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02Z030068, P.b.b. Verlagspostamt 1200 Wien, DVR-Nr.0956015

Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89, 1200 Wien

Ausgabe Österreich 2/2017

Heimische Qualität gefragt w w w. s c h w e i n e . a t


SVB-Onlinebefragung Welche Informationen brauchen Sie für ein Leben in Gesundheit? Die Grundlage für viele chronische Erkrankungen liegt in einer jahrzehntelangen, ungesunden Lebensweise. Stress Kurzzeitiger macht nicht krank, so wie auch ein gemütlicher Feiertag mit üppigem Essen und wenig Bewegung nicht dick macht. Ein gesunder Lebensstil in jedem Lebensalter, das heißt auf Körper, Geist und Seele achten, kann wesentlich dazu beitragen, dass wir uns wohl fühlen und bis ins hohe Alter aktiv und selbständig bleiben. Dafür braucht es aber auch das Wissen darüber, was uns gesund erhält. Die SVB hat viele präventive und gesundheitsförderliche Angebote und möchte, um alle Altersgruppen zu erreichen, auch über neue Medien zu diesen Themen informieren. Damit wir dabei den richtigen Weg einschlagen und die Informationen bringen, die Sie interessieren, bitten wir Sie und Ihre Familienangehörigen um Unterstützung. Auf der Website der SVB unter www.svb.at/gesund finden Sie im Zeitraum von April bis Juni 2017 einen kurzen Onlinefragebogen. Bitte beantworten Sie unsere Fragen und motivieren Sie auch Ihre Familienangehörigen dazu. Aus den Informationen, die wir daraus erhalten, werden wir ein Programm erstellen, das Sie bezüglich Themen rund um Ihre Gesundheit auf dem Laufenden hält. Ihre Antworten sind für uns sehr wichtig!


Ausgabe Österreich 2/2017 14

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Inhalt

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Leitartikel

05

Kommentar

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Interview

08

Markt

09

Mit dem Rüssel in Brüssel

10

Ferkelmarkt

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Berichte

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Recht & Politik

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Herkunftskennzeichnung

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Donau Soja

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AMA

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Management: Verladerampen

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Schweineproduktion im Radio

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OptiZucht

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Sauenfütterung

28

Tiergesundheit

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RollAMA

31

Wieselburger Messe

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Heimathöfe

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Rezept & Rätsel

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Bericht

IMPRESSUM

Tierhaltungsverordnung

Herkunftskennzeichnung

... Änderungen bei Ferkelkastration, Schwanzkupieren und Beschäftigungsmaterial ...

... immer mehr Menschen wollen wissen, woher die Lebensmittel kommen ...

16

20

Donau Soja

Verladerampen

... sorgt für nachhaltigen, gentechnikfreien Sojaanbau in der Donauregion ...

... als Schutz vor der Einschleppung von Krankheiten, Arbeitserleichterung und „Visitenkarte“...

24

34

OptiZucht

Barbecue Karreebraten

... die Ferkelvitalität verbessern kann Ferkelverluste senken ...

... heißer Tipp für heiße Tage ...

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31, E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW Für den Inhalt verantwortlich: Maria Straßmayr, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder. Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser Anzeigen: Regina Söncksen, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31 MINISTERIUM FÜR EIN Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl LEBENSWERTES Titelfoto: © Photographee.eu - Fotolia.com Mit freundlicher Unterstützung von ÖSTERREICH

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© agrarfoto.com

Rupert Hagler VÖS-ObmannStv.

Sind wir selbst Botschafter der Landwirtschaft?

Der Skandal um brasilianisches Gammelfleisch hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig ein funktionierendes Qualitätssicherungsprogramm ist. Mit dem AMA-Gütesiegel Kontrollprogramm haben wir in Österreich ein Instrument geschaffen, das genau diesen Anforderungen entspricht um solche Skandale in Österreich gar nicht möglich zu machen! Das AMA-Gütesiegel Kontrollprogramm, unter dessen hohen bürokratischen Aufwand wir oft stöhnen, macht es möglich solchen Skandalen wie sie in Brasilien passiert sind - vorzubeugen. Es kommt auch nicht von irgendwo her, dass das AMA Gütesiegel einen sehr hohen Erkennungsgrad bei den Konsumenten aufweist und im Sinne von Kontrolle und Nachvollziehbarkeit der Herkunft viel Vertrauen genießt. Jenen Konsumenten, denen die Regionalität und Herkunft der Produkte bekanntermaßen ein Anliegen ist, haben damit wenigstens im Lebensmittelhandel die Möglichkeit, die Herkunft der Produkte zurück zu verfolgen. Im Außer-Haus Verzehr, also in der Gastronomie und in Großküchen und Kantinen sieht es mit der Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Herkunft ganz anders aus. Und das ist kritisch zu sehen, wenn man bedenkt, dass der Außer-Haus- Verzehr seit Jahren ansteigend ist.

4 | Leitartikel | 2 2017

„Schnitzel - woher kommst du?“ Auf den ersten Blick zu erkennen, wo die Schnitzel oder die Kartoffeln herkommen, ist nicht möglich. Oder haben Sie etwa bei den Restaurants in diversen Möbelhäusern die Herkunft des Schnitzels schon einmal hinterfragt? Die Kunden werden in erster Linie mit günstigen Essensangeboten in die Möbelhäuser gelockt, rückläufig ist die Werbung und Rabatte auf die eigenen Produkte. Darum sind wir alle angehalten, auch beim eigenen Außer-Haus-Verzehr die Herkunft zu hinterfragen. Auch davon hängt die Zukunft des österreichischen Schweinemarktes ab. Der Kunde ist König. Und erst wenn es den Kunden wichtig ist, woher das fertige Schnitzel am Teller kommt, wird die Gastronomie darauf reagieren.


Ich darf hier Sebastian Kurz zitieren, der auf der Botschafter Ernennung dieser Kampagne „Gut zu Wissen“ folgendes Statement abgegeben hat: „Je mündiger Konsumenten werden, je besser auch die Qualität von Produkten wird, je größer die Unterschiede werden zwischen qualitätsvollen Produkten und anderen, desto wichtiger ist einem zu wissen was man isst oder was man trinkt. Wenn da auch der öffentliche Bereich mit gutem Beispiel vorangeht, die Schulen, die Ministerien, die öffentlichen Einrichtungen, was gut ist für den Standort Österreich, aber - vor allem - natürlich auch für den Konsumenten.“ Mit dieser Einstellung von Herrn Sebastian Kurz fasse ich Mut, dass wir mit guten politischen Partnern auch die Zukunft der heimischen Landwirtschaft meistern werden.

zu legen. Das ist mir bei der Organisation unseres jährlichen Straßenfestes selbst bewusst geworden. Das Fleisch wurde immer vom Gastro-Großmarkt besorgt, wo auch die restlichen Sachen für das Fest gekauft wurden. Dies war sehr einfach und praktisch. Es wurde jedoch kein Wert auf heimische Herkunft gelegt. Erst als ich vorgeschlagen habe, das Fleisch doch vom heimischen Fleischhauer zu beziehen, der AMA-Gütesiegel Ware hat, war das überhaupt kein Problem, die Idee wurde sogar von den Nachbarn begrüßt. Auf jede und jeden Einzelnen von uns kommt es an! So schaffen wir Bewusstsein in unserem eigenen Umfeld. Die Herausforderungen für uns werden also nicht kleiner. Ich wünsche uns allen einen schönen Sommer, gute Erholung und auch viele Möglichkeiten, bei einem guten Grillkotelett mit Freunden und Nachbarn über die Chancen und Herausforderungen der österreichischen Landwirtschaft diskutieren zu können. Weiters wünsche ich uns gute Schweinepreise in der zweiten Jahreshälfte 2017. Ihr könnt euch sicher sein: Wir als VÖS geben dafür täglich unser Bestes und versuchen, auch in Zukunft die dafür nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Schaffen wir Bewusstsein! Öffentlichkeitsarbeit ist aber nicht nur Aufgabe der öffentlichen Hand, sondern jeder einzelne von uns Landwirten ist gefordert, dafür zu sorgen, das Öffentlichkeitsarbeit auch im „Kleinen“ passiert. Möglichkeiten dafür gibt es genug. Sei es durch Veranstaltungen, wie „Tag der offenen Stalltür“, „Vierkantiges Rundherum“, „Schule am Bauernhof“, Schuleinsatz der Seminarbäuerinnen (wo jetzt ganz aktuell ein neuer Schweinelehrpfad verfügbar ist), oder ganz einfach im täglichen Einkauf der Bevölkerung zeigen, wie gerne wir unsere eigenen Produkte kaufen. Die besten Werbeträger sind wir selber. Authentisch wirken wir nur, wenn wir die Landwirtschaft in unserer Region erklären. Es macht nicht Sinn, wenn ein Tiroler Bergbauer die Schweinehaltung im Mostviertel erklärt, und umgekehrt brauchen es auch wir nicht zu tun. Hingegen liegt es in unserer Verantwortung bei Festen und Feiern, die wir selbst organisieren oder mitorganisieren, hohen Stellenwert auf die Herkunft des Fleisches

Die Herkunft unserer Lebensmittel wie Fleisch wird für Konsumenten immer wichtiger. Foto: Nestor - Fotolia.com

© Straßmayr

Gratulieren möchte ich der Landwirtschaftskammer zu der Kampagne „Gut zu Wissen“. Darin sehe ich gelungene Öffentlichkeitsarbeit im großen Stil. Solche Initiativen sind wichtig und wir brauchen sie auch. Ziel dieser Kampagne ist es, genau in diesem heiß umworbenen Umfeld unsere guten, österreichischen Produkte zu platzieren.

Maria Straßmayr VÖS-Geschäftsführerin

GAP 2021+ Bis zum 2. Mai gab es die Möglichkeit, die Konsultation über die Modernisierung und Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) via online Fragebogen auszufüllen. Diese Gelegenheit nutzten rund 320.000 Personen bzw. Organisationen in der EU. Am meisten Rücklauf kam dabei aus Deutschland mit rund 46 %, aus Österreich kamen 2 % der Antworten. Erste Ergebnisse zeigen, dass lediglich 7 % der Antworten aus dem landwirtschaftlichen Bereich kamen. Man kann davon ausgehen, dass viele NGO´s den Fragebogen beantworteten. Endgültige Ergebnisse werden im Juli präsentiert. Der Diskussionsprozess zur nächsten GAP Periode nach 2020 ist schon im Gange, wenngleich noch einige Unklarheiten im Raum stehen. Der Finanzrahmen steht noch nicht fest und wird überschattet vom Ausstieg der Briten aus der EU („Brexit“). Primäres Ziel in diesem Zusammenhang muss es sein, dass die Finanzmittel für die GAP nicht reduziert werden. Fest steht auch, dass die Architektur der Gemeinsamen Agrarpolitik mit einem 2 Säulen-Modell, Direktzahlungen in der ersten Säule, Mittel für die Ländliche Entwicklung in der 2. Säule, bestehen bleiben muss. Ein Ziel der neuen GAP muss sein, die Absicherung der Einkommen der Landwirte zu gewährleisten. Maßnahmen, welche die Wettbewerbsfähigkeit der bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich sicherstellen, müssen ebenso berücksichtigt werden. Es ist Zeit, dass die Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette wieder einen prioritären Platz einnimmt, denn das Kräfteverhältnis ist hier schon sehr zu Gunsten anderer verschoben. Vereinfachungen bei der Durchführung der Maßnahmen, Bürokratieabbau und mehr Rechtssicherheit für die bäuerlichen Familienbetriebe und Abwicklungsstellen, sollen ebenso Ziel der Verhandlungen der Spitze der europäischen Agrarpolitik in Brüssel sein.

2 2017 | Kommentar | 5


Neue Züchtungsmethoden: Interview mit DDI Sylvia Schindecker

DDI Sylvia Schindecker Referentin für Tierische Erzeugnisse LK-Österreich. Quelle: LK

DDI Sylvia Maria Schindecker ist Referentin für Tierische Erzeugnisse in der Landwirtschaftskammer Österreich. Sie ist auf dem Milchviehbetrieb ihrer Eltern im oberösterreichischen Pöndorf aufgewachsen und hat an der Universität für Bodenkultur Nutzierwissenschaften und Agrar- und Ernährungswirtschaft studiert. Die neuen Züchtungstechniken gehören sowohl im tierischen als auch im pflanzlichen Bereich zu ihren derzeitigen Arbeitsschwerpunkten. Im folgenden Interview erfahren Sie mehr über Sylvia Schindecker, über Ihre Arbeit und Ihre Erfahrungen.

Frau DDI Schindecker, Sie sind in der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) auch für Gentechnik zuständig. Welche aktuellen Entwicklungen gibt es im Bereich der Gentechnik mit Bezug auf die Landwirtschaft? Auf europäischer Ebene wird in den einzelnen Institutionen gerade über die Zulassung von gentechnisch veränderten Mais und Baumwolle für den Import und für die Verarbeitung in der Europäischen Union diskutiert. Zusätzlich laufen auf europäischer Ebene seit Jahren Diskussionen über die Einstufung der Neuen Züchtungstechniken. Derzeit ist es unklar, ob sie unter das bestehende Gentechnik-Recht fallen oder nicht. Die Europäische Kommission hat bereits im Jahre 2007 eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema eingerichtet, deren Final Report vom Jahre 2011 wurde aber bis jetzt nicht veröffentlicht. Zudem läuft gerade ein Vorabentscheidungsverfahren am europäischen Gerichtshof (EuGH) zum Thema, was u. a. in der sogenannten „Freisetzungsrichtlinie“ 2001/18/EG unter „Mutagenese“ zu verstehen ist. Französische Verbände haben sich an den EuGH gerichtet, um die Frage zu klären, ob die unterschiedlichen Methoden der neuen Züchtungstechniken, die zu Mutationen führen, von der oben genannten Richtlinie erfasst werden. Da Entscheidungen des EuGH innerhalb von max. 18 Monaten getroffen werden müssen, ist diese Entscheidung bis April 2018 zu erwarten. Aus Sicht vieler Beobachter kann damit gerechnet werden, dass die Europäische Kommission diese EuGH-Entscheidung abwarten wird.

6 | Interview | 2 2017

Gentechnik - Ja oder Nein? Was sagt das Gesetz und wie wichtig ist eine gesetzliche Regelung? Das ist eine schwierige Frage! Ich bin jedoch der Meinung, dass es hier kein klares Nein und kein klares Ja gibt, sondern die Sache genauer zu betrachten ist. Die Thematik ist komplex und es gibt kein Schwarz oder Weiß, sondern viele verschiedene Graunuancen. Dabei möchte ich hier vor allem auf die Anwendung der Gentechnik in der Medizin, in der Industrie und in der Abfallwirtschaft hinweisen. Bei der Herstellung von Medikamenten ist die Gentechnik nicht mehr wegzudenken. Ein berühmtes und oft zitiertes Beispiel ist hier das Humaninsulin. Die sogenannte „grüne“ Gentechnik wird dagegen viel kritischer gesehen, wobei es hier sehr umfangreiche rechtliche Rahmenbedingungen gibt. Auf europäischer Ebene haben wir Richtlinien, Verordnungen, Entscheidungen und Empfehlungen. Auf nationaler Ebene haben wir in Österreich zum Beispiel das Gentechnikgesetz, das Gentechnik-Anbauverbots-Rahmengesetz und die Richtlinie zur Definition der „Gentechnikfreien Produktion“ von Lebensmitteln und deren Kennzeichnung im Österreichischen Le-bensmittelbuch. Zu den nationalen Bestimmungen kommen noch die Gentechnik-Vorsorge-Gesetze der Bundesländer. Hier kann man ganz gut sehen, dass das Thema Gentechnik nicht einfach ist und es wirklich einer differenzierten Betrachtungsweise bedarf.

