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Ein fast unabhängiges Monatsmagazin / September 2010 Erleben Sie

Print 2.0

So sehen Sieger aus Red Bull Illume: Die weltbesten Fotos aus Action, Abenteuer und Sport

Jochen Rindt

Wie der erste Pop­ star der Formel 1 auch vierzig Jahre nach seinem Unfall noch fasziniert

Anna Stöhr & Kilian Fischhuber Wie ein Paar an die Boulder-Spitze klettert

Brass in New Orleans

Wie ein Rhythmus eine Stadt am Leben hält


MINI Clubman: von 66 kW (90 PS) bis 135 kW (184 PS), Kraftstoffverbrauch gesamt von 3,9 l/100 km bis 6,5 l/100 km, CO2-Emission von 103 g/km bis 152 g/km.

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Bullhorn

Willkommen!

coverbilder: Alessio Barbanti, Dean Treml, Jeremy Koreski, Josh Letchworth

In der Welt von Red Bull bedeutet Fotografie viel mehr als bloß spektakuläre Dokumentation des Geschehenen. Das hat nicht zuletzt mit der Natur der zu behandelnden Themen zu tun. Cliff Diver, Freestyle-Motocrosser, BigWave-Surfer und ihre Artverwandten angemessen zu fotografieren ist eine gleichermaßen kreative wie technische und in vielen Fällen auch athletische Herausforderung in der Art von: mit den BASE-Jumpern auf den Berg raufklettern, mit den Extremskifahrern runterfahren. Oder: mit prall gefülltem Foto-Rucksack am Buckel durch die Stierkampfarena rennen, in der Motocrosser durch die Luft fliegen. Der Gedanke liegt also recht nahe, diese außergewöhnlichen Fotokünstlerinnen und -künstler einmal ausnahmsweise vor die Kamera zu bitten. Umsetzung findet er unter dem Namen „Red Bull Illume“, und zwar im Großformat: Zum weltweit renommiertesten Wettbewerb der Action- und Abenteuerfotografie haben dieses Jahr 4337 Fotografinnen und Fotografen aus 112 Nationen insgesamt 22.764 Bilder eingereicht. Die Ehre der Verlautbarung der zehn Kategorie-Sieger und des Gesamtgewinners wurde dem vorliegenden Heft zuteil, worauf wir angemessen stolz sind. Wir haben artig Platz freigeschlagen, 14 atemberaubende Seiten erwarten Sie ab Seite 46.

Das ist Chris Burkard. Er hat das beste Actionund Abenteuerfoto der Welt gemacht. Dieses und die weiteren 249 tollsten Bilder von Red Bull Illume versammelt ein Coffee Table Book, zu bestellen unter www.redbullillume.com.

Wenn man Ahnenforscher mit dem genetischen Code heutiger Red Bull-­ Athleten in die Vergangenheit schickt, werden sie relativ zwangsläufig auf ­einen gemeinsamen Vorfahren stoßen: Jochen Rindt. Er war witzig, clever, unerschrocken, ein bisschen verrückt und unfassbar talentiert, „der erste Popstar der Formel 1“, wie sowohl unsere Story als auch ein soeben erschienenes Buch betitelt sind, was nicht zuletzt darin begründet ist, dass die Worte da wie dort von Herbert Völker stammen. Völker war einer der engen Weg­ begleiter Rindts, der am 5. September 1970 in Monza tödlich verunglückte. Der einzige posthume Weltmeister der Formel 1 hat bis heute nichts von ­seiner Strahlkraft verloren, Beleg dafür ab Seite 60. Eine dringende Lese-Empfehlung noch, bevor wir Sie ins Heft schicken: Werner Jessner und Bernd Fisa erwischten eine Sternstunde von einem Interview mit Pierre Pagé, Chefcoach des EC Red Bull Salzburg. Das Gespräch führte so tief ins Eishockey, dass es weit über Eishockey hinausgeht. „Drei Menschen mit derselben Meinung sind zwei zu viel“, ab Seite 32. Viel Spaß dabei! Die Redaktion

Ferdi Kräling war für die Fotos verantwortlich, Herbert Völker für die Texte, Jackie Stewart für das Vorwort: „Jochen Rindt. Der erste Popstar der Formel 1“ ist soeben im Verlag Delius Klasing erschienen.

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Ihr Red Bulletin kann noch mehr, als Sie denken. Movies, Sounds, Animationen 10

12 Print 2.0 – die zusätzliche Dimension in Ihrem Red Bulletin. In diesem Heft bei folgenden Storys:

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Print 2.0

Das neuartige Multimedia-Erlebnis. Wo immer Sie das Auge des Bullen sehen!

Wie’s geht? Umblättern auf Seite 7 oder gleich ins Internet: de.redbulletin.com/print2.0


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i n h a lt

Die Welt von Red Bull im September Ob Wiedergeburt oder posthume WMTitel, magische Momente oder irdische Triumphe: einfach drauf einlassen und das seelische Gleichgewicht finden.

Bullevard

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08 Kainraths Kalenderblatt 10 Fotos des Monats

14 Und Action! Beflügeltes im neuen Red Bull Web TV. 17 Antonio Banderas Die Welt von Hollywoods Latin Lover. 20 Einst & Jetzt Die Fotoapparate sehen heute anders aus, doch ein gutes Foto ist immer noch ein gutes Foto. 22 Brian Vickers Der NASCAR-Driver von Red Bull Racing im Ganzkörper-Selbstporträt. 24 Formelsammlung Was passiert, wenn man von einem ­Cricketball getroffen wird. Eine schmerzhafte physikalische Betrachtung. 26 Die zahlen des Monats Der Ryder Cup, das prestigeträchtigste Turnier der Golfwelt.

Heroes

30 Awolnation hat als Highschool-Band-Sänger mehr ­geschrien als gesungen. Heute teilt er sich die Bühne mit Indie-Rock-Größen. 32 Pierre Pagé über die Zukunft des europäischen Eis­ hockeys, die Chemie einer Mannschaft und sein Image als harter Hund. 36 Makode Linde ist vielseitig talentiert und kämpft künstlerisch gegen Rassismus und Vorurteile. 38 Stöhr & Fischhuber sind die weltbesten Boulderer und privat ein Paar. Die Geschichte von Spider-Man und Spider-Woman. 6

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i n h a lt

Action

46 Im Auge der Sieger Beim Red Bull Illume 2010 wurden die besten Sport- und Actionbilder gesucht. Wir präsentieren die Top Ten.

Bilder: Brady Fontenot, F. Kräling Motorsport-Bild GmbH, GEPA pictures, graeme murray, philipp horak, Thomas Karlsson; illustration: albert exergian

60 Jochen Rindt Vor vierzig Jahren verunglückte der erste ­Popstar der Formel 1 in Monza tödlich. Und wurde danach Weltmeister.

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68 All Ready for the Rebirth Brass ist die Musik, die New Orleans am Leben hält. Tag für Tag, Nacht für Nacht.

More Body & Mind

80 Die Huberbuam kletterten ein bisschen im Hangar-7 herum und sprachen dabei über Erfolg, Streit und Suchtmomente. 82 Annas und Kilis Zeug Stöhr und Fischhuber zeigen, was sie unterwegs so alles brauchen. 84 echt schräg Für Bergläufer und andere Interessierte: Vierfach-Sieger Jonathan Wyatt weiß, wie man diese Disziplin des Red Bull ­Dolomitenmanns am besten meistert. 86 Volles Programm Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV. 88 Hot spots Was rund um die Welt los ist. 90 Die Macht der Nacht Live aus London, Balneário Camboriú, Montreal und Knebworth. 98 Geist mit Körper Christian Ankowitschs Kolumne belebt.

the red Bulletin Print 2.0 Movies, Sounds, Animationen in Ihrem Red Bulletin. Überall, wo Sie dieses Zeichen sehen. 1

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38 de.redbulletin.com/ print2.0 Im Browserfenster sehen Sie das MagazinCover. Klicken Sie auf „Starten Sie Bull’s Eye!“.

Webcam zulassen Sie benötigen eine Webcam. Sollte sich ein Auswahlfenster öffnen, klicken Sie auf „Zulassen“.

Red Bulletin vor die Webcam halten Es erwarten Sie Multimedia-Inhalte wie Movies, Soundfiles oder Animationen.

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K a i n r at h s K a l e n d e r b l at t

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Bullevard Beflügeltes in kleinen Dosen.

P o l i g n a n o a M a r e (I TA)

Kopf-an-Kopf-Flug Orlando Duque, hier bei einem Trainingssprung, landete beim vierten Stopp der Red Bull Cliff Diving World Series im italienischen ­Polignano a Mare auf Platz zwei. Gary Hunt, Sieger der ersten drei Springen, musste sich diesmal mit Platz drei zufriedengeben. Der Brite hatte die Landung seines mit großer Spannung erwarteten Sprungs ein wenig verpatzt: eines vierfachen Rückwärtssaltos mit dreifacher Schraube, den er als einziger Teilnehmer mit Anlauf durchführte. Sieger wurde Artem Silchenko aus Russland. Die drei Erstplatzierten von Polignano a Mare haben zwei Bewerbe vor Schluss noch Chancen auf den WM-Titel. Ausständig sind noch die Events im schweizerischen Sisikon und in Hilo auf Hawaii. Finale der Red Bull Cliff Diving World Series 2010: 12. September, Hilo, Hawaii; www.redbullcliffdiving.com „The Wingman meets Cliff Diving“: 12. 9. auf Red BullTV


Print 2.0

bild: Predrag Vučković/Red Bull Cliff Diving

de.redbulletin.com/print2.0 Vom Balkon über die Klippe.


U t r ec h T (NE D)

Stabweitsprung Der Albtraum jedes Gondoliere ist Ausgangspunkt des nieder­ländischen „Fierljeppen“: Ein in der Mitte des Flusses steckender Stab wird dabei zu dessen Überwindung benützt. Man läuft an e­ inem Flussufer an, springt auf den Stab, klettert ihn eilig hoch. Und sobald ihn die Schwerkraft in Richtung des gegenüberliegenden Flussufers zwingt, verlässt man ihn – möglichst so weit abspringend, dass man trockenen Fußes landet. Diese Technik, über Flüsse zu setzen, stammt aus dem 12. Jahrhundert, bereitet auch 900 Jahre später noch Spaß: Die Teilnehmer des Red Bull Fierste Ljepper hatten 13.000 Zuseher, und an guter Laune herrschte kein Mangel.

bild: Rutger Pauw/Red Bull Photofiles

Mehr Bilder vom Event auf: de.redbulletin.com/fierljeppen

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Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Immer schĂśn trocken bleiben!

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b u l l e va r d

Und Action!

Bitte eintreten und Platz nehmen. Im geheimen Trick-Labor von Shaun White. Am Helm von Felix Baumgartner. In der Gedankenwelt Sebastian Vettels. Oder bei der wahrscheinlich durchgeknalltesten Gaming-Show des Universums. Willkommen beim neuen Red Bull Web TV.

Die Heldensagen Momentum

Ob Sebastian Vettel, Mick Fanning oder Sébastien Loeb – „Momentum“ beleuchtet die größten Stars des Sports von ihrer ganz privaten Seite her. Berührend, menschlich, überraschend anders.

ProgrammHighlights im neuen

Red Bull Web TV

Die Rebellen

Action, bis die Polizei kommt. Wake­ boarder Duncan Zuur rockt Venedigs gefluteten Markusplatz, Brian Vickers legt im NASCAR-Boliden einen Pitstop am New Yorker Times Square ein. Streng verboten!

Die Freak-Freunde

Die Star-Schule

Die Echtzeit-Shows

Das Adrenalin-Duo

Red Bull Cliptomaniacs

Tricktionary

Live-Webcasts

Red Bull Rivals

Sie sind Freestyle-Freaks und Snowboard-Pros: Tim Warwood und Adam Gendle präsentieren die besten Sport-Clips unter der Sonne, zum Beispiel atemberaubende Crashed-Ice-Action aus München.

Die Serie für alle, die gern von den Besten lernen: Skate- und Snowboard-Gott Shaun White erklärt den Trick, mit dem er Olympia-Gold gewann; Ryan Sheckler zeigt seinen „Wallride Blunt“.

Best of Sport live: die rasenden ­Buben beim Red Bull Rookies Cup, die legendären Red Bull X-Fighters oder die Motocross-WM (nächster Termin: 12. September 2010 aus Fermo, Italien).

Missing Link zwischen Couch-Potato und Extremsport: Matt Littler und Darren Jeffries springen von 26-Meter-Felsen und brettern beim härtesten Enduro-Race der Welt mit. Schließlich geht’s um die Ehre.

Bilder des Monats

Moment mal!

Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach hochladen auf: www.redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird eine Trinkflasche des Schweizer Traditions­ herstellers SIGG im speziellen Red Bulletin-Design v­erlost. Gewinner aus Heft 08/2010: Daniel Kolodin

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Rohr im Gebirge Nach fünf Rallye-Siegen in Folge ist Raimund Baumschlager sein neunter österrei­ chischer Staatsmeistertitel sicher. Josef Bollwein

Bilder: Ray Archer/Red Bull Photofiles, imago stock&people, Jörg Mitter/Red Bull Photofiles, rutger Pauw/Red Bull Photofiles, Christian Pondella/Red Bull Photofiles

Pirate TV


Bilder: Christian Black/Red Bull Photofiles, JONATHAN BRADY/EPA/picturedesk.com, John Gibson/Red Bull Photofiles, Gold and Goose/Red Bull Photofiles, flo hagena

b u l l e va r d

Die wilden Prinzen

Die Extremisten

Young Guns rising

Red Bull TopS

Doku-Soap über die MotoGPChampions von morgen, die heute halbe Kinder sind: Danny Kent und Co fighten beim Red Bull Rookies Cup um Hundertstel – und packen nachher den Teddybären aus.

Schneller, höher, verrückter: Wenn Felix Baumgartner in ein schwarzes Loch springt, ein Hubschrauber Salti schlägt oder Sportler die Grenzen der Physik sprengen – dann sind sie hier goldrichtig.

Täglich eine frische Stunde am Handy oder am Computer Action und Entertainment, Popstars und Sporthelden, Live-Events und Lifestyle vom Feinsten: Das neue Red Bull Web TV ist Fernsehen für eine neue Generation. Täglich eine Stunde, rund um die Uhr, jeden Tag neu. Red Bull Web TV können Sie auf jedem internetfähigen Computer, auf Red Mull MOBILE oder auf dem iPhone empfangen: einfach das Red Bull Web TV App bei iTunes runterladen – und Action! Der kostenfreie Klick zum Red Bull Web TV: www.redbull.com/TV

Der erste Mann auf dem Mond, Neil Armstrong, ist von Felix Baumgartner und dessen Projekt Red Bull Stratos überzeugt. ServusTV

Der Durchknaller Play!

Doku-Soap für Fortgeschrittene mit der besten Moutainbiker-Familie der Welt: Dan, Gee und Rachel Atherton zwischen grandiosen Siegen und kapitalen Stürzen, Alltagssorgen und Geschwisterliebe.

Viele hassen ihn, noch mehr lieben ihn, keinen lässt er kalt. Kult-Moderator Uke Bosse zeigt die neuesten Computerspiele. Vor allem zeigt er aber, wie herrlich durchgeknallt eine Gaming-Show sein kann.

Die highflyer

Die Pop-Storys

So empfangen Sie Red Bull WEB TV

Hangar-7

Die Familienbande The Atherton Project

Silverstone

watch it loud

on the loose

Lady Gaga, Eminem oder die Rolling Stones hautnah. Hier gibt’s täglich ein frisches Musikvideo – und dazu spannende Background-Storys zum jeweiligen Superstar und ­dessen aktuellem Song.

Das Reise-Tagebuch von Aaron Hadlow und Ruben Lenten: Die Kitesurfer nehmen uns mit auf ihren Trip zu den schönsten Spots des Universums – und zeigen Tricks, die eigentlich gar nicht klappen können.

Der „jrX“ der FH Joanneum punktete bei der internationalen Formula Student mit ökonomischem Spritverbrauch, Design und Ausdauer. Julia Feirer

Kairo Alles im Griff: rechts das Kabel, links das Board. Und los geht die Wakeboard-Action in Ägypten. Ramy El-Shakry, Red Bull Wake It Up

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Neuer Champion

des Red Bull Air Race wurde der regierende Weltmeister Paul Bonhomme, ein „grantiger Gentleman aus Cambridgeshire“. red bulletin: 2010, ein Jahr der Trophäen. Immer am Podium, die Seagrave Trophy vom RAC bekommen, vom Royal Aero Club geehrt. Was machst du damit? paul bonhomme: Was das betrifft, bin ich nicht gut organisiert. Ich weiß gar nicht, wo die alle sind. Ich könnte ein Trophäen­ zimmer einrichten, war aber bisher zu sehr damit beschäftigt, Trophäen zu gewinnen. Wieso bist du dieses Jahr Champion geworden und nicht Hannes Arch? Dank meiner Beständigkeit. Amüsant ist: Dieses Jahr hat Hannes vier Rennen ge­ wonnen, ich zwei und die WM. Vor zwei Jahren war es exakt umgekehrt. Hast du deinen Flugstil verändert? Nun ja, ich habe vor kurzem einen Artikel über Graeme McDowell gelesen, den nord­ irischen Golfer, der die US Open gewon­ nen hat. Es steckt oft viel Psychologie in Sporttexten, du siehst, was die anderen über ihre Sportart denken. In besagtem

Bonhomme feiert und hat Visionen von Rennen „in Hongkong, Silverstone und Brands Hatch“.

Artikel war zu lesen, dass McDowell ge­ wonnen hat, weil er nichts zu verlieren hatte, es wurde auch nicht von ihm er­ wartet, dass er gewinnen würde, er selbst glaubte es auch nicht; also konnte er ein­ fach spielen und Spaß haben. Großartig! Er hat gewonnen, weil er entspannt war. Also dachte ich, solange wir am Sonntag

alle heil davonkommen, macht es nichts, ob man gewinnt oder verliert. Das ist eine gute Einstellung fürs Rennen. Wie hat dir der Big Apple geschmeckt? New York war speziell. Die Geschichte der Luftfahrt sieht dort nicht so rosig aus. 9/11, die Airbus-Notwasserung, dann die Kollision zweier Helikopter. Dass wir dort ein Rennen haben konnten, war phantas­ tisch. Zunächst, weil die New Yorker ge­ sagt haben, dass wir in ihre Stadt kommen dürfen. Und dass wir dann wirklich dort waren. Wir hatten ein super Rennen ohne Angst, einen gesunden Wettkampf. Den ich gewonnen habe – das Beste daran. Wie ist Paul Bonhomme, der Athlet? Mürrisch, ungeduldig, grantig … Vor je­ dem Rennen kommt die Versagensangst, die Angst, zu verlieren, sich selbst Angst einzujagen, abzustürzen. Fliegen kann sehr gefährlich sein, es darf einen nichts ablenken. Wenn mich etwas ablenkt, wer­ de ich grantig. Was machst du in der Saisonpause? Ich werde etwas Zeit zu Hause verbringen und einem 18 Monate alten Mädchen hinterherlaufen. Weitere Infos zu Paul Bonhomme und Red Bull Air Race: www.redbullairrace.com

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Bild: Hamish Blair/Getty Images for Red Bull Air Race

b u l l e va r d


b u l l e va r d

Meine Welt

Antonio Banderas Der Spanier eroberte Hollywood, ohne ein Wort Englisch zu sprechen. Und er war im Bett mit Madonna. Trotzdem liebt er nur Melanie Griffith – und Motorräder.

Beinahe Weltmeister

José Antonio Domínguez Bandera wurde am 10. August 1960 in Málaga, Andalusien, in einem kreativ recht unbelasteten Umfeld geboren. Sein Vater war Polizist, seine Mutter Lehrerin. Als echter Spanier wollte er zunächst Fußballer werden, was er wegen einer Beinverletzung mit vierzehn vergessen konnte. Also verlagerte er seine schauspielerischen Fähigkeiten auf die Bühne des ­spanischen Nationaltheaters in Madrid – in ­Stücken von Brecht, Marlowe und Shakespeare.

Flagge zeigen! Für die Leinwand entdeckt wurde Banderas vom spanischen Kult-Regisseur Pedro Almodóvar, mit dem er insgesamt fünf Filme drehte. Gleich beim ersten, „Labyrinth der Leidenschaften“, verpasste er sich, mit einem politischen Hintergedanken, den Namen, unter dem er heute zur A-Kategorie Hollywoods zählt. Er hängte an Bandera („Flagge“) ein s an und machte „Flaggen“ daraus. Als Würdigung neben der spanischen Nationalflagge auch an das Baskenland, an Katalonien und Andalusien.

Benzinbrud er

Fünf Motorräder besitzt der Star – und seit heuer auch einen eigenen Rennstall, mit dem er in der neuen Moto2Klasse in Qatar erstmals an den Start ging. Sein Team möchte er in den nächsten zwei Jahren ­etablieren. „Dann können wir als nächsten Schritt vielleicht in die MotoGP.“ Außer einer Pole-Position in Le Mans hat sich der große Erfolg bislang noch nicht eingestellt.

„I Not Und erstand “

Den Sprung über den Großen Teich ­wagte Banderas 1991, nachdem er sich mit Almodóvars „Frauen am Rande des ­Nervenzusammenbruchs“ und „Fessle mich“ international einen Namen gemacht hatte. Einziges Handicap: Banderas sprach kein Englisch. Also lernte er seine Dialoge für die „Mambo Kings“ in Lautsprache. „Ich war überrascht, dass man mich engagierte. Aber ich hatte wohl einen so einprägsamen Akzent, dass man dachte, das sei perfekt.“

Miau, miau, mio!

Kaum Kreide essen musste Ban deras, um seiner englischen Sprechrolle als Gestiefelter Kater in „Shrek“ den nötigen Schmelz zu verleihen. Die zu übergewicht igem Garfield-­ Format angewachsene Trickfigu r bekommt jetzt sogar ein eigenes Spin-off. Derw eil kann sich Banderas ja Tipps bei seiner Sch wiegermutter Tippi Hedren (Hitchcocks „Die Vögel“) holen. Immerhin hört eine ihrer insgesam t fünf Zimmertiger auf seinen Nam en.

Text: Uschi Korda; Illustration: Lie-Ins and Tigers

Im Bett mit Ma don na

eras als Der Aufstieg in die Star-Liga gelang Band hia“ Tom Hanks’ schwuler Freund in „Philadelp der te festig r Love Latin als Ruf n (1993). Seine später an Andrew-Lloyd-Webber-Fan drei Jahre er ­sogar der Seite von Madonna in „Evita“, wo schon bei selbst singt. Die Queen of Pop soll sich nna“ Mado with Bed „In bei itt Banderas’ Auftr t das (1991) in ihn verknallt haben. „Sie e­ rzähl mir es „hat or“, „Mirr zum eras gern“, so Band iert ist aber noch nie selbst gesagt. Und pass nteil, nichts zwischen uns – niemals!“ Im Gege im Haus selbst bei einer Privatparty dieses Jahr De Niro der Sängerin habe er nur mit Robert lt. und Mick Jagger auf Congas getromme

Lovestory

„Ich bewunderte Melanie, lange bevor ich sie liebte“, sagt Banderas, der Melanie Griffith zum ersten Mal 1986 im Film „Gefährliche Freundin“ sah. Seit 1996 führen die beiden eine nahezu skandalfreie Ehe, Tochter Stella del Carmen ist fast vierzehn. Lediglich Griffith’ Kampf gegen die Sucht und ihr Hang zu Beauty-OPs sorgen für Schlagzeilen. „Zum Wohl unserer Ehe habe ich ihr den Kontakt zu Schönheitschirurgen jetzt verboten“, so Banderas. Und als Griffith letztes Jahr freiwillig eine Drogenklinik aufsuchte, wurde er nicht müde zu betonen: „Ich halte zu ihr und bin sehr stolz auf sie.“

All That Jazz Give me a „Z“

Auch zwischen Catherine Zeta-Jones und Banderas sprühten die Funken – allerdings nur in „Die Maske des Zorro“ 1998. Nach einem weiteren ZorroFilm 2005 wird Banderas mit der schönen Waliserin demnächst als Salvador Dalí zum dritten Mal vor der Kamera stehen. Deren Ehemann Michael Douglas durfte der Leinwand-Konkurrent vor kurzem im Actionthriller „Haywire“ (Regie: Steven Soderbergh) aus nächster Nähe beschnuppern.

Für „You Will Meet a Tall Dark Stranger“ drehte Banderas erstmals mit Woody Allen. „Mit 25 trug ich ein T-Shirt mit einem Foto von ihm“, so Ban­ deras. „Es war kurios, plötzlich mit diesem Typen, der dieselbe Brille und denselben Hut trägt wie damals, am Set zu stehen.“ Allen selbst fand Banderas gar nicht anstrengend. „Wir haben uns gut unterhalten. Du musst ihn nur auf Jazz bringen, und er kommt vom Hundertsten ins Tausendste.“ Filmstart „You Will Meet a Tall Dark Stranger“: 22. September 2010

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b u l l e va r d

Trio infernal

Der Sieg von Levi Sherwood in London macht das Finale der Red Bull X-Fighters World Tour zum heißen Dreikampf.

„The Wingman meets Red Bull X-Fighters“: 10. Oktober bei Red Bull TV; redbullxfighters.com

Überraschung!

Culcha Candela reisen im Red Bull Brandwagen durch Österreich, um an geheimen Locations Konzerte zu geben.

„38 Grad heiß, überall fließt der Schweiß, ich sterbe gleich. Meine Haut ist verbrannt, ich bin trotzdem entspannt und chill am Strand.“ So klingt die heiße Jahreszeit, wenn Culcha Candela sie besingen. „Somma im Kiez“ heißt die neue Single der Berliner Dancehall-Gruppe. Und passend zur Wetterlage hat sie prompt in den Top Twenty eingeschlagen. Noch höher, 18

auf Platz eins der Charts, kletterte vor drei Jahren der erste Hit des MultikultiKollektivs, „Hamma!“. Genau, auch mit „a“ statt „er“. Das hat mit den lockeren Zungen der Band zu tun, zwei Buchstaben sind e­ iner zu viel, gerade wenn man rappt. Und das tun Culcha Candela gleich in vier Sprachen: Englisch, Deutsch, ­Spanisch und Patois. Egal ob Hip-Hop oder Dancehall – Culcha Candelas Sound klingt stets so erfrischend wie ein Sommer-Cocktail. Im September reist die Band durch ­Österreich. Die Mission lautet: Konzerte an ungewöhnlichen Locations spielen, dank des integrierten Soundsystems am Red Bull Brandwagen kein Problem. Der Eintritt ist frei, unterstützt werden Culcha Candela von lokalen Newcomern. Tickets und Informationen zu den Geheim-Gigs gibt’s demnächst auf Ö3 und der Red BullFanpage auf Facebook. See you there! Red Bull Brandwagen und Ö3 auf GeheimkonzertTour: 22. 9. Bregenz, 24. 9. Salzburg, 25. 9. Wien, 26. 9. Graz

Doppel­ packung Zwei steirische Brüder ­schicken sich an, die Golfwelt aufzumischen. Noch ist der Ältere der Bessere: Matthias Schwab, 15, für die Amateur-WM in Argentinien qualifiziert und nach seinem Erfolg bei den Internationalen Österreichischen Amateurmeisterschaften 2010 jüngster Sieger dieses Turniers. Doch Johannes, 14, wartet schon. Wie sein Bruder führt er die österreichische Rangliste seiner Altersklasse an, wie jener war er 2010 Dritter der „British Boys“, eines der bestbesetzten Turniere im Mutterland des Golfs. Wo ein rauer Wind bläst und Golfnachwuchs zahllos ist, liegt auch das Geheimnis des Erfolgs. Es heißt Konsequenz. Matthias und Johannes haben mit vier bzw. fünf Jahren mit Golf begonnen, viel in den USA und Großbritannien turniert, nie die Konkurrenz gescheut. Gecoacht werden die beiden von Willi Hofmann, Trainer von Deutschlands VorzeigeProfi Bernhard Langer: zwei weitere konsequente Herrschaften. Für gemeinsame Runden im Heimatclub Schladming bleibt wenig Zeit: zu viele Turnierstarts. Auch die Hobbys trennen Johannes – von Motocross bis Skifahren – und Matthias, der fast nur am Schwung tüftelt. Die Ziele sind jedoch dieselben: Olympische Spiele 2016, dann auf die US PGA Tour. Und das natürlich im Doppelpack.

bilder: Christopher Lane/Red Bull Photofiles, Jörg Mitter/Red Bull Photofiles, Olaf Heine

Levi Sherwood: Nur er gewann 2010 zwei Red Bull X-Fighters-Bewerbe.

Während der Qualifikation war der Parcours vor der Londoner Battersea Power Station trocken, dann machte Regen speziell den Anlauf gefährlich glatt: Also entschied die Jury, die Ergebnisse der Qualifikation als Gesamtergebnis zu werten. Damit holte sich Levi Sherwood 2010 seinen zweiten Sieg, und das vor 30.000 begeisterten Fans. Vor dem Finale am 2. Oktober in Rom führt nun Andrè Villa (NOR) in der Gesamtwertung mit 310 Punkten vor Titelverteidiger Nate Adams (USA, 305), doch auch Sherwood (290) hat sehr gute Karten: Mit einem Sieg und den dafür vergebenen 100 Punkten würde der Neuseeländer die World Tour für sich entscheiden, und das drei Wochen vor seinem 19. Geburtstag. Levi: „Irre. Ich werde in Rom alles tun, um Andrè noch von der Spitze zu verdrängen.“


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B u l l e va r d

EINST UND JETZT

Fotoapparate

Leica Compur ca. 1930 Die Geschichte handlicher Fotoapparate ­begann mit der später so bezeichneten ­„Ur-Leica“. Der Deutsche Oskar Barnack, Entwicklungschef der Firma Leitz, baute sie 1914 als erste Kleinbildkamera für seine Wanderausflüge. Ab 1925 wurde diese Kamera in Serie produziert, als Leica I. Zwei Jahre später brachte Leitz das Modell Compur auf 20

den Markt. Vom Gehäuse her war es mit der Leica I identisch, beide verwendeten auch das gleiche Elmar-Objektiv (50 mm Brennweite, Lichtstärke 3,5). Als wesentlichen ­Unterschied besaß die Compur statt eines Schlitzverschlusses einen Zentralverschluss: Dieser ermöglichte zusätzlich zu kurzen ­Belichtungszeiten bis zu 1/300 Sekunde

auch lange Belichtungszeiten von 1/20 bis zu einer Sekunde. Das brachte speziell bei Schlechtwetter eine höhere Bildqualität, was die Kamera auch für Foto-Profis interessant machte. Henri Cartier-Bresson, legendärer französischer Fotograf, erwarb seine erste Leica 1932, sie war für ihn „ein Skizzenblock, schnell, diskret, nicht größer als die Hand“.

text: robert sperl; Bilder: Kurt Keinrath; mit freundlicher Unterstützung von leicashop.com

Action-Fotografie ist hinter mannshohen Kamera-Ungetümen ja nicht ganz so gut vorstellbar. Aus Red Bull Illume-gegebenem Anlass daher ein Blick auf die Evolution der handlichen Kamera.


LEICA M9 2010 Einfach in der Bedienung, leise im Betrieb, klein und robust (das Metallgehäuse wird von Hand gefertigt), beste Bildqualität: Auch das digitale Leica-Topmodell M9 im KleinbildVollformat hat viele Vorzüge seiner Vorfahren behalten. Der CCD-Sensor der 18-Megapixel-Kamera wurde von Kodak speziell für die M9 entwickelt; Fachleute bezeichnen ihn

als einen der besten in der Fotowelt. Voll­ format entspricht exakt dem früheren Kleinbildformat (24 mm × 36 mm), womit es zu keiner unangenehmen Verlängerung der Brennweite kommt. Das Fokussieren erfolgt mit Hilfe eines optischen Messsuchers: Zum Scharfstellen müssen im Sucher zwei Bilder deckungsgleich

übereinander platziert werden. Ein Leuchtrahmen zeigt, abhängig vom verwendeten Objektiv, den passenden Bildausschnitt an. Gespeichert werden die Bilder auf einer SD‑HC-Card im JPG- und DNG-RAW-Format. Typisch Leica: Fast alle seit 1954 erzeugten Objektive sind mit der M9 kompatibel. www.leica-camera.com

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b u l l e va r d

Mein Körper und ich

Brian Vickers

Der Red Bull Racing-Driver lebte bislang ausschließlich für den Rennsport. Uns hat er erzählt, wie es ist, wenn man plötzlich wegen einer Bluterkrankung bei den NASCAR-Series pausieren muss. Nicht ohne mein Bike!

Die Sache mit den Blutgerinnseln in Bein und Lunge hat mir wirklich sehr zugesetzt. Es war hart für mich, plötzlich keine Rennen mehr zu fahren. Aber es ist, wie es ist – so etwas passiert nicht ohne Grund. Ich versuche mich zu beschäftigen und etwas aus dieser wieErfahrung zu lernen – aber natürlich bin ich schon der ganz kribbelig auf ein Rennen.

Energie tanken

Über die Jahre habe ich mir einen Ernährungsplan erarbeitet. An Renntagen starte ich mit einem herzhaften Frühstück samt Rühreiern wegen der Proteine. Zu Mittag gibt es noch einmal Proteine plus Kohlehydrate und ein bisschen Zucker für den Kick – also zum Beispiel Hühnchen mit Nudelsalat und auf jeden Fall Süßkartoffeln, weil sie ausgezeichnete Energiespender sind. Ich hatte früher schon einmal Ernährungsberater und werde jetzt wieder einen konsultieren, weil die Blutverdünnungsmittel Konsequenzen auf meine Ernährung haben.

Yoga – ein e Her aus forderung!

Die beste Vorbereitung für mich ist ­Bikram-Yoga. Wir brauchen natürlich zu ­physische Kraft, um unsere Rennautos en müss Linie r erste in aber beherrschen, habe wir mit der Hitze zurechtkommen. Ich gemacht, bis lustig s Pilate und Yoga über r mich imme Bikrameinen ihr mit hat, mich eine Freundin überredet inten­ es inütig zigm neun Ein . chen besu Yoga-Kurs zu eine ist 40 °C bei m sives Workout in einem Dampfrau n. enne AR-R NASC die für ung ereit Vorb phantastische nicht echt ist en rharr Und: In diesen Yoga-Posen zu ve einfach!

Frischluftfanatiker Im Gym arbeite ich mit Gewichten, dazu gibt es Ausdauertraining, was mich aber wahnsinnig macht. Es ist einfach langweilig, auf einem Rad zu sitzen und nirgendwo anzukommen. Darum nutze ich jede Gelegenheit, um im Freien zu ­trainieren. Wenn ich nicht auf meinem Rennrad oder Mountainbike sitze, gehe ich schwimmen, surfen oder klettern, kajaken, wandern … was die Gegend halt so hergibt. Wenn ich zur richtigen Zeit im Westen der USA bin, mache ich Wintersport in den Rockies. In der Früh querfeldein langlaufen ist ein wunderbares Workout, am Nachmittag gibt es dann entspannte Pisten­ abfahrten oder Snowboarden.

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Ruhe fürs rennen Meditation ist gut für den inneren Frieden und macht dich ruhiger. Ich leide unter einem leichten Hyperaktivitätssyndrom, und dagegen wirkt Meditieren enorm. Es ist jedoch nichts, was mir jetzt direkt auf der Rennstrecke helfen würde, sondern eher etwas für das tägliche ­Leben. Allerdings kann ich mich ­dadurch mittlerweile beim Rennen besser konzentrieren und problemlos abschalten.

Abschalten und wegknipsen

Ein Rennwagen ist für mich ein bequemes, sehr entspanntes Umfeld. Bei roter Fahne und zwischen den Renn-Sessions döse ich leicht weg. Trotz der riesigen ­Zuschauermengen bemerke ich die Fans in der Vorbereitungsphase und während des Rennens gar nicht. Davor und danach haben sie aber einen starken positiven Einfluss, der mich in die richtige Stimmung versetzt – trotzdem würde ich manchmal gerne alles wegknipsen.

Wass erlass

en Vor einem Rennen müsse n wir Unmengen trinken, weil es, wie gesagt , im Auto sehr heiß wird. Die Flüssigkeit szufuhr muss man bereits 48 oder gar 72 Stunden vorher ankurbeln, je nachde m, wie lange das Rennen dauert. Am Renntag selbst halte ich mich an Ele ktrolyt- und Sportdrinks oder einfach Wasser. Es hängt dann von der Außent emperatur ab, wann ich zu trinken aufhör e – die kann ja 4 oder 44 Grad betragen, in Kalifornien hatte es einmal sogar 47 °C. Ist es kalt, trinke ich drei Stunden vor dem Start nichts mehr, bei großer Hitze 30 Minute n vorher – ich möchte ja nicht dauern d mit einer vollen Blase herum sitzen. Mehr über Brian Vickers unter www.brianvickers.com

Text: Matt Youson; Bild: Thomas Hoeffgen

Nac hdenkpause

Ich lebe derzeit in Fort Lauderdale (Florida), und wann immer ich daheim bin, schnappe ich mir mein Rad, fahre zum Meer und schwimme ein paar Kilometer. Urlaub mache ich gerne in New York City, wo ich mich mit meinem SinglespeedBike fortbewege. Für längere Touren außerhalb der Stadt und nach New Jersey nehme ich mein Rennrad. Grundsätzlich radle ich überall, wo ich hinreise.


EUROPEAN TROPHY FINALS

Kurz & dennoch einzigartig

Bilder: Christian Pondella/Red Bull Photofiles, FIVB, J.R. Kenworthy; Illustration: Dietmar Kainrath

Viel Applaus für zwei junge Damen und ein ballsicheres Traumpaar.

Goldene X Games in L. A.: Ashley Fiolek (Bild) gewann im Super X. Ebenfalls siegreich: Travis Pastrana (Moto X Freestyle und Speed & Style), Daniel Dhers (BMX Park), Pedro Barros (Skateboard Park) und Ryan Sheckler (Skateboard Street).

3.–5. SEPTEMBER 2010 Die US-Beachvolleyballer Todd Rogers/ Phil Dalhausser holten in Stare Jabłonki (POL) ihren vierten Grand-Slam-Sieg 2010 und damit vorzeitig den Tour-Gesamtsieg.

Carissa Moore (USA) setzte sich bei den US Open of Surfing in Huntington Beach (CA), dem höchstdotierten Contest in der Geschichte, im Finale gegen Sally Fitz­ gibbons (AUS) durch.

SALZBURG & ZELL AM SEE

WWW.REDBULLSSALUTE.COM


Formelsammlung

jetzt kann es weh tun

Nicht allein Tempo kann im Sport blaue Flecken verursachen. Es kommt immer auch darauf an, welche Art von Bällen die Athleten einander zuwerfen, sagt unser Physiker.* 24

Cricket ist ein Mannschaftssport. Die Essenz dieses Spiels ist dennoch ein Zweikampf, jener zwischen Bowler (Werfer) und Batsman (Schlagmann). Hier im Bild zu sehen sind allerdings Batsman und Wicket-Keeper (soll vom Batsman verfehlte Bälle fangen). Sofort ins Auge springt die Schutzkleidung: Handschuhe, Helm, Beinschutz und – unsichtbar, aber wichtig – ein Suspensorium. Warum? Auch Tennisbälle fliegen schnell, aber die Spieler sind „ungepanzert“! Liegt es am Balltempo? Sosehr sich Bowler beim Wurf verrenken mögen: Der Ball kann, wie bei allen Würfen, nur Handgeschwindigkeit erreichen. Die besten Bowler erzielen immerhin bis zu 140 km/h (39 m/s). Der Tennisaufschlag ist ein Stoß. Dabei haut man, salopp ­gesagt, mit einem Gegenstand auf einen anderen. Ist das zweite

bild: Getty/Gallo Images

b u l l e va r d


illustration: mandy fischer

Gut geschützt: Batsman Jean-Paul Duminy (Südafrika) und WicketKeeper Kamran Akmal (Pakistan).

Objekt leichter, kann dessen Geschwindigkeit wesentlich höher werden als die des ersten. Bälle beim Tennisaufschlag können deshalb bis zu 250 km/h (69 m/s) erreichen. Ginge es also nur ums Tempo, bräuchten auch Tennisspieler ein Suspensorium. Ein weiterer Aspekt ist der Impuls (p). Er berechnet sich aus Masse (m) mal Geschwindigkeit (v) und gibt die Wucht des Aufpralls an. Ein Cricketball hat eine Masse von rund 160 g, ein Tennisball von 57 g. Für einen Cricketball ergibt das einen Maximalimpuls von 6,2 kgm/s, für einen Tennisball von nur 4 kgm/s. Die Wucht eines Cricketballs kann also rund 55 % größer werden. Was weh tut, ist weniger der Impuls, sondern die beim Aufprall entstehende Kraft (F). Der Zusammenhang: Kraft ist Impulsänderung pro Zeit, also F = ∆p/∆t oder, umgeformt, F∆t = ∆p.

Prallt der Ball auf, entsteht eine abbremsende Kraft, die einen Gegenimpuls erzeugt. Dieser zehrt den Ballimpuls quasi auf, bis der Ball maximal eingedrückt ist und zum Stillstand kommt. Um die beim Aufprall entstehenden Kräfte abzuschätzen, nehme ich vereinfacht an, dass die Bälle auf ein hartes Hindernis treffen und sich die Kraft linear mit der Ballverformung erhöht. Ein Cricketball ist härter, der Verformungsvorgang kürzer, die entstehende Kraft dadurch wesentlich höher. Eine Simulation ergibt, dass beim Tennisball etwa 1700 Newton entstehen, beim Cricketball jedoch 9000 Newton, mehr als das Fünffache! Autsch! * Mag. DDr. Martin Apolin, 45, promovierter Physiker und Sportwissenschafter, ­arbeitet als AHS-Lehrer (Physik, Sportkunde) und Lektor an der Fakultät für Physik in Wien und ist mehrfacher Buchautor.

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B u l l e va r d

Zahlen des Monats

Was als freundschaftliches transatlantisches Golfmatch begann, wurde ein leidenschaftlich geführter und heiß diskutierter sportlicher Vergleichskampf. Mitunter müssen auch Schläger dran glauben.

war das Handicap von Samuel Ryder, als er 1909 dem Verulam Golf Club in St. Albans, England, beitrat. Der Samenhändler Ryder, damals 51, hatte ein Jahr zuvor mit Golf begonnen, auf Empfehlung seiner Ärzte. 1911 war der Engländer bereits Captain seines Clubs und schwer in Golf verliebt. Er unterstützte Turniere, und 1926, nachdem er in Wentworth ein Freundschaftsspiel zwischen Großbritannien und den USA gesehen hatte, schlug er ein angemessenes Match vor. Er stiftete einen Goldpokal, und der erste Ryder Cup wurde im Worcester Country Club in Massachusetts gespielt, am 3./4. Juni 1927. Die USA gewannen 9½:2½.

68

Von bislang gespielten 37 Ryder Cups gewannen die USA 25 (68 %). Nachdem sie 16 der ersten 19 Treffen gewonnen hatten (ein Remis), wurden ab 1973 auch die Iren im britischen Team zugelassen. Drei Niederlagen später, 1979, trat erstmals ein gesamteuropäisches Team gegen das der USA an. Jetzt endlich herrschte Waffengleichheit: Dank Spielern wie Bernhard Langer (GER) und Seve Ballesteros (SPA) gab es 1985 endlich wieder einen Sieg. Von den letzten zwölf Ryder Cups gewann Europa sieben, einmal gab es ein Remis. Ein zahnloser Tiger half den USA wenig: Woods’ Cup-Bilanz lautet 10-13-2 (gewonnen/verloren/geteilt).

25

Punkte errang der erfolgreichste Ryder-Cup-Spieler, Nick Faldo, dank seiner Bilanz von 23-19-4. Der Engländer spielte auch die meisten Cups (11, 1977–97) und die meisten Matches (46). Zudem war er 2008 Captain von Europa, als dieses im bislang letzten Match in Louisville, Kentucky, verlor: Faldos Betreuung habe, so Kritiker, wesentlich zum Sieg der USA beigetragen. 1993, in glücklicheren Tagen, schoss Faldo an der 14 in The Belfry ein Hole-in-one, eines von sechs der Ryder-Cup-Geschichte.

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45

Fuß (13,7 Meter) war Justin Leonards Putt lang, der 1999 den Ryder Cup im Brookline Country Club in Massachusetts entscheidend beeinflusste. Gleich nachdem der Amerikaner im Single gegen José Maria Olazábal den Ball auf dem 17. Loch versenkt hatte, wurde Leonard von seinen aufs Grün stürmenden Teamkollegen gefeiert. Olazábal hatte keine Chance mehr, ungestört zu putten. Kein Regelbruch, aber eine arge Verletzung des Gentlemen’s Agreement, das Teil des Spiels ist. Es geht glücklicherweise nicht immer so zu wie bei der „Battle of Brook­ line“: Der Ryder Cup ist auch bekannt für Momente hervorragender Sportlichkeit.

12

Löcher spielte Ben Crenshaw (USA) 1987 in seinem Match gegen Eamonn Darcy (IRL) ohne Putter. Der Amerikaner trug seinen Spitznamen „Gentle Ben“ nämlich nicht, weil er sich so unter Kontrolle hatte: Im Match gegen Darcy hatte er den Schaft seines Putters nach Loch 6 voller Zorn zerbrochen, gerade als er 2down gegangen war. Die Regeln verboten ein Ersetzen, also puttete Crenshaw in weiterer Folge mit seinem Eisen 1, dem Sandwedge und auf der 18 mit dem Eisen 3. Auf der 18 versenkte Darcy übrigens einen 1,5-Meter-Putt zum 1auf-Sieg gegen Crenshaw.

135.000

Zuschauer werden an den drei Tagen des Ryder Cup 2010 erwartet: Gespielt wird im Celtic Manor Resort in Wales. Die Fans spielen eine wesentliche Rolle in der Inszenierung. Europas Golfer beschweren sich stets über die ausgelassenen Amerikaner, weshalb dem US-Team bei Auswärtsspielen immer größere Feindseligkeit entgegenschlägt. Sollten Sie ein Ticket für das Match haben: Ein Übersetzungsservice im Internet erklärt, wie man „Schieß in den Wald!“ auf Walisisch ruft. (Falls Sie linientreu jubeln wollen.) Ryder Cup 2010: 1.–3. Oktober, Celtic Manor Resort, Newport/Wales; www.rydercup.com

text: paul wilson; bilder: Action Images (2), Bettmann/CORBIS, Getty Images (3), PA

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Ryder Cup


kunde

Ăœber welche Schwellungen Lady Gaga lieber schweigt, lesen Sie im Seitenblicke Magazin. Jeden Donnerstag neu. Riskieren Sie einen Seitenblick.

www.seitenblicke.at


Die NASCAR Rennen bei ServusTV.

NASCAR Sprint Cup Series 2010 Jeden Montag, 22:45 Uhr

ServusTV. Das ist Ihr neuer Sender aus der Alpen-Donau-Adria-Region. Mit einem Programmangebot, das es in dieser Form auf diesem Niveau noch nicht gegeben hat. Ein Beispiel aus dem Bereich Motorsport: Die Übertragung der NASCAR Rennen aus den USA. Weitere Schwerpunkte sind Sendungen, die die alte Heimat in einem neuen Licht zeigen, sowie die Talk-Sendungen live aus dem Hangar-7, unsere wöchentlichen Diskussionsrunden mit hochkarätigen Gästen zu aktuellen Themen. Besonders hervorzuheben: Beiträge aus der internationalen Musik-, Kunst- und Kulturszene sowie Magazine zu den Themen Kulinarik, Architektur, Design, Wissen, Reisen und Lifestyle. Überzeugen Sie sich selbst, via Kabel, DVB-T oder Satellit. Weitere Informationen zu unserem abwechslungsreichen Programm und alle Fakten zu ServusTV erhalten Sie über unsere kostenfreie Hotline: 0800 100 30 70 oder unter www.servustv.com.

Wir wünschen Ihnen bessere Unterhaltung.


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Heroes Helden und ihre Taten: Wer uns diesen Monat bewegt. 30 Awolnation 32 Pierre Pagé 36 Makode Linde 38 Anna Stöhr und Kilian Fischhuber

Heroes SEITE 32 Heroe_1 34 Heroe_2 40 Heroe_3 44 Heroe_4

Credit

bild: thomas karlsson

Helden und ihre Taten: Wer uns diesen Monat bewegt.

„Ich kaufe nie Platten, lade meine Musik im Internet runter!“ Warum der schwedische Künstler Makode Linde trotzdem in einem Stock­ holmer Plattenladen steht? Weil er neugierig ist, ob es noch Scheiben seines Vaters Hasan Bar gibt, der in der Post-Hippie-Ära hier eine große Nummer war. Es gab übrigens ­welche, g ­ ekauft haben wir nicht.


Heroes

Awolnation hat Madonna nie getroffen, obwohl sie ihm den ­ersten Plattenvertrag verschaffte. Egal. Denn heute teilt er sich die Bühne mit den Größten des Indie-Rock. Text: Florian Obkircher, Bild: Mark Glassner

Die letzten zwei Wochen im Leben von awol waren aufregend, aufregender als die gesamte Kar­riere vieler Musikerkollegen. Mit seinen Jugendidolen Weezer hat er eine Open-Air-Show in Brookyln gespielt. Vor ihm ein Meer an Menschen, hinter ihm die Skyline von Manhattan. Bei der VIP-Präsentation von M.I.A.s neuem Album war er als DJ engagiert. Er hat ein ausverkauftes Konzert in seiner Heimatstadt Los Angeles gegeben, seine Europa-Premiere in London absolviert und sich in Chicago die Bühne mit MGMT geteilt, der momentan hipsten Indie-Band der Welt. Dazwischen liegen Flughäfen, Hotelzimmer und e­ tliche Interviews. Stressig, sagt awol. Doch für ihn ist es der schönste Stress der Welt. Vor gerade einmal zwei Jahren hat der Kalifornier sein Soloprojekt awolnation gestartet. Ein Befreiungsschlag für den Sänger. Endlich keine Kompromisse mehr, endlich den eigenen Weg gehen. „In den beiden Bands davor gab’s oft endlose Diskussionen: Das geht so nicht, jenes können wir so nicht machen. Diese Handschellen habe ich nun abgelegt. awol­ nation ist zu hundert Prozent meine Vision.“ Die zwei Bands davor hießen Home Town Hero und Under the Influence of Giants. Beide erfolgreich, beide hatten Verträge mit großen Plattenfirmen, erstere sogar mit Maverick Records, dem Label von Madonna. „Nein, ich habe sie leider nie persönlich getroffen“, sagt awol. „Dabei hatte es uns der Typ bei der Vertragsunterzeichnung eigentlich versprochen.“ Der ganz große Durchbruch aber blieb aus. Vor zwei Jahren stand awol dann vor der Entscheidung: ­Weiter Musik machen? Oder doch besser Anwalt werden? „Gut, dafür wär’s vermutlich zu spät gewesen“, sagt er lächelnd. „Gerade in dieser Zeit habe ich dann aber die besten Songs meines Lebens geschrieben.“ Songs, die sich nun auf awolnations Debütplatte „Back from Earth“ wiederfinden. Und der Zorn, der Zweifel, die awol in dieser Umbruchszeit verspürt hat, sind nicht zu überhören. „If you need a little hit in your face, then that’s what I’m here for“, krächzt er im energetischen Opener „Burn It Down“, einer elek30

tronischen Rock-Hymne, die dich anschreit: Steh auf, lass es raus! „Genau darum geht es doch im Leben: Lass deinen Gefühlen freien Lauf! Egal ob Euphorie oder Wut, egal ob im Job oder in der Liebe.“ Die ­weiteren Songs auf „Back from Earth“ belegen awol­ nations musikalische Bandbreite. Auf „Guilty Filthy Soul“ zeigt er sich von seiner souligen Seite, „Sail“ klingt mit seinen brummenden Synthesizern wie Bluesrock vom Mars. Der rote Faden? Raue, unge­ zügelte Energie. awolnations Debüt ist ein emotionales Pulverfass, das jeden Moment hochzugehen droht, Rockmusik aus Starkstrom. Dabei ist awol abseits der Bühne ein sehr entspannter Typ. Im Interview ist er ruhig, antwortet überlegt. Er liebt das Surfen, das Meer, die kalifornischen Strände – und mimt auf Privatpartys gern den Freestyle-Rapper. Seine Partygewohnheiten haben ihm auch seinen Spitz- und heutigen Bandnamen eingebracht. „Ich mach mich oft aus dem Staub, ohne mich zu verabschieden. Deshalb war ich irgendwann awol: Absence Without Official Leave“, sagt er. Musikalisch haben awol vor allem drei Menschen geprägt. Zuallererst sein Vater, der ihm schon mit acht Jahren „La Bamba“ auf der Gitarre beigebracht hat. Dann Kurt Cobain, dessen Band Nirvana ihn zum Songschreiben ermutigt hat. Und dann Jeff Buckley: Bei dessen Songwriter-Meisterwerk „Grace“ habe er erkannt, dass es nicht peinlich sein muss, als Mann hoch zu singen. „In meiner Highschool-Band habe ich mehr geschrien als gesungen. Weil ich Angst hatte, zu viel von mir zu zeigen, speziell vor Mädchen. Was zur Folge hatte, dass wir bald nur noch vor betrun­ kenen Typen gespielt haben“, sagt er und zeigt seine Tätowierung am Oberarm. „Grace“ steht da, in flammenden Lettern. Angesichts des raketenhaften Aufstiegs der Band würde es nicht verwundern, wenn in einigen Jahren Jungmusiker awolnation am Arm stehen hätten. Seine Musik geht unter die Haut. So oder so. Videos, Soundproben und die iPhone-Application von Awolnation gibt’s auf www.redbullrecords.com

Künstlername AWOLNATION Geburtsort Westlake Village, ­Kalifornien, USA Wohnort Thousand Oaks, eine Kleinstadt, 50 Kilo­ meter nördlich von Los Angeles gelegen Beruf Musiker Platten Die Debüt-EP „Back from Earth“ (Red Bull Records) ist seit Mai digital erhältlich. Web awolnationmusic.com


Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Ein Kalifornier am Wolfgangsee.

AWOLNATION liebt das Wasser. Egal ob Bergsee oder das Meer in Kalifor­ nien. „Was mich am Touren stört? Dass ich dabei nicht zum Surfen komme“, sagt er. „Und im Flugzeug auf dem Mittelplatz zu sitzen.“


Heroes

PIERRE Pagé

über die Chemie einer Mannschaft, die Zukunft des europäischen Eishockeys und warum Salzburg zwischen Harvard und Bradenton liegt, aber genauso gut in Liechtenstein sein könnte. Text: Bernd Fisa und Werner Jessner, Bild: Udo Titz

Name Pierre Gilbert Pagé Geburtsdatum/-ort 30. April 1948, Quebec, Kanada Wohnort Salzburg Stationen als Trainer Dalhousie University Calgary Flames Moncton Golden Flames Minnesota North Stars Quebec Nordiques Anaheim Mighty Ducks HC Ambri-Piotta (SUI) Eisbären Berlin EC Red Bull Salzburg Erfolge Stanley-Cup-Finale 1986 (Calgary Flames); Deutscher Meister 2005, 2006 (Eisbären Berlin); Österreichischer Meister 2008, 2010 (EC Red Bull Salzburg); Sieger Continental Cup 2010 (EC Red Bull Salzburg); Sieger Red Bulls Salute 2009 (EC Red Bull Salzburg) Web www.redbulls.com

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red bulletin: Nehmen Sie Hockey zu ernst? pierre pagé: Ich verspreche, dass ich auf der Bank keinen Herzinfarkt kriegen werde. Der Druck verteilt sich auf 22 Spieler, acht Trainer und zehn Betreuer: Das sind 40 Menschen. Wenn wir verlieren, ist es nicht ­allein mein Fehler – es ist der Fehler aller 40. Genau darum ist es die Aufgabe eines Trainers, Menschen zu holen, die stärker sind als er. Solche, die Verantwor­ tung übernehmen. Du kannst mit Mitläufern nicht er­ folgreich sein – im Sport, in der Firma, im Leben. Drei Menschen mit derselben Meinung sind zwei zu viel. Wie findet man Führungsspieler? Als Trainer musst du die Zukunft voraussagen. Du siehst einen Jungen nicht als Siebzehnjährigen, son­ dern als Zwanzigjährigen, der er einmal sein könnte. Gute Spieler hinterlassen ihre Spuren in der Statistik, man findet sie am Computer. Wir halten uns an das Buch „Moneyball“ von Michael Lewis. Es geht darin um Baseball, um die Oakland A’s: Spieler, die etwas schaf­ fen können. Oakland ist mit 24 Titeln eines der erfolg­ reichsten Teams in der Liga-Geschichte. Dabei hatten sie stets eines der kleinsten Budgets. Hat man am ­Papier die Talente gefunden, schaut man sie sich an: Sind sie groß, klein, schwer, leicht, dick, dünn? Oft muss ein Video reichen. Darum brauchst du Scouts, auf die du dich verlassen kannst. Wie viele Scouts arbeiten für die Red Bulls? In meiner Zeit haben wir von null auf acht gesteigert, aber das ist noch immer nicht viel. Du musst Men­ schen finden, die Menschen finden. Unser Mann in Tschechien scoutet auch für die NHL. In Nordamerika haben wir Leute an den Universitäten. Was unterscheidet gute Spieler von Leadern? Gute Spieler können zwischen richtig und falsch unter­ scheiden, Leader haben zudem die Fähigkeit, andere mitzureißen. Aus der Psychologie wissen wir, dass ein Drittel hinter dem Trainer steht. Das zweite Drittel hasst ihn, das dritte folgt dem Strom. Die Aufgabe des Trainers ist, das wankelmütige Drittel nicht auf die fal­ sche Seite kippen zu lassen. Ist der Trainer mit seinem treuen Drittel allein, steht er auf verlorenem Posten.

Eine Erfahrung bei den Eisbären Berlin? Nein, als Trainer am College. In meinen ersten dreißig Trainerjahren habe ich entwickelt. Erst mit 52 Jahren habe ich auch zu gewinnen begonnen. Mir schien die Entwicklung der Mannschaft wichtiger. Heute weiß ich, dass ein guter Trainer alle drei Teile beherrschen muss: Entwicklung, Entertainment, Sieg. Entertainment ist neu. Bis jetzt lautete Ihre ­Philosophie doch bloß „Develop and win“. Wir müssen den Menschen einen Grund geben, zu uns zu gehen und nicht zu Fußball oder Cagefighting. Früher war ich zu feig, Entertainment so klar als Teil der Philosophie zu deklarieren. Seit Jahren denke ich darüber nach, mit fünf Spielern ohne fixe Position zu spielen. Aber ich habe mich nie getraut, die Mann­ schaft war nicht gut genug, ich hatte nicht die rich­ tigen Spieler. 2009 haben wir beschlossen, es einfach zu probieren. Ich hatte keine Ahnung, ob es funktio­ niert, die Spieler hatten keine Ahnung. Dann kam Paul MacLean, der als Assistenzcoach der Detroit Red Wings zwei Stanley Cups geholt hat, in Salzburg vor­ bei. Gemeinsam haben wir den Spielern das System erklärt, und wir haben – ausgehend von den Red Wings – unser System erarbeitet, mit Einflüssen von den Pittsburgh Penguins, den Montreal Canadiens und der Red Army. Die letzte Zutat holten wir uns aus Schweden von Hardy Nilssons Torpedo-Hockey. Wie finden Sie die aktuelle Entwicklung in der NHL? Philadelphia hat es mit sehr körperbetontem Hockey bis ins Stanley-Cup-Finale geschafft. Philly, aber auch Montreal konnten nur so weit kom­ men, weil die NHL ihre eigenen Regeln nicht exekutiert hat. Keine Spur von Speed and Skill! Philadelphia hat bessere Teams regelrecht aus dem Rink geprügelt. Die stärkeren Teams mit dem schmutzigen Hockey haben über das schnellere, schönere Hockey gesiegt. Bin ich ein Purist? Vielleicht. Es ist gut fürs Hockey, dass die Chicago Blackhawks den Stanley Cup geholt haben. Schönes Hockey steht für Sie über erfolgreichem? Das kann man nicht trennen: Siegen ist Teil des Lern­ prozesses. Wie heißt es so schön: Wenn du reich wer­


Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Der ServusTV-Teaser für die „Sunday Hockey Night“.

Nicht nur Pokalen hinterher: Salzburgs Meistertrainer Pierre Pagé ist privat eine kunstsinnige und philosophische Persönlichkeit.


Heroes

den willst, vergiss das Geld. Wenn ich den Spielern beibringen will, jede Position zu spielen, darf ich nicht bloß auf das Resultat schielen. José Mourinho mag der erfolgreichste Coach im Fußball sein, aber er ist nicht der beste. Der beste Coach entwickelt den Sport weiter und hinterlässt etwas. Die L. A. Lakers mit „Magic“ Johnson: Das war Showtime. Vorher war ich kein Bas­ ketballfan. Dieses Team hat mich zu einem gemacht. Darum der radikale Umbau in Salzburg? Wenn du verändern willst, tu es am Anfang. Revolten wird es sowieso geben, also mach es gründlich. Nach zwei Wochen in Salzburg wollten mich die Ersten los­ werden, weil ich zu schnell zu viel verändert habe. Die nächste Krise kam nach vier Wochen, dann nach sechs, dann zu Beginn der Playoffs. Im ersten Jahr darfst du nicht renovieren, du musst abreißen. In Berlin war das leicht: Die Mannschaft lag am Boden. Wir konnten gar nichts falsch machen. Im ersten Jahr haben wir zwölf Spieler ausgetauscht. Nur wenn du im ersten Jahr veränderst, hast du im dritten Jahr die Chance, regelmäßig zu gewinnen. Leider werden Trainer im Eishockey im Schnitt alle 1,7 Jahre gefeu­ ert. „Scotty“ Bowman, der erfolgreichste Hockeytrai­ ner der Geschichte, hat in Detroit in neun Jahren drei Titel geholt – und er hatte unlimitiertes Budget. Geld allein garantiert freilich noch gar nichts. Es ist wie in der Wirtschaft: Wenn du in etwas investierst, in das schon andere investiert haben, bist du zu spät dran. Nun hatten Sie das, nennen wir es: Glück, schon in Ihrem ersten Jahr in Salzburg Meister zu werden, das Jahr darauf Vizemeister, im dritten Jahr haben Sie alles gewonnen, was zu gewinnen war. Wo bleiben die langfristigen Perspektiven? Wir wollen Weltklassespieler produzieren, Leistungs­ träger in allen Ligen und in Nationalteams. Ist das denn in Österreich realistisch? Selbstverständlich. Weil wir uns nicht als österreichi­ sches, sondern als internationales Team in Österreich begreifen. Unser System würde auch in Liechtenstein funktionieren. Die Nick-Bollettieri-Tennisakademie ist in Bradenton, Florida, daheim. Dieses Nest findest du kaum auf der Landkarte, trotzdem hat es Agassi und Sampras hervorgebracht. Wir machen alles, was man in Schweden, Villach oder Hamburg machen könnte – nur besser. Das Red Bull Hockey Model ist eine b ­ essere und hoffentlich erfolgreichere Art, Hockey zu spielen, zu leben und zu trainieren. Wir sind das Harvard des Eishockeys. Bei der diesjährigen WM hat Dänemark brilliert und die arrivierten Nationen mehr als nur geärgert. Kann man das auf andere Länder übertragen? Dänemark hat das schwedische System übernommen, schwedische Trainer geholt, 43 Spieler sind bei schwe­ dischen Vereinen unter Vertrag. Die besten Spieler ­Österreichs sollten nicht in der österreichischen Liga spielen – zumindest derzeit. Die einzigen Anreize, die wir ihnen im Moment bieten können, sind Continental Cup, European Trophy und das Red Bulls Salute. In ein paar Jahren sind wir hoffentlich Teil von etwas Gro­ ßem. Die Hockey Champions League wird kommen, und wir werden ein Teil davon sein – hier, in Salzburg. Was hat der Sieg des EC Red Bull Salzburg im ­Continental Cup ausgelöst? 2007 waren die großen sechs im europäischen 34

„Wir wollen Weltklassespieler produzieren, Leistungsträger in ­allen Ligen und in Nationalteams.“

„Idealerweise tauschst du jedes Jahr 25 Prozent der Spieler aus. Dann hast du alle vier Jahre ein neues Team. Wenn du gut bist, zieh weiter. Wir sind ein Sprungbrett.“

­ ockey Russland, Schweden, Finnland, Tschechien, H die Schweiz und Deutschland oder wahlweise die Slowakei. Heute gibt es im europäischen Hockey kei­ ne Entscheidung mehr, bei der Red Bull keine Rolle spielt. Red Bull: Das ist Österreich. Die Premiere der European Trophy ist erst der Anfang. Unsere U18 spielt heuer erstmals in der tschechischen Extraliga den Red Bulls Hockey Rookies Cup aus, wir haben Pläne für alle Altersstufen. Mit unserem System, ­unserem Wissen und den Spezialisten, zu denen wir durch Red Bull Zugang haben, können wir in jeder Liga der Welt ­gewinnen, Voraussetzung: Wir haben drei Jahre Zeit. Das sage ich mit voller Überzeugung. Was macht Sie da so sicher? Gute Klubs in der NHL haben sich in drei Jahren ent­ wickelt, während andere seit 1966/67 stagnieren. Eine gute Organisation erkennst du daran, dass sie die richtigen Leute holt – und sie holen darf. Ich war in Minnesota, bin nach zwei Jahren gegangen – und im dritten Jahr ist diese Mannschaft bis ins StanleyCup-Finale gekommen. Bei den Quebec Nordiques waren wir im dritten Jahr die Nummer vier der NHL, hätten aber eigentlich den Stanley Cup holen müssen. Das hat die Mannschaft – dann schon als Colorado Avalanche – im fünften und siebten Jahr nachgeholt. Salzburg ist im dritten Jahr nach dem Aufstieg unter Hardy Nilsson erstmals Meister geworden. Was kommt nach dem dritten Jahr? Das vierte ist ein gieriges Jahr, wenn du zu viele Spieler behältst. Sie wollen mehr, mehr, mehr. Du musst das Team verändern, um den Hunger zu erhalten. Idealer­ weise tauschst du jedes Jahr 25 Prozent der Spieler aus. Dann hast du alle vier Jahre ein neues Team. Wenn du gut bist, zieh weiter. Wir sind ein Sprungbrett. Sind Strukturen im europäischen Eishockey ­flacher als in der NHL? In Kanada ist es undenkbar, dass ein Spieler oder CoTrainer mit dem Präsidenten spricht. Hier ist das nor­ mal. Informationsflüsse und Entscheidungen sind in Europa schneller und direkter, vor allem in Salzburg. Der Unterschied zwischen internationalen Ansprüchen und dem Alltagsgeschäft ist in Salzburg erdrückend. Die Mannschaft spielt das beste Hockey weit und breit in der schäbigsten, kleinsten Halle der Liga, vom internationalen Vergleich ganz zu schweigen. Sollte man nicht hier ansetzen? Ich bin nur für die Mannschaft zuständig. Aber natür­ lich wäre es wichtig, dass die Politiker erkennen, dass wir Botschafter für Salzburg sind, und uns darin unter­ stützen. Wie ich Red Bull kenne, wird man sich gern an allen Investitionen der Stadt beteiligen, um die ­Infrastruktur auf internationalen Standard zu heben. Würde ein Satellitenklub in einem anderen Land bei der internationalen Entwicklung helfen? Wir haben darüber nachgedacht. Es gibt zwei Theo­ rien: Werfen wir alle aktuell guten Spieler raus und konzentrieren uns auf die Jugend. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Oder: Schaffen wir eine Situation, in der sich gute Spieler fühlen, als ob sie in Schweden, Finnland oder Tschechien wären, und benutzen die besten als Vorbilder für die Jungen. Red Bulls Salute, European Trophy, Continental Cup, EBEL, bald Champions League: Das bedeutet bis zu hundert Spiele pro Saison. Kann eine Mann-


bild: gepa pictures/ Felix Roittner

Drei Jahre, vier Titel: Pierre Pagés Karriere in Salzburg kann sich wahrlich sehen lassen (wobei das primäre Ziel nicht einmal das Gewinnen um jeden Preis ist).

schaft solche Belastungen überhaupt verkraften? Je mehr du spielst, desto schlechter wirst du. Nur Training macht dich besser. Daher brauchen wir einen größeren Kader. Mit sechs statt vier Fünfergruppen kannst du jeweils zwei Gruppen rasten und trainieren lassen. Bayern München macht das nicht anders: Auch die rotieren, selbst in schwierigen Spielen. Wie hoch ist der EBEL-Level im Vergleich zur DEL? Die Differenz ist in den letzten Jahren kleiner gewor­ den. Größter Unterschied: In Österreich sind die Spie­ ler älter. Die Vereine leben im Heute, statt sich um das Morgen zu kümmern. Gute Spieler gehen nach Russ­ land oder Schweden, danach nach Deutschland oder in die Schweiz und erst dann nach Österreich. Ein 33-jähriger Söldner kostet in der Regel aber auch weniger als ein zwanzigjähriges Supertalent. Langfristig ist es billiger, junge Spieler auszubilden, als jedes Jahr frische Legionäre zu holen. In Amerika gibt es einen Salary Cap: Du kannst dort nicht unend­ lich verdienen. Das treibt die Spieler nach Europa. In der Schweiz verdienen Topspieler 600.000 Franken (450.000 Euro), Österreich liegt fast um den Faktor 10 darunter, aber immer noch über der AHL. Die ­Geldrangliste lautet: Russland, Schweiz, Schweden, Deutschland, Finnland, Tschechien, Österreich, Frankreich, Italien, Slowakei, Slowenien, Ungarn. Das entspricht fast genau der Weltrangliste. Solang du dir die besten Spieler leisten kannst, sollst du sie auch haben. Wenn ich die besten aber nicht kriege, weil ich sie mir nicht leisten kann, will ich we­ nigstens die jüngsten mit der besten Zukunft und sie hier für eine internationale Karriere bereit machen. Die Musterschüler des Red Bull Hockey Model? Matthias Trattnig oder Doug Lynch würden in jeder Top-Liga bestehen. Steven Regier hat ebenfalls das Potential, von ihm erwarte ich heuer eine Leistungs­ explosion. David LeNeveu oder Mike Siklenka haben

„Nach zwei Wochen in Salzburg wollten mich die Ersten loswerden, weil ich zu schnell zu viel ­verändert habe.“

die Red Bulls als Sprungbrett benutzt. Wir glauben, dass es den Spielern viel bringt, wenn sie zwei Som­ mer mit uns trainieren und einen Winter hier spielen. Früher haben die Legionäre im Sommer allein da­ heim trainiert und sind erst zu Saisonbeginn zur Mannschaft gestoßen. Das ändert sich gerade. Wo sind die Führungsfiguren? Es ist unsere Aufgabe, sie nach Salzburg zu bringen und hier zur Weltklasse reifen zu lassen. In welchem Alter beginnt das System zu greifen? Marija Scharapowa war acht Jahre alt, als sie bei ­Bollettieri begonnen hat. Das entscheidende Alter im Hockey würde ich mit 16, 17 ansetzen. Das ist die Zukunft. 20 bis 23 ist die Gegenwart. Alles darüber muss schon sehr, sehr gut sein, ausgesuchte Führungs­ spieler, um für uns interessant zu sein. Unsere U18 wird in der tschechischen Liga vierzig, fünfzig Spiele spielen, life on the road von November bis März. Das ist die Generation, mit der wir in ein paar Jahren die Champions League gewinnen werden. Können Sie Ihr Image als harter Hund korrigieren? Spieler und Trainer können gar nicht die besten Freun­ de sein. In Salzburg trainieren wir mehr als die NHL, mehr als in Russland. Das ist notwendig, denn wir müssen aufholen und den internationalen Anschluss schaffen. In den meisten Ligen spielst du heute drei Matches pro Woche, früher waren es nur zwei. Da­ mals konntest du während der Woche trainieren und regenerieren. Heute geht das nicht mehr. Das bringt uns zurück zum Rotationsprinzip. In einem 22-MannKader stirbst du. Mit 27 Spielern ist es möglich. Tiger Woods oder Vijay Singh spielen auch nur drei Golf­ turniere am Stück und pausieren dann eine Woche, um zu trainieren und zu regenerieren. Wer sie schla­ gen will, muss sich ihrem Rhythmus anpassen – und trotzdem härter trainieren. Das ist das Geheimnis. Der virtuelle Bodycheck: de.redbulletin.com/print2.0

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Heroes

Makode Linde

ist ein Gesamtkunstwerk. Ausgestattet mit musikalischem und zeichnerischem Talent, spielt er mit Klischees, um augenzwinkernd gegen Rassismus und Vorurteile zu kämpfen. Text: Uschi Korda, Bild: Thomas Karlsson

Name Makode Linde Geburtsdatum/-ort 28. Juni 1981 in Stockholm, Schweden Wohnorte Stockhom und Berlin Beruf Künstler Sieht sich selbst als Renaissancemensch, vielseitig talentiert, wie er ist. Produziert und komponiert Musik für Theater und Film, macht VJKunst, Performances (u. a. mit Klara Lidén) und Installationen, gestaltet Plattencover (zum Beispiel für die Band Kent) und hat den Stockholmer Club Berns mit einer fluoreszierenden Tapete zu einem leuchtenden Hotspot gestaltet. Bereitet für 2011 je eine Ausstellung für das Konstmuseum auf den finnischen Åland-Inseln und das KIASMA in der Hauptstadt Helsinki vor. Web www.makodelinde.com

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„Ich war gerade in Indien, südlich von Goa. Spontan. Um mich selbst zu finden.“ „Und? Hat es geklappt?“ „Oh ja! Ich habe mich gefunden, mich verloren, mich wieder gefunden, wieder verloren – dann habe ich aufgehört mitzuzählen. Ich bin also jetzt immer noch dieselbe Person, mit mehr Sonnenbräune halt.“ Ein unschuldiger Augenaufschlag, bei dem einen Wimpernschlag lang der Schalk durchblitzt, kom­ biniert mit ernster Miene – der schwedische Künstler Makode Linde prüft, ob sein Witz auch angekommen ist. Ist er, Darling, denn wenn einer von Kindesbeinen an damit konfrontiert ist, allein durch sein Aussehen immer und überall aufzufallen, weiß er ­seinen schwar­ zen Humor punktgenau zu platzieren. Er erkannte schon in der Grundschule, sagt Mako­ de, dass er nur eine einzige Chance habe, in dieser Welt zu überleben: sich humorvoll als Gesamtkunstwerk zu stilisieren. Egal von welchem Blickwinkel aus betrach­ tet, er war einfach immer der Außenseiter. Der Vater ein schwarzafrikanischer Musiker, der in den 1960er Jahren vor dem strengen islamischen Umfeld an der Elfenbeinküste nach Stockholm geflüchtet war. Die Mutter eine schwedische Schauspielerin mit jüdischen Wurzeln. „Ich bin zwar schwarz, aber nicht ganz dun­ kel. Ich bin kein Moslem, ich bin kein Jude. Und ich bin Schwede, sehe aber nicht so aus. Mehr Vorurteile kann man als Person kaum provozieren.“ Also machte der 29-Jährige aus der Not eine Tugend. Auf mehreren Ebenen. Zunächst einmal optisch, indem er ein etwas exzentrisches Styling pflegt. Wer mit Makode durch Stockholm geht, kann anonymes Flanieren vergessen. Knappe eins neunzig groß, überragt der Künstler die an sich großen Schweden dank seiner aufgesteckten Dreadlocks noch um einiges. Der Rest des Outfits ist mit schrägen Details angereichert. Mit einem orangen Aktas-Aufkleber zum Beispiel. „Das heißt Fragile – und genauso hat sich heute morgen mein Herz gefühlt.“ Dass es einen stinknormalen Nine-to-five-Job für ihn nie geben würde, war dem Kind Makode bald klar. Also probierte er es zunächst mit Schauspielerei. „Ich

war lausig. Bin zwar ein großer Lügner, für die Bühne aber ungeeignet.“ (Den Augenaufschlag dazu dürfen Sie sich jetzt selbst vorstellen.) Macht nichts, denn Makode hat ja auch Musik im Blut. Er studierte an der renommierten Adolf Fredriks Musikskola in Stock­ holm, u. a. Audio-Engineering und Music-Production, komponierte für Klavier und Synthesizer, gründete ­einige Bands, mit denen er als Sänger durch die Lande zog. Er entwickelte Sounds für Theater und Film, ­arbeitete für das Dramaten, das Königliche Dramati­ sche Theater, und das schwedische Fernsehen. Seine zeichnerische Begabung entdeckte er eher zufällig, als er begann, Animationen zu seiner Musik zu kreieren. Mit 25 inskribierte er an der Konstfack, der Stockholmer Kunsthochschule, wo er bis heute ein eigenes Atelier zur Verfügung hat. „Seit damals bin ich Vollzeitkünstler, kann davon leben“, sagt Makode. Bei seinem familiären Background ist natürlich klar, in welche Richtung Makode Lindes darstellende Kunst geht. „Meine Arbeiten handeln von Vorurteilen. Gegenüber Schwarzen und allen ethnischen Minder­ heiten.“ Wobei er mit schrägem, slapstickartigem ­Humor zu Werke geht. Weil er weiß, dass man nur Dinge ernst nimmt, über die man auch lachen kann. Darum hat er zum Beispiel einmal einen Wischmop allein aus Dreadlocks zusammengebastelt. Aktuell verpasst er „weißen“ Ikonen wie der Comic-Heldin ­Betty Boop eine schwarze Hautfarbe. Respektlos, aber einprägsam war vor einiger Zeit seine Installa­ tion, bei der er Adolf Hitler die Bärte anderer Figuren der Weltpolitik, u. a. den von Che Guevara, ummon­ tierte. Im Spiel mit den Klischees bricht der Schwede virtuos alle Tabus, selbst die eigenen. „Dein Indien-Trip war also erfolgreich?“ „Ja, und stell dir vor: Ich bin draufgekommen, ich bin ein Rassist! Die Menschen dort haben mich per­ manent begrapscht, und ich habe ein Kind, das mich an den Haaren gezogen hatte, regelrecht angeschrien. Schockierend! Danach habe ich mich richtig scheuß­ lich gefühlt.“ Ausstellung in der Pantocrátor Galerie, Berlin ab Oktober 2010


Zitat Head: Zitat.Velis exer suscipsusto dion ut loborer ostiniamet in henisse vero exero odigna facipsusto corero

Bildtext im Bild ut velesto ercin utatum zzrit lut ea alisi exer sisim dipisl ullaorperos ad euis raesent am deliquipsum dolore te commy num aute dolortie faccum ver at lutpat.Ro od dolorer alis nummodo

Betty Boop mit schwarzer Hautfarbe (im Hintergrund in der Druckmaschine)? „Warum nicht?“, sagt der schwedische Künstler Makode Linde. „Sieht doch gut aus, oder?“


Heroes

Stöhr Fischhuber Anna

und Kilian

sind die weltbesten Boulderer. Außerdem sind sie ein Paar. Und das, so finden die beiden Kletterer, ist das Beste, was Sportlern passieren kann. Text: Werner Jessner, Bild: Philipp Horak

Ein Pärchen rollt auf seinen Fahrrädern durch die Innsbrucker Fußgängerzone. Mit ihrer sportlichen ­Figur und den gebräunten Gesichtern sehen die ­beiden aus wie Sportstudenten (sie sind tatsächlich Sport- und Englisch-Studenten). Er, gerade 27 Jahre alt geworden, dunkler Schopf, schmales Gesicht, lehnt seine Klapperkiste an die Veranda des altehrwürdigen Cafés, sie, 22, langes, zum Zopf gebundenes Haar, Umhängetasche aus LKW-Plane um die Schulter, strahlendes Lächeln, stellt die ihre daneben. Eine Szene, wie sie in jeder Großstadt der Welt täglich tausendfach vorkommt, geradezu das Klischee eines Bobo-Alltags (bis auf den obligatorischen Latte macchiato, aber, weit gefehlt: Sie bestellen Wasser). Was der unbedarfte Beobachter nicht ahnen würde: Das Pärchen ist Weltspitze im Bouldern, jener Art des Kletterns ohne Seil, die mit geringer Höhe und höchstem Schwierigkeitsgrad tausende Zuschauer nach Arco am Gardasee oder Wien, Moskau und andere Metropolen der Welt zwischen China und Amerika lockt. Bouldern ist, wenn man so will, die urbanste Form des Kletterns, sie bringt den Berg zu den Menschen und die Menschen zum Staunen. Ist Alpinklettern ein mehrstündiges Rockkonzert, bei dem Seillänge für Seillänge die Anforderungen wechseln wie die Refrains der Tracks, gleicht Bouldern mehr einer Jazz-Improvisation, immer neu, einzigartig, unwiederbringlich. Kilian Fischhuber gefällt der Vergleich grundsätzlich, „bloß dass ich keinen Jazz mag“. Musikalisch sind Indie und Alternative seine Heimat, erweitert um Drum ’n’ Bass, während Anna im Zweifelsfall Letzteres gegen Reggae tauscht. Kilian Fischhubers CV beinhaltet im Moment vier Weltcup-Gesamtsiege, seit sieben Jahren ist er permanent unter den Top drei. Das prestigeträchtige Rock Master in Arco hat er dreimal gewonnen, nur ein WM- oder EM-Titel fehlt noch. Anna Stöhr war schon Weltmeisterin, außerdem hat sie Gesamt­ weltcup und Rock Master geholt. Mehr als ihre Erfolge beschreibt die zwei aber ihre Art zu klettern, da sind sich die beiden, das Tiroler Mä38

del aus einer Bergführerfamilie und der zugereiste Bub aus dem Niederösterreichischen, ganz ähnlich: schnell, kraftvoll, effizient. Wo andere Boulderer in der Wand hängen, Gewicht austarieren, umgreifen, pausieren, in unmöglichen Posen Hände und Arme ausschütteln, um weiterkämpfen zu können, improvisieren und tüfteln, dass du ihnen in der Wand förmlich beim Denken zuschauen kannst, fetzen Anna und Kili die Wände hoch wie Spider-Man und -Woman. Oder, um das Phänomen, das Schwierige ganz einfach zu erledigen, mit den Worten des zweifachen Rallye-Weltmeisters Walter Röhrl zu beschreiben: „Ich fahr einfach schnell durch die Kurve, dann hab ich’s hinter mir.“ Der Speed der beiden entsteht aus dem Geist: Um derart schnell und sicher klettern zu können, sind Erfahrung und körperliche Voraussetzungen zu wenig. „Bouldern ist Kopfsache“, sind sich die beiden einig, und Kilian hat auch eine logische Begründung dafür: „Kein Wettbewerb gleicht dem anderen. Der stärkste Athlet kann in unserem Sport gegen einen Schnittlauch chancenlos sein. Die Boulder, die Griffe machen den Unterschied. Hermann Maier war auch der beste Skifahrer, aber auf manchen Strecken war er nirgends. Es gibt beim Bouldern zwei Wertungen: Zone in der Mitte und Top ganz oben. Alles andere zählt nicht. Ein Boulder mehr oder weniger macht im Weltcup oft zehn Plätze Unterschied. Jede Bewegung ist einzigartig, du kannst sie nicht wiederholen, selbst wenn du an 200 Tagen im Jahr in der Halle bist wie wir. Jeder hat eine andere Art, Boulder zu bauen. So lernst du Problemlösungsstrategien. Du musst dir vorher etwas überlegen, und je mehr du überlegst und je mehr Erfahrung du hast, desto mehr Lösungen wirst du finden. Andererseits musst du flexibel bleiben und auch in der Wand noch umdisponieren können.“ Das Reglement besagt, dass du den obersten Griff mit beiden Händen für drei Sekunden festhalten musst, damit der Versuch gültig ist. Nicht selten, dass die Athleten sich mit Gebrüll auf den Griff stürzen, wie Footballer den Ball beim Touchdown in den Boden rammen: „Wenn du einen schwierigen Boulder klet-

Name Anna Stöhr Geburtsdatum/-ort 25. April 1988, Reith im Alpbachtal, Tirol Wohnort Rum bei Innsbruck Beruf Boulderin, Sport- und Englisch-Studentin Erfolge Weltmeisterin 2007, Weltcup-Gesamt­ siegerin 2008, Siegerin Rock Master 2010 Web www.anna-stoehr.at

Name Kilian Fischhuber Geburtsdatum/-ort 1. August 1983, Waidhofen/Ybbs, ­Niederösterreich Wohnort Innsbruck Beruf Boulderer; Sport- und Englisch-Student Erfolge vierfacher WeltcupGesamtsieger (2005, ’07, ’08, ’09), dreifacher Rock-Master-Sieger (2005, 2008, 2009) Web www.kilian-fischhuber.at


Weltklasse-Duo in allen Wänden dieser Welt: Kilian Fischhuber und Anna StÜhr.


„Ich steh zu meinen Muckis. Ich finde sie okay.“ Anna Stöhr terst, willst du den Griff aus der Wand reißen. Die Spannung fällt ab, du bist der höchste, unter dir die Massen, das ist schon lässig. Da ist schon auch etwas Aggressivität drin. Pushen ist wichtig. Wenn du oben bist, kannst du alles rauslassen“, gibt der im Alltag so besonnene und Worte klug abwägende Fisch­huber zu. Noch ärger, als selber zu klettern, so die beiden unisono, sei es freilich, im Publikum zu stehen und dem anderen zuschauen zu müssen. Anna: „Probleme sehen von außen logischer aus als aus der Nähe. Oft willst du zu ihm hingehen und sagen: Schau, so geht das!“ Kilian: „Mit dem Abstand findet man als routinierter Zuschauer die Lösung schneller als der Athlet an der Wand. Außerdem kommt da der Dickschädel eines Spitzensportlers durch, der dir sagt, dass es so gehen muss, wie du es gerade probierst.“ Wir nähern uns dünnem Eis: Zwei Menschen, die Weltbesten in ihrer Disziplin, beobachten den Lebens­ 40

partner bei der gleichen Tätigkeit – können sich die beiden gut gemeinte, aber wahrscheinlich falsch ­ankommende Tipps verkneifen? „Ich versuche Anna höchstens im Training Ratschläge zu geben, man will ja helfen. Aber oftmals bringt das nix.“ Das liegt auch an einem Spezifikum der Sportart: Man definiert seine Trainingsboulder selber. Technik ist also nur eine ­Seite der Medaille, körperliche Voraussetzungen sind das andere. Technisch nicht so gute, aber mit langen Extremitäten gesegnete Kletterer können kleiner gewachsene Profis alt aussehen lassen, indem sie Griffe und Leisten außerhalb deren Reichweite positionieren. Der ideale Boulder-Körper, so lernen wir, ist ­zwischen 1,70 und 1,75 Meter groß, zwischen 60 und 65 Kilo schwer und männlich. (Rein zufällig passt das Profil ziemlich genau auf Kilian.) Der steht aber nicht an, zuzugeben, „dass Frauen oftmals ästhetischer klettern und ein größeres Bewegungsrepertoire haben, weil sie sich weniger auf ihre Kraft verlasen können.“ Keine Regel ohne Ausnahme freilich: „Kilis größter Konkurrent, Adam Ondra aus Tschechien, hat einen Körperbau, den wirst du auf der Straße kein zweites Mal finden: wenig Muskeln und überlange Extremitäten.“ Bouldern ist nicht Beachvolleyball. Was heißt das für die Ästhetik der Körper? Anna: „Bei Männern werden definierte Muskeln als schön erachtet, bei

bild: Reinhard Fichtinger

Urlaubserinnerung: Anna und Kilian in Südafrika.


Heroes

Frauen nicht. Ich brauche meine Muckis, und sie passen mir. Ich finde sie okay.“ Kilian widerspricht nicht: „Wir sind beide keine Fitnessstudio-Geher. Im Vergleich zu anderen Spitzensportlern ist unsere Grundlagenausdauer eher gering, aber darauf kommt es beim Bouldern auch nicht an. Wenn ich mountain­ biken gehe, dann deshalb, weil ich gern Rad fahre, und nicht, weil ich trainieren muss. Viel von unserer Fitness kommt daher, dass wir einfach sehr viel unterschiedlichen Sport machen.“ Ski (Anna Snowboard, seit sie zehn ist), Felsklettern, „können Tiroler Mädels eigentlich schwimmen?“, scherzt ­Kilian und moniert die geringe Dichte von Bademöglichkeiten im sons­ tigen Sportlerparadies Innsbruck. Da ist es wieder, dieses zärtliche Sticheln zweier Menschen, die sich blind verstehen, weil sie so viel ­gemeinsam haben, so unterschiedlich ihre Wege zur Boulderwand auch waren. Kilian war viel später dran als Anna: „Wir hatten in der Sporthauptschule Waidhofen einen tollen Turnlehrer: Er hieß Herbert Lettner und war die totale Respektsperson.“ Der Angesprochene, heute im greisen Alter von vierzig wieder zu seiner Jugendliebe Barfuß-Wasserski zurückgekehrt, nimmt solches Lob nur ungern an: „Der Kilian war ein unfassbares Talent. Ganz egal, welchen Sport du ihm vor­gesetzt hast, er war überall gut. Bei ihm konntest du gar nichts falsch machen. Außerdem hat er, ohne mit der Wimper zu zucken, vierzig Klimm­ züge gemacht.“ Für die Profi-Karriere waren dann andere zuständig: Sein erster Trainer war Martin Kerscher, danach übernahm Rupert Messner, der auch Annas Trainer ist: „Ohne Rupi als Trainer und Ratgeber und Reinhold Scherer, der uns in der Kletterhalle buchstäblich Tür und Tor öffnet, wären unsere Erfolge nicht möglich.“ Anna Stöhr wurde in ein vergleichbar fruchtbares Umfeld hineingeboren: Ihre Eltern waren Kletterer und nahmen die Tochter bis Frankreich an die Felsen mit. Sie wuchs in der Innsbrucker Kletter-Community auf und mit ihr mit, Training war nie Zwang, sondern der Drang, seine Freunde bei etwas zu treffen, das man gern tat: „Klettern ist so ein sozialer Sport. Ich bin geklettert, weil es eine Gaudi war. Das soziale Umfeld ist mir enorm wichtig. Viele Konkurrentinnen müssen alleine trainieren. Das würden wir nicht durchdrücken.“ Klettern ist in Innsbruck Volkssport, in der Halle am Tivoli ist, wie der Tiroler sagt, der Bär los, und gute Felsklettergebiete findet man, quasi nur einen Steinwurf entfernt, um Mayrhofen im Zillertal oder im Ötztal. Wollte man eine globale Kletterhauptstadt suchen, man würde in Innsbruck landen. Die aktuelle Zweisamkeit mit Kletterkollege Kilian, den sie freilich schon seit Jahren kennt, ist für Anna Fügung: „Es wäre sehr mühsam, mit jemandem zusammen zu sein, der nicht klettert. Ich genieße es, dass wir so viel Zeit gemeinsam verbringen, bei den Wettkämpfen und im Training, dass immer jemand für mich da ist in sportlich guten wie schlechten Zeiten. Wenn mein Freund kein Kletterer wäre, hätte ich das Gefühl, zum Training gehen zu müssen. Das würde alles schwieriger machen.“ Man darf sich das Leben von Fischhuber/Stöhr als ein sehr glückliches vorstellen, bei dem keinem fad wird. Kili: „Wir können unseren Traum leben und von 42

unserem Traum leben. Das verlängert natürlich die Studiendauer. Andererseits: Ich zahle meine Wohnung selber, habe ein Auto, fahre jedes Jahr mehrmals weg, betreibe meinen Sport und verdiene auch noch Geld damit: Was kann es Schöneres geben?“ Und Anna ­sekundiert: „Selbst wenn es manchmal anstrengend ist: Ohne die Uni wär’s fad. Wir brauchen den Perspektivenwechsel. Leute, die nicht klettern, schätzen ganz andere Werte. Das relativiert den Sport.“ Wiewohl Profis, die ihren Sport leben, denken ­beide weiter als nur bis zum nächsten Zug: Kilian hat seit acht Jahren keinen Fernseher mehr, überlegt aber, sich wieder einen anzuschaffen, um sich „von der ‚Zeit im Bild‘ berieseln“ lassen zu können, wenn er am Abend vom Training nach Hause kommt: „Ich will ja mitkriegen, was in der Welt passiert.“ Anna ist im Moment in „Es geht uns gut“ von Arno Geiger reingekippt, diesen preisgekrönten, knapp 400 Seiten starken Familienroman des Vorarlberger Schriftstellers. Kilian liest sogar vor dem Wettkampf, um den Kopf frei zu kriegen, „allerdings darfst du mich danach nicht nach dem Inhalt fragen“. Überhaupt, die Startvorbereitungen: Anna stöpselt den MP3-Player in die Ohren, was Kilian narrisch machen würde: „Ich muss versuchen, Nervosität zuzulassen. Es darf einem nicht egal sein, wenn man in einen Wettkampf geht. Das schaffe ich besser, wenn ich a ­ llein bin.“ Hier helfen das blinde Verständnis und der Respekt vor der Karriere des jeweils anderen. In der Wand ist sowieso jeder allein. „Man kann sich ­gegenseitig nicht helfen, ich kann mit Anna während des Wettkampfs nicht kommunizieren. Ich krieg es nicht einmal mit, wenn es ihr schlechtgeht. Nur wenn ich weiß, dass sie es bis ins Finale geschafft hat, und die Masse toben höre, ahne ich, dass es gut läuft. Willst du als Sportler und Mensch harmonisch mit

„Bouldern ist Kopfsache. Du lernst Probleme zu lösen.“ Kilian Fischhuber

dem anderen auskommen, ist es wichtig, dass man sich versteht und sich in den anderen reinversetzen kann. Das funktioniert bei uns gut. Das Schlimmste wäre, wenn man den Partner nach einem verhauten Wettkampf scheinheilig trösten würde: ‚Ist ja nicht so schlimm, nächstes Mal dann.‘ Wir können die Leistung des anderen einschätzen und müssen uns nichts vormachen.“ Das gilt freilich auch für einen selbst: „Heuer in Russland bin ich Dritter geworden und war sauer, beim nächsten Wettkampf in Holland bin ich wieder Dritter geworden und war happy. Außenstehende können das vielleicht nicht verstehen, für die ist ein dritter Platz wie der andere. Keiner kann das so gut einschätzen wie jemand, der dasselbe gemacht hat.“ Anna nickt. 1. Europameisterschaft im Sportklettern: 15. bis 18. September, Innsbruck und Imst, Österreich; www.euro-2010.at


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Sport

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ServusTV. Das ist Ihr neuer Sender aus der Alpen-Donau-Adria-Region. Mit einem Programmangebot, das es in dieser Form auf diesem Niveau noch nicht gegeben hat. Zum Beispiel mit Live-Übertragungen und Hintergrundberichten aus dem Sportbereich. Weitere Schwerpunkte sind Sendungen, die die alte Heimat in einem neuen Licht zeigen, sowie die Talk-Sendungen live aus dem Hangar-7, unsere wöchentlichen Diskussionsrunden mit hochkarätigen Gästen zu aktuellen Themen. Besonders hervorzuheben: Beiträge aus der internationalen Musik-, Kunst- und Kulturszene sowie Magazine zu den Themen Kulinarik, Architektur, Design, Wissen, Reisen und Lifestyle. Überzeugen Sie sich selbst, via Kabel, DVB-T oder Satellit. Weitere Informationen zu unserem abwechslungsreichen Programm und alle Fakten zu ServusTV erhalten Sie über unsere kostenfreie Hotline: 0800 100 30 70 oder unter www.servustv.com.

Wir wünschen Ihnen bessere Unterhaltung.


Action Ganz schön was los: Was uns diesen Monat bewegt.

bild: Brady Fontenot

46 Red Bull Illume 60 Popstar Jochen Rindt 68 Brass in New Orleans

Wenn in New Orleans paradiert wird, und das wird es oft und üppig, dann putzt man sich heraus. Und spielt dazu Brass. Das ist die Musik, die den Lebensrhythmus der Stadt vorgibt.


Kategorie illumination

Chris Burkard USA

Athlet: Peter Mendia Location: Buchupureo, Chile „Licht, Wind, Welle, alles war perfekt. Als hätte sich die ­gesamte Natur in diesem Moment zur idealen Harmonie vereint. Mittendrin Peter…“ Dieses Bild wurde von den Jurorinnen und Juroren von Red Bull Illume zum besten Abenteuer- und Sportfoto der Welt gekürt.

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action Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Magische Momente vor und hinter der Kamera.

Im Auge der

Sieger

Red Bull Illume 2010, das waren 22.764 eingereichte Bilder von 4337 Fotografinnen und Fotografen aus 112 Nationen. Das waren 53 Jurorinnen und Juroren. Und das sind am Ende zehn Bilder, die in ihrer jeweiligen Kategorie zu Siegern gekürt wurden. Ladies and Gentlemen, hier die offiziellen Ergebnisse der Suche nach den besten Sport- und Actionbildern der Welt.


Kategorie Playground

Tim Korbmacher Deutschland

Athlet: Stefan Lantschner Location: Krefeld, Deutschland „Das Setting war bereits perfekt, als wir zur Location kamen. Stefan hatte richtig Spaß beim Riden, also hatte ich Zeit, beim Fotografieren verschiedene Dinge zu probieren.“

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action


Kategorie spirit

Adam Kokot Polen

Athlet: Michał Król Location: Spišské Tomášovce, Slowakei „Am schwierigsten war es, Kletterer zum Shooting in Spišské Tomášovce zu überreden, weil die Region wegen ihrer gefährlichen Routen berüchtigt ist. Die Idee zum Foto kam mir direkt vor Ort, während Michał kletterte und sich vor einer besonders schwierigen Passage ausruhte. Ich bat ihn, sich einfach zurück­ zulehnen und die Aussicht zu genießen.“

50


action


Kategorie sequence

Miguel Ángel López Virgen Mexiko

Athlet: Alfredo Salcido Location: Guadalajara, Jalisco, Mexiko „Ich war schon ein bisschen unruhig, weil der Einsendeschluss für Red Bull Illume immer näher rückte und ich noch kein Bild hatte. Schließlich kam ich auf die Idee, einfach ein paar Freunde beim Skaten zu fotografieren – oder vielmehr ihre Schatten …“

52


action

Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Basteln mit dem Profi.


Kategorie energy

Stuart Gibson

Australien

Athlet: Ryan Hipwood Location: Shipstern Bluff, Tasmanien, Australien „Wenn die Wellen in Shipstern Bluff so groß sind, kannst du dich nur mit einem Jet-Ski hinausbringen lassen, keine andere Chance, Paddeln ist aussichtslos. Ryan, der an diesem Tag schon einige Wipeouts hinter sich hatte, sagte schließlich: ‚Ein letztes Mal noch!‘ Und dann rollte dieses schwarze Biest vom Horizont heran …“

54


action


Action

Kategorie culture

Vincent Perraud Frankreich

Athleten: Alex Baret und Freunde Location: Tallinn, Estland „Das Foto entstand im Rahmen der Simpel Session, eines der größten internationalen BMX-Events, nach einem langen FebruarTag mit minus zehn Grad. Jeder war müde und wollte einfach schnell zurück ins Hotel. Draußen, wie gesagt, –10 °C. Immer mehr Rider drängten in den Bus, aber der fuhr nicht und nicht ab.“

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Kategorie wings

Marcel Lämmerhirt Deutschland

Athlet: José Eber Pava Ordoñez Location: Hamburg „Der Red Bull Cliff Diving-Event in Hamburg ­wurde an drei verschiedenen Locations binnen vier Tagen durchgeführt. Spot eins war die ­Speicherstadt, der größte Lagerhauskomplex der Welt, der auf Eichenpfählen im Wasser steht. Es war schon spät, vier Uhr nachmittags, und ich ­fotografierte gegen die tiefstehende Sonne.“


Action

Kategorie close up

Nathan Smith

Australien

Kategorie Experimental

Daniel Grund

Deutschland

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Athlet: Andrew Mooney Location: Wamberal, New South Wales, Australien „Mein Kumpel Andrew hat auf dem Surfboard alle Tricks drauf. Der Shot entstand ziemlich spät am Tag, es war schon ordentlich dunkel. Wamberal ist Andrews Heimrevier und auch nur 20 Minuten von meinem Zuhause entfernt. In der Surf-Fotografie geht es meiner Meinung nach um genau solche perfekten Momente.“

Athleten: Alejandro Maclean, Nicolas Ivanoff Location: Monument Valley (UT), USA „‚Smoke on‘ mit perfektem Timing. Es ging alles wahnsinnig schnell: Die beiden Flugzeuge rasten mit 350 km/h auf den Helikopter zu, von dem aus ich fotografierte. Für die 3-D-Ansicht des Bildes muss man es mit dem linken Auge durch eine rote Linse betrachten und mit dem rechten durch eine blaue.“


Kategorie

New Creativity

Eric Berger Kanada

Athlet: Dan Treadway Location: Whistler (B. C.), Kanada „Wir waren an einem Spot, den man nur mit dem Snowmobil erreicht, irgendwo südlich von Whistler. Ich kletterte in eine Eisspalte und fotografierte nach oben … und war echt nervös, als ich erkannt habe, was für ein toller Winkel das ist und welch großartige Aufnahmen hier möglich sein würden.“

Die Foto-Ausstellung über Red Bull Illume 2010: Trinity College, Dublin www.redbullillume.com


Action

Jochen Rindt starb vor 40 Jahren in Monza. Danach wurde er Weltmeister.

Der erste Popstar der Formel 1 Bei seinem Tod mit 28 Jahren hatte er eben erst die Tür aufgestoßen zu neuen Dimensionen. Er brachte eine bislang nicht bekannte Art von Glamour, Witz und Leichtigkeit in den Grand-Prix-Sport, ganz abgesehen von seinem überragenden Talent.

Als Halbwüchsiger in der Steiermark erlebte Jochen es einfach zu eng. Der Impala, im Scheinwerferlicht Rindt die gleiche soziale Wertschätzung wie der fast Jochen Rindts, wippte noch ein paarmal auf der gleichaltrige Helmut Marko, heute Motorsport-Berater ­Böschung auf und ab, bis sich Marko zum Absprung von Red Bull. entschloss, das Auto fiel in die andere Richtung. Das Gymnasium in Graz machte den beiden jungen Die autolose Zeit im abgelegenen Internat wurde Herren mitten im Schuljahr einen verlockenden Voraufgelockert durch einen Skiunfall Rindts. Gipsbein. schlag. Man würde sie, allen schulischen Leistungen Die Firma, die er zur Volljährigkeit erben würde zum Hohn, mit einem positiven Abgangszeugnis aus­(eine Gewürzmühle in Mainz, die Eltern waren im statten, wenn sie bloß blitzartig verschwinden und Hamburger Feuersturm 1943 ums Leben gekommen), in einer anderen Schule andocken würden schickte einen VW Käfer samt Chauffeur – an einem fremden Ort, möglichst weit für den täglichen Nahtransport des armen entfernt, wo man gewiss mit Interesse auf Kerls. Der Chauffeur wurde sofort abgeName sie warten würde. schüttelt, es gebe ja Mitschüler, die schon Karl Jochen Rindt 160 Kilometer Entfernung bis zum „Interim Besitz des Führerscheins seien. TatsächGeburtsdatum/-ort nat der letzten Hoffnung“ in Bad Aussee lich fuhren natürlich nur die Sans-Papiers, 18. April 1942, Mainz. Tödlich verunglückt schienen ideal zu sein. Dorthin würde man und ein Gipsbein, ordentlich am Gas abgeam 5. September weder das Bündel von Jochen Rindts Mopedstellt, sollte kein Handikap sein. Man war 1970 in Monza Polizeistrafen nachschicken noch die Frage zu viert im Wagen, der Fahrer mit jeweils Wohnorte weiter erörtern, warum Helmut Marko drei Zeugen, die auf die Stoppuhr schauten, Graz, Wien, Paris, ohne Führerschein, in tiefer Nacht, den das Einhalten der Höchstdrehzahl kontrolBegnins bei Genf Chevrolet Impala seines Vaters zuschanden lierten und Stilnoten fürs Kurvenverhalten Beruf gefahren hatte. Es war ja in bester Absicht vergaben. Hatte das Gremium etwas aus­ Rennfahrer geschehen, denn nach dem Ehrenkodex der zusetzen, kam der Nächste an die Reihe. Erfolge Clique durfte das schnellere Auto (Impala Zurück in Graz, wurde übrigens der Formel-1-Weltmeister vs. Simca Monthléry) nie auf einer Geraden S ­ imca bei einer ernsthaften Versuchsfahrt 1970 (posthum), überholen, nur in Kurven. Jochen Rindt sechs Grand-Prix-Siege, von einem Schneepflug bis zur Vorderachse war auch als Teenager schon kein Anbieter gespalten, der hinten am Drei-Meter-Seil zehn Pole-Positions von Ideallinie für auflaufende Talente, und hängende Skifahrer hatte bloß die üblichen Web www.jochen-rindt.at als dann noch ein Lkw entgegenkam, war Prellungen. Helmut Marko: „Heute kom60

Bild: Bildagentur Kräling

Text: Herbert Völker


Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Jochen Rindt: sein Leben in Bildern.


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„Die Autos waren unheimlich schnell, hatten aber wenig Grip – die Flügel waren ja erst im Entstehen, der Unterboden hatte keine Aerodynamik, die Reifen waren schmäler.“

Bilder: Alois Rottensteiner/Archiv Klein (2), Bildagentur Kräling, Milan Schijatschky, Schlegelmilch Photography (2)

men die jungen Talente ja alle von den Kartbahnen. Wir hatten die winkeligen Straßen und die entwendeten Autos aus Vaters Garage. Unsere Nahverkehrs-­ Competition ersetzte zwei Formel-3-­ Saisonen, heute wäre das natürlich ein Fall fürs Jugendgericht.“ Fünf, sechs Jahre später. Rindt gewann die 24 Stunden von Le Mans auf einem privaten Außenseiter-Ferrari gegen die Werkteams von Ferrari und Ford (1965), damit war sein Name auf der Landkarte. Es gab Formel-1-Verträge von Cooper, dann Brabham, aber die Autos waren Gurken, sie taugten nur für spektakuläre Momente des F1-Albums: mit welch ­sagenhaften Driftwinkeln er die Ferraris und Lotus, einen Jim Clark oder Jackie Stewart bedrängte. Noch eindeutiger ­offenbarte sich das überwältigende Talent des Jochen Rindt in der Formel 2, in der damals auch alle Grand-Prix-Stars an­ traten. Rindt wurde Seriensieger. Helmut Marko ist der beste Zeuge für Jochens Talent: „Er ließ es fliegen, und zwar auf so extreme Art, dass mir als ­Vergleich danach nur Ronnie Peterson und Gilles Villeneuve einfallen, und ­Gerhard Berger an seinen besten Tagen. Zu seiner extremen Fahrzeugbeherrschung, die man nicht weiter erklären kann, kam ebenso extremer Mut. Das wirkte sich in den allerschnellsten Passagen aus, etwa in 250-km/h-Kurven wie der berühmte Start-und-Ziel-Rechten von Silverstone, damals noch nicht entschärft. Es war eine Kurve, in der man jede Überwindung der Welt brauchte, um sie fast voll zu fahren, und Rindt nahm sie quer, im vollen Drift. Es war seine Art, den

Aufregend tollkühn Jochen Rindt wird als einer der verwegensten und spektakulärsten Fahrer der Grand-Prix-Geschichte in Erinnerung bleiben. Er leistete sich Drifts auch noch in den allerschnellsten Passagen. König der Formel 2 (1968), mühsam rackernd mit dem schweren Cooper-Maserati (1967), brillant im Siegesjahr 1970 (unten auf Lotus 49 in Monaco), großes Bild: im Lotus 72 in Brands Hatch.

Er konnte tun, was er wollte, es wirkte immer irgendwie okay.

­ intern auch dort noch rauszuhängen, H wo kein anderer sich traute.“ Es gab praktisch keine neutralen oder untersteuernd ausgelegten Fahrzeuge, es sei denn durch einen Konstruktionsfehler. Helmut Marko: „Im Ernstfall kam immer Übersteuern. Nur das ausbrechende Heck hat gezeigt, dass du am Limit bist. Die Autos waren unheimlich schnell, hatten aber wenig Grip – die Flügel waren ja erst im Entstehen, der Unterboden hatte keine Aerodynamik, die Reifen waren schmäler. Somit war es eine unglaublich gefährliche Rennwagengeneration, mit der keiner brillanter und genialer umging als Jochen.“ Weniger durchschlagende Anfangserfolge hatte Jochen bei der finnischen Schönheit Nina, die ihm zwei Jahre Pause verord­ nete, ehe sie in dem schnöselhaften Junghelden einen ernstzunehmenden Menschen entdeckte. 1967 wurde geheiratet. Sein „lustiges Aussehen“, das der jungen Dame schon beim ersten zufälligen Treff den Kick gegeben hatte, wurde zum inter­ nationalen Fotomotiv, Popstar in progress, zufällig zu einer Zeit, als die amerikanische Mode der Poster und T-Shirts auch nach Europa überschwappte. Er konnte auch nichts falsch machen. Was beispielsweise dem Bürscherl Niki

Lauda so imponierte: „Es gab ein Werbefoto für Ford, da hatte Jochen den unglaublich affigsten Pelzmantel an, den man sich vorstellen kann, ein Wasch­ bärenmonster von einem Pelzmantel. Bei jedem anderen Menschen hätte das unendlich lächerlich ausgeschaut, bei Jochen war es so super, dass man eine Ganslhaut kriegen konnte.“ Jochens Stimme war unverwechselbar. Sie hatte etwas Näselndes wie in den ­Witzen, wo die Leute zum Arzt kommen, weil sie Polypen haben, aber da war auch etwas Metallisches, und ein Akzent vom heiseren steirischen Bellen. Dazu kam ein sehr souveränes Englisch mit intelligenten Kürzeln, so dass ein weites Feld für Wortwitz gegeben war. Zusammen mit der Leichtigkeit des Schmähs, der ansatzlos kam, ergab sich eine, hm, Gesprächs­ kultur, die ganz besonders war. Einen ganz speziellen Kick bekam Rindts Karriere durch die Beziehung zu Bernie Ecclestone. Dieser war elf Jahre ­älter als Rindt, hatte bei eigenen Renn­ versuchen gerade noch seinen Kragen ­gerettet und war als Mittdreißiger flott unterwegs im Wheeling-and-dealing des Racing-Business, mit tadellosem Ruf und Handschlagqualität. Die Grandezza, den Rennsport als ­erbmäßig britisches Territorium zu verstehen, gehörte zu Ecclestones Grund­ ausstattung. Sie erlaubte ihm, sich schon bald stilbildend in der Racing-Welt zu bewegen, und die Freundschaft mit einem totalen Außenseiter, einem Österreicher (wenngleich in Deutschland geboren), ­eröffnete auf beiden Seiten neue Welten. Bei zwei Typen dieses Kalibers hätte allein schon die Berater/Fahrer-Konstellation ein ganz spezielles Erfolgsgespann ergeben, die gegenseitige Anziehung ­eröffnete aber zusätzliche Lebensqualität. Dazu gehörte die sagenhafte Schule jener practical jokes, die ein Bursch aus der steirischen Provinz als bestandene Aufnahmeprüfung in den inneren Zirkel empfinden durfte – und zwar mit Recht, solche Ehren kamen nicht leicht. Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bevor Backgammon zum beherrschenden Freizeitspiel des Rennzirkus wurde, Mitte der 1960er-Jahre war zumindest im ­Ecclestone-Kreis Gin Rummy angesagt, natürlich um Geld, noch in verträglichen Maßen. Rindt liebte dieses Spiel und konnte auch zwischen zwei Trainings­ sessions schnell abklopfen mit Bernie – welch wunderbarer Fahrerlager-Zauber, man stelle sich das einmal heute vor. Ein gewisser, wie soll man sagen, ­Respekt vor Geld war typisch für beide, das reichte bis zu gemeinsamen Skizzen 63


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Bilder: Getty Images, Grand Prix Photo, Bildagentur Kräling (2), Milan Schijatschky, Schlegelmilch Photography (3), Sutton Motorsport Images (2)

Sein „lustiges Aussehen“, das Nina schon beim ersten zufälligen Treffen den Kick gegeben hatte, wurde zum internationalen Fotomotiv, Popstar in progress. von Geschäftsmodellen jenseits der damaligen Vorstellungskraft. Darum kommt es über die Jahrzehnte immer wieder zum Recycling des Themas, wie Bernie und ­Jochen sich wohl gemeinsam die ganze Formel 1 gekrallt hätten. Tatsache ist, dass Jochen spätestens 1968 die feste Überzeugung hatte, dass in der Formel 1 unglaublich viel Raum für unternehmerische Phantasien sei und dass er erst einmal heil über die Runden kommen müsse, um dann gleich einmal mit Bernie ein Joint Venture aufzuziehen. Wie sich das wohl im heutigen Rückblick auf Ecclestones 30‑Jahre-Weltherrschaft über die Formel 1 ausgewirkt hätte? Ecclestone sagte lang nach Rindts Tod: „Ich hätte keinen Aufeinanderprall der Charaktere zu befürchten gehabt … Jochen war sanft wie ein Baby.“ Mit der Bekanntgabe des Transfers zu ­Lotus, Herbst 1968, verdichtete sich das Interesse an der Person Rindt ganz dramatisch. Lotus war einfach spannend, und Colin Chapman war ein Wahnsinn von einem Konstrukteur und Teamchef, der charismatische, einmalige „Mister ­Lotus“. Seine wichtigste Heldentat lag ein paar Jahre zurück, die Erfindung des Monocoques für den Rennsport. So kam es zu diesem sagenhaften ­Sommer 1970: Jochen Rindt auf Lotus ­gegen den Rest der Welt. Ein unglaub­ liches Finale in Monaco, bei dem er den führenden Jack Brabham in der allerletzten Kurve in einen Fehler hetzte, festigte Rindts Image als Teufelskerl. Dann die ­Serie: Sieg in Zandvoort, in Clermont-­ Ferrand, in Brands Hatch und auf dem Hockenheimring, Jochen führte über­ legen in der Weltmeisterschaft, Öster-

Vielfältige Gesellschaft Der Umgang der Fahrer untereinander war ungleich entspannter als heute. Mit Jacky Ickx und Piers Courage; mit Jackie Stewart. Start in Brands Hatch 1970: Rindt (Lotus), Brabham (Brabham), Ickx (Ferrari) aus der ersten Reihe. Sonderbares ­Skelett: Repco-Motor im F1-Brabham 1968. ­Siegerehrung Monaco 1970 mit Gracia Patricia, Stéphanie, Fürst Rainier, Caroline.

Das war Jochen

Erinnerungen der Starter des Grand Prix von Italien in Monza, 1970

Chris Amon

Neuseeland, Team March Ich sprach noch mit ihm in der Boxengeraden, bevor er zu ­seiner letzten Runde hinausfuhr. Er hatte sehr viel Selbstvertrauen – für Monza und die ganze WM 1970. Jochen war immer geradeheraus und hatte einen amüsant schrägen Sinn für Humor. Ich denke, seine beste Zeit als Fahrer wäre erst gekommen. Die Piloten, die ich damals am höchsten einschätzte, waren Jochen und ­Jackie Stewart. Für mich wird Jochen immer einer der Größten bleiben.

John Surtees

Jochen Rindt zu Beginn seiner Grand-Prix-Karriere 1965.

reich und Deutschland waren Formel-1narrisch und Rindt-narrisch. Die nachher aufgetauchten Legenden über Rindts Wissen, in welcher Gefahr er sich befand, über seinen Wunsch zum Rücktritt und seine Sehnsucht nach dem wirklichen Leben sind großteils wahr. Erstens war Rindt intelligent genug, um sich statistisch ausrechnen zu können, dass es ihn irgendwann erwischen würde, der Rennsport war damals wirklich noch russisches Roulette, allemal in einem ­Lotus. Die Fahrer verunglückten damals auch in weniger verwegenen Konstruktionen. In Rindts sechs Formel-1-Jahren starben zwölf Grand-Prix-Piloten, die bekanntesten waren Jim Clark, Bruce McLaren, Lorenzo Bandini, Gerhard Mitter – auch Jochens enger Freund Piers Courage. Dann war Rindt in seinen internatio­ nalen Jahren derart gereift und zu einem ernsthaften Menschen geworden, dass er sich sehr wohl ein Leben ohne Wahnsinn vorstellen konnte. Er liebte seine Frau Nina, er liebte seine Tochter Natascha, wollte schauen, wie das wäre, ein normaler Vater zu sein. Aber dann, klar, war er auch wieder verrückt genug und scheinbar ­unverwundbar, um sich daran zu begeilen, wie Chapman vom Turbinenauto erzählte, wie sie nach dem ersten WM-Titel den

Großbritannien, Team Surtees Zu jener Zeit gab es einige Fahrer, von denen man annehmen konnte, dass sie, wenn sie zur rechten Zeit im rechten Auto säßen, Weltmeister werden könnten. Jochen Rindt war definitiv einer von denen. Der Unfall wurde wahrscheinlich durch einen technischen Defekt ausgelöst, was meinen Reflex auf die Tatsache auslöst, dass es immer Dinge gibt und gab, die außerhalb deiner Kontrolle liegen. Ganz speziell galt das für jene Tage. Man musste sich sehr bewusst sein, warum man dort war und was man dort wollte – grundsätzlich war es natürlich ein Job, den man liebte. Es gab Augenblicke, in denen diese Liebe verschwand, aber das musste man einfach wegschieben, sobald man hinter dem Lenkrad saß, und das soll wirklich nicht abgebrüht klingen.

Jackie Oliver

Großbritannien, Team BRM Jochen wollte sich mit gewissen Leuten umgeben, mit anderen nicht. Er war ziemlich ichbezogen, was bei erfolgreichen Rennfahrern ja häufig der Fall ist. Ich würde ihn nicht als Freund bezeichnen. Ich glaube, in seinem Umgang entschied er sich für Menschen seines Formats, fällte sein Urteil über die anderen und gab ihnen keinen Raum in seinem Leben. Ich habe mich damals abgekapselt. Keine Trauer, kein Mitleid, keine Tränen. Was mich betraf, war Jochen einfach ­verschwunden. Im Rückblick kommt mir das als sehr unangemessenes Verhalten vor, aber ich nehme an, dass etliche von den anderen genauso fühlten.

Sir Jack Brabham

Australien, Team Brabham Monza 1970 war ein sehr trau­ riges Wochenende für mich. ­Jochen und ich waren enge Freunde geworden und hatten viele wunderbare Rennen miteinander gehabt. Er war einer der Großen jener Zeit, hatte auch eine ganz spezielle Aura innerhalb der RacingGemeinde. Todesstürze gehörten damals leider zu unserem Job. Die Rennerei ging weiter, aber es war eine schreckliche Zeit für mich. >>

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JackY Ickx

Belgien, Ferrari (Anm.: Nach Monza war Ickx der einzige Fahrer, der Rindt in der Weltmeisterschaft theoretisch noch überholen konnte. Ickx’ vierter Platz beim vorletzten WM-Rennen stellte Rindts posthumen Weltmeistertitel sicher). Es war eine solche Erleichterung, in Watkins Glen nicht gewonnen zu haben. Wie hätte man jemand schlagen sollen, der sich nicht mehr verteidigen konnte? Die Tatsache, dass Jochen die WM gewann, war die perfekte Lösung. Wenn ich zurückdenke, empfinde ich Trauer für jene um mich, die talentierter, auf jeden Fall zielbewusster waren, die nicht diese Extraportion Glück hatten, die einen überleben ließ. Das war das große Thema jener Tage – Überleben.

Henri Pescarolo

Frankreich, Team Matra Er war ein toller Kerl. 1970 lag ich in Monaco die meiste Zeit vor ihm. Hätte ich es geschafft, ihn zu halten, wäre es phantastisch gewesen, so aber gewann er, als er Jack Brabham in der letzten Kurve überholte. Er war unglaublich schnell, spektakulär und ­aggressiv. Super zum Zuschauen für die Fans.

Sir Jackie Stewart

Großbritannien, Team Tyrrell Es war sehr traumatisch. Meine Frau Helen begleitete Nina zum Krankenhaus, danach waren die beiden verschwunden. Als ich später zum Qualifying hinausfuhr, war ich in Tränen. Aber sobald ich das Visier heruntergeklappt hatte, fuhr ich die beste Rundenzeit, die ich je in Monza zuwege gebracht hatte. Als ich zurückkam, reichte mir mein bester Freund eine Flasche Coca-Cola, und ich werde nie vergessen, wie ich die Flasche in meiner Hand hielt und solche Wut in mir fühlte, dass ich sie gegen die Boxenmauer schmiss.

Andrea de Adamich

Italien, Team McLaren Sein Lotus war genauso schnell wie fragil. Vor seinem Crash war Jochen direkt aus der Box gekommen, meiner Meinung nach waren seine Sitzgurte nicht ordentlich festgezogen. Dadurch ist er unten durchgerutscht, und das Gurtschloss hat ihm das Genick gebrochen. Wir werden es nie wissen, aber ich denke, dass er mit ordentlich gestrafften Gurten überlebt hätte, wenngleich mit sehr schweren Beinverletzungen. Ich erinnere mich an Jochen und Nina mit großer Zuneigung. Sie waren kultivierte, gebildete und feinsinnige Menschen.

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Die letzten Minuten Samstagstraining in Monza, 5. September 1970. Die Stationen der Routine, mit Nina an der Box wie immer … bis sich eine schreckliche Stille über die Rennstrecke legt. Jackie Stewart kommt zu Nina und sagt, es sei etwas passiert.

zweiten holen würden, wie sie’s der ganzen Welt zeigen würden. Und, ganz pragmatisch: In der Summe ihrer Genies waren sie tatsächlich unschlagbar, im Vorausblick der Technik, in der Kunst von deren Anwendung, in der Größe der Visionen. Der Unfall am 5. September 1970, im Samstagstraining von Monza, bleibt in der Rückschau aus vierzig Jahren genauso banal wie damals: Eine Bremswelle ist vor der Parabolica gebrochen, Tribut an das Leichtbau-Wagnis der Lotus-Konstruk-

tionen, und Jochen hatte keine Chance. Der Anprall gegen die Begrenzung (damals Leitschienen) hätte ein heutiges Formel-1Auto heftig zerknautscht, im Kiesbett hätte der Fahrer jedoch das Lenkrad abgenommen, wäre ausgestiegen, hätte das Lenkrad wieder draufgetan, die Strecken­ posten hätten das Auto weggeschoben, vielleicht wäre für kurze Zeit das Safety Car herausgekommen, während der ­Fahrer, Helm in der Hand, sehr verärgert zurück zu den Boxen marschiert wäre. Tatsächlich hatte Rindt ja eine völlig klare Idee gehabt, dass die Rennerei sicherer werden müsse, schon allein deswegen, weil scheinheilige Politiker ansonst irgendwann den ganzen Motorsport verbieten würden, wie es in der Schweiz ja tatsächlich geschehen ist. Jochen, mit seinem Freund Jackie Stewart, stand am absoluten

Bilder: Paul-Henri Cahier/The Cahier Archive, Milan Schijatschky (3), Sutton Motorsport Images (4)

Tim Schenken

Australien, Team Williams Jochen war mein Held. Er war ein sehr spezieller Mensch, etwa wie Ayrton Senna oder Enzo Ferrari. Wenn man mit ihm zusammen war, spürte man diese Aura des Außerordentlichen. Dann wird so ein Mensch getötet, man ist völlig verwirrt. Es bleibt nichts anderes übrig, als den Tod eines anderen Fahrers aus dem Bewusstsein zu streichen.


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Nanni Galli

Italien, Ecurie Bonnier Traurigkeit trübt die exakte Erinnerung an jenes Wochenende. Zuerst dachte ich wohl, der Unfall sei nicht allzu schwer, weil es kein Feuer gab. Todesfälle waren eine Tatsache, aber es bedeutete auch, dass die Beziehungen zwischen den Fahrern viel enger waren als heute und dass man im Rennen korrekter miteinander umging. 1970 wären viele Manöver der heutigen Rennszene undenkbar gewesen.

Jean-Pierre Beltoise

Frankreich, Team Matra Damals war nicht die Frage, ob wir im Rennauto sterben würden, sondern wann. Daher kann ich gar nicht sagen, dass ich einen Schock verspürt hätte, als ich hörte, dass Jochen verunglückt sei. Ich werde ihn als sehr netten Kerl in Erinnerung behalten. Die französischen Fahrer haben ihre eigene Gruppe gebildet, aber Jochen hat irgendwie zu unserem Kreis gehört.

John Miles

Großbritannien, Team Lotus Jochen legte für sein Leben ein enormes Tempo vor und war sehr schnell in seinem Urteil – nicht der toleranteste Mensch, wie viele Rennfahrer. Der Lotus 72 war eine unglaublich heikle Konstruktion – jedes Mal, wenn ich einstieg, ist irgendwas gebrochen. Es gab jede Menge Probleme, die das Vertrauen in dieses Auto zerrütteten. Irgendwie wollte Jochen nicht wirklich für Lotus fahren, weil es Autos waren, die einen leicht im Stich ließen. Dazu kam die Hast bei der Konstruktion des Typ 72. Wir machten dumme Experimente wie den Verzicht auf Flügel ohne aerodynamische Daten, aus denen man hätte Schlüsse ziehen können – ohne derlei Unzulänglichkeiten könnte Jochen vielleicht noch am Leben sein.

Bilder: Crash Media Group, Milan Schijatschky (2), Sutton Motorsport Images (4)

Emerson Fittipaldi

So heftig der Anprall auch war, nach heutigen Standards der Sicherheit wäre der Fahrer unverletzt geblieben.

Brasilien, Team Lotus In Monza war ich dritter Fahrer für Lotus, hinter Jochen und John Miles. Beim Frühstück vor dem Training sprachen wir über meinen Vertrag für 1971, dann passierte die Katastrophe. Es war entsetzlich für mich. Ich war erst 23, und Jochen war der Mensch, zu dem ich aufblickte als meinem Idol. Er war sehr nett zu mir, als ich von Brasilien nach Europa kam. Er war ein ­extremes Talent und ein phantastischer Kerl.

Peter Gethin

Beginn dieser Entwicklung zu kalkulierbarem Risiko, die dann mit Niki Lauda, später Ayrton Senna, ihr großes Momentum bekam und in die Zeit der Kohlefaser-Monocoques und weiten Sturzräume führte. Vor Monza hatte Jochen Rindt in der WMWertung mehr als doppelt so viel Punkte wie sein nächster Verfolger, Jacky Ickx auf Ferrari. Aber da waren noch die Großen Preise von Kanada, den USA und Mexiko

ausständig. Jochen konnte sich nicht mehr wehren, und Ickx kam zumindest theoretisch noch für den Titel in Frage. Als Jacky Ickx in Watkins Glen nur Vierter wurde, war die Rechnerei vorbei. Jochen Rindt wurde posthum Weltmeister. Es war gut und richtig so, sagte Ickx damals, echt erleichtert, und er sagt es noch heute. Rasante Slideshow: de.redbulletin.com/print2 Jochen-Rindt-Ausstellung: 3. bis 26. September, Galerie WestLicht, Wien

Großbritannien, McLaren Als Rennfahrer war er außergewöhnlich. Als Mensch war er anständig, intelligent, freundlich, ganz schön abgebrüht, gerissen und sehr österreichisch. Er hatte auch einen feinen Sinn für Humor. Bei seinem Crash war ich auch auf der Strecke, nicht weit hinter ihm. Als ich zu den Boxen kam, rannte Jackie Stewart zu mir und fragte, ob ich gesehen hätte, was passiert sei. Es war ein traumatischer Tag, aber wenn man zu viel nachdachte, konnte man seinen Job nicht mehr tun. So war es eben.

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Brass, wie er leibt und lebt: The Rebirth an einem der Dienstagabende bei ihrem Auftritt in der Maple Leaf Bar.

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All Ready for the Rebirth

Brass ist die Musik, die New Orleans am Leben h채lt. Tag f체r Tag, Nacht f체r Nacht. Text: Andreas Tzortzis, Bilder: Brady Fontenot


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L ethargisch kreisen die Deckenventilatoren des Maple Leaf durch zigarettenrauchgeschwängerte Luft. Am Ende des dicht gefüllten, stickigen Raums betritt eine neunköpfige Musikergruppe demonstrativ lässig eine Bühne. Man nimmt Platz, und ein kompakt gewachsener Typ im weißen Unterleibchen mit Posaune schnappt sich das Mikrofon. „Y’all ready for the Rebirth?“, brüllt er, ein Satz mit doppeltem Wortsinn, wie er zu diesem Abend in New Orleans nicht besser passen könnte. 70

Im Maple Leaf, einem Jazzlokal an der Oak Street, warten tanzwütige CollegeStudenten, ungelenke Touristen und gelernte Einheimische seit Stunden auf diesen Auftritt. Es ist 20 Minuten nach elf und fünf Jahre nach „Katrina“. Damals, am 29. August 2005, zerschmetterte der Hurrikan jene mühsam errichteten Dämme, die die unter dem Meeresspiegel liegende Stadt schützten, achtzig Prozent von New Orleans wurden überflutet. Man sieht noch immer Häuser, die aussehen wie kaputte Akkordeons, und Schulen,

die abgesperrt hinter Zäunen verrotten. Im diffusen Licht der Bühne holt Derrick Tabb, seines Zeichens Drummer der Band Rebirth, das Schlagzeug aus dem Halbschlaf. Er weckt mit ein paar vorsichtigen Schlägen erst die kleine und dann die Bass­trommel und gibt den Takt für Tuba Phil vor, der die rhythmisch-samtigen Noten des Eröffnungssongs anstimmt. Der Song ist eine Funk- und R & B-durchdrungene Hommage an jene Brass-BandMusik, die für mehr als ein Jahrhundert das Markenzeichen der Stadt war.


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Free Agents Brass Band Drummer Ellis Joseph (in der Mitte, ­sitzend) ist Gründer der Free Agents, hier bei einer Probe im Wohn­zimmer ­eines Hauses im Osten von New Orleans, das nach der Naturkatastrophe von 2005 ­wiederaufgebaut wurde.

Es ist ein typischer Dienstagabend im Maple Leaf. Es ist ein typischer Abend in New Orleans. Das Maple Leaf ist bei weitem nicht der einzige Platz in New Orleans, an dem in dieser Minute Musik gemacht wird. Draußen in der flimmernden Abendluft legt sich die Harmonikaglasur des Blues über die Zydeco-Musik der frankophonen Cajuns. Aus der Preservation Hall klingen Jazz-Melodien, aus der Bourbon Street Hip-Hop-Beats. Am anderen Ende der

Stadt, in einem „Habitat for Humanity“Sozialbau im Osten, spielt gerade jemand Posaune. In einer Vorkriegsvilla im Garden District übt ein Pianist Tonleitern. Und am Jackson Square, wo man einst Sklaven hinrichtete und heute Tarotkarten legt, hallt der träge Sound eines Sousa­ phons von den alten Kolonialbauten wider, von fein ziselierten Metallbalkonen und einem gigantischen Wasserbehälter namens Mississippi. Musik ist hier mehr als eine Freizeit­ beschäftigung. Sie ist ein Überlebenselixier.

„Wir sind am Arsch, Alter, hier unten am Ende der Landkarte“, sagt der Musiker Ellis Joseph, „aber unsere Musik hält uns am Leben.“ Es gibt kein anderes Genre, das das wechselhafte Schicksal der Stadt so treffend reflektiert wie die Brass-Band-Musik – eine ganz und gar ortstypische Kunstform, die auf der richtigen Abmischung von Blechblasinstrumenten, Trommeln und afroamerikanischem Herzblut beruht. Sie ist seit dem späten 19. Jahrhundert eines der kulturellen Hauptexportgüter von New Orleans. Ihre Wurzeln haben die Brass Bands in den frühen Militärmusikkapellen. Visio­ näre Musiker aus New Orleans verwandelten deren strenge Marschmelodien in beschwingte Stücke gut gelaunter Improvisationslust, die in der Welt unter dem Namen Jazz bekannt werden sollten. In Brass Bands übten sich Louis Armstrong und „Jelly Roll“ Morton, hier sammelten Legenden wie der Grammy-dekorierte Trompeter Wynton Marsalis und der neue Shootingstar Troy „Trombone Shorty“ ­Andrews erste Erfahrungen. In den Jahren seit „Katrina“ war diese Musik der Fels in der Brandung, der in guten wie in schlechten Tagen Halt gab. Die neunköpfigen Brass-Kapellen erzeugten mitten im Chaos ein Stück Normalität: Den „Jazz Funerals“ genannten musikgestützten Begräbnissen verliehen sie mit schleppend-schwermütigen Klageliedern und peppigen Riffs den speziellen Flair. Bei den allsonntäglichen Paraden übernahmen sie das Kommando über ganze Straßenzüge. An den Straßenecken rund um das French Quarter ist die musikalische Evolution schon ein wenig weiter fort­ geschritten: Teenager kombinieren hier ihre schulischen Marschmusikerfahrungen mit dem hochinfektiösen Funk von Bands wie The Rebirth. Auf der Veranda des Beerdigungsinstituts von Tremé, einem New Orleanser Stadtteil, sitzt ein Mann mit weißem Schnauzbart und ebenso weißer Baseballkappe und beschränkt sich auf die verantwortungsvolle Aufgabe, den Weltenlauf im Blick zu behalten. Sein Viertel ist eines der geschichtsträchtigsten Nordamerikas: Hier lebte zur Zeit des Sezessionskriegs ein Vielvölkergemisch. Hier war die ­Geburtsstätte der Bürgerrechtsbewegung, lange bevor sie diesen Namen trug. Die hiesigen Familien brachten ganze Gene­ rationen begabter Musiker hervor. Letztes Jahr erlangte Tremé mit seiner multikulturellen Melange und den exzen­ trischen Einwohnern – vom Trompeter 71


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Kermit Ruffins bis zu Trombone Shorty – landesweite Aufmerksamkeit. Der TV-Sender HBO widmete dem Viertel eine ganze TV-Serie. Anders als ins Lower Ninth Ward, wo auch ein Brad Pitt dekorativ bei den Aufräumarbeiten nach der Überflutung half, müssen die Touristenbusse ihren Weg nach Tremé aber erst finden. Von der Friedhofsveranda, von der ­Syl­vester Francis über seinen Bart die Welt beobachtet, dringt die Stimme eines DJs aus einem alten Ghettoblaster, dessen Kassettendecks ein Klebeband notversorgt. Sie sagt am lokalen Jazz-Sender WWOZ gerade einen neuen Song an. Im klimaanlagentiefgekühlten Innenraum des Beerdigungsinstituts versteckt sich ein Museum besonderer Art: Hier hat die vermutlich weltweit liebe­vollste Sammlung von Mardi-Gras- und Jazz-Funeral-Memorabilien aus drei Jahrzehnten ihr Zuhause – Erinnerungsstücke von jenen Umzügen also, für die New Orleans so berühmt ist. Darunter: ein Bierkühler, der bei SecondLine-Paraden eingesetzt wurde; Fest­ gewänder verschiedener Wohltätigkeitsclubs, die diese Paraden organisierten; und ein Raum voll mit federgeschmückten Mardi-Gras-Kostümen. Dankenswerterweise blieb die einzigartige Sammlung des Back Street Cultural Museum von der Flut verschont, die Tremé heimsuchte. Francis war einer der Ersten, die nach der Evakuierung zurück in der Stadt waren, sein Museum das erste, das schon im September 2005 wieder geöffnet hatte. „Ich machte mir keine Sorgen um mein Haus, ich machte mir nur Sorgen um die Sammlung“, sagt Francis. „Dass ich wieder hier einzog, ermutigte auch viele andere, zurückzukommen.“

Das erste Begräbnis nach der Flut war ein Lebenszeichen. Am 7. Oktober setzten sich vom ­ useum weg der Zug eines Jazz Funeral M und eine Parade von Freunden in Bewegung. Der berühmte kreolische Küchenmeister Austin Leslie war gestorben, und die Mitglieder der Hot 8 Brass Band führten das Jazz Funeral durchs Viertel. Das erste Begräbnis nach der Flut war für die Stadt ein Lebenszeichen. Jazz Funerals und Second-Line-Paraden gibt es in New Orleans und nirgendwo sonst auf der Welt. Sie erfüllen hier mehrere Funktionen, Volksfest und Folklore, soziales Bindemittel. Veranstaltet werden sie seit dem späten 18. Jahrhundert von lokalen Freizeit- und Wohltätigkeits­ vereinen. Hat man einen Todesfall in der Familie, springen diese Vereine ein, um einer alten afrikanischen Tradition entsprechend bei Organisation und Durchführung des Begräbnisses zu helfen. Den erwiesenen Gefallen zahlt man musikalisch zurück: Man lässt zum Dank eine Musikkapelle spielen. Die Vereine tragen opulente Namen – Uptown Swingers, Money Wasters, Black Men of Leisure – und sind seit mehr als hundert Jahren so etwas wie das Rückgrat der afroamerikanischen Community in New Orleans. Von September bis Juli findet jeden Sonntag eine Second-LineOLD SCHOOL RADIO Radio-Talkmaster LeBron Joseph versorgt seine Hörer jeden Morgen zuverlässig mit Hip-Hop, R & B … und natürlich Brass.

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Parade in New Orleans statt – also eine Parade, die von einem Verein angemeldet wurde, in deren Sog aber eine Hundertschaft tanzender Bürger hinter der Kapelle durch die Stadt zieht und die historischen Pflastersteine zum Beben bringt. An einem schmachtend heißen Früh­ sommertag im Juni marschieren die Uptown Swingers ein paar Blocks vom Garden District entfernt durch ihr Heimat­ viertel. Rund zwanzig Mitglieder in himmelblauen und weißen Anzügen, die eigens für diesen Anlass geschneidert wurden, folgen der Three Stooges Brass Band. Die Second Line ist dicht bevölkert: Hunderte sind heute auf der Straße und folgen der Route, die an schmalbrüstigen, zerzausten „Shotgun“-Häusern mit ungepflegten Vorgärten vorbeiführt. Das Gras steht hier bereits hüfthoch. Ganz am Schluss fährt ein Polizeibus, der die Second Line vergeblich zu zügigerem Tempo animieren will. Das zerrüttete Verhältnis zwischen Second Lines und Polizei ist unübersehbar: Zu oft gab es Ärger mit überteuerten Paradelizenzen einerseits und gelegentlichen Gewalttätigkeiten entlang der Strecke andererseits. Sobald eine Sirene ertönt, hört man die Leute schimpfen und fluchen. Doch heute ist die Atmosphäre ausgelassen. Junge schwarze Männer in T-Shirts, Shorts und makellos sauberen Sneakers erklettern tanzend die Hausterrassen. Während ihre Oberkörper sich gar nicht bewegen, scheinen Beine und Gelenke aus Gummi zu sein. Die Füße stehen keinen Augenblick still, von Schläfen und Schultern perlen Schweißtropfen. Im Zug folgen die Frauen und Kinder, ein paar Leute schieben fahrbare Bierkühler vor sich her. „Wenn du aus New Orleans bist, hast du diese Musik im Blut“, sagt Trisha Ellsworth, als die Second Line gemächlich vorbeizieht. „Und sonntags wird gemeinsam gefeiert, egal ob du dich unter der Woche riechen kannst oder nicht.“ Ein großgewachsener Mann mit dunklen Gläsern, weißem Hut und himmelblauem Anzug kümmert sich darum, dass die bunten Reihen von Tänzern mit UptownSwingers-Transparenten nicht durcheinanderkommen. Ezell Hines marschiert in der Second Line mit, seit er sechs Jahre alt ist. Heute ist er Präsident der Uptown Swingers. Dem unermüdlichen Einsatz für die Tradition verdankt er möglicherweise sein Leben, wenigstens aber seine Gesundheit. Denn Hines, ein Diabetiker, musste vor fünf Jahren vor der Flutkatastrophe nach Baton Rouge flüchten. Dort erklommen seine Zuckerwerte stressbedingt beängstigende Höhen. „Er war kurz davor zu


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REBIRTH BRASS BAND The Rebirth Brass Band, 1982 von den Brüdern Phil (hinten rechts) und Keith Frazier (2. v. li.) sowie Kermit Ruffins gegründet (Ruffins ist mittlerweile nicht mehr dabei), ist New Orleans’ erfolgreichster Brass-Export. Zwölf eigene Alben, unzählige Gastauftritte auf anderen. Die junge Brass-Generation ist wesentlich geprägt durch den von Funk und Hip-Hop beeinflussten Rebirth-Sound.

erblinden“, sagt seine Frau. „Ich musste diese Musik wieder hören, koste es, was es wolle“, sagt er, „also kehrte ich in meine Heimatstadt zurück, und mein Zucker normalisierte sich wieder.“ Er macht eine theatralische Pause. „Die Second Line war der Grund, warum wir alle wieder zurückkamen“, sagt er mit seinem kehligen, langgezogenen Südstaatenakzent, „obwohl alles zerstört war. Es war schlimm. Schlimm.“ Naturgemäß befanden sich unter den hunderttausenden, die ihr Heim verloren hatten, auch viele große Musiker der Geburtsstadt des Jazz. Fats Domino zum Beispiel, lebendes Original und nicht allein dank „Blueberry Hill“ weltberühmt, musste von einem Helikopter der Küstenwache aus seinem Haus im Lower Ninth Ward gerettet werden. Tausende Musiker mussten ins Exil nach Texas oder Mississippi. Ihre Plattensammlungen, Notenblätter und Instrumente versanken großteils im Schlamm.

Sie kamen zurück in eine veränderte Stadt: Nur sechzig Prozent der Einwohner waren nach der Katastrophe nach New Orleans zurückgekehrt, viele Clubs stehen immer noch leer. „Wir spielen heute vier-, fünfmal die Woche, für 450 Dollar die halbe Stunde“, sagt Ellis Joseph von den Free Agents. Vor „Katrina“ sah es rosiger aus: Damals wurden Brass Bands fast ­täglich für Firmenfeiern, Bars, Geburtstage oder Paraden gebucht – zu deutlich besserem Stundenlohn. An diesem Sonntag sitzt Joseph spätnachts in seinem Auto vor einer zweifel­ haften Bar namens Green Room im vierten Bezirk. „Ich will, dass meine Band sich bewährt, ein bisschen Geld macht, die Welt sehen kann“, sagt er nachdenklich, „aber bis dahin brauchen wir auch was zum ­ Leben. Ich möchte nicht aufgeben, aber so, wie es ist, ist es verdammt hart.“ Der Green Room war ein verlässlicher Ernährer der Free Agents, ein bisschen zu rustikal für die Touristen aus dem French Quarter, doch von den Einheimischen

mit Inbrunst geliebt. An der Straßenecke gegenüber grillt ein Mann, den sie „Bittles with the Vittles“ nennen, heiße Würstchen und Chicken Wings und winkt den Typen in den dicken GMC-Trucks und den frisch polierten Pontiac-Limousinen zu. Er trägt ein T-Shirt mit der Rückenaufschrift „Hot Meat for Your Mouth“. Der Parkplatz ist von Damen mit üppi­ gen Handtaschen bevölkert, die ihre groß­ zügigen Proportionen in bescheidener ­dimensionierte Kleider gezwängt haben. Die Männer tragen offene, kurzärmlige Hemden und Baggy Shorts, manche haben dunkle Sonnengläser und zurückgebundene Dreadlocks, die sie dem lokalen Rapstar Lil’ Wayne abgeschaut haben. Einer nach dem anderen schlurfen die Bandmitglieder an zwei Türstehern vorbei durch das Tor der Bar. Drinnen begrüßt Joseph jeden einzelnen. Dann zieht er sich in den Backstagebereich zurück, wo sich die Band bis zum ersten ihrer drei halbstündigen Auftritte aufhalten wird. Um 23.23 Uhr signalisiert der erste Ton des Sousaphons den Beginn der Show, welche die Tanzfläche binnen kurzem in ein schwitzendes, springendes, tanzendes Chaos verwandelt. Ihr Sound ist hörbar von den energiegeladenen Funk-Arrange­ ments der Dirty Dozen inspiriert. Diese Szene-Pioniere hatten in den 1970er Jahren den Horizont der Rhythm-&-Blues73


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Uptown Swingers Tief verwurzelt in der afrikanischen Kultur und New Orleans’ ureigensten Traditionen: Sozial- und Freizeitorganisationen wie die Uptown Swingers halten ihre wöchent­ lichen „Second Line“-Paraden ab. Bemerkenswert viel Geld und Zeit werden ins ­Erscheinungsbild investiert – durchaus schräge Outfits, bunte Fahnen, glänzend aufpolierte Instrumente. Bei dieser Parade Mitte Juni sorgte die Band The Stooges für die Brass-musikalische Begleitung.

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Action

geprägten Brass-Musik durch den intensiven Einsatz von James-Brown-Nummern erweitert. Rebirth, die dieses Jahr ihren 27. Geburtstag feierten, machten diesen Sound populär und wurden damit die meistaufgenommene Brass Band in New Orleans. Dass sie sich so lange halten konnten, liegt an der gelungenen Mixtur: Die Songs sind äußerst tanzbar, die simpel gestrickten Lyrics lassen sich auch in fortgeschrittener Partylaune mitgrölen. „Wir wollten ein junges Publikum, und sie ­wollten uns“, sagt Tabb, „darum machen wir Gute-Laune-Nummern, Stimmungsmusik. Das gefällt den Leuten, und die zahlen schließlich unsere Mieten.“ Ihr Erfolg hat in ganz New Orleans zahlreiche Nachahmer auf den Plan gerufen, die freilich eher durch Masse als Klasse punkten. Die Veteranen der Szene jedenfalls rümpfen die Nase über die neuen Bands. Früheren Generationen könnten diese, so behaupten sie, nicht das Wasser reichen. „Sie spielen viel zu laut, jeder versucht nur, den anderen zu übertönen“, sagt „Uncle“ Benny Jones sen., 67 und als Ex-Leader der Tremé Brass Band eine der meistrespektierten Szene-Größen, „und

wenn du sie auf ihre Fehler aufmerksam machst, hören sie dir nicht einmal zu.“ Tabb, selbst ein technisch brillanter Drummer, beklagt zwar das Desinteresse der jüngeren Bands, sich mit traditioneller Musik auseinanderzusetzen. Ein bisschen kann er es aber auch verstehen. „Hätten wir nicht selber neue Dinge probiert, ­wären Rebirth heute nicht da, wo sie sind“, sagt er, „vielleicht bringen sie ja eine Würze ein, die dem ganzen Ding eine neue Richtung gibt.“ Mit traditioneller Musik wird man in New Orleans schon daheim in der Familie konfrontiert, wo sie von Generation zu Generation weitergegeben wird. Einzelne Musikerdynastien bestehen seit dem frühen 20. Jahrhundert – von den Nach-

kommen des Althorn- und Klarinettenvirtuosen Louis Barbarin über die Neville Brothers bis zu den Brüdern Marsalis. Der Unterricht findet an praktisch jeder Straßenecke statt: Die Kids hören ihren älteren Geschwistern so lange zu, bis sie ein eigenes Instrument bekommen – und versuchen, das Gehörte selbst umzusetzen. Die Trompeter Kermit Ruffins und „Uncle“ Benny Jones sen. lernten mit dieser Methode auf den Straßen von Tremé. Auch Trombone Shorty und Tabb wurden so in die Neigungsgruppen traditioneller Jazz und Alleinunterhaltung eingeführt – in ihrem Fall am Jackson Square direkt vom großen Lehrmeister Anthony „Tuba Fats“ Lacen, bis zu seinem Tod im Jahr 2004 einer der elektrisierendsten Tuba­ bläser der Stadt. „Am Jackson Square

Tremé Brass Band Zu den respektiertesten Veteranen des Brass zählt The Tremé Brass Band, gebildet unter anderen aus „Uncle“ Benny Jones sen. (3. v. li.) und dem stets eleganten Lionel Batiste (2. v. li.), beide auf dem großen Gemälde an der Mauer

der Candlelight Lounge in Tremé verewigt. Ersterer wünscht sich als Brass-Traditionalist, dass die neue Generation von Bands mehr Augenmerk auf Technik legt und sich dem großen Erbe der Musik in New Orleans verpflichtet fühlt.


trafen sich immer schon die Musiker“, sagt Jeffrey Mills sen., ein Brass-Band-Sousaphonist und Musiklehrer. „Rund achtzig Prozent von allem, was ich über traditio­ nelle Musik weiß, habe ich auf diesem Platz gelernt.“ Leider sind viele der älteren Musiker, die dort einst gespielt hatten, nach „Katri­ na“ nicht mehr zurückgekehrt – oder in der Zwischenzeit verstorben. Die jungen fanden erschwerte Bedingungen vor. In der Flut gingen nicht nur weite Teile des Schulbezirks verloren, sondern auch die Musikstunden der öffentlichen Schulen: Im beinharten Sparkurs nach „Katrina“ zog der öffentliche Musikunterricht gegen die Budgetsanierung den Kürzeren. Die Abschaffung des Musikunterrichts motivierte Tabb dazu, 2007 „Roots of Music“ ins Leben zu rufen, eine private, nicht gewinnorientierte Musikschule für Kids von elf bis vierzehn Jahren. 125 von ihnen finden jeden Tag ihren Weg durch das Tor des Cabildo, des alten Rathauses aus der Ära der spanischen Herrschaft, das direkt am Jackson Square steht. Seine Vergangenheit als Zankapfel zweier damaliger Supermächte ist ihm anzusehen: Die spanischen Arkaden werden von einem französischen Mansardendach beschattet. Im obersten Stockwerk warten vier Reihen von Drummern und Tschinellen­ spielern in gelben „Roots of Music“T‑Shirts auf ihren Einsatz. Es ist mucksmäuschenstill, wenn man von Shoan Ruffins gelegentlichen Instruktionen absieht. Eine winzige Bewegung des Lehrers, und der Zug – vier Große Trom­meln, vier Marschtrommeln, eine Reihe von Tschinellenspielern und vier Rührtrommeln – setzt sich lautstark im Gleichschritt in Bewegung. Die Rücken sind pfeilgerade, die Blicke konzentriert nach vorn gerichtet. Ein Fingerschnippen, und der ganze Zug kommt abrupt zum Stillstand. Drumsticks stoppen mitten in der Bewegung, und es ist wieder völlig still. „Du musst sie in der Junior High erwischen“, sagt Tabb, „wo du noch ihre Begeisterung wecken kannst – denn sie haben noch viel zu lernen.“ Zwischen all den jungen Musikern sticht ein kleiner Junge hervor: Er ist gerade mal drei Jahre alt, seine kleine Trommel steht übermächtig groß vor ihm auf dem Boden. Lawrence „Tuda“ Honore ist der mit Abstand jüngste ­Schüler in der Gruppe. Sein Talent ist augenscheinlich: Er lässt die Drumsticks, die in seinen Händen wie Besenstiele aussehen, wie ein alter Hase wirbeln. Tuda ist, wie sich herausstellt, Tabbs Großneffe. „Wenn du ihm die Trommel wegnimmst, fängt er zu weinen an“, sagt Tabb.

Übungsstunde von Nachwuchskräften in der „Roots of Music“-Musikschule.

RED BULL STREET KINGS Der Claiborne Overpass wurde in den 1950ern errichtet, die Überführung ersetzte die alleeartige Anlage der Claiborne Avenue. Unter der Überführung üben Brass Bands besonders gern, die spezielle Akustik gibt ­ihrer Musik einen ganz eigenen Touch. Am 23. Oktober treffen sich unter dem Claiborne Overpass vier der besten Brass Bands von New Orleans zum Red Bull Street Kings, ­einem freundschaftlichen Wettstreit.

Dass er eine Musikschule an der gleichen Straßenkreuzung leitet, an der er einst selbst zu musizieren begonnen hat, erfüllt Tabb mit Stolz. Mit einem melancholischen Lächeln erinnert er sich an seine Lehrmeister, während er mit einem verschwitzten Handtuch um den Nacken vor dem Maple Leaf Luft schöpft. Tabb und seine Band in New Orleans zu erwischen ist ein hartes Stück Arbeit: Fast ständig sind sie auf Tour, klappern Jazz- und FunkFestivals in den Staaten und in Europa ab. Das viele Reisen ist dem Sound von Rebirth anzuhören. „Wir schnappen uns einen Rocksong oder eine Countrynummer und mischen alles durcheinander. Keine Ahnung, wie man das nennt, was herauskommt“, lacht er, „Junk ’n’ Jazz ’n’ Funk vielleicht? Egal, Musik jedenfalls.“ Er bleibt noch ein Weilchen auf der Gasse stehen, nickt ein paar Nachbarn zu. Dann muss er zurück in den Club: Der zweite der drei einstündigen Sets wartet. Und die Menge ist noch genauso energiegeladen wie vor der Pause. Weitere Infos zum Brass-Event in New Orleans: www.redbullusa.com/streetkings

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Mit Red Bulletin und NanoTalk zum Red Bull X�Fighters-Finale nach Rom! Reise exklusiv mit Red Bulletin und NanoTalk zum Finale der Red Bull X�Fighters am 1. Oktober 2010 nach Rom und erlebe als VIP�Gast hautnah, wie sich die FMX�Stars in die Lü�e katapultieren und atemberaubende Sprünge wagen.

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bild: Simon Cudby/Red Bull Photofiles

Einer der lautstärkeren Termine der „Hot Spots“ ab Seite 88: das Finale der FIM Motocross-WM. In der MX2-Klasse führend und im Bild: der zwanzigjährige Franzose Marvin Musquin.

More Body&Mind Belebendes für Körper und Geist.

80 Die Huberbuam im Hangar-7 82 Kletter-Zeug 84 Red Bull Dolomitenmann 86 Red Bull TV-Fenster 88 Tag & Nacht 98 Kolumne


Hangar-7-Interview

Die Huberbuam Thomas und Alexander Huber sind die bunten Hunde der Kletter- und Bergsteigszene. Und sie machen alles gemeinsam. Fast alles. Interview: Uschi Korda

Erster Eindruck der als Huberbuam bekannten Brüder aus Bayern: ein ungleiches Paar. Thomas, mit 43 Jahren der Ältere, überragt Alexander, 41, um mehr als einen Kopf. Ersterer lebt in Berchtesgaden, 25 Kilometer südlich von Salzburg, Zweiterer in Traunstein, 30 Kilometer westlich davon, doch sie kommen gemeinsam mit dem Kleinbus im Hangar-7 an. So kennt man sie auch in der Öffentlichkeit: ob beim Bouldern, Klettern, Bergsteigen oder bei Vorträgen – die Huberbuam sind gemeinsam zum Markenzeichen geworden. Begeistert von der Stahl-Glas-Konstruktion des Hangar-7, den ausgestellten Fliegern und F1-Autos, schreiten wir über die Rampe zur Skybar. Leise Frage: „Könntet ihr da klettern? Fürs Foto?“ Ohne Zögern steigt Alexander aufs Geländer, balanciert ungesichert bis zur nächsten Querverstrebung. Wir können gar nicht hinschauen. Thomas aber geht ganz ruhig auf festem Untergrund im Windschatten mit seinem Bruder mit. Wie eine lebende Stütze. Nur zur Sicherheit. Zweiter Eindruck: ein eingespieltes Team. red bulletin: Thomas, du hast mit zehn Jahren mit dem Bergsteigen begonnen. Dein älterer Sohn ist jetzt elf, gehst du schon mit ihm in die Berge? thomas huber: Beide Söhne – Amadeus ist sieben und Elias elf – sind schon mit mir am Fels unterwegs. Wie war das damals, als dein „kleiner“ Bruder das erste Mal mitkam? t: Das Klettern hat zuerst am Baum begonnen. Wir haben Szenen nachgespielt, die unser Vater in den Bergen erlebt hatte. Ich bin dann als Seilgefährte mit meinem Vater mitgegangen, später kam Alexander dazu. Da gab’s gleich Streitigkeiten, weil ich ein bisschen eifer­süchtig war, wenn mein Vater mit ihm allein ­unterwegs war. Habt ihr viel gestritten? t: Ich glaub schon. Ich sehe das jetzt bei meinen Kindern. Ich sag immer: Ihr seids Brüder, ihr müsst zusammenhelfen. Aber es hilft nichts. Streiten gehört bei Brüdern dazu, um sich zu behaupten. 80

Streitet ihr heute noch? t: Ja, aber als Brüder sagen wir uns schnell die Meinung, wenn etwas nicht passt. So können wir uns schnell wieder vertragen. Worüber streitet ihr? t: Ich glaub, über Banalitäten, was meinst du, Alexander? alexander huber: Natürlich geht es oft ums Bergsteigen. Wie kommt ihr zum Konsens? a: Na ja, da raucht’s halt einmal. t: Kommt drauf an, wie viel Herz man seiner Meinung nach drin stecken hat. Braucht ihr nach langen Expeditionen eine Pause voneinander? a: Während der Expedition sind wir ganz intensiv miteinander. Zu Hause hat der Thomas seine Familie. Er ist in Berchtesgaden, ich in Traunstein. Das ist dann eine gesunde Distanz, weil wir Brüder sind und nicht miteinander verheiratet.

Stehen über den Dingen: die Huberbuam am Berg.

t: Es ist für uns wichtig, dass wir in unserer Freizeit getrennte Wege gehen können. Um auch von dieser Marke „HuberBrüder“ wieder Luft zu schnappen. Wie macht ihr Krafttraining? a: In Boulderhallen. Wir Klettern ohne Seil, auf Absprunghöhe, wenn man draußen nicht gescheit klettern kann. Hat es schon Boulderhallen gegeben, als ihr begonnen habt? a: 1982 haben wir die erste Kletterwand bei uns zu Hause gebaut, gute zehn Jahre bevor überhaupt die erste Indoor-Anlage in Deutschland gebaut wurde. t: Wir haben in unserem Kellerraum schräge Wände installiert und Griffe reingeschraubt. Wir haben ja mit fünfzehn schon sehr systematisch, hart trainiert, weil wir Fanaten waren. Geht es jetzt mit dem BoulderhallenBoom in Richtung Massensport? a: Das ist offensichtlich. Die Menge der Kletterer ist ums Zehnfache gestiegen, in den Hallen ums Fünffache. Es wird aber kein Massensport wie Fußball werden. t: Indoor-Klettern hat nichts mit Berg­ steigen zu tun, es ist ein abgespaltener Sport geworden. Früher ist man in FitnessStudios gegangen, jetzt ist Klettern die moderne Art des Ganzkörpertrainings. In Bayern ist Klettern heuer zum Abiturfach erhoben worden. Da sieht man, was es für eine Wichtigkeit bekommen hat. Wird es jetzt eng am Berg? a: Ein großer Prozentsatz bleibt indoor. Es ist ein großer Schritt, wenn man dann rausgeht auf die Sportkletterfelsen. Und dann noch einmal ein ganz großer, wenn man ins alpine Gelände wechselt. Ihr seid „alte Hasen“, könnt ihr bei den jungen Kletterern Trends beobachten? t: Dass sie sehr früh mit dem Sport anfangen und im Spitzensport schon Kinder mit dreizehn Jahren in den oberen Schwierigkeitsgraden unterwegs sind. a: Was wir mit dreißig trainiert haben, bekommen die schon mit acht Jahren vermittelt, und sie sind mit sechzehn in der Weltspitze. Ich schätze, dass die mit spätestens 22 peaken. Macht ihr Wettkampf? t: Nur ganz kurz in unserer Jugend. a: Es war einfach nicht das Unsere, und damals waren die Wettkämpfe auch noch desaströs organisiert. Jetzt hätten wir gar keine Chance mehr. Sportklettern ist defi­ nitiv ein Teil des Bergsteigens, bei dem man spätestens mit 26 seine Leistungsspitze überschritten hat. Müsst ihr euch mental vorbereiten? a: Bergsteigen hängt überraschend wenig von der körperlichen Kraft ab. Es ist zwar ein offensichtlich physischer Sport, wichtiger ist aber, dass man die Kraft auf den

bild: www.huberbuam.de

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bild: Valerie Rosenburg

Der Reiz liegt in der Herausforderung, und die kann auch die Stahl-Glas-Konstruktion des Hangar-7 sein. Alexander Huber (re.) probiert fürs Foto aus, was man als Normalsterblicher bitte nicht nachmachen soll.

Felsen bringt. Wenn man zu viel Nervosität entwickelt, ist man gebremst. Die Besten in der vertikalen Welt sind die, die den klarsten Geist behalten können, wenn es um brenzlige Situationen geht, wo man auch mit einem großen Sturz rechnen muss. Seid ihr schon einmal an einer Wand gescheitert? a: Oft genug! t: Wenn wir wo hingehen, ist die Erfolgsquote sehr gering. Das ist der Reiz. Wenn wir von vornherein wüssten, wir schaffen das, wäre es nicht mehr interessant. Wir sind neugierige Lausbuben, obwohl wir schon jenseits der vierzig sind. Gibt es eine Herausforderung, an der ihr gescheitert seid, die ihr aber unbedingt noch einmal probieren wollt? t: Es hat in unserer Geschichte mehrere Berge gegeben: Latok II. Da ist der Alexander gescheitert, zwei Jahre später haben wir es gemeinsam geschafft. Am Ogre dasselbe. Da bin ich zweimal gescheitert, einmal mit dem Alexander. Dann bin ich mit einem Schweizer Team noch mal hin und hab’s geschafft. Oft braucht man für große Berge zwei Anläufe. In Patagonien, an einem hartnäckigen Brocken, sind wir

schon viermal gescheitert. Das nagt an uns, das wollen wir sicher noch einmal angehen. Vor allem im Karakorum stehen unsere ganz großen Träume, die schon oft versucht wurden, aber ohne Erfolg. Kann man vom Bergsteigen leben? a: Die bekanntesten Kletterer leben nicht vom Sport, sondern von dem, womit sie an die Öffentlichkeit gehen. Das erfolgreichste Mittel für uns ist, Vorträge zu halten, davon können wir tatsächlich gut leben. Da bin ich dann kein Sportler, sondern Enter­tainer, muss die Leute gut unterhalten. Alexander, du bist auch Rockmusiker? a: Nein, nein … t: … ich bin der, der in einer Band spielt! Gefällt dir die Musik von Thomas? a: Ja, Vollgas! Unser Musikgeschmack ist nicht identisch, aber ähnlich. Einziger

„Indoor-Klettern hat mit Bergsteigen nichts zu tun. Das ist ein eigenständiger Sport geworden.“

Unterschied: Ich habe klassisches Klavier gelernt, Thomas Gitarre. Ich finde die Musik seiner Band Plastic Surgery Disaster genial. Ich klimpere nur für Freunde. Du kommst gerade aus dem Urlaub – könntet ihr in einer flachen Landschaft Urlaub machen? a: Das war jetzt mein zweiter Urlaub überhaupt. In der Toskana, ein Traum zum Mountainbiken. Vor zehn Jahren war ich einmal auf Mykonos, weil ich eine Fingerverletzung hatte. Aber ehrlich, einen ganzen Tag nur am Strand fläzen und abends in einer Bar saufen ist nicht das Meine. t: Ich mache einmal im Jahr mit meinen drei Kindern einen Urlaub am Strand. Wenn du dann deine Kleine hast – er wird jetzt bald Vater! –, dann wirst du auch den Strand schätzen. Fahren eure Frauen mit auf die Expeditionen? t: Nein. Wenn man im Grenzbereich unterwegs ist, braucht man den Kopf. Die Familie ist zwar nie wirklich weg, im Moment des Tuns muss man sie aber ausklammern. Wie viele Monate im Jahr seid ihr in den Bergen? t: Eigentlich immer. Expeditionen dauern im Schnitt drei bis vier Monate. Ansonsten sind wir jeden zweiten Tag beim Klettern in den Alpen, in den Dolomiten oder beim Sportklettern in Karlstein. Könnt ihr euch ein Leben ohne Klettern überhaupt vorstellen? t: Nein! a: Will ich gar nicht. Ich finde es genial so. t: Ich weiß, dass ich süchtig bin. Nach zwei Wochen still daheim bekomme ich grippale Zustände, geht es mir körperlich schlecht. Erst beim Klettern fühle ich mich wieder richtig fit. Könnt ihr das Gefühl des Naturerlebnisses beschreiben? a: Umso mehr Herzblut man hineinhängen musste, um ans Ziel zu kommen, desto größer ist die Befriedigung. Wer schon einmal lange auf eine Prüfung hinarbeiten musste, kennt das Gefühl. Nach langer Vorbereitung geht man raus und weiß, man hat es geschafft. Dann ist alles in der Welt um einen herum völlig unbedeutend. Es ist egal, was man bisher erlebt hat, weil es grad so intensiv war, dass es alles übertüncht. Da ist man nur glücklich. Das ist das wahre Leben, das Im-Jetzt-Leben. Genauso ist es beim Bergsteigen. Da ist man völlig ausgeknipst, wenn man langsam in greifbare Nähe des Gipfels kommt. Und dann stehst du oben und über den Dingen – nicht nur im übertragenen Sinn, sondern auch physisch. Programmschwerpunkt mit den Huberbuam im Red Bull TV siehe Seite 86

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More Body & Mind

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Kilian Fischhuber, Anna Stöhr: Weltklasse-Boulderer.

Get the Gear

Annas und Kilis Zeug

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Zu Hause in den Kletter­ wänden dieser Welt: was Anna Stöhr und Kilian Fischhuber mitnehmen, um sich auch unterwegs ­heimisch zu fühlen.

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1. Sony-Kopfhörer www.sony.com Musik als Ablenkung und Motivation vor dem Wettkampf für Anna.

7. EdelridSicherungsgerät www.edelrid.de Formschön und leicht. Die Farbe heißt „Oasis“.

2. Chalkbag Mammut Basic Trio www.mammut.ch Ohne Magnesium kein Klettern, so einfach.

8. „Zillertal. Klettern und Bouldern“ Kletterführer von Markus Schwaiger aus dem Lochner-Verlag. Eigentlich sind wir ja Locals …

3. Stirnlampe Mammut Lucido www.mammut.ch Ermöglicht spätes Bouldern und Lesen draußen.

Bilder: Kurt Keinrath, Philipp Horak

4. RecheisVollkornnudeln www.recheis.at Geben uns die Power zurück. 5. Klettergurt Mammut Venus www.mammut.ch Sicherheit geht vor. Der hier ist speziell auf die weibliche Anatomie abgestimmt. 6. Griffbürsten Damit befreit man beim Bouldern die Griffe vom Chalk, den die Vorgänger hinterlassen haben.

9. Sonnenbrille www.smithoptics.com Für die Sonnentage im Leben. 10. Kleines Hilfspaket Sandpapier für die Haut, Pflaster, Tape, Painkiller. 11. „In 80 Tagen um die Welt“ www.amazon.de Jules Vernes Klassiker. Schaffen wir locker. 12. Deo www.dove.com Dusche aus der Dose. 13. Kletterschuh La Sportiva Solution www.lasportiva.com Weich und präzise. kilian-fischhuber.at

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more body & mind Print 2.0

Wie bewältigt man den Berglauf beim Red Bull Dolomitenmann 2010? Mit guter Taktik, richtiger Haltung und kleinen Psychotricks, verrät der viermalige Sieger Jonathan Wyatt (NZL). Hier sind seine Tipps.

Augen auf Wer im Gelände unterwegs ist, sollte immer etwas weiter vorausschauen als auf geraden Strecken. Man will ja wissen, welche Hindernisse einem der Berg in den Weg stellt. Ich versuche immer, den Abschnitt vor mir zu „scannen“ und mich dann auf die fünf bis sechs Meter direkt vor ­meinen Füßen zu konzentrieren.

Arbeite am Speed Beim Training für besonders lange Strecken versuche ich 30 Minuten am Stück zu laufen. Um meine ­Geschwindigkeit zu verbessern, ­absolviere ich dreiminütige Laufeinheiten bergauf, gefolgt von zweiminütigen Ruhephasen. In den Ruhephasen wird in der ersten ­Minute locker bergauf gejoggt und in der zweiten langsam bergab.

Die LuftsprungTheorie Seht euch die weltbesten DownhillLäufer an, und ihr werdet bemerken, dass ihre Arme während des Rennens wild umherfliegen. Aber von der Taille abwärts wirken sie stabil und ruhig. Die Profis bremsen nur sehr selten, und das hat einen Grund: Wer bergab ruckartig stehenbleibt, kann seine Gelenke beschädigen. Eine Theorie besagt, dass man einen Luftsprung machen soll, wenn man beim Bergablaufen zu schnell wird und die Kontrolle zu verlieren droht. Dieses Manöver soll den Sportler angeblich bremsen – ich habe das allerdings noch nie ausprobiert.

Fühl den Rhythmus Das Wichtigste beim Berglauf ist der richtige Laufrhythmus. Sportler, die Straßenstrecken gewohnt sind, machen oft zu große Schritte und werden am Berg schneller müde. ­Daher gilt als Faustregel: Je steiler der Hang, desto kürzer der Schritt.

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Die Kunst des Teilens Blickt man während des Rennens immer nur zum Gipfel, ist der Frust schnell zur Stelle. Man denkt sich: „Da werde ich wohl nie raufkommen!“ Hier hilft ein klein wenig Psychologie: Richtet eure Konzentration immer auf den nächsten Baum oder Felsen und teilt euch so die Strecke in mehrere Passagen ein. Auf sehr steilen Strecken sage ich mir immer: „Du wirst jetzt hart arbeiten, um diese Sektion zu packen, und versuchen, dich auf dem nächsten Teilstück zu erholen!“

Ein Berg zum Anlehnen Je steiler die Strecke, desto mehr musst du dich beim Laufen nach ­vorne lehnen. Denn die Naturgesetze sagen: Wer im rechten Winkel zum Hang unterwegs ist, wird nach hinten fallen. Ich lehne mich immer Richtung Berg und versuche, meinen Schwung nach vorne mitzunehmen.

Leicht vor kurz Ich wähle oft die längere Route, wenn ich sie für weniger steil und leichter zu bewältigen halte. Außerdem versuche ich die ganze Strecke durchzulaufen. Ich mag es nicht, zwischendurch stehenzubleiben oder auf Teilstrecken zu gehen.

Lektionen in Demut Niemand will seine Energie mit unnötigen Bewegungen verschwenden. Wer zu schnell und übermütig startet, wird das hohe Tempo nicht lange durchhalten. Der effektivste Weg zum Gipfel: bei der Fortbewegung so wenig Energie wie möglich verbrauchen.

Starke Zehen Je steiler der Berg wird, desto mehr laufe ich auf meinen Zehenspitzen. Ich habe das schon immer so gemacht. Ich stütze mich auf meine Zehen, grabe sie regelrecht in die Strecke ein und drücke mich mit der ganzen Kraft meiner Beine wieder vom Boden weg. Der Berg ruft: 23. Red Bull Dolomitenmann, 11. September 2010, Lienz, Österreich www.redbulldolomitenmann.com

bild: GRAEME MURRAY

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Red Bull TV: Jede Menge Action auf Ihrem Bildschirm.

The Wingman meets …

Ab 12. September jeden Sonntag, 20.15 Uhr Sechsteilige Dokumentationsreihe. Ed ­Leigh ist charismatisch, engagiert und sportbegeistert. Eigenschaften, die den Snowboarder und Sportkommentator zum idealen Protagonisten für eine Doku-Serie der extremen Art machen. Wir begleiteten Ed zu den aufregendsten Sportevents der Welt und fiebern mit, wenn er zum Selbstversuch ansetzt. Und wir machen mit ihm einen Blick hinter die Kulissen, lassen uns den historischen Background erzählen und wagen einen Ausblick in die Zukunft. Im September und Oktober ist Ed Leigh ­alias „The Wingman“ beim Cliff Diving (12. September), Street Style (19. September), bei Art of Motion (26. September), beim Air Race (3. Oktober) und bei den X-Fighters (10. Oktober).

Samstag 11. September 22.30 Bullet Points 23.00 On the Loose Doku-Soap mit den Kite­ surfern Aaron Hadlow und Ruben Lenten, Teil 6/7

0800 100 30 70 86

20.15 The Wingman meets Cliff Diving 21.15 Momentum – What drives you Mario Gomez

23.30 Highlights Red Bull Fierste Ljepper

21.45 Surf Chronicles Gold Coast Australia

00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show

22.00 Servus Hockey Night Magazin*

00.30 INK – Alter Ego Exposed Alles über Comics

22.30 Motocross-WM Saison-Finale 2010, Fermo

01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele

23.35 The Film Festival in Your Living Room Free Solo Die Huberbuam, Teil 1

01.10 Young Guns Rising 01.40 Adventure Circus Psyche: Patagonien im Winter, exzellente Technik und eine Erstbesteigung – preisgekrönter Kletterfilm

00.40 The Film Festival in Your Living Room Gimme Shelter: Die Rolling Stones auf USATour im Jahr 1969. Legendäre Musik-Doku

Samstag 18. September 22.30 Bullet Points 23.00 On the Loose Doku-Soap, Teil 7/7 23.30 Highlights Rhys Millen Pike’s Peak 00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.30 INK – Alter Ego Exposed Alles über Comics 01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.10 Young Guns Rising 01.40 Adventure Circus Puddles in the Sky: Eine Cineastische Surf-Reise mit kunstvollem Soundtrack 02.45 Nightflight Special Notting Hill Carnival, London

02.50 Talking Music: The Lecture Terre Thaemlitz

05.50 Cliptomaniacs (WH)

06.10 Cliptomaniacs (WH)

06.15 INK – Alter Ego Exposed (WH)

0640 INK – Alter Ego Exposed (WH)

04.55 The Wingman meets Cliff Diving (WH)

06.45 Highlights Rhys Millen Pike’s Peak (WH)

07.05 On the Loose (WH)

05.50 Momentum: Mario Gomez (WH)

07.15 Surf Chronicles, Jeffreys Bay, S. A. (WH)

07.30 Bullet Points (WH) * Eine Sendung von

20.15 The Wingman meets Street Style 21.15 Momentum – What drives you Mick Fanning 21.45 Surf Chronicles Australia Special 22.00 Servus Hockey Night Magazin* 22.30 The Film Festival in Your Living Room Eternal Flame Die Huberbuam, Teil 2 00.00 The Film Festival in Your Living Room Part of the Weekend never dies 01.15 Talking Music: The Session Bulletproof feat. Rugged Techniques

02.40 Adventure Circus Centre of the Universe Die Huberbuam in den USA

03.40 Adventure Circus The Present: Surfen pur von Westafrika bis Java

03.05 Nightflight

Sonntag 19. September

01.45 Talking Music: The Lecture Move D

02.20 Talking Music: The Session Fat Freddy’s Drop

So sind Sie im Bild Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TVFenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter:

Sonntag 12. September

Part of the Weekend Never Dies Sonntag, 19. September, 00.00 Uhr Glanzund Schattenseiten des Tourlebens: die Brüder Dewaele alias 2ManyDJs live, backstage, mit Band und ganz privat.

07.30 Bullet Points (WH)

03.35 The Film Festival in Your Living Room Eternal Flame (WH) 04.55 The Wingman meets Street Style (WH) 05.50 Momentum – What drives you Mick Fanning (WH)

bilder: ALASTAIR LEE, PIAS RECORDINGS, RBTV, Three Feet High, Torsten Lapp

Bullet Points Samstag, 11. September, 22.30 Uhr Das Magazin ist zurück aus der Sommerpause und präsentiert ab sofort wieder jeden Samstag Sport, Culture und Entertainment.


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Momentum – What Drives You

Ab 12. September jeden Sonntag, 21.15 Uhr Spitzensportler ganz persönlich in einer neunteiligen Porträtserie. Ergründet werden die ursprünglichsten ­Motivationen im Leben von Ausnahmetalenten, was sie bis ans Limit treibt und was sie bewegt. Surf-Weltmeister Mick Fanning (19. 9.), Kletterprofi ­David Lama (26. 9.) oder die Schweizer Triathletin Natascha Badmann (3. 10.). Nach ihrem schweren Unfall auf dem Weg zum siebten Weltmeister­ titel beim Ironman 2007 auf Hawaii hat sie sich an die Weltspitze zurück­ gekämpft und wird heuer im Oktober auf Hawaii wieder an den Start gehen.

Eiszeit Sonntag, 26. September, 22.30 Uhr Programmschwerpunkt über die Huberbuam Alexander und Thomas. Heute: Reflexionen einer Expedition in die Antarktis. Samstag 25. September 22.30 Bullet Points

bilder: Franz Hinterbrandner, Golden Girls Filmproduktion, Momenta film, Sébastien Boué/Red Bull Photofiles

23.00 Road to Racing – Singapur 23.30 Surf Chronicles Teahupoo, Tahiti 23.45 Highlights 39 Days: 4 junge Musiker reisen ohne Geld quer durch Europa, 1/4. 00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.30 INK – Alter Ego Exposed Alles über Comics

Sonntag 26. September 20.15 The Wingman meets Art of Motion 21.15 Momentum – What drives you David Lama 21.45 Surf Chronicles Rip Curl Pro Bells Beach 22.00 Servus Hockey Night Magazin* 22.30 The Film Festival in Your Living Room Eiszeit – Reflexion einer Expedition Die Huberbuam Teil 3

Vast Samstag, 2. Oktober, 01.40 Uhr Mountain­ biken an Europas schönsten Schauplätzen. Eine atemberaubende Freeride-Reise, u. a. mit René Wildhaber und Ross Schnell. Samstag 2. Oktober 22.30 Bullet Points 23.00 Highlights Red Bull Manny Mania, New York 2010 23.30 Highlights Streets of San Francisco 23.45 Highlights 39 Days, 2/4 00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.30 INK – Alter Ego Exposed Alles über Comics

01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele

23.30 Red Bull Motocross of Nations, Live

01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele

01.10 Young Guns Rising

01.00 Talking Music: The Session Afternoon Raj

01.40 Adventure Circus VAST

01.40 Adventure Circus Virtuous: MountainbikeFreeriden in Full HD von den Schweizer Alpen bis zur ligurischen Küste

01.30 Talking Music: The Lecture Tom Oberheim

02.35 Nightflight Fabrik, Madrid

02.25 Adventure Circus Seaworthy: Surf-Film

05.45 Cliptomaniacs (WH)

02.25 Nightflight Ruby Skye, San Francisco

03.45 Surf Chronicles Rip Curl Pro Bells Beach (WH)

05.30 Cliptomaniacs (WH)

04.00 The Film Festival in Your Living Room Eiszeit – Reflexion einer Expedition (WH)

06.00 INK – Alter Ego Exposed (WH) 06.30 Road to Racing – Singapur (WH) 07.00 Surf Chronicles (WH) 07.15 Highlights (WH) 07.30 Bullet Points (WH)

04.55 The Wingman meets Art of Motion (WH) 05.50 Momentum – What drives you David Lama (WH)

06.15 Highlights 39 Days (WH)

Sonntag 3. Oktober 20.15 The Wingman meets Air Race 21.15 Momentum – What drives you Natascha Badmann 21.45 Surf Chronicles Santa Catarina, Brazil 22.00 Servus Hockey Night Magazin* 22.30 The Film Festival in Your Living Room Running the Sahara 00.30 The Film Festival in Your Living Room Creative Nature: Eine Hommage an die Natur, die Kreativität und den ­erfolgreichen Glaskünstler Williams Morris 01.35 Talking Music: The Session JDubs 02.05 Talking Music: The Lecture Dâm-Funk

06.30 Highlights Red Bull Manny Mania, New York 2010 (WH)

02.55 Adventure Circus Kranked Revolve: 12 Pros über ihr Leben mit dem Mountainbike

07.00 Highlights Streets of San Francisco (WH)

03.40 Talking Music: The Session (WH)

07.15 Highlights 39 Days (WH)

04.05 Creative Nature (WH)

07.30 Bullet Points (WH)

05.05 The Wingman meets Air Race (WH) 05.55 Momentum – What drives you (WH)

Grenzgänge mit Andrea Vogel Sonntag, 10. Oktober, 23.30 Uhr Andrea Vogel bricht mit einer Karawane zur Sahara-Durchquerung zu Fuß auf. Nach 800 Kilometern lässt ihn die Truppe im Stich. Samstag 9. Oktober 22.30 Bullet Points 23.00 Surf Chronicles Trestles, USA 23.15 Highlights The Cheaper Show 23.45 Highlights 39 Days, 3/4 00.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.30 INK – Alter Ego Exposed Alles über Comics 01.00 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.10 Young Guns Rising 01.40 Adventure Circus The Union Express Mit dem Zug durch die USA zu den besten Surf-Spots 0220 Nightflight 05.15 Cliptomaniacs (WH) 05.45 Adventure Circus The Union Express (WH) 06.20 Surf Chronicles Trestles, USA (WH) 06.35 Highlights The Cheaper Show (WH) 07.00 Highlights 39 Days (WH)

Sonntag 10. Oktober 20.15 The Wingman meets X-Fighters 21.15 Momentum – What drives you James Stewart 21.45 Surf Chronicles Performance Special 22.00 Servus Hockey Night Magazin* 22.30 The Film Festival in Your Living Room Grenzgänge mit Andrea Vogel 23.30 The Film Festival in Your Living Room Mein liebster Feind Ein Werner-Herzog-Film 01.20 Talking Music: The Session 01.50 Talking Music: The Lecture 02.45 Adventure Circus Proof Skateboard-Film 03.20 The Film Festival in Your Living Room Mein liebster Feind (WH) 05.05 The Wingman meets X-Fighters (WH) 05.55 Momentum – What drives you James Stewart (WH)

07.15 Surf Chronicles (WH) 07.30 Bullet Points (WH)

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more body & mind Red Bull Rampage 1. – 3. 10. 2010

hot SPOTS

Gee Atherton, Darren Berrecloth, Andreu Lacondeguy und Co in einer einzigartigen Mountainbike-Downhill-Challenge. Virgin, Utah, USA

Die besten Events des Monats rund um die Welt.

Bilder: Ray Demski/Red Bull Photofiles, Garth Milan/Red Bull Photofiles, Erwin Polanc/Red Bull Photofiles, Christian Pondella/Red Bull Photofiles

New Orleans Saints – Minnesota Vikings 9. 9. 2010 Kick-off zur 91. National-FootballLeague-Saison. Beim Spiel gegen die Vikings kommt es für Reggie Bush und seine Saints zur Neuauflage des NFC-Conference-Finales. Louisiana Superdome, New Orleans, USA

EHC Black Wings Linz – EC Red Bull Salzburg 10. 9. 2010 Zum Auftakt der Österreichischen Eishockey Liga kommt es gleich zum ersten großen Schlager der beiden Playoff-Finalisten des Vorjahres. Linz, Österreich

Red Bull Dolomitenmann 11. 9. 2010 Das Motto der 23. Auflage des Extrem-Teambewerbs mit Berg­ lauf, Paragleiten, Wildwasser-Kajaken und Mountainbiken lautet wieder „Härter, steiler, geiler“. Lienz, Österreich

Red Bull 5000 Down 11./12. 9. 2010 Stevie Smith wird sich, wie rund 300 andere Downhill-Mountainbiker auch, bei dem bedeutendsten Massenstart-Bewerb Kanadas vom Whistler Mountain bergab stürzen. Whistler (B. C.), Kanada

Red Bull Beach Boys 11./12. 9. 2010 Die 32 Qualifikationsturniere sind geschlagen. Nun haben die erfolgreichen BeachvolleyballTeams die Möglichkeit, sich mit den amtierenden deutschen Weltmeistern Brink/Reckermann zu messen. Düsseldorf, Deutschland

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Red Bull Cliff Diving World Series 12. 9. 2010 Im Ursprungsland des Cliff Diving, auf Hawaii, findet der letzte Bewerb der diesjährigen Saison statt. Hilo, Hawaii

Formel-1-GP von Italien 12. 9. 2010 Auf der Ferrari-Heimstrecke gab es im Vorjahr einen Doppelsieg des Brawn-Mercedes-Teams. Die beiden Red Bull Racing-Piloten Mark Webber und Sebastian Vettel brennen auf eine Revanche. Autodromo Nazionale di Monza, Italien

FIM MotocrossWeltmeisterschaft 12. 9. 2010 Antonio Cairoli könnte sich beim letzten Rennwochenende des Jahres vor heimischem Publikum als Titelverteidiger die Weltmeisterschaft sichern. Fermo, Italien

ASP World Tour 12. – 18. 9. 2010 Der Auftakt zur zweiten Saisonhälfte der Profi-Surf-Tour, die heuer extrem ausgeglichen verläuft, findet in Kalifornien statt. Im Kampf um den Titel dabei: der Südafrikaner Jordy Smith. Trestles (CA), USA

Red Bull Under My Wings 15. 9. 2010 Zehn talentierte holländische Jungbiker bekommen die Chance, von den Motocross-WMFahrern Marc de Reuver und ­Jeffrey Herlings zu lernen. Veldhoven, Niederlande

Red Bull Latitude Zero 23. 9. 2010 Zum Äquinoktium treten Beachvolleyballer wie Salgado/Salgado oder Brink/Reckermann zum Team-Duell am Äquator an. Macapá, Brasilien


more body & mind FIS Grand Prix Skispringen 3. 10. 2010 Abschluss der MattensprungKonkurrenzen. Danach heißt es für die Skispringer: Vorbereiten auf die Wintersaison! Klingenthal, Deutschland

Formel-1-GP von Singapur 26. 9. 2010 Sportkletter-EM 15. – 18. 9. 2010 300 Athleten aus 30 europäischen Ländern kämpfen in Imst um die Vorstiegs- und Speed­ bewerbs-Titel und in Innsbruck um Boulder-Edelmetall. Innsbruck und Imst, Österreich

Red Bull Subterrain 17. 9. 2010 Spektakuläre Bilder sind garantiert, wenn die Biker Edwin De La Rosa und Austin Horse durch die U-Bahn-Stationen des Big Apple wirbeln. New York, USA

Red Bull King of the Rock 18. 9. 2010 64 Basketballer qualifizierten sich bei sechs Turnieren fürs Finale an einzigartiger Location: auf der Gefängnisinsel Alcatraz. NBA-Star Rajon Rondo wird am Ende den besten „Eins gegen eins“-Basketballer zum „King of the Rock“ krönen. Alcatraz (CA), USA

Red Bull Flugtag 19. 9. 2010 Über 100.000 Zuschauer erwartet man in Bukarests Innenstadt, wenn hier zum dritten Mal ein Flugtag stattfindet. Bukarest, Rumänien

DTM 19. 9. 2010 Das achte Rennen des Deutschen Tourenwagen Masters findet auf der 3696 Meter langen Strecke in der Nähe von Magdeburg statt. Oschersleben, Deutschland

Red Bull Boxcart Race 24. 9. 2010 Das spektakuläre Rennen der motorlosen Eigenkonstruktionen findet zum vierten Mal in Südafrika statt. Johannesburg, Südafrika

Der Große Preis von Singapur wird seit 2008 als Nachtrennen ausgetragen (Premierensieger: Felipe Massa). Rund 1500 Scheinwerfer sorgen für eine durchschnittliche Beleuchtungsstärke von 3000 Lux. Marina Bay Street Circuit, Singapur

red bull Motocross of Nations 25./26. 9. 2010 Können in dem seit 1947 ausgetragenen Motocross-Team­ bewerb die seit fünf Jahren ungeschlagenen Amerikaner wieder einmal bezwungen werden? Denver (CO), USA

WRC Rallye de France 30. 9. – 3. 10. 2010 Drei WM-Läufe trennen Sébastien Loeb noch von seinem siebten Weltmeistertitel in Folge. Das Heimrennen des Franzosen ersetzt heuer die Korsika-Rallye. Straßburg, Frankreich

Red Bull X-Fighters world tour 2. 10. 2010 Alle Wege führen nach Rom – auch jene der FreestyleMotocross-Akrobaten, die in der Ewigen Stadt die World Tour 2010 beschließen werden. Stadio Flaminio, Rom, Italien

FIM Superbike GP von Frankreich 3. 10. 2010 Ebenfalls zu Ende geht die Saison für Jonathan Rea und seine Superbike-Kollegen. Ihr letztes Rennen findet in Magny-Cours in der Region Burgund statt. Magny-Cours, Frankreich

NASCAR Sprint Cup Series 19. 9. 2010

MotoGP von Japan 3. 10. 2010

Das 510,8 km lange „Sylvania 300“ ist das Auftaktrennen zum „Chase for the Sprint Cup“ – der Ent­scheidung der NASCARMeisterschaft. New Hampshire Motor Speedway, USA

Der dominierende Mann in der MotoGP-Klasse ist heuer Jorge Lorenzo. Der Spanier war in der ersten Saisonhälfte nie schlechter als Zweiter und gewann im Vorjahr den WM-Lauf in Japan. Motegi, Japan

Extreme Sailing Series 23. – 26. 9. 2010

Red Bull Roof Tops 5. – 8. 10. 2010

Die vierte Station der Extreme40-Segelklasse führt das Red Bull Extreme Sailing-Team vor die Küste Siziliens. Trapani, Italien

Freerunning vor einer malerischen Kulisse. Ryan Doyle wird sich in artistischer Weise über Dächer und Balkone der Kykladen-Insel Santorin bewegen. Santorin, Griechenland

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die macht der nacht Mehr als einmal um die Welt für alle, die nie müde werden.

La Bâtie Festival 3. – 18. 9. 2010 Der Bois de la Bâtie ist ein Park im Herzen von Genf. Außerdem war das urbane Grün 1977 Namensgeber und Geburtsstätte des Festivals La Bâtie – eines interdisziplinären Festivals mit Tanz-Performances, Theater­ stücken und Konzerten. Für Letztgenannte zeichnen in diesem Jahr Hudson Mohawke, Braiden, Jackmaster und andere Soundzwitscherer verantwortlich. An verschiedenen Locations, Genf, Schweiz

Bilder: Jennifer Dunaj, Green Valley, Jacob Hodgkinson, DJ Qbert

Numusic Festival 8. – 18. 9. 2010 Elektronische Musik in all ihren Facetten bietet dieses Festival im hohen Norden: MinimalMusic-Komponist Steve Reich, Dub-Meister Lee Perry aus Jamaika und die KrautrockVeteranen von Neu! repräsentieren die alte Schule, während Dubstep-Bassmonster Loefah oder die Experimental-HipHopper Anti-Pop Consortium futuristische Sounds unter der Discokugel servieren. Stavanger, Norwegen

The Black Seeds 9. – 11. 9. 2010 Einmal groovt das Dub-Oktett aus Wellington, als lägen seine Wurzeln in Jamaika, mal funkt die Combo, als sei sie James Browns Backing Band. Insgesamt sind The Black Seeds rund um Sänger Barnaby Weir wohl die entspannteste Band Neuseelands. Und das ist wunderbar so. 9. 9.: Sammy’s, Dunedin 10. 9.: Memorial Hall, Queenstown 11. 9.: The Bedford, Christ­ church, alle Neuseeland

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Lunice Beatbastler und Robot-Dancer Lunice führt uns durch Mont­real. Lässt den kitschigen Hafen links liegen, steuert dafür voll rein ins Nachtleben (S. 95). Montreal, Kanada

Bestival 9. – 12. 9. 2010 „Das Bestival ist eines der am schnellsten wachsenden britischen Festivals, mit Besucherzahlen, die in sieben Jahren von 4000 auf 45.000 angestiegen sind. Man bezeichnet uns sogar schon als Mini-Glastonbury“, sagt Kurator und BBC-DJ Rob da Bank stolz über sein Baby. Tendenz: wachsend. Daran kann angesichts des diesjährigen Lineups mit LCD Soundsystem, Roxy Music, The Antlers oder Neon Indian kein Zweifel bestehen. Robin Hill Country Park, Newport, Großbritannien

Elektronikka Festival 10. 9. 2010 Ein Dance-Festival in der Tabakfabrik wirkt angesichts des jüngst in Kraft getretenen Rauchverbots fast sarkastisch. Aber gut, die Hamburger BrüllHouse-Spacken Moonbootica, der Electro-Feinspitz Stephan Bodzin sowie Fritz Kalkbrenner werden die Nebelmaschine sicher stark genug anwerfen, dass keiner der Tänzer am Ende der Nacht mehr allzu klar sieht. Tabakfabrik, Linz, Österreich

Green Valley Wenn die Girls von Ipanema eine Landpartie machen, landen sie in Südbrasilien. Im „Green Valley“, dem vermutlich heißesten Club des Landes (S. 94). Balneário Camboriú, Brasilien


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Amadeus – Austrian Music Awards 16. 9. 2010

Cash Zwei Kiwis erobern London: Rosie Riggir und Mailee Mathews alias Cash machen unterkühlten Elektro-Pop und nehmen im Londoner Red Bull Studio ihr Debütalbum auf (S. 92). London, Großbritannien

Berlin Festival 10./11. 9. 2010 Tempelhof war bei seiner Eröffnung 1923 einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands. 2008 wurde der Hangar geschlossen, wurden die Gepäckbänder abgeschaltet. Seitdem werden am Rollfeld musikalische Geschütze aufgefahren. So wie in diesem Jahr Hot Chip, The Editors, Caribou oder Fever Ray, die beim Berlin Festival, einem – laut „F.A.Z.“ – „Festival für Menschen, die keine Festivals mögen“, konzertieren. Flughafen Tempelhof, Berlin, Deutschland

Soundedit Festival 10. – 12. 9. 2010 „Theo, wir fahr’n nach Łódz´“, schmetterte Vicky Leandros anno 1974, „dann feiern wir ein großes Fest, das uns die Welt vergessen lässt.“ Zwar abgelutscht, allerdings noch immer treffend. Gerade Anfang September, wenn Mad Professor seine Echokammer nach Łódz´ beamt, Peter Hook seine Band New Order vertritt oder Johan Agebjörn das Italo-Disco-Revival ankurbelt. Klub Wytwórnia, Łódz´, Polen

Green & Blue 12. 9. 2010 Saisonschluss-Party für den Techno-Sommer. Alljährlich laden die DJ-Bademeister Sven Väth und Ricardo Villalobos dafür ins heimelige Waldschwimmbad in Obertshausen, wo in diesem Jahr Joris Voorn, Steve Bug, Guy Gerber oder Johannes Heil der heißen Jahreszeit byebye! sagen werden. Waldsee, Langen, Deutschland

Scopitone Festival 15. – 19. 9. 2010

Hipnotik Festival 18. 9. 2009 Vier Elemente, ein Festival: Das Hipnotik feiert die Hip-HopKultur. Mit Graffiti, Breakdance, Rap und DJs wie QBert. Barcelona, Spanien

Als Scopitone bezeichnete man in den Siebzigern Jukeboxen, die nicht nur Musik, sondern auch Videoclips abspielen konnten. Das gleichnamige Festival, heuer mit Carl Craig, Busy P, Jamaica oder Chloé prominent besetzt, sieht sich ganz in dieser Tradition und setzt Videokunst auf Augenhöhe mit dem Musikprogramm. Friche Numérique, Nantes, Frankreich

Skero oder Anna F.? Elektro Guzzi oder Bauchklang? Wer in diesem Jahr den österreichischen Musikpreis Amadeus abräumt, ist noch ungewiss. Fast sicher scheint nur, dass am Ende wieder Falco lacht und abermals eine der Statuen mit ins Grab nimmt. Es wäre die fünfte, die ihm posthum verliehen würde. Was allein schon recht viel über den Zustand der Popmusik in Österreich aussagt, oder? Stadthalle, Wien, Österreich

SeeMe 16. – 18. 9. 2010 Labels, Musiker, Vertriebe, Journalisten. Im September trifft sich die Musikindustrie zum Kaffeekränzchen in Sofia beim SeeMe, dem osteuropäischen Pendant zur Popkomm. Und wie beim großen Bruder dürfen sich auch in Bulgarien die Musikfans freuen: Neben der Konferenz gibt’s ein begleitendes Festival. Sofia, Bulgarien

Alpha-Ville Festival 17./18. 9. 2010 Zelt und Dosenravioli daheimlassen, besser Hornbrille und schwarzen Rollkragenpulli einpacken: Das Alpha-Ville Festival findet nämlich in der White­ chapel Art Gallery statt, dem renommiertesten Ausstellungsort für aktuelle Kunst in London. So verkopft wie großartig auch die Riege an experimentellen Elektronikern, die Sounds mit ihren Laptops frickeln und brutzeln: Actress, Scanner, Subeena u. a. Whitechapel Art Gallery, London, Großbritannien

Reworks Festival 17./18. 9. 2010 In der Krise lässt es sich prima feiern, Berlin macht’s vor. Also lassen sich die dieses Jahr arg gebeutelten Griechen nicht lumpen und laden auf den Dancefloor: Sven Väth, Heidi, Moderat und Autechre sind nur einige Highlights beim größten Musikevent von Thessaloniki. Vilka Complex, Thessaloniki, Griechenland

N.A.M.E Festival 17./18. 9. 2010 Elektronische Musik und digitale Kunst, das passt prima zusammen. Mindestens so gut wie Frankreich und entspannte Festivals. Das N.A.M.E ist eines

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Früher nannten sich Rosie Riggir und Mailee Mathews Charlie ASH und waren eine der coolsten Post-Punk-Bands Neuseelands. Als Cash haben sie nun Synthie-Pop im Visier.

Studio Sessions

Geld im Gespräch

CASH LONDON

Rosie Riggir und Mailee Mathews sind Cash. Ein Duo, deren frostige Electro-Pop-Tracks mit rockigem Beigeschmack seit drei Jahren die neuseeländischen Dancefloors aufmischen. Ihre Bühnenshows sind atemberaubend, ihre grellen Videos – von Sängerin Riggir selbst produziert – bereits Hits auf YouTube. Dabei hat das Duo noch gar kein Album auf dem Markt. Das soll sich nun aber ändern. Um ihr Debüt aufzunehmen, ist das Duo nach London umgezogen. Im August waren Cash im Red Bull Recording Studio nahe der London Bridge, um den Grundstein dafür zu legen. 92

Und dort das erste Stück ihrer Platte in einer zweitägigen Session zu produzieren. Red Bulletin: Na, was habt ihr gestern Abend gemacht? Rosie Riggir: Wir waren aus. Aber nicht lang. Ich hatte nur ein paar Ciders. Mailee Mathews: Bei mir waren’s einige Biere. Aber übertrieben hab ich’s auch nicht. Die beiden plaudern noch ein wenig. Als Gastgitarrist Geordie McCallum ankommt, begrüßt ihn Mathews. Wenig später verschwinden die beiden im Abhörraum des Studios.

Heutzutage produzieren viele Musiker am Laptop. Zahlt es sich noch aus, seine Platte in einem Studio aufzunehmen? RR: Kommt darauf an. Du sitzt in einer engen Kammer mit Schallschutz, und zum Teil sind echt komische Typen in Tonstudios zugange. Außerdem: Wenn du in einem Studio arbeitest, arbeitest du zwangsläufig mit anderen Leuten zusammen. Und manchmal stimmt die Chemie einfach nicht. Deshalb tüfteln viele Musiker lieber zu Hause, um die Kontrolle über ihr Ding zu behalten. Hier ist es anders, die Vorteile überwiegen, denn das Equipment ist unglaub-

Bild: Jacob Hodgkinson

Sie sind schrill und charismatisch: Ihre Heimat Neuseeland haben Cash mit kühlem Synthie-Pop bereits erobert – nun ist London dran. In England arbeitet das Duo gerade an seinem Debütalbum. Wir haben die beiden bei Aufnahmen im Red Bull Studio besucht.


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Bilder: thomas butler (3)

Money Talks: Im Red Bull Studio tüfteln Cash an ersten Songs für ihr Debüt. Diskussionen am großen Mischpult (u.), Jam-Sessions mit Gitarre und Bass (o.) in der Aufnahmekammer.

lich: Wir sitzen zwischen sieben verschiedenen Mikrofonen, alle mit unterschiedlicher Charakteristik. Das Zeug hier ist definitiv besser als in den meisten Studios, die ich kenne. Mit all der Technik und den Computern könnte sogar ich Tracks und Beats bauen. Live-Instrumente, die musst du dir dagegen echt verdienen. Was meinst du mit „echt verdienen“? Mit ihnen zu arbeiten ist teuer. Du kannst dir Software für deinen Computer downloaden und einen Beat basteln. Du musst dafür nicht talentiert sein oder so. Es geht schnell und kostet nichts. Auf unserem neuen Album

aber will ich ein großes Saxophon-Solo. Dafür brauchst du einen echt guten Saxophonisten – und ein gutes Studio. Live-Instrumente klingen nur gut, wenn sie gut aufgenommen sind. Das geht nicht im Schlafzimmer. Ihr arbeitet ja gerade an einem eurer Songs hier im Red Bull Recording Studio. Aber wie sieht’s mit dem Rest des Albums aus? Wir wollen auf jeden Fall den Großteil des Albums hier produzieren. Mit einem großen Team. Bei mindestens drei oder vier Songs wollen wir mit verschiedenen Musikern zusammenarbeiten, damit sie alle unterschiedlich klingen. Wie wichtig ist ein Album eigentlich noch, wenn Musiker ihr Geld heutzutage vor­ wiegend durch Konzerte verdienen? Ich höre derzeit mehr Alben als jemals zuvor. Und finde es immer noch aufregender, wenn mich eine Band auf eine Reise mitnimmt. Auf eine große, einstündige Reise, nicht nur auf eine dreiminütige. Mit euren Videos geht ihr aufs Ganze. Wie fügen sich diese in euer Gesamtkonzept? Wie greifen Musik und die visuelle Ebene ineinander? Unsere Songs bis jetzt sind sehr verschieden und sehr individuell. Aber sie vertragen sich gut, sie sind Brüder und Schwestern, obwohl sie nicht Händchen halten (Riggir amüsiert sich selbst köstlich über ihre Metapher). Auf unserer Debüt-Single war dieser Stilmix beabsichtigt. Aber diesmal geht es um ein Album. Mit Artwork, Videos, den Live-Shows, dem Merchandise. Alles muss zusammenpassen, denn es soll ein Gesamtkunstwerk entstehen. Ich denke, bis jetzt haben wir herumprobiert und unsere Grenzen ausgelotet. Mittlerweile sind wir unserem eigenen Sound schon sehr viel näher. Wie entstehen eure Songs? Mailee hat ein gutes Gespür für Struktur. Entweder sie hat einige Akkorde, oder ich komme mit einem Gedicht an. Dann experimentieren wir ein wenig, entwickeln neue Ideen um die ursprüngliche herum. Ideen, die Mailee dann bündelt und in Form bringt. Ich bringe Pinsel und die Leinwand, sie malt die Nase. Seid ihr glücklich, dass ihr nach London gezogen seid? London ist inspirierend. In Neuseeland hab ich mich wie ein Fisch in einem Aquarium mit Deckel gefühlt. Als ich hier ankam, war der Deckel plötzlich weg. Jemand öffnet die Studiotür und einer von Cashs neuen Songs erfüllt die Lounge. Ein voller Synthesizer-Sound, so klar wie Riggirs üppige Stimme. Doch die Sängerin steht auf und schließt die Tür wieder. Warum hast du das gemacht? Na ja … weil’s noch nicht fertig ist! www.myspace.com/charlieash www.redbullstudios.com

davon. Untertags gibt’s Ausstellungen und Musiksoftware-Workshops, abends wird die Diskokugel ausgepackt und zu Electro-Acts (Busy P und Uffie) oder Techno-DJs (Radio Slave und Damian Lazarus) getanzt. La Tossée, Tourcoing, Frankreich

Hipnotik Festival 18. 9. 2010 „Hip-Hop ist wie ein Tisch“, hat der legendäre Grandmaster Caz mal gesagt, „weil die Kultur auf vier Beinen steht.“ Gemeint hat er damit Rap, DJing, Breakdance und Graffiti. In diesem Sinne agiert auch das spanische Hipnotik Festival, das diese vier Elemente mit Konzerten (SFDK, Morodo u. a.), Workshops und Battles zelebriert. Mercat de les Flors, Barcelona, Spanien

New Zealand Fashion Week 21. – 24. 9. 2010 Schon einmal was von Doris de Pont oder Nom*D gehört? Schon einmal die eleganten Kreationen von Zambesi gesehen? Nein? Dann wird’s höchste Zeit. Denn dass das KiwiModebewusstsein weit über Flipflops und Surfer-Style hinausgeht, zeigt sich daran, dass die neuseeländische Modeindustrie ihre Exporte seit dem Jahr 2000 verdoppelt hat. Die aktuellen Trends präsentieren Jungdesigner bei der New Zealand Fashion Week. Viaduct Harbour, Auckland, Neuseeland

L’Ososphère Festival 22. – 25. 9. 2010 Ein Wohnblock wird abgesperrt, mit Visuals in einen bunten Lichtteppich gehüllt und mit überdimensionalen Lautsprechern beschallt. Im Inneren breitet sich das Festival L’Ososphère auf sechs Bühnen aus und offeriert das Beste, was die Elektronik-Kiste derzeit zu bieten hat: Birdy Nam Nam, Chloe, Alva Noto & Blixa Bargeld oder Dave Clark. Laiterie, Strasbourg, Frankreich

Pygmalion Music Festival 22. – 25. 9. 2010 Für alle, die im Lateinunterricht nicht aufgepasst haben: Pygmalion ist der Typ, der laut Ovid seine weibliche Elfenbeinstatue lebendig geküsst hat. Warum ihn dieses Indie-Festival zum Namenspatron erklärt hat? Keine Ahnung, vielleicht, weil Musiker wie Built to Spill, Caribou, Cut Chemist oder Okkervil River die Tanzbeine des Publikums zum Leben erwecken. Nachzuhören gibt’s die Konzerte auf redbullmusicacademyradio.com. Mehrere Locations, Chicago, USA

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Reeperbahn Festival 23. – 25. 9. 2010

Decibel Festival 23. – 26. 9. 2010 Scuba, Modeselektor, Carl Craig, Gold Panda, Samyiam, Fennesz. Liest sich wie der Wunschzettel von ElektronikHipstern ans Christkind. Es ist aber die Auflistung der amtierenden Götter aus Dubstep, Electronica und Techno, die sich am Olymp, dem Decibel Festival, zum großen Jam treffen. Das Christkind heißt in diesem Fall übrigens Red Bull Music Academy Radio, das die Konzerte mitschneidet und online stellt. Neumos, Seattle (WA), USA

Green Valley balneário Camboriú

Dance K.O 24. 9. 2010 Dass Jugendkultur in Vorderasien nicht den leichtesten Stand hat, wissen wir. Breakdance beispielsweise – in den siebziger Jahren in der Bronx entstanden – gibt’s in Jordanien erst seit etwa zehn Jahren. Dafür gehen die B-Boys dort mit vollem Eifer an die Headspins ran und messen sich beim jährlichen Dance K.O in Amman. Tempo Dance Center, Amman, Jordanien

The Notorious IBE 24. – 26. 9. 2010 Im September wirkt Rotterdam wie ein Magnet auf B-Boys aus der ganzen Welt. The Notorious IBE ist eine Battle extraordinaire: Neben den üblichen Contests stehen Battles wie „All vs. All“, bei der sich die B-Boys spontan zu Crews zusammenschließen, oder „Longest Powermove Battles“, bei denen die Tänzer Ausdauer beweisen müssen, am Schlachtplan. Mit dabei: die Red Bull BC One All Stars. Verschiedene Locations, Rotter­ dam, Niederlande

Elements Festival 25. 9. 2010 Die Red Bull Elektropedia ist ein ­digitales Archiv, das die belgische Elektronikszene seit ihren Anfängen dokumentiert. Von Elektro-Pop-Pionieren wie Telex über Industrial-Heroen wie Front 242 bis hin zu neuen Helden wie Aeroplane. Beim Elements Festival hostet die Red Bull Elektropedia die Hauptbühne. Mit Acts wie Tiefschwarz und DJ Godfather. Tillegem, Brügge, Belgien

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World’s Best Clubs

Im grünen Tal Vergesst Rio! Die heißesten Partys werden unter freiem Nachthimmel an der brasilianischen Südküste zelebriert. Rio, Salvador und Florianópolis mögen zwar international bekannt sein, Brasiliens best­ gehütetes Geheimnis in der Kategorie „Partymeile am Meer“ ist aber Balneário Camboriú. Zum einen hat die knapp 200.000 Einwohner zählende Stadt an der Südküste ihren hippen Ruf wegen der schicken Yachten und sportlichen Automodelle, die die Marina säumen. Zum anderen wegen des „Green Valley“, das 2010 als bester Club bei den „International Dance Music Awards“ nominiert ist. Seinen Namen hat der Club, man kann es erraten, weil er mitten in einem grünen Tal liegt. Die wunderbare Gegend hat in den letzten Jahren internationale Top-DJs wie Tiesto oder Carl Cox angelockt, die neben lokalen

Größen hier bereits aufspielten. Nicht einfach allerdings die Anreise. Der nächste Flughafen ist Florianópolis, von wo es noch annähernd 80 Kilometer per Auto weitergeht, bevor man vor dem massiven Eingangstor dieser außergewöhnlichen Location steht. Eines Dienstags finde ich mich unter den üppigen Bäumen, die durch künstliche Beleuchtung noch grüner erscheinen, und den Klängen von DJ Steve Angelo in einer Menge von 8000 Menschen wieder. Keine gewöhnlichen Menschen allerdings. Die Nacht ist heiß, mit hoher Luftfeuchtigkeit, also sind die betuchten Töchter von Südbrasiliens Elite äußerst knapp bekleidet. Nicht weniger als umgerechnet 100 Euro hatten sie hinblättern müssen, um Angelo am DJ-Pult zu sehen. Für eine der 20-Personen-VIP-Boxen, auch „Camarotes“ genannt, legt man weitere 3000 Euro hin, will man Alkohol, kommen nochmals 2000 dazu. Was es in dieser wohlhabenden Enklave nicht gibt, sind synthetische Drogen. Bereits beim Eingang werden alle von der Security gebeten, Mobiltelefon und Digi-Cam aufzudrehen, um zu beweisen, dass keine verbotenen Substanzen darin versteckt sind. Gute Connections sind hier wichtig, und weil wir die haben, bekommen wir auch ein Camarote für uns allein. Einziger Nachteil: Uns fehlen 20 Gäste für die Party. Dieses Problem wird später von Junior Lima, einem der bekanntesten Popstars des Landes, gelöst. Er füllt unseren Space mit seiner Entourage, bestehend aus zwei Männern und 15 Girls, alle um die zwanzig und extrem hübsch. Da Lima sich erst in letzter Minute für einen Besuch im Green Valley entschieden hatte, stand er zwar mit VIP-Bändchen, aber eben ohne Camarote im Club herum. Was heißt eigentlich „Mi casa es su casa“ auf Portugiesisch? Kurz nachdem der Star unser Camarote gegen 2 Uhr früh geentert hat, beginnt auch Angelo zu spielen. Und keiner, wirklich keiner, wird vor Sonnenaufgang nach Hause gehen. Green Valley, Rua Rio Mamoré 1083, Rio Pequeno, Camboriú, Santa Catarina; www.greenvalley.art.br

credit Bilder: Green Valley (2)

129 Bands auf Hamburgs bekanntesten 930 Metern: die berühmt-berüchtigte Rotlichtmeile Reeperbahn verwandelt sich drei Nächte lang in ein Indie-Rock-Dorado. Dafür sorgen Acts wie Wulf Parade, Saalschutz, Blood Red Shoes oder Schlachthofbronx.. Reeperbahn, Hamburg, Deutschland


LUNICE MONTREAL

Resident Artist

Keep It Montreal

Lunice bastelt Hip-Hop-Beats, die klingen, als hätte Dr. Dre einen Game­boy verschluckt. Außerdem ist er ­einer von Kanadas besten B-Boys.

Bilder: Jennifer Dunaj (4), Karte: Mandy Fischer

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Aufwärmen für die Partynacht im Blue Dog.

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Montreal ist keine schnelle Stadt, anders als London oder New York. Montreal überlässt das Tempo dir, du entscheidest, ob du’s schnell oder langsam angehen willst. Und diese Vielseitigkeit, diese Balance der Stadt schätze ich sehr. Du spazierst durch die Altstadt mit ihren imposanten Bauwerken aus dem 19. Jahrhundert und hast das Gefühl, in Europa zu sein. Du fährst in den Osten der Stadt, nach Mile End, und bist plötzlich in einem angesagten Künstlerviertel. Die meisten meiner Musikerfreunde leben dort, es gibt haufenweise Galerien, Studios, Proberäume und nette Bars. Kreativität liegt in der Luft, das spürst du schon beim Schlendern durch die kleinen Gassen. Aufgewachsen bin ich in einem westlichen Vorort, in Lachine. Die Gegend ist alles andere als urban, hat mich musikalisch aber sehr geprägt. Genauer gesagt: der Hip-Hop-Laden Sam Tabak (1). Dort hab ich einen guten Teil meiner Jugend verbracht. Freunde getroffen, gechillt, Musik entdeckt und beim „Do-it Jam“, Sam Tabaks großem Hip-Hop-Festival,

OUTREMONT

MONT-ROYAL

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Von mobilen Clubs und nächt­ lichen Fleischgelagen: Die Stadt von Beatbastler Lunice hat mehr zu bieten als einen Kitsch-Hafen.

Autoroute

CÔTE-SAINT-LUC MONTRÉAL-OUEST

Ein deftiger Nachtsnack in Montreal: Poutine.

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1 Sam Tabak Inc., 915, Rue de Notre-Dame, Lachine 2 Manzo, 1033, 90th Avenue, LaSalle 3 Blue Dog, 3958, Blvd. Saint-Laurent, Montreal 4 SAT, 1195, Blvd. Saint-Laurent, Montreal

das an der großen Graffiti-Wall direkt daneben stattfindet, die Liebe zum B-Boying entdeckt. Heute lebe ich immer noch im Westen, zum Glück aber deutlich näher am Stadtzentrum. LaSalle ist nicht das spannendste Viertel. Dennoch gibt’s einige Perlen, für die Leute aus ganz Montreal anreisen. Bestes Beispiel: das Manzo (2), bekannt für die besten Subs (Submarine Sandwiches, Anm.) der Stadt. Zufällig würde man dort eher nicht reinstolpern. Das Manzo ist unauffällig und sehr klein, es gibt nur vier Sitzplätze. Total ghetto eigentlich. Die Magie passiert in der Küche: Sandwiches, beladen mit Tonnen von Fleisch, einfach grandios. Neben Poutine, einer kanadischen Spezialität aus Pommes frites und Frischkäse, der perfekte After-Party-Snack auf dem Heimweg vom Boulevard Saint-Laurent. Dort spielt sich Montreals Nachtleben vorwiegend ab. Bars, Clubs und Lokale säumen die Straße. Eines davon heißt Blue Dog (3). Sehr entspannt, recht überschaubar, perfekt, um die Nacht zu starten. Mein Lieblingsladen ist das SAT (4): ein Raum, der nur aus Modulen besteht und

dessen Struktur sich jede Nacht verändert. Immer auf den jeweiligen Event abgestimmt – von der Ausstellung über die Clubnacht bis hin zum Workshop. Das SAT kann einmal riesig sein, dann wieder ganz klein. Ein Effekt, der mit großen schwarzen Vorhängen erzielt wird, die die loftartige Halle jedes Mal anders unterteilen. Es heißt, Montreal sei eine romantische Stadt. Das stimmt. Aber Achtung: Der Schein trügt! Denn der offensichtlichste Ort für ein Date, der Old Port, sieht zwar aus wie der Drehort einer romantischen Komödie, doch jedes Paar, das sich dort trifft, liegt sich am Ende der Nacht in den Haaren. Im Ernst, ich weiß, wovon ich spreche. Meine neue Freundin und ich meiden den Hafen. Und spazieren dafür lieber Hand in Hand durch das coole Viertel Le Plateau-Mont-Royal. Mit seinen vielen kleinen Galerien, Bars und einem guten Blick auf den Namensgeber meiner Heimatstadt: den Mount Royal. Lunice’ Platte „Stacker Upper“ (LuckyMe Records) erscheint im Herbst. Tanzvideos, Live-Dates und Soundproben gibt’s auf www.myspace.com/Lunice

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more body & mind

Greenroom

The Kids Are Alright

Sonisphere Knebworth

Metal und schwarzes Leder dominierten die Hauptbühne am Sonisphere Festival. Wenige Bühnen weiter zeigten junge Bands, dass es sich auch ohne Klischees gut rocken lässt. Schwarzes T-Shirt, Ziegenbart, die Haare bis zur Hüfte. Tausende von uniformierten Männern pilgern an diesem späten Nachmittag Richtung Apollo Stage. Keiner will die nächste Band verpassen, die hier am Sonisphere Festival gleich die Bühne erklimmt: Slayer. Die dunklen Götter des Thrash Metal. „Dance with the dead in my dreeeams!“, brüllt deren Sänger Tom Araya, als er die Bühne betritt. Und das Menschenmeer vor ihm grüßt unisono zurück: mit lautem Grölen und tausenden in die Luft schnellenden Fäusten – Zeigefinger und kleiner Finger zum Teufelshorn abgespreizt. Zur gleichen Zeit machen sich in einer anderen Ecke des Knebworth Park, rund vierzig Kilometer nördlich von London, fünf junge Männer für ihren Gig bereit. Ihre Bühne ist kleiner, dafür sehen sie frischer aus – und riechen womöglich auch besser als ihre Kollegen von Slayer. Die Red Bull Bedroom Jam Stage ist so etwas wie der Jungbrunnen am größten europäischen Metal-Festival Sonisphere. Hier tragen Bands enge Jeans und asymmetrische Haarschnitte. Ein Wochenende lang Teenage-Drama zwischen Emo und Electro, zwischen Hip-Hop und Hardcore. Das liegt vermutlich daran, dass die Prot­ agonisten hier selbst noch Teenager sind. Jugendliche, die sich mit ihren Bands beim Red Bull Bedroom Jam eine Auftrittsmöglichkeit am Sonisphere erspielt haben. Auch die Blitz Kids haben ihr Live-Musikvideo auf die Webplattform für britische Bands unter 19 Jahren hochgeladen. Und ihre Fans dazu animiert, für sie abzustimmen. Mit Erfolg. Vor sechs Monaten wäre ein solcher Gig für die Blitz Kids noch undenkbar gewesen. „Uns gibt’s schon eine Weile, aber so nahe sind wir dem Rock-Olymp noch nie gekommen“, sagt Joe James. „Hier können wir ei96

300.000 Fans, über 80 Bands, sechs Bühnen, eine Religion: Metal. Das Sonisphere ist die größte Festivaltour Europas.

nem großen Publikum zeigen, was wir drauf­ haben. Und das ist sehr aufregend für uns.“ James ist der grimmig dreinschauende Frontmann der Emo-Punk-Combo Blitz Kids aus Crewe, England. „Seht her, ich hab gerade ein Foto mit Corey Taylor von Slipknot und mir gemacht“, unterbricht ihn Bassist Montgomery mit kindlicher Freude. Andere Musiker arbeiten auf einen solchen Moment ihr halbes Leben hin. Für die Blitz Kids ist es der zweite größere Festival-Gig überhaupt. Es ist weit mehr als nur die Röhrenjeans, was die jungen Bands von ihren Kollegen in Schwarz unterscheidet. Die neue Generation steht für einen Paradigmenwechsel im Metal. Engstirnigkeit war gestern, Grenzen werden weggewischt. Ganz selbstverständlich verbinden die Youngsters laute Gitarrenmusik mit Hip-Hop oder Electro. Über den Tellerrand blicken, das ist die neue Maxime. Und es sind genau Plattformen wie der Red Bull Bedroom

Mary O’Regan, Sängerin der Hearts Under Fire.


more body & mind

Abseits der Main Stage zeigen Bands wie Blitz Kitz …

Wiener Melange Festival 25. 9. 2010

… dass man weder Jeansweste noch lange Mähne braucht, um zu rocken.

Offenheit, Gleichberechtigung und Akzeptanz. Dafür wirbt das Wiener Integrationshaus seit den frühen neunziger Jahren. Und kümmert sich in dieser Rolle um die vielen Asylwerber, Flüchtlinge und Mi­ granten der Stadt. Einmal im Jahr wird die Wiener Melange, die multi­ kulturelle Gesellschaft. gefeiert, die Wien zu dem macht, was es ist. Mit karitativem Zweck und DJLokalhelden wie Functionist und Patrick Pulsinger. Ottakringer Brauerei, Wien, Österreich

Parklife Gold Coast Festival 25. 9. 2010 Während sich hierzulande die kurzen Hosen schön langsam auf den Winterschlaf einstellen, fängt in Australien gerade die Festival­ saison an. Mit Pauken, Trompeten und dem Parklife Gold Coast Fes­tival, in dessen Rahmen Electro-Hou(se)degen wie Brodinski, Groove Armada, Mehdi oder Sinden den Frühling einläuten. Parklands Showgrounds, Gold Coast, Australien

Bilder: James Pearson-Howes (5)

Earthdance 25. – 27. 9. 2010

Jam, die Bands wie den Blitz Kids in dieser Aufbruchstimmung Gehör verschaffen. „Mir ist es egal, es geht nicht darum, cool zu sein“, sagt James. „Red Bull Bedroom Jam hat uns extrem gepusht. Warum sollten wir diesen Support nicht annehmen?“ Um 18 Uhr legen die Blitz Kids los. Und ein musikalischer Hurricane zieht auf. Hymnische Punk-Pop-Songs, schnell, hart, genau das Richtige für die jungen Headbanger vor der Bühne. Der Auftritt ist kurz und knackig. Fast perfekt. Wäre da nicht der kleine Ausrutscher von Sänger Joe James: Gepusht und übermütig, will er mit einem Satz vom einen Ende der Bühne zum anderen springen, landet aber auf halber Strecke auf dem Hintern. Doch schon eine Sekunde später steht er wieder am Mikrofon und grinst übers ganze Gesicht. Wie ein echter Profi. 24 Stunden später: „Eine ganz schön große Bühne“, sagt Mary O’Regan und blickt ehr-

fürchtig auf die Red Bull Bedroom Jam Stage. „Dann nichts wie rauf mit dir“, sagt Lexi Clark lächelnd, die Drummerin ihrer Band Hearts Under Fire, und klopft ihr auf die Schulter. „Unglaublich viele Menschen haben uns auf den Gig hier beim Sonisphere angesprochen“, sagt O’Regan. „Allein das bringt uns unserem Ziel ein Stück näher: von der Musik leben zu können.“ Keine fünf Minuten später legt die junge Frauen-Band los – und macht keine Gefangenen: aggressive Punk-Songs mit Emo-Touch und harten Gitarrenriffs. Am Anfang ihres Live-Sets ist der Andrang noch recht bescheiden. Am Ende drängeln sich die Menschenmassen vor der Bühne, der Bereich hat sich in ein riesiges Moshpit verwandelt. Darunter auch etliche ältere Headbanger in Schwarz. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit: ¡Viva la Metal-Revolución! redbullbedroomjam.com

200 Locations, über 50 Länder, eine Botschaft: Das „Prayer for Peace“ wird im Rahmen dieses Friedensmusikfestivals weltweit synchron angestimmt. Morgens in Australien, nachmittags in Kalifornien und mitternachts in London. Bei der südafrikanischen Ausgabe der globalen Party stehen Acts wie Krushed & Sorted, Richard III und Funafuji an den Plattenspielern. Nekkies Resort, Worcester, Südafrika

Aloe Blacc 2./5. 10. 2010 Seine Soul-Hymne „I Need a Dollar“ ist die Titelmelodie der USamerikanischen Hipster-Fernsehserie „How to Make It in America“. Mit seinem pressfrischen Album „Good Things“ betourt der kalifornische Red Bull Music AcademyAbsolvent nun Europa. 2.  10.: Bohannon, Berlin, Deutschland 5. 10.: Porgy & Bess, Wien, Österreich

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U

m schön zu werden, gibt es zwei­ erlei Möglichkeiten: anstrengende und bequeme. Zu den anstrengen­ den gehört, dreimal wöchentlich zehn Kilometer zu joggen, Schokolade nur aus der Ferne anzusehen und acht Stunden zu schlafen. Zu den bequemen gehört Botox. Botox ist eine chemische Substanz, die sich sehr viele Menschen in sehr klei­ nen Mengen unter die Haut spritzen las­ sen, darunter Hollywoodstars wie ­Nicole ­Kidman. Botox (eigentlich: Botulinum­ toxin) ist ein Nervengift und lässt sämt­ liche Falten verschwinden, weil es die Fähigkeit der Muskeln unterbindet, sich anzuspannen. Wo keine Anspannung – da glatte Haut. So einfach ist das. Nun finde ich es ganz wunderbar, wenn wir uns durch fremde Hilfe schöner ­machen, im Fall von Botox rate ich aber zur Vorsicht: Wir besorgen uns nicht nur ein neues Gesicht, sondern auch gleich einen neuen Charakter, aber alles der Reihe nach. Eine der unterhaltsamsten Fähigkeiten von uns Menschen besteht darin, unseren Gesichtsausdruck zu verändern. Also freundlich zu lächeln, wenn uns etwas gefällt, und die Unterlippe vorzuschieben, wenn wir beleidigt dreinsehen wollen. Allein acht unserer insgesamt 26 Ge­ sichtsmuskeln sind dafür zuständig, uns arrogant, überlegen, armselig oder müde aussehen zu lassen. Die entsprechenden Muskeln tragen so vielsagende Namen wie Oberlippenheber, Mundwinkelherab­ zieher und Schmollmuskel. Wann immer sich die Natur mit einer Sache solche Mühe gibt, können wir davon ausgehen, dass sie für unser Leben sehr wichtig ist. So auch in diesem Fall. Denn wann ­immer wir mit anderen zusammenkom­ men – stets spielt unsere Mimik eine entscheidende Rolle. Sie erklärt, wie es uns geht, und sie macht deutlich, was wir wirklich meinen. Wenn wir jemanden fragen: „Hast du eine neue Frisur?“ und

Ankowitschs Kolumne belebt Körper und Geist

Schönheit macht blöd Je mehr Falten wir im Gesicht haben, desto besser können wir unser Gegenüber verstehen.

dabei skeptisch dreinschauen, weiß der andere, dass wir eigentlich sagen wollten: „Unter welchen Rasenmäher bist du denn gekommen?“ Aber damit nicht genug. Sobald wir ­lächeln oder grimmig vor uns hinstarren, geschieht noch viel mehr. Es wird nämlich jener Teil unseres Gehirns angeregt, in dem wir Gefühle verarbeiten, was wieder­ um dazu führt, dass wir sie deutlich stär­ ker empfinden. Wozu das gut sein soll? Nun, die Wissenschaftler nehmen an,

dass wir dadurch in die Lage versetzt werden, die Emotionen anderer Men­ schen besser zu verstehen, denn: Wir Menschen haben die Eigenart, die Mimik unserer Gegenüber nachzuahmen. Das heißt: Wenn wir in das traurige Gesicht eines Kindes sehen, das eben sein Eis hat in die Sandkiste fallen lassen, ahmen wir automatisch dessen Miene nach und ­können solcherart mit ihm mitfühlen. „Schade um das schöne Eis“, denken wir und kaufen ihm gleich eine neue Tüte und uns auch, weil wir ja auch traurig sind – und wie! Womit wir wieder bei der verhängnis­ vollen Wirkung von Botox gelandet ­wären. Wenn wir nämlich in Läden wie jenen am Berliner Kurfürstendamm ge­ hen, auf dem groß „Botox to go“ zu lesen ist, also Botox zum Mitnehmen, können wir uns dort zwar ein glattes Gesicht ab­ holen. Aber weil wir nachher gelähmte Muskeln haben, gerät die ganze Sache mit dem Empfinden und Verstehen von Gefühlen total durcheinander. So haben Wissenschaftler in München heraus­ gefunden, dass Menschen, die sich die Zornesfalten wegspritzen ließen, nicht nur weniger Gefühl zeigen, sondern auch empfinden konnten. Und es kommt noch schlimmer: Eine vor kurzem publizierte Studie zeigte, dass Menschen mit künst­ lich geglätteten Gesichtern auch Schwie­ rigkeiten hatten, die Emotionen anderer zu verstehen. Womit sich mit Fug und Recht be­ haupten lässt: Schönheit macht blöd. Und zwar, weil unser Körper so klug ist, sich nicht ungestraft ins Zeug pfuschen bzw. spritzen zu lassen. Christian Ankowitsch, 51, ist ein öster­reichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Österreich, ISSN 1995-8838: Herausgeber und Verleger Red Bulletin GmbH Chefredaktion Robert Sperl, Stefan Wagner (Stv.) Creative Director Erik Turek Art Director Markus Kietreiber Fotodirektion Susie Forman, Fritz Schuster (Stv.) Chefin vom Dienst Marion Wildmann Leitende Redakteure Werner Jessner, Uschi Korda, Nadja Žele Redaktion Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Christoph Rietner, Andreas Rottenschlager Grafik Miles English, Judit Fortelny, Esther Straganz, Dominik Uhl Fotoredaktion Markus Kucˇera, Valerie Rosenburg, Catherine Shaw Senior Illustrator Dietmar Kainrath Autor Christian Ankowitsch Mitarbeiter Andreas Tzortzis, Herbert Völker, Paul Wilson, Matt Youson Illustratoren Albert Exergian, Mandy Fischer, Lie-Ins and Tigers Augmented Reality Martin Herz, www.imagination.at Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Christian Graf-Simpson Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter Omar Sádaba Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Geschäftsführung Karl Aben­theuer, Rudolf Theierl Internationale Projektleitung Bernd Fisa Sonderprojekte Boro Petric Finanzen Siegmar Hofstetter Verlags­leitung Joachim Zieger Marketing Barbara Kaiser (Ltg.), Regina Köstler, Johanna Schöberl Projektmanagement Jan Cremer Anzeigenverkauf Bull Verlags GmbH, Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien; anzeigen@at.redbulletin.com Office Management Martina Bozecsky, Sabrina Pichl Firmensitz Red Bulletin GmbH, Am Brunnen 1, A-5330 Fuschl am See, FN 287869 m, ATU 63087028 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Redaktionsbüro London 155-171 Tooley Street, SE1 2JP, UK Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint jeweils am ersten Dienstag des Monats als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen – in Österreich: Kleine Zeitung, Kurier, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten; Burgenländische Volkszeitung, Niederösterreichische Nachrichten. In Deutschland: Münchner Merkur, tz. Das Red Bulletin liegt auch der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei. In Großbritannien: The Sunday Telegraph. In Irland: Irish Independent. In Nordirland: Belfast Telegraph. In Polen: Gazeta Wyborcza. In Südafrika: Cape Argus, Cape Times, Daily News, Pretoria News, The Star. In Neuseeland: The New Zealand Herald. Gesamtauflage 3,6 Millionen Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

Die nächste Ausgabe des Red Bulletin erscheint am 5. Oktober 2010.

illustration: albert exergian

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“Ich weiß, der große Tag wird kommen.”

Heinz Kinigadner.

Zweifacher Motocross-Weltmeister, Mitbegründer von Wings for Life.

Rund 2,7 Millionen Menschen weltweit sind nach einer Rückenmarksverletzung auf den Rollstuhl angewiesen. Lange Zeit galt Querschnittslähmung als unheilbar. Bahnbrechende Erfolge in Laborversuchen haben jedoch das Gegenteil bewiesen. Wings for Life hat sich dem Ziel verschrieben, Querschnittslähmung heilbar zu machen, und unterstützt die besten Forschungsprojekte zur Heilung des verletzten Rückenmarks. Damit die Frage nach dem „wann“ nicht mehr lange unbeantwortet bleibt.

Jede Spende zählt. Wings for Life. Stiftung für Rückenmarksforschung. Bankhaus Carl Spängler & Co., Salzburg. Kontonummer 1000 11911. Bankleitzahl 19530.

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