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Strassenkunst Der Kampf um schöne Wände Basteln für eine bessere Welt: Spielnachmittag im Asylheim

Judith Giovannelli-Blocher: «Der Sozialarbeit den Heiligenschein nehmen»

Nr. 271 | 16. März bis 29. März 2012 | CHF 6.– inkl. MwSt. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an die Verkaufenden. Bitte kaufen Sie nur bei Verkaufenden mit offiziellem Verkaufspass.


Macht stark.

www.strassenmagazin.ch ❘ www.strassensport.ch ❘ Spendenkonto PC 12-551455-3 Strassenmagazin Surprise, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, Tel. 061 564 90 90, Fax 061 564 90 99

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Titelbild: Gabriela Domeisen

Editorial Ist das Kunst oder kann das weg? BILD: ZVG

Stört Sie die Werbung auf den riesigen Bildschirmen und den Plakatwänden im Bahnhof? Eine blöde Frage, schon klar. Es fragt ja niemand danach. Die Frage ist fiktiv, ihre Beantwortung ohne Bedeutung. Stören Sie die grossen und kleinen Graffiti und aufgeklebten Papierbilder an den Stadtwänden? Diese Frage dürfte manchem schon vertrauter vorkommen. Über den Wert der Strassenkunst und ihre Legitimität wurde schliesslich schon ausgiebig debattiert. Regierungen und Verwaltungen gestalten das Erscheinungsbild der Städte nach dem Motto «erlaubt ist, was nicht stört» – so hiess der Slogan einer Kampagne der Stadt FLORIAN BLUMER Zürich für Sicherheit und Sauberkeit im öffentlichen Raum, wir haben in der letzten REDAKTOR Ausgabe in Verbindung mit dem Umgang mit Randständigen bereits darauf verwiesen. Diesem Slogan gemäss hat die Stadtverwaltung Zürich die obigen Fragen netterweise schon für Sie beantwortet: Die erste mit Nein, die zweite mit Ja. Während Berlin sich im Glanz seiner Subkultur sonnt und in Hamburg die Regierung das Treiben von Alternativkünstlern aus Stadtmarketinggründen aktiv fördert, wäscht die Weltstadt an der Limmat mit grossem finanziellem Aufwand die Strassenkunst Woche für Woche wieder von den Wänden. Weil «schlussendlich Gewerbeansiedlungen und damit Arbeitsplätze» von einem «positiven Auftritt der Stadt» abhängen, wie die Graffitiverantwortliche der Stadt Zürich sagt. Wie Sie im Bericht meiner Kollegin Diana Frei nachlesen können, führt der helvetische Putzwahn ironischerweise leider eher zu hässlicheren Wänden. Der Kunsthistoriker Rémi Jaccard äussert im Artikel die Meinung, dass man aushalten müsse, dass einem nicht alles gefällt, was auf unsere Wände gesprayt oder geklebt wird. Dem liesse sich anfügen: Bei den immer zahlreicher werdenden Werbebildschirmen und Plakaten, die gutes Geld in Behörden- und SBB-Kassen spülen, wird dies ja bereits stillschweigend von uns erwartet. Von derartigen Problemen verschont sind diejenigen Künstler, die ihre Buchstaben zwischen Buchdeckel verpacken. Unser Kolumnist Stephan Pörtner wurde soeben für seinen Roman «Stirb, schöner Engel!» mit dem Zürcher Krimipreis 2011 ausgezeichnet. Wir gratulieren ganz herzlich! Und freuen uns darüber, Ihnen weiterhin in jedem zweiten Heft eine Kolumne von ihm servieren zu dürfen. Lesen Sie in dieser Ausgabe Pörtners Lob des Müssiggangs und seine Warnung vor unausgeschlafenen Politikern und Bankern. Wir wünschen eine packende Lektüre, Florian Blumer

Surprise ist auf Spenden angewiesen. Auch auf Ihre! Herzlichen Dank. PC-Konto 12-551455-3 Ihre Meinung! Bitte schicken Sie uns Ihre Anregungen oder Kritik: Strassenmagazin Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, T +41 61 564 90 70, redaktion@strassenmagazin.ch. Es werden nur Leserbriefe abgedruckt, die mit vollem Namen unterzeichnet sind. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen. SURPRISE 271/12

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10 Urban Art Künstlerische Sachbeschädigung Jede Stadt hat die Strassenkunst, die sie verdient. In Zürich dominieren hingeschmierte Tags und hastig aufgeklebte Stickers, weil sich der Aufwand für grössere Werke nicht lohnt: Dass die Limmatstadt eigens eine Graffitiverantwortliche hat, ist in der Schweiz einzigartig, und entsprechend fleissig werden die Wände geputzt. Urban Art ist eine Kunstform, die rechtlich als Sachbeschädigung gilt, die dem Betrachter aber eine Parallelwelt mitten in der Stadt eröffnet.

14 Sozialarbeit «Ich fand, ich sei nicht ganz normal» Judith Giovannelli-Blocher ist eine Galionsfigur der Schweizer Sozialarbeit. Kurz vor ihrem 80. Geburtstag blickt sie in zwei Buchpublikationen zurück auf ihr Leben. Wir besuchten sie in ihrer Wohnung in Biel und sprachen mit ihr über Frauenrollen, Freiwilligenarbeit und Sozialarbeit als Machtinstrument. Giovannelli-Blocher blieb keine Antwort schuldig und scheute sich auch nicht vor Kritik am eigenen Berufsstand.

BILD: ANNETTE BOUTELLIER

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Inhalt Editorial Städtischer Putzfimmel Basteln für eine bessere Welt Strassenkunst für Homies Aufgelesen Erotische Macht Zugerichtet Banker gegen Kleinkriminelle Leserbriefe Lob und Tadel Starverkäufer Berhane Beiene Porträt Spiritueller Ingenieur Zwangsheirat Liebe nicht vorgesehen Wörter von Pörtner Lob des Müssiggangs Musik Szenetreff m4music Kulturtipps Marilyn im Jura Ausgehtipps Gleich krachts! Verkäuferporträt Ewig Flüchtling? Projekt Surplus Eine Chance für alle! In eigener Sache Impressum INSP

BILD: GABRIELA DOMEISEN

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BILD: ROLAND SOLDI

17 Jugendrotkreuz Basteln in der Asylunterkunft

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Kinder, die im Durchgangszentrum leben, sind in einer ungewissen, bedrückenden Situation. Basteln, Würstebraten im Wald oder Ostereiermalen gehören hier nicht zum täglichen Familienprogramm. Deshalb organisieren Freiwillige des Jugendrotkreuzes Zürich 14-täglich Spielnachmittage und bringen damit den kleinsten Bewohnern der Asylunterkunft etwas Abwechslung in den Alltag.

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ILLUSTRATION: WOMM

1. Nehmen Sie ein Stück Karton, machen eine Schablone und sprayen Ihr Bild auf ein grosses, dickes Stück Papier.

2. Oder nehmen Sie ein selbst geschossenes Foto, ein Bild aus der Zeitung, eine Comicfigur, wie es Ihnen beliebt, und kopieren es auf A3-Format hoch. Kolorieren Sie es nach, verändern Sie es, seien Sie kreativ (Sie sind der Künstler, siehe unten). Sollte Sie die Muse im Stich lassen, lassen Sie sich auf der Strasse inspirieren oder googeln sie «Paste-Up».

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Kleist

3. Rühren Sie Kleister aus dem Bastelladen an und pappen Sie Ihr Kunstwerk mit einem grossen Pinsel an die Wand.

4. Sieht irgendwie cool aus, nicht?

Basteln für eine bessere Welt Die Schweizer Städte werden herausgeputzt fürs grosse Geld, siehe unseren Bericht ab Seite 10. Bleibt uns also nicht viel anderes übrig, als uns den Berlin-Kreuzberg-Flair in, respektive auf die vier eigenen Wände zu holen. Werten Sie Ihre Wohnung mit etwas Strassenkultur auf! Nur keine Hemmungen: Die Technik ist simpel, wie Paste-Up-Artisten versichern, jeder ist ein Künstler, wie Beuys einmal gesagt hat und die sogenannten Paste-Ups lassen sich mit Wasser auch mehr oder weniger wieder entfernen. SURPRISE 271/12

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Aufgelesen News aus den 90 Strassenmagazinen, die zum internationalen Netzwerk der Strassenzeitungen INSP gehören.

Geist willig, Fleisch schwach Hannover. «Nachhaltiger Konsum ist klar im Aufschwung», sagt Edith Gmeiner von der Organisation «TransFair». So sind die Umsätze von Fairtrade-Produkten im ersten Halbjahr 2011 trotz rauem Wirtschaftsklima um 17 Prozent gestiegen. Dennoch haben es fair gehandelte Produkte schwer in Deutschland, ihr Marktanteil liegt nach wie vor unter fünf Prozent. Wie Umfragen zeigen, ist die Zustimmung zu Fairtrade-Lebensmitteln um ein Vielfaches grösser als die Bereitschaft, diese dann auch tatsächlich zu kaufen.

Die Erotik der Macht Berlin. Wochenlang dominierten die Verfehlungen von Christian Wulff die deutschen Schlagzeilen. Der Strassenfeger hat deshalb das Thema Moral zum Titelthema gemacht und den Politologieprofessor und ehemaligen Politiker Gerd Langguth zum Thema befragt. Dieser sagt, dass Macht für ihn etwas «QuasiErotisches» habe und viele auf dem Weg nach oben ihre Hemmungen verlieren würden. Die Politiker waren ihm zufolge übrigens früher nicht besser, das Volk sei einfach toleranter gewesen.

Überlebt dank Musik Hamburg. «Die Musik hat mir das Leben gerettet», sagt Esther Bejeranos, 87-jährige Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Im KZ angekommen, wurde die zierliche, damals 18-jährige Jüdin einem Arbeitskommando zugeteilt. Die spätere Aufnahme ins KZ-«Mädchenorchester» rettete sie erst einmal vor dem Tod. Dort musste sie Märsche spielen, um Insassen auf dem Weg in die Gaskammern ahnungslos zu halten. Bejeranos konnte fliehen, kurz vor Ende des Krieges, und sagt: «Am 8. Mai 1945 wurde ich zum zweiten Mal geboren.»

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Zugerichtet Das Geständnis Wer glauben Sie, hat das gesagt: «Man spielt. Man gewinnt. Und schon denkt man, man werde immer gewinnen. Vom vielen Geld konnte ich mir einiges leisten. Ich zahlte die Drinks meiner Freunde und kaufte Autos. Alles läuft elektronisch, Wetten werden per Mausklick platziert. Je mehr Risiko, desto höher die Verlustchancen – und die Gewinnchancen. Aber am Ende verlieren fast alle mehr, als dass sie gewinnen. Auch ich.» Er realisierte, dass er ein echtes Problem hat, als er in einem Jahr sechs Laptops zertrümmerte. Immer wenn er verlor. «Ja, ich war spielsüchtig. Ja, ich habe viele Fehler gemacht. Nun habe ich seit einem Jahr nicht gespielt. Ich hoffe, es bleibt so.» War es ein serbischer Kleinkrimineller, Verkäufer im Elektronikgeschäft eines Shopping-Centers? Der sagt: «Sorry Richter, keine Ahnung, wie das Falschgeld in mein Portemonnaie kam.» Kann jedem passieren, ihm persönlich jetzt zum zweiten Mal. Auf Nachfrage, ob es stimme, dass er mit zwei-, dreitausend Franken Bargeld aus den Sommerferien zurückgekommen sei, gibt er cool zu Protokoll: «Stimmt, Herr Richter.» Und sagt was Vages über Autos. Mit Autos kennt er sich aus, er fährt sie auch betrunken. Laut einer anderen Anklage soll er an Kiosken vorgegeben haben, Prepaid-Spielkarten für Online-Fussballwetten zu kaufen. Stattdessen habe er die Codes darauf fotografiert, die Karten zurückgegeben und die Codes trotzdem benutzt. Der Mann ist in der Mühle: Sein Vorstrafenregister lässt wenig Spielraum für Verhandlungen und die Justiz jagt ihn von der einen zur nächsten. Wie ein Hase sei er davon, sagt der Richter über das Vi-

deo, das ihn zeigt, wie er mit dem Falschgeld eine Spielkarte bezahlt und den Laden zügig verlässt, als die Kassiererin Alarm schlägt. Klarer Fall für den Richter: «Schuldig wegen in Umlaufbringens von Falschgeld.» Oder sind es die Worte eines Ex-Bankers? Etwa der von der UBS, angeklagt in London, weil er über zwei Milliarden verzockte. Oder der Pionier der Pleitebanker, Derivatehändler Nick Leeson, der bei der Barings Bank 1,4 Milliarden verspielte – eine enorme Summe anno 1992. In der Haftzeit schrieb Neeson seine Autobiografie, ein Besteller, zu dem die «New York Times» vermerkte: «Ein langweiliges Buch von einem jungen Mann, der offensichtlich sehr von sich eingenommen ist. Und doch sollte jeder Bankmanager es lesen.» Der fromme Wunsch der Zeitung in Ehren, doch schon damals war klar, dass die Lektüre nichts bringen würde, Neeson hat nicht mal seine Mathe-Matur bestanden. Heute sind die Banker die Helden eines zynischen Zeitalters und Neeson hält teure Vorträge über Risikomanagement. Beide sind schlechte Kandidaten für die zitierten Aussagen. Die Reuelosigkeit, mit der die Banker seit Beginn des Finanzfiaskos 2008 agieren, ist notorisch. In der Gruppe der kleinkriminellen Balkanstämmigen ist die Rückfallquote hoch. Um flüssig zu bleiben, druckte der Elektronikverkäufer mit ein paar Freunden Hunderternoten Made in Serbia. Die Banker druckten mit ihren Freunden in der Politik und bei den Zentralbanken Euronoten und amerikanische Dollar. Eins zu eins. Bleibt die Einsicht in die eigene Sucht. Dann steht es zwei zu eins für die Kleinkriminellen. YVONNE KUNZ (YVONNE.KUNZ@GMAIL.COM) ILLUSTRATION: PRISKA WENGER (PRISKAWENGER@GMX.CH) SURPRISE 271/12


Leserbriefe «Das sozialistische Glaubensbekenntnis, das Sie offenbar voraussetzen, teile ich nicht»

