Musik fast wie eine zweite Sprache gelernt», sagt Collier und lächelt dabei. «Es hat sich immer natürlich für mich angefühlt, Formen, Empfndungen und Gefühle durch Klänge auszudrücken.» Collier hat sich im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Instrumenten selbst beigebracht – Klavier, Gitarre, Mandoline und Kontrabass. Als Teenager hat er damit begonnen, mit kreativen Arrangements zu experimentieren und seine mehrstimmigen Ein­Mann­Coversongs auf YouTube zu veröfentlichen.

Dann ging 2013 eines dieser Videos viral. Seine Version von Stevie Wonders «Don’t You Worry ’bout a Thing», für das er sämtliche Harmonien selbst einsang, sollte sein Leben verändern. Niemand Geringerer als der legendäre Quincy Jones wurde auf Collier aufmerksam und zu seinem Manager und Mentor. «Ich habe noch nie in meinem Leben so ein Talent gesehen», sagte Quincy Jones. Und er ist immerhin der Mann, der Michael Jackson produziert hat.

Nachdem er auf Social Media zur Berühmtheit wurde, nahm Jacob Collier 2016 «In My Room» auf, sein erstes Album. Gleich darauf begann er mit der Arbeit an der mehrteiligen Albumreihe «Djesse». Dafür holte er sich eine Reihe prominenter Kollegen an Bord, darunter Sängerin Laura Mvula, Grammy­Gewinner Daniel Caesar und Rapper T­Pain. Mit jedem Album wagte er sich auf neues musikalisches Terrain; er erkundete Jazz und funkigen Groove, experimentierte mit orchestralen Arrangements und R&B. Wegen seiner tiefgründigen Harmonien und innovativen Kompositionen wurde Collier bald als Wunderkind gefeiert. Der legendäre Jazzpianist Herbie Hancock verglich ihn sogar mit dem jungen Igor Strawinsky. Im Zuge der Zusammenarbeit am Film «Boss Baby» drückte es Hollywood­Komponist Hans Zimmer so aus: «Es gibt Musikalität, dann gibt es Genialität, und dann, weit, weit, weit draussen in der Stratosphäre, ist Jacob Collier.»

Rapper Stormzy, die Songwriter SZA, John Mayer und Chris Martin von Coldplay: Sie alle gingen mit Collier ins Studio. Sein absolutes Verständnis für Harmonie erreichte 2022 ein neues Level, als er Besucher seiner Konzerte aufnahm und sie zum Mittelpunkt klanglicher Experimente machte. Die Ergebnisse sind in seiner Coverversion von Elvis Presleys «Can’t Help Falling in Love» zu hören, einem unglaublich bewegenden Stück, das einen Chor aus 100 000 Stimmen beinhaltet. Das Stück beweist nicht nur, wie aussergewöhnlich gut Collier komponieren kann. Es zeigt auch, wie viel Musikalität in ganz gewöhnlichen Menschen steckt, in jedem und jeder Einzelnen von uns.

Jacob Collier gibt Konzerte auf der ganzen Welt, auf Social Media folgen ihm Millionen, die Kritiker überschlagen sich mit Lobeshymnen. Dass er bislang ohne Mainstream­Hit dasteht, berührt ihn nicht besonders. «Im Allgemeinen wird Erfolg an der Reichweite gemessen», sagt er. «Ich würde ihn daran messen, in wie vielen Menschen ich etwas bewege.»

«Ich habe Musik wie eine Sprache gelernt.
drücke mich einfach durch Klänge aus.»
Ich
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Auf dem vierten und letzten Teil von «Djesse», der im Frühling 2024 veröfentlicht wurde, sind wieder eine Reihe von Gastmusikern zur hören, darunter Sänger Yebba, Kirk Franklin und Shawn Mendes. Mit uns spricht Jacob über Musik als Ausdrucksform, ein eher katastrophales Fussballspiel in Crocs und wie bescheiden sein Traum abseits der Arbeit aussieht.

the red bulletin: Was ist deine früheste musikalische Erinnerung?

jacob collier: Die ist lustig. Ich erinnere mich, wie ich auf dem Schoss meiner Mutter gesessen bin und nach oben geschaut habe. Anstelle der Zimmerdecke hab ich eine Violine gesehen, weil sie gerade spielte, und sie spielte immer. Musik war von Anfang an ein Teil meines Lebens. Musik ist wie eine Sprache für mich, eine Form, mich auszudrücken, und eine Form, mit anderen zu kommunizieren. Man lernt Musik auch wirklich am besten so, wie man eine Sprache lernt: indem man von Menschen umgeben ist, die sie beherrschen. In meinem Umfeld hat jeder Musik gemacht und sich durch sie ausgedrückt.

Deine Mutter ist Geigerin, Dirigentin und Lehrerin. Wie wichtig war sie für deine musikalische Entwicklung?

Enorm. Sie ist das Fundament meiner musikalischen Erfahrungen. Ich erinnere mich, wie sie an der Royal Academy of Music dirigierte – sie ist eine hervorragende Dirigentin – und da vor einer Gruppe von fünfzig Schülern stand. Als Kind war ich beeindruckt von ihrer Art, sich zu bewegen, wie sie damit den Sound lebendig machte. Wenn ich an meine musikalische Reise denke – und ich habe alle möglichen Sachen in ganz unterschiedlichen Genres gemacht –, beginnt alles mit meiner Mutter. Sie ist so positiv, herzlich und weiss so viel in ihrem Fachgebiet. Sie kann sich nicht nur selbst ausdrücken, sondern die kreative Seite anderer Menschen zum Vorschein bringen.

Du hast mal gesagt, deine Mutter hat dir beigebracht, dass alles in der Welt für dich singt, wenn du nur zuhörst. Das ist ein schöner Gedanke! Ich fnde immer wieder neue Wege, die Welt zu sehen und ihr zuzuhören, schon seit ich ein Kind war. Vor allem für ein Kind kann die Welt manchmal ziemlich gross und einschüchternd wirken. Doch auf gewisse Weise ist alles, was für dich singt, dein Freund, nicht dein Feind. Die Gewissheit, dass sogar die grossen, beängstigenden Dinge singen, das hat mich ermutigt. Es hat mir gezeigt, dass ich mit der ganzen Welt sprechen, zuhören und ihr vertrauen kann. Auch in der Schule, wo es immer viele schräge Typen gibt, Kids, die sich gross und stark fühlen, wenn sie andere mobben. Das zu überstehen und als Song zu betrachten hat mir beigebracht, die Welt nach meinen eigenen Zielen zu gestalten und mein Leben so zu leben, wie ich es will.

«TikTok scheint die kreativen Geister förmlich aufzufressen.»

Du hast als Teenager mit Coverversionen auf YouTube den Durchbruch geschafft. Junge Künstler erreichen heute ihr Publikum auf TikTok. Kannst du dich in sie hineinversetzen?

