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Sudetendeutsche Zeitung 4. März 2022 Ausgabe 9

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Pavel Novotny: „ Putins Ukraine-Krieg erinnert mich an Prag 1968“

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 74 | Folge 9 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 4. März 2022

VOLKSBOTE

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Wladimir Putin

Schulhof der Weltgeschichte Von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe Wladimir Putin hält die Welt in Atem. Gleichzeitig bespielte er mit Chinas Präsident Xi die Pekinger Olympiabühne und bedroht alleine den ganzen Raum von der Ostsee über den Kaukasus und den Balkan bis hin nach Syrien und Westafrika. Inzwischen hat er mit aller Gewalt in der Ukraine zugeschlagen, deren Existenzrecht er seit 20 Jahren ganz offen in Frage stellt.

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ie Hinter- und Abgründe des schmächtigen Mannes mit dem weltweiten Macho-Gehabe sind für die meisten Analytiker rätselhaft. Zumindest vier Putins sind jenen, die sich intensiv mit seiner Biographie und seinem Denken auseinandergesetzt haben, eine einigermaßen erhärtete Tatsache. Der erste ist der Vollwaise, der von den Mitschülern verprügelt wurde und sich den Weg nach oben mit den Fäusten erkämpfen mußte. Der zweite ist der Enkel von Stalins Leibkoch, der in den Geheimdienst KGB, wo er stets durch Spitzenleistungen auffiel, eintrat wie in ein Kloster, das ihm zur Ersatzfamilie wurde. Der dritte erlebte den Zusammenbruch des Ostblocks als in der DDR residierender KGB-Chef für Deutschland, der mehrere deutsche Dialekte beherrscht. Er empfand die Auflösung der Sowjetunion als Jahrhundertkatastrophe auch für sich persönlich und will die UdSSR in der einen oder anderen Form wiederherstellen, ja, er geht mit seiner Vision einer „Eurasischen Union“ inzwischen weit darüber hinaus. Der vierte Putin ist der, der durch einen mörderischen Krieg gegen das Bergvolk der Tschetschenen an die Macht kam und diese bis heute mit größter Brutalität ausübt. Jetzt hat er seine fünfte Rolle angetreten, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Wird er, wie die meisten Nationalisten, letztlich das eigene Land ruinieren? Kann es sein, daß ihm Militärs und Oligarchen in den Arm fallen, weil sie für den Fall seines Scheiterns Nachteile befürchten? Besteht umgekehrt die Gefahr, daß er dauerhaft ein Regime etabliert, das auf die Destabilisierung Europas und anderer Weltregionen setzt? Ist, wie einige von ihm pensionierte Generäle befürchten, sein Flirt mit China letztlich zum Schaden Rußlands? Wie das Spiel auf dem Schulhof der Weltgeschichte ausgeht, wird auch von der Haltung des Westens abhängen, die bislang allzu schwach ist.

Weltweites Entsetzen über die russischen Kriegsverbrechen an der ukrainischen Bevölkerung

Putin, stopp den Völkermord

Das Entsetzen ist grenzenlos. Putins Truppen haben die Ukraine überfallen, bombardieren seit Tagen Städte und Wohnhäuser und machen auch nicht davor Halt, Zivilisten zu erschießen.

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utin will „die ganze Ukraine erobern, Europa zersplittern und eine Eurasische Union errichten, die er noch weit über die frühere Sowjet-Union ausdehnen will”, warnt Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, langjähriger Abgeordneter des Europaparlaments und Mitglied des CSU-Parteivorstandes. Erst vor wenigen Tagen habe Putin Staaten des Westbalkans als Ziele genannt und seinen Außenminister Lawrow behaupten lassen, albanische, kosovarische und bosnische Söldner würden angeblich von der Ostukraine aus Rußland bedrohen. „Dies ist ein völlig absurdes, aber gefährliches Propagandaszenario“, so Posselt, der von Putin bereits 2015 wegen seiner kremlkritischen Haltung mit einem Einreiseverbot belegt worden ist. Der CSU-Außenpolitiker rief dazu auf, „eine starke europäische Verteidigungs- und Energie-Union zu errichten, die Stabilisierungs- und Friedensbemühungen auf dem Balkan, wo Putin ebenfalls zündelt, zu intensivieren und die Ukraine massiv zu unterstützen.“ Die Lieferung von Equipment für die ukrainische Armee und eine wahrscheinlich bald entstehende ukrainische Widerstandsbewegung dürfte dabei kein Tabu sein. Bereits am Freitag, einen Tag nachdem Putin den souveränen Nachbarstaat angegriffen hatte, verabschiedete das Präsidium der Seliger Gemeinde einstimmig eine Resolution gegen den Krieg. „Im Wissen um die schicksalhafte Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten verurteilen wir aufs Schärfste den

Ein Vorbild an Führung und Haltung: Trotz der akuten Bedrohung durch russische Scharfschützen und Söldner richtete sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitten in Kiew per Videobotschaft an seine Bürger. Seine klare Botschaft: Ich bleibe, wir kämpfen. Foto: Twitter

Sudetendeutsche Landsmannschaft ehrt das mutige Staatsoberhaupt der Ukraine

Europäischer Karls-Preis für Präsident Selenskyj Die Sudetendeutsche Landsmannschaft wird ihren nach Kaiser Karl IV. benannten Europäischen Karls-Preis dem ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj verleihen.

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amit wollen die Sudetendeutschen, so der Sprecher und damit oberste politische Repräsentant der Sudetendeutschen Volksgruppe Bernd Posselt, „gegen Putins Angriff auf Herz und Seele Eu-

ropas protestieren und Solidarität mit dem tapferen ukrainischen Volk bekunden. Selenskyj ist durch seine Tapferkeit und sein Augenmaß einer der bedeutendsten Europäer der Gegenwart.“ Der Europäische KarlsPreis der Sudetendeutschen wird für „Verdienste um eine gerechte Völkerordnung in Mitteleuropa verliehen“. Selenskyj stammte aus einer jüdischen Familie, von der mehrere Angehörige von den Nazis im KZ ermordet wurden.

Der frühere Schauspieler und Regisseur ist seit Mai 2019 Präsident der Ukraine. Obwohl Putin ein Kopfgeld auf Selenskyj ausgesetzt und Söldner nach Kiew geschickt hat, hat das ukrainische Staatsoberhaupt ein Angebot der Amerikaner abgelehnt, ihn außer Landes zu bringen. „I don‘t need a ride, I need more ammunition“, sagte Selensykyj: „Ich brauche keine Mitfahrgelegenheit. Ich brauche mehr Munition.“

russischen Angriff auf die Ukraine, der einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht und auf die globale Friedensordnung darstellt.“ Weiter erklärte die Seliger Gemeinde, man sei „fest davon überzeugt, daß Konflikte zwischen Staaten im 21. Jahrhundert auf einem friedlichen Weg gelöst werden müssen“. Gestern wie heute würden „Minderheiten instrumentalisiert, um Gebietsforderungen stellen zu können“. Am Dienstag war Putins Völkermord an den Ukrainern auch Auslöser für eine Sondersitzung des Europäischen Parlaments. Die Abgeordneten verabschiedeten nicht nur eine Resolution, in der sie weitere Sanktionen gegen Putin forderten, sondern stuften Rußland als Schurkenstaat ein. Unterdessen hat die Nato ihre militärische Präsenz an der Ostflanke des Bündnisses massiv verstärkt – auch mit Beteiligung der Bundeswehr. „Dadurch senden wir ein deutliches Signal der unerschütterlichen Bündnissolidarität an unsere Nato-Partner, aber auch und gerade an Rußland“, stellte General Eberhard Zorn, der Generalinspekteur der Bundeswehr, am Dienstag in seinem Tagesbefehl fest. Diesen schloß General Zorn mit Worten ab, die die Stimmung in Deutschland treffend widerspiegeln: „Meine Gedanken sind in diesem Moment auch bei der Bevölkerung der Ukraine und bei den ukrainischen Streitkräften, die unter der Führung ihrer mutigen Regierung nicht nur für die demokratische und freie Zukunft ihres Landes kämpfen, sondern auch für unsere europäischen Werte. In dieser schweren Zeit stehen wir zusammen. Jeder und jede von uns zählt im Kampf für den Frieden.“ Torsten Fricke


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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as Prager Sudetendeutsche Büro interessiert sich auch für die Arbeit der deutschen politischen Stiftungen, die in der Tschechischen Republik arbeiten. Zu ihnen gehört unter andem die SPD-nahe FriedrichEbert-Stiftung (FES). Urban Überschär wurde im Jahr 2020 Nachfolger von Anne Seyferth und besuchte bereits kurz nach seiner Einführung in Prag die su-

detendeutsche Botschaft des guten Willens an der Moldau. In Zusammenarbeit mit der FES konnte der SL-Büroleiter Peter Barton Besuche mehrerer Politiker der Bayern-SPD in seinem Büro in der Thomasgasse organisieren. Überschärs weiterer Besuch diente diesmal, neben einem ergiebigen Informationsaustausch zwischen den beiden Institutionen, auch Überlegungen, wie man in Zukunft noch

PRAGER SPITZEN intensiver zusammenarbeiten könnte. Dieses Vorhaben entspricht der demokratischen Ausrichtung sowohl der FriedrichEbert-Stiftung als auch jener des Prager Büros der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Prag liefert Waffen an die Ukraine

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ur Stunden nach der Entscheidung der tschechischen Regierung hat die Armee gehandelt und 30 000 Pistolen, 7000 Sturmgewehre, 3000 Maschinengewehre, mehrere Dutzend Scharfschützengewehre und etwa eine Million Schuß Munition an die Ukraine geliefert. „Ich habe mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen und ihm unsere volle Solidarität zugesichert. Wir prüfen weitere Maßnahmen“, so der tschechische Premierminister Petr Fiala.

Erste Flüchtlingen aus der Ukraine

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (Mitte) mit den neuen Kabinettmitgliedern. Von links: Sandro Kirchner, Staatssekretär beim Bayerischen Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, Christian Bernreiter, Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales sowie Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen Volksgruppe, und Markus Blume, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst. Foto: Bayerische Staatskanzlei

Der bayerische Ministerpräsident hat seine Regierungsmannschaft neu geordnet

Söder: Neues Kabinett, neue Schirmherrschaftsministerin

Eineinhalb Jahre vor der nächsten Landtagswahl hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sein Kabinett neu aufgestellt und drei neue Minister sowie einen neuen Staatssekretär in seine Regierungsmannschaft berufen.

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iele sagen, 2023 sei eine Schicksalswahl – jedenfalls für die CSU. Und danach wollen wir uns auch verhalten“, erklärte Söder seine Kabinettsumstellung und sprach von einer „zentralen Weichenstellung“ für die Zukunft. Neue Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales wurde Ulrike Scharf, die bereits unter Söders Vorgänger Horst Seehofer von 2014 bis 2018 erfolgreich das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz geleitet hatte. „Sie ist sehr erfahren, sie hatte und hat eine

hohe Akzeptanz“, lobte Söder bei der Vorstellung. Scharf ist damit in ihrer neuen Aufgabe auch Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen Volksgruppe. Außerdem ist die Erdingerin Vorsitzende der Frauen-Union der CSU. Ulrike Scharf folgt damit auf Carolina Trautner, die sich engagiert für die Sudetendeutschen eingesetzt hatte. Es sei, so Söder mit Blick auf die scheidenden Minister, „oft eine 49-zu-51-Entscheidung gewesen, aber am Ende stehe man als Mannschaft besser da“. Veränderungen seien in diesen Zeiten normal, betonte Söder. Es gebe keinen Vorwurf gegen die bisherigen Minister. „Jeder hat sehr gute Arbeit gemacht.“ Aber kein Fußballteam spiele 90 Minuten durch, keine Nationalmannschaft eine ganze Weltmeisterschaft in gleicher Be-

setzung, so der bekennende Fußballfan Söder. Die weiteren Wechsel: Der bisherige Landkreistagspräsident und Deggendorfer Landrat, Christian Bernreiter, ist neuer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr. Er ersetzte die bisherige Amtsinhaberin Kerstin Schreyer. Bernreiter sei „bayernund bundesweit bekannt“ und ein „echtes Schwergewicht“, betonte Söder. Seine Berufung zeige, daß die Staatsregierung den ländlichen Raum in den Mittelpunkt rücke. Markus Blume, der ab 2018 als Generalsekretär der CSU gewirkt hatte, übernimmt als Staastsminister das Wissenschafts- und Kunstministerium. „Er ist einer unserer Intellektuellen, er ist Hochschulexperte, kulturaffin, er kennt sich mit Digitalisierung und Forschung aus wie kein Zweiter“, erklärte Söder die Be-

rufung. Für Blume hatte Parteikollege Bernd Sibler seinen Ministerposten räumen müssen. Neuer Staatsekretär beim Bayerischen Staatsminister des Innern, für Sport und Integration wurde Sandro Kirchner, der für die CSU seit 2013 im Landtag sitzt. Der bisherige Staatssekretär Gerhard Eck hatte angekündigt, bei der Landtagswahl 2023 nicht mehr anzutreten. Der Koalitionspartner, die Freien Wähler, hatten auf eine Neubesetzung ihrer Ministerposten verzichtet, zeigten aber Verständnis für Söders Entscheidung. Daß man bei neuen Herausforderungen nachjustiere, sei normal und legitim, sagte FWFraktionschef Florian Streibl. Seine Fraktion respektiere die Entscheidung des Ministerpräsidenten. Zugleich lobte Streibl die gute Zusammenarbeit in der Koalition. Torsten Fricke

Landsmann Stephan Mayer

... und ein neuer CSU-Generalsekretär Der sudetendeutsche Landsmann und Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer ist auf Vorschlag von CSU-Parteichef Markus Söder am Freitag vom CSU-Vorstand einstimmig zum neuen Generalsekretär der CSU gewählt worden.

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er 48-jährige folgt auf Markus Blume, der ins Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gewechselt ist. Mayer war

Aussig an der Elbe

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it Bedauern stelle ich auf Seite 1 Ihrer Folge 8 fest, daß im Zusammenhang mit der Erwähnung der Ausstellung Nasi Nemci mehrfach die Stadt „Usti nad Labem“ genannt wird. Ein Hinweis, daß es sich dabei um

bis zum Regierungswechsel Parlamentarischer Staatssekretär, ist Mitglied der Arbeitsgruppe Vertriebene und Flüchtlinge der CDU/CSU-Fraktion und gehört dem Präsidium des Sudetendeutschen Rates an. Mayer habe, so Söder, Regierungserfahrung und sei in Berlin bestens vernetzt. „Gleichzeitig ist er als Kreisvorsitzender an der Basis verwurzelt und im ländlichen Raum verankert.“

CSU-Parteichef Markus Söder (Mitte) mit dem neuen CSU-Generalsekretär und Bundestagsabgeordneten Stephan Mayer und der Vize-Generalsekretärin und Landtagsabgeordneten Tanja Schorer-Dremel. Foto: CSU

Aussig an der neutralen LESERBRIEFE Elbe handelt, Medien prakfehlt. tiziert wird. Wenn bereits die SudetendeutDr. Herbert G. Papacek, sche Zeitung es versäumt, die Greifenstein nm. d. Red.: Bei der (zu recht) deutschen Namen der deutschkritisierten Passage handelt böhmischen Städte zu nennen, brauchen wir uns nicht zu wun- es sich um ein Originalzitat aus dern, wenn dies genauso in den einem offiziellen Schreiben des

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Bundespräsidialamtes, was auch über Anführungstriche als solches deutlich gemacht wurde. Grundsätzlich verwendet die Sudetendeutsche Zeitung die deutschen Ortsnamen, aber es wäre ein Verstoß gegen journalistische Standards gewesen, wenn wir das Zitat verfälscht hätten.

ach Schätzungen des tschechischen Innenministeriums sind bis zum Wochenende bereits bis zu 2000 Menschen aus der Ukraine in die Tschechische Republik geflüchtet. Man sei in der Lage, in der ersten Phase 5000 Aufnahmeplätze anzubieten, sagte Innenminister Vít Rakušan (Stan). Derzeit leben in der Tschechischen Republik über 200 000 Ukrainer. Die Regierung kündigte an, man werde im Fall des Falles Visa verlängern, damit die Betroffenen nichts in Kriegsgebiet zurückreisen müssen.

Beifall für Putin kann Straftat sein

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ffentliche Äußerungen auf Demonstrationen und in sozialen Medien, die den Angriff Rußlands auf die Ukraine gutheißen oder Unterstützung für die russische Führung zum Ausdruck bringen, können unter Umständen als Straftat verfolgt und geahndet werden. Darauf hat die Oberste Staatsanwaltschaft hingewiesen. Dies könnte als Befürwortung eines Verbrechens gewertet werden oder den Straftatbestand der Leugnung, Infragestellung, Befürwortung oder Rechtfertigung von Völkermord erfüllen, warnte der oberste Staatsanwalt Igor Stříž. Bei Verstößen drohen neben Geldbußen auch Haftstrafen von bis zu drei Jahren Gefängnis.

Luftraum für Russen gesperrt

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m Sonntag hat die Tschechische Republik ihren Luftraum für Fluggesellschaften aus Rußland gesperrt, hat der tschechische Verkehrsminister Martin

Kupka (ODS) bekanntgegeben. Bereits am Freitag hatte Tschechien ein Landeverbot für russische Airlines ausgesprochen. Auch Deutschland und andere EU-Staaten untersagten allen russischen Airlines das Überfliegen ihres jeweiligen Staatsgebietes.

CZ.NIC sperrt Fake-News-Seiten

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er tschechische Internetverband CZ.NIC hat acht Webseiten gesperrt, die Desinformationen und Fake News über den russischen Einmarsch in der Ukraine verbreiten. Der Schritt war auf Empfehlung der tschechischen Regierung und des tschechischen Geheimdienstes erfolgt. Seit dem Beginn der russischen Aggression gegen die Ukraine hat die Verbreitung von Falschinformationen und prorussischer Propaganda im tschechischen digitalen Raum stark zugenommen.

Präsident Zeman für harte Sanktionen

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r galt bislang als Freund von Moskau (und von Peking), jetzt hat der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman kritisiert, daß die Sanktionen gegen Rußland nicht entschieden genug seien. So forderte das tschechische Staatsoberhaupt bereits in der vergangenen Woche, Rußland aus dem SWIFT-Zahlungssystem auszuschließen.

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Blutkonserven für Kriegsopfer

ls humanitäre Soforthilfe für Kriegsopfer hat die tschechische Regierung 300 Millionen Kronen (12 Millionen Euro) genehmigt. Die Mittel sind für Menschen bestimmt, die aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine ihre Häuser verlassen mußten, erklärte Premierminister Petr Fiala (ODS). Zusätzlich werde man Treibstoff in die Ukraine liefern und Krankenhäuser in der betroffenen Region mit Blut und Blutplasma versorgen, so Fiala weiter. Zudem hat das Kabinett beschlossen, daß die Tschechische Republik ab sofort keine Visa mehr an russische Staatsbürger ausstellt. Außerdem entsendet Prag bis zu 580 Soldaten in die Schnelle Eingreiftruppe der Nato und erlaubt den Bündnispartern Truppenbewegungen auf ihrem Staatsgebiet.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE Heimat in Bildern 2022

Mariensäule in Prag „Heimat in Bildern 2022“ heißt der Kalender der Sudetendeutschen Landsmannschaft (Bestellungen unter Telefon (0 89) 48 00 03 70 oder per eMail an info@sudeten.de). Mit großartigen Fotos werden bewegende Heimatgeschichten erzählt. Das Bild „Teynkirche und Mariensäule am Altstädter Ring in Prag“ steht für die zweite Aprilhälfte und wurde von Rudolf Weilguni fotografiert.

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ie Tschechische Republik gilt als eines der laizistischsten Länder der Erde. Nur noch jeder zehnte Tscheche ist katholisch. Diese Prägung habe, so wird häufig argumentiert, tiefe historische Wurzeln. Ihr liege die Erfahrung der Hussitischen Reformation zugrunde, die letztlich durch äußeren Zwang beendet wurde. Als Hauptverantwortliche für diese Entwicklung galten die Die Niederschlagung des Prager Frühlings hat er selbst erlebt. Später ist Pavel Novotny vor dem kommunistischen System in den Westen geflüchtet und hat sich in München eine neue Existenz als Journalist, Dokumentarfilmer und Fotograf aufgebaut. Wenn der gebürtige Prager heute die Bilder aus Kiew sieht, kommen die schlimmen Erinnerungen wieder hoch. Ein Sudetendeutsches Gespräch über Menschenrechte, Demokratie und Freiheit.

Journalist und Dokumentarfilmer Pavel Novotny über seine Flucht vor den Russen nach München

Eines der berühmtesten Bilder von der Niederschlagung des Prager Frühlings: Prager Demonstranten gehen mit der tschechoslowakischen Flagge an einem brennenden sowjetischen Panzer vorbei. Foto: Wikipedia/Nicola Fricke Novotny: Ich habe meinen Eltern erzählt, daß ich einen Schulfreund besuche, bin aber stattdessen mit dem Bus Richtung Wenzelsplatz gefahren. Ein paar Stationen davor war dann Endstation. Der Busfahrer hat uns gesagt, er habe Angst um sein Leben, und wir mußten den Rest zu Fuß gehen. Kurz vor dem Wenzelsplatz kamen mir dann die ersten Demonstranten mit tschechischen Fahnen, die blutverschmiert waren, entgegen. Und am Wenzelsplatz sah ich, daß russische Soldaten mehrere Geschäfte geplündert hatten. Und daß ein paar mutige Demonstranten die schwerbewaffneten Soldaten zur Rede stellten. Dennoch hatte die tschechische Bevölkerung keine Chance, den Einmarsch zu stoppen. Es gab auf beiden Seiten viele Tote. Novotny: Militärisch war der Einmarsch schnell erledigt. Am Vorabend hatte Leonid Breschnew den US-Präsidenten Lyndon B. Johnson über die bevorstehende Invasion informiert, und die Nato schritt nicht ein. Alexander Dubček, damals Erster Sekretär des ZK der Kommunistischen Partei, und andere Regierungsmitglieder wurde festgenommen und nach Moskau verschleppt. Staatspräsident Ludvík Svoboda, der im Zweiten Weltkrieg als General die Befreiung der Tschechoslowakei von den Nazis angeführt und später für die Vertreibung der Sudetendeutschen mitverantwortlich

war, wurde von den Russen zwar als „Held der Sowjetunion“ verehrt, aber dennoch in den Kreml befohlen. Dubček mußte dann das sogenannte Moskauer Protokoll unterschreiben, was das Ende aller Reformen des Prager Frühlings bedeutete. Auf Druck von Moskau wurde Dubček im April 1969 durch Gustáv Husák ersetzt, der sofort eine Säuberungsaktion startete. 1975 übernahm Husák von Svoboda auch das Amt des Staatspräsidenten. Was passierte mit Dubček? Novotny: Mit der Niederschlagung des Prager Frühlings mußte er die Politik verlassen. 1989 schloß er sich der antikommunistischen Opposition an und wurde gemeinsam mit Václav Havel eine der Hauptfiguren der Samtenen Revolution. 1992 war Dubček der aussichtsreichste Kandidat für das Amt des slowakischen Staatspräsidenten, kam aber bei einem dubiosen Autounfall ums Leben. Wie wirkte sich das Ende des Prager Frühlings auf Ihre Familie aus? Novotny: Die Zeit ab Herbst 1969 wurde damals verharmlosend als „Zeit der Normalisation“ bezeichnet. In Wahrheit war es die Zeit der Denunzianten und Wendehälse. Mein Vater, der an verantwortlicher Stelle die Obstund Gemüsetransporte für die gesamte Tschechoslowakei organisierte, mußte plötzlich im Keller in der Poststation arbeiten. Der Grund: Er war nicht in

der Partei. Nach ein paar Monaten merkte man aber, daß es ohne meinen Vater nicht geht, und er durfte in seine alte Position zurück. In Prag begann zeitgleich ein Bevölkerungsaustausch. Neue Wohnungen wurden grundsätzlich nur an Bewerber vom Land vergeben, weil die weniger gut informiert waren und nicht der Opposition angehörten. Viele Prager mußten dagegen aufs Land umziehen. Und vor den Schulen befragte der Geheimdienst regelmäßig Kinder über die politische Haltung der Eltern. Wir haben damals sehr schnell gelernt, den Mund zu halten und nicht aufzufallen. Nach der Schulzeit mußten Sie den Wehrdienst ableisten. Novotny: Das war sehr entspannt. Ich war an einem Militärflughafen bei den Meteorologen eingesetzt. Eigentlich sind wir den ganzen Tag im Gras gelegen und haben Wolken gezählt. 1977 haben Sie dann begonnen, für das tschechische Fernsehen zu arbeiten. Novotny: Damit geriet man automatisch in den Blickpunkt des Geheimdienstes. Wir erhielten zum Beispiel den Befehl, daß wir jeden Kontakt mit einem Ausländer zu melden haben, selbst wenn wir nur nach dem Weg gefragt wurden. Wie haben Sie reagiert? Novotny: Meine Kollegen und ich haben uns einen Spaß daraus gemacht, unsere Vorgesetzten mit diesen Meldungen zu über-

Der Sudetendeutsche Kalender 2022. garische Vergangenheit durchaus positiv beurteilen. Bereits im April 1990 wurde die „Gesellschaft für die Wiedererrichtung der Mariensäule“ gegründet, die eine originalgetreue Kopie des zerstörten Kunstwerkes anfertigen ließ. Nach langen gesellschaftlichen Debatten sprach sich der Prager Stadtrat für die Wiederaufstellung der Mariensäule aus. Seit August 2020 steht sie nun wieder auf ihrem alten Platz am Altstädter Ring.

nummern vorher auswendig gelernt. So bin ich dann am Prager Hauptbahnhof in den Zug eingestiegen – mit schlotternden Knien. Und ich hatte viel Glück. Aufgrund einer Panne war der Zug überbucht. Und die Grenzer waren so genervt von dem Ansturm, daß sie nur oberflächlich kontrollierten, dabei hätten sie beim geschütten. Irgendwann haben die ringsten Verdacht meine Reise dann gesagt: Schluß jetzt. jederzeit stoppen können. Wann faßten Sie den Entschluß Wann haben Sie gemerkt, daß zu emigrieren? Sie im sicheren Westen sind? Novotny: Ende 1978. Wir Novotny: Die Schienen wadrehten damals auf einem Partei- ren in der Tschechoslowakei so tag der Kommunistischen Partei. schlecht verlegt, daß der Zug Ich habe das hautnah mitbekom- die ganze Zeit holperte. Irgendmen und hätte am liebsten laut wann, es wurde langsam hell, gerufen: „Ihr Lügner, ihr verlo- schien es, als ob die Waggons genes Pack.“ über die Schienen gleiten. Da wußte ich, ich bin im Westen. Kurz darauf erreichten wir auch Marktredwitz. Wie haben Ihre Eltern reagiert? Novotny: Von München aus habe ich meine Mutter angerufen. Sie hat geweint. Wir waren uns beide sicher, daß wir uns nie wieder im Leben sehen werden. Und meine Eltern wurden dann auch immer wieder von der Polizei vorgeladen und verhört. Sie haben dann in Mün Zur Person: Pavel Novotny chen Ihre spätere Frau ken Geboren am 27. Januar 1954 in Prag, genengelernt und schieden, ein Sohn, ein Enkelkind. 1985 kam Ihr 1977 bis 1980: Kameraassistent beim TscheSohn Philipp chischen Fernsehen. auf die Welt. 8. Mai 1980: Flucht in den Westen. Wann konnten Seit 1980: Journalist, Kameramann und FoIhre Eltern zum tograf in München. ersten Mal das 1993: Fotoausstellung in Prag. Enkelkind se 1995: Fotoausstellung in Amsterdam. hen? Novotny: Bereits 1986, Wie ist die Ausreise geglückt? weil mein Vater damals schon Novotny: Beim ersten Versuch Rentner war. Als dann 1989 der gar nicht. Ich hatte einen Antrag Eiserne Vorhang fiel, habe ich gestellt, als Urlauber nach Jugo- vor dem Fernseher geheult wie slawien reisen zu dürfen, aber der ein Schloßhund. Da ich dem wurde abgelehnt. Da man aber Frieden aber nicht getraut hanur einen Antrag pro Jahr stel- be, bin ich erst im Mai 1990 nach len durfte, mußte ich mich gedul- Prag gereist. den. Im Jahr drauf habe ich dann Wie haben Sie sich in Ihrer beantragt, für einen Urlaub nach neuen Heimat durchgekämpft? München fahren zu können. Novotny: Ich habe jeden Job Und dieser Antrag wurde be- angenommen und auf eine Fotowilligt? ausrüstung gespart. Später habe Novotny: Das wundert mich ich dann für die Deutsche Presheute noch. Ich habe dann vier seagentur, das ZDF, die TagesMonate gebraucht, um die gan- zeitungen tz und Münchner Merzen Papiere zusammenzubekom- kur sowie für den Gong Verlag men. Ich war sehr nervös und ha- gearbeitet. be meinen Eltern nichts erzählt. Wie ist Ihr Empfinden, wenn Wie lief dann Ihre Flucht in Sie jetzt die Bilder aus der Ukraiden Westen ab? ne sehen? Novotny: Da ich offiziell nur Novotny: Da kommt alles wiefür einen kurzen Urlaub aus- der hoch. Putins Ukraine-Krieg reisen durfte, konnte ich nicht erinnert mich an Prag 1968. Ich viel mitnehmen. Ich hatte in ei- bin mir sicher, daß Putin alles ner Plastiktüte einen Schlafsack versucht, um in Kiew eine Mosund meinen Fotoapparat. Und kau-treue Regierung einzusetin den Socken etwas Geld. Ich zen, die dann für viele Jahre, hatte auch kein Papier mit Kon- wenn nicht Jahrzehnte, jede Detaktadressen dabei. Das wäre zu mokratiebewegung in der Ukraigefährlich gewesen. Ich habe ne im Keim zu erstickt. Es ist leisämtliche Namen und Telefon- der bitter. Nicola Fricke

„Putins Ukraine-Krieg erinnert mich an Prag 1968“

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err Novotny, wie haben Sie den Prager Frühling 1968 erlebt? Pavel Novotny: Anfang August 1968, ich war 14 Jahre alt, haben wir Familienurlaub in Südböhmen gemacht. Ich habe damals ein Gespräch mitbekommen, wie mein Vater zu einem Bekannten sagte, er habe große Sorge, daß die Russen in die Tschechoslowakei einmarschieren könnten. Zur gleichen Zeit fand ein großes Manöver der Armeen der Warschauer-Pakt-Staaten statt. Ich habe diesem Gespräch aber keine große Bedeutung zugemessen. Wann haben Sie sich wieder daran erinnert? Novotny: In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968. Wir waren längst wieder zurück in Prag, und mein Zwillingsbruder und ich hörten in unserem Zimmer Radio. Wir sind dabei eingeschlafen. Gegen 1 Uhr nachts wachte ich auf. Das Radio lief noch und eine monotone Stimme erzählte, die Russen seien in die Tschechoslowakei einmarschiert. Zu dieser Uhrzeit wurden damals im Radio normalerweise Bücher vorgelesen. Ich dachte mir deshalb: Wieso die Russen? Die Deutschen sind doch die Bösen. Irgendwann begriff ich dann, daß es sich nicht um eine fiktive Geschichte handelte, sondern real war. Ich habe sofort meinen Vater geweckt. Wie hat Ihr Vater reagiert? Novotny: Er ist so schnell aus dem Bett gesprungen und zum Telefon gerannt, daß er dabei mit einem Fuß an der Türschwelle hängengeblieben, und sich den großen Zeh gebrochen hat. Er hat dann umgehend ein paar Kollegen alarmiert, die dann noch im Schlafanzug ins Auto gestiegen und über die Grenze in den Westen geflüchtet sind. Waren die Grenzen nicht geschlossen? Novotny: Zu diesem Zeitpunkt nicht. Die Grenzer haben alle Autos mit tschechischen Kennzeichen durchgewinkt. Wir blieben aber daheim. Und gegen fünf Uhr morgens haben wir die ersten Maschinengewehrsalven gehört. Wie haben Sie den nächsten Tag verbracht?

böhmischen Könige aus dem Hause Habsburg. Ein äußeres Zeichen ihres Triumphes war die barocke Mariensäule, die Kaiser Ferdinand III. 1650 auf dem Altstädter Ring in Prag aufstellen ließ. Insbesondere die tschechischen Nationalisten des 19. Jahrhunderts begriffen die „deutsche“ Fremdherrschaft der Habsburger und den Katholizismus als Einheit. Wenige Tage nach der Unabhängigkeitserklärung der Tschechoslowakischen Republik wurde die Mariensäule deshalb von einer wütenden Menge abgerissen. Die Samtene Revolution machte deutlich, daß viele Bürger die österreichisch-un-

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TERMINE . FORUM

Paneuropa-Union

Erfolgreiche Initiative von Albrecht Schläger, Präsidiumsmitglied des Sudetendeutsches Rates

Europatag in Andechs Zum 57. Mal lädt die Paneuropa-Union Deutschland zum Andechser Europatag ein.

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nter dem diesjährigen Motto „Europa – ein Zuhause?“ treffen sich auf Einladung von Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, überzeugte Europäer von Samstag, 19. bis Sonntag, 20. März im Andechser Klostergasthof. Nach den Referaten am Samstag bildet das Diskussionsforum am Sonntag den Schlußpunkt des Treffens. Mit Moderator Dr. Dirk H. Voß, Vizepräsident der Paneuropa-Union, debattieren: MdB Knut Abraham, Elisabeth Dittrich, Präsidentin der Vereinigung für europapolitische Bildung „Europtimus“, Altöttings Altbürgermeister Herbert Hofauer, die Brünner Stadträtin Miriam Kolařov, Rosina Reim von der Wischauer Sprachinsel, Theologe Prof. Stefan Samerski und Alfred Theisen, Chefredakteur der Görlitzer Zeitschrift Schlesien heute. Anmeldung und weitere Informationen unter: www.paneuropa.org

Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

Selb: Platz am Bahnhof wird nach Václav Havel benannt Auf seiner Januar-Sitzung hatte der Sudetendeutsche Rat Kommunen in Deutschland aufgerufen, Straßen und Plätze in Deutschland nach Václav Havel zu benennen, und sich damit einer Initiative von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, angeschlossen. Jetzt gibt es den ersten Erfolg zu vermelden.

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ls Präsidiumsmitglied des Sudetendeutschen Rates hat Albrecht Schläger, ehemaliger Landtagsabgeordneter der SPD, diese posthume Ehrung in der oberfränkischen Grenzstadt Selb vorgeschlagen. Mit Erfolg. Einstimmig hat der Stadtrat jetzt entschieden, den sogenannten Quartiersplatz auf dem Bahnhofsgelände nach dessen Umgestaltung nach dem ersten demokratischen Staatspräsidenten der Tschechoslowakei zu benennen. Dies sei eine Verbeugung vor einem großen Kämpfer für die Menschenrechte und vor den tschechischen Nachbarn, hieß

Kreativer Dichter, engagierter Bürgerrechtler und überzeugter Europäer: In Selb wird ein Platz nach Václav Havel benannt. Foto: Václav Havel Archiv es in der Begründung. Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch erklärte, diese Namensnennung passe grundsätzlich zu den BayerischTschechischen Freundschaftswochen, in deren Rahmen das Bahnhofsgelände umgebaut und neu geordnet wird. Die feierliche Einweihung des Václav-Havel-Platzes soll

mit einem Festakt im Rahmen der Freundschaftswochen stattfinden, kündigte das Stadtoberhaupt an. Auch die Selb 2023 gGmbH, die Ausführungsgesellschaft der Freundschaftswochen, und auch die Nachbarstadt Asch würden diese Namensgebung begrüßen. Dem schloß sich auch der

VERANSTALTUNGSKALENDER

Lebendige Erinnerungskultur Freitag, 18. bis Sonntag, 20. März: Seminarwochenende „Lebendige Erinnerungskultur“ in Zusammenarbeit mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Die Generation der Enkel und Urenkel will zunehmend mehr über das Schicksal ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern sowie über die Geschichte und Kultur der Sudetendeutschen erfahren. Wer seinen böhmischen, mährischen und/oder schlesischen Wurzeln nachspüren, in sudetendeutscher Gemeinschaft neue Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen möchte, ist bei diesem Seminar auf jeden Fall richtig. Neben kompakter Vermittlung von grundlegendem Wissen bietet dieses Seminarwochenende wertvolle Informationen über die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse zum heutigen Umgang mit der Geschichte. Freitag, 18. März 2022 19.45 Uhr: Begrüßung, Vorstellungsrunde, Einführung in das Seminarthema, Abfrage der Erwartungen, Steffen Hörtler und Hildegard Schuster, Seminarleitung. 20.15 Uhr: „Sudetendeutsche Netzwerke“ – Exklusiver Einblick in das neue Projekt der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Mathias Heider, Projektkoordinator, München. Samstag, 19. März 2022 9.00 Uhr: „Digitale Familienforschung“, Werner Honal, Studiendirektor i.R., Schulberater und Philologe, Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher. 11.30 Uhr: „Neue deutsch-tschechische Vorhaben im Bereich der Erinnerungskultur“, Soňa Dederová, Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds. 13.15 Uhr: „,Das Grüne Band‘ mit Schwerpunkt Erinnerungskultur“, David Vereš, Projektkoordinator Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee. 14.45 Uhr: „Preßnitz lebt – Přísečnice žije. Buch und Projektvorstellung“, Veronika Kupková, Kulturförderpreisträgerin der Sudetendeutschen Landsmannschaft. 16.30 Uhr: „Die Geschichte Tschechiens und der Slowakei erforschen: Die Tätigkeit des Collegium Carolinum (CC)“, Ulrike Lunow, Geschäftsführerin des CC, München. 19.00 Uhr: Vorstellung des Films über Braunauer Schicksale „Die verlorene Heimat“, Produzent Ondřej Valchař. Sonntag, 20. März 2022 9.00 Uhr: Seminarauswertung und Ergebnissicherung. 10.00 Uhr: Virtueller Sonntagsstammtisch über sudetendeutsche Themen. Gastgeber: Steffen Hörtler, Stiftungsdirektor des Heiligenhofs. 12.00 Uhr: Seminarende Das Seminar ist durch die Sudetendeutsche Stiftung gefördert. Die Teilnehmergebühr beträgt 70 Euro einschließlich Übernachtung und Verpflegung. Sie ist unabhängig von den in Anspruch genommenen Leistungen zu entrichten und kann nicht anteilig rückerstattet werden. Hinzu kommen die Kurtaxe von 3,60 Euro und gegebenenfalls ein Einzelzimmerzuschlag von 20 Euro, jeweils für den gesamten Seminarzeitraum. Die Verantwortlichkeit für das Programm und die Durchführung liegen bei der Bildungsund Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“. Diese Veranstaltung ist für alle interessierten Personen frei zugänglich. Die aktuellen Hygienebestimmungen des Heiligenhofs sind zu beachten. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de oder unter Telefon (09 71) 7 14 70. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

Noch bis Freitag, 11. März: „Verblichen, aber nicht verschwunden“ – Ausstellung über eine Spurensuche im Böhmerwald. Centrum Bavaria Bohemia, Freyung 1, Schönsee. Öffnungszeiten: montags 10.00 bis 19.00 Uhr, freitags 10.00 bis 14.00 Uhr, samstags 10.00 bis 11.30 Uhr, sonntags 14.00 bis 16.00 Uhr. Noch bis Freitag, 11. März: „Fasching auf Böhmisch“ – Fotoausstellung von František Zemen. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße, München. Veranstalter sind das Kulturreferat für die böhmischen Länder und das Tschechische Zentrum in München. Öffnungszeiten: montags bis freitags 9.00 bis 18.00 Uhr. Samstag, 5. März, 9.30 Uhr, SL-Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz: Jahreshauptversammlung. 9.30 Uhr: Kranzniederlegung und Totengedenken am Vertriebenendenkmal auf dem Zentralfriedhof in der Friedenstraße in Regensburg. Ab 10.30 Uhr Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen im Hotel Bischofshof, Krauterermarkt 3, Regensburg. Anschließend Diskussion mit Landesobmann Steffen Hörtler zum Thema „Anpassung der SL an veränderte strukturelle und demographische Gegebenheiten“. Montag, 7. März bis Samstag, 26. März, Seliger Gemeinde: Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer“. VHS Weiden, Luitpoldstraße 24, Weiden. Vernissage am 11. März um 10 Uhr in der Aula der VHS Weiden. Samstag, 12. bis Sonntag, 13. März: Sudetendeutsche Bundesversammlung. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 13. März, Landesdelegiertenversammlung der SL Bayern. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Donnerstag, 24. März, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, Motten-

Speicherz (Kreis Bad Kissingen). Bitte Quartiere direkt buchen unter (0 97 48) 9 12 20, eMail: info@gasthof-zum-biber.de. Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wytopil, Telefon (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com Freitag, 22., 17.00 Uhr bis Sonntag, 24. April, 13.00 Uhr, Seliger Gemeinde: Frühjahrsseminar. Evangelisches Bildungswerk, Markgrafenstraße 34, Bad Alexandersbad. Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Dienstag, 3. Mai: Kulturwallfahrt „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ mit Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann. Abfahrt: 8.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Rückkehr: 19.00 Uhr. Anmeldung: anmeldung@ sudeten.de oder schriftlich an Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kulturwallfahrt, Hochstraße 8, 81669 München. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Freitag, 3. Juni bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euroegio Egrensis (siehe rechts). Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Sonntag, 26. Juni bis Samstag, 2. Juli, SL Österreich: Sudetendeutsche Ferienwoche in Seeboden am Millstätter See. Anmeldung: Tourismusbüro Seeboden, Telefon (00 43 47 62) 8 12 55 12, eMail lisa.noisternig@ ktn.gde.at Samstag, 23. Juli: Brünner Versöhnungsmarsch. Die Landesgruppe Bayern organisiert eine Reise mit zwei Bussen (Nordund Südbayern) von Freitag, 22. Juli bis Montag, 25. Juli.

Stadtrat an. Wolfgang Kreil, Sprecher der CSU-Fraktion, nannte den Vorschlag sehr gut. Die Benennung werde im Nachbarland sicher wohlwollend aufgenommen. Der 2011 verstorbene Havel gilt als einer der Wegbereiter der „Samtenen Revolution“ in der damaligen Tschechoslowakei und führender Menschenrechtler. Der 1936 in Prag geborene Schriftsteller und Essayist war zu Zeiten der kommunistischen Herrschaft einer der bekanntesten Regimekritiker und Mit-Initiator der Bürgerrechtsbewegung „Charta 77“. Nach der „Samtenen Revolution“ war er von 1989 bis 1992 Staatspräsident der Tschechoslowakei sowie von 1993 bis 2003 der erste Präsident der Tschechischen Republik. Als überzeugter Europäer war Václav Havel einer der Wegbereiter der deutsch-tschechischen Aussöhnung. In Deutschland hatte bislang nur Bonn einen Platz nach Václav Havel benannt.

Gesprächsratgeber

Kinder und Krieg Gerade für Kinder sind die aktuellen TV-Bilder aus der Ukraine schwer auszuhalten.

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it Kindern über schlimme Nachrichten sprechen – aber richtig. „Wir lassen unsere Eltern nicht alleine“, erklärt Bayerns neue Familienministerin Ulrike Scharf. Auf der Plattform BAER, dem Bayerischen Erziehungsratgeber, geben deshalb Experten Ratschläge, wie Eltern mit Kindern über den Krieg sprechen können. „Die schrecklichen Nachrichten aus der Ukraine verunsichern nicht nur uns Erwachsene. Auch unsere Kinder sind davon betroffen und müssen die Informationen, die sie durch die Bilder im Fernsehen, auf unseren Handys, in den Zeitungen, aber auch aus Gesprächen von Erwachsenen in ihrem Umfeld aufgreifen, richtig einordnen und verarbeiten“, so Ulrike Scharf, die selbst Mutter ist. Der Beitrag „Mit Kindern über schlimme Nachrichten sprechen“ ist abrufbar unter: www.baer.bayern.de/erziehungmedien/tipps/schlimmenachrichten/

In Hof und der Euregio Egrensis

72. Sudetendeutscher Tag vom 3. bis 6. Juni Der 72. Sudetendeutsche Tag findet über Pfingsten vom 3. bis 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis statt.

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as große Volksgruppentreffen steht unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“. Traditionelle und neue Veranstaltungsformen des Sudetendeutschen Tages sind von Freitag,

3. bis Sonntag, 5. Juni in der Freiheitshalle von Hof geplant. Dem sollen zwei „Sudetendeutsche Wochen“ mit Einzelveranstaltungen vieler Träger in der Euregio Egrensis vorgeschaltet werden. Erstmalig dauert die Begegnung bis Pfingstmontag. Am 6. Juni werden Ausflüge und eine Gebetswallfahrt auf dem Programm stehen.

