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02Z030068, P.b.b. Verlagspostamt 1200 Wien, DVR-Nr.0956015

Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89, 1200 Wien

Ausgabe Österreich 4/2016

Zukunftsfrage Ferkelproduktion w w w. s c h w e i n e . a t


M W P F

rwendung von fdaten aus der tionsstufe für die BLUP-ZWS rkeit und Erbfehler

2008

Mitverwendung von Felddaten aus der Zuchtstufe für die BLUP-ZWS Mastleistung MR

Ausgabe Österreich 4/2016 10

03

Inhalt

04

Leitartikel

05

Kommentar

06

Interview

08

Markt

09

Mit dem Rüssel in Brüssel

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Ferkelmarkt

12

Recht & Politik

14

Zuchtwertschätzung

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Schadnager

18

AMA

22

Ferkelproduktion

26

Ferkelabsetzen

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TIHALO II

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Agrarbildungszentrum

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Schweinelehrpfad

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Rezept & Info-Stall

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Bericht

IMPRESSUM

2009

M Mastendprodukteleistungen (Station und Feld) für die BLUP-ZWS Pietrain

15 014 20 2012 2

ZWS für Nutzungsdauer MR

Single-Step genomische ZWS (SsGBLUP) für Fruchtbarkeit

14

Ein kurzer Sommer

Zuchtwertschätzung

... die lange und stabile Preisphase im heurigen Sommer hat gut getan ...

... Nutzung genomischer Informationen ...

22

28

Ferkelproduktion 2.0

Ammoniakverlust

... Strategien, um hohe Anzahl lebend geborener Ferkel sicher abzusetzen ...

... über 5000 Fragebögen werden ausgeschickt ...

30

34

Agrarbildungszentrum

Rezept

... eine fundierte Ausbildung und die persönliche Weiterbildung ...

... Gefüllte Krautwickel...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Regina Söncksen, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 MINISTERIUM FÜR EIN Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl LEBENSWERTES Titelfoto: © agrarfoto.com Mit freundlicher Unterstützung von ÖSTERREICH

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© FRAUKOEPPL

Walter Lederhilger VÖS-Obmann

Wir müssen agieren und unsere Positionen verteidigen!

Das Jahr 2016 wird uns wohl durch einige Sondereffekte noch länger im Bewusstsein bleiben. Begonnen hat es mit einer enorm schlechten Absatzsituation und schlechten Preisen. Wochenlang waren schlachtreife Schweine und Ferkel nicht zeitgerecht zu vermarkten. Die völlig weggebrochenen Exportmengen nach Russland (EU-weit 850.000 Tonnen) ließen sich kurzfristig nur schwer am internationalen Markt platzieren. Die große Herausforderung für die Schweinebauern und -bäuerinnen ist es, mit dieser Volatilität auf den Märkten umzugehen. Interessant ist auch eine längerfristige Betrachtung der Futterkosten. Das Bild hat sich hier gedreht, in den letzten 10 Jahren waren die Schwankungen bei den Futtermittelpreisen höher als die der Schweinepreisnotierungen.

Export- und Handelsverträge unverzichtbar Die guten Handelsbeziehungen der EU und im Besonderen der deutschen und spanischen Fleischexporteure in den asiatischen Raum wurden im heurigen Jahr intensiv genutzt. Das hat letztlich dazu geführt, dass sich der Markt im zweiten Quartal gedreht hat und binnen weniger Wochen ein vernünftiges Preisniveau und Stabilität in der Vermarktung erzielt werden konnte. Die Schweinefleischexporte sind im Zeitraum Jänner bis August im Vergleich zu 2015 um 32% gestiegen, knapp die Hälfte davon ging nach China.

4 | Leitartikel | 4 2016

Aber auch nach Japan, Hongkong, USA und Vietnam wurden die Mengen gesteigert. Daher sind auch die Bemühungen Österreichs zu begrüßen, unsere Fleischbetriebe bei ihren Exportgeschäften zu unterstützen. Mit der Schaffung einer Exportservicestelle (Büro für veterinärbehördliche Zertifizierung in der AGES) soll aktuell der direkte Zugang zum chinesischen Markt eröffnet werden. Erste Audits hat es im Sommer bereits gegeben und mittlerweile wurde auch ein positiver Endbericht der chinesischen Delegation übermittelt. Somit können für künftige Exportaktivitäten die erforderlichen Veterinärzertifikate ausgestellt werden. Das ging erstaunlich schnell, denn Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass diese Prozesse oft länger als ein Jahr dauern können. Die EU-Schweineproduktion liegt permanent mit 8-15% über der Eigenversorgung. Gut funktionierende Exportgeschäfte bei Fleisch, Schlachtnebenprodukten und verarbeiteten Lebensmitteln sichern daher die Wertschöpfung in allen Produktionsbereichen.


Die oft zitierte Forderung, regionale Produkte zu forcieren, darf nicht nur ein Schlagwort bleiben. Hier gibt es mehrere Ansätze. Im Bereich Gastronomie und Großküchen müssen wir uns um bessere gesetzliche und freiwillige Kennzeichnungen bemühen. Beispiele wie in der Schweiz zeigen, was machbar wäre. Aber auch am Fleischmarkt bewegt sich einiges. Das AMA Gütesiegel hat sich in unserem Bereich bei Frischfleisch am besten entwickelt und etabliert. Alle Statistiken und Auswertungen des Lebensmitteleinzelhandels zeigen, dass der Verkauf von Schweinefleisch rückläufig ist und die Mengen bei verarbeiteten Fleischwaren steigen. Diesen Trend müssen wir sehen und das AMA Gütesiegel auch im Verarbeitungsbereich besser platzieren. Die Basis für eine breitere Aufstellung ist eine lückenlose Rohstoffkennzeichnung (AGAPRohstoff: AMA Gute Agrarische Praxis). Durch Qualitätskriterien, Gewichts- und Klassifizierungsgrenzen werden derzeit rund zwei Drittel der angelieferten Gütesiegelschweine positiv gekennzeichnet. Es ist das Ziel, hier die Kennzeichnung zu erweitern und die Ferkelerzeugerstufe ins Gütesiegel zu integrieren. Einige Detailfragen sind hier noch zu klären, es ist aber ein zukunftsorientierter Schritt, der auch neue Absatzchancen eröffnet und für die Anerkennung im QS-System Deutschland ebenfalls erforderlich ist. Zwei gesetzliche Anforderungen sind in naher Zukunft zu erwarten. Die SchweineGesundheits-Verordnung und eine Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung. Nach langer und intensiver Diskussion wird für schweinehaltende Betriebe eine Schweinegesundheits-Verordnung erlassen. Es werden hier erforderliche Mindeststandards festgeschrieben, die einerseits den eigenen Betrieb schützen sollen und andererseits eine Risikominimierung für die gesamte Branche zum Ziel hat. Vor allem seuchenrelevante Gründe erfordern hier erhöhte Sensibilität und Aufmerksamkeit. Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest wird oftmals unterschätzt. Im Jänner 2014 hat die Seuche – von Russland kommend – die EU in Litauen und Polen erreicht. Derzeit ist eine Verbreitung im Süden feststellbar und die Gefahr groß, dass auch bald Rumänien befallen werden könnte. Die Auswirkungen in den betroffenen Regionen sind fatal. In der Gesundheits-VO wird es für die Freilandhaltung

© Straßmayr

Chancen am Heimmarkt nutzen

entsprechende Vorgaben geben, weil die Übertragungswege über Wildschweine die häufigsten sind. Aber auch gewisse Standards bei der Falltierlagerung, im Tiertransport und Hygiene werden im Sinne einer nachhaltigen Tierhaltung geregelt. Aus meiner Sicht wird in dieser Verordnung in ausreichender Form auf die Kleinstrukturiertheit der Betriebe Rücksicht genommen.

Änderung 1. Tierhaltungsverordnung Nach einem zweijährigen Evaluierungsprozess, in dem alle Argumente und Fakten im Bereich der Eingriffe analysiert und zusammengetragen wurden, steht nun eine Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung bevor. Inhaltlich werden Anpassungen bei der Enthornung von Ziegen und Kälbern und die Bereiche Kastration und Schwanzkupieren diskutiert. Diese Themen rufen naturgemäß die Tierschutzorganisationen auf den Plan, wobei manche dieser die Nutzung von Tieren generell ablehnen. Von der Wissenschaft wurden alle alternativen Möglichkeiten zum Thema Kastration beleuchtet. Die Ergebnisse dieser Studien bestärken uns, die in Österreich seit 2012 gültige Branchenvereinbarung des Schmerzmitteleinsatzes vehement zu verteidigen. Denn Alternativen wie die Ebermast scheiden schon wegen den hohen Qualitätsanforderungen und dem erhöhten Verletzungsrisiko aus. Die Immunokastration (bis zu 3 Impfungen in der Mast) ist ein gravierender Eingriff in den Hormonhaushalt der Tiere und würde keine Akzeptanz beim Verbraucher finden und auch die Vollnarkose ist in der ersten Lebenswoche mit hohem Risiko und Ferkelverlusten verbunden. Als Branchenvertreter hat der VÖS stets fachlich fundierte Argumente eingebracht und praxisgerechte Lösungen eingefordert. Turbulente Zeiten fordern die Bauern und die bäuerliche Interessenvertretung gleichermaßen. Der VÖS wird mit seiner Marktkompetenz aktiv die Interessen der bäuerlichen Betriebe vertreten. Vielen Dank auch an das Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium, an die LKÖ und AMA und an die politischen Entscheidungsträger für die sehr gute Zusammenarbeit. Für Weiterentwicklungen sind wir immer gesprächsbereit und vielfach bereits in Vorleistung getreten. Unsere Betriebe müssen aber auch wettbewerbsfähig bleiben und Perspektiven für die Zukunft haben.

Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

Karenzvertretung der Geschäftsführerin Mitte Oktober wurden die Aufgaben der Geschäftsführerin von einer Karenzvertretung übernommen. Frau DI Alexandra Kreuzer wird seit diesem Zeitpunkt von Maria Straßmayr vertreten. „Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau und Mastschweinehaltung in Oberösterreich aufgewachsen. Früh wurde mein Interesse an der Landwirtschaft und besonders an der Schweineproduktion geweckt. Daher freue ich mich sehr, diese Aufgabe im VÖS zu übernehmen“ so Straßmayr. Maria Straßmayr steht kurz vor dem Ende ihres Studiums der „Agrar- und Ernährungswirtschaften“ an der Universität für Bodenkultur Wien. In ihrer Masterarbeit beschäftigt sie sich mit der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Schweineproduktion mittels Betriebsstrukturenvergleich und qualitativer Interviews im europäischen Kontext. „Die Schweinebranche steht vor vielfältigen Herausforderungen. Durch den Strukturwandel, die jüngste Preiskrise aber auch im Bereich der Tiergesundheit und des Tierwohls wird die Schweinebranche immer wieder gefordert. Öffentlichkeitsarbeit ist daher ein wichtiges Instrument um mitzugestalten bzw. um die Anliegen der Landwirte zu vertreten. Mein großes persönliches Anliegen ist es auch, dass Kinder und Jugendliche die Schweinebranche realistisch kennenlernen. Daher möchte ich erreichen, dass unser neugestalteter Schweinelehrpfad verstärkt an Schulen präsentiert wird. Ich freue mich auf die vielfältigen Aufgaben, die auf mich zukommen und werde mein Bestes geben, um Frau DI Kreuzer würdig zu vertreten. Somit wünsche ich uns eine gute Zusammenarbeit!“ 4 2016 | Kommentar | 5


Im Interview: Anna Katharina Wittke von der Ringgemeinschaft Bayern e.V. Ab 1.1.2019 ist die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland verboten. Einige Lebensmittelunternehmen wollen in unserem Nachbarland schon ab 2017 kein Frischfleisch von unbetäubt kastrierten Ferkeln mehr verkaufen. Wir konnten mit Anna Katharina Wittke von der Ringgemeinschaft Bayern e.V. darüber sprechen, wie die deutschen Schweineproduzenten zu den Verschärfungen stehen, wie sie sich auf die Umstellungen einstellen wollen und welche Marktentwicklungen sie sich erwarten. Anna Katharina Wittke Verantwortliche für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei der Ringgemeinschaft Bayern e.V. die Dachorganisation bayerischer Erzeugergemeinschaften, Fleischerzeugerringe und Besamungsstationen .

Ab 1.1.2019 wird die betäubungslose Ferkelkastration verboten. Die verbleibenden Verfahren haben alle ihre Vor- und Nachteile. Gibt es bei den Landwirten schon Präferenzen, welche Methode angewendet werden wird?

Quelle: Ringgemeinschaft Bayern e.V.

Eine einheitliche Präferenz zeichnet sich bisher noch nicht ab. Derzeit diskutieren wir alle zur Verfügung stehenden Alternativen mit ihren Vor- und Nachteilen – die Immunokastration mit Improvac®, die Ebermast sowie die Kastration unter Betäubung beziehungsweise mit Einsatz von Schmerzmitteln. Für Bayern ist es extrem wichtig, dass man sich nicht auf eine einzige einheitliche Lösung konzentriert. Damit würde man viele kleine Betriebe, die strukturell bedingt zum Beispiel keine Ebermast durchführen können, kaputtmachen. Für die bayerischen Landwirte ist es wichtig, dass wir mehrere funktionierende Varianten zur Verfügung haben und vor allem, dass es eine praxistaugliche und marktgerechte Variante der Kastration gibt! Hier gibt es momentan Meinungsunterschiede, welche rechtlichen Anforderungen zukünftig an ein Verfahren der Kastration zu stellen sind. Der Bayerische Bauernverband lässt gerade zusammen mit der Ringgemeinschaft und weiteren Partnern der Wertschöpfungskette die einzelnen offenen Rechtsfragen in einem Gutachten klären. Für unser Metzgerhandwerk, aber auch für viele Exportmärkte, wer-

6 | Interview | 4 2016

den wir in Zukunft kastrierte Tiere zur Verfügung haben müssen.

