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SCHWEIZ

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

PHYSIK FÜR ECHTE MÄNNER •  D as perfekte Steak •  D er geniale Bier-Kühler •  D er unhaltbare Elfmeter

PEP GUARDIOLA erkennt gute Ideen. Und klaut sie.

IBIZA Unser Guide

zu Girls, Fun & Party

PEP GUARDIOLA SO TICKT DAS FUSSBALL-GENIE

CHF 3,80 MAI 2015


Weniger Luftwiderstand pro cm2 . Mehr Design pro Auto.

DER NEUE MAZDA2 Fahrspass und Effizienz vereint.

Der neue Mazda2.

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Neuer Mazda2: Energieeffizienz-Kategorie A — C, Verbrauch gemischt 3,4 — 4,9 l/100 km, CO2–Emissionen 89 — 115 g/km. Abgebildetes Modell (inkl. zusätzlicher Ausstattungen): Neuer Mazda2 Revolution SKYACTIV-G 115, CHF 25 200.—. CO2-Emissionen: Durchschnitt aller in der Schweiz verkauften Neuwagen 144 g CO2/km.


DIE WELT VON RED BULL

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MUSTANG WANTED

GETTY IMAGES (COVER), MUSTANGWANTED.COM, DAVID ROBINSON/RED BULL CONTENT POOL

ILOVEDUST (COVER)

Der Ukrainer, der ungesichert auf höchste Gebäude klettert, spricht über Höhen und Angst.

WILLKOMMEN! Irre Bilder: Da baumelt ein Mensch völlig ungesichert an einem Baukran und lacht in die Kamera. Balanciert mit dem BMX-Bike über einen wenige Zentimeter breiten Stahlträger, darunter fünfzig Meter gähnende Leere. Hält sich mit vier Fingern an einem Mauervorsprung über dem Abgrund fest. Dieser Mensch nennt sich Mustang Wanted, ein Star auf Facebook, YouTube und Instagram. Mit The Red Bulletin hat er erstmals ausführlich gesprochen. „Ich vertraue ­meinen Händen mehr als jeder Kletterausrüstung“, sagt er im Exklusiv-Interview ab Seite 26. Und: „Versuch erst gar nicht, meine Philosophie zu verstehen.“ Viel Vergnügen mit diesem Heft! Die Redaktion THE RED BULLETIN

„In einem Auto mit 550 PS kannst du jede Menge Spaß haben.“ DANIIL KWJAT, SEITE 52

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MAI 2015

AUF EINEN BLICK GALLERY 10  AUGENBLICKE des Monats

BULLEVARD

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17  SCHWERPUNKT LAUFEN Vom T-Rex bis zum Gipfel-Sprinter.

FEATURES 26 Mustang Wanted

DIE MACHT DER INSEL

Der Ukrainer klettert ungesichert auf Hochhäuser. Uns erklärt er, warum.

Beats und Ekstase: Club-Fotograf Faris Villena führt uns durch Ibizas Nachtleben.

38 Pep Guardiola

Neun Dinge, die wir vom Super-Trainer lernen können. Inklusive Styling.

38

46 Heroes des Monats

Kontra K, Gian Simmen und die schönste Frau aus „Game of Thrones“.

52 Die Renault-Rakete

Härtetest: F1-Pilot Daniil Kwjat bringt den R.S. 01 in Lazio ans Limit.

76

Zu Besuch bei den HelikopterLebensrettern in den Hochalpen.

ACTION-URLAUB IN UTAH

Abseilen am Sandstein-Grat, BASE-Jump nach drei Tagen Training. Unser Guide für Amerikas wilden Bundesstaat.

PEP GUARDIOLA

Sport, Mode, Motivation: Buchautor Martí Perarnau analysiert, was jeder vom Fußball-Genie lernen kann.

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WINGS FOR LIFE WORLD RUN

Snowboard-Olympiasieger Gian Simmen macht Sie fit für den Lauf-Event des Jahres – in nur zwei Wochen. 6



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AIR ZERMATT

Unterwegs mit den Helden des Hochgebirges: wie die legendäre Schweizer Helikopterstaffel Leben rettet.

68 Ibizas wilde Nächte

Hippie-Club, Underground-Tempel, Rock-Finca: Unser Mann kennt sie alle.

ACTION! 76 TRAVEL  Utahs Sandstein-Schluchten 77 GEAR Hightech-Foto-Ausrüstung 78 WATCHES  Mechanische Moderne 79 WHEELS  Audis neuer Supersportler 80 PHYSICS  Was Männer wissen müssen 82 MUSIC  Giorgio Moroders Playlist 84 ENTERTAINMENT  Liam Neeson rockt 86 SAVE THE DATE  Was so ansteht 88 ACTIVE STYLE  Smarte Bike-Begleiter 94 READ BULL  von Michael Köhlmeier 96 IMPRESSUM 98 MAGIC MOMENT

THE RED BULLETIN

FARIS VILLENA, GETTY IMAGES, THOMAS STÖCKLI/WINGS FOR LIFE WORLD RUN, TERO REPO

58 Air Zermatt


www.kiska.com

E X T R AVA G A N T FÜR INDIVIDUALISTEN!

Fotos: R.Schedl, H. Mitterbauer

Das Must-have der nächsten Generation. Vollendetes Design und perfekte Technik kombiniert mit der Qualität und langjährigen Offroad Erfahrung von KTM garantieren puren elektrischen Fahrspaß. Mit der straßenzugelassenen KTM FREERIDE E-XC ist das Überraschungsmoment auf deiner Seite. Kein Öl, kein Benzin, keine Abgase und kein Lärm. Perfekt geeignet für Individualisten, die bereit sind, neue Wege zu beschreiten und dabei einen ganz besonderen Begleiter suchen!

KTM macht alle Motorradfahrer darauf aufmerksam, die vorgeschriebene Schutzbekleidung zu tragen, das elektrisch betriebene Fahrzeug nur nach erfolgter Hochvolt-Sicherheitseinweisung durch einen autorisierten KTM Vertragshändler in Betrieb zu nehmen und verantwortungsbewusst sowie im Einklang mit den relevanten und anwendbaren Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung zu fahren. Die abgebildeten Fahrzeuge können in einzelnen Details vom Serienmodell abweichen und zeigen teilweise Sonderausstattung gegen Mehrpreis.

FREERIDE E-XC

W W W. K T M . C O M / F R E E R I D E - E DER KLICK ZUM DIGITALEN FOLDER


THE RED BULLETIN BACKSTAGE MAI 2015

CONTRIBUTORS MIT AN BORD

MICHAEL KÖHLMEIER

Rettungspilot Pfammatter und Fotograf Repo (re.)

Einsatz im Hochgebirge Helikopterflüge gehören zum Alltag des ReportageFotografen Tero Repo. Der Finne arbeitet für inter­ nationale Snowboard-Fachmagazine und begleitete Piloten in die Berge Alaskas. Was Repo an Bord der Air-Zermatt-Helikopter erlebte, faszinierte ihn ­dennoch. Eine Woche begleitete er die führende ­Rettungsstaffel der Welt auf ihren Einsätzen in den Walliser Alpen. Repo: „Die Helfer bleiben ruhig, selbst wenn es um Leben und Tod geht.“ Unsere Air-ZermattStory und Repos Bilder finden Sie ab Seite 58.

MAKING OF DAS SHOOTING DES MONATS

Der Vorarlberger ist einer der erfolg­ reichsten Autoren des deutsch­ sprachigen Raums (aktueller Roman: „Zwei Herren am Strand“). In seiner Shortstory beschreibt er einen Raubüberfall, der schiefgeht. Seite 94.

RED BULLETIN WELTWEIT DAUMANTAS LIEKIS

Der 24-jährige Reporter aus Litauen spürte für uns den umstrittenen Freeclimber Mustang Wanted in Kiew auf. Und führte das bisher längste Print-Interview mit ihm – natürlich auf einem Hochhaus. Ab Seite 26.

The Red Bulletin erscheint ­aktuell in elf Ländern. Im Bild das US-Cover unserer Story über die High-PerformanceSporttipps des Sommers. Alle Ausgaben zum Download: www.redbulletin.com/howtoget

Spöttel (li.), Kwjat und die Renault-­ Rakete, Autodromo Vallelunga bei Rom

„Nach der Testfahrt grinste Daniil zum ersten Mal.“ BERNHARD SPÖTTEL DTM, Le Mans, 24 Stunden am Nürburgring: Der Fotograf aus Bayern ist Experte für Motorsport im Highspeed-Sektor. Für uns begleitete Spöttel den Formel-1-Piloten Daniil Kwjat bei dessen Premiere im Renault Sport R.S. 01. Anschnallen, ab Seite 52.

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THE RED BULLETIN


BACK IN BLACK.

DER NEUE

SUBARU WRX STI 4x4

MIT 300 PS AB FR. 44’900.–.

– 2,5-Liter-Turbo-SUBARU-BOXER-Motor mit SI-Drive (3 Fahrmodi: Intelligent, Sport, Sport Sharp). – 6-Gang-Sportgetriebe. – 300 PS, 407 Nm, DCCD, VDC.

– 18’’-Leichtmetallfelgen. – Vier Modellvarianten (Sport, Sport S, Luxury, Luxury S). Luxury und Luxury S mit u.a. Leder-Sportsitzen, Navi, elektr. Schiebedach. – Ab Fr. 44’900.– (Farbe Lightning Red).

Abgebildetes Modell: WRX STI 2.5T AWD Luxury S, 4-türig, man., 300 PS, Energieeffizienzkategorie G, CO 2 242 g/km, Verbrauch gesamt 10,4 l/100 km, Fr. 54’600.– (inkl. Metallic-Farbe). Modell WRX STI 2.5T AWD Sport, 4-türig, man., 300 PS, Energieeffizienzkategorie G, CO 2 242 g/km, Verbrauch gesamt 10,4 l/100 km, Fr. 44’900.– (mit Farbe Lightning Red).

www.subaru.ch SUBARU Schweiz AG, 5745 Safenwil, Tel. 062 788 89 00. Subaru-Vertreter: rund 200. www.multilease.ch. Unverbindliche Preisempfehlung netto, inkl. 8% MWSt. Preisänderungen vorbehalten. Durchschnitt aller in der Schweiz verkauften Neuwagenmodelle (markenübergreifend): CO 2 144 g/km.


PA Z I FI S C H E R OZ E AN

ZIIIEEEH! Das Volvo Ocean Race ist die härteste Segel­ regatta der Welt. Sieben Crews (im Bild: Dongfeng Race Team, China) steuern ihre Hightech-Yachten über annähernd 71.000 Kilometer rund um den Globus. Das Rennen dauert neun Monate. Der Segeltrimm zählt dabei zu den leichteren Aufgaben. Auch wenn Trimmer Kevin Escoffier (re./FRA) das sicher anders sieht. www.volvooceanrace.com Bild: Sam Greenfield

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SAM GREENFIELD/DONGFENG RACE TEAM/VOLVO OCEAN RACE


LEO G AN G , Ö STE R R E I C H

TUNNELBLICK Die Streckenprofile des UCI Mountain Bike World Cup halten knackige Extras bereit: zwanzig Meter weite Sprünge, mit Wurzeln gespickte Abfahrten, 80 km/h Topspeed im Gelände. Hier brettert der Brite Gee Atherton über österreichischen Schotter. Über seinen Beruf sagt der Doppelweltmeister und Weltcup-Gesamtsieger von 2010: „Rennen sind so einfach. Der Schnellste gewinnt immer.“ Alle UCI-World-Cup-Rennen 2015 im Live-Stream: www.redbull.com/bike Bild: Sven Martin



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PREDRAG VUCKOVIC/RED BULL CONTENT POOL

BJELAŠNICA, BOSNIEN

SURF-PIONIER In diesem Bild entwickelt der Amerikaner ­Brian Grubb eine neue Sportart: die Mischung aus Wake­skating (Wakeboarden ohne Bindung) und Eisbach-Surfen, unterstützt durch eine Elektro­ winde. „Du kannst dabei ruhig Gas geben“, sagt Grubb, „Wasser und Schnee federn die Stürze ab.“ Das Snow-Wake-Video: www.redbull.com Bild: Predrag Vucˇkovic´



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Der Geschmack tropischer Fr端chte. Die Fl端Gel von reD Bull.

Nur DieseN sommer

THE RED BULL SUMMER EDITION.


RENN MIT!

Wir laufen uns warm für den Wings for Life World Run.

KILIAN JORNET

GENIAL VERTIKAL

MATT GEORGES

Dieser Mann meidet die Ebene. Denn bergauf ist er schneller als so manch anderer bergab. Sein Lebensmotto: Ganz hinauf, so schnell wie möglich. Und so stand Kilian Jornet schon mit fünf Jahren auf dem Aneto, dem höchsten Pyrenäengipfel (3404 Meter). Heute ist er 27 und macht S ­ achen wie: das Matterhorn in knapp drei Stunden rauf- und runterzulaufen. Oder den Mt. McKinley im Nebel zu besteigen, um auf Skiern runter­ zurasen. Der Katalane gilt als Jahrhunderttalent seines Sports. Und er bricht reihenweise die Auf- und Abstiegsrekorde der Seven ­Summits. Fünf davon hat er schon, dieses Jahr will er den 5642 Meter hohen Elbrus packen. Dann fehlt nur noch der Everest. THE RED BULLETIN

­MALEN MIT QUALEN Wenn Claire Wyckoff joggt, ent­stehen Penisse. Was? S. 19

AROUND THE WORLD Der Wings for Life World Run: alles über den globalen RunningEvent des Jahres. S. 20

WIR MENSCHMASCHINEN Warum du, Homo sapiens, der König der laufenden Tiere bist. S. 22

17


BULLEVARD

RENN LOS!

Das Ohr läuft mit Faktum: Wer seine Musik an den Trainingsplan anpasst, läuft bis zu zehn Prozent schneller. Wir haben die Playlist für deinen Kreislauf.

Laufen macht schön: Izabel Goulart mit perfektem Gluteu­s maximus.

GEHEN

„SPEED OF SOUND“ Coldplay

INSTAGRUN

B PM

120

IZABEL GOULART

„ONE MORE TIME“ Daft Punk

LOSLAU FEN

Kniebeugen, Sit-ups, Kopf­ stände, Hanteltraining, Laufen, Pilates. Izabel Goularts Leben besteht offenbar zu 100 Prozent aus Workout. Selbst aus dem Flugzeug sendet sie Pics einer Kabinen-Trainingssession an ihren Instagram-Feed. Nur ein Bereich in ihrem Leben muss nicht komplett durch­ trainiert sein: Bei Männern nämlich findet sie einen kleinen Bauchansatz durchaus attraktiv. Da sind 1,7 Millionen Follower mit Sicherheit froh!

„WALK“ Foo Fighters

BESCHLEUNIGEN

BP M

160

„SHAKE IT OFF“ Taylor Swift

NOCH SCHNELLER

BP M

180

„ROCK AND ROLL“ Led Zeppelin

„Ich rede mit jedem, der mit guten Absichten zu mir kommt. Aber ich gehe nicht mit jedem aus.“

„SPEED“ Billy Idol

REANIMIEREN

BP M

104

„STAYIN’ ALIVE“ Bee Gees

Laufender Fortschritt WIE DIE NATUR DAS LAUFEN ERFAND UND WIE SICH DAS LAUFEN VERÄNDER­T HAT. EIN HISTORY-SPRINT.

18

VOR

3,5 MRD. JAHREN

GET MOVING! Hungrige Einzeller ent­ decken, dass sie schnel­ ler satt werden, wenn sie sich bewegen – von ­einem Happen zum nächsten.

VOR

4–6 MIO. JAHREN 1829 V. CHR.* HOMO ERECTUS Unsere Vorfahren erheben sich. Auf zwei Beinen verbes­ sert sich Weitsicht und Gleich­ gewichtsgefühl.

TAILTEANN GAMES Zu Ehren der Ver­ storbenen messen die Ur-Iren ihre Kräfte im ältesten Wettkampf.

776 V. CHR. OLYMPIA Die Griechen laufen erstmals für Ober­ gott Zeus – und e­ inen Siegerkranz aus Oliven­ zweigen.

* Über das genaue Jahr sind sich die Historiker nicht ganz einig.

GETTY IMAGES(4), FOTOLIA, CLAIRE WYCKOFF(2), PARAMOUNT PICTURES, DISNEY, STUDIOCANAL, THE KOBAL COLLECTIONS

„BEAT IT“ Michael Jackson

BP M

140

Das Victoria’s-Secret-Model ist ein Fitness-Junkie. Und netterweise zeigt sie uns auf Instagram, wie sie ihren Körper in Form hält.


SE 2

Morgensport: Das kommt raus, wenn Claire Wyck­ off aus Jogging Kunst macht.

SE 29th Ave

SE 26th Ave

SE 26th Ave

SE Stark St

SE Morrison St SE Belmont St

SE Yamhill St

Als die Bilder laufen lernten Von „Forrest Gump“ bis „Herr der Ringe“: was wir aus den berühmtesten Laufszenen der Filmgeschichte lernen können.

SE 30th Ave

SE Taylor St SE Salmon St

G P S - K U N S T SE Madison St

MALEN MIT QUALEN

„FORREST GUMP“

SE Madison

SE Hawthorne Blvd

Ihre liebste Laufdistanz: eine Penislänge. Doch auf Claire Wyckoffs Lauf-App finden sich noch andere hübsche Zeichnungen. Malst du, weil du läufst, oder läufst du, weil du malst? Ich mag es, Leute zum Lachen zu bringen. Und ich mag es, nicht dick zu sein. Deshalb laufe ich. Also war es ein Anti-Fett-pro-Lachen-Impuls. Was war die erste Figur, die du gelaufen bist? Die erste Zeichnung war ein Corgi, der beste Hund der Welt. Mein Mann und ich gingen laufen, und ich habe bemerkt, dass die Strecke auf der ­Satellitenansicht ein wenig wie ein Hund aussieht. Danach habe ich das perfektioniert. Und was hat es nun Claire Wyckoff läuft auch mit den vielen Space Invaders. ­Penissen auf sich? Die sind einfach unglaublich witzig! Und die Leute bei Nike haben sicher etwas ganz anderes im Sinn gehabt, als sie ihre App entwickelt haben. Was es noch witziger macht.

Wie lange brauchst du, um eine Zeichnung anzufertigen? Der Schein trügt. Ich muss oft Strecken­zurücklaufen, was dazu führt, dass etwa für einen Strich, der wie drei Meilen aussieht, in Wirklichkeit sechs Meilen zu laufen waren. Wie bereitest du dich aufs Laufen vor? Normalerweise zeichne ich die Forme­n auf einer Karte vor, um zu sehen, ob sie auch so werden, wie ich sie mir vorstelle. Diese Zeichnung nehme ich dann beim Laufen mit, und mein Blick wechselt immer ­zwischen der Lauf-App und der Vorlage hin und her. Malst du jedes Mal ein Kunstwerk, wenn du läufst? Nein, ganz und gar nicht. Die Zeichnungen beanspruchen viel mehr ­Arbeit, als es den Anschein hat. Musstest du jemals eine blöde ­Abkürzung nehmen, um die ­richtige Form hinzukriegen? Einmal musste ich quer durch einen Friedhof. Das fühlte sich schon recht komisch an, einen riesigen Penis über die Grabsteine zu ziehen.

490 V. CHR.

SEIT

MARATHONMANN Ein legendärer Bote läuft 40 Kilome­ ter nach Athen, verkündet: „Wir haben gesiegt“ – und stirbt.