Vor zehn Jahren war die Kultur im Netz ganz anders als heute. Damals entdeckte ich YouTube, um mehrstimmige, multiinstrumentale und recht exzentrische Coversongs zu sharen. Die waren bewusst kunstvoll gestaltet, und ich konnte mich auf der Plattform kreativ ausdrücken. Heute werden die Künstlerinnen und Künstler von den Social-Media-Plattformen ausgenützt, denke ich. TikTok scheint die kreativen Geister förmlich aufzufressen – es ist alles ein Geschäft geworden. Manchmal sehe ich diese jungen Kreativen und denke: «Ich war so komplett anders, als ihr seid. Ich wollte nie im Wettbewerb mit anderen stehen.» Natürlich haben mich die anderen wahrgenommen, und ich habe mich von zig Musikern inspirieren lassen. Aber TikTok scheint nicht darauf ausgerichtet zu sein, Menschen zu fördern, die in Ruhe ihr eigenes Ding durchziehen.

Du hast 2023 eine Zusammenarbeit mit Crocs gestartet. Was gefällt dir an den Schuhen? Sie sind einfach superbequem. In den letzten fünf Jahren habe ich ausschliesslich Crocs getragen. Bis auf zehn oder zwanzig Mal vielleicht – zum Beispiel während meiner Fahrstunden. Das geht mit Crocs nicht. Sonst so ziemlich alles andere. Einmal habe ich sogar in Crocs gegen Rapper Stormzy gekickt. Das war eine Katastrophe, weil ich bei einem Elfmeter den Ball ins Nichts gedroschen habe. In Crocs Fussball zu spielen kann ich also nicht empfehlen. (Grinst.)

Du hast gesagt, dass «Djesse Vol. 4» ein Raum für ungenutzte Ideen ist, für die du bisher noch keinen Platz gefunden hast. Welche Art von Ideen meinst du?

In «Vol. 4» fiesst alles zusammen, was ich in den letzten fünf oder sechs Jahren gelernt habe, bei meinen Reisen durch die Welt, bei meiner Arbeit mit vielen unterschiedlichen Menschen. Während meiner Welttournee im Jahr 2022 begann ich damit, mein Publikum beim Singen aufzunehmen. Aus diesen Aufnahmen habe ich einen 100 000-Stimmen-Chor zusammengestellt. Das hat dieses Album vom Klang her wirklich sehr geprägt!

2 Bunte Mischung So farbenfroh, wild und unkonventionell wie Jacobs Stil ist auch seine Herangehensweise an die Musik.

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«Ich habe gegen den

Rapper Stormzy in Crocs gekickt. Katastrophe!»

Star ohne Allüren Fans überreichen dem Musiker bei seinen Konzerten oft Geschenke wie das selbst gemachte «Djesse»-Armband, das Jacob hier trägt.

Deine Publikumsexperimente zeigen, dass jeder Mensch einen Sinn für Musikalität hat. Wusstest du schon vorher, dass es funktionieren würde?

Ich denke nicht im Voraus: «Okay, ich bringe das Publikum jetzt dazu, in drei einzelnen Gruppen zu singen.» Ich stehe einfach auf der Bühne, überlege, was funktionieren könnte, und dann probiere ich es aus. Als ich 2023 beim englischen Musikfestival Glastonbury auftrat – mein erster Auftritt dort, vor 30 000 Menschen –, habe ich mich im Vorfeld auf die Interaktion mit dem Publikum vorbereitet. Musik ist für alle zugänglich. Es gibt kein «Ich bin ein Musiker, ich kann das» und «Du bist kein Musiker, du kannst das nicht». Diese Trennung gibt es nicht! Alles, was die Leute brauchen, ist das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, und die Erlaubnis, einfach mal aus sich herauszugehen.

Kollaborationen sind ein zentrales Element deiner Musik. Du hast mit einer imposanten Liste von Künstlern zusammengearbeitet. Wie wählst du aus, mit wem du kollaborierst?

Ich gehe ohne festen Plan an die Sache heran. Es gab schon eine Liste von Künstlern, von denen ich geträumt habe. Aber ich habe nicht im Voraus geplant, welche Musik dabei entstehen soll. Die einzigen Kriterien sind: «Mag ich dich? Respektiere ich dich? Ja? Okay, lass uns zusammenarbeiten.»

Du warst mit so vielen unglaublichen Künstlern unterwegs – willst du dich manchmal selbst kneifen, weil du das selbst nicht glauben kannst?

Jeden Tag! Ich denke, eines der Privilegien, wenn du mit solchen Legenden befreundet bist – mit Leuten wie Quincy Jones, Herbie Hancock und Hans Zimmer –, sind die Geschichten, die sie dir erzählen. Die kannst du gar nicht glauben! Quincy sitzt da und erzählt, dass er mit Picasso zu Mittag gegessen hat, und dann kam Igor Strawinsky vorbei. Und du denkst: «Das gibt’s nicht! Als diese Leute in Paris auf den Putz gehauen haben, waren sie so alt wie ich heute.» Das ist heftig.

Blicken wir einmal zurück. Wie unterscheidet sich der 20-jährige Jacob Collier von dem Menschen, der du heute, mit fast 30, bist?

Als Musiker habe ich mich gar nicht so verändert, eher als Mensch. Mit 20 wusste ich viel über Musik, aber ich habe die Theorie nicht ausgelebt. Ich erinnere mich, dass ich besessen von brasilianischer Musik war, von Samba und diesem einzigartigen Groove, der einen Rhythmus hat wie ein Ei, wenn es rollt. Aber ich war bis dahin nicht in Brasilien. Erst wenn du hinfährst, diese Musik wirklich erlebst, am eigenen Körper spürst, mit brasilianischen Künstlerinnen und Künstlern zusammenarbeitest und dich mit ihnen unterhältst, verstehst du, wie sich Samba wirklich anfühlt.

Du hast in deinem Alter schon viel erreicht – was hast du mit deinem Leben noch vor?

Ich denke, eine der grössten Herausforderungen wird sein, dem Leben Raum zu geben und mich auch einmal überraschen zu lassen. Die letzten zehn Jahre waren eine aussergewöhnliche Reise, aber auch sehr intensiv. Ich habe in dieser ganzen Zeit nicht ein einziges Mal eine Pause eingelegt. Na ja, vielleicht ein paar Urlaube, aber im Grunde habe ich meine Träume verfolgt und konstant gearbeitet. Es wäre wichtig, dass sich einmal alles nicht mehr so dringend anfühlt.

Wie entspannst du in deiner Freizeit?

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal länger entspannt habe. Mein Kopf ist voll von verrückten Ideen. Ich baue Druck ab, wenn ich diesen Ideen freien Lauf lasse und arbeite. Aber eine schöne Partie Badminton, das tut mir gut!

Jacob Colliers aktuelle Album «Djesse Vol. 4» gibt es auf allen gängigen StreamingPlattformen. Am 2. Dezember spielt der Grammy-Preisträger in der Halle 622 in Zürich. jacobcollier.com

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SAG UNS DEINE MEINUNG BEANTWORTE 6 FRAGEN ZU THE RED BULLETIN UND ERHALTE 20 % RABATT FÜR DEN REDBULLSHOP.COM Teilnahme möglich für Personen ab 18 Jahren. Mitarbeiter von Red Bull oder mit Red Bull verbundenen Unternehmen sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Rabattcode ist gültig für eine Bestellung auf der Website redbullshop.com und ausschließlich bei Lieferung innerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz bis 13. August 2024. Barablöse nicht möglich. Die Anzahl der erlaubten Teilnahmen ist beschränkt auf eine Umfrage pro Ausgabe.