Die einzelnen Varianten stellen die Landwirte ja vor unterschiedliche Herausforderungen. Wo sehen Sie den größten Forschungsbedarf in den kommenden Jahren? Grundsätzlich müssen wir erst einmal die Frage stellen: Was will der Markt? Und vor allem: Was will der Konsument? Wenn zum Beispiel für die Immunokastration mit Improvac® keine Akzeptanz in der Gesellschaft da ist, dann können wir das nicht flächendeckend machen. Hier müssen noch sehr viele Gespräche stattfinden – zwischen Vertretern der Branche, mit den Landwirten aber auch mit den Konsumenten und der Politik. Wir müssen herausfinden, was praktikabel ist und welche Verfahren akzeptiert werden. Wichtig ist dabei, dass wir miteinander reden und nicht übereinander. In der Praxis sehe ich ganz konkreten Forschungsbedarf bei der Entwicklung, Verbesserung und Erprobung von Methoden der Schmerzreduzierung und der Narkose für die chirurgische Kastration. Denn eins steht fest: Wir werden in Bayern auch in Zukunft eine Möglichkeit brauchen, die Ferkel chirurgisch zu kastrieren. Hier muss noch sehr viel geforscht werden, damit die Praktiker funktionierende und einigermaßen wettbewerbs-


taugliche Verfahren an die Hand bekommen. Außerdem brauchen wir für die Ebermast wirkungsvolle Techniken, um „Stinker“ – Eber, die den urinartigen Geruch entwickelt haben – festzustellen. Denn geruchsbelastetes Fleisch darf nicht in der Theke landen.

In einigen Gebieten wird auch jetzt schon die Ebermast durchgeführt. Wie bewerten Sie hier die Situation? In Betrieben, die Eber mästen, hat sich gezeigt, dass Ebermast eine sehr komplexe Angelegenheit ist – und nicht für jeden Betrieb geeignet. Landwirte sollten zunächst einmal prüfen, ob sie die nötigen Rahmenbedingungen der Ebermast überhaupt erfüllen können. Unter anderem brauchen Eber mehr Platz, vielseitige Beschäftigungsmaterialien, gut auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmtes Futter und müssen intensiv beobachtet werden. Diesen Mehraufwand kann nicht jeder Betrieb leisten – sowohl finanziell als auch zeitlich. Trotz der genannten Maßnahmen kommt es in der Ebermast häufiger zu Rangkämpfen und damit einhergehend zu Verletzungen der Tiere. Kranke Tiere müssen schnell separiert werden, da sonst die Verletzungsgefahr steigt. Betriebe mit Ebermast haben einen erhöhten Arbeitsaufwand, weil die Tiere intensiv beobachtet werden müssen. Oft ist schnelles Reagieren notwendig. Außerdem bietet nicht jede Region die Möglichkeit, Eber zu vermarkten. Jeder Landwirt muss sich erst einmal die Frage stellen: Habe ich einen Schlachthof in der Nähe, der mir die Eber abnimmt? Welche Konditionen bekomme ich für meine Eber? Und: Habe ich finanzielle Einbußen, wenn am Schlachthof ein Tier mit Ebergeruch detektiert wird? Da gibt es also viele Fragen, die jeder Landwirt für sich beantworten muss, bevor er sich für die Ebermast entscheiden kann.

Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels sprechen von einer drohenden „Spaltung des Ferkelmarktes“. Sehen Sie das auch so? Selbstverständlich bedeutet der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration einen grundlegenden Strukturwandel: Bisher verkauften Landwirte kastrierte Ferkel und Schweine. Ab 2019 verkaufen sie betäubt kastrierte oder unkastrierte Fer-

kel, Kastraten, unkastrierte oder geimpfte Eber zur Schlachtung. Das differenzierte Angebot führt zwangsläufig zu Einschränkungen in den Vermarktungsmöglichkeiten. Damit verlieren die Landwirte Flexibilität. Sie werden abhängig von einzelnen Unternehmen, wenn sie zum Beispiel Eber mästen und nur einen Schlachthof in der Umgebung haben, der ihnen diese abnimmt. Von der neuen Regelung profitieren vor allem große Betriebe. Kleine und mittelständische Betriebe – wie wir sie überwiegend in Bayern haben – geraten massiv unter Druck und können die neuen Anforderungen oft nicht stemmen. Wir haben bereits heute einen großen Rückgang in der heimischen Ferkelproduktion. Viele Betriebe haben aufgegeben und die Produktion eingestellt. Genaueres über mögliche Auswirkungen auf die süddeutsche Schweineerzeugung und –vermarktung erwarten wir uns von einer Studie der landwirtschaftlichen Landesanstalten in Bayern und Baden-Württemberg. Hier wird untersucht, welche Folgen der Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration haben wird.

Produzenten aus dem Ausland, die noch betäubungslos kastrieren, können die Ferkel zu niedrigeren Preisen anbieten. Das drückt natürlich auch den Preis für deutsche Ferkel. Und: Über Ferkel, die aus dem Ausland kommen, haben wir so gut wie keine Kontrolle. Die gesetzlichen Vorgaben sind in jedem Land anders. Das deutsche Gesetz zum Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration wird so unterlaufen und die deutschen Ferkelproduzenten sind die Leidtragenden. Und auch aus Gründen des Tierschutzes ist die Einfuhr ausländischer Ferkel bedenklich: Die Tiere müssen viele Kilometer und Stunden transportiert werden. Das wollen wir vermeiden. Umso wichtiger wäre es deshalb, dass die gesetzlichen Bestimmungen für die Zeit ab 2019 in Deutschland als Anforderungen ins Qualitätssicherungssystem QS übernommen werden und damit auch für Importferkel, -schweine und -fleisch gelten.

Von Seiten des Lebensmittelhandels gibt es auch keine Aussage dazu, wie mit den entstehenden Mehrkosten umgegangen werden soll. Wie sehen das die deutschen Schweineproduzenten? Gibt es hier schon konkrete Vorschläge? Langfristig kann der Ausstieg nur funktionieren, wenn der Lebensmitteleinzelhandel und die verarbeitenden Unternehmen den Landwirten mehr Geld für die Schweine bezahlen. Das muss sich dann natürlich auch auf den Preis niederschlagen, den die Konsumenten an der Theke für Fleisch bezahlen. Konkrete Vorschläge, wie der finanzielle Mehraufwand abgegolten werden kann, gibt es bisher noch nicht.

Der Druck auf die deutschen Ferkelproduzenten wird sich mit dem neuen Gesetz wahrscheinlich verschärfen. Möglicherweise werden auch vermehrt betäubungslos kastrierte Ferkel aus den Nachbarländern importiert. Eine weitere Gefahr für die deutsche Ferkelproduktion? Absolut! Natürlich erhöht die Einfuhr von Ferkeln aus anderen Ländern den Druck auf die deutschen Ferkelproduzenten:

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China rettet Schweinejahr 2016

Weil das Schweinepreisniveau bis Anfang Mai auf einem 7-Jahrestief dahin gründelte waren Ertragslage und Stimmung bis dahin auf dem Nullpunkt.

Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Die Meldungen von extrem hohen Schweinefleischexporten aus der EU nach China konnte man zu Jahresbeginn zwar den internationalen Marktberichten entnehmen, an der Preisbasis waren sie bis dahin keineswegs spürbar. Erst als die Vorjahrsbestände aus den Gefrierlagern geräumt waren, wirkte der Chinasog zurück bis an den Schlachthaken. Die aktuell von der EU-Kommission veröffentlichten Exportzahlen verdeutlichen den bisher noch nie da gewesenen Exportboom Richtung Peking. Konnte man in den Jahren 2012-2014 in der Größenordnung 600.000-700.000 Tonnen pro Jahr EU Schweinefleisch nach China schicken, so war dies 2015 bereits ein Wert von 1.110.000 Tonnen. Doch im ersten Halbjahr 2016 ging es mit dieser Hochlaufkurve noch einmal steil aufwärts. Allein bis zum August 2016 wurden 1.314.000 Tonnen nach China verschifft, was zumindest für diesen Zeitraum fast einer Verdoppelung entspricht. So erfreulich und hilfreich die „Explosion“ dieses Warenstroms nach China war, so sehr dürfte dieses Ereignis wohl auch mit glücklichen Umständen zusammen hängen. Denn es war nicht gönnerhaftes Verhalten der Zentralregierung in Peking zu Gunsten der europäischen Schweinebauern. Viel mehr war es die Tatsache, dass man in China die nationale Produktion drastisch zurück fahren musste. Hintergrund dieses Bestandsabbaues waren staatliche Gesundheitsprogramme zur Ausmerzung diverser Schweineseuchen. Die Schweinefleisch liebenden Chinesen verknappten dadurch ihr eigenes Angebot dermaßen, dass die Preise in die Höhe schossen, was letztlich zum EU-Exportboom beitrug.

Nicht nur China boomte Die chinesische Sogwirkung hat sich nicht nur nach Europa erstreckt, sondern auch über den gesamten asiatischen Raum. So konnte auch der zuletzt stark eingebrochene Export nach Hong Kong mit + 38 % wieder belebt werden. Weiters legten Japan 9 %, die Philippinen 21 % zu, wäh-

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rend Vietnam sogar verdoppeln konnte, d. h. die 38.000 Tonnen aus dem Jahr 2015 waren 2016 bereits im ersten Halbjahr abgefertigt. Nicht zulegen konnte man bis Jahresmitte in Taiwan (-15 %) und Südkorea (-12 %), wobei letzteres Land gerade für österreichische Exporteure von großem Interesse ist. Apropos österreichische Exporteure: Wie zuletzt im VÖS-Magazin mitgeteilt, gab es im Juli ein Audit chinesischer Inspektoren bei sechs heimischen Schweineschlachtbetrieben mit dem Ziel, möglichst noch heuer auch aus Österreich direkt nach China Schweinefleisch exportieren zu können. Daraus wird zumindest heuer nichts mehr. Aber es sieht gut aus, dass mindestens fünf Betriebe im Laufe des nächsten Jahres starten können.

USA und Brasilien trüben Ausblick auf 2017 Die zwei zurückliegenden äußerst schwierigen Jahre für die Schweinebauern in der EU lassen den Schweinezyklus wieder aufleben. In Folge mangelnder Rentabilität bewegt sich der Bestandsabbau einzelner Länder bei bis zu 10 %. Summiert man allerdings die namhaften Schweineländer beispielsweise Deutschland, Dänemark und Spanien, so relativiert sich diese Betrachtung d. h. die Brutto Eigenerzeugung am Schlachthaken wird aufgrund der Leistungssteigerungen bei den Zuchtsauen in diesen Ländern kaum unter Vorjahresniveau liegen. Unterm Strich dürfte EU-weit zumindest kein Plus vorne stehen, sodass von dieser Warte aus betrachtet vorsichtiger Optimismus für 2017 angebracht wäre. Zwei Gründe, warum gerade österreichische Schweineerzeuger die Erwartungen nicht allzu hoch schrauben sollten, sind die weltweit gesunkenen Getreidepreise und die starke Mitbewerbersituation von USA und Brasilien im zurzeit heiß umkämpfen Markt in China und den restlichen Märkten in Asien. Beide Länder liegen wieder auf starkem Expansionskurs und dürften in nächster Zeit wieder für Preisdumping am Weltmarkt sorgen.


Mit dem Rüssel in Brüssel EU-Kommission beendet Engagement bei Kastration Laut Berichterstattung der in der EU-Kommission für Tierschutz zuständigen Abteilung GD Sante werden für den Bereich Ferkelkastration keine weiteren Schritte mehr gesetzt. Dies teilte der Vorsitzende der Schweinemarktarbeitsgruppe in der COPA, der Portugiese Antonio Tavares im Rahmen des im Oktober abgehaltenen IMPA-Meetings in Berlin mit. Einer der Hauptgründe für diese doch etwas überraschende Position der GD Sante ist die nicht ausreichende Verfügbarkeit von Personalresourcen für eine weitere intensive Behandlung dieser Thematik. Die verfügbare Kapazität werde zukünftig den Fokus auf Entwicklungen im Bereich Schwanzkupieren richten. Des Weiteren wurde mitgeteilt, dass nicht mehr beabsichtigt ist, das Ziel einer EU weiten Regelung weiter zu verfolgen, d. h. die diesbezügliche Verantwortung werde wie bisher bei den Mitgliedsstaaten liegen.

Start war Brüsseler Deklaration Seit 2008 hat sich die EU-Kommission bemüht ein EU weites Regelwerk zu schaffen, welches den Forderungen der Tierschutzorganisationen Rechnung tragen sollte. Der offizielle Startschuss dazu war die Brüsseler Deklaration im Jahr 2010, in welcher von namhaften EU-weiten Vertreterorganisationen auf landund fleischwirtschaftlicher Ebene niedergeschrieben wurde, dass man, sofern mehrere Punkte erfüllt werden können, ab 2018 EU-weit die sogenannte Schmerzkastration bei Ferkel einstellen würde. Eine Reihe von Forschungsprojekten wie z. B. Big Cas wurden gestartet, Wissenschaftler und Universitäten wurden beauftragt sich mit der Materie Ebergeruch intensiv auseinander zu setzen, eine Vielzahl an Alternativen wurden entwickelt und abgetestet, Marktforschung auf dem Binnenmarkt und in Drittstaaten wurde betrieben, etc. Unter dem Strich blieb bisher immer die Ernüchterung, zwar neue Erkenntnisse gewonnen zu haben, aber in der Problemlösung nicht wirklich weiter gekommen zu sein. Dieses

Faktum dürfte bei der Richtungsentscheidung der Kommission eine wesentliche Rolle gespielt haben. Des Weiteren wurde im Zuge der EU-weiten Untersuchungen ebenfalls klar, wie weit Praxis und Sichtweisen der Mitgliedgliedstaaten in dieser Thematik auseinander liegen.

Ratlosigkeit in Deutschland Nachdem in Berlin beschlossen wurde, dass ab 2019 die Kastration nur noch unter Anwendung von Narkose erfolgen darf und als Alternativen dazu nur Ebermast bzw. Immunokastration mit Improvac zur Verfügung stehen, verbreitet sich zunehmend Ratlosigkeit in landwirtschaftlichen und fleischwirtschaftlichen Kreisen. Die Euphorie nach dem Motto „Wir schaffen das!“ ist im Vergleich zu früheren Jahren ziemlich verstummt. In Sachen Ebermast heißt es bereits jetzt „Das Boot ist voll“, Improvac wird von den Märkten national wie international abgelehnt und für die Anwendung von Narkose oder lokaler Betäubung ist nur der Einsatz mittels Tierarzt erlaubt. Aufgrund dieser Tatsache laufen seit geraumer Zeit eine Reihe von Initiativen von Erzeugerorganisationen, insbesondere aus dem süddeutschen Raum, die im Wesentlichen darauf abzielen, den Termin 2019 nach hinten zu verschieben oder noch inhaltliche Änderungen auf politischer Ebene zu erreichen.

Dänemark zur EU und wollte Eberfleisch auch nach Deutschland exportieren. Damals erwirkte Deutschlands Land- und Fleischwirtschaft ein gesetzliches Importverbot von auf diese Weise produziertem dänischen Schweinefleisch. Was in der Folge zu massiven Marktproblemen in Dänemark führte. Diese Geschichte dürfte aktuell eine Rolle spielen, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Jedenfalls beobachten die Dänen sehr genau, was in der BRD tatsächlich am Markt passieren wird. Es wäre nicht verwunderlich, wenn nun Dänemark mit denselben Argumenten deutsches Eberfleisch am internationalen Markt kritisch beleuchten und kommentieren wird, wie dies damals Deutschland mit dänischer Provenienz tat. Aktuell betreibt Dänemark praktisch keine Ebermast aufgrund der schlechten Erfahrungen vor 25 Jahren. Auch Dänemark hält nichts von nationalen Alleingängen wie dies in Deutschland passiert ist, allerdings ist man aufgrund der hohen Exportabhängigkeit darauf angewiesen, sich auf die Bedürfnisse der diversen Absatzmärkte auszurichten. Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Dänen warten ab Die dänische Schweinewirtschaft hatte bereits in den 1980er Jahren mit Ebermastprogrammen begonnen. 1993 kam

4 2016 | Mit dem Rüssel in Brüssel | 9


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Ein kurzer Sommer ... Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss

Die lange und stabile Preisphase im heurigen Sommer hat den Ferkelproduzenten gut getan und die Stimmung deutlich aufgehellt. Zwar musste man im Gefolge sinkender Schlachtschweinpreise ab Ende September auch einen Rückgang der Notierung hinnehmen, an der durchwegs positiven Markteinschätzung für die nähere Zukunft hat sich aber nichts geändert. Nachdem mit Anfang November wieder etwas mehr Ruhe an den Märkten eingekehrt ist, stabilisierten sich die Preise auch wieder und mit Beginn der kälteren Jahreszeit sind traditionell kaum Vermarktungsschwierigkeiten zu erwarten. Zumindest ab April herrschte heuer eine schon dringend benötigte zufriedenstellende Preissituation und es sind auch für das nächste Jahr, wenn nicht eine Sondersituation wie zum Beispiel eine Tierseuche oder eine politische Krise eintritt, gute Erlösmöglichkeiten zu erwarten. Die schwierige Situation der vergangenen Jahre hat bei einer nicht kleinen Zahl Ferkelerzeugern einen Nachdenkprozess über die zukünftige Entwicklung des Betriebes beschleunigt. So ist derzeit verstärkt ein Trend hin zum geschlossenen Betrieb zu beobachten. Dies und der weitere Rückgang der Sauenbestände werden zumindest mittelfristig das Angebot deutlich verringern.

10 | Ferkelmarkt | 4 2016

Dauerbaustelle Eingriffe bei Nutztieren Wie schon öfter berichtet, setzte und setzt man sich mit dieser Thematik in Arbeitsgruppen und Diskussionsveranstaltungen auseinander. Nun sieht es so aus, dass man sich einer Zwischenlösung nähert. Es zeichnet sich ab, dass die Ebermast, die immunologische Kastration und die Kastration unter Einsatz von Schmerzmitteln als Alternativen bis zum Vorliegen besserer Methoden eingesetzt werden können. Damit soll auch das zu erwartende Chaos in Deutschland vermieden werden, wo man ab 2019 den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration verankert hat. Zu erwarten ist, dass dort diese Problematik zum Teil in Länder exportiert wird, in denen andere Regelungen gelten. Dem Vernehmen nach sichern sich Mastbetriebe mittlerweile schon langfristige Lieferverträge für Ferkel, um


nicht mit Ebermast oder immunologischer Kastration arbeiten zu müssen. Experten erwarten dadurch einen verschärften Rückgang der Sauenbestände und eine unterschiedliche Notierung der Ferkel nach Geschlecht. Was dies für eine Struktur wie der in Österreich bedeutet, kann sich sicher jeder vorstellen. Damit wäre in kürzester Zeit die Grundversorgung für das AMA Gütesiegel in Gefahr und infolge würden sich die finanziellen Mehrerlöse der österreichischen Schweineproduktion nicht halten lassen. Seit Beginn der Diskussionen um die Ferkelkastration beschäftigen wir uns im VÖS und den Verbänden mit der Frage nach praxistauglichen Alternativen zur Kastration unter österreichischen Produktionsbedingungen. Wie es scheint, haben alle diskutierten Methoden bestimmte Nachteile und daher kann keine wirkliche Alternative gesehen werden, da keine die notwendigen Anforderungen zur Gänze erfüllt. In diesem Zusammenhang konnte allerdings Frau Dr. Kreiner (Styriabrid) ein von ihr in Kanada entdecktes Mittel bei der „Klartext Veranstaltung Tierwohl“ am 27.10.2016 der LK Österreich präsentieren. Dabei handelt es sich um ein Gel, welches vor der Kastration aufgetragen wird. Dieses Gel wirkt schmerzstillend und entzündungshemmend und könnte nach Zulassung und entsprechenden Tests und Freigaben auch in Österreich eingesetzt werden.

Basispreise Ferkel je KW der Jahre 2013-2016. Quelle: Bäck

Diskussionen über die Schweineproduktion und Tierhaltung Als wären die Produktion und der Markt nicht schon genug an Aufgaben für die Schweinebauern, führen die ständigen Diskussionen über unseren Berufsstand zu vielen Verunsicherungen. Wie in jeder Krise waren und sind Stimmen zu hören, warum man sich das noch antut, da man sowieso immer nur das Gefühl vermittelt bekommt, allem ausgeliefert zu sein. Oft hört man „für mich reicht es noch, ich mache bis zu Pension weiter, aber meinem Sohn/Tochter tue ich das nicht mehr an“. Gerade dieser Satz zeigt, wie perspektivenlos viele einst stolze Schweinebauern ihre Lage einschätzen. Allzu oft wird uns das Gefühl vermittelt etwas zu produzieren, das ständig in Diskussion ist. Es wird einem nicht die Wertschätzung entgegengebracht und das Gefühl gegeben, einen Beitrag dazu geleistet zu haben, den Tisch mit einem Stück wertvollem Genuss bereichert zu haben. Regelmäßig wird der bäuerliche Familienbetrieb gelobt und hervorgehoben ohne zu sagen, was man darunter versteht und wie groß denn der eigentlich sein darf und/oder soll. Wenn man die mediale Debatte verfolgt könnte man meinen, dass sich die Probleme der Gesellschaft in der Landwirtschaft manifestieren. Schwierigkeiten beim Bauen, Geruchsprobleme, Grundwasserschutz, Kastration, Schwanzkupieren, Tierwohl, Antibiotika Einsatz, MRSA, NEC Richtlinie, IPPC und viele andere Bereiche machen den Bauern das Leben schwer und hinterlassen Ratlosigkeit. Hier wäre es an der Zeit, die Vielzahl an „Baustellen“ Zug um Zug zu lösen, Klarheit zu schaffen und abzuschließen.

4 2016 | Ferkelmarkt | 11


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Forschungsprojekt Pro-SAU DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Die Daten- und Faktenerhebung bei der Testung neuer Abferkelbuchten ist abgeschlossen. Mitte 2014 startete die Datenerfassung in den drei Forschungsbetrieben, Anfang 2015 wurden die ersten Daten auf den sechs Praxisbetrieben erhoben. Mit Oktober 2016 ist nun in allen neun Betriebsstätten die Daten- und Faktenerhebung abgeschlossen worden. Damit konnten zwei wesentliche Bausteine des Forschungsprojektes Pro-SAU umgesetzt werden. Nämlich die erste Phase der Buchtenentwicklung und der Buchtenauswahl, sowie die zweite Phase der Sammlung projektrelevanter Daten und die Beobachtung des Tierverhaltens unter Praxis- und „Laborbedingungen“. Nun folgt eine letzte intensive Phase der Bearbeitung und Analyse der vielen Zahlen und Fakten und eine komplexe Auswertung durch ein professionelles Statistik-Fachpersonal.

12 | Recht & Politik | 4 2016

Erfolgreicher Projektverlauf durch hervorragende Zusammenarbeit Die nun bereits fast dreijährige Projektarbeit ist durch eine einzigartige Zusammenarbeit von Wissenschaft, Beratung, Branche, Praxis und Industrie unter der Leitung von BMGF und BMLFUW gekennzeichnet. Nur so war es bis jetzt möglich die komplexe Aufgabenerstellung der Entwicklung und Testung von Abferkelbuchten auf Basis der abgeänderten Tierhaltungsverordnung erfolgreich zu erledigen. Insgesamt arbeiten österreichweit zehn Organisationen und Institutionen operativ im Projekt mit, zehn weitere werden bei Bedarf involviert. Alle arbeiten an dem Ziel, den Fortbestand einer wirtschaftlichen und wettbewerbsfähigen Ferkelproduktion in Österreich auch unter höheren gesetzlichen Haltungsauflagen ermöglichen zu können. Es handelt sich um einen echten Schul-


terschluss, der beispielsgebend für die sachliche Lösung aktueller und kommender Herausforderungen sein sollte.

Praxiseinbindung unverzichtbar Für das Projekt ein Glücksfall war, dass der Gewinn an Ergebnissen nicht ausschließlich unter „Laborbedingungen“ stattffand, sondern auch unter Praxisbedingungen, die tatsächlich die Situation der heimischen Produktionsverhältnisse widerspiegelt.

Erhebung von Produktionsdaten

Stallklimatische Erhebungen

Sämtliche Produktionsdaten inkl. verpflichtender Kommentare wurden in allen neun Betrieben auf standardisierten Sauenkarten eingetragen und in das eigens adaptierte Sauenplanermodul übertragen. Ein ganz besonderes Augenmerk lag dabei auf der Erhebung der Ferkelverluste mit Verlusttag, Verlustursache und Fundstelle.

Um den Einfluss betriebsindividueller Klimaverhältnisse auf die Projektergebnisse richtig einordnen zu können, fand auf allen Betrieben vor Projektbeginn eine Grunderhebung der Stallluftverhältnisse, sowie der technischen Tauglichkeit der Lüftungs- und Regelungstechnik statt. Bei den laufenden Untersuchungen wurden Abteiltemperatur, Luftfeuchtigkeit und Ferkelnesttemperatur aufgezeichnet. Dieser Projektteil wurde durch Raumberg-Gumpenstein begleitet.

Sektion aller verendeten Ferkel Der Dank gilt an dieser Stelle den Betriebsleitern der drei Forschungs- und sechs Praxisbetriebe, ohne deren Pioniergeist und Risikobereitschaft das Forschungsprojekt Pro-SAU nicht umzusetzen ist. Sie waren von Anfang an bereit ihre Stallungen für die wissenschaftliche Arbeit zu öffnen, externen Personen das Erheben von Daten und Fakten zu ermöglichen und Praxiserfahrungen weiterzugeben. Von deren Engagement werden letztendlich ihre Berufskollegen und die gesamte Branche profitieren. Forschungseinrichtungen: • Schweinezentrum Gießhübl, NÖ • Landw. Fachschule Hatzendorf, Stmk. • Vetmeduni Versuchsgut Medau, NÖ Praxisbetriebe: • Hofinger, OÖ • Holler, Stmk. • Klampfer, NÖ • Nistelberger, Stmk. • Scheriau, NÖ • Schiefermayr, OÖ

Komplexer Forschungsauftrag Der Forschungsauftrag umfasst im Wesentlichen folgende Themenbereiche: • Tierschutz, Tierwohl • Kritische Lebensphase (Fixierungsdauer) • Ökonomie • Arbeitswirtschaft Um einen Eindruck der umfassenden und teils sehr aufwendigen Arbeit vermitteln zu können, möchte ich einige Aufgabenbereiche beschreiben. Sie alle erfolgten unter fachlicher und wissenschaftlicher Begleitung des Forschungszentrums Raumberg-Gumpenstein, der Universitäten für Bodenkultur und Veterinärmedizin, sowie der AGES, der Landwirtschaftskammern und der Verbände.

Um die Erdrückungsverluste tatsächlich von anderen Verlustursachen trennen zu können, wurde jedes verendete Ferkel seziert. Dafür wurden sämtliche während der Versuchslaufzeit verendeten Ferkel mit einem beschrifteten Plastiksack auf den Betrieben eingefroren, regelmäßig abgeholt und in der Schweineklinik der Vetmeduni oder in Raumberg-Gumpenstein einer Sektion unterzogen.

Video-Analyse In den Forschungsbetrieben Gießhübl und Hatzendorf wurden die neuen Abferkelbuchten während der vermuteten kritischen Lebensphase der neugeborenen Ferkel videoüberwacht. Bei jenen verendeten Ferkeln, bei denen die Verlustursache trotz Sektion nicht einwandfrei feststellbar war, fand ein Videostudium statt, um das Todesereignis zu sichten. Das geschulte Personal in Raumberg-Gumpenstein verbrachte dafür unendlich viele Stunden vor dem Bildschirm. Das Verhalten der Tiere in den neuen Abferkelbuchten wurde in Medau mittels Videotechnik analysiert.

Erfahrungsaustausch Bei regelmäßigen Praktikerrunden wurden die Erfahrungen untereinander ausgetauscht. Diese Treffen dienten auch dazu, auftretende Problemfelder bei den einzelnen Buchten aufzuzeigen und den jeweiligen Stallbaufirmen weiterzuleiten. So konnten in den letzten zwei Jahren maßgebliche Verbesserungen und Weiterentwicklungen an den Projektbuchten vorgenommen werden.

Wann gibt es Ergebnisse? In den kommenden Wochen und Monaten wird die Auswertung aller verfügbaren Daten unter Vorgabe der Zielsetzungen und der aufgestellten Hypothesen stattfinden. Darauf aufbauend wird eine ökonomische Bewertung vorgenommen. Alle diese Ergebnisse und Fakten mit den Bewertungen durch den Wissenschaftlichen Beirat des Projektes werden zu einem Endbericht zusammengefasst. Dieser ergeht Mitte 2017 an die Projektauftraggeber BMGF und BMLFUW als Entscheidungsgrundlage für weitere Schritte. Zeitnah dazu ist auch mit einer Veröffentlichung der Projektergebnisse zu rechnen.

Externes Personal erhebt Schäden, Verletzungen und Verschmutzung Über einen zweimaligen Betriebsbesuch je Abferkelturnus wurden haltungsbedingte Schäden und Verletzungen bei Sauen und Ferkel, sowie die Sauen- und Buchtenverschmutzung mit Hilfe eines einheitlichen Beurteilungskonzeptes erhoben. Unter der Leitung der BOKU führten Mitarbeiter der LK OÖ und NÖ, sowie von Raumberg-Gumpenstein und der BOKU diese zeitaufwendigen Erhebungen durch.

