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Sudetendeutsche Zeitung 1. Oktober 2021 Ausgabe 39

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Steffen Hörtler: Interview zum Tag der Deutschen Einheit (S. 3)

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 73 | Folge 39 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 1. Oktober 2021

VOLKSBOTE

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„Ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Weißrußland“

Václav-Havel-Menschenrechtspreis an die mutige Maria Kolesnikowa

Der neunte Václav-Havel-Menschenrechtspreis, mit dem außergewöhnliches zivilgesellschaftliches Engagement zur Verteidigung der Menschenrechte gewürdigt wird, ist in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates in Straßburg an die weißrussische Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa verliehen worden.

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Versammlungspräsident Rik Daems, der den Vorsitz des Auswahlgremiums hatte, überreicht den Václav-HavelMenschenrechtspreis an Tatjana Chomitsch, die Schwester von Maria Kolesnikowa.

er mit 60 000 Euro dotierte Preis erinnert an Václav Havel, der am 5. Oktober 85 Jahre alt geworden wäre (siehe Seite 5) und wird jeweils zur Hälfte vom Europarat und dem tschechischen Außenministerium finanziert. Maria Kolesnikowa war die

Leiterin der Wahlkampfzentrale des früheren Präsidentschaftskandidaten Viktor Babariko und ist zu einer der Symbolfiguren der weißrussischen Opposition und des Kampfs der Menschen in Weißrußland für bürgerliche und politische Freiheiten und Grundrechte geworden.. Kolesnikowa wurde im September 2020 in Minsk entführt und sorgte für Schlagzeilen, als sie an der Grenze ihren Paß zerriß, um ihre Abschiebung und Verbannung aus Weißrußland zu verhindern. Sie wurde inhaftiert und im September wegen ihrer politischen Tätigkeit zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Kolesnikowas Schwester, Tatjana Chomitsch, nahm den Preis

in ihrem Namen an, und erklärte: „Dieser Preis ist ein Zeichen der Solidarität der gesamten demokratischen Welt mit den Menschen in Weißrußland. Es ist auch ein Zeichen für uns Weißrussinnen und Weißrussen, daß die internationale Gemeinschaft uns unterstützt und daß wir auf dem richtigen Weg sind.“ Der Präsident der Versammlung, Rik Daems, sagte: „Durch ihren Widerstand gegen ein Regime, das sich für Gewalt und Brutalität gegenüber friedlichem und legitimem Protest entschieden hat, zeigte Kolesnikowa, daß sie bereit ist, für eine größere Sache ihre eigene Sicherheit zu gefährden – sie hat wahren Mut bewiesen.“

Erste Analyse nach der Bundestagswahl

Drei Sudetendeutsche aus Bayern ziehen in den neuen Bundestag ein

Premierminister Andrej Babiš.

Tschechische Wahlen

Vorsprung von Babiš‘ Ano schmilzt Am Freitag, 8. und Samstag, 9. Oktober wählen die Tschechen ihr neues Parlament. Laut der neuesten Umfragen schmilzt der Vorsprung für die Ano-Bewegung von Premierminister Andrej Babiš deutlich.

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aut der aktuellen Zahlen eines Meinungsforschungsinstituts, die die tschechische Zeitung Právo veröffentlicht hat, kommt ANO auf 24,5 Prozent, dicht gefolgt von der Koaliton Spolu aus ODS, KDU-ČSL und TOP 09 mit 23,0 Prozent. Auf Platz drei liegt derzeit die Koalition aus Piraten und Stan mit 20,5 Prozent. Der rechtsradikalen SPD (Okamura-Partei) werden 11,5 Prozent vorhergesagt, und die kommunistische KSČM muß mit 5,0 Prozent um den Einzug ins Parlament fürchten. Seit Monaten liegen in allen Umfragen die derzeit mitregierenden Sozialdemokraten von der ČSSD mit 4,5 Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde. Staatspräsident Miloš Zeman, der nach der Wahl die stärkste Gruppierung mit der Regierungsbildung beauftragen muß, hat allerdings bereits erklärt, für ihn zählen nicht Koalitionen, sondern die Ergebnisse der Parteien – was wiederum die Ano -Bewegung bevorzugen würde. Von großer Bedeutung ist deshalb der Gesundheitszustand von Zeman, der erst vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Mit Stephan Mayer (CSU), Mechthilde Wittmann (CSU) und Sebastian Roloff (SPD) sind drei Landsleute aus Bayern mit sudetendeutschen Wurzeln im neuen Bundestag vertreten. Dagegen haben mit Bernd Fabritius (CSU) und Eckhard Pols (CDU) zwei prominente Vertreter der Vertriebenen den Wiedereinzug in den Bundestag verpaßt.

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abritius ist Präsident des Bundes der Vertriebenen, seit April 2018 Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und war erst im März in den Bundestag als Nachrücker wieder eingezogen, nachdem er dem Parlament bereits von 2013 bis 2017 angehört hatte. Mit 31,7 Prozent erzielte die CSU zwar im Vergleich zu den anderen Parteien das mit Abstand beste Wahlergebnis dieser Bundestagswahl, gewann aber gleichzeitig 45 der 46 Direktmandate, womit alle Listenkandidaten, wie der südlich von München lebende Fabritius, leer ausgingen. Eckhard Pols vertrat die CDU seit 2009 als direkt gewählter Abgeordneter für den niedersächsischen Wahlkreis Lüchow-Dannenberg/Lüneburg im Bundestag. Seit Oktober 2017 war Pols zudem Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Fraktion. Bei der jetzigen Bundestagswahl kam Pols mit 24,9 Prozent hinter Jakob Blankenburg (SPD), der mit 28,2 Prozent direkt gewählt wurde, und Julia Verlinden (Die Grünen, 25,1 Prozent) nur auf den dritten Platz. Und Platz 17 auf der Niedersachsenliste der CDU reichte dann für Pols nicht zum Wiedereinzug in den Bundestag. Den Wiedereinzug in den Bundestag geschafft hat dagegen Pols 1. Stellvertreter der CDU/CSU-Vertriebenengruppe.

In der CSU-Parteizentrale applaudieren junge Anhänger, als das Wahlergebnis der CSU über die Bildschirme läuft. Stephan Mayer, seit 2018 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Hei- Mechthilde mat, gewann Wittmann, CSU im Wahlkreis Altötting mit 43,3 Prozent das Direktmandat mit deutlichem Vorsprung. Auch Dr. Silke Launert, bis- Sebastian lang eine der Roloff, SPD sechs stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Vertriebenengruppe, konnte ihr Direktmandat im Wahlkreis Bayreuth mit 42,4 Prozent klar verteidigen. Die CSUPolitikerin und Richterin, die seit 2013 dem Bundestag angehört, hat zwar keine Vertriebenenwurzeln, engagiert sich aber trotzdem für dieses Thema.

Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Mitglied im CSU-Parteivorstand, gratuliert Stephan Mayer zur Wiederwahl. Zum ersten Mal den Einzug in den Bundestag geschafft haben Mechthilde Wittmann (CSU) und Sebastian Roloff (SPD). Mechthilde Wittmann ist die Tochter eines berühmten Vertriebenen. Ihr 2018 verstorbener Vater Fritz Wittmann wurde am 21. März 1933 in Plan bei Marienbad geboren und gehörte von 1971

bis 1994 sowie von 1996 bis 1998 dem Bundestag an. Wittmann war unter anderem Präsident des Bundes der Vertriebenen, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Gründungsvorsitzender des Vorstandes der Sudetendeutschen Stiftung sowie Mitglied des Verwaltungsrats

der Deutschen Ausgleichsbank. Tochter Mechthilde Wittmann ist die Leidenschaft für die Politik in die Wiege gelegt worden. Die gebürtige Münchnerin trat 1983 in die CSU ein, war von 1994 bis 2013 Stadträtin in München, anschließend bis 2018 Landtagsabgeordnete sowie 2018 Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. Am Sonntag gewann die Juristin in ihrer neuen Wahlheimat Kempten im Wahlkreis Oberallgäu mit 29,7 Prozent das Direktmandat. Sebastian Roloff, der sich einst in der Sudetendeutschen Jugend engagiert hatte, kandidierte für die SPD im Wahlkreis MünchenSüd, den jedoch die Grüne Jamila Schäfer gewann. Mit Platz 5 auf der Landesliste löste der Jurist das Ticket nach Berlin. Die Sensation, als parteiloser Kandidat in den Bundestag einzuziehen, ist Klaus Brähmig nicht gelungen. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Ex-Vorsitzende der Vertriebenen-Gruppe der CDU/CSUFraktion hatte 2017 sein Direktmandat im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge an die damalige AfD-Politikerin Frauke Petry verloren und jetzt ein parteiunabhängiges Comeback versucht. Mit 5,1 Prozent war er aber am Ende chancenlos. Zwar haben direkt nach der Wahl die ersten Gespräche zwischen den Parteien begonnen, dennoch ist unklar, wie die künftige Bundesregierung aussehen und welche Auswirkungen dies auf die Vertriebenenpolitik haben wird. Wie die Sudetendeutsche Zeitung bereits Wochen vor der Wahl berichtete, scheint das Thema Flucht und Vertreibung bei den meisten Parteien kaum Relevanz zu haben. So finden sich nur in einem Wahlprogramm überhaupt entsprechende Aussagen – in dem von CDU und CSU. Torsten Fricke


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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urz nachdem die Diplomatin Bettina Kirnbauer Botschafterin der Republik Österreich in der Tschechischen Republik wurde, besuchte sie der Leiter des Prager Sudetendeutschen Büros in ihrer Residenz auf der Prager Burg. ur die strengen gesundheitlichen Maßnahmen als Folge der Covid 19-Pandemie verhinderten, daß Frau Kirnbauer auch das Prager Büro der Sudetendeutschen persönlich kennen lernen konnte. Am 22. Septem-

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PRAGER SPITZEN

ber war es dann soweit und der SLBüroleiter Peter Barton erklärte ihr, wie seine Institution in der Thomasgasse funktioniert. Seit der Gründung des Büros im Jahr 2003 waren alle österreichischen Diplomaten hier zu Gast. ie Zusammenarbeit mit zahlreichen Vertretern des diplomatischen Corps in der Tschechischen Republik ist inzwischen zu einer ausgesprochen erfolgreichen Geschichte geworden. Auch in Österreich befindet sich eine große Gruppe sudetendeutscher Landsleute.

Kellner-Witwe reichste Tschechin

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it einem Vermögen von 9,84 Milliarden Euro steht mit Renata Kellnerová erstmals eine Frau an der Spitze der reichsten Tschechen, hat die Wochenzeitung „Euro“ berichtet. Kellnerová ist die Witwe von Petr Kellner, der am 27. März beim Heli-Skiing in Alaska mit dem Hubschrauber verunglückt ist. Die 54-Jährige hat nach dem Tod ihres Mannes die Führung des Finanzkonzerns PPF übernommen. Auf Platz zwei der Liste liegt der Immobilienmagnat Radovan Vítek mit einem geschätzten Vermögen von 3,86 Milliarden Euro und auf Platz drei Daniel Křetinský mit 3,27 Milliarden Euro. Křetinský gehört in Deutschland die Braunkohlegesellschaft Mibrag. Außerdem ist er Großaktionär der Metro.

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Václav Klaus weiter im Krankenhaus

V Führung durch das Sudetendeutsche Museum: Inmitten des internationalen Paneuropa-Präsidiums (von links) der internationale Paneuropa-Präsident Alain Terrenoire aus Paris, Gastgeber Bernd Posselt, Gräfin Walburga von Habsburg-Douglas und Dr. Ortfried Kotzian. Foto: Hildegard Schuster

Internationale Paneuropa-Konferenz im Sudetendeutschen Haus in München

Europa im Adalbert-Stifter-Saal Zu einer internationalen Führungs- und Strategietagung hat sich das Präsidium der Paneuropa-Union, der von dem Sudetendeutschen Richard Graf Coudenhove-Kalergi 1922 gegründeten ältesten europäischen Einigungsbewegung, im Sudetendeutschen Haus in München getroffen.

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ort versammelten sich zudem die Repräsentanten der verschiedenen Mitgliedsorganisationen von Spanien bis zur Ukraine sowie von Schweden bis nach Italien – unter ihnen die Präsidenten der tschechischen und der deutschen Paneuropa-Union, Marian Švejda aus Prag und Bernd Posselt, zugleich Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und in doppelter Hinsicht Gastgeber. Höhepunkte der Veranstaltung waren eine Rede zur Zukunft Europas, die der internationale Paneuropa-Präsident, Alain Terrenoire aus Paris – in dieser Funktion Nachfolger von Coudenhove-Kalergi und dann Otto von Habsburg – vor den rund 40 Delegierten hielt, sowie eine Führung durchs Sudetendeutsche Museum, für die der Vorsitzende der Sudetendeutschen Stiftung, Dr. Ortfried Kotzian, eigens aus Augsburg angereist war. Die Paneuropäer, unter ihnen die internationalen Vizepräsidenten – die Parlamentsabgeordnete Anna Záborská aus der Slowakei, die Kaiserenkelin Gräfin Walburga HabsburgDouglas, das Mitglied der Kroatischen Akademie Prof. Mislav Ježić und der Völker- und Staatsrechtler Dirk Voß aus

Das internationale Paneuropa-Präsidium tagt im Adalbert-Stifter-Saal. In der Saalmitte hinten die tschechische Delegation mit Marian Švejda (rechts) aus Prag und Tomáš Linda (links) aus Eger. Foto: Johannes Kijas.

Italienisch-französischer Dialog am Rand des Paneuropa-Präsidiums (von links): Frankreichs Paneuropa-Präsident Eric Campion, Prof. Philippe Nuss aus Straßburg und der Vizepräsident der Paneuropa-Union Italien, Prof. Marcello Fracanzani. Im Hintergrund: Gräfin Walburga von Habsburg-Douglas und Stephanie Waldburg. Foto: Johannes Kijas. Deutschland –zeigten sich beeindruckt von der mehrsprachigen und prägnanten Darstellung der mitteleuropäischen, böhmischen und sudetendeutschen Geschichte im Museum, vom neu gestalteten Otto-von-Habs-

burg-Foyer, wo sie des ehemaligen Paneuropa-Präsidenten gedachten, und von der erstklassigen Tagungsatmosphäre im Adalbert-Stifter-Saal. Thematisch ging es bei den Debatten dieser völkerverbin-

denden und tief in der mitteleuropäischen Tradition verankerten, grenzüberschreitenden Friedensbewegung um Ideen und Vorschläge für die von den drei EU-Institutionen einberufenen Konferenz zur Zukunft Europas. Diese tagt regelmäßig in der europäischen Parlamentshauptstadt Straßburg und soll im nächsten Jahr – in dem Frankreich und die Tschechische Republik den EU-Ratsvorsitz übernehmen – zu greifbaren Reformvorschlägen führen. In die Beratungen flossen auch die Arbeitsergebnisse der großen deutschen PaneuropaKongresse 2020 in Hof, Waldsassen, Eger und Franzensbad sowie 2021 in Trier und im Großherzogtum Luxemburg ein. Aufgrund von Vorschlägen des internationalen PaneuropaGeneralsekretärs, des langjährigen kroatischen Wissenschaftsministers Prof. Pavo Barišić, wurden außerdem Konzeptionen für die 100-Jahr-Jubiläen der ältesten europäischen Einigungsbewegung ab 2022 entwickelt, die unter anderem von Wien, Straßburg, Ostbayern und Westböhmen, der engeren Heimat Coudenhove-Kalergis, kräftige programmatische Signale aussenden sollen. Bei einer abendlichen Zusammenkunft diskutierten sie mit dem Leiter der Abteilung für internationale und Europapolitik in der Bayerischen Staatskanzlei, Ministerialdirigent Michael Hinterdobler. Mit einem Gottesdienst im Liebfrauendom, den Weihbischof Bernhard Haßberger zelebrierte, endete das dreitägige Treffen.

Nach der Entscheidung von Präsident Zeman, die Volksrepublik und Rußland nicht zuzulassen

China fordert offene AKW-Ausschreibung Nachdem Präsident Zeman am Montag China und Rußland von der Ausschreibung für den Ausbau des Atomkraftwerks Dukovany ausgeschlossen hat, hat Peking umgehend reagiert.

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hina erwarte von der tschechischen Staatsführung ei-

ne Neubewertung der Entscheidung und eine Rückkehr zu den Regeln des freien Marktes, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums der russischen Nachrichtenagentur TASS. Nach Angaben der tschechischen Regierung sollen die Aus-

schreibungsunterlagen nur an Anlagenhersteller in Frankreich, Südkorea und den USA geschickt werden. Der Ausschluß von China und Rußland wird mit der hochstrategischen Bedeutung der Energiewirtschaft im Allgemeinen und die Atomenergie im Beson-

deren begründet. Um den Energiebedarf nach dem europaweiten Kohleausstieg zu decken, setzt die tschechische Regierung auf die CO2-neutrale Atomkraft als Hauptenergiequelle. Geplant ist, einen weiteren Reaktorblock am AKW Dukovany bis Mitte der 2030er Jahre fertig zu stellen.

áclav Klaus bleibt vorerst im Zentralen Militärkrankenhaus in Prag und wird dort in der urologischen Klinik behandelt. Der 80-Jährige war in den zurückliegenden zwei Wochen bereits zweimal stationär aufgenommen worden, um seinen hohen Blutdruck zu behandeln.

„Romeo und Julia“ begeistern Prag

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egisseur Simon Godwin hat mit seiner Neuverfillmung von „Romeo und Julia“ den Hauptpreis des 58. Internationalen Fernsehfestivals „Zlatá Praha“ (Goldenes Prag) bewonnen. Die britische Interpretation der Tragödie von William Shakespeares setzte sich im Wettbewerb mit mehr als 90 Werken aus 17 Ländern durch. Die feierliche Preisverleihung fand am Samstag im Haus der Neuen Bühne des Nationaltheaters statt. Laut Jury habe der Regisseur das Thema äußerst gründlich, effizient und dramatisch verfilmt. Die Juroren würdigten ebenso die hervorragenden Leistungen der Protagonisten und die originellen modernen Kostüme.

Fridays for Future jetzt auch in Prag

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ehr als 1000 vorwiegend junge Menschen haben am Freitag in Prag für den Klimaschutz demonstriert. Der Protestauftakt fand zur symboli-

schen Uhrzeit von einer Minute vor zwölf mit dem gemeinsamen Ruf „Jetzt oder nie“ statt. Nach einem Rednerprogramm zogen die Demonstranten durch das Stadtzentrum. Laut Angaben der Organisatoren sollen die Demonstrationen vom Freitag ein Appell an die nächste Regierung nach den Oktoberwahlen sein, den Klimaschutz zu einer ihrer Prioritäten zu machen.

Kampagne gegen Korruption

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ie Nicht-Regierungs-Organisation „Rekonstrukce státu“ (Rekonstruktion des Staates) hat in Prag 21 Politiker ausgezeichnet, die sich besonders für die Verabschiedung eines Antikorruptionsgesetzes im tschechischen Abgeordnetenhaus eingesetzt haben. Unter den Geehrten sind neun Angeordnete der Piratenpartei, drei Christdemokraten und jeweils zwei Vertreter der Bürgermeisterpartei Stan, der Bürgerdemokraten sowie der Regierungspartei Ano.

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Sparta Prag wird erneut bestraft

parta Prag muß rund 3000 Euro Strafe zahlen, nachdem Fans beim Spiel gegen Viktoria Pilsen den kolumbianischstämmigen Mittelfeldspieler Jhon Mosquera rassistisch beleidigt hatten. Der Prager Fußballverein ist in dieser Saison schon mehrfach wegen Rassismus unter seinen Anhängern bestraft worden.

Rüstungsauftrag an Israel vergeben

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as tschechische Verteidigungsministerium hat von der Regierung grünes Licht bekommen, um vier Batterien des Flugabwehrsystems Spyder beim israelischen Rüstungskonzern Rafael zu bestellen. Der Kaufpreis soll rund 540 Millionen Euro betragen.

Corona: Start für dritte Impfung

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ampf gegen die weltweite Corona-Pandemie: Auch in der Tschechischen Republik haben die Ärzte damit begonnen, Risikogruppen mit einer dritten Impfung besser vor einer schweren Covid-19-Infektion zu schützen. Seit Anfang der Woche erhalten zunächst über 60-Jährige sowie chronisch Kranke via Handy ein Impfangebot.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1.10.2021

Am Sonntag ist Tag der Deutschen Einheit. Selbst heute, mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall, erscheint die deutsche Wiedervereinigung wie ein politisches Wunder. Für Steffen Hörtler, heute SL-Landesobmann Bayern, stellvertretender SL-Bundesvorsitzender und Direktor des Heiligenhofs, kam der Zusammenbruch der DDR genau zum richtigen Zeitpunkt, wie der 48Jährige im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung erzählt. Herr Hörtler, Sie stammen aus einer Vertriebenenfamilie und sind in der DDR aufgewachsen. Wie wurde das Thema Flucht und Vertreibung in Ihrer Schulzeit aufgearbeitet? Steffen Hörtler: Überhaupt nicht. Wir haben sehr viel erfahren über die Greultaten der Nazis, wobei die Opfer immer Kommunisten, Polen, Tschechen und Russen waren. Über die Hauptopfergruppe, die Juden, wurde nicht gesprochen. Und das Thema Vertreibung war sowieso ein großes Tabu. Wie haben Sie als Schüler reagiert? Hörtler: Eskaliert ist es 1988. Damals war ich in der achten Klasse. Unsere Lehrerin hat von den Verbrechen der Nationalsozialisten berichtet. Da habe ich mich gemeldet und erzählt, was meinen Eltern und Großeltern während der Vertreibung widerfahren ist. Wie hat Ihre Lehrerin reagiert? Hörtler: Sie war außer sich und hat gemeint, mein Vater habe das falsch erklärt, und ich hätte das falsch verstanden. Aber das war noch nicht alles: Mein Klassenlehrer, die Direktorin und der Politoffizier sind zu uns nach Hause gekommen und haben meine Eltern zur Rede gestellt. Ich selbst durfte an dem Gespräch nicht teilnehmen. Als Wiedergutmachung und um trotzdem noch Abitur machen zu dürfen, sollte ich dann unterschreiben, daß ich nach der Schule freiwillig zur NVA gehe. Das habe ich nicht gemacht, aber dieses Erlebnis hat mich geprägt. Glück für Sie, daß ein Jahr später im Herbst die Mauer fiel. Hörtler: Ja, das kam für mich genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich konnte dann in Hermsdorf auf ein Internat gehen und dort das Abitur nach dem hessischen Lehrplan machen. Wie war die Zeit in der DDR für Ihre Eltern? Hörtler: Mein Vater hat sich seine sudetendeutsche Vergangenheit von niemanden nehmen lassen, aber bereits damit ist man in der DDR angeeckt. Er war Industriemeister, aber im Umkreis unseres Wohnortes Meuselwitz im Altenburger Land wollte ihn kein Betrieb anstellen. Er hat dann für Wismut gearbeitet und mußte jeden Tag 50 Kilometer pendeln. Woher stammte Ihr Vater? Hörtler: Mein Vater wurde am 23. Mai 1937 in Blottendorf bei Haida im Kreis Böhmisch Leipa geboren. Als unsere Familie vertrieben wurde, war mein Vater neun Jahre alt. Haben Ihr Vater und Ihr Großvater über die Vertreibung gesprochen? Hörtler: Mein Vater ja, mein Großvater leider kaum. Er war immer unglaublich bedrückt, wenn es um dieses Thema ging. Ich weiß heute, daß er das Massaker von Haida erlebt und dabei schreckliche Dinge gesehen hat. Das treibt mir heute noch die Tränen in die Augen. Das tut immer noch weh. Damals wurden mitten auf dem Marktplatz mehrere Sudetendeutsche willkürlich ausgewählt, in aller Öffentlichkeit stundenlang immer wieder bis zur Bewußlosigkeit geschlagen und gefoltert und anschließend erschossen. Die anderen Deutschen mußten sich dieses Massaker als Abschreckung anschauen. Darunter war wohl auch mein Opa.

� Interview mit Steffen Hörtler, stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft

„Das treibt mir heute noch die Tränen in die Augen“

� Zur Person: Steffen Hörtler �  Geboren am 16. Juli 1973 in Meuselwitz (Thüringen). �   Verheiratet, eine Tochter. �  Studium Sozialwesen in Fulda mit dem Abschluß Diplom-

Sozialpädagoge. �  1998 bis 2003: Praktikant und ab 1999 Leiter der Bildungsstätte Burg Hohenberg. �  Seit 2003: Leiter der Bildungsstätte Heiligenhof in Bad Kissingen. �  Seit 2016: Direktor der Stiftung Sudetendeutsches Sozialund Bildungswerk. �  Seit 2010: Stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft �  Seit 2014: Landesobmann SL Bayern. �  Seit 2017 Vorsitzender der CSU-Fraktion im Stadtrat von Bad Kissingen. �  Seit Juli 2020: ZDF-Fernsehrat. Konnten Sie von Thüringen aus die alte Heimat besuchen? Hörtler: Ja, wir sind zwei bis drei Mal pro Jahr nach Haida gefahren, jeweils für eine Woche im Frühjahr, Sommer oder Herbst. Obwohl die DDR-Propaganda die Tschechen als „sozialistisches Brudervolk“ bezeichnete, waren die Grenzkontrollen für uns Vertriebene jedes Mal eine Schikane. Einmal mußte mein Vater sogar die Radkappen abbauen. Aber für mich als Kind war das alles ein großes Abenteuer. Und heute kenne ich die Hei-

– zum Stühlerücken‘. Aber Wilhelm wurde ein guter Freund... Ihr Studium Sozialwesen haben Sie als Diplom-Sozialpädagoge abgeschlossen. Wie war die Zeit in Fulda? Hörtler: Fulda selbst ist konservativ geprägt, aber die Hochschule war tiefrot. Ich habe gemerkt, daß man mit dem Thema Vertreibung sofort aneckt. Und das hat mich angespornt. Sie haben nach einem Aufsatz, den Prof. Peter Krahulec, ein eingefleischter Alt-68er und Autor des Buches „Die Wildschweine und die Flüchtlinge“, verfaßt hatte, sogar einen Brief geschrieben. Was stand da drin? Hörtler: Krahulec war drei Jahre alt, als seine Familie aus Prag vertrieben wurde. Er gab seinem Vater, der erst Steffen Hörtler mit Frank-Walter Steinmeier, seit 2017 nach jahrelanBundespräsident. Fotos: privat ger Zwangsarbeit wieder zu mat wie meine Westentasche. Da seiner Familie durfte, und desich gerne wandere, gibt es im ge- sen Generation die Schuld an der samten Riesengebirge wohl kei- Vertreibung. Ich habe ihm genen Wanderweg, den ich nicht schrieben, daß er keine Ahnung schon gegangen bin. hat, weil er nie mit Zeitzeugen Wie ging es nach der Wende gesprochen hat. und Ihrem Abitur weiter? Wie hat er reagiert? Hörtler: Mein Vater hat nach Hörtler: Was ich ihm hoch ander Wende in Thüringen die Su- rechne ist, daß er seine Haltung detendeutsche Landsmannschaft überdacht und differenziert hat. aufgebaut, und ich ging zum Stu- Er hat zu mir gesagt: „Es sind dieren nach Fulda. Nachdem ich nicht die dümmsten Professoren, beim Bund einen Lkw-Führer- die auch auf ihre Studenten höschein hatte machen konnte, ha- ren.“ Später wurde mir klar, daß be ich mein Studium als Aushilfs- Krahulecs ursprüngliche Halfahrer finanziert. In Fulda habe tung zum Thema Vertreibung eiich mich dann bei dem legen- gentlich aus einem ungelösten dären Kreis-obmann Wilhelm Vater-Sohn-Konflikt resultierte. Schöbel gemeldet, der mich mit 1997 kam dann Wolfgang den Worten begrüßte ,Wir brau- Egerter für einen Vortrag an die chen immer wieder junge Leute Hochschule in Fulda. Der spätere

Steffen Hörtler vor dem Eingang des Sudetendeutschen Museums in München mit dem berühmten Zitat von Václav Havel. Foto: Torsten Fricke persönliche Berater des Thüringer bei einem Elektromotor den StecMinisterpräsidenten Bernhard ker zieht. Natürlich haben wir Vogel war stark in der Sudeten- uns alle Sorgen gemacht. Überdeutschen Landsmannschaft en- lebt der Heiligenhof die Pangagiert und unter anderem Vor- demie? Schaffen wir das alles? sitzender des Sudetendeutschen Wir haben sofort Seminare auf Sozial- und Bildungswerks ge- Online umgestellt. Damit haben wesen. Sie haben damals als Stu- wir zwar kein Geld verdient, aber dent das Einführungsreferat ge- wir haben auch im Lockdown den halten und über Vertreibung und Kontakt zu unseren Gästen geVersöhnung gesprochen. Offen- halten. bar war Egerter tief beeindruckt Eineinhalb Jahre sind seitdem von Ihnen. vergangen. Wie lautet Ihre AntHörtler: Er hat mich für ein wort? Haben Sie es geschafft? Praktikum bei der BildungsHörtler: Bislang sind wir mit stätte Burg Hohenberg schang- einem blauen Auge davon gehait. Diese zwei Semester wa- kommen. Und für die kommenren ein Jahr mit sehr wenig Ein- den Monate sehen wir eine herkommen, aber eine lehrreiche vorragende Buchungslage. Wir und fruchtbare Zeit. Ich habe da- haben das aber nicht allein ermals mein Herz für die Erwachse- reicht. Wir hatten eine unglaubnenbildung entwickelt und 1999 liche Unterstützung von unseren die Leitung von Burg Hohen- Landsleuten, die über 100  000 Euberg übernommen. Hier habe ich ro gespendet haben. Außerdem dann auch meine Frau Lucie Jin- waren wir während der Pandemie drová kennengelernt. Wir haben im ständigen Kontakt mit der Podann 2005 auf der Burg geheiratet, und 2009 kam unsere Tochter Laura zur Welt. Ich habe also nur beste Erinnerungen an Burg Hohenberg und wollte eigentlich nichts anderes mehr machen. 2003 kam Steffen Hörtler mit Bayerns Ministerpräsidenten Maraber der Ruf an kus Söder, dem Schirmherrn der Sudetendeutschen. den Heiligenhof. litik und haben staatliche Hilfe Hörtler: Ja, und am Anfang erhalten. Sonst hätte der Heiliwar ich nicht begeistert. Aber genhof das nicht überlebt. Mein nach ein paar Wochen habe ich großer Dank geht hier an unseverstanden, was der Heiligenhof ren Schirmherren, Ministerpräwirklich ist. Es ist ein Ort, der den sident Markus Söder, und seine Sudetendeutschen gehört, es ist gesamte Regierung, inbesondere ein Stück Heimat. Wenn man das natürlich an SchirmherrschaftsLeuchten in den Augen der sude- ministerin Carolina Trautner, an tendeutschen Landsleute sieht, Staatskanzleichef Florian Herwenn sie am Heiligenhof ankom- mann und an den Vorsitzenmen, entschädigt das für all die den des Wirtschaftsausschusses, Mühen. Sandro Kirchner. Auch im LandSie haben den Heiligenhof zu tag gab es – übrigens über alle einer führenden Bildungsstätte Parteigrenzen hinweg – echte weiterentwickelt und viele neue Unterstützer, wie Josef ZellmeiIdeen umgesetzt, aber dann kam er (CSU), den Vorsitzenden des das Frühjahr 2020 – der erste Haushaltsausschusses, Volkmar Lockdown in der Corona-Pande- Halbleib, den vertriebenenpolimie. tischen Sprecher der SPD-LandHörtler: Das war, als ob man tagsfraktion, oder Bernhard Pohl,

3 den Sprecher für Vertriebenenfragen in der Fraktion der Freien Wähler. Auf Bundesebene haben natürlich unsere Direktabgeordnete Dorothee Bär, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, sowie Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat und Sohn einer Familie, die aus Mähren vertrieben worden ist, immer ein offenes Ohr für uns. Und mit Christa Naaß, unserer Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung, haben wir eine weitere profilierte SPD-Politikerin, die sich für die Landsleute einsetzt. Warum ist der Heiligenhof parteiübergreifend geschätzt? Hörtler: Wir sind eine Brücke der Versöhnung zwischen Deutschland und Tschechien. Und bei diesem wichtigen Thema stehen mögliche Parteiinteressen hinten an. Wir beherbergen viele Gruppen aus Tschechien und zeigen, daß es zur Versöhnung keine Alternative gibt. Im Heiligenhof sind auch viele deutsche Gruppen zu Gast, die gar nichts mit dem Thema Vertreibung zu tun haben. Wir nutzen aber diese Gelegenheit, um über diesen einschneidenden Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte zu informieren. Wir halten Vorträge, wir haben alle Zimmer nach Vertriebenen benannt, und wir haben überall Hinweistafeln aufgestellt. So kommen wir ins Gespräch. Vor ein paar Monaten haben Sie die Erweiterungspläne für den Heiligenhof in der Sudetendeutschen Zeitung vorgestellt. Warum ist diese Investition notwendig? Hörtler: Wir müssen den Heiligenhof zukunftssicher und zukunftsfest machen. Dazu gehören Veranstaltungsräume mit entsprechender Konferenztechnik und eine Küche, die den heutigen Standards entspricht. Wir stellen jetzt die Weichen für die nächsten zwanzig, dreißig Jahre. Wir investieren hierfür 5,5 Millionen Euro. Davon erhalten wir 2 Millionen Euro an staatlichen Zuschüssen, den Rest finanzieren wir über Kredite und Spenden. Vor wenigen Monaten ist Bad Kissingen ins Weltkulturerbe aufgenommen worden. Inwieweit hilft dies bei der Vermarktung des Heiligenhofs. Hörtler: Natürlich ist die Begeisterung über diese Auszeichnung noch immer sehr groß. Als Weltkulturerbe-Stadt erhält Bad Kissingen jetzt eine globale Aufmerksamkeit. Was gerade mich als Sudetendeutschen freut, ist, daß Bad Kissingen gemeinsam mit den böhmischen Bädern Karlsbad, Marienbad und Franzensbad ins Weltkulturerbe aufgenommen worden ist. Anfang August haben Sie am Brünner Versöhnungsmarsch teilgenommen und sind zu Fuß die 30 Kilometer vom Massengrab in Pohrlitz in den Augustinergarten in Alt-Brünn gegangen, um dort am Gedenkstein für die sudetendeutschen Opfer eine Kerze anzuzünden. Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Hörtler: Die Vergangenheit kann man nicht ungeschehen machen, aber man kann aus ihr lernen. Der Brünner Todesmarsch oder das Massaker von Haida, an dessen Folgen mein Opa sein Leben lang gelitten hat, so wie viele andere Verbrechen während der Vertreibung resultieren aus dem widerwärtigen Nationalsozialismus und dem wachsenden Nationalismus zwischen deutschen und tschechischen Landsleuten nach dem Ersten Weltkrieg. Unser Ziel muß es sein, Europa voranzutreiben und immer das Verbindende zu suchen, nicht das Trennende. Uns alle verbindet eins: Wir alle sind Menschen. Krieg, Haß und Gewalt sind keine Option, sondern immer der Anfang vom Ende. Torsten Fricke


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TERMINE . AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1.10.2021

Erste Sonderausstellung des Sudetendeutschen Museums eröffnet

Werner Reinisch – von Böhmen in die Ardèche

Mit neuen Werken des in Böhmen geborenen und heute im französchen Departement Ardèche lebenden Expressionisten Werner Reinisch ist am Mittwochabend die erste Sonderausstellung des Sudetendeutschen Museums offiziell eröffnet worden. Die Bilder sind bis zum 21. November zu sehen. Kurator ist der bekannte österreichische Kunstexperte Günther Moschig.

M

it Werner Reinisch stellt das Sudetendeutsche Museum in München einen Künstler vor, der für viele als eine Entdeckung gelten mag. Anläßlich seines letztjährigen 90. Geburtstages zeigt die erste Sonderausstellung des Museums neueste Arbeiten des Künstlers. Werner Reinisch wurde am 16. Dezember 1930 in der Nähe von Karlsbad geboren. Nach

Künstler Werner Reinisch mit Hund Japser. der Vertreibung hat er sich erst in Deutschland, dann ab Anfang der 1960er Jahre in Frankreich niedergelassen. Die Erinnerung an seine Heimat bleibt in Werner

Reinischs Malerei bis heute lebendig und allgegenwärtig. Das Sudetenland ist ihm, wie er selbst immer wieder betont, ein ewiger Sehnsuchtsort geblieben. Werner Reinisch ist Mitte der 1960er Jahre in Frankreich mit seiner Kunst erstmals öffentlich aufgetreten. Mit den Erfahrungen der europäischen Moderne, insbesondere des frühen Expressionismus der Künstlergruppe „Die Brücke“, aber auch der surrealistischen Methode des Automatismus hat er bis Anfang der 1980er Jahre abseits des geschäftigen Kunstbetriebes zeitgleich mit der europäischen Bewegung der Malerei der „Neuen Wilden“ im südlichen Licht der Ardèche zu einem spontan gesetzten, figurativen Expressionismus gefunden. Das führt ihn aus dem Kanon der klassischen Moderne heraus in eine künstlerische Zeit-

Kurator Günther Moschig aus Wörgl (Tirol), Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Musuems, und Eva Haupt, Ausstellungskuratorin des Sudetendeutschen Museums. Foto: Torsten Fricke genossenschaft, die sich ihre Frische bis heute erhalten konnte. Die Ausstellung zeigt schwerpunktmäßig Arbeiten aus den vergangenen drei Jahren. Dabei

zieht sich das Pferd, als Anspielung auf seine böhmische Heimat, als Motiv durch das gesamte Schaffen Werner Reinischs. Die Austellung in der Alfred-

Kubin-Galerie im Sudetendeutschen Haus (Hochstraße 8, München) ist dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

VERANSTALTUNGSKALENDER

Seminar: Rumänienbilder – Deutschlandbilder Sonntag, 24. bis Freitag, 29. Oktober: Seminar „Rumänienbilder – Deutschlandbilder“ in Zusammenarbeit mit dem Rumänischen Kulturinstitut Berlin Das Rumänienbild ist – wie viele Stereotype – durch eigene Erfahrungen als (ehemaliger) Bewohner, als Geschäftsreisender oder als Tourist geprägt sowie über die Medien. Aufgrund sehr geringer und meist negativer Berichterstattung über das Ceauşescu-Regime bis zum Fall des Kommunismus und des langanhaltenden Transformationsprozesses nach der Wende, ist Rumänien immer noch vielfach unbekannt und gilt als eines der ärmsten und politisch nicht gefestigten Länder der EU. Daneben aber gibt es aber auch Naturschönheiten, interessante Städte wie die Hauptstadt Bukarest oder die ehemalige Kulturhauptstadt Hermannstadt in Siebenbürgen (Foto: Wikipedia) gastfreundliche Menschen – ein Land mit bemerkenswerter wirtschaftlicher Entwicklung. Verbindend zwischen Deutschland und Rumänien sind auch die deutschen Siedlergruppen in Siebenbürgen, dem Banat, Sathmar und Altrumänien sowie bis 1940 auch in der Bukowina, Bessarabien und der Dobrudscha.

Welche Bilder, Ereignisse, Kenntnisse etc. prägen unser Wissen über Rumänien beziehungsweise das der Rumänen über Deutschland? Sind diese Kenntnisse fundiert und halten sie Überprüfungen statt? Können bzw. haben sie sich gewandelt? Wenn ja, wodurch? Dies sind Fragen, denen wir in der Veranstaltung auf vielerlei Wegen nachgehen wollen. Als Referenten haben zugesagt: Claudiu Florian, der aus seinen Kindheitserinnerungen „Zweieinhalb Störche“ in einer sächsisch-rumänischen Familie liest; Hon. Prof. Dr. Konrad Gündisch: „Die deutsche Ostsiedlung – ein Überblick“; Dr. Markus Bauer: „Der rumänische Blick auf Deutschland“; Prof. Dr. Reinhard Fößmeier: „Historische Demographieforschung am Beispiel siebenbürgisch-sächsischer und landlerischer Ortschaften“; Dr. Sara Konnerth: „Isolation und Selbstisolation bei den Siebenbürger Sachsen und Landlern“; Prof. Dr. Christian Maner: „Das Ende der Geschichte der Deutschen Rumäniens?“; Prof. Dr. Csaba Földes: „Stellenwert und Bedeutung der deutschen Sprache in Ostmitteleuropa“; Benny Jozsa: „Die Deutschen in Rumänien nach 1989“; Prof. Dr. Winfried Heller: „Rumänienbilder 1970–1990“; Ioana Pavel: „Deutsch-rumänische Geistesbeziehungen von Nietzsche bis Cioran“. Außerdem zeigt der frühere ARD-Korrespondent für Südosteuropa, Peter Miroschnikoff, seine Dokumentarfilme: „Ich erschoss die Ceauşescus“ und „Die Leute von Michelsberg“. Auch ein Thermenbesuch, eine Führung durch die Weltkulturerbestadt Bad Kissingen sowie eine Tagesexkursion mit Besuch von Kirchenburgen und Natur in der Rhön sind vorgesehen. Die Tagung beginnt am Sonntagabend um 18.00 Uhr mit dem gemeinsamen Abendessen und ist am folgenden Freitag nach dem Frühstück zu Ende. Die Teilnahme kostet für Teilnehmer aus Deutschland 150,00 Euro, zuzüglich Kurtaxe (9,00 Euro) und gegebenenfalls EZ-Zuschlag (50,00 Euro für den gesamten Zeitraum) und beinhaltet Unterkunft und Verpflegung. Bitte melden Sie sich umgehend, spätestens bis zum 10. Oktober, an. Anmeldung und weitere Informationen unter eMail hoertler@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

Freitag, 1. Oktober, Sudetendeutsches Musikinstitut (Träger: Bezirk Oberpfalz): Liederrecital mit Iris Marie Kotzian. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Veranstaltung in Kooperation mit der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste sowie der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen. Der Eintritt ist frei. Samstag, 2. Oktober, , 19.00 Uhr, Sudetendeutsches Musikinstitut (Träger: Bezirk Oberpfalz): Liederrecital mit Iris Marie Kotzian. Stadthalle Neutraubling, Regensburger Straße 9, Neutraubling. Die Veranstaltung wird von der Stadt Neutraubling unterstützt. Eintritt: 20 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei www.okticket.de sowie an der Abendkasse.

Montag, 4. Oktober, 19.00 Uhr. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. „Böhmen und Preußen“, Vortrag von Prof. Dr. Stefan Samerski in der Reihe „Böhmen und seine Nachbarn“. Veranstalter: Sudetendeutsche Landsmannschaft Bundesverband, Sudetendeutsche Heimatpflege, Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese München und Freising und die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste. Der Eintritt ist frei. Es gilt die aktuelle Pandemieregelung. Freitag, 8. Oktober, 14.30

Uhr, SL-Kreisgruppe RothSchwabach: Kreishauptversammlung. Restaurant-Café Waldblick, Ostring 28, Roth. Sonntag, 10. Oktober, 14.30 Uhr, BdV-Kreisverband Limburg-Weilburg: Tag der Heimat. Bürgerhaus, Hauptstraße 19, Weilmünster. Festredner: Bürgermeister a.D. Hans-Peter Schick. Sonntag, 10. Oktober, 17.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Das Europäisches Volksmusikkonzert in der Stadthalle Korntal mußte abgesaggt werden und fällt aus! Information: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 16. Oktober, 14.30 Uhr, SL Ortsgruppe Roth, Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen. Restaurant-Café Waldblick, Ostring 28, Roth. Samstag, 16. Oktober, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Film. „Musical: Tisa – Eine Liebe ohne Grenzen“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Mittwoch, 20., bis Sonntag, 24. Oktober, Arbeitskreis

Egerländer Kulturschaffender: Egerland-Kulturwoche. Egerlandhaus, Marktredwitz. Programmauszug: Mittwoch, Außerordentliche AEK-Mitgliederversammlung im Bairischen Hof (geplant); Donnerstag, 10.00 Uhr: Eröffnungsveranstaltung mit prominenten Gästen im Egerlandhaus. Eröffnung durch Oswin Dotzauer, 1. Vorsitzender des AEK; 11.30 Uhr: Festrede Johann Böhm, Bayerischer Landtagspräsident a.D. und Altsprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe; 13.30 bis 17.00 Uhr: Vorträge von Hubert Franz Schweitzer, Dr. Ralf Heimrath, Gernot Facius, Alexaner Friedl und Prof. Dr. Erich Zettl; 20.00 Uhr: Festabend „In der Eghalanda Hutzastu(b)m“; Freitag, 10.00 Uhr: Vorträge von Reinhard M. Steiner und Graf Franz Erwein Nostitz-Rieneck. Samstag, 23. Oktober,14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 13. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Autorenlesung. Dr. phil. Kateřina Kovačková (Pilsen): „Mai 1945 in der Tschechoslowakei“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Zu Gast ist die Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Vorweihnachtliche Feier. Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Sonntag, 5. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Advent und Weihnachtsfeier. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 18. Dezember, 15.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Weihnachtsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Obmann Kurt Aue präsentiert einen Film über das Sudetenland.

Sudetendeutsches Haus

Konzert mit Werken von Johann Landwehr Donnerstag, 7. Oktober, 19.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München: „Der Komponist Johann Landwehr“ Die Pianistin Anastasia Zorina (Foto) präsentiert das Klaviertrio von Johann Landwehr. Begleitet wird sie dabei von Katharina Strobel (Violine) und Stefan Shen (Violoncello). Außerdem stehen Kompositionen von Antonín Dvořák (1841–1904) und Franz Schubert (1797–1828) auf dem Programm. Johann Landwehr (1826– 1863) stammte aus Prag, besuchte das dortige Konservatorium und war unter anderem in Njemirow am Hofe des Grafen Potocki als Zeremonienmeister des russischen Zaren tätig. Seine letzten Jahre verlebte Landwehr in Brüssel. Er ist der Großonkel des in München lebenden Komponisten Lutz Landwehr von Pragenau, der bei Familienforschungen auf dessen Biografie und mu-

sikalisches Werk stieß und an dem Abend auch eine kurze Einführung geben wird. Veranstalter ist das Kulturreferat für die böhmischen Länder Eintritt frei, Anmeldung erforderlich über https://eveeno.com/johannlandwehr-konzert

Lange Nacht der Münchner Museen

Frauen schreiben Geschichte(n)

Samstag, 16. Oktober, 18.00 bis 01.00 Uhr „Frauen schreiben Geschichte(n)“, Lesungen von Ilse Hehn, Sigrid Katharina Eismann und Ulrike Schmitzer. Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München Die subtile Lyrikerin und Prosaautorin Ilse Hehn, die in der klassischen Tradition der philosophischen Dichtung Europas steht, war bereits in Rumänien eine bedeutende Repräsentantin der deutschsprachigen Banater Literatur. Sigrid Katharina Eismann begann hierzulande zu schreiben. Bevor sie vor wenigen Monaten ihren ersten Roman ver-

öffentlichte, machte sie mit ihren postmodern-explosiven poetischen Texten auf sich aufmerksam. Ulrike Schmitzer, die im österreichischen Salzburg lebt und wirkt, ist Journalistin und Medienmacherin, die sich in ihren Texten sowie Film- und Fernsehproduktionen einem breiten Themenspektrum von der NS-Zeit bis hin zur Raumfahrt und Kunstgeschichte widmet. Eintrittspreis: 15 Euro (inklusive Besuch aller beteiligten Häuser und MVG-Tickets. Mehr Informationen über die Lange Nacht der Münchner Museen unter: https://www.muenchner. de/museumsnacht/


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AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

Künstler, Bürgerrechtler, Staatspräsident: Václav Havel wäre am 5. Oktober 85 Jahre alt geworden

Mut tut gut

„Václav Havel se zasloužil o svobodu a demokracii.“

Sag „Nein“ zur Angst

„Václav Havel hat sich um Freiheit und Demokratie verdient gemacht.“ Von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe Der Kontakt mit Václav Havel war zunächst nur indirekt. Wir schmuggelten von München im Gepäckraum eines Linienbusses immer wieder verbotene Literatur und Druckmaschinen zu den verfolgten Bürgerrechtlern im kommunistischen Prag und beförderten auf dem Rückweg deren im Untergrund verfaßte Manuskripte in den Westen.

I

n den 1970er und 1980er Jahren entwickelte sich Havel nicht nur zur führenden Persönlichkeit des tschechoslowakischen Widerstandes gegen die totalitäre Tyrannei der Kommunisten, er wurde auch in den ebenfalls versklavten Nachbarländern im damaligen Ostblock als Licht der Freiheit wahrgenommen. Gemeinsam mit dem Gründer der polnischen Solidarnosc-Bewegung, Lech Wałęsa, und Papst Johannes Paul II. wurde er zum grenzüberschreitenden Impulsgeber aller Völker in Mittel- und Osteuropa. Auf Berghütten und Bauden im Riesengebirge traf er sich mit Bürgerrechtlern aus Polen, Ungarn, der DDR und anderen sowjetisch besetzten Ländern, um den Widerstand zu koordinieren. Den marxistischen Diktatoren sollte es nicht mehr gelingen, die freiheitlichen Regungen nach dem Motto „Teile und herrsche“ gegeneinander auszuspielen und damit zu ersticken. Zu einem entsprechenden Signal wurde die letzte von mehreren Verhaftungen Havels am 15. Jänner 1989. Seine Festnahme bei einer Demonstration zum Gedenken an Jan Palach, jenen Prager Studenten, der sich 1969 aus Protest gegen den Einmarsch der Roten Armee in der Tschechoslowakei selbst verbrannt hatte, empörte die Menschen im ganzen Warschauer Pakt. In Ungarn konnte dies schon öffentlich einen Ausdruck finden. So sprach etwa ich Anfang März 1989 bei einer Kundgebung für die Freilassung des tschechischen Dichters und Dramaturgen auf dem Budapester Vörösmarty-Platz, die der ungarische Freiheitskämpfer György Konrád organisierte – damals noch umringt von schwerbewaffneter kommunistischer Miliz. Während der Samtenen Revolution im Herbst 1989 durfte ich in Prag erleben, wie der Dramaturg Havel den Sturz des Kommunismus inszenierte. Zwischen Demonstrationen und zähen Verhandlungen mit roten Funktionären, die nicht wußten, ob sie das Volk blutig niederschlagen oder doch die Macht übergeben sollten, setzte er weithin beachtete Zeichen. Eines davon war das Klingeln von Hunderttausenden von Schlüsselbunden auf dem Wenzelsplatz – darunter auch mein Schlüssel aus München, den ich heute noch in Ehren halte. Den Rücktritt des kommunistischen Diktators Gustáv Husák organisierte er so, daß dieser am 10. Dezember 1989 erfolgte – am Tag der Menschenrechte. Havel war nicht nur Vorkämpfer der Freiheit, sondern auch Pionier der Völkerverständigung, Architekt eines geeinten Gesamteuropa und ungekrönter König einer freien Bürgergesellschaft.

Václav Havel: Sein Vermächtnis bleibt lebendig, obwohl sich nach wie vor viele an ihm reiben. Inmitten der gefährlichen Übergangssi- stige US-Präsidentenberater Zbigniew tuation von der Diktatur zur anfänglich Brzeziński, ein Exilpole, zugegen, der in noch sehr schwachen Demokratie wag- Prag für eine gegen das sich wiederverte er, was zu diesem Zeitpunkt kaum je- einigende Deutschland gerichtete polmand vermutet hätte, nämlich das heiße nisch-tschechisch-slowakische DreierföEisen der sudetendeutschen Frage auf- deration warb. Havel lehnte dieses Konzugreifen. Er verurteilte die Vertreibung zept als uneuropäisch ab und bat uns, als „zutiefst unmoralische Tat“, die Un- ihn dabei argumentativ zu unterstützen. schuldigen unsägliches Leid zugefügt Auch wenn die tapfere Haltung Haund letztlich dem ganzen Land schwer vels in Sachen Vertreibung nicht zum geschadet habe, wandte sich energisch erhofften Durchbruch und zum direkgegen den Kollektivschuldgedanken ten Dialog führte –das eigene Volk und und sprach als Bürgerrechtler wie als dessen Führungsschicht folgten ihm daPräsident davon, daß die „Verjagung“ bei nicht, und auch aus Bonn ertönte etder Sudetendeutschen Rache und nicht wa aus dem Mund von Hans-Dietrich Recht gewesen Genscher, das Gansei. Die europäische Einigung ze dürfe nur zwiAls ich ihn geRegierungen war ein Herzensanliegen schen meinsam mit Otgeregelt werden –, to von Habsburg so säte er doch auf und Rudolf Kučera am 18. März 1990 auf einen unfruchtbar scheinenden Acker der Prager Burg besuchte –er saß da- manches, was jetzt langsam an Verstänmals noch nicht in den von den alten Ap- digungsmöglichkeiten aufzugehen beparaten beherrschten Amtsräumen, son- ginnt. dern Weißbier trinkend inmitten einer Vor allem die europäische Einigung Rauchwolke in der Burggaststätte Vikár- war dem ehemaligen Bürgerrechtler ein ka –, erzählte er uns, daß er einer Ein- Herzensanliegen. Beim ersten Besuch ladung von François Mitterrand, zuerst einer Delegation des Europaparlamennach Paris zu reisen, um die Kleine En- tes auf dem Hradschin führte er mich tente der Zwischenkriegszeit zu erneu- vor allen Kollegen demonstrativ durch ern, nicht gefolgt, sondern bewußt zu- seine Privaträume, um deutlich zu mavor nach München und Berlin gefah- chen, daß er Tschechen und Sudetenren sei. Der Weg nach Europa führte deutschen eine Brückenfunktion im für ihn über die deutschen Nachbarn, Herzen Europas beimaß. In Straßburg auch wenn es später zu manchen ge- sprach er von Europa als einer „Heimat genseitigen Enttäuschungen und Ent- der Heimaten“, die einer Verfassung befremdungen kommen sollte. Damals in dürfe, „die jedes Schulkind versteht“. der Vikárka war zeitweise auch der mit Diese Forderung ist noch unerfüllt, aber der Familie Beneš verschwägerte ein- sein wohl wichtigstes Vermächtnis. Die

Foto: vaclavhavel.cz

Wirkkraft dieses großen Europäers endete auch nicht, als er 2003 aus seiner Präsidentenfunktion ausschied. Schon zu Beginn seiner Tätigkeit als Staatsoberhaupt hatte er sich in einer materialistisch orientierten Gesellschaft als herausragende moralische Instanz erwiesen. Dabei war er eine religiös eher undogmatische Persönlichkeit, die von vielen Kommentatoren als agnostisch eingestuft wurde. Wer ihn aber persönlich kannte, wußte, daß er ein vielleicht auf unkonventionellen Wegen suchender, aber zutiefst gläubiger Mensch war. Am schönsten fand dies seinen Ausdruck, als mit Johannes Paul II. erstmals ein Papst zu Besuch in die frei gewordene Tschechoslowakei kam. Havel begrüßte den polnischen Pontifex mit folgenden Worten: „Ich weiß nicht, ob ich weiß, was ein Wunder ist; trotzdem wage ich zu behaupten, daß ich in diesem Augenblick ein Wunder erlebe.“ Als Havel am vierten Advent 2011 starb, geleitete ihn ein trauerndes Land zur letzten Ruhe, das trotz aller Säkularisation den Abschied von seinem Befreier wie einen riesigen Gottesdienst zelebrierte. Sein Vermächtnis bleibt lebendig, obwohl sich nach wie vor viele an ihm reiben. Das tschechische Parlament verabschiedete sich mit einer ehrenvollen Geste und beschloß am 19. Dezember 2011 einstimmig ein Gesetz, das nur aus einem einzigen Satz besteht: „Václav Havel se zasloužil o svobodu a demokracii“ – „Václav Havel hat sich um Freiheit und Demokratie verdient gemacht.“

Václav Havel sprach am 24. April 1997 auch das Thema Vertreibung an

Historische Rede im Deutschen Bundestag Eine Rede für die Geschichtsbücher: Am 24. April 1997 hat Václav Havel als erster tschechischer Staatspräsident im Bundestag gesprochen. Sein Besuch in Bonn war ein Schritt bei dem Versöhnungsprozeß, den er selbst seit 1989 entscheidend vorangebracht hatte. Havel thematisierte in seiner Rede auch das Unrecht der Vertreibung.

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iemand von uns ist natürlich so naiv, zu glauben, die Erklärung sei ein Zauberstab, der all die bitteren Erfahrungen, die im 20. Jahrhundert unser Zusammenleben beeinträchtigten, und

all den traditionellen und traditionsgemäß genährten Irrglauben, der über dieses Zusammenleben und diese Erfahrungen auf beiden Seiten besteht, auf einmal verschwinden lassen wird. Trotzdem bin ich der Meinung, daß die Erklärung von großer Bedeutung ist, vielleicht von größerer Bedeutung, als manchen von uns bewußt ist. So wie das heutige Deutschland nicht in der Lage ist, die Zehntausende tschechischer NS-Opfer ins Leben zurückzurufen und uns in die Zeit vor 1938 zurückzuführen, in der Tschechen, Juden und Deutsche bei uns zusammenlebten,

Stehende Ovationen im Bundestag: Auch Bundespräsident Roman Herzog applaudiert seinem Amtskollegen Václav Havel.

so wenig kann die heutige Tschechische Republik den vertriebenen Deutschen ihr altes Zuhause zurückgeben. Durch diese Erklärung haben wir meines Erachtens klar gesagt, daß wir nicht das Unmögliche anstreben, das heißt, daß wir nicht versuchen, die eigene Geschichte zu ändern und ihre nicht wiedergutzumachenden Folgen wiedergutzumachen, sondern daß wir diese Geschichte unvoreingenommen erforschen, ihre Wahrheit suchen und dadurch die einzig möglichen und sinnvollen Grundlagen unseres künftigen guten Zusammenlebens legen wollen.“

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m die Wende vom September zum Oktober feiert die Katholische Kirche gleich zweimal ein Engelsfest. Am 29. September danken wir Gott für die drei Erzengel Michael, Gabriel und Rafael. Am 2. Oktober ist das Fest der heiligen Schutzengel. Das Wort Engel entstammt dem Altgriechischen. Dort bedeutet „Ángelos“ soviel wie „Bote“. In der Bibel gibt es mehrere Engelserzählungen, in denen diese himmlischen Wesen als Boten Gottes figurieren. Sie sind Überbringer der Botschaft, daß Gott unser Leben lenkt und leitet, daß er eine besondere Aufgabe für uns hat oder schlicht und einfach, daß er gegenwärtig ist und die Menschheit nicht vergißt. Die Engelserzählungen der Bibel sind Mutmach-Geschichten. Sie helfen uns, hoffnungsfroher und trostreicher unsere Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen. Insofern ist es positiv, daß die Engelsverehrung seit Jahrzehnten floriert, auch bei solchen Menschen, die man sonst kaum als praktizierende Christen bezeichnen kann. Letztlich geht es dabei um die menschliche Ursehnsucht nach Geborgenheit und Beziehung, nach Schutz und Halt. Die Engel scheinen dabei fast so etwas wie Platzhalter zu sein. Ihre Figuren und Bilder finden sich häufig dort, wo eigentlich auch ein Mensch für einen anderen Menschen da sein könnte und sollte. Insofern gefällt mir ein Gedicht des Lyrikers und Pädagogen Rudolf Otto Wiemer (1905–1998) besonders gut, in dem es heißt: „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel“. In der Tat: jeder kann einem anderen zum Engel werden. Manchmal genügt ein offenes Ohr, wenn jemand von seiner Not erzählt. Doch zurück zu den Engelserzählungen der Bibel. Sie haben ihren Höhepunkt zweifellos in den Begegnungen, welche die Eltern Jesu vor dessen Geburt mit himmlischen Wesen hatten. Im Lukasevangelium wird der Besuch des Erzengels Gabriel bei Maria erzählt. Dieser kommt mit der Ankündigung, daß Gott ihr eine große Aufgabe zugedacht habe, nämlich die Mutter des verheißenen Messias zu werden. Ihrem Bräutigam Josef erscheint im Matthäusevangelium ein Engel im Traum und läßt dessen gebeutelte Seele aufhorchen. Das Kind, das Maria ohne sein Zutun erwartet, ist nicht von irgendeinem anderen Mann, sondern vom Heiligen Geist. In beiden Erzählungen wird dem Engel ein Satz in den Mund gelegt, der auch sonst zu den Kernbotschaften der Bibel gehört: „Fürchte dich nicht.“ Man könnte das in freier Weise auch so formulieren: Sag „Nein“ zu deiner Angst, zu deinem Mißtrauen in die Zukunft, zu deinem Vertrauensmangel in Gott und in dich selber. So komme ich auf das Gedicht von Rudolf Otto Wiemer zurück. Dort heißt es in der letzten Strophe: „Er steht im Weg, und er sagt Nein, / der Engel. Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein.“ Ich wünsche nicht nur mir selbst und jedem anderen Menschen solche Engel. Ich wünsche das auch der Gesellschaft und der Welt in all den kollektiven Ängsten, unter denen wir oft allzu sehr leiden. Es müssen ja nicht immer nur Männer mit Flügeln sein. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM LESERBRIEFE Wenzel Jaksch und die SPD

Z

u dem Artikel „Wir heischen Gehör“ anläßlich Wenzel Jakschs 125. Geburtstags von Ulrich Miksch ( SdZ 37/2021). Wenzel Jaksch forderte 1947 in der Petition an die UNO eine Nachverhandlung der Ergebnisse von Potsdam. Dafür drohte ihm Hubert Ripka mit einem Verfahren vor dem Volksgerichtshof (Toni Herget, Witikobrief 1985/9). Dazu kam es zwar nicht, aber Jaksch durfte erst 1949 sein Londoner Exil verlassen. So fehlte er in Deutschland beim Aufbau der Vertriebenenorganisation. Besonders schmutzig war dabei, dem Führungspersonal der Vertriebenen mangelnde demokratische Gesinnung vorzuwerfen, während ihr prominentester Demokrat und NSGegner in Quarantäne gehalten wurde. Bezweifeln kann man auch, ob Jaksch ein geeigneter Kronzeuge für die neue Ostpolitik war. So äußerte er 1960 am Ende einer Diskussion: „Wenn es uns nicht gelingt, unsere sudetendeutschen Landsleute wieder in die Heimat zurückzubringen, ist unser Leben umsonst gewesen.“

Das verriet Roman Herzog 1996 beim 47. Tag der Heimat in Berlin. In Stuttgart forderte Jaksch seine Landsleute 1965 dringend auf, in ihren Testamenten ihren Grund und Boden einzutragen, um ihr heimatliches Eigentum zu dokumentieren (Witikobrief, 1986/4). Jakschs Unzufriedenheit ging so weit, daß er 1964 sein SPDParteibuch zurückgab. Den Brief gab Jakschs Vertrauter Kurt Werner persönlich als Einschreiben zur Post. Erich Ollenhauer sandte das Mitgliedsbuch zurück, worauf Jaksch sagte: „Das nächste Mal schicke ich ihnen das zerrissene Parteibuch.“ (Mitteilung Kurt Werner, Wiesbaden). Jaksch litt besonders darunter, daß die SPD, deren Führungsleute im ČSR-Exil von den sudetendeutschen Sozialdemokraten vorbildlich betreut worden waren, nach dem Krieg so wenig Verständnis für diese aufbrachte. Wie heillos zerrüttet Jakschs Verhältnis zu seiner Partei war, zeigte schließlich seine sechs Tage vor seinem Tod gehaltene Rundfunkrede. Schade, daß immer wieder versucht wird, Verstorbene für umstrittene politische Ziele einzuvernehmen. Friedebert Volk 61250 Usingen

