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Sudetendeutsche Zeitung 24. September 2021 Ausgabe 38

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Interview mit Kristina Larischová, Generalkonsulin der Tschechischen Republik (S. 3)

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 73 | Folge 38 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 24. September 2021

Postvertriebsstück · Deutsche Post AG · Entgelt bezahlt Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH · Hochstraße 8 · D-81669 München · eMail zeitung@sudeten.de

Miloš Zeman

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Rudolf-Lodgman-Medaille für Kurt Aue

Präsident weiter im Krankenhaus

Glückwünsche von der Staatsministerin

Staatspräsident Miloš Zeman wird seit 14. September in einem Prager Krankenhaus stationär behandelt. Derweil kocht die Gerüchteküche zum Gesundheitszustand über.

Hoher Besuch bei der gemeinsamen Kreisdelegiertenkonferenz der Sudetendeutschen Kreisgruppe Augsburger Land und der BdV-Kreisgruppe Augsburger Land sowie der Verleihung der Rudolf-Lodgman-Medaille an Kurt Aue.

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er Präsident entscheidet nach der Wahl, welchen Kandidaten er mit der Regierungsbildung beauftragt. In der Vergangenheit hat Zeman deutlich gemacht, daß dies der Vertreter der stärksten Partei und nicht der stärksten Koalition sein wird – und sich damit indirekt auf Amtsinhalber Andrej Babiš festgelegt. Der 76-Jährige leidet an der Nervenkrankheit Neuropathie und ist deshalb seit Anfang des Jahres auf einen Rollstuhl angewiesen.

VOLKSBOTE

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Bayerns Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Carolina Trautner, besuchte gemeinsam mit ihrem Landtagskollegen Andreas Jäckel (rechts) und den Teilnehmern der Kreisdelegiertenkonferenz Augsburg-Land das Sudetendeutsche Museum in München. Zweiter von rechts: Organisator Kurt Aue. Foto: Mathias Heider

ls Schirmherrschaftsministerin nahm Bayerns Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Carolina Trautner, teil und war auch beim Rundgang durch das Sudetendeutsche Museum dabei. Begleitet wurde die CSU-Politikerin von ihrem Landtagskollegen und BdV-Vorsitzenden von Schwaben, Andreas Jäckel, dem SL-Landesobmann und stellvertretenden SL-Bundesvorsitzenden Steffen Hörtler, dem Vor-

standsvorsitzenden der Sudetendeutschen Stiftung, Dr. Ortfried Kotzian, dem BdV-Landesvorsitzenden Christian Knauer, dem Bürgermeister von Wehringen, Manfred Nerlinger, und dem Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, Prof. Dr. Andreas Otto Weber. Im Rahmen dieses Tages wurde Kurt Aue, der als stellvertretender Bezirksobmann Schwaben und Kreisobmann Augsburger Land die Konferenz organisiert und geleitet hatte, von Steffen Hörtler mit der Rudolf-Lodgman-Medaille, einer der höchsten Auszeichnungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft, für sein jahrzehntelanges Engagement geehrt. Zu den ersten Gratulanten gehörte auch die Staatsministerin.

Feierlichkeiten zum 1100. Jahrestag des Martyriums der Heiligen Ludmila

Kohletagebau Turów

Polen muß 500 000 Euro pro Tag zahlen Schwere Niederlage für Polen im Streit um den Kohletagebau Turów im Dreiländereck zu Sachsen und Böhmen. Der Europäische Gerichtshof hat am Montag entschieden, daß Polen pro Tag, an dem der Kohletagebau weiter betrieben wird, 500 000 Euro Strafe zahlen muß.

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uslöser des Gerichtsverfahrens ist ein Streit zwischen Warschau und Prag. Ohne Umweltverträglichkeitsprüfung hatte Polen die Betriebserlaubnis für den gigantischen Kohletagebau verlängert. Dagegen hatte Prag am 26. Februar 2021 eine Vertragsverletzungsklage vor dem EU-Gerichtshof eingereicht. Obwohl das Gericht am 21. Mai per Einstweiliger Anordnung die sofortige Einstellung verfügte, wurde die Förderung fortgesetzt. Der Tagebau liegt auf dem Gemeindegebiet von Reichenau in Sachsen, das heute zu Polen gehört, und erstreckt sich über 50 Quadratkilometer, was einem Achtel der Fläche des nahegelegenen Dresden entspricht. Da der Tagebau mittlerweile eine Tiefe von 300 Metern erreicht hat, befürchten die Umweltschützer und Anwohner, ein Absinken des Grundwasserspiegels, was verheerende Auswirkungen auch für die Grenzregion in Nordböhmen mit dem Isergebirge hätte. Polen argumentiert, eine Unterbrechung des Abbaus würde unweigerlich die Energieversorgung des Landes gefährden.

Kardinal Schönborn ruft Christen auf, für die Einheit Europas einzutreten

Kardinal Christoph Schönborn hat am Samstag als päpstlicher Sondergesandter die nationalen Feierlichkeiten zum 1100. Jahrestag des Martyriums der Heiligen Ludmila in dem 40 Kilometer südwestlich von Prag gelegenen Wallfahrtsort Tetin geleitet. In seiner Predigt unterstrich der Wiener Erzbischof die bleibende Bedeutung Ludmilas, die als erste böhmische Heilige einen herausragenden Platz in der Geschichte der Christianisierung des Landes hat.

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ereits am Vorabend, bei der festlichen Vesper, hatte der Träger des Europäischen KarlsPreises der Sudetendeutschen und gebürtige Leitmeritzer gemeinsam mit dem Olmützer Erzbischof Jan Graubner an die Erklärung der Tschechischen und der Österreichischen Bischofskonferenz „Versöhnte Nachbarschaft im Herzen Europas“ aus dem Jahr 2001 erinnert. Erzbischof Graubner, der bereits damals Vorsitzender der Bischofskonferenz war, ging auf Zustandekommen der Erklärung im Vorfeld des EU-Beitritts Tschechiens ein. Kardinal Schönborn hob hervor, daß die Erklärung nach wie vor Aktualität habe. Standen damals die Einheit Europas und die Überwindung des Nationalitätenkonflikts zwischen Tschechen und Deutschen, der zur Vertreibung großer Bevölkerungsgruppen nach dem Krieg geführt hatte, im Vordergrund, so müsse man heute der Erklärung noch ein weiteres Kapitel hinzufügen. Die Einheit Europas sei wieder bedroht durch das Aufkommen neuer Nationalismen. Das Eigeninteresse sei viel größer als das Miteinander. Dieser Gefahr müßten besonders die Christen in Europa heute wehren. „Die

Im Rahmen einer Festmesse erinnerten Kardinal Christoph Schönborn und Erzbischof Jan Graubner an das Martyrium der Heiligen Ludmila. Fotos: KAP/Reinhard Podhradsky, ČT, schrecklichen Erfahrungen unserer Eltern und Großeltern dürfen sich nicht wiederholen“, betonte der Wiener Erzbischof. Bei der Festmesse im Rahmen der Nationalen Ludmila-Wallfahrt, die unter freiem Himmel stattfand und vom Tschechischen Fernsehen live übertragen wurde, würdigte Kardinal Schönborn die Heilige Ludmila, als Großmutter des Heiligen Wenzel, der im frühen 10. Jahrhundert in Prag regierte. Zudem sei Ludmila „ein Vorbild einer klugen Großmutter“, so Schönborn unter Bezugnahme auf Worte von Papst Franziskus. Ludmila werde als „Patronin der Großmütter“ verehrt und gebe ein „schönes Zeugnis für die Weitergabe des Glaubens an die nächsten Gene-

rationen“, so Schönborn. Der Wiener Erzbischof erinnerte dabei an die Christianisierung Böhmens: „Die Heilige Ludmila und ihr Gemahl, Fürst Borivoj, stehen am Anfang der Christianisierung unserer Heimat“, so der Papst-Legat, der am 22. Januar 1945 im böhmischen Leitmeritz geboren und neun Monate später mit seiner Familie nach Österreich vertrieben wurde. In der Christianisierung Böhmens und Mährens zeige sich auch das, was Papst Johannes Paul II. mit den „beiden Lungen“ Europas beschrieben habe. So seien Borivoj und Ludmila vom Heiligen Methodius zum christlichen Glauben geführt worden.

Böhmen und Mähren seien somit zunächst unter dem Einfluß des ostkirchlich-byzantinischen „Lungenflügels“ gestanden, später dann verstärkt unter dem des christlichen Westens. Diese Lage habe die Geschicke der Region geprägt, „mit all ihrem Glanz und ihren Dramen, den Kirchenspaltungen und den Religionskriegen, der Politisierung der Religion, die schließlich für viele Menschen zur Abwendung von der Religion geführt hat“, so Schönborn. Im Blick auf die aktuelle kirch-

liche Lage in Tschechien erinnerte der Wiener Erzbischof an den Besuch von Papst Benedikt XVI. Dieser haben sich 2009 mit der bleibend aktuellen Frage befaßt, „was es heißt, in einem Land Christ zu sein, in dem die Mehrheit Agnostiker und Atheisten sind und die Christen eine Minderheit sind“. Benedikt XVI. habe damals zum Gespräch mit denen ermuntert, „denen die Religionen fremd sind, denen Gott unbekannt ist und die doch nicht einfach ohne Gott bleiben, ihn wenigstens als Unbekannten dennoch anrühren möchten“. In diesem Sinn müsse die Verkündigung des Glaubens weitergehen, und Christen sollten sich dabei vom Gleichnis des Sämanns inspirieren lassen, so der Kardinal unter Bezugnahme auf das Tagesevangelium: „Alle unsere menschlichen Bemühungen, den Glauben auszusäen, auszubreiten, scheinen vergeblich zu sein. Doch da gibt es da und dort guten Boden, und plötzlich gibt es unfaßbar gute Erträge, weit über alles denkbar Mögliche hinaus, bis zu hundertfach.“ Das Leben und Sterben der Heilgen Ludmila habe so gesehen „reiche Frucht gebracht“, und es gelte auch heute auf ihre Fürsprache zu vertrauen. Der Wiener Erzbischof war als Päpstlicher Legat am Freitag in Prag von Kardinal Dominik Duka empfangen worden. Am selben Tag erfolgte durch die beiden Kardinäle die Übertragung der Ludmilla-Reliquien vom Prager Wenzelsdom in den Wallfahrtsort Tetin. Nach der Positionierung der Schädelreliquie in der dortigen Katharinen-Kirche im Rahmen einer liturgischen Feier folgten ein Empfang und ein Festkonzert für und mit dem Päpstlichen Legaten in der Stadt Beraun am Freitagabend. KAP


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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er Leiter des Prager Sudetendeutschen Büros, Peter Barton, arbeitet besonders eng mit dem Botschaftsrat der Ungarischen Botschaft, István Buczkó, zusammen. Buczkó ist inzwischen zum vierten Mal dienstlich in der Tschechischen Republik und lobt den freundschaftlichen Umgang mit dem Sudetendeutschen Büro immer wieder in höchsten Tönen. Barton wurde im Jahr 2013 für seine Verständigungsarbeit

PRAGER SPITZEN

zwischen Sudetendeutschen, Tschechen und Ungarn vom ungarischen Staatspräsidenten János Áder mit dem Goldenen Verdienstkreuz der Republik ausgezeichnet. Diese Auszeichnung an den Leiter des Sudetendeutschen Büros festigt das traditionell hervorragende Verhältnis zwischen Sudetendeutschen und Ungarn sehr, und das wird auch in Zukunft so bleiben, denn auch die Ungarn haben in ihrer Geschichte oft genug die Vertreibung aus den Nachbarstaaten kennengelernt.

Neue Verkehrsregel schützt Radfahrer

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chtung, Autofahrer! Mit dem Jahreswechsel tritt eine neue Verkehrsregel in Kraft, die die Radfahrer auf den tschechischen Straßen besser schützen soll. Demnach müssen alle motorisierten Fahrzeuge beim Überholen der Zweiräder 1,5 Meter Abstand halten. Verstöße werden ab 1. Januar mit 80 Euro geahndet, hat das tschechische Unterhaus beschlossen.

Gedenkgottesdienst für den ehemaligen Bundesvorsitzenden Franz Pany, der am 27. August verstorben ist

Der Tod hat nicht das letzte Wort Zu einem Gedenkgottesdienst für Franz Pany, den am 27. August verstorbenen ehemaligen Landes- und Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft sowie Vorstandsvorsitzenden der Sudetendeutschen Stiftung, fanden sich am vergangenen Donnerstag auf Einladung von Landsmannschaft und Stiftung, Landsleute, ehemalige Mitarbeiter und Weggefährten in der Sankt-Michaels-Kirche in München ein.

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roatien, Griechenland und Bulgarien waren für die tschechischen Urlauber in diesem Sommer die Hauptreiseziele im Ausland. Mit 750 000 Urlaubern sei Spitzenreiter Kroatien fast so beliebt gewesen wie vor der Pandemie, gab Außenminister Jakub Kulhánek (Sozialdemokraten) bekannt. Auch am Prager Václav-Havel-Flughafen hätten sich die Passagierzahlen im Vergleich zum Sommer 2020 fast verdreifacht.

Deutschland ehrt Prager Weihbischof

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ie prächtige Jesuitenkirche Sankt Michael in der Fußgängerzone der Münchner Innenstadt bot einen würdigen Rahmen für den Gedenkgottesdienst. Die von Monsignore Dieter Olbrich und seinem Vorgänger Monsignore Karl Wuchterl zelebrierte Heilige Messe wurde von Thomas Schmid mit ausgewählten Liedern aus der Deutschen Messe von Franz Schubert begleitet. Der Egerländer Roland Hammerschmied beeindruckte durch seinen Sologesang der zu Herzen gehenden Lieder „So nimm denn meine Hände“ aus der Schubertmesse, „How i a in da Fremm“ und „Af’d Wulda“ aus der böhmischen Heimat als Hommage an den Verstorbenen. Monsignore Olbrich dankte eingangs Volksgruppensprecher Bernd Posselt für seine Initiative zur Feier dieses Gedenkgottesdienstes und die damit verbundene Botschaft: „Der Tod hat nicht das letzte Wort“. In seiner Predigt berichtete Monsignore Olbrich über seine gelegentlichen Begegnungen mit dem Verstorbenen und die Gespräche, die sich meist um Franz Panys Engagement in der Stiftung „Katholische Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern“, vor allem aber um die Liebe zur Heimat seiner Eltern, die aus dem Egerland vertrieben wurden, drehten. Olbrich sagte auch, er wäre ein schlechter Priester, wenn er in der Predigt nicht auf das Evangelium des Tages eingehen würde, und bezog sich

Tschechen wieder reisefreudiger

Monsignore Dieter Olbrich, Präses der sudetendeutschen Katholiken, und Monsignore Karl Wuchterl, Ehrenvorsitzender des Sudetendeutschen Priesterwerks Prag, zelebrierten den Gedenkgottesdienst für Franz Pany.

Unter den Trauergästen, 1. Reihe von links: Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, Steffen Hörtler, Landesobmann der SL-Bayern und Dr. h.c. Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, der die Traueransprache hielt (Foto rechts). 2. Reihe von links: Hans Knapek, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk, Dr. Günter Reichert, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Haus des Deutschen Ostens sowie Brunhilde Reitmeier-Zwick, Bundesvorsitzende der Karpatendeutschen Landsmannschaft. Fotos: Schuster auf den Bibeltext, der das Schicksal des Lazarus von Bethanien beschreibt (Joh.,11,32-44). Die frohe Botschaft dieses Evangeliums sei: „Der Tod hat nicht das letzte Wort, das Grab ist nicht die letzte Station. Für das Leben sind wir geboren, nicht für den Tod. Für ein Leben freilich jenseits des Grabes. Der Gott, an den wir glauben, verhindert nicht den Tod. Doch hat er uns ein Leben bereitet jenseits des Todes. Ein Leben, das den Tod nicht mehr kennt und nicht die Trauer, nicht

den Schmerz. Ein Leben, das uns all das schenkt, was wir hier auf Erden vergebens suchten und ersehnten…“ Bernd Posselt würdigte in seiner Traueransprache auch namens der Landesgruppe Bayern und der Sudetendeutschen Stiftung Franz Pany als großen Sudetendeutschen, der die Arbeit der Volksgruppe im ausgehenden 20. und im beginnenden 21. Jahrhundert maßgeblich geprägt habe. Pany sei durch und durch ein Familienmensch gewesen, wobei

Traueranzeige

Ingrid Schmidt geb. Hadina

In dankbarer Erinnerung für den Einsatz beim Aufbau der sudetendeutschen Einrichtungen Burg Hohenberg und „Der Heiligenhof “.

* 15. April 1927 in Jägerndorf † 24. August 2021 in Waldkraiburg Der Trauergottesdienst mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Freitag, den 22.10.2021, um 13:00 Uhr in der evangelischen Kirche in Hohenberg an der Eger statt. Wir bitten für die Teilnahme an der Trauerfeier um telefonische Anmeldung: 0971 71470 Für die Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk Hans Knapek Vorstandsvorsitzender

Dr. Ortfried Kotzian Vorsitzender des Stiftungsrates

Steffen Hörtler Stiftungsdirektor

Anstelle von Blumen bitten wir im Namen der Verstorbenen um eine Spende für die Stiftung „Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk“ bei der Sparkasse Bad Kissingen IBAN DE62 7935 1010 0000 0202 04

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zur Familie für ihn im erweiterten Sinne auch die Volksgruppe gezählt habe. Volksgruppe und Familie seien bei ihm in besonders starker Weise miteinander verschmolzen. Posselt erinnerte an den Großvater, Lehrer des unvergessenen Altsprechers Franz Neubauer – seine Witwe Erika war unter den Trauergästen – an den Vater, der an der Spitze des Sudetendeutschen Sozialwerks stand und sich ebenfalls in großartiger Weise engagiert habe, an die Mutter, die lange für die Heimatzeitschrift des Heimatkreises Marienbad aktiv war, an das Engagement von Panys Schwester Martina mit Gatten Matthias Sehling, der beim Trauerakt in der Kirche seine Ehefrau Gabi und Sohn Norbert vertrat, auf den Pany so stolz gewesen sei. Franz Pany sei durch und durch von Heimatliebe geprägt gewesen. Als Heimat habe er Marienbad, das Egerland und die Böhmischen Länder empfunden, wo er sehr verwurzelt war. Heimat sei für ihn neben Bayern aber auch in besonderer Weise Südtirol gewesen, wo er sich sehr engagiert habe. Franz Pany sei auch ein Mann des Rechts gewesen. Gerechtigkeit und dem Einsatz gegen Rechtsverletzungen galt sein ganzes Augenmerk. Sein Engagement bezog sich nicht zuletzt auch auf die sudetendeutschtschechischen Beziehungen. Er wußte, so Posselt: Nur Verständigung und Versöhnung führen in eine gute Zukunft. Hildegard Schuster

áclav Malý, Weihbischof von Prag, hat das Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Stellvertretend für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte der deutsche Botschafter in Prag, Andreas Künne, die Auszeichnung. Malý gehört zu den Mitunterzeichnern der Charta ’77 und des Prager Appells von 1985, in dem die Teilung Deutschlands als Hindernis auf dem Weg zur europäischen Einheit, zur Abrüstung und zur Befriedung des Kontinents thematisiert worden ist. Außerdem setzt sich Malý seit Jahrzehnten für die Verständigung und Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen ein.

Amazon baut neues Verteilzentrum

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er amerikanische Onlineversandhändler Amazon baut in der mittelmährischen Stadt Kojetein ein neues Verteilzentrum. Mit der Inbetriebnahme im Jahr 2023 sollen hier rund 2000 Arbeitsplätze entstehen, hat Amazon-Generalmanager für Tschechien, Michal Šmíd, bekanntgegeben. Amazon ist seit 2013 auch

auf dem tschechischen Markt aktiv und hat bislang über 26 Milliarden Kronen (eine Milliarde Euro) investiert. Das erste Verteilzentrum in Tschechien entstand 2015 am Rand von Prag. Derzeit beschäftigt Amazon über 4000 Menschen im Land. In der Kritik steht Amazon unter anderem wegen seiner Steuervermeidungsstrategie. So hatte der Guardian berichtet, daß Amazon für seine europäischen Niederlassungen trotz eines Rekordumsatzes von 44 Milliarden Euro an seinen europäischen Hauptstandort Luxemburg im vergangenen Jahr keine Körperschaftssteuern zahlen mußte.

Gratias-Agit-Preise des Außenministers

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ratias-Agit, der Preis für die Verdienste um den guten Namen Tschechiens, ging in diesem Jahr auch nach Deutschland und Österreich. So zeichnete Außenminister Jakub Kulhánek (Sozialdemokraten) jetzt in Prag Ivan Liška, Leiter des Bayerischen Staatsballetts in München, aus. Unter den Persönlichkeiten, die im Laufe dieses Jahres bereits ausgezeichnet wurden, sind unter anderem Barbara Stamm, ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landtags, und Paul Twaroch, ehemaliger Landesintendant des ORF Niederösterreich. Die Auszeichnung Gratias Agit vergibt das tschechische Außenministerium seit 1997. Sie besteht aus einem Diplom und einem Kristallglobus. Bisher wurden schon mehr als 300 Personen und Organisationen damit geehrt.

Jazz-Musiker George Mraz ist tot

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iner der besten Jazz-Kontrabassisten ist tot. George Mraz verstarb im Alter von 77 Jahren am 16. September in Prag. Der am 9. September 1944 im südböhmischen Pisek geborene Mraz machte sich bereits als junger Mann einen Namen und arbeitete unter anderem mit dem Jazzgitarristen Rudolf Dasek zusammen. Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei im August 1968 ging Mraz, der eigentlich Jiří Mráz hieß, in die Emigration. In seiner neuen Heimat USA spielte er im Laufe seiner langen Karriere an der Seite zahlreicher Jazz-Größen von Stan Getz über Chet Baker und Dizzy Gillespie bis Ella Fitzgerald.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24.9.2021

Kristina Larischová ist seit 2017 Generalkonsulin der Tschechischen Republik in München und zuständig für die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Unermüdlich wirbt die Diplomatin dafür, das deutschtschechische Verhältnis weiter zu verbessern. Die Coronapandemie, und die damit verbundenen Grenzschließungen, haben viele Projekte in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung zieht Kristina Larischová Bilanz und erklärt, welche Schritte jetzt anstehen.

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rau Generalkonsulin, am Sonntag wird in Deutschland gewählt, am 8. und 9. Oktober entscheiden dann die Tschechen über ihre neue Regierung. Wie sehr werden die Ergebnisse dieser Wahlen das deutsch-tschechische Verhältnis beeinflussen? Kristina Larischová: Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Tschechien seit 16 Jahren eine Gesprächspartnerin, die auch persönliche Beziehungen zu Mitteleuropa hat und sogar etwas Tschechisch spricht. Wir hoffen, daß die neue Bundesregierung diesen Kurs fortsetzt. Und was erwarten Sie von der neuen tschechischen Regierung? Larischová: Nach den aktuellen Wahlprognosen ist eine Reihe von Koalitonen denkbar. Die Regierungsbildung wird sicherlich Zeit in Anspruch nehmen, aber keiner der möglichen Regierungspartner stellt in Frage, daß Tschechien und Deutschland gute Beziehungen haben sollten. Die deutsch-tschechischen Beziehungen stehen auf einem sehr guten, stabilen Fundament. Und daran wird sich auch nach den Wahlen in unseren Ländern nichts ändern. Was macht Sie so optimistisch? Larischová: Wir haben gemeinsam nach dem Jahr 1997, als die deutsch-tschechische Regierungserklärung unterzeichnet wurde, viel Energie und Geld in nachhaltige Strukturen investiert. Dadurch ist ein solides Gerüst für unsere Beziehungen entstanden. An erster Stelle ist hier der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds zu nennen, der seit 23 Jahren partnerschaftliche Begegnungsprojekte fördert, und das Gesprächsforum, in dessen Rahmen sich Deutsche und Tschechen regelmäßig treffen, um über aktuelle gesellschaftliche Themen zu diskutieren. Seit 2015 pflegen unsere Regierungen zudem einen inhaltsreichen strategischen Dialog. In der zweiten Jahreshälfte 2022 wird Tschechien den EURatsvorsitz übernehmen. Auf der Agenda steht dann die Verabschiedung des europaweiten Maßnahmenkatalogs „Fit for 55“, also die Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent. Tschechien galt bislang nicht als Vorreiter einer progressiven Klimapolitik. Larischová: Wenn Tschechien in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 den Ratsvorsitz übernimmt, werden wir nicht nur mit dem sogenannten Trio, also dem Vorgänger Frankreich und dem Nachfolger Schweden, zusammenarbeiten, sondern auch mit den anderen wichtigen Partnern in der EU sprechen. Als Nachbar und aufgrund seiner Rolle in Europa ist Deutschland natürlich einer der wichtigsten Gesprächspartner. Aber gerade in der Klimapolitik haben Deutschland und Tschechien unterschiedliche Vorstellungen. Bis Ende 2022 wird Deutschland seine letzten Atomkraftwerke abgeschaltet haben, und im Wahlkampf spielt die Frage, ob man den Ausstieg aus der Kohleverstromung vorziehen kann, eine große Rolle. In Prag plant man dagegen den Bau eines neuen Reaktorblocks und setzt im Energiemix weiterhin auf die Atomkraft. Larischová: Tschechien hat eine andere Vorstellung von ei-

AKTUELL � Interview mit Kristina Larischová, Generalkonsulin der Tschechischen Republik, über Corona und die Zeit danach

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natürlich hat meine Regierung sehr erfreut zur Kenntnis genommen, daß Frau Staatsministerin Huml als Ziel ihrer ersten Auslandsreise Prag gewählt hatte. Man merkt deutlich, daß sie sehr großes Interesse an ihrem neuen Aufgabengebiet hat. Welche weiteren Projekte sind hier geplant? Larischová: Am 5. Oktober werden sich Staatsministerin Melanie Huml, unser Außenminister Jakub Kulhánek und die österreichische Europaministerin Karoline Edtstadler direkt an der deutsch-tschechischen Grenze auf dem Dreisessel im Bayerischen Wald treffen. Ein wichtiges Thema ist der Neustart im Jugendaustausch. Wir haben vor wenigen Wochen an dieser Stelle in der Sudetendeutschen Zeitung ein Interview mit Melanie Huml veröffentlicht. Die Überschrift lautete: „Über die Sprache kommt die Völkerverständigung“. Wie wichtig ist es, daß Tschechisch als weitere Fremdsprache in den deutschen Schulen angeboten wird? Larischová: Wir sollten gar nicht von einer Fremdsprache sprechen, sondern von einer Nachbarsprache. Natürlich wird Tschechisch an den Schulen in ganz Deutschland nie die Bedeutung nach Englisch erlangen wie Französisch, Spanisch oder Latein, aber zumindest in unserer � Zur Person: Kristina Larischová Grenzregion wollen wir das gegenseitige Angebot weiter aus�  Geboren am 28. März 1971 in Budweis. bauen. Ein Erfolg ist, daß es mitt�   Verheiratet, ein Sohn. lerweile sogar gelungen ist, in �  Studium Außenhandel und Internationale Beziehungen an München an einem Gymnasium der Wirtschaftsuniversität von Prag mit dem Abschluß Diden Sammelkurs Tschechisch als plom-Ingenieurin. Abiturfach anzubieten. In Tsche�  1994 bis 2001: Mitarbeiterin am Institut für Internationale chien spielt der DeutschunterBeziehungen in Prag, einem Think Tank des tschechischen richt natürlich seit jeher eine Außenministeriums. Generalkonsulin Kristina Larischová im Empfangsbereich des Münchner größere Rolle. Bemerkenswert �  2001 bis 2014: Wissenschaftliche Mitarbeiterin der FriedGeneralkonsulates. Foto: Torsten Fricke fand ich zum Beispiel die Kamrich-Ebert-Stiftung in Prag. pagne der deutschen Botschaft �  2014 bis 2017: Beamtin im Außenministerium der Tschechinem zukunftsfähigen Energie- schen in Deutschland und Tsche„Šprechtíme“ oder eine Aktischen Republik, spezialisiert auf die Themen Kommunikatimix als Deutschland. Wie ande- chien eine immense Belastung. on des Goethe-Institus in Prag, on und öffentliche Diplomatie. re Staaten in der EU auch, sehen Aber wir müssen im Rückblick die mit dem Slogan „Deutsch ist �  Seit August 2017: Generalkonsulin der Tschechischen Rewir in der Atomkraft vor allem ei- auch bedenken, daß wir damals einfach“ gegen die tiefsitzende publik in München. ne CO2-neutrale Energiegewin- keinerlei Schutz vor der AusbreiÜberzeugung über die Schwienung. In Frankreich werden 70 tung der Pandemie hatten. Es gab rigkeit der deutschen Sprache Prozent der Energie aus Atom- noch keine Impfung, und am Anwarb. Die Kampagne zählte viekraft gewonnen. Parteiübergrei- fang fehlten sogar Masken und gegenseitig schlagartig dicht ge- die Grenzen de facto geschlos- le Wörter auf, die einen gemeinfend gibt es in Tschechien ei- Desinfektionsmittel. Auch für macht. Die plötzlichen Grenz- sen hat, wurden viele überrascht, samen Ursprung haben, wie „Sane sehr große Skepsis, inwieweit uns im Generalkonsultat in Mün- schließungen haben trotz Bei- daß das EU-Prinzip der Green lat“ und „salát“, „Schraube“ und der von Deutschland favorisier- chen war diese Zeit äußerst her- behaltung der notwendigsten Lanes – also der freien Durch- „šroub“, oder „Krone“ und „kote schnelle Doppelausstieg aus ausfordernd. So mußten wir viele Durchlässigkeit – etwa im Be- fahrt für Warentransporte – au- runa“. Man sieht, uns verbindet Atomkraft und Kohle gelingen tschechische Bürger versorgen, reich der Gesundheits- und So- ßer Kraft gesetzt wurde. Plötzlich einiges – auch sprachlich. kann, ohne die wirtschaftliche die am Münchner Flughafen ge- zialpflege – die Pendler und de- brauchten alle Lkw-Fahrer eiSeit 2017 sind Sie GeneralWettbewerbsfähigkeit des Lan- strandet waren, und unter Pan- ren Arbeitgeber vor große wirt- nen Test, um nach Deutschland konsulin, leben mit Ihrem Mann des zu beeinträchtigen. Aber je- demiebedingungen unsere kon- schaftliche Probleme gestellt. fahren zu dürfen. Die Lieferket- und Ihrem Sohn in München und des Land entscheidet selbst über sularische Tätigkeit fortsetzen. Niemand hätte sich vor der Pan- ten wurden dadurch enorm be- sprechen perfekt Deutsch. Was seinen eigenen Energiemix. Dagegen lag die diplomatische demie vorstellen können, daß wir schädigt. Die Grenzschließun- hat München, was Prag nicht hat? Arbeit, deren in Europa noch einmal eine Zeit Larischová: Grundlage der der geschlossenen Grenzen erErsteinmal ein persönliche leben müssen. Aber wenn es etPunkt, der uns Austausch ist, was Gutes aus dieser schwieriverbindet: Wir weitgehend auf gen Zeit gibt, dann, daß die Menhaben die gleiEis oder muß- schen gesehen haben, daß ein che Liebe zum te durch Video- freies , grenzenloses Europa ein Bier und zu eikonferenzen er- Geschenk und keine Selbstvernem guten, setzt werden. ständlichkeit ist. Diese Krise hat deftigen Essen. Viele Projek- sicherlich einigen die Augen geAuch wenn wir te mußten des- öffnet, wie wichtig für uns Euroden Schweinshalb verscho- päer der gemeinsame Markt und braten mit ben werden. die offenen Grenzen sind. Die Knödeln unterKristina Larischová im Gespräch mit Karl Schwarzen- Und natürlich EU-Staaten sind wirtschaftlich so Im Sudetendeutschen Museum im Oktober 2020: Kri- schiedlich zuberg beim „Václav Havel European Dialogues“ 2020 in gab es auch sehr miteinander verwoben, daß stina Larischová mit Ministerin Carolina Trautner und bereiten, sind München. Foto: Katerina Lepic keine gegen- Grenzschließungen unweiger- SL-Landesobmann Steffen Hörtler. Foto: StMAS doch beide Vaseitigen Besu- lich zum Chaos führen. rianten sehr In Deutschland setzt die Poli- che von Regierungsmitgliedern Abgesehen von den Pendlern gen haben zwar die Verbreitung lecker. München ist für mich tik auf erneuerbare Energien wie mehr. und Grenzgängern, welche kon- der Pandemie verlangsamt, aber keine typische Großstadt, weil es Windkraft und Solar. Wer waren die Hauptleidtra- kreten Auswirkungen hatten die gleichzeitig große Kosten verur- weniger hektisch zugeht und es Larischová: Tschechien ver- genden? Grenzschließungen noch? sacht. Nach der Pandemie müs- mit dem Englischen Garten sehr fügt leider über keine idealen Larischová: Eindeutig die Larischová: Nur ein Beispiel: sen wir deshalb dieses Thema auf viel Grün gibt. Natürlich schätBedingungen. Es gibt weder ge- Pendler und die Grenzgän- Tschechien ist ein Transitland. europäischer Ebene aufarbeiten, zen wir an München das gronügend Wind- oder Sonnenstun- ger. Nicht nur, daß die Corona- Tausende von Lkws rollen je- um für zukünftige Krisen besser ße Kulturangebot und die Nähe den, noch starke Wasserströ- regeln viel zu oft geändert wur- den Tag quer durch unser Land gerüstet zu sein. Wir müssen al- zu den Bergen. Außerdem kann mungen. Viele Bürger sehen in den, sondern wir haben uns in von Südosteuropa nach Deutsch- les dafür tun, daß es nie wieder man in München sehr gut mit Wind- und Solarparks sogar eine unterschiedlichen Phasen der land und weiter nach Westen zu Grenzschließungen kommt. dem Rad fahren. Dagegen ist in Zerstörung der Landschaft und Coronapandemie die Grenzen und Norden. Als Deutschland In der Bayerischen Staatsregie- Prag die Kulisse mit der Burg, der Agrarflächen. Hinzu kommt, rung haben Sie mit Melanie Huml der Moldau und der hügeligen daß uns alle Prognosen voraussaals Staatsministerin für Euro- Altstadt einzigartig. gen, daß wir in Zukunft nicht wepaangelegenheiten und InternaAls Diplomatin sitzt man imniger, sondern weitaus mehr Entionales eine neue Ansprechpart- mer auf gepackten Koffern. Wie ergie benötigen. In Tschechien nerin bekommen. Wie kommen sind Ihre Zukunftspläne? ist die Skepsis deshalb sehr groß, Sie mit ihr zurecht? Larischová: In der Regel überdaß man diesen größeren Bedarf Larischová: Ich habe nur die nimmt man ein Generalkonsulat über erneuerbare Energien decbesten Erfahrungen mit Frau für vier Jahre. Nachdem ich jetzt ken kann. Staatsministerin Huml gemacht. seit über vier Jahren in München Ein weiteres Thema, das die Nach ihrer Amtsübernahme im bin, wird bald der Zeitpunkt Beziehungen zwischen DeutschJanuar ist sie sehr schnell in die kommen, schweren Herzens Abland und Tschechien auf eine beAgenda eingestiegen. Und hin- schied zu nehmen. Noch ist es sondere Probe gestellt hat, ist die zu kommt, daß sie als frühere Ge- aber zu früh, über EinzelheiCoronapandemie. Wie schädlich sundheitsministerin und Ärztin ten zu sprechen. Wie heißt es so war es, die Grenzen zu schließen? natürlich hochkompetent beim schön auf Bairisch: „Schaun mer Larischová: Die Grenzschlie- Empfang im Landtag im April 2019: Ministerpräsident Markus Söder mit Dr. Thema Coronapandemie ist, die moi, dann sehn mer scho.“ Foto: Landtag/Egon Lippert uns immer noch beschäftigt. Und ßungen waren für viele Men- Birgit Seelbinder und Kristina Larischová. Torsten Fricke

„Die Grenzschließungen waren eine enorme Belastung“


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TERMINE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24.9.2021

� Großes Programm am Sonntag, 26. September

Haus des Deutschen Ostens lädt zum 50jährigen Jubiläum Das eigentliche Jubiläum hatte im vergangenen Jahr wegen der Pandemie abgesagt werden müssen, jetzt holt das Haus des Deutschen Ostens das 50jährige Bestehen mit einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 26. September, nach. Höhepunkt ist der Festakt am Nachmittag.

F

ür die Teilnahme gilt die 3G-Regel und teilweise Anmeldepflicht, außerdem besteht Maskenpflicht. Das Programm: 11.00 bis 19.00 Uhr: Ausstellung „Wer bin Ich? Wer sind

Wir? Zu Identitäten der Deutschen aus dem östlichen Europa“ (ohne Anmeldung) mit Führungen durch die Ausstellung mit Prof. Dr. Andreas Otto Weber und Lilia Antipow (Anmeldung nötig) um 12.00 und 13.30 Uhr sowie einem Gespräch in der Ausstellung mit Renate BeckHartmann, Maria Schefner und Lukas Moj (Anmeldung nötig) um 14.30 Uhr. 11.00 bis 19.00 Uhr Uhr: Gaststätte „Zum alten Bezirksamt“ (keine Anmeldung nötig). 11.00 bis 15.30 Uhr: Bibliothek des Hauses des Deutschen

Ostens – Anmeldung, Ausleihe und Informationen (ohne Anmeldung) 11.00 bis 15.30 Uhr: Handwerksmarkt mit Vorführungen (ohne Anmeldung). 11.00 bis 15.30 Uhr: Bücherflohmarkt zu Gunsten des Vereins der Förderer des Hauses des Deutschen Ostens e.V. (keine Anmeldung nötig). 12.00 bis 15.45 Uhr: Lesungen aus Werken deutschsprachiger Autoren aus dem östlichen Europa (Anmeldung nötig): 12.00 Uhr mit Prof. Dr. Andreas Otto Weber, 12.45 Uhr mit Dr. Enikő

Dácz, 13.30 Uhr mit Lilia Antipow, 14.15 Uhr mit PD Dr. Heinz Starkulla und 15.00 Uhr mit Dr. Zuzana Jürgens. 16.30 bis 19.00 Uhr: Festakt im Adalbert-Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses mit dem Konzert „Crossing Life Lines“ und einem Gespräch mit Mulo Francel und Philipp Schiepek (Anmeldung nötig). Anmeldung und Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Osten, Am Lilienberg 5, München, Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder eMail poststelle@hdo.bayern.de

Mulo Francel präsentiert das Projekt „Crossing Life Lines“ auf der Bühne.

VERANSTALTUNGSKALENDER n  Freitag,

24. September, 10.00 Uhr, SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen: Landesfrauentagung mit Neuwahlen des Landesvorstands. GerhartHauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. n  Samstag, 25. September, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Aktuelle Entwicklungen im sudetendeutschtschechischen Verhältnis“, Vortrag von Christoph Lippert, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. n  Samstag, 25. September, 10.00 Uhr, SL-Bezirksgruppe Oberfranken: Jahreshauptversammlung mit MdB Martin Schöffel und Landrat Peter Berek, Egerlandhaus, Marktredwitz. n  Sonntag, 26. September, 14.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und die Heimatgliederungen Altvater Runde Stuttgart, Alte Heimat – Kuhländchen, Böhmerwaldgruppe Stuttgart, Gemeinschaft der Wischauer: „Sudetendeutscher Kulturtag 2021“. Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Großer Saal, Schloßstraße 92, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de n  Donnerstag, 30. September, 19.00 Uhr, Kulturreferat für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum, Vortrag und Diskussion: „Mein Weg zu unseren Deutschen“ mit Pavel Polák, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt frei. n  Freitag, 1. Oktober, Sudetendeutsches Musikinstitut (Träger: Bezirk Oberpfalz): Liederrecital mit Iris Marie Kotzian. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Veranstaltung in Kooperation mit der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste sowie der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen. Der Eintritt ist frei. n  Samstag, 2. Oktober, , 19.00 Uhr, Sudetendeutsches Musikinstitut (Träger: Bezirk Oberpfalz): Liederrecital mit Iris Marie Kotzian. Stadthalle Neutraubling, Regensburger Straße 9, Neutraubling. Die Veranstaltung wird von der Stadt Neutraubling unterstützt. Eintritt: 20 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei www.okticket.de sowie an der Abendkasse. n  Freitag, 8. Oktober, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe RothSchwabach: Kreishauptversammlung. Restaurant-Café Waldblick, Ostring 28, Roth. n  Sonntag, 10. Oktober, 14.30 Uhr, BdV-Kreisverband Limburg-Weilburg: Tag der Heimat. Bürgerhaus, Hauptstraße 19, Weilmünster. Festredner: Bürgermeister a.D. Hans-Peter Schick.

n  Sonntag, 10. Oktober, 17.00

Foto: Torsten Fricke

� In München und in Neutraubling

Liederrecital mit Iris Marie Kotzian Selten zu hörende Eichendorff-Vertonungen des aus Olmütz stammenden Komponisten Egon Kornauth bilden den Schwerpunkt der beiden Liederrecitals mit Sopranistin Iris Marie Kotzian am Freitag, 1. Oktober, im Sudetendeutschen Haus in München, und am Samstag, 2. Oktober, in der Stadthalle in Neutraubling (siehe Veranstaltungskalender).

D

er aus Olmütz stammende Egon Kornauth gehörte zu den viel gespielten Komponisten seiner Zeit. Parallel zur Kammermusik widmete er sich vor allem dem Klavierlied und vertonte Texte berühmter Dichter wie Joseph von Eichendorff, Ludwig Uhland

und Hermann Hesse. Im Zentrum des Liederrecitals stehen seine klangschönen, selten zu hörenden EichendorffVertonungen, unter anderem aus dem Opus 38, 1932−33. Kornauth erhielt 1959 den großen Sudetendeutschen Kulturpreis. Der Komponist und Dirigent verstarb am 28. Oktober 1959 in Wien. Iris Marie Kotzian studierte Gesang bei Prof. Monika Bürgener an der Hochschule für Musik in Würzburg. Seit 2008 wirkt sie freischaffend als Opern- und Konzertsängerin mit breit gefächertem Repertoire. Überdies ist sie Lehrbeauftragte für Gesang an der Universität Augsburg. Die Sopranistin wird von dem Pianisten Philipp Vogler begleitet.

Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Das Europäisches Volksmusikkonzert in der Stadthalle Korntal mußte abgesaggt werden und fällt aus! Information: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de n  Samstag, 16. Oktober, 14.30 Uhr, SL Ortsgruppe Roth, Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen. Restaurant-Café Waldblick, Ostring 28, Roth. n  Samstag, 16. Oktober, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Film. „Musical: Tisa – Eine Liebe ohne Grenzen“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. n  Mittwoch, 20., bis Sonntag, 24. Oktober, Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender: Egerland-Kulturwoche. Egerlandhaus, Marktredwitz. Programmauszug: Mittwoch, Außerordentliche AEK-Mitgliederversammlung im Bairischen Hof (geplant); Donnerstag, 10.00 Uhr: Eröffnungsveranstaltung mit prominenten Gästen im Egerlandhaus. Eröffnung durch Oswin Dotzauer, 1. Vorsitzender des AEK; 11.30 Uhr: Festrede Johann Böhm, Bayerischer Landtagspräsident a.D. und Altsprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe; 13.30 bis 17.00 Uhr: Vorträge von Hubert Franz Schweitzer, Dr. Ralf Heimrath, Gernot Facius, Alexaner Friedl und Prof. Dr. Erich Zettl; 20.00 Uhr: Festabend „In der Eghalanda Hutzastu(b)m“; Freitag, 10.00 Uhr: Vorträge von Reinhard M. Steiner und Graf Franz Erwein Nostitz-Rieneck. n  Samstag, 23. Oktober,14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de n  Samstag, 13. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Autorenlesung. Dr. phil. Kateřina Kovačková (Pilsen): „Mai 1945 in der Tschechoslowakei“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen n  Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Zu Gast ist die Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de n  Samstag, 4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Vorweihnachtliche Feier. Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen.

� Vortrag im Sudetendeutschen Haus

Prof. Dr. Samerski über „Böhmen und Preußen“ n  Montag, 4. Oktober, 19.00 Uhr. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. „Böhmen und Preußen“, Vortrag von Prof. Dr. Stefan Samerski in der Reihe „Böhmen und seine Nachbarn“ Das Verhältnis von Österreich und Preußen war in der Neuzeit auf den ersten Blick spannungsgeladen und meist konfliktreich. Entscheidungsschlachten zwischen beiden politischen Kontrahenten fanden seit dem 18. Jahrhundert vor allem in Böhmen statt. Aber

es gab auch Lichtblicke wie königliche Eheverbindungen, an die keiner heute mehr denkt, und mittelalterliche Personalunion. Veranstalter sind: Sudetendeutsche Landsmannschaft Bundesverband e. V., Sudetendeutsche Heimatpflege, Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese München und Freising und die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste. Der Eintritt ist frei. Es gilt die aktuelle Pandemieregelung.

Foto: Wikipedia/Ben Skála

Zum 85. Geburtstag von Václav Havel

n  Dienstag, 5. Oktober, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar: „Dichterpräsident Václav Havel als Außenpolitiker: Zum 85. Geburtstag von Václav Havel (1936–2011). Gespräch mit dem Historiker PhDr. Ph.D. Miroslav Kunštát, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Studien der Karls-Universität Prag. Der Vortrag gibt tiefere Einblicke in die politischen Grundüberzeugungen und Strategien von Václav Havel, dem bekannten tschechischen Dramatiker, Dissidenten und nach der politischen Wende 1989 auch dem Präsidenten der Tschechoslowakei bzw. der Tschechischen Republik (1989– 2003) im Bereich der Außenpolitik. Besondere Aufmerksamkeit wird seinen europapolitischen Vorstellungen sowie seinem unermüdlichen Bestreben um die Aussöhnung zwischen den Tschechen und Deutschen gewidmet. Im Rahmen der Veranstaltung kommen auch literarische und politische Texte Václav Havels zur Analyse und Diskussion. Auf dem Beispiel der Arbeits- und Funktionsweise der tschechischen Präsidentschaftskanzlei (Arbeitsbereiche Außenpolitik und Protokoll) in den Jahren 1990–2003 (also in Václav Havels Zeit) soll auch der Blick „hinter die Kulissen“ vermittelt werden, und zwar in der Phase der institutionellen Stabilisierung der außenpolitischen Institutionen und Strukturen einer erneuerten Demokratie im zentralen Europa. Anmeldung und weitere Informationen unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24.9.2021

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� Volksgruppensprecher Bernd Posselt besucht die Slowakei

Kleineuropa mit deutschen Traditionen Volksgruppensprecher Bernd Posselt unterhält seit mehr als dreißig Jahren hervorragende Kontakte in die politische Szene der Slowakei und besucht dieses Land, das vor den Toren Wiens beginnt und an der ukrainischen Grenze endet, mindestens einmal jährlich. Bei der diesjährigen Reise, die auch in die Zips und in die Ostslowakei führte konnte Posselt den Kontakt zu den dort lebenden Deutschen erneuern und auch den Träger des Europäischen Karls-Preises der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Staatspräsident a.D. Rudolf Schuster, wiedersehen.

Gewohnheit oder Genuß?

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ie Begegnung fand genau in der Woche zwischen der Staatsvisite von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Preßburg und der Pastoralreise von Papst Franziskus, die dem äußersten Westen und dem äußersten Osten des Landes galt, statt. Papst Franziskus, der sich zuvor am Eucharistischen Kongreß in Budapest beteiligte, hatte dort vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán das Faksimile eines Briefes erhalten, den König Béla IV. im 13. Jahrhundert an Papst Innozenz IV. mit der Bitte um Beistand gegen die Mongolen schrieb. Obwohl Orbán damit offenbar auf andere Themen anspielen wollte, bereitete er den Heiligen Vater indirekt auf die nachfolgenden Tage in der jahrhundertelang stark von Karpatendeutschen geprägten Slowakei vor, die für mehr als tausend Jahre mit Ungarn ein gemeinsames Königreich gebildet hatte. Unter Béla IV. hatte der Zustrom deutscher Siedler in die Region zwischen Donau und Karpaten ihren Höhepunkt erreicht – aus zwei Gründen: Der Monarch war der Sohn der aus Bayern stammenden Königin Gertrud von Andechs-Meranien, deren Familie viele Menschen aus ihrer Heimat ins Land brachte; und die Mongolen hatten derart gewütet, daß dringend neue Bauern, Handwerker und Bergleute für das erzreiche Oberungarn, wie die Slowakei damals hieß, gebraucht wurden. Erste Station der Delegation aus München, die aus Bernd Posselt, Pressereferentin Stephanie Waldburg und dem Bundesgeschäftsführer der Paneuropa-Union Deutschland, Johannes Kijas, bestand, war Tyrnau, das von prachtvollen Kirchen geprägte „slowakische Rom“. Während der Türkenzeit hatte dort der Primas von Ungarn, der Erzbischof von Gran (Esztergom), Zuflucht gefunden , dessen Nachfolger dort jahrhundertelang verblieben und 1635 eine Universität gründeten. Diese wurde 1777 nach Buda verlegt, während der Erzbischof erst 1820 nach Gran zurückkehrte. Die Verbindungen Tyrnaus zu Böhmen sind zahlreich: So gehörte es im 13. Jahrhundert Constanze, der Gemahlin Přemysl Ottokars I. Im 14. Jahrhundert verhandelte dort der in Prag lebende Kaiser Karl IV. mit dem ungarischen König Ludwig I. Unter den Hussitenzügen hatte Tyrnau sehr zu leiden, weil es sich klar zum Katholizismus bekannte. Nächstes Ziel war das Hauerland, Wahlkreis der zur slowakischen Regierungskoalition zählenden Abgeordneten Anna Záborská, die zuvor dem Europäischen Parlament angehört hatte. Ihr verstorbener Vater, Prof. Anton Neuwirth, nach der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei Mitbegründer der dortigen Christdemokratie und später slowakischer Botschafter beim Heiligen Stuhl, hatte gleichermaßen karpatendeutsche, ungarische sowie slowakische Wurzeln und beherrschte wie viele Angehörige der älteren Generation alle drei Sprachen gleichermaßen. Die Delegation aus München besprach mit Anna Záborská, der Vizepräsidentin der internationalen und Präsidentin der slowakischen Paneuropa-Union, Ideen zur 100-Jahr-Feier dieser 1922 von dem böhmischen Grafen Richard Coudenhove-Kalergi gegründeten ältesten europäischen Einigungsbewegung. Anna Záborská empfing Bernd Posselt aber nicht nur als Präsidenten der Paneuropa-Union Deutschland und ehemaligen Parlamentskollegen, sondern auch als obersten Repräsentanten der Sudetendeutschen Volksgruppe, weshalb ein mehrstündiges Gespräch mit Vertretern der Karpatendeutschen im Hauerland ein Höhepunkt des Programms war.

� Mut tut gut

Unter den Augen von Karls-Preisträger und Staatspräsident a.D. Rudolf Schuster (links) und Oberbürgermeister Jaroslav Polaček trägt sich Volksgruppensprecher Bernd Posselt in das Goldene Buch der Stadt Kaschau ein. Diese verfügen über etliche sehr aktive Ortsgruppen und einige Heimatstuben, darunter eine besonders schöne in dem alten deutschen Dorf Schmiedshau. Über St. Martin und die Region Liptau ging es weiter in das geistige Zentrum der Zips, Käsmark, eine alte Stadt am Fuß der Hohen Tatra, in der noch sehr viele Deutsche leben. Deren Vorsitzender Vojtech Wagner, Leiter einer Berufsschule, die engere Kontakte nach Deutschland knüpfen will, informierte über die vielfältigen Aktivitäten und die landesweit berühmten Feste seines Verbandes. Auf der Fahrt Richtung Kaschau bewunderten die Gäste aus Deutschland die einzigartigen Kunst- und Kul-

denten in der Slowakei, obwohl Angehöriger der deutschen Minderheit, mit großer Mehrheit an die Spitze der Republik berufen wurde. Schuster zeigte den Gästen seinen Heimatort Metzenseifen, in dem ein traditioneller, sehr eigener Dialekt, den er perfekt beherrscht, nach wie vor im Umlauf ist. In seinem ehemaligen Elternhaus, das heute ein sehr sehenswertes Museum ist, hat er neben einer repräsentativen Heimatstube eine einzigartige Sammlung von historischen Kameras, darunter Holzkameras aus der ersten Tschechoslowakei, eine Bibliothek mit fast fünfzig Büchern, die er in zahlreichen Sprachen veröffentlichte, und eine einmalige Schau historischer Industriegeräte – zum Beispiel gewaltige Wasserhammer – untergebracht. Nach einem Empfang im Rathaus durch Vizebürgermeister Erik Kováč und Amtsleiterin Romana Zvirinska ging es vorbei am mächtigen Prämonstratenserstift Jossau, das seit Treffen mit den Deutschen im Hauerland (von links): Johannes Ki- alters her ein Zenjas, Bernd Posselt, Stephanie Waldburg, Anna Záborská, Vladimir trum der deutschen Záborský, Kornelia Richterova aus Schmiedshau, Magdalena Kob- Besiedlung gewezova aus Gaidel, Maria Haneschova aus Deutsch Proben und Alf- sen war und von der red Mendel, der Vorsitzende der Ortsgruppe Gaidel. kommunistischen Tschechoslowakei turschätze der Oberzips, etwa Donners- als Inhaftierungslager für Mönche und marck, nach dem das später schlesische Priester mißbraucht wurde, nach KaFürstengeschlecht Henckel-Donners- schau. Das Zentrum dieser ostslowamarck benannt ist, Leutschau, die Hei- kischen Metropole, die in den 1970er mat jenes geheimnisvollen Meister Paul, Jahren dem Untergang geweiht schien, dem Europa einige der wertvollsten go- ist heute eine attraktive Fußgängerzotischen Skulpturen und zahlreiche an- ne voller vorbildlich restaurierter und dere Werke verdankt, das Zipser Kapi- kunsthistorisch wertvoller Gebäude – tel und die Zipser Burg, wo die Bischöfe vom gotischen St.-Elisabeth-Dom, der dieses alten und einstmals reichen deut- nach der Elisabeth von Thüringen aus schen Siedlungsgebietes ihren Sitz hat- dem Andechser Haus benannt ist, bis ten. Meister Paul steht ohne weiteres in hin zum sezessionistischen Theater. einer Reihe mit Tilman RiemenschneiSchuster, der mit der Delegation der, Veit Stoß und Michael Pacher. durch Kaschau ging, ist für diese LeiEin scharfer Kontrast dazu war die un- stung seiner Oberbürgermeisterzeit beschreibliche Armut der Roma in den heute noch so beliebt, daß er alle zwei, ostslowakischen Bergtälern, durch die drei Meter von den Bürgern angesprodie Gruppe nach Bad Stoß fuhr, einem chen, umarmt und fotografiert wurde. Luftkurort für Bergleute, wo sie KarlsDer jetzige Amtsinhaber Jaroslav Preisträger Rudolf Schuster in seiner en- Polašek begrüßte Bernd Posselt im imgeren Heimat empfing. Schuster war als posanten alten Rathaus, wo nach einem Karpatendeutscher in der ausgehenden ausführlichen Gespräch die Eintragung kommunistischen Zeit und dann nach ins Goldene Buch erfolgte. Das Stadtder Samtenen Revolution Oberbürger- oberhaupt präsentierte nicht ohne Stolz meister von Kaschau, der zweitgrößten eine bisher geheimgehaltene neue Staslowakischen Stadt, die er vor dem Ver- tue der Heiligen Elisabeth, die eine Wofall rettete und wieder zu einem mittel- che später dem Papst überreicht werden europäischen Schmuckstück machte. sollte, sowie ein Gemälde, das den junDadurch wurde er so populär, daß er bei gen Kaiser Franz Joseph zeigt. der ersten Volkswahl eines StaatspräsiDie Fahrtroute zurück in die Westslo-

wakei ging durch das slowakische Erzgebirge, dann entlang der Grenze zu Ungarn bis nach Preßburg. Auch hier reihten sich Städte mit großen Marktplätzen, auf denen Kirchen mehrerer Konfessionen, teilweise auch Synagogen, seit Jahrhunderten nebeneinanderstehen und in denen stets slowakisch, deutsch und ungarisch gesprochen wurde, wie Perlen an einer Kette aneinander. Stippvisiten führten zu zwei abgelegenen Schlössern: Antol und Oponice. In Antol wird mit einigen Schautafeln an Bulgariens ersten neuzeitlichen König, Ferdinand I. von Sachsen-CoburgGotha aus der Linie Koháry, erinnert. Er übergab den bulgarischen Thron nach dem Ersten Weltkrieg seinem Sohn und lebte auf dem Stammsitz seiner ungarischen Ahnen in der Slowakei, bis er gegen Ende des Zweiten Weltkrieges vor den Sowjets nach Coburg flüchten mußte, wo er starb. Der Besitz des Hauses Coburg-Gotha in Antol wurde dann in der Tschechoslowakei unter den BenešDekreten enteignet. Schloß Oponice gehörte einst den ungarischen Grafen Apponyi. Einer von ihnen spielte mit seinem Sprachengesetz in der ungarischen Reichshälfte der k.u.k. Monarchie eine für die Minderheiten eher unheilvolle Rolle, ein anderer wurde als Weltreisender und Abenteurer berühmt, der zu jenen zählte, die die Mumie des Pharao Tutenchamon fanden und angeblich an dessen Fluch starben. Gräfin Geraldine, die Nichte dieses Apponyi, wiederum heiratete den früheren albanischen Staatspräsidenten Achmed Zogu, der sich mittlerweile selbst zum König proklamiert hatte. Sie war so populär, daß sie nach dem Sturz des Kommunismus, als sie als Greisin nach Albanien zurückkehrte, von hunderttausenden Menschen begeistert empfangen wurde. In Preßburg hatte die Abgeordnete Anna Záborská für die Delegation ein Treffen mit Politikern und führenden Repräsentanten der Paneuropa-Union Slowakei – unter ihnen der Journalist Juraj Alner, der in den neunziger Jahren Sudetendeutsche Tage besucht hatte – organisiert. Ein ausführliches Gespräch galt dem Vorsitzenden des Karpatendeutschen Verbandes in der Slowakei, Dr. Ondrej Pöss, der unter dem Dach des Slowakischen Nationalmuseums ein vom Staat finanziertes, aber eigenständig operierendes Karpatendeutsches Museum im Burgviertel aufgebaut hat. Wesentlichen Anteil an der Organisation des Slowakeibesuches hatte die Bundesvorsitzende der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Deutschland, Brunhilde Reitmeier-Zwick, die zudem SLMitglied ist.

m Herbst feiern viele Kirchengemeinden das Erntedankfest. Dazu fällt mir eine Begebenheit aus „Der kleine Prinz“, der berühmten Märchenerzählung von An­ toine de Saint-Exupery, ein. Der kleine Prinz, den seine Weltraumreise auf den Planeten Erde geführt hat, begegnet einem Fuchs. Der Fuchs sagt zum Prinzen: „Ich esse kein Brot. Für mich ist der Weizen zwecklos. Die Weizenfelder erinnern mich an nichts. Und das ist traurig.“ Im Unterschied zu Füchsen essen wir zwar Brot. Es ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Aber vielleicht leiden auch wir an Erinnerungsschwächen. Wir haben den Bezug zu seinem Ursprungsstoff, dem Getreide, häufig nicht im Sinn, ebenso wenig wie den langen Weg, den es bedarf, um ein gutes Stück Brot essen zu können: Ernten, Mahlen, Verarbeiten, Backen und Ausliefern. Häufig geht damit auch der dankbare Bezug zu den entsprechenden Berufen verloren, zu den Landwirten und Bäckern, aber auch zu den Angestellten von Geschäften und Supermarktketten. Von der Dankbarkeit gegenüber Gott gar nicht zu reden. Erschreckt uns das noch? Oder denken wir mit dem Märchenfuchs gelegentlich: „Das ist traurig.“? Viel hängt von der Art ab, wie wir essen. Oft gibt es nur zwei Formen. Entweder wir essen aus Gewohnheit und Notwendigkeit, ohne einen wirklichen Bezug zu den Nahrungsmitteln, ohne ein tieferes Empfinden, ohne eine größere Freude. Das Brot gehört dann einfach dazu. Es ist eine Selbstverständlichkeit und deshalb nicht der Rede wert. Thema wird es nur, wenn wir vergessen haben, welches zu besorgen. Die andere Form ist von der Lust am Genuß geprägt. Wir suchen uns geschmäcklerisch das Beste aus. Jeder Lebensmittelladen gleicht deswegen einem Spiegel unserer Wohlstandsgesellschaft. Für jeden Gusto ist etwas zu haben. Alles, was das Herz begehrt, steht fast immer zur Verfügung. Was uns manchmal fehlt ist die Mitte zwischen Gewohnheit und Genuß. Nicht, daß diese beiden Formen ausschließlich verwerflich wären, aber es braucht noch etwas Drittes: die bewußte Sättigung, den bewußten Umgang mit den Nahrungsmitteln, vor allem mit dem täglichen Brot. Mir scheint, daß in diesem Zusammenhang das schöne alte Wort „Labung“ eine wichtige Bedeutung hat. Wir laben uns an einem Stück Brot. Damit ist gemeint, es so zu uns zu nehmen, daß wir nicht bloß unser Hungerbedürfnis stillen, sondern daß sich daran unser ganzes Leben stärkt, daß unser Menschsein über die körperlichen Erfordernisse hinaus gekräftigt wird. Gelabt gehen wir den Weg, den wir vor uns haben, anders. Wir schreiten mit frischer Kraft an unsere Aufgaben. In der Labung erfahren wir ein Wohlwollen und nehmen es dankbar entgegen wie ein Geschenk. So werden wir uns besser an die Getreidefelder des Hochsommers erinnern, ebenso wie an die Menschen, die dafür sorgen, daß wir Brot auf dem Tisch haben. Und wir werden möglicherweise auch zu Gott, dem Spender aller guten Gaben, einen innigeren Bezug bekommen. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM

Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

PERSONALIEN Am 28. September feiert Edmund Stoiber 80. Geburtstag. Er war 14 Jahre lang Bayerischer Ministerpräsident und mithin Schirmherr der Sudetendeutschen. Außerdem ist er Träger des Europäischen Karls-Preises der SL und Ehemann einer Egerländerin.

E

dmund Stoibers erste Amtshandlung als Ministerpräsident war seine Antrittsrede als Schirmherr beim Sudetendeutschen Tag 1993. Seitdem hat er der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bayerns Viertem Stamm, unerschütterlich die Treue gehalten und deren berechtigte Anliegen auf internationaler, deutscher und bayerischer Ebene unbeirrt von Gegenwind vertreten. Dank seiner Frau Karin ist er über seine Schirmherrenfunktion hinaus Teil der sudetendeutschen Volksgruppe. Karin, die Frau des im oberbayerischen Oberaudorf geborenen CSUPolitikers, stammt aus dem Kreis Luditz. Seit Stoibers Ausscheiden aus dem Amt des Ministerpräsidenten und CSUVorsitzenden 2007 ist er CSU-Ehrenvorsitzender und SL-Ehrenmitglied. Von 2007 bis 2014 leitete er in Brüssel eine Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission zum Bürokratie-Abbau. Legendär ist seine Weigerung, als Bayerischer Ministerpräsident tschechischen Boden zu betreten, solange die Beneš-Dekrete gelten: ein Beispiel stoiberscher Prinzipientreue. Ein weite-

Karlspreisträger, langjähriger Schirmherr und Sudetendeutscher qua Ehe

Edmund Stoiber 80 res Argument gegen einen Prag-Besuch war der ständige Regierungswechsel auf der Burg mit immer neuen Gesprächspartnern. Er erlebte von 1993 bis 2007 sieben tschechische Premiers. Bei der Hauptkundgebung auf dem Sudetendeutschen Tag 2007 in Nürnberg schloß Stoiber seine Abschiedsrede mit den Worten: „Meine Frau bleibt Sudetendeutsche. Und ich bleibe Ihnen eng verbunden.“ Und die Sudetendeutschen bleiben ihrem angeheirateten Landsmann Edmund Stoiber verbunden, dem sie Gottes Segen zum Geburtstag wünschen. Nadira Hurnaus

D

er junge Edmund Stoiber hatte schon einen guten Namen, bevor er in die Politik ging. Er war der persönliche Referent des ersten Umweltministers der Welt, Max Streibl, später Stoibers Vorgänger als bayerischer Regierungschef und Schirmherr unserer Volksgruppe. Ich selbst lernte Edmund Stoiber im Wahlkampf kennen, als er sich erstmals um ein Mandat im Landtag bewarb und erfolgreich dort einzog. Als CSU-Generalsekretär in der Ära Strauß und Nachfolger unseres Landsmannes Gerold Tandler in dieser Funk-

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Am 28. September feiert Emilia Müller, langjährige Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen, im oberpfälzischen Bruck 70. Geburtstag.

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or der Politik war die Wissenschaft. Die Chemotechnikerin Emilia Müller arbeitete am Max-Planck-Institut für Zellchemie in München, am Institut für Biochemie, am Institut für Mikrobiologie und Genetik sowie am Institut für Physiologie der Universität Regensburg. Deshalb ist ihre Politik analytisch, aber nicht ohne Leidenschaft. Ursache ist nicht zuletzt das Leiden der in ihrer nächsten Nähe gestrandeten Vertriebenen aus dem Sudetenland, das sie als Kind hautnah erlebte. Aber auch: „Ich habe immer gern meinem Großvater zugehört, wenn er vom Egerland erzählte, wo seine Schwester Nonne war.“ 1984 wurde sie Mitglied der Frauenunion, 1989 der CSU und 1990 Markträtin in Bruck. Seit 1996 ist sie Kreisrätin im Landkreis Schwandorf. Sie errang immer höhere Ämter und landete 1999 im Europäischen Parlament. 2003 kandidierte sie erfolgreich für den Bayerischen Landtag. Damals wurde sie Staatssekretärin im Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. 2005 löste sie Eberhard Sinner als Europaminister ab. 2007 wurde sie Bayerische Wirtschaftsministerin, 2008 erneut Europaministerin.

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und Kompetenz für uns einsetzte, sondern auch wegen seiner typisch sudetendeutschen Eigenschaften. Diese waren konsequentes Eintreten für das als richtig Erkannte, Unbeugsamkeit, Gerechtigkeitssinn und Fleiß. Der durch und durch altbayerische Ministerpräsident fühlte sich nicht zuletzt deshalb in unseren Reihen immer besonders wohl. Wenn Besucher aus Bonn, Berlin oder Prag ihn fragten, ob er denn die Sudetendeutschen wirklich so sehr berücksichtigen und fördern müsse, antwortete er mit einem schlichten „Ja, denn sie sind Teil der bayerischen Staatsräson.“ Vor seiner Kandidatur als Bundeskanzler begannen tschechische geheime Emissäre mit ihm und dem damaligen Chef der Staatskanzlei, seinem engen Vertrauten Walter Schön, über mögliche Kompromisse zwischen Prag und unserer Volksgruppe zu verhandeln. Ich wurde in diese Gespräche auf Augenhöhe einbezogen. Nach Gerhard Schröders knappem Wahlsieg blieben die tschechischen Besucher mit einem Schlag

Stoiber will ein Museum Eines Tages kam Edmund Stoiber zu mir und erklärte, er wolle ein Sudetendeutsches Museum durchsetzen. Nach langen Umwegen ist dieses Projekt jetzt Wirklichkeit geworden. Edmund Stoiber ist nicht nur ein überaus kluger Stratege und Analytiker, sondern tagespolitischer Kämpfer und langfristig denkender Visionär zugleich. Ich bin glücklich, daß er auch weiterhin ein sehr aktiver Unterstützer unserer Volksgruppe und für mich ein echter Freund ist. Seiner Frau Karin, der sudetendeutschen Königin der Herzen, und ihm wünsche ich aus Anlaß seines 80. Geburtstags noch viel Kraft und Gesundheit, viele glückliche Stunden und Gottes reichen Segen. Bernd Posselt

Große Europäerin und Freundin der Sudetendeutschen

Emilia Müller 70 Ihre im sudetendeutsche Sinn erfolgreiche Europaarbeit belegt ein Archivbild. Das Bild entstand am 21. Januar 2008 und zeigt die Ministerin mit Peter Barton im Sudetendeutschen Büro in Prag. 2013 wurde sie Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, mithin unsere Schirmherrschaftsministerin. Ihre erste Rede als Schirmherrschaftsministerin begann 2014 so: „Wir feiern nicht nur den 65. Sudetendeutschen Tag, sondern auch 60 Jahre Schirmherrschaft des Freistaats über die Sudetendeutsche Volksgruppe, deren Übernahme zu den Sternstunden Bayerns in der Nachkriegszeit zählt.“ Immer war sie für uns da. Wir hatten uns so an sie gewöhnt. Ihr Ausscheiden aus der Politik schmerzte. Noch haben wir den Trennungsschmerz nicht ganz überwunden. Herzlichen Geburtstagsglückwunsch, verehrte Emilia Müller. Vergessen sie uns nicht. Nadira Hurnaus

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iese überzeugte Oberpfälzerin von echtem Schrot und Korn war als Politikerin eine Spätberufene. Sie hatte sich bewußt dafür entschieden, zuerst ihre Kinder großzuziehen. Im Europaparlament haben wir schnell

festgestellt, daß uns die Liebe zu Bayern, zu Böhmen, zur Heimat ihres Südtiroler Mannes und zu Europa insgesamt verbindet. Während ich logischerweise in dem Gemischten Ausschuß war, der für die Beitrittsgespräche zwischen Europaparlament und Tschechischer Nationalversammlung verantwortlich zeichnete, gehörte sie zu dem mit dem Slowakischen Parlament. Wir spielten uns die Bälle zu, tauschten lebhaft Informationen aus, und ich konnte sie als Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses unterstützen, wenn es galt, die vielen Vorurteile abzubauen, die sich gegenüber den Slowaken aufgestaut hatten. Als anerkannte Expertin für Umweltpolitik und Verbraucherschutz interessierte sich Emilia Müller auch ganz besonders für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Bayern und Böhmen und hielt einen herzlichen Kontakt zu den Sudetendeutschen in ihrem Heimatbezirk. Als Edmund Stoiber sie aus Straßburg ab- und in die Bayerische Staatsregierung hineinberief, blieb sie unserer Volks-

gruppe in allen ihren Funktionen treu. Deshalb war es ein Glücksfall, als sie das Schirmherrschaftsministerium übernahm. Kämpferisch half sie uns und mir, Widerstände gegen eine nachhaltigere Förderung von Bayerns viertem Stamm wegzuräumen, und fand dabei sowohl beim Ministerpräsidenten und Schirmherrn als auch im Landtag breite Unterstützung. Unsere gemeinsamen offiziellen Besuche in der Tschechischen Republik hatten einen ganz besonderen Charakter, denn sie nahm mich als Mitglied ihrer Delegation auch zu allen fachbezogenen Gesprächen in Pilsen und in Prag mit, was dort auch akzeptiert wurde. Obwohl sie nicht mehr in der aktiven Politik ist, spielt sie als Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes und aufgrund ihres persönlichen Ansehens nach wie vor eine wichtige gesellschaftliche Rolle, in der sie für uns Sudetendeutsche immer wieder mit großem Engagement tätig wird. Ihren Geburtstag will ich zum Anlaß nehmen, dieser großen Europäerin und Freundin unserer Volksgruppe für all das Gute, das sie für uns tut, zu danken und ihr weiterhin viel Freude, Glück, Gesundheit, Erfolg und Gottes Segen zu wünschen. Bernd Posselt

Langjähriger CDU-Vertriebenenaktivist im Bundestag aus dem Osterzgebirge

Klaus Brähmig überwindet Grenzen

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tion residierte er mit der ganzen CSULandesleitung noch in der Münchener Lazarettstraße, wo sich bereits damals die Hanns-Seidel-Stiftung befand, die dort auch weiterhin angesiedelt ist. Als Mitarbeiter von Otto von Habsburg, der vor 1979 noch nicht Europaabgeordneter war, sondern außenpolitischer Berater der Stiftung, begegnete ich dem aufstrebenden jungen Generalsekretär regelmäßig im Treppenhaus oder am Lift, wo wir häufig in heftige, manchmal auch kontroverse Debatten gerieten. Daraus entstand im Laufe der Jahre eine echte Freundschaft, und die Zusammenarbeit zwischen dem SLBundesvorsitzenden, später auch Sprecher Bernd Posselt und dem Schirmherrn Edmund Stoiber wurde eng und mustergültig. Dazu trugen die Egerländer Gattin des Ministerpräsidenten, Karin Stoiber, und seine sudetendeutsche Sekretärin Erika Koller, die später Franz Neubauer heiratete, bei. Aber auch unseren Jubilar hielt, wer ihn zumindest einigermaßen kennenlernte, gern für einen Landsmann. Nicht nur, weil er sich mit solcher Leidenschaft

wieder aus. Edmund Stoiber gab dennoch nicht auf. Er wollte mit mir gemeinsam nach Prag fahren, wie dies dann später Horst Seehofer erfolgreich getan hat. Daß Stoiber sich geweigert hätte, an die Moldau zu reisen, ist eine Legende. Wir waren uns einig, daß Präsenz in Prag die einzige Möglichkeit war, zu einer Annäherung zu gelangen. Damals hatte allerdings die tschechische Regierung nur eine Stimme Mehrheit, und jedesmal, wenn wir fahren wollten, begann diese zu wackeln – einmal auch, weil eine Berliner Quelle unsere Pläne enthüllt und veröffentlicht hatte.

Mitte September marschierte Klaus Brähmig, langjähriger Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und 2016/17 Mitglied des Verwaltungsrates des Deutsch-Tschechischen-Zukunftsfonds (DTZF), bei der 16. Deutsch-Böhmischen Freundschaftswanderung zum Hutberg in der Böhmischen Schweiz mit.

Sachsen war Markéta Meissnerová, Generalkonsulin der Tschechischen Republik in Dresden.

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laus Brähmig ist ein langer Wegbegleiter Klaus Fiedlers, der das deutsch-tschechische Projekt mitorganisiert. Fiedler und Pavel Benda, Direktor des Böhmischen Nationalparks, hatten zu dieser Wanderung in der Böhmischen Schweiz eingeladen. Unter den mehr als 50 Wanderfreunden aus Böhmen und

Klaus Brähmig in der renovierten Rosendorfer Peter-und-Paul-Kirche mit der Urkunde über die Teilnahme an der Freundschaftswanderung.

Brähmig: „Besonders nett fand ich, daß sie einen Becherovka, einst Karlsbader Becherbitter, für alle im Wandergepäck hatte.“ Von Dittersbach ging es über die Grundmühle zum Hutberg und nach Rosendorf zur Einkehr ins Gasthaus mit Bier, Braten und Knödeln. Brähmig: „Zuvor hatten wir uns die barocke Peter-und-Paul-Kirche angesehen, die mit Mitteln des DTZF renoviert worden war. Ein wenig hat mich mein Wirken stolz gemacht. Viele Jahre durfte ich an der Mittelvergabe als Stiftungsrat mitwirken und so segensreich auch diese Zusammenarbeit mit dem böhmischen Nachbarn gestalten.“ Gegenwärtig kandidiert Brähmig im Wahlkreis Böhmische Schweiz-Osterzgebirge für den

Bundestag. Seit 1990 war er stets direkt in den Bundestag gekommen. Doch 2017 verlor er zur allgemeinen Überraschung seinen Wahlkreis an die AfD-Kandidatin Frauke Petry. Im vergangenen Oktober kehrte er nach 30 Jahren Parteizugehörigkeit der CDU den Rücken. Nun kandidiert er als Parteiloser. Brähmig: „Die Deutsch-Tschechische Zusammenarbeit ist gerade im nahen Grenzraum ein nicht wegzudenkender Beitrag für unser gemeinsames Europa. Ob Tourismus, Kultur, Kirchenrenovierungen, Verkehrsinfrastrukturprojekte, Städtepartnerschaften oder Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte: Wir haben viel erreicht. Und es gibt noch viel zu tun. Packen wir‘s gemeinsam an!“ Nadira Hurnaus


KULTUR

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Die Familie van Beethoven in Iglau: Schilderung von Zdeněk Geist – Teil II und Schluß

Ludwig van Beethoven und sein Erbe Karl

Dieser alte Stahlstich von Iglau stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. te. Ein weiterer Beweis dafür ist sein späterer Ehebund mit einer Iglauer Bürgerin. Es ist schwierig zu beurteilen, inwieweit Karl van Beethoven am Frühlingsanfang 1827 überhaupt wußte, wie ernst der gesundheitliche Zustand seines Onkels war. Es scheint, daß er – möglicherweise auch absichtlich – in den Briefen aus Wien über dessen gesundheitliche Verschlechterung nicht informiert wurde. Dies wird auch durch den Inhalt und Ton seines Schreibens vom 4. März bekräftigt. Karl dankt darin seinem „lieben Vater“ für die übersandten Stiefel und berichtet nur kurz über seine Person, obwohl gerade diese Informationen mit Ungeduld erwartet wurden. Ludwig van Beethoven lag in diesen Wochen, von seinen

len Absicherung und gesell- Frau Aloisie bestreiten, denn ihr kreuz und wurde kurz danach die Unbescholtenheit der Braut schaftlichen Stellung in Iglau Mann hatte kein Geld. Im Folge- zum Wiener Hof berufen, wo er sowie die Hinterlegung einer beverhältnismäßig zufrieden sein. jahr wurde die Beamtenkarriere als Rittmeister in der Leibgarde trächtlichen Kaution. Wahrscheinlich erregte er in be- des Stadtrats Naske definitiv be- Kaiser Franz Josephs I. diente. Waren die geplante Ehe mit stimmten Iglauer Kreisen Auf- endet. Unbekannt ist, wann die Zu- Karoline Naske und ihre bereits merksamkeit. Auf diese WeiGegen ihn wurde nämlich ei- neigung zwischen Karoline und geborene gemeinsame Tochter se lernte ihn auch Fräulein Ka- ne weitere Ermittlung eingelei- Karl zu einer intimen Beziehung Ursachen für den Austritt Karl roline, Tochter des ehemaligen tet, diesmal wegen 300 Gulden wurde. Man kann jedoch be- van Beethovens aus dem Milier Iglauer Musikverein, der Stadtrats Maximilian Naske, und 13 Ellen Tuch, die er einem haupten, daß es spätestens im tär, obwohl er mehrere Male beeinige Jahre lang auf ein kennen. Als 1827 der elegante Iglauer Bürger schuldete. Im Au- Frühjahr 1831 schon so weit war. fördert worden war? Oder hatte Mitglied mit dem FamiliennaKadett Karl van Beethoven in Denn die damals noch ledige sich mit der Änderung im Regimen van Beethoven stolz sein der Stadt ankam, war sie 19 Karoline bringt Struktur in Karls Karoline Naske gebar im No- mentskommando auch die Atmokonnte, gehörte zu herausragenflatterhaftes Leben Jahre alt. vember desselben Jahres in sphäre in der Garnison wesentden Musikorganisationen, insbeSie war 1808 als viertes von der Wiener Alservorstadt ei- lich verändert? Oder aber gab es sondere infolge seiner musikafünf Kindern in einem ansehn- gust 1818 wird Naske in den Do- ne Tochter, die Karoline Johan- hier noch einen anderen Grund, lischen Bildungsaktivitäten, die lichen Bürgerhaus am Iglauer kumenten nur noch als „Exrat“ na getauft wurde. Den ersten Na- beispielsweise Karls Flatterhafihn zu einer Art von BildungsinHauptplatz zur Welt gekommen, bezeichnet. men erhielt sie von ihrer Mutter, tigkeit, für die er während seistitution erhoben. Gerade durch in dem ihre Eltern eine Wohnung Der Name eines gewissen den zweiten von ihrer Taufpatin nes Wiener Aufenthalts bekannt seine Bildungstätigkeit ist der gemietet hatten. Johann Maximilian Naske er- Johanna van Beethoven, Karls war? Auf alle Fälle beendete Karl Musikverein nicht nur in die ReMaximilian und seine Frau scheint übrigens in den Polizei- Mutter. van Beethoven seine militärische gional- und Landesgeschichte Aloisie, geborene Sikora, erzo- akten bereits zwei Jahrzehnte Der bisherige Verlauf der Be- Laufbahn 1832 als Unterleutnant. eingegangen. In der ersten Hälfgen bei Karolines Geburt also be- früher wegen des Verdachts der ziehung zwischen Karoline und Mit dem Austritt aus dem Mite des 19. Jahrhunderts erlangte reits drei Kinder, zu denen später Teilnahme an Hochverrat, Ma- Karl erinnert auf den ersten litär endete auch sein fünfjäher Anerkennung auch noch ein Nesthäkchen jestätsbeleidigung und Kontakt- Blick an die billigen Liebesroma- riger Aufenthalt in Iglau, einer im Rahmen der Donaukam. Der Vater bestritt aufnahme zu den „Jakobinern“ ne, in denen ein fescher Offizier Stadt, in der er vom Tod seines monarchie. In der statiseinen Lebensunterhalt auf dem Gebiet der österreichi- ein ehrliches Mädchen verführ- Onkels erfahren hatte. In dieser stischen Übersicht des als höherer Magistrats- schen Monarchie. te, ohne auf dessen anständigen Stadt war er auch in rechtlicher Habsburger-Reiches beamter. Mutter Aloisie Erwähnenswert ist aber noch Ruf Rücksicht zu nehmen. In die- und faktischer Sicht selbständig wurde er als eine orverfügte jedoch über ein weiteres Mitglied der Fa- sem Fall hatte die Liebesbezie- geworden und hatte seine Braut dentliche musikalische mehr Vermögen als milie Naske, und zwar Karo- hung eine glücklichere Fortset- kennengelernt. Bildungsinstitution anMaximilian und konn- lines jüngerer Bruder Joseph. zung. Die Heirat erfolgte nur einigeführt. te die Familienausga- Wie aus dem sogenannten KonAnfangs waren die neuen ge Monate später, im Juli 1832 in Wurde Karl van Mitgliedsregister des Musikvereins Iglau mit der Unter- ben mit den Einnah- skriptionsverzeichnis der Iglau- Lebensumstände für Karl van der Wiener Alservorstadt. „Charl Beethoven von seinem schrift von Carl van Beethofen 1827. men von der Verpach- er Bewohner hervorgeht, das in Beethoven gar nicht einfach. Die und Charlotte“, wie die Eheleumilitärischen Mentor tung ihres Freihofs mit den 1830er Jahren erstellt wur- Eheschließungen der Offiziere te nach der damaligen französiHauptmann Bruno von Mont- Nächsten umgeben, bereits im Brennerei bestreiten. de, diente Joseph Naske in die- wurden durch verschiedene be- schen Mode unterzeichneten, zoluisant, diesem „sehr gebildeten Sterben. Die letzten Worte, die er Die Familie zog im Laufe der ser Zeit als Kadett ex propriis bei hördliche und finanzielle Hinder- gen danach fünf Kinder groß und Mann“, den er in seinem Brief von seinem Neffen wahrnehmen Jahre einige Male in der Stadt der k. u. k. Infanterie im Iglauer nisse erschwert. Dazu gehörten lebten nahezu ein Vierteljahran den Onkel erwähnte, zum konnte, war das Postscriptum um, wobei sie noble Adressen be- Regiment. die Genehmigung der Eheschlie- hundert lang in einer „ungetrübIglauer Musikverein vermittelt? in Karls letztem Brief aus Iglau: vorzugte. Durch ein seltsames Es macht den Eindruck, daß ßung seitens der militärischen ten Ehe“, wie ihre Töchter später Montluisant war, ähnlich wie „Deine Briefe bitte ich Dich zu Zusammentreffen von Umstän- sein künftiger Schwager Karl Vorgesetzten, die Forderung auf bezeugen sollten. zahlreiche andere Offiziere, Mit- frankiren, weil ich hier viel Por- den befand sich eine der Woh- van Beethoven diesen jungen glied des Musikvereins seit meh- to zahlen muß, und aber mit mei- nungen im Haus Nr. 4 in der jet- Mann für das hiesige Regireren Jahren. Man könnte sogar ner Rechnung schwer auslange.“ zigen Znojemská-Straße. Im sel- ment als Ersatz für seine Perbehaupten, daß derjenige, der Diese Sorgen zeigten sich jedoch ben Haus ließ sich etwa 20 Jahre son anwerben konnte, denn im sich damals im Regiment und in als überflüssig. Karl van Beetho- später Bernhard Mahler, der Va- Jahr 1832, in dem er die Garden höheren Gesellschaftskrei- ven mußte künftig keine Post- ter des nachmaligen Komponi- nison verließ, erscheint Joseph sen Iglaus einen Namen machen gebühr zahlen, denn sein Onkel sten und Dirigenten Gustav Mah- Naske als Fähnrich im Regiwollte, nicht außerhalb des Mu- Ludwig lag in den letzten Zügen. ler, mit seiner Familie nieder. mentsverzeichnis. Ungeachtet sikvereins stehen konnte. Karl war nicht an seinem SterDoch das Jahr 1817 brachte ei- der anfänglichen Motivation Kein Wunder, daß Karl (Carl) bebett anwesend. Er eilte jedoch nen Einbruch in die berufliche war dies ein glücklicher Umvan Beethoven 1827 seinen Na- von Iglau nach Wien, wo der be- Laufbahn Maximilian Naskes. stand für das österreichische men mit eleganten Schriftzügen wunderte Tondichter von nahe- Er fälschte eine amtliche Urkun- Heer. Die militärische Laufin das Mitgliedsregister des Mu- zu 20 000 Menschen betrauert de, womit er einen Mißbrauch bahn Joseph Naskes war nämsikvereins schrieb. Dies ist ein wurde, die ihn auf seinem letz- der Amtsgewalt beging und vom lich vorbildlich. Beweis, daß er sich schnell in die ten Weg begleiteten. Karl van Appellationsgericht in Brünn zu Er wurde allmählich in imIglauer Gesellschaft integrierte Beethoven konnte in den nach- drei Monaten Kerker verurteilt mer höhere Offiziersränge und am kulturellen und gesell- folgenden Jahren mit seiner Le- wurde. Die Kosten für seinen Ge- befördert, erwarb das öster- Das Gebäude des frühern Gymnasiums in Iglau, in dessen Festsaal die Musikschaftlichen Leben aktiv mitwirk- benslage und seiner materiel- fängnisaufenthalt mußte seine reichische Militärverdienst- akademien des Musikvereins stattfanden.