4 2016 | Recht & Politik | 13


Neu: Genomisch optimierte Zuchtwerte bei den Mutterrassen Genomische Informationen bringen mehr Sicherheit bei der Zuchtwertschätzung. Dadurch kann die genetisch bedingte Leistungsveranlagung vor allem bei Merkmalen mit niedriger Erblichkeit noch besser eingeschätzt werden.

Seit November 2016 werden nun im ÖHYB Zuchtprogramm die genomischen Informationen bei Edelschwein und Landrasse in den aktuellen Zuchtwerten für Fruchtbarkeit berücksichtigt. Die Einbeziehung genomischer Informationen in der Zuchtwertschätzung stellt einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung der österreichischen Schweinezucht dar. Dr. Peter Knapp Koordinator VÖS-Zuchtausschuss

Forschungsprojekte zur Vorbereitung Der Einsatz dieser neuen Technologie sind umfangreiche Vorarbeiten in den letzten Jahren voraus gegangen. Die Grundlagen wurden in einem Projekt im Rahmen des internationalen Forschungsverbundes FBF (Förderverein Bioökonomieforschung) erarbeitet. In der sogenannten Lernstichprobe wurden die Zusammenhänge zwischen Genom (= Gesamtheit der Erbinformation) und Leistung hergestellt. Dabei wurden die in den vergangenen Jahren gesammelten Gewebeproben von über 1300 verlässlich geschätzten Ebern und Sauen mit vielen Töchterwürfen bzw. eigenen Würfen herangezogen. In weiterer Folge werden die genetischen Informationen mit den Leistungen bzw. Zuchtwerten der Tiere verknüpft.

Mitverwendung von Wurfdaten aus der Produktionsstufe für die BLUP-ZWS Fruchtbarkeit und Erbfehler

BLUP-ZWS Fruchtbarkeit

2000 BLUP-ZWS Mast- und Schlachtleistung

2002

2005

2008

2009

Mitverwendung von MA-BLUP ZWS Felddaten aus der Pietrain (MHS) Zuchtstufe für die F1-Leistungen für BLUP-ZWS ZWS Mutterrassen Mastleistung MR

Mitverwendung von Mastendprodukteleistungen (Station und Feld) für die BLUP-ZWS Pietrain

15 014 20 2012 2

ZWS für Nutzungsdauer MR

Single-Step genomische ZWS (SsGBLUP) für Fruchtbarkeit

Grafik: Entwicklungsschritte in der Zuchtwertschätzung. Quelle: ÖSPA 14 | Zuchtwertschätzung| 4 2016

Im Anschluss an das Grundlagenprojekt wurden umfangreiche Genotypisierungen in den österreichischen Edelschwein- und Landrassepopulationen gestartet. DI Draxl von der Schweineprüfanstalt in Streitdorf hat in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur die Auswertung der enormen Datenmengen sowie die Entwicklung eines geeigneten Schätzmodells in Angriff genommen. Diese intensiven Vorarbeiten wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft unterstützt.

Umsetzung Seit einem Jahr werden nun die Selektionskandidaten vor der Eberauswahl genotypisiert. Dabei wird von Eberferkeln aus gezielten Anpaarungen vom Zuchtwart eine Gewebeprobe genommen. Circa einen Monat vor der Selektion wird die Gewebeprobe ins Labor zur Firma Genecontrol nach München geschickt, vorausgesetzt der Zuchtkandidat hat sich bis dahin korrekt entwickelt. Die Genanalyse mit dem 60k Chip liefert eine Abfolge von etwa 60.000 Basenpaaren aus der Erbinformation der Tiere. Diese Informationen werden genutzt und eine Beziehung zur Leistung und Abstammung aller Tiere in der Population hergestellt. In der anschließende Zuchtwertschätzung nach dem sogenannten „Single Step genomic BLUP“ (SsGBLUP) Verfahren werden also die genomischen Informationen, die Verwandtschaftsbeziehungen und die phänotypischen Leistungen berücksichtigt und um Umwelteinflüsse korrigiert.

Nutzen für Selektion der Besamungseber Das Ergebnis des aufwändigen Prozesses sind genomisch optimierte Zuchtwerte für die Fruchtbarkeitsmerkmale Anzahl lebend geborener und aufgezogener Ferkel pro Wurf. Für die Selektion der Besamungseber im Alter von etwa 7 Monaten stehen die aktuellen Zuchtwerte mit den genomischen Informationen zur Verfügung und sind eine wertvolle Entscheidungsgrundlage.


Vorteile der neuen Zuchtwerte Welchen Nutzen bringen die neuen Zuchtwerte für die praktische Zuchtarbeit? Einfach gesagt: Die genomischen Informationen geben Aufschluss, ob ein Tier mehr dem Vater oder der Mutter gleicht. Im bisherigen Modell der BLUP Zuchtwertschätzung ging man davon aus, dass der Zuchtwert eines Tieres im Durchschnitt der Eltern liegt, da die Nachkommen je 50% der Gene vom Vater und von der Mutter bekommen. Tatsächlich spielt aber der Zufall bei der Verteilung der Gene von den Elterntieren auf die Nachkommen eine Rolle. Wurfgeschwister können also mehr Eigenschaften vom Vater oder von der Mutter bekommen. Durch die Einbeziehung von genomischen Informationen ist es somit möglich, dass (Voll-) Geschwister unterschiedliche geschätzte Zuchtwerte aufweisen. Bei der Auswahl von Ebern aus einem Wurf sind die genomischen Zuchtwerte also sehr wertvoll und erhöhen die Treffsicherheit für positive Vererber. Vor allem bei Fruchtbarkeitsmerkmalen, wo erst die Töchterleistungen der Eber höhere Sicherheiten in der Zuchtwertschätzung brachten, bringt die neue Methode schon früher genauere Zuchtwerte. Als positiver Nebeneffekt ist die Durchführung einer lückenlosen Abstammungskontrolle bei allen genotypisierten Tieren zu sehen.

Ausblick In einem nächsten Schritt sollen auch die Zuchtwerte für Mast- und Schlachtleistungsmerkmale mit der neuen Methode geschätzt werden. Die Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung ist ein weiterer Meilenstein in der positiven Entwicklung der Schweinezucht in Österreich.

Genom+ Eber am Beispiel Landrasse Eber LANO Die seit November veröffentlichten Zuchtwerte der Besamungseber bei Edelschwein und Landrasse sind nach dem neuen SsGBLUP Verfahren geschätzt. Eber die selbst genotypisert wurden, sind mit „Genom+“ gekennzeichnet. Genom+ Eber bieten eine höhere Sicherheit bei den Zuchtwerten für Fruchtbarkeit.

Beispiel Eber LANO - Werte derzeit: ZW-FB: +0,38/+0,25 Gen. opt. ZW-FB: +1,17/+0,75 Der Zuchtwert Fruchtbarkeit steigt durch die Berücksichtigung der genomischen Informationen um ca. 20 Punkte auf GZW-F 132. Quelle: SZV

20 Jahre Besamungsstation Steinhaus Im November 1996 ist die Besamungsstation des Schweinezuchtverbandes Oberösterreich am Standort Steinhaus in Betrieb gegangen. Dem Weitblick der damaligen Vereinsführung unter Obmann ÖKR Hubauer und Geschäftsführer Dr. Schreiner ist es zu verdanken, dass mit dem Neubau der Besamungsstation eine wirtschaftliche Basis für die positive Entwicklung der Schweinezucht in Oberösterreich geschaffen wurde. Die Jahre zuvor war die Schweinebesamung an der Station des Bundes in Thalheim bei Wels angesiedelt. Im Zuge der Umstrukturierung des Besamungswesens in OÖ wurde die Rinderbesamung in Hohenzell und die Schweinebesamung in Steinhaus gegründet und in die Hände der jeweiligen Zuchtverbände gegeben. Die neue Station in Steinhaus startet mit 120 Eberplätzen und einer Jahresproduktion von 120.000 Spermaportionen. Die folgenden Jahre waren durch eine sehr dynamische Entwicklung geprägt, die einen ersten bereits Ausbau um 56 Plätze im Jahr 2001 notwendig machte. In 2 weiteren Schritten wurde 2004 und 2007 auf die derzeitige Größe von 270 Eberplätzen erweitert. Gleichzeitig wurde die Produktion auf derzeit 430.000 Portionen pro Jahr gesteigert. Die züchterische Verantwortung für die gesamte Produktion wird durch ein breites Angebot von gut geprüften Ebern aller gängigen Rassen wahrgenommen. Laufend wird in den Ausbau der Ebertestprogramme und die Weiterentwicklung der Zuchtwertschätzung investiert. Die konsequente Stresssanierung der Rasse Pietrain ist nur ein Beispiel dafür. Die Umsetzung von höchsten Gesundheits- und Spermaqualitäts-

standards war von Beginn an der Anspruch des gesamten SZV Teams. Die Mitgliedschaft im internationalen Forschungsverbund FBF brachte immer wieder Impulse für die praktische Arbeit. Bereits 2006 wurde Steinhaus erstmalig in Österreich ein digitales Spermaanalysegerät zur objektiven Qualitätsbeurteilung installiert. Das tägliche Lieferservice wurde im Jahr 2009 um den Zubehörshop erweitert. Die Kunden wählen aktuell aus einem breiten Sortiment von über 700 Artikeln und nutzen die rasche Zustellung im Rahmen der täglichen Liefertouren. Geschäftsführer Dr. Knapp setzt auch in Zukunft auf die bewährten Erfolgsfaktoren: „Das Vertrauen unserer Kunden ist die beste Motivation für unsere Arbeit. Wir werden auch in Zukunft beste Qualität mit verlässlichem Service bieten, um als verlässlicher und innovativer Partner für die Schweinebauern zu arbeiten.“

4 2016 | Zuchtwertschätzung | 15


Ratten und Mäuse bekämpfen: aber wie? Ratten und Mäuse finden auf unseren landwirtschaftlichen Gehöften idealen Lebensraum vor. Diese sonst sehr scheuen Tiere suchen vor dem Winter einen „wärmeren Unterschlupf“.

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Ratten vernichten in Summe Unmengen von Futter, zerstören Isoliermaterial, verkoten die Umgebung und sorgen für die Übertragung von Krankheiten (Salmonellen, Dysenterie, Schweinepest). Außerdem verunreinigen sie mit ihrem Kot und Harn Futtermittel und haben darüber hinaus schon so manches Kabel angebissen. Die technischen Probleme, die daraus entstehen, kann sich jeder vorstellen. Ein sorgfältig geführter Schweinebetrieb muss daher die Bekämpfung von Schadnagern laufend im Auge behalten.

Was lieben Mäuse? Die bis zu 10 Zentimeter großen und etwa 30 g schweren Schädlinge haben einen Aktivitätsradius von wenigen Quadratmetern. Sie lieben die „Unordnung“ in trockenen Räumen, das bedeutet, dort wo z.B. alte Papiersäcke, Getreide oder Futterreste längere Zeit liegen, findet man ihre Fraßspuren. Die Laufwege der Mäuse sind oftmals entlang von Mauern, Wänden oder schützenden Einrichtungen angelegt. Sie sind sehr neugierig, registrieren Veränderungen und untersuchen diese. Mäuse können auch gut klettern. Eine raue Wand ist kein Hindernis, wenn es darum geht, an Futter zu kommen oder Schutz zu suchen. Diese Erkenntnis müssen wir uns bei der Bekämpfung zu Nutze machen: Fallen und Köder dort aufstellen, wo Laufwege vermutet werden.

Mäuse und Ratten zerstören die Isolierung, wenn diese nicht fachmännisch montiert wurde. Quelle: Strasser

16 | Schadnager | 4 2016

Mäuse naschen an verschiedenen Fraßstellen– deshalb sollen mehrere Fallen im Raum verteilt sein.

Schmackhafter Giftcocktail Ein breites Spektrum von Mäuse- und Rattengift ist im Handel erhältlich. Als Pulver vermischt mit Haferflocken oder Weizenkörnern, als Pellets und Wachsblöcke, oder als Paste, die wie Silikon bzw. PU-Schaum aufgetragen wird. Die Schaumbehandlung erfolgt in den Durchschlupföffnungen. Bei dieser Platzierung wird der Putztrieb der Tiere ausgenützt, durch die Putztätigkeit wird die Chemikalie aufgenommen. Bei der Platzierung ist besonders darauf zu achten, dass Kinder und Haustiere (Katzen und Hunde) nicht an die Köder gelangen können. Feste Köder sollten deshalb in Boxen ausgelegt werden.

Worauf beruht die Wirkung der Köder? Die Mausgifte enthalten meist den Wirkstoff Difethialon, der die Funktion des Vitamins K1 blockiert. Dieses Vitamin ist zur Blutgerinnung wichtig. Die Maus verblutet innerlich nach der Aufnahme des Giftes innerhalb weniger Stunden. Da Mäuse neben dem Gift auch noch sonstige Nahrung wie Getreide usw. aufnehmen, wird die tödliche Dosis erst nach einiger Zeit erreicht.

Bei solch einer Unordnung nisten sich Mäuse und Ratten ein. Quelle: Strasser


Giftköderstellen laufend kontrollieren! Der Erfolg der Mausbekämpfung ist laufend zu überprüfen. Werden die Köder nicht angenommen, ist davon auszugehen, dass sich an diesem Standort keine Mäuse bewegen. Dann muss der Köder auf einer anderen Stelle aufgestellt werden. Wird der Köder verbraucht, soll laufend nachgelegt werden. Damit man bei den Mäusen kein Misstrauen erweckt, sollten die Köderboxen mit gebrauchten Handschuhen angefasst werden. Eine Mausbekämpfung kann lange dauern. Mäuse sind sehr fruchtbar und reproduzieren sich laufend so stark, dass der Bekämpfungsdruck am Beginn einer solchen Maßnahme kaum spürbar ist.