Zum Festival nach deinem Geschmack.

Natürlich erfrischend.

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Dein Guide für ein Leben abseits des Alltäglichen

REISEN, OPTIMIEREN, HÖREN, TRAINIEREN, ERLEBEN –UND LESEN!

Wo alle Wege hinführen: Reise­ und Abenteuer­Autor Charlie Allenby strampelt von Florenz nach Rom.

UND JETZT DU!

THE RED BULLETIN 83 ANDY DONOHOE

Charlie Allenby ist Journalist in London mit Schwerpunkt Laufen, Radfahren und Abenteuer. Insta: @charlie.allenby

RADELN NACH ROM

Italienische Traumgegenden genüsslich mit dem Gravelbike inhalieren: über eine Reise mit gewaltigem Suchtcharakter.

Meine Reifen kämpfen auf der Schotterstrasse bei jedem Tritt um Bodenhaftung, die Steigung kippt stellenweise in den zweistelligen Bereich. Mein Herz pumpt so fest, dass ich es in den Ohren spüren kann. Die Staubwolke, die sich rund um mich gebildet hat, verwandelt meine Kehle zunehmend in Schleifpapier. Vor mir baut sich ein terrakottafarbenes Viadukt auf. Das sagt mir, dass ich etwa die Hälfte des sieben Kilometer langen Anstiegs hinter mir

habe. Der Schatten unter dem altrömischen Bauwerk verschaft mir eine kleine Pause von der Mittagshitze eines sonnigen Frühsommertags in Italien. Dann, bei einer Trinkpause am Ortsrand von San Quirico d’Orcia, einem mittelalterlichen Städtchen, 45 Kilometer südöstlich von Siena, ist es, als wäre ich unvermittelt auf ein Filmset gestolpert, das die weltberühmte typische Atmosphäre der Toskana einfangen soll: malerische Hügel, darauf Zypressenhaine; knatternde Piaggio­Lastenmopeds,

die frisches Obst und Gemüse bringen; Nonnas, die Wäsche auf ihren Balkonen aufhängen; Gastgärten, in denen Erfrischungen serviert werden.

Aber: Keine Zeit zum Träumen. Ich habe noch 100 Höhenmeter Anstieg vor mir und dann 60 Kilometer weiter mit dem Velo auf den recht rauen Pfaden der Via Francigena bis zum heutigen Etappenziel –

dem Castello Proceno, ziemlich genau auf halbem Weg auf meiner Reise von Florenz nach Rom. Die Via Francigena (übersetzt: die Strasse von Frankreich) war eine mittelalterliche Pilgerroute, die von Canterbury in England über Frankreich und die Schweiz bis nach Rom führte.

Doch im Gegensatz zu den wackeren Pilgern von einst

Ein höheres Ziel wird man wohl schwerlich finden: die dezent verschwitzte Ankunft am Petersplatz in Rom

REISEN
84 THE RED BULLETIN

Jeder Tritt ein Kick:

Die Anstrengung verstärkt die Wirkung der grandiosen Landschaft noch.

habe ich nicht die ganzen 2000 Kilometer in Angrif genommen, sondern nur die letzten 400. Und ich bin nicht wie sie zu Fuss gegangen oder auf einem Pferd geritten. Ich sass im Sattel eines Gravelbikes.

Die Route, ausgetüftelt von den Radreisespezialisten von Rolling Dreamers, hält sich nicht sklavisch an den historischen Pilgerpfad: Sie beginnt in Florenz und führt, gesäumt von Olivenhainen und Weingärten, in vier Tagesetappen nach Rom, das Ziel liegt direkt auf dem Petersplatz. Jene Abschnitte der Via Francigena, die Matteo Venzi, der Gründer von Rolling Dreamers, für unbefahrbar hielt, bleiben den Bikern erspart: «Mir ist lieber, die Leute können fahren, als sie müssen ihr Rad dauernd schieben», erklärt Matteo.

Das heisst nicht, dass die Strecke ein Spaziergang wäre: Ungefähr 70 Prozent sind nicht asphaltiert – ein Untergrund, der einen oft genug

an die Grenzen bringt. Da gibt es praktisch alle Spielarten von Ofroad: von den legendären Strade Bianche, den berühmten weissen Schotterstrassen der Toskana, bis zu den holprigen Basaltplatten in der Grösse von Mülltonnendeckeln, mit denen die Römer vor 2000 Jahren ihre Strassen gepfastert haben. Während der bereits erwähnte lange Anstieg durch San Quirico d’Orcia jede Faser der Beinmuskulatur fordert, sorgt die zehn Kilometer lange Schotterabfahrt von Radicofani nach Ponte a Rigo wenig später für Herzklopfen und ein wenig Nervenfattern, weil das Vorderrad in einer Reihe von atemberaubenden Haarnadelkurven immer kurz zum Untersteuern ansetzt. Aber die Anstrengungen des Radelns erhöhen auch die Intensität des Erlebnisses: Man inhaliert die Grossartigkeit der Landschaft quasi mit jedem Atemzug. Und mit jedem Tritt in die Pedale prägt sich einem eine unauslöschliche Erinnerung tief ins Gehirn. Fantastische Naturschönheiten lauern hier praktisch hinter jeder Ecke – zypressengeschmückte toskanische Hügel und Täler wechseln sich mit prächtigen Wildblumenwiesen in der Region Lazio ab, wo wir auch auf den zauberhaften Lago di Bolsena trefen, Europas grössten Vulkansee. Und kurz vor Rom erfrischt uns noch ein Wasserfall wie aus dem Bilderbuch mit einem Namen, der fast zu schön ist, um wahr zu sein: Cascate di Monte Gelato.

HINKOMMEN

Nach Florenz mit Flugzeug, Zug oder Bus Jeweils von Zürich oder Genf: Die Anreise mit dem Zug kostet ca. CHF 100, Flüge gibt es ab ca. CHF 250, mit dem Auto dauert es in etwa 7,5 bis 8 Stunden.

GUT ZU WISSEN

Mit dem Gravelbike von Florenz nach Rom Die Strecke führt durch die Toskana und Lazio, ist rund 400 Kilometer lang und weist insgesamt 7150 Höhenmeter auf. Die Tour teilt sich in vier Tagesetappen: von Florenz nach Siena (95 km), von Siena nach Proceno (119 km), von Proceno nach Sutri (108 km) und von Sutri nach Rom (73 km). Die Route besteht zu 70 Prozent aus Schotterstrassen. Das Gravelbike wird zur Verfügung gestellt, ein Gepäckwagen begleitet die Radreisenden.

La grande bellezza: Es gibt italienische Lebensart zur Erbauung – von Kaffee über Delikatessen bis Architektur.