In diesem zweiten und letzten Teil über die Beethovens und Iglau schildert Zdeněk Geist, wie sich Ludwig van Beethovens Erbe und Neffe Karl zu einem unabhängigen Mann entwickelt.

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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

� SL-Kreisgruppe Frankfurt am Main/Hessen

Spielvogel spielt Hauptrolle Im Haus Ronneburg in Frankfurt am Main trafen sich heuer nach der Corona-Zwangspause endlich wieder die Mitglieder der hessischen SL-Kreisgruppe Frankfurt.

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Der letzte Schwesternkongreß in Passau mit SL-Ortsobfrau Helga Heller und Schwester Edith Breindl.

� 33. Sudetendeutscher Schwestern-Kongreß

Requiem in Passau Über den 33. und letzten Sudetendeutschen SchwesternKongreß, der Ende August/ Anfang September in Passau nahe der Heimat stattfand, berichtet Schwester Edith Breindl.

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u diesem denkwürdigen Ereignis waren nur noch fünf Schwestern mit sudetendeutschen Wurzeln zusammengekommen – drei aus Böhmen und zwei aus Mähren. Sieben andere Teilnehmer waren Verwandte und Freundinnen sowie eine Schwester aus der Slowakei. Allen war bewußt, daß eine Ära zu Ende ging, die 1988 angefangen hatte. Damals hatten sich auf Initiative des Theologen und Kirchenhistorikers Rudolf Grulich Schwestern aus verschiedenen Orden und Kongregationen erstmals in Augsburg getroffen, um zu zeigen, daß auch die sudetendeutschen Ordensfrauen zu ihrer Volksgruppe stehen. Zu diesem ersten Kongreß waren mehr als 100 Schwestern gekommen. Grulich organisierte in der Folge nach dem Fall des Eisernen Vorhangs unzählige Fahrten in die Tschechoslowakei, ab 1993 vor allem in die Tschechische Republik. Wir konnten sogar im Bus von seinem immensen Wissen profitieren – das waren regelrechte fahrende Vorlesungen. Um so schmerzlicher war seine Er-

krankung, die alle derartigen Unternehmungen zunichte machte. Das Sudetendeutsche Priesterwerk im oberbayerischen Brannenburg bot uns danach Unterschlupf und Gastfreundschaft. Der Charakter der Kongresse verlagerte sich in Richtung Seminare mit Referenten. Als das Haus Sankt Johann in Brannenburg verkauft werden mußte, wählten wir wegen der Nähe zur Heimat Passau und das Exerzitien- und Bildungshaus Kirche Spektrum auf dem Maria-Hilf-Berg. Das bescherte uns einige Tages­ ausflüge nach Böhmen. In dieser letzten Phase erfreuten wir uns der besonderen Obhut von Monsignore Karl Wuchterl, ehemaliger Vorsitzender des Sudetendeutschen Priesterwerks. Dieser hatte nun die traurige Aufgabe, alles einem Ende zuzuführen. Das tat er mit einem feierlichen „Requiem“ mit Orgelbegleitung der slowakischen Schwester Tomislava. Außer der Erinnerung an viele unvergeßliche Erlebnisse bleibt uns der Dank an diejenigen, die alles ermöglichten: an Professor Rudolf Grulich, an Pater Martin Geiselreiter, an Pater Norbert Schlegel und an Monsignore Karl Wuchterl. Deshalb danke ich im Namen aller Teilnehmerinnen – derer, die noch auf der Erde pilgern, und derer, die die ewige Heimat schon erreicht haben.

vorführung, ein vorweihnachtliches Beisammensein sowie in Absprache mit dem hiesigen Restaurantbetreiber in nicht allzu ferner Zukunft ein böhmisches Schmankerlessen für die ganze Familie und Freunde. In allen Belangen werde sich die Landesgruppe gerne um manche organisatorischen Dinge kümmern. Anschließend blieb man noch zum geselligen Beisammensein bei Musik mit dem bekannten Alleinunterhalter Dieter Lochschmidt und mit guten Gesprächen. Man schaut optimistisch in die Zukunft der Kreisgruppe.

er scheidende Vorsitzende Manfred Merbach begrüßte die Landsleute und dankte für das erwiesene Vertrauen. Vermögensverwalter Markus Harzer, zugleich Obmann der SL-Landesgruppe Hessen, berichtete daraufhin. Wegen der Pandemie hätten keine Veranstaltungen stattgefunden. Das Vereinskonto sei neu eingerichtet worden. Die Mitglieder der Kreisgruppe bekämen seit kurzem den Rundbrief der Landesgruppe automatisch zugeschickt. Informationen der Kreisgruppe würden in Zukunft über die Landesgeschäftsstelle versandt. Trotz der Zwangspause seien zwei neue Mitglieder gewonnen worden, die besonders herzlich aufgenommen worden seien. Nora Neumann und Gerhard Pecher führten die Vorstandswahlen durch. Neu- Gerhard Pecher, Wolfgang Spielvogel, Reinhold Kubitschek, Markus Harzer, Bild: Neumann er Vorsitzender wurde Wolf- Manfred Merbach, Christl Merbach und Wolfgang Tischler.

� Großes Ehrenzeichen der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Werner Lehner geehrt die Nachbarschaft zu den Tschechen. Nach der Wende wirkte er im Hohenfurther Kloster und rettete zahlreiche Gedenkstätten. Über Hohenfurth ragt auf dem Kühberg als deutlichstes Zeichen seiner ehrenamtlichen Arbeit ein Kreuz in den Himmel. Hessens SL-Landesobmann Markus Harzer war mit dem Obmann der hessischen SL-Kreisgruppe Erbach, Helmut Seidel, gekommen. Neben Urkunde und Ehrennadel überbrachte er die

Glückwünsche von Volksgruppensprecher Bernd Posselt. Laudator Karl Donko wies auf die vielen Spuren Lehners in Hohenfurth hin. Ehrende Worte sagte auch der Obmann der erner Lehner lebt im ober­ SLÖ-Oberösterreich, Peter Ludösterreichischen Bad Leonwig. Tränengerührt unterstrich felden, 13 Kilometer weiter liegt Elfriede Weismann vom österdas heute tschechische Hohenreichischen Böhmerwaldbund furth. Prior Pater Justin hatte die die Bedeutung von Lehners Taprachtvolle Bibliothek des dortiten. Auch Lehners Weggefährte gen Zisterzienserklosters für die Kanonikus Siegfried Weber von Ehrung zur Verfügung gestellt. der Heimatzeitung „Glaube und Auf Anregung von LehHeimat“ freute sich über ners Freund Karl Dondie Ehrung. Seine Familie ko, der aus Hohenfurth stammt aus Malching bei stammt und im hessischen Hohenfurth. Odenwald lebt, beantragte Werner Lehner brachte die SL-Landesgruppe Hesin seiner Dankesrede Witz sen in Absprache mit der und Emotionen so zusamSLÖ-Landesgruppe Ober­ men, daß seine kleinen Anösterreich das Große Ehekdoten beim gemütlichen renzeichen für Lehner. Beisammensein in einer Der heute 79jährige pfleg- Markus Harzer, Werner und Hermine Lehner, El- Gaststätte vertieft und erte bereits im Kalten Krieg friede Weismann, Peter Ludwig, Helmut Seidel. gänzt werden mußten.

Ende August ehrte die SL Werner Lehner, der sich besonders um Hohenfurth im Böhmerwald verdient gemacht hat, mit ihrem Großen Ehrenzeichen.

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Paula und Ludwig Hanka

� SL-Landesgruppe NRW

60 Jahre verheiratet Paula und Ludwig Hanka sind langjährige Mitglieder und Förderer der SL-Landesgruppe Nord­ rhein-Westfalen. Im Juli feierten sie Diamanthochzeit.

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aula Hanka kam am 21. August 1935 in Ostpreußen und Ludwig Hanka am 30. Dezember 1932 im Riesengebirge zur Welt. Nach der Vertreibung machte Ludwig eine Gärtnerlehre in der „DDR“. Danach verschlug es ihn an den Niederrhein. Hier begann sein Berufsleben bei einem Samen- und Gärtnereibedarf-Großhändler. Fortan reiste er von Südtirol bis in den hohen Norden. In Hamburg lernte er Paula kennen. In ihrer Heimat erlebte Paula die Greueltaten der Russen und hungerte. Über die „DDR“ zog die Familie nach Westdeutschland, dann ging es nach Brasilien. Dort arbeitete Paula in einer Augenklinik. Nach Jahren kam sie zurück und landete in Hamburg, wo sie Ludwig traf. Nach der Hochzeit 1961 zog das Paar nach Giesenkirchen. Dort übernahm Ludwig eine alte Gärtnerei. Eine bessere Chance bot sich in einer neuen Gärtnerei in Sankt Hubert. Paula übernahm Haus und Büro. Wenn Ludwig unterwegs war, betreute sie auch die Kunden und den Betrieb. Der älteste Sohn wurde auch Gärtner und sammelte im Ausland Erfahrungen. Derweil bauten Paula und Ludwig einen zweiten hochmodernen Betrieb auf dem neuesten Stand der Technik auf. Dies war die Zeit, um den Betrieb in jüngere Hände zu übergeben. Seitdem leben Paula und Ludwig im Unruhestand. Wer Ludwig kennt, weiß, daß ruhig sitzen nicht seine Welt ist. Die Landesgruppe wünscht von Herzen alles Gute und noch viele wunderbare gemeinsame Jahre. JS/WA

� Heimatkreis Troppau und BdV-Kreisverband Bamberg/Oberfranken

Völkerverständigung fördern Unter dem BdV-Leitwort „Vertreibungen und Deportationen ächten – Völkerverständigung fördern“ veranstaltete der Heimatkreis Troppau/Altvater mit dem oberfränkischen BdVKreisverband Bamberg Anfang September am Troppaustein auf dem Troppauplatz in Bamberg eine Gedenkfeier anläßlich des Tags der Heimat.

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Schwesternkongreß 2007 in Brannenburg mit Pater Norbert Schlegel rechts und 2012 in Prag mit Professor Dr. Rudolf Grulich und Peter Barton, Leiter des dortigen Sudetendeutschen Büros, und Monsignore Karl Wuchterl.

gang Spielvogel, der sich in der SL-Landesgruppe Hessen bereits einen Namen gemacht hatte. Markus Harzer hatte sich schon kommissarisch um die Finanzen gekümmert und wird das auch weiterhin tun. Der langjährige Vorsitzende Manfred Merbach wurde unter großer Freude zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Neue Kassenprüfer sind Wolfgang Tischler und Reinhold Kubitschek. Spielvogel und Harzer gaben dann noch einen Überblick über die weitere Planung. Angedacht seien ein Herbsttreffen mit Film-

ritter Bürgermeister Wolfgang Metzner sprach in Vertretung von Oberbürgermeister Andreas Starke, Rosemarie Pezzei sprach als Vorsitzendes des Kreisverbandes für den BdV und Andreas Henger sprach als Heimatkreisbetreuer für die veranstaltende Heimatkreisgemeinschaft Troppau. Musiker der Don-Bosco-Musikanten unter Ulrich Schütz begleiteten die Feier musikalisch. Heuer jährt sich zum 75. Mal der Höhepunkt der organisierten Vertreibungen der Deutschen aus dem ehemaligen Deutschen Osten sowie aus den Ländern Ost- und Südosteuropas. Mehr als zwölf Millionen Deutsche verloren im Zuge des Zwei-

ten Weltkriegs durch Flucht und Vertreibung ihre angestammte Heimat und mußten im zerstörten Deutschland eine neue Bleibe finden. Nach Bamberg und Umgebung kamen 1946 alleine aus dem Sudetenland, Österreich und Ungarn in 37 Transporten mehr als 42 000 Menschen. In den Reden kam zum Ausdruck, daß Flucht und Vertreibung damals leider kein einma-

liges Ereignis gewesen, sondern auch heute aktueller denn je seien. Beispiele seien Syrien oder Afghanistan. Damals wie heute sei – neben der generellen Völkerverständigung – die Integration der Menschen, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkönnten, eine wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft. Nach der Feier luden Heimatkreis und die Stadt Bamberg

zum persönlichen Austausch bei Kaffee und Kuchen ins Rathaus am Maxplatz ein. Anschließend führte der Heimatkreis seine Jahreshauptversammlung an selber Stelle durch. Daneben war die Möglichkeit gegeben, die „Troppau-Zimmer“, das Archiv des Heimatkreises, zu besichtigen. Ein von allen Seiten positiv bewerteter Tag ging damit zu Ende.

Brigitte Riegelbauer, Stellvertretende Leiterin im Bürgermeisteramt, Rudolf Hüttner, Obmann der SL-Kreisgruppe Bamberg, Stadträtin Ursula Sowa MdL, Heimatkreisbetreuer Andreas Henger, Bambergs Dritter Bürgermeister Wolfgang Metzner, Rosemarie Pezzei, Vorsitzende des BdV-Kreisverbandes Bamberg, Hermann Frey vom Heimatkreis, Hannelore Anderl, Troppaus Stellvertretende Heimatkreisbetreuerin, Christina Reckerth von der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen und Dieter Rehmann vom Heimatkreis. Bild: Ingeborg Frey


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

� SL-Kreisgruppe Burglengenfeld/Städtedreieck/Oberpfalz

70 Jahre und 110 Mitglieder beit sei Erinnern und Mahnen. Er wünsche der Kreisgruppe, den Weg der Erinnerung und Versöhnung weiterzugehen. Joa­ chim Hanisch MdL würdigte die 70 Jahre als großartige Leistung. Als Sohn eines Oberschlesiers seien ihm Erzählungen von Krieg, Flucht und Vertreibung sowie der Heimat und gegenseitige Aufmunterung bekannt. Auch Festredner Steffen Hörtler, SL-Landesobmann und Stellvertretender Bundesvorsitzender, verwies auf die Forderung aller Heimatvertriebener „Nie wieder Flucht und Vertreibung“. 1945/46 habe es 15  Millionen vertriebene Deutsche gegeben. Darunter drei Millionen Sude-

Zentrale Elemente der Verbandsarbeit seien das Erinnern und Mahnen, der Erhalt und die Weitergabe der Kultur und die Pflege der Gemeinschaft, „in der wir uns nicht erklären müssen“. Basis sei die Liebe zur Heimat. Er freue sich, so Hörtler, über viele Schüler bei Seminaren am Heiligenhof in Bad Kissingen, die ihre Wurzeln oder ihren Bezug zu Böhmen, Mähren und Schlesien nennten. Zunehmend würden Menschen zwischen 60 und 70 Jahren um Hilfe bei der Erforschung ihrer sudetendeutschen Herkunft bitten. „Wenn die Menschen älter werden, wächst das Interesse für die Geschichte.“

Politiker sollten aber nicht nur bei Sudetendeutschen die sudetendeutsche Problematik ansprechen, sondern auch bei den Tschechen.“ Er sei enttäuscht, daß Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier jüngst zwar Prag und Aussig besucht habe, aber um die Aussiger Brücke einen ach dem vom Böhmischen Bogen gemacht habe. „Das wäTrio begleiteten und von alre ein Signal an Deutsche und len gesungenen Lied „Die GlocTschechen gewesen.“ ken von Böhmen“ hieß KreisobMit den wegen Corona von frau Sigrid Ullwer-Paul die viebeiden Seiten geschlossenen len Gäste willkommen. An die Grenzen und aktuellen Probleprägende Mitwirkung Sudetenmen machte Hörtler deutlich, deutscher in der Gesellschaft erdaß noch einiges zu klären und innerte Burglengenfelds Bürgerzu bearbeiten sei. „Unsere Promeister Thomas Gesche. Er hob blematik ist auch noch nicht Ullwer-Pauls frühere Arbeit als ganz gelöst“, gab er zu bedenDirektorin der örtlichen Grundken. „Wir haben schon einiges schule hervor. Angesichts von erreicht, und wir können etwas aktuell rund 80 Millionen Flüchterreichen, weil es Sie gibt“, würlingen sei Vertreibung auch digte er die SL-Kreisgruppe und heute ein Thema. Gesche lobihre Obfrau. te schließlich die sudetendeutDie Kreisgruppe habe 110 Mitsche Heimatstube im Volkskunglieder, so Ullwer-Paul, zu eidemuseum. nem guten Teil noch in der HeiSylvia Stierstorfer, Landesbemat Geborene. „Wir würden uns auftragte für Aussiedler und Ver- Bernhard Krebs, Dr. Sigrid Ullwer-Paul, Thomas Gesche und Sylvia Stiers­ über die Enkelgeneration freuBilder: Markus Bauer en.“ Und sie appellierte an die triebene, dankte der Kreisgrup- torfer MdL. pe und der Kreisobfrau, die auch Politiker, „sich verstärkt für die Frauenbeauftragte der SL-Lan- tendeutsche, von denen die meiIn der Tschechischen Repu- berechtigten Belange der Sudedesgruppe Bayern sei, für den sten erst 1946 ins zerstörte oder blik sei mit der Kommunisti- tendeutschen einzusetzen. Verunermüdlichen Einsatz. Sie er- im Wiederaufbau befindliche schen Partei noch eine alte Garde treibung soll nicht in Vergessenwähnte ihre eigenen sudeten- Deutschland gekommen seien. gegen die Sudetendeutschen ak- heit geraten.“ In Filmausschnitdeutschen Wurzeln, ten schilderten Herta stellte ihr Podcast-ProWeber († 2020) und Erjekt mit Zeitzeugenna Lorenz ihre Fluchtgesprächen vor und und Vertreibungserleberwähnte die Einbenisse. ziehung des VertriebenSeine Erfahrungen enthemas in den Schulund Eindrücke als Anunterricht, das Haus der gehöriger der BekenntBayerischen Geschichnisgeneration beschrieb te oder im Sudetendeut- Thomas Ebeling, Marianne Schieder MdB, Steffen Hörtler, Alexander Flierl MdL und Joachim Vize-Kreisobmann und Hanisch MdL. schen Museum. Zweiter Bürgermeister Schwandorfs LandBernhard Krebs (* 1964). rat und Schirmherr Thomas Ebe- Die Vertreibungen seien ein eis- tiv. Gleichzeitig hetzten Rechts- Als Kind und Jugendlicher sei ling dankte für das gesellschaft- kalt geplantes Nachkriegsver- radikale gegen die Sudetendeut- ihm die andere Sprache oder liche Engagement, den Einsatz brechen gewesen. schen. „Aber viele junge Men- das andere Essen der Eltern und gegen das Vergessen und die Da die Vertriebenen zudem schen interessieren sich für uns“, Großeltern aufgefallen. Viel sei ständige Mahnung zum Frieden. nicht überall mit offenen Armen relativierte Hörtler und verwies von Vertreibung, geringem Be„Wir müssen alles tun, daß so et- empfangen worden seien, ha- auf die seit sechs Jahren positi- sitz und großem Zusammenhalt was nicht wieder passiert, daß die be es viele fürchterliche Einzel- ven Entwicklungen in Brünn mit erzählt worden. Bei FamilienfeiErinnerung an die Heimat, Kul- schicksale gegeben. Der Großteil dem Versöhnungsmarsch als Hö- ern mit Sudetendeutschen und tur und Geschichte wachgehal- habe jedoch die Ärmel hochge- hepunkt. „Es gelingt immer wie- Tschechen habe mancher über ten wird“, appellierte Marianne krempelt und zu arbeiten begon- der, die Hand zur Verständigung seinen Schatten springen müsSchieder MdB, Mitglied im Bei- nen. In der Charta der Deutschen zu reichen.“ Die Geltung der sen. Die SL sei eine Brücke zwirat des Deutsch-Tschechischen Heimatvertriebenen von 1950 Beneš-Dekrete passe nicht in das schen Vergangenheit, GegenGesprächsforums und im Stif- hätten die Vertriebenen auf Ra- 21. Jahrhundert. wart und Zukunft, sie lasse Heitungsrat der „Stiftung Flucht, che und Vergeltung verzichtet. Erfreulich sei die regelmäßige mat spüren. Vertreibung, Versöhnung“. Dank Und sie hätten bekundet, am Präsenz ranghoher tschechischer Den musikalischen Endspurt der Förderung auch vom Bund Wiederaufbau Deutschlands und Politiker beim Sudetendeutschen gestalteten Andreas Mehringer, sei viel Gutes auf den Weg ge- Europas mitwirken und friedlich Tag. Mit den Verbündeten hüben der Träger des SL-Förderpreibracht worden. mit anderen Völkern zusammen- und drüben müßten die Sudeten- ses für Musik, und Miranda AinDie Tragweite von Krieg, Ver- leben zu wollen. Mit dieser Ab- deutschen die noch offenen Fra- hoa. Sie spielten den Zwiefachen treibung und Unrecht, die durch sage an den Nationalismus seien gen gemeinsam lösen. Viel sei „Rundumadum“ und das Titelviele sudetendeutsche Schicksa- in Eu­ropa weitgehend Konflikte dank der bayerischen Landes- lied der demnächst erscheinenle deutlich werde, sprach Alex- in den vergangenen sieben Jahr- politik beim Bundesvertriebe- den CD „I bin doa“. ander Flierl MdL an. Die SL-Ar- zehnten verhindert worden. nengesetz erreicht worden. „Die Markus Bauer Vergangenes Jahr hatte die oberpfälzische SL-Kreisgruppe Burglengenfeld/Städtedreieck 70. Geburtstag. Coronabedingt fand die Feier erst im heurigen September im Historischen Rat­haus­saal in Burglengenfeld statt.

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� Colloquia Ustensia der Ackermann-Gemeinde

Ein organisatorischer Kraftakt Im August fand die Sommerakademie Colloquia Us­ ten­ sia der Ackermann-Gemeinde in Aussig statt.

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origes Jahr war der Kurs coronabedingt ausgefallen. Und heuer fand er nur dank eines organisatorischen Kraftakts insbesondere der tschechischen Partner um Kristina Kaiserová trotz aller Einschränkungen statt. Kaiserová hatte im Kursprogramm einige Glanzlichter gesetzt. So gab es eine Führung von Direktor Petr Koura durch die

fast fertige Dauerausstellung des Collegiums Bohemicum „Unsere Deutschen“. Ein weiterer Höhepunkt war die Exkursion nach Kaaden mit Besichtigung des Franziskanerklosters. Auf besonderes Interesse stießen die renovierten Klosterkirche und die Gedenkstätte für die 4.-März-1919-Opfer am Friedhof. Der Besuch des Schlosses Ploschkowitz erinnerte an Kaiser Ferdinand I. Der nutzte es nach seinem Rücktritt 1848 bis zum Tod 1875 als Sommerresidenz.

Die Teilnehmer im Garten des Schlosses Ploschkowitz.

Der Zusammenarbeit zwischen vertriebenen deutschen und heutigen tschechischen Einwohnern ist die Ausstellung „Ein Stück Heimat“ auf dem Marktplatz von Böhmisch Leipa zu verdanken, die ebenfalls besichtigt wurde. In der Petschek-Villa warfen die Teilnehmer einen Blick in die Vergangenheit auf das Leben der Aussiger Industrie-Magnaten im 19. Jahrhundert. Die Führung durch den größten Neubau in Aussig, das Zentrum für Wissenschaft und Technologie auf dem Kampus, zeigte den Blick in die Zukunft der Universität. Unter den hochkarätigen abendlichen Vorträgen ragte der Beitrag von Miroslav Kunštát heraus. Der enge Weggefährte von Václav Havel berichtete über Bild: Monika Balatá dessen Ansät-

ze für eine neue tschechische Deutschland- und Europapolitik. Nach seinen Ausführungen blieb ein Bedauern, daß viele Ideen am Desinteresse und Widerstand seiner Partner in der deutschen und tschechischen Politik, aber auch der damaligen Repräsentanten der Sudetendeutschen gescheitert waren. Eingebettet waren diese Erlebnisse in den Ablauf des Kurses mit Morgenandacht, morgendlichem Singen tschechischer Volkslieder, dem Sprachkurs in kleinen, den Vorkenntnissen angepaßten Lerngruppen, und dem Schlußabend mit Übergabe der Kurs-Zertifikate und lustigen Beiträgen von Teilnehmern. Ein spannendes Konzept war das Urteil der Absolventen, die zum ersten Mal dabei waren. Sie wollen nächstes Jahr vom 14. bis 27. August wieder nach Aussig kommen. Weitere Interessenten können sich bereits jetzt melden bei Christoph Lippert, Telefon (0 91 32) 97 00, eMail bamberg@ ackermann-gemeinde.de

Der neue Gedenkstein auf dem Schlüchterner Friedhof mit Reinhold Baier, Margarete Ziegler-Raschdorf, Hessische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Ernst Heinbuch, SL-Kreisobmann Walter Weber, Bürgermeister Matthias Möller, Roland Dworschak, Stellvertretender Kreis-Obmann und Koordinator für das Bauvorhaben „Gedenkstein“, und SL-Landesobmann Markus Harzer.

� SL-Altkreis Schlüchtern/Hessen

Ein Hauch von Neubeginn Zahlreiche Mitglieder und Gönner des hessischen SL-Altkreises Schlüchtern waren Mitte September zur Enthüllung und Einweihung des neuen Gedenksteins für die Sudetendeutschen direkt vor den Schlüchterner Friedhof gekommen. Bei bestem Wetter wurde ein Projekt enthüllt, auf das lange hingearbeitet worden war und das von nun an an die Vertreibung vor 75 Jahren erinnert.

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reis-Obmann Walter Weber begrüßte die Gäste vor dem verhüllten Gedenkstein. Er berichtete als Angehöriger der Erlebnisgeneration, wie er als Kind aus der eigenen Heimat vertrieben wurde. Was geblieben sei? Weber zeigte einen Weihwasserkessel, ein Gebetsbuch und einen Rosenkranz. Diese Gegenstände, so Weber, verdeutlichten die Verbundenheit zur Kirche, die man den Opfern von Flucht und Vertreibung nicht habe nehmen können. Das Duo „Egerländer Boum“ unter Robert Schreyer begleitete die Veranstaltung musikalisch. Der katholische Pfarrer Man­ fred Kopka und die evangelische Pfarrerin Annalena Failing segneten das Denkmal in einer ökumenischen Weihe. Beide setzten sich in ihren geistlichen Worten mit dem Begriff Denkmal auseinander und kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. Kopka beschrieb den Gedenkstein als Gedächtnishilfe. Er solle zum Nachdenken anregen, zum Empfinden, aber auch gleichzeitig mahnen. Failing sah das ähnlich. Der Begriff Denkmal sei in ihren Augen ein Synonym für „Denk mal dran, was damals gewesen ist“ und „Denk mal dran, für was dieser Stein steht“. Mit dem Schlüchterner Steinmetz Karl Malter, der sich um die Beschaffung und Gestaltung des Gedenksteins gekümmert hatte, enthüllte Weber den Gedenkstein vor den Zuschauern. Der Gedenkstein trägt die Aufschrift „Unvergessene Heimat Sudetenland“ sowie das sudetendeutsche Wappen. Auf der Gedenkta-

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fel darunter wird der Vorfahren, die mehr als 800 Jahre lang im Sudetenland lebten, der Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46 und der mehr als 8000 sudetendeutschen Heimatvertriebenen, die in schwerer Zeit eine neue Heimat im Altkreis Schlüchtern fanden, gedacht. Auf einer zweiten Tafel werden die Regionen des Sudetenlandes dargestellt. Die Kreisgruppe des Altkreises Schlüchtern ist die mitgliederstärkste Kreisgruppe in Hessen und die jüngste Kreisgruppe in Deutschland. Roland Dworschak, Stellvertretender Kreisobmann und Koordinator für das Bauvorhaben „Gedenkstein“, gab einen Rück- und Einblick in das Bauvorhaben. Zur Finanzierung beigetragen hätten das Hessische Innenministerium, die Kreissparkasse, die VR-Bank, die Hermann-Pusch-Stiftung aus Steinau, der Schlüchterner Heimat- und Geschichtsverein sowie mehr als 90 private Spender. Bürgermeister Matthias Möller dankte herzlich für das Engagement der SL. Der Gedenkstein sei als Höhepunkt dieses Engagements zu verstehen. Die SL erhalte durch den Stein eine besondere Aufwertung. Margarete Ziegler-Raschdorf, Hessische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, sieht die Gedenkstätte als ein neues Zeichen neben dem Vertriebenenkreuz in Elm an. „Ein Hauch von Neubeginn liegt über diesem Nachmittag.“, so Ziegler-Raschdorf. Dabei habe der Stein eine doppelte Bedeutung inne. Er solle die Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse wachhalten, aber diese auch an folgende Generationen weitergeben. Ein Anspruch, den SL-Landesobmann Markus Harzer ebenfalls betonte. Auch wenn das Thema „Flucht und Vertreibung“ in der Schule theoretisch angesiedelt sei, so sei es in der Praxis nicht immer zu finden. Harzer forderte, dieses besser in der allgemeinen Bildung zu thematisieren. Jan Löffert

uf Einladung der Krefelder CDU-Landtagsabgeordneten Marc Blondin (links) und Britta Oellers (rechts) besuchte Werner Appl (zweiter von links), Obmann der SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, mit seinem Stellvertreter Rüdiger Goldmann (zweiter von rechts) Anfang September den Landtag in Düsseldorf. Mit Oellers und Blondin sprachen sie über die kulturpolitische und kulturgeschichtliche Arbeit der Landsmannschaft. Zu dem Gespräch stieß auch Rüdiger Scholz MdL, der Beauftragte der CDULandtagsfraktion für Vertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten.


Neudeker Heimatbrief

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek

Abertham

Folge 625 · 9/2021

Bärringen

Frühbuß

Platten

Patenstadt Augsburg

Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 626 (10/2021): Mittwoch, 13. Oktober.

Projekt

Erzgebirgsdialekte im Internet Das neue digitale Projekt „Heimat im Ohr – Mundart im Netz“ soll die Mundarten der Sudetendeutschen für die Zukunft erhalten.

I

m Neudeker Heimatbrief (Nr. 8/2017 vom 18. August 2017) haben wir über eine Besonderheit im ehemaligen Landkreis Neudek berichtet. Wie mit einem Lineal gezogen, verlief eine Dialektgrenze durch den Landkreis. Südlich und westlich dieser unsichtbaren Grenze sprach man Neidekerisch – eine Unterart des Egerlandrischen–, nördlich und östlich davon sprach man Erzgebirgisch – ein ostfränkischer Dialekt mit obersächsischen Einflüssen. Heute sprechen nur noch einige ältere heimatverbliebene Deutsche und, in Deutschland, einige ältere Heimatvertriebene beide Dialekte. Leider werden beide Dialekte bald aussterben. Ebenso ist es bei den anderen Dialekten, die in den Regionen des Sudetenlandes gesprochen wurden. Daher hat Christina Meinusch, die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, das digitale Projekt „Heimat im Ohr – Mundart im Netz“ gestartet. So sollen die Mundarten der Sudetendeutschen über die Erlebnisgeneration hinaus erhalten werden.

Die Ortschaft Schwarzebach: Teilansicht mit Teich.

Schwarzebach

Das Dorf gehört 35 Jahre lang zum Kreis Neudek le erweitert wurde. Zuvor hatten die Schüler aus Schwarzebach und Kösteldorf eine dreiklassige Dorfschule in Kofl besucht. Im Oktober 1913 wurde eine neue Straße von Neudek nach chwarzebach liegt auf einer Dotterwies fertiggestellt, was kaum zerklüfteten Hochebe- der Entwicklung des Dorfes zune in 620 Metern Höhe über dem gute kam. Für das gesellschaftMeeresspiegel und wurde erst- liche Leben ist der erste Verein mals 1489 schriftlich erwähnt. im Dorf zu erwähnen. Die FeuerBis zu dem Jahr 1598, als es un- wehr wurde dort seit 1888 orgater Kaiser Rudolf II. an die Stadt nisiert. Im Jahr 1927 schloß sich Elbogen verkauft wurde, gehörte ihr ein Fahrradklub an. es zu den Gütern der böhmischen In der Zwischenkriegszeit erKrone, ebenso wie die umliegen- lebte Schwarzebach einen Höheden Dörfer Dotterwies, Doglas- punkt der Bautätigkeit und der grün, Kösteldorf und Griesbach. Bevölkerungsentwicklung. Die Schwarzebach gehörte zu der einheimische Bevölkerung fand Pfarrei Dotterwies. ihren Lebensunterhalt in den örtDas Dorf hat seinen Namen lichen Steinbrüchen, aber auch von dem Schwarzen Bach, der in in den Fabriken in Neudek, in den Mooren entspringt. Auf dem den Kaolingruben von Poschetzsumpfigen Boden schien das au und den Porzellanfabriken Wasser schwarz zu sein. in Chodau. Die Frauen verdienDort gab es praktisch kei- ten ihren Lebensunterhalt hauptne Bergbautätigkeit. Die Bevöl- sächlich mit dem Spitzenklöpkerung lebte hauptsächlich von peln. der Landwirtschaft und der ViehIm März 1921 schloß man zucht. Nach dem Dreißigjähri- den Bau der elektrischen Begen Krieg hatleuchtung Sozialdemokraten und te Schwarzemit Gesamtbach im Jahr Kommunisten trennen sich kosten von 1654 insge130 000 Tschesamt zehn Häuser mit 39 Einwoh- chischen Kronen (entspricht etnern. wa 5136 Euro) ab. Obwohl die Auch nach 100 Jahren gab es Vorbereitungsarbeiten bereits im dort keine großen Veränderun- Juli 1914 begonnen hatten, wurgen. Laut dem Theresianischen de der Bauverlauf vom Ersten Kataster war die Bevölkerung Weltkrieg grundlegend beeinimmer noch hauptsächlich in der flußt. Landwirtschaft tätig. Das produNach Kriegsende beherrschzierte Getreide wurde überwie- te die deutsche Sozialdemokratie gend nach Graslitz und Hein- die politische Landkarte des Dorrichsgrün geliefert. fes, was zu dieser Zeit auch in anEinige Einwohner verdienten deren Orten der Grenzregion der ihren Lebensunterhalt auch als Fall war. Die Bauern unterstützTagelöhner oder mit dem Spin- ten den Bund der Landwirte. Annen von Wolle. Neue Beschäfti- dere politische Parteien hatten in gungsmöglichkeiten für die Ein- den frühen 1920er Jahren keinen wohner ergaben sich durch die großen Einfluß auf die GestalIndustrie im 19. Jahrhundert, als tung der Politik im Dorf. ein Teil der Schwarzebacher in 1923 spaltete sich die Sozialden Fabriken Neudeks arbeitete. demokratische Partei. Die KomIn der Umgebung Schwarze- munistische Partei der Tschechobachs eröffneten mehrere Stein- slowakei wurde gegründet, die brüche, und es wurde Quarz für in den 1920er und 1930er Jahren die Glasindustrie gewonnen. die stärkste politische Kraft in Trotzdem blieb der landwirt- Schwarzebach war. Bei den Wahschaftliche Charakter des Dor- len zur Abgeordnetenkammer im fes erhalten, denn Getreide und Jahr 1935 erhielten die KommuKohl waren wichtige Handelsar- nisten 152 Stimmen im Dorf, die tikel. Parallel dazu entwickelte Sozialdemokraten 111 Stimmen. sich auch die Holzwirtschaft. Der kommunale Stand von Am 15. Oktober 1904 eröff- Schwarzebach verlief sehr wechnete eine einklassige Gemein- selhaft. Die Geschichte der selbschaftsschule, die zwei Jahre spä- ständigen Gemeinde begann erst ter zu einer zweiklassigen SchuLesen Sie auf Seite 11 weiter Das Dorf Schwarzebach, auch Schwarzenbach geschrieben, liegt im Süden Neudeks und umfaßt eine Fläche von etwa 2,96 Quadratkilometern.

Das digitale Projekt „Heimat im Ohr – Mundart im Netz“ zeigt Sudetendeutsche Mundarten aus unterschiedlichen Regionen auf dem SL-Youtube-Kanal www.youtube.com/diesudetendeutschen. Anfang Mai trafen sich im Sudetendeutschen Museum in München Vertreter verschiede-

ner sudetendeutscher Regionen und präsentierten Erzählungen, Gedichte und Sagen in ihrer je-

Oswin Dotzauer hielt einen Vortrag in Graslitzer Egerlandrisch: „Graslitz. Ein Gedicht über den Ort“.

Im Rahmen des Mundart-Projekts hielt Josef Grimm in Aberthamer Erzgebirgisch den Vortrag „Es Åberthåmer Fest. Eine Erzählung um das Jahr 1910“.

weils eigenen Mundart. Ein professionelles Videostudio zeichnete die Mundart-Lesungen auf und bereitete sie für eine Präsentation auf Youtube auf. Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales förderte das Mundart-Projekt über das Haus des Deutschen Ostens. Aus dem oberen Erzgebirge waren Oswin Dotzauer mit zwei Beiträgen in Graslitzer Egerlandrisch und Josef Grimm mit einem Beitrag in Aberthamer Erzgebirgisch dabei. Grimm wählte für seinen Vortrag eine Geschichte von 1910 über das Aberthamer Fest, die sein Vater Pepp Grimm 1950 als Hörspiel auf einem der damals ersten käuflich verfügbaren Tonbandgeräte aufgenommen hatte. Die Beiträge kann man ansehen und anhören auf den YoutubeAdressen: Oswin Dotzauer: „Graslitz. Ein Gedicht über den Ort“, https://www.youtube.com/ watch?v=u1jhemHU4b8; Oswin Dotzauer: „Die schönsten Pilze“, https://www.youtube. com/watch?v=x1VK2uy0hQg; Josef Grimm: „Es Åberthåmer Fest“, https://www.youtube. com/watch?v=57UX4PDzo0k; Eine als MP3 codierte AudioDatei mit der Größe von etwa 7,6 MB des Original-Hörspiels „Es Åberthåmer Fest uhgfähr en Går 1910“ von Pepp Grimm können die Leser des Neudeker Heimatbriefes unter Angabe ihrer eMail-Adresse anfordern bei grimm-augsburg@t-online.de Alle zehn bisher veröffentlichten Mundartbeispiele lassen sich auf dem Youtube-Kanal „Die Sudetendeutschen“ sehen und hören. fm

WIR GRATULIEREN Heimatkreis, Heimatgruppe „Glück auf“ und Redaktion gratulieren herzlich den treuen Abonnenten des Neudeker Heimatbriefs, die vom 24. September bis 21. Oktober Geburtstag haben. Wir wünschen von Herzen viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit. Hirschenstand. Andreas Fleigl, Talsperrenstraße 18, 08309 Eibenstock, 7. Oktober 1952.

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NEUDEKER HEIMATBRIEF

Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

Die Feuerwehr in Schwarzebach um 1920.

Das Glockentürmchen.

�  Fortsetzung von Seite 10

Das Dorf gehört 35 Jahre lang zu Neudek im Jahr 1890, Nach dem als sie sich Ende des von Kösteldorf Zweiten Welt­ trennte. Bis En­ krieges verän­ de Dezember derte sich die 1902 gehör­ Bevölkerung. te Schwarzeb­ Die Deutschen ach zum Kreis wurden in die Falkenau, da­ alliierten Be­ nach zum Kreis satzungszo­ Graslitz. Und nen Deutsch­ 1910 wurde es lands ver­ dem Kreis Neu­ trieben, und dek angeglie­ Tschechen aus dert. Das Dorf dem Lande­ gehörte bis sinneren, Slo­ 1949 zu Neu­ waken und dek, dann wur­ Rückwanderer de es in den kamen in das Kreis Karlsbad Dorf. eingegliedert. 1947 be­ Das Nach­ gann der Un­ bardorf Köstel­ terricht an ei­ dorf mit der ner tschechi­ Siedlung Kofl schen Schule, gehörte zu­ an der Jaros­ nächst zu dem lav Prášil und Kreis Falke­ ein gewis­ nau, dann, bis ser Batěk un­ Historische Bilder: Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek/Augsburg terrichteten. 1949, zum Kreis Die Theatergruppe. Elbogen und Die Schule er­ schließlich zum Kreis Karlsbad. administrativer Sicht waren sie den verlief durch eine der örtli­ eilte dasselbe Schicksal wie vie­ 1950 wurden die Dörfer Schwar­ mehrere Jahrzehnte lang, bis chen Hauptstraßen, so daß auf le andere Bildungseinrichtun­ zebach und Kösteldorf mit der 1949, auf zwei Kreise aufgeteilt: der einen Seite Häuser standen, gen. 1975 wurde sie wegen Schü­ Schwarzebach gehörte zu Neu­ die zur Gemeinde Kösteldorf ge­ lermangels geschlossen. Später Siedlung Kofl zusammengelegt. hörten. Auf der anderen Stra­ nutzte man das Gebäude als De­ Sie bildeten praktisch eine zu­ dek und Kösteldorf zu Elbogen. Ein Teil der Katastergrenze ßenseite standen Häuser, die zu pot für das Karlsbader Museum. sammenhängende Siedlung aus Einfamilienhäusern, aber aus zwischen den beiden Gemein­ Schwarzebach gehörten. Seit 2015 ist es ein Seniorenheim.

