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Sudetendeutsche Zeitung Ausgabe 22

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Hollywood-Star Monika Gossmann über ihr Vertreibungsprojekt (Seite 3)

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 73 | Folge 22 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 4. Juni 2021

VOLKSBOTE

Postvertriebsstück · Deutsche Post AG · Entgelt bezahlt Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH · Hochstraße 8 · D-81669 München · eMail zeitung@sudeten.de

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Teilnahme am Versöhnungsmarsch

Bayern fährt nach Brünn

Zum 14. Mal findet der Brünner Versöhungsmarsch statt. Dabei wird der mehr als 1700 Opfer des Brünner Todesmarsches im Jahr 1945 gedacht.

Am Brünner Versöhnungsmarsch 2019 nahmen auch viele junge Menschen teil.

Tausende auf der Straße

Demonstration für „gerechte Regierung“ Erneut sind am Dienstag Abend tausende Tschechen einem Aufruf der Initiative „Eine Million Augenblicke für Demokratie“ gefolgt und für eine „gerechte Regierung“ in Prag auf die Straße gegangen.

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auptzielscheibe war die parteilose Justizministerin Marie Benešová, der vorgeworfen wird, den hoch geschätzten Generalstaatsanwalt Pavel Zeman (siehe auch Artikel unten) zum Rücktritt gedrängt zu haben. Im Vorfeld der Parlamentswahlen, die am 8. und 9. Oktober stattfinden, tobt in der Tschechischen Republik ein heftiger Wahlkampf. Nach aktuellen Umfragen ist die Zustimmung für die Minderheitsregierung von Premierminister Andrej Babiš deutlich gesunken. So kommen die Koalitionspartner ANO und ČSSD derzeit nur auf 21 bzw. 6,5 Prozent. Deutlich in Führung in der Wählergunst liegt derzeit die Piratenpartei mit 27,5 Prozent. Auch im Parlament nimmt der Druck auf die Regierung zu. So kündigte die Opposition am Dienstag an, am Donnerstag ein Mißtrauensvotum einzubringen. Für eine erfolgreiche Abwahl der Regierung ist eine DreifünftelMehrheit notwendig (Ergebnis stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest). JŠ/TF

Dominik Feri tritt zurück

1 CZK = 0,0393 EUR 1 EUR = 25,438 CZK

Gut, besser, Hanitzsch

Der Karikaturist und Bierbrauer im Portrait S. 5

Vom Elbetal nach Anhalt

Alfred Regner baut auf seinen Feldern Hopfen an S. 9

Kirche in Heiligenkreuz

Pfarrer Klaus Oehrlein sucht alte Dokumente S. 15

m Samstag, 31. Juli, wollen wieder tausende Tsche-

Dieses Originalfoto zeigt den Brünner Todesmarsch im Jahr 1945.

Sorge um Grundwasser: In der Tschechischen Republik ist man empört , daß Polen eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes mißachtet

Streit um Kohletagebau Turów: „Größte Krise seit dreißig Jahren“ Zum ersten Mal in der Geschichte der Europäischen Union ist mit Polen ein Mitgliedsstaat von einem anderen EU-Land wegen eines Umweltstreits vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt worden. Doch auch nach dem Richterspruch geht der Streit weiter, weil sich Warschau weigert, eine einstweilige Verfügung zu respektieren.

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ine 30 Quadratkilometer große Mondlandschaft, umgerechnet über 4000 Fußballfelder, erstreckt sich im äußersten südwestlichen Zipfel Polens, unweit der Grenzen zu Deutschland und der Tschechischen Republik. Umweltexperten haben mittlerweile belegt, daß mit der massiven Naturzerstörung der Grundwasserspiegel in der Umgebung gesenkt wird. Leidtragende sind damit auch die tschechischen Bauern in der Grenzregion, was selbst die polnische Regierung nicht bestreitet. Weil der Kohletagebau ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor kurzem bis 2044 verlängert wurde, hat die Tschechischen Republik im März Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gegen Polen eingereicht. Die Richter stellten jetzt fest, daß Po-

Auf einer Fläche von über 4000 Fußballfeldern erstreckt sich der Kohletagebau Turów im Dreiländereck. len möglicherweise gegen EURecht verstoßen hat, und wiesen Warschau per einweiliger Verfügung an, die Produktion im Kohletagebau Turów sofort einzustellen, bis der Rechtsstreit zwischen der Tschechischen Republik und Polen in der Hauptsache entschieden ist. Doch Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki weigert sich, die EU-Entscheidung umzusetzen, und erklärte, sein Land werde „das falsche und ungerechte Urteil ignorieren“. Für die polnische Energieversorgung sei der Kohleabbau von

elementarer Bedeutung, erklärt die staatlich kontrollierte Betreiberfirma PGE. Demnach werden im Kohlekraftwerk Turów mit 2000 Megawatt knapp fünf Prozent des gesamten Energiebedarfs Polens produziert. Außerdem hängen 3500 Arbeitsplätze von dem Tagebau ab. Entsprechend gereizt reagiert man in Polen auf den Richterspruch. So demonstrierte die Gewerkschaft Solidarność für den Erhalt des Tagebaus und blokkierte zeitweise einen Grenzübergang. Und auch in den polnischen Medien ist der Ton ge-

genüber Prag harsch: So wirft die polnische Zeitung Rzeczpospolita der tschechischen Regierung vor, den Streit mit Blick auf die Parlamentswahlen im Herbst und auf Druck von Umweltorganisationen eskaliert zu haben. Die Zeitung sprach von „der größte Krise seit fast dreißig Jahren“ zwischen den beiden Nachbarn. Doch hinter den Kulissen wird offenbar zwischen Prag und Warschau heftig verhandelt. So berichten Medien mit Berufung auf polnische Regierungskreise, daß der tschechische Premierminister Andrej Babiš seinem pol-

nischen Amtskollegen Mateusz Morawiecki angeboten haben soll, die Klage im Gegenzug einer Zahlung von 45 Millionen Euro zurückzuziehen. Umweltschützer und Bewohner der Region reagierten entsetzt. „Die Klage fallen zu lassen, wäre eine Niederlage für die Anwohner, die durch den Bergbau Wasser verlieren und täglich mit Lärm und Staub von der herannahenden Mine konfrontiert sind“, sagt Nikol Krejčová, Koordinator der Kohlekampagne bei Greenpeace. Und stellvertretend für viele Bewohner in der Region erklärt Milan Starec aus dem Grottauer (Hrádek nad Nisou) Ortsteil Kohlige, der direkt an der Grenze und am Tagebau liegt: „Die gerichtliche Einstellung des Abbaus kam buchstäblich fünf Minuten nach zwölf Uhr. Einige Menschen in den umliegenden Dörfern leben in ständiger Angst um ihr Trinkwasser – vor allem diejenigen, die auf ihre Brunnen angewiesen sind. In der gemeinsamen Wasserquelle von Kohlige sinkt der Wasserspiegel jährlich um mehrere Meter, so daß das ganze Dorf auf einmal trocken fallen könnte.“Jaroslav Šonka Torsten Fricke

Ungemach für den Regierungschef: Tschechische Polizei empfiehlt der Staatsanwaltschaft, Anklage wegen Subventionsbetrugs zu erheben

Agrofert muß den Einfluß von Babiš offenlegen

Justiz ermittelt wegen sexueller Nötigung S. 4

KURSE

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chen und Deutsche die Strecke in umgekehrter Richtung als Zeichen der Völkerverständigung bewältigen. Unter den Teilnehmern wird auch eine Delegation der Landesgruppe Bayern sein. Anmeldedetails im Veranstaltungskalender auf Seite 4.

Seit 1. Juni ist in der Tschechischen Republik ein Gesetz in Kraft, das Unternehmen zwingt, ihre wahren Eigentümer offenzulegen. Premierminister Andrej Babiš, der wegen seiner Verbindungen zum Konzern Agrofert seit langem in der Kritik steht, spricht von einer „Lex Babiš“.

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s wird immer enger für den Regierungschef, obwohl er mit seinem Amtsantritt seinen Milliardenkonzern Agrofert an zwei Treuhänder übergeben hatte, damit das Unternehmen weiter Subventionen von der Europäischen Union beziehen kann.

Im Zuge der am 1. Juni in Kraft getretenen neuen Transparenzregel mußte Agrofert-Sprecher Karel Hanzelka jetzt offiziell einräumen, daß Babiš zu den Eigentümern des Konzerns gehört. Neues Ungemach droht Babiš auch im Fall „Storchennest“, der sich seit Jahren hinzieht. Das Verfahren wegen Subventionsbetrugs war bereits von den Ermittlungsbehörden eingestellt, dann aber auf Druck des Generalstaatsanwalts Pavel Zeman wieder aufgenommen worden. Nach erneuten Ermittlungen hat die Polizei den Fall jetzt wieder an die Staatsanwaltschaft mit

der Empfehlung weitergeleitet, Anklage gegen den Regierungschef zu erheben. Doch ob die Staatsanwaltschaft diesem Rat folgt, ist fraglich, zumal Generalstaatsanwalt Zeman wegen des zunehmenden politischen Drucks vor Tagen seinen Rücktritt bekannt gegeben hat (Sudetendeutsche Zeitung berichtete). Möglich ist aber, daß „Storchennest“ auch das Interesse der neu gegründeten EU-Staatsanwaltschaft weckt, die am 1. Juni ihre Arbeit aufgenommen hat. Eine der Aufgaben: Ermittlungen von Subventionsbetrug. JŠ/TF

Das Resort Čapí Hnízdo, auf deutsch „Storchennest“, befindet sich 70 Kilometer südlich von Prag und ist ein Golf- und Kongreßzentrum.


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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er Parlamentsabgeordnete der christlich-demokratischen Fraktion (KDU-ČSL), Jan Čižinský (auf dem Bild rechts), ist den Leser der Sudetendeutsche Zeitung als engagierter Bürgermeister des Prager Stadtteils 7 bekannt, zu dem auch Holeschowitz gehört. Hier lebte bis zur Vertreibung eine große Zahl der Prager

PRAGER SPITZEN Lohnwachstum hat sich verlangsamt

Deutschen. Čižinský ist außerdem Stellvertreter des Prager Oberbürgermeisters. Die Zusammenarbeit mit dem Leiter des Prager Sudetendeutschen Büros, Peter Barton (auf dem Bild links), besteht seit mindestens einem Jahrzehnt. Barton besuchte den langjährigen Freund der Sudetendeutschen im Prager Rathaus.

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Nach mehreren Vorwürfen der sexuellen Nötigung muß Dominik Feri von allen Ämtern zurücktreten

Abruptes Karriereende für den politischen Senkrechtstarter Er war das Aushängeschild der Partei TOP 09: Dominik Feri schaffte mit 21 Jahren als jüngster Abgeordneter den Einzug ins tschechische Parlament. Der Sohn tschechisch-äthiopischer Eltern war der schwarze Abgeordnete im Unterhaus. Und mit über eine Million Followern bei Instagram diente er vor allem der tschechischen Jugend als Vorbild – alles aus und vorbei.

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ank Feris enormer Reichweite in den sozialen Medien war es ihm bei den Wahlen 2017 gelungen, sich vom hintersten Listenplatz direkt ins tschechische Parlament wählen zu lassen. Bereits drei Jahre zuvor war Feri in Teplitz-Schönau mit knapp 18 Jahren als jüngster Kommunalpolitiker des Landes in den Stadtrat eingezogen. Feri sei „ein nordböhmischer Patriot mit afrikanischen Wurzeln, gesamteuropäischem Ausblick und einer Vorliebe für mährische Weinfeste“ charakterisiert ihn die taz und ergänzt: „Sein sorgsam gepflegtes Image als pfeiferauchender Dandy in Tweed und sein unübersehbarer Afro sind seine Markenzeichen.“ In der vergangenen Woche löste sich diese Fassade in Staub auf. Feri mußte sein Abgeordnetenmandat niederlegen und wird auch im Oktober nicht erneut bei den Parlamantswahlen kandidieren. Am Freitag gab Feri zudem seinen Austritt aus der Partei bekannt und kam damit einem Ausschluß zuvor. Ausgelöst hatten diesen tiefen Fall zwei Medienberichte. Die Tageszeitung Denik N und das linke Webportal Alarm warfen Feri vor, mehrere Abiturientinnen und Studentinnen belä-

Trat von allen Ämtern zurück: Dominik Feri. stigt und sexuell genötigt zu haben. In zwei Fällen steht sogar der Vorwurf der Vergewaltigung im Raum. Beide Medien beriefen sich auf Aussagen von Zeuginnen, die aber nicht namentlich genannt wurden. Die Vorfälle sollen sich zwischen 2015 und 2020 ereignet haben, als Feri an der Juristischen Fakultät der Karls-Universität in Prag studierte. Feri bestreitet die Vorwürfe, hat sich aber bereits öffentlich

für sein „möglicherweise unangemessenes oder unpassendes Verhalten“ entschuldigt. Während der ehemalige Politstar außerdem ankündigte, gerichtlich gegen die Vorwürfe vorzugehen, meldeten sich zwischenzeitlich immer mehr junge Frauen und auch ehemalige Kommilitonen bei den Medien und berichteten übereinstimmend, daß Feris Sexualverhalten ein offenes Geheimnis an der Jurafakultät gewesen sei.

„Als ich gestern die Enttäuschung in seinen Augen sah, tat mir mein Sohn leid. Er liebte Feri, er hielt ihn für einen Kämpfer. Man konnte sehen, wie sehr er sich wünschte, daß es nicht wahr wäre. Jedenfalls ist das eine gute Gelegenheit, ein ordentliches Beziehungsgespräch zu führen. Darüber, daß ,Nein‘ nein bedeutet. Wenn jemand dem anderen sagt, daß er etwas nicht will, kann man es eben nicht mit Gewalt oder Drohungen erzwingen.“ Schriftstellerin Iva Hadj Moussa auf Facebook

„Wir betrachten die Informationen über Dominic Feri, die in den Medien erschienen sind, als sehr ernst. Wir halten die Vorwürfe und Handlungen, die ihm zugeschrieben werden, für inakzeptabel, nicht nur für Beamte, sondern auch für jeden anderen“, distanzierte sich der Vorstand von TOP 09 nach einer außerordentlichen Sitzung deutlich von Feri. Auch die Fakultätsleitung hält die Vorwürfe für „sehr schwerwiegend“. Laut Dekan Jan Kuklik hat die Fakultät aber nicht die Mittel, selbst eine Untersuchung durchzuführen, und da Feri bereits seinen Abschluß gemacht hat, könne sie keine disziplinarischen Maßnahmen gegen ihn ergreifen. In die öffentlichen Kritik geriet derweil auch Feris Mentor Karl Schwarzenberg. Der ehemalige TOP 09-Vorsitzende hatte von einer „heuchlerischen Empörung“ gesprochen und politische Taktik hinter den Veröffentlichungen vermutet. „Es scheint mir, daß die Piraten dahinterstekken. Es sind noch ein paar Monate bis zu den Wahlen, und Dominik Feri war ihr größter Konkurrent. Das kommt mir verdächtig vor“, zitierte die Tageszeitung Právo Karl Schwarzenberg. Für Feri ist jetzt die Dokumentarfilmerin Olga Sommerová ins tschechische Unterhaus eingezogen. Und als Favorit auf Feris zweiten Platz auf der Prager Wahlliste der Koalition Together (ODS, KDU-ČSL und TOP 09) gilt Michal Zuna, ein Stadtrat von Prag 2. Mittlerweile wurde bekannt, daß nach den Presseberichten die Justiz Ermittlungen gegen Feri aufgenommen hat. JŠ/TF

Wanderausstellung „Gerettete Denkmale – Zeugen der deutschen Kulturgeschichte in der Tschechischen Republik“

St.-Anna-Kapelle in Mährisch Pilgersdorf „Gerettete Denkmale – Zeugen der deutschen Kulturgeschichte in der Tschechischen Republik“ lautet der Titel einer Wanderausstellung, die pandemiebedingt derzeit nicht öffentlich gezeigt werden kann.

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ie St.-Anna-Kapelle in Mährisch Pilgersdorf gehörte ursprünglich zu einem Barockschloß, das heute im polnischen Teil des Dorfes liegt. Die Geschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als an dieser Stelle wahrscheinlich eine befestigte Burg stand, die in den Jahren 1660 bis 1690 zu einem Schloß umgebaut wurde. Bis 2015 gehörte die Kapelle zu einem staatlichen Landwirtschaftsbetrieb und befand sich in einem schlechten Zustand. Türen und Gitter waren nicht mehr vorhanden. Das Mauerwerk sowie das Gewölbe waren durch zahlreiche Risse beschädigt, und das Dach war provisorisch mit Pappe bedeckt. In den Jahren 2016 und 2017 wurde die Kappelle saniert. Seitdem finden hier wieder Prozes-

Zielort von Prozessionen: die St.-Anna-Kapelle in Mährisch Pilgersdorf.

sionen statt, und auch Touristen besuchen die Kapelle. Im Frühjahr 2020, während des ersten Corona-Lockdowns, hatte hier die polnische Armee einen Stützpunkt aufgebaut, um die Grenze abzuriegeln. Dabei wurde es zunächst auch tschechischen Bürgern untersagt, die Kapelle zu besuchen. Erst nach einer Intervention durch das tschechische Außenministerium wurde die Situation geklärt, und die Kapelle ist seitdem wieder frei zugänglich. Die Wanderausstellung „Gerettete Denkmale“ wird von der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Christina Meinusch, unterstützt. Wenn Sie die Ausstellung in Ihrer Region zeigen wollen, wenden Sie sich bitte an meinusch@sudeten.de

as durchschnittliche Lohnwachstum in der Tschechischen Republik hat sich im ersten Quartal dieses Jahres auf 2,7 bis 4,6 Prozent verlangsamt, hat die Tschechische Presseagentur mit Berufung auf befragte Analysten berichtet. Nach Berücksichtigung der Inflation dürften die Durchschnittslöhne um 0,5 bis 2,4 Prozent gestiegen sein. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres betrug der Durchschnittslohn 38 525 CZK, also rund 1 512 Euro. Die offiziellen Zahlen gibt das tschechische Statistikamt am 4. Juni bekannt.

Tschechische Bergsteiger gerettet

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ergdrama am knapp über 7 100 Meter hohen Baruntse, einem der prächtigsten Siebentausender Nepals. Nach dem Erreichen des Gipfels waren die beiden tschechischen Bergsteiger Marek Holeček und Radoslav Groh beim Abstieg in einen Schneesturm geraten und hatten vier Tage lang im einem Notbiwak auf 7000 Metern Höhe ausharren müssen. Erst nach einer kurzen Wetterbesserung konnten die beiden 1000 Höhenmeter absteigen und von einem Hubschrauber gerettet werden. „Sie sind erschöpft, aber wohlauf“, meldeten ihre Unterstützer aus dem Basiscamp.

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Drei Preise für Lenka Dusilová

enka Dusilová, Sängerin und Komponistin, ist für ihr Album „Řeka“ bei den AndělMusikpreisen der Tschechischen Musikakademie (ČHA) in den drei Kategorien Album, Solokünstler und Komposition ausgezeichnet worden. Außerdem wählte die Akademie Robert Christian in die Anděl Awards Hall of Fame. Die Preisverleihung war live im tschechischen Fernsehen übertragen worden.

Immobilienpreise steigen weiter an

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ohnen wird immer teurer: So sind die Preise für Wohnimmobilien in der Tschechischen Republik von 1998 bis Ende 2019 durchschnittlich um das 4,25-Fache gestiegen, hat das Tschechische Statistikamt (ČSÚ) mitgeteilt. Spitzenreiter seien Prag und Mittelböh-

men mit dem Faktor 5,25. Am geringsten war die Steigerung in der Region Aussig, wo sich die Preise für Immobilien im selben Zeitraum nur verdoppelt haben. Nach Angaben des ČSÚ gab es seit 1998 drei signifikante Preissteigerungen. Die erste erreichte ihren Höhepunkt Mitte 2003 im Zusammenhang mit dem Beitritt zur Europäischen Union im Mai 2004. Nach der Bewältigung der Finanzkrise zogen die Preise ebenfalls deutlich an. Und von 2016 bis Ende 2019 beschleunigte sich der Preisanstieg auf durchschnittlich 10,7 Prozent.

30,4 Mio. CZK für Toyen-Gemälde

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eure Kunst: Das Gemälde „Night Celebration (Fireworks)“ der Malerin Toyen wurde bei einer Auktion in Prag für 30,4 Mio. CZK (umgerechnet knapp 1,2 Mio. Euro) verkauft. Der Käufer wird dafür 36,48 Mio. CZK einschließlich des Auktionszuschlags bezahlen. Es ist das dritteuerste Werk eines Avantgarde-Künstlers, das bei einer inländischen Auktion verkauft wurde. Der Anfangspreis des Werkes betrug 20 Mio. CZK. Das teuerste Toyen-Gemälde, das seit April dieses Jahres auf tschechischen Auktionen verkauft wurde, ist „Circus“, für das der neue Besitzer einen Endpreis von 79,56 Mio. CZK (3,1 Mio. Euro) bezahlte. In der Liste der teuersten Gemälde, die auf Auktionen in der Tschechischen Republik verkauft wurden, belegt es den zweiten Platz hinter František Kupkas „Divertimento II“, das im vergangenen Jahr für 90,24 Mio. CZK (3,5 Mio. Euro) verkauft wurde.

Gesundheitsminister entlastet sich selbst

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as Gesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben bei der Überprüfung des Universitätsklinikums im Prager Stadtteil Königliche Weinberge keine Auffälligkeiten festgestellt. Die Buchprüfung war vom ehemaligen Minister Jan Blatný in Auftrag gegeben, aber erst unter der Leitung seines Nachfolgers Petr Arenberger durchgeführt worden, der mittlerweile ebenfalls zurücktreten mußte (Sudetendeutsche Zeitung berichtete). Pikant ist, daß Arenberger vor seinem Ministeramt Direktor des Klinikums war und die Prüfung maßgeblich dafür ist, ob er in diese Position zurückkehren kann.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß: Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in Teplitz-Schönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten dazu im Internet unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


In Deutschland kennt man sie aus der Krimiserie „Soko“. In Hollywood stand sie jetzt für den mit zwei Oscars ausgezeichneten Kinofilm „Mank“ vor der Kamera. Doch Monika Gossmann ist mehr als eine erfolgreiche Schauspielerin. Die in Alma-Ata geborene Künstlerin und Hochschullehrerin beschäftigt sich intensiv mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“. Derzeit schreibt sie ein Drehbuch, um anhand der eigenen Familiengeschichte an das Schicksal vieler Deutscher zu erinnern.

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AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

Interview mit Hollywood-Star Monika Gossmann über die Oscar-Verleihung, Rußland und ihr Vertreibungsprojekt

„Nur wer seine Wurzeln kennt, kann kreativ sein“

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rau Gossmann, Sie spielen auch in Krimis mit. Lassen Sie uns deshalb dieses Interview mit einer Standardfrage eines jeden TV-Kommissars beginnen: Wo waren Sie in der Nacht vom 25. auf den 26. April 2021? Monika Gossmann: Ich war in Alma-Ata und hatte einen Nachtdreh. Als ich wieder ins Hotel zurückkam, war es in Kasachstan sechs Uhr morgens und in Hollywood startete gerade die OscarVerleihung. Als David Fincher nicht den Oscar für die beste Regie bekommen hat, bin ich frühstücken gegangen. Er hat soviel für die Filmwelt geleistet und hätte ihn mehr als verdient gehabt. Als ich vom Frühstück wieder zurückgekommen bin, habe ich mich über die Oscars gefreut, die unser Film „Mank“ dann doch noch bekommen hat. Machen wir einen Sprung zurück. Sie sind in Alma-Ata geboren. Wo sind Ihre Wurzeln? Gossmann: Ich bin 1981 in Kasachstan geboren, spüre aber, daß meine Wurzeln weit vor diese Zeit hineinreichen. Wenn ich im Flieger nach Deutschland sitze, kehrt bei mir eine gewisse Ruhe ein. Beim Anflug von Moskau ist das völlig anders, obwohl ich in Rußland arbeite und gut behandelt werde. An der Universität in Florida beschäftige ich mich mit Somatik. Es geht darum, inwieweit die Herkunft unserer Vorfahren uns körperlich und emotional beeinflußt. Ich glaube, daß Heimat auch ein Gefühl ist, auch wenn man dort nicht geboren wurde. Was bringen Sie Ihren Schauspiel-Studenten in Florida bei? Gossmann: Ich lehre Wahrnehmung. Unsere Arbeit am Institut in Florida basiert dabei auf den Erkenntnissen von Carl Gustav Jung, dem Begründer der analytischen Psychologie innerhalb der Tiefenpsychologie und einem der Weggefährten von Sigmund Freud. Ich bringe meine Studenten dazu, ihr eigenes Ich zu spüren. Das ist die Grundlage, um später im Theater oder vor der Kamera wirklich eine Rolle spielen zu können. Wer als Schauspieler in die Psyche eines anderen schlüpfen will, muß zunächst die eigene Psyche kennen. Diese Reise ins eigene Ich gilt es professionell zu begleiten, um nicht versteckte Traumata auszulösen. So ein Trauma könnten Flucht und Vertreibung sein? Gossmann: Ja, und zwar nicht nur für die direkt Betroffenen, für die Erlebnisgeneration. Auch die Nachfahren spüren, was ihren Familien widerfahren ist. Wie war es bei Ihrer Familie? Gossmann: Meine beiden Großmütter waren Ukrainedeutsche, sprachen aber einen schwäbischen Dialekt. Meine Großväter waren Wolgadeutsche,

Zur Person: Monika Gossmann Geboren am 10. Dezember 1981 in Alma-Ata in Kasachstan. Vorfahren waren Deutsche, die im 18. Jahrhundert unter der Zarin Katharina II. nach Rußland gekommen waren. Während der Stalin-Herrschaft Zwangsumsiedlung nach Sibirien. Nach dem Abitur Ausbildung als Sängerin, Tänzerin und Musikerin an der Contemporary Dance School in Hamburg. 2007 Abschluß an der Moskauer Kunsttheaterschule von Stanislavsky. Filmographie (Auswahl) 2010: SOKO Wismar; 2013: Mission Backup Earth; 2014–2019: Jekaterina (vierteilige TV-Serie); 2017: Anna Fucking Molnar (Kino); 2018: Unforgiven (Kino); 2020: Die Känguru-Chroniken (Kino), 2020: Mank (Kino). Seit 2019 Assistenz-Professorin für „Somatik im Theater“ am College of the Arts der University of Florida. Weitere Lehrtätigkeiten unter anderem in Berlin, Kopenhagen und Moskau. Gossmann ist seit 2007 mit dem russischen Schauspieler Anton Pampushnyy (39) verheiratet und lebt in Berlin. Das Paar hat einen Sohn (4).