Nr. 263: Voll Vegi Verkäuferporträt: «Strassenleute sind reifer» «Mit seiner Art könnte er manches Grosi erhellen» Ich möchte mich bei Daniel Meier aus dem Verkäuferporträt für seine Offenheit bedanken. Es war ein Aufsteller, ich konnte seine positive Energie förmlich durch die Buchstaben spüren! Er soll an seinen Träumen dranbleiben und nicht lockerlassen! Wir sind beide gleich alt und haben eine ähnliche Weltanschauung und mit dem System wahrscheinlich auch ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich möchte ihm ans Herz legen, sich doch mal bei der Pro Senectute Basel zu melden. Mit seiner Art könnte er manches Grosi und so manchen Opa erhellen und ihnen unbezahlbare Momente bescheren. Sarah Reusser, Rohrbach

Nominieren Sie Ihren Starverkäufer! Schreiben Sie uns mit einer kurzen Begründung, welche/n Verkäufer/in Sie an dieser Stelle sehen möchten: Strassenmagazin Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 (0)61 564 90 99, redaktion@strassenmagazin.ch

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Nr. 268: Leonard Cohen Porträt: Dolmetscher zwischen zwei Welten «Was für ein Jammer, dass diese wunderbaren Menschen ausgeraubt wurden» Gestern habe ich die neue Surprise-Ausgabe gekauft – bei Kadi Hailye Diriye. Ich gönne es ihm von Herzen, dass er als Starverkäufer ausgezeichnet wird. Es ist mir ein Anliegen, Ihnen für die tollen Artikel und Interviews zu danken. Besonders angetan war ich vom Porträt «Dolmetscher zwischen den Welten». Was für ein Jammer, dass die drei wunderbaren Menschen aus Uganda ausgeraubt wurden. Was für eine Schande, dass so etwas in der Schweiz geschieht. Sigrid Lüber, Wädenswil

Neuromarketing: Grosshirn, halt die Klappe «Mir graut es vor weiteren Errungenschaften dieses Wissenschaftszweigs» Diese immer invasiveren und aggressiveren Techniken zur Steuerung von Menschen bauen darauf auf, dass wir nicht in der Lage sind wahrzunehmen, was in uns vorgeht – in Gedanken, Gefühlen und Handlungen. Angesichts der für Zivilisationsmenschen sehr wahrscheinlich unausweichlichen Konfrontation mit immer mehr solchen Marketinginstrumenten scheint es mir unerlässlich, eine Möglichkeit zu finden, die Entscheidungsfreiheit zu bewahren. Da bot der Artikel zu meiner Enttäuschung keinerlei Lösungsvorschläge. Ich möchte hierzu einen Beitrag leisten. Mithilfe der Achtsamkeitsmeditation ist es möglich, ein stark erhöhtes Bewusstsein für eigene reaktionäre Gedanken und Handlungen zu erlernen. Mir graut es vor weiteren Errungenschaften des Wissenschaftszweigs des Neuromarketings, doch ich bin optimistisch, dass es noch möglich sein wird, selbst über sein Handeln zu bestimmen, bis wir diese ganzen Mechanismen aus unserer Gesellschaft verbannt und eine menschenwürdige und -achtende Werbung etabliert haben. John Dickinson, Zürich

BILD: ZVG

Surprise allgemein «Es kann nicht sein, dass wir uns politischen Hickhack anhören müssen» Das sozialistische Glaubensbekenntnis, das Sie offenbar unbedenklich voraussetzen, teile ich nicht. Sie müssten doch wissen, dass sogar die Mehrheit der Käufer wahrscheinlich anders denkt. Ich möchte aber auch nicht an linken Filz und Korruption erinnert werden, die ich zur Genüge erlebt habe. Warum können Sie nicht auf politische Artikel verzichten? Es darf doch nicht sein, dass sich die armen liebenswürdigen Verkäufer ungewollt als Politmissionare betätigen müssen und wir uns auch hier den unseligen politischen Hickhack anhören müssen. Sie haben immer wieder informative Artikel von beachtlichem Niveau gebracht. Ich glaube, Sie hätten eine Chance, mit Surprise ein Blatt herauszugeben, das sich vom ständigen Gekeife abhebt. Max Lechner, Zumikon

Starverkäufer Berhane Beiene Elemer Ujpetery aus Zürich nominiert Berhane Beiene als Starkverkäufer: «Seit Jahren kaufe ich bei Berhane Beiene Surprise und er hat sich immer als guter Menschenkenner erwiesen, der seine Empathie für andere Menschen zeigt. Das ist ungewöhnlich, erwähnenswert und tut einem gut.»

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Porträt Forscher im Dies- und Jenseits Peter Cunz ist Experte für Energieeffizienz beim Bundesamt für Energie, Vorsitzender bei der Internationalen Energieagentur IEA – und spiritueller Lehrer sowie tanzender Derwisch beim Sufi-Orden der Mevlevi. VON FLORIAN BLUMER (TEXT) UND LUCA CHRISTEN (BILD)

habe keine besondere sensitive Begabung. Dennoch ist er felsenfest von der Existenz einer jenseitigen Welt überzeugt. Den Leuten davon zu erzählen, sei die spannendste Aufgabe seiner spirituellen Lehrtätigkeit: «Die Faszination für Erklärungsversuche hat mich durch das ganze spirituelle Leben begleitet, seit dem Studium», sagt Cunz. Nach Abschluss des Studiums sowie eines Nachdiplomstudiums in Entwicklungshilfe schlägt Cunz eine Karriere als Elektroingenieur in der Privatwirtschaft ein. Er arbeitet für Motor-Columbus in Saudi-Arabien, wo er mehrmals Mekka und Medina besucht, und ist als Area-Manager der zürcherischen Elektrowatt im Nahen Osten und in Afrika unterwegs. Cunz klettert die Karriereleiter hoch. Doch kurz vor der Stufe CEO erkennt er: «Die intellektuelle Freiheit wird umso enger, je höher man steigt. Plötzlich war es völlig egal, ob ich Computersysteme, Matratzen oder Schwingbesen verkaufte. Was zählte, war nur der Gewinn.» Cunz steigt aus der Privatwirtschaft aus und wechselt ins Bundesamt für Energie, wo er in der Energiesparkampagne «Energie 2000» mitwirkte. Gleichzeitig verfolgt er seinen spirituellen Weg weiter. Zusammen mit seiner zweiten, jetzigen Frau und einem Partner gründet er die «Lebensschule Chalice», eine New-Age-artige Bewegung, die auf Kenntnisse aus dem Sufismus aufbaut. Acht Jahre darauf steigt er wieder aus – er ist zur Überzeugung gelangt, dass der traditionelle Weg der kraftvollere sei. Cunz nimmt einen bekannten türkischen Imam und Sufi-Scheich als Lehrer an. Ihm fühlte er sich so stark verbunden, dass er später dessen Namen Hüseyin als zweiten Vornamen annimmt. Und Hüseyin Top, ein linientreuer Sunnit und Vertreter des traditionalistischen Islam, bewirkt 1999 die Ernennung seines Schweizer Schülers zum Scheich, zum spirituellen Lehrer. Cunz führt in seinem Orden sogleich ein paar Anpassungen an westliche Werte ein: So sind beim Schweizer Ableger des Mevlevi-Ordens Frauen und Männer absolut gleichgestellt und das Drehritual (im Westen als tanzende Derwische bekannt) wird gemeinsam durchgeführt – was im Nahen Osten undenkbar wäre.

Man könnte ihn, mit seinem eleganten Gang und den langsamen, sorgfältigen Handbewegungen, dem karierten Jackett und den Manchesterhosen, für einen britischen Gentleman aus vergangenen Tagen halten. Könnte, sässe er nicht in der Cafeteria des Bundesamts für Energie (BFE) in Ittigen bei Bern, einem modernen Gebäudekomplex, wo er seinen Arbeitsplatz als Experte für Energieeffizienz hat. Und würde einem von seinem Revers nicht dieses Abzeichen mit arabischen Schriftzeichen entgegenblitzen. Peter Hüseyin Cunz, wie er sich heute mit ganzem Namen nennt, sagt von sich: «Ich lebe in zwei Welten. Ich habe einen Fuss in der diesseitigen und einen in der jenseitigen Welt.» Peter Cunz entstammt einer alteingesessenen, protestantischen St. Galler Bürgerfamilie. Seine Jugend verbringt er im Zürcher Oberland, wo sein Vater, ein Kunstmaler, als Zeichnungslehrer arbeitet. Peter ist bei den Pfadfindern, in der Mittelschule spielt er im Orchester und ist eine Stütze des Handballteams. Im allgemeinen Unterricht ist er ein Minimalist – im Religionsunterricht dagegen ein Musterschüler. «Das Unbekannte», so Cunz über sein frühes Interesse an der Religion, «zog mich immer an.» Sein Religionslehrer sagt ihm, er müsse unbedingt Pfarrer werden. Doch nach der Schule, Anfang der 70er-Jahre, geht Cunz erstmal auf den «Hippie Trail». Auf der Reise durch Afghanistan, Indien und Südostasien liest er die Bibel einmal so richtig von vorne bis hinten durch. Was ihn zur Erkenntnis führt, dass ihn die Institution Kirche auf seiner Suche nach dem Unbekannten nicht weiterbringt. Also tritt er aus. Stattdessen praktiziert er intensiv Yoga und setzt sich mit Zen-Buddhismus und anderen fernöstlichen spirituellen Richtungen auseinander. Die Bilder und Gottheiten faszinieren ihn, doch sie bleiben ihm fremd. Die Suche nach dem für ihn richtigen spirtituellen Weg endet, als er seine erste Frau kennenlernt, eine muslimische Inderin, Tochter eines Imam. Cunz will mehr über die Religion ihrer «In der Quantenphysik werden Phänomene beschrieben, die Familie wissen, die schon damals im Gegensatz zum Buddhismus und Hinduismus im viel mit Spiritualität zu tun haben.» Westen überhaupt nicht populär war. Cunz ist fasziniert. Er erkennt dort auch die ihm aus der Bibel vertrauten Bilder Cunz arbeitet heute zu 70 Prozent beim BFE – ein Grossteil davon in von Heiligen und Propheten wieder. Er legt das Glaubensbekenntnis ab seiner Funktion als Vorsitzender des technischen Kommittees der Interund wird zum Muslim. nationalen Energieagentur IEA. Dies lässt ihm noch genügend Zeit, sich Nach seiner Rückkehr studiert Cunz Elektroingenieur an der ETH in seiner Aufgabe als spiritueller Lehrer in der kleinen Schweizer MevleviZürich, wo er seinem Physikprofessor begeistert zuhört, wenn dieser Gemeinde zu widmen. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch Cunz Leüber Themen wie die Heisenbergsche Unschärferelation oder Quantenben: Die Verbindung der zwei Welten – derjenigen von Beruf, Alltag und physik doziert – «Bereiche, in denen Phänomene beschrieben werden, Gesellschaft, des Diesseits, wie Cunz es nennt, und derjenigen des Jendie viel mit Spiritualität zu tun haben», sagt Cunz. Der Ingenieur sieht seits. «Ich mache nicht einfach, was mir die diesseitige Welt gerade vorkeinen Gegensatz zwischen Wissenschaft und Spiritualität, im Gegengaukelt, sondern ich versuche, es mit dem zu verbinden, was ich hinter teil: «Ich habe eine Ahnung, dass eine ganz grosse Welt existiert, die den Kulissen gesehen habe», erklärt er. Spirituelle Tätigkeiten wie das Leute erlebt haben, aber nur teilweise beschreiben konnten, weil ihr ErDrehritual, Beten oder Aufsagen von Gottesnamen seien für ihn wie Exleben die Worte sprengt. Religiöse Kreise behaupten, dass sie es verpeditionen in eine andere Welt: «Und danach muss ich auch immer wiestanden hätten, ich versuche dies zu überprüfen – das ist Forschung.» der zurückkommen, damit ich weiss, wo ich mit meinem anderen Fuss Er selbst nehme keine übersinnlichen Phänomene wahr, sagt Cunz, er stehe. Das ist für mich der Weg.» ■ SURPRISE 271/12

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Strassenkunst Bei der Kalkbreite sinkt ein Kriegsschiff Stickers, Tags, Graffiti: Urban Art begleitet Passanten ständig, in Zürich vor allem im Langstrassenquartier. Sie ist ein flüchtiges Phänomen, das die Frage stellt, wer was darf in der Stadt.

VON DIANA FREI (TEXT) UND GABRIELA DOMEISEN (BILDER)

Ein Hund fixiert als Paste-Up den Betrachter, und einige Strassen weiter pinkelt ein anderer an die Wand, auf die er gekleistert ist. Hunde trifft man in Form von Urban Art relativ oft an in Zürich, sie gelten als Sachbeschädigung. Ihre lebendigen Kollegen sind in der Stadt genauso oft anzutreffen, aber sie sind legal, auch wenn sie auf dem Spielplatz öfter ins Gras machen als die Graffiti-Versionen.

Zürich, Tramhaltestelle HB/Sihlquai. Hier steht man und wartet aufs Tram. Der Blick fällt auf den Vogelkleber, der an der Scheibe des Wartehäuschens prangt, damit die echten Vögel nicht hineinfliegen. Dann fällt er auf die vielen kleinen Vögel daneben. Auf den Tukan. Und auf die Schnecke. Stickers als Schattenrisse der Natur mitten in der Stadt. Die Von Urban Art zur Kleinkriminalität Schnecke scheint sich dem Rahmen entlangzuschleichen, während die Haltestelle HB/Sihlquai, zwei Wochen später: Das Getier an der Trams an ihr vorbeifahren. Der Tukan klebt trotzig auf der Scheibe, obScheibe ist weg. Schöns Züri, die Graffitientfernung der Stadt Zürich, wohl er hier nicht hingehört. entfernt Kleber, überstreicht Schaltkasten, streicht Fassaden, hält ParkEinige Strassen weiter in der Mattengasse: Die Umrisse eines Toten uhren sauber und reinigt Ampelmasten. Die Stadt gibt pro Jahr rund eisind auf der Strasse markiert und dabei steht: «r.i.p. by v.i.p. – a new ne Million Franken für «den Schutz vor Graffiti-Anschlägen und deren ghetto is rising», und wahrscheinlich ist mit dem neuen Ghetto der Behebung» aus, wie Priska Rast, Graffitiverantwortliche der Stadt ZüKreis 5 gemeint, der – wie die Stadt Zürich es nennen würde – zunehrich, sagt. Es geht ihr um den positiven Auftritt der Stadt: «Davon hänmend aufgewertet wird und dabei so manche Subkultur überfährt. gen schlussendlich Gewerbeansiedelungen und damit Arbeitsplätze ab.» An einer Abflussrinne ein Sticker von Urban Artist «ätr» auf VegetaOft kann der Urzustand nicht vollständig wiederhergestellt werden, die riermission: «I ❤ tofu», und auf den Boxen mit den Gratiszeitungen kleGebäude verlieren an Wert. Es gibt Studien, die nahelegen, dass der soben kugelige Figürchen mit flüchtigen Tags drüber. Ein Telefon an der genannte «Broken-Window-Effekt» Einfluss auf ein Quartier und seine Wand. Eine Seniorin im Jupe boxt überlebensgross an einer Holzwand Bewohner und Passanten hat: Die Theorie besagt, dass Anzeichen ordbeim HB, und man fragt sich, ob Stärke wohl bloss eine Frage der Halnungswidrigen Verhaltens, wozu Urban Art und insbesondere Graffiti tung ist. Bilder, die irritieren, die Fragen aufwerfen, Erwartungen bregehören, weitere Überschreitungen wie Littering und Kleinkriminalität chen. Assoziationen tauchen auf, Gedanken ziehen vorüber. Die Stadt nach sich ziehen. als Galerie. «Ich glaube, das hat auch viel damit zu tun, dass den Leuten seit 30 Schön im dekorativen Sinn ist wenig. Am Letten und an einzelnen Jahren eingeredet wird, dass es sich bei Graffiti um Zeichen von Vandaanderen Orten wie der Carrosserie + Spritzwerk an der Zollstrasse findet man die grossen gekonnten Graffiti-Wandbilder, die legal angebracht worden sind. Aber Da sie damit rechnen müssen, dass weniges Bestand hat, setzen sonst: kleine, oft zerfetzte Papierstücke, Überviele Urban Artists auf die Masse, um gesehen zu werden, und reste gekleisterter Schablonenmotive – sogenicht auf ausgefeilte Gestaltung. nannter Paste-Ups – dazu Stickers auf Regenrinnen, Stromkästen, Zeitungsboxen, Verkehrslismus und Niedergang handelt», sagt Rémi Jaccard. Er ist Kunsthistoriampeln. Überklebt, von der Witterung zerfressen, hastig angebracht. ker, ein Mann mit feinen Gesichtszügen, der wenig mit einem Rebellen «Ja natürlich ist das etwas, das die Stadt verschönert!», findet die Foaus dem Untergrund gemein zu haben scheint. Eben hat er seine Distografin Gabriela Domeisen, die die Szene seit einiger Zeit begleitet und sertation über Urban Art im Langstrassenquartier eingereicht. «Ich kann Fotos der vergänglichen Werke auf ihrer Homepage nach Stadtkreisen mir vorstellen, dass es auch um Machtfragen geht», sagt er, «wer den öfgeordnet zusammenträgt: «Ich finde die Diskussion, ob es Kunst ist oder fentlichen Raum gestalten darf, und was von welcher Seite her passienicht, müssig. Wichtig ist, dass die Stadt allen ein bisschen gehört, und ren darf.» Neben den Behörden bestimmt auch die Werbung, wie die für die einen ist das halt Verschönerung und für die anderen nicht.» Es Stadt aussieht. Und dann wäre da noch die «Zivilgesellschaft»: Unter ihklingt, als ob sie von ehrenamtlicher Freiwilligenarbeit reden würde, nen die Street Artists. Oder Sprayer. Oder Tagger. wenn sie sagt: «Ich finde es lässig, dass überhaupt jemand etwas macht. Mir gefallen graue Wände nicht.» SURPRISE 271/12

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Die Zwillinge der New Yorker Fotografin Diane Arbus als Stencil im Zürcher Kreis 4.

kommt etwas weniger Schönes hin, dann wird es wieder geputzt, und Jaccards Dissertation zeigt, dass uns Urban Art in Zürich und speziell am Schluss kommen die, die nur noch ‹chrible›. Und ich glaube nicht, im Langstrassenquartier ständig begleitet. «Urban Art ermöglicht eine dass man Urban Art ganz ausmerzen kann, wenn man sie wegputzt.» Kommentarfunktion, die nicht durch Kuratoren limitiert wird. Jeder Wenn möglichst schnell geputzt wird, ermutigt das nicht dazu, groskann so sagen, was er oder sie will, ohne dass es jemand gutheissen muss», sagt der Kunsthistoriker, «dass das «Dass es auch Sachen hat, die einem nicht gefallen oder Schwächen hat, dass die Qualität nicht überragend sein wird und es auch Sachen hat, die eidie man sogar furchtbar findet, das wäre etwas, das man nem nicht gefallen oder die man sogar furchtaushalten müsste.» bar findet, das wäre etwas, das man aushalten se, aufwendige Bilder zu machen. Da sie damit rechnen müssen, dass müsste. Das fände ich spannender als die systematische Reinigung.» weniges Bestand hat, setzen viele Urban Artists auf die Masse, um geDie kleinen Monster des Basler Street Artists Silis tauchten vor etwa sehen zu werden, und nicht auf ausgefeilte Gestaltung. Schnelle, kleine, zehn Jahren in Basel, Bern und Zürich regelmässig auf, als Stickers oder unauffällige Formen sind typisch für Zürich – auch, weil die Architektur Paste-Ups. Vereinzelte Stickers und Stencils – ein Ohr hat er immer wieder Stadt kaum grosse Wände hergibt. Vor allem Stickers und relativ selder gesprayt – sind heute noch zu finden. Silis weiss, dass er manchmal ten Stencils – Schablonenbilder – sind zu finden. Das Langstrassenvon der Polizei beobachtet wurde und sah, dass Passanten die Ordquartier hat die grösste Dichte an Urban Art. Hier gibt es, im Gegensatz nungshüter anriefen. Kollegen erhielten schon mal Bussen um die 300 zu Seebach etwa, viele Passanten – und das Ziel ist schliesslich, dass die Franken oder kamen in U-Haft. Seine Lust, die Stadt mitzugestalten, Werke von möglichst vielen Leuten gesehen werden. Hinzu kommt, schmälerte es nicht, auch wenn ihm grossflächige Graffiti zu gefährlich dass hier Reglemente nicht gleich vehement durchgesetzt werden wie gewesen wären. Er selber hatte eine gestalterische Lehre gemacht, und etwa an der Bahnhofstrasse: Das macht die Kreise 4 und 5 zu attraktier meint, viele Urban Artists seien Grafiker und Gestalter. Es gibt auch ven Standorten. Künstler unter ihnen, die Ausstellungen machen, und etliche andere, die «Im Moment finde ich den Kreis 5 sehr schön», sagt Gabriela Domnur nebenbei sprayen, taggen, kleben. eisen, «dort entsteht sehr viel zwischen Viadukt und Letten. Es gibt in Zürich ein paar solcher Hotspots. Hinter dem Bahnhof Wiedikon, im GeViel Branding statt Humor biet der Weststrasse, sieht man auch einiges. Aber es kommt immer Unterführung Langstrasse: Die Wand ist überdeckt von Quadern in drauf an, wer unterwegs ist und wo geputzt wird.» Ätr, oft mit Stickers leicht hellerem, frischem Grau. Übermalte Flächen. Hier wurde das saugegen das Fleischessen, ist zurzeit oft zu sehen, oder Robi the Dog mit bere Zürich wiederhergestellt. Gabriela Domeisen findet: «Das geht nun seinen Paste-Ups, für die er ikonische Bilder verwendet. Und immer wieseit Jahren so: Erst ist etwas Schönes da, dann wird das geputzt, dann

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dort das Internet, das Dinge oft kurzlebig aufblitzen lässt. «Wenn du im Internet Bilder hochlädtst, erreichst du noch viel mehr Leute als auf der Strasse», sagt Silis. Plötzlich kann man international verfolgen, was an verschiedenen Orten passiert oder was eine bestimmte Person macht. Auch Domeisen hat einen Online-Shop, mit dem sie Werke verschiedenster Street Artists verkauft: So kann man sich einen Robi the Dog auch zu Hause über das Sofa hängen, ganz unzerfetzt. Vor einem Jahr kuratierte sie im Cabaret Voltaire – das übrigens von der Stadt Zürich mitgetragen wird – eine Street-Art-Ausstellung, und auch das Kunsthaus Zürich veranstaltete eine Kunsthausnacht zum Thema. Urban Art hat sich zu einer gefragten Art von Ästhetik entwickelt. Auch für ein grösseres Publikum, das vielleicht die illegale Form als Schmiererei abtun würde. Es gibt Street Artists, die legale Auftragsarbeiten ausführen. Dr. Drax und Pase zum Beispiel, Mitglieder des Zürcher Künstlerkollektivs One Truth. Sie haben die Hausfassade von Radio LoRa gestaltet und Videoclips für Sido, sie haben für Reebock Sneakers besprayt und für BMW den Mini. Am wichtigsten bleiben ihnen aber ihre eigenen Projekte und Ausstellungen. «Es gibt Leute, die sagen, mit der Auftragsarbeit machst du Graffiti kaputt», meint Pase, «aber das finde ich nicht, weil du damit Graffiti den Leuten näherbringst und das machen kannst, was du gerne machst.» Es geht nicht um den Ausverkauf einer Ideologie, sondern darum, Graffiti als Kunstform sichtbar zu machen.

Macht nicht ins Gras: Der Hund an der Wand.

Die Subkultur wird zum Hype Für die Werbung ist Urban Art längst zum Mittel für ein junges cooles Image geworden – offenbar ist sogar Graffiti auch mit positiven Werten besetzt. Die Jugend hat heute einen höheren Stellenwert als gesellschaftliches Ideal als noch vor ein paar Jahrzehnten, und die Werbung nutzt das schon längst gezielt mit der entsprechenden Ästhetik. Die Subkultur ist zum Hype geworden, der auch im Banksy-Film «Exit Through The Gift Shop» karikiert wird. «Das sogenannt Authentische von Graffiti war für Galerien bereits in den 1980ern interessant», sagt Rémi Jaccard, «zudem ist Urban Art allgemein verständlich und entspricht oft dem Ideal einer handwerklich hochstehenden Umsetzung. Das wirkt für ein breites Publikum anziehender als die aktuelle kopflastige, akademische Kunst.» Geht man mit Rémi Jaccard durch die Strassen im Kreis 5, bekommt man keine Führung. Er nimmt einen vielmehr mit auf einen Spaziergang, auf dem man gemeinsam hinschaut. «Man kann sehr viel ent-

der die berühmten Twins von Diane Arbus (siehe Original auf S. 25). «Ich finde aber, in Zürich gibt es recht viel Branding – man will einfach gesehen werden. Wie KCBR, die vier Buchstaben, die einfach immer und überall sichtbar sind», sagt Domeisen, «dann Politisches, und ganz am Schluss kommt noch etwas Humor.» Für «Das sogenannt Authentische von Graffiti war für Galerien bereits die Tags hat Domeisen eine eigene «romantiin den 1980ern interessant. Urban Art wirkt für ein breites Publikum sche Erklärung»: «Der Tag ist so etwas wie die Signatur des Bildes. Und so steht jeder Tag für oft anziehender als die aktuelle kopflastige, akademische Kunst.» ein Bild, das nicht entstanden ist. Da kann decken», sagt er mit einer kleinen Kompaktkamera in der Hand, «und so man sich jeweils vorstellen, das wären alles schöne Graffiti, von denen entsteht ein neuer sehr demokratischer Typus vom Sammler. Statt dass nun halt die relativ hässlichen Tags übrig geblieben sind.» Die Fotograman Galerien besucht und Werke kauft, durchwandert man die Stadt, fin hat auch schon Städte wie London und Berlin mit Blick auf Urban um Fotografien zu machen.» Urban Art verändert nicht nur eine Stadt, Art erpirscht und stellt dort mehr Humor in den Werken fest: «Das sind sondern auch den eigenen Blick. Eine Art Parallelwelt tut sich dem auf, Städte, die Urban Art benutzen, um ein Quartier aufzuwerten. Weil sie der einmal hingeschaut hat. gemerkt haben, dass die Studenten, Kunstläden und Restaurants komBushaltestelle Kernstrasse, Kreis 4: Da ist sie wieder, die Schnecke an men, wenn es schöne Graffiti hat.» Auch in Chile gibt es Städte, die hinder Glasscheibe, diesmal allein. Sind ihr die Vögel davongeflogen? Oder ter ihrer nicht institutionellen Kunst stehen, weil sich damit ein sehr farwar die Schnecke auf dem Weg vom Sihlquai zur Kernstrasse für einmal biges Gesamtbild mit aufwendigen Werken ergibt. schneller als der Tukan? – An einer Ampelsäule stapeln sich derweil die skurrilen Köpfe einer Familie unter dem Titel «Hierarchie» auf einem Das Internet als neue Strasse länglichen viereckigen Sticker dichtgedrängt übereinander, ohne einen Für Silis hat das Internet die Strasse unterdessen weitgehend abgeMillimeter Bewegungsspielraum. Und in einer Seitenstrasse nähe Kalklöst. Auf Facebook oder flickr sieht man, wie seine Monster Eisenbahnbreite geht ein Kriegsschiff unter. wagen bevölkern oder von einem indischen Strassenwischer zusammengekehrt werden – die ironischsten Werke sind oft Fotomontagen. Street Art findet über den Onlineverkauf ihren Weg zum Beispiel ■ auch in Form bedruckter T-Shirts auf die Strasse zurück – Silis bemalt http://urbanartsurveillance.net auch schon mal eine Louis-Vuitton-Tasche mit seinem Tag. Internet und www.graffiti-file.ch Urban Art stehen in enger Beziehung: Hier die schnelllebigen Bilder, www.onetruth.ch SURPRISE 271/12

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Sozialarbeit «Die Armen wurden zu allen Zeiten verachtet» Judith Giovannelli-Blocher prägte die Sozialarbeit in der Schweiz als Praktikerin und Ausbildnerin über Jahrzehnte mit. In zwei neuen Publikationen blickt sie zurück auf Beruf und Privates. Ein Gespräch über ledige Sozialarbeiterinnen, die Bedeutung der Freiwilligenarbeit und die Wichtigkeit, der Sozialarbeit den Heiligenschein zu nehmen.

VON RETO ASCHWANDEN (INTERVIEW) UND ANNETTE BOUTELLIER (FOTOS)

Sie selber haben erst mit 48 geheiratet. Ja. In meiner Autobiografie (siehe Kasten) schreibe ich ausführlich übers ledig Sein. Dieses Thema ist bis heute tabu, dabei arbeiten noch immer viele Ledige in der Sozialarbeit. Ich absolvierte schon in den 70ern Vorträge und Fernsehauftritte zum Thema ledig Sein. Bald darauf heiratete ich allerdings. Ich dachte mir: Wenn du zu deinem Status als Ledige stehen kannst, dann kannst du jetzt auch heiraten.

Frau Giovannelli-Blocher, Sie erlernten Ihren Beruf Mitte der 50er Jahre. Was hat eine Sozialarbeiterin damals gemacht? Dazumal hat man die Aufgaben der klassischen Sozialarbeit übernommen: die Sorge für Alte, für Behinderte, oder auch für ledige Mütter. Es war eine Zeit, in der die Schweiz in grossen Wohlstand hineinwuchs. Wir lernten in «Ich dachte mir: Wenn du zu deinem Status als Ledige stehen der Ausbildung, dass Armut verschwinden kannst, dann kannst du jetzt auch heiraten.» würde. Und dass unsere Arbeit fortan hauptsächlich darin bestehen würde, die Menschen Konnten Sie davor nicht dazu stehen? zu lehren, wie sie mit ihrer Freizeit umgehen können. Damals kam die Wenn ich am Sonntag allein in die Stadt ging, hatte ich das Gefühl, Gemeinwesenarbeit auf: die Jugendhäuser oder auch die Gemeindezendie Leute würden denken: Die hat wohl keinen abbekommen. Ich fand, tren der Kirchgemeinden. ich sei nicht ganz normal. Denn es gehört dazu, dass man Bekanntschaften hat, dass man ein Sexleben hat und das hatte ich damals nicht. Betrachten wir das Menschenbild: Heute spricht man von KlienDas kam erst später. ten, wie war das damals? Schützlinge hiess das. Wir waren Fürsorgerinnen. So nannte man Sie stammen aus einer protestantischen Pfarrersfamilie. Führte uns, als ich mich für die Schule anmeldete. In der Ausbildung sprachen das dazu, dass Sie ledig zu sein als notwendige Entsagung aksie dann von Sozialarbeiterinnen und -arbeitern. Das Menschenbild änzeptierten und still litten, oder lehnten Sie sich dagegen auf? derte sich zu dieser Zeit sehr stark – zumindest theoretisch, praktisch Es war eher ein Leiden. Ich war das älteste von elf Kindern. Dadurch dauert das ja immer länger. Man sagte: keine moralisierende Haltung musste ich viel helfen im Haushalt und mit den Geschwistern. Das mehr, keine Verurteilungen. stinkt einem als Kind wahnsinnig, denn ich hatte ja auch Träume. Deshalb verspürte ich keine Lust auf eigene Kinder, als ich erwachsen wurSie beschreiben in einem Buch von AvenirSocial über Ihre Genede. Das kam erst, nachdem ich meinen Mann Sergio kennengelernt hatration der Sozialarbeiterinnen (siehe Kasten) zwei Frauen, die ihte. Aber da war es zu spät, ich war schon 45. ren Beruf mit einer Selbstaufopferung bis zur Selbstaufgabe ausübten. War dies das damals übliche Rollenverständnis? Sie verfassten Ihre Diplomarbeit in den 50ern über das Verhältnis So war das Rollenbild der Frau im Allgemeinen. Auch verheiratete von Profis und Freiwilligen. Wie sah die Zusammenarbeit damals Frauen hatten sich für Mann und Kinder aufzuopfern. Es gibt bis heute aus? «die guten Seelen», die überall eingespannt werden. Und zum Dank Die Freiwilligen unterstützten die Professionellen, die Professionelheisst es: Die hat das Helfersyndrom. Unser Beruf brauchte sehr lange, len schulten und betreuten umgekehrt die Freiwilligen. Ich habe einmal um sich daraus zu befreien. Obwohl die erste Generation, die in den mit Kolleginnen eine Broschüre zu diesem Thema verfasst. Mein Beitrag 20ern ihre Ausbildungen gemacht hatten, grösstenteils sehr selbständihiess: Professionelle und Freiwillige – eine Ehe ohne Liebe. Die Profesge Frauen waren, die sagten: Wir wollen nicht unbedingt verheiratet sionellen wurden von der Öffentlichkeit weniger geschätzt als die Freiwerden, wir wollen selber etwas leisten im Leben.

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Im Buch von AvenirSocial sagen Sie: «Ich selber habe die Sozialarbeit stets als einen Beruf erlebt, der sich im Grundsatz an den Normen und Wertvorstellungen des Establishments orientiert. (…) Wer Sozialarbeit heute als Anwältin der Schwachen wahrnimmt, der macht sich etwas vor.» Das ist dicke Post. Da habe ich überspitzt formuliert. Es geht mir darum, diesem Beruf den Heiligenschein wegzunehmen. Ich möchte aber betonen: Es gibt wahnsinnig viele Sozialarbeiter, die sich extrem engagieren. Meine Kritik ist in der Sache begründet: Wir haben ein doppeltes Mandat. Wir sind nicht nur Anwälte unserer Klienten, sondern haben auch Vorgaben unserer Institutionen. Helfen heisst immer auch Macht ausüben. Man muss stets berücksichtigen, was die Öffentlichkeit mitträgt. Hat man früher weniger auf Sozialhilfeempfänger hinuntergeschaut als heute? Die Armen wurden zu allen Zeiten verachtet. Ich war ja Dozentin für Sozialgeschichte. Es ist unglaublich, wie sich alles wiederholt: Die ewig gleichen, dummen Zuschreibungen von faulen Siechen und Halunken ziehen sich über die Generationen. Sie wählten Ihren Beruf aus einem christlichen Hintergrund heraus. Ist Nächstenliebe für die Sozialarbeit wichtiger als Professionalität? Das ist Chabis. Nächstenliebe ist der Grund. Unverzichtbar. Aus Nächstenliebe lassen sich viele ausbilden. Das ist aber kein Entscheid im Sinn von: Professionalität statt Nächstenliebe. Sie können nicht helfen ohne Nächstenliebe – und ebenso wenig ohne geeignete professionelle Instrumente.

«Helfen heisst immer auch Macht ausüben.»

Sie hinterfragten ihre Tätigkeit immer wieder öffentlich. Machen das andere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zu wenig? Vielleicht machen sie es mehr im Stillen. Man sollte es aber auch laut machen. Es ist ein Beruf, der viele Gefahren birgt. Zudem entzieht Selbstkritik politisch motivierten Attacken den Boden. Sie bezeichnen sich im Buch von AvenirSocial als Einzelgängerin, die eigene Spuren zieht. War das früher einfacher?

willigen, die aus dem guten Herz heraus arbei«Der Ausdruck ‹Gutmensch› ist ein Verbrechen. Damit macht ten. Es gab die Haltung: Die Professionellen man ganz wichtige Fähigkeiten des Menschen lächerlich.» sind ja nur bezahlte Leute. Die Freiwilligen sind bis heute unverzichtbar für das SozialweIch glaube schon, denn wir werden immer mehr zu einer uniformiersen. Sie gehören zum sozialen Gewissen der Gesellschaft, zeigen Notlaten Gesellschaft, in der die Originalität leidet. Figuren wie Pfarrer Sieber gen auf und bestehen auf Abhilfe. sind heute seltener. Werden Sie von früh auf von allen Seiten auf einen Mainstream hin sozialisiert, entwickeln Sie keine Eigenständigkeit. ■ Trotzdem wurde die Sozialarbeit über die Jahrzehnte zunehmend professionalisiert. In der öffentlichen Sozialhilfe kam das erst spät. Lange war das die Aufgabe von Beamten, die das zum Teil gar nicht schlecht machten. Es kam aber sehr auf die Person an, denn eine Schulung hatten sie nicht Sozialarbeiterin und Schriftstellerin erfahren. Den Anfang machten Institutionen wie Pro Infirmis, die Judith Giovannelli-Blocher (*1932) arbeitete viele Jahre in verschiedeschweizweit professionalisierte Hilfe verlangten. Das war ganz wichtig: nen Schweizer Städten als Sozialarbeiterin. Später bildete sie jüngere Heute haben Behinderte bis in die hinterste Ecke der Schweiz das AnBerufskolleginnen aus. Seit sie Mitte 50 ist, arbeitet sie selbständig und recht auf professionelle Hilfe. Auch Pro Juventute und Pro Senectute verfasste mehrere Bücher. Sie mischt sich immer wieder in politische setzten früh auf Professionalisierung. Debatten ein und engagiert sich aktuell für die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Soeben erschien ihre Autobiografie. EiStieg dadurch das Ansehen Ihres Berufes? nen Rückblick auf ihr Berufsleben liefert ein Beitrag in einer Publikation Als ich in den Beruf einstieg, waren wir moralisch hoch geachtet. Im der Branchenorganisation AvenirSocial. Lohn schlug sich das hingegen nicht nieder. Heute haben wir das Gerede von den Gutmenschen. Dieser Ausdruck ist ein grosses Verbrechen. Judith Giovannelli-Blocher: «Der Rote Faden – Die Geschichte meines Damit macht man ganz wichtige Fähigkeiten des Menschen lächerlich: Lebens», Nagel & Kimche, 2012. Einfühlungsvermögen, Mitleid und Gerechtigkeitsempfinden. Heute hat jeder, der sich für Schwächere einsetzt, Schiss, er werde als Gutmensch AvenirSocial (Hg): «Wir haben die soziale Arbeit geprägt» – Zeitzeuginabqualifiziert. nen und Zeitzeugen erzählen von ihrem Wirken seit 1950, Haupt, 2011.

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Jugendrotkreuz Calvin und Hobbes im Durchgangszentrum In einem Durchgangszentrum leben auch Kinder, und auch sie haben Anspruch auf eine ausgelassene Kindheit. Die Spielnachmittage des Jugendrotkreuzes geben ihnen in der Wartesaalsituation das Gef端hl, an einem Ort angekommen zu sein. Ein Augenschein im z端rcherischen Oerlikon.

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VON NATALIE GYÖNGYÖSI (TEXT) UND ROLAND SOLDI (BILDER)

tulle. Mit Stiften, Leim und Schere geht es ans Dekorieren des Schächtelchens. Daraus gibt es am Schluss ein Geschenk für die Eltern. Das Bastelmaterial für die Kinder haben die Freiwilligen vom Jugendrotkreuz vorher eingekauft. Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 engagieren sich beim JRK, indem sie zum Beispiel neben den

Arian* ist zwölf und kommt aus dem Irak. Er trägt heute wieder einmal sein Lieblings-T-Shirt, nämlich das mit Hobbes drauf, dem Tiger aus Calvin and Hobbes. Der Junge spricht fliessend Deutsch. Ich frage ihn, wie lange er schon in der Schweiz sei. Er sagt: «Seit einem halben Jahr.» Verblüfft schiele ich Arian zeichnet einen Schmetterling mit Maikäfer auf seine zu einer der freiwilligen Mitarbeiterinnen vom Holzschatulle: «Das ist ein bisschen für Mädchen, aber Jugendrotkreuz (JRK) hinüber und sie bestäweisst du, es ist für meine Mutter.» tigt: «Ja, die Kinder lernen schnell. Die meisten können nach ein paar Monaten fast fliessend Spielnachmittagen im Durchgangszentrum mit den Flüchtlingskindern unsere Sprache.» Pünktlich stehen alle Kinder parat und signalisieren: in den Wald spielen gehen, Schülern, die Lernschwierigkeiten haben Es kann losgehen! Alle haben sie unterschiedliche Wurzeln, gleich oder nicht gut Deutsch können, Nachhilfeunterricht geben oder betagte schauen nur ihre erwartungsvollen Augen aus, mit denen sie den junMenschen im Blindenwohnheim besuchen. gen Damen mit den roten JRK-T-Shirts zusehen. Die Frauen eröffnen den Nachmittag mit einem Kennenlernspiel: Sie bilden mit den Kindern Freiwillig Arabischkenntnisse verbessern einen Kreis, worin sie sich einen Ball zuwerfen und dazu ihren Namen Eveline ist halb Syrerin, aber hier aufgewachsen. Sie studiert Politikund ihr Alter sagen. Eva, eine der JRK-Freiwilligen, erklärt, welches der wissenschaft und in den Nebenfächern Öffentliches Recht und AraKinder von wo ist und wie es heisst, ich höre Somalia, Serbien-Montebisch. Innerhalb ihres Hauptfaches Politikwissenschaft hat sie sich auf negro, Eritrea, Bosnien-Herzegowina, Irak. Die Asylgesuchszahlen im Internationale Beziehungen spezialisiert. Sie mache beim Spielnachmitvergangenen Jahr sind gegenüber dem Vorjahr um rund 45 Prozent auf tag im Durchgangszentrum Regensbergstrasse mit, sagt sie, weil sie ih22 551 gestiegen. Aufgenommen hiervon werden rund 21 Prozent. Die re Arabischkenntnisse praktizieren könne und weil sie die Arbeit mit Leute, die sich zurzeit im DZ Oerlikon befinden, zählen zu den vorläuKindern als entspannend empfinde. Und: «Es macht für mich Sinn, hier fig Aufgenommenen und machen etwa zwölf Prozent der Gesamtanframitzumachen. Für die Eltern der Kinder bedeutet es, dass sie einige gen aus. Stunden Ruhe und Zeit für sich haben. Und ich wiederum kann bei der Als jeder und jede den Ball einmal geworfen hat, wechseln wir in den Arbeit mit den Kleinen sehr gut abschalten und den Lernstress vergesanderen Saal – in denjenigen, wo sonst der Schulunterricht für die Ersen.» Sie opfere nicht ihre Freizeit für diese Kinder auf, denn sie bewachsenen jeden Tag stattfindet. Jetzt bekommen alle eine Holzschakomme von ihnen so viel Aufmerksamkeit und Ausdruck von Freude am gemeinsamen Spielen und Basteln, dass sie die Zeit mit ihnen sehr erfülle. Eveline findet, dass jeder sich wenigstens ein bisschen Zeit für Anzeige: soziales Engagement nehmen könnte. Was die Freiwilligen, heute sechs an der Zahl, alle gemeinsam haben: Sie sind alle auf eine so charmante Weise ambitioniert, die Welt ein Stückchen besser zu gestalten, dass man es ihnen sofort zutraut, dass sie das tun. Und – wer weiss – später vielleicht auch in einem noch umfassenderen Rahmen tun werden: Ihre Studienrichtungen bewegen sich von Ethnologie, Politologie, Soziologie bis zu Lateinamerikanismus. Die meisten der jungen Frauen wollen später nicht in der Entwicklungsarbeit tätig sein. Das bringe nichts, erklärt Eva, Westeuropäer wollten überall zur Verbesserung der Situation beitragen, indem sie ihre eigenen Regeln durchsetzten. Dabei gehe meist unter, dass diese aber in der gedachten Form nicht anwendbar seien auf andere Kulturen, weil die lokale Bevölkerung einfach anders ticke. Die Kinder sitzen rund um lange Schulbänke und hantieren konzentriert mit Schere und Filzbögen, Leim und Buntstiften. Zwischendurch raunt und lacht es, werden die Freiwilligen gerufen, weil das Klebeband nicht richtig will oder die Mine vom Stift abgebrochen ist. Arian mit dem Hobbes-T-Shirt zeichnet einen Schmetterling mit Maikäfer auf seine Holzschatulle. Ich setze mich zu ihm. «Das ist ein bisschen für Mädchen, aber weisst du, es ist für meine Mutter», erklärt er mir sein Werk. Dann reden wir über Sport. Arian mag Basketball. Leiterin Anna sagt, sie spiele auch gern Basketball und sie könne es auch ziemlich gut und daraufhin meint Arian fachmännisch: «Logo, du bist ja auch lange.» «Gross», korrigiert Anna, grinst und führt einen Luftsprung mit imaginärem Korb aus. Keine Lust, von Togo zu erzählen Der kleine Asmerom schnipselt konzentriert sein Filzstück in hundert Stücke. Ich mache einen Versuch, ihm zu zeigen, wie er das Filzstück dem Kreis entlang schneiden kann, aber er hört nicht hin, er schaut nicht einmal. Er und seine Schwester sind seit ein paar Wochen im Durchgangszentrum und können praktisch noch kein Deutsch. Bar-

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Nicht einfach ein gewöhnlicher Hort: Barbara bastelt mit Kindern, die Schwieriges erlebt haben.

reits heute. Das sei viel besser als herumzusitzen, meint der kleine Irabara setzt sich neben das Mädchen und fordert es auf, auch ein Filzker. Sein bisheriges Leben war nicht nur unbeschwert. Vielleicht gefalstückchen auszuwählen, um es auf die Holzschachtel zu kleben. Die len ihm gerade deswegen die Abenteuer von Calvin und Hobbes so gut. Kleine zeigt unmutig auf ein türkises Stoffteil – sie hat offensichtlich Der Tiger hat nämlich zwei Gesichter: Für Calvin ist er lebendig und Mühe zu verstehen, was man hier von ihr will. Baakir* (11) kommt aus Togo. Er mag Rihanna, weil die so gut tanzen kann. Er könne das jetzt auch, er habe ihr das «Die Kinder können nichts für ihre Situation und dafür, dass auf Youtube abgeschaut. Baakir erzählt, dass sie hier gelandet sind. Ich möchte sie bei uns willkommen er seit etwas länger als einem halben Jahr hier heissen und herzlich aufnehmen.» sei, gerne zur Schule gehe und jetzt nur noch zu Besuch im DZ sei. Er und seine Mutter hätkann sprechen, während er für die anderen bloss ein Stofftier ist. So ten nun selbst eine Wohnung und seine Mutter gehe jeden Tag in den kann er zwischen seiner imaginären Parallelwelt und der Welt der ErDeutschkurs. Wo sein Vater sei, wisse er nicht. Er hat keine Lust, von wachsenen hin und her wechseln. Arian seinerseits macht es ihm seinem Land zu erzählen. Barbara (25), neben ihm sitzend, mit Ponygleich: Zwischendurch tut es Not, die Realität der Erwachsenen einfach frisur und sanften Augen, sagt, sie sei beim JRK, weil es sie glücklich auszublenden – und am JRK-Nachmittag einfach nur Kind zu sein. ■ mache, wenn ein Kind, das Schwieriges erlebt habe, plötzlich lache und im gemeinsamen Spiel alles Schlimme für einen Moment zu vergessen scheine: «Die Kinder können nichts für ihre Situation und dafür, dass sie *Namen geändert hier gelandet sind. Ich möchte sie bei uns willkommen heissen und herzlich aufnehmen.» Ausserdem sei das DZ ja nicht gerade nur ein lauschiger Ort, die Eltern seien auch mal dankbar, wenn sie an den Spielnachmittagen die Kinder in guten Händen wissen und etwas für sich selbst unternehmen könnten. Im Durchgangszentrum Regensbergstrasse in Zürich Oerlikon gibt es Einfach nur Kind sein Platz für hundert Asylsuchende. Verantwortlich für den Betrieb der Der Spielnachmittag bietet den Kindern eine Möglichkeit, den Alltag Asylunterkunft ist die Asyl-Organisation Zürich (AOZ), eine selbständifür ein paar Stunden hinter sich zu lassen, abzuschalten und einfach ge öffentlich-rechtliche Anstalt der Stadt Zürich. Seit 1998 wird die Lienur mit den anderen zusammen zu spielen und herumzutoben. «Nächsgenschaft an der Regensbergstrasse im Auftrag des Kantons Zürich als ten Samstag gehen wir mit dem JRK in den Wald!», freut sich Arian beDurchgangszentrum für Asylsuchende verwendet. SURPRISE 271/12

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Zwangsheirat Ja, ich muss Die Hochzeit soll der schönste Tag im Leben werden, für Zwangsverheiratete ist sie ein Horror. Frauen wie Edita Maliqi können von der freien Wahl des Ehemanns nur träumen. VON KARIN FREIERMUTH (TEXT) UND PATRIC SANDRI (ILLUSTRATION)

Edita Maliqi* ist 24 Jahre alt, arbeitet als Coiffeuse und hat einen Traum, den auch viele ihrer Freundinnen hegen: «Ich möchte einmal heiraten und Kinder haben.» Der Satz, den sie diesem Wunsch hinzufügt, unterscheidet sie jedoch von ihren Altersgenossinnen: «Ich wünsche mir einen Ehemann, den ich liebe und den nicht meine Eltern für mich ausgesucht haben.» An die Erfüllung dieses Wunsches glaubt die junge Frau, die seit ihrem elften Lebensjahr in der Schweiz lebt, immer weniger: «Als ich 19 wurde, haben meine Eltern damit begonnen, einen Mann aus dem Kosovo für mich zu suchen – nun haben sie ihn gefunden.» Edita Maliqi droht eine Zwangsverheiratung, ein Menschenrechtsverstoss. «Eine Ehe darf nur im freien und vollen Einverständnis der künftigen Ehegatten geschlossen werden», steht im Gesetz. Von einer Zwangsheirat wird dann gesprochen, wenn die Verheiratung gegen den Willen mindestens einer der beiden Personen geschieht. Betroffen sind beide Geschlechter, aber Frauen werden öfter zu Opfern. Denn Zwangshochzeiten kommen vor allem in traditionalistisch-patriarchalen Milieus vor.

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Mädchen werden stärker kontrolliert als Buben, es gibt den Jungfräulichkeitskult und Frauen haben die Rolle der Traditionsträgerinnen. Dennoch dürfe man nicht ausser Acht lassen, dass es auch männliche Opfer gibt, betont Anu Sivaganesan von der Kampagne zwangsheirat.ch: «Bei uns ist rund ein Drittel der albanischsprachigen Ratsuchenden männlich. Besonders betroffen sind homosexuelle junge Männer. Hier soll mit der Verheiratung mit einer Frau radikal ‹abgeholfen› werden.» Die Angst vor den Sommerferien Über das Ausmass der Zwangshochzeiten kann nur spekuliert werden, da die Schweiz über keine repräsentativen Zahlen verfügt, zudem ist die Dunkelziffer hoch. Zwangsheirat.ch ist wöchentlich mit bis zu vier Anfragen konfrontiert, vor den Sommerferien steigen die Zahlen jeweils deutlich, da viele Zwangsvermählungen im Heimatland der Eltern stattfinden. Das Mädchenhaus Zürich nahm im letzten Jahr fünf junge Frauen auf, denen eine Zwangsheirat drohte, und führte zwölf Beratungen durch. Laut Co-Leiterin Karin Aeberhard liegen diese Zahlen im Schnitt der vergangenen Jahre, auch bei den Herkunftsländern lassen SURPRISE 271/12


sich kaum Veränderungen beobachten: Die Mehrheit der Betroffenen stammt aus dem Kosovo, der Türkei und aus Sri Lanka. «Das Mädchenhaus sieht sich hauptsächlich mit Zwangssituationen konfrontiert, bei denen junge Frauen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind, mit einem meist älteren Mann des Heimatlandes verheiratet werden sollen. Es kommen aber auch Frauen zu uns, die von ihrem Herkunftsland in die Schweiz importiert worden sind.» Diese Ehefrauen würden teilweise als billige Haushaltskraft benutzt und vom gesellschaftlichen Leben komplett isoliert, so Aeberhard. Bei vielen Betroffenen kommt eine Zwangsverheiratung nicht aus heiterem Himmel. In stark traditionellen Familien ist die Begrenzung der Freiheit schon früh in der Erziehung üblich. Wenn es dann um die Partnerwahl geht, steigen Druck und soziale Kontrolle. Das hat Folgen: Edita Maliqi merkte schon bald nach ihrer Flucht in die Schweiz, dass für

sie nur ein kosovarischer Ehemann infrage kommt. Ihre Familie bezeichnet sie als «nicht religiös», hingegen «sehr traditionell», weswegen Liebeshochzeiten nicht üblich seien. «Unsere kosovarischen Verwandten und Bekannten werden nicht verstehen, warum ich die geplante Ehe nicht eingehen will. Ich fürchte mich vor ihren Reaktionen.» ■ * Name geändert

Hilfe für Betroffene Bei zwangsheirat.ch erhalten Betroffene kostenlos Online- oder Telefonberatung: 021 540 00 00, www.zwangsheirat.ch Das Mädchenhaus Zürich bietet Schutz für Frauen zwischen 14 und 20 Jahren, die körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt erleben: 044 341 49 45.

Zwangsheirat Ein religionsübergreifendes Phänomen Anu Sivaganesan ist Leiterin der Kampagne zwangsheirat.ch. Neben der Begleitung von Betroffenen leistet das Pionierprojekt Aufklärungs- und Präventionsarbeit. Hier erklärt sie, wie Betroffenen geholfen werden kann.

Frau Sivaganesan, wie helfen Sie jungen Frauen und Männern, denen eine Zwangsheirat droht? Bei einem akuten Fall oder wenn Gewalt im Spiel ist, muss man ein besonderes Vorgehen wählen. Ansonsten unterstützen wir die Betroffenen grundsätzlich darin, sich schrittweise Freiheiten zu erkämpfen, damit es gar nicht erst zur Zwangsheirat kommt oder damit eine Zwangsverlobung wieder aufgelöst wird, weil die Familie einsieht, dass dies der falsche Weg ist. Damit ist allen Beteiligten gedient, und die Betroffenen müssen sich nicht von ihrer Familie lossagen. Denn das ist für sie, die sie ihre Familien ja auch lieben, oft sehr schmerzlich. Eine gemeinsame Lösung verankert Menschenrechte mitten in der Familie – und damit in der Gesellschaft. Wie kann solch eine gemeinsame Lösung aussehen? Wir hatten den Fall einer jungen kosovarischen Frau, die sich erfolgreich gegen eine Zwangsverheiratung wehrte. Die Eltern waren sehr abhängig von ihrer Tochter, weil sie die deutsche Sprache nicht beherrschten. Die Betroffene hatte mittels zusätzlicher Ausbildung Zeit bis zur bevorstehenden Heirat gewinnen können. In dieser Zeit hat sie die Abhängigkeit der Eltern dazu verwendet, mehr Freiheiten zu erreichen. Das war ein langer, schrittweiser Prozess, bei dem wir die junge Frau begleitet haben. Schliesslich gelang es ihr, die Eltern davon zu überzeugen, nicht ausschliesslich für SURPRISE 271/12

die Interessen der idealisierten, kosovarischen Gemeinschaft, sondern auch für jene ihrer Kinder zu leben. Welche Rolle spielt die Religion beim Thema Zwangsheirat? Religionen bilden keine explizite Ursache von Zwangsheiraten, sie können aber implizit wirken. Ein Beispiel: Im Islam darf eine gläubige Muslima einen Nicht-Muslim nicht heiraten. Gläubige Frauen sind damit bei der Partnerwahl automatisch auf Muslime beschränkt. Im Hinduismus ist das Heiraten ausserhalb der eigenen Kaste gemäss der heiligen Schrift Bhagavad Gita unmöglich. Wir kennen aber auch Fälle von orthodoxen Christinnen und Christen, von Aramäerinnen sowie von katholischen Roma oder Freikirchen-Angehörigen. Ist Zwangsheirat ein Indiz für eine schlechte Integration? Nicht jede Familie, die schlecht integriert ist, praktiziert Zwangsverbindungen bei ihren Kin-

BILD: ZVG

INTERVIEW: KARIN FREIERMUTH

dern. Umgekehrt gibt es auch äusserlich «gut integrierte» Familien, die ihre Kinder zwangsverheiraten. Für eine nachhaltige gesellschaftliche Integration bedarf es neben sozioökonomischen Aspekten vor allem der Achtung der Frauen- und Menschenrechte. ■

Nationalrat: Nulltoleranz bei Zwangsheirat Zwangsverheiratungen sollen in der Schweiz nicht länger toleriert werden. Der Nationalrat hat am 28. Februar sechs Gesetzesanpassungen gutgeheissen, unter anderem auch einen neuen Artikel im Strafgesetzbuch: Wer jemandem nötigt, eine Ehe einzugehen, soll mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug bestraft werden können. Gemäss den neuen Regeln werden alle Voraussetzungen für eine Eheschliessung in der Schweiz ausschliesslich nach Schweizer Recht beurteilt. Demnach werden Ehen mit Minderjährigen auch bei Ausländern nicht mehr toleriert. Im Ausland geschlossene Ehen mit Minderjährigen werden nur akzeptiert, wenn die Aufrechterhaltung der Ehe im Interesse der Minderjährigen steht. Zudem sind die Zivilstandsämter verpflichtet, Strafanzeige einzureichen, wenn sie Zwang feststellen. Die Beratungsstelle zwangsheirat.ch bedauert, dass das Rückkehrrecht oder der Opferschutz im Nationalrat nicht angenommen wurden.