Vortrag von Dr. Jan Mühlstein

Eine jüdisch-deutsche Familiengeschichte Mittwoch, 9. März, 19.00 Uhr: „Eine jüdisch-deutsche Familiengeschichte in Böhmen“. Referent: Dr. Jan Mühlstein (München). Vortrag in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit MünchenRegensburg. Erste jüdische Ansiedlungen sind in Böhmen bereits für das 10. Jahrhundert belegt. Von Anfang an war Prag ein wichtiges jüdisches Zentrum nicht nur innerhalb Böhmens, sondern für ganz Mittelosteuropa. Weitere Zentren in Böhmen waren Brüx, Teplitz-Schönau und Aussig. Wie in vielen Teilen Europas begann die jüdische Emanzipation in Böhmen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland flohen viele Juden in die Tschechoslowakei. Doch mit dem Münchner Abkom-

men von 1938 und der Errichtung des „Reichsprotektorats Böhmen und Mähren“ 1939 bot sich auch dort kein Schutz mehr. Ein Großteil der jüdischen Bevölkerung wurde im KZ Theresienstadt interniert und von dort in andere Lager verschleppt und ermordet. Nur eine Minderheit der böhmischen Juden überlebte die Schoa. Am Beispiel seiner Familie, deren Geschichte er bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen kann, erzählt Jan Mühlstein über die – trotz des tragischen Einschnitts der Schoa – erfolgreiche Emanzipation der Juden in Böhmen. Mühlstein wurde 1949 in Most geboren und wuchs in einer deutschsprachigen jüdischen Familie auf. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings emigrierte er nach Deutschland. In München studierte und promovierte er im Fach Physik.


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

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� Sudetendeutsches Museum

� Mut tut gut

Aktion zum Frauentag

Gott ist stärker

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Zum Weltfrauentag am Dienstag, 8. März lädt das Sudetendeutsche Museum in München (Hochstraße 10) zu einer thematischen Führung über Frauengeschichte und -geschichten ein. Der Rundgang beginnt um 16.00 Uhr.

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ie Sonderführung im Sudetendeutschen Museum widmet sich den Frauenbildern vom Mittelalter bis hinein in die Gegenwart. Zahlreiche Ausstellungsstücke im Museum geben Zeugnis von den vielfältigen Rollen der Frau in Gesellschaft, Politik und Kultur. Im Rundgang zum Weltfrauentag möchte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Amanda Ramm den Besuchern deren Geschichte näherbringen. Die Führung ist kostenlos und dauert 90 Minuten. Eine Anmeldung ist bis Montag, 7. März um 17.00 Uhr, möglich unter eMail museum-anmeldung@ sudetendeutsche-stiftung.de

� Christiane Hoffmann hat im Berliner Dokumentationszentrum ihr Buch „Alles, was wir nicht erinnern“ vorgestellt

Flucht 1945: Auf den Spuren des Vaters von Schlesien durch Böhmen Zum ersten Mal seit der Eröffnung des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin im Sommer vergangenen Jahres fand im dortigen Veranstaltungssaal am 21. Februar eine Buchvorstellung statt.

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ie langjährige FAZ-Korrespondentin und Spiegel-Redakteurin Christiane Hoffmann, geboren 1967 in Hamburg, ist seit Januar 2022 eine von zwei stellvertretenden Regierungssprechern und war dafür von Bündnis90/Die Grünen nominiert worden. Und sie hat ein Buch geschrieben, das sich mit ihrer Familiengeschichte. Nach dem Tod ihres Vaters fand die Journalistin Aufzeichnungen über die Stationen seiner Flucht von Rosenthal/ Różyna in Schlesien unweit der Oder bis nach Klinghart im Egerland, vom 22. Jänner bis 2. März 1945 über 550 Kilometer westwärts unterwegs, als Neunjähriger. Christiane Hoffmann entschloß sich, diese Wegstrecke 2021 nachzuwandern und schrieb darüber ein Buch: „Alles, was wir nicht erinnern. Zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters“. Hierin schildert Hoffmann nicht nur den konkreten Weg, der auch viele Tage durch Nordböhmen bis in die Nähe Egers führt, und den die Dorfbewohner von Rosenthal damals in einem langen Treck gemeinsam absolvierten, sondern sie läßt in diese Erzählung die verschiedensten Zeitebenen und Blickrichtungen der deutschen, polnischen und tschechischen Geschichte einfließen. All dies speist sich aus einer lebenslangen Auseinandersetzung mit dem Geburtsort ihres Vaters, in den sie erstmals als Elfjährige reiste und den sie auch danach immer wieder besucht hat. Und den vielen Erinnerungen aus der Familie, die in den Text einfließen. Die literarisch beeindruckende Erzählweise hat Christiane Hoffmann auch die Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 in der Sparte Sachbuch eingebracht. Für den Vertreter der Direktorin der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Nils Köhler, ist es an diesem Abend eine besondere Premiere. Sein Haus, das den Menschen gerecht werden will, die Flucht und Vertreibung im 20. und 21. Jahrhundert erlebt haben oder noch erleben, will die großen Fragen stellen, die dahinterstehen: Wann endet eine Flucht wirklich? Wann ist man angekommen? Wo komme ich her? Was ist eigentlich für mich Heimat? Diese Fragen stellt schließlich alle Christiane Hoffmann in ihrem Buch auf persönliche Weise und eignet sich deshalb ganz besonders für diese erste Buchvorstellung im noch neuen Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Die Autorin nimmt daraufhin Platz auf dem Podium, wobei sie begleitet

Auch Reinfried Vogler ließ sich das Buch „Alles, was wir nicht erinnern“ siginieren.

Autorin Christiane Hoffmann diskutierte auf dem Podium (kleines Foto) mit dem Historiker Dr. Andreas Kossert und dem Journalisten Jens Bisky. Fotos: Ulrich Miksch

wird von Andreas Kossert, dem wissen- Schleswig-Holstein, wo sie zur Schuschaftlichen Mitarbeiter des Dokumen- le ging, ihrer Klassenkameraden. Man tationszentrums und bekannt durch sei- tauschte sich darüber nicht aus. ne Bücher „Kalte Heimat“ und vor allem Dann zitiert Bisky aus dem Buch: „Es „Flucht. Eine Menschheitsgeschichte“, gibt keine gemeinsame Geschichte, keiund dem Moderator, dem Journalisten ne gemeinsame Perspektive. Jeder erund Autor Jens Bisky. zählt seins den seinen. Historische MoChristiane Hoffmann liest drei kurze nologe. Deutsche und Polen mit dem Passagen aus ihrem Buch, und sie wird Rücken zueinander. Und das Unsagbaes am Ende auch signieren, wobei sich re bleibt unsagbar.“ Sei das immer noch eine ordentliche Schlange bilden wird so? Nicht mehr so, wirft Kossert ein. Ermit vielen persönlichen Gesprächen am innerung wird poröser, heterogener und Signiertisch. fragmentierter nach mehr als 75 Jahren. Das Gespräch dreht sich um die Eine homogene polnische Erinnerung Flucht und die gebe es nicht mehr, n  Nächste Lesung: Montag, 7. März, und auch bei den Eigenart der Vertriebenen, 20.00 Uhr, Literaturhaus, Salvatorplatz Deutschen könnte ja darüber, kaum 1, München. Saal & Stream. Mehr un- die Erinnerung der gesprochen, da- ter: www.literaturhaus-muenchen.de Einheimischen und von auch keider Flüchtlinge, Verne Fotos zu haben. Kossert erklärt es triebenen nicht verschiedener sein. so, die Flüchtenden wissen im Moment Auch wenn der Fluchtweg des Vades Aufbruchs, der immer überraschend ters von Christiane Hoffmann mehr als kommt, gar nicht, wohin es geht und daß die Hälfte der Distanz durch die heutisie zu Vertriebenen werden. Und sie tra- ge Tschechische Republik führt, spielt gen die Ungewißheit auch an die Orte das deutsch-tschechische Verhältnis ihres Ankommens, ja durch ihr ganzes auf dem Podium keine Rolle. Erst als Leben und ihre Integration weiter. der letzte Fragesteller aus dem PubliHoffmann erzählt von der Präsenz kum zu Wort kommt, sind die sudetender Herkunftsorte in ihrer Familie, aber deutschen Erinnerungen Thema. Reinauch von der völligen Unkenntnis über fried Vogler meldet sich und schildert das gleiche Schicksal von Familien in die Erfahrung seiner Frau aus Teplitz-

Schönau und seine eigene Vertriebenengeschichte aus dem Südmährischen. Er hat das Buch schon gelesen, da ihn seine Frau, eine Buchhändlerin, darauf aufmerksam gemacht hatte. Er läßt sich das Buch signieren. Darin finden sich viele bemerkenswerte Beobachtungen über die Einstellungen mancher Tschechen im heutigen Europa. Darunter auch die Schilderung eines Besuches Hoffmanns im Aussiger Museum und der im Juni 2021 noch nicht eröffneten Ausstellung „Unsere Deutschen“. Sie wird von Petr Koura, dessen Statur sie mit Martin Luther vergleicht, durch die Räume geführt. „Es gibt eine kleine dunkle Kammer, die Petr Koura den Raum der Scham nennt. Hier werden tschechische Amateurfilme aus dem Sommer 1945 gezeigt. Deutsche mit Koffern, die in Züge verladen werden, Deutsche in Internierungslagern, ihre Gesichter in Großaufnahme, schwarz-weiß, Frauen, Männer, Kinder, Greise, hinter jedem Gesicht eine Geschichte. Wir zeigen nur rohes Material ohne Ton, ohne Kommentar, sagt Koura. Die Tschechen sollen sich schämen für das, was sie den Deutschen angetan haben. Schämen sich die Deutschen für das, was sie den Tschechen angetan haben?“ Ulrich Miksch

um Alten Testament gehört das Buch Kohelet. Es enthält Sprichworte und Lebensweisheiten, die wohl im 3. Jahrhundert vor Christus gesammelt wurden. Da der Autor anonym blieb, nennen wir auch ihn „Kohelet“. Bekannt sind die ersten Verse, die gut zum Beginn der Fastenzeit passen. „Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch, von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne? Eine Generation geht, eine andere kommt, die Erde steht in Ewigkeit.“ Mit anderen Worten: „Mensch, nimm dich und dein Leben nicht so wichtig, kreise nicht nur um dich selbst, denn du und alles, was du hast, ist vergänglich.“ Das Aschenkreuz, das jedes Jahr am Beginn der Fastenzeit ausgeteilt wird, weist in die gleiche Richtung: „Bedenke, Mensch, daß du Staub bist, und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ In dieser Fastenzeit wird uns die Vergänglichkeit allen menschlichen Seins noch stärker bewußt als sonst. Wir mußten zwar bereits in den zwei letzten Jahren Schwieriges meistern, nämlich eine Pandemie, aber wir konnten dies hier in Europa im Frieden tun. Seit dem Morgen des 24. Februar ist es um den Frieden auf unserem Kontinent geschehen. Die intensiven diplomatischen Bemühungen zur Verhinderung des Angriffskrieges Rußlands auf die Ukraine waren ohne Erfolg. Auch die vielen Gebete um die Erhaltung des Friedens, welche in den letzten Wochen zum Himmel geschickt wurden, haben nicht die erhoffte Wirkung gezeigt. Mir liegt ein Vers des Dichters Matthias Claudius auf den Lippen: „‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg! O Gottes Engel wehre, und rede darein! / ‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg – und ich begehre nicht schuld daran zu sein!“ Doch zurück zum Buch Kohelet. Im dritten Kapitel steht: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ernten.“ Es folgt eine lange Aufzählung verschiedener, in ihrer Art jeweils widersprüchlicher Zeiten. Am Ende heißt es: „Eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit zum Krieg und eine Zeit zum Frieden.“ Diese Sätze zeigen mir: Kohelet war weder ein frommer noch ein politischer Träumer. Wir sind gerade in diesen Zeiten gut beraten, uns ebenfalls keinen Träumereien hinzugeben. Kohelet war ein nüchterner Realist. Er wußte um das Wechselspiel des menschlichen und gesellschaftlichen Lebens. Gerade dieser Umstand gibt aber auch Hoffnung. Die Zeit des Krieges wird auch einmal zu Ende sein. Diese Hoffnung gehört unbedingt zum Realismus hinzu. Das Böse hat nicht das letzte Wort. Es wird wieder eine Zeit des Friedens anbrechen. Bis es soweit ist, braucht es Festigkeit des Glaubens und Vertrauens. Es braucht auch den Kampf. Es braucht die Bereitschaft zur Solidarität und zum Verzicht. Es braucht die Bereitschaft zum Durchhalten. Mein ukrainischer Mitbruder Wolodymyr Hruza, Weihbischof der griechisch-katholischen Erzeparchie von Lemberg, schrieb mir vor wenigen Tagen: „Gott ist mit uns. Er ist stärker als jede menschliche Macht. Wir bleiben am Ort.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM � Ukrainekrise und Kriegserinnerungen

PERSONALIEN

Wegen Hilfspaket getötet

� Neuer BdV-Generalsekretär

Marc-Pawel Halatsch Schuck ist diplomierter Volkswirt und war seit 1985 beim BdV. Zunächst war er als Referent mit den Themen Eingliederung, Recht und humanitäre Aufgaben betraut. 1991 übernahm er die Referatsleitung und wurde Stellvertretender Generalsekretär. In der Nachfolge von Michaela Hriberski wurde er 2014 Generalsealatsch ist studierter Medi- kretär und Leiter der Bundesgeen- und Kulturwissenschaft- schäftsstelle. ler. 2014 begann er als PresseBdV-Präsident Fabritius danksprecher und Leiter des Referates te Schuck für dessen jahrzehntePresse- und Öffentlichkeitsarbeit langen Einsatz für den Verband. beim BdV. Mit dem personellen Er habe mit Empathie hinter der Ausbau der BdV-Vertretung in Sache der deutschen HeimatverBerlin übernahm er auch die dor- triebenen, Spätaussiedler und tige Leitungsfunktion. deutschen Minderheiten in den Nachbarländern gestanden und einen Kurs der Erneuerung und des Erinnerungstransfers nach außen sowie der fortwährenden Konsolidierung nach innen mitgestaltet. Dieser Kurs werde in neuer Frische unter Halatsch fortgesetzt. „Der BdV ist Klaus Schuck und Marc-Pawel Halatsch. für die Zukunft gut aufge Bild: Bildkraftwerk stellt.“ Am 1. März wurde der bisherige Leiter der BdV-Hauptstadtvertretung, Marc-Pawel Halatsch, auf Empfehlung von BdV-Präsident Bernd Fabritius und nach Beschluß des Präsidiums BdVGeneralsekretär. Sein Vorgänger Klaus Schuck schied auf eigenen Wunsch aus.

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

� Bistum Ostrau-Troppau

František Lobkowicz † Am 17. Februar starb František Lobkowicz OPraem, seit 1996 erster Bischof des neuen Bistums Ostrau-Troppau, mit 74 Jahren in Mährisch Ostrau.

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m 5. Januar 1948 kam er in Pilsen zur Welt und hieß fortan František z Assisi Karel Bedřich Klement Jaroslav Alois Leopold Gerhard Telesfor Odilio Jan Bosco Pavel Marie Václav Prinz von Lobkowicz. Seine Eltern waren Fürst Jaroslaw von Lobkowicz (1910–1985) und Gabrielle Gräfin von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock (1917–2008). Das älteste seiner vier Geschwister ist Jaroslav Lobkowicz (* 1942), Chef des Hauses Lobkowicz. Sein Bruder Filip Zdeněk Lobkowicz ist ebenfalls Prämonstratenser und Abt von Stift Tepl. Nach dem Abitur studierte Lobkowicz an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag. Ab 1967 studierte er katholische Theologie am Priesterseminar von Leitmeritz und an der Leopold-FranzensUniversität in Innsbruck. 1968 trat er in den Prämonstratenserorden ein, wo er den Ordensnamen František annahm. Am 15. August 1972 empfing er in Prag die Priesterweihe. Bis 1984 war er Kaplan in den schlesischen Städten Tschechisch-Teschen, Friedeck und Jablunkau. Bis 1990 war er Pfarrer in Ostrau. Am 17. März 1990 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Titularbischof von Catabum Castra und Weihbischof in Prag. Die Bischofsweihe empfing er am 7. April 1990 im Veitsdom vom Prager Erzbischof František Kardinal Tomášek. In der Tschechischen Bischofskonferenz war er Mitglied der Abteilung für die katholische Erziehung, verantwortlich für die örtlichen Schulen. Er war der Präsident der Abteilung Wirtschaft und Recht, ab 2005 auch VizePräsident der Bischofskonferenz. Er war zudem Spiritual der tschechischen Pfadfinder. Am 30. Mai 1996 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum ersten Bischof des neuen Bistums Ostrau-Troppau. Am 26. November 2011 spendete er seinem leiblichen Bruder Filip Zdeněk Lobkowicz die Abtsbenediktion zum Abt von Stift Tepl. Seit 1990 war er auch Ehrenkaplan des böhmischen Großpriorats des Malteserordens, 1992 bis 2001 Apostolischer Delegat der Großmeister der Kreuzherren mit dem Roten Stern, seit 2005 geistlicher Großprior des böhmischen Großpriorats des LazarusOrdens. Sein Wahlspruch lautete „Für das Leben der Welt“.

Wladimir Putins Einfall in die Ukraine und der seitdem dort herrschende Krieg bewegen auch die Landsleute. Bei Helmut Körner, der aus Zöptau im nordmährischen Kreis Mährisch Schönberg vertrieben wurde, und bei Nobert Quaiser, den die Tschechen aus dem nordböhmischen Reichenberg verjagten, spülte das gegenwärtige Elend in der Ukraine Erinnerungen hoch.

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tet und getötet worden und in einem Massengrab gelandet sei, das erst nach der Besetzung des Ortes entdeckt worden sei. Und am 8. Mai 1945 begrüßte mein Vater als erste „Besetzer“ vor unserem Haus in Zöptau Nr. 3 Offiziere, die sich als Ukrainer zu erkennen gaben. Helmut Körner

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ein Großvater kam als k. k. Soldat in Gefangenschaft in die Ukraine. Er mußte bei einem Bauern arbeiten und wurde wie ein Familienmitglied behandelt. „Abends saßen wir immer vor dem Haus und spielten mit Nachbarn ein Brettspiel“, erzählte er. Das erste, was mein Großvater nach seiner Heimkehr zu meiner Großmutter sagte, war: „Pack alles zusammen, wir ziehen in die Ukraine.“ Antwort meiner Großmutter: „Du bist wohl verrückt geworden!“ Oft hat sie davon erzählt. Mit dem Umzug wurde es nichts, meine Großmutter hatte ein Talent sich durchzusetzen. Im Mai 1945 bog plötzlich eine Militärkolonne in die Schillerstraße in Karbitz bei Aussig ein. Die Russen kommen! Die Soldaten, auch Frauen darunter, stiegen aus. Meine Mutter stand gerade am Tor, und ein Soldat sagte ihr, daß man eine Nacht hier bleiben wollte, um im Haus zu kochen und zu schlafen. Da meine Mutter Tschechisch sprach, konnte sie sich mit ihm verständigen. Wir haben uns dann alle nach hinten in den

ein Vater mußte im Ersten Weltkrieg noch an die galizische Front, damals ein Teil des k. k. Reiches. Dort erlebte er im Stellungskrieg mit Russen das persönlich, was ich bei Goethes Aufzeichnungen als Kriegsberichterstatter an der französischen Front nicht begreifen wollte: Man kämpfte tagsüber zur „Arbeitszeit“ bis zum Feierabend, hörte pünktlich auf und traf sich – zumindest auf der kleinen Kommandoebene – mit dem „Feind“ zum gemütlichen Abend. Und am nächsten Tag ging es wieder in den Krieg. Mein Vater wurde bald gefangen genommen und landete direkt bei einem fortschrittlichen ukrainischen Bauern, der ihn nicht nur zur Arbeit nutzte, sondern auch wie einen Sohn in seine Familie aufnahm und umsorgte. Als der Bauer wieder einmal mit seinem Pferdewagen in die nächste Stadt fuhr – das dauerte einen ganzen Tag lang –, war sie bereits von den Österreichern eingenommen worden. Sie haben den Bauern so freundlich behandelt, daß er nach seiner Rückkehr meinem Vater versprach, ihn gleich zur Heimreise in die Stadt zu fahren. Dort wurde er von den k. k. Offizieren erst einmal auf Herz und Nieren überprüft, ob er Helmut Körner und Norbert Quaiser in Vor-Coronicht als „fahnen- na-Zeiten beim Treffen des hessischen BdV-OrtsBild: Erika Quaiser flüchtig“ zu behan- verbandes Bad Nauheim. deln sei. Mein Vater hielt trotz Tsche- Hof verzogen, und die Soldaten choslowakei und Sowjetrußland wirkten ganz geräuschlos in unKontakt zu seiner „ukrainischen serem Haus. Am nächsten MorFamilie“. 1937 traf ein Hilferuf gen zogen sie ab, nicht ohne das von dort ein. Man sei enteignet Haus gut aufzuräumen. Brot lieworden, habe nichts mehr und ßen sie uns zurück, das russische müsse auf dem eigenen Grund Brot war feucht und sauer, aber und Boden als Sklave arbeiten. für uns ein Genuß, weil wir schon „Habt Ihr nicht ein paar alte Klei- lange nichts mehr gegessen hatder?“ Vater war seit 1931 selbst ten. Beim Wegfahren gab es noch arbeitslos, aber er sammelte im Dorf ein brauchbares Paket zu- ein Gelächter, weil einer meine sammen. Statt einer Antwort von Mutter nachmachte, da sie wohl der Bauernfamilie kam ein amtli- schrecklich gezittert hatte, als ches Schreiben von der Zollstel- die Soldaten um Einlaß gebeten le, er möge eine Riesenzollsum- hatten. Beim weiteren Gespräch me überweisen, damit das Paket stellte es sich dann heraus, daß zugestellt werden könne. Mein wir eine ukrainische Einheit beVater antwortete nur, er habe herbergt hatten. Mein Enkel Paul schreibt gekein Geld, man möge über das rade einen Lateintest. Wir denPaket weiter verfügen. Pause bis 1941. Da kam eine ken dabei an die Schüler in der Postkarte mit deutscher Brief- Ukraine. Müssen sie alles durchmarke vom Sohn, in der er kurz machen, was wir hofften, daß es mitteilte, daß sein Vater 1937 we- nie mehr passieren würde? Norbert Quaiser gen der Paketgeschichte verhaf-

Ein Weltbegriff – ein Hochgenuß für Feinschmecker

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LESERBRIEFE Marx, München und Benedikt XVI.

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u dem Artikel „Kirchenstreit: Tschechische Bischöfe üben scharfe Kritik an Kardinal Marx“ über schwere Vorwürfe gegen Gutachter, die keine Beweise hätten, daß der emeritierte Papst Benedikt XVI. an der Vertuschung von Mißbrauchsfällen beteiligt gewesen sei, von Torsten Fricke (Ý SdZ 7/2022). Schon die Überschrift hat mir die Sprache verschlagen. Ich glaube jedenfalls dem Gutachten, das Reinhard Kardinal Marx in Auftrag gegeben hat, mehr als den im Artikel von Torsten Fricke genannten Erzbischöfen. Diese sollten sich an Erzbischof Marx ein Beispiel nehmen und auch unabhängige Gutachten einholen. Da würden mit Sicherheit viel mehr Verbrechen und Mißbrauchsfälle aufgedeckt, die unter den Teppich gekehrt wurden, um ja nicht dem Ansehen der Kirche zu schaden. Gerade an die Moral der Kirche muß man doch große Ansprüche stellen. In der angesprochenen Sitzung vom 15. Januar, an der Ratzinger doch teilgenommen hatte, ging es „ausschließlich um die Unterbringung des jungen Priesters X., weil er sich in München einer Therapie unterziehen sollte. Der Grund der Therapie wurde nicht genannt.“ Wer glaubt denn so etwas? Für was hat sich der damalige Kardinal Ratzinger denn eigentlich interessiert? Möglich, daß er den Grund nicht wissen wollte! Daß die Umgebung des emerierten Papstes vieles nicht wahrhaben und weiter vor allem die Institution Kirche schützen will, scheint leider wahr zu sein und ist in ihren verdunkelten Augen vielleicht sogar folgerichtig. Die vielen Entschuldigungen und Bitten um Vergebung sind doch nur ein Feigenblatt. Anscheinend hat es mir doch nicht ganz die Sprache verschlagen. Total verunsichert bin ich allerdings, weil die Verantwortlichen der Zeitung solche einseitigen Artikel mit so einem brisanten Inhalt groß auf der erste Seite abdrucken. Ich hätte mir dazu auch einen Kommentar von Seiten der Sudetendeutschen Zeitung gewünscht. Erich Schwarz per eMail

Mendel, Brünn und Heinzensdorf

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u dem Artikel „Erbsenkraut erinnert an den großen Mendel“ über Brünn, das sich auf den 200. Geburtstag des Wissenschaftlers und Priesters vorbereitet, von Nicola Fricke (Ý SdZ 7/2022). Der Artikel liest sich etwas befremdlich, da hier Brünn als Gregor Mendels Heimatstadt bezeichnet wird. Sicher hat er als Augustiner in Brünn gelebt und gewirkt. Jedoch ist seine Heimat sein Geburtsort Heinzendorf in Schlesien, welches in dem Artikel überhaupt nicht erwähnt wird. In seinem Geburtsort wurden sicher die Grundlagen zu seinen späteren Forschungen gelegt. Der zuständige Pfarrer in Groß Petersdorf, Pfarrer Schreiber, war ein ausgezeichneter Pomologe. Er erteilte dem begabten Johann Mendel den ersten Lateinunterricht und weckte in ihm die Liebe zum biologischen Experimentieren. Johann Gregor Mendel war sein ganzes Leben über mit seinem Heimatort Heinzendorf verbunden. So war er beispielsweise 1882 wesentlich an der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Heinzendorf beteiligt, deren Ehrenmitglied er dann auch war. Feiert man seinen 200. Geburtstag, so sollte man gewiß auch seinen Geburtsort nicht unerwähnt lassen. Dr. Bernhard Josko 26129 Oldenburg


Bei der Online-Veranstaltung „Rübezahl, Krakonoš, Liczyrzepa – oder was?“ der Sudetendeutschen Heimatpflege referierte der Autor Ralf Pasch über die Ergebnisse seiner Forschungen zum Berggeist Rübezahl und dessen tschechischem Gegenpart Krakonoš. Die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Christina Meinusch, und gut zwei Dutzend Zuschauer verfolgten den spannenden Vortrag mit Bilderpräsentation.

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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

� Vortrag im Internet

Ein vielseitiger Berggeist

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alf Pasch wurde durch sein Buch „Die Erben der Vertreibung“ in sudetendeutschen Kreisen und darüber hinaus bekannt“, stellte Christina Mei­ nusch den Referenten vor. „Er ist ein gefragter Biograph und Ausstellungskurator“, sagte die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen. Mit der Wanderausstellung „Die Schaleks – eine mitteleuropäische Familie“ habe er die Geschichte Mitteleuropas anhand von fünf Biographien aus der Prag-Wiener Familie Schalek dargestellt. Sein nächstes Projekt seien eine Ausstellung und ein Kinderbuch, das sich um Rübezahl drehen werde. Pasch stellte dann die Ergebnisse seiner bisherigen Forschungen zu dem Thema vor. Das begann mit den Ursprüngen der mythischen Figur: Italienische Bergleute und Waldarbeiter aus Tirol sollen die geheimnisumwitterte Figur nach Böhmen und Schlesien gebracht haben. Die deutschen, tschechischen und polnischen Riesengebirgler erkoren ihn zum Helden vieler Sagen. Dabei sei die Erklärung des Namens von Johann Karl August Musäus 1783 als einen verliebten Berggeist, der seine Rüben zäh-

Der Heiligenhof-Mitarbeiter Ulrich Rümenapp betreut technisch die Veranstaltung mit dem Referenten Ralf Pasch, der Heimatpflegerin Christina Mei­ nusch und dem SL-Bundeskulturreferenten Professor Dr. Ulf Broßmann, der sich an der Diskussion beteiligte. Bilder: Susanne Habel (3), Ralf Pasch le, wohl falsch. Rübezahl stamme eher von der Zusammensetzung des althochdeutschen Begriffs ­„hriob“ für rauh und des Mittelhochdeutschen Wortes „zagel“ für Schwanz, wonach der Name etwa „rauher Schwanz“ bedeutet habe. So habe der geweihtragende Ur-Rübezahl noch einen Schwanz und Bocksfüße, was auf seinen dämonischen Ursprung hinweise. „Seit Jahrhunderten ranken sich mündlich überlieferte wie schriftlich festgehaltene Sagen um den Berggeist“, betonte Pasch. Die meisten Texte seien Adaptionen der deutschsprachigen Geschichten von Johannes Praetorius (1630– 1680) und Johann Karl August Musäus (1735–1787) gewesen.

Dazu stellte Pasch historische Buchtitel und -illustrationen vor: Von der Darstellung als Riese oder Berggeist bis zur bekanntesten Variante als alter Mann

mit Hut, Bart und Stock, der als Helfer oder Strafender auftrat. So hätten die Tschechen ihren Krakonoš in Abgrenzung zum eher hart strafenden Riesen im

Älteste Darstellung Rübezahls und seine Beliebtheit im 19. Jahrhundert.

deutschsprachigen Narrativ zum freundlichen Bergler gemacht, als der er heute noch bekannt und beliebt sei. Liczyrzepa, die polnische Version des Namens für den Berggeist, habe nach 1945 in der neu gegründeten Volksrepublik Polen der kulturellen Aneignung des schlesischen Riesengebirges gedient, aus dem die deutschen Bewohner vertrieben worden oder geflohen seien. Pasch schilderte auch die Verarbeitung und Bedeutung derartiger Mythen für Vertriebene: „Menschen, die ihre Heimat verlassen mußten, die flohen oder vertrieben wurden, nehmen im Gepäck oft ihre Geschichten, Märchen und Mythen als Verbindung zur angestammten Heimat mit.“ Oft würden die Sagen

weitergegeben an die Nachkommen, sowie an die Menschen in der „neuen“ Heimat. Dies sei auch durch Bücher, Erzählungen Filme und Fernsehen geschehen. Aber schon vor der den Wirren des 20. Jahrhunderts habe die Figur Rübezahl Veränderungen gezeigt. In der Literatur und Kunst der Romantik habe das Riesengebirge als Sehnsuchtsort gegolten, und damit sei auch der dort beheimatete Geist zum Projektionsraum geworden. Doch sei es mit der zunehmende Erforschung (auch durch Vermessung) zu weiterem Wandel gekommen. Denn im 19. Jahrhundert habe auch die nationale Vereinnahmung der Rübezahl-Figur vor allem im deutsch-tschechischen Kontext begonnen, wofür Pasch auf die Beispiele vom „Germanischen“ Rübezahl-Mythos in der Sagenhalle Schreiberhau und dem „Pan Johannes“ von Alois Jirásek (1909) hinwies. Der Berggeist sei in den letzten Jahrzehnten oft vermarktet worden, um etwa den Fremdenverkehr anzukurbeln. Da der zunehmende Tourismus und Wintersport im Gebirge die Umwelt belasten würden, trete Rübezahl nun als Umweltschützer auf. „Denn der polnisch-tschechische Nationalpark Riesengebirge, eines der größten zusammenhängenden Naturschutzgebiete Mitteleuropas, weist wichtige Pflanzen und Tiere auf und ist weltweit einzigartig.“ Dort sei schon 1904 eines der ersten Naturschutzgebiete eingerichtet worden wegen zu starken Ansturms von Heilpflanzensammlern. Rübezahl als Umweltschützer ist sicher ein guter Ansatz, um den Berggeist wieder ins Bild zu rücken und die Legende über Rübezahl weiterzutragen. Susanne Habel

Ralf Pasch stellt in seiner Powerpoint-Präsentation die verschiedenen Formen vor, in denen der Riesengebirgsgeist auftritt. Bei seinem Online-Auftritt stellte Ralf Pasch auch sein neues Buch mit dem Arbeitstitel „Rübezahl, Krakonoš, Liczyrzepa – oder was?“ vor. Hier erläutert der Autor die Planung für sein illustriertes Kinderbuch für Erstleser und zum Vorlesen, zu dem auch eine Ausstellung des Deutschen Kulturforums östliches Europa vorgesehen ist.

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as geplante Kinderbuch über die deutsch-tschechisch-polnische Sagenfigur Rübezahl erzählt eine in der Gegenwart spielende Rübezahl-Geschichte als literarisches „Road Movie“. Zwei Kinder – Bruder und Schwester – im Alter der Zielgruppe begeben sich gemeinsam mit einem Rübezahl-Forscher auf eine Reise durch das Riesengebirge, um den Berggeist zu finden und ihn – was noch nie gelang – zu fotografieren. In Anlehnung an alte Rübezahl-Geschichten erlebt das

� Neues Projekt über Rübezahl

Ein Kinderbuch mit Bildern Trio phantastische Abenteuer. Dabei erscheint der Berggeist jedoch nie als der bärtige Herr mit Hut und Stock, als der er im Tourismus vermarktet wird, sondern in „tausend lebendigen und toten Gestalten“, wie Carl Hauptmann, Bruder von Gerhard Hauptmann, in seinem Rübezahlbuch (1915) schreibt. Der Berggeist treibt nicht nur seine Späße mit den drei Besuchern, sondern lehrt sie bei einigen Abenteuern, der gefährdeten Natur im Riesengebirge keinen Schaden zuzufügen. Rübezahl als Naturschützer basiert auf einem Motiv des schlesischen Künstlers Hanns Fechner (1860–1931) im Werk

Der vergriffene Bestseller war Paschs erstes Buch.

Bilder (3): Ralf Pasch

mitteln, ist er doch eine Grenzgänger, der mühelos zwischen Böhmen und Schlesien wandelt und so das Konzept „Nation“ in Frage stellt. Geplant sind für das Buch etwa zehn bis fünfzehn Episoden in Texten und in Bildern, die jeweils auf zwei bis vier Buchseiten erzählt werden. Sie schildern die schicksalhafte Begegnung der Kinder mit dem RübezahlForscher, die Stationen der Reise und die Begegnungen mit Rübezahl auf tschechischem und polnischem Gebiet. Das Schlußkapitel hat voraussichtlich zum Inhalt, daß Rübezahl im Sinne von Carl Hauptmann „mit Händen nicht zu packen“ und nicht zu fotografieren ist. Eher entspringt der verwandlungsfreudige Geist der Fantasie der Menschen, die sich Geschichten ausdenken, um Ängste zu bewältigen oder sich merkwürdige Ereignisse zu erklären.

„BergzauKontakt bringt ber. Märchen und den Foraus Rübezahls scher aus heiReich“ (1928). terem HimDa Rübezahl mel den tschenicht eindeuchischen Satz tig einer Kul„Strč prst skrz tur zuzuordnen krk“ sprechen ist, wird er bei läßt. Die beiden einigen AufKinder lernen tritten in dem so, daß es sinnBuch zum Botvoll ist, eine schafter für Toder vermeintleranz, wenn er lich schwieriseine drei deut- Ralf Pasch beim ST 2019. gen Sprachen Bild: Susanne Habel der Nachbarn schen Gäste et- wa auf wunzu lernen. Der dersame Weise mit der tschechi- böhmisch-schlesische Kulturschen oder polnischen Sprache in raum war über Jahrhunderte hin-

weg ein Ort des Zusammenlebens von Deutschen, Tschechen und Polen. Nationalismus zerstörte diese Vielfalt. Auch solch ein komplexes historisch-politisches Thema vermittelt das Buch – nicht vordergründig didaktisch, sondern en passant. Kontextwissen über das Riesengebirge – außer über Kultur und Geschichte auch über Geographie – erzählt die Figur des belesenen Forschers, der die Kinder begleitet. So liegt die Quelle der Elbe im Riesengebirge, auch sie steht in Verbindung mit einer Rübezahl-Sage. Ein für Kinder abstraktes Thema wie „Grenze“ läßt sich über Rübezahl gut ver-

Zeichnungen von Juliane Pieper für das neue Buch.

In dem Buchprojekt soll es auch um Umweltschutz gehen.


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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

Wenzel Hablik: „Sternhimmel“ (1913), „Große bunte utopische Bauten“ (1922), „Freitragende Kuppel mit fünf Bergspitzen als Basis“ (1918/23/24). Im Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld wird derzeit eine Ausstellung mit Werken von Wenzel Hablik gezeigt. „Kristallträume – Expressionismus, Architektur, Utopie“ stellt den 1881 im böhmischen Brüx geborenen Künstler vor. Die Ausstellung überlappt vielfach mit der früheren Präsentation „Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien“ im Martin-GropiusBau in Berlin (Ý SdZ 37/2017).

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ristalline Architekturentwürfe, intergalaktische „Luftkolonien“, mechanische Flugkörper, aber auch Sternenhimmel, Berglandschaften und Möbelentwürfe: Das Gesamtkunstwerk des Expressionisten Wenzel Hablik ist überbordend in seiner Vielfalt und noch viel zu wenig entdeckt. Das Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld in Nord­ rheinWestfalen richtet dem Maler, Gestalter und Architekturvisionär eine große Retrospektive aus. Die großbürgerliche Wohnarchitektur der ehemaligen Villa Weber und die angeschlossenen Kabinette des Kunstforums bieten den idealen Rahmen, um einen Künstler wiederzuentdecken, dessen Inspiration vom kleinsten Kristall ausging, um sich bis in den Weltraum zu erstrecken.

Geboren 1881 in Brüx Wenzel Hablik wurde am 4. August 1881 in Brüx in Westböhmen als Sohn des Tischlermeisters August Hablik geboren. Kinderjahre und Schulzeit verbrachte er in Brüx. Während des Besuchs der Bürgerschule machte er eine Tischlerlehre und Meisterprüfung in der väterlichen Werkstatt und pflegte erste künstlerische Interessen. Im September 1898 begann Hablik ein vierjähriges Studium an der Fachschule für Tonindustrie und verwandte Gewerbe in TeplitzSchönau. 1902 immatrikulierte er sich an der Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums für Kunst und Industrie in ­Wien. In ­Wien, dem Zentrum des Jugendstils und der W ­ iener Werkstätten, studierte er ab 1902 Malerei, Schriftgestaltung und Heraldik an der Kunstgewerbeschule und machte erste Erfah-

� Ausstellung in Bielefeld mit Werken Wenzel Habliks

Aus den tollkühnen Architekturentwürfen Habliks, die von frühen Science-Fiction-Autoren wie H. G. Wells, Paul Scheerbart und Jules Verne inspiriert waren, wurde nichts. Hablik ging es wohl weniger als seinen Mitstreitern der „Gläsernen Kette“ um eine reale Berufsperspektive als Architekt, als vielmehr um die Utopie, aus den Trümmern des Kaiserreichs und des verlorenen Weltkriegs moderne Kathedralen zu erbauen. In einer idealen Bauhütte sollten künstlerische und architektonische Fragen mit denen zur Lebensführung, zum technischen Fortschritt und zur Natur verbunden werden. Dies zeigte eine farbgewaltige, verspielte Alternative zum pragmaOben und unten: Ausstellungsansichten aus „Wenzel Hablik: Kristallträume. Expressionismus, Architektur, Utopie“ Bilder: Ingo Bustorf, Kunstforum tischeren Bauhaus in Dessau und eine visionäre Kraft, die wohl erst später Architekten wie die Gruppe Archigram, Zaha Hadid und Daniel Libeskind in ihren Gebäuden manifestierten. Neben der Erfahrung der Elemente, denen er in großformatigen, expressiven Gemälden huldigte, war es auch die osmanische Architektur und Kunst, Bis Sonntag, 6. März: „Wenzel die HabHablik: Kristallträume Expressiolik beflügelnismus, Architektur, Utopie“ in te, und die Bielefeld, Kunstforum Hermann rungen als Zeichner von Stoffent- nigsberg, die Frische Nehrung menten. Wenzel Hablik begeg- Ehefrau, mit in seinen Stenner, Obernstraße 48. Eintritt würfen für eine Möbelfabrik. Seit und Kopenhagen auf die In- nete damals auch dem Itzehoer der er zusamKuppelent8, ermäßigt 5 Euro. Mittwoch bis Beginn seines Studiums zeich- sel Sylt, wo er als Stipendiat der Holzgroßhändler Richard Biel, menarbeitewürfen, aber Freitag 14.00–18.00, Samstag, nete Hablik Gruppen von selbst- Kunstwart-Stiftung Gast im Haus der ihn förderte. 1907 lud der te, und die auch seiner Sonntag 11.00–18.00 Uhr. Internet gesammelten Gesteins­proben von Ferdinand Avenarius war. Unternehmer ihn zu sich nach It- ihm mit ihabstrakten und Kristallen, die sich in seiner Habliks intensive Naturerlebnis- zehoe im Südwesten Schleswig- rem erfolgkunstforum-hermann-stenner.de Ornamentik Fantasie zu Märchenschlössern se vor allem auf Sylt, in Norditali- Holsteins ein und wurde ihm reichen Under Innenauf unzugänglichen Berghän- en und der Schweiz prägten seine zum Lebensfreund und Mäzen. ternehmen raumgestalgen ausformten. Heute gehören Auseinandersetzung mit den EleHablik richtete sich dort ein auch finanziell den Rücken stärk- tungen durch Tapeten, Wandtepsie zu den frühesten beeigenes kleines Ate- te. Erstmals war er 1908 mit Ge- piche, Möbel- und Kleiderstofkannten Entwürfen krilier in der Brücken- mälden und Arbeiten aus seinem fe aufschien. Habliks Rückzug stalliner Architektur in straße 14 ein. Hier Zyklus „Schaffende Kräfte“ in ei- in die Provinz und sein früher der europäischen Kunstentwarf er extrava- ner Ausstellung der Berliner Se- Krebstod mit nur 52 Jahren liegeschichte. gante Raumkonzepte cession vertreten. Diesen Zyklus ßen einen Künstler, der bis zum Danach ging Hablik für Wohnungen und stellte der führende Avantgarde- Ende des Ersten Weltkriegs in nach Prag. Als Student Firmensitze in Nord- Galerist Herwarth Walden 1912 Berlin im Zentrum der Avantgaran der Kunstakademie deutschland, während in seiner Sturm-Galerie neben de stand, jahrzehntelang in VerPrag von 1905 bis 1907 er privat seine kristal- Werken von Picasso, Kandinsky, gessenheit geraten. kam er mit dem Expreslinen Architekturuto- Kokoschka und Gauguin aus. Die Ausstellung in Bielefeld sionismus in Berührung, pien in Zeichnungen 1919 nahm Hablik auf Einladung präsentiert mit mehr als 200 Geder sich in Habliks pas­ und großformatigen von Walter Gropius an der „Aus- mälden, Zeichnungen, Drucktosem Farbauftrag und Gemälden vorantrieb. stellung für unbekannte Archi- graphiken, Designobjekten, Foeinem gestischen PinselDas Erlebnis der tekten“ des Arbeitsrats für Kunst tografien und Dokumenten auf schwung niederschlägt, Natur blieb stets die teil. zwei Etagen in allen Räumen das sowie in einer von Vinbedeutendste InspiAls Mitglied der Briefgemein- Schaffen Wenzel Habliks. Gecent van Gogh und Edrationsquelle für sein schaft „Die Gläserne Kette“ war zeigt werden auch die kunstgevard Munch inspirierSchaffen. In der selb- Hablik mit Architekten wie Wal- werblichen Arbeiten, die Habten Motivik. 1907 unständigen Handwe- ter Gropius, Bruno Taut, Hans liks fantastische Motive als Anreternahm Hablik eine berin Elisabeth Lin- Scharoun, Hans und Wassili gung aufgegriffen haben. Reise über Danzig, Kö- Wenzel Hablik: „Ohne Titel“ (Tanzkostüm 1920/29). demann fand er eine Luckhardt in regem Austausch. Susanne Habel

Die neueste Ausgabe der Kulturzeitschrift Sudetenland, die vom AdalbertStifter-Verein herausgegeben wird, hat zum 140. Geburtstag von Wenzel Hablik (1881–1934) diesen böhmischen Künstler in den Mittelpunkt gestellt.

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Bilder: Wenzel-Hablik-Museum Itzehoe, Wenzel-Hablik-Stiftung

us Kristall sind die gemalten Luftschlösser des böhmischen Malers und Gestalters, der jetzt im „Sudetenland“ gewürdigt wird. So führt in der jüngsten Ausgabe Janina Wilhelm, die Kuratorin des Hablik-Museums in Itzehoe, in der Studie „Architekturutopie und Gesamtkunstwerk“ in Habliks Werk ein. Eva Bendová beleuchtet in „Wenzel Hablik in Prag“ seine dort verbrachten, reiferen Studienjahre. Der Künstler Hans-Jürgen Gartner, Träger des Großen Sudetendeutschen Kulturpreises, würdigt in „Vielseitiger Architekt des Fantastischen“ Habliks Schaffen zwischen Expressionismus und strenger

Kristallträume eines Böhmen

� Auf dem Zeitschriftentisch: Sudetenland

Fantastischer Visionär Form. Der Schriftsteller Wolfgang Sréter beschreibt, was Jugendliche in Berlin aus Habliks künstlerischen ArchitekturUtopien gemacht haben. Auch die anderem Beiträge des Heftes bieten fantastische Ansichten und literarische Neuentdeckungen. Die innovativen Ansätze tschechischer Fotografen der Frühen Moderne lassen sich im zweiten Schwerpunktthema sowohl in den Produkten von Prager Fotoateliers als auch bei den Bildkünstlern Anton Josef Trčka (Antios) und Alexander Hackenschmied (Hammid) studieren. Zum 150. Geburtstag von Alexander Zem-

linsky werfen wir einen Blick auf seine Prager Jahre als Dirigent am Neuen Deutschen Theater. Außerdem findet Jozo Džambo die Münchener Wies‘n in Prag, Brigitte Steinert findet im Münchener Lyrik-Kabinett etliche böhmisch-mährische Spuren und Franziska Mayer liest Perutz‘ PragRoman „Nachts unter der steinernen Brücke“ als Text über das Verschwinden. Außerdem berichtet Václav Maidl von seinen Erfahrungen beim Übersetzen historiographischer Texte und Gerd Holzheimer schildert eine urige Bar in Portugal.

Junge Übersetzer versuchen sich an der Kurzprosa von unter anderem Jan Hanč, Ondřej Cikán widmet dem tschechischen Surrealisten Vítězslav Nezval ein Langpoem und der SL-Kulturpreisträger für Literatur 2013, Bernhard Setzwein, erzählt uns eine Prager Weihnachtsgeschichte. sh „Sudetenland“ 3+4/2021. Jahresabonnement der Zeitschrift inklusive Versand 19 Euro. Einzelheft erhältlich per eMail bei sekretariat@stifterverein. de oder telefonisch (0 89) 62 27 16 30 gegen Rechnung plus Versand.


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

� SL-Altkreis Schlüchtern/Hessen

Elmer Kreuz Walter Weber, Obmann des hessischen SL-Altkreises Schlüchtern, erinnert an die Entstehung des Vertriebenenkreuzes am Elmer Weinberg vor 70 Jahren.

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Das Heuchelheimer Heimatmuseum von außen und – rechts – von innen.

� Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Leuchtturmprojekt in Heuchelheim

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as dortige Heimatmuseum im Kinzenbacher Bahnhof beherbergt eine Heimatstube, die vor allem Böhmen, Mähren, Ostpreußen und Ungarn gewidmet ist. Es wird vom Heimatund Geschichtsverein Heuchelheim-Kin-

zenbach betrieben, dessen Erster Vorsitzender Gerhard Kreiling das Team um Projektleiterin Ly-

dia Tosses bei der Digitalisierung unterstützte. Seit 1989 erinnert das Heimatmuseum auch an das Schicksal der etwa 1300 Heimatvertriebenen, die Heuchelheim aufnahm. In der Vertriebenenheimatstube wurden ausgewählte Exponate für die Projektwebseite www. heimatsammlungen. de digitalisiert, die Räumlichkeiten für eine 360-Grad-Ansicht abgelichtet und die Lydia Tosses und Gerhard Kreiling begutachten ein Gewürz- digitalisierten Ausschränkchen aus der Sammlung des Heimatmuseums. stellungsstücke für Bilder: Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen ihren virtuellen Auf-

Anfang Februar war das HessenTeam des Leuchtturmprojekts „Virtuelle Heimatsammlungen“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen im mittelhessischen Heuchelheim an der Lahn zu Gast.

tritt im Internet vorbereitet. Auf der Projektseite werden Heimatstube und Digitalisate schon bald in ihren kulturellen Kontext eingebettet und mit vielen Zusatzinformationen zu sehen sein. Das Hessische Innenministerium fördert das Leuchtturmprojekt „Virtuelle Heimatsammlungen in Hessen“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen finanziell. Das Projekt dient der Erhaltung des deutschen kulturellen Erbes aus dem östlichen Europa. Es knüpft an das bereits seit über zwei Jahren erfolgreich in Nordrhein-Westfalen laufende Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen in NRW“ an. tra

� SL-Ortsgruppe Warmensteinach/Oberfranken

Gustav Leutelts 75. Todestag Wegen der Pandemie fand das Gedenken an Gustav Leutelt, den Heimatdichter des Isergebirges, an seinem Gedenkstein in Warmensteinach zu seinem 75. Todestages nur mit einer kleinen Abordnung statt. Ortsobmann Helmut Hempel berichtet.

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ustav Leutelt kam am 21. September 1860 als Sohn des Oberlehrers Johann Michael Leutelt und dessen Ehefrau Marie, geborene Kittel, in Josefstal bei Gablonz im Isergebirge zur Welt. Schwer erschüttert durch den Verlust seines Sohnes Arno und die schicksalsschweren Ereignisse nach Kriegsende, in eine Notunterkunft in Seebergen gedrängt sowie des Nötigsten an leiblicher und geistiger Nahrung

Albrecht Schweingel, Hansjörg Nigrin, Gustav Leutelt sowie Gudrun und Helmut Hempel. Bild: Hildegard Heser

beraubt, starb der Dichter Gustav Leutelt am 17. Februar 1947 im thüringischen Dorf Seebergen bei Gotha im Elend der Vertreibung. Dem Sarg, den in der Heimat Hunderte zu Grabe geleitet hätten, folgten nur seine Wittwe, der Pfarrer und dessen Helfer. Ein erschütterndes Zeichen sudetendeutscher Geschichte. Seine Grabstelle wird nach wie vor weiterhin von der Leutelt-Gesellschaft mit Sitz in Neugablonz betreut. Wir Heimatfreunde aus dem Fichtelgebirge werden uns weiterhin gerne an den Isergebirgsdichter Leutelt an seinem Gedenkstein in Warmensteinach erinnern. Als Zeichen der Verbundenheit legten wir dort ein Körbchen mit Blumen nieder und zündeten eine Kerze an.

m Jahr 1952, sechs Jahre nach der Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat, errichtete der BdV am Elmer Weinberg ein Vertriebenenkreuz mit der lnschrift: ,,Unseren Toten in der alten Heimat“. Man gedachte in besonderer Weise der Verstorbenen, die auf zum Teil verwahrlosten und geschändeten Friedhöfen im Sudetenland, in Ungarn und Schlesien beerdigt waren und deren Gräber man nicht mehr pflegen oder besuchen konnte. Das Kreuz wurde zu Pfingsten 1952 im Rahmen einer beeindruckenden ökumenischen Feier aufgestellt. Die Weihe nahmen der katholische Priester Franz Storch, eine Vertriebener aus dem Saazer Land, und der evangelische Pfarrer Hans Ludolph vor. Freifrau Isa von Brandenstein verlas einen Brief ihrer Mutter, die die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hatte. Festredner waren der Elmer Bürgermeister Adam Heilmann und der Schlüchterner BdVVorsitzende Leopold Reinelt . Nach dem frühen Tod Reinelts im Februar 1957 ließen die Aktivitäten des BdV in Schlüchtern und Elm merklich nach. Der Verein löste sich wohl Anfang der 60er Jahre auf. Das Elmer Kreuz geriet in Vergessenheit. Kurz nach der Gründung des SL-Altkreises Schlüchtern im Jahre 2006 gab der Elmer Bürger Alfred Richter, der aus den Sudetenland stammte, dem SLVorstand den Hinweis auf das in die Jahre gekommene und schon stark beschädigte Vertriebenenkreuz. Mitglieder des Vorstandes kümmerten sich umgehend um das Kreuz. Der Vorstand bildete einen Arbeitskreis und übernahm die Patenschaft für das Kreuz und die nähere Umgebung. Bald stellte man fest, daß das rund 45 Jahre alte Kreuz teil-

weise morsch und in schlechtem Zustand war. 2008 beschloß der Kreiusvorstand, ein neues Vertriebenenkreuz aufzustellen. SLMitglieder und Freunde unterstützten eine einschlägige Spendenaktion großartig. Eine aus dem Sudetenland stammende Firma in Lettgenbrunn erhielt den Auftrag, das neue Kreuz anzufertigen. Im April 2009 wurde das Kreuz im Rahmen einer großen Feier am Weinberg aufgestellt. Constantin von BrandensteinZeppelin übernahm die Schirmherrschaft. Die Familie von Brandenstein hatte einst enge Beziehungen nach Mähren. Der katholische Priester Lech Kowalewski und der evangelische Pfarrer Kurt Leidorf aus Elm weihten das Kreuz. Der Schlüchterner Bürgermeister Falko Fritzsch, Constantin von Brandenstein-Zeppelin und ich als SL-Kreisobmann hielten kurze Ansprachen. Ich verwies darauf, daß man jährlich Anfang März der sudetendeutschen Toten des 4. März 1919 und der Opfer der Vertreibung am Kreuz mit der Niederlegung von Blumen und einer Andacht weiterhin gedenken wolle. Nach der Einweihung mit rund 100 Besuchern wurde im Elmer Bürgerhaus dieser Tag gefeiert. Erfreulich, daß die Stadt Schlüchtern mit ihren Bürgermeistern Falko Fritzsch und später Matthias Möller die KreuzAktivitäten der Sudetendeutschen positiv begleiteten. Danke. Auch dem Schlüchterner Heimat- und Geschichtsverein Bergwinkel gebührt Dank für seine finanzielle Unterstützung. Seit einigen Jahren führt die evangelische Gemeinde Elm am Karfreitag einen Kreuzweg von der Kirche zum Kreuz durch, was der Pfarrerin Annalena Failing zu verdanken ist. Am 5. März werden sich SLMitglieder und -Freunde zum 15. Mal am Kreuz treffen, um der 54 sudetendeutschen Märzgefallenen von 1919 und der Opfer der Vertreibung 1945/46 zu gedenken.

� Ackermann-Gemeinde in der Diözese Regensburg

Transformation in die Zukunft gelungen Um die Arbeit der AckermannGemeinde im Bistum Regensburg zukunftsfähig zu machen, wurde Mitte November 2021 ein separater Trägerverein gegründet.

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ckermann-Gemeinde in der Diözese Regensburg oder kurz Ackermann-Gemeinde Regensburg heißt der Trägerverein, der inzwischen beim Amtsgericht oder Registeramt ins Vereinsregister eingetragen wurde. Die Verantwortlichen an der Spitze sind Karl-Ludwig Ritzke als Erster Vorsitzender und Else Gruß als seine Stellvertreterin. Im Restaurant des Regensburger Kolpinghauses vollzogen zehn Personen die Gründung des Vereins, dessen Aufgaben in der Satzung wie folgt beschrieben sind: „Zweck des Vereins ist, einen Beitrag für die Völkerverständigung zwischen Deutschland und den ostmitteleuropäischen Ländern, insbesondere der Tschechischen Republik und der Slowakei, im Sinne der europäischen Zusammenarbeit, der Pflege der kulturellen

Werte und der geschichtlichen Überlieferungen der böhmischen Länder in einem christlich orientierten Europa sowie der Förderung des Wissens um die historischen, kulturellen, religiösen und menschlichen Gegebenheiten zu leisten.“ Als Initiator hieß Ritzke die Teilnehmer der Gründungsver-

sammlung willkommen. Er freue sich, daß mit diesem Schritt die Arbeit der Ackermann-Gemeinde in der Diözese zukunftsfähig gemacht werde und zu einem guten Teil auch Angehörige der jungen Generation dabei seien. Außerdem erläuterte er die spezifischen Aufgaben der beiden Vereine. Der kleine Trägerverein

schließe das Leitungsteam mit ein, sei nur für die Verwaltung zuständig und gebe den Mitgliedern Rechtssicherheit. Für den großen Verein ändere sich nichts. Auf Vorschlag Ritzkes und getragen vom Votum der Versammlung übernahm Klaus Unterburger, Inhaber des Lehrstuhls für

Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Regensburg, die Leitung der Versammlung. Etwas näher erläutert wurde der Punkt der Religions- oder Konfessionszugehörigkeit vor dem Hintergrund, daß die Ackermann-Gemeinde in ihrer langjährigen praktischen Arbeit im-

Florian Würsch, Marcus Reinert, Professor Dr. Bernhard Dick, Karl-Ludwig Ritzke, Dr. Jean Ritzke-Rutherford, Ida Montanari, Else Gruß und Professor Dr. Klaus Unterburger. Bilder: Markus Bauer

mer auch Kontakte zu Angehörigen anderer christlichen Konfessionen in Deutschland oder in der Tschechischen Republik und zum Teil darüber hinaus hat. Die Verbandsarbeit sei stets ökumenisch offen. Nachdem dies geklärt war, nahm die Versammlung die Satzung einmütig an und beschloß ebenso einstimmig die Vereinsgründung. Marcus Reinert und Florian Würsch leiteten die Vorstandswahl. Nun sind Karl-Ludwig Ritzke Erster Vorsitzender, Else Gruß Zweite Vorsitzende, Bernhard Dick Schatzmeister und Jean Ritzke-Rutherford Schriftführerin. Ritzke dankte für das ihm und seinem Team entgegengebrachte Vertrauen, dankte besonders Professor Unterburger für die Versammlungsleitung und stellte fest, daß die AckermannGemeinde nun die Transformation in die Zukunft geschafft habe. Die Ackermann-Gemeinde bleibe natürlich der Spezialist für die Kontakte nach Böhmen – sowohl der bisherige Mitgliederverband als auch der neue Verein. Markus Bauer


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AUS DER HEIMAT . VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

� Neutitschein/Heimatlandschaft Kuhländchen

� Heimatkreise Komotau und Kaaden-Duppau-Klösterle/Heimatlandschaft Erzgebirge-Saazerland

Wir bitten dich, erhöre uns Am morgigen 5. März findet in Kaaden, einem der Schauplätze des 4. März 1919 mit 26 Opfern, eine Feier anläßlich des Tags des Selbstbestimmungsrechtes statt. Helmut Mürling, Kulturreferent des benachbarten Heimatkreises Komotau, berichtet vorab.

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m 4. März 1919 erschoß tschechoslowakisches Militär bei friedlichen Demonstrationen für das Selbstbestimmungsrecht 54 Kinder, Männer und Frauen in sechs Städten Böhmens. Mehr als hundert Personen wurden schwer verletzt. Die Vorgeschichte, die Ereignisse und die Folgen kennen wir. Die Sudetendeutschen erinnern alljährlich daran. In Kaaden wurden die Märztoten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am städtischen Friedhof bestattet. In ein Ehrengrab kamen sie, 13 Frauen, elf Männer und zwei Kinder im Alter von elf und zwölf Jahren. Dieses Ehrengrab besteht nun schon über 100 Jahre. In den 40 Jahren des Kommunismus wuchs buch-

stäblich hohes Gras über das Grab. Nach der Wende im Jahre 1990 wurden die morschen Holzkreuze ausgewechselt. Im September 2009 brachte es der Sudetendeutsche Heimatkreis Kaaden-Duppau nach langen, zähen Verhandlungen fertig, eine völlig neue Grabstätte, an alter Stelle zwar, aber mit fünf dauerhaften Gedenktafeln erstellen zu lassen. Die mittlere Gedenktafel umfaßt die deutschen Namen der 26 Toten, zwei Tafeln geben Verse aus der Bibel wieder, eine Tafel handelt von der Bereitschaft zur Freundschaft und Versöhnung zwischen den Sudetendeutschen und den derzeitigen Bewohnern des Kaadner Landes. Die letzte Tafel aber ist bemerkenswert und sicher einmalig im heutigen Tschechien. Sie lautet: „Zum Gedenken an die vertriebenen Deutschen aus dem Kaadner Land in den Jahren 1945/46 und an die Ermordeten aus dem Jahre 1945.“ In einer Feier am Fest des heiligen Wenzel am 28. September wird alljährlich die oben erwähnte Freundschaft festlich began-

gen. Wir freuen uns, daß in unserer Heimat sich eine Sinnesänderung durchzusetzen scheint. Hoffen wir vor allem, daß die unheilvollen sogenannten BenešDekrete bald ein Fall für den Papierkorb werden. Seit 1945 herrschte in Europa Frieden. Das wäre heuer 77 Jahre gewesen. Doch im Osten Europas brach ein Konflikt aus. Tausende sind wieder, wie wir damals, auf der Flucht. Möge der Krieg bald enden. Für diese alle unsere Anliegen wollen wir Gott, unseren Herrn, bitten: l  Wir bitten für unsere Toten, die ihr Leben ließen, als sie am 4. März 1919 an friedlichen Versammlungen teilnahmen, um auf ihr Recht auf Selbstbestimmung hinzuweisen. l  Wir bitten für unsere Toten, die in der Heimaterde ruhen und denen es nicht vergönnt ist, daß auf ihren Gräbern Kerzen brennen. l  Wir bitten für alle Toten,

die unsere sudetendeutsche Gemeinschaft prägten und die in den vergangenen Jahren von uns gegangen sind. l  Wir bitten Dich, Herr und Gott, um Verzeihung für die Gewalttaten, die in deutschem Namen fremden Völkern angetan wurden. Gib uns die Kraft, auch denen zu verzeihen, die Gewalt an uns verübt haben. l  Wir bitten dich, Herr, um die Kraft, uns mit unseren einstigen Vertreibern auszusöhnen. l  Wir bitten Dich, Allmächti-

ger, halte ein den Krieg in Europas Osten. l  Erfülle die Staatenlenker mit dem Geist der Verantwortung zu den ihnen anvertrauten Völkern. Wir bitten dich, erhöre uns.

� SL-Ortsgruppe Naila/Oberfranken

Voraussetzung für Frieden

en Gedenkgottesdienst für die Opfer von Terror, Flucht und Vertreibung zelebrierte Dekan Andreas Seliger. Frank Stumpf bezog sich auf die Charta der Vertriebenen und wies auf ihren Versöhnungswillen hin. Das Selbstbestimmungsrecht sei die Voraussetzung für Frieden zwischen den Völkern. Er gedachte der Kriegs- und Vertreibungsopfer, der gegenwärtig 80 Millionen Flüchtlinge und der Kriegsopfer in der Ukraine. Oberfrankens Bezirksvizeund Nailas Ortsobmann Adolf Markus erinnerte an den völkerrechtswidrigen tschechisch-militärischen Einmarsch 1918/19 ins Sudetenland. Er erinnerte auch an die Opfer des 4. März 1919, die friedlich und unbewaffnet für das Selbstbestimmungsrecht und gegen die militärische Okkupation sowie die politische Annexion des Sudetenlandes durch den tschechischen Nationalstaat demonstriert hätten. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Volksgruppen sei heute aktueller denn je, wenn man die Konflikte zwischen den ethnischen Gruppen, die terrori-

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U TS C HE E R D

IN H OF

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stischen und kriegerischen Aus- wohl in den Sudetengebieten 75 einandersetzungen zum Beispiel Prozent der Industrien der ehein der Ukraine und die dadurch maligen Donaumonarchie waSudetendeutscher Tag 2022 – Festabzeichen ausgelösten Fluchtbewegungen ren“, sagte Horst Kaschel. Markus führte dazu weiter aus, mit Leid und Tod sehe. Zu den tragischen Gescheh- daß in diesen Unruhen die britinissen des 4. März 1919 und de- sche Regierung 1938 die Runciren Folgen trug Vorstandsmit- man-Kommission in die deutschglied Horst Kaschel Fakten vor. sprachigen Gebiete geschickt Die März-Opfer seien das Mene- habe. Sie habe die Unterdrüctekel für die geheuchelte Demo- kung der deutschsprachigen Bekratie gewesen. Die Siegermäch- völkerung bestätigt und der brite hätten diese völkerrechts- tischen Regierung den Anschluß des Sudetenlandes an widrige Besetzung das Deutsche Reich zugelassen, geempfohlen. täuscht und anEin Stereogelogen vom typ falscher tschechischen GeschichtsVerhanddarstellunlungsfühgen sei, daß rer Edvard die Ursache Beneš. der menDie Sudet e ind schenvertendeutsche überwnzen G re achtenden Volksgruppe Vertreibung sei wirtschaftI der 3,5 Millich, schulisch, N U lionen Sudetenpolitisch benachJ 3. B I S 6. deutschen darin lieteiligt worden. „Ab ge, daß sie Adolf Hitler 1918 wurden im Zuge der Tschechisierung 35 000 su- in ihr Land gerufen hätten. Laut detendeutsche Beamte entlas- der Bundespräsidenten Theodor sen. Es folgten die Enteignung Heuss und Roman Herzog gibt des fast ausschließlich deutschen es keine Kollektivschuld, sonGroßgrundbesitzes durch eine dern Kollektivscham und Kollekwillkürliche Bodenreform, die tivverantwortung, die das deutmassive Bevorzugung tschechi- sche Volk gänzlich übernahm. scher Betriebe bei StaatsaufträDie SL als Brückenbauer sugen, resultierend daraus 500 000 che den Dialog und beidseitige sudetendeutsche Arbeitslose, Aufarbeitung. In den letzten Jahzunehmende Lebensmittel- und ren sei eine vermehrte AuseinKohleknappheit, große Not, ob- andersetzung auf der tschechi-

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Zum Tag des Selbstbestimmungsrechts gedachte die oberfränkische SL-Ortsgruppe Naila 103 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs im Beisein des Bürgermeisters und Stellvertretenden Landrats Frank Stumpf der Opfer des 4. März 1919.

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4.-März-1919-Gedenkstätte auf dem Friedhof in Kaaden.

G TA

Dank für die bisherigen Bemühungen um die Kuhländler Tänze. Bitte auch weiterhin die Sache zu fördern. Ich glaube, daß wir mit dem Drucke werden beginnen können. Es wurden uns an die 10 000 Kronen geliehen. Wir warten mit Ungeduld auf das Offert Eberas Nervenleiden, weswe- les und bitten Dich, dasselbe gen er 1913 seine Pension von ihm zu verlangen und es als Lehrer beantragt hatte, ist uns einzusenden. Viel Glück er anscheinend nie richtig los- im neuen Jahr.“ geworden. In seiner Totenrede Eine Eigenheit von Kubieauf den beliebten Kuhländler nas wenigen Veröffentlichundeutet sein Freund und Weg- gen war, daß in den Buchtiteln gefährte Josef Ullrich an, daß eine Zahl erschien: „7 Kinihm die Kunst des Neinsagens derlieder“, „50 Wanderungen nicht vergönnt gewesen sei. durch das Kuhländchen“ und So komponierte er auf Anfrage jetzt sollten die „Kuhländder Neutitscheiner Melodien ler Tänze“ folgen, die im Infür Geburtstagsgedichte oder nern des Buches den Titel „30 gab Klavierstunden, auch als Kuhländler Tänze“ tragen. Alseine Kräfte bereits erschöpft le Bücher haben den Charakwaren. Zudem hatte er noch ter einer Auslese. Der, der zwei der drei Söhne bei ihrem sein Leben lang gewandert ist, Studium zu unterstützen: Wal- wird wohl mehr als 50 Wanter (* 1897) studierte Boden- derwege im Kuhländchen gekunde und Ernst (* 1903) kannt haben. Dazu, daß Bildhauerei. Der äles sich auch bei den teste Sohn FriedKuhländler Tänzen rich (* 1889) war um eine Auswahl Architekt gehandelt, teilt der worden. Autor im VorIm letzten wort mit: Lebensjahr „Viele anhatte er zwei dere wie Enkel bekomLändler, men: Fritz SlaPolsch-Drehn, wik und WalSpazierpolter Reiß, die er ka, Brüderlein in Wolfranik fein, Hammerund Wien zu beschmied, Wasuchen gedachte. rum soll im LeWie der Sagenben, Ekusee oder forscher Jodie beliebFriedrich Kubiena sef Ullrich in te Eisenbahnder Totenrede polka sind bei auf Friedrich Kubiena berich- mir aufgehoben.“ tet, habe sich seit der VeröfIn den beiden ersten Monafentlichung der „7 Kinderlie- ten 1922 müssen die Vorbereider“ 1920 seine Bekanntheit tungen für die Drucklegung im Aufwind befunden. „Die der „Kuhländler Tänze“ bei volkskunstartig anmuten- der Wiener Druckereianstalt den Lieder wurden wieder- Josef Eberle stattgefunden haholt öffentlich aufgeführt, so ben. Sie werden nicht ganz ohauch von der Musikprofesso- ne Aufregung gewesen sein. rin Elsa Neumann aus Brünn. Gut möglich, daß Friedrich In der letzten Zeit brachte der Kubiena selber noch einmal Reichssender ‚Böhmen‘ von nach Wien gefahren ist. Friedrich Kubiena gesetzAls er daheim in Neutitte Volkslieder zur wirkungs- schein sein Buch über die vollen Darstellung. Doch der Kuhländler Tänze in Händen Komponist strebte niemals hielt, ereilte ihn das von ihm nach Ruhm.“ erwartete Schicksal. Daß es um seine GesundDie Todesanzeige fand ich heit nicht zum besten bestellt bei seiner Enkelin Oda Ried: war, verrät der Umstand, daß „Nach längerem Leiden enter bei der Hauptversammlung schlief heute Nacht friedlich des Neutitscheiner Männer- unser geliebter Gatte, Vater gesangsvereins am 20. Januar und Großvater Friedrich Ku1921 nicht mehr für den Vor- biena, Lehrer i. R. Das Leistand kandidierte. chenbegängnis findet DiensIn den letzten Jahren hatten tag um ¾ 3 Uhr nachmittags ihn mehrere Todesfälle in sei- vom Trauerhaus Bürgergasner näheren Verwandtschaft se Nr. 15 aus statt. Familie Kuverunsichert. Sein Schwie- biena, Slawik und Reiß.“ gersohn Alfred Gruner war Dank der Bemühungen von im Mai 1918, seine Schwä- Landschaftsbetreuer Ulf Broßgerin Leopoldine/Endlicher mann liegt inzwischen auch 1919 gestorben. 1921 folgte Kubienas Sterbematrikel vor: ihr Ehemann Ludwig Benes, „5. März 1922 im Haus Nr. 895 der Direktor der Landesbesse- in Neutitschein. Plötzlich gerungsanstalt, wie das Jugend- storben. Herzlähmung. Beergefängnis von Neutitschein digung 7. März 1922 auf dem genannt wurde, in den Tod. Friedhof von Neutitschein. Der rastlose Musiklehrer, da- Lehrer i. R. in Neutitschein, von berichtet eine Fotogra- verheirateter Sohn des Valenfie, war seinen eigenen Jahren tin Kubiena, Realschulprofesvorausgealtert. Laut Ullrich sor in Olmütz und dessen Gatlitt er unter Todesahnungen. tin Maria, geborene Plisch.“ Unter diesen Umständen Herzlähmung war das davertraute er die Herausgabe malige Wort für Schlaganfall. der Ergebnisse seiner TanzWenige Stunden vor seinem forschungen seinem Schwie- Tod sei eine seiner Komposigersohn Rudolf Reiß an, der tionen bei einem Elternabend in Wien als Hals-, Nasen- und aufgeführt worden, heißt es im Ohrenarzt arbeitete. Dieser Nachruf in der „Neutitscheiwar seit 1920 mit Kubienas äl- ner Volkszeitung“. Ihr Titel terer, verwitweter Tochter Else habe „Maria durch ein Dorn(* 1891) verheiratet. hag ging“ gelautet. In seinem Vom Dezember 1921 erhielt „letzten Lied“ heiße es: „Es ist sich ein kurzer Brief Kubienas: ein Schnitter, der heißt Tod, „Lieber Rudolf! Herzlichen hat Gewalt vom großen Gott.“ Am 5. März vor 100 Jahren, starb der Neutitscheiner Lehrer, Musiker und in die Richtungen Tanz, Dichtung, Musik und Sage arbeitende Volkstumsforscher Friedrich Kubiena mit 61 Jahren. HansKarl Fischer berichtet.

. SUDETE 72

100. Todestag von Friedrich Kubiena

schen Seite mit ihrer eigenen Geschichte festzustellen, so wie es in Deutschland vor allem in Sachen Nazi-Herrschaft und dem Verbrechen des Holocaust zur Tagesordnung gehöre. Markus: „Es wäre in unserem Volk versöhnungsstiftend, würde von Bundespräsident, Kanzler, Außenministerin, Politikern bis zu den Medien auch der deutschen Opfer gebührend gedacht. Zwei Millionen Flucht- und Vertreibungstote 1945/46, 5000 Tote von 17 000 auf den Brünner Todesmarsch gezwungener sudetendeutscher Zivilbevölkerung waren nur einige Vorkommnisse vor 77 Jahren. Auch für die Sudetendeutsche Arbeit gelte, auf dem Versöhnungsweg ,Gegen das Vergessen‘ unsere Verantwortung gegenüber den Opfern und der geschichtlichen Wahrheit wahrzunehmen. Wir müssen für Frieden, Menschenrechte und Versöhnung eintreten.“ Nach dem Gedenkgottesdienst legten bei den Klängen des „Guten Kameraden“, der Deutschland- und Bayernhymne und mit einem Friedensgebet Bürgermeister Stumpf, Dekan Seliger und SL-Bezirksvizeobmann Markus im Beisein der SLMitglieder und der Gemeinde einen Kranz am Sudetendeutschen Mahnmal in Naila nieder. Dann beteten sie für den Frieden, insbesondere für Frieden in der Ukraine.

Der Stellvertretende Ortsobmann Jürgen Nowakowitz, Vorstandsmitglied Horst Kaschel, Bezirksvizeobmann Adolf Markus, Bürgermeister und Stellvertretender Landrat Frank Stumpf sowie Dekan Andreas Seliger mit den Ministranten.


Reicenberger Zeitung

Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

Stadt und Kreis Reichenberg

Kreis Deutsch Gabel

Die ukrainische Flagge hängt vom Rathaus in Reichenberg …

Nordböhmi[e Um[au

Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de

… Gablonz …

… und Friedland.

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Kreis Friedland

Kreis Gablonz

Bilder: Stadt Gablonz, Stadt Friedland, Stadt Reichenberg

� Reichenberg, Gablonz, Friedland und die Ukraine

Nordböhmische Städte signalisieren Solidarität Die nordböhmischen Städte Reichenberg, Gablonz und Friedland solidarisieren sich mit der von Rußland angegriffenen Ukraine.

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ablonz unterstützt die Ukraine. Auf seiner Sitzung am 24. Februar genehmigte der Gablonzer Stadtrat das Hissen der ukrainischen Flagge auf dem Rathausgebäude.

„Mit dieser Geste bringt auch die Stadt Gablonz im nordböhmischen Kreis Reichenberg ihre Solidarität und Unterstützung für das ukrainische Volk nach dem Einmarsch der Russischen Föderation zum Ausdruck“, sagte der Gablonzer Oberbürgermeister Jiří Čeřovský. Auch der Stadtrat von Reichenberg brachte in seiner Sitzung am Vormittag des 24. Fe-

bruars seine Solidarität für die und seine Unterstützung der Ukraine und ihre Bürger zum Ausdruck, die sich im Zusammenhang mit dem Militäreinsatz der Russischen Föderation einem Akt der Aggression gegen einen souveränen Staat und einer eindeutigen Bedrohung ihrer Freiheit und Unabhängigkeit sowie der Verletzung internationaler Abkommen gegenübersehen. In

ihrer Resolution lehnt die Stadtvertretung die Verletzung internationaler Abkommen und der territorialen Integrität der Ukraine durch die Truppen der Russischen Föderation ab und verurteilt sie. Die Versammlung fordert die Regierung der Tschechischen Republik auf, sich der Russischen Föderation gegenüber so entschieden wie möglich zu verhalten und sich in der Eu-

ropäischen Union und anderen internationalen Organisationen für sie einzusetzen. Die Botschaft der Ukraine in der Tschechischen Republik, die Botschaft der Russischen Föderation in der Tschechischen Republik und der Premier der Tschechischen Republik, P ­etr Fiala, wurden über die Entscheidung in Reichenberg informiert. Die Flagge der Ukraine, eines Lan-

des, das in den frühen Morgenstunden des 24. Februar von der Russischen Föderation militärisch angegriffen wurde, wurde auch in Friedland gehißt. Die ukrainische Flagge wurde auf dem Balkon des Rathauses angebracht. Diesem symbolischen Akt wird eine konkrete Hilfe für die Ukraine folgen, die im Stadtrat erörtert werden soll. Stanislav Beran

� Leimgruben bei Bösig/Kreis Dauba

Von der Idee zum Gedenkstein Rainer Pisk schildert die Entwicklung von seiner Idee eines Gedenksteins für die Heimat und „Gegen das Vergessen“ bis zur Errichtung dieses Mahnmals in seiner brandenburgischen Heimatstadt Falkenberg an der Elster.

meister Herold Quick und die Mitarbeiterin des Städtischen Archivs standen mir dabei je-

der Elster sprach ich mit der Vorsitzenden Monika Mietsch über mein Anliegen und stieß sofort

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achdem ich mehrmals das Haus meiner Großeltern und meines Vaters in Leimgruben in der Nähe von Bösig im ehemaligen Kreis Dauba besucht hatte, reifte in mir der Wunsch, mehr aus dem Leben meiner Vorfahren kennenzulernen. Mein Vater sprach nach seiner Rückkehr aus dem Krieg ungern über seine geliebte Heimat, die er unfreiwillig hatte verlassen müssen. Zu schmerzlich waren für ihn die Erinnerungen. Unsere und andere Familien verschlug es nach der Vertreibung in die Gegend um Falkenberg, zu ihnen gehörte die Familie Bürgermeister. Herr Bürgermeister war öfters unser Gast. Auch nach dem Tod meines Vaters 1983 trafen wir uns weiterhin. Ich abonnierte die Zeitschrift „Heimatgeschichte“, um mehr über das Sudetenland zu erfahren. Gemeinsam mit Herrn Bürgermeister planten wir ein Treffen von Sudetendeutschen in meiner Gaststätte in FalkenbergKölsa. Im Jahre 2013 war es dann soweit. Das Treffen war ein voller Erfolg und spornte mich zu weiteren Aktionen an. Leider erlitt ich 2016 einen Schlaganfall, und mein Mitstreiter verstarb plötzlich. Mit ihm verlor ich einen kompetenten und engagierten Menschen. Aber Aufgeben galt nicht. Ich lernte Dietmar Hübler vom SLLandesverband Sachsen kennen. Er lud mich nach Dresden zur Ausstellung „Flucht, Vertreibung, Zwangsumsiedlung“ ein. Mit seiner Unterstützung gelang mir, im Jahr 2019 diese Ausstellung in meiner Heimatstadt Falkenberg an der Elster zu präsentieren. Der damalige Bürger-

Neues Vertriebenen-Mahnmal in Falkenberg an der Elster.

l  Wir mußten Spendenbriefe verschicken. l  Wir mußten einen entsprechenden Stein suchen. l   Wir mußten Aufträge an ausführende Firmen erteilen. Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung der Sparkasse Elbe-Elster und der überwältigenden Spendenbereitschaft von zahlreichen Betrieben und Privatpersonen konnten wir am 5. Oktober unseren Gedenkstein in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus nah und fern feierlich einweihen. In der unmittelbaren Nähe des Bahnhofes, wo nach Kriegsende viele Flüchtlinge angekommen waren, fand der Gedenkstein einen würdigen Platz. Auch nach der Einweihung gehen noch immer kleinere Beträge auf unserem Spendenkonto ein. Diese benötigen wir zur Pflege und Werterhaltung des Objektes. Am Tag der Einweihung des Mahnmals wurde auch die BdVWanderausstellung „Angekommen“ eröffnet. Sie lief sechs Wochen lang, wurde von vielen Bürgern und Schulklassen besucht und fand außerdem großes Interesse bei den regionalen und überregionalen Medien. Beide Veranstaltungen tragen dazu bei, einen unrühmlichen, aber dennoch wichtigen Teil der deutschen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sondern in der kollektiven Erinnerung wachzuhalten.

derzeit hilfreich zur Seite. Die- auf offene Ohren. Insgesamt fanse Ausstellung fand sehr großen den sich mit mir weitere drei inAnklang. Auch die tschechischen teressierte tatkräftige UnterstütGäste waren sehr berührt. zer zusammen, deren Familien Hier wurde der Gedanke ge- ebenfalls von Flucht und Vertreiboren, einen Gedenkstein „Ge- bung betroffen waren. gen das Vergessen“ aufzustellen. Die heiße Phase begann AnDietmar Hübler bestärkte mich, fang 2021. Bis zur Verwirklida es in Brandenburg nur wenige chung war es ein arbeitsintensiderartiger Gedenkstätten gibt. ver Weg: l  Wir mußten ein SpendenVoller Tatendrang ging ich das Vorhaben an. Mein Antrag zur konto einrichten. Aufstellung des Gedenksteines wurde unbürokratisch von der Stadtverwaltung bearbeitet und genehmigt. Nun galt es, sich in erster Linie um die Finanzierung des Projektes zu kümmern. Natürlich ist ein solches Unterfangen nicht im Alleingang möglich. Als Mitglied des Kultur- und Tourismusvereins (KTV) Falkenberg an BdV-Ausstellung „Angekommen“ in Falkenberg an der Elster.

Blick auf Reichenberg von Augustin Felgenhauer.

Blick auf Reichenbergs späteren Rathausplatz von Adolf Stolle.

� Reichenberg

Studenten retten kostbare Veduten Nach einer aufwendigen Restaurierung durch Prager Studenten kehrten zwei grafische Blätter in das Nordböhmische Museum in Reichenberg zurück.

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it der heiklen Arbeit wurde das Atelier für Restaurierung von Papier und Artefakten an der Prager Grafischen Fachhochschule und Höheren Technischen Lehranstalt betraut. Dort werden seit 2017 ausgewählte Grafiken und alte Schriften aus den Sammlungen des Nordböhmischen Museums von Studenten unter der Leitung von Milana Vanišová restauriert und konserviert. Die Erneuerung läuft im Rahmen der Abitur-, Jahres-, und Studienabschlußarbeiten. „Dank der EU-Förderung konnte das Nordböhmische Museum in den letzten Jahren besonders viele Objekte restaurieren lassen. Die zeitaufwendigen und teuren Arbeiten erfordern neben Geschick fundiertes Fachwissen. Das Problem ist, daß es hierzulande nur wenige lizenzierte Fachleute dafür gibt“, erklärt Květa Vinklátová, die Reichenberger Landesbeauftragte für Kultur, Denkmalschutz und Tourismus. In den Sammlungen des Reichenberger Museums befinden sich Hunderttausende Exemplare. Die Zahl derer, die restauriert werden müßten, geht in die Hun-

derte. „Die Zusammenarbeit mit der Prager Institution ist für uns also eine gute Lösung“, ergänzt sie. Museumsdirektor Jiří Křížek plant, nach dem Ende des Projekts die restaurierten Objekte auszustellen. Die erste Vedute, eine Zeichnung von Augustin Felgenhauer, stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie zeigt einen Ausschnitt von Reichenberg mit der Heilig-Kreuz-Kirche, der Erzdekanatskirche Sankt Antonius der Große, dem Rathaus und dem Schloß. Das Papier wies einen zu hohen Säuregrad auf, deshalb war eine Restaurierung dringend notwendig. „Eine der Studentinnen hat den Säuregehalt neutralisiert, das Blatt gereinigt sowie die Schimmel- und Wasserflecken entfernt“, erklärte Jan Mikulička, Pressesprecher des Bezirksamtes. Die ausgefransten Ränder wurden mit Japanpapier unterlegt und geebnet. Bei der zweiten Vedute, die der gleichen Prozedur unterzogen werden mußte, handelt es sich um einen Lichtdruck, ein Edeldruckverfahren, das bis Ende des 19. Jahrhunderts sehr verbreitet war. Auf der Zeichnung von Adolf Stolle aus dem Jahr 1888 ist eine Häuserreihe abgebildet, die in Reichenberg auf dem Platz des heutigen Rathauses stand. Petra Laurin


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REICHENBERGER ZEITUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 9 | 4. 3. 2022

Hohenelbe am 6. Mai 1988: Trauergäste auf dem Weg von der Sankt-Laurentius-Kirche zum Friedhof, wo Pavel Wonka zur letzten Ruhe gebettet wird. Links die Todesanzeige. Bilder: Post Bellum (1), Archiv Jiří Wonka (1), Archiv Pamětníka (3)

Der letzte politische Häftling, der in einem ČSSR-Gefängnis starb

Pavel Wonka erhält posthum Entschädigung Der Prager Rechtsanwalt Lubomír Müller engagiert sich vor allem für Opfer des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei. Zu ihnen gehört Pavel Wonka, der der letzte Häftling der ČSSR war, der im Gefängnis umkam. Der 35 Jahre alte, in Hohenelbe geborene und aus einer deutsch-tschechischen Ehe stammende Wonka starb am 26. April 1988 im Gefängnis in Königgrätz unter noch nicht geklärten Umständen. Ende Februar erhielt er posthum eine Entschädigung.

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m 21. Februar 2021 sprach das Justizministerium im Casus von 1985 Wonka 503 Kronen Entschädigung zu. Am folgenden Tag befaßten sich die Beamten des Ministeriums mit der Entschädigung im Fall von 1987. Damals hatte sich Wonka geweigert, im Gefängnis von Minkwitz bei Friedland zu arbeiten mit der Begründung, er sei unschuldig und deshalb nicht verpflichtet, dort zu arbeiten. Dafür wurde Wonka zunächst mit einer 75prozentigen Kürzung seines Taschengeldes bestraft. Anschließend wurde ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet, das jedoch am 28. April 1988 ein-

gestellt wurde mit der Begründung, Wonka sei gestorben. In einem Wiederaufnahmeverfahren im Jahr 2021 stellte sich heraus, daß Pavel Wonka Recht hatte. Er saß tatsächlich unschuldig im Gefängnis, aber dies wurde erst nach seinem Tod in einem Rehabilitationsverfahren 1990 bis 1991 bewiesen. Dem hinterbliebenen Bruder und Alleinerben Jiří Wonka wurde daher eine Entschädigung von 7,50 Kronen, umgerechnet 30 Cent, zugesprochen. Wie kam dieser Betrag zustande? Da Pavel Wonka in diesem Fall nicht verurteilt worden war, bestand seine einzige Strafe in der bereits erwähnten Kürzung des Taschengeldes, das er als Gefangener erhielt. In diesem Zusammenhang gibt das Justizministerium Folgendes bekannt: „Anhand der vorliegenden Unterlagen wurde festgestellt, daß sich das Arbeitsentgelt des Opfers im fraglichen Zeitraum – August 1987 – auf 61 Kronen belief, wovon ihm ein Taschengeld von zehn Kronen berechnet wurde, wobei gleichzeitig festgestellt wurde, daß das Opfer dieses Arbeitsentgelt nur einmal, nämlich für den Monat August 1987, erhielt. 75 Prozent

des Taschengelds von zehn Kronen entsprechen 7,50 Kronen.“ Dieser Fall zeigt, wie die Entschädigung für gesetzwidrige Verfolgung berechnet werden und wie das Ergebnis für die Opfer tatsächlich eine Verhöhnung sein kann. Bei der Wiederaufnahme des Verfahrens 2021 mußte Pavel Wonka wie jeder verstorbene Prozeßbeteiligte einen Anwalt haben. Dies führte natürlich zu Verteidigungskosten für den hinterbliebenen Bruder Jiří Wonka. Die Verteidigungskosten einschließlich Reisekosten und Mehrwertsteuer beliefen sich auf 8999 Kronen. Diese Kosten erstattete das Ministerium Jiří Wonka. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Kostenerstattung, nicht um eine Entschädigung im eigentlichen Sinne. Am 21. Februar, also vor elf Tagen, entschied das Justizministerium, daß die 1985 vom Nationalen Gemeindeausschuß von Hohenelbe gegen Pavel Wonka verhängte Geldstrafe zurückgezahlt werden muß. Wonka wurde zu einer Geldstrafe von 200 Kronen verurteilt, weil er sich am 11. Juni 1985 geweigert hatte, sich gegenüber den Mitgliedern der Staatssi-

Die Brüder Jiří und Pavel Wonka, links ihre Eltern Gerta und Ludwig Wonka.

cherheit auszuweisen, da er dies als ungerechtfertigte Schikane betrachtete, da diese ihn kannten und ihn mit „Herr Wonka“ ansprachen. Auch seine teilweise deutsche Herkunft bereitete ihm Schwierigkeiten. Das Bezirksgericht Trautenau rehabilitierte Pavel Wonka in diesem Fall am 29. Juli 2021. Seine anderen Verurteilungen waren zuvor aufgehoben worden. Da Pavel Wonka am 26. April 1988 im Gefängnis von Königgrätz starb, wird das tschechische Justizministerium die Entschädigung an seinen drei Jahre älteren Bruder Jiří Wonka überweisen. Bei der Festsetzung der Entschädigungssumme berücksichtigten die Beamten des Ministeriums nicht nur die Geldstrafe, sondern auch die anschließende rechtswidrige Festnahme am 11. Juni 1985. Insgesamt erhält Jiří Wonka 503 Kronen. Die Rehabilitierungs- und Entschädigungsverfahren zeigen, daß selbst geringfügige rechtswidrige Belästigungen – auch wenn sie vor fast 40 Jahren einer inzwischen verstorbenen Person zugefügt wurden – nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Dies könnte eine gute Warnung an die heutigen Behörden sein, von solchen willkürlichen Praktiken Abstand zu nehmen. Am 23. Februar befaßte sich das Justizministerium erneut mit der Entschädigung für die unrechtmäßige Verfolgung von Pavel Wonka. Diesmal ging es um eine Verurteilung, weil Wonka 1980 angeblich in die Wohnung seiner Schwiegermutter eingedrungen war. Wonka erwirkte noch zu Lebzeiten ein Wiederaufnahmeverfahren, in dem er nachweisen konnte, daß seine Schwiegermutter nicht in der Wohnung wohnte, er hingegen dort ordnungsgemäß gemeldet war. Einen Freispruch konnte er allerdings nicht erreichen. Den erhielt er erst im vergangenen Jahr posthum auf Initiative von Jiří Wonka. Nachdem das Bezirksgericht in Trautenau am 2. Februar 2021 endgültig festgestellt hatte, daß Pavel keine Straftat begangen hatte, verlangte Jiří zumindest die Erstattung der Kosten für die Verteidigung seines Bruders. Das Ministerium gewährte die Genehmigung, aber es gab einen Fehler in der Berechnung. Außerdem hielten die Beamten des

Volvulus, einer Darmverschlingung. Gerta Wonka zog die Kinder allein groß. Jiří Wonka machte eine Ausbildung zum Mechaniker und absolvierte berufsbegleitend die Fachoberschule. Sein 1953 in Hohenelbe geborener Bruder Pavel machte eine Ausbildung zum Automechaniker und bewarb sich dann dreimal für ein Jurastudium, wurde aber abgelehnt. Pavel machte daher ein Selbststudium. Als „Anwalt der Armen“ half er Menschen im Kampf gegen die staatliche Maschinerie. Als Pavel 1984 verurteilt wurde, traten sein Bruder und seine Mutter mit ihm auf der Prager Burg in einen Hungerstreik. 1986 kündigten Jiří und Pavel ihre unabhängige Kandidatur für die Wahlen zur Volkskammer der Bundesversammlung an. Die Brüder wurden festgenommen. Nach zwölf Monaten Haft verkündete das Stadtgericht in Prag am 26. Mai 1987 das Urteil. Jiří Wonka wurde wegen VolksverDer Prager gehetzung zu zwölf meinnützige VerMonaten Haft ohein Post Bellum ne Auflagen verursammelt und doteilt. Im Gefängnis kumentiert un- … Jiří Wonka. wurde er gefoltert, ter dem Schlagwort „Gedächtnis der Natio- was ihm so dauerhafte Verletzunnen“ Zeitzeugenerinnerungen: gen zufügte, daß ihm 1991 eine „Wir dokumentieren Geschich- Invaliditätsrente zugesprochen ten, die vergessen wurden oder wurde. Nach seiner Entlassung unterhätten vergessen werden sollen. Wir sagen sie weiter, wir bezie- zeichnete er die Charta ‘77 und hen Schüler und Studenten ein, wurde anschließend von seinem wir schätzen die Helden.“ Hier Arbeitsplatz entlassen. Seinen erfahren wir auch die Geschich- Lebensunterhalt verdiente er mit te des Zeitzeugen Jiří Wonka niederer Arbeit. Wegen Protestbriefen an kommunistische Ämund seiner Familie. ter und Gerichte wurde er wieiří Wonka kam am 8. April 1950 derholt vor Gericht gestellt. in Hennersdorf im ehemaliAm 26. April 1988 starb sein gen Kreis Hohenelbe zur Welt. Bruder Pavel Wonka im GefängEr stammt aus einer tschechisch- nis unter ungeklärten Umständeutschen Familie. In den turbu- den. 1991 gelang es Jiří Wonka, lenten Nachkriegsjahren wurde alle kommunistischen Urteile geWonkas Mutter Gerta zweimal gen sich und seinen Bruder nievon Angehörigen sogenann- derzuschlagen. Von denen, die ter Plünderungswächter verge- seinen Bruder verurteilt und gewaltigt. Der Vater Ludwig Won- foltert hatten, wurde jedoch keika starb 1953 an einer akuten ner bestraft. Ministeriums die sechsmonatige Frist für die Bearbeitung des Antrags nicht ein. Jiří Wonka wandte sich daher erneut an das Ministerium. Am diesjährigen 23. Februar antworteten die Beamten: „Ihre Bemerkung ist richtig.“ Sie entschuldigten sich für den mathematischen Fehler in der Berechnung und zahlten Jiří Wonka 4061,50 Kronen an Verteidigungskosten. Sie sprachen ihm außerdem Verzugszinsen in Höhe von 1097,58 Kronen zu. Was können wir daraus lernen? Wenn das Ministerium uns entschädigt, lohnt es sich, einen Taschenrechner zu nehmen und die Rechnung zu überprüfen. Wenn das Ministerium die sechsmonatige Frist für die Bearbeitung des Antrags nicht einhält, brauchen wir kei- Pavel und … ne Angst zu haben; die Beamten des Ministeriums werden unsere Forderung nach Verzugszinsen akzeptieren. Stanislav Beran

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REICHENBERGER ZEITUNG

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� Kleinmergthal/Kreis Deutsch Gabel

Nasse Böden und schwarze Bücher In der Chronik des Erbrichters wurde das Dorf Kleinmergthal im Gerichtsbezirk Zwickau und im späteren Kreis Deutsch Gabel als Bestandteil von Großmergthal geführt und als Niedermergthal bezeichnet. Wann eine Trennung erfolgte, konnte nicht festgestellt werden.

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ie bisherigen Vermutungen über die Gründungszeit aller Orte des Gerichtsbezirkes Zwickau konnten eindeutig widerlegt werden. Da für Kleinmergthal noch besondere Umstände hinzukamen, die eine frühere Überlieferung zweifelhaft erscheinen ließen, mußte hier die topographische Lage den Beweis erbringen, daß die gleichzeitige Besiedlung mit Großmergthal erfolgte. Um das ganze Dorf in den Blick zu bekommen, begeben wir uns auf den Stiefelberg. Wenn wir auf den Kern des Dörfchens herunterschauen, so fällt uns auf, daß die Bauernwirtschaften, deren Felder gegen Glasert zu liegen, so dicht nebeneinanderstehen, daß kaum ein Hausgärtchen von üblicher Größe Platz gefunden hat. Das bedeutet, daß hier der trockene Baugrund so spärlich war und die normale breite Bauweise verhinderte. Die genannten landwirtschaftlichen Flächen waren nach der Rodung in keiner Weise für den Feldbau geeignet. Aus diesem Grunde wurde ein großer Teich angelegt, um den Wasserspiegel so weit zu heben, damit das angestaute Wasser leichter abfließen konnte und ein Sog entstand, der den Grundwasserspiegel soweit normalisierte, daß fruchtbare Erde zum Anbau gewonnen wurde. Der Deich dieses Teiches ist noch heute zu erkennen. In seiner Nähe liegen die Teichhäuser oder Teichhäusel, wie sie auch genannt werden, am Fuße des Grünerbergs, die teils zu Kleinmergthal, teils zu Kun-

nersdorf und teils zu Kleingrün berg führt, verbindet über den weiht, dem zu Ehren am 16. Mai gehören. Dort zweigt die 1923 Dreihäuserstein und die Feld- das Kirchenfest gefeiert wird. gebaute Straße nach Kleingrün häuser mit Kunnersdorf kürzer, Außer der Kirchweih acht Tage (Ý RZ 7/2022) ab. als die Straßenführung. nach der Kaiserkirchweih gibt es Wie sehr aber auch die BeBeim Dreihäuserstein steht keine öffentlichen Gemeindefeschaffenheit der übrigen Grün- das Steinbild der Heiligen Drei- ste. de einer Ansiedlung hinderlich faltigkeit, das 1740 von einem Der Friedhof am Südhang des war, ist einmal aus der weit aus- Schiertischler gemeißelt wurde. Stiefelbergs wurde erst 1904 aneinander gezogenen Bauweise Im Jahre 1768 wurde die Dorf- gelegt. Die beiden Glocken der der anderen Ortsteile ersichtlich, kapelle erbaut und dem heili- Kapelle wurden im Ersten Weltam Scholzeberg, am Dreihäuser- gen Johannes von Nepomuk ge- krieg eingeschmolzen. Erst 1920 stein und den Dreihäusern, zum andern an dem mit im besten Teil des Ansiedlungsgebietes befindlichen Moor, das erst durch Rodung Licht, Luft und Sonne bekam, um den Torf „reifen“ zu lassen. Anfangs wird mancher Bauer versucht haben, diesen Gegebenheiten zu trotzen. Er wird versucht haben, anstatt der ursprünglich leichten Bauhütten ein festgefügtes Haus zu errichten, das er dann aber halbfertig stehen ließ, um sich nach einem anderen Grund umzusehen. Diese Versuche haben dann dem Ort ein teilweise wüstes Aussehen gegeben. Es hat ja auch Jahrhunderte gedauert, bis der Torf reif war, um als Brennmaterial zu dienen. Lange vorher konnte man ihn bestenfalls als Streu verwenden. Dazu haben wir noch gar nicht beachtet, daß auch gegen Glasert die „Kleinhäusel“ auch zu Kleinmergthal gehören. Die sind vielleicht gar dadurch entstanden, daß sich dort jene angesiedelt haben, deren Siedlungsversuch in Dorfnähe gescheitert war. Die Hauptverkehrsader ist die Straße von Großmergthal nach Kunnersdorf. Bei der Kapelle führt eine Straße oder vielmehr ein Bauernfahrweg in Richtung Glasert und mündet hinter Franks-Hohle-Weg in die Großmergthal-Zwickauer Straße ein. Der schmale Fahrweg, der von Großmergthal über den Scholze- In Kleinmergthaler Sandstein gehauener Dreifaltigkeitsaltar.

spendete ein Wohltäter eine neue Glocke. Eingepfarrt und eingeschult ist das Dorf nach Großmergthal. Die Pechmühle und die Göttlichmühle liegen am Hammerbach. Durch die Streulage wird die Wasserversorgung mittels Pumpen und mehrerer Kleinleitungen sowie einiger Brunnen sichergestellt. An das elektrische Netz wurde der Ort 1922 angeschlossen. An gewerblichen Betrieben war Mitters Sägewerk ein Dampfbetrieb, dann gab es noch eine Rauherei, eine Knochenstampfe, drei Gasthäuser, zwei Krämereien, einen Schuhmacher, einen Schneider, einen Tischler, einen Fleischer und einen Dachdecker. Das Dorf hatte auch eine eigene Musikkapelle namens Pietsch. Die Viehzucht ist recht einträglich, der Obstbau unbedeutend. Die Äcker sind recht unterschiedlich, teils lehmig, teils sandig und oft recht uneben. Zu Zeiten der Kohlennot in den beiden Kriegen kam auch der Torfziegel als Batzen zu Achtung und Ehren und half, die Kohlennot zu überbrücken, obgleich der Heizwert viel zu wünschen übrig ließ. Der Bauer Friedrich auf dem Dreihäuserstein konnte nachweisen, daß der Hof bereits mehr als 600 Jahre Familieneigentum war. Die Familienchronik enthielt alles, was an Ereignissen in der Familie innerhalb und außerhalb des Hauses geschah, aber auch Dinge, die reine Erfahrungstatsachen waren, bei denen Mondphasen und Tageszeiten eine große Rolle spielten. Wann und womit man düngte und bei welchem Mondstand und bei welchem Sternbild man zu Werke ging. Da in früheren Zeiten meist Holzfeuerung üblich war, gab

es viel Holzasche. Trug man diese zum Beispiel als Wiesendünger hinaus, kam an einem Vormittag bei Neumond eine schöne Kleewiese zustande. Tat man dies am gleichen Tage nachmittags, gab es nichts wie wilde Wicken im Gras, um nur ein Beispiel zu nennen, deren es viele gab. Solche Chroniken gab es auch in anderen Bauernhäusern. Sie sind aber im allgemeinen wenig bekannt geworden, weil sie geradezu als „Geheime Zauberbücher“ betrachtet und gehütet wurden. In Großmergthal fiel mir ein solches „Schwarzes Buch“ beim Schusteranton in die Hände. Es fiel aus einem verschlossenen Wandschränkchen oberhalb der Hobelbank herunter, als der Bauer aufsperrte. Ich fing es auf und wollte hineinschauen. Da nahm er es mir schnell weg, und meinte, das sei nichts für kleine Jungen. Fünf Jahre später, als ich in die Realschule ging, da gab er mir das Buch. Dort fand ich neben diesen Bauernregeln auch eine Geschichte, wie ein Knecht einem Mädchen des Hofes das Leben gerettet hatte, das von einem Wolf bis in den Hof verfolgt worden war. Der Knecht hatte dabei schwere Wunden erlitten. Die große Linde vor dem Haus, die auf weit über 300 Jahre geschätzt wurde, war zum Andenken an diese Rettung gepflanzt worden. Es waren auch noch sehr wichtige Eintragungen zu finden, leider gingen mir diese verloren. Der als Geschichts- und Heimatforscher bekannte Professor Franz Runge von der Handelsakademie Reichenberg und Raimund Pihan, Landesinspektor der Arbeitsvermittlungsanstalt in Böhmen, waren in Kleinmergthal geboren. Der dem Limberg vorgelagerte Segenberg und der Bauernstein gehören ebenfalls zu Kleinmergthal. Eduard Röbisch


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Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H ­ eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Teplitz-Schönau

Graupen

Niklasberg

� Teplitz-Schönau – Bekannte Teplitzer Architekten

Adolf Siegmund bietet Neorenaissance Nachdem wir bereits über zukünftige Stadtbebauungspläne für Teplitz-Schönau berichteten, ist es nun an der Zeit, auch an die Architekten zu erinnern, die das historische Stadtbild von Teplitz-Schönau prägten. Dazu gehört auch Adolf Siegmund, der 1831 in Teplitz zur Welt kam und 1916 in Teplitz-Schönau starb. Vergangenes Jahr konnten wir seinen 190. Geburtstag feiern. Jutta Benešová berichtet.

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er Architekt Adolf Siegmund stammt aus einer alten Teplitzer Patrizierfamilie, die bereits seit Anfang des 18. Jahrhunderts in Teplitz tätig war. Er absolvierte ein Ingenieurstudium am Polytechnikum in Prag und am Polytechnischen Institut in Wien. Zunächst begann er beim Landesbauamt in Budapest. Später arbeitete er im Wiener Stadtamt und bei der österreichisch-ungarischen Staatseisenbahn. Die Staatseisenbahn sandte ihn sogar zu einem Studienaufenthalt in den Orient. Schon ab den 1860er Jahren war Siegmund Mitglied im Stadtrat von Teplitz sowie Obmann mehrerer gemeinnütziger Vereine. Dank seines Engagements für den Teplitzer Kurbetrieb wurde ihm 1882 die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen. Er wurde dann Bezirksobmann und schließlich, von 1896 bis 1899, Bürgermeister der Stadt. Sein kommunalpolitisches Programm basierte auf der Harmonisierung von Fremdenverkehr, Kur-

betrieb, Gewerbe und Industrie. Als Juror nahm er an Architekturwettbewerben für das Stadttheater in Aussig und das Kunstgewerbemuseum in Reichenberg teil. Als liberaler Politiker war er von 1879 bis 1901 böhmischer Landtagsabgeordneter. Großes Ansehen erwarb er in den Jahren 1879 und 1880, als sein Unternehmen die nahegelegene Braunkohlengrube DöllingerSchacht erfolgreich verdämmte. Dadurch blieben sowohl die Teplitzer Heilquellen als auch die Braunkohlenförderung erhalten. Ab 1862 arbeitete Siegmund als selbständiger Bauingenieur in Teplitz. Sein Bruder, der Teplitzer Bauunternehmer Heinrich Otto Siegmund (1842– 1901), war unter anderem am Bau der Kirche der Unbefleckten Empfängnis Mariens in Eichwald beteiligt. Mit seinem Bruder und dem Architekten Josef Staněk gründete Siegmund im Jahr 1872 die Teplitzer Baugesellschaft. Die Gesellschaft war ein vielseitiges Unternehmen, das sowohl eigene Bauten entwarf, plante und baute als auch Baumaterial lieferte. Siegmunds erstes Werk, das an ihn erinnert, ist der Jubiläumsbrunnen im Kurpark zwischen dem Kaiserbad und dem Kurhaus Beethoven. Der Brunnen wurde 1862 anläßlich des 1100. Jubiläums der Quellfindung 762 durch einen Schweinehirten des Landedelmanns Kolostuj errichtet. Auch Josef Seiche, ein bekannter Teplitzer Bildhau-

er, beteiligte sich an der figuralen Ausgestaltung dieses Brunnens. Für das Kurleben in Teplitz war auch die Errichtung des Kaiserbades von großer Bedeutung. Siegmund und seine Baufirma bauten dieses von 1870 bis 1872 an den bereits vorhandenen Kursalon an. Dieses zunächst im Neorenaissancestil errichtete Gebäude erfuhr dann 1912 einen Umbau mit Erweiterung um ein Stockwerk und zwei weitere Flügel durch den Architekten Max Loos von Losimfeldt (1858–1953). Zu Ehren des Landesvaters Kaiser Franz Joseph erhielt das Bad seinen Namen – und nicht, wie oft beschrieben, nach dem deutschen Kaiser Wilhelm, der allerdings mehrfach auch Gast des Kaiserbades war. Im Jahr 1875 entstand das erste deutsche Realgymnasium in der Lindenstraße. Auch dieses trägt die Handschrift Siegmunds, wieder dem Neorenaissancestil verschrieben. Wegen zu geringer Kapazität diente die Villa nur bis 1890 dem Schulbetrieb. Dann erwarb sie Martin Grohmann, ein Teplitzer Fabrikant. Ein weiterer bekannter Teplitzer Architekt, Johann David Ferber, baute sie für ihn im Jahr 1896 im Inneren mit vielen Elementen der Wiener Secession zu privaten Wohnzwecken um. Heute ist diese Villa Sitz der Stadtbibliothek. Diese bringt mit ihrer reichen Innenausstattung, Eichenholzverkleidung, ihren kunstvollen Stuckdecken und bunten Glasfenstern den Reich-

Das neue Teplitzer Rathaus aus dem Jahr 1886. tum der damaligen Zeit sichtbar zum Ausdruck. Siegmund entwarf und errichtete in Zusammenarbeit mit dem Baumeister Ferber auch das neue deutsche Gymnasium unweit des alten Realgymnasiums auf dem Mont de Ligne. Dort befand sich bereits ein Aussichtslokal, genannt Pfefferbüchsl, das nun dem neuen, monumentalen Gymnasium 1890 bis 1894 weichen mußte. Dieses Gebäude trägt eindeutig Züge des rationalen bis uniformen Neorenaissancestils. Der Architekt betonte dessen urbane und gesellschaftliche Bedeutung mit einem 45 Meter hohen, vier-

kantigen Turm. Seit 1953 ist das Gebäude Sitz der Handelsakademie. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zunehmend auch zu einem Zentrum von Industrie und Gewerbe. Das alte Rathaus auf dem Marktplatz aus dem Jahr 1806 genügte nun nicht mehr den zunehmenden kommunalen Anforderungen. 1865 entwarf Siegmund zunächst in der Rathausstraße ein Sparkassengebäude im historisierenden Neorenaissancestil. Dieses erweiterte er 1886 und schloß es als neues Rathaus, oder auch Stadthaus, dem alten Rathausgebäude an. Dem Renais-

sancestil blieb er dabei treu. In gewisser Weise kann man auch von einer Inspiration durch den Rundbogenstil sprechen. Neben dem alten, schlichten, klassizistischen Rathaus betont dieses neue Gebäude, das auch heute noch Sitz des Magistrats ist, die Bedeutung der Stadt als Kurort und Zentrum von Handel und Gewerbe. Auch die ehemalige Mädchen- und Knaben-Volksschule in der Alleegasse (heute noch erhalten, als Lagerräume genutzt) sowie einige neue Villen in der Giselastraße stammen von ihm. Sie geben noch heute der Stadt ihr großstädtisches Aussehen.

Die ehemalige Grohmann-Villa beherbergt heute die Stadtbibliothek.

Das Teplitzer Kaiserbad und der Jubiläumsbrunnen.

Das ehemalige Gymnasium auf dem Mont de Ligne dient inzwischen als Sitz der Handelsakademie.


HEIMATBOTE

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Bischofteinitz

Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

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Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Gedicht aus Ronsperg

Märzveilchen Ka(u)m is da Winta vagånga, scho kumma ba Stau(d)n, ba Stoa(n schäi(n zoart u schäi(n niedle, niat protzat u friedle Märzveicherla, putzigh u kloa(n. Sie brauchn koa(n Gwålt, koan(n Stürkn, durch sie wiard koa(n Wurzel vadrängt. Sie wolln na an Leutn beweisen, oa(n)deutn, wöis gäiht, wenn ma goutmöitigh denkt. Tout ma sua a Veicherl betråchtn, sa is, åls wollts ein sogn: „Påß af, gäih niat weita, niat häicha af d‘ Låita, als dich deina Föiß sicha trogn. Otto Zerlik

Václav Bernard, Lenka Šaldová, Lars Helbig und Jan Kvapil zeigen auf der Landkarte auf die Orte, an denen sie bei den Samstagen für Nachbarschaft waren.