TARAHUMARA Die Männer des indige­ nen Volkes in Mexiko nennen sich selbst „die schnellen Läufer“. Man­ che schaffen 150 Kilo­ meter am Tag.

THE RED BULLETIN

Wenn du müde bist, schlaf. Wenn du hungrig bist, iss. Ansonsten: Renn!

2000 JAHREN

„KÖNIG DER LÖWEN“ Ewig wegrennen hat keinen Sinn. Irgendwann musst du erwachsen werde­n.

„DIE REIFEPRÜFUNG“ Vorbereitung ist wichtig: Mit vollem Tank bliebe dir so manches erspar­t.

„HERR DER RINGE“ Hab immer ein Ziel vor Augen! Zum Beispiel die Rettung der Welt.

runningdrawing.tumblr.com

16./17. JHDT.

1897

1936

EDLES TRAINING Schon in Shake­ speares England hält sich der Adel mit Dauerläufen für Schwertduelle fit. Splendid idea.

BOSTON MARATHON Der älteste jähr­ liche Marathon der Welt startet zum ersten Mal. 15 Läu­ fer nehmen teil.

JESSE OWENS gewinnt viermal Gold bei den Olym­ pischen Spielen in Berlin – und lässt die Nazis ziemlich blöd aussehen.

Weiterlaufen: nächste Seite!

19


BULLEVARD

RENN HIER!

WINGS FOR LIFE WORLD RUN 2015

SO WEIT, WIE DU KANNST Am 3. Mai 2015 rennen tausende Menschen weltweit gleichzeitig los. Nicht gegeneinander – sondern für all jene, die selbst nicht laufen können. Der Wings for Life World Run ist der größte globale Charity-Event im Dienste der Rückenmarksforschung. Wir zeigen dir, wo du ins Rennen einsteigen kannst. Und wo du dieses Jahr sonst noch laufen kannst. Wings for Life World Run Locations 2015 Weitere Laufevents – von imposant bis irre D ER LÄ N GSTE

Kalmar

SELF-TRANSCENDENCE, New York City. 5000 Kilometer binnen 52 Tagen. Die Strecke: gut 5600-mal um ein und denselben Häuserblock.

Stavanger Aarhus Darmstadt

D ER H Ä RTESTE BARKLEY MARATHON, Tennessee. 16.500 Meter Höhenunterschied sind zu überwinden. Nur 14 Läufer haben je das Ziel erreicht.

Niagarafälle Santa Clarita Sunrise

FÜR FAULE Vantaa, Finnland. Treiben lassen statt selber laufen? Kein Problem – mit einem Schwimmreifen und Bier beim jährlichen BEER FLOATING.

Breda

Poznan´

Silverstone

Kolomna

Dublin

Bukarest

Ieper

Alanya

Rouen

Kakheti

Olten

Dubai

Porto

Gurgaon

Aranjuez

Bratislava

München

Ljubljana

St. Pölten

Zadar

Verona

Marathon – Athen, Griechenland. Auf den 2500 Jahre alten Spuren des Marathonlauf-„Erfinders“, aber hoffentlich mit besserem Ende.

Brasília

Lima

ANTARCTIC ICE MARATHON. Das musst du mitbringen: Verrücktheit, Kälteresistenz, extreme Kondition – und 10.000 Euro Startgeld.

Santiago

FÜR ALLE GREAT ETHIOPIAN RUN, Addis Abeba, Äthiopien. Mit zigtausenden Läufern der größte Straßenlauf Afrikas – in 2400 Meter Seehöhe!

1960

1962

1967

1972

2003

ABEBE BIKILA Iäuft barfuß bei den Olympischen Spielen – und holt als ­unterschätzter Außenseiter Gold.

BILL BOWERMAN legt mit seinem Buch „Jogging“ den Grundstein für den Massen­ hyp­e.

FRAUENLAUF Kathrine Switzer läuft als erste Frau den ­Boston Mara­ thon. ­Ärzte rieten ab – ihr könne der ­Uterus heraus­fallen.

„TRIMM DICH!“ Über 1500 Fitness­ pfade errichtet die Bewegung in Deutschland. Die meisten sind längst verfallen.

ROBERT GARSIDE umrundet als ers­ ter Mensch o∞­ ziell per pedes die Welt. Fazit: fast 60.000 Kilometer in sechs Jahren.



THE RED BULLETIN

GETTY IMAGES(2), REUTERS

Kapstadt

D ER T E U E RSTE

20

DIETMAR KAINRATH

DE R KLASSIKE R


Man kann’s ja mal probieren

WORLD RUN 2014

REKORDE WAS NOCH GEHT: Lade dir die Wings for Life World Run App herunter, trainiere gegen das Catcher Car oder melde dich als Selfie Runner an und starte, wo immer du willst. Erhältlich im App Store & Google Play Store. Alle Infos: wingsforlifeworldrun.com

DER SC HÖ N STE GREAT WALL MARATHON, China. Auf der Chinesischen Mauer zu laufen hat einen Nachteil: Beim Überholen geht’s eher eng zu.

Schwer zu toppen: die Weltrekorde vom Vorjahr.

35 km/h ist die maximale Geschwindigkeit des Catcher Car, das den Läufern im Nacken sitzt.

Kilometer lief Lemawork Ketema, der Champion des Vorjahres.

142

Takashima

FAHR U-BAHN! 1980 gewinnt Rosie Ruiz den Boston Marathon. Der Haken: Sie nahm zwischendurch die Subway.

IGNORIERE ABSPERRUNGEN! Jason Scotland-­ Williams springt 2014 beim London Marathon über einen Zaun.

Nationen waren letztes Jahr beim Wings for Life World Run vertreten.

Yilan

92

DER G R Ö SSTE PASIG RIVER RUN, Manila, Philippinen. Seit 2010 o∞zieller Welt­ rekordhalter mit mehr als 100.000 Teilnehmern. Zumindest am Start.

Jahre alt war der älteste Starter im Vorjahresfeld.

35.397 Teilnehmer waren beim letzten World Run dabei, verteilt auf 13 Zeitzonen und sechs Kontinente.

Melbourne

THE RED BULLETIN

START

78,57

FÜR G E HO RSA M E PJÖNGJANG-MARATHON, Nordkorea. Hier musst du jederzeit mit Regieanweisungen rechnen: Kim Jong-un könnte gewinnen wollen.

Fair ist das natürlich nicht. Aber mit diesen dreisten Tricks haben andere schon so manchen Sieg erschummelt.

2009

2014

9,58 SEKUNDEN So schnell wie Usain Bolt bei seinem 100-MeterSprint in Berlin ist noch nie jemand gelaufen.

DIE WELT RENNT Am 4. Mai nimmt eine Idee Gestalt an. Der Wings for Life World Run startet – an 34 Locations gleichzeitig.

LAUF MIT DEINEM ZWILLING! Das hat noch keiner gemacht – oder der Trick ist nie aufge­ flogen. Umso besser.

1. ZIEL

DIALOG DER DOSEN

Je weniger ich denke, desto schneller bin ich.

21


BULLEVARD

RENN MIT!

SUPERMENSCH

ZUM LAUFEN GEBOREN Diese fünf Killer-Apps haben den Menschen zur einzigartigen Laufmaschine gemacht. Selbst ein T-Rex hätte es mit uns nicht einfach gehabt.

UNTEN

HINTEN

Bipedie

Gluteus maximus

Kängurus hüpfen, Affen stützen sich auf ihren Händen ab, die anderen Säuger benutzen alle viere. Der Homo sapiens geht als einziges Säugetier ständig elegant auf zwei Beinen. Das begünstigt die Entwicklung eines größeren Gehirns. Schlau!

Ohne den Hintern ginge gar nichts. Unser größter Muskel ist ein ­Geniestreich der Evolution. Er stabilisiert ­unsere Körpermitte und lässt uns aufrecht stehen. Und laufen ohne Ende.

INNEN

OBEN

1 Kilo TNT

Runner’s High

Während eines Marathons erzeugt/verbraucht ein Läufer 75 Kilo Adenosintriphosphat (ATP), eine Art Biodiesel in unseren Zellen, der die Muskeln zusammenzieht. Diese Menge entspricht der Sprengkraft von einem Kilo TNT.

Ein langer Lauf wirkt wie ein langer Zug am Joint. Muss unser Körper Höchstleistungen jenseits der Schmerzgrenze erbringen, schüttet er k­ örpereigene Rauschmittel aus. So macht Laufen süchtig.

AUSSEN

Schweiß Im Sprint schlagen uns viele Tiere mit links. Aber in Sachen Ausdauer gehören wir zur Weltspitze. Ohne Fell, dafür mit drei Millionen Schweißdrüsen bleiben wir auf langen Strecken cool. Die meisten Schweißdrüsen sitzen übrigens auf unseren Fußsohlen.

T‑Rex

* Flink heißt: So schnell wie Usain Bolt. Oder zumindest schneller als die, die noch hinte­r dir laufen.

22



Mensch Pferd Beim „Man vs. Horse“ in Wales treten Läufer gegen Pferde an. 2004 gewann erstmals ein Mensch den 34-Kilometer-Wettkampf.

Dean Karnazes hat gezeigt, was geht: jeden Tag ein Marathon. 50 Tage lang!

Strauß Der größte Vogel der Welt ist auch unser härtester Konkurrent: 50 km/h hält er eine halbe Stunde durch.

THE RED BULLETIN

FOTOLIA(2), CORBIS

Für den König der Dinosaurier (Speed: 40 km/h) wäre der Mensch mit seinen flinken Beinen keine leichte Beute gewesen.*


Daniel Ricciardo f端r Pepe Jeans London


BULLEVARD

­S chaulauf

RENN MIT!

Die Gloryfy-Laufbrille für den Wings for Life World Run ist unzerbrechlich. (10 Euro gehen beim Kauf an die Stiftung.)

Pulsfühler Die Kopfhörer von Jabra messen über das Ohr den Puls – und spielen dabei sogar Musik.

App geht’s

Sweat‑Shirt Schwitzen, das anspornt: Werden die Shirts von Viewsport nass, erscheint eine ermutigende Nachricht.

GUTE GADGETS

LAUF MIT MIR

Diese smarten Tools machen dir Beine.

Modell 2050 Immer geschmeidig: Laufschuhe aus nachwachsenden Zellen. Kommen in 35 Jahren auf den Markt, sagt die Erfinderin Shamees Aden.

Von der Pulsuhr bis zum Science-FictionSchuh: Mit diesen Begleitern wird dein nächste­s Lauftraining zum Spaziergang.

­H autnah Hexoskin schmiegt sich an deinen Leib und zeichnet alle deine Körperfunktionen auf. Äh, alle?

STORY RUNNING Laufen wie im Spiel­ film. Die RuntasticApp macht dich zum Helden.

Time Check! Für die Jagd nach deinem Marathon-Rekord: Das Pace Band erinnert dich dezent daran, welche Zwischenzeiten du erreichen musst.

ROCK MY WORLD Playlists, die extra auf dein Trainings­ programm zu­ geschnitten sind.

­A llrounder Runtastic Orbit misst jeden deiner Schritte, den Kalorienverbrauch und wacht sogar über deinen Schlaf.

WALKJOGRUN Du bist auf Reisen und suchst eine gute Laufroute? Nimm meine!

KAINRATHS 1×1

FAKE MY RUN Hätten wir gern: eine App, die unsern 10-km-Lauf online stellt. Ohne Laufen.

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THE RED BULLETIN

DIETMAR KAINRATH

?

SAM BOND

Die Siegesformel für den Wings for Life World Run

ZOMBIES, RUN! Die Untoten kom­ men! Du hast keine Chance. Außer: Du rennst! In echt.


2012 / MOSKAU

DIE HÖHE DER TIEFE ORT

HÖHE

BESONDERHEIT

E U R A S I A- G E B ÄU D E , E I N N E U B AU. G E P L A N T E ­F E R T I G S T E L L U N G: 2 0 15

240 M E T ER

S C H N E E FA L L , K Ä LT E UND EISIGER WIND


M u s t a n g W a n t e d k l e t t e r t a u f W o l k e n k r a t z e r, B r ü c k e n und Kirchen. Ungesichert. Er wurde damit zum Star und z u m  ­G e j a g t e n . E i n G e s p r ä c h ü b e r A b g r ü n d e . Te x t : D a u m a n t a s L i e k i s  

THE RED BULLETIN

B i l d e r: m u s t a n g w a n t e d . c o m

27


ORT

L O M O N O S S OWU N I V E R S I TÄT

28



HÖHE

BESONDERHEIT

240 M E T ER

SEIT DIESEM STUNT D R O H T M U S TA N G I N R U S S L A N D G E FÄ N G N I S

THE RED BULLETIN


2014 / MOSKAU


2012 / MOSKAU

ORT

H O C H H AU S AU S D E R Z E I T S TA L I N S A M K U D R I N S K A JA- P L AT Z

HÖHE

BESONDERHEIT

156 M E T ER

M U S TA N G B A L A N C I E R T AU F D E M S T E R N A N D E R  S P I T Z E


THE RED BULLETIN

31


2010 / KIEW 2011 / KIEW 32



ORT

HÖHE

BESONDERHEIT

FUSSGÄNGER-BRÜCKE Z U R T R U C H A N O W - I N S E L IM DNJEPR

50 METER

H I E R K L E T T E R T E M U S TA N G SCHON ALS KIND – DAMALS N AT Ü R L I C H O H N E R A D

ORT

HÖHE

BESONDERHEIT

IRGENDEIN HAUS IM ZENTRUM

110 M E T E R

D A S B R E T T, A U F D­ E M M U STA N G S TA N D , WA R M O R S C H

THE RED BULLETIN


HÖHE

105 M E T ER

ORT

I R G E N DW O I N D E R I N N E N S TA D T

2013 / KIEW

VO R H E R V E R S T EC K T E S I C H M U S TA N G E I N I G E TAG E AU F D E M DAC H

BESONDERHEIT


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40 M E T ER

EIN UNGESTÖRTER ­F O T O P L AT Z – E I N E EC H T E S E LT E N H E I T I R G E N DW O I N D E R ­I N N E N S TA D T

BESONDERHEIT HÖHE

The Red Bulletin: Mustang, Hand aufs Herz – gar keine Angst vor der Polizei? mustang Wanted: Je größer die Chance, erwischt zu werden, desto besser. Die ­Herausforderung ist dann größer. Am liebsten klettere ich über Gerüste an der Fassade, für jeden sichtbar. Und nur fürs Protokoll: Ich breche keine Schlösser auf. Ich achte speziell darauf, niemandem zu schaden. Für Trendsportler, die auf Hausdächer klettern, gibt es eine Bezeichnung: Roofer. Du bist der wahrscheinlich ­bekannteste Roofer der Welt … … stopp, nein, ich bin kein Roofer. Was ich da oben mache, ist mehr als Roofing. Denk doch an die Sache in St. Petersburg vor ein paar Jahren, die Baustelle mit dem riesigen Kran. Ich bin da mit meinen BASE-Jumper-Freunden hoch, ging auf der Metallkonstruktion herum, zog meine Tricks ab. Stell dir mal einen Roofer vor,

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nser Gespräch findet in Kiew statt, nachts. Der Mann, der sich Mustang Wanted nennt, heißt Grigorij, ist 28 Jahre alt, ­Ukrainer, stammt aus Kiew. Mit den tief in den Taschen seiner alten Trainingshose vergrabenen Händen und der Kapuze im Gesicht sieht er nicht so aus, aber ­Mustang Wanted ist ein Star. Hundert­ tausende Follower auf Facebook, Twitter und Instagram, seine YouTube-Videos werden Millionen Mal geklickt. Es gibt nicht allzu viele Städte auf der Welt, durch die er so ungestört spazieren könnte: Mustang wurde in jedem Land, das er bisher besuchte, von der Polizei festgenommen. Weil er auf Wolken­ kratzer kletterte, auf Brücken, auf Türme, auf Kirchen. Ohne jede Sicherheits­ vorkehrung. Und er überstrapaziert ­damit den Humor der Behörden. Sollte er ­russischen Boden betreten, drohen ihm sieben Jahre Haft.

2014 / KIEW

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der so was macht. Kein Roofer spaziert auf einem Metallbalken, der gerade mal ein paar Zentimeter breit ist. Es ist wie Slacklining, nur schwieriger, denn die Be­ wegungen einer Slackline kannst du ganz einfach ausgleichen und kontrollieren. Auf den Metallstreben eines Krans, noch dazu in 200 Meter Höhe, ist das unmög­ lich. Der Wind rüttelt an der Stange, auf der du stehst, es ist quasi unmöglich, ­diese Situation zu kontrollieren. Du hast, offensichtlich, auch dieses Abenteuer überlebt. … wenn uns langweilig wurde, starteten wir den Kran und drehten ihn im Kreis. Was war das höchste Gebäude, auf das du bisher geklettert bist? Das war in Dubai, der Princess Tower. Ich hing dort frei an einer Kante in 414 ­Meter Höhe. Ich hab es aber nicht ­wegen des Höhenrekords gemacht. Es ging um das Erlebnis. Erlebnisse sind mehr wert als Rekorde. Es ist einer der atemberaubendsten ­Anblicke im gesamten Internet: Du hängst da nur an den Fingerspitzen in schwindelerregender Höhe. Ein ­professioneller Kletterer würde ­Sicherheitsgeschirr verwenden, ein Seil, mindestens einen Helm … Ich vertraue meinen Händen mehr als ­jeder Kletterausrüstung. Und weil du das Internet angesprochen hast: Es ist mir egal, wie viel Aufmerksamkeit ich ­bekomme. Die Leute können machen, was sie wollen. Wenn sie meinen Kanal abonnieren wollen oder mein Zeug auf Social Networks liken wollen, sollen sie das ­gern tun. Ist mir gleich. Die Meinung der Öffentlichkeit macht mich weder ­stärker noch schwächer. Ich tu einfach, was mir Spaß macht – auf Gebäude ­klettern und coole Videos machen. Mit dem Klettern allein ist es nicht ­immer getan. Du machst bei Minus­ graden Klimmzüge auf vereisten ­Metallstreben einer mehrere hundert Meter hohen Brücke. Du fährst Skate­ board über Abgründen. Verstehst du, dass das die Polizei provoziert? Ob Kiew, Moskau, Bratislava, Budapest, Berlin oder Dubai, überall hatte ich schon Ärger mit der Polizei. Aber ich verstehe es nicht. Ehrlich. Schaden meine Aktionen irgendjemandem? Nein, niemandem. Eben. ­Warum also sollte ich ins Gefängnis ­wandern?

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DAUMANTAS LIEKIS

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I R G E N DWO A M S TA D T R A N D

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HÖHE

BESONDERHEIT

140 M E T ER

E S WA R S O K A LT, DA S S M U S TA N G S H Ä N D E A M M E TA L L F E S T F R O R E N

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2011/12 / MOSKAU

Ich brauche nichts gegen die Angst zu tun, weil ich keine Angst habe. Ich bin entspannt und konzentriert. Du landest erstaunlich selten tatsächlich im Gefängnis. Wie schaffst du es, der Polizei zu entkommen? Ich laufe davon. Klingt banal, ist aber ­wirkungsvoll. Polizisten laufen langsamer als ich. Die heikelste Situation ist es, wenn ich gerade auf eine Brücke klettere und oben die Polizisten in ihrem Auto warten. In diesem Fall gibt es ja keinen Fluchtweg. Also muss ich sie überlisten. Ich muss ­gegen ihre Fahrtrichtung rennen. Dann sind sie es, die von der Brücke gefangen sind. Denn um zu wenden, m ­ üssen sie erst das andere Ende der ­Brücke erreichen. Das verschafft mir mehr als genug Zeit. Reagieren Polizisten überall gleich auf deine Aktionen? Europäer sind höflich. Wirklich. Höfliche Leute dort bei der Polizei. Ich erinnere mich zum Beispiel an diese sehr hohe Brücke in Budapest. Es war ein sonniger, heißer Tag, das Klettern war anstrengend und schwierig. Plötzlich stach mich eine Wespe in den Arm. Keine Ahnung, was die so weit oben getrieben hat. Ich erreichte die Spitze der Brücke, doch mein Arm machte mir wegen der verdammten Wespe zu schaffen. Klar, jemand hatte mich vom Boden aus gesehen und die ­Polizei gerufen. Sie nahmen mich fest, aber vorher boten sie mir medizinische ­Versorgung an. Das fand ich nett. In Russland droht dir Gefängnis. Sieben Jahre, ja. Die russischen Polizisten sind auch die brutalsten. Ich kletterte ­vergangenes Jahr auf dieses Gebäude in Moskau und bemalte in 176 Meter Höhe den Sowjetstern in den Farben der ­Ukraine. Mich haben sie nicht erwischt. Aber vier meiner Freunde, BASE-Jumper, die zufällig dabei waren, wurden ver­ haftet und stecken seither im Gefängnis. Was ich tue, verhöhnt die Vernunft der ­bestehenden Gesetze. Würde ich grundlos auf der Straße auf Menschen schießen, bekäme ich drei Jahre. Jetzt soll ich für sieben Jahre ins Gefängnis, weil ich auf ein 176 Meter hohes Gebäude rauf­ geklettert bin und einen Stern angemalt habe? Kranke Welt.

Wie reagieren die ukrainischen ­Beamten auf deine Aktionen? Sie machen gerne Fotos von mir. (Lacht.) Eine kuriose Begegnung mit Polizisten? Beim Abstieg vom Princess Tower in ­Dubai, von dem ich vorhin erzählt habe. Da rannte ich zwei Wachleuten in die Arme, unglaublich große Kerle, unglaublich hässlich, sie sahen aus wie Affen. Sie redeten irgendwelches Zeug auf Arabisch, ich verstand kein Wort. Dann packte mich einer, natürlich wehrte ich mich, fast wäre es zu einer Schlägerei gekommen. Aber dann zeigte ich ihnen Videos und Fotos von mir, auf denen ich auf anderen Gebäuden rumturne. Das gefiel ihnen. Als dann die Polizei kam, war längst alles entspannt. Sie fragten mich, wie ich aufs Dach gekommen war. Sie dachten, ich hätte Schlösser geknackt oder so. Aber es hatte einfach jemand ein Fenster im obersten Stockwerk offen gelassen. Das konnte ich aufklären. Und dann ließen sie mich frei. Gibt es so etwas wie eine Philosophie hinter dem, was du tust? Philosophie interessiert mich, das habe ich sogar einige Jahre studiert. Ich bin aber dann von der Uni wieder weg, weil mich Titel und Diplome weniger inter­ essieren. Das braucht man alles nicht, um glücklich zu sein. Ich habe meine eigene Philosophie. Versuch erst gar nicht, sie zu verstehen. Ich bin davon überzeugt, wenn du etwas gern tust und wenn du keinem damit schadest, ist das gerecht. ­Niemand kann dir einreden, es sei ein Verbrechen. Und merk dir: Ich tue das nicht, um reich oder berühmt zu ­werden oder um als ­Athlet Rekorde aufzustellen. Ich mach es einfach, weil ich es gerne tue. Was tust du gegen deine Angst, wenn du nur an den Fingerspitzen in ­hunderten Metern Höhe baumelst? Nichts. Ich brauche nichts gegen die Angst zu tun, weil ich keine Angst habe. Ich bin entspannt und konzentriert. Nur darauf kommt es an. Entspannung und Konzen­tration sind die Voraussetzungen für ­Kontrolle. Was tust du an einem entspannten Abend zu Hause? Tee trinken. Nur Tee. Nie Alkohol oder andere Drogen. Und ich schaue mir ­Videos von James Kelly an, wie er Skateboard fährt. Der ist so unglaublich entspannt auf seinem Board. mustang-wanted.com

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PEP GUARDI IST DER BES FUSSBALLTR DER WELT. WEIL ER MEHR IST ALS EIN FUSSBALLTRAINER. WEIL ER MEHR HÖRT ALS REDET. WEIL ER MEHR LERNT ALS LEHRT. EIN KIND, EIN PHILOSOPH, EIN DIEB, EIN PERFEKTIONIST, EIN LIEBENDER UND LEIDENDER. 38



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OLA TE GETTY IMAGES

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AINER SEIN LANDSMANN MARTÍ PERARNAU BEGLEITETE IHN EIN JAHR UND KENNT IHN BESSER ALS JEDER ANDERE JOURNALIST. PERARNAU ANALYSIERT FÜR THE RED BULLETIN, WAS JEDER VON UNS VON PEP GUARDIOLA LERNEN KANN. THE RED BULLETIN

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ERKENNE GUTE IDEEN.

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Zunächst einmal: Lasst uns Pep Guardiola entmystifizieren. Alle sagen, er habe den Fußball neu erfunden. Das hat er nicht. Sein vielleicht größtes Talent ist ein anderes: genau zu beobachten, noch genauer zuzuhören. Er kann Arbeitsmethoden ­seiner Kollegen wie ein Schwamm aufsaugen. Er kann gute Ideen erkennen. Dann klaut er sie. Und setzt sie zu einem neuen Ganzen zusammen. Darüber habe ich häufig mit Pep selbst und mit seinem Freund Ferran Adrià gesprochen, der als der weltweit beste Koch gilt – und zweifellos nach wie vor ist, auch wenn er sein Restaurant „El Bulli“ geschlossen hat. Adrià unterscheidet ­präzise: „Pep ist kein Kreativer, er ist Innovator.“ Zu Beginn seiner Trainerkarriere ­widmete sich Pep vor allem zwei Dingen: dem Reisen und dem Lesen. Er begab sich auf etwas, das er „Initiationsreise“ nannte. Auf dieser Reise vertiefte er sich in die

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UND KLAUE SIE.


­ rbeit anderer, sehr unterschiedlicher A Trainer. Er hörte ihnen in endlosen Stun­ den aufmerksam zu und destillierte das Wesentliche jedes Einzelnen heraus. Auch Jahre später noch erinnert er sich an diese Lektionen. Hin und wieder bezieht er sich in seinen Kommentaren auf das, was er von Männern wie Cruyff, Menotti, ­Lillo, Bielsa oder Sacchi gelernt hat. Zum anderen las er sehr viel. (Und tut es immer noch.) Er ist Experte in der Historie und Entwicklung des Fußballs. Diese Expertise ist die Basis dafür, dass er Ideen anderer Trainer aufgreifen und zum perfekten Moment umsetzen kann. Ein Beispiel: Die „falsche Sturmspitze“ gab es in Argentinien und Ungarn bereits in den 1950er Jahren. Guardiola holte diese Position 2009 am Tag vor der ent­ scheidenden Begegnung der Primera ­División zwischen Real Madrid und ­seinem FC Barcelona aus der Schublade, besetzte die Rolle mit Lionel Messi – und sein Team gewann im Stadion des großen Rivalen mit 6:2.

Während eines Essens mit wichtigen Persönlichkeiten fragt er viel mehr, als er antwortet. Dabei kann es sich um ein Treffen mit einem Schachgroßmeister, ­einem Nobelpreisträger für Wirtschafts­ wissenschaften oder der Trainerin einer Frauenfußballmannschaft handeln. Gleichgültig, welchen Rang sein Ge­ sprächspartner bekleidet, Guardiola fragt und fragt mit der Neugier eines Kindes. Er fragt nicht aus Höflichkeit, sondern aus Eigeninteresse. Er ist ein Filter für ­Gedanken und Ideen anderer – und ein Genie darin, sie in seine Disziplin zu transferieren. Ein Beispiel: Wir stellten fest, dass ­seine Methode, den Gegner zu analysieren, der von Schachweltmeister Magnus ­Carlsen sehr ähnlich ist. Dieser Gedanke faszinierte ihn. Seither liest er alles, was er über Schach in die Hände bekommt, um weitere Parallelen zwischen Schach und Fußball zu nützen. Es gibt übrigens nicht nur den Pep, der zuhört, sondern auch den, der spricht. Im engsten Kreis redet er ohne Ende, vor allem stellt er neue Ideen zur Diskussion. Sein Lieblingssatz in diesem Fall lautet: „Und was würden wir tun, wenn …?“

SEI NEUGIERIG WIE

EIN KIND.

Pep liest alles, wovon er denkt, es könnte für ihn von Interesse sein. Egal ob es dabei um Fußball oder ­andere Sportarten geht oder um den Ent­ stehungsprozess eines Musikwerks. Als er in Italien lebte, reiste er Hunderte von ­Kilometern, um den argentinischen Volleyballtrainer Julio Velasco persönlich kennenzulernen, nur weil er im Fernsehen ein Interview mit ihm gesehen hatte und von ihm lernen wollte.

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SEI VON DEINER MISSION

ÜBERZEUGT.

PEP LIEST ALLES, WOVON ER DENKT, ES KÖNNTE FÜR IHN VON INTERESSE SEIN. Ich gestehe, dass ich meine Zweifel hatte, als Pep zu Bayern München kam. Monate­ lang – und ich beobachtete das Training sehr intensiv – war zu erkennen, wie schwierig es auch für ihn ist, eine neue Mannschaft in sein Spielmodell einzu­ passen. Und dass es den Spielern, die an eine völlig andere Spielweise gewöhnt waren, enorm schwerfiel, Peps „neue Sprache“ zu erlernen. Er dagegen zweifelte nicht. „Wir ­werden es schaffen!“, sagte er jedes Mal, wenn ich ihn auf meine Zweifel ansprach. „Um besser zu werden, muss man zunächst schlechter werden.“ Denn jeder grobe Einschnitt in die Spielweise einer erfolg­ reichen Mannschaft – und die Bayern ­waren, als Pep sie übernahm, das beste Team der Welt! – bedeutet erst einmal ­einen Rückschritt. Das ist ganz logisch. Vertrauen geht verloren, Sicherheit geht verloren, Dynamik geht verloren. Es braucht Zeit und Beharrlichkeit, um all das wieder aufzubauen, neu und ­besser. Niederlagen sind der Preis des Fortschritts! Doch Vorsicht: Überzeugung heißt nicht Selbstgerechtigkeit. Man muss von den eigenen Ideen besessen sein, gleich­ zeitig aber wachsam und selbstkritisch bleiben. „Du kannst mich kritisieren, so viel du willst, du wirst nie kritischer mit mir sein als ich selbst“, sagte mir Pep ­einmal, als wir über ein schlechtes Spiel seiner Mannschaft sprachen. „Meine Art zu spielen ist meine Art zu spielen. Aber es gibt auch völlig andere, die zum Erfolg führen können. Es ist nicht relevant, ob meine Art die beste ist. Aber es ist meine.“ So denkt Pep Guardiola.

„UM BESSER ZU WERDEN, MUSS MAN ZUNÄCHST SCHLECHTER WERDEN.“ 41


Guardiola ist heißblütig. Er leidet ­ ährend der Spiele, ihm ist elend, er glüht, w er altert sichtlich, er schimpft auf Schieds­ richter. All diese Energie überträgt sich auf seine Spieler. Sie wissen, dass er be­ reit ist, mit ihnen und für sie zu kämpfen, sie zu unterstützen, sie zu Leistungen ­anzutreiben, die sie sich selbst nicht zu­ getraut hätten. Pep Guardiola ist wie Öl, das man ins Feuer gießt: Das Ergebnis ist mehr und mehr Feuer.

SEI LEIDENSCHAFTLICH

IN DEINER KOMMUNIKATION.

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ZU LIEBEN. Als der FC Bayern bereits im März 2014 als deutscher Meister feststand, ging Franck Ribéry während der Meisterschafts­ feier zu Pep und sagte zu ihm: „Ich liebe dich! Du bist in meinem Herzen.“ Im ersten Spiel der Saison 2014/15 hatte der FC Bayern mit vielen Problemen zu kämpfen. Wichtige Spieler waren ver­ letzt, und die deutschen Nationalspieler – nach ihrem WM-Triumph gerade erst nach München zurückgekehrt – hatten kaum trainiert. Es war ein schwieriges Spiel, doch Guardiola forderte von den Spielern höchsten Einsatz. Bayern gewann, und nach der Begegnung umarmten sich Pep und Philipp Lahm in grenzenloser Freude. „Philipp, ich liebe dich! Danke für deinen großartigen Einsatz“, sagte Pep zu seinem Kapitän. Für Pep ist solche Emotionalität keine Frage einer Management-Kultur oder

ZIEH ALLES

IN ZWEIFEL. Pep fragt und fragt. Er fragt sich selbst, stellt anderen Fragen. Er kann mit seinen Fragen nerven. Und manchmal ändert er seine Meinung über Nacht. Nicht, weil er nicht wüsste, was er machen soll, sondern weil er sämtliche Aspekte und Eventua­litäten eines Spiels in Betracht ziehen möchte. Von Pep lernen wir: Erfolg ist viel mehr das Ergebnis von Zweifeln als das Ergebnis von Gewissheiten.

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Das erste Buch, für das Pep Guardiola einem Journalisten gestattete, ihn bei ­seiner täglichen Trainingsarbeit zu begleiten – und das eine ganze Saison lang: „Herr Guardiola“, Kunstmann, 2014, 320 Seiten.

SEI BEREIT

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Eine Mannschaft zu sein heißt im Kern, Einzelnes zu Gemeinsamem zu machen. Das wichtigste Werkzeug dafür ist Kommu­ nikation. Es ist ein schwierig zu beherr­ schendes Werkzeug. Denn es kann, nicht gut verwendet, aus dem besten Konzept ein schlechtes Ergebnis machen. Umso schwieriger wird alles, wenn du deine Ideen und Überzeugungen in einer Sprache vermitteln musst, die nicht deine ist. Beim Training der Bayern werden sechs Sprachen gesprochen: Die Basis ist das Deutsche, das Pep gelernt hat, dann das Englische; mit einigen Spielern unter­ hält sich Pep auf Katalanisch, Spanisch, Französisch oder Italienisch. Diese ­Gespräche werden sichtbar leidenschaft­ lich geführt, denn wo die mündliche Kommunikation nicht ausreicht, nimmt Pep Gesten zu Hilfe. Er umarmt seine Spieler, klopft ihnen auf den Rücken, küsst sie, schubst sie weiter. Und sie antworten ihm in gleicher Weise. Man muss nur sehen, wie Ribéry oder Boateng sich mit Pep über ihre Tore freuen, um zu verstehen, dass gute Kom­ munikation Leidenschaft braucht.

Führungsqualität. Es geht ihm ernsthaft um die Liebe zu seinen Spielern, mit ­denen er durch dick und dünn geht. Als ihm der junge Pierre-Emile Høj­ bjerg unter vier Augen anvertraute, dass sein Vater Krebs hatte, weinten beide ­gemeinsam. Der Trainer tat alles, was er konnte, um dem jungen Spieler und dessen Vater – der wenige Monate darauf starb – beizustehen. Højbjerg sagte ein­ mal zu mir: „Pep ist für mich wie ein zweiter Vater.“ Später begehrte Højbjerg auf. Er wollte häufiger eingesetzt werden, beanspruchte einen Stammplatz in der Mannschaft; doch Pep räumte ihm diesen Platz nicht ein. Højbjerg benahm sich wie ein aufsässiger 19-jähriger Sohn. Er bat darum, an den FC Augsburg ausgeliehen zu werden. Pep verhielt sich wie ein Vater, der das Beste für sein Kind will: Er ließ ihn gehen, nahm ihm aber das Versprechen ab, wieder zurückzukommen.


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ER UMARMT SEINE SPIELER, KLOPFT IHNEN AUF DEN RÜCKEN, KÜSST KLEIDE DICH SIE, SCHUBST SIE ANGEMESSEN. WEITER.

SEI NIE

ZUFRIEDEN. Um drei Uhr nachts saß Pep in einer Ecke, auf dem Arm seine kleine Tochter, die schon halb eingeschlafen war. Der FC Bayern hatte soeben einen großen Sieg im deutschen Pokalfinale gegen Borussia Dortmund errungen. Doch Guardiola war nicht zufrieden. „Wir haben nicht so gut gespielt, wie wir hätten spielen können“, antwortete er auf meine Frage. Normalerweise gestattet er sich fünf Minuten, um einen Sieg zu feiern. Fünf Minuten, nicht mehr. Danach geht er dazu über, das Spiel mit seinen engsten Mitarbeitern kühl zu analysieren und sich auf das nächste Spiel vorzubereiten. Ja, er ist ständig unzufrieden. Gewinnt er nicht gerne? Natürlich tut er das! Er liebt es, zu gewinnen. Aber er verlangt von sich selbst, nach dem perfekten Spiel zu streben. Er weiß, dass es das nie geben wird, aber er versucht es. Das Ergebnis ist ihm wichtig, aber noch mehr interessiert ihn, wie das Ergebnis zustande gekommen ist. Denn der Sieg kann trügerisch sein. Für Pep ist es wichtiger, die Dynamik des Spiels zu analysieren, denn sie ist es, die zukünftige Erfolge erst möglich ­machen wird.

ER IST KEIN HARTER KERL. UND ES MACHT IHM NICHTS AUS, DAS ZU ZEIGEN. 44



SEI

Vor dem Training schlüpft Pep in den ­Trainingsanzug, den seine Assistenten für ihn bereitgelegt haben, und wenn es kalt ist, stülpt er sich irgendeine Mütze über den Kopf. Im Alltag interessiert ihn sein Aufzug wenig. Doch alles ändert sich, wenn es zu dem kommt, was für ihn die Zeremonie ist: das Spiel, der magische Tag. Dann achtet er auf sein Äußeres und kleidet sich angemessen. Das hat wenig mit Eitelkeit zu tun. Aber viel mit Respekt. Das Spiel, meint er, ist der Höhepunkt der Arbeit, und darum muss man sich kleiden, als ginge man zu einem Fest. ­Seine Kleidung ist ein Symbol, das seinen Spielern deutlich macht, welchen Wert Pep der Partie beimisst: Heute ist der Tag der Zeremonie, der Tag des Spiels. Heute müssen wir allen zeigen, was wir erarbeitet haben.

VERLETZLICH. Pep hasst es, zu verlieren, obwohl er weiß, dass er mit Niederlagen leben muss. Er ist kein harter Kerl. Wenn er sich Sorgen macht, kratzt er sich am Kopf. Wenn er mit dem Training zufrieden ist, schreit er herum, klatscht Beifall, verteilt Küsse. Ist er unzufrieden, stellt er sich ­abseits in eine Ecke. Er lässt seinen Emo­ tionen freien Lauf. Er ist davon über­ zeugt, dass man bei Niederlagen gelassen reagieren und bei Siegen nüchtern bleiben muss. Aber er ist kein Superheld. Sondern ein ganz normaler Mensch, dem es nichts ausmacht, vor seinen Spielern zu weinen, wenn ihn Gefühle übermannen, oder wie ein Kind zu lachen, wenn Thomas Müller einen seiner Witze reißt. Nein, er ist kein harter Kerl. Und es macht ihm nichts aus, das einzugestehen und zu zeigen.