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

Zum 75. Todestag einer Kuhländler Heimatdichterin aus Neutitschein

Anna Polak und der Mándatar In diesen Tagen jährt sich der Tod von Anna Polka zum 75. Mal. Sie starb wenige Monate nach dem zweiten Schub der Vertreibung im Jahr 1946, nicht mehr reisefähig, in einem Siechenheim nahe dem Friedhof von Neutitschein.

rische Prokurator eine ländliche Erscheinung war, war der Mándatar eine ausschließlich städtische Gestalt. Die Kenntnis der allgemeinen Sitten war oft auf viele Personen verteilt. Diese erkannten ihre Gemeinschaftlichkeit dar-

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ie Lehrerin und Dichterin Anna Polka kam am 28. Januar 1858 in der Bischofs- und Verwaltungsstadt Olmütz als Tochter eines Buchdruckers zur Welt. Ihre Kindheit war karg; sie berichtet wenig darüber. Nach ihrer Ausbildung zur Volkschullehrerin wurde sie nach Neutitschein versetzt. Sie arbeitete von 1877 bis 1913 an der Neutitscheiner Mädchenvolkschule. Bald nach ihrer Ankunft in dem hübschen Städtchen begann sie, Postkartenverse zu schreiben. Die Postkarte war erst 1869 erfunden worden. Dabei kann das Gefühl für ihr neues Zuhause, jedenfalls aber ihre Fähigkeit entstanden sein, das Charakteristische ihrer neuen Umgebung zu erkennen. In ihren Erzählungen und Sittengemälden schuf sie eine Heimatdichtung, die auf die Stadt Neutitschein zugeschnitten war. Weil sie von außen kam, sah sie die Einmaligkeit etwa des Mándatars – die Betonung auf der ersten Silbe ist Neutitscheiner Topolekt – besser als andere. Dieser zum Teil dem altbairischen Prokurator entsprechende Neutitscheiner „Hofmarschall” war für Hochzeiten und Beerdigungen zuständig. Er regelte die Feiern von der Einladung der Gäste bis zur Folge der verschiedenen Braten. Während der altbai-

an, daß der eine dies, der andere jenes wußte. In Neutitschein jedoch bündelte sich die Kenntnis, „wie man es immer gehabt hat”, in einem halbamtlichen Festausrichter. Dieser suchte das Mittel zwischen den Sitten der einzelnen Sippen. Und er gab der Ausgestaltung der Feierlichkeiten seine eigene Note. Anna Polka in „Der Mandatar“: „Es wird gerufen: ,So möchte ich es haben!‘ Ob arm, ob reich: Er weiß schon, wie alles zu machen ist. Er besorgt alle Schritte, die eine Beerdigung verlangt.“ Diese persönliche Note des Mandatars verbindet ihn mit den Originalen, deren Leben Anna

Polka ansonsten schildert. Natürlich kam es zu einem suspekten Zwischenbereich. Man traf den Mandatar, wie er von einer Beerdigung zu einer Hochzeit, von einer Hochzeit zu einer Beerdigung ging. Und man fragte sich, in welcher Stimmung er war. Bei seiner Antwort durfte sich ein Mandatar vermutlich nur in Andeutungen ergehen. Diese Andeutungen wurden von der jeweiligen Person auf jeweils eigene Art interpretiert Die Unsicherheit hinsichtlich der Stimmung des Mandatars ist ein Spiegel seiner nicht ganz transparenten Tätigkeit. Man wußte nicht, inwieweit er sich den Sitten der einzelnen Stadtfamilien anglich und inwiefern er sie untereinander ausglich. Anna Polka war eine Art literarischer Mandatar. Sie kannte die Sitten der Neutitscheiner. Dazu gehörten die Alexanderwurst, die dem gleichnamigen russischen Zaren so gut schmeckte, daß er sie sich auf seinem Heereszug immer wieder aus Neutitschein nachbringen ließ, und das Lichtbrätlefest, bei dem der Webermeister seine Arbeiter vor Anbruch der dunklen Jahreszeit zu einem Bratenessen noch einmal ins Freie einlud. Für den alteingesessenen Neutitscheiner war jeder Mandatar ein Original. Die von auswärts zugezogene Anna Polka erkannte dagegen die Einzigartigkeit der Institution des Mandatars. Ihr Geburtsort Olmütz war nicht weit entfernt. So sah sie die Sitten nicht vollends von außen. Da sie der Dichtung nahestand, lag der Unterschied zum Volkskundler in der Gedrängtheit ihrer Dar-

stellung sowie im nachsichtigen Stil. Eine Sehnsucht nach Geborgenheit geht durch ihre Werke, die ihr das feine Lächeln gebietet und den Sarkasmus verwehrt. Darüber hinaus schildert Anna Polka betont einfach die Neutitscheiner Originale ihrer Zeit. Die komplizierten Gestalten werden allerdings nur von außen gezeigt. Die rasche Abfolge ihrer beruflichen Tätigkeiten deutet auf leichte Verrücktheit hin. Anna Polka in „Aus dem Leben eines Neutitscheiner Tuchmachers, der ein Idealist war“: „Und weil es gerade die Zeit der chignons, der falschen Zöpfe, war, so fing er an, mit Frauenhaar zu handeln. Aber auch dieses Geschäft zahlte sich nicht aus. So wurde wieder der Webstuhl der Ernährer, und ein kleiner Kalenderhandel half nach.“ 1908 machte sie bei den Vorbereitungen für den Umzug zu Ehren des 60jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. in Wien mit. Wahrscheinlich betätigte sie sich dabei als Goldhaubenstickerin. 1913 ging sie mit nur 55 Jahren in Pension. 1938 wurde sie schwer krank und saß von da an im Rollstuhl. Sie wohnte bei Olga Kudjelka. Doch als Kudjelka 1946 in den Westen vertrieben wurde, wurde Polka ins Siechenheim gebracht. Dort hatte sie in einer Deutschen, die einen Tschechen geheiratet hatte, noch eine Vertrauensperson. Durch einen Zufall wurde erst vor wenigen Jahren auf einem Speicher ein Heft voller das Leben resümierender Verse aus den letzten Lebenswochen der Anna Polka gefunden. Hans-Karl Fischer

Holger Frenzel kämpft nach Rehabilitierung um mehr Wiedergutmachung für seinen beschlagnahmten Manta

Zwölf Kronen und 48 Heller für einen Manta Holger Frenzel wurde 1988 in der sozialistischen Tschechoslowakei für fünf Tage inhaftiert und verlor seinen ein Jahr alten Opel Manta. Der Grund? Er hatte versucht, seine Freundin aus der „DDR“ in den Westen zu schmuggeln. Nachdem er in der Tschechischen Republik rehabilitiert worden war, beantragte er eine Entschädigung und die Rückgabe seines Autos. Stanislav Beran berichtet.

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olger Frenzel hatte vom Justizministerium 717 Kronen erhalten, was er als zu wenig empfand. Er beantragte eine Erhöhung. Seinem Antrag wurde stattgegeben. Das Ministerium bewilligte ihm die Erhöhung und überwies ihm weitere 12,48 Kronen – umgerechnet 49 Cent – auf sein Konto. Lubomír Müller, Frenzels Anwalt in der Tschechischen Republik: „Wer meint, daß 717 Kronen Entschädigung für fünf Tage Gefängnis und einen beschlagnahmten Luxussportwagen Opel Manta im Wert von 30 000 DM nicht ausreichen, dann legt das Ministerium 12 Kronen und 48 Heller drauf. Das ist eine Verhöhnung der Opfer.“ Nach Angaben von Jakub Severa, Leiter der Abteilung für Entschädigungen, seien das nur Verzugszinsen. Die Entschädigung, die sich aus 417 Kronen für den Verdienstausfall, 100 Kronen für die Haft und 200 Konen für das Strafverfahren zusammensetze, könne derzeit nicht erhöht werden. Das lasse das Gesetz nicht zu. Auch dem Antrag auf finanzielle Entschädigung für das 13 Monat alte beschlagnahmte Auto gab das Ministerium nicht statt. Das Gerichtsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Neben der Rehabilitierung sprach das Be-

zirksgericht Eger Holger Frenzel seinen Opel Manta zu, den der tschechoslowakische Staat vor mehr als 30 Jahren konfisziert hatte. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein. Und so kam der Fall, bei dem es um einen Luxussportwagen ging, vor das Landgericht. Dies hob die angefochtene Entscheidung auf und verwies die Strafsache zur erneuten Verhandlung an das Bezirksgericht Eger zurück. „Obwohl das Gericht die Rehabilitierung verkündet hatte, wurde das Schicksal des Autos nicht geklärt. Wir haben daher das Ministerium aufgefordert, eine angemessene Entschädigung für das Auto zu zahlen. Wir waren leider nicht erfolgreich. Bislang sind wir mit vielen Hindernissen konfrontiert“, sagte Rechtsanwalt Müller. Die Geschichte begann im Oktober 1988 in Karl-MarxStadt – heute Chemnitz – in Sachsen. Ihrem Freund Holger Frenzel und seiner Familie war gelungen, aus der „DDR“ in die Bundesrepublik Deutschland zu übersiedeln. Damals beschloß der 19jährige Holger, mit seinem 18jährigen westdeutschen Freund Peter Härpfer seiner Freundin Krystina zu helfen, nach Westdeutschland zu fliehen. In seinem silbernen Opel Manta baute er ihr hinter den Rücksitzen ein Versteck. Die jungen Leute trafen sich im tschechischen Karlsbad und versteckten Krystina im Auto. Anschließend fuhren sie zum tschechischen Grenzübergang Mühlbach Richtung Schirnding. Bei der Grenzkontrolle entdeckte der tschechische Grenzsoldat František Engelmaier das Versteck und nahm mit Hilfe des Hauptzollbeamten Jiří Doubek das Trio am 24. Oktober 1988 um 4.00 Uhr früh fest.

Ein Verzeichnis der Gegenstände, die bei der Leibesvisitation beschlagnahmt wurden, zeigt, daß Holger auch den Zulassungsschein und die Garantiekarte für sein Auto abgeben mußte. Die drei jungen Menschen mußten ins Gefängnis. Krystina Hauck blieb eine Woche lang und wurde nachher an die ostdeutsche Stasi übergeben. In der „DDR“ mußte sie wegen Republikflucht für 19 Monate ins Gefängnis. Krystina wurde am 9.

Grenze gebracht. Ich weiß nicht einmal, wer mit mir im Auto saß. Ich weiß nicht, ob es Grenzsoldaten, Polizisten oder andere Leute waren. Das letzte Stück der Reise fuhren wir durch den Wald zur Grenze, wo ich abgesetzt wurde. Hier holte mich meine Schwester ab. Heute kommt mir das wie ein Abenteuer vor, aber damals fand ich es überhaupt nicht lustig“, erinnert sich Holger Frenzel. Und der Manta? Laut der Protokolle des Bezirksgerichts Eger

November 1989 aus dem Gefängnis entlassen. Das war der Tag, an dem die Berliner Mauer fiel. Die zwei jungen Männer aus Westdeutschland, die wegen Mittäterschaft und Beihilfe zur Flucht angeklagt waren, wurden nach fünf Tagen am 27. Oktober 1988 dank einer Amnestie des tschechoslowakischen Staatspräsidenten aus dem Gefängnis Na Borech im westböhmischen Pilsen entlassen und nach Westdeutschland überstellt. Wie Richterin Věra Mathauserová sagte, hätten die zwei Männer ohne die Amnestie viel länger in tschechischen Gefängnissen sitzen müssen. „Ich stieg im Gefängnis in Pilsen in ein Auto und wurde zur

beschloß der Senat unter Vorsitz von Richter Jan Stužka am 2. Februar 1989, das Auto zu beschlagnahmen. Die Begründung: „Holger wollte Krystina ohne Genehmigung der tschechoslowakischen Behörden aus der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik transportieren.“ So wurde der Staat Eigentümer des Opel Manta, der damals 600 000 Kronen wert war. Wo das Auto gelandet ist, weiß niemand genau. Nach neuesten Spekulationen soll das Auto in einem Gebrauchtwagenhandel in Klattau gelandet sein. Leider war nicht möglich herauszufinden, an wen und zu welchem Preis das Auto verkauft wurde oder ob es noch existiert. Stanislav Beran


Mit der Sonderausstellung „Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“ (Sudetendeutsche Zeitung berichtete) nimmt nun auch die Bavariathek des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg ihren Betrieb auf. Durch einen Brand hatte sich die Eröffnung dieser an das Museum der Bayerischen Geschichte angegliederten Abteilung verzögert. Umso größer war die Freude bei Direktor Dr. Richard Loibl und bei der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, MdL Sylvia Stierstorfer, über den Start, zumal mit eben dieser Präsentation..

E

s ist eine kleine, aber feine Ausstellung. Im Zentrum stehen Unternehmensgeschichten, Biographien von Personen aus den einzelnen Herkunftsgebieten und O-Töne bzw. Zitate von Zeitzeugen, die in einem 15minütigen Film zu Wort kommen. Auf einzelne Aspekte hinsichtlich des Themas „Vertreibung“ bei zurückliegenden Projekten des Hauses der Bayerischen Geschichte ging Direktor Loibl in seiner Begrüßung ein. So habe sich bei der 2007 in Zwiesel stattgefundenen Landesausstellung „Bayern – Böhmen. 1500

� Sonderausstellung „Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“ im Haus der Geschichte in Regensburg

Die Zeit der Neuanfänge tagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer in ihrer Eigenschaft als Vertriebenenbeauftragte Fördermittel bereitstanden, sei die Idee zu diesem Forschungsprojekt entstanden. Durch den Brand in dem für die Bavariathek vorgesehenen Gebäude während der Bauphase 2017 und auch durch die CoronaPandemie habe sich der Start der Bavariathek verzögert. Mit der Sonderausstellung stehe diese nun aber allen Interessierten, besonders Schülern offen. „Jugendliche können sich auch an der Forschungsarbeit beteiligen“, erklärte Loibl. „Vertreibung und Integration dürfen nicht vergessen werden. Wir wollen daher spannende Geschichten erzählen“, meinte der Direktor und ging kurz auf einzelnen Exponate bzw. Firmen und Personen aus der Ausstellung ein sowie auf das Gesamtkonzept. Mit Worten des Dankes, unter anderem an den ebenfalls

dieser Ausstellung und der Bavariathek viele Besucher – vor allem Schüler – und daraus resultierende Projekte in den Schulen. Natürlich verwies sie auch auf das Sudetendeutsche Museum, nach dessen Besuch ihr 81jähriger Onkel gesagt hat: „Wir dürfen es nicht vergessen!“ Genau das gelte sowohl für die Vertreibung wie die anschließende Integration. „Wir stellen mit Freude fest, daß in Bayern und Deutschland die Integration so toll gelungen ist. Aber wir dürfen auch die Schicksale und Familiengeschichten nicht aus den Augen verlieren“, faßte Stierstorfer zusammen und erwähnte die wichtigsten Etappen der letzten Jahre in den bayerisch-tschechischen Beziehungen. „Bayern ist Brückenbauer zu den Nachbarn im Osten“, beendete sie ihr Grußwort. Nach den beiden Reden kam der 15-minütige Film zur Vorführung, in dem sich die aus nahezu allen Herkunftsgebieten stammenden 13 Männer und Frauen, die auch mit Bild- und Texttafeln vorgestellt und porträtiert werden, zu unterschiedlichen Aspekten ihrer Vertreibung und Integration äußern. Sei es der Transport im Güterzug über Prag nach Furth im Wald, die Anrede mit einem an das Herkunftsland angelehnten Spitznamen, die anfängliche Hoffnung auf Rückkehr oder konfessionelle Schwierigkeiten bis hin zu körperlicher Gewalt gegen Heimatvertriebene durch Einheimische. „Wir waren die Flüchtlinge“, schildert etwa Marlene WetzelHackspacher (1922–2019), die aus Mährisch-Schönberg stammende erste Konditormeisterin in Bayern, damalige Gespräche mit den Menschen in Bayern, die nicht glauben wollten, daß „noch ganze Ströme, ja Millionen“ kommen würden. Die aus Schlesien vertriebene Ruth Pirzer macht deutlich, daß viele Heimatvertriebene keine konkreten Vorstellungen über das sie aufnehmende Land hatten. Daß auch Hobbys – wie etwa das Fußballspielen – dann auch Kontakte zu Arbeitsstellen eröffneten, wird aus den O-Tönen

Museumsdirektor Dr. Richard Loibl, Vertriebenen-Beauftragte Sylvia Stierstorfer, Zeitzeuge Kurt Stenzel und MdL Josef Zellmeier. Foto: HdG Jahre Nachbarschaft“ zunächst auf bayerischer Seite kein Kabinettsmitglied zur Eröffnung gefunden. Erst nach Zusage des damaligen tschechischen Kulturministers sei, so Loibl, der damalige Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Thomas Goppel, nach Zwiesel gekommen. Der Wunsch von Ministerpräsident Günther Beckstein, diese Ausstellung auch in Tschechien zu zeigen, sei damals (noch) an „den unterschiedlichen Narrativen“ in beiden Ländern gescheitert. Der Direktor verwies auch auf die Aufbereitung von Flucht und Vertreibung in der Dauerausstellung des Museums und brachte den Begriff „Verlustgeschichte“ für die tschechische Seite ins Spiel. Da die Bavariathek sozusagen die Forschungsabteilung des Museums ist und über die Land-

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KULTUR

Sudetendeutsch“e Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

anwesenden Landtagsabgeordneten Josef Zellmeier (Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Bayerischen Landtag), schloß Loibl seine Einführung. Bei der Erwähnung ihres Heimatortes Pfatter kam Sylvia Stierstorfer, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, in ihrem Grußwort auf die Stadt Neutraubling zu sprechen, eine der fünf bayerischen Vertriebenenkommunen. Hier werde deutlich, „wie viel Energie trotz des Leides der Flüchtlinge“ geflossen sei, machte die Landtagsabgeordnete deutlich. „Der Erfolg Bayerns und Deutschlands nach dem Krieg ist eng mit den Vertriebenen in unserem Land verbunden. Sie haben wesentlich an der Erfolgsgeschichte mitgeschrieben“, brachte es Stierstorfer auf den Punkt. Besonders bei ihren Gesprä-

ebenso ersichtlich wie – später – die Schaffung von Arbeitsplätzen durch von Heimatvertriebenen gegründete Unternehmen, teilweise Wiedergründungen früherer Firmen oder auch Gründungen ganz neuer Bereiche. „Durch meinen Fleiß und meine Kenntnisse hat man mich akzeptiert“, bekennt der aus Odessa stammende Anton Bosch, der erst 1974 als Aussiedler nach Deutschland kam. Neben den 13 Personen werden mit Erläuterungen und jeweils ein paar Exponaten acht Unternehmen präsentiert, die ihre Wurzeln in Orten der früheren Siedlungsgebiete haben und nach der Vertreibung (zum Teil bis heute) in Bayern oder auch weltweit erfolgreich Fuß gefaßt haben: Wenzel Meinl (Graslitz/ Geretsried – Blechblasinstrumente), Klira (Schönbach/Bubenreuth – Gitarren), Chiba (Abertham/Teisendorf – Handschuhe), Kunert (Warnsdorf/Immenstadt – Nylonstrümpfe), Kersa (Lobositz/Mindelheim – Puppen, Stofftiere), Phönix (Penzig/Konstein – Glaswaren), Ernst Müller & Co. (Karlsbad/ Barbing bzw. Neutraubling – Nährmittelindustrie), Rehorik (Karlsbad/Regensburg – Kaffeerösterei). Anschaulich ma-

Eine Maschine, die bei der Kaffeerösterei Rehorik – früher Karlsbad, jetzt Regensburg – im Einsatz war. Fotos (2): Markus Bauer chen die Aktivitäten dieser zum größten Teil aus dem sudetendeutschen Kontext stammenden Firmen die entsprechenden Gegenstände. Markus Bauer

Öffnungszeiten Kasperlfigur der Firma Kersa, die heute in Mindelheim ansässig ist. chen in Schulklassen stellt sie fest, daß viele Kinder Großeltern aus den verschiedenen früheren Siedlungsgebieten haben, aber viele Inhalte und Themen in den

Familien nicht besprochen wurden. Doch auch ältere Bürger würden häufig nach ihren Wurzeln suchen, hat die Beauftragte festgestellt. Daher wünschte sie

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ie Ausstellung „Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“ wird bis zum 15. April 2022 in der Bavariathek im Haus der Geschichte (Donaumarkt 2, Regens-

burg) gezeigt. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9 bis 15 Uhr, Samstag/Sonntag 11 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.hdgb.de/neuanfaenge

� Erinnerung an den in Mährisch Trübau geborenen Professor Karl Dittert

Mit einer Briefmarke gewürdigt In der aktuellen Sondermarken-Serie der Deutschen Post „Design aus Deutschland“ wird auch ein Werk des in Mährisch Trübau geborenen Professors Karl Dittert vorgestellt.

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arl Dittert wurde am 16. August 1915 in Mährisch Trübau als dritter Sohn von Franz Dittert geboren. Sein Vater war Bauund Möbelschreiner, seine Mutter Goldschmiedin. 1946 wurde die Familie aus der Tschechoslowakischen Republik vertrieben und gelangte zunächst in das zerbombte Pforzheim. Ab 1946 studierte Dittert an der Staatlich Höheren Fachschule für die Edelmetallindustrie in Schwäbisch Gmünd in der Meisterklasse von Professor Hans

Warnecke. Im Februar 1949 bestand Dittert die Höhere Fachprüfung und die Meisterprüfung im Goldschmiedefach „mit Aus- Karl Dittert. zeichnung“. Bereits im Jahr 1949 übernahm Dittert die Stelle von Hans Warnecke und unterrichtete Fächer wie „Schmuckzeichnen“ oder „Industrielle Formgebung“. Im Jahr 1961 wurde Dittert zum Professor ernannt. Von 1970 bis 1972 war er Direktor der Staatlichen Werkkunstschule Schwäbisch Gmünd, 1972 bis 1979 Rektor der Fachhochschule für Ge-

staltung Schwäbisch Gmünd. In diesen drei Jahrzehnten beeinflußte Dittert als Lehrer mehrere Designer-Generationen. Daneben war Dittert freiberuflich für Industriebetriebe tätig. Seine Aufträge waren vielseitig und umfaßten Prospekt-, Verpackungs- und Messestandgestaltung. Anfangs arbeitete er für Silber- und Metallwarenfabriken wie WMF oder Peter Bruckmann & Söhne. Das auf der Briefmarke abgebildete Kaffeeservice aus dem Jahr 1960 hatte Karl Dittert für die Silberwarenfabrik Gebrüder Kühn in Schwäbisch Gmünd entworfen. Mit der Tischgeräte-Serie wurden die Möglichkeiten der rationellen Fertigung bei gleichzeitiger Produktdiffe-

renzierung beispielhaft durchgespielt. Ende der 1960er Jahre konzentrierte sich Karl Dittert auf die Schwerpunkte Küchenund Büroarbeitsplatz. Ab 1971 war der Desinger verantwortlich für die Neuentwicklungen des Möbelherstellers VOKO Franz Vogt & Co. (Gießen). Karl Dittert gehört zu den Pionieren des Industriedesigns und zählt bis heute zu den renommiertesten Designern Deutschlands. Mit seinen an die Lehren des Bauhauses und der Hochschule für Gestaltung Ulm angelehnten Entwürfen hat er die Designgeschichte nach 1945 maßgeblich mitgeprägt. Er arbeitete noch bis ins hohe Alter und starb am 30. Oktober 2013. Ute Reichert-Flögel

Die 2020 veröffentlichte Sonderbriefmarke erinnert an Karl Dittert.


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

� SL-Bezirksgruppe Oberfranken/Bayern

Warum? Am Samstag fand die Jahreshauptversammlung der bayerischen SL-Bezirksgruppe Oberfranken im Egerlandkulturhaus in Marktredwitz statt.

B Margaretha Michel: „Solches Geschirr hatten wir mitgenommen.“

ezirksobfrau Margaretha Michel hatte den lokalen Landtagsabgeordneten Martin Schöffel, den Wunsiedler Landrat Peter Berek, unsere Heimatpflegerin Christina Meinusch und mich von der Chefredaktion der Sudetendeutschen Zei-

tung für eine Diskussionsrunde eingeladen. Berek, dessen Wurzeln in Schlesien liegen, sagte, ihn interessiere, wie Schuld entstehe. Also das Warum. Warum jemand habe schuldig werden können. Darüber, über die Versammlung, über das hypermoderne Egerland-Museum und seinen Leiter Volker Dittmar im Egerland-Kulturhaus berichte ich kommende Woche an dieser Stelle. Nadira Hurnaus

Christina Meinusch und Volker Dittmar im Museum. Bilder: Nadira Hurnaus

� SL-Landesgruppe Berlin

� SL-OG Bad Kissingen

Erfolgreicher Obmann

Gedenkfahrt nach Italien tärischen Großverbände hatten bei ihrer Verlegung an die Italienfront Ende 1943 außerordentlich viele österreichische und sudetendeutsche Soldaten. Namens der SL betonte Fischer, daß es unverzichtbar sei, allein schon um die jüngere Generation darauf aufmerksam zu machen, an die in beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten aller Nationen zu erinnern. Aber ie Kranzniederlegung ba- auch der Menschen, die im Bomsierte auf einem Votum der benhagel, bei der Vertreibung XVII. Sudetendeutschen Bun- aus ihrer angestammten Heimat, desversammlung im Juni. Rudolf aufgrund ihrer Rasse, ihrer NaD. Fischer hatte diese privat or- tionalität, ihrer politischen Überganisierte und finanzierte mili- zeugungen oder ihres Glaubens tärhistorische Gedenk- und Bil- hinter Stacheldraht und Kerkerdungsfahrt vorbereitet. Sie sollte mauern starben, müsse gedacht in den ehemaligen Kampfraum werden. Hierbei gelte es aber auch, des Zweiten Weltkrieges führen, der weiträumig um den Kloster- nach vorne zu schauen und dem berg Monte Cassino rund 120 Ki- Leitspruch „Versöhnung über den Gräbern“ des Volksbundes lometer südlich von Rom liegt. In seiner in deutscher und ita- Deutsche Kriegsgräberfürsorge lienischer Sprache gehaltenen (VDK) zu folgen. Ausdrücklich Gedenkrede erinnerte Fischer dankte Fischer dem VDK für seizunächst an die Geschichte und ne jahrzehntelange friedenseran das durch Flucht und Vertrei- haltende Arbeit in mehr als 80 bung erlittene Schicksal der su- Ländern. Schließlich sagte Fischer zu detendeutschen Volksgruppe zum Ende und in der Folge des den italienischen Vertretern und Zweiten Weltkrieges. Dabei be- Gastgebern: „Im Namen der SL zog sich Fischer auf die heute danke ich dem italienischen Volk zahlreich vorliegenden, detail- und der Regierung der Repulierten militärhistorischen Be- blik Italien dafür, daß es bereits schreibungen über den Verlauf im Dezember 1955, also gerade und die wechselseitige Intensi- zehn Jahre nach dem Ende des tät der insgesamt vier Cassino- schrecklichen Zweiten WeltkrieSchlachten. Die Schlachten fan- ges, möglich gewesen war, ein den vom November 1943 bis Mai deutsch-italienisches Kriegsgrä1944 statt und verwüsteten den berabkommen zu schließen.“ Das sei keine SelbstverständSüden der italienischen Provinz lichkeit gewesen, so warteten die Latium völlig. Auf deutscher Seite nahmen Sudetendeutschen bis heute verunter anderen die nach ihrem geblich auf den Abschluß eines Untergang im Winter 1942/43 völkerrechtlich gültigen deutschim Kessel von Stalingrad wieder- tschechischen Kriegsgräberabaufgestellte 44. Infanteriedivi- kommens. Mit dem Abkommen sion Hoch- und Deutschmeister von 1955 seien die Voraussetsowie die 5. Gebirgsdivision an zungen geschaffen worden, in den schweren und verlustreichen der Nähe der wiederaufgebauten Kämpfen teil. Diese beiden mili- Stadt Cassino einen endgültigen Soldatenfriedhof anzulegen, der alle im süditalienischen Raum gefallenen deutschen Soldaten – mit Ausnahme von Sizilien – habe aufnehmen sollen. Er sei am 4. Mai 1965 der Öffentlichkeit übergeben worden. Mittlerweile hätten mehr als 20 100 deutsche Kriegstote hier ihre letzte Ruhestätte erhalten. Fischer: „Ein letzter, jedoch nicht minder herzlicher Dank gilt unserem Freund und Unterstützer Pino Valente aus Cassino, welcher in Vertretung von mehreren italienischen Partnerorganisationen präsent war, uns stets mit Rat und Tat zur Seite stand und somit maßgeblich zum Gelingen unserer bescheidenen, jedoch sehr Deutsch-italienische Delegation am Hoch- besinnlichen Gedenkfeier kreuz in Cassino. beitrug.“ fr

In Anwesenheit einer repräsentativen deutsch-italienischen Delegation legte Rudolf D. Fischer, Obmann der SL-Landesgruppe Berlin, Mitte September am Hochkreuz des deutschen Soldatenfriedhofes Cassino einen Gedenkkranz in den Farben und mit dem Schleifenaufdruck der Sudetendeutschen Landsmannschaft nieder.

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Mitte September traf sich die unterfränkische SL-Ortsgruppe Bad Kissingen auf dem Heiligenhof.

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eim tschechischen Den za Moravu, beim Mährischen Tag in Brünn sangen wir zum vierten Mal mährische Lieder in deutscher Sprache. Die Begründung der Veranstalter: „Die Deutschen waren Teil unserer Vergangenheit.“ Unsere Singgruppe besteht aus einer deutschen Muttersprachlerin, fünf tschechischen und zwei aus österreichisch-tschechischen Familien stammenden Sängern. Alle haben deutsche Sprachkenntnissen, zwei sogar mit Germanistik-Studium. Wir sangen „Mein Schätzel kommt von ferne“, „Blüh nur, blüh, mein Sommerkorn“, „Wenn ich morgens früh aufsteh“, „Ich wollt, wenn‘s Kohlen schneit“, „Hab ich mein Kindelein schlafen gelegt“, „Kohle, schwarze Kohle graben wir“, „Im Märzen der Bauer“ und „Jetzt kommen die lustigen Tage“. Unsere Mühe hat sich offensichtlich gelohnt, denn dem Publikum schien unser Singen zu gefallen. Text: Edith Breindl, Bild: František Vřeský

� BdV-Landesverband Hessen

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teffen Hörtler, Obmann der SL-Landesgruppe Bayern und Stellvertretender Bundesvorsitzender, lobte die erfolgreiche Arbeit der Ortsgruppe, deren Obmann Roland Jäger seit 2017 ist. Dafür ehrte Hörtler Jäger mit dem Große SL-Ehrenzeichen. Unter Jäger wurde die Ortsgruppe immer stärker und immer größer. Seine Telefonate und Briefe retteten die Ortsgruppe durch die schwierige Corona-Zeit.

Mut und Perspektive Mitte September veranstalteten der BdV-Landesverband Hessen seinen zentralen Tag der Heimat unter dem Motto „Vertreibungen und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“ und die Hessischen Staatskanzlei ihren 8. Hessische Gedenktag für die Opfer von Flucht, Deportation und Vertreibung gemeinsam in der Rotunde des Schlosses Biebrich zu Wiesbaden.

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Ziel sei, auf die zahllosen Geschichten der Menschen aufmerksam zu machen, die gewaltsam ihre Heimat durch Flucht und Vertreibung verloren hätten. In regelmäßigen Gesprächen tausche sich die Landesregierung mit dem BdV darüber aus, wie man junge Menschen mit diesem Thema konfrontieren könne. Ziel müsse sein, die Erinnerung in die Zukunft zu tragen. „Wir wollen es nicht dem Zufall überlassen, ob ein junger Mensch von dieser Geschichte hört oder nicht. Genau aus diesem Grund hat Hessen auch

dV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann begrüßte Ministerpräsident und Karls-Preisträger Volker Bouffier, Innenminister Peter Beuth sowie Margarete Ziegler-Raschdorf, Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler. Festredner Bouffier: „Der vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselte Krieg brachte Tod und Vernichtung über viele Völker Europas. In der Folge wurden zwischen 1945 und 1949 15 Millionen Deutsche aus den ehemaligen Volker Bouffier und Siegbert Ortmann. deutschen Ostgebieten gewaltsam aus ihrer Heimat vertrie- als erstes Bundesland das Theben. Trotz dieser gewaltsamen ma ‚Flucht und Vertreibung‘ im Veränderungen in ihrem Leben Kerncurriculum Geschichte für haben sie sich integriert und bei die Oberstufe verpflichtend veruns ein Zuhause gefunden. Die- ankert und zum Prüfungsbereich se Geschichte, die zur Geschich- für die schriftliche Abiturprüte aller Deutschen gehört, gilt es fung erhoben. Damit die Schüler für die heutigen und kommen- lernen, was war, und daraus Oriden Generationen lebendig zu entierung finden für das, was ist“, halten.“ erklärte Bouffier. Angesichts der Ereignisse in Siegbert Ortmann hatte einAfghanistan und der diktatori- gangs auf die weltweite Vertreischen Zustände in manchen Län- bung hingewiesen: „Am Tag der dern sagte Bouffier: „Die Ge- Heimat erinnern die Vertriebeschichte von Flucht und Vertrei- nen an ihre Heimat, an ihr Erbe, bung ist keine Geschichte der an ihren Verlust und daran, was Vergangenheit. Sie ist aktueller Heimat bedeutet. Dabei geht es denn je. Flüchten, eine neue Hei- ihnen nicht nur um ihr Schicksal, mat finden und ankommen – sondern um das Schicksal aller das hat in diesen Tagen für viele Vertriebenen weltweit. Es geht Menschen eine aktuelle Bedeu- um das Recht auf Heimat. Im tung.“ Die Flucht-Erfahrungen Jahr 2020 waren es weltweit 82,4 von damals könnten Mut und Millionen Flüchtlinge und VerPerspektive geben. Deswegen sei triebene, mehr als je zuvor. es so wichtig, diese ErinnerunDas Motto ,Menschenrechte gen zu bewahren und weiterzuer- achten – Vertreibungen ächten‘ zählen. Der BdV-Landesverband erinnert uns daran, daß in den 76 leiste Aufklärungsarbeit. Jahren seit der Vertreibung der

Deutschen das Recht auf ein Leben in der eigenen Heimat in vielen Teilen der Welt mißachtet wird. Die Minderung von Flucht­ ursachen bleibt eine große Herausforderung. Das Gedenken an Flucht und Vertreibung ist längst nicht mehr lediglich ein verbands­internes Erinnerungsvorhaben unter Vertriebenen und deren Angehörigen, sondern inzwischen ein Gedenktag für alle Deutschen mit offiziellem Charakter und unter Mitwirkung von Repräsentanten aus Staat und Gesellschaft. Deshalb muß es unser politisches Ziel bleiben, Vertreibungen nicht nur international zu ächten, sondern alles zu tun, sie zu verhindern und nicht als Dauerzustand hinzunehmen. Denn, Menschenrechte sind unveräußerlich, und das Recht auf Heimat gilt absolut für jeden, immer und überall“, schloß Ortmann. Ziegler-Raschdorf stellte fest, daß die Pflege der Erinnerung und Kultur der Vertreibungsgebiete und die Eingliederung der Spätaussiedler bei Bouffier und seiner Regierung in den besten Händen sei. „Das Land Hessen übernimmt Verantwortung für die Heimatvertriebenen und Spätaussiedler und unterstützt die Arbeit der Vertriebenenverbände und Spätaussiedlerorganisationen seit vielen Jahren großartig und verläßlich. Unsere Anliegen treffen bei Staatsminister Beuth und Staatssekretär Stefan Heck auf offene Ohren. Die Vertriebenenarbeit und Eingliederung der Spätaussiedler lebt von dieser Förderung und ist darauf angewiesen. So bleiben die Verbände arbeitsfähig und auch zukunftsfähig. Die Landesregierung setzt eigene und zwar beachtliche Maßstäbe, – auch im Vergleich zu anderen Bundesländern“, dankte Margarete Ziegler-Raschdorf. Die Blaskapelle „Weindorf“ aus Johannisberg und das „Dialog-Quartett“ Frankfurt bot den musikalischen Rahmen.

Steffen Hörtler, Roland Jäger und die Ehrenurkunde.

� SL-Kreisgruppe Hof

Diamantehe Die oberfränkische SL-Kreisgruppe Hof mit Kreisobmann Adalbert Schiller und seinem Stellvertreter Jürgen Novakowitz gratulierte Alois und Helga Freunek zur Diamanthochzeit und brachten ein Geschenk.

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lois Freunek ist seit mehr als 50 Jahren Mitglied der SL-Ortsgruppe Schwarzenbach am Wald. Er war viele Jahre im Ortsvorstand und 18 Jahre lang Stadtrat. Nach der Wende organisierte er jedes Jahr Busfahrten in seinen Heimatort Schölschütz bei Brünn, wo er 1935 geboren wurde. Nach der Vertreibung landete seine Familie in Schönwald. 1957 bauten die Eltern mit ihm in Döbra, seit 1972 Teil von Schönbach, ein Haus, das er heute mit seiner fränkischen Frau bewohnt. Der gelernte Autoschlosser arbeitet noch heute bei der Allianz. Die SL dankte ihrem treuen Mitglied für seine Mitarbeit und wünschte dem Jubelpaar Alois und Helga Freunek noch viele gemeinsame und glückliche Jahre.

Adalbert Schiller mit dem Jubelpaar Helga und Alois Freunek.


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg

Maria löst Knoten Weit verbreitet und in unterschiedlicher Art praktiziert in der Ackermann-Gemeinde und bei Sudetendeutschen sind Nepomukfeiern, also Gedenken zu Ehren des bekannten Brückenheiligen Johannes von Nepomuk. Nun bot eine solches Gedenken erstmals auch die Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg. Es fand bei der Nepomuk-Statue nahe der Mündung der Naab in die Donau bei Mariaort nahe Regensburg statt. Und dies stieß auf reges Interesse.

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ie Programmhefte reichten nicht aus, so daß Familien sich eines teilen mußten. Über die gute Resonanz freute sich in der Wallfahrtskirche Mariaort auch Karl Ritzke, der Diözesanvorsitzende der AckermannGemeinde. In seiner Begrüßung stellte er den Zelebranten der Andacht, Domkapitular Josef Kreiml, vor. Der aus dem Bistum Regensburg stammende Priester lehrt an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese Sankt Pölten Fundamentaltheolgie und Ökumenische Theologie, war dort mehrere Jahre Rektor und wirkt in seinem Heimatbistum als Referent in der Priesterfortbildung und als Vorsitzender des Institutum Marianum. Kreiml wird – zwar nicht als Geistlicher Beirat, aber als zeitweiliger Begleiter – die Verbandsarbeit der Ackermann-Gemeinde unterstützen. Domdekan Prälat Johannes Neumüller sei altersbedingt aus dem Amt als Leiter des Referats Schule/ Hochschule des Bistums ausgeschieden. Als Geistlicher Beirat der Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg werde er, so Ritzke, weiterhin tätig sein, bis ein Nachfolger gefunden sei. Ritzke erinnerte an Johannes von Nepomuks Bitte an die Gottesmutter um Ende August verbrachte der Deutsche Böhmerwaldbund Bayern eine Heimatwoche in Lackenhäuser im Bayerischen Wald. Elfriede Gordon berichtet.

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m Sonntag starteten wir zu unserer Heimatwoche. Langersehnt war sie, nachdem sie im vergangenen Jahr wegen der Pandemie ausgefallen war. Als wir mit dem Sprinter, vollbesetzt mit neun Personen, aus München in Lackenhäuser ankamen, erwartete uns schon eine Handvoll Heimatfreunde aus München, Ingolstadt, Neuburg an der Donau und sogar aus Mannheim. Die Wetterprognose für die kommende Woche war hauptsächlich Regen und nichts als Regen. Aber wir nahmen uns fest vor, uns diese Woche nicht verderben zu lassen. Und das schafften wir. Wir verbrachten eine harmonische Woche gespickt mit täglichen Aktivitäten verschiedener Art unter der Leitung von Renate und Hans Slawik – lustig und wohl bewährt. Herzlichen Dank den beiden. Der Auftakt war wie immer unser Gang zum Mahnmal der Vertriebenen. Den ersten Abend verbrachten wir bei einem gemütlichen Beisammensein und Kennenlernen von neuen Teilnehmern der Heimatwoche. Am Montag ging‘s dann los. Vormittags fuhren wir nach Waldkirchen. Nach einem Stadtrundgang und Einkaufsmöglichkeit besichtigten wir die neu ge-

Hilfe. Er erinnerte auch an den Besuch des damaligen Pilsener Bischofs František Radkovský 1998 in Neutraubling. Dort habe der Bischof im Seitenaltar der Pfarrkirche Sankt Michael vor der „Madonna der Flüchtlinge“ für gegenseitige Versöhnung und Vergebung gebetet. „Bischof František reichte jedem Gläubigen die Hand. Wir alle waren tief gerührt. Heute ist die Freundschaft Karl Ritzke mit unseren Mitchristen jenseits der Grenze eine Selbstverständlichkeit. So wollen wir beten, daß Maria weiter über die Ackermann-Gemeinde, aber auch über alle heutigen Flüchtlinge schützend ihren Mantel hält“, schloß Ritzke. Domkapitular Kreiml wies anfangs darauf hin, daß das Gedenken nicht nur den verstorbenen Mitgliedern der Ackermann-Gemeinde gelte. Es gelte auch dem 2015 verstorbenen Albert Rauch, Seelsorger von Etterzhausen und langjähriger Direktor des Ostkirchlichen Instituts. Dieser sei oft hierher gepilgert. Und Kreiml betonte, daß er auch in Zukunft eng mit der Ackermann-Gemeinde zusammenarbeiten wolle. In seiner Predigt ging er zuerst auf das Bild der apokalyptischen Frau aus der Offenbarung des Johannes – die Frau mit einem Kranz von zwölf Sternen – ein. Diese „kosmische Frau“ streitet in diesem Bild mit dem Bösen, das sie besiegt – und damit alles Böse. „Am Ende steht die Zuversicht, letztlich wird Gott siegen, er wird alles zum Heil wenden“, deutete Kreiml diese Szene. Das Bild von Maria als Knotenlöserin schuf Johann Georg Melchior Schmidtner um 1700. Auch über

dieses Bild sprach Kreiml. Selbst worfenen Johannes von NepoPapst Franziskus kenne und ver- muk. ehre es. Kreiml ermunterte seiVor der Statue bei der Naabne Zuhörer, ihre Anliegen der Brücke betonte Ritzke die BrükGottesmutter und letztlich Gott kenfunktion des Heiligen. „Wir selbst anzuver- haben mit unseren tschechischen trauen. Freunden Brücken gebaut und Er rief die im wollen auch weiter Brücken bauZweiten Welt- en. Bitte Gott für uns um Kraft für krieg und im unsere Arbeit.“ Und auch dem 20. Jahrhundert Apostolischen Protonotar Albert erlebten Verlet- Rauch galt Ritzkes Gedenken. zungen in Erin- „Er hat starke Brücken zum ornerung und zollte thodoxen Christentum geschlader Ackermann- gen. 800 Stipendiaten hat er die Gemeinde Aner- Möglichkeit gegeben, westliches kennung für ihre Christentum kennen und schätVersöhnungsarzen zu lernen und für ihre wissenbeit zwischen den schaftliche und ökumenische ArVölkern Europas, beit die deutsche Sprache zu lerzwischen Bayern und Tschechen. nen. Ob Theologieprofessoren, „Mit unserer christlichen Ver- Patriarchen, Erzbischöfe – imsöhnungsbereitschaft sollen wir mer wieder waren sie Gast in Etauch die Nichtchristen anstek- terzhausen und wurden von den ken“, motivierte er. Die in der Pfarrangehörigen freundlich beEuropafahne sichtbaren zwölf wirtet.“ Mit dem von allen gesunSterne erinnerten zudem an die genen Lied „Mit der Fiedel auf Sterne Marias dem Rucken“, und Johann von musikalisch beNepomuks. gleitet von den „Das soll uns „Zwiefltretern in der AckerKneiting“, und mann-Gemeineinem Gebet für de dazu ermutidie Anliegen der gen, uns auf die Ackermann-GeFürsprache der meinde endeGottesmutter im te der geistliche Herzen Europas Teil. für die Einigkeit Im Gasthaus unserer Völker Krieger freueinzusetzen. Las- Domkapitular Professor Dr. Jo- te sich Ritzke, sen wir uns nicht sef Kreiml. Bilder: Markus Bauer daß dies erste davon abbrinPräsenz-Treffen gen, sondern geduldig wie die nach eineinhalb Jahren CoroGottesmutter Knoten für Kno- na so gut besucht sei. Besonten lösen.“ Auch die Unterzeich- ders hieß er seine Amtsvorgännung der Europäischen Verträge ger Otmar Dostal mit Frau Maam 25. März 1957, dem Gedenk- rianne und Leonhard Fuchs mit tag Mariä Verkündigung, sei ein Frau Roswitha sowie die MitglieSymbol, die Gedanken des Frie- der des Freundeskreises Rauch dens, der Versöhnung und des willkommen. Außerdem stellte Glaubens an Gott zu vertiefen er den neuen Vorstand vor, dem und andere Menschen dafür zu auch Jüngere angehören. Dann gewinnen. trug Ritzke die Legende von JoDie Fürbitten trug Walburga hannes von Nepomuk vor. Den Peter vor. Leonhard Fuchs ver- Abschluß der Feier bildeten Gelas die Namen der 2019 bis 2021 dichte in Hochdeutsch und Baiverstorbenen Verbandsmitglie- risch von Günther Späth. Für der. Karl Ritzke und Marcus Rei- die Musik sorgte auch im Krienert entzündeten für diese fünf ger „D‘ Zwiefltreter Kneiting“ Kerzen in Anlehnung an die fünf mit bayerischen und böhmischen Flammen des in die Moldau ge- Stücken. Markus Bauer

Ostdeutscher Markttag auf dem Bonner Münsterplatz.

Bruna, SL-Kreisgruppe Bonn/Nordrhein-Westfalen

Beim Markttag in Bonn Auch im Coronajahr 2021 fand mitten in Bonn auf dem Münsterplatz der Ostdeutsche Markttag statt. Die Bruna, der Heimatverband der vertriebenen deutschen Brünner, gestaltete einen Stand gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen SLKreisgruppe Bonn.

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uf dem Ostdeutschen Markttag wird alljährlich im Rahmen des Tages der Heimat über Kultur und Geschichte der deutschen Vertreibungsgebiete in Mittel- und Osteuropa informiert. Neben kulinarischen Spezialitäten stellen Heimatkreise wie die aus Brünn und Stolpe, Landsmannschaften, die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und weitere Teilnehmer Bücher, Erlebnis- und Arbeitsberichte und vieles mehr vor. Bei strahlendem Sonnenschein, einem wechselnden musikalischen Programm flanierten Besucher, welche zufällig in der Bonner Innenstadt weilten, durch die Budenvielfalt. Die Stände befanden sich zwischen dem Beethoven-Denkmal und dem Münster, in dem 1314 Friedrich der Schöne von Österreich und 1346 Karl IV. zu deutschen Königen gekrönt wurden. An den Ständen probierten die Besucher Piroggen, Mohnkuchen und weitere Leckerbissen. In farbenfrohe Gewänder gekleidete Deutsche

Deutscher Böhmerwaldbund

Heimatwoche im Bayerischen Wald baute Penninger Brennerei am Stadtrand. Ein absoluter Höhepunkt am Nachmitttag war der Besuch des Kaffeekannen-Museums in Jandelsbrunn: 11 000 gesammelte Kaffeekannen aus 17 Ländern, wunderschöne und abgrundtief häßliche. Die einfachen und mehrfach vorhandenen sind außen am Haus angebracht. Absolut lustig und sehenswert. Mit einem Mensch-ärgereDich-nicht-Turnier begann der Dienstagvormittag. Nachdem die Regeln bekannt gegeben und die Spielbretter ausgelost worden waren, ging es heftig zur Sache. Insgesamt wurden drei Runden gespielt. Während sich die Spieler danach auf das Mittagessen freuten, mußte Hans noch die Punkte auswerten, um die für den Abend vorgesehene Siegerehrung vorzubereiten. Nach einer kurzen Mittagspause machten wir uns auf den Weg nach Haslach an der Mühl in Oberösterreich zu einem Besuch in der Mechanischen Klangfabrik. „Das klinget so herrlich, das klinget so schön“: Diese Verse aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ bezeichnen die überraschende Vielfalt an Musikautomaten der Haslacher Klangfabrik. In stimmungsvollen Erlebnisräumen erfah-

ren die Besucher musikhistorische und technische Details über diese klingenden Wunderwerkn. Augenzwinkernde Zitate und ausgesuchte Musikproben aus der Welt von gestern erzählen von Stimmungen und Unterhaltungsmöglichkeiten der Automaten. Ein Rundgang durch diese nostalgische Welt, in der aufwendige Orchestrien, zierli-

Die Böhmerwälder in Lackenhäuser.

che Glockenuhren, schnarrende Drehleiern, liebevoll gestaltete Drehorgeln, elegante Grammophone und originelle Rückenklaviere zu bestaunen sind, sind ein Fest für Aug‘ und Ohr. Es war ein eindrucksvolles und spannendes Erlebnis. Am Mittwoch, dem einzigen regenfreien Tag, änderten wir das Programm und machten ei-

nen Ausflug zum Kurpark Erlauzwieseler See. Der Erlauzwieseler See, ist ein herrlich gelegener Stausee etwa 2,5 Kilometer östlich von Waldkirchen mit einer kleinen Kneipp-Anlage. Während sich einige sofort auf den 1,5 Kilometer langen Weg um den See machten, sonnten sich andere in der Anlage. Besonders mutige

aus Rußland, Trachtenträger aus Schlesien und Ostpreußen drehten sich auf der Bühne. Manche Interessierte blätterten lieber in den ausliegenden Büchern und Broschüren oder unterhielten sich mit den Standbetreuern. Die Bruna hatte viel BrünnLiteratur mitgebracht. Für den schnellen Leser gab es ein kurzes Faltblatt. Ausführlicher war die breite Darstellung über Kultur und Geschichte „Brünn im Wandel der Zeit“. Wer, angeregt von den Bruna-Ausstellungen, etwas über herausragende Brünner Persönlichkeiten wissen wollte, konnte im „Lexikon berühmter Brünner Persönlichkeiten“ fündig werden. Über das dunkle Geschichtskapitel, den Brünner Todesmarsch mit 5200 Opfern, informierte das ausliegende Buch „Němci ven“. Wer etwas über die Brünner Mundart wissen wollte, konnte sich in „Brinnarisch“ informieren. Stephan Rauhut, der Bundesvorsitzende der Schlesier, eröffnete den Markttag mit einer Ansprache. Er freute sich, daß der Versuch eines Verbots der Veranstaltung durch die regierende Rot-Rot-Grüne Koalition im Stadtbezirk Bonn kläglich gescheitert sei. Veranstaltungen, wie der Markttag, führte Rauhut aus, seien aktive Kulturpflege und trügen zur Integration und zur Völkerverständigung bei. Rudolf Landrock wagten sich in das Kneipp-Bekken. Frisch gestärkt nach einem guten Essen, fuhren wir am Nachmittag nach Schöneben. Von dort ging es zum Moldaublick, wo wir bei bestem Wetter einen Traumblick auf den Moldaustausee erleben konnten. Danach ging es weiter zur Jausenstation Blauer Hirsch in Sonnwald im Kreis Ulrichsberg, die vor allem wegen der riesigen „Auszognen“, das sind Krapfen, bekannt ist. Manche machten einen Abstecher zur Rotbach-Schleuse am Schwarzenbergischen Schwemmkanal. Für Donnerstagvormittag war Ausruhen angesagt. Ein Ausflug nach dem Mittagessen führte nach Freyung zur Weinfurtner Glashütte. Nach einer Vorführung blieb noch genügend Zeit, um die Glaswerke zu bewundern oder Geschenke zu kaufen. Am Freitag besuchten wir das Heimatmuseum in Schwarzenberg, das in der alten Schule untergebracht ist. Ferdinand Stiller erzählte uns viel über Adalbert Stifter, unter anderem, daß Stifter maßgeblich für die Neugestaltung des Schulwesens auch in Schwarzenberg zuständig gewesen sei. Den Abschlußabend gestalteten wir mit einem Film über den Böhmerwald und anschließend mit einigen Spielen. Wir hatten wieder eine sehr erholsame Woche ohne Fernseher und Funktelefon verbracht. Und die Küche unter Renate Wögerbauer und ihren Helferinnen hatte uns gut versorgt.


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

� Heimatkreis Bärn

Der Heimat treu geblieben Unter dem Motto „Vor 75 Jahren vertrieben, aber der Heimat treu geblieben“ fand am ersten Septemberwochenende das 59. Bärner Heimatkreistreffen im hessischen Langgöns statt.

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Holger Kruschina zelebriert einen Gottesdienst in der Kirche Sankt Katharina in Regensburg. Bilder: Mathias Kotonski

� Sudetendeutsches Priesterwerk

Abendsitzungen im Bierkeller Mit nur noch leichten Coronabeschränkungen konnte das deutsch-tschechisch Priestertreffen des Sudetendeutschen Priesterwerkes in diesem Jahr wieder stattfinden.

S

echzehn Priester und Diakone aus sieben deutschen Diözesen und Ordensgemeinschaften und vier tschechischen Bistümern trafen sich Mitte September im Kloster der Redemptoristen im oberpfälzischen Cham. Die Tage waren geprägt vom gemeinsamen Stundengebet und Gottesdiensten. Immer war das Singen und Beten abwechselnd tschechisch, deutsch und lateinisch. Am ersten Tag gab es einen Ausflug in die Bischofstadt Regensburg. Der Vorsitzende des Sudetendeutschen Priesterwerkes, Holger Kruschina, der selbst in Regensburg studiert hatte, war ein versierter und didaktisch glänzender Stadtführer. In der Kirche Sankt Katharina feierte die Gruppe die Heilige Messe. Am zweiten Tag tauschte die Gruppe ihrer Erfahrungen in der Coronaepidemie aus. Es zeigte sich, daß die Situation nicht nur in den beiden Ländern sondern auch in den verschiedenen Regionen eines Landes ganz unterschiedlich war. Es gab, bei allen Einschränkungen und Verlusten, auch Erlebnisse, die aufblitzten und Mut machten. Eine Not kann auch wertvolle Erfahrungen ermöglichen und Hoffnung bewirken. Einig waren sich alle: „Nach Corona wird nicht wie vor Coro-

na werden. Wir müssen uns an Veränderung gewöhnen, in der Gesellschaft und in der Kirche“. Am Nachmittag stellte Martin Lenz das Hilfswerk Renovabis zur Stärkung von Kirchen und Gesellschaften in Mittel-, Ost- und Südosteu­ ropa vor. Anschließend gab es einen regen Austausch über konkrete Projekte. Am dritten Tag besprach die Gruppe die Vorbereitungen für die kommende Bischofssynode in Rom. Es gab einen lebhaften Austausch über Erwartungen und Hoffnungen. Gerade diese Gesprächsrunde beflügelte das Ziel der Tagung, sich besser kennenzulernen und einander zu verstehen. Dank ihrer guten Deutschkenntnisse konnte ein intensives Gespräch mit den acht tschechischen Priestern geführt werden. Vielleicht die wichtigsten Einheiten waren die „Abendsitzungen“ im Bierkeller bei denen deutsche und tschechische Witze zu hören waren und einige alte Lieder, die nicht im Gotteslob stehen. Der letzte Ausflug führte nach Roding. Nach einer Führung durch die Kirche des Heiligen Pankratius‘ und einer Eucharistiefeier dort fuhr die Gruppe zur Wallfahrtskirche Heilbrünnl. Einkehr und Vesper schlossen eine Tagung ab, bei der viele Freundschaften geschlossen und vertieft wurden. Die Gruppe einigte sich, ein nächstes Treffen im Jahr 2022 am 27. Juni in Stěkeń/ Stieken bei Strakonitz zu planen. Gerald Warmuth

Die deutschen und tschechischen Priester in Regensburg.

Kritische Tschechen hätten kurz nach der Vertreibung den Deutschen selbst die Schuld an ihrem Schicksal gegeben und die 1945 entstandenen BenešDekrete als gerechte Strafe gesehen. Heute erfolgten immer mehr Zeichen der Versöhnung durch junge Tschechen. Nach dem Vortrag ging man zur Ehrung weiterer verdienter Vereinsmitglieder und Ortsbetreuer über. Für zehn Jahre Mitglieschaft erhielt Hans Kolb (Heidenpiltsch) das silberne Ehrenzeichen. Hans Lichtblau (Bärn) wurde für 15  Jahre Mitgliedschaft und sein großes Engage-

renzeichen in Gold des Heimatkreises ausgezeichnet. Einige Worte von Karl-Heinz Keiner, der seit Jahren die SanktAnna-Wallfahrten nach Altwasser organisiert, und das gemeinsam gesungene Kirchenlied „Meerstern wir dich grüßen“ ließen den offiziellen Teil des Heimatkreistreffens ausklingen. Ein Bildervortrag von Hans Lichtblau rundete das Treffen ab, bevor man endgültig zur persönlichen Begegnung und zum „teschkerieren“ im Saal des Bürgerhauses von Langgöns überging. Abschließend sei dem Vorstand des Heimatkreises Bärn –

orona- und bahnstreikbedingt fand die Ortsbetreuertagung mit der Mitgliederhauptversammlung des Heimatkreisvereins mit weniger Teilnehmern als üblich statt. Bei dieser Gelegenheit erhielt Karlheinz Potsch das Ehrenzeichen in Gold für 15 Jahre Ortsbetreuung von Christdorf und Wilfried Morbitzer das Ehrenzeichen in Silber für zehn Jahre Ortsbetreuung von Schönwald. Heimatkreisbetreuer und Vereinsvorsitzender Peter Jurenda verwies auf die enorm wichtige Rolle der Ortsbetreuer. Sie seien durch ihre Beiträge und Veröffentlichungen im „Bärner Ländchen“ als Brückenbauer unverzichtbare Säulen für den Kontakt mit der Heimat. Am Sonntag begrüßte Peter Jurenda die Landsleute und gedachte der Toten. Vorstandsmitglied Edith Schäfer/Willscher hielt dann einen Wortgottesdienst. Die musi- Hans Kolb, Inge Kohler, Julia Nagel, Peter Jurenda, Gerlinde Röhm und Johann kalische Begleitung bot Rei- Lichtblau. ner Sommerlad am Keyboard. Traditionell wurden Lieder der ment in Bezug auf die Homepage den Organisatoren – gedankt, Deutschen Messe von Franz des Heimatkreises mit der Gol- die wieder eine Begegnung Schubert gespielt und gesungen. denen Treuenadel bedacht. Für der Vertriebenen, HeimattreuAnschließend gedachte Juren- zehn Jahre Ortsbetreuung wur- en und Nachgeborenen mögda der Vertreibung vor 75 Jah- de Julia Nagel (Rudelzau) mit lich gemacht hatten. Wir wissen ren. Allen Widerständen wie den dem Ehrenzeichen in Silber ge- alle, was es bedeutet und vor alBeneš-Dekreten und dem Nicht- ehrt. Gerlinde Röhm (Groß-Dit- lem wie viel Verantwortung daimmer-Willkommensein in der tersdorf) erhielt für ihre 20jähri- hinter steht, in Zeiten von Corospäteren Bundesrepublik zum ge Tätigkeit als Ortsbetreuerin na und unter strengen HygieneTrotz, hätten die Vertriebenen die Verdienstmedaille des Hei- bedingungen Veranstaltungen das Beste aus ihrem Schicksal ge- matkreises. Für ihre großen Ver- von größerem Umfang zu planen macht. Mit immensem Fleiß und dienste um den Verein – darun- und auszurichten. Ein besondeunerschütterlichem Willen hät- ter als langjähriges Vorstands- rer Dank geht dabei an Krimhilten sie zum Wiederaufbau bei- mitglied in mehreren Ämtern de Faetsch, die als Vorstandsmitgetragen, hätten es geschafft sich – und für 13 Jahre Ortsbetreu- glied quasi immer und überall zu integrieren und eine neue Exi- ertätigkeit wurde Ingeborg Koh- zur Stelle war, wenn jemand gestenz aufzubauen. ler (Heidenpiltsch) mit dem Eh- braucht wurde. al

� BdV-Kreisverband Groß-Gerau/Hessen

Mahnmal-Spirale enthüllt Auf Initiative des hessischen BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau entstand das Mahnmal „Menschlichkeit überwindet die Spirale von Haß und Gewalt“ und wurde jüngst am Dornberger Schloß in GroßGerau enthüllt.

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as Mahnmal zeigt Kinder, Frauen und Männer, die sich in einer Dr. Christean Wagner sich öffnenden Spirale sich an den Händen halten: Sym- Will zu einem gemeinsamen Erbol für den Zusammenhalt aller gebnis geführt. Das wurde in der Menschen und das gegenseiti- von Hans-Josef Becker modege Vergeben. Der Architekt und rierten Veranstaltung den gut 60 Künstler Gerhard Habermann Gästen vorgestellt. entwarf das Mahnmal, die FirEine auf der Spirale angema Metallkultur fertigte es. Der brachte Tafel zitiert Sätze aus der Kreis Groß-Gerau unterstützte Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950: „Wir hadas Vorhaben. Das Denkmal sei zugleich ben unsere Heimat verloren. Gott ein Zeichen gegen das Verges- hat die Menschen in ihre Heimat sen, sagte Helmut Brandl vom hineingestellt. Den Menschen BdV-Vorstand. „Dieses Denk- mit Zwang von seiner Heimat mal soll verdeutlichen und mah- trennen, bedeutet, ihn im Geinen zugleich, daß das Recht auf ste töten.“ Und: „Wir rufen Völdie Heimat als eines der von Gott ker und Menschen auf, die guten geschenkten Grundrechte der Willens sind, Hand anzulegen Menschheit anerkannt und ver- ans Werk, damit aus Schuld, Unwirklicht wird.“ Vertreibungen glück, Leid, Armut und Elend für dürften nicht das Ergebnis krie- uns alle der Weg in eine bessere gerischer Handlungen sein. „Nur Zukunft gefunden wird.“ Helmut Brandl dankte den der Verzicht von Rache und Vergeltung auf erlittenes Unrecht Geldgebern, die sich neben dem kann den Weg für ein friedvolles BdV-Kreisverband und der SLKreisgruppe an der FinanzieMiteinander der Völker ebnen.“ Die Idee zu einem für den rung beteiligten: dem hessischen Kreis zentralen Mahnmal sei Innenministerium, der Kreisspar2016 während einer 70-Jahr-Fei- kasse Groß-Gerau sowie weiteer der Ankunft der ersten deut- ren Sponsoren. Sein Dank galt scher Heimatvertriebener im auch einer Bläsergruppe der Kreis gereift. Schließlich hätten Siebenbürger Musikanten aus Gespräche mit Landrat Thomas Pfungstadt sowie der BdV-Mu-

sik- und Gesangsgruppe Biebesheim/Dornheim. Landrat Will ging mit einem Wort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf den Schriftzug ein: „Deutschland hat ein massives Problem mit Haß und Gewalt.“ Heute dominierten in bestimmten Kreisen nationale Interessen, seien demokratiefeindliche Haltungen schick, beförderten Haß und Hetze nicht nur die Spaltung in der Gesellschaft, sondern mündeten in handfesten Terror. „Genau in diesen Zeiten ist Ihr Plädoyer für Menschlichkeit ein starkes Zeichen.“ Weitere Grußworte sprachen Stefan Sauer MdB und der Groß-Gerauer Altbürgermeister Helmut Kinkel. Der im ostpreußischen Königsberg geborene Christean Wagner zitierte die Königsbergerin Hannah Ahrendt, der zufolge das Heimatrecht das erste Menschenrecht sei. Der frühere hessische Kultus- und Justizminister ist heute Vorsitzender der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen. Er wies darauf hin, daß gegenwärtig 80 Millionen Menschen auf der Flucht seien. „Die Erinnerung an die von einem Teil unseres Volkes erlittene Vertreibung gibt uns die Berechtigung und die moralische Verpflichtung, zu den aktuellen Vertreibungen nicht zu schweigen.“ Der Verlust der Heimat löse Schmerz, Schock und nicht selten Traumata aus. Die Vertreibungen von damals sollten nicht vergessen werden. sfr

Sudetendeutsches Priesterwerk: Geschäftsführer Harald Jäger und Vorsitzender Holger Kruschina. Bilder: Mathias Kotonski

� SPW

Endlich präsent Mitte September fand im Exerzitienhaus der Redemptoristen im oberpfälzischen Cham die Mitgliederversammlung des Sudetendeutschen Priesterwerks (SPW) statt.

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er Vorsitzende des Sudetendeutschen Priesterwerks, Regionaldekan Holger Kruschina, freute sich sichtlich, nach den Corona-Einschränkungen die anwesenden Mitglieder nach über einem Jahr wieder bei einer Präsenzveranstaltung begrüßen zu können. Anlaß war die Mitgliederversammlung, die 2020 nicht durchgeführt werden konnte und nun nachgeholt wurde. Nach der Begrüßung gedachte der Vorsitzende mit einem Gebet der Verstorbenen. Dabei erwähnte er Markus Goller, den Zweiten Vorsitzenden des Priesterwerks, der im vergangenen Jahr plötzlich im Alter von 47 Jahren gestorben war. Dem Bericht von Holger Kruschina war zu entnehmen, daß das Jahr 2020 sehr von Corona geprägt war. Sämtliche traditionellen Veranstaltungen seien ausgefallen. Der Vorstand habe sich fast nur bei Video-Konferenzen getroffen. Auch das Spendenaufkommen sei rückläufig gewesen. Im diesem Sommer habe wieder die Urlaubswoche für tschechische Priester (Ý SdZ 34+35/2021) und der Sudetendeutsche Schwesternkongreß (Ý SdZ 38/2021) stattfinden können. Da allerdings die Teilnehmerzahlen des Schwesternkongresses in den letzten Jahren stark rückläufig gewesen seien, werde er in Zukunft nicht mehr durchgeführt. In diesem Jahr stünden noch das deutsch-tschechische Priestertreffen (Ý links) an, und zwar unmittelbar nach der Mitgliederversammlung, sowie die Exerzitien für Priester in Freising. Zu den Vertretungen nach außen habe vor allem der Kontakt zur Ackermann-Gemeinde sowie die Teilnahme an Koordinierungstreffen der Sudetendeutschen Seelsorge und am Sudetendeutschen Tag gehört. Geschäftsführer Harald Jäger legte den Geschäftsbericht, die Jahresrechnungen für 2019 und 2020 und den Haushaltsplan für 2021 vor. Alles fand die einstimmige Zustimmung der Versammlung. Ein Wirtschaftsprüfer bestätigte die ordnungsgemäße Kassenführung und Vermögensverwaltung. Holger Kruschina hatte also allen Grund Jäger für seine zuverlässige und korrekte Tätigkeit zu danken. Zwei Anträge zur Änderung der Satzung, in denen es darum ging, Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen und Beschlußfassungen auch online oder im Briefverfahren durchzuführen, fanden einstimmige Zustimmung. In der Hoffnung, daß keine weitere Corona-Welle kommt, wurde vereinbart, daß die nächste Mitgliederversammlung mit Jahrestagung vom 27. bis 30. März im Exerzitienhaus Schloß Fürstenried in München stattfinden. Dabei ist auch ein Besuch im Sudetendeutschen Museum vorgesehen. Mathias Kotonski


Reicenberger Zeitung

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

Stadt und Kreis Reichenberg

Kreis Deutsch Gabel

Nordböhmi[e Um[au

Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de

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Kreis Friedland

Blick in die Liebiegstadt heute.

Kreis Gablonz

Bild : Archiv MML

Reichenberg

Wird das Liebiegstädtchen zur Denkmalschutzzone erklärt? Die ursprünliche ArbeitersiedFür den Stadtarchitekten Jiří lung des Textilfabrikanten Lie- Janďourek ist die Liebiegstadt bieg, das sogenannte Liebieg- absolut bemerkenswert, und städtchen, tschechisch zwar in architektonischer Liebiegovo městečko, wie in stadtgeschichtin Reichenberg soll licher Hinsicht. Zuunter Denkmaldem biete sie auch schutz kommen. eine authentiDie Stadtregiesche Atmosphärung will zusamre. „Wenn sich men mit den die Bürger ReiDenkmalschütchenbergs deszern jetzt das sen bewußt werVorhaben mit den, halten sie den Reichenauch die Errichberger Bürgern tung der Denkbesprechen. „Wir malschutzzone möchten die offefür richtig.“ nen Fragen klären Die Erbauer, Naund die Vorteile eimensgeber und Bener Denkmalsitzer waren die Johann Liebieg schutzzone für Textilbarone diesen Teil von Liebieg. Johann Reichenberg verdeutlichen“, er- Liebieg senior (1802–1870), der klärt Jana Kodýmová, die Spre- Begründer dieser Textildynacherin des Reichenberger Rat- stie, arbeitete sich vom simplen hauses. Tuchmacher zu einem der erfolgreichsten Industriellen der Doie sogenannte Liebiegstadt naumonarchie empor. Für seine ist vermutlich eines der hi- gewerblichen Verdienste wurde storisch bedeutendsten Stadt- er geadelt und hieß ab 1868 Joviertel Reichenbergs. Die alte hann Freiherr von Liebieg. SeiSiedlung der Textilarbeiter mit ne Nachkommen führten die FirSchule, Kindergarten und Feu- ma erfolgreich weiter und wurerwehrhaus wurde im Anschluß den auch als Kunstsammler und an die Textilfabrik Johann Lie- generöse Mäzene geschätzt. bieg & Co ab Mitte des 19. bis in Unter anderem finanzierten sie die zwanziger Jahre des 20. Jahr- den Bau des neuen Reichenberhunderts gebaut. Anders als die ger Rathauses mit und trugen prächtigen Jugendstilbauten des in hohem Maß zum allgemeinen gehobenen Bürgertums präsen- Wohlstand der Stadt bei. tiert sich der Jugendstil hier als Nach 1945 ging Liebiegs Texsozialer Wohnungsbau, einzigar- tilfabrik an die Firma Textilana tig in seiner Art. über, nach 1989 übernahm die

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Stadtverwaltung einen Teil der Häuser, die mittlerweile in Privatbesitz sind. Die einst „komfortablen“ Arbeiterwohnungen entsprechen natürlich nicht mehr dem heutigen Standard. Sie müssen renoviert und modernisiert werden. Eine Rücksprache mit dem Denkmalamt ist bisher nicht zwingend, und gerade das ist das Problem. Unsensible Renovierungen könnten den historischen Charakter zerstören. „Die Errichtung der Denkmalschutzzone regte das Nationale Denkmalschutzamt (NPÚ) schon

2011 an. Vor vier Jahren brachte die Stadtregierung das Thema erneut zur Sprache, aber auch damals konnten sich die Stadtpolitiker nicht einigen“, erklärt Zuzana Koňasová von der Kanzlei des Stadtarchitekten. In der Zwischenzeit seien aber bereits einige nachteilige Renovierungen durchgeführt worden. „Deshalb empfahlen wir der Stadtregierung eine Bürgerdiskussion.“ Im August fand eine öffentliche Besichtigung statt, eine weitere mit Denkmalschützern, Historikern, Architekten und Ver-

tretern der Stadtregierung im September. Bürgermeister Jaroslav Zámečník bestätigte das Interesse am Erhalt dieser historischen Zone. Er sagte die Unterstützung der Stadt zu, zum Beispiel mit einem Fonds für die sachgemäße Instandsetzung der wertvollen Objekte. Als weitere Hilfestellung wurde ein Handbuch erstellt, das die sensible Renovierung der historisch wertvollen Stadtflächen erklärt. „Es handelt sich hier keineswegs um Einschränkungen der Hauseigentümer, sondern um sinnvol-

Blick auf das Liebiegstädtchen in deutscher Zeit.

le Ratschläge für eine vernünftige Rekonstruktion, die auch den Wert der Immobilie steigern würde“, betont Janďourek. Die Reichenberger Denkmalpflege-Zweigstelle bietet schon jetzt allen Bewohnern der Liebiegstadt eine fachgerechte Unterstützung bei jeder Art von Rekonstruktion. Laut Zweigstellenleiter Miloš Krčmář kann die Errichtung einer städtischen Denkmalschutzzone auch mehrere Jahre in Anspruch nehmen, wobei der Denkmalschutz jeweils vom aktuellen Stand ausgeht.


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REICHENBERGER ZEITUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

� Medaille der Stadt Reichenberg

Sonja Hefele geehrt Für ihr außerordentliches und vielfältiges Engagement wurde Sonja Hefele aus Augsburg im Rahmen eines feierlichen Empfangs in der nordböhmischen Partnerstadt Reichenberg mit der Medaille der Stadt Reichenberg ausgezeichnet.

Nach Einlagen des Reichenberger Kinderchors „Severáček“ und der Laudatio von Jan Randáček überreichte Bürgermeister Jaroslav Zámečník Hefele die Medaille. Die Stadt Rei-

ßerdem prominente Persönlichkeiten, die die 20jährige Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten geprägt hatten. Sonja Hefele ist freiberufliche Journalistin sowie Förderin des

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er feierliche Akt, die Verleihung der Medaille an Sonja Hefele, fand Ende September im Festsaal des historischen Rathauses von Reichenberg statt. Anlaß war das 20jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Reichenberg und Augsburg. Die Verleihung der Medaille hatte Jan Randáček vorgeschlagen, der sein Amt als Direktor der Regionalgalerie in Reichenberg Ende 2020 nach zwölf Jahren aufgeben hatte. Die Regionalgalerie ist die fünftgrößte Galerie in der Tschechischen Republik. Ende 2020 gelang ihm ein bedeutender Karrieresprung von Reichenberg in das Europäische Parlament nach Brüssel. Dort arbeitet er nun in der Abteilung, die die Kunstsammlung des Europäischen Parlaments verwaltet.

Sonja Hefele unterschreibt im Goldenen Buch der Stadt. Bild: Stanislav Beran chenberg würdigte ihren vorbildlichen Einsatz und dankte ihr für ihre besondere Verdienste. Gekommen waren aus Reichenberg Vertreter der Stadt sowie Mitglieder des Stadtrats und der Stadtverwaltung. Die Partnerstadt Augsburg hatte eine Delegation entsandt, zu der auch Oberbürgermeisterin Eva Weber gehörte. Eingeladen waren au-

kulturellen Austauschs und der tschechisch-deutschen Verständigung. Sie kam am 5. Februar 1949 in Reichenberg zur Welt. 1965 konnte sie mit ihren Eltern nach Deutschland übersiedeln. Ihre neue Heimat fand sie in Augsburg. Zu ihrer ersten Aktivität im Bereich des Kulturaustauschs gehört die 1999 in Augsburg gegründete Agentur Arte­

fakt – Kulturmanagement, die sich auf die Organisation und Durchführung von Kultur-Veranstaltungen und -Austausch zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland konzentriert. Seit 2005 ist sie persönlich an der Organisation der Kulturtage „Dialog Reichenberg–Augsburg“ beteiligt. Sie gehört zu den Personen, die sich dauerhaft und mit besonders intensivem persönlichen Einsatz für den kulturellen Bereich und das gesellschaftliche Miteinander der Städte Augsburg und Reichenberg einsetzen. Im Jahr 2010 wurde sie zur Ehrenpräsidentin der DeutschTschechischen Gesellschaft in Augsburg und Schwaben ernannt. Sonja Hefele hat ihr Leben der Suche nach neuen tschechisch-deutschen Beziehungen gewidmet. Mit ihrer menschlichen Einstellung, ihrem Fleiß und ihrem Engagement ist sie ein Vorbild und eine Inspiration für viele Tschechen und Deutsche, die die Gelegenheit hatten, sie persönlich oder beruflich kennen zu lernen. Stanislav Beran

� Georgswalde/Schluckenauer Zipfel

Deutscher Krippenbauer gedacht Die ursprünglichen Gräber der deutschen Krippenschnitzer aus Georgswalde, tschechisch Jiříkov, im Schluckenauer Zipfel existieren nicht mehr. Ihre Grabstätten nutzen heute die neuen tschechischen Bewohner der Stadt. Die alten Meister sind aber nicht vergessen.

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ine Gedenktafel auf dem Georgswalder Friedhof erinnert an die berühmte Krippenbauertradition des Schluckenauer Zipfels. Sie wurde Mitte September vom Stellvertretenden Bürgermeister Jindřich Jurajda enthüllt.

Verdienst an dieser Initiative trägt der örtliche Krippenverein. „Weihnachtskrippen beeinflussen die Kultur nicht nur hier im Ort, sondern weit hinaus über die Grenzen. Die lange Geschichte wurde erst durch die Nachkriegsvertreibung der Deutschen unterbrochen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Odlřich Podzimek. Die Gedenktafel befindet sich an der Innenseite der Friedhofsmauer rechts des Eingangstors. Sie erinnert an l  Josef Diessner „Bauerntois“ (1867–1945), den ersten

Kunstschnitzer in Georgswalde; l  Josef Kunert, bekannt als Musikalischer Wirt (1865–1920) und Schöpfer der größten beweglichen Weihnachtskrippe in Georgswalde mit 350 Figuren; l  Franz Josef Krebs (1831– 1896), Gründer der Weihnachtskrippenfirma Krebs & Sohn in Georgswalde und Hersteller der Schrankkrippen; l  Josef Krebs (1860–1940), Sohn und Nachfolger von Franz Josef Krebs. Dagmar Kopečná-Bosáková fertigte die Gedenkplatte nach dem Entwurf von Podzimek. Der Verein hatte zuvor die Broschüre „Auf den Spuren der Krippenbauer und Schnitzer von Jiříkov“ herausgegeben. Die Kosten für die Platte übernahm die Stadt. „Wir unterstützen gern die Krippenbauer. Wir haben ihnen auch im historischen Gebäude der ehemaligen Sparkasse Räume für ihre Tätigkeit und Ausstellungen zur Verfügung gestellt“, ergänzte Bürgermeister Josef Maják. Der Verein hat derzeit 42 Mitglieder, ein Drittel davon waren bis vor kurzem Kinder. „Corona

hat uns viele Kinder und Jugendliche weggenommen, während des Lockdowns haben sie sich andere Hobbys gesucht“, bedauert Podzimek. Heuer bereitet er sich auf eine landesweite Ausstellung von Kinderkrippen vor. „Wir haben in den letzten Jahren immer bis zu 120 Krippen von Kindern vor Weihnachten zusammengetragen“, fügt er hinzu. Vor sechs Jahren gründete Oldřich Podzimek mit sechs Freunden den Verein. Enge Zusammenarbeit verbindet die Georgswalder Krippenbauer mit Gleichgesinnten im sächsischen Schirgiswalde. Gemeinsam retteten sie bereits viele Krippenschätze. Der Verein besitzt Werke von alten und heutigen Meistern, in verschiedenen Techniken und Materialien gefertigt. Glas, Ton, Holz und Zinn verwandten die Krippenbauer. König der Krippenbauer in Schluckenau ist Eduard Kindermann. Dessen Krippe restaurierte der Verein. Sie ist sein wertvollster Besitz. In der heutigen Form wurde sie 1932 installiert, sie hat aber einen Kern, der von 1923 stammt. Damals feierte Schluckenau 700jähriges Bestehen. Petra Laurin

� Neustadt an der Tafelfichte/Friedland

Wohnmobil-Dieb gefaßt Mitte September meldete ein aufmerksamer Neustädter Bürger der Polizei, daß in einer ehemaligen Sandgrube in der Nähe von Neustadt an der Tafelfichte ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen geparkt sei. Außerdem würden sich in der Nähe verdächtige Personen aufhalten. Die Polizei fuhr sofort zum Tatort.

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ls die Polizei am Tatort eintraf, fand sie das geparkte Wohnmobil tatsächlich im Wald in der Nähe der Sandgrube. Dann entdeckten sie in einiger Entfernung einen Mann. Als der Mann sie sah, begann er wegzulaufen. Die Polizei holte den Verdächtigen nach ein paar Metern ein. Er war ein 23jähriger Ausländer. Am Tatort stellten die Beamten fest, daß das Auto im Wert

von mehr als einer Million Kro- scheidung des Gerichts in einer nen am Vortag in Deutschland Zelle festgehalten wird. gestohlen worden war. Der AusDie Polizei schätzt den Geländer, der unter Drogeneinfluß samtschaden auf 1 200 000 Krostand, kam in Polizeigewahrsam. nen. Die Polizeibeamten bedankAm nächsten Tag leitete die Reichenberger Kriminalpolizei ein Ermittlungsverfahren gegen den Tatverdächtigen ein. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Haftstrafe von zwei bis acht Jahren. Gleichzeitig stellte die Polizei einen Antrag auf Festnahme, dem stattgegeben wurde, so daß der Mann nun bis zur Ent- Das gestohlene Wohnmobil.

Rolf Bartosch und Petr Benda organisieren und koordinieren die Rettungsoperation. Bild: Roman Sedláček

� Grottau/Reichenberg

Orgelretter gesucht Der Holzwurm hat die Orgel der Grottauer Sankt-Bartholomäus-Kirche befallen. Sie muß saniert werden. Ohne den Enthusiasmus und die Hilfe der Bevölkerung wäre dieses Mammutaufgabe nicht zu bewältigen. Bereits mehr als 50 Bürger unterstützen das Vorhaben. Jetzt rief auch Martin Půta, Hauptmann der Reichenberger Region, die Grottauer zum Mitmachen auf.

Organist und Reparateur

Rolf Bartosch, ein Kirchenorganist mit deutschen Wurzeln aus Grottau, kämpft seit Jahren gegen den Verfall der Orgel. Doch der Holzwurm beendete im Sommer 2020 alle seine Bemühungen. Die angefragte Fachfirma hielt eine Reparatur für kaum machbar. Sie schlug eine neue Orgel vor mit teilweisem Einbau der alten Pfeifen. Der Preis für die einfachste Ausführung sollte drei Millionen Kronen betragen. Und so stand die katholische Pfarrei in Grottau vor einem Riesenproblem.

Rolf Bartosch wurde als talentierter Jungmusiker schon mit 13 Jahren Organist in Grottau. Aus seiner Liebe zu Orgel und Musik wurde ein Beruf. Der begnadete Orgelspieler repariert Musikinstrumente. In der Freizeit nimmt er mit seinem Freund Petr Benda auch die anfallenden Reparaturen an seiner Kirche vor. Ihnen ist auch zu verdanken, daß der Glockenturm wieder besichtigt werden kann. Die Grottauer Orgel hat eine bewegte Geschichte, die Mitte des 17. Jahrhunderts in der Prager Altstadt begann. Von Jeronym Altmann gebaut, erklang sie das erste Mal 1654 in der Prämonstratenser-Kirche des heiligen Benedikt. Diese wurde 1676 abgerissen, die Orgel abgebaut und 1714 in der Nachfolgekirche Zu den heiligen Norbert und Benedikt von Leopold Burghardt wieder aufgestellt. Anläßlich der Schließung dieser Kirche durch Joseph II. im Jahr 1785 wurde die Orgel nach Grottau verkauft, wo sie drei Jahre später der Zittauer Orgelbauer Johann Gottlob Tamitius überholte und in der Bartholomäus-Kirche aufstellte. 1909 baute der Prager Orgelbauer Heinrich Schiffner in das historische Gehäuse ein nagelneues Orgelwerk ein.

Mut und Abenteuerlust

Weitere Helfer gesucht

Es bedurfte einer ordentlichen Portion Mut und Abenteuerlust um das in Angriff zu nehmen, was andere nicht gewagt hätten. Die Entscheidungslast lag auch auf dem örtlichen Pfarrer Radek Vašinek. Rolf Bartosch und P ­ etr Benda stellten sich der Aufgabe, organisieren und koordinieren das Vorhaben während ihrer Freizeit und nehmen manche komplizierten Reparaturen selbst vor.

Die Orgelpfeifen werden über zwei Manuale und ein Pedal vom Spieltisch gesteuert. Dabei wird der Druck auf die Taste über die Traktur mechanisch, pneumatisch zu den Ventilen unter den Pfeifen geleitet. Und gerade diese schwer zugänglichen Verbindungsteile fielen dem Holzwurm zu Opfer. „Größere Reparaturarbeiten erfolgten zwar 1977, allerdings sparten die Handwerker die schlecht zugänglichen Stellen aus“, erklärt Sedláček. Das Rettungsprojekt für die Orgel läuft weiter. Wer eine Orgel-Patenschaft übernehmen will, findet alle Informationen unter www. hradek.eu/varhany oder Telefonnummer (0 04 20) 7 25 60 16 00. Zu den Sehenswürdigkeiten in Grottau, einer Stadt im Dreiländereck mit knapp 7500 Einwohnern, zählt auch die Kirche des heiligen Bartholomäus. Erbaut wurde sie 1268, nach der Zerstörung durch die Hussiten 1466 wurde sie wieder aufgebaut und 1568 im Renaissancestil renoviert. Petra Laurin

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it 50 Jahren sollte man bereits alles haben, was man verdient“, schrieb Martin Půta kurz vor seinem runden Geburtstag auf Facebook. Wer ihm eine Freude bereiten wolle, möge die Rettung der Orgel in der Kirche des heiligen Bartholomäus unterstützen. Und das ist wirklich der Mühe wert. Das älteste erhaltene Teil der Orgel, das barocke Gehäuse, entstand 1654.

Fachleute ratlos

Erfindungsgeist

ten sich gleichzeitig bei dem aufmerksamen Informanten, dem sie es zu verdanken hatten, daß sie den Dieb fassen konten. Stanislav Beran

kann. Da waren Erfindungsgeist und Handfertigkeit gefragt. „Der Modellbau bekam hier eine ganz neue Dimension“, kommentiert der Grottauer Roman Sedláček.

So mußte der 350 Kilogramm schwere Spieltisch von der Orgelempore in die Werkstatt im Stadtteil Dönis verfrachtet werden. Eine Herausforderung, die mit Hilfe der örtlichen Feuerwehr gemeistert wurde. Auch die einfachsten Arbeiten wie die Reinigung der Einzelteile kosten Zeit. Die vom Holzwurm befallenen Teile werden in Prag bestrahlt. Das nächste Problem sind die kaputten Bestandteile, die man nirgends mehr kaufen

TERMINE

Bild: Polizei

n  Donnerstag, 23. bis Sonntag, 26.  Juni 2022, Kriesdorf: 65.  Heimattreffen in Jonsdorf, Hotel Gondelfahrt, Großschönauer Straße  38. Zimmerreservierung: Telefon (03 58 44) 73 60, eMail info@hotel-gondelfahrt. de. Das eigentlich sehr viel frü-

her anberaumte Treffen wurde wegen Corona auf kommendes Jahr verschoben. Auskunft: Christian Schwarz, Dr.-Krajnc-Straße 12a, A-6060 Hall in Tirol, Mobil (01 76) 99 93 30 39 oder (0 04 36 99) 11 12 59 56, eMail chris@ clcs.at


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

Dux

Ladowitz

Klostergrab

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Ossegg

Bilin

Teplitz-Schönau

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. ­Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Graupen

Jiří Wolf vom Duxer Stadtmuseum bot anläßlich der Tage des europäischen Kulturerbes Mitte September eine Stadtführung zu Barockdenkmalen. Im zweiten und letzten Teil ihres Berichtes über diese Stadtexpedition schildert Jutta Benešová drei Kapellen.

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ie Heymann-Kapelle trägt italienische Züge. Porzellan und Glas sowie Muscheln aus den Gewässern um Dux schmücken ihre Fassade. Das Innere der Kapelle ist leer, nichts erinnert mehr an ein Gebetshaus. Obwohl die Kapelle unter Denkmalschutz steht, ist sie unzugänglich, weil sie jetzt auf einem Privatgrundstück steht. Das Schicksal ereilte Johann Christoph Heymann 1703 vor seinem Haus, als er von Räubern erstochen wurde. Jiří Wolf vom Stadtmuseum in Dux zeigte uns dazu eine alte Druckschrift aus dem Archiv: „Des bekannten Diebes, Mörders Lips Tullians und seiner Complicen Leben und Übelthaten“. Demnach kam es am 16. Oktober 1703 zwischen der zweiten und dritten Morgenstunde zum Mord durch Samuel Schickel, der ein Mitglied der berüchtigten Mörderbande des sächsischen Räubers Lips Tullian war. Erfüllt mit neuen Kenntnissen begab sich die Gruppe nun zur Sankt-Barbara-Kapelle. Sie ist gut erhalten, und es finden dort auch regelmäßig Gottesdienste statt. Dort befand sich auch ab 1702 bis Ende des 19. Jahrhunderts der Alte Friedhof, auf dem einst der berühmte Bewohner des Duxer Schlosses Giacomo Casanova beigesetzt wurde. Seine Grabstätte existiert jedoch nicht mehr. Und niemand weiß, wo seine sterblichen Überreste geblieben sind. Nur eine Legende berichtet, daß seine Grabstätte gleich neben dem Eingang der Kapelle sein müsse, denn die Damen beklagten sich, daß auf dem Weg zum Gottesdienst eine Hand aus

Die Sankt-Barbara-Kapelle.

Die Heymann-Kapelle.

�  Dux – Teil II und Schluß

Stadtexpedition zu Barockdenkmalen

Buntglasfenster in der frühgotischen Kapelle auf dem Duxer Friedhof.

Dr. Jiří Wolf, die alte Schrift über den Räuber Lips Tullian und Barockexperte Tomáš Vorlíček.

Bilder: Jutta Benešová

Niklasberg

dem Grab nach ihren Röcken gegriffen habe. Auch der Fund eines Schädels bei Sanierungsarbeiten um die Kapelle herum konnte kein Nachweis für Casanovas Grab sein. Wolf nimmt als Experte an, daß man bei der Auflösung des Friedhofes die Überreste in einem Beinhaus gelagert habe, welches früher hinter der Kapelle gestanden habe. Octavio Broggio errichtete 1723 die Sankt-Barbara-Kapelle anstelle einer spätgotischen Kapelle. Eine Statue der heiligen Barbara um 1750 schmückt den Altar, und das Gemälde „Abendmahl des Herrn“ stammt aus der alten Sankt-Georgs-Kirche. Auf dem Fußboden befinden sich Grabsteine, die kaum noch zu entziffern sind. Außen an der Kapelle stehen Empire-Grabsteine, bei denen besonders auffällt, daß die Familiennamen ausgekratzt wurden. Neben dem Eingang befindet sich eine Gedenktafel, die an Casanova erinnert. Hinter der Kapelle steht noch eine barocke Statue des heiligen Johannes von Nepomuk. Das letzte Besichtigungsobjekt des Rundgangs zu barocken Denkmalen war die Friedhofskapelle auf dem jetzigen Duxer Friedhof, der um 1860 entstand. In der um diese Zeit erweiterten Friedhofskapelle, die 2007 in einen modernen Verabschiedungsraum umgebaut wurde, gibt es noch Reste der vorherigen Kapelle, die schon seit 1636 dort stand. Zu ihr gelangt man durch eine kleine Nebentür. Man nutzt sie nun als Lagerraum. Sie hat zwei Buntglasfenster mit den Namen der Donatoren zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch dort spürt man noch den Genius loci vergangener Zeiten, wie in der Heymann-Kapelle, obwohl diese Kapellen längst ihre sakrale Verwendung verloren haben. Dort endete unser Rundgang. Und unser aller Dank gilt Wolf, der uns mit seinem reichhaltigen Wissen ein Stück Vergangenheit nahebringen konnte.

Johannes-von-Nepomuk-Statue


HEIMATBOTE

14 Bischofteinitz

Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Bürgermeister Libor Picka, Kristýna Pinkrová und Blanka Triščová, Pfarrer Klaus Oehrlein und Josef Simon, Karl Reitmeier, noch einmal Kristýna Pinkrová, Eva Krčmáriková, Ladislav Ptáček und Lenka Pučaliková.

Buch über Weißensulz

Autoren, Fotografen, Historiker und ein Pfarrer Anläßlich des 900jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung von Weißensulz, tschechisch Bělá nad Radbuzou, wurde in der frisch renovierten Scheune des Ortes vor einem großen Interessentenkreis das zweisprachige Handbuch der Geschichte der Region Weißensulz vorgestellt.

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erantwortlich für das 303 Seiten starke Werk mit dem Titel „Unterwegs durch die Region Weißensulz. Po pěšinách Bělskem“ ( HB 37/2021) ist die Historikerin des Chodenmuseums in Taus, Kristýna Pinkrová, die sich schon mit dem Buch „Achtung Grenze. Pozor Hranice“ einen Namen machte. Auch Ladislav Ptáček, Radka Kinkorová und Karl Reitmeier trugen wesentlich zur Entstehung des Buches bei. Ptáček war schon beim

Buch „Achtung Grenze“ als Mitautor aufgetreten. Für das Lektorat war Lenka Pučaliková aus Pilsen zuständig, als Übersetzerin fungierte Eva Krčmáriková aus Taus. Auch sie waren zur Buchvorstellung gekommen. Diese erfolgte durch Bürgermeister Libor Picka, der die an der Herstellung des Buches beteiligten Personen herzlich begrüßte. Unter ihnen waren auch Pfarrer Klaus Oehrlein aus Würzburg und Josef Simon aus Lauf bei Nürnberg. Allen, die sich bei dem Buch eingebracht hatten, dankte Picka. Den Kontakt zu Oehrlein und Simon, die unter anderem wertvolles Bildermaterial zur Verfügung gestellt

hatten, hatte Karl Reitmeier hergestellt. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds fördert das

Buch. Herausgeber ist der Tauser Verein für Kultur und Entwicklung Chodsko Žije! (Das Chodenland lebt!). Es kostet 15 Euro. Erhältlich ist es im Info-Zentrum von Weißensulz, im Choden-

museum in Taus oder bei Kristýna Pinkrová unter der eMail kristyna.pinkr@gmail.com. Deutsche Interessenten können das Buch bei Karl Reitmeier, Telefon (0 99 72) 3 17 49 oder per eMail unter k.reitmeier@tonline.de bestellen. Kristýna Pinkrová präsentiert in dem Buch die Geschichte der Region Weißensulz vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart und führt den Leser entlang Hunderter bislang meist unveröffentlichter Bilder durch die Landschaft. Am seltensten sind Fotos nicht mehr existierender Dörfer, die sie von Nachkommen von ehemaligen Bewohnern erhielt. „Mein Vermittler in

Parallel zur Buchpräsentation läuft eine Fotoausstellung über die Region Weißensulz.

Deutschland war Karl Reitmeier. Ohne ihn hätte ich kaum so viele wertvolle Materialien bekommen“, bemerkt Pinkrová. Sie fand unter den Fotos auch wertvolle Stücke. Ihre eindrucksvollste Entdeckung war ein Bild von der Weihe einer neuen Feuerwehrspritze, was damals ein großes Ereignis gewesen war. Dank dieses Bildes fand sie heraus, wo das Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs stand. Das Buch beschreibt nicht nur Weißensulz und Umgebung. Es schildert auch Heiligenkreuz/ Újezd Svatěho Křiže, Plöss/Pleš, Eisendorf/Železná, Schmolau/ Smolov und Wistersitz/Bystřice mit deren weitläufigen Umgebungen. Außer dem Buch „Unterwegs durch die Region Weißensulz“ stellte Bürgermeister Libor Picka einen Bildband von

Blanka Triščová über „Weißensulzer Schönheiten“ vor. Gleichzeitig eröffnete die zweisprachige Foto-Ausstellung. Diese zeigte auch Bierflaschen aus der einstigen Brauerei in Weißensulz. Die Ausstellung läuft bis 6. Oktober Montag und Mittwoch 7.00 bis 11.30 und 12.00 bis 17.00, Dienstag und Donnerstag 7.00 bis 11.30 und 12.00 bis 15.00 sowie freitags 7.00 bis 13.30 Uhr. Notwendig ist, vorher Blanka Triščová, Telefon (0 04 20) 7 75 67 93 95, anzurufen, damit sie die Scheune aufsperrt. Wer nicht bis nach Weißensulz fahren möchte, kann diese Ausstellung ab 18. Oktober auch im Chodenmuseum in Taus besichtigen. Sie beginnt an diesem Tag mit einer Vernissage um 17.00 Uhr. Dabei wird auch das Buch noch einmal genauer vorgestellt.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 39 | 1. 10. 2021

Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Prozession zur Schloßkapelle.

Bilder: Siegfried Zeug

Bischof Tomáš Holubs Schlußsegen.

� Haid

30. Loreto-Fest dauerte vier Tage Am zweiten Septemberwochenende fanden Festtage anläßlich der erneuerten Loreto-Wallfahrt in Haid vor 30 Jahren statt.

B

ereits am Donnerstag begannen die Feierlichkeiten mit einem Eröffnungskonzert in der Dekanalkirche Sankt Nikolaus. Dort bot die Pilsener Philharmonie unter ihrem japanischen Gastdirigenten Chuhei Iwasaki

und mit der Sopranistin Karolína Janů Stücke von Antonín Dvořák und Wolfgang Amadeus Mozart. Am Freitag folgte eine Messe mit Neupriester Pater Tomáš Kadlec aus Taus, der auch den Primizsegen spendete. Höhepunkt war der Wallfahrtsgottesdienst am Samstag mit dem Pilsener Bischof Tomáš Holub. Er fand im Umgang vor dem Klattauer Altar mit 45 Pil-

Die Fußwallfahrer mit Pfarrer Georg Hartl rechts hinten.

Heimatkreisbetreuer Wolf-Dieter Hamperl berichtet über zwei Barockgemälde für das Tachauer Heimatmuseum.

I

m Juli 2018 starb die Haiderin Luise Rauch in Grafing im oberbayerischen Landkreis Ebersberg. Sie hinterließ ein umfangreiches Testament, in dem sie den Heimatkreis mit 5000 Euro bedachte. Der Testamentsvollstrecker, ein Münchener Anwalt, ließ sich bisher viel Zeit. Die Möbel und übrigen Einrichtungsgegenstände des Wohnzimmers vermachte Luise Rauch dem Museum der Stadt Grafing. Diese Gegenstände haben zwar keinen direkten Bezug zu Grafing, die Erblasserin hatte lediglich die Antiquitäten über den befreundeten Grafinger Möbelschreiner Lang bezogen. Das kleine Museum in Grafing konnte nur einen Biedermeier-Sekretär in seine Sammlung aufnehmen, die anderen Gegenstände

gern, darunter 15 aus Deutschland, statt. Unter ihnen war Pfarrer Klaus Oehrlein aus Würzburg, Tachaus Heimatkreisvorsitzender Wolf Dieter Hamperl sowie die treuen Pilger und Gönner Renate und Günther Schmidt. Konzelebranten waren Generalvikar Jakub Holík und Haids Pfarrer Martin Duchoslav. Als der sympathische Bischof zu Beginn der Messe mit einem freundlichen Lächeln in die Runde blickte, flogen ihm schnell die Herzen der Pilger zu. In seiner Predigt ging Holub auf die schwierige Situation zwischen Maria und Josef ein. Maria sei unverheiratet schwanger gewesen. Nun habe sich Josef die Frage gestellt, von wem? Doch sei ihm im Traum ein Engel erschienen und habe gesagt: „Hab‘ keine Angst Josef, es ist der Wille Gottes, daß dies alles geschieht. Fürchte dich nicht, diese Wahrheit anzunehmen, sorge für das Kind und gib ihm den Namen Jesus.“ Und so sollten auch wir Menschen uns nicht fürchten, wenn wir im Leben mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert würden. Auch

wir sollten uns dem Willen Gottes anvertrauen. Nach der Predigt bekamen Holub, Holík und Duchoslav Blumen. Der Haider Chor unter Milada Moravecová und Orgelmusik begleiteten die Messe wunderbar. Nach dem Segen des Bischofs formierte sich die Prozession, angeführt vom Mesner Michal Moravec mit dem Vortragekreuz. Ihm folgten Christel und Franz Kaas aus Waidhaus mit den Fahnen von Frauenbund und Marianischer Männerkongregation sowie die vier Träger mit der schwarzen Madonna, die hohe Geistlichkeit, und die Pilger. Durch den Schloßpark erreichte der Zug die Schloßkapelle, wo die Lauretanische Litanei gesungen wurde. Nach der Rückkehr ins Loretoheiligtum wurde die Mutter Gottes zur weiteren Verehrung vor dem Klattauer Altar aufgestellt, und der Bischof erteilte den Schlußsegen. In der Sakristei konnten sich alle bei einem Imbiß stärken. An den zwei Markttagen erfreuten sich viele Besucher an den Angeboten zahlreicher Fieranten, so daß auch die weltlichen Genüsse nicht zu kurz kamen. Am Sonntag zelebrierte Gemeindepfarrer Duchoslav in der

Früh den letzten Gottesdienst der Jubiläumsfeierlichkeiten in der Pfarrkirche Sankt Nikolaus. Der Waidhauser Pfarrer Georg Hartl hatte an der Messe nicht teilnehmen, da er zeitgleich den Gottesdienst in Alt- Heimatkreisbetreuer Dr. Wolf-Dieter Hamperl mit einer zedlisch zele- Tachauer Freundin. brierte. Gleich danach fuhr er den etwa zehn gelegt. Dadurch sei vieles oberFußwallfahrern entgegen. Er traf flächlich geworden. Maria sei ein sie am alten Grenzübergang, ließ Gegenbeispiel für diese Haltung: sein Auto stehen und marschier- Sie höre, sie bete, sie folge den te mit nach Haid. Zwei Frauen Weisungen Gottes. Diese drei waren schon früher losgegan- Haltungen dürften wir uns bei gen. Abends trafen sich die rund Maria abschauen und mehr und 25 Pilger, darunter fünf Tsche- mehr zu eigen machen in unsrem chen, in der Loreto zum deutsch- alltäglichen Tun. sprachigen FußwallfahrergotDanach fand eine Lichterprotesdienst, zelebriert von Pfarrer zession im Kreuzgang, durch die Hartl. Gnadenkapelle und das Heilige „Schauen“, sagte Pfarrer Hartl Haus mit Gesang der Grüssauin seiner Predigt, stehe heute er Marienrufe statt. Etwas Erhoim Vordergrund. Täglich erleb- lung gab es dann auch für Pfarrer ten wir eine Bilderflut. Wichtig Hartl, für diesen unermüdlichen sei, daß die „Optik“ stimme. Auf Mann Gottes, beim Kirchkaffee das „Outfit“ werde großer Wert in der Sakristei. SZ/KO

� Nachlaß einer Haiderin

Heimatmuseum erbt Brückenheiligen wie Möbel, Teppiche, Steingut, Porzellan und Heiligenfiguren wurden Mitte September vor dem Museum versteigert. Die von der Fernsehsendung „Kunst und Krempel“ des Bayerischen Rundfunkts bekannte Sabine von Poschinger hatte die Antiquitäten vorab geschätzt und leitete die Versteigerung. Überrascht hat sowohl die Zahl der Journalisten wie der Interessenten. Bis auf eine Aloisius-Figur wurde alles versteigert. Manfred Klemm, Ortsbetreuer von Tirna, wohnt im Landkreis Ebersberg. Er hatte mich auf die Versteigerung aufmerksam gemacht. Ich ersteigerte zwei barocke ovale Heiligenbilder für unser Heimatmuseum in Weiden in der Oberpfalz. Beide Bil-

Ich war der einzige Bieter und erhielt den Zuschlag für 400 Euro pro Bild. Den Betrag zahlen wir aus dem Erbe von Luise Rauch. Damit haben wir in unserem Heimatmuseum nun auch ein Bild unseres böhmischen Nationalund Brückenheiligen Johannes von Nepomuk.

der stammen nach der Experti- Säulen eines Barockaltares ken- seitlich eines Barockaltares einer se aus Böhmen und wurden wohl nen. Da dies sehr selten ist, neh- Schloßkapelle hingen. Die Bilder um 1730 gemalt. me ich an, daß die beiden Bilder tragen keinerlei Beschriftung. Das eine Bild ist eine besonders schöne Darstellung des böhmischen Nationalheiligen Johannes von Nepomuk. Gesicht und Hände sind besonders fein gemalt. Der Maler hat die vornehme und zurückhaltende Art des Heiligen der Verschwiegenheit sehr gut getroffen. Das zweite Bild zeigt den heiligen Antonius mit dem Jesusknaben. Beide Bilder sind gleich groß. Ihre Rahmen sind rötlich marmoriert, wie wir es von den Bei der Versteigerung im Hof des Grafinger Stadtmuseums ist Dr. Wolf-Dieter Hamperl dabei.

Bild: Bernhard Schäfer


VON BÖHMEN IN DIE ARDÈCHE

WERNER REINISCH – NEUE BILDER

Ausstellung 30.09. – 21.11.2021 Dienstag – Sonntag: 10 – 18 Uhr Hochstraße 10 · München www.sudetendeutsches-museum.de

Das Sudetendeutsche Museum in München wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


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Sudetendeutsche Zeitung 1. Oktober 2021 Ausgabe 39 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu