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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinbauern, Dresdnerstrasse 89,1200 Wien

Ausgabe Österreich 2/2019

ASP: Zwei Seiten einer Medaille

www.schweine.at


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Ausgabe Österreich 2/2019 14

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Inhalt

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Leitartikel

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Kommentar

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Interview

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Markt

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Mit dem Rüssel in Brüssel

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Ferkelmarkt

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Firmeninformation

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Recht & Politik

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Kühlung - Lüftung

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AMA

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Firmeninformation

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Wieselburger Messe

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Tierwohlstandards

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Tierwohl-Produkte

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ASP-Bericht

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Firmeninformation

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Berichte

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Rezept & Rätsel

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Firmeninformation

IMPRESSUM

Im Interview

Abkühlung

... LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger ...

... damit Schweine bei Hitze fressen ...

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22

Wieselburger Messe

Tierwohl-Produkte

... alles rund um´s Schwein für Jung und Alt ...

... im Testkauf ...

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ASP ... Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Tschechien ...

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Rezept-Tipp ... Gefüllte Kohlrabi ...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Karin Greilinger, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl Titelfotos: FLI / Agrarfoto / AGES Mit freundlicher Unterstützung

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Foto: VÖS/ebner

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Rupert Hagler VÖS-ObmannStv.

Bewegung am Schweinemarkt

Die Afrikanische Schweinepest in China hat viel Bewegung in die Märkte gebracht. Bewegung kam nach längerem Austausch auch in die Tarifregelung für AMA-Gütesiegel Schweine. Diese wird mit Anfang Juni angepasst bzw. erhöht. Neue Tarifregelung für AMA-Gütesiegel Schweine ab Juni 2019 Seit mehr als 20 Jahren ist die Tarifregelung für AMA-Gütesiegel Schweine unverändert. Die damals vereinbarten 50 Groschen pro kg Schlachtgewicht (~ 3,6 Cent) entsprechen inflationsbereinigt heute weniger als 2 Cent. Daher ist es höchst an der Zeit, eine Anpassung durchzuführen. Wie bekannt, wurde Mitte 2017 die Stempelung von AMA Schweinen am Schlachthof auf 102 bis 120 kg ausgeweitet, ohne Verrechnung eines Zuschlages. Diese sogenannten AMA-V Schweine wurden also zwei Jahre lang zum Nulltarif an die Schlachtbetriebe abgegeben. Diese Vorleistung der Landwirtschaft, die infolge des gesteigerten Gütesiegel Bedarfes bei LEH- und Fleischindustrie zugebilligt wurde, kann von den Bauern der Erzeugergemeinschaften nicht weiter aufrechterhalten werden.

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Neu im Zusammenhang mit AMA-Gütesiegel Schweinefleisch ist der Bedarf und die Stempelung am Schlachthof von sogenannten AGAP Zuchten. Es handelt sich dabei um Zuchtsauen aus zertifizierten AMAGütesiegel Bauernhöfen, welche auch die Ferkelstufe unter der Kontrolle der AMA betreiben. Auch diese Kategorie von Schweinefleisch ist seit Monaten am Fleischmarkt präsent, und muss zukünftig mit einem Aufschlag honoriert werden. Nach umfangreichen Gesprächen und Verhandlungen mit der Abnehmerseite haben sich zwei Abrechnungsmodelle herausgebildet. Diese haben den Hintergrund einer diversen Abnehmerschaft in den Bundesländern, können aber in Summe als wertmäßig gleichwertig betrachtet werden.

Ab 1. Juni 2019 werden für die oben genannten Kategorien folgende Tarife fixiert: Niederösterreich und Steiermark: 1.) Normale AMA-Gütesiegel Schweine (80 bis 102 kg, bisher 3,6 Cent) NEU: 4,8 Cent pro kg Schlachtgewicht 2.) AMA-V (102 bis 120 kg, bisher 0,0 Cent) bleibt 0 Cent pro kg Schlachtgewicht. 3.) AGAP Zuchten (wenn von der Klassifizierung als solche gekennzeichnet, bisher 0,0 Cent) NEU: 5 Cent pro kg Schlachtgewicht. Oberösterreich: 1.) Normale AMA-Gütesiegel Schweine (80 bis 102 kg, bisher 3,6 Cent) NEU: 4,4 Cent pro kg Schlachtgewicht 2.) AMA-V (102 bis 120 kg, bisher 0,0 Cent) NEU: 1 Cent pro kg Schlachtgewicht 3.) AGAP Zuchten (wenn von der Klassifizierung als solche gekennzeichnet, bisher 0,0 Cent) NEU: 5 Cent pro kg Schlachtgewicht.


Foto: VÖS/ebner

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Massive Kritik Wir Schweinebauern sind seit geraumer Zeit massiver einseitiger und unkonstruktiver Kritik ausgesetzt. Viele sind enttäuscht und verärgert. Nicht nur wird unsere Arbeit zu wenig geschätzt, wir werden von bestimmten Tierschutzgruppen beinahe als Verbrecher dargestellt. Zuletzt wurde der Vollspaltenboden zum neuen Feindbild erkoren. Die heimische Schweinehaltung wird in den Kampagnen als Schlusslicht Europas bezeichnet, dies wird mit angeblichen „Studien“ untermauert, die nie jemand zu Gesicht bekommen hat. Mit dem angekündigten Antrag im Nationalrat bzw. der Prüfung der Volksanwaltschaft auf ein Verbot erreicht die Verleumdung der heimischen Schweinebauern einen neuen Höhenpunkt. Ein Verbot hätte massive negative Auswirkungen und würde wohl das Ende der Selbstversorgung mit heimischem Schweinefleisch bedeuten. Es würde auch den Strukturwandel massiv anheizen. Damit wird die heimische Schweinehaltung zu Nichte gemacht und Importen Tür und Tor geöffnet. Sollte es wirklich zu einem Verbot der Vollspalten bei uns kommen, muss im Handumdrehen auch ein Importverbot für Ware aus Vollspaltenhaltung kommen. Alles andere wäre inkonsequent und käme einem Anschlag auf die heimische Schweinehaltung gleich.

Antibiotika-Benchmarking Wie bereits im letzten VÖS Magazin angekündigt, werden in Zukunft die auf Basis der Veterinär-Antibiotika-MengenströmeVerordnung gemeldeten Antibiotika-Daten für Landwirte von der AGES ausgewertet. Der VÖS hat sich gemeinsam mit dem TGD Österreich für eine einzelbetriebliche Auswertung engagiert und dank der Unterstützung des BMASGK wird diese Möglichkeit des Betriebsvergleichs geschaffen. Mein Dank gilt daher den zuständigen im Ministerium, beim TGD und der AGES für die Kooperation. Gemeinsam arbeiten wir derzeit noch daran, möglichst aussagekräftige und zweckmäßig aufbereitete Auswertungen für Landwirt und Tierarzt zur Verfügung stellen können. Ich denke, das wird ein wichtiger erster Schritt für weitere positive Entwicklungen für die Schweinebauern. Oberste Priorität bei solchen Datenverarbeitungen hat immer der Datenschutz. Die Zustimmung des einzelnen Landwirts ist die Voraussetzung, damit eine Auswertung der abgegebenen Menge an Antibiotika für den jeweiligen Betrieb erfolgen kann. Diese Auswertung steht auch nur dem einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb zur Einsicht zur Verfügung. Voraussetzung dafür ist eine ausdrücklich erteilte Zustimmung. Die Auswertungen werden dann über den TGD an den Landwirt weitergeleitet, der TGD fungiert also als Übermittler der Berichte. Nur wenn der Landwirt zustimmt, können diese Auswertungen auch direkt an den Betreuungstierarzt und die Erzeugerorganisation weitergeleitet werden. Wichtig ist auch, dass es einen anonymisierten Vergleich mit den anderen Betrieben der gleichen Kategorie (Ferkelerzeuger, Mäster, Kombinierer) geben wird. Der Ehrgeiz, besser zu werden, ist ein Erfolgsrezept des Benchmarking-Systems.

Was bleibt zu wünschen Ich wünsche uns allen weiterhin eine ASP freie Zeit, einen schönen, aber nicht zu trockenen Sommer mit 100% AMA Ware auf den Grillern und den Chinesen einen guten Appetit mit gegrilltem Schweinebauch oder Schweinsohren aus Österreich!

© Straßmayr

Mit der Verarbeitungsbranche wurde außerdem vereinbart, dass bis Jahresende zu 100% AMA-Fleisch in den deklarierten Verarbeitungswaren verwendet wird. Damit könnte, bei entsprechender Nachfrage, auch noch Spielraum für Preisanpassungen bei der AMA-V Ware gegeben sein. An dieser Stelle will ich noch einmal die Wertigkeit des AMA-Gütesiegels für die heimischen Schweinebauern hervorheben. Mit diesem Qualitätssicherungs- und Herkunftsprogramm haben wir ein wiedererkennbares Siegel, das bei den Konsumenten Bekanntheit und Vertrauen genießt. Den Vorwurf, dass es dem AMA GS einer Weiterentwicklung bedarf, kann ich an dieser Stelle nur an unser „Modulsystem“ verweisen! Durch diese Module (betreffend Fütterung und Haltung) hat die AMA gemeinsam mit der Landwirtschaft frühzeitig die Voraussetzungen für Weiterentwicklungen geschaffen. Wenn es marktseitig entsprechende Initiativen bzw. von Seiten der Konsumenten umsetzbare Wünsche gibt, kann auf diesen Modul-Aufbau jederzeit zurückgegriffen werden.

Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

#showyourfarm Eine Studie von Dr. Christian Dürnberger (Messerli Institut) im International Journal of Livestock Production (2019) zeigt, mit welchen unsachlichen Kommentaren, teilweise auch regelrechte Hassbotschaften, Landwirte auf Facebook konfrontiert sind. In anderen sozialen Medien dürfte die Situation wohl ähnlich sein. Ich erspare den LeserInnen die Beispiele an Entgleisungen, welche der Autor dokumentiert hat. Der Glaube, „anonym“ im Internet unterwegs zu sein, lässt bei vielen die Hemmungen schwinden. Bedeutet das automatisch, dass sich die Landwirtschaft und die Bäuerinnen und Bauern aus dem Internet verabschieden sollen? Ich glaube, wichtig wäre genau das Gegenteil – eine starke Präsenz auf Augenhöhe mit den Menschen! Denn Dürnberger spricht auch davon, dass Landwirte als Experten gegenüber den Laien oft „belehrend“ argumentieren. Aus meiner Sicht werden die gar nicht mehr so jungen „neuen Medien“ - Facebook ist mittlerweile 15 Jahre alt – noch zu wenig in unserem Sinne genutzt. Hier lassen wir klarerweise auch Potential auf der Strecke. Vor allem Instagram (gehört zu Facebook) ist zu einem bedeutenden Kanal herangewachsen, welchen wir im Rahmen des NTÖ nutzen wollen, um die tierische Produktion in Österreich realitätsnah vor den Vorhang zu holen. Dazu werden wir in Kürze einen Fotowettbewerb starten, bei dem Menschen und Tiere gemeinsam zu sehen sein sollen. Folgt uns also auf Instagram unter „Nutztier.at“ und nehmt an unserer Fotochallenge teil!

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LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger im Interview Josef Moosbrugger (Jahrgang 1966) ist seit Mai 2018 Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich und bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Familie einen Milchviehbetrieb in Dornbirn. In dieser Stadtgemeinde als Bauernsohn geboren, besuchte er die Landwirtschaftliche Fachschule Hohenems und war zwölf Jahre lang Landjugend/Jungbauern-Funktionär. 1991 wurde er Kammerrat der LK Vorarlberg, der er seit 1999 als Präsident voransteht. Er fungiert u.a. auch als Obmann des Vorarlberger Bauernbundes und als Vorsitzender der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GesmbH. Außerdem war er 23 Jahre als Stadtrat tätig und leitete den Milchausschuss der LKÖ.

Herr Präsident Moosbrugger, vor kurzem ging ihr erstes Jahr als LKÖ-Präsident zu Ende. Wie ist ihr zwischenzeitliches Resümee?

LK Österreich Präsident Moosbrugger und der LKÖ ist wichtig, dass die Schweineproduktion in bäuerlicher Hand bleibt und der hohe Grad an Eigenversorgung erhalten werden kann. Foto: LKO

Ein positives. Ich sehe es als erfüllenden und wichtigen Auftrag an, die Zukunft von Österreichs Bäuerinnen und Bauern mitzugestalten. Da nimmt man auch gerne den längeren Arbeitsweg auf sich. Und ich bin überzeugt, dass uns schon einiges gelungen ist. Ich erinnere etwa an das Dürrepaket, in dem viele nachhaltige Maßnahmen stecken. Dazu zählen u.a. die Aufstockung der Prämienzuschüsse bei Elementarrisikoversicherungen und Tierausfallsversicherungen auf 55%. Sebastian Kurz und Elisabeth Köstinger haben stets Verständnis und Engagement für unsere Branche gezeigt und Handschlagqualität bewiesen. Ich möchte klar betonen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Es wäre wichtig, dass die Entlastungen, die im ausverhandelten und nun in der Luft hängenden Steuerpaket enthalten sind, noch Realität werden können. Ein wichtiges Thema sind sicherlich die laufenden Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Wie ist der derzeitige Stand der Dinge? Einerseits laufen Arbeitsprozesse auf EU-Ebene. Parallel dazu werken wir an zukunftsgerichteten Maßnahmen für unseren nationalen Strategieplan, den jedes Land vorlegen muss. Zu diesem Zweck habe ich die LKÖ-Ausschüsse beauftragt, konkrete Vereinfachungs- und Ausgestaltungsvorschläge sowie visionäre

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Ansätze zu erarbeiten. Diese müssen den neun Zielen der EU-Kommission entsprechen, die Wettbewerbsfähigkeit und Umwelt gleichermaßen im Fokus haben. Klar ist, dass eine zukunftsträchtige GAP-Weiterentwicklung nur bei einem ausreichenden Agrarbudget gelingen kann. Mehr Leistung für weniger Geld kann es nicht geben. Der bisherige Bundeskanzler Kurz hatte uns einen nationalen Ausgleich im Fall von Kürzungen des Agrarbudgets zugesagt. Wie es nun weitergeht, wird in entscheidendem Maße vom Wahlverhalten der Österreicherinnen und Österreicher abhängen und welche Regierungskonstellationen sich daraus ergeben. Die Herausforderungen für die heimischen Betriebe sind vielfältig, vom Klimawandel über sich ändernde Konsumgewohnheiten bis hin zur Digitalisierung. Wo sehen Sie die Chancen für die bäuerliche Landwirtschaft in Zukunft? Die Antworten sind so vielfältig wie die Herausforderungen selbst. Beispielsweise punkto Klimaverschlechterung reichen sie von Anpassungen mittels Forschung, Risikomanagement und Vorbeugung durch Erneuerbare und Bioökonomie – sprich einer Chance für unsere Branche – bis zur Kostenwahrheit am Markt. Importwaren werden auf Kosten unseres Klimas und der kommenden Generationen durch die Gegend gekarrt, ohne dass hier Kostenwahrheit herrscht. Das muss sich ändern. Ganz zentral sehe ich auch die gezielte Qualitätsausrichtung der Produktion und Herkunftskennzeichnung, damit sich die Konsumenten bewusst für


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das entscheiden können, was sie immer fordern. Was in unseren Regalen herrscht, ist eine krasse Wettbewerbsverzerrung. Billigstdorfer-Importwaren sind oftmals nicht oder kaum von unseren Qualitätsprodukten zu unterscheiden. Da braucht es Nachbesserungen, etwa bei der Herkunftskennzeichnung. Diese wird von der heimischen Agrarpolitik schon seit längerem forciert, vor allem im Außer-Haus-Verzehr und bei Verarbeitungsprodukten. Auch der bisherigen Ministerin Köstinger war die Herkunftskennzeichnung ein großes Anliegen. Wie weit sind die Pläne zur Umsetzung schon gereift?

Einerseits laufen Arbeitsprozesse auf EUEbene. Parallel dazu werken wir an zukunftsgerichteten Maßnahmen für unseren nationalen Strategieplan, den jedes Land vorlegen muss. Zu diesem Zweck habe ich die LKÖ-Ausschüsse beauftragt, konkrete Vereinfachungs- und Ausgestaltungsvorschläge sowie visionäre Ansätze zu erarbeiten. Diese müssen den neun Zielen der EU-Kommission entsprechen, die Wettbewerbsfähigkeit und Umwelt gleichermaßen im Fokus haben. Klar ist, dass eine zukunftsträchtige GAPWeiterentwicklung nur bei einem ausreichenden Agrarbudget gelingen kann. Mehr Leistung für weniger Geld kann es nicht geben. Der bisherige Bundeskanzler Kurz hatte uns einen nationalen Ausgleich

im Fall von Kürzungen des Agrarbudgets zugesagt. Wie es nun weitergeht, wird in entscheidendem Maße vom Wahlverhalten der Österreicherinnen und Österreicher abhängen und welche Regierungskonstellationen sich daraus ergeben Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch, obwohl sie es nicht müssten. Wo sehen Sie hier Chancen für positive Entwicklungen und eine Trendwende? Meiner Ansicht nach sollte die Trendwende weniger über die Menge als über Qualität und Wertschöpfung erreicht werden. Mit anderen Worten: Es wäre wichtig, die Partnerschaft mit den Konsumenten zu stärken, damit diese bewusster einkaufen. Wir wollen erreichen, dass diese gezielt zu heimischem Qualitätsfleisch zu angemessenen Preisen greifen und somit für jene Wertschöpfung sorgen, die unsere Betriebe dringend benötigen. Auch im Exportbereich gilt es Chancen zu nützen. Um unsere Spezialitäten zu bewerben, verbessern wir auch die Zusammenarbeit mit dem Tourismus. Mir und der LKÖ ist wichtig, dass unsere Schweineproduktion in bäuerlicher Hand bleibt und der hohe Grad an Eigenversorgung erhalten werden kann. Die Bäuerinnen und Bauern müssen sich oft vielfältige Kritik gefallen lassen und fühlen sich ungerecht behandelt. Wie kann unserer Branche eine tiefgreifende Öffentlichkeitsarbeit gelingen, die das Wissen der Menschen über Landwirtschaft und Ernährung nachhaltig stärkt und für mehr Wertschätzung sorgt?

Die Initiative "Gut zu Wissen" will die Herkunft von Fleisch und Eiern in der Gemeinschaftsverpflegung transparent machen. Foto: LK Österreich

Derzeit bestimmen vielfach Extreme die öffentliche Wahrnehmung. Diese Schwarz-Weiß-Malerei von Werbung einerseits und NGOs andererseits verunsichert die Konsumenten. Stattdessen muss es uns gelingen, in den Köpfen ein realistisches Bild unserer Landwirtschaft zu verankern; und zu vermitteln, dass es sich lohnt, zu unseren Qualitätsprodukten zu greifen, da diese mit einem Mehrwert für ganz Österreich verbunden sind. Mir ist es ein großes persönliches Anliegen, diesbezüglich an allen Fronten Überzeugungsarbeit zu leisten. Jede und jeder kann hier auch aktiv mithelfen. Das beginnt bei Gesprächen am Stammtisch und bei der Direktvermarktung und reicht bis zu Initiativen wie dem „Schweinelehrpfad“ für Schulen oder „Open Bauernhof“.

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Erfreuliche Preisentwicklung Nach einer 1,5 Jahre andauernden absolut unbefriedigenden Marktphase konnte im April der Schweinepreis auf ein recht zufriedenstellendes Niveau angehoben werden. Damit ist eingetreten, was wir schon seit Jahresbeginn für möglich gehalten haben. Nämlich, dass aufgrund des Ausbruches der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China eine ähnliche Sogwirkung aus Asien eintreten könnte, wie dies bereits 2016 stattgefunden hat. Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Damit ist die ASP-Seuche für Schweinehalter weltweit gleichzeitig zu Fluch und Segen geworden. Aus aktueller Sicht sind wir, sofern sich die weitere Verbreitung des ASP-Virus hintanhalten lässt, von der positiven Auswirkung angenehm betroffen. Die aktuellen Preisprognosen für heuer, die auf Einschätzungen des zukünftigen Chinabedarfes und erwartete Schlachtungen basieren, deuten darauf hin, dass auch das 3. und 4. Quartal eine erzeugerfreundliche Marktphase sein dürfte.

Widerstand bei Industrie und Handel Während aktuell bei Schweinebauern gute Stimmung herrscht, zeigt die Fleischwirtschaft kein Gefallen an der Preisentwicklung am Rohstoffmarkt. Speziell Wurst- und Schinkenfabrikanten, welche mit den namhaften Handelsketten Lieferkontrakte über mehrere Monate oder Quartale abschließen und aus Konkurrenzgründen mit sehr günstigen Rohstoffquellen kalkuliert und abgeschlossen haben, schreiben jetzt rote Zahlen. Entsprechend groß ist die Aufregung bei Branchenvertretern, da der LEH vorerst nicht oder kaum gewillt ist Preiserhöhungen zu akzeptieren. Bei allem Verständnis für die aktuelle Lage der Fleischindustrie sei doch erwähnt, dass es in dem arbeitsteiligen Prozess entlang der gesamten Wertschöpfungskette zwischen den einzelnen Gliedern freie Märkte gibt, auf denen eben das Grundgesetz „Angebot und Nachfrage ergibt den Preis“ gilt. Davon wissen Mäster ein Lied zu singen, wenn die Ferkelpreise nicht in angemessener Relation zum Mastschweineerlös stehen und jetzt eben die Wurstfabrikanten, wenn der Fleischpreis nicht mit dem Wursterlös im üblichen Verhältnis korreliert. Im umgekehrten Fall wird die Relation stillschweigend zur Kenntnis genommen.

Auch Verbraucherpreise müssen anziehen Hält die aktuelle Preissituation mittelfristig an, so besteht kein Zweifel daran, dass die höheren Schweinepreise auch höhere Verbraucherpreise

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nach sich ziehen werden. Nicht nur bei Frischfleisch, sondern auch bei Schinken und Wurst. Ich sehe das positiv, da wir in den letzten Jahren laufend mit Vorwürfen konfrontiert waren, dass Schweinefleisch zu billig sei. Die möglichen Preiserhöhungen werden sich ohnehin verhältnismäßig bescheiden auswirken. Am Frischfleischmarkt ist jetzt schon sichtbar, dass die sonst stark verbreitete „Aktionitis“ nachlässt. Dies wird wohl dazu führen, dass Schweinefleisch im Schnitt 10 bis 20% teurer wird. Damit sprechen wir von € 1,bis € 1,50 per kg, was umgerechnet auf eine Fleischspeise bescheidene und wohl verkraftbare 20 bis 30 Cent bedeuten würde.

Wettbewerbsvorteil durch Chinaexport Unser beharrliches Bemühen gemeinsam mit unseren wichtigsten Abnehmern und den Veterinärbehörden, einen direkten Marktzutritt nach China zu schaffen, dürfte sich nun noch schneller als erwartet bezahlt machen. Man erinnere sich an die mühsame und komplizierte Texterweiterung am Lieferschein. Vier Schlachtunternehmen, allesamt bedeutende Geschäftspartner der Schweinebörse, können nun die Chance des enorm aufnahmefähigen Marktes nutzen, was uns direkt bei der bestmöglichen Vermarktung unserer Schlachtschweine hilft. Schon jetzt ist sichtbar, dass Länder mit direktem Chinazugang bessere Preisentwicklungen verzeichnen als andere.

Verbesserte Aufschläge für AMA-Gütesiegel Erfreuliche Nachrichten können wir für Gütesiegel-Bauern übermitteln. Nach äußerst zähen und monatelangen Verhandlungen mit der Abnehmerschaft ist es uns gelungen, im Juni die Verrechnung der Gütesiegel Aufschläge mit verbesserten Konditionen durchführen zu können. Übrigens: Nicht die AMA-Marketing, der Preisverhandlungen untersagt sind, sondern die Ö-Börse ist für diese Erfolg verantwortlich!


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Mit dem Rüssel in Brüssel Auch in Brüssel ist ASP Hauptthema In allen einschlägigen „Schweine“ Gremien, ob COPA oder EU-Kommission dominiert seit Jahren die Afrikanische Schweinepest auf den Tagesordnungen. Je mehr Länder EU- und weltweit betroffen sind, desto mehr werden Strategien erarbeitet, wie man mit dieser Seuche leben kann bzw. muss. EU verhandelt mit Asien um Anerkennung der Regionalisierung

Leider sind weitere Ausbrüche im ASPSeuchengeschehen in Europa jederzeit möglich. Ausbrüche in einem der stark Asien exportorientierten Länder wie Deutschland, Spanien, Holland, Dänemark und Frankreich würden erheblichen Preisdruck ausüben, wenn es bis zu einem möglichen Ausbruch nicht gelingt, mit den asiatischen Hauptabnehmerländern wie China, Japan und Südkorea Abkommen zur Anerkennung der Regionalisierung abzuschließen. Sprich: Es soll beispielsweise zu keiner Sperre eines ganzen Landes kommen, wenn z. B. in einem kleinen Gebiet dieses Landes ein ASP-Fall auftritt. Die diesbezüglichen Verhandlungen zwischen EU und China sind intensiv am Laufen und laut EU-Kommission soll zumindest die Richtung, in der die Gespräche voranschreiten, stimmen. Bei einem von EU-Kommissar initiierten Treffen mit Japanischen Veterinärbehörden Mitte Mai in Tokio konnte ich mich selber von den aktiven Bemühungen der Kommission überzeugen. Dabei stand u. a. das EU-Japan Handelsabkommen im Mittelpunkt der Gespräche, welches sich auf den EU-Schweinemarkt definitiv positiv auswirken wird.

Prognosen für die mittelfristige Entwicklung am EU-Schweinemarkt

Die EU-Kommission hat das französische Marktforschungsinstitut GIRA mit einer Untersuchung der mittelfristigen Auswirkungen der landesweiten ASP-Ausbrüche in China befasst. Demnach wird

bestätigt, dass China in nächster Zeit noch weitere Bestandsverluste hinnehmen wird müssen, die letztlich in einer Reduktion um bis zu 40% des ursprünglichen Bestandes enden könnten. Damit würde der Weltschweinebestand um 15 bis 20% schrumpfen, was verständlicherweise den Weltschweinefleischmarkt, wie wir schon gesehen haben, beeinflusst und in Zukunft beeinflussen wird. Die Studie geht davon aus, dass China fünf bis sieben Jahre brauchen wird um das Seuchendesaster in den Griff zu kriegen.

sieht die Pharmaindustrie einen lukrativen Hoffnungsmarkt. Daher wird fieberhaft daran gearbeitet, einen wirksamen Impfstoff gegen ASP zu entwickeln. Obwohl schon vereinzelt Meldungen von erfolgreichen Entwicklungsschritten auftauchen, wird von der Veterinärmedizin diesbezüglich keine Euphorie verbreitet. Im Gegenteil, es dürfte weiterhin bei der Prognose bleiben, dass es ca. zehn Jahre dauern wird, bis ein wirksamer ASP-Impfstoff am Markt sein wird. Dr. Johann Schlederer

Vor- und nachgelagerte Auswirkungen

In der Konsequenz ist nicht nur der Schweinemarkt betroffen, auch die vorund nachgelagerten Wirtschaftsbereiche erfahren gravierende Veränderungen. So z.B. wurde bereits 20% weniger Soja und Getreide von chinesischer Seite importiert, was auch für diese Sektoren bereits zu Preisdruck am Weltmarkt geführt hat. Auf Seite des Fleischmarktes ist trotz Verknappung nicht davon auszugehen, dass in preislicher Hinsicht die „Bäume in den Himmel wachsen“ werden. D. h. bei weiter steigenden Schweinefleisch-Verbraucherpreisen kommt es zu Substitution, d. h. andere tierische Lebensmittel werden profitieren. Zu allererst wird dies Geflügelfleisch sein, gefolgt von Fisch und Rindfleisch, aber auch pflanzliche Produkte werden zusätzliche Nachfrage verspüren.

Impfstoffforschung läuft auf Hochtouren

Nachdem mittlerweile weite Teile der Welt von der ASP-Seuche betroffen sind,

Lob und Dank für Agrarkommissar Hogan, der maßgeblich am positiven Abschluss des Handelsabkommens mit Japan beteiligt war. Quelle: Schlederer

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Aufatmen am Ferkelmarkt Die letzten Marktberichte waren geprägt von Erklärungsversuchen bezüglich der tristen Lage am Schweinemarkt. Es ist eine Freude, endlich einmal etwas Positives festhalten zu können und nicht immer nur Motivationsversuche für die „Dabeigebliebenen“ zu starten.

Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss ©Styriabrid

Mit dem Erreichen des derzeitigen Niveaus von 2,95 € (Stand KW 21) hat die Notierung eine bemerkenswerte 16-Wochenrallye mit einer Verbesserung um 95 Cent hingelegt. Ohne Frage tut dieser „warme Regen“ gut, von einer Goldgräberstimmung zu sprechen, ist aber auch nicht angebracht. Dazu war die jüngste Vergangenheit zu bitter und hat finanzielle Lücken gerissen, die in den wenigen Wochen, in denen bis jetzt hervorragende Preise zu erzielen waren, bei weitem noch nicht aufgefüllt sind. So ist es auch kein Wunder, dass viele Diskussionen über die Nachhaltigkeit des Preisniveaus geführt werden. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass wenn nicht außergewöhnliche Ereignisse wie zum Beispiel die ASP oder politische Verwerfungen uns einen Strich durch die Rechnung machen, 2019 und auch 2020 durchaus keine schlechten Verdienstmöglichkeiten bieten werden. Natürlich gelten die alten Preis- und Mengenzyklen immer noch, es ist aber davon auszugehen, dass auch kleinere Probleme im Mengenfluss nicht sofort auf die Ferkelnotierung drücken werden, wenn die Schlachtschweine gutes Geld bringen.

Mengenstaffel Der Wunsch der Abnehmer nach größeren Partien steigt weiter und so ist die Mengenstaffel als Steuerungsinstrument dieses Jahr verstärkt in Diskussion. Keineswegs haben allfällige Änderungen zum Ziel, kleinere Betriebe aus der Produktion zu verdrängen. Die Erzeugergemein-

Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2016 bis 2019. Quelle: Bäck 10 | Ferkelmarkt | 2 2019

schaften stehen zu allen Mitgliedern und versuchen sie bestens zu vertreten - daran wird sich auch nichts ändern. Dennoch sind auch kleinere Betriebe durch eine Änderung im Produktionsrhythmus (Steigerung der Gruppengröße) in der Lage, größere Partien anzubieten. Die Beratungsstellen in den Bundesländern helfen hier gerne weiter.

Tiergesundheit Neben der ökonomischen Komponente und der innerbetrieblichen Organisation ist die Tiergesundheit jetzt und in Zukunft einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren für den Erfolg des eigenen Betriebes. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass Krankheitsgeschehen wie PRRS zu teils verheerenden Verlusten geführt haben. Auch für die Ferkelvermittlungen stellt der unterschiedliche Gesundheitsstatus auf den Betrieben eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. Nicht wenige Ferkelproduzenten sind sehr erfolgreich in der Gesunderhaltung ihres Bestandes und profitieren leistungsmäßig enorm davon. Im Idealfall befinden sich solche Betriebe in Direktbeziehungen, werden diese Ferkel aber gemischt, kann es fallweise zu Problemen kommen. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre, gerade in Bezug auf PRRS, lässt sich festhalten, dass es eigentlich nur eine sehr geringe Anzahl an Betrieben ist, die Probleme machen. Die Auswirkungen sind dafür aber enorm und der Aufwand, solche Betriebe zu finden und entsprechende Schritte einzuleiten, ebenfalls. Ein wichtiger Punkt zur Vermeidung und Minimierung von Schäden ist eine gute Kommunikation zwischen Landwirt, Tierarzt und Vermarkter und vor allem die rasche Reaktion. Am Ende dieses Berichtes bleibt mir nur der Wunsch auf einen, von Vermarktungsproblemen möglichst freien Sommer und die Hoffnung auf ein länger anhaltendes gutes Preisniveau. Die gesamte Branche hat in den letzten Jahren viel an Vertrauen in gute Einkommenschancen verloren, viel zu oft wurde die aufkeimende Hoffnung jäh zunichtegemacht. Der beinahe völlige Investitionsstopp ist nur ein Zeichen davon. Natürlich ist es notwendig, Betriebe zu modernisieren und zukunftsfit zu machen. Ist das Einkommen anhaltend gut und stabil, nimmt man auch die vielen Hürden wie


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Hagelversicherung: Österreichs größter Tierversicherer Tierseuchen und Tierkrankheiten stellen eine existentielle Bedrohung dar. 55% Förderung! Neben der Pflanzenproduktion ist auch die Tierhaltung 365 Tage im Jahr diversen Risiken ausgesetzt. Trotz bester landwirtschaftlicher Praxis ist es oft nicht möglich, Ausfälle in der Tierhaltung zu verhindern. Daher wird eine umfassende Risikovorsorge immer wichtiger, gerade im Hinblick auf Tierseuchen. Vielen Tierseuchen wurde in Europa in der Vergangenheit kaum Beachtung geschenkt, weil sie als Tierkrankheiten des afrikanischen Kontinents galten. Heute stehen diese „Exoten“ wie die „Afrikanische Schweinepest“ unmittelbar vor den heimischen Stalltoren. Eines haben alle bedeutenden Tierseuchen gemeinsam: Sie sind anzeigepflichtig und führen zu immensen wirtschaftlichen Verlusten. Neben dem Leid für Tiere stellen sie einen katastrophalen wirtschaftlichen und auch psychologischen Schaden für die betroffenen Landwirte und für die gesamte Landwirtschaft dar.

Von staatlicher Seite erhalten Landwirte im Seuchenfall am eigenen Betrieb zwar einen Basisschutz, der allerdings nur die Entschädigung des Tierwertes gekeulter oder verendeter Tiere nach Betriebssperre beinhaltet. Ertragsausfälle durch die Lage des Betriebes in der Schutz- und Überwachungszone gehen komplett zu Lasten des Landwirtes, genauso wie Einbußen durch Produktionsunterbrechungen und sonstige anfallende Kosten, wie Übermasttiere, eine verspätete Wiedereinstallung, Belegung von Muttertieren etc.

Tier-Ertragsschadenversicherung Genau hier greift die Tier-Ertragsschadenversicherung der Österreichischen Hagelversicherung: Eine Absicherung gegen alle anzeigepflichtigen Tierseuchen bei Schweinen im Fall einer behördlichen Sperre mit und ohne Keulung und für alle Produktionsrichtungen der Schweinehaltung.

Kontakt Prokurist Mag. Michael Zetter +43 1 403 16 81 40 m.zetter@hagel.at

Beispiel Ferkelerzeugung

Ihr Vorteil

für eine Entschädigung (in Euro) für einen Betrieb mit 150 Muttersauen (27 Ferkel pro Jahr, 90 Euro Ferkelpreis) und 25 Wochen Sperrdauer:

• Absicherung der Einkommensverluste nach einem Seuchenfall

Sperre mit Keulung (Seuche am Betrieb mit Keulung aller Tiere) Deckungsbeitragsverlust der gekeulten Muttersauen: 89.251,50 Euro Einmalzahlung für erhöhten Managementaufwand (Reinigung,…): 22.500,00 Euro Bestandsaufbau für max. 52 Wochen: 50.446,50 Euro Keulungs-/Tötungskosten, Gülle- und Festmistentsorgung: lt. Rechnung Gesamtentschädigung: 162.198,- Euro

• Frei wählbare Entschädigungshöhe, jährlich anpassbar

Beispiel Schweinemast für eine Entschädigung (in Euro) für einen Betrieb mi 800 Masplätzen (2,7 Umtriebe pro Jahr, 180,- Euro Schlachterlös pro Mastschwein): Sperre ohne Keulung (Seuchenausbruch in Umgebung des Betriebes) Übermasttiere: 15.363,- Euro Erhöhte Futterkosten: 5.121,- Euro Tötung nach behördlicher Anordnung: 14.148,- Euro Leerstand von 100 Mastplätzen: 3.108,- Euro Keulungs-/Tötungskosten, Gülle- und Festmistentsorgung: lt. Rechnung Gesamtentschädigung: 37.740,- Euro

• Die Höhe der Entschädigung ist bereits bei Vertragsabschluss bekannt • Im Schadensfall wird unabhängig vom tatsächlichen Marktpreis die gewählte Entschädigung ausbezahlt • Entschädigung sonstiger Aufwände (z. B. erhöhte Futterkosten, Keulungs-, Gülle- und Festmistentsorgungskosten) • Rasche und unbürokratische Abwicklung, ohne Offenlegung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen • 55 Prozent Förderung

Die Beispiele sind Annahmen unter Berücksichtigung etwaiger Selbstbehalte.

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EU-Kommission will ein Ende des routinemäßigen Schwanzkupierens vorantreiben In den letzten Jahren wurden in zahlreichen Mitgliedsstaaten Audits im Auftrag der Europäischen Kommission zum Thema „Schwanzkupieren“ durchgeführt. DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Dabei wurde festgestellt, dass fast überall, außer in Schweden und Finnland, überRecht & Politik wiegend kupierte Schweine gehalten werden. Zuletzt wurde auch Österreich durch ein Team der Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU-Kommission besucht. Das Audit wurde von 8. bis 12. April abgehalten. In dieser Zeit fanden zahlreiche Gespräche mit Vertretern der in Österreich zuständigen Behörden, sowie Besichtigungen von schweinehaltenden Betrieben und Schlachtbetrieben statt. Ziel des Audits war die Bewertung der Eignung und Wirksamkeit der bestehenden Maßnahmen zur Verhütung von Schwanzbeißen und zur Vermeidung des routinemäßigen Kupierens von Schwänzen bei Schweinen. Hinterfragt wurde also, ob und in welcher Form die Bestimmungen der EUSchweinehaltungsrichtlinie zum Thema Schwanzkupieren in nationales Recht übergeführt wurden und wie diese umgesetzt werden. EU-Richtlinie • Ein Kupieren der Schwänze darf nicht routinemäßig und nur dann durchgeführt werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass Verletzungen an Schweinen entstanden sind. • Bevor ein solcher Eingriff vorgenommen wird, sind andere Maßnahmen zu treffen, um

Schwanzbeißen und andere Verhaltensstörungen zu vermeiden, wobei die Unterbringung und Bestanddichte zu berücksichtigen sind. Heimische Rechtslage • Das Kupieren des Schwanzes von Schweinen ist als erlaubter Eingriff gelistet. • In der 1. Tierhaltungsverordnung ist weiters festgelegt, dass das Schwanzkupieren nur dann erfolgen darf, wenn damit weitere Verletzungen der Tiere vermieden werden. • Das Kupieren des Schwanzes ist nur mit einer wirksamen Schmerzbehandlung erlaubt. • Beim Halten von Tieren mit kupierten Schwänzen sind im Mastbetrieb Aufzeichnungen über Art und Menge des angebotenen Beschäftigungsmaterials, über das Platzangebot und über Art und Umfang des Auftretens von Schwanz- und Ohrenbeißens zu führen. • Bei mehr als 200 Mastplätzen sind die Haltungsbedingungen der Schweine mindestens zweimal im Jahr durch einen Tierarzt zu dokumentieren.

Was ist zu erwarten?

In den letzten Jahren wurden in der EU zahlreiche Audits zum Thema “Schwanzkupieren” durchgeführt - im April auch in Österreich. Foto: FRAUKOEPPL 12 | Recht & Politik | 2 2019

Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels lag noch keine schriftliche Bewertung des Auditteams zur festgestellten Situation in Österreich vor. Auf Basis der Bewertungen anderer EU-Länder ist aber zu erwarten, dass die EU-Kommission von Österreich einen nationalen Aktionsplan einfordern wird, der über die bestehende Rechtslage hinausgehende Maßnahmen beschreibt, um ein noch besseres Vermeiden der Einflussfaktoren auf das Auftreten von Schwanz- und Ohrenbeißens voranzutreiben, damit im besten Fall langfristig auf das Schwanzkupieren verzichtet werden kann.


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Auswirkungen für die heimische Schweineproduktion Unsere im EU-Vergleich äußerst kleinstrukturierten Verhältnisse in der Schweineproduktion mit einem hohen Spezialisierungsgrad zwischen Ferkelerzeugung und Schweinemast und der damit einhergehenden Unausweichlichkeit, dass Mastpartien jeweils aus mehreren bis vielen Ferkelherkünften bestehen, macht die Umsetzung der EU-Forderungen besonders herausfordernd und einen gänzlichen Verzicht auf das Schwanzkupieren unmöglich. Umso mehr müssen wir uns aber in die Weiterentwicklung bestehender Maßnahmen aktiv einbringen, wenn es vor allem darum geht, negative Einflussfaktoren zum Thema Schwanzbeißen zurückzudrängen. • Die individuelle betriebsspezifische Risikobewertung in Bezug auf Schwanzbeißen mit einer dementsprechenden Dokumentation wird auf die gesamte Produktionskette auszudehnen sein. • Darauf aufbauend muss eine einzelbetriebliche Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen zur Reduzierung der festgestellten Risiken von Schwanzbeißen erfolgen. (Wahl des Beschäftigungsmaterials, Optimierung des Stallklimas, Futterplatzangebot, …) Beide Maßnahmen erlauben eine kurz- bis mittelfristige Umsetzung. Langfristig entscheidend ist aber, dass die öffentliche Hand Forschungsmittel zur Verfügung stellt, um die Ursachen für das Schwanzbeißen in unseren Produktionsverhältnissen noch besser ergründen zu können. Mit diesen Erkenntnissen sollen Studien und Projekte zur Entwicklung von Beratungsstrategien vorangetrieben werden. Wichtig wird dabei sein, die Ergebnisse der Forschung tatsächlich in heimische Praxisverhältnisse übersetzen zu können. Die heimischen Bäuerinnen und Bauern stehen zu neuen Maßnahmen, die die Situation für ihre Tiere tatsächlich verbessern. Das haben sie mit der Anwendung einer Schmerzbehandlung vor dem Schwanzkupieren bewiesen, die in vielen Ländern der EU nicht üblich ist. Sie brauchen aber in dieser heiklen Angelegenheit weiterhin praxisverträgliche Lösungen, die auf österreichische Verhältnisse abgestimmt sind.

VGT zieht wieder gegen heimische Schweinebauern ins Feld Der VGT empfiehlt in der neuesten Kampagne, österreichischen Konsumenten auf Schweinefleisch unserer heimischen Familienbetriebe zu verzichten und dafür Schweinefleisch aus Holland und Dänemark zu konsumieren, weil es dort den Schweinen scheinbar besser erginge als bei uns in Österreich. Hintergrund dafür ist ein neuerlicher Feldzug dieser Tierschutzgruppe gegen die heimischen Schweinebauern, mit der konstruierten Behauptung, dass die Haltung der Tiere auf Vollspaltenböden Schmerzen, Leiden und Schäden verursachen und damit nicht der bestehenden Gesetzeslage entsprechen.

Volksanwaltschaft wurde eingeschaltet Nun beginnt der VGT unter der Führung des händeringend spendensammelnden Aktivisten Dr. Martin Balluch den nächsten Versuch der Vernichtung unserer heimischen Bauernfamilien. Die Volksanwaltschaft wurde bereits um die Einleitung eines amtswegigen Prüfverfahren und letztlich um eine Missstandsfeststellung gebeten. Zuständig dafür ist Volksanwalt Dr. Günther Kräuter (SPÖ).

Thema in der Politik angekommen

Genau, da war ja was! Ähnlich begann 2010 die Kastenstanddiskussion für Abferkelställe, die verheerende langfristige Folgen für die Entwicklung der heimischen Sauenhalter gebracht hat. Die damals entstandene Verunsicherung der Bäuerinnen und Bauern hält bis heute an. Investitionen finden de facto nicht mehr statt. Der Verlust der Eigenversorgung mit heimischen Schweinefleisch wurde damals eingeleitet. Schweinefleisch muss nun bereits aus zahlreichen anderen Ländern importiert werden. Zum Beispiel aus Dänemark und Holland.

VGT für Tierfabriken Die Abkürzung VGT heißt Verein gegen Tierfabriken und unterstützt also Länder wie Holland, die je Betrieb mehr als 10 mal so viel Schweine halten und Dänemark die je Betrieb 15 mal so viele Schweine halten wie ein durchschnittlicher österreichischer Schweinehalter.

Der Wiener Landtag hat am 29. Mai 2019 eine Resolution zum Vollspaltenverbot beschlossen. Bei Redaktionsschluss wurde bekannt, dass die Liste JETZT im Parlament einen Antrag für ein Verbot des Vollspaltenbodens einbringen möchte.

In Wahrheit geht es um Spendenoptimierung Unser vollstes Vertrauen in der weiteren Behandlung dieses Sachverhaltes gilt den zuständigen Fachbehörden und den politischen Entscheidungsträgern im Lande. Es darf einfach nicht durchgehen, dass unter dem Vorwand sich für mehr Tierschutz einzusetzen in Wahrheit die Spendenfreudigkeit für einen Aktivistenverein angeheizt werden soll und das auf Kosten einer ganzen Berufsgruppe.

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Foto: Strasser

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Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Damit Schweine bei Hitze fressen Heiße Sommertemperaturen machen allen zu schaffen. Wir Menschen vermeiden übermäßige körperliche Anstrengung in der prallen Sonne und suchen nach Abkühlung od. zumindest den Schatten. Wir sollten aber auch an unsere Nutztiere denken, denn in unseren Schweineställen steigen auch die Temperaturen tagsüber auf über 27°C. Die Folgen sind eine deutlich höhere Belastung des Organismus und somit eine Beeinträchtigung der Leistung: • Die Schweine haben keine Lust, hohe Futtermengen aufzunehmen. So müssen die Schweinehalter oft die Tröge ausputzen und die Futtermengen reduzieren. • In diesem Zusammenhang fallen die tägl. Zunahmen in der Ferkelaufzucht und Schweinemast. • Erhöhung der Verluste unmittelbar um die Geburt, die Sauen sind unruhig, stehen öfters auf, legen sich von einer Seite auf die andere. Damit erhöhen sich die Verluste. • Bei den säugenden Zuchtsauen führt die verminderte Futteraufnahme zur Reduktion der Milchleistung. Somit fallen auch die Zunahmen der säugenden Ferkel. • In der Folge verlieren die Zuchtsauen mehr

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an Gewicht. • Schlechtere Konzeptionsrate = Anteil der besamten Sauen die trächtig werden bzw. weniger geborene Ferkel im Folgewurf = Sommerloch

Was kann getan werden? Da wir mit den steigenden Außentemperaturen leben müssen bleiben uns nur folgende Möglichkeiten: • • •

Gebäude anpassen Lüftungstechnik bewusster einsetzten Mit gekonnten Management die Tiere in dieser Zeit unterstützen


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Foto: Strasser

Für eilige Leser •

Durchschnittlich 25 g Tageszunahme-Verlust durch Hitzephasen im Sommer

Auf ausreichende Wasserversorgung achten

Zuluft aus schattigen Bereich ansaugen (Nordseite, großvolumige Vorräume)

Speichermasse der Mauerwerke nutzen

Sprühkühlung mit Vorsicht einsetzen

Coolpads zur Zuluftkühlung zeigen Wirkung

Ev. Abteiltür untertags öffnen

Alarmanlage wöchentlich selbst testen, ev. nachjustieren aber immer eingeschaltet lassen!

Nicht nur bei Hitze werden die Tröge oft nicht mehr ausgefressen, möglicherweise koten einzelne Tiere dazu - ein konsequentes Ausputzen der Tröge ist dann unerlässlich. Quelle: Strasser

Was hat es mit den Gebäuden auf sich? Wir kennen es alle zur Genüge: ein Baukörper mit massiven Mauern isoliert und speichert zugleich. Er heizt sich nicht so schnell auf gibt eine gewisse „Kühle“ wieder laufend ab. Wer schon im Winter mit Kältebrücken im Baukörper zu kämpfen hat, der soll daran denken, dies durch zusätzliche Isolierung zu verbessern. Damit wird nicht nur im Winter die Wärme besser gehalten, auch im Sommer zeigt sich die Wirkung, sodass die Hitze nicht ungehindert eindringt.

Verstaubte Schutzgitter säubern . Quelle: Strasser

Bei der Isolierung der Decke bzw. der Dachhaut ist das am augenscheinlichsten. Da sich die Eindeckung (ob Ziegel od. Paneele) aufheizt, werden die Räume darunter umso wärmer. Genau das gleiche ist es, wenn durch diesen Raum die Zuluft geführt wird. Es zahlt sich daher aus, den Dachraum zu isolieren. In der Praxis reicht ein Kaltdach. Dieses muss aber sauber, möglichst ohne Ritzen aufgebracht und gut hinterlüftet sein.

Abdeckhauben zur Beschattung der süd–westlichen Fenster. Quelle: Strasser 2 2019 | Kühlung - Lüftung | 15


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Kühle Luft ansaugen Die Möglichkeiten dazu sind beschränkt. Dies kann aber bei der Planung der Lüftungsanlage schon mitüberlegt werden. Gezieltes Ansaugen aus einem schattigen Bereich ist oft einfach und erhöht nicht die Kosten. Dazu eignen sich die Nordseite oder angrenzende Gebäude wie Durchfahrten oder Hallen. In Ställen, bei denen die Fenster exponiert gegen Süd–West ausgerichtet sind, können Dämmplatten, die 2/3 der Scheiben verdecken, die Einstrahlung mildern. Manche Mäster tun sich die Mühe an und bespritzen die Futtergänge mehrmals täglich mit Wasser. Bei Hitze ist auf eine ausreichende Wasserversorgung zu achten. Quelle: Strasser

Süd- bzw. westseitige Fenster beschatten An Hitzetagen wird im Wohnhaus untertags die Vorhänge vorgezogen bzw. die Rollos runtergelassen. Genau diese Vorkehrung kann auch bei besonders der Sonnenstrahlung ausgesetzte Fenster getroffen werden. Manche Mäster setzen dünne Styroporblatten den Scheiben vor. Genauso kann eine „Abdeckhaube“ die Sonneinstrahlung dämpfen.

Zu- und Abluftkanäle sauber halten

Großflächig dimensioniertes Coolpad im Giebel eingebaut kann zur Kühlung beitragen . Quelle: Strasser

Gerade in den Abluftkanälen legen sich hohe Mengen an Staub ab. Diese Ablagerungen verengen somit die Querschnitte der Luftkanäle bzw. Ventilatorengitter und verursachen eine Leistungsminderung der Lüftungsanlage. Abluftkanäle säubern ist eine sehr unangenehme Arbeit, die am leichtesten mit einem Industriestaubsauger zu schaffen ist. Bei Unterflurabsaugung zusätzlich die Oberflurklappe öffnen. Damit muss die volle Luftrate nicht mehr unter den Spalten abgesaugt werden.

Am Regelgerät Solltemperatur und Bandbreite erhöhen

Hochdruckkühlung und die dazugehörige Steuerung. Quelle: Strasser 16 | Kühlung - Lüftung | 2 2019

Als Faustregel kann gesagt werden, dass bis zu einer Außentemperatur von 30°C der Sollwert der Lüftung um 5°C niederer eingestellt sein soll. Es soll auch darauf geachtet werden, dass bei Außentemperaturen von über 28°C eine hohe Luftrate


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den Stall sicher nicht abkühlen kann. Es genügen 100 m³/Stunde (100 kg Schweine) für die notwendige Sauerstoffzufuhr. Umsichtige Mäster öffnen an extremen Hitzetagen die Abteiltür in den Zentralgang, um zusätzlich Frischluft widerstandfrei ansaugen zu können. Damit wird die Luftrate erhöht. Natürlich darf am Abend nicht vergessen werden, diese wieder zu schließen.

Futtermengen rechtzeitig anpassen Bei Hitze werden die Tröge oft nicht mehr ausgefressen. Gleichzeitig koten einzelne Tiere dazu. In solchen Fällen ist ein konsequentes Ausputzen der Tröge vor der Fütterung unerlässlich. Zusätzlich ist die Futtermenge meist drastisch zu reduzieren. Je nachdem, wie sich die Fresslust stabilisiert, können die Futtermengen wieder erhöht werden.

Bei Flüssigfütterung den Wasseranteil etwas erhöhen Schweinen geht es nicht anders als uns – bei Hitze müssen sie mehr trinken. Wenn normalerweise je nach Leitungslänge, Steigungen der Leitungen und Quellfähigkeit des Futters ein Trockensubstanzgehalt von > 25 % angestrebt wird, reicht bei Hitze 24 % TS. Bei Flüssigfütterung kann ganz einfach die Wassermenge bzw. der Flüssigkeitsfaktor erhöht werden.

Selbsttränker kontrollieren

Coolpads

Wenn im Sommer aus dem Selbstränker zu wenig Wasser kommt, sind die Auswirkungen der verminderten Futteraufnahmen noch dramatischer. Ein Zapfentränker sollte pro Minute 1,5 Liter Wasser liefern. Daher immer beim Stalldurchgang einen Blick auf saufende Schweine werfen. Stehen die Tiere „ewig“ am Tränker, stimmt der Durchfluss nicht. Spätestens beim Waschen der Bucht die Tränker selbst kontrollieren. Bei Trockenfütterung ist das umso wichtiger, da die Tränker die einzigen Wasserquellen sind.

Messbare Abkühlung in den Ställen bringt der Einsatz von einem ‚Coolpad‘. Diese funktionieren ähnlich einem Kühler bei Verbrennungsmotoren, indem durchfließendes Wasser im Kreislauf die durchströmende Zuluft abkühlt. Schweinemäster sprechen von einer deutlichen Abkühlung. So erreichte im vergangenen Jahr ein Betrieb die Ansaugtemperatur von max. 24°C. Die Wartung dieser Anlagen ist einfach, da das durchfließende Wasser die Kühlrippen laufend säubert. Interessant ist, dass in den Schweinehochburgen Spaniens viele Betriebe mit dieser Technik arbeiten.

Hockdruckkühlung Das Prinzip der Wasserverdunstung, die Umgebungstemperatur zu senken, ist hinlänglich bekannt. Von div. Firmen werden Anlagen angeboten, die zum Stalleinweichen und zur Kühlung geeignet sein sollen. Dabei ist aber Vorsicht geboten, da die Wasserverteilung im Stall sehr feinporig erfolgen muss. Die Schweine dürfen auf keinem Fall nass werden. Am sichersten funktionieren Anlagen, die mit Hochdruck zerstäuben. Die Materialkosten für einen 80er Zuchtsauenbestand im Abferkelbereich und teilweise in Mastställen belaufen sich auf € 8.000,-. Praktiker, die im letzten Sommer eine Anlage in das sonst sehr heiße Obergeschoß eingebaut haben schätzen die Wirkung: Die Technik lässt sich gut einstellen und die Zuchtsauen sind an Hitzetagen ruhiger und nehmen mehr Futter auf.

Auswirkung von Hitze auf die Ferkelzahlen An Hand von Sauenplanerdaten im VLV und eigener Erhebungen wurde in Rahmen einer Doktorarbeit herausgearbeitet, dass Ferkelerzeuger mit niederen Temperaturen im Abferkelbereich im Sommer signifikant mehr Ferkel absetzten als Betriebe mit höheren Temperaturen. Es zahlt sich daher aus, sich diesem Thema zu widmen. Wenn sich die durchschnittliche Umrauschquote am Betrieb um 10%-Punkte erhöht, z.B.: von 10% auf 20%, verliert der Betrieb 2,5 abgesetzte Ferkel pro ZS und Jahr. Unter Abzug aller Kosten amortisiert sich im Sauenstall so eine Anlage rasch.

Auswirkung auf die Tageszunahmen Bei der Betrachtung der durchschnittlichen Tageszunahmen wird deutlich, dass Mastschweine, die Ende Juni bis Ende September geschlachtet werden, um 25 g niedrigere Zunahmen haben als im übrigen Jahr. Dass dies großteils mit der verminderten Futteraufnahme in dieser Zeit zu tun hat, ist naheliegend.

Grafik: Die täglichen Zunahmen fallen bei den im Sommer verkauften Schweine um ca. 25 g. Quelle: Strasser 2 2019 | Kühlung - Lüftung | 17


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Wer hat den besten Schopfbraten Schweineschopf ist nicht gleich Schweineschopf. Oder doch? Um es gleich vorweg zu sagen. Ja und nein. Oder wie es ein ehemaliger österreichischer Bundeskanzler formulierte: Es ist kompliziert. Deshalb braucht es mehr als 30 Experten, elf verschiedene Schopfbraten und zwei Versuchsanordnungen um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen. Also der Reihe nach. Ein guter Grund: Schwein ist besser als

Die Etappen: Ganz und Grill

Das Objekt der Begierde: Der Schopfbraten

Um das Image des Schweinernen war es in den vergangenen Jahren nicht so gut bestellt. Schweinefleisch galt als DauerAktionsartikel von begrenztem kulinarischem Wert. Doch seit einiger Zeit sorgen auch bei Schweinefleisch immer mehr Qualitäts- und Regionalprogramme für neues kulinarisches Interesse. Auch in der gehobenen, gar der „beHaubten“ Küche besinnt man sich wieder auf die Qualitäten von Schweinefleisch. Ein guter Grund für das Fachmagazin „Grillzeit“, gemeinsam mit dem AMA-Grillclub, die Premiumangebote am österreichischen Schweinefleischmarkt einem Vergleichstest zu unterziehen.

Erste Etappe war eine Blindverkostung durch rund 30 Fleischexperten, Journalisten und Grillprofis. „Master of Ceremony“ war Grillweltmeister und Haubenkoch Adi Bittermann. Er garte die Teststücke im BBQ-Style, genauer gesagt viereinhalb Stunden sous-vide. Um den Fleischgeschmack nicht zu verdecken, wurde nur mit Salz und ein wenig Pfeffer gewürzt.

Der Schopfbraten ist die vordere Verlängerung des Kotelettstrangs vom Schwein. Andernorts wird es auch „Kamm“ oder „Nacken“ genannt. Anatomisch, aber auch kulinarisch betrachtet, ist es nicht ein einziges Stück Fleisch, sondern besteht – je nach Schnitt – aus einer Reihe verschiedener Muskelstränge, die von Bindegewebe zusammengehalten werden. Sie sind gut in intermuskuläres Fett eingebettet. In Summe ergibt das ein sehr g’schmackiges Teilstück mit einem Fettgehalt von etwa 10 bis 15 Prozent. Ein Fettgehalt mithin, der den Schopf am Grill und im Ofen hitzetolerant und somit saftig macht. Küchentechnisch ist der Schopfbraten jedoch eine gewisse Herausforderung. Jeder einzelne Muskel hat eine leicht andere Struktur und deshalb einen anderen Garpunkt. Ein Problem, dass

Dazu wurde die kulinarische Expedition in zwei Etappen unterteilt.

Etappe 2 war dann die Verkostung knusprig gegrillter Schopfsteaks der gleichen Kandidaten. Dadurch, dass ein Schwein ja zwei Karrees hat, wurde jeweils eines auf eine der beiden Etappen „geschickt“. Jury der zweiten Etappe war ein sechsköpfiges Team der Grillzeit-Redaktion.

Die Teilnehmer: Schweinerei in alphabetischer Reihenfolge Gustino Strohschwein Oberösterreich Hofkultur Duroc

Oberösterreich

Iberico

Spanien

Mangalitza

Ungarn

Mühlenhof Duroc

Steiermark

Natürlich Niederösterreich Duroc Niederösterreich Tann schaut drauf

Niederösterreich

Tullnerfelder Schwein Niederösterreich

Das Fachmagazin “Grillzeit” und der AMA-Grillclub luden zahlreiche Gäste zum Testen der Premiumangebote am Schweinefleischmarkt. Foto: Arnold Poeschl

18 | AMA | 2 2019

Turopolje

Niederösterreich

Vulkanlandschwein

Steiermark

Woazschwein

Steiermark


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mit Zeit gelöst werden kann. Nämlich dadurch, dass man den Schopf so lange brät oder räuchert, bis auch die letzte Faser weich ist. Oder man grillt Schopfsteaks knusprig und erfreut sich an den unterschiedlichen Konsistenzen und Aromen.

Die erste Etappe: Die BBQ-Verkostung Elf Premiumschöpfe wurden von gut 30 Journalisten, Veterinärforschern, Schweinezüchtern, -Bauern und weiteren Vertretern der Fleischbranche verkostet. Bei der Zubereitung der Schopf-Kandidaten lag die angepeilte Kerntemperatur für die Bratenstücke bei 76°C. Das ist deutlich weniger Temperatur als bei einem richtigen BBQ herrschen oder für ein Pulled Pork vonnöten wäre. Genug aber, um das Fleisch völlig durchzugaren, um das Bindegewebe und die Fetteinlagerungen zu Saft zu schmelzen. So konnten die Braten warm in dünne Scheiben geschnitten werden, damit jeder Juror einen vollständigen Braten-Querschnitt verkosten konnte.

Die zweite Etappe: Die Schopf-Steakverkostung Um die elf Schopfbraten abschließend beurteilen zu können, kamen sie dann noch als Schopfsteak direkt auf den Grill. Das ist der wohl häufigste Verwendungszweck dieses Teilstücks in der Feuerküche. Für den Test wurde das Fleisch jeweils auf eine Stärke von 3,5 Zentimetern geschnitten und ungewürzt beidseitig auf dem heißen Gusseisenrost bis zu einer Kerntemperatur von 72°C knusprig gegart.

Der Ablauf: Sensorik zählt Die Bewertung erfolgte nach den Kriterien: Optik, Geruch, Geschmack, Textur und Saftigkeit, wobei die sensorischen Eigenschaften am stärksten gewichtet wurden. Bei diesen Verkostungen ging es nicht primär um ein Ranking. Eher stand, als Orientierungshilfe für KonsumentInnen, die Kartographierung des vielfältigen Geschmacksspektrums im Vordergrund. Das ergab dann teilweise recht deutliche Unterschiede bei den Ergebnissen, was jedoch weniger an den Juroren als an der unterschiedlichen Zubereitungsmethode lag, für die sich die einzelnen Proben offensichtlich auch unterschiedlich eignen.

Das Fazit: Ja und nein Das Ergebnis der ersten Runde war eindeutig: „Es schmeckt“, sprich die Produktqualität ist durchwegs sehr hoch. Einen Unterschied zwischen Mangalitza-, Duroc, Strohund anderen Schweinen konnten jedoch nicht einmal die Experten herausschmecken. Dass Schopfbraten nach viereinhalb Stunden Garzeit weich und zart ist, hat auch niemanden überrascht. So gab es ein fröhliches „Herumverkosten“, bei dem mehr Freude über das insgesamt hohe Level herrschte, als Staunen über einzelne Spitzenleistungen. Und doch sind es dann immer wieder die Gleichen, die auf den vordersten Plätzen landen. Oft ganz vorne zu finden waren in beiden Runden die Duroc-Qualitätsprogramme. Das dürfte mit den rassetypischen Eigenschaften bei der Entwicklung von intramuskulärem Fett zu tun haben. Mindestens genauso wichtig ist aber offensichtlich der

Vor dem Garen oder Braten wurden die Fleischproben in den Kriterien Optik, Geruch und Textur bewertet. Foto: AMA

Menüplan der Schweine für die geschmackliche Fleischqualität. Wer auf den Preis schaut, wird auch mit den günstigen der hochklassigen Teilnehmer sehr glücklich werden, denn etwas Schlechteres als Gut gab es in diesem Test nicht. Dementsprechend beeindruckt waren die Juroren auch in der zweiten Runde vom Produktniveau. Auch gab es gegenüber der BBQ-Etappe einige Verschiebungen bei der Platzierung. Desweiteren entpuppte sich der Mangalitza-Schopf als Steak-Tipp schlechthin. Er kann auch mit guten Rib Eye-Steaks mithalten. Fazit: Qualität gewinnt. Der Rest ist Geschmack, welcher bekanntlich Geschmackssache ist.

Die Top 3 der BBQ-Runde Gesamteindruck 1. Natürlich NÖ Duroc 2. Iberico 3. Hofkultur Duroc

Punkte 4,74 4,46 4,45

Durchschnitt nach Einzelkriterien 1. Natürlich NÖ Duroc 4,45 2. Mangalitza 4,31 3. Iberico 4,19

Die Top 3 der Steak-Runde Gesamteindruck 1. Mangalitza 2. Hofkultur Duroc 3. Natürlich NÖ Duroc

Punkte 5,35 5,01 5,00

Durchschnitt nach Einzelkriterien 1. Mangalitza 5,33 2. Hofkultur Duroc 5,07 3. Natürlich NÖ Duroc 4,83

Sowohl in der BBQ-Runde als auch in der Steak-Runde stand das Verkosten im Mittelpunkt. Foto: AMA 2 2019 | AMA | 19


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Optimal vorbereitet auf die Geburt

DI Markus Mader Garant

Fragen zur Fütterung während der Transitphase beschäftigen neben Landwirten und Beratern auch die Wissenschaft. So wurden in den letzten Jahren bedeutende neue Erkenntnisse für die Praxis gewonnen.

Foto: Cisar

Die Phase von sieben Tagen vor bis einige Tage nach der Geburt (Transitphase) stellt eine herausfordernde Zeit für Sau und Ferkel dar. Einerseits findet eine Umstellung vom energiearmen, rohfaserreichen Tragendfutter auf energiereiches, rohfaserarmes Säugendfutter statt. Andererseits belasten die in den letzten Tagen vor der Geburt enorm wachsenden Föten den Stoffwechsel der Sau stark. Zusätzlich setzt bereits die Bildung der Biestmilch ein. Das Ziel in dieser Zeitspanne muss daher eine bestmögliche Versorgung und Vorbereitung der Zuchtsau auf die nahende Geburt sein.

giequelle dar. Diese ist jedoch bereits wenige Stunden nach der Futteraufnahme schon wieder aufgebraucht. Gut fermentierbare Faserkomponenten wie Trockenschnitte oder Apfeltrester werden erst von den Mikroben im Dickdarm zu Fettsäuren umgebaut und stellen dadurch eine kontinuierliche und lang anhaltende Energiequelle für die Sau dar. Somit sichert eine zusätzliche Ausstattung des Futters mit fermentierbarer Faser eine gute Energieversorgung rund um die Geburt und dadurch deren zügigen Verlauf ab.

MMA gezielt vorbeugen Ausreichend Energie für rasche Geburten Wurde vor einigen Jahren noch empfohlen, am Tag der Geburt nicht zu füttern, so weiß man heute, dass einer regelmäßigen Futterzufuhr rund um die Geburt große Bedeutung zukommt. Einerseits wird nur bei ausreichender Futteraufnahme auch Kot abgesetzt. Ein Verzicht auf Futtervorlage steigert die Gefahr für Verstopfungen. Andererseits ist für zügige Geburten eine kontinuierliche Verfügbarkeit von Energie notwendig. Neuesten Erkenntnissen (Quelle: Feyera et al, 2018) zufolge steigt mit zunehmendem zeitlichen Abstand der Geburt zur letzten Futteraufnahme und einer damit verbundenen Abnahme des Glucosespiegels (Energie) im Blut die Abferkeldauer kontinuierlich an. Mit steigender Abferkeldauer wiederum erhöht sich die Anzahl totgeborener Ferkel (Grafik 1). Neben einer regelmäßigen, am besten zweioder dreimal täglichen Futtervorlage in der Transitphase, wirkt sich auch die Futterzusammensetzung auf die Verfügbarkeit von Energie aus. Stärkereiche Komponenten wie Getreide und Mais stellen eine rasch verfügbare Ener-

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Welcher Sauenhalter kennt sie nicht, die Probleme mit MMA (Mastitis-Metritis-AgalaktieKomplex)? Mit entsprechender Fütterung kann dieses Risiko aber schon vorbeugend minimiert werden. Die bereits erwähnte große Bedeutung einer ausreichenden Faserversorgung rund um die Geburt zeigt auch hinsichtlich der Prävention von Milchfieber gute Wirkung. Hohe Fasergehalte im Geburtsvorbereitungsfutter führen zu einem weicheren Kot sowie regelmäßigem Kotabsatz und beugen damit Verstopfungen gezielt vor. Eine weitere bewährte Maßnahme stellt die Absenkung des Kalziumgehalts im Geburtsvorbereitungsfutter dar. Diese vorübergehende Reduktion basisch wirksamer Bestandteile im Futter mindert die Säurepufferung im Verdauungstrakt und verschiebt die Kationen/ Anionen-Bilanz in die saure Richtung. Dadurch werden Schaderreger an ihrer Vermehrung gehindert. Ebenso kann durch den Zusatz der schwefelhaltigen Aminosäure Methionin oder von Salzen der pH-Wert im Harn abgesenkt und Harnwegsinfekten vorgebeugt werden.


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Im Gegensatz dazu hat eine Zugabe von organischen Futtersäuren zwar einen positiven Einfluss auf die Verdauung, zeigt aber hinsichtlich Harnansäuerung oder Verschiebung der Kationen/AnionenBilanz im Körper keine Wirkung. Die notwendige Futterumstellung von Tragend- auf Säugendfutter stellt einen erheblichen Stressfaktor für die Sau dar. Ziel muss es sein, diese Veränderung so schonend wie möglich zu gestalten. Der Futterwechsel oder ein Übergang von Tragend- auf Geburtsvorbereitungs- und anschließend auf Säugendfutter sollte langsam über einige Tage und niemals abrupt vollzogen werden. Ebenso wirkt sich die Verwendung ähnlicher Komponenten in den verschiedenen Futtersorten förderlich für die Sau aus.

Leistungsfähige Sauen – vitale Ferkel Unter Ausdauersportlern ist der positive Effekt von Roten Rüben schon länger bekannt. Grundlage dafür ist die gefäßerweiternde Wirkung des darin enthaltenen Nitrats, das im Körper zu Stickstoffmo-

noxid (NO) abgebaut wird. Niederländische Forscher (Quelle: Van den Bosch et al, 2019) haben nun den Einsatz von Nitrat im Geburtsvorbereitungsfutter (sieben Tage vor bis fünf Tage nach der Geburt) untersucht. Sie erhofften sich durch die gefäßerweiternde Wirkung des Abbauproduktes Stickstoffmonoxid eine bessere Durchblutung der Plazenta und dadurch einen erhöhten Nährstoff- und Sauerstofftransport in die wachsenden Föten. Das Ergebnis sind vitalere Ferkel der Sauen, denen Nitrat beigefüttert wurde. Diese höhere Vitalität zeigt sich in signifikant (statistisch abgesicherten) erhöhten Gewichten der Ferkel bei der Geburt und 72 Stunden nach der Geburt, sowie in geringen Streuungen der Absetzgewichte (Grafik 2). Außerdem wird von sichtbar besser durchbluteten Nachgeburten, schnelleren Geburtsverläufen und weniger totgeborenen Ferkeln berichtet.

Fazit

Ausreichende Faserversorgung und vor allem die Auswahl der Faserquellen können die Geburtsdauer und damit einhergehend die Anzahl totgeborener Ferkel positiv beeinflussen. Optimale Rationsgestaltung wie etwa die Absenkung des Kalziumgehalts oder eine Ansäuerung des Harns, sowie Managementmaßnahmen wie das Verschneiden des Futters bei Futterwechsel können einen wirksamen Betrag in der Vorbeugung von MMA leisten. Neueste Entwicklungen wie der Einsatz von Nitrat im Geburtsvorbereitungsfutter bringen weitere Leistungsverbesserungen durch vitalere Ferkel. Neben Wirkstoffergänzern für Selbermischer werden von Mischfutterherstellern fertige Geburtsvorbereitungsfutter als Ergänzer angeboten. Diese sind bereits optimal auf die Bedürfnisse der Zuchtsau in dieser sensiblen Phase abgestimmt und werden in überschaubaren Mengen zusätzlich zum Tragend- oder Säugendfutter verabreicht.

Eine gezielte Auseinandersetzung mit der Fütterung in der Transitphase lohnt sich.

Grafik 1: Einfluss der Zeitspanne seit der letzten Fütterung auf die Wahrscheinlichkeit, dass Ferkel tot geboren werden. a, b Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede (P < 0,05) Quelle: verändert nach Feyera et al, 2018

Grafik 2: Effekte einer Supplementierung von Nitrat im Geburtsvorbereitungsfutter auf Leistungsmerkmale. a, b Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Unterschiede (P < 0,05). * Mittelwert von fünf Futtergruppen mit steigenden Gehalten an Nitrat. Quelle: verändert nach Van den Bosch et al, 2019

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Gut Streitdorf auf der Wieselburger Messe: Qualität steht im Vordergrund Wieselburger Messe vom 27.6. – 30.6.2019: Den Info- & Beratungsstand der EZG Gut Streitdorf finden Sie heuer wieder in der Tierhalle (Halle 13), in der mehrere Nutztierarten gemeinsam präsentiert werden. Die EZG Gut Streitdorf präsentiert sich mit den 5 Sparten Schweinezucht, Ferkelring, Schweinebörse, Rinderbörse, Schaf- und Ziegenbörse. Neben Information und Beratung zur bestmöglichen Vermarktung der Tiere gibt es eine Vielzahl an aktuellen Themen, die momentan die Diskussionen im Schweinebereich dominieren, wie zum Beispiel Ferkelkastration, Schwanzkupieren, Tierwohl, Afrikanische Schweinepest, um nur einige zu nennen. Immer wieder sorgen diese trotz derzeit erfreulichem Marktumfeld für Verunsicherung bei den Produzenten. Gerade in diesen instabilen Zeiten sind Abnahmegarantie und Zahlungssicherheit zwei wesentliche Eckpfeiler der Vermarktung über die Erzeugergemeinschaft. Die Berater von Gut Streitdorf stehen deshalb für alle diesbezüglichen Fragen zur Verfügung und informieren gerne über die neuesten Entwicklungen, die auch für jeden einzelnen in der zukünftigen Betriebsausrichtung große Bedeutung haben werden.

Schweinebox mit Ferkelveranda: Landwirtschaft zum „beGreifen“ nah Direkt vor dem Messestand wird eine „Schweinebox mit Ferkelveranda“ aufgebaut. So kann ein Zuchtschwein mit Ferkeln „in Echt” bestaunt werden. Dieses Ereignis sollten Sie sich keinesfalls entgehen lassen. Prädikat „sehenswert“. Nicht nur für die Kleinen unter uns!

Schaugrillen mit AMA-Gütesiegel Info und Verkostung Immer mehr Konsumenten wollen wissen, woher das Fleisch am Teller kommt. Das kommt den Bauern der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf recht. Denn sie produzieren Fleisch in ausgezeichneter Qualität, welches allen Verbrauchern über den Gastronomiegroßhandel bzw. Lebensmitteleinzelhandel zur Verfügung steht. Die zertifizierte AMA Grilltrainerin Christa Eppensteiner wird mit ihrem Team Qualitätsfleisch der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf vor den Augen der Messebesucher am Grill vor- und zubereiten. Zudem kann die ausgezeichnete Qualität nicht nur verkostet werden, sondern es werden alle Fragen rund um das Thema Fleischqualität und Produktion mit AMA-Gütesiegel, sowie zum Thema Grillen & BBQ beantwortet.

Schaugrillen mit Info und Produktverkostung DO 27. Juni bis SO 30. Juni Halle 13 „Tierhalle“ Stand 1301 jeweils um 10:45, 11:45, 13:45, 14:45 Uhr.

Besonderes Highlight: „Grillen mit Christa und Adi“ Am Samstag den 29.06. um 14:00 Uhr stellt sich niemand geringerer als der aus Rundfunk und TV bekannte Haubenkoch und Grillweltmeister Adi Bittermann beim AMAGrillClub Stand ein. Gemeinsam mit Christa Eppensteiner und Team lässt er Sie fachlich und unterhaltsam an seinen Koch- und Grillgeheimissen teilhaben.

Die “Schweinebox mit Ferkelveranda” ist bei Jung und Alt beliebt. Quelle: Gut Streitdorf 22 | Wieselburger Messe | 2 2019

AMA-Grillclub

Auch der Grillweltmeister Adi Bittermann gibt Tipps am AMA-GrillClubStand. Foto: Herbert Lehmann

Live-Grillen mit Christa Eppensteiner. Quelle: Gut Streitdorf


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Konsumenten entscheiden über Tierwohlstandards LKÖ/VÖS-Gespräch über Herausforderungen der Schweinebranche: Aktuelle Chancen und Herausforderungen der Schweinebranche standen bei einem Gespräch zwischen VÖS-Obmann Walter Lederhilger und LK ÖsterreichPräsident Josef Moosbrugger im Mittelpunkt. Diskutiert wurde unter anderem über Tierwohl-Standards, Herkunftskennzeichnung sowie die Weiterentwicklung des Tiergesundheitsdienstes (TGD) und der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Moosbrugger für Wettbewerbsgleichheit und Kostenwahrheit Eine große Herausforderung, mit der die Schweinebäuerinnen und -bauern zu kämpfen haben, sind die von verschiedensten Seiten geforderten, hohen TierschutzAnforderungen. „Vielen, die strenge Standards aufstellen wollen, ist es egal, ob unsere Bäuerinnen und Bauern diese auch erfüllen können oder nicht. Wir sind gerne bereit, die höchsten Anforderungen umzusetzen, wenn sich diese auch in den Preisen und dem Einkaufsverhalten der Konsumenten widerspiegeln. Wenn wir allerdings im Handel auf unserer kostenintensiv erzeugten Ware sitzenbleiben, weil die Leute lieber zu Importbilligfleisch greifen, ruiniert das die heimischen Bauernhöfe. Das unterstützt einzig und allein die Agrarindustrie im Ausland und klimaschädliche Einfuhren, nicht zuletzt, weil der Transport und dessen Klimawirkung nicht berücksichtigt werden“, unterstrich Moosbrugger, der sich für Wettbewerbsgleichheit in den Regalen aussprach. Zudem sind Verlässlichkeit und Planbarkeit für die Betriebe wichtig.

Lederhilger fordert TierwohlGesamtbetrachtung und Absicherung der Eigenversorgung

„Es ist unsinnig, einzelne Tierwohlkriterien für die Argumentation gegen die österreichische Produktion herauszupicken. Es gilt vielmehr, eine Tierwohl-Gesamtbetrachtung vorzunehmen und auch die bäuerliche Struktur im Auge zu behalten“, betonte Lederhilger. „Ja, wir wollen österreichische Bauernhöfe statt internationale Großkonzerne“, bekräftigte Moosbrugger. Sowohl der LKÖ als auch dem VÖS ist es ein großes Anliegen, die Eigenversorgung der Alpenrepublik mit heimischem Qualitätsschweinefleisch abzusichern. Ein wesentliches Instrument dafür ist auch die österreichische Herkunftskennzeichnung. Lederhilger erwartet sich insbesondere bei der öffentlichen Beschaffung entscheidende Vorwärtsschritte. Große Hoffnung setzt er auf den Verein Nachhaltige Tierhaltung Österreich (NTÖ), der die Kräfte der wichtigsten Bundesorganisationen

in diesem Bereich bündelt. „Bei der Herkunftskennzeichnung heißt es, schrittweise voranzukommen“, so Moosbrugger im Hinblick auf den Widerstand seitens der Industrie. Wichtig sei zudem, dass bei Lebensmittelprodukten nicht nur der Verarbeitungsort sondern auch die Rohstoffherkunft zählen und ausgelobt werden. Das müsse auch auf EU-Ebene berücksichtigt werden.

Investitionsförderung stärken, Tiergesundheitsdienst weiterentwickeln

Bei der GAP-Reform legt die Schweinebranche u.a. großen Wert auf eine Absicherung bzw. Stärkung der Investitionsförderung, da derzeit ein „beängstigender Investitionsrückstau herrscht“, wie Lederhilger betonte. Anfang April wurde die TGD Tarifvereinbarung unterzeichnet und nun steht auch dessen Weiterentwicklung bzw. Spezialisierung im Fokus des Interesses. Moosbrugger legt dabei Wert auf einen partnerschaftlichen Ansatz, der Praktikabilität und Tiergesundheit nachhaltig zu Gute kommen soll. Auch bei diesen Fragen könnte dem NTÖ künftig eine entscheidende Vermittlerrolle beigemessen werden, wie Lederhilger konkretisierte. Weitere wichtige Gesprächsthemen waren die Bestrebungen zur besseren Nutzung von Gesundheits- und Betriebsmitteleinsatzdaten, die damit verbundene Datensicherheit und ein mögliches Upgrade des AMA-Gütesiegels.

VÖS-Obmann Lederhilger, VÖS-Geschäftsführerin DI Straßmayr, LKÖ-Präsident Moosbrugger und LKÖ-Referent Mag. Hörmann tauschten sich zu aktuellen Themen der Schweineproduktion und der Landwirtschaft aus. Quelle: LKÖ 2 2019 | Tierwohlstandards| 23


Foto: EDEKA

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Tierwohl-Produkte im Testverkauf Keine durchgängig höhere Kaufbereitschaft bei Produkten mit Tierwohl-Siegel. Die aktuelle Diskussion über eine artgerechte Nutztierhaltung wird geprägt von der Frage inwieweit die Konsumenten die Mehrkosten für eine artgerechtere Nutztierhaltung mittragen. Für tiergerechtere Haltungsformen gebrauchen die Landwirtinnen und Landwirte mehr Geld. Das ist undiskutabel. Stallumbauten, ein höherer Arbeitsaufwand und Zertifizierungen verursachen massive Mehrkosten. In Befragungen wird immer wieder eine grundsätzliche Bereitschaft der Konsumenten gemessen, deutlich mehr Geld für Fleisch auszugeben, das nach höheren Tierwohl-Standards produziert wurde. Der jüngste Ernährungsreport des deutschen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) führt so zum Beispiel an, dass jeder zweite Deutsche 20 bis 50% mehr für ein Kilo Fleisch ausgeben würde, wenn es aus besonders tierfreundlicher Landwirtschaft stammt. Ein Realverkaufsexperiment der Hochschule Osnabrück in der Edeka Region Minden-Hannover (Nordwestdeutschland) zeigt jetzt allerdings eine deutliche Diskrepanz des realen Kaufverhaltens zu den Befragungsergebnissen. Die vermeidlich ausgeprägte Mehrzahlungsbereitschaft der Konsumenten bewahrheitete sich an den Ladenkassen der Testmärkte nicht in der Ausprägung, die die Befragungsergebnisse vermuten lassen.

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Die Studie wurde vom Fachgebiet Agrarund Lebensmittelmarketing der Hochschule Osnabrück unter Leitung von Prof. Enneking konzipiert und von der Initiative Tierwohl finanziell gefördert. Die EDEKA-Regionalgesellschaft Minden-Hannover stellte für die Untersuchung 18 Märkte sowie die Testware zur Verfügung.

Untersuchungsaufbau: Produktpositionierung im mittleren Preissegment mit und ohne Tierwohl-Label

Für die Studie wurde zwischen dem 15. Oktober und 15. Dezember 2018 das tatsächliche Kaufverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern in 18 Märkten der EDEKA-Regionalgesellschaft Minden-Hannover untersucht. Dabei wurde die neueingeführte Ware im mitt-


Foto: EDEKA

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Grafik: Tierwohlkriterien. Quelle: HS Osnabrück leren Preissegment nach der Hälfte der Testzeit als Tierwohlware mit TierwohlSiegel sowie „Vor-Ort-Informationen“ in Form von Deckenhängern und Flyern zum Thema Tierwohl neu positioniert. Außerdem wurde der Preis in drei Stufen verändert, um Aussagen zur Preissensibilität der Käuferinnen und Käufer zu treffen. Im Test wurde der Abverkauf von Selbstbedienungsware bei Bratwurst, Minutensteak und Gulasch aus Schweinefleisch der Preiseinstiegsmarke „Gut und Günstig“ und der Bio-Premiummarke „Bio Janssen“ mit dem neu eingeführten Produkt mit Tierwohl-Siegel verglichen. Von den 9 Testprodukten wurden im neunwöchigen Testzeitraum in den Testmärkten zusammen insgesamt 18.301 Produkte verkauft.

Ergebnis: Deutliche Preiserhöhungen haben aktuell keine Marktkompatibilität

Die statistische Auswertung der realen Verkäufe führte zur Auskunft, dass etwa 16 % der Einzelhandelskunden bereit waren, während der Testverkaufsphase das neue Edeka-Fleischprodukt des mittleren Preissegments zu kaufen. Das Tierwohl-Siegel

an sich hatte dabei allerdings keinen durchgängig positiven Einfluss auf die Kaufbereitschaft. Dies zeigt sich darin, dass etwa 16 % der Verbraucher das neu eingeführte EDEKA-Produkt des mittleren Preissegments auch ohne TierwohlKennzeichnung wählten. Diese Größenordnung veränderte sich aber kaum, nachdem die Ware mit entsprechenden Tierwohl-Informationen neupositioniert wurde. Ein Anstieg der Käufe aufgrund der Tierwohl-Kennzeichnung blieb damit aus.

Trotz der hohen Gültigkeit der Ergebnisse ist es wichtig, auch auf die Grenzen dieses Experiments für den Erkenntnisgewinn hinzuweisen: Die Ergebnisse gelten für die hier getesteten, verpackten Selbstbedienungsprodukte der Kategorie Schweinefleisch im konventionellen Einzelhandel unter den beschriebenen Rahmenbedingungen. Für die Beantwortung der Frage, ob die Ergebnisse auf andere Situationen übertragbar sind (z. B. Thekenware, hochwertige Teilstücke, Rind- und Geflügelfleisch, Vertriebswege wie Metzger oder Wochenmärkte, etc.) braucht es weitere Forschungsanstrengungen.

Des Weiteren wurden lediglich Preisaufschläge von etwa 30 Cent für den mittelpreisigen Schweinefleisch-Artikel akzeptiert. Das entspricht einer Preiserhöhung von 9 bis 13% je nach Basispreis des betrachteten Produktes. Bei merklich höheren Preisaufschlägen (zum Beispiel 26% für Gulasch) sowie bei kleineren Preiserhöhungen gingen die Absätze deutlich zurück. Zudem ist zu erwähnen, dass während der Testphase 11% der Kunden Produkte der Marke „Bio-Janssen“ kauften. Dieser Anteil deckt sich mit dem Verkaufsanteil außerhalb des Testverkaufszeitraums. Bio-Kunden wurden damit nicht in größerer Anzahl zu Käufern des neuen Tierwohl-Mittelpreis-Produkts. In Summe blieben damit trotz verfügbarer Tierwohlprodukte im Mittelpreissegment 73% der Kunden dieser SchweinefleischProduktspate bei der günstigsten Variante.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie legen nahe, dass die beobachtete Realität beim tatsächlichen Kaufverhalten differenzierter und komplexer ist. Neben dem Preis und der Tierwohlkennzeichnung können verschiedene Faktoren wie zum Beispiel die Kaufkraft in der Verkaufsregion oder die Produktkategorie einen Einfluss auf den Verkaufserfolg von TierwohlProdukten haben. Die Ergebnisse legen daher weitere Forschungsanstrengungen, insbesondere unter Einbezug des realen Kaufverhaltens, nahe. Die ermittelten Kaufbereitschaften könnten sich des Weiteren aber durch die Einführung des geplanten staatlichen Tierwohllabels, welches Landwirtschaftsministerin Klöckner Anfang des Jahres auf den Weg gebracht hat, positiver entwickeln, sofern hierfür eine höhere Verbraucherbekanntheit und -akzeptanz aufgebaut wird. Klar ist schlussendlich allerdings eines: Suggerierte Mehrzahlungsbereitschaften in Befragungen befreien nicht von den allgemeinen Herausforderungen einer Produkteinführung. Auch Tierwohl-Produkte müssen einer größeren Konsumentenzahl erst bekannt und vertraut sein bevor mit größeren Verkaufserfolgen zu rechnen ist.

Experiment ist nah an der Realität, aber nicht allgemeingültig Die Qualität der Realtestdaten kann insbesondere im Vergleich zu den Befragungsdaten als sehr hoch eingeschätzt werden, da insgesamt 18.301 Fleischkäufe realisiert und gemessen werden konnten. Außerdem wurden typische Märkte für den Test ausgewählt, die der realen Welt des Lebensmitteleinzelhandels in Nordwestdeutschland gut entsprechen.

Tierwohl-Produkte nicht spontan erfolgreich, aber auch nicht ohne Potential

Angelika Dauermann Ruth Kleine-Kalmer & Prof. Ulrich Enneking Hochschule Osnabrück

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Foto:Adobe Stock

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Erfolgreiche Eindämmung der ASP beim Wildschwein in Tschechien Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) beim Wildschwein in der Tschechischen Republik 2017 - Maßnahmen und Erfahrungen aus Sicht der Veterinärbehörden ASP – nach der Seuche ist vor der Seuche? Im nunmehr weltweiten Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest konnte in Tschechien eine „kleine Schlacht“ gewonnen werden. Dort war die Seuche im Jahr 2017 bei Wildschweinen aufgetreten, konnte eingedämmt und auf eine kleine Region beschränkt werden. Für die staatlichen Veterinärbehörden in Tschechien und alle an der Bekämpfung des Ausbruchs Beteiligten ist aber klar, dass ein Wiederaufflammen der Seuche jederzeit möglich ist. Die handelnden Personen in Tschechien haben und hatten dabei vor Augen, welche enorme Gefahr die ASP für die Schweineproduktion und auch die nachgelagerten Wirtschaftsbereiche (z.B. Verarbeitungs- und Lebensmittelindustrie) darstellt. Obwohl die Situation in Hinblick auf die ASP derzeit ruhig ist, so bleibt das Risiko einer weiteren

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Verbreitung der ASP in Europa und auch nach Tschechien, immer noch sehr hoch. Die tschechischen Behörden setzen daher umfassende Maßnahmen um einen weiteren Ausbruch der ASP in Tschechien, sowohl beim Wildschwein als auch im Hausschweinebestand, bestmöglich zu unterbinden. Bereits das Auftreten der ASP im Wildschweinebestand, so wie es in Tschechien der Fall war, hat schwere wirtschaftliche Einbußen für die schweinehaltenden Betriebe zur Folge. Um den Hausschweinebestand zu schützen und auch die Infektion von Wildschweinbeständen und das Risiko der Verbreitung des Virus beim Wildschwein zu reduzieren, ist es ist es notwendig, dass die EU-Mitgliedsstaaten den Schwarzwildbestand nachhaltig kontrollieren und reduzieren. Es muss aber auch klar gesagt sein, dass die Bejagung von Wildschweinen allein keine Methode zur ASPEradikation darstellt.

EU-weite Strategien zur ASP-Kontrolle notwendig Neben der potentiellen Gefahr, welche vom Wildschweinbestand ausgeht, sind zwei Punkte in Zusammenhang mit dem ASP Geschehen besonders alarmierend. Es sind dies einerseits die ‚Sprünge‘ des Virus über weite Distanzen durch menschliches Zutun, die es so gefährlich und schwer kontrollierbar machen. Ebenso ist die Gefahr des Eintrag der ASP in Hausschweinebestände trotz aller Biosicherheitsmaßnahmen nicht erst seit den Ausbrüchen in den östlichen EU-Mitgliedsstaaten offenkundig. Es ist daher von großer Bedeutung, dass die Behörden in den Mitgliedsstaaten effiziente und konsequente Maßnahmen setzen, um die massive Gefahr für die Schweineproduktion die auf Grund der ASP in ganz Europa besteht, möglichst einzudämmen.


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Dabei muss auch erwähnt werden, dass noch nicht alle Facetten der ASP und des Seuchengeschehens vollständig bekannt und verstanden sind. Vor allem in Hinblick auf die Epidemiologie des Virus und dessen Verbreitung gibt es noch Forschungsbedarf. Dazu zählt beispielsweise ein besseres Verständnis des genetischen Bauplans des Virus in Zusammenhang mit dessen Virulenz. In Tschechien hat der ASP Ausbruch auch deutlich gemacht, dass ein Verständnis des Verhaltens der Wildschweine sowohl für die ASP-Verbreitung als auch die Kontrolle und Bekämpfung desselben von Bedeutung ist. Die Entwicklung eines Impfstoffes hat bislang noch nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht.

Im Zuge des Ausbruchs wurden vier Zonen definiert, in denen unterschiedliche Maßnahmen zur Eindämmung und Bekämpfung gesetzt wurden.

Foto:Adobe Stock

Quelle: Staatliche Veterinärverwaltung Tschechien SVA, Soph

Afrikanische Schweinepest in Tschechien – ein Rückblick Am 26.06.2017 wurde die ASP erstmals bei einem Wildschwein in der Region Zlin (Südmähren) in Tschechien nachgewiesen. Die Behörden begannen daraufhin mit umfassenden, auch kostenintensiven Maßnahmen, um den Ausbruch räumlich einzudämmen und auf eine bestimmte Wildschweinpopulation zu begrenzen. Die Anstrengungen zeigten Wirkung, der letzte positive Befund datiert vom 15. April 2018. Während der gesamten Ausbruchperiode wurde die ASP bei 230 Wildschweinen nachgewiesen. Alle Fälle befanden sich im ausgewiesenen Hochrisikogebiet. Die restlichen Landesteile Tschechiens blieben bislang hingegen von der Seuche verschont.

Um die Wildschweine vor Ort zu halten, wurden tlw. Pflanzenbestände nicht abgeerntet. Quelle: Staatliche Veterinärverwaltung Tschechien SVA, Soph

Bedeutung des Monitorings Von kritischer Bedeutung für die bestmögliche Kontrolle der ASP ist eine funktionierende Früherkennung. In Tschechien wurde bereits 2014, nach den Fällen in Polen und im Baltikum, ein Monitoring auf ASP bei tot aufgefundenen Wildschweinen eingeführt. Dieses Monitoring war bei den Fällen im Jahr 2017 bei der Diagnose, in weiterer Folge der Lokalisierung, Begrenzung und Bekämpfung der Seuche beim Wildschwein und dem Schutz der Hausschweinebestände von entscheidender Bedeutung. Daher empfehlen die tschechischen Behörden ein umfassendes, generelles

(passives) Monitoring und die Testung aller tot aufgefundenen Wildschweine auf das Virus in allen EU-Mitgliedsstaaten. Durch die Ergebnisse eines solchen Monitorings konnten auch Zonen mit unterschiedlichem Risiko bezüglich der ASP (Kernzone, Hochrisikozone, Schutzzone, Überwachungszone etc.) definiert werden. Nach dem der Virusnachweis erbracht war, begann man im Fundgebiet mit der Suche nach weiteren Wildschweinkadavern, welche unter Einhaltung strenger Biosicherheitsmaßnahmen entfernt und entsorgt wurden. Eine detailliertere Beschreibung der Maßnahmen folgt im nachfolgenden Abschnitt.

Maßnahmen zur Eindämmung der ASP in Tschechien Früherkennung: Wie bereits erwähnt stellte das Monitoring auf ASP bei tot aufgefundenen Wildschweinen bzw. die ehestmögliche Auffindung von Kadavern einen wesentlichen Ansatzpunkt in Hinblick auf eine mögliche Kontrolle und Eindämmung der Seuche dar. Das Monitoring ist außerdem für die Abgrenzung von Zonen mit unterschiedlichem Virusgeschehen bzw. Virusrisiko von Bedeutung. Auf Basis des Monitorings kann in weiterer Folge auch nachvollzogen werden, wie sich die Ausbreitung der Seuche zeitlich und räumlich vollzogen hat.

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Eine ehestmögliche diagnostische Abklärung von Verdachtsfällen und Bestätigung von positiven Fällen erwies sich bei der Seuchenkontrolle als wichtig. Beim Handling der Kadaver waren strikte Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten. In diesem Zusammenhang war auch eine enge und intensive Kooperation mit Labors, lokalen Behörden, Institutionen (Feuerwehr, Polizei, Armee) und Interessensgruppen (z.B. Jagdverbände) sowie Tierärzten vor Ort notwendig und zielführend. Die tschechischen Behörden standen während der ASPBekämpfung auch im Austausch mit der Europäischen Kommission, der EFSA und

anderen bedeutenden Institutionen (z. B. Internationale Gesundheit für Tiergesundheit OIE, Deutsches Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit FLI etc.). Die eigentliche Bekämpfung machte umfassende veterinärbehördliche Maßnahmen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse über das Virus und dessen Verbreitung notwendig. Diese Maßnahmen unterlagen einer ständigen Kontrolle, Bewertung und gegebenenfalls Anpassung an die Gegebenheiten. Das Hauptaugenmerk lag auf folgenden Maßnahmen im betroffenen Gebiet:

Sofortiges Jagdverbot im betroffenen Gebiet. Damit sollte die lokale Wildschweinpopulation vor Ort gehalten und eventuelle Wanderungen unterbunden werden. Um dies zu erreichen, wurden teilweise auch Pflanzenbestände (Mais, Raps, Getreide etc.) auf Äckern nicht geerntet bzw. die Wildschweine zugefüttert, um die Tiere vor Ort zu halten. Es kam auch zur Installation von Elektro- bzw. Geruchszäunen rund um die Hochrisikozone, um Wanderungen der Wildschweine aus dem Gebiet bestmöglich zu unterbinden. In weiterer Folge wurden die Wildschweine in bestimmten Abschnitten des betroffenen Gebiets bzw. der mit ASP infizierten Zone unter Einhaltung strenger Biosicherheitsmaßnahmen von ausgewählten und geschulten Jägern gezielt dezimiert. Wildschweinfallen kamen ebenso zum Einsatz wie Scharfschützen der Polizei, welche die Wildschweine unter Einsatz von Schalldämpfern, Nachtsichtgeräten und spezieller Munition erlegten. Die erlegten Tiere wurden unter Einhaltung strenger Biosicherheitsmaßnahmen in Tierkörperbeseitigungsanstalten verbracht.

Weitere Bekämpfungsmaßnahmen • Verstärkte Suche nach Kadavern von Wildschweinen Eine Maßnahme zur Eindämmung bzw. Bekämpfung der ASP war die Installation eines Geruchs- bzw. Elektrozaunes um das Hochrisikogebiet. Quelle: Staatliche Veterinärverwaltung Tschechien SVA, Soph

• Fütterungsverbot für Wildschweine mit Ausnahme von Ködern • Betretungsverbot für die Öffentlichkeit • Einsatz von Drohnen und Thermokameras um einzelne verbliebene Tiere im Gebiet ausfindig zu machen. Entscheidend dafür, einen Ausbruch der ASP sowohl bei Wildschweinen als auch bei Hausschweinen wirksam zu bekämpfen, sind auch folgende Maßnahmen: • Mit allen maßgeblichen Behörden, Institutionen und Interessensgruppen abgestimmte Maßnahmen mit dem Ziel einer Reduktion der Wildschweinpopulation durch gezielte Bejagung und Fütterungsrestriktionen bzw. Verboten

Neben den Kadavern wurden auch die von Scharfschützen erlegten Wildschweine unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen verbracht. Quelle: Staatliche Veterinärverwaltung Tschechien SVA, Soph

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• aktive Suche und Entfernung von Wildschweinkadavern und Labortestung auf ASP


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• Engmaschige Überwachung der Biosicherheitsmaßnahmen bei allen schweinehaltenden Betrieben und falls notwendig eine sofortige Erhöhung der Biosicherheitsmaßnahmen. Gegebenenfalls auch präventive Keulung von Beständen in besonders gefährdeten Gebieten mit entsprechender Entschädigung der Landwirte. • Erhebung aller schweinehaltenden Betriebe und der Tierbestände, insbesondere auch von möglichen „Hinterhofhaltungen“ • Bewusstseinsbildung bei verschiedenen Gruppen (z.B. Landwirte, Jäger, Saisonarbeitskräfte) und Information der Öffentlichkeit

Auswirkungen weit über die Bereiche Landwirtschaft, Verarbeitungsindustrie oder auch Jagd hinausgehen. Neben dem menschlichen Einfluss ist auch die Wildschweinpopulation in Hinblick auf die Seuche mit besonderer Aufmerksamkeit zu behandeln. Eine zu große Wildschweinpopulation ist weder im Interesse der Jäger, noch der Waldbesitzer. Im Allgemeinen stellt die Jagd kein ausreichendes Mittel zur ASP Eradikation dar, da die Infektionsrate höher als die Abschussrate ist. Wir kämpfen nicht gegen Wildschweine, sondern gegen das ASP-Virus. Wenn man die ASP bekämpfen will, sollte man den Fokus nicht auf das Wildschwein, sondern auf den Virus legen.

Dr. med.vet. Marek Soph (DVM), Staatliche Veterinärverwaltung der Tschechischen Republik Detailliertere Informationen (z.B. Präsentationen) finden Sie hier (in Englisch): https://web.oie.int/RR-Europe/eng/Regprog/en_GF_TADS%20-%20Standing% 20Group%20ASF.htm#ASF13 https://web.oie.int/RR-Europe/eng/Regprog/docs/docs/SGE%20ASF12/17_CZ_d etailed_situation.pdf

Faktor Mensch Der Einfluss des „Faktor Mensch“ bei der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest konnte in Europa bisher zweimal beobachtet werden. Sowohl beim Ausbruch in Tschechien als auch in Belgien wird eine Verbreitung durch Zutun des Menschen angenommen. Eine vollständige Aufklärung der Hintergründe der Verbreitung in diesen Fällen gelang bisher aber noch nicht. Dies hat auch den Hintergrund, dass anzunehmen ist, dass zur Verbreitung der ASP relativ große Mengen an virushaltigem Material benötigt werden.

Kadaversuche und passives Monitoring Das Kadavermonitoring war, wie bereits erwähnt, ein wesentlicher Punkt für die Eindämmung der Seuche. Dabei erwies sich die Kadaversuche durch ortsansässige bzw. regionale Jäger am effizientesten, da sie die Umgebung und auch potentielle Fundstellen von Kadavern gut kennen. Diese sind oft in der Nähe von Oberflächengewässern oder sonstigem nassen und sumpfigen Gebiet, da sich die kranken Wildschweine zum Trinken bzw. Abkühlen dorthin zurückziehen.

Schlussfolgerung Die Afrikanische Schweinepest stellt eine ökonomisch gravierende Gefahr dar, deren

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Baumkräuterwirkung und Faserwirkung Eichenrinde/Bitterstoffe/Tannine Warum sind Bitterstoffe für Mensch und Tier wichtig und gesund? Seit alters her ist bekannt: „Bitter im Mund (Maul) ist für Leber und Magen gesund“. Tannin Produkte können laut aktuellen Forschungen und Stallbeobachtungen die Durchfallthematik in der Ferkelaufzucht verbessern, die Futterverwertung deutlich erhöhen, Methan, Ammoniak im Stall und Gülle reduzieren.

In der Tierproduktion und auch sonst gilt: „Gesundheit zuerst“

Mit der Neuentwicklung von Tannin Faser Produkten, hergestellt aus ganzen Bäumen wie Eiche, Tanne und weiteren Baumarten, werden natürlich vorkommende Bitterstoffe von Bäumen in der Fütterung bei allen Tierarten verwendet. Die zerkleinerten Bäume samt Ästen usw. werden bei rund 86°C über eine Stunde lang getrocknet, sind daher keimfrei und frei von Sonstigem. Wenn Nutztiere in der Freilandhaltung die Möglichkeit haben an Bäume zu gelangen,

fressen diese mit Vorliebe alles von der Eiche, Tanne und Co. Tiere suchen sich immer das „Beste“ in der Natur, so auch die Bitterstoffe. Tiere brauchen für den Stoffwechsel mehr Bitterstoffe! Für die großen Stoffwechselorgane Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse sind Bitterstoffe lebensnotwendig. Die Bitterstoffe in der Tannin Faser sind rein natürlich. Tannine wirken auf die Schleimhäute beruhigend, verbessern die Verwertung der Nahrung, sind hoch basisch, unterstützen die Eiweißund Fettverdauung. Bitterstoffe und Tannine wirken Blähungen (Ausgasungen) entgegen, reduzieren daher Ammoniak und Methan. Tiere brauchen daher für einen optimalen Stoffwechsel Bitterstoffe. Tannin Leckmasse wurde speziell bei Unruhe im Stall entwickelt. Diese wird als anerkanntes Beschäftigungsmaterial verwendet. Die verwendeten Inhaltsstoffe machen die Leckmasse ständig interessant für die Tiere. Leck-, Kraul- und Spieleffekt in Einem. Videos auf der Homepage.

Herbert und Ida Zeilinger sind von der Wirkung der Tannin Faser-Produkte begeistert. Foto: Tannmet 30 | Firmeninformation | 2 2019


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Referenzen Fam. Zeilinger Herbert und Ida Pettenbach OÖ, 70 Zuchtsauen mit Mast Wir sind von der Wirkung der Tannin Faser Produkte, insbesondere der Tannen Kräuter Mischung beeindruckt. Im Ferkel-Absetzbereich verwenden wir Tannin Faser+ als Ersatz für „früher Verwendetes“, sowie Tannin Faser als Rohfaser und Tannen Kräuter. Der „Durchfall“ ist nicht mehr aufgetreten, die Ferkel und Zuchtsauen fressen „wie verrückt“. Im Stall riecht es viel angenehmer. Alles Weitere hat sich sehr positiv verändert. Fam. Gstöttenbauer Georg und Anna Neumarkt Mühlkreis OÖ Zuchtsauen u. Jungsauenvermehrer Tannin Faser wird bei uns schon seit fast zwei Jahren verwendet dies mit durchschlagendem nachhaltigem Erfolg. Anfangs waren wir skeptisch, ob eine „Rohfaser aus Bäumen“ wirken kann. Beim Absetzen verwenden wir Tannin Faser+ sowie Tannin Faser. Auch kommt die Tannin Leckmasse als Beschäftigungsmaterial zum Einsatz. Diese sorgt für Ruhe in der Bucht. Es „riecht“ im Stall angenehmer, auch die Gülle „stinkt“ nicht mehr so wie früher.

Fam. Adlmaninger Ludwig und Regina Uttendorf OÖ 1200 Mastschweine Wir verwenden seit längerem die Tannin Leckmasse als Beschäftigungsmaterial in jeder Bucht. Seither ist „Ruhe“ im Stall. Tannin Faser wird als Rohfaser in die Ration verwendet Weitere Referenzen für Tannin Produkte in der Schweineproduktion und allen anderen Tierarten unter www.tanninfaser.eu.

Nach anfänglicher Skepsis ist auch Georg Gstöttenbauer nun vom Erfolg durch Tannin Faser überzeugt. Foto: Gstötterbauer

Seit dem Einsatz von Tannin Leckmasse genießt Ludwig Adlmaninger mehr Ruhe im Schweinestall. Foto: Tannmet

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Generalversammlung SchweineZucht Steiermark Bei der sehr gut besuchten Generalversammlung der SchweineZucht Steiermark am Mittwoch, 13. März 2019 im Gasthof Schwarz in Paurach, konnte SZS-Obmann ÖR Blasius Gsöls auch zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Begrüßung – Ehrengäste

Bericht Obmann

Unter den zahlreichen Ehrengästen konnte Obmann Göls die Vizepräsidentin Maria Pein und den Leiter Abteilung Tiere Dipl.Ing. Dr. Horst Jauschnegg von der LK Steiermark, Verbandsoberrevisor Ing. Johann Hansbauer vom Raiffeisenverband Steiermark, Amtstierarzt Dr. Albin Klauber, BH Südoststeiermark, TGDGeschäftsführer Dr. Karl Bauer, Dr. Bettina Fasching, Leiterin der Schweinebesamungsanstalt Gleisdorf, Obmann ÖR Ing. Kurt Tauschmann von der Erzeugergemeinschaft Styriabrid, AgrarunionObmann ÖR Alois Hausleitner, Ing. Rudolf Schmied von der Schweineberatung Steiermark, Geschäftsleiter Manfred Schiffer von der Raiffeisenbank Region Feldbach, Geschäftsführer Herbert Telser vom Ferkelring Feldbach, Bgm. Anton Prödl von der Marktgemeinde Kirchbach und Bezirkskammerrat Günter Glatzer begrüßen. Besonders freute sich Obmann Gsöls, dass er viele Jungzüchter bei der Generalversammlung begrüßen konnte.

Obmann Blasius Gsöls berichtet über den Abschluss des Projektes Opti-Zucht. An diesem Projekt haben aus der Steiermark fünf SZS-Zuchtbetriebe sowie die Landwirtschaftsschule Hatzendorf teilgenommen. Das Projekt unter der Leitung von Dr. Christina Pfeiffer von der Universität für Bodenkultur Wien konnte Anfang 2019 erfolgreich abgeschlossen werden. Österreichweit wurden bei 3.323 Würfen acht mütterliche Merkmale und fünf Wurfqualitätsmerkmale erfasst. Das Einzelwurfgewicht wurde bei 43.234 Ferkeln innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt gewogen. Über alle Ferkel hinweg hat das Geburtsgewicht 1,42 kg betragen. Die abgesetzten Ferkel pro Sau und Jahr im Durchschnitt aller Zuchtbetriebe sind bei der Rasse Weißes Edelschwein mit 27,9 Ferkeln wiederum leicht angestiegen. Das bessere Viertel der Zuchtbetriebe hat um die 30 Ferkel. Die steirische Genetik bringt hervorragende Leistungen. Weiters geht Obmann Gsöls auch auf das Projekt „Österreich weiter Zuchtverband“

Obmann Blasius Gsöls bedankte sich in seinem Bericht auch bei allen Partnern für die gute Zusammenarbeit. Foto: SZS

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ein. Zu diesem Thema hat es viele Besprechungen gegeben und die Verhandlungen sind schon weit fortgeschritten. Für die gute Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Steiermark, Schweinebesamungsanstalt Gleisdorf, Schweineberatung Steiermark, Erzeugergemeinschaft Styriabrid, Tiergesundheitsdienst Steiermark und dem Raiffeisenverband Steiermark bedankt sich Obmann Gsöls am Ende seines Berichtes.

Bericht Geschäftsführer Geschäftsführer Tschiggerl geht in seinem Bericht zuerst auf die Rahmenbedingungen ein. Es hat einen weiteren Rückgang der Schweinebestände in Österreich bzw. der Steiermark bei den Sauen und Schweinehaltern gegeben. Weiters hat sich 2018 der niedrige Ferkel- und Mastschweinepreis auch negativ auf den Absatz bzw. die Durchschnittspreise bei den Jungsauen ausgewirkt. Für 2019 geht er wieder von einer erfreulicheren Entwicklung aus und damit verbunden sollten auch die Schweinepreise steigen. Besonders hebt er die Leistungsentwicklung der steirischen Genetik, die trotz des hohen Niveaus weiter gestiegen ist, hervor. Die Einführung der Genomselektion bei den Mutterlinien bzw. beim Pietrain soll diesen Entwicklungsfortschritt noch weiter vorantreiben. Er fordert die Züchter auf, diese Entwicklung auch für ihren eigenen Betrieb zu nutzen und verstärkt zu remontieren. Beim Projekt Opti-Zucht wird es eine zusätzliche Kennzahl – den Vitalitätsindex - in der Zuchtwertschätzung geben, die die Vitalität und Homogenität der Ferkel abbilden wird. Somit ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Herdebuchzucht in Österreich. Damit gibt es auch klare Antworten auf ein nachhaltiges Zuchtprogramm, das von der Gesellschaft immer stärker gefordert wird.


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Ausgezeichnete Zuchtbetriebe und Jungzüchter.

Vortrag Tiergesundheit Nach den Berichten von Obmann und Geschäftsführer referierte Dr. Bettina Fasching über das Thema „Herdebuchzucht und Tiergesundheit“. In der Zucht spielt neben der Leistung der Tiere die Tiergesundheit eine entscheidende Rolle, zumal die besten Leistungen nur bei optimaler Gesundheit erbracht werden können. Die Herdebuchzucht steht an der Spitze der Schweinepyramide und die Arbeit, die dort geleistet wird, multipliziert sich auf die gesamte nachgelagerte Produktion. Aus diesem Grund hat der zahlenmäßig kleine Bereich der Herdebuchzucht so eine zentrale Rolle in der gesamten Schweinhaltung. Im Vortrag wurde die tiergesundheitliche Situation auch im Hinblick auf die europäischen Nachbarn dargestellt.

Foto:SZS

Ein Einblick auf die zukünftig möglichen Entwicklungen wurde gewährt. Besonders hervorzuheben ist, dass eine ehrliche Kommunikation ein zentraler Faktor für den Vermarktungserfolg und die Zufriedenheit der Kunden ist. Die Tiergesundheit in Herden ist dynamisch. Was heute gilt, kann bereits morgen anders sein. Damit umzugehen wird für die gesamte Branche in den nächsten Jahren bei steigenden Leistungen die Herausforderung werden. Zum Schluss wurde noch ein kleiner Einblick in die Tierseuchensituation um Österreich gewährt. Festzuhalten ist, dass Tierseuchen leider nicht immer Saison haben, auch wenn wir in den letzten Jahren im Schweinbereich das Glück hatten, keine zu haben.

Auszeichnungen Für überdurchschnittliche Leistungen im Jahr 2018 wurden zehn Edelschwein- und drei Pietrainzüchter ausgezeichnet. Weißes Edelschwein 1. Ing. Schlacher Anton, Unteraichen 2. Telser Alois, Paurach 3. Ing. Rothwangl Peter, Baumkirchen 4. Ing. Buchgraber Karl, Unterweißenbach 5. ÖR Gsöls Blasius, Obergnas 6. Rumpf Helmut, Neudorf 7. Schadl Franz, Häusla 8. Eitljörg Heribert, Grub 9. Bgm. Prödl Anton, Zerlach 10. Niederl Gabi, Ebersdorf Pietrain 1. Tüchler Robert, Fernitz 2. Lukas Johannes, St. Stefan/R. 3. ÖR Gsöls Blasius, Obergnas

Antrittsbesuch Antrittsbesuch des Burgenländischen Ferkelrings und Schweinezuchtverbands, vertreten durch Obmann Ök.-Rat Anton Binder und Geschäftsführer Ing. Wolfgang Pleier, bei Landesrätin Maga. Astrid Eisenkopf. In einer angenehmen sachlichen Gesprächsrunde, wurden die aktuellen Themen der Bgld. Schweinewirtschaft besprochen. Vor allem die Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest und die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit bei den Präventionsmaßnahmen wurde von beiden Seiten unterstrichen. Auch die Entwicklungen am BioSchweinesektor und die Versorgung von Obmann Ök.-Rat Anton Binder und Geschäftsführer Ing. Wolfgang Pleier landesnahen Betrieben wurden erläutert. besuchten Landesrätin Maga. Astrid Eisenkopf. Foto: Markus Prammer

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Gefüllte Kohlrabi

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Zubereitung

©Rezept und Foto „Gefüllte Kohlrabi“ Herausgeber: AMA

Für das Faschierte Zwiebeln in heißem Fett goldbraun rösten und abkühlen lassen. Faschiertes und das in Wasser eingeweichte, gut ausgedrückte Toastbrot in eine Schüssel geben. Zwiebeln, Eier, Gewürze und Kräuter dazugeben. Brösel dazugeben und die Zutaten locker miteinander verrühren. Vom Kohlrabi Boden und Deckel abschneiden, beim Schälen alle holzigen Teile wegschneiden. Den Kohlrabi mit Kugelausstecher aushöhlen und die Kohlrabikugeln fein hacken. Die Kohlrabi ca. 3 Min. in kochendem Salzwasser blanchieren, herausnehmen und in Eiswasser abschrekken. In der Pfanne etwas Öl erhitzen, fein gehakkte Zwiebel anrösten, gehackte Kohlrabi und Kohlrabiblätter glasig andünsten. Die Mischung überkühlen lassen, zur faschierten Grundmasse geben und gut durchmischen. Die ausgehöhlten Kohlrabis mit der Masse füllen und in eine gebutterte Form stellen. Mit Suppe übergießen, mit Alufolie abdecken und ca. 45 Min. bei 190 °C auf der mittleren Schiene des Backrohrs braten.

Zutaten für 4 Portionen Zutaten für die Faschierte Fülle: 35 dag Schweinefleisch, faschiert Fett oder Öl 4 dag Toastbrot od. 1 Semmel 5 dag Zwiebeln, fein gehackt 1 Ei 3 dag Brösel 1 Knoblauchzehe, fein gehackt ½ TL Majoran 1 TL Petersiliengrün Salz, Pfeffer Weiters: 2 mittelgroße Kohlrabi 5 dag Zwiebeln, fein gehackt 2 Kohlrabiblätter, fein gehackt ⅛ l Suppe etwas Butter

... im VÖS RÄTSEL-Stall Kreuzworträtsel rund ums Schwein

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34 | Rezept & Rätsel | 2 2019

1. In welchem Bundesland Österreichs werden die meisten Schweine gehalten? 2. Schweine haben 4 Zehen, sie zählen zu den ... 3. Ferkel stehen kurz nach der Geburt selbständig auf den Beinen, sie sind im Gegensatz zum Menschen ... 4. Damit die Ferkel gesund bleiben, erhalten sie je nach Art der Immunisierung ab dem 3. Lebenstag eine oder mehrere ... 5. Das Schwein ist ein Symbol für Fruchtbarkeit und W... 6. Die Saugferkel ernähren sich ca. 3-5 Wochen von der ... der Sau 7. Die meisten Schweine sind Mastschweine, die nach Erreichen des entsprechenden Gewichts zur ... gebracht werden. 8. Das Land, in dem weltweit die meisten Schweine gehalten werden, ist ... 9. Bauern bauen das Futter für die Schweine zum überwiegenden Teil selbst auf ihren Feldern an, Mist und Gülle der Schweine werden auf diese Felder wieder ausgebracht. Diese Wirtschaft orientiert sich an einem K... 10. Praktisch alles vom Schwein wird verwertet, auch Haut und ...


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LIKRA-San regt die Verdauung an Mit LIKRA-San, der Kombination aus ausgewählten Kräutern, Gewürzen und ätherischen Ölen, bringt LIKRA ein neues und innovatives Futterprogramm für Schweine auf den Markt. LIKRA-San bewirkt eine stimulierende Geruchs- und Geschmacksbeeinflussung zur Anregung der Futteraufnahme. Zudem wird die körpereigene Produktion an Verdauungssäften vom Maul bis in den Darm der Schweine für eine effiziente Futterverwertung und eine höhere Leistung angekurbelt. In der Praxis verbessern die ammoniakreduzierenden Eigenschaften der pflanzlichen Zusätze deutlich die Qualität der Stallluft. Den antioxidativen sowie antimikrobiellen Eigenschaften der enthaltenen ätherischen Öle werden stoffwechselentlastende und entzündungsreduzierende Wirkungen zugeschrieben. Der Einsatz von LIKRA-San stellt eine wirtschaftliche Alternative in der modernen Schweinefütterung dar. Information: www.likra.com

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