Im Interview: Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief
Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 73 | Folge 42 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 22. Oktober 2021
VOLKSBOTE
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Nach Artikel 66 der Verfassung wollen Abgeordnetenhaus und Senat das Staatsoberhaupt entmachten
Miloš Zeman ist zu krank für das Präsidentenamt Finanzministerin Alena Schillerová. Foto: Ministerstvo financí ČR
Tschechische Regierung
Weniger Steuern auf Energie Drastischer Schritt als Reaktion auf die Explosion der Energiepreise: Um die Bürger zu entlasten, wird im November und Dezember die Mehrwertsteuer auf Energie von 21 Prozent auf 0 (!) Prozent gesenkt, hat Finanzministerin Alena Schillerová (Ano) am Montag entschieden.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Tschechischen Republik soll ein amtierender Präsident seiner Amtsgeschäfte enthoben werden.
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er Präsident habe Marillenknödel zu Mittag gegessen und für den nächsten Tag Bratwürstchen mit Kartoffelbrei bestellt, behauptete dessen Sprecher Jiří Ovčáče noch vor wenigen Tagen, kurz nachdem Miloš Zeman auf die Intensivstation des Militärkrankenhauses in Prag verlegt werden mußte und dabei offenischtlich oh-
ne Bewußtsein war. Diese Finte des Präsidentensprechers hätte auch ohne die Fernsehbilder von Zemans Krankenhauseinlieferung kaum verfangen, da die tschechische Öffentlichkeit seit Jahren Zeuge ist, wie ihr Staatsoberhaupt Nikotin und Alkohol in großen Mengen konsumiert. So war es auch keine Überraschung, als die Zeitschrift Denik N. mit der offiziellen Verlautbarung, der Präsident leide an Diabetes und der Nervenerkrankung Neuropathie aufräumte und stattdessen die Diagnose „Hepati-
Tschechischen Republik der Artikel 66 der Verfassung greifen. Dort heißt es, daß die Aufgaben des Präsidenten zum einen auf den Premierminister und zum anderen auf den Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses übergehen, „wenn der Präsident der Republik sein Amt aus schwerwiegenden Gründen nicht ausüben kann und falls darüber das Abgeordnetenhaus und der Senat entschieden haben“. Alle Vorsitzenden der Parlamentsparteien hätten sich geeinigt, so Wahlsieger und ODSParteichef Petr Fiala am Dienstag nach einer Krisensitzung, direkt vor den Abstimmungen ein erneutes medizinisches Gutach-
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier traf seinen Amtskollegen Miloš Zeman im August in Prag und wünschte ihm jetzt in einem handschriftlichen Brief baldige Genesung. Foto: Bundespresseamt ten einzuholen. Ist Zeman dann immer noch so krank, daß er die Amtsgeschäfte nicht wieder übernehmen kann, soll der Senat voraussichtlich am 5. November und das Abgeordnetenhaus vermutlich am 8. November über eine – zumindest zeitweilige – Amtsenthebung abstimmen. TF
Premiere bei der Aktion „Die lange Nacht der Münchner Museen“
Kultur erwacht wieder – nachts im Sudetendeutschen Museum
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ies ist eine außergewöhnliche Maßnahme, die der Finanzminister nur aufgrund der außergewöhnlichen Umstände ergreifen kann“, sagte Schillerová und erklärte, daß diese Steueraussetzung den Staatshaushalt rund 315 Millionen Euro kosten wird. Nach Plänen der Regierung von Premierminister Andrej Babiš (Ano) soll auch die Wirtschaft unterstützt werden. So bereitet der Minister für Industrie und Handel, Karel Havlíček (Ano), ebenfalls ein 315-Millionen-Hilfspaket vor, um den Unternehmen Gebühren für erneuerbare Energien zu erlassen. Außerdem will Premierminister Babiš bei einem Gespräch mit der EU-Kommission in Brüssel durchsetzen, daß bei den CO2-Zertifikaten eine Preisgrenze festgelegt wird. Unterdessen rechnet der Vorstandsvorsitzende des tschechischen Energieversorgers CEZ, Daniel Beneš, damit, daß die Energiepreise in der Tschechischen Republik im nächsten Jahr erneut drastisch steigen. So prognostiziert Beneš für die Strompreise eine Steigerung um etwa ein Drittel. Laut Beneš werden die Gaspreise im nächsten Jahr sogar um die Hälfte bis zwei Drittel teurer – was dann wiederum Preissteigerungen bei vielen Verbrauchsgütern nach sich zieht.
tische Enzephalopathie aufgrund einer Leberzirrhose“ veröffentlichte. Diese lebensbedrohliche Erkrankung, die unter anderem schwere Hirnschäden verursacht, kommt für die tschechische Politik zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, denn nach der Parlamentswahl liegt es jetzt in der Verantwortung des Staatspräsidenten, den Wahlsieger mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Nachdem der behandelnde Arzt und Klinik-Direktor Miroslav Zavoral dem Senat aber mitgeteilt hat, daß Zeman derzeit nicht amtsfähig ist, soll jetzt zum ersten Mal in der Geschichte der
„Es war ein voller Erfolg“, freut sich Dr. Stefan Planker, Di„Fremde Freunde“: Anastasia Kostner und Riccardo Meneghini tanzten das sudetendeutsch-tschechische Verhältnis. Oben: Besucher im Sudetendeutschen Museum. Fotos: Mediaservice Novotny
Die Ausstellung UNESCO im Tschechischen Zentrum.
rektor des Sudetendeutschen Museums, über mehrere hundert Besucher, die am Samstagabend in das Haus strömten.
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um ersten Mal hatte das Sudetendeutsche Museum an der traditionellen Kulturveranstaltung „Die lange Nacht der Münchner Museen“ teilgenommen. Pandemiebedingt durften nur 23 000 Gäste die über 60 Museen, Galerien und Kirchen in der Landeshauptstadt besuchen. Die Eintritts-
Prof. Dr. Andreas Otto Weber (l.) begrüßt die Gäste im Haus des Deutschen Ostens.
karten waren deshalb schnell vergriffen. Mit dabei waren auch das Haus des Deutschen Ostens mit mehreren Lesungen zum Thema „Frauen schreiben Geschichte(n)“ sowie das Tschechische Zentrum mit der Ausstellung „UNESCO“ der tschechischen Künstlerin Katerina Šedá, die sich mit den negativen Auswirkungen des Massentourismus am Beispiel der Weltkulturerbestadt Krummau beschäftigt. Extra für die lange Nacht hatte das Sudetendeutsche Museum seinen Gästen die Tanzperformance „Fremde Freunde“ nach einer Choreografie der international bekannten Künstlerin Anastasia Kostner präsientiert. Gemeinsam mit ihrem Partner Riccardo Meneghini tanzte Kostner ein Duett, in dem das AndersSein mit der Frage „Bedrohung oder Bereicherung?“ thematisiert wurde. Die Performance veranschaulichte damit die gemeinsame Geschichte von Sudetendeutschen und Tschechen in den böhmischen Ländern. Museumschef Planker: „Im nächsten Jahr sind wir wieder mit dabei.“ TF
Jahresseminar in Bad Alexandersbad
Neuer Vorstand der Seliger-Gemeinde
Bei ihrem Jahresseminar in Bad Alexandersbad hat die Seliger-Gemeinde Bundesvorstand und Präsidium neu gewählt.
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eu in das Präsidium berufen wurde Thomas Oellermann. Der Hi-
storiker und Projektkoordinator in Tschechien sowie Sprecher des SPD-Freundeskreises in Prag trifft dort auf Helena Päßler, Helmut Eikam, Christa Naaß und Albrecht Schläger, die alle wiedergewählt wurden.
In seiner konstituierenden Sitzung bestätigte das Präsidium Helena Päßler und Helmut Eikam für ein Jahr als Ko-Vorsitzende. Im nächsten Jahr wird Christa Naaß die Funktion des Ko-Vorsitzenden
von Helmut Eikam übernehmen. Der 78-jährige in Eger geborene und in Aichach-Schrobenhausen lebende Anwalt will dann die Führung in jüngere Hände geben. Thema beim Jahresseminar waren unter anderem das
70-jährige Jubiläum der Seliger-Gemeinde sowie eine Diskussion mit MdEP a.D. Libor Rouček (ČSSD) und dem neugewählten MdB Jörg Nürnberger (SPD). Mehr dazu in der nächsten Ausgabe. Ulrich Miksch
Der neue Vorstand der Seliger-Gemeinde: Thomas Oellermann, Helena Päßler, Dr. Helmut Eikam, Christa Naaß und Albrecht Schläger. Foto: Miksch
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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er gebürtige Ungar aus dem Süden der Slowakei, László Sümegh, gehört zu den ältesten und treuesten Freunden des Prager Sudetendeutschen Büros. Seit Jahren kümmert er sich um die Prager „Straßenkinder“, die ohne seine Hilfe oft drogenabhängig werden oder in der Prostitution enden. Sümeghs Projekt „Šance“ (Die Chance) bietet ihnen die Möglichkeit, sich diesem traurigen Schicksal zu entziehen. Mit Hilfe des SL-Büroleiters Peter Barton wurden für „Šance“ weitere wichtige Kontakte geknüpft, auch die ungarische Botschaft unterstützt inzwischen Sümeghs Initiative, damit seine Schützlinge eine würdige
PRAGER SPITZEN
Zukunft bekommen. Sinnvolle Arbeit und eine geduldige Betreuung dieser Straßenkinder konnten bereits viele junge Leben retten. Die gefährliche und ausgesprochen giftige Gegend im Park um den Prager Hauptbahnhof ist keine Alternative für junge Obdachlose oder gefährdete Jugendliche mit Roma-Hintergrund. Sümegh stand zum Sudetendeutschen Büro auch dann, als manche Politiker und Personen des öffentlichen Lebens sich fürchteten, die Haustüre zu berühren. Diese Freundschaft steht auf festen Beinen. Das Foto zeigt Barton und Sümegh mit dem „Glücksknopf“, den die Schützlinge von „Šance“ an Freunde des Projektes verschenken.
Coronatests gelten nur für kurze Zeit
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schechien wird die Gültigkeit von Corona-Testnachweisen verkürzen, hat Premierminister Andrej Babiš (Partei Ano) bekannt gegeben. Demnach soll ein negativer PCR-Test nicht mehr sieben Tage, sondern nur noch 72 Stunden lang gültig sein. Bei Schnelltests verkürzt sich die Zeit von drei Tagen auf 24 Stunden. Unterdessen ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus sprunghaft gestiegen. So wurden am Montag 2521 Corona-Fälle festgestellt. Das ist fast das Doppelte an Neuinfizierten gegenüber der Vorwoche.
Wissenschaftliches Gremium traf sich nach 14-jähriger Aufbauarbeit zu seiner letzten Sitzung
Mission erfüllt: Beirat besucht sein Sudetendeutsches Museum
Zu seiner letzten Sitzung hat sich in der vergangenen Woche der Wissenschaftliche Beirat des Sudetendeutschen Museums im Adalbert Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses getroffen.
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er Vorsitzende des Gremiums, Prof. Dr. Hans-Martin Hinz, empfing die überwältigende Mehrheit der Beiräte und wies darauf hin, daß der Beirat für die Planung und den Bau des Sudetendeutschen Museums seit 14 Jahren beratend tätig sei. Im Dezember 2007 trat das Gremium zum ersten Male zusammen und nahm die Planungen der jeweiligen Gründungsbeauftragten für das Sudetendeutsche Museum zur Kenntnis, diskutierte diese, gab Empfehlungen ab und sprach sich auch ganz praktisch für die eine oder andere vorgeschlagene Variante aus. Nun war die Tätigkeit des wissenschaftlichen Beirats des Sudetendeutschen Museums über fast drei Jahre unterbrochen und in der Zeit der Corona-Pandemie wurde nicht nur das Sudetendeutsche Museum eröffnet, sondern die Amtszeit des Beirats lief während dieser Phase aus. Er blieb zwar im Amt, da bisher noch kein neuer Beirat berufen worden war, aber er durfte auf Grund der Hygienemaßnahmen nicht einmal die Eröffnung „seines“ Museums miterleben. Dafür war zwar in dem Gremium Verständnis vorhanden, aber das Bedauern über diese Tatsache überwog. So waren die Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden der Sudetendeutschen Stiftung und des Leiters des Planungsstabes für das Sudetendeutsche Museum nicht nur eine Rückschau auf die vergangenen Jahre, sondern auch eine Erläuterung über die schwierigen Jahre der Pandemie und die Anfangszeit des für den Publikumsverkehr geöffneten Museums. Während Dr. Ortfried Kotzian sich intensiv mit der Sinngebung des Museums befaßte und der Frage nachging, warum man diese Einrichtung brauche beziehungsweise welche Hoffnungen
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eine Mikrochips, keine Autos: Der Automobilhersteller Škoda hat angekündigt, die Produktion in allen drei Werken in der Tschechischen Republik für einen Zeitraum von zwei Wochen einzustellen. Premierminister Andrej Babiš (Ano) kündigte bereits staatliche Hilfen an. So sollen die Lohnkosten bis zu 60 Prozent und einem Höchstbetrag von 29 000 Kronen (1140 Euro) übernommen werden. Bereits zuvor hatte Toyota in seinem Werk in Kolin die Sommerpause um drei Wochen verlängert und anschließend die Produktion nur auf einem geringen Niveau hochgefahren. Branchenexperten gehen davon aus, daß sich die Versorgung mit Halbleitern möglicherweise erst in der zweiten Jahreshälfte 2022 entspannen wird.
Energieversorger stellt Betrieb ein
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Erinnerungsfoto vor dem Sudetendeutschen Museum (von links) nach der letzten Sitzung: Klaus Mohr, Agne Deirasaviante, Dr. Wolfgang Stäbler , Jens Bergmann, Dr. Michael Henker, Emily Wiebe, Dr. Wolfgang Freytag, Dr. Martin Posselt, Hans-Joachim Westhoff, Dr. Ortfried Kotzian, Hansjürgen Gartner, Dr. Stefan Planker, Prof. Dr. Hans-Martin Hinz, Blanka Mouralová, PhDr. Miroslav Kunštát, Dr. Zuzana Jürgens, Martina Lehmann und Dr. Günter Reichert. Foto: Mediaservice Novotny man mit dem Museum verbinde, erläuterte Dr. Michael Henker die mit Bau und Gestaltung verbundenen Schwierigkeiten und machte auf noch vorhandene Mängel und Restleistungen aufmerksam. Im Anschluß daran stellte Dr. Stefan Planker, der seit 1. Juli im Amt befindliche neue Museumsdirektor seine Planungen für die Zukunft des Museums vor, nannte Sonderausstellungen und ließ seine Mitarbeiter des Museumsteams ihre Aufgaben und Arbeitsfelder erklären. Mit Spannung erwarteten dann die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates den Blick auf das fertige Werk, das ihr Denken und Handeln in den letzten, bis zu 14 Jahren bestimmt hatte. Museumskuratorin Eva Haupt führte durch das Museum und beantwortete geduldig alle Fra-
gen, die an sie gestellt wurden. Das Ergebnis wurde von allen Beiräten als „äußerst gelungen“ bezeichnet. Der frühere Leiter der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern, York Langenstein, stellte in einer Mail fest: „Auch wenn die Architektur in ihrer Haltung mir eher die Vorstellung einer Gedenkstätte als die eines offenen Forums vermittelt hat, so gelingt es der Ausstellung trotzdem sehr gut, im Rahmen des etwas schwierig angelegten Rundgangs das Interesse der Besucher zu wecken und in den komplexen Themenkreis des Zusammenlebens der Deutschen mit den Tschechen und anderen ethnischen und religiösen Bevölkerungsgruppen vor allem in den westlichen und nördlichen Randbereichen Böhmens zu vermitteln. Die Sprache ist klar, offen
und auf die wesentlichen Kernaussagen reduziert; man fühlt sich eingeladen, sich ein vorurteilsfreies und differenziertes Bild zu machen.“ Der Rundgang durch das Sudetendeutsche Museum endete in der HDO-Gaststätte „Zum alten Bezirksamt“, wobei der nunmehr mögliche Übergang vom Sudetendeutschen Haus ins Haus des Deutschen Ostens besonders gelobt wurde. Bei einem gemeinsamen Abendessen wurden die Eindrücke der Museumsbesichtigung vertieft, und Dr. Wolfgang Freytag dankte allen Beiräten im Namen des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales für ihre jahrelange Mitwirkung am Leuchtturmprojekt der bayerischen Kulturlandschaft, dem Sudetendeutschen Museum in München. Dr. Ortfried Kotzian
Tschechisches Generalkonsulat
Empfang in München
Generalkonsulin Kristina Larischová im Gespräch mit Sprecher Bernd Posselt und Markus Rindersbacher. Fotos: Mediaservice Novotny
Škoda legt komplette Produktion still
28. September Tag des heiligen Wenzel, 28. Oktober Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 und 17. November Jahrestag der Samtenen Revolution von 1989 – drei Gründe für Generalkonsulin Kristina Larischová zum Empfang einzuladen – pandemiebedingt allerdings nur im kleinsten Kreis.
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nter den Gästen waren die sudetendeutschen Lands-
leute Sprecher Bernd Posselt und Christa Naaß, die Vorsitzende der Bundesversammlung. Aus der bayerischen Politik kamen die Landtags-Vizepräsidenten Karl Freller (CSU) und Markus Rinderspacher (SPD). Und im Rahmen des Empfangs überreichte die Generalkonsulin dem berühmten Tänzer Ivan Liška die Auszeichnung „Gratias agit“ des tschechischen Außenministeriums.
Christa Naaß, Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung, zu Gast bei Generalkonsulin Kristina Larischová.
iebe Kunden, wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, daß die Bohemia Energy-Gruppe die Lieferung von Strom und Gas auf dem tschechischen Energiemarkt einstellt“, hat das Unternehmen in der vergangenen Woche seine 900 000 Kunden informiert. Zur Begründung heißt es: „Dieser drastische Schritt wurde durch den anhaltenden extremen Anstieg der Energiepreise auf den Großhandelsmärkten veranlaßt, wo der Preis für beide gelieferten Rohstoffe inzwischen dreimal so hoch ist wie im vergangenen Jahr.“ Für eine Übergangszeit von sechs Monaten übernehmen die Stadtwerke die Energieversorgung, bis die Kunden einen neuen Energie-
versorger gefunden haben. Industrieministers Karel Havlíček (parteilos) sprach von einem „Versagen eines Wirtschaftsunternehmens.“
Radsport-Legende Kreuziger hört auf
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r ist der einzige Tscheche, der fünfmal bei den großen Rundfahrten unter den ersten Zehn landete, viermal bei der Tour de France und einmal beim Giro d‘Italia. Er war Juniorenweltmeister, gewann die tschechische Meisterschaft im Straßenrennen und nahm an den Olympischen Spielen in Peking und London teil. Jetzt hat der 35-jährige Radprofi Roman Kreuziger seinen Rücktritt als aktiver Sportler erklärt. Zukünftig will Tschechiens erfolgreichster Radrennfahrer als Sportdirektor für das Radteam Bahrain Victorious arbeiten.
Auszeichnung für tschechische Winzer
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eim Michelangelo International Wine & Spirits Awards in Südafrika, dem größten und ältesten Wein-Wettbewerb Afrikas, gewannen zwei tschechische Winzer die Goldmedaillen. Den Wettbewerb der ausländischen Weißweine gewann Winzer Petr Skoupil aus Groß Billowitz für seinen Gewürztraminer 2020. Bei den Rotweinen holte sich die Winzerei Šabata aus Saiz mit einer Pinot Noir Barrique 2018 Beerenlese den Titel. Insgesamt waren 1800 Weine aus 20 Ländern am Start.
Mehr Toleranz bei jungen Tschechen
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ie Vorbehalte junger Tschechen gegenüber Minderheiten haben sich leicht verringert, hat das Meinungsforschungsinstitut Median im Rahmen der Kampagne HateFree Culture festgestellt. Trotz eines Rückgangs von fünf Prozent bezeichnen aber immer noch 86 Prozent der Befragten zwischen 15 und 30 Jahren das Zusammenleben von Tschechen und Roma als „problematisch“. Das Zusammenleben mit den Muslimen sehen 47 Prozent kritisch. Am positivsten wurden hingegen die Kontakte mit den Vietnamesen bezeichnet. Die Umfrage zeigte dennoch, daß die jungen Tschechen weniger an Vorurteile über Minderheiten glauben und rassistisch gefärbter Häme stärker widersprechen.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22.10.2021
Seit Juli leitet Dr. Stefan Planker als Direktor das Sudetendeutsche Museum in München. Der 52-jährige stammt aus Wolkenstein im Grödner Tal. In St. Martin im Gadertal führte er 19 Jahre lang das Museum Ladin Ćiastel de Tor. Als Ladiner gehört Planker einer Minderheit in Italien an. Deshalb könne er sich gut in die Lage der Sudetendeutschen hineinversetzen, erklärt Planker im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung.
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE � Interview mit Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums in München
„Minderheiten sind eine Stärke unseres Europas“
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err Dr. Planker, wie haben Sie sich in München eingelebt? Vermissen Sie nicht die Berge? Dr. Stefan Planker: Ich fühle mich sehr wohl. Und ich habe beides. Unter der Woche München als lebenswerte Stadt und an den Wochenenden das Grödner Tal und die Dolomiten. Sie sind in Wolkenstein aufgewachsen, Ihre Muttersprache ist Ladinisch. Fühlen Sie sich als Ladiner, Südtiroler, Italiener, HalbÖsterreicher oder Europäer? Planker: Vor allem als Ladiner und Europäer, aber es ist in meiner Heimat gelungen, für den Schutz unserer Minderheit und ein gutes Miteinander zwischen Italienern, Südtirolern und Ladinern zu sorgen. Ladinische Kinder wachsen dreisprachig auf, indem sie neben ihrer Muttersprache nach dem sogenannten paritätischen System schon vom Kindergarten an und wochenweise abwechselnd Deutsch und Italienisch lernen. Später kommt in der Schule noch Englisch hinzu. Da wir vom Tourismus leben und viele Gäste aus Deutschland, Österreich und Italien kommen, ist die Mehrsprachigkeit für uns von Kindesbeinen an völlig normal. Ist diese Sprachkompetenz der Schlüssel für ein friedliches Zusammenleben? Oder anders gefragt: Inwiefern hat der Umstand der oft nicht vorhandenen Zweisprachigkeit dazu beigetragen, daß in Böhmen und Mähren Sudetendeutsche und Tschechen nach dem Ende der Habsburger Dynastie und des Ersten Weltkriegs immer heftiger aneinander gerieten? Planker: Die Sprachbarriere war sicherlich ein entscheidender Faktor. Sprache ist ein wichtiger Teil der eigenen Identität. Und der aufkommende Nationalismus hat über die eigene Sprache einen guten Nährboden gefunden, andere Menschen auszugrenzen. Dies ist ein Grund, warum wir im Sudetendeutschen Museum alle Erklärungen nicht nur in Deutsch und Englisch veröffentlichen, sondern auch in Tschechisch. Wir möchten Brücken bauen und keine Gräben aufreißen. Sie kommen aus einer Kunsthandwerker-Familie. Ihr Vater war Holzschnitzer im Grödner Tal. Wie hat diese alte Tradition Sie beeinflußt? Planker: Nach der Grundschule habe ich, wie es damals üblich war, bis zum Abitur die Kunstlehranstalt in St. Ulrich besucht, die bereits 1890 gegründet worden ist, und an der alle bekannten Ladiner ausgebildet wurden. Meine Eltern betrieben neben dem Kunsthandwerk einen Bauernhof und vermieteten Ferienzimmer an Touristen. Als Kind habe ich mit meinen drei Brüdern und zwei Schwestern natürlich mitgeholfen. So haben wir im Sommer immer Heu gemacht. Das prägt, und das sind meine Wurzeln. Später im Studium habe ich dann während der Semesterferien immer wieder bei Ausgrabungen und als Restaurator gearbeitet. Damit habe ich nicht nur mein Studium finanziert, sondern diese praktische Arbeit war für mich auch ein willkommener Ausgleich zum theorielastigen Studium. Wie konnten Sie Ihre handwerkliche Arbeit an der Universität einbringen? Planker: In meinem Studium hat man häufig darüber diskutiert, inwieweit man Objekte, wie
� Zur Person: Dr. Stefan Planker Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums. Foto: Fricke zum Beispiel Fresken, restau- beiden Minderheiten respektiert rieren kann, darf, soll oder muß. haben, wie es in der italienischen Wenn man dann über praktische Verfassung auch sehr vorbildhaft Erfahrungen verfügt, hat man ei- geregelt ist. Demnach muß jede ne ganz andere Sicht auf die Din- Volksgruppe die Möglichkeit hage. In meiner Promotion habe ich ben, ihre eigene Kultur und Spramich dann auch mit der Restau- che zu pflegen. Bereits 1948 hat rierung des Brixner Kreuzganges der damalige italienische Kultusbeschäftigt, an der ich selbst be- minister entschieden, daß laditeiligt war. nische Kinder neben Italienisch In der autonomen Provinz Süd- auch in Deutsch und in ihrer tirol leben 330 000 Südtiroler und Muttersprache unterricht wer120 000 Italiener, aber nur 30 000 den. Das war ein wichtiger Punkt. Ladiner. Was unterscheidet Ihre Dennoch kam es in Südtirol Volksgruppe von den Südtirolern? in den 1960er Jahren zu SpanPlanker: Die Sprache. Wir nungen, die sogar in Terrorakten sprechen einfach eine andere mündeten. Die Lage entspannSprache, haben aber die gleiche te sich, als Südtirol einen eigeGeschichte wie die Südtiroler. nen Autonomiestatus zugesproAuch wir wurden von der k & k chen bekam. Wie wichtig war dieMonarchie geprägt. Mein Groß- ser Kompromiß? vater wurde 1898 noch unter der Planker: Wenn man es global k & k Monarchie geboren. betrachtet und sich das Schicksal Die Zerschlagung des Kaiser- anderer Minderheiten anschaut, reichs Österreich-Ungarn durch zum Beispiel in Nord-Irland, in die Siegermächte des Ersten Spanien mit dem Baskenland Weltkriegs hatte enormen Einfluß und Katalonien, in Israel und Paauf die weitere Entwicklung in lästina, dann sieht man, welche Böhmen und Mähren, wo, wie Sie positive Wirkung der 1972 eingees im Sudetendeutschen Museum führte Autonomiestatus für die eindrucksvoll thematisieren, der Südtiroler und die Ladiner hat. aufkeimende Nationalismus die Was nehmen Sie aus der Gebeiden Volksschichte Ihrer Man kann sich einfühlen Volksgruppe gruppe gegeneinander mit für Ihre Araufgewiegelt hat. Wie war die Si- beit als Direktor des Sudetendeuttuation in Südtirol? schen Museums? Planker: Nach der österreichiPlanker: Die Sensibilität. schen Kapitulation erfolgte die Man kann sich einfühlen in das Besetzung Südtirols durch italie- Schicksal der Sudetendeutschen, nische Truppen. Diese eigentlich obwohl deren Vertreibung natürvölkerrechtswidrige Landnah- lich viel dramtischer war als das, me wurde dann über den Vertrag was wir Ladiner erlebt haben. In von Saint-Germain nachträg- Südtirol gab es 1939 die sogelich legalisiert. Damit waren die nannte Option. Man durfte sich Karten auch in Südtirol neu ge- aussuchen, ob man bleiben oder mischt. Mit dem Faschismus in nach Norden gehen wollte. Die Italien wurden wir Ladiner plötz- Sudetendeutschen hatten keine lich als Italiener angesehen und Wahlmöglichkeit. Gleichzeitig unsere Sprache per Dekret als analysiert man als AußenstehenDialekt eingestuft, was für die der das sudetendeutsche SchickLadiner indiskutabel war. sal aus einer anderen PerspektiDennoch leben heute Italiener, ve. Ich glaube, daß dieser andeSüdtiroler und Ladiner friedlich re Blick ebenfalls wertvoll ist, um zusammen. die Geschichte aufzuarbeiten. Planker: Während des ZweiSie haben 19 Jahre das ladiniten Weltkriegs hatten viele Süd- sche Museum in St. Martin geleitiroler und Ladiner mit einem tet. Inwiefern haben Sie von SüdtiAnschluß an das Deutsche Reich rol aus die Planungen für das Suoder mindestens an Österreich detendeutsche Museum verfolgt? geliebäugelt. Nach KriegsenPlanker: Natürlich sind alle de hätten die Italiener also ähn- Museumsprojekte in Europa, die liche Maßnahmen ergreifen kön- sich mit Minderheiten beschäfnen, wie es Edvard Beneš in der tigen, für mich von großem InTschechoslowkei mit den Sude- teresse. Ich kenne viele Häuser, tendeutschen gemacht hat. Dazu die das Schicksal der Juden thekam es aber nicht, was vor allem matisieren, war mehrfach im Doan den Italienern lag, weil sie die nauschwäbischen Zentralmuse-
� Geboren am 19. Dezember 1968 in Bozen. � Verheiratet, drei Kinder. � 1995/96:
Abschluß des Studiums Laurea in Conservazione dei Beni Culturali und Promotion. � 2006: Master an der Universität in Ferrara: Master esperto in didattica museale (Museumsdidaktik.) � 2011: Master an der Universität in Ferrara: Master in Progettazione e gestione degli eventi e dei percorsi culturali (Kultur- und Eventmanagement). � 2002 bis 2021: Direktor des Landesmuseum Museum Ladin Ćiastel de Tor in St. Martin (Südtirol). � 2003 bis 2018: Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Landesmuseum Schloß Tirol (Südtirol). um in Ulm und habe natürlich geben haben, immer wieder dadie Realisierung des Sudeten- heim diese Objekte betrachten. deutschen Museums von Anfang Unser Versprechen ist: Wir weran mitverfolgt. Auch wenn ich fen nichts weg. Was wir in unsemir bis vor einem Jahr nicht hätte rem Bestand aufnehmen, wird vorstellen können, dieses Muse- gepflegt und bleibt unter unseum einmal leiten zu dürfen. rer Obhut. Wie kam es zum Wechsel? Geht es nur um das Thema VerPlanker: Nach über 15 Jahren treibung? in einer Position braucht man eiPlanker: Nein, wir wollen ne neue Herausforderung, um auch die Zeit danach aufarbeinicht in eine Routine abzuglei- ten. Wir wollen zeigen, wie Suten. Ich glaube, ich bin jetzt ge- detendeutsche nach der Vernau in dem richtigen Alter. Und treibung ihr neues Leben aufgeda meine Kinder aus dem Gröb- baut haben. Es gibt eine Vielzahl sten heraus sind, hat auch die Fa- von Sudetendeutschen, die nach milie ja gesagt. Meine Frau und dem Krieg maßgeblich am Wiemeine drei Kinder haben mich in deraufbau Deutschlands beteiden Sommerligt waren. VieWir werfen nichts weg ferien schon le erfolgreiche besucht, und UnternehmensMünchen hat ihnen sehr gut ge- gründungen in der jungen Bunfallen. Außerdem sind es nur drei desrepublik sind von SudetenStunden Fahrzeit zwischen mei- deutschen initiiert worden. Dies nem Zuhause und München. Das ist eine Erfolgsgeschichte, auf ist machbar. die man stolz sein kann, und die Was sind die Schwerpunkte Ih- vielleicht auch beispielgebend rer Arbeit? ist. Planker: Wir arbeiten auf Nach außen sichtbar sind namehreren Ebenen. Das wichtig- türlich auch die Ausstellungen. ste Thema für die nächsten Jahre Was planen Sie ? ist es, die Erinnerungen der ZeitPlanker: Unsere Dauerauszeugen zu dokumentieren und zu stellung werden wir immer wiebewahren sowie die Geschehnis- der thematisch ergänzen. Hinse von damals wissenschaftlich zu kommen Sonderausstellunzu recherchieren und aufzuberei- gen. Die erste haben wir gerade ten. Über 75 Jahre nach der Ver- eröffnet. Noch bis zum 21. Notreibung gibt es nur noch weni- vember zeigen wir in der Alfge Betroffene, die über dieses Er- red-Kubin-Galerie im Sudeteneignis aus erster Hand berichten deutschen Haus die Werke des können und uns zum Beispiel für sudetendeutschen ExpressioniVideo-Interviews zur Verfügung sten Werner Reinisch, der als Justehen. In diesem Zusammen- gendlicher die Vertreibung noch hang haben wir gerade erst wei- selbst erlebt hat. Anschließend tere Flächen für unser Depot an- folgt vom 9. Dezember über die gemietet, um Erinnerungsstücke Weihnachtszeit hinaus bis zum 2. aus dieser Zeit zu sammeln und Februar 2022 eine wunderschöne zu kategorisieren. Wir wollen Krippenausstellung. diese Objekte, die uns ZeitzeuWas sind die Schwerpunkt Ihgen oder deren Nachfahren zur rer Forschungsarbeit? Verfügung stellen, zusätzlich als Planker: Ich möchte hier zwei dreidimensionale Fotos sichern. Projekte nennen. Am Anfang So können Spender, die uns zum des Ersten Weltkriegs verlief Beispiel eine Heimatstube über- die Dolomitenfront mitten durch
3 Buchenstein, wo es später zu heftigen Kämpfen um den Col di Lana kam, dessen Gipfel italienische Soldaten über ein geheimes Tunnelsystem wegsprengten und der später als „Blutberg“ in die Geschichte einging. Viele Ladiner aus Buchenstein flüchteten damals vor dem Krieg nach Gablonz und Reichenberg, also zu den Sudetendeutschen. Und viele Italiener, die in Südtirol lebten, wichen vor dem Krieg nach Mähren aus. Beide Gruppen konnten dann nach 1917 wieder in ihre Heimat zurückkehren. Mein Kollege Dr. Raimund Paleczek, Vorsitzender des Sudetendeutschen Instituts, erforscht jetzt, wie die Sudetendeutschen damals die Kriegsflüchtlinge aufgenommen haben. Und Ihr zweites Projekt? Planker: Das Sudetendeutsche Institut hat zwischen 2010 und 2018 aus dem Militärarchiv in Prag analoge Kopien der namentlichen Listen der Vertreibungstransporte 1946 aus Böhmen mit dem Schwerpunkt auf die westböhmische Region beschafft. Von den offiziell erfaßten 1650 Transporten liegen die kopierten Listen von 530 Transporten vor. Es fehlen die Listen aus Mähren und alle Transporte in die damalige Sowjetische Besatzungszone. In den analogen Listen ist eine Recherche nach Namen nicht möglich, aber ein gutes Drittel aller eingehenden Anfragen bezieht sich auf Auskünfte aus den Transportlisten. Unser Ziel ist eine Multimediastation, an der jeder Besucher ein einzelnes Schicksal nachrecherchieren kann. Das Sudetendeutsche Museum wurde am 12. Oktober 2020 eröffnet, war aber nur ein paar Tage zugänglich, weil kurz darauf der Corona-Lockdown in Kraft trat. Jetzt liegt die Pandemie für Geimpfte und Genesene eigentlich hinter uns. Wie ist die Akzeptanz nach der Wiedereröffnung? Planker: Wir sind zufrieden, zumal wir noch keine große Werbung machen konnten. Mit dem nächsten Jahr wollen wir dann richtig durchstarten. So planen wir für 2022 eine große Ausstellung über Möbel und Intarsien, für die die Egerländer berühmt waren. Wir machen klassische Museumsarbeit. Wir sammeln, wir bewahren, wir forschen und wir vermitteln. Wir haben mittlerweile Sonderausstellungen bis zum Jahr 2027 geplant. Wir werden also immer wieder von uns reden machen. Der wiederholte Besuch des Sudetendeutschen Museums wird sich also lohnen. Inwieweit ist es ein Vorteil für Ihre Arbeit als Museumsdirektor, daß Sie Angehöriger einer Minderheit sind? Planker: Das ist für einen Betroffenen schwierig zu sagen. Ich bin Angehöriger einer Minderheit. Das prägt nicht nur, sondern man hat automatisch eine hohe Sensibilität für das Thema. Als Nicht-Sudetendeutscher habe ich aber auch eine andere Sicht auf die Dinge, und das ist manchmal von Vorteil. Wie sehen Sie das Thema Minderheiten im europäischen Kontext? Planker: Ein Beispiel: Die Südtiroler sagen oft, sie seien in Italien eine sprachliche Minderheit, was stimmt. Aber in ganz Europa gibt es rund 100 Millionen Menschen, die Deutsch sprechen. Es besteht also keine Gefahr, daß die Südtiroler ihre Muttersprache verlieren könnten, ihre Kultur natürlich schon. Bei uns Ladinern ist das mit 30 000 Menschen, die Ladinisch als Muttersprache haben, sicherlich anders. Bei den Ladinern sind Sprache und Kultur gefährdet, aber wir behaupten unsere Identität immerhin schon seit den Zeiten der Römer. Europa ist geprägt von verschiedenen Völkern und zahlreichen Minderheiten. Ich finde, Minderheiten sind eine Stärke unseres Europas. Torsten Fricke
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TERMINE . AKTUELL
Es war der Beginn der sogenannten geregelten Vertreibung: Am 25. Januar 1946 ist der erste Zug mit 1200 Sudetendeutschen, die aus ihrer Heimat in Böhmen und Mähren vertrieben worden sind, in Bayern eingerollt. Auch 75 Jahre nach dieser völkerrechtswidrigen Vertreibung sind die Opfer nicht vergessen. Die Landesgruppe Bayern lädt deshalb am Freitag, 29. Oktober, zur zentralen Gedenkfeier nach Bayreuth ein.
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22.10.2021
Freitag, 29. Oktober, Bayreuth: 13.30 Uhr Kranzniederlegung und 14.30 Uhr Gedenkveranstaltung
Gedenkfeier erinnert an 75 Jahre Vertreibung der Sudetendeutschen
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ls Folge der Zwangsausweisungen kamen mehr als drei Millionen Sudetendeutsche nach Deutschland, ein Großteil nach Bayern. Den meisten Landsleuten sei bald bewußt gewesen, daß es kein Zurück mehr gibt, erklärt Landesobmann Steffen Hörtler. Diese Wunden seien bis heute nicht gänzlich verheilt, „auch weil die Beneš-Dekrete, mit denen die Vertreibung gerechtfertigt wurde, unverändert Teil der tschechischen Rechtsordnung sind“, so Hörtler. Der Landesobmann: „Mich stimmt die Gegenwart jedoch zuversichtlich. Im Einsatz für die Aufhebung der Unrechtsdekrete und zugleich die Vertiefung der sudetendeutsch-tschechischen Zusammenarbeit können wir als Volksgruppe auf immer mehr
Ministerin Carolina Trautner
Beauftragte Sylvia Stierstorfer
OB Thomas Ebersberger
Präsidentin Heidrun Piwernetz
Freunde in der Tschechischen Republik zählen. Das Bewußtsein für das geschichtliche Erbe wächst.“
Sprecher Bernd Posselt
Landesobmann Steffen Hörtler
Am Vertriebenendenkmal auf den Schloßterrassen beginnt der Gedenktag mit einer Kranzniederlegung. Foto: Bayreuth Marketing Tourismus GmbH
Zeitzeuge Peter Hucker
Ortsobmann Manfred Kees
Die Gedenkfeier in Bayreuth beginnt um 13.30 Uhr am Vertriebenendenkmal an den Schloßterrassen mit einer Kranznieder-
Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene. Anschließend findet ab 14.30 Uhr in der Schloßgalerie (Kanal-
legung. Worte des Gedenkens sprechen Manfred Kees, SLOrtsobmann Bayreuth, und Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der
straße 5) die Gedenkfeier statt. Nach der Begrüßung und Einführung durch SL-Landesobmann Steffen Hörtler erinnert Zeitzeuge Peter Hucker an die Geschehnisse von vor 75 Jahren. Anschließend folgen Grußworte von Thomas Ebersberger, Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth, und Heidrun Piwernetz, Regierungspräsidentin von Oberfranken. Die Festansprachen halten im Anschluß Carolina Trautner, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales sowie Schirmherrschaftsministerin, und Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Für die musikalische Umrahmung sorgen Manuel Lodes von der Hochschule für Musik und Theater in München bei der Kranzniederlegung sowie das Violoncello- und Klavier-Duo Marie-Therese und Stefan Daubner bei der Gedenkfeier. Informationen und Anmeldung: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Landesgruppe Bayern, eMail geschaeftsstelle@ sudeten-by.de, Telefon (0 89) 48 00 03 46 (mittwochs und donnerstags zwischen 9.00 und 18.00 Uhr), Telefax (0 89) 48 00 03 96.
VERANSTALTUNGSKALENDER
Gartenberger Bunkerblasmusik
Böhmischer Abend im Sudetendeutschen Haus Freitag, 29. Oktober, 19.30 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München: „Böhmischer Abend mit der Gartenberger Bunkerblasmusik“. Veranstalter ist die Sudetendeutsche Landsmannschaft – Bundesverband. Nach der Begrüßung durch den Bundeskulturreferenten Prof. Dr. Ulf Broßmann spielt
die Gartenberger Bunkerblasmusik Musik aus den böhmischen Ländern. Die Bunkerblasmusik ist weit über die Grenzen von Geretsried hinaus bekannt. Sie wurde 1992 von Roland Hammerschmied gegründet, der zweiter Vorsitzender der Egerländer Gmoi Geretsried ist. Der Eintritt ist frei. Foto: Torsten Fricke
Buchvorstellung mit Autor Dr. Andreas Kossert
Flucht – eine Menschheitsgeschichte Mittwoch, 27. Oktober, 19.00 Uhr: „Flucht – eine Menscheitsgeschichte“. Buchpräsentation mit Autor Dr. Andreas Kossert (Foto). Der renommierte Experte zum Thema Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert und Autor des Bestsellers „Kalte Heimat“ stellt in seinem neuen Werk die Flüchtlingsbewegung des frühen 21. Jahrhunderts in einen großen geschichtlichen Zusammenhang. Immer nah an den Einzelschicksalen und auf bewegende Weise zeigt Kossert, welche existenziellen Erfahrungen von Entwurzelung und Anfeindung mit dem Verlust der Heimat einhergehen – und warum
es für Flüchtlinge und Vertriebene zu allen Zeiten so schwer ist, in der Fremde neue Wurzeln zu schlagen. Das Buch wurde mit dem NDR Kultur Sachbuchpreis 2020 und dem Preis für „Das politische Buch” 2021 der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet. Kossert ist seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (Berlin). Anmeldung (erforderlich): Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder eMail poststelle@hdo.bayern.de
Noch bis Sonntag, 21. November, Sudetendeutsches Museum: „Von Böhmen in die Ardèche – Ausstellung von Werner Reinisch“. Alfred-Kubin-Galerie, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeitung: dienstags bis sonntags, 10.00 bis 18.00 Uhr. Freitag, 22. Oktober, 18.00 Uhr, vhs Holzkirchen-Otterfing in Kooperation mit dem Kulturrefererat für die böhmischen Länder: Mährischer Abend. vhs Holzkirchen-Otterfing, MaxHeimbucher-Straße 1, Holzkirchen. Anmeldung: Telefon: (0 80 24) 4 67 89 10. Samstag, 23. Oktober, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Dienstag, 26. Oktober, 19.00 bis 21.00 Uhr, Kulturreferat für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum: „Prag empfing uns als Verwandte“, Buchpräsentation von Dr. Peter Lange über Thomas Mann und dessen tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt frei, Anmeldung über https://eveeno.com/ familie-mann Donnerstag, 28. Oktober, 15.00 Uhr, AckermannGemeinde: Böhmische Spuren in München. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Eintritt 5 Euro für Kaffee und Kuchen, Anmeldung erforderlich unter www.ackermann-gemeinde.de Freitag, 29. Oktober, 17.00 Uhr, Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich: Totengedenkmesse. Augustinerkirche, Augustinerstraße 3, 1010 Wien (Eingang über den Josefsplatz). Montag, 1. November, 11.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Totengedenken. Großes Friedhofskreuz am Stadtfriedhof, Bayreuth. Mittwoch, 3. November bis Freitag, 5. November, Arbeitskreis Sudetendeutscher Akademiker: „Zwischen Integration und Abgrenzung – Flucht und Vertreibung in Film, Literatur und Gegenwart“. Der Heiligenhof, Alte Euerdorfer Str. 1, Bad Kissingen. Anmeldung und Informationen: eMail info@heiligenhof.de
Sonntag, 7. November, 16.00 Uhr, BdV-Kreisverband Fulda: Totengedenken mit Generalvikar a.D. Prof. Dr. Gerhard Stanke. Gedenkstein der Heimatvertriebenen in den Frauenberg-Anlagen, Marienstraße, Fulda. Freitag, 12. bis Samstag, 13. November, SL-Bundesverband: Jahrestagung des Sudetendeutschen Heimatrates mit Neuwahl des Vorstandes. Bad Kissingen, Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1. Anmeldung: Telefon (0 89) 48 00 03 54, eMail schuster@sudeten.de Samstag, 13. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und AckermannGemeinde Erlangen: Autorenlesung. Dr. phil. Kateřina Kovačková (Pilsen): „Mai 1945 in der Tschechoslowakei“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Zu Gast ist Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 27. November, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen. Gaststätte Moosing, Oberobsang 11, Bayreuth. Samstag, 4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Vorweihnachtliche Feier. Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Sonntag, 5. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Advent und Weihnachtsfeier. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Mittwoch, 8. Dezember, 13.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Halbtagesfahrt zum Fichtelsee. Abfahrt Hauptbahnhof Bayreuth. Anmeldung: eMail manfred.kees@superkabel.de Samstag, 18. Dezember, 15.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Weihnachtsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Obmann Kurt Aue präsentiert einen Film über das Sudetenland.
Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa Sonntag, 7. November bis Dienstag, 9. November (Teil 1) und Dienstag, 9. November bis Freitag, 12. November (Teil 2): „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“. Seminarwoche in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen in Zusammenarbeit mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bundesverband Die Woche besteht aus zwei zusammengehörenden Seminaren, die aber auch getrennt voneinander besucht werden können.
Teil I: „Eine Spurensuche für Sudetendeutsche und Tschechen“ Sonntag, 7. November, 19.00 Uhr: Steffen Hörtler und Hildegard Schuster, Eröffnung der Tagung; 19.30 Uhr: Ivana Danisch, „Begegnungen ohne Grenzen“. Montag, 8. November, 9.00 Uhr: Lorenz Loserth (online), „Die Erben der Vertreibung und ihr Umgang mit der Geschichte – Praxisbeispiele“; 10.15 Uhr: Karel Halla, „Digitale Heimat – wie bringe ich offensichtlich Gegensätzliches in Einklang?“; 14.00 Uhr: Isabelle Hardt und Bettina Hofmann-Käs, „Die Macht der Worte – die Wirkung von Sprache auf Denken und Einstellungen“. Dienstag, 9. November, 9.00 Uhr: Dr. Jana Nosková, „Das Familiengedächtnis – wie die Historie innerhalb einer Familie über Generationen weitergegeben wird“; 14.00 Uhr: Christina Meinusch, „Heimat analog in persönlicher Begegnung und Exponaten – Notwendigkeit oder Auslaufmodell?“; 15.45 Uhr: Steffen Hörtler & Hildegard Schuster, Seminarnachbetrachtung, Schlußdiskussion, Auswertung. Teil II: „Die Erben der Vertreibung und ihr Umgang mit der Geschichte“ Dienstag, 9. November, 19.00 Uhr: Steffen Hörtler und Hildegard Schuster, Eröffnung der Tagung; 19.30 Uhr: Jaroslav Ostrčilík, „Die Schatten der Vertreibung“. Mittwoch, 10. November, 9.00 Uhr: Steffen Hörtler, „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa. Sichtweise eines Deutschen aus Deutschland“; 10.00 Uhr: Martin Dzingel, „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa: Sichtweise eines Deutschen aus Tschechien“; 14.00 Uhr: Werner Honal, „Suche nach den gemeinsamen Wurzeln von Sudetendeutschen und Tschechen“. Donnerstag, 11. November, 9.00 Uhr: Birgit Aldenhoff und Tomáš Randýsek, „Bildungsprozesse initiieren und Geschichte vermitteln am Beispiel der deutsch-tschechischen Beziehungen“; 14.00 Uhr: Ralf Pasch, „Deutsche und tschechische Narrative in Gesellschaft und Literatur“. Freitag, 12. November, 9.00 Uhr: Prof. Dr. Manfred Kittel, „Angemessener Umgang mit unserer Vertreibungsgeschichte?; 11.45 Uhr: Steffen Hörtler und Hildegard Schuster: Seminarnachbetrachtung, Schlußdiskussion, Auswertung. Der Kostenbeitrag einschließlich Übernachtung und Verpflegung beträgt 35,00 Euro für Teil I und 45,00 Euro für Teil II. 80,00 Euro für die gesamte Woche im Doppelzimmer, gegebenenfalls Einzelzimmerzuschlag. Zuzüglich 1,80 Euro Kurtaxe pro Nacht. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de oder schuster@sudeten.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
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AKTUELL � Mut tut gut
Einer hält uns sanft
D Über „Freiheit und Mut – Motoren für ein lebenswertes Europa“ diskutierten auf dem Podium (von links): Johannes Volkmann, Johannes Belling, Dirk H. Voß, Consuelo Gräfin Ballestrem, Jan Šícha und Pater Zdzisław Kijas. Foto: Hans Kijas
� 56. Christlicher Europatag der Paneuropa-Union Deutschland im oberbayerischen Kloster Andechs
„Wir brauchen mehr Mut, weil die Welt nicht auf uns wartet“
Mit dem Thema Freiheit hat sich der 56. Christliche Europatag der Paneuropa-Union Deutschland im Kloster Andechs befaßt. Ihr Präsident, der CSU-Europapolitiker und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe Bernd Posselt, zitierte den Paneuropa-Gründer Richard Graf Coudenhove-Kalergi, der unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen und dabei gesagt hat: „Europa ist nicht nur ein Kontinent, sondern eine Idee. Diese heißt Freiheit.“
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rundlage dessen sei die von Christentum und Humanismus weltweit verbreitete Konzeption von der Menschenwürde. Diese bilde auch den Ausgangspunkt der EU-Grundrechtecharta. Heute stehe die Welt vor einer Zerreißprobe: Einerseits sei die Möglichkeit des Menschen zum Zerstören fast unendlich geworden, und im digitalisierten wie auch globalisierten „weltweiten Dorf“ sei jeder von jedem abhängiger denn je, wie die Pandemiekrise bewiesen habe. Andererseits werde die gemeinsame kulturelle und ethische Basis der internationalen Ordnung immer schwächer. In Afghanistan habe sich auf dramatische Weise gezeigt, daß der kolonialistische Export westeuropäischer Gesellschaftsvorstellungen zum Scheitern verurteilt sei. Dies dürfe aber nicht bedeuten, die Universalität der Menschenrechte, wie sie die Vereinten Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg zumindest theoretisch verwirklicht hätten, in Frage zu stellen. Der Ausweg aus diesem Dilemma könne nur in einem geduldigen und kenntnisreichen Dialog zwischen den verschiedenen Weltreligionen und -kulturen liegen. Der Theologe Veit Neumann aus Regensburg, Chefredakteur der Academia und Vertretungsprofessor für Pastoraltheologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, legte mit einem Einführungsreferat zum Thema „Freiheit und Gott“ christliche FunTheologe mit Rei- damente des Freichenberger Wur- heitsbegriffs. Im zeln: Prof. Veit Neu- Alten Testament mann. F: Hermann sei nur indirekt von Freiheit die Rede, wohl aber von Gott, der von Not, Ängsten und Sünden befreit. Jahwe habe zu seinem Volk gesagt: „Ich bin der Gott, der dich aus der Sklaverei geführt hat.“ Dies sei kein Mythos, sondern eine Geschichte der Freiheit. Der Apostel Paulus habe dann eine Theologie der Freiheit entwickelt. Diese sei eng mit der Gotteskindschaft und Gottesebenbildlichkeit des Menschen verbunden: „Wir sind nicht Gott, aber wir sind ihm ähnlich, wodurch man ahnt, daß wir in enger Beziehung zu ihm stehen.“ Johannes Modesto, Postulator für Seligsprechungsverfahren der Erzdiözese München und Freising, beeindruckte mit einer Gesamtschau auf den Theologen Romano Guardini und die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, deren Denken von diesem stark beeinflußt gewesen sei. Mit seiner deutsch-italienischen Prägung habe Guardini große abendländische Gestalten wie Sokrates, Platon, Augustinus, Dante, Shakespeare, Nietzsche oder Rilke in seine Vorlesun-
Prof. Zdzisław Kijas zelebrierte die Messe in der Wallfahrtskirche.
Foto: Michael Gahler
gen einbezogen, „mit denen er prüfend liberalen Deutschen Demokratischen auf das Christentum blickte und die er Partei engagiert sowie mit großer Beumgekehrt prüfend mit dem christli- harrlichkeit an der deutsch-polnischen chen Entwurf verglich“. Aus diesem An- Aussöhnung gearbeitet. Für die Sinnsusatz heraus habe er wichtige Beiträge zur cherin, Mystikerin und Prophetin sei es europäischen Idee geleistet. Auch seine gleichzeitig ein wissenschaftliches BeLeidenschaft für den akademischen und streben gewesen, Glaube und Vernunft gesamteuropäischen Freiheitsgedan- zu verbinden. ken verbinde ihn mit Hans Scholl, der Die Politikwissenschaftlerin Blanka vor seiner Hinrichtung laut „Es lebe die Mouralová vom Prager Institut für das Freiheit!“ gerufen habe. Studium totalitärer Regime sprach über Die Religionsphilosophin Beate Hannah Arendt und deren berühmte ToBeckmann-Zöller talitarismustheoschilderte das Wirrie. Sie beschrieb ken der Mitteleudas Nachdenken ropäerin unter den der Philosophin drei von Papst Joüber den Nationalhannes Paul II. ersozialismus und nannten Patroninden Kommunisnen Europas, der mus, die nicht verin Auschwitz erstanden werden mordeten Schlekönnten, wenn sierin Edith Stein. Freiheitsabend mit Franziskus Posselt, der man sie einfach als Diese sei seit 650 Freiheitsstatue und SL-Bundsvorstandsmit- radikale DiktatuJahren die erste glied Robert Wild. Foto: Hermann ren betrachte. Toweibliche Deuttale Herrschaft sei sche und seit der Zeit der Apostel die nur realisierbar, wenn eine bestimmte erste jüdische Persönlichkeit gewesen, Menschengruppe als Feinde beschriedie in einem offiziellen Verfahren von ben und liquidiert werden könne. Totader katholischen Kirche heiliggespro- litarismus verstehe Terror nicht als verchen wurde. Ihr Leben erscheine vielen meidbaren Prozeß, sondern dieser habe Katholiken als schwer verständlich, weil die Funktion, permanente Revolution in sie Philosophin war; umgekehrt sei ihr die Gesellschaft zu bringen. TotalitarisWerk wiederum den Philosophen ver- mus könne grundsätzlich die Konkurdächtig, weil sie Katholikin geworden renz eines anderen Systems, einer ansei: „Es sind aber gerade diese Grenz- deren Denkrichtung nicht ertragen. In überschreitungen, die diese ‚heilige Phi- diesem Sinne bezeichne Hannah Arendt losophin’ für die postmoderne Gegen- ihn sogar als „unpolitisches“ System, wart interessant machen.“ Edith Stein weil darin kein Raum für Politik und für habe sich während ihres Studiums in Freiheit bestehe. Breslau für das Frauenstimmrecht und Der Medien- und Wirtschaftsannach dem Ersten Weltkrieg in der links- walt Dirk H. Voß, internationaler Vize-
präsident der Paneuropa-Union, leitete das abschließende Podium „Freiheit und Mut – Motoren für ein lebenswertes Europa“. Freiheit setze eine gewisse Ranggleichheit der Themen voraus, die verschiedenen Menschen Sorge machen. Ein großer, aber föderal gegliederter Staat biete mehr Freiheit, was für die Europäische Union spreche. Die Diplom-Psychologin Consuelo Gräfin Ballestrem betonte die Wichtigkeit der „Erkenntnis, daß wir unvollkommene Menschen sind“. Deshalb solle man mit der eigenen Unvollkommenheit leben, dem anderen vergeben, daß er ebenfalls unvollkommen sei, und sich „in ein sanftes und liebevolles Gespräch mit ihm begeben“. Der Philosoph Robert Spaemann betonte, daß moralisch gutes und freies Handeln nicht zum Erfolg führen müsse, um objektiv anerkannt zu werden. Das psychologische Modell der Selbstverwirklichungspyramide zeige: Lust und Mut zur Freiheit hätten vor allem Menschen, die eine feste Bindung und gewisse wirtschaftliche Sicherheit hätten. Als erfahrene Therapeutin bestätigte Gräfin Ballestrem diese These aus eigener Anschauung: In der Familie könne der Mensch erleben, auch bei Fehlern anerkannt und geliebt zu werden, er lerne eigene Verantwortung zu tragen und sich fürs Gemeinwohl einzusetzen. Prof. Zdzisław Kijas betonte, daß man seine Freiheit immer in einer Gemeinschaft von Personen erfahre. „Ich kann nicht einfach tun, was ich will, sondern bin verantwortlich für die Freiheit der anderen. Umgekehrt sind auch die anderen dafür verantwortlich, daß meiner Freiheit der notwendige Raum bleibt.“ Der tschechische Diplomat Jan Šícha, zur Wendezeit 1989 einer der nordböhmischen Anführer des Studentenstreiks gegen die kommunistische Diktatur, sagte trocken: „Wir waren bereit, uns vor die Panzer zu werfen – das wäre ich heute nicht mehr. Man hat gedroht, daß uns Gelbsucht geimpft würde, daß meine Schwester von einem Auto überfahren würde, daß meine Eltern aus der Arbeit fliegen. Aber wir hatten Glück, die Geschichte hat den Mut belohnt.“ Johannes Belling, Inhaber und Küchenchef des Restaurants „L’Heure Bleue“ in Grimaud am Golf von St. Tropez, schilderte die Schwierigkeiten einer Restaurantgründung zu Beginn der Corona-Krise. „Ich wollte die Freiheit nutzen, etwas aufzubauen, was ich gern mache“, sagte Belling. Das habe dann doch zu einem Erfolgserlebnis geführt: „Im ersten Jahr konnten wir nur sieben Wochen aufmachen, aber im zweiten hatten wir Gott sei Dank eine richtige Saison.“ Der Kommunalpolitiker Johannes Volkmann, langjähriger Vizevorsitzender der Paneuropa-Jugend, erteilte aus den Erfahrungen seiner Studienzeit in China heraus der Idee, daß Wohlstand ein ausreichender Ersatz für Freiheit sei, eine klare Absage: „Die Freiheit hat einen Eigenwert. Es ist im Menschen angelegt, zu möchten, was man möchte, und zu sagen, was man denkt.“ Angesichts der Situation in Ostasien beschwor Volkmann den Mut der europäischen Gründervater, die 1945 in einem moralisch und materiell ruinierten Europa, angesichts von Millionen Toten, Verletzten und Heimatvertriebenen, sich aufgerafft hätten, Jahrhunderte der Erbfeindschaft zu überwinden und mit der europäischen Einigung zu beginnen. „Wir brauchen mehr Mut, weil die Welt nicht auf uns wartet!“
en Benediktinerpater und Historiker Jean Leclercq (1911– 1993) sollen Studenten einmal gefragt haben, welche Zeit in den Jahrhunderten der Weltgeschichte die allerbeste gewesen sei. Die Antwort: „Die beste Zeit ist immer die, in der wir gerade leben. In sie hat uns Gott hineingestellt. In ihr sind wir herausgefordert, uns einzubringen und mitzugestalten.“ Oft verklären wir vergangene Zeiten oder sehnen zukünftige Zeiten herbei. Die Gegenwart hat dabei einen eher schweren Stand. Jedoch ist die Vergangenheit bloß Erbe. Die Erinnerung daran kann kostbar, aber auch bitter sein. Und über die Zukunft können wir kaum etwas sagen. Sie ist wenig planbar, weil wir ihre Wechselfälle kaum voraussehen können. Allein die Gegenwart können wir gestalten oder an ihrer Gestaltung mitwirken, jeden Tag neu. Selbst wenn wir wenig Einfluß auf die großen Verhältnisse in Welt und Gesellschaft haben, können wir dort, wo wir leben, teilnehmen und mitgestalten. Jeder kann sich mit seinen ganz besonderen Erfahrungen und Begabungen einbringen und damit wenigstens seinem unmittelbaren Lebenshorizont einen Stempel aufdrücken. Davon bin ich tief überzeugt. Schon ein Lächeln, ein Zuspruch, ein Dank, ein Verzeihen, eine helfende Tat, ein guter Gedanke und nicht zuletzt der wertschätzende Umgang mit sich selbst können die Wirklichkeit verändern. Gerade in unseren unruhigen Zeiten sollten wir dies nicht unterschätzen oder kleinreden. Von Johann Sebastian Bach stammt die Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“. Dieser Titel des großen Barockkomponisten paßt gut zur Überzeugung von Jean Leclercq. In der jüdischchristlichen Tradition wird die Existenz Gottes häufig als lebendige Gegenwart verstanden. Am schönsten ist das in der Geschichte vom brennenden Dornbusch im alttestamentlichen Buch Exodus ausgedrückt. „Ich bin da“, sagt Gott zu Mose, der nach dem Namen dessen fragt, der aus dem lodernden Gestrüpp heraus mit ihm spricht. Gottes Gegenwart wird Mose und sein Volk in der bewegenden Geschichte des Auszugs aus Ägypten und des Durchzugs durch die Wüste begleiten. Immer wieder erkennen die Israeliten durch das Dasein Gottes die besondere Gunst der Stunde auf ihrem langen Weg. Was sie in der Gegenwart Gottes tun, gerät ihnen gut. Wo sie sich der Gegenwart Gottes verschließen, geraten sie ins Straucheln. Unsere jeweilige Gegenwart ist in gläubiger Sicht die Zeit Gottes und damit die allerbeste Zeit. Gilt das nicht auch für die jetzige Zeit des Herbstes? Die Bäume und Sträucher verlieren ihr Laub. Bald werden sie kahl sein. Ihre Kraft zieht sich nach innen zurück. Doch auch diese Zeit hat ihre eigene Gunst. Ich bin überzeugt, daß wir gut daran tun, dieser Gegenwart eine Chance zu geben, weil auch sie zur allerbesten Zeit werden kann. Das gilt für den Herbst als Jahreszeit und bei älteren Menschen für den Herbst als Lebensphase. Gerne erinnere ich in diesem Zusammenhang an das Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke: „Die Blätter fallen … Wir alle fallen … Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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AKTUELL . FORUM
Am zweiten Oktobersonntag tagte das Plenum des Sudetendeutsche Rates (SR) mit neuen und scheidenden Mitgliedern im Sudetendeutschen Haus in München.
� Sudetendeutscher Rat
Faszinierende Zeiten kommen auf uns zu
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ie 30 Mitglieder des Sudetendeutschen Rates werden zur Hälfte von der Sudetendeutschen Bundesversammlung und zur Hälfte von den im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien berufen. Ende Juni konstituierte sich die XVII. Sudetendeutsche Bundesversammlung. Damals wählte sie Delegierte aus ihren Reihen für den Sudetendeutschen Rat. Am Mittwoch wird sich der 20. Bundestag konstituieren. Danach wird dieser entscheiden, wen er in den Sudetendeutschen Rat entsendet. Am Morgen dieses Sonntags waren auch die amtlichen Endergebnisse der Wahlen zum Tschechischen Abgeordnetenhaus verkündet worden. Sehr zur Freude von Volksgruppensprecher Bernd Posselt hatte das Bündnis aus der Mitte-Rechts-Koalition Spolu – Bürgerdemokraten ODS, Christdemokraten KDUČSL und Liberalkonservative TOP 09 – und der Mitte-LinksKoalition STAN mit Piraten die Mehrheit errungen. „Das läßt mich optimistisch in die sudetendeutsch-tschechische
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
Zukunft blicfunden hätten. ken“, leitete er Ein Zeugnis seine Wahlanasei die tschelyse ein. „Dachische Aktion mit hätte die „Wir vermissen Tschechische Euch“ an der Republik zum deutsch-tscheersten Mal eichischen Grenne Regierung ze gewesen, mit einer stabidie er geistig len Mehrheit.“ und körperlich Die KSČM sei unterstützt hazwar die reichbe. Der 72. Suste und mit- Die SR-Präsidiumsmitglieder Generalsekretärin Christa Naaß, Volksgruppensprecher Bernd Posselt, Bayerns SL- detendeutsche Bilder: Nadira Hurnaus Tag zu Pfinggliederstärkste Landesobmann Steffen Hörtler und Albrecht Schläger. tschechische sten 2022 im Partei, aber die 3,4 Prozent leite- erte Posselt, der viele tschechi- nannte SR-Mitglieder. Ausge- mittelfränkischen Hof trage desten ihr Ende ein. sche Sozialdemokraten zu seinen schieden seien Christian Ehin- halb das Motto „Dialog überwinAuch die rechtspopulistische Freunden zählt. Aber: „Faszinie- ger, Rudolf Grulich, Siegbert det Grenzen“. SPD sei nicht über zehn Prozent rende Zeiten kommen auf uns Ortmann, Reinhard Pachner, PeSR-Generalsekretärin Christa gekommen. „Jetzt gibt es auch zu.“ Das Tschechische Abgeord- ter Polierer, Otto Reigl, Gerhard Naaß, die auch Präsidentin der keinen starken Rechtspopulis- netenhaus werde sich am 8. No- Zeihsel und Margarete Bause. Sudetendeutschen Bundesvermus mehr in der Tschechischen vember konstituieren. Die coronabedingte lange und sammlung ist, berichtete über Republik.“ Leider seien die SoDann nannte Posselt Toni schmerzliche Grenzschließung Corona-Opfer wie abgesagte zialdemokraten knapp an der Dutz, Mario Hierhager, Alexan- habe gezeigt, wie eng Tsche- oder immer wieder verschobene Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. der Klein, Hans Knapek, Franz chen und Sudetendeutsche zu- Sitzungen, Treffen, Ausstellun„Wenn sie sich nicht erneuern, Longin und Heike Maas als neue sammengewachsen seien und gen und Feierstunden. Doch die droht ihnen das Aus“, bedau- von der Bundesversammlung er- zu einer neuen Partnerschaft ge- Marienbader Gespräche mit dem
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Dr. Christian Weber, das Ehrenzeichen und Dr. Markus Söder. Bild: Bayerische Staatskanzlei
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Titel „Die Vertreibung. Ein Zukunftsthema. Geschichte – Gegenwart – Perspektiven“ hätten schließlich doch Ende Juli stattfinden können. Und sie seien die erfolgreichsten Marienbader Gespräche aller Zeiten gewesen. Nicht ohne Grund: Immerhin seien gegenwärtig mehr als 82 Millionen Menschen auf der Flucht vor politischen Krisen, bewaffneten Konflikten, ethnischen Säuberungen, Naturkatastrophen und dem Klimawandel. Bei der Gestaltung der Gespräche liege ihr, Naaß, immer am Herzen, Aktuelles, die Jugend und die Zukunft zu thematisieren. Gleichzeitig versuche sie, kulturelle Ereignisse wie die Konzerte von Mitgliedern des Westböhmischen Symphonieorchesters unter Milan Musikař zur Rettung verfallender einst deutscher Prachtbauten im Grenzgebiet in das Programm einzubinden. Vergangenes Jahr habe der Sudetendeutsche Rat 65. Geburtstag gefeiert. Daran habe sie auch in der Sudetendeutschen Zeitung erinnert (Ý SdZ 14/2020). Der Geburtstag sei am 3. April 1955 gewesen. Damals habe der Sudetendeutsche Rat seine Vorgängerorganisation abgelöst. Diese sei als Arbeitsausschuß zur Wahrung Lesen Sie auf Seite 9 weiter
Mitte Oktober würdigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in der Münchener AllerheiligenHofkirche 50 Menschen für herausragende Verdienste im Ehrenamt mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten. Einer war Christian Weber, Obmann der SL-Bezirksgruppe Niederbayern-Ober pfalz.
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m dritten Juli 1967 kam Christian Weber in Stuttgart zur Welt. Er wuchs im Stuttgarter Raum und im Bayerischen Wald auf. Heute lebt er in Bayerisch Eisenstein. Seine Mutter Maria Weber/Schmidt stammt aus dem gegenüberliegenden jetzt tschechischen Markt Eisenstein im Böhmerwald. Auch die Großeltern väterlicherseits stammen aus dem Böhmerwald. Weber lehrt Chemie und Biologie an der Realschule der Dominikanerinnen Sankt Maria an der Isar in Niederviehbach. 1991 trat Weber der SL-Ortsgruppe Zwiesel bei. 1998 wurde er Mitglied des Vorstands und 2004 Ortsobmann. Seit 2008 ist er im Vorstand der SL-Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz und Mitglied der Sudetendeutschen Bundesversammlung. 2008 bis 2012 war er Mitglied des Präsidiums der Bundesversammlung. 2009 wurde er Obmann der SLKreisgruppe Regen-Viechtach. 2015 bis 2018 war er Landeskulturreferent der SL-Landesgruppe Bayern. 2015 wurde er Kommissarischer und 2016 gewählter Obmann des SL-Bezirks Nieder-
bayern-Oberpfalz. Seit 2018 ist er Ansprechpartner der SL-Kreisgruppe Dingolfing-Landau. Bereits in den 1980er Jahren fuhr die Familie Weber – damals noch mit Visum – jedes Jahr durch den Eisernen Vorhang für mehrere Tage von Bayerisch Eisenstein über die Grenze nach Markt Eisenstein. Sie besuchten das Familiengrab und machten Ausflüge in den Böhmerwald, nach Prag, Karlsbad und Krummau. Sie trafen sich mit Heimatverbliebenen und tschechischen Freunden. Bei Kaffee und Kuchen erzählten sie viel über die Zeit vor 1946 in der Heimat, über die Vertreibung und die Nachkriegszeit. Das Interesse des jugendlichen Christians an den Informationen der Zeitzeugen wuchs. Und er begleitete die Eltern zu den Ortsgruppentreffen und Sudetendeutschen Tagen. Schließlich begann er Ahnenforschung zu betreiben. Durch die Vertreibung war vieles verloren gegangen. Sein Onkel mütterlicherseits, Franz Schmidt, war Förster. Er hatte für die Verbeamtung Unterlagen über seine Abstammung einreichen müssen. Diese lagen im Staatsarchiv in Amberg. Dort erfuhr er viel über seine Vorfahren und deren böhmische Lebensgeschichten. Erwin Bschoch, Obmann der SL Zwiesel aus Komotau, und Fritz Pfaffl aus Markt Eisenstein baten Weber, sich in der SL zu engagieren. Weber: „Ich sagte zu und habe es nicht bereut.“ Und dafür wurde er jetzt geehrt.
