Geschichte der Pfarrei und Schule Oberegg

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Geschichte der Pfarrei und Schule Oberegg

Appenzeller Verlag Leseprobe

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Robert Oberholzer

Geschichte der Pfarrei und Schule Oberegg

Quellfassung 1 Schriftenreihe zur Geschichte und Kultur in Oberegg AI Herausgegeben von David Aragai und Ramona Breu


Inhalt

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Vorwort zur neuen Schriftenreihe

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Einführung

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Der Text

12

Der Autor

14

Editorisches und Dank

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17

Geschichte der Pfarrei Oberegg

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Gegend und Lage der Pfarrgemeinde Oberegg

20

Vorgeschichte

30

Anfänge ihres Bestandes und Finanzierung

40

Kaplaneigründung – Verschiedene Verpflichtungen – St. Anna und St. Anton

47

Ausdehnung – Die ersten Pfarrgenossen

49

Einheimische und fremde Wohltäter – Wallfahrt zu Maria zum Schnee – Entstehen der Pfarrei

53

Aus den ersten Pfarrbüchern – Sitten und Gebräuche

60

Merkwürdiges vom 18. Jahrhundert

65

Der Kirchenbrand

67

Der Bau der zweiten Pfarrkirche

75

Ausbau und Anschaffungen in der neuen Kirche – Orgelangelegenheit, Raummangel, Vergrösserungspläne

81

Merkwürdiges aus den Jahren des Bestandes der zweiten Pfarrkirche

90

Bemerkenswertes zwischen dem 2. und 3. Kirchenbau

96

Vorbereitungen für den dritten Kirchenbau

102

Der dritte Kirchenbau

109

Weihe der dritten Pfarrkirche – Primizen – Pfarrwechsel

113

Weiterer Ausbau der neugeweihten Pfarrkirche – Kaplanwechsel – Verschiedene Anordnungen


118

Verschiedenes aus den Jahren 1873 – 1895

128

Bemerkenswertes von 1894 – 1900

135

Bemerkenswertes aus der neueren Zeit

145

Die Zeit der Kirchenrenovation

148

Neueste Zeit

151

Schluss

155

Geschichte der Schule Oberegg

156

Dorfschule Oberegg

185

Schule St. Anton

191

Schule Kapf

195

Schule Sulzbach

207

Anhang

208

Abkürzungsverzeichnis

208

Glossar

210

Bibliografisches Essay

211

Abbildungsverzeichnis

213

Personenregister

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Vorwort zur neuen Schriftenreihe Verstreut in der Oberegger Landschaft stehen Dutzende metallener Pilze. Beson­ ders zahlreich sind sie in den Gebieten Ledi, Bensol und Bäumen. Es handelt sich um die Quellfassungen der Wasserversorgung Oberegg, die das lebensspendende Nass einsammeln, das später durch die Wasserhähne strömt. Dieser vertraute und oft wenig beachtete Gegenstand dient als Namensgeber für die neue Schriftenreihe zur Geschichte und Kultur in Oberegg AI, deren erster Band hier nun vorliegt. Wie eine Quellfassung möchte sie Materialien zur Geschichte und Kultur in Ober­ egg einsammeln, sie kanalisieren und schliesslich in konsumierbarer Form heraus­ geben. Das zentrale Anliegen dieser Reihe ist es, bisher wenig bekannte oder unbe­ kannte Quellen zur Geschichte und Kultur in Oberegg zugänglich zu machen ‒ und dies im doppelten Sinn: Zum einen sollen ausgewählte Text- und Bildzeugnisse, die bisher in Archiven, Bibliotheken oder auch in Privatbesitz geschlummert haben, durch die Publikation erstmals einem breiten Publikum vorgestellt werden. Zum anderen soll die Reihe auch eine Vermittlung dieser Zeugnisse bieten. So ist es das Ziel, die Quellen in ihrem Kontext zu verorten, um die zeitliche Lücke zu schliessen, die seit ihrer Entstehung gewachsen ist. Dabei profitiert die «Quellfassung» von der Tatsache, dass zwar ein gewisser Reichtum an Überlieferungsquellen und kulturel­ len Zeugnissen aus Oberegg vorhanden ist, dieser jedoch im «relativ quellen- und forschungsarmen Raum Appenzell Innerrhoden» (Achilles Weishaupt im «Histori­ schen Lexikon der Schweiz») bisher erst wenig durch eine Aufarbeitung fruchtbar gemacht worden ist. Die Reihe «Quellfassung» ist ein unabhängiges Projekt, das keine Vorgängerrei­ he besitzt und an keine Tradition gebunden ist. Sie sieht sich deshalb auch in der Funktion, neue Formen der Vermittlung auszuprobieren und einen innovativen Beitrag zur Appenzeller Kulturlandschaft und Historiografie zu leisten. Den Anfang macht die im Kern eher klassische Edition eines rund hundertjährigen Texts, die durch zwei Bedeutungsschichten ergänzt wird: Zum einen die Bebilderung, die den Reichtum an überlieferten Dokumenten vor Augen führt, und zum anderen ein umfangreiches Namensregister mit über 450 Eintragungen, welches das vielfältige Panorama an Personen ausführt, das im Text angedeutet ist.

Quellfassung im Gebiet Bäumen.

Die Herausgeber im September 2021

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Undatierte Aufnahme von Pfarrer Robert Oberholzer mit Kaplan und Schulkindern.


Einführung David Aragai

Dieser Band beinhaltet den über hundertjährigen Text einer Pfarrei- und Schulge­ schichte des einstigen Oberegger Pfarrers Robert Oberholzer (1866 – 1936). Die Studie ist in insgesamt 59 einzelnen Folgen im «Oberegger Anzeiger» über einen Zeitraum von neun Jahren, nämlich von 1910 bis 1918, erschienen. Weshalb aber macht es heute Sinn, diesen Text neu herauszubringen? Und ist er überhaupt noch relevant in Anbetracht der Tatsache, dass die letzten hundert Jahre der Geschichte bis in die Gegenwart gänzlich fehlen? Bei Oberholzers Arbeit handelt es sich um eine der längsten Abhandlungen zur Oberegger Geschichte überhaupt. Als Beitrag zur Innerrhoder Geschichtsschrei­ bung war er trotzdem praktisch vergessen, da die einzelnen Folgen verstreut in ei­ ner Zeitung erschienen und bisher nicht gesammelt als Einzelpublikation vorla­ gen. Während die Pfarreigeschichte regelmässig 1916 und Anfang 1917 im wöchent­ lich erscheinenden «Oberegger Anzeiger» fortgesetzt wurde, startete die Schulge­ schichte 1910 in unregelmässigen Folgen, um erst 1918 ihren Abschluss zu finden (in der Edition sind die einzelnen Folgen fortlaufend in Klammern nummeriert). Das Zusammensuchen der einzelnen Teile der Pfarrei- und Schulgeschichte war an manchen Stellen ein richtiges Puzzlespiel. Eine Fülle an historischen Verweisen und Episoden wird durch die Neuedition der Pfarrei- und Schulgeschichte wieder greifbar. Der Autor hatte sich die Mühe ge­ macht, intensiv die vorhandenen Quellen auszuwerten, weswegen der Text noch heute seinen historiografischen Wert besitzt. Die Stimme des Autors vermittelt da­ bei als weitere Bedeutungsschicht einen Blick auf die Geschichte aus einer Zeit, in der die Kirche im Dorf noch dessen unangefochtenes Zentrum war. Deshalb ist es auch nur sekundär, dass die Geschichte der letzten gut hundert Jahre fehlt. Inte­ ressierte können dafür die «Oberegger Geschichte» (Appenzell 2018) des Verfassers dieser Einleitung zur Hand nehmen. Die Bebilderung dieses Bands besteht zum grössten Teil aus Schriftquellen, die im Text erwähnt werden und meistens aus dem Pfarrarchiv Oberegg stammen. Der Reichtum der heute noch vorhandenen Überlieferung zur Pfarrei- und Schulge­ schichte Obereggs wird damit gezeigt. Es sind ausserdem dieselben Schriftstücke, die Pfarrer Oberholzer vor rund hundert Jahren zur Erarbeitung seines Texts vor sich hatte und damit ein Blick in die Werkstatt des Autors erlauben. Bewusst wurde auf die Wiedergabe von Transkriptionen und Übersetzungen der abgebildeten Tex­ te (zumeist Ausschnitte) verzichtet. Wie in einer Ausstellungsvitrine geht es um das

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Der erste Teil der Pfarreigeschichte erschien am 8. Januar 1916 im «Oberegger Anzeiger».


Aufzeigen der vorhandenen Vielfalt und nicht um eine wissenschaftliche Aufarbei­ tung des Materials. Die häufig schwierig zu lesenden Handschriften, teilweise in Latein, sollen ausserdem die Herausforderungen der Arbeit mit Originalquellen vor Augen führen.

Der Text

Die Geschichte der Pfarrei und Schule Oberegg erschien ohne Autorennennung, wie es damals in den Zeitungen häufig der Fall war. Nur aus kleinen Hinweisen im Text und dem zeitlichen Rahmen war herauszufinden, dass es sich beim Autor um Pfarrer Oberholzer handeln muss. Einem Zeitgenossen hingegen wäre das klar gewesen.1 Die Pfarreigeschichte beginnt mit einer kurzen Einführung zur geografischen Lage Obereggs, die mit ironischen Bemerkungen gespickt ist. Anschliessend entfaltet Oberholzer eine chronologische Geschichte der Pfarrei. Er beginnt mit einer aus­ führlichen Vorgeschichte, die sich vor allem aus den Appenzeller Chroniken und denjenigen des Klosters St. Gallen, beziehungsweise deren Verarbeitung im 19. Jahr­ hundert, speist. Die Gründung der Pfarrei, der Bau der Kirche, sowie die Finanzie­ rung des Ganzen werden ausführlich, teilweise in wörtlichen Zitaten geschildert. Hier bemerkt man zum ersten Mal, dass Oberholzer ausgiebig mit den im Pfarreiar­ chiv erhaltenen Quellen arbeitet. Dies macht seinen Text wertvoll. Auf der anderen Seite ergibt sich daraus auch eine Problematik: Was in Oberegg aufgeschrieben und aufbewahrt worden ist, wird ausführlich geschildert, was nicht aufgeschrieben wor­ den ist oder woanders überliefert wurde, nicht. Damit leidet zuweilen die Gewich­ tung der einzelnen Themen. Sehr spannend ist, dass Oberholzer nicht nur das Wer­ den der Pfarrei als Institution beschreibt, sondern dort, wo es die Quellen zulassen, auch auf den Alltag der Menschen eingeht, zum Beispiel im Kapitel «Sitten und Ge­ bräuche». So entsteht an gewissen Stellen eine veritable Sozialgeschichte, was für einen rund hundertjährigen Text alles andere als selbstverständlich ist. Wichtig für Oberholzer sind die Errichtung der Kirche und der Kapellen; sie die­ nen in seinem Text als Ordnungseinheit. Die Umstände des Bauens, die Stifter und bauliche Details werden hervorgehoben. Damit wird auch die barocke Lebenswelt des 17. und 18. Jahrhunderts, in der das Stiftungswesen einen wichtigen Teil ein­ nahm, stark gewichtet. Der Kirchenbrand von 1817 ist ein weiteres, wichtiges Ereig­ nis in Oberholzers Pfarreigeschichte, dem ein ganzes Kapitel gewidmet ist. Es liegt in der Natur der Sache, dass mehr schriftliche Quellen zugänglich sind je näher man an die eigene Gegenwart kommt. Hinzu kommen die mündliche Überliefe­ rung und persönliche Erinnerungen. Als Resultat wird Oberholzers Chronik vor al­ lem im 19. Jahrhundert sehr ausführlich und enthält gegen Schluss vermehrt per­ sönliche Erinnerungen und mit ihnen verknüpfte Wertungen.

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Die darauffolgende Schulgeschichte ist nicht wie die Pfarreigeschichte chronolo­ gisch aufgebaut, sondern nach den vier damals existierenden Primarschulkreisen im Bezirk: Dorf, St. Anton, Sulzbach und Kapf-Sturzenhard. Die 1902 gegründete Real­schule wird aussen vorgelassen. Das liegt zum einen daran, dass die Realschule damals erst kürzlich neu gegründet worden war. Ein weiterer Grund dürfte gewesen sein, dass die Primarschule lange von der Pfarrei geleitet wurde, die Realschule hin­ gegen vom Bezirk. Von der Machart her ebenfalls stark auf Protokolle und Akten ge­ stützt, behandelt die Schulgeschichte praktisch nur das 19. Jahrhundert. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind zum Schulbetrieb praktisch keine Quellen überliefert. Am Ende der Pfarreigeschichte umreisst Oberholzer einen grösseren Editions­ plan: Neben der Geschichte der Schule sollen auch der politische Bezirk und eine Statistik im «Oberegger Anzeiger» erscheinen. Die letzten zwei Teile sind aber nie erschienen. Robert Oberholzers Text hat zum Ziel, das Werden von Pfarrei und Schule in Oberegg als positive und fortlaufende Entwicklung hin zu seiner damaligen Gegen­ wart darzustellen. Er fokussiert auf die katholische Kirche als Institution, die der Ge­ meinde guten Nutzen bringt, und klammert fast alle negativen oder kritischen Be­ gebenheiten und Entwicklungen – die es durchaus gab – explizit aus.2 Tatsächlich hatte die katholische Kirche nach dem Ersten Vatikanischen Konzil 1869/1870 und dem Kulturkampf in der Schweiz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die rigo­ rose gesellschaftliche Kontrolle über seine Schäfchen nochmals stark ausgebaut. Die Geschichtsschreibung spricht in diesem Zusammenhang von einem in sich ge­ schlossenen katholischen Milieu, das zur Zeit Oberholzers einen Höhepunkt erlebte. Es ist klar: Ein historischer Text aus den 1910er-Jahren entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Geschichtsschreibung. Nicht nur reisst der Erzählfaden vor rund hundert Jahren ab, auch inhaltlich würde man sich heute nicht mehr so stark auf den Wortlaut der Quellen verlassen und aus ihrer Aneinanderreihung ei­ nen fortlaufenden Gang der Geschichte konstruieren. Trotzdem hat Robert Ober­ holzer einen wertvollen Text zur Geschichte Obereggs verfasst. Mit Betonung auf eine Institutionengeschichte werden ausführlich wichtige Ereignisse und Verände­ rungen benannt. Und nicht zuletzt spricht auch der Zeitgeist der 1910er-Jahre aus dem Dokument.

Der Autor

Michael Robert Oberholzer war von 1904 bis 1921 Pfarrer in Oberegg. In dieser Zeit förderte er das katholische Vereinswesen in Oberegg unter anderem durch die Gründung des Jünglingsvereins und der Marianischen Kongregation sowie durch die Reorganisation des Müttervereins. Er zeigte sich ausserdem verantwortlich für


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Abschiedskärtchen von Pfarrer Oberholzer.

Porträt Robert Oberholzer, 1921.

eine Renovation der Pfarrkirche 1908/1909. Als Autor verfasste er nicht nur die hier vorliegende Pfarrei- und Schulgeschichte, sondern war auch der Initiator des «Oberegger Anzeigers», der zwischen 1910 und 1981 erschien. Kein Wunder, enthielt die Oberegger Zeitung deshalb viele Berichte aus dem Pfarreileben und hatte all­ gemein einen thematischen Hang zum Kirchlichen. Ziel des Blatts war auch die «Verdrängung eines fast in allen Häusern befindlichen Blattes aus der andersgläu­ bigen Nachbarschaft».3 Damit war der «Appenzeller Anzeiger» aus Heiden gemeint. Robert Oberholzer wurde 1866 als Bürger von Goldingen SG geboren und ist in Lütisburg und Gossau aufgewachsen. Er hatte zehn Geschwister. Nach der Absol­ vierung der Stiftsschule Einsiedeln studierte er in Freiburg im Uechtland und liess sich in Chur und St. Gallen zum Geistlichen ausbilden. 1895 empfing er die Priester­ weihe und war danach in Degersheim und Altstätten als Kaplan tätig. Bevor er 1904 als Pfarrer nach Oberegg kam, war er in derselben Position vier Jahre in Bütschwil tätig. Dieses Hin und Her innerhalb der Pfarreien des Bistums war damals durchaus üblich und führte im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche St. Galler Pfarrer auch nach Oberegg.


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Oberholzer blieb 17 Jahre lang Pfarrer im äusseren Landesteil Innerrhodens. «Es brauchte zuweilen grosse Festigkeit gegenüber dem selbstbewussten Bergvolk in Oberegg; aber Pfarrer Oberholzer hielt Stand und versöhnte anderseits die Gemü­ ter wieder durch seine unerschöpfliche Liebe», hält sein Nekrolog fest. Als er 1921 von Oberegg nach Bazenheid weiterzog, um die dortige Pfarrei zu übernehmen, war daran vor allem die Grösse der Pfarrei schuld: Gottesdienste in den Kapellen St. Anton und Eschenmoos, Prozessionen, Wallfahrten und auch die damals regel­ mässigen Hausbesuche hatten alle zu Fuss zu erfolgen. Die Pfarrei Bazenheid war in dieser Hinsicht einfacher, denn «dessen weiteste Entfernung [beträgt] eine halbe Stunde». Als Pfarrer resignierte Robert Oberholzer aus Gesundheitsgründen 1935 von der Pfarrei Bazenheid und übernahm eine Hilfsstelle als Kaplan in Henau. Im Jahr darauf verstarb er.4

Editorisches und Dank

Der Text in dieser Ausgabe gibt die originalen Zeitungsartikel vollständig wieder. Ein handschriftliches Original des Texts war nicht mehr auffindbar. Offensicht­ liche Schreibfehler wurden korrigiert und die häufigen Abkürzungen ausge­ schrieben. Diese wurden damals in der Zeitung auch deshalb regelmässig ge­ setzt, um die Zeilenlänge einzuhalten. Ausserdem sind neu Absätze eingefügt worden, da die Originalversion im Fliesstext gesetzt war, um Platz zu sparen. Die damals noch gebräuchlichen scharfen «ß» sind mit Doppel-s wiedergegeben und die Umlaute am Wortanfang als Ä, Ö und Ü und nicht als Ae, Oe und Ue. Der häu­ fige Vorname Josef wird der Einheitlichkeit halber immer mit f und nicht mit ph geschrieben. In den Fussnoten werden heute nicht mehr gebräuchliche Begriffe und Zu­ sammenhänge erklärt, Arbeiten des aktuellen Forschungsstands angegeben so­ wie die im Text erwähnten Personen mit Lebensdaten und Funktion genannt. Sind Namen oder Begriffe unterstrichen, werden sie im Text fehlerhaft geschrie­ ben oder unterscheiden sich in der heute gebräuchlichen Schreibweise markant. Die ausführliche Namensliste, die auch am Ende des Buchs als Register nochmals gegeben ist, liefert in ihrer Summe ein detailliertes Personeninventar zur Pfarreiund Schulgeschichte Obereggs vom 17. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf ein Flur- und Ortsnamensregister wurde verzichtet, da die vielen Nennungen häufiger Flurnamen den Rahmen dieses Buchs gesprengt hätten.5 Ein Glossar fasst die in den Fussnoten erklärten Begriffe zusammen. Für die Verortung der Oberegger Bürgerinnen und Bürger war Raymund Breus Stammbaum-Datenbank, die auf der Bezirkskanzlei hinterlegt ist, die Hauptquelle. Aus Überlieferungsgründen konnten jedoch nicht alle Personen verortet werden,


so fehlt zum Beispiel das erste Totenbuch der Pfarrei von 1655 bis 1697. Für weiter zurückliegende Personendaten fehlen grundsätzlich allgemeine Quellen. Die ange­ gebenen ungefähren Lebensdaten stammen aus Raymund Breus Datenbank und sind Schätzungen aufgrund von verwandten Einträgen. Bei den Oberegger Bürge­ rinnen und Bürgern wurde jeweils erwähnt, aus welchem Weiler oder von welchem Hof sie stammen. Für das Dorf Oberegg selbst war dafür bis ins 19. Jahrhundert der Ausdruck «bey der Kirchen» oder «von Hier» gebräuchlich. In den Fussnoten steht jeweils einheitlich «Oberegg Dorf». Bei Personen aus dem Inneren Landesteil von Appenzell Innerrhoden wurde jeweils versucht herauszufinden, welcher Rhode sie zugehörig waren. Dort, wo das nicht gelang, gilt: Weil es bis heute im Inneren Land nur das einheitliche Bürgerrecht von Appenzell gibt, ist der Hinweis «von Appen­ zell» nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit dem Ort Appenzell. An erster Stelle seien Ramona Breu und Raymund Breu verdankt, die in vielen Stunden das Manuskript ergänzt, gegengelesen, mit Kommentaren versehen und korrigiert haben. Die langjährige Arbeit, all die Personendaten aus den verschiede­ nen und teilweise schwierig zu lesenden Kirchenbüchern zu übertragen, hatte Ray­ mund Breu bereits im Vorfeld bewältigt, indem er mithilfe einer digitalen Lösung alle Daten aus den Kirchenbüchern erfasst und damit eine so weit als möglich voll­ ständige Liste aller Obereggerinnen und Oberegger kreiert hat. Die detaillierten Personenangaben in diesem Buch wurden überhaupt erst möglich durch Raymund Breus grosse Vorarbeit. Des Weiteren sei an dieser Stelle Charlotte Peter vom Zivil­ standsamt Oberegg verdankt, die unermüdlich die zahlreichen Anfragen zu Ober­ egger Bürgerinnen und Bürgern bearbeitet hat. Weiter seien herzlich verdankt: Achilles Weishaupt und Sandro Frefel für ihre Hinweise zu Innerrhoder Personen und Josef Moser, Archivar der Dorfkorporation Bazenheid, für die Zurverfügungstellung von biografischem Material zu Pfarrer Oberholzer an seiner späteren Wirkungsstätte. Herzlich verdankt für ihre zum Teil ausführlichen Hinweise seien Sr. Anna Gasser vom Archiv des Instituts Menzingen, Markus Näpflin vom Provinzarchiv des Klosters Ingenbohl, Christian Schweizer vom Archiv der Schweizer Kapuziner-Provinz, Esther Schmid Heer von der Jesu­ itenbibliothek Zürich, Monika Neulist vom Diözesanarchiv Rottenburg-Stuttgart, Ralf Jacober vom Staatsarchiv Schwyz, Geneviève Bornet vom Staatsarchiv Wallis, Philippe Bart vom Staatsarchiv Zug, Marcel Müller vom Staatsarchiv St. Gallen, Ur­ sula Butz vom Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, Klaus Biedermann vom Histo­ rischen Verein des Fürstentums Liechtenstein, Gino-Enrico Kaufmann vom Orts­ museum Berneck sowie Stefan Kemmer vom Bischöflichen Archiv des Bistums St. Gallen. Auch den zahlreichen angefragten und über die ganze Deutschschweiz verstreuten Zivilstandsämtern sowie deren Pendants in Vorarlberg und im BadenWürttembergischen sei für ihre Auskünfte herzlich gedankt.

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Last but not least seien die verschiedenen Stiftungen und Institutionen ver­ dankt, die für dieses Werk einen Druckkostenbeitrag gesprochen haben. Die Auflis­ tung findet sich im Impressum. Ohne diese finanzielle Hilfe wäre dieser Band nicht möglich gewesen.

Anmerkungen

1 In der «Oberegger Geschichte» schreibe ich den

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Text fälschlicherweise Kaplan Josef Friedrich Breitenmoser (1876 – 1959) zu.

2 Siehe dazu das Unterkapitel «Drei Skandale» im Kirchenkapitel der «Oberegger Geschichte».

3 Anonym: Robert Oberholzer sel., in: Oberegger Anzeiger 14 (1936), S. 1.

4 Anonym: Totentafel, in: Schweizerische Kirchen­

zeitung 15 (1936), S. 124f.; Oberholzer, Robert: Abschiedspredigt des hochwürdigen Herrn Robert Oberholzer, Pfarrer in Oberegg, Sonntag den 13. November 1921, Oberegg 1921.

5 Eine interaktive Karte, auf der alle Flurnamen des

Bezirks Oberegg eingetragen sind, findet sich unter www.ortsnamen.ch. Eine Auflistung aller Oberegger Flurnamen gibt es bei Sonderegger Stefan: Appenzeller Namenbuch: Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell, 4 Bde., Frauenfeld 2012.


Geschichte der Pfarrei Oberegg

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Mag der Aufstieg zum Berge auch manch fettleibigem Schnarcher die Stirne mit Schweisstropfen benetzen, sobald er droben ist, ist er auch vollauf zufrieden. Eine herrliche Gegend, ein umfangreiches Panorama entfaltet sich seinem Auge, je höher er hinaufsteigt gegen St. Anton gegen Holzern, Bensol und Reutegg. Seite 19

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Ansichtskarte um 1925 aus dem Verlag Metz in Basel.


(1) Um die Leser unseres Blattes, das bereits den 6. Jahr­ gang begonnen, zur alten Treue gegen den Bergjungen6 zu bewegen, wird dieses Jahr eine Artikelserie folgen über die Pfarrgemeinde Oberegg und zwar 1. über die Vorvergan­ genheit, 2. über die Entstehung, 3. über die Entwicklung und 4. über den jetzigen Bestand der Pfarrei. Der Verfasser dieser geschichtlichen Studie möchte freilich damit nicht Anspruch auf etwas Vollständiges und Vollkommenes erheben, weil Zeit und Geschichtsmaterial ihn nur an Auszüge binden. Dennoch hofft er, damit allen Bewohnern und Bürgern des Bezirkes Oberegg eine Freude zu bereiten.

Gegend und Lage der Pfarrgemeinde Oberegg

6 Gemeint ist der «Oberegger Anzeiger», der in diesen Jahren ironisch als «Berg­ junge» bezeichnet wurde. Die Erst­ausgabe erschien am 17. Dezember 1909. 7 Hochwürdig(st)er Herr: ge­bräuch­liche, auch schriftlich verwendete Anrede für Pfarrer. 8 Franz Kessler (1832 – 1889), von

Tschagguns (A): Pfarrer in Oberegg 1864 – 1872. Der ge­nannte neunseitige Abriss der Pfarreigeschichte befindet sich im Pfarrarchiv unter der Signatur U 45/1.

Wie eine liebliche Insel, so schrieb H.H.7 Pfarrer Kessler, in einem grossen See, so liegt die dem Kanton Appenzell In­ nerrhoden angehörende, aber von den Kantonen Ausser­ rhoden und St. Gallen umgebene Pfarrei Oberegg.8 Pracht­ volle Aussichtspunkte bieten dem naturfreundigen Auge die vielgestaltigen Hügel und Höhen unserer weitverzweig­ ten Berggemeinde. Fährt man mit dem Dampfross hinauf von Au nach Heerbrugg, sieht der Wanderer von weiter Bergeshöhe her­ ab eine Kirche herniederschauen, die wie eine Königin die sie umgebenden Bergketten beherrscht. Es ist die schön ge­ legene Pfarrkirche von Oberegg. Freundlich ladet sie die in der Talhitze schmachtenden Bewohner ein, hier in der wür­ zigen Bergesluft einige Stündchen Herz und Lunge aufs Neue zu erfrischen. Und wirklich folgen dieser Einladung im Sommer und Herbst auch hunderte und tausende von Kurgästen. Mag der Aufstieg zum Berge auch manch fettlei­ bigem Schnarcher die Stirne mit Schweisstropfen benetzen, sobald er droben ist, ist er auch vollauf zufrieden. Eine herr­ liche Gegend, ein umfangreiches Panorama entfaltet sich seinem Auge, je höher er hinaufsteigt gegen St. Anton, ge­ gen Holzern, Bensol und Reutegg. Im Osten und Süden schaut eine riesige Alpenkette hinüber auf die kleinen, hei­ meligen Berghäuschen unserer Berggemeinde und ihrer wohlduftenden Alpenmatten. Von untenherauf grüsst ma­

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jestätisch der Altvater Rhein mit all den ihn umkreisenden Dörfern und Städten. Vom Westen her glänzen Ausserrho­ dens schönste Dörfer und Flecken, während im Norden der tiefblaue Bodan oder das deutsche Meer mit seinem üppi­ gen Uferkranze das hübsche Aussichtsbild noch vollkom­ men verklärt. Kein Wunder, wenn die Oberegger Bewohner ihre Hei­ mat lieben, wenn sie nur ungern und mit Heimweh ihre freundliche Bergeshöhe verlassen. Ein schöner Fleck Erde ists halt doch; auch der Fremdling kann dieses Lob ihm nie­ mals versagen und wären die Leute auch alle so brav wie die Gegend schön, so könnte Obereggs Ruhm auch nimmer vergeh’n.

(2) Vorgeschichte Wie ehemals in der Gegend, wo jetzt die reizend blühende Stadt St. Gallen steht, alles Urwald genannt werden konnte, so war dies umso mehr der Fall droben auf den Höhen des Appenzellergebietes, wo jetzt die hübschen Dörfer Spei­ cher, Trogen, Wald, Rehtobel, Heiden und Oberegg einen herrlichen Bergeskranz bilden. Bis zum 6. und 7. Jahrhun­ dert waren daselbst keine menschlichen Wohnungen, dafür aber hausten in den dichten, gewaltigen Wäldern und Wei­ den wilde Bestien, welche mit ihrem schrecklichen Gebrüll überall Angst und Schrecken verursachten. Endlich erschien eine Menschengestalt im schwarzen Mönchsgewand tief unten im Hochtale der Steinach, es war der heilige Gallus. Er kam hergepilgert als Missionär aus dem fernen Irland und brachte mit sich das hellleuchtende Licht des Glaubens in unsere Gegenden. Auch in unsern Ur­ wäldern fing dieses Licht zu leuchten an, sobald der heilige Mann Gottes sich an der Steinach ein Heim geschaffen und eine Anzahl Ordensbrüder um sich gesammelt hatte. Stut­ zig mochten wohl die Rudel von Bären und Wölfen der ers­ ten Arbeit dieser Kulturmenschen zugeschaut haben! Wie sie aber den dumpfen Widerhall der Hämmer und Äxte ver­ nahmen und das gewaltige Gekrach der stürzenden Eichen und Tannen, da zogen sie sich in unheimlicher Angst im­ mer mehr auf die Höhen der Berge zurück.


9 Gallus (um 550 – um 640): Missionar,

l­ egendärer Gründer des Klosters St. Gal­ len. Oberholzer gibt hier die klassische Erzählung wieder, wonach das Bodensee­ gebiet vor der Christianisierung, die eigenhändig durch den Einsiedlermönch Gallus vollbracht worden sei, eine menschen­leere Wildnis gewesen sei. Für einen aktuellen Überblick zu Gallus sowie der Christianisierung in der Region siehe Schnoor, Franziska et al. (Hg.): Gallus und seine Zeit. Leben, Wirken, Nach­ leben (Monasterium Sancti Galli, Bd. 7), St. Gallen 2015.

10 Gemeint ist die topografische und

historische Chronik der Alten Eidgenos­ senschaft von Johannes Stumpf (1500 – 1578), erschienen in Zürich 1547/48. Nortpert (gest. nach 1076): Abt des Klosters St.Gallen 1034 – 1072; Thietmar (gest. 1070), Bischof von Chur 1040 – 1070; Sebastian (gest. um 288): Soldat im Römischen Reich, Märtyrer, Heiligspre­ chung im 4. Jahrhundert; Verena (um 260 – um 320), von Theben (Ägypten): ­Eremitin, seit dem Frühchristentum als Heilige verehrt.

Von nun an siedelten sich da und dort auf ausgereuteten Stätten Menschen an und zwar nicht bloss in der Gegend der Steinach, des Bodensees und den Ufern des Rheins hin, son­ dern auch Berg aufwärts tausend und mehr Fuss über Meer. Bald bildeten sich friedliche kleine Hüttengruppen, dann Weiler, Dörfer und Flecken. Doch nicht bloss die Landschafts­ entwicklung nahm seit dem Erscheinen des heiligen Gallus und seiner Schüler bedeutende Fortschritte, sondern mit der Kultur des Landes nahm auch die Bildung der Menschenher­ zen ebenbürtigen Fortgang. Die heilige Religion Jesu Christi wurde durch die Benediktinermönche der Galluszelle in die entferntesten Hütten und Weiler getragen und als Edelfrucht der religiösen Gesinnung der damaligen Bewohner entstan­ den da und dort ein Bildstock, eine Kapelle oder auch Kir­ chen. Die Letzteren wurden meist auf Kosten des aufblühen­ den Klosters St. Gallen erbaut und so entstand im Laufe der Jahrhunderte eine ansehnliche Zahl von grössern Pfarreien.9 Die erste und grösste katholische Pfarrei auf Appenzel­ lerboden war Herisau, die, wie Stumpf in seiner Chronik schreibt, zur Zeit Karls des Grossen, also ums Jahr 780, schon eine Seelenzahl von 5000 aufwies. Der heilige Gallus soll daselbst noch in eigener Person gepredigt und die dama­ ligen Götzendiener des finsteren Heidentums mit dem Christentum bekannt gemacht haben. Als zweitälteste Pfar­ rei erstund dann im 11. Jahrhundert Appenzell. Schon lange vorher hatten die Äbte von St. Gallen daselbst eine Kapelle gebaut und hielten für die umliegenden Bewohner Gottes­ dienst. Im Jahre 1069 wurde dann von Abt Norbert eine grosse Kirche erbaut und durch den Stiftungsbrief vom Jahre 1071 zu einer Pfarrkirche erhoben. Dietmar, Bischof von Chur, gab ihr mit Erlaubnis des Bischofs von Konstanz die feierliche Weihe. Zur Pfarrei gehörten damals auch einige kleine Nebenkirchen, wie St. Jakob im Kronberg, St. Micha­ el im wilden Kirchlein, St. Anna in Gonten und besonders auch die 2 Filialen Brülisau und Eggerstanden; die erste wurde schon 1478 mit einer eigenen Kirche versehen, die dem heiligen Sebastian geweiht ist. 1524 wurde auch in Gonten eine Filialkirche erbaut und 1647 zu einer Pfarrkir­ che zu Ehren der heiligen Verena erhoben.10

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Besonders waren es die rheintalischen Kirchgemeinden Thal, St. Margrethen, Berneck, Marbach, Altstätten, welche unsere Vorahnen auf den sonnigen Höhen pastorierten. Seite 24

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Brief über die Ablösung des Zehnten der Bewohner am Hirschberg an Berneck vom 9. Mai 1595.


11 Bernang und Farniwang waren im

Mittelalter und darüber hinaus gebräuch­ liche Namen für Berneck.

12 Immer noch wegweisend zum Thema Besiedlung ist Sonder­egger, Stefan: Grund­legung einer Siedlungsgeschichte des Landes Appenzell anhand der Ortsund Flurnamen, in: Appenzellische Jahr­ bücher 85 (1957), S. 3 – 68.

13 Unter Kirchhöre verstand man sowohl die Kirchgemeinde als auch die jährliche Versammlung der Kirchgemeinde und teil­weise damit verbunden auch der poli­ tischen Gemeinde.

Im 14. und 15. Jahrhundert erhielten ferner Hundwil 1315, Urnäsch 1417, Gais 1488, Teufen 1481 und Trogen 1467 ihre eigenen Pfarrkirchen. Die Bewohner um Trogen he­ rum, also im heutigen Wald, Rehtobel, Speicher, Heiden, Oberegg-Hirschberg, Grub, Wolfhalden-Walzenhausen ge­ hörten sämtliche zur Trogenerrhode. Weil diese Pfarrei un­ geheuer weitläufig war, wurden die Pfarrgehörigen teils nach Altstätten, teils nach Goldach und Rorschach verteilt. Wolfhalden, Walzenhausen und der untere Teil der Rhode Hirschberg besuchte den Gottesdienst in St. Margrethen und Bernang.11 Die Rhode Oberegg in Marbach und Altstät­ ten. Eine eigene Pfarrkirche erhielt 1474 auch Grub in Aus­ serrhoden, doch mit verschiedenen Verpflichtungen an die Mutterkirche Rorschach. Leider waren diese Zöpfe, die da­ mals den Neugründungen an Pfarreien noch angehängt wa­ ren, nicht zum Vorteil, sondern zum grossen Nachteil für die Entwicklung des religiösen Lebens in unseren Gegen­ den. Auch wäre die Glaubenslehre des heiligen Gallus si­ cher in unseren Gegenden vorherrschend geblieben, wenn die Pastoration und die Neugründung von Pfarreien in manchen Gegenden eher kräftig gefördert, als mit gewalti­ gen Schwierigkeiten überhäuft worden wäre. Freilich spielte eben in der ganzen Angelegenheit auch das Finanzwesen eine sehr wichtige und zugleich hemmen­ de Rolle, und darum darf das Urteil über die früheren Leiter der religiösen Geschicke in unseren Gauen nicht allzustren­ ge ausfallen. Eine gewaltige Umwandlung in religiösen Ver­ hältnissen brachte dann unserem Lande und Volke, und speziell auch unserer Gemeinde, das 16. Jahrhundert, mit der Reformation.12

(3) Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts waren beide Ap­ penzell noch ein Land und ein Volk. Der Kanton zerfiel in 12 Rhoden, von denen sechs die innern und sechs die äus­ sern genannt wurden. Zu den Erstern gehörten die Schwen­ dener-, Rütener-, Lehner-, Schlatter-, Gontner- und Wieseroder Rinkenbacherrhode. Alle zusammen bildeten die Kirchhöri Appenzell.13 Zu den äussern Rhoden gehörten die Urnäscher-, Herisauer-, obere Hundwiler-, untere Hund­ wiler-, Teufener- und Trogenerrhode.

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