ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

Die Schweizer Streamerin Elquaria bewegt ihre Community mit Real-Talk, Mut und Empathie
ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN
Die Schweizer Streamerin Elquaria bewegt ihre Community mit Real-Talk, Mut und Empathie
Romina Amato
CPauline Krätzig ist Münchner Journalistin (u. a. «NZZaS Magazin» und «Esquire»). Sie schafft eine besondere Nähe zu den Menschen, die sie beschreibt. Für uns tauchte sie in die Welt der Schweizer Streamerin Elquaria ein. Ab Seite 52
hält mit ihrer Kamera Sport, Action und Events fest. Klippenspringen gehört zu ihren Spezialitäten. Gut, dass sie für uns die Schweizerin Morgane Herculano bei der Red Bull Cliff Diving World Series begleitet hat. Ab Seite 40 liff Diving und IvyLeague-Universität. Sprünge aus mehr als 20 Meter Höhe und ein tougher Wirtschaftsjob. Morgane Herculano verbindet, was auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun hat. Wie ist das möglich? Und welche Rolle spielt die Angst? Ab Seite 40 erzählt die junge Schweizerin über den schwierigen Moment vor dem Sprung und ihr aufregendes Leben. Auch Streamerin Elquaria lebt alles andere als einen gewöhnlichen Alltag. Von Twitch-Marathons, die bis zum Morgengrauen dauern, und wie sie es geschafft hat, sich eine Community aufzubauen, die über die virtuelle Welt hinausgeht, lesen wir ab Seite 52. Und pünktlich zum Beginn der Eishockey-Saison gibt es ab Seite 66 den Spielplan der National League zum Heraustrennen! Viel Freude mit dieser Ausgabe! Die Redaktion
Lorenz Langenegger lebt in Zürich und Wien und ist Autor zahlreicher Theaterstücke, Romane und Drehbücher für Filme und Serien. In unserer Kolumne «On a Positive Note» stellt er sich seinen härtesten Kritikern. Ab Seite 96
1 gemäss WLTP 2 je nach Version. Google, Google Play, Google Maps, Waze und andere Marken sind eingetragene Marken von Google LLC. 3 je nach Land 4 bei umgeklappter Rücksitzbank. Renault 4 E-Tech electric evolution
Creator Jannis Reichmuth (li.) kommt bei Hyrox ins Schwitzenund auf den Geschmack.
Das Fotografen-Duo Ashley und Jered Gruber hält die grössten Fahrradrennen der Welt fest –auf dem Motorrad, zu Fuss und immer mitten im Chaos.
Red Bull Cliff Diving Mut
Die Schweizer Cliff-Diverin Morgane Herculano verbindet höchst erfolgreich sportliche und akademische Welten.
Streamerin Elquaria schafft es mit ihrer authentischen und coolen Art, eine virtuelle Gemeinschaft aufzubauen.
Schauspielerin
Camille Losserand 22
Kitesurf-Profi
Edb
Eishockey
Der Spielplan 66 zum Heraustrennen
Alle Spiele der Schweizer National League 2025/26
Was kann Brad Pitt eigentlich nicht? Der US-Schauspieler ist im Leben wie im Streifen «F1» mit viel Adrenalin unterwegs. Fitness
Was hat Hyrox, was andere nicht haben? Gemeinsam mit Creator Jannis Reichmuth lernen wir es von den Profis.
Es gibt nur einen Ort, an dem Surf-Pro Leon Glatzer noch lieber ist als in der Welle: über der Welle! Hier ist er vor Hudhuranfushi zu sehen, einer nur 800 Meter langen und 400 Meter breiten Resortinsel vor dem Nord-Malé-Atoll der Malediven. Leon, aufgewachsen in Costa Rica, ist einer der besten deutschen Wellenreiter, trat etwa bei den Olympischen Spielen in Tokio an. Hohe, innovative Airs zählen zu seinen grössten Stärken.
Instagram: @leonglatzer
Bei Red Bull Stalen Ros sind Kreativität und Können gleichermassen gefragt. Was es braucht? Zwei Wagemutige, zwei Räder, eine Bremse und einen Lenker! Auf fantasievollen Eigenkreationen gilt es, Hindernisse wie Bodenwellen, enge Passagen oder Stufen zu überwinden –stets mit dem Ziel, auf dem Parcours über Wasser trocken zu bleiben. Hier ein Bild aus Den Haag von 2023. Dieses Jahr kommt das Spektakel erstmals in die Schweiz, und zwar am 14. September nach Lausanne. Alle Infos für furchtlose Teams und schadenfreudige Zuschauer findest du hier:
Oberalppass, Schweiz
Gleit-Zeit
Ein Mann, ein Schirm und absolute Ruhe. Was wie ein Freizeitflug über den Oberalppass aussieht, ist in Wahrheit das härteste Abenteuerrennen der Welt. Beim Red Bull X-Alps sind aber nicht nur perfekte Flugkünste, sondern auch extreme körperliche Ausdauer gefragt, so wie sie etwa Simon Oberrauner (hier im Bild) besitzt. Die Hikeand-Fly-Athleten legten 2025 die Rekordstrecke von 1283 Kilometern zurück – pro Tag absolvierten sie zu Fuss bis zu 100 Kilometer und an die 4000 Höhenmeter. Für den Österreicher Oberrauner lohnte es sich: Er kam als Dritter ins Ziel. Für mehr Infos über die Route, die Athleten und weitere Eindrücke vom Red Bull X-Alps – einfach den QR-Code scannen:
Die britisch-albanische Sängerin Dua Lipa stellt verlässlich Rekorde ein. Jetzt wird die Stil-Ikone dreissig. Welche kuriosen Zahlen ihr Leben begleiten.
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Buch pro Monat präsentiert die Leseratte Dua Lipa auf ihrer Community-Seite service95.com. Dort führt sie auch Interviews mit den Autorinnen und Autoren.
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Tage dauerte es, bis «New Rules» 2018 eine Milliarde Mal auf YouTube abgespielt worden war. Mit 22 Jahren hat Dua Lipa diesen Meilenstein als jüngste Sängerin erreicht.
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Jahre alt war Dua, als sie mit ihren Eltern in deren Heimat Kosovo übersiedelte. Mit fünfzehn zog sie allein zurück nach London, um Model zu werden.
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bestickte Elemente enthält das –in 2 000 Arbeitsstunden hergestellte –Outfit aus dem Hause Chanel, in dem Dua Lipa am roten Teppich der Met Gala 2025 glänzte.
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Tickets verkaufte Dua Lipa während der Corona-Pandemie 2020 für ihr «Studio 2054»Konzert, das im Livestream in 150 Länder übertragen wurde – Weltrekord!
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Songs von Dua Lipa gehören zu den 100 meistgestreamten auf Spotify, darunter «Cold Heart (PNAU Remix)», ihr Duett mit Elton John. Nur Bruno Mars ist mit sechs Songs populärer.
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Zähne hat Dua Lipa nach eigenen Angaben. Normalerweise haben erwachsene Menschen –inklusive Weisheitszähnen – nur 32. Sie sagt: «Ich bin eben überehrgeizig.»
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Millionen Franken Ver mögen heben Dua Lipa 2025 auf Rang 34 der «40 Reichsten unter 40» Grossbritanniens. Sie ist die jüngste Person auf der jährlich erstellten Liste.
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unterschiedliche Farbtöne umfasst die Palette der «YSL Loveshine»-Lippenstifte, die Dua Lipa gemeinsam mit dem Modehaus Yves Saint Laurent auf den Markt bringt.
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Mit E-Skateboards von Onsra kannst du ins Gelände und erreichst dabei bis zu 70 km/h. Tech-Checker Kirafn dreht eine Runde.
Das Teil
Gefertigt aus Carbon, ist das Am Rad der Fernbedienung drehen, schon sorgen zwei E-Motoren für Schub – laut Schweizer Hersteller ist das Teil bis zu 70 km/h schnell. Dank stabiler Achsen und robuster Profilräder ist das gezeigte Modell «Velar» fit für den Asphalt wie fürs Gelände. Kosten: ab CHF 2 790.
Kirafin heisst bürgerlich Jonas Willbold, ist 31 und unterhält seine
1,3 Millionen Follower auf TikTok mit ComedyFormaten. Nebenbei folgt er seiner Faszination für Tech-Produkte und -Trends. Für uns nimmt er aktuelle Hypes unter die Lupe.
Der Check
Der Hype
Wegen des hohen Preises gibt es wenige TikTok-Videos – die aber gehen zuverlässig viral. Vorreiter ist @fabiandoerig mit 15 Millionen Aufrufen.
Für mich eine kompakte (und extrem spassige) Alternative zum E-Scooter. Aufgepasst: In der Schweiz darfst du damit nur auf Privatgelände fahren. Ich würde das Teil ausserdem nur voll gepanzert benutzen. Wenn du das nötige Kleingeld und Skate-Erfahrung hast: cool!
MUST-HAVE-FAKTOR
Perfekt für …
… tempo- und techaffine Skater mit Lust auf Abenteuer in der Natur.
Ungeeignet für …
… Skate-Puristen, für die das Board vom Ahornbaum und der Schwung aus den Beinen kommen muss.
kann sich vor Angeboten aus Hollywood kaum retten. Doch die Schauspielerin und Produzentin sucht lieber selbst nach Stoffen – und zeigt, wie wichtig es ist, dem eigenen Geschmack zu vertrauen.
Text Mariam Schaghaghi
Privilegierter geht’s kaum: Als Tochter der Filmgrössen Melanie Grifth und Don «Miami Vice» Johnson, als Stieftochter von Charakterdarsteller Antonio Banderas und Enkelin von Hitchcock-Muse Tippi Hedren ist Dakota Johnson nicht weniger als ein Kind Hollywoods. «Bei uns zu Hause ging es zu wie im Zirkus», sagte Dakota vor Jahren. «Wir waren immer von sehr talentierten, aber auch schrägen Menschen umgeben. Daher bin ich von Hollywood kein bisschen beeindruckt. Meine Familie ist Hollywood.» Auf diesem Erbe liesse es sich gut ausruhen. Doch Dakota steht auf Disruption. Gezielt sucht sie neue Herausforderungen und erobert gerade neue, aufregende Terrains: als Produzentin und Regisseurin. Nicht, dass sie vom Schauspiel nach KinoHits wie «Fifty Shades of Grey», «Madame Web» oder «Suspiria» genug hätte – im Gegenteil: Die 35-Jährige will noch mehr vom Filmbusiness. Mit ihrer besten Freundin Ro Donnelly gründete sie 2018 die Produktionsfrma TeaTime Pictures und sucht nun eigenständig nach guten Stoffen, die sie auf die Leinwand bringt. «Ich geniesse das Filmgeschäft als Produzentin weit mehr», erklärt sie bei einem Interview bei den Filmfestspielen in Cannes. «Ich habe eine so komplizierte Beziehung zu dieser Branche. Eine Hassliebe. Manchmal kann’s wirklich beschissen sein. Aber dann gibt’s Momente wie gestern, als wir einen riesigen Saal zum Lachen brachten. Das ist so ein wunderbares Geschenk.»
Am Abend davor hatte Dakotas selbst produzierter Film «Splitsville» für die Überraschung des weltweit wichtigsten Festivals gesorgt. Die Komödie über zwei
point
Geboren in Austin, Texas; Alter 35; gab mit neun ihr Leinwanddebüt an der Seite ihrer Mutter in «Crazy in Alabama»; hatte ihren Durchbruch mit «Fifty Shades of Grey»; musste für «Suspiria» sechs Monate hartes Tanztraining absolvieren
befreundete Paare, die die ofene Ehe ausprobieren, ist nicht nur irre komisch, sondern auch clever und feinfühlig. Für manche Kritiker war es gar der beste Film des Festivals. Dakota und Ro hatten die Autoren der Komödie «The Climb» kontaktiert, von der sie begeistert waren, und beschlossen, deren neues Skript zu produzieren, mit Dakota selbst und Adria Arjona in den Hauptrollen. Ein Coup – denn «Splitsville» war nicht nur ein Triumph, es war auch Dakotas Cannes-Debüt.
Auf Juwelensuche
«Bei TeaTime lieben wir Projekte wie ‹Splitsville›: Filmemacher zu entdecken, von denen kaum jemand gehört hat, und dann sagen zu können: Wow, ein Juwel!», so Johnson. Dass sie ein Talent für ungewöhnliche Stofe besitzt und dann auch noch die richtigen Leute zusammenbringt, erläutert sie so: «Wie wir unsere Sets gestalten, hat viel mit Energie zu tun. Bei TeaTime gilt ganz klar: keine Arschlöcher am Set.»
Studiobosse, die die Produktionsideen der Schauspielerin früher abblitzen liessen, lässt Dakota mittlerweile links liegen. Auch Schauspielkollegen sind voller Bewunderung: Für die Produktion von «Daddio – Eine Nacht in New York» stand Dakota etwa neben einem Mann vor der
Kamera, der für zwei Oscars und seine Haiti-Hilfe geachtet wird, wegen seiner Launen aber gefürchtet ist: Sean Penn. Den streitbaren Schauspieler überzeugte sie mit einem einzigen Besuch. «Dakota stand eines Tages vor der Tür – sie wohnt in der Nachbarschaft – und übergab mir dieses Drehbuch», hatte Penn im Interview zu «Daddio» verraten.
Im Regiestuhl
Dakotas Projekt über eine unerwartet tiefe Unterhaltung zwischen einem Taxifahrer und einer jungen New Yorkerin erwies sich als Glücksgrif für den Veteranen, «die beste Erfahrung, die ich je hatte! Dieser Film war ein Geschenk, von dem ich nicht mal wusste, dass ich es mir gewünscht hatte.» Und weiter: «Ich konnte es kaum erwarten, morgens zum Drehen zu kommen!» Bei solchen Komplimenten strahlt Dakota. Dass hinter diesem Lächeln eine Frau mit klarer Vision steht, spürt man. «Ich war mein ganzes Leben an Sets. Ich habe gelernt, wie man gute Energie erzeugen kann. Ich glaube, das hat Sean gespürt.»
Und jetzt? Dakota Johnson geht den nächsten Schritt und nimmt auf dem Regiestuhl Platz. Als niemand in der Filmindustrie auf ihren Pitch für eine Serie über queere Freundschaften, Sexualität und Identität ansprang, setzte Dakota ihre Idee kurzerhand selbst um – als Kurzflm «Loser Baby». Für sie ein grosser Spass. «Regie zu führen, war ein ganz anderer Prozess – ich hatte die beste Zeit meines Lebens», schwärmt sie.
Keine Frage: Dakota sprüht vor positiven Vibes und öfnet bereits das nächste Kapitel: TeaTime wird von der Produktionsfrma zur Plattform und promotet im TeaTime Bookclub junge Schriftsteller. Seit 21. August ist sie in der Romantic Comedy «Materialists» mit Pedro Pascal und «Captain America» Chris Evans zu sehen. Darin bringt sie als erfolgsgewohnte Matchmakerin die Herzen von New Yorkern zusammen – bis auch sie ihr Herz verliert, allerdings an zwei Männer. Ein Happy End scheint also garantiert. Aber bis dahin wächst Dakota erst mal weiter über ihr Erbe hinaus.
Instagram: @dakotajohnson
«Bei meinen Filmen gilt ganz klar: keine Arschlöcher am Set.»
kommt aus Lausanne und trainiert in den Wellen vor Tarifa. Die Kitesurferin und Big-Air-Weltmeisterin beherrscht die Kunst von Flow und Timing – und schaffte so eine Pionierleistung.
Text Christine Vitel Foto Samuel Cárdenas
Camille Losserand pendelt zwischen ihrem Zuhause in der gebirgigen Schweiz und dem Kitesurf-Hotspot Tarifa in Spanien, einem der windigsten Orte Europas. Der ständige Ortswechsel war für ihre Karriere entscheidend. Mit diesem Schritt explodierten auch ihre Erfolge: vier spanische Meistertitel in Serie – den letzten holte sie 2024 –, Junioren-Weltmeistertitel 2021, Big-Air-Weltmeisterin 2023, zahlreiche weitere Podestplätze auf der GKA Kite World Tour. Was die 22-Jährige von anderen Athletinnen unterscheidet?
Ihr unglaubliches Niveau in den KitesurfDisziplinen Freestyle und Waveriding. Bei Camille Losserand ist es kein Widerspruch, dass eine Kitesurferin aus den Alpen kommt. Uns erzählt sie, warum.
the red bulletin: Wie kam deine Karriere im Extremsport ins Rollen?
camille losserand: Bei meiner Sportart ist es nicht einfach, wenn man in der Schweiz lebt und dort trainiert. Die Bedingungen auf einem See sind für das Kiten nicht ideal. Als ich sechzehn war, fuhren mein Trainer Fabio Ingrosso und ich nach Ägypten, und da ging es richtig los. Er wollte mich auf die Olympischen Spiele vorbereiten (damals noch im Race, einer Disziplin, die nicht Losserands liebste war; Anm.). Ihm verdanke ich, dass ich heute da bin, wo ich bin. Er bringt mich dazu, an meine Grenzen zu gehen.
Wie fühlt es sich an, wenn du fiegst?
Ich fühle mich frei und losgelöst. Ich bin eins mit meinem Kite, mit den Elementen. Ich denke nur an das, was ich im Moment tue. Es ist wie Meditation.
Badass-Sprung Front Roll
Rodeo Contra; Lieblingssong «Let it Happen» von Tame Impala; Lieblingspodcast «Hugo décrypte»; Motto «Ich will immer weiterkommen und pushe meine Grenzen jeden Tag ein bisschen.»
Hast du manchmal Angst?
Ja, vor allem bei neuen Sprüngen … Wenn der Wind stark ist, kommt man schnell hoch hinaus. Ich versuche die Zweifel zu ignorieren und konzentriere mich auf den Sprung, visualisiere ihn. Ich höre aber auch sehr auf mein Bauchgefühl. Wenn ich etwas gar nicht tun will, gibt es meist einen guten Grund dafür.
Was ist dein grösster Erfolg?
Dass ich Weltmeisterin im Big Air geworden bin, hier in Spanien, in Tarifa. Diesen Wettbewerb hatte ich schon einige Zeit lang gewinnen wollen, deshalb war es einzigartig, als ich es geschaft habe! Es war etwas Besonderes; mein Trainer, meine ganze Familie und meine Freunde aus der Schweiz waren da.
Du hast als erste Frau den Front Roll Rodeo Contra Loop geschaft (Vorwärtssalto plus seitliche Drehung mit einer halben Schraube und einer Schleife, bei der der Kite gegen die Flugrichtung gezogen wird; Anm.)
Ja, im Finale! Bevor ich ins Wasser bin, habe ich mit meinem Trainer den Sprung visualisiert. Ich wusste, ich war in Führung, und hatte noch einen Sprung. Ich
versuchte es mit diesem, und es hat sofort funktioniert. Ich hatte totale Gänsehaut!
Wie viel hast du dafür trainiert ?
Das Lustige: Ich hatte den Sprung davor noch nie ausprobiert! Aber mein Trainer wusste, dass ich ihn schafen kann, weil der Sprung einem ähnelt, den ich bereits konnte. Fabio hat mich also überredet, und dann ist es passiert. Ich konnte es selbst kaum glauben, das war ziemlich verrückt
Was war die grösste Herausforderung deiner Karriere?
Mich beim Waveriding zu verbessern. Da ich in der Schweiz wohnte, war es schwierig, auf Wellen zu trainieren. Ich musste dafür ins Ausland gehen und fng bei null an. Ich trainierte mit vielen Surfern, und es dauerte zwei oder drei Jahre. Ich muss noch viele Dinge lernen, aber mein Niveau auf den Wellen kommt aus dieser Zeit.
Was inspiriert dich?
Kleine Dinge … Auch in anderen Sportarten gibt es Athleten in meinem Alter, die Vorbilder sind, wie zum Beispiel Carlos Alcaraz, die Nummer zwei im Tennis. Beim Kiten denke ich an Airton Cozzolino, der mehrfacher Weltmeister war. Und Matchu Lopes, mit dem ich trainiere. Er coacht mich oft. Sein Niveau ist einfach unglaublich.
Wie siehst du die Entwicklung bei den Kitesurferinnen?
Seit ich mit Wettkämpfen begonnen habe, gibt es bei den Frauen einen enormen Fortschritt, sowohl in der Wave-Disziplin als auch im Freestyle. Aber es gibt immer noch eine Lücke, die ich schliessen möchte. Deshalb probiere ich Sprünge aus, die Frauen nicht machen.
Wenn du deinem jüngeren Ich einen Rat geben müsstest, was wäre das? Nicht aufzugeben und weiterzumachen. Als Teenager in der Schweiz fragte ich mich: Bringt es wirklich etwas, weiter zu kiten und für Wettkämpfe zu trainieren? Ich würde meinem jüngeren Ich sagen, dass es an seine Träume glauben soll, dass alles möglich ist und dass es dem Leben vertrauen soll.
Instagram: @camille_losserand
«Ich zeige Sprünge, die Frauen noch nie gemacht haben.»
zählt
zu den eigenwilligsten neuen
Musiktalenten in der Schweiz.
Songs nimmt er prinzipiell nur einmal auf, schliesslich bedeutet sein Künstlername auch «Edward der Bezwinger».
Wann er das letzte Mal zu Hause geschlafen hat, weiss er nicht. Wann er die letzte Mahlzeit zu sich genommen hat, dagegen schon: um fünf Uhr morgens, zwei BiscofGuetzli, die er nach zwei Stunden Schlaf in Kafee tunkte, als er den Sonnenaufgang vom Balkon seines Studios catchte. «Nach der Festivalzeit muss ich endlich wieder meinen Schlafrhythmus in den Grif kriegen», sagt Edb, der sich manchmal auch Eddie nennt, aber seinen ganzen Namen nicht preisgibt.
In den letzten Wochen spielte der 22-Jährige am Open Air St. Gallen und am Jazzfestival Montreux, zwei Tage später stand er auf der Waldbühne am Gurtenfestival – also dort, wo er laut eigenen Aussagen unbedingt einmal auftreten wollte. «Habe ich das wirklich gesagt?», fragt er jetzt unter der Laube in der Berner Innenstadt. «Ich habe zum Güsche eigentlich keinen emotionalen Bezug.»
Senkrechtstarter
Nonchalance, manchmal etwas dick aufgetragen, gehört zur Attitüde des Berners, dessen Karriere im Eiltempo voranschreitet: Zum ersten Mal postete er 2023 einen Song auf Spotify, ein Jahr später, per Fastlane in die Schweizer MainstreamMusikszene katapultiert, veröfentlichte er bei Sony seine Debüt-EP «City Boy», im vergangenen Frühling folgten mit «Eddie’s Tape Side A» und der dazugehörigen B-Seite (beides zusammen übrigens sogar auf Vinyl!) die nächsten Alben. Anfang 2025 verlieh ihm SRF 3 die Auszeichnung «Best New Talent».
On point
Scrollt am liebsten stundenlang durch Katzen-Memes; wünscht sich als Konzert-Bühnenbild einen richtigen Baum oder ein nachgebautes Wohnzimmer –für beides reicht das Budget jedoch noch nicht ganz.
Was macht dieser schnelle Erfolg mit einem? «Die Leute meinen, ich mache erst seit zwei Jahren Musik, weil ich vorher einfach nie etwas auf Spotify gepostet habe», antwortet Eddie zwischen den dunkelbraunen Locken hervor. Dabei hat das Nachwuchstalent schon früh begonnen: In der Schule spielte er Blockföte, weil man das halt so macht, später Cello, weil es das denkbar uncoolste Instrument war, und bis heute Gitarre.
Seine Musik produzierte er früher selbst, und an Selbstbewusstsein mangelt es bis heute nicht: «Ich nehme einen Song immer nur einmal auf und fnde ihn dann gut genug. Ich kann nicht verstehen, dass andere Artists da wochenlang herumschrauben.» Angst davor, dass das Resultat nicht gefallen könnte, kennt er nicht; schliesslich steht sein Künstlername für «Edward der Bezwinger».
Als Kind wollte Edb eigentlich Astronaut werden – oder Bauer, «aber das ist megafucking anstrengend». Und mit dem Arbeiten im All hat’s nicht geklappt wegen des Rauchens: «Du brauchst eine Lungenkapazität von 150, davon bin ich weit entfernt.» Angefangen mit dem Rauchen hat Eddie während der Lehre zum Fachmann Gesundheit, bis Anfang Jahr arbeitete er Teilzeit in einem Altersheim. Zigaretten kann er immer noch «im Hosesack» drehen, wenn’s sein muss. Jetzt also Musik als Vollzeitkarriere.
Authentizität und Hunger
Geschrieben und produziert werden die Songs grösstenteils in Hamburg, gemeinsam mit dem deutschen Produzenten Fayzen, der unter anderem auch mit Nina Chuba zusammenarbeitet. Spricht Edb übers Schreiben, rückt die Nonchalance für einen kurzen Moment zur Seite: «Ich arbeite huere gerne mit Leuten zusammen, die richtig Bock haben. Und in Deutschland ist dieser Hunger auf Erfolg grösser als hier, vielleicht auch, weil mehr Geld zu holen ist. Ich brauche dieses Gefühl um mich herum. Allein zu Hause lasse ich mich viel zu schnell ablenken.»
Edbs Sound bewegt sich irgendwo zwischen melancholischem Indie-Pop und Alternative-Rock, garniert mit ein bisschen Eighties-Vibes – logisch bei einem, dessen erste CD ein Album von Mac DeMarco war und der die Schweizer Indie-Band Dachs hört. Edb selber mag aber keine Labels, zu einengend. Wenn er seine Musik beschreiben müsste, sie wäre vor allem «unsauber». Edb singt auf Schweizerdeutsch und verdreht die Augen, wenn man nach dem Grund fragt: «In welcher Sprache soll ich denn sonst singen? Alles andere wäre cringe, null authentisch.»
Direkt und lokal
Eine grosse Schnurre, schnoddriges Berndeutsch und kompromisslose Selbstsicherheit: Der Vergleich mit dem verstorbenen Berner Sänger Endo Anaconda liegt nahe. «Das höre ich öfter», kein Augenverdrehen, «ich kann verstehen, warum. Ich glaube, wir sind beide sehr direkt.» In seinen Texten besingt Edb seine Heimatstadt, die schöne Art des Alleinseins und vor allem immer mal wieder eine «Sie», die er verloren hat, die gegangen ist, die jedenfalls nicht mehr hier ist, aber der Bettbezug riecht noch nach ihr.
Wer so viel über die Liebe singt, muss sie verstanden haben, oder? Seufzen. «Als ginge es in meinen Songs nur um die Romantik. Immer wollen alle nur romantische Liebe. Dabei ist das doch vor allem ein gesellschaftliches Konstrukt.» Pause. «Aber vielleicht sage ich das auch einfach, um intelligent rüberzukommen.» Die Antwort auf die Liebesfrage fndet sich bei Edb, wie so oft, in der Kunst. In einem Song auf seiner letzten EP singt er: «U weni gheie, i blieb mis Deheime.»
Instagram: @edbdeheftigst
«Natürlich singe ich auf Schweizerdeutsch! Alles andere wäre cringe.»
Der perfekte Foto-Moment: Den finden Ashley und Jered Gruber bei den grössten Radrennen der Welt. Was ihre Bilder nicht zeigen: Ihr Job ist so hektisch und gefährlich wie jener der Radprofis selbst.
«Für Julian Alaphilippe war sein Etappensieg beim Giro 2024 das Ende einer langen Durststrecke, ich hingegen steckte in einer Krise», sagt Fotograf Jered Gruber. «Nach einem Motorradsturz bei der Flandern-Rundfahrt war ich monatelang gehunfähig und experimentierte daher mit TV-Bildern. Das hier entstand von der Couch aus mit der Nikon Z 8 am Kopfkissen.»
Triumphfahrt
Bei der Schlussetappe der Tour de France 2019 gelang Jered eines seiner Lieblingsfotos – mit einer Nikon D850: «Blick auf den Arc de Triomphe, ich auf einer Mülltonne, die Sonne im perfekten Winkel, 1/200 Verschlusszeit. Dieses Bild wird es so nie wieder geben, weil an dieser Stelle keine Zuschauer mehr erlaubt sind.»
Hinter den Fotos von Ashley und Jered Gruber stecken 50 Prozent akribische Planung – und 50 Prozent Gespür für den richtigen Moment. «Vor jedem Rennen studieren wir auf Google Maps potenzielle FotoSpots. Unterwegs gebe ich Jered manchmal über Funk die Lage einer besonders malerischen Mauer durch oder einer coolen Ortsdurchfahrt», sagt Ashley. «Bei manchen Rennen hast du nur drei, vier Chancen auf ein gutes Foto», ergänzt Jered. «Du musst den Fahrern immer einen Schritt voraus sein, jagst ständig über Feldwege und Nebenstrassen am Weg zur nächsten guten Stelle.»
Augen-Blick
«Ein gutes Beispiel für pures Glück», sagt Jered, «Julian Alaphilippe, einer meiner Lieblingsfahrer, sieht auf der Tour de France 2023 irgendwo in den Pariser Vorstädten zu mir am Motorrad herüber, und der junge Fan im Hintergrund macht die exakt gleiche Kopfbewegung. So etwas kann man nicht planen!»
«Beim Zeitfahren wandern wir manchmal einfach nur die Strecke entlang und halten die Augen nach guten Spots offen», sagt Ashley Gruber, «so wie hier beim Team Time Trial der Tour 2019 in Brüssel. In Kombination mit den leuchtenden Trikots der Mannschaft von EF Education First bekam das Foto in der Nachbearbeitung einen richtig futuristischen Touch.»
Die Fotografen
Die Grubers – Ashley, 37, und Jered, 42 – sind sowohl privat als auch kreativ ein Paar –und zwei der besten RadsportFotografen der Welt. gruberimages.pro, Instagram: @jeredgruber, @ashleygruber
Reaktionsschnell
«Für ein originelles Foto musst du unkonventionell denken», sagt Jered. «Darum schoss ich bei der Tour 2024 mit 20 Bildern pro Sekunde durch die reflektierenden Fenster des Zielhäuschens. An dieser Stelle haben die Fahrer 60 km/h drauf – dass ich Tour-Sieger Tadej Pogačar unverdeckt erwischt habe, war Zufall.»
Jered und Ashley Gruber sind ein geniales Team: «Bei den Frühjahrsklassikern teilen wir uns auf, Jered macht die Männerrennen, ich jene der Frauen», erklärt
Ashley. «Bei der Tour de France und anderen grossen Rennen sind wir dagegen beide mit dem Motorrad, dem Auto oder zu Fuss dabei.»
Die US-Amerikaner leben abwechselnd in Athens (Georgia) und Alta Badia (Italien) –oder aus dem Koffer. Jered hat österreichische Wurzeln: «Meine Grossmutter stammt aus Villach, mein Grossvater aus Wiener Neustadt», sagt er, «aber ich war noch nie da.» Seit seinem schweren Sturz bei der letztjährigen Flandern-Rundfahrt ist Jered den Fahrern noch näher verbunden: Sein Motorrad rutschte auf einer Abkürzung zwischen zwei Streckenabschnitten auf dem Kopfsteinpflaster weg, Jered erlitt eine schwere Knieverletzung. «Jetzt verstehe ich viel besser, was es heisst, sich nach einem grossen Rückschlag zurück an die Weltspitze zu kämpfen. Mein ‹Comeback› bei der Flandern-Rundfahrt 2025 war ein sehr emotionaler Moment.»
Das Bild der Red Bull-Borahansgrohe-Fahrer Nico Denz und Matteo Sobrero entstand (durch ein Baustellen-Absperrband) bei der zweiten TourEtappe 2024 in Bologna und weckt peinliche Erinnerungen bei Jered: «Ich brach das grösste aller Tabus und postierte mich genau vor der Zielkamera. So laut wurde ich noch nie angeschrien – inzwischen ist die Episode aber ein Running Joke.»
Bei der Alpe-d’Huez-Etappe der Tour de France feiern bis zu eine Million Fans am Strassenrand mit. «Ashley nahm 2022 ein paar Kilometer vor dem Ziel Aufstellung, ich leicht erhöht am Dutch Corner in der siebenten Kehre. Hier erwischte ich Wout van Aert, einen meiner Favoriten – weil er so ein grosser Champion, aber auch so ein grosser Pechvogel ist.»
«Es gibt Fahrer, die werden bewundert. Und andere, die werden geliebt. Man kann das am Jubel auseinanderhalten.»
Jered Gruber
Morgane Herculano ist HarvardAbsolventin und die erste Schweizerin in der Red Bull Cliff Diving World Series. Hier spricht sie offen über das, wovon selten die Rede ist: die Angst vor dem Sprung aus 21 Meter Höhe. Und wie man sie besiegt.
Weisst du, wie lange ein Sprung aus 21 Metern dauert? Weniger, als du brauchst, um diesen Satz zu lesen. Aber der Weg dorthin, der dauert ein halbes Leben.
Morgane blendet alles aus, was sie nicht kontrollieren kann. Und legt den Fokus auf das, was sie selbst in der Hand hat: Technik, Timing, Haltung.
Morgane ist keine, die zuschaut: Sie holte 24 Schweizer Meistertitel im Wasserspringen, bevor sie mit dem Cliff Diving begann.
Ein Sommertag in Polignano a Mare, es ist brütend heiss. Unten: das glasklare Wasser der Adria. Oben: absolute Stille. Morgane Herculano steht auf der Plattform, die aus dem Felsen ragt wie ein Sprungbrett ins Nichts. Auf Zehenspitzen, mit dem Rücken zum Wasser.
In wenigen Augenblicken wird sie sich abstossen, wird in freiem Fall fast 80 Stundenkilometer erreichen und mit einer Kraft ins Wasser eintauchen wie ein ungebremstes Auto in eine Wand.
Natürlich hat sie Angst. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Man sieht es in ihrem Gesicht. Die Lider fackern kurz, der Mund ist nicht ganz ruhig, die Körperspannung eine Spur zu fest. Alles nur ein wenig, aber genug, dass man es erkennt.
Morgane Herculano, 25, ist die erste Schweizerin, die in der Red Bull Clif Diving World Series springt. Und sie spricht ofen über das, worüber im Sport oft geschwiegen wird: die Angst vor dem Sprung.
Morgane wächst in Genf auf, in einer Familie mit fünf Kindern. Ihre Eltern sind sportlich, haben aber keine Zeit für Wettkämpfe. Sie sind mit dem Alltag beschäftigt. Morgane schaut sich viel von ihnen ab: Unabhängigkeit, Durchhaltewillen,
einen starken inneren Antrieb. Der Grund, warum sie mit dem Wasserspringen beginnt? Sie will den Rückwärtssalto lernen, um im Freibad vor den Jungs anzugeben. «Ich wollte etwas machen, bei dem alle sagen: Wow!»
Sie ist zehn Jahre alt, lernt schnell, trainiert hart – und springt in den folgenden Jahren Tausende Male vom Ein und DreiMeterBrett, von Fünf, Sieben und ZehnMeterTürmen. 24 mal wird sie Schweizer Meisterin.
Mit dem Klippenspringen kommt sie erstmals 2017 in Berührung, mit siebzehn. Freundinnen und Freunde nehmen sie mit ins Maggiatal, in die enge Schlucht von Ponte Brolla. Ein fast heiliger Ort für Klippenspringerinnen und springer. «Komm einfach mal mit», sagen sie. «Einfach nur zuschauen.» Aber Morgane ist keine fürs Zuschauen.
Sie zieht sich um, steigt auf den Felsen, klettert hoch – bis zur Plattform, 19 Meter über dem Wasser. Sie zögert kurz, hat wahnsinnige Angst. Es ist so viel höher als alles, was sie kennt. Eine andere Welt. Von hier oben fällt der Körper nicht, er rast. Die Geschwindigkeit steigt exponentiell.
Und vor allem: Die Technik ändert sich radikal. Bis zehn Meter taucht man kopfvoran ins Wasser. Ab da: mit den Füssen. Alles andere wäre Wahnsinn. Schultern, Hände, Kopf, alles könnte kaputtgehen. Wer vom Wasserspringen kommt und Klippenspringerin werden will, muss eine neue Sportart lernen.
Aber das weiss Morgane in diesem Moment noch nicht. Sie springt. Rotiert ein wenig zu lange. Landet nicht auf den Füssen, sondern fast auf dem Rücken. Sie verletzt sich am Steissbein, kann drei Monate nicht aufrecht sitzen, hat ständig Schmerzen.
«Ich wollte etwas machen, bei dem alle sagen: Wow!»
Ihrer Familie sagt sie nichts, obwohl sie kurz darauf gemeinsam in die Ferien fahren. «Ich wollte nicht, dass sie sich Sorgen machen», sagt sie heute. «Und vielleicht war ich auch ein bisschen stolz. Ich hatte mich da reingeritten – und ich wollte allein wieder raus. Ich wollte nicht, dass sie meinen, ich hätte es nicht im Grif.»
Es ist trotzdem für lange Zeit das letzte Mal, dass sie aus dieser Höhe springt. Morgane geht in die USA, nach Boston, um an der Harvard University Wirtschaft zu studieren. 250 000 Franken sammelt sie bei privaten und öfentlichen Institutionen, um sich die Jahre dort leisten zu können. Sie wird Teil des HarvardSchwimm und Wassersprungteams, trainiert täglich vor dem Unterricht, vertritt die Universität an Wettkämpfen. 2020 gewinnt sie den IvyLeagueTitel vom EinMeterBrett – eine der höchsten Auszeichnungen im amerikanischen Universitätssport.
Die Ivy League ist ein Zusammenschluss der acht traditionsreichsten und renommiertesten Universitäten der USA, darunter Harvard, Yale, Princeton und Columbia. In akademischer Hinsicht elitär, im Sport nicht weniger kompetitiv. Wer hier gewinnt, gehört zur Spitze. Und Morgane ist nun Teil davon. Gleichzeitig ist klar: Vom Wasserspringen leben kann sie (noch) nicht. Sie braucht einen Brotjob. Und fndet nach dem Abschluss 2022 den bestmöglichen: Sie wird wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Harvard Business School, ihre Professorin ist Karen Mills, im Kabinett von Barack Obama einst Leiterin der U. S. Small Business Administration. Morgane Herculano schreibt Business Cases, also Fallstudien für den Unterricht, die später in Harvard
Gegnerinnen im Bewerb, Freundinnen im Leben: Selfies mit anderen Red Bull Cliff DivingAthletinnen (oben v. li.: Molly Carlsen, Madeleine Bayon und Simone Leathead) gehören an Wettkampftagen dazu.
Klassenzimmern diskutiert werden. Zum Beispiel über Wordle, das weltberühmte Online-Wortspiel, das ein Softwareentwickler zunächst als Geschenk für seine Partnerin entwarf und später für einen Millionenbetrag an die «New York Times» verkaufte.
Sie stürzt sich in die Arbeit, nicht ahnend, dass sie schon bald selbst auf dieses Wissen zurückgreifen wird. Denn Ende 2022 sieht sie eine Dokumentation über die Geschichte des Klippenspringens in der Schweiz. Sie ist hingerissen – und irritiert: Kein einziges Mal wird eine Frau erwähnt. Kein einziger weiblicher Name, kein einziger Sprung.
Sie ist genervt. Dann denkt sie: Sollte nicht einfach ich es versuchen?
So beginnt diese verrückte Geschichte. Mit der Idee, etwas zu ändern. Für Frauen einzustehen. Ein Vorbild zu sein.
«Man kann alles sein: Sexy und schlau. Sportlich und intellektuell.»
2024 ist Morganes erstes richtiges Wettkampfjahr als Klippenspringerin. Sie erhält eine Wildcard für die Red Bull Clif Diving World Series, wird Elfte in Boston, Siebente in Nordirland, Zehnte in Montreal. An den Weltmeisterschaften belegt sie Rang elf, Ende des Jahres wird sie als «European High Diver of the Year» ausgezeichnet. Doch wie soll sie sich das alles leisten, vor allem, wenn ihr Vertrag an der Harvard Business School im Herbst 2025 ausläuft? Morgane Herculano weiss: Klippenspringen ist eine Leidenschaft, aber für die wenigsten ein Beruf. Die Wettkampf-Preisgelder ersetzen kein reguläres Einkommen, Fördergelder gibt es nicht. Doch sie hat eine Idee: Sie beschliesst, ihre Geschichte zu erzählen. Die der Schweizerin, die in den USA lebt. Der Harvard-Absolventin, die gleichzeitig von 22 Meter hohen Klippen springt. Der selbständigen jungen Frau, die sich in einer Männerdomäne behauptet – und dabei auch noch klug und attraktiv ist. Ihr Lebenslauf wird zu ihrem Business Case.
Die Marke Morgane
Es ist ein starkes Profl, das sie sich auf Social Media zurechtlegt. Und es ist –zum grössten Teil – authentisch. «Ich bin wirklich so», sagt sie. Aber sie weiss auch: Jede gute Geschichte braucht klare Linien. Und darum entscheidet sie, was sie zeigt und was nicht. Ihre Familie bleibt draussen. Auch ihre Freundinnen und Freunde, mit wenigen Ausnahmen. Ihr Leben hinter der Kamera gehört ihr. Vor der Kamera zeigt sie, was sie zeigen will: Entschlossenheit, Eleganz, Körperbeherrschung. «Ich will mit gängigen Erwartungen brechen», sagt sie. «Meine Botschaft: dass man nicht entweder-oder sein muss. Ich glaube, man kann alles sein: Mutig und zart. Sexy und schlau. Sportlich und intellektuell.»
Morgane betreibt ihre Social-MediaKanäle professionell, postet täglich auf mehreren Plattformen, plant, dreht, schneidet selbst. Es ist Arbeit. Es ist Business. Aber sie mag es. Denn sie will inspirieren. Und das gelingt ihr so gut, dass ihr immer mehr Menschen folgen: Gestartet ist sie bei null, nach anderthalb Jahren hat sie bereits 300 000 Follower und pro Monat 1,5 Millionen Impressions.
Körperbeherrschung trifft auf Urangst: In luftigen Höhen bereitet sich Morgane auf ihren nächsten Sprung vor.
Die Welt des Klippenspringens ist wild, rau und atemberaubend schön. Eine Welt der Extreme, in der Disziplin auf Kontrollverlust trift, Adrenalin auf Stille, Körperbeherrschung auf Urangst. Sie hat nichts mehr gemein mit dem Hallenbad, dem Chlor, dem gefiesten Becken und der stickigen Luft. «Beim Klippenspringen spürst du den Wind in den Haaren und die Sonne auf der Haut, siehst die Gischt, die Strömung, die Felsen», sagt Morgane. Statt federnder Bretter gibt es starre Plattformen über schäumendem Wasser. Und eine physische Belastung, für die es kaum Worte gibt.
Morgane versucht es trotzdem: «Klippenspringen ist so hart, dass du nicht mehr als fünf Sprünge pro Tag machen kannst. Der Körper ist danach einfach erschöpft, geschunden von den Aufprallkräften. Und länger als fünf Tage am Stück solltest du es auch nicht tun.»
Klippenspringen ist eine absolute Randsportart. Aber eine mit faszinierender Geschichte: Ihre Ursprünge reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück, als polynesische Krieger auf Hawaii von Klippen ins Meer sprangen, um Mut, Stärke und Loyalität zu beweisen. Später zogen Stuntmen mit ihren Sprüngen in Wassertonnen über die Jahrmärkte. In den 1980er- und 1990erJahren begannen Abenteurer, immer höhere Felswände zu suchen – bis die Red Bull Clif Diving World Series die Wettkämpfe im Jahr 2009 professionalisierte. Seither reisen die besten Springer – seit 2014 auch Springerinnen – von Spot zu Spot: von den Fjorden Norwegens in die Altstadt von Mostar, von den Azoren über Beirut auf die Philippinen. Morgane Herculano ist mittendrin – als WildcardSpringerin, die um eine feste Startberechtigung kämpft.
Die Angst darf mit In Risikosportarten gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Respekt ja. Angst nein. Man hört es oft. «Ich habe Respekt vor der Höhe.» Fast nie sagt jemand: «Ich habe Angst vor der Höhe.»
Warum? Weil man Angst mit Scheitern verwechselt? Dabei ist sie immer da, erst recht, wenn man 21 Meter über dem Wasser steht. Oder gar 27 Meter, wie die Männer hier in Polignano a Mare.
«Ich will die Angst nicht weghaben. Ich will mit ihr klarkommen.»
Doch bei den Klippenspringerinnen beginnt langsam ein Umdenken. Es sind vor allem Frauen, die darüber sprechen. Sie machen kein Geheimnis daraus, dass sie Angst haben. Vor jedem Sprung. Weil sie wissen, dass Angst kein Makel ist. Angst ist ein Werkzeug, ein Kompass, ein Frühwarnsystem. Manchmal eine Lebensversicherung.
«Angst schützt uns.» Das sagt Molly Carlson, Kanadierin, eine der besten und bekanntesten Klippenspringerinnen der Welt, sieben Millionen Instagram-Follower. Sie sagt, Morgane bringe eine schöne Fröhlichkeit in die Gruppe. Aber auch eine Ernsthaftigkeit. «Sie weiss, wie gefährlich das ist, was wir machen. Mit ihr darüber zu reden, ist befreiend.» Angst, sagt Carlson, müsse ihren Platz haben. «Wenn ich versuche, sie zu verdrängen, frisst sie meine Aufmerksamkeit. Dann kämpfe ich gegen sie und verliere den Fokus.» Einmal wurde Carlson übermütig. Sie hatte gerade einen Weltklassesprung gestanden,
Was Morgane Herculano vor jedem Sprung berücksichtigt, um ihre Angst zu kontrollieren.
«Ich habe Angst – und das ist okay.» Die Angst ist da. Es bringt nichts, sie kleinzureden.
Morgane spricht laut zu sich selbst: «Ich bin Morgane. Ich bin 25. Ich bin vorbereitet. Ich habe trainiert. Ich kann das.» Es ist eine Art Rückbesinnung, Morgane versichert sich, dass sie es verdient, hier zu sein.
In Gedanken geht sie den Sprung durch. Vom Absprung bis zum Eintauchen. Sie stellt sich vor, wie sich die Arme bewegen, der Körper rotiert, die Beine sich strecken. Jeden Sprung, den sie macht, ist sie vorher zigmal in ihrem Kopf gesprungen.
Morgane blendet alles aus, was sie nicht kontrollieren kann: den Wind, die Wellen, den Lärm der Zuschauerinnen und Zuschauer. Und richtet den Fokus auf das, was in ihrer Hand liegt: ihre Technik, ihr Timing, ihre Haltung.
Kurz bevor sie losspringt, atmet sie tief durch und bringt sich in die Gegenwart. Nicht an den Sprung vor einer Woche denken. Nicht an den nächsten. Nur: an diesen.
Körperspannung, Fokus und Präzision sind Grundelemente bei Sprüngen aus über 20 Meter Höhe.
«Der Sprung ist vorbei, du tauchst auf, und es fühlt sich an, als wärst du auf einem anderen Planeten.»
den Front Quad Half Pike. Sie fühlte sich unbesiegbar, konzentrierte sich beim zweiten Versuch nicht auf den Sprung, sondern darauf, ein gutes Video für Instagram zu bekommen. «Ich war abgelenkt», sagt sie, «und knallte fach aufs Wasser.» Sie hatte Glück, kam mit einer Gehirnerschütterung davon. Aber das Gefühl danach vergisst sie nie. «Das war das einzige Mal, dass ich keine Angst hatte», sagt sie. «Und genau das war das Problem.»
In Polignano a Mare ist sie bei jedem Sprung konzentriert, und doch passiert es: Sie verschätzt sich in der Distanz zur Kante der Plattform, tritt ein paar Zentimeter daneben, rutscht aus – und stürzt unkontrolliert in die Tiefe. Das Publikum hält den Atem an. Die anderen Springerinnen erstarren. Doch Carlson fndet in der Luft die Orientierung wieder, landet fussvoran, bleibt wie durch ein Wunder fast unverletzt.
Falls irgendwer vergessen haben sollte, worum es hier geht – dieser Moment ist ein Weckruf. Morgane ist noch neu, aber auch sie hat sich daran gewöhnt, dass die Angst eine ständige Begleiterin ist. «Ich will sie nicht weghaben», sagt Morgane. «Ich will mit ihr klarkommen.»
Jede und jeder geht anders mit der Angst um. Die einen werden still, ziehen sich zurück, lassen niemanden an sich ran. Morgane verändert sich auch, aber auf ihre Weise: Sie wird ernst. Konzentriert. Manchmal ein wenig reizbar. Sie sagt: «Ich behandle das wie ein Business, als wäre jeder Sprung ein Projekt, das gelingen muss.» Und wenn die Anspannung steigt, dann kann es sein, dass sie weniger geduldig und der Umgangston schärfer wird. «Ich bin dann nicht die einfachste Version von mir», sagt sie und lacht.
Das beste Gefühl der Welt Zwei Sekunden. So lange hat Morgane Herculano Zeit für drei Salti und eine Schraube. Die Wasseroberfäche sieht sie zum letzten Mal eine halbe Sekunde vor dem Aufprall. Danach fiegt sie blind –mit fast 80 Stundenkilometern – dem Wasser entgegen. Der letzte Moment ist
entscheidend. Beim ZehnMeterTurm darf der Winkel beim Eintauchen noch um 45 Grad von der Vertikalen abweichen. Vom Felsen reicht ein kleiner Fehler, und man landet zu fach. Entweder man dreht zu lang und landet auf dem Rücken. Oder zu kurz, und man landet auf dem Bauch. Dann drohen Prellungen, Organverletzungen, im schlimmsten Fall Bewusstlosigkeit.
Ein Sprung, kürzer als ein Gedanke. Und so gnadenlos wie ein Autounfall, wenn er misslingt. Doch wenn alles stimmt, wenn sich der Körper richtig ausrichtet, wenn sich Technik, Mut und Timing zu einem perfekten Moment fügen – dann, sagt Morgane Herculano, ist es «wie ein Orgasmus». Sie meint das ganz ernst: «Der Sprung ist vorbei, du tauchst auf, und es fühlt sich an, als wärst du auf einem anderen Planeten.»
Zwei Sekunden. Mehr braucht es nicht zum Glück. Aber der Weg dorthin, der dauert ein halbes Leben.
@morgane.hrc
Das Publikum ist euphorisch, die Erleichterung nach dem Sprung gross: Bilder vom Red Bull Cliff Diving in Polignano a Mare.
Das nächste Event der Red Bull Cliff Diving World Series findet am 20. September in Boston, Massachusetts, statt und wird auf Red Bull TV über tragen. Alle Infos findest du hier:
Die 26-jährige Sam alias Elquaria zählt zu den spannendsten Twitch-Streamerinnen ihrer Generation. Auf ihrem Kanal zockt, chillt und quatscht die Schweizerin wie eine Freundin mit ihren 83 000 Fans. Ihren grössten Sieg feierte sie aber schon viel früher.
mit
Plastik-Ziegenbock. Begleitet von Vogelgezwitscher, Rasenmähersurren und Stall-Odeur. Im letzten Haus, kurz vor Feldern und Wäldern und Wildnis, lebt Sam – eine der spannendsten Twitch-Streamerinnen der
Vom Dörfli in die unendlichen Weiten des StreamingUniversums: Sam hat sich mit ihrer authentischen Art eine treue Community aufgebaut. prolog
«Ich habe früh zu zocken angefangen», erzählt Sam. Ihre Eltern kommen aus dem Iran. Geboren ist die 26-Jährige in Basel, aufgewachsen «wie ein kleiner Kerl», sagt sie. Ihr Vater wünscht sich nach der ersten Tochter einen Sohn. «Und dann kam ich! Ich will mich nicht beschweren. Er hat mir mit fünf oder sechs eine PlayStation geschenkt und mir damit die Gaming-Welt freigeschaltet.» Man kann sich Sam heute nur noch schwer als kleinen Kerl vorstellen, dafür gut, warum die Parallelwelten in der Spielkonsole sie damals magisch anzogen.
Gaming ist eine fantastische Form des Eskapismus. Vor allem durch visuell starke fktive Realitäten. «Ich liebe Story Games und Dark Fantasy: ‹Witcher›, ‹Assassin’s Creed›, ‹Skyrim› … Man kann darin versinken.» Und die Charaktere können sich frei entfalten.
Sam wird streng und konservativ erzogen, in ihrer Kultur werden Frauen öfter mal kontrolliert. «Es hiess immer: Nein, Sam, das gehört sich nicht; nein, Sam, das darfst du nicht.» Viele Verbote für ein Kind, das sich nach Selbstverwirklichung sehnt. «Ich wollte immer etwas Kreatives machen, aber mein Vater meinte: ‹Kunst bringt kein Geld.›» Also macht Sam eine Ausbildung zur Zahntechnikerin. Und geht langsam ein.
«Ich hatte ein geregeltes Einkommen, hab bei meinen Eltern gewohnt, war verlobt … Alles war heile Welt. Aber es war nicht meine Welt. Es hat sich alles so lieblos und eintönig angefühlt. Ich wollte nicht nach den Vorstellungen meiner Eltern und den Wertvorstellungen meiner Kultur leben. Ich wollte meinen Freigeist ausleben.» Bis heute wird Menschen eingeredet, es gebe nur den einen Weg bis zur Rente, Nine-to-Five, Spass dann am Wochenende. Manche gehen ihn gerne. Manchen fehlt der Mut, ihn zu verlassen. Manche klettern lieber über den nächsten Zaun und legen sich auf die Blumenwiese dahinter. «Meine grösste Angst war und ist, etwas machen zu müssen, das mich nicht erfüllt.»
Dem Alltag, der ihr zu eng ist, entkommt Sam mithilfe von Deutschlands wohl bekanntestem YouTuber: «Gronkh hat mich gerettet.» In der Arbeit hört Sam heimlich Gronkhs «Let’s Play»-Videos – «alle, auch die zwölf Stunden langen» –, die AirPods unter den langen Haaren versteckt. 2019 beginnt Sam als Elquaria auch ihre Gaming-Sessions zu streamen und ihren Spass mit anderen zu teilen. Das Zocken bleibt ein Hobby: PC an, um nach Feierabend abzuschalten. Dann kommt Corona – und aus dem Hobby wird rasend schnell ein Business.
Die Pandemie hat viele Menschen aus ihrem Alltag gekegelt. «Bei mir war es krass, alles kam auf einmal: Job weg, Auto weg, meine Schwester ging in die USA, ich hatte mich entlobt, mit meinem Vater gestritten und bin ausgezogen.» Sam hat etwas Kämpferisches. Woher sie das hat, weiss sie nicht genau. «Tina Turner hat mich schon als kleines Kind gecatcht.» Die Queen of Rock ’n’ Roll, der Inbegrif der Powerfrau, die Ikone der Emanzipation. Sam wirkt eher leise, zurückhaltend, unaufdringlich. Sie ist der Inbegrif des sprichwörtlichen stillen Wassers. Es verlangt enorme Stärke, sich von Krisen nicht kleinkriegen zu lassen, sondern sie im Gegenteil als Neustart anzunehmen.
«Mit Anfang zwanzig war ich zum ersten Mal frei. Ich konnte das tun, was mein Herz wollte.» Sams Herz will erst mal viel mehr streamen, während sie einen neuen Job sucht. Sie pimpt ihr Set-up und ihre Technik-Skills, fällt zwischendurch auf die Schnauze: «Mein erster PC war eine Empfehlung, aber zum Zocken Schrott.» Zum ersten Mal unabhängig, merkt sie: «Ich bin ein Mensch mit eigenem Willen. Ich könnte jetzt theoretisch zum Kühlschrank gehen und ein Ei auf meine Stirn klatschen. Wer will mich aufhalten?» Die Frage müsste eher lauten: Ist sie überhaupt aufzuhalten? In der gut gesättigten StreamingSzene, in der vorwiegend Männer am Drücker sind, baut eine junge Gamerin namens Elquaria auf einmal beachtlich Momentum auf.
Was unterscheidet sie von den abertausenden Neuanmeldungen, die auf Twitch viral gehen wollen? Sams Timing ist ausgezeichnet. Als sie 2021 fulltime loslegt, droppt die Plattform neue MonetarisierungsFeatures mit kleineren Hürden für Neustarter und neue Fun-Formate. Bald kann Sam von den Einnahmen
leben – weil ihre Fanbase kontinuierlich und rasant wächst. Aktuell folgen ihrem Kanal über 82 000 Menschen. Während dieser Text hier entsteht, sind es wieder tausende mehr. Elquaria steht für eine neue Streaming-Generation. Sie verkörpert mit ihrem natürlichen, entspannten, ofenen Wesen genau das, wonach viele, vor allem junge Menschen, sich zunehmend sehnen: Nähe, Echtheit, Austausch.
«Viele Leute suchen Unterhaltung, Ablenkung, Gesellschaft. So wie ich damals mit Gronkh. Eigentlich zockt er nur und plauscht dabei nett mit seiner Community. Aber mir hat das so viel gegeben. Ich wollte auch so viele Menschen berühren und bewegen», sagt Sam. Anders als Gronkh wählt sie dazu als Plattform nicht YouTube, sondern Twitch. «Twitch ist viel direkter. Man kann sofort mit den Leuten in Kontakt kommen.» Tatsächlich hat sich das Videoportal genau deshalb zu einer der grössten und beliebtesten Live-Streaming-Plattformen weltweit entwickelt. Just Chatting (siehe Glossar) ist neben Let’s Play der erfolgreichste Content.
Die Mehrheit der Nutzer auf Twitch ist zwischen 14 und 29 Jahre alt – Gen Z. Über die Digital Natives liest man immer wieder: Sie sind so vernetzt wie nie zuvor, doch Einsamkeit ist ein grosses Problem. «Ich selbst habe die Kunst gemeistert, allein zu sein, ohne mich einsam zu fühlen. Aber ich bin eine introvertierte Person. Gerade deshalb verstehe ich, warum Twitch so gut ankommt.» Sam wohnt auf dem Land, im zweiten Stock, zwischen einer 70-jährigen Dame, deren Enkel Elquaria erkennen, und einer Familie, deren Kinder noch zu jung zum Zocken sind. «Ich mag diese ruhige Ecke, wo nicht so viel Tumult ist, ich muss niemandem begegnen, wenn ich rausgehe. Nicht weil ich berühmt bin, sondern ich mag generell nicht so viel Kontakt mit Menschen.» Introvertierte Menschen ziehen ihre Energie aus Ruhe und Alleinsein. «Wenn ich von einem Event heimkomme, bin ich richtig leer und muss meine social battery wieder aufladen.» Auf Twitch fnden diese Menschen trotzdem Anschluss und Austausch. Elquarias Kanal gelingt diese Königsdisziplin sozialer Netzwerke.
«Twitch ist viel direkter. Man kann sofort mit den Leuten in Kontakt kommen.»
Finde deine Nische.
Ob talentierte Gamerin, Entertainerin oder CommunityBaumeisterin: Such dir eine Richtung – und bleib dir treu.
2
Streame smart –nicht einfach drauflos.
Es geht nicht darum, zwölf Stunden durchzuzocken, wie ich es anfangs gemacht habe. Sondern darum, aus deinem Content viel zu machen. Geh lieber drei Stunden live und poste auf dem Stream Videos, Clips, Shorts, Reels, Storys.
«Work smart, nicht work hard.»
3
Denk über Twitch hinaus.
Mach dich nicht abhängig von einer Plattform. Wer auf mehreren SocialMediaKanälen (TikTok, YouTube, Instagram & Co) präsent ist, bleibt sichtbar – auch wenn Twitch dich mal wegen zu viel Haut bannt. Und sprich unterschiedliche Werbepartner an.
4 Plane gegen den Strom.
Warum zur Primetime (18, 19 Uhr) untergehen, wenn morgens kaum jemand streamt? Weniger Konkurrenz bedeutet mehr Sichtbarkeit.
5 Sei einfach du selbst!
«Ich habe die Kunst gemeistert, allein zu sein, ohne mich einsam zu fühlen.»
Sam hat die Balance gefunden: Sie braucht Momente der Ruhe, um dann wieder ihre Community mitzureissen.
Immer mehr Twitch-Newcomer besetzen neben den grossen Kanälen bekannter Streamer diverse Nischen – mit Indie-Games, Nerd-Wissen, Special-InterestContent. Sams Twitch-Kanal ist ein Safe Place für ihre Community. Ein Content-Mix aus intensiven Let’s-Play-Sessions, Just-Chatting-Streams und kleineren Formaten. «Ich würde mich als Variety-Streamerin bezeichnen. Von allem gibt’s etwas. Heute Abend mache ich ein E-Date, morgen eine Quizshow …» Sams voller Vorname ist ihr StreamingProgramm: Samira kommt aus dem Arabischen und bedeutet «Freundin der Nacht» und «die nächtliche Unterhalterin/Gesprächspartnerin». «Ich rede eigentlich ohne Unterbrechung, während ich streame. Und ich gehe gerne nachts live, von 22 Uhr bis zum Morgengrauen. Ich würde das keinem raten, aber ich war immer ultranachtaktiv, ich enjoye das einfach viel mehr. Nichts stört, nichts geht ab, Handy, Nachrichten, die ganze Welt ist still. Und es gibt echt viele Leute, die nachts wach sind, weil sie arbeiten müssen oder nicht schlafen können.»
Kein Wunder, dass Sam untertags oft müde ist. «Ich bin eine kleine Schlaftablette», sagt sie. Sams Follower sind aber kein passives Publikum. Via Chat können sie jederzeit in Echtzeit zu Wort kommen –und neue echte Freunde fnden. Sam und andere Creators mit starker Communitybindung schafen es, die digitale mit der realen Welt zu verknüpfen. «Wenn Leute sich im Chat austauschen, dann im Discord – das ist so eine Art WhatsApp für PC –weiterschreiben und sich in der realen Welt trefen und Freundschaften schliessen, das macht mich so glücklich.» Genau so hat Sam ihre beste Freundin Rose kennengelernt, die auch Twitch-Streamerin (Rosemondy) ist.
Meilenstein:
Sam ist die erste Red Bull-Playerin der Schweiz.
«Ich sage immer: Füsse am Boden, Blick Richtung Sterne. Und da ist noch Luft nach oben.»
kapitel 6
VOM SICH–FINDEN UND NICHT–VERLIEREN
Klischee-Schublade auf: Man stellt sich Gamer ja oft wie freundlose, beinwippende ADHSler vor, die zwischen mit Essen verkrusteten Tellern in einem dunklen Keller hausen und ihren Screen beschimpfen. Sam sitzt beim Zocken auf einem weissen GamingStuhl zwischen dem Bild «Die Geburt der Venus» von Sandro Botticelli, einem japanischen Shiba-InuPlüschtier, diversen Geralt-Figuren (aus «The Witcher») und Kissen mit Bildern ihrer verstorbenen Chihuahuas. Jeder Raum ihrer Wohnung ist minimalistisch eingerichtet, clean, gemütlich, in neutralen Weiss-, Beige-, Cremetönen. Überall stehen Kerzen und Raumdüfte – Vanille, Zitrus, Lotus. Es ist hell, unaufgeregt, aufgeräumt. Ein Spiegel der Seele dieser jungen Frau, die gerade im Schneidersitz auf ihrer Couch im Wohnzimmer hockt. Sam ist ganz entspannt, ganz bei sich.
Just Chatting
Die beliebteste Twitch-Kategorie: einfach nur quatschen. Ob über neue Games, PromiGossip oder virale Videos.
Subathon
Ein Marathon-Stream, bei dem jede neue Subscription die Dauer verlängert –manchmal über Tage. So wie Sams erster Stream: « Ich habe 35 Tage am Stück gestreamt und war jeden Tag zwölf bis fünfzehn Stunden live.»
Raid
Mit Raids kann jeder Creator am Ende seines Streams seine Zuschauerinnen zu einem anderen Kanal schicken – als Support oder Überraschung.
IRL (In Real Life) Streams, die das echte Leben zeigen – vom Kochen und Sport bis zur Städtetour.
Während sie erzählt, spielt auf dem grossen Flatscreen leise der Soundtrack von «The Witcher 3». «Wenn ich nichts im Hintergrund laufen lasse, komme ich ins Overthinking.» Kein Wunder. Sam ist sehr selbstrefektiert. «Man muss sich die Fragen selbst stellen, bevor andere es tun. Ich mache das ständig. Ich glaube, gerade weil ich selbständig bin und viel mit mir allein, muss ich mich mit mir auseinandersetzen. Manchmal hilft mir dabei auch ChatGPT. Ich frage: Was wäre wichtig für meine Persönlichkeitsentwicklung? Dann kommt so was wie: Wer bin ich, wenn mir niemand zusieht? Oder: Welchen Teil verstecke ich bei anderen?» Diese letzte Frage beantwortet sie auch gleich: «Ich glaube, ich bin schon immer derselbe Mensch. Auch im Stream. Ich rede viel, auch über Persönliches, aber nicht zu privat. Du musst online ja nicht komplett die Hose runterlassen. Wenn man in Boxershorts streamt, wird man auf Twitch eh gebannt.»
Subs (Subscriptions)
Abos, mit denen Zuschauerinnen und Zuschauer ihre Lieblingsstreamer direkt unterstützen – oft mit Goodies wie Emotes.
Emotes
Individuelle Bilder oder Icons, die Streamer ihren Followern zur Verfügung stellen, um den Chat zu personalisieren. Stärkt die CommunityBindung.
Partner
Der offizielle Twitch-Status für Streamer mit grosser Reichweite – mit mehr Funktionen und besserer Monetarisierung.
AutoMod
Das Moderationstool von Twitch: filtert automatisch Hassrede, Mobbing und sexuell explizite Inhalte.
«Als Gamerin muss ich mir oft anhören: ‹Frauen können nicht zocken›, oder letztens schrieb wieder einer: ‹Die gucken dir alle eh nur zu, weil du hübsch bist.› Früher haben mich solche Sätze echt verletzt. Ich habe das noch an die kleine Sam rangelassen. Aber ich bin mental viel stärker geworden. Heute denke ich mir nur: ‹Awww, der hat mich hübsch genannt.›» Menschen seien meistens fes, weil sie selbst nicht erfüllt sind. Ausserdem seien solche Hate-Nachrichten meistens nur Vorurteile. «Das ist selten Kritik an meiner Person. Irgend so ein Jürgen beleidigt mich –Leute, die sich vorher gar nicht mit mir auseinandergesetzt haben. Warum sollte ich das also persönlich nehmen?» Klischee-Schublade zu.
Sam zählt zu den aufstrebenden Artists der Creator-Szene. 2024 war sie «Streamerin of the Year Top 3» bei den EarlyGame Awards. Sam will mehr. «Ich sage immer: Füsse am Boden, Blick Richtung Sterne. Und da ist noch Luft nach oben.» In der Notizen-App auf ihrem Smartphone hat sie eine ganze Liste an Träumen. «So hab ich meine Ziele immer dabei und vor Augen. Das spornt mich an.» Eines davon, neben «Podcast starten» und «Synchronsprecherrolle in einem Game landen», ist: «Ich will die grösste Streamerin der Schweiz werden und eine der Top fünf in Deutschland.» Sie sagt das nicht verbissen, eher so, als würde sie jemandem freundlich den richtigen Weg weisen. Und obwohl Sam noch oft nachts in einer Nische Games zockt, die nicht mehr gefragt sind, traut man es ihr zweifelsfrei zu. Sie sich auch: «Gerade wenn du weisst, was dich erfüllt oder was du nicht willst, weisst du auch, was deine Ziele sind. Ich habe Vertrauen in mich.»
Insta, Twitch: @elquaria
Dieser Sommer ist superschnell: Mit so viel Adrenalin wie in «F1» war selbst Brad Pitt noch nie unterwegs.
Text Mariam Schaghaghi
Vielleicht geniesst er gerade den Urlaub mit seiner Freundin, vielleicht tümpelt er irgendwo auf einem Segelboot herum oder spaziert Hand in Hand mit ihr durch ein kühles Architekturmuseum: Gegönnt sei es Brad Pitt jedenfalls nach dem grossen Erfolg seines Formel-1-Films «F1», nach all den Pressekonferenzen, PR-Terminen und dann der Premiere an Londons Leicester Square, zu der Tom Cruise als Überraschung eingefogen kam. Mit ihm hatte Brad Pitt vor über dreissig Jahren in «Interview with the Vampire» vor der Kamera gestanden. Ja, Brad kann sich in diesem Sommer beruhigt zurücklehnen. Schon in den ersten zwei Wochen hatte der Film 293 Millionen Dollar weltweit an den Kinokassen eingespielt, es ist Apples grösster Kassenschlager bislang. Im Oktober, heisst es, soll der Streamingriese das Spektakel dann auf seiner Plattform ins nächste Rennen schicken. In dem Actiondrama von Joseph Kosinski rast Pitt durch die Start-Ziel-Geraden dieser Welt, und diesmal ist das keine Metapher. Der Schauspieler gibt einen alternden Fahrer, der zurück ins Rennen will – gegen junge Talente, gegen die Angst, gegen die Zeit.
Aber es ist nicht nur ein Film über Geschwindigkeit. Es ist auch einer über Hingabe. Und damit wie gemacht für Pitt, der sich noch nie mit «gut genug» zufriedengab. Wer sich erinnert: Für «Fight Club» lernte er boxen, für «Troja» nahm er monatelangen Schwertkampf-Drill auf sich, für «Snatch» sprach er so schnell, dass selbst Iren Untertitel brauchten –und dann kam der Rennsport. Aber wie!
Pitt fuhr selbst – in einem umgebauten Formel-2Wagen, bis zu 250 km/h schnell, mit Mercedes-Technik. Die drei Monate Fahrtraining nahm er gern auf sich, erst in der Formel 3, dann der Formel 2. Als der siebenfache Weltmeister Lewis Hamilton ihn einmal auf dem Circuit sah, verriet Produzent Jerry Bruckheimer, sei er mehr als beeindruckt gewesen. Pitt fahre die Kiste «grossartig, wie ein geborener Athlet».
Die Dreharbeiten selbst fanden mitten im echten Formel-1-Zirkus statt: Silverstone, Monza, Spa, Zandvoort, und das an ofziellen Rennwochenenden. Während die Teams von Red Bull, Ferrari und Co sich ihre WM-Punkte holten, proftierten Pitt und seine Kollegen von den kurzen Pausenintervallen dazwischen. Vorab waren Kosinski und Pitt in die Büros der Formel-1-Bosse gepilgert, um sie von ihrer Idee zu überzeugen.
Es war ein Novum, dass die Formel 1 einem Filmstar derart vertraute und ihn auf die heiligen Strecken liess. «Ich war überhaupt nicht nervös», sagte Brad Pitt bei der «F1»-Pressekonferenz in Mexico City. «Ich war lange und gründlich vorbereitet. Auf den Geraden habe ich das Fahren einfach nur genossen.» Das kann man sehen. Denn der Regisseur, der schon bei «Top Gun: Maverick» auf die Animationstechnik CGI verzichtete, liess zwölf Kameras ins Cockpit bauen. Jedes Zucken im Gesicht sollte zu sehen sein, jede Reaktion der Augen. Lewis Hamilton stellte als Berater die realistische Darstellung seines Sports bis ins Detail sicher. Für den Dreh wurde das fktive elfte Formel-1-Rennteam APXGP samt eigener Garage gegründet, das während der Rennwochenenden 20-minütige Zeitfenster auf den Strecken erhielt.
Pitt stellt sich seinen Dämonen
«F1» war kein Actionmärchen, sondern Realität – das gefel dem Megastar. «Im Auto zu sitzen, die g-Kräfte zu spüren, das war mit nichts zu vergleichen, was ich in all den Jahrzehnten im Beruf je erlebt hatte.»
Auch die Story vom Underdog, der sich noch einmal hochkämpft, ging ihm sehr nah. «Jeder Einzelne hat doch seine eigene Geschichte, seine eigene Suche», sagt Pitt über seinen Helden. So spricht einer, der angekommen ist. Dabei war Brad Pitt nie ein simpler Draufgänger. Anfangs war der Schauspieler, der fast Journalist geworden wäre, eher scheu. In den Interviews zu «Sieben Jahre in Tibet» sass noch der Regisseur neben ihm, um ihm die Nervosität zu nehmen. Erst mit den «Ocean’s»-Filmen kam Leichtigkeit ins Spiel – und ein Brad Pitt, der sich selbst nicht mehr so ernst nehmen musste. Danach kamen die epischen Rollen: «Benjamin Button», «The Tree of Life», «Once Upon a Time in Hollywood». Und ein Oscar. Der späte Pitt fasziniert. Es ist ein Mann, der Niederlagen kennt und sich seinen Dämonen stellt. Nach der Trennung von Angelina Jolie sprach er ofen über seine Alkoholprobleme. «Ich musste verdammt noch mal aufwachen», sagte er im Podcast von Dax Shepard. Seitdem lebt er ruhiger. Aber lange noch nicht beschaulich. Er weiss ganz genau, welche Geschichten ihn reizen, welche er erzählen muss. «F1» ist so eine Geschichte. Ein Film, der über zwei Jahre entstand, mit langen Meetings über g-Kräfte, Reifentemperaturen, Aerodynamik und den Geruch von verbranntem Gummi. «Ich war wie ein Tourist in diesem Ökosystem», sagte Pitt in Mexico City fast ergrifen. «Und ich werde es nie vergessen.» Wenn er spricht, blitzt immer wieder dieser Glanz auf, der ihn mit «Thelma & Louise» 1991 zum Idol machte. Aber da ist jetzt mehr: Wärme, Respekt, Demut. Davon proftierte auch die Formel-1-Saga. Brad Pitt ergänzt die «Männer und ihre Maschinen»-Allüren des Sports um eine neue Qualität: Eleganz. Im weissen RennstallOverall ist er, nach seinem Kollegen Steve McQueen in den Siebzigern, sicherlich der charismatischste Botschafter für den röhrenden Kreisverkehr.
Kein Zufall: Schon 2013 hatte der Filmbeau versucht, einen Rennflm zu machen. «Go Like Hell», über Ford vs. Ferrari in Le Mans, kam nie zustande –stattdessen spielten Christian Bale und Matt Damon die Geschichte. Jetzt, mit über 60 Jahren, hat Pitt sich den Traum erfüllt. Mit seiner Produktionsfrma Plan B sass er auch hinter den Kulissen am Lenker. Sich etwas mit Haut und Haaren zu verschreiben, das ist typisch Pitt. Halbherzigkeit? War noch nie sein Ding. Als er einen Film über Tibet drehte, nahm er lebenslanges Einreiseverbot nach China in Kauf. Wenn er einen Weinberg kaufen wollte, dann den bekanntesten an der Côte d’Azur. Wenn er einen Film über
Dass die Formel 1 einen Filmstar auf ihre heiligen Strecken lässt, war ein Novum: hier zwei Stills aus «F1».
die Formel 1 dreht, dann den schnellsten, authentischsten, mit echtem Gummiabrieb, echten Eisbädern und echten 1000 PS unter der Haube. Das alles macht «F1» zu einem visuellen Rausch, zu einem rasanten Ritt mit InsiderFeeling. Aber auch zu einem Porträt seines Hauptdarstellers: Brad Pitt als Sonny Hayes ist erfahren, brillant im Beruf, lieber dezent im Of als im Zentrum des Zirkus. Ein hoch attraktiver Oldtimer, etwas angeknittert, aber gut gealtert, die Hand fest am Lenkrad, sicher in der Spur. Ein gelassener Prof, der gar nicht mehr gewinnen muss, um zu wissen, wer er ist und was er noch erreichen will.
Vielleicht ist das sein «old style». Eine neue Liebe – die in Genf aufgewachsene Ines de Ramon –, weniger Lärm, mehr Leidenschaft. Maximaler Raum zum Leben. Und ein Film, der alles zeigt, was Brad Pitt stets ausgezeichnet hat: immer wieder über die eigenen Grenzen hinauszugehen und die Gabe, selbst im Scheitern schöner zu sein als andere im Erfolg.
Verpass kein Spiel
deines Lieblingsclubs!
Hier ist der offizielle Spielplan 2025/26 der Schweizer National League für deinen Kühlschrank.
Im Zürcher Sportstudio A’Lab erhält
Creator Jannis Reichmuth seine erste Hyrox Session – direkt
Kein Fitness-Format boomt derzeit so sehr wie Hyrox. Vielleicht weil es Ausdauerund Kraftsportler gleichermassen anspricht. Hier erzählen ein Einsteiger und ein Profi von ihren ganz persönlichen Challenges.
Hyrox ist längst mehr als ein Geheimtipp unter FitnessFans. Was vor gerade einmal acht Jahren mit rund 650 Teilnehmenden begann, hat sich zu einem globalen Phänomen entwickelt. Dieses Jahr treten 650 000 Menschen bei mehr als 80 Wettkämpfen auf allen Kontinenten an. Doch warum der Hype um Hyrox – ein Kofferwort aus «hybrid» und «Rockstar»? Das FitnessFormat ist eine Herausforderung, die Ausdauer und Krafttraining vereint –und zwar für alle, die sich so richtig pushen wollen. Egal ob als Trainingsprogramm oder Wettkampfsport.
Apropos … nächster Stopp: Genf!
Jannis Reichmuth hat ein klares Ziel vor Augen: ein Sub60 – also die Hyrox Challenge unter 60 Minuten zu schaffen.
Jannis Reichmuth ist keiner, der Herausforderungen scheut. Vielleicht steht gerade deshalb Hyrox ganz oben auf seiner Liste.
the red bulletin: Was hat dich dazu animiert, Hyrox auf die Liste deiner sportlichen Ziele zu nehmen?
jannis reichmuth: Ich habe den Trend auf Social Media mitverfolgt und war sofort fasziniert – vor allem von der Kombination aus Ausdauer und Kraft. Früher habe ich Eishockey gespielt. Im Sommer bereiteten wir uns oft mit Crossft auf die Saison vor – also habe ich einen gewissen Background in dem Bereich. Während meiner Ironman-Vorbereitung kam das Krafttraining zuletzt etwas zu kurz, und ich habe gemerkt, dass ich das vermisse. Hyrox kombiniert genau das, was ich mag, und deshalb wollte ich es ausprobieren.
Es ist also die Kombi aus Kraft und Ausdauer?
Genau, zudem gefällt mir der Groove, der in den Studios herrscht: Nachdem ich in den letzten Monaten viel alleine trainiert habe, freue ich mich umso mehr auf das gemeinsame Pushen und Anfeuern.
Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse aus der Hyrox-Einführung im A’Lab?
Klar musst du sehr ft sein für Hyrox. Wer seine Stärken und Schwächen kennt und gezielt einsetzt, kann viel Zeit rausholen. Manchmal lohnt es sich, bei einer Station bewusst etwas Tempo rauszunehmen, um an anderer Stelle voll zu performen. Weil
der ganze Hyrox rund eine Stunde dauert, ist das Pacing umso entscheidender. Du musst ein Gefühl dafür entwickeln, wie intensiv du die einzelnen Übungen absolvieren kannst, ohne zu tief zu gehen.
In welche Übung wirst du am meisten investieren müssen?
Spontan denke ich an Wall Balls und Walking Lunges. Die werden extrem heavy sein, weil sie so krass in die Beine gehen. Meine Beine sind es nicht gewohnt, so viel Kraft aufzuwenden und danach wieder zu laufen. Die Schwierigkeit liegt nicht in den einzelnen Übungen, sondern darin, alle acht in einer Stunde zu absolvieren.
Wem rätst du, mal einen Hyrox zu versuchen?
Allen, die viel Energie loswerden müssen. Hyrox ist nochmals eine ganz andere Art von Sport: Im Ausdauersport powerst du dich aus, im Kraftsport etwas weniger. Aber in der Kombination gehst du ans Limit.
Am 2. November läufst du den New York Marathon. Danach startet dein Hyrox-Plan?
Meine Idee ist es, ab jetzt mindestens einmal pro Woche eine Hyrox-Einheit in mein Training zu integrieren. Ab Dezember werde ich mich dann voll darauf fokussieren – und nach etwa drei Monaten Training meinen ersten Wettkampf anpeilen.
Hast du dir für diesen schon ein Ziel gesetzt?
Mein Ziel ist ein Sub60, also den Wettkampf in weniger als 60 Minuten zu schafen.
Das ist sehr ambitioniert!
Mein Ironman-Projekt hat mir gezeigt, dass mit harter Arbeit und Willenskraft alles möglich ist. Manchmal musst du auch ein bisschen wahnsinnig sein, um so ein hochgestecktes Ziel zu erreichen. Mir ist das lieber, als mir ein absolut realistisches Ziel zu setzen. Das motiviert mich, noch härter zu arbeiten.
Zur Person: Jannis Reichmuth
Der Content-Creator aus dem Kanton Schwyz ist bekannt für die sportlichen Challenges, denen er sich stellt. Diesen Sommer absolvierte er in Hamburg seinen ersten IronmanTriathlon, in 9:46 Stunden blieb er deutlich unter der magischen Grenze von zehn Stunden. Im zweiten Halbjahr dreht sich beim 24-Jährigen alles ums Laufen: In Berlin will er erstmals einen Marathon in unter 2:55 Stunden absolvieren. Danach ist er Teil einer Laufstaffel, die Deutschland von Nord nach Süd durchquert. Zum krönenden Abschluss seines Laufjahres steht der legendäre New York City Marathon an.
«Mir gefällt der Groove, der in den Studios herrscht, das gemeinsame Pushen und Anfeuern.»
Die letzte Station, Wall Balls, sollte man nicht unterschätzen: Sie zählt zu den mental und körperlich anspruchsvollsten.
Bei der zweiten HyroxStation, Sled Push, kommt es auf den richtigen Grip an.
Alexis Bernier zählt zu den Hyrox-Wegbereitern in der Schweiz. Der Zulauf in seinem Studio A’Lab bestätigt seine Vision.
the red bulletin: Wie kamst du zum Hyrox?
alexis bernier: Als ich im März 2024 das A’Lab eröfnet habe, kannte ich Hyrox noch gar nicht! Mir schwebte ein Hybridstudio mit verschiedenen Trainingskonzepten vor. Dann ging es aber schnell: Ich hörte von Hyrox – und war begeistert. Bereits im Juni löste ich eine Studiolizenz, damit wir ofzielle HyroxTrainings anbieten konnten. Und im Oktober bestritt ich in Mailand selber meinen ersten Wettkampf.
Welchen sportlichen Background haben die Leute, die für Hyrox trainieren?
Bei uns sind es zu 80 Prozent «Gym People», also Leute, die bislang vor allem im Fitnesscenter trainiert haben. Aber nicht unbedingt die fortgeschrittenen Sportler. Für die meisten ist das Laufen die grösste Herausforderung. Denn es sind immerhin acht Kilometer, die man an einem HyroxWettkampf zurücklegen muss!
Wie sehr spürt ihr im Studio den Boom, den Hyrox gerade erfährt? Enorm! Wir sind um 20 Prozent gewachsen, seit wir Hyrox anbieten.
Wie ambitioniert sind die Leute, die bei euch trainieren?
Die meisten besuchen zwei bis vier Trainings pro Woche. Damit schafst du einen Hyrox in rund 1:20 oder 1:30 Stunden. Viele beginnen bei uns zu trainieren, können sich aber anfänglich nicht vorstellen, je einen Hyrox zu bestreiten: weil sie glauben, das sei zu hart für sie. Aber mit der Zeit realisieren sie, dass es nicht unmöglich ist.
Mit Crossft gab es schon vor Hyrox ein Wettkampfformat, das um Fitness herum aufgebaut war. Dieses wuchs aber nie über eine relativ enge Zielgruppe hinaus. Warum ist das bei Hyrox anders?
Crossft ist sehr elitär, die Übungen bei Wettkämpfen sind technisch so anspruchsvoll, dass eine grosse Verletzungs
Der gebürtige Franzose war in seiner Jugend ein talentierter Mittelstreckenläufer (800/1500 m). Ihn reizte auch Triathlon, doch der Sport war ihm zu aufwendig. Stattdessen entdeckte er das Gym und verbrachte fortan viel Zeit damit, seinen Körper zustählen. Diese Passion brachte ihn auch nach Zürich, wo er Anfang 2024 sein eigenes Studio A’Lab eröffnete. Fast zeitgleich lernte der 35-Jährige Hyrox kennen: «Ich wusste sofort: Das ist mein Sport.» Mittlerweile hat Bernier bei Hyrox-Events bereits drei Mal gewonnen.
Jetzt bis zum 31.10.25 für die World Finals im Dezember qualifizieren.
gefahr besteht, wenn man sie nicht perfekt beherrscht. Hyrox hingegen ist wie ein Laufwettkampf: sehr zugänglich – für alle, die in der Lage sind, acht Kilometer weit zu laufen.
Bei Hyrox treten also nicht nur komplett durchtrainierte Sportler an?
Was man auf den sozialen Medien dazu sieht, entspricht nicht der Realität. Vielleicht fünf Prozent aller Teilnehmenden sind komplett durchtrainiert. Das zeigt sich ja auch an der Grösse der Kategorien: Während bei den Pros jeweils rund 600 Leute antreten, machen im Open bis zu 14 000 mit. Das Gute am HyroxFormat ist auch: Es gibt kein Zeitlimit. Der Wettkampf ist fertig, wenn der Letzte im Ziel ist. Das dauert dann auch mal 2:30 Stunden.
Wie kann ich mir das Hyrox-Training bei euch vorstellen?
In reinen Hyrox-Lektionen konzentrieren wir uns auf die acht Stationen und auf die korrekte Ausführung der einzelnen Bewe-
«Was man in den sozialen Medien zu Hyrox sieht, entspricht nicht der Realität: Nur fünf Prozent aller Teilnehmenden sind komplett durchtrainiert.»
gungen, meist ausgeführt in Form von Intervallen. Beliebt sind auch die HybridTrainings, bei denen wir klassische Kraftübungen mit grossen Gewichten mit Hyrox-Übungen kombinieren. So simulieren wir die Ermüdung, die der Körper im Wettkampf erfährt.
Auffallend viele Athleten treten oben ohne zum Hyrox-Wettkampf an. Gehört das zum guten Ton?
Nein, das liegt einfach daran, dass die meisten Hyrox-Competitions in Hallen stattfnden. In diesen hat es meist 20 bis 25 Grad, das ist drückend heiss, wenn du Sport am Limit treibst.
Du nimmst selber auch an Wettkämpfen teil. Welches Ziel verfolgst du?
Meine Bestzeit liegt derzeit bei 56:53 Minuten in Berlin. Ich möchte diese Saison eine Sub56-Zeit erreichen und mich für die «Elite 15» qualifzieren. Das ist die Elite-Hyrox-Rennserie, zu der nur die weltbesten 15 Frauen und 15 Männer antreten können.
Wie viel trainierst du dafür?
Ich absolviere elf bis zwölf Einheiten pro Woche. Daneben leite ich vier Trainings im A’Lab und arbeite zehn Stunden als Personaltrainer.
Das Sportstudio A’Lab: Hier wachsen Champions heran.
Alle Infos zum HyroxEvent in Genf am 11. und 12. Oktober findest du hier:
Für The Red Bulletin erklärt
Elli Stenfors die acht Workout-Stationen eines Hyrox-Wettkampfs.
Laufen (8 × 1 km)
«Laufen macht den grössten Teil von Hyrox aus. Am Anfang und zwischen jeder Station läufst du eine 1-Kilometer-Runde.
Eine gute Läuferin reüssiert aber deswegen nicht automatisch bei Hyrox, weil man auch Übungen mit grossen Gewichten absolvieren muss. Wer das nicht gewohnt ist, kriegt schnell übersäuerte Beine.»
Elli Stenfors ist Hyrox-Profi. Die gebürtige Finnin gewann Anfang Jahr den Hyrox Women Pro in St. Gallen und will Ende des Jahres in Genf und Stuttgart die Qualifikation für die «Elite 15» schaffen. Sie ist bekannt als Instruktorin des härtesten Hyrox-Trainings in Zürich. Ihre Lektionen gibt die 28-Jährige im BLG-Sports-Gym. Die einstige Schwimmerin fand via Crossfit zu Hyrox und schätzt den Ausdaueraspekt des Wettkampfformats. 1 2 3 4 START
1
SkiErg 1000 m
«Bei der ersten Station starten alle supermotiviert. Das Adrenalin ist hoch, viele beginnen deshalb viel zu hart. Klar solltest du etwas leiden, aber nur so sehr, dass du danach in der gleichen Pace weiterlaufen kannst. Wichtig: den ganzen Körper einsetzen, nicht nur die Arme!»
Sled Push 50 m
(Frauen 102 kg, Männer 152 kg, Pros 152 bzw. 202 kg)
«Du lehnst dich mit dem ganzen Körper gegen den Schlitten. Wichtig ist hierbei, dass deine Laufschuhe Grip haben, sonst rutschst du auf dem Teppich. Diese Übung muss man oft trainieren, im Idealfall mit höheren Gewichten als im Wettkampf.»
Sled Pull 50 m
(Frauen 80 kg, Männer 105 kg, Pros 105 bzw. 155 kg)
«Es gibt hier nicht die eine richtige Technik, man muss das für sich herausfinden. Die meisten gehen rückwärts, das Seil hast du zwischen den Beinen oder neben dir. Wichtig: Nicht nur auf die Arme vertrauen. Der Zug kommt aus Beinen und Hüftstrecker.»
80 m Burpee Broad Jump
«Bei keiner Übung zeigt sich deutlicher, wie fit du bist. Der Puls schnellt ganz nach oben, die Sprünge sind hart für den Körper, auch der LiegestützTeil, besonders für die Läufer. Es gibt auch hier mehrere Varianten, wie du springst, wie du dich aufrichtest. Das muss jeder für sich herausfinden.»
1000 m Row
«Ich finde, das ist die einfachste Hyrox-Station. Du kannst eine gute Pace halten, ohne voll ans Limit zu gehen. Als Training kann man zum Beispiel 6 bis 10 Mal 500 Meter rudern, mit jeweils 30 bis 45 Sekunden Pause. Als Anhaltspunkt: Wenn du deine 5-Kilometer-Zeit kennst, wirst du im Hyrox etwas schneller sein.»
5 6 7 8
200 m Farmer’s Carry
(Frauen 2 × 16 kg, Männer 2 × 24 kg, Pros 24 bzw. 32 kg)
«Das ist eine einfache Bewegung. Man muss nur laufen und dabei die Kettlebells halten. Tipp: sich leicht nach vorne lehnen. Im Training lohnt es sich, generell an seiner Oberkörperkraft zu arbeiten. Im Wettkampf unbedingt vor der Übung die Hände mit Talkumpuder einreiben.»
7
100 m Sandbag Lunges
(Frauen 10 kg, Männer 20 kg, Pros 20 bzw. 30 kg)
«Die Kniebeugen sind wieder eine technischere Übung. Du brauchst Kraft in den Beinen, um in die Knie zu gehen. Ein guter Indikator ist, wenn man einen 90-Grad-Winkel in Knie und Fussgelenk hat. Im Training ist es wichtig, mit schwereren Gewichten als im Wettkampf zu trainieren.»
8
100 Wall Balls
(Frauen 4, Männer 6 kg, Pros 6 bzw. 9 kg)
«Das ist die mental anspruchsvollste Station und auch die härteste, weil es die letzte ist. Sie kann demütigend sein, weil du hier deinen ganzen Hyrox noch vermasseln kannst. Die Hüfte muss bei jeder Kniebeuge tiefer als die Knie sein. Sonst zählt die Wiederholung nicht.»
Reise / Musik / Uhren / Mindgame / Film / Events
BOLIVIENS WEISSES WUNDER
Offroad durch die Salzwüste Salar de Uyuni
10 000 Quadratkilometer Weiss. Im Salar de Uyuni in Bolivien, der grössten Salzwüste der Welt, knallt die Sonne doppelt, der Himmel verschmilzt mit dem Boden, und das Hirn spielt infolge optischer Täuschungen verrückt.
«Ohrläppchen, Nasenlöcher und Lippen!» Das lernt man als Erstes bei der Ankunft am Salar de Uyuni, der grössten Salzwüste der Welt. Oder anders gesagt: Wer im bolivianischen Hochland nicht jeden Millimeter Haut mit Sonnencreme einschmiert, wird noch lange an diesen Trip denken. Die Sonne grillt von oben (auf 3 656 Metern filtert die dünne Atmosphäre kaum UV), das Salz reflektiert von unten – und am Ende sind die unmöglichsten Stellen rotwund. Bei mir sogar zwischen den Fingern. Anfängerfehler. Hat man jedoch einmal verstanden, wie man sich in der 10 582-Quadratkilometer-Salzwüste nicht versehentlich selbst röstet, beginnt der wahre Zauber, denn der Salar fühlt sich wie ein anderes Universum an. Zumindest ist das mein Eindruck, als mich der Nachtbus um 5 Uhr früh in Uyuni ausspuckt. Die 20 000Einwohner-Siedlung ist der Startpunkt. Früher Umschlagplatz für Silber, Blei und Lithium, wirkt Uyuni heute wie eine Geisterstadt, deren Highlight ein Zugfriedhof mit riesigen Altmetall-Robotern ist. Eine postapokalyptische Kulisse, die zusammen mit dem schwächelnden Handyempfang nur den Eindruck verstärkt: Hinterm Horizont wartet etwas Grosses.
Wenige Kilometer später beginnt dann auch schon das Weiss. Das Hirn denkt erst: «Schnee». Was passen würde, denn von Juni bis August hat es nachts in diesen Höhen Minusgrade. Entdeckt man jedoch schliesslich die sechseckigen Strukturen, die man noch aus dem Chemieunterricht kennt, wird klar, dass man sich auf Salz bewegt. «Die Bienenwabenstruktur hilft, Spannungen beim Trocknen des Bodens auszugleichen», wird mir erklärt. Solche Fakten kann man zigmal in Büchern lesen. Man versteht sie jedoch erst, wenn man sie sieht.
SALAR DE UYUNI Die Salzwüste wirkt wie ein eigenes Universum, ein unendlicher Spiegel.
«Ohne Schatten oder Bäume verliert das Gehirn hier schnell die Orientierung.»
Was man auch wissen sollte: Die Salzwüste braucht Planung. Ja, sie lässt sich per Motorrad und Allrad-Jeep erkunden. Wer auf eigene Faust loszieht, sollte allerdings Mechaniker-Know-how und ein Satelliten-Navi mitbringen. Denn wenn Himmel und Boden zu einer gleissenden Fläche verschmelzen (und das passiert recht schnell), verabschiedet sich jedes Gefühl für Richtung oder Entfernung. Selbst die Profis der Rallye Dakar – die härteste Offroad-Rallye führte 2014 bis 2018 durch die Salzwüste – haben Respekt: Salz zerfrisst die Elektronik und die Bremsen. Obendrein wird die Landschaft nach Regen zum riesigen Spiegel; ein Effekt, für den der Salar berühmt ist. Wer dann stecken bleibt, ist auf sich allein gestellt. Deshalb setzen die meisten Besucher auf geführte Touren.
Mein Guide für die nächsten zwei Tage heisst Alejandro. Er ist Mitte 30, meist komplett vermummt (der Mann weiss, warum), und Alejandro hat früh erkannt: Ohne Häuser, Bäume oder Schatten fehlen dem Gehirn sämtliche Anhaltspunkte
Beste Reisezeit
Von Mai bis November ist Trockenzeit – das heisst, mehr Teile der Salzwüste sind befahrbar. In der Regenzeit von Dezember bis April steht Wasser auf der Salzfläche (Gefahr, stecken zu bleiben), dafür verwandelt sich die Landschaft in einen riesigen Spiegel.
Wie du hingelangst
Von Zürich, Basel oder Genf per Flugzeug nach La Paz und weiter per Inlandsflug nach Uyuni. Es fahren auch Nachtbusse von La Paz nach Uyuni (10 bis 12 Stunden).
für Entfernungen und Grössen. Das macht die Salzwüste perfekt für optische Illusionen und Fotospielereien: Ein Spielzeug-Dino wird – dank Alejandros Kamerawinkel – zum XL-Reittier, auf dessen Rücken ich winzig klein herumzapple. Eine Chipsverpackung verwandelt sich in einen Tunnel, in den man hineingehen kann. Alejandro weiss auch, wo man im ewigen Weiss abbiegen muss, um zur Isla Incahuasi zu kommen – einer Felsinsel mit jahrhundertealten Kakteen, die früher mal Zufluchtsort für die Inka war und heute einen 360-Grad-Panorama-Ausblick bietet. Und immer, wenn man denkt, es könnte eigentlich nichts Neues mehr auftauchen, überrascht einen die Gegend: In Lagunen picken pinke Flamingos nach Krebsen. Oder plötzlich … ein Hotel, dessen Wände und Schlafkojen komplett aus dicken Salzquadern gebaut sind. Wasser? Heizung? Fehlanzeige! Aber für eine Nacht hält man das aus.
Das wahre Geheimnis dieser Landschaft jedoch liegt in dem, was sie mit einem macht: Kein Augen-Overkill, nur Stille – es zwitschert nicht einmal ein Vogel. Das Hirn bekommt Leerlauf. Und manchmal braucht es genau diese Leere, damit wieder Platz für Neues entsteht.
Instagram: @waltraud_hable
Der deutsche Musiker Monolink verbindet akustische Tiefe und elektronische Energie. Seine Songs erzählen Geschichten –zum Tanzen. Wow!
Steffen Linck alias Monolink ist einer dieser Künstler, die man nicht wieder vergisst. Der gebürtige Hamburger und Wahlberliner verschmilzt in seiner Musik gefühlvollen Gesang und Gitarrenklänge mit pulsierenden Rhythmen von Techno und House –und schafft so einen ganz eigenen Sound irgendwo zwischen Festivalhymne und innerer Einkehr. Bekannt wurde Monolink 2018 mit seinem Debütalbum «Amniotic», das ihm internationale Anerkennung einbrachte. Es folgte «Under Darkening Skies» (2021) – atmosphärisch, tief und klanglich komplex. Ende September kommt jetzt mit «The Beauty of It All» sein drittes Album auf den Markt. Drei Singles daraus – «Mesmerized», «Powerful Play» und «Avalanche» – geben bereits einen Vorgeschmack: introspektiv, poetisch und musikalisch auf höchstem Niveau. Storytelling und Beats verschmelzen wieder zu einer aufregenden Einheit. Für uns hat Monolink exklusiv seine persönliche Playlist zusammengestellt.
Monolink spielt am 17. Oktober in der Halle 622 in Zürich. mono.link
Oasis
Don’t Look Back in Anger (1996)
«Aufgrund dieses Songs hab ich angefangen Gitarre zu spielen, da war ich ungefähr 15 Jahre alt. Es gibt eine LiveVersion von Noel Gallagher, wie er das Lied allein auf der Gitarre an einer Hotelbar spielt, die mich total berührt hat. Daraufhin habe ich dann Tag und Nacht geübt. Für mich ist es immer noch einer der legendärsten Songs aller Zeiten.»
Pink Floyd Time (1973)
«Ich habe mir ‹The Dark Side of the Moon› auf einem Flohmarkt gekauft – weil ich gehört hatte, dass das Album ein Klassiker ist, und ich das Cover mochte. Das Album ist wie ein psychedelischer Trip und ‹Time› das Herzstück wegen des epischen Gitarrensolos von David Gilmour und der Lyrics über das monotone Vorstadtleben, in dem ich mich damals selbst befand.»
Leonard Cohen Last Year’s Man (1971)
«Leonard Cohen hat lyrisch neue Türen aufgemacht. Songs können Geschichten erzählen, abseits klassischer Strukturen von Vers und Chorus. ‹Last Year’s Man› ist so intim und kryptisch, dass heute noch neue Bilder in meinem Kopf entstehen. Man muss genau hinhören, um Zugang zu den Songs zu bekommen, und so schreibe ich auch selbst meine Texte.»
Nicolas Jaar Space Is Only Noise (2011)
«In der Musik von Jaar erkannte ich viel von meiner eigenen Begeisterung für Musik und für ganz verschiedene Genres. Für mich waren akustische und elektronische Musik zwei getrennte Welten, er hat sie spielend zusammengeführt. ‹Space Is Only Noise› ist ein Masterpiece, der gleichnamige Song kombiniert brachiale Synthesizer mit fragilem Gesang.»
Mit der Pilot’s Watch Performance Chronograph 41, inspiriert vom neuen Film «F1» mit HollywoodIkone Brad Pitt, bringt IWC den Racing-Spirit von der KinoLeinwand aufs Handgelenk.
Für Cockpits gemacht:
Im Inneren der Uhr arbeitet das automatische Chronographenwerk – ein robustes säulenradgesteuertes Manufakturwerk mit 46 Stunden Gangreserve. Es sorgt für präzise Zeitmessung – und das auch unter extremen Bedingungen.
Die Formel 1 vereint modernste Technik mit Renn-Action – ein Anspruch, dem sich auch IWC mit seiner neuesten Uhrenkreation stellt: Ob Tachymeterskala, Keramiklünette oder Kautschukband – dieser Chronograph ist auf Geschwindigkeit und Kontrolle getrimmt und damit ganz im Stil des fiktiven F1-Teams APXGP aus dem Film mit Brad Pitt (ab Seite 62). Das 41-MillimeterGehäuse aus 18-Karat-Rotgold mit vergoldeten Appliken verbindet echte Ingenieurskunst mit Hollywood-Flair. CHF 24 000, iwc.com
Hier kommt eine Rätsel-Challenge samt Kick für deine mentale Fitness. Folge 4: Mit räumlichem Denken Reihen auflösen –und so für Red Bull Tetris® trainieren.
Die Aufgabe
Lös nach dem Tetris-Prinzip: Vollständige Reihen verschwinden. Wie müssen die bunten Steine fallen, damit sie das Spielfeld komplett leeren? Hinweis: Du kannst die Reihenfolge bestimmen, die Steine nach links oder rechts rücken und drehen.
Der Skill
Hier trainierst du das räumliche Sehen, also die Fähigkeit der dreidimensionalen Wahrnehmung, wie sie etwa beim Sport oder Handwerken entscheidend ist. Auch Aufmerksamkeit und Konzentration profitieren.
Bereit für Dubai?
Nimm jetzt an Red Bull Tetris® teil und qualifiziere dich fürs World Final. Dafür zunächst das Game auf dem Smartphone spielen, über das National Final den Sprung in die Nahost-Metropole schaffen und dort mit Drohnen den Gewinner ausspielen. Code scannen und loslegen!
FILM/
Eisige Pisten, atemberaubende Geschwindigkeit – und der schmale Grat zwischen Triumph und Sturz. Die Doku «Downhill Skiers – Ain’t No Mountain Steep Enough» begleitet eine Saison lang die besten Abfahrer der Welt.
Eine Abfahrt. Ein wahrer Kraftakt. Rund zwei Minuten voller Selbstüberwindung. Immer am Limit. Triumph oder Tragödie? Und dann die härteste Gegnerin von allen: die Piste. Wie fühlen sich Skirennläufer in dieser Mischung aus Hofnungen und Ängsten, Träumen und Schmerzen? Genau das fängt die Dokumentation «Downhill Skiers – Ain’t No Mountain Steep Enough» ein. Eine Saison lang heftete sich das Filmteam an die Fersen einer ganzen Reihe von Weltklasse-Abfahrern – darunter Shootingstar Cyprien Sarrazin sowie die Ausnahmeathleten Marco Odermatt, Franjo von Allmen und Dominik Paris.
Die Abfahrt gilt als die kompromissloseste und gefährlichste aller Skidisziplinen. Mit bis zu 150 km/h rasen die Athleten über vereiste Pisten, springen Dutzende Meter weit und müssen in Sekundenbruchteilen Entscheidungen trefen – im Bewusstsein, dass schon ein winziger Fehler Sturz und Verletzung bedeuten kann. Der Film fängt diese Spannung mit spektakulären Bildern ein – und widmet sich zugleich den leisen Momenten dazwischen: Zeit mit der Familie, persönliche und private Einblicke, mentale Arbeit und Augenblicke der inneren Einkehr. Alles läuft auf den Renntag zu, an dem sich entscheidet, ob die Fahrer die Strecke und ihre eigenen Möglichkeiten verstanden und ihre Fahrweise perfekt angepasst haben. Die grösste Herausforderung bleibt die Natur selbst: mal eisig, mal weich, mal eng, mal buckelig – die Piste und das Wetter sind unberechenbar. Ein Moment der Unkonzentriertheit genügt, um alles zu verändern. Dünne Rennanzüge, Airbags und Helme bieten nur begrenzten
STRECKENCHECK Justin Murisier (Schweiz) 2025 vor dem Abfahrtstraining in Sun Valley, Idaho
Schutz. Regisseur Gerald Salmina und sein Team begleiteten ihre Protagonisten durch den gesamten Weltcup: vom letzten Rennen der Saison 2024 in Saalbach bis zur Weltmeisterschaft 2025 am selben Ort. Nach seiner Doku «Streif – One Hell of a Ride» geht Salmina hier stärker in die Tiefe: Neben vielen Rennszenen zeigt die Dokumentation den Alltag der Profs –hartes Training, nervenaufreibende Vorbereitung und das Gedankenkarussell
nach dem Zieleinlauf. «Downhill Skiers –Ain’t No Mountain Steep Enough» ist nicht nur für Skifans ein Muss, sondern ein fesselndes Porträt über Leidenschaft, Willenskraft und den Mut, an die eigenen Grenzen zu gehen – und darüber hinaus.
«Downhill Skiers – Ain’t No Mountain Steep Enough» feiert seine Premiere im Rahmen des Zurich Film Festivals am 1. Oktober. Der offizielle Kinostart in der Schweiz ist am 23. Oktober.
HIGHSPEED Marco Odermatt 2025 beim Abfahrtstraining in Kitzbühel
«Es ist ein Grenzgang. Wenn man über das Limit geht, kann das fatal enden.»
Marco Odermatt über die Risiken
im
Abfahrtslauf
Kreativität, Action, Musik und Fun – mit diesen Events klingt der Sommer richtig schön nach.
12. September
Achtung, Radarfalle! Auf einer Downhillstrecke im Lenzerheide Bike Kingdom messen wir deine Zeit –und zwar jeweils am Freitagmorgen von 9 bis 11 Uhr. Wer am Saisonende ganz oben auf der Liste steht, darf zum Red Bull Hardline in Wales, UK – zum Zuschauen, versteht sich. Die härteste Linie der Welt überlassen wir den Pros. redbull.com
Das grösste Battle der Schweiz ist zurück mit internationalen BreakingStars: Hier treten einige der besten Crews der Welt gegeneinander an. Und zwar mit einem einzigartigen Konzept: Ein Erwachsener und ein Kind bilden ein ausgelostes Duo –aussergewöhnliche Shows erwarten dich! groovesession.ch
Schon in wenigen Tagen verwandelt sich das Lausanner Schwimmbad Bellerive in eine Arena, die ein richtiges Spektakel verspricht: 40 Duos absolvieren mit Tandem-Fahrrädern eine Strecke voller Hindernisse über Wasser – und das in den verrücktesten Outfits. Dabei sind Kreativität und Balance gleichermassen gefragt. Teilnehmende und Publikum erwartet einen Nachmittag lang eine geballte Ladung Spass und Action. redbull.com
11. bis 13. Oktober Freestyle
Spektakuläre Drehungen in der Luft, Freestyle-Rap, bunte Kreationen aus der Sprühdose: All das ist das Freestyle Roots. Das Fünf-JahresJubiläum feiert Talents aus den Sparten Skateboard, Snowboard, Bike, Ski, Breaking und Graffiti. Neu mit dabei: das ultimative RapBattle. Alle Infos zum Event in Thun: freestyleroots.ch
bis 7. September
Eine atemberaubende Berglandschaft, anspruchsvolle Strecken und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm: Damit lockt dieses Triathlon-Festival im wunderschönen Engadin. SGRAIL steht für Schwimmen, Gravel-Biken und Trailrunning – und ist ein Wochenende mit Triathlon-Begeisterten und Gleichgesinnten, bei dem der Wettkampf genauso wie das Erlebnis im Mittelpunkt steht. sgrail.country
bis 19. Oktober
Das Rheintal erhält sein eigenes Velofestival! Bike-Fans feiern im Dorfzentrum von Au SG die Premiere des grenzüberschreitenden Formats. An drei Tagen zelebrieren die Velobegeisterten der Region den Saisonabschluss – auf dem Mountainbike, dem Rennvelo oder dem Gravel-Bike. Umrahmt wird das Ganze von einem abwechslungsreichen Programm mit Livemusik, DJs und Shows. cyclevalley.ch
Summer on the Rocks: Das Turnier Red Bulls Salute lädt erneut internationale Top-Eishockey-Teams zum Warm-up nach Zell am See-Kaprun. Gastgeber sind der zwölffache österreichische Meister EC Red Bull Salzburg und der viermalige deutsche Meister EHC Red Bull München. In der Zeller KE Kelit Arena begrüssen sie den dreifachen Schweizer Meister EV Zug und den schwedischen Spitzenclub Rögle BK, Gewinner der Champions Hockey League 2021/22. Und wir sind auf Red Bull TV live dabei. Salute! ecrbs.redbulls.com
Herausgeber
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Chefredakteur
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Textchef
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Grafik
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Fotoredaktion
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Chefin vom Dienst
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Global Content
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Publishing Management
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Art Direction Commercial
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Herstellung & Produktion
Veronika Felder (Ltg.), Martin Brandhofer, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig
Lithografie
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Hier schreiben Schweizer Literaturtalente über Themen, die sie bewegen – und liefern ihren positiven Spin dazu.
Es bringt mich an meine Grenzen, manchmal auch darüber hinaus. Und trotzdem tue ich es immer wieder. Freiwillig und gerne. Vor kurzem drehte ich elf Runden in vier Tagen. Ich verausgabte mich bis zur Erschöpfung. Krank kam ich nach Hause und musste mich ins Bett legen, um mich zu erholen.
Ich bin kein Extremsportler, im Gegenteil, ich bin Schriftsteller. Wobei die Zeiten längst vorbei sind, in denen mein Berufsstand dem Klischee entsprechend von Wein und Zigaretten lebte. Viele meiner Kollegen sind leidenschaftliche Marathonläufer, Schwimmer oder Radfahrer. Ein guter Freund besuchte mich vor kurzem in Wien, von wo aus er nach Nizza aufbrach. Das sind mehr als 2 000 Kilometer. Er brauchte dafür acht Tage und neun Stunden. «Three Peaks» nennt sich das selfsupported BikepackingRennen, eine masslose Untertreibung.
Wer die Kontrollposten in den Dolomiten, Alpen und Vogesen erreichen will, nimmt unzählige Höhenmeter auf sich. Peter Bichsel schaute jeden Sommer die Tour de France, die ganze, vom kontrollierten Start bis zur Sprintankunft in Paris. Auch ziemlich extrem. Ich neige grundsätzlich nicht zum Exzess. Meine Laufrunden enden spätestens nach zehn Kilometern. Ich nutze das Fahrrad, um einzukaufen oder ins Theater zu gehen. Klettern kann ich nicht. Auf Skis stand ich zuletzt vor über zwanzig Jahren. Krafttraining mache ich für die Gesundheit meines Rückens. Und wenn ich ins Wasser springe, dann um mich abzukühlen. An meine Grenzen komme ich, wenn ich mich Schulklassen aussetze.
Es ist kein Geheimnis, dass Kinder nicht nur das beste, sondern auch das ehrlichste und anstrengendste Publikum sind. Erwachsene gehen freiwillig ins Theater. Sie besuchen Lesungen, um den Autor kennenzulernen oder einen Eindruck von dem Buch zu be
kommen. An ihren Gesichtern ist nicht abzulesen, ob ihnen gefällt, was sie hören. Sie sind höflich, zurückhaltend. Sie unterdrücken den Refex zu gähnen, setzen interessierte Mienen auf, auch wenn sie darüber nachdenken, wo sie danach noch etwas trinken könnten. Sie fnden interessant, was ich mache, klopfen mir auf die Schulter. Manche kaufen sogar ein Buch und lassen es von mir signieren.
Vor Kurzem habe ich in vier Tagen elf Lesungen in Schulen gemacht. Meistens waren zwei Klassen gleichzeitig im Raum. Fünfzig Kinder sitzen mir gegenüber. Sie sind neugierig, offen, lachen mir ins Gesicht. Manche verschlingen dicke Wälzer, andere haben noch nie ein Buch gelesen. Sie wollen von mir wissen, wie lange ich brauche, um ein Buch zu schreiben. Was ich damit verdiene? Und auch sehr wichtig: Messi oder Ronaldo? FCZ oder GC? Nach zehn Minuten, ich habe gerade das erste Kapitel vorgelesen, meldet sich ein aufgeweckter Junge aus der zweiten Reihe. Was ich hier mache, sei todlangweilig. Autsch! Das sitzt. Ich schüttle mich und zeige mich unbeeindruckt. Da muss er durch. Es wird noch schlimmer. Ich lese zwei weitere Kapitel vor!
Meine Deckung fängt die rechte Gerade des Jungen ab. Es ist nicht meine erste Lesung. Ich hatte in den letzten zwei Tagen schon sechs andere mit zwölf Klassen. Ich stand vor dreihundert Kindern. Sie hingen mir an den Lippen. Es gelang mir, sie in den Bann zu ziehen. Ich weiss, dass die Geschichte funktioniert. Ich war auch einmal ein Junge, der sich in die grosse Schwester seines besten Freundes verliebte. Es gibt eine Verbindung zwischen mir und den Kindern. Sie reicht über 35 Jahre hinweg. Sie würde auch noch viel weiter reichen. Wir erzählen uns Geschichten, die vor 350 oder 3 500 Jahren geschrieben wurden.
Wir können ihnen ohne Probleme folgen. Wir leiden mit. Wir freuen uns. Wir lachen. Wir verstehen die Geschichten, weil wir Menschen sind. Diesen Zauber versuche ich den Schülern zu vermitteln. Das braucht Kraft. Ich muss nicht nur meine Konzentration aufrechterhalten, sondern auch die der Kinder. Zwischen den Lesungen gehe ich spazieren, blinzle in die Frühlingssonne, atme tief durch. Nach der dritten Runde bin ich erschöpft. Ich sitze im Bus und starre vor mich hin. Nach ein paar Minuten fallen mir die Augen zu. Ein herrliches Gefühl!
Ich fürchte mich aus gutem Grund vor den Kindern. Und trotzdem sage ich jedes Mal zu, wenn ich angefragt werde, vor ihnen aufzutreten oder mit ihnen zu arbeiten. Ich habe Theaterstücke für Kinder geschrieben, zuletzt einen Roman. Im Jungen Literaturlabor erkläre ich einer Klasse erstaunter Jugendlicher, dass wir gemeinsam schreiben. Sie und ich. Dass wir für die Zeit, die wir zusammen sind, alle Autoren sind. Ich bin nicht besser und nicht klüger,
«Wir erzählen uns Geschichten, die vor langer Zeit geschrieben wurden. Wir leiden mit. Wir lachen. Diesen Zauber versuche ich zu vermitteln.»
höchstens älter als sie. Überhaupt ist es gerade ziemlich egal, ob ich ein guter oder ein schlechter Autor bin, entscheidend ist, dass ich ihre Geschichten nicht aufschreiben kann, das können sie nur selbst.
Die Kinder und Jugendlichen leben auf der gleichen Welt wie ich, aber ihr Alltag ist mir fremd. Ich bereite meine Expeditionen vor, so gut ich kann. Trotzdem bin ich verletzlich. Und je ausgesetzter ich bin, desto leichter kann ich Schaden nehmen. Die Stimmung kann umschlagen. Ein falsches Wort, und ich rutsche ab. In der Nacht, bevor es losgeht, schlafe ich schlecht. Manchmal verfuche ich mich. Statt in eine Schule zu fahren, könnte ich mich gemütlich an den Schreibtisch setzen, Tee trinken, mir ein paar schöne Sätze ausdenken. Aber nein, ich stehe eine Woche lang vor einer Horde Wilder, deren Hormone verrückt spielen.
Und dann gibt es diese Momente, die für alle Entbehrungen, Blessuren und Kratzer entschädigen. Im Jungen Literaturlabor sitzt ein Junge drei Tage lang nur da. Er kann nicht schreiben. Er will nicht schreiben. Er hat keine Idee. Ich lasse ihn sitzen, kümmere mich um die anderen. In einer Ecke des grossen Arbeitsraums gibt es mechanische Schreibmaschinen, exotische Objekte aus einer längst vergangenen Zeit. Der Junge beginnt damit, sie auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen. Er wirkt zufrieden. Ich bin froh, dass er eine Beschäftigung gefunden hat. Am letzten Tag sehe ich ihn in der Pause plötzlich weinen. Ich nehme ihn zur Seite. Was ist los? Die anderen in der Klasse sind unzufrieden, weil er nicht mithilft, nichts zur Geschichte beiträgt.
Ich bin ratlos. Sie haben ja recht. Er hat kein Wort geschrieben. Trotzdem versuche ich, ihn zu trösten. Nach der Pause setzt er sich ganz nach hinten, an den letzten Tisch. Ich kümmere mich um die Horde. Endspurt. Wir müssen Texte aus zwanzig verschiedenen Federn zu einer Geschichte zusammenfügen. Zwei Stunden später komme ich bei dem Jungen vorbei. Ich traue meinen Augen nicht. Er schreibt. Nicht irgendetwas, nein, er füllt feberhaft Seite um Seite. Er schreibt eine Geschichte über eine Katze. Er rettet sie vor einem heranbrausenden Schnellzug und vor einem Fuchs mit leuchtenden Augen. Er freundet sich mit ihr an und bringt sie schliesslich der überglücklichen Besitzerin zurück. Damit alle eine Idee davon bekommen, was wir gemeinsam geschrieben haben, machen wir zum Abschluss der Woche eine Lesung. Ich frage den Jungen, ob er seine Geschichte vorlesen möchte. Er setzt sich auf die Bühne, richtet das Mikrofon, räuspert sich und fängt an zu lesen. Und plötzlich wird es still in der Klasse, und alle hören gebannt zu.
LORENZ LANGENEGGER geboren 1980 in Gattikon, lebt in Wien und Zürich. Er schreibt für Theater und Fernsehen und hat sechs Romane veröffentlicht, zuletzt «Was man jetzt noch tun kann» (Jung und Jung).
Die Musikerin und Moderatorin feiert sängerische Freiheit, Liebe und Feminismus. Dabei fndet sie gefühlvolle, klare Worte – in ihren Lyrics ebenso wie in ihren Musiksendungen.
Deine Mutter stammt aus Kuba, dein Vater aus der Schweiz – das Beste aus beiden Welten? Kuba ist voller Offenheit, Lebensfreude und Liebe. Die Schweiz ist zuverlässig, organisiert und ordentlich.
MULTITALENT. Cachita, 26, mit bürgerlichem Namen
Gabriela Mennel, moderierte u. a. das SRF-Radioformat «Female Music Special». @caachiiita
Was war dein musikalischer Durchbruch?
Sicher «Bounce Cypher 22». Und «Sing meinen Song». Damit habe ich auch nochmals ein breiteres, ein Mainstreampublikum erreicht.
Das ist eine voll schwierige Frage. Das ist, als ob man Eltern fragen würde, welches Kind sie am liebsten hätten (lacht).
Hast du ein Hidden Talent?
Ich liebe True Crime und kenne sehr viele Fakten zu Kriminalfällen.
Ein Wort, das du nicht ausstehen kannst? «Vibe» kann ich nicht mehr hören.
Du kannst für einen Tag jemand anderes sein. Wer? Rosalía. Sie inspiriert mich immer wieder. Und ich möchte wissen, wie mein zukünftiges Leben aussieht (lacht).
Ein Alien fragt dich, was Menschen sind. Du sagst ... … Aliens.
Viele. Fun Fact: Ich kann in meinen Träumen Entscheidungen treffen.
Hexe! Da kannst du zaubern, tun, was du willst, und bist richtig mächtig. Später war es dann schon Sängerin.
Wie beschreibst du deinen Musikstil?
Vielseitig, überraschend, grenzenlos. Ich lass mich nicht gerne auf ein Genre festlegen. Auch nicht auf eine Sprache. Ich mache ja Musik auf Schweizerdeutsch und Spanisch. Es geht viel um Liebe … ich liebe die Liebe.
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