Anfang Oktober überreichte Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber dem oberfränkischen Egerländer Günther Wohlrab auf Schloß Thurn in Heroldsbach das vom Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz.
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die von ihm organisierten Bundes-Chorfeste 1985 in Kempten und 1990 in Plochingen. Später wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Beim BdEG Bayern war er Kulturwart und Vize-Landesvorsitzender. Seit 1992 ist er Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstand und war Schriftführer, Bundesschreiber, Bundesorganisationsleiter und Pressewart. 2018 wurde er Stellvertretender Bundesvüarstäiha des BdEG. Ab 1990 reiste Wohlrab mit dem damaligen Bundesvüarstäi ha Seff Heil immer wieder in die Heimat und knüpfte Kontakte zu den Heimatverbliebenens. 1992 entstand der Bund der Deutschen–Landschaft Egerland. 1994 bis 1998 war Wohlrab Beauftragter der Deutschen in Böhmen. Seine Aufgabe war, Seminare im Egerland zu organisieren. 1995 zog Wohlrab ins oberfränkische Marktredwitz und wurde sofort Mitglied der All-Eghalanda Gmoi Rawetz, deren Vüarstäiha er 1998 wurde. 1996 war er auch der SL-Ortsgruppe Marktredwitz beigetreten. Wenig später wurde er Obmann der SL Marktredwitz, im Jahr 2000 Obmann des SL-Kreisverbandes Wunsiedel und 2015 Vizeobmann der SL-Bezirksgruppe Oberfranken. Seit 2007 ist er Kuratoriumsmitglied in der Egerland-Kulturhaus-Stiftung Marktredwitz. Seit 2014 engagiert er sich in der Tschechischen Republik. So führt er seit 2016 die KV-Ortsgruppe Falkenau und ist Vorstandsmitglied im Bund der Deutschen– Landschaft Egerland in Eger.
n Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste verleihe ich Günther Wohlrab, Marktredwitz, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, steht in der Urkunde. Staatsminister Thorsten Glauber: „Eine der Folgen des Zweiten Weltkriegs waren Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland. Sie, Günther Wohlrab, engagieren sich mehr als vier Jahrzehnten in herausragender Weise für die Belange der Sudetendeutschen und der Egerländer.“ Wohlrab sei als einziger deutscher Staatsbürger auch Delegierter in der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik mit Sitz und Stimmrecht. Dies zeige, daß sein Engagement auch in der Heimat anerkannt werde. So trage er zu einem historischen Aussöhnungsprozeß bei. „Für Ihr Lebenswerk zur Völkerverständigung zwischen Tschechen und Deutschen überreiche ich Ihnen das Bundesverdienstkreuz am Bande.“ Wohlrab: „Diese hohe Auszeichnung spornt mich an, meine Arbeit zum Wohle der Heimatvertriebenen und -verbliebenen fortzusetzen.“ Sein Engagement begann mit 15 Jahren in der DJO-Volkstanzgruppe. 1979 wurde er Mitglied der Eghalanda Gmoi z‘ Augsburg, wo er später als Gmoirat und Kulturwart wirkte. 1984 wurde er Vorsitzender des Sudetendeutschen Sängerbundes im Bezirk Bayerisch Schwaben, und 1986 bis 1995 dessen Bundesvorsitzender. In Thorsten Glauber, Günther Wohlrab und das diese Zeit fielen auch Bundesverdienstkreuz.
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
Das Sudetendeutsche Musikinstitut (SMI) veranstaltete mit der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste und der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen ein Konzert im Sudetendeutschen Haus. Die Sopranistin Iris Marie Kotzian trug im Adalbert-Stifter-Saal Lieder vor. Philipp Vogler begleitete die SL-Förderpreisträggerin von 2004 am Flügel.
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as Programm umfaßte bekanntes Liedgut der Klassiker mit Werken von Franz Schubert, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms und Hugo Wolff. Schwerpunkt waren aber Lieder des aus dem mährischen Olmütz stammenden Komponisten Egon Kornauth (1891–1959). Diese große Begabung ist selbst versierten Musikliebhabern heute kaum mehr ein Begriff. Das ist bedauerlich, wie die Sängerin und ihr Klavierpartner unter Beweis stellten. Nach Anfängen in seiner Heimatstadt war Kornauth bereits 1909 nach Wien übergesiedelt, um an der dortigen Musikakademie bei Robert Fuchs, einem Meister des Komponistenhandwerks sowie Freund und Vertrauten von Johannes Brahms, zu studieren. Unterricht in Dirigieren und Klavierspiel kam hinzu. Überdies studierte Kornauth Musikwissenschaft an der Wiener Universität bei Guido Adler, einem der Gründerväter der akademischen historischen Musikwissenschaft. Bei diesem promovierte er mit einer Arbeit über Joseph Haydn.
Von Olmütz nach Wien Olmütz sollte im weiteren Leben Kornauths keine Rolle mehr spielen. In dieser Hinsicht ähnelt seine Vita nicht wenigen Lebensläufen von sudetendeutschen Talenten in Kunst und Wissenschaft, die es nach Anfängen in der Provinz in die Hauptstadt der Donaumonarchie verschlug. In der Folge wurden sie meist eher als Österreicher denn als Sudetendeutsche vereinnahmt. Noch 1913 mit einem Staatspreis für Musik ausgezeichnet, fiel es dem jungen Komponisten schwer, in der neugegründeten Republik Österreich nach dem Ersten Weltkrieg über sporadische Lehr-, Konzert- und Lektorentätigkeiten hinaus eine gesicherte Stellung zu ergattern. Wien war übervoll mit unterbeschäftigten, oft notleidenden Künstlern. So kam es, daß Kornauth 1926 bis 1927 die Leitung eines Symphonieorchesters in Indonesien übernahm und 1933 bis 1936 mit seinem Klaviertrio eine mehrjährige Konzerttournee durch Südamerika absolvierte. Als KomEndlich fand wieder eine Trachtennähwoche in Lackenhäuser im Böhmerwald statt.
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achdem die Trachtennähwoche bereits zweimal coronabedingt verschoben werden mußte, konnte im September endlich ein Termin gefunden werden. Die Nähwoche fand entgegen aller Tradition dieses Mal nicht nach Pfingsten statt, sondern im September. Wie überall galten auch hier die 3-G-Regeln. Und mit eingeschränkter Teilnehmerzahl fanden sich 15 Näherinnen und zwei Gäste bei herrlichem Frühherbstwetter im Haus der Böhmerwäldler in Lackenhäuser ein. Unter der bewährten Leitung von Erika Weinert und Ursula Kisslinger konnten die Arbeiten im Tagungsraum, der zum Nähsaal umfunktioniert worden war, beginnen. Bei abendlichen Vorträgen erfuhren die Tagungsteilnehmer interessante Informationen über Brauchtum und Brauchtumspflege sowie über
Philipp Vogler und Iris Marie Kotzian. ponist hatte er sich zu dieser Zeit dem Publikum längst durch verschiedene Kammer- und Klaviermusik, durch Klavierlieder und Orchesterwerke empfohlen. 1941 erhielt er an der Wiener Musikakademie eine Professur für Musiktheorie, ohne sich – wie man heute argwöhnen könnte – den Nationalsozialisten auf unschöne Weise angedient zu haben. 1945 wurde Kornauth zum Professor für Komposition am Salzburger Mozarteum ernannt, 1946/1947 zum Stellvertretenden Direktor eben dieser Lehranstalt. Die letzten Jahre des Komponisten standen unter dem Vorzeichen gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Er starb im Oktober 1959 – in dem Jahr, in dem ihm der
Iris Marie Kotzian
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ie in Augsburg geborene Sopranistin studierte Gesang bei Monika Bürgener an der Hochschule für Musik Würzburg und ergänzte ihre Ausbildung durch Meisterkurse bei Ingeborg Hallstein und Kleasie Kelly. Sie war Preisträgerin bei zahlreichen Wettbewerben, darunter dem Bundeswettbewerb für Gesang Berlin, dem Concurs Internacional de Cant Montserrat Caballé, dem Armin-Knab-Liedwettbewerb Würzburg und dem Internationalen Gesangswettbewerb Festspielstadt Passau. 2004 erhielt Iris Marie Kotzian den Förderpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Bereits während ihres Studiums als Gast ans Mainfrankentheater Würzburg engagiert, wurde sie 2002 Ensemblemitglied am Theater Osnabrück, wo die Sängerin in vielen Partien zu hören war, etwa als Norina, Königin der Nacht, Oscar und Blonde. Mit Rollen wie S oer Constance, Gretel, Gilda und Despina gastierte sie unter anderem am Staatstheater Oldenburg, an der Oper Chemnitz, am Prinzregententheater München, an den Theatern Hagen, Bremerhaven, Ulm und
verschiedene Näh- und Handarbeitstechniken. Bei einem Diskussionsabend sprachen die Teilnehmerinnen angeregt über ihre Arbeiten und die Referate. Zum Einsatz kamen angefangene Trachtenteile, die seit der letzten Trachtennähwoche 2019 auf ihre Fertigstellung warteten, neue Projekte und auch wieder schöne Trachtentaschen, wichtiges Zubehör zur vollständigen
Fleißige Näherinnen im Freien.
Bilder: Christina Meinusch
Kotzian, Vogler und der Direktor des Sudetendeutschen Musikinstituts Dr. Andreas Wehrmeyer.
� Konzert im Sudetendeutschen Haus in München
Alle Register Große Sudetendeutsche Kulturpreis verliehen wurde. Kornauth war als Komponist kein Neuerer oder Revolutionär. Er hielt sich an das Bewährte, verstand sich als Fortführer der spätromantischen Tradition, ohne deshalb ein Epigone zu sein. Ähnlich wie seine Wiener Komponistenkollegen Franz Schmidt (1874–1939) und Joseph Marx (1882–1964), denen er freund-
schaftlich verbunden war, hielt er an der Dur-Moll-Tonalität fest, die er gerade deshalb durch expressive Chromatik, durch subtile Klangeffekte zu bereichern vermochte und zu großartiger, unverbrauchter Wirkung brachte. Die frühen Klavierlieder des Opus 1 (1911) knüpften noch huldigend an die Romantik des 19. Jahrhunderts an. Das täten
am Téâtre National du Luxembourg. 2012 sang sie die Rolle der Jadja in der deutschen Erstaufführung der Operette „Polnische Hochzeit“ beim Wiener Operettensommer. Mit dem Metropoltheater München gastierte sie im Musical „The Black Rider“ beispielsweise bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall (2012) und am Altonaer Theater Hamburg (2015). Ihr breites Lied- und Konzert repertoire führte Iris Marie Kotzian auf Konzertreisen nach Italien, China, Rußland, in die Tschechischen Republik, nach Rumänien, in den Iran und die Schweiz, etwa mit den Göttinger Symphonikern und dem Teheran Philharmonic Orchestra. Zahlreiche CD- und Rundfunkaufnahmen zeigen das breite künstlerische Spektrum der Sängerin, so „Das Wundertheater“ (Henze, Ars Production 2005) oder „La Nonne Sanglante“ (Gounod, CPO 2010). Für ihr „Theater to go“ entwickelt und inszeniert sie seit 2008 eigene Stücke, mit denen sie deutschlandweit gastiert. Mit den Produktionen „Ach, Luise – oder das andere Weiße Rößl“ mit Musik des Mährers Ralph Benatzky, „Licht – Kamera – Korngold“ über den Kom-
ponisten Erich Wolfgang Korngold, „Leben in dieser Zeit“, einer musikalischen Collage über Edmund Nick und Erich Kästner, und „Zu Tee bei Emmy Destinn“ war die Sopranistin auch schon im Sudetendeutschen Haus in München und in der Regensburger Weinschenkvilla zu Gast.
Philipp Vogler
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er Pianist, Liedbegleiter, Komponist und Dirigent studierte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf. Vogler arbeitet mit namhaften Sängern wie Yvonne Naef, Adrianne Pieczonka, Piotr Beczała und Bernd Weikl. Zahlreiche CD-Aufnahmen zeugen von seiner Tätigkeit als Pianist, so „Jugendlieder“ von Alban Berg (Collegno, 2002) sowie „Abschied und Ankunft“, „Lieder aus der Heimat“ und „Fremde“ (erschienen 2003 bei der Edition Körber-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Hamburgischen Staatsoper). Berufliche Verpflichtungen führten den vielseitigen Künstler an das Theater der Stadt Augsburg und das Saarländische Staatstheater Saarbrücken. Dort dirigierte Vogler zwischen 1995
� Trachtennähseminar
Aktive Woche Tracht, Festtagsblusen mit aufwendigen Smokarbeiten, Spenzer oder Leiblkittl. So manche geschickte Näherin versuchte
sich an Häkel- und Stickarbeiten. Die Organisation lag in den Händen von Erika Weinert und
sie nicht nur tonsprachlich, sondern auch in ihren Themenkreisen Natur und Frühling, Liebe und Vergänglichkeit, wie Iris Marie Kotzian – die ihre Liedvorträge selbst anmoderierte – dem interessierten Publikum erläuterte. Der zweite Teil des Konzerts war Kornauths Liedern Opus 38 (1932–1933) nach poetischen Vorlagen Joseph von Eichendorffs gewidmet. Zur Lyrik Eichendorffs hatte der Komponist in seinen reiferen Jahren eine tiefe Zuneigung gefaßt. Und so ließ er sich in den 1930er Jahren in gleich drei Opern (36 bis 38) von Versen des deutschen Romantikers oberschlesischer Herkunft inspirieren. In seinem Opus 38 und 1999 unter anderem „Die Zauberflöte“ sowie „Der Barbier von Sevilla“ und komponierte zahlreiche Auftragswerke für die Bühne. Von 1999 bis 2001 war Vogler an der Hamburgischen Staatsoper als Solorepetitor und anschließend als Studienleiter engagiert. 2000 dirigierte er in der Londoner Royal Albert Hall die „Carmina Burana“ von Carl Orff sowie Gustav Holsts Orchestersuite „The Planets“. 2003 folgte er dem Ruf an die Hochschule für Musik und Theater in München, wo er im Rahmen einer Professur die musikalische Leitung des Studiengangs „Musiktheater“ übernahm. Hier leitete er zahlreiche Opernprojekte, darunter vielbeachtete Wiederentdeckungen und Münchener Erstaufführungen – beispielsweise Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“, Karl Amadeus Hartmanns „Wachsfigurenkabinett“ und Erich W. Korngolds Komödie „Die stumme Serenade“, eine erste Zusammenarbeit mit Nicolas Trees. Mit der Sopranistin Hélène Lind qvist gründete Vogler 2011 das „Art Song Project“, ein virtuelles Musikprojekt, das sich mit dem Liedschaffen unbekannter Komponisten auseinandersetzt.
Renate Slawik. Dank des schönen Wetters waren abendliche Spaziergänge um den Schwalbensee mit Lockerungsübungen für die geplagte Rückenmuskulatur und zum Mahnmal der Böhmerwäldler möglich. Der diesjährige Ausflug am Dienstag führte zum ruhigen und idyllisch gelegenen Riedelsbacher Stausee. Das herrliche Septemberwetter lud geradezu ein
ist Kornauth auf dem Gipfel seiner Kunst angelangt. Statt an den Versen gleichsam „entlang zu komponieren“, stellt er ihnen einen prägnanten schöpferischen Gedanken zur Seite, einen schlagenden Einfall harmonisch, rhythmisch, gestisch oder in der Faktur, den er konsequent ausbreitet und entfaltet. Damit gelingen Klanggemälde von hochsuggestiver Wirkung, etwa in der sanft wiegenden „Nacht“, im stürmisch bewegten „Nachtwanderer“ oder dem versöhnlichnostalgischen „Valet“ als Schlußstück.
Beglückendes Konzert Iris Marie Kotzian erwies sich als sensible Gestalterin, die den Feinheiten der Stücke nicht nur nachspürte, sondern verkörperte. In allen Registern, ob dramatisch oder lyrisch, gelang es ihrer in jeder Hinsicht souveränen Stimmkunst, die Zuhörer zu fesseln, atmosphärisch mitzunehmen. Ihr zur Seite stand der versierte Pianist Philipp Vogler, der jede Regung ihrer Stimme, jede Ausdrucksnuance beseelte und klanglich adelte. Die anspruchsvollen Klavierpartien mit manch virtuosem Nachspiel brachte er glänzend zur Geltung. Ein großartiges, bewundernswertes Zusammenwirken. Das Liederrecital bot ein rundherum gelungenes, beglückendes Konzert. Es läßt den Wunsch weiterer, regelmäßiger Konzert abende im Sudetendeutschen Haus aufkommen. Schließlich ist der Saal akustisch dankbar, optisch einladend und im Zuge seiner Renovierung spürbar aufgewertet worden. Man darf hoffen, daß die Institutionen der Sudetendeutschen und Ostdeutschen auch künftig Kulturveranstaltungen dieses Anspruchs, dieser Qualität und dieses Publikumszuspruchs werden anbieten können. Martin Branuschik zu einem Rundgang um den See. Am Stausee Riedelsbach befinden sich zwei Feuchtbiotope, wo sich Biber ihr Domizil gebaut haben, wie abgenagte Bäume und ein Damm zeigen. Im Anschluß nahm die Gruppe an einer sehr interessanten Führung im Biermuseum des Riedelsbacher Gutes teil. Abgerundet wurde der kleine Ausflug auf der Terrasse des Riedelsbacher Gutes mit Kaffee und leckerem Kuchen. Ein Glanzlicht war der Geburtstag von Jeannie McIntyre am 16. September, natürlich coronagerecht gefeiert. Leider ging diese schöne und harmonische Woche wieder viel zu schnell zu Ende. Und am Samstag wurden beim obligatorischen Fototermin die neugenähten Trachten vorgeführt. Am Sonntag ging es dann schon wieder auf den Heimweg. Dank gebührt der Leitung des Webinger Hauses und der guten Umsetzung der Maßnahmen in Bezug auf die Pandemie. Brigitta Schweigl-Braun
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KULTUR
Ein Plan des Ghettos Theresienstadt im Zeitraum von 1940 bis 1945. Die 23. Tschechisch-Deutschen Kulturtage in der Euroregion Elbe/Labe boten in der ersten Oktoberhälfte 68 Veranstaltungen auf deutscher und 16 Veranstaltungen auf tschechischer Seite in und um Dresden und Aussig. In bewährter Weise wurden Konzerte, Filme und Theater, Literatur, Kunst, Vorträge, Diskussionen und ein vielfältiges Programm zu allen Facetten des Kulturbegriffs präsentiert. Dazu zählte auch ein Internet-Gespräch aus Anlaß der Errichtung des Theresienstädter Ghettos am 24. November 1941 vor 80 Jahren. Der jüdischstämmige Zeitzeuge Hanuš Hron aus Brüx, der eigentlich Hans Weinstein hieß, berichtete über sein Leben im Ghetto und das Schicksal seiner Familienangehörigen.
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or 80 Jahren wurde in der alten Festung Theresienstadt auf dem Gelände der ehemaligen Garnisonsstadt das Ghetto eingerichtet“, erläuterte Beatrice Paetzold von der Brücke/MostStiftung bei ihrer Begrüßung. „Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden mehr als 140 000 Menschen vorwiegend aus dem Protektorat Böhmen und Mähren, dem Deutschen Reich und Österreich dorthin deportiert.“ Der 1925 geborene Hanuš Hron sei 1941 als Jugendlicher nach Theresienstadt gekommen und habe dort das Kriegsende 1945 erlebt. „Im Gespräch mit der Historikerin Šárka Jarská von der Gesellschaft Živá pameť/Lebendige Erinnerung) wird Hron uns per Videoschaltung über sein Leben berichten“, kündigte die Gastgeberin an. Hanuš Hron erzählte dann sehr frei und in gutem Deutsch, wie er es schaffte, die Kriegs- und KZ-Zeit zu überleben, was aus seiner Familie wurde, und warum er nach Kriegsende seinen deutschen Namen ablegte. „Ich wurde am 18. Juni 1925 in TeplitzSchönau als Hans Weinstein in eine jüdischstämmigen Familie geboren, wuchs jedoch in Brüx auf, wo meine Familie bis 1938
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
und KZ und Ghetto aus der Vogelperspektive.
� 23. Tschechisch-Deutsche Kulturtage in Dresden und Aussig
Ein „Glückskind“ im Lager lebte.“ Schwester und schließlich Anna sei zwei in einem ZimJahre später zur mer im JugendlaWelt gekommen. ger. „Nachts jagBeider Vater, ten wir die Wender 1884 in Budzen und Flöhe.“ weis geborene Sie hätten auch Richard Weinarbeiten müsstein, war Arzt. sen, so Hron. ZuDie Mutter Gernächst habe er truda, geborene an einer NähSchulz aus Tremmaschine gesesles-Palupin, hatsen, später einen te KrankenpfleJob als Mechanigerin gelernt Ingenieur Hanuš Hron, die Historikerin Šárka Jarská und Projektkoordinatorin Beatrice Paetzold im Netz. ker beim Wasserund dem Vater werk bekommen. nach der Heirat zunächst in der tenlandes im Herbst 1938 änder- Ausreiseerlaubnis für den Rest „Wir mußten die alten, verrosteBrüxer Praxis geholfen. Die El- te sich die Situation erheblich, der Familie kam nicht rechtzei- ten Pumpen demontieren und tern stammten also beide aus und die Hrons beschlossen, nach tig an. Im Dezember 1941 wur- neue bauen.“ dem deutschsprachigen Raum. Prag zu ziehen, wo der Junge erst den Hanuš, seine Schwester und 1944 meldete er sich für ein Die Kinder besuchten zwar ei- noch die Schule beendete und seine Mutter mit dem Trans- 200köpfiges Kommando, das zur ne tschechische Schule, doch eine Lehre begann. Die Familie port N nach Theresienstadt ge- Arbeit in das Lager Wulkow bei zu Hause wurden beide Spra- versuchte zunächst, nach Ameri- bracht. „Ich war bei der Pfadfin- Grünheide östlich von Berlin chen gesprochen. In der deutsch- ka auszuwandern, aber diese Be- dern und sah das als Abenteuer fuhr. Das rettete seine Schwester tschechischen Umgebung lebte mühungen waren am Ende nicht an“, erinnerte sich Hron. Er leb- und Mutter vor der Deportatidie Familie ein friedliches Leben. erfolgreich, da es zu teuer ge- te zuerst in der „Sudetenkaser- on ins KZ Auschwitz. Die Bedin„Brüx hatte 50 Prozent deut- kommen wäre. Eine Flucht über ne“ und schlief auf Stroh, später gungen im Lager Wulkow waren sche Einwohner“, betonte Hron. Sibirien nach Shanghai gelang in der „Elbekaserne“, wo bessere nicht einfach, denn es herrschte Nach der Besetzung des Sude- 1941 nur dem Vater, denn die Bedingungen geherrscht hätten, „permanent Hunger“. Die Grup-
Anna Weinstein, heute Lorencová, ihr Bruder Hanuš Weinstein, die Mutter Gertruda Weinstein/Schulz und Vater Richard Weinstein.
� Tschechisch-Deutsche Kulturtage
Zwei Künstler am Elbufer Auch Ausstellungen gab es bei den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen. So stellen die Künstler Sebastian Weise und Lada Semecká gemeinsam im sächsischen Wehlen aus.
S
ebastian Weise präsentiert in der Radfahrerkirche Wehlen direkt am Elbufer Werke aus seiner Fotoserie „Zwei Seelen wohnen – Bilder aus dem Schluckenauer Zipfel“. In diesem Montagen – wie auf dem Bild links – beschäftigt sich der SL-Förderpreisträger mit seiner Herkunft und den unendlichen Möglichkeiten von Lebenswegen und Schicksalen. Er verwendet digita-
le Collagetechniken, um Bilder aus dem Sudetenland – der Heimat seiner Vorfahren – mit Fotografien aus anderen, für ihn biographisch wichtigen Regionen Heimat zu überblenden. Dabei richtete er sich in technischer Herangehensweise wie auch in Anmutung und Komposition stark an den Surrealisten aus. Die Bilder entstanden über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Ihre Kombination oder Verschmelzung nach dem Zufallsprinzip bringt sie in neue Zusammenhänge. Im Dialog mit seinen Werken stehen die meditativen, poetischen und verträumten Bilder der Glaskünstlerin Lada
Semecká, die in der Technik der Glasverschmelzung entstanden sind. Die Serie der Wolkenbilder – wie etwa das Werk rechts – mit dem Titel „Kumori“ ruft symbolisch die Frage nach dem Begriff Heimat im kirchlichen Raum hervor. Diese Arbeiten ergänzen interaktive Klangobjekte, welche den Zuschauer zum Nachdenken auffordern. sh Bis Sonntag, 31. Oktober: „Sebastian Weise – Bilder aus dem Schluckenauer Zipfel & Lada Semecká – Glasarbeiten“ in Wehlen, Radfahrerkirche, Markt 7, Telefon (0 35 01) 58 80 32. Täglich 11.00– 17.00 Uhr
Bilder: Wikipedia, Centropa.org pe kehrte in Viehwaggons über Ostbayern nach Theresienstadt zurück. „In Wulkow hatte man schon den Kanonendonner gehört.“ 1945 endete der Krieg. Hanuš Weinstein, der sich im Lager den Kommunisten angeschlossen hatte, wurde am 8. Mai von der russischen Armee befreit und schwach und schuhlos in einem Lastwagen nach Prag mitgenommen. Dort habe ihm eine Frau Sportschuhe geschenkt: „Ich war ein Glückskind – sie paßten.“ Den Ghettostern habe er selbst abgeschnitten. Bald veränderte er seinen Nachnamen Weinstein zu Hron, wegen der starken antideutschen Stimmung nach dem Krieg. „Man wollte sein wie die anderen.“ 1945 wurde er auch Mitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ). In den fünfziger Jahren, nach dem Prozeß mit Rudolf Slánský und dem Aufstieg des Antisemitismus, wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Nach dem Krieg kehrten Hanuš Hron und seine Familie nach Prag zurück, wo die Familie ihre Wohnung und ihr gesamtes Eigentum zurückbekam. 1946 kehrte auch Hanušs Vater aus Shanghai zurück. Die meisten Verwandten, Tanten und Cousins und Cousinen waren aber während des Krieges ermordet worden. Hron zählte sie lakonisch auf. Einige entkamen nach Israel. Später absolvierte Hanuš Hron die Bergbauschule in Mährisch Ostrau und extern auch eine Hochschule. Er arbeitete dann viele Jahre als Facharbeiter in Ostrau und Brüx. „Ich habe drei Kinder, sieben Enkel und 16 Urenkel bekommen. Mit mir und meinen Nachkommen hat Hitler Pech gehabt“, schloß das „Glückskind“. An der Veranstaltung der Brücke/Most-Stiftung Dresden und des Vereins Förderung der Jugendbegegnung in Theresienstadt/Terezín Dresden nahmen online fast 60 meist junge Leute teil. Susanne Habel
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AKTUELL . VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
sudetendeutscher Interes- � Fortsetzung von Seite 6 Minderheiten seien in den sen als zentrale außenpolitieinzelnen europäischen Staasche Institution des Sudetenten wichtig für den Aufbau eideutschtums am 29. Novemnes großen, gemeinsamen Euber 1947 gegründet worden. ropas. Als Kenner der SpraDeren Vertreter hätten mit chen und Kulturen zweier Vertretern des Tschechischen Länder seien sie Mittler und Nationalausschusses im LonBrückenbauer. Sie bewiesen, doner Exil ein Dokument der daß man eigene Werte, ethVersöhnung, nämlich das nokulturelle Identitäten, SpraWiesbadener Abkommen, unchen und Weltanschauungen terzeichnet. Da 2020 der 70. erhalten könne, auch wenn Geburtstag des Wiesbadener man in einer vielfältigen GeAbkommens nicht habe gefeisellschaft lebe und loyaler ert werden können, habe der BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius, Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeut- Bürger seines Landes sei. Sudetendeutsche Rat eine Ge- schen Museums, Helena Pässler, Ko-Vorsitzende der Seliger Gemeinde, und ReinDas Europäische Parlament denkbroschüre herausgege- fried Vogler, Altpräsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung. und der Deutsche Bundesben. tag hätten MSPI mit großen Zum Schluß gab Naaß der Mehrheiten unterstützt. Die Versammlung noch ein ZucEuropäische Kommission hakerl: Beim Vertriebenenbe dagegen alle neun Punkempfang der SPD-Landtagste zurückgewiesen und die Infraktion am 6. November im itiative abgelehnt. Nach dieser Maximilianum verleihe die Ablehung müßten offene FraSeliger-Gemeinde den Sozialgen zur Umsetzung der Fordedemokraten Libor Rouček und rungen geklärt werden. Albrecht Schläger ihren Wen„Kürzlich besuchte ich das zel-Jaksch-Gedächtnis-Preis. Europäische Zentrum für MinBernd Fabritius, BdV-Präsi- SLÖ-Bundesobmann Gerhard Zeihsel, Baden-Württembergs BdV-Landesvorsit- derheitenfragen (ECMI) in dent und noch Bundesbeauf- zende Iris Ripsam, Ulrich Lechte MdB und Ex-SdJ-Vorsitzender Peter Polierer. Flensburg. Mit seiner unabtragter für Aussiedlerfragen hängigen rechtswissenschaftund nationale Minderheiten, lichen Expertise über Volkswidmete sich „Europäischen gruppen- und MinderheitenStandards für ein Volksgruprechte könnte es Wege zeigen, pen- und Minderheitenrecht“. welche der MSPI-ForderunIn Europa sei der Eurogen wie zum Erfolg gebracht parat mit der Europäischen werden können.“ Menschenrechtskonvention Die Minderheiten hät(EMRK) auch für den Minten die Ablehnung durch die derheitenschutz wichtig. Die Kommission als Rückschritt Bestimmungen des Europarafür die Demokratisierung des tes seien für die 47 Mitglied- Siegbert Ortmann, Vorsitzender des BdV-Landesverbandes Hessen und langjäh- Europäischen Rechts empfunstaaten verbindlich. Bei Ver- riger Stellvertretender SL-Bundesvorsitzender, Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsit- den. International schutzlos stößen gegen völkerrechtli- zender der Sudetendeutschen Stiftung, Marie-Luise Kotzian, musisches und hei- seien sie aber nicht. Mit den che Verträge könne jeder den matpolitisches Multitalent, und Alexander Klein, Stellvertretender Präsident der Regelwerken des Europarats Bilder: Nadira Hurnaus stehe der MinderheitenpoliEuropäischen Gerichtshof für Sudetendeutschen Bundesversammlung. Menschenrechte (EGMR) antik ein internationaler Schutzrufen, der Europarat sei also mechanismus zur Verfügung. auch für den Rechtsschutz zuDas Rahmenübereinkommen ständig. Der EGMR trage wezum Schutz nationaler Minsentlich zum europäischen derheiten sowie die EuropäMinderheitenschutz bei. ische Charta für RegionalDie Aufnahme in die EU eroder Minderheitensprachen fordere seit Beginn der 1990er seien gegenwärtig die beiden Jahre von den Staaten ein wirkmächtigsten völkerrechtMindestmaß an Minderheilichen Abkommen. tenschutz im nationalen Recht. Der Bundestag habe die Alle EU-Mitglieder seien Ver- Rita Hagl-Kehl MdB, Klaus Hoffmann, Stellvertretender SL-Bundesvorsitzender Bundesregierung aufgefortragsstaaten der Europäischen und Obmann der SL-Landesgruppe Baden-Württemberg, Margarete Bause MdB dert, sich trotz Europäischer a. D. und Dr. Helmut Eikam, Ko-Vorsitzender der Seliger-Gemeinde. Menschenrechtskonvention Kommission für die nationa(EMRK) und an die Konventilen Minderheiten im Geiste Dr. Raimund Paleczek, on gebunden. Die EU nicht. des MSPI einzusetzen. „Seit Wissenschaftlicher MitFabritius nannte zwei Beilangem pflegt Deutschland arbeiter beim Sudetenspiele beherzter deutscher Beziehungen zu Staaten mit deutschen Museum und Minderheitenpolitik: Ein deutschen Minderheiten. VieDirektor des SudetenBund-Länder-Abkommen file bilaterale Vereinbarungen deutschen Instituts, Jens nanziere die Stiftung für das schützen und fördern sie. Nun Bergmann, VerwaltungsSorbische Volk mit 24 Milliowünsche ich mir, daß wir auch leiter des Museums, und nen Euro jährlich bis 2025. auf EU-Ebene bald FortschritHeimatpflegerin ChristiGleichzeitig fange es die Folte machen“, schloß Fabritius. na Meinusch. gen des Kohleausstiegs in der Zu guter Letzt stellten sich Lausitz – HauptsiedlungsgeHeimatpflegerin Christina biet der Sorben – durch gesetz- Minderheit in Schlesien bereit- tive (MSPI) die Bedeutung eines Meinusch, SdZ-Ko-Chefredakgestellt worden. Das sei nötig ge- effektiven Minderheitenschutzes teur Torsten Fricke, Museumsdiliche Schutzregeln ab. signalisiert. Der Widerhall dieser rektor Stefan Planker und MuseIn einer spontanen Haushalts- wesen und habe sehr geholfen. Mit mehr als einer Million Un- Bürgerinitiative zeige, daß die umsverwaltungsleiter Jens Bergentscheidung seien drei Millionen Euro zum Auffangen von Be- terschriften habe die Europä- Minderheitenpolitik in Europa mann dem Sudetendeutschen nachteiligungen der deutschen ische Minority-Safe-Pack-Initia- an Bedeutung zunehme. Rat vor. Nadira Hurnaus
Faszinierende Zeiten …
� SL-Kreisgruppe Hof/Oberfranken
Schiller-Treffen in Naila
Dekan Andreas Seliger und Adalbert Schiller mit Schillers Angehörigen. Anläßlich 75 Jahre in der Vertreibung feierte Dekan Andreas Seliger in der Stadtpfarrkirche Verklärung Christi in Naila mit Adalbert Schiller, Obmann der oberfränkischen SL-Kreisgruppe Hof, und dessen noch lebenden Geschwistern einen Gedenkgottesdienst
D
ekan Andreas Seliger skizzierte in seiner Predigt das Schicksal der Sudetendeutschen. Am Schluß des Gottesdienstes ging Adalbert Schiller auf seine Familie und auf die damalige Situation ein. Er merkte an, welche große Last und welch unerträgliches Leid vor allem seine Eltern und Großeltern hätten ertragen müssen. Die Schillers stammen aus Elschelin. Das ist ein Ort, der vor dem Vertrag von Saint-Germain zu Österreich-Ungarn gehörte und im Verwaltungsgebiet Mies lag. Elschelin gehörte ehemals zum Deutschen Reich. Nach einer 14tägigen Irrfahrt war für die Familie Schiller mit elf Kindern, Eltern und Großeltern das Auffanglager Parkschlößchen im oberfränkischen Bad Steben die erste Station nach der Vertreibung 1946. Sie waren 15 Personen und wohnten in einem Zimmer. Erst sechs Jahren später konnten sie ein Haus in Naila be-
ziehen. Schiller erinnerte aber auch an das Leid aller Vertriebener. Gleich nach der Kapitulation habe die Verfolgung der Deutschen mit unbeschreiblichen Grausamkeiten begonnen. Mehrere zehntausend Sudetendeutsche seien während der Vertreibung umgekommen. Die Ursachen seien Hunger, Entkräftung und Folgen von Mißhandlungen in tschechischen Konzentrations- und Aussiedlungslagern gewesen. Sie hätten ihr Leben nach Todesurteilen illegaler Volksgerichte am Galgen beendet oder seien auf den Straßen nach Österreich und Deutschland oder kurz nach Überschreitung der neuen Grenzen gestorben. Besonders hoch sei die Zahl jener Frauen, die nach Vergewaltigungen oder dem Tod ihrer Familienangehörigen, besonders der Kinder, Selbstmord begangen hätten. „Diese unmenschliche Vertreibung konnte uns zwar alles Materielle nehmen“, fuhr Schiller tief bewegt fort, „nicht aber unseren tiefen Glauben an Gott, und das, was wir im Kopf hatten.“ Nach diesem wertvollen Gedenkgottesdienst lud Adalbert Schiller seine Angehörigen zum Essen nach Bad Steben ein, ihrer ersten Station nach der Vertreibung. Bernhard Kuhn
� SL-Kreisgruppe Passau/Niederbayern
Vom Requiem ins Museum Mitte September besuchten die niederbayerische SL-Kreisgruppe Passau und der niederbayerische SL-Altkreis das Sudetendeutsche Museum in München.
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rgriffen waren die zwei Dutzend Landsleute aus dem Kreis Passau mit Obfrau Helga Heller und aus Bad Griesbach mit Obmann Günther Rieger von dem Museum. Diesen ersten Jahresausflug nach langer Corona-
pause eingeläutet hatte am Vormittag die Münchener Sankt-Michaels-Kirche. Dort hatten die Landsleute aus Niederbayern am Requiem für den ehemaligen SLLandes- und -Bundesvorsitzenden Franz Pany teilgenommen. Im Museum übernahm der zuständige Wissenschaftliche Referent Raimund Palaczek die Führung durch die fünf Stockwerke. Die Exponate dokumentieren die Geschichte der Deutschen in den
Böhmischen Ländern. Bilder, Texte und Dinge erinnern an deren Kultur und Wirtschaft. Spektakulärer Höhepunkt ist die Böhmerland, mit 3,60 Metern das längste Motorrad der Welt. Auch Kunert-Strümpfe sowie glitzender Gablonzer Schmuck zeugen von der wirtschaftlichen Vorkriegsblüte in der Heimat. Gleichzeitig wurde damit den Museumsbesuchern aber auch verdeutlicht, daß die Vertriebe-
nen-Integration nicht zuletzt in Bayern kein leichtes Unterfangen war. Es dauerte, ehe sich alle Landsleute mit viel Fleiß, Mühen und letztlich redlich verdienter Anerkennung ein neues Zuhause aufbauen konnten. Die tief beeindruckte SL-Ausflugsschar beschloß, das Museum erneut zu besuchen. Schließlich will sie alles noch einmal mit viel Zeit und in Ruhe anschauen. Hans Nöbauer
Die früheren Ortsbetreuer Gerlinde Gentner, Rudolf Peschanel und der Fahnenschrank.
� SL-Ortsgruppe Haunstetten/Bayerisch Schwaben
Neue Heimat für Ortsgruppenfahne Vor vier Jahren löste sich die bayerisch-schwäbische SL-Ortsgruppe Haunstetten auf. Ihre Mitglieder fanden Asyl in der SL-Kreisgruppe AugsburgStadt.
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Die Landsleute vor dem Museum mit Obfrau Helga Heller und Obmann Günther Rieger.
ach der Auflösung stellte sich die Frage: „Wohin mit der kostbaren Fahne der Ortsgruppe Haunstetten?“ Die Ortsobleute Rudolf Peschanel (1986– 2011) und Gerlinde Gentner (2011–2017) sowie der Stellvertretende Ortsobmann Heinrich Bachmann, der auch im Kulturkreis Haunstettens tätig ist, suchten lange Zeit nach einem
geeigneten Aufbewahrungsort. Im ehemaligen Rathaus der einst selbständigen Stadt Haunstetten wurde ein geeigneter Platz gefunden. Das frühere Rathaus beherbergt heute ein Bürgerbüro, die Stadtteil-Bibliothek und das Forstamt. Forstamtsleiter Jürgen Kircher, dessen Mutter aus dem Sudetenland stammt, genehmigte die Aufstellung eines Fahnenschrankes vor dem Sitzungssaal des Gebäudes. Die vielfältige Nutzung des alten Rathauses gewährleistet, daß der Fahnenschrank rege Beachtung findet.
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VERBANDSNACHRICHTEN . AUS DER HEIMAT Heimatkreis Jägerndorf/Altvater
Ackermann-Gemeinde
Versöhnungsmarsch
Sau-gute Kunst selbst in ihre Bilder ein oder verwende einen Avatar. Den Titel ihres Vortrags „Die Kunst ist eine Sau“ leitete sie von dem bekannten Spruch ab, wonach jede Woche eine andere Sau durch‘s Dorf geei der 75-Jahr-Feier der trieben werde. Im übertrageAG Anfang August in Prag nen Sinn könne das auch auf bot die in Prag lebende deut- „immer neue Künstlergrupsche Künstlerin Birgitt Fischer pen“ bezogen werden. „Man eine Ausstellung während des will dabei sein, aber auch seidamaligen deutsch-tschechi- nen eigenen Weg und Stil finschen Picknicks. Wer nicht da- den“, bekannte sie freimütig. bei war, konnte sich nun einen Nach diesen einführenden Eindruck verschaffen. Erläuterungen gab es einen Auf diese Premiere bei der Querschnitt ihres Schaffens Ackermann-Gemeinde wies zu sehen: die dreiteilige Inauch Moderatorin Sandra Stei- stallation ihrer Masterarbeit, nert hin und stellte die Künst- das Opus mit deutsch-tschelerin vor. 2008 bis 2014 habe chischen Wortpaaren, die FiBirgitt Fischer an der Akade- gur auf dem Prager Fernsehmie der Künste in Prag bei Pro- turm, Birgitt auf der Burg, das fessor Milan Knížák studiert. politische Raumschiff oder die Ihre Berufserfahrung als Bau- „Robotinnen“, die auf dem zeichnerin, kombiniert mit der Theaterstück „R.U.R.“ von KaOptik von Computergrafiken rel Čapek beruhen. Gleicherder 1990er Jahre und der Idee maßen zum Schmunzeln und der Konstruktion der Welt in Nachdenken sind beispielseinem großen Raster, habe sie weise die „Deutschen Stereozu ihren modernen Werken typen“. „Die sind mir begegund Skulpturen inspiriert. In- net“, meinte die Künstlerin haltlich setze sich Fischer mit über die 13 dargestellten Chaihrer Umgebung auseinander, rakteristika, wo jeweils ihr das deutsch-tschechische Ele- Konterfei einem Wesenszug ment sei ein natürlicher Teil zugeordnet ist. „Ich bin einihrer Werke. fach ich; trotzdem wurden mir verschiedene Rollen zugeschrieben“, erklärt sie über dieses Werk. Dem Thema „Heimat“ näherte sie sich in verschiedenen Ansätzen: mit Trachten oder auch mit einer Großväter-Reihe. Die Vielfalt und den Variantenreichtum zeigen auch die Schmetterlinge, deren Ausgangspunkt die Gedichte von Inger Christensen aus dessen Werk „Das SchmetPlakat für Fischers Ausstellung „Superholy“. terlingstal. Ein Requiem“ waren. „SuZunächst schilderte Fischer perholy“ nannte Fischer dann ihren Weg zur Kunst und zu eine Ausstellung in einer kleiihrer speziellen Form. Eine nen barocken Kapelle in Prag internationale Sommeraka- mit grafischen Bildern, die an demie in Salzburg habe den Ikonen erinnerten, und EngelAusschlag gegeben, diesen figuren. Mit „Free Puppets“ Schritt zu wagen – verbun- rief sie die Zeit in Erinnerung, den mit dem Studium bei Pro- als Künstler nicht frei ausstelfessor Knížák, der bekanntlich len durften. Vor allem Innenzu den wichtigsten Vertretern höfe bespielte sie quasi mit ihder Fluxus-Bewegung zähle ren „befreiten Puppen“. Imund auch in den USA bekannt mer wieder dienen ihr aktuelle sei. In den 1990er Jahren sei Trends oder Entwicklungen er Rektor der Akademie der als Motiv für ihre Kunstwerke. Künste gewesen und habe ein Sei es die Mode, die mit ihren eigenes intermediales Stu- Figuren gut dargestellt werdio besessen. Von ihm fühle den kann, oder die Silhouette sie sich stark beeinflußt. Bis- von Baukränen, die sich in eiher habe sie in Deutschland, in ner Figur wiederfindet. der Tschechischen Republik, In der Regel schafft Fischer in Polen und in Indien ausge- Kleinzyklen oder Gruppenbilstellt. Beinahe wie ein roter der. „Die Aussage mit nur eiFaden ziehe sich das Thema nem Bild klappt nicht. Es geht „Heimat“ durch ihr Werk, ei- auch um einen Dialog der Bilne Ausstellung sei ausschließ- der“, bekräftigt sie ihr Heranlich diesem Aspekt gewidmet gehen. Digitale Aspekte nehgewesen. Ein Charakteristi- men inzwischen einen immer kum ihrer Werke seien die Ra- breiteren Raum in ihren Werster, die in unterschiedlicher ken ein. Man darf also auf ihre Gestalt fast immer vorkämen. künftigen Arbeiten gespannt Doch sie bringe sich auch oft sein. Markus Bauer Im jüngsten Kultur-Zoom der Ackermann-Gemeinde (AG) präsentierte die Künstlerin Birgitt Fischer unter dem Titel „Die Kunst ist eine Sau“ eine Auswahl ihrer Werke.
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Birgitt Fischer: „The Artist“.
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
Kreisobfrau Anni Wischner gratuliert zur Diamant-Hochzeit
SL-KG Anhalt-Bitterfeld
Treffen trotz Corona
Gespräche zwischen Landsleuten. Anfang Oktober traf sich die sachsen-anhaltinische SL-Kreisgruppe Anhalt-Bitterfeld in den Räumen der Volkssolidarität in Bitterfeld-Wolfen.
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u diesem Treffen hatte die Kreisobfrau Anni Wischner mit ihrem Vorstand auch die Egerländer und die Landsleute aus dem Riesengebirge eingeladen. Als Gast begrüßte Wischner Uwe Müller, Mitglied des Stadtrats von Bitterfeld-Wolfen und Mitglied des Ortschaftsrates Bitterfeld. Coronabedingt sind nach wie vor Einschränkungen angesagt, und so konnte nur eine begrenzte Zahl von Landsleuten an dieser Veranstaltung teilnehmen. Nach der Begrüßung berichtete Kreisobfrau Wischner über die Arbeit in der Kreisgruppe. Dabei ging sie ausführlicher auf die Feier zum 30. Jahrestag des Bestehens der Kreisgruppe im Musikhotel in Jesnitz ein. Danach bereicherten die Landsmänninen Irene Wischner und Brigitte Heistermann die Veranstaltung mit einem kleinen Kulturprogramm. Karl-Heinz Wischner hatte für dieses Treffen die entsprechende Musik ausgewählt. Das wichtigste im Verbandsleben ist nun mal die Betreuung der Mitglieder im sozialen und im kulturellen Bereich. Dazu gehören regelmäßige Treffen, Ausflüge und Sprechtage. Wegen der Pandemie war das alles sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich. Deshalb sind diese Treffen so wichtig. Hier kann man sich austauschen, man erfährt Neues oder bekommt Hilfe und Rat. So auch beim Treffen der Egerländer und Riesengebirgler in unserer Runde. Nach der Pause mit Kaffee und Kuchen wurden traditionell die Geburtstagskinder sowie ein Diamant-Jubel-Paar gefeiert. Im Programm ging es dann weiter mit Vorträgen und Geschichten aus der Heimat. Natürlich standen das persönliche Gespräch und der Gedankenaustausch bei dieser Veranstaltung erst einmal im Mittelpunkt. Man hatte sich lange nicht gesehen, es gab viel zu erzählen, und es war wieder einmal schön, alte Bekannte und Landsleute zu treffen. Daß Corona zum Trotz nun endlich wieder einmal ein Treffen stattfand, ist lobenswert. Deshalb gilt unserer Kreisobfrau Anni Wischner und dem Stab der Volkssolidarität ein großes Dankeschön, die diese Veranstaltung organisierten beziehungsweise die gastronomische Versorgung gewährleistet hatten. Klaus Arendt
für die „Rückreise nach Krnov/ ge Höhepunkt des kommenden Jägerndorf“ und mit der Teilnah- Jahres werden. Bürgermeister me von Schülern einverstanden. und Pfarrer von Nieder HillersZustimmung und Zusagen ka- dorf hatten mich eingeladen, für men auch von den Deutschlehre- die Gemeindechronik etwas über rinnen. Die Pädagogische Schu- die Zeit vor 1945 zu schreiben. le bestätigte ihre Teilnahme in- Dieser Bitte kam ich nach. Dendirekt. noch wurde eine weitere BespreVor dem Marsch soll eine zwei- chung erforderlich. sprachige InformationsveranstalHillersdorf begeht nämlich tung stattfinden. Am Marschtag 2022 sein Gründungsjubiläum. m Juni 1945 quälte sich ein werden Landsleute und Schüler Dazu sind auch wir eingeladen. Elendsmarsch von 3000 wild zur Paßhöhe am Bürgermeiaus Jägerndorf vertriebenen Gabler Kreuz ster und PfarDeutschen hinauf zum Gabler gefahren. Dort, rer wollen das Kreuz, einem Gebirgspaß im Alt- am einstigen Fest während vatergebirge zwischen Altvater Rastplatz der der nächsten und Urlich. Dort gewährte man VertreibungsKulturwoche in ihnen eine kurze Rast. Dann ging opfer, soll eider letzten Jues hinab nach Thomasdorf und ne Gedenkfeini-Woche feiFreiwaldau bis Grulich. Rund er folgen, wahrern. Außerdem 300 Vertriebene, meist Frauen scheinlich mit möchte Pfarund Kinder, überlebten diesen dem Kirchenrer Pavel ZachrHungermarsch nicht. chor und hofla die UmbetDies thematisierten wir in den fentlich mit tung der auf Bürgermeister Tomáš Hradil und dem ehemali25 Jahren unserer Arbeit in Jä- Überlebenden Meinhard gen evangeligerndorf und stellten die weni- des Hunger- Heimatkreisbetreuer gen Überlebenden unter Mitwir- marsches. An- Schütterle. schen Friedkung von Schülern in Jägerndorf schließend soll hof verbliebevor. Dabei unterstützten uns die es Mittagessen in Gabel geben. nen Gräber zweier evangelischer Tageszeitung „Deník“ und ihr Der Marsch soll vor unserem Ge- Pfarrer in den Bereich seiner kaLokalredakteur František Kuba. denkstein in Jägerndorf enden. tholischen Kirche veranlassen, Bei einem Treffen Anfang SepIm Vorgarten des jüdischen nachdem wir einen weiteren Retember besprachen Heimatkreis- Gebirgsvereins soll ein –jetzt novierungsbeitrag für die durchbetreuer Meinhard Schütterle, noch leerer – Eisenbahnwaggon näßte und erst teilsanierte Kirsein Stellvertreter Stefan Han- an alle erinnern, die je Jägern- che beim Deutsch-Tschechike und ich einen Jägerndorfer dorf hatten verlassen müssen. In schen Zukunftsfonds beantragt Versöhnungsmarsch Ende Juni diesem Waggon erhalten auch hatten. 2022 nach dem Muster des Brün- wir zur Dokumentation unserer 2018 wurde unsere Gedenkner Versöhnungsmarsches. Da- Vertreibung Raum. tafel für die 1974 zerstörten Kirbei wollen wir Schüler des GymWir wollen breitere Schichten chen in Hillersdorf und Kammer nasiums und der Pädagogischen der jetzigen Bevölkerung infor- feierlich eingeweiht. Daran hatSchule in Jägerndorf einbezie- mieren und die Jugend zum Mit- ten sich Vertreter aller drei Glauhen. Wegen meiner vielen Ver- machen animieren. Jetzt scheint bensrichtungen beteiligt. Dies anstaltungen in diesen Schulen sich die Arbeit an und mit den bleibt für uns unvergeßlich. Auch in den letzten 25 Jahre glauben Schulen seit 1995 auszuzahlen. damals hatten bereits Bürgermeiwir, hierfür eine Basis zu haben. Als ehemaliger Schüler der frü- ster, Pfarrer und Direktorin die Der Plan bleibt aber ein Wagnis. heren Oberschule für Jungen Teilnahme von Schülern erlaubt. Wir mußten mit Schulleitern – heute Gymnazium Krnov – In Hillersdorf fühlten wir uns und Deutschlehrern sprechen, und dank der Unterstützung von auch heuer wieder in frühere vor allem mit dem jungen Bür- Ludmila Čajanová fühle ich dort Zeiten zurückversetzt. Die dörfgermeister Tomáš Hradil. 2019 schon wieder ein gewisses Heim- liche Umgebung, eine zahlenhatten wir diesbezüglich erste recht. Bereits bei unserer ersten mäßig überschaubare und noch kirchenverbundene Bevölkerung, vor allem aber die Bürgermeister und Pfarrer Zachrla, die die persönliche Verbindung zu uns schätzen, unterstützten unsere enger gewordenen Beziehungen. Bei Hillersdorf liegt der Gebirgsort Wallstein, repräsentiert von einem Verein, der auch die frühere deutsche Ortsbezeichnung in seinem NaJiří Strnad von der jüdischen Gemeinde, ein Minoritenpater und Pfarrer Pavel men führt. Von dort nahm Zachrla von der Katholischen Gemeinde, der damalige evangelische Pfarrer Rado- die zeitgleich mit unsevan Rosický, Heinrich Sebisch vom Deutsch-Schlesischen Verband Jägerndorf und rer Vorbereitungsreise Jägerndorfs Heimatkreisbetreuer Dr. Kurt Schmidt 2017 bei der Einweihung des Jä- verlaufende diesjährige gerndorfer Gedenksteins im Vorgarten des jüdischen Vereins. Wanderwoche, die wieder Peter Freytag leitete, ihKontakte geknüpft. Nach einer Jägerndorfer Kulturwoche 1995 ren Ausgang. Bestes WanderwetCorona-Pause sprachen wir jetzt empfingen uns am Gymnasium ter, unerwartet viele Teilnehmer über Details der Umsetzung, in Schüler mit Blumen. Das hatte und eine deutsch-tschechische denen die Kirchen, die jüdische Čajanová damals organisiert. An Wanderung zum Wallfahrtsort Gemeinde, ehemalige Kreisge- der Pädagogischen Schule ebne- Mariahilf machten sie zu einem meinden, aber auch die Hotelle- te mir Květa Kukelková als dama- Erfolg. Meinhard Schütterle und rie im Altvatergebirge einbezo- liges Mitglied des Lehrerkollegi- ich konnten die Wanderer nur gen wurden. ums den Weg. begrüßen und ihnen einen guHradil ist als aktiver Sportler Heute sind Čajanová und Ku- ten Weg wünschen; die Strekpopulär und Wahlsieger der letz- kelková Ehrenmitglieder unseres ken können wir inzwischen nicht ten Kommunalwahl. Er möchte Vereins, befinden sich im (Un-) mehr bewältigen. außer Schülern auch junge Er- Ruhestand und gestalten auch in Stattdessen besuchte Schütwachsene in diese der Allgemein- städtischen Gremien kirchliche terle seine beiden Tanten in Freiheit dienende Veranstaltung ein- und kulturelle Veranstaltungen waldau, ich meine sogenannte binden. Genau dies entspricht mit. Sie gaben unsere Informatio- Familie in meinem Geburtshaus unserem Ziel, eine würdige Auf- nen an die Presse weiter. Lokal- in Hermannstadt. Dort wartearbeitung eines unmenschlichen redakteuer Kuba veröffentlich- ten schon alle fünf Kinder auf Aktes in Gemeinsamkeit und te ihre Beiträge stets im „Deník“. die Geschenke. Die Tanten serZweisprachigkeit ohne Ausgren- Er gehört inzwischen zu unserem vierten ein Mittagessen, in meizung von Teilen der Gesamtbe- tschechisch-deutschen Freun- nem Geburtshaus überraschte völkerung vorzubereiten. deskreis in Krnov/Jägerndorf. uns viel Selbstgebackenes. Zum Gymnasialdirektor Vladimír Der geplante Versöhnungs- Abschied erhielt jeder von uns Schreier war mit unserem Termin marsch dürfte nicht der einzi- ein Säckchen Mohn aus HerKurt Schmidt, langjähriger Heimatkreisbetreuer von Jägerndorf und gegenwärtiger Vorsitzender des Heimalkreisvereins Jägerndorf, berichtet über den geplanten „Versöhnungsmarsch 2022: Gemeinsam zurück nach Jägerndorf/Krnov?“ sowie über heurige Aktivitäten in der und für die Heimat.
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Dr. Kurt Schmidt mit Schülern der Jägerndorfer Pädagogischen Schule.
� Sprachinsel Prag
2022 mannstadt, mein Säckchen wog einen Zentner. Die Sonntagsmesse bei den Minoriten in Jägerndorf mit Gesang des uns eng verbundenen Kirchenchors barg ebenfalls einige Überraschungen. Dafür sorgte zunächst der Pater Guardian. Nach der Messe lud er uns unerwartet zum Mittagessen ein, zu dem wir ein passendes Fäßchen Münchener Bier beisteuerten. Das Vaterunser beteten wir mit den Minoriten, Květa und Ludmila lateinisch. Der Kirchenchor hatte mir während der Messe mit neuen Aufführungen für meine Zuwendungen gedankt. 2005 war ich dafür zum Ehrenmitglied gewählt worden. Im Klostergarten folgten viele Fotos zwischen Kaffee und Kolatschen. Im Klostergarten mußten wir uns aber auch Fragen über den Hungermarsch stellen. Verständnis für unsere Arbeit in Jägerndorf überwog. Plötzlich meldete sich aber die jüngere Generation und sparte nicht mit Kritik am Geschehen in unserem Haus der tschechisch-deutschen Verständigung–Haus Europa in Jägerndorf (Haus). Wegen meiner Hörprobleme innerhalb größerer Gruppen lud ich sofort zwei von ihnen zu einer gesonderten Besprechung zwei Tage später in ein störungsfreieres Hotel ein. Die Kritik: Bücher und Themen im Haus gingen an den Interessen der jungen, aber an der tschechisch-deutschen Zusammenarbeit interessierten Generation in Jägerndorf vorbei. Außerdem fehlten regelmäßige Veranstaltungen. Ein neuer, möglichst junger Mitarbeiter sollte beide Sprachen beherrschen und öfters im Haus verfügbar sein. Aktuelle deutsch-tschechische Themen sollten möglichst regelmäßig angeboten werden. Zur Mitwirkung seien sie bereit. Ausdrücklich begrüßten sie den geplanten Versöhnungsmarsch, kündigten ihre Teilnahme an und boten ihre Mitarbeit bei der Vorbereitung an. Für diese neu artikulierte Einstellung jüngerer Jägerndorfer, auf die wir lange Zeit gewartet hatten, waren wir dankbar. Wir wissen aber auch, daß sich bei Kirchgängern längst eine veränderte, positivere Einstellung zu unserer Arbeit zeigt. Insofern spiegelt diese Einstellung nicht die Einstellung des Durchschnitts-Jägerndorfers. Nach fast zweiwöchigem Aufenthalt waren wir vom Ergebnis unserer Gespräche mit unseren Partnern auf der tschechischen Seite zufrieden. Trotz Ausfalls des früheren Treffpunktes im Hotel Steiger fanden wir auch immer Anschluß zu Mitgliedern des deutsch-tschechischen Freundeskreises. Auch diesmal wird der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds unsere Aktionen finanzieren. Wir hoffen, daß die Zusagen eingehalten werden, unsere Landsleute uns trotz der Beschwerden des Alters weiter unterstützen, der Deutsch-Schlesische Verband Jägerndorf zum Beschreiten neuer Wege bereit ist und der Zukunftsfonds uns nicht mit allzu viel Bürokratie belastet.
Der Gedenkstein erinnert an die Opfer des Jägerndorfer Hungermarsches im Juni 1945
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AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
Il divino Boemo sich in ganz Europa. 18 seiner Opern werden für den Hof von Portugal kopiert. In Paris, Amsterdam und London werden seine Werke gedruckt, was im 18. Jahrhundert nicht selbstverständlich ist. m 9. März 1737 kom1768 ist er in Prag, 1769 in men die Zwillinge Josef Venedig, Padua und Florenz. und Joa chim Mysliveček in Wolfgang Amadeus Mozart, Prag zur Welt. Ob deutsch, ob zu dem freundschaftliche Betschechisch: Der Nationalitä- ziehungen bestehen, trifft tenkonflikt liegt noch in wei- er erstmals 1770 in Bologna, ter Ferne. Ihr Vater ist zwar ein nochmals am 15. Mai 1771 in Müller. Dennoch erhalten die Mailand. 1772 reist er nach Zwillinge ersten Unterricht an Wien, wohin ihn ein Opernder Normalschule der Domi- auftrag führte. Hier lernte ihn nikaner an der Sankt-Gallus- Charles Burney kennen. BurKirche und wahrscheinlich am ney (1726–1814) ist ein britiJesuiten-Gymnasium im Cle- scher Musikhistoriker, Kommentinum. ponist und Organist. Anschließend studieren die 1773 ist Mysliveček wieder Brüder Philosophie und Lite- in Italien, wo er noch einmal ratur an der Karls-Universität. Mozart trifft. Am 4. NovemWegen mangelnder akade- ber dirigiert er die Aufführung mischer Erfolge verläßt Josef von „Orfeo ed Euridice“ von die Universität im März 1753. Christoph Willibald Gluck. Im Mai 1758 tritt er mit sei1775 zeigen sich erste Symnem Bruder in den elterlichen ptome einer Syphilis, die Mühlenbetrieb ein. 1758 wer- schließlich zu einer entstelden sie Gesellen, 1761 Müller- lenden Gesichtslähmung und meister. Bald darauf verzichtet zum Verlust seiner Nase führt. Josef auf seinen Erbteil. Außerdem kämpft er mit fiEr nimmt Kompositionsun- nanziellen Problemen. terricht bei Franz Johann Ha1777 ist er in München. Seibermann (1706–1783) sowie ne Oper „Ezio“ und sein OraOrgelunterricht bei Josef Se- torium „Abramo ed Isacco“ ger (1716–1782). Seger zählt werden mit Erfolg aufgeführt. zu den berühmtesten böhmi- Er muß ins Spital, wo ihn Moschen Organisten der Zeit, ist zart besucht. Dieser beschreibt ein äußerst produktiver Kom- ihn am 11. Oktober folgenderponist und ein ausgezeichne- maßen: „Wenn sein gesicht ter Lehrer, der viele bedeuten- nicht wäre, so wäre er völlig de Organisten und Komponi- der nämliche; voll feüer, geist sten der Böhmischen Länder und leben.“ des 18. Jahrhunderts ausbilMysliveček versucht verdet. Er gilt als einer der wich- geblich, Mozart einen Operntigsten Vertreter des böhmi- auftrag an einem italienischen schen Hochbarocks. Theater zu verschaffen. Nach Geld verdient Josef wohl als seiner Rückkehr nach ItaliViolinist. 1763 veröffentlicht er en beginnt sein Stern zu sinseine ersten, dem Grafen Vin- ken. 1779 fällt seine Oper „Arcenz von Waldstein gewidme- mida“ durch. Auch die folgenten Werke: sechs Sinfonien, den Opern sind keine Erfolge. die nach den Monaten Januar Nach einer schmerzhaften bis Juni benannt sind. Operation – als vergeblichen Am 5. November 1763 ver- Versuch, seine Syphilis zu heiläßt er, vom Grafen Wald- len, entfernt man ihm wie gestein unterstützt, Prag. Er geht sagt die Nase – stirbt er am 4. nach Venedig, um Gesang Februar 1781 verarmt und verund Komposition bei Giovan- gessen in Rom. Sir Barry oder ni Pescetti Brady, ein (1706–1766) englischer zu studieFreund und ren. Sein erSchüler, läßt stes Bühnenihn in der röwerk „Semimischen Kirramide“ wird che San Lo1765 in Berrenzo in Lucigamo aufgena begraben. führt. Man Sein musinennt ihn wekalisches Vergen seines für mächtnis sind Italiener undrei Messen, aussprechlisechs Psalchen Namens men und anIl Boemo, Der dere liturgiBöhme, oder sche Formen, Venatorino, acht OratoDer kleine Järien, zwölf ger, wie sein Kantaten, 28 Name überOpern, ein setzt lautet. Melodram, Im De- Josef-Mysliveček-Denkmal in der 21 Sinfonien, Melantrichova-Straße in der Pra- neun Konzerzember 1766 erhält ger Altstadt. te, drei SoMysliveček naten für Soden Auftrag, „Il Bellerofonte“ loinstrumente, elf Trios, fünf zu komponieren. Er schreibt Quartette, fünf Quintette, ein das Werk in kurzer Zeit und Oktett, drei Klaviermusiken führt es am 20. Januar 1767 in und drei Violinsonaten. Neapel mit bedeutenden SänDas Lexikon „Musik in Gegern wie dem Tenor Anton schichte und Gegenwart“ erRaaff (1714–1797) und der wähnt, daß das Grabmal – Sopranistin Caterina Gabrielli „ein heute verschollenes (1730–1796) auf. Mit Gabriel- Denkmal“ – untergegangen li wird ihm eine Liaison nach- sei. Während Ausgrabungsgesagt. arbeiten in den 1990er Jahren Der Erfolg dieser Oper wird es wieder entdeckt. Jebringt ihm einen neuen Auf- mand sieht es bei der Führung trag ein. Für den Hof von Nea- durch die Ausgrabungen unpel schreibt er „Farnace“, ei- ter der Kirche. Es wird nicht ne Oper, deren Uraufführung mehr errichtet. Heute ist vorn ein triumphaler Erfolg ist. In rechts am ersten Pfeiler eine dieser Zeit ist er der höchst- neuere Gedenktafel aus Marbezahlte Opernkomponist Ita- mor mit Bild und der Inschrift liens. Sein Ruhm verbreitet „Il Boemo“. nh Il divino Boemo, den göttlichen Böhmen, nannten die Italiener den Prager Komponisten Josef Mysliveček, dessen Todesjahr sich heuer zum 240. Mal jährt.
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Pfarrer Martin Ehrler, Biggi und Oberbügrermeister Frank Dehmer, Franz Longin sowie Reinfried Vogler.
� Heimatlandschaft Südmähren
Longins Vermächtnis nen stammt aus Landschau und war Ortsbetreuer für Landschau. Seit 2004 war Daberger Stellvertretender Vorsitzender und seit 2008 Kreisbetreuer für Znaim. Seit 2004 ist er Mitglied im Landschaftsrat. Adelheid BenderKlein, seit 2013 Ortsbetreuerin für Urspitz, und Franz Schneider wurden Dabergers Stellvertreter. Peter Sliwka wurde Schatzmeister und Dieter Vorhemus Schrift-
habe man 200 Jahre südmährische Geschichte dokumentiert, ein Vermächtnis, das der dauerhaften Pflege anvertraut werde. Ein Dankeswort richtete Longin an die Grenzgemeinden in m Morgen des BundestrefNiederösterreich, insbesondere fens wurde der Gedenkstein an den Bürgermeister von Reindes Südmährerbunds auf dem gers. Als heimattreue BundesgeGeislinger Schloßplatz hinter nossen nannte er den ehemalidem Rathaus eingeweiht. Dieser gen Landeshauptmann von NieGedenkstein aus der Region des derösterreich, Siegfried Ludwig, und den ehemaligen Obmann des Verbandes der Südmährer in Österreich, Gottlieb Ladner. Anerkennend beschrieb er die enge Verbindung mit Hans Günter Grech. Am tschechischen Staat bemängelte er, daß er die Vertreibung ignoriere. Der Vorgang sei aus christlicher Sicht zu bewerten. Oberbürgermeister Frank Dehmer freute sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuFranz Schneider, Adelheid Bender Klein, Reinfried Vogler, Franz Longin und Wolfgang en Vorstand. Zu dessen Daberger. Aufgaben gehöre, die Erinnerung an die VerNeubistritzer Berglandes ist das führer. Michael Scholz und Josef treibung wachzuhalten. Dafür sei Vermächtnis von Landschaftsbe- Stefan wurden Rechnungsprüfer. eine umfassende Dokumentatitreuer Franz Longin an alle. Daberger dankte für das Ver- on notwendig. Die Patenschaft Der Stellvertretende Land- trauen und gab bekannt, daß die bleibe unangetastet, versicherschaftsbetreuer Reinfried Vog- Kreisversammlung zwei neue te er und gratulierte dem neuler ehrte eingangs die Toten. Da- Kreisbetreuer gewählt habe: en Vorstand. Den scheidenden bei widmete er sich insbesondere Franz Schneider für Nikolsburg Vorsitzenden Longin und Vogler den Mitarbeitern des Südmähr- und Albert Kisling für Znaim. schenkte er Bücher mit Lokalbeerbundes, die in den beiden verZum Schluß der Delegierten- zug und Wein aus dem Lande. gangenen Jahren verstorben wa- versammlung wurden die beiden Dem folgte die Vergabe des ren. hochverdienten Spitzenvertreter Südmährischen Kulturpreises an Landschaftsbetreuer Franz der Heimatgemeinschaft Franz Franz Longin und Reinfried VogLongin legte Rechenschaft über Longin und Reinfried Vogler zu ler. Beide zeigten sich in ihren die vergangenen zwei Jahre ab. Ehrenvorsitzenden ernannt. Leb- Dankesworten überrascht und Er beschrieb die Funktion und hafter Applaus spiegelte die tiefe bewegt. Leistung vom Heimatbrief „Der Dankbarkeit der Versammelten. Hans Günter Grech brachte Südmährer“ und dem „SüdLongin begrüßte zunächst sei- Grüße von allen Südmährern in mährischen Jahrbuch“. Die Pu- nen Nachfolger Daberger sowie Österreich. Er erzählte von seiblikationen hätten als Reprä- die Ehrengäste Oberbürgermei- nen Eltern, für die Geislingen sentanten südmährischer Kultur ster Frank Dehmer, Hermann mit dem Heimattreffen das ganweiterhin in beachtlicher Viel- Färber MdB, Christoph Zalder, ze Jahr über präsent gewesen sei. falt ihren Bestand gemeistert. Stadtrat Markus Maichle, Alt- Bürgermeister Andreas Kozar erAuch das Landschaftsmuseum in Oberbürgermeister Wolfgang innerte daran, daß Longin als Geislingen habe als „Treffpunkt Amann, aus Znaim Jiří Kacetl, zwölfjähriger Bub in Reingers Südmähren“ Tradition und Ge- Carl Otto Maurer, dessen Fir- notdürftige Unterkunft gefunden schichte vermittelt. ma Heimatbrief und Jahrbuch habe. Heutige lokale versöhnDie Bibliothek in der Ge- druckt, Ex-Geschäftsstellenleiter liche Äußerungen in tschechischäftsstelle habe man dem Lan- Rudolf Rosenberger, aus Öster- schen Gemeinden könnten verdesmuseum in Niederösterreich reich Reingers Bürgermeister bindliche Stellungnahmen aus übergeben. Die Geschäftsstelle Andreas Kozar und Hans Günter Prag nicht ersetzen. Noch seihabe man als Zentrale der Hei- Grech, Obmann des Kulturver- en Darstellungen der südmährimatpflege erhalten. Die jährliche bandes der Südmährer in Öster- schen Geschichte in tschechiKulturtagung und der Tag der reich. schen Schulbüchern nicht korBegegnung sei für die Zukunft Reinfried Vogler erklärte beim rekt. gesichert. Nicht vergessen dür- Rückblick auf 20 Jahre StellverZum Schluß lasen Daberger, fe man den Gedenkstein auf dem treter, der Einsatz für die Hei- Bender-Klein und Schneider AbKreuzberg sowie den Südmäh- mat habe sich gelohnt. Er dankte schnitte aus der „Ahnenpyramirerhof in Niedersulz in Nieder für das Vertrauen und die Ernen- de“ und „Südmährische Sagen“ österreich, dieser sei ein Denk- nung zum Ehrenvorsitzenden. von Ilse Tielsch sowie Geschichmal für südmährische BauernkulLongin dankte für 56 Jahre ten aus dem Kreis Znaim. Dazwitur und -geschichte. Schließlich Zusammenarbeit mit den Ober- schen würdigte man die Leistunsagte Longin, er habe 42 Jahre bürgermeistern von Geislingen, gen von Longin und Vogler, stelllang Verantwortung für die süd- insbesondere im Hinblick auf te ausführlich ihr Leben vor und mährische Gemeinschaft getra- eine der ältesten – seit März dankte für ihre großartige Arbeit gen. 1953 – Patenschaften in Baden- für die Heimat. Beide erhielten Nach der Rechnungsprüfung Württemberg. 1977 sei die Ka- ein in Glas geprägtes Wappen folgte die Verleihung des Josef- pelle in der Kirche Sankt Ma- von Südmähren als dingliches Löhner-Preises. Diesen erhielt ria zu Ehren von Clemens Maria Zeugnis des Dankes. posthum Ewald Weidle, 1933 in Hofbauer im Beisein des WieEin Quartett der SüdmähriZlabings geboren, für wertvolle ner Erzbischofs Franz Kardinal schen Sing- und Spielschar „Moheimatliche Beiträge. König geweiht worden. Forel- ravia Cantat“ begleitete das TrefDie folgende Vorstandswahl lenbrunnen, Glockenspiel und fen mit Liedern. Und zum Schluß leitete Reinfried Vogler. Vorsit- Gedenkstein seien weitere be- sangen alle das Südmährerlied. zender wurde Wolfgang Daber- deutsame Zeichen heimattreu Gerald Frodl ger. Der Vater des 1968 Gebore- er Zusammenarbeit. Im Museum
Ende September fand das – pandemiebedingt kleinere – 73. Bundestreffen der Südmährer im baden-württembergischen Geislingen an der Steige statt.
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Neudeker Heimatbrief
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek
Abertham
Bärringen
Folge 626 · 10/2021
Frühbuß
Platten
Patenstadt Augsburg
Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 627 (11/2021): Mittwoch, 10. November.
Die Bildkomposition von Miroslav Drobný trägt die Aufschrift: „Wir wollen eine Brücke sein von Land zu Land, von Volk zu Volk, von Mensch zu Mensch und ganz besonders von Herz zu Herz. Nejdek, 29. Juni 2021. Vielen Dank“. Rechts: Die Trauerfeier am Grab von Herbert Götz. Bilder: Josef Grimm
Trauerfeier in Augsburg-Göggingen
Herbert Götz – Brückenbauer und Wohltäter Im Gögginger Roncallihaus fand Mitte September auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Gögginger Vereine und Organisationen (ARGE Göggingen) die nachgeholte Trauerfeier für den im vergangenen Dezember verstorbenen Herbert Götz statt. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen konnte die Feier nicht zeitnah zu der Beerdigung stattfinden.
D
ie teilweise immer noch geltenden Corona-Beschränkungen ließen im Festsaal des Roncallihauses nur 100 Trauergäste zu, doch es kamen weit mehr. Ein Teil verfolgte die Feier draußen durch die großflächige Fensterfront. Acht Trauerredner würdigten die Verdienste des Verstorbenen, darunter auch Bernd Kränzle, Dritter Bürgermeister der Stadt Augsburg, Joachim Wetzenbacher, Vorsitzender der ARGE, Pavel Andrš, Vorsitzender des tschechischen Bürgervereins „Jde o Nejdek (JoN) – Es geht um Neudek“, und Josef Grimm, Vorsitzender der Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek. Das Kolping Blasorchester Göggingen umrahmte die Feier.
Alle Redner rühmten das soziale Engagement des Verstorbenen, für das es bereits aus seiner Kindheit ein rührendes Beispiel aus dem Vertreibungswaggon von 1946 gibt. Im verschlossenen und plombierten Viehwaggon schrie ein Baby vor Hunger. Die Mutter hatte zwar Milchpulver dabei, doch es war kein Wasser vorhanden. Bei einem Halt des Zuges sah der damals siebenjährige Götz durch einen Türspalt einen Brunnen am Bahndamm. Er nahm einen Topf, und es gelang ihm, die Waggontür einen Spalt aufzuschieben und sich durchzuzwängen. Ein tschechischer Wachposten sah dies, hatte Erbarmen und ließ den hilfsbereiten Buben gewähren. Somit konnte er das Wasser zum Anrühren der Milch in den Waggon bringen. Sein weiteres Leben war hauptberuflich und ehrenamtlich von Hilfsbereitschaft und dem Einsatz für andere geprägt. Dafür wurde er im Jahr 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Für die Heimatgruppe „Glück auf“ und das Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek ist von besonderer Bedeutung, daß er es im Jahr 1972, zusammen mit den vier anderen
Gögginger Stadträten mit Neudeker Wurzeln, im Eingemeindungsvertrag von Göggingen in die Stadt Augsburg schaffte, den Bestand des Heimatmuseums
kei der Eiserne Vorhang gefallen war, widmete er sich auch der Verständigung und Versöhnung mit den tschechischen Bewohnern seiner Heimatstadt Neu-
Dr. Pavel Andrš (rechts) übergibt Anita Donderer das Bild aus Neudek. und die Förderung der Heimatgruppe vertraglich zu sichern. Als nach der Samtenen Revolution in der Tschechoslowa-
dek. Dies begann, als er zusammen mit Anita Donderer im Jahr 1991 eine erste Busfahrt nach Neudek, den Ort ihrer Wurzeln,
plante und durchführte. Bei der gespannten Atmosphäre im Bus fragte man sich: „Wie wird man uns dort aufnehmen?“ Doch es folgte ein überraschend freundlicher Empfang durch den nach der Wende ersten demokratisch gewählten Bürgermeister Jiří Bydžovský und einigen Stadträten sowie ein Treffen mit heimatverbliebenen Deutschen. Dies war der Anfang der inzwischen schon 30 Jahre bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu der Stadtführung und zu Bewohnern des heutigen Neudek/ Nejdek. Auf die erste Busfahrt folgten im Lauf der Jahre viele Fahrten, Benefizspiele und Spenden von medizinischen Hilfsgütern für Neudeker Sozialeinrichtungen, immer von Götz und Donderer organisiert. Die Presse gab dieser privaten Initiative der beiden den Namen „Die Kinder von damals“/„tehdejší děti“. Aus dieser anfangs privaten Initiative erwuchs inzwischen eine gegenseitige, erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Heimatgruppe „Glück auf“ und dem Verein „Jde o Nejdek“ sowie zwischen den Städten Augsburg und Neudek. Diese Zusammenarbeit gipfelte bereits in mehrfa-
chen Besuchen von Augsburger Oberbürgermeistern und Bürgermeistern in Neudek und von Neudeker Bürgermeistern in Augsburg. Ein sichtbarer Beweis dieses erfolgreichen Brückenbaus war die Anwesenheit des ehemaligen Neudeker Bürgermeisters Lubomír Vítek und des JoN-Vorsitzenden Pavel Andrš bei der Trauerfeier. In seiner Rede würdigte Andrš den Brückenbauer Götz und übergab Donderer eine Bildkomposition. Die Aufschrift war stets das Motto von Donderer und Götz. Der Neudeker Stadtrat Miroslav Drobný und seine Ehefrau Iveta ließen als Dank eine Fotomontage anfertigen und einrahmen. Bei einer Stadtratssitzung würdigte Drobný in einer Rede und mit einer Gedenkminute Götz‘ Verdienste für Neudek. Karl-Heinz Schneider, einer der Trauerredner, brachte die Verdienste des Verstorbenen auf den Punkt: „Man kann kaum glauben, daß er so viel Gutes in nur einem Leben tun konnte.“ Karl Hahn beendete die würdige Gedenkfeier auf der Zither mit dem „Feierobnd“-Lied. fm
WIR GRATULIEREN Heimatkreis, Heimatgruppe „Glück auf“ und Redaktion gratulieren herzlich den treuen Abonnenten des Neudeker Heimatbriefs, die vom 22. Oktober bis 18. November Geburtstag haben. Wir wünschen von Herzen viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit. Bärringen. Dr. Heide Sonnevend, Beethovenstraße 16, 18069 Rostock, 24. Oktober 1939. Neudek. Brundhilde Kaltschnee/Roßmeisl, Vogelsbergstraße 14, 63505 Langenselbold, 3. November 1926; Elfriede Ullmann (Tochter von Paula Fickert), An den Eichen 9a, 64546 Mörfelden-Walldorf, 5. November 1950. Neuhammer. Monika Lienert/Meindl (Ober Neuhammer 141), Jenaer Straße 4, 90522 Oberasbach, 7. November 1954; Erika Schmidt/Zettl, Sonnenstraße 16, 86179 Augsburg, 13. November 1939.
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uch im Erzgebirge fegt der kühle Herbstwind über das Land. Die goldene Herbstzeit läßt die Blätter der Bäume in bunten Farben leuchten, während sich die Felder und Wiesen von Grün zu Gelb und Braun färben. Bilder: Ludmila Anderle
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NEUDEKER HEIMATBRIEF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
Die Kirchenbesucher der Festmesse.
Bilder: Ulrich Möckel
Die Wandergruppe unter der Leitung von Dr. Peter Rojík.
� Kerwa in Frühbuß
Ein Fest hat sich gewandelt Etwa 40 Gäste nahmen an der Exkursion der diesjährigen Kerwa in Frühbuß teil.
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n früheren Zeiten, als die Medien die Menschen noch nicht permanent mit wichtigen und unwichtigen Informationen überhäuften und es noch kein Fernsehen, Telefon oder einen Versandhandel gab, war das Kirchweihfest in jeder Gemeinde das Wochenende für Besuche und Jahrmärkte. Dies hatte eine wichtige soziale und wirtschaftliche Bedeutung. Die Menschen bereiteten sich lange auf dieses Fest vor. Man sparte Geld, um auf dem Markt wichtige Dinge einzukaufen. Und die Kinder sammelten Beeren und Pilze und verkauften sie, um sich für das verdiente Geld eine Reitschulfahrt oder ein paar Süßigkeiten kaufen zu können. Oftmals wurde es aber auch für ein neues Kleid, eine Hose oder Jacke für den Winter benötigt. Diese Tradition verlor besonders durch die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg und durch die Ausreisewelle der heimatverbliebenen Deutschen Mitte der 1960er Jahre immer mehr ihre Bedeutung. Mitunter instrumentalisierten auch kommunistische Machthaber das Kirchweihfest für ihre Zwecke. Man hatte es also schon immer einer Veränderung unterzogen. Seit der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakai verleg-
ten etliche Vertriebene ihre jährliche Zusammenkunft wieder in ihren früheren Heimatort. Somit konnte man viele vernachlässigte oder in der Bausubstanz beschädigte Kirchen dank deren finanzieller und materieller Spenden wieder in einen guten Zustand versetzen. Die Kirchen waren ein Anker der Vertriebenen, denn dort wurden sie getauft und die älteren unter ihnen auch getraut. Diese Phase neigt sich nun ihrem Ende zu. Denn die Vertriebenen sind nach rund 75 Jahren in einem Alter, in dem die letzten noch lebenden von ihnen aus gesundheitlichen Gründen kaum noch reisen können. An einigen Orten wie in der Bergstadt Platten wurde aus dem Kirchweihfest ein Stadtfest, wobei die Heilige Messe in der Kirche nur noch eine Nebenrolle spielt. Diese Veränderung wurde heuer bei der Frühbusser Kerwa deutlich. Auf dem Marktplatz in Frühbuß trafen sich bereits um 9.00 Uhr etliche Freunde des Böhmischen Erzgebirges, um an der von Peter Rojík geführten, zweisprachigen Exkursion teilzunehmen. Der Bus brachte die Teilnehmer aus Rothau, Graslitz, Silberbach und Schwaderbach nach Frühbuß. Alle fuhren zu dem einstigen Gemeindegebiet von Vogldorf, auf dem heute kein einziges der damals über 70 Häuser mehr steht. Der erste Exkursionspunkt der etwa 40 Teilnehmer war das Pestkreuz aus dem Jahr 1680. Dieses
Monsignore Petr Fořt zelebriert die Heilige Messe.
steht auf dem Gebiet der einstigen Siedlung Altenhütten, in der bereits vor diesem besagten Jahr Glas, unter anderem in Form der sogenannten Butzenscheiben, hergestellt wurde. Im Zuge der Gegenreformation wurde der Glashüttenbesitzer Schürer nach Sachsen vertrieben, wo dessen Nachfahren noch heute leben. Vermutlich wurde bei dieser Vertreibung der religiöse Aspekt nur vorgeschoben. Denn Graf Nostitz in Heinrichsgrün hatte viele Erzhütten und benötigte dafür das Holz. Deshalb war für ihn die Glashütte beim Holzverbrauch eine lästige Konkurrenz. Über das Pestkreuz gibt es die Legende, daß ein Sohn einer Familie aus Schönlind sich in Prag zum Priester ausbilden ließ. Bei seinem Heimaturlaub erkrankte er an der Pest, worauf das Anwesen seiner Eltern niedergebrannt wurde und die Familie den Ort verlassen mußte. Sie fanden vermutlich in der Ruine der einstigen Glashütte Altenhütten Unterschlupf. Verwandte versorgten sie mit Essen, welches an einer bestimmten Stelle abgestellt wurde. Doch eines Tages fanden die Helfer dieses unberührt vor. Und somit ging man davon aus, daß alle Familienmitglieder an der Pest verstorben seien. Warum dieses Kreuz gerade an dieser Stelle steht, konnte bisher nicht geklärt werden. Man nimmt an, daß dort die einstige
Glashütte stand. Bei Ausgrabungen fand man jedoch keinen Hinweis darauf. Die Quarzgänge befinden sich etwa 300 Meter von diesem Kreuz entfernt. Deshalb wird vermutet, daß dies die Stelle sein könnte, an der man die Speisen abgestellt hatte. Von dem Pestkreuz ging es auf den Hüttenberg, um den ringsherum die Gemeinde Vogldorf angeordnet war. Noch heute findet man Relikte der einstigen Besiedlung. Eine Lärchenallee, Wälle von Lesesteinen, Vogelbeerbäume als Wegbegrenzung und Grundmauern, teilweise mit Kellern, sind noch zu finden. Von dem Gipfel des 827 Meter hohen Hüttenberges hat man eine gute Aussicht auf das Elstergebirge, die nördlichen Ausläufer des Böhmerwaldes, den Kaiserwald und das Duppauer Gebirge sowie auf den westlichen Erzgebirgskamm mit dem Muckenbühl und dem Hartelsberg. Da im Herbst bekanntlich Beerenzeit ist, hatten alle Exkursionsteilnehmer die Möglichkeit, Schwarzbeeren, Preiselbeeren oder Rauschbeeren zu pflücken. Mit historischen Fotos versuchte Rojík den Erzgebirgsfreunden ein Bild von Vogldorf zu vermitteln, welches nicht mehr existiert. Da nach dem Rückweg vom Hüttenberg noch etwas Zeit blieb, ging Rojík mit bergbaulich Interessierten zu den Quarzabbaustellen. Im Hangprofil ist noch heute neben den Pingen ein alter Wassergraben erkennbar. Vermutlich würden archäologische Untersuchungen etwas mehr Licht in die Geschichte der Glasherstellung in dieser Region bringen. Mit dem Bus ging es anschließend wieder nach Frühbuß. Dank gebührt dem Kulturverband Graslitz und der Gemeinde Silberbach für die finanzielle Unterstützung dieser interessanten Exkursion. In der Kovářská bouda nutzten einige Teilnehmer die Möglichkeit zum Mittagessen, bevor um 14.00 Uhr die Heilige Messe begann. Gleich zu Beginn konnte Monsignore Petr Fořt eine private Spende in Höhe von 1000 Euro von Roland Schön entgegennehmen. Dieses Geld ist für den Unterhalt der Kirche in Frühbuß bestimmt. Weitere 500 Euro spendete Schön den fleißigen Helfern, die zwei Tage zuvor die Kirche für das Fest gesäubert und geschmückt hatten. Dies zeigt noch immer die Verbundenheit einsti-
ger Bewohner und ihrer Nachkommen mit dem Flecken Erde, auf dem ihre Vorfahren jahrhundertelang beheimatet waren. Auch wenn Monsignore Fořt die Messe zweisprachig feierte, waren die deutschen Besucher in diesem Jahr deutlich in der Minderheit. Lediglich etwa zehn Festbesucher waren Vertriebene oder deren Nachkommen aus Frühbuß oder Sauersack, während diese Personengruppe noch vor fünf Jahren die deutliche Mehrheit bei der Frühbusser Kerwa stellte. Erfreulicherweise nimmt die Zahl derer leicht zu, die aus Frühbuß oder den Nachbardörfern zu dieser Messe kommen. Man kann den vergangenen Jahren nachtrauern, jedoch sollte man gleichzeitig dankbar sein, daß die Samtene Revolution die Möglichkeit eröffnete, sich wieder in der Heimat zu treffen und einiges Gute zu bewirken. Diese Entwicklung war vorhersehbar
und ist unumkehrbar, da die meisten Kinder und Enkel die Tradition ihrer Vorfahren nicht fortführen. Den Abschluß der diesjährigen Frühbusser Kerwa bildete ein hörenswertes Konzert mit der jungen Sängerin Ivana Tóthová aus Zwodau bei Falkenau. Ihre Vorliebe sind französische Chansons und eigene Lieder, die sie auf ihrem Violoncello begleitete. Derartige Veranstaltungen leben immer von dem Engagement einzelner Menschen oder Vereine. Frühbuß hat das Glück, daß die Vorfahren mütterlicherseits von Rojík und seiner Schwester Soňa Šimánková damals in dieser alten Bergstadt wohnten und beide sehr mit der Heimat verbunden sind. In den letzten Jahrzehnten trugen sie mit ihrem Organisationstalent maßgeblich dazu bei, daß die Frühbusser Kerwa noch immer zu einem kulturellen Höhepunkt auf dem Erzgebirgskamm zählt. Ulrich Möckel
Die junge Musikerin Ivana Tóthová konzertiert.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
An der Decke über dem Leitmeritzer Domherr Monsignore Karel Havelka das Oktagon von Gerlinde Fritsch.
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
Nach dem Gottesdienst.
� Georgendorf – Teil II und Ende
Eine neue Statue für Fleyh D
ie Bleiglasverbundfenster schmücken nun die Fenster im Presbyterium der Kirche. Familie Fritsch hat ihre Wurzeln in Motzdorf bei Fleyh. Die Bitte um die Anfertigung der Fenster kam von Karl Köhler, dem letzten Ministranten der Fleyher Kirche. Er ist bis heute der Organisator der Fleyher Treffen. Gerlinde Fritsch ließ 2015 ein Oktagon mit christlichen Motiven über dem Altar anbringen. Aus allem spricht eine tiefe Heimatliebe, die den ehemaligen Bewohnern des untergegangenen Ortes geblieben ist und die sie, trotz ihres
hohen Alters, immer wieder dorthin führt. Und nun ist ein weiteres Kunstwerk geplant: die Statue des heiligen Johannes des Täufers, welche die Duxer bildende Künstlerin Petra Konfroňová Wolfová gestaltet. Diese Statue soll an den Schutzheiligen von Fleyh und Teplitz-Schönau erinnern. Die geplante Enthüllung des Kunstwerkes in der Nähe des Staudamms Mitte September hatte man auf nächstes Jahr verschieben müssen. Die Lieferung des aus dem Isergebirge stammenden Sandsteinblocks erfolg-
Petra Wolfová erklärt ihre Arbeit an der Statue Teilnehmern des Fleyher Heimattreffens.
te wegen der Corona-Pandemie zu spät, so daß die Bildhauerin die Statue nicht vollenden konnte. Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Georgendorf und der staatlichen Gewässerverwaltung Eger, zuständig für den Stausee Fleyh. Die Kosten werden von einer großzügigen Spende der 2021 verstorbenen Teplitzerin Marie Loupí-Hegerová und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds getragen. Auf die Enthüllung der Statue hatten sich nicht nur die hiesigen Bewohner, sondern auch die Fleyher Landsleute gefreut. Diese waren, wie jedes Jahr, aus allen Teilen Deutschlands in die Tschechische Republik gereist, um an diesem festlichen Ereignis teilzunehmen. Aber da die Statue nicht nach Fleyh kam, mußten sich die Fleyher sich zu dem Ort ihrer Entstehung nach Dux begeben. Zunächst fand am Samstag eine Messe in der geretteten Kirche des heiligen Johannes des Täufers in Georgendorf statt, die der Leitmeritzer Domherr Karel
� Parlamentswahlen 2021
Wer gewinnt Teplitz-Schönau Am 8. und 9. Oktober wählte die Tschechische Republik ihre Vertreter für das Abgeordnetenhaus.
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on den acht Hauptbewerbern – insgesamt waren es 22 – überwanden vier die FünfProzent-Hürde. In der Tschechischen Republik war es möglich, mit Wahlbündnissen zu kandidieren. Dabei mußte ein Zweierbündnis acht Prozent und ein Dreierbündnis elf Prozent erreichen, um ins Unterhaus zu kommen. Um regierungsfähig zu sein, ist eine Mehrheit von 101 der 200 Sitze notwendig.
Zu dem Zweierbündnis PirStan hatten sich die Piraten mit der Vereinigung der Bürgermeister/Unabhängige zusammengetan. Die starke bürgerdemokratische ODS vereinigte sich mit der liberalkonservativen TOP 09 – zu deren Gründern der ehemalige Außenminister Karl Fürst Schwarzenberg gehört –, und mit der christliche KDU-ČSL unter dem Namen Spolu. Ihr gemeinsames Ziel war, eine erneute Regierung der Bewegung ANO von Andrej Babiš zu verhindern. Das gelang landesweit. Laut Programm stehen sich das Mitte-Rechts-Bündnis Spo-
lu und das Mitte-Links-Bündnis PirStan nahe. Außerdem zog die rechtspopulistische Okamura-Partei (SPD) ins Parlament ein. Aber keiner will mit ihr koalieren. Babiš hatte den Bezirk Aussig als Wahlkreis gewählt und war dort stark vertreten. Sowohl landesweit als auch im Bezirk Aussig konnten weder Kommunisten noch Sozialdemokraten die Fünf-Prozent-Hürde überspringen. Sie werden zum ersten Mal nicht mehr im Tschechischen Parlament vertreten sein. Stimmenverteilung und Sitze im Parlament:
Havelka zelebrierte. Da es überwiegend deutsche Kirchenbesucher waren, predigte er vor allem deutsch. Seine Predigt war sehr persönlich gehalten und berief sich auf die drei christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Den Gottesdienst begleiteten musikalisch Mitglieder des Ensembles Collegium hortense unter Leitung von Jan Zástěra. Nach dem Gottesdienst fanden in und außerhalb der Kirche noch angeregte Gespräche statt. Etliche Anwesende waren noch in dieser Kirche in Fleyh getauft worden. An den Wänden der Kirche befinden sich Vitrinen, die an den untergegangenen Ort erinnern. Nach einem von lebhaften Gesprächen begleiteten Mittagessen in Göhren/Klíny trafen sich dann alle im Städtischen Museum Dux. Dort auf dem Hof arbeitete die Bildhauerin an der Statue. Ihr im Museum tätige Mann Jiří Wolf gab dazu geschichtliche Einblicke in die Vergangenheit der Kirche des heiligen Johannes des Täufers in Fleyh. Diese war ursprünglich wegen der
überwiegend deutschen Bevölkerung protestantisch, wurde aber, im Rahmen der Rekatholisierung nach dem Dreißigjährigen Krieg, zusammen mit der Bevölkerung katholisch. Auch stellte Wolf uns seine Ehefrau Petra Wolfová vor, die nicht nur als Kunstpädagogin an mehreren Schulen, sondern auch freiberuflich als bildende Künstlerin tätig ist.
Bewegung Ano 35,23 Prozent im Kreis Teplitz, 27,13 landesweit, 72 Sitze; Spolu 23,61 Prozent im Kreis Teplitz, 27,79 landesweit, 71 Sitze; PirStan 13,13
Prozent im Kreis Teplitz, 15,61 landesweit, 37 Sitze; SPD (Okamura) 10,70 Prozent im Kreis Teplitz, 9,56 landesweit, 20 Sitze; Kommunisten 3,00 Prozent
Die Besucher konnten sich überzeugen, daß es keine leichte Arbeit ist, mit Hammer und Meißel die Umrisse der Statue des Heiligen zu gestalten. Nun ist die Enthüllung der Statue am Stausee Fleyh für den Herbst 2022 geplant. Alle scheinen sich auf ein gutes Gelingen und ein gesundes Wiedersehen im nächsten Jahr zu freuen. Jutta Benešová
Dolmetscherin Jutta Benešová, Dr. Jiří Wolf und seine Ehefrau Petra Wolfová, davor Gerlinde Fritsch. im Kreis Teplitz, 3,60 landesweit, kein Sitz; Sozialdemokraten 2,84 Prozent im Kreis Teplitz, 4,65 Prozent landesweit; kein Sitz. Jutta Benešová
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Förster Martin Semecký zeigt den Fundort.
M
artin Semecký, 31jähriger Förster der Städtischen Wälder Taus, wird in den tschechischen Sozialen Medien als Held gefeiert. Er hatte die achtjährige Julia aus Berlin entdeckt, die bei einer Wanderung auf dem Schwarzkopf verschwunden und zwei Tage lang vermißt war. Unterwegs war Semecký mit den beiden Waldarbeitern Ivan Zavadil und Jiři Dufek. Er traute seinen Augen nicht, als er in einem Dreieck zwischen Steinwiese/ Kamenná Loučka, Fichtenbach/ Bystrice und Böhmischen Brunnen/Česká Studánka etwas entfernt das Mädchen im Unterholz kauern sah. Doch der Förster gibt sich bescheiden, will nicht als Held gefeiert werden. Vielmehr verweist er auf die zahlreichen freiwilligen Helfer, die zum Teil bis zur Erschöpfung nach der Vermißten gesucht hatten. Er ist wie alle glücklich über den guten Ausgang des Falls. Die tschechischen Medien berichteten, daß die tschechischen Polizisten natürlich auch jenseits der Dienstzeit noch nach dem Mädchen gesucht hätten. Vor einigen Tagen fuhren wir mit Martin Semecký, der seit fünf Jahren bei den Städtischen Wäldern Taus arbeitet, und Forstdirektor Jan Benda zu dem Fundort. Und Semecký schilderte seine Eindrücke. Am Dienstagmorgen sei er zum Schwarzkopf gefahren. Dort habe er mit dem Kommandanten der Rettungsaktion vereinbart, in Waldabschnit-
Bilder (4): Karl Reitmeier
Ein Hochsitz nahe der Fundstelle.
Schwarzkopf
Julia und ein Schutzengel Wie die Sudetendeutsche Zeitung berichtete, wurde die auf dem Schwarzkopf vermißte achtjährige Julia am Dienstag vor einer Woche „von einem tschechischen Förster“ entdeckt. Dieser Förster heißt Martin Semecký und ist Förster der Städtischen te zu gehen, die vorher noch nicht durchsucht worden seien. Mit Freiwilligen der Feuerwehr Neumark, zu denen auch Neumarks Bürgermeister Václav Bernard gehört habe, habe man zunächst das Gelände in Fünferreihen durchkämmt. Rund 200 Meter von der späteren Fundstelle entfernt, hätten die Feuerwehrmänner ihre Suchaktion in diesem Bereich wieder beendet und seien umgekehrt. Gegen 13.00 Uhr sei er, Semecký, dann nach der Suchaktion mit den beiden Waldarbeitern der Städtischen Wälder Taus von Fichtenbach hinauf in Richtung Böhmischer Brunnen gegangen. Sie seien dann rund 500 Meter tief in den Wald hinein gegangen und an eine Kahlfläche gekommen, an der kleine Bäume frisch angepflanzt worden seien. An deren Ende stehe hohes Gras, und daran schließe sich wiederum eine junge Vegetation an. Man habe noch nicht einmal angefangen, dieses Gebiet abzusu-
Reporter von RTL interviewen Forstdirektor Jan Benda …
Wälder Taus. Unser Korrespondent Karl Reitmeier begleitete Semecký jetzt auf den Schwarzkopf. Reitmeier lebt im oberpfälzischen Waldmünchen, ist seit Jahrzehnten grenzüberschreitend und nicht zuletzt auf dem Schwarzkopf unterwegs, gehört
deutsch-tschechischen Freundschaftsvereinen an, beteiligt sich an Büchern über die einst deutschen Orte im Böhmerwald und berichtet jede Woche auf der „Böhmenseite“ der „Chamer Zeitung“. Deshalb kennt er Martin Semecký lange und gut.
chen, als er plötzlich das Mäd- Motorsägenlärm Angst bekomchen im Gras bemerkt habe. „Da men, glaubt der Förster. Dabei schlug mein Puls sofort höher.“ wäre die Hilfe schon sehr nahe Wie das Mädgewesen. chen auf sie reaSchnell habe er giert habe, fragfestgestellt, daß te ich. Semecký die Verirrte keierzählte, daß es ne Verletzungen schüchtern gewegehabt habe, sonsen sei. Er habe dern nur unterdas Gefühl gehabt, kühlt und müde daß Julia habe gewesen sei. Er weglaufen wollen. und die WaldarDas Mädchen habeiten seien überbe wohl Angst geglücklich und gehabt – vor allem Der Schutzengel der Hand rührt gewesen, als vor dem Lärm, der von Bürgermeister Václav sie festgestellt hätdurch den Wald Bernhard. ten, daß es dem gehallt habe. Es Mädchen den Umhabe ja nicht wissen können, was ständen entsprechend gut gealles um es herum vor sich gehe. gangen sei. Da einer der WaldDie Quads, kleine Gelände- arbeiter vergleichsweise gut fahrzeuge, seien lautstark und Deutsch gesprochen habe, habe hupend durch die Gegend ge- auch es schließlich mit ihnen gefahren. Rund 500 Meter von der sprochen. Dann sei auch die erste Fundstelle entfernt seien zudem Angst verflogen. Sie habe ja zuWaldarbeiter im Einsatz gewe- nächst nicht wissen können, daß sen. Das Mädchen habe sicher die fremden Männer ihre rettenauch vor dem ihm unbekannten den Helfer gewesen seien.
… und Förster Martin Semecký.
Semecký gestand, daß ihm nach zehn Minuten die Knie vor Aufregung gezittert hätten. Beruhigt habe er gemerkt, daß das Mädchen trocken und sauber gewesen sei. Er wisse nicht, wo das Mädchen die beiden Tage verbracht habe. „Gut möglich, daß sie Unterschlupf in einem Hochsitz in der Nähe gefunden hat.“ Das sei aber nur Spekulation. Auf jeden Fall habe der Hochsitz sogar eine kleine Matratze gehabt. Was tatsächlich geschehen sei, werde sich erst in den Gesprächen mit dem Kind zeigen. Semecký: „Ich muß zugeben, daß ich keine große Chance mehr gesehen habe, Julia noch lebend zu finden. Als ich sie dann mit eigenen Augen gesehen habe, konnte ich zunächst gar nicht glauben, daß es ihr noch gut ging.“ Und: „Es ist ein Wunder, daß sie überlebt hat.“ Er sei schon am frühen Morgen erstmals in der Nähe des Fundortes gewesen. Er glaube, daß Julia wahrscheinlich zu diesem Zeit-
punkt schon dort gewesen sei, eventuell auf dem Hochsitz, sein Auto gehört habe und dann ins hohe Gras gelaufen sei, um sich zu verstecken. Schließlich brachte der Förster das Mädchen zu einem Auto rund 700 Meter von der Fundstelle entfernt. Von dort brachten Feuerwehrleute Julia zur Bergwacht. Semecký: „Es war Zufall, daß wir diesen Ort aufgesucht und das Mädchen gefunden haben.“ Es handelt sich aber um sein Revier mit dem Namen Schwarzkopf, das er wie seine Westentasche kennt. Auch Neumarks Bürgermeister Václav Bernard konnte seine Freude nicht verbergen. Er berichtete, daß er zu der Suchaktion einen kleinen Schutzengel aus Metall mitgenommen habe, da ihm dieser schon einmal in einer schwierigen Situation geholfen habe. Er habe den Schutzengel gebeten, noch einmal zu helfen. Ihm sei klar gewesen, daß das Mädchen eine weitere Nacht in der Kälte und bei Regen nicht überleben werde. Überglücklich nahm es deshalb die gute Nachricht entgegen. Er ist sicher, daß der Schutzengel ein zweites Mal geholfen habe. Nach der erfolgreichen Suchaktion ging er spontan mit seinen Feuerwehrkollegen in das Bistro auf dem Schwarzkopf. Dort machten sie eine Flasche Sekt auf und stießen auf den Freudentag an. Ein Video, das er mir schickte, dokumentiert die überschwengliche Freude.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 42 | 22. 10. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil XVI
Bösartiges Katz-und-Maus-Spiel In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář, wie Sakralbauten dem Ruin preisgegeben werden.
U
nter dem Haus in Neudorf war ein großer Keller. Dort standen Wassertröge für Pferde. Wohl ein Versteck der Pascher. Der Eingang in den Keller mündete im Hang hinter dem Haus. Dort sind die Diebe eingedrungen und versperrten den Außeneingang mit dem Kellerdeckel. 1952 besuchte mich ein ehemaliger Angestellter des Prämonstratenserklosters Tepl mit einem Brief von Abt Wolfgang Rudolf Böhm, der mich bat, dem Bittsteller eine Wohnung in der Pfarrei in Roßhaupt zu vermieten. Ich kam dieser Bitte nach. Der Mieter hatte bald ohne mein Wissen die Wohnung in der Pfarrei adoptiert und mit einer Zwischenmauer die Zimmer aufgeteilt. Nach Roßhaupt fuhr ich nur gelegentlich – deshalb konnte ich das Treiben des Mieters nicht beobachten. Auf einmal erfuhr ich aber, daß er aus Roßhaupt weggegangen war. Er zog um und hatte einen Teil der Wohnungseinrichtung mitgenommen. Eine Beschwerde einlegen? Wer würde sich um solche „Kleinigkeiten“ kümmern? Möbel lagen doch überall genug herum. Nicht bewohnte Pfarrhäuser waren heruntergekommen, andere waren auf Gnade und Ungnade den Mietern ausgeliefert. Das gleiche galt für die Kirchen. Feuchtigkeit, zerschlagene Fenster, lose Dachschindeln, durchrostete und löchrige Dachrinnen, herunterfallender Putz – und nicht zuletzt viele verrohte Menschen. Das alles glich einem langsamen, aber sicheren Verderben. Und für Reparaturen oder Wartung gab es keine Mittel, außerdem zeigten die Ämter kein Interesse. In der Neutstädtler Pfarrgemeinde stand eine Filialkirche in Godrusch. Sie war eine Dominante des ganzen Umlandes. Deshalb hatten deutsche Schützen die Kirche als Stützpunkt genutzt und aus den Dachfenstern mit einigen Maschinengewehren die anrückende amerikanische Armee in Schach gehalten. Geschützfeuer brachte die Maschinengewehre zum Schweigen und beschädigte die Kirche stark. Die Gemäuer der Kirche waren ungewöhnlich dick, die Kirche war verletzt, aber die Verletzung war nicht tödlich. Aber nach 1948 gab es keine Hoffnung auf Reparatur – nicht Nach mehr als zwei Jahren hatte Marktbetreuerin Sieglinde Wolf vom Kirchsprengel Altzedlisch für Ende August endlich wieder einen Heimatgottesdienst organisieren können. Pandemiebedingt hatten wir so lange unsere Heimat nicht mehr besucht. Über den Gottesdienst berichtete Wolf bereits ausführlich ( 38/2021 HB).
in absehbarer Zeit. Die Kirche verkam – aber für eine Rettung gab es kein Geld. Vergeblich machte ich das Kirchenamt sowie das Denkmalamt auf die Gefahr aufmerksam, die dem überaus schönen
weg. Über diesen Vandalismus unterrichteten mich Menschen aus Godrusch. Am 17. Mai überzeugte ich mich mit eigenen Augen, daß die Kirche praktisch verloren war. Vergeblich waren mei-
ihre Existenz aus dem Verzeichnis der Diözesankirchen gestrichen. Das war der letzte Punkt hinter einer einzigartigen historischen Sehenswürdigkeit. Und wie viele weitere gab es noch?
Die Godruscher Sankt-Staphans-Kirche im Jahr 1917. Altar mit dem Bild des heiligen Stephans drohte. Das Kirchenamt bewilligte den Transport und die Einlagerung des Altars in ein Aufbewahrungslager. Doch die Anweisungen für die ganze Aktion waren zu dieser Zeit absolut nicht durchdacht. Wer diese Anweisungen gegeben hatte, war wohl nie im Grenzgebiet gewesen. Der Altar sollte nur von Fachmännern zerlegt werden, der Transport und die Einlagerung sollten unter deren Aufsicht geschehen. Und das zu einer Zeit, als im Tachauer Land nur einige alte Traktoren zur Verfügung standen, und ein alter Lastwagen, den ich bereits erwähnte. Über die finanzielle Absicherung oder eine Hilfestellung hatten sich das Kirchenamt oder andere verantwortliche Ämter nicht gekümmert. Das Pfarramt alleine war machtlos. 1956 war das Schicksal der Kirche besiegelt. Menschen aus Klein Mayerhöfen begannen ohne jegliche Einwilligung, die Kirche zu demolieren. Sie trugen Balken und Steine für ihre Bauten
ne Zuschriften an den Örtlichen Nationalausschuß und den Vorstand in Klein Mayerhöfen. Sie blieben ohne Antwort. Am 18. Mai brach die Hälfte der Dekke ein, das Gewölbe des Presbyteriums stürzte herab und begrub den wunderschönen Altar. Über den Zustand der Kirche und den Vorgang des Örtlichen Nationalausschusses informierte ich das Kirchenamt am 31. Mai und das Denkmalamt am 19. Juni. Das Schweigen wurde gebrochen. Das Denkmalamt reagierte mit der trockenen Rüge, daß die zuständige Seelsorge nicht rechtzeitig für die Rettung und den Transport des Altars und des Interieurs gesorgt habe. Aber das Wichtigste wurde wohl verschwiegen: Was tat das Denkmalamt für die Rettung der Kirche? Die Armen, sie mußten einen Sündenbock finden. Die Godruscher schlossen den Fall mit einem amtlichen Beschluß ab. Mit der Zustimmung des Kirchenamtes wurde die Kirche des heiligen Stehpans in Godrusch für abbruchreif erklärt und
Beschädigte Heiligtümer gab es im Tachauer Land viele. Für deren Rettung gab es dort, wo es Finanzmittel hätte geben können, nicht genug Interesse. 1954 kümmerte ich mich um 14 Kirchen und sechs größere Kapellen. Alle waren vom Krieg gekennzeichnet oder vom Zahn der Zeit, nicht selten von verbrecherischer Hand. Überall waren Reparaturen dringend notwendig. 14 Kirchen – 14 Stationen auf dem Kreuzweg zu ihrer Rettung. Man ging von Pilatus zu Herodes. Einmal wurde Geld versprochen, aber es gab keine Unternehmen, die Arbeiten ausführen konnten. Im Jahr darauf gab es die Zusage einer Firma, aber nun fehlte das Geld. Ein Teufelskreis? Oder ein durchdachtes, bösartiges Katzund-Maus-Spiel? Zu den vom Krieg schwer beschädigten Heiligtümern gehörte auch die Haider Loreto-Kapelle. Ein schönes, historisch wertvolles Bauwerk. Rund um die Kapelle war ein Kreuzgang mit Deckengemälden. Geschützfeuer beschädigte
Maschakotten
Gedenkkerze fackelt Haus ab
M
ehr als 40 Besucher waren gekommen, dabei freute ich mich als Ortsbetreuer von Maschakotten besonders, daß unser Ort mit acht Landsleuten gut vertreten war. Unser Gruppenfoto machten wir dieses Mal im Eingangsbereich der Schule, wo sich fast alle Gottesdienstbesucher zu Kaffee und Kuchen eingefunden hatten. Danach machten wir Kuaner uns auf den Weg in unser Heimatdorf Maschakotten. Wir trafen uns am Dorfplatz. Ich hatte bereits über Manfred Klemm und Robert van Es erfahren, daß der Vilwerten Hof Haus-Nr. 10 dieses Jahr abgebrannt war. Wie uns anschließend Robert mitteilte, lebte in diesem Haus eine ältere Frau, die am Todes-Gedenktag ihres Mannes ein kleine Andacht zelebrierte. Von mehreren aufgestellten Kerzen fiel ei-
Reinhold Wurdak, Bernhard Polland, Marie Bartl, Franz Polland, Josef Ries, Georg Ries, Markus Ries und Willi Ries.
die Gemäuer des Kreuzgangs, das Dach der Kapelle und der Galerie schwer. Auf den ersten Blick war es eine Ruine. Auf die Hilfe der Ämter konnte man sich nicht verlassen. Und trotzdem wurde der Zerfall abgewendet. Die spendable Finanzhilfe des Erzdekans A. Černý aus Pilsen und die tüchtigen und hilfsbereiten Hände einiger Freiwilliger aus Haid schufen in nur wenigen Monaten ein Wunder. Die Maurer erneuerten die Mauern des Kreuzganges, Dachdecker reparierten das Dach. Dann wurde das ganze Objekt gründlich gereinigt, und in der Loreto konnte nach langen Jahren wieder eine Wallfahrt gefeiert werden. Und sie war berühmt. Es kamen Gläubige aus dem weiten Umland. Deutsche aus Mies, Tachau und Plan. Eine Bemerkung über die „Hilfe“ des Denkmalamtes kann ich nicht unterdrücken. Dr. Kotrba, welcher zufällig nach Haid kam – er befand sich in der Pfarrei in Sankt Katharina im Urlaub –, wies darauf hin, daß auf das Dach die ursprüngliche Bedachung gehöre. Wo sollten wir diese aber hernehmen und mit welchem Geld bezahlen. Sollte sie tatsächlich irgendwo zu finden sein? Das Dach bekam deshalb eine normale Bedachung. Als er nach einiger Zeit wieder in Haid war, zeigte er sich sehr zufrieden. Er hatte die „ursprüngliche Bedachung“ vergessen. Hätten wir nicht schnell gehandelt und nicht für ein Dach gesorgt, hätte sich die Godruscher Tragödie wiederholt. In der Loreto-Kapelle wurde in den nachfolgenden Jahren regelmäßig das Fronleichnamsfest gefeiert. Umzüge außerhalb der Kirche waren verboten. In der Loreto-Kapelle fand die Prozession im Kreuzgang statt. Im selben Jahr wurde die Dekanatskirche in Haid bunt angestrichen. Für die Renovierung des Außenputzes, vor allem der Stirnfassade, die vom Beschuß beschädigt war, blieb kein Geld übrig. Alle Anträge gingen leer aus. Der Dekanatsdom ist eine Perle des Barock. Für diese einzigartige Schönheit hatten allerdings die Menschen kein Verständnis, die die Ausweitung der Fahrbahn planten, die direkt an den Kreuzgang der Kirche angrenzte. Ohne eine einzige Nachricht an die Kirchenverwaltung wurde mit den Arbeiten an der Verengung des Kreuzganges begonnen. Fortsetzung folgt ne um, und die Flammen erfaßten sofort das Inventar. Laut Aussage von Robert, stand der Dachstuhl bereits nach wenigen Minuten in Flammen, da das Holz in den Fellböden und am Dachstuhl zundertrocken war. Die Frau konnte Gott sei Dank das Haus unverletzt verlassen. Bei unserem anschließenden Ortsumgang besichtigten wir die Brandstelle und sahen, daß hier keine Feuerwehr mehr etwas hätte retten können. Das Haus, von dem nur noch die Mauern stehen und das einmal Ernst Windirsch gehörte, wird jedoch bereits wieder aufgebaut. Danach führte uns Robert durch das Dorf, erklärte uns, was er an der Kapelle renovieren will und wie seine weiteren Ausbau-Pläne für unseren Ort sind. Wegen Corona hatte er natürlich auch Einbußen, der Fleischabsatz ging zurück und das Touristen Geschäft kam fast zum Erliegen. Unsere anwesenden Zeitzeugen konnten natürlich an vielen Stationen, Erlebnisse und Geschichten erzählen, was für uns Nachgeborene interessant und informativ war. Nach zwei Stunden fuhren wir zurück nach Altzedlisch und ließen einen schönen, eindrucksvollen Tag ausklingen. Reinhold Wurdak