Bilder: Karl Reitmeier

Ausstellung im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) im oberpfälzischen Schönsee

Samstage für Nachbarschaft Gablonz-Reinowitz präsentiert. Nun ist die Ausstellung zum ersten Mal auch in Deutschland zu sehen, nämlich im CeBB. Zur Ausstellungseröffnung waren auch Gäste aus dem Landkreis Cham gekommen. Im Mittelpunkt dieser Ausstellung befindet sich das Schild mit der Aufschrift „Wir vermissen Euch. Bleibt gesund“, das monatelang am Grenzübergang Eschlkam/Neumark gestanden und dort für viel Aufsehen und Wertschätzung auf der deutschen Seite gesorgt hatte. Diese Tafel, die der Initiative des Neumarker Bürgermeisters Václav Bernard zu verdanken ist, ist natürlich auch ein Bestandteil der Ausstellung in Schönsee und hängt gleich nach dem Betreten des CeBB im Treppenaufgang. Eigens für die Ausstellung im CeBB bau-

te Lenka Šaldová auch Fotos von den Treffen in der hiesigen Region ein. CeBB-Leiterin Veronika Hofinger begrüßte zur Ausstellungseröffnung nicht nur Lenka Šaldová. Unter den Ehrengäste waren auch der Germanist Jan Kvapil und Lars Helbig alias Lars vom Erzas keiner mehr für möglich gehalgebirge, die zu den Initiatoren der Samsten hatte, gelang der Corona-Pantage für Nachbarschaft gehörten. Václav demie: Plötzlich gab es im Jahre 2000 Bernard, der Bürgermeister von Neuwieder eine Grenze zwischen Deutschmark und nunmehrige Stellvertretende land und der Tschechischen Republik. tschechische Verkehrsminister, war mit Doch die Freunde hüben und drüben seiner Frau Monika gekommen. wollten sich damit nicht abfinden, und so Hofinger zeigte sich sehr erfreut darwurden kurzerhand sogenannte Samsüber, diese Ausstellung nach Schöntage für Nachbarschaft an der Grensee bekommen zu haben. Ihr besondeze veranstaltet. Für diese Nachmittage rer Dank ging an Lenka Šaldová vom hatte sich auch der Klub TschechischNationalmuseum in Prag. Die GrenzDeutsche Partnerschaft stark engagiert. schließung aufgrund der Corona-PanZur Leitung dieses Klubs gehört Lenka demie habe damals alle, die gerne über Šaldová. Hauptberuflich ist sie Kudie Grenze gefahren seien, sehr geratorin für Sammlungen und Austroffen. Daraus seien die „Samstastellungen im Nationalmuseum ge für Nachbarschaft“ enstanden, in Prag. Ihr gelang, rund 1500 Fodie in dieser Ausstellung von Lentos von diesen Treffen zu sammeln, ka Šaldová dokumentiert würden. die es beispielsweise auch am OsDie Ausstellung eröffnete kein ser, am Wanderer- und RadfahVortrag, vielmehr leiteten sie lokrer-Grenzübergang Hofberg/Flekkere Gespräche ein. Nach Meiken, in kleinerer Form am Grenznung der CeBB-Leiterin passe dies übergang Höll/Haselbach und am deshalb ganz gut, weil die SamstaGrenzübergang Neumark/Eschlge für Nachbarschaft von ganz viekam gab. Christoph Mauerer aus len Leuten getragen worden seiNeukirchen beim Heiligen Blut ist en. Dank des persönlichen EngaMitarbeiter der Hanns-Seidel-Stifgements von Lenka Šaldová, das tung in Prag. Er hatte sich bei den weit über ihre berufliche Tätigkeit Treffen in dieser Region besonders im Nationalmuseum hinausgehe, eingebracht. sei diese interessante Ausstellung Aus den Fotos und Exponaten, entstanden. die von den freundschaftlichen ZuŠaldová informierte danach, wie sammenkünften an der sächsischdiese Ausstellung entstanden war. tschechischen Grenze zeugen, geVoller Stolz berichtete sie, daß sie staltete Lenka Šaldová die sehensmehr als 1500 Fotos gesammelt werte Ausstellung „Grenze ist nur habe, was letztlich der „Input“ für ein Wort“. Sie war zunächst im Madiese Ausstellung gewesen sei. rionetten- und Zirkusmuseum in Sie gestand, daß sie damals schokPrachatitz zu sehen, die der Verein kiert gewesen sei, als die Grenze Gäste- und Kulturführer Bayerwald geschlossen worden sei. Dies sei unter der Leitung von Josef Altletztlich auch ein Angriff auf die mann und Karl Reitmeier im NoMenschen gewesen, die im Grenzvember besucht hatte. In Prachatitz gebiet lebten. Sie dankte allen, die übernahm Lenka Šaldová die Fühsich für die Samstage der Nachbarrung für die Gäste aus dem Bay- Bürgermeister Václav Bernard, inzwischen Stellvertre- schaft engagiert hätten. erischen Wald. Danach wurde die tender tschechischer Verkehrsminister, deutet auf die Gekommen war auch Jan KvaAusstellung im Haus der deutsch- Tafel am Treppenaufgang im CeBB in Schönsee, die pil aus Aussig. Kvapil hatte diese tschechischen Verständigung in einst den Grenzübergang Eschlkam/Všeruby zierte. Samstage für gute Nachbarschaft

Kürzlich eröffnete die tschechische Wanderausstellung „Grenze ist nur ein Wort“ erstmals in Deutschland. Seit Mitte Februar läuft sie im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) im oberpfälzischen Schönsee.

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ins Leben gerufen und erläuterte nach einer entsprechenden Frage der CeBBLeiterin seine Beweggründe für seine Initiative. Er habe damit zeigen wollen, wie die Welt im Herzen Europas zerrissen sei. Er habe Freunde und Bekannte angesprochen, eine wichtige Rolle habe dabei auch Facebook gespielt. Der Klub der Tschechisch-Deutschen Partnerschaft, der schließlich eine entscheidende Rolle gespielt habe, habe ebenfalls geholfen. Ausführlich schilderte dann Lars Helbig, was ihn als Bürger der Grenzgemeinde Olbernhau im Erzgebirge bewogen habe, sich für die Freundschaft über die sächsisch-tschechische Grenzen hinweg zu engagieren und wie man auf die Grenzschließung reagiert habe. Zu Wort kam auch Bürgermeister Bernard und machte einen Sprung an die tschechisch-bayerische Grenze. Er sprach von einer schwierigen Zeit, die alle Schichten der Gesellschaft betroffen habe. Besonders schlimm habe es die Pendler getroffen, die von einer Stunde auf die andere wichtige Entscheidungen hätten treffen müssen. Für diese habe er sich besonders engagiert. 30 Jahre nach der Samtenen Revolution habe man die Grenze nur noch als Linie auf der Landkarte gesehen. Bernard bekannte, daß er ursprünglich gegen Facebook gewesen sei, aber schnell erkannt habe, daß man damit in kurzer Zeit wichtige Infos verbreiten und Menschen helfen könne. Auch die Zusammenarbeit mit der Partnergemeinde Eschlkam habe unter all dem gelitten. So seien die bayerisch-tschechischen Wochen ins Wasser gefallen. Der frühere beinahe tägliche Kontakt sei fast zum Erliegen gekommen. Nun hoffe er, bald wieder an die hervorragende Partnerschaft anknüpfen zu können. Für Bernard war klar: „So etwas wie diese Grenzschließungen möchte ich nie mehr erleben.“ Wichtig sei, daß es wieder zu persönlichen Treffen über die Grenze hinweg komme. lr Bis 24. April Montag bis Freitag 9.00– 16.00, Samstag 10.00–11.30, Sonntag 14.00–16.00, nach dem 27. März bis 17.00 Uhr.

WIR GRATULIEREN Im März gratulieren wir folgenden Abonnenten des Bischofteinitzer Heimatboten zum Geburtstag und wünschen Gesundheit und Gottes Segen: Heiligenkreuz, Haselberg. Am 2. Maria Egl (Binna), 89 Jahre, und am 13. Eduard Brix (Brix‘n), 88 Jahre. Peter Gaag Ortsbetreuer Zetschowitz. Am 26. Johann Prokosch (Konaschousta, Haus-Nr. 31), Ölbronner Straße 11, 75245 Neulingen, 91 Jahre. Josef Friedrich mit Frau Maria Ortsbetreuer Kleinsemlowitz. Am 13. Marie Lehanka (Haus-Nr. 30), 96 Jahre. Marianne Maurer Ortsbetreuerin Kscheberscham. Walter Bernklau in Blaustein-Dietingen, 93 Jahre. Maria Schnobrich Ortsbetreuerin

Ortsbetreuerecke H

erzlich gratulieren wir im März Karl Gagalick, Ortsbetreuer von Sadl, am 3. zum 82. Geburtstag; Walter Gimpl, Ortsbetreuer von Dobraken und Zwirschen, am 7. zum 93. Geburtstag; Josef Hoffmann, ehemaliger Ortsbetreuer von Eisendorf, am 8. zum 87. Geburtstag; Dr. Waldemar Nowey, Bildungsforscher, am 11. zum 95. Geburtstag und Annemarie Ziehfreund, Ortsbetreuerin von Pirk, am 30. zum 81. Geburtstag. Wir wünschen alles Gute, noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für den steten und tatkräftigen Einsatz für unsere Heimat! Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer


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Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Der Tag des Selbstbestimmungsrechtes der Völker am 4. März wurde zum zentralen Gedenktag der Sudetendeutschen. Der heutige 4. März ist geprägt von der russischen Vergewaltigung des Selbstbestimmungsrechts der Ukrainer. Vor diesem Hintergrund schildert Heimatkreisbetreuer Wolf-Dieter Hamperl Ursachen und Ereignisse des 4. März 1919 im Sudetenland.

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m 28. Juni 1914 erschoß der Nationalist Gavrilo Princip in Sarajevo Franz Ferdinand, den Thronfolger des Habsburger Kaisers Franz Joseph. Das Habsburger und das Deutsche Reich waren Verbündete. Am 1. August 1914 erklärte das Deutsche Reich Rußland den Krieg, am 3. August Frankreich, am 4. August Großbritannien. 1917 traten die USA und Italien in den Krieg ein. Die Alliierten siegten. Am 3. November 1918 bat Österreich um Waffenstillstand. Am 28. Juni 1919 schlossen die Alliierten Frieden in Versailles mit dem Deutschen Reich, am 10. September 1919 in Saint Germain mit Österreich und am 4. Juni 1920 in Trianon mit Ungarn. Zuvor waren das Deutsche, das Habsburger, das Russische und das Osmanische Reich untergegangen. Zu den neuen Ländern gehörten Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Österreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien, Türkei, Syrien, Irak, Libanon, Ägypten. Der Erste Weltkrieg zeitigte zehn Millionen Tote, 20 Millionen Verwundete und sechs Millionen Gefangene. Das Deutsche Reich kostete er 160 Milliarden, Österreich-Ungarn 99 Milliarden Goldmark. Das Königreich Böhmen war mit 26 Prozent der Einwohner, 21 Prozent der Fläche und 70 Prozent der Industrie ein bedeutender Teil der Donaumonarchie. Tschechen und Sudetendeutsche kämpften im Ersten Weltkrieg vier Jahre lang Seite an Seite in der k. u. k. Armee. Die große Mehrheit der tschechischen Soldaten blieb bis 1918 loyal. Die Gefallenendenkmale in unserer Heimat dokumentieren die großen Verluste auf den Kriegsschauplätzen Galizien, Serbien und Italien. Die sudetendeutschen Regimenter kämpften besonders zuverlässig und loyal. Sie registrierten 135 000 Gefallene, das waren 3,9 Prozent ihrer Bevölkerung, die Tschechen 160 000 Gefallene und 2,4 Prozent ihrer Leute. Tomáš G. Masaryk und Edvard Beneš waren in London. Masaryk hatte ab Frühjahr 1917 die Tschechoslowakische Legion in Italien und Rußland aufgebaut, die aus Überläufern und Kriegsgefangenen bestand. Sie war formal ein Teil der französischen Armee und bestand aus 90 000 Mann, 50 000 davon in Rußland. Dort spielten sie als Legionäre eine unrühmliche Rolle im Kampf zwischen den Weißen und den Roten. 1917 konnte man das Kriegsende erahnen. Frankreich bevorzugte eine massive Schwächung des Deutschen Reiches und der Donau-Monarchie. England war für eine nicht zu starke Schwächung Deutschlands, weil es eine kommunistische Rebellion wie in Rußland fürchtete. Die USA wollten die stabilisierende Wirkung von Österreich-Ungarn in Südosteuropa erhalten,

103 Jahre nach dem 4. März 1919 in der Ersten Tschechoslowakischen Republik

Selbstbestimmungsrecht in akuter Gefahr die Donau-Monarchie also nicht zerschlagen. Am 8. Januar 1918 verkündete USA-Präsident Woodrow Wilson sein 14-Punkte-Programm, in dessen Mittelpunkt das Selbstbestimmungsrecht der Völker stand. Dort lesen wir: „Den Völkern Österreich-Ungarns (…) sollte eine möglichst freie Gelegenheit zu einer autonomen Entwicklung zugestanden werden.“ Masaryk und Beneš forderten stattdessen das Selbstbestimmungsrecht für die Tschechen. Für die Deutschen im tschechoslowakischen Staat sollte es nicht gelten, da sprach man von der 1000jährigen Einheit Böhmens. Die Grenze zwischen Slowakei und Ungarn wurde geopolitisch gezogen. Sie nahm die Selbstbestimmung der dortigen Völker. Wie nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Tschechen bereits nach dem Ersten Weltkrieg bestens vorbereitet. Sie hatten ein Konzept und setzten dies konsequent um. Am 23. Juni 1918 erkannte Frankreich die Tschecho-slowakische Nation als kriegführend an. Am 9. August erkannten die Briten, am 2. September die USA den Tsche-

Am 12. November rief man in Wien die Republik DeutschÖsterreich als Bestandteil der Deutschen Republik aus. Dies ließen die Alliierten nicht zu. Am 10. September 1919 nahm Österreich das Friedensdiktat von Trianon an. Der Name DeutschÖsterreich wurde untersagt. 1920 gab man sich eine Verfassung. Von sudetendeutscher Seite kamen nur spärliche Reaktionen. Man war zu sehr mit dem verlustreichen Ende des Krieges beschäftigt. Zudem grassierte vor allem im Herbst 1918 die Spanische Grippe. Ein Drittel der Bevölkerung wurde infiziert, viele starben, gerade junge Frauen. Diese Grippe kostete Europa 20 Millionen Leben, doppelt so viele wie der Erste Weltkrieg. 1918/19 wurde die Bezeichnung Deutsch-Böhmen gern als Abgrenzung vom tschechischen Landesteil benutzt. DeutschBöhmen, Deutsch-Mähren und Deutsch-Schlesien wollten sich Deutsch-Österreich anschließen. Dieser Versuch scheiterte an den Tschechen, die bei den Alliierten Unterstützung fanden. Rudolf Lodgman von Auen (1877–1962) wurde 1918 zum

Volk war immer ein Bestandteil Ungarns, wie die Tschechen immer ein Teil Böhmens waren. Sie sind zwei slawische Völker mit eigenen Sprachen. Daß diese Vereinigung ein Fantasieprodukt war, sah man an der friedlichen Trennung der Slowaken von den Tschechen 1994. Am Ende des Krieges existierte also ein tschechischer Staat im Zentrum des böhmischen Vierecks, umrahmt von den deutschen Gebieten, den Grenzgebieten, wie die Tschechen sagen. Um die Macht auf ganz Böhmen auszudehnen bedurfte es einer Armee. Schon am 30. Oktober 1918 übernahm der tschechoslowakische Nationalausschuß das Kommando über die im tschechischen Gebiet stehenden k. u. k. Truppen. Tschechische Garnisonen unterstellten sich ihm freiwillig, die Ungarn zogen ab, die Deutschen lösten sich auf. Nun begann die Besetzung von Deutsch-Böhmen und des Sudetenlandes. Sie dauerte zwei Monate und brauchte 30 tschechische Regimenter. Die Prager Zeitung „Bohemia“ berichtete, daß Budweis am 29. Oktober, Brünn und Iglau am 6.,

auch, für die Selbstbestimmung zu sterben.“ Am 20. Dezember 1918 verlangte Beneš von den Alliierten, der Besetzung des Sudetenlandes zuzustimmen. Frankreich bejahte sofort, Italien und Großbritannien nach einigen Tagen, die USA bestätigten nur den Erhalt der Note. Ende 1918 wurde die Bezeichnung Deutsch-Böhmen verboten, das deutsche Gebiet mußte Sudetenland heißen. Wie Staatspräsident Masaryk über die Deutschen in seiner Tschechoslowakei dachte, offenbarte er in einem Interview am 12. Januar 1919 mit „Le Matin“: „Unsere geschichtlichen Grenzen stimmen mit den ethnographischen Grenzen ziemlich überein. Nur die Nord- und Westränder des böhmischen Vierecks haben infolge der starken Zuwanderung des letzten Jahrhunderts eine deutsche Mehrheit. Für diese Fremden wird man vielleicht einen gewissen modus vivendi schaffen. (…) Im Übrigen bin ich überzeugt, daß eine sehr rasche Entgermanisierung dieser Gebiete vor sich gehen wird.“ April 1945 sagte Beneš: „Was wir 1918 schon durchführen woll-

choslowakischen Nationalrat als eine Art Exilregierung an. Am 26. September trat eine vorläufige Regierung des real noch nicht existierenden Tschecho-slowakischen Staates in Paris zusammen. Am 6. Oktober sprachen sich die deutschen Abgeordneten des Österreichischen Reichsrates für das Selbstbestimmungsrecht der slawischen und der romanischen Nationen aus, verlangten das aber auch für das deutsche Volk Österreichs. Am 17. Oktober kündigte Kaiser Karl I. – zu spät – die Umwandlung in einen Bundesstaat der Nationen an. Am 18. Oktober reagierte Masaryk mit der Proklamation der tschechoslowakischen Unabhängigkeit auf einer Versammlung slowakischer Emigranten in Philadelphia/USA. Dabei räumte er den Minderheiten, den Deutschen und Ungarn, gleiche Rechte ein. Am 21. Oktober beschloß die provisorische Nationalversammlung für Deutsch-Österreich: „Der deutsch-österreichische Staat beansprucht die Gewalt über das ganze deutsche Siedlungsgebiet Österreichs, vor allem in den Sudetenländern.“

Landeshauptmann der deutschösterreichischen Provinz Deutsch-Böhmen gewählt. Bereits 1911 war er im Österreichischen Reichsrat, 1912 im Böhmischen Landtag Abgeordneter, 1920 bis 1925 im Prager Abgeordentenhaus gewesen. Er vertrat mit Josef Seliger in Saint German das Sudetenland. Nach der Vertreibung sollte er der erste Sprecher der Volksgruppe werden. Schließlich proklamierten tschechische Politiker bei spontanen Demonstrationen in Prag am 28. Oktober 1918 die Gründung der Tschecho-Slowakei. Die Tschechen rissen also das Land Böhmen an sich, in dem 25 Prozent der Bevölkerung Deutsche waren, sechs Prozent Magyaren, vier Prozent Ukrainer sowie je ein Prozent Polen und Nationaljuden. Ich frage mich, warum die Deutschböhmen nicht mit den Mährern zusammenarbeiteten. Diese waren ein eigener Volksstamm mit separatistischen Neigungen ähnlich den Bayern. Nur die Sprache war tschechisch. Ein tschechoslowakisches Volk gab es nie. Das slowakische

Eger Flugplatz am 10., Marienbad am 15., Mies und Krumau am 28. November, Braunau am 1., Saaz am 6., Teplitz-Schönau am 7. und Tachau am 20. Dezember 1918 von tschechoslowakischen Truppen besetzt worden seien. Plünderungen begleiteten die Besetzung, viele Gemeinderäte wurden abgesetzt, andere für einige Tage als Geiseln genommen, um die Entwaffnung der deutschen Volkswehren sicherzustellen. Teilweise wurden die Beamten zum Treueid auf die Tschechoslowakei verpflichtet. Alle diese Maßnahmen verstießen gegen die Haager Landeskriegsordnung von 1907. Am 8. Dezember 1918 fanden in allen größeren noch nicht besetzten Städten des Sudetenlandes Demonstrationen statt. Sie forderten das Selbstbestimmungsrecht. In Reichenberg sprach Landeshauptmann Lodgman von Auen: „Wir sind des Kampfes müde, und wir haben die Waffen fünf Minuten zu früh an die Wand gestellt. (…) Doch wir dürfen uns nicht selbst aufgeben. Für die Selbstbestimmung zu leben heißt unter Umständen

ten, erledigen wir jetzt! Damals schon wollten wir alle Deutschen abschieben. Deutschland war aber noch nicht vernichtet, und England hielt uns die Hände, jetzt (1945 und 1946) aber muß alles erledigt werden.“ Für den 4. März 1919 riefen alle politischen Parteien des Sudetenlandes unter Führung der Sozialdemokraten zu einem allgemeinen Generalstreik in ganz Deutschböhmen und dem Sudetenland auf. An diesem Tag trat die deutschösterreichische Nationalversammlung in Wien zusammen. Dies war ein Protest gegen die gewaltsame Verhinderung der Wahlen in den rein deutschen Gebieten, aber auch eine Massenkundgebung gegen die mit der Notenabstempelung verbundene Einbehaltung der Hälfte allen Barvermögens durch den tschechoslowakischen Staat. Der Aufruf: „An diesem Tag ruhe jede Arbeit in Fabrik, Werkstätte, Geschäft, Kanzlei und Schulstube, damit der Welt die einstimmige Empörung des ganzen deutschen Volkes im Sudetenland anschaulich vor Augen

geführt werde. Deutsche Eltern, schickt an diesem Tag Eure Kinder nicht in die Schule. Deutsche Bürger, Arbeiter und Angestellte, Gewerbetreibende und Kaufleute, verleiht Eurer Erbitterung über die einschneidenden volkswirtschaftlichen, völkerrechtswidrigen Maßnahmen der tschechoslowakischen Regierung, die der Entscheidung der Friedenskonferenz vorgreifen, durch allgemeine Arbeitsruhe und Geschäftssperre am Dienstag, 4. März 1919 Ausdruck!“ Bei der Demonstration in Teplitz-Schönau sprach trotz tschechischen Verbots Josef Seliger, Vorsitzender der Sudetendeutschen Sozialdemokraten: „Nicht der Haß gegen das tschechische Volk führt uns zusammen, ihm gönnen wir seine Befreiung (…). Nur die Liebe zu unserem Volk, zu unserer Freiheit und zu unserem Recht führt uns heute zusammen. Wir wollen ausharren in dem Kampf um unser Selbstbestimmungsrecht (…). Wir wollen mit Ihnen (den Deutschösterreichern) gemeinsam einmarschieren in das große, freie sozialistische Deutschland.“ In Kaaden, Mies, Karlsbad, Eger, Reichenberg, Arnau, Aussig, Sternberg, Kaplitz und weiteren Städten trafen sich Zehntausende. Tschechoslowakische Soldaten schossen in die Menge. Die blutige Bilanz waren 54 Tote und 104 Verletzte, darunter zwei jüdische Sudetendeutsche: Rosa Heller aus Mies und Alfred Hahn aus Karlsbad. In der Traueranzeige des Stadtrates von Kaaden stand: „Das deutsche Volk wird dieser Toten immer in Treue gedenken.“ Die „Neue Züricher Zeitung“ berichtete am 6. März: „Die Ergebnisse in Deutschböhmen und die Akte tschechischer Brutalität gegen die Demonstranten erwecken die größte Verbitterung. Nachdem schon vorgestern in Karlsbad, Reichenberg, Eger, Aussig, Sternberg, Brüx, Mies und Neutitschein das tschechoslowakische Militär mit Salvenfeuer und Bajonetten gegen die deutsche Bevölkerung gewütet hatte, die sich (…) zu durchaus friedlichen Kundgebungen für das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen Böhmens zusammengefunden hatten, haben gestern tschechoslowakische Soldaten in Kaaden und Karlsbad erneut Grausamkeiten gegen Deutsche verübt (…). Die tschechische Regierung irrt, wenn sie glaubt, den Widerstand der 3,5 Millionen Deutschböhmen mit terroristischen Mitteln unterdrücken zu können.“ Am 8. März schickte Beneš der Regierung in Paris eine Protestnote, in der er die Schuld an dem Blutvergießen der deutschösterreichischen Regierung in Wien aufbürdete und strenge Maßnahmen der Alliierten gegen Österreich und Ungarn forderte. Die USA glaubten ihm nicht mehr. Am 10. März kabelte Archibald C. Coolidge, Sonderbeauftragter der USA-Friedensdelegation in Paris, nach Washington: „Würde man den Tschechen das ganze Gebiet zuerkennen, das sie beanspruchen, wäre das nicht nur eine Ungerechtigkeit, sondern für die Zukunft auch gefährlich, vielleicht verhängnisvoll.“ An Warnungen hat es nicht gefehlt. Das gilt auch für den russischen Einmarsch in die Ukraine 103 Jahre später.


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Sudetendeutsche Zeitung 4. März 2022 Ausgabe 9 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu