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Österreichische Post AG, MZ 02Z030068 M Verband österreichischer Schweinbauern, Dresdnerstrasse 89,1200 Wien

Ausgabe Österreich 3/2017

Biosicherheit wichtiger denn je! w w w. s c h w e i n e . a t


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Ausgabe Österreich 3/2017 15

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Inhalt

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Leitartikel

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Kommentar

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Interview

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Markt

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Mit dem Rüssel in Brüssel

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Ferkelmarkt

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Recht & Politik

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Zucht

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AMA

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Innovationen

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Beschäftigungsmaterial

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LED

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Rieder Messe

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Fütterung

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Betriebsreportage

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Berichte

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Rezept & Rätsel

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Bericht

IMPRESSUM

Afrikanische Schweinepest

Leistungsprüfung

... bedroht die heimische Schweinehaltung ...

... und Zuchtwertschätzung: ein ausgeklügeltes System für Pietrain ...

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Innovationen

Mehr Licht

... die Landwirtschaftskammern und Fortbildungsinstitute unterstützen künftig noch stärker ...

... bringt mehr Wohlbefinden und mehr Leistung ...

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Zink in der Fütterung

Rezept

... Zink ist essentieller Bestandteil aller Proteine im Säugetier ...

... Schweinsfilet mit Pilzen im Blätterteig ...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Regina Söncksen, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 MINISTERIUM FÜR EIN Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl LEBENSWERTES Titelfoto: © agrarfoto.com Mit freundlicher Unterstützung von ÖSTERREICH

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Josef Brandstätter VÖS-ObmannStv.

Arbeit für die heimischen Schweinebauern Geschätzte Leserinnen und Leser, ich wurde am 30. Mai bei der Mitgliederversammlung des VÖS in Kremsmünster zum Obmann-Stellvertreter gewählt. Ich möchte mich auf diese Weise noch einmal für das mir entgegenbrachte Vertrauen sehr herzlich bedanken und Ihnen versprechen, dass ich mich in Zukunft für die Anliegen der Schweinebauern mit voller Kraft in dieser Funktion einsetzen werde, so wie es auch mein Vorgänger, ÖkR Josef Hieger, getan hat. Für sein Engagement und seine Arbeit möchte ich mich auf diesem Wege noch einmal herzlich bei ihm bedanken. Ich will auch die Gelegenheit nutzen und mich bei Ihnen vorstellen. Ich bin 52 Jahre alt, habe eine Tochter, komme aus der Gemeinde Groß– Gerungs im Bezirk Zwettl im Waldviertel und bin Landwirtschaftsmeister. Vor ca. 25 Jahren habe ich den elterlichen Hof mit mehreren Sparten, damals noch mit Milchproduktion, Saatkartoffelproduktion und Ferkelproduktion, übernommen. Im Laufe der Zeit habe ich mich schrittweise auf die Ferkelproduktion beziehungsweise die Schweinemast spezialisiert. In den Jahren 1998/99 wurde am Betrieb die Milchvieh- sowie Rinderhaltung eingestellt und im Gegenzug in der Ferkelproduktion der Sauenbestand von 40 auf 120 Zuchtschweine ausgeweitet. In den Jahren darauf wurde auch die Saatkartoffelproduktion eingestellt.

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In den Jahren 2005/06 wurden Stallgebäude für 250 Zuchtschweine mit Aufzucht und Mastplätzen für Restpartien errichtet. Die Ferkel werden bis zu 30 kg aufgezogen und über Gut Streitdorf vermarktet, ca. 1500 Schweine werden über die NÖ Schweinebörse verkauft. Da die Feldfrüchte mit Ausnahme der ca. 8 ha Speisekartoffel alle am eigenen Betrieb verfüttert werden, stammt das landwirtschaftliche Einkommen zu ca. 85 – 90 % aus der Schweinehaltung. Ich kann Ihnen also versichern, dass ich mit den Sorgen und Anliegen der Schweinebauern seit mehr als 20 Jahren bestens vertraut bin.


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Erwartungen an die Schweineproduktion Diese Sorgen und Anliegen sind in den letzten Jahren nicht weniger geworden. Ein besonders herausforderndes Thema ist beispielsweise der Stallbau, die dabei einzuhaltenden Bestimmungen und damit verbunden auch der Gegenwind von Seiten der Bevölkerung. Die gesetzlichen Bestimmungen in allen Facetten der Landwirtschaft und der Schweinehaltung werden auf Grund des Drucks von Seiten der Gesellschaft und vor allem der Tierschutzorganisationen nicht weniger. Dazu kommt, dass die Konsumenten beim Kauf von Schweinefleisch auch immer ‚sensibler‘ werden, was Kriterien wie Herkunft, Haltung, Fütterung und dergleichen anbelangt. Was die Erwartungen an die Schweineproduzenten hierzulande anbelangt, hegen auch der Lebensmittelhandel und die Verarbeitungsbetriebe Bedürfnisse. So wird auch auf die Einbindung der Ferkelstufe ins AMA Gütesiegel gedrängt um für das deutsche QS-System fit zu sein und diesen Markt bedienen zu können. Natürlich muss es unser oberstes Ziel sein, die Erwartungen und die Wertschätzung der Konsumenten von österreichischem Schweinefleisch 100%ig zu erfüllen. Der Kunde sollte dabei aber auch verstehen, dass ein hochwertiges Produkt auch einen fairen Preis haben muss. Ich sehe es daher als eine meiner Aufgaben in meiner Funktion im VÖS, die Anliegen der Österreichischen Schweinebauern gegenüber den Behörden, Organisationen und Institutionen so zu vertreten, dass es auch in Zukunft noch möglich ist, Schweinebauer zu werden beziehungsweise bleiben zu können, und damit die Selbstversorgung von Schweinefleisch in Österreich garantieren zu können. Natürlich wird es auch in weiterer Zukunft Veränderungen und Herausforderungen geben und wir werden uns diesen stellen. Aber es muss auch für die Bauern erträglich, zukunftsweisend und nicht zum „Null-Tarif“ sein.

schäden, welche die Landwirtschaft immer besonders treffen. In nahezu allen Bundesländern kam es zu großen Schäden an den Ackerkulturen. Sogar ein Tornado zog durch das südliche Wien und Niederösterreich. Die Auswirkungen des Klimawandels, wie beispielsweise häufiger auftretende Klimaextreme, werden immer öfter sichtbar. Eine besonders große Herausforderung für die Schweinebranche stellt jedoch auch die Afrikanischen Schweinepest dar. Wie Ende Juni bekannt wurde, gab es Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Zlin in der Tschechischen Republik. Das Gesundheitsministerium reagierte daraufhin sehr rasch und veröffentlichte innerhalb weniger Tage eine Verordnung zur Verhinderung der Ausbreitung nach Österreich. Immerhin liegen die Fälle in Tschechien lediglich 80 km von Österreich entfernt. In der Verordnung wurde als gefährdet ein Gebiet nördlich der Donau in den Bezirken Hollabrunn, Korneuburg, Mistelbach, Bruck an der Leitha und Gänserndorf sowie alle Wiener Bezirke definiert. Die Verordnung schreibt für diese Gebiete vor, dass verendet aufgefundene Wildschweine der Behörde gemeldet werden, der Amtstierarzt bzw. die Amtstierärztin Proben entnehmen und eine seuchensichere Entsorgung vorgenommen werden muss. Ebenfalls in dieser Verordnung festgeschrieben ist, dass die Freilandhaltung von Schweinen in diesen Gebieten verboten ist. Davon ausgenommen sind mittels Bescheid genehmigte Freilandhaltungen. Aus meiner Sicht war die Veröffentlichung der Verordnung eine sehr gute Entscheidung, denn es ist jetzt besonders wichtig, durch unterschiedlichste Maßnahmen die Ausbreitung dieser für die Schweinebestände verheerenden Seuche bestmöglich hintanzuhalten. In diesem Zusammenhang zeigt sich, wie relevant die im Jänner dieses Jahres veröffentliche Schweinegesundheitsverordnung ist. Sie ist ein besonders wichtiges Instrument - die Einhaltung von Biosicherheits- und Hygienemaßnahmen ist jetzt wichtiger denn je.

Ausblick Vielfältige Herausforderungen Wir als Landwirte stehen jedes Jahr vor unterschiedlichsten Herausforderungen. Manche können wir selber beeinflussen, andere wiederum nicht, wie beispielsweise das Wetter. Extreme Wetterlagen lassen uns jedes Jahr zittern, seien es die Dürre und ein viel zu trockenes Jahr oder die negativen Folgen eines viel zu nassen und regenreichen Jahres. Besonders heuer gab es wieder viele Hagel-

Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern, Funktionären, Mitarbeitern und allen Beteiligten, die sich für eine positive Weiterentwicklung der Schweinehaltung in Österreich einsetzen. Abschließend möchte ich allen noch einen schönen Herbst mit guten Erntebedingungen wünschen und hoffe, dass der Schweineabsatz und die Preise des ersten Halbjahres 2017 uns noch lange erhalten bleiben.

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Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

Masterplan ländlicher Raum Ende Juli fand in Korneuburg die Präsentation des „Masterplans für den ländlichen Raum“ statt. Initiator des Masterplans ist Bundesminister Rupprechter. Zur Erstellung des Masterplans wurden von 3.000 Teilnehmern in Tagungen, Workshops sowie Expertengesprächen in 8 Bundesländern Perspektiven und Maßnahmen erarbeitet. Wissenschaftliche Unterstützung gab es von Dr. Peter Filzmaier und MMag. Dr. Gottfried Haber von der Donau Universität Krems. Der Masterplan beschäftigt sich mit Themen wie der Landund Forstwirtschaft, Wirtschaft und Umwelt, der Verwaltung, Leben am Land, Infrastruktur, Mobilität, Digitalisierung sowie der sozialen Verantwortung. Im Masterplan werden Ziele definiert aber auch Handlungsoptionen vorgeschlagen. So ist beispielsweise das Thema „Dezentralisierung“ ein oft erwähntes Schlagwort. Diverse Bundesbehörden möchte man daher in den ländlichen Raum verlagern. Diesbezüglich hat man sich auch ein Ziel gesetzt. Es sollen rund 3.500 Dienstposten aus Wien verlegt werden. Als Beispiele solcher Verlegungen nannte man die Bundesanstalt für Bergbauernfragen aber auch die Wildbach- und Lawinenverbauung. Durch die Stärkung des ländlichen Raums, was das Ziel des Masterplans ist, soll auch der Abwanderung entgegengewirkt werden. Jährlich kehren 5.000 gut gebildete Menschen dem ländlichen Raum den Rücken, um im Großraum Wien zu leben. Derartige Zahlen zeigen jedenfalls auf, dass es hier Handlungsbedarf gibt. Das große Interesse an dieser Präsentation, das hochrangige Publikum sowie das Engagement im Vorfeld bei der Erarbeitung unterstreicht die Wichtigkeit des Projektes. Klar ist auch, dass die nächste Bundesregierung hier gefordert sein wird. 3 2017 | Kommentar | 5


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Im Interview: Sven Häuser von „European Pig Producers“ Herr Häuser, Sie sind der Geschäftsführer des Netzwerks „European Pig Producers“ (EPP). Können Sie kurz beschreiben, wer die EPP sind und was Ihre Aufgaben als Geschäftsführer umfassen?

Sven Häuser Geschäftsführer der „European Pig Producers“ Foto: DLG

Wir verstehen uns als internationales Netzwerk von zukunftsorientierten Schweinehaltern, welches seit 1990 einen intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausch betreibt. Dies wird über unterschiedliche Aktivitäten erreicht, z.B. im Rahmen eines jährlichen Fachkongresses, internationaler Studienreisen, Veranstaltungen im Rahmen von Ausstellungen und Messen oder regelmäßigen Newslettern an unsere Mitglieder. Meine Aufgabe als Geschäftsführer ist, diese Aktivitäten zu koordinieren, gemeinsam mit den Ländergruppen zu organisieren und damit die „Austauschplattform“ zu schaffen. Eine Mitgliedschaft ist möglich für Landwirte, die Schweine züchten oder mästen. Institutionen, Firmen und Gesellschaften aus dem Bereich der Schweineproduktion können kooperatives Mitglied werden. Eigenständige Ländergruppen (mit nationalen Aktivitäten) bestehen zudem in Holland, Deutschland, Belgien, Dänemark, Irland, England, Österreich und seit diesem Jahr auch in Finnland und der Schweiz.

Was sind die Ziele der EPP? Die Rahmenbedingungen in den unterschiedlichen europäischen Ländern sind zum Teil zwar sehr unterschiedlich. Es gibt aber auch viele Themen wie z.B. Tierwohl oder Umweltschutz, die alle betreffen und wo man auf Betriebsebene voneinander lernen kann. Der europäische Gedanke spielt bei EPP somit eine entscheidende Rolle. Ein Alleinstellungsmerkmal des Clubs ist – trotz der über 500 Mitglieder - der familiäre Charakter. Bei den Veranstaltungen und gemeinsamen Aktivitäten lernt man sich schnell kennen und viele Mitglieder stehen auch außerhalb der Treffen regelmäßig in Kontakt.

Vor kurzem fand der EPP Kongress 2017 in Stavanger (Norwegen) statt. Was waren die Themen des Treffens? Die norwegische Schweinehaltung ist mit insgesamt 90.000 Sauen und durchschnittlichen Bestandsgrößen von 50 Sauen sehr klein strukturiert. Drei Prozent landwirtschaftlich nutzbare Fläche, Bestandsobergrenzen von 105 Sauen pro Betrieb und 2.100 produzierte Schlachtschweine pro Jahr lassen kein weiteres Wachstum zu, was

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bei einem Selbstversorgungsgrad für Schweinefleisch von nahezu 100 Prozent und einem regulierten Markt auch nicht notwendig ist. Dennoch setzt der norwegische Schweinesektor auf neueste Technologien in der Schweinezucht und einen engen Erfahrungsaustausch mit der Praxis, um Nachhaltigkeit und Tiergesundheit in den Betrieben weiter zu verbessern. Die Fleisch- und Schlachtkörperqualität hat bei den norwegischen Zuchtprogrammen in den letzten Jahren eine stärkere Gewichtung erhalten. Nach dem Leitmotiv „Klasse statt Masse“ bedient man sich dabei auch modernster Prüf- und Zuchtmethoden, wie zum Beispiel der genomischen Selektion, um auch kurzfristig züchterische Erfolge zu erzielen und die individuellen Märkte bedienen zu können.

Bei den European Pig Producers wird viel Erfahrungs- und Wissensaustausch betrieben. Wie schätzen Sie die Lage der europäischen Schweineproduzenten derzeit ein? Viele Schweinhalter in der EU haben einerseits mit steigenden Tierschutz- und Umweltauflagen zu kämpfen und müssen andererseits „Botschafter“ für sich selbst sein, um das Image der Schweinehaltung zu verbessern. Leider gibt es nicht in allen Ländern Organisationen wie die AMA, die für die gesamte Branche gutes Marketing betreibt und somit den Schweinebauern eine dieser Aufgaben abnimmt. Überzeugen konnte ich mich persönlich 2009 bei meinem ersten EPP-Congress in Graz, den

ich gemeinsam mit der Styriabrid und dem VÖS organisieren durfte! In vielen Ländern wird der Strukturwandel aber mit jeder weiteren Auflage zusätzlich verstärkt, so dass es v.a. für kleinere Betriebe immer schwieriger wird, wirtschaftlich zu produzieren. Regionale Vermarktung kann für diese Betriebe eine Lösung sein. Andererseits schaffen Tierwohllabel mit Kompensationszahlungen für Landwirte wie derzeit in Niederlande, Dänemark oder Deutschland praktiziert bzw. diskutiert, bislang nur sehr selten den Durchbruch.

Was sind derzeit Ihrer Meinung nach die größten Trends/Treiber im Zusammenhang mit der Fleischproduktion bzw. dem Verzehr von Schweinefleisch in Europa? Der Lebensmitteleinzelhandel ist für mich aktuell der größte Treiber in Zusammenhang mit der Fleischproduktion. Die großen Player setzen eigene Standards und beeinflussen damit auch – gewollt oder ungewollt - die Politik bzw. den Gesetzgeber. Zu Nutze machen diese sich dabei die zweifelhaften Trends wie „GVO-frei“ oder „Antibiotikafrei“. Hinzu kommt die zunehmende Entfremdung der Bürger von der Landwirtschaft als Folge des Strukturwandels. Immer weniger Verbraucher wissen, wie Lebensmittel produziert, geschweige denn Schweine gehalten werden. Die - zumindest in Deutschland zu beobachtende -

einseitige mediale Berichterstattung trägt ihr Übriges dazu bei. Mit guter Kommunikation kann man hier zumindest partiell gegensteuern.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Schweineproduktion in Europa? In Österreich? Der Zielkonflikt zwischen Tier- und Umweltschutz stellt für mich aktuell die größte Herausforderung dar. Wenn wir diesen beispielsweise mit Hilfe innovativer Stallkonzepte und besserer Nutzung tierbezogener Daten gelöst bekommen besteht die Chance, die gesellschaftliche Akzeptanz zurückzugewinnen. Für mich persönlich kommt der nachhaltigen Produktion über die gesamte Wertschöpfungskette dabei eine wichtige Rolle zu. Miteinander statt übereinander Reden sollte dabei im Vordergrund stehen.

Wenn Sie ein Schweinebauer wären, in welchem europäischen Land würden Sie produzieren wollen? Und warum? Ich habe im Rahmen meiner 10-jährigen Tätigkeit als EPP-Geschäftsführer schon viel über die Rahmenbedingungen der Schweinehaltung in den unterschiedlichsten Ländern gehört und gesehen. Ich bin immer wieder begeistert, wie sich die Schweinebauern den Herausforderungen stellen und die Betriebe entsprechend ausrichten. Von daher fällt es mir schwer, hier eine Auswahl zu treffen.

Bei den jährlichen EPP Kongressen wird diskutiert und viel Erfahrungs- und Wissensaustausch betrieben. Quelle: EPP 3 2017 | Interview | 7


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Knappe Versorgungslage stabilisiert Preisgefüge Mit einem Basispreis von durchschnittlich € 1,51 wurde im ersten Halbjahr 2017 ein Erlös von € 184,86 (inkl. MwSt.) je durchschnittlichem Schlachtschwein erzielt. Die Rentabilität der Schweinemast mit einem DB von € 35,04 war damit sehr zufriedenstellend, die Vollkostendeckung wurde im 1. Quartal erreicht, im 2. Quartal überschritten. Höchst notwendig, wenn man sich an die Verluste von Mitte 2014 bis Mitte 2016 erinnert.

Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse 2017 hat also bisher gebracht, was wir erwartet haben. EU weit wurde um einige Prozent weniger erzeugt, dafür konnten zufriedenstellende Erzeugerpreise erzielt werden. Aber auch absatzseitig war das überaus gut laufende Asien Exportgeschäft hilfreich, wenngleich sich der große Appetit aus China in den letzten Monaten abgeschwächt hat. Grund dafür sind die Dumpingmitbewerber aus Nord- und Südamerika, aber auch der im Vergleich zum US-Dollar seit Jahresbeginn um ca. 8 % härter gewordene Euro. Die recht ausgewogenen Marktverhältnisse im 2. und 3. Quartal waren also primär der knappen Versorgungslage geschuldet. Weitere Preisentwicklungen nach oben waren jedoch nicht umsetzbar, da auch die Nachfra-

ge am Fleischmarkt zunehmend verhaltener wurde. Speziell die deutschen Großabnehmer wie Tönnies und Vion traten mehrmals vehement auf die Bremse und verunsicherten mit Hauspreispolitik das Engagement der Erzeugergemeinschaften. Blickt man auf 2018, so ist aus aktueller Sicht nicht mit einer substanziellen Produktionsausweitung EU-weit zu rechnen. In wie weit diese eigentlich gute Nachricht ausreicht auch das Preisniveau im nächsten Jahr zu stabilisieren, bleibt fraglich. Denn, bei einem Selbstversorgungsgrad von ca. 120 % am EU-Markt ist primär der Drittlandsexport preisbestimmend und hier wiederum die Märkte in Asien.

Idealgewichtkorridor ist seit 6. Juli Optimalkorridor In Anbetracht der Tatsache, dass sich das Schlachtgewicht in den letzten Jahren weiter erhöht hat, sahen wir im Rahmen der Österreichischen Schweinebörse Handlungsbedarf bzgl. Idealgewichtskorridor. Zielsetzung dabei war die Verschiebung des alten Korri-

dors um 3 kg nach oben sowie die Zuschlagserhöhung von 1 Cent auf 2 Cent pro kg Schlachtgewicht. Im Rahmen der Verhandlungen mit der Abnehmerschaft wurden Einwände vorgebracht, wonach besonders fleischreiche Schlachtkörper in der Verkaufskalkulation eher Probleme bereiten. Demnach sei man nicht bereit Schlachtkörper mit mehr als 61 % MFA mit einem Gewichtsbonus von 2 Cent zu begünstigen. Als Ergebnis konnte letztlich ein Kompromiss erzielt werden, wonach der Idealgewichtskorridor mit der Magerfleischmaske verknüpft wird. D. h. seit 6. Juli 2017 gilt der Idealgewichtskorridor von 90 kg bis 102 kg, allerdings nur für Schweine mit mindestens 58 % bis max. 61 % MFA. Erfüllen Schweineschlachtkörper beide Kriterien, so werden diese ab diesem Zeitpunkt mit einem Zuschlag von 2 Cent verrechnet (siehe Grafik). Auch die Bezeichnung dieses Bonuskorridors wurde von Ideal- auf Optimalkorridor geändert. Mit dem neuen Optimalkorridor der nun Gewicht und Muskelfleischanteil berücksichtigt, wird erstmals sichtbar, dass das Streben nach Fleischfülle auch auf unserem Markt seine Grenze bereits erreicht hat. Wer sich zukünftig auf die beiden Qualitätskriterien fokussiert, wird dafür auch belohnt. Bisher lag der rechnerische Mehrerlös durch den Idealgewichtskorridor im Durchschnitt bei 32 Cent je Schwein. Wir rechnen mit einer Verdoppelung dieses Wertes, wobei einzelbetrieblich natürlich auch höhere Zuschläge aus diesem Titel lukriert werden können.

Ö-Börse: Gewichtsab-/zuschläge gültig ab 06.07.2017. Quelle: VLV 8 | Markt | 3 2017


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Mit dem Rüssel in Brüssel Interpig – Die Schweinewelt im Vergleich Rein sportlich betrachtet kann man den Schweinemarkt als eine permanente Europa- bzw. Weltmeisterschaft betrachten. Vereinfacht gesagt geht es darum, wer Schweinefleisch mit geringstem Aufwand bzw. auf effizienteste Art und Weise erzeugen kann. Dies hängt bekanntlich von einer Vielzahl an Einflussfaktoren ab, welche letzten Endes die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes im globalen Vergleich darstellen. Die weltweit einzige Institution, die sich professionell mit dieser Fragestellung auseinander setzt, ist Interpig. Eine Gruppe von ca. 30 Personen aus Europa sowie Nord- und Südamerika, die als jeweilige Ländervertreter ihre nationalen und repräsentativen Daten für den Vergleich innerhalb der Gruppe offen legen. Mehr als 100 spezifische Parameter sind beizubringen, wobei die Qualität der Daten jährlich in ausführlichen Hearings auf deren Belastbarkeit geprüft werden. Das diesjährige Meeting, welches die Zahlen des Jahres 2016 im Fokus hatte, fand kürzlich im holländischen Wageningen statt. Österreich war durch Dr. Schlederer seitens der Schweinebörse sowie DI Martina Gerner von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich vertreten.

Österreich – hohe Kosten, aber auch hohe Preise Die vorläufigen Ergebnisse (siehe Grafiken) der umfassenden Analyse zeigen einmal mehr, dass wir aus österreichischer Sicht bei den Produktionskosten mit € 1,59 pro kg Schlachtgewicht im Spitzenfeld liegen. Im Vergleich zu den Kostenführern in der EU wie Spanien und Dänemark liegen wir da

20-25 Cent höher. Nord- und Südamerika schlägt uns in diesem Ranking gleich um ca. 50 Cent pro kg Schlachtgewicht. Maßgebliche Gründe für diese hohe Differenz sind beispielsweise die Zahl der abgesetzten Ferkel pro Zuchtsau und Jahr, die daraus resultierenden Ferkelkosten sowie die deutlich höheren Investitionskosten bei Gebäudeund Stalleinrichtungen. Die Effizienzsteigerung bei der Sauenfruchtbarkeit ist zwar in Österreich seit Jahren permanent gegeben – mit 24,9 abgesetzten Ferkel pro Zuchtsau und Jahr hinken wir hingegen ca. 5 Stück den nordwesteuropäischen Ländern hinterher. In Verbindung mit der kleinbetrieblichen Struktur und den hohen Arbeits- und Gebäudekosten resultieren in Österreich € 64,2 pro 30 kg Ferkel, während die Kalkulation in Spanien und Dänemark ca. € 15,- darunter liegt. Und Brasilien bzw. USA schaffen es bei der Ferkelkostenkategorie Österreich um € 25,- bis € 28,- je Stück abzuhängen.

Wer billig erzeugt, verkauft auch billig Höchst erfreulich für Österreichs Schweinehalter zeigt sich der Vergleich bei den Erzeugerpreisen. Sieht man von England, wo der

Umrechnungskurs zum Pfund immer etwas verzerrend wirkt, und Schweden, das mit den hohen Tierschutzauflagen auch bei den Produktionskosten in einer eigenen Liga spielt, führt Österreich mit einem durchschnittlichen Nettoerzeugerpreis von € 1,52 das Ranking an. Mit 6 Cent gegenüber Deutschland und 12 Cent gegenüber Dänemark, Holland oder Spanien konnte man durch den Mehrerlös auch einen Großteil der höheren Produktionskosten wieder wettmachen. Persönliche Anmerkung: Dies ist ein Ergebnis des allwöchentlichen Bemühens und phasenweise auch Kämpfens um einen bestmöglichen Schweinepreis. Da nicht davon auszugehen ist, dass sich im Kostenbereich in Zukunft besondere Einsparungspotentiale ergeben werden, bleiben alle Schweinebauern Österreichs aufgerufen die einzige bäuerliche Preisbildungseinrichtung mit den drei Erzeugerorganisationen VLV, Styriabrid und Gut Streitdorf durch aktive Vermarktungsteilnahme in der Marktposition zu stärken. Der Spitzenpreis in Europa ist kein Selbstläufer! Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Grafik 1: Auszahlungspreis/kg Schlachtgewicht. Quelle: VLV

Grafik 2: Produktionskosten/kg Schlachtgewicht. Quelle: VLV

Grafik 3: Abgesetzte Ferkel/Zucht/Sau/Jahr. Quelle: VLV

Grafik 4: Produktionskosten/30kg Ferkel. Quelle: VLV

3 2017 | Mit dem Rüssel in Brüssel | 9


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Ferkelmarkt bleibt heiß Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss

Bis Anfang Juli war der Ferkelmarkt von einer ausgeprägten Nachfragesituation gekennzeichnet und die übliche Schwäche im Mai blieb heuer zur Gänze aus. Zwar führten die leichten Preisrückgänge bei den Schlachtschweinen auch zur einer Rücknahme des Ferkelpreises auf eine Basisnotierung von 2,75 €, an der grundsätzlich positiven Ertragslage hat sich aber grundsätzlich nichts geändert. Weitaus fordernder war für die Ferkelvermittlungen aber die große Julihitze, die durch ein stark vermindertes Wachstum der Mastschweine die Einstallkapazitäten teils deutlich verringerte. Damit kam es auch wieder, regional unterschiedlich ausgeprägt, zu Angebotsüberhängen die man eigentlich nicht mehr gewohnt war. Wie immer um diese Jahreszeit belasten zusätzliche Ferkelpartien aus geschlossenen Betrieben und Direktbeziehungen den Markt. Dadurch und auch mit geringerer Einstallbereitschaft von Mastbetrieben die unter den Grenzen der Vollpauschalierung bleiben wollen entsteht ein Marktdruck der aber bei weitem nicht so stark ausfällt wie in den vergangenen Jahren.

10 | Ferkelmarkt | 3 2017

Die Entwicklung der Quartalspreise (siehe Grafik) ab Mitte letzten Jahres zeigt auch eine deutliche Erholung der Erlössituation nach schwierigen Jahren. Mit einem Durchschnittspreis von 2,90 € im zweiten Quartal wurde eine in den letzten 15 Jahren nicht mehr erreichte Höhe erzielt. Die Hauptursache liegt natürlich darin, dass die Fleischerzeugung im Großteil von Europa rückläufig ist und vor allem bei unserem Nachbarn Deutschland mit einem Minus von 2,2 % doch recht deutlich ausgefallen ist. Gerade die Ferkelproduktion hatte bis Mitte 2016 harte Zeiten hinter sich und es ist noch nicht abzusehen, wann sich die Bestände wieder stabilisieren.


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Die teils extreme Mangelsituation hat auch dazu geführt, dass sich die Ferkelimporte nach Österreich in den ersten 5 Monaten um über 60.000 Stück auf ca. 166.000 Stück erhöht haben. Wenn man bedenkt dass im gesamten letzten Jahr knapp 90.000 Ferkel importiert wurden bekommt diese Zahl eine ganz andere Bedeutung. Zwar sanken die deutschen Lebendexporte wieder um 1% aber Österreich ist wegen der Zahlungsmoral und der Nähe nach wie vor ein beliebtes Exportziel.

Baumaßnahmen zu verzeichnen, alleine der oft unglaublich lange Instanzenzug und die „Begleitgeräusche“ von Aktivisten schrecken viele ab. Es wird von uns anders wahrgenommen, aber diese völlig aus dem Ruder laufenden Genehmigungsverfahren sind mittlerweile zu einem generellen Problem des Standortes Österreich geworden. Angesichts der Probleme um den Flughafen Wien, dem Linzer Westring und vielen anderen Beispielen ist klar erkennbar, wie auch vernünftige Entwicklungen von

einer Handvoll Aktivisten verzögert werden können. Mittlerweile sollte den Verantwortungsträgern bewusst geworden sein, dass in einem Staat, wo keine klaren Entscheidungen gefällt werden, wo „Aber und Vielleicht“ viele Verfahren prägen, letztendlich die gesamte Wirtschaft und Bevölkerung auf der Strecke bleiben. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik (spät aber doch ab Herbst in wahrscheinlich neuen Konstellationen) die schon lange aufgestauten Probleme angeht und einer Lösung zuführt.

Wie kann man entgegensteuern?

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Als Marktteilnehmer sieht man die Kombination von höheren Preisen und Bestandsverlusten naturgemäß mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Gelang es in den letzten Jahren immer wieder durch die gestiegene Leistung einiges an Betriebsaufgaben zu kompensieren, scheint man hier aber dann doch mittlerweile an Grenzen zu stoßen. Zusätzlich ist der Aus-/Umbau von Stallungen aus bekannten Gründe nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Hier wäre die Politik gefordert klare und vollziehbare Rahmenbedingungen mit einem überschaubaren Zeithorizont zu schaffen. Zwar ist schon wieder ein zunehmendes Interesse von Betrieben an

Grafik: Basispreise Ferkel je KW der Jahre 2014-2017. Quelle: Bäck

Entwicklung der Ferkelpreise in Österreich von 2002 bis 2017. Quelle: Bäck

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DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Afrikanische Schweinepest bedroht unsere Schweinehaltung Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich aus Russland und Polen kommend weiter auf EU-Gebiet in Richtung Westen und Süden aus. Aktuelle Lage in der EU Am 27. Juni 2017 wurde die österreichische Veterinärverwaltung darüber informiert, dass in einer tschechischen Region nahe der Stadt Zlin bei 2 verendeten Wildschweinen die Afrikanische Schweinepest festgestellt wurde. Dieses Gebiet liegt nur ca. 80 km von der österreichischen Grenze entfernt. Am 31.Juli 2017 wurde ein Seuchenausbruch in einem Hausschweinebestand in Rumänien bestätigt. Damit sind bereits 6 EU Länder von dieser so gefürchteten Seuche befallen: • • • • • •

Lettland Litauen Estland Polen Tschechien Rumänien

Bis Ende Juli wurden nun bereits knapp 70 verendete Wildschweine in der besagten tschechischen Region positiv getestet. Das einzig Gute dabei ist, dass alle positiven Fälle in einem relativ engen Raum gefunden wurden. Ca. 450 getes-

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tete Wildschweine im angrenzenden Umfeld dieser Zone waren dagegen allesamt negativ.

Hohes Seuchenrisiko in Österreich Da die Entfernung der nördlichen Regionen Niederösterreichs zum Ausbruchsgebiet in Tschechien nur mehr wenige Tagesstrecken von Wildschweineherden beträgt, ist das Seuchenrisiko für die österreichische Schweineproduktion extrem angestiegen.


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Auswirkungen eines Ausbruchs in Österreich

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Gegen ASP gibt es weltweit keinen Impfstoff. Eine Behandlung ASP erkrankter Schweine ist laut Tierseuchengesetz verboten. Damit sind alle befallenen Bestände ausnahmslos zu keulen. Bereits der erste bestätigte Fall von ASP im Wildtierbestand auf österreichischem Gebiet, würde zu unangenehmen Handelsbeschränkungen führen. Der nachgewiesene Befall eines Hausschweines würde jedoch umfassende und weiträumige behördliche Maßnahmen nach sich ziehen, die einen Ferkel- und Schlachtschweinehandel, sowie den Handel mit Produkten daraus massiv einschränken oder zum Erliegen bringen würde.

Gesundheitsministerium erlässt umgehend eine Notverordnung Das Gesundheitsministerium hat bereits am 28. Juni mittels Verordnung ein gefährdetes Gebiet mit Auflagen entlang der tschechischen Grenze festgelegt, das folgende Verwaltungsbezirke Niederösterreichs miteinschließt: Hollabrunn, Tulln, Korneuburg, Mistelbach, Bruck an der Leitha, Gänserndorf und Wien. Auflagen: • Verbot der Freilandhaltung von Schweinen, außer sämtliche Anforderungen der Schweinegesundheitsverordnung werden mit bescheidmäßiger Genehmigung durch die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde erfüllt. • Schweine in Auslaufhaltung sind während der Dämmerungs- und Nachtstunden im Stallungsbereich zu halten, oder müssen mittels dichter Wände vor einem Kontakt mit Wildschweinen geschützt sein. • Besondere Auflagen für die Jagd betreffend, Art und Ausmaß der Bejagung, Melde- und Entsorgungsauflagen gefundener verendeter Wildschweine und direkter und indirekter Kontakt zu Hausschweinen.

Heimische Schweinehalter haben Handlungsbedarf Zum bestmöglichen Schutz des eigenen Schweinebestandes müssen alle heimischen Schweinehalter (egal ob mit Stall- oder Freilandhaltung) dem Thema Biosicherheit

höchste Aufmerksamkeit schenken. Die dazu in der Schweinegesundheitsverordnung aufgelisteten Maßnahmen sollen ohne Aufschub umgesetzt werden: • Ein möglicher direkter Kontakt zwischen Haus- und Wildschweinen ist zu verhindern. Damit ist ein großer Handlungsbedarf bei Freiland- und Auslaufhaltungen gegeben. Die österreichische Schweinegesundheitskommission hat dafür eine Gestaltungsempfehlung herausgegeben, die auch ein Maßstab bei anstehenden behördlichen Bewilligungen sein wird (siehe nebenstehende Empfehlungen). • Personen, die den Stall betreten, müssen eine saubere betriebseigene Schutzkleidung tragen (passende Overall und Stiefel vorbereiten). • Tiertransportfahrzeuge und Verladeeinrichtungen nach jedem Tierverkehr reinigen. • Die Organisation und Logistik der Abholung verendeter Tiere vom Hof durch die Tierkörperverwertungen ist in vielen Fällen beiderseits zu optimieren. • Futtermittel- und Einstreulager müssen vor einem möglichen Wildschweinekontakt geschützt werden. Die Herkunft von organischem Material zum Einsatz als Beschäftigungsmaterial soll bekannt sein. Torf aus östlichen Ländern unbedingt vermeiden. • Eine konsequente Bekämpfung von Mäusen und Ratten muss umgesetzt werden. • An die Schweine dürfen keinerlei Speiseabfälle verfüttert werden.

Unterstützung der Jägerschaft ist wichtig Nachdem das größte Risiko von der Wildschweinpopulation ausgeht, sollte aktuell der Jagdtourismus in besagte Gebiete vermieden werden. Bei einer trotzdem stattfindenden Bejagung von Wild in diesen Ländern durch Jäger aus Österreich dürfen keinesfalls Wildbret oder Trophäen mitgenommen werden. Auch mit benutztem Schuhwerk und verwendeter Kleidung kann Virusmaterial und somit die Afrikanische Schweinepest übertragen werden.

Schweinehalter sind wichtig für das Frühwarnsystem Landwirte und ihre Betreuungstierärzte werden nachdrücklich gebeten, verstärkt Proben zur diagnostischen Abklärung von fieberhaften Allgemeininfektionen, Aborten oder vermehrte Todesfälle in schweinehaltenden Betrieben einzusenden. Die Mitarbeit der Schweinehalter ist entscheidend für ein funktionierendes Frühwarnsystem.

Symptome bei erkrankten Tieren Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft oder andere Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiertheit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter gleichermaßen und führt in nahezu allen Fällen zum Tod des Tieres innerhalb von 7 bis 10 Tagen.

Heimisches Krisenmanagement Das heimische Krisenmanagement, das unter der Verantwortlichkeit und Federführung der Veterinärverwaltung des Gesundheitsministeriums abgewickelt wird, ist umgehend, professionell und unaufgeregt angelaufen. Notwendige erste Maßnahmen wurden ohne Zeitverzögerung veranlasst. Große Herausforderungen werden uns aber in den nächsten Wochen und Monaten erwarten. Insbesondere bei zahlreichen Schweinehaltern besteht noch enormer Handlungsbedarf, damit ihre Herden rasch und bestmöglich vor einem Krankheitseintrag geschützt sind. Es muss dabei auf die Verantwortlichkeit jedes einzelnen für die gesamte Branche appelliert werden. Ob große oder kleine, ob konventionelle oder biologische Betriebe, ob mit Stall- oder Freilandhaltung, alle sitzen bei der Afrikanischen Schweinepest im selben Boot. Es muss von allen Beteiligten ständig hinterfragt werden, ob die Vorbereitungen für eine bestmögliche Krisenbewältigung ausreichend sind. Dies umso mehr, wenn man mitberücksichtigt, mit welch enormen wirtschaftlichen Schäden die Tierhalter und die gesamte nachgelagerte Wirtschaft bei einem Ausbruch der ASP zu rechnen hätten.

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Doppelte Umzäunung Kontaktschutz von Freiland- und Auslaufhaltungen Die in der Schweinegesundheitsverordnung vorgeschriebene bauliche Maßnahme zur Verhinderung eines direkten Kontaktes zwischen Haus- und Wildschweinen wird mit dieser Empfehlung präzisiert und gilt gleichermaßen für Freiland- und Auslaufhaltungen. Lösungsmöglichkeit Variante 1 Dichte Wand mit Fundament (Mauer, Holzwand, …) Mindestens 150 cm Wandhöhe

Lösungsmöglichkeit Variante 2 Doppelte Umzäunung (siehe Skizzen) 1. Außenzaun:

Möglichkeiten des Untergrabungsschutzes: • Zaun 20-50 cm eingraben • Bodenanker • Stromführende Litze auf der Außenseite des Zaunes 2. Innenzaun: • Varianten • Stromführender Litzenzaun + Mindestens 2 Litzen + Bei ferkelführenden Sauen 3 Litzen • Engmaschiges Knotengittergeflecht mit Untergrabungsschutz + Mindestens 110 cm Zaunhöhe 3. Abstand zwischen Innen- und Außenzaun • mindestens 100 cm Technische Empfehlungen zum Knotengittergeflecht • • • •

Maschenweite: „Hasendicht“ Kopf- u. Fußdraht: mindestens Ø 2,45 mm Fülldraht: mind. Ø 1,9 mm Verzinkt, verknotet, nicht verschweißt

Der Zaun muss stets funktionstüchtig sein. Im Bereich der Ein- und Ausgänge gilt ebenfalls das beschriebene Prinzip einer wildschweinsicheren Umzäunung.

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• Mindestens 150 cm Zaunhöhe • Engmaschiges Knotengittergeflecht mit Untergrabungsschutz


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Ein ausgeklügeltes System: Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung beim Pietrain

DI Christian Draxl GF ÖSPA-Streitdorf

Um die für unsere Marktverhältnisse erforderliche Fleischfülle im Mastendprodukt zu erreichen, ist der Einsatz der Rasse Pietrain als Endstufeneber erforderlich. Bis auf wenige Ausnahmen tritt daher ein Pietraineber als Vater unserer Mastschweine auf und liefert somit knapp 50 % der Genetik für unsere Schweinefleischproduktion. Weil dabei überwiegend die künstliche Besamung zum Einsatz kommt, haben die Pietraineber auf den Besamungsstationen eine entscheidende Bedeutung. Einerseits sollen ihre Nachkommen durch gute Mastleistung eine möglichst wirtschaftliche Fleischproduktion ermöglichen, andererseits sollen die erzeugten Schlachtkörper in Punkto Fleischfülle und innerer Fleischqualität den hohen Anforderungen der Verarbeiter und Konsumenten entsprechen. Jeder einzelne dieser Besamungseber kann der Vater von tausenden bis zehntausenden Mastschweinen werden. Das macht es erforderlich,

die Leistungsveranlagung jedes einzelnen Ebers möglichst genau festzustellen. Dazu wird ein zweiphasiges Verfahren angewendet. Für den Ankauf eines jungen Besamungsebers ist neben dem äußeren Erscheinungsbild vor allem ein überdurchschnittlich guter Zuchtwert für Mast- und Schlachtleistung ausschlaggebend. Dieser Ausgangszuchtwert wird auch als „vorgeschätzter Zuchtwert“ bezeichnet, da er auf der Leistung geprüfter Seitenverwandter (Vollgeschwister, Halbgeschwister etc.) und Vorfahren beruht, und somit noch relativ ungenau ist.

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Tabelle 1: Nachkommenprüfung der Pietrain-Besamungseber. Quelle: Draxl In der zweiten Phase werden dann die eigenen Nachkommen des Besamungsebers einer Leistungsprüfung unterzogen. Erst wenn eine entsprechende Anzahl geprüfter Nachkommen vorhanden ist, verfügt der Zuchtwert des Ebers über eine gute Genauigkeit. Dabei kommt es durchaus vor, dass ein Tier mit guten vorgeschätzten Zuchtwerten bei der Nachkommenprüfung durchfällt und aus der Produktion genommen werden muss. Andererseits kann man auch die besten Leistungsvererber mit größerer Sicherheit herausfinden und zur Zucht neuer, leistungsstärkerer Generationen heranziehen. Auch wenn künftig mit Hilfe von GenomInformationen die Genauigkeit der Zuchtwerte von Jungebern verbessert werden kann, kommt der Nachkommenschaftsprüfung eine entscheidende Bedeutung zu. Ziel sollte es daher sein, möglichst alle Besamungseber mit Nachkommen zu prüfen, um den Kunden der Besamungsstationen eine gute Produktsicherheit zu gewährleisten. Da dies aus Kapazitäts- und Kostengründen nicht an der Österreichischen Schweineprüfanstalt alleine erfolgen kann, wird hier seit einigen Jahren umfassend die Feldprüfung eingesetzt.

Wie positiv sich hier die Situation entwickelt hat, zeigt der Vergleich in Tabelle 1: Bei den im Jahr 2005 ins Herdebuch aufgenommenen Pietrain-Besamungsebern erfolgte die Nachkommenschaftsprüfung noch hauptsächlich mit Reinzucht-Nachkommen auf Station, die Feldprüfung war noch ein zartes Pflänzchen. 56,3 % der Eber wiesen gar keine geprüften Nachkommen auf. 2015 ist der Anteil der auf Station geprüften Eber praktisch gleich geblieben, teilt sich aber auf Reinzucht- und Mastendprodukteprüfung auf. Zusätzlich wurden rd. 72 % der Eber auch (oder ausschließlich) mit Nachkommen im Feld geprüft. Nur mehr 22 % der KB-Eber verfügen über keine Nachkommenschaftsprüfung.

Kombination aus Stations- und Feldprüfung Die Kombination aus Stations- und Felddaten ist unter den gegebenen Umständen die beste Variante zur Leistungsprüfung und Selektion der Pietrain KB-Eber. Die praktisch unbegrenzte Kapazität im Feld erlaubt eine Prüfung aller Eber mit einer ausreichend großen Zahl an Nachkommen. Der Aufwand dafür ist bei entsprechender Automatisierung überschaubar. Eine wesentliche Rolle spielen dabei

Grafik 1: Datenquellen, genetische Korrelationen. Quelle: Draxl

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die elektronische Ohrmarke, der Internetsauenplaner mit den entsprechenden Apps, sowie die automatische Ablesung und Datenerfassung am Schlachthof. Die Nachteile der Feldprüfung liegen in der schwierigen Trennung von genetischen und umweltbedingten Einflüssen (Stichwort Betriebseffekt) sowie in der eingeschränkten Merkmalspalette (Schlachtgewicht und Alter --> Nettolebenstageszunahmen, Muskelfleischanteil-Mfa aus der Klassifizierung). Die Daten aus der Stationsprüfung sind daher notwendig, um Informationen über wichtige Merkmale wie die Futterverwertung und die Schlachtkörperqualität (Fleischfülle, Fleischqualität wie Safthaltevermögen, Marmorierung etc.) zu erhalten. Überdies sind die Stationsdaten weniger von Umwelteffekten beeinflusst und ermöglichen es, die genetisch bedingten Leistungsunterschiede zwischen Tieren besser herauszufinden. Die verschiedenen Daten aus unterschiedlichen Quellen in einer Zuchtwertschätzung zu verarbeiten ist eine komplexe Aufgabe. Grundvoraussetzung dafür ist es, die genetischen Beziehungen (Korrelationen, rg) zwischen allen Merkmalen zu kennen. Eine Korrelation größer als 0,8 würde bedeuten, dass es sich um genetisch gleiche bzw. sehr ähnliche Merkmale handelt, eine Korrelation von 0 würde bedeuten,

Grafik 2: Merkmale und Datenquellen Zuchtwertschätzung Pietrain. Quelle: Draxl


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Tabelle 2: ÖSPA, Mast- und Schlachtleistung, Pietrain Prüftiere 2006/2016. Quelle: Draxl dass zwei Merkmale genetisch nichts miteinander zu tun haben. Das soll am Beispiel des Merkmals Fleischfülle näher erläutert werden (siehe Grafik 1. Hier fällt im Rahmen der Stationsprüfung der Mfa aus der Schlachtkörperzerlegung von Reinzucht-Pietraintieren, sowie auch von Mastendprodukten mit Pietrainvater an. Obwohl Merkmalserfassung und Prüfumwelt gleich sind, liegt die genetische Korrelation zwischen Mfa-Reinzucht und Mfa-Mastendprodukt unter 0,8 (bei 0,71). Das heißt, das Mfa-Mastendprodukt muss in der Zuchtwertschätzung als eigenes Merkmal behandelt werden und fließt nicht direkt in den (Reinzucht) Zuchtwert für Fleischfülle ein, sondern - in abgeschwächter Form - über seine Korrelation. Der Mfa aus der Feldprüfung ist schon von der Erfassung her gänzlich unterschiedlich. Er wird aus einem Speck- und einem Fleischmaß ermittelt („Zweipunktverfahren“) und nicht, wie auf Station, aus der Schlachtkörperzerlegung. Die genetische Korrelation zwischen Mfa aus der Klassifizierung im Feld und Mfa-Mastendprodukt aus der Zerlegung auf Station ist mit 0,68 dennoch relativ hoch. Die entsprechende Korrelation zum MFA-Reinzucht Pietrain beträgt mittelmäßige 0,5. Das heißt, auch der Mfa aus der Feldprüfung muss als eigenständiges Merkmal berücksichtigt werden.

Da diese Situation auf beinahe alle Merkmale in der Zuchtwertschätzung für Mastund Schlachtleistung zutrifft, müssen im Endeffekt 14 Merkmale simultan verarbeitet werden:

Auch beim Fleischqualitätsmerkmal Dripverlust konnten trotz weit fortgeschrittener Stresssanierung noch Verbesserungen erzielt werden (siehe Genetische Trends, Grafiken 3 und 4).

Dass dieses komplizierte System gut funktioniert, zeigen die züchterischen Erfolge der letzten Jahre. Es sind überdurchschnittlich hohe Verbesserungen bei der Mastleistung sowie der Fleischfülle festzustellen.

Die Leistungsentwicklungen der PietrainPrüftiere an der ÖSPA bestätigen diese Trends (siehe Tabelle 2).

Grafik 3: Genetische Trends Mastleistung Pietrain. Quelle: Draxl

Grafik 4: Genetische Trends Schlachtleistung Pietrain. Quelle: Draxl

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AMA-Informationskampagne Die Informationskampagne im Rahmen des EU-kofinanzierten Absatzförderungsprogrammes wurde vorerst finalisiert. Mit diesem Maßnahmenpaket wurde die Wertschätzung gegenüber Fleisch verbessert und den Konsumenten ein realistisches Bild der modernen Landwirtschaft gezeigt. Folgende drei Säulen bilden die Basis für diese Kampagne: Kooperationen mit Printmedien sowie redaktionelle Themenbeiträge und Beiträge im Dienste der Öffentlichkeit im TV. Diese thematisieren die zeitgemäßen Produktionsmethoden auf Ebene der Landwirtschaft und Verarbeitung und informieren über Maßnahmen zur Herkunfts- und Qualitätssicherung. Dieses Ziel verfolgen auch redaktionelle Kooperationen.

Kooperationen mit Tageszeitungen und Fachmagazinen

Um ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit zu erreichen, wurden alleine im Frühjahr dieses Jahres 38 ganzseitige sowie 25 doppelseitige Artikel in reichweitenstarken Bundesländerzeitungen lanciert. Damit erschienen in den letzten beiden Jahren mehr als 100 Print-Beiträge in diversen Tageszeitungen. Um das Fachwissen im Verkauf zu stärken, wurden qualitätsrelevante Themen in Fachmedien des Lebensmittelhandels

und der Gastronomie in Form von insgesamt 32 doppelseitigen Artikeln behandelt.

Zusammenarbeit mit Fernsehsendern

Die Kooperationen mit den ORF-Landesstudios Steiermark, Kärnten und Vorarlberg wurden fortgesetzt. So zeigten die TV-Formate „Steiermark heute“ und „Kärnten heute“ auf Initiative der AMA Beiträge über die zeitgemäße Produktion und Erzeugung in der Landwirtschaft. Die TV-Serie informierte über die Leistungen und Herausforderungen der Bauern sowie über Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln. Dreißig Beiträge in der Steiermark, zwanzig in Kärnten und 16 Beiträge in Vorarlberg erklärten die Leistung und Verantwortung der Landwirte und der Be- und Verarbeitung. Zudem erfolgte die Produktion und Ausstrahlung von mehr als 55 Informationsbeiträgen in Privat-TV-Sendern.

TV-Beiträge informierten über die Leistungen der Bauern und über die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln.

Zahlreiche Artikel in bekannten Bundesländerzeitungen und Fachzeitschriften des Lebensmittelhandels im Frühjahr 2017 führen zu mehr Glaubwürdigkeit und Fachwissen über die Produktion von österreichischem Schweinefleisch. Quelle: AMA 18 | AMA | 3 2017


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Beiträge im Dienste der Öffentlichkeit

Das Informationstool der „Beiträge im Dienste der Öffentlichkeit“, kurz BiDÖs, steht ausschließlich staatlichen und gemeinnützigen Institutionen zur Verfügung. Ihre Inhalte sind an strenge rechtliche Vorgaben gebunden.. Die AMA-Marketing wählte zur Umsetzung dieses Format die wirkungsstarke Motiongrafik, also animierte Grafiken. Die Videos dauern zirka fünfzig Sekunden. Die Beiträge werden außerhalb der Werbeblöcke platziert und erzielen damit sehr effizient eine hohe Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit. Die Beiträge im Dienste der Öffentlichkeit wurden auch via Internet und sozialen Medien verbreitet, was für zusätzliche Reichweite sorgte. Zwei Beiträge zu den Themen "Keine unerlaubten Rückstände im Fleisch" und „Mehr Tierwohl“ wurden im Rahmen des EUAbsatzförderungsprogrammes erstellt und ausgestrahlt. Der erste Beitrag vermittelte die strengen Vorgaben, Dokumentationen und Kontrollen, die dafür sorgen, dass Fleisch frei von unerlaubten Rückständen ist. Der Tierwohl-BIDÖ machte auf die hohen gesetzlichen Anforderungen bei der Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere aufmerksam. Mit 36 Ausstrahlungen im ORF sowie 791 Ausstrahlungen in diversen TV-Privatsendern wurde eine Nettoreichweite von mehr als 62 Prozent erzielt.

Grill-Videos im Web machen Lust auf Fleisch Sommerzeit ist Grillzeit. Die AMA macht in ihren Online-Kanälen Lust auf die feurige Zubereitung im Freien.

Eine dreiteilige Serie gibt mit Kurzvideos – zugeschnitten auf das Nutzungsverhalten der jungen Zielgruppe – Tipps rund ums Grillen und wendet sich an Einsteiger und Laien. Unter dem Motto „mach es“ zeigt das erste Video, wo welche Teilstücke von Rind und Schwein zuzuordnen sind und wie sie auf dem Grill perfekt zubereitet werden. Grill-Weltmeister Adi Matzek verrät im zweiten Video Tipps vom Profi. Im dritten Teil werden verschiedene Zubereitungsarten vorgestellt. Die Clips sind auf der Website der AMA sowie auf Facebook und Youtube bis Ende September zu sehen. www.amainfo.at

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Innovationen gemeinsam anpacken Die Landwirtschaftskammern und die Ländlichen Fortbildungsinstitute unterstützen Österreichs Bäuerinnen und Bauern künftig noch stärker bei ihren innovativen Vorhaben. Die LK & LFI Innovationsoffensive mit der neuen Homepage „Mein Hof – Mein Weg“ fungieren dabei als wichtige Leitinstrumente. Alle Interessierten sind aufgerufen, sich aktiv an den Aktivitäten zu beteiligen. Ob Globalisierung, Preisvolatilitäten, Klimawandel oder Qualitätsauflagen: Der land- und forstwirtschaftliche Sektor hat mit unzähligen Herausforderungen zu kämpfen und erlebt einen laufenden Wandel. Veränderungen im Großen bedeuten für den einzelnen Betrieb oftmals, sich weiterentwickeln zu müssen. Was ursprünglich eine Notwendigkeit ist, kann jedoch auch zahlreiche Verbesserungen mit sich bringen. Innovation ist eine Chance, die eigenen Ideen und Wünsche umzusetzen, Krisen zu bewältigen, den Betrieb zu optimieren und abzusichern sowie gleichzeitig auch den gesellschaftlichen Nutzen zu erhöhen.

Österreichweiten Wissensaustausch forcieren Innovationen in der Landwirtschaft hat es im Grunde immer gegeben und es existieren

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bereits viele Methoden, Beratungen und Veranstaltungen zu diesem Thema. Um mit der immer rascheren Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen zurecht zu kommen, haben es sich die Landwirtschaftskammern und die Ländlichen Fortbildungsinstitute jedoch zum Ziel gesetzt, die Innovationskultur in der österreichischen Land- und Forstwirtschaft weiter zu forcieren. Auch soll der bundesländerübergreifende Wissensaustausch gefördert und LKBeraterInnen und LFI-MitarbeiterInnen als kompetente Ansprechpersonen in diesem Bereich ausgebildet werden. Deshalb ist im Sommer 2016 das Bildungspoolprojekt „LK& LFI Innovationsoffensive“ ins Leben gerufen worden. Das Ziel der LK & LFI Innovationsoffensive ist die offensive Förderung der Innovation. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Bewusstseinsschaffung und Motivation für Innovationen, die Initiierung von entsprechen-


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den Projekten durch Veranstaltungen und Bildungsangebote sowie die beratende Begleitung der Bauernhöfe in diesem Prozess. Die konkreten Projektziele sind: • Sensibilisierung: Breite Verankerung des Bewusstseins für die Notwendigkeit innovativer, unternehmerischer Professionalität innerhalb der Landwirtschaftskammern, Ländlichen Fortbildungsinstitute und unter den Landund Forstwirten. • Unterstützung: Hilfe für Land- und Forstwirte bei der Identifizierung und Umsetzung innovativer Ansätze.

© Fenk

• Information und Schulung: Bildungsveranstaltungen für Land- und Forstwirte zur Erarbeitung innovativer Ideen und neuer Konzepte. • Inspiration: Schaffung einer Datenbank von „good and best practice“- Beispielen aus der österreichischen Land- und Forstwirtschaft.

Neue Homepage zeigt Innovationsvielfalt So werden auf der Homepage www.meinHof-meinWeg.at seit dem Sommer 2017 rund 100 österreichische Betriebe aus der Land- und Forstwirtschaft mit innovativen Ideen präsentiert. Interessierte können sich dabei über Möglichkeiten zur Entwikklung agrarischer Betriebe und die Vielfalt der heimischen Landwirtschaft informieren. Durch konkrete Beispiele von PraktikerInnen werden Anregungen und Tipps zur Umsetzung neuer Ideen, zur Unternehmensführung und zur Bestätigung oder Korrektur eigener Weiterentwicklungspläne angeboten. Wer gerne eine Exkursion oder Innovationsreise unternehmen möchte, findet auf der Homepage wichtige Kontaktadressen und Informationen. Die portraitierten Betriebe weisen auch offen darauf hin, dass der Weg zum Erfolg nicht immer nur geradlinig nach oben verläuft und viel Mut, Ausdauer und Durchhaltevermögen in Kombination mit unternehmerischem Denken erfordert. Die Datenbank „Mein Hof – Mein Weg“ wird laufend um neue Betriebe erweitert.

Falls Sie selbst eine innovative Idee umgesetzt haben und interessiert sind, mit Ihrem Betrieb bei „mein Hof – mein Weg“ mitzumachen, dann wenden Sie sich an Lisa Piller vom LFI Österreich, unter l.piller@lk-oe.at oder kontaktieren uns online unter www.meinHof-meinWeg.at/at/formular

„6-Stunden-Denkraum“ zur Schweineproduktion Auch bei den Aus- und Weiterbildungsangeboten will das Ländliche Fortbildungsinstitut verstärkt neue Methoden nutzen. So werden ab Winter 2017 Webinare, also Seminare via Internet, zum Thema Unternehmensführung und Innovation angeboten. Webinare ermöglichen eine ortsunabhängige Teilnahme und stehen auch danach online zur Verfügung. Weiters werden in Workshops und Vorträgen künftig verstärkt Betriebe eingebunden, die auf „Mein Hof – Mein Weg“ zu finden sind. Sie werden einfließen lassen, wie sie Herausforderungen meistern und Erfolgserlebnisse verbuchen konnten. Zusätzlich bieten die ländlichen Fortbildungsinstitute ab der nächsten Bildungssaison verstärkt Seminare an, die das Ziel verfolgen, ungenaue Visionen oder Ideen mit speziellen Kreativitätstechniken weiterzuentwickeln, zu analysieren und in ein Konzept zu verwandeln. Im November ist in Graz etwa ein „6-Stunden-Denkraum“ geplant. Bei dieser Veranstaltung behandeln unterschiedliche gesellschaftliche Akteure gemeinsam mit LandwirtInnen intensiv Probleme in der Schweineproduktion und entwickeln neue Lösungsansätze. Die Landwirtschaftskammer Tirol war Vorreiter in Sachen Innovationsberatung für landwirtschaftliche Betriebsführende. Mittlerweile ist in ganz Österreich ein Netzwerk an Innovationsverantwortlichen in den Landwirtschaftskammern geschaffen worden. ExpertInnen nehmen die Anliegen von innovativen Bäuerinnen und Bauern auf und vernetzen, beraten und koordinieren die Maßnahmen zu diesem Thema. Wer innovativ tätig sein möchte, kann somit ein breites Informations-, Bildungs- und Beratungsangebot in Anspruch nehmen und auf einem reichen Erfahrungsschatz aufbauen.

Abschließend gibt Michael Kirchmair, Innovationsberater der LK Tirol noch ein paar Tipps für das Gelingen für Innovation…. …. mit offenen Augen durchs Leben gehen – man muss nicht immer alles neu erfinden! …. von bestehenden Innovatoren und umgesetzten Ideen lernen! …. Innovation durch Kooperation – Gemeinsam kann oft viel mehr erreicht werden! …. Gespräche suchen mit Konsumentinnen und Konsumenten und einfach nur mal zuhören um herauszufinden, was der Markt braucht! …. und zum Schluss: Nie die Freude verlieren an dem was man tut! Lisa Piller Projektleiterin der LK&LFI Innovationsoffensive

Zitate „Unsere Botschaft: Man muss nicht einen neuen Motor erfinden oder eine revolutionierende Technologie entwickeln. Man muss auch nicht Albert Einstein oder Steve Jobs heißen jeder kann in seinem landwirtschaftlichen Betrieb innovativ erfolgreich sein.“ „Ideen sind unendlich verfügbar! Jeder kann neue Ideen umsetzen, um seine Zukunft zu gestalten und absichern.“

(C) Tscharre

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Praktikables Beschäftigungsmaterial für Mastschweine Der Begriff „Beschäftigungsmaterial für Schweine“ ist im Tierschutzgesetz verankert. Der Gesetzgeber hat dazu in der Änderung der 1. Tierhalteverordnung Plastik bzw. Gummi als alleinige Materialen definitiv ausgeschlossen. Jetzt heißt es für viele Betriebe, das bestehende Beschäftigungsmaterial den neuen gesetzlichen Vorgaben anzupassen. Im Arbeitskreis Schweinemast tauschten die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit verschiedenen Formen aus. Franz Strasser ABL fasst die Ergebnisse davon zusammen.

Was soll Beschäftigungsmaterial können? Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Wie beim Spielzeug für Kinder gilt auch hier: es muss attraktiv und interessant sein. Für Schweine ist etwas interessant, worin sie hineinbeißen können und das sich dabei bewegt. Stroh hätte aus dieser Sicht ohne Zweifel einen hohen Beschäftigungseffekt, da der Wühltrieb damit auch noch ausgelebt werden kann. In der konventionellen Mastschweinehaltung am Vollspalten kann es aber nur in den wenigsten Fällen ohne Probleme eingesetzt werden. Beim Stroh selbst muss auf hygienisch beste Qualität mit geringen Staubanteilen und niedriger Mykotoxinbelastung Wert gelegt werden. Bei Strohraufen können sich die Schweine die Halme selbst durch den engmaschigen „Korb“ ziehen. Eine darunter montierte Auffangschale verhindert ein starkes Verschmutzen und das Stroh bleibt länger interessant.

Holz in Rohr stehend.

Foto: Strasser

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Bewegliche Materialien In vielen Betrieben wird als Beschäftigungsmaterial an Teilen der Aufstallung eine kleingliedrige Kette gehängt, an der ein Stück Polykaloder Fütterungsleitungsrohr eingefädelt ist. Vorteil dieses Materials ist, dass es sehr dauerhaft ist. Nach der neuen Verordnung ist das aber jetzt zu wenig, das bedeutet, es muss beispielsweise ein Holzstück dazu gehängt werden. Die Schweine nehmen es auch gerne an, da sie es mit dem Maul gut fassen können. Für die Tiere ist dabei wichtig, dass sich die Teile bewegen. Holz als Hebebalken, in einem Rohr oder an einer Kette angebracht haben die Schweine als Spielzeug gerne. Das Holzstück kann benagt werden und als Hebebalken montiert bietet es auch die Möglichkeit, es anzuheben und den arttypischen Wühltrieb auszuleben.

Die Schweine beschäftigen mit einem maulgerechten Holz an einer Kette. Foto: Strasser


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Rechtsnorm: Änderung 1.ThVO, Anlage 5, 2.7 • Schweine müssen ständigen Zugang zu ausreichenden Mengen an Materialien haben, die sie bekauen, untersuchen und bewegen können, wie z. B. Raufutter (Stroh, Heu, Maissilage etc.), Hanfseile, Holz, Sägemehl, Pilzkompost, Torf oder eine Mischung dieser Materialien. • Es ist sicherzustellen, dass mindestens einmal am Tag eines dieser Materialien zur Verfügung gestellt wird, wenn bekaubare Spielmaterialien aus Plastik bzw. Gummi verwendet werden. Beim Stroh muss auf hygienisch beste Qualität geachtet werden. Foto: Strasser

Nachteil beim Holz ist die mangelnde Hygiene. Ausgefranste Holzstücke sind oft unsauber, da der Schmutz gut haftet. Weichholz verschließt stark und muss nach jedem Umtrieb erneuert werden. In der Praxis wird auch von Problemen mit abgespaltenen Holzteilen berichtet, die im Gülleabflusssystem oder bei Ausbringgeräten zu Verstopfungen führen.

Aufzeichnungen Die Verordnung sieht vor, dass bei der Haltung von Mastschweinen mit kupierten Schwänzen im Mastbetrieb folgende Aufzeichnungen gemacht werden: • Art und Menge des angebotenen Beschäftigungsmateriales

• Art und Umfang des Auftretens von Schwanz- und Ohrenbeißen • Platzangebot (NEU)

• Diese Materialien dürfen die Gesundheit der Tiere nicht gefährden, auch wenn sie gefressen werden. Die Materialien müssen erforderlichenfalls ersetzt und aufgefüllt werden und so angebracht sein, dass sie mit dem Maul bewegt und bearbeitet werden können.

Am einfachsten ist, wenn diese im Stallkalender gemacht werden.

• Ketten können als zusätzliche Beschäftigung bzw. zur Befestigung der oben genannten Materialien verwendet werden.

Fazit

• Nicht als Beschäftigungsmaterial geeignet sind Materialien oder Gegenstände, die schnell stark verschmutzen wie z.B. am Boden liegende Reifen, Zeitungsschnitzel oder Spielbälle.

Durch die Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung reicht ein Kunststoffrohr an einer Kette als Beschäftigungsmaterial für Mastschweine nicht mehr aus. Je nach Haltungssystem muss sich jeder Schweinehalter das für seine Tiere passende Material suchen. Holz als Material ist eine gute Lösung, da es benagt werden kann und zum Abreagieren des natürlichen Beschäftigungstriebes dient.

• Bei der Haltung von Mastschweinen mit kupierten Schwänzen sind im Mastbetrieb Aufzeichnungen zu führen über: - Art und Menge des angebotenen Beschäftigungsmaterials - Platzangebot - Art und Umfang des Auftretens von für das Tierwohl relevanten Ereignissen, wie z.B. Schwanzbeißen, Ohrenbeißen oder über das übliche Ausmaß hinausgehende Kämpfe. • In Haltungsanlagen mit mehr als 200 Mastplätzen sind die Haltungsbedingungen der Schweine mindestens zweimal im Jahr durch einen Tierarzt beurteilen zu lassen und diese Beurteilungen (z.B. Betriebserhebungen im Rahmen des TGD) zu dokumentieren. • Folgende Parameter sind zu überprüfen: - Beschäftigungsmaterial, Platzangebot, Tiergesundheit, Hygiene, Fütterung, Management, Haltung, Stallklima.

Ein Polokalrohr an einer Kette stellt kein ausreichendes Beschäftigungsmaterial dar. Foto: Strasser

Hier wurde ein Kunststoff-Beschäftigungsmaterial mit Holz ergänzt. Foto: Strasser

• Inkrafttreten dieser Änderung: 1. Jänner 2018 Franz Strasser, ABL

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©Mösenbacher-Molterer

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Mehr Licht bringt mehr Leistung und mehr Wohlbefinden Neben den Stallklimafaktoren Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Staub und Schadgasen ist die Beleuchtung ein wichtiger Eckpfeiler für eine tiergerechte Haltung von Schweinen. Schweine sind grundsätzlich tagaktive Tiere und das Tageslicht ist der natürliche Zeitgeber. Von großer Bedeutung für die Tiere ist der Licht-Dunkel-Wechsel im Laufe des Tages sowie die Zu- und Abnahme der Lichtlänge im Laufe des Jahres. Bei ununterbrochener Dunkelheit, aber auch bei ununterbrochenem Licht, bricht der Tagesrhythmus der Tiere zusammen. Laut 1. THVO muss den Tieren im Tierbereich des Stalles über mindestens acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke von mindestens 40 Lux zur Verfügung stehen. Steht den Tieren kein ständiger Zugang ins Freie zur Verfügung, müssen die Ställe Fenster oder sonstige offene oder transparente Flächen, durch die Tageslicht einfallen kann, im Ausmaß von mindestens 3 % der Stallbodenfläche aufweisen.

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In nachfolgendem Beitrag soll geklärt werden, ob diese Vorgaben den Bedürfnissen der Schweine entsprechen und wie eine dem Stand der Technik entsprechende Beleuchtung optimal in ein Stallgebäude integriert werden kann.

Bedeutung von Licht

In der Tierhaltung hat das Licht mehrere Funktionen – zum einen ist es wichtig für das Sehen von Tier und Mensch, zum anderen ist es unabdingbar für eine umfassende Tierkontrolle. Darüber hinaus ist das Licht auch Zeitgeber für periodisch wiederkehrende, physiologische und ethologische Abläufe.


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Nach eingehendem Studium der Literatur und Einbezug von Anatomie und Physiologie des Auges zeigt sich, dass das domestizierte Schwein immer noch ein Dämmerungsseher und am besten daran angepasst ist. In einer Untersuchung blieb der Tagesrythmus durch Fütterungs- und Pflegeperioden auch bei weitgehend fehlender Beleuchtung aufrechterhalten. 20 Lux, die durch ein Fenster einfallen, genügen noch als Zeitgeber für die jahreszeitliche Periodizität.

ist. Des Weiteren gibt es in Österreich gesetzlich zu erfüllende Vorgaben, welche es einzuhalten gilt. Auch wenn Schweine in der Dämmerung überleben könnten, so ist es gerade für die konventionelle Stallhaltung notwendig, künstliches Licht in angemessener Zeit, Qualität und Intensität zur Verfügung zu stellen, um eine tiergerechte und produktive Schweinehaltung zu ermöglichen.

Beleuchtungstechnik

©Mösenbacher-Molterer

Dunkel brauchen es vor allem Ferkel in der Säugezeit, um eine gute Immunabwehr entwickeln zu können. Werden sie zu lange der Beleuchtung ausgesetzt, verringert sich ihre Fähigkeit, Antikörper zu bilden. Das heißt, sie können sich weniger gut vor einer Infektion schützen. Vor allem während der Nachtstunden soll das Licht im Stall daher ausgeschaltet bleiben. In einer weiteren Studie konnten Mastschweine die für sie angenehmsten Stallbereiche mit unterschiedlich starker Beleuchtung frei wählen. Durch ihr Verhalten bestätigten die Schweine, dass sie Dämmerungstiere sind - Stallbereiche mit Lichtstärken kleiner 4 Lux wurden bevorzugt. Die Mindestbeleuchtungsstärke von 40 Lux wurde von den Schweinen weder stark bevorzugt noch vermieden. Das einzige aktive Verhalten, das von der Beleuchtungsstärke betroffen war, war die Kot- und Harnabscheidung - die Schweine suchten hierfür die heller ausgeleuchteten Bereiche des Stalles auf.

Laut RICHTER (2006) sind zur Beurteilung der Beleuchtung drei physikalische Parameter heranzuziehen: • Beleuchtungsdauer (gemessen in Stunden) • Beleuchtungsintensität (gemessen in Lux) • spektrale Zusammensetzung (gemessen in Nanometer Wellenlänge), wobei häufig nur eine grobe Kategorisierung in infrarote Strahlung, sichtbares Licht und ultraviolettes Licht benutzt wird Natürliches Licht unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von künstlichem Licht. Ein hohes Maß an natürlicher Beleuchtungsstärke (einschließlich UV) kann Sonnenbrand und Hitzschlag beim Schwein verursachen. Schweine benötigen natürliches oder UV-Licht zur Bildung von Vitamin D3, dieses kann aber auch durch eine ausgewogene Fütterung zur Verfügung gestellt werden.

Nur Leistungsstarke LEDs bringen genügend Licht Der durchschnittliche Sauenhalter verbraucht lt. einer Studie des LfL Bayern pro Jahr rund 400 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Sau und der Mäster 40 kWh pro Mastplatz. In beiden Fällen ist die Lüftung der größte Verbraucher. Die Beleuchtung ist mit gut 10% ebenfalls ein großer Stromverbraucher – vor allem bei den Sauen, wo die Infrarotlampen an zweiter Stelle stehen. Aber auch im Maststall kann sich die Investition in eine sparsame Beleuchtungstechnik aufgrund oben genannter Zahlen mehr als auszahlen. Wer sich nun mit dem Gedanken anfreundet, in LED-Technik zu investieren, sollte sich vorab über die angebotene Qualität informieren. Nur leistungsstarke LEDs bringen genug Licht. LED-Lampen verbrauchen deutlich weniger Strom als Leuchtstoffröhren. Aber ab wann lohnt sich der Einsatz der mehr als doppelt so teuren Lichttechnik im Stall? Im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp (D) wurde das genauer überprüft. Für den Versuch wurden mehrere Mastabteile mit unterschiedlichen Lichtsystemen ausgerüstet. Jede LED-Röhre kostete im Vergleich zu herkömmlichen Leuchtstoffröhren (30-45 € inkl. Gehäuse), je nach Qualität und Leistungsstärke 50-95 € (inklusive Kunststoffgehäuse 80 bis 125 €).

Im sächsischen Versuchsgut Köllitsch ergab eine Untersuchung Höchstwerte von 1.073 Lux in den direkt neben den Fenstern gelegenen Buchten (Mittelwert 449 Lux). In den Türbuchten hingegen wurden im Schnitt nur 28 Lux gemessen. Große Fensterflächen und damit extremer Lichteinfall führen dazu, dass sich das Stallinnere erheblich aufheizt. Zudem lassen sich die Fenster je nach Größe des Stallabteiles nicht so verteilen, dass alle Buchten gleichmäßig mit Licht durchflutet werden. Schweine reagieren auf die zusätzliche thermische Belastung, die durch den intensiven Lichteinfall ausgelöst wird, mit einer höheren Wasseraufnahme, um den Hitzestress abzumildern – auch Kannibalismus kann ein Problem werden. Diese Auszüge zeigen, dass eine adäquate Beleuchtung in den verschiedenen Haltungsformen nicht vereinheitlicht werden kann. Klar ist jedoch, dass jedes „zu wenig“ oder „zu viel“ langfristig kontraproduktiv

Die Beleuchtung ist beim Einsatz herkömmlicher Leuchtmittel wie z.B. Infrarotleuchten mit gut 10% ein großer Stromverbraucher. Foto: Mösenbacher-Molterer 3 2017 | LED | 25


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Bedenkt man, dass bei LED-Beleuchtung verschiedene Farbspektren möglich sind, so ist auch eine Untersuchung aus dem Haus Düsse interessant, welche den Einfluss von blauem Licht auf Mastschweine testete. Die Tiere waren insgesamt ruhiger und entspannter - mitunter durch weniger Rangordnungskämpfe. Des Weiteren ergaben sich höhere Magerfleischanbei gleichen teile Zunahmen. Erschwert waren jedoch die Tierkontrolle sowie die Beurteilung des Kots (Unterschied zwischen dunk-lem Kot und Blut). Vorteile des blauen Lichtes sieht man vor allem Luxmeter zur Messung der Beleuchtungsstärke. Mittels bei der Neueingliedeeiner Sechs-Ebenen-Messung wird in Tierkopfhöhe nach rung von Sauen, im oben und nach unten sowie in alle vier Himmelsrichtun- Abferkelbereich sowie in gen ein Durchschnittswert ermittelt. der Mast bei KannibalisFoto: Mösenbacher-Molterer musproblemen. Das Ergebnis war eindeutig: ab 3.300 Stunden Beleuchtungsdauer pro Jahr bzw. gut neun Stunden je Tag lag die hochwertige LED-Technik bei je 10 installierten Lampen und einer vergleichbaren Lichtstärke preismäßig klar vorn. Um die Entscheidung zu vereinfachen, stehen im Internet Amortisationsrechner als Hilfsmittel zur Verfügung, um die Kosten einer LED-Installation im Vergleich zu einer Beleuchtungsanlage mit konventionellen Leuchtmitteln zu sehen, auch eine Beleuchtungsplanung vom Profi ist notwendig.

Schrittweise umrüsten Um zu prüfen, ob man mit der neuen Lichttechnik zurechtkommt, wäre eine Möglichkeit, erst abteilweise umzurüsten. Unumgänglich ist eine Beleuchtungsprobe in den Abteilen, um einer möglichen Schattenbildung vorzubeugen. Für einen sparsamen Gebrauch der Stallbeleuchtung gibt es die Möglichkeit, die Beleuchtung so umrüsten zu lassen, dass abends nur noch die Notbeleuchtung in den Abteilen anspringt (LEDs mit 3 Watt).

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Bei großer Auswahl auf Qualitätskriterien achten Hinsichtlich der LED-Technik gibt es bereits viele Fabrikate auf dem Markt. Absehen sollte man von Billigangeboten aus dem Internet – unerlässlich ist ebenso mind. Schutzklasse IP 65 und höher (Schutz gegen Staub und Spritzwasser) sowie ein TÜV-/ENEC-Prüfsiegel für elektrische Komponenten, ggf. GS-Prüfsiegel und CE-Zulassung. Für die Landwirtschaft gibt es eigens entwickelte Lampen bzw. Gehäuse, welche zusätzlich noch vor Ammoniak geschützt sind, um den hohen Ansprüchen der Landwirte gerecht zu werden. Produkte, welche für einen Einsatz in der Schweinehaltung sehr gut geeignet sind, gibt es z.B. von Hölscher+Leuschner mit der „stalLED“, welche neben hoher Energieeffizienz über eine zusätzliche Dimmmöglichkeit verfügt. Die Firma Big Dutchman hat die „BD LED Wannenleuchte Zeus“ im Angebot – eine dimmbare und flackerfreie Lampe, bei welcher zur Vermeidung des Blendeffekts bei niedrigen

Deckenhöhen optional ein Diffusor erhältlich ist. Eine weitere Lampe ist die LED-Feuchtraumleuchte „FarmSTAR“, welche im landwirtschaftlichen Fachhandel verfügbar und ebenfalls gut geeignet für den rauen Einsatz in nassen, feuchten oder staubigen Umgebungen ist. Man sieht: das Angebot ist groß, aufgrund der vorgegebenen Qualitätskriterien grenzt sich der Suchradius jedoch sehr schnell ein. Eine Nachfrage lohnt sich auf jeden Fall auch beim örtlichen Elektrounternehmen.

Schlussfolgerungen

Eine generelle Aussage für die perfekte Beleuchtung eines Stalles ist nicht möglich - es kommt immer auf die Tierart, die interne Aufteilung, Lichteinlässe und auch die Abläufe im Stall an. Generell ist eine gleichmäßige Beleuchtung von Vorteil, das heißt mehrere Lampen und niedrigere Wattzahlen sind besser, als eine große bzw. punktuelle Beleuchtungseinheit. Wer in Zukunft auf LED setzt, sollte sich zur optimalen Nutzung dieser sparsamen Beleuchtungstechnik auch über ein Lichtprogramm Gedanken machen – gerade im Sauenbereich zur Verbesserung der Rauscheintensität (200-300 Lux im Kopfbereich nach dem Absetzen, 12-14 h täglich), aber auch in der Mast zur Intensivierung der Aktivität/Futteraufnahme. Essentiell sind für eine gute Beleuchtungsplanung in erster Linie eine optimale Unterstützung der Leistungsfähigkeit der Tiere sowie eine Steigerung des Wohlbefindens. Hinsichtlich Beleuchtungsstunden und Lichtregime kann ein Zuviel oder Zuwenig entweder Energie verschwenden oder für eine suboptimale Umgebung sorgen! Das im Jahr 2017 neu erschienene DLGMerkblatt (Nr. 420) gibt weitere Auskünfte über die Beleuchtungstechnik für Schweineställe.

Irene MÖSENBACHER-MOLTERER Eduard ZENTNER HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Abteilung für Stallklimatechnik und Nutztierschutz


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Landwirtschaftsmesse Ried 2017 Wichtige Informationen zur Schweineproduktion werden während der Landwirtschaftsmesse von 6. bis 10. September im Kompetenzzentrum Schwein angeboten (Halle 34, Areal zwischen SZV-Halle und Baulehrschau). Schweinekompetenzzentrum – Alles Rund ums Schwein Die Ausstellung steht heuer unter dem Motto „Bunte Schweineschau“. Die Landwirtschaftskammer, der VLV und der SZV präsentieren ihr Angebot für Bäuerinnen und Bauern in Sachen Schweinehaltung. Für die Konsumenten werden ebenfalls aufschlussreiche Informationen angeboten.

VLV - Alles über Vermarktung und Interessenvertretung Der Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) präsentiert seinen Leistungsumfang in Sachen Vermarktung, Beratungs- und Serviceangebote, sowie Qualitätssicherung und Interessenvertretung. Gezielt präsentiert werden das Medikamenten- und Ökonomiemodul für Sauen- und Mastplaner. Die gesetzlichen Änderungen bei Kastration, Schwanzkupieren und beim Beschäftigungsmaterial werden dargestellt und Umsetzungsmöglichkeiten vorgestellt. Weiters werden die Herausforderungen der Eingliederung der Ferkelstufe in das AMA-Gütesiegelprogramm aufgezeigt. Ebenfalls vertreten sind die „Jungen Veredler“. Sie werden Themen ansprechen, die besonders für die nächste Generation der Schweinebauern interessant ist. Ein besonderes Augenmerk wird heuer auf das Angebot einer Ertragsschadenversicherung für Schweinehalter gelegt: • Mitgliedschaft bei Ferkel- oder Mästerring / Qualitätsprogramme • Vermarktungsfragen für Ferkel u. Schlachtschweine • Verrechnungsservice • Betriebszweigkontrolle • Betriebsberatung, Spezialberatung • Arbeitskreise • Strom- und Photovoltaik Projekt • Scannerservice u. Stallklimaberatung • Versicherungsservice, LüftungsausfallSolidarhaftung • Interessenvertretung

Genuss mit Gustino Als traditionelle Labestation für alle Messebesucher ist der Gustino-Grillpavillon bekannt. Zum Messejubiläum neu gestaltet und vergrößert, wird die ganztags warme Schmankerlküche auch diesmal den Appetit auf Gustino-Schweinefleischgerichte anregen und stillen.

von Abferkelbuchten mit mehr Bewegungsmöglichkeit für die Muttersau wird vorgestellt. In der Schweineschau wird eine der getesteten Abferkelbuchten in Echtbetrieb präsentiert. DI Johann Stinglmayr LK OÖ, VLV

LK OÖ. - Alles über Produktion Die Experten der Beratungsstelle für Schweineproduktion informieren im Schweinekompetenzzentrum zu folgenden Themen: Stallbauberatung Die Beratung steht Ihnen zu Fragen der Grundrissplanung, der Stalltechnik und der Baukosten sowie bei der Erstellung individueller Betriebskonzepte zur Verfügung. Die Umsetzung der Schweinegesundheitsverordnung auf den Betrieben steht in Zeiten von erhöhtem Seuchenrisiko besonders im Vordergrund.

Auch heuer werden wieder zahlreiche Interessierte auf dem VLV-Stand erwartet. Foto: VLV

Fütterungsberatung Geeignete Rezepturen, die Preiswürdigkeit von Futtermitteln und die Futterhygiene stehen im Mittelpunkt der Beratung. Die Verfütterung heimischer Eiweißfuttermittel soll forciert werden, damit die Umweltbelastung nachhaltig reduziert werden kann. Produktionsberatung Lassen Sie sich über Maßnahmen zur Ausschöpfung von Leistungspotentialen in der Sauenhaltung, Ferkelproduktion und Schweinemast informieren. Zur Unterstützung des Betriebsmanagements werden die Onlineversionen von Sauen- und Mastplaner vorgestellt. Nicht nur für wachsende Betriebe spielt die Arbeitskräfte- und Arbeitszeitplanung eine ganz gewichtige Rolle. Wir möchten Sie dabei gerne unterstützen. Pro-SAU Der aktuelle Stand des bundesweiten Projektes zur Entwicklung und Überprüfung

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Zink in der Schweinefütterung Zink ist essentieller Bestandteil von ~30 % aller Proteine im Säugetier. Eine Vielzahl davon sind an der Regulation der Proteinbiosynthese beteiligt. Es gibt daher keinen einzigen Stoffwechselpfad, der nicht in der einen oder anderen Weise von einem Zinkprotein abhängt. In diesem Zusammenhang überrascht es kaum, dass klinischer Zinkmangel mit einer Reihe unspezifischer Symptome assoziiert wird, die aber letztendlich den Totalausfall bestimmter Stoffwechselfunktionen des Organismus widerspiegeln. Moderne Schweinerationen müssen mit Zink ergänzt werden Der erste Bericht zur Wichtigkeit von Zink für das Schwein wurde 1955 veröffentlicht und beschreibt die Entstehung ernster Wachstumseinbrüche, Entzündungen und Schädigung der Haut bis hin zum Tod von Schweinen, die Getreidediäten mit nativen Zinkgehalten zwischen 3344 mg/kg Futtermittel (88% Futtertrockenmasse, TM) erhielten. Nach einer gezielten Zulage von Zinkcarbonat traten diese Probleme nicht mehr auf. Diese Fallstudie zeigt eindrücklich, wie notwendig eine Zinkergänzung in der praktischen Schweinefütterung ist. Mittlerweile weiß man, dass neben den Gesamtzinkgehalten in der Ration die allgemeine Rationszusammensetzung von entscheidender Bedeutung ist. Insbesondere die Phytinsäure (Speicher für Phosphat in der Pflanze) spielt hier eine tragende Rolle. 28 | Zink | 3 2017

Unter neutralen Bedingungen (pH 7) bildet sie unlösliche Verbindungen mit zweiwertigen Kationen (darunter auch das Zink als Zn2+) und entzieht diese so der Absorption aus dem Magen-Darmtrakt. Zudem kann auch eine Unausgewogenheit in den Gehalten anderer Mengenund Spurenelemente im Futter (z. B. hohe Eisenund Kalziumgehalte durch erdige Verunreinigungen oder Mischungsfehler) die Zinkverwertung reduzieren, indem sie um Transportmechanismen im Magen-Darmtrakt konkurrieren. All diese Faktoren führen dazu, dass z. B. der Zinkbedarf wachsender Ferkel unter praktischen Fütterungsbedingungen im Bereich von ~50 mg/kg Futter (88 % TM) liegt. Demgegenüber würde bei einer Fütterung von Phytat-freien Rationen mit ausgeglichenen Gehalten an Mengen- und Spurenelementen, eine Konzentration von lediglich ~15 mg/kg (88 % TM) im Futter für die Deckung des Gesamtbedarfs an Zink ausreichen. Dieser enorme Unterschied zeigt, welch massiven Einfluss die Zusammensetzung des Futters auf die Verwertung des Zinks hat.


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Zinkbedarf deutlich unter geltenden Versorgungsempfehlungen Es besteht also eine deutliche Diskrepanz zwischen Bedarf und Versorgungsempfehlung. Wie bereits erwähnt liegt der Bruttozinkbedarf wachsender Schweine bei ~50 mg/kg Futter (88 % TM). Die deutsche Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) empfiehlt Mindestgehalte im Futter von 100 mg/kg TM. Auch in den anderen Altersklassen finden sich ähnlich hohe Sicherheitsmargen in den Empfehlungen (60 vs. 30 mg/kg TM Futter bzw. 50 vs. 35 mg/kg TM Futter für wachsende Schweine mit 20-120 kg Lebendmasse). Diese deutlichen Überschüsse erklären sich durch eine große Unsicherheit hinsichtlich möglicher Schwankungen des Zinkbedarfs in Abhängigkeit zur Rationszusammensetzung (z.B. Phytatgehalte, Gesamtzinkgehalte, eingesetzte Zinkverbindungen etc.) und dem möglichen Auftreten unvorhersehbarer Ereignisse, die den Bedarf vorübergehend ansteigen lassen können (z.B. Infektionen, Stress).

Viel hilft viel? – Gefahren und Nutzen exzessiver Zinkmengen im Schweinefutter Untersuchungen in europäischen Schweine- und Rinderbetrieben offenbarten bis zu fünffach höhere Zinkgehalte in der Schweinegülle (~1500 mg/kg Trockenmasse) im Vergleich zu Rindergülle (~ 300 mg/kg Trockenmasse). Derart hohe Mengen erklären sich nur durch den exzessiven Gebrauch von Zinksalzen in der Fütterung. Abgesehen von der Sicherstellung bedarfsdeckender Gehalte in den Rationen dürfte auch der Einsatz sogenannter „pharmakologischer“ Zinkmengen im Zusammenhang damit stehen. In der Tat konnte gezeigt werden, dass Absetzferkel die mit hohen (pharmakologischen) Mengen Zinkoxid über die Ration versorgt werden (>2000 mg Zn/kg Futter, 88 % TM) eine Stabilisierung ihres Leistungspotentials sowie der Darmgesundheit erfahren. Derartige Beobachtungen erklären sich nicht über die Sättigung des metabolischen Bedarfs sondern stellen eine Zusatzwirkung dar, die aus einer veränderten Interaktion zwischen dem Organismus und den Darmmikroben resultiert. Trotz intensiver Forschung ist nicht restlos geklärt wie diese Effekte wirklich zustande kommen. Klar ist allerdings, dass hohe

Mengen an überschüssigem Zink in der Ration, negative Auswirkungen für die Umwelt sowie die Gesundheit von Verbrauchern und Nutztieren haben können. Denn neben seiner essentiellen Natur hat Zink auch ein starkes toxisches Potential, wenn es in zu hohen Gehalten in einem biologischen System auftritt. Zu den negativen Umweltauswirkungen zählen unter anderem eine Beeinträchtigung des Pflanzenwachstums, eine Anreicherung von Zink im Grundwasser und ein Anstieg von antibiotikaresistenten Keimen im Verdauungstrakt bzw. der Gülle bei hohen Zinkgehalten. Abgesehen davon können Zinküberschüsse aus der Fütterung sich zu einem gewissen Maß auch im Tierkörper anreichern. Davon betroffen sind vor allem Gewebe die an der Umverteilung und Ausscheidung von Zink im Körper beteiligt sind (Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse usw.). Mit einer Anreicherung von Zink im Gewebe geht immer ein erhöhter oxidativer Stress einher. Dies stellt eine vermeidbare Stoffwechselbelastung dar. Die negativen Auswirkungen exzessiver Zinkgehalte in Tierfutter sind auch den gesetzgebenden Instanzen bekannt, weswegen insbesondere pharmakologische Dosierungen innerhalb der Europäischen Union nur unter tierärztlicher Aufsicht erfolgen dürfen. Allerdings gibt es ernsthafte Anstrengungen auf europäischer Ebene, auch den Gebrauch von hohen Zinkoxidgaben im Rahmen einer veterinärmedizinischen Intervention innerhalb der nächsten fünf Jahre zu verbieten.

„Precision Feeding“ von Zink! – Aber wie? Die Europäische Kommission hat 2016 die zulässigen Höchstmengen an Zink im Tierfutter abgesenkt (150 mg/kg für Ferkel, 120 mg/kg für Schweine anderer Altersklassen, bei 88 % TM). Es muss davon ausgegangen werden, dass es mittelfristig zu einer weiteren Anpassung der Höchstmengen kommen wird, insbesondere für Rationen mit Phytasezulage. Demzufolge nimmt das „Fenster“ ab, innerhalb dessen Sicherheitsmargen in der Zinksupplementierung eingesetzt werden können. Die Praktiker müssen also in Zukunft den Zinkbedarf ihrer Herden weitaus präziser ausfüttern. Dies gestaltet sich derzeit jedoch noch schwierig, da Unsicherheit über den jeweiligen Zinkbedarf unter verschiedenen Haltungs- und Fütterungsbe-

dingungen herrscht, zumal die den derzeitigen Bedarfsempfehlungen zugrunde liegenden Experimente bereits mehrere Jahrzehnte zurückliegen. Daher muss die Forschung in nächster Zeit verstärkte Anstrengungen unternehmen, um diese Informationslücken zu schließen. Nur so können verlässliche Praxisempfehlungen formuliert werden, die eine präzisere Ausfütterung der Zinkbedürfnisse ermöglichen.

Fazit Ob nun durch den Einsatz pharmakologischer Zinkdosen oder schlicht durch Einhaltung der geltenden Versorgungsempfehlungen – moderne Schweinerationen enthalten grundsätzlich deutlich mehr Zink als für die Deckung des metabolischen Bedarfs notwendig wäre. Damit gehen hohe Zinkemissionen aus der Schweinehaltung einer, die das Potential haben, sich auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen und im Grundwasser anzureichern. Der Praktiker muss künftig die bedarfsdeckende Versorgung seiner Herde in deutlich engeren Grenzen gewährleisten. Hierzu ist die Bereitstellung verlässlicher Informationen nötig, die die Veränderung des Zinkbedarfs von Schweinen entlang des Produktionszyklus darstellen sowie dessen Veränderung in Abhängigkeit von der Rationszusammensetzung und Umweltfaktoren (Stress, Pathogene).

Daniel Brugger, M.Sc. Prof. Dr. Wilhelm M. Windisch Lehrstuhl für Tierernährung Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt, Technische Universität München

Moderne Schweinerationen enthalten deutlich mehr Zink als für die Deckung des metabolischen Bedarfs notwendig wäre. Grafik: Puntigam 3 2017 | Zink | 29


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Bester Gesundheitsstatus ist bedeutend Wer langfristig kostendeckende Leistungen in der Ferkelerzeugung erzielen will, braucht einen gesunden Tierbestand. Aber auch die Umsetzbarkeit anderer wichtiger Kriterien, wie Tierwohl, Lebensmittelsicherheit, Reduktion des Tierarzneimitteleinsatzes hängt in hohem Maße von der Stabilisierung der Herdengesundheit ab. Während in vielen Produktionssystemen Zuchtsauenhalter die bestehende Sauenherde im Krankheitsfall gegen eine Herde mit hohem Gesundheitsstatus austauschen („depop and repop“), ist dies in Österreich erst bei wenigen Betrieben erfolgt. Aufgrund eines PRRS Ausbruches hat sich ein Herdebuchzuchtbetrieb zu diesem Schritt entschlossen. Wie die Maßnahmen abgelaufen sind und ob sie Erfolg brachten, erläutert Tierarzt Mag. Ferdinand Entenfellner, Fachtierarzt für Schweine.

Gesundheitsstatus und Genetik Neben der Verbesserung des Gesundheitsstatus wurde von Familie Willim eine weitere Steigerung der Sauenfruchtbarkeit angestrebt. Durch seine guten Erfahrungen mit französischen Linien entschied sich der Züchter für den Ankauf von fruchtbaren Edelschwein-Reinzuchttieren aus Frankreich.

Die gezielte Anpaarung mit heimischen Landrassebern garantiert fruchtbare F1Jungsauen mit guter Mast- und Schlachtleistung der daraus entstehenden Mastferkel. Von besonderer Bedeutung für den Herdebuchzüchter war der gewünschte Gesundheitsstatus der Tiere. Die Tiere sollten frei von Erregern folgender Krankheiten sein: • • • • •

PRRS – Porcines reproduktives respiratorisches Syndrom APP - Actinobacillus pleuropneumoniae Schnüffelkrankheit - Rhinitis atrophicans Dysenterie - Brachyspira hyodysenteriae Mycoplasma hyopneumoniae

Um die „Leerlaufzeit“ für den Betrieb wirtschaftlich erträglicher zu gestalten, entschied man sich für ein „offsite breeding – Verfahren“: während alle Zuchtsauen den Betrieb nach dem Absetzen verlassen und Ferkel als Babyferkel verkauft werden, erfolgt in einem Quarantänestall bereits die Synchronisation und Belegung der Jungsauen für die „neue Sauenherde“. Der Start für die Repopulierung fand schließlich im Herbst 2016 statt, nachdem die letzten Tiere vom Betrieb verbracht wurden und der Betrieb restlos geleert worden war. Während dieses Leerstandes wurden alle Ställe gründlich gereinigt, die Spalten ausgebaut und alle Güllekanäle gewaschen. Zusätzlich wurden die Futterleitungen, -automaten und Teile der Lüftungsanlage demontiert, um alle Bereiche vollständig reinigen zu können. Danach wurden alle Stallbereiche zweimal ordnungsgemäß desinfiziert.

„Alte Genetik“ Im Betrieb von Fam. Willim wurde durch die Verbesserung des Gesundheitsstatus auch die Steigerung der Sauenfruchtbarkeit erreicht. Foto: Willim

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Um in Hinblick auf die österreichische Pietrainzucht nicht das gesamte genetische Potential des Betriebes zu vernichten,

wurden einige wertvolle Pietrain-Zuchtsauen und eine Edelschwein Zuchtsau in einer eigenen „Sonderquarantäne“ aufgestallt und synchronisiert. Nach Schutzimpfungen und einer „Abkühlzeit“ in dieser Quarantäne wurden die Tiere terminorientiert zur ersten Jungsauengruppe der neuen Herde belegt. Eine Woche vor dem erwarteten Abferkeltermin wurden von diesen hochtragenden Sauen nochmals Blutproben und Tupferproben entnommen und untersucht, um ein Kontaminationsrisiko weitgehend auszuschließen. Danach hatte man die Tiere täglich mit einem Gestagen behandelt, um eine zu frühe Abferkelung zu verhindern. Nachdem die ersten Jungsauen abgeferkelt hatten, wurden die Ferkel der Altsauen nach einer Sectio Porro in der Duschschleuse steril entwickelt und den Jungsauen als "Leihmütter" zugesetzt.

Luftfilter zur Risikominimierung Die Reinzuchttiere wurden in verschiedenen Altersgruppen (5 Wochen-Rhythmus) angeliefert. Voraussetzung für die Transportfreigabe war ein negativer Befund bei allen geforderten Untersuchungen. Da der Transport für den Gesundheitsstatus ein besonderes Risiko darstellte, wurde dieser mit einem speziellen Luftfilter-LKW durchgeführt. Neben dem LKW wurde auch die Quarantäne mit einem Zuluft-Luftfilter (HEPA-Filter) ausgestattet, um das Risiko eines Krankheitseintrages über die Luft zu minimieren. Der Bestandsneuaufbau erforderte hohe Anforderungen an die Biosicherheit, um Keim- und Krankheitseintragungen in die neue Herde zu verhindern. Das Verbot der Zufahrt betriebsfremder Fahrzeuge (z.B. Tierkörperbeseitigung), die Errichtung einer Verladerampe und die Kadavertonne an der Betriebsgrenze sollen das Risiko durch Transportfahrzeuge minimieren.


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Um eine Krankheitseintragung durch Personen zu verhindern, werden Biosicherheitsprotokolle zum Betreten des Betriebes angewandt. Das Betreten des Stalles ist nur durch die Hygieneschleuse möglich. Nach dem Duschen werden betriebseigene Kleidung und Stiefel zur Verfügung gestellt. Auch bei strikter Einhaltung der beschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen kann ein Krankheitseintrag nicht zu 100 % verhindert werden. Dies ist auf die Übertragung von Erregern durch die Luft zurück-zuführen, daher hat sich Familie Willim entschlossen, alle Stallgebäude mit Zuluft-Filtern auszustatten. Entgegen der bisher üblichen Methode mit Zuluftfiltern im Unterdrucksystem wurde ein Überdruck-Lüftungssystem eingebaut. Risikopunkte wie offene Stalltüren beim Verladen oder kaputte Fensterscheiben spielen hier keine Rolle, weil dadurch maximal gefilterte Stallluft ins Freie gelangen kann, niemals aber umgekehrt. Neben den hohen Investitionskosten für die Filteranlage mussten aber alle Stallabteile auf ein überdruckgeführtes Zuluftsys-tem umgebaut werden. Neben der vollautomatischen Überdruckkontrolle aller Abteile, wo durch zwei Zuluftventilatoren mit Überkapazität eine hohe Betriebssicherheit gewährleistet wird, ermöglichen die integrierten Kühlpads eine tiergerechte Zuluftkühlung. Im Vollbetrieb garantieren mehrere Filtersysteme eine stündliche Leistung von rund 80.000 m³. Erst nach erfolgreicher Inbetriebnahme und ausführlichen Tests der Filteranlage wurden die Zuchttiere von der Quarantäne überstellt.

Fruchtbarkeit und Mastleistung für den heimischen Markt Ziel war es, eine neue stabile Herde mit ausgezeichnetem Gesundheitsstatus aufzubauen und diesen langfristig abzusichern. Mit dem Einbau von speziellen Luftfiltern und der konsequenten Umstrukturierung der Betriebsabläufe konnte am Betrieb von Familie Willim ein ausgezeichneter Gesundheitsstatus aufgebaut werden, welcher auch durch ein laufend durchgeführtes Gesundheitsmonitoring bestätigt wird (www.willim.at). Die Kunden sind zu überzeugen, dass hochgesunde Jungsauen nach einer entsprechenden Isolierungs- und Akklimatisierungsphase mit einem betriebsangepassten Impfsys-tem erfolgreich in bestehende Sauenherden eingegliedert werden können.

Die erzeugten Jungsauen sollen nicht nur hohe Ferkelzahlen und die Basis für hervorragende Mast- und Schlachtleistung liefern, sondern gemeinsam mit der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf als Grundlage für zeitgemäße Betriebskonzepte zum Bestandsaufbau dienen. Dadurch können stabile Herden in der Schweinezucht und in der Ferkelproduktion entstehen. Foto: Willim

Ein Zuluftfilter (HEPA-FILTER) minimierte das Risiko einer Krankheitseintragung. Foto: Willim

Transporte wurden mit einem speziellen Luftfilter-LKW durchgeführt, um das Risiko für den Gesundheitsstatus beim Transport zu minimieren. Foto: Willim 3 2017 | Betriebsreportage | 31


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Styriabrid setzt Erfolgsgeschichte fort Im vollen Kultursaal der Gemeinde Sankt Veit am Vogau konnte Obmann Ing. Kurt Tauschmann 350 Anwesende bei der Mitgliederversammlung der Schweinevermarktungsgemeinschaft Styriabrid begrüßen. Wirtschaftlich schaut das Jahr 2017 für die Schweinebauern gut aus, da die vergangene Tiefpreisphase aber um ein Jahr länger als üblich gedauert hatte, ist eine weitere freundliche Entwicklung dringend notwendig. Von besonderer Bedeutung sind auch die politischen Rahmenbedingungen, wie das schwierige Thema Regionalprogramm Grundwasserschutz drastisch aufzeigt. Zusätzlich fordert er mehr Forschungsarbeit der Universitäten in Richtung Tierwohl ein. Ein besonders wichtiger Bereich ist die Öffentlichkeitsarbeit, wo man sehr vielfältig tätig ist. So wurde unter anderem auch eine Ausbildung für „Fleischexperten“ ins Leben gerufen und mit der Initiative „Saugut“ wird versucht das Image der Schweinebauern zu verbessern. Ein besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang Werner und Sabine Pail. Auch Geschäftsführer Dipl.-Ing. Raimund Tschiggerl zeigte sich besorgt über das Image der Branche, das von außen durch kleine Randgruppen geschädigt werde. Als positiven Beitrag aus den eigenen Reihen kündigte er an, dass die Vermarktung von Bioschweinen kurz vor der Realisierung stehe. Dadurch könne die Branche in diesem Bereich von der Defensive in die Offensive übergehen. Dieser Impuls sei ganz wichtig, weil es in der steirischen Schweinewirtschaft trotz der günstigen Marktlage „alarmierende Zeichen“ gebe.

Die Zahl der Sauen sei stark rückläufig, bei der Ferkelerzeugung gebe es Aufholbedarf. Besonders hob Tschiggerl den Beitrag der Schlachtbetriebe hervor. Diese wichtigen Styriabrid-Partner gingen in der Zerlegung ganz neue Wege, wie sie der Weltmarkt erfordert. Es sei „hohe Kunst der Vermarktung“, wenn bei der Zerlegung aus einer Schweinehälfte mittlerweile mehr als 400 verschiedene Artikel entstehen. Damit und mit anderen Maßnahmen würden die Schlachthöfe das stark schwankende Angebot, das von den Landwirten kommt, stets umsichtig ausgleichen. So könnten die Landwirte von den Marktchancen direkt profitieren, lobte der Styriabrid-Geschäftsführer die Partner. Einen eindringlichen Appell richtete Maria Pein, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer, und selbst erfolgreiche Schweinebäuerin, an die Berufskollegen. Jeder müsse dazu beitragen, dass der Ruf der Branche unter den aggressiven und illegalen Machenschaften gewisser Aktivisten nicht leidet, man dürfe den Kampf nicht nur den direkt Betroffenen und den Funktionären überlassen. Es sei gar nicht erforderlich, dass jeder einzelne Betrieb sich an die ganze große Öffentlichkeit wendet, sagte sie. Es genüge, wenn der Landwirt seinen Nachbarn „täglich sagt, was wir tun“. Die Bauern der 21 Schweineerzeugerringe, welche die Styriabrid bilden, haben 2016 den Rekordwert von 826.000 Mastschweinen produziert. Der Umsatz des Unternehmens, der in den Jahren zuvor wegen der Preismisere stark gesunken war, hat sich wieder auf 175 Millionen Euro stabilisiert.

Bei der Mitgliederversammlung der Styriabrid war der Kultursaal von Sankt Veit am Vogau bestens gefüllt. Quelle. Styriabrid 32 | Bericht | 3 2017

Die Marktaussichten sind wegen der starken Nachfrage Chinas und ganz Ostasiens weiter günstig, so Geschäftsführer Tschiggerl. Die einseitige Abhängigkeit vom Fleischbedarf Chinas sei vorerst noch kein Problem. Der würde speziell in der EU für sehr gute Preise sorgen und den Wegfall des russischen Marktes kompensierten.


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VÖS Mitgliederversammlung 2017: ÖkR Walter Lederhilger wiedergewählt Inmitten der blühenden Gärten der Landesgartenschau und passend zum Sommerbeginn fand am 30. Mai 2017 die Mitgliederversammlung des VÖS in Kremsmünster statt. An der Versammlung nahmen Vertreter der Mitgliedsorganisationen, der Landwirtschaftskammern und der Agrarpolitik aus ganz Österreich teil.

Nach Ende der vierjährigen Funktionsperiode stellte sich der bisherige Obmann, ÖkR Walter Lederhilger, selbst Ferkelproduzent in Kremsmünster, erneut der Wahl und wurde für eine neuerliche Funktionsperiode wiedergewählt. Obmann Lederhilger verabschiedete seinen langjährigen Stellvertreter, ÖkR Josef Hieger, und dankte ihm für seinen Einsatz für die Interessen der heimischen Schweineproduktion.

schutzgesetzes und der 1. Tierhaltungsverordnung sind neue rechtliche Vorschriften in Kraft bzw. kommen auf die Schweineproduktion zu. Öffentlichkeitsarbeit, Information und Bewusstseinsbildung, um die Wertschätzung für das qualitativ hochwertige österreichische Schweinefleisch wieder zu verbessern, sind immer wichtiger werdende Themenbereiche, denen sich die Interessensvertretung widmet.

Die neuen Obmann-Stellvertreter sind Ing. Rupert Hagler, ÖkR Ing. Kurt Tauschmann und Josef Brandstätter.

Als besondere Herausforderung wird die immer schwieriger werdende Situation in Bezug auf Bauvorhaben gesehen. Betriebe, die für die Zukunft investieren möchten, stehen vor immer größer werden Hürden, jahrelange Genehmigungsverfahren für Stallbauten sind keine Ausnahm sondern zur Regel geworden.

Obmann Lederhilger nutzte Gelegenheit, um den anwesenden Vertretern der Agrarpolitik, der Landwirtschaftskammern und des Tiergesundheitsdienstes seinen Dank für die bestens funktionierende Zusammenarbeit für die Interessen der heimischen Schweinebauern auszusprechen. Unter den zahlreichen Gästen waren auch Abg.z. NR ÖkR Jakob Auer und LR Max Hiegelsberger, die in ihren Grußworten an die Versammlung die Wichtigkeit und zunehmende Relevanz einer funktionierenden und partnerschaftlichen Interessensvertretung hervorhoben. „Während die derzeitige Preissituation auf den Märkten für Zufriedenheit sorgt, werden auch in Zukunft vielfältige Herausforderungen auf die heimischen Schweinehalter zukommen. Der VÖS arbeitet mit seinen Mitgliedern und Partnerorganisationen und in vielen Projekten an zukunftsfähigen Lösungen und Strategien für die österreichische Veredelungswirtschaft“ so Obmann Lederhilger über die Arbeit des Dachverbandes der Erzeugergemeinschaften für Ferkel, Mastschweine und Züchtervereinigungen. Diese Arbeit wurde neben den Berichten des Obmannes und der Geschäftsführerin auch in den Berichten der Koordinatoren der Fachausschüsse für Zucht, Ferkelerzeugung, Mast sowie Recht und Politik präsentiert. Mit dem Inkrafttreten der Schweinegesundheits-Verordnung, der Novellierung des Tier-

Dies bringt nicht nur die Existenz der bäuerlichen Schweinebauern in Gefahr, sondern gefährdet auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Versorgung der heimischen KonsumentInnen mit österreichischem Schweinefleisch.

V.l.n.r.: Obmann-Stellvertreter Kurt Tauschmann, Obmann Walter Lederhilger, der langjährige Obmann-Stellvertreter Josef Hieger, VÖS GF Maria Straßmayr, Obmann Stellvertreter Rupert Hagler, Obmann Stellvertreter Josef Brandstätter. Quelle: VÖS

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Zutaten für 4 Personen

Foto: AMA

Zubereitung

©Rezept und Foto „Von Schopf bis Fuß – die neue Schweinefleischküche“, Herausgeber EZG Gut Streitdorf

Die AMA-Gütesiegel-Filets der Länge nach auf ca. 8 – 10 mm Dicke aufschneiden. Mit Salz und Pfeffer würzen. Knoblauch schälen, mit der Petersilie, Dille, Zitronenschale und den Kapern fein hacken. Pilze putzen, ebenfalls hacken und unter die Kräutermischung heben. Die Hälfte der Butter in einer Pfanne erhitzen, und die Pilz-Kräutermischung darin anbraten. Filets flach ausbreiten, mit der Pilzmischung (1 – 2 EL davon für später zurückbehalten) belegen, zusammenrollen und mit dem Speck umwickeln. die Filets nun in der Pfanne in etwas Olivenöl von allen Seiten kurz und scharf anbraten. Filet in den Blätterteil einschlagen, mit Ei bestreichen und im Backofen bei 200 °C für 15 bis 20 Minuten backen, bis der Blätterteig goldbraun ist. Die restlichen Pilze in der verbliebenen Butter und mit der beiseitegestellten Pilz-Kräutermischung sautieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Filets aus dem Ofen nehmen, für 10 Minuten ruhen lassen, in Scheiben schneiden und mit den Pilzen servieren.

Zutaten 800 g AMA-Gütesiegel-Schweinsfilets 4 Knoblauchzehen 1 Bund Petersilie ½ Bund Dille 1 TL fein abgeriebene Schale einer Bio-Zitrone 1 EL Kapern 200 g Steinpilze oder Eierschwammerln sowie 2 Handvoll für die Garnitur 50 g Butter 16 dünne Scheiben Bauchspeck Olivenöl 1 Packung Blätterteig 1 Ei, verquirlt Salz frisch gemahlener Pfeffer

... im VÖS RÄTSEL-Stall Verbinde die Punkte von 1 bis 35 durch eine Linie mit einem Stift in der richtigen Reihenfolge und du erhältst ...

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© SZV

Re ze pt -T

Schweinsfilet mit Pilzen im Blätterteig


© SZV

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Neu auf der Rieder Messe 2017: Bunte Schweineschau des SZV Die Vielfalt der Schweinezucht präsentiert der Schweinezuchtverband Oberösterreich heuer erstmals in einer „bunten Schweineschau“. Die bewährten Rassen aus dem ÖHYB Zuchtprogramm glänzen durch das hohe Leistungspotential. Ergänzt wird das Angebot des SZV durch alternative Rassen wie Schwäbisch Hällische oder Duroc für den Einsatz in Spezialprogrammen. Neues zu den Besamungsebern und aus dem SZV Shop Am SZV Stand im neuen Zelt vor der Schweinehalle werden aktuelle Informationen über die Leistungen der neuen TOP Genetikeber aus dem Eberprüfpro-

gramm der Besamungsstation Steinhaus geboten. Praktisches Zubehör aus dem umfangreichen SZV Shop rund um die Themen Besamung, Hygiene und Geburt bildet einen weiteren Ausstellungsschwerpunkt.

Programm

Mittwoch, 9.9.2013 14:00 Uhr Eröffnung der „bunten Schweineschau“ und Präsentation der Vielfalt und besonderen Leistungen der verschiedenen Schweinerassen

Samstag, 12.9.2013 Tag der Schweinezucht 14:00 Jungzüchtercup Die ausgestellten Jungsauen und Eber der „bunten Schweineschau“ werden von den Jungzüchtern im Vorführring präsentiert, anschließend Züchtertreff Die „bunte Schweineschau“ wird von den Jungzüchtern präsentiert. Quelle: SZV

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Vös 17-3  
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