Interview mit Martin Herbert Dzingel, dem Präsidenten der Landesversammlung (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
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Jahrgang 73 | Folge 44 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 5. November 2021
B 6543
� Regierungsbildung
Koalitionäre sind auf der Zielgeraden Am 8. November, wenn das neu gewählte tschechische Abgeordnetenhaus erstmals zusammentritt, soll auch der Koalitionsvertrag unterschrieben werden. Darauf haben sich die Bündnisse Spolu, bestehend aus ODS, KDU-ČSL und TOP 09, sowie Piraten und Bürgermeisterpartei verständigt. Die fünf Parteien verfügen mit 108 von 200 Sitzen über eine deutliche Mehrheit im Parlament.
� Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, und Landesobmann Steffen Hörtler beim Festakt „75 Jahre Vertreibung“:
„Vertreibung ist ein Anschlag auf die Wurzeln der Menschenrechte“
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nschließend soll Petr Fiala, der Vorsitzende der Bürgerdemokraten ODS, zum neuen Premierminister gewählt werden. Fiala, der den ODS-Vorsitz 2014 übernommen und die Partei damals aus einer schweren Krise geführt hat, gilt als trocken, aber integer. Der praktizierende Katholik wurde 1964 in Brünn geboren und studierte in den 1980er Jahren Literatur Petr Fiala. und Geschich Foto: privat te. Wegen regimekritischer Äußerungen verwehrten ihm die Kommunisten eine Karriere an der Universität. Nach der samtenen Revolution konnte Fiala an die Universität zurückkehren und arbeitete ab 1996 als Dozent an der KarlsUniversität in Prag. 2002 wurde er zum ersten Professor für Politikwissenschaften in Tschechien berufen. Von 2004 bis 2011 war Fiala Rektor der MasarykUniversität in Brünn sowie von 2009 bis 2011 Vorsitzender der Tschechischen Rektorenkonferenz, bevor er in die Politik wechselte und zunächst als parteiunabhängiger Abgeordneter über die ODS-Liste in das Parlament einzog. Unter Premierminister Petr Nečas leitete Fiala dann von 2012 bis 2013 das Ministerium für Jugend, Bildung und Sport. Fiala ist verheiratet mit der Biologin Dr. Jana Fialová, der Vizedekanin der medizinischen Fakultät der Masaryk-Universität. Das Paar hat drei studierende Kinder. Kennengelernt haben sich die beiden in Brünn 1989 während der Samtenen Revolution, wo das Paar gemeinsam an Demonstrationen gegen die kommunistischen Machthaber teilnahm. 1992 folgte dann die Hochzeit. „Ich könnte nicht tun, was ich tue, wenn ich nicht die Unterstützung meiner Familie hätte. Manchmal höre ich Seufzer, aber kein Bedauern oder Zweifel“, hat Fiala einmal in einem seiner seltenen privaten Interviews erzählt und gebeichtet, daß sich seine Frau innerhalb der Familie um eine gesunde Lebensweise, die richtige Ernährung und die Schädlichkeit des Rauchens kümmere. Zumindest der dritte Punkt dürfte Fiala direkt betreffen – er ist passionierter Pfeifenraucher. Torsten Fricke
Vor 75 Jahren, am 25. Januar 1946, hat der erste Zug mit 1200 Sudetendeutschen das Durchgangslager in Furth im Wald erreicht. 1950, nur vier Jahre später, wurden in Bayern bereits 1,923 Millionen Vertriebene gezählt, was 21,2 Prozent der Bevölkerung entsprach. Mit einer Kranzniederlegung und einem Festakt hat die Landesgruppe Bayern am vergangenen Freitag in Bayreuth an diesen historischen Einschnitt erinnert.
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as Grundübel sei der Nationalismus und dessen Streben nach einer ethnisch homogenen Bevölkerung, wobei die Nationalisten all jene, die anders sind, aus dem Land jagen, zwangsassimilieren oder sogar ermorden“, erklärt Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, in seiner Festrede. Posselts Fazit: „Vertreibung ist ein Anschlag auf die Wurzeln der Menschenrechte. Vertreibung läßt sich deshalb nur bekämpfen mit dem Kampf für die Menschenrechte.“ Mit der Erinnerung an die Vertreibung der Sudetendeutschen vor über 75 Jahren gehe es nicht darum, Wunden zu lecken, sondern dies sei ein zentraler Dienst an allen Menschen, damit solche Verbrechen in Zukunft möglichst nicht mehr möglich sind – „ein zentraler Dienst an einem Europa der Menschenrechte und ein zentraler Dienst an einer Welt der Menschenrechte“, sagte Posselt und zog daraus den Schluß, daß das Engagement der Sudetendeutschen von unverminderter Wichtigkeit sei. „Das ist keine Vergangenheitsbewältigung, sondern notwendig, um die Zukunft in Europa zu gestalten. Freiheit und Demokratie, ein geeintes Europa und garantierte Menschenrechte sind keine Selbstverständlichkeiten für alle Ewigkeit. Wir müssen diese Errungenschaften jeden Tag verteidigen“, mahnte Posselt und forderte, wachsam zu sein und auf allen Ebenen dem Nationalismus entgegenzutreten: „Wenn eine Generation glaubt, daß sie Frieden und Freiheit, Demokratie und europäische Einigung automatisch in der Tasche hat, ist dies in diesem Moment auch schon wieder hinfällig.“ Auch dies sei ein Grund, warum man sich mit der Geschich-
Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, und Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner hielten die Festreden. Rechts: Landesobmann Steffen Hörtler, Zeitzeuge Peter Hucker, Staatsministerin Carolina Trautner, Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, und Bernhard Pohl, Landtagsabgeordneter und vertriebenenpolitischer Sprecher der Freie-Wähler-Landtagsfraktion. Fotos: Torsten Fricke
� Rudolf-Lodgman-Plakette
Albrecht Schläger ausgezeichnet Für sein jahrzehntelanges und vielfältiges Engagement für die Sudetendeutsche Volksgruppe ist Albrecht Schläger mit der Rudolf-Lodgman-Plakette ausgezeichnet worden.
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olksgruppensprecher Bernd Posselt und Bayerns Landesobmann nutzten den Festakt „75 Jahre Vertreibung“ als würdigen Rahmen, um diese Ehrung vorzunehmen. Schläger war von 1990 bis 2003 Mitglied des Bayerischen Landtags und Sprecher für Vertriebenen- und Spätaussiedlerfragen der SPDFraktion. Mitglied des Kuratoriums des Hauses des Deutschen Ostens, Vorsitzender und Präsidiumsmitglied der Seliger-Gemeinde, Generalsekretär des Sudetendeutschen Rates, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen (BdV)
Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, und Landesobmann Steffen Hörtler zeichnen Albrecht Schläger aus. und Mitglied im Verwaltungsrat des deutsch-tschechischen Zukunftsfond, dies sind einige Stationen von Schlägers ehrenamtlichen Engagement für die Sudetendeutsche Volksgruppe.
Albert Schläger wurde am 4. September 1942 in Marktredwitz nahe der heutigen bayerisch-tschechischen Grenze geboren, ist verheiratet und Vater zweier Kinder.
te beschäftigen müsse, so der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe: „Wir müssen aus der Geschichte lernen und dafür sorgen, daß sich die dunklen Seiten nicht wiederholen.“ Bayreuth habe man deshalb bewußt als zentralen Ort für diesen Festakt ausgewählt, erklärte Landesobmann Steffen Hörtler: „Die Stadt Bayreuth war 1946 ein Hotspot für den Weitertransport der sudetendeutschen Vertriebenen zu ihren Zielorten in den westlichen Besatzungszonen.“ So wurde in Bayreuth ein Lager für bis zu 1200 Personen errichtet. Insgesamt kamen 1946 fast 40000 Vertriebene aus dem gesamten Sudetenland am Bayreuther Bahnhof an. „Entrechtung, Entwurzelung, Heimatverlust – das ist die schreckliche Bilanz der Vertreibung von über drei Millionen Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Hörtler und erinnerte daran, daß die sogenannte wilde Vertreibung bereits kurz nach Kriegsende im Jahr 1945 begonnen hatte, aber der Großteil der Sudetendeutschen erst 1946 vertrieben wurde. Der Landesobmann: „Vor genau 75 Jahren kamen hier und anderswo in Bayern die organisierten Vertreibungstransporte an. Es waren nicht spontane Racheaktionen nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, sondern eiskalt geplante Nachkriegsverbrechen.“ Diese Tragödie auf europäischem Boden dürfe deshalb nicht vergessen werden. „Als größte Landesgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft wollen wir an dieses schwere Schicksal unserer Landsleute denken“, so Hörtler. Daß hinter jeder Vertreibung ein menschliches Schicksal steht, daran erinnerte Peter Hucker eindrucksvoll als Zeitzeuge. Der heute 89jährige konnte erst 1948 die Tschechoslowakei verlassen, wo er als 15jähriger zur Zwangsarbeit verpflichtet worden war. Nach der Ankunft in Bayern lebte er mit seiner Familie über ein Jahr im Lager in Bayreuth (siehe Sudetendeutsche Zeitung, Ausgabe 43) und fand hier auch den Kontakt zur SL. Wie die Ehrengäste den Anlaß „75 Jahre Vertreibung“ würdigten, lesen Sie auf Seite 5. Torsten Fricke
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 44 | 5. 11. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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omics werden nicht nur von Kindern gern gelesen, sondern auch von Erwachsenen. Bewußt hat deshalb die Organisation Post Bellum dieses Genre genutzt, um über Gespräche mit sudetendeutschen Zeitzeugen das Thema Vertreibung populär aufzuarbeiten. Unter dem Titel „Odsunuté děti“ (Abgeschobene Kinder) ist daraus mit finanzieller Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und anderer Institutionen, ein 136 Seiten
starkes Buch erschienen. Fünf Sudetendeutsche schildern darin ihre persönlichen Erlebnisse des Jahres 1945 sowie die jeweilige Vorgeschichte. Auf der vorletzten Seite ist vermerkt, daß zur Entstehung dieses Comics auch unsere Landsleute Margaretha Michel und Zuzana Finger beigetragen haben. Und der Publizist Jan Blažek erklärt im Vorwort dieses auch vom SL-Büroleiter Peter Barton hochempfohlenen Buches Folgendes: „Im Interview mit tschechischen
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Dokumentaristen sprechen sie über Krieg, die Vertreibung danach und darüber, wie sie den Verlust der Heimat verkrafteten. Heute gehören sie zu den Letzten, die dazu aus erster Hand etwas sagen können. Ihre Erinnerungen gehören der tschechischen und deutschen Geschichte. Vielleicht war es das Generationsproblem. Mir ist nämlich überhaupt nicht eingefallen, warum es mich als Tschechen nicht interessieren sollte. Es interessiert mich eben als Mensch, antwortete ich schüchtern. Hoffentlich richtig“.
Babiš kritisiert EU-Klimapaket
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Erinnerung an den Direktor des Deutschen Gymnasiums in Budweis
Tschechische Schüler renovieren das Grab eines großen Deutschen Budweis hat seinem Ehrenbürger Dr. Matthias Koch viel zu verdanken. Doch weil der legendäre Direktor des Deutschen Gymnasiums kein Tscheche, sondern ein Deutscher war, wurde jede posthume Würdigung über Jahrzehnte untersagt. So gab es an seiner letzten Ruhestätte noch nicht mal eine Grabplatte mit seinem Namen. Im Rahmen eines Schulprojektes haben Schüler des heutigen Česká-Gymnasiums jetzt das Grab renoviert.
on“ des Grabes durch die Schule, um an der Restaurierung des Grabes arbeiten zu können. Dann mußte das Friedhofsbeet von altem Gestrüpp und Unkraut befreit, neue Erde eingebracht, das Beet mit Stauden und Ziergehölzen bepflanzt und mit Zierrinde ein feuchtes Umfeld für die Pflanzen geschaffen werden. Darüber hinaus wurden Moosschichten im gesamten Bereich des Grabes und seiner Umgebung entfernt und das stellenweise durchbrochene Gitter restauriert und
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Der Gründungsdirektor des Deutschen Gymnasiums, Dr. Matthias Koch, wurde auf dem Sankt-Ottilien-Friedhof beigesetzt, worauf jahrzehntelang noch nicht einmal eine Grabplatte hinwies. Im Rahmen eines Schülerprojektes wurde die letzte Ruhestätte jetzt renoviert. Fotos: Petr Lundák
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as frühere Deutsche Gymnasium und heutige Česká Gymnasium hat den Schulbetrieb im Jahre 1903 aufgenommen. Erster Schulleiter war der gebürtige Budweiser Dr. Matthias Koch (1840–1926), der zuvor auch maßgeblich am Bau dieses Gymnasiums beteiligt gewesen war, das in seiner Form bis heute erhalten geblieben ist. Zeitgenössische Quellen belegen, daß Dr. Koch im Stadt- und Bezirksrat saß und an der Gründung mehrerer anderer Schulen in der Region beteiligt war. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Gruft seines Verwandten Johann Lampl, welche deutliche Anzeichen von jahrelanger Vernachlässigung aufwies. Diese Grabstätte war nicht einmal mit Kochs Namen gekennzeichnet. Mit Unterstützung der Region Südböhmen und unter der Schirmherrschaft von Gouverneur Dr. Martin Kuba wurde das Grab jetzt im Rahmen eines Schülerprojekts des Česká Gymnasiums renoviert. Finanziell gefördert wurde diese Instandsetzung von den Familien Stegmann und Hampel aus Massing und München, die feste Wurzeln in der Stadt Budweis haben. So war der Vorfahre Johann Stegmann im 19. Jahrhundert Bürgermeister von Budweis. Den Anstoß für das Projekt hatte eine historische Forschungsarbeit des Schulleiters Antonín Sekyrka gegeben, der mit Hilfe des Direktors des Bezirksarchivs, Dr. Daniel Kovář, die letzte Ruhestätte von Koch und seinem Verwandten Johann Lampl ausfindig machen konnte. In Zusammenarbeit mit anderen Lehrern motivierte Direktor Sekyrka Schüler des Gymnasiums für dieses Projekt. Einer der ersten Schritte war die „Adopti-
neu gestrichen. Außerdem wurden zwei Grabsteine restauriert und zwar sowohl auf Tschechisch als auch auf Deutsch, da Direktor Koch beide Sprachen fließend beherrschte. Neben den körperlichen Aktivitäten arbeiteten die Schüler auch an der Vorbereitung einer Präsentation der wichtigsten Punkte des Projekts, um es einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Am Freitag, 15. Oktober, wurde auf dem Sankt-Ottilien-Fried-
Da Koch während der österreichischen Monarchie geboren wurde, wurde der linke Teil eines Kranzes symbolisch mit einem gelb-schwarzen Band geschmückt, und da er als Bürger der Tschechoslowakei starb, wurde der rechte Teil mit der Trikolore in den Nationalfarben dargestellt. Die Inschriften auf den Bändern in tschechischer und deutscher Sprache brachten den Respekt zum Ausdruck, daß das Schulgebäude in der heutigen
Dr. Matthias Koch Der Sohn einer deutschen Schuhmacherfamilie aus Budweis studierte in Prag Mathematik, bevor er in seine Heimatstadt zurück kehrte, das Deutsche Gymnasium aufbaute und viele Jahre als Direktor führte. Koch galt als strenger Lehrer, der vor allem den Bierkonsum bei Schülern nicht tolerierte. Budweis ernannte Koch 1902 zum Ehrenbürger. 1904 wurde ihm der Kaiserliche Orden der Eisernen Krone verliehen. hof in Budweis das neu renovierte Grab des Ehrenbürgers eingeweiht. Der südböhmische Landeshauptmann Martin Kuba und der stellvertretende Bürgermeister Ivo Moravec sprachen über die Dimension und Bedeutung dieses Projekts. Die Wiedereinweihung des Grabes wurde von Pater Jan Madar, einem Priester des Petrusordens, vorgenommen. Anschließend legten Vertreter der Region, der Stadt und des Gymnasiums Kränze auf dem renovierten Grab nieder.
uf der UN-Klimakonferenz COP 26 in Glasgow hat der scheidende tschechische Premierminister Andrej Babiš (Ano) das europäische Klimapaket „Fit for 55“ deutlich kritisiert. Die EU, die etwa neun Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht, könne, so Babiš, „selbst durch drastische Maßnahmen nichts erreichen, wenn die größten Verschmutzer wie China oder die USA, die für 27 beziehungsweise 15 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind, nicht mitmachen“. Der tschechische Regierungschef warnte deshalb, daß der „Green Deal zum grünen Selbstmord für Europa“ werden könne. Babiš: „Für die Tschechische Republik sind Kernenergie und Erdgas die einzig möglichen Mittel, um null CO2-Emissionen zu erreichen. Insbesondere die Kernenergie ist eine saubere, sichere, zuverlässige und erschwingliche Energiequelle, und die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission sollten dies anerkennen.“
Česká-Straße auch fast 120 Jahre nach dem Bau des Gymnasiums noch immer seinem ursprünglichen Zweck dient: der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Ein Auftritt des Schulchors unter der Leitung von Mgr. Ester Pitrunová folgte. Die Gruppe sang die sogenannte Kaiserhymne. Die erste Strophe auf Deutsch, die zweite auf Tschechisch. Schließlich traten einzelne Schüler an das Grab heran und legten schweigend und dankbar eine Rose auf den Grabstein „unseres ersten Schulleiters“.