Monika Gossmann wurde in Alma-Ata geboren und lebt heute in Berlin. die von Stalin nach Sibirien verschleppt wurden. Meine Großmütter sind mit dem Rückzug der Wehrmacht zunächst nach Deutschland gekommen. Nach Kriegsende wurden vor allem Frauen und Kinder von den Alliierten in Eisenbahnwagons gesteckt und zurück gen Osten

Wer sich dem Transport entzog, wurde erschossen transportiert, allerdings nicht in ihre Heimatdörfer, sondern in eine menschenfeindliche Gegend am Weißen Meer, das so heißt, weil dort fast immer Winter ist. Der Bruder meiner Oma wollte sich diesem Transport entziehen und wurde erschossen. Am Weißen Meer wurden die Menschen einfach ausgesetzt. Viele sind dann an Hunger oder Kälte gestorben, wie die Schwester

meines Opas. Und die, die überlebt haben, besaßen nur das, was sie am Körper trugen. Stalins Nachfolger Nikita Sergejewitsch Chruschtschow öffnete dann die Gulags, auch weil er der amerikanischen Landwirtschaft mit der Bewirtschaftung großer Feldern nacheifern wollte und für die Kolchosen landwirtschaftliche Arbeitskräfte brauchte. Meine Großväter und meine Großmütter durften daraufhin nach Kasachstan ziehen, wo das Leben einfacher war als in Sibirien oder am Weißen Meer. Da haben sie sich dann kennengelernt, genauso wie später meine Eltern. Nach meiner Geburt sind wir dann von Alma-Ata nach Tadschikistan gezogen, weil mein kleiner Bruder an Asthma litt und das feuchtwarme Klima in Kasachstan für ihn eine Belastung war. Was haben Ihre Eltern gemacht?

Gossmann: Die beiden sind für mich die größten Helden. Obwohl bis 1978 Deutschstämmige eigentlich nicht studieren durften, hat mein Vater es geschafft, Augenarzt zu werden, und meine Mutter Lehrerin. Sie haben sich trotzdem nie angepaßt. So erhielt ich den typisch deutschen Vornamen Monika und wurde auch noch heimlich getauft. Sie haben

sich jahrelang um eine Ausreisegenehmigung bemüht, als dann 1988 endlich die Zusage kam, sind wird sofort nach Deutschland gegangen. Hatten Sie Probleme, in Deutschland Fuß zu fassen? Gossmann: Ich nicht. Ich war sechs Jahre alt. Meine Oma hatte immer mit mir in ihrem Wolgadeutsch gesprochen, und mit der

93. Academy Awards am 25. April 2021 in Los Angeles

„And the Oscar goes to ... Mank!“

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Monika Gossmann als „Fräulein Frieda“ in dem Film „Mank“.

ei der 93. Verleihung der Academy Awards war „Mank“ in zehn Kategorien nominiert. Am Ende gab es zweimal den Oscar – für die beste Kamera sowie für das beste Produktionsdesign. Der Film unter der Regie von David Fincher erzählt die wahre Geschichte des Hollywood-Drehbuchautors Herman J. Mankiewicz, gespielt von Gary Oldman, und dessen Streitigkeiten mit Regisseur Orson Welles über das Drehbuch für „Citizen Kane“ aus dem Jahr 1941.

Das Filmplakat von „Mank“.

Einschulung habe ich die Sprache sehr schnell gelernt. Mein Vater hatte größere Probleme, auch, weil seine Qualifikation als Augenarzt immer wieder hinterfragt wurde. Er mußte dann die Facharztprüfung wiederholen, hat sich aber auch in diesem Punkt durchgebissen. Deutschland ist auf der ganzen Welt für seine Bürokratie berühmt-berüchtigt. Können Sie das bestätigen? Gossmann: Deutschland hat viele guten Seiten, aber die Bürokratie gehört sicherlich nicht dazu. Ich habe erst dieser Tage wieder ein Schreiben vom Bürgeramt bekommen, ich solle meine zweite Staatsbürgerschaft nachweisen, die sowjetische. Aber an wen soll ich mich da wenden? An die russische Botschaft? Ich kam als Kind nach Deutschland und hatte nie einen sowjetischen Paß. Werden Sie in Deutschland als Deutsche wahrgenommen? Gossmann: Wenn es um Filmrollen geht, werde ich in Deutschland immer als „Die Russin“ besetzt, obwohl ich überhaupt keine russischen Vorfahren habe. Dagegen engagiert man mich in Amerika als „Die Deutsche“, so wie jetzt in „Mank“. Und in Rußland finden die Filmagenten, daß ich überhaupt nicht russsisch aussehe, und buchen mich als „Die Europäerin“. Sie wollen nicht nur vor der Kamera stehen, sondern einen eigenen Film realisieren. Um welches Thema geht es? Gossmann: Um Flucht und Vertreibung. Jeder vierte Deutsche ist davon in irgendeiner Form betroffen, aber über das Thema wird in der breiten Öffentlichkeit nicht groß geredet. Ich beneide da die Sudetendeutschen, die seit über sieben Jahrzehnten eine echte Gemeinschaft sind, immer wieder an ihre Vertreibung erinnern, aber auch Brücken der Völkerverständigung in die Tschechische Republik bauen. Ich möchte das Thema anhand meiner Familie erzählen. Deren Geschichte soll stellvertretend für die vieler Millionen Schicksale stehen. Wie weit sind Sie mit Ihrem Drehbuch? Gossmann: Ich bin derzeit am Schreiben und plane, das Manuskript bis zum Sommer fertig zu haben. Dann hoffe ich, daß ich eine Filmproduktion für das Thema begeistern kann. Dabei wird mich der Internationale Verband der Rußlanddeutschen unterstützen. Im August, zum 80. Gedenktag der Vertreibung der Rußlanddeutschen, möchte ich gerne eine erste Lesung machen. Sie pendeln von Ihrer Walheimat Berlin zwischen den Welten, haben einen Sohn und sind verheiratet. Sie lehren in Florida, stehen als Schauspielerin in Hollywood, Rußland und Deutschland vor der Kamera. Warum beschäftigen Sie sich trotzdem so intensiv mit der eigenen Familiengeschichte? Gossmann: Nur wer seine Wurzeln kennt, kann kreativ sein. Ich bin überzeugt, daß unsere Herkunft eine große Wirkung auf alles hat, was uns ausmacht. Ich finde es wichtig, diese Erfahrungen an die nächsten Generationen weiterzugeben. Ohne Vergangenheit gibt es keine Gegenwart und keine Zukunft. Das Thema Flucht und Vertreibung ist deshalb für mich hoch aktuell. Torsten Fricke

Meinungsumfrage nach den Ermittlungsergebnissen im Fall der Bombenanschläge auf ein Munitionsdepot bei Wirbietitz

Mehrheit der Tschechen begrüßt Sanktionen gegen Rußland

Steht wegen seiner pro-russischen TV-Ansprache in der Kritik: Staatspräsident Miloš Zeman.

Vertrauen in die eigene Regierung: 45 Prozent der tschechischen Bürger glauben der Regierung und den Sicherheitsbehörden, daß russische Agenten hinter den Bombenanschlägen auf ein Munitionsdepot bei Wirbietitz im Jahr 2014 stecken. ie im April bekannt gewordenen Ermittlungsergeb-

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nisse hatten zu einem Zerwürfnis zwischen der Tschechischen Republik und Rußland geführt. So hatte Prag umgehend 18 russische Diplomaten außer Landes verwiesen und die Nato-Partner um Solidarität gebeten. Laut der Meinungsumfrage von Data Collect, die jetzt im Tschechischen Fernsehen veröf-

fentlicht wurde, befürworten 54 Prozent der Bürger diese Maßnahmen gegen Rußland. 35 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten keine Meinung, wer hinter den Anschlägen stecke. Und 20 Prozent zweifelten daran, daß die Attentäter im Auftrag des russischen Geheimdienstes GRU gehandelt haben.

Deutliche Kritik übte die Mehrheit der tschechischen Bürger an Staatspräsident Miloš Zeman, dem ein enges Verhältnis zu Rußland nachgesagt wird. Zeman hatte zu den Ermittlungsergebnisse erst tagelang geschwiegen und dann in einer TV-Ansprache öffentlich Zweifel an den Ermittlungsergebnissen

geäußert. 50 Prozent der Befragten erklärten, Zeman habe damit gegen die Interessen der Tschechischen Republik gehandelt, 38 Prozent sahen das nicht so. Während nur ein Viertel die Rede als staatsmännisch und der Situation angemessen bezeichnete, meinten mehr als 60 Prozent, das Gegenteil sei der Fall. JŠ/TF


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TERMINE . AKTUELL

Stadtmuseum München

SL-Preisträger Setzwein lädt zur Premiere „Großmutter, das Viruserl und die Zukunft“ heißt das neue Marionettentheaterstück von SL-Kulturpreisträger Bernhard Setzwein, das am 16. Juni im Münchner Stadtmuseum Premiere hat.

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emeinsam mit dem traditionsreichen Marionettentheater Bille greift der Autor die alles beherrschende Corona-Debatte in überraschender, ungewöhnlicher Form auf: als Kasperliade mit Spott und Humor, frechem Wortwitz, aber auch Ernst und tiefgreifender Kritik. Karten für die Premiere und die weiteren Vorstellungen sind über München Ticket erhältlich.

Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, gedachte des Heiligen

Nepomuk-Jubiläum: Brücken statt Grenzen

Mit der Aktion „Bayern und Böhmen – Brücken statt Grenzen!“ hat Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, auf den 300. Jahrestag der Seligsprechung des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk hingewiesen, der Schutzpatron der beiden Länder Bayern und Böhmen ist und in weiten Teilen Mitteleuropas verehrt wird.

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ie Teilnehmer versammelten sich vor der Statue Nepomuks auf der Brücke am Klostertor der oberpfälzischen Stadt

Neumarkt und entzündeten dort eine sudetendeutsche Wallfahrtskerze der traditionsreichen Lebzelterei und Oblatenfabrik Wetzel aus Dillingen. Posselt nannte den Märtyrer aus dem 14. Jahrhundert sowohl ein Symbol der Völkerverständigung als auch ein Sinnbild der Menschenrechte. Eine wechselvolle Geschichte habe den Menschen diesseits und jenseits der bayerisch-böhmischen Grenze tiefe Wunden geschlagen, die jetzt während der Pandemie durch die Grenzschließungen und viel neues Mißtrauen wieder aufgeris-

Beschluß- und Anordnungsblatt der SL

Sudetendeutsche Bundesversammlung Briefwahlergebnisse der zu kooptierenden Mitglieder der erweiterten XVII. Bundesversammlung der SL. Dr. Raimund Paleczek

Horst Adler

Hans Georg Pieke

Peter Pawlik

Ackermann-Gemeinde Adalbert Stifter Seniorenwohnen

Anna Knechtel M.A. Adalbert Stifter Verein

Bruno Klemsche AK jüngere SD BaWü

Gudrun Heißig

AK Sudetendeutscher Akademiker

Helmut Hahn BdEG

Johann Slawik Böhmerwaldbund

Dr. Rudolf Landrock BRUNA

Wilhelm Rubick Egerer Landtag

Dr. Martin Posselt

Gablonzer Archiv und Museum

Dekan Siegfried Weber Glaube und Heimat

Günter Thiel HG Brüx

Peter Jurenda HK Bärn

Dr. Jörg Michel

HK Mährisch Schönberg

HV Asch

HV Bischofteinitz

Erik Buchholz HV Braunau

Dr. Pia Eschbaumer HV Karlsbad

Dr. Ralf Heimrath HV Plan-Weseritz

Edmund Schiefer HV Prachatitz

Volker App

HV Südmähren

Rosina Reim HV Wischau

Gerhard Hermann Paneuropa-Union

Friedrich Eigel

Schönhengster Heimatbund

Albrecht Schläger Seliger-Gemeinde

Prof. Dr. Stefan Samerski

Sudetendeutsche Akademie

Christa Naaß

Sudetendeutscher Rat

Reinhold Erlbeck

Sudetendeutsches Institut

Edith Mages

Monsignore Dieter Olbrich

Christiane Binder

Reinfried Vogler

HK Mies-Pilsen

HK Podersam-Jechnitz

Alois Harasko HKV Südböhmen

Sudetendeutsches Priesterwerk Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk

Günther Wytopil

Verein der Adlergebirgler

BUNDESVERSAMMLUNG

Samstag, 26. Juni, bis Sonn-

tag, 27. Juni, Sudetendeutsche

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4.6.2021

Bundesversammlung in München.

sen worden seien. Damit gewinne Johannes von Nepomuk als einer der populärsten Heiligen Europas, dessen Statuen weite Landstriche und dort vor allem Brücken zieren, eine neue, brennende Aktualiät. Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, daß mit der „möglicherweise diesen Sommer zu erwartenden Seligsprechung des französischen Gründervaters der europäischen Einigung, Robert Schuman, zu Johannes von Nepomuk noch ein Brückenbauer des 20. Jahrhunderts hinzutritt“.

Auf der Brücke vorm Neumarkter Klostertor (v. r. n. l.): Bernd Posselt, Stephanie Waldburg und Johannes Kijas.

VERANSTALTUNGSKALENDER   Donnerstag, 17. Juni, 9.30

Uhr, SL Ortsgruppe Königsbrunn / Wehringen / Klosterlechfeld: Mitgliedertreff. 9.30 Uhr: Heimatstüble im Lechfeld-Museum Königsbrunn. 10.30 Uhr: Treff beim Sudetendeutschen Mahnmal am Friedhof Königsbrunn. 11.00 Uhr: Sitzung im Gasthof „Krone“ in der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße 44 in 86343 Königsbrunn. 13.30 Uhr: Besuch des Museums Schlacht auf dem Lechfeld beim Gymnasium Königsbrunn. Anmeldung bis spätestens 10. Juni bei Obmann Kurt Aue, Telefon (08 21) 8 85 37 56 oder eMail sudetenaue@koenigsau.de   Freitag, 18., bis Sonntag, 20. Juni, Paneuropa-Union Deutschland: Paneuropa-Tage in Trier, Echternach und Schengen unter der Schirmherrschaft von Jean-Claude Juncker, ehemaliger Präsident der EU-Kommission, mit Festabend, Hauptkundgebung, Gottesdiensten und Delegiertenversammlung. Festredner sind neben Juncker der Präsident der PaneuropaUnion Deutschland, Bernd Posselt, der österreichische Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Othmar Karas, und der Internationale Präsident der Paneuropa-Union, Alain Terrenoire. Die 47. Paneuropa-Tage stehen unter dem Motto „Europa gestalten, nicht bloß verwalten“. Programm und Anmeldung unter www.paneuropa.org   Samstag, 19. Juni, 9.00 Uhr, Ackermann-Gemeinde Bistum Bamberg: „Verfolgte Christen in der Welt –Herausforderung für uns?“ – Studientag mit Bischof Bertram Meier (Augsburg), Zeit-Redakteur Ulrich Ladurner und weiteren Referenten in Nürnberg, Caritas-Pirckheimer-Haus, Königstraße 64. Anmeldung: Akademie CPH, Königstraße 64, 90402 Nürnberg, Telefon (09 11) 2 34 61 45, eMail akademie@cph-nuernberg.de Samstag, 19. Juni, 10.30 Uhr, SL-Landesgruppe Bayern: Landesfrauentagung 2021 in Regensburg, Kolpinghaus, AdolphKolping-Straße 1. Mittwoch, 7. Juli, 15.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn / Wehringen / Klosterlechfeld: Mitgliederversammlung in der Gemeindehalle Wehringen. Samstag, 10. Juli, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn / Wehringen / Klosterlechfeld: Muttertagfeier (Wir feiern auch die Väter), Fischerheim Wehringen, In der Aue 5. Aufgrund der Corona-Pandemie ist der traditionell für Pfingsten terminierte Sudetendeutsche Tag in diesem Jahr auf Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Juli, verschoben worden. Neuer Austragungsort ist die Landeshauptstadt München mit dem Sudetendeutschen Museum.

Aufgrund der Corona-Pan-

Dienstag, 8. Juni, 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr: „Flucht. Eine Menschheitsgeschichte. Veranstaltung mit dem Historiker Dr. Andreas Kossert“, Online-Seminar auf Zoom.

Dienstag, 15. Juni, 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr: „Das Prager Blutgericht von 1621 – Vorgeschichte und Folgen.“ Gespräch mit dem Historiker Professor Dr. Winfrid Halder. Online-Seminar auf Zoom. Wer Prag schon besucht hat, dürfte auch die 27 Kreuze gesehen haben, die auf dem Altstädter Ring zwischen Rathaus und Teynkirche im Pflaster erkennbar sind. An dieser Stelle wurden am 21. Juni 1621 – vor 400 Jahren also – die Anführer des gescheiterten „Böhmischen Aufstandes“ hingerichtet. Begonnen hatte dieser mit dem „Fenstersturz“ dreier kaiserlicher Beamter auf der Prager Burg am 23. Mai 1618. Der Versuch des überwiegend protestantischen böhmischen Adels, die ungeliebte Herrschaft der katholischen Habsburger-Dynastie abzuschütteln, wurde mit militärischen Mitteln vereitelt. Ferdinand II. behauptete die böhmische Krone, ließ die Protagonisten des Aufstandes enthaupten und sicherte so die Herrschaft der Habsburger über Böhmen letztlich bis 1918. Das „Prager Blutgericht“ von 1621 steht für eine frühe Etappe des Dreißigjährigen Krieges, der über Prag und seine Umgebung noch viel mehr Bild: bpk Unheil bringen sollte. Die Teilnahme ist kostenfrei. Weitere Hinweise und Anmeldung auf der Webseite www.heiligenhof.de. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

Veranstaltungen Anfang Juni

Von Gerhart Hauptmann bis zu Fürstenhäusern HDOnline direkt: 6. Juni, 10.00 Uhr: „Zum 75. Todestag Gerhart Hauptmanns: ,Wiesenstein‘ (2018)“. Aus Anlaß des 75. Todestages des Schriftstellers führt Paul Hansel, Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Kulturwerk Schlesien, ein Gespräch mit Hans Pleschinski über dessen Roman „Wiesenstein“. In diesem literarischen Werk erzählt der Autor vom letzten Lebensjahr des schlesischen Literaturnobelpreisträgers in dessen Anwesen im Hirschberger Tal.

HDOnline direkt: 10. Juni, 19.00 Uhr: „Von Gisela von Ungarn zu Hedwig Jagiellonica – Dynastische Verbindungen zwischen Fürstenhäusern im Heiligen Römischen Reich und den östlichen Nachbarreichen vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit“ Referent: Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des HDO. Veranstaltungsort: Online und Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg, 5, 81669 München. Anmeldung: Telefon (0 89) 44 99 93 0 oder eMail poststelle@hdo.bayern.de

demie ist der traditionell für Pfingsten terminierte Sudetendeutsche Tag in diesem Jahr auf Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Juli, verschoben worden. Neuer Austragungsort ist die Landeshauptstadt München mit dem Sudetendeutsche Museum. Samstag, 17. Juli, oder Sonntag, 18. Juli, 7.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn / Wehringen / Klosterlechfeld: Fahrt zum Sudetendeutschen Tag nach München. Ob wir am 17. oder 18. fahren, erfahren Sie bei der Anmeldung, die bis spätestens 15. Juli 2021 bei Obmann Kurt Aue erfolgen muß. Telefon: (08 21) 8 85 37 56 oder per eMail sudetenaue@ koenigsau.de. Freitag, 30. Juli, bis Montag, 2. August, SL-LG Bayern: Informationsfahrt der Landesgruppe Bayern nach Mähren und Niederösterreich mit Teilnahme am Brünner Versöhnungsmarsch. Informationen unter: SL-LG Bayern, Hochstraße 8, 81669 München, per eMail Geschaeftsstelle@sudeten-by.de oder per Fax (0 89) 48 00 03 96. Samstag, 28., bis Sonntag, 29. August, Heimatkreisverein Tachau: 32. Heimatkreistreffen in Weiden. Samstag, 8.00 Uhr: Abfahrt nach München und Besuch des Sudetendeutschen Museums. 18.00 Uhr: Gemütlicher Abend im Ratskeller bei Egerländer Wirtshausmusik. Sonntag, 9.00 Uhr: Feier am Gedenkstein in der Kurt-Schumacher-Allee. 10.15 Uhr: Vereinssitzung und Neuwahlen im Kultursaal des Hans-Bauer-Kulturzentrums. 12.00 Uhr: Ausstellungseröffnung. 13.00 Uhr: Mittagessen. Sonntag, 12. September, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Kassel: Gedenkstunde für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation, Kassel-Hauptfriedhof (Nähe Eingang Heckershäuser Straße), Auskunft: Dietmar Pfütz, Telefon: (05 61) 51 43 59, eMail: dietmar@pfuetz.de Donnerstag, 16. September, 10.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Augsburg-Land: Kreisdelegiertenversammlung im Sudetendeutschen Haus in München mit einem Besuch des Sudetendeutschen Museums. Es wird ein Bus eingesetzt, der über Meitingen, Gersthofen, Königsbrunn, Bobingen, Wehringen und Klosterlechfeld nach München fährt. Anmeldung bis 1. September bei Kreisobmann Kurt Aue, Telefon (08 21) 8 85 37 56 oder eMail sudetenaue@koenigsau.de Samstag, 18. September, 9.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Roth-Schwabach: Ab Thalmässing, Hilpoltstein, RothEckersmühlen, Roth und Schwabach-Vogelherd Fahrt zu sieben Vertriebenendenkmalen. Anmeldung: Dieter Heller, Telefon (0 91 71) 6 00 85, eMail heller_dieter@t-online.de


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

Bierbrauer , Karikaturist und Sudetendeutscher

Gut, besser, Als politischer Karikaturist für die Süddeutsche Zeitung, die Abendzeitung und den Bonner General-Anzeiger ist Dieter Hanitzsch bundesweit bekannt, als gelernter Mälzer und Bierbrauer kennen ihn nur die wenigsten. Dabei ziehen sich Bier, Brauen und Brauhaus wie ein roter Faden durch sein künstlerisches Leben.

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Hanitzsch

„Dieter, das machst du. Getrunken wird immer!“ Im Sommer 1952 hatte Hanitzsch das Abitur in der Tasche und bewarb sich bei der Akademie der Bildenden Künste München. Doch er wurde nicht angenommen, wegen mangelnden Talents. Bei der Berufsberatung am Gymnasium wurde auch der Beruf des Braumeisters vorgestellt. Beim Gespräch darüber mit den Eltern ermunterte ihn seine Mutter, diesen Weg einzuschlagen. „Dieter, das machst du. Getrunken wird immer!“, überredete sie den Sohn. Da die Familie damals nach Ravensburg (Oberschwaben) umzog, standen die ersten Schritte im Beruf hier bevor. Hanitzsch wollte Brauwesen in Weihenstephan studieren. Dafür war ein halbjähriges Praktikum vorgeschrieben, das er im Bürgerlichen Brauhaus in Ravensburg absolvieren wollte. „Ich habe schnell festgestellt, daß es ein Schwachsinn ist, nur ein halbes Jahr ein Praktikum zu absolvieren, wenn man später als Braumeister oder Brauerei-Ingenieur arbeiten möchte. Überall ein wenig reinschnuppern, aber nirgends richtig – das wollte ich nicht“, begründet er rückblickend die Entscheidung, gleich eine Lehre als Mälzer und Brauer im Bürgerlichen Brauhaus anzutreten, die er zweieinhalb Jahre später mit der Gesellenprüfung abschloß. Auf dieser Basis ging es dann zum Hochschulstudium nach Weihenstephan. Hier zeichnete er während der Vorlesungen Karikaturen der Professoren. Darauf wurde ein neben ihm sitzender Kommilitone, der als freier Mitarbeiter bei einer der in Freising erscheinenden Tageszeitungen arbeitete, aufmerksam und stellte den Kontakt zum Chefredakteur her. Die Folge war, daß Hanitzsch fortan zweimal in der Woche Karikaturen von Kommunalpolitikern oder anderen lokalen Prominenten lieferte, zu 15 DM pro Blatt. Ein anderer Studienfreund, den Ha-

Die „drei G“ des Christen E

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m Mai 1933 in Schönlinde im Sudetenland geboren und in Rumburg (Regierungsbezirk Aussig) aufgewachsen, wurde Dieter Hanitzsch – wie alle Sudetendeutschen – 1946 mit seiner Familie aus der angestammten Heimat vertrieben – „hinauskomplimentiert“, wie er selbst sagt. Durch viele Zufälle landete er bei entfernten Angehörigen in Niederbayern – in Pfarrkirchen im Rottal. Mit dreizehn Jahren war Bier für ihn natürlich (noch) tabu. Das änderte sich in den späteren Schuljahren, als auch sein lebenslanges Zeichnen seinen Anfang nahm. „Schon damals habe ich die Köpfe der Lehrer und Mitschüler karikiert. Pro gezeichnetem Kopf habe ich zehn Pfennige bekommen“, blickt Hanitzsch zurück. „Die Halbe Bier hat damals 50 Pfennige gekostet. Mit fünf Köpfen habe ich mir eine Halbe Bier erzeichnet.“ Mit dem Brauer-Beruf kam Hanitzsch erst viel später in Kontakt. In der Leichtathletik-Abteilung der Turn- und Spielvereinigung Pfarrkirchen war Hanitzsch als Kugelstoßer und Diskuswerfer aktiv, im Kugelstoßen wurde er mehrfach niederbayerischer Jugendmeister. Einer der Sportfreunde, ein Mittelstreckenläufer, war Lehrling in der Pfarrkirchner Brauerei Gässl. „Selbst die Lehrlinge bekamen fünf Liter Haustrunk pro Tag – genauso wie die Bierbrauer“, schildert Hanitzsch. Dieser Menge konnte der Brauereilehrling natürlich nicht alleine Herr werden, weshalb der Auszubildende seine Freunde nach dem Training zu sich eingelud. „Natürlich sind wir gerne mitgegangen. Es hat ja nichts gekostet. Damals gab es den Begriff ‚Isotonische Getränke‘ noch nicht. Aber wir mußten uns nach den harten sportlichen Anstrengungen mit einigen Bierchen von den Strapazen erholen.“

Mut tut gut

Dieter Hanitzsch gehört zu den profiliertesten Karikaturisten. Wenig bekannt ist seine Vergangenheit als Bierbrauer. nitzsch öfter auf ein Bier traf, war der trag, einen prägnanten Slogan für die Sohn des Herausgebers der Zeitschrift Brauerei zu erfinden. Er lieferte einige Brauwelt. Dieser erzählte eines Tages Vorschläge, darunter den Slogan „Gut, von einem in der Brauwelt veröffentlich- besser, Paulaner“, der von der Brauereiten Nachruf auf den frühen Tod eines spitze mit großer Begeisterung aufgeBraumeisters, worauf über 80 Bewer- nommen wurde. . bungen bei der Brauerei ein„Die Brauereilaufbahn war regingen – obwohl es ja lativ schnell zu Ende“, benur ein Nachruf und schreibt er sein weiteres keine StellenausWirken bei Paulaner. Ein schreibung war. großer Krach mit dem „Da habe ich mir Brauerei-Vorstand Dr. gedacht“, sagt Bernhard Scheublein Hanitzsch, „das – vor allem wegen eikann es ja doch nes Nockherberg-Pronicht sein.“ motionfilms und der Trotzdem zog darin vorkommenden er das Studium Prominenten – führdurch und beenten zur Trennung und dete es mit dem zum Ende von HaTitel „Brau-Innitzsch’ Brauerei-Kargenieur“. riere. Ein von Dieter Hanitzsch gestaltetes Die Brauerei„Ich bin in mein branche ins- Etikett für die Ayinger Brauerei. Büro gegangen, hagesamt wollbe meine Sachen zute er nicht verlasen. Daher entschied sammengepackt und sofort geküner sich zu einem Studium der Betriebs- digt“, erklärt er den 1964 vollzogenen wirtschaft an der Ludwig-Maximili- Schritt. Aber Bier sollte ihn auch künfans-Universität München, das er auch tig begleiten.Noch während des Ausmit seinen Karikaturen finanzierte. Sei- räumens seines Paulaner-Büros erreichne Diplomarbeit schrieb er zum Thema te ihn der Anruf aus der Wirtschaftsre„Werbung der Brauereien“. Hanitzsch daktion des Bayerischen Fernsehens, zu zeichnete damals für die Münchner der er durch seine Mitarbeit bei der SüdAbendzeitung. Deren Verleger Werner deutschen Zeitung und Abendzeitung als Friedmann war mit einem der beiden Karikaturist Kontakt hatte und die ihm

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ch bin ein militanter Verfechter des bayerischen und deutschen Reinheitsgebots. Das ist das älteste noch geltende Lebensmittelrecht der Welt. Wenn wir auch das noch aufgeben, wenn man ins Bier alles reinschütten darf, dann können wir zumachen! Und wer das Bier nicht nach dem Reinheitsgebot herstellt, darf es auch nicht Bier nennen. Craftbiere sind mir zu teuer. Ich brauch das nicht! A gscheits Bier und fertig!“ Direktoren der Paulaner-Brauerei befreundet und vermittelte Hanitzsch einen Termin mit der Direktion. Er wurde eingestellt und mit der Werbung für Paulaner beauftragt, und das genau in der Phase, als die Münchner Brauereien von der bisherigen Gemeinschaftswerbung auf individuelle Reklame umschwenkten. Hanitzsch erhielt den Auf-

schon zuvor eine Mitarbeit angeboten hatte. Ab und zu hatte er bereits in Filmen das eine oder andere schwere oder spröde Thema mit seinen Zeichnungen für die Zuschauer „leichter verdaulich“ gemacht. Nun war eine Festanstellung als Wirtschaftsredakteur in Aussicht. „Ich habe für viele Wirtschaftsfilme und Reportagen Zeichnungen gemacht,

aber auch ganz normale Features und Reportagen“, faßt er die 21 Jahre als BRRedakteur und Leiter der Abteilung Berufsbildung zusammen. Nebenbei baute er das Zeichnen weiter aus. Neben der Süddeutschen Zeitung und Büchern im Süddeutschen Verlag (vor allem die fünf Bestseller über Franz Josef Strauß) war es die Illustrierte Quick, für die er wöchentlich einen politischen Cartoon lieferte und die Hanitzsch überregionale Bekanntheit brachte. „Die Zeichnerei war so viel geworden, daß es vom Hobby zum Zweitberuf wur-

Dieter Hanitzsch zeichnete den fiktiven Max Froschhammer de. Aber die Zeit für die Familie wurde weniger“, nennt Hanitzsch die Kehrseite. Daher kündigte er 1985 beim Bayerischen Rundfunk und ist seither – wie er sagt – „freier Seiltänzer auf dem Gebiet der Karikatur und Autorenschaft“. Die Einstellung der Quick Ende August 1992 war für Hanitzsch ein „gewaltiger Schlag“. Aber die Zeichnerei ging natürlich weiter, vor allem im Fernsehen, etwa für Beiträge des Politmagazins Report oder in der BR-Abendschau. Hier war es besonders „Der große Max“, die von 2003 bis 2015 jeden Freitag ausgestrahlte Politsatire, die zuvor schon in der Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung viele Freunde gefunden hatte. Die Figur des fiktiven CSU-Bundestagsabgeordneten Max Froschhammer hatte Hanitzsch’ Freund, der SZ-Chefredakteur Herbert RiehlHeyse, erfunden. Ins Bild setzte Max Froschhammer Dieter Hanitzsch. Nach Riehl-Heyses Tod steuerte Hanitzsch auch die Texte bei. Froschhammers Stimme und auch die der anderen Politiker stammten anfangs von Schauspieler Jörg Hube und nach dessen frühem Tod vom Kabarettisten Helmut Schleich. Der Name „Max Froschhammer“ war übrigens eine spontane Idee von Dieter Hildebrandt. Live im Fernsehen war Dieter Hanitzsch von 2007 bis 2018 als Stammgast in der Sendung „Sonntags-Stammtisch“ des Bayerischen Fernsehens jeden Sonntag um 11 Uhr zu sehen. Zu den Gesprächen über aktuelle Ereignisse stand natürlich Bier auf dem Tisch. „Ich hab immer Weißbier bestellt. Für mich mußte die Redaktion Ayinger Weißbier kaufen. Ein- oder zweimal habe ich sogar den Namen Ayinger einfließen lassen.“ Inzwischen, mit 88 Jahren, läßt es Dieter Hanitzsch ein ruhiger angehen. Aber die Karikaturen sind weiterhin sein Lebenselixier. Markus Bauer

rinnern Sie sich noch an den Grammatik-Unterricht in der Schule? Dort kam die Rede höchstwahrscheinlich auch auf das sogenannte Partizip Perfekt. Vielleicht erinnern Sie sich vage: „Das Partizip Perfekt ist eine grammatikalische Form, welche von einem Verb abgeleitet wird und dabei teilweise Eigenschaften eines Adjektivs erwirbt. Bei regelmäßigen Verben wird es normalerweise mit der Vorsilbe ,ge-‘ gebildet.“ Ich erinnerte mich in den letzten Tagen aus einem ganz besonderen Grund an das Partizip Perfekt. Es ist nämlich derzeit hoch in Mode. „Geimpft, getestet, genesen“, lauten die Bedingungen zur Wiedererlangung jener Freiheiten, die wegen der Anti-Corona-Maßnahmen eingeschränkt wurden. Wer gegen Corona geimpft, wer negativ auf das Virus getestet oder wer von einer Corona-Erkrankung genesen ist, darf sich in größeren Gruppen treffen, die Gastronomie besuchen oder über die Grenze ins Nachbarland fahren. Geimpft, getestet, genesen: drei schöne Perfekt-Partizipien. Politische Marketingfachleute entwickelten, findig wie sie sind, den Slogan von den „Drei G“. So kann man sich die Bedingungen zur Wiedererlangung der Freiheiten besonders gut einprägen. Mich regte der Slogan an, darüber nachzudenken, ob das dreifache „G“ nicht auch für unser christliches Leben Bedeutung hat. Dabei sind mir drei andere Perfekt-Partizipien eingefallen, die ich zum Weiterdenken vorstelle. Geliebt. „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen“, steht im Kolosserbrief des Neuen Testaments. Mir klingt dieser Bibelvers häufig im Ohr. Ich bin gerne ein geliebtes Kind Gottes. Im Geliebsein durch Gott kann ich mit Vertrauen und Sicherheit die Aufgaben und Herausforderungen meines Lebens angehen. Gerufen. In der Bibel finden sich Geschichten von Menschen, die von Gott gerufen sind: Abraham, Mose und die Propheten im Alten Testament sowie Maria und die Jüngerinnen und Jünger Jesu im Neuen Testament. Auch dazu fällt mir ein Bibelvers ein, diesmal aus dem Buch Jesaja: „Fürchte dich nicht (…), ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir.“ Für mich verbindet sich mit dem Gerufensein die Erfahrung, daß Gott um mich persönlich weiß und auch für mich persönlich einen Auftrag hat. Das macht mein Leben sinnvoll. Gesendet. Auch von Sendungsgeschichten ist die Bibel voll. Mose wird gesendet, um sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens zu befreien. Die Apostel werden vor der Himmelfahrt Jesu gesendet, um das Evangelium in der ganzen Welt zu verkünden. Letztlich zielen alle Sendungsgeschichten darauf ab, daß der Gesendete ein Segensbringer für die ihm Anvertrauten werden möge. Das Geliebt- und Gerufensein durch Gott darf ich selbst als einen Segen erfahren. Im Gesendetsein schenke ich diesen Segen weiter. So ist das dritte „G“ eigentlich die direkte Konsequenz der ersten beiden. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

� Ackermann-Gemeinde der Erdiözese Bamberg

Wird die Umwelt zur Ersatzreligion? Mitte Mai war auch Professor Tomáš Petráček beim OnlineSymposium der Ackermann-Gemeinde Bamberg (Þ unten) zu Gast.

A

us Königgrätz zugeschaltet war Tomáš Petráček. Er lehrt an der Katholischen Fakultät der Karls-Universität in Prag und an der Pädagogischen Fakultät der Universität in Königgrätz. Darüber hinaus ist er Studentenseelsorger sowie Priester in Königgrätz, weshalb ihn der ehemalige SL-Bundesgeschäftsführer Christoph Lippert – auch angesichts vieler weiterer Tätigkeiten – in seiner Anmoderation als „polyglotten Menschen“ bezeichnete. Petráčeks Vortragsthema lautete „Erhaltung der Schöpfung aus der Sicht der tschechischen Jugend“. Die Umweltschutzbewegung habe, so der Referent, schon bei der Vorbereitung der Samtenen Revolution 1989 eine wichtige Rolle gespielt und „eine elementare Plattform für den Aufbau einer gesellschaftlichen und politischen Opposition geboten“. Das

Bevorzugen der Schwerindustrie seitens der sozialistischen Regime habe die Schädigung der Gewässer und der Luft beschleunigt und damit zur Verschlechterung der Gesundheit und Lebenserwartung beigetragen.

Junge Tschechen wandern seltener aus Vor allem junge Menschen mit naturwissenschaftlicher Ausbildung hätten damals die Öffentlichkeit darüber informiert. So sei der Umweltschutz bald ein Aspekt geworden, bei dem – zumindest im gesellschaftspolitisch engagierten Teil der tschechischen Öffentlichkeit – Einigung und Fortschritte hätten erzielt werden können. Für heute – mehr als 30 Jahre später und nach dem EU- und NATO-Beitritt der Tschechischen Republik – konstatierte Petráček eine geringere Abwanderung junger Tschechen im Vergleich zu den Nachbarländern. Im Falle von Wegzügen wegen Studiums oder Ausbildung konstatierte er meist die Rückkehr

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– mit Verinnerlichung westlicher Standards. Petráček wies auch auf die in den 1990er Jahren propagierte Selbstverwirklichung hin. Und er wies auf das zunehmende politische und gesellschaftliche Engagement junger Menschen bei den Wahlen 2006 und der Wirtschaftskrise 2008 hin. „Jetzt sehen die Lebenserwartungen nicht mehr so rosig aus, weder individuell noch gesellschaftlich. Nicht nur junge Menschen erleben nun auf traumatische Weise das wiederholte Versagen der politischen Eliten, wenn zum Beispiel Regierungen wegen Korruptionsvorwürfen zurücktreten müssen, und Korruptionsuntersuchungen häufig im Sande verlaufen. Die jungen Menschen denken proeuropäisch und demokratisch, bei den Umfragen bestätigen sie ihre Unterstützung bürgerlicher prowestlicher Parteien, aber zu den Wahlen gehen sie in einem viel geringeren Umfang als andere Altersgruppen.“ Ein bedeutender Teil der Jugend sehe Umweltfragen als „Kernthemen des Lebens“ und in allen Dimensionen wie politisch, spirituell oder konkret. Dabei würde die Umweltenzyklika „Laudato si“ ebenso zur Diskussion herangezogen wie Aspekte vor Ort hinsichtlich der Bewahrung und des Schutzes der Schöpfung. Fair Trade, Einfuhr billiger Textilien, ökologischer Fußabdruck, Zusammenhänge mit sozialen Fragen, Konsumeinschränkung, Müllsortierung, Schutz von Grünflächen, Flugbeschränkung seien, so Petráček, auch Themen von Studenten ohne kirchliche Bindung. „In der persönlichen Einstellung eines Teils der Jugend ohne religiöse Orientierung, was auch auf den überwiegenden Teil der tschechischen Bevölkerung zutrifft, übernimmt die ‚Umwelt‘ die Rolle von Spiritualität respektive die einer ‚Ersatzreligion‘“, erläuterte der Hochschullehrer.

Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/ unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstat­tung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit. Kontobezeichnung (Kontoinhaber) _______________________ _____________________________________________________ Kontonr. oder IBAN ____________________________________ Bankleitzahl oder BIC ___________________________________

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in der Jugendarbeit thematisiert. „Trotzdem sind große studentische Gemeinschaften in Prag, Brünn, Olmütz oder Königgrätz ebenso wie die Salesianergemeinden und weitere Pfarrgemeinden Brennpunkte solcher Aktivitäten. Der Priester und Biologe Marek Vácha ist ein bedeutender Umwelt-Protagonist und als Experte für Bioethik Autor beliebter Bücher. Als solcher tritt er häufig in staatlichen Medien auf. Diese interessieren sich sehr für die Botschaften und Initiativen von Papst Franziskus. Hier besteht auf jeden Fall Interesse an größeren Aktivitäten.“ Petráček wies auch der Kommission Iustitia et pax und der Tschechischen Christlichen Akademie eine Rolle zu, ebenso einigen christlichen Medien. Mit den folgenden aufmunternden Gedanken schloß Petráček: „Die Kirche hat durchaus die Möglichkeit, sich an der Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft zu beteiligen. Wichtig ist nur, sich nicht durch unnütze Rückzugsgefechte für häufig nur scheinschaos‘ zählten. Aus dem Um- bar christliche Werte zu schwäweltbereich nannte Petráček die chen, für alte Gesellschaftsforjüngste Vergiftung der Betsch, men, wie in den letzten Jahren verursacht vermutlich durch eine geschehen. Wie uns Papst FranUmweltkatastrophe in einem Un- ziskus mahnt, ist die Zeit wichtiternehmen von Babiš. ger als der Raum, statt der Vertei„Angesichts des Persönlich- digung eroberter Gebiete, ist es keitsprofils und des Charakters viel fruchtbarer und zukunftsweides derzeitigen Präsidenten so- sender, Prozesse zu starten, mit wie des Ministerpräsidenten und mutigen Visionen und authentideren gegen schen ZeugnisVergrabene Pfunde das westliche sen mitreißend Europa gerichfür Mitmender Heilsbotschaft teter, stagnieschen zu sein. render und konservierender PoDie Kirche hat in diesem Sinlitik fühlen sich die jungen Men- ne etwas zu bieten . Schade ist, schen nicht repräsentiert. Sie wenn die Pfunde der Heilsbotsehen keine Perspektiven, und schaft, die gerade im Bereich der so droht eine Abwanderung jun- Bewahrung und der Weiterentger Menschen nach Westeuro- wicklung der Schöpfung so interpa in gleichem Maße wie in den essant ist, vergraben bleiben. Die postkommunistischen Nachbar- Gesellschaft, die sich gerade jetzt ländern.“ intuitiv und offen nach Quellen Leider schließe sich die Kir- der Hoffnung und der Sinnhafche den Aktivitäten der Studen- tigkeit sehnt, verdient ein glaubten nur begrenzt an. Weder wür- würdiges christliches Zeugnis.“ Markus Bauer den sie bei den Bischöfen noch

Ein Hort des Friedens für die Welt

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Datum, Unterschrift ____________________________________

Paaren seien. „Für mich ist es unbegreiflich, daß Gesellschaft und Politik nichts dagegen machen und nur fatalistisch zuschauen.“ Die Sensibilität für Umweltfragen und die Kombination mit sozialen und ökologischen Fragen haben in den letzten Jahren zugenommen. Dem stünden aber unter anderem die Macht von Oligarchen und Industriekonzernen und die Reduzierung von Geldern für wichtige Bereiche des öffentlichen Dienstes gegenüber. Petráček sprach über die Schließung der Schulen auf der einen und das uneingeschränkte Funktionieren der Industrie auf der anderen Seite während der Pandemie. „Die Tschechische Republik ist weiterhin eine ‚Montagewerkstatt‘, sie betont weiter Lehrfächer und technische Hochschulen, während andere Fächer lächerlich gemacht und nicht finanziert werden.“

Noch deutlicher: „Unter beachtlicher Teilnahme junger Menschen finden seit Mai 2017 Demonstrationen statt gegen die Interessenkollisionen des Ministerpräsidenten Andrej Babiš und gegen die prorussische und prochinesische Politik Präsident Miloš Zemans.“ Die Jugend sei vorbildlich sozial aktiv, obwohl sie nach Ansicht von Soziologen und Psychologen zu den Hauptopfern der Coronakrise und des Regierung-

� Ackermann-Gemeinde der Erzdiözese Bamberg

Telefon _______________________________________________

Geburtsjahr, Heimatkreis ________________________________

Er schilderte weitere Themenbeispiele aus Oberschulen wie Grundwasser, Baumfällen, Wald, Borkenkäfer oder Dürren. Und aus seiner Studentengemeinde komme das Interesse an einem gesunden, nachhaltigen, alternativen und genügsamen Lebensstil. Dabei machte er darauf aufmerksam, daß besonders Umweltverschmutzung und die allgegenwärtigen toxischen Chemikalien ein gewichtiger Grund für die Unfruchtbarkeit bei jungen

Zur diesjährigen Pfingst-Aktion des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis unter dem Leitwort „Du erneuerst das Angesicht der Erde. Ost und West in gemeinsamer Verantwor-

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ür die Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese Bamberg hieß Geschäftsführer Christoph Lippert besonders die Referenten sowie Marie Smolková von der Bundesgeschäftsstelle in München, die den technischen Ablauf der Zoom-Veranstaltung betreute, willkommen. Auch erinnerte Lippert an die in diesen Tagen vielerorts üblichen Nepomuk-Feiern, die heuer leider coronabedingt ausfallen. Da der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ein Grußwort beziehungsweise eine Einführung in das Thema beisteuerte, stellte Lippert ihn vor. „Schick ist auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Darüber hinaus ist er Renovabis stark verbunden, weshalb er auch beim Eröffnungsgottesdienst zur heurigen Renovabis-Aktion am 9. Mai in Bensheim-Auerbach in seiner Predigt auf die immensen Schäden durch den Kommunismus in den Ländern Mittel- und Osteuropas hinwies.“ Schicks Wunsch sei, so Lippert, ein vereintes Europa mit gemeinsamen Werten und Solidarität. Wichtig sei dem Erzbischof

tung für die Schöpfung“ bot die AckermannGemeinde der Erzdiözese Bamberg am Sonntag vor Pfingsten quasi als NepomukFeier das Online-Symposium „Tschechische

Jugend in Kirche und Staat“. 26 Computer, das heißt weit mehr als 30 Personen, nahmen daran teil – auch Frauen und Männer aus anderen Bistümern.

die Beziehung zur Tschechischen Republik aufgrund der historischen Bezüge. Seit vielen Jahren sei er daher ein Freund und Förderer der Ackermann-Gemeinde. In seinem Grußwort bedauerte Erzbischof Schick die nur virtuelle Durchführung dieses Sym-

nach West und von Deutschland und Tschechien funktioniert nur, wenn wir auch ein versöhntes Europa sind. Versöhnung ist für ein vereintes Europa wichtig.“ Er erinnerte an die gewaltbelastete Vergangenheit mit Krieg, Vertreibungen, Umsiedlungen,

posiums und die persönliche Begegnung. Das Kennenlernen von Landschaften und Städten fehle seit geraumer Zeit. Dies sei wichtig für das Zusammenwachsen Europas und für die Ausweitung und Stärkung der Beziehungen. „Ein vereintes Europa von Ost

Blockbildungen im Westen und Osten sowie Menschenrechtsverletzungen bis in die 1980er Jahre. Erst 1989 sei ein territorial vereintes, aber noch nicht versöhntes Europa entstanden. Daher gelte sein Anliegen nach wie vor, ein versöhntes Europa zu

schaffen. Um dies zu erreichen, seien auch die deutschen und tschechischen Jugendbewegungen wichtig. Denn die Jugend ermuntere zu Versöhnung und Freundschaft. Auf dieser Basis könne Europa ein „Hort des Friedens für die ganze Welt“ werden. Die Ackermann-Gemeinde sei ein wichtiger Faktor für die tschechisch-deutsche Freundschaft, ein Baustein im Mosaik der Versöhnung. Besonders die Jugend habe die Aufgabe, viele Begegnungen und viel Austausch zu initiieren und so den Aufbau Europas zu fördern. Beim Umwelt- und Klimaschutz hätten alle Staaten die gleichen Grundforderungen, aber Unterschiede in der Handlungsweise. Hier gehe es um Akzeptanz und Toleranz. Von Bedeutung seien aber auch kultureller Austausch, Gerechtigkeit, Migration und das Flüchtlingsproblem – also globale Fragen, mit denen sich auch Renovabis befasse. Schließlich verwies der Bischof auf Papst Franziskus‘ Enzyklika „Laudato si“ und auf die Notwendigkeit einer Jugendarbeit, die Werte und Tugenden vermittelt. Markus Bauer


Das Geburtshaus von Gerhart Hauptmann in Obersalzbrunn und Haus Wiesenstein in Hirschberg-Agnetendorf, heute Gerhart-Hauptmann-Museum. Vor 75  Jahren, am 6.  Juni 1946, starb der Riesengebirgsdichter Gerhart Hauptmann, der vor 160  Jahren geboren wurde. Der Literaturnobelpreisträger von 1912 wird hier sehr persönlich von Otto Ringel portraitiert.

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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

Bilder: Wikimedia, Gerhart-Hauptmann-Museumsverbund

� Zu Gerhart Hauptmanns Todestag vor 75 Jahren

ach einer Wanderung im Riesengebirge kehrten wir in der Peterbaude ein. Sie liegt 1288 Meter hoch auf dem Gebirgskamm. In der Nähe der Baude sahen wir eine Wegmarkierung, die hinunter nach Agnetendorf im Kreis Hirschberg führt. Ein Wanderer fragte, ob wir den Ort kennten. „Nein, die schlesische Seite ist uns nicht so vertraut wie die böhmische.“ – „Das ist schade.“ – „Warum? Gibt es dort besondere Sehenswürdigkeiten?“– „Ihr könntet vielleicht dem berühmtesten Sohn von Agnetendorf begegnen.“ Wir schauten uns fragend und unwissend an. „Auf dem Wiesenstein in Agnetendorf wohnt der große Dramatiker Gerhart Hauptmann.“, sagte der Fremde. Natürlich hatten wir schon von dem Dichter gehört. Ich war zu jener Zeit ein Schuljunge, und Gerhart Hauptmann hatte die 70 weit überschritten. Wir nahmen uns vor, einmal nach Agnetendorf zu wandern. Vom Kammweg sind es nicht mehr als fünf bis sechs Kilometer. Aber es kam die Kriegs- und Nachkriegszeit, und es vergingen Jahrzehnte, bis ich Agnetendorf, das polnisch Jagniatkow heißt, und das Haus Wiesenstein besuchen konnte. Schade, ich bin Gerhart Hauptmann nie begegnet. Der Dichter ist viel im Riesengebirge umhergewandert. Hier wurde er inspiriert zu neuen literarischen Werken. Die Wintermonate verbrachte er meist an der Riviera, im Frühsommer und im Herbst hielt er sich im Riesengebirge auf, und während der Ferien lebte er an der Ostsee, meist auf Hiddensee in Vorpommern. Gerhart Hauptmann wurde vor 160 Jahren, am 15. November 1862, im niederschlesi-

Menschlichkeit als Vermächtnis

ren in Soana ein Franziskaner schenkte. Heimaterde, das Neue Testament, von Kindheit in seinem Besitz, seine Dichtung ,Der große Traum‘ und der Lobgesang des heiligen Franz von Assisi liegen im Sarg bei ihm.“ 1951 wurde ein Grabstein enthüllt. Er trägt nur seinen Namenszug. 1983 wurde die Urne der 1957 verstorbenen Margarete Hauptmann im Grab ihres Mannes beigesetzt. Haus Wiesenstein in Agnetendorf wurde ab 1946 als polnisches Kinderheim genutzt. 1989 vereinbarten der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident, Tadeusz Mazowiecki, das Haus zu sanieren und als deutsch-polnische Begegnungsstätte einzurichten. Das geschah mit finanzieller Unterstützung der Bundesrepublik. Das Haus wurde 2001 als Gerhart-Hauptmann-Gedenkstätte eröffnet. Auf einer Tafel am Haus ist auf Polnisch und Deutsch zu lesen, daß die Renovierung des Hauses von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit aus Mitteln der Bundesrepublik Deutschland gefördert wurde. Bei meinem Besuch konnte ich sehen, daß es eine würdige Stätte des Gedenkens an den großen schlesischen Dichter geworden ist. Im Erdgeschoß sind Portraits, Büsten, Fotos, Bücher und Briefe des Dichters ausgestellt. Führungen, Lesungen und Veranstaltungen werden angeboten. Und das Vermächtnis des Dichters Gerhart Hauptmann? Der Dichter sagt: „Die Welt wird niemals durch Gewalt erlöst, sondern durch Menschlichkeit, Menschenachtung und Humanität.“ Gerhart Hauptmann verstand sich als Anwalt der Menschlichkeit, als Kämpfer gegen Junkertum, Militarismus und religiösen Fanatismus sowie gegen jegliche Unterdrückung und Verfolgung. Seine Sympathie galt den liebenden und leidenden Menschen. Dieses Vermächtnis sollten wir bewahren und beherzigen.

schen Obersalzbrunn/ mann, kommt nach BerKreis Waldenbrunn gelin! Hier verkommt ihr.“ boren. Im Kurort OberHauptmann: „Das besalzbrunn führten russideutet, daß mein Schlesche Magnaten, polnisien polnisch wird.“ sche Großgrundbesitzer Becher: „Ihr kennt und deutsche Adlige das Potsdamer Abkomein glanzvolles Leben. men. Danach ist das GeDie Bergleute und biet an Polen gefallen. die Weber in den BergHauptmann: „Zur Verdörfern im nahen Walwaltung übergeben. denburger IndustriereBis zum Abschluß eivier fristeten dagegen nes Friedensvertrages.“ ihr karges Leben. So Becher: „Mann, verlaß lernte Gerhart Hauptdich nicht darauf.“ mann schon früh das Der Dichter sagte zu üppige Leben der Reiund übergab Becher seichen und das armseline Manuskripte „Neue ge Leben der einfachen Lieder“, die bald darauf Leute kennen. als Buch im Aufbau VerIn einem seiner belag erschienen. In einer deutendsten Werke letzten Botschaft an das „Die Weber“ schilderdeutsche Volk forderte te er die unsägliche Not er vor allem „Furchtloder armen Weber. Aussigkeit, Zuversicht und gemergelt saßen Kinder Gerhart Hauptmann in einem Gemälde des ostpreußischen Künstlers Lovis Corinth (1900). Einigkeit.“ und Alte täglich bis zu Vor 75 Jahren, am 6. sechzehn Stunden in ihren klei- kritischen Drama „Vor Sonnen- stellte Gerhart Hauptmann ei- Juni 1946, starb Gerhart Hauptnen Stuben hinter den Webstüh- aufgang“ einen Theaterskandal. nen „Schutzschein“ aus, um je- mann in seinem Haus Wiesenlen. Und er beschreibt auch den Der Dialog auf der Bühne wurde de Behelligung des Dichters zu stein in Agnetendorf. Sein LeichAufstand der Weber, der im Ku- bald von Wortgefechten im Par- vermeiden. Dennoch kam es im- nam wurde auf die Insel Hiddengelhagel des preußischen Mili- kett abgelöst. Tags darauf wurde mer wieder see überführt, tärs zusammenbrach. Die Urauf- Gerhart Hauptmann in der Pres- zu Übergrifwo er seit 1929 Gerhart-Hauptmann-Haus/ führung von Hauptmanns „Die se als „poetischer Anarchist“ ver- fen, so daß soin Kloster ein Muzeum Miejskie Dom GerWeber“ wurde zunächst vom schrien. Warum dieser Lärm? wjetisches MiHaus besaß. harta Hauptmanna in HirschBerliner Polizeipräsidenten ver- Weil ein junger Künstler die Ver- litär schließBei Sonnenberg-Agnetendorf/Jeleboten. Kaiser Wilhelm II. kün- logenheit und moralische Ver- lich eingreifen aufgang fand nia Góra-Jagniątków, ulica digte aus Protest sein Logen­ kommenheit der bürgerlichen mußte. Gerdie BeerdiMichałowicka 32. Dienstag bis abonnement im Theater. Gesellschaft an den Pranger ge- hart Hauptgung statt. Mit Sonntag 9.00–16.00 Uhr. InterVor ein paar Jahren war ich im stellt hatte. mann war dem Sand von net www.muzeum-dgh.pl/de Eulengebirge und besuchte Lan1901 bezog der Dichter das damals beder Ostseeingenbielau/Bielawa und Peters- Haus Wiesenstein, eine Jugend- reits 83 Jahre sel fiel auch waldau/Pieszyce. Im Museum stil-Villa, in Agnetendorf. Es alt. schwere Erde von Langenbielau wird noch an diente ihm bis zu seinem Tode Der Leiter des „Kulturbun- des Riesengebirges, die Hauptden Weberaufstand von 1844 er- 1946 als Wohnhaus und Arbeits- des zur demokratischen Er- manns Frau Margarete fürsorginnert. stätte. 1912 hatte er den Litera- neuerung Deutschlands“, Jo- lich mitgenommen hatte, auf den Seine ersten Bücher schrieb tur-Nobelpreis erhalten. 45 Dra- hannes R. Becher, kam aus Ber- Sarg des Dichters. Sein Sohn Ivo er in schlesischer Mundart. Mit men, 20 Prosadichtungen sowie lin nach Agnetendorf und lud sagte: „Er liegt, seinem Wunsche der Novelle „Bahnwärter Thiel“ Gedichtsammlungen liegen von Gerhart Hauptmann zum geisti- entsprechend, in einem Fichtengelang ihm 1888 ein erster lite- ihm vor. gen Wiederaufbau Deutschlands brettersarg, bekleidet mit einer rarischer Erfolg. Ein Jahr später Am 13. Februar 1945 erlebte nach Berlin ein. Becher: „Haupt- Mönchskutte, die ihm vor 40 Jahverursachte er mit dem sozial- der Dichter den Angriff amerikanisch-britischer Bombengeschwader auf Dresden, die seine geliebte Stadt zerstörten. Fassungslos schrieb er: „Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ Zum Kriegsende befand sich Gerhart Hauptmann in seinem Haus in Agnetendorf. Es kam zu Plünderungen und Hausbesetzungen. Hab und Gut der deutschen Bevölkerung wurden konfisziert. Ein soPlakat für „Die Weber“ vom sudetendeutschen Künstler Emil Orlik (1897). … und mit seiner zweiten Frau Margarete (1932). wjetischer Oberst Hauptmann auf einem Foto von Hugo Erfurt (1929) …


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KULTUR

Die Leipziger Buchmesse konnte auch heuer aufgrund der Corona-Pandemie nicht vor Publikum stattfinden. Im Netz jedoch gab es unter dem Motto „Leipzig liest extra“ viele Veranstaltungen. Dabei wurden auch in der Reihe „Echo Tschechien 2021“ Bücher von Autoren aus Böhmen live und auf YouTube präsentiert. Mitveranstalter waren das Kulturministerium der Tschechischen Republik, die Mährische Landesbibliothek, die Schaubühne Lindenfels in Leipzig und die jeweiligen Verlage.

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

� Leipziger Buchmesse: Echo Tschechien 2021

Historien in Büchern

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as Echo des tschechischen Gastlandauftritts bei der Buchmesse 2019 hallt unermüdlich nach und bringt erneut tschechische Literatur in die „Schaubühne Lindenfels“ in Leipzig. Einführungen zu den Lesungen lieferte Martin Krafl von der Mährischen Landesbibliothek. Er freute sich, wieder in Leipzig zu sein wie bei dem digitalen Festival „Echo Tschechien 2020“ im November (Ý SdZ 49/2020). Als erstes begrüßte Krafl kurz nach Pfingsten zur Präsentation des Buches „Die Residentur“ von der Olmützer Autorin Iva Procházková (2020), das zum Auftakt vorgestellt wurde. Vergangenen Freitag kam ein Historiker zu Wort, der aus Prag zugeschaltet war. Jiří Padevět stellte sein Buch „Prag 1939–1945 unter deutscher Besatzung“ vor. Das hatte Kathrin Janka übersetzt und war letztes Jahr auf deutsch erschienen. Der Schriftsteller, Verleger und Buchhändler hat sich bereits in mehreren Veröffentlichungen mit der Zeit der deutschen Besatzung befaßt, vor allem jedoch eine große Dokumentation über die an Deutschen verübten Nachkriegsverbrechen herausgebracht. „Blutiger Sommer 1945 – Nachkriegsgewalt in den böhmischen Ländern“ (2020) ist quasi das Pendant in den Sudetengebieten zu „Prag 1939–1945 unter deutscher Besatzung“. Dieses neu erschienene und in fast vierjähriger Arbeit sorgsam recherchierte Geschichtsbuch beschreibt die damalige Situation in Prag wie ein Reiseführer, denn es ist topographisch gegliedert. Man „reist“ also durch die Stadtteile und Verwaltungsbezirke Prags sowie dessen Randgebiete. Die Schauspielerin VereMartin Krafl mit Tomans „Die na Noll las eiKonditorei zum schielenden Jim“. ne Passage aus dem Buch über das Lucerna-Palais, wo viele historisch wichtige Dinge geschahen wie die Prag-Premiere von Leni Riefenstahls Film über die Olympiade 1936 in Berlin. Auch ergreifende Szenen aus der orthodoxen Kirche Sankt Kyrill und Method, wo die Bei einer Online-Veranstaltung des Bildungszentrums Heiligenhof las Helmut Kopetzky aus seinem Buch „Mann im Mutterland“. Der Rundfunkjournalist berichtet darin über die Situation der Sudetendeutschen in der Kriegs- und Nachkriegszeit sowie die Auseinandersetzung mit seiner Mutter. Nach Kopetzkys zuvor aufgezeichneter Lesung folgte eine rege Diskussion von Autor und Publikum.

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as Buch ,Mann im Mutterland‘ ist von Helmut Kopetzky interessant gestaltet“, lobt Gustav Binder. „Der Autor kommt ja als Medienmensch vom Hörspiel und Rundfunk-Feature“, erläutert der Studienleiter des Heiligenhofs. „Im Buch, das letzten November erschienen ist, gibt es drei Typographien für die drei Gattungen. Einmal das lineare und reflexive Erzählen vor allem der historischen Ereignisse, dann Zitate aus Tonbandprotokollen von Gesprächen mit seiner Mutter und drittens recherchierte schriftliche Dokumente“, faßt Binder zusammen. In seinem Vortrag im Netz beschränkt Kopetzky sich dann auf den erzählenden Teil seines Buches und beginnt mit der „Vorgeschichte“ zur Beginn des vorigen Jahrhunderts. „Meine Mutter, Margarete Stanzel, wurde 1913 in Mährisch Schönberg geboren, einer ,Insel‘, wo Sprache und Kultur damals fast nur deutsch waren.“ Sie habe noch einen Bru-

Schauspielerin Verena Noll, Autor Jiří Padevět auf dem Monitor und der Historiker Dr. Anselm Hartinger, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig.

Autor Marek Toman und Übersetzerin Raija Hauck.

Autor Jaroslav Rudiš, Künstler Nicolas Mahler und Moderator Andreas Platthaus.

der gehabt. „Mein � Buchvorstellung auf dem Heiligenhof Onkel Hans besuchte in Blauda die tschechische Schule!“ Als Verkäuferin in der Konfiserie Prachel am Eichelbrennerplatz sei seine Mutter, eine „blonde Schönheit“, zum Lieb- Prügel, Masling der mährischen Provinzstadt saker, EnteigIm geworden. Die Familie seines Va- nungen. ters dagegen habe aus Österreich August 1946 gestammt und in Schönberg ein habe die Vererfolgreiches Pelzgeschäft ge- treibung der Rest-Famiführt. Kopetzky schildert die auf- lie begonnen. rollen kommenden nationalen Span- „1946 Güternungen in der neugegründeten 1646 Tschechoslowakei, wo Tsche- züge aus der chen die Beamtenposten über- wiedererstannahmen. 1938 habe seine Mut- denen Tscheter in der Sankt-Johanneskirche choslowakei Emil Kopetzky (1915–1941) ge- nach Westen“, heiratet, der kurz darauf schon liest der Autor. bei Potschep in Rußland gefal- „Mein Großvalen sei. „Mein Vater auf einem ter weinte, als Schnappschuß als Obergefreiter er das schwer an der Ostfront“, faßt der Sohn erarbeitete Wohnhaus in der als quasi einzige Erinnerung zu- Lenaugasse verlassen mußte, wie sammen. Die Mutter habe kurz fast alle anderen Deutschen.“ darauf eine Jugendliebe wieder- Von einst 16 000 Einwohnern im getroffen und diesen Offizier ge- Ort seien 686 übriggeblieben. Mit einem Güterzug seien sie heiratet. über die Grenze bei Wiesau in der Oberpfalz – „Wo erst mal Die „Bittschöns“ die weißen Armbinden herausfloin Westdeutschland gen.“ – in den Westen und nach „Nach fünf Monaten fiel auch Hessen gekommen. Was er nicht mein Stiefvater auf der Krim!“ geahnt habe, so Kopetzky, sei die Und 1945 wären nach Einmarsch Anwesenheit eines vierjährigen der Roten Armee auch die Nach- Mädchens aus Mährisch Rothkriegsverbrechen passiert, wie wasser im Zug gewesen. „Heidrun tschechische „Volksgerichte“, Broschek habe ich zufälliger-

Heydrich-Attentäter zunächst Unterschlupf fanden, bis sie umgebracht wurden, waren zu hören. Die Auszüge wurden vom Autor kommentiert, der sich auch detailliert über den tschechischen Widerstand äußerte. Auf die Frage des Historikers Anselm Hartinger zu den Nachwirkungen antwortete Padevět, man könne heute in Prag viele Denkmale und Gedenkstätten finden, die an die Protektoratszeit erinnerten. Historisch wurde es auch bei der Buchvorstellung von Marek Toman. Der Prager Lyriker, Prosaautor und Publizist hatte zuvor auf der Schaubühne Lindenfels schon sein neues Kinderbuch „Die Konditorei zum schielenden Jim“ (2020) vorgestellt. Toman präsentierte später am Abend seinen Roman „Lob des Opportunismus“ (2021), der im Original 2016 erschienen war und den Preis des Tschechischen Literaturfonds erhalten hatte. Raija Hauck, die „Lob des Opportunismus“ übersetzt hatte, las Passagen aus dem Buch, das im März herausgekommen war. Sie sprach auch mit Toman über diverse prominente Bewohner des Palastes, besonders über den Stellvertretenden Reichs­protektor Reinhard Heydrich und den tschechischen Außenminister Jan Masaryk. Der „Erzähler“ im Buch ist überraschenderweise das Palais Czernin in Prag, das in seiner langen Historie viele Funktionen erfüllen mußte: Residenz, Kaserne, Armenhaus, Sitz des Reichs­ protektors und schließlich Außenministerium. Toman: „Der Czernin-Palast liebt Macht und Ordnung!“ Ein lebloses Objekt zum denkenden und fühlenden Subjekt zu machen, ist schon in Tomans Buch „Die Neptungrotte“ (2018) ein Kunstgriff, der für fulminantes Lesevergnügen sorgt. In der „Neptungrotte“ fungiert die Neptunsstatue im Havlíček-Park in Prag-Weinberge als Erzähler. Seinen neuen „Helden“, das barocke Palais Czernin, kennt Toman gut, arbeitet er doch auch als Angestellter im Tschechischen Außenministerium. Ganz andere Helden traten im letzten Buch auf, das bei „Echo Tschechien 2021“ auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde. Jaroslav Rudiš und Nicolas Mahler stellen in ihrer Graphic Novel zwei Freunde in den Mittelpunkt, die sich in einer Nacht von Bier zu Bier und von Geschichte zu Geschichte treiben lassen. Die beiden namenlosen Figuren mit den großen Nasen reden über die Liebe, das Leben und die Vergangenheit Böhmens. Rudiš hatte auch zuvor schon ein Hörspiel mit dem Titel „Nachtgestalten“ verfaßt und viele neue Ideen gesammelt. Dazu kamen Episoden und Einfälle von Mahler, der die skurrilen Geschichten fantastisch illustriert hat. Die Buchkünstler lasen einige Historien ihrer „Nachtgestalten“ und zeigten Kostproben der Bilder. Susanne Habel

,Bittschön! — Dankschön!‘“ Die Mutter habe neun Jahre gewartet, bis sie den Stiefvater für tot habe erklären lassen, um die Kriegswitwenrente zu erhalten. Die weise 29 Jahre doppelte Kriegerwitwe behanspäter in Berlin delt ihren jugendlichen Sohn als wiedergetrofEhemann-Ersatz, den sie mit niefen und gehei- mandem teilen will, auch später ratet!“ nicht. „Sie hat Haus, Heimat und Fulda sei ein Status verloren“, erklärt KopetzTrümmerfeld ky die Entwicklung seiner traumatisierten Mutter, die ihr Trauma offensichtlich lehrbuchhaft weitergab. Als seine Mutter versucht habe, Geboren 1940 in sich umzubringen, Mährisch Schönberg. 1994 sei sie für acht Jahbis 1998 Redakteur der Feare in die geschlosture-Abteilung des Senders sene Psychiatrie geFreies Berlin. Ab 1970 freier kommen. Danach Autor und Regisseur. habe es eine „Wiegewesen, derauferstehung“ wo man der Mutter gegesie bei einer Familie einquartiert ben, die viele Reisen unternomhabe, bei der sie sechs Jahre auf men habe. dem Dachboden gelebt hätten. Dennoch sei sie auf den Sohn Dort habe es oft Streit gegeben, fixiert geblieben, der inzwischen um ihn, den Sohn, dem der Mei- in Berlin gelebt habe, und desnung von Großmutter Anna nach sen Ehefrau sie in Briefen keines ein Vater und Strenge gefehlt Wortes gewürdigt habe. Als das hätten. Von den Einheimischen Paar nach Fulda gezogen sei, hahabe man Verachtung erlebt. be es einen regelrechten „Nah„Die ,Reichsdeutschen‘ nannten kampf“ zwischen Mutter Grete uns ,Bittschöns‘. Denn wir wa- und Ehefrau Heidrun gegeben. ren Habenichtse. Deshalb waren Nach dem Tod des Großvaters unsere Leute besonders höflich. habe er Großmutter Anna zu seiBei jeder Gelegenheit sagten sie: nem Onkel Hans gebracht. Mit

Sohn im Mutterland

Zur Person: Helmut Kopetzky

Hans habe die Mutter Streit gehabt wegen ihrer Vermögensansprüche in der Heimat. Kopetzky selbst hatte in einem fiktiven Brief in einem Radiofeature schon 1993 vorsorglich auf jegliche Vermögensansprüche verzichtet. Wie etliche will er wohl die deutschen Vertriebenen im Nachhinein zum „Täter“ machen, die freiwillig auf Wiedergutmachung verzichten sollten. „Ich habe meinen Sohn auch Jan genannt, wie Hus, Jan Pallach, Jan Neruda, Jan Ledecký, Jan Kanyza, Jan Potměšil... er ist der tschechische Jan“, so der gebürtige Schönberger. „Wir wollen nichts ,zurück‘, was die Vorigen, unsere Eltern eingeschlossen, verspielt haben!“ So habe ihn auch die SL-Satzungsänderung 2015 erfreut. „Die hat meine Mutter aber nicht mehr erlebt.“ Sie sei 2005 nach Oberschenkelhalsbruch, Operation, Lungenembolie und tiefem Koma mit 92 Jahren gestorben. Kopetzky fragt sich angesichts des „endlosen Nachkriegs“, den Mutter und Sohn ertragen mußten: „Wie ein Mensch so hart werden kann?“ Die eindrucksvolle Lesung mündet in eine lebhafte Diskussion der vielen Teilnehmer, die Gustav Binder leitet. Susanne Habel Helmut Kopetzky: „Mann im Mutterland. Erzählung vom endlosen Nachkrieg“. epubli Verlag, Berlin 2020; 244 Seiten, 16,99 Euro. (ISBN 978-3-753-11693-8).


Unser Berlin-Korrespondent Ulrich Miksch besuchte den Hopfenbauern Alfred Regner in Prosigk in Anhalt. Regners Wurzeln liegen im Elbetal.

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er Hopfenbauer Alfred Regner ist ein Kind der anhaltinischen Landschaft, die im Umfeld von Prosigk typische Hopfengärten mit Spannbetongerüsten und Spanndrähten am Wegesrand präsentiert. Geboren 1951 war er der erste in der Familie, der in Sachsen-Anhalt zur Welt kam. Seine Eltern und sein 1939 geborener älterer Bruder stammten aus der Nähe von Leitmeritz. Aus Pitschkowitz wurde die Familie 1945 im Zuge der wilden Vertreibung über die sächsische Grenze getrieben, wo sie in Kesselsdorf bei Dresden dann eine erste Bleibe fand. Die Großeltern und eine Schwester des Vaters blieben dort. Sein Vater Josef Regner aber machte sich mit seiner Familie Ende der 1940er Jahre auf nach Anhalt, wo landwirtschaftliche Flächen verteilt wurden. Der gelernte Hopfenbauer kam so erst einmal zu einem Stück Land, das jedoch sehr bald 1957 in Genossenschaftsbesitz überführt wurde. Hopfen war da aber erst einmal nur eine Fähigkeit, die die sudetendeutsche Familie mitbrachte und in die Landschaft einzubringen bereit war. Durch Bestrebungen in der „DDR“ sich in Sachen Hopfen von Importen unabhängig zu machen, entstanden in ganz Mitteldeutschland in etwa 200 Genossenschaften HopfenanbauGebiete. Regners Vater Josef machte da mit, und auch er, sein jüngster Sohn Alfred, der erst Maschinenbauer lernte, stieg 1980 schließlich doch beim Hopfen ein und machte seinen Landwirtschaftsmeister. Heute sitzt mir Alfred Regner – mittlerweile selber Seniorchef – gegenüber und erzählt die Geschichte seiner Familie und die des Hopfens in Mitteldeutschland im anhaltinischen Dialekt. 1991 machte er sich selbständig, kaufte erste 43  Hekt-

Der Anfang vor 30 Jahren. Siegfried Mikut, Kriminalhauptkommissar a.  D., stammt aus dem Kreis Saaz. Er erinnert sich an seine Heimat.

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AKTUELL . AUS DER HEIMAT

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

� Hopfenbauer in Mitteldeutschland mit sudetendeutschen Wurzeln

Es hat sich doch gelohnt

Alfred Regner auf einem seiner Hopfenfelder und im Porträt.

Bilder (4): Ulrich Miksch

ar von der Treuhand. Sein Va- teldeutschland vom Höhepunkt deren Strukturen des sozialistiter, der die Wiedervereinigung in der „DDR“ mit 2500 Hektar auf schen Rats für Wirtschaftshilfe Deutschlands noch erlebte, war mittlerweile gut 1300 Hektar ge- (RGW), die in der Tschechosloskeptisch. Gibt es in diesem wakei mit ihren 15 000 HektDeutschland genügend Abar Hopfenanbaufläche eine satz? Über die Jahre kaufte Kompetenzführerschaft festAlfred Regner immer neue legten. Flächen dazu. Bis vor kurSo kam der erste Hopzem war er mit 135 Hektar fen, der in der „DDR“ geder größte Hopfenbauer in pflanzt wurde, aus Saaz und ganz Deutschland. heißt auch „Saazer“. Später Mittlerweile ist ihm in kamen andere Sorten hinBayern, wo die durchschnittzu. Was aber aus der Tschelichen Flächen pro Bauer nur choslowakei für die Produkso um die zehn Hektar lietion in Mitteldeutschland gen, in der Größe ein Kon- Das Geburtshaus von Josef Regner in Pitsch- bezogen wurde, waren techkurrent erwachsen. Und sein kowitz in den 1960er Jahren. nische Anlagen und GeräVater sagte deshalb schon te. Hallen wurden erworben, 1997, als der Betrieb gehörig ex- schrumpft. Dabei hat der Hopfen Bandtrockner und Pflückmaschipandierte, erleichtert und zufrie- in Sachsen-Anhalt mit 545 Hekt- nen. den: „Es hat sich also doch ge- ar noch die größte Verbreitung Bei Regners läuft ein solcher lohnt“, im mitteldeutschen Raum in den drei Bundesländern. Den- Trockner noch heute. Auch wenn die Aufbauzeiten aus der „DDR“ noch nennt man den mitteldeut- Alfred Regner nicht mehr im privat fortzuführen. Heuer feiert schen den Elbe-Saale-Hopfen. Böhmischen geboren wurde und der Familienbetrieb, in dem auch Die Renaissance, die der Hop- die Fahrten in die unmittelbare sein Sohn und seine Tochter mit- fen in der „DDR“ erlebte, hatte in Heimat seiner Familie eher seiarbeiten, 30jähriges Jubiläum. früheren Jahrhunderten, nachge- nem älteren Bruder überlassen So erfolgreich die Regners wiesen über mehr als 1000 Jah- hat, so ist er doch mannigfach sind, die Anbaufläche ist in Mit- re, durchaus Anbautraditionen, in die Tschechoslowakei gereist. die allerdings versiegt waren. So Er verbrachte zum Beispiel seine gibt es im thüringischen Weißen- Sommerferien 1968 in Neusohl see, wo auch wieder Hopfen an- und Prag. Besuchte in den 1990er gebaut wird, noch ein altes Rein- Jahren einen Internationalen heitsgebot für Bier aus dem Jahr Hopfenkongreß in Prag und lern1434. Dieses schreibt im Gegen- te viele Praktiker in der Tschesatz zum Bayerischen Reinheits- chischen Republik kennen, dargebot von 1516 nicht Gerste, unter den gut deutsch sprechenHopfen und Wasser vor, sondern den Lubomir Wendt, den Saazer vielmehr Hopfen, Malz und Was- Hopfenexperten, wie Al­fred Regser. Ist das Reinheitsgebot des ner ihn nennt. Weißenseer „WirtshausgesetDie Regners arbeiten seit 1999 zes“ wegen des Malzes und sei- mit Tröpfchenbewässerung. Das ner mehr als 80 Jahre früheren paßt zum NiederschlagsschatEntstehung bedeutender? ten des Harzes, der in den LandViele Wege zur Renaissance schaften Anhalts eine Wirkung des Hopfens in Mitteldeutsch- hat, und zum im Wachstum wichland führen aber nach Böhmen. tigen Wasserbedarf der HopfenEinmal waren es die sudeten- pflanze. Die Hopfenkultur hat im deutschen Vertriebenen, die ihr Jahresverlauf viel Leerlauf und Fachwissen einbrachten. Dann zugleich extreme Arbeitsspitzen waren es aber auch die beson- beim Start der Pflanze am Draht

und bei der Ernte. Dafür werden dann viele helfende Hände gebraucht. Zu „DDR“-Zeiten waren es vor allem die Frauen der in der „DDR“ stationierten Offiziere der Roten Armee, die gerne halfen und gerne Geld hinzuverdienten. Darauf konnte man in den 1990er Jahren nicht mehr zurückgreifen. Also kamen Polen, und jetzt vor allem Rumänen. Regner braucht

für einige Wochen im Jahr zwischen 22 und 38 Arbeitskräfte. Er singt ein Loblied auf die EU. Bevor Polen und Rumänien in der EU gewesen seien, sei der Einsatz solcher Saisonkräfte ein bürokratisches Monster gewe-

Heuer feiert der Hopfenanbau Regner 30jähriges Jubiläum.

� Erinnerungen an eine Kinder- und Jugendzeit in Saaz

Mit Mädchen im Jungen-Gymnasium

ch kam 1931 in Stanko­witz im Kreis Saaz zur Welt. Saaz war nen Raum. In Stankowitz wurden schon damals als Hopfen- und in einem Raum zwei Klassen unGurkenstadt bekannt. Deshalb terrichtet. Die Stadtkinder waren wurden deren Bewohner scherz- mit besserer Bildung und aufhaft „Soozer Gorkenlotscher“ ge- grund der guten wirtschaftlichen nannt. Nach vier Jahren Volks- Lage der meisten Eltern mit Verschule in Stankowitz, wo ich bei günstigungen ausgestattet, die meinen Großeltern für mich Utopien wamütterlicherseits aufren. Das ging über mowuchs, wurde ich wederne Garderobe bis zu gen guter schulischer Hauslehrern für Musik Leistungen in das Gymund Nachhilfeunternasium in Saaz aufgericht. Am Eingangspornommen, das ich bis tal prangten die Sprüzum Kriegsschluß 1945 che „Lebe, um zu lerbesuchte. nen“ und „Lerne, um zu Der Name „Oberleben“. Sie sind zeitlos. schule für Jungen“ ist Ich hatte zunächst mir bis heute ein Rät- Siegfried Mikut Schwierigkeiten mit sel, waren doch rund Englisch. Nach einem ein Drittel der Schüler Mäd- Jahr platzte endlich der Knoten. chen. Welch ein Unterschied für Mit einem Mangelhaft im Zeugmich, der aus einer Dorfschule nis schaffte ich den Sprung in die kommt. Jede Klasse hatte nur ei- Sekunda noch. Dabei hatten wir

einen versierten Englischlehrer, der nach eigenen Angaben einige Jahre in England Deutschunterricht gegeben hatte. Waren wir einmal nicht artig, hielt er uns stets die gute Disziplin der englischen Schüler vor, die überwiegend in der Pfadfinderbewegung „Scout movement“ organisiert waren. Das hinderte ihn jedoch als überzeugten Hitleranhänger nicht daran, uns ständig zu ermahnen, „die englische Sprache zu erlernen, um das englische Volk besser hassen zu können“. Zur Ehre des gesamten Lehrkörpers – überwiegend Doktoren und Professoren – sei jedoch gesagt, sie gaben sich alle große Mühe, uns ein solides Allgemeinwissen zu vermitteln, was mir selbst in meinem beruflichen und gesellschaftlichen Leben von großem Nutzen war.

Der Direktor legte Wert, mit dem Titel Oberstudiendirektor angesprochen zu werden. Wir

sen, das sie immer wieder bewältigt hätten. Aber heute sei es viel einfacher! Regners ernten und trocknen den Hopfen. Zur Verarbeitung zu Pellets oder Konzentrat, wie es die Brauereien wünschen, und für den Vertrieb verläßt man sich auf Bayern. Wohin Alfred Regner gleich 1990 natürlich gefahren ist. Zum Haus des Hopfens in Wolnzach in der Hallertau ist er gepilgert und hat sich umgesehen. Seine Spannbetongerüste wurden damals belächelt. Heute sieht man sie auch in der Hallertau. Sie lösten die klassischen Holzgerüste teilweise ab. Die Heimat seiner Eltern kommt im Gespräch dann doch noch am Rande vor, wenn Regner erzählt, daß seine Eltern Heimattreffen im Leipziger Zoo zu Kleinpfingsten – dem Sonntag nach Pfingsten – besucht hätten. Oder daß er einen Großcousin, der im Westen gelandet sei, plötzlich in seinem Dorf kennengelernt habe. Er sei auf Montage in der „DDR“ gewesen und habe nach Regners gefragt. Zum Abschied gibt mir Al­ fred Regner noch einen kleinen Schatz zur Lektüre mit auf den Weg. Zu einem Jubiläum des Hopfenhofes Regner gestaltete Karl Borde eine kleine Hopfenkunde mit allen Besonderheiten über den Hopfenanbau in der „DDR“. Borde war im Sudetenland zur Welt gekommen, hatte Agrarwissenschaften an der Universität Halle-Wittenberg studiert und war der treibende Mann hinter dem Hopfenbauprojekt mit sudetendeutschen Hopfenbauern in Mitteldeutschland. Er schrieb 1989 ein Standardwerk über den Hopfenanbau in der „DDR“ und setzte sich nach der Wende dafür ein, daß der „Elbe-Saale-Hopfen“ ein eingetragenes Markenzeichen in der EU wurde, was 2014 dann auch geschah. Das schön gestaltete Unikat werde ich alsbald nach Anhalt zu den Regners mit Dank zurückschicken. Sie sind schließlich der lebende Beweis einer fortdauernden sudetendeutschen Erfolgsgeschichte im Anhaltinischen, wofür Karl Borde sein Leben lang gearbeitet hat.

nannten ihn Rex. Er predigte die „Dreieinigkeit von Schule, Hitlerjugend und Elternhaus“. Bis auf den Direktor und Alte Aufnahme den Engder Saazer lischlehrer Oberschule für waren die Jungen. Lehrkräfte politisch neutral. Besonders hervorheben möchte ich Dr. Enders, meinen Klassenlehrer, der ob seiner pädagogischer Feinfühligkeit und hu-

manistischer Einstellung wesentlich zu meiner Bildung beitrug. Auch eine Erinnerung aus der Schulzeit bleibt ewig: der arme Teufel von Religionslehrer. Religion war Wahlfach. Da der Religionsunterricht zweimal in der Woche auf die erste Stunde fiel, zog ich vor, nicht teilzunehmen. Als ich dann kurz vor der zweiten Stunde vor die Klasse kam, dauerte mich der Kaplan einmal mehr. So sehr hänselte und ärgerte ihn die Klasse. Ich bin froh, da nicht dabeigewesen zu sein. Übrigens hatte ich schon damals ein gespaltenes Verhältnis zur Religion. In der Volksschule hatte mich der Pfarrer gelehrt, daß die Erde eine Scheibe sei und die Sonne sich um sie drehe. Im Gymnasium wurde das Gegenteil wissenschaftlich erläutert. Zum anderen denke ich an ein Bild in der Bibel, das eine Tafelrunde Reicher zeigt, unter deren Tisch ein Armer liegt, der ein paar Krümmel aufliest. Bitte umblättern


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VERBANDSNACHRICHTEN . AUS DER HEIMAT

� SL-Kreisgruppe Altenburger Land/Thüringen

Auf der Gedenktafel unter der Johannes-von Nepomuk-Statue auf der Marmorbrücke in Villmar steht: „Johannes von Nepomuk. Zum Gedenken an die Vertreibung. 1946–1996“.

30 von Erfolg gekrönte Jahre Heuer feiert die thüringische SL-Kreisgruppe Altenburg 30. Geburtstag. Seit 30 Jahren ist Otto Hörtler ihr Kreis­ obmann. Tatkräftig zur Seite steht ihm dabei seine Frau Monika, eine Vertriebene aus dem oberschlesischen Kreis Gleiwitz. Hörtler berichtet.

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or 30 Jahren, am 23. Februar 1991, gründeten vertriebene Sudetendeutsche im vollbesetzten Landestheater in Altenburg für die damaligen Kreise Altenburg und Schmölln in Ostthüringen die SL-Kreisgruppe Altenburg. Unter den Landsleuten herrschte Begeisterung. „Endlich können wir nach so vielen Jahrzehnten öffentlich über unser Vertreibungsschicksal sprechen“, freuten sie sich. Trotz der 40 Jahre Sozialismus, in denen die Wörter Vertreibung und Vertriebene im öffentlichen Sprachgebrauch verboten waren, war dennoch die Identität der Sudetendeutschen Volksgruppe nicht verloren gegangen. Wir Altenburger Sudetendeutschen waren die ersten, die eine SL-Kreisgruppe in Ostthüringen gründeten. Die Mitglieder des Vorbereitungskomitees stellten ihre Ersparnisse zur Verfügung, um die Gründung zu ermöglichen. Aus mehreren Gründen traten wir damals nicht dem BdV-Landesverband Thüringen bei. Deshalb bekamen wir von Thüringen zum Aufbau unserer Kreisgruppe keine Unterstützung und keine Förderung. Unsere erste Aufgabe bestand darin, herauszufinden, wer Sudetendeutscher ist, und Mitglieder zu werben. Dann mußten wir Ortsgruppen bilden, Landsleute als Amtsträger gewinnen, Vorstände und Ortsobleute wählen. Die Gründung von Ortsgruppen war eine gute und richtige Entscheidung, da sie heute noch so wie vor 30 Jahren bestehen. Mit mehreren Bussen fuhren wir zu den Sudetendeutschen Tagen nach München, Augsburg und Nürnberg. In den ersten Jahren beschimpften uns Altkommunisten und von „DDR“-Ideologie verseuchte Unwissende massiv. Dank unserer Öffentlichkeitsarbeit, Literatur über die Vertreibung, einschlägiger Bücher und Filme im Fernsehen wurde dieser Personenkreis eines besseren belehrt. Heute, 30 Jahre nach der Wende, sind diese Stimmen verstummt. Immer mehr junge Menschen interessieren sich für Vertreibung und erkennen das Unrecht. Wir unterstützen Schülerarbeiten über das Thema „Vertreibung“ und bieten auch in Zukunft unsere Hilfe als Erlebnisgeneration an.

Die gesamte Verbandsarbeit wurde in den 30 Jahren in ehrenamtlicher Tätigkeit geleistet – ohne ABM-Kräfte wie bei vom BdV unterstützten Kreisgruppen. Unsere Amtsträger stellten und stellen für die Verbandsarbeit ihren privaten Wohnraum, das Telefon und – so weit vorhanden – auch das Auto zur Verfügung. Auf Grund des hohen Durchschnittsalters unserer Mitglieder nimmt die Sozialarbeit einen besonders großen und breiten Raum ein. Durch unseren leider viel zu früh verstorbenen Landsmann und Organisator Robert Kutscher haben wir bereits 1990 den ersten großen Volkstumsnachmittag, unsere erste Kaiserkirmes, das traditionelle Erntedankfest der Sudetendeutschen in Altenburg mit großem Erfolg begangen. Im Jahr 2019 gab es die 29. Kaiserkirmes. Dank der hilfreichen Unterstützung, die uns Bürgermeisterin Gabriele Sporbert und der jetzige Bürgermeister Steffen Stange gewährten, wurde uns der Kulturhaussaal in Rositz zur Verfügung gestellt. Bei unseren Großveranstaltungen haben wir als Gäste eine hohe Beteiligung der Politprominenz, darunter unser Landrat und unsere Abgeordneten des Land- und Bundestages, zu verzeichnen. Die hohe Teilnehmerzahl bei unseren Veranstaltungen beruht auch auf der aktiven Verbandsarbeit unserer Mitglieder und Amtsträger. Landsmann Robert Kutscher war auch der Initiator und Verfasser vieler Zeitungsartikel sowie der Herausgeber des ersten Heimatbriefes 1992. Kutscher hatte auch unsere Busfahrten in die Heimat organisiert. Die Organisation der Fahrten in die Heimat wurde von Erhard Roth übernommen, weiterentwickelt und ausgebaut. Die Kreisgruppe unternahm jährlich sieben Tagesfahrten und drei Mehrtagesfahrten. Corona machte dies unmöglich. Die Kreisgruppe hat einen großen Anteil am Gedenkstein in Rositz-Schelditz, der an die Opfer von Krieg und Vertreibung erinnert. Durch Initiative unseres Landsmannes Franz Ohme und einiger Mitstreiter von der SL-Ortsgruppe Lucka sowie der Luckaer Bürgermeister konnte 1995 eine kleine Heimatstube in Lucka eingerichtet werden. Sie ist ein Kleinod mit vielen liebevoll zusammengetragenen Gegenständen aus der Heimat. Nach Corona werden wir unsere bisher erfolgreiche Verbandsarbeit zum Erhalt unserer Volksgruppe in Ost­thüringen in eine gute Zukunft führen.

Kaiserkirmes 2017 in Rositz: Der Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel und Kreisobmann Otto Hörtler.

� BdV-Ortsverband Villmar/Hessen

Hoffnungsheiliger Vor 25 Jahren, am 16. Mai 1996, weihte der damalige Weihbischof Gerhard Pieschl die SanktJohannes-von-Nepomuk-Statue auf der Marmorbrücke im mittelhessischen Villmar. Der 25. Jahrestag war für die Mitglieder des hessischen

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BdV-Ortsverbandes Villmar Anlaß, in einer kleinen Feier unter Beachtung der Corona-Auflagen heuer am 16. Mai der Weihe zu gedenken. Josef Plahl, der Vorsitzende des übergeordneten BdVKreisverbandes Limburg-Weilburg, berichtet.

farrer Günter Daum, langjäh- Folterung wurde Johannes auf riger Pfarrer von Villmar, hat- Befehl des Königs am 20. März te für das Jubiläum folgendes 1393 in Prag in die Moldau geRundschreiben verfaßt: „Im Jah- stürzt. König Wenzel legte selbst re 1996 wurde anläßlich 50 Jah- mit Hand an bei der grausamen re Vertreibung auf der Villmarer Tortur. Nachdem man seine LeiMarmorbrücke die Gedenkstätte che später im Wasser treibend an die Vertreibung errichtet. Im gefunden hatte, brachte man JoLager Steinbruch und in Weil- hannes von Nepomuk in den münster waren 1946 Transpor- Veitsdom, wo er beigesetzt wurte mit Heimatvertriebenen an- de. Mit der Heiligsprechung am gekommen, die von dort auf die 19. März 1729 durch Papst BeGemeinden des Landkreises auf- nedikt XIII. in der Lateranbasigeteilt wurden. Anläßlich die- lika zu Rom fand die Verehrung ses Gedenkjahres wurde auf In- des gläubigen Volkes ihre Bestäitiative des BdV-Kreisverbandes tigung. Limburg-Weilburg und der AcDie Verehrung des heiligen kermann-Gemeinde die Johan- Johannes von Nepomuk verbreines-von-Nepomuk-Gedenkstätte mit einer FiVillmars katholische gur des böhmischen Pfarrkirche Brückenheiligen in unSankt Peter und Paul mittelbarer Nähe des ehehinter dem maligen Lagers errichtet. Brückenheiligen. Maßgeblicher Motor war der damalige BdV-Vorsitzende Franz Krotzky aus Villmar. Am 16. Mai 1996, dem Gedenktag des Heiligen, es war der Festtag Christi Himmelfahrt, weihte Weihbischof Gerhard Pieschl aus Limburg als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlings- und Vertriebenenfragen die Villmarer Gedenkstätte ein. Die Fertigung der Statue hatte der Villmarer Steinbearbeitungsbetrieb E. Müller übernommen, der auch das Material dazu gestiftet hatte. Der bei dieser Firma beschäftigte Bildhauer Walter Schmidt zeichnet für den tete sich über ganz Europa. Seine Entwurf und für die Fertigung Figur stellte man auf viele Brücverantwortlich. Die Finanzierung ken. Er wird als Brückenheiliger dieses Werkes erfolgte durch verehrt und meint damit, daß er Spenden der Heimatvertriebe- Brücken zu schlagen vermag. nen und vieler Bürger im Land- Brücken zwischen Menschen, kreis Limburg-Weilburg. Alljähr- Gruppen und Völkern. Seiner lich fanden wir uns seit 1996 um Abstammung nach ist er Deutden 16. Mai an der Gedenkstätte scher, gelebt hat er in der Mitte ein. Coronabedingt mußte 2020 Europas in der heutigen Tschechischen Republik. Verehrt wird ausfallen.“ Johannes von Nepomuk wur- er von Menschen deutscher und de um das Jahr 1340 in Pomuk tschechischer Sprache. Menschen haben Menschen bei Pilsen geboren. Seine Eltern stammten aus Franken. Als gebil- Schlimmes angetan. Im Blick auf deter Kirchenjurist stand er zu- Christus und sein Kreuz sind wir letzt als Generalvikar im Dienst zur Verzeihung bereit. Zu der Mai des Prager Erzbischofs Johann Einweihungsfeier am 16.  von Jenzenstein. Mit diesem ge- 1996 war ein Vertreter der Tscheriet Johannes von Nepomuk in chischen Botschaft in Bonn, der die Streitigkeiten zwischen Kö- Gesandte Vladislav Ladubek, genig und Kirche, dessen Opfer er kommen und sprach bedeutsame Worte: wurde. „Der Tod und das Martyrium Weil sich der König des Erzbischofs nicht bemächtigen konn- des Heiligen erinnern uns auch te, ergriff er dessen Generalvikar an die tragische Geschichte unund ließ ihn festnehmen. König seres Jahrhunderts. UnmoraliWenzel IV., anfänglich ein gut- scher Hochmut der Politiker, gewilliger Herrscher, setzte Erzbi- steigerter Nationalismus, dann schof und Kirche immer mehr die Nazi-Machtergreifung, rückunter Druck. Nach grausamer sichtslose Expansion und die da-

mit verbundene Bedrohung der Existenz vieler Völker, Zerstörung ganzer Volksgruppen, Umvolkung und Deportationen … Die Welt war schockiert … Der Haß gegen die Nazis wurde zum Haß gegen alles Deutsche. In dieser Atmosphäre kam es leider auch zu beschämenden Akten des Hasses gegen wehrlose Menschen. Ein präzedenzloser Krieg und ein präzedenzloses Morden brachten auch präzedenzlose Folgen … Die Deutschen aus dem Osten wurden auch zu besonders schmerzhaft betroffenen Opfern des Krieges. Ihr millionenfaches Leid war vielleicht das größte Opfer unter den Deutschen.“ Hier erinnere ich auch an die Charta der Heimatvertriebenen von 1950, in der sie fünf Jahre nach Krieg und Vertreibung auf jede Rache und Vergeltung verzichten. Gewalt kann man nicht mit Gewalt beenden; Gewalt erzeugt immer wieder neue Gewalt. Eine ausgestreckte Hand kann Wunder bewirken. Eine ausgestreckte Hand bildet keine Faust; sie wird zur Freundeshand. Ich verweise auf die freundschaftlichen und partnerschaftlichen Kontakte zwischen Villmar und Grulich/Kraliky. Am 13. Oktober 1996 wurde die Freundschaft und Partnerschaft besiegelt. Die Grundsatzerklärung unterzeichneten damals der Villmarer Bürgermeister Manfred Heep und der Grulicher Bürgermeister Jan Zina. Das ist in diesem Jahr ebenfalls vor einem Vierteljahrhundert geschehen. Menschen, die sich kennen und schätzenlernten, werden zu Brückenbauern. Leid und Schmerz, Morden und Kriege bleiben, können aber überwunden werden in dem Willen, eine Zukunft zu bauen, die besser und gerechter und menschlicher wird. Der Einsatz für Freundschaft und Völkerverständigung ist wertvoll, ebenso unser Versuch, an einem Europa mitzuarbeiten, in dem für alle Zukunft Haß und Gewalt geächtet sind. Wir hoffen, daß sich die Menschen nach Frieden, Gerechtigkeit, Sicherheit und Freiheit sehnen. Unsere Freundschaft und Partnerschaft sind wirklich gewachsen. Aus dem kleinen Samenkorn einer Idee ist inzwischen schon ein recht starkes Bäumchen von echter Freundschaft geworden. Der Brückenheilige Johannes von Nepomuk ist unsere hoffnungsfrohe Verbindung.

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

� Fortsetzung von Seite 9

Mit Mädchen im … Zu meinen besten Klassenkameraden zählte Helmut Holm. Wir waren die zwei einzigen Gymnasiasten aus Stankowitz. Seine Eltern besaßen ein Kolonialwarengeschäft im Ort. Bei ihm machten wir häufig unsere Hausaufgaben, wobei uns die Eltern unterstützten. Ihn traf es schlimm. Sein Vater war Ortsgruppenleiter der NSDAP und wurde nach Kriegsende zusammen mit dem Ortsbauernführer Knobloch von tschechischen Nationalisten erschossen, wohl ein Racheakt wegen der deutschen Verbrechen in Lidice. Wir verloren uns aus den Augen, da seine Familie nach Bayern ausgesiedelt wurde. Meine Familie strandete in der Sowjetischen Besatzungszone in Thüringen. Nach 1990 sahen wir uns zweimal bei Treffen in Franken, einmal beim Miniklassentreffen, das er organisiert hatte, und einmal bei einem Heimattreffen. Anton Okasek, meinen Banknachbarn im Gymnasium, traf ich dann zufällig in Thüringen in Königsee wieder, weil wir dort Einkäufe tätigten. Dem Rat seines gleichnamigen Vaters habe ich es zu verdanken, daß ich in der damaligen Werkzeugfabrik den Beruf des Maschinenschlossers erlernen konnte. Um hier nochmals den Bezug zur Oberschule Saaz herzustellen: 60 Jungen bewarben sich um eine der 13 angebotenen Lehrstellen in einer mündlichen und schriftlichen Prüfung. Dank des in dieser Schule erworbenen Wissens war ich einer von den Dreizehn. Weitere Kontakte unterhielt ich mit Miriam Swirtschuk, Lisa Graf und Rudi Gemmer sowie zu meinem Spielkameraden Hans Tittelbach. Manche bestehen noch telefonisch. Miriam ist jedoch schon gestorben. Was mich sonst noch mit Saaz verbindet, ist mein Großvater. Er arbeitete zuletzt in der Saazer Urstoffbrauerei als Betriebshandwerker. Der damalige obligatorische Haustrunk brachte es mit sich, daß ich auch jetzt noch ein gutes Bier schätze. Natürlich gab es für uns Kinder damals nur Malzbier. Das waren meine ersten Erinnerungen an Saaz.

Das Saazer Gymnasium heute.

Siegfried Mikut: „Ich habe meine Lebenserinnerungen – natürlich mit dem Schwerpunkt Tätigkeit bei der Deutschen Volkspolizei – niedergeschrieben. Daraus habe ich meine Erinnerungen an Saaz entnommen.“


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ZEITGESCHICHTE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

� Aus dem Egerland nach Hessen – Teil III

Dem Teufel von der Schippe gesprungen In dieser Serie berichtet Erich Lill über seine Jugend im Sudetenland, über seine Rückkehr aus seinem jugendlichen Kriegs­ einsatz, seine Vertreibung aus der Heimat im Oktober vor 75 Jahren und das Seßhaftwerden in Hessen. Den Bericht verfaßte er als 80jähriger 2007.

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ir fuhren über Senftenberg zurück nach Ruhland. In Dresden konnten wir überhaupt nicht helfen. Daß die Stadt untergegangen war, wurde uns in den nächsten Tagen bestätigt.

Mein Anteil am Endkampf Bis Ende März konnten wir das Brawag-Werk noch einigermaßen sichern, dann wurde die Massierung der alliierten Angriffe zu stark. Sowohl das Werk wie auch unsere Batteriestellungen wurden zerschossen und zerbombt. Wir wurden deshalb Anfang April aus der Batterie rausgezogen und nach Simmersdorf bei Bad Muskau verlegt. Dort mußten wir Gräben und Schanzen als Panzerhindernisse bauen, außerdem Geschützstände. Am 16. April erfolgte der erwartete Großangriff der Russen über die Oder, der mit dem auf Berlin in Verbindung stand. Das wußten wir damals nicht. Der Tag war so furchtbar, daß ich ihn nicht vergessen werde. Schon um fünf Uhr früh heulten drei Stunden lang die Stalinorgeln. Dann setzte der Russe über die Neiße. Dabei wurden von uns vier bis fünf Panzer abgeschossen. Das waren T 34. Das Geschützfeuer hatte unsere Stellung verraten, und wir bekamen eine volle Ladung ab. In 500 bis 1000 Metern Entfernung fuhren die russischen Panzer vorbei. Wir machten keinen Mucks mehr; einen weiteren Volltreffer hätte unsere Stellung nicht ausgehalten. Ein Funkspruch wies uns an, nicht zurückzugehen, sondern uns einzuigeln und auf den Nahkampf zu warten. Der Volkssturm und die Wehrmacht zogen sich zurück. Der Geschützstaffelführer Zenner sagte, wir sollten dem Abteilungsführer melden, daß Einigeln zwecklos sei. Bei dieser Überlegenheit des Feindes sei nur Zurückweichen sinnvoll. Er ordnete außerdem die Geschützsprengung an. So begann unser Rückzug von der Neiße. Es ging querfeldein. Ich hatte noch ein Fahrrad. Als Bewaffnung führte ich einen Karabiner, mehrere Handgranaten und zwei Panzerfäuste mit. In einem Panzergraben sammelten wir uns noch einmal. Von den 120 Mann am Vortage waren ungefähr noch 20 übrig. Der Tod hatte furchtbare Ernte gehalten. In Gruppen suchten wir uns nach rückwärts zu einer Einheit durchzuschlagen. Ich war in einer Siebenergruppe. Am 20. April gingen wir bei Riesa über die Elbe. Eingedenk des Auftrags meines Vaters zog ich an der Elbe weiter und kam bis Königstein, bis zu dem Ort mit der berühmten Feste. Als ich dort in der Kaserne übernachten wollte, traf ich meinen ehemaligen Chef, den Oberstfeldmeister Georg Goldenberg. Bei ihm hatte ich vor einem Jahr die Ausbildung in DresdenFreidelsdorf gemacht. Jetzt bildete er hier gerade den 29er Jahrgang für den Arbeitsdienst aus. Zu ihm hatte ich damals schon ein gutes Verhältnis entwickelt. Nach dem Chaos der letzten Tage war ich froh, auf ihn zu treffen. Er sagte gleich: „Lill, du bleibst hier und hilfst mir.“ Wieder mußten Erdarbeiten gemacht werden. Dann sollten wir mit den jungen Kerls über Pirna in Richtung

Bautzen gegen die Russen in den Kampf ziehen.

Dem Kriegsende entgegen Schon in Pirna hat uns die SSDivision Frundsberg in ihre Obhut genommen. Mit ihr marschierten wir elbeaufwärts bis Bad Schandau und schlugen uns im Schutz des Kirnitzsch-Tales in die Böhmische Schweiz nach Osten durch. Hier begann ich mich immer besser auszukennen. Heute im Rückblick ist es fast wie ein Wunder, daß ich am Tag des Kriegsendes just in dem Gebiet strandete, wo ich nicht einmal zwei Jahre vorher meine Forstlehre begonnen hatte. Am 8. Mai waren wir in Kreibitz-Teichstadt (Chřibská-Rybniště), nur wenige Kilometer von „meinem“ Forsthaus entfernt. Der Oberst und Feldmeister Georg Gold-

An der kleinen Brücke über die Kamnitz hatten wir die erste Begegnung mit tschechischen Milizionären. Sie nahmen mir die Feldflasche weg. Wir kamen aber einigermaßen unbehelligt bis Tetschen über die Brücke. Dort verabschiedeten wir uns. Goldberg zog mit seinen Jungs elbabwärts nach Dresden weiter, ich wollte mich im Vorland des Erzgebirges zunächst auf der Kaiserstraße in Richtung Kösteldorf durchschlagen. Um diesen Plan in die Tat umzusetzen, mußte ich aber erst für die Nacht einen Ort finden, wo ich mein müdes Haupt hinlegen konnte. Vom 9. auf den 10. Mai übernachtete ich gleich jenseits der Elbebrücke hinter einer Mauer ohne Decke und ohne Schutz. So warm war die Nacht. Am nächsten Morgen ging es durch Bodenbach und Eulau an

bei Seestadtl tschechische Milizionäre auf uns aufmerksam. Sie trieben uns in einen Gasthof, weil ein nächstes Lager angeblich überfüllt war. Kurze Zeit später kam ein Trupp russischer Flintenweiber – etwa acht bis zehn – auf struppigen Pferden dahergeritten. Sie trieben uns auf der Landstraße in Richtung Brüx zurück. Wir sollten dort in ein Lager.

Warten auf den Genickschuß

Fußkranke, die nicht weiterkonnten, zusammenbrachen oder in den Straßengraben wankten, wurden rücksichtslos erschossen. Auch in diesen Augenblicken hatte ich die Worte meines Vaters im Sinn. „Du mußt heim zur Mutter.“ Meine beiden Leidensgenossen gingen an meiner Seite. Ich flüsterte ihnen

Sie befragten mich. Ich erklärte, daß ich nicht wisse, wo ich sei und wohin ich mich wenden müsse. Die Tschechin sagte: „Geh nach Brüx. Dort ist ein Lager für Wehrmachtsangehörige. Dort wirst du entlassen.“ Dabei zwinkerte sie mir zu. Ich versprach dies zu tun und wir gingen in entgegengesetzter Richtung auseinander. Sobald sie außer Sichtweite waren, schlug ich mich zum Gebirge hin ins Feld. Ich kam nur sehr langsam voran, denn ich schlich nur gebückt und robbte auf allen Vieren vorsichtig über flache Feldstücke. Wege oder Straßen querte ich nur nach entsprechenden Beobachtungen. Immer wieder peitschten Schüsse durch die Flur. Im Feld versteckt und auf Ansitzen saßen Tschechen und schossen auf Deutsche, die sich von der Straße absetzen wollten.

Unsere Familie Lill aus Kösteldorf im Egerland 1942. Mein Vater Josef (* 1903) war gerade zum ersten Fronturlaub aus Rußland daheim. Ich, Erich ­Lill (* 1927), war damals 15 Jahre alt und besuchte die 5. Klasse der Hauptschule. Nach dem Anschluß war unsere frühere Bürgerschule so umbenannt worden. Mein Bruder Helmut (* 1937) war erst fünf Jahre alt und ging demzufolge noch nicht zur Schule. Er hatte bis zur Vertreibung 1946 noch nicht einmal die Grundschule beendet, studierte später aber in Hessen und wurde Lehrer. Bei einer Kopfoperation starb er tragischerweise schon mit 34 Jahren im Klinikum Gießen. Meine Mutter Maria führte nach Vaters Einberufung mit mir den Hof. Schließlich mußte alles weitergehen. Auf dem Hof waren drei Kühe, zwei Rinder, zwei Schweine und fünf Hektar Feld und Wiese zu versorgen. Außerdem kümmerte ich mich um die 30 Bienenvölker; denn Vater war ein passionierter Imker gewesen. berg ordnete sogleich die Rückführung an und bestimmte mich zum Führer der Nachhut.

Antosch zertrümmert meinen Karabiner Bevor wir in Richtung Dresden abmarschierten, machte ich einen Besuch im Forsthaus. Mein Zimmer gab es noch. Das hatte jedoch inzwischen eine Flüchtlingsfamilie aus Schlesien belegt. Mein Chef, Franz Antosch, war erfreut, mich zu sehen, aber auch entsetzt; denn ich trug noch meinen Karabiner. In jenen Tagen ging vieles so schnell, daß das Begreifen manchmal nicht Schritt halten konnte. Solche Nachlässigkeit haben viele damals mit dem Leben bezahlt. Ein Glück, daß ich nicht einem „Partisanen“, sondern Antosch mit dem Karabiner begegnet bin. Er entriß mir die Waffe und zerschlug sie an einem Baum. Dann gab er mir noch einen Teller Suppe und sagte: „Mach dich fort und sieh zu, daß du heil heimkommst! Viel Glück!“ Er wurde in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) vertrieben, besuchte uns aber schon 1953 im Westen. Wir marschierten im Kamnitztal hinab in Richtung Elbe.

Kulmer Schlachtdenkmalen vorbei in Richtung Teplitz-Schönau. Die Straße war voller Menschen in beiden Richtungen. Uns entgegen kamen vor allem Ostarbeiter. Einige von ihnen, aber auch Tschechen, lungerten am Straßenrand und schikanierten die Deutschen. Tschechische Milizionäre riefen, daß Deutsche die Straße nicht verlassen dürften, sonst würden sie erschossen. Ostarbeiter nahmen uns das letzte Stück Brot ab. Als ich an diesem Abend in Teplitz bei einer deutschen Familie im Keller unterkriechen konnte, war ich froh, aber voller Sorgen für den nächsten Tag. Am nächsten Tag wurde es auf dem Weg nach Brüx nicht besser. Brot hatte ich nicht mehr. Das konnten mir die Ostarbeiter nicht wegnehmen. Aber sie entrissen mir Mantel, Jacke und Bluse. Einen Schlafplatz fand ich in dieser Nacht vom 11. auf den 12. in einem Bahnwärterhäuschen vor Brüx. Der nächste Tag sollte der schlimmste werden. Inzwischen hatte ich mich zwei Kameraden angeschlossen, zwei Männern aus dem Böhmerwald, die gut zehn Jahre älter waren als ich und die auf dieser Strecke den selben Weg hatten. Unterwegs nach Komotau wurden

zu, daß ich abhauen müsse. Ich müsse es versuchen. Sie erschraken und bettelten mich, ich solle bleiben; denn ich würde erschossen. Aber ich setzte alles auf eine Karte und riskierte es. Ich ließ mich unauffällig in den hinteren Teil des Zuges zurückfallen. Als ich meinte, keiner der Aufpasser schaue her, ließ ich mich fallen, rollte vom Rand der Kolonne über die Böschung in den Straßengraben und blieb unbeweglich liegen. Ich erwartete Gebrüll und den Genickschuß. Aber das geschah nicht. Das Geräusch des Zuges entfernte sich und es wurde still.

Das Glück zwinkert mir zu Unbeweglich und mit geschlossenen Augen blieb ich liegen. Diese Augenblicke, in denen mir wohl von Gott ein zweites Leben geschenkt wurde, dauerten scheinbar eine Ewigkeit. Nach dieser schlug ich dann doch die Augen auf und sah, daß ich wirklich heil und alleine war. Ich hatte mich aber kaum erhoben, da merkte ich, daß ich an diesem Tag noch mehr Glück brauchte. Drei mit Karabinern bewaffnete Tschechen kamen auf der Straße aus Brüx daher, zwei junge Tschechen und eine Tschechin.

Angeschossene lagen auf den Feldern und schrien jämmerlich. Diese Schüsse und Schreie machten mich noch vorsichtiger und ließen mich manchmal minutenlang innehalten, um die nächsten Schritte abzusichern. Auf diese Weise erreichte ich am späten Nachmittag dieses 12. Mai den schützenden Wald am steilen Hang des Erzgebirges westlich des Großen Bärensteins. Diesen sieht man zwar noch, wenn man heute auf der neuen Autobahn von Komotau nach Brüx fährt, aber die ganze Landschaft zwischen Autobahn und Gebirge mußte einer der größten Tagebauanlagen Europas weichen. Fast 20 Dörfer und Teile der Stadt Brüx selbst gingen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts darin unter. Dazu gehörten auch der Ort Seestadtl, wo mein Drama an diesem Tag begonnen hatte, und die Felder, durch die ich um mein Leben robbte. Diese Welt meiner Bedrängnis, aus der ich durch Glück und Vorsicht entkam, ist also im wahrsten Sinne des Wortes untergegangen. Mit ihr auch jene Spur von Deutschen, die dort am 12. Mai 1945 – und sicher auch an den Tagen davor und danach – von tschechischen Milizionä-

ren erschossen wurden wie die Hasen. Die Massen- oder Einzelgräber, die einfach Verscharrten, wurden in den tschechischen Jahrzehnten nach 1945 weggebaggert.

Auf dem Kamm des Erzgebirges Sobald ich den Wald erreicht hatte, fühlte ich mich sicherer. Hier war ich in meinem Element. Nicht umsonst hatte ich darin meine Ausbildung erfahren. Aber auch im Wald war Vorsicht geboten. Schüsse und Schreie hallten auch da, und Flüchtlinge suchten wie ich dort einen rettenden Weg. In einem Straßendorf, dessen Namen mir leider entfallen ist, war die Überquerung der Straße besonders risikoreich. Sie gelang mir, weil mich ein Deutscher im richtigen Augenblick rüberwinkte. An diesem Tag ging ich eine zeitlang mit einem Landser. Er war auch auf dem Heimweg. Nach Schwarzbach an der Saale, also bis hinüber ins Reich, wollte er. Er war älter als ich, so um die 40, wird also heute wohl nicht mehr leben. Wir kamen an diesem Tag bis in die Nähe von Sebastiansberg an der Komotauer Straße. Todmüde schliefen wir im schützenden Wald. Am 13. versuchten wir den Kammweg zwischen Sebastiansberg und Weipert zu gehen, immer mit der entsprechenden Vorsicht; denn auch hier konnten Mörder lauern. Wir begegneten einem Trupp Gefangener, die von Russen geführt wurden. Weil wir rechtzeitig in Deckung gingen, konnten wir flüchten. Der Kammweg verlief hier fast in 1000 Metern Höhe. Bei einem Förster konnten wir in einer Scheune übernachten. Je weiter wir ins westliche Erzgebirge kamen, das heißt je mehr ich mich dem Heimatort näherte, um so ruhiger wurde es. Am 14. blieben wir auf dem Weg nach Joachimsthal unbehelligt. Über dem Ort übernachtete ich im Wald. Von dort wußte ich am nächsten Tag schon Schleichwege über Abertham, Bärringen, um Neudek herum bis Thierbach. Sieben bis acht Stunden wanderten wir ununterbrochen, fast ohne einem Menschen zu begegnen. Obwohl ich schon todmüde war, wurde ich immer schneller; denn ich spürte in der Landschaft an Bäumen, Bächen und Häusern, daß ich der Heimat näher kam. In Thierbach traf ich zwei Mädchen auf der Straße. Es waren eigentlich schon zwei junge Damen, die mindestens so alt waren wie ich. Damals kannte ich sie noch nicht näher, ich wußte nur, daß sie in Thierbach lebten. Ich muß damals sehr abgerissen ausgesehen haben, denn sie schauten mich ganz erstaunt an. Auch als ich sie fragte, ob ich auf der Straße sicher sei. „Ja“, sagten sie, „bei uns gibt es keine Tschechen.“ Da war ich natürlich froh, wußte aber auch, daß die zwei noch nicht wirklich erfahren hatten, daß die Tschechen von heute auf morgen Sieger des Zweiten Weltkriegs geworden waren.

Meine letzte Heimkehr Die letzte halbe Stunde nach Kösteldorf legte ich zurück, ohne einem Menschen zu begegnen. Stille lag über dem Land wie im tiefsten Frieden; unwirklich fast, wenn ich an den Albtraum dachte, den ich Tage vorher durchlebt hatte. Als ich mich dem Elternhaus näherte, ging Mutter gerade über den Hof. Auf meinen Ruf fuhr sie herum. Fortsetzung folgt


Reicenberger Zeitung

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Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de

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Kreis Gablonz

� Das Gesundheitswesen in Zwickau – Teil II und Schluß

Vom Bader zum studierten Arzt Fritsch und der Gemeindeförster Hans Rößler im städtischen Wald Holz zur Herstellung neuer Röhren für die Wasserleitung. Bei dieser Arbeit traf eine stürzende o blieb der Bader steuerfrei, Kiefer den Förster und zerschlug bis sein Gewerbe einging. Er ihm ein Bein. Er wurde dem „Balhatte aber für sein Gartel, das Ge- bier“ Wilhelm Piegert zur Kur meindegrund war, auch fürder- übergeben, der dafür zehn Gulhin jährlich 35 Kreuzer Zins zu den erhielt, wozu die Gemeinde entrichten. fünf Gulden gab, weil es im GeAußer dem Bader befaßten meindebusch geschehen war. sich in früheren Zeiten auch anJohann Hajdank, Boode Jodere Männer in Zwickau mit der hann genannt, errichtete später Heilkunde. So wurde 1667 ein im Haus Nr. 7/1I an der LindeUrban Gerich aus Österreich als nauer Straße im Niederdorf beim Arzt genannt. 1693 wird in den ehemaligen Gasthaus Zum EiZwickauer Kirchenbüchern der senbrünnel oberhalb des späteArzt Heinrich Hofmann ange- ren Gasthauses Zum Eisenbrunführt. Er war gleichzeitig Leinwe- nen – im Volksmund Bei der ber und wird als Doktor bezeich- Hejderuse – im Hof seines Annet. Er mag ein angesehener wesens ein Wannenbad mit einiMann im Ort gewesen sein. Bei gen Kabinen. Die Wannen waren einer Taufe heißt es: „Der kunst- aus Holz und in den Boden einerfahrene Herr Heinrich Hof- gelassen. Das Wasser war eisenmann, Arzt in haltig, man sah 1835 eröffnet das Zwickau.“ Soldas am offenen che ehrenden Brunnen bei Sankt-Georgs-Hospital Worte erhielt der Straße. Da damals im Kirchenbuch nur eine auf den Feldern daneben auch hervorragende Person. Sein Na- Moor lag und unter dem Heideme kommt 1701 zum letzten Mal berg Torf gestochen wurde, wurvor. den bei Hajdank auch Moorbä1704 findet sich Jeremias Brey- der verabreicht. Ich badete dort te als Arzt eingetragen. Er führt um das Jahr 1900. auch den Beinamen Okulist, also Seit 1835 besaß Zwickau ein Augenarzt. Seine Tochter „Jung- Krankenhaus. Das Sankt-Gefer Rosina“ ist am 21. April 1704 orgs-Hospital stand auf dem BütPatin. Er wurde am 8. Mai 1716 telstein. Als Pflegerinnen waren mit 74 Jahren beerdigt. Nach ihm dort Schwestern vom Heiligen ist ein Johann Ernst Breyte Oku- Kreuz mit Sitz in Eger. Primarlist in Zwickau. Er war auch Bür- Arzt war bis 1919 der Kaiserliche ger allhier und dürfte der Sohn Rat Josef Homer, der auch eine des obgenannten Jeremias Brey- Schutzimpfung gegen Tuberkute gewesen sein. Er wurde am lose erfand und diesem Kranken17. April 1748 mit 62 Jahren be- haus 1905 eine Lungenheilstätte graben. angliederte. Auch Barbiere befaßten sich in Im Ersten Weltkrieg dienfrüheren Zeiten mit der Heilkun- te das Krankenhaus als Rekonde. Am 21. Mai 1708 fällten der valeszentenheim kriegsversehrdamalige Rohrmeister Wenzel ten Soldaten. Von medizinischer Rudolf Rösler (†) recherchierte die Geschichte des Gesundheitswesens in Zwickau im Kreis Deutsch Gabel.

S

Beispiel für ein heimatliches Moorbad, wie es auch in Zwickau angeboten wurde, zeigt diese Postkarte von Karlsbad des Kunstverlags Brück & Sohn von 1899.

Seite wurde zu Recht anerkannt, daß die klimatischen Bedingungen unserer Lausitzer Heimat die Voraussetzung für eine günstige Behandlung Lungenkranker boten. So entstand aus dem Anton Würfel gehörenden Klimpergründel und dem angrenzenden Wald 1910 die Landeskinderheilstätte, allgemein bekannt als Skrophulosenheim am Fuß des Kalvarienbergs. Diese Anstalt wurde in der Tschechenzeit großzügig erweitert und war dann auch ein markanter Stützpunkt der Zwickauer Tschechen. Im Haus Nr. 263/1 in Martinsthal am Nordabhang des Bartelbergs eröffnete 1834 Leopold Martin Das Eisenmoorbad Liebenwerda im Nachbarkreis Friedland auf einer Postkarte des Kunstver- das „Erste ruslags Brück & Sohn von 1918. sische Dampf-

lich gelegene, moderne Sanato- der überarbeiteten Nerven. Und rium von den Krankenkassen er- die einfache Höflichkeit und baut wurde, blieb das ehemalige Gastfreundschaft der Bewohner Dampfbad als Dependance zum Nordböhmens belassen den AufSanatorium bestehen. enthalt in steter Erinnerung jeDarüber hieß es im Zwickauer des Fremden.“ Adreßbuch von 1933: „In neueFür die Gesundheit sorgte ster Zeit wurde in Zwickau ei- auch der Turnverein, der schon nes der modernsten Sanatorien 1862 gegründet worden war und eröffnet, welbald die Turn1933 eröffnet eines der ches Aufnahhalle an der me und BeRöhrsdorfer modernsten Sanatorien handlung für Straße baute. Kranke bietet, die an inneren In den 1890er Jahren schuf der akuten und chronischen Erkran- Verein ein Freibad am Bräuhaus­ kungen leiden, so Erkrankungen teich, das zweimal erweitert wurder Kreislauforgane, der Verdau- de. Streng waren damals noch ungsorgane, des Nervensystems, die Badezeiten für Männlein und der Atmungsorgane, des Nieren- Weiblein getrennt; das Familienund Blasensystems und Frauen- bad setzte sich erst nach dem Erkrankheiten. Wenn man berück- sten Weltkrieg durch. Ein zweisichtigt, daß das Sanatorium und tes Freibad schuf der Bademeiseine Dependance allen, nicht ster Hofmann später in seinem nur den Patienten des Sanato- Kahnelteiche oder Hofmannriums, Gelegenheit bieten, Ku- Teich bei seinem Haus unterhalb ren zu absolvieren, und alle Heil- des Bräuhaus­teichs. Diesen Kahmittel zur Verfügung stellen, so nelteich beseitigten die Tschekann man sagen, daß Zwickau chen 1945. Unverständlich ist, infolge seiner schönen Lage in warum. waldreicher Umgebung größere Der Naturheilverein errichtete Vorteile bietet, als mancher über- 1904 ein bescheiden eingerichvölkerter Kurort. tetes Wannenbad. Es war zuletzt Dank der im Sanatorium mo- im Wagnerbäckerhaus in der dern eingerichteten Bäder al- Langegasse oder Schmeykalgasler Art – vom einfachsten Wan- se und zuvor durch viele Jahre im nenbad bis zu Wannenbädern Gebäude des Hotels Reichshof mit medikamentösen Zusätzen untergebracht. Es konnte aber oder Kohlensäure-, Sauerstoff-, nicht mehr ermittelt werden, in Fichtennadel- und Dampfbäder, welchem Haus es von Anfang an ja sogar Moorbäder, ferner eine eingerichtet worden war. Sehr modern eingerichteten Elektro- viel wurde von den Zwickauern therapie (Ultrakurzwellen, Dia- das schöne, moderne Dampfthermie, Höhensonne, Sollux- Heißluft- und Wannenbad im nalampe, Teil- und Voll-Lichtbäder) hen Haida besucht. Ebenso ging – wird jeder Leser leicht erken- man im Sommer gerne zum Banen, daß Zwickau mehr als eine den in die Freibäder der näheSommerfrische ist. ren Umgebung: zum Brett-Teich Wunderschöne Ausflüge in oder Schwalbensee in Bürgstein, die waldreiche Umgebung mit zur Wartenberger Talsperre, zum ozonreicher Waldluft bringen Hammersee, zum Kummerteich die beglückende Entspannung und zum Hirschberger Teich.

bad“ in Böhmen. In dem ebenerdigen Steinhaus waren links die Gasträume und rechts das Bad. Der spätere Besitzer Heinrich Paul, ein immer fideler Herr, ist mir noch gut in Erinnerung, da ich auch öfter dort badete. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Bad aufgelassen. Den Besitz erwarb Anna Nießner, baute ihn um und schuf einen beliebten Ausflugsort. Als Ende der zwanziger Jahre die Weltwirtschaftskrise ihren Anfang nahm, erwarben die Vereinigten Krankenkassen den Besitz und gestalteten ihn zu einem Erholungsheim für ihre Mitglieder aus. Das wurde zur Keimzelle für das Sanatorium Martinsthal. Als Das Moorbad Kunnersdorf im Kreis Deutsch Gabel auf einer Postkarte des Kunstverlags 1933 das herr- Brück & Sohn von 1909.


REICHENBERGER ZEITUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

13 � Reichenbergs Heimatkreisbetreuerin

Staatsbahnhof Warnsdorf.

Urd Rothe 65 Am 10. Juni feiert Urd Rothe, Tochter des Reichenberger Erfolgspaares Roswitha und Rudolf Seeliger, im oberbayerischen Waldkraiburg 65.  Geburtstag.

Schutthalde Ex-Bahnhof.

� Warnsdorf

Vom Staatsbahnhof zum Schutthaufen Heuer hätte der Warnsdorfer Bahnhof 150 Jahre seines Bestehens gefeiert. Doch dieses Jubiläum fällt aus. Petra Laurin berichtet.

I

Gleisanlage, beides vor zwei Jahren komplett rekonstruiert. Weitere Teile des Baukomplexes haben sich als überflüssig erwiesen. Weitere Bahngebäude sollen abgetragen oder verkleinert werden. Das gleiche Schicksal blüht der Bahnstation Dittersdorf an dem Feistritz auf der Strecke Olmütz–Jägerndorf). Auch diese ist heruntergekommen und überdimensioniert. Der Bahnhof in Ketten im Kreis Reichenberg ist dank einer Petition aus der Bevölkerung dem Abriß um Haaresbreite entkommen. In dem Sezessionsgebäude soll ein Jugendzentrum entstehen.

m November rückten schwere Abbruchgeräte an und rissen zwei Drittel des historischen Bauwerkes zu Boden. Die Bahnverwaltung bezeichnet die Demolierung als Optimierung der Empfangsgebäude. In der Vergangenheit kümmerten sich die Bahnen nicht um die Instandhaltung ihres Eigentums. „Der Bahnhof sah aus, als ob hier die Zeit stehen geblieben sei“, stellt der Vize-Bürgermeister und Geschichtsforscher Jiří Sucharda fest. Die Staatsbahnen hatten für das weitläufige, fast l  14. November 1887. Perso100 Meter lange und vienenzug entgleist, mehrere Verle Jahre leerstehende Bauletzte. werk aus der Mitte des l  19. Dezember 1902. Auf19. Jahrhunderts keine grund einer technischen FehlVerwendung mehr. Auch funktion entgleisen fünf mit die Stadt Warnsdorf, der Kohle beladene Güterwagdas Gebäude vor zwei Jahgons. ren angeboten wurde, hatl  13. November 1909. Bei seite hier keine zündende ner Arbeit kommt ein LeitenIdee, bestätigt der Spreder Verschieber ums Leben, der cher Tomáš Secký. „Es war kein echtes Angebot, eher eine Nachfrage, ob wir für das verwahrloste Bauwerk, für Das Besondere am Warnsdordas sich die Anwohner schäm- fer Bahnhof war einst das Auften, eine Nutzung sähen“, präzi- einandertreffen zweier Bahnlisiert der Vize-Bürgermeister. Der nien, der Sächsischen und der Abbruch durch das internationa- Österreichisch-Ungarischen. Der le Bahnbauunternehmen STRA- Bahnhof hatte zwei Türme und BAG-Rail wurde mit 25 Millio- zwei Zollämter. „Seine Größe nen Kronen beziffert, die Kosten wurde der Zeit geschuldet, in der trägt die Bahnverwaltung. Auf der Bahnhof zugleich als Grenzdem frei gewordenen Platz könn- station diente“, erklärt Marek te ein Parkplatz entstehen. Was Illiaš, der Sprecher der Bahnverbleibt, sind der Ostflügel und die waltung.

Die örtlichen Unternehmer mußten lange auf den Bau des Warnsdorfer Bahnhofs warten. Das österreichische Handelsministerium erteilte bereits 1857 die Baubewilligung für die Strecke von Tetschen bis Warnsdorf. Man nahm an, daß diese binnen zwei Jahren in Betrieb gehe, doch der erste Aushub erfolgte erst 1866 nach dem preußisch-österreichischen Krieg. Der Ausbau kostete die Böhmische Nordbahn (BNB) 25 Millionen Gulden. Auf der Stecke Kreibitz-Teichstatt– Warnsdorf wurden zusätzlich die Bahnstationen Obergrund-Sankt Georgenthal und Niedergrund

Warnsdorfer Zugunfälle seit Eröffnung des Bahnhofs, hier diente. l  28. Januar 1912: Ein Personen- und ein Güterzug stoßen zusammen, mehrere Waggons werden beschädigt. l  5. Mai 1967: In Sankt Georgen machen sich drei Waggons selbständig und rammen einen stehenden Personenzug, ein Toter, viele Verletzte. errichtet. Das Bahnhofsgebäude in Warnsdorf baute man knapp an der Grenze mit Großschönau in Sachsen. Der provisorische unverputzte Ziegelbau befand sich westlich des späteren Bahnhofs, der in den Jahren 1870 und 1871 erbaut wurde. Die erste Lokomotive kam in Warnsdorf am 23.  Oktober 1868 an, im selben Jahr wurde der Ausbau der Strecke von Zit-

tau nach Großschönau begonnen. „Meist verkehrten hier gemischte Züge, die sowohl Personen als auch Güter beförderten“, ergänzt Sucharda. Der erste Zug aus Warnsdorf fuhr am 15. August 1871 um 4.15 Uhr nach Zittau. Gleich darauf zog das Zollamt im Bahnhof ein. 1874 erfolgte der Bau der Verbindungstrecke Warnsdorf– Seifhennersdorf. Der Bahnhof wuchs, Betriebswerk, Drehscheibe und Lagerräume kamen dazu. 1989 beherbergte der Bahnhof fünf eigenständige Ämter – österreichische wie sächsische. Nach Prag war Warnsdorf die zweitgrößte Bahnstation der BNB. Sie gab 80  Menschen Arbeit. „Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden hier täglich zwei österreichische Schnellzüge und 23 österreichische und sächsische Personen- oder Güterzüge abgefertigt. Nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 verlor der Bahnhof nach und nach an Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zugverbindung über Deutschland für sechs Jahre komplett eingestellt. Die Züge verkehrten nur noch zwischen Reichenberg und Grottau. Im Mai 1951 wurde der Verkehr zwischen Warnsdorf und Grottau über Zittau wieder zugelassen, auf sächsischen Bahnhöfen hielten die Züge allerdings nicht. Erst ab 1989 durften die Passagiere auf der Strecke Warnsdorf–Reichenberg aus- und einsteigen. Und erst 2006 nahm Warnsdorf seine Funktion als Grenzbahnhof wieder auf.“

KREIS DEUTSCH GABEL Heimatkreis und Gemeindebetreuer gratulieren allen RZAbonnenten aus dem Kreis Deutsch Gabel, die im Juni Geburtstag, Hochzeitstag, ein Jubiläum oder sonst ein Ereignis begehen, und wünschen alles Gute, Gesundheit, Wohlergehen und Zufriedenheit sowie den Kranken unter uns baldige Genesung.

Gleichzeitig hoffen wir, daß die Leser der Reichenberger Zeitung noch viele Jahre von ihrem unerschöpflichen Wissen profitieren können. Ihre fundierten Geschichten aus der Heimat „vn dr heme“ sind einzigartig. Bei dieser Gelegenheit dankt der Heimatkreis auch für die bisherige Unterstützung ganz herzlich. Othmar Zinner

Sterbefall. Am 15. Mai starb Tierarzt Dr. Josef Grützner (Reichenberger Straße  345), Ulrich-von-Hutten-Straße 5, 06618 Naumburg, im Alter von 90 Jahren. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Frau Edda, den Söhnen Holger und Ulf Eric sowie allen anderen Angehörigen. Othmar Zinner/Helga Hecht

n  Heimatkreis – Geburtstag. Am 25. feiert Rosl Machtolf, Ortsbetreuerin von Hennersdorf, (Haus-Nr. 198), Gemeindebetreuerin Hennersdorf, Hirschgasse 21, 71397 Leutenbach, ihren 86. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich und wünschen ihr alles Gute, vor allem aber Gesundheit.

n  Deutsch Gabel – Geburtstage. Am 20. Ida Thum (Witwe von Ernst Thum, Haus-Nr. 64), Richard-Wagner-Straße 41, 82538 Geretsried, 71 Jahre, und am 30. Henriette Berner/Basler (Frau von Rudolf Berner, Waltner Gasse 249), Memeler Straße 1, 38228 Salzgitter, 87 Jahre.

n  Brins – Geburtstag. Am 19. Alfons Peter Mader (HausNr. 94), Walther-Heim-Straße 8, 86161 Augsburg, 85 Jahre. Walter Seidel

06526 Sangerhausen, 89 Jahre. Christian Schwarz. n  Kunnersdorf – Geburtstag. Gerhard Stohl (Haus-Nr.  377), Hasenheide  17, 47918 Tönisvorst, 85 Jahre. Steffi Runge n  Schönbach – Geburtstag. Am 30. Jetti Berner/Baßler (Haus-Nr. 103), Memeler Straße 1, 38228 Salzgitter, 87 Jahre. Inge Zelfel

S

ie kam im nordrhein-westfälischen Wuppertal zur Welt, seitdem stiftet ihr Vorname Verwirrung. Jeder glaubt – bis er sie sieht –, sie sei ein Mann. Doch der Name Urd entstammt der Sagensammöung „Edda“ und bezeichnet die Norne für das Schicksal. Mit diesem Namen bestand sie 1977 in Wuppertal das staatliche Examen als Ökotrophologin. Bis zum Examen war sie Mitglied der SdJ in NordrheinWestfalen. Danach arbeitete sie in Hessen als Fachberaterin und Verkaufstrainerin für weltweite Markenprodukte wie Braun, Duracell, Gilette oder Oral-B. 1984 heiratete sie Jürgen Rothe. Trotz Berufstätigkeit unterstützte sie ihre rührige Mutter bei deren Arbeit für die Heimat. Doch dann grätschte das Schicksal in Urds Leben. Jürgen wurde schwerkrank. 2013 ging sie in den Vorruhestand, um ihn pflegen zu können. Wenig später starb er. Bereits Jahre zuvor waren Roswitha und Rudolf Seeliger nach Waldkraiburg in eine Wohnung im Adalbert-Stifter-

Wohnheim gezogen. Dort engagierten sie sich heimatpolitisch und genossen ihren Lebensabend. 2011 starb Rudolf. Nach Jürgens Tod zog auch Urd nach Waldkraiburg, um ihrer Mutter in deren letztem Lebensjahr nahe zu sein. Sie starb 2014. In Waldkraiburg begann Urd ihre Arbeit für die Heimat. „Ich stehe für die Bewahrung unserer lebendigen Kultur. Und ich stehe für die Einhaltung der Menschen- und Minderheitsrechte weltweit“, sagt sie. Seit 2019 betreut sie den Heimatkreis Reichenberg. Damit verbunden ist die Pflege der Kontakte mit Reichenberg und dem dortigen Verband der deutschen Minderheit sowie mit der Patenstadt Augsburg. Sie arbeitet in der Redaktion des Heimatblattes mit und schreibt Beiträge für die Sudetendeutsche Zeitung und das „Landesecho“. Sie sitzt in den Vorständen der SL-Ortsgruppe Waldkraiburg, der SL-Kreisgruppe Mühldorf und des BdV-Kreisverbandes Mühldorf. In der SL-Bezirksgruppe Oberbayern ist sie Beisitzerin und Frauenreferentin. Möge ein gutes Schicksal Urd Rothe-Seeliger noch viele Jahre an der Seite ihres ebenfalls aus Reichenberg stammenden Partners Hans Pieke begleiten. Nadira Hurnaus

� Grottau/Kreis Reichenberg

Großglockner oder Ortler?

Blick auf das heutige Grottau aus der Vogelperspektive.

n den Jahren 1942 bis 1945 besuchte ich in meiner Heimatstadt Grottau die Bürgerschule, die sich zur damaligen Zeit Hauptschule nannte. Es muß noch in den letzten Monaten von 1942 gewesen sein, da besuchte der Herr Kreisschulrat aus Reichenberg unsere Schule. Nach Gesprächen mit dem Schuldirektor nahm er sich die Zeit, einer Unterrichtsstunde beizuwohnen. Das passierte in meiner Klasse im Fach Erdkunde. Unser Lehrer stellte einem Schü-

ler die Frage nach dem höchsten Berg Deutschlands. „Der Großglockner“, lautete dessen Antwort. „Gut“, sprach der Lehrer. Da meldete sich der Schulrat zu Wort. Er sagte sinngemäß: „Richtig, der Großglockner. Ich denke aber, daß, wenn der Krieg erst gewonnen ist, der Führer mit Mussolini verhandeln und ihm gewonnene Gebiete etwa um Istrien im Austausch gegen Südtirol anbieten wird. Dann wäre der Ortler der höchste Berg Deutschlands“. Zu dieser Zeit rückte die deutsche Wehrmacht in Richtung Wolga und Kaukasus vor, was den Schulrat in Siegesgewißheit versetzte. Ob er ein Jahr danach immer noch so siegessicher war?

Der Großglockner ist 3789 …

… und der Ortler 3905 Meter hoch.

Gustav Reinert ist Obmann der sachsen-anhaltinischen SLKreisgruppe Wittenberg und ein gefragter Sprecher der Reichenberger Mundart. Heute plaudert er aus der Schule.

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n  Zwickau – Geburtstage. Am 7. Reinfried Prokop, KarlMarx-Straße  57, 15366 Hoppegarten, 82 Jahre, und am 17. n  Kriesdorf – Geburtstag. Siegfried Herrmann, Bergweg Am 19. Kurt Elstner (Ndf. 22, 13, 55595 Hargesheim, 96 Jahre. Landwirt), Alter Markt  4, Othmar Zinner

TERMINE n  Sonntag, 29. August, 11.30 Uhr, Heimatgruppe Deutsch Gabel/Zwickau in München: Treffen im Löwenbräukeller (Wintergarten), Stiglmaierplatz (U  1, U  7). Auskunft: Gerhard Schlegel, Boosstraße  14, 81541 München, Telefon (0 89) 65 11 91 97, Mobil (01 76) 23 32 26 99, eMail ­gerhard@ laska.com

n  Donnerstag, 2. bis Sonntag, 5.  September, Kriesdorf: 65.  Heimattreffen in Kriesdorf/Křižany, Apartmán-Hotel Jítrava. Einzelheiten folgen. Auskunft: Christian Schwarz, Dr.-Krajnc-Straße 12a, A-6060 Hall in Tirol, Mobil (01 76) 99 93 30 39 oder (0 04 36 99) 11 12 59 56, eMail chris@clcs. at

n  Sonntag, 5. Dezember, 11.30 Uhr, Heimatgruppe Deutsch Gabel/Zwickau in München: Treffen im Löwenbräukeller (Wintergarten), Stiglmaierplatz (U  1, U  7). Auskunft: Gerhard Schlegel, Boosstraße  14, 81541 München, Telefon (0 89) 65 11 91 97, Mobil (01 76) 23 32 26 99, eMail ­gerhard@ laska.com


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Teplitz-Schönau

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. ­Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Graupen

Niklasberg

Das Teplitzer Museum präsentiert Ausstellungen über verschiedene Themen. Unter den Exponaten sind Genrebilder, Comics und Kollektionen aus naturwissenschaftlichen Sammlungen.

�  Schloßmuseum in Teplitz-Schönau

Die Ausstellungen öffnen wieder ihre Pforten ma. Diese virtuellen Besichtigungen bieten dem Betrachter die Möglichkeit, sich den Ausstellungsstücken beliebig zu nähern. Dabei kann man auch eine Reihe von Hinweisen auf weitere Artikel oder Fotografien hinzufügen, die dem Besucher sonst nicht zugänglich sind. In den nächsten Tagen ist auch eine neue virtuelle Ausstellung geplant: „Das Jahr des Adels der Aufklärungszeit“. Im Zuge dieser Ausstellung erinnern sich die Menschen an den 195. Todestag n der Ausstellung kehren wir in von Johann Nepomuk von Clary das 19. Jahrhundert des einst und Aldringen und den 190. Toberühmten Kurortes und des- destag von Carl Josef von Clary sen reizvolle Umgebung zurück. und Aldringen (Vater und Sohn). Wir berichteten bereits über dieÜber Johann Nepomuk von se Ausstellung und den dazu er- Clary und Aldringen (1753– schienen Katalog, der nun auch 1826) wird berichtet, daß er eine mit kompletter deutscher Über- außergewöhnliche Persönlichsetzung zu bestellen ist (Õ Hei- keit sei. Nach dem verheerenden matruf 1+2/2021). Stadtbrand im Jahr 1793 beganDas Schloß selbst kann man nen der Grundherr und dessen jetzt auch virtuell besuchen – Bürger den Wiederaufbau der ein Ergebnis der lang andauern- Stadt. Von Clary und Aldringen den Schließungen infolge der Co- war Hof-Baudirektor, so daß er rona-Pandemie. Das Bezirksamt mit großer Sorgfalt die ErneueAussig/Ústí nad Labem realisiert rung der Stadt plante und sie die Überführung von Ausstellun- zu dem berühmten Klein-Paris gen in die virtuelle Form mittels machte. Die Eleganz der neuen einer darauf spezialisierten Fir- Gebäude und die herrliche Umgebung gaben dem Kur- und Badeort eine steigende Anziehungskraft. Die bauliche Umgestaltung der Stadt erfolgte in einer Zeit, als die kulturellen Strömungen Europas, die Zeit der Aufklärung und der Romantik, die Beziehung des Menschen zur Natur und deren natürlichen Heilquellen erweckte. Gesellschaftlich waren Selbstbildnis des Fürsten Carl Josef von Clary und es Zeiten des Aldringen. Glanzes, als KaiSeit dem 11. Mai hat das Museum im Teplitzer Schloß wieder seine Pforten geöffnet. Inzwischen kann man die Ausstellungen auch virtuell besichtigen. Die regelmäßigen Rundgänge sind auch auf deutsch auf der Webseite des Regionalmuseums in Teplitz beschrieben. Zudem wurde nun die wunderschöne Ausstellung „Die Region Teplitz mit dem Objektiv von Franz Fridrich“ bis September verlängert.

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Zeichnung des Teplitzer Schloßplatzes um 1800, Künstler unbekannt. ser und Könige, aber auch viele andere Berühmtheiten, Teplitz besuchten. Als Fürst von Clary und Aldringen im Jahr 1826 für immer die Augen schloß, konnte man auf einen für Stadt und Familie sehr fruchtbaren Zeitabschnitt zurückblicken. Ihm folgte dessen Sohn Carl Josef von Clary und Aldringen (1777–1831), dem es nur fünf Jahre vergönnt war, Herr von Teplitz zu sein. Er hatte von seinem Großvater, Fürst Charles de ­Ligne, Geist und Witz geerbt und auch das Talent zum Schreiben und Zeichnen. Er bereicherte die Schloßbibliothek und erweiterte die Kunstsammlungen. Während seiner zahlreichen Reisen schrieb er lange Briefe an seine Familie und fertigte dazu oft Zeichnungen an. Seine Tagebucheintragungen hielten auf einmalige Art das Leben auf dem Schloß mit seinen vielen berühmten Besuchern fest. Das Teplitzer Museum ist im Besitz eines Teils der ursprünglichen Schloßsammlungen. Im Rahmen der Museumsausstellung werden die Portraits von Clary und Aldringen und dessen Familienmitglieder vorgestellt. Auf der Webseite des Museums wird eine kleine virtuelle Ausstellung mit Zeichnungen aus dem ehemaligen persönlichen Familienarchiv und

grafischen Blättern aus den Sammlungen des Museums präsentiert. Diese dokumentieren das Entstehen der Stadt Teplitz als Klein-Paris zu der Wende des 18. und 19.  Jahrhunderts. Das Nationale Denkmalschutzamt hat diese Ausstellung unter dem Motto „Jahr des Adels der Aufklärungszeit“ in das gesamtstaatliche Projekt für das Jahr 2021 aufgenommen. Im Rahmen dessen ist, von Mai bis September 2021, die virtuelle Ausstellung „Jan Nepomuk (Baumeister und Gärtner) und Carl Josef (Reisender und Künstler) – Vater und Sohn Clary-Aldringen“ vorgesehen. Zudem ist im September 2021 eine kommentierte Besichtigung des Schlosses und des anliegenden Schloßparks durch Bohuslava Chleborádová vorgesehen. Diese Besichtigung fällt unter das Motto „Der Teplitzer Schloßgarten in der späten Aufklärungszeit“. Die Museumsmitarbeiter haben auch drei weitere Ausstellungen vorbereitet, die man nun wieder persönlich besuchen kann. „Comics und ihren Schöpfern“ ist im Tschechischen Zentrum in München eine Ausstellung zeitgenössischer, tschechischer Comics der letzten zwanzig Jahre gewidmet (Õ SDZ 21/2021). Comic-Hefte sind keine Erfindung

TERMINE n  Donnerstag, 12. bis Sonntag, 15. August: 7. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 19.00 Uhr dort Abendessen. Freitag 9.00 Uhr Abfahrt nach Melnik mit Besichtigung des Schlosses und Weinverkostung; Mittagessen im Schloßrestaurant; anschließend Besichtigung der Peter-und-Paul-Kirche und des Beinhauses; Weiterfahrt nach Leitmeritz; dort Abendessen im bischöflichen Brauereigasthof. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt nach Ober-Georgenthal; dort Besuch des Schlosses

Eisenberg; danach Fahrt über das Erzgebirge auf den Mückenberg; dort Mittagessen; anschließend Bus- oder Seilbahnfahrt nach Graupen mit Spaziergang über den Mariascheiner Kreuzweg; 17.00 Uhr Abendessen im Hotel; 19.00 Uhr dort Jubiläumskonzert der Nordböhmischen Philharmonie. Sonntag eigene Fahrt zur Heiligen Messe in der Barockkirche Mariä Himmelfahrt in Zinnwald, Uhrzeit wird mitgeteilt. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, al-

der neueren Zeit, sondern zogen bereits Jungen und Mädchen in ihren Bann, als es noch kein Fernsehen oder Mobil-Telefone gab. Im Zuge dessen gibt es seit 26. Mai im Schloßmuseum in Teplitz eine Ausstellung, welche Jaroslav Foglar (1909–1999) und seinen Mitarbeitern gewidmet ist. Vor allem die Abenteuer „Schnelle Pfeile/Rychlé šípy“, entworfen von Foglar und illustriert von Jan Fischer, sind Comic-Hefte mit Kult-Status. Sie erschienen zum ersten Mal im Jahr 1938. Foglar war ein populärer tschechischer Schriftsteller von Jugendliteratur und eine bedeutende Persönlichkeit der Pfadfinderbewegung. Unter dem Spitznamen „Kranich/Jeřáb“ leitete er Jahrzehnte lang Freizeitgruppen von Jugendlichen. Kameradschaft, Liebe zur Natur und persönliche Standhaftigkeit waren Kernpunkte seiner Erziehung. Mit seinen Werken beeinflußte er einen großen Teil der tschechoslowakischen Jugend. Und noch heute gibt es unter der älteren Generation geflügelte Worte, die aus dieser Literatur stammen. Das kommunistische Regime verbot die Pfadfinderbewegung und ersetzte sie durch politische Erziehung. Foglar gab daraufhin seine Jugend-Zeitschriften unter verschiedenen anderen Namen heraus. Kurz nach dem Krieg redigierte er die Zeitschrift „Pfadfinder“/„Junák“. Er verließ die Redaktion aber bald und gründete „Vorwärts“/„Vpřed“. Nach der kommunistischen Machtübernahme durch Klement Gottwald im Jahr 1948 wurde die Zeitschrift eingestellt. In den 1950er Jahren war er als Erzieher in einem Jugendhaus unter der Aufsicht des Staatssicherheitsdienstes tätig. Auch in dieser Zeit hörte er mit dem Schreiben nicht auf. Nach einer längeren Pause erschien im Jahr 1965 „Geheimnisvolles Řásnovka“/„Tajemná

Řásnovka“ (ein imaginärer Stadtteil). In Ostrau erschien „Schnelle Pfeile“ mit neuen Folgen, gezeichnet von Marko Čermák. Viele dieser Hefte und Bücher sind nun in dieser Ausstellung zu sehen. Gerade die älteren Besucher erinnern sich mit leuchtenden Augen an ihre Jugendzeit. Eine weitere Ausstellung präsentiert Daniela Váňovás Sammlung unter dem Titel „Zauber der Genrebilder“. Váňová widmete dem Museum etwa 400 Glückwunsch- und Jubiläumskarten, vorwiegend aus dem ersten Drittel des letzten Jahrhunderts. Vor allem in Szene gesetzte Frauenund Kinder-Bildnisse mit Blumenarrangements, oft mit Silber und Gold verziert, wirken heute auf die Menschen eher kitschig, zeigen ihnen aber deutlich, daß vor 100 Jahren andere moralische Werte als heute galten. Dazu sind in weiteren Vitrinen Exponate wie Schmuck, Modeartikel, Meerschaumpfeifen oder Weihnachts- und Osterschmuck der 1920er Jahre ausgestellt – Nostalgie pur. Die dritte Ausstellung stellt eine reichhaltige Kollektion aus Gegenständen der naturwissenschaftlichen Sammlung des Museums vor, welche den Titel „Über dem Meer, unter dem Meer“ trägt. Sie erinnert an die eigene Kindheit, als wir Muscheln und Tiere am Meeresstrand gesucht haben. Man bekommt aber erst dort eine richtige Vorstellung von diesem Reichtum an Artenvielfalt, dieser Schönheit der Formen von Muscheln, Meeresschnecken und anderen Meerestieren. Mit der Eröffnung der Museen beginnt nun endlich auch wieder das kulturelle Leben in direktem Kontakt. Jutta Benešová Regionalmuseum TeplitzSchönau, Dienstag bis Freitag 12.00–17.00, Samstag und Sonntag 10.00–12.00 und 14.00– 17.00 Uhr.

WIR GRATULIEREN len Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, Weinverkostung, Seilbahnfahrt und Konzert pro Person im Doppelzimmer 390 Euro, im Einzelzimmer 440 Euro. Getränke außerhalb des Frühstücks auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Montag, 2. August, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@teplitz-schoenau-freunde.org

Unseren treuen Heimatruf-Abonnenten herzliche Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag im Juni: n  Heimatkreis Dux. Helmut Gustav Sacher, Ortsbetreuer von Dux und Ladowitz, Habichtsweg 44, 64380 Roßdorf, Telefon (0 61 54) 8 31 32, eMail helmut.sacher@t-online.de, 26. Juni 1944. n  Ossegg/Kreis Dux. Annemarie Bräuer/Kraupa (Deutzendorf), Karl-Günzel-Straße 19, 09599 Freiberg, 9. Juni 1931. n  Graupen/Kreis Teplitz-Schönau. Christa Eichler/Baumgartl, Riedgrabenweg 18, 86356 Neusäß, 20. Juni 1939; Walter Eichler, Riedgrabenweg 18, 86356 Neusäß, 29. Juni 1932.


HEIMATBOTE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 4. 6. 2021

Bischofteinitz

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

Ronsperg

15 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Guckloch in die Vergangenheit

Die Kirche in Heiligenkreuz Ein Sprichwort besagt: „Wenn ein alter Mensch stirbt, ist es, als ob eine ganze Bibliothek verbrennt.“ Traditionen und Erinnerungen verblassen mit der Zeit selbst bei der Erlebnisgeneration der

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eorg Naujokas mit der Fahne des Heimatkreises Bischofteinitz und Marta Klement, Ortsbetreuerin von Rouden und Sirb. Bild: Johann Dendorfer

TERMINE Freitag, 4. Juni, 14.00 Uhr, Heiligenkreuz: Gottesdienst mit Bischof Monsignore Tomáš Holub von Pilsen in der Pfarrkirche Zum Heiligen Kreuz. Gäste willkommen. Auskunft: Peter Gaag, Fridinger Straße 8, 70619 Stuttgart, Telefon (07 11) 4 76 07 25, Telefax 4 76 07 26, eMail peter. gaag@t-online.de

WIR GRATULIEREN Im Juni gratulieren wir herzlich folgenden treuen Abonnenten des Bischofteinitzer Heimatboten und wünschen alles Gute, Gesundheit und Gottes reichen Segen: Heiligenkreuz, Haselberg. Am 15. Edeltraud Kraus/Wild (Stoderl), 86 Jahre, und am 18. Alois Vogl (Voglwirt), 84 Jahre. Peter Gaag Ortsbetreuer Kleinsemlowitz. Am 7. Anton Eberl (Haus-Nr. 31) in Ubstadt-Weiher, 91 Jahre, und am 10. seinem Sohn Lothar Eberl, 58 Jahre. Marianne Maurer Ortsbetreuerin

Ortsbetreuerecke

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erzlich gratulieren wir im Juni Alfred Piwonka, ehemaliger Ortsbetreuer von Semeschitz, am 9. zum 70. Geburtstag; Josef Friedrich, Ortsbetreuer von Zetschowitz, am 17. zum 93. Geburtstag; Hans Laubmeier, ehemaliger Ortsbetreuer von Grafenried, Seeg, Anger und Haselberg, am 20. zum 80. Geburtstag und Franz Drachsler, ehemaliger Ortsbetreuer von Plöß/Wenzelsdorf, am 22. zum 97. Geburtstag. Wir wünschen alles Gute, noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für den steten und tatkräftigen Einsatz für unsere Heimat! Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer

Vertreibung – erst recht mit deren Tod. Dann erweist sich, wie wichtig es ist, Erlebtes und Gewußtes zu dokumentieren. Weil darum auch frühere Generationen bemüht waren, so öffnet sich für

gnis me destruxit 1859 et re- 17. März 1631 hat Georg Schied, surrexit 1863.“ Übersetzt: Wagner allhier zu Heiligenkreuz, „Feuer zerstörte mich 1859, auf- ein Rad auf die Kirchen gemacht, erstanden bin ich 1863.“ Dieser daß die Storchen sollen darauf lateinische Satz war auf einer der bauen.“ Der Chronist vermerkt drei Glocken im Turm der Heili- ebenso den Erfolg: „Anno 1632 genkreuzer Kirche zu lesen. War haben sie Junge geheckt [aufgezu lesen, denn gut 50 Jahre spä- zogen].“ ter wurde auch sie ein Opfer des Der Wiederaufbau der Kirche Feuers, nämlich beim Einschmel- gehörte zu den „Pflichten“ des zen für Kriegsmaterial 1916. Patronatsherrn, seinerzeit Baron Das die Kirche zerChristian Kotz. Sein störende Feuer von großes Grabkreuz aus 1859 begann am Monweißem Marmor steht tag, 10. Oktober um noch heute auf dem 13.30 Uhr im heute verFriedhof. 1860 wurde schwundenen Spital, zunächst der Dachstuhl das unterhalb der Kirneu errichtet, 1862 dann che, rechts der Schule die Dachdeckung aus stand. Starker SüdostSchindeln. Am 13. SepWind wehte die Funtember 1863, dem ken zur Kirche. Das Klaus Oehrlein ist Vorabend des Festes Schindeldach des Kir- Pfarrer in Würz- Kreuzerhöhung, konnchenschiffs fing Feu- burg und dort ten drei neue Glocken er. Es griff auch auf den Geistlicher Beirat aus der GlockengießeZwiebelturm über und der Ackermann- rei Bellmann in Prag – zerstörte ihn, obwohl Gemeinde. benannt Helena, Chrier 1817 mit weißem stian und Wenzel – Blech beschlagen worden war. aufgezogen werden. Die große Da um diese Zeit, wie der Pfar- Glocke trug die eingangs zitierte rer schreibt, keine Feuersprit- Inschrift „Ignis me destruxit ...“. ze zur Hand gewesen sei und die Die mittlere trug das Kotzsche meisten Leute sich auf dem Feld Rad als Familienwapen sowie zum Erdäpfel-Graben und Säen deren Devise: „Kraft für Wahrbefunden hätten, habe sich das heit – Christianus L. Baro Kotz Feuer zuerst ungehindert aus- Patronus hujus ecclesiae vovit breiten können. 1863.“ Übersetzt: „Christian FreiUnter den dann herbeieilen- herr Kotz, Patron dieser Kirche, den Helfern werden ausdrück- von ihm gewidmet 1863.“ Außerlich die Hostauer gerühmt, die dem zierte sie ein Relief der heials „echte Feuermänner bekannt ligen Mutter Maria mit dem Jesind“, besonders Christoph Bau- suskind. Die kleine Glocke hatte riedel, Bürgermeister Kunrad, eine Inschrift, die sich auf allen der Herrschaftsverwalter Keller und sein Adjunkt Herzl. Ihnen gelang es, den Übergriff der Flammen auf Schule und Pfarrhaus zu verhindern. Zerstört wurde quasi die gesamte Innenausstattung der Kirche: fünf der Kreuzwegstationen, die bereits 1719 im Inventar erwähnt waren; die Kanzel, auf der am 5. August 1663 die erste Predigt gehalten worden war; das große Altarkreuz von 1666; die 1630 errichtete Empore mit acht erblichen Sitzplätzen und der am 1. Dezember 1670 aufgesetzten kleinen Orgel; alle drei Altäre. Mit dem Zwiebelturm wurden auch die drei Glocken mit einem Orgelprospekt. Gewicht von 14 Zentnern zerstört, darunter die große Glocke drei fand: „G. Bellmann fusit Pramit allein sechs Zentnern. Sie war gae.“ Übersetzt: „G. Bellmann in Klattau gegossen, am 7. De- goß sie in Prag.“ zember 1669 hinaufgezogen und Ein Jahr später, 1864, konnam 16. Dezember 1669 vom Prä- ten die Wände grob neu verputzt laten des Klosters Kladrau, Abt und die Holzdecke im Schiff einCölestin Mendl, im Turm hän- gezogen werden – im damaligend benediziert worden. gen Stil der Neugotik. Im gleiAußerdem chen Stil hatte – wenn es das man ein neues damals noch großes Chorgab – verbogen-Kreuz brannte mit vom Bildhaudem Kirchener Wesely in dach auch, was Prag schnitzen auf der letzten lassen, welches Seite des älteeinen Preis des sten MatrikelKunstvereins buchs zu lesen erhalten hatist, nämlich te. Im erst 1865 ein Beispiel von Matthias für christliche Schneider geSchöpfungsgründeten verantworGlasmalereitung in so ferInstitut in Rener Zeit. Da gensburg entheißt es: „Den Das alte Uhrwerk. standen 1867

Heiligenkreuz mit dem Blick in die im Pilsner beziehungsweise Tauser Archiv erhaltenen Kirchen-Matrikel, die sogenannten Stabilen Kataster von 1838, sowie in die Schul- und in die Pfarreichro-

nik ein Guckloch auf weit zurückliegende Ereignisse. Einiges daraus soll hier in den nächsten Wochen zur Sprache kommen – und dabei bitte ich die Leser um Mithilfe.

und 1868 für drei der vierten Advent, am vier Fenster im Al23. Dezember 1934, tarraum herrliche bebekam die Orgel von malte Glasfenster, Pfarrer Adolf Rudy das heißt mit figürliden Segen, und es erchen Motiven. Dieklang unter anderem se zeigten rechts die mit Orgel und Kirheilige Anna, Mutter chenchor das „Gloder heiligen Maria, ria“ aus der Deutim Zentrum die heischen Messe von lige Helena bei der Franz Schubert. Auffindung des KreuDiese Orgel ist zes Jesu und links noch heute vorhanden heiligen Johanden, allerdings dernes von Nepomuk in zeit nicht spielbar, einer kunsthistorisch nicht zuletzt wegen wohl einmaligen Szedes starken Holzne: Johannes von wurmbefalls in der Nepomuk reicht der ganzen Kirche. Von böhmischen Königin den Glocken überlebnach ihrer Beichte die ten zwei den Zweiten Kommunion. Weltkrieg: eine kleiDas mittlere Monere mit unbekanntiv erinnerte an das ter Herkunft und die verbrannte GemälGlocke von 1863 mit de des Hochaltars, dem Kotz-Wappen. auf dem ebenfalls Diese aber hat leidie heilige Helena der einen Sprung und mit dem Kreuz dardarum keinen Klang gestellt war. Das war mehr. Am 17. Sepein Verweis auf das tember 2000 kam – ursprüngliche Patrofinanziert aus Spenzinium Kreuzauffinden von tschechiDas bunte Glasfenster mit dem heiligen Johannes von Nepo- schen und deutschen dung am 3. Mai. Diese Farbfenster muk und der böhmischen Königin. Gläubigen – eine – darin fand sich dritte, nun die größauch das goldene Rad auf blau- pore, wurde dann aber bereits te Glocke mit täglichem autoem Grund als Kotzsches Famili- 1876 nach Plöß abgegeben. Da- matischen Läutprogramm hinzu, enwappen – waren schon etli- für kam ein amerikanisches Or- die der damalige Pilsener Bischof che Jahre vor der Wende entfernt gel-Harmonium. Doch, wie der František Radkovsky segnete. worden; heute sind nur mehr Pfarrer klagend vermerkt, habe Bei diesem Anlaß hatte Pfarrer kleine Partien vorhanden. Doch dieses in der kalten und feuch- Josef Novotny auch eine kleine, im Oratorium des Patronatsher- ten Kirche oft „Grippe und Hei- bis dahin in einer Mauernische serkeit“ bekommen. Daher er- im Turm stehende Glocke, die er warb man aus der Prager Sankt- „Cymbal“ nannte, im GlockenKastulus-Kirche in der Nähe des stuhl aufhängen lassen. Sie trägt alten jüdischen Viertels eine ba- die Jahreszahl 1708. Ihre Herrocke Orgel. kunft ist unbekannt. Sie diente Am Fest Kreuzerhöhung 1882 ursprünglich wohl für den Glokwurde sie – nach notwendiger kenschlag einer Uhr – vielleicht Verkleinerung durch den Tach- im Schloß Heiligenkreuz – und auer Orgelbauer Helfert – in kam möglicherweise bei dessen Gebrauch genommen. 1904 gab Zerstörung in den Kirchturm. es eine Reparatur, doch zehn Ganz sicher aus dem Schloß Jahre später war das Werk so stammt ein altes Uhrwerk in baschadhaft und damit unbrauch- rocker Form, das im März 1882 bar geworden, daß es ausgebaut in den Kirchturm wanderte und wurde. Bedingt durch den Ersten sich noch heute – ohne FunkWeltkrieg und die daraus folgen- tion – dort befindet. Seit Noden politischen Veränderungen vember 1995 zeigt die Turmuhr blieb die Orgel zehn Jahre lang wieder die Zeit an – nun elekstumm. trisch. Dazu notierte Pfarrer NoEine neue Orgel im alten ba- votny auf tschechisch in der Ortsrocken Gehäuse des Orgelbau- chronik: „Am 25. November 1995 ers Karl Zeidler aus Einsiedel bei brachte Pfarrer Klaus Oehrlein Marienbad konnte schließlich ein elektrisches Uhrwerk. Es ist ren blieben – aus der selben Zeit am 30. November 1924 einge- ein Geschenk dieses Freundes und Regensburger Werkstatt – weiht werden. Doch die Freude unsrer Kirche.“ drei farbige Rundfenster bis heu- daran währte nicht lange, denn Nun meine Bitte um Mithilfe te erhalten. Sie zeigen Wappen auch dieses Werk zeigte bald al- an die Leser. Wer hat Fotos – vielleicht aus der Familie des Patrons: Zuk- lerlei Mängel. Wenngleich 1933 ker von Tamfeld, Clam-Gallas vom Orgelbauer Weiss aus Gra- im Hintergrund anläßlich einer und Auersperg. fenried noch einigermaßen spiel- Hochzeit – von den früheren Im Frühsommer 1869 folgte bar gemacht, so gab diese Or- drei Buntglas-Fenstern im Altarraum der Kirdie Erneuerung von Empore und gel im heißen che? Kanzel. Diese war aber noch oh- Sommer 1934 Wer kann ne Schalldeckel, auch wenn der ihren Geist wenigstens Deckel laut Inschrift bereits am auf. Spenden noch die Moti3. Juli 1866 vom Patronatsherrn aus allen Geve dieser Fenversprochen worden war. Denn meinden der ster beschreider Kanzelkorb wurde in aller Ei- Pfarrei – trotz ben oder gar le fertiggestellt, um am 16. Ju- der schwierizeichnen? ni 1869 dem Bischof bei der Fir- gen Weltwirtmung zur Verfügung zu stehen. schaftslage – Hinweise Bei der weiteren Innenein- machten es bitte an Pfarrer richtung dauerte es sogar bis in möglich, ein Klaus Oehrdie 1930er Jahre, bis wieder al- neues Orgellein, eMail st. les vervollständigt werden konn- werk bei Lavalentinus@ te. Dabei entwickelte sich die Or- dislaus Hauser web.de oder an gel zum besonderen Sorgenkind. in Turn-Teplitz die Redaktion Zunächst stellte man eine klei- zu bestellen. siehe Impresne Orgel im Presbyterium auf. Vor dem Gotsum oben. Die kam 1869 auf die neue Em- tesdienst zum Glocke Christian hat einen Sprung.


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Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Mai-Nachlese

Neuhäusl im Wonnemonat Den Paulusbrunner Friedhof überflutet eine Meer aus Vergißmeinnicht.

Zwei der Tafeln am Böttgerweg vor dem malerischen Naturpark Böhmischer Wald. Bilder: Ingrid Leser

Bärnau und Paulusbrunn

Hurra, wir dürfen wieder rüber Wenigstens für zwölf Stunden dürfen wir problemlos wieder über die Grenze. Welche Freude für alle „Paulusbrunner Bärnauer“, für Wanderer und Radfahrer im Grenzgebiet Böhmischer Wald, diesem herrlichen Naturpark.

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ergißmeinnicht: Nein, wir haben sie nicht vergessen, die Toten auf dem Friedhof in Paulusbrunn. Schon von weitem leuchtet den Besuchern eine hellblaue Fläche entgegen. Ist man am Friedhof angekommen, überrascht einen ein Meer an Vergißmeinnicht rund um die Grabsteine. Man ist fast zu Tränen gerührt ob dieser blühenden Farbenpracht, mit der die Natur dort aufwartet und die von ganz alleine die Gräber schmückt. Seit ein paar Tagen können die Wanderer auch wieder zu den Informationstafeln entlang des Böttgerweges und auf ihnen vieles über das verschwundene Dorf Paulusbrunn erfahren. Da geht es um die Anfänge von Paulusbrunn, das Leben

und die Arbeit der Menschen dort, bekannte Persönlichkeiten, die Vertreibung, die Grenzsituation danach, die Neuansiedlung, die Einebnung von Paulusbrunn, den Grenzzaun oder die Grenzwachen. Die Arbeitsgemeinschaft Paulusbrunn, allen voran Rainer Christoph, trug die Informationen zusammen und ließ mit Bärnauer Bürgern, darunter gebürtige Paulusbrunner, die Tafeln fertigen und aufstellen. Im Herbst hätte die Eröffnung des Böttgerweges mit Segnung des Weges und der Tafeln gefeiert werden sollen, doch dann kamen die zweite Kontaktsperre und erneuter Stillstand. Schön wäre, wenn wir die Eröffnung zum Bergfest am zweiten Sonntag im Juli feiern könnten. Dies wäre eine indirekte Auffrischung des traditionellen Bergfestes, dessen weltlicher Teil vor dem Krieg immer in Paulsbrunn stattfand. Die Wallfahrt war immer auf deutscher Seite in der Steinbergkirche, die „Lustigkeit“, wie die Alten sagten, war immer „im Böihm“. Ingrid Leser

WIR GRATULIEREN Wir gratulieren unseren Abonnenten zum Geburtstag im Juni und wünschen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen.

Tirna. Am 29. Ella Russer/ Sinik (Haus-Nr. 41), 88 Jahre. Manfred Klemm Ortsbetreuer

Tachau. Am 9. Herta Brischwein/Halbritter (Langegasse), 86 Jahre. Gernot Schnabl Stadtbetreuer

Schossenreith. Am 29. Willi Zimmert (Schlaomwilli), 85 Jahre. Josef Magerl Ortsbetreuer

Ortsbetreuerecke

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erzlich gratulieren wir im Juni Waltraud Westhoven, Ortsbetreuerin von Schönwald, am 2. zum 81. Geburtstag. Wir wünschen alles Gute, Gesundheit sowie Gottes Segen und danken für alle ehrenamtlich geleistete Arbeit für unsere Heimat. Sieglinde Wolf Stellvertretende Heimatkreisbetreuerin

häusler nach der Grenzöffnung mit Fleiß und Elan wieder ihrem Friedhof zuwandten. Sie ließen die Grabsteine wieder aufrichten und schufen in viel Handareit November war die Grenze beit einen würdigen Ort der Stilwegen Corona zu. Nun nutzte le für ihre dort beerdigten Angeich die Gelegenheit, nach Neuhörigen. Das alles finanzierten häusl zu fahren, denn ich war volsie aus persönlichen Geldzuwenler Neugierde, wie es wohl dungen. auf dem Friedhof aussehen Ebenfalls verstorben ist würde. Ich war mit Utender 1928 geborene Manfred silien bewaffnet, die man Kraus. Er hatte in den Gastbraucht, um ein wenig Ordhof Meixner eingeheiratet. nung zu schaffen. Er war Direktor des Zoos in Meine Herbstgestecke Nürnberg, wo er zuletzt lebstanden noch an Ort und te. Stelle. Ich hatte sie ein paar Aber es gibt auch NeuTage vor Allerseelen hinhäusler, die Geburtsgestellt. Kurz danach hatte tag feiern können. Berta das Einreiseverbot begonWeiß, meine Vorgängerin nen. Den ganzen Vormittag als Ortsbetreuerin, feierund Mittag räumte ich dort te am 15. Mai 81. Geburtsein bißchen auf. Hoffenttag im Kreise ihrer Familie. lich übernimmt die MarktWir gratulieren nachträggemeinde wieder die Mählich herzlich und wünschen arbeiten auf dem Friedhof. ihr nur Gutes. Sie wünschte Das Mähen hatten Gemein- Rechts die Sakristei der Ruine der Neuhäusler sich aber ein bißchen mehr dearbeiter bereits seit drei Kirche Mariä Heimsuchung, links davor das re- Gesundheit. staurierte Gefallenendenkmal. Jahren ordentlich erledigt. Heuer wäre wieder das Bild: Wolf-Dieter Hamperl gewohnte Neuhäusler TrefGerade jetzt – nach einem guten halben Jahr – fen. Wegen der Pandemie Ich erinnere an Helga Riehl kann man nicht voraussagen, ob ist schon wieder einiges an Arbeit angefallen. Die Natur ist mäch- – vom Meier-Lehrer die Toch- es auch stattfinden kann. Allen tig. Ich hoffe, daß ich mit mei- ter. Sie starb Mitte April im Alter Landsleuten wünsche ich, daß es nem Helfer Ludwig aus Waid- von 81 Jahren. Sie war mit Feuer- wieder möglich wird, die geliebte haus wieder Ordnung schaffen eifer dabei, als sich ein paar Neu- Heimat zu besuchen. Endlich konnte Emma Weber, Ortsbetreuerin von Neuhäusl, wieder in die Heimat ihrer Mutter fahren. Sie berichtet.

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kann. Auch Ludwigs Eltern sind Neuhäusler. Meine Bilder zeigen, wie schön sich die VergißmeinnichtBlümchen ausgebreitet haben. Als wollten sie sagen, vergeßt eure Lieben nicht, die einst hier wohnten oder nun auf dem Friedhof ruhen.

Vergißmeinnicht blühen auf dem Friedhof in Neuhäusl.

In der Mitte steht seit 1862 ein Kreuz.

Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil V

Bildnis von Pompeji In diesem fünften Teil schildert Pater Jaroslav Baštář seine erste Predigt in Neustadtl und seinen ersten Besuch in Neudorf im Jahre 1948.

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n der ersten Predigt dankte ich für die herzliche Begrüßung. Aber ich sprach auch die Hoffnung aus, daß das gegenseitige Verständnis es uns ermöglichen werde, eine zufriedene Pfarrgemeinde zu bilden. An Lichtmeß 1948 gab es keine Bedenken mehr, daß der Frühling bald beginnt. Es war ein überaus schöner Tag voller Sonne. Die Saat grünte, die Luft war frisch und feucht. An diesem Tag unternahm ich meine erste Reise nach Neudorf, welches mir Excurrendo zur Seelensorge zugeteilt worden war. Nach Neudorf kam ich aus Zemschen, wohin ich mit dem Zug gereist war. Von Zemschen ging ich bei strahlendem Son-

nenschein zu Fuß über eine verlassene Straße. Der Weg stieg bergan durch einen Wald. Oben öffnete sich mir ein herrlicher Ausblick. Vor dem schwarzem Hintergrund aus bayerischen Grenzhügeln stieg das Panorama der Neudorfer Brandstätte empor, dessen Dominante nach wie vor der ausgebrannte Kirchenturm ist. Nirgends auch nur eine Spur von Leben – es schien als hätte das Feuer jegliches Leben ausgelöscht. Ich kam dem Bildnis von Pompeji näher. Am Rande der verödeten Ortschaft warnte von Weitem sichtbar ein Schild: „Ohne Erlaubnis ist der Eintritt in das Grenzgebiet verboten.“ Unentschlossen blieb ich stehen. Ich stand an der Schwelle meines neuen Pfarrbezirks. Aber ich ging weiter – ich hatte die Ernennung zum Pfarrer in Neudorf dabei. Nach einigen Schritten traf ich zwei Zoll-

beamte. Ich stellte mich vor. Sie begrüßten mich als den ersten tschechischen Pfarrer herzlich und boten mir an, mich nach Neudorf zu begleiten. Wir schritten durch eine Straße, gesäumt von ausgebrannten Häusern. Nur die Schornsteine ragten gen Himmel. Dieselbe Verheerung herrschte auch vor der Kirche. Die 100 Jahre alte Linde stand da mit ihren verbrannten Ästen wie ein stummer Vorwurf. Wo einst eine erdgeschossige Pfarrei gestanden hatte, gab es nur ein paar pechschwarze Wände, einen verschmorten rostigen Drahtzaun und einen vom Feuer verwüsteten Obstgarten. Wohin das Auge reichte, überall nur Verderben – Todesstille. Und trotzdem war Neudorf auch in dieser Zeit bewohnt, wovon ich mich an nächsten Sonntag überzeugen sollte. Fortsetzung folgt

Nikolauskirche in Haid auf einem Aquarell von Pater Martin Duchoslav.

Haid

Kirche falsch verortet

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etzte Woche erschien im Bischofteinitzer Teil des Heimatboten als Begleitbild zu Pfarrer Klaus Oehrleins Bericht über Heiligenkreuz das Aquarell von Pater Martin Duchoslav – er wohnt im Haider Pfarrhaus – das die Haider Nikolauskirche zeigt. In der Bildunterschrift steht fälschlicherweise, es handle sich um die Kirche in Heiligenkreuz.

TERMINE Sonntag, 20. Juni, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise. Sonntag, 1. August, 10.00 Uhr, Neulosimthal: Gottesdienst anläßlich des Sankt-Anna-Festes mit Monsignore Andreas Uschold in GeorgenbergHinterbrünst am Gedenkstein beim Kastanienhof. Bereits am Vorabend gemütliches Beisammensein. Auskunft: Albert Kick, Faislbach 5, 92697 Georgenberg, Telefon (0 96 58) 3 15. Samstag, 28. bis Sonntag, 29. August: 32. Heimatkreistreffen in Weiden in der Oberpfalz. Samstag 8.15 Uhr Abfahrt nach München zum Besuch des Sudetendeutschen Museums; 18.00 Uhr gemütliches Beisammensein mit Egerländer Wirtshausmusik im Gasthof Ratskeller in Weiden. Sonntag 9.00 Uhr Feier am Tachauer Gedenkstein in der Kurt-Schumacher-Allee; 10.15 Uhr Versammlung der Mitglieder des Heimatkreisvereins mit Neuwahlen im Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a; 12.00 Uhr dort Ausstellungseröffnung; 13.00 Uhr Mittagessen auf Einladung der Patenstadt im Ratskeller. Anmeldung: WolfDieter Hamperl, Adresse siehe Impressum.

Das Tachauer Heimatmuseum Heimat – Vertreibung – Integration im Kulturzentrum Hans Bauer in Weiden. Bild: Karin Wilk


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