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HEROES

„AUCH KAKERLAKEN KÖNNEN FREUNDE SEIN“ EMILIA CLARKE ist die schönste Frau in der Super-

serie „Game of Thrones“. Außerdem weiß sie, wie man zur Heldin wird. Text: Rüdiger Sturm

the red bulletin: Sie ste­ cken gerade in der fünften Staffel. Glauben Sie, Sie wer­ den das „Game of Thrones“ am Ende gewinnen? emilia clarke: Natürlich (lacht). Ich sage zu meinen Co-Darstellern immer: „Entspannt euch. Ich bin es, die auf dem Thron landen wird.“ Wären Sie knallhart genug, um ein ganzes Reich in den Griff zu kriegen? Ich bin weit davon entfernt, so zu sein wie meine Figuren. Ich habe ja nicht mal Drachen. Um ganz ehrlich zu sein, das Coolste und Schwierigste, was du als Frau erreichen kannst, ist etwas ganz anderes: zu akzeptieren, wer du bist, und damit glücklich zu sein. 46



Wenn schon keine Drachen, haben Sie andere Tiere ge­ bändigt? Oh ja, Kakerlaken. Vor vielen Monden lebte ich in einem Haus mit Kakerlaken. Mit einer von ihnen hab ich mich angefreundet. Ein riesiger Kerl von einer Kakerlake. Ich habe ihn Bob genannt. Was wurde aus Bob? Ich schätze, er ist nicht mehr unter uns. Aber ich muss gestehen, ich habe ihn aus den Augen verloren. Daenerys Targaryen wurde vom naiven Mädchen zur cleveren Herrscherin und

vor Angst, dass Sie an der Aufgabe scheitern? Vor Beginn der Dreharbeiten war die Angst riesig. Aber am Set blieb nur mehr das klassische Lampenfieber wie im Theater. Das ist das Tolle am Spielen: Sobald du auf der Bühne stehst, geht es nur um deine Figur. Bammel hatte ich nur vor einer Sache: Ich liebe Pferde und Reiten, aber nicht vor der Kamera. Wenn du so viel Equipment herumstehen hast, kann ein Idiot auf einem Pferd alles kaputtmachen. Und was war bei meiner allerersten Szene? Ich durfte reiten. Aber dann ging alles gut. Hat Ihnen die Rolle bei­ gebracht, was es braucht, ein Held zu sein?

„DU MUSST DEINE ZIELE ENTSCHLOSSEN, ABER OHNE EGOISMUS VERFOLGEN. UND DABEI DER EIGENEN EITELKEIT ENTWISCHEN.“ Sie von der Kakerlaken­ dompteuse zum Star … Gute Parallelen. Vor „Game of Thrones“ machte ich Catering – also in der Zeit, in der ich mit Bob zusammenwohnte. Sind Sie noch gut beim Cate­ ring? Was wäre, wenn ich zum Beispiel jetzt ein Mittag­ essen wollte? Ich könnte Ihnen wirklich guten Champagner und Kanapees servieren. Manche Leute tun das für den Rest ihres Lebens, Sie

­ aren Sie noch kein wirk­ w licher Star. Sie bekamen die Rolle einfach so? Ja, ein Jahr zuvor hatte ich die Theaterhochschule beendet. Ich sprach für die Rolle vor – mit geringer Erfahrung, aber großem Enthusiasmus – und wurde besetzt. Man kann mein damaliges Gefühl am ehesten mit dem eines kleinen Mädchens in einem Wirbelsturm wie in einem geheimnis­vollen Märchen vergleichen. Wahrscheinlich schlotternd

Ich denke schon. Du musst deine Ziele entschlossen verfolgen, aber ohne Egoismus. Der Trick für einen kühlen Kopf ist, deiner eigenen Eitelkeit zu entwischen. Wenn Sie eine Herrscherin in unserer Welt wären: Was wäre Ihre erste Entschei­ dung für das Gemeinwohl? Hmmm … ich würde den Bierpreis halbieren (lacht schallend). www.hbo.com/game-of-thrones THE RED BULLETIN

SOFIA SANCHEZ AND MAURO MONGI/TRUNK ARCHIVE

S

ie startete als Sexobjekt, stieg auf zur Kommandantin einer Armee und zur Königin in spe – selbst im turbulenten Universum der erfolgreichsten TV-Serie der Welt (inklusive der Kontinente Westeros und Essos) ist die Karriere der Daenerys Targaryen außer­ gewöhnlich. Nicht zuletzt ­verantwortlich dafür ist ihre Darstellerin Emilia Clarke.

wurden ein Star. Was machte den Unterschied? Ich bin fest davon überzeugt, wenn du etwas lange genug wirklich willst, dich darauf konzentrierst und nie aufgibst, dann wirst du erreichen, was du willst. Und seit ich ganz, ganz klein war, wollte ich immer Schauspielerin werden. „Ganz, ganz klein“ heißt … … drei. Mit drei war ich im Musical „Showboat“, und ich war wie hypnotisiert. Wenig später sah ich Audrey Hepburn in „My Fair Lady“. Ich entwickelte eine echte Obsession für sie. Zwei Jahre lang schaute ich mir jeden Tag diesen Film an. Vor „Game of Thrones“


Emilia Clarke, 28. Als im 2011 die HBO-Serie „Game of Thrones“ startete, wurde aus dem Nobody ein Star.


Mr. Adrenalin: Neben der Musikkarriere betreibt ­Kontra K, 27, eine Industriekletterfirma.


HEROES

„WIR SOLLTEN DAS REDEN AUFGEBEN“

„RAUS AUS DER KOMFORTZONE!“

KONTRA K teilt gerne aus. Mit dem Mikrofon und

GIAN  SIMMEN Der Snowboard-Olympiasieger aus

Boxhandschuhen. Und er weiß, wie man Wut in Kunst verwandelt.

M

OLIVER RATH, PHILIPP RUGGLI

it seinem neuen Album „Aus dem Schatten ins Licht“ schaffte es Kontra K auf Platz zwei der deutschen Charts. Dank einem sehr un­ gewöhnlichen Zugang: Statt über Autos und Goldketten rappt der 27-jährige Berliner über Ehrgeiz und Disziplin.

the red bulletin: Sie sind derzeit einer der erfolg­ reichsten Rapper Deutsch­ lands. Wie sah Ihr Leben vor zehn Jahren aus? kontra k: Nicht so toll. Mit sechzehn brach ich die Schule und mein Boxtraining ab. Ich wandte das, was ich im Ring gelernt hatte, auf der Straße an. Das war saudumm. Wie kriegten Sie die Kurve? Ich war 22, als zwei meiner besten Freunde im Knast lan­ deten. Da wachte ich auf. Ich wusste, wenn ich so weiter­ mache, bin ich der Nächste. Ich fing wieder mit dem Box­ training an. Dort lernte ich Disziplin und Teamgeist. Das war meine zweite Chance. Im Ring interessiert sich keiner für deine Vorgeschichte. Damals begannen Sie auch zu rappen. Warum? Weil es mir schwerfiel, mit Leuten darüber zu sprechen, was mir passiert war. Rappen half mir, mich mit meinen ­eigenen Fehlern zu konfron­ tieren. Es war ein Weg, meine Aggressionen abzubauen. Sie haben also Ihre Wut in Kreativität umgewandelt? Ja. Meine Songs sind zum Großteil Motivations­ ansprachen an mich selbst. THE RED BULLETIN

Ich schreibe sie auf und schreie sie in die Welt hinaus. Damit nehme ich mich selbst in die Verantwortung. Es wäre ein Verrat an mir selbst, würde ich mich selbst nicht an meine Message halten. In Ihren Songs halten Sie Werte wie Loyalität und Selbstdisziplin hoch. In „Kampfsport 2“ heißt es: „Fressen, saufen, kiffen – nicht bei mir“. Für einen jungen Rapper eher un­ typisch, oder? Das höre ich öfter. Vielleicht bin ich in der falschen Zeit geboren, aber ich finde, diese Werte kommen in unserer Gesellschaft zu kurz. Gerade in solchen Kreisen, in denen ich mich früher bewegte. Auf der Straße nennt dich zwar jeder schnell „Bruder“, aber wenn es darauf an­ kommt, stehst du allein da. Jeder sollte ein Rudel um sich haben, auf das er sich in jeder Lebenslage unbedingt verlassen kann. Apropos Rudel … der Wolf kommt oft in Ihren Texten vor. Was fasziniert Sie so an ihm? Er opfert sich für sein Rudel auf – und das bedingungs­ los. Wir Menschen sind viel zu oft auf unseren eigenen Vorteil bedacht. Grundstein der Missverständnisse ist die Sprache. Vielleicht sollten wir das Reden aufgeben. Dann gäbe es keine Lügen und Intrigen mehr. Für einen Rapper ist das eine interessante Ansage. Stimmt. Vielleicht sollte ich es in Zukunft mit Ausdrucks­ tanz versuchen (lacht).

Graubünden macht Kurzentschlossene fit für den Wings for Life World Run – in zwei Wochen.

„Mein Last-Minute-Trainingstipp für alle Laufmuffel? Stellt euer Leben 14 Tage auf den Kopf! Praktisch wie mental, dann wird euch eure Leistung beim Rennen verblüffen … Trainings­ beginn: heute. Eine Stunde Laufen. Dabei das Tempo so ein­ stellen, dass ihr die Zähne zusammenbeisst. Schwitzen ist ab jetzt Pflicht – auch im Alltag. Da heisst es: Nimm die Treppe statt dem Lift, das Fahrrad statt dem Bus, geh zu Fuss, statt Auto zu fahren! Motiviert euch jederzeit mit Musik wie ‚Eye of the Tiger‘ aus ‚Rocky‘. Das pusht! Klar, zu übertreiben ist dumm. Macht also die harte einstündige Laufeinheit ‚nur‘ jeden zweiten Tag, die Tage dazwischen absolviert ihr je 30 Minuten Crossfit-Übungen – für möglichst alle Muskelgruppen bei sub­ maximaler Intensität. Sonntag? Massage. Und sonst? Viel ­Wasser trinken, genug schlafen und euer Laufziel täglich visua­ lisieren. Vor allem vor dem Schlafengehen und in der Früh. Denn da ist das Unterbewusstsein am empfänglichsten.“ Start: Olten, 3. Mai, 13 Uhr Ortszeit. Infos: wingsforlifeworldrun.com

Gian Simmens Laufziel 2015: 15 Kilometer

www.kontra-k.de

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HEROES

„HABT KEINE ANGST!“ DANIELLE FONG ist gerade mal 27 Jahre alt,

Wissenschaftlerin, Unternehmerin und Genie. Mit ihrem Start-up LightSail Energy will sie die Welt retten, indem sie Energie speichert.

Text: Mara Simperler & Andrew Swann

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der Lösung dieses Problems entfernt und müssen einfach an einer Lösung arbeiten, Tag für Tag, so hart wir können. Am Ende geht es um nicht ­weniger, als die Welt zu retten. Welche Eigenschaften braucht man dazu? Man muss innovativ sein, ­diszipliniert und hartnäckig. Klingt einfach. Große Dinge sind nicht nur wenigen vorbehalten. Viele Menschen können etwas ver­ ändern. Ich will, dass sie das erkennen. Ein rebellischer Geist hilft, betrachtet man Ihren Werde-

Das Wichtigste ist also, keine Angst zu haben? Auf jeden Fall. Habt keine Angst! Früher, als so etwas wie Fliegen noch unbekannt und wahnsinnig gefährlich war, gab es einen Typ Mensch, der es einfach getan hat. Das ist der Geist, der uns weiter­ bringt. Wir brauchen wieder mehr solche Leute mit dem Spirit der Luftfahrtpioniere! Aber Sie haben doch sicher Angst, dass Ihre Erfindung am Ende nie umgesetzt wird? Natürlich. Es kann immer ­etwas schiefgehen. Und wenn wir nicht das meiste aus dieser Möglichkeit rausholen, wird vielleicht niemand das Energie­ problem rechtzeitig lösen. Aber wir versuchen unser Aller­

„WENN WIR DIE ENERGIE DER SONNE UND DES WINDES GÜNSTIG UND EFFIZIENT SPEICHERN KÖNNEN, VERÄNDERT DAS DIE WELT.“ gang, offenbar auch. Sie verließen die Schule mit zwölf. Um auf die Uni zu gehen. Ich habe nicht um des Rebel­ lierens willen rebelliert, son­ dern weil dieses System der Schule nicht mehr das richtige für mich war. Mit zwölf? Mit Menschen hab ich Geduld, aber nicht mit Systemen. Viele Menschen denken, dass ein systemkonformes Verhalten sie dort hinbringt, wo sie hinwollen. Ich glaube, dass

ten Menschen verstehen nicht, wie viel Inspiration diese ers­ ten Piloten bieten. Das waren abenteuerlustige, unglaublich mutige Leute. Als erstmals wer über den Atlantik flog, war das schrecklich angsteinflößend. Earhart verunglückte ja dann auch bei dem, was sie am meis­ ten liebte. Aber sie war eine tolle Persönlichkeit, und zu ­ihrer Zeit war es sehr untypisch für Frauen, sich einer Leiden­ schaft dermaßen zu widmen. Ich finde sie großartig.

bestes. Es ist, wie ein weiser Rapper mal gesagt hat: „You only get one shot, do not miss your chance to blow. This opportunity comes once in a lifetime yo.“ Das Interview mit Danielle Fong führten wir beim PIONEERS Festival 2014 in Wien. Das nächste Festival findet am 28./29. Mai 2015 in der Wiener Hofburg statt. pioneers.io; daniellefong.com THE RED BULLETIN

ROBERT SCHLATTER

T

he red bulletin: Das Prinzip Ihrer Idee klingt sehr einfach: Sie wollen durch Kompression und Expansion von Luft Energie speichern. Effizienter, als man das bisher für möglich hielt. Funktioniert das in der Praxis? danielle fong: Ja. Wir ­haben den effizientesten Luft­ kompressor der Welt ent­ wickelt. Wir speichern Ener­ gie, indem wir Luft in einem Tank komprimieren. Dieselbe Maschine wandelt die Druck­ luft in elektrische Energie um, wenn wir sie brauchen. Warum ist das so wichtig? Erneuerbare Energien hatten bisher kein Produktions-, son­ dern ein Speicherproblem. Sie sind nur dann verfügbar, wenn sie erzeugt werden. Windener­ gie nur dann, wenn der Wind bläst. Solarenergie, wenn die Sonne scheint. Wenn wir diese Energie günstig und effizient speichern können, verändert das die Welt. Die Bedeutung fossiler Brennstoffe würde sehr rasch sehr stark abnehmen. Was treibt Sie an? Die Welt braucht diese Techno­ logie. Oder eine ähnliche. Wir sind nicht mehr weit von

das Gegenteil stimmt. Ich will Menschen dazu inspirieren, zu handeln! Ich will sie inspi­ rieren, größere Dinge zu ver­ suchen, als sie bisher für mög­ lich gehalten haben. Denn sie können das! Wer inspiriert Sie? Elon Musk (Tesla-Boss und ­Investor bei LightSail Energy; Anm.) arbeitet unglaublich hart, ist extrem intelligent und ebenso ehrgeizig. Er glaubt daran, dass großartige Dinge möglich sind, und er war stets sehr freundlich zu uns. Das ­Inspirierendste an ihm ist, dass er immer weitermachte, auch wenn es düster aussah. Amelia Earhart (Flugpionierin der 1920er und 30er Jahre; Anm.) ist auch so jemand. Die meis­


Danielle Fong holt sich Anregungen f端rs Weltretten von Eminem.


DANIIL KWJAT HAT ES MIT NUR 20 JAHREN INS FORMEL-1-COCKPIT VON INFINITI RED BULL RACING GESCHAFFT. IM WINTER PROBIERTE ER ZUM ERSTEN MAL IN SEINEM LEBEN EIN RENNAUTO MIT DACH – UND WIR WURDEN OHRENZEUGEN SEINER ERSTAUNLICHEN TALENTE. TEXT: WERNER JESSNER BILDER: BERNHARD SPÖTTEL

RAKETEN

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TEST


Man ahnt die Enge. Was man nicht ahnt, ist die ­Hitze innen, die ein solcher Sportwagen selbst bei moderaten Außentemperaturen generiert.

n einem schönen Tag irgendwann zwischen dem letzten Formel-1-Rennen der vorjährigen und dem ersten der aktuellen Saison auf der Rennstrecke von Vallelunga, nördlich von Rom. Ein paar kurze ­Monate ist der Rhythmus der Rennwochenenden unterbrochen. Während in den Fabriken nicht einmal die Putzfrau früher nach Hause geht, weil so intensiv am neuen Auto gearbeitet wird, haben die Fahrer die kostbare Gelegenheit, ihre Batterien aufzuladen, Wichtiges, das während der Saison liegengeblieben ist, aufzuarbeiten und, ja – einfach Spaß zu haben. Auf Daniils Schreibtisch im heimat­ lichen Rom lag da noch das Angebot von Renault Sport aus der Toro Rosso-Zeit: Komm doch vorbei, wenn wir die letzte Abstimmung an unserem neuen Sport­ wagen vornehmen, und hab ein bisschen Spaß. Unglaublich, aber wahr: Für Senkrechtstarter Daniil sind Rennautos mit Dach Neuland. Vom Kart ist er direkt in diverse Monoposto-Serien aufgestiegen. Mit neunzehn debütierte er in der Formel 1 und punktete bei seinem ersten Rennen – als jüngster Fahrer der Geschichte. Das spektakuläre, noch nicht völlig aus­ getestete 550-PS-Gerät, vor dem er hier in der Boxengasse steht, heißt Renault Sport R. S. 01 und ist ausschließlich für die Rennstrecke konzipiert. Präsentiert wurde es passenderweise bei der Autoshow in Moskau, aber damit hatte er nichts zu tun, versichert Daniil und schmunzelt. Ende Mai steigt nun der erste Lauf zum Serien-Pokal, das Starterfeld verspricht gut gefüllt zu 54



sein. 290.000 Euro kostet das von Grund auf neu konstruierte Ding. Eine Mezzie, setzt man Preis und Rundenzeit in Verhältnis. Unter uns Racern: Der gefahrene Rennkilometer im R. S. 01 kostet 16 Euro, während Autos der FIA-GT3-Kategorie mindestens 30 Euro pro Kilometer verschlingen – dabei aber um mehrere ­Sekunden langsamer sind. (Falls Sie sich fragen sollten, wie teuer ein Kilometer in Daniils Stammfahrzeug wäre: Vergessen Sie es. Unter vier Stellen geht nicht einmal in der Theorie etwas.) Der Einstieg ins Cockpit ist mühsam, vor allem dann, wenn man mit Körpergröße gesegnet ist wie Daniil. „Dabei war ich ein extrem kleines Kind“, erzählt der

THE RED BULLETIN


290.000 EURO: EINE MEZZIE ANGESICHTS DES VERHÄLTNISSES VON PREIS ZU RUNDENZEIT. nunmehr über 1,80 Meter große Schlaks, „im Kart war ich immer unter den Kleinsten. Gewachsen bin ich erst später.“ Das allerdings gründlich. Schon das Einfädeln in ein Auto mit Dach, per Klappmesser und Kopfeinziehen, ist für den frischgebackenen Infiniti Red Bull Racing-Piloten eine Premiere. Die Ingenieure, beglückt ob des Kontakts mit einem leibhaftigen F1-Piloten, knien an der Flügeltür: Was kann er, was braucht er? Daniil sieht sich um, sucht eine Sitzposition: „Eigentlich kann ich THE RED BULLETIN

Flach, laut und vor allem unglaublich breit: Der Renault Sport R. S. 01 hat alle Zutaten für einen Sportwagen, wie ihn Petrolheads lieben.

hier das Helmvisier offen lassen, oder?“ Man nickt. Frischluft ist Mangelware, bei Hitzerennen werden die Piloten sogar eine Kühlweste tragen müssen, um im Cockpit nicht zu kollabieren. Zeit, sich einzugewöhnen: „Die Sicht ist eigentlich besser als gedacht.“ Kurze Einschulung: Im Fußraum gibt es nur zwei Pedale, man kann also mit dem linken oder dem rechten Fuß bremsen. Für einen Profi aus der Formel 1 ist Linksbremsen Ehrensache. Das rechte Paddel hinter dem Lenkrad dient zum Hochschalten, das linke schaltet runter, es gibt eine automatische Kupplung, die außerdem das Abwürgen des Motors – etwa bei einem Dreher – verhindert. Die wichtigsten Parameter lassen sich direkt am Lenk-

rad verstellen, etwa die Sensibilität des Antiblockiersystems oder der Traktionskontrolle. Der Renault Sport R. S. 01 ist so konzipiert, dass ambitionierte gentlemen drivers ebenso damit zurechtkommen wie ausgekochte Profis. Bloß: In welche Kategorie fällt ein Spezialist, dessen einzige „normale“ Autos bislang ein kleiner VW und ein Renault Clio waren? Dass sich die Techniker von Daniils Test mehr erwarten als ein paar höfliche Worte und möglichst keinen Schrott, beweist die Tatsache, dass das Auto mit Sensoren vollgepackt ist, die jede Bewegung aufzeichnen, und man den Russen gleich im ersten Stint bittet, zusätzlich zum spaßvollen Angasen ein Problem zu lösen. Die 55


Carbonbremsen an der Front wurden bei bisherigen Testfahrten geringfügig zu heiß: 900 Grad ist die Soll-Temperatur, die Sensoren haben bei den Runs der ­Entwicklungsfahrer jedoch Spitzen von 1000 Grad gemessen. Das beeinflusst zwar nicht die Performance, reduziert aber die Lebensdauer. Und eines der Entwicklungsziele war eben geringer Verschleiß, um die Kosten niedrig zu halten. Man experimentiert daher mit verschiedenen Luftkanälen an der Front, um mehr Luft an die Bremsen zu bekommen und die heiße Luft rascher abzuleiten. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Fünf Runden, Daniil, und bitte nicht zu langsam. Wir wollen sehen, ob die neuen Luftführungen etwas bringen. Er nickt, wirft per Startknopf einen Motor an, dessen Auspuff im Wesentlichen aus zwei ­unterschenkeldicken Ofenrohren besteht und dementsprechend pur klingt. Und weg ist er. Gut, dass er die Strecke kennt. Schon aus der In-Lap kommt Kwjat mit fliegenden Fahnen zurück, danach brennt er ansatzlos drei Zeiten auf dem Niveau routinierter Testpiloten auf den Asphalt, um das Auto in der letzten Runde ­etwas auskühlen zu lassen. Von Premiere zu

HARD FACTS LEISTUNG gut 550 PS GEWICHT unter 1100 kg GETRIEBE 7 Gänge BREMSEN Carbon FAHRWERK Öhlins, verstellbar

Dass es Daniil hier mit einem Prototyp zu tun hat, erkennt man vor allem an der ab­ geklebten, noch nicht endgültigen Front.

„... FÜNF RUNDEN, DANIIL, UND BITTE NICHT ZU LANGSAM!“ 56


Stufe 4 auf 3 zurückgedreht, um mehr Feedback zu bekommen. Die Traktionskontrolle habe ich nach der In-Lap aufs Minimum reduziert. In der vierten Runde musste ich auf Snap-Oversteer achten. Da haben die Hinterreifen wohl ein bisschen überhitzt. Das Dach hat mich nie gestört. Was sagen die Daten?“ Was für ein Feedback für jemanden, der soeben die ersten Runden seines Lebens in einem Sportwagen gedreht hat. Wo andere nur „Wow“, „Geil“ oder „Schnell“ gesagt hätten, liefert Daniil trotz offensichtlichen Adrenalinrausches ein minutiöses Protokoll der Geschehnisse im Wagen, gleichermaßen Analyse wie Bestätigung der Daten.

„GUTE BREMSEN, DU KANNST VOLL REINLATSCHEN!“

Routine in fünf Runden, man erahnt das erhabene Bewegungstalent von F1-Profis. Daniils erstes Zitat, nachdem sich die Flügeltüren öffnen und ein strahlendes Augenpaar aus dem Helm blickt, ist nicht druckfähig. Es beinhaltet zweimal das F‑Wort und einmal „brillant“. „Das Ding hat wirklich Leistung und dank des aerodynamischen Unterbodens und des Heckflügels massiven Anpressdruck. In langsamen Kurven habe ich ein wenig Untersteuern gefühlt, in mittleren eine leichte Tendenz zum Heckausbruch. Die Bodenwelle im schnellen Rechtsknick gab es früher noch nicht, hier musste ich die Linie leicht variieren. Die Bremsen sind gut, du kannst voll reinlatschen. Das ABS habe ich in der zweiten Runde von THE RED BULLETIN

TECHNIK Angetrieben wird der Renault R. S. 01 von ­einem Motor der Konzernschwester Nissan, und zwar vom brillanten 3,8-Liter-Doppelturbo aus dem Skyline GT-R. Dort hält das ­Aggregat mehrere hunderttausend Kilometer. Die robuste Grund­ konstitution kommt den Unterhaltskosten im Rennsport zugute. Das sequenzielle ­Siebenganggetriebe ist bewährt, die äußere Hülle sieht zwar nach Carbon aus, besteht

aber aus simpler Glasfaser. Das ist billiger, denn Schürzen und Motorhauben gelten wegen der oft rusti­ kalen Fahrweise in Markenpokalen als Verschleißteile. Bei der Sicherheit ­wurde nicht gespart. Der Fahrer sitzt in ­einer Überlebenszelle aus Carbon, der zusätzliche Käfig aus Stahl genügt sogar den Anforderungen der mehr als 350 km/h schnellen Le-MansPrototypen (LMP) der höchsten Kategorie LMP1.

Kein Eingewöhnen, kein Herantasten, sondern schiere Professionalität ab der ersten Sekunde. Das ist wohl das Holz, aus dem Formel-1-Piloten geschnitzt sind. Mit gutem Gefühl übertragen ihm die Techniker Aufgaben für seine nächsten Runden, die er ebenso virtuos löst. „Das Auto ist prinzipiell nicht schwer zu fahren“, resümiert Daniil am Ende ­eines so langen wie schönen Tages. „Um die allerletzten Zehntelsekunden rauszuquetschen, bräuchte ich wohl noch einen halben Testtag. Doch selbst nicht so routinierte Piloten werden viel Spaß haben.“ Ist ein „nur“ 550 PS starkes Auto mit Dach nicht trotzdem fürchterlich fad für einen, der aus der Formel 1 kommt? Kwjat verneint entschieden: „Natürlich funktioniert in der Formel 1 alles noch schärfer und präziser, wir haben mehr Leistung, unsere Gangwechsel passieren schneller, auch die Fliehkräfte sind höher. Andererseits haben meine Daten von heute einen Maximalwert von 2,3 g ergeben. Das ist ein durchaus anständiger Wert.“ Wie ernst er diese Aussage meint, ­beweist der Umstand, dass er einige Tage nach unserem Test mit ein paar Freunden inkognito wiedergekommen ist, um Spaß mit dem Renault Sport R. S. 01 zu haben, ganz ohne Test-Equipment rundherum. „Man muss ja während des Winters ein bisschen üben“, scherzte er. Erster Renneinsatz des R. S. 01: 30./31. Mai, SpaFrancorchamps (BEL); worldseriesbyrenault.com www.infiniti-redbullracing.com

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DIE FLUGRETTER DER AIR ZERMATT KÄMPFEN IM HOCHGEBIRGE UM DAS LEBEN VON VERLETZTEN. UNTER

ZEITDRUCK. NACHTS. IN 7000 METER HÖHE. IHRE WICHTIGSTE LEKTION LERNEN DIE RETTER IN DER KÜCHE.

TEXT: ANDREAS ROTTENSCHLAGER, BILDER: TERO REPO

Air-Zermatt-Rettungshelikopter am Matterhorn: „Gebirgsfliegerei ist mit Wissen allein nicht zu beherrschen.“

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DÜNNE LUFT


Seilwinden-Training am Hohlichtgletscher. Geübte Retter können ein 200-Meter-Tau auf der Fläche eines Handtuchs absetzen.

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D

Ein Air-ZermattSanitäter fasst nach der Longline. Das Fixseil am Helikopter trägt bis zu 400 Kilo.

en schwierigsten Einsatz seiner Karriere fliegt Air-Zermatt-Pilot Tom Pfammatter im Sommer 2005 wegen einer Windjacke. Pfammatter, damals 35, soll einen Wanderer bergen, der am Fuss des Rhonegletschers nahe Zermatt abgestürzt ist. Als der Notruf eingeht, sitzt er bereits beim Abendessen in der Kantine. Pfammatter steigt in das Cockpit seines karminroten Eurocopter, Typ EC 135. Notarzt und Sanitäter zwängen sich hinter ihm in den Laderaum. Pfammatter lässt die Triebwerke an. Dann klappt er das Nachtsichtgerät über seine Augen. Rettungsflüge im Gebirge sind höchst riskant. Jeder Windstoss bringt den Helikopter ins Schaukeln. Steinschlag bedroht das Leben der Crew. Nachts manövriert der Pilot in schwierigstem Gelände ohne Referenzpunkte bei begrenzter Sicht. „Uncool“ nennt Pfammatter solche Einsätze. „Als wir den Taleingang erreichten, gab das Nachtsichtgerät seinen Geist auf. Es war eine mondlose Nacht. Das Gerät bekam zu wenig Restlicht. Alles, was ich sah, war schwarzgrüner Brei.“ Pfammatter lässt den Heli am Tal­ eingang schweben. Ohne Nachtsichtgerät ist er blind. Oben am Gletscher erfriert ein Mensch. „Mir fiel die Stromleitung ein, die durch das Rhonetal zum Gletscher führt.“ Pfammatter schaltet den Bordscheinwerfer ein. Der Lichtkegel ist zu schmal, um das Tal für den Weiterflug auszuleuchten. Aber breit genug, um nach der fingerdicken Leitung zu tasten. Pfam­ matter balanciert den Heli drei Meter über dem Kabel aus. Dann schiebt er sich Meter für Meter Richtung Gletscher. Das Stromkabel ist seine Leitlinie. Der Scheinwerfer sein Taststock. Dreissig Minuten später zieht der mitfliegende Sanitäter den zitternden Wan-

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„OHNE NACHTSICHTGERÄT

IST DER PILOT BLIND. OBEN AM GLETSCHER ERFRIERT EIN MENSCH.“ derer an Bord. Pfammatter wendet den Helikopter. Das Krankenhaus in Visp erreicht er mit dem letzten Tropfen Kerosin. „Am nächsten Tag erzählte uns der Mann, dass er an der Passstrasse Fotos machen wollte und seine 300-Franken-­ Jacke dabei über die Leitplanke fiel. Er kletterte ihr nach und stürzte ab. Das war der Grund für unseren Einsatz.“ Verzweifelt man als Retter oft? „Nein“, sagt Pfammatter, „weil ich keine Unfälle hinterfrage. Ich bin Pilot und ­fliege Retter von A nach B.“


Air-Zermatt-Chefarzt Axel Mann (re.) und sein Sanitäter versorgen einen Verletzten an Bord.

Chefarzt Axel Mann mit Ausrüstung am Berg: Am Unfallort zählen oft Minuten.

Z

ermatt, ein kalter März-Morgen: Der Heliport sitzt auf einem Felsvorsprung am Ortsrand. Im Besprechungsraum der Air Zermatt – abgesessenes Sofa, schmale Küchenzeile – riecht es nach Spülmittel und Kaffee. Tom Pfammatter sieht zehn Jahre jünger aus als 45. Seit zwanzig Jahren fliegt er Einsätze. Er sagt, er habe lernen müssen, unter extremem Druck Entscheidungen zu fällen. „Gebirgsfliegerei ist ein komplexes System“, sagt er, „du kannst es nicht allein mit Wissen beherrschen. Wichtiger ist Intuition und das Erkennen von Zusammenhängen. Dafür brauchst du jahrzehnte­ lange Erfahrung.“ Die Geschichte der Air Zermatt beginnt 1968. Ihr erster Heli parkt in einem Holzschuppen. 1971 fliegt ein Air-Zermatt-Pilot die erste Rettung aus der Eiger-Nordwand. 2010 stellt Pfammatters Kollege Daniel Aufdenblatten den Rekord für die höchste Helikopter-Rettung auf (7010 Meter, von 63


AIR ZERMATT IN ZAHLEN

1500 EINSÄTZE fliegen die neun Rettungshelikopter der Air Zermatt im Durchschnitt pro Jahr. Rund 700 davon führen die Helfer abseits von Wanderwegen und Skipisten in ungesichertes Gelände.

10 PILOTEN fliegen hauptberuflich für die Air ­ ermatt. Dazu kommen acht RettungsZ sanitäter, 15 Mechaniker und ein Pool aus 60 Freelance-Ärzten. Sitz der Staffel ist der Heliport Zermatt.

7010 METER Höchste Helikopter-Rettung der Air Zermatt. Durchgeführt im April 2010 auf der Annapurna im Himalaya. Pilot Daniel Aufdenblatten erhielt für seinen Einsatz den Heroism Award.

16 GRAD Tiefste Körpertemperatur eines Verletzten, den Air-Zermatt-Chefarzt Axel Mann aus einer Gletscherspalte barg. „Der Mann heiratete später ­seine Krankenschwester.“

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Gletscher-Einsatz in den Walliser Alpen. Der Sanit채ter weist den Pilot per Funkhelm ein.


Flughelfer am Heliport Zermatt machen eine Bell 429 startklar. Der Nebel am Taleingang verzögert den Abflug.

der Annapurna in Nepal; Anm.). Dreimal wurde der Staffel der Heroism Award ver­ liehen, die höchste Auszeichnung für Ein­ sätze in der zivilen Luftrettung. Die Ausbildung zum Piloten dauert fünf Jahre. „Du beginnst mit Panoramaflügen um das Matterhorn“, sagt Pfammatter. „Dann übst du Lastenflüge an der Seil­ winde: Baumstämme, Rohre, Kühe. Bis dir dein Sanitäter den ersten Verletzten an die Winde hängt, hast du mehr Erfahrung als die meisten Flugretter im Rest der Welt.“ Pfammatter kann ein 90 Stockwerke langes Rettungsseil auf der Fläche eines Handtuchs absetzen und den Flugwinkel seines Helikopters an Grasbüscheln im ­Gelände ausrichten. Was Pfammatter nicht kann, ist über Leben und Tod entscheiden. „An guten Tagen siehst du abends in den Spiegel und hast zehn Leute gerettet. An schlechten Tagen meldet die Einsatz­ zentrale Tote, und du fliegst Leichensäcke auf den Berg.“ 66

Gemeinschaftsraum am Heliport Zermatt. Auch Chefärzte spülen nach dem Essen die Teller.


Rettungspilot Tom Pfammatter (li.) flog seinen schwierigsten Einsatz 2005 am ­Rhonegletscher. Air‑Zermatt-Chef ­Gerold Biner (re.) holte schon Bergsteiger vom Mount Everest.

„DER JOB RÜCKT DEINE SICHT AUFS LEBEN ZURECHT.“ Pfammatter hat viele gute Tage als Pilot erlebt, aber auch einige sehr schlechte. Er hat tote Kinder geborgen und im Cockpit seiner Maschine geweint. Wie man die sehr schlechten Tage vergisst? „Laufen“, sagt Pfammatter. „Zunächst ­langsam, dann sprinten. Bis du erschöpft bist und ins Bett kippst. Am nächsten Tag stehst du auf und kletterst in dein Cockpit.“

I

m Einsatzgebiet der Air Zermatt, den Walliser Alpen, stehen 41 Vier­ tausender – mehr als in jeder anderen Gebirgsgruppe Europas. 1500 Mal rückt die Staffel pro Jahr aus. Ver­ unglückt ein Alpinist abseits der Wanderwege, fordert die Zentrale Bergführer zur Suche an. Unten im Tal klingelt dann das Handy von Anjan Truffer. Der oberste Bergführer der Air Zermatt ist ein Mann wie ein Baum. Truffer wuchs unten im Dorf auf. Er hat das Matterhorn 150 Mal bestiegen. Bei Notfällen landet der Air-ZermattHelikopter direkt hinter Truffers Haus im Garten. Mit Steigeisen, Felshaken und Schlingen am Rücken fliegt der Vierzig­ jährige ins Gebirge. „Von meiner Wohn­ zimmercouch in die Matterhorn-Nord­ wand in sieben Minuten.“ Truffer ist oft der Erste, der Verletzten Mut spendet. Besonders fordernd sind Bergungen aus Gletscherspalten. „Die Leute fallen in einen V-förmigen Schacht und bleiben irgendwann stecken. Weil ihre Körper Wärme abgeben, schmel­ zen sie in den Gletscher. Dann stecken sie in einem Panzer aus Eis, und ihre Körper­ temperatur beginnt zu sinken.“ Bei Spalten-Einsätzen fliegt die Air Zermatt Stromaggregate auf den Berg. Mit einer elektrischen Winde werden die Retter an einem Seil in den Spalt gelassen. Dort stemmen sie Menschen aus dem Eis. Hilti-Schlagbohrer aus dem Baumarkt eignen sich dafür am besten. Rund vierzig Mal pro Jahr seilt sich Truffer in Spalten ab. Sein gefährlichster Einsatz? „1999 am Theodulgletscher. Ein Snow­ boarder war abgestürzt. Beim Abseilen merkte ich, dass an den Wänden riesige Eiszapfen hingen. Wenn du deinen Fuss draufsetzt, brechen mehrere Tonnen Eis weg. Ich musste um sie herum nach unten klettern, wie in ein Labyrinth. Irgendwann verschwand über mir der Lichtspalt.“

Truffer erreicht den bewusstlosen Snow­ boarder in 85 Meter Tiefe, 24 Stockwerke unter Tag. „Sein Kopf war beim Sturz gegen die Spaltenwand geschlagen. Ich fand den Mann nur, weil ich seiner Blutspur folgte.“ Truffer bindet ihm ein Dreieckstuch um die Hüften. Dann funkt er an die Ober­ fläche. Behutsam ziehen seine Kollegen ihn nach oben. Der Snowboarder überlebt den Sturz. Er hat sich nie bei Truffer gemeldet. „Der Job rückt deine Sicht aufs Leben zurecht“, sagt Truffer. „Du ärgerst dich weniger im Alltag. Dein Nachbar fährt ein grösseres Auto? In der Früh ist die Milch­ packung leer? Wenn du in einer Gletscher­ spalte warst, weisst du, was ein richtiges Problem ist und was nicht.“

D

as Büro von Air-Zermatt-Chef Gerold Biner hängt wie ein ­Vogelnest unter dem Dach des Hangars. Biner, 50, ist ein drahtiger Mann mit spitzen Augenbrauen. Seit 25 Jahren fliegt er Einsätze im Gebirge. Ausserdem exportiert er das Know-how der Schweizer in die höchsten Berge der Welt. Seit 2010 bildet die Air Zermatt in ­Nepal Rettungsflieger aus. Biner und seine Kollegen flogen die ersten Übungsstunden. Auf YouTube sieht man ihn über den Fels­ graten des Himalayas schweben. Die ­Sauerstoffflasche an den Sitz geschnallt. Biners Flüge waren Pionierarbeit. „Ab 6000 Metern fliegt der Helikopter im Grenzbereich“, sagt Biner. „Die Luft ist dünn. Die Rotorblätter haben weniger ­Widerstand. Bei Landemanövern hast du keine Chance, wieder hochzuziehen, wenn etwas schiefgeht. Der Maschine fehlt dort oben die Power.“ Biner flog im Himalaya Seilbergungen in knapp 7000 Meter Höhe. Am Mount Everest barg er zwei tote Bergsteiger aus Camp II (6500 Meter hoch). Am Dhaula­ giri, dem siebthöchsten Berg der Welt, rettete er fünf Chinesen mit der Seilwinde.  In der Schweiz sucht Biner neue Ret­ ter für die Air Zermatt aus. Jährlich gehen hunderte Bewerbungen ein. Biner muss Menschen auswählen, ­denen er das Leben seiner Kollegen an­ vertrauen kann. Eine Frage, die er bei ­Bewerbungsgesprächen immer stellt: „Wie oft haben Sie in Ihrem letzten Job freiwillig die Küche geputzt?“ Bergretter müssen sich immer auf ihre Kollegen verlassen können, sagt Biner. Aktuelle Einsätze: www.airzermatt.ch

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An den Decks „So sieht der DJ seine Crowd. Besucher von David Guettas ,F*** Me, I’m Famous!‘-Party im Pacha Main Room.“

Die Macht der Freiluft-Ekstase „Das Destino Resort ist legendär für seine opulenten Live-Shows. Hier feiern 500 Leute vor der Outdoor-Stage.“

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Insel Poetisch und ekstatisch, sexy und enthemmt: Faris Villena verwandelt Ibizas Nachtleben in Fotokunst. Uns zeigt er die 15 besten Shots seiner Karriere. TEXT: ANDREAS ROTTENSCHLAGER, BILDER: FARIS VILLENA

Herz-Explosion „Um drei Uhr früh auf der ‚Flower Power‘-Party im Club Pacha. Jeden Dienstag feiert Ibiza hier seine Hippie-Wurzeln.“


Alles glänzt „Auf der ‚Wisdom of the Glove‘-Party des israe­ lischen DJ-Superstars Guy Gerber im Pacha.“ (Bild re. und unten re.)