Die Zeremonie wurde anschließend im Gymnasium fortgesetzt. Hier wurden im Erdgeschoß der Schule zwei Gedenktafeln aus Marmor enthüllt. Eine war dem Vermächtnis von Jan Arnos Comenius gewidmet, die andere Dr. Matthias Koch. Die ursprünglichen Tafeln wurden 1923 zerstört und sind nun nach 98 Jahren wieder an ihrem Platz. Die Gestalterin der Gedenktafeln ist Adéla Müllerová, Absolventin der Höheren Kunstgewerbeschule in Krumau. Josef Sailer, Heimatkreisbetreuer für Budweis, lobt ausdrücklich dieses tschechische Schülerprojekt: „Trotz der schwierigen Vergangenheit muß man sich vor Augen halten, daß wir in außergewöhnlichen Zeiten leben, denn die heutige Studentengeneration hat nicht mehr mit dem Zwiespalt zwischen den Nationalitäten aus dem Krieg und der endlosen Zeit des Kommunismus zu kämpfen. Im Gegenteil, mit ihrer Leidenschaft und Entschlossenheit gelingt es ihnen, diese alten Wunden zu heilen. Deshalb können solche Schülerprojekte offen auf eine gemeinsame Vergangenheit verweisen, in der viele Menschen, ob unter Tschechen oder Deutschen und Österreichern, nicht darauf achteten, welche Nationalität oder Sprache man sprach, sondern darauf, was man tun konnte, um den Geist zu pflegen. Und so möge die Renovierung des Grabes dieser Budweiser Persönlichkeit Dr. Matthias Koch auch eine Erneuerung und Vertiefung der gegenseitigen Beziehungen zwischen uns und unseren Nachbarn sein, unabhängig von Sprache und Nationalität und uns Demut und Respekt vor dem Erbe unserer Vorfahren lehren.“
Orden des Weißen Löwen
raditionell am Staatsfeiertag, dem 28. Oktober, verleiht der Staatspräsident den Orden des Weißen Löwen, die höchste Auszeichnung der Tschechischen Republik. Da Präsident Miloš Zeman noch immer im Krankenhaus behandelt wird, wurden in diesem Jahr nur die Namen veröffentlicht. Die Ordensverleihung soll im Januar stattfinden. Neue Ordensträger sind Vladimír Remek, der einzige tschechische Astronaut und spätere Europaabgeordnete der Kommunisten, sowie die Schauspielerin und bekennende Zeman-Anhängerin Jiřina Bohdalová. Mit Alfred Duff Cooper, Alexander Hess und Petr Kellner wird der Orden an drei Personen posthum verliehen.
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Corona-Zahlen steigen stark an
591 neue Coronafälle allein am Montag, das ist der höchste Stand an Neuinfektionen seit März und ein Zuwachs von fast 3300 Fällen zur Vorwoche. Auch die Zahl der Patienten, die im Krankenhaus auf einer Normal- oder Intensivstation behandelt werden müssen, steigt
deutlich. Mittlerweile ist die Sieben-Tage-Inzidenz in der Tschechischen Republik auf 352 Neuinfizierte pro 100 000 Einwohner gestiegen. Eine Folge: Seit Montag müssen Wirte und Hoteliers bei ihren Gästen die Einhaltung der 3G-Regel kontrollieren. Dabei dürfen PCR-Tests nicht älter als 72 Stunden und Schnelltests nicht älter als 24 Stunden sein.
Wissenschaftler ausgezeichnet
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ie tschechische Akademie der Wissenschaften hat am Montag drei Forscher ausgezeichnet, die sich um die allgemeinverständliche Darstellung von Forschungsergebnissen verdient gemacht haben. Geehrt wurden der Informatiker Roman Neruda, die Historikerin Eva Doležalová und der Biologe Miloslav Jirků. Neruda beschäftigt sich vor allem mit künstlicher Intelligenz und bietet zahlreiche Veranstaltungen für Schüler und Studenten an. Mittelalter-Expertin Doležalovás erläutert regelmäßig in den tschechischen Medien Meilensteine der Geschichte. Und Jirků forscht zur Evolution von Parasiten und ist Co-Autor von über 50 wissenschaftlichen Zeitschriften-Beiträgen.
Tschechin aus der Haft entlassen
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ie wegen Drogenschmuggels in Pakistan inhaftierte Tschechin Tereza Hlůšková kommt nach vier Jahren frei. In einem Berufungsverfahren sei die 25jährige von der Anklage freigesprochen worden, hat das tschechische Außenministerium erklärt. Hlůšková war im Januar 2018 vom pakistanischen Zoll mit achteinhalb Kilogramm Heroin im Koffer festgenommen worden. Sie selbst beteuerte, ihr sei das Rauschgift untergeschoben worden. Dennoch wurde sie zu acht Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.
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Škoda beendet Zwangspause
ntspannung in der Chip-Krise: Nach einem zweiwöchigen Produktionsstopp hat Škoda in den meisten seiner Werke wieder die Produktion hochgefahren, hat ein Unternehmenssprecher mitgeteilt. Dennoch werde sich nach der Zwangspause die Auslieferung von 30 000 bis 50 000 Neuwagen verzögern.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 44 | 5.11.2021
Es war ein langer Weg: Im Oktober hat die Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik zum fünften Mal ihre Zwei-Jahres-Konferenz im tschechischen Außenministerium durchführen können. Mit dabei war mit Jakub Kulhánek sogar der tschechische Außenminister. Für die deutsche Minderheit ist diese Normalisierung im gegenseitigen Umgang keine Selbstverständlichkeit, wie Martin Herbert Dzingel, der langjährige Präsident der Landesversammlung, im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung berichtet.
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE � Martin Herbert Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik
„Unsere Beziehung ist immer noch kompliziert“
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err Dzingel, Sie sind in der Tschechoslowakei im Altvatergebirge als Kind einer deutschen Familie aufgewachsen. Welche Person hat Sie am meisten geprägt? Martin Herbert Dzingel: Meine Oma. Mein Opa war in Stalingrad gefallen, und sie wohnte im selben Haus. Da meine Eltern beide arbeiten mußten, bin ich bei meiner Großmutter aufgewachsen. Sie sprach nur ein paar Worte Tschechisch. Wir haben deshalb nur deutsch geredet. Das hat mich geprägt, da ich weder im Kindergarten noch später in der Schule Deutsch sprechen durfte. Warum ist Ihre Familie nach dem Krieg nicht vertrieben worden? Dzingel: Meine Großmutter war in einer Weberei Vorarbeiterin und mußte deshalb bleiben. Als meine Mutter 15 war, mußte sie als Kind von Deutschen die Martin Herbert Dzingel ist seit 2010 Präsident der Landesversammlung der Foto: privat Schule verlassen und ebenfalls deutschen Vereine in der Tschechischen Republik. in der Weberei arbeiten. So erging es auch allen meinen TanDzingel: Nein, als Deutscher Dzingel: Als Deutscher in der ten. Meine Mutter hat dann 45 durfte ich weder das Abitur ma- Tschechischen Republik. Jahre in der Weberei gearbeitet. chen, noch studieren. Nach der Mit dem Beitritt zur EuropäUnd mein Vater war Busfahrer. In Schule sollte ich in Ostrau im ischen Union am 1. Mai 2004 hat den ersten Jahren mußten meine Bergwerk arbeiten. Das war das sich die Tschechische Republik Eltern von ihrem Lohn auch noch Schlimmste, was ich mir vorstel- dazu verpflichtet, Menschen- und eine Deutschen-Steuer bezahlen. len konnte. Mein Vater konnte Bürgerrechte zu garantieren. HaHat Ihre Familie unter diesen das Gott sei Dank verhindern, da ben sich die Lebensbedingungen Bedingungen nicht mit dem Ge- er ein paar einflußreiche Tsche- für die deutsche Minderheit verdanken gespielt, das Land zu ver- chen kannte. Aber ich mußte in bessert? lassen? Freudenthal eine Lehre als WasDzingel: Ja, sowohl das VerDzingel: Meine Mutter wäre serinstallateur anfangen. Das war hältnis zur tschechischen Regienur gegangen, wenn meine Oma trotzdem sehr schlimm für mich, rung sowie den Ämtern und Bemitgegangen wäre. Aber eine weil ich überhaupt kein Hand- hörden, als auch zur Gesellschaft Tante war mittlerweile mit einem werker bin. Aber ein Jahr spä- hat sich deutlich verbessert. 2012 Tschechen verheiratet und hatte ter kam die Samtene Revolution. konnten wir als LandesversammKinder. Meine Oma wollte nicht, Ich wollte sofort die Lehre abbre- lung zum ersten Mal zu einer daß die Familie zerrissen wird. chen und mein Abitur machen, Konferenz ins tschechische AuWie sind Sie in der Schule auf- aber mein Vater hat gesagt, ich ßenministerium einladen. Diese genommen worden? Wurden Sie solle erst die Ausbildung been- Konferenz der Landesversammausgegrenzt? den. Er meinte, Handwerk habe lung findet seitdem alle zwei Dzingel: Das erste, an was ich goldenen Boden. Später habe ich Jahre statt. Zum ersten Mal war mich erinnern kann, war, daß dann in Pardubitz Lehramt und jetzt mit Jakub Kulhánek sogar meine tschechischen Klassen- in Brünn Psychologie und Philo- ein Außenminister persönlicher kameraden als Jungpioniere al- sophie studiert. Schirmherr der Konferenz. le ein rotes Heute sind Gab es nicht Vorbehalte, als „Nach der Schule Halstuch beSie Präsident so- Sie damals im Vorfeld der ersten kamen. Das wie Geschäfts- Konferenz im Außenministerium sollte ich im wollte ich führer der Lan- vorstellig wurden? Bergwerk arbeiten“ desversammauch, aber Dzingel: Doch, natürlich. Bei als Deutscher lung und sind meinen Gesprächen im Außendurfte ich nicht zu den Pionie- damit der höchste Vertreter der ministerium wollte man sehr geren. Und später hat mich mein deutschen Vereine in der Tsche- nau wissen, was wir planen, welErdkundelehrer einmal aufgeru- chischen Republik. Wie war der che Themen wir besprechen wolfen und gesagt, ich solle vor der Weg dorthin? len und wen wir einladen. Unser Klasse etwas über die schlechten Dzingel: Bereits kurz nach Glück war, daß damals Karel Deutschen erzählen. Und vom der Wende habe ich begonnen, Schwarzenberg Außenminister Direktor habe ich mal Ohrfeigen mich in Römerstadt im Verband war, der unserem Projekt aufgebekommen, weil ich bei einem der Deutschen Nordmähren – schlossen und positiv gegenüber Schulwettbewerb aus Rücksicht Adlergebirge für die Erhaltung stand. Aber natürlich waren auch auf einen dickeren Schüler lang- und Förderung der deutschen wir sehr vorsichtig, weil wir wußsamer gelaufen bin. Der Direk- Sprache und Kultur zu engagie- ten, daß wir uns auf sehr dünnem tor meinte, ich hätte das Rennen ren. Daraus wurde im Laufe der diplomatischen Eis bewegen. Ein boykottiert, weil ich Deutscher Zeit immer mehr. 1998 wurde ich Fehler, und eine solche Konfebin. Aber im Großen und Ganzen dann ins Präsidium der Landes- renz wäre auf die nächsten Jahre ging es, ich bin also nicht trau- versammlung gewählt, seit 2001 unmöglich gewesen. Aber wir hamatisiert. Mein Bruder, der neun bin ich Geschäftsführer und seit ben es geschafft, bei unseren GeJahre älter ist, hatte es da noch 2010 Präsident. sprächspartnern im Ministerium schwerer gehabt. Was macht die Landesver- Vertrauen aufzubauen. Und in Eigentlich ist dieses Verhal- sammlung? diesem Jahr ist sogar ein ganzer ten in der damals kommunistiDzingel: 1990 wurde der Ver- Bus mit Sudetendeutschen nach schen Tschechoslowakei noch un- band der Deutschen in der Prag angereist. verständlicher, wenn man berück- Tschechoslowakei gegründet, Wie ist es um die Zukunft der sichtigt, daß Ihre Vorfahren als woraus sich 1992 die Landesver- Deutschen in der Tschechischen Sozialdemokraten Gegner von sammlung entwickelte. Heute Republik bestellt. Wächst da eine Hitler und den Nazis waren. sind in der Landesversammlung neue Generation heran? Dzingel: Ja, schon mein Ur- 22 selbstständig registrierte VerDzingel: Die über vier Jahrgroßvater war ein großer Sozial- bände der heimatverbliebenen zehnte dauernde Zwangs-Assidemokrat und hatte deshalb so- Deutschen und 15 Begegnungs- milisierung unter den Kommugar in der Hitlerzeit seine Arbeit zentren angeschlossen. Die Lan- nisten hat nachhaltig negative verloren. Unsere ganze Familie desversammlung vertritt die Auswirkungen. Bei der letzten bestand aus Sozialdemokraten, deutsche Volksgruppe in diver- Volkszählung gaben 18 772 Bürdie natürlich mit Hitler und den sen Minderheitengremien und ger an, deutscher Abstammung Nazis nichts am Hut hatten. ist Ansprechpartner für die Ver- zu sein. Bei der jetzigen VolksSie haben 1988 die Schule ver- waltungsbehörden. abstimmung, deren Ergebnislassen. Konnten Sie gleich studieAls was fühlen Sie sich? Als se noch nicht vorliegen, werden ren? Deutscher? Als Tscheche? es wahrscheinlich noch weniger
� Zur Person: Martin Herbert Dzingel � Geboren
am 7. August 1975 und in Bergstadt bei Römerstadt aufgewachsen. � Praktizierender Katholik. � 1998 bis 2001: Studium in Pardubitz. � 2007 bis 2009: Studium in Brünn. � 1998: Wahl ins Präsidium der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik. � Seit 2001: Geschäftsführer der Landesversammlung � Seit 2010: Präsident der Landesversammlung. � Seit 2015: stellvertretender Vorsitzender im Rat für nationale Minderheiten der tschechischen Regierung. � Seit 2011: Beiratsmitglied des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums. � 2020: Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. � 2021: Ehrennadel in Silber des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich. sein. Und noch immer werden wir als Minderheit gegenüber anderen Minderheiten benachteiligt. So haben andere Minderheiten, wie die Polen oder Slowaken, in ihren Grenzgebieten eigene öffentliche Schulen, wir nicht. Solche Pläne würden kommunistische oder nationalistische Politiker sofort instrumentalisieren, um uns „Revanchismus“ vorzuwerfen. Unsere Beziehung ist im-
historischen Begebenheiten ist das Mißtrauen gegen uns Deutsche immer noch groß. Wir werden nicht so behandelt wie andere Minderheiten, auch wenn sich vieles entspannt hat. Wie hat sich das ThomasMann-Gymnasium entwickelt? Dzingel: Sehr gut. Mittlerweile platzt unser Haus aus allen Nähten. Wir sind aktuell auf der Suche nach neuen Räumlichkei-
Für seine Verdienste um die deutsch-tschechischen Beziehungen wurde Martin Dzingel im September 2020 vom damaligen Botschafter Dr. Christoph Israng im Namen des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. mer noch kompliziert. Sie haben es als deutsche Minderheit trotzdem geschafft, in Prag 1991 eine private Grundschule und 1995 das ebenfalls nicht-staatliche Thomas-MannGymnasium zu gründen. Dzingel: Eigentlich hatten wir die Schulen in Krumau gründen wollen. Damals gab es dagegen eine riesige Protestwelle. Es wurde sogar gedroht, die Schule mit einer Bombe in die Luft zu jagen. Man warf uns vor, die Deutschen wollten das Grenzgebiet wieder „germanisieren“. Das war vor drei Jahrzehnten. Heute hätten wir sicherlich eine andere Situation, aber es wäre trotzdem nicht einfach. Aufgrund der
ten. Wir wollen uns nicht nur vergrößern, wir hätten auch gerne eine eigene Sporthalle. Gehen dort nur Kinder deutscher Familien zur Schule? Dzingel: Nein, wir haben auch Schüler, die aus tschechischen Familien kommen, aber Deutsch lernen wollen. Sie sind herzlich willkommen. Wir diskriminieren niemanden. Sind die Beneš-Dekrete, mit denen die Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg die menschenrechtswidrige Vertreibung der Sudetendeutschen versuchte juristisch zu rechtfertigen, noch ein Thema? Dzingel: Da muß man nur die vorletzte Präsidentenwahl ana-
3 lysieren. Als Kandidat Karel Schwarzenberg auf die Frage, wie er zu den Beneš-Dekreten stehe, vorsichtig sagte, diese seien zumindest aus heutiger Sicht ein Verstoß gegen die Menschenrechte, hatte er die Wahl gegen Miloš Zeman verloren. Anfang Oktober fanden die Wahlen zum tschechischen Abgeordnetenhaus statt. Sind Sie froh, daß Populist Andrej Babiš als Premierminister abgewählt worden ist? Dzingel: Als Angehöriger der deutschen Minderheit habe ich dazu zwei Meinungen. Auf der einen Seite steht Andrej Babiš nach zahlreichen Skandalen ohne Frage zu Recht in der Kritik, aber auf der anderen Seite war es seine Regierung, die uns bei zahlreichen Projekten sehr unterstützt hat. So hat uns die ehemalige Justizministerin und Beauftragte der tschechischen Regierung für Menschenrechte und Minderheiten, Prof. Helena Válková ermöglicht, das Projekt „Schutz der deutschen Sprache“ zu realisieren und DeutschUnterricht als Pilotprojekte an Schulen in Eger und Gablonz zu starten. Frau Prof. Válková hat uns sehr unterstützt, und sie hatte auch das grüne Licht von Premierminister Babiš. Wir konnten in dieser Legislatur am meisten in die Wege leiten. Im neuen tschechischen Abgeordnetenhaus sind mit Spolu, Ano, Piraten- und Bürgermeisterpartei sowie der rechtsradikalen SPD nur noch vier Gruppierungen vertreten. Ist das ein Fluch? Oder ein Segen? Dzingel: Gut ist, daß die Kommunisten erstmals den Einzug ins Abgeordnetenhaus verpaßt haben und daß die SPD mit 9,6 Prozent weitaus weniger Stimmen bekommen hat als befürchtet. Daß aber auch die Sozialdemokraten den Einzug ins Parlament knapp nicht geschafft haben, ist bedauerlich, zumal ich selbst ein überzeugter Sozialdemokrat bin, weil ich das Prinzip der Solidarität mit der Muttermilch aufgesogen haben. Was erwarten Sie sich unter der neuen Regierung, die wohl Petr Fiala als Premierminister anführen wird? Dzingel: Daß wir den Kurs der Normalisierung fortsetzen. Daß wir als Minderheit den Schutz erhalten, der uns in einem freien Europa zusteht. Und daß wir unsere Kultur und Sprache weiter pflegen können. Auf europäischer Ebene wird über die sogenannte Minority SafePack-Initiative diskutiert, um Minderheiten besser zu schützen. Wie sehen Sie das? Dzingel: Wenn das Minority SavePack umgesetzt wird, ist dies sicherlich positiv für alle Minderheiten in Europa, aber große Auswirkungen für uns in der Tschechischen Republik sehe ich nicht. Wir haben bereits ein Gesetz, in dem der Schutz der Minderheiten geregelt ist. Seit Sommer hat die Bundesrepublik Deutschland mit Andreas Künne einen neuen Botschafter in Prag. Wie ist Ihr erster Eindruck? Dzingel: Großartig. Schon ein paar Tage nach seinem Amtsantritt hat Herr Botschafter uns in der Landesversammlung besucht, und bei der Landeskonferenz und bei unseren anderen Veranstaltungen war er ebenfalls unser Gast. Auch seine Festrede war hervorragend. Aber auch zu seinem Vorgänger Dr. Christoph Israng hatten wir eine sehr gutes und vertrauensvolles Verhältnis. Abschlußfrage: Haben Sie einen besonderen Ort in Tschechien? Einen Lieblingsort? Dzingel: Ja, sogar zwei. Ich habe das Haus meiner Oma in Bergstadt im Altvatergebirge geerbt. Das ist jetzt mein Wochenendhaus. Hier tanke ich Kraft. Und einen Ort weiter, in Eisenberg, gibt es einen alten Kreuzweg mit einem fantastischen Ausblick über meine Heimat. Torsten Fricke
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TERMINE . AKTUELL
Der Jeschken bei Reichenberg ist mit 1012 Metern die höchste Erhebung des Jeschkengebirges in Nordböhmen. Weithin sichtbar ist der Fernsehturm.
Sudetendeutsche Zeitung Folge 44 | 5.11.2021
Die Seilbahn auf den Jeschken wurde 1933 in Betrieb genommen.
Unglück am Jeschken bei Reichenberg fordert ein Todesopfer
Gondelabsturz: Suche nach der Unfallursache Wie es zu dem Unglück am Jeschken kommen konnte, ist auch Tage nach dem Absturz der Gondel unklar. Die Untersuchung durch Experten könnte noch Monate dauern.
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Feuerwehrleute beim Bergen der verunglückten Gondel am Jeschken. Fotos: Czech Tourism/Twitter
er Unfall ereignete sich am Sonntag, gegen 13.30 Uhr. Bei einer Gondel riß das Zugseil, woraufhin die Kabine talabwärts am Tragseil hinabrutschte und offenbar am Stützpfeiler aus der Verankerung gerissen wurde und 30 Meter in die Tiefe stürzte. „In der Kabine befand sich der Gondelführer, der leider nur noch tot geborgen werden konnte“, sagte Michael Georgiev, Sprecher des regionalen Rettungsdienstes. Durch den Riß des Zugseils rutschte auch die zweite Kabine,
die gerade die Talstation verlassen hatte, talabwärts, kam aber kurz vor der Talstation in 15 Metern Höhe zum Stehen. An Bord waren mit dem Gondelführer 13 Touristen, die von der Feuerwehr über eine Notluke abgeseilt werden mußten. Verletzt wurde niemand, aber mehrere Personen mußten anschließend psychologisch betreut werden, da sie, so David Kořínek, Sprecher der regionalen Feuerwehr, den Absturz der anderen Gondel mitansehen mußten. Erst nach zwei Stunden war die Evakuierung beendet. Die Jeschken-Seilbahn wurde 1933 in Betrieb genommen und ist damit die zweitälteste Personenseilbahn in der Tschechischen Republik. Laut den Tschechischen Bahnen, zu denen die
Seilbahn gehört, wurden allein im vergangenen Jahr 211 000 Passagiere von der Talstation auf 600 Meter Meereshöhe zum Gipfel befördert. Bahn-Sprecher Petr Šťáhlavský erklärte, für die Seilbahn habe es detaillierte Wartungsvorschriften gegeben. So sei eine tägliche Sichtprüfung vorgeschrieben und jeweils montags eine gründlichere Überprüfung auch der Sicherheitssysteme. Hinzu kämen weitere regelmäßige Kontrollen im Zweiwochen- und Monatsrhythmus. Zweimal im Jahr, jeweils im Frühjahr und im Herbst zwischen der Sommer- und der Wintersaison, habe man dann die Seilbahn einer größeren Inspektion unterzogen. Geplant war, daß diese Inspektion am Montag hätte be-
Die zweite Gondel kam vor der Talstation zum Stillstand. Die Fahrgäste mußten über eine Notluke 15 Meter tief abgeseilt werden. ginnen sollen. Der Sonntag, der Tag, dem das Unglück passierte, war der letzte Betriebstag in der Sommersaison. Unmittelbar nach dem Unglück hat die Eisenbahnaufsichtsbehörde mit der Untersuchung begonnen, die vermutlich noch Monate dauern wird. „Nach dem Gesetz haben wir bis zu zwölf Monate Zeit, um einen Vorfall bei der Bahn zu untersuchen“, so Sprecher Martin Drápal. In dieser Zeit werde man nicht nur die Wartungsunterlagen auswerten, sondern auch die Mitarbeiter der Seilbahn vernehmen. Torsten Fricke
VERANSTALTUNGSKALENDER
Podiumsgespräch
Erinnerung an Samuel von Brukenthal Donnerstag, 11. November, 19.00 Uhr: „300 Jahre später: Samuel von Bruken-thal in unserer Zeit“. Podiumsteilnehmer sind Honorarprofessor Dr. Konrad Gündisch und Josef Balazs mit Autor Dr. Andreas Kossert. Samuel von Brukenthal (1721–1803) war zur Zeit Maria Theresias und Josephs II. unter anderem Leiter der Siebenbürgischen Hofkanzlei in Wien und zehn Jahre lang Gouverneur von Siebenbürgen, der einzige Siebenbürger Sachse in diesem Amt. Brukenthal hat als Politiker, Kunstsammler und Mäzen,
als Förderer der Wissenschaften und der Künste, nicht zuletzt als Stifter des nach ihm benannten Museums in Hermannstadt dazu beigetragen, daß Siebenbürgen im Zeitalter des Barocks und der Aufklärung den Weg hin zu einer europäischen Kulturlandschaft beschritten hat. Anmeldung erforderlich unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail poststelle@hdo.bayern.de.
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Liederbücher neu aufgelegt
Die Patenschaft der Stadt Wetzlar für das Ostdeutsche Lied hat die von Edgar Hobinka ���� und ���� konzipierten Liederbücher „Brücke zur Heimat“ (��� Seiten) und „Ostdeutsches Liederbuch“(��� Seiten) neu aufgelegt. Inhalt und Gestaltung der beiden Liederbücher blieben bis auf geringe redaktionelle Korrekturen unverändert. Alle Lieder sind mit Melodie und Textstrophen versehen. Die Liederbücher können zum Einzelpreis von �,�� Euro erworben werden bei:
STADT WETZLAR
Patenschaft der Stadt Wetzlar für das Ostdeutsche Lied Hauser Gasse �� · ����� Wetzlar Telefon (� �� ��) �� �� �� Telefax (� �� ��) �� �� �� eMail ostdeutscheslied@wetzlar.de
Noch bis Sonntag, 21. November, Sudetendeutsches Museum: „Von Böhmen in die Ardèche – Ausstellung von Werner Reinisch“. Alfred-Kubin-Galerie, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt frei. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 10.00 bis 18.00 Uhr. Sonntag, 7. November, 16.00 Uhr, BdV-Kreisverband Fulda: Totengedenken mit Generalvikar a.D. Prof. Dr. Gerhard Stanke. Gedenkstein der Heimatvertriebenen in den Frauenberg-Anlagen, Marienstraße, Fulda. Donnerstag, 11. November, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein: Ein deutscher Schriftsteller aus Krummau. Vortrag von Ralf Höller über den Schriftsteller Wolfgang Schmidt. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt ist frei. Freitag, 12. bis Samstag, 13. November, SL-Bundesverband: Jahrestagung des Sudetendeutschen Heimatrates mit Neuwahl des Vorstandes. Bad Kissingen, Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1. Anmeldung: Telefon (0 89) 48 00 03 54, eMail schuster@sudeten.de Samstag, 13. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Autorenlesung. Dr. phil. Kateřina Kovačková (Pilsen): „Mai 1945 in der Tschechoslowakei“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Dienstag, 16. November, 19.00 Uhr: Adalbert Stifter Verein: Böhmische Spuren in München: Petr Brod. Mit dem Journalisten Petr Brod sprechen Kristina Larischová, die Generalkonsulin der Tschechischen Republik in München, und Zuzana Jürgens vom Adalbert Stifter Verein über seine Zeit in Prag und in München. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, MünchenEintritt frei. Donnerstag, 18. November, 18.00 Uhr: Online-Lesung der Heimatpflege der Sudetendeutschen. Peter Mainka liest aus
seinem Roman „Das Barackenmädchen“. Anmeldung: eMail schmitzer@sudeten.de Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Zu Gast ist Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 27. November, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Jahreshauptversammlung. Gaststätte Moosing, Oberobsang 11, Bayreuth. Samstag, 27. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Düsseldorf: Weihnachtsfeier. Gerhart-Hauptmann-Haus, Konferenzraum (EG), Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Persönliche Anmeldung unter Telefon (0 21 59) 73 75. Samstag, 4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Vorweihnachtliche Feier. Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Sonntag, 5. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Advent und Weihnachtsfeier. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Sonntag, 5. Dezember, 16.00 Uhr, BdV-Kreisverband Stuttgart: Adventssingen. Liederhalle, Mozartsaal, Berliner Platz, Stuttgart. Eintrittskarten zum Preis von 21/17,50/13,50 Euro bei allen Reservix angeschlossenen Vorverkaufsstellen oder unter Telefon (01 80) 6 70 07 33. Mittwoch, 8. Dezember, 13.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Halbtagesfahrt zum Fichtelsee. Abfahrt Hauptbahnhof Bayreuth. Anmeldung: eMail manfred.kees@superkabel.de.
Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa Sonntag, 7. bis Dienstag, 9. November (Teil 1) und Dienstag, 9. bis Freitag, 12. November (Teil 2): „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“. Seminarwoche in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen in Zusammenarbeit mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bundesverband. Die Woche besteht aus zwei zusammengehörenden Seminaren, die aber auch getrennt voneinander besucht werden können. Teil I: „Eine Spurensuche für Sudetendeutsche und Tschechen“ Sonntag, 7. November, 19.00 Uhr: Eröffnung der Tagung, Steffen Hörtler, Hildegard Schuster); 19.30 Uhr: „Begegnungen ohne Grenzen“, Ivana Danisch. Montag, 8. November, 9.00 Uhr: „Die Erben der Vertreibung und ihr Umgang mit der Geschichte – Praxisbeispiele“, Lorenz Loserth; 10.15 Uhr: „Digitale Heimat – wie bringe ich offensichtlich Gegensätzliches in Einklang?“, Karel Halla; 14.00 Uhr: „Die Macht der Worte – die Wirkung von Sprache auf Denken und Einstellungen“, Isabelle Hardt und Bettina Hofmann-Käs. Dienstag, 9. November, 9.00 Uhr: „Das Familiengedächtnis – wie die Historie innerhalb einer Familie über Generationen weitergegeben wird“, Dr. Jana Nosková; 14.00 Uhr: „Heimat analog in persönlicher Begegnung und Exponaten – Notwendigkeit oder Auslaufmodell?“, Christina Meinusch; 15.45 Uhr: Seminarnachbetrachung, Schlußdiskussion, Auswertung (Steffen Hörtler, Hildegard Schuster). Teil II: „Die Erben der Vertreibung und ihr Umgang mit der Geschichte“ Dienstag, 9. November, 19.00 Uhr: Eröffnung der Tagung, Steffen Hörtler, Hildegard Schuster; 19.30 Uhr: „Die Schatten der Vertreibung“, Jaroslav Ostrčilík. Mittwoch, 10. November, 9.00 Uhr: „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa. Sichtweise eines Deutschen aus Deutschland“, Steffen Hörtler; 10.00 Uhr: „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa: Sichtweise eines Deutschen aus Tschechien“, Martin Dzingel; 14.00 Uhr: „Suche nach den gemeinsamen Wurzeln von Sudetendeutschen und Tschechen“, Werner Honal. Donnerstag, 11. November, 9.00 Uhr: „Grenzüberschreitende sudetendeutsch-tschechische Aktivitäten in der Geschichtsaufarbeitung“, Josef Grimm; 10.30 Uhr: „Geschichtsvermittlung modern denken – aktuelle Ansätze im Internet und den sozialen Medien“, Birgit Aldenhoff und Tomáš Randýsek; 14.00 Uhr: „Deutsche und tschechische Narrative in Gesellschaft und Literatur“, Ralf Pasch. Freitag, 12. November, 9.00 Uhr: „Angemessener Umgang mit unserer Vertreibungsgeschichte? Die UN-Völkermordkonvention von 1948 und die Debatten um den deutschen Exodus aus dem Osten – vom Konventionsbeitritt der Bundesrepublik 1954 bis heute“, Prof. Dr. Manfred Kittel; 11.45 Uhr: Seminarnachbetrachtung, Schlußdiskussion, Auswertung, Steffen Hörtler, Hildegard Schuster. Der Kostenbeitrag einschließlich Übernachtung und Verpflegung beträgt 35,00 Euro für Teil I und 45,00 Euro für Teil II. 80,00 Euro für die gesamte Woche im Doppelzimmer, gegebenenfalls Einzelzimmerzuschlag. Zuzüglich 1,80 Euro Kurtaxe pro Nacht. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de oder schuster@sudeten.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
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AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 44 | 5. 11. 2021
Beauftragte Sylvia Stierstorfer und OB Thomas Ebersberger (li.)
� Mut tut gut
In Gottes Hand
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Bayerns Staatsministerin Carolina Trautner und MdL Bernhard Pohl (re.)
� Politiker würdigen beim zentralen Festakt „75 Jahre Vertreibung“ das Schicksal und die Aufbauleistung der Sudetendeutschen
Ministerin Trautner: „Die Zukunft Europas liegt im Miteinander“ Klares Bekenntnis zu den Heimatvertriebenen: Mit Staatsministerin Carolina Trautner, Vertriebenen-Beauftragter Sylvia Stierstorfer, Oberbürgermeister Thomas Ebersberger und MdL Bernhard Pohl haben am Freitag vier Politiker beim Festakt „75 Jahre Vertreibung“ der Landesgruppe Bayern in Bayreuth an das Schicksal der Sudetendeutschen erinnert und die Aufbauleistung der Vertriebenen gewürdigt.
Sprachen Gedenkanliegen: Elfriede Heider, Karl Heider und Gerda Mühlbacher.
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arolina Trautner würdigte in ihrer Festrede die Sudetendeutschen als „absolute Leistungsträger unserer Gesellschaft“. Über Bayerns Vierten Stamm sagte die Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen: „Vor 75 Jahren haben Sie Ihre Heimat verloren – Ihren Besitz und Eigentum. Geblieben sind Ihnen Ihr Können, Ihr Wissen und Ihre Identität, die Ihnen niemand nehmen konnte. Seien Sie immer stolz auf sich und Ihre Ahnen. Ihre Werte haben Ihnen die Kraft zum bewundernswerten Neuanfang in Bayern gegeben. Sie sind die besten Vorbilder, die unsere Gesellschaft haben kann.“ Trautner erneuerte dabei das Versprechen, das Ministerpräsident Markus Söder auf dem Sudetendeutschen Tag gegeben hatte: „Der Freistaat Bayern wird immer fest an Ihrer Seite stehen. Diese Verpflichtung bedeutet für uns: Ihre Volksgruppe zu stärken und zu schützen – Ihr sudetendeutsches Kulturgut zu pflegen und unsere Gesellschaft für Ihre Geschichte zu sensibilisieren.“ Daß diesen Worten auch Taten folgen, belegte die Staatsministerin mit Blick auf die Investionen in die drei sudetendeutschen Museen in München, Marktredwitz und Kaufbeuren sowie die Unterstützung des Heiligenhofs. „Es ist unglaublich, was die Erlebnisgeneration geleistet hat. Trotz ihres schweren Schicksals haben die Heimatvertriebenen schon bald nach Kriegsende ihre Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Damit haben sie die Verständigung in Europa vorangetrieben und viel dazu beigetragen, daß unsere östlichen Nachbarn und wir heute friedlich – und häufig sogar freundschaftlich – zusammenleben“, hatte zuvor Sylvia Stierstorfer, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, bei der Kranzniederlegung am Vertriebenendenkmal erklärt. Stierstorfer: „Die Vertreibung war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“ Es bleibe „die Erinnerung an das Leid der Vertreibung und die Mühen des Neuanfangs, aber auch an die geliebte alte Heimat“. Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger rief in Erinnerung, daß ein großer Teil der heimischen Textilund Glasindustrie nach dem Krieg von den Sudetendeutschen aufgebaut worden sei. Das Stadtoberhaupt: „1950 sind 22 Prozent der Einwohner Bayreuths Vertriebene gewesen, im Landkreis waren es sogar 30 bis 40 Prozent.“ „Sie haben nicht nur Ihre Heimat verloren“, sprach Bernhard Pohl, vertriebenenpolitischer Sprecher der Freien Wähler, die anwesenden Angehörigen der Erlebnisgeneration direkt an. „Sie hatten auch Angst vor dem, was kommt. Sie kamen in ein Land, das zerbombt und gezeichnet vom Zweiten Weltkrieg war. Aber Sie und die Menschen in Bayern haben ihr Schicksal in die Hände genommen und gemeinsam das aufgebaut, was wir heute haben.“ TF
Domkapitular Dr. Heinrich Hohl.
SL-Bezirksobfrau Margaretha Michl.
Sylvia Stierstorfer und Reinfried Vogler.
Kranzniederlegung am Vertriebenenmahnmal (von links): Sylvia Stierstorfer, Margaretha Michel, Steffen Hörtler und Heidrun Piwernetz. Fotos: Torsten Fricke
Emma, Marie-Therese und Stefan Daubner.
Manfred Kees, Ortsobmann der SL Bayreuth.
Manuel Lodes an der Trompete.
Auszug aus der Gästeliste Milan Horaček, MdEP a.D. und MdB a.D, Träger des Europäischen KarlsPreises der Sudetendeutschen sowie Teilnehmer am Deutsch-Tschechischen Gesprächsforum. Carolina Trautner, Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales sowie Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen. Sylvia Stierstorfer, MdL und Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Vertriebene und Aussiedler, und Gudrun Brendel-Fischer, MdL und Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. Bernhard Pohl, MdL und vertriebenpolitischer Sprecher der Freien Wähler. Tim Pargent, MdL und stellvertretender parlamentarischer Geschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen.
Dr. Beate Kuhn, Bezirksrätin Oberfranken und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bezirkstag. Heidrun Piwernetz, Regierungspräsidentin von Oberfranken und Bezirksvorsitzende im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Thomas Ebersberger, Oberbürgermeister von Bayreuth, sowie Altoberbürgermeister Dr. Michael Hohl, Oberbürgermeisterin a.D. Brigitte MerkErbe und Stephanie Anna Kollmer, Geschäftsführerin der CSU-Fraktion im Stadtrat. Dr. Oliver Bär, Landrat von Hof, und Klaus Bauer, stellvertretender Landrat von Bayreuth. Petra Ernstberger, Geschäftsführerin des DeutschTschechischen Zukunftsfonds. Domkapitular Dr. Heinrich Hohl, Helmut Süß, Vorstand der JohannesMathesius-Gesellschaft, und Daniela
Hofmann vom Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland. Waldemar Eisenbraun, Vorsitzender des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Rußland, Dr. Alfred Lange, Landesvorsitzender des Bundes der Danziger, Johannes Kijas, Bundesgeschäftsführer der Paneuropa-Union, Renate Koch, Vorsitzende Oberfranken des Bayerischen Trachtenverbandes, Markus Rückdeschel, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes, Wilhelm Wenning, Landesvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Dirk Mewes, Bezirksgeschäftsführer Mittelfranken des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Richard Šulko, Vorsitzender des Bundes der Deutschen in Böhmen.
or Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. So lautet ein Sprichwort, das gelegentlich verwendet wird, wenn sich ein Mensch in einer schwierigen Situation befindet. Wir sehnen uns nach einer Hand, die unser Leben trägt und hält, nach einer Hand, in der unser Leben geborgen, behütet und beschützt ist. Zugleich erfahren wir aber auch, daß in unserer Welt eine solche Hand manchmal fehlt. Niemandem in dieser Welt können wir unser Leben so in die Hand legen, daß es darin völlig sicher und behaust wäre. Nicht einem Menschen, den wir lieben, nicht einem Menschen, der sich nach seinen allerbesten Kräften um uns sorgt, auch nicht einer Institution oder einem Ideal. Eine menschliche Grunderfahrung ist, daß zum Leben auch das Unbehaustsein gehört. Was uns einmal getragen und gehalten hat, kann plötzlich kraftlos werden. Was uns einmal sicheren Schutz bot, kann uns plötzlich entzogen sein. Worin wir uns einst fallen ließen, kann auf einmal weg sein. Oft gleicht der Mensch einem Nomaden, der immer neu nach einer Behausung sucht, und nachdem er sie gefunden und eine Zeit lang bewohnt hat, sie auch wieder aufgeben und weiterziehen muß. Was uns aber nie entzogen werden kann, nicht durch einen Schicksalsschlag, nicht durch Treulosigkeit, nicht durch den allgemeinen Gang des Lebens ist die Hand Gottes, in der wir uns befinden. Es ist gut, sich diese Tatsache immer wieder bewußt vor Augen zu halten, um daraus Vertrauen zu gewinnen. Alle ungeahnten und ungeplanten Situationen unseres Lebens tragen sich nirgendwo anders zu als in der Hand Gottes. Die Heilige Schrift ist diesbezüglich voller großer und schöner Zusagen. Ein besonders eindrucksvoller Satz befindet sich im Psalm 121: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er läßt deinen Fuß nicht wanken; er, der dich behütet, schläft nicht. Nein, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Der Herr behüte dich vor allem Bösen, er behüte dein Leben. Der Herr behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst, von nun an bis in Ewigkeit.“ Der emeritierte Papst Benedikt XVI. legte diese Worte des Psalms 121 bei einer der ersten Generalaudienzen seines Pontifikates so aus: „Ob bei Tag oder bei Nacht: Der Herr ist immer zugegen und verabschiedet sich niemals aus dem Leben seines Volkes. Festes Vertrauen in Gottes Gegenwart und Hilfe gibt unserem Tun zu jeder Zeit Richtung und Sicherheit.“ Eigentlich ein Satz zum Einrahmen: „Ob bei Tag oder bei Nacht: Der Herr ist immer zugegen und verabschiedet sich niemals aus dem Leben seines Volkes.“ Zu ergänzen wäre: Der Herr verabschiedet sich auch nicht aus dem Leben eines jeden Einzelnen von uns. Dies gilt für alle Menschen. Der große Vorteil, den ein glaubender Mensch allerdings hat, ist derjenige, daß ihm die Gegenwart Gottes im Leben stets gewisser und sicherer erscheinen kann als einem, der nicht an Gott glaubt. In diesem Sinne: Mut tut gut, auch der Mut zur vertrauensvollen Gottesbeziehung. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 44 | 5. 11. 2021
� Werksiedlung Weidenberg
Sie kämpfen weiter Das Glas-Knopf-Museum im Bernt-Haus im oberfränkischen Weidenberg ist eine Rarität. Es erzählt Geschichte, wo sie stattfand. Und das soll es auch weiter tun. Der Trägerverein Werksiedlung gibt den Kampf nicht auf. Das Haus soll gekauft werden und neues Leben erhalten. Vorne dran steht bei dem Vorhaben künftig ein erster Vereinsvorsitzender, der selbst Geschichte schreibt.
Albrecht Schläger mit Kristina Larischová, Dr. Helena Königsmarková und Anna Dziwetzki.
� Porzellan aus Böhmen
Luxus, Wellness, High Society Das Porzellanikon in Selb und Hohenberg an der Eger und das Museum für Angewandte Kunst in Prag werden 2023 die Sonderausstellung „Luxus, Wellness, High Society – Porzellan aus Böhmen“ veranstalten.
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n der Überzeugung, daß diese Porzellanausstellung in Hohenberg an der Eger eine Weltpremiere werden wird, unterzeichneten Anna Dziwetzki, Direktorin des Porzellanikons,
und Helena Königsmarková, Direktorin des Museums für Angewandte Kunst in Prag, hochoffiziell die Absichtserklärung zur gemeinsamen Realisierung. Zur Unterzeichnung hatte sich ein illustres Publikum eingefunden. Allen voran Kristina Larischová, Generalkonsulin der Tschechischen Republik in München, und Heidrun Piwernetz, Regierungspräsidentin von Oberfranken. Pablo Schindelmann vertrat als Geschäftsführer die Bayerisch-
Hiermit abonniert man diese Zeitung Ich/wir bestelle/n zum Bezug per Postzustellung die m Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) m Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) m Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr)
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Tschechischen Freundschaftswochen Selb-Asch 2023, die im Rahmen dieser großen Veranstaltungsreihe laufen. Albrecht Schläger, Altbürgermeister von Hohenberg an der Eger, ehemaliger Landtagsabgeordneter, Bundes-Ko-Vorsitzender der Seliger-Gemeinde und Generalsekretär des Sudetendeutschen Rates, entsinnt sich bei diesen großen Ereignissen, wie klein alles einmal hier an der Grenze zum Ascher Zipfel anfing. Als Mitwirkender der ersten Stunde erinnert er sich gut an die Anfangsschwierigkeiten und die Diskussionen mit den beteiligten Firmen und Kommunen. Es gab unendliche Finanzschwierigkeiten vor und nach der Gründung 1982. Aber die Kommunen Hohenberg an der Eger, Selb und der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge gaben nicht auf und brachten das Porzellanikon durch die Stürme der Zeit. Jahrelang stellte man vereint das Ansinnen an den Freistaat Bayern, er möge das Museum mit seinen beiden Standorten in die staatliche Obhut übernehmen. Das wurde ab 2014 Wirklichkeit und damit die vorhandene Strahlkraft über die Grenzen erhöht. Das Porzellanikon ist ein oberfränkischer Leuchtturm an der Grenze zum Egerland. Die Oberfranken sind dankbar und stolz, daß „ihr“ Porzellanikon das einzige staatliche Museum in Oberfranken ist. Larischová, Piwernetz, Dziwetzki und Königsmarková freuen sich auf die in ihren Häusern konzipierte Ausstellung. Sie können es „kaum erwarten“, wie die Generalkonsulin sagte. tr
er erste Alt-Weidenberger. Da mit ist unsere Integration abgeschlossen“, sagt Vereinsmitglied Werner Schamel. Zuvor wählte die Mitgliederversammlung Martin Lochmüller, Weidenberger Gemeinderat und Do zent der Hochschule Hof, zum neuen Vorsitzenden – der erste in der Vereinsgeschichte ohne sudetendeutschen Hintergrund. Den Verein gibt es seit 1953. Er vertritt die Interessen der vielen Menschen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat rund um Gablonz im Isergebirge vertrieben und in Weidenberg angesiedelt wurden. Gefördert durch den MarshallPlan der USA, entstand rund um die Gablonzer Straße die Werksiedlung. Deren Bewohner ließen dort ihre in der Heimat betriebene Glas- und Schmuckwarenherstellung wieder aufleben. Noch heute ist die Siedlungsstruktur erkennbar, obwohl die einst blühende Industrie Vergangenheit ist. An sie erinnert seit 1997 das Glas-Knopf-Museum in der Kri-
Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/ unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit. Kontobezeichnung (Kontoinhaber) _______________________ _____________________________________________________ Kontonr. oder IBAN ____________________________________ Bankleitzahl oder BIC ___________________________________
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sich beim Umbau an strenge Vorgaben halten. „An ihrer Stelle würde ich das Haus verkaufen, es muß viel investiert werden, und es riecht nach Schweröl, vielleicht ist der Boden kontaminiert“, sagt Weidenbergs Bürgermeister Hans Wittauer. Er spricht als Vorsitzender der Carl-Pohl-Stiftung. Sie war einst gegründet worden, um Geld fürs Museum bereitzustellen. Die Stiftung ist offizieller Verhandlungspartner der Eigentümerin. „Ihr erstes Angebot war viel zu hoch“, sagt Wittauer. Das habe jetzt ihr Rechtsanwalt eingesehen. „Die Karten werden neu gemischt.“ Man verhandle; die Stiftung werde ein konkretes Angebot machen. Dann sei die Trägerschaft zu klären. Bei den Mitgliedern sorgen Wittauers Rede und Lochmüllers Wahl für Aufbruchstimmung. „Vor uns stehen schwierige, aber auch reizvolle Aufgaben. Die Zukunft gehört uns“, sagt der wiedergewählte Zweite Vorsitzende Dieter Piwernetz in einer leidenschaftlichen Rede. Dafür will auch der Rest des Vorstands kämpfen. Er wurde von 21 Mitgliedern ohne Gegenstimme gewählt. Neuer Dritter Vorsitzender ist Hartmut Koschyk, Kassier bleibt Jochen Schlachta, Schriftführerin ist jetzt Heidrun Piwernetz. Neue Beisitzer sind Brigitte und Herbert Hadlich sowie Reinhard Trepl. Kassenprüfer bleiben Gert Piwernetz und Werner Füßmann. Andreas Schmitt „Nordbayerischer Kurier“
Schriftführerin Heidrun Piwernetz, Kassier Jochen Schlachta, Vorsitzender Martin Lochmüller, Bürgermeister und Carl-Pohl-Stiftungs-Vorsitzender Hans Wittauer, Zweiter Vorsitzender Dieter Piwernetz, Dritter Vorsitzender Hartmut Koschyk, die Beisitzer Brigitt und Herbert Hadlich, die Kassenprüfer Gert Piwernetz und Werner Füßmann sowie Beisitzer Reinhard Trepl. Bild: Andreas Schmitt
Geburtsjahr, Heimatkreis ________________________________
Datum, Unterschrift ____________________________________
stallstraße unter Trägerschaft des Werksiedlungsvereins im BerntHaus, der früheren Glasperlenmanufaktur von Max Bernt. Im Untergeschoß sind Drucköfen, oben Wohnräume. „Das Museum ist der Gegenentwurf zum neuen Sudetendeutschen Museum in München, wo Tafeln und Filme informieren“, sagt die bisherige Vereinsvorsitzende Brigitte Hadlich. „Das Glas-KnopfMuseum im Bernt-Haus ist nicht schön, es ist nicht sauber, aber es ist echt.“ Deshalb solle daraus eine Geschichtswerkstatt werden. Soweit der Plan. Die Realität sieht, wie berichtet, anders aus. Die Eigentümerin des BerntHauses verlängerte den Mietvertrag nicht. Er lief Ende 2020 aus. Gegenstände, die nicht zur ursprünglichen Einrichtung gehörten, mußten raus. Sie lagern in Containern und im Bahnhof. Vorbei ist der Kampf um das Museum am Originalschauplatz aber noch nicht. Der neue Vorstand des Werksiedlungsvereins will eine neue Offensive starten. „Was wir in Weidenberg haben, ist so wichtig, daß wir den Kampf nicht aufgeben dürfen“, sagt Martin Lochmüller. Selbst in Neugablonz bei Kaufbeuren, wo noch mehr Ex-Gablonzer neue Heimat fanden, gebe es keinen solchen Erinnerungsort. „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um das zu erhalten.“ Der Trumpf des Vereins: Das Bernt-Haus ist baufällig und steht einschließlich der alten Maschinen unter Denkmalschutz. Die Eigentümerin müßte
PERSONALIEN � Eine ordnende Hand aus Nordmähren
Gottfried König 85 Am 10. November begeht Gottfried König, langjähriger Obmann der SL-Kreisgruppe Krefeld und jahrzehntelanges Mitglied des Vorstands der SLLandesgruppe Nordrhein-Westfalen, seinen 85. Geburtstag.
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n Römerstadt am Fuß des Altvaters geboren, wurde er im Juni 1945 mit seiner Mutter in das tschechische Konzentrationslager Ungarisch Radisch gesteckt und dort sechs Monate zur Zwangsarbeit bei einem Bauern in Buchlowitz eingesetzt. Im Januar 1946 erfolgte die Vertreibung nach Schweinfurt, von wo seine Familie nach einer Zwischenstation in Gerolzhofen in dem Bauerndorf Unterspiesheim, jeweils im Landkreis Schweinfurt, untergebracht wurde. Nach dem Besuch der Oberrealschule in Schweinfurt ließ sich Gottfried König von 1951 bis 1954 zum Maschinen- und Stahlbauschlosser ausbilden. Im Jahr 1954 übersiedelte die Familie König nach Krefeld, wo die Eltern aufgrund ihrer Erfah-
rungen in der Seidenindustrie eine neue Beschäftigung fanden. Gottfried König fand einen Arbeitsplatz zunächst in einer Stahlbaufirma und schließlich für mehr als vier Jahrzehnte in einem Maschinen- und Anlagenbau-Unternehmen, zunächst als Maschinenbautechniker und bis zum Eintritt in die Rente als Konstruktionsgruppenleiter. Gottfried König hat sich seit seinem 20. Lebensjahr ehrenamtlich um seine Schicksalsgefährten aus der heimatvertriebenen sudetendeutschen Volksgruppe im Raum Krefeld bemüht und wichtige Funktionen in der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Kreis Krefeld und im Land Nordrhein-Westfalen, im Bund der Vertriebenen im Kreis Krefeld und im Kreisvertriebenenbeirat Krefeld wahrgenommen. Seit 1956 war er Gruppenführer der Sudetendeutschen Jugend in Krefeld. Bereits im Jahr
1958 wirkte er als Schriftführer im Kreisvorstand der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Krefeld mit. 1966 bis 2000 – also ganze 34 Jahre lang – war er dort Vermögensverwalter, bevor er als Nachfolger von Ernst Hampel das Amt des Kreisobmanns von 2002 bis 2016 wahrnahm. Seit 35 Jahren bringt sich Gottfried König in die Arbeit im Vorstand der SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen ein, von 1986 bis 2000 als Schriftführer, von 2000 bis 2014 als Vermögensverwalter und bis 2021 als für die Organisation und die Einzelmitglieder verantwortlicher Beisitzer. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft würdigte sein Wirken mit der Verleihung des Kleinen und Großen Ehrenzeichens, der Rudolf-Lodgman-Plakette sowie mit der Dank-Plakette mit Urkunde des Sprechers der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt.