Am Ende führen alle Wege nach Rom. Um genau zu sein: ein brettebener Radweg, der den Tiber entlang bis zum Petersplatz führt. Hier, umgeben vom ortsüblichen Hupkonzert, fndet man Zeit, die vergangenen vier Tage Revue passieren zu lassen. Und plötzlich verspürt man den dringenden Wunsch, zurückzukehren an einen Ort irgendwo im Hinterland, an dem das einzige Geräusch das Knirschen von Kies unter dem Reifengummi war.

Radtouren wie diese organisiert das italienische Unternehmen Rolling Dreamers. rollingdreamers.com

Italien Florenz Rom
THE RED BULLETIN 85 ANDY DONOHOE CHARLIE ALLENBY, ÜBERSETZUNG: ANDREAS WOLLINGER

DER TÄGLICHE

ENTZUG

Wie du lernst, besser mit Social Media umzugehen, verrät

Biohacker Andreas Breitfeld

an kann es nicht anders sagen: Social Media ist die am weitesten verbreitete Droge unserer Tage. TikTok, YouTube und selbst das gute alte Insta machen süchtig. Sie zerstören unsere Fähigkeit, uns länger als ein paar Sekunden auf etwas zu konzentrieren, als Folge fällt es uns immer schwerer, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Kurz: Wir veröden und verblöden. Wir leiden als Gesellschaft an einer Art kollektivem ADHS. Das liegt daran, dass wir nicht für die Herausforderungen und Verlockungen dieser Medien gebaut sind. Sie überfordern uns. Die Algorithmen spielen sehr ausgeklügelt und hoch professionell mit unseren Gehirnen: Sie triggern das Belohnungssystem, indem sie uns mit kleinen Ausstössen von Dopamin geschickter

ENTWÖHNPROGRAMM

Ich beobachte mich immer wieder selbst: Wie lange schafe ich es, eine App ohne Mühe (wirklich ganz ohne Mühe!) nicht zu beachten? Sechs Stunden? Acht? Wenn es weniger sind, dann lösche ich die App sofort. Und installiere sie erst 24 Stunden später wieder.

an die Sucht heranführen, als das jeder Strassendealer könnte. Sie nisten sich in unsere Neuroplastizität ein, also in unsere Fähigkeit, zu adaptieren und zu lernen, sie spielen virtuos mit unserem Gedächtnis und unseren Konditionierungen.

Wie wir aus der Sucht rauskommen? Wir müssen sie uns zunächst eingestehen. Lies also die vorigen zwei Absätze noch einmal. Sie sind der erste Schritt raus aus der Abhängigkeit. Schritt zwei: Entzug. Bei mir hilft ein radikaler Hack am besten: Sobald ich feststelle, dass ich schon morgens nach dem Handy suche, lösche ich die entsprechende App zumindest für 24 Stunden. Wenn es am nächsten Tag immer noch so ist, gibt es 48 Stunden Entzug. Probier’s mal aus. Es ist unglaublich, was du an Lebenszeit und -intensität gewinnst, wenn du dich der magischen Anziehungskraft der Apps wenigstens vorübergehend entziehst.

Andreas Breitfeld ist Deutschlands bekanntester Biohacker. Er forscht in seinem speziellen Lab in München. Biohacking umfasst, vereinfacht gesagt, alles, was Menschen eigenverantwortlich tun können, um Gesundheit, Lebensqualität und Langlebigkeit zu verbessern.

Die Biohacking-Praxis ist der PerformanceLifestyle­Podcast für alle, die mehr über Biohacking (und sich selbst) erfahren wollen. QR­Code scannen und reinhören.

BIOHACKING
M
Zu viel Social Media ruiniert unsere Konzentration, deshalb öfter mal Apps löschen!
86 THE RED BULLETIN PRIVAT ANDREAS BREITFELD BRATISLAV MILENKOVI Ć

Aktuell nimmt das Duo sein drittes Album auf. Live-Termine inklusive Openair Gampel: caricariragazzi.com

Feist

MY MOON, MY MAN (BOYS NOIZE MIX, 2007)

«2007 war ich voll in dieser Snowboard-Surf-Bubble. Ich hiess Roxygirl92 auf Myspace, habe Songs von Colbie Caillat auf der Gitarre gespielt und dadurch angefangen, meine eigene Stimme zu fnden. In einem Video-Teaser über diese typisch coolen SnowboardMädels erschien dann plötzlich dieser Feist-Remix. Das war für meine Freundinnen und mich ein echter Moment»!

M.I.A. BORN FREE (2010)

«Als 2010 das Video zu ‹Born Free› rauskam, war es das Thema in der Schule. Ich konnte nicht fassen, wie brutal es war, gleichzeitig die Ästhetik und der Sound … Es hat mich fasziniert, dass ein hardcore-punkiger Song so elektronisch klingen kann. Das ist etwas, was sich heute auch durch unsere Musik zieht: dieser organische Klang, auf elektronische Art übersetzt.»

DIE MATCH POINTS MEINER MUSIK

Stephanie Widmer, Drummerin und Sängerin des österreichischen Duos Cari Cari, über Musik, die ihren Sound prägt.

Wer zum ersten Mal den Klängen von Cari Cari lauscht, kommt kaum auf die Idee, dass es sich dabei um Musik aus Österreich handeln könnte. Viel zu sehr nach weiter Welt klingen die (oft nur unzureichend als «Indie-Rock» beschriebenen) Songs von Stephanie Widmer und Alexander Köck. «Unsere Musik dürfte tatsächlich etwas an sich haben, was internationaler klingt, ohne dass wir das je geplant hätten», sagt die Wienerin, die nicht nur singt, sondern auch Drums, Synthesizer, Didgeridoo und Maultrommel spielt. Während das Duo an Album Nummer drei arbeitet, gibt uns Stephanie Einblicke in ihre musikalische Entwicklung und beschreibt vier Lebensabschnitte mit Songs, die besonders prägend waren. Und bis heute nachklingen.

Norah Jones FOR BROKEN HEARTS (2012)

«Norah Jones brachte 2012 das Album ‹Little Broken Hearts› raus – das Jahr, in dem Alex und ich anfngen, gemeinsam Musik zu machen. Danger Mouse produzierte ihre Platte, und er schaft es immer wieder, dass Musik vintage, aber trotzdem frisch klingt. Genau das wollen wir auch – keine Retroband sein, sondern diesen Stil übernehmen und was Neues machen.»

Les Filles de Illighadad IMIGRADAN (2017)

«Mit Cari Cari habe ich eine Liebe zu obskuren Instrumenten und Bands entwickelt, oft aus Japan oder Thailand. Über diesen Song bin ich 2019 durch ein YouTube-Video gestolpert, weil die drei Frauen, die aus der Sahara stammen, statt einer Bass Drum einen Gummiball in eine Wasserwanne gelegt und mit einem Holzknüppel draufgeschlagen haben. Alles daran ist genial.»

HÖREN
THE RED BULLETIN 87 SOPHIA LAVATER LISA HECHENBERGER

SIM FIT

Sie sitzen zwar hauptberuflich, trotzdem müssen

E-Sportler ähnlich gut in Form sein wie «echte»

Athleten. Ihre Simulated-Racing-Tipps können daher auch Bürohengsten auf die Sprünge helfen.

Acht Stunden täglich vor dem Bildschirm, mindestens. Fünf Tage die Woche. Die Pausen? Vernachlässigbar. Das Leben eines Sim-Racing-Profs mag dir ähnlich vorkommen wie dein eigenes. Aber das täuscht: Der Körper eines E-Rennsportlers erfährt teilweise die gleichen Belastungen wie der eines «echten» Rennfahrers.

«Die Resonanz, die sich durch die Hightech-Geräte auf den Körper überträgt, ist beim Sim Racing enorm», erklärt

Lewis Paris, persönlicher Trainer beim E-Sport-Team von Oracle Red Bull Racing. Mit speziellen Greifkraftübungen hilft er den Piloten, in intensiven Rennmomenten am Lenkrad unverkrampft zu bleiben. Einzelbeintrainings sollen das Ungleichgewicht korrigieren, das auftritt, wenn das Bremspedal eine Wucht von bis zu 200 Kilogramm simuliert. Hauptsächlich hat die Gesundheits- und Fitnessroutine der Sim Racer aber das Ziel, Schmerzen in den Schultern, dem unteren Rücken und den Hüften entgegenzuwirken, die durch das stundenlange Sitzen verursacht werden. Und das kommt dir ja vielleicht bekannt vor …

«Ich will ausgleichen, was die Sportler ihrem Körper den ganzen Tag abverlangen», so Paris. «Mit Muskelaufbau,

Mobilisierung und Aktivierung.» Seit 2021 arbeitet der Londoner mit der Mannschaft, und die Ergebnisse sprechen für sich: Diesen April wurde der 23-jährige Brite Sebastian Job bereits zum zweiten Mal Weltmeister im Porsche TAG Heuer Esports Supercup. Hier verrät Lewis Paris die neuesten Fitness-Erkenntnisse, mit denen er seine Schützlinge zum Sieg führt.

Lockeres Warm-up

Bevor sie sich in ihr Racing Rig setzen (siehe Bild), müssen die Fahrer eine Reihe von Dehnübungen absolvieren, um ihre Gesässmuskeln zu aktivieren. «Alle Muskeln, die man an sich sieht – Brust-, Quadrizeps-, Bauchmuskeln –, ziehen einen nach vorn. Also konzentrieren wir uns auf die Muskeln, die man nicht sehen kann», erklärt Paris. Dank der Aktivierungsübungen bleibt die Blutzufuhr zu den stützenden Muskelgruppen aufrecht. Dadurch sitzen die Fahrer gerade und verlagern den Druck weg von der Wirbelsäule und dem unteren Rücken. Ausserdem schärfen diese Übungen das Gehirn. «Die Jungs brauchen also kein mentales Warm-up mehr, sondern starten voll konzentriert ins Rennen.»

Atmungsaktiv

«Die meisten Menschen atmen durch den Mund, also eher fach», sagt Paris. «Wenn man durch die Nase einatmet, sind die Züge tiefer, das lockert das Zwerchfell.» Spannt man die Bauchmuskeln an, während man die Luft aus den Lungen drückt, aktiviere das zudem die Mitte und entlaste zusätzlich den unteren Rücken. Und das ist nicht alles: Forschungen haben ergeben, dass die Atmung durch die Nase eine ganze Reihe weiterer Vorteile bringt. So nimmt etwa die Sauerstofaufnahme um 10 bis 20 Prozent zu. Ausserdem kann sich der Körper besser entspannen, weil das parasympathische Nervensystem aktiviert wird.

Gute Nacht

Dass man vor dem Schlafengehen eine Pause von Handy und Laptop einlegen sollte, ist allgemein bekannt. Das blaue Licht, das die Bildschirme ausstrahlen, lässt laut Paris «den Körper glauben, dass die Sonne noch scheint und wir aktiv bleiben müssen». Aber was, wenn die Teamkollegen in einer anderen Zeitzone sitzen und das Rennen bis in die frühen Morgenstunden dauert? Sportler wie Sebastian setzen beim Sim Racing nach Sonnenuntergang einfach Spezialbrillen auf, die das blaue Licht blockieren. Diese ahmen den natürlichen Sonnenzyklus nach und verhindern einen anhaltenden Wachzustand nach dem Rennen. Paris: «So schläfst du gesünder und bringst am nächsten Tag eine bessere Leistung.»

lewisparisfitness.com, Insta: @sebastianjob_

(Ein)gespannt:

Das stundenlange Sitzen in einem Racing Rig fordert bei Sim Racer wie Sebastian Job seinen Tribut.

TEXT CHARLIE ALLENBY FOTOS ANDY PARSONS
FITNESS
88 THE RED BULLETIN ANDY PARSONS

FLEXIBLES ARBEITEN

Sebastian Job, Sim Racer bei Oracle Red Bull Racing, zeigt hier drei von Lewis Paris’ Dehnübungen im Sitzen. So bleibst du den ganzen Arbeits­ oder Renntag hindurch in der Pole­Position.

ÜBUNG 1

SCHULTERN LOCKERN

An der Stuhlkante sitzen, Knie zusammenfügen. Nach vorn lehnen, bis die Brust auf den Oberschenkeln und der Kopf auf den Knien liegt. Arme hinter dem Rücken abwinkeln, Hände aufeinanderlegen. Ellbogen in Richtung der Oberschenkel drücken und 30 Sekunden halten.

ÜBUNG 2 KINN KREISEN

Schultern nach unten ziehen. Mit einem imaginären Bleistift – den du dir unter dem Kinn vorstellst – den grösstmöglichen Kreis zeichnen. Jeder Kreis sollte fünf bis acht Sekunden in Anspruch nehmen. Fünfmal wiederholen und dann die Richtung wechseln.

ÜBUNG 3 HINTERN HEBEN

Den linken Knöchel aufs rechte Knie heben. Linke Hand aufs linke Knie, rechte Hand auf den linken Knöchel. Linkes Knie leicht hinunter­ und gleichzeitig die Brust nach oben drücken. Hintern heben, 30 Sekunden lang tief einund ausatmen, dann Seite wechseln.

THE RED BULLETIN 89

SO TICKEN DIE

JAHRESZEITEN

Wasser, Wald, Wüste: Für die Kollektion

Power of Nature hat sich Swatch von Mutter Natur inspirieren lassen.

Der Sommer ist da! Jetzt sind Wandern, Schwimmen und Lagerfeuer angesagt. Das spiegelt sich auch in einigen Uhren der neuen «Power of Nature»-Kollektion von Swatch. Sie orientiert sich daran, wie sich die Welt mit den Jahreszeiten verändert. Die Big Bold Bioceramic Fall-IAGE (rechts) gibt sich extravagant und verspielt. Diese Oversize-Uhr mit ihrem Gehäuse aus Biokeramik und Silikonarmband trägt sich gleichermassen gut im Wald und in der City. Die gesamte Kollektion gibt es hier:

swatch.com

Gegen die mattschwarze Lünette leuchten orange Zeiger an; CHF 140.

Von stylisch bis farbenfroh –die Natur bietet Inspiration für jeden Geschmack.

ALLES IM FLUSS

Mit 47 mm Durchmesser und knalligem Orange ist diese Uhr definitiv «big and bold».

Splash Dance

Das Zifernblatt erinnert an das Tosen von Wasserfällen. Armband, Verschluss und Gehäuse sind aus Edelstahl; CHF 200.

VOLL GEERDET

By the Bonfre

Das Grün des Waldes ums Handgelenk und ein bisschen fackerndes Lagerfeuer­Feeling auf dem Zifernblatt gefällig? CHF 240.

DIE WÜSTE LEBT

Sunbaked Sandstone

Das sandgestrahlte Finish erinnert an Dünen, die Struktur des Armbands liefert das lebendige Element dazu; CHF 195.

UHREN
90 THE RED BULLETIN SWATCH GROUP WILLY BOTTEMER
RED BULL VERLEIHT FLU ¨ U ¨ U ¨ GEL. ZUERST DIE WELT RETTEN, DANN ZUM APÉRO? Jetzt APÉRO-TYP herausfinden und beflüüügeln lassen. REDBULL.COM/APERO

BEST OF SUMMER

Es wird nass, bunt und schnell. Diese

Top-Events solltest du nicht verpassen.

BIS 18. AUGUST RED BULL DANCE YOUR STYLE WEEKENDER

Wenn die besten Tänzerinnen und Tänzer des Landes auf der Place de la Navigation in Lausanne sich in Streetdance-StyleBattles ein Duell liefern; wenn DJs mit grossen Klassikern bis hin zu den Hits von heute den Ton angeben; wenn das tosende Publikum mittels Stimmkarten die Jury ist, dann kann das nur eines bedeuten: Das Red Bull Dance Your Style Switzerland ist zurück!

Übrigens: Die globale All-Style-Streetdance-Contestserie mit dem einzigartigen Battle-Format macht in mehr als fünfzig Ländern Halt.

Alle Infos fndest du, wenn du diesen QR-Code scannst.

Popping Queen Glory beim Dance Your Style-Finale in Lausanne 2023

Das Boat One von Alinghi Red Bull Racing in Barcelona

JULI

RON ORP ROOFTOP DAY

Am Rooftop Day von Ron Orp werden private Terrassen, Gärten und Hinterhöfe in sechs Städten (Basel, Bern, Luzern, Winterthur, St. Gallen und Zürich) für euch zugänglich. Ob entspannter Apéro, YogaSession oder Dayrave – wähle deinen Lieblingsevent und sei dabei: Damit wir den Sommer so feiern, wie er es verdient. rooftopday.net

BIS 25. AUGUST FINAL PRE-REGATTA AMERICA’S CUP

Die letzte Pre-Regatta, bevor es dann richtig ernst wird. Die America’s Cup-Teams werden zum ersten Mal auf ihren neuen AC75-Booten vor Barcelonas Küste segeln. Und Titelverteidiger Neuseeland bekommt schon mal einen Vorgeschmack auf die diesjährigen Herausforderer, inklusive dem Schweizer Team. Live-Übertragung: redbull.tv

ERLEBEN
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6 92 THE RED BULLETIN MURIEL FLORENCE RIEBEN/RED BULL CONTENT POOL, OLAF PIGNATARO/ALINGHI RED BULL RACING/RED BULL CONTENT POOL

JUNI BIS 14. JULI

FAN ZONE VEVEY

Lust auf grosse Emotionen in einem aussergewöhnlichen

Setting? Im Jardin du Rivage in Vevey ist 30 Tage lang Wahnsinnsstimmung garantiert. Auf einer über 50 m² grossen Leinwand kannst du die in Deutschland ausgetragene Fussball-EM 2024 mitverfolgen. An jenen Abenden, an denen kein Fussballmatch stattfndet, gibt es am Ufer des Genfersees ein Freiluftkino-Programm. Dabei gilt: freier Eintritt, Foodtrucks und Getränke vor Ort. Weitere Informationen und das gesamte Programm: fanzonevevey.ch

9

UND 10. AUGUST

WATERINGS CONTEST

Ringturnen, Turmspringen, Akrobatik und eine Landung im Wasser? Waterings kombiniert genau all diese Dinge. In zwei Bewerben (Individual und Synchrings) liefern die Athletinnen und Athleten in Territet, nahe Montreux am Genfersee, eine spektakuläre Show (bei der Anlegestelle der CGN). Alle Infos fndet ihr hier: waterings.ch

BIS

30. JUNI ÖKK BIKE REVOLUTION DAVOS

Davos Klosters zählt zu den attraktivsten Bike-Destinationen in den Alpen. Das Singletrail-Netz erstreckt sich über 700 Kilometer und bietet von fowigen bis verblockten Strecken für jede Könnerstufe etwas. Mit aufregenden Rennen, gemütlichen Gusto-Rides, Workshops, vielen Bike-Ausstellern und noch mehr Emotionen setzt die ÖKK Bike Revolution die Rennserie fort – zum zweiten Mal auch in Davos. Sei dabei! Sämtliche Rennen gibt es auch live auf Red Bull TV zu sehen. Anmeldung und Infos auf: bike-revolution.ch

JUNI BIS 7. JULI HOFKINO

Im Innenhof des Landesmuseums geht es wieder rund – zum Lunch und Dinner, auf einen Kafee, etwas Süsses oder zum Apéro. Der Hof ist von 10 Uhr morgens bis Mitternacht frei zugänglich – auch ohne Kinoticket. Programm und Tickets für das abendliche Open-Air-Kino gibt es hier: hofkino.ch

12

BIS

16. JUNI

24-STUNDEN-RENNEN VON LE MANS

Wenn die weltbesten Fahrer und innovativsten Fahrzeuge wieder ihre Ausdauer testen und um Ruhm kämpfen, dann ist es Zeit für Le Mans. 186 Fahrer nehmen bei der 92. Ausgabe teil. Im Bild oben das BMW ArtCar, das Top-Künstlerin Julie Mehretu anlässlich des jährlichen Rennspektakels (Story auf Seite 20) designt hat. Alle Infos: 24h-lemans.com

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14 13
THE RED BULLETIN 93 BR EVENT AG/@STARON PHOTO, LOÏC PRIVET, BMW, EDUARD MELTZER

3

AUGUST

3 × 3 SWISS TOUR FINAL PRESENTED BY ALPIAN

Ein Korb, je drei Spieler pro Team und sehr hohes Tempo – und das Ganze mitten im Zürcher Hauptbahnhof! Purer Nervenkitzel ist garantiert, wenn die Besten des Landes um den Schweizer Titel kämpfen. Freut euch auf das ultimative urbane Basketball-Event – das 3×3 Swiss Tour Finale, organisiert von Swiss Basketball. Das Siegerteam sichert sich seinen Platz im ungarischen Debrecen, einer wichtigen Etappe der 3×3 World Tour. Alle Infos fndet ihr hier: swiss.basketball/3x3

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BIS 28. JUNI TENSION FESTIVAL

