Charlotte Knobloch: „Jeder hat seine Geschichte – wenn er überlebt.“ (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 7 | 2,80 EUR · 75 CZK | München,18. Februar 2022
VOLKSBOTE
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„Beste Beziehungen“
Zeman gratuliert Steinmeier
Nach der Wiederwahl zum Bundespräsidenten haben führende Politiker der Tschechischen Republik Frank-Walter Steinmeier gratuliert.
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hre Wiederwahl und Ihre Beliebtheit in der Öffentlichkeit sind ein klarer Beweis für die hervorragende Vertretung des Landes. Die Bundesrepublik kann zu Recht stolz auf ihren Präsidenten sein, und es ist mir eine Ehre, Sie, lieber Frank-Walter, meinen persönlichen Freund nennen zu dürfen“, schrieb der Staatspräsident Miloš Zeman an seinen deutschen Amtskollegen. In seinem Glückwunschschreiben erinnerte Zeman an die zahlreichen persönlichen Treffen, zuletzt im vergangenen August. „Wir sind uns beide einig, daß die Beziehungen zwischen unseren Ländern die besten in der Geschichte sind. Dies ist auch den starken historischen Gesten zu verdanken, zu denen sicherlich Ihr Besuch in der Krypta der St.-Cyrill-und-Method-Kirche in der Resslova-Straße in Prag im August gehörte.“
Die Präsidenten Steinmeier und Zeman trafen sich im August in Prag. Weiter schreibt Zeman: „Ich schätze das hohe Niveau der Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern sehr, nicht nur auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet, sondern auch zwischen den Grenzregionen, beim Austausch von Studenten und bei normalen zwischenmenschlichen Kontakten. Außerdem hat die Coronavirus-Pandemie deutlich gezeigt, wie wichtig die gegenseitige Zusammenarbeit ist.“ Auch der tschechische Premierminister Petr Fiala (ODS) gratulierte Steinmeier zu seiner Wiederwahl und twitterte: „Seine Unterstützung quer durch das politische Spektrum zeigt, welche Autorität er in seinem Land hat. Dies ist eine sehr gute Nachricht für die tschechisch-deutschen Beziehungen, die sich bereits auf einem hervorragenden Niveau befinden.“ Der tschechische Außenminister Jan Lipavský (Piraten) würdigte insbesondere die klaren Worte, mit denen sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für Frieden, Freiheit und Demokratie ausgesprochen hatte: „Ich danke Ihnen für Ihre außergewöhnlich starke Rede nach Ihrer Wiederwahl. Wir dürfen nicht zulassen, daß uns die Demokratie genommen wird, und wir müssen aggressiven Regimen zeigen, daß wir als Verbündete vereint sind.“ TF
Das Archivfoto zeigt Papst Franziskus bei einem Besuch des emeritierten Papstes Benedikt XVI. im November 2020.
Foto: Vaticano Media
Schwere Vorwürfe gegen Gutachter: Keine Beweise, daß der emeritierte Papst Benedikt XVI. an der Vertuschung von Mißbrauchsfällen beteiligt war
Kirchenstreit: Tschechische Bischöfe üben scharfe Kritik an Kardinal Marx Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist in einem Mißbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising schwer belastet worden: Er habe als damaliger Münchner Erzbischof in vier Fällen nichts gegen Kleriker unternommen, die des sexuellen Mißbrauchs beschuldigt waren. Doch so eindeutig, wie die Gutachter die über 40 Jahre zurückliegenden Vorkommnisse auf einer Pressekonferenz am 20. Januar geschildert haben, scheint der Fall nicht zu sein.
Üben scharfe Kritik: Kardinal Dominik Duka, Erzbischof von Prag (links), und Jan Graubner, Erzbischof von Olmütz und Vorsitzender der tschechischen Bischofskonferenz. Fotos: Wikipedia CC BY-SA 4.0/ Erzdiözese Prag
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on einer „weltweiten Medienkampagne gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI.“ und einem „Münchner Verrat“ spricht der Erzbischof von Prag, Kardinal Dominik Duka, und schreibt in einem offenen Brief: „Ich protestiere daher und erlaube mir, den Erzbischof von München, seine Kurie und den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz für die Diffamierung und Schädigung des Ansehens von Papst Benedikt XVI. zur Rechenschaft zu ziehen.“ Von „schändlichen Angriffen, die derzeit gegen den emeritierten Papst geführt werden“, spricht auch der Erzbischof von Olmütz und Vorsitzende der tschechischen Bischofskonferenz, Jan Graubner. In dem 1900 Seiten umfassenden Gutachten über sexuelle Gewalt im Erzbistum München und Freising, das Kardinal Reinhard Marx in Auftrag gegeben hatte, wird dem emeritierten Papst unter anderem eine Falschaussage vorgeworfen. Demnach habe er am 15. Januar 1980, also vor über 42 Jahren, an einer Ordinariatssitzung teilgenommen – was Benedikt XVI. zunächst bestritten hatte. Der Beraterstab des emeritierten Papstes hat mittlerweile auf-
geklärt, wie es zu dieser falschen Aussage gekommen ist: Demnach sei es nur einem einzigen Berater des emeritierten Papstes erlaubt gewesen, die 8000 Seiten an Akten für eine Stellungnahme einzusehen. Zudem hätten die Gutachter es auch untersagt, Dokumente zu speichern, auszudrucken oder zu kopieren. Aufgrund des hohen Zeitdrucks und der Masse an Unterlagen sei dem Berater dabei ein Übertragungsfehler passiert. „Diesen Übertragungsfehler kann man Benedikt XVI. nicht als bewußte Falschaussage oder ,Lüge‘ anlasten“, verteidigen die Berater den emeritierten Papst und verweisen darauf, daß eine bewußte Falschaussage „auch keinen Sinn ergeben“ hätte, da im Protokoll der Sitzung Äußerungen des damaligen Kardinals protokolliert waren. „Die Anwesenheit von Joseph Ratzinger war damit offensichtlich.“ Ein Thema in dieser Sitzung vom 15. Januar 1980 sei der Umgang mit einem externen Seelsorger gewesen, der im Gutach-
ten Priester X genannt wird. Die Gutachter werfen Kardinal Ratzinger vor, Priester X weiter eingesetzt zu haben, obwohl dieser sexuellen Mißbrauch begangen hatte – was die Berater des emeritierten Kirchenoberhaupts bestreiten: „Joseph Ratzinger hatte weder Kenntnis davon, daß Priester X. ein Mißbrauchstäter ist, noch daß dieser in der Seelsorge eingesetzt wird. Die Akten zeigen, daß in der Ordinariatssitzung am 15. Januar 1980 nicht über einen seelsorgerlichen Einsatz des Priesters X. entschieden wurde. Die Akten zeigen auch, daß in der fraglichen Sitzung nicht thematisiert wurde, daß der Priester sexuellen Mißbrauch begangen hat. Es ging ausschließlich um die Unterbringung des jungen Priesters X., weil er sich in München einer Therapie unterziehen sollte. Diesem Anliegen wurde entsprochen. Der Grund der Therapie wurde in der Sitzung nicht benannt.“ Auf der Pressekonferenz mit dieser Frage konfrontriert, mußten die Gutachter einräumen,
daß sie in der Tat keinen Beweis haben, daß der damalige Kardinal Ratzinger die strafrechtliche Relevanz des Falles gekannt hatte. Dies sei nach der subjektiven Meinung der Gutachter nur „überwiegend wahrscheinlich“. Auch in den drei anderen Fällen fehlen offensichtlich die Beweise. So sagen Benedikts Berater: „In keinem der Fälle, die das Gutachten untersucht, hatte Joseph Ratzinger Kenntnis von Taten oder vom Tatverdacht sexuellen Mißbrauchs der Priester. Das Gutachten präsentiert keine Beweise dafür, daß es sich anders verhält.“ Gleichwohl hat sich der emeritierte Papst in seinem Antwortschreiben auf das umstrittene Gutachten von den Tätern distanziert und sich bei den Opfern entschuldigt: „Bei all meinen Begegnungen vor allem auf mehreren Apostolischen Reisen mit von Priestern sexuell mißbrauchten Menschen habe ich den Folgen der übergroßen Schuld ins Auge gesehen und verstehen gelernt, daß wir selbst in diese übergro-
ße Schuld hineingezogen werden, wenn wir sie übersehen wollen oder sie nicht mit der nötigen Entschiedenheit und Verantwortung angehen, wie dies zu oft geschehen ist und geschieht. Wie bei diesen Begegnungen kann ich nur noch einmal meine tiefe Scham, meinen großen Schmerz und meine aufrichtige Bitte um Entschuldigung gegenüber allen Opfern sexuellen Mißbrauchs zum Ausdruck bringen.“ Mit der öffentlichen Unterstützung für den emeritierten Papst stehen die tschechischen Bischöfe nicht alleine da. So habe selbst Papst Franziskus Benedikt XVI. „einen sehr schönen Brief geschrieben“, sagte Erzbischof Georg Gänswein, der Privatsekretär des emeritierten Papstes, und verwies darauf, daß Benedikt XVI. nicht nur bei allen Opfern von Mißbrauch um Vergebung gebeten, sondern in diesem „sensiblen Bereich“ auch viel getan habe. Wer die Fakten „aufrichtig lese“, so Gänswein, könnte die Kritik in den deutschen Medien nicht teilen. Unterstützung bekommt der emeritierte Papst auch vom Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben, Bischof Vincenzo Paglia. „Er war der erste, der von diesem ‚Schmutz‘ in der Kirche gesprochen hat.“ Benedikt habe sofort nach seiner Wahl zum Papst ein Verfahren in Sachen Mißbrauch in der Kirche eingeleitet. Benedikts Brief sei ein Dokument eines „großen Gläubigen und eines großen Humanisten“, so Paglia. Der Erzbischof von Bologna, Kardinal Matteo Zuppi, sagte: „Die Bitte um Vergebung für das Versagen, das Zeigen von Schmerz und tiefer Scham, erteilt eine Lektion in Demut und Verantwortung und beweist Mut.“ Torsten Fricke
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 7 | 18. 2. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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er Leiter des Prager Sudetendeutschen Büros, Peter Barton, arbeitet an manchen Projekten mit der Auslandstelle der Hanns-Seidel-Stiftung in der Tschechischen Republik zusammen. Er kann in diesem Fall auch seine eigenen Erfahrungen als hauptamtlicher Mitarbeiter dieser Stiftung von 1990 bis 2002 in München sehr gut nutzen. Be-
reits davor war Barton dort Stipendiatensprecher. Der Direktor der HSS-Stelle für Tschechien, die Slowakei und Ungarn, Dr. Markus Ehm, hatte seine Koffer in Prag noch nicht richtig ausgepackt, als er das dortige SL-Büro besuchte, um dessen Leiter persönlich kennenzulernen und mehr über die (sudeten-)deutschtschechische Verständigung zu er-
PRAGER SPITZEN fahren. Heute freuen sich Barton und Ehm, daß sie mit ihrem Arbeitseinsatz fest in Prag verwurzelt sind. Das bestätigt auch das Ergebnis von Ehms Besuch am 9. Februar in der Thomasgasse.
Andrej Babiš bleibt Ano-Vorsitzender
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hne Gegenkandidaten ist der ehemalige tschechische Premierminister Andrej Babiš am Samstag in seinem Amt als Vorsitzender der Ano-Bewegung bestätigt worden. Für Babiš stimmten 76 der 95 Delegierten. Während der milliardenschwere Unternehmer angekündigte, in zwei Jahren nicht erneut für den Parteivorsitz zu kandidieren, hielt er sich beim Thema Präsidentschaftskandidatur zurück. Diese Entscheidung wolle er erst im September bekanntgeben, dem spätest möglichen Termin, so der neue und alte Parteivorsitzende.
Reisewarnungen des Außenministeriums
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Bei der Buchtaufe: Martin Herbert Dzingel, Präsident der Landesversammlung, Illustrator Jakub Šolín, Buchautorin Lucie Römer, Zuzana Svobodová, Direktorin des Thomas-Mann-Gymnasiums in Prag, und Thomas Meyer vom Goethe-Institut Prag. Fotos: Landesversammlung/Rebecca Cischekutz
Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik
Werbung für deutsche Sprache: Ein Märchenbuch wird getauft
Inflation steigt auf fast zehn Prozent
Eine schöne Geste mit Symbolcharakter: Mit einer Taufe hat die Landesversammlung der deutschen Vereine in Prag ein ungewöhnliches Kulturprojekt vorgestellt – das deutsch-tschechische Buch „In der Welt von Rübezahl und den Wassermännern – Märchen und Sagen deer Deutschen aus Böhmen, Mähren und Schlesien“.
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ie Inflation in Tschechien hat sich im Januar im Jahresvergleich auf 9,9 Prozent beschleunigt. Im Dezember lag sie noch bei 6,6 Prozent. Insbesondere die Wohnkosten sowie Preise für Brennstoffe und Kraftstoffe treiben die Preise nach oben, so das tschechische Statistikamt.
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ie Pflege und der Erhalt unserer Muttersprache sind mit die wichtigsten Anliegen der Landesversammlung“, erklärte Martin Herbert Dzingel, der Präsident der Landesversammlung, warum dieses Buchprojekt etwas Besonderes ist. Feuermännchen, Venusleute, Wassermänner – in den Märchen der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien wimmelt es von Figuren, die den Gebrüdern Grimm eher unbekannt gewesen sein dürften. Die Journalistin und Autorin Lucie Römer hat diese Geschichten gesammelt und mit Unterstützung der Landesversammlung veröffentlicht. Da ihre beiden Söhne zweisprachig aufwachsen, habe sie immer nach einem entsprechenden Buch in Deutsch und Tschechisch gesucht, das zudem reich illustriert ist und somit zum Lesen anregt, erklärt Lucie Römer, wie sie auf die Idee für das Buchprojekt gekommen ist. Dabei habe sie auf allzu gruselige Geschichten bewußt verzichtet, „da das Buch für Kitaund Grundschulkinder gedacht ist und ich Bedenken hatte, daß die Eltern ihren Kindern die zu brutalen Märchen wahrscheinlich nicht vorlesen würden“, verrät Lucie Römer.
Ausländer kaufen tschechische Firmen
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nternehmer aus dem Ausland investieren in der Tschechischen Republik. So wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2590 Unternehmen von Nicht-Tschechen gekauft – 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 25 Prozent stellen die Ukrainer die größte Gruppe da, hat die
Neben den Texten ist das Märchenbuch auch reich bebildert. Die zahlreichen Illustrationen stammen aus der Feder von Jakub Šolín. Zuzana Svobodová, Direktorin des Thomas-Mann-Gymnasiums in Prag, hob besonders den pädagogischen Wert der Märchen hervor. Sie steigern die Motivation der Schüler, Deutsch zu lernen, und helfen natürlich auch bei der Sprachvermittlung. Svobodová berichtete, daß das Märchenbuch bereits bei Projekttagen an ihrer Schule zum Einsatz gekommen sei.
Thomas Meyer, der für das Goethe-Institut Prag an der Buchtaufe beteiligt war, zeigte sich zuversichtlich, daß das Märchenbuch Begegnungen schaffen und die deutsche Sprache fördern wird. „Wir hoffen, mit dem Buch einen wichtigen Beitrag leisten zu können, um Jugendliche zum Deutsch lernen zu motivieren und um die Sagen und Märchen der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien zu erhalten“, bestätigt Präsident Dzingel das Ziel des Buchprojekts. Das Buch wurde vom Bun-
desministerium des Innern und für Heimat sowie vom DeutschTschechischen Zukunftsfonds gefördert und ist nicht käuflich erwerbbar. Buch-Interessenten können sich per eMail an info@ landesversammlung.cz direkt an die Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik wenden. TF
Deutschunterricht bereits für Vorschulkinder F
ür den Deutschunterricht werden die Vorschulkinder
in zwei Gruppen eingeteilt. Kinder, die daheim Deutsch als Muttersprache haben, werden von einem Lehrer aus Deutschland nach dem deutschen System unterreicht. Für die andere Gruppe ist Deutsch oft die erste Fremdspra-
che. Eine besondere Herausforderung ist, daß die Vorschulkinder noch nicht lesen und schreiben können. Ziel ist es deshalb, den Kleinen die Fremdsprache spielerisch nahezubringen. So lernen die Vorschulkinder Lieder und
Immer mehr Wölfe in den Wäldern
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ie Anzahl der Reviere, in denen Wölfe leben, hat sich seit der vergangenen Saison um zwei auf 24 erhöht. Neu hinzugekommen sind Gebiete im Adlergebirge und im Böhmischen Wald. In 18 Fällen werden die Reviere von einem Rudel bewohnt, in vier Fällen von einem Wolfspaar und in zwei Fällen von einem territorialen Einzeltier, meldet die Umweltorganisation Hnutí duha (Bewegung Regenbogen). Obwohl die Wolfspopulation damit leicht wächst, ist die Zahl der Angriffe auf Nutztiere im Jahresvergleich zurückgegangen.
Brückensanierung führt zu Dauerstau
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ier Jahre lang soll die Sanierung der Barrandov-Brükke in Prag dauern, die als Teil der Stadtautobahn täglich von 140 000 Fahrzeugen genutzt wird. Die Stadtverwaltung warnt deshalb vor erheblichen Verkehrsbehinderungen, da eine Fahrspur in jede Richtung gesperrt werden müsse. Die Brücke wurde im Jahr 1983 eingeweiht und seitdem nicht überholt.
0,6 Grad Celsius: Januar war zu warm
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it einer Durchschnittstemperatur von 0,6 Grad Celsius war der Januar in der Tschechischen Republik zu warm und lag zwei Grad höher als der Normalwert der Jahre 1991 bis 2020, hat das Hydrometeorologische Institut veröffentlicht.
Liechtensteins scheitern vor Gericht
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lage abgewiesen: Das Gericht in Lundenburg hat entschieden, daß die Stiftung Fürst Liechtenstein ihre Immobilien nicht vom tschechischen Staat zurückerhält. In dem Gerichtsverfahren ging es unter anderem um die Schlösser in Eisgrub und Feldsberg. Das Kreisgericht lehnte die Klage als unbegründet ab. Die Adelsfamilie Liechtenstein hatte behauptet, daß sich der tschechoslowakische Staat den Besitz nach 1945 auf Grundlage der Beneš-Dekrete und damit gesetzeswidrig angeeignet habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Sudetendeutsche Zeitung
In Tschechien durchaus üblich: Das neue Buch wird mit Wasser von Martin Herbert Dzingel, Lucie Römer und Thomas Meyer getauft.
Ab dem neuen Schuljahr an der Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung in Prag
Ab dem neuen Schuljahr bietet die Grundschule der deutschtschechischen Verständigung in Prag auch Deutschunterricht für Vorschulkinder an.
uch in Prag wächst die Sorge vor einem Angriff Rußlands auf die Ukraine und vor einem Krieg in der Region. Am Wochenende hat deshalb das Außenministerium eine Reisewarnung sowohl für die Ukraine als auch für Weißrußland herausgegeben. Alle tschechischen Bürger, die sich in einem der beiden Länder aufhalten, werden dringend aufgefordert, die Region umgehend zu verlassen. Zudem werden Familienangehörige von Mitarbeitern der tschechischen Botschaft in Kiev umgehend evakuiert. Der Botschaftsbetriebe laufe aber zunächst weiter, so das Außenministerium. Ähnliche Maßnahmen hatten bereits andere Nato-Staaten, wie Deutschland und die USA, eingeleitet.
Unternehmensberatung Dun & Bradstreet veröffentlicht.
Gedichte. Eine weitere Methode ist das Maldiktat, wobei die Kinder Bilder nach der Angabe des Lehrers ausmalen. Auch Spiele, wie Memory und Domino, oder Puzzle werden eingesetzt, um neue Wörter und Sätze auf Deutsch zu lernen. TF
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 7 | 18. 2. 2022
Ihre Großmutter wurde von den Nazis im KZ ermordet, ihr Vater überlebte den Holocaust nur knapp, sie selbst wurde auf einem Hof in Mittelfranken vor den NS-Schergen versteckt: Charlotte Knobloch feiert im Herbst einen runden Geburtstag und ist hochgeachtet. Sie ist Ehrenbürgerin von München und erhielt 2019 den Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Sie ist Trägerin des Großen Verdienstkreuzes mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, der höchsten zivilen Auszeichnung unseres Landes, und Ehrendoktorin der Universität Tel Aviv. Die gebürtige Münchnerin war Vize-Präsidentin des Jüdischen Weltkongresses, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und führt seit 1985 als Präsidentin die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern. Charlotte Knobloch hat viel erreicht. Gescheitert ist sie nur einmal, in ihrer Jugend mit ihrem Plan für eine Auswanderung nach Amerika – ein Glück für München, für Bayern und für Deutschland. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung spricht die engagierte Frau über ihr Leben.
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE � Interview mit Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
„Jeder hat seine Geschichte – wenn er überlebt hat“
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rau Präsidentin, Sie haben im Januar 2021 anläßlich der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag eine beeindruckende Rede gehalten und dabei einen Satz gesagt, bei dem ich zusammengezuckt bin: „Ich stehe vor Ihnen als eine stolze Deutsche.“ Charlotte Knobloch: Da darf ich mit einer Gegenfrage antworten: Warum sind Sie zusammengezuckt? Einer meiner Professoren an der Ludwig-Maximilians-Universität war Władysław Bartoszewski, der das KZ Auschwitz überlebt und dann im Untergrund viele Juden gerettet hat. Ich habe ihn, den späteren Außenminister Polens, gefragt, warum er trotz dieser grauenhaften Erfahrung seine Zeit opfert, um in München vor deutschen Studenten zu lehren. Ich hätte verstanden, wenn er mit diesem Land nichts mehr zu tun hätte haben wollen. Und ich hätte auch verstanden, wenn Sie diesen Satz nicht gesagt hätten, zumal Sie nach der Befreiung von den Nazis eigentlich in die USA ausreisen wollten. Knobloch: Das stimmt. Ich habe einige Jahrzehnte gebraucht, um dieses Land als Heimat zu sehen. Die Koffer waren in dieser Zeit nicht ausgepackt. Mir war bewußt, daß dieser Satz unterschiedliche Reaktionen auslösen wird. Aber ich bin jemand, der sagt, was er fühlt. Und das fühle ich trotz aller Themen, die auf uns lasten. Ich kenne viele Menschen, die lange nach dem Holocaust geboren sind, die sich aber trotzdem fragen: Ist das noch das Land, in dem meine Kinder aufwachsen sollen? Wir sind hier im fünften Stock des Jüdischen Zentrums. Vom Fenster aus sieht man die Kinder des Alexander-Moksel-Kindergartens, die im Innenhof spielen. Eigentlich ein schönes Bild, wenn wir nicht wüßten, daß dieser Innenhof aus Angst vor Terror und Gewalt bestmöglich geschützt werden muß. Knobloch: Wir versuchen alles, damit unsere Kinder eine unbeschwerte Kindheit haben, aber natürlich nehmen sie die Situation wahr. Es ist betrüblich, daß wir auf Eingangskontrollen, Security und andere Sicherheitsmaßnahmen nicht verzichten können. Blicken wir in Ihre Kinderund Jugendzeit zurück. Sie sind in München geboren und waren noch ein Baby, als Hitler an die Macht kam. Was haben Ihnen Ihre Eltern erzählt? Was haben Sie später selbst mitbekommen? Knobloch: Mein Vater war Rechtsanwalt und hat mir später erzählt, daß er nicht glücklich war, als meine Mutter mit
� Zur Person: Charlotte Knobloch Geboren als Charlotte Neuland am 29. Oktober 1932 in München, verheiratet mit Samuel Knobloch (1922–1990), drei Kinder. � Seit 1985: Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. � 2005 bis 2013: Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses (WJC). � 2006 bis 2010: Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. � 2005: Ernennung zur Ehrenbürgerin von München. � 2008: Georg-Meistermann-Preis der Stadt Wittlich. � 2008: Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland � 2009: Ehrendoktorwürde der Universität Tel Aviv. � 2010: Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. � 2010: Eugen-Bolz-Preis. � 2011: Ehrensenatorin der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg. � 2016: Eugen-Biser-Preis. � 2019: Annemarie-Renger-Preis. � 2019: Europäischer Karls-Preis der Sudetendeutschen Landesmannschaft. �
Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, auf der Dachterrasse des Jüdischen Gemeindezentrums mit der Frauenkirche im Hintergrund. Foto: Torsten Fricke mir schwanger war und sich die Familie vergrößerte. Er war ein sehr kluger und optimistischer Mann, der aber ahnte, daß die Zeiten dunkler werden. Hitler ist nicht vom Himmel gefallen, sondern ist vom Volk gewählt worden. Daß sich die Stimmung immer weiter radikalisierte, haben mein Vater und unsere jüdischen Freunde mit großer Sorge verfolgt, aber keiner hat je damit gerechnet, daß aus diesen Worten ein staatlich organisierter Massenmord wird. Wann hatten Sie geplant, vor dem Nazi-Terror aus Deutschland zu flüchten? Knobloch: Das war erst später. Mein Onkel war bereits 1936 in die USA emigriert und hat dann ein sogenanntes Affidavit für meinen Vater, mich und meine Großmutter beantragt. Affidavit ist ein Wort, das ich nie vergessen werde. Es war quasi die Erlaubnis, in die USA einreisen zu dürfen. Und ich habe viele verzweifelte Menschen gesehen, die in Tränen ausgebrochen sind, als sie eine Absage erhielten. Sie und Ihr Vater haben ein Affidavit bekommen... Knobloch: ... aber meine Großmutter nicht. Sie wurde von den amerikanischen Behörden als zu alt angesehen. Wir haben deshalb beschlossen, daß wir unsere Großmutter nicht alleine zurücklassen und sind geblieben. Sie hatten eine sehr enge Bindung an Ihre Großmutter, nachdem Ihre Mutter die Familie verlassen hatte, als Sie vier Jahre alt waren. Was war der Grund für die Trennung? Knobloch: Meine Großeltern väterlicherseits waren sehr religiöse Juden. Aus Liebe zu meinem Vater ist meine Mutter bereits vor der Hochzeit zum Judentum konvertiert. Später wurde meine Mutter von der Gestapo vorgeladen. Man hat ihr gesagt: „Wenn Sie sich weiter mit den Juden einlassen, wird Ihnen das gleiche passieren, was den Juden passiert.“ Es hat wenige gegeben, die solchem Druck standgehalten haben. Haben Sie Ihre Mutter später wiedergesehen? Knobloch: Ich habe sie einmal ganz kurz auf der Straße gesehen. Mein Vater hat mir später
erzählt, daß sie wieder geheiratet und eine neue Familie gegründet hat. Meine Großmutter hat bei mir die Mutterstelle vertreteten. Da fehlte es mir an nichts. Auch Ihr Vater geriet in die Fänge der Gestapo. Knobloch: Das passierte auf einem Spaziergang. Es war ein Sonntag bei schönstem Wetter. Ich erinnere mich gut an den grünen Gefängniswagen, der plötzlich auftauchte. Die Männer sind ausgestiegen und haben die Ausweise der Passanten kontrolliert. Mein Vater hatte ein „J“ in seinem Ausweis und wurde sofort festgenommen. Es ging alles sehr schnell. Plötzlich spürte ich eine Hand an meiner Hand, die mich wegzog und mit mir weiterging. Ich habe kurz meinen Vater angesehen und gespürt, daß er wollte, daß ich mit den fremden Menschen mitgehe. Es war ein Paar, das selbst ein Kind in einem Kinderwagen hatte. Ich habe das erste Mal erlebt, daß uns geholfen wurde.
gebracht. Zu meinem Vater, der von diesem Transport verschont blieb, sagte der SS-Mann: „Sie kennen mich nicht mehr, aber ich war mal Mandant bei Ihnen und konnte die Rechnung nicht bezahlen. Damals haben Sie mir gesagt: ,Dann zahlen Sie, wenn Sie es können.‘ Heute kann ich es.“ Als mein Vater dann abends wieder bei uns war, war das natürlich eine große Erleichterung. Wir haben nie wieder etwas von dem Mann gehört, auch nicht nach
Nach ihrer großen Rede vor dem Bundestag erhält Charlotte Knobloch stehenden Applaus von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Bundestagsabgeordneten. Foto: Deutscher Bundestag/Marco Urban Wie ist es Ihrem Vater ergangen? Knobloch: Er kam ins Polizeipräsidium in der Ettstraße. Im Hof wurden die Häftlinge aufgeteilt. Jeder mußte einzeln vortreten, seinen Namen sagen und wo er wohnt. Dann mußten sie nach rechts gehen. Als mein Vater an der Reihe war, sagte der SS-Mann, der das Kommando hatte, er solle nach links gehen. Mein Vater fürchtete das Schlimmste. Dann wurden alle, die rechts standen, nach Dachau
dem Krieg. Aber mein Vater hat dann am 9. November 1938, also direkt vor der Pogromnacht, einen anonymen Hinweis bekommen, er solle sich mit seiner Familie in Sicherheit bringen. Wir glauben, daß diese Warnung auch von diesem Mann kam. Ende 1938 begannen die ersten Deportationen. Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 plante SS-Scherge Reinhard Heydrich, der Monate später von mutigen tschechischen Fallschirmjägern in Prag liqui-
diert wurde, den Holocaust. Wie haben Sie die Zeit der Deportationen er- und vor allem überlebt? Knobloch: Mein Vater hatte erfahren, daß ein sogenannter Kinder- und Altentransport zusammengestellt wurde. Der Verantwortliche für die Deportationslisten hatte ihm berichtet, daß er gezwungen wurde, einen von uns auf die Liste zu setzen. Meine Großmutter entschied, daß sie sich aufschreiben läßt. Mit mir wurde das damals nicht besprochen. Mir sagte sie zum Abschied nur, sie fahre „zur Kur“. Um mich zu retten, hat mein Vater mich dann im Sommer 1942 ins mittelfrän kische Arberg zu der ehemaligen Haushälterin meines Onkels, Kreszentia Hummel, gebracht. Als wir dort ankamen, hat ihnen mein Vater die ganze Wahrheit gesagt. Die Familie hat dann lange beraten. Wir haben in einem anderen Zimmer gewartet, und ich sehe meinen Vater heute noch, wie er vor lauter Nervosität die ganze Zeit in dem Raum aufund abgegangen ist. Die ehemalige Hausangestellte hat mich später als ihr uneheliches Kind ausgegeben. Und so überlebte ich die Zeit bis zum Ende der Nazi-Herrschaft und bis zur Befreiung durch die Alliierten. Gab es keine Möglichkeit, Deutschland zu verlassen? Knobloch: Nein. 1940 hatten es noch einige Juden geschafft, nach Shanghai zu flüchten, aber bald danach waren die Grenzen dicht. Alle Juden waren registriert. Und das öffentliche Leben war für uns Juden stark eingeschränkt. Wie ist es Ihrem Vater ergangen? Knobloch: Mein Vater kam in Zwangsarbeit und hat sich dort
3 mit russischen Kriegsgefangenen angefreundet. Als mein Vater Ende 1944 erfuhr, daß er ins KZ deportiert werden sollte, war er verzweifelt, aber die russischen Freunde haben ihn nicht im Stich gelassen. Sie haben ihm die Bekleidung besorgt, die die Kriegsgefangenen getragen haben, und ihm geholfen, auf dem abendlichen Marsch vom Arbeitseinsatz zurück zum Lager unentdeckt zu entkommen. Er hat sich zu einem Freund nach Gauting durchgeschlagen, der ihn bis Kriegsende auf dem Speicher vor den Nazis versteckte. Wie war das erste Wiedersehen mit Ihrem Vater? Knobloch: Gemischt, denn ich wollte auf keinen Fall zurück nach München. Und ich wußte, daß mein Vater kommen würde, um mich abzuholen. Die Zeit in München hatte ich in meinem Gedächtnis so eingebrannt, daß ich mir nicht vorstellen konnte, in dieser Stadt noch einmal zu leben. Aber natürlich war ich sehr froh, daß mein Vater noch am Leben war. Er hat mir eine Schonzeit eingeräumt. Ich konnte noch ein paar Wochen bei der Bauersfamilie bleiben, bis ich zurück nach München mußte. Aber für mich war klar, daß ich nur ein Ziel habe, nämlich so schnell wie möglich nach Amerika auszuwandern. Wann haben Sie davon erfahren, daß die Nazis Ihre Großmutter 1944 im KZ Theresienstadt ermordet hatten? Knobloch: Erst später. Mein Vater hatte mich trösten wollen und erst erzählt, er habe noch keine Nachrichten, obwohl er damals schon wußte, was passiert war. Die fabrikmäßige organisierte Ermordung von Menschen war bis dahin unvorstellbar. Bei Kriegsende waren Sie zwölf Jahre alt. Wann haben Sie das ganze Ausmaß des Holocausts realisiert? Knobloch: Das ging stückweise. Jeden Tag gab es neue Nachrichten, was Menschen zugestoßen war. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich sehr schwer getan mit der Aufarbeitung der NaziVerbrechen und der Bestrafung der Täter. Wie belastend war es für Sie zu erleben, daß frühere Nazi-Verbrecher plötzlich wieder in Amt und Würden waren? Knobloch: Nach Kriegsende standen die Amerikaner vor der Herausforderung, die Bevölkerung in München mit Essen und Trinken zu versorgen. Ich erinnere mich gut, daß der Mann, der das Lager in Milbertshofen geführt hatte, der also dafür gesorgt hatte, daß meine Großmutter und viele andere in die Waggons steigen mußten, um ins KZ deportiert zu werden, plötzlich die Aufgabe bekam, die Versorgung zu organisieren. Dieser Mann hat mich Jahrzehnte später angerufen und ein Treffen vereinbart, weil er mir angeblich wichtige Dinge erzählen wollte. Wie lief dieses Treffen ab? Knobloch: Es war bei ihm in einer Wohnung in Schwabing. Die Adresse werde ich nie vergessen. Er hat mir Fotos und Karten des Lagers gezeigt. Als ich dann erfahren habe, wer da vor mir sitzt, habe ich das Gespräch sofort abgebrochen und bin gegangen. Sie haben 1951 Samuel Knobloch geheiratet, der das Krakauer Ghetto überlebt hatte. Eigentlich wollten sie beide schnellstmöglich nach Amerika auswandern. Knobloch: Ja, ich wollte weg. Ich wollte das alles hinter mir lassen. Ich habe mich damals geschämt, einen deutschen Paß zu haben, mußte aber warten, bis ich mit 21 Jahren endlich volljährig wurde, aber da war ich dann schon Mutter. Und mit drei Kindern haben mein Mann und ich dann entschieden, daß wir bleiben. Das Schicksal hat eben anders entschieden. Fortsetzung Seite 4
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 7 | 18. 2. 2022
Seminarwochenende vom 18. bis zum 20. März auf dem Heiligenhof
Lebendige Erinnerungskultur Films über Braunauer Schicksale „Die verlorene Heimat“. Referent: Ondřej Valchař, Produzent.
Die Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen lädt in Zusammenarbeit mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft zum Seminarwochenende ein.
Sonntag, 20. März
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Im Rahmen der Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus sprach Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, am 27. Januar 2021 vor dem Deutschen Bundestag. Foto: Deutscher Bundestag/Marco Urban
Charlotte Knobloch
„Aus Worten werden auch irgendwann wieder Taten“ Fortsetzung von Seite 3: Interview mit Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern: „Jeder hat eine Geschichte – wenn er überlebt hat.“
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rau Präsidentin, was ist Ihre Botschaft an die Jugend? Charlotte Knobloch: Wir müssen den Stab der Erinnerung an die nächste Generation weitergeben. Ich möchte jungen Menschen zeigen, daß es auch in der Nazi-Zeit Menschen gab, die geholfen haben. Junge Menschen sollen verinnerlichen, daß sie sich von niemandem vorschreiben lassen sollen, wen sie zu lieben und wen sie zu hassen haben. Und daß sie als nachwachsende Generation Verantwortung übernehmen für die Zukunft. Wie gesagt: Ein Hitler ist nicht vom Himmel gefallen. Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung in Deutschland? Knobloch: Der Antisemitismus nimmt zu. Gerade über das Internet werden Haßbotschaften und Lügen verbreitet und finden einen fruchtbaren Nährboden. Mickey Levy, der Präsident der israelischen Knesset, hat unlängst unter Tränen im Bundestag auf die Bedeutung des ‚Nie wieder‘ hingewiesen. Woher kommt der Antisemitismus? Sind das rechtsextreme Deutsche oder sind das Flüchtlinge aus arabischen Staaten, die hier Schutz suchen, aber unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht respektieren? Knobloch: Sowohl als auch. Judenhaß findet man vor allem bei Rechtsextremen, aber auch bei Linksextremen und Kommunisten, oder bei Menschen, die aus fehlgeleiteten religiösen Motiven Juden bekämpfen. Ich war selbst schon Zeuge von Veranstaltungen, auf denen Menschen von extremen Demagogen aufgepeitscht wurden. Vor so etwas habe ich Angst. Selbst Amnesty International ist solchen Demagogen auf den Leim gegangen und hat in einer beispiellosen Kampagne samt einer verqueren und haltlosen Begründung Israel „Apartheid“ vorgeworfen. Knobloch: Darauf kann ich nur sagen: Ich bin entsetzt. Ich kann nicht verstehen, was das für Men-
schen sind, die Lügen in die Welt setzen, um gegen einen Staat zu hetzen, der jeden Tag um seine Existenz kämpft. Zahlreiche Reaktionen zeigen Gott sei Dank, daß viele Bürger und Politiker Amnesty International diese antisemitische und antiisraelische Hetze nicht durchgehen lassen. Dennoch gilt es wachsam zu sein. Sie haben im Bundestag gesagt: „Wer Corona-Maßnahmen mit der nationalsozialistischen Judenpolitik vergleicht, verharmlost den antisemitischen Staatsterror und die Schoah.“ Wie kommt es, daß solche falschen Vergleiche immer wieder gezogen werden? Knobloch: Das ist purer Antisemitismus, obwohl ich das Wort heute gar nicht mehr gebrauche, sondern von Judenhaß spreche. Wenn insbesondere AfD-Politiker mit solchen Vergleichen versuchen, die Massen zu mobilisieren, werden wir Juden wieder zu Freiwild. Aus Worten werden auch irgendwann wieder Taten. Kommen wir zu einem erfreulichen Thema: Am 9. November 2006 wurden die neue Hauptsynagoge Ohel Jakob und das Jüdische Gemeindezentrum im Herzen von München eröffnet. Die jüdische Gemeinde wächst – auch dank vieler Zuzügler aus Osteuropa. Wie funktioniert die Integration? Knobloch: Es war nicht immer einfach. Viele hatten geglaubt, sie kommen in ein Land, wo Honig und Milch fließen. Die Realität war dann oft hart. Berufsausbildungen wurden nicht anerkannt oder es war schwierig, eine Wohnung zu finden. Wir haben diese Menschen auffangen müssen. Es ist deshalb wichtig, daß die neuen Gemeindemitglieder nicht ihre komplette kulturelle Heimat verlieren. Wir machen deshalb auch viele Veranstaltungen in russischer Sprache und mit russischen Protagonisten. Und unsere Gemeindezeitung erscheint zweisprachig. Sie feiern im Herbst einen runden Geburtstag. Wie würden Sie Ihr bisheriges Leben in einem Satz zusammenfassen? Knobloch: Ich habe viel gearbeitet, aber auch viel erreicht. Darauf bin ich stolz. Generell gilt: Jeder hat seine Geschichte – wenn er überlebt hat und sie erzählen kann. Torsten Fricke
ie Generation der Enkel und Urenkel will zunehmend mehr über das Schicksal ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern sowie über die Geschichte und Kultur der Sudetendeutschen erfahren. Wer seinen böhmischen, mährischen und/oder schlesischen Wurzeln nachspüren, in sudetendeutscher Gemeinschaft neue Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen möchte, ist bei diesem Seminar auf jeden Fall richtig. Neben kompakter Vermittlung von grundlegendem Wissen bietet dieses Seminarwochenende wertvolle Informationen über die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse zum heutigen Umgang mit der Geschichte.
fen Hörtler und Hildegard Schuster, Semiarleitung. 20.00 Uhr: „Sudetendeutsche Netzwerke“ – Exklusiver Einblick in das neue Projekt der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Referent: Mathias Heider, Projektkoordinator, München.
Freitag, 18. März
Samstag, 19. März
Das Seminar beginnt mit dem Abendessen. 19.00 Uhr: Begrüßung, Vorstellungsrunde, Einführung in das Seminarthema, Abfrage der Erwartungen. Referenten: Stef-
9.00 Uhr: Digitale Familienforschung. Referent: Werner Honal, Studiendirektor i.R., Schulberater und Philologe, Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher.
Auf dem Heiligenhof findet das Seminarwochenende statt. Foto: Heiligenhof 13.15 Uhr: „Das Grüne Band“ mit Schwerpunkt Erinnerungskultur. Referent: David Vereš, Projektkoordinator Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee. 14.45 Uhr: Buchvorstellung „Vertriebene Kinder“. Referent: Jan Blažek, Autor, Verein Post Bellum, Prag. 16.30 Uhr: Die Geschichte Tschechiens und der Slowakei erforschen: Die Tätigkeit des Collegium Carolinum (CC). Referentin: Ulrike Lunow, Geschäftsführerin des CC, München. 19.00 Uhr: Vorstellung des
VERANSTALTUNGSKALENDER Noch bis Freitag, 11. März:
„Verblichen, aber nicht verschwunden“ – Ausstellung über eine Spurensuche im Böhmerwald. Centrum Bavaria Bohemia, Freyung 1, Schönsee. Öffnungszeiten: montags 10.00 bis 19.00 Uhr, freitags 10.00 bis 14.00 Uhr, samstags 10.00 bis 11.30 Uhr, sonntags 14.00 bis 16.00 Uhr. Noch bis Freitag, 11. März: „Fasching auf Böhmisch“ – Fotoausstellung von František Zemen. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße, München. Veranstalter sind das Kulturreferat für die böhmischen Länder und das Tschechische Zentrum in München. Öffnungszeiten: montags bis freitags 9.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mittwoch, 23. Februar, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde. Nostalgischer Film von Horst Herz über das Seminar in der Burg Hohenberg 2008 mit Besuch der Stadt Aussig. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Sonntag, 27. Februar, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Naila/Oberfranken: Tag des Selbstbestimmungsrechts und Märzgedenken. Katholische Kirche, Ringstraße 14, Naila. Gedenkgottesdienst und Kranzniederlegung am Sudetendeutschen Mahnmal mit Bürgermeister und Vize-Landrat Frank Stumpf und Bezirksvizeobmann Adolf Markus, der die Gedenkrede hält. Samstag, 12. bis Sonntag, 13. März: Sudetendeutsche Bundesversammlung. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 13. März, Landesdelegiertenversammlung der SL Bayern. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Donnerstag, 24. März, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher
Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, MottenSpeicherz (Kreis Bad Kissingen). Bitte Quartiere direkt buchen unter (0 97 48) 9 12 20, eMail: info@gasthof-zum-biber.de. Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wytopil, Telefon (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 23. Juli: Brünner Versöhnungsmarsch. Die Landesgruppe Bayern organisiert auch in diesem Jahre eine Reise mit zwei Bussen (Nord- und Südbayern) von Freitag, 22. Juli bis Montag, 25. Juli.
Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann:
Kulturwallfahrt im Mai Dienstag, 3. Mai: Kulturwallfahrt „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ mit Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann. Abfahrt: 8.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Rückkehr: 19.00 Uhr. Programm: Wallfahrts-
kirche auf dem Bogenberg und Kreismuseum, Mittagessen, Kloster Seligenthal in Landshut. Kosten: 20 Euro. Anmeldung: anmeldung@ sudeten.de oder schriftlich an Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kulturwallfahrt, Hochstraße 8, 81669 München.
9.00 Uhr: Seminarauswertung und Ergebnissicherung. 10.00 Uhr: Virtueller Sonntagsstammtisch über sudetendeutsche Themen. Gastgeber: Steffen Hörtler, Stiftungsdirektor des Heiligenhofs. Anmeldung per eMail an info@heiligenhof.de oder per Telefon unter (09 71) 7 14 70 Das Seminar ist durch die Sudetendeutsche Stiftung gefördert. Die Teilnehmergebühr beträgt 70 Euro. Sie ist unabhängig von den in Anspruch genommenen Leistungen zu entrichten und kann nicht anteilig rückerstattet werden. Hinzu kommen die Kurtaxe von 3,60 Euro und gegebenenfalls ein Einzelzimmerzuschlag von 20 Euro, jeweils für den gesamten Seminarzeitraum. Die Verantwortlichkeit für das Programm und die Durchführung liegen bei der Bildungsund Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“. Diese Veranstaltung ist für alle interessierten Personen frei zugänglich. Die aktuellen Hygienebestimmungen des Heiligenhofs sind zu beachten.
Hinweis Corona-Pandemie
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egen der andauernden Corona-Pandemielage rät die Sudetendeutsche Zeitung sich vor dem Besuch direkt beim Veranstalter über die aktuelle Lage zu informieren.
In Hof und der Euregio Egrensis
72. Sudetendeutscher Tag vom 3. bis 6. Juni Der 72. Sudetendeutsche Tag findet über Pfingsten vom 3. bis 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis statt.
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as große Volksgruppentreffen steht unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“. Traditionelle und neue Veranstaltungsformen des Sudetendeutschen Tages sind von Freitag,
3. bis Sonntag, 5. Juni in der Freiheitshalle von Hof geplant. Dem sollen zwei „Sudetendeutsche Wochen“ mit Einzelveranstaltungen vieler Träger in der Euregio Egrensis vorgeschaltet werden. Erstmalig dauert die Begegnung bis Pfingstmontag. Am 6. Juni werden Ausflüge und eine Gebetswallfahrt auf dem Programm stehen.
Buchpräsentation
„Vertriebene Kinder“ Donnerstag, 24. Februar, 19.00 Uhr: „Vertriebene Kinder/Odsunuté děti“ (2020)“, Buchpräsentation in Kooperation mit dem Adalbert-Stifter-Verein und dem Tschechischen Zentrum München. Referenten: Jan Blažek (Prag), Marek Toman (Prag). Moderation: Dr. Zuzana Jürgens (München). Online und im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Bereits vor einigen Jahren hat der Dokumentarfilmemacher Jan Blažek Zeitzeugen interviewt, die als Kinder die Vertreibung aus der Tschechoslowakei erlebt haben. Fünf dieser Geschichten hat der Schriftsteller Marek Toman zusammen mit namhaften tschechischen
Comiczeichnern als eine Graphic Novel gestaltet, die 2020 von der tschechischen Nichtregierungsorganisation Post Bellum herausgegeben wurde.
AKTUELL
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� Leistungen der Vertriebenen werden gewürdigt
Freistaat Bayern richtet Forschungsstelle ein Der Freistaat Bayern wird eine neue Forschungsstelle zum Thema „Vertriebene als integraler Bestandteil Bayerns“ einrichten, um die besondere Aufbauleistung insbesondere der Sudetendeutschen zu erforschen und zu würdigen, hat Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, bekanntgegeben.
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Vertriebenenbeauftragte Sylvia Stierstorfer bei einem Besuch im Leibniz-Institut für Ostund Südosteuropaforschung in Regensburg mit Direktor Prof. Dr. Ulf Brunnbauer.
ur Finanzierung werden Mittel in Höhe von einer halben Million Euro aus der sogenannten Fraktionsreserve bereitgestellt. Damit wird die Forschungsstelle, die am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg (IOS) eingerichtet wird, zunächst für drei Jahre gefördert. „Mein langjähriger Herzenswunsch wird Wirklichkeit. Ich danke den Regierungsfraktionen für die Bereitstellung der Mittel und Prof. Dr. Ulf Brunnbauer, dem Wissenschaftlichen Direktor des IOS dafür, sich dieser bedeutenden Aufgabe anzunehmen“, freut sich Sylvia Stierstorfer, die als Mitglied des Bayerischen Landtages und als VertriebenenBeauftragte nachhaltig für diese Förderung gekämpft hatte. „Nach dem Zweiten Weltkrieg haben fast zwei Millionen Heimatvertriebene in Bayern eine neue Heimat gefunden. Die Vertreibung und danach die Eingliederung der Heimatvertriebenen hatten
eine gewaltige Umwälzung im Herzen Europas zur Folge. Trotzdem erinnert sich die Gesellschaft an diesen Umbruch und wie er uns alle geprägt hat, heute kaum noch.“ Das als Initialzündung gedachte Forschungsprojekt soll ab 2022 neue Erkenntnisse darüber zu Tage fördern, wie die Vertriebenen als Brücke und Kulturvermittler im Herzen Europas gewirkt haben und welchen Einfluß sie auf die kulturelle Identität Bayerns ausgeübt haben. Für Sylvia Stierstorfer steht fest: „Es ist gut und wichtig, daß wir dieses Thema stärker in den Fokus rücken – auch, um den europäischen Gedanken und das Zusammenwachsen zwischen Ost und West hier im Herzen Europas zu stärken.“ Es sind nicht die einzigen Mittel, die diesem Bereich zugutekommen. Die Sonderausstellung „Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“ im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg soll künftig als Wanderausstellung durch ganz Bayern auf Tour gehen. Auch hierfür werden Gelder bereitgestellt. Für die Beauftragte, die Schirmherrin der Ausstellung ist, sind die Fördermittel ein positives Signal. Sylvia Stierstorfer: „Es ist wichtig, an die Geschichte zu erinnern und junge Menschen zu sensibilisieren, denn aus der Vergangenheit können wir lernen.“
� Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer hat von seinem Vater die Liebe zu Böhmen geerbt
„Die Wurzeln lassen nicht aus“ Die väterlichen Wurzeln unweit der bayerisch-tschechischen Grenze in Böhmen ziehen sich wie ein roter Faden durch das etwa einstündige Gespräch mit dem Parsberger Bürgermeister Josef Bauer, der seit 2002 in der früheren Kreisstadt Stadtoberhaupt ist. Natürlich ist Bauers sudetendeutsche Herkunft der zentrale Aufhänger für das Interview. Doch für den heute 61-jährigen Kommunalpolitiker stehen in den jetzigen spannenden und herausfordernden Zeiten ja auch noch viele anderen Themen und Aufgaben auf der Agenda. Aber die Bezüge zu Böhmen beziehungsweise Tschechien zeigen sich in vielen seiner Aktivitäten.
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ls moderner Bürgermeister ist Josef Bauer auch auf Facebook vertreten – und da fällt bei seinen Infos der Link zu einem tschechischen Sportverein auf: SDH Hluboká. „Der gehört zur Gemeinde Kdyně/Neugedein“, klärt Bauer auf. Und damit ist er in der Heimatregion seines Vaters Josef Bauer, der 1931 in Neubrennet geboren wurde und dort bis zur Vertreibung gelebt hat. „Er hat beinahe immer von den Geschehnissen erzählt, es waren fast schaurige Erlebnisse, die er geschildert hat“, erinnert sich der Parsberger. Blenden wir also zurück: Als Jugendlicher wurde Josef Bauer sen. vom damaligen Regensburger Bischof gefirmt, da nach dem Anschluß des Sudetenlandes diese Region kirchlich zum Bistum Regensburg kam. Nach der mit durchaus schlimmen Vorkommnissen verbundenen Vertreibung aus dem Heimatort kam Josef Bauer sen. als 14-jähriger zu einem Landwirt, bei dem er arbeiten mußte, die Eltern konnten fliehen. Auf einem Zettel hatten sie ihm Informationen über ihren neuen Standort geschrieben. Eines Nachts ist er dann alleine vom Bauernhof weg und über die Grenze zu Verwandten, wo er auch die Eltern fand. Von dort ging es etwas später für die Familie nach See im damaligen Landkreis Parsberg. Später fuhr die Familie regelmäßig Anfang August nach Furth im Wald, wo Verwandte lebten. Der „Further Drachenstich“ gehörte ebenso zum Ausflugsprogramm wie der Wachtposten an der Staatsgrenze, von dem man nach Neubrennet schauen konnte. „Die Heimat, die Herkunft und die Grenzregion waren ganz tief bei ihm verwurzelt“, erklärt Josef Bauer. Und er betont einen weiteren Aspekt. „Mein Vater hat nie über die Tschechen geschimpft.“ Der
Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer hat sudetendeutsche Wurzeln. Sein Vater stammte aus Neubrennet in der Nähe von Neugedein. Foto: Markus Bauer Hintergrund war, daß eine SS-Einheit in der Heimatregion des Vaters wild gegenüber den Tschechen wütete. Im Monat der Samtenen Revolution, im November 1989, starb Josef Bauer sen. Die Grenzöffnung einige Monate später hat er nicht mehr erlebt – und seinen Heimatort nicht mehr gesehen. Das hat dann Josef Bauer jun. mit seiner Mutter und weiteren Verwandten nachgeholt, auch weil inzwischen das Interesse am Geburtsort und der Heimatregion des Vaters gewachsen war. „So ergaben sich ganz gute Kontakte in diese Grenzregion“, erläutert Bauer, der zum damaligen Zeitpunkt am Beginn seiner kommunalpolitischen Tätigkeit stand. Neben dem Geburtsort des Vaters rückten die gesamte Grenzregion und schließlich der gesamte Staat Tschechien in Bauers Fokus. Als seit Mai 2002 amtierender Bürgermeister von Parsberg bringt Josef Bauer diesen Aspekt immer wieder in sein Wirken und Handeln ein. Sei es durch den regelmäßigen Austausch und Kontakte mit dem langjährigen Bürgermeister Jan Löffelmann von Neugedein oder mit dem früheren Abgeordneten im tschechischen Parlament und jetzigen Senator Vladislav Vilímec. Das überregional bekannte Burgmuseum in Parsberg diente als Vorbild für Museumsplanungen im Nachbarland. Und auch Brünn, die Hauptstadt Mährens, ist für den Oberpfälzer Bürgermeister inzwischen ein regelmäßiger Besuchsort. „Ich fahre nun schon seit 15 Jahren mit der Grenzregion zur internationalen Tou-
ristikmesse Mitte Januar nach Brünn. Die Stadt Parsberg und der benachbarte Markt Lupburg, die gemeinsam einen Tourismusverband bilden, haben hier einen Stand. Auch daraus sind viele gute Kontakte gewachsen“, blickt Bauer zurück und verweist auf die meistens vorhandenen deutschen Sprachkenntnisse bei den tschechischen Freunden. Zwischen Parsberg und Neugedein haben sich freundschaftliche Kontakte entwickelt, die etwa im Bereich des Fußballs oder der Feuerwehr bereits zu Treffen und Begegnungen geführt haben. Bürgermeister Bauer ist bestrebt, diese Verbindung mit der Städtepartnerschaft zwischen Parsberg und der französischen Gemeinde Vic-le-Comte zu verknüpfen. So gab es bereits in Zwiesel ein gemeinsames Jugendzeltlager mit Parsbergern, Tschechen und Franzosen. „Für die Franzosen sind die Tschechen vielfach auch Neuland. Es besteht ein unwahrscheinlich großes Interesse“, betont der Rathauschef. Auch am Technologie-Campus Parsberg-Lupburg, einer gemeinsamen Einrichtung der OTH Regensburg und der TH Deggendorf, hat Bauer jüngst den Besuch einer Delegation der Westböhmischen Universität Pilsen vermittelt, woraus sich Perspektiven für eine Zusammenarbeit ergeben können. Nicht zu vergessen ist der Austausch im Gymnasium Parsberg mit tschechischen Schülern – in diesem Fall Jugendliche aus Prag und mit Englisch als gemeinsame Kommunikationssprache. Eine wichtige Basis für Josef Bau-
er sind regelmäßige – mindestens wöchentliche – Telefonate mit seinen tschechischen Freunden. So erfährt er Neuigkeiten und auch, wie das Nachbarland „tickt“, wo es Unterschiede und Probleme gibt. Manche Dinge lassen sich aber nur im persönlichen Kontakt ansprechen – wie Schilderungen von Ereignissen bei der Vertreibung, wie sie Bauers Vater erlebt hat. „So richtig wohl fühlen sich die tschechischen Freunde nicht, wenn man über diese Zeit spricht“, bekräftigt Bauer und drückt sein Unverständnis darüber aus, daß in Tschechien die Beneš-Dekrete bis heute gelten. Zugleich verweist er aber auch auf die Forschungen einer Geschichtsstudentin über Verbrechen der Deutschen an den Tschechen in der Zeit vor der Vertreibung. Die über 20 Jahre währenden und vielfältigen Kontakte Josef Bauers nach Tschechien führen immer wieder dazu, daß er auch als Referent zu unterschiedlichen Themen aus Wirtschaft und Politik eingeladen wird. So etwa zum dualen System der beruflichen Bildung, was in der Tschechischen Republik bekanntlich anders gehandhabt wird. „Die Freundschaften sind zunächst durch Zufall entstanden: auf sportlicher Ebene und über die Feuerwehren, dann mit den Gemeinderäten beziehungsweise später, als ich Bürgermeister geworden bin, auf dieser Ebene. Die Wurzeln lassen nicht aus. Mir sind diese Nachbarschaft und Freundschaft unheimlich wichtig – immer auch aus der Vergangenheit heraus. So etwas, wie mein Vater mir immer wieder erzählt hat, darf nicht mehr passieren. Wir haben Jahrzehnte lang friedlich mit den Tschechen gelebt. Es gibt nichts Besseres und Bindenderes als eine Freundschaft. Das Wichtigste ist nicht das Aufgesetzte. Wichtig ist, daß man persönliche Kontakte hat. Nur so geht es“, stellt Josef Bauer fest. Für ihn sind auch die Gruppen und Verbände der Heimatvertriebenen wichtig, weil sie bestimmte Themen ansprechen. „Die Zeit muß Wunden heilen. Und man muß sich auch in den anderen hineindenken können. Die Verbände sind Vertreter eines Teils unserer Bevölkerung, die aus den jeweiligen Gebieten vertrieben worden sind. Aber das Ziel muß immer wieder das gute Miteinander sein. In meinem Fall eine gute und gewachsene Freundschaft – der Region geschuldet, in der mein Vater geboren und aufgewachsen ist“, faßt der Parsberger Bürgermeister zusammen. Markus Bauer
� Mut tut gut
Frieden für die Urkaine
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ft bin ich in diesen Tagen und Wochen mit meinen Gedanken in der Ukraine. Wie mir geht es sicher wie vielen anderen: Wir sind besorgt um dieses große und wichtige Land auf unserem europäischen Kontinent. Die russische Aggression an den Grenzen der Ukraine währt seit Wochen und Monaten. Die Angst vor einem Krieg ist groß. Mit der Ukraine bin ich deswegen besonders verbunden, weil ich dort innerhalb meiner Ordensgemeinschaft Mitbrüder habe. Sie sind Redemptoristen wie ich, gehören aber der griechisch-katholischen Kirche an, die eine Kirche mit eigenem Ritus ist, gleichwohl aber Rom untersteht. Vor etwa einem Jahrhundert hat sich unsere Ordensgemeinschaft von Lemberg aus vor allem in der Westukraine ausgebreitet. Schnell waren die Redemptoristen im Land als Seelsorger beliebt und hatten entsprechenden Nachwuchs. In der Zeit der kommunistischen Sowjetunion mußten sie unter schwersten Bedingungen im Untergrund überwintern. Wie schwierig die Bedingungen waren, führte mir ein ukrainischer Mitbruder vor Augen, als er mir erzählte, daß er seine Priesterweihe in der Küche seines Elternhauses erhalten habe. Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es in den 1990er Jahren ein Frühlingserwachen für die griechisch-katholische Kirche als ganze wie auch für unsere Ordensgemeinschaft in diesem Land. Rasch schlossen sich viele junge Männer der Gemeinschaft an. Das ordenseigene Seminar platzte bald aus allen Nähten. Zweimal durfte ich dort bereits das Weihnachtsfest, nach östlichem Kalender am 6. Januar, mitfeiern. Besonders in Erinnerung ist mir die vierstündige Mitternachtsliturgie. Nicht wenige junge ukrainische Mitbrüder wurden in den letzten Jahrzehnten nach Österreich geschickt, um Deutschkurse zu absolvieren. Die begabtesten unter ihnen wurden in unser Innsbrucker Kloster aufgenommen, um an der dortigen Universität Theologie zu studieren. Auffällig war, daß diese jungen Männer sich schnell in unsere Kultur einfanden. Auch wenn sie nach ihrem Studium gerne wieder in die Heimat zurückkehrten, hielten sie weiterhin engen Kontakt nicht nur mit ihren österreichischen Mitbrüdern, sondern auch mit anderen Leuten, die sie hier kennenlernten. Die vielzitierte Westorientierung der Ukraine wird an diesem Beispiel wie unter einem Brennglas sichtbar. Einige der Mitbrüder, die bei uns studierten, sind mittlerweile Bischöfe. Zu ihnen gehört übrigens auch Bohdan Dzyurakh, früher Weihbischof in Kiew und seit einem Jahr Apostolischer Exarch für die Gläubigen des griechischkatholischen Ritus in Deutschland und Skandinavien mit Sitz in München. Viele Redemptoristen sind in der Ukraine an sozialen und pastoralen Brennpunkten tätig. Einige arbeiten auch als Militärseelsorger. Anders als in den deutschsprachigen Ländern gehört die Kirche in der Ukraine zu jenen Institutionen, welche das meiste Vertrauen in der Bevölkerung genießen. Ich bin mit meinen Gedanken dieser Tage häufig in der Ukraine, so sagte ich oben. Aus den Gedanken werden oft Gebete. Von Herzen erbitte ich diesem Land den ersehnten Frieden! Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
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Brünn bereitet sich auf den 200. Geburtstag des Wissenschaftlers und Priesters vor
Erbsenkraut erinnert an den großen Mendel Gregor Johann Mendel, der weltberühmte Vater der Genetik, wurde vor 200 Jahren am 20. Juli 1922 geboren. Seine Heimatstadt Brünn, wo der Wissenschaftler und Priester bis zu seinem Tod lebte und wirkte, will noch vor dem runden Geburtstag am Mendelplatz ihm zu Ehren ein Denkmal enthüllen.
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er Mendelplatz, der direkt an das Augustinerkloster angrenzt, wo Mendel lange Jahre Abt war, wird derzeit umfassend umgestaltet. Direkt im Zentrum des Platzes wird das Denkmal errichtet, das der in Brünn geborene Künstler Jaromír Gargulák kreiert hat. Das Werk mit dem Namen Hrachovina (Erbsenkraut) erinnert an Mendels Forschungsarbeit an Erbsen, aus deren Ergebnissen er dann die Gesetze der Vererbung entwickelt hat. Mendel legte damit den Grundstein für die Genetik, eine der wichtigsten wissenschaftlichen Diszipli-
Gregor Johann Mendel wurde am 20. Juli 1822 in Heinzendorf bei Odrau geboren und starb am 6. Januar 1884 in Brünn. nen unserer Zeit. „Das Vermächtnis, das Gregor Johann Mendel nicht nur Brünn, sondern der ganzen Menschheit hinterlassen hat, verdient eine bleibende Erinnerung auf dem Platz, der seinen Namen trägt. Darüber hinaus ist es ein Ort, der nur wenige
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Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr)
biläumsliste aufgenommen. Die Schirmherrschaft über die Feierlichkeiten, die zeitlich zur tschechischen EU-Ratspräsidentschaft stattfinden, hat der tschechische Staatspräsident Miloš Ze-
man übernommen. Für den Entwurf von Jaromír Gargulák hatte sich eine internationale Jury ausgesprochen. Gargulák ist ein renommierter Künstler, der unter anderem von der Masaryk-Aka-
demie der Künste in Prag ausgezeichnet wurde und dessen Werke in Galerien in der Tschechischen Republik und im Ausland sowie in Privatsammlungen gezeigt werden. Nicola Fricke
Vor 30 Jahren: Tschechien wird Teil des World Wide Web Als 39. Staat wurde die Tschechische Republik am 13. Februar 1992 an das World Wide Web angebunden.
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Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr) mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift Name, Vorname Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort Telefon E-Mail Geburtsjahr, Heimatkreis Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.
Kontobezeichnung (Kontoinhaber) Kontonr. oder IBAN Bankleitzahl oder BIC Datum, Unterschrift Alle Preise inklusive 7 % Mehrwertsteuer und Versand. Abbestellungen mit einer Frist von einem Monat zum Vierteljahresschluß schriftlich an die SVG. Sie sind berechtigt, die Bestellung des Abonnements ohne Angabe von Gründen innerhalb 14 Tagen nach Absendung dieses Auftrages schriftlich gegenüber der Sudetendeutschen Verlagsgesellschaft, Hochstraße 8, 81669 München (auch per E-Mail an svg@sudeten.de) zu widerrufen. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.
Bitte gescannt oder abfotografiert mailen oder in ausreichend frankiertem Umschlag (80 Cent) einsenden an Sudetendeutsche Zeitung Hochstraße 8, 81669 München E-Mail svg@sudeten.de
Das Denkmal „Hrachovina“ (Erbsenkraut), das der Künstler Jaromír Gargulák entworfen hat, soll am Mendelplatz aufgestellt werden und an den großen Brünner Wissenschaftler und Priester erinnern.
30 Fakten rund um das Thema Internet
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Meter von den Stätten entfernt ist, an denen die revolutionären Entdeckungen gemacht wurden. Wir in Brünn können wirklich stolz darauf sein, daß eine solche Persönlichkeit hier tätig war“, sagt die Brünner Bürgermeisterin Dr. Markéta Vaňková. Erst vor kurzem wurde der Grundstein des zukünftigen Denkmals in Rom im Rahmen einer Audienz von Papst Franziskus selbst gesegnet – was eine außergewöhnliche Geste ist, wie der Brünner Pater Jan Emil Biernat erklärt: „Die Statue für Mendel ist für uns eine Danksagung und eine moralische Verpflichtung. Schon allein deshalb, weil die Ergebnisse von Mendels Entdeckungen zu seinen Lebzeiten nicht verstanden wurden und er erst viele Jahre nach seinem Tod wissenschaftliche Anerkennung erhielt.“ Der 200. Geburtstag von Gregor Johann Mendel wurde mittlerweile sogar von den Vereinten Nationen in die Unesco-Ju-
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ie Geburtsstunde des Internets läßt sich dagegen nicht auf ein einziges Datum festlegen. Bereits am 29. Oktober 1969 gelang es dem Informatik-Studenten Charles S. Kline, eine Nachricht von einem Computer an der University of California in Los Angeles (UCLA) an einen mehr als 500 Kilometer entfernten Rechner am Stanford Research Institute (SRI) zu senden. Dabei sorgte Kline gleich für den ersten Computerabsturz. Bei dem Versuch, das Wort „LOGIN“ zu übertragen, crashte das System bereits nach dem zweiten Buchstaben. Erst eine Stunde später waren die fünf Buchstaben übertragen. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Internets war der 30. April 1993, als das europäische Forschungszentrum CERN das World Wide Web für die Öffentlichkeit freigab. Heute gehört das Internet auch in der Tschechischen Republik zum Alltag. 83 Prozent der Tschechen über 16 Jahre, also rund 7,3 Millionen Bürger, surfen im World Wide Web, so das Tschechische Statistikamt. Mit 98 Prozent besonders hoch ist die Internetverbreitung bei Familien und jungen Erwachsenen. Dagegen ist nur knapp die Hälfte aller Rentner-Haushalte online. 30 Fakten rund ums Internet zum 30. Jubiläum in der Tschechischen Republik: 1. Ungefähr 4,66 Milliarden Menschen nutzen das Internet, etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. 2. Die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit beträgt 5,6 Megabit pro Sekunde. Den höchsten Durchschnitt vermeldet Südkorea mit satten 26,7 Megabit pro Sekunde. 3. Online-Shopping gab es bereits in den Anfängen des Internets. Das erste Produkt wurde bereits 1971 online verkauft – ein Beutel Marihuana. 4. Die Silbe „Fi“ in dem Begriff für die drahtlose Übertragung Wi-Fi bedeutet nicht „Fidelity“,
Unter www.sudeten.de ist die Sudetendeutsche Landsmannschaft im Web zu finden. Hier finden Landsleute aktuelle Termine und Informationen. sondern gar nichts. Der Begriff wurde gewählt, weil er sich auf Hi-Fi reimt. 5. Die beliebteste Webseite ist Google. Täglich werden dort etwa fünf Milliarden Suchanfragen gestellt. 6. Das Internet hat auch ein Gewicht, so der Physiker Russel Seitz. Die Milliarden von Elektronen ergeben 50 Gramm. 7. Etwa 640 Millionen Internetnutzer kommen aus China. Das bedeutet, daß jeder fünfte Nutzer ein Chinese ist. 8. Die allererste WebcamÜbertragung wurde 1991 an der Universität von Cambridge in einer Kaffeeküche eingerichtet. So konnten die Mitarbeiter vom Rechner am Schreibtisch überprüfen, ob noch Kaffee da ist. 9. Nur ein Drittel des Datenverkehrs ist echt. Zwei Drittel aller Suchanfragen werden von Bots und Schadprogrammen initiiert. 10. Sieben von zehn eMails sind Spam. Die erste Spam-Mail wurde übrigens im Jahr 1978 verschickt, und zwar von einem Computerverkäufer namens Gary Thuerk. 11. Seit dem Start von Google hat das Unternehmen über 20 Pe-
tabyte an Daten gesammelt. Ein Petabyte sind eine Million Gigabyte. 12. Das erste soziale Netzwerk war nicht Facebook, sondern Sixdegrees.com. Es existierte nur von 1997 bis 1999 und diente dem Austausch von Fotos und Informationen. 14. Ray Tomlinson war der erste, der eine eMail verschickte. Und er war auch der erste, der eine eMail erhalten hat, da er die elektronische Post zum Test an sich selbst verschickt hatte. Heute werden jeden Tag über 293 Milliarden eMails verschickt. 15. Li-Fi gilt als Zukunft des Internets. Im Gegensatz zu Wi-Fi werden dabei nicht Funk-, sondern Lichtfrequenzen genützt. Damit ist die Übertragung mehr als 100-mal schneller als Wi-Fi. 16. Die Nutzung von OnlineDating-Seiten ist nicht immer ohne Folgen. Laut Match.com haben Tinder & Co. zu mehr als einer Million Babies geführt. 17. Heutzutage werden jeden Tag über 100 000 Domains registriert. Die erste Domain war symbolics.com, die 1985 von einem Computerunternehmen gesichert wurde. 18. Der allererste Tweet wur-
de im Jahr 2006 getwittert. Der Tweet war sehr simpel und lautete einfach: „Ich richte gerade mein Twitter ein.“ Heute werden jeden Tag über 500 Millionen Tweets gesendet. 19. Bislang galt das Video Gangnam Style als absolute Nummer eins auf YouTube, jetzt wurde es vom Baby Shark Dance mit über 10 Milliarden Aufrufen und 33 Millionen Likes überholt. 20. Die ersten Online-Spiele wurden in den 1980er Jahren entwickelt. Diese sogenannten Muds waren textbasiert. 21. Das schnellste Internet hat die Nasa mit 91 Gigabit pro Sekunde. Das ist 13 000-mal schneller als die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit in den USA. 22. Mit Marktanteilen von über 90 Prozent ist Google die absolute Nummer eins unter den Suchmaschinen, aber die erste Suchmaschine, war nicht Google, sondern Archie und ging 1991 ans Netz. 23. Das Internet, das über Suchmaschinen erschlossen ist, ist nur die Spitze des Eisberges. 96 Prozent aller Webseiten befinden sich im Dark Web oder Deep Web. 24. Die erste Website wurde 1991 erstellt. Unter dem Namen World Wide Web Project wurden Dokumente rund um das Internet zur Verfügung gestellt. 25. Das gesamte Internet herunterzuladen würde derzeit elf Billionen Jahre dauern. 26. Das indizierte Web enthält rund 5,12 Milliarden Seiten. 27. 995 Fotos werden pro Sekunde auf Instagram hochgeladen. 28. Das Internet brauchte nur vier Jahre, um seine ersten 50 Millionen Nutzer zu erreichen. 29. Die ID von Mark Zuckerbergs Facebook-Profil lautet „4“ – die Profile mit den Nummern 1 bis 3 gehörten wahrscheinlich auch dem Facebook-CEO, existieren allerdings nicht mehr. 30. Die US-amerikanische Bibliothekarin Jean Armour Polly hat 1992 den Begriff „Im Internet surfen“ etabliert. Auf die Idee brachte sie das Abbild eines Surfers auf ihrem Mauspad. Nicola Fricke
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 7 | 18. 2. 2021
Im „Hotel Kaltenbach“ in Niagara Falls stieg Leo Slezak ab. Sein nächster Auftritt in der Frühjahrstournee führte ihn nach Cleveland, Ohio. Die Pandemie verändert unser Leben. Sie kappt Beziehungen, geht ins Geld und aufs Gemüt. Gut fürs Gemüt ist die humorvolle Autobiographie von Leo Slezak, der am 18. August 1873 in Mährisch Schönberg zur Welt kam und am 1. Juni 1946 im oberbayerischen Rottach-Egern starb. Slezak war einer der größten deutschen Tenöre und machte nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Film und im Radio Karriere. Seine Erlebnisse veröffentlichte er in „Meine sämtlichen Werke“ (1921), „Der Wortbruch“ (1927) und „Rückfall“ (1940) voll weltvergnügten Frohsinns, auch wenn sie manchmal nicht der heutigen Political Correctness entsprechen. Diesen Frohsinn empfehlen wir gegen eventuelle Corona-Depressionen. Die Reihe erscheint in loser Folge. Hier erzählt Leo Slezak von einer Frühjahrs tournee in Amerika.
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ie „Springtour“: Das ist nicht vielleicht etwas, wo man in einer Tour springt, sondern der englische Ausdruck für Frühlingstournee. Spring: der Frühling, Tour: zu deutsch Tournee! Angesichts dieser Erläuterungen fühle ich, welch einen belehrenden und erzieherischen Einfluß meine Schilderungen haben, und ich bin davon höchst befriedigt. Wenn der März zur Neige ging, bereitete man sich allmählich auf die Springtour vor. Das Metropolitanopernhaus in New York machte sich mit seinem ganzen Riesenapparat, Orchester, Sängern, Ballett, Chor, Kostümen und Dekorationen, anfangs April auf die Reise von Stadt zu Stadt – um von der östlichen Kultur New Yorks auch etwas nach dem Westen, Süden und Norden zu tragen. Was dazu gehört, einen solchen Apparat wie die Metropolitan-Oper auf die Räder zu setzen und mit Sack und Pack jeden zweiten oder dritten Tag wieder weiter zu befördern, ist nicht leicht zu ermessen. Man hat eigene Departements errichtet, die zuerst auf dem Papier alles vorbereiten und dann praktisch durchführen. Dabei darf man sich das Wort „Departement“ nicht in unserem altösterreichischen Sinne vorstellen, wo in solch einem Departement ein Heer von Beamten herumsitzt. Der Beamtenstab der Metropolitan ist ein für unsere Begriffe lächerlich kleiner. Er besteht aus dem Direktor, dem Sekretär, zwei Maschinenschreibjungfern und Mr. Weil – einem Wiener –, der den genauen Reiseplan, Ankunfts- und Abfahrtszeiten festzulegen hat, dazu noch der Presse- respektive Reklamechef der Kompanie – und fertig. Diese paar Menschen leiten das ganze Riesenunternehmen, und alles klappt aufs Haar. Manchmal auch nicht. Da die für die Springtour in Aussicht ge-
nommene Zeit, vom ersten bis fünfzehnten April, sehr kurz ist, wird die ganze Gesell-schaft in mehrere Teile gerissen, um in drei bis vier Städten gleichzeitig Opernaufführungen zu ermöglichen. Selbstverständlich sind für jedes Bruchstück der Kompanie mehrere Extrazüge vorgesehen, die alles mitführen, was gebraucht wird. Wie lustig es da oft zugeht und welch ein internationales Kolorit das Ganze hat, läßt sich kaum beschreiben. Man spricht oft fünf Sprachen zu gleicher Zeit: Englisch, Französisch, Italienisch, Deutsch – und Böhmisch! Ein Durcheinander, ein Wirbel, der einem den Atem raubt, und der doch so entzückend zu erleben ist. Schon das Einsteigen in den Zug bildet ein Theater für sich. Die Primadonnen – männlichen und weiblichen Geschlechts, die mit einem Chaos von Handgepäck ankommen – alle maßlos aufgeregt –, schießen von einem Ende des Zuges zum andern. Da steht er, der arme Mr. Frank, der Baggagemaster: Zehn Personen reden gleichzeitig auf ihn ein, bestürmen ihn mit Fragen und Wünschen. Aber der Gute ist nicht aus der Fassung zu bringen: Auf alles, was auch geschehen mag, sagt er: „All right!“ Ich hatte, meiner Gewohnheit treu schon zwei Stunden früher an der Bahn zu sein, so recht Muße, all den Trubel zu beobachten. Nach und nach löste sich der ganze Wirrwarr, jeder hatte seinen Platz gefunden, und ohne Signal, ohne Pfeifen, Fertig, Abfahrt, Vorwärts, und wie all der Radau heißt, der bei uns so einen Schneckerlzug in Bewegung setzt, gleitet man aus der Halle. Ich selbst habe es oft vorgezogen, anstatt des Extrazuges der Gesellschaft den Fahrplanmäßigen zu benützen. So fuhr ich auch einmal von Canada voraus, um mir die Niagarafälle anzusehen.
Gruß auf Urwienerisch Als ich angekommen war im Hotel Kaltenbach in Niagara Falls, das mir als gutes deutsches Haus empfohlen worden war, begrüßte uns ein Kellner mit den urwienerischen Worten: „Küß die Hand, Euer Gnaden!“ Ich, glücklich, einen Landsmann anzutreffen, unterhalte mich beim Essen lange Zeit mit ihm und erfahre, daß er schon dreißig Jahre in Amerika lebe – was man allerdings seinem Lerchenfelderisch wie auch seinem urwienerischen Englisch nicht angemerkt hätte. Im Laufe des Gespräches stellte sich sogar heraus, daß er ein Neffe unseres großen Komponisten Anton Bruckner wäre und Karl Bruckner hieße. Er erzählte, sein Vater hätte oft zu ihm gesagt: „Daß du mir nicht so ein armseliger Bettelmu-
� Autobiographische Geschichten von Leo Slezak – Teil VII
Die Spring Tour
Bilder: Wikipedia sungen wird, heißt Othello!“ „Das weiß ich nicht – ich weiß nur, daß die Metropolitan-People aus New York heute und morgen eine Schau geben.“ Nun wußte ich, daß ich in diesem Stinkzirkus den „Othello“ zu singen habe. Ich fragte, wo denn die Leute alle wären, es sei ja schon halb acht. „Noch niemand hier!“ war die lakonische Antwort. Ich war ratlos, ging in meinen Ankleideraum hinauf, in dem alle möglichen Plakate und Bilder von Clowns, Trapezkünstlern und Tierbändigern an die Mauer geklebt waren, und wartete. Um acht Uhr kam meine Frau, überrascht, mich noch ungeschminkt und nicht kostümiert vorzufinden. Von ihr erfuhr ich, daß die Kulissen soeben abgeladen würden. Um halb neun kamen die Kostümkoffer, meiner nicht darunter. Der Extrazug habe sich um einige Stunden verspätet. Nach und nach kamen die Kollegen, nun hatte man doch wenigstens jemanden, mit dem man reden konnte. Da, endlich meine Kostüme. Direktor Gatti und Maestro Toscanini bestürmten mich, mich so schnell als möglich fertig zu machen, damit man beginnen könne. Ich schmiere mich eiligst schwarz an, vergesse am Hals einige Flecken, die bleiben weiß, rasch die Kostüme, Perücke, Bart und herunter auf die Bühne. Die Dekorationen des ersten Aktes stehen schon. Ohrenbetäubendes Hämmern: Der zweite Akt wird zusammengeflickt. „Meine Herr‘n, wir können anfangen“, sage ich. – „Das können wir nicht, denn wir haben noch keine Instrumente!“ Die waren im zweiten Zug, der noch nicht eingetroffen war. Das Publikum, seit acht Uhr vollzählig versammelt, verlangte, trotzdem man ihm den
Grund der Verzögerung mitgeteilt hatte, energisch den Beginn der Vorstellung. Endlich, einige Minuten vor zehn Uhr, nachdem ungefähr die Hälfte der Instrumente eingetroffen war, entschloß sich Maestro Toscanini, das Spiel zu beginnen. Eine gewisse Leere und das Fehlen so mancher vertrauten Musikstelle gähnte aus dem Orchester entgegen. Was tut‘s, nur weiter. Im Laufe des Aktes schlich sich ein Musiker nach dem andern, mit seinem am Bahnhof eroberten Instrument zu seinem Pult, bis zuletzt der Klang allmählich voller und voller wurde.
Othello im Stinkzirkus
Der erste Akt schließt mit einem zartgehauchten Pianissimo des Orchesters, Othello preßt Desdemona im Mondschein ekstatisch an seine Brust – dann fällt der Vorhang langsam über dieser poetischen Stimmung. Kaum daß der Vorhang niedergegangen war, setzte sofort im Foyer eine Zigeunerkapelle ein, mit dem charmanten: „Hallah my baby – kiss me my honey!“ Empört stürzt Kapellmeister Hertz aus dem Zuschauerraum hinauf ins Foyer, schreit die Musiker an, wie sie denn mit diesem gemeinen Gassenhauer die Oper stören können. „Kümmern Sie sich um Ihre Angelegenheiten“, antwortet ihm ruhig der Leiter der kleinen Kapelle, „hier bin ich Herr, und das ist mein Business!“ Erst nachdem man dem Manager des Leo Slezak trat in Amerika auch in der Titelrolle von Verdis „Othello“ auf, Hippodroms plausibel gemacht hier gemeinsam mit Frances Alda (1879–1952) als Desdemona. hat, daß die Oper „Othello“ dieser Zwischenaktsunterstützung sikant wirst wie der Onkel Anton, wo für acht Uhr abends „Othelgewiß entraten könne, entfernsonst trete ich dir die Gedärme lo“ angesetzt war. Das Theater, ten sich die Zigeuner, tief beleiein, du Lausbub!“ das größte der Stadt, hieß Hippodigt ob des Unverständnisses, Bekanntlich werden einem drom. Es machte seinem Namen das man ihren Darbietungen entHotelgast in Amerika die Stiefel Ehre: Als ich eine Stungegenbrachte. nicht geputzt; er muß dies ent- de vor Beginn der VorstelDie Vorstellung schloß weder selbst tun oder einen von lung hinkam und mich auf um halb zwei Uhr nachts. den vielen Stiefelputzern im Ho- der Bühne nach meinem Wie sie zu Ende kam, wußtelsouterrain oder auf der Straße Ankleideraum erkundigen te keiner von uns. Müde konsultieren. Da setzt man sich wollte, schlug mir ein peund abgespannt vom Reiauf ein hohes Gerüst, in einen netranter Stallgeruch entsen und Warten schlichen Stuhl, wie beim Zahnarzt, und hat gegen. Elefantendüfte verwir umher und taten mein einigen Minuten seine Stiefel rieten eine Menagerie in chanisch unsre Pflicht. spiegelblank. Diese Stiefelput- der Nähe, was auch die Im letzten Akt sollte ich zer, meist Italiener, sind wegen Anwesenheit einiger frieDesdemona um die Tailihres Humors und ihrer Schlag- render Beduinen zu bestäle fassen, sie auf meine Arfertigkeit bekannt. tigen schien. me heben, ins Bett tragen, Als einmal ein Mann mit sehr Die Bühne leer: keine um sie dort, durch Entziedefektem Schuhwerk den Stuhl Kulissen, nichts als Washung der zum Leben nöbestieg und mit stolzer Gebär- serlachen von der Nachtigen Luft, ins Jenseits zu de auf seine Füße deutete, frag- mittags-Wasserpantomibefördern. Da sagte ich zu te der Stiefelputzer untertänig: me, die gerade von ein Marie Rappold, der Desde„Exzellenz, wollen Sie die Stie- paar alten Negerweibern mona dieses Abends: „Ich fel geputzt oder die Nägel an aufgewischt wurden. Kein bitte dich, geh alleine sterden Zehen geschnitten haben?“ Mensch von unserer Geben, ich kann nicht mehr!“ Ich erkundigte mich bei Bruck- sellschaft zu sehen. Sie ging auch wirklich die ner, wo der nächste StiefelreiniIch muß wohl in ein falStufen hinauf, legte sich gungsbeamte wäre. „Gnä‘ Herr, sches Theater gefahren ins Bett, machte einen der Hausknecht kommt gleich.“ sein, dachte ich mir, ging Quietscher und starb ohSo lernte ich in Niagarafalls nicht zum Kastellan und fragte, ne meine Mithilfe. Alles im allein den Neffen Anton Bruck- ob hier „Othello“ ist. Leben hat einmal ein Enners, sondern auch den einzi„Nein, das ist nicht de, so auch dieser Abend, gen Hausknecht der Vereinig- Othello – das ist das Hipder mir unvergeßlich bleiten Staaten kennen. Wir kamen podrom! „Schön, aber die Marie Rappold (1872–1957) war Opernsopran ben wird. nachmittags in Cleveland an, Oper, die heute abend ge- und trat an der Metropolitan Opera auf. Wird fortgesetzt
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 7 | 18. 2. 2022
Sonderausstellung im Nationalmuseum in Prag läuft noch bis zum 30. Juni
Ausstellung würdigt fünf große Komponisten „Jeder Böhme ist ein Musikant“, war früher ein geflügeltes Wort. Das mag zwar übertrieben sein, aber Tatsache ist, daß in Böhmen und Mähren seit Jahrhunderten Musikgeschichte geschrieben wird. Mit der Sonderausstellung „Berühmte tschechische Komponisten“, die noch bis zum 30. Juni zu sehen ist, würdigt das Nationalmuseum in Prag fünf große Musiker.
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Josef Mysliveček (1737–1781)
osef Mysliveček war ein böhmischer Komponist in der Ära des Spätbarocks und Klassizismus. Die zweite Hälfte seines Lebens verbrachte er in Italien, wo ihn besonders seine Opern berühmt machten. Neben 26 Opern umfaßt sein reiches Schaffen auch eine Reihe von Oratorien und Kantaten, Symphonien und instrumentalen Kammermusikkompositionen. Geboren wurde er in Prag in einer Müllersfamilie, höchstwahrscheinlich in der sogenannten Sova-Mühle, die heute das Museum Kampa beherbergt. Nach seinem Studium in Prag zog es ihn nach Italien, der damaligen Weltmacht in Sachen Oper. Dort verbrachte er die zweite Hälfte seines Lebens und sammelte zahlreiche Erfahrungen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts galt er als einer der talentiertesten Komponisten. Sogar sein Zeitgenosse Wolfgang Amadeus Mozart, der heute weitaus bekannter ist, bewunderte die Musik von Mysliveček. Noch heute kann man unter seinem Pseudonym „Il divino boemo“ – Der göttliche Böhme – auf ihn stoßen. Zu seinen berühmtesten Kompositionen gehören das Konzert für Violine und Orchester in D-Dur sowie eine seiner Ouvertüren.
Bedřich Smetana (1824–1884)
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er angehende Komponist wurde in der ostböhmischen
„Nationale Erinnerungskulturen in Südosteuropa und der Europäische Integrationsgedanke“ war das Thema des Vortrags von Gerald Volkmer, dem VizeDirektor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa an der Universität Oldenburg. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Heiligenhof-Studienleiter Gustav Binder.
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er Umgang mit der Vergangenheit war stets ein Politikum. Gerade die aktuelle Lage bietet umfangreiches Anschauungsmaterial dafür, wie Geschichte zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen werden kann. Darüberhinaus besitzt die Erinnerung an Vergangenes ein großes Potential, durch die Politik instrumentalisiert zu werden.
Josef Mysliveček (1737–1781)
Bedřich Smetana (1824–1884)
Antonín Dvořák (1841–1904)
Leoš Janáček (1854–1928)
Bohuslav Martinů (1890–1959)
Stadt Leitomischl geboren. Und zwar fast im Schloß, da sein Vater als Bierbrauer im Dienste von Adeligen arbeitete und zusammen mit seiner Frau und seinen Töchtern eine Wohnung beim Schloß bewohnte. Heute beherbergt diese eine Ausstellung über die Kindheit des Komponisten. Die Eltern entdeckten früh das musikalische Talent des kleinen Bedřich und entschieden sich, ihn zu fördern. Noch bevor er die Schulbank drückte, spielte er Geige, und mit acht Jahren schrieb er die ersten eigenen Kompositionen. Im Erwachsenenalter änderte Smetana seinen ursprünglichen Friedrich in Bedřich und lernte Tschechisch. Später ging er nach Prag, um Musik zu studieren, wo er sich auch niederließ und eine Musikschule eröffnete. Jahre später verließ er die Heimat und reiste durch Europa, um Musik zu unterrichten, als Klaviervirtuose aufzutreten und zu komponieren. Anschließend kehrte er jedoch endgültig nach Prag zurück, wo er den Großteil seines Lebens verbrachte. Die letzten zehn Lebensjahre war er taub, doch auch das hinderte ihn nicht am Komponieren von Orchesterwerken, Kammermusik und Opern. Obwohl nicht alle seine Werke begeistert aufgenommen wurden, etablierte sich Bedřich Smetana noch zu Lebzeiten als bekannter Vertreter der tschechischen Nationalmusik. Zu sei-
nen berühmtesten Werken, die in Konzertsälen und auf Bühnen auf der ganzen Welt gespielt werden, gehören die Oper „Die verkaufte Braut“ und der Zyklus sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“. In Prag erinnert an sein Leben das Bedřich-Smetana-Museum unweit der Karlsbrücke. In seiner Geburtsstadt Leitomischl findet zu seinem Andenken alljährlich das weltberühmte Klassikfestival Smetanas Leitomischl statt.
Welt – von New York bis Tokio – aufgeführt. Antonín Dvořák wurde in Mühlhausen nördlich von Prag geboren, wo das Geburtshaus ein sehenswertes Antonín-Dvořák-Museum beinhaltet. Die Innenräume sind so eingerichtet, daß sich Besucher gedanklich in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückversetzt fühlen und sich besser vorstellen können, wie die Kindheit und Jugend dieses Komponisten ausgesehen haben mag. Antonín Dvořáks Musiklaufbahn nahm später internationale Ausmaße an, und das insbesondere nach seiner erfolgreichen Tournee durch Großbritannien
und die USA Ende des 19. Jahrhunderts. Nach diesem berühmten Komponisten wurden die Musikfestivals Dvořáks Prag, Dvořáks Olomouc sowie Dvořáks Turnov und Sychrov benannt.
die „Lachischen Tänze“ oder die „Sinfonietta“, genießen ein hohes Renommee und werden bis heute aufgeführt. Janáček wurde in der Gemeinde Hochwald unweit von Mährisch-Ostrau geboren, wo das Geburtshaus ebenfalls zum Museum umgestaltet wurde. Auch Leoš Janáček werden Musikfestivals gewidmet – das Internationale Leoš-JanáčekFestival in Mährisch-Ostrau oder das Janáček-Festival in Brünn.
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Leoš Janáček (1854–1928)
as siebte Kind eines Dorfschullehrers ist ein weiterer Vertreter tschechischer Komponisten, die weltweit ein hohes Ansehen genießen. Obwohl er Antonín Dvořák musikalisch zur Generation der (1841–1904) Moderne gehört, zeichnet er sich tabat mater, die Symphonie durch seinen individuellen, unNr. 9, die verwechselbaOper Rusalka ren Stil aus. oder die SlaMusikerkolwischen Tänze legen schätzen – das sind die insbesondeberühmtesten re seine ungeWerke des gewöhnliche Menialen Kompolodik, die von nisten Antonín der FolkloreDvořák, der musik seiner zu den böhmiKindheit inspischen Komporiert wurde. nisten gehört, Internadie bis heute tional ist er ein hohes invornehmternationales lich für seiRenommee gene Opern, wie nießen. beispielsweise Seine Opern „Jenůfa“, beund Kompokannt. Auch sitionen werseine weiteden auf den ren Werke, wie bekanntesten die „GlagolitiBühnen der Das Dvořák-Denkmal in Prag. Fotos: Czech Tourism/Wikipedia CC BY-SA 3.0 CZ sche Messe“,
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Bohuslav Martinů (1890–1959)
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ohuslav Martinů erblickte in der ostböhmischen Kleinstadt Politschka das Licht der Welt. Am Prager Konservatorium studierte er Violine und Orgel, und diese beiden Musikinstrumente haben ihn bei seinem musikalischen Schaffen sein Leben lang begleitet. Seine Jugendjahre verbrachte er in Paris, von wo er weiter in die USA zog. Später lebte er abwechselnd in den USA und in Europa, am häufigsten hielt er sich in Frankreich, der Schweiz und Italien auf. In all diesen Ländern unterrichtete Bohuslav Martinů an Musikakademien und komponierte, hauptsächlich Opern, Symphonien und Balletts. Zu seinen bekanntesten Werken gehören beispielsweise die Kantate „Otevírání studánek“ (Das Maifest der Brünnlein) oder die „Feldmesse“. TF
Online-Veranstaltung auf dem Heiligenhof
Erinnerungskulturen in Südosteuropa Dies zeigt sich insbesondere in Südosteuropa, dessen nationale Erinnerungskulturen in der Gesellschaft tief verwurzelt sind und zahlreiche Reibungspunkte mit dem Konzept eines vereinten Europas aufweisen. Die Auseinandersetzung mit dem Europäischen Integrationsgedanken ist dabei sowohl in jenen Staaten aktuell, die bereits seit mehreren Jahren Mitglieder der Europäischen Union sind, wie zum Beispiel Ungarn, Rumänien oder Kroatien, als auch in jenen, die eine Aufnahme in die EU anstreben, zum Beispiel Bosnien-Her-
zegowina, Serbien oder Albanien. Diese Herausforderung der in den südosteuropäischen Staaten verbreiteten Geschichtsbilder und der dort betriebenen Geschichtspolitik durch den Europäischen Integrationsgedanken hat Gerald Volkmer untersucht. Sein frei gehaltener Online-Vortrag am Heiligenhof, den er mit einer umfassenden PowerpointPräsentation unterstützte, faßte die Entwicklung der letzten Jahrzehnte in den südosteuropäischen Staaten zusammen. Alle dortigen Staaten würden zu-
Gerald Volkmer faßte seine Forschungsergebnisse in einer Präsentation zusammen, die wichtige Aspekte auflistete.
Dr. phil. Dr. jur. Gerald Volkmer.
rückgreifen auf nationale Mythen, mit denen an die glorreiche Vergangenheit angeknüpft werden solle. Eingangs hatte Gustav Binder als Moderator den Referenten vorgestellt: Gerald Volkmer wurde 1974 in Kronstadt/Brașov in Siebenbürgen geboren. Er studierte Geschichts- und Rechtswissenschaft an den Universitäten Mainz und Frankfurt am Main. 2009 bis 2013 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter beziehungsweise stellvertretender Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Süd-
osteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2013 ist er stellvertretender Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa an der Universität Oldenburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Neuere und Neueste Geschichte der internationalen und transnationalen Beziehungen in Ostmittel- und Südosteuropa, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte Ostmittel- und Südosteuropas, Geschichte Rumäniens, Ungarns und der Habsburgermonarchie. Susanne Habel
Reicenberger Zeitung
Sudetendeutsche Zeitung Folge 7 | 18. 2. 2022
Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
Nordböhmi[e Um[au
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
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Kreis Friedland
Kreis Gablonz
Kirchenmusiker und Domkapellmeister aus Gablonz
Wolfgang Wünsch † Am 21. Dezember starb Wolfgang Wünsch, ein in Tannwald-Brand im Kreis Gablonz geborener Kirchenmusiker, Domorganist und Domkapellmeister am Bamberger Kaiserdom, wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag am 30. Dezember in Bamberg.
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Blick von Süden auf den Grünberg und das Dorf Kleingrün.
Bilder: Jiří Kühn(2), Archiv Jiří Rosol (2), Archiv Tomáš Novák (1)
Kreis Deutsch Gabel
Grünberg und Kleingrün aber unvollendet. Angeblich versteckten sich dort Waltro-Mitglieder. Waltro war eine in Nordböhmen operierende
Promenadewegen und zwei Gaststätten. Am Nordhang stehen ungefähr auf halber Höhe Sandsteinfelsen, von denen der bedeutendste nach den in seiner Umgebung früher bestehenden Meilern Köhlerstein heißt und 471 Meer 586 Meter hohe ter hoch ist. 1894 wurden Grünberg ist ein auffälauf seinem Gipfel eine Ausliger Klingsteinberg. Er ragt sichtsplattform und in der etwa 1,5 Kilometer nordNähe ein hölzernes Somöstlich von Zwickau über mergasthaus gebaut. Zum der Nordgrenze des Dorfes 100. Todestag von FriedKleingrün in die Höhe. rich Schiller überholte der In der Vergangenheit Zwickauer Bergverein den wurde er zweimal zum ZuAussichtsfelsen und taufte fluchtsort aufständischer Blick von der Schillerwarte zum Hochwald nach 1905. ihn Friedrich-Schiller-WarBauern. Im April 1680 verte. Am 9. Juli 1905 wurde steckten sich hier die Untertanen aus sudetendeutsche Widerstandsgruppe hier eine Gedenktafel mit den JahresZwickau und den umliegenden Dör- gegen die Nazis. zahlen 1805 und 1905 und der Inschrift fern, die sich gegen die schweren RoAuf dem Kamm oberhalb der Höh- „Friedrich-Schiller-Warte“ geweiht, die botpflichten und die Erpressungen des le befinden sich einige alte Sandstein- Otto Vonach aus Zwickau hatte anbrinHerrschaftsbesitzers von Reichstadt, Ju- brüche, in denen Steine zum Bau der gen lassen. Den selben Namen erhielt lius Franz von Sachsen-Lauenburg, ge- Zwickauer Häuser gewonnen wurden. das Gasthaus daneben. wehrt hatten. Doch Soldaten des Wal- In einem dieser Steinbrüche baute der Die zweite Gaststätte, das Schweizerlenstein-Generals Octavio Piccolomi- Zwickauer Theater-Dilettantenverein haus, stand auf dem Bittners Stein geni umzingelten Berg. Nach zwei Tagen 1920 ein malerisches Felsentheater, auf nannten Felsvorsprung, der aus einer ergaben sich die hungrigen Bauüber Kleingrün vorspringenden ern. Zum zweiten Male machten Bergzunge herausragt. Erbaut 1775 hier unzufriedene Bauern hat sie der Kleingrüner Gastwirt einen Aufstand. Wieder vergebJosef Böhm. Vom Schweizerhaus lich. Einige Rädelsführer wurden gab es eine wunderbare Fernvier Wochen in Jungbunzlau gesicht nach Süden über die Landfangen gehalten. schaft um Böhmisch Leipa mit ihIm Bayerischen Erbfolgekrieg ren Dominanten Bösig und Wilbesetzten österreichischen Einhost am Horizont. heiten am 1. August 1778 den Nach dem Zweiten Weltkrieg Berg und verschanzten sich hier. verfielen die Gaststätten. Auf Die Preußen drängten sie jedem Bergvorsprung über Kleindoch nach Deutsch Gabel und grün hat sich bis heute ein zum Böhmisch Aicha zurück. Reste Teil gemauerter, zum Teil in den der damaligen Schanzen sollen Felsen gehauener Keller erhalnoch in der zweiten Hälfte des ten, auf dem der Staatsforst Le19. Jahrhunderts zu sehen gewe- Waldtheater in einem alten Steinbruch des Grünsteins. sy ČR eine hölzerne Schutzhütte sen sein. mit Aussichtsplatz errichtete, die Der obere Teil des Grünbergs be- dessen Bühne zwei einen kleinen Dorf- am 19. Juni 2015 feierlich eröffnet wursteht aus Phonolith oder Klingstein, aus platz bildende Häuser standen. Heu- de. Von der Schillerwarte sind nur noch dem Kreidesandstein zu Tage tritt, die te zeugen davon ein in den Felsen ge- überwachsene Reste der Grundmauern in tieferen Lagen kleinere Sandsteinfel- hauener Raum mit einem Fenster und in übrig. Der Aussichtsfelsen hat sich bis sen bilden. Im Südwesten ragt Richtung der gegenüberliegenden Felswand ein heute erhalten und bietet, obwohl teilZwickau ein felsiger Kamm am Fuße des Gang mit Nische. Auf dem niedrigen, weise von Bäumen überwachsen, immer Berges heraus. In dessen Südseite wurde den Steinbruch umgebenden Abhang noch eine schöne Aussicht in die Umgeeinst ein Keller gehauen. Er besteht aus sieht man noch einige Reste des Zu- bung von Großmergthal mit den auffalzwei parallelen, 40 Meter langen Gän- schauerraumes. Aus der Stadt ins Thea- lenden Gipfeln von Lausche, Hochwald gen, die in der Mitte ein dritter Gang ter führte ein alter Weg mit steinernen und Limberg. verbindet. Er war wahrscheinlich gegen Stufen. Nach Nordosten ragt aus dem GrünEnde des Zweiten Weltkrieges als unterBis zum Zweiten Weltkrieg war der berg der niedrigere Kalvarienberg mit irdischer Luftschutzkeller geplant, blieb Grünberg ein beliebtes Ausflugsziel mit dem renovierten Kreuzweg hervor, im Osten sind an der Straße von Kunnersdorf nach Großmergthal die interessanten, nach einem früher hier bestehenden Mühlgraben benannten Sandsteinfelsen. Am Südhang des Berges gab es am Roten Hübel an der Straße von Zwickau nach Kleingrün einen für die Opfer der Pestepidemie des Jahres 1680 errichNeuer Aussichtsplatz auf den Grundmauern des Gasthofs Schweizerhaus und eine Postkarte von 1902. teten Pestfriedhof. Jiří Kühn berichtet über den Grünberg und das dazugehörige Dorf Kleingrün im ehemaligen Kreis Deusch Gabel. Hier die Übersetzung von Petr Kühn und Robert Knothe.
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olfgang Wünschs Vater Eduard war Lehrer. Daher versah er, wie damals vielerorts üblich, in seiner Heimatgemeinde am Sonntag den Organistendienst. So fand Wünsch schon früh, zunächst als Balgtreter, seinen Weg zu Orgel und Kirchenmusik. 1945, zum Ende des Zweiten Weltkriegs, mußte die Familie ihre Heimat verlassen und gelangte in die sachsen-anhaltinische Lutherstadt Wittenberg. Dort hatte die evangelische Stadtkirche seinerzeit keinen Organisten. So konnte der damals 16jährige fast unbeschränkt praktizieren. Ebenso wirkte er in der evangelischen Singakademie mit und lernte die evangelische Kirchenmusik kennen. 1947 machte er im Staatlichen Melanchthon-Gymnasium Abitur. Er verließ die SBZ, bestand die Aufnahmeprüfung an der Kirchenmusikschule in Regensburg und legte nach zweijährigem Studium die Reifeprüfung für katholische Kirchenmusik ab. 1949 nahm er eine Organistenstelle an der Pfarrkirche Sankt Wolfgang in Landshut an und studierte von dort aus in München bei Friedrich Högner sowie Rudolf Hindemith und Maria Landes-Hindemith Klavier und Theorie. Im Dezember 1955 absolvierte er ein Singschullehrerund Chorleiterseminar in Augsburg und war Staatlich geprüfter Singschullehrer und Chorleiter. 1958 übernahm er in Augsburg die Organistenstelle der Kirche Sankt Moritz. Ein Jahr später belegte er an der Staatlichen Hochschule für Musik München das Hauptfach Orgel bei Karl Richter. Er machte die Künstlerische Reifeprüfung und das Diplom der Meisterklasse.
Ende 1954 heiratete Wünsch Käthe Lackermaier (1931–1987) und bekam mit ihr fünf Kinder. 1965 übernahm er die Kantorenstelle an der Basilika Sankt Aposteln in Köln. In den 1960er Jahren gab er in den Benelux-Ländern, England, Österreich und der Schweiz Konzerte und gastierte in Kopenhagen beim Dänischen Rundfunk. Mit dem Ensemble Wolfgang von Karajan tourte er 1966 durch die USA und Kanada. Auch im Inland erhielt er Engagements, so beim Münchener Bachfest, bei der Bayreuther Orgelwoche, bei der Internationalen Orgelwoche Nürnberg und in Offenburg. 1968 wurde er Domorganist in Bamberg. Seine Tätigkeit umfaßte auch eine Dozentur für Kirchenmusik am Bamberger Priesterseminar sowie die Fachberatung des Erzbischöflichen Ordinariats in allen kirchenmusikalischen Belangen, einschließlich der Tätigkeit als Orgel- und Glockensachverständiger. Dabei oblag ihm auch die Mitwirkung bei zahlreichen Orgelweihen im Erzbistum Bamberg. 1980 ernannte ihn das Bamberger Metropolitankapitel in Erweiterung seiner Aufgaben als Nachfolger von Monsignore Paul Joseph Metschnabl zum Domkapellmeister. 1991 heiratete er Martina Bönig (* 1955). 1995 ging er in Rente. 2016 stiftete Wünsch seine privat gekaufte Orgel dem Freundeskreis Sankt Johannis unter den Linden zur Aufstellung auf dem Bamberger Stephansberg in der aus dem 14. Jahrhundert stammenden ehemaligen Sankt-JohannisKapelle unter der Linden. Am 20. Januar 2017 erklang das dreimanualige Instrument erstmals in seinem neuen Domizil. Das Erzbistum Bamberg trauert um den langjährigen Domorganisten Wolfgang Wünsch. Er sei der erste hauptamtliche Kirchenmusiker des Erzbistums gewesen. Erzbischof Ludwig Schick würdigte seinen kirchenmusikalischen Dienst zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen.
Wünschs gespendete Pfeifenorgel füllt seit 2017 die Apsis von Sankt Johannis unter den Linden in Bamberg.
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Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail k lauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Holocaustdenkmal in Teplitz-Schönau
Zum Gedenken an vergangene Verbrechen Im Januar des Jahres 1996 richtete der damalige Bundespräsident, Roman Herzog, einen klaren Appell an die Deutschen: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muß auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen." Mit diesen Worten erklärte Bundespräsident Herzog den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Jahr 2005 beschloß die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Tag auch international zum Holocaust-Gedenktag zu erklären. Auch in Teplitz findet jedes Jahr eine Gedenkfeier beim Holocaustdenkmal statt. Jutta Benešová berichtet:
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as Teplitzer Holocaustdenkmal wurde im Jahr 1994 in der Lindenstraße, nahe der ehemaligen Synagoge, enthüllt. Das Denkmal erinnert an die Opfer der jüdischen Bevölkerung im vergangenen Jahrhundert. Heuer wurde auch die Botschafterin des Staates Israel in Prag, Anna Azari, zu den Feierlichkeiten in Teplitz eingeladen. Sie mußte aber kurzfristig aus dringenden Gründen absagen. Dennoch war es ein würdiges Gedenken, als Michael Lichtenstein, der Leiter der Jüdischen Gemeinde in Teplitz, die zahlreichen Anwesenden begrüßte. Er betonte, daß gerade in dieser Zeit, wegen des zunehmenden Antisemitismus in der Welt, die Erinnerungen an die Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufrechterhalten werden müßten. Er begrüßte dazu auch die Jugendlichen einer Klasse der Gewerbeschule sowie den Kinderchor der Musik-Grundschule in Teplitz. Der Chor der MusikGrundschule leitete die Feierlichkeiten mit der tschechischen und israelischen Nationalhymne ein. Der Aussiger Bezirkshauptmann, Jan Schiller, mahnte mit eindringlichen Worten, aus der Vergangenheit zu lernen. Auch das Mitglied des Dokumentationsfonds des Holocaust in Mähren, Per Papoušek, schloß sich diesen Äußerungen an. Und er verwies vor allem auf die Verantwortung der jungen Generation. Der Direktor der tschechischen Gedenkstätte Theresienstadt, Jan Roubíček, welcher aktiv an Seminaren im Inland sowie Ausland über die Ereignisse des Holocaust teilnimmt, verwies auf antisemitische Übergriffe in der heutigen Zeit. Und er rief zu erhöhter Wachsamkeit auf. Der Geistliche der Jüdischen Gemeinde Teplitz, Tomáš Pulc, zelebrierte auf hebräisch das Gebet für die Toten. Die anschließende Niederlegung von Blumen und Steinen als symbolische Ehrung der Opfer des Holocausts, begleitet von zwei eindrucksvollen, israelischen Volksliedern des jungen Chores, beendete diese pietätvolle Feier. Das nächste Gedenken an dieser Stätte wird im März stattfinden, wenn an die Nacht vom 14. auf den 15. März 1938 erinnert wird. Damals wurde die prächtige Synagoge der Stadt in Brand gesteckt. Wehret den Anfängen!
Der Geistliche der Jüdischen Gemeinde Teplitz, Tomáš Pulc, spricht ein Gebet für die Toten.
Der Bürgermeister der Stadt Eichwald, Petr Pípal, ehrt die Toten.
Der Direktor der tschechischen Gedenkstätte Theresienstadt, Jan Roubíček, Per Papoušek, Mitglied des Dokumentationsfonds des Holocaust in Mähren, der Aussiger Bezirkshauptmann Jan Schiller, sowie Michael Lichtenstein, Leiter der Jüdischen Gemeinde in Teplitz.
HEIMATBOTE
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Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
11 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Mauthauser Onkel
Todesursache unbekannt Gegenwärtig recherchiert Pfarrer Klaus Oehrlein die Todesursache in der Familie Rieß in Mauthaus.
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ein Großonkel Michael Rieß, der Wirths Michl, kam in Mauthaus zur Welt. In dessen Familie gab es 1928 einen tragischen Todesfall. Leider kennen wir die genauen Umstände nicht mehr. Auch die Enkelin dieses Großonkels, meine Großcousine, weiß das nicht. Maria und Barbara, zwei Schwestern des Großonkels, waren in die USA ausgewandert. Barbara hatte 1967 Deutschland besucht und stiftete – anonym bleiben wollend – die „Madonna der Vertriebenen“ 1968 an der Kirche in Steinlohe genau gegenüber von und mit Blick auf Mauthaus. Mein Großonkel, seine Schwestern und meine Großcousine gehörten zur Mauthauser Familie Rieß. Die Rießer waren die letzten Gastwirte des Ortes und früher auch die Zollbeamten, als die Grenze noch in Mauthaus war. Dankbar wäre ich für Hinweise über die Familie Rieß: Matterstockstraße 39, 97080 Würzburg, eMail st.valentinus@ web.de
Weißensulzer Heimatlied
Melodie gefunden
Alte Postkarte von Ronsperg
Ronsperg
Vom Dorf zur Stadt mit deutschem Namen Vor 520 Jahren, im Jahre 1502, erhielt die Stadt den neuen Namen Ronsperg. Noch früher, vor 598 Jahren, also im Jahre 1424 erhob König Sigismund das Dorf Pobiezowicz zur Stadt. Das belegen zwei Urkunden.
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önig Sigismund erhebt auf Ansuchen des Bohuslav von Horschau auf Pobiezowicz das Dorf Pobiezowicz zur Stadt und verleiht ihm einen Wochenmarkt für jeden Samstag. Hier Franz Bauers Übersetzung der ältesten Ronsperger Urkunde aus dem Lateinischen. „Wir, Sigismund, von Gottes Gnaden römischer König, allzeit Mehrer des Reiches und König von Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien und so weiter tun in Übereinstimmung mit den Anwesenden allen kund: Weil wir für die aufmerksamen Gefälligkeiten und treuen Dienste, die uns und unserer böhmischen Krone durch den ruhmvollen Bohuslaw von Horschau mit Sitz auf Ronsperg, unseren lieben Getreuen, bis zu dieser Zeit zuteil wurden, in Anbetracht gerade dieser seiner Dienste, auch seine Untertanen als Gegenleistung für den einzigartigen Beistand berücksichtigen und die Verhältnisse seines Dorfes verbessern wollen. Deshalb haben wir, nicht aus Irrtum und ohne Absicht, sondern in vernünftiger Überlegung mit unseren Getreuen und aus unserem sicheren Wissen oben genanntes Dorf Pobiezowicz zur Stadt erhoben und erhöht und erhöhen es edelmütig in Übereinstimmung mit den Anwesenden. Und damit die Bewohner eben dieser Stadt in ihrem Vermögen und in ihrem Wohlstand reichlichen Zuwachs erlangen, haben wir ihnen gewährt und geschenkt und schenken wir gnädiglich durch die königliche Vollmacht Böhmens, daß sie einen Wochenmarkt jede Woche, und zwar an jedem Samstag, mit
einzelnen Rechten, Privilegien, Freiheiten und Vergünstigungen haben und abhalten können und sollen, so wie unsere anderen königlichen Bürgergemeinden und Städte, die ihm benachbart sind, solche Wochenmärkte haben und abhalten nach Herkommen und Recht. Wir befehlen allen insgesamt und den einzelnen Prälaten, Baronen, Adeligen, Rittern, Dienstleuten, Burggrafen, Beamten und allen unseren und unserer böhmischen Krone anderen Getreuen bestimmt und entschieden, daß sie die Bürger der genannten Stadt in Pobiezowicz bei genanntem Wochenmarkt sodann nicht behindern, sondern vielmehr alle, die diesen Markt besuchen, in voller Freiheit und Sicherheit mit all ihren Waren unverletzt und ohne Schaden ihre Geschäfte auf dem genannten Markt ausüben lassen, sofern sie unseren Unwillen tunlichst meiden wollen, wobei jedoch fremde Rechte nicht berührt werden. Gegeben zu (Ungarisch) Hradisch im Jahre des Herrn 1424, am 3. Februar, im 37. Jahre unserer Königsherrschaft in Ungarn et cetera, im 14. als römischer König und im 4. als König von Böhmen. Im Auftrage des Herrn König gezeichnet Michael, Propst von Altbunzlau.“
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ie Urkunde aus dem Jahre 1502 ist ein sehr umfangreiches Schriftstück. In diesem erteilt Dobrohost von Ronsperg dem Städtchen Poběžovice, welches er nach seinem Wohnsitz Ronsperg benannte, mannigfaltige Privilegien. Die Bürger beläßt er bei ihren alten Zahlungen; diejenigen, welche sich in der Stadt neu ansiedeln und Häuser bauen wollen, haben im Anfang keine Abgaben abzuführen, müssen sich aber dann mit der Obrigkeit vergleichen; sie rechnen sich die Abgaben aus, zu denen die Käufer verpflichtet sind.
Die Bürger zahlen für jeden Sud Bier zwei Groschen und zwei Zuber Treber. Zu Weihnachten muß das Städtchen dem Schloß ein hinteres Viertel Rindfleisch und einen weißen Striezel abführen. Die Obrigkeit beläßt den Bürgern das Marktgeld. Das Städtchen hat sich den Rechtsgewohnheiten der Stadt Bischofteinitz anzupassen, wohin auch die Berufungen zu richten sind, die von dort zur Obrigkeit gehen, die dann endgültig entscheidet. Der Herr verzichtet auf die Sterbegelder und erteilt seinen Leuten das Recht des freien Vermächtnisses. Sofern weder Testament noch Nachkommen vorhanden sind, erben die nächsten Verwandten. Sofern diese zu einer anderen Herrschaft gehören, müssen sie sich innerhalb eines Jahres auf dem ererbten Besitz ansiedeln. Meldet sich niemand im Laufe eines Jahres, fällt alles der Obrigkeit zu. Töchter, Waisen und Witwen dürfen nicht gegen ihren Willen verheiratet werden. Wer will, darf wegziehen, muß aber seinen Grund einem geeigneten Menschen übergeben. Die Bürger erhalten das Recht des Gebrauches eines Wappens und Siegels. Die Obrigkeit übergibt ihnen das Tor in Richtung der Burg Hirschstein, damit sie sich ein Rathaus errichten. Das war die Zusammenfassung der Urkunde von 1502. Ihr folgt nun Heribert Girths Übersetzung des wichtigsten Abschnitts der Urkunde aus dem Tschechischen. „Und damit meine Untertanen und deren Nachkommen sowie alle Zukünftigen meine Güte erkennen und alle ihnen von mir gewährten Gnaden noch angenehmer und edler erscheinen mögen, … änderte ich und ändere ich den Namen dieses Städtchens namens Poběžovice und gab ihm und gebe ihm den Namen Stadt Ronsperg nach meinem nacheinanderfolgenden, althergebrach-
ten, stolzen Erbe, damit sie sich so nenne und damit sie sich so schreibe und bezeichne für ewig. In der Voraussicht, daß sie (die Bürger) zu derartigen Freiheiten und Rechten auch ein Wappen und ein Stadtsiegel brauchen – was sie vorher nicht hatten –, gab ich und gebe ich ihnen hierzu das entsprechende Recht als ihr erblicher Herr, diese (Wappen und Siegel) zu verwenden, so auf Urkunden, Testamenten und zu anderem Gebrauch im Stadtsiegel, auf Bannern, Fahnen und anderen entsprechenden Dingen. Zwei kantige Türme mit roten Dächern in blauem Feld, in der Mitte der Türme ein Tor mit Schranken, über diesen und dem Tore ein halber Widder, der sich aus einer weißvließigen Krone erhebt und dessen Hörner und Hufe vergoldet sind, alles wie üblich und in dieser Urkunde aufgemalt und dargestellt. In Kenntnis der Mängel und aus Liebe zu ihnen und um ihr Selbstvertrauen wissend, gebe ich ihnen und den Zukünftigen das Tor, welches meinem alten Schloß Hirschstein gegenüber und in Richtung der Deutschen liegt, damit sie es in ihren Gebrauch nehmen und ein Rathaus errichten. Und das ihnen Geschenkte möge ihnen erhalten bleiben. Den Nachkommen befehle ich und verpflichte sie mit dieser Urkunde, aber nicht nur sie, sondern auch alle zukünftigen Herren, welche auf dieser Burg und in der Stadt Ronsperg zu sitzen kommen, daß sie das von mir Verliehene erhalten und treue Verteidiger sein mögen und es auch als treue Herren in Stand halten. Dies alles befahl ich zur Bestätigung, in Festigkeit und mit gutem Gewissen aufzuschreiben unter Beifügung meines großen Siegels. Gegeben und geschrieben im eintausendfünfhundertzweiten Jahr nach Christi Geburt, am Dienstag nach dem Tage des heiligen Johannes, des Lieblings Gottes.“
Pfarrer Klaus Oehrlein berichtete vom „Weißensulzer Heimatlied“ ( HB 4/2022) und richtete die Frage „Wer weiß etwas über die Entstehung des Liedes?“ in die Leserrunde. Eine Antwort erhielt er bereits. Oehrlein berichtet.
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ürzlich rief mich Ilse Maier aus dem oberbayerischen Emmerting an. Sie ist die Tochter von Josef und Hermine Walbert (Kaufmann Mine aus HausNr. 50) in Weißensulz. Die Walberts waren vor der Vertreibung Nachbarn der Familie Wartha (Metzger-Nigl, HausNr. 47) und Zeit ihres Lebens in Freundschaft verbunden. Auch ich kannte die Kaufmann Mine und ihren Mann bereits von deren Besuch bei unseren WarthaVerwandten in Boxberg. Beide sangen gerne, daher kennt ihre Tochter die Melodie des Heimatliedes. Sie entspricht der Melodie des Volkslieds „Gold und Silber lieb‘ ich sehr“. Wie hier, so werden auch beim Weißensulzer Heimatlied die beiden letzten Sätze der Strophe jeweils wiederholt. Danke Ilse Maier. Ihre Nachricht bewahrt ein Kulturgut der Heimat vor dem Vergessen und sichert es für die Zukunft.
Furth im Wald und Taus
Kinderbilder gesucht Die Historikerin Krýstina Pinkrová, Autorin von „Achtung Grenze! Pozor Hranice!“ ( HB 1+2/2021) bittet um Bilder mit oder von Kindern.
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rýstina Pinkrová vom Chodenmuseum in Taus baut gerade ein Museum über die Grenzgeschichte von Furth im Wald und Taus im neuen Tauser Kulturzentrum Pivovar auf. Dafür sucht sie Bilder, die Kinder während der Vertreibung gemalt hatten. Pinkrová: „Eine Alternative wäre ein Bild, das eine Familie mit Kindern bei der Vertreibung zeigt, möglichst aus dem Bereich Furth im Wald. Dort endeten unzählige Vertreibungstranporte.“ Bilder bitte an die Redaktion. Adresse siehe Impressum.
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Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Pfraumberg – Teil I
Heimatslied und Heimatgedichte
Dort, wo das Mädchenherz Noch wahr in Treue schlägt, Dort, wo die Burschenlieb‘ Nicht erst den Reichtum wägt, Dort, wo die Einbrennsupp‘ Noch stärkt die deutsche Hand –
Und er fügt auch Gedichte anderer Autoren hinzu, die Burg und Stadt Pfraumberg thematisieren. Dazu gehört auch der Text „Pfreimburg“. Ersonnen hatte ihn der pensionierte Oberlehrer und Volkskundler Johann Baptist Schön aus Tachau.
O feste Burg aus alter Zeit, Jetzt herrscht in dir die Einsamkeit; Wir denken, was vor 1000 Jahren Wohl diese deine Reste waren.
Wer baute auf die Felsenwand, Dich, festes I N JU Schloß mit kühner . 6 3. B I S Hand? Es werden deine Riesen mauern Noch manche Stürme überdauern.
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Wie drang, mit Eisen angetan, Zur Fehde auf den grünen Plan Im Morgenstrahl auf stolzem Rosse Der Ritter mutig aus dem Schlosse!
Wo im Verließ manch‘ Weh erklang, Im Saal der frohe Sänger sang, Mocht Lieb‘ in den Gemächern wohnen
Dort, wo auf Pfraumbergs Höh‘ Der Altzeit Trümmer steh‘n, Dort, wo in Dorf und Stadt Der Treue Banner weh‘n, Dort, wo die Liebe geht Fromminnig Hand in Hand – Das ist mein Pfraumberggau – Mein Heimatland! Dort, wo das Manneswort Noch Treu‘ und Ehre gilt, Dort, wo die Herzenslieb‘ Ist deutscher Ehre Schild, Dort, wo der Frauenfleiß Ist deutscher Treu verwandt – Das ist mein Pfraumberggau – Mein Heimatland!
i n d et überwnzen G re
Walter Schneider: „Burgruine Pfraumberg“, Holzdruck 1925.
IN H OF
Wir sehen auf des Pfraumbergs Höh‘n Die alte Schloßruine steh‘n; Sie kündet uns von alten Zeiten Und längst vergang‘nen Herrlichkeiten.
Die riesenhafte Quaderwand Gibt heut‘ noch deine Macht bekannt; Denn noch im U TS C HE E Schutte kann man R D lesen, N Welch‘ mächt‘ger Sitz du einst gewesen. 22
Dort, wo durch Wiesengrün Das klare Bächlein rauscht, Dort, wo im dunklen Busch Die Meise wonnig plauscht, Dort, wo von Dorf zu Dorf Sich schlingt ein deutsches Band – Das ist mein Pfraumberggau – Mein Heimatland! Klaus Dort, wo im grünen Wald Des Jägers Schuß erschallt, Dort, wo die Freiheit wahr Durch Wald und Berge wallt, Dort, wo der Volksverrat Noch gilt als höchste Schand – Das ist mein Pfraumberggau – Mein Heimatland!
Und Haß und Stolz im Saale thronen.
Hütweiher und Dreifaltigkeitskirche in Neuzedlisch in deutscher Zeit.
� Erster Sparer der Sparkasse Weiden kam aus Neuzedlisch
Dienstknecht Franz Schwarz
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as Gründungsjahr 925 hielten schon damals viele Historiker für 200 Jahre zu früh. Man glaubt heute, daß der älteste Teil Pfraumbergs, der Wohnturm, um 1125 erbaut wurde. Nichtsdestotrotz wurde das Jubiläum als großes Fest am 11. und 12. Juli 1925 begangen. Man hatte einen Festausschuß gebildet. Er stand unter dem Ehrenschutz von Alexander „Sascha“ Graf Kolowrat-Krakowsky und seiner Gemahlin So- Pfarrer phie Prinzessin Tru- Oehrlein. betzkoy, den Besitzern der Herrschaft Pfraumberg. Zum Ehrenausschuß gehörten die damals in Dianaberg lebende Mutter des Grafen, Nadine, der Leitmeritzer Bischof und gebürtige Pfaumberger Josef Groß sowie der Bürgermeister Anton Schusser und weitere Honoratioren der Stadt und des Umlandes. Zum Fest erschienen zwei Publikationen. Hans Zirwick (1897–1950), damals Schriftleiter des Deutschen Heimatverlags in Plan, nannte sein Werk „Im Ringe des Pfraumbergs“. Parallel dazu gab die Stadt das Buch „Burg und Stadt Pfraumberg in tausendjähriger Vergangenheit“ heraus. Über die Gründe, warum es zwei getrennte Werke gab, kann man heute nur spekulieren. Vielleicht klangen den Stadtoberen einige Beiträge in Zirwicks Heft schon damals – um so mehr heute – doch sehr „deutsch-national“, mit dem sie sich nicht identifizieren wollten. Dazu gehörten die einer Hymne gleichende Überschrift auf der ersten Seite „Deutscher Heilgruß dem Jubelpaar“ und der „Leitspruch: Für deutschtreues Heimatland und Volk!“. Natürlich spiegelt sich darin auch der in der Ersten Tschechoslowakischen Republik ab 1918 stärker werdende Nationalismus auf tschechischer Seite. Doch Zirwick ist zu verdanken, daß er im Mai 1925 zum Jubiläum ein „Pfraumberger Heimatslied“ verfaßte und – nur in seiner Publikation ist es zu finden – der Nachwelt überlieferte.
Das ist mein Pfraumberggau – Mein Heimatland!
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Dort, wo die Bergeshöh‘n Stolz auf zum Himmel rag‘n, Dort, wo in Heimatslieb‘ Die deutschen Herzen schlag‘n, Dort, wo den Böhmerwald Betreut der Wälder Hand – Das ist mein Pfraumberggau – Mein Heimatland!
. SUDETE 72
Im Jahr 1925 feierte Pfraumberg 1000 Jahre seit Erbauung der gleichnamigen Burg über der Stadt. Pfarrer Klaus Oehrlein berichtet.
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Und wie die Burg vom Berg herab Blickt in der Zeiten off‘nes Grab, So seh‘n wir Menschenwerk vergehen, Nur Gottes Macht wird stets bestehen. Der Text wurde bereits 1890 publiziert. Fortsetzung folgt
Zu ihrem 175jährigen Bestehen 1999 gab die Stadtsparkasse Weiden ein Gedenkbuch über ihre geschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung heraus. Überraschenderweise hatte ein Neuzedlischer einen Grundstein für diese damals neue Einrichtung gelegt.
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ei ihrer Gründung 1824 nannte sich die Sparkasse „Sparanstalt für Dienstboten“. Franz Schwarz aus Neuzedlisch war ihr erster Sparer. Damals hat man ihm wahrscheinlich keinen Blumenstrauß zur Begrüßung überreicht. Im Jubiläumsbuch wird er aber besonders herausgestellt und mehrfach auf seine Rolle hingewiesen: „Die erste Einlage stammte von dem ehemaligen Dienstknecht Franz Schwarz aus Neuzedlisch in Böhmen, der bei dem Kammacher Johann Christian Dienstl beschäftigt war. Schwarz legte am 3. Februar 1824 eine Summe von 200 Gulden (fl) ein, die ein Mehrfaches seines Jahresgehalts betragen haben dürfte. Heute entspräche die Summe dieser ersten Einlage etwa 10 000 DM.“ Ein Florentiner Gulden (fl) war unterteilt in 60 Kreuzer (kr). Ein Pfund Roggenbrot kostete damals 16 Kreuzer, ein Spanferkel einen Gulden. Die Dienstboten hatten bei ihrem Dienstherrn freie Kost und Logis, erhielten zum Sonntag ein kleines Trinkgeld und zu besonderen Feiertagen auch Geschenke, meist in Form von Kleidungsstücken oder Wäsche. Der Geldlohn wurde zu Lichtmeß für das zurückliegende Jahr ausgezahlt. Für einen Dienstknecht wie Franz Schwarz dürften das viel weniger als 100 Gulden gewesen sein. Zu jener Zeit war Weiden eine kleine Ackerbürgerstadt. Die meisten Handwerker betrieben ihr Gewerbe im Rahmen der Familie und unterhielten zur Absicherung und Selbstversorgung im Nebenerwerb noch eine Landwirtschaft mit wenigen Stück Vieh und einigen Tagwerk Wiese und Ackerland. Beim Kammmacher Dienstl dürfte das auch so gewesen sein. Wahrscheinlich ging sein Handwerk so gut, daß er für die Landwirtschaft einen eigenen Dienstknecht halten konnte, eben jenen Franz Schwarz.
Der hatte wohl Neuzedlisch verlassen und war hinüber „in die Weidn“ gegangen, weil man da besser verdienen konnte als im Böhmischen. Sicher war er ein fleißiger und sparsamer Mann, der sein sauer verdientes Geld im Sparstrumpf versteckt gehalten hatte. Jetzt ergriff er die Möglichkeit, sein Geld zu der neu gegründeten „Sparanstalt für Dienstboten“ in Weiden zu tragen, um drei Prozent Jahreszinsen zu erhalten und das Ersparte sicher aufgehoben zu wissen. Man kann den Franz Schwarz als klugen und fortschrittlich denkenden Menschen einschätzen, der die neumodische Einrichtung einer Bank für den kleinen Mann ohne Bedenken richtig einzuschätzen wußte. Ein Jahr später, am 5. Februar 1825, wurde bereits seine nächste Einzahlung gebucht mit 62 Gulden. Es war wohl der größte Teil vom Jahreslohn, der ihm kurz vorher zu Lichtmeß ausgezahlt worden war. Sicher hat der Franz Schwarz mit den Ersparnissen auch eine Zukunftsplanung verbunden. Das Heiraten und Niederlassen in einer Gemeinde wurde nur jenen erlaubt, die Grundbesitz, ein Gewerberecht oder einen anderen gesicherten „Nahrungsstand“ nachweisen konnten. Sie sollten mit Frau und Kindern nicht der Gemeinde zur Last fallen. Zur Erteilung der Heiratserlaubnis wurde positiv berücksichtigt, wenn der Antragsteller einen guten Leumund hatte, sparsam und häuslich war. Das Sparbuch wäre dafür ein Beweis gewesen. Vielleicht hatte der ausgewanderte Neuzedlischer sogar eine weitere Auswanderung nach Amerika vor, wie das viele junge Leute taten. Dann hätte er die Schiffspassage auf einem Segelschiff bezahlen können und noch einen Spargroschen für die Neue Welt übrig behalten. Der allererste Eintrag im Kassenbuch der neuen „Sparanstalt für Dienstboten Weiden“ lautet in schöner Handschrift: „An eingelegten Kapitalien 200 fl legte der Dienstknecht Franz Schwarz aus Neuzedlisch in Böhmen, dermalen bey Kammacher Dienstl dahier in Diensten, am 3ten F ebr. 1824 in der Sparkasse an, worüber der Kassenschein unter Nr. 1 ausgefertigt wurde.“ Ernst Wurdak