Bei der „Am Punkt“ Veranstaltung des Vereins „Nachhaltige Tierhaltung Österreich“ (NTÖ) haben Sie zum Thema „Neue Züchtungsmethoden – Pflanzenzucht im Fokus“ referiert. Was kann man sich unter dem Begriff Genome Editing vorstellen? Der Begriff „Genome Editing“ umfasst mehrere molekularbiologische Verfahren, die seit den 1990er Jahren entwickelt wurden. Dazu gehören zum Beispiel die Zink-FingerNukleasen, die Oligo-Nukleotid-gesteuerte Mutagenese (ODM), TALEN und die berühmte CRISPR-Cas9 Technologie. Diese Verfahren können sehr gezielte Veränderungen im Erbgut des Zielorganismus auslösen. Im Grunde sind bei den Verfahren zwei Komponenten nötig: Eine Nuklease oder "Eiweißschere", welche die Erbinformation des Zielorganismus - die DNA – schneidet, und ein „Lotse“, der diese Nuklease an die gewünschte Stelle des durchzuführenden Schnittes leitet. Der Zweck ist, dass die DNA an der gewünschten Stelle zerschnitten wird. Da die Pflanzenzellen diese Schnitte nicht „wollen“, reparieren diese die Schnitte selber. So wird die eigene Aktivität der Zelle bei den Genome EditingVerfahren genutzt. Eine weitere Gemeinsamkeit der Genome Editing-Verfahren ist, dass man zwar eine Veränderung des Genoms an einer gewünschten Stelle erzeugt, jedoch keine der eingebrachten Moleküle selbst an dieser Stelle im Genom eingebaut werden. So haben die Nuklease und der „Lotse“ eine kurze Lebensdauer und werden rasch wieder abgebaut. Im Grunde kann man sagen, dass bei allen Genome Editing-Verfahren das Genom durch die Zelle selbst verändert wird.


In der Pflanzenzüchtung ist in Zusammenhang mit Genome Editing die Rede von sogenannten „Neuen Pflanzenzüchtungsmethoden“. Was kann man darunter verstehen? Worin liegt der Unterschied zur „konventionellen“ Pflanzenzüchtung ? Seit in den 1980er Jahren aufgrund der Erkenntnisse der Biowissenschaften die klassische Gentechnik entwickelt wurde, hat die Wissenschaft große Fortschritte gemacht und es wurden sogenannte „neue Züchtungsmethoden“ entwickelt. Wichtig ist, dass es sich bei diesen neuen Verfahren um sehr unterschiedliche molekularbiologische Methoden handelt und es nicht nur eine neue Technologie gibt. Darum sind diese wissenschaftlich gesehen auch unterschiedlich zu betrachten und zu bewerten. Bei den traditionellen Züchtungsmethoden dauert es oft sehr lange, die gewünschten Eigenschaften zu erzielen, da Veränderungen im Genom genutzt werden, ohne dass genau bekannt ist, wo im Genom die Veränderung vorliegt. Daher müssen im Züchtungsprozess aus vielen unerwünschten Veränderungen die erwünschten Veränderungen herausselektiert werden. Ein weiteres Problem stellt der Umstand dar, dass gewünschte Eigenschaften nur beschränkt in den verfügbaren genetischen Ressourcen vorhanden sind. Die Gemeinsamkeit der neuen Züchtungsmethoden ist, dass sie auf Ebene der Erbinformation ansetzen. Sie erlauben es dem Züchter, Gene hinzuzufügen bzw. zu entfernen, DNA geringfügig zu ändern oder die Aktivität der Gene zu verändern. Zudem ermöglichen die neuen Pflanzenzüchtungsmethoden eine zielgerichtete und effiziente Züchtung und eine Erweiterung der genetischen Ressourcen. Wichtige Ziele sind verbesserte Inhaltsstoffe (z.B. allergenfrei), bessere Verarbeitbarkeit von Lebensmitteln, die Erhöhung der Haltbarkeit von Lebensmitteln und die Resistenz gegen Krankheiten. Die Produkte der neuen Züchtungsmethoden sind oft nicht von Produkten der traditionellen Züchtung unterscheidbar. Das wiederum stellt eine riesige Herausforderung hinsichtlich der Nachweisbarkeit und Kontrolle dar.

Welche Merkmale könnten in der Tierzucht, speziell in der Schweinezucht, mit den Zuchtmethoden bearbeitet werden? Das Anwendungsgebiet der neuen Züchtungsmethoden im tierischen Bereich ist

sehr groß und es stehen viele Möglichkeiten offen. Vor allem das Thema Tierseuchen ist gerade sehr interessant und wird heiß diskutiert, da hier mit der klassischen Züchtung oft nicht viele Erfolge zu verbuchen sind. Im Schweinebereich gibt es in den USA erste Versuche mit den neuen Züchtungsmethoden zur PRRS-Virus-Resistenz. Zusätzlich arbeiten Wissenschaftler mithilfe der neuen Züchtungsmethoden gerade daran, Hausschweine gegen die Afrikanische Schweinepest resistent zu machen. Es ist mir aber wichtig zu erwähnen, dass es Tiere, die mit den neuen Züchtungsmethoden bearbeitet wurden, bis jetzt nur in Forschungsprojekten gibt. Daran wird sich auch in nächster Zeit aufgrund der unsicheren rechtlichen Situation auf europäischer Ebene nichts ändern. Es bedarf noch sehr viel Forschung (Anwendung, Risikobewertung etc.) und es sind noch rechtliche Klärungen notwendig, bis dass die neuen Methoden in der tierischen Züchtung eine breite Anwendung finden können.

Wie steht die LKÖ zu den neuen Züchtungstechniken in der Pflanzenzüchtung oder zum „Genome Editing“ in der Tierzucht? Das ist wiederum eine sehr schwierige Frage, da wir gerade mitten in der Meinungsbildung innerhalb unserer Organisation sind und noch viele Diskussionsrunden zum Thema ausstehen. Eines ist jedoch aus unserer Sicht ganz eindeutig: Wir LandwirtInnen sind Hauptbetroffene der neuen Züchtungsmethoden im tierischen und im pflanzlichen Bereich. Wir sind AnwenderInnen der Produkte der neuen Züchtungsmethoden und KonsumentInnen von ihnen zugleich. Wir arbeiten mit den jeweils vorgegebenen naturräumlichen Gegebenheiten und sind den sich dauernd verändernden Umweltbedingungen direkt ausgesetzt. Aufgrund der vielseitigen Herausforderungen in der Landwirtschaft (Klimawandel, Landversiegelung, steigende Betriebsmittelpreise, sinkende Einkommen etc.) sind wir deshalb auch auf Innovationen angewiesen. Aus derzeitiger Sicht ergeben sich folgende fünf Forderungen seitens der LKÖ: 1. Die Entscheidung, ob die neuen Züchtungstechniken unter das vorherrschende EU-Gentechnik-Recht fallen oder nicht, muss auf europäischer Ebene getroffen werden. Sonst kommt es zu Nachteilen im Außenhandel, Störung

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des europäischen Binnenmarktes und zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der ausländischen Landwirtschaft. Jede der neuen, molekularbiologischen Züchtungstechniken muss einzeln und aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse beurteilt werden. Die Diskussionen müssen sachlich geführt werden und der Dialog über die neuen Züchtungstechniken muss sowohl innerhalb der landwirtschaftlichen Organisationen geführt werden, als auch mit den Konsumentinnen und Konsumenten. Wenn die neuen Züchtungstechniken nicht unter das geltende EU-GentechnikRecht fallen, sollen diese Züchtungstechniken und deren Produkte nicht patentiert werden und somit allen klein- und mittelständischen Züchtungsbetrieben zur Verfügung stehen. Tiefergehende wissenschaftliche Studien zur Nachweisbarkeit der neuen Züchtungstechniken Umfassende wissenschaftliche Studien zur Wirkungsfolgeabschätzung und zur Risikobewertung für die heimische Landwirtschaft

Im tierischen Bereich müssen auch die Themen Tierwohl und Tierschutz eingehend beleuchtet werden. Ein ganz ein wichtiges Thema stellt auch die Erhaltung der bäuerlichen Züchtung dar. Es besteht die Gefahr, dass durch eine eventuell breite Anwendung der neuen Züchtungsmethoden die bäuerliche Züchtung verdrängt wird und große Zuchtunternehmen die Oberhand gewinnen. Ein weiteres wichtiges Thema für mich als Interessenvertreterin ist, dass man genau darauf schaut, zu welchem Zweck die Methoden angewendet werden. So kann es positiv gesehen werden, wenn durch eine gewonnene Resistenz der Antibiotika-Einsatz reduziert werden kann. Nicht förderlich für die Diskussion finde ich es aber, wenn man wieder hauptsächlich den Fokus auf Pflanzenschutzmittel-Resistenz im pflanzlichen Bereich legt. Generell müssen die Diskussionen fachlich geführt werden, nicht nur emotional und politisch. Die LKÖ arbeitet daher gerade an der Einrichtung von Arbeitsgruppen zu den neuen Züchtungsmethoden im tierischen als auch im pflanzlichen Bereich. In diesen Arbeitsgruppen sollen dann tiefergehende Positionen für die österreichische Landwirtschaft zu den neuen Züchtungsmethoden erarbeitet werden.

2 2017 | Interview | 7


Markenprogramme – der richtige Weg für Österreich Seit Jahrzehnten kommentiert die Gesellschaft mittels Medien und Politik mit unterschiedlichen Meinungen die Schweinehaltung. Mit der zunehmenden Meinungsbildungsfunktion von Tier- und Umweltschutzorganisation werden die Aufforderungen vielfältiger und die Herausforderungen für Land- und Fleischwirtschaft anspruchsvoller. Mit Markenfleischprogrammen lässt sich der Spagat zwischen gesellschaftlichem Wunsch und Machbarkeit ausloten. Politisch verordnete, nationale Alleingänge am Binnenmarkt ruinieren hingegen die Branche.

Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Veränderung ja – aber fair Trade Es waren fast immer außerlandwirtschaftliche Einflüsse die zu Veränderungen in der Vergangenheit beigetragen haben. Ich erinnere an das Verbot der Anbindehaltung bei Sauen, an das Verbot des Einsatzes von antibiotischen Leistungsförderern, die Verpflichtung zur Gruppenhaltung trächtiger Sauen, die neuen Bewegungsbuchten im Abferkelabteil und zuletzt die gesetzliche Verpflichtung zur Schmerzmittelanwendung bei Kastration und Schwanzkupieren. Viele dieser Maßnahmen erwiesen sich im Nachhinein als durchaus sinnvoll und praktikabel. Aber immer schlagen sich neue Auflagen bei Haltung und Fütterung mit höheren Produktionskosten zu Buche. Dies ist solange kein Problem, solange die Wettbewerbsfähigkeit am Binnenmarkt nicht verzerrt wird, d. h. alle Schweinebauern der EU mit gleichen Auflagen belastet werden. In diesen Fällen kann man Veränderungen wenig entgegen setzen, fairen Wettbewerb muss man akzeptieren.

Qualitätsprogramme zur Wahl Gravierend anders sieht´s aus, wenn nationale Regelwerke zu einer Schieflage bei der Wettbewerbsfähigkeit führen. Welche Auswirkungen nationale Alleingänge am Binnenmarkt haben können, ist am Beispiel Schwedens dokumentiert. Seit EU-Beitritt hat man dort fast 50 % der Produktion verloren. Weil wir als Vertretung der heimischen Schweinebranche

8 | Markt | 2 2017

schwedische Verhältnisse grundlegend ablehnen, allerdings die gesellschaftliche und mediale Diskussion über unsere Branche nicht in Abrede stellen können, bieten wir dem Markt Diversifikation an. Darunter versteht man die Aufgliederung unserer Angebote in verschiedene Qualitätsstufen. Dies erfordert allerdings einen aufwendigen Begleitprozess von Deklaration und Kontrolle. Und gleichsam wichtig ist auch eine Differenzierung bei der Abgeltung der unterschiedlichen Kosten in den verschiedenen Qualitätsstufen.

Auflagen kosten Geld und müssen bezahlt werden Am Beispiel der Qualitätsprogramme des VLV wird die Marktsegmentierung der letzten 25 Jahre sichtbar. Vor dem EU-Beitritt gab es in Österreich praktisch nur konventionelles Schweinefleisch. Kurz vor dem EU-Beitritt wurden Markenprogramme wie Gustino (VLV) Winni (Gut Streitdorf) oder Porky (Styriabrid) gestartet. Mit dem EU-Beitritt führte die AMA Österreich weit das Gütesiegel ein. Vor 17 Jahren teilte der VLV das Gustino Programm in Stroh Betriebe und konventionelle und zuletzt mit Jahresbeginn 2017 wurde Gustino Stroh mit einem Upgrade auf AMA „mehr Tierwohl“ und gentechnikfreie Mast mit Donau Soja versehen. Bei jedem Schritt wurde die Wirtschaftlichkeit bestmöglich berücksichtigt und die Erlösmöglichkeit am Markt ausgelotet. Viele Programme, die in den letzten zwei Jahrzehnten gekommen und gegangen sind, haben meist die selbst gesteckten hohen Ziele am Markt nicht umsetzen können.

Achtung: Richtig kalkulieren! In den letzten Monaten wurde häufig über neue Tierwohlprogramme im Schweinebe-

reich berichtet. Namhafte Handelsketten stellen sich mit populären Initiativen ins Rampenlicht und suggerieren damit die Schweinehaltung bzw. Fleischproduktion zu revolutionieren. Grundsätzlich ist gegen Initiativen, die zur Imageverbesserung der Schweinehaltung und des Produktes Schweinefleisch beitragen, nichts einzuwenden. Trotzdem muss man die Entwicklung sachlich und kritisch beobachten und eine Prüfung der Marketingaussagen einerseits und der Umsetzung in der Praxis andererseits ist angebracht. Leider zeigen manche Beispiele, dass sich auch Landwirte von „geschönten Erlösmöglichkeiten“ motivieren lassen und langfristige Auswirkungen von Entscheidungen unter Umständen zu wenig ins Kalkül mit einbeziehen.

Transparenz durch Börsen Als Schweinebörsen appellieren wir an alle Interessenten für Programmproduktion, die inzwischen sehr vielfältigen und aufwendigen Auflagen genau zu kalkulieren. Bitte achten Sie darauf, ob 60 % oder 100 % mehr Platzangebot gewährt werden muss, dass Stroh auch einen dem Stall vor- und nachgelagerten Prozess verlangt, ob Sie z. B. das Verbot des Schwanzkupierens tatsächlich auch umsetzen können, etc. Speziell bei baulichen Maßnahmen sind Langfristkontrakte unumgänglich. Als Schweinebörse haben wir schon bisher für die Mitgestaltung bei Preisen und Konditionen sowie Markttransparenz zum Wohle der Schweinehalter gesorgt. Soweit wir die Programme in unserem Bereich mitgestalten können, sorgen wir auch hier für eine transparente, vergleichbare und marktkonforme Kostennutzenrelation. Nutzen Sie diese Möglichkeit!


Mit dem Rüssel in Brüssel Es passt wieder! Die physischen und psychischen Schäden die die letzte Schweinekrise von Mitte 2014 bis Mitte 2016 verursacht hat, sind natürlich noch nicht vergessen, aber seit Juli 2016 läuft der Markt wieder in vernünftigen Bahnen und Zuversicht und Optimismus machen sich EU-weit unter den Schweinebauern wieder breit. Die Fleischindustrie sieht diese Entwicklung verständlicherweise anders. Und warum läuft es jetzt wieder?

„Bitte erklär mir, warum heuer ein Schlachtschwein um € 45,- mehr kostet als Anfang Mai letzten Jahres?“ „Schon mal was von Schweinezyklus gehört?“, war meine lapidare Antwort, da ich etwas verwundert war, weil die Frage aus dem Munde eines Langzeit erfahrenen Brancheninsiders kam. Klar, am globalen Markt ist die Abfolge von guten und schlechten Zeiten nicht mehr so rhythmisch wie früher, da sie von vielen oft gegensätzlich wirkenden Einschlussfaktoren kompensiert oder gar überkompensiert werden können. Beispielsweise trägt die gute Nachfrage aus Asien, insbesondere aus China, zur guten aktuellen Marktlage auf der Absatzseite bei. Entscheidend für das Marktgleichgewicht sind aber auch die jeweiligen Verhältnisse auf Angebotsseite.

Schlechte Zeiten stoppten EU Wachstum

2017 sollen sich laut Prognose die Schlachtungen mindestens 1 % im Vergleich zum Vorjahr verringern. Klare Vorzeichen für erzeugerfreundliche Preise auch im 2. Halbjahr.

Fleischindustrie in der Zange

Wie sehr die binnen weniger Monate gravierenden Preisveränderungen den Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette zusetzen, wird aktuell am Beispiel der Wurstfabriken offenkundig. In Österreich beschweren sich seit Monaten namhafte Branchenvertreter über die gestiegenen Rohstoffpreise. Ein Traditionsbetrieb in Wien, die Firma Trünkel, hat u. a. deswegen die Produktion eingestellt. In Deutschland gab es in den letzten Wochen gleich mehrere Insolvenzen und Übernahmen von Wurstfabriken. Offensichtlich waren viele Unternehmen nicht in der Lage, die Volatilität des Marktes richtig einzuschätzen. Denn hätte man die überraschend gute Ertragslage aufgrund des billigen und phasenweise unglaublich billigen Rohstoffes für Rücklagen und damit Vorsorge für „schlechtere

Zeiten“ genützt, wäre es jetzt nicht Ach und Weh. Viel mehr hat man sich aus falsch verstandenem Kampf um Marktanteile großzügig dem Lebensmittelhandel unterworfen und Wurst- und Schinkenprodukte zu Dumpingpreisen weiter gegeben bzw. sich von den Einkäufern des LEH ausspielen und unter Druck setzen lassen.

Schweinemarkt fordert EU-weit permanent Opfer Betrachtet man die Wertschöpfungskette „Vom Acker bis zur Knacker“, so zieht sich das Wechselspiel von guten und schlechten Zeiten in allen Ländern durch alle Stufen in zeitversetzter Abfolge. Strukturwandel in Land- und Fleischwirtschaft heißt das Ergebnis. Zuchtbetriebe, Ferkelerzeuger und auch Schweinemäster geben in Krisenzeiten doppelt so häufig die Betriebe auf wie in „Normalzeiten“. Auch im Schlachthofsektor sind Phasen mit gehäuftem Auftreten von Insolvenzen bekannt. Aktuell „zwickt“ es Wurstfabrikanten. Dr. Johann Schlederer Koordinator Ö-Börse

Das 7-Jahrespreistief von Ende 2015 bis Mitte 2016 bewirkte in den meisten EU Ländern einen Abbau der Sauenbestände, sodass die zuletzt auch wegen der steigenden biologischen Leistungen immer angestiegene EU-Schweinefleischproduktion in ihrem Wachstum zum Erliegen gekommen ist. Die Schlussbilanz der EU Kommission für 2016 fiel zwar mit einem Plus von 0,6 % bei den Schlachtungen immer noch positiv aus, im Vergleich zu Vorjahren allerdings bescheiden.

Auch am Schlachthofsektor geht es vor allem in Phasen häufig auftretender Insolvenzen bei Abnehmern um die sprichwörtliche Wurst. Foto: Kenny - Fotolia.com

2 2017 | Mit dem Rüssel in Brüssel | 9


Stillstand bei guten Preisen? Der Mai ist eine Zeit, in der sich die Ferkelvermarktung üblicherweise vom Mangel an Ferkeln hin zur Überversorgung einstellen muss. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe (KW 21) ist allerdings noch kein Anzeichen dafür zu sehen, dass sich an der hervorragenden Nachfragesituation so schnell etwas ändern könnte.

Hans-Peter Bäck Koordinator Ferkelausschuss

Die positive Entwicklung im gesamten Sektor hat längst verloren gegangen geglaubtes Vertrauen zurückgebracht und trotz der ungewohnt hohen Ferkelpreise wird zügig eingestellt. Untermauert wird dies von der Tatsache, dass bis zur KW 20 in nur zwei Wochen weniger Ferkel über die Erzeugergemeinschaften vermittelt wurden. Besonders auffällig ist, dass heuer sehr wenige Ferkel aus geschlossenen Betrieben kommen, die immer einen gewissen Anteil in die Vermittlungen liefern und das eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Betrieben die Sauenhaltung aufgegeben haben und zu reinen Mastbetrieben geworden sind. Aus heutiger Sicht sind die nächsten Monate für die Vermarktung relativ problemlos und für die Produzenten als ertragreich einzuschätzen. Wie sich die Lage im Herbst darstellen wird ist schwierig einzuschätzen, man wird die Entwicklung der Mastschweinepreise im Sommer abwarten müssen und wie immer werden in der zweiten Jahreshälfte auf vielen Betrieben die Grenzen der Pauschalierung zu einem das Einstallverhalten beeinflussenden Faktor.

Sorgenkinder Stallbau und Investitionen Es ist durchaus verständlich, dass die erst relativ kurze zufriedenstellende Ertragssituation noch sehr wenig an Investitionen in die Ferkel-

produktion ausgelöst hat, aber es stimmt schon bedenklich, dass beinahe gar keine Überlegungen in diese Richtung angestellt werden. In ganz Europa hat in letzter Zeit das jeweilig heimische Ferkel mehr an Stellenwert gewonnen und bietet neben einer zunehmenden Erhöhung der Absatzsicherheit auch einen deutlichen Mehrwert. Es werden daher in den Verbänden Überlegungen angestellt werden müssen, wie man wieder Schwung in diesen wichtigen Produktionszweig bringen kann. Dafür wird zusätzlich ein vertieftes Angebot in Richtung (Bau)rechtliche und finanzielle Planung und Absicherung notwendig sein. Gerade die Stufe der Ferkelerzeugung spielt eine zentrale Rolle in der österreichischen Ausrichtung auf das AMA-Gütesiegel. Wie wertvoll diese Strategie seit dem EU-Beitritt für die heimische Schweinebranche war und ist, kann gar nicht oft genug betont werden. Daher ist die Sicherstellung der ausreichenden Versorgung des Heimmarktes mit österreichischen Ferkeln entscheidend für das bessere Preisgefüge, auch auf dem Mastschweinemarkt. Es wird daher, wie in allen anderen Bereichen auch, eine umfassende, längerfristige Strategie erarbeitet werden müssen. Dies schließt vor allem auch eine eigenständige heimische Schweinezucht ein, die im direkten Verbund mit Ferkelund Maststufe den Grundstein für ein, an den Heimmarkt angepasstes, Endprodukt liefert. Hier Handlungsfähigkeit und Vielfalt zu erhalten, ist immer schon eine Stärke unserer Gemeinschaft gewesen.

Ausblick

Eher für die Jahreszeit unüblich bleibt die Nachfrage nach Ferkel im Mai 2017 hoch. Foto: FRAUKOEPPL

10 | Ferkelmarkt | 2 2017

Die mühsamen vergangen Jahre waren von einer deutlichen Reduktion der Bestände an Zuchtsauen geprägt und haben damit vor allem die Ferkelproduktion hart getroffen. Mit dem derzeitigen Hoch am Schweinemarkt muss unbedingt wieder ein Schub an Investitionen in Erneuerung und Verbesserung der Produktion ausgelöst werden, um nicht Wettbewerbsnachteile zu erleiden.


Österreichische Genetik in Serbien erfolgreich im Einsatz Mitte Mai fand in Novi Sad die traditionelle Landwirtschaftsmesse statt. Sie gilt als die größte Leistungsschau der Landwirtschaft am Balkan und zieht auch viele Besucher aus den umliegenden Ländern an.

Seit über 10 Jahren sind die österreichischen Zuchtverbände unter der Dachmarke pig.at auf einem Gemeinschaftsstand mit anderen österreichischen Ausstellern vertreten. Der Agrarcluster AAC organisierte heuer eine Veranstaltung zum Thema „Smart farming“ und bietet mit der Außenhandelsstelle und Agrarattaché Dr. Brawenz ein gutes Netzwerk für Geschäftsanbahnungen. Serbien hat aufgrund der optimalen Bedingungen für die Mais und Sojaproduktion ein gutes Potential für die Entwicklung der Schweineproduktion. Trotz aktuell wieder guter Schweinepreise geht die Entwikklung bedingt durch den hohen Investitionsbedarf aber nur langsam voran. Neben den Großbetrieben mit mehreren tausend Sauen gibt es noch zahlreiche Familienbetriebe mit großem Entwikklungsbedarf für eine wettbewerbsfähige Schweinehaltung. Erste Initiativen zur

Bündelung der Kräfte am Beispiel der österreichischen Erzeugergemeinschaften sind im Entstehen. Österreichische Genetik ist in Serbien schon über mehrere Jahre auf großen Betrieben im Einsatz. Die Kunden schätzen die stabilen Sauen und Eber bei gleichzeitig guter Leistungsfähigkeit. Es konnten bei allen wirtschaftlich wichtigen Merkmalen wie Tageszunahmen, Fleischanteil und Furchtbarkeit deutliche Verbesserungen erzielt werden. „Serbien ist weiterhin ein Schwerpunktland für unsere Exportaktivitäten. Die positiven Rückmeldungen der Kunden sind die Bestätigung unserer Zuchtarbeit und gleichzeitig Motivation für weitere Projekte,“ so das positive Resümee von Dr. Peter Knapp, der die Schweinezuchtverbände auf der Messe in Novi Sad vertreten hat. Dr. Peter Knapp Koordinator VÖS-Zuchtausschuss

Unter der Dachmarke pig.at hatte die österreichische Schweinezucht auf der Messe in Novi Sad (Serbien) einen erfolgreichen Auftritt. Foto: Knapp

Neue Herausforderungen für Europas Schweinezüchter Bei der diesjährigen Jahrestagung von Europas Schweinezuchtorganisationen in Frankreich standen neben den Fragen der Zuchtstrategie auch die neuen züchterischen Möglichkeiten durch die Nutzung von genomischen Informationen im Mittelpunkt der Diskussion. Die Zuchtorganisation AXIOM als Gastgeber zeigte mit ihrer neuen Prüfstation, wie wichtig eine moderne Leistungsprüfung für ein wettbewerbsfähiges Zuchtprogramm ist. In Zukunft ist nicht nur die lineare Steigerung einzelner Leistungsmerkmale im Mittelpunkt der Zuchtstrategie sondern es wird ein balanciertes, nachhaltiges Zuchtziel verfolgt. Die gesellschaftliche Akzeptanz der Schweinehaltung insgesamt spielt in ganz Europa eine immer größere Rolle. Die gemeinsame positive Kommunikation der Zuchtarbeit war allen Teilnehmern ein Anliegen.

Europas Schweinezucht ist im Umbruch. Die neuen züchterischen Möglichkeiten (wie z .B. Genomanalyse) und die damit verbundenen Kosten erfordern eine internationale Zusammenarbeit. Nur so lassen sich die notwendigen Investitionen in die Zuchtprogramme finanzieren. Zudem bilden sich Allianzen von verschiedenen Zuchtorganisatio-

nen, wo die beste Genetik untereinander ausgetauscht wird, um die notwendige Bereite in der Reinzucht zu erhalten. Der SZV OÖ hat durch die bereits im Herbst fixierte Zusammenarbeit mit AXIOM (F) und German Genetic (BRD) eine strategische Allianz geknüpft, um sich den neuen Herausforderungen zu stellen.

Die Vertreter der europäischen Schweinezuchtorganisationen diskutierten über die zukünftigen Zuchtstrategien. Foto: Knapp

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©FRAUKOEPPL

DI Johann Stinglmayr Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Änderungen in der Tierhaltungsverordnung Einzelne Inhalte sowohl des Bundestierschutzgesetzes als auch der 1. Tierhaltungsverordnung waren für einige Tierkategorien aus unterschiedlichen Gründen zu ändern, zu ergänzen oder weiterzuentwickeln. Eine mehrjährige Diskussion auf politischer Ebene und in zahlreichen Fachgremien war die Folge.

Themen in der Schweinehaltung

Ausführliche Evaluierungsphase

Die Schweinehaltung ist besonders in den Themenbereichen Eingriffe bei Nutztieren und Beschäftigungsmaterial betroffen.

• Ferkelkastration und • Schwanzkupieren.

Die Diskussion und Entscheidungsfindung zur Ferkelkastration erfolgte dabei vor dem Hintergrund der deutschen Gesetzgebung, die ein Verbot der betäubungslosen Kastration ab 2019 vorsieht. Das heißt, eine Schmerzmittelgabe vor der Kastration reicht in Deutschland zukünftig nicht mehr aus. Die Betäubung der Tiere vor der Kastration, die Immunokastration oder gleich der Umstieg auf Ebermast sind dann aus heutiger Sicht dort mögliche Alternativen.

Die Eingriffe bei Nutztieren sind über das Bundestierschutzgesetz grundsätzlich verboten. Es gibt jedoch eine Zulässigkeit von gewissen Maßnahmen unter bestimmten Bedingungen, die in der 1. Tierhaltungsverordnung detailliert beschrieben sind. Beide genannten Eingriffe beim Ferkel sind solche.

Alle 3 Methoden wären zumindest bei uns, nicht zuletzt wegen der Strukturverhältnisse, praxisuntaugliche Lösungen. Aber auch aus tierschutzrelevanten Gründen stellen die derzeit möglichen Alternativen keinen Fortschritt zur herkömmlichen Kastration dar. Teilweise würde sogar eine Verschlechterung eintreten.

Von besonderer Bedeutung und deshalb ausführlichst evaluiert und diskutiert wurden dabei die beiden Eingriffe

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BMGF und BMLFUW gewährleisten Tierschutz und Praxistauglichkeit Von Anbeginn dieses Entscheidungsprozesses überwog in Österreich eine fachlich und sachlich orientierte Diskussion, bei der sich nicht nur die betroffene Branche, sondern auch die NGO´s dementsprechend einbringen konnten. Hervorzuheben ist dabei die herausragende Federführung des Gesundheitsministeriums unter der fachlichen Leitung von Dr. Ulrich Herzog in enger Kooperation mit Dr. Konrad Blaas vom Landwirtschaftsministerium. Ein ganz besonderer Dank gilt aber der verstorbenen Ministerin, Frau Dr. Sabine Oberhauser, die sich in diesem Prozess stets für tierschutzverbessernde, aber gleichzeitig praxismögliche Lösungen eingesetzt und damit wesentlich zur nun vorliegenden Lösung beigetragen hat.

Konkrete Änderungen

Ferkelkastration Das Kastrieren männlicher Schweine ist zulässig, wenn der Eingriff • durch eine sachkundige Person • innerhalb der ersten 7 Lebenstage und • mit wirksamer Schmerzbehandlung erfolgt. Damit wird die derzeitige freiwillige Branchenlösung, bzw. die bei der AMA-Gütesie-

gelproduktion vorgeschriebene Schmerzmittelgabe vor der Kastration zur gesetzlichen Auflage für alle. Zusätzlich wird in der neuen Verordnung schon ein Vorgriff auf mögliche zukünftige Entwicklungen mit folgender Regelung gemacht: Ab dem Zeitpunkt, ab dem ein Mittel zur Verfügung steht, das zur Betäubung oder Schmerzausschaltung geeignet ist und auch durch den Landwirt angewandt werden darf, genügt die alleinige Schmerzmittelgabe nicht mehr.

Schwanzkupieren Das Kupieren des Schwanzes ist zulässig, wenn der Eingriff • durch eine sachkundige Person • innerhalb der ersten 7 Lebenstage • mit einem Gerät, das scharf schneidet und gleichzeitig verödet und • mit wirksamer Schmerzbehandlung erfolgt. Damit ist zukünftig auch beim Schwanzkupieren die Schmerzmittelgabe vor dem Eingriff gesetzlicher Mindeststandard. Zusätzlich wird die Gerätetauglichkeit zur Verödung vorgeschrieben.

• Als solche gelten z. B. Raufutter (Stroh, Heu, Maissilage,…), Hanfseile, Holz, Sägemehl, Pilzkompost, Torf oder eine Mischung dieser Materialien. • Werden nur bekaubare Spielmaterialien aus Plastik bzw. Gummi zur Verfügung gestellt muss mindestens einmal am Tag ein oben genanntes organisches Material zur Verfügung gestellt werden. • Nicht alleine als Beschäftigungsmaterial gelten: Ketten, Reifen, Zeitungsschnitzel, Spielball oder Gegenstände, die schnell stark verschmutzen Damit muss zukünftig in allen Altersbereichen der Schweine dauerhaft oder zumindest einmal am Tag ein organisches Beschäftigungsmaterial vorgelegt werden. Vor allem in den Bereichen der Abferkelbucht und des Deckzentrums stellt diese Auflage eine besondere Herausforderung dar.

Inkrafttreten Die erwähnten Änderungen treten mit 1. Oktober 2017 in Kraft.

Beschäftigungsmaterial Schweine müssen ständigen Zugang zu ausreichenden Mengen an Materialien haben, die sie bekauen, untersuchen und bewegen können.

Schmerzmittelgabe und Gerätetauglichkeit sind nun in der Tierhaltungsverordnung vorgeschrieben. Foto: FRAUKOEPPL

Die Schmerzmittelabgabe ist nun auch bei der Ferkelkastration verpflichtend. Foto: FRAUKOEPPL 2 2017 | Recht & Politik | 13


„Gut zu Wissen“: Herkunftskennzeichnung bringt Transparenz in Gemeinschaftsverpflegung Immer mehr Menschen ernähren sich bewusst und wollen auch wissen, woher die Lebensmittel, die sie genießen, stammen. Wenn sie im Supermarkt gezielt nach Qualität suchen, so weist ihnen das AMA-Gütesiegel den Weg. Woher das Fleisch kommt oder aus welchem Land bzw. welche Haltungsform die Eier stammen, können sie auf der Verpackung lesen. In der Außer-Haus-Verpflegung, wie in Schulen, Kindergärten, Mensen, Spitalsküchen, Seniorenheimen, Kasernen oder Betriebskantinen, ist die Herkunft oft nicht nachvollziehbar, da (noch) keine Kennzeichnungspflicht besteht. Aus diesem Grund hat die LK Österreich die Initiative „Gut zu wissen“ gestartet, die die Herkunft von Fleisch und Eiern in der Gemeinschaftsverpflegung sichtbar macht. Die Gemeinschaftsverpflegung versorgt täglich 2,5 Millionen Menschen.

Und die Menschen wollen auch dort die Transparenz und wissen, was sie am Teller haben. Qualität und Herkunft sind entscheidende Informationen. Mit der Initiative "Gut zu Wissen - Unser Essen wo´s herkommt", wird auf einfache und klare Weise (Gut zu Wissen & Lupe) die Herkunft von Fleisch und Eiern gekennzeichnet und bringt auch Transparenz in die Produktionsform. Das schafft Sicherheit und unterstützt den Konsument in seiner Wahlfreiheit (Prinzip der "informed choice"). Die professionelle Abwicklung, Beratung und Kontrolle obliegen der AMA. Nähere Informationen unter www.gutzuwissen.co.at

Herkunft und Regionalität für Lebensmittelkennzeichnung und Verbraucherschutz

Die EU hat Regeln für die Lebensmittelkennzeichnung, die von den Unternehmen angewendet und den Mitgliedstaaten kontrolliert werden. Die Angabe der Herkunft ist einerseits für immer mehr Produkte verpflichtend vorgeschrieben, andererseits gibt es mehr und mehr Lebensmittel am Markt, die mit werblich verstärkten Herkunftsangaben versehen sind. Dafür hat die EU unter dem Begriff „Täuschungsschutz“ Spielregeln erlassen. Die LK Österreich verlangt, bei der Angabe der Herkunft einfache Spielregeln zu definieren, die für den Verbraucher verständlich, für die Wirtschaft machbar und für die Landwirtschaft fair sind.

Transparenz bedeutet Fairness

Die heimische Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahren voll und ganz auf die Wünsche der Kunden eingestellt. Die Bauern haben hunderte Millionen Euro investiert, um die Tierhaltung noch tiergerechter zu gestalten. Mit dem Tierschutzgesetz und den hohen Standards sind wir EUweit Vorreiter.

Die Initiative "Gut zu Wissen - Unser Essen wo´s herkommt" kennzeichnet die Herkunft von Fleisch und Eiern und bringt Transparenz in die Produktionsform. Quelle: Initiative „ Gut zu Wissen“

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Doch das kostet Geld und daher verlangen die heimischen Bäuerinnen und Bauern einen fairen Wettbewerb auf Augenhöhe. Diesen kann die Herkunftskennzeichnung bieten, denn Transparenz bedeutet Fairness. Nur so kann der Kunde, der Gast ganz bewusst zu einem heimischen Lebensmittel greifen.


Gehören zusammen: Bestbieterprinzip und „Gut zu wissen“

Unter dem Motto „Best statt Billig“ erreichte die bäuerliche Interessenvertretung, dass das Parlament das Bestbieterprinzip auch für Lebensmittel gültig machte. Wenn also heute öffentliche Einrichtungen, wie Schulen, Internate, Kasernen, Krankenhäuser, Pflege- oder Altersheime Lebensmittel in großem Umfang einkaufen, wenden sie das Bestbieterprinzip an und müssen nicht die billigsten Lebensmittel kaufen. Somit können beim öffentlichen Einkauf von Lebensmitteln ökologische Kriterien, wie kurze Transportwege, nachhaltige Produktion etc, berücksichtigt werden. Derzeit setzt die öffentliche Hand das Bestbieterprinzip in ihrem Wirkungsbereich auf Bundes- und Länderebene um. Die LK Österreich bietet mit der Initiative „Gut zu wissen“ dazu ein einfaches und unbürokratisches Instrument an, damit die Konsumentinnen und Konsumenten sofort sehen, woher Fleisch und Eier stammen. Bestbieterprinzip und „Gut zu wissen“ gehören einfach zusammen!

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© Verein Donau Soja

Mag. Ursula Bittner MBA, Verein Donau Soja

Donau Soja als europäisches Erfolgsmodell

Mit Donau Soja entstand im Jahr 2012 erstmals eine Initiative, die sich für den nachhaltigen und gentechnikfreien Sojaanbau in der Donauregion und Europa einsetzt. Mittlerweile zählt der Verein mehr als 260 Mitglieder. Das zertifizierte Soja stellt vor allem im Futtermittelsektor, der weitgehend von Importen abhängig ist, eine gentechnikfreie und nachhaltige Alternative gegenüber Import-Soja aus Übersee dar. Immer mehr österreichische Fleischproduzenten wie die Fleischmarke Gustino Stroh des VLV steigen auf zertifiziertes Soja aus dem Programm des Vereins um und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu Umweltschutz und Lebensmittelsicherheit. Rund 66 Kilogramm Fleisch werden in Österreich pro Jahr und Kopf verzehrt. Besonders beliebt ist hierzulande Hühner- und Schweinefleisch, vor allem mageres Schweinefleisch. Mit ihrem hohen Proteingehalt findet sich die Hülsenfrucht deshalb besonders oft im Futtertrog. Das verfütterte Soja stammt allerdings selten von heimischen Feldern, obwohl die Alpenrepublik Vorreiter in Sachen Sojaanbau in Europa ist. Österreichisches Soja ist sicher, qualitativ hochwertig und gentechnikfrei - und deshalb stark nachgefragt. Im Jahr 2016 wurden rund 150.000 Tonnen Soja produziert, für 2017 wird ein weiterer Anstieg prognostiziert. Das Problem: Österreich, wie auch ganz Europa, produziert weitaus weniger Soja, als es tat-

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sächlich verbraucht. Gerade in der Futtermittelproduktion fehlt es an dem hochwertigen Eiweiß. Die regionale Sojaproduktion alleine kann den österreichischen Bedarf nicht decken. Eine große Eiweißlücke klafft hinter der europäischen Masttierproduktion. Um diese Lücke zu füllen, importiert Österreich rund 400.000 Tonnen Sojaschrot jährlich – vor allem aus den USA, Brasilien und Argentinien, den weltweit größten Sojaproduzenten. Dabei sind die Möglichkeiten des Sojaanbaus in der Donauregion noch lange nicht erschöpft – im Gegenteil ist der Sojaanbau zuletzt kräftig gestiegen: wurden im Jahr 2011 noch rund 632.000 Hektar Soja angebaut, so waren es im Jahr 2016 bereits mehr als 1 Million Hektar.


Eine wichtige Rolle spielt hier auch der Verein Donau Soja, der seit 2012 den nachhaltigen, regionalen Sojaanbau fördert. Der Ausbau des heimischen Sojaanbaus stärkt die regionale Landwirtschaft und stellt gentechnikfreies Soja bereit, das gerade im Futtermittelsektor eine nachhaltige Alternative zu Import-Soja darstellt.

Vermehrt nachhaltiges Soja im Futtertrog Hierzulande satteln immer mehr Hersteller tierischer Produkte auf zertifiziertes Soja aus der Region um. Bereits 80 % der österreichischen Legehennen werden mit zertifiziertem Donau Soja gefüttert. Und auch in der Schweinemast hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Das erfolgreiche Gustino Strohschwein, eine Marke des VLV (Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten), erhält bereits zertifiziertes Donau Soja als ökologische Zusatzauflage. Dr. Johann Schlederer, Geschäftsführer des VLV und Gustino, ist einer der Gründungsmitglieder von Donau Soja und seit Anbeginn im Vorstand des Vereins vertreten. Auch der Fleischverarbeiter Hütthaler stellte im Jahr 2015 Teile seiner Produktion auf Donau Soja in der Schweinefütterung um und startete zuletzt zusammen mit dem Lebensmitteleinzelhändler Hofer das Tierwohl-Projekt „FairHof“, das auf artgerechte Haltung und gentechnikfreies Donau Soja in der Fütterung setzt. Wenn es weiteren landwirtschaftlichen Vermarktungspartnern gelingt, die höheren Produktionskosten am Markt zu erlösen und den Bauern abzugelten, steht auch der Ausweitung der GVO-freien Schweinehaltung nichts mehr im Wege. In der Donauregion und in ganz Europa wird an der Zertifizierung weiterer Produkte gearbeitet. Der Ausbau der europäischen Sojaproduktion und -verarbeitung gibt der Landwirtschaft neuen Schwung, baut Infrastrukturen auf und holt die durch Import verlorengegangene Wertschöpfung wieder in die Region zurück. Für Klima- und Umweltschutz bedeutet regional zertifiziertes Soja eine Verringerung der CO2-Emission, da unter anderem lange Transportwege eingespart werden. Auch für KonsumentInnen spielt die ökologische Dimension von Produktion und Verarbeitung zunehmend eine wichtige Rolle, nicht zuletzt, da die rücksichtslose Ausweitung des Sojaanbaus in Nord-und

Südamerika der vergangenen Jahrzehnte immer wieder für negative Schlagzeilen sorgte. Im Kreuzfeuer der Kritik stehen vor allem die Umwandlung des Regenwalds in Soja-Monokulturen sowie der massive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und gentechnisch verändertem Saatgut.

Vernetzung und Stärkung der Landwirtschaft Donau Soja ist ein Qualitätsstandard und Markenprogramm für Sojabohnen, Lebensmitteln aus Soja und für Produkte von Tieren, die mit zertifiziertem Soja aus dem Programm des Vereins gefüttert wurden. Im Mittelpunkt der Arbeit des Vereins steht die Förderung des nachhaltigen, gentechnikfreien Sojaanbaus und die Verarbeitung in Europa. Dazu wurde der Donau Soja und Europe Soya Standard entwickelt, der die Basis des Zertifizierungsprogramms darstellt. Kernkriterien des Vereins sind Gentechnikfreiheit, Regionalität und Nachhaltigkeit. Das Zertifizierungsprogramm umfasst alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette, vom SojaLandwirt bis zum Verarbeiter und Inverkehrbringer. Sojalandwirte müssen Bestimmungen zu Pestizideinsatz und Landnutzung einhalten. Zudem ist der Einsatz von Sikkationsmitteln wie Glyphosat und Diquat in der Abreife verboten. Die Einhaltung der Bestimmungen wird durch ein dreistufiges Kontrollsystem

geprüft. Mit den Marken „Donau Soja“ und „Europe Soya“ werden Produkte, die Donau Soja oder Europe Soya enthalten, gekennzeichnet. Tierhalter, die ihre Produkte mit dem Label „gefüttert mit Donau Soja“ bzw. „gefüttert mit Europe Soya“ kennzeichnen wollen, müssen einen SojaMindestanteil im Tierfutter einhalten. Bei Mastschweinen beträgt dieser 10%. Der Sojaanteil muss dabei zur Gänze aus Donau Soja bzw. Europe Soya bestehen. Seit seiner Gründung im Jahr 2012 ist der Verein auf das mittlerweile 10-fache angewachsen und umfasst heute mehr als 260 Mitglieder aus 20 europäischen Staaten sowie ein Mitglied aus den USA. Neben Landwirten, Saatgutfirmen, Verarbeitern, Agrar- und Lebensmittelhändlern befinden sich auch Institute und Forschungseinrichtungen sowie öffentliche Institutionen und Nichtregierungsorganisationen unter der mittlerweile langen Mitgliederliste. Programme zur Förderung des Wissens um den Sojaanbau stehen bei den Tätigkeiten des Vereins genauso im Vordergrund wie Netzwerkveranstaltungen und Branchentreffen, bei denen neue Geschäftspartnerschaften und Kooperation entstehen. Das ambitionierte Ziel des Vereins: bis 2025 soll die Hälfte des europäischen Sojabedarfs durch Eigenanbau gedeckt werden. Mag. Ursula Bittner, MBA Nicole Teubenbacher, BA Verein Donau Soja

Immer mehr heimische Hersteller tierischer Produkte wechseln auf zertifiziertes Soja aus der Region - so auch in der Schweinemast. Quelle: Verein Donau Soja 2 2017 | Donau Soja | 17


AMA-Gütesiegelkampagne „Unser Vorteil. Unser Siegel“ Die erfolgreiche TV-Werbekampagne bleibt auch in der Fortsetzung erfolgreich und erzielt in Umfragen Höchstwerte! Nach der ersten Kampagnenwelle von November 2015 bis Mitte 2016 wurde heuer zu Frühlingsbeginn die produktübergreifende Kampagne für das AMAGütesiegel fortgesetzt. Insgesamt wurden drei Werbespots (Fleisch, Milchprodukte und Herkunft) 107 mal im ORF und 1.041 mal in anderen Sendern ausgestrahlt.

Beiträge im Dienste der Öffentlichkeit Im Rahmen des EU-Informationsprogrammes für Qualitätsfleisch wird im ersten Halbjahr auf das bewährte Format der Beiträge im Dienste der Öffentlichkeit zurückgegriffen. Dieses Informationstool steht ausschließlich staatlichen und gemeinnützigen Institutionen zur Verfügung. Als impactstarke Motiongrafik werden die Themen „Tierwohl" und „keine unerlaubten Rückstände im Fleisch" behandelt. Durch die Platzierung außerhalb der Werbeblöcke wird ein hoher Impact und Glaubwürdigkeit erzielt. Die Ausstrahlung beider Beiträge im ORF und in diversen privaten Kanälen wird im ersten Halbjahr erfolgen. Die Informationsbeiträge werden auch über das Internet verbreitet.

Schon mit der ersten Welle konnte die Zielsetzung, das Vertrauen ins AMA-Gütesiegel zu stärken, erreicht werden. Laut repräsentativen Umfragen vertrauen 83% der Bevölkerung dem AMA-Gütesiegel, die Bekanntheit erreichte historische Höchstwerte von 95% (gestützt) und 36% (ungestützt). Die Kampagne wurde als verständlich, informativ, glaubwürdig, authentisch und vielseitig wahrgenommen.

Generische AMA-Kampagne „Unsere Vielfalt. Unser Genuss“ Zu Jahresbeginn wurde die Werbekampagne „Unsere Vielfalt. Unser Genuss" im Fernsehen fortgesetzt. Sie startete im Herbst 2016 mit mehr als 700 TVAusstrahlungen. Ziel dieser produktübergreifenden Kampagne ist es, den Konsumenten Lust auf frische, regionale Lebensmittel zu machen. Stilistisch wurde auf das bewährte Konzept gesetzt. Elemente aus der AMA-Gütesiegelkampagne wurden aufgegriffen und mit einer neuen Bilderwelt kombiniert. Schwerpunktthemen waren Milch und Milchprodukte bzw. Fleisch und Fleischprodukte. Ganzseitige Inserate mit verschiedenen Sujets in relevanten Zeitungen und Magazinen ergänzten den appetitlichen Auftritt. Mit Aktivitäten in sozialen Netzwerken wie Facebook werden insbesondere junge Personen angesprochen. Mit diesem Maßnahmenpaket sind wir dem Ziel, den Konsumenten ein realistisches Bild der Lebensmittelproduktion zu vermitteln und die Wertschätzung für Fleisch zu erhöhen, ein gutes Stück näher gekommen.

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Diplom-Fleischsommelier/e: Bereits 350 Fleisch-Botschafter im Einsatz Der staatlich anerkannte Ausbildungslehrgang zum diplomierten Fleischsommelier erfreute sich im sechsten Jahr nach der Markteinführung ungebremsten Zuspruchs. In den bislang insgesamt 23 Lehrgängen an sechs Landes-Wifis haben bis Jahresende 350 Teilnehmer das Ausbil-

dungsprogramm absolviert und 320 Teilnehmer die umfangreichen Prüfungen bestanden. Dieses qualitativ anspruchsvolle Projekt trägt entscheidend dazu bei, die Kultur, das Fachwissen und das Image der gesamten Branche zu verbessern.

Sichtliche Freude über das erhaltene Diplom zur bestandenen Fleischsommelier/ePrüfung bei Kandidaten und Prüfern. Quelle: AMA

Informationskampagne Um die Wertschätzung gegenüber Fleisch zu verbessern, wird die 2014 begonnene Informationskampagne im Rahmen eines EU-kofinanzierten Absatzförderungsprogrammes fortgesetzt. Die Umsetzung basiert auf drei Säulen: Redaktionelle Kooperationen mit Tageszeitungen und ausgewählten Magazinen, redaktionelle Themenbeiträge und Beiträge im Dienste der Öffentlichkeit im TV und auf Social Media-Kanälen. Dabei standen Informationen über Herkunftsund Qualitätssicherung, insbesondere über das AMAGütesiegel im Fokus.

Wikimeat.at - die Informationsplattform in Sachen Fleisch Wenn Sie etwas zum Thema Fleisch wissen möchten und eine seriöse Quelle brauchen, gibt es eine Adresse: www.wikimeat.at - die umfassende Kompetenzplattform in Sachen Fleisch ist ab sofort online. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Universitäten, Ernährungsexperten, Fachjournalisten und Standesvertretungen ins Leben gerufen, um interessierte Konsumenten neutral und seriös zu informieren. Dafür sorgt umfangreicher Content mit sechs Themenbereichen, 35 Hauptkapiteln, einem Videoportal, hunderten Beiträgen, Artikeln und Kommentaren sowie einem Foto- und Rezeptarchiv.

Bislang sind im Rahmen dieses Informationsschwerpunktes rund 370 ganz- oder doppelseitige Artikel in Printmedien sowie nahezu ebenso viele redaktionelle TV-Beiträge erschienen.

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Verladerampen – praktisch und sauber Mit einer klug gebauten Verladerampe wird das Schweineverladen einfacher. Darüber hinaus schützt es den Schweinebetrieb vor der Einschleppung von Krankheiten. Außerdem ist es auch eine „Visitenkarte“ für den Betrieb. Franz Strasser, Fachberater von der BSP in Wels gibt Tipps, wie eine Verladerampe gebaut werden kann. Bei der Planung beachten

Franz Strasser ABL, Berater LK-OÖ

Was fordert die Schweine-Gesundheitsverordnung (SchwG-VO) Die mit Beginn 2017 in Kraft getretene Schweinegesundheitsverordnung befasst sich auch mit der Schweineverladung. Im Rahmen der Umsetzung gilt die Übergangsfrist bis 1.1.2025, wenn bauliche Maßnahmen getätigt werden müssen.

• Wie läuft die Hauptwindrichtung? • Rangierfläche des LKWs (evtl. mit Anhänger)? • Einfahrtshöhe des Tores > 4,10 Meter • Einfahrtsbreite > 3,50 Meter • Abflussmöglichkeit des Waschwassers • kurze Treibwege innerhalb des Betriebes (evtl. Türdurchbruch) • ev. Rampe ins Gebäude integrieren • LKW soll tiefer stehen • Nachbarn oder andere Personen sollen durch (oft nächtlichen) Lärm so wenig wie möglich gestört werden Schweine, die zeitlebens im Stall waren, kennen keinen Wind. Die Rampe soll daher auf die

Hauptwindrichtung abgewandte Stallseite platziert sein. Ist dies nicht möglich, muss die Verladestation mit Wind- und Wetterschutz versehen werden. Hier sind Flexibilität und Ideen gefragt, wie so eine Verladestation zweckmäßig und für das Erscheinungsbild des Stalles gebaut werden kann. Auf der Rampe selbst sollte klar ersichtlich sein, wie weit der „Zuständigkeitsbereich“ des Chauffeurs geht. In der Theorie spricht man von der Trennung in den „Schwarzen“ und in den „Weißen“ Bereich: • Schwarzbereich: Außen – dem Chauffeur vorbehalten • Weißbereich: Stallseitig – den hofeigenen Arbeitskräften vorbehalten Zum Beispiel kann eine Verladebucht auf der Rampe von den hofeigenen Arbeitskräften mit

Das fordert die SchwG-VO: • Geeignete Einrichtungen zum Verladen von Schweine und zur Reinigung und gegebenenfalls Desinfektion von Transportfahrzeugen (Verladerampen, Aufstiegshilfen, Hebebühnen) • Schweine dürfen nicht entweichen • Bereits auf Transportfahrzeuge verladene Tiere dürfen nicht in den Stall zurücklaufen • Betriebseigene Fahrzeuge sind nach Abschluss von Transporten zu reinigen • Nach jeder Ein- und Ausstallung sind die Gerätschaften und Verladeplatz zu reinigen

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Die Wartebox wird von den familieneigenen Arbeitskräften befüllt. Von dort übernimmt der Chauffeur die Schweine. Foto: Strasser


Schlachtschweinen gefüllt werden. Von dort übernimmt der LKW-Fahrer die Tiere. Ein möglichst ebener Zugang in den LKW ist sinnvoll – hierfür ist eine stabile, etwas vertiefte Auflagekante für die Heck-Klappe des LKWs vorzusehen.

Die Abgrenzungen nach außen (Wände) sollen stabil und undurchsichtig sein. Am besten sind fixe Betonmauern.

Wie hoch soll die Verladerampe sein?

Hygiene auf Rampe und Treibwegen

Als optimale Höhe für Rampen wird von den Tiertransporteuren mit 50-70 cm angegeben.

Es gibt nur eine Richtung bei der Verladung und das ist auf den LKW. Das heißt: Kein Zurück in den Stall und das aus gutem Grund! Nachweislich wurden virale und bakterielle Infektionen durch zurücklaufende Tiere bzw. durch Personen in einen Bestand eingeschleppt.

Die Höhe der Ladefläche von Viehtransportern ist in der Regel 80-95 cm. So kommt die aufgeklappte Treppe zum LKW leicht steigend zu liegen. Die Transporter können ihre luftgefederten Hinterachsen absenken bzw. die Verladebordwand um 70-90 cm ausfahren. Somit lässt sich die optimale Steigung finden.

Die Verladerampe schafft Platz Ist die Rampe mindestens 3m breit und 5m tief, schafft das für ca. 20 - 30 Schlachtschweine Platz. Gleichzeitig wird damit die Entfernung zwischen wertvollen Tierbestand und Transporteinheit (mögliche Infektionsquelle) größer.

Eine Unterteilung auf der Rampe (Verladebucht) erleichtert das Ein- und Austreiben.

Nach jeder Verladung müssen Treibwege, Rampe, sowie Stiefel und Treibbretter gereinigt werden. Das geht nur, wenn bei den entsprechenden Stellen einerseits die Hochdruckleitung oder zumindest ein Schlauchanschluss, andererseits ein Wasserabfluss (Kanal) vorhanden ist. In vielen Betrieben wird, sobald die Ladebordwand verschlossen ist, mit der Reinigung begonnen. Denn frischer Schmutz lässt sich leicht abwaschen. Eine darauffolgende Desinfektion vollendet die Reinigung.

Ausführung der Treibwege Schweine laufen am liebsten, wenn sie in Gruppen nebeneinander zu 3-7 Stück getrieben werden. Treibgänge sollten 85 bis 150 cm breit sein, leicht steigend und möglichst geradlinig verlaufen. Verengungen bremsen, wogegen breite Wege übers Eck den Verladevorgang verflüssigen. Schweine dürfen auf ihrem letzten Gang nicht von im Stall verbleibenden Artgenossen abgelenkt werden. Daher sind die Buchtenabtrennungen in den Treibgängen unbedingt geschlossen und die Bodenoberfläche rutschfest auszuführen. Auf langen Zentralgängen macht der Einbau von Rücklaufsperren (Einwegtürl) Sinn. So können Schweine nicht zurücklaufen und zusätzlich ist ein Hygieneproblem ausgeschlossen. Schweine, die über eine kleine Stufe runter oder über einen Spalt steigen müssen, beginnen sicher zu bocken. Ebenso bremsen scheppernde Schachtabdeckungen unnötig. Aufgestreutes Stroh, Sägemehl oder Quarzsand fördern die Trittsicherheit, wenn die Wege verkotet und rutschig werden. Sehr praktisch sind mit Betonspalten ausgelegte Treibwege, da sie leicht sauber zu halten sind.

Damit sinkt das Infektionsrisiko.

Auf der Rampe wird hingewiesen, dass der Zutritt verboten und wie der Landwirt erreichbar ist. Foto: Strasser

Auf der leicht steigenden Treppe des LKWs laufen die Schweine gerne. Foto: Strasser

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Hygienische Anforderungen an die Verladung • An- und Ablieferung muss außerhalb der Stallungen erfolgen • Es muss ein befestigter Platz oder eine Rampe sein, die wasch- und desinfizierbar ist • Vom Verladeplatz dürfen keine anfallenden Flüssigkeiten in den Stallbereich zurückfließen • Wasserschlauch oder Hochdruckleitung in unmittelbarer Nähe • Ein Zurücklaufen der Schweine ist zu verhindern • Der Chauffeur übernimmt die Schweine auf der Rampe und darf nicht in den Stall • Ein Hin- und Herlaufen von Personen zwischen Stall und Verladefahrzeug muss verhindert werden

Tipps – damit das Verladen leichter geht • Schild „Betreten verboten“ und erreichbar Tel. Nr., damit sich der Chauffeur bemerkbar machen kann • Verladerampe sonnen- und windgeschützt

Eine geräumige Rampe zwischen zwei Stalleinheiten. Foto: Strasser

Beleuchtung der Treibwege Schweine laufen dem Licht entgegen, dabei dürfen sie aber nicht geblendet werden. Stark wechselnde Licht – Schattenverhältnisse ängstigen die Tiere und machen sie unsicher, da sie einzelne Bereiche des Bodens nicht mehr einschätzen können. Daher die Treibwege gleichmäßig ausleuchten und Schattenbildung vermeiden. Da Schweine schlecht sehen, darf bei der Lichtstärke nicht gespart werden.

vor Krankheiten schütze. Das war eine gute Investition, mit der ich mir auch Verladestress erspare!“. Bei neuen Ställen wird die Verladung mitgeplant. Bei bestehenden Ställen ist es oft schwieriger, zweckmäßige Lösungen zu finden. Die Fachberater für Schweine in den Beratungsstellen der Landwirtschaftskammern helfen Ihnen gerne bei der Planung. Gute Ideen dazu liefern auch die Chauffeure, da ihnen laufend viele nachahmenswerte Beispiele unterkommen. Scheuen Sie nicht, sie bei der nächsten Verladung nach Verbesserungsmöglichkeiten zu fragen.

Infektionsrisiko bei Eigentransport

• LKW vom Stall fern halten • Steigung der Treibwege nicht über 10 % • Treibwege seitlich geschlossen und „treibbrettbreit“ • Wartebuchten auf der Rampe • Auflagekante für LKW–Bordwand • Leichte Treibbretter verwenden • Schlachtschweine mit Stift oder Spray vor der Verladung kennzeichnen • sich vom Chauffeur 15 – 30 Min. vor der Verladung anrufen lassen • Klare Aufgabenverteilung vor der Verladung ausmachen, z. B.: - Chauffeur übernimmt Schweine auf der Rampe - Landwirtsfamilie sortiert im Stall und bringt sie zur Rampe - Landwirt und Chauffeur zählen mit

Wer seine Schweine selbst auf den eigenen Anhänger verlädt, hat kein fremdes Fahrzeug am Hof. Das ist ein Vorteil. Aber: am Schlachthof kommen viele Transporteure und Schweine zusammen, daher darf man sich von dort wirklich „nichts nach Hause mitnehmen“. Das bedeutet, wer den gesundheitlichen Vorteil wahren will, muss am Schlachthof sein Fahrzeug und die Stiefel waschen und den verwendeten Overall sofort zur Wäsche geben. Auf keinen Fall mit der „Schlachthofkleidung“ in den eigenen Stall gehen, auch nicht bei mehrere Fuhren nacheinander.

Fazit Bauern, die eine geräumige Verladerampe haben sagen: „Ich setze damit ein deutliches Zeichen, dass ich meinen Bestand

Wenn Fließwasser oder eine Hochdruckleitung in der Nähe ist, dann ist die Reinigung der Treibwege einfach. Foto: Strasser

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Schweineproduktion einen Tag lang live im Radio Kärnten Eine Woche lang widmete sich das ORF Radio Kärnten mit der „Woche der Landwirtschaft“ dem Thema „Land und Forstwirtschaft in Kärnten“. Der Schweinemastbetreib der Familie Egger war einer von sieben Live-Sendeplätzen. Im Programm von Radio Kärnten wurde von 9 Uhr früh bis 19 Uhr abends über alle Bereiche der Schweineproduktion berichtet. „Radio Kärnten“ war Ende April einen Tag lang zu Gast bei der Familie Egger. Gabriele und Martin bewirtschaften in Poggersdorf einen Schweinmastbetreib mit 1200 Mastplätzen. Der Betrieb wurde 2009 von Gabrieles Eltern übernommen. Martin, eigentlich gelernter Koch und seine Frau Gabriele, die vor der Betriebsübernahme als Ordinationsassistentin arbeitete, erweiterten 2014 ihren Betreib von damals 700 Mastplätzen auf aktuell 1200 Mastplätze. In mehren Interviews erzählten die beiden ihre Beweggründe für die Investition in einen modernen Schweinestall. Sie gaben den interessierten Hörern aber auch einen detaillierten Einblick hinter die Kulissen. Themen wie Ferkelherkunft, Fütterung, Lüftung und Geruchsbelastung bis hin zur Schlachtung wurden dabei angesprochen. „Alle 14 Tage bekommen wir rund 140 Ferkel von den Ferkelproduzenten direkt aus der Umgebung angeliefert. Auf unseren eigenen Flächen bauen wir das Futter für unsere Schweine an - Mais, Hirse und Getreide“, so Martin. Um das Bild der gesamten Schweinehaltung in Kärnten dazustellen, wurden viele weitere Interviewpartner auf den „MonikHof“ der Familie Egger eingeladen. Einer davon war zum Beispiel der Ferkellieferant vom Betrieb Egger, der Einblick in den Ablauf eines Ferkelproduzenten gab. Weitere Themen waren die Schweinzucht, die Beratung und Investitionsförderung, die Schlachtung und Klassifizierung, die tierärztliche Bestandsbetreuung, die Vermarktung und die Bedeutung von Schweinefleisch in der menschlichen Ernährung. Ein wichtiges Anliegen der Familie Egger war es, die neue Initiative „Saugut – Kärntner Schweinebauern 3.0“ den Konsumenten vorzustellen. „SAUGUT“ ist eine neue Informationsplattform der Kärntner Schweinebauern. Ihr Ziel ist es, durch Öffentlichkeitsarbeit ein Bewusstsein zur Schweinehaltung zu schaffen und Schwei-

nefleisch als genussvolles Lebensmittel zu präsentieren“, so die Sprecherin Edith Weißnegger. In einer abendlichen Diskussionsrunde wurde mit Mästern, einer Ernährungsberaterin, Vermarktern und dem Fleischverarbeiter Nobert Marcher live über die Zukunft der Schweineproduktion diskutiert. Dabei wurde klar unterstrichen, dass der

internationale Wettbewerb nicht nur eine Herausforderung für die Schweineproduktion ist, sondern angesichts wachsender Märkte auch eine große Chance bietet. Abgerundet wurde der Tag durch ein Hoffest, zu dem die Familie und der Schweinevermarktungsring Süd einluden. Berufskollegen aber auch Nachbarn und Konsumenten diskutierten und unterhielten sich bis in die späten Abendstunden.

Martin und Gabriele im Interview mit Martin Weberhofer (ORF). Foto: Mak

Die Diskussionsrunde zum Thema „Zukunft der Schweineproduktion – neue Wege“ mit Martin Egger, Moderator Josef Nadrag, Edith Weißnegger, Martin Suette, Nobert Marcher, Mag. Birgit Rattenberger und Gabriele Egger. Foto: Mak 2 2017 | Schweineproduktion Kärtnen | 23


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Dr. Christina Pfeiffer Wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Nutztierwissenschaften (NUWI) der BOKU Wien Quelle: Pfeiffer

Verbesserte Ferkelvitalität kann Ferkelverluste senken Neben Managementfaktoren und Haltungsbedingungen können auch züchterische Maßnahmen die Vitalität von Ferkeln verbessern und somit Ferkelverluste reduziert werden. Vitalität ist definiert als die genetisch bedingte und durch Umwelteinflüsse modifizierte Lebensfähigkeit eines Individuums. Jahrzehntelang wurde auf die Anzahl gesamt bzw. lebend geborener Ferkel selektiert.