Ratten sind noch gefährlicher Ratten sind Allesfresser und treten in Rudeln auf. Sie haben einen größeren Aktionsradius, und halten sich in der warmen Jahreszeit gerne an Bachläufen und anderen Gewässern auf. Wenn dort am Beginn des Winters die Nahrung weniger wird, ziehen sie zu den Siedlungen. Sie halten sich gerne in Kanalsystemen oder anderen feuchten Stellen auf. Wanderratten nehmen täglich bis zu 300g Nahrung, auch tierischer Herkunft, auf. Die Tiere können durch Ortswechsel Krankheiten von einem Hof zum anderen übertragen. Ein Rattenweibchen gebärt bis zu siebenmal pro Jahr 8 Junge pro Wurf. Ratten sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Tiere, haben einen hervorragenden Geschmacks-, Gehör,- und Tastsinn und sind sehr vorsichtig. Bei sehr starkem Befall treten Ratten auch bei Tageslicht und an offenen Plätzen auf. Kratz- und Scharrgeräusche in Wänden (Isolierung) und unter Fußböden geben auch Hinweise für einen Rattenbefall.

gerohr oder eine Schachtel erfüllen diesen Zweck. Ratten suchen gerne solche Verstecke. Dort kann ungestört der Köder gemeinsam mit ihren Artgenossen aufgenommen werden und andere Tiere sind damit nicht gefährdet.

CHECKLISTE für eine effiziente Schadnagerbekämpfung •

Befallsanalyse durchführen - Kotreste - Spuren im Futter (Striche im Getreide durch nachgezogenen Schwanz) - Durchschlupfmöglichkeiten in Türen (Spalt) und Mauern verschließen - Nistplätze bzw. Versteck suchen

Aufräumen bzw. Vermeidung von „Rumpelkammern“

Gebäudemängel beheben - Ritzen und Fugen verschließen - Gitter mit Maschenweite unter 18 mm anbringen

Erstellung eines Bekämpfungsplanes - Fraßplätze festlegen - Köder auswählen - Ev. giftfreies Vorködern um Befallsausmaß festzustellen

Attraktives Rattengift auslegen: - etwas versteckt - unerreichbar für andere Tiere - Köderboxen verwenden - Dokumentieren: wann, was, wo

Nachködern

Verendete Ratten und Mäuse entfernen

Ratten sind schlau Eine ausgewachsene Ratte frisst bis zu 50 g Köder/Tag. In jedem Rattenrudel hat der rangniedere Vorkoster die Aufgabe, die neue Nahrungsquelle zu probieren. Daher sollten schlagartig an mehreren unterschiedlichen Stellen Köder ausgelegt werden. Diese Plätze müssen auch laufend verändert werden. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass menschlicher Geruch von den Ratten gemieden wird. Daher sollte immer mit gebrauchten Handschuhen hantiert werden. Wichtig ist auch die laufende Beseitigung der verendeten Tiere, da durch diese die Artgenossen gewarnt werden und Katzen in Gefahr kommen.

Fazit Die Schadnagerbekämpfung gehört zur Grundhygiene auf jedem Bauernhof. Wer laufend Ordnung hält und diesen Maßnahmen ein Augenmerk schenkt, spart sich viel Ärger und unnötige Kosten. Der natürliche Feind der Mäuse und Ratten, unsere Hauskatze, soll auch erwähnt werden, obwohl man sich nicht darauf verlassen kann. Weiters muss darauf hingewiesen werden, dass die Schadnagerbekämpfung laut CC-Richtlinie zu dokumentieren ist. Gleichzeitig wird bei der AMA Gütesiegel Kontrolle eine wirkungsvolle Schadnagerbekämpfung abgefragt.

Wie sind Ratten zu bekämpfen? In Gerümpel halten sie sich besonders gerne auf. Deshalb ist die wichtigste Vorbeuge eine aufgeräumte Hof- und Lagerfläche. Im Herbst sollen die Köder möglichst in die Laufwege der Ratten, meist entlang von Wänden und Mauern, platziert werden. Die kumarinhaltigen Mittel sind in einfachen Köderboxen auszulegen. Diese Köderboxen können leicht selbst hergestellt werden: ein Holzkasten, ein Draina-

Im Fachhandel gibt es verschiedenste Produkte – unbedingt beraten lassen. Quelle: Strasser

In der versperrbaren Köderbox können Ratten und Mäuse den Köder ungestört aufnehmen. Quelle: Strasser 4 2016 | Schadnager | 17


„Ich schau drauf“ geht weiter Die AMA macht Lust auf Frische und Vielfalt. Vor einem Jahr zeigte die produktübergreifende Kampagne die Qualitätsansprüche des AMA-Gütesiegels. Jetzt startet ein Maßnahmenmix, der Appetit auf die große Vielfalt frischer und saisonaler Lebensmittel macht - die sogenannte generische Kampagne. Viele Elemente sind ähnlich und sorgen für Wiedererkennbarkeit, Glaubwürdigkeit und gegenseitige Unterstützung der Maßnahmen.

TV-Spots mit bekanntem Aufbau Gleichgeblieben ist der dreistufige Aufbau der Kampagne mit reichweitenstarken TVSpots, erklärenden Print-Anzeigen und unterhaltender Information in den onlineKanälen. Auch die grafischen Elemente und das Layout sind ähnlich. Der Slogan „Unsere Vielfalt. Unser Genuss.“ schlägt eine Brücke zur AMA-Gütesiegel-Kampagne, die mit „Unsere Sorgfalt. Unser Siegel“ unterzeichnet war.

18 | AMA | 4 2016

Und auch die echten Protagonisten sind geblieben. Einziger Unterschied: Diesmal stehen nicht die Landwirte im Zentrum, sondern die Konsumenten selbst. Wie schon bei der vorherigen Kampagne zeigen verschiedene Einstellungen – im Marketing „Vignetten“ genannt – Anlässe, Zubereitungsarten, Warenkunde und die Produkte selbst in ihrer ganzen Vielfalt. Die Bilder und Aussagen sollen dem Betrachter Lust auf frische Zutaten machen und deren Absatz fördern. Der Claim „Ich schau drauf“ wird weitergeführt und thematisiert die Verantwortung der Konsumenten beim Einkauf.

... aus dem Leben gegriffen „Wichtig war uns, einen Ansatz zu wählen, der einerseits die Lebenswirklichkeit der Konsumenten widerspiegelt, andererseits wollten wir einen zeitgemäßen Zugang zu den Themen Einkaufen, Zubereitung, Warenkunde und Ernährung – gepaart mit charmantem Augenzwinkern“, erklärt Peter Hamedinger, verantwortlicher Kampagnenleiter der AMA-Marketing.


So blickt beispielsweise ein Kunde an der Fleischtheke in die Kamera und sagt: „Ich schau drauf, dass mein Steak so dick ist wie mein Hunger groß.“ Eine andere Einstellung zeigt zwei junge, kraftstrotzende Burschen beim Training mit einem Milchglas in der Hand - und der Aussage: „Ich schau drauf, dass mein Stoff jeden Dopingtest besteht.“ Insgesamt wurden 17 verschiedene Einstellungen gedreht. Damit sind alle Produktgruppen der AMA in der neuen Kampagne vertreten.

Aufmerksamkeit schaffen auch im Internet Eine große Portion Humor beweisen die begleitenden online-Maßnahmen. Projektleiter Helmut Lackner erklärt: „Die sechs Sekunden dauernden Spots im Internet sind skurril und lösen eventuell sogar Kopfschütteln aus. Aber genau das wollen wir: Aufmerksamkeit schaffen.“ Passend zu den jeweiligen Themenwochen der Internet-Spots gibt es auf www.amainfo.at Videos mit Küchentricks, Rezepten und vielen Inhalten rund um die Produkte selbst. Alle online-Maßnahmen werden über die sozialen Medien verteilt und sorgen für effektive Reichweite im Internet. Anfang Oktober war die Filmcrew in Wien und Niederösterreich unterwegs, in Rekordzeit wurden die Spots geschnitten und die Print-Anzeigen erstellt. Die Kampagne startet am 26. Oktober, die erste Welle läuft bis Mitte Jänner. Eine zweite Welle ist für den Zeitraum rund um Ostern 2017 geplant.

Zu gut für diese Welt Am 18. Oktober fand im niederösterreichischen Göttlesbrunn bei Haubengastronom und Grillweltmeister Adi Bittermann eine große Vergleichsverkostung des AMA-Grillclubs von Topqualitäten am Schweinefleischsektor statt, bei der sich 14 nationale und internationale Einreichungen dem Urteil einer knapp 30-köpfigen Expertenrunde stellten. Während das Preisniveau der unterschiedlichen Herkünfte und Qualitäten die enorme Spreizung von 1:10 aufwies - die teuerste Karreerose wird immerhin um 44 Euro per Kilogramm gehandelt - lagen die Ergebnisse wesentlich dichter beieinander. Das Erfreulichste daran: einige heimische Qualitätsprogramme gelangten nicht nur auf Augenhöhe mit dem legendären Iberico, sondern auch der Gesamtsieg ging an einen Österreicher - ein Weideschwein aus Oberösterreich.

Und dass Schweinefleisch mit dem AMA-Gütesiegel auch im Blindtest viel besser ist, als sein viel zu niedriger Preis oft vermuten lässt, wurde ebenfalls wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Eine detaillierte Beschreibung der Ergebnisse, der einzelnen Karreesteaks, ihrer Typizitäten und Stärken finden sich in der nächsten Ausgabe der GRILLZeit, die Anfang Dezember an die Mitglieder des AMA-Grillclubs versandt und auch im Lebensmittelhandel aufliegen wird.

AMA-Marketingmanager Dr. Rudolf Stückler begrüßte und begleitete die Gäste während der Vergleichsverkostung. Quelle AMA

17 verschiedene Einstellungen für alle Produktgruppen der AMA wurden an Originalschauplätzen in Wien und Niederösterreich gedreht und in Rekordzeit geschnitten . Quelle AMA 4 2016 | AMA | 19


20 | GetreidefĂźtterung | 4 2016


4 2016 | GetreidefĂźtterung | 21


© FRAUKOEPPL

Ferkelproduktion 2.0 Univ. Ass. DI Reinhard Puntigam (Quelle: Puntigam)

Strategien, um eine hohe Anzahl von lebend geborenen Ferkeln auch sicher abzusetzen.

22 | Ferkelproduktion | 4 2016

Der Grundstein des ökonomischen Erfolges innerhalb der Ferkelproduktion wird bereits im Abferkelstall gelegt. Die Anzahl an verkaufsfähigen Ferkeln pro Sau und Jahr und das wirtschaftliche Ergebnis des Betriebes stehen in klarem Zusammenhang.

Potential angesehen werden, sondern stellen zudem ein ein ethisches, wie auch tierschutzrelevantes Problem dar. Wie deutlich sich auch geringe Reduktionen von Ferkelverlusten auf das wirtschaftliche Ergebnis auswirken, veranschaulicht der Betriebsvergleich in Tabelle 1.

In Anbetracht stetig steigender Produktionskosten konnte daher in den vergangenen Jahren ein sehr starker Trend zur Maximierung der Wurfgröße, unter Nutzung von sogenannten hyperfruchtbaren bzw. hyperfertilen Sauen, erkannt werden. Aufbauend auf die erfolgreiche Reproduktion schließt sich jedoch als weitere Herausforderung das Management großer Würfe an, um eine hohe Anzahl an lebendgeborenen Ferkeln auch sicher aufzuziehen und abzusetzen. Hohe Verlustraten können hierbei nicht nur als ungenutztes wirtschaftliches

Die in Tabelle 1 dargestellten Verlustraten werden erstrangig durch den Anteil sogenannter „Risikoferkel“ (Geburtsgewicht unter 800g) hervorgerufen. Diese nehmen, wie in Abbildung 1 beispielhaft veranschaulicht, in Abhängigkeit der steigenden Ferkelanzahl sehr stark zu (Jeroch et al., 2008). Aktuelle Wurfgrößen von 17-20 lebend geborenen Ferkeln stellen, speziell bei der Nutzung internationaler Genetik, keine Seltenheit dar und bergen neben ökonomischen Vorteilen auch Risiken für den Betrieb.


Geburtsvorbereitung und Geburtsüberwachung Mit hohen Milchleistungen (ca. 13-15l pro Tag) steigt der Nährstoffbedarf der Sauen sehr stark an. Dieser muss innerhalb der Rationsgestaltung bedarfsgerecht angepass werden, da bei zu hohem Gewichtsverlust innerhalb der Säugezeit (>25 kg) mit erhöhten Umrauscherquoten und Remontierungsraten zu rechnen ist. Verlängerte Geburten erfordern ebenfalls ein hohes Durchhaltevermögen der Sauen, um die hohe Anzahl an Früchten auch auszutreiben. Einerseits kann durch die sorgfältige Geburtsüberwachung und Betreuung die Anzahl an Totgeburten (Querliegen im Geburtskanal, Einschluss in der Fruchthülle etc.), sowie Erdrückungsverluste reduziert, wie auch andererseits die Kolostralmilchaufnahme der Ferkel gesichert werden. Studien belegen, dass ca. zwei Drittel der Verluste innerhalb der kritischen Lebensphase (1.-3. Lebenstag der Ferkel) auftreten und in ihrer ökonomischen Betrachtung jederzeit eine Geburtsüberwachung rechtfertigen.

In Anbetracht dessen sei daher von einem auftretenden „Acker- bzw.- Feldvirus“ innerhalb der Geburtswoche dringend abgeraten.

Vitale Ferkel durch hohe Milchleistung der Sau Bei allen Säugetieren stellt die (Kolostral)Milch nicht nur die wichtigste Nährstoffquelle für die Neugeborenen in den ersten Lebens(stunden)-tagen dar, sondern trägt auch wesentlich zum Aufbau der passiven Immunität der Neugeborenen bei. Die Aufnahme einer frühzeitigen und ausreichenden Menge muss als essentiell betrachtet werden und trägt wesentlich zur Reduktion von Ferkelverlusten bei. Die Wichtigkeit des zeitlichen Aspektes findet seine Begründung in der Resorptionsfähigkeit des Ferkeldarmes für die wertvollen Immunglobuline. 12 Stunden nach der Geburt ist diese bereits um ca. 50% reduziert. Zusätzlich entscheidet die Menge an aufgenommener Milch über die Lebendmasseentwicklung in der

Tabelle 1: Vergleich der Leistungsdaten von 2 Beispielbetrieben. Quelle: Puntigam Betrieb B vermag es unter einem Mehraufwand von ca. € 80,an variablen Kosten, seine wirtschaftliche Leistung pro Sau und Jahr um mehr als € 262,- zu steigern. Dadurch lässt sich eine Differenz von über € 180,- pro Sau und Jahr bezüglich des Deckungsbeitrages im Vergleich beider Betriebe errechnen. (Berechnungsgrundlage, AWI)

Saugferkelphase, welche nur dann gewährleistet ist, wenn jedes Ferkel einer Zitze zuordenbar ist. Übersteigt die Anzahl an Saugferkeln die Anzahl an funktionsfähigen Zitzen, so spricht man von überzähligen Tieren, deren Überlebensrate stark eingeschränkt ist. Dass dieser Anteil relativ große Ausmaße innerhalb einer durchschnittlichen Sauengruppe annehmen kann, veranschaulicht nachfolgende Modellbetrachtung. Wie in Tabelle 2 veranschaulicht, ist es beispielhaft 60 Ferkeln (ca. 10% der lebendgeborenen) nicht möglich, (Kolostral)-Milch, in einer ausreichenden Menge aufzunehmen, wobei erwähnt werden muss, dass die Anzahl mit 13 funktionsfähigen Zitzen (nicht zählbaren!), relativ hoch angesetzt wurde. Wie bereits erwähnt, resultiert daraus neben einem wirtschaftlichen ebenfalls ein ethisch/ tierschutzrelevantes Problem. Hunger ist eine Form von tierischem Leid und daher unter § 5 des Tierschutzgesetzes der Tierquälerei zuzuordnen. Daher erscheint es sinnvoll, sich über mögliche Lösungsansätze solcher Managementprobleme Gedanken zu machen.

Abb. 1: Geburtsgewicht in Abhängigkeit der Ferkelzahl. Quelle: Puntigam Eine hohe Anzahl an lebendgeborenen Ferkeln resultiert in ... ... geringeren Geburtsgewichten ... verlängerten Geburtsdauern ... reduzierten Glycogenreserven der Ferkel ... steigenden Erdrückungsverlusten ... und auf Basis mangelnder Kolostrumversorgung, welche sich in einer mangelnden Vitalität und Immunität widerspiegelt, bei Risikoferkeln in ... einer Überlebensrate von unter 60%

Tabelle 2: „Zitzenformel“ zur Berechnung der überzähligen Ferkel - Beispiel: 40er Abferkelgruppe.

Quelle: Puntigam

4 2016 | Ferkelproduktion | 23


Strategien zur Vermeidung hoher Ferkelverluste 1.

Split suckling

Das geteilte Säugen („split suckling“) stellt eine relativ einfache und sehr weit verbreitete Strategie dar, um in den ersten Lebensstunden eine ausreichende Kolostrumaufnahme der letztgeborenen Ferkel sicherzustellen. Hierzu werden die erstgeborenen Ferkel des Wurfs (6-7) farblich markiert und nach Abschluss der Geburt von den später geborenen Wurfgeschwistern mittels Box etc. innerhalb der Bucht für ca. 2 Stunden getrennt (siehe Grafik). Danach erfolgt ein Austausch der Ferkel zwischen „Box und Gesäuge“. Die Anzahl der Rotationen hängt stark von den arbeitswirtschaftlichen Rahmenbedingungen am jeweiligen Betrieb ab.

2.

Wurfausgleich

Das Versetzen der Ferkel sollte frühestens 12 Stunden nach der Geburt (gesicherte Kolostrumaufnahme der Ferkel) und spätestens 48 Stunden nach der Geburt (Milchfluss nicht angesogener Zitzen darf nicht versiegen, minder ausgeprägte Zitzenrangordnung) erfolgen. Das Motto lautet hierbei: „So viele wie nötig und so wenig wie möglich“, denn man versetzt nicht nur das Ferkel, sondern auch dessen Keimflora mit allen potentiellen Krankheitserregern. Daher sollten Ferkel nur innerhalb eines Abteils versetzt werden. Zudem sollte auch die Auswahl an die jeweilige Sau angepasst werden. Die vorangegangenen Aufzuchtleistungen, sowie die Strichdicke, -länge und – anzahl, sollten hierbei als Auswahlkriterien herangezogen werden. Sauen mit dem 2. Wurf erfüllen diese oftmals.

3.

11

9

+2

12

13 12

-2

+1

16

+1 11

-2 15

Natürliche Ammen

Der richtige Wochenrhythmus legt den Grundstein für einen funktionierenden Ammeneinsatzes. Ferkel von Sauen der Vorgruppe mit hohen Aufzuchtleistungen und gut ausgeprägtem Appetit werden meist am 21. Tag der Säugezeit abgesetzt und in die vorherrschende Abferkelgruppe integriert. Dort enthalten sind meist die größten und fittesten Ferkel einer Sau, welche die überzähligen Tiere im Gegenzug erhält. Neben einer enormen physiologischen Belastung der Ammensau (verlängerte Säugezeit) müssen ebenfalls ein erhöhtes Potential an Ferkelverlusten (Erdrückungen, Milchmangel etc.), erschwertes Hygienemanagement (kein Rein – Raus) und die teure Platzbelegung einer Bucht als negative Faktoren genannt werden.

24 | Ferkelproduktion | 4 2016

A

B 3

1 2


4.

Technische Amme

Die Nachteile einer natürlichen Amme stellen oftmals den Beweggrund zur Nutzung einer technischen Amme dar. Derzeit sind verschiedenste Ausführungen erhältlich: Aufbau: Single- oder Komplettlösungen, Futtermittel: Milch oder Brei, Verabreichungstemperatur: Kalt oder warm bis hin zum Fütterungsregime: ad libitum oder restriktiv am Markt erhältlich. Zudem wird ebenfalls eine Vielzahl an hochverdaulichen Milchaustauschern herstellerspezifisch angeboten. Drei Gründe für die damit erzielten sehr guten Leistungen, sowohl im In- wie auch Ausland, stellen die vorangegangene optimale Versorgung mit Kolostrum, das Hygienemanagement, wie auch der erhöhte Betreuungsaufwand der Ferkel dar. Handelt es sich um Komplettlösungen, werden die meist vitaleren Ferkel ab dem 2. Lebenstag in die technische Amme verbracht und bei gleichzeitiger Beifütterung zumeist bis zum 17. Lebenstag mit Milchaustauscher versorgt. Rein rechtlich bewegt man sich bei der Nutzung derartiger Systeme innerhalb einer Grauzone, denn Saugferkel dürfen ausschließlich zum eigenen, bzw. zum Schutz der Sau vor dem 21. Tag vom Muttertier getrennt werden. Wissenschaftliche Vergleiche zwischen natürlich und technisch aufgezogenen Tieren lassen keinen gravierenden Leistungsunterschied erkennen. Studien im Bereich der Auswirkungen innerhalb der Mast sind kaum vorhanden. Zudem fehlt es an Befunden zu Stressanfälligkeit und Wohlbefinden von Ferkeln im Vergleich beider Systeme.

Fazit Der Zuchtfortschritt innerhalb der Aufzuchtleistungen heutiger Sauengenetiken ist nicht im selben Ausmaß vorangeschritten wie jener der gesteigerten Wurfgrößen. Daher muss verstärkt mittels angeführten Managementmaßnahmen versucht werden, sowohl die Sauen wie auch die Ferkel zu unterstützen, um deren Verluste auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Natürlich gilt auch in der Ferkelproduktion das Gesetz des abnehmenden Ertragszuwachses, doch muss bewusst gemacht werden, dass jedes verkaufsfähige überzählige Ferkel einen stark positiven Einfluss auf den Deckungsbeitrag zur Folge hat. Als Grundsatz aller genannten Strategien gilt, stets unter Berücksichtigung einer Rangfolge, zuerst das Potential der Herde zu nutzen. Das oftmals erwähnte letzte Ferkel darf nicht zu teuer erkauft werden, wobei Arbeitskreisauswertungen verdeutlichen, dass heutige Betriebe größtenteils dieses Leistungsniveau noch nicht erreicht haben.

DÖF ist ein Zusammenschluss junger, engagierter Wissenschaftler aus Deutschland und Österreich, die es sich zum Ziel gemacht haben, wissenschaftliche Felder innerhalb der Tierernährung aktueller zu bearbeiten. Alle Rechte bezüglich des Artikels liegen bei der DÖF. Quelle: DÖF

Der Grundstein des ökonomischen Erfolges innerhalb der Ferkelproduktion wird bereits im Abferkelstall gelegt. Foto: ©FRAUKOEPPL 4 2016 | Ferkelproduktion | 25


Erfolgreich Absetzen heißt auf die Ansprüche der Ferkel eingehen Das Absetzen der Ferkel von der Sau stellt den wahrscheinlich größten Einschnitt im Leben der Ferkel und damit auch eine große Herausforderung für den Landwirt dar. Ziel ist, mit optimalem Management und gut verdaulichem Futter das „Absetzloch“ so klein wie möglich zu halten.

Dr. Regina Zodtl Desintec®-Hygienespezialistin Quelle: Garant

Während in der Natur die Ferkel langsam bis zu einem Alter von 13 bis 17 Wochen von der Milch abgesetzt werden, erfolgt in der konventionellen Schweinehaltung die Trennung der Ferkel von der Mutter bereits in einem Alter von 3 bis 4 Wochen. Neben sozialen Stressfaktoren wie Verlust der Mutter, neuen Buchtengenossen, anderer Umgebung und Stress durch Keimdruck, müssen die Tiere auch die neue Futterquelle „verkraften“. Anstatt warmer, flüssiger Nahrung (Sauenmilch) steht nun meist Wasser und Trockenfutter zur freien Aufnahme auf dem Speiseplan. Was uns verlockend erscheint, stellt für viele Ferkel eine schwierig zu meisternde Aufgabe dar: Die Sau, die oft am Tag zum Fressen lockt, fehlt, die Ferkel müssen Gefühle wie Hunger und Durst erst an sich erkennen lernen. Des Weiteren sind viele Ferkel nicht auf die Umstellung von „Milch“ auf „Pflanzennahrung“ vorbereitet, was einerseits zu verminderter Futteraufnahme, andererseits zu Verdauungsproblemen und Folgeerkrankungen führen kann.

Saugferkel sollen früh fressen lernen Das Beifüttern der Saugferkel ist das Sprungbrett für eine problemlose Ferkelaufzucht. Zunächst ist das Verdauungs- und Enzymsystem der Saugferkel auf die Verdauung von Milch ausgerichtet. Die übrigen Enzyme (z. B. das stärkespaltende Enzym Amylase) werden noch kaum gebildet. Das frühzeitige Beifüttern eines schmackhaften, nährstoffreichen Prästarters ist daher ausschlaggebend für die zukünftige Entwicklung und hat folgende Ziele: •

Lernen: Futteraufnahme, Futtergeschmack, Wasser trinken

Start der Produktion von Verdauungssäften (Enzymtraining): Salzsäure und Pepsin im Magen, Enzyme im Dünndarm

Das Absetzen stellt das Ferkel vor vielfältige Herausforderungen. Quelle: Zodtl 26 | Absetzen |4 2016


Fördern der Entwicklung der Darmwand: Darmzottenwachstum vergrößert die Nährstoffaufnahmekapazität

Der Prästarter soll in kleinen Mengen und mehrmals am Tag angeboten werden, um die Neugier und den natürlichen Spieltrieb der Ferkel zu nutzen und eine maximale Futteraufnahme zu erreichen. Untersuchungen und Praxiserfahrungen zeigen, dass die Beifütterung die Absetzgewichte der Ferkel kaum beeinflusst, für die weitere Entwicklung der Ferkel nach dem Absetzen aber eine entscheidende Rolle spielt. Je besser die Aufnahme von Prästarter in der Säugezeit ist, desto problemloser verläuft die anschließende Absetzphase.

Das Absetzen ist für die Ferkel ein einschneidendes Ereignis Die Trennung von der Sau, eine fremde Umgebung sowie die schlagartige Umstellung von „Milchkost“ auf „Pflanzenkost“ sind nur einige der Stressfaktoren, mit denen sich die Ferkel auseinandersetzen müssen. In Folge dieser großen Veränderungen nehmen die meisten Ferkel nach dem Absetzen sehr wenig Futter auf (Absetzloch). Das führt zum Abbau der Fettreserven und erklärt den höheren Wärmebedarf der Tiere (28-30 °C nach dem Absetzen). Diese „Hungerphase“, aber auch eine abrupte Umstellung auf Getreide-Soja Mischungen, hat auch eine Schädigung (Verkürzung) der Darmzotten sowie eine verminderte Produktion von Verdauungsenzymen zur Folge. Sobald der Hunger einsetzt, fressen die Ferkel dann oft große Mengen - und dieses Futter kann von den verkürzten Darmzotten und durch den Mangel an Enzymen nur schlecht verdaut werden. Das unverdaute Futter gelangt in den Darm und bildet dort einen Nährboden für krankmachende Coli-Keime. Durchfallerkrankungen von mehreren Tagen Dauer, Wachstumsstillstand oder sogar Gewichtsverlust sind dann vorprogrammiert. Eine „gesunde“ Verdauung beim Ferkel beginnt mit dem guten Einspeicheln des Futters im Maul und einer schnellen pHWert-Absenkung im Magen. Dafür sind zunächst viele kleine Futtergaben nötig. Am besten wird der geruchlich und geschmacklich bereits bekannte Prä-

starter in den ersten Tagen mehrmals täglich breiig angeboten. Das Tier-Fressplatzverhältnis sollte in dieser Zeit mit extra Futterschalen auf 1:1 erhöht werden, da die Ferkel das gemeinsame Fressen aus der Säugezeit gewöhnt sind. Danach wird fließend auf das Absetzfutter umgestellt. Keime, die aus der Umgebung, mit dem Futter oder Wasser aufgenommen werden, werden beim Saugferkel im Magen von Milchsäure (gebildet durch mikrobielle Fermentation von Laktose aus der Sauenmilch) abgetötet. Beim erwachsenen Schwein wird das durch Salzsäure erledigt. Bei Absetzferkeln ist die Salzsäureproduktion jedoch oft noch nicht ausreichend, weshalb großes Augenmerk auf das Futterkonzept sowie die Stallhygiene gelegt werden muss. Reinigung und Desinfektion von Aufzuchtställen ist in vielen Stallungen mittlerweile Standard. Auch die Reinigung und Desinfektion von Wasserleitungen wird in vielen Betrieben durchgeführt, um die Ferkel nicht unnötig mit Keimen zu belasten. Als Mindestanforderung sollten vor der Einstallung alle Leitungen gespült werden, sodass den Tieren sauberes Wasser zur Verfügung steht. Beim Futterkonzept ist größter Wert auf hohe Verdaulichkeit sowie geringe Pufferkapazität zu legen. Hochverdauliche Milchprodukte, Sojaproteinkonzentrat und Kartoffeleiweiß sowie organische Säuren sorgen für eine optimale Gerinnung des Eiweißes im Magen und verhindern einen übermäßigen Anstieg des pH-Werts. Stark puffernde Komponenten, wie zum Beispiel bestimmte Mineralstoffe oder ein hoher Anteil pflanzlicher Proteinträger (Soja), neutralisieren die vom Ferkel gebildete Salzsäure im Magen und sind daher zu vermeiden.

Gesunde Darmzotten: Die Ferkel wurden nach dem Absetzen schonend von einer Milchkost auf eine Pflanzenkost umgestellt. Quelle: Zodtl

Erfolgsfaktoren beim Absetzen -

Strikte Einhaltung des Rein-RausVerfahrens

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Saubere, desinfizierte und trockene Ferkelabteile

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Mindestens 28 °C und optimales Klima

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Genügend Fressplätze anbieten (eventuell Zusatztröge aufstellen)

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Geeignetes Futter anbieten (hoch verdaulich, möglichst keine stark puffernden Komponenten)

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Hilfe für Absetzferkel, die nicht gleich fressen und trinken

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Sauberes und frisches Wasser anbieten

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Lange Lichtphasen

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Unruhe und Kämpfe vermeiden

Fazit Erfolgreich Absetzen heißt, ein Augenmerk auf unterschiedlichste Faktoren zu haben und diese bestmöglich auf die Ansprüche der jungen Ferkel abzustimmen (siehe „Erfolgsfaktoren beim Absetzen“). Neben einer schonenden Umstellung vom „Milchverwerter“ zum „Getreide-Soja-Verwerter“ sind auch Stressfaktoren so weit wie möglich zu reduzieren um „Absetzloch“ und Durchfall zu vermeiden und das Immunsystem nicht unnötig zu belasten.

Schwer geschädigte Darmzotten: Die Ferkel wurden sofort nach dem Absetzen mit einer Getreide-Soja-Mischung gefüttert. Quelle: Zodtl 4 2016 | Absetzen | 27


© eduard zentner

Ammoniakverluste reduzieren - ein Gewinn für die Landwirtschaft möglich! 5000 tierhaltende Betriebe bekommen im November einen Fragebogen zum Thema betriebseigenes Wirtschaftsdüngermanagement und werden gebeten, diesen auszufüllen (Projekt TIHALO II). Warum ist das neben der INVEKOS Datenbank und sonstigen Datenerhebungsaktionen trotzdem wichtig? Weil die österreichischen Betriebe anderenfalls mit deutlich schlechteren Standardwerten berechnet und daraus verpflichtende Maßnahmen abgleitet werden, die für unsere Situation nicht wirklich zutreffend sind. Deshalb wollen wir in diesem Beitrag auf die Hintergründe und fachlichen Zusammenhänge der Ammoniakemissionen aus der schweinehaltenden Landwirtschaft besonders eingehen. Pro Jahr gehen der österreichischen Landwirtschaft rund 66.000 Tonnen Stickstoff in Form von Ammoniak verloren. 94 % davon stammen aus der Landwirtschaft. Die entspricht etwa einem mittleren Verlust von ca. 45 kg Stickstoff pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche auf den tierhaltenden Betrieben. Die Stickstoffverluste

haben damit aber nicht nur eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, sondern können über den Umweg „Feinstaub“ auch die menschliche Gesundheit und empfindliche Ökosysteme beeinträchtigen. Österreich ist gemäß einer EURichtlinie verpflichtet, im Zeitraum von 2020 bis 2030 die Ammoniak-Emissionen um 12 % zu reduzieren. Als Basisjahr gilt das Jahr 2005. Um diese Reduktionsziele zu erreichen, ist eine Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft, vorwiegend in der Tierhaltung, erforderlich. Dabei gilt es, die Potenziale über die gesamte Verfahrenskette (Stall – Wirtschaftsdüngerlager – Ausbringung) zu nutzen.

Stallhaltung und Fütterung

Mit der eiweißangepassten Fütterung kann ein wesentlicher Beitrag zur Reduktion der Ammoniakemissionen aus dem Stall in der Stallhaltung geleistet werden. Futterzusatzstoffe müssen eine offizielle Prüfung aufweisen, damit sie als emissionsreduzierend anerkannt werden können. Quelle: FRAUKOEPPL 28 | TIHALO II | 4 2016

Für die Schweinehaltung ist vor allem die N-angepasste Fütterung für eine hohe Stickstoffeffizienz relevant. In größeren Mastschweineställen ist die Mehrphasenfütterung anzustreben, bei kleineren Beständen kann man sich mit einer Umstellung der Ration in der Mastmitte behelfen. Dem angepassten Zusatz von Aminosäuren ist


ebenfalls besonderes Augenmerk zu schenken. Futterzusatzstoffe, die eine höhere Stickstoffeffizienz und damit geringere N-Ausscheidungen versprechen, müssen als „geprüft“ in der neuen BAT – Liste angeführt sein! Aber auch Systeme mit Kistenhaltung in Kombination mit Schrägboden in Außenklimaställen oder nur die Schrägbodenhaltung werden als emissionsmindernd bewertet. Wichtig ist die möglichst rasche Kot- und Harnableitung in das Güllelager. Ideal ist in diesem Zusammenhang die Kombination mit einem Unterflurschrapper. Luftfilteranlagen zählen derzeit noch nicht zu den „Best verfügbaren Techniken“ („BVT“ oder engl. „BAT“) und müssen erst an der HBLFA auf ihre Praxistauglichkeit hin getestet werden.

Güllelagerung Die Wirtschaftsdüngerlagerung stellt in der Verfahrenskette die nächstfolgende Emissionsquelle dar. Schweinegülle mit Schwimmdeckenbildung – meist bei der Zuchtschweinehaltung – kann bis zu 85 % der Ammoniakemissionen verhindern. Die Schwimmdecke muss allerdings mindestens 20 cm dick sein. Diese emissionsmindernde Wirkung wird durch die häufige Homogenisierung (< 5 x/a) auf bis zu 35 % reduziert. Gülle ohne (ausreichende) Schwimmdeckenbildung sollte künftig nur mehr in abgedeckten Lagern gesammelt werden. Betondecke und Zeltdach sind die bekannten Abdeckungen, aber auch dementsprechend kostspielig in der Errichtung, bzw. nur für Betonbehälter geeignet. Schwimmkörper sind zwar deutlich günstiger in der Anschaffung (35,- €/m2), können allerdings nur bei Güllen ohne Schwimmdeckenbildung verwendet werden, dafür können sie auch bei bereits bestehenden Güllelagern und bei Güllelagunen eingesetzt werden. Die Kosten für die Investition werden i. d.

Regel vom „Stickstoffgewinn“ (durch geringeren Verlust) kompensiert. Für die teureren Abdeckvarianten, Betondecke oder Zeltdach, gibt es eine Investitionsförderung. Damit sollten die Mehrkosten in jedem Fall abdeckbar sein! Negativ zu bewerten sind hingegen Abdeckungen mit Leca (Blähton) – Materialien, da diese zum Absinken neigen, sowie Schwimmfolien, die in der Praxis in Österreich noch zu wenig erprobt wurden.

Wirtschaftsdüngerausbringung Die Gülleausbringung bietet das größte Potenzial zur Minderung der Ammoniakemissionen und umfasst nicht nur technische Maßnahmen. Über 50 % der Ammoniakemissionen stammen von der Ausbringung. Die Ausbringung mittels Schleppschlauch, -schuh oder gar die oberflächliche Injektion der Gülle, trägt stark zur Emissionsminderung bei. Vor allem die Düngung bei Mais könnte dabei einen wichtigen Beitrag leisten und ist auch pflanzenbaulich sinnvoll. Aber auch das richtige Management kann helfen, die Emissionen deutlich zu reduzieren. Dazu zählen der „passende Ausbringzeitpunkt“ (feucht-kühle Witterung bei annähernder Windstille) oder die Gülleverdünnung mit Wasser (wenigstens 1:1). Güllezusätze haben bis dato noch keine wissenschaftlich bewiesene emissionsmindernde Wirkung gezeigt.

Warum ist der Fragebogen „für“ die Landwirtschaft wichtig? Bereits 2005 wurde eine Fragebogenerhebung zum Wirtschaftsdüngermanagement (TIHALO I) auf 5.000 ausgesuchten Betrieben durchgeführt. Damit konnte eine solide Datenbasis zur Emissionsberechnung geschaffen und die Förderrichtlinien gezielt angepasst werden

Die Güllelagerabdeckung ist hoch effizient. Die Anschaffungskosten von Schwimmkörpern werden durch den „Stickstoffgewinn“ (=weniger Verluste) deutlich kompensiert. Feste Abdeckungen wie Zeltdach und Betondecke werden gefördert, rechnen sich damit auch. Quelle: Eduard Zentner

(z.B. Förderung für die bodennahe Gülleausbringung und Investitionsförderung für feste Güllelagerabdeckungen). Um allerdings genau diese vielfältigen Aktivitäten, die bereits jetzt seitens der Landwirtschaft umgesetzt wurden und noch werden, auch dokumentieren zu können, braucht es erneut eine verbesserte Datenbasis, die über die INVEKOS-Daten leider nicht abdeckbar ist. Ohne diese Daten werden „Standardwerte“ aus internationalen Richtlinien eingesetzt, welche die Situation deutlich schlechter beurteilen, als es die österreichische Landwirtschaft ist! Zum einen gehen wir davon aus, dass ein Teil der derzeit verwendeten Zahlen nach unten revidierbar sein wird und zum anderen können nur so sinnvolle, emissionsmindernde Strategien erarbeitet und damit kostenintensive Investitionen und Aufwendungen verhindert werden. Ab Anfang November werden rund 5000 landwirtschaftliche Betriebe diesen Fragebogen erhalten, der in digitaler und in Papierform zur Verfügung steht. Der Link zum digitalen Fragebogen wird per E-Mail zugesandt. Die Daten werden in jedem Fall anonymisiert verarbeitet! Die teilnehmenden Betriebe wurden zufällig ausgewählt und wir brauchen möglichst alle, um entsprechend praxisgerechte Empfehlungen und Lösungen ableiten zu können! Das Ausfüllen des Fragebogens sollte höchstens 30 Minuten erfordern. Nur damit können wir unsere Bemühungen zur Emissionsverringerung nachweisen und damit auch das Image der österreichischen Landwirtschaft stärken.

Alfred Pöllinger und Andreas Zentner HBLFA Raumberg-Gumpenstein andreas.zentner@raumberggumpenstein.at

Mit einer Strohabdeckung können die Ammoniakverluste ebenfalls deutlich reduziert werden. Die Strohdecke muss allerdings immer wieder erneuert werden. Quelle: Eduard Zentner 4 2016 | TIHALO II | 29


© mader

Agrarbildungszentrum Lambach Die Schule für Schweinehalter und Ackerbauern Eine fundierte Ausbildung sowie die laufende berufliche und persönliche Weiterbildung sind heute zentrale Grundlagen für die Wettbewerbsfähigkeit und den wirtschaftlichen Erfolg. Dies gilt insbesondere für bäuerliche Familienunternehmen, die aufgrund verschiedenster Entwicklungen ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert sind. Der ländliche Raum eröffnet für Landwirte laufend neue Chancen. Um diese Chancen ergreifen zu können, braucht es bestens qualifizierte Menschen. Eine fundierte landwirtschaftliche Ausbildung, wie sie das abz Lambach bietet, ist dafür eine unverzichtbare Grundlage.

liche Strukturierung. 3 Fachrichtungen sowie die Aus-und Weiterbildung von Erwachsenen sind im Haus untergebracht.

Bildungsdrehscheibe

Seit 70 Jahren werden in Lambach Landwirte ausgebildet. Anfangs geschah dies im Stift Lambach, seit nunmehr sieben Jahren aber im neu gebauten Agrarbildungszentrum. So wie sich die Landwirtschaft in den Jahrzehnten gewandelt hat, so musste und muss sich auch die dazugehörige Ausbildung anpassen. Lambach liegt inmitten des intensivsten Schweinehaltungsgebietes Österreichs. Diese Tatsache war ausschlaggebend dafür, dass das Ausbildungszentrum die Ausbildung seit etlichen Jahren darauf abgestimmt hat. Im Unterrichtsfach Nutztierhaltung liegt der Schwerpunkt auf dem

Mit rund 400 Schülerinnen und Schülern, 60 Lehrkräften und 30 Bediensteten gehört das Agrarbildungszentrum Lambach zu Österreichs größten Bildungsdrehscheiben für den ländlichen Raum. Die modern ausgestattete Schule liegt zentral auf einer Halbinsel an der Traun und ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. 14- bis 18jährige Mädchen und Burschen, aber auch Erwachsene, können aus einem attraktiven und vielfältigen Bildungsangebot wählen. Kennzeichnend für das Haus ist eine klare inhalt-

30 | abz Lambach | 4 2016

Schwerpunkt Ackerbau und Schweinehaltung


Bereich der Schweinehaltung (Zucht und Mast). Im Gegenstand Pflanzenbau konzentrieren sich die Lehrinhalte auf den Ackerbau. Begleitend dazu werden im Fach Betriebswirtschaft die verwendeten Beispiele auf die beiden Schwerpunkte Ackerbau und Schweinehaltung abgestimmt. Seit vielen Jahren wird in Lambach nach diesem Konzept unterrichtet. Neben einem für diese Zwecke abgestimmten Lehrplan kooperiert die Schule mit der nahegelegenen Beratungsstelle für Schweineproduktion und einem Fachtierarzt. In verschiedenen Versuchen und Projekten wird auch intensiv mit dem Land OÖ und Firmen zusammengearbeitet. Den Ruf als Drehscheibe wird das Ausbildungszentrum auch in Bezug auf die Herkunft der SchülerInnen gerecht. War es früher fast ausschließlich so, dass die SchülerInnen aus den umliegenden Gemeinden kamen, stammen die Schülerinnen heute auch von weiter entfernten Orten wie Mörschwang, Gurten, Gramastetten, Melk, Wr.Neustadt,.... Das Bildungsangebot lässt SchülerInnen einen Anreiseweg von bis zu 200 km in Kauf nehmen, als Argument dafür hört man „diese qualitative Ausbildung finde ich sonst nirgendwo in Österreich“. Die SchülerInnen werden für diese Mühen belohnt. Ein besonderer Schwerpunkt und auch ein

Aushängeschild der Ausbildung ist der praktische Unterricht. Ein ganzer Tag pro Woche ist hierfür vorgesehen. Abwechselnd sind die SchülerInnen mit ihrer Gruppe am Feld oder im Schweinestall, in der Metall- oder Holzwerkstätte, genauso aber auch im Wald oder im Obstgarten. So sind die Lambacher SchülerInnen nicht nur Profis im managen und erledigen aller Stallarbeiten, sondern haben auch große Übung in der Feld- und Werkstättenarbeit.

Projekte, Versuche und Erwachsenenbildung Immer wieder macht die Schule mit verschiedenen Projekten und Versuchen von sich Reden. Zu nennen sind hier u.a. ein eigens entwickelter Klauenpflegestand für Schweine, Milchfütterungssysteme für Ferkel, verschiedenste Pflanzenbauversuche, u.v.m. Die Lehrer – allesamt Spezialisten in ihrem Fach – geben die Ergebnisse dieser Versuche und Projekte als Vortragende bei verschiedenen Fachveranstaltungen an die Landwirte weiter.

Abschluss ist der „Facharbeiter“ Die Ausbildung am abz Lambach dauert 3 Schuljahre und schließt mit der Überrei-

chung des Facharbeiterbriefes ab. Das erste Schuljahr ist dabei ein Vollschuljahr (10 Monate). Nach weiterem 9-monatigem Drücken der Schulbank müssen die Burschen und Mädchen ein 16-wöchiges Pflichtpraktikum auf einem landwirtschaftlichen Betrieb absolvieren, bevor sie nach Allerheiligen die dritte Klasse besuchen. Eine erfolgreich abgelegte Abschlussprüfung am Ende der 3. Klasse ermöglicht außerdem die Gewährung einer Lehrzeitverkürzung beim Erlernen eines weiteren, außerlandwirtschaftlichen Berufes. Neben dem strukturierten Lehrplan sind der Führerscheinkurs, Jagdkurs, Besamungskurs oder Staplerscheinkurs nach Absolvierung nur einige Beispiele von möglichen Zusatzqualifikationen während der Ausbildung. Für SchülerInnen, die Lust auf eine weiterführende Ausbildung bekommen haben, besteht nach Abschluss der 3-jährigen Ausbildung die Möglichkeit einen Aufbaulehrgang (3 Jahre) z.B. an der HBLA Wieselburg zu absolvieren, um dort mit der Matura abzuschließen. Daneben ist es auch möglich, einen einjährigen Vorbereitungslehrgang zur Ablegung der Berufsreifeprüfung zu besuchen. Die künftigen Landwirte bestmöglich auszubilden ist das Motto des abz Lambach – die Schule für den Schweinehalter u. Ackerbauer. Dipl-HLFL-Ing. Hannes Mader

Kontaktdaten

Fahrplan zum Facharbeiter - der Lehrplan des Agrarbildungszentrums Lambach. Quelle: abz lambach

Agrarbildungszentrum Lambach An der Traun 1 4650 Lambach Tel. 07245 20660 lwbfs-lambach.post@ooe.gv.at www.abzlambach.at

Termine Tag der offenen Schule Sa. 26. November 2016 9.00 – 13.00 Uhr Schulinfoabend Mi. 18. Jänner 2017, 18.00 – 20.00 Uhr Lambacher Schweinefachtag Mi. 11. Jänner 2017, 9.00 – 16.00 Uhr (mit Vorstellung der Weltneuheit WUGGL ONE – die Waage in der Hosentasche) Agrarbildungszentrum Lambach. Quelle: Alpine Luftbild 4 2016 | abz Lambach | 31


Neugestaltung Schweinelehrpfad Das Wissen um moderne Nahrungsmittelproduktion ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr, ein Großteil der Bevölkerung lebt nicht mehr in unmittelbarer Nähe zur Landwirtschaft. Jugendliche und Kinder haben weniger Bezug zu Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln als noch vor einigen Jahrzehnten. Das Schulpaket „Rund ums Schwein“ wurde vom Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS) in Zusammenarbeit mit der AMA-Marketing, Pädagoginnen und Experten entwickelt, um Österreichs Schweinehaltung darzustellen. Mit Projekten wie dem Schulfilm – „Schwein gehabt“ oder dem „Schweinelehrpfad“ wurden seit 2005 wichtige Akzente zur Darstellung der Schweinehaltung in der Öffentlichkeit gesetzt. Bereits im Jahr 2014 wurde mit einer Neukonzeptionierung des bewährten „Schweinelehrpfades“ begonnen. Beim Kick-off-Workshop an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik Wien waren neben Personen aus Interessensvertretung und Beratung auch Landwirte und Seminarbäuerinnen eingeladen, ihre Ideen zur Neugestaltung einzubringen. In Kooperation mit der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik und einer Grafikerin wurde seitdem an der Umsetzung gearbeitet. Ziel war es, altbewährte Inhalte in einem neuen Layout aufzubereiten und aktuelle Aspekte aufzugreifen. Das Ergebnis dieses Gestaltungsprozesses liegt nun vor. Der Lehrpfad (1 Übersichtsplakat und 7 Detailplakate) und die dazugehörenden Unterrichtsmaterialien (Leitfaden für Lehrerinnen und Lehrer bzw. Seminarbäuerinnen, Arbeitsblätter) sollen Fakten für diesen Diskurs liefern, Schweinehaltung wird von der Zucht bis zur Mast dargestellt. Die Materialien wurden für Volksschüler und Schüler der Unterstufe von der ersten bis zur sechsten Schulstufe altersgerecht und pädagogisch aufbereitet. Die Basis des neuen Schweinelehrpfades bildet das Übersichtsplakat, welches einen kombinierten Schweinebetrieb mit Ferkelerzeugung, Ferkelaufzucht und Mast zeigt (Abbildung 1). Rund herum sind die verschiedenen (landwirtschaftlichen) Nebentätigkeiten dargestellt, die auf einem Bauernhof zu erledigen sind. Dazu zählt zum Beispiel die Arbeit am Feld oder im Büro.

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Abbildung 1: Das Übersichtsplakat zeigt einen kombinierten Schweinebetrieb mit Ferkelerzeugung, Ferkelaufzucht und Mast. Quelle: VÖS Einzelne Aspekte und Abläufe werden in den jeweiligen Detailplakaten näher aufgegriffen. Die behandelten Themen auf den Detailplakaten beschäftigen sich mit der Kreislaufwirtschaft, mit der Zucht, Haltung und Fütterung von Schweinen. Damit wird einerseits die landwirtschaftliche Produktion und Schweinehaltung behandelt (siehe Abbildung 2). Darüber hinaus gehend behandelt der Lehrpfad auch die Themen Tiertransport, Schlachtung sowie Fleischqualität und Ernährung. Damit wird auch über den landwirtschaftlichen Betrieb hinaus die Wertschöpfungskette betrachtet und der Weg des Schweinefleischs vom Bauernhof bis zur Theke nachvollziehbar gemacht. An dieser Stelle bedankt sich der VÖS bei der AMA-Marketing und dem BMLFUW für die finanzielle Unterstützung, bei den zuständigen Personen der Landwirtschaftskammern und ganz besonders bei den Seminarbäuerinnen Abbildung 2: Detailplakat „Kreislaufwirtschaft“. für ihren Einsatz! Quelle: VÖS


Existenz gegen Tierseuchen und Krankheiten absichern Die afrikanische Schweinepest (ASP) hat im Januar 2014 die EU erreicht. Sowohl in Polen als auch in Litauen ist das Virus bei Wildschweinen nachgewiesen. Auf einer Insel in Estland ist ASP im August 2016 ausgebrochen. Ein Schweinebestand musste gekeult werden. Die Sorge einer weiteren Verbreitung innerhalb der EU-Länder ist groß. Die afrikanische Schweinepest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche und zeigt die gleichen Symptome wie die klassische Schweinepest. Der höchst infektiöse Virus verursacht eine akute Erkrankung mit einer Sterblichkeitsrate bis zu 100 Prozent innerhalb von fünf bis 10 Tagen nach der Ansteckung. Eine Behandlung erkrankter Tiere ist nicht möglich. Es gibt keinen Impfstoff gegen den ASP-Erreger. Die Übertragung erfolgt sowohl von Tier zu Tier als auch über kontaminierte Zwischenträger wie virusverunreinigtes Futter, Trinkwasser, Transportfahrzeuge oder Personen. Von staatlicher Seite erhalten Landwirte zwar einen Basisschutz, der allerdings nur die Entschädigung des Tierwertes beinhaltet. Ertragsausfälle (Deckungsbeitrags-

rückgänge) durch die Lage des Betriebes im Sperr- oder Beobachtungsgebiet gehen komplett zu Lasten des Landwirts genauso wie Einbußen durch Produktionsunterbrechungen beispielsweise aufgrund einer angeordneten Keulung. Auch für erhöhte Kosten für Tierarztrechnungen, Medikamente und Desinfektionsmaßnahmen bis hin zur Wiederbeschaffung des Tierbestandes erhält der Betrieb von staatlicher Seite keine Erstattung. Hier greift die Ertragsschadenversicherung der Vereinigten Tierversicherung (VTV), einer Gesellschaft der R+V Versicherungsgruppe aus Deutschland. Damit lassen sich alle Produktionsverfahren der Schweine-, Rinder- und Geflügelproduktion gegen anzeigepflichtige Tierseuchen oder übertragbare Tierkrankheiten, wie z.B. PRRS oder Dysenterie, absichern.

Dabei entschädigt die VTV den entstandenen Deckungsbeitragsverlust abzüglich eines vertraglich vereinbarten Selbstbehaltes. Das Besondere: Schäden werden anhand der individuellen betrieblichen Daten ermittelt. Alle Positionen, die die Schadenhöhe beeinflussen, sowohl Mindererlöse als auch Zusatzkosten finden bei der Berechnung vollständig und exakt Berücksichtigung. Kompetente, praxiserfahrene Diplom-Agraringenieure der VTV stehen den Kunden als Schadenregulierer zur Verfügung. Weitere Informationen über die Ertragsschadenversicherung unter www.landwirtschaft.ruv.at.

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p ip Re ze pt -T

Gefüllte Krautwickel Zutaten für 4 Portionen

Foto: AMA

Zubereitung 1.

Krautkopf von Außenblättern und Strunk befreien. In reichlich siedendem Wasser kochen, bis sich die Blätter ablösen lassen, Blätter in kaltem Wasser abfrischen. Restliches Kraut fein nudelig schneiden und in eine gefettete feuerfeste Form geben.

60 dag Faschiertes 1 Weißkrautkopf 8 Scheiben Frühstücksspeck ¼ l Rindssuppe Salz, Pfeffer (schwarz) Fett zum Ausstreichen

2.

8 große Krautblätter flach ausbreiten, Rippen glätten, Faschiertes mit Salz und Pfeffer würzen und zu Rollen formen. Faschiertes auf die Krautblätter legen, eine Längsdrehung rollen, Ecken umbiegen, weiterrollen. Auf das Kraut gruppieren, mit Speckscheiben belegen. Suppe untergießen und im vorgeheizten Backrohr bei 200°C ca. 30 Minuten dünsten.

Zubereitungszeit: 60 Minuten Pro Portion: Energie (kcal) 507 EW (g) 43,8 Fett (g) 34,8

... im VÖS RÄTSEL-Stall

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Österreichische Ferkel überzeugen in Rumänien Im Jahr 2014 errichteten Dana und Teo Cechina einen neuen Maststall mit 1800 Mastplätzen. Die EZG Gut Streitdorf war erster Ansprechpartner für die erstmalige Belegung des Stalles, welcher im Rein-Raus Verfahren betrieben wird. Nach einigen Gesprächsterminen verbunden mit Betriebsbesichtigungen, entschied sich Fam. Techina leider zunächst für 1800 Ferkel aus einer Einheit von einem Großbetrieb aus Deutschland. Das Gesundheitsrisiko wegen dem nicht vermeidbaren Mischen von verschiedenen Herkünften schien den Rumänen damals einfach zu groß. Zu unserem Glück ging der erste Durchgang mit der deutschen Großgruppe komplett daneben. Nach einer neuerlichen Kontaktaufnahme war es Mitte 2015 soweit: 1800 Ferkel aus dem Waldviertel traten die ca. 650 km lange Reise nach Temesvar an. Durchgeführt wurden die Transporte wie immer zur vollsten Zufriedenheit von der Firma Picker.

Niedrige Investitionskosten Die Kosten für den neuen Stall lagen doch deutlich unter denen die wir in Österreich gewohnt sind. Das liegt einerseits an der einfachen Konzeption sowie an den Materialien, die z.B. für Buchten und Trennwände verwendet wurden (siehe Abb.). Der Hauptgrund für niedrigere Gesamtkosten sind aber die großzügigen EU – Förderprogramme für die Errichtung neuer Schweineställe. Die Investitionssumme muss aber zuerst vom Stallbetreiber zur Gänze selbst aufgebracht werden, nach positiver Prüfung wird ein bestimmter Anteil rückerstattet. Der Stall ist als Großraumstall konzipiert, es gibt nur eine Trennwand, in einem Abteil befinden sich also ca. 900 Mastschweine. Links und rechts vom Mittelgang werden die Tiere in Boxen zu je ca. 40 Schweinen gehalten. Gefüttert wird trocken am Automaten.

Winter gelieferten Ferkel zu wenig Augenmerk geschenkt worden sein. Wichtig ist uns die Betreuung des rumänischen Kunden über den Ferkelverkauf hinaus, circa 6 Wochen nach jedem Einstalltermin setzen wir uns ins Auto und machen eine Visite mit Stallrundgang und anschließender Besprechung. Dies ist sicherlich ein nicht zu unterschätzender Faktor der Kundenbetreuung. Vor allem auch deshalb, weil das Angebot an qualitativ hochwertiger Beratung in Rumänien nicht wirklich gegeben ist und es in dieser Hinsicht doch strukturelle Defizite gibt. Ein großes Dankeschön bei dieser Gelegenheit auch an Dr. Entenfellner, der uns bei unseren Auslandsaktivitäten immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Nicht behilflich sein konnten wir Fam. Techina bei der Lösung folgenden Problems: Die Vermarktung der Mastschweine in Rumänien ist nur auf Lebendgewichtbasis ohne Qualitätszuschläge möglich, die Fleischfülle unserer Genetik wird so leider nicht honoriert. Jeder Schlachthof möchte zwar gerne solche Schweine, die in dieser Region ein Novum darstellen, keiner ist jedoch bereit, dafür mehr zu bezahlen. Robert Krapf, EZG Gut Streitdorf

Einfacher, kostengünstiger aber funktioneller Stallbau. Quelle: Krapf

Qualität wird nicht entsprechend honoriert In der Zwischenzeit lieferten wir mehr als 7000 Ferkel auf die Farm der Fam. Techina. Die Mastleistungen sind sehr zufriedenstellend, nur bei einem Durchgang gab es Probleme zu Beginn der Mast. Hier dürfte wahrscheinlich dem Temperaturbedürfnis der im

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VÖS 04/2016