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BILD: GUIDO SÜESS

Wörter von Pörtner Müssiggang Vor Kurzem habe ich die «Anleitung zum Müssiggang» gelesen, geschrieben von einem Engländer, der drei Kinder und eine Profesorenstelle hat, auf dem Land lebt und sein eigenes Gemüse anbaut. Nicht schlecht, für einen Müssiggänger. Ich habe den Müssiggang schon einmal auf diesen Seiten gelobt und Kritik geerntet. Es sei doch zynisch, solches in einem Magazin zu schreiben, das von Menschen, die keine Arbeit haben, verkauft wird. Wobei Surprise-Verkaufen ja Arbeit ist, und es weniger um die regelmässige Arbeit geht als um den damit verbundenen Verdienst, die eng daran angebundene Anerkennung und Bestätigung, an denen es Menschen mangelt, die nicht mehr in den Arbeitsprozess eingebunden sind. Tatsächlich ist es so, dass «nichts zu tun nur Spass macht, wenn man etwas zu tun hat». Etwas zu tun hat man immer, das sieht man

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an jenen, die offiziell zum Müssiggang berechtigt sind: den Rentnern. Die Pensionierten verfallen nicht in stumpfsinniges Herumhocken (Abschalten, wie es so treffend heisst, müssen nur geplagte Menschmaschinen), sondern können sich endlich im eigenen Rhythmus Tätigkeiten widmen, die ihnen Freude machen. Viele blühen auf. Das sollte nicht erst mit 65 möglich sein. Das Lob der Arbeit wird gerne von jenen gesungen, die von derjenigen der anderen profitieren. Man sieht sie an Parties, Premieren und auf Jachten, aber selten hört man, dass sich Milliardenerben und gescheiterte Banker im Keller ein Callcenter einrichten, um der süssen Arbeit zu frönen. Wer darüber klagt, viel zu tun und einen Stress zu haben, wird Verständnis ernten. «Ich muss …», klingt immer gut, auch wenn es sich dabei um selbstauferlegte Pflichten oder Tätigkeiten handelt, deren Sinn und Zweck man besser nicht infrage stellt. Darum habe ich mich sehr gefreut, als kürzlich eine Frau in einer Quizsendung sagte, sie mache eigentlich nichts. Der Mann gehe arbeiten, sie gehe mit dem Hund. Die beiden waren seit über zwanzig Jahren zusammen und sahen glücklich aus. Der Autor nennt die Nicht-müssigen die «Störer, die es nicht lassen können, sich in die Leben anderer Menschen einzumischen. Es mangelt ihnen an Fantasie, sie glauben an harte Arbeit, Ausbeutung, Heuchelei und sind die

perfekten Politiker, Bürokraten und Top-Manager.» Tatsächlich, wären die Banker im Bett geblieben, anstatt hochkomplexe Anlagederivate zu entwickeln, ginge es uns allen besser. So mancher politische Vorstoss kommt ganz offensichtlich nicht von ausgeschlafenen Menschen. Die Kosten für die Gesellschaft sind enorm, zumal die Störer schon längst von jeder Verantwortung für ihr Handeln entbunden sind und als Macher verehrt werden. Zeugnis davon liefern die Abfallberge, die Umweltprobleme, die Geistersiedlungen nach den geplatzten Immobilienblasen. Das Machen um des Machens Willen ist die Grundlage eines Systems, das an allen Ecken und Enden bröckelt. Es gibt jedoch Hoffungsschimmer: Seit Kurzem druckt eine grosse Tageszeitung täglich ein Gedicht und man spricht vermehrt von Entschleunigung. Allerdings ist der Weg dahin weit. In Paris war es in den 1830er-Jahren Mode, eine Schildkröte spazieren zu führen. Gute Ideen gedeihen mitunter langsam. Und gute Ideen haben wir nötiger denn je.

STEPHAN PÖRTNER (STPOERTNER@LYCOS.COM) ILLUSTRATION: MILENA SCHÄRER (MILENA.SCHAERER@GMX.CH) SURPRISE 271/12


Musikbusiness Gratis hören, teuer sehen Weil Aufnahmen kaum noch Einnahmen bringen, verlangen Bands immer mehr Geld für Konzerte. Beim Branchentreff m4music diskutieren Veranstalter wie Daniel «Duex» Fontana die Folgen – bevor abends die angesagtesten Bands der Saison aufspielen.

Die Jagd nach Billigprodukten ist eigentlich nicht des Schweizers Ding. Zumindest nicht, wenn es darum geht, was auf den Tisch kommt. Der Konsument isst mit dem Bewusstsein: Qualität hat seinen Preis, heimische Kost sowieso. Beim Ohrenschmaus funktioniert das Denken jedoch andersrum. «Ich bin doch nicht blöd!», ruft der Konsument und zieht sich aus dem Internet gratis runter, was geht (ob es gefällt, kann man ja später entscheiden). Was in anderen Ländern verboten ist, darf man in der Schweiz ungesühnt. Wem Gewissensbisse den Genuss verderben, nutzt neuerdings sogenannte Streamingdienste wie Spotify, die im Internet Millionen von Songs zum Anhören anbieten. Der schwedische Stream-Discounter Spotify verspricht zwar, die Musiker mit Abgaben pro Stream zu entschädigen, doch bezahlt Ikea Chinas SweatShop-Arbeitern bestimmt bessere Löhne. Die Künstler bekommen pro Song-Stream den Bruchteil eines Rappens. Was genau, veröffentlicht Spotify nicht und ist Verhandlungssache der Labels. Die Kleinen bekommen dabei schlechtere Konditionen geboten. Doch selbst Lady Gaga vom Label-Giganten Universal bekam für eine Million Streams von «Poker Face» gemäss Presse nur 167 Dollar ausbezahlt. Schlecht gepokert oder ziemlich gaga, das System. Wäre Spotify ein Feigenblatt, den Scham-String hätte nicht mal Erotikmodel Micaela Schäfer im Dschungelcamp getragen. Die Panel-Diskussion über Schande und Chancen von Musikstreamdiensten ist nur eine von vielen während des m4music Festivals. Bei «Clubsterben oder alles Schall und Rauch?» geht es um Dezibellimit, Zigarettenbann und andere Gesetzvorlagen, die der Schweizer Clublandschaft drohen, den Garaus zu machen. «Festivals unter Druck» handelt davon, dass nicht nur die Dichte der Schweizer Festivals zunimmt, sondern auch die Gagenforderungen der Bands exorbitant steigen. Irgendwo müssen sie die fehlenden Tonträgereinnahmen ja kompensieren. «Angesagte Dubstep-Acts verlangen locker 50 000 Franken, obwohl sie hierzulande nur eine Randgruppe von 300 Freaks anziehen», beschreibt Daniel «Duex» Fontana die Situation. Der Organisator der legendären Bad Bonn Kilbi überrascht immer wieder mit einem exklusivem Line-up für das mit 2000 Besuchern doch recht intime Festival. So spielten 2009 Sonic Youth und letztes Jahr die Queens Of The Stone Age in der Freiburger Provinz. «Das waren Glücksfälle», meint Fontana dazu. Die Bands haben zugesagt, da sie die Kilbi bereits bespielten, als sie noch nicht Szene-Götter waren. «Doch wenn ein Festival für das Wochenende darauf die fünffache Gage bietet, ist der Sympathie-Bonus weg», so Fontana. Schwarze Wolken über dem Festivalhimmel prognostiziert auch Michael Eavis, Gründer des legendären Glastonbury Festivals. Seit 42 Jahren im Business ist Eavis neben «Ringtone Vater» Ralph Simon oder MoSURPRISE 271/12

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VON OLIVIER JOLIAT

Ein Herz für Livemusik: Jesse Hughes von Boots Electric.

tor-Music-Geschäftsführer Tim Renner eine weitere Szenekoryphäe, die am m4music aus dem Nähkästchen plaudern werden. Das «Conference»-Programm über Zustand und Zukunft des Musikbusiness ist, obwohl qualitativ hochwertig, gratis. Wer den Kopf abends mit Live-Musik lüften will, muss aber, wie nachmittags gelernt, zahlen. ■

Schweiz das neue Schweden? Die hohe Dichte an Schweizer Bands am 15. m4music erklärt sich nicht nur mit dem Kulturauftrag des Festivals. Bands wie die Pop-Künstler The Bianca Story oder das säuselnde Frauenduo Boy werden im Ausland als die Überraschung der Saison gefeiert. Die internationale Fachpresse kürte die Schweiz schon zum neuen Schweden, das nach den USA und England drittgrösste Musikexportnation ist. Bei den internationalen Künstlern ragen zwei Charakterköpfe raus, die beide schon mit Wüstenrocker Josh Homme musizierten, doch so unterschiedlich sind wie Heroin und Amphetamine. Da wäre Mark Lanegan, die abgrundtiefe Stimme der Düsternis und Verdammnis. Nach Kollaborationen mit den Queens Of The Stone Age, Isobel Campbell oder Soulsavers ist er endlich wieder mit eigener Band und dem neuem Album «Blues Funeral» unterwegs. Als Gegensatz dazu hüpft Jesse Hughes (Bild) erstmals mit seinem Soloprojekt Boots Electric auf einer Schweizer Bühne. Mal sehen, ob der Obermacker der Pornorocker Eagles of Death Metal auch als Sequenzer-Popper überzeugt. Spass macht das bestimmt.

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Kulturtipps

Da geht einem ein Licht auf: 365 Hintergründe zu Erfindungen.

Marilyn Monroe, inkarniert als Wetterfee im französischen Jura.

Buch Wer hats erfunden?

Kino Marilyn auf dem Lande

365 Kürzestgeschichten über ebenso viele Geistesblitze entführen uns in die Welt von Daniel Düsentrieb und Co.

«Poupoupidou» erzählt die Geschichte eines Schriftstellers, der dank einer schönen Toten im Schnee zur Inspiration zurückfindet. Eine Krimikomödie der leichtfüssigen Variante.

VON CHRISTOPHER ZIMMER VON MICHAEL GASSER

Die Zivilisation ist uns längst zur zweiten Natur geworden. Dass dies so ist, dafür sorgen ungezählte Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten, die unseren Alltag vereinfachen, verschönern und versüssen. Sei dies lebenserleichternd wie der Toaster, lebensrettend wie der Herzschrittmacher oder lebenssteigernd wie die Modedroge Ecstasy. Solche und andere Errungenschaften sind scheinbar Selbstverständlichkeiten. Kaum dass wir einen Gedanken an sie verschwenden. Und doch steckt dahinter immer auch eine Geschichte, der nachzugehen sich lohnt. Hans-Martin Bürki-Spycher hat dies des Längeren in seiner Kolumne «Zeitreise» in der Zeitschrift «Schweizer Familie» getan – und diese Kürzestgeschichten nun in ein handliches Büchlein verpackt, das überall Platz findet: im Hosensack, auf Reisen oder auf dem stillen Örtchen. Der Begriff «Zeitreise» ist durchaus angebracht: Immerhin umfasst dieses kleine Kompendium eine 9000-jährige Geschichte der Geistesblitze – von der Erfindung des Biers in Mesopotamien 7000 vor Christi Geburt bis zum Internet-Siegeszug des Dating-Programms Doodle im Jahre 2003. Oder wers gerne alphabetisch hat: Bürki spannt den Bogen von A wie Abhörwanze bis Z wie Zwiebelhacker – Zick Zick Zyliss! Ja, auch der helvetische Erfindergeist kommt nicht zu kurz. Was dabei zusammengefunden hat, ist mehr als nur eine amüsante Anekdotensammlung. Nicht jede Erfindung ist eine Erfolgsgeschichte. Zumindest nicht immer für den, der die zündende Idee hatte. Wer etwa nicht rechtzeitig an die Patentierung dachte, musste zusehen, wie andere sich eine goldene Nase verdienten. Manchmal brachte erst eine Marketingidee den Durchbruch, wie der beschönigende Begriff Hakle für das Tabuprodukt Klopapier. Oder ein Sesam-Öffne-Dich wie der Dosenöffner zur Dose. Die nämlich musste erst lange mühsam und unter Gefahr für Leib und Leben mit Hammer und Meissel aufgestemmt werden. Vom Banalen und doch so Genialen (Büroklammer) über das Abgefahrene (LSD) bis zum Beflügelnden (Viagra) blättert man sich Seite um Seite von Geschichte zu Geschichte, jede spannend und erhellend, nicht wenige ein Aha-Erlebnis. Das hat so viel Suchtpotenzial, dass einem unweigerlich der Gedanke durch den Kopf blitzt: Gäbe es dieses Büchlein nicht, müsste man es erfinden. Hans-Martin Bürki-Spycher: «365 Erfinder». Echtzeit Verlag 2012. 34.00 CHF.

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Anfänglich habe er die Idee seines Films selbst nicht so richtig gekannt, gibt Regisseur Gérald Hustache-Mathieu zu. Gewusst habe er einzig, dass sich sein Werk um David Rousseau (Jean-Paul Rouve), einen deprimierten Verfasser billiger Krimis, drehen solle. In der Hoffnung auf eine Erbschaft macht sich dieser in Richtung Jura auf, ins verschneite Niemandsland zwischen Frankreich und der Schweiz. Statt dem erhofften Geld erbt Rousseau allerdings bloss einen ausgestopften Hund und ist gedanklich bereits auf dem Heimweg, als er an einem Polizeiwagen und einer Toten vorbeifährt. Worauf der Schriftsteller die Inspiration wieder in sich aufglimmen fühlt, sich drum in Mouthe, dem kältesten Ort Frankreichs, einrichtet und zu recherchieren beginnt. Hat die Wetterfee und Dorfschönheit Candice Lecoeur (Sophie Quinton) wirklich Selbstmord begangen? Um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, stapft Rosseau lauschend durch den Schnee, bricht in die Wohnung der Toten ein und schafft es gar, bis zur Leiche selbst vorzudringen. Bald schon ist der Schriftsteller davon überzeugt, dass Lecoeur, die sich zu Lebzeiten als Wiedergeburt von Marilyn Monroe fühlte und inszenierte, umgebracht wurde. Gleichwohl ist «Poupoupidou» alles andere als ein klassischer Krimi. Dazu betont der charmante Streifen das Leichtfüssige zu bewusst. Obwohl sich das Ganze im Hier und Jetzt abspielt, wird am TV die Apollo-Landung gezeigt, was zum Ausdruck bringen soll: Mouthe ist ewig gestern. Während die Dorffriseuse, ganz dem Klischee entsprechend, für den grossen Klatsch besorgt ist, wird die Hotelangestellte, die es auf den Antihelden Rousseau abgesehen hat, als tollpatschig überzeichnet. Regisseur Hustache-Mathieu will keine dunklen Abgründe ausloten, sondern den komödiantischen Elementen und Filmzitaten frönen. So darf etwa ein Halbnackter, wie bei «Amacord» von Fellini, auf einem Baum nach einer Frau schreien oder die Eiseskälte, wie bei «Fargo» der Gebrüder Coen, eine tragende Rolle spielen. Im Herzen ist «Poupoupidou» aber vor allem eine kleine Liebesgeschichte zwischen Lecoeur und Rousseau, einzig verhindert durch den Tod. Gérald Hustache-Mathieu: «Poupoupidou», Frankreich 2011, 92 Min., mit Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton, Guillaume Gouix u. a. Der Film läuft zurzeit in den Deutschschweizer Kinos.

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BILD (AUSSCHNITT): DIANE ARBUS, IDENTICAL TWINS, ROSELLE, N.J. 1967, © THE ESTATE OF DIANE ARBUS

Die 25 positiven Firmen Diese Rubrik ruft Firmen und Institutionen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Einige haben dies schon getan, indem sie dem Strassenmagazin Surprise mindestens 500 Franken gespendet haben. Damit helfen sie, Menschen in prekären Lebensumständen eine Arbeitsmöglichkeit zu geben und sie auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten. Gehört Ihr Betrieb auch dazu? Die Spielregeln sind einfach: 25 Firmen werden jeweils aufgelistet, sind es mehr, fällt jener Betrieb heraus, der am längsten dabei ist.

Die Zwillinge sind zur Ikone geworden – auch in «The Shining» tauchen sie auf.

Ausstellung Das andere Gesicht Amerikas Menschen am Rande der Gesellschaft stehen im Werk der amerikanischen Fotografin Diane Arbus im Mittelpunkt. Das Fotomuseum Winterthur widmet der New Yorkerin eine Retrospektive. VON SARAH STÄHLI

Männer, die aussehen wie Frauen, dicht behaarte weibliche Schönheiten, kleine Jungs, die rauchen wie alte Männer, und ein Sohn, der seine Eltern um mindestens fünf Köpfe überragt: Die ikonischen SchwarzWeiss-Fotografien der grossen amerikanischen Fotografin Diane Arbus (1923–1971) sind bevölkert von Zirkusfreaks, Zwergwüchsigen, Transvestiten und Dominas; die Grenzen zwischen den Geschlechtern sind auf ihren Bildern oft nur zu erahnen. Aufgenommen wurden die Fotografien zum grössten Teil in New York, der Stadt der Extreme mit einem Herz für Randständige und Exzentriker. Die Fotografin hat ihre Sujets auf abgehalfterten Jahrmärkten, in zwielichtigen Nachtclubs oder in seltsam spiessig anmutenden Nudistencamps ausfindig gemacht. Ihr wohl bekanntestes Bild ist ein Porträt eineiiger, identisch gekleideter Zwillingsmädchen – Regisseur Stanley Kubrick zollte dem Bild in seinem Film «The Shining» Tribut. Arbus, aufgewachsen in einer wohlhabenden jüdisch-russischen Familie, wirft in ihren Bildern einen liebevollen Blick auf die Andersartigkeiten ihrer Mitmenschen. Ob schwer übergewichtig oder hermaphroditisch: Ihre Bilder wirken nie voyeuristisch, sondern sind geprägt von grossem Respekt, von Neugier und Menschenliebe. Im Ausstellungskatalog wird Arbus mit folgender Aussage zitiert, die ihre Arbeit treffend charakterisiert: «Wenn man jemanden auf der Strasse sieht, fällt einem doch als Erstes ins Auge, was an dieser Person nicht stimmt. Ich liebe die Verschiedenheit, die Einzigartigkeit. Ich sehe das Göttliche in den gewöhnlichen Dingen.» Das Fotomuseum Winterthur zeigt in der ersten schweizerischen Retrospektive eine Auswahl von 200 teils unveröffentlichten Bildern und verzichtet ganz auf chronologische und thematische Ordnung oder Kommentare, was jedem Besucher einen ganz persönlichen Zugang erlaubt. Die eindrücklichsten Werke finden sich im letzten Raum: Die späte Serie «Untitled», die Arbus kurz vor ihrem Freitod 1971 geschaffen hat, zeigt Patienten einer psychiatrischen Klinik, die sich für Halloween verkleidet haben, auf einer Wiese turnen oder selbstbewusst für die Kamera posieren. Diane Arbus hat diese Menschen in unglaublich poetischen und berührenden Bildern würdevoll eingefangen.

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Velo-Oase Bestgen, Baar

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Arbeitssicherheit Zehnder GmbH, Otterbach

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fast4meter, storytelling, Bern

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Streib. Outplacement., Basel

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Scherrer & Partner GmbH, Basel

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Brockenstube des Reformierten Frauenvereins Aesch-Pfeffingen

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Klinik Sonnenhalde AG, Riehen

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Schweiz. Tropen- und Public Health-Institut, BS

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Migros Zürich, Kulturprozent

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Psychiatrische Dienste Aargau AG (PDAG)

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Locher, Schwittay Gebäudetechnik GmbH, BS

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Weingut Rütihof, Uerikon

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AnyWeb AG, Zürich

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Niederer, Kraft & Frey, Zürich

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Musikschule archemusia, Basel

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Paulus-Akademie Zürich

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Anne Hoffmann Graphic Design, Zürich

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Thommen ASIC-Design, Zürich

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BEVBE Ingenieurbüro, Bonstetten

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homegate AG, Adliswil

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ratatat – freies Kreativteam

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Kaiser Software GmbH, Bern

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bölsterli hitz gmbh, 8005 Zürich

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www.rechenschwaeche.ch

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Philip Maloney, Privatdetektiv

Möchten Sie bei den positiven Firmen aufgelistet werden? Mit einer Spende von mindestens 500 Franken sind Sie dabei! PC-Konto: 12-551455-3, Verein Strassenmagazin Surprise, 4051 Basel Zahlungszweck: Positive Firma + Ihr gewünschter Eintrag. Wir schicken Ihnen eine Bestätigung.

«Diane Arbus», Fotomuseum Winterthur, Grüzenstrasse 44/45, noch bis am 28. Mai. www.fotomuseum.ch 271/12 SURPRISE 271/12

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Auf der Flucht? Unterwegs im Claudia-Güdel-Kleidchen.

Basel Jagd im Kleinbasel

Gleich krachts: Cowboys From Hell.

Die Veteranen laden zum Tanz: Shilf.

Auf Tour Western von Jazzern

Basel Stelldichein der Szene

Es gibt Musikliebhaber, die gehen ähnlich begeistert an Jazzkonzerte wie zum Zahnarzt. Umgekehrt können Jazzfans Gelegenheitsbesucher mit ihrem Expertengerede ganz schön einschüchtern. Friedlich vereint findet man beide Fraktionen bei den Cowboys From Hell. Ihre Mixtur von Frank Zappa über Funk und Metal bis zu Electro sprengt Genres und Vorurteile. Zudem spielen Christoph Irniger (Sax), Bassist Marco Blöchlinger und Chrigel Bosshard an der Schiessbude so stürmisch und brachial, dass Dummschwätzer das eigene Wort nicht mehr verstehen. Ein Yeehaw dem Western von Jazzern. (ash)

Ein bisschen Pech hat die BScene ja schon. Aufgrund unglücklicher Terminkollisionen findet das Basler Musikfestival schon zum zweiten Mal parallel zum schweizweit grössten Branchentreff m4music (siehe S. 23) statt. Daher werden nur wenige Auswärtige den Weg ans Rheinknie finden, was doppelt schade ist: Den Bands fehlt das Publikum aus der Restschweiz und dem entgeht umgekehrt die Gelegenheit, die Basler Szene in ihrer ganzen Breite zu entdecken. Und was es da vom Bird’s Eye bis zur Kuppel, von der 8bar bis zum Goldenen Fass zu entdecken gibt! Nirgends in der Schweiz ist die Dichte an eigenständigen Bands mit internationalem Potenzial so gross. Neben bestens eingeführten Namen à la Anna Aaron, Brandhärd und Kalles Kaviar präsentieren sich auch Bands auf dem Sprung wie We Invented Paris, We Loyal und Christopher Christopher. Zudem bietet BScene eine der raren Gelegenheiten zum Konzertbesuch der Veteranen von Shilf, die letztes Jahr mit dem Album «Walter» sich und das Americana-Genre neu definierten. (ash)

17. März, 20.30 Uhr, Zak, Jona; 22. März, 20.30 Uhr,

Blickfang, die Designmesse für Möbel, Mode und Schmuck, wurde vor 20 Jahren in Stuttgart geboren. Unterdessen gibt es sie auch in Wien, Kopenhagen, Hamburg – und seit drei Jahren auch in Basel. Eine internationale Sache also, 110 Aussteller aus den Bereichen Möbel, Leuchten, Wohnaccessoires, Mode und Schmuck sind vertreten. Da ist es umso schöner, dass auch das Kleine, Lokale Platz hat: der Verein «Reh4». Über 30 Ladenlokale, Galerien und weitere kreative Köpfe haben sich vor sechs Jahren zusammengeschlossen. Das Ziel: die Förderung ihres Reviers, will heissen, des Kleinbasels. Und so bietet der «Reh4 Schwarzmarkt» an der Blickfang Einblick in das Schaffen der Kleinbasler Avantgarde. Ein Markt der Unikate. Ein Revier für Jäger und Sammler. (dif)

BILD: ZVG

BILD: FRANCESCA PFEFFER

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Ausgehtipps

Grabenhalle, St. Gallen; 23. März 21 Uhr, Chäsi, Gysenstein; 25. März Bee-Flat/Progr, Bern; 30. März, 21 Uhr, Chollerhalle, Zug; 31. März, 20.30, Komtureibeiz, Tobel.

BScene, 23. und 24. März, verschiedene Lokale, Basel. www.bscene.ch

Anzeigen:

Blickfang, 23. bis 25. März: Fr 14 bis 22 Uhr, Sa 11 bis 21 Uhr, So 11 bis 19 Uhr, E-Halle, Erlenmattstrasse 7–11, Basel, www.blickfang.com

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BILD (PLAKAT): CLAUDE KUHN

BILD: ZVG

Auf den Spuren Hergés: Yves Chaland, früh verstorbener Meister der Ligne Claire.

Eine importierte Erdbeeren-Nase – ja, hats dem Mann ins Hirn geschneit?

Luzern Zeichner ohne Grenzen

Bern Sexy Umweltschutz

Der Comic ist eine Kunstform, die hierzulande nicht recht ernst genommen wird – ausser am Fumetto in Luzern, dem internationalen ComicFestival, das heuer die 21. Ausgabe erlebt. Mit den Franzosen Yves Chaland und Serge Clerc präsentiert das Festival zwei Künstler, die in den 1980er-Jahren entscheidend zur Revitalisierung des klassischen frankobelgischen Comics beitrugen. Sie haben die Ligne Claire weiterverfolgt, den Zeichenstil mit den klaren Konturen und flächigen Farbgebung, den man von Hergé kennt («Tim und Struppi»). Während Chaland früh verstorben ist, wird Serge Clerc als Artist in Residence vor Ort zeichnen. Der Belgier François Olislaeger wiederum besuchte Projekte der Médecins Sans Frontières in Swasiland, einem Land mit einer der höchsten HIV-Verbreitungsraten weltweit. In einem offenen Atelier hält er seine Erfahrungen mittels Comic-Reportage fest. Und zeigt, wieviel politisches Potenzial und welche dokumentarische Ausdruckskraft Bildergeschichten zu bieten haben. (dif)

Oft wird beklagt, dass wir es nicht schaffen, unser Klima zu retten, weil das Thema einfach nicht sexy genug ist. Nun, das Naturhistorische Museum Bern nimmt einen neuen Anlauf, der sich sehen lässt! Folgende unstylishe Fragen hatten sich die Ausstellungsmacher vorgenommen: Wohin führt der stetig wachsende Bedarf an Energie? Welche Risiken wollen wir eingehen und wer bezahlt die Rechnung dafür? Und wie stellen wir uns das künftige Nebeneinander von Mensch und Natur vor? Die Präsentation dieser Fragen plus Infos zum Thema steckten sie ins Kleid einer Shopping Mall. Mit Fashion Store, Multimedia-Abteilung, Zoohandlung und was sonst noch alles dazugehört. Sie finden Einkaufszentren nicht sexy? Dann macht Sie vielleicht der eigens produzierte und in der Ausstellung gezeigte Trickfilm «Planet der Ziemlichschlauen» an: Geschrieben wurde er von Balts Nill, Ex-Stiller-Hase und Alt-Redenschreiber von Moritz Leuenberger, die Stimme kommt von Michael Schacht, alias Philip Maloney, und die Musik steuerten Balts Nill und KontrabassRomantiker Mich Gerber bei. Na, wenn das kein hübsches Kleid für das hässliche Kind Umweltschutz ist! (fer)

Fumetto, 24. März bis 1. April, täglich von 10 bis 20 Uhr, verschiedene Veranstaltungsorte, Festivalzentrum, Kornschütte, Luzern, www.fumetto.ch

Ausstellung «Erdbeeren im Winter – ein Klimamärchen», noch bis 12. August 2012, Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern, Bernastrasse 15, Bern.

Anzeige:

— www.theater-basel.ch, Tel. +41/(0)61-295 11 33 — SURPRISE 271/12

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Verkäuferporträt «Wohin sollten wir denn zurückkehren?» Kibrom Mesfun (51) wohnt mit seiner Familie seit mehr als zwölf Jahren in der Schweiz, seit fast acht Jahren verkauft er Surprise in Thun. Zwei seiner Kinder arbeiten, die jüngeren zwei haben hingegen grosse Mühe, eine Lehrstelle zu finden – denn sie haben noch immer Flüchtlingsstatus.

«Meine Familie und ich mussten vor 14 Jahren von einem Tag auf den andern aus Äthiopien flüchten, weil wir als Eritreer massiv bedroht wurden. Früher war Eritrea ja eine Provinz von Äthiopien, als Eritrea 1993 jedoch unabhängig wurde, fingen die Probleme an. Die Äthiopier wollten uns loswerden. Dank dem Geld, das ich als Geschäftsmann mit dem Handel von Schmuck und Kleidern verdient hatte, konnten wir nach Kenia und später in die Schweiz flüchten. 1999 kamen wir in Genf an. Von dort aus wurden wir zuerst nach Chiasso gebracht, dann in eine Flüchtlingsunterkunft in Zollikofen. Mittlerweile wohnen wir seit zwölf Jahren in Thun. Während andere Flüchtlingsfamilien rund um uns nach und nach die Aufenthaltsbewilligung B oder C erhalten haben, warten wir immer noch. Ich frage: Wieso haben Kibrom und seine Familie seit zwölf Jahren F? Ich verstehe nicht, weshalb die F-Bewilligung, für vorläufig aufgenommene Flüchtlinge, nicht endlich umgewandelt wird. Wohin sollten wir denn zurückkehren? Wir können weder nach Eritrea noch nach Äthiopien gehen. Dazu kommt, dass meine Frau, unsere sechs Kinder – drei Mädchen und drei Buben im Alter von elf bis 23 – und ich in der Zwischenzeit hier in der Schweiz integriert sind. Meine beiden ältesten Kinder konnten zum Glück eine Lehre machen und arbeiten heute als Spengler und am Hotelempfang. Doch die mittleren beiden suchen gerade eine Lehrstelle als Automechaniker beziehungsweise Pharmaassistentin. Der F-Ausweis macht das schwierig. Kleinere Probleme gibt es auch im Alltag: Bei Swisscom oder Sunrise bekommen wir mit dem F-Status zum Beispiel gewisse Karten nicht. Ich muss sagen, an solche Sachen habe ich mich auch nach zwölf Jahren noch nicht gewöhnt. Aber natürlich erlebe ich auch viel Positives. Über einen Kollegen habe ich vor eineinhalb Jahren eine 50-Prozent-Stelle gefunden in der Konzepthalle 6. In dieser ehemaligen Fabrikhalle auf dem Thuner SelveAreal finden Konzerte, Filmvorführungen und Theatervorstellungen statt. Die Räume kann man auch mieten für Feste und Konferenzen. Ich arbeite dort als Allrounder, oft am Abend, wenn Konzerte stattfinden. Mit dem Verkauf von Surprise habe ich im Juli 2004 angefangen. Das heisst, diesen Sommer werden es acht Jahre sein. Auch mit der Festanstellung in der Konzepthalle 6 bin ich noch immer jeden Tag, ausser sonntags, ein paar Stunden am Bahnhof oder in der Innenstadt von Thun am Hefte-Verkaufen. Durch Surprise sowie durch meine langjährige Tätigkeit als sogenannter Bahnhofspate am Bahnhof Thun kennt mich fast die ganze Stadt. Die Leute haben mich auch schon unterwegs angesprochen, zum Beispiel im Wallis oder einmal in Basel. Dort fragte

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BILD: FREDI MAURER

AUFGEZEICHNET VON ISABEL MOSIMANN

eine Frau: ‹Woher kenne ich Sie? Ah ja, Sie sind doch Surprise-Verkäufer in Thun!› Meine Frau arbeitet übrigens auch. Sie hilft in einem Integrationsprojekt der Caritas mit, bei dem sie Migrantenfamilien und ihre Kinder besuchen. Zudem übersetzt sie manchmal für die Gemeinde. Viel verdienen kann sie damit allerdings nicht. Was für Arbeitsstellen und Möglichkeiten hätten wir beide wohl, wenn wir schon vor Jahren die B- oder sogar C-Bewilligung bekommen hätten? Ich denke, wir müssten nicht mehr vom Sozialamt unterstützt werden und könnten unseren Lebensunterhalt alleine finanzieren.» ■ SURPRISE 271/12


Eine Chance für alle! Werden Sie Surprise-Götti oder -Gotte Surprise kümmert sich um Menschen, die weniger Glück im Leben hatten als andere. Menschen, die sich aber wieder aufgerappelt haben und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen wollen. Mit dem Verkauf des Strassenmagazins Surprise überwinden sie ihre soziale Isolation. Ihr Alltag bekommt Struktur und wieder einen Sinn. Sie gewinnen neue Selbstachtung und erarbeiten sich aus eigener Kraft einen kleinen Verdienst. Die Surprise-Strassenverkäuferinnen und -verkäufer helfen sich

Wolfgang Kreibich Basel

Ausserdem im Programm SurPlus: Marika Jonuzi, Basel Fatima Keranovic, Baselland Bob Ekoevi Koulekpato, Basel

selber. Das verdient Respekt und Unterstützung. Regelmässige Verkaufende werden von Surprise gezielt unterstützt. Die Teilnehmer am Programm SurPlus sind sozial abgesichert (Ferien, Krankheit). Mit der Programmteilnahme übernehmen die Surprise-Verkaufenden mehr Verantwortung; eine wesentliche Voraussetzung dafür, wieder fit für die Welt und den Arbeitsmarkt zu werden.

Josiane Graner Basel

René Senn Zürich

Jovanka Rogger, Zürich Jela Veraguth, Zürich Kurt Brügger, Basel Anja Uehlinger, Baden

Andreas Ammann, Bern Marlies Dietiker, Olten Tatjana Georgievska, Basel Peter Gamma, Basel

Ja, ich werde Götti/Gotte von: 1 Jahr: 6000 Franken

1/2 Jahr: 3000 Franken

1/4 Jahr: 1500 Franken

Vorname, Name

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PLZ, Ort

Datum, Unterschrift

1 Monat: 500 Franken

271/12 Talon bitte senden oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch, PC-Konto 12-551455-3 SURPRISE 271/12

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Surprise ist: Hilfe zur Selbsthilfe Surprise hilft seit 1997 Menschen in sozialen Schwierigkeiten. Mit Programmen in den Bereichen Beschäftigung, Sport und Kultur fördert Surprise die soziale Selbständigkeit. Surprise hilft bei der Integration in den Arbeitsmarkt, bei der Klärung der Wohnsituation, bei den ersten Schritten raus aus der Schuldenfalle und entlastet so die Schweizer Sozialwerke.

Ich möchte Surprise abonnieren!

Eine Stimme für Benachteiligte Surprise verleiht von Armut und sozialer Benachteiligung betroffenen Menschen eine Stimme und sensibilisiert die Öffentlichkeit für ihre Anliegen. Surprise beteiligt sich am Wandel der Gesellschaft und bezieht Stellung für soziale Gerechtigkeit. Strassenmagazin und Strassenverkauf Surprise gibt das vierzehntäglich erscheinende Strassenmagazin Surprise heraus. Dieses wird von einer professionellen Redaktion produziert, die auf ein Netz von qualifizierten Berufsjournalistinnen, Fotografen und Illustratorinnen zählen kann. Das Magazin wird fast ausschliesslich auf der Strasse verkauft. Rund dreihundert Menschen in der deutschen Schweiz, denen der Arbeitsmarkt verschlossen bleibt, erhalten damit eine Tagesstruktur, verdienen eigenes Geld und gewinnen neues Selbstvertrauen.

24 Ausgaben zum Preis von CHF 189.– (Europa: CHF 229.– ) (Verpackung und Versand bieten StrassenverkäuferInnen ein zusätzliches Einkommen.) Gönner-Abo für CHF 260.–

Geschenkabonnement für: Vorname, Name

Sport und Kultur Surprise fördert die Integration auch mit Sport. In der Surprise Strassenfussball-Liga trainieren und spielen Teams aus der ganzen deutschen Schweiz regelmässig Fussball und kämpfen um den Schweizermeister-Titel sowie um die Teilnahme an den Weltmeisterschaften für sozial benachteiligte Menschen. Seit 2009 hat Surprise einen eigenen Chor. Gemeinsames Singen und öffentliche Auftritte ermöglichen Kontakte, Glücksmomente und Erfolgserlebnisse für Menschen, denen der gesellschaftliche Anschluss sonst erschwert ist. Finanzierung, Organisation und internationale Vernetzung Surprise ist unabhängig und erhält keine staatlichen Gelder. Das Strassenmagazin wird mit dem Erlös aus dem Heftverkauf und mit Inseraten finanziert. Für alle anderen Angebote wie die Betreuung der Verkaufenden, die Sportund Kulturprogramme ist Surprise auf Spenden, auf Sponsoren und Zuwendungen von Stiftungen angewiesen. Surprise ist eine nicht gewinnorientierte soziale Institution. Die Geschäfte werden von der Strassenmagazin Surprise GmbH geführt, die vom gemeinnützigen Verein Strassenmagazin Surprise kontrolliert wird. Surprise ist führendes Mitglied des Internationalen Netzwerkes der Strassenzeitungen (INSP) mit Sitz in Glasgow, Schottland. Derzeit gehören dem Verband über 100 Strassenzeitungen in 40 Ländern an.

Strasse Impressum PLZ, Ort

Rechnungsadresse: Vorname, Name

Strasse

PLZ, Ort

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Datum, Unterschrift 271/12 Bitte heraustrennen und schicken oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch

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Herausgeber Strassenmagazin Surprise GmbH, Postfach, 4003 Basel www.strassenmagazin.ch Öffnungszeiten Sekretariat 9 – 12 Uhr, Mo – Do T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99 info@strassenmagazin.ch Geschäftsführung Paola Gallo (Geschäftsleiterin), Sybille Roter (stv. GL) Anzeigenverkauf T +41 61 564 90 90, M +41 76 325 10 60 anzeigen@strassenmagazin.ch Redaktion T +41 61 564 90 70, F +41 61 564 90 99 Reto Aschwanden, Florian Blumer (Nummernverantwortlicher), Diana Frei redaktion@strassenmagazin.ch Ständige Mitarbeit texakt.ch (Korrektorat), Yvonne Kunz, Delia Lenoir, Irene Meier, Stephan Pörtner, Milena Schärer, Priska Wenger, Christopher Zimmer Mitarbeitende dieser Ausgabe Annette Boutellier, Luca Christen, Gabriela Domeisen, Karin Freiermuth, Michael Gasser, Natalie Gyöngyösi, Olivier Joliat, Isabel Mosimann, Patric Sandri, Roland Soldi, Sarah Stähli Gestaltung WOMM Werbeagentur AG, Basel Druck AVD Goldach Auflage 15000, Abonnemente CHF 189.–, 24 Ex./Jahr Marketing, Fundraising T +41 61 564 90 61

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Eigenes Verkaufsgebiet für

Manager Wer Surprise verkauft, ist sein eigener Chef. Und verdient pro verkauftes Strassenmagazin zwei Franken siebzig bar auf die Hand. Startkapital abholen und sofort loslegen. Informationen gibt es hier:

In der Region Bern: Pappelweg 21, 3013 Bern T 031 332 53 93 oder 079 389 78 02 bern@strassenmagazin.ch In der Region Basel: Spalentorweg 20, 4051 Basel T 061 564 90 83 oder 079 428 97 27 basel@strassenmagazin.ch

Aussendienstmitarbeiter Wer Surprise verkauft, hat seinen eigenen exklusiven Verkaufsstandort. Und verdient pro verkauftes Strassenmagazin zwei Franken siebzig bar auf die Hand. Startkapital abholen und sofort loslegen. Informationen gibt es hier:

In der Region Zürich und Luzern: Engelstrasse 64, 8004 Zürich T 044 242 72 11 oder 079 636 46 12 zuerich@strassenmagazin.ch

In der Region Bern: Pappelweg 21, 3013 Bern T 031 332 53 93 oder 079 389 78 02 bern@strassenmagazin.ch

In der Region Zürich und Luzern: Engelstrasse 64, 8004 Zürich T 044 242 72 11 oder 079 636 46 12 zuerich@strassenmagazin.ch

www.strassenmagazin.ch

In der Region Basel: Spalentorweg 20, 4051 Basel T 061 564 90 83 oder 079 428 97 27 basel@strassenmagazin.ch

www.strassenmagazin.ch

Ist gut. Kaufen! Wer etwas verkauft, braucht Geld. Schlichte Wahrheit – gute Sache. Denn 50 Prozent des Verkaufspreises kommt Surprise zugute. Alle Preise exkl. Versandkosten.

Surprise Zeitungs-Taschen (34 x 36 cm); CHF 37.50 neon-orange schwarz

Surprise City-Taschen (24,5 x 35,5 cm); CHF 40.– rot blau schwarz

Vorname, Name

Telefon

Strasse

E-Mail

PLZ, Ort

Datum, Unterschrift

Surprise Rucksäcke (32 x 40 cm); CHF 89.– schwarz rot

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*gemäss Basic 2008-2. Seite bitteMACH heraustrennen und schicken oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch SURPRISE 271/12

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Von Aarberg bis Zuoz. Surprise gibt es beim Strassenhändler Ihres Vertrauens. Oder im Abo per Post.

24 Ausgaben für 189 Franken oder als Gönner-Abo für 260 Franken. Gutes lesen, Gutes tun und gleich bestellen! www.strassenmagazin.ch, www.strassensport.ch, Spendenkonto PC 12-551455-3 Strassenmagazin Surprise, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99


Surprise Strassenmagazin 271/12