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J U N I • J U LI 2016 EUR 5 SFR 7,50

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Das Magazin für alpine Lebensfreude

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DI

31 Hütten 14 Regionen 33 Touren

Wilder Kaiser DAS GROSSE BERGPORTRÄT: WANDERN, KLETTERN, GENIESSEN

CHWÄBISCHE ALB * SFAMILIEN-AUSFLUG AN DIE OBERE DONAU

IESENGEBIRGE * RAUF DEN SPUREN VON RÜBEZAHL

Biken auf Bayerisch EINSAME ROUTEN & PRÄCHTIGE AUSBLICKE

Unsere liebsten Hütten GEHEIMTIPPS FÜR DAS PERFEKTE WOCHENENDE AM BERG - UND DIE SCHÖNSTEN TOUREN RUNDHERUM


Inhalt JUNI/JULI 2016

78 Die Donau entlang Auf der Schwäbischen Alb fließt die mächtige Donau als sanfter Fluss. Hier warten hohe Felsen, kühle Höhlen und verlassene Burgen darauf, entdeckt zu werden.

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FOTOS: ARMIN WALCHER, PHILIPP HORAK, MARION LUTTENBERGER, RUDI WYHLIDAL, THOMAS STRAUB

REGIONEN

MENSCHEN

50 LEBEN

SPORT 86 D rahtseilakt Am Hochalmblick-­ Klettersteig bei Gastein.

114 Nach oben fallen Bouldern am Attersee in Oberösterreich.

26 S chöner Wilder Alles über den Wilden Kaiser in Tirol.

50 Nah & fern 5 Minuten mit „Eat Write Live“.

42 S till leben Besuch auf der Ober­ etteshütte in Südtirol.

108 Ü berlebensküche Spitzenkoch Rudolf Obauer im Interview.

40 G ratwanderung Alpine Grenzfälle: das große Sommerrätsel. 58 G roße Pläne Was wir diesen Sommer vorhaben.

52 S eeradler Mountainbiken am Walchensee.

122 S teile Beziehung Katharina Saurwein und Jorg Verhoeven.

128 G ut gerüstet Mode und Equipment für den Sommer.

64 Rübezahls Spuren Ausflug ins tschechische Riesengebirge.

144 D as Bett im Fels Gepäckkontrolle bei einer Bigwall-Kletterin.

134 Valentins Favoriten Eine Hose für viele Vorhaben am Berg.

70 H üttenglück Drei Plätze für das per­ fekte Bergwochenende.

160 D er höchste Berg Alexander von Hum­ boldt auf Teneriffa.

136 Huckepack Sechs Kindertragen im Praxistest.

78 Alles im Fluss Unterwegs auf der Schwäbischen Alb.

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106 Ein Fall für zwei Sicher gehen mit ­Steigeisen.

KOLUMNEN 85 Post von David Lama 158 Messners Philosophikum 166 Abwärts mit Nachförg

STANDARDS 6 Panorama 12 Einstieg & Aufstieg 14 Wege & Ziele 16 Kinder & Familie 18 Wetter & Wissen 19 Die Alpen in Zahlen 20 Fragen & Antworten 22 Fels & Mensch 24 Gut & schön 164 Bergwelten bei ServusTV 168 Après-Berg 170 Vorschau, Impressum

90 Goldene Almen Wandern in den steirischen Sölktälern. 102 Frühjahrsputz Die höchste Hütte Österreichs erwacht. 146 Fjordland Mit Peer Gynt durch Norwegen.

Coverbild: Philipp Horak (Ackerlhütte im Kaisergebirge)

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Der schöne Wilde Von kleinen Hütten in großer Lage, handlichen Bergen und hohen Gipfeln. Von schwierigen Seillängen, der Überwindung der Schwerkraft und braunem Moor, das lustig durch die Zehen quillt. Der Wilde Kaiser aus Tirol stellt sich vor. TEXT: ROSEMARIE SCHWAIGER  FOTOS: PHILIPP HORAK

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Ein Bild von einem Berg: vorn die AckerlhĂźtte, dahinter die Ackerlspitze, mit 2.329 Metern der zweithĂśchste Gipfel des Wilden Kaisers.

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ilvana Bichler dreht sich etwas zur Seite und legt ihren Kopf nach hinten. Dann fährt sie mit der Hand die Linie ihres Profils nach. „Un­ gefähr so liegt der Kaiser da“, sagt sie. „Und der ho­ he Gipfel rechts ist seine Krone.“ Die Teilnehmer der Moorwanderung stehen auf einem Waldweg oberhalb der Gemeinde Ellmau und studieren konzen­ triert die Silhouette des Berges vor sich. Wenn man weiß, wo und wie man schau­ en muss, entdeckt man den „Kaiserkopf“ sofort. Die Felsformation sieht tatsächlich aus wie ein alter Mann mit wallendem Haar, der in luftiger Höhe – das Gesicht zum Himmel gerichtet – friedlich schläft. Um sich die Krone vorzustellen, braucht man etwas mehr Fantasie. Doch der Gip­ fel rechts ist ohnehin unter einem ande­

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ren Namen bekannt. Es handelt sich um die Ellmauer Halt, mit 2.344 Metern der höchste Gipfel des Wilden Kaisers. Ob der Kaiserkopf dem Gebirgsstock seinen Namen gab oder umgekehrt, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Gut ge­ wählt ist der Name auf jeden Fall. Majestä­ tisch und ein wenig einschüchternd ragen die zerklüfteten Flanken an diesem sonni­ gen Sommervormittag vor uns auf. „Der Koasa“, wie die Einheimischen ih­ ren Hausberg nennen, ist nicht nur wild, sondern auch wunderschön. Die harmoni­ schen Proportionen der einzelnen Gipfel, unterbrochen vom Halbrund des Ellmau­ er Tors, lassen den Wilden Kaiser wie das Werk eines Bildhauers wirken. Zu jeder Tageszeit fällt das Licht ein wenig anders auf die steilen Wände und Felstürme. Kaum hat man eine Stunde nicht hin­

gesehen, ist der Berg schon wieder neu ge­ schminkt. Die Teilnehmer von Silvana Bichlers kleiner Wandergruppe sind mit dem Blick von unten hinauf ganz zufrieden. Es muss ja nicht jeder in den Felsen herumturnen. Abenteuer gibt es auch im Tal: Die zehn­ jährige Valerie aus Hannover findet eine tote Blindschleiche auf dem Weg und ob­ duziert die vertrocknete kleine Leiche vor­ sichtig mit einem Ast. Was man hier sehe, sei der letzte Rest eines riesigen Moors aus der letzten Eiszeit, erklärt Silvana. Den Kindern gefällt vor allem, dass der braune Matsch so lustig durch die Zehen quillt. Man kann den Wilden Kaiser also auch genießen, ohne ganz oben zu sein. Aller­ dings versäumt man dann doch ziemlich viel. Deshalb machen wir uns am Nach­ mittag zu einer ersten Wanderung auf. >


„Der Koasa“, wie die Einheimischen sagen (im Bild seine Nordseite), ist ein Paradies für Wanderer, Bergsteiger, Kletterer – und auch für die Kinder, wenn es etwa ins Ellmauer Moor geht (links).

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Großer Fluss, noch ganz klein: In der Schwäbischen Alb fließt die Donau als schmaler Bach durch Wälder und Wiesen.

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UNTERWEGS IN BADEN-WÜRTTEMBERG 

ALLES IM FLUSS Wo die Donau einen Abstecher in die Schwäbische Alb macht, warten hohe Felsen, kühle Höhlen und verlassene Burgen darauf, entdeckt zu werden. TEXT: CHRISTIAN SCHREIBER  FOTOS: JULIA ROTTER

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ilberdisteln lugen aus dem satten Grün, und schroffe Felsen erheben sich mächtig über das tiefe Tal. Geduldige Menschen können mit ein wenig Glück Gämsen an den steilen Hän­ gen erspähen. Wer aber glaubt, wir sind im Hochgebirge, der irrt. Wir haben ge­ rade einen der höchsten Aussichtspunkte der Schwäbischen Alb erreicht, der rund 700 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Er lenkt den Blick auf ein kleines Ge­ wässer, das sich in S-Form durchs Tal schlängelt und später zu einem der mäch­ tigsten Flüsse Europas anwächst. Die Schwäbische Alb, das Mittelge­ birge in Baden-Württemberg, wird gern unterschätzt, ist aber ein Wandergebiet, das voller Überraschungen steckt – und

den Namen „Naturpark Obere Donau“ trägt. Langeweile kommt garantiert nicht auf, das zeigt sich an unseren anspruchs­ vollen Begleitern Lotte und Line. Die acht und elf Jahre alten Schwestern tasten sich in den kommenden Stunden durch Höh­ len, wagen sich an steile Abgründe, su­ chen versteckte Burgen und hüpfen übers Wasser. „Da unten sieht man wieder den Bach“, ruft Lotte. Ja, die Donau hat einen schwe­ ren Stand hier auf der Schwäbischen Alb. Die Mädchen können ja nicht wissen, dass sich „der Bach“ mit einer Gesamtlänge von knapp 3.000 Kilometern zum zweitgrößten europäischen Fluss nach der Wolga ent­ wickelt, wo sich die Donau hier doch so scheu gibt. Sie versteckt sich in kleinen Wäldern, macht die Biege um mächtige

Felsen und ist manchmal nicht viel mehr als ein Schluck Wasser in der Kurve. Dabei fließt sie schon knapp 100 Kilo­ meter von ihrem Ursprung in Donau­ eschingen, wo sich ihre Eltern Breg und Brigach vereinen. Sie hat schon ordent­ lich eingesammelt bei den Zuflüssen Krä­ henbach, Elta, Ursentalbach und Bära. Aber der Abstecher auf die Schwäbische Alb wird für sie trotzdem zum Über­ lebenskampf, weil im tückischen karstigen Boden extrem viel Wasser versickert. VOR MILLIONEN VON JAHREN

Über Kilometer können wir auf unserem Weg verfolgen, wie die Donau schmaler und schmaler wird. Vor Millionen von Jahren war sie nicht bereit, Kompromisse zu machen. Damals streckte sie ihre Füh­

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BOULDERN AM ATTERSEE

Nach oben fallen Von alpinen Schlüsselstellen in Kniehöhe und größter Körperbeherrschung auf kleinstem Raum. TEXT: MARTIN STAUDINGER  FOTOS: RUDI WYHLIDAL

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Martin Schmeisser hat das Bouldergebiet am Attersee erschlossen und rund 140 Blรถcke mit 300 Problemen beschrieben.

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Kreide an den Händen, bereit für die n ­ ächste Linie.

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s ist zwar heller Nachmittag, aber trotzdem hat der Schmeisser Martin ein Problem: Furcht vor der Finsternis. Und deshalb sieht es aus, als würde er mit dem Felsen tanzen – zu einer Melodie, die er noch nicht so gut kennt. Schmiegt sich an den rauen Stein, sucht nach einem Rhythmus, tastet sich an den Sound des Blocks heran, probiert, wie weit er gehen kann, ohne außer Tritt zu geraten. Fuß rechts hoch, die Fingerspitzen an kleinsten Unebenheiten im Kalk ein­ gehakt. Maximale Konzentration, die Mus­ keln gespannt. Eine Sekunde. Ein kräftiger Zug mit den Armen, Ober­ körper nach vorn hinauf. Zwei Sekunden. Ein rasanter Ablauf von Handgriffen und Beinarbeit, am Ende ein Ruck.

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Drei Sekunden, vielleicht vier – dann ist „Fear the Darkness“ bezwungen, eine Boulderlinie, die aus einer kleinen Höhle über einen Kalkblock heraufführt. Irgendwann einmal ist der Brocken aus dem Höllen­ gebirge im oberösterreichischen Salzkammergut herausgebrochen und den steilen Wald heruntergekollert; jetzt liegt er keine hundert Höhenmeter über dem Türkisblau des Attersees zwischen den Stämmen mächtiger Laubbäume. Schmeisser und drei Kumpels sind heraufgesprintet, weil sie Probleme haben wollen. Probleme – oder auch: Linien – nennt man beim Bouldern mit einem Wort das, was beim Bergsteigen Routen und Schlüsselstellen sind. Das kommt daher, dass so ein Problem meistens nicht lang ist, oft nur zwei, drei Meter. Aber auf dieser Minimaldistanz wird die Kletterei zur Essenz verdichtet – zu großem Alpinismus auf kleinstem Raum,

der höchste Anforderungen an Kraft, Prä­ zision und Körperbeherrschung stellt. Bouldern, per Definition das „Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder Kletterwänden in Absprunghöhe“, ist in Österreich ein relativ junger Sport. Und das, obwohl seine Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. In den 1890er-Jahren begannen in Frankreich die sogenannten „Bleausards“ damit, an Sandsteinblöcken der Gegend um das Fontainebleau herumzuturnen. Die längste Zeit war das, was heute Bouldern heißt, eigentlich nur eine Art Hilfssportart: Alpinisten trainierten im Tal Kraft, Ausdauer und Technik für die Überwindung von Schlüsselstellen im Hochgebirge. Ende des 20. Jahrhunderts entwickelte sich daraus eine eigene Disziplin, die Mitte der 1990er-Jahre auch in Mitteleuropa Hand und Fuß fasste und seit 2001 bei Weltmeisterschaften akzeptiert wird. >


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