Local Heroes „Die Resident DJs Ivan Rodriguez (li.) und Graham Thunder im ,Pikes Hotel‘. Der Club im Nordosten Ibizas ist in einer Finca aus dem 15. Jahrhundert untergebracht. Schon die Rolling Stones feierten hier ihre Privatpartys.“

Bass-Held „Paul ,El Hornet‘ Harding, Ex-DJ der britischen Drum-and-BassHelden Pendulum auf der ,Dirty Dutch‘-Party im Club Pacha. Wie die meisten Spitzen-DJs ist Paul Stammgast auf der Insel.“

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Blumenkinder „Neben den DJs prägen Animateure (re.), Künstler und Tänzer das Nachtleben der Insel. Die Tänzerin im Bild oben heißt Laetitia Laeet. Ich fotografiere sie seit einem Jahr. Hier tanzt sie auf der ,Flower Power‘-Party im Pacha.“


Disco-Muse „Mit dem Bike in den Club? Alltag im Pacha. Hier wird BurlesqueTänzerin Kotrina (li.) auf der Harley chau∞ert.“

Rock-’n’-Roll-Nächte „Drei Damen posieren im Foto­ automat auf der ,Rock Nights at Pikes Hotel‘ – einer der legen­ därsten Aftershow-Partys der Insel. Einen Platz auf der Gäste­ liste sichert man sich am besten per E-Mail oder über Facebook.“

Das Design der Nacht „Eine Tänzerin präsentiert das neue Kleid des italienischen Mode­ labels Nu’Art auf einem Open-AirEvent des Destino Resort. Mode spielt in Ibizas Nachtleben eine größere Rolle als im Rest Europas. Im Destino finden junge Designer eine Plattform.“


„Richtig los geht’s erst ab 7 Uhr früh“ 3 – 2 – 1 – go! „Auf Steve Aokis DJ-Set im Pacha. Der Mann ist ein Vollblut-Showman. Er kam zu mir und sagte: ,Ich bringe jetzt den Saal zum Ausflippen, und du machst ein Foto.‘ Hat ja ganz gut geklappt.“

Göttinnen „Nachts im ,Underground‘. Der Club ist ein Mekka für elektronische Musik. Und man trifft immer schöne Frauen.“

Im Bunker

the red bulletin: Herr Villena, Sie fotografieren seit vier Jahren in den größten Clubs und auf exklusiven ­Privatpartys auf Ibiza. Was macht das Nachtleben der Insel so besonders? faris villena: Das hochwertige DJLine-up. Ibiza ist nach Berlin der weltweit wichtigste Ort für neue Trends in der elektronischen Musik. Aber im Gegensatz zu Berlin kannst du hier nach einer durchtanzten Nacht an den Strand schwimmen gehen (lacht). Wie lange dauern denn die Nächte auf Ibiza? Meist bis in den Vormittag. Die besten Partys beginnen ab sieben Uhr früh. Im Ernst? Ja. Dann geht’s in den Clubs erst richtig los. Die meisten Pauschaltouristen sind da längst wieder im Hotel. Und übrig bleiben Einheimische und Leute, die sich wirklich für Musik interessieren. Wie lautet Ihr Tipp für Musikkenner? Gehen Sie ins „Underground“ in San Rafael. Freier Eintritt, billige Drinks, und Acts wie die Martinez Brothers oder DJ Sneak schauen für spontane Sets vorbei. Auf vielen Ihrer Bilder sieht man die Leute völlig enthemmt tanzen. Wie stellen Sie das an? Ich will die Energie der Nacht einfangen. Dazu musst du selbst Teil der Party werden. Ich tanze einfach mit, bis die Leute meine Kamera vergessen.

„Auf Ibiza Ansässige feiern im Veto Social Club den Winter durch. Im Bild: die DJs Erre de ­Ruido (li.) und Joshel.“

Fotograf Faris Villena, 33, lebt in Madrid und auf Ibiza. Seine Bilder: www.farisvillena.com



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BRE A K DAN C E TR I FFT AUF I LLUSION . DIE N E UE SH O W DE R FLY IN G STE PS.

5.– 7. JUNI 2015 C R E ATIV E D I RECTOR: VA RTA N BA SSIL

ZÜRICH HALLENSTADION MU SI C: V I VA N U N D KE TA N B H ATTI

T I C K E TS: R E D B UL L F LYING ILLU SION.CH #FLY ING ILLU SION


Ihr Programm im Mai:

AC T I O N ! 76

TRAVEL 77

GEAR 79

WHEELS 80

HOW TO 82

CULTURE 86

EVENTS

TRAVEL

LEIDER GEIL: AM SEIL Outdoor-Adrenalin

Wer eine Wüste kennt, kennt alle? Vorurteil. Weg damit. Und auf in den US-Bundesstaat Utah. Dort kann man Wochen und Monate ohne Ruhepuls verbringen. In ­einer Kulisse, die nach allem ­anderen aussieht als nach Mutter Erde. Erhebendstes Erlebnis? Helm auf, Seil in die Hände und rückwärts runter.



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ACTION Das Seil ist ein Fixseil, und in den Händen hält man nicht nur dieses, sondern auch eine Bremsvorrichtung, mit der man den Speed des Abstiegs kontrolliert. Macht richtig Spaß. Und die Möglichkeiten ­dafür sind in Utah unendlich: Der Arches National Park, rund 300 Quadratkilo­ meter groß, besteht aus kolossalen Sandsteingraten, surrealen Flanken und erhabenen Gipfeln. Und eben auch tausenden Steinbögen, die – englisch: Arches – dem Nationalpark seinen Na­ men geben. Wer diese Bögen in Angriff nimmt, bewaffnet nur mit einem Seil, braucht einen klaren Kopf und ordent­ liche Nerven. Und zumindest eine solide Basis an Kletter-Erfahrungen. „Bevor man seinen Körper irgendwo runterbaumeln lässt, sollte man erst mal einen Kurs belegen“, sagt Todd Goss von Paragon Adven­ tures, einem Spezialisten für organi­ sierte Outdoor-Aktivitäten in Utah. ­„Einen Abgrund rückwärts runterzu­ gehen widerspricht bei den meisten Leu­ ten dem natürlichen Selbsterhaltungs­ trieb. Also wird dabei eine Riesenladung Adrenalin frei. Damit umzugehen ist zu Beginn die größte Schwierigkeit.“ Das bestätigt Katie Sanders, 24, Rechtsanwaltsgehilfin aus Santa Monica, Kalifornien. „Über der Kante begann mein Herz zu rasen“, sagt sie. „Zu Be­ ginn hast du nur den einen Gedanken im Kopf, dass alles zwischen dir und ­einem 100-Meter-Absturz dieses Stück Seil ist. Aber dann kam dieses groß­ artige Gefühl von Freiheit und Kontrolle über meine Handlungen. Ab da konnte ich alles genießen, die Action und die unglaubliche Umgebung.“

TRAVEL UTAH

… mehr entdecken! Sturzflug Nach einem fünf­ tägigen Kurs ist man bereit für einen BASEJump von der Perrine Bridge in Twin Falls, Idaho. Das Training leitet ein Pionier des Sports, der Absprung­ punkt liegt 150 Meter über dem Snake River. utahextremesports.com

Drift Lust auf noch mehr Ausblicke? Nach einem Abseil-Tag in Utah kann man in einem Heißluftballon den Himmel über Arizona erobern: magische Monolithe, Tafelberge und beeindruckende Sandstein-Felsspitzen auf 1500 Meter Höhe. monumentvalley ballooncompany.com

Insider-Tipp

„Bevor man sich das erste Mal abseilt, sollte man verstehen, wie das System funktioniert. Und wie man überlebt, falls was schiefgeht“, sagt Todd Goss.

Salt Lake City Lust auf spektakuläre Abgänge? Infos: paragon adventure.com

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Der Genuss ist auch einer der Perspektive: Man hängt von einer Felswand, zwischen den Füßen und dem sonnenverbrannten Boden nichts als Frischluft. Eine komplett neue Art, Landschaften zu genießen, deren Faszination sich kaum in Fotos einfangen lässt. „Das Abseilen öffnet dir die Schönheit der roten Wüste ganz neu, mit ihren Slot Can­ yons, weitläufigen Ausblicken und massiven Klippen“, sagt Goss. „Und außerdem gibt’s einen ordentlichen Kick.“

Abgelegene Canyons erkunden, als Bonus gibt’s versteckte Fels­ bögen, prähistorische Dinosaurierspuren und atemberaubende Aus­ blicke auf den Colorado River: Das zerfurchte Terrain von Arizona testet die Grenzen des Hummer aus. highpointhummer.com

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KLEIN/RED BULL CONTENT POOL, CORBIS, KEITH JEFFERS

Abfahrt Utah, USA


GEAR

ACTION

GUT IN SCHUSS

Vierrotorige Drohnen sind kni≠lig zu kontrollieren. Das integrierte GPS des Phantom und der Drei-AchsenGimbal, die Kamerahalterung, machen es aber leichter, ein gutes Bild hinzukriegen.

Fotos machen und teilen. Überall. Mit der neuesten Technologie in den coolsten Designs.

Hasselblad Stellar II

CARTER DOW, JONATHAN BEER

Luxus-Design trifft moderne Technik: TraditionsProduzent Hasselblad verpasst der Sony RX100 ein Makeover.  hasselblad-stellar.com

GoPro HERO4 Silver

Neue Version mit allen erwarteten robusten ­Features plus integriertem Touchscreen und verbesserter Kontrolle der Settings.  gopro.com

THE RED BULLETIN

Phantom 2 Vision+

Luftige HD-Videos und 14-Megapixel-Fotos: Die Drohnen-Kamera lässt sich programmieren oder händisch via Smartphone oder Tablet bedienen.  dji.com

Polaroid Socialmatic

Old-School-Sofortbildkamera im Social-Media-Zeitalter: Bilder gleich ausdrucken oder via Wi-Fi teilen. polaroid.com

Nikon Coolpix AW120

Wasserdicht, stoßfest, schießt 16-Megapixel-Fotos und läuft auch noch bei minus zehn Grad Celsius. Plus: GPS und Kompass.  europe-nikon.com

VSCO Film

Digitalfotos in Analogfilm-Anmutung? Diese Software liefert realistische Effekte und erspart stundenlanges Herumtun mit nicht so raffinierten Filtern.  vsco.co

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ACTION

GEAR

NEUE KLASSIK Mechanisch trifft modern

Montblanc TimeWalker Urban Speed e-Strap Neue Technologien müssen nicht zwingend traditionelle ablösen. Es gibt auch die Möglichkeit eines reizvollen Mit­ einander, wie dieses Beispiel von Montblanc zeigt. Die Marke hat eine einzigartige Erfahrung darin, Technologie tragbar zu machen, ohne dabei den klassischen Look der Uhren zu opfern. Der e-Strap passt auf jede Armbanduhr, die breit genug ist. Via Bluetooth Low Energy kommuniziert er mit Android- oder Apple-Smartphones. Über einen Touchscreen können Mails, SMS, Anrufe und Social-MediaUpdates verfolgt werden, in einem Umkreis von 30 Metern kann das Handy lokalisiert werden. Sportbegeisterte zeichnen ihre Aktivitäten auf, zählen Schritte und verbrannte Kalorien und erhalten Vibrations­ alarme. Außerdem funktioniert der e-Strap als Fernbedienung für das perfekte Selfie oder zur Musikauswahl am Handy. montblanc.com

Elektronik und Display sind in einem hochwertigen, ­gummiummantelten Edelstahl­ gehäuse verstaut. Das Band selbst besteht aus carbon­ beschichtetem „Montblanc ­Extreme Leather“, gefertigt in Florenz.

ZEICHEN DER ZEIT

Chronographen, die Hightech und zeitlosen Style verbinden Panerai Luminor Submersible 1950 Carbotech

Gehäuse, Lünette und Kronenschutzbrücke aus PEEK-(Polyetherether­ keton-)Kohlefaser-Verbundmaterial machen diese bis 30 bar wasserdichte Taucheruhr mit Automatikwerk robust und ultraleicht. panerai.com

Alpina Alpiner 4 Chronoflyback Manufacture

Eine echte Innovation: Nur Alpina produziert ­einen Automatik-Chrono­

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graphen, der sich wie ­eine Sportuhr tragen lässt. Besonders smart: die Flyback-Funktion zum Neustart der Stoppuhr mit einem einzigen Knopfdruck. alpina-watches.com

Hublot Big Bang Jeans Vintage

Außen lässiger DenimLook, innen Schweizer Präzision: Das Uhrwerk ETA 7753 dieses StahlChronographen gestattet sich in zwölf Stunden nur ­eine Achtelsekunde ­Ungenauigkeit. hublot.com

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ACTION

WHEELS

BEI­ FAHRER Clevere und auch hübsche Begleiter für unterwegs

BMW i Remote Die preisgekrönte App für das Samsung Gear S liefert Status-Updates, warnt bei offenen Türen und Fenstern, und an kalten Wintermorgen kann man den Wagen damit auch vorheizen. bmw.com

EIN SERIEN-AUDI, SCHNELL WIE NIE

Audi R8, Allrad-Supersportler

BARRY HATHAWAY

Die zweite Generation des in Handarbeit gefertigten Zweisitzers mit Mittelmotor kommt schärfer, radikaler, dynamischer, breiter, aber auch umweltfreundlicher daher: Der neue 5,2-Liter-Zehnzylindermotor leistet bis zu 610 PS, das ergibt in Verbindung mit der Siebengang S tronic und permanentem quattro-Allradantrieb beeindruckende 3,2 Sekunden aus dem Stand auf hundert und eine Spitze von 330 km/h. Schnellster Audi der Firmengeschichte, was für eine Ansage. Clever: Sobald der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt, kuppelt der R8 aus, das Auto spart „segelnd“ Sprit. 11,8 Liter im Schnitt, dieser Wert würde auch manchen halb so starken Autos gut anstehen. Unsichtbar die Innovationen unter dem spektakulären, im Vergleich zum Vorgänger deutlich muskulöser anmutenden Blechkleid. Der Multimaterial Space Frame kombiniert Aluminium und Carbon, was das Gewicht der kompletten Karosserie auf rekord­verdächtige 200 Kilogramm drückt. Außerdem: Laserlicht, virtuelles Cockpit, neu entwickelte Schalensitze, auf Wunsch erstmals 20-Zoll-Räder.  www.audi.de

Individuell anpassbar: das virtuelle Cockpit am 12,3-Zoll-Screen

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WILLKOMMEN ZURÜCK Indian Scout, Legende

Indian-Jacke Jacken von Indian tarnen ihre Modernität: CE-­ Protektoren und herauszippbares Futter ver­ stecken sich unter Messing-Emblemen und Logos. Um darin gut auszusehen, braucht man nicht mal ein Bike. indianmotorcycle.com Die große Geschichte von Indian ­Motorcycle darf als bekannt vorausgesetzt werden: 1901 gegründet, Aufstieg zum zwischenzeitlich größten Bike-Produzenten der Welt, Pleite 1953, gefolgt von nostalgietriefen­ dem Dahindümpeln. Erst in den letzten Jahren wird der Name Indian – angetrieben von entsprechendem Kapital – angemessen wieder aufpoliert. Wir sahen die Chief und die Chieftain zurückkehren, nun folgt die Indian Scout. In Sachen Kosten und Gewicht rangiert der leichte Cruiser im unteren Indian-Bereich, ist daher für eine ziemlich große Zielgruppe interessant. Die Indian Scout spielt ihre Stärken über Land am souveränsten aus, manövriert aber auch mühelos durch die Stadt. indianmotorcycle.de

Jaguar Heritage ’57-Kollektion Eine Kollektion als Reverenz an den legendären D-Type mit der Nummer 3 der „Écurie Ecosse“ (Team Schottland), samt einer Reisetasche des geschichtsträchtigen LederSpezialisten Pittards. jaguarheritage.com

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ACTION

HOW TO

PHYSIK FÜR (Sc²HL )ECHTE MÄNNER

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Alles im Leben ist eine Frage der richtigen Technik. Physiker und Buchautor Martin Apolin verrät uns, welche Formeln wir an einem Sommertag für uns arbeiten lassen können.

Brate das perfekte Steak

60° abkühlt und einen Teil dieser Wärme in die Mitte weitergibt. Nach sechs Minuten Bratzeit hat das Fleisch in der Mitte aber noch immer nicht mehr als 41 °C! Statt nun in Panik zu ge­ raten und das Stück in der Pfanne zu lassen, bis es austrocknet, kommt die vierte 3: Wir packen das Rind in Alufolie. Die beiden heißen Außenseiten geben dann ihre Wärme weiter nach innen ab, und nach noch mal drei Minuten hat es im Kern genau – bing! – 60 °C. Das per­ fekt auf „medium“ gebratene Steak ist fertig.

Zwei Dinge braucht ein gutes Steak: die rich­ tige Pfannentemperatur (170 °C) und das per­ fekte Timing. Dabei folgen wir dem kürzesten Merksatz der Küchenphysik, nämlich: 3-3-3-3. Die erste 3: Unser Rindfleischstück ist drei Zentimeter dick. Die zweite 3: Leg das Steak für drei Minuten in die Pfanne. Dann misst die Steakunterseite etwa 150 °C, während die Steakmitte noch fast gar nichts von der Hitze mitbekommen hat. Die dritte 3: Wende das Fleisch und lass es weitere drei Minuten an­ braten. Jetzt erst bewegt sich was in der Mitte. Warum? Weil die zuerst angebratene Seite um

Tipp: Für „medium rare“ lässt du das Steak nur zwei Minuten in der Alufolie, für „well done“ sechs Minuten.

Die Blut-Kurve Je höher die Temperatur in der Steak-Mitte, desto weniger blutig. 153 °C

153 °C

150 °C

95 °C

2

77 °C 60 °C

50 °C 41 °C

1/1000 mm

3 Minuten: 1. Seite

3 Minuten: 2. Seite wenden

Bitte mit scharf: Ein echt gutes Fleisch­ messer ist an der Klinge einen tausendstel ­Millimeter breit.

3 Minuten: ruhen lassen

Ende des Bratvorgangs

170 °C In der Pfanne oder auf dem Grill: Unter 140 °C brät das Steak nicht, über 220° verkohlt es. 170° brutzeln perfekt.

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Halte deine Dose kühl

Nimm eine alte Socke. Mach sie nass. Steck deine Dose ­hinein. Häng das Ganze auf, am besten im Schatten, wo es windig ist. Fertig ist dein Sockenkühlschrank. Das phy­ sikalische Zauberwort hinter dieser Konstruktion heißt: Verdunstungskühlung. Wie das funktioniert? Wasser­ moleküle bewegen sich, ­manche langsamer, manche schneller. Und manche so schnell, dass sie das Wasser verlassen und in die Luft ent­ weichen. Damit verringert sich das durchschnittliche Tempo der verbleibenden Moleküle, die Wassertemperatur sinkt, und die Dose wird gekühlt.

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TOM MACKINGER

93 °C

CLEMENS STACHEL

100 °C

Molekühl: Die schnells­ ten Wassermoleküle entweichen in die Luft. Übrig bleiben die bewe­ gungsfaulen kalten.


orw mT vo

ar t m a

ximal abdeckbare r Be

reic h 2,4 m Reichweite + 0,5 m Sprunghöhe = 2,9 m

3

2,4 m Reichweite + 1,3 m Flugweite = 3,7 m

11,8 m

Schieß einen unhaltbaren Elfer

Vor allem ist der Strafstoß im Fußball ein Psycho­ spielchen zwischen dir und dem Tormann. Er kennt deine Lieblingsecke, du kennst seine, und am Ende knallst du das Ding meist durch die Mitte. Aber es gibt ihn, den unhaltbaren Elfmeter. Denn das Fuß­ balltor ist so groß, dass es selbst ein sprungstarker Hüne von einem Torwart nicht zur Gänze abdecken kann – vorausgesetzt, du schießt scharf genug ­(sagen wir mal: mit 100 km/h). Die Grafik zeigt: Ein

1,95 Meter großer Keeper, der einen halben Meter hoch springen kann, reicht auf etwa 2,9 m hinauf. Dein Schuss braucht vom Elferpunkt ins Kreuzeck genau 0,42 s. In dieser Zeit kann der Tormann hori­ zontal etwa 1,3 m fliegen – er deckt also mit 3,7 m Reichweite die gesamte Torlinie ab. Klingt beängs­ tigend. Aber: Die beiden oberen Ecken bleiben für ihn unerreichbar. Und genau da muss das Leder hin. Es liegt an dir. Die Physik ist auf deiner Seite.

4

Bastle einen Papierflieger

Kein Papierflieger gleicht dem anderen. Eine minimale Abwei­ chung an einer Falz, die kleinste Wölbung im Papier – und zwei scheinbar gleiche Fluggeräte verhalten sich in der Luft kom­ plett verschieden. In der Suche nach dem perfekten Papier­ flieger steckt der menschliche

THEORIE & PRAXIS

Physikalisches Wissen für alle Lebenslagen

DAS BUCH Martin Apolin: Physik für echte Männer Traum vom Fliegen genauso wie unser Kampf mit einem der kom­ plexesten Gebiete der Physik überhaupt – der Aerodynamik. Die Zahl, die du bei deinen Kon­ struktionsversuchen in die Höhe treiben musst, heißt Gleitzahl (E ): Flugweite durch Höhe. Ein Hängegleiter hat eine Gleitzahl

Für eine gute Höhe brauchst du Muskel­ kraft, für eine gute Gleitzahl eine Idee.

von 10 bis 15. Das heißt: Pro ver­ lorenem Höhenmeter fliegt er 10 bis 15 Meter weit. Die besten Papierflieger der Welt kommen auf ähnliche Werte. Auch von Vorteil: ein schneller Arm. Den Weltrekord im Weitwurf (69,1 m) hält mit Joe Ayoob nicht zufällig ein ehemaliger Quarterback.

Erkenntnisse der Phy­ sik, übersetzt ins täg­ liche Leben – unter­ haltsam und fundiert präsentiert. Und ver­ blüffend: Wusstest du etwa, dass du im HighSpeed-Zug langsamer alterst als zuhause? www.ecowin.at

Flugweite l

Höhe h

sta

α (Gleitwinkel) tion

äre

rG

leit

flug

Wurfdistanz

Flugweite l Gleitzahl E = ———————— Höhe h

THE RED BULLETIN

Physikalisch absolut begründet: die Angst des Tormanns vor dem Elfmeter ins Kreuzeck.

DAS EVENT Red Bull Paper Wings World Finals Ein A4-Blatt, eine Idee, sonst nichts. Am 8. und 9. Mai trifft sich die glo­ bale PapierfliegerfalterElite im Salzburger Hangar-7 zur finalen Flugshow. Die drei Dis­ ziplinen: Flugdistanz, Flugdauer, Aerobatics. redbullpaperwings.com

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ACTION

MUSIC BARBIE BEATS

PLAYLIST GIORGIO MORODER

Der Musiktrend dieses Jahres heißt PC Music. Drei Fakten für den HipsterSmalltalk:

1977 revolutionierte Giorgio Moroder mit „I Feel Love“ die Clubmusic. Es folgten Arbeiten mit D ­ avid Bowie und Blondie, Oscar-prämierte Filmmusik für „Flashdance“ und „Midnight Express“. 1990 kam der Rückzug. 2013 brachte Daft Punk den Südtiroler mit einer Hommage auf „Random Access Memories“ wieder ins Gespräch. Jetzt ist Moroder mit eigenem Comeback-Album endgültig zurück. „74 Is the New 24“ hat Kylie Minogue und Charli XCX an Bord und unterstreicht einmal mehr, wer der wahre Discokönig ist. Hier fünf Songs, die ihn bis heute inspirieren.  giorgiomoroder.com

Wie klingt’s?

Paul Anka

Wendy Carlos

„Diana“

„Switched-On Bach“

„Mit fünfzehn hörte ich diesen Song im Radio und bekam ihn nicht mehr aus dem Kopf. Das Problem war nur: Ich hatte den Namen des Künstlers nicht verstanden. Es dauerte ewig, bis ich die Single in meinem Plattenladen fand. Es war der Song ‚Diana‘ – jener Song, der mich dazu brachte, professionell Musik zu machen. Eine Coverversion davon wurde mein erster, wenn auch kleinerer Erfolg.“

„Der Grund, warum ich Anfang der Siebziger Synthesizer zu ­spielen begann. Vor allem Konzept und Sound haben mich ­begeistert. Carlos spielte Johann ­Sebastian Bachs Barock-Sonaten ausschließlich auf einem MoogSynthesizer. Trotz des experimentellen Zugangs war es das erste klassische Album, das sich über eine halbe Million Mal verkaufte. Auch heute noch ein großes Album.“

Iggy Azalea feat. Charli XCX

Rihanna feat. Calvin Harris

„Fancy“

„We Found Love“

„Eigentlich bin ich kein großer Hip-Hop-Fan. Ich mag die Produktionen eines Kanye West, aber vor allem beim Gangsta-Rap versteh ich nicht mal die Texte. Iggy Azaleas Zugang zu Hip-Hop spricht mich eher an: ein großer Song mit großartigen Lyrics. Das gilt auch für Charli XCX, die den Refrain singt. Mir gefiel ihre Stimme dermaßen gut, dass ich sie mit auf mein neues Album genommen habe.“

„Ich finde aktuelle Electronic Dance Music sehr interessant. Die Sounds junger Produzenten sind was ganz Besonderes, nur manchmal fehlen mir Melodie und Struktur. Nicht so bei Calvin Harris, wie dieser Track beweist. Exzellentes Arrangement, großartiger Sound. Ich liebe seine ­Arbeit. Leider habe ich ihn noch nicht persönlich getroffen, würde aber gern mit ihm zusammenarbeiten.“

„Clarity“ „Ein großartiger Song, der den Grammy für die beste Tanz-Aufnahme letztes Jahr verdient hat. Zedds Sinn für Arrangements und Melodien ist außergewöhnlich, und auch Foxes hat noch eine große Karriere vor sich. Sie ist aktuell eine der talentiertesten und charismatischsten Sängerinnen, eine kommende Disco-Queen. Wer weiß, vielleicht wird sie die neue Donna Summer.“

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Wer steckt ­dahinter? Anonyme männliche Underground-Produzenten aus England. Verstecken sich gern hinter weiblichen Künstler­namen wie Hannah Diamond oder SOPHIE und Girlie-­ Fotos wie QT (Bild).

AMP IT UP iRig 2

Mit diesem Helferlein ­können Musiker auf dem Smartphone Gitarrenriffs spielen und aufnehmen, ganz ohne Verstärker. Über eine App lassen sich Dutzende Effektpedale nutzen – so entsteht eine fette Sound-Wall im ­Hosentaschenformat. ikmultimedia.com

Warum funktioniert’s? Weil die Club-Szene nach Trends wie DeepHouse wieder Lust auf Farbe hat. Und der Mainstream zieht nach: SOPHIE koproduzierte Madonnas neues Album (Bild).

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SONY MUSIC

Zedd feat. Foxes

Wie der Eurodance-Hit „Barbie Girl“ von Aqua, allerdings zu schnell ab­ gespielt. Wichtig: den ersten Ausschaltreflex überwinden. Die Raffinesse der PlastikBeats erschließt sich ­einem nicht sofort.


1. MAI FREITAG, terparty tle &Af Teambat MONSTER (ES) AD! & mit GO M

1. – 2. Mai 2015, Thun www.rocketair.ch Silver Sponsors

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ACTION

CULTURE GAMES

„Mortal Kombat“ ist wieder da Natürlich gibt es neue Charaktere, eine neue Story und einen Fortschritt in der Grafik. Aber das ist nicht die Haupt­ sache von „Mortal Kombat X“ (man sagt übrigens „X“, nicht „10“). Es geht auch nicht um eine Neuerfindung des Genres. Es geht um eine sachte Überarbeitung der Qualitäten einer Serie, die mit über zwanzig Ablegern seit 1992 definiert, wie Brutalität im Beat’em-up auszusehen hat. Und gleich­ zeitig auch darum, den Spielern klarzumachen, wie spaßig so eine Partie sein kann. Nettes Detail: Liebgewonnene Charaktere wie Raiden, Kano und SubZero sind nun gealterte Großmeister. Ab Ende April für Windows, PS4 und Xbox One.  mortalkombat.com

MOBILE GAMES „Red Bull Kart Fighter 3“-App

Warum Liam Neeson der Action-Star der Stunde ist.

Um mit 68 als Actionstar durchzu­ gehen, musste sich Sylvester Stallone in „The Expendables“ ein gerüttelt Maß an Selbstironie verordnen. Ähnlich verhält es sich mit dem zuletzt nicht überragend furchterregenden Arnold Schwarzenegger, 67. Am Alter aber liegt es nicht. Der aktuell größte Actionstar der Welt ist 62 und zeigt keinerlei Ab­ nutzungserscheinungen, im Gegenteil: Seit der Veröffentlichung von „Taken“ („96 Hours“) in den USA 2009 legte Liam Neeson mit „Unknown Identity“, „The Grey – Unter Wölfen“, „96 Hours – Taken 2“, „Non-Stop“, „Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tomb­stones“ und „96 Hours – Taken 3“ lauter Kassen­ schlager nach, in denen er seine Mus­

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keln spielen ließ. (Seine Tauglichkeit für Action in der Gruppe bewies der Nord­ ire zwischenzeitlich in „The A-Team“, „Clash of the Titans“ und „Wrath of the Titans“.) Neeson war von seinem Erfolg selbst am meisten überrascht: Er rechnete ­eigentlich damit, dass „Taken“ direkt auf DVD veröffentlicht wird. Doch es kam anders. Seine Gage für „Taken“ – eine kolportierte Million – verzwanzig­ fachte sich bis „Taken 3“, wo wir ihn ab Ende Mai auf DVD bewundern können. „Taken 4“ werde es mit ihm nicht geben, aber sein neuester Action-Knaller „Run All Night“ steht bereits in den Start­ löchern. Allerdings kündigte Neeson an, sich in zwei Jahren ganz aus dem „Geriaction“-Genre zurückzuziehen.

GETTY IMAGES

FILME

Das Nummer-1-Kartspiel in 25 Ländern geht in seine dritte Runde. Mit noch gewaltigeren Sprüngen, noch spektakuläreren Tricks und Drifts auf 45 Strecken – von den sonnigen Stränden Kalifor­ niens bis zur Kraterlandschaft auf dem Mond. Sechs verschiedene Fahrzeuge wie ein V8 Super-Kart oder ein Mondbuggy stehen bei der Tempojagd zur Verfügung, wobei die Lackierung in der Werkstatt individuell gestylt werden kann. Ab sofort kostenlos für iOS, ­Android und Windows Phone. games.redbull.com/kart-fighter-3

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E S S A L K S G I DIE KÖN ! N E B E L R E E LIV ER PREIS S S O R G 1 LA U M R O F EN JETZT TICKETS FÜR D ICHERN: WWW.GPTICKETSHOP.COM 15 S VON ÖSTERREICH 20

19.–21. JUNI 2015

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ACTION

EVENTS Bike Days 2014: Backflip-Demo von Slopestyler Matt Jones

SAVE THE DATE Weitere Pflichttermine in den nächsten Wochen

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Das grösste Festival Graubündens ist Bühne für nationale und internationale Stars. 2014 begeisterten vor imposanter Bergkulisse etwa Placebo, Kaiser Chiefs und Bligg rund 13.000 Fans. Tickets jetzt auf: 23. – 25. 7., Degen, o­ penair-lumnezia.ch

14 8. – 10. 5. Bike Days Rythalle/Messegelände, Solothurn Das grösste Outdoor-Bike-Festival der Schweiz begeistert jährlich über 20.000 Besucher mit nationalen und internationalen Contests wie BMX- und MTB-Bewerben, Minidromeund Cross-Country-Rennen. Daneben stellen über 300 Anbieter ihre Velo-Produkte aus. Tipp für die Aktiven unter den Besuchern: aus dem Riesenangebot ein Testvelo schnappen und auf den variantenreichen Teststrecken gleich ausprobieren. bikedays.ch

bis 25. 5. Henry Moore

18./19. 4. Championnats Suisses

Zentrum Paul Klee, Bern

3. 5. Wings for Life World Run Olten, Altach Dieses einzigartige Rennen ­beginnt simultan in 32 Nationen. Der Schweiz-Start ist in ­Olten, der Kurs führt durch vier Kantone. Bild: die hiesigen Vorjahressieger Marco ­Kaminski und Daniela Ryf. wingsforlifeworldrun.com

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Henry Moore (1898 – 1986), einem der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, widmet das Zentrum Paul Klee eine Retrospektive. Zu sehen: Skulpturen (u.: „Stringed Figure“, Bronze) sowie Zeichnungen als Überblick auf das Werk des Briten, der mit Abstraktionen des menschlichen Körpers weltbekannt wurde. zpk.org

Sporthalle Zug, Zug

Top-Fechter Max Heinzer

Die letzten Schweizer ­Degen-Meisterschaften ­boten Fechtsport auf Weltklasse-Niveau. Im Final besiegte Max Heinzer (Bild; die Nummer 4 der Welt­ rangliste) den TopFechter Peer Borsky (der zuletzt beim Weltcup-Event in Doha sensa­ tionell den Final erreichte). Wird Heinzer den Titel verteidigen? Bewerbe: HerrenEinzel und Damen-Team (Sa.) und Damen-Einzel und Herren-Mannschaft (So.). Eintritt frei! swiss-fencing.ch

Mai Fantasy Basel

Das Festival für Fans von Film, Game, Comic und Cosplay (japanischer Verkleidungstrend) bietet KostümShows, Game-Zones, Elbisch-Kurse und Fantasy-Story-Hörspiele. 14. – 16. 5., Messe Basel, fantasybasel.ch

9

Mai Grand Prix von Bern Bei diesem Laufevent (Beiname, nicht ganz zu Unrecht: „die schönsten zehn Meilen der Welt“) passieren die Starter die Sehenswürdigkeiten Berns wie den Bärengraben, die Aare oder das Rathaus. 9. 5., Bern, gpbern.ch

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MICHAEL SUTER, LORENZ RICHARD/WINGS FOR LIFE WORLD RUN, DAN CERMAK, ANDRé ALBRECHT, TATE LONDON 2015/REPRODUCED BY PERMISSION OF THE HENRY MOORE FOUNDATION, 2014 LIQUID PRODUCTIONS LLC, HENNING BESSER

Juli Lumnezia Festival


20. 4. Deichkind live MAAG Halle, Zürich

Witzige und schlicht geniale Texte, feinster Electrosound, unvergleichliche Live-Performance. Wer die Band Deichkind je live mit ihren schrägen Outfits und durchgeknallten Choreografien gesehen hat, ahnt, ­warum die Hamburger als „wildeste und opulenteste“ LiveBands Deutschlands gelten. Absoluter Pflichttermin! starticket.ch

ab 4. 5. International Ocean Film Tour Die atemberaubendsten Wasserund Unterwasserabenteuer in einer zweistündigen Kurzfilmreihe – nach dem Premierenerfolg der Ocean Film Tour 2014 kommt nun die Fortsetzung in ausgewählte Kinos: etwa mit Dokus über furchtlose Höhlentaucher, über eine 3500-Meilen-­ Ruder-Odyssee im Indischen Ozean oder einem mitreissenden Wakeboard-Clip. Alle Kinos und Termine: oceanfilmtour.com

29./30. 5. Radio Argovia Fäscht Birrfeld, Lupfig Unvergessen das Radio Argovia Fäscht 2014, als Fettes Brot, Bastian Baker (Bild) oder DJ Antoine den 50.000 Fans auf dem Birrfeld gehörig einheizten. 2015 erwartet man on stage ähnliche Kaliber – Rapstar Stress hat schon fix zugesagt. Legendär am „Fäscht“: das Rahmenprogramm mit Schiessbuden, Autoscootern, Grill, Schaustellern, Raclette-Factories, Basketball, Moto-Clubs u. v. m.  www.argoviafaescht.ch

Spirituose, aus im Fass gereiftem Scotch Whisky mit brasilianischen Limettenschalen versetzt

DRINK RESPONSIBLY


ROCKUNDROLL

Die stylepolizeilichen Vorschriften für Outfit und Equipment von Radfahrern sind fast so umfangreich wie das Bürgerliche Gesetzbuch, sehen bei Verstößen aber deutlich strengere Strafen vor. Erschwerend hinzu kommt: Für jede Art des Radfahrens gelten andere Style-Regeln. Ein Überblick für Einsteiger. TEXT UND STYLING: Olie Arnold  BILDER: David Abrahams  PRODUKTION: Otter Jezamin Hatchett

INCASE RANGE MESSENGER LARGE (goincase.co.uk); X-BIONIC THE TRICK® BIKING SHIRT MAN (x-bionic.com); KASK MOJITO HELM (velobrands.co.uk); G-SHOCK GD-X6900HT-8ER UHR (g-shock.at); OAKLEY BRILLEN (oakley.com); SHIMANO SCHUHE (cyclesurgery.com)


POW E R-PE N D LER Am schnellsten von A nach B: Dieser Biker ist schneller im Büro und wieder daheim als sämtliche Auto, Bus und Bahn fahrenden Kollegen. Die gewonnene Zeit nutzt er, um ihnen die Vorzüge des Pendelns per Velo auseinanderzusetzen.

Der Urban Cyclist benötigt ein Bike, das schnell und zugleich alltagstauglich ist. Das robuste Tricross Elite Disc von Specialized ist beides – und fühlt sich auf Asphalt und Schotter gleichermaßen wohl. Dazu tragen die Specialized-Armadillo-Reifen ebenso bei wie die bewährten Shimano-Komponenten.

ASICS GEL LYTE V TRAINERS (asics.com); SPECIALIZED TRICROSS BIKE (cyclesurgery.com); SHIMANO PEDALE (shimano.com); THULE PACK ’N PEDAL COMMUTER BACKPACK (thule.com); RAPHA PRO TEAM DATA PRINT JERSEY (rapha.cc); QUIKSILVER JEANS (quiksilver-europe.at); KRYPTONITE NEW YORK LOCK (kryptonitelock.com)



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SCH LAM MCATC HE R Wenn bei anderen erst der Wecker läutet, hat sich dieser Rider schon zwei Stunden lang im Wald ausgepowert. Bike und Ausrüstung müssen jeden Spaß mitmachen und hart im Nehmen sein – genau wie ihr Besitzer.

Wo landläufige Mountainbikes die weiße Flagge hissen, ­beginnt mit Fatbikes wie dem Rocky Mountain Blizzard erst der Spaß. Das Fun-Gerät aus Kanada pflügt unbeeindruckt auch durch tiefste Schlammpassagen – und fährt sich auf Schotter- und Waldwegen leichtfüßiger, als es aussieht.

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ROCKY MOUNTAIN BLIZZARD BIKE (bikes.com); SALEWA APEX 22 BP RUCKSACK ­(salewa.at); HELLY HANSEN JOTUN JACKET (hellyhansen. com); THE NORTH FACE THERMOBALL HOODED JACKET (thenorthface.com); BERGHAUS SOL NECK GAITER (berghaus.com); SALEWA WILDFIRE PRO SCHUHE (erhältlich bei hervis.at); NORTHLAND AIRFORCE BIKE POLO SHIRT (northland-pro.com); CONTOUR ROAM3 KAMERA (contourshop.com); SCOTT STEGO HELM (erhältlich bei gigasport.at); POLAR V800 SPORTUHR (polar.at); ALPINESTARS A-8 SCHUTZWESTE ­(alpinestars.com)


BUS INESS CL ASS Wer so Rad fährt, sucht in jedem Lebens­ bereich nach dem e∞zientesten Weg zum Ziel – sowohl im Meeting als auch am Weg dorthin. Beim Biken zwischen Bahnhof, Garage und Büro tut er gleich­ zeitig etwas für seine Gesundheit.

Falträder stehen kaum im Verdacht grenzwertiger Coolness. Doch dieses Modell von Strida beweist, dass auch FaltBikes stylish sein können. Praktisch ist es sowieso: Das 13-KilogrammLeichtgewicht ist in nur zehn Sekun­ den fahrfertig. Und der Riemen­ antrieb garantiert, dass man mit sauberen Hosen beim Meeting erscheint.

STRIDA FALTBIKE (velorution.com); STRIDA RAHMEN­ TASCHE (velorution. com); PAUL SMITH 531 PANELED CYC­ LING GILET, WIND­ ABWEISEND (paul­ smith.co.uk); INCOTEX CYCLING REFLECTIVE-TRIM WOOL-BLEND AN­ ZUG (mrporter.com); ABUS KRANIUM CARDBOARD HELM (kraniums.com); VULPINE SOCKEN (velorution.com); BROOKS ENGLAND PICCADILLY LEA­ THER KNAPSACK (mrporter.com); BROOKS ENGLAND JOHN BOULTBEE PACKAWAY CYCLING CAPE (mrporter. com); VELORUTION VINTAGE RAD­ SCHUHE AUS LEDER (velorution.com)



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CI TY-ST YLER Für diesen Fahrer ist das geschmackvoll aufgebaute Rad ein Mode-Statement und kein bloßer Gebrauchsgegenstand. Outfit und Accessories sind sorgfältig aufeinander abgestimmt und nicht an jeder Ecke zu bekommen.

Detroit mag die (einstige) Hauptstadt von Amerikas Auto­ industrie sein, in der kleinen Shinola-Manufaktur erblicken aber auch feine Fahrräder das Licht der Welt. Mit seiner 11-Gang-Naben­ schaltung ist The Runwell perfekt für Schöngeister geeignet, die Besseres zu tun haben, als Ketten zu ölen.

SHINOLA RUNWELL BIKE (shinola.com); HARRIS TWEED BAIRN MINI MESSENGER (trakke.co.uk); VANS SK8-HI REISSUE TRAINERS (vans.com); NAPAPIJRI ORANGE RAINFOREST JACKET (napapijri.com); DAKINE OAKRIDGE FLANELLHEMD (dakine.com); S.OLIVER PRINTED T-SHIRT (soliver.at); EIGHTYNINE BY BOX FRESH HYVOT SWEATER (boxfresh.com); NEW BALANCE C-SERIES COLLECTION YELLOW TURNSCHUHE (newbalance.de); FOSSIL WATCH (fossil.de); LEVI’S 511 COMMUTER JEANS INDIGO DENIM ECO (levi.com); O’NEILL ADVENTURE BOMBERJACKE (oneill.com)

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R E A D BULL

Von Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier Geboren am 15. Oktober 1949 in Hard, Vorarlberg. Studium der Germanistik, Politologie, Mathematik und Philosophie. Köhlmeier ist ein Multitalent. Er schrieb und schreibt Liedtexte (1972 gründete er mit Reinhold Bilgeri die Band Bilgeri & Köhlmeier) und Hörspiele („Like Bob Dylan“), Erzählungen („Der Unfisch“) und Romane („Die Abenteuer des Joel Spazierer“), Märchen und Sagen (die er zum Teil selbst im TV und auf Hörbüchern vorträgt), Drehbücher („Requiem für Dominic“) und Opernlibretti („Die Welt der Mongolen“). Fünf Jahre moderierte er die Diskussionssendung „Club 2“ im Österreichischen Rundfunk. Köhlmeier ist mit der Schriftstellerin Monika Helfer verheiratet und lebt als freier Autor in Hohenems und Wien.

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THE RED BULLETIN

PETER-ANDREAS HASSIEPEN

Nacht mit Zuhörer

ie waren aus dem Wagen geworfen worden und ­bluteten an der Wange. Der Fahrer hatte sich gewehrt, hatte nach hinten geschlagen und zur Seite und die Wange des Alten getroffen, der hinten saß, und die Wange des Jungen auf dem Beifahrersitz. Vielleicht hatte er in die Tasche gegriffen und etwas Spitzes ­herausgeholt, als die beiden ihn bedrohten, einen Schlüssel­ anhänger oder ein Taschenmesser. Der Gegenstand muss spitz und scharf gewesen sein. Die Wange des Alten hatte er durch­ schlagen, der Alte konnte die Zunge durch die Backe ins Freie strecken. Schmerz spürte er nicht. Die Wunde des Jungen war nicht so tief, aber länger. Sie zog sich vom Ohrläppchen bis unter die Unterlippe. Er blutete auch mehr als der Alte. Das Blut wurde vom Regen verdünnt und rann ihm über den Hals in den Hemd­ kragen. Sie waren auf den Knien gelandet. Im Dreck. Der Fahrer hatte die Tür geöffnet und den Jungen mit den Füßen hinaus­ getreten. Der Junge meinte, der spitze, scharfe Gegenstand habe die Schlagader an seinem Hals aufgerissen. Er meinte, es gehe nun um sein Leben, und ließ sich aus dem Auto treten, um sich draußen um sein Leben zu kümmern. Aber warum war der Alte im Dreck gelandet? Sie knieten nebeneinander und hielten sich die Wange und sahen dem davonfahrenden Wagen nach. Wind­ böen warfen ihnen den Regen ins Gesicht. Die Nacht war sehr plötzlich da gewesen. So hätte die Sache für den Fahrer aus­ gehen sollen, nicht für sie. Sie besaßen nichts. Sie gingen an der Straße entlang, einen Fuß auf dem Asphalt, den anderen im Gras daneben. Sie sahen nichts. Sie drückten die Faust gegen die Wange, damit nicht so viel Blut herausrinne. Der Regen ver­ hinderte, dass die Wunden verkrusteten. Einen Kilometer vor ihnen liegt ein Gasthaus. Dort steigen Fernfahrer ab. Sie könnten dem Wirt und den Gästen eine Geschichte erzählen. Könnten als Beweis ihre Wangen vor­ weisen. Und wenn der Mann, der sie mitgenommen und den sie hatten erwürgen wollen und der sie so zugerichtet hatte, wenn der in dem Gasthaus abgestiegen ist? Er will die Polizei rufen. Sie gehen und reden nicht und denken jeder an seine Wunde. Jetzt sehen sie das Licht vor sich. Es ist ein beleuchtetes Schild, das an einem hohen Mast befestigt ist und über die Straße reicht. Bevor sie durch die Tür treten, werfen sie sich einen Blick zu. Sie sehen aus wie Opfer. Sie stöhnen. Der Alte sinkt in der Gaststube nieder, zeigt seine blutigen Hände, seine blutende Wange, das Loch in der Wange. Der Junge kniet sich neben ihn und weint. Seine rechte Gesichtshälfte ist rot. Am Tresen stehen drei Männer. An einem der Tische sitzen noch drei. Es ist still. Die Männer betrachten die beiden. Der Junge kreischt. Dann spricht er ­abgehackt. Tut, als fasse er sich. Er und sein Vater, sagt er, seien überfallen worden. Der Junge erzählt irgendetwas, er redet wirr. Das sind die beiden, sagt da eine Stimme. Es ist der Mann, den sie in seinem Auto überfallen wollten. Dessen Opfer dann aber sie geworden sind. Er kommt von der Toilette. Das sind die ­beiden, sagt er noch einmal. Der größte von den dreien, die am Tisch ­sitzen, erhebt sich langsam und stellt sich an die Tür. Damit der Alte und der Junge nicht abhauen können. Die drei an der Theke und die zwei anderen und dann noch der Wirt halten den Alten und den Jungen fest. Wenn sie sich wehren, treten sie ihnen auf die Knie oder auf die Schenkel oder auf die Fersen. Der Mann, der ihr Opfer hätte werden sollen, fragt den Wirt, ob er die Kehrschaufel ausleihen dürfe. Das darf er. Mit diesem Ding verrichtet er sein Werk. Es war nicht richtig, den Alten und den Jungen zu dem Gast­ haus zu führen. Die Männer dort richten viel Schaden an, aber sie lassen die beiden am Leben. Ich sage dir, sie würden am Ende sogar die Rettung rufen. Und die Polizei. Sie würden lügen, stur


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und konsequent. Die Beamten würden ihnen nicht glauben oder nur halb glauben, aber dann doch einen günstigen Bericht ­schreiben. Der Alte und der Junge würden in ein Krankenhaus gebracht. Nein, es war nicht richtig, die beiden zu dem Gasthaus zu führen. Streichen wir das Gasthaus aus dem Geschehnis. Es gibt kein Gasthaus in der Nähe. Die Nacht ist lang und ohne Obdach für die beiden. Sie gehen an der Straße entlang. Den Sternen sind sie kein Gewinn. Es sind böse Menschen, sie ­verdienen die Einsamkeit und die Ödnis. Denken wir uns eine Strafe Gottes aus. Gott existiert, wenn du es willst. Mach ihn zu einem strafenden Gott, und er wird ein strafender Gott sein.

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wei Offiziere Gottes, mit mattem schwarzen Lack besprüht von den Haaren bis hinunter zu den Stiefelspitzen, der Schlanke von den beiden hat auf eine rote Corvette gespart, aber der Dicke darf sie fahren, sie sehen die beiden ­Teufel vor sich, wie sie am Straßengraben entlangschlurfen. Sie halten nicht an, vor Teufeln in der Nacht fürchten sich auch ­Offiziere Gottes. Sie fahren im Schritttempo neben ihnen her. Der Schlanke dreht die Scheibe zur Hälfte herunter. Der alte Teufel sagt: He! He!, sagt auch der junge. Könnt ihr uns mitnehmen? Habt ihr Verbandszeug?, fragt der Alte. Der schlanke Besitzer der Corvette fragt: Wer hat euch so zugerichtet? Der Blitz fiel vom Himmel, sagt der alte Teufel, er schlug in meine Wange ein, rauschte durch mein Maul und hinaus und fegte meinem Sohn über die Wange. Wir können euch zwei Dosen Bier geben, ruft der Dicke vom Steuer herüber. Mehr aber können wir nicht für euch tun. Wir nehmen niemanden mit. Dann gebt uns das Bier doch einfach, sagt der junge Teufel und fragt: Warum habt ihr eure Gesichter schwarz gemacht? Wir suchen solche wie euch, lacht der Schlanke, wirft ihm zwei Dosen zu und kurbelt das Fenster hoch. Fahr los!, brüllt er den Dicken an. Die Teufel, der junge und der alte, stehen an der Straße, ihre Wangen schmerzen. Sie trinken aus der Dose. Der Alte drückt den Daumen auf das Loch in seiner Wange, damit das Bier nicht herausläuft. Was denkst du, warum sie sich schwarz angemalt haben?, fragt der Junge. Vielleicht haben wir uns getäuscht, und sie waren gar nicht schwarz angemalt, sagt der Alte. In der Nacht ist schnell etwas schwarz. Sie waren schwarz, sagt der Junge. Warum sollten wir uns das einbilden? Die Haare waren schwarz gefärbt, die Stirn war schwarz, alles, die Hände. Sie haben sich angemalt. Warum? Wir sind schlecht, sagt der Alte. Aber es gibt welche, die sind noch schlechter. Diese da waren noch schlechter. Wir hätten die beiden abhalten sollen, das Böse zu tun. Der Junge war bis dahin unbescholten. Er hatte sich vom Alten überreden lassen, einen Wagen anzuhalten. Sie wollten den Fahrer überwältigen, das Auto stehlen, alles stehlen, was der Fahrer bei sich hatte, sie wollten die Nacht durchfahren, von dem Geld, das der Fahrer bei sich hatte, wollten sie tanken, nach Süden fahren und ein neues Leben beginnen. Sie haben ihre Flügel abgeschnallt, bevor sie sich auf den Weg machten, Flügel aus getrockneter Haut, schwarz von altem Blut. Die Haut hatten sie sich selbst vor langer Zeit von der Brust und vom Rücken gerissen, auf das bloße Fleisch hatten sie Bronzeschilde genietet, damit sie unverwundbar seien. Irgendwann waren ihnen die Flügel und THE RED BULLETIN

Wir sind schlecht, sagte der Alte. Aber es gibt welche, die sind noch schlechter. Diese da waren noch schlechter. die Schilde lästig geworden. Bevor sie aufgebrochen waren, ­hatten sie sich ihrer entledigt. Unterwegs war ihnen eine neue Haut gewachsen, zart und rosa. Sie hatten sich vorgenommen, nichts Böses mehr zu tun. Aber dann haben sie sich von uns verführen lassen. Der Alte hat sich von mir verführen lassen, und er hat den Jungen verführt. Stell dich ihm in den Weg, hatte der Alte gesagt. Der Junge hatte sich mitten auf die Fahrbahn gestellt, und der Fahrer hatte angehalten. Kann ich helfen?, hat er gefragt. Nimm uns ein Stück mit, hat der Alte geantwortet. Wir sind am Ende. Du brauchst uns nichts zu geben. Wir sind keine Bettler. Nur nimm uns ein Stück mit. Das hat der Fahrer getan.

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er Alte und der Junge waren nacheinander aus dem Himmel gefallen. Zuerst der Alte. Das viele Böse in ihm drehte und wendete sich und erkannte sich nicht. Dann fiel der Junge, und seine Augen waren dem Bösen ein Spiegel. Der Fahrer nahm sie ein Stück weit mit. Diesmal geht es gut aus. Der Alte und der Junge kommen gar nicht auf den Gedanken, den Fahrer anzugreifen. Sie sind müde und hungrig. Sie besitzen nichts. Ich lade euch zum Essen ein, sagt der Fahrer. Dort vorne ist ein Gasthaus. Das kenne ich. Dort essen die Fernfahrer. Es ist ­billig und gut. Mehr kann ich für euch nicht tun. Aber das möchte ich gern für euch tun. So betraten sie zu dritt die Gaststube, als könnten sie Opfer nicht und nicht Täter sein, setzten sich an einen der Tische. Dem Wirt waren der Alte und der Junge nicht geheuer. Er hielt Abstand, ließ sich die Bestellungen zurufen. Sind das deine Freunde, Piet?, fragte er, als der Fahrer an ihm vorbei zur Toilette ging. Das glaube ich, ja, sagte Fahrer. An dem Tisch neben der Tür zur Toilette sitzen der Dicke und der Schlanke. Gehört euch die rote Corvette draußen?, fragt Piet. Mir, sagt der Schlanke. Und warum malt ihr euch schwarz an? Party.

READ BULL Lesevergnügen im Red Bulletin: Jeden Monat widmet ein namhafter Autor unseren Lesern eine Kurzgeschichte. Diesmal Michael Köhlmeier, Österreichs fabelhafter Erzähler. Sein aktueller Roman „Zwei Herren am Strand“ (Hanser Verlag) handelt von Winston Churchill und Charlie Chaplin. In dem ungleichen Paar steckt die Geschichte des 20. Jahrhunderts, nicht mehr und nicht weniger.

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MAGIC MOMENT

„Jedes Bild entsteht zuerst in meinem Kopf.“ „True Wind“ heißt Max Matisseks spektakuläre Projektserie: Der Surfer sucht nach Orten, die als unsurfbar gelten. Und surft genau dort – mit Hilfe von Crew, Winde, Rampe, Fahrtwind. Die dabei entstehenden ­Fotos (hier eines der ersten des Projekts) werden auf Leinwand gebracht und von ihm abstrakt bemalt. Das ­fertige Kunstwerk und das Making-of aus Simmering, Wiens 11. Bezirk, werden am 1. Mai beim Surf Worldcup Podersdorf präsentiert. www.maxmatissek.com

Max Matissek (27), Freestyle-Windsurfprofi aus Weiden am Neusiedlersee (Burgenland), macht Surf-Kunst. An Plätzen, die als unsurfbar gelten.

DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 12. MAI 2015. 98



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PHILIPP SCHUSTER/ NINE&ONE

SPEICHERBECKEN SIMMERING, WIENER KANALISATION, 4. März 2015


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