Die herausragenden Markenzeichen von Gottfried König sind seine überaus große Einsatzbereitschaft, seine absolute Zuverlässigkeit und die unübertreffbare Genauigkeit. Weder die Kreisgruppe Krefeld noch die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen wären in den letzten Jahren in der Lage gewesen, ihre allseits anerkannten Veranstaltungen durchzuführen, wenn nicht die ordnende Hand von Gottfried König eingebunden gewesen wäre. Für die Umsicht des Jubilars spricht aber auch, daß er sich stets rechtzeitig um einen Nachfolger in seinen wichtigsten Ämtern bemühte und gewissenhaft dafür sorgte, daß dieser umfassend für seine neue Funktion vorbereitet ist. Dies galt sowohl für die Übergabe des Amts als Vermögensverwalter der SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen im Jahr 2014 an Roland Janik als auch für die Weitergabe des Staffelstabes an seinen Nachfolger Werner Appl als Obmann der SLKreisgruppe Krefeld. Günter Reichert
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KULTUR
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nen Moderation spannte er mit zahlreichen Anekdoten und Geschichten den musikalischen Bogen seiner Erzählungen von der Natur über die Sterne zu den Bäumen, zum Essen, von der Flora zur Fauna, weiter zur Vogelthematik und, wie könnte es anders sein, zur Liebe und Sehnsucht. Dieses besonders „goudschmeckade“ Musikangebot für die Sinne war perfekt für Solist Roland Hammerschmied, der mit bekannten Liedern über Heimat, Sehnsucht und Liebe das Publikum in seinen Bann zog. „Egerland Heimatland“, „Wie Böhmen noch bei Öst‘reich war“, „Tief drin im Böhmerwald“, „Rauschende Birken“, „Kannst Du Knödel kochen?“, „Kleine Anuschka“, „Böhmische Liebe“ und natürlich Bilder: Mediaservice Pavel Novotny „Wir sind Kinder von der Eger“ gehören zum musikalischen Repertoire des vielseitigen Musikers, der mit seiner Bunkerblasmusik an diesem Abend ein musikalisches Erlebnis der Spitzenklasse bot. Die Veranstaltung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wurde gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales über das Haus des Deutschen Ostens (HDO). Für das leibliche Wohl der Gäste hatte Wirtin Annerose Kloos von der Gaststätte Zum Alten Bezirksamt im benachbarten HDO gesorgt. Hildegard Schuster
Beim gut besuchten Böhmischen Abend am vergangenen Freitag im Adalbert-Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses in München spielten und sangen sich die Mitglieder der Gartenberger Bunkerblasmusik unter ihrem Dirigenten und Solisten Roland Hammerschmied in die Herzen der Blasmusikfreunde und bewiesen erneut, daß sie ihr musikalisches Handwerk beherrschen.
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röffnet wurde der stimmungsvolle Abend von SL-Bundeskulturreferent Ulf Broßmann mit den Worten: „Wenn man von Böhmen spricht, geht uns das Herz auf.“ Er erinnerte an die wunderschöne Landschaft sowie an die Menschen, die dort lebten, und betonte das reiche Kulturerbe der Sude- Die Gartenberger Bunkerblasmusik aus der oberbayerischen Vertriebenenstadt Geretsried. tendeutschen, insbesondere an diesem Abend das heimatliche Liedgut und die Auftritt der Gartenberger Bunkerblasmusik Musik.
Feinste böhmische Klänge Die Gartenberger Bunkerblasmusik unter der Leitung von Roland Hammerschmied verwöhnte die Gäste mit feinsten böhmischen Klängen und Liedern und wurde mit begeistertem Applaus belohnt. Präsentiert wurde die Reise durch die volkstümliche Musik Böhmens von Ludwig Schmid. Mit seiner kurzweiligen gelunge-
Goudschmeckade Musik
Ludwig Schmid mit Wurzeln im Egerland führt durch den Abend.
Roland Hammerschmied begeistert mit viel Gespür für das Böhmische als Dirigent und als Solist. Links im Bild sitzt sein Sohn, SL-Kulturpreisträger Marius Hammerschmied.
SL-Bundeskulturreferent Professor Dr. Ulf Broßmann begrüßt.
Der Deutsche Böhmerwaldbund hatte anläßlich des Geburtstages von Adalbert Stifter und des 32. Jahrestages der Errichtung des Denkmals für Adalbert Stifter am Böhmerwaldplatz in München-Bogenhausen zu einer Feierstunde eingeladen.
Gedenkfeier des Deutschen Böhmerwaldbundes für Adalbert Stifter in München
mo bei Hartmanitz. Hasenöhrl war 30 Jahre lang, von 1958 bis 1988, Bundesvorsitzender des Deutschen Böhmerwaldbundes. Er starb am 9. Februar 1989, noch vor der Errichtung des StifterDenkmals am 22. Oktober 1989. Der Schöpfer des Denkmals, der Böhmerwäldler Künstler und Bildhauer Leopold Hafner, wäre am 23. Oktober 91 Jahre alt geworden. Das Programm gestalteten die Kulturreferentin Gabi Strobl und die Böhmerwald Sing-und Volkstanzgruppe München. Zu Beginn erzählte Gabi Strobl etwas über den Schriftsteller, Dichter und Maler Adalbert Stifter, der vor 216 Jahren, am 23. Oktober 1805, geboren wurde. Anschließende stellte sie den Gästen und Besuchern Josef Blau vor. Der Schriftsteller, Lehrer, Heimatforscher und Volkskundler wurde am 12. August 1862 in Neuern im Böhmerwald geboren und starb 1960 in Straubing. Musikalisch wurde die Feier umrahmt mit Liedern wie „Af d‘ Wulda“, „Auf der Prager Brück“, „Druntan Steg rinnt da Boch“, „Bin da Hulzknecht vom See“, „Blaui Fenstal“, „Fischerl im Grund“ und „Tief drin im Böhmerwald“. Nach der Feierstunde begab sich ein Großteil noch ins Café Weyerer, um beim gemeinsamen Kaffeeratsch die Feier ausklingen zu lassen. Birgit Unfug/Hans Slawik
Zeitreise mit Fahnen und Musik
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nter weiß-blauem Himmel und bei sonnigen 18 Grad begrüßte der Stellvertretende Bundesvorsitzende der Böhmerwälder, Hans Slawik, die Gäste. Unter den Ehrengästen waren Josef Zellmeier MdL, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Vertriebene, Aussiedler und Partnerschaftsbeziehungen der CSU-Landtagsfraktion und Landesvorsitzender der Karpatendeutschen Landsmannschaft, Gotthard Schneider, Stellvertretender Landesvorsitzender des Schlesiervereins in Bayern, Harald Schlapansky, Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Hans Slezak, SL-Bezirksvorsitzender Oberbayern, mit Gattin Renate, die ehemalige Landesvorsitzende und Ehrenvorsitzende des Deutschen Böhmerwaldbundes Irmgard Micko, und Franz Payer, der Vorsitzende des Fördervereins des Böhmerwaldmuseums in Passau. Ferner waren Vertreter aus den Ortsgruppen des Böhmerwaldbunds aus Ingolstadt, Landshut und Schrobenhausen und Fahnenabordnungen aus München
Am Stifter-Denkmal, das vor 32 Jahren im Oktober 1989 errichtet wurde, versammeln sich viele Landsleute zum Gedenken. und Schrobenhausen gekommen. Hans Slawik erinnerte in seiner Ansprache auch an beson-
dere Geburtstage wie den 210. Geburtstag von Bischof Johann Nepomuk Neumann, geboren am 28. März 1811 in Prachatitz,
den 120. Geburtstag von Sepp Skalitzky, geboren am 30. Januar 1901 in Rothenbaum, den 120. Geburtstag von Leo Hans Mal-
ly, geboren am 18. Juni 1901 in Hammern, und den 110. Geburtstag von Adolf Hasenöhrl, geboren am 15. Oktober 1911 in Chu-
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KULTUR
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Auf dem Heiligenhof im unterfränkischen Bad Kissingen fand die internationale Tagung „Prag im Spiegel der Literatur der Prager Moderne“ statt. Bei der zweitägigen Veranstaltung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung referierten Literatur-, Sprach- und Geisteswissenschaftler über Werke aus und über Prag.
� Berlin
Neue Museen
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wischen 1880 und 1930 war Prag ein Zentrum der deutschen Literatur der Moderne. Federführend waren die Schriftsteller und anderen Künstler, die Max Brod, eine zentrale Figur der Szene, rückblickend als „Prager Kreis“ bezeichnete. In den vier bis fünf Jahrzehnten um 1900 war Prag aber ebenso ein Zentrum der tschechischen Literatur der Moderne. Die weltoffene kulturelle Metropole an der Moldau blieb auch nach der Jahrhundertwende eine pulsierende Stätte reger persönlicher Kontakte und eines produktiven künstlerischen Austauschs zwischen böhmischmährischen und deutsch-österreichischen Schriftstellern und Künstlern. Die literatur- und kulturgeschichtlichen Koordinaten des literarischen Lebens in Prag in dem halben Jahrhundert um 1900 sind inzwischen von der deutschen und tschechischen Forschung gut vermessen. Dennoch sind viele literarische Werke, die in Prag entstanden oder von der Stadt und ihrem interkulturellen Leben unmittelbar inspiriert wurden, oft nur noch Fachleuten vertraut sind. An dieser Stelle wolle die Tagung auf dem Heiligenhof ansetzen, wie Thomas Konhäuser, der Geschäftsführer der Kulturstiftung, eingangs erläuterte.
Metropole als Kosmos In einer Reihe von Vorträgen sollten Werke einzelner Autoren wieder in den Blick gerückt werden, die zwischen 1880 und 1930 nicht nur – zumindest zeitweise – in Prag lebten und schrieben, sondern auch und vor allem über Prag schrieben. Autoren also, die sich und ihr Schreiben in Prag eingerichtet hatten und denen die Stadt, die ebenso reich an kulturellen Erinnerungsorten wie an Geschichten ist, dafür Mikro- und Makrokosmos zugleich war. In seinem Grußwort auf dem Heiligenhof freute sich Reinfried Vogler, der Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung, auf das vielseitige Programm der Tagung. Nachdem die wissenschaftliche Referentin der Kulturstiftung, Kathleen Beger, die Zuhörer in das Thema eingeführt hatte, kam Axel Walter aus der litauischen Hauptstadt Wilna zu Wort. Der Literaturwissenschaftler sprach über „Prager Erzählungen“, und zwar im Hinblick auf Themen, Motive und (Selbst-)Narrative. Walter erinnerte daran, daß Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch von den drei sprachlich-literarischen Gruppen deutsch, jüdisch und tschechisch geprägt gewesen sei. Diese Dreiheit habe die Stadt zu einem Ort kulturellen Transfers gemacht, so der gebürtige Lübecker. Walter stellte dann exemplarisch einige Texte vor, an denen er diesen kulturellen Transfer erläuterte. Erstes Beispiel war die Erzählung „Die Reisebegegnung“ (1972) von Anna Seghers, in der sich fiktiv die drei Dichter E. T. A. Hoffmann, Nikolai W. Gogol und Franz Kafka in einem Prager Kaffeehaus treffen und über einige der von ihnen stammenden Werke austauschen. Eine erste tschechische DichterStimme wurde dann vernehmbar in Jan Nerudas Text „Die Messe des Heiligen Wenzel“ (1878/ deutsch 1885), wo der neunjährige Ich-Erzähler nachts im Veitsdom eine Traumvision erlebt. Den deutschen Teil des Aus-
Thomas Konhäuser und Reinfried Vogler entbieten Grußworte.
Dr. Franz Walter und Dr. Jost Eickmeyer referieren.
Bilder: Kulturstiftung
� Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung tagt auf dem Heiligenhof
Schreiben in und über Prag
Dr. Franz Walter blendet bei seinem Vortrag Bilder und Zitate ein.
Dr. Zuzana Jürgens schildert die lange Entstehung des „Handbuchs“.
tauschs verdeutlichte Walter anhand von Rainer Maria Rilkes „König Bohusch“ (1897). In diesen „Geschichten aus Prag“ sei schon die Topographie des realen Ortes Prag wichtig, etwa die des Cafés National. Der dritte, jüdische Part kam in Franz Kafkas „Beschreibung eines Kampfes“ (1904/1907) zum Tragen. Hier erfinde der sehr experimentierfreudige Erzähler einen eigenen Raum. Das reale Prag werde dekonstruiert, weiche teilweise einer Literatur der Zwischenräume. Weitere hochinteressante Beispieltexte waren „Mit Detlev von Lilienkron durch Prag“ (1918) von Oskar Wiener, die Texte von Leo Perutz über das Prager Ghetto und Karel Poláčeks Buch „Männer im Abseits (1931). Im Programm folgte nun der Film „Lenka Reinerová – Prags letzte deutsche Autorin“ (Frank Gutermuth 2007), der online gezeigt und über den anschließend diskutiert wurde. Am nächsten Tag stellte zuerst Viera Glosíková aus Prag die Schriftstellerin Auguste Hausch-
sche Theologe beschäftigte sich mit dem aus dem südmährischen Schaffa stammenden Redakteur und Schriftsteller Winder, der auch zum Prager Kreis von Literaten gehört hatte. Winder war eng mit dem Journalisten und Philosophen Felix Weltsch und den Schriftstellern Oskar Baum, Max Brod, Johannes Urzidil und Ilse Aichinger befreundet gewesen. Die Provinz findet sich bei Winder exemplarisch in seinem Roman „Die jüdische Orgel“ von 1922, von dem 2001 beim Wiener Residenz-Verlag eine Neuauflage erschien mit seiner Geschichte des Juden Albert, der im jüdischen Ghetto einer mährischen Kleinstadt aufwächst. Auf einige Spuren Franz Werfels machte sich Andreas Keller. Er stellte Werfels „urbane Intellektualität zwischen jüdischen Traditionen und habsburgischem Katholizismus“ vor. Am Beispiel des Protagonisten Ferdinand R. aus „Barbara oder die Frömmigkeit“ (1929) werde aus der Erzählperspektive die Bedeutung von Intellekt und Wissen diskre-
daistin leitet die „Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur“ an der Palacký-Universität Olmütz und ist selbst eine Vermittlerin von Literatur. Nach einem Vortrag von Tomáš Glanc aus Zürich über „deutsch-tschechische Dimensionen des Prager linguistischen Kreises“ sprach Alena Wagnerová aus Saarbrücken und Prag über Milena Jesenská. Einen ähnlichen Vortrag über die „Prager Journalistin im Kampf gegen Ungerechtigkeit in der Welt“ hatte die Übersetzerin von Wagnerovás Sammelband „Prager Hinterhöfe im Frühling“, Kristina Kallert, schon beim Sudetendeutschen Tag im Juli in München gehalten (Ý SdZ 24/2021). Am letzten Tagungstag ging es unter anderem um Alice RühleGerstels Roman „Der Umbruch oder Hanna und die Freiheit“ von 1937/1938 über den Winfried Siebers mit dem Untertitel „Heimweh nach dem Gegenwärtigen“ sprach. In diesem Roman geht es um die junge Kommunistin Hanna, die das nationalso-
in Prag. In der Geschichte um den gutaussehenden Inultus, der als Modell einer Künstlerin schließlich zum Märtyrer wird und in Christus‘ Spuren tritt, ging es um Glaubenssuche und Sinnkrise. Die Handlung spielt sich topgraphisch zwischen „oben und unten“ in der Stadt ab, was die Lokalitäten und sozialen Schichten gleichermaßen umfaßt. Jürgens gelang es, daß die Zuhörer sozusagen innerhalb der Geschichte durch Prag streiften. Das war noch stärker so bei ihrer Darstellung von Severins Flanieren zwischen diversen Frauen und Lokalen, die zu einem zunehmenden Realitätsverlust führt. Mehr über all diese PragWerke und -Autoren könnte man sicher im vom Adalbert-StifterVerein herausgegebene „Handbuch der deutschsprachigen Literatur Prags und der böhmischen Länder“ finden. Dieses Kompendium und seine Entstehung stellte Zuzana Jürgens auch noch vor. Mit einer Geschichte der Böhmischen Länder und ihrer literarischen Institutionen, den di-
Professor Dr. Ingeborg Fiala-Fürst
Dr. Alena Wagnerová
Professor Dr. Viera Glosíková
Dr. Zuzana Jürgens
ner vor. Geboren als Auguste Sobotka 1850 in Prag, lebte Hauschner in Berlin, wo sie 1924 auch starb. Als gutsituierte Witwe sei sie sozial aktiv gewesen und habe immer längere Zeit in Prag gelebt, so Glosíková. Die Dichterin habe Prag als „Drei-Völker-Metropole“ in Romanen dargestellt wie in „Die Familie Lowositz“ (1908), „Rudolf und Camilla“ (1910) und „Der Tod des Löwen“ (1916). Über „Metropole, Provinz und Anthropologie bei Ludwig Winder“ sprach Jost Eickmeyer aus Hamburg. Der evangeli-
ditiert und eine neue Gläubigkeit gefordert. Außerdem ging er vielfach länger auf Textstellen aus Werfels Barbara-Roman ein. Anhand der kritischen Beschreibungen der Klientel des Wiener Cafés Central mit seiner Säulenhalle deutet der Christ Werfel seine Kritik an einem bestimmten Intellektuellen-Typ an. Aus Mähren gekommen war Ingeborg Fiala-Fürst, die die bedeutenden Vermittler und Übersetzer Otokar Fischer und Arnošt Vilém Kraus vorstellte. Die tschechische Germanistin und Ju-
zialistische Berlin verläßt und in ihre Geburtsstadt Prag flieht. Zuvor hatte als erste Rednerin Zuzana Jürgens aus München referiert. Die Geschäftsführerin des Adalbert-Stifter-Vereins interpretierte die Novelle „Inultus oder drei Legenden vom Kruzifix“ von 1891 vom hauptsächlich tschechischsprachigen Autor Julius Zeyer und den Geisterroman „Severins Gang in die Finsternis“ von 1914 vom deutsch schreibenden Paul Leppin. Dabei ging sie auch auf die Biographien ein. Zeyers Inultus-„Legende“ spielt in der Mitte des 17. Jahrhunderts
versen Epochen und Gattungen, Themen und Motiven und einem Verzeichnis der Lebensdaten ausgewählter Autoren und Autorinnen ist das Handbuch nicht nur ein Einführungs- und Nachschlagewerk, sondern eine appetitanregende Fundgrube und große Schatztruhe für Literaturfreunde. Mit einer Abschlußdiskussion endete die Tagung. Susanne Habel Die Tagung ist als Aufzeichnung auf dem Youtube-Kanal der Kulturstiftung zu sehen unter www.bit.ly/kulturstiftungvideo
Das Tschechische Zentrum Berlin lädt zur Diskussionsveranstaltung „Unsere Deutschen. Das Ende der Selbstverständlichkeiten“ ein. Ende November sprechen Historiker über die neuen Dauerausstellungen in München und Aussig sowie über deren geschichtliche Hintergründe und aktuellen Zusammenhänge.
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eit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der Neuordnung Europas und der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, die das jahrhundertelange Zusammenleben von Deutschen und Tschechen beendet hatte, sind mehr als 70 Jahre vergangen. Die noch lebenden Zeitzeugen haben die Zeit als Kinder oder Heranwachsende erlebt, ihre Erinnerungen an das Leben in der Tschechoslowakei, die Kriegszeit und Vertreibung drohen verloren zu gehen. So ist es wohl folgerichtig, daß gerade jetzt in der Tschechischen Republik und in Deutschland Museen etabliert werden, die an die Deutschen in der Tschechoslowakei erinnern. Das Collegium Bohemicum in Aussig zeigt ab 18. November seine Dauerausstellung „Naši Němci“ oder „Unsere Deutschen“. In München eröffnete im vergangenen Herbst das Sudetendeutsche Museum mit der Ausstellung „Das
Ende der Selbstverständlichkeiten“. Beide Ausstellungen erzählen die lange gemeinsame Geschichte und die kulturellen, religiösen und wirtschaftlichen Lebenswelten vor 1945, ihr jähes Ende nach dem Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen. Dazu stellen Petr Koura vom Collegium Bohemicum und Stefan Planker sowie Raimund Paleczeck vom Sudetendeutschen Museum ihre Institutionen vor. Außerdem gibt es eine Diskussion mit Matěj Spurný von der Karls-Universität Prag und Martin Schulze-Wessel aus München. Die Moderation übernimmt Monika Heinemann vom Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow. Zu der gemeinsamen Veranstaltung des Adalbert-Stifter-Vereins, des Tschechischen Zentrums Berlin, der Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin und des Collegiums Carolinum muß man sich anmelden und den 3-GNachweis erbringen. Donnerstag, 25. November, 19.00 Uhr: „Unsere Deutschen – Das Ende der Selbstverständlichkeiten“ in Berlin, Tschechische Botschaft, Wilhelmstraße 44. Telefon (0 30) 31 01 13 40; eMail ccberlin@czech.cz
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VERBANDSNACHRICHTEN
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BdV-Orts- und -Kreisverband Wetzlar/Hessen
Inspiration für heute Musikanten und Sänger der Eghalanda Gmoi z‘ Nürnberg. Bild: Franziska Back
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EG z‘ Ansbach
Heimat ist Identität Eine musikalische Reise ins Egerland erlebten die Gäste des Tags der Heimat des mittelfränkischen BdV-Kreisverbandes Ansbach in der Ansbacher Orangerie. Anlaß war das 65jährige Bestehen der Eghalanda Gmoi z‘ Ansbach.
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er diesjährige Leitgedanke heißt „Vertreibung und Deportion ächten – Völkerverständigung fördern“. Stefan Horndasch, Stellvertretender Landrat, lobte den BdV-Kreisverband für sein Engagement für ein freies und friedliches Europa. „Das ist ganz wichtig und muß ein zentraler Punkt jedes politischen Akteurs sein“, so Horndasch. Wie wichtig speziell auch die Egerländer für Ansbach, Bayern und ganz Deutschland gewesen seien, betonte Oberbürgermeister Thomas Deffner und zitierte Ministerpräsident Markus Söder: „Schicksal und Leistung der Vertriebenen sind nicht genug im Bewußtsein der Gesellschaft verankert, Bayern wäre ohne die Leistung der Vertriebenen nicht da, wo es heute ist.“ „Wer sich nach der Heimat sehnt, der ist nicht von gestern“, sagte Helmut Kindl, Landesvüarstäiha des BdEG, in seiner Rede, die er besonders der Gmoi z‘ Ansbach widmete, deren Jubiläumsfeier vergangenes Jahr Corona zum Opfer fiel. Mit Blick auf die Vertreibungsgeschichte in Europa sprach er davon, wie wichtig, aber auch schwierig es sei, eine Erinnerungskultur zu pflegen. Denn „wer eine schreckliche Vergangenheit nicht in die Zukunft verlängern will, muß die Lektion der Geschichte lernen“. Kindel machte klar, daß Heimat viel mehr sei als nur ein Ort: „Heimat ist Teil der Identität.“ Als Ausdruck dieser immer noch währenden Identität präsentierten viele Mitglieder der Eghalanda Gmoi z‘ Ansbach ihre traditionellen Egerländer Trachten. So auch Reinhard Schmutzer, Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes. „Ich bin Egerländer, und das ist gut so“, sagte er. Ein besonderer Höhepunkt war – neben dem Auftritt des Männergesangvereins Hennenbach – die musikalische Reise durch den Jahreslauf im Egerland, dargeboten von den Musikanten und Sängern der Eghalanda Gmoi z‘ Nürnberg. Authentisch spielten sie bekannte, lustige und emotionale Lieder aus dem – für viele ältere Gäste – ehemaligen Zuhause, das im Herzen immer noch die Heimat ist.
te seiner Familie. „Ich selbst bekenne mich dazu“, so Hofmeister, dessen Mutter Ende April 1945 im Alter von nur vier Tagen gemeinsam mit ihrer Mutter und vier weiteren Geschwistern innerhalb einer halben Stunde Haus und Hof in einem kleinen Ort im Böhmerwald gen Westen verlassen mußten. Wichtig bleibe, für die Anliegen der Heimatvertriebenen einzutreten, sagte Hofmeister. „Ich zähle mich zur Bekenntnisgeneration.“ Das Nichtvergessen solle solche schrecklichen Untaten wie Terror, Krieg und Vertreibung sowie ethnische Säuberun-
In der hessischen Politik hätten die Vertriebenen und Aussiedler ihren festen Platz. Dem in der Charta der Heimatvertriebenen formulierten europäischen Gedanken fühlten sich die Heimatvertriebenen und ihre Nachkommen bis heute verpflichtet. Naturgemäß schwinde die Erlebnisgeneration. Zudem gebe es Kräfte in der Gesellschaft, die die Arbeit des BdV anfred Hüber, BdV-Vizeund der Landsmannschaften als Landesvorsitzender, BdVüberholt ansähen. Aber: „Die Kreisverbandsvorsitzender und Arbeit des BdV ist in der weltSL-Kreisobmann, begrüßte die weit immer unruhiger werdenLandsmannschaften, Festredner den Zeit von besonderer BedeuAndreas Hofmeister MdL, Vertung – als Mahner, als Brückentreter der lokalen und regionalen bauer, als Friedensbotschafter.“ Politik bis hin zum langjährigen Es gelte, das diesjährige Leitwort Landes- und Bundesparlamentaüber das Jahr 2021 hinaus weiter rier Hans-Jürgen Irmer. mit Leben zu füllen, dem gesellHüber wies darauf hin, daß schaftlichen Desinteresse entgevor 80 Jahren die Rußlanddeutgenzuwirken sowie Kultur und schen innerhalb der SowjetuniGeschichte des Landes würdig on deportiert und vor 75 Jahren hervorzuheben. die Deutschen aus den OstgeIn den Grußworten manifebieten, darunter die meisten Sustierten die Redner ihre Übereindetendeutschen, aus ihrer Heistimmung mit den Anliegen der mat vertrieben worden seien. Bis Johannes Volkmann, 24 Jahre jun- Vertriebenen. Hans-Jürgen Irheute sei die Arbeit des BdV und ger Vorsitzender des Kreistages mer nannte das Motto zeitlos. Er der Landsmannschaften für die Lahn-Dill und Enkel des ehemaligen unterstütze die Vertriebenen in Betroffenen, ihre Nachkommen Bundeskanzlers Helmut Kohl. ihrer Aufgabe und dem Bemüund das historische Gedächtnis hen, die Erinnerung an das Gedes Landes wichtig. Dazu gehör- gen in Deutschland, Europa und schehene, an Heimat, Herkunft ten auch der Einsatz für die deut- darüber hinaus verhindern. und Kultur wachzuhalten, um es schen Minderheiten in den VerDie Vertriebenen hätten al- folgenden Generationen weitertreibungsgebieten und die Suche les verloren und seien in ein zer- zugeben. Da die Nachgeborenen nach einem Ausgleich zwischen störtes und aus der Völkerge- die persönliche Betroffenheit der den deutschen Vertriebenen und meinschaft ausgestoßenes Nach- Erlebnisgeneration nicht ermesden Völkern Mittel- und Osteu- kriegsdeutschland gekommen sen könnten, sei es wichtig, die ropas. „Ziel muß VersöhGeschichte der Heimatnung sein.“ Erfreulich sei, vertriebenen auch in den daß sich viele junge MenSchulen zu vermitteln. schen dieser Völker – bis Der Wetzlarer Stadtrat hin zu Wissenschaftlern Karl Heinz Kräuter bedauan tschechischen Univerert ebenfalls, daß junge sitäten einschließlich der Menschen zu wenig Zudortigen Akademie der gang zum Thema Flucht Wissenschaft – mit der und Vertreibung hätten, Vertreibung befaßten. Leiund regte an, zum nächder sei das hierzulande so sten Tag der Heimat einicht der Fall. ne Schulklasse einzula„Die Geschichte von den. „Geben Sie Ihre GeFlucht und Vertreibung schichte weiter, denn nur ist keine Geschichte der Sie können das authenVergangenheit, sie ist aktisch. Auch die Aufbauartueller denn je. Auch die Festredner Andreas Hofmeister und Manfred beit der Vertriebenen im Bilder: Franz Ewert Westen Deutschlands darf Charta der Heimatvertrie- Hüber. benen ist mehr als 70 Jahnicht verschwiegen werre nach ihrer Proklamation visio- und großenteils nicht mit offenen den“, ermunterte Johannes Volknär“, sagte Andreas Hofmeister, Armen empfangen worden. Es mann, 24jähriger Vorsitzender Vorsitzender des Unterausschus- habe gedauert, bis die Vertriebe- des Kreistages Lahn-Dill, Manses des Hessischen Landtags für nen ihren Platz gefunden hätten. fred Hüber und seine Mitstreiter Heimatvertriebene, Aussiedler, Dann aber hätten sie ihren wert- in BdV und Landsmannschaften. Flüchtlinge und Wiedergutma- vollen und unverzichtbaren Teil Archivarbeit sei eine wichtige chung. Der Verlust der Heimat, am Aufbau des Landes beigetra- Quelle für die Erinnerungskultur die Vertreibung und Entrechtung gen, seien zu einem geachteten und eine Inspiration für die Gegehörten auch zur Geschich- Teil der Gesellschaft geworden. genwart. Franz Ewert Eine gut gefüllte Stadthalle Wetzlar erlebte einen vom hessischen BdV-Orts- und -Kreisverband Wetzlar veranstalteten und von den „Egerländer Maderln“ musikalisch begleiteten und mitgestalteten Tag der Heimat unter dem Motto „Vertreibungen und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“.
SL-Ortsgruppe Naila/Oberfranken
Maibaum neben Mahnmal Einen Sommer lang stand der Maibaum der oberfränkischen SL-Ortsgruppe Naila im Pfarrhof der katholischen Kirche. Am 1. Mai war der rot-schwarz gestrichene Stamm aufgerichtet und mit Heimatwappen und einem Fichtenbäumchen an der Spitze geschmückt worden.
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rts- und Vize-Bezirksobmann Adolf Markus wies auf die schmuckbemalten Schilder am Maibaum mit Wappen ei-
niger großer Heimatkreisstädte wie Reichenberg, Brünn, Eger, Troppau, Mährisch Trübau, Znaim, Krummau, Grulich, Freiwaldau oder Aussig hin. Sie erinnerten an die 900 Jahre alte Heimat in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien. So bewunderten viele Betrachter den SudetenMaibaum als kunstvolles Brauchtum, das auf die reichen Kulturgüter der Heimatbezirke hinweise, sagte Markus. Auch künftig werde der Sudeten-Maibaum als
Zeichen der Freude am Leben und an der blühenden Natur neben dem Sudeten-Mahnmal als Hinweis auf Leid und Tod durch Krieg, Vertreibung und verlorene Heimat vor 75 Jahren stehen. Der erforderlichen geschichtlichen Aufarbeitung auf dem Weg der Völkerverständigung und Versöhnung fühle sich die SL weiter verpflichtet, entgegen mancher Meinung, man solle doch nur noch nach vorne schauen, mahnte Markus.
Dieter Spengler, Werner Peter, Dekan Andreas Seliger, Adolf Markus, Jürgen Nowakowitz und Mikel.
Der neue Vermögensverwalter Professor Dr. Helmut Schmidt, Schriftführerin Jenny Schon, Zweiter Stellvertretender Vorsitzender Heinrich Melzer und Landesobmann Rudolf D. Fischer.
SL-Landesgruppe Berlin
Alle Ämter wieder besetzt Nach einer mehr als zweijährgen Pandemiepause traf sich die SL-Landesgruppe Berlin Mitte Oktober endlich wieder zu einer ordentlichen Jahresversammlung.
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raditionsgemäß fand die Versammlung, in deren Verlauf wegen Corona die Jahre 2019 und 2020 abzuhandeln waren, im Berliner Restaurant Heidelbeere statt. Dort begrüßte der Geschäftsführende Landesobmann Rudolf D. Fischer eine stattliche Anzahl ordentliche Mitglieder und Gäste. In seinem Rechenschaftsbericht für die Zeit von Juni 2019 bis September 2021 zählte Fischer die zahlreichen Aktivitäten der Landesgruppe 2019 auf. Anhand der Planungen für 2020 zeigte er, was im vergangenen Jahr wegen des Virus nicht stattfinden konnte. Trotz allem, so Fischer, sei die Landesgruppe vergleichsweise gut durch diese schlimme Zeit gekommen. Die Mitgliederzahl sei stabil geblieben, und die Finanzen seien trotz zweier grenzüberschreitender Projekte wie die Aufstellung eines Dank- und Gedenksteins bei Hinterhermsdorf im September 2020 sowie die Organisation und Betreuung eines Arbeitseinsatzes am ehemaligen KZ Rabstein bei Böhmisch Kamnitz im August – auch Dank der Förderung des Bundesinnenministeriums – erfreulich solide. Im Mittelpunkt stand die überfällige Neuwahl des bisher lediglich Geschäftsführenden Vorstands sowie diverser Funktionen im erweiterten
Vorstand, von denen es einige neu zu besetzen galt. Zunächst bestätigte der externe Kassenprüfer und Revisor Uwe Christiansen die Richtigkeit, Vollständigkeit und die korrekte Führung der vorgelegten Buchführungsunterlagen für 2018 bis 2020. Nach der Entlastung des Vorstandes konnte unter Franz-Josef Pütz zu den einzelnen Wahlvorgängen geschritten werden. Als Landesobmann wurde Rudolf D. Fischer für weitere zwei Jahre gewählt. Als sein Erster Stellvertreter erhielt Armin-Lutz Dietrich und als Zweiter Stellvertreter Heinrich Melzer das Vertrauen der Wähler. Neuer Vermögensverwalter wurde Helmut Schmidt. Im Amt als Schriftführerin/Protokollantin wurde Jenny Schon bestätigt. Die ebenfalls vakanten Positionen der zwei Kassenprüfer wurden mit Barbara Zikoll und Franz-Josef Pütz mittels einstimmigen Votums neu besetzt. Fischer wies darauf hin, daß seine Amtsvorgängerin Hildegund Pobel weiterhin das Amt der Ehrenvorsitzenden bekleiden werde. Zum Schluß dankte Fischer für den reibungslosen und konstruktiven Ablauf der Versammlung und freute sich, endlich wieder einen kompletten und handlungsfähigen Vorstand zu haben. Nach erfolgter Eintragung der sich aus der Neuwahl ergebenden Veränderungen im Vereinsregister des Amtsgerichtes von Berlin-Charlottenburg wird voraussichtlich noch im Dezember zur ersten Vorstandssitzung eingeladen werden.
Ackermann-Gemeinde im Erzbistum Bamberg
Führungsstab in Frauenhand Eindeutig weiblicher ist der Diözesanvorstand der AckermannGemeinde im Erzbistum Bamberg geworden.
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ie mehrmonatige Verspätung der Jahreshauptversammlung mit Vorstandswahl war der Pandemie geschuldet. Um so freudiger war das Wiedersehen der Mitglieder, die sich erstmals wieder in den vertrauten Räumen in der Bamberger Friedrichstraße trafen. Die wiedergewählte Vorsitzende Ursula Lippert freute sich besonders über die Wahl ihrer neuen Stellvertreterin Marion Fabian. Die langjährige Aktive des Rohrer Forums hatte sich bereits seit geraumer Zeit im Diözesanvorstand engagiert und übernimmt nun auch formal noch mehr Verantwortung. Mit Isabell Klingert und Ernestine Göl-
Marion Fabian und Ursula Lippert. Bild: Robert Fabian ler sind neben Karl-Heinz Plattig und Peter Thürl auch zwei der vier Beisitzer weiblich. Dazu kommen Kassenwart Günther Sieber und Geistlicher Beirat Domvikar Andreas Müller. Mit der Geschäftsführung hat der Diözesanvorstand weiterhin Christoph Lippert beauftragt.
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Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Teplitz-Schönau
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Graupen
Niklasberg
� Teplitz-Schönau – Teil I
Positive Veränderungen Zuletzt gab es in Teplitz-Schönau einige positive Veränderungen an verschiedenen Orten. Jutta Benešová berichtet.
W Vizebürgermeister Jan Losenický, die Vertreter der Jüdischen Gemeinde Teplitz Tomáš Pulc und Michael Lichtenstein sowie Petr Hlaváček, der Initiator der Stolpersteine in Kaaden. Bild: Jutta Benešová
� Jüdische Gemeinde Teplitz-Schönau – Teil I
Stolpersteine für Kaaden Am 1. Oktober fand in Kaaden eine kleine Gedenkfeier anläßlich des Einsetzens von vier Stolpersteinen vor den Häusern ehemaliger jüdischer Mitbürger statt. Eingeladen dazu hatte die Jüdische Gemeinde Teplitz. Deren Vorsitzender Michal Lichtenstein und Geistlicher Tomáš Pulc waren ebenfalls nach Kaaden gekommen. Jutta Benešová berichtet:
I
n der Stadt Kaaden, die an den Ufern der Eger liegt, eingebettet zwischen Böhmischem Mittelgebirge und Duppauer Gebirge, ließen sich bereits nachweislich im 14. Jahrhundert jüdische Händler nieder. Im Mittelalter wurden die Juden wegen ihrer Religion oft verfolgt und vertrieben. Erst im 19. Jahrhundert kam es zur Emanzipierung und politischen Toleranz. Diese erreichte ihren Höhepunkt während der Ersten Republik, als sich die Kaadener Juden zur intellektuellen und wirtschaftlichen Elite zählen konnten. Der rassistische Fanatismus in der Zeit des Nationalsozialismus führte jedoch auch zu der Vernichtung der jüdischen Gemeinde in Kaaden. In der NachkriegsTschechoslowakei als Satellit des sowjetischen Imperiums, dessen kommunistische Führer den Antisemitismus unterstützten, verließen die wenigen überlebenden Juden das Land oder verbargen ihre jüdische Identität. In Kaaden verdrängte man aus dem historischen Gedächtnis systematisch die Erinnerungen an die einzelnen jüdischen Familien, Opfer und Helden des
20. Jahrhunderts. Das änderte sich erst allmählich nach dem gesellschaftlichen Umbruch der 1990er Jahre. Von Deutschland ging der Gedanke aus, in Form von sogenannten Stolpersteinen an ehemalige jüdische Mitbürger zu erinnern, die durch ihre Tätigkeit zum Ansehen und Wohlstand ihrer Wohnorte beigetragen hatten. Eingelassen in die Fußwege vor ihren ehemaligen Wohnhäusern erinnern diese Messingtafeln an ihre Namen und Schicksale. Diese wurden symbolisch einst „mit Füßen getreten“ und sollen nun den Betrachter dazu bringen, sich beim Lesen der Tafeln zu verbeugen. Dieses neue Projekt nahm zunächst Prag auf, aber auch andere Orte, vor allem im ehemaligen Sudetengebiet, schlossen sich bald an. In Teplitz-Schönau erinnern bereits ein Dutzend Stolpersteine an die einst zweitgrößte jüdische Gemeinde auf tschechischem Boden nach Prag. Der renommierte Historiker Petr Hlaváček von der Karlsuniversität in Prag kam zwar in Komotau zur Welt, wuchs aber in Kaaden auf. Er griff diesen Gedanken auch für seine Heimatstadt auf. Er schrieb darüber das Büchlein „Židovská Kadaň/Jüdisches Kaaden“ mit dem Untertitel „Geschichten, aus dem Gedächtnis der Stadt verdrängt“, welches auch als Stadtführer dienen kann. Historiker Hlaváček griff gemeinsam mit der Stadt Kaaden den Gedanken der Stolpersteine auf und leitete am 1. Oktober die Gedenkfeier. Fortsetzung folgt
ie angekündigt (Õ SdZ 25/2021) riß der Bauunternehmer Jaroslav Třešňák die Ruine in der Mühlgasse in TeplitzSchönau im August/September ab. Diese Ruine nahe dem Teplitzer Kurzentrum hatte jahrelang ungenutzt die Umgebung verunstaltet. Da die Besitzverhältnisse unklar waren, konnte die Stadt nichts unternehmen. Třešňák ist ein umstrittener Teplitzer Entwickler. Er war schon für den Abriß des Teplitzer Jubiläumsbades und des abgebrannten Winterstadions sowie für die vom Denkmalsschutzamt abgelehnte Erneuerung des Schlangenbades in Schönau bekannt. Nun machte er mit einem erneuten Abriß von sich reden. Diesmal aber sicher im positiven Sinn. Diese Ruine in der Mühlgasse war als ein Wohnheim für die Teplitzer Bäderangestellten mit zusätzlichen ambulanten Kur einrichtungen geplant. Der Bau wurde aber 1989 nach der politischen Wende abgebrochen, verfiel danach und lockte zwielichtige Bewohner an. Dem wurde nun ein Ende gesetzt. Und es ist erstaunlich, wie groß dieses leere Grundstück ist. Der geplante Bau von Reihenhäusern liegt aber in weiter Zukunft. Nun ist auch wieder die Handelsakademie, einst das deutsche Gymnasium auf dem Monte de Ligne, zu sehen.
Neuer Platz in der Lindenstraße Nachdem das Eichwalder Porzellanwerk Český porcelán der Stadt Teplitz-Schönau einen Zwiebelmusterbrunnen in der Innenstadt nahe des Theaters gewidmet hatte (Õ SdZ 33– 34/2018), wurde der vorherige Brunnen in die Lindenstraße in die Nähe des Holocaust-Denkmals versetzt. Er bietet nun den Spaziergängern ein lauschiges Plätzchen zum Verweilen. Der Blick schweift von dort aus zur ehemaligen GrohmannVilla und heutigen Stadtbibliothek, und zur großen Villa Augusta. Die Villa Augusta war bis in die 1980er Jahre eine Poliklinik. Nun wartet sie immer noch auf die Vollendung zu einem Kurhaus für Araber. Zudem geht der Blick auf das Holocaust-
Die Ruine in der Mühlgasse.
Der Brunnen in der Lindenstraße. Denkmal – in den 1990er Jahren als Mahnmal an die 1939 abgebrannte, prachtvolle Teplitzer Synagoge errichtet – sowie auf die Statue eines Rotarmisten in Erinnerung an die „Befreiung“ der Stadt 1945. An dieser Stelle stand einst das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges von Johannes Watzal. In der Parkanlage steht aber auch die barocke Kreuzkapelle.In deren Nähe findet man das Grab des Dichters Johann Gottfried Seume (* 29. Januar 1763 in Poserna, Kursachsen; † 13. Juni 1810 in Teplitz).
park errichten lassen. Die jetzige Rekonstruktion wird von manchem Architekten nur als Attrappe betrachtet, sollte aber dennoch als Erinnerung an das ehemalige Ausflugslokal der Teplitzer Kurgäste Anerkennung finden. Die Stadt Eichwald möchte den anliegenden Wildpark er-
Rekonstruktion der Tuppelburg fast vollendet Als 2018 die Tuppelburg in Tischau abbrannte (Õ SdZ 40/2018), war ein historisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert für immer verloren. Graf Franz Carl von Clary und Aldringen hatte es 1703 in einem Wild-
Villa Augusta
WIR GRATULIEREN Unseren treuen Heimatruf-Abonnenten herzliche Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag im November. n Heimatkreis Dux. Klaus Püchler, Heimatkreisbetreuer und Vorsitzender des Heimatkreisvereins, Vorsitzender des Stiftungsrates und Archivar, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, 10. November 1958. n Ossegg/Kreis Dux. Sonja-Sofie Stifter, Tachauer Straße 24, 95643 Tirschenreuth, 6. November 1931. n Herrlich/Kreis Dux. Dr. Gerold Jäger, Wagnerstraße 13, 74722 Buchen, 27. November 1937. n Loosch/Kreis Dux. Erika Endisch, Georg-Rückert-Straße 2/547, 65812 Bad Soden, 23. November 1920.
Die Tuppelburg vor dem Brand …
… und danach rekonstruiert.
neuern und diesen Ausflugsort wieder attraktiv gestalten. Somit wird auch die rekonstruierte Tuppelburg nach ihrer Fertigstellung als gastronomische Einrichtung wieder einen angenehmen Platz zum Verweilen bieten. Alle geplanten Vorhaben verspäten sich etwas durch die Corona-Pandemie. Fortsetzung folgt
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 44 | 5. 11. 2021
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
11 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Auf Spurensuche begaben sich kürzlich Schüler des Benedikt-Stattler-Gymnasiums in Bad Kötzting und des JindřichŠimon-Baar-Gymnasiums in Taus im Rahmen von deutschtschechischen Schulprojekttagen zur Grenzöffnung 1989/90, die unter dem Motto „Grenze, öffne dich“ standen.
B
egleiter der Projekttage waren Miloslav Man, Judith M. Rösch und Tereza Vágnerová von der Universität Passau vom Team denk.mal.digital. Die gemeinsamen Aktivitäten fanden auch in der Jugendbildungsstätte in Waldmünchen statt. Während der Schulprojekttage führten die Schüler Gespräche über Denkmal, Kultur und Grenze. Gesprächspartner waren Sandro Bauer, Bürgermeister von Furth im Wald, Franz Former, ehemaliger Leiter des Kommissariats 10 (Grenze) der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg mit Dienstsitz in Furth im Wald, der Journalist und Fotograf Karl Reitmeier sowie Elisabeth Nürnberger und Julia Mühlbauer vom Further Verein Kultwerkstadt. In Waldmünchen wurden die Schüler am ersten Projekttag zunächst mit der Hausordnung der Jugendbildungsstätte vertraut gemacht. Danach steuerten sie den Teamtrainings-Parcours an. Am Nachmittag unternahmen sie in deutsch-tschechischen Kleingruppen eine Erkundungstour durch Waldmünchen. Dort besuchten sie auch das Grenzlandmuseum. Ferner besuchten sie Erinnerungsorte und Denkmale in Waldmünchen. Am Abend
Furth im Wald
Schüler suchen Spuren fand ein erstes Zeitzeugengespräch mit Franz Former statt, der als Grenzpolizist die Ereignisse an der Grenze hautnah miterlebt hatte. Der zweite Projekttag führte nach Furth im Wald, wo sich zwei deutsch-tschechische Gruppen auf Erkundungstour begaben. Vor dem Landestormuseum „Heimat, Grenze, Drache“ erklärte Karin Stelzer, Kulturamtschefin und Leiterin des EuropeDirect-Büros, den Gymnasiasten diese Schnittstelle zwischen den Bürgern und der EU. Sie hatte dazu einiges an Informationsmaterial bereitgehalten. Danach führte Katharina Drescher-Seidl durch die Ausstellung Grenzer-
fahrungen, wo die Zeit des Eisernen Vorhangs und die Grenzöffnung die Schwerpunkte waren. Als Zeitzeuge berichtete Karl Reitmeier über seine Erfahrungen an der Grenze sowie seine Erlebnisse nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Weitere Gesprächspartner waren Vertreter der Kultwerkstadt, die Künstlerin Patricia Bachl und Václav Cordier vom Freiraum Furth im Wald. Dazu gab es Kunst-Arbeitsgruppen. Am Grenzübergang Schafberg gesellte sich Bürgermeister Sandro Bauer zu den Projekt-Teilnehmern. Er erzählte ihnen, daß er direkt an der Grenze
Weißensulz
aufgewachsen sei. Außerdem sei er 1989 Soldat auf der Militäranlage Hoher Bogen gewesen und habe dort Funksprüche empfangen und protokolliert. Er erinnerte an die jahrhundertelangen guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die nach dem Zweiten Weltkrieg ein jähes Ende gefunden hätten. Die Grenze sei rund 40 Jahre lang zu gewesen, was, die ganze Geschichte betrachtet, eine kurze Zeit gewesen sei. Neben Waidhaus sei Furth im Wald der wichtigste Grenzübergang zwischen Bayern und Böhmen gewesen. Nach dem Wegfall der Grenze habe Furth zwischen 500 und 600 Arbeitsplätze
bei Speditionen, Zoll und Polizei verloren. Nach der Exkursion zur Grenze hatten sich die Schüler in zwei gemischte deutsch-tschechische Gruppen begeben. In der Gruppe von Patricia Bachl wurden Objekte aus Ton modelliert, die fotografiert und am nächsten Tag ausgedruckt und ausgeschnitten wurden. Diese Ausschnitte wurden mit Abbildungen aus einer Grenzkarte von den Schülern in einen Baum mit zwei Wurzeln geformt. Und das alles wurde als eine Art Performance musikalisch begleitet. In der Gruppe von Andreas Pregler schnitten die Schüler menschliche Figuren aus Papp-
karton aus, die sie in verschiedene Formationen gruppierten. Dazu machten sie eine PowerPoint-Präsentation, die den Entstehungsprozeß dokumentiert. Schließlich schlugen die Schüler ein drittes Denkmal „Öffne auch Du die Grenze“ vor. Ihre Entwürfe zeigten die Teilnehmer Bürgermeister Bauer. Diese sowie den ganzen Inhalt der Projekttage wollten sie ihren Schulen präsentieren. In Furth im Wald soll es dazu auch eine Abendveranstaltung mit Begleitprogramm im Tagungszentrum geben. Sandro Bauer versprach bereits seine Unterstützung. Viel wichtiger als die konkreten Ergebnisse war für Miloslav Man der gemeinsame Weg, den die Schüler in den drei Tagen gegangen waren. Sie hätten in zwölfstündigen Arbeitsschichten intensiv gearbeitet, jeden Tag von 8.30 bis 21.00 Uhr. Sie hätten sich mit dem Thema „Grenzöffnung“ auseinandergesetzt und seien zu einem gemeinsamen Produkt gekommen. „Auf diesem Weg haben sie sich näher kennengelernt und Kontakte geknüpft, die hoffentlich lange bestehen werden und somit wohl das beste Denkmal zur Grenzöffnung 1989/90 sind“, so Miloslav Man, Professor für Didaktik der Geschichte der Universität Passau. Die Lehrer Martina Beberová, Petra Váchalová und Dana Fraňková hatten die Schüler des Jindřich-Šimon-BaarGymnasiums begleitet, Stefanie Macharowsky und Volker Komossa die Schüler des BenediktStattler-Gymnasiums. lr
Taus
Unterwegs durch die Region Eine Stadt in vier Sprachen Eine gute Resonanz fand die Vorstellung des Buches „Unterwegs durch die Region Weißensulz“ („Po pěšinách Bělskem“) im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) im oberpfälzischen Schönsee. Verbunden war sie mit einer Lesung der Autorin Kristýna Pinkrová in tschechischer Sprache und Ko-Autor Karl Reitmeier in deutscher Sprache.
Š
Region präsentiert werden. Der Welt solle mit dem Buch auch gezeigt werden, wie zauberhaft Weißensulz und die Umgebung sei. Ferner wolle man mit dem Werk erklären, daß die deutsche Geschichte ein integraler Bestandteil der Geschichte von Weißensulz sei. Gezeigt werden solle das Leben und die Existenz der Menschen in Weißensulz bis 1945 im Vergleich zu den Binnenorten der Region. Das Buch spanne einen weiten historischen Rahmen von der mittelalterlichen Kolonisierung bis zur Gegenwart. Beschäftigt habe man sich dabei auch mit der Frage, welcher Zeitraum am schwierigsten zu verarbeiten und handzuhaben sei. Das Buch bewerte weder die Zeit noch die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse. Es sei auch kein Reiseführer, der eine universelle Schönheit anbiete. Die ästhetische und visuelle Stimmung des Buches habe viele negative Reaktionen hervorgerufen, deren Grund sie hinterfragt habe. Die Historikerin und Autorin kam zu dem Ergebnis, daß Wei-
árka Kutanová aus Pilsen dolmetschte die hybride Veranstaltung simultan. Dies bedeutete, daß die Präsentation und Lesung auch im Internet verfolgt werden konnten. Für die technische Übertragung zeichnete David Vereš verantwortlich, und unterstützend stand Denisa Frühaufová bereit. Ivana Danisch hatte in Vertretung der erkrankten CeBB-Leiterin Veronika Hofinger die Besucher willkommen geheißen. Danach zeigte Kristýna Pinkrová die Power-Point-Präsentation „Weißensulz, eine Region, in der es nie leicht war, zu bestehen“. Dabei machte sie nähere Ausführungen über das Buch, das zum 900jährigen Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung von Weißensulz erschienen war. Das Buch solle, so Pinkrová, den Lokalstolz durch ein besseres Kennenlernen der Umgebung steigern. Ferner solle Weißensulz den Besuchern als attraktive und beKristýna Pinkrová und Karl Reitmeier. merkenswerte
ßensulz eine schöne, aber rauhe Region sei, in der es nie leicht sei zu bestehen. Sie weise Spuren verschiedener Epochen auf, von der Zeit der Kolonisation und der deutschen Choden bis hin zu den Zeiten der Grenzgänger und des Aufbaus des Sozialismus. „Wir können die Region hier entdekken und uns gleichzeitig fragen, wie es mit der Geschichte des Landes und der Menschen weitergehen soll“, schloß Pinkrová. Die Präsentation begleiteten interessante Fotos. Zum Abschluß lasen Kristýna Pinkrová und Karl Reitmeier abwechselnd in tschechischer beziehungsweise deutscher Sprache einige Passagen aus dem Buch vor. Nachdem Ivana Danisch noch einige Fragen an die Autorin gestellt hatte, gab es viel Beifall von den Zuhörern. Sogleich setzte ein reger Verkauf des Buches ein, und Pinkrová und Reitmeier mußten viele Bücher signieren. Nach der Veranstaltung gab es noch anregende Gespräche zwischen den Zuhörern und den Autoren. Das Buch kostet 15 Euro und ist im CeBB oder bei Karl Reitmeier, Telefon (0 99 72) 31 74, Mobilfunk (01 79) 2 15 04 75, eMail k.reitmeier@ t-online.de erhältlich. Die Ausstellung zum Buch „Unterwegs durch die Region Weißensulz “ läuft bis 31. Dezember im Tauser Chodenmuseum täglich 9.00–12.00 und Bild: Denisa Frühaufová 13.00–16.00 Uhr.
soll aber auch bei besonderen Anlässen wie bei Ehrungen – zum Beispiel für Blutspenden – oder besondere Verdienste verliehen werden. Bürgermeister Novák, erklärte, daß die Stadt Zdeněk Procházka mit diesem viersprachigen und 320seitigen Werk beauftragt
Ergänzt werde der reichhaltige fotografische Teil der Publikation mit aktuellen Bildern von Drohnen am Schluß des Buches. Und ein kurzer Beitrag widme sich ganz zuletzt der Zukunft der Stadt. Die Vorfahren hätten sich immer wieder vorgestellt, wie ihre Stadt in etwa 100 Jahren aussehen würde. Niemals habe es jedoch einen Treffer gegeben. Ein futuristisches Foto zeige zum Beispiel eine Moschee, Minarette, eigenartige Flugobjekte und Außerirdische auf dem Stadtplatz. ie repräsentaDazu werde vertive Publikamerkt: „Hoffenttion, erschienen lich gehen einiin einer Auflage ge unserer Vivon 500 Stück, ist sionen bezüglich in erster Linie für Zdeněk Procházka und Zdeněk Novák. Bild: Karl Reitmeier der kommendie Bedürfnisse den Verwandlunder Stadt Taus bestimmt. Inter- habe. Zwar gebe es bereits eini- gen der Stadt sowie unseres Lanessierte können das Buch nur im ge Bücher über Taus, doch wenn des bis Ende des 21. JahrhunInformationszentrum der Stadt überhaupt, dann sei die Überset- derts nicht in Erfüllung.“ Und neben dem Chodenmuseum kau- zung nur in Deutsch gewesen. dann werde die Hoffnung ausfen. Es kostet 330 Kronen, umge- Eine Voraussetzung für das neue gesprochen: „Es lebe diese Stadt rechnet 13,50 Euro. Interessant Buch sei auch gewesen, die Tex- sowie die Landschaft in Frieist natürlich, daß die Texte in vier te kurz zu halten. Auf einer Seite den.“ Sprachen präsentiert werden, seien die Texte in vier Sprachen, Die Präsentation des neunämlich neben Tschechisch auch auf der gegenüberliegenden Sei- en Werkes nützte Zdeněk Proin Deutsch, Englisch und Franzö- te die Bilder. Ebenso wichtig sei cházka auch dazu, um die Publisisch. Für Bürgermeister Zdeněk gewesen, die verschiedenen ge- kationen über die Stadt aus der Novák ist das Buch vor allem für schichtlichen Epochen der Stadt, Vergangenheit, auch aus komBesucher aus den vier Partner- aber auch die Gegenwart zu be- munistischer Zeit, vorzustellen, städten von Taus gedacht. Dies leuchten. So beschrieben die was ebenfalls auf großes Interessind neben dem oberpfälzischen Texte die Geschichte der Stadt se stieß. Danach stießen Zdeněk Furth im Wald, Furth bei Gött- von der Vorgeschichte über das Procházka und Bürgermeister weig in Niederösterreich, Ludres Mittelalter, das 20. Jahrhundert Zdeněk Novák mit einem Glas in Frankreich und seit einiger bis in die Gegenwart. Die Schil- Wein auf das gelungene Werk Zeit Two Rivers in Wisconsin in derung ende mit der diesjähri- an, das sogleich an die Gäste der den USA. Das erklärt die Wahl gen Enthüllung des Befreiungs- Buchvorstellung verkauft wurde. der Sprachen. Das neue Werk denkmals in der Chodská-Straße. Karl Reitmeier Kürzlich stellte Zdeněk Procházka, Historiker, Autor und Gründer des Böhmerwald-Verlages (Nakladatelství Českého lesa) in Taus im Konferenzraum des neuen Kulturzentrums Galerie Pivovar den Bildband „Taus, das schöne Städtchen in Bildern und Fotografien“ der Öffentlichkeit vor. Das Werk faßt die spannende Geschichte der böhmischen Partnerstadt von Furth im Wald zusammen und ist reich mit Fotografien aus Geschichte und Gegenwart geschmückt.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 44 | 5. 11. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Paulusbrunner Böttgerweg
Ein Weg in die Geschichte Mit einem Festakt in der Aula der Bärnauer Grundschule feierten Deutsche und Tschechen nach vier Jahren Projektarbeit Mitte Oktober die Eröffnung des Böttgerwegs zwischen dem oberpfälzischen Bärnau und der Egerländer Wüstung Paulusbrunn.
G
eschichte entlang des gefallenen Eisernen Vorhangs kann man auf dem Böttgerweg zwischen dem ober pfälzischen Bärnau und dem einst von Deutschen besiedelten Paulusbrunn erwandern. Vor der Vertreibung gehörte Paulusbrunn zum Kreis Tachau, seit der Vertreibung ist es eine Wüstung und gehört zur heute tschechischen Gemeinde Thiergarten. 25 Tafeln entlang des 16 Kilometer langen Weges schildern die Vertreibung der Sudentendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg und die Folgen von Vertreibung und Kommunismus. 1945 wurde Paulusbrunn geschleift. Bayern und Böhmen, Bärnau und Paulusbrunn waren über Jahrhunderte wirtschaftlich und nachbarschaftlich eng verbunden. Der Eiserne Vorhang zementierte die Feindschaft. Nach der Wende fanden Rainer Christoph, Norbert Steinhauser und Thiergartens Bürgermeisterin Dana Lesak-Müller nur noch Reste von Paulusbrunn. Sie gründeten die Arbeitsgemein-
schaft Paulusbrunn (Arge), um zu verhindern, daß die Geschichte des früheren Walddorfes, in dem einst 1400 Menschen lebten, nicht in Vergessenheit gerät. Dafür sorgt nun der historische Böttgerweg. Den Festakt begleiteten Emotionen, Erinnerungen und Zukunftswünsche. Unter den Gästen waren viele frühere Paulusbrunner. Etwa die 90jährige
treibung sei es in Paulusbrunn lebhaft, bunt und gemütlich zugegangen. „Und dann war nur noch Leere. Nichts.“ Akribisch – und erfolgreich – habe die Arge Überreste des Ortes gesucht. Über Geschichten und Hintergründe informierten die 25 Infotafeln entlang des Weges. Vize-Landrat Alfred Scheidler war eigens frühmorgens vor dem Festakt von Tirschenreuth nach
Alfred Wolf bedankt sich bei den Initiatoren Rainer Christoph und Dana Lesak-Müller. Anna Plobner und die 91jährige Berta Spanner. Die Schwestern sind auf einer der Tafeln neben der Böttgersäule als Kinder zu sehen. Arge-Vorsitzender Rainer Christoph holte in seiner Festrede weit aus. Er begann mit der Gründung Paulusbrunns 40 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg. Namensgeber des Geschichtsweges sei Carl Josef Böttger. Bis zur Ver-
Paulusbrunn geradelt, um den Ort zu inspizieren. Er sei durch die Wüstung gewandert, so Scheidler, und habe sich das Leben in Paulusbrunn vorgestellt. Er habe sich vorgestellt, wie die Bauern gearbeitet und die Hühner gegackert hätten. „Paulusbrunn gibt es nicht mehr, aber es ist nicht tot.“ Ein Grußwort hatte BöttgerUrenkel Reinhard Stenzl aus Ber-
lin geschickt. Er berichtete vom Böttgerweg, den sein Urahne einst für den Holztransport hatte bauen lassen. Von einer Bereicherung der Region sprach Bärnaus Dritter Bürgermeister Gottfried Beer. „Der Böttgerweg macht die Geschichte erlebbar und sichtbar“, sagte er. Alfred Wolf, Vorsitzender des Vereins Via Carolina–Goldene Straße, überreichte Christoph und Lesak-Müller symbolisch Kastanien von einem uralten Baum in Paulusbrunn. Wolf: „Dieser Baum hat alles erlebt und war stummer Zeuge der Geschichte.“ Das weitere Projekt „Spurensuche im Böhmischen Wald“ mit Ortsschildern bei verschwundenen Dörfern sei beantragt, berichtete Wolf. „Mit der Arge Paulusbrunn soll die Erinnerung an dieses Dorf wachgehalten und nachfolgenden Generationen nahe gebracht werden“, verdeutlichte Wolf. Norbert Steinhauser, ein gebürtiger Bärnauer mit Paulusbrunner Wurzeln, erklärte in einer Theaterszene mit Kindern, warum der Wanderweg Böttgerpfad heißt und Paulusbrunn verschwunden ist. Kunststuden-ten beidseits der Grenze schufen Comics über das Leben in Paulusbrunn. Grußworte sprachen auch Robert Tomšů aus Tachau und Wolfgang Schwarz vom Adalbert-Stifter-Verein München. ubb/nh
� Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil XVII
Bildersturz des 20. Jahrhunderts Vandalismus bedauerte, kam keine Antwort. An der Straße von Pfraumberg nach Neudorf steht die verlassene Kirche der heiligen Apollonia mit einem Brünnlein und einem demolierten Haus. Die Kirche wurde schon vor dem Krieg nicht mehr genutzt, aber man kümmerte sich um sie. Nach der Übernahme von Pfraumberg war diese Kirche bereits in einem jämmerlichen Zustand. Die Fenster zerschlagen, Türen ausgehoben, die Inneneinrichtung verwüstet. Auf meine Bitte gewährte Ingenieur Trunec uns Holz vom
tan. In der Kirche gab es zwölf wertvolle Tafelbilder. Ich unterrichtete darüber das Denkmalamt, und zwar den Vertreter Dr. Kotrba persönlich. Mir wurde ls ich mich am Ort beim Bauaber befohlen, die Bilder an Ort leiter informierte, wies er und Stelle zu lassen. Ihnen dromich sehr beleidigend ab. Er gehe keine Gefahr, zumindest nicht he seinem Beruf nach, und ich unmittelbar. Es dauerte nicht habe kein Recht, mich einzumilange, und die provisorische Verschen. Bei der Demolierung des schalung der Fenster und Türen Kreuzganges wurden Gräber war beschädigt. Kurz danach lag freigelegt, die noch von der urvor der Kirche ein Haufen Asche. sprünglichen Kirche stammten, Ein erloschenes „Lagerfeuer“. welche zu Maria Theresias ZeiUnd das war alles, was von den ten im Siebenjährigen Krieg ausTafelbildern übrig geblieben war. gebrannt war. Diese alte Kirche Das Interieur der Kirche war war von Osten nach in einem schreckliWesten ausgerichchen Zustand. Völlig tet. Die heutige weitverwüstet. Sogar die aus größere Kirche ist Gruft der Stifterin, devon Norden nach Süren Namen ich nicht den ausgerichtet. Die herausfinden konnGebeine und Überrete, wurde nicht verste wurden freigelegt. schont. Ihre Überreste Schließlich spielten wurden im hinteren Buben mit den SchäTeil der Kirche in der deln Fußball auf dem Mauer aufbewahrt. Stadtplatz. Die GebeiDie Öffnung dieser ne lagen auf der MüllKrypta verschloß ein halde herum. Später Sandsteinquader. Das wurden sie hinter der Skelett, das mehr als Stadt deponiert. 300 Jahre in der Stille Die Ruine der Sankt-Apollonia-Kirche auf der Straße von der Kirche ruhte, wurWahrscheinlich wurden damit die Grä- Pfraumberg nach Neudorf. de samt der Tafel auf ber und Überreste der den Boden der KirHerren von Kunstadt verwüstet. Sägewerk in Dianaberg, und die che geworfen. Im Beisein des Dr. Die Kunstadts waren Verwand- Fenster wurden zugedeckt. Die Ivan Steka, eines Arztes aus Neute des böhmischen Königs Ge- Arbeiten führten noch Deutsche stadtl, wurden die Gebeine einorg von Podiebrad. Auf meine aus. gesammelt, verstaut und nach Beschwerde, die ich den verantFür die Abwendung weiterer Neustadtl gebracht. wortlichen Ämtern schickte und Schäden wurde unter den gegeDas gleiche Schicksal ereilte in der ich die Rohheit und den benen Möglichkeiten alles ge- auch die Gedenkkapelle am Fuß
In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář, wie die Kommunisten Sakralbauten verfallen lassen.
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des Pfraumbergs. Sie steht an der Stelle, an der laut einer Überlieferung Arbeiter verbrannt wurden, die am Bau der Burg beteiligt waren. Die Statue der Jungfrau Maria war sehr beschädigt, und die wertvollen Holzstatuen der Engel waren völlig zerstört. Es waren sehr wertvolle Werke. Laut einem Bericht des Gedenkbuches des Pfarramtes in Pfraumberg waren sie aus dem Holz der letzten Balken der altertümlichen Burg geschnitzt worden. Vandalen haben keine Achtung vor der Kunst, auch nicht vor der Geschichte – und um so weniger vor der Religion. Im Grenzgebiet säumten zahlreiche Kreuze und Statuen die Wege. In Wäldern und an Abzweigungen standen Kapellen, bei Siedlungen oft Pestkapellen. Jedes dieser Denkmale hatte seine Geschichte. Sie standen an Orten bedeutender Ereignisse, und viele waren als wichtige Punkte auf Generalkarten verzeichnet. Nach einigen Jahren fand man nur hier und dort ein Kreuz. Die Mehrheit war kaputt, umgestürzt, meist absichtlich. Das war der moderne Ikonoklasmus, der Bildersturz des 20. Jahrhunderts. Bei Kapellen hatten böse Hände die Türen ausgehoben und das Innere zerstört. Falls ein Ausländer über die Staatsstraße von Roßhaupt nach Pilsen fuhr, hatte er ein genaues Bild der neuen tschechoslowakischen Kultur vor Augen. Fortsetzung folgt
Kuchenbüffet im Kreuzgang.
Bilder: Siegfried Zeug
� Haider Loreto
Letzte deutsche Messe 2021
Die letzte heuden Engel mit rige deutsche ihrem Latein Pilgermesse am Ende geMitte Oktowesen sei, so ber in der Haierlebten auch der Loreto zewir die Höhen lebrierte statt und Tiefen des angekün- Bischof Ulrich Boom bereitet die Ga- des Lebens. digten, aber ben und spendet die Kommunion so- Doch Gott sei erkrankten wie den Schlußsegen. mit uns, auch Altbischofs in der letzten Friedhelm Hofmann Würzburgs Stunde unseres Lebens. Weihbischof Ulrich Boom. Unter den Gläubigen waren Pfarrer Klaus Oehrlein aus Würzls Pfarrer von Miltenberg er- burg, Pfarrer Georg Hartl aus langte Ulrich Boom 2006 Waidhaus, der Haider Gemeinüberregionale Bekanntheit, als depfarrer Pater Martin Duchoer eine NPD-Kundgebung mit ei- slav und der ehemalige Haider nem 20minütigen Vollgeläut sei- Pfarrer Miroslav Martiš. Die Voner Sankt-Jakobus-Kirche ver- henstraußer Marianische Mänhinderte. Er bekam dafür den nerkongregation (MMC) mit Aschaffenburger Mutig-Preis. Konrad Uschold war sogar mit Mit seiner wohlformulierten Fahne vertreten. Lektorinnen Predigt traf der Bischof mitten in waren Renate Schmidt und Evi die Herzen der Pilger. Er beleuch- Menzel. Florian Löw begleitete tete das Leben der Gottesmutter den Gottesdienst an der Orgel. und zog immer wieder Parallelen Zum Schluß lud das Mesnerzwischen dem Leben der Heili- ehepaar Moravec die Marienvergen Familie in Nazareth zu unse- ehrer zu Kaffee und Kuchen, zum rem jetzigen Leben. So wie Ma- Verweilen und zu Gesprächen ria nach der Verkündigung durch ein. Siegfried Zeug
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WIR GRATULIEREN Wir gratulieren folgendem treuen Abonnenten des Tachauer Heimatboten zum Geburtstag im November von ganzem Herzen und wünschen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. n Ringelberg. Am 25. Josef Gleißner (Krawaschn), 94 Jahre
Manfred Kaßeckert Ortsbetreuer
Ortsbetreuerecke H
erzlich gratulieren wir im November Josef Magerl, Ortsbetreuer von Schossenreith, am 14. zum 93. Geburtstag und Manfred Klemm, Ortsbetreuer von Tirna, am 20. zum 83. Geburtstag. Wir wünschen alles Gute, Gesundheit sowie Gottes Segen und danken für alle Arbeit für unsere Heimat. Sieglinde Wolf