Das Dorfmuseum.

Das Rathaus.

Die Ortschaft Schwarzebach bei Neudek um 1920.

1950 wurde in Schwarzebach ein Gemeindefunk eingerich­ tet. 1957 wurden die Fundamen­ te der Häuser, die aus verschie­ denen Gründen nicht mehr be­ wohnt waren, eingeebnet. Ab Anfang der 1960er Jahre wur­ de die Staatsstraße in Schwar­ zebach asphaltiert, später ka­ men die Dorfstraßen hinzu. Zwi­ schen 1972 und 1975 baute man im Rahmen einer Selbsthilfear­ beit vier Löschwasserbehälter. Außerdem wurde der Schwarze Bach reguliert und ein System für die Selbstversorgung mit Wasser eingerichtet. Diese relativ teuren Projekte entstanden während der Unabhängigkeit der Gemeinde. Am 1.  Januar 1976 wurde Schwarzebach nach Neudek ein­ gemeindet. Und 1990 wurde es wieder eine selbständige Ge­ meinde. Während Schwarze­ bach bis Ende der 1980er Jah­ re einen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen hatte, ist die Zahl der ständigen Einwohner in den letzten 30 Jahren um die Hälf­ te gestiegen, wozu besonders

Bilder (3): Pavel Andrš die Siedlung Kösteldorf beitrug. Seit den 1990er Jahren wurden mehrere Großprojekte durchge­ führt, darunter das 2005 errich­ tete Glockentürmchen, das Dorf­ museum und das Seniorenheim.

Schwarzebach in Zahlen Die Einwohnerzahl von Schwarzebach stieg bis 1939, da­ nach sank sie wieder etwas. Am 17. Mai 1939 hatte Schwarzebach 563 Einwohner mit 172 Haushal­ ten. In jenem Jahr gab es 58 Be­ schäftigte in der Land- und Forst­ wirtschaft, 404  Beschäftigte in Industrie und Handwerk, 30 Be­ schäftigte in Handel und Ver­ kehr und 13 Gewerbetreibende. 1950 waren es nur noch 147 Ein­ wohner mit 111 Haushalten. 2011 gab es mit Kofl und Kösteldorf, 109  ständig bewohnte Häuser und 290 Einwohner. Pavel Andrš In „Krušnohorskýv Herzgebirge Luft“, August 2019. Aus dem Tschechischen übersetzt von Josef Grimm.


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NEUDEKER HEIMATBRIEF

Pater Marek Bonaventura Hric OFS beim Seifner Wenzelsfest und …

Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

… beim Aberthamer Fest 2016 mit wiedergefundenen Altarfiguren.

Bilder: Ulrich Möckel

�  Schlackenwerth

Pater Marek Bonaventura Hric sagt Adieu a­ch­imsthal, Lichtenstadt, Bärringen, Bergstadt Platten, Abertham und Rodisfort. Und an allen Orten betreute er seelsorgerisch die Mitglieder seiner Kirchengemeinde. Dies ist in der Tschechischen Republik mit vergleichsweise wenigen Gläubigen Normalität. ber 16  Jahre prägte Pa- Und man kann sagen, er war in ter Marek, wie er in seinen seiner Stellung ein WanderprediPfarrgemeinden genannt wird, ger, auch wenn er aus Zeitgründas katholische Leben in und um den motorisiert von einer Kirche Schlackenwerth bis hoch auf den zur anderen eilte. Aber die AufErzgebirgskamm hinauf. Neben gaben eines Pfarrers sind noch seiner Hauptkirche in Schlacken- umfangreicher. Sie umfassen die werth, in der täglich Andachten, gesamte bürokratische AdminiGebete oder Messen stattfinden, stration bis hin zur zeitaufwenfeierte er regelmäßig Messen digen Begleitung von Kirchenrein den Kirchen von Sankt Jo­ - paraturen sowie dem Beantragen

Der bisher verantwortliche Pfarrer für die Kirchengemeinde Schlackenwerth und die umgebenden Pfarrgemeinden, Pater Marek Bonaventura Hric OFS, trat im August eine neue Stelle in Klattau, etwa 40 Kilometer südlich von Pilsen, an.

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Am Annafest am 24. Juli eröffnete Jan Horník, Bürgermeister von Gottesgab, in seiner Gemeinde die restaurierte Kirche Sankt Anna.

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er in den vergangenen Jahren bei der Kirche in Gottesgab war, stellte fest, daß dort umfangreiche Bauarbeiten stattfanden. Den Rahmen dafür bot das Projekt Montankulturerbe, dessen Hauptziel die Erhaltung von Kulturdenkmalen und deren Umgebung ist. Dieses Projekt umfaßte drei Objekte. In Gottesgab handelte es sich um die Rettung der Bausubstanz der Sankt-Anna-Kirche, in Sankt Jo­ achimsthal um die Erneuerung der lateinischen Bibliothek und in Rittersgrün-Breitenbrunn um die Revitalisierung des Schmalspurbahnmuseums. Ziel ist die Stärkung des Fremdenverkehrs, der der Hauptwirtschaftsfaktor dieser Erzgebirgsregion ist. Der Projektzeitraum belief sich von Januar 2016 bis Juni 2019, wobei unvorhersehbare Umstände eine Verlängerung des Projektes an der Sankt-AnnaKirche erforderlich machten. Besonders glücklich war Bürgermeister Horník, als man am

und Beschaffen der finanziellen Mittel. Zu den früheren deutschen Bewohnern, die seit der politischen Wende wieder öfter in ihre Heimat kommen und dort auch die Heilige Messe besuchen, pflegte er gute Kontakte. Dabei baute er die Sprachbarriere Stück für Stück ab, indem er die deutsche Sprache zu lernen begann.

In der Zeit der CoronaPandemie, als die Menschen sich nicht treffen durften und auch die Kirchenbesuche nicht möglich waren, übertrug Pater Marek seine Messen in Schlackenwerth über Facebook. So konnten alle, die wollten, die Heilige Messe mit ihm feiern. Rückblickend kann Pater Marek stolz auf sein Wirken in der

Region um Schlackenwerth sein. Denn einige Kirchen und Kapellen wurden renoviert. Und die religiösen Symbole in der Landschaft wie Wegkreuze und Kapellen sind während seiner Amtszeit wieder mehr geworden. Er übergibt eine Gemeinde, deren Altersdurchschnitt durchaus hoffen läßt. Veränderungen sind gerade für ältere Menschen unangenehm, und auch jüngere Christen haben in der langen Dienstzeit von Pater Marek ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß nach dem Verabschiedungsgottesdienst am 25. Juli einige Tränen flossen.

�  Sankt-Anna-Kirche in Gottesgab im Nachbarlandkreis Sankt Joachimsthal

Kirche erstrahlt in neuem Glanz 24. Juli, im Rahmen des diesjährigen Annafestes, die restaurierte Kirche wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen konnte. Dieses Gotteshaus hat eine lange, bewegte Geschichte. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stand vermutlich an der Stelle der heutigen Kirche eine Holzkapelle, die bald nach der Gründung der Stadt durch den sächsi-

Bischof Tomáš Holub segnet die Kirche.

Das Chorensemble Oberwiesenthal im Altarraum. schen Kurfürsten Johann Friedrich errichtet wurde. Diese Holzkapelle wurde 1593 durch eine steinerne Kirche ersetzt, die vermutlich protestantisch war. In den Jahren 1605 bis 1607 baute man einen Turm an. 1637 wurde neben der Kirche ein Pfarrhaus errichtet, und somit bestand seither eine eigene Pfarrei. Diese Kirche brannte vermutlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nieder. Die Überreste wurden abgerissen. 1771 wurde die abgebrannte Kirche durch eine spätbarocke Kirche nach den Plänen des Architekten Philip Heger aus Prag ersetzt, die man bereits ein Jahr später einweihen konnte. Bis 1945 wurden in der rauhen

Rekonstruktionsarbeiten erarbeitet. Die Hauptaufgabe bestand nun darin, die dafür erforderlichen Finanzmittel zu erhalten. 2016 unterschrieben die Sächsische Aufbaubank und die Stadt Gottesgab einen Vertrag über die Gewährung einer Subvention in Höhe von insgesamt 1 638 302,78 Euro. Diese wurde für den Zeitraum von 2016 bis 2019 zur Verfügung geBilder: Ulrich Möckel stellt. Diese FinanzmitWitterung entstehende Schä- tel ermöglichten eine umfassenden ständig instand gesetzt. Mit der Vertreibung der Deutschen, nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Verfall dieses Gotteshauses. Ende der 1960er Jahre mußte man die Sankt-Anna-Kirche für die Öffentlichkeit schließen. Den bereits erwogenen Abriß vereitelte die Samtene Revolution 1989. 1990 wurde die Kirche auf Initiative von Pater František Krasenský und mit Hilfe vieler Spenden einstiger Bewohner repariert. Am 21. Juli 1990 weihte man sie erneut ein. 2012 übernahm die Stadt Gottesgag das Kirchengebäude von der Katholischen Kirche. Seither wurden umfangreiche Dokumentationen über die notwendigen Die restaurierte Sankt-Anna-Kirche.

Aber es gibt zeitgleich einen Neuanfang. Bischof Tomáš Holub stellte den Nachfolger vor: Pfarrer Krzysztof Dȩdek. Ihm wird der neue Kaplan Pater Patrik Koval SJ unterstützend zur Seite stehen. Fotos von diesem für die Gemeinde bedeutungsvollen Gottesdienst gibt es zu sehen unter https://www.bip.cz/ cs/novinky/2021-07-v-ostroveprobehla-vymena-duchovnich. Wir alle danken Pater Marek herzlich für sein engagiertes und segensreiches Wirken vom Erzgebirgskamm bis an die Eger und wünschen ihm für seine neuen Aufgaben in Klattau alles Gute und viel Gesundheit. Ulrich Möckel de Rekonstruktion, die man am 30. Juni 2021 abschließen konnte. Nach der feierlichen Eröffnung am 24.  Juli erfolgte am nächsten Tag die kirchliche Segnung durch den Pilsener Bischof Tomáš Holub. Der Festmesse ging ein Konzert des Chorensembles Oberwiesenthal voraus, welches die Besucher der renovierten Kirche mit Liedern von Anton Günther, aber auch mit religiösen Liedern auf den Gottesdienst einstimmte. Bischof Holub gab seiner Freude Ausdruck, daß es gelungen sei, eine weitere Kirche vor dem Verfall und schließlich vor dem Abriß zu retten. Die Diözese Pilsen habe diese Renovierung finanziell nicht stemmen können. Hinzu kommt noch die Tatsache, daß im heutigen Gottesgab, im Gegensatz zu den benachbarten Gemeinden Abertham und Bärringen, schon seit vielen Jahre keine Kirchengemeinden mehr bestehen. Die Sankt-Anna-Kirche wird nun für kulturelle, aber auch weiter für kirchliche, Veranstaltungen in ihrem neuen Glanz zur Verfügung stehen und für die Stadt eine Zierde sein. Ulrich Möckel


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. ­Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Teplitz-Schönau

Graupen

Niklasberg

�  Dux – Teil I

Stadtexpedition zu Barockdenkmalen Jiří Wolf vom Duxer Stadtmuseum bot anläßlich der Tage des europäischen Kulturerbes Mitte September eine Stadtführung zu Barockdenkmalen. Im Duxer Stadtmuseum begrüßte er eine 20köpfige Gruppe, die trotz Regen gekommen war. Darunter Jutta Benešová, die berichtet.

U

nser Rundgang führte zunächst zu der Dreifaltigkeitssäule auf dem Schloßplatz. In Zeiten, als die Pest in Nordböhmen für Elend gesorgt hatte, hatte Franz Joseph Georg Graf von Waldstein Mathias Kühnel mit dem Bau einer Pestsäule beauftragt. Das Errichten dieses eindrucksvollen Bauwerkes dauerte von 1750 bis 1760, also ganze zehn Jahre. Auf den Sockeln sind die Statuen der Jungfrau Maria und der heiligen Barbara zu sehen, und auf einzelnen Podesten stehen auch die Heiligen Joseph und Johann von Nepomuk. Die Heilige Barbara galt nicht nur als Schutzheilige der Bergleute, sondern es wandten sich auch Gläubige an sie mit der Bitte um Linderung von Schmerzen und einen sanften Tod. Ein Relief am unteren Teil des Sockels stellt die Reinigung der Seelen im Fegefeuer dar – ein christliches Symbol der Erlösung. Das Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit krönt die Spitze der Säule. Zwei Wappen schmücken die Säule, zum einen das Wappen der Waldsteins und zum anderen das Wappen der Trauttmansdorfs.

Das untere Relief der Dreifaltigkeitssäule mit der Abbildung des Fegefeuers.

Die Teilnehmer des Rundgangs am Eingang der Kirche Mariä Verkündigung. Josepha von Trauttmansdorff war die Gemahlin von Franz Joseph Georg. Nach ihrem Tod trat er dem Kapuzinerorden bei und übergab die Herrschaft seinem Sohn Emanuel Philibert von Waldstein und Wartenberg. Als nächstes Barockbauwerk empfing uns die Kirche Mariä Verkündigung gegenüber der Dreifaltigkeitssäule am Schloßareal. Dort erwartete uns Tomáš Vorlíček, ein Kenner der nordböhmischen Barockkunst. Recht gut erhalten von außen, bietet die Kirche im Inneren einen traurigen Anblick. Kahle Wände, Kiesfußboden und – außer dem Rudiment eines

Altars – ein vollkommen leerer Raum. Ernst Joseph Graf von Waldstein hatte 1696 den Baumeister Mark Antonio Canevalle berufen, um eine neue Kirche zu errichten. 1707, als das Bauwerk fast fertig war, brannte es aus. Und dann stellte es erst 1721 der Baumeister Franz Maximilian Kanka fertig. Am 10. Mai 1945 steckte die Sowjetarmee das Innere der Kirche in Brand. Dabei wurde die wertvolle Einrichtung der Barockkirche zerstört. Zu ihr gehörten das Altargemälde „Verkündigung der Jungfrau Maria“ und das Gemälde des Seitenaltars

Bilder: Jutta Benešová „Judas Thaddäus“ von Wenzel Lorenz Reiner, außerdem hölzerne Plastiken von Mathias Bernhard Braun und seltene gotische Skulpturen. Nur die an der Südwand befindliche Waldstein-Kapelle läßt noch den Reichtum der Ausstattung erahnen. Außen über dem Eingang ist die Statue der Jungfrau Maria erhalten und links und rechts von ihr die Statuen der heiligen Peter und Paul. An der Südseite des Presbyteriums sind noch Reste der frühgotischen Kirche des heiligen Georgs zu erkennen, die früher dort stand. Und an der südlichen Altarseite verblieben drei alte Marmorgrabsteine.

Die Dreifaltigkeitssäule auf dem Platz der Republik vor dem Duxer Schloß.

Der Innenraum der Kirche Mariä Verkündigung.

Das Haus mit Hauszeichen von Johann Christoph Heymann.

Der leere Kirchenraum wird ab und zu für Kunstausstellungen genutzt. Und alljährlich findet dort am 24. Dezember die Mitternachtsmesse statt. Eine Wiederherstellung des Inneren ist in naher Zukunft nicht geplant. Den nächsten Besichtigungsort erwarteten alle mit großer Spannung, denn selbst die Duxer Einwohner wußten kaum etwas von einer Heymann-Kapelle. Wolf berichtete, daß Johann Christoph Heymann katholischer Pfarrer, Beichtvater und Kammerherr von Johann Friedrich Graf von Waldstein (1642–1694) gewesen sei. In der heutigen Straße Havířská ließ sich Heymann Ende des 17. Jahrhunderts außerhalb der Stadtmauer ein Haus errichten, dessen Hauszeichen noch heute über dem Eingang zu sehen ist. Zunächst konnten wir uns nicht vorstellen, daß in diesem schmucklosen Haus eine Kapelle ist. Dann öffnete uns

eine Bewohnerin des Hauses die Tür, und wir gingen durch den Hausflur in den Garten hinter dem Haus. Und nach etwa 30 Metern entdeckten wir, hinter Obstbäumen versteckt, an einer Felsmauer die Kapelle, die sich Heymann für seinen eigenen Bedarf um 1702 hatte errichten lassen. Fortsetzung folgt

Das Hauszeichen über dem Eingang des Hauses von Johann Christoph Heymann im Detail.


HEIMATBOTE

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Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Pforzheim-Eutingen/Baden-Württemberg

Ein Ort mit Straßennamen der Heimat Im baden-württembergischen Pforzheim-Eutingen wurden vor 15 Jahren vier Straßen nach Orten im Sudetenland benannt, aus denen Vertriebene 1945/46 gekommen waren: der Hostauer Weg, der Saazer Weg, der Ronsperger Weg und die Egerstraße. Dies ging auf die Initiative des Bischofteinitzer Landsmannes und damaligen Eutinger Gemeinderats Josef Weidner zurück. Hier die Begründung des mittlerweile verstorbenen Josef Weidner.

Saazer Weg

D

Blick auf Eutingen an der Enz.

kellos schön und wunderbar gelehrig. Die Lipizzaner waren Reit-, Sprung- und Schulpferde. Arabisch-spanisches Blut gab diesen Tieren auch ihr äußeres Gepräge. Blendend weiß leuchtete ihr seidiges Fell. Die Hostauer waren sehr stolz auf ihre majestätischen Edelpferde.

er Hauptort Saaz im Saazerland wird im Jahre 1004 erstmals genannt. Er hatte 1945 16 000 Einwohner. Das Saazer Land zählt zu den wertvollsten Gebieten Böhmens und befand sich auf dem besten Weg von der alten Agrarverfassung Egerstraße in die moderne Industriewirtschaft. Hier Eger war eine alte Reichsstadt, hergab es mehr als 16 500 großbäuerliche Betriebe mit 20 bis 100 Hektar und fast vorgegangen aus der germanischen 1000 Betriebe mit über 100 Hektar. Viel- Siedlung Menosgada, seit 1167 im Beleicht erinnern sich Eutinger noch an sitz Kaiser Barbarossas. 1277 wurde es die verstorbene Familie Kraupner. Josef mit Nürnberg, Heilbronn und WimpKraupner war Diplom-Landwirt und be- fen Reichsstadt. Das Mittelalter prägwirtschaftete im Saazer Land 170 Hekt- te den Marktplatz mit dem „Stöckel“, dem Stadthaus, in dem ar, auf denen er vor alWallenstein ermordet lem Zuckerrüben anwurde, dem Schillerbaute. Da das Klima sowie dem Rathaus. mild und fast zu trokDie Stadt hatte 1945 ken war, eignete sich 45 000 Einwohner, war das Gebiet auch bewegen ihrer Handelssonderes für den Anwege von Nürnberg, bau von Hopfen, der nach Pilsen, Prag und durch das glückliWien sehr bekannt, che Zusammentrefund Handel, Gewerfen günstiger Umstänbe und Kultur blühten de weltberühmt wurde hier von alters her. und zum Wohlstand Da Wein in der Geder Bevölkerung führgend nicht gedieh, te. Ich erinnere mich, entstanden Bierbraueals ich noch Schüler reien mit Ausschank. war, kamen schon SaaErst später kam der eizer Bauern im eigenen gentliche GastwirtsbeAuto in meine Heimat, ruf. Viele Märkte fanden Böhmerwald, um den in Eger statt. Ende Zuchtvieh und Pferde Erste Seite der Heidelberger Bilder- September wurde imzu kaufen. Die Stadt wurde handschrift des Ackermanns aus mer der heilige Wenzeslaus, König und aber auch auf ganz an- Böhmen von 1470. Patron von Böhmen, dere Art berühmt. Das bedeutendste Prosawerk des deutschen groß gefeiert. Danach kam Kirchweih, Humanismus, der „Ackermann aus Böh- und der Christkindlmarkt beschloß den men“, entstand hier um 1400. Es ist in Jahreslauf. Dazwischen gab es Vieh-, der damals werdenden gemeindeut- Pferde- und andere Märkte. Auch die schen Schriftsprache verfaßt, die in der Kirchenfeste wurden fröhlich beganPrager Kanzlei Karls IV. geübt wurde. gen. Man feierte zünftig. Auf den StraVerfasser ist Johannes von Saaz, auch ßen und in den Gaststätten durften die von Tepl oder von Schüttwa genannt. In Egerländer Musiker nie fehlen. Schöne Schüttwa, heute ein Ortsteil von Rons- Gebäude und festliche Trachten zeugten perg, kam er bekanntlich um 1350 zur von Wohlstand. Stadt und Land hatten ihre Reize, und all das wurde als selbstWelt. verständlich hingenommen. Heute wissen wir, daß es Geschenke waren, die Hostauer Weg unser Heimatgefühl hervorriefen. Denn Der Ort Hostau zwischen Egerland mit den Deutschen wurde auch die Geund Böhmerland wurde 1228 gegrün- mütlichkeit aus Eger vertrieben. det. Es war ein freundliches Landstädtchen am Oberlauf der Radbusa mit 1200 Ronsperger Weg Einwohnern, die auf 210 QuadratkiloDas Städtchen Ronsperg liegt östlich metern Fläche wohnten und ihren Besitz hatten. Die Stadt gehörte zum Kreis des Böhmerwaldkammes 20 Kilometer Bischofteinitz im Grenzgebiet zu Bayern von der bayerischen Grenze entfernt. und hatte den Sitz eines Amtsgerichts. 1379 wird es im Pilsener Steuerregister Als Gewerbe war die Töpferkunst rühm- erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte lich bekannt, außerdem gab es Seiler und LeinenbandSchloß Ronsperg weber sowie bäuerliche Betriebe in und um Hostau. Besonders bekannt wurde die Stadt für ihr Gestüt, das Hauptgestüt der Rassepferde Lipizzaner. Die auf 460 Hektar weidenden fast 500 Pferde prägten das Bild dieser Landschaft. Besondere Aufgabe war, Schulhengste für die Spanische Hofreitschule in Wien zu züchten. Das Brandzeichen des Gestüts war ein „H“. Die Schimmel waren ma-

men, sofern er überhaupt noch so viel hatte. Denn nach den ständigen Plünderungen war oft schon alles weg, und mancher hatte nur noch das, was er am Leibe trug. In Viehwaggons gepfercht, mußte er seine Jahrhunderte alte Heimat verlassen. Wertgegenstände durfte er nicht mitnehmen, sie gehörten den Tschechen. Bei Zuwiderhandlung drohten schwere Strafen. Hunderttausende Deutsche aus dem Sudetenland wurden 1945 über die Grenze nach Sachsen, zum Teil auch in die polnisch besetzten Gebiete getriezum Kreis Bischofteinitz im Regierungs- ben. Die große Mehrheit mußte warten, bezirk Eger, war Sitz eines Amtsgerich- bis die Amerikaner zur Aufnahme der tes und besaß eine moderne neu erbau- Transporte in das zerschlagene und zerte Bürgerschule, die Borromäerinnen störte Deutschland bereit waren. leiteten. Der Ackerbau, die wesentliche Auch meine Angehörigen erlitten Existenzgrundlage, umfaßte 750 Hekt- dieses Schicksal. Und sie kamen nach ar. Für Arbeit sorgten außerdem eine Eutingen. Eutingen hatte damals schon Dampfziegelei, viele ausgebombSpatmühlen, Holzte Menschen aus handel und Sägedem benachbarten werke. In der Umschwer zerstörten gebung gab es Pforzheim aufgeauch reiche Feldnommen. Außerspat- und Quarzdem kamen Deutvorkommen, die sche über ÖsterRohstoffe für Porreich aus Ungarn, zellan. Frauen verRumänien, Jugodienten meist im slawien und anWinter mit Spitderen ostdeutzenklöppeln dazu. schen Ländern. Am höchsten Es herrschte groPunkt von Ronsße Not. Junge Einperg erhebt sich heimische sahen das gräfliche keine Zukunft in Schloß, dessen Deutschland und Turm das Wahrwanderten aus. zeichen der Stadt Vertriebene konnist. Es war das elten dies nicht tun, terliche Schloß von sie waren staatenRonspergs größlos. tem Sohn, Richard Für viele VerNikolaus Graf triebene war zuCoudenhove-Kalnächst das Lager ergi, dem Schöpfer Kieslau bei Bruchder Paneuropa-Besal und Illingen wegung und dem Egerer Stöckl Endstation, von einstigen Präsiwo sie nach einident der Paneuropa-Union. Er schreibt: gen Wochen in die weitere Umgebung „Meine Kinderjahre in Ronsperg waren verteilt wurden. So auch in den Kreis glücklich und sorgenfrei wie ein schö- Pforzheim. Eine weitere Station war das ner Traum. Das Schloß Ronsperg war ei- Eutinger Gasthaus Zum Bären der Famine kleine Welt für sich.“ lie Steudle. Von da aus wurden die LeuZu Schloß Ronsperg gehörte das fünf te auf den Ort verteilt. Es brauchte schon Kilometer westlich der Stadt gelegene einige Anstrengung, bis alle ein Zimmer Schloß Stockau. Dort befanden sich die hatten, manchmal mußte die Polizei weBrauerei der Herrschaft und eine gen der Wohnungsnot helfen. Forellenzucht. Außerdem geDoch die meisten ließen sich hörten die Meierhöfe Sankt nicht unterkriegen, krempelGeorgen und Wilkenau soten die Ärmel hoch, packwie das Jagdschloß Diaten zu, wo es anzupaknahof dazu, das von den ken galt: ob in Pforzheim Tschechen geschleift bei den Aufräumungsarwurde, weil es im Grenzbeiten, dem Wiederaufgebiet lag. Ronsperg war bau oder sonstwo. Doch auch ein wichtiger Bahnnicht alle konnten zu ihknotenpunkt der Linie Birem Schicksal stehen, daschofteinitz, Pilsen, Marizu, plötzlich nichts, nicht enbad, Eger, Taus und dem einmal das Nötigste zu hadeutschen Furth im Wald. ben, und ein Bettler zu sein. Das war die Zeit vor Immerhin war man zu Lipizzaner-Brandzeichen dem Krieg. Im Krieg Hause angesehen, war war viel Schlimmes ge„wer“ gewesen. Deshalb schehen. Angst, Not und Hunger plag- verleugnete so mancher seine Herkunft, ten die Menschen. Der Front glücklich verleugnete Vertriebener zu sein. Doch und gesund entronnen, befiel mich neu- heute können sie stolz sein, weil sie aus es Elend. In der Heimat herrschte Hor- eigener Kraft aus der Kluft des Elends ror. Die Tschechen ließen nach dem Krieg emporstiegen, und weil ihren Haß an Unschuldigen sie ein Schicksal bezwangen, das andere aus und peinigten sie oft nicht einmal verstehen. bis zum Tod. Sie schlossen So denke ich an die erste SilvesterKirchen und Klöster, zer- Feier in der Turnhalle zurück. Die Fraustörten Friedhöfe, zerschlu- en sammelten Briketts, die von Gütergen Denkmale. Wie war das zügen heruntergefallen waren. Ein bißmitten in Europa bei einem chen Koks brachte man im Gaswerk Kulturvolk möglich? Sie zusammen, um den Ofen in der Halle begannen mit der – meist anzuwärmen. Wenn wir gewußt hätten, grausamen – wilden Ver- wie die Feier ankommt, hätten wir uns treibung der Deutschen. nicht so gesorgt, denn die Halle war voll Danach folgte die von den und ein Gedränge bis auf den letzten Siegermächten beschlosse- Platz. Alle wollten sehen, was hier gene „humane“ Vertreibung. boten wird. So wärmten wir uns gegen30 oder 50 Kilogramm durf- seitig in der Hoffnung auf eine bessere te ein Deutscher mitneh- Zukunft.

Das Haus Nummer 34 ist Anton Speierls Geburtshaus. Bilder (3): Heimatkreisarchiv

Tannawa

Anton Speierl 90 Am 19. August feierte Anton „Donerl“ Speierl seinen 90. Geburtstag. Tannawas Ortsbetreuerin Claudia Jodl gratuliert.

A

nton „Donerl“ Speierl kam im Haus Nummer 34 in Tannawa zur Welt. Dort ging er auch zur Volksschule. Doch wie viele Landsleute wurde er bei Kriegsende mit einem Familienangehörigen aus der Heimat vertrieben. Nach mehreren Stationen fand er in Lützelbuch, seit 1972 Stadtteil des oberfränkischen Coburg, ein neues Zuhause. Hier begann er eine Lehre als Autolackierer, die er mit der Gesellenprüfung abschloß. 1964 legte er auch die Meisterprüfung erfolgreich ab. 1959 heiratete Anton die aus Schlesien stammende Irmgard Müller. Bereits 1948 trat er der Freiwilligen Feuerwehr bei. 1949 wurde er Mitglied im Radsport- und Kunstradsport-Verein. Dort erlangte er 1954 die Bezirksmeisterschaft, viele Pokalsiege und Meistertitel. Mehr als 20 Jahre lang war er Kampfrichter für Kunstradfahren und lange Jahre Radball-Schiedsrichter,-Trainerund-Übungsleiter. 1996 erhielt er für seine Verdienste auf dem Gebiet des Sports die Medaille und Urkunde des Kultusministeriums. Als Ehrenvorsitzender des Radsportvereins und Ehrenbezirksvorsitzender des Rad- und Kraftfahrerbunds Solidarität (RKB) Oberfranken ist er in Lützelbuch und weit darüber hinaus als Pionier des Kunstradsports bekannt. Wir gratulieren zum Geburtstag, und wünschen von Herzen, daß sich unser Anton „Donerl“ Speierl trotz kleiner körperlicher Einschränkungen noch viele Jahre am Leben und am Radsport erfreuen kann.

Die 1901 erbaute Volksschule gleicht 1983 einer Ruine.

Eine alte Postkarte von Tannawa.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 38 | 24. 9. 2021

Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

� Heimatgottesdienst in Altzedlisch

Möge die Straße uns zusammenführen Franz Sigmund, Pfarrer Georg sache deutlich, daß sich fast alle Hartl aus Waidhaus und der Or- Besucher noch in der Schule traganist Alexander Völkl aus Pley- fen. Ein Dank geht hier an Stanisstein. Völkl brachte unsere al- lav und Svetlana Svoboda, an dete Orgel wieder einmal für as Datum unseres Treffens in uns zum Einsatz. Die PreAltzedlisch hatte ich schon digt von Pfarrer Hartl stand vor Ostern in unserem Rundbrief im Zeichen des Goldenen bekannt gegeben. Doch erst ei- Priesterjubiläums von Pater ne Woche vor dem Termin war Franz, das er 2020 hatte bees endgültig sicher, daß das Tref- gehen können. fen wirklich stattfinden würde. Bei meiner Begrüßung Trotz vieler Hindernisse im Vor- las ich auch ein Grußfeld hatten sich am 11. Septem- wort der Altzedlischer Bürber dann 43 Landsleute getroffen germeisterin Stanislava – eine Zahl, die Hoffnung für Fojtíčková vor. In ihrem die Zukunft gibt. Grußwort drückte sie ihre Als Hauptgrund für die niedri- Freude darüber aus, daß wir ge Besucherzahl kann man sicher wieder dorthin zurückgeCorona nennen und die verständ- kehrt seien, wo unsere Wur- Pater Franz Sigmund und Pfarrer Georg liche Sorge vieler Menschen, zeln lägen. Sie berichte- Hartl. zu solchen Veranstaltungen – te über Veränderungen im noch dazu im AusDorfbild, wobei sie ren Tochter Michaela und Jiří land – zu fahren. vor allem das neue Větřák, die wieder für Getränke Einige LandsleuSeniorenheim im gesorgt und den Kuchenverkauf te hatten den TerAlten Rathaus ge- übernommen hatten. Auch Famimin vielleicht vergenüber vom frühe- lie Fojtíčková und Hermine Haagessen, andere sind ren Schloß erwähn- sová gilt der Dank der Landsleukrank oder könte. te. nen nicht mehr so Mit den FürbitUnser 31. Gottesdienst 75 Jahweit fahren. Und ten, vorgetragen re nach der Vertreibung war anseit unserem letzvon Reinhold Wur- ders als der vor zwei Jahren. Aber ten Gottesdienst dak, drückten wir ich denke, unser Treffen hat gesind auch mindegleichzeitig auch zeigt, daß es gut war, die Veranstens 18 Landsleu- Sieglinde Wolf unseren Dank aus: staltung durchzuführen. Lange te verstorben. Stell„Gott, die Vertrie- hatte ich überlegt, ob es richtig vertretend für alle wurden die- benen haben viele dunkle Stun- sei, aber ich spürte bei Telefonajenigen genannt, die 2019 noch den erlebt. Aber du warst im- ten immer wieder, wie man sich dabei waren: Marianne Wolf/ mer an ihrer Seite. So wollen wir auf Altzedlisch freute. Und dann Röhling, Anni Schuch/Wurdak dankbar sein für alles Gute und siegte das Herz über den Veraus Maschakotten, Edmund Em- Schöne in unserem Leben – ge- stand. merling, Franz Promberger, Rosl rade hier und heute.“ Mit dem alten irischen SegensSchöpf/Gebert, Marianne WalDie Lieder der Deutschen spruch „Möge die Straße uns zuter/Seidling aus Uschau und Messe von Franz Schubert, „Gro- sammenführen“ verabschiedete Traudl Stangl/Emmerling. ßer Gott“ und das Böhmerwald- ich die Landsleute. Vorhersagen Begrüßt wurden neben den lied wurden aus tiefstem Herzen kann man nichts, aber wenn Gott Landsleuten, von denen der Ku- mitgesungen. Man war glück- will, so sehen wir uns 2022 vielaner Josef Ries mit 92 Jahren der lich, wieder daheim zu sein. Das leicht doch in der Heimatpfarrälteste Besucher war, unser Pater wurde später auch durch die Tat- kirche wieder. Mitte September fand er Heimatgottesdienst der Altzedlischer statt. Marktbetreuerin Sieglinde Wolf berichtet.

Monsignore Andreas Uschold zelebriert die Messe, und Bürgermeisterin Marina Hirnet spricht über Heimat in der Pfarrkirche Sankt Christoph in Georgenberg-Neukirchen

� Annafest der Neulosimthaler

Heimat ist wieder ein Thema sellschaft nach langer Zeit wieder ein großes Thema. Die Zeiten, in denen mit Heimat nur Folklore oder Ewiggestriges assoziiert wurde, sind vorbei.“ Und in der Definition „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“ schwinge auch etwas Aktives mit. Sie bezeichnete Heimat zunächst vor allem als den Ort, an dem wir geboren und aufgewachsen seien. Das gelte auch für das

Umfeld, das uns in Kindheit und Jugend geprägt habe. Schon deshalb könnte wir sie nicht vergessen. Und die Erinnerung könne er einmal große Kreis ist wieuns auch niemand nehmen. der kleiner geworden“, stellTrotz des Einsatzes für ein te Albert Kick, Ortsbetreuer und friedliches Miteinander seien Georgenbergs AltbürgermeiVertreibung, Flucht und Verlust ster, fest. Die Hauptursache war der Heimat ein aktuelles Theaber Regen. „Das schlechte Wetma, aktuell bedingt auch durch ter hat sicher einige abgehalten Naturkatastrophen. So hätten zu kommen“, bedauerte er. DenMenschen von einer Minute auf noch freute er sich über das Wiedie andere ihre Heimat verloren. dersehen mit ehemaligen „Um weltweit sensibler zu Neulosimthalern und erwerden für die Not und die innerte an die Vertreibung Belange der Vertriebenen, vor 75 Jahren. kann der heutige Tag viel„Im Lebensschicksal Jeleicht einen kleinen Beitrag su fehlt nicht die bittere Traliefern.“ gik“, erläuterte Monsignore Am Ende der Messe Andreas Uschold beim Gotspielte Klaus Wittmann das tesdienst in der Pfarrkir„Böhmerwald-Lied“ auf che das Evangelium. „Um dem Akkordeon. Am Gesein Leben zu retten, muß denkstein Leßlohe legten das Kind fliehen. Josef sieht schließlich Uschold, Hirnet sich unversehens in der Rolund Kick einen Kranz niele des Fluchthelfers und der. Dabei erinnerte Kick muß sich irgendwo in der an die verstorbenen eheFremde eine Existenz aufmaligen „Rousntoler“, darbauen.“ unter die erst am 22. Juli in Georgenbergs BürgerAmberg zu Grabe getragemeisterin Marina Hirnet: Uschold, Hirnet und Albert Kick am Gedenk- ne Ida Hawlitschek. „Heimat ist in unserer Ge- stein. Josef Pilfusek Anfang August fand das Annafest der Neulosimthaler im oberpfälzischen Georgenberg statt.

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WIR BETRAUERN n  Schönwald. Bereits am 2. Februar starb Waltraud Westhoven im mittelfränkischen Rednitzhembach mit 80 Jahren. Leider erfuhr ich dies erst jetzt. Sie kam als Tochter von Johann und Hedwig Eckert am 2. Juni 1940 in Schönwald zur Welt. Ihre Geschwister waren Heidelinde, Walburga und Josef, der bereits verstorben ist. Im Alter von fünf Jahren erlebte sie, wie KZ-Häftlinge auf einem Todesmarsch durch ihren Heimatort getrieben und etliche von ihnen in nächster Nähe umgebracht wurden. In ihrer Erinnerung daran schreibt sie: „Damals habe ich in meiner kindlichen Art ein Versprechen gegeben: ,Lieber Gott, ich will nie etwas tun, das einen Menschen verletzt. Ich will immer aufpassen, wenn es Menschen schlecht geht, daß ich helfen muß und das auch tue.‘ Ich habe dieses Versprechen nie bereut.“ Anfang 1946 überschritt sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder unter Lebensgefahr die Grenze

nach Bayern. Ihr einziges Besitzstück war eine Zither. Die Familie kam nach Oberlangenstadt in Oberfranken. Dort besuchte Waltraud die Grundschule, später das Gymnasium in Kronach. Abitur und späteres Studium waren aus finanziellen Gründen nicht möglich. So machte sie eine Ausbildung als Telefonistin. Bei einer Schulung in Nürnberg lernte sie Bruno Westhoven kennen. Sie heirateten am 27.  Dezember 1960 und wohnten zunächst in Nürnberg. Nach verschiedenen Arbeitsstellen war Waltraud Westhoven von 1967 bis zur Rente Arzthelferin. Hier konnte sie viele soziale Tätigkeiten entwickeln. Die Patienten lernten sie als empathische und engagierte Mitarbeiterin des Arztes kennen. 1967 zog die Familie mit Sohn Martin ins Eigenheim nach Rednitzhembach. Waltraud Westhoven trat der Kolpingfamilie bei, war aktiv in vielen kirchlichen und sozialen Bereichen. Im Einsatz für andere Menschen

ging sie ganz auf. Im Einklang dazu stand ihre tiefe Religiosität. Sie brachte geistliche Bildungs­ angebote in ökumenischer Weite auf den Weg, half Menschen im Alltag und gründete eine Initiative zur Nachbarschaftshilfe. Viele Ehrungen wurden ihr zuteil – sogar das Bundesverdienstkreuz erhielt sie im Dezember (Ý HB 52/2020). Seit 1997 war sie Ortsbetreuerin ihres Heimatortes Schönwald. Dort setzte sie sich für die Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen ein und beschenkte vor allem die dort lebenden Kinder immer wieder. Im Kreisrat war sie für einige Jahre Schriftführerin. Ihrem Mann Bruno, dem Sohn Martin, der Schwiegertochter Marion und dem Enkel Manuel sowie allen Angehörigen gilt unsere tiefe Anteilnahme. Im Namen unseres Heimatkreisbetreuers WolfDieter Hamperl danke ich ihr für ihren großen Einsatz für unsere Heimat. Sie ruhe in Gottes ewiger Heimat in Frieden. Sieglinde Wolf Stellvertretende Heimatkreisbetreuerin

Blick auf die rechten Bankreihen in der Altzedlischer Kirche während des Heimatgottesdienstes.

KORREKTUREN

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em Nachruf auf Waltraud Stangl (Ý HB 36/2021) fiel folgende zweite Hälfte des Textes von Altzedlischs Marktbetreuerin Sieglinde Wolf einem Versehen zum Opfer. Waltraud Stangl pflegte Kontakt zu vielen Menschen, besuchte Veranstaltungen und Vorträge. Auch gute Nachbarschaft war ihr wichtig. Ihr großes Interesse galt ihrer Egerländer Heimat. Hier ist ihr Einsatz für ihre Heimatpfarrkirche hervorzuheben. Sie nahm nicht nur an allen Hei-

matgottesdiensten dort teil, sondern war auch viele Jahre Zweite Vorsitzende unseres Kirchenrenovierungsvereins und half mit vielen Geldspenden. Dafür sei ihr von den Altzedlischern noch einmal ganz besonders gedankt. Nach kurzen Krankenhausaufenthalten war sie im Juni drei Wochen auf der Palliativstation und danach knapp vier Wochen daheim. Dort betreuten sie ihre Kinder und ihre Schwiegertochter. Kurz vor ihrem Tod am 29. Juli war sie zwar sehr schwach, aber

noch ansprechbar. Und sie konnte sich in den letzten Tagen noch telefonisch von Verwandten und Freunden verabschieden. Den Angehörigen sprechen wir unsere tiefe Anteilnahme aus. Sie werden, genau wie wir Altzedlischer, die liebe Verstorbene vermissen, besonders bei unseren Gottesdiensten daheim. Aber sie wird immer in unserem Gedächtnis bleiben. Liebe Traudl, wir danken Dir für alles, was Du für Deine Heimat, für Altzedlisch getan hast. Ruhe in Frieden.


VON BÖHMEN IN DIE ARDÈCHE

WERNER REINISCH – NEUE BILDER

Ausstellung 30.09. – 21.11.2021 Dienstag – Sonntag: 10 – 18 Uhr Hochstraße 10 · München www.sudetendeutsches-museum.de

Das Sudetendeutsche Museum in München wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


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Sudetendeutsche Zeitung 24. September 2021 Ausgabe 38 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu