Skip to main content

Sudetendeutsche Zeitung Ausgabe 28 vom 16. Juli 2021

Page 1

Interview mit Daniel Herman, Träger des diesjährigen Karls-Preises (Seite 3)

Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief

Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang

HEIMATBOTE

Postvertriebsstück · Deutsche Post AG · Entgelt bezahlt Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH · Hochstraße 8 · D-81669 München · eMail zeitung@sudeten.de

Jahrgang 73 | Folge 28 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 16. Juli 2021 Sudetendeutsche geehrt

Bayerischer Verdienstorden an zwei Landsleute S. 2

KURSE

Ein besonderer Sudetendeutscher Tag

SL-Landesgruppe Bayern am Grab in Bernau S. 5 Goldene Verdienstmedaille für Christoph Israng S. 8

Z

Mundarten online

Kulturprojekt der Heimatpflegerin gestartet S. 5

Gedenken an Hans Klein Dank an Botschafter

Kultur- und Förderpreise

Laudationes auf die Preisträger S. 10 und 11

Borkenkäfer-Plage

Sorge um die Wälder im Isergebirge S. 21

Briefmarken-Sammlung

Spende an das Sudetendeutsche Museum S. 21

B 6543

Das traditionelle Treffen der Landsleute findet vom heutigen Freitag bis Sonntag in München statt

„Wir werden auch unter diesen herausfordernden Rahmenbedingungen ein eindrucksvolles Zeichen der Geschlossenheit und der Völkerverständigung setzen“, sagt der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, mit Blick auf den Sudetendeutschen Tag, der vom heutigen Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Juli in München stattfindet.

1 CZK = 0,0391 EUR 1 EUR = 25,580 CZK

VOLKSBOTE

um ersten Mal in der Geschichte des Sudetendeutschen Tages findet das traditionelle Treffen der Landsleute nicht an Pfingsten statt. Auf Grund der Corona-Pandemie hatte der Bundesvorstand den Termin auf Mitte Juli verschoben, um Veranstaltungen überhaupt möglich zu machen. Der Sudetendeutsche Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Verantwortung für die Heimat – unser Weg in die Zu-

Sudetendeutscher Tag 2016: Daniel Herman, Bernd Posselt und Horst Seehofer.

kunft“. Ein Höhepunkt ist der Festakt am Samstag mit der Verleihung des Europäischen KarlsPreises an den ehemaligen tschechischen Kulturminister Daniel Herman sowie den Hauptreden des Sprechers der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, und des Bayerischen Mini-

sterpräsidenten Markus Söder. „Der Karls-Preis ist eine große Ehre für mich“, freut sich Daniel Herman im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung (siehe Seiten 3 und 4). Der Preisträger weiter: „Ich verstehe diese Auszeichnung als Unterstützung der deutsch-tschechischen Ver-

ständigung.“ Der Namensgeber, Kaiser Karl IV. , sei eine europäische Persönlichkeit, „deren Vision Markus Söder uns auch heute noch inspiriert“, erklärt Herman und verweist darauf, daß „unsere Vorfahren unter der böhmischen KroCarolina Trautner ne gut zusammengelebt“ hätten. „Diese gemeinsame Geschichte ist für uns tschechische und sudetendeutsche Landsleute eine Verpflichtung, das große Haus Europa gemeinsam weiter zu bauen“, appelliert Herman an die Landsleute diesseits und jenseits der deutsch-tschechischen Grenze.

Bereits am heutigen Freitagabend wird Bayerns Staatsministerin für Arbeit, Familie und Soziales, Carolina Trautner, als Schirmherrschaftsministerin die Sudetendeutschen Kultur- und Förderpreise überreichen. Auf Grund der Pandemie-Beschränkungen ist die Teilnahme an den einzelnen Veranstaltungen des Sudetendeutschen Tages nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Für einzelne Veranstaltungen sind noch wenige Plätze verfügbar. Ausgewählte Veranstaltungen vom Sonntag werden auch per Livestream im Internet übertragen. Das vollständige Programm ist auf Seite 4 und im Internet unter www.sudeten.de aufgelistet. Im Rahmen des Sudetendeutschen Tages ist das Sudetendeutsche Museum an allen drei Veranstaltungstagen geöffnet. Der Eintritt ist frei. Torsten Fricke

BAYERISCHE LANDTAGSABGEORDNETE BESICHTIGEN DAS SUDETENDEUTSCHE MUSEUM IN MÜNCHEN

Die CSU-Delegation vor dem Sudetendeutschen Museum (von links): Museumsdirektor Stefan Planker, Petra Loibl, Prof. Dr. Gerhard Waschler, Dr. Otfried Kotzian (Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung), Andreas Jäckel, Harald Kühn, Fraktionsvorsitzender Thomas Kreuzer, Steffen Hörtler (Stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft), Josef Zellmeier, Dr. Wolfgang Freytag (Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales), Alexander König, Berthold Rüth und Sandro Krichner. Fotos: Fricke

Die SPD-Delegation vor dem Sudetendeutschen Museum (von links): Museumsdirektor Stefan Planker, Claudia Weigl (Parlamentarische Beraterin), Franz Maget (früherer Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion), Verwaltungsleiter Jens Bergmann, Ex-Landesvorsitzende Natascha Kohnen, Dr. Ortfried Kozian (Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung), Dr. Friedrich Weckerlein, (früherer Parlamentarischer Berater), Heimatpflegerin Christina Meinusch, Christa Naaß (Präsidentin der Bundesversammlung) und Volkmar Halbleib. Foto: Schuster

Erinnerung wachhalten, Zukunft gestalten

Über das Museum eine Brücke in die Zukunft schlagen

Besuch 1: CSU-Fraktion Tief beeindruckt war die CSUDelegation unter Leitung von Fraktionschef Thomas Kreuzer nach dem Besuch des Sudetendeutschen Museums. Gleichzeitig unterstrichen die Abgeordneten, daß Bayerns Vierter Stamm weiterhin die vollste Unterstützung genießt.

ein wichtiger Teil unserer eigenen Geschichte.“ Es gelte, die Erinnerung wachzuhalten, aber die Zukunft gemeinsam mit der Tschechischen Republik als Nachbarn zu gestalten. Nach dem Museumsbesuch

trafen sich die Abgeordneten mit dem Sprecher der Sudentendeutschen Volksgruppe und langjährigen Münchner Europaageordneten Bernd Posselt zum Gedankenaustausch im Haus des Deutschen Osten.

W

ir nehmen die Verpflichtung sehr ernst, das Kulturgut der Heimatvertriebenen und Aussiedler für zukünftige Generationen lebendig zu halten“, erklärte Thomas Kreuzer, der Fraktionsvorsitzende der CSU im Landtag. Und Josef Zellmeier, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Vertriebene, Aussiedler und Partnerschaftsbeziehungen, ergänzte: „Flucht und Vertreibung sind

Besuch 2: SPD-Fraktion Der vertriebenenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Volkmar Halbleib sieht das neue Sudetendeutsche Museum als zukunftsweisenden Beitrag zu Verständigung und Versöhnung zwischen Bayern und der Tschechischen Republik. Wie auch als attraktive Möglichkeit der Geschichtsvermittlung an junge Menschen.

D

Volkgruppensprecher Bernd Posselt (links) und Dr. Otfried Kotzian (rechts) diskutierten mit CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer (2. von links) und Josef Zellmeier (Vorsitzender der Arbeitsgruppe Vertriebene, Aussiedler und Partnerschaftsbeziehungen) sowie den weiteren CSU-Abgeordneten über den aktuellen Stand des deutsch-tschechischen Verhältnisses.

as Museum zeige eindrucksvoll die reiche Kulturgeschichte der Sudetendeutschen, aber auch die tragische Geschichte der Volksgruppenkonflikte, der nationalsozialistischen Okkupation von Böhmen und Mähren und der Vertreibung der Sudentendeutschen nach 1945, sagte Halbleib und erklärte: „Ich wünsche mir, daß im Sudeten-

deutschen Museum auch vielfältige Begegnungen junger Menschen aus Bayern und der Tschechischen Republik stattfinden und somit eine Brücke in die Zukunft geschlagen wird.“ Die SPD-Landtagsfraktion habe das Museumsprojekt in seiner über 20jährigen Entstehungsgeschichte von Anfang an politisch unterstützt und mehrfach auf eine rasche Realisierung des Projekts gedrängt, so Halbleib. „Ich bin froh und glücklich, daß das Museum nun eröffnet ist. Die Ausstellung mit vielen sprechenden Exponaten aus dem reichen kulturellen Erbe der Sudetendeutschen und die zeitgemäße Multimedia-Darstellung haben mich stark überzeugt“ sagte Halbleib und äußerte gleichzeitig die Erwartung, daß es in

Zukunft Sonderausstellungen zu besonderen Aspekten der wechselvollen deutsch-tschechischen Beziehungen geben werde. Die SPD-Delegation, zu der auch die frühere Landesvorsitzende Natascha Kohnen, der ExFraktionsvorsitzende Franz Maget sowie die Präsidentin der sudetendeutschen Bundesversammlung und frühere vertriebenenpolitische Sprecherin Christa Naaß gehörten, wurde vom Vorstandsvorsitzenden der Sudetendeutschen Stiftung, Dr. Ortfried Kotzian durch die Ausstellung geführt. Begleitet wurde die Gruppe von Museumsdirektor Stefan Planker, Verwaltungsleiter Jens Bergmann und der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen Volksgruppe, Christina Meinusch.


2

AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16.7.2021

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO Das Prager Sudetendeutsche Büro wurde im Laufe der Zeit bereits von mehreren japanischen Diplomaten besucht. Nachdem der Gesandte Toru Furugori Prag verlassen hatte, um das japanische Kulturzentrum in Singapur zu übernehmen, stellte sich sein Nachfolger Ikuo Shoji bei Büroleiter Peter Barton vor. Auch für das Kaiserreich Japan ist die Sor-

PRAGER SPITZEN

ge um eigene Vertriebene nach dem letzten Weltkrieg kein unbekanntes Thema. Shoji ist in der japanischen Vertretung als Counsellor für den Bereich Political Affairs verantwortlich und berichtet direkt an den japanischen Botschafter in Prag, Hideo Suzuki, der seit September 2020 sein Heimatland in der tschechischen Hauptstadt vertritt.£

Corona: Neue Regeln bei der Einreise

M

Ministerpräsident Markus Söder ehrt Mitbürger für deren hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern

Bayerischer Verdienstorden an sudetendeutsche Landsleute Er gilt als der schönste Orden Bayerns und ist auf 2000 Träger beschränkt: Der Bayerische Verdienstorden wird als „Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk“ verliehen, heißt es im Gesetz. In der vergangenen Woche hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder 49 neue Ordensträger gewürdigt. – darunter auch Bürger mit sudetendeutschen Wurzeln.

räsident Miloš Zeman hat sich am Montag in Lány mit seinem slowenischen Amtskollegen Borut Pahor getroffen. Die Staatsoberhäupter tauschten sich über die Prioritäten der laufenden EU-Ratspräsidentschaft Sloweniens, über internationale und bilaterale Themen sowie die aktuelle Lage in Afghanistan aus. Am Dienstag nahm Pahor am Prague European Summit in der tschechischen Hauptstadt teil, um über aktuellen Fragen der EU zu diskutieren.

Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm mit Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder. Fotos: Bayerische Staatskanzlei

Zwar kein Sudetendeutscher, aber als Heimatminister immer wieder mit sudetendeutschen Themen befaßt, gehört auch Albert Füracker zu den neuen Ordensträgern. Seit 2018 ist Fürakker als Staatsminister für die Be-

Ausgezeichnet: Heimatminister Albert Füracker.

reiche Finanzen und Heimat verantwortlich. „Mit höchster fachlicher Kompetenz, Geradlinigkeit und der ihm eigenen Beständigkeit setzt er sich erfolgreich für seine Heimat Oberpfalz und ganz Bayern

ein. Albert Füracker prägt mit großer Weitsicht an entscheidender Stelle die Entwicklung des Freistaates“, lautet die Begründung für den Bayerischen Verdienstorden an den Staatsminister.

Die Sudetendeutschen

HEIMATBILDER Für den 2022er Kalender der Sudeten­ deutschen Landsmannschaft suchen wir schon jetzt schöne Farbfotos aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien.

Eine Jury wird dann aus den Bildern die­ jenigen aussuchen, die ein vielfältiges Bild der Volksgruppe zeigen und dem Wechsel der Jahreszeiten gerecht werden.

Die Landsmannschaft ruft erneut alle Hobbyfotografen auf, mit der Kamera die Heimat einzufangen. Gesucht werden Motive, die sich mit der Kultur und der Vielfalt der sudetendeutschen Heimat auseinandersetzen: stimmungsvolle Land­ schaften, historische Gebäude und grenz­ überschreitende Begebenheiten. Auch Winterbilder sind gefragt. Den Ideen und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Folgende Angaben sind für jedes Bild erforderlich: exakte Beschreibung, Ort mit Kreisangabe und Datum der Aufnahme, Vor­ und Nachname der/des Fotografin/ Fotografen, Anschrift, Telefonnummer, gegebenenfalls E­Mail­Adresse. Die Fotografen gewährleisten ausdrück­ lich, dass sie das Urheberrecht an den ein­ gereichten Fotos haben und diese frei von Ansprüchen und Rechten Dritter sind. Sie räumen dem SL­Bundesverband uneinge­ schränktes und unentgeltliches Nutzungs­ recht ein und erklären sich mit der Veröf­ fentlichung ihres Namens einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung der CDU/CSU

Sudetendeutsche wieder im Vorstand Mit Iris Ripsam, Rüdiger Goldmann, Heiko Schmelzle, Christoph Zalder und Christa Matschl sind fünf Sudetendeutsche in den Vorstand der Ostund Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU gewählt worden.

M

it 95,2 Prozent der Stimmen ist der ehemalige thüringische Landtagsabgeordnete Egon Primas im Amt als Bundesvorsitzender bestätigt worden. Primas ist auch Mitglied des Präsidiums des Bundes der Vertriebenen (BdV) sowie BdV-Landesvorsitzender in Thüringen. Als Schatzmeisterin wurde Iris Ripsam wiedergewählt. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Stellvertretende Obfrau der SL-Kreisgruppe Stuttgart sitzt außerdem im Stuttgarter Stadtrat. Ripsams Mutter stammt e aus dem Kreis Tetschen-Bodenbach im Elbetal, der Vater aus Sternberg im Altvatergebiet. Unter den fünf Stellvertretenden Vorsitzenden sind mit Rüdi-

ger Goldmann, Heiko Schmelzle und Christoph Zalder drei Sudetendeutsche. Zalder ist außerdem Mitgliederbeauftragter. Schmelzle, dessen Vater aus dem Sudetenland vertrieben wurde, ist Hauptamtlicher Bürgermeister in Norden-Norddeich Die weiteren Stellvertreter sind MdB Bernd Fabritius, der auch Präsident des Bundes der Vertriebenen ist, und Albina Nazarenus-Vetter. Zur Beisitzerin gewählt wurde die ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete Christa Matschl, die im Kreis Brüx geboren wurde. Weitere Beisitzer sind Werner Jostmeier, der hessische Landtagsabgeordnete Andreas Hofmeister, Johann Thießen, Nikolaus Poppitz, Fedor M. Mrozek, Helge Kahnert und MdB Philipp Amthor. Die OMV versteht sich als Sprachrohr für die Vertriebenen und Aussiedler deutscher Volksgruppen aus Mittel- und Osteuropa und hat das Ziel, die Verbindung zu den östlichen Nachbarstaaten zu festigen.

r hat bei der Fußball-EM genauso viele Tore geschossen wie Superstar Cristiano Ronaldo: Mit fünf Toren, aber im Gegensatz zum Portugiesen ohne Vorlagen wurde der Tscheche Patrik Schick Vize-Torschützenkönig. Der 25jährige spielt bei Bayer Leverkusen. Die tschechische Mannschaft hatte bei der EM insgesamt sechs Tore erielt und war erst im Viertelfinale gegen Dänemark ausgeschieden.

Konzert erinnert an den Holocaust

M

gor Stříž ist auf Vorschlag von Justizministerin Marie Benešová (ANO) von der tschechischen Regierung zum Obersten Staatsanwalt ernannt worden. Der Jurist leitete die Behörde bereits seit dem 1. Juli, nachdem Vorgänger Pavel Zeman nach Differenzen mit Benešová aus dem Amt geschieden war.

Chemieunternehmen expandiert in Afrika

Mehr Einkäufe nach dem Lockdown

Igor Stříž folgt auf Pavel Zeman

D

Ausgezeichnet: Bauern-Präsident Walter Heidl.

E

Vize-Titel für Patrik Schick

it einem Konzert von Iva Bittová ist am Montag an die Ausrottung der Juden des sogenannten Familienghettos in Theresienstadt erinnert worden. Die Einwohner des Ghettos wurden von den Nazis nach Auschwitz-Birkenau gebracht und dort umgebracht. Kulturminister Lubomír Zaorálek (Sozialdemokraten) gab in diesem Zusammenhang bekannt, daß der ehemalige Bahnhof Prag-Bubny, von dem während des Zweiten Weltkriegs 50 000 Juden in KZs deportiert wurden, in eine Holocaust-Gedenkstätte verwandelt werden soll.

I

Anzeige

Die digitalen Farbfotos sollen in höchster Auflösung (bitte alle Verkleinerungs­ optionen des Betriebssystems oder E­Mail­Programms abschalten!) per E­Mail an kalender@sudeten.de oder auf einem Datenträger (CD/DVD/USB­Stick) bis Dienstag, 31. August 2021 an die Sudetendeutsche Landsmannschaft (Hochstraße 8, 81669 München) geschickt werden.

Zeman trifft sich mit Präsident Pahor

P

D

ie sportlichen Erfolge von Philipp Lahm sind allgemein bekannt: Acht Mal deutscher Meister und Champions-LeagueSieger mit dem FC Bayern München, Weltmeister als Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft. Weniger bekannt ist, daß Lahm sudetendeutsche Wurzeln hat. Sein Großvater Rudolf stammte aus Schönbrunn im Kreis Tachau. Kaum bekannt ist auch, daß der Ausnahme-Sportler sich abseits des Fußball sozial engagiert und 2007 sogar die Philipp-Lahm-Stiftung ins Leben gerufen hat, die Kinder unterstützt. Sudetendeutsche Wurzeln hat auch der Präsident des Bayerischen Bauernverbands und stellvertretende Präsident des Deutschen Bauernverbands, Walter Heidl, dessen Vater aus dem Egerland stammte. „In seinen Funktionen setzt er sich unermüdlich für die Belange der Bauern ein. In allen agrarpolitischen, ökologischen und ökonomischen Fragen ist er ein Kämpfer für die Wertschätzung der Landwirtschaft in unserer Gesellschaft“, hieß es in der Laudatio.

it der Ausbreitung der Delta-Mutation hat die Tschechische Republik die Einreisebestimmungen verschärft. Grundsätzlich vorgeschrieben sind für Nicht-Geimpfte jetzt vor der Einreise ein negativer Coronatest sowie ein ausgefülltes Einreiseformular. Dagegen benötigen Geimpfte nur das Einreisedokument. „Jeder, der vollständig geimpft ist, sowie die 14tägige Karenzzeit nach der zweiten Impfung hinter sich hat, darf ungehindert einreisen. Und zwar ganz gleich, aus welchem Land er zurückkehrt“, erklärte der tschechische Gesundheitsminister Adam Vojtěch.

lionen Dollar erzielt, will nach der Übernahme weitere 50 Millionen Dollar in die Modernisierung und den Ausbau des Werks investieren. Das Unternehmen, das sich im Besitz von vier tschechischen Familien befindet, ist seit über hundert Jahren am Markt und produziert unter anderem Blausäure und HCN-Chemiestoffe. Außerdem ist das Unternehmen spezialisiert auf die Fertigung von vollsynthetischem und hochreinem flüssigen Cyanwasserstoff, der in Produkten vom Bergbau bis zur Landwirtschaft weiterverarbeitet wird.

er tschechische Chemieproduzent Draslovka Holding plant die Übernahme des südafrikanischen NatriumcyanidHerstellers Sasol South Africa Limited. Der Kaufpreis soll bei 2,23 Milliarden Kronen (87 Millionen Euro) liegen, hat die Firma mitgeteilt. Die Akquise ist die erste große Investition von Draslovka auf dem afrikanischen Kontinent. Das Unternehmen, das einen Jahresumsatz von 80 Mil-

N

ach der erneuten Öffnung der Geschäfte verbucht der tschechische Einzelhandel steigende Umsätze. Im Mai gingen die Zahlen um 5,8 Prozent nach oben, im April waren es 7,2 Prozent, so das tschechische Statistikamt. Allerdings: Mit einem Plus von 15,6 Prozent gegenüber dem Mai 2020 hat der Internet- und Versandhandel deutlich mehr von der Kauflaune der Verbraucher profitiert.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Für seinen außergewöhnlichen Einsatz für die deutsch-tschechische Aussöhnung wird der ehemalige tschechische Kulturminister Daniel Herman am Samstag beim Festakt des Sudetendeutschen Tages in München mit dem Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung appelliert Herman an die sudetendeutschen und tschechischen Landsleute, diesen Kurs der Annäherung weiter fortzusetzen.

3

� Daniel Herman über die gemeinsame Verantwortung der sudetendeutschen und tschechischen Landsleute

Laßt uns gemeinsam das große Haus Europa weiter bauen

H

err Herman, am 15. Mai 2016 haben Sie in Nürnberg auf dem Sudetendeutschen Tag Geschichte geschrieben. Als erstes Mitglied einer tschechischen Regierung haben Sie die offizielle Festrede gehalten. Der damalige Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer nannte Ihre Rede „historisch“, und in der Halle gab es stehende Ovationen, aber auch heftige Kritik in der Heimat. Hatten Sie nicht Angst, daß man in Prag Ihren Rücktritt als Kulturminister fordert? Daniel Herman: Als Kulturminister lag das in meiner Verantwortung. Ich hatte vorher den Premierminister Bohuslav Sobotka von der ČSSD und seine Stellvertreter Andrej Babiš von der ANO-Bewegung und Pavel Bělobrádek von der KDU-ČSL informiert, bin also als Repräsentant der Regierung nach Nürnberg gefahren. Von den Kommunisten und Nationalisten gab es dann zwar die erwarteten Reaktionen, aber ansonsten ist meine Reise in der Tschechischen Republik von der Öffentlichkeit positiv aufgenommen worden. Diese Reise nach Deutschland ist auch eine große persönliche Geste von Ihnen. Ihr Großvater ist am 7. April 1945 im KZ Mauthausen umgekommen. Herman: Ich stamme aus einer halb jüdischen, halb katholischen Familie. Neben meinem Großvater mütterlicherseits sind auch weitere Verwandte unter anderem im KZ Auschwitz und im KZ Dachau ermordet worden. Wie hat Ihre Mutter den Holocaust überlebt? Herman: Als die Gestapo meine Großeltern geholt hat, waren meine Mutti, die damals zehn Jahre alt war, und ihre 12jährige Schwester auf der Straße weinend stehengeblieben. Sie wurden dann von Nachbarn versteckt. Meine Großmutter kam ins KZ Theresienstadt, hat aber Gott sei Dank den Holocaust überlebt. Wo sind Sie aufgewachsen? Anzeige

tische Erfahrungen gesammelt. Ich war anschließend neun Jahre lang Pressesprecher der Bischofskonferenz in der Tschechischen Republik. Sie haben 2007 die nicht leichte Entscheidung getroffen, den Papst um die Zurücksetzung in den Laienstand zu bitten. Warum? Herman: Auf Grund meiner Tätigkeit als Pressesprecher hatte ich sehr viele berufliche Kontakte zu Menschen, die nicht automatisch der Kirche angehörten. Ich habe gemerkt, daß diese Vielfalt für mich erfüllender ist als ausschließlich innerhalb kirchlicher Strukturen zu arbeiten. Der Kardinal hat meine Entscheidung verstanden und mich in dem Prozeß der Laisierung unterstützt, zumal ich nie als Pfarrer gearbeitet hatte. Er blieb auch in meinen späteren Positionen mein wichtigster Berater, und wir waren bis zu seinem Tod eng befreundet. Kardinal Vlk war eine große Persönlichkeit. Wie sind Sie später in die Politik eingestiegen? Herman: Von 2010 bis 2013 war ich Direktor des Instituts für das Studium totalitärer Regime, das sich ähnlich wie die Gauck-

� Zur Person: Daniel Herman �  Geboren am 28. April 1963 in Budweis.

�  1984 bis 1989 Theologie-Studium in Leitmeritz. �  Juni 1989 Priesterweihe.

�  1996 bis 2005 Sprecher der tschechischen Bischofskonferenz. �  2007 Laisierung

Daniel Herman bei seiner historischen Rede auf dem Sudetendeutschen Tag 2016. Herman: Zwanzig Jahre nach dem Krieg haben sich meine Eltern in Guthausen im Böhmerwald niedergelassen, in einer ehemaligen Holzfällersiedlung im Dreiländereck von Böhmen, Bayern und Oberösterreich. Meine Eltern haben dort ein leerstehendes Haus gekauft, ein, wie es bei uns hieß, „Überbleibsel der Deutschen“. Schon als Jugendlicher gerieten Sie ins Fadenkreuz der Státní bezpečnost, dem Staatssicherheitsdienst der Tschechoslowakei. Wie kam es dazu? Herman: Auf Grund meiner jüdischen Vorfahren standen wir im Verdacht, Zionisten zu sein, also Staatsfeinde. Außerdem lebten wir im Grenzgebiet und wurden deshalb besonders beobachtet. Als ich 1980 mit einem Freund am Goldener Steig Materl und Wegkreuze repariert habe, wurden wir plötzlich von einer Militärstreife gestellt. Mit vorgehaltenen Maschinen-

pistolen haben uns die Soldaten dann zum Verhör gebracht. Uns wurde vorgeworfen, wir würden stumme Briefkästen für westliche Agenten einrichten, was natürlich Unsinn war. Das System war nicht mehr anti-deutsch, weil es ja fast keine Deutschen mehr in Böhmen gab, aber es war antireligiös. Die Freiheit, die wir im Glauben fanden, war der damaligen Staatsführung suspekt. Wie sind Sie zum Glauben gekommen? Herman: Bei uns daheim galt das kommunistische Regime als absolut inakzeptabel. Ich habe deshalb nach einer positiven Alternative gesucht, die ich in der Kirche gefunden habe – eine isolierte Insel im Ozean der Unfreiheit. Was haben Sie nach der Matura im Jahr 1982 gemacht? Herman: Ich wollte unbedingt Theologie studieren, aber es war nicht einfach, die Genehmigung für ein Studium zu bekommen.

�  2010

Foto: Fischer

Ich habe erst kurz Pädagogik studiert, dann drei Jahre als Touristenführer auf Schloß Frauenberg bei Budweis gearbeitet, bis der Staatssicherheitsdienst behauptet hat, ich würde in meinen Führungen anti-kommunistische Propaganda verbreiten. Ich mußte dann als Hilfsarbeiter in einer Bäckerei arbeiten. Ich weiß also, wie es sich anfühlt, sehr früh zur Arbeit zu gehen. Als dann in der Sowjetunion mit Michail Gorbatschow die Perestroika begann, gab es auch in der Tschechoslowakei Lockerungen. So wurde Mitte der achtziger Jahre der Numerus Clausus für Theologie abgeschafft, und ich konnte endlich mit meinem Studium beginnen. Im Juni 1989, vier Monate vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, bin ich geweiht worden und war zunächst als Kaplan tätig. Nach der politischen Wende konnte das seit 1972 verwaiste Bischofsamt von Budweis wieder besetzt werden. Miloslav

bis 2013 Direktor des Instituts für das Studium totalitärer Regime. �  2013 bis 2017 Abgeordneter im tschechischen Parlament. �  Januar 2014 bis Dezember 2017 Minister für Kultur in der Regierung Bohuslav Sobotka. �  2017 bis 2019 Stellvertretender Vorsitzender der KDU-ČSL. �  2016 Kunstpreis zur deutsch-tschechischen Verständigung. �  2017 Auszeichnung „Pro meritis scientiae et litterarum“ des Freistaats Bayern. �  2020 Bundesverdienstkreuz. �  Seit 2014 Vorsitzender der Sdružení Ackermann-Gemeinde. �  Seit 2021 Honorarkonsul von Liechenstein. Vlk, der 1990 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Budweis ernannt wurde, holte mich als seinen Sekretär. Auch als Bischof Vlk dann 1991 Erzbischof von Prag wurde, blieb ich seine rechte Hand und koordinierte die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Woher können Sie so gut Deutsch? Herman: Ich habe unter anderem in Eichstätt studiert und in der Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn prak-

Behörde in Deutschland mit der Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur beschäftigt hat. 2013 wurde ich gebeten, bei den Parlamentswahlen für die christlich-demokratische KDU-ČSL zu kandidieren. Als unter der Führung der ČSSD mit der Ano-Bewegung und der KDU-ČSL die Regierungskoalition entstand, wurde ich im Januar 2014 Kulturminister und hatte das Amt bis zu den nächsten Wahlen im Dezember 2016 inne. Fortsetzung Seite 4

Was uns analog stark gemacht hat, macht uns digital noch stärker. We pioneer motion

Es war schon immer unsere Stärke, dass wir Innovation, höchste Qualität, Systemverständnis und Fertigungskompetenz kombinieren. Und genau da machen wir beim Thema Digitalisierung weiter: Wir schauen im Rahmen unserer Digitalagenda, wie wir diese Kompetenzen und Wettbewerbsvorteile unternehmensweit stärken können. Über allem steht das Ziel, digitalen Mehrwert für uns und unsere Kunden zu schaffen. we-pioneer-motion.com

900305_Image Digitalisierung HI2_326x152_DE_ZEITUNG.indd 1

28.06.2021 14:05:53


4

TERMINE . AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16.7.2021

VERANSTALTUNGSKALENDER

Fortsetzung von Seite 3

Daniel Herman: Sein Appell an die Landsleute Herr Herman, mittlerweile haben sich die Rollen geändert. Mit Andrej Babiš stellt die Ano-Bewegung den Premierminister, die ČSSD ist nur noch Juniorpartner und die KDU-ČSL ist gar nicht mehr an der Regierung beteiligt. Wenn man die aktuellen Aussagen führender tschechischer Politiker bewertet, hat man von Deutschland aus den Eindruck, der Aussöhnungsprozeß sei ins Stocken gekommen. Herman: Die Tschechische Republik befindet sich mitten im Wahlkampf, und das beeinflußt alles. Als Optimist bin ich überzeugt, daß die alten Strukturen, und damit die Kommunisten, immer schwächer werden. Die überwiegende Mehrheit der Tschechen steht zur Europäischen Union und ihren Werten, ebenso zur Nato. Am Samstag erhalten Sie im Rahmen eines Festaktes in München den Sudetendeutschen Karls-Preis. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung? Herman: Der Karls-Preis ist eine große Ehre für mich. Ich verstehe diese Auszeichnung als Unterstützung der deutschtschechischen Verständigung. Der Namensgeber, Kaiser Karl IV., war eine europäische Persönlichkeit, deren Vision uns auch heute noch inspiriert. Unsere Vorfahren haben unter der böhmischen Krone gut zusammengelebt. Diese gemeinsame Geschichte ist für uns tschechische und sudetendeutsche Landsleute eine Verpflichtung, das große Haus Europa gemeinsam weiter zu bauen. In Ihrer Rede auf dem Sudetendeutschen Tag haben Sie bereits 2016 davor gewarnt, man müsse Europa vor Haß und Nationalismus schützen. Hat sich diese Befürchtung bestätigt? Herman: Der Brexit muß uns Europäern eine eindringliche Warnung sein. Und in einigen europäischen Ländern bekommen Populisten immer mehr Oberwasser. Für die Tschechische Republik sehe ich aber keine akute Gefahr, obwohl ich natürlich nicht vorhersagen kann, wie die Wahlen ausgehen. Obwohl ich Daniel heiße, bin ich schließlich kein Prophet. Bei der Karls-Preisverleihung hält der Sprecher der Sudeten-

deutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, die Laudatio auf Sie. Wie ist Ihr Verhältnis? Herman: Wir sind seit vielen Jahren befreundet und haben uns erst vor ein paar Tagen beim Deutsch-Tschechischen Diskussionsforum getroffen, wo wir gemeinsam in der Arbeitsgruppe „Dialog ohne Tabus“ arbeiten und Wege suchen, nach den Corona-Reisebeschränkungen das Verhältnis zwischen den Nachbarn wieder zu beleben. An Bernd Posselt bewundere ich seine Rhetorik. Für mich ist er der beste Redner, den ich kenne. Die Ankündigung, daß Sie den Karls-Preis erhalten, hat in der Tschechischen Republik auch Gegner auf den Plan gerufen. Herman: Daß kommunistisch oder nationalistisch geprägte Kreise Kritik üben, war zu erwarten. Das ist Folklore. Sie sind vielfältig aktiv. Sie leiten nicht nur als Vorsitzender die Ackermann-Gemeinde in der Tschechischen Republik, sondern sind mittlerweile Honorarkonsul für Liechtenstein. Wie kam es dazu? Herman: Liechtenstein und Böhmen verbindet eine über siebenhundert Jahre lange Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auch die Liechtensteiner, obwohl sie nicht Deutsche und keine Kollaborateure der Nazis waren, enteignet. Erst seit 2009 haben die beiden Länder wieder diplomatische Beziehungen. Meine Aufgabe ist der Kulturbereich. Dieses Verbindende zieht sich durch Ihr gesamtes Wirken. Da Ihr Großvater von den Nazis im KZ ermordet worden ist, hätte man auch Verständnis dafür haben müssen, wenn Sie jeden Kontakt mit Deutschland und den Deutschen vermeiden würden. Herman: Es waren auch deutsche Oppositionelle, die im KZ saßen. Deshalb ist ein Gedanke, den ich auch bei meiner Rede 2016 ausgeführt hatte, für mich zentral: Es gibt nicht den Deutschen, den Tschechen, den Juden. Es gibt immer nur konkrete Menschen, die sich für ihr Leben und ihre Taten verantworten müssen. Das habe ich auch auf Grund des Schicksals meiner eigenen Familie verstanden. Torsten Fricke

Wie unabhängig ist die Europäische Zentralbank? Dienstag, 20. Juli, 18.00 bis 20.00 Uhr auf Zoom: „EZB – gibt es noch das unabhängige Mandat oder erfolgt ein Tabubruch bei der Geldpolitik?“, Gespräch mit Roland Friedrich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Kissingen. Zur Bewältigung der massiven wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Pandemie haben die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zwischenzeitlich einen riesigen Nebenhaushalt mit gesamtschuldnerischer Haftung („Europäischer Wiederaufbaufonds“) beschlossen. Einige Mitgliedsstaaten sehen darin die Gelegenheit, ihre bei Beginn der Währungsunion nicht durchsetzbaren Forderungen nach gemeinschaftlicher Haftung und umfassenden Transfersystemen voranzutreiben und den für Notsituationen geschaffenen Europäischen Stabilitätsmechanismus zu übergehen. Auf der einen Seite möchte die EZB den Zins tief halten, denn die Konjunktur und Coronahilfsprogramme fördern eine massive Ausweitung der Staatsverschuldung. Auf der anderen Seite hat die EZB sich als Ziel gesetzt, eine moderate Inflation von bis zu 3 Prozent zu dulden, sie aber am Ende auch zu kontrollieren. Noch sind sich die Notenbanker sicher, daß eine Inflationsspirale praktisch ausgeschlossen sei. Roland Friedrich wirft bei seinem Vortrag einen kritischen Blick auf die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung per eMail bis zum Vortag 15.00 Uhr unter hoertler@heiligenhof.de. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Juli – vollständiges Programm auf www.sudeten.de

71. Sudetendeutscher Tag: So sind Sie noch dabei Sudetendeutscher Tag in München. Veranstaltungsorte sind das Sudetendeutsche Haus, das Sudetendeutsche Museum, das Haus des Deutschen Ostens sowie die Philharmonie im Gasteig.

Freitag, 16. Juli, 10.00–18.00 Uhr: Gelegenheit zum Besuch des Sudetendeutschen Museums. 14.00 Uhr: Sudetendeutsche Stiftung und SL-Bundesverband: Verleihung der Sudetendeutschen Kultur- und Förderpreise sowie des Sudetendeutschen Volkstumspreises im Gasteig. Begrüßung: Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung. Festrede: Carolina Trautner, Bayerische Staatsministerin.

im Gasteig an Daniel Herman. Begrüßung: Steffen Hörtler, SLLandsobmann Bayern, und Mario Hierhaber, Bundesvorsitzender SdJ. Grußworte: Katrin Habenschaden, 2. Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München und MdB Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat. Hauptreden: Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, und Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident, und Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe. 19.00 Uhr: Volkstumsabend im Gasteig. Moderator: Roland Hammerschmied.

Sonntag, 18. Juli

10.00–18.00 Uhr: Gelegenheit zum Besuch des Sudetendeutschen Museums. 10.00 Uhr: Pontifikalamt in St. Michael mit seiner Eminenz, Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg. 14.00 Uhr: Festakt mit Verleihung des Europäischen Karls-Preises der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Veranstaltungen im Sudetendeutschen Haus und im Haus des Deutschen Ostens (HDO), die auch live im Internet übertragen werden. Das vollständige Programm auf www.sudeten.de 9.00–9.45 Uhr: „Der Vertrag von Saint-Germain 1919 und die Sudetendeutschen“. Referent: Prof. Dr. Arnold Suppan, Sudetendeutsches Haus. Anmeldung per eMail an: info@ sudetendeutscher-tag.de. 10.00–18.00 Uhr: Gelegenheit zum Besuch des Sudetendeutschen Museums. 10.00–18.00 Uhr: „Identi-

Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Juli, 71. Sudetendeutscher Tag in München (siehe oben). Samstag, 17. Juli, 7.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Kurt Aue: Telefon (08 21) 8 85 37 56, eMail sudetenaue@ koenigsau.de Donnerstag, 22. bis Freitag, 23. Juli, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Verband der deutschen Kultur, Interdisziplinäre Online-Fachtagung mit Diskussion zum Thema „Lebenswelten von Rußlanddeutschen in der Sowjetunion nach 1953 und bis heute“. Die Tagung wird live auf dem Youtube-Kanal der Kulturstiftung übertragen www.bit.ly/ kulturstiftungvideo und anschließend als Aufzeichnung bereitgestellt. Für eine direkte Beteiligung über Zoom sind Anmeldungen bis zum 20. Juli möglich an eMail veranstaltungen@ kulturstiftung.org Freitag, 23. Juli, 18.30 Uhr, Ackermann-Gemeinde Würzburg, Gemeinschaftsgottesdienst. Meßfeier mit Pfarrer Klaus Oehrlein im Freien, anschließend gemütliches Beisammensein in Euerfeld, BruderKlaus-Kapelle. Bitte Gläser, Teller und Besteck mitbringen. Freitag, 23. bis Sonntag, 25. Juli, Sudetendeutscher Rat: Marienbader Gespräche zum Motto „Die Vertreibung – ein Zukunftsthema. Geschichte –

Gegenwart – Perspektiven“. Anmeldung: Sudetendeutscher Rat, Telefon (0 89) 48 00 03 60, eMail sudetenrat@aol.com Sonntag, 25. Juli, 15.00 Uhr: Deutsch-tschechischer Gottesdienst in der Sankt-JakobusKirche in Schwaden (Kreis Aussig). Anmeldung: Brigitta Gottmann, Telefon (0 23 51) 5 11 53, eMail brigitta.gottmann@ t-online.de Mittwoch, 28. Juli, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein: „Adalbert Lanna – der verlorene Ruhm“, Vortrag von Johannes Jetschgo. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, 81669 München, Anmeldung: https:// eveeno.com/adalbert-lana Freitag, 30. Juli, bis Montag, 2. August, SL-Landesgruppe Bayern: Informationsfahrt der Landesgruppe Bayern nach Mähren und Niederösterreich mit der Möglichkeit zur Teilnahme am Brünner Versöhnungsmarsch am Samstag, 31. Juli. Anmeldung: SL-Landesgruppe Bayern, Hochstraße 8, 81669 München, per eMail Geschaeftsstelle@sudeten-by.de oder per Telefax (0 89) 48 00 03 96. Samstag, 31. Juli, 15.00 Uhr: Gedenkveranstaltung auf der Elbbrücke an das Massaker in Aussig von 1945. 18.00 Uhr: Andacht in der Pfarrkirche. Anmeldung: Brigitta Gottmann, Telefon (0 23 51) 5 11 53, eMail brigitta.gottmann@t-online.de. Donnerstag, 5. August, 17.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stutt-

Samstag, 17. Juli

täten der Deutschen aus dem östlichen Europa“. Ausstellung, Haus des Deutschen Ostens. Anmeldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de 10.15–11.00 Uhr: „Die Sozialdemokratie in Tschechien und Mitteleuropa“. Sudetendeutsches Haus, Podiumsdiskussion mit MdEP a.D. Dr. Libor Rouček und Christa Naaß, Präsidentin der Bundesversammlung und ehemalige bayerische SPD-Landtagsabgeordnete. Anmeldung per eMail an: info@ sudetendeutscher-tag.de. 10.30 Uhr: „HDO-Jubiläumskonzert mit Mulo Francel and Friends“. Videovorführung, Haus des Deutschen Ostens. Anmeldung: Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de. 11.30–12.15 Uhr: „SdJ 2035: Was kommt nach der Enkelgeneration?“ Haus des Deutschen Ostens. Podiumsdiskussion mit Bernd Posselt (Sprecher der Sudetendeutschen Volkgsgruppe), Mario Hierhager (Vorsitzender der SdJ), Elisabeth Januschko (Vorsitzende Böhmerwald-Jugend) und Alexander Stegmaier (Vorsitzender Egerland-Jugend sowie Beisitzer im Vorstand der SdJ). Moderation: Torsten Fricke, Chefredakteur der Sudetendeutschen Zeitung. Anmeldung per eMail an

info@sudetendeutscher-tag.de 12.45–13.30 Uhr: „Paul Gebauer: Modernismus versus Heimatkunst“. Sudetendeutsches Haus. Vortrag von Otokar-Fischer-Preisträgerin Anna Habánová. Anmeldung: https://eveeno.com/ habanova-paul-gebauer. 14.00–14.45 Uhr: „Neue Erkenntnisse über Josef Kardinal Beran“. Sudetendeutsches Haus. Vorträge mit Matthias Dörr (Bundesgeschäftsführer der Ackermann-Gemeinde), Historiker Dr. Jaroslav Šebek und Manfred Heerdegen (Ackermann-Bundesvorstand). Anmeldung: eMail an info@ackermann-gemeinde.de oder Telefon (0 89) 2 72 94 20. 14.30 Uhr: „Jude? Deutscher? Tscheche? Komponist Hans Winterberg“. Haus des Deutschen Ostens, Videovorführung eines Gesprächskonzerts. Anmeldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de.

gart: Feier zur Charta der deutschen Heimatvertriebenen im Vorhof des Neuen Schloßes. Begrüßung: Iris Ripsam (Landesvorsitzende BdV und MdB a.D.); Festrede: Dr. Bernd Fabritius (MdB, Präsident BdV, Beauftragter der Bundesregierung); Grußwort: Reinfried Vogler (Vorsit-

zender der Kulturstiftung der Vertriebenen); Schlußwort: Raimund Haser (MdL und stv. BdVLandesvorsitzender); Musikalische Umrahmung: Bläserquartett Feuerbach, Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de

Sondersendung im TV Das Bayerische Fernsehen berichtet in einer Sondersendung am Sonntag, 18. Juli, von 23.30 bis 23.45 Uhr über den 71. Sudetendeutschen Tag in München.

Prof. Dr. Csaba Földes

Deutsch in Ungarn Dienstag, 20. Juli, 19.00 Uhr: „Deutsch in Ungarn: aktuelle Aspekte und Perspektiven“, Vortrag von Prof. Dr. Csaba Földes. Die deutsche Sprache kann in Ostmitteleuropa – so auch in Ungarn – besonders vielfältige Traditionen unter anderem als Muttersprache, als Fremdsprache oder als Minderheitensprache aufweisen. In Ungarn bilden die Deutschen zahlenmäßig die zweitgrößte Minderheit. Der Vortrag fokussiert sich auf die Funktionsbereiche Minderheitensprache und Fremdsprache, mit dem Ziel, eine aktuelle Bestandsaufnah-

me im europäischen Kontext zu erarbeiten und Entwicklungstendenzen zu skizzieren. Földes (geboren 1958) ist Inhaber des Lehrstuhls für Germanistische Sprachwissenschaft und Leiter der Forschungsstelle für Interkulturalität und Mehrsprachigkeit an der Universität Erfurt. Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München. Anmeldung erforderlich unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

5

Premiere für das Digitalprojekt der Heimatpflegerin

Mut tut gut

Heimat im Ohr – Mundart im Netz

Sprache ist lebendige Heimat: Um die Mundarten der Sudetendeutschen auch über die Erlebnisgeneration hinaus zu erhalten, hat die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Christina Meinusch, das digitale Projekt „Heimat im Ohr – Mundart im Netz“ gestartet. Am heutigen Freitag ist Premiere. Das erste Video mit einem Mundart-Protagonisten ist über die Webseite www. sudeten.de oder auf dem YouTube-Kanal „Die Sudetendeutschen“ abrufbar. Anschließend wird täglich ein weiteres der insgesamt zehn Mundart-Videos veröffentlicht.

I

n der jeweils eigenen Mundart präsentiert ein Vertreter einer sudetendeutschen Region eine Geschichte oder eine Erzählung, ein Gedicht, eine Sage oder ein Märchen. „Mit dem Mundart-Projekt wollen wir die sprachlichen Zeugnisse der Vorfahren erhalten, das Heimatgefühl stärken und die Verbundenheit zwischen den Landsleuten erhalten“, erklärt die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Christina Meinusch. Jeder der Protagonisten steht für eine Region und deren Mundart. Ingrid Distler für das Egerland, Rosina Reim, 1941 noch in Rosternitz geboren, für die Wischauer Sprachinsel, Josef Grimm für das Erzgebirge und Leo Schön, 1937 in Braunau geboren, für seine Geburtsstadt. Angela Zumstein, ebenfalls eine gebürtige Braunauerin, spricht sudetenschlesische Mundart. Oswin Dotzauer, ein Angehöriger der Bekenntnisgeneration, präsentiert die Egerländer Mund-

art. Und Harry Höfer, der ebenfalls nach der Vertreibung geboren wurde, spricht Iglauer Mundart. Die Reichenberger Mundart pflegt Urd Rothe-Seliger. Auch sie gehört zur Bekenntnisgeneration und sieht die Mundart als Teil der Kulturpflege der Heimat ihrer Vorfahren. Alois Kuschel ist mit dem Baierischen Dialekt aufgewachsen und hat seine Eltern relativ spät dazu gebracht, mit ihm die angestammte Böhmerwälder Mundart zu sprechen, die er im Rahmen der Böhmerwald Sing- und Volkstanzgruppe München mittlerweile oft verwendet. Und Prof. Dr. Ulf Broßmann ist im Kuhländchen geboren und nutzt die Kuhländler Mundart regelmäßig, um sich mit den tschechischen Kuhländlern auszutauschen. Festgehalten hat die MundartLesungen der TVProduzent Rolf Pietschmann, der ebenfalls sudetendeutsche Wurzeln hat. Gefördert wurde das Mundartprojekt vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales über das Haus des Deutschen Ostens.

Kein Vorrat kann retten

N

Aufzeichnung im Sudetendeutschen Museum in München: Harry Höfer spricht einen Text in seiner Iglauer Mundart. Foto: Schuster

Fast hundert Teilnehmer reisten zum Heiligenhof nach Bad Kissingen

35. Braunauer Heimattage: Endlich wieder ein Treffen unter Landsleuten

Ein in diesem Umfang nicht erwarteter Erfolg war der 35. Braunauer Heimattag, der vom 9. bis 11. Juli auf dem Heiligenhof in Bad Kissingen stattgefunden hat.

E

s war der Hunger nach einem Wiedersehen, nach Gesprächen mit den Schicksalsgefährten und mit den inzwischen vertrauten tschechischen Gästen aus dem Braunauer Ländchen, der fast Hundert Teilnehmer zu einem abwechslungsreichen und interessanten Programm zusammengeführt hatte. Der Hausherr Steffen Hörtler hieß alle deutschen und tschechischen Braunauer herzlich willkommen und würdigte – auch in seiner Funktion als Stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft – das vielfältige qualitätsvolle und zukunftsweisende Wirken des Heimatkreises Braunau. In seinem Grußwort erinnerte der Oberbürgermeister der Braunauer Patenstadt Forchheim, Uwe Kirschstein, an die Entwicklung der sudetendeutschen Heimatvertriebenen von dem Verlust der Heimat über das langsame Heilen der Wunden hin zu dem Bemühen, Trennendes zu überwinden. Umso schlimmer sei es gewesen, daß durch die Corona-Pandemie plötzlich die persönliche Freiheit, die Mobilität und damit die Kontakte mit Freunden und Partnern eingeschränkt wurden. Jetzt könne er besser verstehen, sagte Kirschstein, was den Braunauern und ihren Schicksalsgefährten bei der Vertreibung zugestoßen war, als abrupt das gewohnte Zusammenleben in der angestammten Heimat unterbrochen wurde. Nun gelte es, die Möglichkeit der Wiederbegegnung sowohl mit den Heimatfreunden als auch mit den tschechischen Partnern neu zu erleben. Der Bürgermeister Jaroslav Bitnar der Braunauer Heimatstadt, der jetzigen Stadt Broumov, zeigte sich sehr erfreut und fand es bewundernswert, daß die Organisatoren des Heimatkreises Braunau die Organisation dieses Heimatund Begegnungstreffens trotz aller Belastungen erfolgreich gemeistert hätten.

Yannick Meinusch und Inge Rudolph in ihren Braunauer Trachten umrahmen die Redner beim 35. Braunauer Heimattag auf dem Heiligenhof (von links): Oberbürgermeister Dr. Uwe Kirschstein (Forchheim), Heimatkreisbetreuer Erik Buchholz und Bürgermeister Jaroslav Bitnar (Braunau/Broumov). Er nutzte die Gelegenheit, die Bewerbung der Stadt und Region Broumov/ Braunau als „Europäische Kulturhauptstadt 2028“ vorzustellen. Es sei die Absicht, Broumovsko – also das Braunauer Ländchen – auf diese Weise in ganz Europa bekannt zu machen. Im Hinblick auf den Teilnehmerkreis zeigte sich Bitnar sicher: „Ich bin Braunauer, und ich bin hier unter Braunauern. Wir wissen es, daß Braunau die Kulturhauptstadt ist!“ Erfreulicherweise war aus dem Braunauer Ländchen etwa ein Dutzend Jugendliche und Studenten – zumeist mit dem dortigen Dekan und Pfarrer Martin Lanži – angereist, die sich sofort mit den anwesenden deutschen Braunauer Nachkommen zusammenfanden, um in deutscher, tschechischer oder englischer Sprache ihre Erfahrungen und aktuellen Bezüge zur gemeinsamen jetzigen beziehungsweise Wurzel-Heimat auszutauschen.

Der wiedergewählte Vorsitzende des Vereins „Heimatkreis Braunau/Sudetenland e.V.“ und Heimatkreisbetreuer Erik Buchholz (Gera) umriß in seiner Ansprache die wichtigsten Aspekte von dessen erfolgreichem und fortwährendem Wirken: die vollständige Inventarisierung und Digitalisierung der Bestände und die neue Ausstattung und Gestaltung im Erdgeschoß des Braunauer Heimatmuseums in Forchheim; die Herausgabe des thematisch breit gespannten und modern gestalteten „Braunauer Rundbriefs“; die Existenz von informativen Büchern über die Geschichte, die Kultur, die Wirtschaft und die Bewohner jeder einzelnen Gemeinde im Braunauer Ländchen, die zum Teil in die tschechische Sprache und in einem Fall sogar in die niederländische Sprache übertragen worden sind oder werden; und schließlich die „Tage der Begegnung“, abwechselnd einerseits als Heimattreffen, wie jetzt auf dem Heiligenhof, und anderer-

seits im Rahmen einer Reise von Mitgliedern des Vorstands und des Heimatkreisrats nach Braunau. Dies alles diene der Bewahrung der Geschichte sowie der Kenntnis über die Kulturleistungen der deutschsprachigen Bevölkerung im Braunauer Land und wirke gegen das Verschweigen und das Vergessen, sagte Buchholz. „Ich sage es allen Zweiflern: Wir sind noch da!“ Zu Beginn des Begleitprogramms des Heimattages stand ein Bericht von Pfarrer Martin Lanži über den Zustand der – insbesondere von den Architekten Dientzenhofer im 18. Jahrhundert erbauten – Kirchen in der Braunauer Region und die verschiedenen Renovierungsarbeiten, verbunden mit Informationen über das schwierige pastorale Leben in der dortigen Diaspora. Bei dem kulturellen Nachmittag präsentierte Beate Baron (Bad Oeynhausen) das Leben und Wirken der Schriftstellerin Gertie Hampel-Faltis (1897 – 1944 in Wekelsdorf/Teplice nad Metuji) und trug eine Auswahl von deren einfühlsamen Gedichten vor; die tschechische Übersetzung verlas Helga Buhl (Forchheim). Der Sonntagnachmittag war dem Leben im Braunauer Ländchen nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung in den Jahren 1945/46 gewidmet. Die jetzt in Bayern lebende Dagmar Heeg, geborene Filippovová, berichtete über die Entwicklung ihrer tschechischen Familie, die ab 1946 in Barzdorf ansässig war. Und der Niederländer Ronald Boelhouwer schilderte seinen Weg nach Schönau/Šonov und die zunehmende Besiedlung des Braunauer Ländchens sowie weiterer sudetendeutscher Gebiete durch seine Landsleute. Die Begegnung mit der dort teils zerstörten und teils geretteten kulturellen Substanz habe seine Neugier an der gesamten Geschichte der Sudetendeutschen und ihrer Leistungen geweckt, die er in enger Zusammenarbeit mit dem Braunauer Heimatkreis, dessen Publikationen und dem Heimatmuseum für seine niederländischen Neusiedler aufbereiten und publizieren wolle. Günter Reichert

eulich entdeckte ich eine kleine literarische Perle aus dem Œuvre von Franz Kafka wieder. Es ist die Parabel „Der Aufbruch“, die ich bereits in meiner Gymnasialzeit kennengelernt hatte. In dem kurzen Text befiehlt ein Herr seinem Diener, das Pferd zu satteln, damit er fortreiten könne. Auf die Frage des Dieners „Wohin?“, lautet die Antwort: „Ich weiß es nicht, nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen.“ „Weg von hier!“, dieser Gedanke liegt jetzt im Sommer vielen Menschen auf dem Herzen. Gottseidank erlaubt die derzeitige Corona-Situation mindestens kleinere Reisen. Viele brechen in den Urlaub oder zu Ausflügen auf. Manche machen Wanderungen oder Fahrradtouren. Wir sehnen uns danach, die eigenen vier Wände und die übliche soziale Umgebung zu verlassen, die Welt nicht nur aus der Perspektive unseres kleinkarierten Alltags wahrzunehmen, sondern auch wieder einmal Neuland unter die Füße zu bekommen. Die Aussage des Herrn in Kafkas Parabel läßt kein direktes Ziel des Aufbruchs erkennen. Das könnte man als Ausdruck von Desorientierung interpretieren. Ich sehe es zunächst positiv. Der Mann ist bereit loszulassen und erfüllt damit eine wichtige Bedingung, Neuem begegnen zu können. Ohne loszulassen, kann ein Aufbruch nicht gelingen. Das gilt für den Aufbruch in den Urlaub genauso wie für den Abschied von einem Lebensabschnitt und dem Beginn einer neuen Etappe auf dem Lebensweg. Manche Aufgaben bleiben unerledigt zurück. Manche Probleme bleiben ungelöst. Auch bisherige Vorstellungen, Haltungen und Rituale muß ich loslassen, wenn ich im Leben nach vorne kommen möchte. In der Parabel klingt das Thema des Loslassens aber noch in anderer Weise an. „Du hast keinen Eßvorrat mit“, hält der Diener seinem aufbruchsbereiten Herrn entgegen. Darauf dieser: „Ich brauche keinen, die Reise ist so lang, daß ich verhungern muß, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Eßvorrat kann mich retten.“ Spätestens an diesem Punkt ist klar, daß das hier – anders als der Aufbruch in den Urlaub – ein weitreichendes Abenteuer ist. Der Eßvorrat ist ein Symbol für alles Materielle, was wir oft fälschlicherweise als unverzichtbare Grundlage unserer Existenz erachten. Wenn ich aber an gewissen materiellen Dingen klammere und möglichst viel im Rucksack meines Lebens verstauen will, dann trübt sich mein Blick für alles, was meine Seele unterwegs sättigen kann. Ich würde dann das Glück allein in dem suchen, was ich habe, und nicht in dem, was ich neu finde. Deshalb: „Kein Vorrat kann retten.“ Kafka läßt den Herrn am Ende zum Diener sagen: „Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise.“ Ja, das Leben ist eine ungeheure Reise. Wir wissen es. Aber das Eigenschaftswort „ungeheuer“ muß nicht notwendigerweise das Gleiche heißen wie „schrecklich“. Auch Hoffnung, Freude oder Schönheit können ungeheuer sein, nämlich: riesig, außerordentlich und intensiv. Vielleicht kann uns manches sommerliche Aufbruchserlebnis die Sinne dafür öffnen. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


6

FORUM

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

SL-Landesgruppe Bayern feiert den 90. Geburtstag von Hans „Johnny“ Klein an dessen Grab in Bernau am Chiemsee

Mit freundlicher Genehmigung von Grubert Verhülsdonk Architekten. Studio Merk & Mark, Berlin. Fotograf Mark von Wardenburg

Der Mensch im Mittelpunkt Am Sonntag, das war der 11. Juli, wäre der in Mährisch Schönberg im Altvatergebirge geborene Journalist, Diplomat und Politiker Hans „Johnny“ Klein 90 Jahre alt geworden. Daran erinnerte die SL-Landesgruppe Bayern an seinem Grab in Bernau am Chiemsee.

Lemix Lehmplatten. Ideal für moderne Architektur. ®

Lemix ® verbindet die Vorteile des Baustoffes Lehm mit dem leichten und schnellen Trockenbau. Lemix ® ist die Marken-Lehmplatte für den Innenausbau und kann wie herkömmliche Gipskartonplatten mit allen Freiheiten verplant werden. Lemix ® kommt aus der Region, ist ökologisch, baubiologisch unbedenklich und recycelfähig. Mehr dazu: www.lemix.eu

Ein Produkt von

Die Marken-Lehmplatte

Hiermit abonniert man diese Zeitung Ich/wir bestelle/n zum Bezug per Postzustellung die Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr)

BESTELLSCHEIN

und wähle/n folgenden Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift

Friedhof in Bernau: Der Himmel weint und die Landsleute gedenken.

S

ohn Alexander Klein dankte der SL namens seiner Mutter Ira und seiner Schwestern Nadira Hurnaus und Patrizia Huber. Nach einem Trompetensolo von Georg Hogger sprach Diakon in spe Marc Stegherr geistliche Worte und betete mit allen ein Vaterunser und ein Ave Maria. Mit Hoggers trompetetem „Ave Maria“ verklang das Gedenken auf dem Friedhof. Im Gasthaus Alter Wirt neben der Kirche begrüßte Landesobmann Steffen Hörtler anschließend Johnny Kleins Familie, Gäste und Ehrengäste. Unter diesen war Reinfried Vogler, Vorsitzender der Kulturstiftung der Deutschen Vertriebenen und neun Tage älter als Johnny Klein, Irene Kröff, Obfrau der SL-Kreisgruppe Rosenheim, und Vize-Landrat Sepp Hofer. Aus Hörtlers Worten sprachen Zuneigung und herzliche Verehrung, die nicht zuletzt die Familie berührten. „Unser Braunauer Landsmann Günter Reichert war in den achtziger Jahren wissenschaftlicher Referent der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Klein bat Reichert 1985, alle sudetendeutschen Abgeordneten zu einem Treffen einzuladen. Zu ihnen gehörte Milan“, schlug Hörtler den Bogen zum Gedenkredner Milan Horáček. Doch zuvor sprachen der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner und Sylvia Stierstorfer, Landesbeauftragte für Aussiedler und Vertriebene. Stöttner erinnerte an den Fliegenträger Johnny Klein. Dafür hatte er eigens eine mit weißblauen Rauten bedruckte Bayern-Fliege mitgebracht, die er verschmitzt vorführte.

Stierstorfer betonte Kleins Politik der freundschaftlichen Annäherung, der Völkerverständigung: „Klein war bereits 1968 – wenige Tage vor dem Einmarsch der Bruderstreitkräfte – in die ČSSR gereist und hatte dem Bauern einen Freundschaftsbesuch abgestattet, bei dem er als 14jähriger Vollwaise zu Zwangsarbeit verurteilt und von dem er gut behandelt worden war.“ Und dann sprach Milan Horáček, der wie Klein aus dem Altvatergebirge stammt, eine deutsche Mutter und einen tschechischen Vater hat, 1968 als verfolgter Dissident in die Bundesrepublik Deutschland emigrierte, Gründungsmitglied der Grünen in Deutschland ist, Bundestags- und Europaabgeordneter war und 2014 den Europäischen Karls-Preis erhielt. „Als ich 1983 zum ersten Mal auf dem Parkett des Bundestages stand, sagte jemand hinter mir ,Dobrý den‘, also ,Guten Tag‘ auf tschechisch. Erschrocken dachte ich mir, in diesem Hohen Haus können doch nur deutsche Abgeordnete sein. Automatisch antwortete ich auf tschechisch und drehte mich um. Vor mir stand – mit Fliege und blank geputzten Schuhen – Johnny Klein von der CSU. Ich kannte ihn aus den Medien als Pressesprecher der Olympiade

1972 in München. Johnny winkte ab, so viel Tschechisch könne er leider nicht mehr.“ Er, so Horáček, sei Mitglied des Auswärtigen Ausschusses geworden, dessen Obmann Klein gewesen sei. Bei einer Abstimmung in diesem Gremium habe die damals regierende Koalition

Gedenkredner Milan Horáček und Professor Dr. Ulf Broßmann, neuer Bundeskulturreferent der SL. aus Union und FDP keine Mehrheit gehabt, weil einige Kollegen gefehlt hätten. Da habe er als Grüner mit der Union gestimmt. Die SPD sei sehr verärgert gewesen, doch er habe einen guten Grund für sein Votum gehabt. Angesichts der Mehrheitslage

Name, Vorname ________________________________________ Straße, Hausnummer ____________________________________ Postleitzahl, Ort ________________________________________ Telefon _______________________________________________ eMail ________________________________________________ Geburtsjahr, Heimatkreis ________________________________

Datum, Unterschrift ____________________________________ Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/ unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.

Reinfried Vogler, Sepp Hofer, Nadira Hurnaus, Patrizia Huber, Alexander Klein, Steffen Hörtler, Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber, Johann Slezak, Ira Klein, Klaus Stöttner MdL, Milan Horáček MdB a. D und MdEP a. D. sowie Sylvia Stierstorfer MdL.

Kontobezeichnung (Kontoinhaber) _______________________

Bankleitzahl oder BIC ___________________________________

Datum, Unterschrift ____________________________________

Alle Preise inklusive 7 % Mehrwertsteuer und Versand. Abbestellungen mit einer Frist von einem Monat zum Vierteljahresschluß schriftlich an die SVG. Sie sind berechtigt, die Bestellung des Abonnements ohne Angabe von Gründen innerhalb 14 Tagen nach Absendung dieses Auftrages schriftlich gegenüber der Sudetendeutschen Verlagsgesellschaft, Hochstraße 8, 81669 München (auch per eMail an svg@sudeten.de), zu widerrufen. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

Bitte gescannt oder abfotografiert mailen oder in ausreichend frankiertem Umschlag (80 Cent) einsenden an die

28/2021

Sudetendeutsche Zeitung Hochstraße 8, 81669 München eMail svg@sudeten.de

Karl von Schwarzenberg und dem ehemaligen Tschechischen Botschafter in Bonn und Berlin, František Čern, habe er festgestellt, was sie mit Johnny Klein vereine: „Im Mittelpunkt steht der Mensch.“ Andreas Schmalcz, der aus Thüringen stammende Geschäftsführer der SL-Landesgruppe Bayern, überreicht Witwe Ira Klein einen Blumenstrauß mit dem Dank für die Verdienste ihres Mannes um die deutsche Einheit: „Und so habe auch ich Freiheit erleben dürfen.“ Volksgruppensprecher Bernd Posselt hatte folgenden lieben Gruß geschickt: „Ich denke oft an unseren Johnny, den ich stets als echten Freund und als Vorbild empfunden habe – in seiner politischen und parlamentarischen Arbeit, als Journalist, als Landsmann und vor allem als Mensch. Unsere Begegnungen waren jedes Mal von tiefer Herzlichkeit und haben mir immer wieder Kraft gegeben durch seine Weisheit und Heiterkeit.“ Tassilo Ullmer

PERSONALIEN

_____________________________________________________ Kontonr. oder IBAN ____________________________________

wäre die Abstimmung so lange vertagt worden, bis sich die von der Union gewünschte Mehrheit gefunden hätte. Und das hätte den Beschluß erheblich verzögert, aber nicht verändert. In der Bayerischen Landesvertretung in Bonn habe es einen Sudetendeutschen Stammtisch gegeben. Zu dem habe Klein ihn, den Grünen, und Peter Glotz von der SPD eingeladen. Damals seien von den fünf Münchener Bundestagsabgeordneten vier Sudetendeutsche gewesen: Johnny Klein aus Mährisch Schönberg, Peter Glotz und Erich Riedl aus Eger und Fritz Wittmann aus Plan bei Marienbad. So mancher habe sich weggesetzt. „Mach Dir nichts draus“, habe Klein gesagt. „Die können weder Tschechen noch Grüne verknusen.“ Doch Klein und er hätten ihren Mährischen Ausgleich, die Lösung des Nationalitätenkonflikts zwischen Deutschen und Tschechen, gelebt. Mit dem ehemaligen tschechischen Außenminister Fürst

Am 25. Juni starb Wilfried Ott, engagiertes Mitglied der SL in Stuttgart mit väterlichen Wurzeln in Müllersgrün im Egerländer Kreis Tepl, einen Tag nach seinem 75. Geburtstag.

W

ilfried Otts Mutter stammte aus Dessau, wo er am 24. Juni 1946 zur Welt kam. Der Vater war Soldat im Zweiten Weltkrieg und durfte nach seiner Kriegsgefangenschaft nicht mehr in die Heimat zurück. So gelangte er zu Frau und Kind in SachsenAnhalt. 1953 gelang der Familie, die „DDR“ Richtung Westen zu verlassen. 1968 heiratete er Gerda Fischer, deren Eltern aus Arnsdorf/Kreis Römerstadt und Deutschhause/Kreis Sternberg im Altvatergebiet stammten. Seit

Treuer Wegbegleiter mit Wurzeln im Egerland

Wilfried Ott † 1974 lebte das Paar in Stuttgart. Lange Jahre war Wilfried Ott Vermögensverwalter der SL-Ortsgruppe Stuttgart-Bad Cannstadt und Kassenprüfer der SL-Kreisgruppe Stuttgart. Bei der Kreis-SL war er ehrenamtlich als Kassenprüfer tätig. Sein größtes Verdienst war aber die moralische und tatkräftige Unterstützung seiner Frau Gerda Ott. Gerda Ott engagiert sich seit vielen Jahren in der SL und

bei den Heimatgliederungen wie als Bundesfrauenreferentin und Ortsbetreuerin von Deutschhause. Wilfried Ott war ihr Begleiter, Ratgeber, Helfer und Ermunterer. An den monatlichen Ortsgruppentreffen nahm er ebenso teil wie am jährlichen Ortgruppenausflug. Beim Sudetendeutschen Tag war er auch immer zugegen. Ebenso besuchte er mit ihr das jährliche Heimat-

ortstreffen und kümmerte sich um viele wichtige Kleinigkeiten. Zum Schluß des Treffens sorgte er mit wunderbarer und kräftiger Stimme stets für einen schönen Ausklang mit dem Lied „Kein schöner Land“. Auch wenn er sich immer im Hintergrund hielt, hatte er alles im Blick. An den Heimatreisen teilzunehmen, war für ihn selbstverständlich. Bei der Trauerfeier am vergangenen Freitag wurde sein vielfältiges und erfolgreiches Wirken gewürdigt. Viele Trauergästen – darunter zahlreiche Landsleute – begleiteten ihn zu seiner letzten Ruhestätte und erwiesen ihm so die letzte Ehre. Die Landsleute trauern mit seiner Witwe Gerda Ott und werden ihn nicht vergessen. at


7

AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Bewährtes Team des Sudetendeutschen Museums in München arbeitet für die Zukunft unserer Volksgruppe

Wer kennt die Völker, nennt die Namen?

„Wer kennt die Völker, nennt die Namen“, heißt es in Friedrich Schillers Gedicht „Die Kraniche des Ibykus“. Auch bei den bewährten Mitarbeitern des Museumsteams, die Günter Reichert als Vorstandsmitglied der Sudetendeutschen Stiftung vorstellt, geht es darum, Völker wie Böhmen, Mährer und Sudetenschlesier zu kennen und nicht nur die Namen ihrer Protagonisten zu nennen.

K

ürzlich portraitierte Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, ( SdZ 20/2021) die neu eingestellten Persönlichkeiten für das Sudetendeutsche Museum: Stefan Planker als Direktor, Jens-Joachim Bergmann als Verwaltungsleiter und Agne Deinaraviciute als Verwaltungssachbearbeiterin. Nachfolgend soll – in alphabetischer Reihenfolge – das Team vorgestellt werden, das an der inhaltlichen und technischen Ausstattung der Dauerausstellung beteiligt war und auch künftig in verantwortlichen Positionen für das Museum tätig sein wird. Seit 2016 ist Johannes Bichler bei der Sudetendeutschen Stiftung beschäftigt und hat gemeinsam mit Mathias Heider, der inzwischen beim Bundesverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft angestellt ist, die inhaltliche und redaktionelle Fassung der Medienstationen erarbeitet. Weiterhin oblagen ihm die Betreuung und Koordination des „Multimedia-Guides“, eines mobilen digitalen Führungssystems durch das Museum. Im Übrigen beteiligte er sich bei der Betreuung der Museumssammlung im Depot und bei der Bestückung der Dauerausstellung mit Objekten. Zur Zeit ist er übergangsweise für die Besucherkoordination zuständig. Als künftige Schwerpunkte sind die Betreuung der Medienstationen und die weitere Mitarbeit in der Museumssammlung vorgesehen. Bichler hatte an der Universität Regensburg ein Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Vergleichenden Kulturwissenschaften und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Mitteleuropäische Geschichte absolviert und mit dem Magister-Examen abgeschlossen. Als „zertifi ziertes Zusatzstudium“ besuchte er am dortigen Bohemicum tschechische Sprachkurse sowie verschiedene Veranstaltungen über tschechische Landeskunde und tschechische Geschichte. Die Kunsthistorikerin Eva Haupt gehört dem Museumsteam seit 2016 an. Durch ihre mütterlichen Vorfahren, die aus dem Altvatergebirge stammen, ist sie der sudetendeutschen Thematik auch persönlich verbunden. Eva Haupt wurde in Augsburg geboren und studierte dort Kunstgeschichte sowie Neuere Deutsche und Italienische Literaturwissenschaft. Ihr Studium schloß sie als Magistra Artium ab. Ihr berufl iches Interesse galt schon während des Studiums den Arbeitsfeldern Museum und Ausstellungen. Die berufs-

praktischen Grundlagen der Museumsarbeit erwarb sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Allgäu-Museums in Kempten. Im Anschluß übernahm sie als erstes eigenes Projekt die Konzeption und Einrichtung des Stadtmuseums in Marktoberdorf. Im Zuge ihres zweiten Museumsprojektes befaßte sich Eva Haupt intensiv mit der sudetendeutschen

seumsgestaltern und spielte eine aktive Rolle in der Phase der Einrichtung und Objektmontage. In Zukunft wird sie als Museumskuratorin für die Organisation und Planung der Sonderausstellungen sowie für die Betreuung von Ausstellungen anderer Organisationen in der Kubin-Galerie im Sudetendeutschen Haus zuständig sein.

Eva Haupt und Dr. Raimund Paleczek.

Klaus Mohr und Emily Wiebke.

Thematik. Es ging dabei um die Konzeption und Einrichtung des Isergebirgs-Museums in Kaufbeuren-Neugablonz, das 2003 in der ersten Ausbaustufe eröffnet wurde. Eva Haupt übernahm die Museumsleitung und präsentierte neben dem weiteren kontinuierlichen Ausbau der Dauerausstellung jährlich mehrere Sonderausstellungen. Aufgrund ihrer langjährigen Museumserfahrung erhielt sie 2015 von der Sudetendeutschen Stiftung das verlockende Angebot, am Aufbau des Sudetendeutschen Museums mitzuarbeiten. So stieß sie 2016 zum Museumsteam. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehörten inhaltliche Recherchen insbesondere über die Themen Wirtschaft, Kultur und Nachkriegszeit, die Beschaffung von diesbezüglichen zusätzlichen Objekten und das Verfassen von Ausstellungs- und Medientexten. Eva Haupt stand zudem in engem Austausch mit den Mu-

Das Urgestein im Museumsteam ist Klaus Mohr. Er war bereits seit dem Jahr 1999 beim damaligen Sudetendeutschen Archiv und ist seit 2007 bei der Sudetendeutschen Stiftung für

das „dingliche Kulturgut“, also für die stetig anwachsende Sammlung von Objekten aller Art, für das Sudetendeutsches Museum zuständig. Zunächst studierte er deutsche und vergleichende Volkskunde, neuere Geschichte und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Abschluß Magister Artium. Anschließend war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Niederbayerischen Landwirtschaftsmuseum in Regen, beim Kreismuseum Walderbach des Landkreises Cham sowie beim Kreismuseum auf dem Bogenberg des Landkreises StraubingBogen. Außerdem arbeitete er freiberufl ich bei verschiedenen Ausstellungen und Recherchen zu regionalhistorischen Themen mit. Als Sammlungsleiter war Mohr bei der Einrichtung des Sudetendeutschen Museums vor allem mit der Aufbereitung der Exponate beschäftigt. Außerdem beteiligte er sich an der Museumskonzeption und entwickelte unter anderem die Idee des Museums-ABC im Eingangsbereich. Die Leser der Sudetendeutschen Zeitung werden sich an viele Artikel über einzelne Ausstellungsstücke erinnern, die gemeinsam mit der Gründungsbeauftragten Elisabeth Fendl zur Herausgabe der eindrucksvollen Publikation „HeimatGeschichten“ führten. Die künftigen Schwerpunkte von Klaus Mohr in der Museumsarbeit werden die Betreuung der Sammlungsbestände und der Neuerwerbungen sowie die Mitwirkung bei Sonderausstellungen sein. Seit 2015 ist der Historiker und Pädagoge Raimund Paleczek bei der Sudetendeutschen Stiftung als Wissenschaftlicher Referent für das Sudetendeutsche Museum angestellt. Seit mehr als drei Jahrzehnten engagiert er

ORIGINAL KARLSBADER OBLATEN

sich grenzüberschreitend in der als Ort der Beratung, InformatiPfl ege und Weitergabe der Ge- on und Begegnung sowie in der schichte und Kultur der böhmi- Kooperation mit Museen in der schen Länder, der Heimat seiner Tschechischen Republik. Für den Eltern. Den Herkunftslandschaf- Pädagogen Paleczek wird darten seiner Vorfahren in Südböh- über hinaus die Kooperation mit men, im Egerland, in Prag und in Schulen und weiteren Bildungsden Beskiden fühlt er sich beson- einrichtungen ein wichtiges Aufders verbunden. gabenfeld darstellen. Paleczek wurde in Bonn geSeit dem Jahr 2007 ist Emily boren und ist dort aufgewach- Wiebe als Sachbearbeiterin für sen. Nach dem Abitur war er Sol- den Sammlungsbereich in der dat auf Zeit (Reserveoffi zier). Das Sudetendeutschen Stiftung tätig. anschließende Studium der Ge- Zuvor – 2000 bis 2006 – war sie schichte und Slawistik mit Rus- bereits im damaligen Verein Susisch und Tschechisch auf Lehr- detendeutsches Archiv für den amt in Bonn und in München Verwaltungs-, Finanz- und Perschloß er mit dem zweiten Staats- sonalbereich zuständig. examen ab und wurde schließlich Wiebe absolvierte eine Ausbilzum Dr. phil. promoviert. Beruf- dung zur Diplom-Übersetzerin lich war er vor seinem Eintritt in in russischer Sprache, Fachgedie Sudetendeutsche Stiftung als biet Wirtschaft, sowie anschlieGeneralsekretär der Ackermann- ßend eine Umschulung zur BüroGemeinde sokauffrau und wie als Lehrer Das Sudetendeutsche Archiv Buchhalteist das umfangreichste für Geschichrin im Finanzte und Sozial- Heimat-Vertriebenen-Archiv und Personalkunde tätig. bereich. Von Ehrenamtlich ist Paleczek seit 1991 bis 1999 war sie im Drei2009 Vorsitzender des Sudeten- Ulmen-Verlag in Haar bei Mündeutsches Instituts, des Eigentü- chen tätig. Als enge Mitarbeimers des Sudetendeutschen Ar- terin von Klaus Mohr war sie an chivs (SDA). Das SDA ist das um- der Einrichtung des Depots für fangreichste und bedeutendste die Museums-Sammlung sowie Heimatvertriebenenarchiv. Da- an der konservatorisch angemit arbeitet er an der zentralen messenen Einlagerung der MuVerbindungsstelle zwischen Auf- seumsstücke beteiligt und wirkbewahrung (Archiv), Dokumen- te bei der Aufbereitung der Extation und Beratung (Institut) so- ponate für die Dauerausstellung wie Präsentation (Museum) und sowie für andere Ausstellungen damit an der Weiterentwicklung mit. Sie war und ist Ansprechder sudetendeutschen Identitäts- partnerin für Heimatsammlunund Erinnerungskultur. Auch die gen und Heimatstuben sowie für für das Museum unentbehrliche die Praktikanten und studentiSammlung hat ihren Ursprung schen Aushilfen, ohne die ein im Sudetendeutschen Archiv. Museumsbetrieb nicht möglich Seit 2012 gehört Paleczek dem wäre. SL-Bundesvorstand an; seit 2016 Alle alten und neuen Mitarist er Vorsitzender der Akademie beiter des Sudetendeutschen Mitteleuropa auf dem Heiligen- Museums freuen sich auf die Zuhof in Bad Kissingen. sammenarbeit mit dem neuen In der Dauerausstellung hat Direktor Stefan Planker sowie auf Paleczek zusammen mit Mathias die künftigen Kolleginnen bezieHeider insbesondere zahlreiche hungsweise Kollegen für die BeMedienstationen inhaltlich ge- reiche Museumspädagogik und staltet und das historische Film- Öffentlichkeitsarbeit, die hofmaterial zusammengetragen. fentlich bald dem Museumsteam Schwerpunkte seiner zukünfti- angehören und dann ebenfalls gen Arbeit sieht Paleczek in der in der Sudetendeutschen Zeitung Ausgestaltung des Museums vorgestellt werden.

… weil sie so gut sind!

Unser Werksverkaufs-Sortiment: • Knusprige Oblaten • Feine Waffeln • Schokoladenspezialitäten • Geschenkpackungen • Kerzen und Wachswaren • Dekorative Geschenke • Hochwertige Backzutaten • Spezialitäten regionaler Preise! Kleinerzeuger Starke Auswahl - starke

Wetzel Karlsbader Oblaten- und Waffelfabrik GmbH Donaustraße 35 | 89407 Dillingen / Donau Telefon: 09071 791033

Öffnungszeiten Werksverkauf: Mo.-Fr. 9 - 18 Uhr Sa. 9 - 12.30 Uhr Besuchen Sie auch unseren Online-Shop:

www.wetzel-oblaten.de l-oblaten.de www.wetze


8

KÖPFE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Christoph Israng mit Sylvia Stierstorfer MdL, Bayerns Landesbeauftragte für Aussiedler und Vertriebene, und Bayerns SL-Landesobmann Steffen Hörtler beim Sudetendeutschen Tag 2019 in Regensburg; mit Christa Naaß, Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rats, Volksgruppensprecher Bernd Posselt und Maya Konstantinovic von Antikomplex bei der Ausstellungseröffnung „So geht Verständigung – dorozumění“ 2018 in München; mit Stiftungsdirektor Steffen Hörtler auf dem Heiligenhof 2018 in Bad Kissingen; mit dem gerade zum Bundesverdienstkreuzträger gekürten Brünner Oberbürgermeister Petr Vokřál 2018 in der Botschaft in Prag; mit Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, und Hartmut Koschyk, ehemaliger Bundesbeauftragter für Aussiedler und Vertriebene, bei der Verleihung des „Johnny“-Klein-Preises für die deutsch-tschechische Verständigung 2018 in Mährisch Schönberg; als Gastredner bei den Marienbader Gesprächen des Sudetendeutschen Rates 2018 in Marienbad. Bilder: Nadira Hurnaus (3), Karoline Hurnaus (2), Michael Santifaller (3), Jan Vosáhlo (1)

Christoph Israng als Gastredner bei „Meeting Brno“ nach dem Versöhnungmarsch 2019 von Pohrlitz nach Brünn; mit Reinfried Vogler, damals Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung, Annegret Kudlich, Steffen Hörtler, Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, und dessen Frau Marie-Louise 2019 auf dem Weg nach Brünn; mit dem Politiker-Ehepaar Michaela und Arnošt Marks auf dem Sudetendeutschen Tag 2018 in Augsburg; mit dem ehemaligen tschechischen Kulturminister Daniel Herman und mit Bernd Fabritius, dem Bundesbeauftragten für Aussiedler und Vertriebene, beim Sudetendeutschen Tag 2019 in Regensburg. Der 30.  Juli wird ein Freitag sein. An diesem Freitag wird Christoph Israng zum letzten Mal sein Büro in der Wälschen Spitalgasse 19 südlich der Burg im Palais Lobkowitz betreten. Dieser Freitag wird sein letzter Dienst-Tag in Prag sein. Dann endet seine fruchtbare Arbeit als Deutscher Botschafter in der Tschechischen Republik. Nicht nur für die Sudetendeutschen ist seine Amtszeit ein Geschenk.

D

as ist sie, obwohl Christoph Israngs Wurzeln im Südwesten Deutschlands liegen, mütterlicherseits in Hessen, väterlicherseits in Baden. Zur Welt kommt er allerdings am 8. Februar vor 50 Jahren im württembergischen an der Grenze zu Bayern liegenden Ulm. Doch dann zieht die Familie in das Berchtesgadener Land. Der oberbayerische Landkreis inmitten der Alpen grenzt im Osten und Süden an das österreichische Land Salzburg. Damit nähern wir uns geographisch dem Erben der k. u. k. Monarchie, zu der einst das sogenannte Sudetenland der Deutschen auf böhmischem, mährischem und schlesischem Boden in der heutigen Tschechischen Republik gehörte. Das Berchtesgadener Land bleibt Mittelpunkt des Lebens von Christoph Israng und seiner Familie jenseits von Diplomatie, jenseits von Auswärtigem Amt und Auslandseinsätzen. Zu den Auslandseinsätzen des Berufsdiplomaten und promovierten Wirtschaftsgeogra-

� Christoph Israng, der Deutsche Botschafter in Prag, kehrt nach Berlin zurück

Neuer Ehrensudetendeutscher phen gehört Sarajevo, wo er das Büro des Stellvertretenden Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina leitete. Israng: „Das ist ein eher ,undiplomatischer‘ Posten, da man direkt in die Innenpolitik eingreift.“ Hoher Repräsentant ist derzeit der ebenfalls Ende Juli seinen Posten verlassende Valentin Inzko. 2015 zeichnete die Sudetendeutsche Landsmannschaft Inzko mit ihrem Europäischen Karls-Preis aus. Zur Eröffnung der Ausstellung „So geht Verständigung – dorozumění“ des Sudetendeutschen Rates im Kuppelsaal der Bayerischen Staatskanzlei in München Anfang Mai 2018 kommt auch Christoph Israng. Er ist noch nicht einmal sieben Monate lang Deutscher Botschafter in Prag. Ich bin erstaunt, ihn in München zu treffen. Doch er erklärt mir, wenn er gerade auf Heimaturlaub in Berchtesgaden sei, nehme er gerne Einladungen der Sudetendeutschen in München wahr. Zwei Wochen später, am Pfingstwochenende, besucht Israng – mit wohlwollender Rückendeckung des Außenministers – als erster Deutscher Botschafter in Prag den Sudetendeutschen Tag in Augsburg. Dieser war der 69. Dort verleiht die Su-

detendeutsche Landsmannschaft einem anderen Christoph ihren Europäischen Karls­-Preis  2018. Karls-Preis-Träger wird der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn. Der war auf Schloß Skalken im Kreis Leitmeritz im Elbetal zur Welt gekommen. Für sein „einzigartiges Engagement für die deutsch-tschechische Versöhnung sowie die gesellschaftlichen und zwischenstaatlichen Beziehungen beider Länder“ überreicht Israng dem Brünner Oberbürgermeister P ­etr Vokřál Anfang Juni in Prag das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Vokřál unterstützte die Initiative „­ Meeting Brno“ von tschechischen Studenten, den Brünner Todesmarsch von 1945 als Versöhnungsmarsch rückwärts zu gehen. Ende November fährt Israng nach Mährisch Schönberg. Dort wird anläßlich des 22. Todestages von Hans „Johnny“ Klein zum

zweiten Mal der „Johnny“-KleinPreis für die deutsch-tschechische Verständigung verliehen. Die Deutsche Botschaft gehört zu den Sponsoren. „Mein Eindruck ist,“ sagt Israng, „daß sich die verbliebenen Deutschen in der Tschechischen Republik heute gut an- und wahrgenommen fühlen. Eine Herausforderung ist, daß sie nicht in einem geschlossenen Siedlungsgebiet leben.“ Er sagt aber auch: „Wir brauchen ebenfalls wohlgesonnene tschechische Partner, Menschen guten Willens.“ Eine Hilfe sei das Sudetendeutsche Büro in Prag. „Vom informellen regelmäßigen Austausch mit Büroleiter Peter Barton profitieren Büro und Botschaft. Wir unterstützen uns gegenseitig.“ So schicke die Botschaft regelmäßig deutsche Delegationen in das Büro. Israng ist übrigens der erste Deutsche Botschafter in Prag, der bisher die sudetendeutsche Bildungs- und

Begegnungsstätte Heiligenhof im unterfränkischen Bad Kissingen besuchte. Häufig begegnet er naturgemäß Volksgruppensprecher Bernd Posselt. Zum Beispiel Anfang März 2019, wo sie am Tag des Selbstbestimmungsrechts der Völker auf dem Friedhof in Kaaden der Opfer des 4. März 1919 gedenken. „Bernd Posselt leistet Großartiges. Mit großem Wissen und enormen Kenntnissen hält er die Landsmannschaft zusammen. Fest steht er in der Brandung und zeigt Präsenz in Böhmen und Mähren.“ Die deutsch-tschechische Verständigung ist der Mittelpunkt von Israngs Arbeit. Seine Erkenntnis und seine Botschaft: „Für die große Mehrheit der Böhmen und Mährer sind die Sudetendeutschen, nicht nur Touristen in Prag. Als Besucher der entlegeneren Teile des Landes, über die sie viel wissen, empfinden die Tschechen sie als Verbündete.“ Aber: „Wir sind noch auf der Reise. Wir haben noch viel zu tun. Das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft. Ziel ist der Sudetendeutsche als geborener Partner.“ Noch eine gute Nachricht: „Auch wenn Extremisten versuchen, aktuelle Kooperationen zu erschweren, sind wir auf einem

guten Weg. Der Gegenwind wird schwächer.“ Bei „Meeting Brno 2019“ marschiert auch Christoph Israng die 30 Kilometer Versöhnungsmarsch von Pohrlitz nach Brünn. Sein Wandergeselle ist Gerhard Tropp, ein langjähriger Freund. Dessen Vater stammt aus dem Dorf Odrowitz bei Brünn und mußte den Brünner Todesmarsch mitgehen. Gemeinsam fahren Christoph Israng und Gerhard Tropp nach Odrowitz Dort gehen sie zum Troppschen Familiengrab auf dem Dorffriedhof. Gerhard Tropp ist zum ersten Mal dort. Erstaunt sieht er das gepflegte Familiengrab. Die Pflege des deutschen Erbes bewegt den Nachfahren zutiefst. Israng: „Beim Versöhnungsmarsch 2019 hatten die Gegner zum ersten Mal keine Gegendemonstration organisiert. Und auch das Troppsche gepflegte Grab zeigt, alles wird – Stück für Stück – natürlicher.“ Während diese Zeitungsseite am Dienstagabend auf dem Server der Druckerei in Augsburg auf den Druck wartet, empfängt Botschafter Israng eine Delegation der SL-Landesgruppe Bayern im Lobkowitz-Palais. Dort verleiht ihm Steffen Hörtler, SL-Landesobmann und Stellvertretender SL-Bundesvorsitzender, die Goldene Verdienstmedaille der SL-Landesgruppe. Ab sofort ist Christoph Israng ein Ehrensudetendeutscher. Darüber werde ich nach dem Sudetendeutschen Tag berichten. Nadira Hurnaus

Verla steht für V. Ehrlich Reichenberger Löwen Apotheke Die meistgekaufte Magnesium-Marke aus Ihrer Apotheke IH 05/2021

Apothekertradition im Zeichen der Raute Anz_Magnesium Verla Dragees_Sudetendeutsche Zeitung_326x152_0621.indd 1

Seit 1949 in Tutzing

www.verla.de 23.06.21 06:25


9

KÖPFE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Anton, Anton Wolfgang mit Elisabeth und Sebastian mit Lea Hart

Herkunft mit Zukunft

… und als Zuhörer.

František Černỳ als Redner …

Der Familienbetrieb Hart Keramik gründete nach Verlust der böhmischen Heimat erfolgreich eine neue Existenz in Waldsassen und Schirnding. Ein neuer Abschnitt der Unternehmensgeschichte begann 2013 mit dem Schritt vom Ziegel zur Lehmbauplatte.

G

František Černỳ mit Steffen Hörtler, Obmann der Bayern-SL, …

… und mit Dr. Peter Becher.

Zum 90. Geburtstag von František Černý

Diplomat, Journalist und Humanist fangszeit des Prager Literaturhauses, in einem Buch über und für František Černý zusammenzufassen. Laut eigener Aussage im Buch war es Ende Dezember 2020, als sie und die Schriftstellerin Radka Denemarková Ideen für den bevorstehenden 90. Geburtstag sammelten. Daraus wurde das Buch „František Černý. Diplomat, Journalist und Humanist“. Das erhielt jeder Gast der Geburtstagsfeier, und das wird auch bald auf der Internetseite des Adalbert-Stifter-Vereins stehen.

sche und insbesondere die Sudetendeutschen.“ Auch Milan Horáček, Träger des Europäischen Karls-Preises 2014, würdigt den Diplomaten Černý. Da melden sich die Journalistenkollegen mit ihren hochinteressanten Beobachtungen, dann wird das Leben vor 1989 und nach der Samtenen Revolution in den Blick genommen. Im rantišek Černý ist promoviernächsten Teil bekommt der Kulter Literaturwissenschaftler turförderer und -initiator Černý und Journalist. Er war Leiter der ein Gesicht. Dort schreibt auch deutschsprachigen Sendungen Bernd Posselt und fordert: „Euvon Radio Prag bis 1969, Volksropa braucht das Prager Kafhochschullehrer für deutfeehaus“. Ein verschmitzter sche Sprache bis 1989 und Gruß an das reale von LenDiplomat. Zunächst war er ka Reinerová (1916–2008), Gesandter in Berlin, dann Kurt Krolop (1930–2016) Tschechischer Botschafter in und František Černý gegrünBonn und Berlin. Er ist vieldete Prager Literaturhaus leicht noch heute der geheideutschsprachiger Autoren? me Angelpunkt der deutschDann werden Herzensbetschechischen Beziehungen. gegnungen geschildert, und Und wenn man seinen offeschließlich verfaßte Radka nen Stellungnahmen glauDenemarková noch das kleiben darf, auch der sudetenne Theaterstück „Eine Nacht deutsch-tschechischen Beim Café des Prager Literaturziehungen. Černý sprach und hauses“. Jene Idee, die Ende spricht da immer unverblümt Lucie Eiermann, Radka Denemarková Dezember 2020 bei Lucie Eivon „unseren Deutschen“, (Hrsg.): „Diplomat, Novinář a Humanista. ermann ganz am Anfang des um die es sich zu kümmern Diplomat, Journalist und Humanist“. Verlag Buches stand. gelte, mit denen man spre- Oswald, Prag 2021; Preis ist noch ungewiß, In seinem Changieren zwichen müsse. Offene Dialoge rund 320 Seiten. (ISBN 978-80-87242-32-2) schen deutsch und tschestieß er mannigfach als Dichisch wird das Werk so ganz plomat an. Die Deutsch-Tsche62 Freunde schildern ihre Be- der gelebten Zwei- oder Vielchische Erklärung von 1997 ist gegnungen mit František Černý. sprachigkeit der Prager Familie auch ein Werk von ihm und na- Ihre Berichte spiegeln das Faszi- Černý gerecht. Františeks Vater türlich von Jiří Gruša, dem dama- nosum Černý, eines ebenso be- war Deutscher, die Mutter Tscheligen Botschafter in Deutschland, scheidenen wie lebhaft-schillern- chin und die Verwandtschaft reder als politischer Flüchtling be- den Intellektuellen. dete noch in weiteren Sprachen reits viele Jahre vor dem MauerZunächst grüßen Tomáš Jelí- der Habsburger Monarchie. fall in Deutschland gelebt hatte. nek und Petra Ernstberger vom Doch liegt der Wert dieser geWas man allem Engagement Deutsch-Tschechischen Zu- druckten Ausgabe nicht zuletzt Černýs nachrühmen kann, ver- kunftsfonds sowie Bundesprä- in den wunderschönen Fotograsuchte Lucie Eiermann, seine sident Frank-Walter Steinmei- fien, auch persönlichen Bildern enge Mitarbeiterin in der An- er. Der langjährige SPD-Bundes- aus dem Leben František Černýs. tagsabgeordnete Am Schluß meldet sich die EheGerd Weisskir- frau Helena mit einem Nachwort. chen beschreibt Ironisch vermerkt sie die Lust der Černý als Vertre- Autoren, an einem Denkmal geter eines huma- hämmert zu haben, bei dem sich nen Europas. hoffentlich nicht zu viele daneChristoph Is- ben ins rechte Licht hätten setrang, der schei- zen wollen. Und schließt: „Lieber dende Deutsche Franta, ich wünsche uns beiden, Botschafter in daß wir das irgendwie gemeinPrag, schreibt: sam zu Ende bringen.“ „Das gilt auch Das Buch kann man bei Lucie und gerade für Eiermann (cernohousova@gmail. František Černý, Schöngeist und einer der Gründer das Thema Ver- com) bestellen. Die nur der deutdes Prager Literaturhauses deutschsprachiger Auto- treibung, wo er schen Sprache Mächtigen sollten ren, gehört zur Jury des Deutsch-tschechischen Jour- es nicht an kri- auf die Übersetzungen der tschenalistenpreises, den der Deutsch-Tschechische Zu- tischen Worten chischen Beiträge, darunter der kunftsfonds mit dem Deutschen und dem Tschechi- fehlen ließ. Er Gruß des Fürsten Karl Schwarschen Journalistenverband verleiht. Hier Černý mit verbindet dies zenberg, warten. Sie werden im Jurykollegin Ludmila Rakusan, Prager Korrespon- mit der ausge- August auf der Internetseite des dentin der „Passauer Neuen Presse“. streckten Hand Adalbert-Stifter-Vereins zu finBilder (6): Nadira Hurnaus an uns Deut- den sein. Ulrich Miksch

Am 8. Juni wurde František Černý in seiner Heimatstadt Prag 90 Jahre alt. Das feierte er mit Familienangehörigen, Freunden und Weggefährten. Zu den Geschenken gehörte eine Festschrift mit Beiträgen von Angehörigen, Freunden und Weggefährten, ein Liber Amicorum.

F

ernannt wurde, ein eindrucksvolles Symbol der Völkerverständigung. Nach dem Krieg führten Anton und später der heutige Vorstandsvorsitzende der Hart Keramik AG, Anton Wolfgang Hart, unterstützt von seiner Frau Elisabeth, das Unternehmen und seine Traditionen in Waldsassen und Schirnding fort. An eine Rückkehr zum alten Firmensitz im Egerland nach dem Fall des

eographisch gesehen war es nur ein kleiner Schritt vom Egerland in die Oberpfalz. Aber die wenigen Kilometer vom einstigen Standort in Neukinsberg jenseits der Grenze zur Tschechischen Republik in die Klosterstadt Waldsassen bedeuteten 1945 den größten Umbruch in der Geschichte des Familienunternehmens Hart Keramik. Der ursprüngliche Firmensitz ging infolge des Krieges verloren. Doch Anton W. und Elisabeth Hart. die Heimat, die nun im Nachbarland liegt, blieb erhal- Eisernen Vorhangs dachte Anton ten. W. Hart dennoch nicht. Im GeEinen maßgeblichen Anteil genteil – mit der Verlagerung daran trägt der 2004 verstorbene aller Produktionsstätten nach Anton Hart. Als überzeugter Eu- Schirnding, direkt an die tscheropäer trieb er die Versöhnung chische Grenze, setzte er ein zwischen Tschechen und Deut- Ausrufezeichen für die neue Heischen zielstrebig voran. So be- mat und die Treue zum Standwahrte er auch unter der geän- ort Oberfranken. Mit Sohn Sebaderten politischen Situation die stian und Schwiegertochter Lea über 300 Jahre alte Tradition des engagieren sich seit einiger Zeit Unternehmens im Egerland, des- zwei weitere Familienmitglieder sen Historie mit dem Flaschner- der nächsten Generation für das meister Bartholomäus Hart be- Unternehmen. gonnen hatte. Mit dem WiederEine weitere Zeit des Umaufbau seiner Heimatkirche, der bruchs war der aus wirtschaftliWallfahrtskirche Maria Loreto in chen Gründen notwendige AbAltkinsberg, mit Helfern und Un- schied von der Ziegelproduktion. terstützern aus beiden Nationen Hart entwickelte 2013 die neue hinterließ Anton Hart, der 2001 und immer erfolgreichere Lemixzum Ehrenbürger der Stadt Eger Lehmbauplatte. Wie die traditio-

TRY IT. WEAR IT. LOVE IT.

nellen keramischen Erzeugnisse beruht sie auf dem natürlichen Rohstoff Lehm und bringt dessen bautechnische und ökologische Vorteile zur Anwendung. Lemix ist eine von Fachleuten anerkannte Alternative, die im Innenausbau und Holzbau Verwendung findet und gleichermaßen geeignet ist für Neu- und Fertigbau sowie Sanierung. Inzwischen hält Hart Keramik in Europa die Marktführerschaft bei Lehmbauplatten. Lemix erhielt darüber hinaus 2017 das Umweltsiegel „natureplus“. Trotz Corona konnte Hart 2020 eine Umsatzsteigerung von 30 Prozent erzielen und investierte mehr als 130 000 Euro in eine neue hydraulische Formgebungspresse. Noch macht der Baustoff einen Umsatzanteil von lediglich zehn Prozent vom Gesamtvolumen aus – doch die lebhafte Nachfrage läßt erhebliche Steigerungsraten erwarten. Der Trend bei Architekten, Bauplanern und Bauherren geht ganz im Sinne der Unternehmenstradition Richtung gesundes und nachhaltiges Bauen. Weiterhin erfolgreich und stabil verläuft das größte Geschäftsfeld Keramik-Schornsteinrohre. Mit einem Exportanteil von mehr als 60 Prozent und einer Präsenz in 22 Ländern ist das Unternehmen auf diesem Gebiet der zweitgrößte Hersteller in Europa. Kontinuität herrscht auch bei anderen klassischen Produkten wie der bei Kamin- und KachelofenHerstellern unverändert begehrte Hafner-Schamotte.


10

SUDETENDEUTSCHE KULTURPREISE 2021

D

er Große Sudetendeutsche am Centre Universitaire in Lu- �  Großer Kulturpreis: Hermann Zeman Kulturpreis 2021 geht für xemburg an, war Präsident der sein Lebenswerk an den emeri- Österreichischen Goethe-Getierten ordentlichen Universi- sellschaft 1984 bis 2014 und täts-Professor Herbert Zeman. 1987 bis 1999 Mitglied des Herbert Zeman wurde 1940 in Vorstandes der Goethe-GePernitz in Niederösterreich gebo- sellschaft in Weimar. 1986 bis ren. Zielstrebig hat er den Lehr- 1992 leitete er die geisteswisstuhl für Neuere deutsche Litera- senschaftliche Abteilung der tur mit dem Schwerpunkt Öster- Herbert-von-Karajan-Stiftung in steller Karl Postl, reichische Literatur angestrebt. Wien. Er verbindet Musik und besser als Char1976 war Literatur. les Sealsfield bedieses Ziel Böhmische und mährische Splitter Auf kannt. erreicht. glänzen wie Glimmer in Granit Vorschlag Zemans SchafWas für des Phi- fenskraft ist bedie Sudetendeutschen wich- losophen Kurt Hübner wurde er wundernswert, tig ist, ist daß Zeman sein For- 1987 zum Mitglied der Sudeten- seine Liste wissenschungsgebiet nicht nur auf das deutschen Akademie der Wis- schaftlicher PubliGebiet der Österreichischen Re- senschaften und Künste berufen, kationen und Büpublik begrenzte, sondern auf deren Präsident er von 1994 bis cher ist wegen der das Gebiet der k. u. k. Monarchie 1997 war. Die Gunst der Zeit nut- Fülle und Breierweiterte. zend, organisierte er ein deutsch- te nur schwer zu Mit Freude und Kraft baute er tschechisches Symposium in Ol- überblicken. In seinen Forschungsschwerpunkt mütz über „Das wissenschaftli- diesem Füllhorn auch über die Grenzen Öster- che und künstlerische deutsche wissenschaftlicher reichs aus, er nahm die Profes- Erbe Mährens“. Dabei referierte Interessen finden Professor Dr. Herbert Zesur für österreichische Literatur er über den mährischen Schrift- wir immer wieder man.

Kulturvermittler

F

ranz Effenberger wurde am 7. April 1930 in Goldenstein im Altvatergebiet in Nordmähren geboren, wo er eine glückliche Kinder- und Jugendzeit verbrachte. Nach Kriegsende wurde er im September 1945 zu Zwangsarbeit herangezogen und mußte zunächst Rüben ernten. Ab Oktober 1945 erhielt er einen Einsatz zum Eisenbahnbau nach Südmähren, der ein Jahr lang dauern sollte. Am 23. Oktober 1946 wurde er mit seiner Mutter und seiner zwei Jahre jüngeren Schwester mit dem letzten Transport von seinem Heimatort Goldenstein in den Westen nach Augsburg vertrieben. Franz Effenberger war nun das Oberhaupt der kleinen Familie geworden. Mit viel Glück und einem grünen Loszettel „gewann“ er für seine Familie die Aufenthaltsgenehmigung im Lager Bobingen bei Augsburg, in dem die drei Heimatvertriebenen ein Jahr lang in beispielloser Enge mit anderen leben mußten. In diesen unheilvollen Jahren 1945 und 1946 brach im jungen Franz Effenberger nicht etwa alles zusammen. Nein, in ihm brach etwas auf. Sein Ehrgeiz und sein Fleiß trieben ihn zu sei-

böhmische und mährische Splitter wie Glimmer im Granit glänzen: Ein Buch (2011) über sein Vorbild August Sauer (1855–1926), den altöster­ reichischen Gelehrten in seinem persönlichen Umfeld (Briefe), ein Beitrag zu einer persönlichen Widmung Johann Wolfgang von Goethes in seinem

nem Berufswunsch, der dem � Kulturpreis für Wissenschaft: Franz Effenberger Altvatergebirge geschuldet war. Er wollte Förster werden. Aber als Nordmährer hatte er in Bayern für dieses Berufsziel keine Chance. So besann sich Franz Effenberger auf sein besonderes Faible für Chemie, denn in Bo- aufenthalt in den Enzymen in der bingen bestand eine Kunstsei- USA. Synthese sowie denfabrik. Er bekam im PrivatforNach seiner die Entwicklung schungslabor von Paul Schlack Rückkehr nach ultradünner orgaeine Lehrstelle. Paul Schlack, Stuttgart wurde er nischer Schichten. später Professor an der Universi- 1970 außerplanRund 350 Veröftät Stuttgart, hatte in den dreißi- mäßiger Profesfentlichungen und ger Jahren Perlon, seine Fabrika- sor, wodurch seine 55 Patente dokution und schon 1939 den bei Da- wissenschaftliche mentieren seine men so beliebten Perlonstrumpf Karriere vorgewissenschaftliche erfunden. Eine bessere Ausbil- zeichnet war. EfLeistung beeindungsstätte konnte man sich für fenberger lehndruckend. Franz Effenberger nicht vorstel- te einen Ruf nach Neben seilen. Und so war sein künftiger Braunschweig ab, ner Tätigkeit als Weg in die Gefilde der Chemie und 1972 berief Wissenschaftler, vorgegeben. man ihn an seine Hochschullehrer Franz Effenbergers akade- Alma Mater auf und Gastprofessor mischer Weg dorthin verlief den Lehrstuhl I Professor Dr. Franz Effen- in aller Welt engaBild: DIFT gierte sich Effensehr geradlinig. Er studierte zu- des Instituts für berger. nächst an der Textilingenieur- Organische Cheberger auch für die schule Krefeld und 1951 bis 1956 mie und Isotopenforschung. Zu akademische Selbstverwaltung Chemie an der damaligen Tech- den wichtigsten Arbeitsgebieten seiner Universität. Von 1980 bis nischen Hochschule Stuttgart. von Effenberger zählten die Che- 1986 war er Prorektor und beklei1959 promovierte er in nur drei mie der Aromaten, Heterocyc- dete ab 1987 das Amt des RekJahren. Fünf Jahre später schloß len und Aminosäuren, die chemi- tors, das er bis 1990 innehatte. sich die Habilitation an und ein schen Grundlagen der Moleku- Die achtziger Jahre waren nicht Jahr danach ein Forschungs- larelektronik, Anwendungen von nur in Baden-Württemberg be-

Chemieprofessor

I

m Novem- � Volkstumspreis: Christine Rösch schätzung in ber 2012 orDeutschland ganisierte ich und in ihrer als damalige Heimat KuhHeimatpflegeländchen. rin der SudeChristine tendeutschen Rösch trägt eine Fachexdie Tracht kursion der sudetendeutschen nicht nur, sie kann sie auch Trachtenberaterinnen ins Texschneidern. Die Preisträgetilmuseum in Augsburg. Aus rin ist auch Trachtenträgerin München fuhren die Teilnehund Volkstanzpflegerin und merinnen mit der Regionalgefragte Kennerin der Neubahn als Gruppe zusammen. titscheiner Mundart und der Wie es der Zufall wollte, war Kuhländler Volkslieder. neben einer eleganten Dame Christine Rösch hat sich mit Hut noch ein Platz frei, darum verdient gemacht, daß und ich durfte mich zu ihr setdie Kuhländler Volkskultur zen. nicht nur in der Vertreibung, Das war meine erste Begegsondern auch in der Heimat nung mit Christine Rösch, der wieder lebt, sich hoher BeKuhländler Trachtenberaterin. liebtheit erfreut und mit BeDamals ahnte ich noch nicht, geisterung ausgeübt wird. Mit daß dieser Zufall ein Glücksihrer überzeugenden, glaubfall war. Ich ahnte nicht, daß er würdigen und engagierten der Beginn einer jahrelangen Einstellung und ihrem großen guten Zusammenarbeit auf Wissen hat sie in jüngster Vervielen volkskundlichen Gebiegangenheit erreicht, daß die ten war. Kuhländler Volkstänze als ein Dem Anlaß der Trachtenwertvolles immaterielles Kulfahrt entsprechend, drehturerbe anerkannt und ausgete sich unser erstes Gespräch zeichnet wurden. Als Tanzleium Kleidungskultur. Ich erterin hat sie kürzlich in einer Bild: Ulf Broßmann mustergültigen Videodokufuhr, daß Christine Rösch aus Christine Rösch Neutitschein im Kuhländchen mentation mitgewirkt. Jetzt stammt – aus der Stadt der frü- sie für die jüngeren Mitwirken- können die Kuhländler Volkstänher weltberühmten Hutfabrik den ein untrennbarer Teil der ze von allen Volkstänzern weltHückel und aus der Landschaft von ihr gepflegten Kultur ge- weit erlernt und getanzt werder wunderschönen Trachten. worden ist. Rösch ist das Gesicht den. Christine Rösch verkörpert für der Kuhländler Volkskultur und Diese herausragenden Erfolmich seitals Trach- ge bedeuten jedoch keineswegs, Das Gesicht der Kuhländler dem das tenträgedaß Christine Rösch ihre fleißiVolkskultur strahlt allerorten Neutitrin zu al- gen Hände in den Schoß legt und scheiner len hohen sich auf ihren Lorbeeren ausruht. Kulturbürgertum aus der Zeit vor offiziellen Anlässen eingeladen. Christine Röschs wertvolle Arder Vertreibung. Sie geht mit den Sie lebt die Kuhländler Volkskul- beit geht weiter, und die nächTraditionen sehr bewußt und re- tur. sten Auftritte und die Volkstanzspektvoll um. Und sie ist in ihDiese Volkskultur lebt dank dokumentation sind schon in rem Wirken so authentisch, daß ihr und genießt hohe Wert- Planung. Zuzana Finger

Brauchtumsheldin

G

Werk „Hermann und Dorothea“ für die Tepler Stiftsherren (2013), oder eine Publikation über das Goethe-Bild Johannes Urzidils (1986), und viele mehr. Als Herausgeber der „Schriften der Österreichischen Goethe-Gesellschaft“ befaßte sich Zeman im ersten Band mit der Vertonung von Gedichten Goethes durch den Prager Komponisten Wenzel Johann Tomaschek. Im Band zwei förderte er die Untersuchung „Johann Wolfgang von Goethe und Kaspar Maria Sternberg, Naturforscher und Gleichgesinnte“ von Claudia Schweizer. Eine weitere wenig bekannte wissenschaftliche Aktivität sind die „Erträge Böhmisch-Mährischer Forschungen“, deren Mitherausgeber Zeman von Anfang an war. Diese Publikationsreihe ist in Verbindung mit der Sudetendeutschen Akademie in München zu sehen.

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Band fünf befaßt sich mit den tschechischen Ortsnamen des Kreises Königinhof an der Elbe, Band zehn (2012) analysiert das jüdische Bürgertum in Reichenberg wie Isa Engelmann. In der Reihe „Wien in Europa – Europa in Wien“ förderte er die Herausgabe „Adalbert Stifters Wiener Adressen“ von Elisabeth Buxmann (2006). Zeman war immer auch ein besonderes Anliegen, seine Forschungsergebnisse einem größeren Publikum näher zu bringen. Als Vermittler von Kultur und Wissenschaft wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet. Ich nenne nur das Große Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse. Wolf-Dieter Hamperl

stimmt vom Fortschrittsgeist, nennen. Trotz all der geschildervon Technologieinnovatio- ten, umfassenden wissenschaftnen und vom Bewußtsein der lichen und gesellschaftspolitiBedeutung der Wissenschaft. schen Erfolge blieb Effenberger Diese Impulse hatte Rektor Ef- stets heimatverbunden und verfenberger erkannt und aufge- gaß Goldenstein und den Altvanommen. ter nie. Er besuchte seine HeiDurch die Öffnung der Ber- matlandschaft häufig und ist stolz liner Mauer war der Prozeß der darauf, daß sich in seinem gut erdeutschen Wiedereinigung an- haltenen Geburtshaus heute eigestoßen worden. Kurz vorher, ne gepflegte Konditorei etabliert im Juni 1989, hatte der russische hat. Wissenschaftlicher Kontakt Staatschef Michail Gorbatschow besteht ebenfalls in die TschechiDeutschland besucht. In Stutt- sche Republik. Nach seiner Emegart wollte ritierung 350 Veröffentlichungen und 55 er Beispielud ihn die Patente sind beredte Zeugnisse le für anAkademie gewandder Wiste Forschung besichtigen. Auch senschaften in Prag zu Vorträgen hier war Effenberger angespro- ein. chen. So ließ er Gorbatschow Effenbergers Wunsch und Ziel durch einen Roboter ein Glas ist heute, einen Tatsachenbericht Rosé-Wein einschenken. Dieser über seine Erlebnisse als Herangenoß den württembergischen wachsender in der Zeit von 1945 Wein, obwohl er damals der So- bis 1947 zu verfassen. Wir wünwjetunion ein Antialkoholpro- schen ihm, daß er dieses Programm verordnet hatte. jekt bald für uns alle verwirkFranz Effenberger ist mit meh- licht, denn nur die Erinnerung reren nationalen und interna- gibt uns und den Nachgeboretionalen Auszeichnungen, wie nen eine Orientierung für eine dem Bundesverdienstkreuz Er- aktive Mitgestaltung der sudester Klasse und dem Alexander- tendeutsch-tschechischen Vervon-Humboldt-Forschungspreis ständigung und Aussöhnung in geehrt worden, um nur zwei der einem geeinten Europa. wichtigsten Würdigungen zu Ulf Broßmann

eorg Mi- � Georg Michael Grau: Preis für Musik und Darstellende Kunst Fortleben und chael Vermittlung Grau ist der ihm, vor allem Enkel des aus im einfachen dem sudetenund niederschlesischen schwelligen Freudenthal Segment, am stammenden Herzen liegt. Josef Kantor, dessen Familie es Philharmonie Rostock und den So wurde er zum Mitbegründer nach der Flucht ins bayerisch- Münchener Philharmonikern. des Musikfestivals Schloß Brenz schwäbische Günzburg verschla- Darüber hinaus legte er mehre- und der Allmannsdorfer Kamgen hatte. Geboren 1989 in Lau- re CDs und zahlreiche Aufnah- merkonzerte. Nicht zuletzt ist er ingen an der Donau, erhielt Grau men bei Rundfunkanstalten vor. ein sensibler Pädagoge. Er unbereits als Sechsjähriger qualifi- Der Schwerpunkt seines Musi- terrichtet in Konstanz und Sankt zierten Klavierunterricht. Seine zierens liegt im deutsch-öster- Gallen. pianistischen und musikpädago- reichischen Repertoire des 18. 2008 erhielt er den Fördergischen Studien führten ihn an und 19. Jahrhunderts mit Wer- preis der Sudetendeutschen die Musikhochschulen Stuttgart, ken von Wolfgang Amadeus Mo- Landmannschaft. Aus dem vielFreiburg, zart, Lud- versprechenden NachwuchstaNachwuchstalent wird sensibler wig van lent ist ein reifer, fantasiebegabMannheim soMusiker und Pädagoge Beethoter und verantwortungsbewußter wie an das ven, Franz Künstler geworden. Und es gibt Royal Collage of Music in Lon- Schubert, Robert Schumann und nur wenige Musiker, mit denen don. Gefördert wurde er unter Johannes Brahms. die Heimatpflegerin der Sudeanderem von der Studienstiftung Grau ist ein ganzheitlich den- tendeutschen und das Sudetendes deutschen Volkes, dem Deut- kender und empfindender Mu- deutsche Musikinstitut (SMI) in schen Akademischen Austausch- siker. Ihn treibt die Sache der den letzten Jahren so gerne und dienst und der Stiftung Villa Mu- „klassischen Musik“ um, deren ersprießlich zusammengearbeisica Rheinland-Pfalz. tet haben wie mit dem 2017 legte er das Konjungen Pianisten. zertexamen im Fach Mehrfach konzerKlavier ab. Mit seiner tierte er für uns als Frau und den gemeinSolopianist, aber auch samen Zwillingen lebt in unterschiedlichen er heute in Konstanz kammermusikalischen am Bodensee. Formationen vom Duo Konzerte im In- und bis zum KlavierquinAusland führten Getett. So spielte er glänorg Michael Grau in zend in seinem letzten die Berliner PhilharKonzert für das SMI monie, die New YorEnde 2018 mit dem ker Carnegie Hall und Bratschisten Roland zu internationalen FeGlassl die frühe Violastivals wie den „BBC sonate Opus 3 des OlProms“ in London. mützer Komponisten Er spielte mit OrcheEgon Kornauth, eines stern wie den Stuttgarfrüheren SL-Kulturter Philharmonikern, preisträgers. der Norddeutschen Michael Grau Andreas Wehrmeyer

Glänzender Pianist


� Förderpreis für Wissenschaft: Gregor Köstler

� Förderpreis für Publizistik: Julian Klötzl

Junger Regionalhistoriker G

regor Köstler wurde 1989 in Neualbenreuth im ober­ pfälzischen Landkreis Tirschen­ reuth geboren. Er hat väterli­ cher- und mütterlicherseits su­ detendeutsche Wurzeln über die Landesgrenze hinweg ins Eger­ land. Seine Eltern widmeten sich dem heimatlichen Brauchtum, und Gregor entdeckte so sei­ ne Liebe zum Egerländer Dudel­ sack. Vater und Mutter beschäf­ tigten sich aber auch mit der überlieferten Vergangenheit von Neualbenreuth und Umgebung. Sie banden ihren Sohn Gregor in diese Quellenarbeit ein, wodurch sein Interesse für die Geschichte seines Geburtsortes sehr früh ge­ weckt wurde.

Mord im gemengten Eger Bereits während seines Studi­ ums an der Universität Regens­ burg für das Lehramt an Gymna­ sien, bei dem er auch das Fach Geschichte belegte, befaßte er sich mit der Historie von Neual­ benreuth. Köstler erforschte da­ bei mit großem Interesse die Ur­ sache der kulturgeschichtlichen Besonderheiten der Region, die darin lagen, daß im 16. Jahrhun­ dert die reichsunmittelbaren, aneinandergrenzenden Herr­ schaftsgebiete der Stadt Eger und des Stifts Waldsassen aus einem Wirrwarr von sich über­ schneidenden Rechtsverhältnis­ sen und Besitzungen bestanden. Es gab sogenannte gemeng­ te Orte wie Neualbenreuth, in denen Egerer und Waldsasse­ ner Untertanen lebten, und un­ gemengte Orte mit Bewohnern ausschließlich aus einem der Herrschaftsgebiete. Dies rief na­ türlich Streitigkeiten hervor, die auch in dem Mord an einem Handwerksburschen aus Eger 1589 und den sich daraus erge­

benden Zuständigkeiten gipfel­ ten. Diese grausame Tat und de­ ren Folgen ließen Gregor Köst­ ler bis heute nicht mehr los. Der Mord führte in dieser Region zu einer kulturgeschichtlichen Be­ sonderheit. 1591 kam es zu ei­ nem Rezeß zwischen den beiden Parteien, in dem festgelegt wur­ de, daß in dem Gebiet mit den meist gemengten Orten die Ge­ richtsbarkeit zwischen Eger und Waldsassen jahrweise abwech­ seln sollte. Man nann­ te diese Regi­ on die Fraisch oder Wechsel­ fraisch, denn das althoch­ deutsche Wort „Fraisch“ be­ deutet im en­ geren Sinne Todesstrafe oder Gerichts­ barkeit. Der Wechsel wur­ de immer am 29. Juli vollzo­ gen und sollte nur interims­ weise gelten. Jedoch über­ dauerte dieses stiftisch-egerische Kondominium mehr als 270 Jah­ re, denn die im Rezeß von 1591 getroffenen Vereinbarungen hatten Gültigkeit bis 1862, als die Purifikation des Fraischver­ gleichs und des alten Rechtszu­ standes im Wiener Staatsvertrag zwischen Österreich und Bayern offiziell vollzogen wurde. Nicht nur diese historische Be­ sonderheit, sondern eine weite­ re weckte Gregor Köstlers For­ schungstrieb. Für Neualbenreuth bestand im erwähnten Rezeß die Ausnahmeregelung, daß das Gotteshaus und der Pfarrherr im­ mer der Stadt Eger unterstan­ den. Dies stellte lange Zeit kein

Problem dar, denn das Dekanat Eger und die Fraischpfarrei Neu­ albenreuth gehörten beide zum Bistum Regensburg. 1808 wur­ de jedoch auf Betreiben seitens Österreichs und mit päpstlichem Einverständnis das Dekanat Eger dem Bistum Prag angegliedert, was nun kirchenrechtliche Fol­ gen hatte. Das Gotteshaus ge­ hörte zum Bistum Prag, welches auch den Pfarrherrn einsetzte, der Fraischort Neualbenreuth zum Bistum Regensburg. Deshalb be­ rief der Bischof von Regens­ burg einen ei­ genen Pfarrer für seine Pfarr­ linge in Neual­ benreuth. Da­ mit entstand ein katholischkatholisches Simultaneum, das gegen das Kirchenrecht verstieß. Ne­ ben seiner Tä­ tigkeit als Stu­ dienreferendar am GoetheGymnasium in Regensburg un­ tersuchte Gregor Köstler mit wissenschaftlicher Umsicht die gegenläufigen Einflüsse der Bis­ tümer Prag und Regensburg im 19.  Jahrhundert auf Neualben­ reuth. Besonderes Augenmerk legte er auf die damals zustän­ digen Dekanate Eger und Tir­ schenreuth sowie auf die Situati­ on der jeweiligen Pfarrherrn vor Ort. Gleichzeitig setzte er sich mit den grenzübergreifenden und territorialgeschichtlichen Ver­ flechtungen zwischen Bayern und Böhmen auseinander, die 1591 in die Einrichtung des Ku­ riosums der Fraisch mündeten.

� Förderpreis für Musik und Darstellende Kunst: Myriam Geßendorfer

Daraus entstand 2019 seine her­ vorragende und umfassende Mo­ nographie mit dem Titel „Zwi­ schen Österreich und Bayern – Die Fraisch mit der Simulta­ neums-Pfarrei Neualbenreuth im 19.  Jahrhundert“. Köstler stell­ te erstmals eine wissenschaftli­ che Aufarbeitung über das Phä­ nomen Grenze in einer kleinen Region dar. Dabei rückte er die zwei spätmittelalterlichen Herr­ schaftsgebiete und deren neu­ zeitliche territoriale und parochi­ ale Nachfolgeinstitutionen in das Blickfeld und arbeitete anschau­ lich die nationalstaatlichen Ab­ grenzungsprozesse und Auswir­ kungen des Simultaneums auf die Fraischpfarrei Neualben­ reuth heraus. Er begründete ausführlich, wie daraus ein grenzübergreifendes Kuriosum und ein verworrenes kirchenrechtliches Verhältnis er­ wuchsen. Gregor Köstler schlug auch eine Brücke in die Jetztzeit mit Betrachtungen über den Be­ griff „Grenze“. Er beschrieb sie einerseits als trennendes Zei­ chen des Zusammenlebens wie in Europa, andererseits als Aus­ druck nationalstaatlicher Inter­ essen und deren Auswirkungen, wie die Problematik des Egerer Stadtwaldes zeigt. Mit der Dar­ stellung vieler unterschiedlicher geschichtlicher Facetten hat Gre­ gor Köstler ein bleibendes und umfangreiches Werk für seine Oberpfälzer Heimat, aber auch für den bayerisch-tschechischen Grenz- und Kulturraum geschaf­ fen. Köstler will im Zuge einer Pro­ motion untersuchen, ob im 19. und 20. Jahrhundert weitere ka­ tholisch-katholische Simultaneen in Deutschland, den Böhmischen Ländern oder Österreich exi­ stiert haben könnten, was er hof­ fentlich bald verwirklichen wird. Ulf Broßmann

yriam Geßendorfer wur­ de am 24. September 1996 in München geboren. Einer ih­ rer Großväter stammt aus Eger, und die Großmutter kommt aus Schlesien. In der sehr musika­ lischen Familie spielen Vater, Mutter und Geschwister minde­ stens ein Musikinstrument. Auf­ gewachsen in einem der Musik zugeneigten Elternhaus, wur­ de Myriam Geßendorfers musi­ kalische Begabung frühzeitig er­ kannt und konsequent gefördert. So begann sie, gerade einmal sechsjährig, mit dem Violinspiel, das sie bald mit großem Eifer be­ trieb. Um sich die teuren Violin­ stunden und damit ihren Weg zur Berufsmusikerin mitzufinan­ zieren, jobbt die damalige Gym­ nasiastin in einer Bäckerei.

fixiert, sondern fühlt sich auch in anderen Richtungen wie Rock, Pop und Jazz zuhause. So ist sie seit vielen Jahren, spielend und singend, Mitglied einer „Pro­ gressive Rockband“; überdies findet sie viel Freude am spon­ tanen Improvisieren. Dessen un­ geachtet fühlt sie sich der klas­ sischen Musik am stärksten ver­ bunden, und daraus erklärt sich auch ihr derzeitiges Berufsziel,

Künstlerisches und soziales Engagement Parallel zum Schulbesuch nahm sie mehrfach erfolgreich an den Wettbewerben von „Ju­ gend musiziert“ teil, wo sie ins­ gesamt 14 Mal mit Preisen aus­ gezeichnet wurde, darunter auch auf Bundesebene. Überdies wirk­ te sie zur Abrundung ihres Solo­ spiels mehrfach an renommier­ ten Orchester- und Kammer­ musikprojekten mit, besuchte Meisterkurse und erhielt Unter­ richt bei Professor Jakob Gilman an der Musikhochschule Mün­ chen. Die Geigerin ist dabei nicht einseitig auf die klassische Musik

Orchestermusikerin zu werden. Nach dem Abitur 2016 an der Ru­ dolf-Steiner-Schule in Gröben­ zell im oberbayerischen Kreis Fürstenfeldbruck bewarb sie sich an diversen Musikhochschu­ len in Deutschland und optierte letztlich für die Musikhochschu­ le Nürnberg, wo sie seither bei Professorin Valerie Rubin Violi­

ne studiert. Seit 2018 durch ein Deutschlandstipendium geför­ dert, hatte Geßendorfer bereits mehrfach Gelegenheit, zu solisti­ schen Auftritten. Vorrangig aber übt sie sich in der Orchesterar­ beit, entfaltet Kammermusikak­ tivitäten und wirkt im Madrigal­ chor der Musikhochschule Nürn­ berg mit. Sie ist eine vielseitig interessierte und profilierte Mu­ sikerin, die künstlerisches mit sozialem Engagement verbin­ det, etwa in der ehrenamtlichen Betreuung von Kindern und Ju­ gendlichen oder in der Flücht­ lingshilfe. Den Sudetendeutschen wur­ de Myriam Geßendorfer bereits in einem größeren Artikel der Sudetendeutschen Zeitung vom 21. März 2014 vorgestellt, in dem es heißt: „Die Volksgruppe darf stolz sein, daß sie solch große Ta­ lente hervorbringt, die zielsicher an ihrer Kompetenz arbeiten, sich musikalisch sowie persönlich ent­ falten und weiterentwickeln, um damit ihr kulturelles Erbe fort­ zuführen... Myriam Geßendor­ fer macht sich entschlossen und konsequent auf den Weg, um mit ihrer Violine Vorbild zu sein und um viele Menschen durch die in­ tensive Betonung des Gefühls anzusprechen.“ In Anerkennung ihrer bishe­ rigen künstlerischen Leistungen und der damit verbundenen Per­ spektiven erhält Miriam Geßen­ dorfer den Förderpreis für Musik und Darstellende Kunst. Andreas Wehrmeyer

Ortschronist I

n der Sparte „Publizistik“ ver­ gibt die Sudetendeutsche Landsmannschaft diesmal zwei Preise: Einen davon erhält Juli­ an Klötzl, der erst 24 Jahre alt ist und aus Löhnberg im Kreis Lim­ burg-Weilburg in Mittelhessen kommt. Seine Großeltern stam­ men aus dem einst 528 Einwoh­ ner zählenden Dorf Langlammitz im Kreis Luditz, etwa zwölf Kilo­ meter östlich von Karlsbad. Nach dem Studium der Ger­ manistik und Politikwissen­ schaften an der Justus-Lie­ big-Universi­ tät Gießen ging Julian Klötzl in die Gemeinde­ verwaltung von Biebertal im Gleibergerland bei Gießen in Mittelhessen. Dort schloß er im letzten Jahr seine Ausbil­ dung als Ver­ waltungsfach­ mann ab und strebte bei den Kommunal­ wahlen als SPD-Kandidat einen Stadtratssitz an. Julian Klötzl ist auch in an­ derer Hinsicht etwas Besonde­ res. Er ist das jüngste Mitglied im BdV-Ortsverband Löhnberg und engagiert sich in der Forschung über die Heimat seiner Vorfah­ ren im Deutschen Osten. Schon seit mehr als zehn Jah­ ren gilt sein Interesse dem Ort Langlammitz, dem Geburtsort seines Großvaters. „Seine Ge­ schichte darf nicht verloren ge­ hen“, meint Klötzl. Deshalb hat er 2020/2021 die dritte überar­ beitete Auflage des Heimatbu­ ches „Langlammitz mit Ortsteil Federhäuseln“ herausgebracht.

Neben der Ortsgeschichte legt Julian Klötzl den Schwerpunkt auf die „Familien von A bis Z“. Er dokumentiert in 1682 Nummern die Lebensdaten aller Menschen von Langlammitz und ihrer Vor­ fahren – eine enorme Arbeit. Im Durchschnitt verbrachte der engagierte Heimatforscher eineinhalb Stunden täglich bei der Recherche im Internet so­ wie in Kirchenbüchern oder mit Briefeschreiben. Ihn interessie­ re, wo die Ver­ triebenen in Deutschland heute leben und auch, wer umgekommen sei, betont er. Deshalb sei er auch Mitglied im Volksbund für Gräbersu­ che. Nach dem unerwarteten Tod der frü­ heren Ortsbe­ treuerin von Taschwitz, ei­ nem Nachbar­ ort im Kreis Luditz, über­ nahm Klötzl deren Ehrenamt. Gemeinsam mit Otto Riedl, ei­ nem Cousin seines Großvaters, organisiert er ein jährliches Ort­ streffen für ehemalige und heu­ tige Bewohner von Langlam­ mitz in Bad Homburg vor der Höhe. Julian Klötzl zeigt schon in jungen Jahren großartiges En­ gagement für die Heimat seiner Großeltern, was für die Zukunft hoffen läßt. In Anerkennung sei­ nes Einsatzes wird er mit einem der beiden diesjährigen Förder­ preise der Sudetendeutschen Landsmannschaft für Publizistik ausgezeichnet. Wolf-Dieter Hamperl

� Förderpreis für Publizistik: Miloš Bělohlávek

Große Geigenvirtuosin M

11

SUDETENDEUTSCHE FÖRDERPREISE 2020

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Aktiver Heimatforscher M

iloš Bělohlávek ist Histo­ riker, Schriftsteller, Hei­ matforscher und Denkmalpfle­ ger. In seiner Geburtsstadt Cho­ dau im Kreis Elbogen verbrachte er fast sein ganzes Leben, auch wenn er an der Philosophischen und Theologischen Fakultät der Karls­-Universität in Prag stu­ dierte. Seine Bachelorarbeit 2019 trägt den Titel „Der deut­ sche Einfluß in der Region Elbo­ gen vom 11. bis zum 13. Jahrhun­ dert“, denn Bělohlávek ist teils deutschstämmig und spricht flie­ ßend Deutsch. Nach seiner Rückkehr in sei­ ne Heimatstadt arbeitete er kurz am Nationalinstitut für Denk­ malpflege in Elbogen. Schon da­ mals beschäftigte er sich mit der Geschichte der Region, über die er einen Blog veröffentlich­ te. Hier bekundete er erstmals öffentlich sein Interesse an der Geschichte der Stadt und der Region, einschließlich der Ge­ schichte vor 1945. Seit 2016 ar­ beitet Bělohlávek als Stadthisto­ riker in Chodau und schaffte es, das Interesse der Öffentlichkeit an der Geschichte der Stadt zu wecken. Er organisierte dazu Vorträge, Diskussionen und Exkursionen zu wichtigen historischen Stätten seiner Umgebung. Dank seiner Arbeit wurden historische Schät­ ze in der katholischen Sankt-Lau­ rentius-Kirche gerettet, etwa die vom ehemaligen Grundherren Johann Wilhelm von Planken­ heim gestiftete Glocke, die 1658

vom Pilsener Melchior Mathä­ us Michelin gegossen worden war, und die Gemälde des Kreuz­ wegs. Aufgrund seines Vorschla­ ges, zwei Glocken im Kirchturm aufhängen zu lassen, war Cho­ dau die erste Stadt, in der nach 1945 neue Glocken gekauft wur­ den. Diese wurden 2017 beim ge­ meinsam mit der Partnerstadt Waldsassen begangenen 340. Laurentiusfest geweiht. Im glei­

chen Jahr führte Bělohlávek mit Experten eine archäologische Untersuchung der Adels-Krypta in der Kirche durch. Als Stadthistoriker regte Bělohlávek auch an, auf dem Stadtfriedhof viele Gräber ehe­ maliger deutscher Bürger zu re­ staurieren, etwa 2020 das Grab Karl Fenkls, des ersten Bürger­

meisters der Stadt. Zur Erinne­ rung an das Schicksal der jüdi­ schen Familien in Chodau schlug er vor, Stolpersteine zu errichten, was seit 2015 geschieht. Den Förderpreis erhält der Schriftsteller auch für seine er­ folgreichen Publikationen, die viele Leser erreichten und meist auch auf deutsch erschienen. Ti­ tel wie „Der Chodauer Kreuz­ weg“ (2017), „Chodau im Wan­ del der Zeit“ (2018), „Das ver­ schüttete Dorf Pechgrün“, „Karl Fenkl und seine Zeit“ (2020) oder auch „Die Geschichte der Ma­ schinenfabrik Carl Gasch in Cho­ dau“ zeigen, daß er immer auch die deutsche Vergangenheit der Stadt einbezieht. Der Höhepunkt seiner publizistischen Arbeit ist das Buch „Verschwundenes Cho­ dau“ (2018), das bislang umfas­ sendste Werk zur Geschichte der Stadt. Miloš Bělohlávek ist ein Voll­ blutforscher, der sein reiches Wissen auch gut an die breite Öf­ fentlichkeit vermittelt, beispiels­ weise in modernen sozialen Me­ dien wie Facebook. Mit seiner Begeisterung und menschlichen Herangehensweise an die Ge­ schichte seiner Heimatstadt spricht er nicht nur die heutigen Einwohner von Chodau an, son­ dern auch die ehemaligen deut­ schen Bewohner der Region, die er auch immer zum Besuch ein­ lädt. So ist er den Landsleuten aus Chodau auch als Organisator ihrer Heimattreffen bekannt. Susanne Habel


12

KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Einige Werke von Walter Gaudnek in der Sparkasse Dachau wie „Tulpen mit Vorhang II“, „Maria auf der Flucht aus Ägypten“, „Papst Benedikt mit den zehn Geboten“, „Der Heilige Blasius“ und „Auf geht‘s zum Mars“. Der sudetendeutsche Künstler Walter Gaudnek ist derzeit in Deutschland. An seinem 90. Geburtstag am 1. Juli fand eine Vernissage in der Dachauer Sparkasse statt, zu der deren Vorstandsvorsitzender Hermann Krenn lud. im ganzen Landkreis und seinem früheren Wohnort Altomünster wird der berühmte Jubilar mit Feiern geehrt.

� Zum 90. Geburtstag von Walter Gaudnek

Vernissage mit Swing

V

ergelt‘s Gott, thank you and ­goodbye“, sagt Walter Gaudnek am Rednerpult. Er bedankt sich gerührt bei der Vernissage an seinem 90. Geburtstag. Die schöne Feier in der Sparkasse Dachau ist von deren Vorstandsvorsitzenden Herrmann Krenn sowie dem Betreuer des Gaudnek European Museums (GEM) Siegfried Sureck und dem Dachauer Landrat Stefan Löwl initiiert worden, die nun alle klatschen. Bei Klängen der Band „Blumes Swingtime“ von Hans Blume wird das Wiedersehen noch lange gefeiert. Zuvor hat Alt-Landrat Hansjörg Christmann, ein jahrzehntelanger Wegbegleiter Gaudneks, eine sachkundigeinfühlsame Laudatio gehalten, in der er Leben und Werk des Jubilars gewürdigt hat. „Ich habe Walter Gaudnek Anfang der achtziger Jahre kennengelernt“, erinnert sich Christmann. Damals habe er die Pop-Art des Künstlers erst verstehen lernen müssen, gibt er ehrlich zu.

D

er sudetendeutsche Künstler Walter Gaudnek kam am 1. Juli 1931 in Fleyh im Kreis Dux im böhmischen Erzgebirge zur Welt. Dort mußte er als Kind miterleben, wie sein Vater, der sich weigerte, der NSDAP beizutreten, 1944 von Nazi-Schergen so schwer mißhandelt wurde, daß er kurz darauf verstarb. Nach der Vertreibung im November 1946 – gemeinsam mit Mutter Hildegard Gaudnek, Schwester Ilse Gaudnek und Großeltern Josef und Hedwig Selber – kam die vertriebene Familie in einem Haus in der Sandizellergasse 3 in Altomünster bei Dachau in Oberbayern unter. In diesem Häuschen gründete Gaudnek 1997 das Gaudnek-Europa-Museum (GEM), das 1999 eröffnet wurde, und lebt dort oft während des Sommers, während er sonst in Florida neue Werke

Der Dachauer Landrat Stefan Löwl, Professor em. Dr. Walter Gaudnek und Laudator Hansjörg Christmann.

schafft. Denn Walter Gaud- � Ein Leben für die Kunst nek ging schon 1959 in die Welt hinaus: Nach dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Ernst Geitlinger studierte er – mit einem Stipendium – an der University of California in Los Angeles. Er promovierte 1968 an der New York University zum Dr. phil. mit der Arbeit „Die symbolische Bedeutung des Kreuzes in der amerikanischen Malerei der Gegenwart“. Im gleichen Jahr heiratete er dort die amerikanische Jüdin und Künstlerin Audrey Gayle Goldman, die für ihn die eigene Karriere aufgab. Mit ihr bekam er 1990 Tochter Yve, die seinem Weg folgte und an der University of Central Florida Film (UCF) in Orlando studierte. Walter Gaudnek am 90. Geburtstag und sein Selbstportrait als Emeritus. Bilder: Walter Gaudnek, Susanne Habel (1) Ab 1970 war Gaudnek Professor

Walter Gaudnek 90

Walter Gaudnek 1959 in New York in der Image Gallery, wo er eine Bleibe fand. Rechts:1970 mit den Werken „Dance of Time“ bei einem Kunst-Happening mit Studenten auf der Baustelle der Universität in Orlando, Florida.

Bilder: Susanne Habel

„Die Perioden in Gaudneks Kunst entsprechen den biographischen Stationen in seinem Leben, vom Studium in München und Kalifornien über die Schaffenszeit in New York und die Professor in Florida“, faßt Christmann zusammen. „Gaudnek hat alle Zeitströmungen unberührt überstanden!“ Eine Grundlage habe immer die klassisch-figurative Malerei der Moderne mit starker Betonung der schwarzen Konturenlinie gebildet. Diese Tradition der Linie habe Gaudnek weiterentwickelt, wobei er auch beeinflußt worden sei von der einheimischen Kunst der native Americans und der üppigen Natur Floridas. Meist seien Gaudneks Bilder sehr farbig gewesen, aber es habe auch schwarz-weiße Phasen wie die labyrinthische Welt der „Black Holes“ gegeben oder die blauen Bilder der „Space Series“. All diese Werkphasen sind auch im GEM dokumentiert. „Ich war immer fasziniert von der Vielfalt der Themen von seiner Kunst“, lobt Christmann den engagierten Künstler und dankt ihm für sein „Wirken in die Welt hinaus“. Zuletzt hat Gaudnek sich auch mit der Coronapandemie beschäftigt, die 2020 seine jährlichen Europareisen unterbrach. Jetzt freut der Künstler sich, zurück zu sein und prostet all den Ehrengästen zu, besonders seiner Ehefrau Audrey Goldman Gaudnek. Susanne Habel

an der UCF, der mit 60 000 Studenten zweitgrößten Universität der USA: Er lehrte dort Malerei, Graphikdesign, Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft und lebt und malt immer noch in Florida, nachdem er im Frühjahr mit großen Ehren emeritiert wurde. Gaudneks Werke waren in Ausstellungen fast weltweit zu sehen und sind auch in vielen großen Museen und Galerien vertreten. Oft kommt Gaudnek nach Europa zu Vortragsreisen und Ausstellungseröffnungen. Das von ehemaligen Altomünsterer Sparkassendirektor Siegfried Sureck ehrenamtlich betreute GEM ist voller Kunstwerke, darunter viele überdimensionale Kreuze, antike ägyptische und christlichreligiöse Motive im Gaudnek-typischen Pop-Art-Stil.

Auch im Sudetendeutschen Haus in München war Gaudnek oft zu Gast: 2006 präsentierte er dort Engel-Figuren und 2015 die große Ausstellung „Teutonis et Bohemis amabiles Johannes Welflin Nepomuk“ über den böhmischen Brückenheiligen. Gaudnek ist Mitglied der Sudetendeutschen Akademie. Seine zahlreichen Auszeichnungen enthalten neben dem Sudetendeutschen Kulturpreis für Kunst 1994 den UCF University President Award. Zu seinem 90. Geburtstag gibt es Ausstellungen in Dachau und in Altomünster, wo auch eine farbige Illumination gezeigt wird. Der Künstler will weiterhin kräftig schöpferisch bleiben und jedes Jahr neueste Werke zeigen, auch im GEM in Altomünster – ad multos annos! Susanne Habel

Walter Gaudnek mit Werken anläßlich der 2021 geplanten Eröffnung des „Grand Egyptian Museum“ (GEM) in Kairo und am Strand von New Smyrna Beach bei seinem Atelier vor der Reise zur Geburtstagsfeier nach Deutschland.


Das vollkommen überwucherte Friedhofsareal in Böhmisch Bokau vor dem Beginn des Arbeitseinsatzes, bei dem man deutsche Gräber fand.

Neues Workcamp W

er bei Sanierungen im Braunauer Ländchen helfen will, kann sich für einen Arbeitseinsatz im August anmelden. Schwerpunkt ist die Wiederherrichtung von Denkmalen in der Gemeinde Merkelsdorf bei Adersbach im Kreis Braunau. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre, jüngere dürfen nur in Begleitung von Eltern oder Erziehungsberechtigten teilnehmen. Die freiwilligen Helfer tragen selbst die Kosten für Anreise, Unterbringung und Verpflegung (Frühstück und Abendessen). Tagsüber wird Verpflegung am Einsatzort ko-

stenlos vom Organisator gestellt. Vorläufiges Programm l  Mittwoch, 18. August: Anreise am Nachmittag. l  Donnerstag, 19. bis Samstag 21. August: Arbeitseinsatz. l  Samstag 21. August: Workcampabschluß am Nachmittag, Abreise der Teilnehmer Auskunft: Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Telefon (0 89) 48 00 03 65 55, eMail meinusch­ @sudeten.de

Freiwillige haben unter Leitung des Denkmalschutzvereins Omnium auch in der letzten Zeit Friedhöfe und sakrale Denkmale vor dem kompletten Verfall gerettet. Auf dieser Seite werden zwei Beispiele dokumentiert.

D

er Friedhof von Böhmisch Bokau/Kreis Aussig, heute ein Ortsteil von Pömerle, der zu den am stärksten zerstörten Friedhöfen gehört, erlebt aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem Gemeindeamt Pömerle/Povrly, dem Bistum Leitmeritz und dem Verein Omnium die ersten Maßnahmen zu seiner Rettung. Dank der Initiative des Gemeindeamtes in Pömmmerle, vertreten von der Gemeinde­ sekretärin Věra Součková, begann der Verein Omnium im Mai, den Wildwuchs auf dem Friedhof

� Arbeitseinsatz in Saubernitz in Nordböhmen

Grabsteine geborgen Unter Leitung des Denkmalschutzvereins Omnium wurden auch die aus dem Friedhof in Saubernitz im Kreis Aussig entfernten Grabsteine geborgen.

D

13

KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Schutt ausgegraben und sie anschließend auf dem ursprünglichen Friedhof in der Nähe der Kirche an der Friedhofsmauer pietätsvoll aufgestellt. Gemäß von kürzlich wiederentdeckten historischen Fotos könnten in der Ab-

darauf geschütteten Mülls vorerst noch nicht sicher festgestellt werden, wahrscheinlich entspricht sie jedoch den Schätzungen. Die Grabsteine waren aus dem Saubernitzer Friedhof 1968 entfernt worden. Laut Zeitzeugenaussagen wur-

er Verein Omnium hatte im Mai in enger Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum in Saubernitz/ Zubrnice im Böhmischen Mittelgebirge eine Aktion mit freiwilligen Helfern organisiert. Ziel war die Untersuchung der Ablagestelle von Grabsteinen, die aus dem alten Saubernitzer Friedhof entfernt und an einem abgelegenen Ort abgeladen worden waren. Die Zahl der aufgefundenen Grabsteine wurde dokumentiert, und es wurden erste Bilder: Omnium Schritte eingeleitet, Wiederentdeckte Grabsteine vor der Kirche. um sie aus dem Baulagestelle hinter der zer- den sie offiziell als Baumateschutt und Müll zu heben. Im Verlauf des ersten fallenen Wassermühle bis rial zum Verkauf angeboten. Workcamps hatten die frei- zu 200 Grabsteine aus dem Eine größere Anzahl wurwilligen Helfer des Vereins ganzen Friedhof enthalten de anschließend an eine unOmnium rund 20 Grabstei- sein. Die tatsächliche Zahl bekannte Stelle im Tal des ne buchstäblich aus dem konnte aufgrund des vielen Wiesenbachs gebracht, und das Geschehen fiel in Vergessenheit. Erst in den neunziger Jahren fand František Ledvinka, der Gründer des Saubernitzer Freilichtmuseums, die Stelle wieder, wo die Grabsteine hingeworfen worden waren. Die große Masse wurde mit Resten der verfallenen Wassermühle zugeschüttet, aber die wenigen Bruchteile von Grabsteinen, die aus dem Bauschutt herausragten, wurden auf den ursprüngDie Freiwilligen in Saubernitz sind Michaela Valentová, Matěj Carda, lichen Friedhof an Kateřina Fuksová, Lucie Nohejlová, Karel Konopka, Viktor und Barbo- der Kirche zurückgera Větrovská. bracht.

Der Friedhof nach der Sanierung.

� Einsatz in Böhmisch Brokau

Gräber gerettet zu beseitigen. Dabei kam eine größere Anzahl von Resten der Grabsteine der ursprünglichen deutschen Bevölkerung wieder zum Vorschein. Die meisten waren umgestürzt, aber dennoch gelang, die dazugehörigen Grabtafeln aus Glas wiederzufinden, auf denen die Namen und die Lebensdaten der Verstorbenen zu lesen sind. Der Friedhof in Böhmisch Bokau war von Omnium 2020 bei der Dokumentation der Friedhöfe im Bezirk Aussig detailliert er-

faßt und als einer der am stärksten vom Untergang bedrohten bewertet worden. Der Friedhof ist im Eigentum der römisch-katholischen Pfarrei in Böhmisch Bokau und wird von der Pfarrei in Aussig verwaltet. Die erste Erwähnung des Ortes „Bukov“ als eines slawischen Rundlings um die frühere Kirche herum stammt aus der Zeit vor 1158, als er vom Eigentum des böhmischen Königs an den Benediktinerorden in Teplitz-Schönau ging. Vor der Vertreibung

Bilder: Barbora Větrovská hatte Böhmisch Bokau in den dreißiger Jahren 130  deutsche Bewohner, die in Landwirtschaft, Obstanbau und den nahen Industriewerken arbeiteten. 1976 kaufte das lokale Nationalkomitee in Pömmerle die Kirche Johannes der Täufer für 7996 Kronen vom Kapitular-Konsistorium. Ein Jahr später sprengte sie es wegen Baufälligkeit. Übrig blieb nur eine große Menge Bauschutt, Ziegel und behauene Steinen. Der nun renovierte Friedhof befindet sich gegenüber dem im Jahr 1742 barockisierten Pfarrhaus, ursprünglich aus dem Jahr 1739. In Kürze soll die künftige Gestaltung des Friedhofs als Ort der Pietät mit Informationen über die nicht mehr erhaltenen Grabstätten und über die Ortsgeschichte geklärt werden.


14

ZEITGESCHICHTE

Bong Mine 1983.

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

„Dirt Road“ zur Bong Mine in der Trockenzeit 1984.

Sudetendeutsche im westafrikanischen Liberia

Erst afrikanische Schweiz, dann Slum Ende Mai stellte ich mich in dieser Zeitung als Ko-Chefredakteurin dieser Zeitung vor. In meiner Vorstellung erwähnte ich, auch in Liberia gelebt zu haben. Daraufhin schrieb mir Herbert G. Papacek – ein treuer Abonnent unserer Zeitung –, daß auch er im westafrikanischen Liberia gelebt habe.

L

niggrätz. Hier lernte er wie die anderen Kinder tschechisch zu sprechen. Weitere drei Jahre später wurde der Vater nach Eger versetzt. Und Herbert vergaß das Tschechisch wieder. An dem Tag, an dem er eingeschult wurde, am 1. September 1939, brach der Erste Weltkrieg aus. Nun zog die Wehrmacht den Vater ein. Im

iberia war zunächst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger Sklaven aus den USA und einer der ersten unabhängigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Konflikte zwischen den Nachkommen ehemaliger Sklaven und länger ansässigen Volksgruppen prägen das Land bis heute. Nichtsdestotrotz galt es bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs zu Weihnachten 1989 als die Schweiz Afrikas, als vergleichsweise fortschrittlich und wohlhabend. Dazu trugen ausländische Projekte bei. Ein Dr. Herbert G. Papacek äußerst erfolgreiches Projekt war die Bong Mining Company. Herbst 1944 flohen Mutter und Eine zu 70 Prozent deutsche Sohn vor den Bombenangrifund zu 30 Prozent italienische fen aus Eger in ein Häuschen im Bergbaugesellschaft investier- Böhmerwald. Dort erlebten sie te Ende den sechziger Jahren im das Kriegsende, den Einmarsch Bong-Range-Gebiet in Liberia der Amerikaner und die Heimin den Abbau von Eisenerz. Die kehr des Vaters aus dem Krieg. Düsseldorfer Gewerkschaft Ex- Sie kehrten nach Eger zurück. Ihploration, später Exploration und re Wohnung stand noch, allerBergbau, plante und baute das dings leer geplündert. Eisenerzbergwerk. Im Juni 1946 begann die VerUnd hier kommt Herbert G. treibung: Lager, Güterzug RichPapacek ins Spiel. Er war am tung Westen, Hessen, Wetzlar, 28. Juli 1933 in Kaaden zur Welt Barackenlager Finsterloh, Leun, gekommen. Sein Vater Johann 13 Quadratmter-Wohnraum mit war k. u. k. Offizier und nach der zwei Betten. Hier endete sie. Gründung der Ersten Republik Nach langer Zeit ohne Untervon der Armee des neuen Staa- richt kam Herbert jetzt ins Gymtes übernommen worden. Sei- nasium in Weilheim. Er machne Mutter Berta war eine gebo- te Abitur, arbeitete ein Jahr lang rene Schneider aus dem Plösser 300 Schichten in verschiedenen Ortsteil Wenzelsdorf im Kreis Bi- Bergwerken als Praktikum und schofteinitz. Zwei Jahre später ging auf die Bergwerk-Akadezogen sie nach Gitschin bei Kö- mie in Clausthal-Zellerfeld. An

der TU Berlin machte er den Diplom-Ingenieur, Fachrichtung Bergbau. Dann heuerte er bei der Barbara Erzbergbau als Aufbereitungs-Ingenieur an. Bereits in Berlin hatte er Ute Alwine Szlapka kennengelernt. 1962 heirateten sie. 1963 wurde er in die Hauptverwaltung nach Düsseldorf berufen, wo er bei der Tochter-Gesellschaft Gewerkschaft Exploration hauptsächlich mit Planungs-Aufgaben betraut wurde. Dafür wurde er 1964 zum ersten Mal nach Liberia geschickt. Um Erfahrungen in den USA sammeln zu können, wanderte er 1967 dorthin aus. 1968 kehrte er nach Düsseldorf zurück. Nach etwa zwei Jahren Planungs-Arbeit in Düsseldorf übernahm er ab 1970 die Endmontage, die Inbetriebnahme und schließlich die Betriebsleitung der Pelletierungs-Anlage bei der Bong Mining Company in Liberia. Vier Jahre verbrachte er hier. „In Liberia lebten wir in einer schönen Siedlung im tropischen Busch und genossen eine in Deutschland kaum realisierbare Freizügigkeit. Der Atlantik war nur eine Auto-Stunde von uns entfernt“, erinnert er sich. Und er erinnert sich an den Geologen Hans Gruss, der zu seiner Zeit ebenfalls für die Bong Mining Company arbeitete. Dieser international tätige und bekannte Landsmann stammte aus Marienbad. Sein Patenonkel war der Graslitzer Maler Franz Gruss ( Seite 15). In ihrer Blütezeit hatte die deutsche Werkssiedlung Bong Town mehr als 450 europäische, meist deutsche Einwohner. Sie lebten in einer für deutsche Verhältnisse großzügig angelegten Bungalowsiedlung. In der Nähe befanden sich weitere Wohn-

anlagen und eine Reihenhaussiedlung für afrikanische Werksangehörige. Bong Town verfügte über die beiden größten Kreiselbrecher, die weltweit jemals gebaut wurden; ein schwerölbetriebenes Elektrizitätswerk ausgestattet mit Sulzer-Maschinen je 10 000 PS; ein eigenes Wasserwerk. Das Wasser wurde aus dem Saint Paul River über zehn Kilometer in einer 800-Millimeter-Rohrleitung gepumpt; eine Werksverwaltung mit Rechenzentrum; einen kleinen Verkehrslandeplatz; eine werkseigene Sendeund Kommunikationsanlage für die Privatversorgung seit 1968, später auch Fernsehen; einen landwirtschaftlichen Versuchsbetrieb; einen Supermarkt mit internationalen Produkten, von denen ein Großteil in Monrovia beschafft wurde; eine modern eingerichtete Klinik mit 100 Betten; eine Forschungsstation des Tropeninstituts in Hamburg: eine Schule und zeitweise auch einen Kindergarten; Sport- und Freizeitanlagen wie Tennis-Club, GolfClub, Reit-Club, Schützenverein, Cart-Club, Fischer-Club und einen Aero-Club. Den Schutz der Siedlung Für die Pelletanlagen in der Bong Mine war Dr. Herbert G. Papacec zuständig. übernahmen ein werkseigener Sicherheitsdienst und eine zum arbeiter und deren Kinder of- sist war ein in Hamburg ausgebilOrt gehörige liberianische Poli- fenstand. Auf dem Werksgelän- deter Liberianer, der auch Hamzeistation. Große Bedeutung hat- de bestand eine nach deutschem burgisch sprach. Alles war auf te die Ausbildung und Schulung Vorbild aufgebaute Lehrwerk- dem neuesten Stand. der liberianischen Mitarbeiter. statt für die Ausbildung der afriIm Mai wurde ich auf AnweiDafür diente die Schule, die so- kanischen Facharbeiter und Ser- sung des Auswärtigen Amtes mit wohl den Kindern der deutschen vicetechniker. meinen damals erst zwei TöchTechniker als auch für die AusIm Oktober 1989 zog ich mit tern evakuiert. Die Männer der bildung der afrikanischen Mit- meinem damaligen Mann, einem Deutschen Botschaft in MonroDiplomaten, in via kamen erst einen Monat spädie Hauptstadt ter nach. Die zwei Bürgerkriege Monrovia. Zu dauerten von 1989 bis 1996 und Weihnach1999 bis 2003. Das waren Konflikten brach der te zwischen den Volksgruppen Bürgerkrieg sowie der Kampf zwischen den aus. Doch wir Warlords um Macht und Rohstofunterschätzfe. 1999 wurde die Bong Mining ten die Unru- Company abgewickelt. Heut ist hen. So pas- aus der afrikanischen Schweiz sierte ich ziem- ein Slum mit 85 Prozent Arbeitslich furchtlos losigkeit geworden. während der In Liberia traf ich Herbert G. anderthalb Papacek nicht. Der war wieder in Stunden „Dirt Düsseldorf. Die letzten fünf JahRoad“ auf dem re bis zur Rente arbeitete er in Weg zu Bong Brasilien. Danach zog die Familie Town mehre- ins hessische Greifenstein. Und re Kontroll- er beriet Unternehmen in Wales, Punkte, die Rußland, Indien, Australien und mit schwerbe- in der Ukraine. 2007 starb seine waffneten be- Tochter Birgit, 2013 seine Frau. trunkenen und Von seinen verheirateten Kinbekifften Sol- dern Ellen, Katrin, und Thilo hat daten besetzt er sechs Enkel. waren. Noch immer ist er viel unterIch mußte wegs. Kürzlich war er in seinem mich damals Geburtsort Kaaden. Und zum Sueiner kleinen detendeutschen Tag kommt er Operation un- nach München. Vielleicht treffen terziehen. wir uns morgen beim VolkstumsMein Anästhe- abend. Nadira Hurnaus


15

KÖPFE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Franz von Borgia Ernst Hermann Vinzenz Josef Gruss kam am 3. Juni 1891 in Graslitz im Egerland zur Welt. Seine Eltern waren der in Wien geborene Buchhalter Franz Wenzl Gruss und die aus Skutsch stammende Wilhelmine Gruss/Fila in Haus Nr. 306. Gruss machte 1909 in Eger. Bis 1914 besuchte er die Akademie der bildenden Künste in Wien. Deren Professoren Alois Delug und Rudolf Jettmar förderten ihn. 1910 erhielt er die Füger-Medaille für sein Bild „Hiob wird von seinen Freunden besucht“.

I

m Ersten Weltkriegs geriet Gruss 1915 in russische Gefangenschaft, die er in Sibirien verbringen mußte. Dort schnitzte er für den Kriegsgefangenenfriedhof ein überlebensgroßes Kruzifix. Ein großes Altarbild soll sich inzwischen in Adelsberg in Istrien befi nden. Nach einem mißglückten Fluchtversuch gelang Gruss im März 1918 doch noch die Flucht aus Sibirien. Er kehrte noch vor Ende des Krieges Graslitz zurück. Nach dem Kriegsende 1918 und dem Untergang der Monarchie Österreich-Ungarn stand er vor der Wahl, ein festbezahlter Mittelschullehrer oder ein freier Künstler zu werden. So entstand eine Spannung zwischen Entbehrung und schöpferischer Tätigkeit. Bilder wie die Grablegung (1919) und die Kreuzabnahme (1920) entstanden in dieser Zeit. Bis 1923 besuchte er wieder die Meisterschule in Wien. 1924 errichtete er sich ein Atelier im selbstgezimmerten Blockhaus, östlich von Silberbach im Erzgebirge inmitten von Bergen und Wäldern. 1926 wurde die Ausgestaltung der ehemaligen SanktClara-Kirche in Eger, die der Barockbaumeister Christoph Dientzenhofer entworfen hatte, zu einer Gedächtnisstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges für alle sudetendeutschen Künstler ausgeschrieben. Dies war der bedeutendste Auftrag, der zu dieser Zeit für Künstler vergeben wurde. Unter den 22 eingereichten Entwürfen erhielt Gruss den 1. und 2. Preis und den Auftrag zur Ausführung, die allerdings erst 1936 erfolgte. Gruss beteiligte sich an mehreren Ausstellungen der Secession in Wien. Darüber hinaus waren seine Werke in Eger, Karlsbad, Brüx, Prag, Teplitz-Schönau, Reichenberg, Breslau und Weiden in der Oberpfalz zu sehen. Um 1939 war Franz Gruss als Maler und Illustrator für das Sudetendeutsche Hilfswerk tätig. Die Vertreibung aus der Heimat führten ihn und seine Familie nach Wien. 1947 gestaltete er dort das Haus der Tischlerinnung mit einem Sgraffi to. Es folgten Arbeiten im öffentlichen und kirchlichen Bereich. So stattete der Maler 1959 in Emskirchen die ein Jahr zuvor eingeweihte, katholische Filialkirche Maria Königin mit drei großen Fresken und 14 kleineren, ebenfalls „al fresco“ gemalten Kreuzwegbildern aus. Studienreisen führten ihn nach Italien, Griechenland, Frankreich und Spanien. 1974 fand im Egerland-Kulturhaus in Marktredwitz eine Ausstellung zum Lebenswerk des Künstlers statt. 1923/24 erhielt er das österreichische Staatsreisestipendi-

Das 1945 übertünchte Fresco zum Gedenken der Gefallenen des Ersten Weltkrieges in der Sankt-Clara-Kirche in Eger von Franz Gruss.

Zum 130. Geburtstag des Egerländer Malers, Zeichners und Freskanten Franz Gruss

Absoluter Pluralismus um, den Rompreis. 1956 wurde er mit dem Nordgau-Kulturpreis der Stadt Amberg im Bereich Bildende Kunst ausgezeichnet. Am 28. September 1979 starb er im niederösterreicheischen Mistelbach. Doch lesen wir, was sein Biograph Raimund Atzinger schreibt.

Altersfoto aus Ende der siebziger Jahre und ein Selbstportrait von 1920.

I

m Pluralismus der Stile ging Franz Gruss immer unbeirrt seinen Weg. Unverwechselbar ist sein Stil, weil er in steter Auseinandersetzung mit den Regungen seiner Zeit sich das ihm artgemäße einschmolz, die Ausdrucksmöglichkeiten bereicherte, ohne seine Formensprache zu verlieren. So bezieht er konstruktive Elemente des Kubismus, abstrakte Farb- und Linienkompositionen im Bildaufbau ein, ohne die Gegenständlichkeit aufzuheben. Gruss wuchs im Erzgebirge auf. Die Bilder der Welt, die zuerst dem schauenden Knaben vor Augen standen, bestimmten Sicht und Erleben, gaben auch die Bauteile, mit denen er die Welt, seine Welt zur Darstellung bringt. Doch gewaltiger als alles vorher waren Krieg, Gefangenschaft und die Not der Nachkriegszeit.

Gruss begann auszustellen, bald in der Sezession, der modernen Vereinigung Wiens, fand Beachtung und verkaufte auch regelmäßig, was seinem allzeit bescheidenen Selbstvertrauen zur nötigen Sicherheit verhalf. Mit dem gewonnenen guten Ruf unter den jungen Malern Wiens kamen aber auch Neid, Mißgunst und Machenschaften. Gruss, abhold jeder Bewerbung um Hilfe und Förderung, kehrte all dem Intrigenspiel, dem Betrieb und Getriebe der Großstadt den Rükken. Er zog in die Abgeschiedenheit der Heimat. In SilberbachNancy, zwei Stunden von seiner Vaterstadt Graslitz entfernt, errichtete er ein Blockhaus im Wald, das ihm als Wohnung und Atelier für 20 Jahre Stätte der reifenden Arbeit und zuletzt Heimstatt seiner Familie werden sollte. Der Zeichner Gruss, mit dem Skizzenbuch zu Fuß und auf den

Skiern unterwegs, füllte Blatt um Blatt, Mappe um Mappe. Die Natur und die in ihr lebenden Menschen waren sein unerschöpf-

licher Gegenstand. Besonders das Aktzeichnen, Ausdruck des menschlichen Körpers und Wiedergabe seiner Bewegung, begeisterte ihn zu unermüdlicher Gestaltung. Der Bildhauer Gruss verlangte nach dem groben Material, dem heimischen Granit. In wenigen, aber bezeichnenden Skulpturen bewies er, daß seine Malweise in echter Verbundenheit zur Plastik erwachsen war: einfache Größe, mit männlicher Hand aus dem rauhen Stoffe geschlagen, tragen die Figuren in Haltung und Antlitz zur Schau. Der Maler Gruss klärte sich zur gebändigten Ruhe, zur gelassenen Bewegung, zur Reife der überzeugenden, gültigen Form. Die Ausgestaltung der ehemaligen Sankt-Klara-Kirche in Eger, eines schönen Barockbaues der Dientzenhofers, zu einer Gedächtnisstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges war 1926 für alle sudetendeutschen Künstler ausgeschrieben worden. Unter den 22 eingereichten Entwürfen je eines Malers oder Bildhauers mit einem Architekten erhielt Gruss in Verbindung mit dem Architekten Scherer aus Zürich den 1. und 2. Preis sowie den Auftrag zur Ausführung. Dazu sollte es allerdings erst zehn Jahre später kommen. Anfeindungen und Einmischungen philiströser Kunstbeamter und tschechischer Behörden verschoben sie und schrieben noch eine Angleichung des Grusschen Freskoentwurfs an den barocken Bau vor. So verwandelte er den strengen, geradlinig gestaffelten „gotischen“ Plan in den ihm fremden Bewegungsrhythmus eines „barocken“ Aufschwungs und bewies am Widerstand des nun gebundenen Auftrags sein gestalterisches Können. An manchen kleineren Fresken und technischen Versuchen hatte sich Gruss zu einer Zeit ohne brauchbare Hinweise auf Material und Technik dieser Malart Können und Fertigkeit erarbeitet. So war er wohl vorbereitet, die 120 Quadratmeter große Apsiswand des Dientzenhoferbaues als Freskant zu meistern. Ausstellungen machten ihn in der Heimat und bald über sie hinaus bekannt. Kritiken und Zeitungsartikel schenkten ihm Beachtung, Anerkennung und Öffentlichkeit sowie Zustimmung und Verständnis. Als sichtbares Zeichen dieser gewonnenen Position darf gewertet werden, daß im Karlsbader Adam-Kraft-Verlag das Buch „Der Maler und Zeichner Franz Gruss“ erschien. Herausgeber war Franz Höller, eifriger Helfer und treuer Gefährte des Künstlers und gründlicher Kenner seines Werks. Er verhalf Gruss auch zu einem Kreis kunstverständiger und kunstliebender Menschen, die Gruss in geistiger Begegnung oder auch als Mäzene wichtig wurden. Zahlreich sind die Dichter und Denker, denen er zugetan war wie Bruno Brehm, Herbert Cysarz, Emil Merker, Hans Watzlik, Wilhelm Pleyer, Johannes Linke, Ernst Frank, Josef Mühlberger, Ernst Leibl, Franz Höller, Alfred Görgl, Josef Moder oder Robert Lindenbaum. Tassilo Ullmer

71. Sudetendeutscher Tag Die Stadt Augsburg – Patenstadt der Neudeker und Reichenberger – wünscht allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Sudetendeutschen Tages 2021 schöne Begegnungen und viele Stunden der Wiedersehensfreude.


16

AUS DER HEIMAT ˜ VERBANDSNACHRICHTEN

Heuer feiert Wagstadt, das im mährischen Teil des Kuhländchens liegt, 700jähriges Bestehen. Dafür wurde eine Gedenkmünze geprägt. Außerdem sollten Schauspieler historische Begebenheiten im Schloß darstellen. Wegen Corona ist dies nicht möglich. Deshalb berichtet das Nachrichtenmagazin „Bílovecky zpravodaj“ darüber. Eduard Valeš, Kastelan des Wagstädter Schlosses, sandte Landschaftsbetreuer Ulf Broßmann seinen Bericht über eine erfolglose Gefangennahme während des Dreißigjährigen Krieges in Wagstadt.

Das Kuhländchen im Dreißigjährigen Krieg

von Bilkau waren es die schrecklichsten Stunden seines Lebens, er ahnte, daß seine geliebte Stadt bald in die Hände der Kaiserlichen fallen werde. Die mutigen Wagstädter Verteidiger unter Drannsdorf hielten sie zwar noch schen die kaiserlichen Verbän- kaiserlichen Dienst, Baron Craft sen befahl unverzüglich den An- bis zum nächsten Tag, doch dann de. Der junge, draufgängerische von Bodenhausen, rasch militä- griff auf die Stadt selbst. mußten sie kapitulieren. Kommandant der ständischen risch vorzugehen. Er sandte SpiGraf Thurn wurde durch den Die kaiserlichen Angreifer Truppen in diesem Gebiet war one nach Wagstadt, um die Stadt Schlachtenlärm geweckt. Der hatten aber ihren Plan, MarkMarkgraf Franz Bernhard von zu erkunden. Kommandant der Wagstäd- graf von Thurn-Valsassina geThurn-Valsassina, ein Sohn von In der Nacht vom 15. auf den ter Verteidiger, Geschützmei- fangen zu nehmen, nicht erHeinrich Matthias von Thurn, ei- 16. Januar 1622 war der Him- ster Drannsdorf reicht. Er war mit nem der hingerichteten Anführer mel mit schweren Wolken ver- erschien und beseiner Gemahlin, des Ständeaufstandes. Der Mark- hangen. In der gesamten Regi- richtete, daß das Magdalena Gräfi n graf richtete sein Hauptquartier on begann es, stark zu schneien. untere Tor noch Thurn, geborene Ein großes Unbeha- gehalten werde, von Hardegg, aus gen machte sich in aber die kaiserlider Stadt gefl üchWagstadt breit, was chen Truppen seitet. Wie sie das die nächsten Tage en in der Überbewerkstelligten, kann nur vermuwohl bringen wür- macht und führtet werden. Aber den. Die Straßen ten vier schwere Wagstadt im Jahr 1788. noch heute erzählt waren menschen- Kanonen mit sich. man, daß es vom leer, nur Soldaten Graf Thurn verließ Schloß Wagstadt patrouillierten auf sich auf die tapeinen Fluchtstolund ab. In einem er- feren Verteidiger, len unter der Beleuchteten Raum im die dicken MauSchloß saßen Baron ern der Stadtbefe- Die aktuelle Ausgabe des festigung bis vor Praschma und Graf stigung sowie auf Wagstadter Stadtmagazins. die Stadt gegeben haben soll. So in Wagstadt im Schloß von Karl Thurn beisammen und bereite- die feste Burg und Praschma von Bilkau ein. Er ver- ten sich auf den Angriff der kai- befahl dem Geschützmeister, die entging der Markgraf seiner Gefangennahme und gelangte auf traute auf die dicken Mauern der serlichen Truppen vor. Stadt zu halten. ehemaligen Burg sowie wegen Im größten Schneesturm beVon der Stadtmauer aus sah abenteuerlichen Wegen mit seider starken Befestigungen auf fahl der kaiserliche Oberst von man, wie vier Geschütze am Hü- ner Frau über Schlesien nach die Uneinnehmbarkeit der Stadt. Bodenhausen mit 30 Bataillonen, gel gegen Wagstadt in Stellung Brandenburg. Für Wagstadt bedeutete dieAndererseits planten die Kom- die aus je 200 bis 300 Mann be- gebracht wurden. Bald beschosmandeure der kaiserlichen Trup- standen, Wagstadt anzugreifen. sen sie die Befestigungen der se Niederlage einen langen, pen den Sohn des größten mähri- Gegen sechs Uhr früh wurden Stadt. Häuser gingen in Flam- schmerzhaften kulturellen und Niedergang, schen Rebellen gefangen zu die Vororte eingenommen und men auf, überall hörte man lau- wirtschaftlichen nehmen, um ihn dem Kaiser aus- die gesamte Stadt umzingelt, so tes Wehklagen. Verzweifl ungvon dem es sich erst im Zeitalter liefern zu können. Deshalb be- daß niemand mehr entkommen und Schrecken erfaßten die Be- der Aufklärung und der der induschloß der sächsische Oberst im konnte. Oberst von Bodenhau- völkerung. Für Karl Praschma striellen Revolution erholte.

Erfolglose Gefangennahme

gentlichen Hauptstadt des Fürstentums erklärt. In den Jahren 1604 bis 1608 und 1614 bis 1620 waren im Schloß die Troppauer Landtafel, die Privilegien der schlesischen Stände und ein wesentlicher Teil des Landesarchivs verwahrt. Gleichzeitig wurden auch Nachlässe aus Troppau dort gesammelt. Nach dem Prager Fenstersturz im unruhigen Jahr 1618 eit 1604 war Ritter Karl schützten 100 MusPraschma von Bilkau der al- ketiere diese wichtileinige Besitzer der Herrschaft gen Dokumente. Wagstadt und des Schlosses. Zu Fast genau zwei seinen Lebzeiten wurde die Stadt Jahre später, am zu einem wichtigen politischen 8. November 1620, Zentrum im Herzogtum Trop- als die Truppen pau. Karl Praschma war ein ak- der protestantitiver Unterstützer des Wider- schen Stände in der stands der protestantischen böh- Schlacht am Weißen misch-mährischen Stände gegen Berg vernichtend den katholischen Kaiser Ferdi- geschlagen wurden, richtete man nand II. Als glühender Anhänger auf Anordnung von Kaiser Ferder Reformation wurde er Ober- dinand II. 27 protestantische Rehaupt des protestantischen Adels bellen vor dem Rathaus am Altim Herzogtum. städter Ring in Prag hin. Für weiAb 1614 besaß Karl I. von tere Anführer – und sogar für Liechtenstein, der zum katholi- deren Söhne – erließ der Kaiser schen Glauben konvertiert war, ein Arrestmandat. das Herzogtum Troppau und leiIn Wagstadt stand das Weihtete sofort gegenreformatorische nachtsfest 1621 bevor. Die ReMaßnahmen ein. Deshalb wurde ste der protestantischen Truper von den Troppauer Ständen pen gerieten im Herzogtum abgelehnt und Wagstadt zur ei- Troppau und in Schlesien zwi-

S

Hiermit verschenkt man diese Zeitung

GESCHENK-BESTELLSCHEIN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Ich bestelle ein Geschenk-Abonnement der Sudetendeutschen Zeitung Ich bestelle ____ Patenschafts-Abonnement(s) der Sudetendeutschen Zeitung – den/die Empfänger benennt die Sudetendeutsche Landsmannschaft – zum fortlaufenden Bezug (Erscheinungsweise wöchentlich, Bezugspreis 125,00 EUR jährlich, kündbar 4 Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich gegenüber dem Verlag) zum Bezug für 1 Jahr zu 125,00 Euro (wird nicht automatisch verlängert) und erteile nachfolgend SEPA-Lastschriftermächtigung. Name, Vorname _______________________________________ Straße, Hausnummer ___________________________________ PLZ, Ort ______________________________________________ Telefon ______________________________________________ eMail ________________________________________________ Geburtsjahr, Heimatkreis _______________________________ Kontobezeichnung (Kontoinhaber) ________________________ Konto-Nr. oder IBAN ___________________________________ Bankleitzahl oder BIC ___________________________________ Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identiÿ kationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/ unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kredit institut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstat tung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.

Lieferanschrift für das Geschenk-Abonnement: Name, Vorname _______________________________________ Straße, Haus-Nr. _______________________________________ PLZ, Ort ______________________________________________ Alle Preise inklusive 7 % Mehrwertsteuer und Versand. Ich bin berechtigt, die Bestellung des Abonnements ohne Angabe von Gründen innerhalb 14 Tagen nach Absendung dieses Auftrages in schriftlicher Form gegenüber der Sudetendeutschen Verlagsgesellschaft, Hoch straße 8, 81669 München (auch per eMail an svg@sudeten.de), zu widerrufen. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese München-Freising

Letzte Wallfahrt nach Altötting des Gebets und der Zuversicht das Gebet und der Einsatz für zu sein“, sagte Estermaier. Den- Frieden und den Dialog der Völnoch wünsche sie den Gläubigen ker im Herzen Europas eine we„gute Begegnungen, gute Wor- sentliche Rolle gespielt. Daher te und fruchtbare Gebete. Dann habe die Ackermann-Gemeinspüren wir, de nicht nur Heimat im in DeutschGlauben geland, sonfunden zu dern auch in haben“. den Ländern auptzelebrant war mit DomAuf 1946 Mittel- und vikar Monsignore Alexan- wies auch Osteuropas der Hoffmann, der Leiter des Be- Domvikar große Anreichs Muttersprachliche Seel- Hoffmann erkennung sorge in der Erzdiözese. Deshalb hin, der an gefunden. war auch eine Abordnung Ruß- diesem Tag „Die Ackerlanddeutscher gekommen. sein 30jähri- Domvikar Dr. Alexander Ho˜ mann spen- mann-GeAn herkömmliche Wallfahrten ges Priester- det den Schlußsegen. Bilder: Markus Bauer meinde ist ist in Corona-Zeiten ebenso we- jubiläum in diesen nig zu denken wie an dichtge- feierte. „Die Menschen haben Ländern zu einem Forum der Bedrängte Pilger auf den Kirchen- nach dem Krieg in ihren Sorgen gegnung und des Dialogs gebänken. Da die Basilika trotz Ab- und Nöten bei Maria Zufl ucht worden“, bilanzierte er. Doch standsregeln viele Gläubige faßt, gesucht.“ Er erwähnte auch das die aufkommenden Nationaliskonnte zumindest ein Gottes- Schicksal der Rußlanddeutschen, men würden diese Arbeit weidienst am bewährten Termin der die unter Josef Stalin ihre Hei- terhin nötig machen. Und neue Sudetendeutschen Wallfahrt – mat hätten verlassen Themen, die bisweilen am ersten Juli-Sonntag – anbe- müssen. Die Heimat im verstörten oder verunsiraumt werden. Doch der Einzug Glauben und den Weg cherten, würden Lösunder Fahnenabordnungen und zu Christus zu fi nden, gen fordern, die aber die nachmittägliche Andacht mit sei heute schwieriger nur sehr zaghaft, wenn Prozession zur Gnadenkapelle geworden. Der Blick auf überhaupt sichtbar würfi elen aus. die Gottesmutter Maria den. Daher empfehle er, Ilse Estermaier, AG-Diozesan- könne die Menschen zu den Blick auf Maria zu vorsitzende in Passau, begrüßte Christus führen. richten und Antworten die Gläubigen. „Schön, daß die „Vor 75 Jahren ver- Pfarrer Siegfried im Glauben zu fi nden. Trachtengruppen und Fahnenab- sammelten sich am 2. Weber. In diesem Zusamordnung wieder gekommen sind. Juni die von Krieg und menhang ging HoffSie gehören zum Bild unserer Vertreibung entwurzelten Sude- mann auf die manchmal kritiHeimat.“ Ihr Gruß galt auch den tendeutschen zum ersten Mal zu sierte Bewegung Maria 2.0 ein. Konzelebranten Militärpfarrer einer Wallfahrt in Altötting. Bei Bisher seien vorrangig die mit Siegfried Weber, der Wurzeln im der Gottesmutter schöpften Tau- der Demut einhergehenden EiBöhmerwald hat, Vorsitzender sende neue Kraft und Hoffnung genschaften Mariens in den Fodes Vereins Glaube und Heimat und machten die Erfahrung, daß kus gerückt worden, weniger sowie Ehrenkanoniker in Bud- der Glaube, die Verwurzelung die Übernahme von Verantworweis ist, und Monsignore Hein- in der Kirche, ihnen als Heimat tung oder eigenständiges Hanrich Josef Weiß aus Eichstätt. geblieben war“, zitierte Hoff- deln, wie es exemplarisch bei der „Heuer feiert die Ackermann- mann aus dem Einladungsfalt- Hochzeit zu Kana geschildert Gemeinde ihr 75. Gründungsfest, blatt. Maria sei eine Anlaufstelle werde. Hier fi nde der Familienvaso ist es auch die 75. Wallfahrt. bei Not und in schwierigen Situa- ter Josef keine Erwähnung. VielEs sollte ein großes Fest werden. tionen wie der Vertreibung. Den- mehr habe Maria die Einladung Jetzt sind wir froh, wieder am Ort noch habe von Anfang an auch zur Hochzeit angenommen. Sie Zum 75. und letzten Mal veranstaltete die Ackermann-Gemeinde (AG) im Erzbistum München-Freising den alljährlichen sudetendeutschen Wallfahrtsgottesdienst am ersten Julisonntag in der Basilika Sankt Anna im oberbayerischen Altötting.

H

ergreife die Initiative und suche Antworten und Lösungen: „Tut, was er euch sagt.“ „Das sind Eigenschaften, die Frauen täglich in den Familien und an ihren Arbeitsplätzen leisten. Das soll in der Kirche stärker Berücksichtigung fi nden“, appellierte der Domvikar. Auch unter diesem Aspekt sei die Anrufung Mariens zeitgemäß. „Maria wird auch in unserer Zeit eine verläßliche und engagierte Akteurin bleiben. Wir werden den Weg in die Zukunft fi nden. Wir dürfen auch heute auf Maria bauen. Maria ist eine aufmerksame und verläßliche Helferin“, verbreitete Hoffmann Hoffnung. Er bat aber auch, regelmäßig abends das älteste Mariengebet „Unter deinen Schutz und Schirm“ anzustimmen. Die Dankesworte am Ende des Gottesdienstes sprach Claudia Kern, die Geschäftsführerin der Ackermann-Gemeinde im Erzbistum München-Freising. Sie dankte für die zahlreiche Teilnahme an diesem 75. Wallfahrtsgottesdienst, den viele Jahre federführend die Ackermann-Gemeinde München-Freising mit Unterstützung aus Passau organisiert habe. „Mit dem Höhepunkt der 75. Wiederkehr der Wallfahrt und des Gottesdienstes wird sich die Ackermann-Gemeinde aus der Organisation dieser Veranstaltung zurückziehen“, verkündete sie den Schlußstrich zumindest der organisatorischen Abwicklung seitens der Ackermann-Gemeinde. Ob es 2022 in Altötting eine sudetendeutsche Wallfahrt oder einen entsprechenden Gottesdienst geben wird, eventuell dann unter einer anderen Trägerschaft und Verantwortung, wird man sehen. Markus Bauer

Datum, Unterschrift ____________________________________

Bitte gescannt oder abfotograÿ ert mailen oder in frankiertem Umschlag (80 Cent) einsenden an die Sudetendeutsche Zeitung Hochstraße 8, 81669 München 28/21 eMail svg@sudeten.de

Trachtenträger und die Fahnenabordnung der SL-Kreisgruppe Traunstein/Berchtesgadener Land. Rechts die Abordnung der Rußlanddeutschen mit Domvikar Monsignore Dr. Alexander Ho˜ mann und Lothar Palsa, Ex-Geschäftsführer der Ackermann-Gemeinde im Erzbistum München-Freising.


Neudeker Heimatbrief

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

17

für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek

Abertham

Bärringen

Folge 623 · 7/2021

Frühbuß

Platten

Patenstadt Augsburg

Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 624 (8/2021): Mittwoch, 4. August.

Abertham

Gegen das Vergessen – Aberthamer Opfer tschechischer Gewalt Josef Grimm faßte verschiedene Berichte über Aberthamer Bürger, welche im Jahr 1945 Opfer tschechischer Gewalt wurden, zusammen.

E

nde letzten Jahres erhielt ich einen Telefonanruf aus Abertham, ob ich Fakten über die Exzesse tschechischer Partisanen nach der Wiedererrichtung der Tschechoslowakei im Jahr 1945 gegenüber Aberthamer Bürgern hätte. Angeblich hätten Kinder einer Schulklasse die Aufgabe erhalten, Erkundigungen darüber einzuholen. Ich kann den Wahrheitsgehalt dieser Aufgabe nicht nachprüfen. Sollte dies tatsächlich stimmen, würde das die erfreuliche Tatsache bestätigen, daß man sich in der Tschechischen Republik daran mache, die traurige Nachkriegsgeschichte aufzuarbeiten. Den nachfolgenden Bericht sandte ich umgehend nach Abertham und erhielt auch eine Empfangsbestätigung. Die geschilderten Fakten waren Gegenstand mehrerer Berichte in verschiedenen Neudeker Heimatbriefen, und sie sollen nun an dieser Stelle zusammengefaßt werden: Wenige Tage nach der Kapitulation Deutschlands, im Mai 1945, rückten die ersten Partisanengruppen in Abertham ein und bezogen im alten Schulhaus Quartier. Zusammen mit herumstreunenden Ostarbeitern übten sie einen Schreckensterror auf die Menschen in Abertham aus. Wegnahme von Eigentum, Mißhandlungen und Vergewaltigungen, Verhaftungen und Tötungen wechselten einander ab. Der Verhörraum, in dem die Opfer geprügelt wurden, befand sich im Keller des Schulhauses. Unter wüsten Beschimpfungen mußten Männer aus Abertham mit bloßen Händen die Leichen von 24 KZ-Häftlingen ausscharren, die die Nationalsozialisten in den letzten Kriegswochen an einem Waldrand bei Bärringen vergraben hatten, und diese unter ähnlichen Bedingen in einem Massengrab beisetzen. Darunter war der Familienvater Thomas Schott, der wenige Stunden nach der Rückkehr von dieser Arbeit vor den Augen seiner entsetzten Angehörigen durch einen Genickschuß getötet wurde.

Der biedere Bürgermeister Adolf Huth hauchte nach unmenschlichen Quälereien sein Leben aus. Die 19jährige Anna Weikert wurde zu Tode gequält, weil sie als Bürogehilfin bei einer Gestapo-Dienststelle in Karlsbad angestellt war. Sie hatte braune Haare. Als sie nach den Qualen von Abertham in Richtung Bärringen abgeführt wurde, hatte sie schneeweiße Haare. Ihren Körper, der von Brandwunden durch ausgedrückte Zigarettenglut übersät war, fand man in einem Wald bei Bärringen. Sie wurde von ihren Angehörigen in der nordwestlichen Ecke des Aberthamer Friedhofes beigesetzt. Das Grab existiert heute nicht mehr. Der 16jährige Edgar Röckert wollte einen Besuch in Seifen machen. Man fand seine Leiche, von einer Kugel getroffen, am Wegrand zwischen Hengstererben und Seifen. In einer Sandgrube fand man ein Skelett. Aufgrund der besonderen Merkmale des Gebisses brachte der Fund Klarheit über den Verbleib eines der Verhafteten: Leo Dittmayer. Andere Männer wurden für den Zwangsarbeitseinsatz in das Internierungslager Kolin verschleppt. Dort fanden Johann Schreiber und Paul Weikert den Tod. Wohl durch eine Namensverwechslung wurde der Oberlehrer Albert Wüst, zusammen mit seiner Frau Julie Wüst und der Tochter Waltraud Wüst, beide ebenfalls Lehrerinnen, eines Vormittags zum Verhör in die alte Schule gebracht. Das Verhör dauerte den ganzen Tag. Nach Einbruch der Dämmerung stieß man sie in ein bereitstehendes Auto, das in östliche Richtung von Abertham aus fuhr. Kurz darauf habe man Schüsse gehört. Seitdem war die Familie verschollen. Im Frühjahr 1946 fand man in einer Sandgrube, in dem Waldstück namens Scharfbrand, die teilweise skelettierten Leichen, die die Tiere ausgegraben hatten. An einem daneben stehenden Baum hing eine Eisenstange. Aberthamer Männer wurden dann gezwungen, die Leichen in Kisten zu legen und bei Nacht und Nebel auf einem Karren auf den Aberthamer Friedhof zu bringen. Dort wurden die Kisten ohne Zeremonie pietätlos einge-

Der Mantelknopf als Andenken an Oberlehrer Albert Wüst, Abertham 1945.

Die Segnung des Gedenksteines im Jahr 2013.

Bilder: Archiv Hubert Weikert/Neudeker Heimatbrief/Josef Grimm

Die Namen der Todesopfer in Abertham im Jahr 1945. Dazu kommt eine unbekannte Anzahl an Opfern, die später an den Folgen der im alten Schulhaus in Abertham und im KZ Neu-Rohlau erlittenen Mißhandlungen starben. graben. Augenzeugen von damals berichteten, daß die Schädel der Toten eingeschlagen waren. Die Schüsse, die man in der Todesnacht hörte, können also auch eine andere Ursache haben. Ein Zeuge nahm einen Knopf des Mantels des ermordeten Albert Wüst an sich und ließ ihn später dem Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg zukommen. Die „Gruppe Abertham“ des 2016 verstor-

benen Ehrenfried Zenker machte auf dem Aberthamer Friedhof die Stelle der verscharrten Kisten ausfindig und setzte den Toten im Jahr 2013 ein schlichtes Holzkreuz mit den drei Namen. Von den im Keller der alten Schule verhörten und gefolterten Aberthamern trug eine unbekannte Zahl bleibende Schäden davon, darunter auch mein Vater Pepp Grimm. Ein 19jähriger Partisan stieß ihn die Kellertrep-

Der Gedenkstein auf dem Aberthamer Friedhof.

pe hinunter und zertrampelte ihm mit Militärstiefeln den Magen. Dann war er sechs Monate im Internierungslager Neurohlau inhaftiert. Von beidem erholte er sich nicht mehr und starb nach der Vertreibung in Offingen/Donau. Die „Gruppe Abertham“, die sich große Verdienste um die Renovierung und den Erhalt der Aberthamer Kirche erworben hat, stellte 2011 an den Stadtrat von Abertham den Antrag, für die 16 Aberthamer Toten der tschechischen Gewalt von 1945 und für die später an den Mißhandlungen Verstorbenen auf dem Aberthamer Friedhof einen Gedenkstein errichten zu dürfen. Der Stadtratsbeschluß lautete dann: sechs Stimmen dafür, null Stimmen dagegen, eine Stimme Enthaltung. Die deutsche und tschechische Inschrift wurde im Einvernehmen mit dem damaligen Bürgermeister, Zdeněk Lakatoš, und der damaligen Stellvertreterin, Jana Rojovská, formuliert. Die „Gruppe Abertham“ beauftragte den Steinmetz Rudolf Morávek aus Lichtenstadt mit der Anfertigung und der Aufstellung des Gedenksteines neben

Das Grabkreuz der Familie Wüst. dem großen Friedhofskreuz. Bei dem Aberthamer Fest, am Samstag, den 15. Juni 2013, zog, nach der Abendandacht, eine Prozession von der Kirche zum Friedhof. Dort weihten der deutsche Pfarrer Bernd Reithemann aus Offingen und der tschechische Pfarrer Petr Fořt aus Graslitz, im Beisein von Bürgermeister Lakatoš, der Stellvertreterin Rojovská und etwa 70 Besuchern des Aberthamer Festes, feierlich den Gedenkstein ein. Die heimatvertriebenen Aberthamer empfanden es als wohltuende Geste, daß Rojovská im Namen der Stadtverwaltung von Abertham/Abertamy ein Blumengebinde am Gedenkstein niederlegte. Dies ist ein Zeichen der über Jahrzehnte gewachsenen Zusammenarbeit der „Gruppe Abertham“ von Zenker mit dem heutigen Abertham. fm Alois Müller: Heimatkunde der Kleinstadt Abertham im Erzgebirge, Studienarbeit zur Realschullehrerprüfung, 1960 Pädagogische Akademie Dortmund. Zeitzeugenberichte, Neudeker Heimatbrief. „Gruppe Abertham“.

Das Grab der Anna Weikert.


18

NEUDEKER HEIMATBRIEF

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

� Hochofen-Trinksaifen

Nachgeholtes Beerbreifest

Adolf Hochmuth mit seiner Mutter Martha. Bild: Familienarchiv Hochmuth

Adolf Hochmuth beim Beerbreifest 2016.

A

� Interview/Hochofen-Trinksaifen/Treuchtlingen

Adolf Hochmuth 80 Am 24. Mai feierte Adolf Hochmuth seinen 80. Geburtstag. Er kam im Jahr 1941 in Hochofen auf die Welt und ist der Mitveranstalter der seit der Wende mittlerweile 23 Beerbreifeste in der alten Heimat. Der heimatverbliebene Trinksaifner Landsmann Roman Kloc führte mit dem Jubilar folgendes Interview:

W

as machte Deine Familie und wie ging es ihr 1945/1946? Adolf Hochmuth: Der Opa väterlicherseits, Schlosser im Neudeker Eisenwerk und seit etwa 1933 arbeitslos, wurde 1939 zum Blockleiter der NSDAP ernannt, der Vater zum Kassier der Partei. Als Deutsch-Nationale hatte man sie überredet, diese beiden Ämter zu übernehmen. Sie waren kleine Rädchen im nationalsozialistischen Unrechtssystem. Deshalb wurden die beiden – Opa war Jahrgang 1870 – gleich nach der Kapitulation Deutschlands im tschechischen KZ Neu-Rohlau eingesperrt. Im Juni 1945 mußten meine Mutter, meine Schwester, ich und unsere Oma früh am Morgen innerhalb einer Stunde fertig sein, um auf einem Lastwagen an die sächsische Grenze gefahren zu werden. Da waren wir also „daheim im Reich“. Der sofort eingesetzte tschechische Bürgermeister von Trinksaifen ließ uns allerdings „schwarz“ und als Pilzesucher getarnt im Herbst über die Grenze nach Trinksaifen zurückkehren. Unser Haus in Hochofen war versiegelt, und somit wohnten wir im Haus der Oma mütterlicherseits. Der tschechische Bürgermeister Josef Smola, verheiratet mit einer deutschen Frau und in Trinksaifen wohnhaft seit etwa 1900, wagte Kopf und Kragen, indem er uns aufnahm. Wann mußtest Du dann endgültig die Heimat verlassen?

Hochmuth: Am 7. April 1946 wurden wir mit dem Transport Nummer 33045 aus Neudek mit anderen Hochofenern und Trinksaifnern weggeschafft und sind über Karlsbad, Eger, Wiesau (Oberpfalz), Schwabach und Gunzenhausen in Mittelfranken in den kleinen Weiler Heumödern am Bergrücken des Hahnenkamms verfrachtet worden. Das war am 14. April 1946. Dort haben die Bauern uns recht gut aufgenommen. Meine Familie kam in die seit 1932 halb leerstehende, ehemalige Schule. Mein Opa ist noch im Herbst 1945 im KZ Neu-Rohlau gestorben. Mein Vater ist 1948 an Nierenversagen gestorben, infolge der im KZ Neu-Rohlau erlittenen Schläge mit Hartgummiknüppeln. Wie ging es dann schulisch und beruflich bei Dir weiter? Hochmuth: Im Jahr 1947 kam ich in die Erste Klasse der Volksschule des drei Kilometer von Heumödern entfernten Hauptdorfes. Den Weg mußte man zu Fuß gehen. Mit zehn Jahren haben wir Kinder auf den Äckern Steine geklaubt, bei der Ernte mitgeholfen und Kühe gehütet. Nach der Ernte durften wir Heimatvertriebene auf den Feldern liegen gebliebene Ähren sammeln, um sie dann in eine Mühle zu bringen. So konnten wir etwa 30  Pfund Mehl gewinnen. Mit zwölf Jahren besuchte ich ein Gymnasium in Eichstätt und wohnte dort in einem Schülerheim. Nach dem Abitur studierte ich für das Gymnasium die Fächer Katholische Religionslehre, Deutsch und Geschichte in Würzburg und München, und war dann Lehrer bis 2003. Inzwischen nach Treuchtlingen gezogen, half ich bei der Teilerneuerung der Burgruine, setzte mich viele Jahre im Pfarrgemeinderat ein und arbeitete am Heimatbuch dieser zwei Dörfer am Hah-

Adolf Hochmuth beim Beerbreifest 2018.

Nach einer Pause von einem Jahr konnten Erzgebirgler am Samstag und Sonntag, 3. und 4. Juli, in gewohnter, ungemein aufgeschlossener Atmosphäre das 23. Kirchweihfest in ihrem ehemaligen Doppeldorf Hochofen-Trinksaifen im westlichen Erzgebirge mit vielen Freunden feiern.

nenkamm mit, in denen wir 1946 angekommen waren. Ausdrücklich bestand ich auf ein Kapitel „Integration der Heimatvertriebenen 1946“, was man gerne gestattete. Hat man in Deiner Familie nach der Vertreibung noch oft von der alten Heimat gesprochen? Hochmuth: Unbedingt. Die Großeltern und die Mutter haben viel erzählt. Man redete von den Hausnamen, von der Sprungschanze, von dem jährlichen Fest und von strengen Wintern. Auch von einem Doktor Reinl aus Neudek, der unser Doppeldorf ärztlich betreute. Ab etwa 1980 sind wir zu den Heimattreffen nach Gunzenhausen gefahren, die der Trinksaifner Gastwirt und Fleischermeister Julius Schwab eingeführt hatte. Aus Augsburg organisierte der Trinksaifner Emil Herold Autobusse zu den Heimattreffen, zu denen bis zu 250  Teilnehmer kamen. Nach Schwabs Tod übernahm ich, zusammen mit Herold, diese Zusammenkünfte, bis wir 1996 das Erste Trinksaifner Fest wieder im Erzgebirge feiern konnten. Wann bist Du zum ersten Mal wieder ins Egerland und ins Erzgebirge gefahren? Was waren Deine Eindrücke? Hochmuth: Das war in den wenigen Dubček-Jahren, also 1968/1969. Im Auto fuhr ich mit meiner Mutter über Schirnding in die damalige Tschechoslowakei. Erstmals wieder zu Hause, waren meine Gefühle im Grunde doch recht neutral. Ich war eben 1945/1946 doch noch zu klein gewesen. Mutter weinte in der Kirche, weil damals im Juli gerade auch ihr Hochzeitstag war. Ihr Geburtshaus im Schwabenwinkel war bereits abgerissen, zwei Balken konnten wir noch halb in der Erde versunken sehen. In meinem Geburtshaus in Hochofen wohnte ein Lehrer. Bekannte

Bilder: Ulrich Möckel

trafen wir nicht. Zwei Tage lang wohnten wir in Karlsbad. Mein Gesamteindruck: wirtschaftlich grauer Kommunismus. Danach fuhren wir noch ein-, zweimal ins ehemalige Sudetenland, dann erst nach der Wende wieder. Im Mai 1991 feierte ich mit der ganzen Familie meinen 50. Geburtstag im Hotel „Pupp“ in Karlsbad. Der Name „Moskwa“ war bereits demontiert. Dies war ein wunderschöner Abend mit festlichem Essen und Tanz. Wie kam es nach der Vertreibung zu dem neuen Beerbreifest? Hochmuth: Im Jahr 1994 hatte Maria Reif (aus Trinksaifen, ab 1946 in Mittelfranken) von Pfarrer Jan Pražan (Neudek) den Wunsch mitgebracht, ob man nicht die Kirche in Trinksaifen neu verputzen könne. Ich nahm den Gedanken gerne auf, vor allem da man das Gebäude seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr renoviert hatte. Pfarrer Pražan hatte vorher bereits den Innenraum gereinigt und geweißelt. Im Neudeker Heimatbrief rief ich zu Spenden auf, und sofort kamen etwa 21.000 Deutsche Mark zusammen, was für das Gerüst und den Verputz reichte. Eine Neudeker Firma führte die Arbeiten korrekt aus. Der Turm lag und liegt in der Sorgepflicht des Staates. Bischof František Radkovský der 1993 neu gegründeten Diözese Pilsen hielt am 8. September 1996 im vollbesetzten Gotteshaus die Festmesse, und man sang Lieder der Schubert-Messe. Mit nur zwei Unterbrechungen konnten wir bis 2019 das Kirchweihfest zum Patrozinium „Mariä Heimsuchung“ begehen. Immerhin kommen immer noch etwa 40 Gäste aus Deutschland. Und der musikalische Heimatabend am Samstag zählt stets rund 50 Besucher, darunter erfreulicherweise auch einige tschechische Freunde. Etwas Wunderschönes und auch Einmaliges ist die jeweils am Samstagnachmittag von der politischen Gemeinde gesponserte Busfahrt in fast alle Ecken und Winkel des westlichen Erzgebirges. Wir haben das beste Verhältnis zu den jetzt in Trinksaifen und Hochofen lebenden Einwohnern. Was wünscht Du der Region für die Zukunft? Hochmuth: Daß dieses freundliche Verhältnis sich immer weiter entwickelt. Die ursprünglichen Bewohner, deren Vorfahren seit dem 12. Jahrhundert die Wälder gerodet, später den Erzabbau betrieben und Städte sowie Dörfer gebaut hatten, und ihre Nachkommen mögen mit den nach 1946 neu angesiedelten Tschechen immer mehr zu einer freundschaftlichen Nachbarschaft zusammenwachsen. Sie mögen die fruchtbaren sowie auch die tragischen Phasen ihrer gemeinsamen Geschichte offen und ehrlich miteinander austauschen.

nscheinend konnten wir den rund 40 Besuchern des Beerbreifestes eine große Freude bereiten. Am Samstagvormittag feierten wir, einen Tag nach dem kirchlichen Festtag „Mariä Heimsuchung“, mit Pfarrer Georg Härteis (Weißenburg) den Gottesdienst in der Kirche von Trinksaifen. Die politische Gemeinde Hochofen/Vysoká Pec hatte den Altar mit einem prächtigen Blumenbouquet aus Lilien, Rosen und Gerbera geschmückt. Peter Rojík (Rothau) begleitete die Lieder aus der Schubert-Messe an der Orgel, und die Soprani-

stin Věra Smrzová (Graslitz) sang dazu lateinische, deutsche und tschechische Lieder. Der Organist Rojík ließ es sich nicht nehmen, nach der Messe Erzgebirgslieder zu spielen. Beim Mittagessen begrüßte der Hochofener Bürgermeister Tomáš Hüttner die Gäste und gab Informationen über neue Entwicklungen in der Gemeinde. Adolf Hochmuth bedankte sich für das erneute Beispiel freundschaftlicher Begegnung und, schon im Voraus, für das Geschenk einer Busfahrt nach Maria Kulm. Den Begriff „Heimat“ blätterte er etwas näher auf. Er betonte, daß es für uns Vertriebene eine Erinnerungskultur geben müsse und dürfe, damit die fruchtbaren, aber auch die tragischen Phasen des Zusammenlebens zwischen Deutschen und Tschechen klar ausgesprochen werden. Eine po

Bitte umblättern

WIR GRATULIEREN Heimatkreis, Heimatgruppe „Glück auf“ und Redaktion gratulieren herzlich den treuen Abonnenten des Neudeker Heimatbriefs, die vom 16. Juli bis 12. August Geburtstag haben. Wir wünschen von Herzen viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit. n  Eibenberg. Hanni Gellner/Zettl (Nr. 18), Peter-Dörfler-Straße 39, 86368 Gersthofen, 18. Juli 1934. n  Kohling. Elli Frank/Sattler, Wolfsgraben 8, 65779 Kelkheim, 30. Juli 1935.

B

unte Blütenpracht im sommerlichen Erzgebirge (oben). Wiese mit Blick zum Gottesgaber Spitzberg (unten). Bilder: Ludmila Anderle/Gunter Heyer


19

NEUDEKER HEIMATBRIEF

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Am Festabend spielte und sang Franz Severa Erzgebirgslieder.

Ein Teil der Besucher des Heimattreffens.

� Hochofen-Trinksaifen – Fortsetzung Seite 12

Nachgeholtes Beerbreifest l

itische Hygiene sei unbedingt notwendig, die heute nicht zuletzt junge, deutschfreundliche, tschechische Akademiker betreiben würden. Versöhnung könne nur über eine vorurteilslose Verständigung zustande kommen. Geschichte sei zwar nicht umkehrbar, aber über menschliche Brücken könne Neues entstehen. In Maria Kulm erklärte Hochmuth die Geschichte und den Bau der Wallfahrtskirche von Baumeister Christoph Dientzenhofer. Die Gnadenkapelle bot den Raum für ein Marienlied und eine Andacht. In einem Café in der Altstadt von Falkenau waren, in Fortsetzung der Tradition des Beerbreifestes, zwei Arten von Schwarzbeerkuchen zur Auswahl vorbereitet. Den Abend füll-

Die Besucher der Festmesse, jeweils mit 1,5 Meter Abstand nach den Corona-Verhaltensregeln.

Bilder: Ulrich Möckel

(links) Plauderrunde mit drei Generationen über frühere Begebenheiten in Hirschenstand. (rechts) Gruppenfoto bei dem Hirschenstander Denkmal.

Bilder: Ulrich Möckel

� Hirschenstand

Hirschenstander Heimattreffen Am 19.  Juni kamen etwa 15 Landsleute zum Heimattreffen in Hirschenstand zusammen.

W

o sich heute weite Wiesen im oberen böhmischen Erzgebirge erstrecken, standen am Schwarzwasserbach die Häuser der Gemeinde Hirschenstand. Und über dem Berg in südlicher Richtung an der Rohlau lag der Ort Neuhaus. Beide Gemeinden hatten nach der Volkszählung des 17. Mai 1939 insgesamt 1078 Einwohner. Deren Kirche befand sich in Hirschenstand an der Stelle, an der heute das

Denkmal mit der Sitzgruppe und den Bänken zum Verweilen einlädt. Nach der Vertreibung der Bewohner bestand bei vielen die Hoffnung, wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Dies blieb ein Wunsch, der sich nicht erfüllte. Daraufhin trafen sich die verstreuten Menschen dieser beiden Orte regelmäßig in der Nähe von Bad Tölz, um den einstigen nachbarschaftlichen Kontakt nicht gänzlich zu verlieren. Im Jahr 1991 war es dann erstmals möglich, daß an diesem Treffen auch die in die sowjetische Besatzungszone ausgewie-

senen Menschen teilnehmen konnten. Vor 30 Jahren war dies ein sehr emotionales Treffen. Einige Jahre später wurden diese Begegnungen in die alte Heimat verlegt. Anfangs trafen sie sich im Saal der Gaststätte Kuckuck in Eibenberg bei Neudek, später im Saal des Hotels Seifert in Neuhammer. Im Rahmen dieser Treffen feierte man auch die Heilige Messe in Hirschenstand. Noch vor 15  Jahren kamen etwa 60 bis 80 Leute zu diesem Treffen. Seither wurden es altersbedingt von Jahr zu Jahr stetig weniger. Viele starben oder

konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in ihre frühere Heimat reisen. Als diese vorhersehbare Entwicklung eintrat, sagte ein alter Hirschenstander einen bemerkenswerten Satz: „Auch wenn wir lediglich noch zwei sind, sollten wir uns einmal im Jahr in Hirschenstand treffen.“ So wenige waren es am 19. Juni dieses Jahres dann doch nicht, die den Weg zum Denkmal nach Hirschenstand fanden. Jedoch waren nur noch zwei gebürtige Hirschenstander und ein  Neuhauser unter ihnen. Kinder, Enkel und Ehegatten vergrößerten

ten schließlich der zweite Teil des Films „Von Graslitz zum Keilberg“ (Filmstudio Sirius/Thüringen) sowie Gesang mit Musik. Am Sonntag führten Roman Kloc und Josef Dvořáček die Teilnehmer zum Hochtanner Weg und erklärten dessen Geschichte in gewohnter Weise äußerst sachkundig. Schwarzbeeren gab es, wegen des kalten Monats Mai, nur wenige zu zupfen. Der Blick hinüber zu dem Hotel „Imperial“ in Karlsbad war fast zugewachsen. Mit herzlicher Verabschiedung ging man dankbar und frohen Mutes auseinander. Das schlesische Volkslied „Wahre Freundschaft soll nicht wanken, wenn sie gleich entfernet ist“ blieb vielen im Ohr. ah/rc

Helmut Zettl spielte auf seiner Harmonie erzgebirgische Lieder. die Runde auf etwa 15 Personen. Für das gemütliche Beisammensein reichte die Sitzgruppe bei dem Denkmal aus. Somit

wurden Erinnerungen an Eltern und Großeltern und deren Erzählungen wieder lebendig. Man konnte einige Fragen der jüngeren Generation beantworten. Jedoch wurde auch deutlich, daß viel Wissen mit dem Tod der alten Bewohner für immer verloren gegangen ist. Nach rund zwei Stunden, kurz bevor ein Gewitter die Region heimsuchte, zerstreute sich die Runde wieder in alle Richtungen. Am dritten Samstag im Juni werden sich auch im kommenden Jahr wieder einige einstige Bewohner und deren Nachkommen am Denkmal in Hirschenstand zusammenfinden, um ihren Vorfahren in den beiden böhmischen Erzgebirgsdörfern zu gedenken. Ulrich Möckel Der Grenzgänger, mer 100, Juli 2021.

Num-


Reicenberger Zeitung

20

Stadt und Kreis Reichenberg

Kreis Deutsch Gabel

Nordböhmi[e Um[au

Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Kreis Friedland

Kreis Gablonz

Anfang Juli eröffnete in der Galerie im ehemaligen Kloster Hain­ dorf eine Sonderausstellung mit Bildern des vor 160 Jahren in Ringenhain geborenen und nach 1945 in Vergessenheit geratenen Landschaftsmalers Wenzel Franz Jäger, den man auch „Maler des Isergebirges“ nannte.

D

ies ist heuer die erste Ausstellung in der renovierten Galerie des Klosters in Haindorf. Sie läuft bis 5. September täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr. Die Gablonzer Städtische Galerie MY hatte sie vorbereitet. Zunächst � Galerie im ehemaligen Kloster Haindorf präsentiert Landschaftsmaler Wenzel Franz Jäger hatte sie Kunstsammler angesprochen und gebeten, ihre privaten Jäger-Bilder für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Bei der Vernissage sahen die Besucher allerings nur einen geringen Teil der Bilder. Die Festrede hielte der 58jährige ehemalige tschechische KulDer wichtigste Wendepunkt 1906 auch in Prag wurde Jäger mittags folgte ein Militärkon- sellschaft zur Förderung der turminister Daniel Herman, der in seinem Leben war am 22. No- als hervorragender Künstler ge- zert, dargeboten von der Kapelle deutschen Wissenschaft, Kunst beim Sudetendeutschen Tag vember 1884 die Heirat mit Ma- feiert. des 19. Infanterie-Regiments aus und Literatur in Böhmen für am Wochenende in München ria Theresia Richter, der Tochter 1902 kehrte der Isergebirgs- Görlitz. Am Abend gab es zum seine Arbeit. Architekt Rudolf mit dem Europäischen Karls- des wohlhabenden Raspenauer maler endgültig nach Raspenau Abschluß ein Kränzchen im Kur- Scholze aus Reichenberg sprach Preis geehrt wird. Unter den Gä- Großindustriellen, des Besitzers zurück und lebte in einer auf- saal. im Namen des Metznerbundes sten waren die Geschwister Jenő der Mildenauer Kammgarnspin- wendigen Jugendstilvilla mit eiIn der nordböhmischen Re- und würdigte den Künstler. und Agathe Széchényi, die Ur- nerei Anton Richter. Dank dieser nem Atelier für ihn. Die Villa, gion stellte er eine größere Zahl Bei der Hauptversammlung enkel von Franz Graf Clam-Gal- Heirat konnte er sich ganz der umgeben von einem großen Gar- seiner Bilder auf der denkwürdi- des Metznerbundes drei Wolas, Ivo Habán und die Kunsthi- Malerei widmen. Sein künstle- ten, hatte Schwiegervater Richter gen tschechisch-deutschen Aus- chen später in Reichenberg gestorikerin und Otokarrisches Talent und sei- für ihn und seine Frau 1899 er- stellung 1906 in Reichenberg dachte der Vorsitzende Jägers. Fischer-Preisträgerin ne finanzielle Absiche- richten lassen. Sie befindet sich aus. Er wurde ein bewunderter Die Versammlung beschloß einAnna Habánová aus rung ermöglichten ihm in der Nähe der Abzweigung der und gefragter Maler. Viele seiner stimmig eine W.-F.-Jäger-StifReichenberg. Auch Ha1891 den Beginn eines Straße von Raspenau nach Rei- Bilder schmückten die Räume tung zu gründen, deren Ertrag banová wird im RahStudiums an der Wie- chenberg. Die Jäger-Villa wurde von Privathäusern. Die Moderne als W.-F.-Jäger-Preis dem bemen des Sudetendeutner Kunstakademie, zum Zentrum des künstlerischen Galerie in Prag und vor allem Ga- sten Landschaftsmaler des Iserschen Tages im Sudewo er mit dem Kaiser- und gesellschaftlichen Lebens. lerien, Museen und öffentliche gebirges vergeben werden sollte. tendeutschen Haus in Preis ausgezeichnet Zu den Besuchern gehörten Einrichtungen in den Regionen Der Metznerbund beschloß auMünchen sein und eiwurde. Von der Kunst- der österreichischer Komponist Gablonz und Reichenberg hat- ßerdem, in Kürze eine Jäger-Genen Vortrag über den akademie wechselte er Franz Lehar, der deutsche Dra- ten seine Bilder in ihren Samm- dächtnis-Ausstellung zu verandeutschsprachigen Relief auf dem an die Wiener Akade- matiker und Schriftsteller Ger- lungen. Er hatte ein breites Pu- stalten. Maler Paul Gebauer Denkmal für Wen- mie, an der er 1898 sein hard Hauptmann, ein, der norwe- blikum, das die Darstellung seiDiese Ausstellung eröffnete (* 21. April 1888 in Zos- zel Franz Jäger Studium beendete. Er gische Maler Edvard Munch, der ner Heimatregion schätzte. am Pfingstsonntag 1929 in Reisen bei Freudenthal im studierte bei den Pro- aus Friedland stammende Maler Im Mai 1918 verlieh Kaiser chenberg in der neuen MesseAltvatergebirge, † 18.  September fessoren Hans Macht, Andreas Franz Thiele sowie der akademi- Karl I. Jäger halle an der 1951 in Harburg in Bayerisch- Groll (1850–1907) und Rudolf scher Maler und Professor Karl das KriegsSiebenhäuSchwaben) halten. Ribarz (1848–1904). Krattner. Krattner war Mitbe- kreuz für Ziserstraße. Der Für die großzügige UnterstütZu dieser Zeit war Gustav gründer des Metznerbundes, Jä- vilverdienMetznerbund zung sei vor allem Peter M. Wöll- Klimt in Wien tätig und Mit- gers Studienfreund und Schöp- ste 2. Klasse. hatte Jägerner, Inhaber und Geschäftsführer begründer der Wiener Seces- fer des Gemäldes in der Kirche DLeben des Gemälde aus von CiS electronic in Haindorf, sion. Diese ernannte den Ma- in Raspenau. Er ist auch auf dem besten Landverschiedegedankt. Er hatte einen Teil sei- ler Jäger aus Raspenau in ihrer Friedhof in Raspenau beerdigt. schaftsmalers nen Entwickner Bildersammlung für die Aus- Vollversammlung Anfang April Der Name Wenzel Franz Jä- des Isergebirlungsstadistellung zur Verfügung gestellt 1901 zu ihrem ordentlichen Mit- ger ist auch mit Bad Liebwerda ges beendeen, die sich hat. Auch für das leibliche Wohl glied. 1895 ergänzte Jäger sei- verbunden. Auf seine Anregung te ein Herz- Anna Habanová und Peter M. Wöllner in Privatbewurde gesorgt. ne Studien im Meisteratelier von ließ die Tischgesellschaft deut- schlag am sitz befanden, Wenzel Franz Jäger wurde am Adolf Hölzel (1853–1934) in der scher Männer, die sich Winterge- 8. Dezember 1928 um 7.00 Uhr gesammelt. Diese sollten den 4. April 1861 in Ringenhain, heu- Künstlerkolonie Dachau in Ober- sellschaft Liebwerda nannte, am früh in seinem Atelier in Raspe- Besuchern ein Bild über das umte ein Ortsteil der Stadt Fried- bayern. Er war Mitglied beim Kurhaus eine Carl-Maria-von- nau. Auf dem dortigen Friedhof fangreiche Schaffen des Malers land, geboren. Sein Vater Jo- Deutschen Künstlerbund, Metz- Weber-Gedenktafel anbringen, fand er seine letzte Ruhestätte. zu präsentieren. Dank der Tätigsef Jäger war Metzger und Päch- nerbund, Union Internationale die am 24. Juli 1904 feierlich entDer letzte Weg des verstorbe- keit des Metznerbundes und des ter der Gaststätte Zum weißen des Beaux-Arts in Paris und bei hüllt wurde. Auf ihr stand: „Carl nen Malers gestaltete sich zu ei- Entgegenkommens der GemälHirsch in Ringenhain. Es gab kei- der Oktobergruppe. Maria von Weber weilte hier vom ner ergreifenden Trauerfeier. Die de-Besitzer kamen mehr als 180 nen Hinweis darauf, daß die Ma1900 bis 1910 stellte Jäger sei- 10. bis 30. Juli 1814“. ganze Gemeinde versammelte Werken zusammen. lerei seine Lebensaufgabe sein ne Bilder regelmäßig auf AusVormittags versammelten sich sich. Und ein großer Kreis von Niemals zuvor waren in einer wird. Er besuchte die Ringenhai- stellungen in Wien in der Galerie die Gäste im Kurhaus. Die Ent- Freunden war erschienen, um Ausstellung so viele Jäger-Bilder ner Volksschule, die Friedlän- Miethke und mit der Wiener Se- hüllung begann mit der Jägers dem verstorbenen Künstler auf gezeigt worden. Um alle zeigen der Bürgerschule und die Traute- cession aus. Er stellte seine Bil- Begrüßungsrede. Dabei traten seiner letzten Reise das Geleit zu können, wurde Reichenbergs nauer Lehrerbildungsanstalt. Ab der auch mit Gustav Klimt, Egon die Gesangsvereine des Ober- zu geben. Als erster Redner wür- größte Halle, die neue Messe1881 war er zehn Jahre lang Leh- Schiele und anderen heute in- wittigtales, der Reichenberger digte der Obmann des Friedlän- halle, Ort der Ausstellung. Dierer in Raspenau. Danach verließ ternational bekannten Künstlern Männergesangsverein und der der Lehrervereines, Franz Krau- se seltene Ausstellung gab einen Jäger die Schule und wandte sich aus. Damengesangaverein „Cäcilia“ se, die Person und das Werk des Überblick über das Werk eines seiner wahren Berufung, der MaGeehrt wurde Jäger von vie- aus Reichenberg unter Leitung verstorbenen Ehrenmitgliedes. sudetendeutschen Landschaftslerei, zu. len Seiten. Auf zahlreichen Aus- des Komponisten Kamillo Horn Nachher nahm der Oberkom- malers, der weit über die Grenstellungen an auf. Die Festrede hielt der Ob- mandant der Feuerwehr in Ras- zen seiner Heimat hinOrten wie Wi- mann des Wiener Schubert-Bun- penau Abschied von dem Toten aus berühmt und geen, Paris, Mün- des, der Bürgerschullehrer Josef als treuem Kameraden und Bera- würdigt wurde. Die chen, Berlin Jaksch aus Wien. ter. Bürgermeister Karl Richard Ausstellung zeigte ihn oder Dresden Nach der Feier gab es ein ge- Fischer aus Gablonz dankte dem in seinen Lehrjahren, und 1905 bis meinsames Mittagessen. Nach- Verstorbenen im Namen der Ge- in seiner Entwicklung

Bilder einer Ausstellung

Blick auf die eine Seite der Jäger-Villa …

… und auf die andere.

Bilder: Stanislav Beran

Der Kachelofen …

und als reifen Künstler. Aus jedem seiner Bilder spricht seine Liebe zu Heimat. Als Sohn dieser Heimat wußte er wie kein anderer, deren Stimmungen einzufangen, denn er war in dieser Landschaft verwurzelt. Das machte ihn zum Maler des Isergebirges. Der Kunstverein Metznerbund, der mehr als 500 Mitglieder hatte, wurde im März 1920 in Teplitz-Schönau als Zusammenschluß deutschsprachiger, meistens aus dem Sudetenland stammender Künstler in der neu entstandenen Tschechoslowakei zur Förderung ihrer künstlerischen, sozialen und ökonomischen Interessen gegründet. Später wurde der Verein nach Reichenberg verlegt. 1945 wurde der Metznerbund, der nach dem berühmten deutschen Bildhauer Franz Metzner benannt worden war, aufgelöst. Jäger wurde nicht vergessen. 2001 veranstaltete die Städtische Galerie MY in Gablonz die erste Nachkriegsausstellung mit Jägers Bildern. Bis zu dieser Zeit hatte sich niemand für die Kunst der Deutschen in Böhmen interessiert. 2002 restaurierte die Galerie MY Jägers Grab auf dem Friedhof an der Kirche Mariä Himmelfahrt in Raspenau, wo auch seine Frau Marie Theresia, bestattet wurde. Ein Jahr später wurde das am 16. Oktober 1932 errichtete Jäger-Denkmal, das sich vor der örtlichen Grundschule befand, mit Unterstützung des DeutschTschechischen Zukunftsfonds und der Galerie MY erneuert 2003 neu eingeweiht. Zur Einweihungsfeier kamen mehr als 100 Gäste, darunter Arne Richter, der Großneffe des Künstlers, der über die Bedeutung dieses Tages sprach. „Für uns ist mit dem heutigen Tag und mit der Neueinweihung des alten Jäger-Denkmals ein Teil der Geschichte dieser Landschaft wieder Wirklichkeit geworden“, sagte er. Er dankte Jan Strnad aus Gablonz. Der habe die Restaurierung initiiert und begleitet. Er dankte auch Franz Neumann aus Eichenau für seine Arbeit. Die Ausstellung zum 150. Geburtstag Wenzel Franz Jäger lief naturgemäß vor zehn Jahren. Jägers Bilder befinden sich in vielen Privatsammlungen, in der Nationalgalerie in Prag, in der Regionalgalerie und im Nordböhmischen Museum in Reichenberg, in den städtischen Museen in Gablonz und Friedland sowie im Stadtmuseum Friedland und im Museum Warnsdorf. Eine weitere und größere Jäger-Ausstellung wird vorbereitet. Sie wird im Herbst erneut in der Gablonzer Galerie MY laufen. Alle Kunstliebhaber sind schon jetzt herzlich nach Gablonz eingeladen. Stanislav Beran

… ein Stiegenhaus in der Villa.


REICHENBERGER ZEITUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

21 Vom Borkenkäfer befallene Bäume im Isergebirge.

V

áclav Vacek leitet die Forstverwaltung oberhalb des Städtchens Neustadt an der Tafelfichte bei Friedland. Er beschreibt einen Käfer-Falle. „Wir haben einen Baum gefällt und ihn auseinandergeschnitten. Die gesamte Oberfläche muß mit einem Insektizid behandelt sein. Sobald der Käfer dann den vergifteten Stamm berührt und beginnt, eine Kammer zu bohren, verendet er wegen des Gifts.“ Fangbäume nennen sich solche Fallen für die Schädlinge. Im Wald von Neustadt trifft man aber auch noch auf weitere Vorrichtungen: klassische Fallen mit kleinen Schlitzen, chemisch behandelte Netze über gefällten Hölzern oder auch ein sogenanntes Trinet. „Diese Fallen sehen aus wie indianische Tipis. Unter dem Tuch ist dann ein Baum-

� Isergebirge

Der Borkenkäfer wütet „Wir haben die schlimmste Borkenkäferplage seit den Zeiten von Kaiserin Maria Theresia“, sagte der tschechische Umweltminister stumpf, der mit einem Insektizid behandelt wurde“, erläutert der Förster. Insgesamt sind im nordböhmischen Isergebirge 4100 Fallen für den Borkenkäfer aufgestellt. Ob damit dem Schädling auch effektiv zugesetzt werden kann, ist unklar. Václav Vacek: „Es ist schwer, das zu quantifizieren. Nichtsdestotrotz war unser Ziel, daß die Fallen beim ersten Ausfliegen des Käfers im

Richard Brabec. Tatsächlich ist im vergangenen Jahr in den Tschchischen Republik so viel Holz geschlagen worden wie noch

Frühjahr maximale Wirkung zeigen und damit eine weitere Generation der Tiere unterdrückt wird.“ Die zweite Generation des Schädlings dürfte bereits Mitte Juli, also jetzt, ausfliegen und neue Bäume befallen. Sollte der ganze Sommer trocken und warm werden, droht sogar der Ausflug einer dritten Generation. Allerdings sehe es bisher für dieses Jahr vergleichsweise gut aus,

nie zuvor – und zwar vor allem wegen des Schädlings. Wie der Borkenkäfer im Isergebirge bekämpft wird, berichtet Radio Prag.

sagte Karel Fišer, der Leiter der Der Gebirgszug im Nordosten tschechischen Staatsforste für Böhmens gehört zu den dicht beden Bereich Ostböhmen: „Die Schneedecke im Winter war ausreichend dick, und der kühle Frühling tat sein Übriges. Doch der Wald im Isergebirge besteht zu 80 Prozent aus Fichten.“ Und die Fichten sind vom gegenwärtigen Baumsterben in der Tschechischen Republik ganz besonders betroffen. Borkenkäfer in Fichtenrinde.

waldeten Gegenden des Landes. Auch deswegen sind durch das Schlagen befallener Bäume bisher keine größeren Kahlflächen entstanden. Dieses Problem haben derzeit eher andere Wälder in Nordböhmen, konkret im Elbsandsteingebirge. Ganz besonders betroffen sind jedoch Gebiete auf der Böhmisch-Mährischen Höhe sowie in den Gebirgszügen am Rande eines Dreiecks zwischen Prag, Budweis und Olmütz. Begonnen hat die Plage in den Jahren 2018 und 2019 jedoch in Schlesien und Nordmähren. Seitdem wandert sie immer weiter in den Westen. Zum Glück konnte die kühle Witterung in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres die Entwicklung etwas bremsen.

� Kunnersdorf/Kreis Deutsch Gabel

Gerhard Stohl 85 Am 22. Juni feierte der gebürtige Kunnersdorfer Gerhard Stohl im nordrhein-westfälischen Tönisvorst 85. Geburtstag. Bereits am 16. April war seine ebenfalls aus dem Kreis Deutsch Gabel stammende Frau Johanna 85 Jahre alt geworden.

A

Hans Pieke, Urd Rothe-Seeliger, Dr. Raimund Paleczek und Klaus Hoffman

Bild: Fricke

� Reichenberg

Alte Briefmarken für neues Museum Urd Rothe, Reichenbergs Heimatkreisbetreuerin, Hans Pieke, Schatzmeister des Heimatkreises, und der ehemalige Heimat-

B

ereits seit vielen Jahren warten die beiden Sammlungen von Egon Hofrichter und Ernst Gruner darauf, einen würdigen Platz zu finden. Beide hatten jeweils für sich Briefmarken aus verschiedenen Epochen gesam-

kreisbetreuer Klaus Hoffmann, Obmann der SL-Landesgruppe Baden-Württemberg, übergaben Raimund Paleczek, Wissen-

melt und darum gebeten diese ordnungsgemäß zu verwahren und einen öffentlichen Publikum zugänglich zu machen. Nun war es soweit. Denn mit der Öffnung des Sudetendeutschen Museums und dessen neu-

schaftlicher Referent für das Sudetendeutsche Museum, eine Briefmarkensammlungen aus Reichenberg.

en Möglichkeiten der Aufbewahrung und Präsentation kann nun zunächst der erste Wunsch erfüllt werden. Urd Rothe hofft, daß auch der zweite Wunsch bald erfüllt werden möge. Klaus Hoffmann freut

sich, daß er die beiden Sammlungen, die bereits sein Vater aufbewahrt und die er nach dessen Tode bei sich aufgenommen hatte, nun den Wünschen der Sammler entsprechend Verwendung finden.

m 22. Juni 1936 kam Gerhard Stohl in Kunnersdorf/Kreis Deutsch-Gabel zur Welt. Bis heute ist er nicht nur unternehmerisch tätig, sondern auch seit vielen Jahren ein Brückenbauer und Förderer innerhalb der Sudetendeutschen Landsmannschaft sowie zwischen Einheimischen und den hier angekommenen Vertriebenen und Flüchtlingen. Er zeichnet sich durch seine Heimatverbundenheit aus, ist aber auch verwurzelt mit dem Niederrheinischen Tönisvorst-Sankt Tönis, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. Seine Weltoffenheit verbindet ihn mit Menschen in aller Welt. Im Zuge der Vertreibung gelangte die Familie nach Naumburg an der Saale in SachsenAnhalt. Von dort holte sein Vater die Familie nach Frankreich. Der Vater hatte sich verpflichtet, in Frankreich zu arbeiten, um aus der Kriegsgefangenschaft entlassen zu werden. 1950 kam die Familie nach Krefeld. Damals wurden er und Johanna SdJ-, später SL-Mitglied. In Krefeld machteGerhard Stohl 1951 bis 1954 eine Lehre als Universalfräser machte. Fünf Jahre später legte er seine Meisterprüfung ab. 1961 erfolgte der Abschluß als Techniker. Anschließend begann er ein Studium an der Fachhochschule. Das Studium beendet er mit einem Diplom und der Spezialisierung

zum REFA-Ingenieur im Jahr 1964. Nach Abschluß des Studiums wurde er Prokurist und Betriebsleiter in einer Maschinenhandelsfirma in Sankt Tönis. Zehn Jahre später machte er sich selbständig mit der Firma SK Maschinenhandel. Im Jahr 1978 ging es weiter mit der Gründung der German Machines Export. 1998 kaufte er mit viel Mut im Thüringischen Gera die weltbekannte und traditionsreiche Maschinenfabrik Union mit Maschinenpark und dem inzwischen rund 8000 Quadratmeter großen Gelände. Dieses mittelständige Unternehmen führt er mit seinem Elan und Wissen bis heute erfolgreich. Als der SL-Bundesverband Gerhard Stohl 2003 mit der Ehrenurkunde für Verdienste um den Aufbau unserer Wirtschaft auszeichnete, würdigte ihn der damalige Tönisvorster Bürgermeister Albert Schwarz als Brückenbauer zwischen alter und neuer Heimat und als Beispiel für unternehmerischen Mut in einer Zeit der Mutlosigkeit. Sein beeindruckendes Lebenswerk zeugt von Fleiß, Tatkraft, Verstand und festem Willen. Die Erfolgsgeschichte von Gerhard Stohl war nur dank der tatkräftigen Unterstützung seiner Familie und vor allem seiner Frau Johanna möglich. Das Paar hat drei Töchter und vier Enkelkinder. Johanna und Gerhard Stohl sind nicht nur Brückenbauer, sondern auch große Förderer des Heiligenhofes, der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der Kreisgruppe Krefeld sowie anderer Kreisverbände des Landesverbandes NRW in vielfacher Hinsicht. Werner Appl


22

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Dux

Ladowitz

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. ­Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail k­ lauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Klostergrab

Pfarrer David Keller aus Altenberg bei seiner Ansprache auf der Brücke.

Teplitz-Schönau

Graupen

Das Gleisende auf der böhmischen Seite.

Niklasberg

Bilder: Jutta Benešová

�  Moldau/Erzgebirge – Teil II und Ende

Symbolischer Lückenschluß D

abei bemühen sich die sächsischen Gemeinden um die Rekonstruktion ihrer historischen Bahnhöfe, zum Beispiel die Bahnhöfe in Freiberg und Holzhau. Dazu äußerte sich nachfolgend auch der tschechische Europaabgeordnete Tomáš Zdechovský, der die Schwierigkeiten auf tschechischer Seite anschnitt. Die aktuellen Bemühungen des Georgendorfer Vereins und der Stiftung „Moldauer Bahn/Teplitzer Semmering“/„Moldavská draha“, Gelder für eine Rekonstruktion des Moldauer Bahnhofes zu erhalten, laufen seit dem Jahr 2018. Nach Wahlstreitigkeiten in der Grenzgemeinde Moldau, in welcher Klagen gegen das erreichte Wahlergebnis schon zum hiesigen Kolorit gehören, kam es im Jahr 2020 endlich zu der großzügigen Zuteilung einer staatlichen Schenkung von 50 Millionen Kronen (entspricht etwa 4933,22 Euro). Damit wären 95 Prozent der Kosten für die Erneuerung des Bahnhofes Moldau gedeckt. Doch plötzlich lehnte die Gemeindeversammlung von Moldau eine Erneuerung ihres Bahnhofes ab. Denn es würde sich

te auf der Grenzbrücke mit einem öffentlichen Gebet des deutschen Pfarrers David Keller aus Altenberg und der Fürbitte um ein gutes Gelingen

der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Und unter der Grenzbrücke endete sie mit einer symbolischen Menschenkette, die das Gleis unter der Brücke zu

der sächsischen Seite symbolisch verlängerte. Danach setzte man die Feierlichkeiten im Bahnhof von Moldau fort. Jutta Benešová

Petr Fišer, Vorsitzender des Georgendorfer Vereins und Herausgeber der zweisprachigen Erzgebirgszeitung, und Steve Johannes Ittershagen, Vertreter des Oberbürgermeisters der Stadt Freiberg. nicht lohnen. Besser sei ein sofortiger Verkauf des Gebäudes, um Geld in die Gemeindekasse zu bekommen. Die Frage ist, ob dies nicht eine zu kurzsichtige Sicht der Dinge sei. Allerdings ist das letz-

te Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Aber es ist zu erkennen, daß es wahrscheinlich noch vieler Anstrengungen bedarf, um endlich Einigkeit zu erzielen. Die Veranstaltung ende-

Bahnhof Moldau heute.

Bild: Ivo Beneš

TERMINE n  Donnerstag, 12. bis Sonntag, 15.  August: 7. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 19.00 Uhr dort Abendessen. Freitag 9.00 Uhr Abfahrt nach Melnik mit Besichtigung des Schlosses und Weinverkostung; Mittagessen im Schloßrestaurant; anschließend Besichtigung der Peter-undPaul-Kirche und des Beinhauses; Weiterfahrt nach Leitmeritz; dort Abendessen im bischöflichen Brauereigasthof. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt nach Ober-Georgenthal; dort Besuch des Schlosses Eisenberg; danach Fahrt über das Erzgebirge auf den Müc-

kenberg; dort Mittagessen; anschließend Bus- oder Seilbahnfahrt nach Graupen mit Spaziergang über den Mariascheiner Kreuzweg; 17.00 Uhr Abendessen im Hotel; 19.00 Uhr dort Jubiläumskonzert der Nordböhmischen Philharmonie. Sonntag eigene Fahrt zur Heiligen Messe in der Barockkirche Mariä Himmelfahrt in Zinnwald, Uhrzeit wird mitgeteilt. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, Weinverkostung, Seilbahnfahrt und Konzert pro Person im Doppelzimmer 390 Euro, im Einzelzimmer 440 Euro. Getränke außerhalb des Früh-

stücks auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Montag, 2. August, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35  7008  0000  0670  5509  19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org Aufgrund der Corona-Pandemie müssen bitte sämtliche Teilnehmer auf dem gesamten Ausflug stets einen gültigen Impfpaß sowie einen FFP2-Nasen- und Mundschutz mitführen.


HEIMATBOTE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16.7. 2021

Bischofteinitz

Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

23 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

670 Jahre Bischofteinitz – Teil II

Stadtluft macht frei Heuer feiert Bischofteinitz sein 670jähriges Bestehen. Josef Bernklau erinnert an die 600-Jahr-Feier der Vertriebenen Bischofteinitzer in Schwäbisch Gmünd und mithin an die Stadtgeschichte. Wappen-Fenster für die Adelsgeschlechter Clam-Gallas, Auersperg und Zucker von Tamfeld im Oratorium des Patronatsherrn entstanden 1868 und sind noch heute vorhanden.

Guckloch in die Vergangenheit von Heiligenkreuz – Pfarrer Klaus Oehrlein berichtet

Ein Pfarrer und seine Tochter Ein Sprichwort besagt: „Wenn ein alter Mensch stirbt, ist es, als ob eine ganze Bibliothek verbrennt.“ Traditionen und Erinnerungen verblassen mit der Zeit selbst bei der Erlebnisgeneration der Vertreibung –

D

ie Schlacht am Weißen Berg – das Datum dieses Ereignisses kennt heute noch immer quasi jedes tschechische Kind. An jenem 8. November 1620 besiegte das kaiserlich-katholische Heer die aufständischen, vor allem protestantischen Stände bei Prag. In direkter Folge dieser Schlacht jährte sich am 21. Juni zum 400. Mal ein Ereignis, das als Prager Blutgericht in die böhmische Geschichtsschreibung eingegangen ist: die Hinrichtung von 27 Personen, die am Aufstand beteiligt waren, auf dem Altstädter Ring in Prag. Bis heute erinnern 27 große Kreuze im Pflaster vor dem Rathaus daran. Spätestens jetzt begann das „Temno“, das „Zeitalter von 400 Jahren Finsternis“, wie das vor allem seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in der tschechischen Geschichtsschreibung genannt wird. Gemeint ist damit die Herrschaft der Habsburger über Böhmen und Mähren bis 1918 – mit zwangsweiser Re-Katholisierung und Unterdrückung der tschechischen Sprache. Bei all dem – aus heutiger Sicht in der Tat kritisch zu betrachtenden – Vorgehen in der Staats- und Religions-Politik nach 1620 gerät aus dem Blick, was man als „Ironie der Geschichte“ bezeichnen könnte. Denn die „Germanisierung“ hatte schon lange vor den Ereignissen um 1620 im Land begonnen – und zwar gerade durch die Reformation. Das dokumentiert eine Nachricht aus der Pfarrei Heiligenkreuz; ähnliche Vorgänge sind im Gebiet zwischen Stift Tepl und Mies belegt, ebenso in Neustadl. Hier war um 1545, wie der Chronist schreibt, die böhmische Sprache noch allgemein gangbar. Ein völliger Wandel fand statt, als die deutschen lutherischen Pfarrer – aus der Oberpfalz und von anderswo im Reich – in dieses Gebiet kamen. So beschwerten sich 1575 die Bewohner der damaligen Filiale Zemschen über den Pfarrer Nikolaus von Heiligenkreuz. Denn dieser – als deutscher lutherischer Pfarrer – predige nur noch deutsch. Bis zu seinem Vorgänger Johann, ebenfalls lutherisch und ein Deutscher, sei regulär im Gottesdienst stets zweimal „böhmisch“ und einmal deutsch gepredigt worden. Neben diesen beiden Namen für die evangelischen Pfarrer ist

erst recht mit deren Tod. Dann erweist sich, wie wichtig es ist, Erlebtes und Gewußtes zu dokumentieren. Weil darum auch frühere Generationen bemüht waren, so öffnet sich für Heiligenkreuz mit dem Blick in die im

Pilsner beziehungsweise Tauser Archiv erhaltenen Kirchen-Matrikel, die sogenannten Stabilen Kataster von 1838, sowie in die Schul- und in die Pfarreichronik ein Guckloch auf weit zurückliegende Ereignisse.

ein weiterer sicher für Heiligen- worden war. Vielleicht war er der kreuz bezeugt. Theobald Zacha- direkte – schon katholische – rias, 1584 in Schlaggenwald ge- Vorgänger dessen, der ab 1629 boren, studierte Philosophie und namentlich als erster wieder kaevangelische Theologie an der tholischer Seelsorger bekannt ist. Universität Wittenberg, war Au- Bei einem üblichen Heiratsalter tor mehrerer Bücher und von zwischen 20 und 25 Jahren wä1613 bis Herbst 1618 in Heiligen- re die Tochter zwischen 1622 und kreuz tätig. 1627 zur Welt gekommen. Das Als ebenfalls evangelischer würde sich gut in die aktenkunPfarrer gilt Jakob Schaumars – digen Daten einfügen. zumindest halten ihn spätere Chronisten dafür. Das schließen sie allein aus einem Eintrag in der Traumatrikel, wo es heißt: „Am 26. November 1647 heiratet Johann Mirz aus Haselberg eine Christina, Tochter des Jakob Schaumars, einst Pfarrer in Heiligenkreuz.“ Das Alter und der Wohnort der Braut sowie der Name der Mutter werden leider nicht genannt. In manchen Publikationen liest man sogar, jener Pfarrer habe die evangelische Hochzeit dieser Tochter als letzte Tätigkeit vor seinem Weggang vollzogen. Doch das ist reine Phantasie. Die Hochzeit war 1647 als katholische Hochzeit gefeiert worden. Denn spätestens seit 1629 sind die Seelsorger dort – wieder – katholisch. Fraglich ist zudem, ob jener Schau- Kupferstich von Theobald Zacharias, der 1613 mars überhaupt evan- evangelischer Pfarrer in Heiligenkreuz war. gelisch war. Denn das hätte der Traupriester sicher in Übertritte zur katholischen seinem Eintrag vermerkt – et- Kirche von evangelischen Persowa mit der Ergänzung in lateini- nen gab es bis in spätere Zeit. So schen Begriffen wie „lutheranus“ dokumentiert Pfarrer Schuster im oder „haereticus“. Matrikelbuch: „Anno 1718, am Doch er fügt etwas anderes Sonntag vor Michaelis, hat Annach dessen Namen in Klam- na Maria, Johann Georg Schülmern ein, bevor er ihn als „Pfar- lers, catholischen Bergmanns rer“ tituliert, der eine Tochter Eheconsortin, allhier in Heiligenhat: „Lector noli scandalizari.“ kreuz (…) der lutherischen Sect Zu deutsch: „Der Leser möge renuncieret, auch drei Söhnlein sich nicht entsetzen.“ Was soll mitgebracht, und dem katholidieser Hinweis? Niemand würde schen Glauben zugeführt.“ sich entsetzen über einen evanNach den 1629 beginnenden gelischen Pfarrer, der als verhei- Kirchenbüchern ragen unter den rateter Mann nach den Regeln Priestern dieser Zeit – ähnlich seiner Kirche Kinder hat. wie Pfarrer Theobald Zacharias Aller Wahrscheinlichkeit nach für die evangelische Zeit – drei war darum Jakob Schaumars ein besonders hervor. Das legen zukatholischer Priester, dem aus ei- mindest die Einträge nahe, die ner verbotenen Liaison mit ei- über ihre Bau- und Verwaltungsner Frau eine Tochter geschenkt Tätigkeiten berichten.

Der erste unter ihnen bezeichnet sich selbst in den ersten Matrikeleinträgen so: „P. F. Johannes Medardus von Hinsbeck, Benediktiner-Mönch aus dem Kloster Sankt Nikolaus in Brauweiler bei Köln.“ Damit umgibt ihn insofern ein Geheimnis, als noch spätere Nachfolger über ihn notierten: „Wohin er ging, weiß man nicht. Über seinen Tod habe ich nichts gefunden.“ Gleiches gilt für seine Herkunft: Wie und warum kam er aus dem fernen Köln in diese Gegend Böhmens? Gehört er zu den Flüchtlingen in der Folge des Dreißigjährigen Krieges? Stand er vielleicht in irgendeiner Beziehung zum Benediktinerkloster Kladrau? Denn dessen Abt weihte 1669 – Pater Medardus war jedoch schon seit 1654 weg – eine Glocke der Heiligenkreuzer Kirche. Sein zweiter Nachfolger ist der „herausragende Magister Lucas Ramsmayer“, Pfarrer vom 16. November 1659 bis zu seinem Tod am 21. Februar 1686, beerdigt in der Kirche. Er erneuerte und ergänzte in den 27 Jahren seines Dienstes viel an Kirche und Pfarrhaus. Mit eibis 1618 nem gewissen Selbstbewußtsein trägt er diese Maßnahmen auf der ersten Seite des ältesten Matrikelbuches ein; nur so wissen wir davon. Im Detail war davon bereits an anderer Stelle die Rede. Mit dem 25. Juli 1706 beginnt ein hochgebildeter Priester seinen Dienst in Heiligenkreuz: Gottfried Josef Schuster, vermutlich aus Neustadl gebürtig, Magister der Philosophie, Baccalaureus – davon kommt das heutige Wort „Bachelor“ – der Theologie, also ein Mann mit Universitätsstudium. Von dieser Bildung zeugt auch das älteste, von ihm erstellte Inventar von Kirche und Pfarrhaus aus dem Jahr 1719. Wir erfahren daraus von der vergleichsweise reichen Ausstattung der Kirche. Fortsetzung folgt

Z

um ersten Male wird Tein 1184 erwähnt, so daß es schon lange vorher bestanden haben muß. Im Volksmund heißt es Teunz. Das Wort Tyn hieß Umfriedung. Auf dem Felsen am linken Ufer besteht bereits 1229 ein Haus des Bischofs, welches mindestens 50 Jahre früher errichtet wurde. 1345 wurde in Prag ein Erzbistum errichtet. Acht Jahre später, also 1351, wurde Tein auf Veranlassung des Erzbischofs Ernst von Pardubitz zur Stadt erhoben. Die Originalurkunde ging verloren, denn im Stadtarchiv lag bloß eine Abschrift. Für die Befestigung wurde eine eigene Vorschrift des Königs beziehungsweise Kaisers Karl IV. erlassen und 1352 mit dem Bau der Mauern und Türme beziehungsweise Tore begonnen. 1357 verlieh Karl das Stadtrecht von Mies, also das Magdeburger Stadtrecht, welches auch Pilsen, Taus, Klattau, Schüttenhofen, Budweis, Tachau und Haid hatten. Die Bürger konnten nun Häuser, Felder, Wiesen und Wälder kaufen und verkaufen sowie ihre Töchter, Witwen und so weiter frei verehelichen. ,Stadtluft macht frei‘, hieß es damals. Aus dem Erlös des 1375 verliehenen Zollrechtes sollten die Mauern verbessert und ergänzt werden. Das erste Wappen war mit dem Kardinalshut gekrönt, aber dessen konnte sich unser Zeichner Franz Kunz auf seinem Sterbebette nicht mehr erinnern, weshalb er das zweite vom König Ferdinand, dem Bruder und Nachfolger Kaiser Karl V. verliehene zeichnete. Dies sehen Sie auch auf unseren Karten. Auch das Recht zum Bierbrauen wurde damals der Stadt zugesprochen (1377). Erzbischof Konrad Wechta, ein Westfale, von den Tschechen ,der hinkende Deutsche‘ genannt, wollte Tein verpfänden. Das aber verhinderte König Siegmund, der Sohn Karls IV., und nahm die Stadt selbst in Besitz. Damit endete die Herrschaft des Krummstabes. ,Unter dem Krummstab ist gut leben‘, lautete ein Spruch im Mittelalter. Damals begannen die hussitischen Wirren, in denen Teinitz zweimal belagert wurde, ohne daß die eigentliche Neustadt eingenommen werden konnte. Aber das Stift mit der Kirche am rechten Ufer wurde jedesmal niedergebrannt, und die Insassen wurden ermordet. Doch auch das besiegte deutsche Kreuzheer

hauste in der Gegend wie ein feindliches. Die Ronsperger folgten in der Herrschaft über Tein, und der letzte war ein harter Herr, der die bürgerlichen Freiheiten ganz beschnitt. Die darauf folgenden Popel von Lobkowitz waren dagegen den Bürgern günstigere Herren, aber scheinbar weniger den Bauern, denn Wilhelm Pope von Lobkowitz, der als ungebildet geschildert wird, errichtete durch die Arbeit der leibeigenen Bauern die Mauer um das Gut Horschau. Die Sage läßt ihn heute noch auf diesem geistern. Wilhelm von Lobkowitz gehörte zu den 30 Direktoren, welche die Statthalter in Prag zum Fenster hinauswarfen und damit das Signal für den Dreißigjährigen Krieg gaben. In einer schwarzen Kutsche, so erzählte die Sage in Bischofteinitz, habe ihn der Teufel geholt. Tatsache ist, daß Wilhelm von Lobkowitz infolge des Einflusses seines katholischen Onkels mit dem Leben davonkam, aber nach Burg Pürglitz gebracht und dort lebenslänglich gefangen gehalten wurde. Die eingezogenen Güter erwarb durch Kauf vom Fiskus Graf Maximilian von Trauttmansdorff, womit die für Teinitz günstige Herrschaft dieses Adelsgeschlechtes begann. Während dieser Zeit erwarb Bischofteinitz das Patronatsrecht über Blisowa, baute das alte Rathaus, obzwar auch der Dreißigjährige Krieg unsagbaren Schaden anrichtete, ebenso auch die Einquartierungen während der napoleonischen Kriegen. Das Jahr 1848 brachte auch in Bischofteinitz die Bürgerlichen Schützenvereinigungen und die Wahlen ins Frankfurter Parlament, für das der Dichter Josef Rank gewählt wurde. In den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges blühten Gewerbe und Handel, vor allem aber die Landwirtschaft. Berühmt waren die Zuchtviehmärkte in Bischofteinitz, die zweimal im Jahre abgehalten wurden. Bis zu 500 Zuchtstiere, Kalbinnen und Kühe Simmentaler Rasse wurden aufgetrieben und auch in der Regel abgesetzt. Käufer von weit und breit, aus dem In- und Auslande, erschienen zu diesen Märkten. Nach dem Ersten Weltkrieg begann auch die Zucht der belgischen Kaltblutpferde aufzublühen. Wie in jeder Kreisstadt gab es auch hier die Ämter: Bezirkshauptmannschaft, Steuerreferat, Bemessungsbehörde, Bezirksgericht, Steueramt und Bezirksschulrat, an dessen Spitze eben der Bezirkshauptmann (Landrat) stand. Die Aufsicht über das Schulwesen übte der k. k. Bezirksschulinspektor aus. Fortsetzung folgt

Simmentaler Kühe – wie auf dieser Weide – waren die gängige Rasse auf dem Zuchtviehmarkt in Bischofteinitz.


24

Sudetendeutsche Zeitung Folge 28 | 16. 7. 2021

Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

TERMINE

Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil IX

Kommunisten bekämpfen Katholiken

Blick auf die Altstadt von Haid mit der Sankt-Nikolaus-Kirche im Mittelpunkt. in Haid zu bringen. Ich fuhr sofort los. Ich muß anmerken, daß mich Dekan František Zeman nicht einmal hineingelassen hat. Wir verhandelten zwischen Tür und Angel. Kaum hatte er mich angehört, verkündete er energisch, daß er nichts vorlesen werde, da er nicht vorhabe, eingesperrt zu werden. Es war mir sehr peinlich, einen älteren Priester vor der Dekanatstüre davon zu überzeugen, was seine Pflicht sei. Letztlich nahm er das Blatt und sagte, daß er sich noch beraten werde. Verdrossen machte er die Tür lautstark zu. Und ich fuhr fort. Ich kehrte heim mit der berechtigten Befürchtung, daß der Dekan aus Angst – wenn nicht sogar aus Feigheit – etwas anstellt. Ich ahnte, mit wem er sich beraten wollte. Wie ich später zufällig erfuhr, beriet sich Dekan Zeman tatsächlich mit einem Mann, der zwar Katholik war, aber zugleich Staatsbeamter. Es war natürlich nicht seine Pflicht, ein Risiko auf sich zu nehmen, das Dekan

nem Boten eine kurze Note (Nr. 9764) des erzbischöflichen Kirchenamtes in Prag, datiert auf den 18. Juni 1949, mit folgendem Inhalt zugestellt: „An alle würdevollen Pfarrämter! Sie erhiel-

Krieg kehrte Dekan Zeman nach Haid zurück. Er kehrte nicht nur in sein Amt zurück, sondern auch zu seinem tschechischen Namen, wie aus den Matriken ersichtlich wird. Als politischer Häftling und „tschechischer“ Dekan wurde er erster Vorsitzender des Örtlichen Nationalausschusses in Haid. Für deutsche Pfarrangehörige war dies sicher ein Schock. In dieser Funktion verblieb er allerdings nicht sehr lange. Er wurde entfernt. Dekan Zeman verbitterte. Er hatte zwar die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit, aber die tschechischen Gläubigen spürten seine echte politische Neigung. 1949 beantragte er die Aussiedlung nach Deutschland. Er durfte sein Vermögen mitnehmen. Das tat er auch und kurz vor Weihnachten verließ er zusammen mit seiner Schwester die Republik. Mit seinem Fortgang verwaiste das Haider Dekanat. Ich wurde zum Administrator berufen. Man muß allerdings vermerken, daß ich bereits 1949 von der Kanonischen Mission mit dem Religionsunterricht an Haider Schulen beauftragt wurde. Dekan Zeman mißfiel dies. Das gab er mir zu spüren. Mit der Zuteilung von Haid stiegen das Arbeitspensum und die Sorgen. Die Heiligen Messen waren regelmäßig, die Schulen nahmen viel Zeit in Anspruch. Die ganze Pfarrgemeinde war sehr weitläufig. Das Jahr 1949 brachte neue Kirchengesetze, die schwer auf die Kirche fielen und auf das ganze religiöse Leben. Es wurden rüde Anschläge auf die Kirchenhierarchie verübt, auf den Vatikan, es kam zu Hetzjagden, die

und Priester wurde verhaftet. Es gab „Monsterprozesse“. In dieser Zeit des verschärften Kampfes wurden staatliche Überwachungs-Institutionen gegründet. Das waren die Abteilung für KirchenangelegenheiDekan darf in die un begann eine Zeit, in der ten des Schulministeriums sowie man acht geben und jede Bundesrepublik ausreisen Kirchensekretäre bei BezirksUnvorsichtigkeit meiden mußund Kreisnationalausschüssen. te. Kurz nach den Überraschunten einen Rundbrief vom 15. JuGegründet wurde die Katholigen, für die Frau Spilková, die ni 1949, welcher am Sonntag vor sche Aktion. Damals traf ich zum Gattin des Stasispitzels Jaroslav Fronleichnam vorgelesen werersten Mal den KreiskirchenseSpilka, gesorgt hatte, wurde mir den soll. Hinsichtlich der geänkretär Josef Hutta aus Tachau. ein Brief zugestellt, der aus den derten Lage fordere ich Sie auf, Es war in der Neustädtler Schule, USA zu kommen schien. Der Vervom Vorlesen dieses Rundbriefes wo er mich aufsuchte, um mich fasser bat mich um Informatioabzulassen und weitere Anweifür die Katholische Aktion zu genen über drei amerikanische Kusungen abzuwarten“. winnen. Er ging leer aus. Das war raten, die das Ende des Krieges Ende desselben Jahres wurde aber nicht der letzte Versuch, mit in Neustadtl verbracht haben solder Antrag des Dekans František einer ähnlichen Missilen. Der Stil des Briefes, die ganZeman bewilligt. Er durfte mit on besuchten auch ze Form – alles war sehr seltsam. seinem Eigentum in die Bundesweitere Personen Ich hatte den Verdacht, der Brief republik Deutschland ausreisen. die Neustädtler sei fingiert, eine Falle. Ich legte Die Gestalt des Dekans Zeman ist Pfarrei. ihn zur Seite. aus einem bestimmten BlickwinZur KamWas hätte ich antworten solkel bemerkenswert. Er stammt pagne und len? Ich wußte davon nichts. aus Böhmisch Budweis und wurAkquisition Die Deutschen waren weg, und de in eine Mischfamilie hineinin die Kaneue Siedler waren erst nach geboren. Die Mutter war Deuttholische dem Krieg gekommen. Nach eische, der Vater Tscheche. Sein Aktion gab ner Weile traf mich der BefehlsVater lernte die Sprache seiner sich der behaber Emil Lacina, der mich Frau nie und sprach tschereits erwähnzuvor noch nie in der Öffent- Staatssicherheit beschlagnahmt chisch. Zeman wurde in Haid te Jaroslav RoPastoralblätter lichkeit angesprochen hatte. zum Dekan im Jahr 1935, das boch her. Eines Er fragte mich, ob ich denn war nach dem nach dem Tod Abends vor 23 Uhr den Brief bereits beantwortet ha- Zeman ablehnte zu tragen, erst des Vikars Josef Lang. Er war sein klingelte er an der Pfarbe. Ich weiß nicht warum, aber recht, wenn man sich von seiner Kaplan. Es ist ein wenig verblüfrei. Wir haben ihn in der Küche in dem Augenblick war mit klar, Unentschlossenheit und Feigheit fend, daß der Dekan seinen rein empfangen, wo er verlauteten daß der Brief eine Fälschung war. überzeugen konnte. Beim Be- tschechischen Namen während ließ, daß er mit seiner Ehefrau Daß es sich um eine durchdach- gräbnis von František Rudolf, Vi- der Okkupation in „Seeman“ änvon der Sitzung des Örtlichen te Falle handelte. Ich weiß nicht, kar in Slonitz, sagte der damali- derte, wie aus den KirchenbüNationalausschusses in Pilsen welche Antwort sie sich erhofft ge Generalvikar Theophil Opa- chern hervorgeht, in denen er heimkehre, bei der angeblich hatten. War es der sonderba- trný, daß das Pastoralblatt den grundsätzlich mit diesem abgeauch die Neustädtler Pfarrei bere Ton seiner Stimme, oder sein Sicherheitskräften im westlichen änderten Namen unterzeichnesprochen worden sei. lauernder Blick? Womöglich bei- Grenzgebiet am Vorabend von te. Gegen Ende des Krieges wurKurz gesagt stellte er mich des. Den Brief habe ich ignoriert Fronleichnam verraten worden de er von der Gestapo verhaftet vor die Entscheidung, entweder und nie wieder erwähnt. sei. Also in Haid? und in Dachau interniert. In seidas Eintrittsgesuch in die Ka1949 wurden die VerhältnisKurz nach Mitternacht fuhren ner Abwesenheit administriertholische Aktion zu unterschreise noch schärfer. Es sah nach ei- Truppen der Staatssicherheit alle te Robert Röhling das Haider ben und mich der UnterstütDesorientierung, Ungewißheit zung des Staates zu erfreunem Gewitter aus. Vor Fronleich- Pfarreien ab. Sie beschlagnahm- Dekanat vorläufig. Dieser Adund Terror herrschen nam wurde geheim ein Pastoral- ten die Pastoralblätter. In der ministrator hatte große Unen oder die Gunst des Staates blatt des Erzbischofs Josef Beran Früh kam Jaroslav Roboch mit stimmigkeiten und Problezu verlieren, die Pfarrei ververschickt, welcher den Gläubi- einem Angehörigen der Staatssi- me mit der Schwester des Dekans Zeitungen sprudelten über vor lassen und Arbeit in einer Fabrik gen bei der Heiligen Messe vor- cherheit zur Pfarrei in Neustadtl. Zeman, welche ihn wie einen un- übler Nachrede und Dreck. Der suchen zu müssen. Roboch zweigelesen werden sollte. Nach Nach einer kurzen, aber heftigen erwünschten Untermieter behan- Erzbischof wurde in seinem Pa- felte nicht an der Wirkung seiner Neustadtl brachte dieses Blatt Auseinandersetzung bemäch- delte. Deshalb wurden die Rechte last interniert, den Priestern wur- Worte. Er täuschte sich, und so Fräulein Eliška Filipová aus dem tigten sie sich des Pastoralblat- und Pflichten des Dekanatsadmi- de jeglicher Kontakt zum Ordi- begann er zu agitieren. Er nannTachauer Erzdekanat. Ich wur- tes. Es lag auf dem Schreibtisch. nistratoren zugunsten von Röh- narius verboten. Es war eine Zeit te Beispiele einer Reihe von Priede gebeten ein Exemplar noch Noch vor der Heiligen Messe ling limitiert, wie ein erhaltenes der Desorientierung, der Unge- stern, die unterschrieben hätten. am selben Abend zum Dekanat wurde mir, wie überall, von ei- Protokoll offen legt. Nach dem wißheit und des Terrors. Prälaten Fortsetzung folgt In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář die zunehmende kommunistische Bespitzelung und Unterdrückung, unter denen nicht zuletzt die Kirche leidet.

N

Sonntag, 18. Juli, 14.00 Uhr, Paulusbrunn: Ökumenische Andacht zur Einweihung des historischen Böttgerweges bei der Hans-Nigl-Kapelle an der Grenze zu Bärnau mit dem orthodoxen Pfarrer Eugen Bakoš aus Brand, dem orthodoxen Erzpriester und Kanzler des Metropoliten, Josef Hauzar aus Marienbad, dem katholischen Pfarrer Konrad Amschl aus Bärnau sowie der Bärnauer Blaskapelle. Auskunft: Ingrid Leser, eMail leser. baernau@t-online.de Sonntag, 18. Juli, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise. Sonntag, 1. August, 10.00 Uhr, Neulosimthal: Gottesdienst anläßlich des Sankt-Anna-Festes mit Monsignore Andreas Uschold in GeorgenbergHinterbrünst am Gedenkstein beim Kastanienhof. Bereits am Vorabend gemütliches Beisammensein. Auskunft: Albert Kick, Faislbach 5, 92697 Georgenberg, Telefon (0 96 58) 3 15. Sonntag, 15. August, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise. Samstag, 28. bis Sonntag, 29. August: 32. Heimatkreistreffen in Weiden in der Oberpfalz. Samstag 8.15 Uhr Abfahrt nach München zum Besuch des Sudetendeutschen Museums; 18.00 Uhr gemütliches Beisammensein mit Egerländer Wirtshausmusik im Gasthof Ratskeller in Weiden. Sonntag 9.00 Uhr Feier am Tachauer Gedenkstein in der Kurt-SchumacherAllee; 10.15 Uhr Versammlung der Mitglieder des Heimatkreisvereins mit Neuwahlen im Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a; 12.00 Uhr dort Ausstellungseröffnung; 13.00 Uhr Mittagessen auf Einladung der Patenstadt im Ratskeller. Anmeldung: Wolf-Dieter Hamperl, Adresse siehe Impressum. Freitag 10. bis Sonntag 12. September, Haider Loretofest: Freitag 17.00 Uhr Heilige Messe und Primizsegen mit Neupriester Pater Tomáš Kadlec aus Taus. Samstag 10.00 Uhr Wallfahrtsgottesdienst mit Bischof Tomáš Holub aus Pilsen in der Loreto; anschließend Prozession mit der schwarzen Muttergottes durch den Park zur Schloßkapelle; 19.00 Uhr deutsche Pilgermesse mit Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Sonntag 8.00 Uhr Heilige Messe mit Pater Martin Duchoslav in der Kirche Sankt Nikolaus. Sonntag, 17. Oktober, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto mit Bischof em. Friedhelm Hofmann aus Würzburg; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Sudetendeutsche Zeitung Ausgabe 28 vom 16. Juli 2021 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu