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EINE UNABHÄNGIGE KAMPAGNE DER BETTZIG MEDIA GMBH PETER HÜBNER: BIM vereinfacht das Bauen und macht es schneller SEITE 14

JÖRG THIELE: Bauen wird teurer werden SEITE 8

GUNTHER WÖLFLE: Es gibt sehr verschiedene Anwendungsfälle von BIM SEITE 16

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Nr. 09 | 21

BIM building information modeling

ENTWICKLUNG

Titelstory: Christoph Gröner SEITE 10

Vorwort: Annette Kröger SEITE 2


2 Inhalt | Vorwort

inside corporates

INHALTSVERZEICHNIS 06 Interview Olaf Demuth

10 Titelstory

16 Interview Günther Wölfle

04 BIM & Architektur

08 Expertenpanel Ingenieure

12 IT-Fachkräftemangel

17 Interview Klaus Teizer

05 BIM-Projekt Uni Siegen

09 BIM im Verkehrsbau

14 Expertenpanel Zukunft Bauindustrie

18 Gerüstbau der Zukunft

BIM: Eine Schlüsselkomponente für die Wertschöpfung bei Immobilien

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ir erleben mehr und mehr, wie sich das digitale Zeitalter auf alle Bereiche der Immobilienbranche auswirkt. Technologie wird zunehmend in die Bewertung, das Design, das Management und den Betrieb der bebauten Umwelt integriert. Aus der Sicht des institutionellen Anlegers muss die Investition in und der Einsatz von solchen Technologien eine klare Wertschöpfung zur Folge haben. Und hier hat BIM - Building Information Modeling - seinen Platz im Werkzeugkasten des Asset Managers. BIM ist an sich schon ein wertvolles Werkzeug. Die Möglichkeit, Planungslösungen zunächst digital darzustellen und qualitativ zu überprüfen, bevor sie tatsächlich umgesetzt werden, ermöglicht es den Entwicklern, Unstimmigkeiten in einem frühen Stadium zu erkennen und zu beseitigen und so das Risiko zu verringern. Das Modell dient auch als Bezugspunkt für alle am Projekt beteiligten Parteien, was die Effizienz der Koordination erhöht. Bei Allianz Real Estate arbeiten wir bereits seit einigen Jahren mit BIM. Unsere Allianz BIM-Charta wird bei allen Neuentwicklungen und Renovierungen eingesetzt und hat sich

IMPRESSUM

corporates Ausgabe 6 | September 2021 BIM Entwicklung

bereits bei der Erhöhung der Qualität komplexer Projekte bewährt. BIM ist ein leistungsstarkes Werkzeug, aber es ist nur ein Teil der digitalen Intelligenz, die uns bei der Verwaltung unserer Objekte zur Verfügung steht. In vielerlei Hinsicht markiert BIM den Beginn des digitalen Wandels in der Immobilienbranche und schafft nun auch Möglichkeiten, die zukünftigen Herausforderungen der Immobilienbranche zu lösen. Wir sehen, dass sich der BIM-Ansatz während der gesamten Entwicklungsund Betriebsdauer von Gebäuden immer mehr durchsetzt. Der nächste Schritt wird sein, dass dieses statische Modell mit Echtzeit-Betriebsdaten von in den Gebäuden installierten Sensoren kombiniert wird, wodurch wir Zugang zu einem vollständig dynamischen digitalen Zwilling erhalten. In einer Welt, in der künstliche Intelligenz jeden Tag mehr an Bedeutung gewinnt, bietet die Datenauswertung in Echtzeit ein unendliches Potenzial für die Wertschöpfung. Die Einführung datengesteuerter Entscheidungsfindung, BIM und Data Mining bringen mehr Rationalität und Objektivität in den Planungsprozess.

Daten werden in unsere Programmierungsstudien im Vorfeld der Entwurfsund Konstruktionsphasen einfließen, so dass es möglich sein wird, die Projekte auf der Grundlage fundierter und realistischer Daten voranzutreiben. BIM sorgt beispielsweise für die Vermeidung von Planungsfehlern, die automatische Konflikterkennung, die Überprüfung der Einhaltung von Vorschriften und die Kostensicherheit, wodurch der Datenprozess innerhalb der Entwicklung der Anlage verbessert und die Kontrolle über Budgetierung und Planung gewährleistet wird. Entscheidend und von größter Relevanz für das Bestreben, bis 2050 CO2-Neutralität zu erreichen, ist die erhöhte Genauigkeit digitaler Messungen der ESG-Performance, die eine schnellere Umsetzung Maßnahmen zur CO2 Reduktion im operativen Management der Anlage ermöglicht. Bei der Allianz Real Estate haben wir im Rahmen unseres „Asset Digitalization Program“ solche Sensoren in einer Reihe von Objekten in ganz Europa installiert und gehen nun in die Phase „BIM in Use“ über, in der alle statischen und dynamischen Daten in ein System einfließen werden, mit dem wir den „intelligenten“ Betrieb dieser Gebäude starten können.

Herausgegeben von: Bettzig Media GmbH Schauenburgerstraße 49 | 20095 Hamburg Tel: (+49) 151 40 52 90 05 E-Mail: mb@bettzig-media.com www.bettzig-media.com Die Bettzig Media GmbH erstellt professionelle Kampagnen zu Themen, die wir als wichtig erachten oder zu denen wir in Deutschland Aufklärungsarbeit betreiben wollen. Wir bieten hochrelevanten, unabhängigen Content, zu dem sich unsere Partner in Form von Content Marketing platzieren können. Die Bettzig Media GmbH zeichnet sich durch eine strikte Unabhängigkeitsregelung sowohl im Content als auch im Auftreten nach außen hin aus.

Fotos: Grazyna Wislocka - Photography

02 Vorwort

Annette Kröger, CEO North & Central Europe, Allianz Real Estate

Die zunehmende Verfügbarkeit von Daten wird unweigerlich zu mehr Transparenz führen, insbesondere für Investoren, die bei der Bewertung von Akquisitionsmöglichkeiten neben den finanziellen Treibern der Transaktion auch Klimarisiken betrachten. Der Einsatz von BIM wird es ermöglichen, durch die Nutzung von Daten Werte zu heben, z.B. durch Effizienzgewinne mit vorausschauender Wartung oder eine Verbesserung des Nutzererlebnisses. Es ist natürlich noch ein weiter Weg, bis wir diesen Zustand erreichen, aber das Potenzial ist offensichtlich. Der Wettbewerb im ImmobilienInvestmentmarkt steigt stetig. Ein Unterscheidungsmerkmal zwischen den Investmentmanagern wird die Fähigkeit sein, den massiven Zustrom von Daten zu nutzen, um die Leistung der Gebäude zu verbessern, darüber zu reporten und weiteren Wert zu schaffen. Institutionelle Anleger werden nach Managern mit klaren Innovationsstrategien suchen, die zu ihrer Anlagestrategien passen. Und eine Schlüsselkomponente dabei wird BIM sein. Annette Kröger CEO North & Central Europe, Allianz Real Estate

Campaign Manager: Max Bettzig, Bettzig Media GmbH Geschäftsführung: Max Bettzig Layout: c-drei | Strategische Kommunikation Ulla Tscheikow Chefredakteur: Helmut Peters Text: Armin Fuhrer, Jörg Wernien, Chan Sidki-Lundius, Katja Deutsch, Helmut Peters, Ulrike Christoforidis Lektorat: Martin Knopp Titelfoto: Meike Kenn Distribution & Druck: DIE WELT, 2021, Axel Springer SE


BIM – Partner Content 3

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Besser bauen mit dem digitalen Zwilling

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igitales Bauen mit BIM ist hier bereits Standard: WOLFF & MÜLLER gehört mit rund 2.100 Mitarbeitern und 27 Standorten im Bundesgebiet zu den führenden Bauunternehmen Deutschlands in privater Hand. Projekte wie das Rathaus Leonberg, der EUREF-Campus in Berlin oder diverse Hotels sind zuerst als digitales Modell entstanden, bevor sie real gebaut wurden. Doch innerhalb der Branche ist die Digitalisierung noch nicht so weit fortgeschritten: „Zwei Drittel der Projekte, mit denen wir als Bauunternehmen beauftragt werden, erreichen uns nach wie vor in Form von 2-D-Plänen“, berichtet Zeynep Kaplan, die das BIM-Team bei WOLFF & MÜLLER leitet. Ihr Fazit: Offenbar sind sich private und öffentliche Bauherren der Vorteile von BIM noch nicht ausreichend bewusst und fordern die Methode noch nicht aktiv für ihre Projekte ein. Auftraggeber für BIM zu begeistern, ist der Expertin deshalb besonders wichtig. Doch wie genau profitieren Bauherren von BIM?

Virtuelles Modell statt 2-D-Plänen Beim konventionellen Bauen erstellt jedes Gewerk, koordiniert vom Architekten, seinen 2-D-Plan. Das

Bauunternehmen übernimmt dann die fertige Planung und führt sie aus. Diese Form der Zusammenarbeit ist jedoch wenig flexibel. Verschiebt etwa der Architekt eine Wand, folgt eine umständliche Änderungskette. Bei der BIM-Methode hingegen bringt jeder Beteiligte – auch das Bauunternehmen – sein Know-how in ein virtuelles Modell des Bauwerks ein. Alle haben jederzeit den gleichen Informationsstand und können sich viel enger abstimmen. An dem Modell lässt sich auch automatisch erkennen, ob sich Gewerke in die Quere kommen. All das beugt Fehlern vor und erhöht die Qualität.

Planungs-, Termin- und Kostensicherheit Wer baut, will Sicherheit. Wie das Gebäude optisch wirkt, wann die einzelnen Bauphasen beginnen und welches Budget sie jeweils erfordern: Das sind nur einige Fragen, die wohl jeden Bauherrn beschäftigen. Mit BIM lässt sich all das früh klären. 3-D-Visualisierungen aus dem digitalen Modell zeigen dem Bauherrn sehr realitätsnah, wie sein Gebäude aus verschiedenen Perspektiven aussieht. Virtual Reality macht das Modell sogar begehbar. Doch das Modell enthält neben der

Fotos: Swen Carlin/WOLFF & MÜLLER (3)

WOLFF & MÜLLER ist Vorreiter der BIM-Methode. Das Bauunternehmen möchte noch mehr Auftraggeber fürs digitale Bauen begeistern – schließlich profitieren Bauherren am meisten von BIM.

BIM-Expertin Zeynep Kaplan möchte mehr Bauherren für BIM begeistern.

„Bauherren müssen im Laufe ihres Projektes viele Entscheidungen treffen. Eine der relevantesten steht ganz am Anfang und lautet: Wie digital darfs denn sein?“ Zeynep Kaplan, Teamleiterin BIM bei WOLFF & MÜLLER

3-D-Geometrie des Gebäudes viele weitere Informationen, etwa Aufbau und Materialien der Bauteile. Wie viel Mengen Stahl und Beton benötigt werden, was die einzelnen Bauleistungen kosten und wie lange jede Bauphase dauert – all das lässt sich quasi per Knopfdruck ermitteln. So können komplexe Projekte planungs-, termin- und kostensicher realisiert werden.

Digitaler Zwilling für die Betriebsphase BIM ist weit mehr als ein Planungswerkzeug. Es geht um das digitale Management aller Informationen im Lebenszyklus des Bauwerks: von der Planungs- und Bauphase über die lange Betriebsphase bis zum späteren Rückbau. Auf Wunsch bekommt der Bauherr einen digitalen Zwilling des fertigen Bauwerks, ein Modell, das die Immobilie exakt so abbildet, wie sie dasteht, bis hin zu den Steckdosen. Es ist die Datenbank für alle, die das Gebäude nutzen und bewirtschaften. Alle verarbeiteten Materialien und Produkte sind digital dokumentiert. Damit lässt sich das gesamte Facility-Management steuern, etwa Energie- und Reinigungskosten berechnen, Umbauten planen und vieles mehr.

Das Ziel: 100 Prozent BIM BIM steht für das Prinzip: erst virtuell und dann real planen und bauen, so wie hier beim Rathaus Leonberg.

All diese Vorteile zeigen: BIM kommt jedem Bauprojekt zugu-

te. „Wir sind vom Mehrwert der Methode so überzeugt, dass wir jedes Hochbauprojekt zumindest in der Rohbauphase mit BIM bearbeiten. Projekte, die in 2-D geplant wurden, lassen wir oft auf eigene Initiative und Kosten nachmodellieren“, sagt BIM-Expertin Kaplan. Sehr gerne würde WOLFF & MÜLLER alle Projekte zu 100 Prozent mit BIM umsetzen und dem Bauherrn den digitalen Zwilling für die Betriebsphase überreichen. Doch dafür müssten die Auftraggeber mitziehen. Kaplans Appell an Bauherren: „Entscheiden Sie sich zu Beginn Ihres Projektes bewusst für BIM; wählen Sie Planungs- und Baupartner, die damit vertraut sind und Ihnen helfen, das große Potenzial der Methode für sich auszuschöpfen.“

» info Mehr Informationen unter: www.wolff-mueller.de/bim


4 BIM & Architektur

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BIM ist für die Baubranche nicht nur politisch gewollt, die Methode ist für Architekten, Bauherren und Investoren wegen ihrer Ganzheitlichkeit unverzichtbar.