Drei Tage, drei Bühnen. Im einmaligen Ambiente des Gartenbads St. Jakob in Basel geht einer der grössten House- und Techno-Events der Schweiz über die Bühne. Es locken auch die grosse Pool-Area, eine Chill-out-Zone, Marktstände und ein umfassendes Foodangebot. Erstmals dauert das Highlight der elektronischen Musik drei Tage lang – und bietet Besuchern daher die Möglichkeit zum Campen. tension-festival.ch

26

JUNI

RED BULL JUKEBOX MIT HECHT

Ihr durftet bestimmen, welche Songs und in welchen Musikstilen die Schweizer MundartBand Hecht in «The Hall» in Zürich rund 4400 Fans begeisterte. Für alle, die für diese verrückte und restlos ausverkaufte Show Ende Mai keine Karten mehr bekommen haben oder sich die Highlights des Konzerts noch einmal reinziehen wollen – den Konzertflm fndet ihr auf Red Bull TV oder hier: redbull.com/jukebox

2

SEPTEMBER MODE SUISSE

Bereits zum 24. Mal zeigt Mode Suisse & Friends in Zürich ausgewählte Kollektionen und Projekte. Ebenso wird der dritte Miele × Mode Suisse Award for Positive Impact vergeben, der positive Impulse in der Fashion-Industrie auszeichnet. Und: Die früheren Gewinner – Nina Yuun und Mourjjan – präsentieren ihre neuen Kollektionen. modesuisse.com

ERLEBEN
3×3 Swiss Tour Final im Zürcher Hauptbahnhof im letzten Jahr
94 THE RED BULLETIN SWISS BASKETBALL, ALEXANDER PALACIOS

BIS 8. SEPTEMBER ÖKK BIKE REVOLUTION

GRUYÈRE

Zum ersten Mal macht die ÖKK Bike Revolution in der Romandie einen Halt! Die Region Gruyère bietet mit ihren malerischen Landschaften und abwechslungsreichen Wegen ein einzigartiges Erlebnis für alle Mountainbike-Fans. Entdecke grüne Wege, atemberaubende Panoramen und geniesse auf den Gusto Rides die Köstlichkeiten der Region. Im Festdorf in Bulle kannst du dich über die neuesten Markttrends informieren und neue Fahrradmodelle testen. Anmeldung und Infos auf: bike-revolution.ch

AUGUST

TOUR DES STATIONS

Von Le Châble bis nach Verbier geht es durch so viele Orte und über so viele Alpengipfel auf und ab, dass je nach gewählter Distanz bis zu 242 Kilometer und 8848 Meter Höhenunterschied zusammenkommen –was der Höhe des Mount Everest entspricht! Du bestimmst dabei, welche Challenge du annimmst und wie weit (und hoch) du fahren möchtest. tourdesstations.ch

Das Openair Frauenfeld ist für seine Acts, die ausgefallenen Styles der Besucher und für die Partys auf dem Festival-Gelände berühmt – und berüchtigt. Als besonderes Highlight gilt die einzigartige Backstageparty Red Bull Unforeseen. Das Abenteuer beginnt schon vor der Eingangstür, mit einer Challenge Mehr Infos: redbull.com/unforeseen

Herausgeber

Andreas Kornhofer

Chefredakteur

Andreas Rottenschlager

Executive Creative Director

Markus Kietreiber

Creative Directors

Erik Turek (Ltg.), Kasimir Reimann

Grafik

Marion Bernert-Thomann, Martina de Carvalho-Hutter, Miles English, Kevin Faustmann-Goll, Carita Najewitz, Tara Thompson Fotoredaktion

Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör

Chefin vom Dienst

Marion Lukas-Wildmann

Managing Editor Ulrich Corazza

Global Content

Tom Guise (Ltg.), Lou Boyd

Publishing Management

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Literaturtalente über Themen, die sie bewegen – und liefern ihren positiven Spin dazu.

Das Biotop Mensch oder José Gsells fröhliche Rückkehr zur Natur.

Menschsein bedeutet für mich, ein Biotop zu sein. Wie ein Wald, der Sonne, Wasser und Nahrung braucht. Mit dieser einfachen Defnition begreife ich mich selbst besser – was in unserer komplizierten Welt sehr hilfreich sein kann. Vor sechs Jahren sass mein kleines Biotop-Ich am Fenster einer Brüsseler Wohnung und fragte sich, was es in der riesigen Stadt zu suchen hatte. Eigentlich hätte ich mich glücklich schätzen können. Ich hatte ein Angebot angenommen, für sechs Monate in der belgischen Hauptstadt an meinen Texten zu arbeiten. Im Grunde war alles super: Es gab viel Pommes mit reichlich Mayonnaise, jede Menge Trap-

pistenbiere und tolle Begegnungen. Aber mir fehlte etwas. Die Stadt verschlang meinen Körper: mit Wolken aus verkohltem Diesel über nassem Asphalt, mit der permanenten Ruhelosigkeit … und vor allem mit der Beinahe-Unmöglichkeit, zu Fuss fiehen zu können (das mag sich komisch anhören, aber ich entwickle tatsächlich Angstgefühle, wenn man das Ende einer Stadt, ohne ein technisches Transportmittel, erst in mehreren Stunden erreicht). Ich fühlte mich wie ein Tier in der Falle, und plötzlich wurde mir der katastrophale Zustand meiner eigenen Ökologie bewusst. Meinem Biotop ging es nicht gut, ich hatte meine Blumen mit dem falschen Wasser gegossen.

In meiner Nachbarschaft im Stadtteil Schaerbeek hörte man selten ein freundliches «Bonjour», und die Blicke waren leider oft feindselig. Ich fühlte mich wie eine Maus in einer Welt von Katzen. Am schlimmsten war aber das Gefühl, von allem Lebendigen entfernt zu sein. Wenig Grün, wenig Fauna, von frischem Gemüse ganz zu schweigen … Zur Nahrungsaufnahme verlässt man seine Zelle und zückt das Portemonnaie. Ich fühlte mich entfremdet. Die natürliche Verbindung war gekappt.

ON A POSITIVE NOTE
96 THE RED BULLETIN KORNEL STADLER
«Ich setze mir keine anderen Ziele als mein Wohlbefnden und meine Freude.»

Musste mein Leben so sein? Ich hofte, dass es nicht so war … und schwor mir, alles dafür zu tun, gegen die Distanz zwischen mir und meiner Umwelt anzukämpfen.

Ich dachte an die vergangenen Jahre zurück, in denen ich viel gereist war. Ich hatte Quebec durchkämmt, war durch die Bronx gewandert, hatte die nordische Tundra Schwedens durchquert, hatte Kabeljau am Rande eines Fjords geräuchert, war mit dem Kanu durch das mäandernde Donaudelta gepaddelt, hatte die Nordlichter auf der Insel Senja beobachtet, als ich in der ewigen Nacht des norwegischen Winters aus der Sauna kam – und noch so viele andere Orte, die mir gezeigt hatten, dass mein kleines Zuhause in der Schweiz gut zu mir passte.

Von diesen Landschaften war ein Traum geblieben, eine Sehnsucht nach der Rückkehr zu den Wurzeln der Menschheit. Das Konzept des Jägers und Sammlers hatte mich schon immer fasziniert, leider war es in der Schweiz kaum umsetzbar. Ins Ausland zu gehen passte nicht zu mir; Familie, Freunde, Verankerung in einer Region, der Geruch der Wälder meiner Kindheit Ich musste also entweder meine Bindungen aufgeben oder mein Konzept ändern. Ich entschied mich für die zweite Option. Meine Zeit in Belgien ging zu Ende, ich kehrte mit einem veröfentlichungsreifen Buch und etwa fünfzehn Kilo mehr Bauchspeck in die Schweiz zurück.

Je weiter sich die Stadt entfernte, desto mehr leuchtete die Landschaft grün. Ich fühlte mich wie eine Knospe, die darauf wartet, sich unter den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings zu entfalten.

Es war eine fröhliche Rückkehr – ich war erleichtert. Die Veränderung und das Neue gaben mir Energie. Ich nutzte meine Privilegien, in der Nähe von Wasser und Wäldern mit einer angemessenen Grösse zu wohnen. Ich hatte schon früher geangelt, ein wenig Gartenarbeit betrieben und manchmal Pilze und Beeren gesammelt. Ich beschloss, dies zu intensivieren. Und je nach Jahreszeit füllte ich meine Freizeit mit produktiven und sportlichen Aktivitäten. Mein Bauch verschwand. Manchmal fuhr ich fünfzig Kilometer mit dem Fahrrad, um an einem besonderen Platz zu angeln, oder ging zwanzig Kilometer zu Fuss, um einem Fluss zu folgen.

Die Vorbereitung des Gartens im Frühjahr war wie ein 30-stündiges Fitnesstraining. Zwar war ich schweissgebadet, aber auch voller Vorfreude auf die kommende Ernte. Es folgte die Jagd nach Walderdbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren, um die Schränke für den Winter zu füllen – auf langen und herrlichen Spaziergängen. Dazu kam das Staunen über das Draussen, über den vielfältigen Ruf der Spechte, den fröhlichen Gesang der Lerchen, das Spiel der Füchse und den füchtigen Blick der Rehe. Im Wald wurde ich zu einem kräftigen Blatt inmitten der Bäume.

Natürlich brauchte ich auch Geld; meine literarischen Aufträge und Veröfentlichungen reichten nicht aus, und ich dachte über einen Beruf nach, der meiner neuen Dynamik folgte, etwas, was meine Renaturierung unterstützte. Durch einen Glücksfall durfte ich lernen, Trockenmauern zu bauen (wie man sie oft auf den Weiden im Jura sieht). Bei jedem Wetter, immer draussen, blühte ich unter der Sonne des Daseins auf. Meine Form war grossartig. Und meine Gefriertruhe war voll mit Fisch, meine Küchenschränke gut gefüllt mit Eingemachtem, im Keller gab es genug Kartofeln für das ganze Jahr. Es kam dann noch Wild hinzu. Denn um die Dynamik weiter voranzutreiben und eine produktive Winteraktivität zu fnden, machte ich den Jagdschein.

Wanderlust

Der Schriftsteller José Gsell lässt sich von Abenteuern inspirieren und beobachtet gerne. Seine sieben Romane findest du beim Verlag Torticolis et frères, seine Podcasts hier: jozgsell. bandcamp.com

Während ich hier meinen Wandel beschreibe, merke ich, dass er für jeden von uns möglich ist. Das persönliche Wohlbefnden ist dabei absolut entscheidend. Ich setze mir keine anderen Ziele als mein Wohlbefnden und meine Freude. Stelle mir auch keine Verbote auf. Meine Wünsche haben sich mit diesen Praktiken verändert. Da ich kein Reisebudget mehr benötigte, konnte ich ein kleines Ein-Zimmer-Häuschen im Wald, rund dreissig Kilometer von meinem Wohnort entfernt, kaufen. Ich stelle mir nur noch selten die Frage, wohin ich in den Urlaub fahren soll.

Die Jahreszeiten, die früher auf die Farben der Bäume und die Aussentemperatur reduziert waren, haben sich zu einer belebenden Struktur entwickelt, die eine endlose Liste an tollen Aktivitäten bietet. Wenn der Schnee schmilzt, freue ich mich darauf, durch die Wälder zu streifen. Dann kann ich Bärlauch sammeln und auf die Berge klettern, Morcheln fnden, mich an den Abenden um meine Setzlinge kümmern. Im April und Mai werden die Forellen, Hechte und schliesslich die Barsche aktiv. Gleichzeitig müssen die Gärten vorbereitet und ausgesät werden. Im Frühsommer sind die ersten Früchte reif, es gibt Marmelade …

Ich könnte stundenlang weitererzählen, aber dieser Vorgeschmack sollte reichen, um zu zeigen, dass ich mich wieder verbunden fühle. Ausserdem kosten die meisten dieser Reichtümer wenig, führen durch wunderschöne Landschaften, aktivieren den Körper und schafen geistigen Freiraum und Plätze zum Träumen. Eine kleine Pause in der lauten Stille des Waldes. Die Renaturierung des Biotops trägt Früchte. Mit der Ankunft eines kleinen Mädchens, das es liebt, in der Erde zu wühlen und im Wald zu spielen, ist es noch grösser geworden. Wer auch immer du bist, deine Wurzeln werden in deiner Lieblingserde gut wachsen. Ich wünsche dir, dass du sie fndest.

THE RED BULLETIN 97

SIMONA UND KEVIN

tanzen beide und coachen andere ebenso erfolgreich dabei. Was versteckt das DanceCreator-Couple im Bett? Und auf welcher Bühne möchten sie performen?

Lieblingsding?

«Wir haben einen eigenen Raum nur für Sneakers!»

Power-Team

Über 445k Follower hat Simona, 31, auf Social Media. Mit Kevin, 22, teilt sie die Liebe zu Tanz und Guilty Pleasures. TikTok: @simomo2 @Kevinbuckdasilva

(Un)wort, das ihr zu oft verwendet?

«‹Che fai?› – ‹Was machsch?› auf Italienisch. Verwenden wir beide ständig … egal bei was.»

Berufswunsch als Kind?

simona: «Sängerin!» kevin: «Backgroundtänzer.»

Reise in die Zukunft oder Vergangenheit?

simona: «Vergangenheit. Die Zukunft kommt ja ohnehin.»

kevin: «Zukunft. Ich würde mich gern vorbereiten können auf das, was kommt. Mit der Vergangenheit habe ich abgeschlossen.»

Peinliche Angewohnheit?

simona: «Ich schlafe noch immer mit meinem Plüschtier. Auch auf Reisen.»

kevin: «Es ist ein Clown. Manche fnden ihn unheimlich.»

Hidden Talent? kevin über simona: «Rappen! Sie merkt sich Texte megaschnell!»

Guilty Pleasure? «Krispy Kreme Donuts!»

Traumlocation für einen Tanzauftritt? «Lovers and Friends Festival –ein Oldschool-Event in Las Vegas.»

Aktuelle Nr. 1 auf der Playlist: simona: Justin Timberlakes «Flame». kevin: «Psychic» von Chris Brown.

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