Große Würfe, die zur Erhöhung der Produktivität angestrebt werden, sind mit einer erhöhten Ferkelsterblichkeit assoziiert. Je größer die Würfe sind, umso geringer ist die Überlebensfähigkeit der Ferkel. Die genetische Beziehung zwischen den Merkmalen beträgt rund 80 % (100 % sind maximal möglich). Im Schnitt beträgt die Ferkelverlustrate bis zum Absetzen mit Berücksichtigung der Totgeborenen zwischen 16 und 20 %. Die Ferkelsterblichkeit darf aus wirtschaftlicher Sicht und unter Aspekten des Tierschutzes züchterisch nicht weiter außer Acht gelassen werden.

Geburtsgewicht ist die wichtigste Größe

Beurteilungsschema für die Ferkelvitalität, das von den ZüchterInnen verwendet wird. Quelle: Pfeiffer 24 | OptiZucht | 2 2017

Sauen verfügen über eine sehr hohe Ovulationsrate, dennoch sind die Platzkapazität und die plazentare Nährstoffversorgung begrenzt. Bereits die Platzierung der Embryonen bei der Einnistung im Uterus ist ausschlaggebend für


die weitere Entwicklung und hat somit auch großen Einfluss auf den wichtigsten Überlebensfaktor, das Geburtsgewicht. Bei Einnistung zu vieler Embryonen kommt es vor allem in der Uterusmitte zu Platzmangel und dadurch zu einer unterschiedlichen Gewichtsentwicklung der Ferkel. Ein Geburtsgewicht von ca. 1,4 kg bietet einen guten Start ins Leben. Der optimale Geburtsgewichtsbereich liegt zwischen 1,2 und 1,6 kg, wobei die Streuung der Geburtsgewichte so klein wie möglich ausfallen sollte. Bei einem Geburtsgewicht von unter 1 kg liegen die Verlustraten bei mehr als 50 %. Leichte Ferkel sind bei der Geburt mit einer verringerten Energiereserve ausgestattet. Aufgrund dessen ist nicht nur die körpereigene Temperaturregelung verringert, die Ferkel sind auch weniger mobil. Dadurch können auch der erste Gesäugekontakt bzw. die Erstkolostrumaufnahme zu spät erfolgen. Die Erstkolostrumaufnahme sollte maximal 40 min nach der Geburt stattfinden um einer rapiden Abnahme der Vitalität entgegenzuwirken. Ein weiterer Indikator für eine verringerte Vitalität ist eine bereits gerissene Nabelschnur bei der Geburt. Ist die Nabelschnur nicht intakt, ist eine ausreichende Sauerstoffversorgung während der Austreibungsphase nicht mehr gesichert gewesen. Der natürliche Riss der Nabelschnur erfolgt etwa 7 min nach der Geburt. Eine intakte Nabelschnur bei der Geburt fördert ein rasches Aufstehen (1 bis 2 min können als normal betrachtet werden) und dient als Orientierungshilfe (verbunden mit der Sau) zur Auffindung des Gesäuges. Sauerstoffmangel stellt einen weiteren Risikofaktor für die Überlebensfähigkeit dar. Neugeborene Ferkel kommen mit einem sehr geringen Sauerstoffvorrat zur Welt. Setzt die Atmung nicht rechtzeitig ein (max. 1 min nach der Geburt) kann es zu Folgeschäden, wie Orientierungs- und/oder Bewegungsstörungen kommen. Die Atmung kann aber auch schon während des Geburtsvorganges beginnen. Dadurch wird Fruchtwasser und Mekonium (Darmpech) aufgenommen. Auch dies vermindert die Vitalität. Weiters sind die Geburtsdauer, das Zwischenferkelintervall sowie die Geburtsreihenfolge Faktoren, welche die Überlebensfähigkeit beeinflussen. Je größer der Wurf ist, umso länger dauert die Geburt und umso mehr Ferkel werden tot geboren. Auch hierfür gibt es eine genetische Beziehung im Ausmaß von ca. 66 %. Bei einer Geburtsdauer von rund 4h liegt die Totgeburtenrate bei ca. 1 %.

Steigt die Geburtsdauer auf über 6 h, kann auch die Totgeburtenrate bei über 10 % liegen. Rund 80 bis 90 % der Totgeborenen sterben während der Austreibungsphase. Die häufigsten Ursachen sind Sauerstoffmangel aufgrund einer zu langen Geburt und ein frühzeitiges Ablösen von der Plazenta. Oftmals führt eine Wehenschwäche der Sau zu verlängerten Geburten. Ein optimales Zwischenferkelintervall sollte 15 bis 30 min nicht überschreiten. Wissenschaftliche Studien konnten feststellen, dass die Totgeburtenrate rund 9 % für das 1. bis 4. Ferkel und 16 % für das 5. bis 8. Ferkel und rund 75 % ab dem 9. Ferkel beträgt. Weitere wichtige Faktoren, die der Sau zugeordnet werden können, sind das Alter und die Trächtigkeitsdauer. Mit steigenden Wurfzahlen bzw. einer Tragezeit unter 115 Tagen steigt ebenfalls die Anzahl der totgeborenen Ferkel. Weitere Managementmaßnahmen wie Fütterung oder Geburtsüberwachung spielen eine große Rolle, können aber in diesem Artikel nicht erörtert werden.

Welchen Beitrag kann die Tierzucht leisten?

Alle Merkmale, die die Vitalität beeinflussen, stehen in einem komplexen Zusammenhang miteinander. Die maßgeblichen Faktoren sind der Sau zuzuordnen (z. B. Wurfgröße, Geburtsgewicht), aber auch dem Ferkel direkt (Überlebensfähigkeit). Weiters weisen diese Merkmale niedrige Erblichkeiten auf, andererseits stehen sie phänotypisch (tatsächliche, beobachtbare Ausprägung des Merkmales) und genetisch miteinander in Beziehung. Eine züchterische Bearbeitung ist zwar möglich, benötigt aber eine sehr

gute und umfangreiche Datenerfassungund analyse. Im Projekt OptiZucht werden auf 24 Betrieben in Österreich unter anderem Einzelferkelgeburtsgewichte innerhalb von 24h nach der Geburt erhoben. Zusätzlich werden die Ferkelvitalität sowie die Wurfausgeglichenheit durch die ZüchterInnen, ebenfalls 24h nach der Geburt, beurteilt. Dazu wurde ein vierstufiges Beurteilungsschema für beide Merkmale entwickelt (siehe Tabelle). Dieses Bewertungsschema wird zusätzlich noch überprüft um zu sehen, wie gut die Beurteilung der ZüchterInnen mit der tatsächlichen Vitalität der Ferkel übereinstimmt. Dazu werden Geburten direkt beobachtet und Merkmale wie Geburtsdauer, Zwischenferkelintervalle, Zeit bis zum ersten Aufstehen und Gesäugekontakt usw. erfasst. Für die teilnehmenden Zuchtbetriebe fanden im März und April Schulungen statt. Inhalte der Schulung waren fachlicher Hintergrund sowie eine möglichst standardisierte Datenerfassung. Die Ergebnisse aus dem Projekt OptiZucht bilden künftig die Basis für eine Anpassung der Zuchtziele hinsichtlich Ferkelvitalität. Bei Berücksichtigung der Ferkelvitalität und dem optimalen Geburtsgewicht im Zuchtziel kann den Ferkelverlusten seitens der Tierzucht entgegengewirkt werden. Durch eine genetische Verbesserung der Ferkelvitalität sowie die Selektion auf ein optimales Geburtsgewicht und gute Mütterlichkeit auf der Sauenseite, in Kombination mit einem optimalen Management im Abferkelstall, können die Ferkelverluste reduziert werden.

Im Rahmen des Projektes OptiZucht fand auch eine Schulung mit den interessierten ZüchterInnen statt. Quelle: Knapp 2 2017 | OptiZucht | 25


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DI Maria Dolezal Produktmanagerin Schwein Garant Tiernahrung

Höhere Sauenleistung bei geringerer Stickstoffausscheidung

Quelle: Dolezal/Garant

Die optimale Versorgung der Sauen ist eine wichtige Frage für Landwirte, Berater, Tierärzte und Ernährungsforscher. Es scheint, so wie viele andere Fragen auch, eine „never ending story“ zu sein, die nicht nur vom Zuchtfortschritt der Schweine, sondern auch von gesetzlichen Rahmenbedingungen und Umweltauflagen abhängig ist. Durch umweltschonende Fütterungsstrategien lassen sich laut LfL Bayern bis zu 30 Prozent des Stickstoffgehalts in der Schweinegülle reduzieren. Die besten Möglichkeiten zur Verringerung der Stickstoffausscheidung in der Sauenfütterung sind:

26 | Sauenfütterung | 2 2017

Konsequente Umsetzung der Phasenfütterung, d. h. exakte Anpassung der Proteinversorgung an den Bedarf

Erhöhung der Nährstoffausnutzung durch die Kombination geeigneter Futtermittel mit dem Einsatz freier Aminosäuren

Phasenfütterung konsequent umsetzen Das Fütterungsmanagement in allen Produktionsphasen beeinflusst das Ferkelwachstum und die Fruchtbarkeit der Sau. Eine optimale Kondition der Jungsauen bei der ersten Belegung beeinflusst ihre Fruchtbarkeit und Lebensdauer positiv. Für die Vorbereitung der Jungsauen auf die erste Besamung (2. Rausche nach der Transportrausche) sollte ein Futter mit geringem Eiweiß- und hohem Energiegehalt gewählt werden. In der Praxis haben sich Mischungen aus Trage- und Säugefutter (im Verhältnis 1:1) gut bewährt.


Ziel der Fütterung im Deckzentrum sind eine intensive und schnelle Rausche, hohe Ovulationsraten, geringe embryonale Verluste und hohe Trächtigkeitsraten. Eine Flushing-Fütterung vor dem Besamen begünstigt die Rausche und erhöht die Ovulationsrate. Flushing erfolgt mit einer stärke- und zuckerreichen, dabei fettarmen hochenergetischen Diät. Darüber hinaus sollte auf eine hohe Vitamin- und Wirkstoffversorgung in dieser Phase geachtet werden. Nach dem Besamen müssen Verluste von befruchteten Eizellen (Embryonen) vermieden werden. Während bei Jungsauen eine verhaltene Energieversorgung in den ersten 10-14 Trächtigkeitstagen zu weniger embryonalen Fruchtverlusten bzw. höheren Ferkelzahlen führt, muss dagegen bei Altsauen die optimale Zuchtkondition möglichst schnell wieder aufgebaut werden. In der Trächtigkeit ist es wichtig, die Sauen in Kondition zu bringen. Konditionsfütterung sollte in der Praxis aber nicht mit übermäßiger Fütterung verwechselt werden. Die Sauen sollen „fit, aber nicht fett“ sein. Für Ruhe im Stall sorgt eine ausgewogene Rohfaserzusammensetzung und entspre-chende Rohfasergehalte, was sich positiv auf Ferkelzahlen, Aggressivität und Ausfälle auswirkt. Neben der richtigen Futtermenge sollte auch auf das ideale EiweißEnergie-Verhältnis geachtet werden. Die Transitphase ist eine kritische Phase für Sau und die Ferkel. Die Zuchtsau muss auf die beginnende Laktation vorbereitet und von einem nährstoffarmen, rohfaserreichen Tragendfutter auf ein hochkonzentriertes und rohfaserarmes Laktationsfutter umgestellt werden. Um ein Energiedefizit rund um die Geburt zu vermeiden, ist die zusätzliche Fütterung eines stärkeund zuckerreichen Geburtsvorbereitungsfutters rund um die Abferkelung empfehlenswert.

In der Säugezeit ist der Bedarf an Energie, Aminosäuren und Mineralstoffen besonders hoch. Eine ausreichende Versorgung mit Lysin und verzweigtkettigen Aminosäuren wie Valin haben dabei eine besondere Bedeutung. Dies wirkt sich positiv auf eine hohe Milchleistung aus und erhöht die Absetzgewichte der Ferkel. Zu hohe Gewichtsverluste während der Säugezeit verlängern das Absetz-RauscheIntervall und reduzieren die Ferkelzahlen im nächsten Wurf (siehe Grafik 2). Laktationsfütterung ist Fruchtbarkeitsfütterung: Durch möglichst geringe Verluste an Körpergewicht (max. 10-13 %) und Rückenspeckdicke (max. 3-5 mm) kommt die Sau nach dem Absetzen schneller in Rausche und kann sich optimal auf den nächsten Zyklus vorbereiten.

Eiweißgehalt im Futter reduzieren Die Absenkung der Proteingehalte im Futter gehört inzwischen zur guten fachlichen Praxis der Schweinefütterung. Da das Schwein keinen eigentlichen Protein- sondern einen Aminosäurebedarf hat, kann der Rohproteingehalt im Futter im Prinzip so weit abgesenkt werden, bis die erstlimitierende Aminosäure die Proteinsynthese und damit das Wachstum bzw. die Milchproduktion begrenzt begrenzt. Zum Beispiel senkt eine Absenkung des Rohproteingehaltes im Futter um 1 Prozentpunkt den Stickstoffaustrag über die Gülle um 10 Prozent (Quelle: LfL Bayern, 2017). Die Proteinreduktion hat also eine gewaltige Hebelwirkung bei der Stickstoffeinsparung.

mittel durch eine Futteruntersuchung zur gezielten Rationsgestaltung bekannt sein. Denn wird der Gehalt an Rohprotein in der Ration reduziert, müssen im entsprechenden Ausmaß essentielle Aminosäuren dem Futter zugesetzt werden. Meist spricht man in der Schweinefütterung von vier Aminosäuren, die rentabel zugesetzt werden: Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan. Bei Sauenfutter wird von manchen Herstellern bereits auch Valin synthetisch zugesetzt. Durch derartige Neuentwicklungen sind bei Proteinreduzierter Fütterung weitere Leistungssteigerungen möglich. Denn für die Sau heißt weniger Eiweiß auch weniger Stoffwechsel- und Organbelastungen, was sich besonders um die Abferkelung und bei hohen Temperaturen positiv auf die Gesundheit und Leistung auswirkt.

Fazit Die Fütterung hat einen großen Einfluss auf die Fruchtbarkeitsleistung und die Stickstoffausscheidung der Sauen. Die konsequente Umsetzung ist notwendig, um die Leistung der Zuchtsauen langfristig auf hohem Niveau zu halten. Kein Bereich von der Aufzucht bis zur Laktation darf dabei für sich isoliert gesehen werden. Um unter den jeweiligen betrieblichen Voraussetzungen sinnvoll Stickstoff einsparen zu können, sind Futteruntersuchungen unerlässlich. Nur so lassen sich Rationen ohne Überversorgung erstellen und eine Abstimmung der Tierhaltung auf das Futteraufkommen und die benötigte Güllefläche erreichen.

Voraussetzung für die optimale Umsetzung stickstoffreduzierter Fütterung ist einerseits die Kenntnis des Aminosäurebedarfs für die jeweiligen Leistungsanforderungen, andererseits müssen die Inhaltsstoffe der Futter-

Grafik 1: Die richtige Fütterungsstrategie in den einzelnen Phasen der Zuchtsau beeinflusst das Ferkelwachstum positiv. Quelle: Garant

Grafik 2: Ein zu hoher Gewichtsverlust in der Laktation wirkt sich negativ auf den Folgewurf aus. Quelle: Thaker & Bilkei, 2005 2 2017 | Sauenfütterung | 27


Viele kleine Schritte führen zum Erfolg! Streptokokken, Clostridien und Coli-Keime fürchtet jeder Schweinehalter und machen immer wieder Probleme in Schweinebeständen. Der folgende Fallbericht zeigt, wie Landwirt und Tierärztin Schritt für Schritt zu einer Lösung kommen können und dass sich Maßnahmen für Tiergesundheit und "Tierwohl" lohnen. Ausgangssituation des Betriebs und biologische Leistungen •

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Betrieb mit 100 Zuchtsauen im 4-Wochenrhythmus mit angeschlossener Ferkelaufzucht bis 30 kg an einem Standort Alle Ferkel werden in zwei Stallungen im nahen Umkreis selbst gemästet Jungsauen werden selbst nachgezogen Biologische Leistungen • Zuchtsauen: Abferkelrate über 90 %, 10 abgesetzte Ferkel pro Wurf • Ferkelaufzucht: 350 g tägliche Zunahmen, 3 % Verluste bis 30 kg • Schweinemast: 765 g Tageszunahmen, 3 % Ausfallsrate in der Mast Hoher Einsatz an antibiotischer Metaphylaxe

Was zeigte sich beim ersten Betriebsbesuch? Im Rahmen eines ersten Betriebsbesuches wurden verschiedene Problembereiche erhoben. Das Geburtsgewicht der Ferkel war zu gering und die Vitalität der Ferkel war schlecht. Nahezu alle Ferkel litten an Frühdurchfall. Zu diesem Zeitpunkt konnten die Verluste durch die Anwendung von Antibiotika aber

gering gehalten werden. Ab dem 10. Lebenstag trat jedoch wieder Durchfall auf. Das Absetzgewicht war dadurch nicht zufriedenstellend. In den ersten Wochen nach dem Absetzen zeigten einzelne Ferkel immer wieder Ruderbewegungen in Seitenlage und verendeten. Nur durch mehrmalige Antibiotikagabe konnte dies verhindert werden. Nach Ende der Gruppenbehandlung trat dieses Krankheitsbild aber wieder auf. Viele Ferkel zeigten Verletzungen nach Rangkämpfen, die sich häufig entzündeten. Nach dem Umstallen der Ferkel vom Absetzin den Aufzuchtstall in der siebten Lebenswoche begannen die beschriebenen Probleme wieder von neuem. Außerdem traten in dieser Zeit Ohrspitzennekrosen auf. Besonders auffällig war, dass die Ferkel sehr unruhig waren. Um die Breiautomaten herrschte ständiges Gedränge. Ein Ruheverhalten der Läufer war nie zu beobachten. Am Ende der Aufzucht waren die Ferkel stark auseinander gewachsen und der Anteil der „Kümmerer“ war hoch. Im Maststall waren die Leistungen der eingestallten Tiere sehr unterschiedlich. Auch hier zeigten die Schweine unruhiges Verhalten, wobei immer wieder Kannibalismus ein Problem darstellte. Die Reinigung der Ställe erfolgte mittels Hochdruckreiniger und Kaltwasser. Danach wurde ein jodhaltiges Flächendesinfektionsmittel mittels Rückenspritze ausgebracht.

Gedränge um den Breiautomaten. Quelle: Eva Klingler 28 | Tiergesundheit | 2 2017

In mehreren Bereichen des Betriebes, vor allem aber im Maststall, bestanden die Wasserleitungen aus Gewebeschläuchen (Gartenschlauch). Eine eventuell notwendige Medikation erfolgte mittels eines separaten Gewebeschlauches über das Flüssigfutter. Eine endoskopische Inspektion der Wasserschläuche zeigte einen geschlossenen Biofilm. Bei der weiterführenden Diagnostik von Tiermaterial und Wasser konnten zahlreiche krank machende Keime nachgewiesen werden, u.a. toxinbildende Clostridien, Colikeime, Kokzidien und Streptokokken.

Schritt für Schritt: Managementmaßnahmen verringern Behandlung Die therapeutischen Möglichkeiten waren im vorliegenden Betrieb ausgereizt und brachten nicht den gewünschten Erfolg. Daher suchten Betriebsleiter und Tierärztin gemeinsam nach anderen Möglichkeiten, um Leistungen und Tiergesundheit zu verbessern. Dazu erarbeiteten sie Managementmaßnahmen, die Schritt für Schritt auf dem Betrieb umgesetzt wurden. Fütterung • Anpassen des Futtervolumens an eine optimierte Futterkurve (Auslitern)

Ferkelaufzucht und Mast laufen jetzt wesentlich ruhiger. Quelle: Eva Klingler


Im Abferkelstall wurde mit dem Anfüttern der Ferkel begonnen. Bei jedem Futterwechsel wurde das Futter verschnitten. • Im Aufzuchtstall wurden zusätzliche Breiautomaten montiert und so das Tier/Fressplatzverhältnis von 1:7 auf 1:4 verbessert • Umstellen auf drei Durchgänge je Fütterungsblock in der Mast Haltung • Verringerung der Tierdichte im Aufzuchtstall durch früheres Umstallen der schwereren Tiere in die Vormast und vorübergehende Verringerung des Zuchtsauenbestands von 100 auf 80 Sauen • In allen Mastabteilen wurden Strohraufen und zusätzliche Schalentränken montiert Hygiene • Wasserleitungen: Gewebeschläuche wurden durch geeignetes Material ersetzt. Im nächsten Schritt ist eine Wasserdesinfektion mittels Chlordioxid geplant. • Schnelles Eingreifen bei Auftreten von Kannibalismus („beobachten – erkennen – handeln“) • Stallwaschen mit Schaumreiniger. Dies erleichtert die Reinigung und ist eine wichtige Grundlage für eine wirksame Desinfektion. • Wechsel des Desinfektionsmittels: Jod benötigt eine Einwirkzeit von mindestens vier Stunden (feucht halten!), um eine optimale Wirkung zu erzielen. Zur Vermeidung eines Kältefehlers wurde auf den Wirkstoff Peressigsäure umgestellt.

2-Komponenten-Desinfektionsmittel im Abferkelbereich, zur Bekämpfung der nachgewiesenen Parasiten (Kokzidien)

Tierbehandlungen • Einsatz einer bestandsspezifischen Mutterschutzvakzine gegen Ferkelfrühdurchfall • metaphylaktische Behandlung der Ferkel gegen Kokzidien • bis auf eine Absetzmetaphylaxe nach entsprechendem Antibiogramm wurden alle anderen Metaphylaxen gestrichen Ergebnisse Im Abferkelstall stellt der Ferkeldurchfall kein Problem mehr dar. Pro Sau und Durchgang wird ein Ferkel mehr abgesetzt. Nach dem Absetzen erhalten die Tiere eine antibiotische Einstallmetaphylaxe. Alle anderen Behandlungen wurden ersatzlos gestrichen, dadurch konnte der Antibiotikaeinsatz um mehr als zwei Drittel gesenkt werden. Entzündungen und Abszesse spielen keine Rolle mehr, auch Ohrspitzennekrosen treten nicht mehr auf. Die Tageszunahmen in der Ferkelaufzucht und in der Mast konnten verbessert werden. Gleichzeitig gingen die Ausfälle in beiden Bereichen zurück. In den letzten zwei Jahren mussten keinerlei antibiotische Gruppenbehandlungen in der Mast durchgeführt werden.

Geht die Rechnung auch finanziell auf? Da die Leistungen im Abferkelstall gestiegen sind und die Absetz-/Aufzuchtplätze knapp waren, wurde die Sauenanzahl von 100 auf

80 gesenkt. Dadurch stehen jedem Tier in der Mast 0,9 m² zur Verfügung. Auf den ersten Blick sind die Kosten, besonders im Bereich der Tiergesundheit gesunken und die Leistungen gestiegen. Doch das erhöhte Platzangebot reduzierte die Anzahl der verkauften Mastschweine um 15 %. Auf Basis der betrieblichen Aufzeichnungen (Sauenplaner, Mastauswertung, Buchhaltung) wurde das Einkommen aus dem Betriebszweig Schweinehaltung im Ausgangsjahr und im Jahr nach Umsetzen der genannten Maßnahmen (2014 bzw. 2016) berechnet. Damit der Vergleich nicht durch Preisschwankungen beim Mastschweineerlös und bei den Kosten je kg Futter verzerrt wird, wurden 5-Jahresdurchschnittspreise verwendet (siehe Tabelle). Obwohl die Zahl der verkauften Mastschweine und damit der Verkaufserlös um 15 % gesunken ist, ist das Einkommen aus der Schweinehaltung, bei wesentlich geringerem Arbeitszeitbedarf, nur leicht (ca. 3 %) zurückgegangen. Das Einkommen je eingesetzter Stunde ist damit gestiegen.

Ausblick Derzeit schafft der Betrieb zusätzliche Ferkelaufzuchtplätze. Mit der Umstellung des Produktionsrhythmus sollen der Sauenbestand wieder erhöht und die Stallplätze optimal genutzt werden.

Eva Klingler (Vet.Praxis Hegerberg) Martin Heigl, Martina Gerner (beide LK NÖ)

Tabelle: Kennzahlen im Ausgangsjahr und nach der Umsetzung der Managementmaßnahmen. Quelle: LK NÖ 2 2017 | Tiergesundheit | 29


RollAMA 2016: 140 Euro für Frischeprodukte pro Monat Spezialsegmente wie Bio und Direktvermarktung steigen weiter. 140 Euro gibt ein durchschnittlicher Haushalt pro Monat für Frischeprodukte (exkl. Brot und Gebäck) und Fertiggerichte aus. Lebensmittel für den schnellen Einsatz in der Küche boomen. Bio wächst konstant weiter, ebenso steigen die Einkäufe direkt Micaela Schantl AMA-Marketing. Quelle: APA beim Bauern. Beim Fleischkonsum steht Qualität vor Quantität. 140 Euro pro Monat für Frischeprodukte Die Umsätze von Frischeprodukten exklusive Brot und Gebäck sind 2016 leicht gestiegen (plus 0,6 Prozent), die eingekaufte Menge ist marginal gesunken. Die umsatzstärksten Produkte sind Schnittkäse, Schweine- und Rindfleisch sowie Schinken.

Wurst und Schinken: Aufgeschnittene Ware boomt, die Dienstleistung wird von den Konsumenten mit der Bereitschaft, mehr zu bezahlen, belohnt. Bei der Zubereitung zu Hause soll es ebenfalls schnell gehen. Fleischteile für die flotte Küche, wie Steak, Beiried oder Hühnerfleisch, haben seit dem Jahr 2011 überdurchschnittlich stark zugelegt.

Bio: Mehr denn je Die durchschnittlichen Haushaltsausgaben für Frischeprodukte ohne Brot und Gebäck und Fertiggerichte lagen 2016 bei 140 Euro pro Monat. Der wertmäßig größte Anteil entfällt auf Wurst und Schinken, gefolgt von Milch, Joghurt und Butter. Platz 3 nimmt die Warengruppe Fleisch inklusive Geflügel ein. Die Einkaufsfrequenz sinkt weiter, 2016 gingen die Konsumenten im Schnitt zehn Mal weniger pro Jahr einkaufen als 2011.

2016 stiegen die Ausgaben für Bio-Lebensmittel weiter, in den letzten sechs Jahren um insgesamt 37 Prozent. 128 Euro gibt ein Haushalt pro Jahr für Lebensmittel aus biologischer Landwirtschaft aus. Der Anteil von biologisch vermarktetem Schweinefleisch liegt mit rund zwei Prozent noch auf niedrigem, aber auch leicht wachsendem Niveau.

Immer öfter direkt vom Bauern Aktionsanteil leicht sinkend Die heimischen Konsumenten nutzen die Angebote der Supermärkte, wenngleich der Aktionsanteil insgesamt leicht abnimmt. 23 Prozent der Frischeprodukte werden gekauft, wenn es entsprechende Aktionen im Lebensmittelhandel gibt. Besonders hoch ist der Aktionsanteil bei Fleisch mit 33 Prozent.

Megatrend Convenience Alles, was beim Einkaufen und Zubereiten schnell und einfach geht, liegt im Trend. Aufgeschnittener Käse in der Selbstbedienung sowie kochfertiger Reibkäse gewinnen seit Jahren kontinuierlich weitere Marktanteile. Ganz ähnlich die Situation bei

30 | RollAMA | 2 2017

„Regionalität und Transparenz in der Produktion und Herkunft schaffen Mehrwerte für die Konsumenten. Nirgends ist die Verbindung zwischen Lebensmittel und Herstellung enger als beim Einkauf direkt beim Bauern“, meint Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing und erklärt damit die steigende Einkaufsfrequenz ab Hof. 2016 gaben die Haushalte um fünfzig Prozent mehr beim Bauern aus als vor sechs Jahren. Gerade im letzten Jahr ist auch die Direktvermarktung von Fleisch, insbesondere Schweinefleisch angestiegen. Rund drei Prozent der Schweinefleischeinkäufe von Konsumenten wurden 2016 ab Hof getätigt, um 40 Prozent mehr als 2013.

Schweinefleisch – weniger ist mehr Im Lebensmittelhandel entwickelt sich Schweinefleisch in den letzten Jahren eher rückläufig. Edelteile wie Schweinslungenbraten entwickeln sich besser als die klassischen Schweinefleischprodukte. Das entspricht dem allgemeinen Trend der Konsumenten etwas weniger Fleisch zu konsumieren, dafür aber auf höhere Qualität zu achten. Außerdem verlagert sich der Schweinefleischkonsum immer mehr in die Gastronomie. Marktdaten des Gastropanels der Firma Gastrodata aus dem Gastronomiegroßhandel zeigen eine positive Entwicklung von Schweinefleisch in dieser Vertriebsschiene. „In diversen Motivanalysen erkennt man neben dem Wunsch nach hochwertigem Fleisch eine wachsende Bedeutung von Tierwohl für die Verbraucher wie auch ein allgemein steigendes Gesundheitsbewusstsein. Die Vermarktung von Schweinefleisch wird unter Berücksichtigung dieser Faktoren weiterhin erfolgreich sein“, zeigt sich Micaela Schantl, Leiterin der AMA-Marktforschung, überzeugt. Die RollAMA ist die rollierende Agrarmarktanalyse der AMA-Marketing in Zusammenarbeit mit der GfK und KeyQUEST Marktforschung. Basis ist das GFK-Haushaltspanel. Dabei führen 2.800 österreichische Haushalte Aufzeichnungen über ihre Einkäufe im Lebensmitteleinzelhandel (inkl. Hofer und Lidl). Die RollAMA-Daten umfassen die Warengruppen Fleisch und Geflügel, Wurst, Milch und Milchprodukte, Käse, Obst, Gemüse, Erdäpfel, Eier, Tiefkühlprodukte, Fertiggerichte, aber nicht Brot und Gebäck


Wieselburger Messe vom 29. Juni – 2. Juli 2017 Die Wieselburger Messe wird 2017 in neuem Glanz erstrahlen und sich insgesamt mit vielen Veränderungen präsentieren. Ausgehend vom Neubau der Halle 3 wurde der gesamte KonsumentInnen-Bereich neu strukturiert und mit neuen Themen ergänzt. Auch im Bereich der Land- und Forstwirtschaft sind viele neue Ideen umgesetzt worden. Schwerpunkte • Fachberatung Land- & Forstwirtschaft Beratungszentrum (NÖ Landwirtschaftskammer) • Tierwelt - in der Tierhalle sollen erstmals alle Nutztierarten präsentiert werden. In Zusammenarbeit mit den Zuchtverbänden gibt es Information für ProduzentInnen - Tierhaltung zum Angreifen • So schmeckt NÖ - in Zusammenarbeit mit den Tierzuchtverbänden wird die Bewirtung der Gäste im Freigelände 4 auf Produkte aus der NÖ Landwirtschaft umgestellt. • Forsttechnikzentrum - bewährter Anlaufpunkt für alle Forstwirte - heuer zum Beispiel mit den Bundeswettbewerben für Waldarbeiter Weitere Messeinfos und Details finden Sie auch im Internet unter www.messewieselburg.at Den Info- & Beratungsstand der EZG Gut Streitdorf finden Sie heuer wieder in der Tierhalle (Halle 13), in der erstmals mehrere Nutztierarten gemeinsam präsentiert werden. Die Geschäftsfelder der EZG Gut Streitdorf präsentieren sich mit den 5 Sparten Schweinezucht, Ferkelring, Schweinebörse, Rinderbörse, Schaf- und Ziegenbörse. Neben Information und Beratung zur bestmöglichen Vermarktung der Tiere, sowie Infos über Zucht- und Absatzprogrammen gibt es eine Vielzahl an Themen, die derzeit vor allem die Diskussionen im Schweinebereich beherrschen, wie zum Beispiel Kastration, Schwanzkupieren, Tierwohl – um nur einige zu nennen. Immer wieder sorgen diese trotz derzeit erfreulichem Marktumfeld für Verunsicherung bei den Produzenten.

Die Berater von Gut Streitdorf stehen deshalb für alle diesbezüglichen Fragen zur Verfügung und informieren gerne über die neuesten Entwicklungen, die auch für jeden einzelnen in der zukünftigen Betriebsausrichtung große Bedeutung haben werden. Mit der Gut Streitdorf Vertriebs GmbH profitieren die Mitglieder durch zusätzliche Vorteile. Nützen Sie daher die Möglichkeit, sich im Rahmen der Wieselburger Messe über die neuesten Produkte in den Bereichen Spezialfuttermittel, Hygieneund Desinfektion sowie moderner Wasseraufbereitung zu informieren.

Info- und Produktverkostung mit dem AMA-Grillclub Wer Qualitätsfleisch von Gut Streitdorf live erleben und verkosten möchte, hat am Messestand die beste Gelegenheit dazu. AMA Grilltrainer Hans Stabauer wird mit seinem Team Qualitätsfleisch der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf vor den Augen der Messebesucher am Grill vorund zubereiten. Zudem kann die ausgezeichnete Qualität nicht nur verkostet werden, sondern es werden alle Fragen rund ums Grillen (Techniken, Gerätschaft, Befeuerung uvm.), zur richtigen Auswahl von Teilstücken für das perfekte Steak, dem perfekten Zuschnitt für mehr Wertschöpfung, sowie alles zum Thema AMAGütesiegel, Herkunft, Qualität und Kontrolle beantwortet. Planen Sie also einen Fixbesuch am Stand von Gut Streitdorf ein. Lassen Sie sich von den Mitarbeitern informieren und beraten, holen Sie sich alle Vorteile und werden Sie einer der vielen zufriedenen Vertragsproduzenten. Und, seien Sie dabei, wenn die Grillvorführungen samt Produktverkostung stattfinden – Gut Streitdorf freut sich auf Ihren Besuch!

Kontakt Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf e. Gen. Unter den Linden 1, 2004 Streitdorf TEL: +43 (0) 2269/2501 www.gutstreitdorf.at

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„TANN-Heimathöfe:“ Tierwohlprojekt der EZG Gut Streitdorf mit SPAR Unter der Marke „Tann-Heimathöfe“ bietet SPAR seit April 2017 Frischfleisch, das unter erhöhten Tierschutzmaßnahmen von Mitgliedern der EZG Gut Streitdorf erzeugt wird, an. Diese Kooperation sorgt für eine zusätzliche Produktdiversifizierung des Artikels Schweinefleisch und eröffnet Landwirten die Chance, durch Einhaltung bestimmter Tierwohlkriterien Zusatzeinkommen zu lukrieren. Es war vor ca. 2 Jahren in der deutschen Schweinebranche das Thema schlechthin - die „INITIATIVE TIERWOHL“. Man versteht darunter ein Bündnis mehrerer Branchen: Land- und Fleischwirtschaft sowie Lebensmitteleinzelhandel. Sie verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, die Standards in der Haltung von Schweinen, Mastgeflügel und Puten möglichst flächendeckend zu verbessern. Alle teilnehmenden Schweine- und Geflügelbetriebe müssen bestimmte Grundanforderungen erfüllen. Schweinemäster müssen den Tieren außerdem entweder 10 Prozent mehr Platz im Stall oder ständig Raufutter (zum Beispiel Stroh oder Heu) anbieten. Darüber hinaus muss mindestens ein weiterer Punkt aus einer Liste erfüllt werden. Die Landwirte erhalten "Tierwohlentgelte", deren Höhe sich nach den gewählten Kriterien richtet. Das Geld kommt aus einem "Tierwohlfonds" des Lebensmitteleinzelhandels: Seit Januar 2015 werden für jedes verkaufte Kilo Fleisch und Wurst von Schweinen und Geflügel vier Cent in den Fonds eingezahlt.

Gravierende Fehler bei der Umsetzung in Deutschland Die anfangs auch vom Großteil der Verbraucher- und Tierschutzverbänden begrüßte Initiative ist – wohlwollend formuliert – bis jetzt aber weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, nicht zuletzt auch durch eklatante

Verteilung der „TANN-Heimathöfe“ – Produzenten. Grafik: SPAR

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Fehler bei der Umsetzung. Mit pompösen und teilweise überzogenen Werbebotschaften und Marketingmaßnahmen wurden zu hohe Erwartungen geweckt. Der Kardinalfehler war aber wahrscheinlich die mangelnde Transparenz: Der Kunde wusste beim Einkauf zwar, dass die betreffende Lebensmittelkette an der Initiative teilnahm, er konnte sich aber nicht sicher sein, tatsächlich ein Stück Fleisch aus diesem Programm gekauft zu haben, weil es keine eigene Kennzeichnung gab bzw. nicht einmal sicher gestellt war, ob es in dem Geschäft überhaupt Tierwohlware gibt. Positiv anzumerken ist, dass sich weltweit noch niemand so viel Mühe gemacht hat, alle Tierwohlaspekte aufzulisten und eine Tarifliste zu erstellen. Jetzt weiß man genau, was mehr Tierwohl kostet. In Österreich gab es zu diesem Thema von Beginn weg über alle Produktionsstufen einen klaren Konsens darüber, dass ein Projekt in dieser Form, noch dazu ohne transparente Kennzeichnung, nicht in Frage kommt. Ein breiter Diskussionsprozess wurde aber auch bei uns in Gang gesetzt. Eines der Ergebnisse ist jetzt das Ende März im Rahmen einer Pressekonferenz im Wiener Museumsquartier vorgestellte Projekt „TANN – Heimathöfe“, eine Kooperation zwischen SPAR und der EZG Gut Streitdorf.

SPAR startet Tierwohlprojekt mit Fleisch aus Niederösterreich Die LEH – Kette SPAR, einer der 3 Big Player in Österreich, bietet seit dem Start des AMA – Gütesiegels vor mehr als 20 Jahren ausschließlich Frischfleisch aus diesem Programm an und hat damit maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Das „TANN – Heimathöfe“ Markenprogramm basiert auf dem freiwilligen AMA-Gütesiegelmodul „Mehr Tierwohl“ und hat die Kriterien deckungsgleich übernommen. Die Eckpfeiler dieses Zusatzmoduls sind 60 % mehr Platzangebot sowie das Verbot von reinen Vollspaltenböden bzw. verpflichtende Stroheinstreu auf einem Teil der Fläche.


Die bis dato 8 teilnehmenden Schweinebetriebe sind quer über Niederösterreich verstreut (siehe Grafik), sie bekommen für die Produktion unter diesen erhöhten Tierschutzmaßnahmen einen Extrabonus sowie eine Abnahmegarantie. Die Schweine werden über die NÖ – Schweinebörse vermarktet und ausschließlich am Schlachthof Dachsberger geschlachtet. Zerlegt und verpackt wird das Fleisch im zu SPAR gehörenden TANNFleischbetrieb in St. Pölten. Es ist in allen SPAR-, EUROSPAR-, SPAR-Gourmet und INTERSPAR-Märkten in Wien und Niederösterreich erhältlich.

Qualität, Regionalität, Transparenz, Tierwohl Diese Kriterien sind lt. Meinungsumfragen dem Konsumenten neben dem Preis beim Fleischeinkauf am Wichtigsten. Genau darauf setzt SPAR auch bei der Werbung für das neue Markenprogramm: „Dem an Aufzucht, Fütterung und Verwertung der Tiere interessierten Konsumenten von heute wird ein authentischer Blick hinter die Verpackung ermöglicht. TANN – Heimathöfe ist nicht nur eine Marke, sondern ein Programm für mehr Tierwohl, TOPQualität und die ernst gemeinte Unterstützung von innovativen Schweinebauern in unserem Land. Unser Bestreben ist es stets, Wertschöpfung in der Region zu halten. Projekte, bei denen Regionalität und Qualität vereint werden können, sind unglaublich wertvoll für alle Beteiligten“ – so lauten in komprimierter Form zusammengefasst die Marketingbotschaften sowie die Aussagen der SPAR – Verantwortlichen.

Geht es nach den Ergebnissen von Meinungsumfragen, so wünscht sich ein nicht unerheblicher Teil Verbesserungen bei positiv besetzten Themen wie Tierschutz, Regionalität, Umweltschutz, Verringerung des CO2-Fußabdrucks und ist auch bereit, dafür Mehrkosten in Kauf zu nehmen. Das tatsächliche Kaufverhalten spiegelten diese Umfrageergebnisse in der Vergangenheit allzu oft nicht wirklich wider. Aber vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für derartige Programme gekommen – die Zukunft wird es weisen. Aus der Sicht der Schweineproduzenten müssen wir aufpassen, dass höhere Produktionsstandards für einen geringen Teil der Gesamtproduktion nicht zur Verteufelung der „normalen“ Produktion führen, die auch in Zukunft den bei Weitem größten Teil des verkauften Schweinefleisches ausmachen wird.

Grundsätzlich gilt es auch immer im Vorfeld darauf zu achten, dass jeder Mehraufwand und jede zusätzlich notwendige Investition durch entsprechende Mehrerlöse, Abnahmegarantien und eine der Höhe der Investition angepasste Vertragsdauer abgesichert wird. Sollte die Nachfrage nach Schweinefleisch aus diesem und ähnlichen Tierwohlprogrammen steigen, muss die Schweinebranche Gewehr bei Fuß stehen und die Chance nützen, das Image von Schweinefleisch zu verbessern und zusätzliche Einkommenserlöse für die Landwirtschaft zu lukrieren.

Robert Krapf EZG Gut Streitdorf

Lukas Haller aus Neusiedl/Steinfeld ist einer der teilnehmenden Betriebe. Foto: SPAR/Brunnbauer

Beurteilung aus Sicht der Landwirtschaft Tatsache ist, dass unter allen Fleischarten Schweinefleisch das schlechteste Image hat und wegen des hohen Anteils an Aktionsverkäufen oft in die Nähe eines Ramschartikels gerückt wird. Jede Möglichkeit, dies zu ändern, sollte genützt werden. Die Schweinebranche alleine kann dies nicht schaffen – daher war es für die EZG Gut Streitdorf klar, das Angebot von SPAR zu einer gemeinsamen Entwicklung des „TANN – Heimathöfe“ Markenprogramms anzunehmen. Abzuwarten bleibt, wie diese Initiative vom Konsumenten angenommen wird.

Pressekonferenz im Wiener Museumsquartier. Foto: SPAR/Brunnbauer 2 2017 | Heimathöfe | 33


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Barbecue Karreebraten Zubereitung Die Schwarte mit einem scharfen Messer kreuzweise einschneiden, mit Salz, Pfeffer bestreuen und mit Öl einpinseln.

Foto: AMA

Methode 1: Den Braten in Alufolie wickeln und auf den heißen Rost des Kugelgrillers legen. Dekkel schließen und etwa 1,5 Stunden indirekt grillen. Ca. 15 Min. vor Ende aus der Folie wickeln (den Saft auffangen!) und mit der Schwarte nach oben auf den Rost legen, damit der Braten knusprig wird. Öfters mit Bier bestreichen. Methode 2: Braten in eine feuerfeste Pfanne bzw. Kasserolle legen und auf den heißen Rost stellen. Deckel schließen und ca. 1,5 bis 2 Stunden indirekt grillen. Zwischendurch mehrmals wenden und mit dem austretenden Fett bestreichen. 15 Minuten vor Ende der Garzeit mit der Schwarte nach oben legen und mit etwas Bier begießen, damit die Schwarte richtig knusprig wird.

Zutaten für 4 Personen Zutaten ca. 1,5 kg Schweinskarree mit Schwarte Salz Pfeffer, frisch gemahlen 2 EL Senf 4 EL Öl etwas dunkles Bier

Zubereitungszeit: 100 Minuten

Bei beiden Methoden liegt die ideale Kerntemperatur bei 85 Grad.

... im VÖS RÄTSEL-Stall BUCHSTABEN-LABYRINTH Was frisst ein Schwein? Hier verstecken sich 7 Namen von Futtermitteln. Kreise sie farbig ein.

ERBSEN GERSTE HAFER MAIS RAPS SOJA WEIZEN 34 | Rezept & Rätsel | 2 2017


Neuwahlen - Obmann Gsöls und sein Team unverändert Obmann ÖR Blasius Gsöls und seine Vorstandskollegen Obmannstellvertreter Ing. Peter Rothwangl, Franz Holler, Alois Telser und Anton Prödl wurden von der Generalversammlung der SchweineZucht Steiermark am 16. März 2017 mit großer Mehrheit wiedergewählt. Ebenfalls in gleicher Besetzung der Aufsichtsrat mit Vorsitzendem Heribert Eitljörg, Stellvertreter Ing. Karl Buchgraber und Mitglied des Aufsichtsrats Franz Schadl. Obmann Blasius Gsöls konnte in seinem Referat erfreuliche Zahlen präsentieren. So konnten nach Jahren des Rückgangs beim Pietraineberabsatz 2016 die Verkaufszahlen um 22 Eber auf 274 Tiere gesteigert werden. 6.689 Jungsauen wurden verkauft (+ 23). Obmann Gsöls freute sich über das Qualitätsprogramm des Landes Steiermark. Die Ankaufsbeihilfen von 30 € je angekaufter Jungsau bzw. 100 € je Eber kamen in einer schwierigen Preissituation den Ferkelerzeugern zu Gute. In den Monaten Jänner und Februar 2016 wurden im Rahmen dieser Aktion 1.266 Jungsauen und 34 Eber in der Steiermark verkauft. Hier gilt nochmals der Dank an Landesrat Johann Seitinger, der die Fördermittel für das Qualitätsprogramm zur Verfügung stellte. Erfreuliches konnte auch in Bezug auf die biologischen Leistungen berichtet werden. Laut Obmann Gsöls stieg die Zahl der abgesetzten Ferkel pro Sau und Jahr im Durchschnitt aller Zuchtbetriebe beim Weißen Edelschwein um weitere 0,6 auf 27,8 Ferkel. Die steirische Genetik bringt demnach hervorragende Leistungen, auch im internationalen Vergleich. Weiters berichtet Obmann Gsöls vom Projekt „OptiZucht“, in welchem noch stärker die Muttereigenschaften herausgearbeitet werden sollen. An diesem österreichweiten Projekt nehmen auch sieben Mitgliedsbetriebe des SZS teil. Er bedankt sich bei diesen Betrieben für die Teilnahme, da dadurch ein Mehraufwand in der täglichen Zuchtarbeit gegeben ist. Zum Schluss seines Berichtes hebt Obmann Gsöls die gute Zusammenarbeit vor allem mit der LK Steiermark, Schweinebesamung Gleisdorf, Schweineberatung Steiermark Erzeugergemeinschaft Styriabrid, TGD Steiermark und dem Raiffeisenverband Steiermark hervor. Geschäftsführer DI Raimund Tschiggerl geht in seinem Bericht auf die Entwick-

lung der Schweinebestände näher ein. Seit dem EU-Beitritt hat der Schweinebestand in Österreich um ca. eine Million Schweine abgenommen, trotzdem wird die gleiche Menge Schweinefleisch produziert. Das ist auf den Zuchtfortschritt, verbunden mit einem verbesserten Management, zurück zu führen. Genetisch gesehen gibt es in fast allen Merkmalen sowohl bei den Mutterlinien als auch bei Pietrain - weitere positive Trends. Die Inlandsmärkte für Zuchttiere werden aber aufgrund der Schweineviehzählungsergebnisse noch weiter schrumpfen, was ein Halten der Verkaufszahlen schwierig macht. Einen wichtigen Beitrag für die Zuchtarbeit kann auch die genomische Selektion liefern, diese wird auf die Mast- und Schlachtleistung bei den Mutterlinien und Pietrain erweitert. Die Genom-Zuchtwerte für die Fruchtbarkeit sind bereits eingeführt und die Selektion bzw. Zuchtwertschätzung erfolgt bereits mit Einbeziehung der genomischen Informationen. GF Tschiggerl betont aber, dass trotz dieser Hilfsmittel der größte Zuchtfortschritt durch die eigene strenge Selektion am Betrieb erreicht wird. Zuchtbetriebe müssen eine Remontierungsrate von jährlich um die 45 % erfüllen.

Auszeichnungen Für überdurchschnittliche Leistungen wurden 10 Edelschwein- und 3 Pietrainzüchter ausgezeichnet: Weißes Edelschwein •

Anton Prödl, Zerlach

Ing. Peter Rothwangl, Baumkirchen

Helmut Rumpf, Neudorf

ÖR Blasius Gsöls, Obergnas

Franz Schadl, Häusla

Ing. Karl Buchgraber, Unterweißenbach

Alois Telser, Paurach

Ing. Anton Schlacher, Unteraichen

Gabi Niederl, Ebersdorf

BKR Günter Glatzer, Frösau

Pietrain •

Raimund Tüchler, Fernitz

Johannes Lukas, St. Stefan/R.

Lembäcker-Pein, Köppelreith-Oberspitz

SZS-Zuchtbetriebe und Ehrengäste.. Foto: SZS 2 2017 | Bericht | 35


VÖS 0272017  
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