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ür Auftraggeber und Bauunternehmer ist der Nutzen der BIM-Werkzeuge von hohem praktischen und wirtschaftlichem Wert. Lange haben einige Architekten den hohen Arbeitsaufwand im Umgang mit den BIM-Methoden gescheut, weil sie vielleicht um ihre Planungsfreiheit und künstlerische Unabhängigkeit fürchteten. Es hat aber ein Umdenken stattgefunden und die meisten Architekturbüros sind sich bewusst, in welchem Umbruch sich der Bau mit BIM befindet. Natürlich sind noch viele Fragen offen. Vor allem solche, die etwa den Datenaustausch betreffen. Viele Planungsteams greifen mittlerweile auf den IFC-Standard (In-

Foto: Shutterstock | gw ycech

Es führt kein Weg mehr an BIM vorbei dustry Foundation Classes) zurück, der von buildingSMART entwickelt wurde. Dieser ist umso wichtiger, als damit auch die langfristige Datenhaltung gesichert wird. Berücksichtigt wird damit auch, dass sich die Software bestimmter Hersteller über die Jahre hinweg ändern kann und dass digitale Gebäudemodelle nach etlichen Jahren nicht mehr kompatibel sind und bei späteren Umbauten Probleme bereiten. Architekten wissen außerdem um das zentrale Thema des nachhaltigen Bauens und die Vorteile, die BIM in diesem Zusammenhang bietet. Es ist ja nun einmal so, dass sich nachweisbar nahezu alle Bauherren

nachhaltige Projekte wünschen und dass BIM schon frühzeitig Hinweise für Optimierungen dafür bietet. Das spart Geld und erfordert bei kluger Anwendung der BIM-Werkzeuge unter Umständen auch den Einsatz von Spezialisten. Das Deutsche Architektenblatt schreibt in einer Ausgabe vom 21. Juni

„BIM-Anwendungen sind immer projektspezifisch.“ Vladimir Jovanović, Architekt

2021: „BIM-Anwendungen sind immer projektspezifisch. Dabei können sie mehrere sogenannte ‚Dimensionen’ haben: Neben den bereits bekannten 3-D für die dreidimensionale Geometrie, 4-D für die Zeit und 5-D für die Kosten etablieren sich in der Fachwelt zunehmend die Dimensionen 6-D für die Nachhaltigkeit und 7-D für das Facility-Management.“ Die Nutzung solcher Werkzeuge in Bezug auf Nachhaltigkeit klingt komplizierter, als sie am Ende ist. So lässt sich lange vor dem Baubeginn eine örtliche Analyse erstellen, um die Sonneneinstrahlung und die Schattenzeiten zu skizzieren, die Windeinfälle zu simulieren und auch einen Blick auf den Verkehrsfluss vor und um ein jeweiliges Gebäude zu kennen. Rasch lassen sich Klimadaten und die lokale Topografie, Gebäudekubatur, Bebauungseckdaten und Georeferenzierung erfassen und nutzen. Am Ende geht es ja auch um die Vorhersage energetischer Bedingungen in Innenräumen, ihre Bemessung und Nachweisführung. Für die aus BIM gewonnenen Daten aus örtlichen Gegebenheiten, Ausrichtungen der Gebäude und Bauteileeigenschaften gibt es spezielle Bilanzierungsprogramme, in die diese exportiert werden. All das ist wichtig für die Investoren und für die Zertifizierungen, denn letztendlich soll ja ein Gesamtpaket geschnürt werden, mit dem alle arbeiten können und zufrieden sind. Bei alldem sollte auch niemand vergessen, dass zum Beispiel der Bund seit 2020 für alle seine Infrastrukturprojekte BIM verpflichtend vorschreibt und für öffentliche Hochbauten einen „Masterplan BIM“ erstellt hat.

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BIM setzt auf Durchgängigkeit der Daten Bernhard Bergjan ist geschäftsführender Gesellschafter der agn-Gruppe. Die agnGruppe versteht sich als Generalplaner und liefert sämtliche Fachplanungen aus einer Hand.

Foto: Uwe Sülflohn

Dipl.-Ing. Bernhard Bergjan

Auf welche Art versucht die agn-Gruppe, als Generalplaner das Zusammenspiel der BIMTechnologie mit Qualitätssicherung und der Kreativität der Architekten zu verbessern? Wir sind traditionell auf Generalplanung gepolt. agn wird 70 Jahre alt und war nahezu von Anfang an mit eigenen Architekten und Ingenieuren dabei. Die Methode BIM gibt uns die Möglichkeit, definierte Abläufe im mittlerweile großen Unternehmen (> 600 Mitarbeiter) zu etablieren. Nur so können die Fachdisziplinen besser koordiniert und die Qualität langfristig gehalten werden. Die Prozesse müssen alltagsgerecht und der Aufgabe entsprechend funktionieren, dann leidet auch die Kreativität nicht. Bei der Konzeptfindung entwickeln unsere Architekten und Ingenieure ihre Gedanken, wie sie möchten – komplett digital oder traditionell –, denn Bleistift und Taschenrechner werden wir nie verbieten.

Die Nachhaltigkeit ist die nächste große Baustelle in diesem Bereich. Was muss sich hier mit Blick auf das BIM-Verfahren in naher Zukunft verbessern?

Unser Tochterunternehmen energum – der Name steht für Energie und Umwelt – plant, betreut und zertifiziert die Nachhaltigkeit mit viel Herzblut bis auf die Baustelle. Genau wie beim Bauen ist es der harte Bruch zwischen Planung und Realisierung, der uns auf der Baustelle aktuell noch bremst. BIM setzt auf die Durchgängigkeit der Daten. Einmal angelegt, sollen diese möglichst noch in der Dokumentation des gebauten Projektes nutzbar sein. Die Daten des Planers müssen verwendbar in den Plänen der Ausführenden ankommen. Der ungebrochene Glaube, dass mit openBIM ja alles geht, trifft auch hier leider noch nicht zu. Aber die Dinge entwickeln sich, wir sind da ganz optimistisch.

» info www.agn.de


BIM-Projekt Uni Siegen 5

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Die Universität Siegen war in ihrem Erscheinungsbild ein typisches Kind der 1970er-Jahre. Nach dem Vorbild einer Gesamthochschule angelegt, ist damals ein Ensemble entstanden, das beim 2017 in Angriff genommenen Umbau nicht abgerissen, sondern behutsam neu interpretiert wurde. Im Mittelpunkt stand die energetische Sanierung.

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Insbesondere der Adolf-ReichweinCampus auf dem Haardter Berg der Uni Siegen war in seiner auf die 1970er-Jahre zurückgreifenden Ästhetik ein Knackpunkt. Es galt ja schließlich auch, den Charakter dieses Ensembles mit seiner Terrassenanlage und zugegebenermaßen etwas aus der Zeit gefallenen Gebäudekomplexen nicht zu zerstören und damit einen Bruch mit der Baugeschichte der Uni und ihres Campus zu riskieren. Wäre ein Neubau aber nicht am Ende kostengünstiger gewesen als eine Sanierung? Für den Umbau sprachen gleich mehrere Argumente. Zum einen wusste man im Voraus, dass man beim Umbau der Universität Siegen im Vergleich zu einem Neubau

nur knapp ein Drittel der Emissionen (CO2-Äquivalent) verursachen würde. Zum anderen galt es, Historisches zu bewahren, denn die Uni Siegen war einst aus einem neuen Typus einer Gesamthochschule hervorgegangen, die der damalige nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Johannes Rau 1972 ins Leben gerufen hatte. Für den Neubau der Universität in den 70er-Jahren war damals die Zentrale Planungsstelle zur Rationalisierung von Landesbauten des Landes Nordrhein-Westfalen zuständig. Grundlage des dort propagierten modularen Planungssystems „NRW 75“ war es, den Bestand vorhandener Gebäude durch Sonderbauten zu ergänzen.

Foto: HGEsch Photography

Aus der Spätmoderne in die Zukunft gerettet

s ist nicht immer leicht, eine Entscheidung zwischen Sanierung oder Neubau zu fällen. Die Kosten spielen eine Rolle, die Effizienz und die Nachhaltigkeit jedweder Vorgehensweise. Mit BIM werden solche Entscheidungen und vor allem die Planung/Ausführung erleichtert, bleiben aber doch eine zentrale Fragestellung für jeden Architekten und Bauherrn. Als man im Oktober 2017 mit dem Bau eines der umfangreichsten HochschulModernisierungsprojekte in Nordrhein-Westfalen begann, hatte man darüber lange nachdenken müssen.

Mit alldem sollte beim 2017 beginnenden Umbau auch nicht gebrochen werden. Das Planungsteam ist behutsam mit dem Bestand umgegangen. Neben Asbestsanierungen, Entkernungsmaßnahmen und natürlich dem Austausch technischer Anlagen, um dem aus 40 Jahre alten Gebäuden bestehenden Komplex eine neue Erscheinung zu geben. Dem Gebäudekomplex wurde ein weitaus freundlicheres Antlitz verliehen. Schwerer Beton wich einer gestrafften Architektur und helle Farben halfen, die Anlagen aufzulockern. Ohne das Modeling in BIM wären die Planungen eines derart großen

Die Universität Siegen setzt neue Maßstäbe bei der Ressourceneinsparung

Baukomplexes während des laufenden Betriebs einer Universität undenkbar gewesen. „Die Herausforderung bestand hier […] auf bautechnischer Seite“, so Abteilungsleiter beim BLB NRW, Wolfgang Feldmann. „Die größte Anforderung lag in der Koordination. Mit einer normalen Planung hätten wir diese übergreifenden Anforderungen nicht abbilden können.“ Es galt dabei, das Wissen der Bautechniker und -informatiker mit Logistikspezialisten so früh wie möglich zu vernetzen. Bei der Siegener Großbaustelle nutzte man dafür auch ein besonderes Vergabe- und Vertragsmodell, das Vorbildcharakter für ähnliche Projekte haben kann.

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„Die BIM-Methode zu Ende denken“ Die Inhaber des Architekturbüros Nattler Architekten in Essen sind überzeugt davon, dass jedes neue Gebäude eine Chance ist, Lage, Umfeld und Situationen zu analysieren und Lösungen neu zu denken.

Foto: Julia Sellmann

Heinz Georg Guth (li.) und Thomas Höxtermann

Nattler Architekten waren eines der ersten Architekturbüros in der BIM-Nutzung. Heute sprechen wir von 7-D-Architektur. Was verbirgt sich hinter diesem Schlagwort? Heinz-Georg Guth (Nattler Architekten): 7-D beschreibt den gesamten Prozess der Erstellung des digitalen Gebäudemodells von der Modellierung (3-D) über die Terminplanung (4-D), die Kosten (5-D), die Nachhaltigkeit und Effizienz (6-D) bis zum Betrieb des Gebäudes (7-D). 3-D als digitale räumliche Darstellung des Gebäudes ist in vielen Planungsbüros heutzutage sicherlich schon Standard und seit Jahren geübte Praxis. Die Verknüpfung des Faktors Zeit mit dem Modell bei 4-D und Kosten bei 5-D wird ebenfalls in den letzten Jahren zunehmend angewandt. Nachholbedarf gegenüber anderen Industrien besteht sicherlich bei 6-D und 7-D. Hier liegen in unseren Augen auch die größten Wertschöpfungspotenziale für Bauherren und Eigentümer, wenn man sich verdeutlicht, dass der Betrieb des Gebäudes die 3- bis 4-fachen Kosten des Neubaus erzeugt. Mit der in der Vergangenheit eingeübten Praxis richten viele Auftraggeber ihr Augenmerk nahezu

ausschließlich auf Planung und Bau und verschenken so große finanzielle Potenziale.

Inwieweit fördert BIM auch die Entscheidung, lieber um- statt neu zu bauen? Thomas Höxtermann (Nattler Architekten): BIM lässt sich bei Bestandsprojekten sehr gut nutzen und ist Grundlage dafür, den Bestand detailliert zu erfassen. Wir tun das jeweils am Start eines jeden Projektes. Dadurch sind wir im zweiten Schritt schneller mit der Planung und können sehr gut beurteilen, welche Ressourcen und Möglichkeiten der Bestand bietet. Denkt man die BIM-Methode zu Ende, ergeben sich umfängliche Informationen zu den wiederverwertbaren Ressourcen aller Gebäude.

» info www. nattlerarchitekten.de


» statement

6 Interview Olaf Demuth

Olaf Demuth

Die Zech Group ist ein international agierendes Familienunternehmen, das auf eine 100-jährige Tradition zurückblicken kann. Es hat seinen Ursprung in der Baubranche, konzentriert sich inzwischen aber auf die gesamte Wertschöpfungskette rund um das Thema Immobilien und ist dabei in den Geschäftsbereichen Building, Real Estate und Hotel tätig.

Die Bedeutung von Zertifizierungen wächst

Nachhaltige Planung von Bauprojekten und die Verwendung ökologischer Baustoffe werden immer wichtiger, betont Olaf Demuth, Geschäftsführer der Zech Group

Auf die Baubranche kommen viele Herausforderungen zu – Stichwort Nachhaltigkeit und Klimaschutz, um nur mal eine zu nennen. Ist sie dafür gerüstet? Seit vielen Jahren spielen Zertifizierungssysteme für Bauprojekte eine immer größer werdende Rolle. Unter vorgegebener Bewertung werden verschiedene Kriterien gefordert und bewertet. So wird zum Beispiel gefordert, dass bereits in der Planung von Gebäuden das Energie- und Wassermanagement nachhaltig geplant wird. Ebenso wird auf die Verwendung von ökologischen und nachwachsenden Rohstoffen geachtet. Hinzu kommt die Prüfung der Baustoffe auf ihre Schadstofffreiheit, wozu auch die möglichst emissionsarme Herstellung und der Transport gehört. Ein weiterer Aspekt ist, dass bereits in den Planungsprozessen die zukünftigen Life-Cycle-Kosten für Wartungs- und Reinigungskonzepte berechnet und optimiert werden. Gibt es noch weitere Herausforderungen?

» info

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Neben den ökologischen Aspekten rücken auch der Nutzerkomfort und die Nutzerzufriedenheit immer mehr in den Mittelpunkt. Dazu gehören Aspekte wie die Innenraumluftqualität, die Barrierefreiheit und Sicherheit sowie die Mobilitätsinfrastruktur und insbesondere der thermische, visuelle und akustische Komfort am Arbeitsplatz. Um einen möglichst ökologischen und ökonomischen Gebäudebetrieb sicherzustellen, achten die Zertifizierer zunehmend auf nachhaltige und effiziente Anlagentechnik. Hier wird in die Bewertung einbezogen, ob erneuerbare Energien genutzt werden, nachhaltige Kältemittel zum Einsatz kommen, der Energieeinsatz reduziert

und der Nutzerstrom optimiert wird. Die Bauindustrie hat in Zusammenarbeit mit Architekten und Planern bereits viele Lösungsansätze, wie die ersten Zertifizierungen nach DNGBPlatin, aufgewiesen. Jedoch sind diese eine Momentaufnahme. Alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette der Immobilienwirtschaft werden intensiv an der ökologischen und ökonomischen Optimierung arbeiten: von den Forschungsabteilungen der herstellenden Industrie bis hin zum ausführenden Bauunternehmen. Welche Rolle spielt bei der Bewältigung allgemein die Digitalisierung? Viele Aspekte der Produktion werden zunehmend durch digitale Planungen (Datenmodelle) autonom hergestellt, die zum Beispiel Maschinen aus einem digitalen Datenmodell ansteuern. So können Produkte mehr und mehr dezentral produziert und just in time zur Baustelle geliefert werden. Damit verringert sich der Herstellungsaufwand vor Ort, Wartezeiten werden vermieden und (Verpackungs-)Müll reduziert. Auch Informationen, die erforderlich sind, um die Zertifizierungsbedingungen zu dokumentieren, werden digital zusammengeführt. Und im speziellen BIM? Building Information Modeling ist der Treiber der Digitalisierung am Bau. Nur durch die Entwicklung von komplexen digitalen Datenmodellen lassen sich alle Daten einer Immobilie aus einer Single Source of Truth abbilden und auswerten. Auch für die Vorfertigung von Bauprodukten leistet diese Technik Vorschub, da Roboter oder CNC-Fräsen mit den Daten eines Datenmodells angesteu-

ert werden können. Eine aufwendige Programmierung von Maschinen kann damit entfallen. Wo sehen Sie die Vorteile von BIM in der Bau- und Planungsphase? Viele Planungsdetails werden zukünftig digital konserviert. Sie können wie ein digitales Musikstück unendlich oft vervielfältigt werden, so auch in der Bauplanung. Fenster, Türen, Innenwände, Teppiche, ganze haustechnische Komponenten werden aus einer Datenbank entnommen und in einer neuen Planung nicht mehr geplant, sondern in die Planung konfiguriert. Damit wird Planung schneller und qualitativ fehlerfreier als vorher. Hat BIM auch mit Blick auf den Lebenszyklus bis hin zu einem möglichen Abriss Vorteile? Durch die Generierung von Daten in der Planungs- und Bauphase sind alle Informationen über Produktionsprozesse, gewählte Baustoffe, Einsatzorte im Projekt bekannt. Auch die Lebensdauer der Bauteile kann über ein Monitoring vom Facility-Manager vorhergesehen und damit Ausfallzeiten von Aufzügen oder Fenster- und Türanlagen reduziert werden. Auch Ersatzteile können aufgrund der vorliegenden Spezifikation im Datenmodell ohne großen Aufwand nachgeordert werden. Mit den Datenmodellen sind zukünftig die eingebauten Baustoffe vollständig erfasst. Diese werden planmäßig über Rücknahmekonzepte recycelt und dem Wertschöpfungskreislauf erneut zugeführt, sei es durch Aufarbeitung des Bauteils oder durch Einsatz eines recycelten Materials bei der Produktion von neuen Produkten.


BIM – Partner Content 7

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Foto: Shutterstock | Franck Boston

Digitalisierung, Fachkräftesicherung, Nachhaltigkeit: Die RG-Bau unterstützt die mittelständische Baubranche dabei, sich für aktuelle Herausforderungen zu rüsten.

Die Bauwirtschaft am Wendepunkt?

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da haben wir und auch alle anderen Akteure schon viel geschafft.“

ls Teil des RKW Kompetenzzentrums bietet die RG-Bau praxisnahe Informationen und Hilfestellung für kleine und mittlere Unternehmen der Bauwirtschaft, um diese im Wettbewerb zu stärken. Christina Hoffmann, seit 2007 für die RG-Bau tätig und seit drei Jahren deren Leiterin, kennt die Themen, denen sich gerade diese Betriebe aktuell stellen müssen. Und sie weiß um deren enge Verzahnung: „Ich denke, dass die Digitalisierung, die Attraktivität eines Unternehmens für Fachkräfte und nachhaltiges Bauen ganz eng miteinander verbunden sind, sie greifen ineinander und unterstützen sich gegenseitig.“

Als wichtiger Teil des Digitalisierungsprozesses der Branche sei Business Information Modeling (BIM) selbst außerhalb der Baufachwelt mittlerweile ein Begriff und werde zunehmend nachgefragt, erhöhe es doch die Effizienz und verbessere das Einhalten der geplanten Kosten und Termine. „KMUs entlang der gesamten Wertschöpfungskette Bau werden über kurz oder lang nicht umhinkommen, die Methode BIM anzuwenden.“ Mit Kurzinfos, Blogbeiträgen, Vorträgen bei Veranstaltungen oder in Arbeitskreisen, aber auch mit eigenen Veranstaltungen greift die RG-Bau aktuelle Entwicklungen auf, zeigt Zusammenhänge, auch im Lebenszyklus von Bauwerken. „Praktikerinnen und Praktiker entlang der gesamten Wertschöpfungskette vernetzen sich in unseren Kleingruppen, lernen voneinander – und wir lernen, wo der Schuh drückt!“ Die positiven Beispiele anderer Unternehmen könnten bei Skeptikern Hürden abbauen. „Ich denke,

Fachkräfte sichern durch Innovation Gleichzeitig kann BIM aber auch mehr junge Nachwuchstalente für die Branche interessieren: „Ein Betrieb, der innovativ ist, sich digitalisiert und darüber spricht, ist weitaus attraktiver als Arbeitgeber, auch als „Bauarbeitgeber“. Seit Jahren leidet die Baubranche unter einem verstaubten Image. Sicherlich geht es um körperliche Tätigkeiten, bei denen man der Witterung ausgesetzt ist, aber die Branche ist mehr. Sie ist innovativ, der Einsatz moderner Technik setzt sich immer mehr durch. In unserem Wettbewerb ‚Auf IT gebaut – Bauberufe mit Zukunft‘ werden uns jedes Jahr aufs Neue Lösungen präsentiert, die das beweisen.“

„Wir möchten die KMUs Bau bei der digitalen und nachhaltigen Transformation mit praxisnahen Lösungen unterstützen und ihnen eine Hilfe geben, sich den aktuellen Herausforderungen möglichst gut stellen zu können.“ Christina Hoffmann

Geplant sei, so Christina Hoffmann, den Unternehmen einen digitalen Baukasten anzubieten, aus dem sie für sich geeignete Instrumente, Wege und Mittel auswählen könnten, die sie bei der Azubihilfe unterstützen. „Aber auch andere Themen bei der Fachkräftesicherung dürfen nicht unter den Tisch fallen. Dafür stellen wir uns die Frage, wie die Bauwirtschaft auch Frauen gegenüber attraktiver erscheinen kann und ob Möglichkeiten für New Work auf eine so spezielle Branche übertragen werden können – auch wenn wir jetzt schon wissen, dass es bei der Vielfalt der Berufe nicht für alle möglich sein wird.“

Nachhaltiges Bauen – eine enorme Aufgabe Auch für das nachhaltige Bauen wird BIM eine große Rolle spielen: „Klimafreundliches und ressourcen-

schonendes Bauen ist eine enorme Aufgabe für die gesamte Wertschöpfungskette Bau und ihre Akteure. Innovative, CO2-neutrale Baustoffe, eine intelligente Planung, neue Bauweisen, eine energieeffiziente Nutzung der Bauwerke, Rückbauund Recyclingmöglichkeiten, dies alles sind Ansätze im Lebenszyklus und in der Wertschöpfungskette, die größtenteils neu gedacht werden müssen. BIM kann bei diesem komplexen Themenbereich eine echte Hilfe sein. Mithilfe der Methode können in einem digitalen Datenmodell nicht nur Kosten und Termine, sondern es können auch alle klimarelevanten Informationen hinterlegt sein.“ Die RG-Bau sensibilisiert für die verschiedenen Aspekte des Themenspektrums, sie engagiert sich aber auch sehr praxisnah, erarbeitet konkrete Hilfen und bündelt Know-how. Mit Blick auf die geplante Taxonomieverordnung der EU, die nachhaltiges Wirtschaften messbar und vergleichbar machen soll, plant die RG-Bau Workshops, die KMUs bestmöglich auf neue Regelungen vorbereiten werden. Für Christina Hoffmann ist klar: „Die Bauwirtschaft ist aktuell an einem Wendepunkt. Sie wird digital, nachhaltig und modern und damit auch gegenüber Fachkräften attraktiv.“

» info www.rkw-kompetenzzentrum.de/ rg-bau


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Foto: Stefan Thomas Kroeger

RALPH APPEL, DIREKTOR UND GESCHÄFTSFÜHRENDES PRÄSIDIUMSMITGLIED VDI VEREIN DEUTSCHER INGENIEURE E.V. GESCHÄFTSFÜHRER DER VDI GMBH

» „Ingenieure weiterhin

Foto: SVDI Catrin Moritz

gesucht“

Der Bauboom wird auf absehbare Zeit anhalten – daran werden auch die Pandemiefolgen nicht viel ändern. Bauingenieurberufe gehören nach wie vor zu den gefragtesten Ingenieurberufen auf dem Arbeitsmarkt. Das gesamtwirtschaftliche Stellenangebot lag im ersten Quartal 2021 mit einem Plus von 2,1 Prozent bereits wieder über dem des Vorjahresquartals. Insgesamt werden aktuell knapp 34.000 Bauingenieurinnen und -ingenieure gesucht. Die Abläufe auf den Baustellen haben sich aufgrund der Coronapandemie offensichtlich nicht verändert. Nach wie vor ist die Auftragslage gut. Was sich allerdings ändern wird, ist der Bedarf im Gewerbebau: Es werden weniger Büroflächen auf dem Markt eine Rolle spielen, da die Homeoffice-Modelle ihre Wirkung zeigen. Demgegenüber stehen beispielsweise Logistikimmobilien vor dem Hintergrund wachsender Onlinegeschäfte im Vordergrund. Ein Problem trotz voller Auftragsbücher ist allerdings die derzeitig eklatante Baumaterialknappheit. Stahl, Holz oder Kupfer sind nur schwer zu bekommen. Dieser Materialengpass darf sich nicht auf die gute Konjunktur am Bau auswirken. Daher ist dringend die Entwicklung neuer Baustoffe sowie eine effiziente Kreislaufwirtschaft erforderlich – besonders in Anbetracht der Tatsache, dass 38 Prozent der globalen CO2-Emissionen der Bausektor zu verantworten hat. Der Bedarf nach alternativen Baustoffen steigt zunehmend. Entscheidend hierbei ist es, Ressourcen direkt bei der Planung von Bauprojekten effizient und schonend einzusetzen und von Anfang an zu klären, wie der Baustoff eingesetzt und recycelt wird.

DR.-ING. HEINRICH BÖKAMP, PRÄSIDENT DER BUNDESINGENIEURKAMMER

» „Immer mehr klagen

über Materialmangel“

Foto: Samuel Becker

» experten

8 Expertenpanel Ingenieure

Mehr als ein Jahr hatte die Coronapandemie uns fest im Griff. Inzwischen geht wieder vieles, was vor Kurzem noch nicht möglich war. Das gilt auch für das Planen und Bauen. Durch unsere regelmäßigen CoronaKurzumfragen konnten wir uns in den vergangenen Monaten ein gutes Bild von der Situation der Planungsbüros machen. So zeigt das Ergebnis der jüngsten Befragung: Immer weniger Ingenieurbüros klagen über abgesagte oder verschobene Aufträge, die Lage stabilisiert sich. Doch ebenfalls deutlich wird, dass die Auswirkungen der Pandemie mittlerweile anders gelagert sind als zu Beginn. So klagen beispielsweise immer mehr Büros über Lieferverzögerungen und Materialengpässe. Der zunehmende Baustoffmangel macht uns große Sorgen. Das betrifft die Verfügbarkeit von Kies, Sand, Zement und Beton genauso wie von Stahl, Holz oder Dämmstoffen. Inzwischen mehren sich die Rückmeldungen aus den Ingenieurbüros, dass wegen Baustoffmangels nicht mehr so gearbeitet werden kann, wie es eigentlich sein sollte. Davon ist vom Rohbau bis zum Ausbau alles betroffen. Aus Sicht der Bundesingenieurkammer ist es daher dringend geboten, die Baustoffproduktion künftig wieder verstärkt in die EU zu holen, um sich hier unabhängiger zu machen und Transportwege im Sinne der Nachhaltigkeit möglichst kurz zu halten. Langfristig muss es aber auch darum gehen, Recycling von Baumaterial stärker zu fördern. Wichtig bei alldem ist: Wir müssen jetzt umsteuern, denn der Bau von Wohnungen, Kitas, Straßen und Radwegen kann und darf nicht warten.

JÖRG THIELE, PRÄSIDENT DES VBI (VERBAND BERATENDER INGENIEURE)

» „Bauen wird

teurer werden“

Im VBI beunruhigen uns neben der akuten Baustoffkrise und der damit auch verbundenen Preissteigerung beim Bauen die langfristigen Auswirkungen der Coronakrise auf die Investitionsbereitschaft insbesondere der öffentlichen Hand. Gefährlich ist aus unserer Sicht die bereits spürbare Zurückhaltung der Kommunen bei Investitionen infolge ausbleibender Gewerbe- und Einkommensteuereinnahmen. Laut unserer aktuellen Sommerumfrage musste schon ein Viertel unserer Mitgliedsunternehmen die Stornierung öffentlicher Aufträge hinnehmen. 44 Prozent der Kommunen, für die VBI-Planungsbüros planerisch tätig sind, haben bereits Investitionen gekürzt. Deshalb bleibt unsere Hauptforderung an die Politik, alle bisher geplanten Investitionen durch Bund, Länder und Gemeinden unverändert fortzuführen und die coronabedingten Steuerausfälle der Kommunen komplett auszugleichen. Wir brauchen dringend Kontinuität bei Sanierung und Neubau von Straßen, Schulen und kommunalen Krankenhäusern. Auch die im Interesse des Klimaschutzes dringende energetische Modernisierung öffentlicher Gebäude muss jetzt passieren und nicht erst in 20 Jahren. Außerdem erwarten wir, dass die Mittel aus dem zügig beschlossenen 30-Milliarden-Wiederaufbaufonds für die Schäden der Hochwasserkatastrophe im Juli nun genauso zügig und unbürokratisch in konkrete Bauaufträge fließen können. Das heißt, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren bleibt eine zentrale Aufgabe, um entsprechende wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen für eine weiterhin gute Baukonjunktur zu schaffen.


BIM im Verkehrsbau 9

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Mehr Planungssicherheit mit BIM

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ass BIM nicht nur die Planung, den Bau und den Betrieb von Gebäuden erleichtert, sondern auch bei häufig sehr komplexen Verkehrs- und Infrastrukturprojekten viele Vorteile hat, hat sich längst anhand konkreter Beispiele erwiesen. Aus diesem Grund treibt die Bundesregierung die Verwendung der BIM-Methode bei solchen Projekten wie dem Schienenbau auch voran. Nicht zuletzt, weil nach den Verzögerungen zahlreicher Projekte und einer lauter werdenden öffentlichen Kritik BIM auch als Mittel gilt, solche Versäumnisse zukünftig vermeiden zu helfen. Denn diese Verzögerungen

Foto: Shutterstock | Italy3d

Auch bei Verkehrsund Infrastrukturprojekten bringt Building Information Modeling viele Vorteile für alle Beteiligten und fördert die Nachhaltigkeit.

treiben die Kosten oftmals deutlich in die Höhe. BIM ist dagegen eine Methode, mit der mehr Planungssicherheit erzielt, Kostenbudgets und Terminvorgaben eingehalten und Qualitätsansprüche erreicht werden können. Der Vorteil bei der Verwendung von Building Information Modeling besteht zum einen in der Schaffung eines virtuellen Modells des Bauprojekts, auf das alle Beteiligten grundsätzlich Zugriff haben und mit dem sie arbeiten können. An diesem zentralisierten Ort können sie die Entwürfe in Bezug auf die Kosten, auf die Auswahl von Materialien und die Ausführbarkeit effizient und zeitspa-

rend abstimmen. Die Mitglieder eines Teams können auch unternehmensübergreifend am selben Detail arbeiten. Mit BIM lassen sich auch Bedingungen, unter denen geplant oder gebaut werden muss, simulieren und Arbeitsabläufe und Modelle erstellen, mit denen verschiedene Optionen getestet und ausprobiert werden können. Mit einer Simulation können mithilfe von Computeralgorithmen ebenfalls Muster der Natur repliziert werden. Durch solche verbesserten Arbeitsmethoden können Planungs- und Ausführungsfehler effektiv vermieden werden – das spart nicht nur Kosten und Zeit, sondern fördert auch die

Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit. Denn durch die Vermeidung von Fehlern wird auch die fehlerhafte Bestellung, der Transport oder die Verwendung von Material minimiert. Das ist eine Forderung, die immer mehr Bauherrn stellen. Voraussetzung für eine gedeihliche Zusammenarbeit ist die Bereitschaft aller Beteiligten, ihre Daten herauszugeben. An dieser Bereitschaft hapert es gerade bei deutschen mittelständischen Unternehmen manchmal noch. Mittels BIM kann aber nicht nur die Planungs- und die Bauphase besser koordiniert, sondern auch der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerks erfasst werden. Das erleichtert beispielsweise den Betrieb, die Überwachung des baulichen Zustandes und die spätere Instandhaltung, wodurch wiederum eine möglichst lange Betriebsdauer erzielt werden kann. Wenn es schließlich doch zu einem Abriss oder einer völligen Neugestaltung kommen soll, kann der Rückbau klimafreundlicher und nachhaltiger vonstattengehen, da genau bekannt ist, an welcher Stelle welche Baustoffe verwendet wurden. BIM-Kenntnisse erhöhen bereits heute die Wettbewerbschancen von Unternehmen, da immer mehr Bauherrn, auch private, die BIM-Methode bei ihren Projekten fordern. Das gilt keineswegs nicht nur für große Unternehmen, sondern gerade auch für mittelständische.

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BIM ermöglicht bessere Vernetzung

Herr Hartmann, das Ingenieurbüro Fuchs hat sich auf den Ausbau des Schienenverkehrs spezialisiert. Was tun Sie genau?

Das Ingenieurbüro Fuchs plant Anlagen rund um die Schiene und unterstützt damit die Klimawende. Interview mit Geschäftsführer Dipl.-Ing. (FH) Mike Hartmann.

Wir planen Schienenverkehrsanlagen vor allem in Mitteldeutschland, aber auch im ganzen Land. Unser Hauptkunde ist die Deutsche Bahn AG. Daneben arbeiten wir mit Verkehrsinfrastrukturunternehmen mit Gleisanschlüssen, die Schmalspurbahnen in Sachsen, Verkehrsverbünde, Kommunen, Städte, Privatbetriebe mit Privatanschlüssen – also mit allen, die irgendetwas mit Eisenbahninfrastruktur zu tun haben.

Dipl.-Ing. (FH) Mike Hartmann

Foto: www.foto-chemnitz.de

Welche Leistungen bietet das Ingenieurbüro Fuchs seinen Kunden? Wir planen nicht nur das Gleis als solches, sondern auch zum Beispiel die Leit- und Sicherungstechnik wie die Signalanlagen, außerdem die Bahnübergänge und die dazugehörigen Straßenanlagen, Brücken, Hochbauten, Fahrzeughallen und Werkstätten. Wir unterstützen damit die Verlagerung des Verkehrs auf die klimafreundliche Schiene.

Sie arbeiten auch mit BIM. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Wir arbeiten seit vielen Jahren mit BIM. Neben dem digitalen Modell geht es ja bei BIM in erster Linie um eine bessere Vernetzung und Kommunikation mit den Kunden. Wir verwenden bei den einzelnen Projekten stets die BIM-Anwendungen, die Sinn machen. Damit fahren wir sehr gut.

Erleichtert es den Übergang zu BIM, dass Ihr Hauptkunde die Bahn ist? Der Bund hat vor vier Jahren beschlossen, dass alle größeren Bahn-Projekte mit BIM durchgeführt werden müssen. Das war eine sehr zukunftsweisende Entscheidung. Derzeit ist die Bahn noch in einem Stadium, in dem diese Entscheidung umgesetzt wird. In so einer Phase kann es zu Anlaufschwierigkeiten kommen, weil es noch nicht an jeder Stelle das Know-how und die notwendigen technischen Möglichkeiten gibt. Aber das wird sich geben.

» info www.ib-fuchs.com


10 Titelstory

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Foto: Meike Kenn

INTERVIEW

Die fehlende Digitalisierung der Baubranche Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender CG Elementum AG (CEO)

Andere Länder machen es Deutschland vor – längst werden dort viele Baustellen mit BIM (Building Information Modeling) realisiert. Wie Deutschland nach vorne kommen soll.

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JÖRG WERNIEN

hristoph Gröner gründete 1990 in Karlsruhe sein erstes Unternehmen. Seit 2005 ist er in der Projektentwicklung aktiv, wobei er zunächst mit denkmalgeschützten Altbauten startete. Heute entwickelt er mit seinem Unternehmen CG Elementum nachhaltige Quartiere, beispielsweise auf revitalisierten Industriebrachen. Mit der Hilfe von BIM will man kostengünstiger und seriell bauen. Wir haben mit ihm gesprochen.

BIM – das Allheilmittel der Baubranche? CG: Natürlich wenden wir BIM an, sind aber in Deutschland mit unserem Latein schnell am Ende. Was die Digitalisierung in Deutschland und damit die Anwendung von BIM betrifft, sind wir ein Dritte-WeltLand. BIM ist ein Begriff für digitalisierte Prozesse, gelerntes Wissen in einem Projekt geht nicht verloren. Stellen Sie sich vor, wir haben ein Grundstück und beginnen mit der Planung, Ausschreibung, Verträgen

mit den Gewerken, Bezahlung und irgendwann die Übergabe. Darin ist der Preis, die Baumasse und die Qualität enthalten. Bei einem BIMProjekt wird das gesamte Wissen des Baus einmal erworben, einmal aufgestellt. Dieses Wissen wird dann bis zum Schluss, bis zur Übergabe, weitergegeben und unter Umständen auch ergänzt. Doch leider sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Wenn BIM so viele Vorteile bietet – warum wird es in Deutschland so selten genutzt?

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Open Innovation Hub für digitale Bau-Innovationen Die Zeppelin Lab GmbH – kurz Z LAB – revolutioniert mit ihren digitalen Ventures die Baubranche. Zwei davon sind klickrent und klickcheck.

Was zeichnet die Arbeitsweise vom Zeppelin Lab als Innovationslabor und Accelerator des Zeppelin Konzerns aus? Wulf Bickenbach (Director New Digital Ventures): Grundlage der Arbeitsweise im Z LAB ist die mittlerweile in der Geschäftsmodellentwicklung etablierte Lean-Start-up-Methodik. Sie folgt dem Ansatz einer agilen Arbeitsweise und setzt voraus, dass Produktentwicklung immer offen für Anpassungen und Veränderungen sein soll. Basis dafür ist der enge Austausch mit dem Kunden und seinen Bedürfnissen, um Produkte auf den Markt zu bringen, die optimal darauf abgestimmt sind. Das

Konzept basiert auf dem kontinuierlichen Testen jeder kleinen Änderung, beispielsweise an einer App für ein Problem auf der Baustelle oder eben einer Mietplattform für Bautechnik.

Mit diesem Konzept hat das Z LAB bereits vier digitale Produkte und dazugehörige Geschäftsmodelle entwickelt, darunter auch klickrent und klickcheck. Warum ist jetzt der ideale Zeitpunkt, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen? klickrent befindet sich seit Jahren auf einem ambitionierten Wachstumspfad und erzielt stetig wachsende Umsätze im Millionenbereich. Die Online-Miet-

plattform für Bautechnik optimiert das Mietgeschäft zwischen Geschäftskunden durch digitale Lösungen. Durch sein Netzwerk von weit über 2.000 Vermietpartnern und 3.500 Mietstationen liefert klickrent vom Kran bis zur Arbeitsbühne bundesweit auch kurzfristig die benötigte Bautechnik. Mit klickcheck als digitale Lösung für die Übergabe- und Zustandsdokumentation von Bautechnik wurde darüber hinaus ein weiteres Produkt für die konkreten Herausforderungen von Vermietern und Bauunternehmen entwickelt. Beide Ventures laufen so erfolgreich, dass sie im Herbst 2021 als marktreife Produkte das Z LAB verlassen, um die digitale Miete von Bautechnik zu transformieren.

Wulf Bickenbach, Director New Digital Ventures

» info www.z-lab.com


Titelstory 11

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„Es sollte Anreize geben, dass der 55-jährige Architekt sagt, ja, ich stelle auf BIM um. Angeblich soll es so sein, dass man BIM anbieten können sollte, um an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen. Das ist aber nicht der Fall.“ Christoph Gröner

CG: Das fängt schon bei den Bauämtern an. Da werden zumeist keine Pläne in digitaler Form angenommen. Die Handwerksbetriebe haben in der Regel nicht die Rechnerleistung, um das Programm zu bearbeiten. So ein BIM-Plan hat mal schnell mehrere Hundert Gigabyte Datenvolumen. Der Handwerksbetrieb kann die Ausschreibungen also gar nicht verarbeiten. Und vielleicht ein Drittel aller Planer sind bereit, überhaupt mit BIM zu arbeiten. Schön, dass wir BIM können, doch es fehlt uns die Umgebung, diese Technologie auch flächendeckend einzusetzen und weiterzuführen. Das ist das Ergebnis eines kollusiven Zusammenwirkens zwischen der Bau- und Immobilienwirtschaft und der Politik, die offensichtlich zulässt, dass die Digitalisierung keinen wirklichen Stellenwert hat in diesem Land. Sehen Sie bei Ihrem Pessimismus denn auch Licht am Ende des Tunnels? CG: Die drei Säulen der Immobilienwirtschaft sind Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Vorfertigung. Wir können gar nicht so viele Menschen beschäftigen, um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen,

geschweige denn den geforderten Wohnungsneubau zu bewältigen. Aber ohne Digitalisierung gibt es keine Vorfertigung. Stellen Sie sich das mal vor – drei, vier Millionen Sozialwohnungen müssen gebaut werden, 30 bis 40 Millionen Wohnungen müssen energetisch saniert werden, damit wir den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren können. Wir bauen jetzt 200.000 bis 300.000 Wohnungen pro Jahr, es müssten aber zehnmal so viele sein. Ich sehe leider nicht, wie wir unsere Baukapazitäten wirklich verdoppeln könnten. Hinzu kommt der weiterwachsende Mangel an Fachkräften, diese Zahl wird sich halbieren in den nächsten Jahren. Das bedeutet, wir kommen an einer BIM-gesteuerten Vorfertigung nicht vorbei. Das ist das Dilemma: Alles fängt mit der Digitalisierung an. Aber in diesem Land deutet nichts darauf hin, dies als Aufgabe und große Herausforderung zu erkennen. Stellen Sie sich vor, Deutschland hätte flächendeckend ein 5G-Netz – läuft es dann? CG: Ich sehe da keine Chance, dass BIM in der Baubranche zum Standard wird. Dafür benötigen wir ein

ordentliches Investitionsprogramm nur zur Digitalisierung der Baubranche. Handwerker, Subunternehmer, sie alle müssen davon profitieren, das muss auf die Reise gebracht werden. Es sollte Anreize geben, dass der 55-jährige Architekt sagt, ja, ich stelle auf BIM um. Angeblich soll es so sein, dass man BIM anbieten können sollte, um an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen. Das ist aber nicht der Fall. Alles ist geblieben, wie es ist. Da wird saniert mit Plänen auf Papier, Ausschreibung auf Papier, im Prinzip haben wir nichts geschafft. Länder und Kommunen müssen endlich ihre Haltung ändern, nicht sagen, in zehn bis zwölf Jahren sind wir so weit. Schauen Sie nach Holland, die schaffen das in zwei Jahren. Der Missstand beginnt schon in den Schulen und bei der Ausbildung. Das Thema Digitalisierung muss zum Pflichtfach werden. Wenn der Azubi zwar eine Leitung zusammenlöten kann, aber auf seinem digitalen Plan nicht versteht, wo diese Leitung hinkommt, dann wird das nichts werden – auch in fünf Jahren nicht.

ist nur so teuer geworden, weil der Bau fast zwei Jahre stillstand. BIM wäre hier die Lösung gewesen. Gerade bei öffentlichen Gebäuden sollte BIM eingesetzt werden, was hier aber offensichtlich nicht gewollt war.

Zahlreiche öffentliche Projekte sind „geldtechnisch“ aus dem Ruder gelaufen – hätten Millionen gespart werden können?

CG: Auf keinen Fall. Da müsste ich Wirtschaftsminister sein und über dem Finanzminister stehen, dann könnte man dafür Sorge tragen, dass die Investitionsprogramme auch kommen und laufen. Das Problem liegt viel tiefer. Es ist ein Problem im Verständnis bei Ländern und Kommunen. Das ist Kanzlerkompetenz: Es gibt nur noch Geld, wenn in drei Jahren der Prozess der Digitalisierung abgeschlossen ist. Die Banken haben es – dank Corona – auch geschafft, ihre Branche zu digitalisieren.

CG: Ja sicher, wenn sie die Elbphilharmonie als BIM-Projekt gebaut hätten, dann hätte jeder Drittklässler erkannt, dass allein mit dem Sockel die Mittel verbraucht gewesen wären. Immer, wenn ich die Rolltreppe hochfahre, weiß ich, diese 760 Millionen sind allein mit den roten Steinen verbaut worden. Es war absehbar. Bei einer vernünftigen Kalkulation wäre man gleich bei 400 bis 500 Millionen Euro gelandet. Die Elbphilharmonie

Sie als Immobilienunternehmer müssten doch da Druck aufbauen können? CG: Wir machen das mit großen Planungen! Doch häufig kommen wir wieder an den Anfang zurück. Wir enden mit BIM schon beim Bauamt, wo die Planungen in 2-D auf Papier eingereicht werden müssen. Auch der Subunternehmer kann nichts mit digitalen Kalkulationen anfangen, der hätte am liebsten eine Excel-Tabelle. Und wir enden beim Kunden, der dann mit dem BIM-Modell am Ende nichts anfangen kann. Wir machen trotzdem BIM und geben die Hoffnung nicht auf, dass sich etwas ändert. Damit leisten wir viel mehr, als der Markt im Augenblick verlangt. Wären Sie gerne der Bauminister?

Herr Gröner, vielen Dank für das Gespräch.

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Mit BIM den Wohnungsbau weiterentwickeln Jens Hartwig ist Inhaber des Planungsbüros BauPlan Nord UG in Warnemünde und wirbt engagiert für BIM in der Entwicklung von Immobilienwerten.

Welche Neuerungen in der Entwicklung des BIM sind speziell für den Wohnungsbau zurzeit von größtem Interesse? Ich denke hier an die künstliche Intelligenz bei der Weiterführung der Verknüpfung von zeichnerischen Daten (CAD) mit den Bauteileigenschaftsdaten zu BIM. Die nächste Stufe wäre, dass im Konstruktionsprozess im Hintergrund schon Berechnungen zu bautechnischen Nachweisen (Statik, Schallschutz, Wärmeschutz) laufen.

Gerade der Schall- und Wärmeschutz sind ja im Wohnungsbaubereich höchst relevant.

Was hat sich bei der Akzeptanz von BIM-Anwendungen vor allem mit Blick auf kleinere Unternehmen in jüngster Zeit verändert? Das Grundproblem nach meiner Einschätzung ist, dass kleine oder Solo-unternehmen, bei denen die Inhaber:innen in absehbarer Zeit das aktive Arbeitsleben verlassen, die Notwendigkeit ignorieren. Vor allem Jüngere (von denen es wenige gibt) und Ältere, die die vielfältigen Vorteile erkannt haben, nutzen BIM-Anwendungen. Hier sind in den letzten Jahren die Apps wie Pilze aus dem Boden geschossen. In meinem Arbeitsalltag zeigt sich immer wieder, dass eine gute 3-D-Planung die

Fehlerquote und damit viele Probleme auf der Baustelle reduziert. Wir müssen uns nichts vormachen, die Anzahl der nicht deutschsprachigen Arbeitskräfte steigt stetig und da überwindet eine BIM-Planung auch viele Verständigungshürden. Auch die Bauherr:innen sind für jede Visualisierung, 3-D-Darstellung oder 3-DModellbegehung mittels Viewer oder VR dankbar.

An welchen Neuausrichtungen des BIM wird gegenwärtig gearbeitet? Architekt:innen und Ingenieur:innen und die jeweiligen Kammern sind bemüht, Lösungen für die Digitalisierung der Bauantragsverfahren zu finden. Hier müssen die Schnittstellen zum Datenaustausch massiv an Fahrt aufnehmen.

Dipl.-Ing. Jens Hartwig, Inhaber von BauPlan Nord

» info Dipl.-Ing. Jens Hartwig Tel.: 0157 - 79 86 53 27 Email: info@bau-plan-nord.de www.bau-plan-nord.de


12 IT-Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel in der Baubranche wird ja schon lange beklagt. Speziell fürs digitale Bauen und Planen kann das zunehmend zum Problem werden.

Foto: shutterstock | Gorodenkoff

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Wir „bauen“ auf

IT-Spezialisten

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HELMUT PETERS eutschland hat ein Problem. In der Industrie und im Bau fehlen Fachkräfte, darunter im Besonderen IT-Fachkräfte, die die neue Ausrichtung ganzer Wirtschaftszweige steuern können. Auf 100.000 Beschäftigte kommen allein 2.600 IT-Spezialisten, wobei die Kurve stetig ansteigt. In Konzernen wie etwa der Strabag sind Dutzende von Stellen für IT-Spezialisten ausgeschrieben. Die Liste reicht vom IT-Administrator, IT-Developer und IT-Architects bis zu IT-NetzwerkAdministrators und speziell BIMModellierinnen und -Modellierer bzw. CAD-Ingenieurinnen und -Ingenieure. Dabei sind die Anforderungen für die BIM-Spezialisten unter den IT-Berufen extrem hoch. Diese Berufsgruppe muss in der Lage sein, selbstständig die Modellierung von Bauwerken im Ingenieurbau, Brückenbau und Spezialtiefbau für anspruchsvolle Projekte in der Entwurfs-, Angebots- und Ausführungsphase im In- und Ausland sowie die Ausarbeitung von Ausführungsplänen (Schal-/Detail-/Stahlbauplänen) zu betreuen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit über verschiedene Fach- und Unternehmensbereiche in einem Zentralmodell wie BIM 360 werden erwartet und der Einsatz bei der Entwicklung modellbasierter BIM-Prozessabläufe und internen Standards. Fast selbstverständlich, dass die Mitarbeit in Projektteams und fachliche Führungsaufgaben sowie interne Qualitätssicherung ebenfalls in den Verantwortungsbereich solcher Mitarbeiter*innen gehören. Voraussetzungen sind darüber hinaus eine Ausbildung als Konstrukteur*in (HTL) oder ein abgeschlossenes Studium

des Bauingenieurwesens (FH oder TU) und fundierte Kenntnisse in moderner CAD-Software (AutoCAD 2D/3D, Revit). In allen Branchen, vor allem aber im Bau mit seiner explodierenden Auftragslage sind Unternehmen auf IT-Spezialisten angewiesen. „Das gilt umso mehr angesichts der Coronakrise, in der die Defizite in der Digitalisierung auch in der Wirtschaft schonungslos offengelegt wurden“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Corona hat einen Digitalisierungsschub ausgelöst. Die Nachfrage nach IT-Fachkräften wird perspektivisch weiter steigen, weil digitale Geschäftsmodelle, Technologien und Prozesse IT-Know-how erfordern.“ Das Problem hat die Politik längst erkannt. Insbesondere das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf die kräftig ansteigende Anzahl der Erwerbstätigen im Bauhauptgewerbe, das es mit insgesamt rund 832.000 Beschäftigten beziffert. Dennoch leidet auch die Bauwirtschaft unter einem Fachkräftemangel. Horst Seehofer, der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, sagt: „Die Schaffung von ausreichend bezahlbarem Wohnraum ist die soziale Frage

In allen Branchen, vor allem aber im Bau mit seiner explodierenden Auftragslage sind Unternehmen auf IT-Spezialisten angewiesen.

unserer Zeit. Deshalb will die Bundesregierung alles daransetzen, dass in dieser Legislaturperiode 1,5 Millionen neue Wohnungen entstehen. Dazu brauchen wir ausreichende Kapazitäten in der Bauwirtschaft und den planenden Berufen. Politik und Bauwirtschaft müssen dazu im ständigen Austausch bleiben.“ Unter der Federführung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) hat die Bundesregierung eine branchenübergreifende Fachkräftestrategie erarbeitet, im Dialog mit den Sozialpartnern und Ländern und der Bundesagentur für Arbeit. Denn das Zukunftsthema Fachkräftesicherung ist entscheidend für Deutschlands Wachstum und Wohlstand und dafür, dass jeder Mensch ein erschwingliches Zuhause hat. Auf Einladung des Bundesinnenministeriums gab es zusammen mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Verbänden der Bauwirtschaft, der IG BAU sowie der Bundesarchitektenkammer und der Bundesingenieurkammer dazu schon etliche Spitzengespräche. Auf der Grundlage dessen hat man deshalb auch eine branchenübergreifende Fachkräftestrategie beschlossen. „Zusätzlich zur besseren Nutzung der inländischen Potenziale und des europäischen Bewerbermarkts brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte aus Drittstaaten“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer in diesem Zusammenhang. „Deshalb haben wir ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz auf den Weg gebracht, von dem auch die Bauwirtschaft profitieren wird und das zwei Ziele verfolgt: die weitere Reduzierung der illegalen Migration

sowie die Deckung des Arbeitskräftebedarfs der Wirtschaft.“ Für IT-Spezialisten gibt es dabei eine besondere Regelung, denn unter bestimmten Voraussetzungen können diese auch ohne formalen Abschluss Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten. Um die Stellenbesetzung zu erleichtern, können Menschen mit Berufsausbildung für sechs Monate einen Aufenthalt in Deutschland zur Arbeitsplatzsuche erhalten. Voraussetzung ist, dass die Fachkraft eine anerkannte Qualifikation, die notwendigen Deutschkenntnisse und einen gesicherten Lebensunterhalt vorweist. Ob diese Regelungen hilfreich sind, denn die Anforderungen sind im IT-Bereich ja nun mal exorbitant hoch, ist fraglich. Aus diesem Grund wird die Ausbildung hierzulande immer bedeutsamer. Fachbereiche wie der Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen an der Ruhr-Universität Bochum setzen hier Akzente und treiben auch die Forschungsprojekte im Bereich des digitalen Bauens und Planens an. Wer hier einen Abschluss macht, hat jedenfalls allerbeste Chancen, einen gut dotierten Job zu bekommen.

Um die Stellenbesetzung zu erleichtern, können Menschen mit Berufsausbildung für sechs Monate einen Aufenthalt in Deutschland zur Arbeitsplatzsuche erhalten.


BIM – Partner Content 13

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Der Fachkräftemangel vor allem im IT-Bereich erfordert von Universitäten neue Angebote und Forschungsinitiativen. Die Ruhr-Universität Bochum ist da ein Vorbild.

Prof. Dr.-Ing. Markus König, Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen an der Ruhr-Universität Bochum

Bauinformatiker/innen dringend gesucht Es scheint so, als könnten die Universitäten, darunter auch Ihr Bochumer Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen, gar nicht so viele Bauinformatiker ausbilden wie gebraucht werden. Was muss getan werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken? Können Sie abschätzen, wie der Bedarf an Bauinformatikern in den nächsten Jahren wachsen wird? Prof. Dr.-Ing. Markus König (Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen an der Ruhr-Universität Bochum): Die Bochumer Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften bietet eine breite, fundierte Grundlagenausbildung, die Absolvent/ innen vielfältige Möglichkeiten für die anschließende Spezialisierung eröffnet. So kommen Studierende schon frühzeitig mit dem Schwerpunkt Bauinformatik bzw. Digitalisierung in Berührung und entdecken ihn potenziell als die für sie passende Studienrichtung. Gleichzeitig sollten beide Themenfelder noch umfassender und durchgängiger im Studium verankert werden, z. B. durch spezialisierte

Angebote im Master- bzw. Vertiefungsbereich. Wir haben gerade in Bochum eine Mastervertiefungsrichtung zu „Digital Design and Construction“ eingeführt. Natürlich ist die Weiterbildung auch sehr wichtig. Hierzu gibt es schon gute Programme auf Basis der VDI 2552 Richtlinie. Prinzipiell muss in Zukunft jede/r Fachplaner/in ein Basiswissen besitzen. Durch die fortschreitenden Möglichkeiten der Digitalisierung erwarte ich eine steigende Nachfrage an gut ausgebildeten Bauinformatiker/innen , die den Prozess der digitalen Transformation im Unternehmen aktiv gestalten können.

Wie lässt sich der Umgang mit BIM im Bauwesen vereinfachen? Es gab ja bereits Versuche mit einer besser verständlichen digitalisierten Musterbauordnung? Die Erstellung von BIM-Modellen ist schon mit einem gewissen zusätzlichen Aufwand verbunden. Daher ist es wichtig, dass ein BIM-Modell für viele Anwendungen genutzt werden kann, um dort die Effizienz zu steigern. Ein Beispiel ist ein Bauantrag. Wenn BIM-Modelle vorhanden sind, sollten auch diese für die Genehmi-

„In den letzten Jahren haben sich KI-Verfahren rasant entwickelt. Beispielsweise können Bilder mit KI ausgewertet werden, um Personen bei Gefahren zu informieren, Baumaschinen und Materialien zu erfassen und den Baufortschritt zu analysieren.“ Prof. Dr.-Ing. Markus König

gungsverfahren genutzt werden. Wir arbeiten mit verschiedenen Partnern seit vielen Jahren an der Integration von BIM bei diesen Prozessen und konnten 2020 die erste BIM-basierte Baugenehmigung mit unseren Erfahrungen unterstützen. Wichtig ist dabei, dass Vorgaben wie die Muster- bzw. Länderbauordnungen so aufbereitet und bereitgestellt werden, dass viele Anwender/innen (Architekt/ innen, Bauverantwortliche und Behörden) davon profitieren können.

Der Umgang mit BIM wird ja immer spannender. Wie lassen sich BIM-Daten mit Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) oder Blockchain noch besser verbinden? In den letzten Jahren haben sich KI-Verfahren rasant entwickelt. Beispielsweise können Bilder mit KI ausgewertet werden, um Personen bei Gefahren zu informieren, Baumaschinen und Materialien zu erfassen und den Baufortschritt zu analysieren. Natürlich erfolgt dies immer im Abgleich mit der Planung, am besten einer BIM-basierten. Je mehr Daten sinnvoll erfasst und strukturiert abgelegt werden, umso besser können im Bauwesen KI-Verfahren eingesetzt werden. Natürlich muss dabei immer der persönliche Datenschutz gewährleistet werden. Auch das Thema Blockchain kann gut mit BIM kombiniert werden. Im Rahmen eines Projektes zur Smarten Datenwirtschaft (www. bimcontracts.com) nutzen wir zusammen mit Partnern BIM-Modelle zur Umsetzung von Smart Contracts auf Basis einer Blockchain, um die Meldung von Leistungen, deren Prüfung, mögliche Nachträge sowie die Abrechnung transparent und manipulationssicher zu automatisieren.

BIM ist vornehmlich den Neubauten vorbehalten. Warum gibt es bis jetzt kaum digitale Modelle für den Betrieb in Bestandsgebäuden? Im Prinzip ist BIM genauso auch für Bauen im Bestand geeignet. Jedoch müssen hierzu erst einmal Bestandsbauwerke digital aufbereitet werden, da häufig nur konventionelle Planungsunterlagen (2-D-Pläne, Dokumente, Fotos etc.) vorhanden sind. Daher beschäftigen wir uns seit einigen Jahren damit, wie auf Basis dieser analogen Unterlagen möglichst automatisiert ein Bestandsmodell erzeugt werden kann. Auch hier spielen KI-Verfahren eine große Rolle. Im Rahmen des KI-Innovationswettbewerbs der Bundesregierung wird seit Anfang 2021 das Projekt BIMKIT (www.bimkit.eu) gefördert, welches sich zusammen mit unterschiedlichsten Industriepartnern diesem Thema widmet. Die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend, sodass wir in Zukunft den Aufbau für die Bestandsmodellierung verringern können und somit BIM für Bauen im Bestand weiter voranbringen.

» info www.rub.de www.fbi.rub.de www.inf.bi.rub.de


HEIN BOLLENS, STELLVERTRETENDER REFERATSLEITER BEI DER EUROPÄISCHEN KOMMISSION; ÜBERGANG ZU GRÜNEM UND DIGITALEM ZWILLING, BAU UND STANDARDS, RENOVIERUNGSWELLE, NACHHALTIGE PRODUKTE

» „Die EU treibt die

BIM-Entwicklung voran“ Die Digitalisierung fördert Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, bietet wichtige Informationen und schafft Vertrauen und Transparenz.

Investitionen in BIM für öffentliche Projekte sparen Ressourcen während der Planungs- und Bauphase und sind während der gesamten Lebensdauer von Gebäuden und Infrastrukturen von großem Nutzen. Wenn die Digitalisierung durch das öffentliche Beschaffungswesen verankert wird, werden Innovation und Wettbewerbsfähigkeit gefördert und gleichzeitig Transparenz, Vertrauen und informierte Entscheidungsfindung gefördert. In Zusammenarbeit mit der EU BIM Task Group haben wir das „BIM-Handbuch“ herausgegeben, das den Behörden Leitlinien für die Einführung von BIM bietet. Durch die Methodik zur Durchführung von Kosten-Nutzen-Analysen für den Einsatz von BIM in öffentlichen Ausschreibungen wollen wir BIM in einzelnen Projekten durchsetzen, indem wir ein für jeden öffentlichen Auftraggeber nützliches Modell erstellen. Dabei wird das Thema Nachhaltigkeit großgeschrieben. Die EU-Industriestrategie 2020 und ihre im Mai 2021 veröffentlichte Aktualisierung enthalten eine Liste von Maßnahmen zur Unterstützung des grünen und digitalen Wandels der EU-Industrie, von denen viele bereits umgesetzt sind. Es ist heute klarer denn je, dass Unternehmen, die sich für Nachhaltigkeit und Digitalisierung einsetzen, erfolgreicher sind als andere. Dies ist ein einzigartiges Zeitfenster und sie können vom First-Mover-Vorteil profitieren. Dabei ist klar: Nachhaltigkeit und Klimaneutralität können nur erreicht werden, wenn das Beste der Technik genutzt wird. Die Digitalisierung ermöglicht eine bessere Verwaltung von Assets und Ressourceneffizienz.

» „BIM-Kenntnisse verbessern

die Geschäftsaussichten“

Gerade kleinere Unternehmen profitieren von der Digitalisierung der Baubranche, lautet die Erfahrung von Michael Bischoff, Geschäftsführer der NTI CWSM GmbH.

MICHAEL BISCHOFF, GESCHÄFTSFÜHRER NTI CWSM GMBH

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Foto: Martin Stockberg

» experten

14 Expertenpanel Zukunft Bauindustrie

BIM ist auf dem Vormarsch, hat sich aber noch nicht vollständig durchgesetzt. Es gibt noch Unternehmen, die sich beispielsweise um die Sicherheit ihrer Daten, die in einer Cloud gelagert werden sollen, sorgen. Aber vor allem Architekturbüros und beratende Ingenieure wollen BIM-konform arbeiten, das können wir gut anhand der Anmeldezahlen zu unseren Ausbildungsprogrammen erkennen. Es ergibt Sinn, einen BIM-Koordinator im Unternehmen zu haben, denn wenn ein Bauherr verlangt, dass ein Projekt mit BIM angegangen werden soll, ist es gut, „fully BIM-alligned“ zu sein. BIMKenntnisse verbessern die Geschäftsaussichten gerade für die kleinund mittelständischen Unternehmen. Dass das Arbeiten mit BIM viele Vorteile hat, steht außer Frage. Wenn alle an einem Bauprojekt Beteiligten an einem zentralen Modell in Echtzeit arbeiten, weiß jeder genau, was er zu tun hat. So werden viele Fehler vermieden. Das spart Kosten und Zeit, ist letztendlich ein nachhaltiges Konzept und fördert damit den Klimaschutz. Denn die Baubranche hat einen großen CO2-Fußabdruck. Mit BIM bedienen wir den Materialkreislauf, der die Schnittstelle ist zwischen unserer Cyberworld, in der Unternehmen wie NTI arbeiten, und dem physischen Leben. BIM, Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind drei Räder in einem Getriebe, die eng verzahnt ineinandergreifen. Deshalb ist auch die öffentliche Hand ein Treiber bei der Entwicklung, denn das aktuelle BIM-Mandat der Bundesregierung sieht vor, keine Aufträge mehr ohne BIM-Anbindung zu vergeben.

PETER HÜBNER, PRÄSIDENT DES HAUPTVERBANDES DER DEUTSCHEN BAUINDUSTRIE

» „BIM vereinfacht

das Bauen und macht es schneller“

Mit Building Information Modeling können viele Fehler vermieden werden, meint Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Bauen ohne das Thema Digitalisierung ist gar nicht mehr denkbar. Die BIM-Methode wird nicht nur am Hochbau angewandt, sondern, auch angetrieben von der öffentlichen Hand, im Straßen- und Schienenbau. Building Information Modeling macht das Bauen und das Betreiben von Bauwerken erheblich einfacher. Der Vorteil ist, dass alle Beteiligten auf Augenhöhe zusammensitzen, die Bauunternehmer gemeinsam mit den Planern, und sich das geplante Objekt anschauen. Sie können im Vorfeld anhand des digitalen Modells erkennen, wo ein Träger nicht hinpasst, wo ein Lüftungsschacht eingebaut und Leitungen verlegt werden müssen. Damit werden sehr viele Fehler vermieden, die nach der herkömmlichen Methoden passieren. BIM vereinfacht das Bauen und macht es schneller. BIM ist Teil der allgemeinen Digitalisierung am Bau. Ein großes Thema ist noch die Weitergabe von Daten und ebenso muss den Planern die Sorge genommen werden, dass sie überflüssig werden. Klar ist, dass manche Berufe sich ändern oder auch verschwinden werden, aber dafür entstehen auch neue. BIM und die Digitalisierung sind unerlässlich, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen. Wenn man mit Datenbanken arbeiten kann, die automatisch ökologische Fußabdrücke berechnen, weiß man später, welche Produkte und Baustoffe eingearbeitet wurden. Die Möglichkeiten, die die Digitalisierung für das Thema Nachhaltigkeit bietet, werden aber bislang bei Weitem noch nicht so genutzt, wie das machbar wäre. Hier muss die öffentliche Hand viel stärker als Treiber auftreten.


BIM – Partner Content 15

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BIM für Spezialisten im Brückenbau

Wie unterscheiden sich die BIM-Anwendungen in Ihrem sehr speziellen Segment des Brückenbaus von den Anwendungen für Gebäude? Die Fachgebiete und die Anzahl der beteiligten Fachplaner unterscheiden sich sehr von denen im Hochbau. Die geometrischen Zwänge sind im Bereich des Infrastrukturbaus sehr anspruchsvoll. Die Brückenbauwerke folgen den Straßen. Die Linienführung der Straße mit Kurven, Klothoiden, mit Wannen und Kuppen sowie mit Quergefälle und vielem anderen mehr sind große Herausforderungen für die BIM-Anwendungen und deren Nutzer. Daher sind wiederkehrende Grundelemente – Stichwort BIM-Bibliothek – nur begrenzt nutzbar bzw. müssen immer abgewandelt werden.

Wie hat sich die Schnelligkeit und Genauigkeit bei Ihrer Arbeit durch BIM verändert? Die Zusammenarbeit mit anderen Fachgewerken ist mittels Teilmodellen auf ein vollkommen neues Niveau gehoben worden. Die Vermeidung von Konflikten – Stichwort Kollisionsprüfungen – ist deutlich zielgenauer zu steuern. Entscheidend hierbei ist ein von Beginn an detailliert ausgearbeitetes BIMAbwicklungskonzept, in welchem die BIM-Ziele, die Verantwortlichkeiten, die BIM-Rollen und die Qualitätssicherung für alle Beteiligten nachvollziehbar definiert sind. Weitere wichtige Punkte sind hierbei die BIMModellstruktur, LODs und natürlich die Schnittstellen zwischen den eingesetzten Softwareumgebungen.

Die Ableitung von 2-D-Plänen, welche in allen Details den gültigen Vorschriften für Plandarstellungen entsprechen, ist leider immer noch mit viel „händischer“ Nacharbeit verbunden. Hier bauen wir sehr auf die stetige Weiterentwicklung der verschiedenen BIMAnwendungssoftware.

Gibt es Bereiche und Anforderungen im Brückenbau, die mit BIM-Methoden noch nicht ausreichend abgedeckt sind? Eine der großen Herausforderungen im Brückenbau ist der Bauablauf. So werden z. B. im Eisenbahnbau viele Brückenbauwerke in Seitenlage hergestellt und in kurzen Sperrpausen eingeschoben. Dies in BIMAnwendungen sauber abzubilden, ist momentan noch nicht ausreichend abgedeckt. Darüber hinaus sind im Bereich des Brückenbaus noch nicht alle Datenstrukturen einheitlich definiert worden. Dies erschwert die interdisziplinäre Zusammenarbeit und auch den Austausch mit anderen Brückenplanungsbüros. Die Ableitung von 2-D-Plänen, welche in allen Details den gültigen Vorschriften für Plandarstellungen entsprechen, ist leider immer noch mit viel „händischer“ Nacharbeit verbunden. Hier bauen wir sehr auf die stetige Weiterentwicklung der verschiedenen BIM-Anwendungssoftware.

In der Architektur wird BIM für Neubauten, aber leider noch nicht in ausreichendem Maße für Bestandsgebäude genutzt. Ist das beim Brückenbau anders, wo es ja auch viel um Sanierungen geht? Eine der wesentlichen Grundproblematiken beim Planen/Bauen im Bestand bleibt: Wie erhalte ich ein aussagekräftiges und nutzbares BIMModell des Bestandes? Hier kann mit BIM-Vermessungen und Nachmodellierungen auf der Grundlage von zumeist Papierbestandsplänen einiges gemacht werden. Der Aufwand ist allerdings sehr groß.

Foto: Kitzing Pix

Die IBJ Ingenieurgesellschaft mbH gründete sich im Jahr 2007 und ist mit Niederlassungen in Leipzig, Halle und Hof bundesweit tätig. Das Leistungsspektrum im konstruktiven Ingenieurbau bildet alle Leistungsphasen der HOAI ab. Mehr zum Portfolio und den Projekten erfahren Sie auch auf der Website: www.ibj-ing.de.

Michael Bornmann, Geschäftsführender Gesellschafter IBJ Ingenieurgesellschaft mbH

Wie sehen Sie BIM im Brückenbau für die Zukunft? Unsere Erfahrungen mit BIM im Infrastrukturbau sind im Großen und Ganzen sehr positiv. Natürlich ist noch viel zu tun, um alle öffentlichen und privaten Auftraggeber, alle Ingenieurbüros und alle Baufirmen mittels BIM zu vernetzen. Wir versuchen hierfür unsere Erfahrungen und unsere Expertise einzubringen. So engagieren wir uns als aktives Mitglied der buildingSMART-Fachgruppe BIM-Verkehrswege innerhalb der Arbeitsgruppe Brücke/Ingenieurbauwerke. Wir freuen uns auf weitere spannende Projekte, in welchen wir BIM anwenden dürfen.

» info www.ibj-ing.de


16 Interview Günther Wölfle

Foto: buildingSMART Deutschland

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BIM ist nicht gleich BIM, sagt Gunther Wölfle, Geschäftsführer von buildingSMART Deutschland. Die Ziele der Anwender können sehr unterschiedlich sein.

Gunther Wölfle, Geschäftsführer von buildingSMART Deutschland

„Es gibt sehr verschiedene Anwendungsfälle“

U

ARMIN FUHRER

nternehmen sollten die Einführung von Building Information Modeling als Transformationsprozess verstehen und die digitale Arbeitsweise schrittweise einführen. Alle reden über BIM. Aber gibt es überhaupt das eine BIM? Nein, das gibt es nicht. Wir sprechen von digitalisierten, modellbasierten Methoden für die Baubranche. Wenn wir über BIM sprechen, so sind stets konkrete Anwendungsfälle zu betrachten. Dies spiegelt sich auch in der Arbeitsstruktur von buildingSMART wider, wo unsere ehrenamtlichen Experten aus dem Verkehrswegebau andere Anwendungsfälle im Blick haben als die Experten aus der Wohnungswirtschaft oder der Fabrikplanung – zu letzteren entstehen aktuell eigene Fachgruppen bei uns, weil sich diese Bereiche verstärkt den vielfältigen Möglichkeiten durch BIM zuwenden. Im Fokus steht, welche Mehrwerte durch BIM geschaffen werden können – und diese sind gewaltig. Denn durch Building Information Modeling werden Daten, die während Planung und Bau, aber auch in der Nutzungsphase in großer Menge entstehen, systematisch und vielfältig nutzbar. buildingSMART International hat seit einem Jahr ein Angebot zum Use Case Management. Was verbirgt sich dahinter?

Wie wir gerade gesehen haben, gibt es sehr unterschiedliche Anwendungsfälle und unterschiedliche Ziele, die mit der BIM-Methodik verbunden werden. An dieser Stelle spielt das Use Case Management von buildingSMART International eine wertvolle Rolle. Dabei handelt es sich um eine OnlinePlattform, auf der viele unterschiedliche BIM-Anwendungsfälle einheitlich beschrieben und der weltweiten BIMCommunity zugänglich gemacht werden. So können Anwender von bereits erprobten Anwendungsfällen direkt profitieren und diese für ihre Projekte übernehmen oder auch für ihre Zwecke weiterentwickeln. Der Grundgedanke ist, Wissen und Erfahrungen zu teilen und verfügbar zu machen. Daraus können auch neue technologische Entwicklungen entstehen, etwa in den Bereichen Automatisierung und Robotik für das Bauen. Kann man den Mehrwert durch BIM messen? Einige unserer Mitgliedsunternehmen haben das gemacht – bei allen methodischen Schwierigkeiten, denn jedes Bauwerk ist letztlich einzigartig. Sie haben festgestellt, dass durch

Im Fokus steht, welche Mehrwerte durch BIM geschaffen werden können – und diese sind gewaltig.

BIM das Planen und auch das Bauen effizienter und reibungsloser wird. Das liegt beispielsweise daran, dass Planungen dank BIM sehr gut visualisiert und auch Nutzer sehr früh eingebunden werden können. Im Krankenhausbau beispielsweise ist das ein Riesenvorteil – Pfleger und Ärzte können Technik und Abläufe in OP-Sälen schon im sehr frühen Planungsstadium virtuell begehen und mit den Planern zielgenau optimieren. Darüber hinaus sind weitere Vorteile zu nennen: Es gibt weniger Streitigkeiten, die Zuständigkeiten sind besser definiert, ein Projekt gewinnt insgesamt an Transparenz, die Kollaboration und das Miteinander von Planen und Bauen wird gesteigert. Sollten Unternehmen BIM von heute auf morgen oder eher peu à peu einführen? Die Einführung von BIM und insgesamt die Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens von Bauwerken muss man als einen Transformationsprozess verstehen, der sich in der Branche insgesamt, aber auch in jedem einzelnen Unternehmen vollzieht. Solche Prozesse brauchen ihre Zeit. Natürlich braucht es die strategische Entscheidung, um solch einen Prozess anzustoßen – dies geht nur erfolgreich, wenn im Unternehmen auf allen Ebenen diese Prozesse mit großer Überzeugung angestoßen und angegangen werden. Dann sollte man sich dieser Herausforderung schrittweise stellen, interne Abläufe analysieren, nötigenfalls ändern und optimieren. Am besten, man star-

tet mit einem kleineren Projekt und steigert das. Hilfreich ist der Austausch mit anderen, die den einen oder anderen Schritt schon gemacht haben. buildingSMART bietet dafür eine Reihe von direkten Austauschund Vernetzungsangeboten. Sind es eher die mittelständischen oder die großen Unternehmen, die die Entwicklung vorantreiben? Unsere deutsche Bauwirtschaft ist sehr mittelständisch geprägt und wir sehen tatsächlich, dass sich diese eher kleineren Einheiten leichter tun mit Veränderungen, wie sie BIM erfordern. Sie handeln agiler, als es große Konzerne können, weil auch die Verbindungen zwischen Unternehmensführung und Mitarbeitern kürzer und direkter sind. So erhält die Unternehmensleitung schneller und ungeschminkter Rückmeldungen über gute und nicht so gute Erfahrungen aus der Praxis – dies ist ein großer Vorteil unserer heimischen Bauwirtschaft und macht einen Gutteil ihrer Leistungs- und Anpassungsfähigkeit aus.

Der Grundgedanke ist, Wissen und Erfahrungen zu teilen und verfügbar zu machen.


Interview Klaus Teizer 17

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Foto: Jürgen Rösner

» notiz SPANNENDES RUND UM DIE DIGITALISIERUNG

Klaus Teizer, Vorstandsmitglied bei buildingSMART Deutschland e. V.

„Hohes Optimierungspotenzial durch BIM“ Wissens- und Arbeitsverluste in Bauprojekten werden bisher häufig toleriert oder gar nicht erkannt. Durch die Digitalisierung lässt sich das ändern.

S

ARMIN FUHRER innvoll strukturiert und digital gestützt könnten Bauprojekte einen enormen Schub im Hinblick auf Kosten, Qualität und Termintreue erhalten, sagt Klaus Teizer, Vorstandsmitglied bei buildingSMART Deutschland e. V. Herr Teizer, kann man das Optimierungspotenzial von BIM quantifizieren? Ich komme selbst aus der Praxis und habe viele Jahre als Bauleiter gearbeitet. Später habe ich mich dann bewusst entschieden, zu einem Generalplaner zu gehen, weil ich auf der Baustelle immer für das geradestehen musste, was in frühen Projektphasen nicht so wirklich geklappt hat. Die herkömmlichen Arbeitsweisen stoßen eindeutig an ihre Grenzen. Vor diesem Hintergrund fände ich es schon erfreulich, wenn wir im Bauwesen stabil wären und das, was wir versprechen, auch halten könnten. Studien belegen, dass eine optimale Koordination von Prozessen und Arbeitsabläufen im Planungs- und Bauablauf ein Optimierungspotenzial in Höhe von bis zu 70 Prozent eröffnen.

Wie ist das Verhältnis von BIM und KI? BIM legt den Grundstein für die Verwendung von KI, denn mit BIM werden Daten eines Bauwerkes erfasst und strukturiert in allen Phasen des Lebenszyklus eines Gebäudes weitergenutzt. Daher ist BIM der Beginn und die Grundlage von KI. Wir sind jedoch, gerade was KI betrifft, nach wie vor im Pilotprojekt-Modus. Aber es gibt die ersten Anwendungsfälle wie Layout-Generierung und Floorplanner. Wie wichtig sind Daten? Wenn wir unser Wissen in Datenbanken bringen und diese Daten mit Algorithmen verbinden, kommen Lösungen heraus, die uns Menschen sehr helfen und uns die Freiräu-

buildingSmart bietet regelmäßig informative und spannende Veranstaltungen an. Am 28. September 2021 findet der erste buildingSMART-Thementag BIM und KI statt. Dieser Thementag wird als Online-Veranstaltung durchgeführt. Die ganztägige Veranstaltung widmet sich der Frage: „Wie ergänzt künstliche Intelligenz die klassische Arbeitsweise?“ Unterschiedliche Vorträge beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Den Abschluss bildet eine Diskussionsrunde. Wie immer bei Veranstaltungen von buildingSMART Deutschland gibt es viel Raum für Fragen aus dem Publikum und Diskussion. Am 27. Oktober geht es beim 25. buildingSmartForum, das live gestreamt wird, um interessante Themen rund um die Digitalisierung. Zu den Rednern und Rednerinnen gehören unter anderem Professor Rasso Steinmann, Vorstandsvorsitzender von buildingSmart Deutschland, und Bianca Weber-Lewerenz von BWL Engineering. Mehr Informationen zu diesen und anderen Veranstaltungen: www.buildingsmart.de/termine

me schaffen, unsere Kreativität noch besser zu nutzen. Daher sind Datenbanken wichtig. Allerdings müssen in diese unsortierte Legokiste eine Struktur und Ordnung gebracht werden. Wird die Bedeutung von digitalen Infrastrukturen der Gebäude wachsen? Auf jeden Fall. Wir brauchen digitale Gebäudeplattformen, die übergreifend funktionieren. Die Hersteller haben ein großes Interesse daran zu sehen, wie ihre Geräte funktionieren. Aber auch der Klimaschutz und das Energiemanagement sind ohne digitale Gebäudeplattformen nicht denkbar und es gibt auch schon die ersten vielversprechenden Geschäftsmodelle.

Wenn wir unser Wissen in Datenbanken bringen und diese Daten mit Algorithmen verbinden, kommen Lösungen heraus, die uns Menschen sehr helfen und uns die Freiräume schaffen, unsere Kreativität noch besser zu nutzen.

INFORMATIVE BÜCHER FÜR BAU-EXPERTEN Die ständige Erweiterung der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten ist wichtig und das gilt in Zeiten der Digitalisierung gerade auch für die Bauwirtschaft. buildingSmart Deutschland hat daher 2020 einen eigenen Verlag gegründet, der Bücher von ausgewiesenen Experten und Expertinnen zu Themen rund um die Digitalisierung und BIM herausgibt. Auf hohem Niveau erhalten Leserinnen und Leser kompakt wichtige Informationen, die sie in der Arbeit unterstützen. Als Nächstes erscheinen zwei Werke: zum einen „BIM Basics: 3D-Vermessung und 3D-Modellierung. Mit Leichtigkeit zum BIM-Modell im Gebäudebestand“ von Olaf Jantzen sowie „BIM Basics: Der Baugrund als digitaler Zwilling. BIM als Chance für höhere Baugrundsicherheit“ von Jens Gabe. Beide Bücher sind voraussichtlich ab Januar 2022 zu erwerben. Mehr Informationen zu den bisher erschienenen Büchern: www.buildingsmart.de/publikationen


18 Gerüstbau der Zukunft

VILLA VIVA: EIN HAUS, DAS BRUNNEN BAUT Das neue soziale Gasthaus in Hamburg wird von Viva con Agua und Heimathafen Hotels umgesetzt.

Im Gerüstbau ist es einfach für Monteure, Gerüstteile zusammenzubauen, aber schwierig, diese zu transportieren. Und für Roboter es ist andersrum. Die KEWAZO GmbH hat einen solchen entwickelt.

Im Zentrum Hamburgs entsteht derzeit das neue Social Business von Viva con Agua: Villa Viva, ein Gasthaus mit 12,5 Stockwerken und rund 300 Betten. Eine CampingEtage, Konferenz- und Galerieräume, Gastronomie und viele weitere Extras machen Villa Viva zu einem inspirierenden Ort. Spannend: Künstler wie Jan Delay werden die Gestaltung einiger Zimmer und Suiten übernehmen.Obwohl alle Investitionen von Investor*innen getätigt wurden, erhalten die Viva

Foto: Andrin Fretz

Die Automatisierung, KI und Robotik sind in allen Bereichen unserer Umwelt unaufhaltsam. Gelten auf Baustellen nicht aber doch noch mal extrem anspruchsvollere Bedingungen für den Einsatz von Robotik?

con Agua Stiftung und der Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. die Mehrheit der Anteile an dem Geschäftsmodell. Ein Großteil der Gewinne fließt dauerhaft in die Projektarbeit, die Immobilie liegt langfristig in den Händen der Gemeinnützigkeit. Für die zukünftigen Besucher bedeutet das: Mit jeder Übernachtung unterstützen sie Trinkwasserprojekte weltweit. „Eine nachhaltige Zukunft braucht kreative Lösungen“, so Viva con Agua-Gründer Benjamin Adrion. „Mit Villa Viva wollen wir zeigen, dass soziales Wirtschaften gleichzeitig nachhaltig und erfolgreich sein kann.“ Die erste Villa Viva in Kapstadt steht übrigens kurz vor ihrer Eröffnung. Im Oktober ist es so weit!

Artem Kuchukov (Co-Founder und CEO KEWAZO GmbH): Genau. Das Hauptproblem bei der Automatisierung der Baustellen ist die Tatsache, dass die Baustellen sehr unstrukturiert sind. Dies verlangt viel menschliche Kreativität, was dazu führt, dass es sehr schwierig ist, etwas im Bau zu automatisieren. Jede Baustelle ist einzigartig und die Technik vor Ort kann nicht vorprogrammiert werden, mit Ausnahme von Vorfertigung. Dies führt dazu, dass die Roboter sich an die Umgebung anpassen müssen, was eine sehr komplizierte Aufgabe ist, die sehr viel Ressourcen für die Entwicklung benötigt. Nichtsdestotrotz ist die Bauautomatisierung noch weit davon entfernt, eine „Low Hanging Fruit“ zu sein. Daher sehen wir heutzutage keine flächendeckende Entwicklung in dieser Richtung. Noch nicht. Unsere Einschätzung ist, dass die Welle bestimmt kommen wird, und dies wird noch innerhalb der nächsten 5 Jahre passieren. Bereits im Februar 2020 auf der Konferenz „TechCrunch Robotics + AI Sessions 2020“ in Berkeley, Kalifornien, waren Bau- und Agrarroboter eines der Kernthemen der Konferenz. Warum hat KEWAZO gerade den Gerüstbau als ersten Anwendungsfall für den Robotikeinsatz gewählt? Dafür gibt es zwei Hauptfaktoren: die Situation der Gerüstbauindustrie heute und die Eignung des Gerüsts für die Automatisierung. Der Gerüstbau heute hat drei Herausforderungen: Sicherheit, Arbeitskräftemangel und Ineffizienz. Zum Thema Sicherheit: Mehr als 6.000 Unfälle passieren jährlich auf

Foto: KEWAZO GmbH

Gerüstbau wie von Zauberhand

» notiz

Jens Sroka, Geschäftsführender Gesellschafter Heimathafen® Hotels, Benjamin Adrion, Founder Viva con Agua, Carolin Stüdemann, Geschäftsführung Viva con Agua Sankt Pauli e.V., und Dr. Andreas Dressel, Finanzsenator Freie und Hansestadt Hamburg (v. n. n. r.)

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Roboter ermöglichen sicheres und effizienteres Bauen

deutschen Gerüsten. Allerdings ist nicht bekannt, wie viele davon tatsächlich während der Gerüstmontage stattfinden. Zum Thema Arbeitskräftemangel: Alle befragten Kunden – Gerüstbausubunternehmen und Industriedienstleister, groß und klein – haben uns bestätigt, dass sie Probleme haben, qualifiziertes Personal zu finden. Gleichzeitig haben die Firmen in der Branche meistens nicht die Möglichkeit, einen besseren Lohn anzubieten, da die Margen ziemlich dünn sind. Auch sind 73 % aller Kosten im Gerüstbau Lohnkosten. Zum Thema Ineffizienz: Der Gerüstbau erfolgt heutzutage meistens manuell. 80 % der Gerüste werden komplett manuell aufgebaut. Von der Zeit auf der Baustelle werden bis zu 80 % der Arbeitsstunden komplett mit Materialtransport verbracht. Was haben Sie bislang aus dem Einsatz Ihres digitalen Mitarbeiters „LIFTBOT“ gelernt und wie lässt sich das auf andere digitale Modelle im Bau übertragen? Unsere Lösung umfasst zwei Hauptbereiche: Robotertechnik und Datenanalyse. Der Hauptvorteil der Datenanalyse ist mehr Transparenz. Mit dieser Transparenz können Ressourcen besser eingesetzt und dadurch gespart werden. Daher haben wir gelernt, dass der Einsatz von Robotern nicht nur grundlegende Probleme unserer Kunden löst, sondern auch mehr Möglichkeiten in der digitalen Welt eröffnet. Mithilfe von Robotern werden viel mehr Daten gesammelt als mit herkömmlichen Geräten und Maschinen, da Roboter bereits von vornherein mit viel mehr Sensoren und Fähigkeiten ausgestattet sind. Wegen der Vielfalt der Daten können völlig neue digitale Services etabliert werden, die bisher gar nicht bekannt sind. Und dies alles muss nicht noch einmal auf der

Baustelle integriert werden – der Kunde hat den Roboter bereits im Einsatz. Natürlich ist der aktuelle Fokus auf dem Gerüstbau nur der Anfang. Wir beabsichtigen, den gleichen Einsatz in anderen Bereichen, wie dem Transport von Dachelementen, dem Transport von Equipment und dem allgemeinen Materialtransport auf Baustellen und Industrieanlagen, zu haben. Welche Rolle spielt die Datenanalyseplattform bei alldem? Die Datenanalyseplattform spielt eine zentrale Rolle bei unserem Modell. Roboter decken nur die Grundebene der Nutzen. Die höheren Nutzenebenen werden mit digitalen Produkten abgedeckt. Roboter ermöglichen eine höhere Effizienz, verbessern die Sicherheit und lösen das Problem des Arbeitskräftemangels. Da die Roboter über eine Reihe fortgeschrittener Sensoren verfügen, werden die verschiedenen Betriebsdaten gesammelt und an unsere Cloud-Plattform gesendet. Dort werden die Daten mit unseren Algorithmen analysiert und als Ergebnis den Bauleitern, Projektleitern oder Betriebseigentümern von verschiedenen Seiten angezeigt. Ein solcher digitaler Zwilling schafft mehr Transparenz über die Aktivitäten auf den Baustellen und ein besseres Projektmanagement. Mit weiteren Sensoren und Algorithmen werden solche digitalen Services ermöglicht, die heute noch unvorstellbar sind. Ein Beispiel hierfür wäre eine automatische Soll-Ist-Vergleichsanalyse, bei der ein digitales Soll-BIMModell mit einem laufenden Projekt im Livemodus verglichen wird. Heute ist dies nicht möglich, da die Informationen über die laufenden Baustellen manuell eingegeben werden müssten, was sehr aufwendig und umständlich wäre. Mithilfe fortschrittlicher Sensortechnik, Bilderkennung und Datenanalyse kann dieser Eingabeprozess automatisiert werden, was solche und andere Services ermöglicht.


BIM – Partner Content 19

Outsourcing als Chance: Konzentration auf das Kerngeschäft

Fotos: Xavier Armau (2)

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Die Baulohn Auslagerung ermöglicht mehr Zeit und Ressourcen für wichtigere Aufgaben

Auslagerung der Lohnabrechnung im Baugewerbe:

Effizienzgewinn und Kostenersparnis Der Baulohn ist ein komplexes Feld. Bereits vor der Coronapandamie war die korrekte Lohnabrechnung eine Herausforderung für viele Unternehmen in der Baubranche. Die Inanspruchnahme von Coronasoforthilfen und Kurzarbeitergeld fordert zusätzliche Kapazitäten und Ressourcen, die nicht ohne Weiteres von allen Unternehmen aufgebracht werden können. Eine Auslagerung verspricht Abhilfe.

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ost vom Finanzamt sorgt selten für Freude, weder bei kleinen Handwerksbetrieben noch bei internationalen Bauunternehmen. Die zu „normalen“ Zeiten schon komplizierten Vorgaben zur Unternehmensbesteuerung, unternehmerischen Verwaltungstätigkeiten und Lohnabrechnungen führen nicht selten zu Verdruss, weil Details unbekannt sind und der Fiskus vermeintlich unverständliche Forderungen stellt.

Doch es gibt eine einfache und praktische Lösung: das Outsourcing von Dienstleistungen wie der Entgeltabrechnung. Unternehmer können sich dadurch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Dies ist gerade in der Baubranche wichtiger denn je, um die oft hohe Anzahl an Projekten erfolgreich voranzubringen .

Das bereits 1971 gegründete USamerikanische Unternehmen Paychex hat sich auf genau solche Dienstleistungen spezialisiert. Seit 18 Jahren gibt es Paychex auch in Deutschland. Das Unternehmen verfügt über einen breit gefächerten und stetig wachsenden Kundenstamm: Über 6.000 Firmen lassen ihre professionellen Entgeltabrechnungen von PaychexExperten vornehmen. Für viele Bauunternehmen ist es von enormer Bedeutung, dass erbrachte Arbeitszeiten und -leistungen für oftmals verschiedene Baustellen exakt auf die verschiedenen Projekte und deren Kostenstellen gebucht werden können. Mithilfe der Profis von Paychex können sie so leichter den Überblick über ihre Personalkosten behalten, denn

In der Baubranche werden die unterschiedlichsten Löhne gezahlt. Aufgrund dieser großen Komplexität sind für eine rechtssichere und effiziente Abwicklung der Baulohnabrechnung viel Erfahrung und ausreichend Spezialkenntnisse erforderlich.

mittels des von Paychex entwickelten Lohnabrechnungsprogramms lassen sich Baustellen- und Kostenstelleninformationen im Rahmen der Stundenerfassung problemlos verarbeiten. Zahlreiche Schnittstellen ermöglichen einen einfachen Import elektronisch erfasster Arbeitszeiten aller Ausführenden, auch der von Subunternehmen. Paychex verfügt über mehrere Spezialgebiete im Bereich Lohn – der Baulohn ist eines davon. Die spezialisierten Experten kennen jeden Einzelfal. Mehr als 100 Experten stehen allein deutschlandweit mit schneller Reaktionszeit und umfassendem Service bereit. Ein fest kalkulierbarer Gesamtpreis macht die Kosten bereits im Voraus übersichtlich. Die Lohnabrechnungen werden rechtskonform und fair und unter Berücksichtigung höchster IT-Sicherheit ausgeführt. Das Abrechnungsunternehmen übernimmt jedoch nicht nur für Großbetriebe die Baulohnabrechnung, sondern auch für kleinere Handwerksbetriebe. Abgedeckt werden auch die in der Abrechnung oftmals komplizierten Tarifbereiche des Dachdeckerhandwerkes, des Gerüstbaugewerbes und des Maler-

und Lackiererhandwerkes sowie des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerkes und des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus. Allein die Details zur Handhabung des Kurzarbeitergeldes sind inzwischen sehr zahlreich, dazu kommen die neuen Lohn- und Gehaltstarife für das Baugewerbe. Diesen immer komplizierter werdenden Bereich auszulagern, ist also durchaus sinnvoll. Damit sind Bauunternehmen, Subunternehmer und Gewerke in der Lage, viel Zeit, Geld und Nerven zu sparen. Strategisch gesehen werden zudem freie Ressourcen geschaffen, um sich langfristigen und wichtigeren Aufgaben zu widmen und das Kerngeschäft effizient voranzutreiben.

» info www.paychex.de Tel.: 040 - 670 47 27496 Montag bis Donnerstag: 8 bis 17 Uhr Freitag: 8 bis 15 Uhr