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AUSGABE 03 / 2019 MAI / JUNI AT/DE/IT   EUR 7,00 CH   SFR 9,00 BE/LUX   EUR 8,00

DAS REZEPT GEGEN HUNGER

Wenn sich das Klima wandelt: Kann die Welt sich in Zukunft satt essen? In der Bio-Bank in St. Petersburg wächst die Lösung. WER WAR JESUS? Antworten auf Fragen, die sich jeder stellt LEMUREN Die Clowns unter den Affen KULTKAPELLE Indiens feurigste Hochzeitsmusiker verwandeln Lärm in allerbeste Laune


Raps

Brassica napus

Ackerbohne

Vicia fabae

INHALT

TERRA MATER Mai / Juni 2019

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Roggen

Secale cereale

NATUR

Mohn

Papaver

MENSCH

22 VON MAKIS UND MENSCHEN Die Lemuren auf Madagaskar sind die hinreißenden Stars einer neuen Form von Ökotourismus.

20 EIN MENSCH IN DETROIT Henry Ford II hat einen berühmten Namen und baut trotzdem Fahrräder.

40 SCHAUSPIEL DER SORGFALT Der Klimawandel gefährdet das Projekt von einer Welt ohne Hunger. In St. Petersburgs Nutzpflanzen-Genbank arbeiten Forscher an Strategien, um das zu verhindern.

56 IM INTERVIEW: THOMAS NEMECEK Wie können wir beim Einkaufen unseren ökologischen Fußabdruck überprüfen? Der Agrarwissenschaftler gibt die Antwort: Ökologisch gesehen entscheidet weniger der Produktionsort als vielmehr die Produktionsweise.

70 EIN WUNDER NAMENS FISCHOTTER Kaum ein Tier ist so perfekt konstruiert wie dieser Jäger. 96 EIN KÖNIGREICH FÜR EIN PFERD Zuerst beinahe ausgerottet, dann behutsam nachgezüchtet: In der Mongolei vollzog sich in den letzten Jahrzehnten die erstaunliche Wiedergeburt der Przewalski-Pferde.

STANDARDS 4 8 144

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Editorial Logbuch Mailbox & Impressum

Cover: Foto: Michael Zechany & Kurt Keinrath Die Pflanzen stellte die Universität für Bodenkultur Wien / Versuchswirtschaft Groß-Enzersdorf bereit – herzlichen Dank.

72 DIE HELDEN VOM STAMM DER DEZIBEL Die indische Vishal Brass Band spielt jedes Jahr auf 400 Hochzeiten – und das so geräuschvoll, dass wir uns ­fragen, wieso wir sie bislang noch nicht gehört haben. 120 WER WAR JESUS WIRKLICH? Auf den Spuren des historischen Jesus von Nazareth: der neueste Stand der Forschung zum Leben des Mannes, dessen Ideen uns nach 2.000 Jahren noch beschäftigen.


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Fotos: Kurt Keinrath&Michael Zechany, Cyril Ruoso, Lukas Papierak, David Vaaknin, Roman Burri&Conrad von Schubert

110 WISSEN 38 DER BUCHSTABE J Sie kennen das Spiel „Stadt, Land, Fluss“? Dann haben wir für Sie ein paar ungewöhnliche Lösungsvorschläge. 62 TROTZDEM GUTEN APPETIT! Wir müssen uns künftig bei Nahrungsmitteln an neue Zutaten und Produktionsprozesse gewöhnen. Eine kleine Auswahl zeigt: Der Geschmack bleibt erhalten. 87 DAS TERRA MATER JOURNAL Neues aus Wissenschaft und Forschung. 110 DER NÄCHSTE SCHRITT Ein Team der Universität Lausanne lässt Querschnitt­ gelähmte aufstehen und gehen. 118 MEILENSTEINE DER ZEITMESSUNG Diesmal präsentieren wir Uhren, die ganz schön herum­ kommen können und alles – wirklich alles! – aushalten.

INSPIRATION 10 MOMENTAUFNAHMEN VON MUTTER ERDE Zum Beispiel: eine prächtige Miniatur mit Flügeln. 68 KOLUMNE Mooslechners Merkwürdigkeiten. 136 EIN ORT ZUM ENTDECKEN Der Middle Fork Salmon River in Idaho bietet eine der feuchtesten Möglichkeiten, von A nach B zu kommen. 138 EMPFEHLUNGEN Lassen Sie sich von uns inspirieren – mit Schaustücken, Hörbildern und Lesestoff ganz nah am Feuer. 140 TERRA MATER BEWEGT Erstaunliches bei ServusTV. 146 PHYSIK DES ALLTAGS Der Touchscreen ist das schlaueste Sandwich, das je das Licht der Welt erblickt hat.

134 EIN TAG, DER DIE WELT VERÄNDERTE Am 20. Mai 1873 wurde in den USA eine Philosophie geboren, getarnt als Hose. Was könnte das wohl sein?

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WELTBILD Beeindruckende Momentaufnahmen von Mutter Erde

DAS GLASHAUS UNTER FREIEM HIMMEL SA DÉC, VIETNAM. Das Neujahrsfest Tet Nguyên Dán spielt in Vietnam eine wichtige Rolle: Die Menschen zahlen kurz vorher ihre ­Schulden zurück, um das neue Jahr unbelas­ tet ­beginnen zu können, Kinder bekommen neue K ­ leider, die Wohnungen werden geputzt – und ­Häuser und Straßen werden mit Blu­ men geschmückt. In den Baumschulen werden dafür ­tausende Topf­pflanzen gezogen, hier ­Chrysanthemen. Im knietiefen Wasser war­ ten sie in schier ­endlosen Alleen auf ihre Ab­ holung, g­ epflegt von Gärtnern, die mit kleinen Booten z­ wischen den wie mit dem Lineal ge­ zogenen Reihen patrouillieren.

Foto: Olivier Apicella

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Foto: OlivIer Apicella / HGM Press


Diversität in Säckchen Über eine Viertelmillion ­Sorten lagern in Europas größter ­Genbank für ­landwirtschaftliche Nutzpflanzen. Mit jedem ­einzelnen Samenpäckchen wird die jahrtausendealte Geschichte des Ackerbaus gehütet.

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DOSSIER ERNÄHRUNG

SCHAUSPIEL DER SORGFALT In St. Petersburg träumte ein Botaniker vor hundert Jahren von einer Welt ohne Hunger. Er revolutionierte die Pflanzenzucht und machte sich Stalin zum Feind. Sein Institut, die älteste Genbank der Welt, trotzt allen Widrigkeiten, bis heute. TEXT: CLEMENS STACHEL FOTOS: ELENA CHERNYSHOVA

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DOSSIER ERNÄHRUNG

Geduldsfrage In der Geburtsstätte der modernen Land­ wirtschaft geht die Arbeit nie zu Ende: Hier befüllt eine Mit­ arbeiterin der Abteilung für Gerste ein frisches Samenpäckchen. Das Prinzip der Aufbewah­ rung ist seit hundert Jahren unverändert. Ordnung der Natur 380.000 Belege wollen auch gefunden werden: Die alten, hand­geschriebenen ­Kataloge sind nach wie vor in täglichem Gebrauch. Zigtausende Belege stammen alleine aus Nikolai Wawilows Sammelreisen.

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DIENSTAG, 6. AUGUST 1940, CZERNOWITZ IN DER BUKOWINA. Nikolai Wawilow, Pflanzen­­

forscher aus Leningrad, kommt nach einem lan­ gen Arbeitstag am Feld in den Gasthof, wo er und seine Kollegen untergebracht sind. Eine schwarze Limousine wartet schon auf ihn. Vier Männer in Anzügen steigen aus, reden kurz auf ihn ein. Wawilow drückt einem Botanikerkollegen noch seinen Rucksack in die Hand und steigt dann zu den Geheimpolizisten ins Auto. Ziel ihrer Fahrt: das Innenministerium in Moskau. Wawilow ­hatte schon mit seiner Festnahme gerechnet. Der poli­ tische Druck auf ihn und sein Forschungsins­t itut war von Jahr zu Jahr bedrohlicher geworden.

Dass aber die schrecklichsten Zeiten – für ihn und das Institut – noch bevorstanden, ahnte an diesem Sommerabend niemand. „Wir können heute gar nicht ermessen, wie viel wir Wawilow verdanken“, sagt der US-Ame­ rikaner Cary Fowler, Agronom und Initiator des 2008 eröffneten Global Seed Vault auf Spitz­ bergen, des größten Speichers für Kulturpflanzen­ samen der Welt. „Alles, was wir in Spitzbergen tun, alles, was andere Genbanken in aller Welt tun, geht auf Nikolai Wawilow zurück. Die Ret­ tung der Biodiversität hat vor hundert Jahren in St. Petersburg begonnen.“ Was Fowler damit meint, versteht man erst, wenn man nach St. Petersburg gereist ist und ta­ gelang Augen und Ohren offengehalten hat an der einstigen Wirkungsstätte des großen Bota­ nikers und Genetikers Nikolai Wawilow. Als ­Direktor des „Allunionsinstituts für Angewand­ te Botanik“ baute er in den 1920er- und 1930erJahren die weltgrößte Sammlung von Kultur­

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MENSCHEN

DIE HELDEN VOM STAMM DER DEZIBEL Die Vishal Brass Band spielt jedes Jahr auf 400 indischen Hochzeiten – und wie! Konzertbesuch in einer Welt jenseits der akustischen Schmerzgrenze. TEXT: JUAN MORENO FOTOS: LUKAS PAPIERAK

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MANISH MAVJI IST EIN GUTER SAXOFON-SPIELER, DER DAS ERREICHT HAT,

­ ovon die meisten guten Saxofon-Spieler in Inw dien träumen: kein Saxofon mehr zu spielen. ­Manish ist der Chef einer indischen Hochzeitskapelle. Er führt die Vishal Brass Band, die seit knapp 25 Jahren im Geschäft ist, „die mit Abstand beste Blaskapelle Jabalpurs und weit darüber hinaus“. Behauptet jedenfalls Manish. Er sitzt an einem sonnigen Jännermorgen vor seinem Büro, den Mund voller Kautabak, und ist bester ­Laune, weil für heute drei Auftritte in seinem

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r­ oten ­Planungsbuch stehen. „Voller Tag, guter Tag“, sagt Manish, der wie viele Kapellenchefs in Indien ein mindestens so guter Geschäftsmann wie Musiker ist. Es heißt, dass Inder die Italiener Asiens ­seien. Das stimmt nicht. Sie sind die Neapolitaner Asiens. Kommunikativ, energisch, chaotisch, hinreißend und wundervoll. Wer Indien wenigstens ein wenig verstehen will, sollte einen Tag mit einer indischen Hochzeitskapelle unterwegs sein, einer Kapelle wie der Vishal Brass Band. Es gibt kaum eine bessere Art, sich dem Land zu nähern. 24 Stunden, 16 Musiker, ein Ver­ stärker und 1.000 Watt. Es gibt Tausende dieser Hochzeits­kapellen, überall im Land. Begleitet man eine, wird man sich in Indien verlieben oder den Tinni­tus seines Lebens davontragen. Sicher ist: Man wird es nie vergessen. „Ohne uns – ohne eine gute Band – ist eine indische Hochzeit undenkbar“, sagt Manish, der sich gerade seinen zweiten süßen Tee bringen


Showbiz made in India Manish Mavji (Mitte) ist Gründer der Vishal Brass Band. Er weiß nicht, auf wie vielen Hochzeiten er gespielt hat: „Ich schätze, es waren 10.000.“

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VERKEHR

BITTE RECHT UMWELTFREUNDLICH Mit Benzin und Diesel betriebene Autos gehören zu den Hauptverursachern von Treibhausgasen. Es gibt bereits Alternativen für den Individualverkehr – doch wie machen sie sich im Vergleich?

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  137 g/km

CO2-AUSSTOSS PRO KM:

Wasserstoff und Strom verursachen beim Fahren keine Emissionen. Allerdings entsteht bei ihrer Herstellung einiges an CO2. Wasserstoff wird noch zu rund 90 Prozent aus Öl, Gas und Kohle gewonnen und schlägt deswegen besonders stark zu Buche, während die Sauberkeit des Stroms vom heimischen Energiemix abhängt.

  85 g/km

1 15 57 7 2 2 4 4 ..11

  47 g/km

5 5 Erdgas: € 3,40

Elektro: € 2,60–4,30

Wasserstoff: € 10,80

Weltweit steigen die CO2 Emissionen, in den Städten machen uns Stickoxide und Feinstaub zu schaffen – höchste Zeit, sich von Benzin und Diesel als zwei der Hauptverursacher zu verabschieden. Doch welcher Antrieb liefert die beste Alternative? Wir haben uns das jeweils reichweitenstärkste Elektro-, Erdgas- und Wasserstoff-Auto am Markt angesehen: den elektrischen Tesla S 100D, den ­gasbetriebenen Seat Mii und den Hyundai Nexo mit Wasser­ stoff-Antrieb. Der Vergleich in fünf Kate­gorien zeigt: Alle Alternativen haben derzeit noch ihre Achillesferse. Doch während Elektro und Erdgas durchaus ­praktikabel sind, hat Wasserstoff noch den weitesten Weg zur Alltagstauglichkeit vor sich.

44 KRAFTSTOFFPREIS PRO 100 KM:

Mit 10,80 Euro für 100 Kilometer ist eine Fahrt im Wasserstoffauto mit Abstand am teuersten. Wesentlich billiger kommt da mit 3,40 Euro der Erdgasantrieb. Beim Strom hängt es davon ab, wo und wann man die Batterie auflädt: Je nach Uhrzeit und Gegend kann der Preis für 100 Kilometer im Elektroauto zwischen 2,60 und 4,30 Euro betragen.

TANKSTELLEN IN ÖSTERREICH:

Das Ladenetz für Elektroautos ist mit über 4.000 Stationen bereits sehr dicht gespannt. Wer dagegen auf Erdgas setzt, tut gut daran, sich vor der Fahrt darüber zu informieren, wo sich eine der 157 Tankstellen befindet. Solche Sorgen kennen Wasserstoffler nicht: Die Standorte der gerade einmal fünf Tankstellen in Österreich behält man locker im Kopf.


Erdgasantrieb

Wasserstoffantrieb

Elektroantrieb

ENERGIE

MAXIMALE REICHWEITE: Das aktuell reichweitenstärkste Elektroauto schafft mit einer Batteriefüllung bei optimalem Fahrverhalten bis zu 632 Kilometer. Die Brennstoffzelle bringt einen laut ÖAMTC sogar noch ein paar Kilometer weiter (laut ADAC etwas weniger weit). Der beste Gasantrieb bleibt dagegen nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke stehen.

380 km

LADEZEIT:

540–660 km

632 km

Wasserstoff und Erdgas jeweils: 4–5 Minuten

Die Achillesferse der Elektroautos: Während Erdgas- und Wasserstoffautos kaum länger an der Zapfsäule stehen als Benziner oder Dieselfahrzeuge, dauert selbst die schnellstmögliche Aufladung am Supercharger (den nur Teslas verwenden können) rund 40 Minuten. Bei einer Haushaltssteckdose können es sogar bis zu 70 Stunden sein.

Elektro: 40–4.200 Minuten

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DER NÄCHSTE SCHRITT Ein Team der Universität Lausanne lässt Querschnittgelähmte aufstehen und gehen. Das ist noch keine Heilung, doch ein Meilenstein auf dem Weg dorthin. TEXT: WERNER JESSNER FOTOS: ROMAN BURRI, CONRAD VON SCHUBERT

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MEDIZIN

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DER VIERFACHE SCHWEIZER ­VATER SEBASTIAN TOBLER WAR 43, als er mit

dem Mountainbike in Gegenwart seines ältesten Sohnes Tom – auch er ein begeisterter Biker – stürzte. Ein relativ banaler Crash auf seinem Touren-Mountainbike, mit einem Helm auf dem Kopf, wie man ihn bei normalen Ausflügen ins Gelände trägt. Tobler ist Familienmensch, konsequent, empathisch, kein Adrenalinjunkie, vielleicht ein bisschen. Einer, der Freude am Draußensein hat, der die Natur an sich und Bewegung in der Natur liebt – als Ausgleich für seinen leitenden Job an der Berner Fachhochschule, Fachgebiet Fahrzeugbau. Dann der Sturz, über den er mittlerweile emotionslos reden kann: „Eine Welle, es hat mich ausgehoben, durch die hohe Sattelposition war der Überschlag nach vorn unvermeidlich. Beim Aufprall ist der Helm gebrochen, ich habe nicht mehr geschafft, mich abzurollen. Als ich wieder aufstehen wollte, habe ich von der Brust abwärts nichts mehr gespürt.“ Der Fachterminus für Querschnitt­ lähmung, die alle vier Extremitäten betrifft, heißt Tetraplegie (sind nur die Beine betroffen, spricht man von Paraplegie). Sebastian hat eine sogenannte inkomplette Lähmung: Manche Nervenbahnen sind nicht völlig durchtrennt, irgendwo können sich noch elektrische Impulse durchzwängen. Wie im normalen Leben gilt bei Querschnittgelähmten ganz besonders: Jeder ist anders. Sebastian Tobler beschreibt sein Körpergefühl so: „Bis zur Brust spüre ich alles ganz normal. Je weiter nach unten es geht, desto weniger Oberflächengefühl ist tendenziell vorhanden. Manchmal bemerke ich mit geschlossenen Augen an einigen

Bei der STIMO-Methode überbrückt ein implantierter Impulsgeber beschädigte Nervenbahnen: Sein Ehrgeiz, durch Training die Fortschritte zu steigern, macht den Querschnittgelähmten Sebastian Tobler zum Musterpatienten.

Stellen am Bein, ob mich jemand berührt. Werde ich auf die Füße gestellt, spüre ich so etwas Ähnliches wie Druck. Andere Körperteile antworten überhaupt nicht.“ Die motorische Funktion der Arme und Hände ist bei Tobler – für einen Tetraplegiker – noch sehr gut erhalten: „Mein größtes Problem ist der Kreislauf.“ Ein bekanntes Phänomen: Viele Rollstuhlfahrer brauchen morgens lang, um in Schwung zu kommen. Sebastians Herz schlägt nur

noch mit maximal 98 Schlägen pro Minute, was zu dem bizarren Effekt führt, „dass ich trainieren kann, bis mir schwarz vor Augen wird, aber jemand, der meine Herz­ frequenz überwacht, könnte meinen, ich sei noch im grünen Bereich.“ Diese Voraussetzungen – und das Mindset eines Sportlers, der in den ersten vier Jahren im Rollstuhl härter trainiert hat als die Jahre zuvor – haben Sebastian Tobler zu einem der ersten drei Patienten

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RELIGION

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RELIGION

WER WAR JESUS?

Hat er wirklich gelebt? War er ein Rebell? Wie erklären sich die Wunder und die Auferstehung? Der neueste Stand der Forschung zum Leben des Wanderpredigers Jesus von Nazareth, der eine Weltreligion begründet hat. TEXT: RAFFAEL FRITZ FOTOS: DAVID VAAKNIN ILLUSTRATION: ANITA BRUNNAUER

Ein Bild von einem Mann Versuch einer Antwort: Die Illustratorin hat knapp zwei­tausend Jahre Kunstgeschichte in einer Jesus-Collage ­versammelt. Unter anderem zu sehen: „Christus Panto­krator“ aus dem Katharinen­kloster, Sinai, Ägypten (6. Jahrhundert); „Salvator mundi“, Leonardo da Vinci (ca. 1500); „Jesus nach Leonardo“, Wenceslaus Hollar (1650).

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DIE LETZTE SEITE

PHYSIK DES ALLTAGS DER TOUCHSCREEN IST DAS SCHLAUESTE SANDWICH, DAS DIE WELT KENNT.

wie er funktioniert. Lassen Sie uns das ändern! Bei Smartphones hat sich der kapazitive Touchscreen durchgesetzt. Es gibt verschiedene Bauweisen, aber in allen Fällen werden Konden­ satoren verwendet (1): Das sind Bauelemente, die elektrische Ladungen speichern können. Diese Fähigkeit nennt man elektrische Kapazität, wor­ aus sich der Name der Technologie ableitet. Ein Display mit Touchscreen besteht aus mehreren Schichten (2). Für das Erkennen der

Fingerposition sind jene zwei verantwortlich, in denen sich dünne Leiterbahnen befinden. Die­ se werden aus Indiumzinnoxid gefertigt, einem leitenden und zugleich transparenten Material. Die oberen Bahnen sind positiv, und die unte­ ren sind negativ geladen. Weil sich dazwischen

Glas befindet, wirken die Kreuzungspunkte wie ­Kondensatoren (3). Der Mensch besteht zum Großteil aus Was­ ser. In diesem befinden sich gelöste Salze und somit frei bewegliche Ladungen. Gleiche Ladun­ gen stoßen einander ab. Das ist sehr wichtig beim Touch: Dabei verschieben die geladenen Lei­ tungsbahnen nämlich ein wenig die Ladungen in Ihrer Fingerspitze (4). Diese Ladungs­verän­ derung beeinflusst aber wiederum die Ladung im darunterliegenden Kreuzungspunkt, also im Kondensator – und das lässt sich messen.

Ein Kontrollchip überprüft bis zu 120 Mal pro Sekunde alle Kreuzungspunkte, registriert Ladungsveränderungen und berechnet anhand dieser Daten, an welchen Stellen Sie mit dem Finger das Display berührt haben. Deshalb kann man einen Touchscreen nicht mit Handschuhen bedienen. Dann nämlich ist der Finger isoliert, es kommt zu keiner Ladungs­ verschiebung, und der Controller kann nichts messen. Sie könnten in diesem Fall aber einen Eingabestift verwenden. Zur Not geht es auch mit einem Würstchen oder einer Essiggurke, weil diese ähnlich leitend sind wie Finger. Probieren Sie’s doch einmal aus!

Mag. DDr. Martin Apolin, 54, ist Physiker und Sportwissenschaftler. Neben seiner Tätigkeit als AHS-Lehrer hat er über 20 populärwissenschaftliche Bücher und Schulbücher geschrieben.

Die nächste Ausgabe von  TERRA MATER erscheint am 13. Juni.

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Illustration: Janosch Slama; Foto: Privat

DURCHSCHNITTLICHE BENUTZER EINES SMARTPHONES BERÜHREN DEN TOUCHSCREEN IHRES GERÄTS EINIGE TAUSEND MAL PRO TAG. Kaum einer denkt drüber nach,


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Terra Mater 03/19  

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