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VOLUME 0 l AUTUMN 2014

SWITZERLAND

CULTURE TRAVEL

LIVING DRIVE STYLE BEAUTY

FASHION

CULINARIUM

FINANCE WATCHES & JEWELLERY

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INHALT TRAVEL

30

30 FRANZÖSISCH-POLYNESIEN Mit James Cook fing alles an 36

WUSSTEN SIE SCHON…? Las Vegas, Bishop Rock & Pilatus

38 GASTGESCHENKE Wie Hotels ihre Gäste verwöhnen 40 OMAN Beauty has an address 44 ES WAR EINMAL IN AMERIKA Die ersten Farbfotografien der Neuen Welt 46 REINHOLD MESSNER Gipfelstürmer

40

54

48

DOMINIKANISCHE REPUBLIK Der karibische Traum

53

CHARLES DARWIN Die Suche nach dem Ursprung des Lebens

54

DUFT DER STADT Olfaktorisches Sightseeing

58

TRAVEL BOOKS Nordkorea, Italien & Äthiopien

CULTURE 60

KYLIE MINOGUE Die Chefin der Disco

68

AUSSTELLUNGEN & BOOKS Von Truman Capote bis Kaiser Franz

70

GERHARD RICHTER Maler der Rekordsummen

72

ERIK JOHANSSON Der Surrealist

76 MÄZENINNEN Ein Leben für die Kunst 81

ERWITTS HOMMAGE An die Frauen dieser Welt

60

84 TEUER UND LEBENDIG Die bestverdienenden US-Künstler 86 ALCATRAZ Die Insel der Schwerverbrecher 91

PAUL AUSTER Der amerikanische Romancier

92

WUSSTEN SIE SCHON…? Picasso, Robert Downey Jr. und Paparazzi

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INHALT

114

WATCHES & JEWELLERY 94 UHRENKLASSIKER Tickende Freunde für ein langes Leben 108 ELISABETH VIGÉE-LEBRUN Eine aussergewöhnliche Uhr aus dem 18. Jahrhundert 112 WUSSTEN SIE SCHON …? Sancy, Blumenuhr und MESZ 114 HAUTE JOAILLERIE Wunderland à la Victoire de Castellane 119 HARRY WINSTON Der Diamantenjunge 120 NEUES AUS DER UHREN- & SCHMUCKWELT Luxuriöse Schleifen & Tribut an Olympia 122 DAS TAL DER UHREN Städte der Zeit 125 NICOLAS G. HAYEK Unternehmer, Erfinder, Patron

126

126 GEORGE NELSON Designeruhren

DRIVE STYLE 130 DIE GEFLÜGELTE, ALTE DAME Eine Kühlerfigur namens Emily 134 SEBASTIAN VETTEL Vierfacher Formel-1-Weltmeister 138 MOBILE GADGETS Pizza-Boxenstopp & Rennwagenwecker 140 ICH FAHRE MIT … Audi RS 5 Cabriolet 144 AUTOMUSEUM Das Lied der Schlümpfe 148 DER AUTOFRIEDHOF Wenn Rostlauben zum Kunstwerk reifen

134

152 GRAF VON ZEPPELIN Der Luftschiffkonstrukteur 153 WUSSTEN SIE SCHON …? Bugatti-Doktor, Watercar & Luxus-Autohaus

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148


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INHALT

160

FASHION 154 ANDREA SANTONI Eine ewige Romanze zwischen Stil & Qualität 160 DER HUT Stilikonen für den Kopf 164 PRESTIGE PRESENTS Joel Cartier

174

174 BIO-COUTURE Smarte Textilien für smarte Menschen

170 «SHOETING» STARS Der Frau liebstes Kind

178 NEUES AUS DER MODEWELT II Von Loden bis Straussenleder

172 JEAN PAUL GAULTIER Ahoi Sailorboy!

180 WUSSTEN SIE SCHON …? Parfüm für Millionäre & Diamanten-Denim

173 NEUES AUS DER MODEWELT Casual-Strick & anspruchsvolle Eleganz

181 VALENTINO GARAVANI Der letzte Kaiser

BEAUTY 182 HAARE Trends & Trendmacher 190 CLAUDIA SCHIFFER Topmodel & Lagerfelds Muse

182

191 NEUES AUS DER WELT DER SCHÖNEN The Beauty Book, Duft-Diffusor & Best Shape 192 THIERRY WASSER Der ideale Duft 197 CHANEL NO 5 Ein Parfüm geht um die Welt 198 SEREN Spezialisten für jede Haut

197

LIVING 200 MAX BILL Die Kunst, einen Hocker zu gestalten 206 NEUE WOHNWELT Mix & Match 208 FRANK LLOYD WRIGHT Der Luftschlossarchitekt 210 ATELIER OÏ Experiment mit Materialien

210

213 WUSSTEN SIE SCHON …? Sauna, Flügel & helvetisches Urgestein

216 PATRIC SIMMEN Immobilien für die oberen Zehntausend

214 MARCEL BREUER Vom Tischlerlehrling zum Stararchitekten

224 PRESTIGE PRESENTS Herrschaftliches Anwesen mit Seesicht

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INHALT CULINARIUM 232 DIRK HANY Bartender mit Leib & Seele

250

236 NEUE KULINARISCHE GENÜSSE Rum, Zigarren & Cocktails 238 A PIECE OF ART Idris Khan & Dr. Bill Lumsden 241 ALEXANDROS NICOLAIDES Der beste Bartender der Schweiz 242 DIE BESTEN BARS DER WELT Von London bis Tokio

232

244 BARTENDERS FINEST Die Rolex unter den Soda Siphons 247 ANLÄSSE STILVOLL FEIERN Eine 30-jährige Erfolgsgeschichte 248 WUSSTEN SIE SCHON …? Moos, Kwas & Safran 250 DREI-STERNE-CHEF THOMAS BÜHNER Kulinarisches Gastspiel auf der EUROPA 253 DIETER MEIER Schweizer Lebenskünstler und erfolgreicher Bio-Landwirt

FINANCE 254 VISIONEN UMSETZEN

Biodiversität im Weinberg

260 DER DREIKLANG

Wild, bio und fair

266 FALSCHE STRATEGIEN

Die folgenschwersten Anlegerfehler

266

KOLUMNEN 82 163 196 205 249 265

WILHELM J. GRUSDAT – Aus dem Leben eines Galeristen: An einem seltsamen Ort! GABRIEL PALACIOS – Die Kunst, man selbst zu sein GÖTZ WINTER – Ein Lächeln ins Gesicht zaubern DJ ANTOINE – Album-Release: Der ganz normale Wahnsinn TAMARA WERNLI – Emsige Engel am Samstagmorgen DR. CARSTEN PRIEBE – Ölindustrie vor grossen Herausforderungen

NEWS 111 FUNKELNDES KLEINOD 118 JEWELLERY 128 SCHMUCKSTÜCKE 136 GATEFOLDER WOMEN CHRISTA RIGOZZI FÜR SOKOLOV JEWELRY

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137 GATEFOLDER MEN 142 AUDI-BEGLEITER 158 LAUFSTEG 189 PERFEKTES STYLING

195 SMELLS LIKE AUTUMN 206 LIVING NEWS 230 WOHNLANDSCHAFT 268 VORSCHAU & IMPRESSUM


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ie letzten Sonnenstrahlen des Sommers werden langsam schwächer und der Herbst hält mit grossen Schritten Einzug, mit ihm ein leuchtend buntes Blättermeer und immer länger werdende Abende. Die perfekte Zeit, sich mit unserer aktuellen Ausgabe des Prestige vor dem Kamin zurückzuziehen und sich von uns in ferne Länder entführen zu lassen.

Reisen stärkt den Körper und die Seele. Was wären wir ohne ­ ie vielen Eindrücke, die wir an Orten wie der Dominikanischen d Republik, der Südsee oder in den Arabischen Emiraten sammeln? Wir lassen Sie teilhaben an den Mythen Tahitis, den Traum­stränden der Karibik und dem Zauber aus tausendund­ einer Nacht. Doch nicht nur Reisen erwärmt unsere Sinne, auch ein gut gemachter Drink kann dies bewirken. Erfahren Sie von den besten Barkeepern der Schweiz, was einen guten Cocktail ausmacht und welche Getränke diesen Herbst im Trend liegen. Für alle, die ein bisschen Spannung bevorzugen, tauchen wir ein die Geschichte der Gefangeneninsel Alcatraz. Wir bewegen uns auf den Spuren des «Birdmans» und Al Capones. Nicht weniger spannende Personen, jedoch mit reinerem Gewissen und besseren Absichten, sind die Mäzeninnen der Kunst. Wir stellen ­Ihnen drei exentrische und aussergewöhnliche Frauen vor, ohne die die Kunstgeschichte heute bedeutend ärmer wäre. Auf welchen Beauty-Trend sie auf keinen Fall verzichten können und welcher Schmuck Sie beim nächsten Event schmücken sollte, all dies und noch viel mehr erfahren Sie in unserer Herbstausgabe.

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TRAVEL


MIT

JAMES

COOK

FING ALLES AN FRANZOSISCH-POLYNESIEN

Der englische Schriftsteller D. H. Lawrence schrieb: «Sie gelten als Paradies auf Erden, diese Südsee-Inseln». Lawrence, bekannt als ein eifriger Reisegeselle, war nur einer von vielen, die den Traum von der Südsee in sich hegten. Lone K. Halvorsen


TRAVEL

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TRAVEL

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er Duft von Vanille, die weissen Tiaré, bezaubernde Menschen und der türkisfarbene Ozean … Der Mythos Südsee wurde vor allem durch Künstler und Filmstars vermittelt, ob vom Maler Paul Gauguin, der hier sein Paradies vergeblich suchte, oder von Brando, dem grossen Meuterer. Zu Recht kann behauptet werden, der ­Mythos bleibt uns aus einem trivialen Grund erhalten: Französisch-Polynesien liegt 30 Flugstunden von ­Europa entfernt - und damit fast ausserhalb unserer Vorstellungskraft.

Das Supermodell Fakt ist: Kein anderer Ort der Welt dient unserer Fantasie so sehr als Projektionsflläche wie jene Tropeninseln, die etwa bei 15° Süd und 140° West im grössten Ozean der Erde liegen. Auch wenn der erste Europäer, der die Südsee erreichte, ein Spanier war, beflügelte James Cook den Mythos Südsee. Seine Expeditionskollegen, der Franzose Louis Antoine de Bougainville und die Deutschen Johann Reinhold und Georg Forster entfachten mit ihren ­Reiseberichten ein wahres Südseefieber in Europa. Kapitän Cook entdeckte bei seiner fünften Reise in den Südpazifik weitere Inseln in der Nähe von ­Tahiti und nannte sie schliesslich die «Gesellschaftsinseln», weil sie so nah beieinander lagen. Bora Bora war für ihn jedoch die «Perle der Südsee» – und die Anziehungskraft dieser Insel wirkt immer noch. Bora Bora gilt heute als das «Supermodel» unter den Inseln in Französisch-Polynesien. Und auch wenn es bereits tausendmal geschrieben wurde, das Atoll von Bora Bora ist tatsächlich unverschämt schön. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich der «Heilige Berg» Mount Otemanu, der über die Einwohner von Bora Bora wacht. Besteigen lässt er sich nicht, da er aus Vulkangestein besteht, aber der Blick aus der Ferne auf diesen majestätischen Berg, ist einfach einzig­ artig. Auch wenn die «Reichen und Schönen» überwiegend Bora Bora ansteuern, befinden sich in Französisch-Polynesien noch viele weitere Inseln. Diese sind zwar nicht so bekannt wie das «Supermodel», müssen sich aber auch nicht in ihrem Schatten verstecken.

Vanille Auf Tahiti wächst eine erstaunlich geschmackvolle und aromatische Vanille. Die auf der Inseln vorkommende Orchideenart «Vanilla Tahitensis» findet dort, bedingt durch das subtropische Klima und den nährstoffreichen Boden, die optimalen Anbaubedingungen. Anders als die gewöhnliche «Bourbon-Vanille» besitzt die Tahiti-Vanille einen zusätzlichen Stoff namens «Heliotropin», welcher ihr einen einzigartigen milden und süsslichen Duft verleiht. Zu Recht wird deshalb auch diese Vanille als «Königin der Gewürze» bezeichnet.

Paul Gauguin Leicht bekleidete Frauen mit goldener Haut vor bunter Kulisse – der Maler Paul Gauguin malte Ende des 19. Jahrhunderts in der Südsee ein erotisches Paradies unter Palmen. 1891 kam Gauguin in die Südsee, fand aber nicht die Welt, die er gesucht hatte. Missionare hatten bereits dafür gesorgt, dass die Bewohner Tahitis französisch und katholisch geworden waren. So malte Gauguin nicht das, was er tatsächlich vorfand, sondern seine Idee vom Paradies. Seine Bilder wurden später millionenfach auf Postkarten verbreitet und prägen nach wie vor die europäische Vorstellung über die Südsee – ein Paradies auf Erden.


TRAVEL

Die Wilde

Festivals in Französisch-Polynesien Blumenketten, der Klang der Ukulele und anmutige Tänzerinnen in Bast­ röcken sind typische Merkmale der tahitianischen Kultur. Es ist nicht verwunderlich, dass Tahiti und seine ganzjährig einen vollen Festivalkalender haben, denn Gesang und Tanz sind in Französisch-Polynesien tief in den Traditionen verwurzelt und gehören zum Alltagsleben. Neben dem Tanz ist auch der sportliche Wettkampf ein fester Bestandteil der alten polynesi­ schen Kultur. Besonders den Regatten der Auslegerkanus kommt eine grosse Bedeutung zu. Dabei stellt jede Insel ein Boot mit einem Team, das über sechzig bis achtzig Kilometer um die Wette paddeln muss. Den Höhepunkt des jährlichen Festivalkalenders bildet das im Juli stattfindende «Heiva i Tahiti», was soviel heisst wie «Festival auf Tahiti». Das Kulturfest findet in Tahitis Hauptstadt Papeete statt. Hier messen sich die Insulaner in Gesang und Tanz, aber auch im Pirogenrudern, im Speerwerfen nach Kokosnüssen und im Flechten traditioneller Handwerkskunst. Besonders sportlich geht es auch beim «Hawaiki Nui Va’a» zu, einem Auslegerkanurennen mit mehr als 100 Booten zwischen den Inseln Huahine, Raiatea, Tahaa und Bora Bora.

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Moorea und Raiatea sind zwei Inseln, die etwas weniger verbaut, wilder und weniger touristisch überladen sind. Moorea ist die kleine «Schwesterninsel» Tahitis und liegt eine halbe Stunde mit dem Katamaran von Papeete entfernt. Auch wenn die Inselbewohner hier zum grossen Teil vom Tourismus leben, ist die Existenzgrundlage vieler Einheimischer noch sehr traditionell mit Vanille­anbau, Fisch und Perlen verbunden. Die Insel besitzt viele Legenden. Unter anderem wird berichtet, dass der Gott Hiro sich den Berg Rotui, den schönsten Ort der Insel, zu eigen machen wollte. Dort, so besagt es die ­Legende, rasten die Geister der Toten, bevor sie zu ihrem Endziel aufbrechen (fragwürdig, warum sie nicht lieber auf Tahiti bleiben wollten). Hiro wollte ihn eines Nachts heimlich stehlen, um ihn zu sich nach Raiatea mitzunehmen. Doch schlug ihn der Krieger Pai in die Flucht, indem er seine Lanze nach ihm schleuderte. Diese bohrte sich durch den anderen berühmten Berg der ­Insel, der seitdem Moua Puta, «durchlöcherter Berg», heisst. Das Loch kann man heute noch sehen. Die zackigen Spitzen der vulkanischen Berge sind von überall aus sichtbar. Es fällt einem schwer, diese Insel nicht ins Herz zu schliessen. Zu Weltruhm gelangte Moorea spätestens durch den Film «Die Meuterei auf Bounty», der in der Oponohu-Bucht gedreht wurde. Gleich Gleich neben dem 900 Meter hohen Mount Rotui, auf dem die Maori einst ihre Toten im Freien aufbewahrten, liegt Cook’s Bay. Es lohnt sich, eine Fahrt zu dem ­Aussichtspunkt Belvedere zu machen. Und auch wenn die Wolken einem einen Strich durch die Rechnung machen und die Bergspitze des Mount Tohiea umhüllen, ist der Ausblick auf die Cook’s Bay, den Mount Rotoui und die Oponohu-Bucht umwerfend. Moorea ist auch für seine leckeren, süssen Ananas und seine einzigartige Vanille, die regelmässig internationale Auszeichnungen erhält, berühmt. Der Vanilleduft aus dieser Gegend bekam einst den Namen «Vanilla Tahitensis» und ist über die Inselgrenze von M ­ oorea hinweg bekannt. Auf den Plantagen kann man die Anbauanlagen besichtigen und erleben, wie die Frucht nach alter Tradition sonnengetrocknet und ­verarbeitet wird.


TRAVEL

Die Heilige Die Insel Raiatea gilt als die eigentliche Wiege Polynesiens. Die Bewohner Tahitis betrachten die Insel als ihre «Heilige Insel». Der Inselgruppe wird nachgesagt, dass sie von den alten Hawaiianern besiedelt wurde. Zahlreiche Kultstätten, wie die von Taputapuatea, bezeugen dies. Zur Zeit der Ankunft der Europäer war dieses Heiligtum der Sitz der religiösen und politischen Macht über ganz Polynesien. ­Natürlich findet man zudem eine spektakuläre Landschaft mit zahlreichen Buchten, Vanilleplantagen und der einmaligen Blume Tiare Apetahi. Die Insel ist bei Segelurlaubern sehr bekannt, und auch mit dem Boot kann man die archäologischen Seiten von Raiatea erleben. An Land sollte man von Anfang an seine Uhr ablegen, denn hier scheint jeder Aspekt des Lebens ein wenig langsamer abzulaufen. Man könnte sich sogar daran gewöhnen.

Tattoos Was bei uns überwiegend als eine Modewelle zu betrachten ist, stellt in Französisch-Polynesien eine alte Tradition dar. Es gibt kaum einen Einwohner – ob es nun die alte Fischverkäuferin, der Banker im Anzug oder der Arbeiter auf der Vanilleplantage ist –, der hier keine Tätowierung hat. Eine Tätowierung gehört als Körperschmuck genauso zum alltäglichen Leben wie die TiareBlume hinter dem Ohr. Tattoos sind hier jedoch nicht einfach nur Verzierungen des Körpers. Vielmehr erzählen die Motive ganze Geschichten. Manche haben eine spirituelle Bedeutung und übernehmen zudem die Funktion eines Talismans. Lebens­erfahrungen können in den Wünschen einer spezifischen Tätowierung erkannt werden. Die Tätowierer geniessen ein sehr grosses Ansehen und gelten hier als richtige Künstler. Europäer betreten hier die «Tattoo-Studios» oftmals mit einem skeptischen Blick. Viel mehr als eine kleine Holzhütte mit einem Dach aus Kokosblättern und ohne umfangreiche hygienische Vorkehrungen ist hier nicht zu erkennen. Nach der ursprünglichen Methode, bei der man das Tattoo mit einem Knochen sticht, wird jedoch kaum noch gearbeitet. Heutzutage gehören auch hier sterile Nadeln und elektrische Maschinen zur Grundausstattung. Wer heute durch das Land reist, kann sich kaum vorstellen, dass es Zeiten gab, in denen Tätowierungen fast vollständig verschwunden waren: Die Missionare aus Europa hatten den Polynesiern das Tragen von Tattoos verboten, da sie die europäischen Sitten als oberstes Gebot durchsetzen wollten. Doch vor einigen Jahrzehnten kam es durch das Festival «Heiva» zu einem Comeback des Tattoos und damit auch zur Rückbesinnung auf die eigene Kultur.

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WUSSTEN SIE SCHON …?

Touristenliebling Las Vegas Keine andere Stadt der Welt ist bei Touristen beliebter als Las Vegas: Rund 40 Millionen Menschen pilgern jedes Jahr in die US-Wüstenmetropole, die mit ihren vielen Bars, Theatern und Casinos erst in der Nacht so richtig zum Leben erwacht. Beliebte Anlaufstellen sind unter anderem das Bayerische Hofbräuhaus, das Luxor und das Hotel Bellagio. Seit April dieses Jahres kann sich Las Vegas aber auch noch mit einer weiteren Attraktion schmücken: dem Las Vegas High Roller. Mit einer Höhe von 167 Metern ist er das grösste Riesenrad der Welt!

Die kleinste Insel der Welt Als Reiseziel ist der Bishop Rock wohl eher ungeeignet. Die vor den Scilly-Inseln am Eingang des Ärmelkanals gelegene Klippe gehört zum Vereinigten Königreich und ist mit einer Fläche von 0,06 Hektar die kleinste bebaute Insel der Welt. Das Einzige, was hier Platz findet, ist ein 49 Meter hoher Leuchtturm, auf dessen Spitze ein Hubschrauberlandeplatz installiert wurde.

Die steilste Zahnrad­bahn der Welt Die Schweizer Pilatus-Bahn ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Seit 125 Jahren ist sie nun schon in Betrieb und transportiert die Gäste mit gemächlichen 12 Stunden­ kilometern von Alpnachstad bei Luzern hinauf auf den sagenumwobenen Pilatusberg. Auf der 4,6 Kilometer langen Fahrt muss sie Steigungen von bis zu 48 % überwinden, die den einen oder anderen ganz schön ins Schwitzen bringen können! Auf 2 070 Metern Höhe erwartet den Besucher dann aber ein grandioser Panoramablick: Bei gutem Wetter kann man im Süden die Berner Alpen und im Norden Luzern sowie den Vierwaldstättersee sehen.

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GAST GESCHENKE

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Wie Hotels ihre Gäste (sonst noch) verwöhnen Kostenlose Flughafen-Shuttles, selbst gemachte Pralinen als Betthupferl und eine Flasche Wein gratis auf dem Zimmer sind nette Gesten und der Einstieg in einen perfekten Aufenthalt. Noch schöner ist es, wenn die Hotels in ihrer Gastfreundschaft einen Schritt weitergehen und den Gästen ihre Destinationen von der schönsten Seite vorstellen. Auf kostenlosen und ­unvergesslichen Ausflügen in die Region erleben sie verborgene Plätze, ­geschichtsträchtige Orte und eine beeindruckende Natur.

KAPSTADT

Jumeirah Carlton Tower Nach der Ausmusterung der legendären roten Doppeldeckerbusse in London und deren Ersatz durch den «New Bus» ist Busfahren in London zumindest für Nostalgiker kein Thema mehr. Und das Sightseeing im geräuschvollen Lamborghini oder Ferrari ist nur wenigen Besuchern der Metropole vorbe­halten. Die Gäste des Jumeirah Carlton Tower haben nun eine echte Alternative: Sie können im Hotel kostenlos Fahrräder ausleihen und auf ihrer eigenen Route kreuz und quer die Stadt erkunden – von den mondänen, quirligen Vierteln Chelsea und Belgravia und der Kings Road bis zum beschaulichen Pimlico oder dem Hyde Park. Auf Wunsch gibt es ein typisch britisches Picknick obendrauf. www.jumeirah.com

Belmond Mount Nelson Hotel Guten Gewissens können die Gäste des Belmond Mount Nelson Hotel in Kapstadt ihr Gastgeschenk annehmen: Es ist nicht nur gratis, sondern auch umweltfreundlich! Das Traditionshotel am Fusse des Tafelberges lädt zum kostenfreien Fahrservice im hoteleigenen Toyota Prius zu den drei bedeutsamsten Aussichtspunkten der Stadt ein: Tafelberg, Signal Hill und Lions Head. Auf Anfrage können sich die Gäste auch zu anderen Ausflugszielen in der Nähe des Hotels fahren lassen, wie etwa zum bekannten Clifton Beach oder zur Camps Bay. Übrigens: Der Toyota Prius ist weltweit das erste Hybridfahrzeug, das in Serie produziert wurde. www.belmond.com

DUBAI Jumeirah Zabeel Saray Sportliche 20 Kilometer sind es vom westlichen bis zum östlichen Halbmond und zurück von The Palm in Dubai. Zu Fuss ist das ein mehr als schweisstreibendes Unterfangen! Wesentlich angenehmer, wenn auch für Dubai äusserst ungewöhnlich, ist da die Tour per Fahrrad – nicht nur des erfrischenden Fahrtwindes wegen, sondern vor allem, weil die Radler von jeder Position der westlichen und östlichen Halbmonde einen spektakulären Rundblick auf das Innenleben von The Palm geniessen. Die Fahrradtouren «Pedal around the Palm» sind Teil des Talise Fitnessprogramms im Jumeirah Zabeel Saray. Sie dauern je nach Kondition rund 90 Minuten, eine detaillierte Fahrradkarte gibt es gratis dazu. Und wer unterwegs müde wird, ruft einfach an der Rezeption an und lässt sich abholen. www.jumeirah.com

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KAPSTADT Taj Cape Town Südafrikas langen Weg in die Freiheit können die Gäste des Taj Cape Town auf der «Footsteps to Freedom Walking Tour» nachvollziehen. Die geführte Wanderung zu den historischen Highlights in Kapstadts Stadtzentrum ist für alle Hotelgäste kostenfrei. Die zweieinhalbstündige Tour startet täglich von Dienstag bis Samstag in der Hotellobby und führt zu historischen Sehenswürdigkeiten in der Nähe. Erfahrene Guides nehmen die Gäste mit auf eine Zeitreise und nutzen die Strassen und Gebäude als Kulisse, um die Geschichte der Stadt zu erzählen und greifbar zu machen. Nur 15 Meter vom Taj Cape Town entfernt, arbeiteten zum Beispiel die drei südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, FW De Klerk und Nelson Mandela. www.tajhotels.com

ZÜRS Thurnher’s Alpenhof, Zürs Auf diesen besonderen Service müssen die Gäste des Thurnher’s Alpenhof noch warten, bis der erste Schnee fällt: Eine Bergtour bei Sonnenaufgang mit anschliessendem Frühstücks-Picknick im Schnee – diesen Ausflug lieben die Stammgäste des Thurnher’s Alpenhof in Zürs besonders. Als einziges Haus in Zür bietet das Leading Hotel seinen Gästen den kostenlosen Service eines hauseigenen Skilehrers an. Neben der Tour am frühen Morgen begleitet der ehemalige Gebirgsjäger und diplomierte Sportlehrer Roman Dornauer sie auch beim Paragliding und Heliskiing in der Region rund um den Arlberg, übt mit Anfängern das Carven und bezwingt mit Skiprofis steile Abhänge. Auf Wunsch organisiert er auch Schlittenfahrten, Eisstockschiessen und Fackelwanderungen. www.thurnhers-alpenhof.at

POSITANO

Le Sirenuse Das ehemalige Fischerstädtchen Positano gilt als die Perle der Amalfiküste. Der Schriftsteller John Steinbeck bezeichnete es als den «einzigen senkrechten Ort der Welt». Warum, das erleben die Gäste des Leading Hotels Le Sirenuse auf einem der beiden täglichen Bootsausflüge entlang der Küste: Vom Wasser aus geniessen sie einen ungetrübten Blick auf pastellfarbene Häuser, steile Gassen und unzählige Treppen. Romantiker können alternativ die ebenfalls kostenlose Sunset Cruise auf der Sant’ Antonio mit Champagner und Fingerfood wählen. Abfahrt ist abends um 18.15 Uhr, so dass sie pünktlich zum Abendessen um 20.30 Uhr zurück sind. www.sirenuse.it

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AHLAN! WILLKOMMEN IN OMAN! Das Sultanat Oman ist ein bezaubernder Ort. Insider nennen dieses wunderbare Land gern das bestgehütete Geheimnis im Indischen Ozean, in dem gilt «Beauty has an address». Lilly Steffen

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Ministry of Tourism, Sultanate of Oman


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man, das Land der goldenen Dünen, die sich bis zum Meer er­strecken, der Souks, die mit aufregenden Düften und Farben die Sinne betören, der historischen Plätze, die von der UNESCO zu Welterbestätten ernannt wurden, und der turmhohen Klippen, die aus dem Ozean emporragen.

Die Hauptstadt zwischen Meer und Bergen Muscat verströmt entlang der Küste am Golf von Oman mediterran gepflegtes Flair. Fast die Hälfte der omanischen Bevölkerung lebt in der Capital-­ Area. Besucher der pulsierenden Hauptstadt Muscat können die zahlreichen Ausstellungen in den Museen, die alten Gebäude innerhalb der Stadtmauern, den Hafen, in dem man Fischer mit ihren traditionellen Dhaus antrifft, oder das erste Opernhaus der Arabischen Halbinsel besuchen. Die Hauptstadt ist ein Spiegelbild der Vergangenheit und der Gegenwart des Landes, sie zieht den Besucher mit ihrer traditionellen Architektur, ihren Stränden und ihrer beeindruckenden Lage zwischen dem Meer und den Bergen sofort in seinen Bann. Besucher können mit einem Bummel über die Uferpromenade oder Corniche von Matrah be­ ginnen. In dieser Gegend befindet sich auch der Souk mit dem umfangreichsten Angebot auf der gesamten Arabischen Halbinsel. Hier kann man neben traditioneller Kleidung, Schmuck, Gewürzen, Antiquitäten und Beduinenteppichen auch Handwerksbetriebe finden, in denen die traditionellen Silber- und Elfenbeindolche, auch bekannt als «Khanjars», hergestellt werden. Schaut man über die Uferpromenade, erblickt man einige der  schönsten und ältesten Gebäude sowie die Lawati-Moschee mit ihrem blauen Minarett und der majestätischen, mit Mosaiken verzierten Kuppel. Auch die Grosse Sultan-Qaboos-Moschee ist ein Ort, den wirklich jeder besuchen sollte. Von der Kuppel hängt ein prächtiger Kronleuchter aus Swarovski-Kristallen herab und der Boden ist mit  einem handgeknüpften Perserteppich bedeckt, der von 600 Webern gefertigt wurde und 4 263 Quadratmeter gross ist.

In Alt-Muscat lohnt sich zudem ein Besuch des königlichen Palastes Al Alam und gegenüber thronen, erhöht auf Felsen vor der Stadt, die ­Festungen Al Jalali und Al Mirani, die zu den bedeutendsten Wahrzeichen zählen.

Das Tor zur Wüste Einen Zeitsprung macht man beim Besuch der Oasenstadt Nizwa, einst selbst Hauptstadt und religiöses Zentrum. Hier ist das Leben noch bunter, lebhafter, traditioneller. Die bezaubernde Stadt liegt inmitten einer atemberaubenden Berglandschaft und ist, vom Norden des Landes kommend, der ideale Ausgangspunkt für Touren in die Wüsten Omans. Die Stadt entstand um eine üppig grüne Oase herum, an der sich die Strassen der Karawanen aus dem Norden und dem Süden

Nonstop-Verbindung von der Schweiz in das Sultanat Oman 1001 Nacht erleben in nur sechseinhalb Stunden Flug: Oman Air fliegt vier Mal wöchentlich von der Schweiz aus in das Sultanat Oman. Ab Zürich gibt es vier Non-stop Flüge pro Woche nach Muscat, der Hauptstadt von Oman. Von Muscat aus bietet Oman Air Anschlussverbindungen zu den Reisezielen Sri Lanka, Dubai, Malediven, Bangkok, Kathmandu, Kuala Lumpur, Sansibar und Tansania sowie zu zehn Zielen in Indien. www.omanair.com

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kreuzten. Ihre Bedeutung als Handelsplatz zeigt sich auch heute noch durch ihren aussergewöhnlichen Souk, der zu den schönsten und vielfäl­ tigsten des Landes zählt. Ein Besuch Nizwas lohnt sich zudem, um die herrliche Architektur und die mächtige Festung, die hoch über der Stadt liegt, zu bewundern. Sie ­ ­ ist die grösste Festung auf der gesamten A rabischen Halbinsel und besitzt einen Wach­ turm mit einem Durchmesser von 45 Metern, der die übrigen Befestigungsanlagen um 34 Meter überragt.

Ab in die Wüste! Ein Konzert warmer Gelb-, Orange- und Rottöne spielen die Sandwüsten Wahiba Sands im Nord­ osten und Rub al-Khali im Südwesten. Mit ihrer schier endlosen Weite und ihrer beeindruckenden Stille übt sie einen einzigartigen Reiz aus und bietet allen, die das Abenteuer und die Natur ­

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l­ieben, unvergleichbare Erlebnisse. Die riesige Wüste Al Sharqiya liegt im Herzen Omans. Ihre Dünen wechseln ihre Farbe im Laufe eines Tages von Weiss über Gelb zu Rot. Ein grosser Teil der Fläche Omans wird von der Rub al-Khali, der grössten Sandfläche der Erde, bedeckt. Auf Arabisch bedeutet ihr Name «das leere Viertel», denn sie erstreckt sich über ein Viertel der gesamten Arabischen Halbinsel. Sie ist eines der wenigen Gebiete auf der Erde, die noch nicht vollständig erforscht wurden. Eine Möglichkeit, von Muscat nach Salalah, dem Tor zur Rub al-Khali, zu reisen, ist, mit dem Auto quer durch das Land zu fahren. Die zwölfstündige Fahrt entlang einer etwa ­10   00 Kilometer langen Strecke bietet eine wunderbare Gelegenheit, die weiten Wüstenebenen, auch bekannt als «Hamadas», im Herzen des ­Landes zu bestaunen. Ausserdem können Sie die riesigen Ölfelder in den Provinzen Dhofar und ­Al  Wusta begutachten, die die Hauptquellen für den Wohlstand Omans sind.


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Strand & Meer Doch Oman besteht nicht nur aus Wüste. Ganz im Gegenteil: Mit seinen langen, feinen Sandstränden, seinen tropischen, mit Palmen bewachsenen Buchten und turmhohen Klippen, die aus dem Ozean emporragen, und einer 3  165 Kilometer ­langen Küste ist Oman das ideale Ziel für alle, die gern am Wasser sind. Die Küste rund um die Hauptstadt Muscat ist sandig, mit ruhiger See und langen, einsamen Stränden, die eine Vielzahl an Möglichkeiten bieten. Die Halbinsel Musandam im Norden ist in der ganzen Welt berühmt für ihre schroffen Felsen, die steil aus dem Meer ragen und eine spektakuläre Landschaft mit Fjorden, schmalen Buchten und Höhlen schaffen. Im Süden gibt es in der Region Salalah zahlreiche tropische Strände mit türkisfarbenem Wasser und Palmen, die bis an den goldenen Sand heranreichen. Das Meer von Oman und das Arabische Meer beheimaten eine Vielzahl unterschiedlicher Tierarten wie Schildkröten, Wale und Delfine. In ihren Tiefen findet man Korallenriffe, von denen grosse Flächen noch völlig intakt sind. Ausserdem werden dort zahlreiche Wassersportarten angeboten.

Sport und Freizeit im Sultanat WANDERN & KLETTERN Das ist im Sultanat Oman ein unvergleichliches Erlebnis. Das Hadschar-Gebirge bildet eine majestätische Landschaft aus gewaltigen Gipfeln und weist markierte Wege mit einer Gesamtlänge von mehr als 100 Kilo­ metern auf. Überall, wo Sie hinkommen, können Sie sich während einer Rast im smaragdgrünen Wasser der Wadis erfrischen. Oman hat mehr als 160 eingetragene Kletterstellen, sodass für Kletterfreunde aller Könnens­ stufen etwas dabei ist. Die häufig schwindelerregend steilen Felswände von Hadschar sind bei Kletterfans bekannt. Mit einer Höhe von 300 Metern ist die Felswand des Wadi Ghul eines der beliebtesten Klettergebiete. TAUCHEN Die grosse Anzahl an Fischen und die unberührten Tiefen machen Oman zu einem bei Tauchern sehr beliebten Reiseziel. Allein in der Hauptstadt Muscat gibt es rund 20 Tauch­s tellen. Die Bucht Bandar Al Khayran ist perfekt zum Schnorcheln geeignet. Ganz in der N ­ ähe liegt das Daymaniyat-ArchipelNatur­reservat, das eine un­vergleichliche Ansammlung von Steinkorallen aufweist und die Möglichkeit zu unver­gesslichen Begegnungen mit Manta­rochen, Zitronenhaien, Schwarzspitzenriffhaien und Walen bietet. GOLF In Muscat gibt es drei 18-Loch-Golfplätze. Almouj Golf: Ein anspruchsvoller Golfplatz von Greg Norman ent­ worfen, folgt dem Umriss der Dünen entlang des Golfes von Oman. Ghala Valley Golf Course: war ursprünglich ein Sandplatz und befindet sich in der einmaligen Szenerie eines Wadi. Muscat Hills Golf & Country Club: Inmitten einer schroffen Landschaft gelegen, die von mehreren Wadis gekreuzt wird, bietet er einen Blick auf das im Hintergrund liegende Hadschar-Gebirge.

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ES WAR EINMAL IN

AMERIKA Ein neuer, prächtiger Bildband zeigt die Eroberung des nordamerikanischen Kontinentes – eine eindrucksvolle Reise durch Gebirge, entlang an Flüssen und Eisenbahnlinien. Und das sogar in Farbe!

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Lilly Steffen Collection Marc Walter | Taschen Verlag

om Atlantik bis zum Pazifik, von den Rocky Mountains bis zum nördlichen Wendekreis: Nordamerika ist ein Kontinent voll spektakulärer Landschaften und Motive.

Bunte Bilder der Ureinwohner Amerikas Seen so gross wie Meere, endlos weite Prärien, gewaltige Wasserfälle, ­sengende Wüsten, moskitoschwangere Sümpfe, riesenhafte Wälder, reissende Flüsse, mächtige Gebirge und Vulkane – die Liste der Naturwunder erweckt Staunen und Ehrfurcht. Diese Auswahl farbiger Fotochrome und Phostint-Postkarten aus der Privatsammlung Marc Walters wurde zwischen 1888 und 1924 von der Detroit Photographic Company produziert. Die Bilder zeigen die weite, vielfältige Landschaft Nordamerikas und ihre Bewohner, u. a. amerikanische Ureinwohner, Afroamerikaner, Immigranten sowie die ­ letzten Cowboys und Goldgräber. Ansichten von den Sehnsuchtsorten des Wilden Westens und Blicke in die Hexenkessel der ersten Grossstädte vervollständigen das Panorama aus der Zeit vor 100 Jahren. Durch ein 20 Jahre vor dem Autochrom entwickeltes fotolithografisches Verfahren entstanden die allerersten Fotografien in Farbe. Mit ihrer Aura von Entdeckungsdrang und Abenteuer laden sie zu einer aussergewöhnlichen Reise durch ein vergangenes Amerika ein.

William Henry Jackson: Einheimische tauchen nach Münzen, Bahamas.

An American Odyssey Marc Walter & Sabine Arqué Taschen Verlag

Der Sammler Der Grafiker, Fotograf und Sammler Marc Walter hat sich auf alte Reise­ fotografien, vor allem auf Photochrome, spezialisiert, von denen er eine der grössten Sammlungen weltweit besitzt. Er hat zahlreiche Bücher mit Bildern aus seiner Sammlung sowie eigenen Aufnahmen publiziert.

Indianer Familie am Miami Riverin Florida.

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Was ist ein Photochrom? Ein Photochrom ist ein Farbabzug, der entsteht, indem man ein SchwarzweissNegativ auf mehrere Lithografiesteine überträgt: einen für jede gewünschte Farbe. Dies geschah mit einem neuen Verfahren, dem sogenannten «Photochro erfahren», das 1889 vom Schweizer Hans Jakob Schmidt, Chef-Lithograf der Druckerei Orell Füssli in Zürich, erfunden wurde.

Montagswäsche in New York.

William Henry Jackson: Clear Creek Canyon, Georgetown.

Charleston.

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GIPFELSTÜRMER REINHOLD MESSNER

Für den bekanntesten deutschsprachigen Berg­ steiger aller Zeiten gilt die Devise: «Das Haben ist langweilig, die Herausforderung ist wichtig.» Und getreu diesem Motto bestieg Reinhold Messner alle 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff und durchquerte viele grosse Wüsten. Dabei ­verlor er einige seiner Zehen und wusste häufig nicht, ob er den nächsten Morgen noch erleben würde. Seinen eigenen Bruder verlor er auf dem Berg. Seitdem sieht er das Sterben als das grösste Abenteuer unseres Lebens an. Seit 1969 unternahm er mehr als hundert Reisen in die Gebirge und Wüsten dieser Erde. Er schrieb vier Dutzend Bücher. Ihm gelang die Durchquerung der An­t­ arktis, der Wüsten Gobi und Takla Makan sowie die Längsdurchquerung Grönlands. Im Gegensatz zu modernen Abenteurern geht es Reinhold Messner weniger um Rekorde, als vielmehr um das Ausgesetztsein in möglichst unberührten Naturlandschaften bei einem Minimum an Ausrüstung. Zwischen seinen Reisen lebt Reinhold Messner mit seiner Frau und seinen Kindern in Meran und auf Schloss Juval in Südtirol, wo er Bergbauernhöfe bewirtschaftet, schreibt und museale Anlagen entwickelt.

3 FRAGEN Was ist die niedrigste Temperatur, die Sie selbst erlebt bzw. durchlitten haben? In Sibirien minus 52 Grad. Aber bei trockener Kälte ist das nicht so schlimm. Nur wenn es windig wird, muss man sehr vorsichtig sein. Bei so einer Kälte muss man sich die ganze Zeit bewegen, so hält man sich warm. Würde man längere Zeit einfach herumstehen, würde man zum Eisblock er­ starren.

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Wie hat sich der Bergsport in den letzten Jahren verändert? Bereits meine Generation konnte die richtig grossen Pionierarbeiten nicht mehr machen. Amundsen und Scott waren bereits am Südpol, Hillary am Gipfel des Mount Everest, daher konnte ich nichts wirklich Neues mehr finden. Aber ich konnte noch ins Ungewisse auf­ brechen. Beispielsweise durch das Weglassen von Technologien wie Sauerstoffflaschen. Heute ist das Bergsteigen zum Sport geworden: Wer rennt am schnellsten den Everest hinauf und wieder hinab. Bei uns ging es hingegen eher um das Abenteuer. Erleben Sie beim Klettern noch die Angst vor dem Absturz? Die Angst vor dem Absturz ist immer da. Bei jedem Schritt, den wir tun, sind wir uns des Abgrunds unter uns bewusst. Ich weiss immer, jeder Fehltritt könnte tödlich sein.


PIRELLI.CH

SWISS-SKI WÄHLT PIRELLI WINTERREIFEN KOST VIGN ENLOSE ETTE 2015 15.9. b 15.11.2 is 014*

Gino Caviezel, Patrick Küng und Dominique Gisin im Windkanal *beim Kauf von 4 Pirelli PKW oder SUV Winterreifen ab 16 Zoll oder Sommerreifen ab 17 Zoll beim teilnehmenden Händler vom 15.9. bis 15.11.2014 und Registrierung auf pzeroclub.ch. Teilnahmeschluss: 31.12.2014.


DOMINIKANISCHE REPUBLIK DER KARIBISCHE TRAUM

Traumhafte, kilometerlange, weisse Strände, türkisfarbenes Wasser, über 30 abwechslungsreiche Golfanlagen inmitten traumhaft schöner Natur sowie exklusive Luxushotels mit individualisiertem Service machen aus der Dominikanischen Republik die ideale High-end-Destination. Petra Cruz-Deyerling – Europa-Direktorin Tourist Board Dominikanische Republik


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ie hohen Investitionen in die Infrastruktur und den Neubau von ­Hotels und luxuriösen Resorts bei gleichzeitigen Bemühungen um eine nachhaltige und umweltschonende Entwicklung der Tourismuswirtschaft haben den Karibikstaat für seine touristische Zukunft gut gerüstet. Der Hotelzimmerbau boomt im ganzen Land. Aktuell werden ­ ­rund 2 000 neue Hotelzimmer geschaffen. Die meisten gehören zu grossen, internationalen und renommierten Hotelketten wie Sheraton, Marriott oder Hilton.

Punta Cana – das Paradies der Karibik im Osten Die Ostküstenregion bietet mehr als 40’000 Hotelzimmer in Hotels von Weltklassemarken, mit einem hervorragenden Service, köstlicher Gastronomie und unzähligen Möglichkeiten für Ausflüge und ­Aktivitäten. In den letzten Jahren sind zahlreiche touristische Anlagen mit schönen Wohn- und Luxuseinheiten neu entstanden, viele von ihnen ­ verfügen über Golfplätze in nächster Nähe. Los ­ ­Corales und Punta Espada in Cap Cana sind zwei gute Beispiele neben anderen Möglichkeiten in ­Bávaro, in Arena Gorda und in Macao. Alle diese Tourismusangebote liegen nur wenige Minuten vom internationalen Flughafen von Punta Cana entfernt, dem beliebtesten Ankunftsflughafen des Landes.

Erst im Dezember 2013 wurde eine neue Ortsumgehung um die Stadt ­L a Romana mit Anschluss an die von Westen nach Osten verlaufende Autobahn El Coral eröffnet, welche die Strandregion im Süden des Landes in  kurzer Fahrtzeit mit der kulturell attraktiven und vielseitigen Hauptstadt Santo  Domingo sowie dem Feriengebiet Punta Cana /Playa Bávaro ver­ bindet. Die neue Autobahn ist von entscheidender Bedeutung, nicht nur für die Einheimischen, sondern auch und vor allem für den Tourismus. Sie verkürzt die bisherige Fahrtzeit von Punta Cana in die Hauptstadt von bisher­ 3,5 Stunden auf jetzt nur noch zwei Stunden. Von La Romana nach Punta Mitten im Herzen des Hotelgebietes der Ferien­ Cana dauert die Reise nur noch 45 Minuten. Von Bayahibe /  La Romana nach region Punta Cana/Bávaro und ganz in der Nähe des Meeres befindet sich der Bávaro Adventure Santo Domingo sind es 60 Minuten. Park. Besucher erwartet auf einer Fläche von La Romana /Bayahibe – Alles voller Charme 44  Hektar ein bunter Strauss unterschiedlicher ­ Die Ostküste der Dominikanischen Republik ist touristisch sehr gut erschlossen ­ Attraktionen. Darunter das Zip-Line-Skywalkerund landschaftlich vom Zuckerrohranbau geprägt. La Romana, die dritt- Abenteuer für Geschwindigkeitsfans, der Flug­ grösste Stadt der Republik, gilt seit der Gründung der Zuckerrohrfabrik An- simulator Skydiver, der Hochseilgarten Caribbean fang des 20. Jahrhunderts als Zuckermetropole des Landes. Wenige Kilo­ Treasure und die Zorbing Down Hill Revolution, bei meter vor den Toren der Stadt befindet sich eine der grössten und exklu­sivsten der ein Mensch im Inneren einer aufblasbaren, Hotelanlagen der Karibik: Casa de Campo – ein Leading Hotel of the World. transparenten, doppelhülligen Kugel aus PVC ­einen Auf einem weitläufigen Gelände verteilen sich luxuriöse Villen von Super­ Abhang hinunter saust. Einen atemberaubenden reichen, 187 luxuriös eingerichtete Hotelzimmer, drei exzellente Golfplätze, Panoramablick über die Landschaft rund um die inklusive Servicepersonal gemietet werden können, ein Jachthafen, ­Bávaro, Punta Cana und Cabeza de Toro bieten Tennis- und Poloplätze, ein Historisches Museum, ein Amphitheater mit die Heissluftballons Skyrider und Skyrider pro. ­ 5 000 Plätzen und das Künstlerdorf Altos de Chavón, in dem Touristen nicht nur Kunst kaufen, sondern auch bei professionellen Künstlern Malunterricht Ein verstecktes Paradies im Südwesten von Punta nehmen können. Es ist im mediterranen Stil angelegt und einzigartig in Cana ist Boca de Yuma, ein kleines, authentisches der  Karibik. Auf dem nahe gelegenen Fluss Rio de Chavón verkehren Fischerdorf, umgeben von wunderschönen Strän­Missi­s­sippi-Dampfer als Ausflugsattraktion. den und Korallenriffen.

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Eden Roc at Cap Cana Das Luxusresort ist das einzige Relais & Châteaux Hotel auf der Karibikinsel und befindet sich in Cap Cana. 34 geräumige Suiten mit eigenem Pool und Pavillon erstrecken sich in der weitläufigen Anlage. Urlauber des Eden Roc geniessen kilometerlange, weisse Sand­ strände und Golfer kommen auf dem von Jack Nicklaus gestalteten 18-Loch-Golfplatz rund um das Resort auf ihre Kosten. Der internationale Flughafen Punta Cana liegt nur 20 Fahrminuten von Eden Roc entfernt.

Alsol Luxury Village Cap Cana Das Alsol Luxury Village Cap Cana ist eine malerische Feriendorf- und Yachtclubanlage im karibischen Stil. Die Wasserwege der Anlage verlaufen direkt vor den beschaulichen Terrassen der luxuriös ausgestatteten Ferienvillen. Vor Cap Cana befinden sich die besten Fischgründe der Region, die ein beliebtes Ziel für Sportangler sind. Vom internationalen Flughafen von Punta Cana aus erreicht man die Ferienanlage in nur zehn Minuten. Gästen stehen im Alsol Luxury Village Cap Cana neben einem vollständig ausgestatteten Yachthafen mit Wassersportangebot und Bootsverleih direkt vor der Haustür vier Pools, ein modernes Fitnessstudio mit Spa, zwei Restaurants mit wahlweise italienischer oder karibischer Gourmet­ küche, drei Bars, ein Ballsaal und mehrere Veranstaltungssäle zur Verfügung. Außerdem gibt es in der Anlage ein Amphitheater direkt am Meer und sogar eine kleine Steinkapelle für Hochzeiten im dominikanischen Stil. In den insgesamt 299 Villen befinden sich unterschiedlich ausgestattete Suiten, darunter auch eine Hochzeitssuite. In den Suiten werden Gäste mit einem 24-Stunden-Service umsorgt, wer möchte kann sich Speisen direkt auf der eigenen Pool-Terrasse servieren lassen. Ein weiteres Highlight der Anlage ist ihre Nähe zum legendären, von Jack Nicklaus ent­ worfenen Golfplatz. Für die Gäste des Alsol Luxury Village Cap Cana steht ein kostenfreier Shuttleservice zum Golfplatz bereit.

Melía Paradisus, Punta Cana Das Melía Paradisus Palma Real Golf & Spa Resort ist ein All-inclusive-Hotel und liegt in der Bávaro-Bucht an der Ostküste der Dominikanischen Republik. Das Palma Real besitzt 554 grosszügige Suiten, 200 davon sind Royal Service Suiten, darunter zwei Royal Service Präsidentensuiten mit Meerblick. Alle Zimmer verfügen über einen Whirlpool und bieten kostenloses High Speed Internet und einen 24-Stunden-Concierge-Service. Eine grosse Royal Service Lounge, ausgestattet mit einem luxuriösen Spa- und Wellnessbereich, ein exklusiver Strandbereich mit Saftbar, ein edler Pool mit Concierge-Service und ein vorzügliches italienisches Restaurant am Meer sind nur ein Ausschnitt des breit gefächerten Angebots für Royal-Service-Bucher.


Samaná – das Naturparadies im Osten Die Halbinsel Samaná ist mit ihren malerischen Felsund Sandbuchten, idyllischen Stränden, markanten Riffen und faszinierenden Wasserfällen ein wahrer Naturtraum. Ein grosses Ereignis ist der jährliche Aufenthalt der Buckelwale, die zwischen Januar und März die Bucht von Samaná ansteuern. Im 208 Quadratkilometer grossen Nationalpark Los Haitises in der Bucht von Samaná findet der Besucher eine Fülle kleiner Süsswasserflüsse und Mangrovenwälder, die in eine Korallenlandschaft münden, glasklare Lagunen und sogar Tropfsteinhöhlen. Pelikane und andere seltene, tropische Vögel, wie zum Beispiel der Fregattvogel, lassen sich hier beobachten. Neben interessanten Geschichten über die Zeit, als die Höhlen Piraten zum Unterschlupf dienten, bekommen Reisende hier ein Gefühl dafür, wie die Vegetation auf der Insel zu Zeiten von Kolumbus ausgesehen haben muss.

Das Hotel Vista Mare liegt in Los Naranjos, einer neuen, gerade erst entdeckten Urlaubsdestination in der Dominikanischen Republik auf der Halbinsel Samaná. Insgesamt bietet das Vista Mare 87 Appartements mit eins, zwei, drei oder vier Schlaf­ zimmern, ausgestattet mit Klimaanlage und Küche. Alle bieten einen atemberaubenden Blick auf das türkisfarbene Meer und die Insel Cayo Levantado. Im À-la-carte-Restaurant El Cayo wird einheimische und internationale Küche serviert. In der Bar & Lounge sorgen exotische Cocktails und Säfte für den gelungenen Beginn einer tropischen Nacht. Ihre Freizeit verbringen die Gäste an den beiden Pools oder den beiden exklusiven Stränden. Ein Kids Club, ein Beach Club, ein Fitnessstudio und ein Supermarkt runden das Angebot ab.

Vista Mare, Samaná

Des Weiteren bietet die Umgebung Möglichkeiten zum Wind­ surfen, Segeln, Schnorcheln, Tauchen, Angeln, Mountainbiken und Reiten. Ausserdem können Gäste mit der Seilbahn fahren und auf Safari gehen. Der Nationalpark Los Haitises, die Halbinsel Cayo Levantado, die Strände Playa Rincón und Playa Las Galeras sowie der Wasserfalls El Limón laden zu Ausflügen ein. Von Januar bis März können in der Bucht Buckelwale beobachtet werden. Das Hotel bietet Räumlichkeiten für Tagungen und private Feiern mit bis zu 80 Personen.

Sublime Samaná Hotel & Residence, Samaná Das Sublime Samaná liegt auf der Halbinsel Samaná inmitten von üppig grünem Dschungel, sanften Hügeln und feinen Sandstränden. Das fast drei Hektar grosse Grundstück ist von grossen Pools durchzogen, die sich über das gesamte Gelände verteilen. Die Gebäude und Suiten wurden in Harmonie mit der Natur gebaut. Das Hotel gehört zu den Small Luxury Hotels of the World. Die Dekoration der 20 Suiten mit ihren raumhohen Fenstern und grossen Badezimmern ist karibisch inspiriert. Sie sind ausgestattet mit Klimaanlage, einer komplett eingerichteten Küche und verfügen über eine Terrasse oder einen Balkon. Mittags wird im Grill­restaurant am Strand mediterrane Küche mit dominikanischen Einflüssen serviert. Morgens und abends steht den Gästen das exklusive Bistro zur Ver­fügung, zu dem auch eine Lounge gehört. Der Wellness- und Spa-Bereich des Hotels ist aus Palmholz, Zuckerrohr und Stroh konstruiert. Angeboten werden Ganzkörper- und Gesichtsbehandlungen, Massagen und sogar eine Regen­massage. Freizeitaktivitäten in der Umgebung gibt es zahlreiche: Gäste können reiten, schnorcheln, tauchen, segeln, wandern oder Mountainbike fahren. Von Januar bis März werden Walbeobachtungstouren angeboten.

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Puerto Plata – die Perle an der Nordküste Die sonnige Nordküste der Dominikanischen Republik mit den Städten Puerto Plata und Cabarete steht für koloniale Architektur, Tabak- und Kaffeeanbau sowie international bekannte Hotspots für Wassersportler. Strand­ urlauber begeistert die Nordküste der Karibikinsel mit ihren goldenen Sandstränden mit Palmenbewuchs und Mandel­bäumen, die sich mit spektakulären Klippen und kleineren Buchten abwechseln. Bei einer City-Tour durch Puerto Plata wird die Kolonialgeschichte des Landes lebendig. Vor allem den histo­r­ ischen Stadtkern mit vielen Gebäuden aus der viktoriani­schen Epoche, wie zum Beispiel die Kathedrale, das Bernsteinmuseum oder den Stadtpark, sollte kein Tourist, welcher Puerto Plata besucht, verpassen. Die einzige Seilbahn der Karibik bringt Gäste auf den «Hausberg» der Stadt, den Loma Isabel de Torres.

Boutique Hotel Casa Colonial & Spa Resort, Puerto Plata Das Boutique Hotel Casa Colonial & Spa Resort liegt an der exotischen Nordküste der Dominikanischen Republik, direkt an der Playa Dorada. Es gehört zu den Small Luxury Hotels of the World und kann daher mit einer aussergewöhnlichen, geschmackvollen und persönlichen Note aufwarten. Die dominikanische Designerin Sarah Garcia verbindet in der Gestaltung des Hotels die Eleganz der Alten Welt mit zeitge­ nössischem Stil. Im Restaurant Veranda werden Frühstück und Mittagessen serviert, im Restaurant Lucia wird abends karibische Fusions­küche kunstvoll zubereitet. Das Restaurant verfügt über einen gut sortierten Weinkeller. Auf 1150 Quadratmetern bietet das Bagua Spa Gesichtsbehandlungen, Ganzkörper­ packungen, Massagen und vitalisierende Aromatherapie. Darüber hinaus bietet das Hotel ein voll ausgestattetes Fitnessstudio, einen Infinity Pool und vier Jacuzzis, eine Bar mit Blick über den Atlantik, einen Hochzeits­ pavillon und einen Tagungsraum. Ein privater Transferservice bringt die Gäste zur 18-Loch-Golfanlage Robert Trent Jones Sr., ein 24-Stunden-ConciergeService steht jederzeit zur Verfügung, ebenso sämtliche Pools und Annehmlichkeiten im Schwester­ hotel Gran Ventana Beach Resort. Das Hotel hat ­ 50 Suiten in den Kategorien Junior Suite, One-Bedroom Suite, Deluxe, Master und Präsidentensuite sowie ein Penthouse.

Tourist Board Dominikanische Republik Hochstraße 54 60313 Frankfurt am Main Deutschland Telefon: +49-69-91397878 Fax: +49-69-283430 switzerland@godominicanrepublic.com www.godominicanrepublic.com

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AUF DER SUCHE NACH DEM URSPRUNG DES LEBENS CHARLES DARWIN

Als Darwin 1809 geboren wurde, glaubte man ­an die Schöpfungsgeschichte der Bibel. Dieses religiös geprägte Weltbild, demzufolge Gott die ­ Erde und all seine Lebewesen in sechs Tagen erschuf, galt als unumstösslich, bis es Darwin mit seiner Evolutionstheorie ins Wanken brachte. Im Jahre 1831 nahm Darwin an einer fast fünf Jahre andauernden Schiffsreise teil, die ihn einmal um die Welt führte und zugleich Schlüsselerlebnis und Grundlage für sein späteres Werk war. Auf den Galapagosinseln beobachtete Darwin Tier­ arten, die es nirgendwo anders gab. Aus diesen Beobachtungen entwickelte er seine Ideen zur Evolution. Es sollten jedoch noch viel Jahre ver­ gehen, ehe er sie auf Papier brachte. Wahrscheinlich war seine Angst vor den Reaktionen der englischen Geistlichen und Naturwissenschaftler zu gross. So erschien die erste Auflage von «Über die Entstehung der Arten» erst 1859. Heute weiss man, dass seine Verdienste für die Fortent­ wicklung der Naturwissenschaft unermesslich waren. Denn er lieferte der Welt die Erklärungen für die Phänomene Verwandtschaft, Vielfalt und Angepasstheit der Arten. Damals jedoch musste er viel Hohn und Kritik einstecken, denn die Menschheit wollte ihre Verwandtschaft zu den ­Affen einfach nicht wahrhaben.

3 ZITATE «Wer auch nur eine Stunde seiner Zeit zu vergeuden wagt, hat den Wert des Lebens noch nicht erkannt.»

«Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.» «Nur ein Narr macht keine Experimente.»

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TRAVEL

DER DUFT DER STADT OLFAKTORISCHES SIGHTSEEING:

SO DUFTET EUROPA

Immer der Nase nach – in diesen Städten duftet es wie nirgendwo sonst. Es ist Zeit, den schmerzlich vernachlässigten olfaktorischen Sinn wieder in den Vordergrund zu stellen. Also zurücklehnen, tief einatmen und sich auf eine Riechtour durch Europa entführen lassen. GoEuro Travel

WIEN «Wien, Wien, nur du allein, sollst die Stadt meiner Düfte sein». Eine markante Duftmarke und jede Menge emotionaler Erinnerungen hinterlässt Wien bei seinen Besuchern. Schlendert man durch die malerischen Gassen aus Pflastersteinen, gesellt sich zum Duft der Fiakerfahrer auch immer eine Brise von frisch gemahlenem Kaffee. Die Stadt ist bekannt für ihre zahlreichen Kaffee­häuser und ihre den Kaffee liebenden Bewohner. ­Beinahe an jeder Ecke ist es möglich, einen einzigartigen Kaffeegeschmack zu erleben. Etwas Abseits vom Zentrum lohnt es sich, Richtung Ottakring zu ­fahren, hier befindet sich die «Manner Fabrik». Das Traditionsunternehmen hat Teile des Bezirks in ein in Haselnuss und Schokolade getränktes Traumduftland verwandelt. Erwischt man den richtigen Tag, mischt sich zum süssen Duft der Haselnusswaffeln auch der süssliche Duft des Hopfens aus der Ottakringer Brauerei. Diese Kombination hinterlässt ein einzigartiges Dufterlebnis, das man so wohl nur in Wien finden kann.

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TRAVEL

AMSTERDAM Die Forscherin Kate McLean hat ihre Forschung darauf spezialisiert, die Düfte einer Stadt möglichst präzise einzufangen und daraus kleine Landkarten zu kreieren. Ihre Ergebnisse zu Amsterdam sind dabei verblüffend passend. Insgesamt hat sie 650 Düfte mithilfe ihrer Assistenten, sogenannte Smellwalkers, zusammengetragen. Der markanteste Duft in der Stadt ist dabei der Odor von Cannabis in der Luft, gemischt mit dem ­süssen Duft der Waffeln und dem salzigen Duft des Herings, der beinahe an jeder Strassenecke zu kaufen ist. Läuft man mit einer offenen Nase durch die Stadt, zeigt sich vor allem der Einfluss der vielen Parks und Grachten, der Erinnerungen an Wiesen und blühende Blumen hinterlässt.

ROM Kaum eine andere Stadt der Welt beherbergt so viele historische Gebäude und Denkmäler wie Rom. Das U-Bahn-Netz kann schon seit Jahrzehnten nicht fertiggestellt werden, da bei jeder neuen Grabung ungeahnte archäo­ logische Schätze ­gefunden werden. Diese lange Geschichte der Stadt führt auch zu einer einzigartigen Duftmarke, die vor allem für geschichtsinteressierte Duftreisende eine kleine Zeitreise zulässt. Streift man durch das Forum Romanum Richtung Colloseum, ist die Luft mit dem Duft der alten Gemäuer erfüllt. Das Gemisch der 2 000 Jahre alten Steine, aus Lehm, Kalk und Eisen kommt vor allem im Frühjahr mit den ersten warmen Sonnenstrahlen sehr stark zur ­ Geltung und hinterlässt sogar einen leichten Geschmack auf der Zunge. Gemischt mit den Düften der sehr lebendigen Stadt, wird man so  in eine frühere Welt entführt, in der Gladiatoren in Blut getränkt um ihr Leben rangen oder in das Haus der Vestalinnen, jenen Jungfrauen, die auserkoren waren, das ständig brennende Herdfeuer im Tempel der Vesta zu bewachen.

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TRAVEL

BRIGHTON Die Stadt an der Südküste Englands ist bekannt für ihre lebendige Kulturszene. Die Küstenlage bringt aber auch den wunderbaren Duft des Meeres mit sich, der durch die ganze Stadt zieht. Besucht man Brighton im Frühjahr, sollte man auf keinen Fall den Brighton Pier auslassen. Trifft die Sonne auf das nasse Holz des Piers und die nassen Steine am Strand, entfaltet sich ein einzigartiger Duft, durchmischt mit den zahlreichen Fish-and-Chips-Ständen am Strand. Der Duft ist so typisch für England wie die kurzen Röcke, die man dort zu jeder Jahreszeit trägt. Wer nach frischem Blumen- oder Wiesenduft sucht, ist in der Stadt nicht richtig, aber sucht man die raue Seeluft, ist man hier am perfekten Ort gelandet. England ist sich über seinen besonderen Duft auch bewusst und so werden schon verschiedenste «Smell Walks» angeboten, beispielsweise in York oder in London.

BERLIN Eine ware Duftexplosion findet man in Berlin. Von S-Bahn-Gleis bis Blütenwiese findet man in dieser Stadt wohl jeden erdenklichen Duft. Die ­Mathematikerin, Chemikerin und Künstlerin Sissel Tolaas, geboren in Norwegen und wohnhaft in Berlin, setzt sich schon seit Jahren mit den Düften Berlins und anderer Städte auseinander. Sie versucht, jeden einzelnen Duft künstlich zu rekonstruieren und zu konser­vieren.  In ihrer Erfahrung beschreibt sie die Düfte in Berlin wie folgt: «Mitte: feine Lederschuhe und  das Röstaroma der zahllosen Coffeeshops. Charlottenburg: teure Seife und Geld. Neukölln: Polyester, Reinigungen und Kebab». So fängt ­Tolaas auch schon mal den Duft der Jannowitzbrücke ein und schickt damit Zeit-Redakteure auf emotionale Zeitreisen zurück in die DDR, mit dem Ausruf: «Das ist Ostberlin.» Sollte Sie es bald einmal nach ­Berlin verschlagen, statten Sie Tolaas einen B ­ esuch ab und lassen Sie sich durch ihre Duft­konserven die Stadt von einer Seite zeigen, die unglaublich intensiv ist.

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Spektakulärer Blick auf ein unbekanntes Land Nordkorea steht sicher nicht an erster Stelle. Dennoch strahlt das Land eine unheimliche Faszination aus. Es ist ein Mysterium, ein anonymes Land, abgeschottet vom Rest der Welt. Die Fotojournalistin Julia Leeb hat sich mit zwei Freundinnen auf die Reise gemacht, um Land und Leute besser kennenzulernen. Herausgekommen ist ein Bildband, der einen fesselnden Blick auf Architektur, Kultur und Bevölkerung bietet. Er lässt uns in eine unbekannte Welt eintauchen. So haben wir Teil an den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung und verfolgen, wie tausende Nordkoreaner das Synchron­ tanzspektakel Arirang vorführen. Aber auch «leisere» Auf­nahmen wecken Emotionen im Betrachter. Eine aufgeregte Braut, eine Mutter mit Kind, eigentlich ganz alltägliche ­Szenen und doch ist alles anders. Diese vielschichtigen Bilder wirken noch lange nach, selbst wenn man das Buch schon zur Seite gelegt hat.

North Korea Julia Leeb TeNeues Verlag

SHORTCUTS BOOKS Bergpartie Im Jahr 1863 startet im englischen Yorkshire eine ungewöhnliche Reisegruppe aus vier jungen Männern und vier jungen Frauen zu einer Tour durch die Schweizer Alpen. Führer und Veranstalter ist kein Geringerer als Thomas Cook. Von London geht es zunächst nach Frankreich und von dort in die westlichen Alpen, von Chamonix übers Wallis ins Berner Oberland und von dort zurück nach Paris. Mit Maultieren und Postkutschen sind die Reisenden unterwegs, zu Fuss, mit der Eisenbahn und dem Dampfschiff. Die 31-jährige Miss Jemima Morrell führte über diese abenteuerliche Reise ein höchst unterhaltsames Tagebuch, das nun zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt wurde.

Miss Jemimas Journal Jemima Morrell Rogner & Bernhard Verlag

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Der letzte Kaiser von Afrika Prinz Asfa-Wossen Asserate Propyläen Verlag

Haile Selassie: Kaiser von Äthiopien Er war Nachkomme eines Geschlechts, das sich auf König Salomon zurückführen lässt, Vorreiter der afrikanischen Einheit und Unabhängigkeit, Verbündeter der Alliierten gegen die faschistischen Achsenmächte und Messias der jamaikanischen Rastafari-Bewegung. Er war Reformer und Autokrat, am Ende wurde er von kommunistischen Putschisten gestürzt und ermordet. Haile Selassie, König der Könige, war eine ebenso beeindruckende wie schillernde Per­sön­lichkeit. Sein Grossneffe Prinz Asfa-Wossen Asserate, der seit Langem in Deutschland lebt, hat ihn noch persönlich gekannt und verfügt über exklusiven Zugang zum Familien­a rchiv.  Er legt nun die erste fundierte, umfassende Biografie Haile Selassies vor, zugleich ein grossartiges Porträt der faszinierenden Geschichte seines Heimatlandes.


Das Land, in dem die Zitronen blühen

Monika Kellermann Gardasee Collection Rolf Heyne

Vor etwas mehr als fünf Jahren mietete sich Monika Kellermann kurz entschlossen ein winziges Apartment in Bardolino, direkt am Gardasee – sie wollte ihr Italienisch verbessern. Und so machte sie sich daran, Land und Leute zu entdecken und gleich noch einige kulinarische Geheimnisse zu lüften. Zusammen mit dem Fotografen Udo Bernhart erzählt Monika Kellermann nun ihre ganz persönliche GardaseeGeschichte: Sie besucht Winzer, Olivenölbauern, Trattorien und Osterien, Käsemacher, Forellenzüchter, Trüffelsucher, Obstbauern und viele mehr, die die kulinarische Landkarte des Gardasees prägen. Sie spricht mit den Menschen, diskutiert über traditionelle und moderne Anbau- und Produktionsmethoden, verkostet Tortellini, Carne Salada, Käse, Weine und Öle, lüftet Topfdeckel und lässt sich überlieferte Geheimrezepte verraten.

Hommage an einen natürlichen Lebensraum und seine wundervollen Bewohner Sable Island, eine kleine Insel vor der Ostküste Kanadas, ist die Heimat von rund 500 Wildpferden, 500 Schiffwracks und 500 Jahren überlieferter Geschichte. Die Insel, die auch als «Friedhof des Atlantiks» berüchtigt ist, war niemals dauerhaft besiedelt, sondern immer nur vorübergehend von schiffbrüchigen Seefahrern, verbannten Sträflingen, Piraten und Strandräubern bewohnt. Die nach ihrem Lebensraum benannten Wildpferde, vor langer Zeit hier zurückgelassen oder aus Schiffwracks ans Ufer gespült, sind heute die einzigen Landsäugetiere auf Sable Island. Seit 20 Jahren hält Roberto Dutesco das Leben auf Sable Island mit der Kamera fest und zeigt nicht nur die ungezähmte Schönheit dieser Tiere, sondern auch die Kargheit und Unberührtheit ihrer Insel. Die Wildpferde von Sable Island Roberto Dutesco TeNeues Verlag

Gebrauchsanweisung für Dubai und die Emirate Felicia Englmann Piper Verlag

Ein modernes Märchen aus 1 001 Nacht Kamel und Ferrari, Schleier und Skihalle: In den Emiraten verschmelzen Tradition und Moderne. Felicia Englmann, die in Dubai Golf-Arabisch gelernt hat, stürzt sich in dieses Abenteuer der Gegensätze. Sie fährt mit der Abra über den Dubai Creek, geniesst die Aussicht vom Burj Khalifa und besucht eine Klinik für Jagdfalken. Sie erklärt, wie man im Dubaier Strassenverkehr überlebt, was die Emirate unter Naturschutz verstehen und was man beim Moscheebesuch beachten sollte. Sie stellt die bedächtige Metropole Abu Dhabi und deren quirlige Konkurrentin Dubai und trifft die Emirate im Dornröschenschlaf; sie schreibt über die Selbstständigkeit der Frauen, die unter ihrer Verschleierung oft unterschätzt werden, und von einem Lebensgefühl, bei dem Scheitern nicht zum Konzept gehört.

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KYLIE MINOGUE DIE CHEFIN DER DISCO


CULTURE

Kylie Minogue (46) ist mit dem knackigsten Po im Popbusiness ausgestattet, doch die zierliche Australierin hat auch was im Köpfchen. Denn sie wirbt erfolgreich für Unterwäsche, Parfüm, Schmuck, Autos, Bücher und Fernsehsender. Wir trafen die Discoqueen zum Mittagessen. Dominique Zahnd

I

rgendwo in London. Kylie Minogue sitzt in einer Hotelsuite und stochert auf ihrem Teller herum. Das Zimmer riecht nach Braten, Kylie selber duftet wie ein Pfirsich. Sie hat ein züchtiges, schwarzes Kleid an. Privat also ganz die Prüde? Sie lacht: «Wenn das eine Anspielung auf meine Fotos im ‹GQ-Magazin› sein soll – ich bereue nichts.» In besagtem Heft liess sich die Hübsche im kurzen Röckchen ablichten – mit nichts drunter. «Skandal!», schrie die Presse, vor allem die in England, wo die Australierin wie eine Königin verehrt wird. Kylie: «Wenn ich vorher gewusst hätte, welche Wellen das Ganze schlägt, hätte ich es mir vielleicht zweimal überlegt ...»

Ballade zum Rumknutschen

© EMI Music

Kylie hüpft ab und zu mal als Nackedei durch den Blätterwald, denn sexy Fotos verkaufen sich immer gut. Musik auch – 14 Millionen konnte sie allein von ihrem Debütalbum absetzen. Das war 1987. Die Teenager liebten Kylies Sound damals heiss und innig. Wer zu den eher coolen Leuten zählen wollte, tat das auch – und hörte sich den Gute-Laune-Pop heimlich unter der Bettdecke an. Heute haben ihre fröhlichen Hymnen Klassikerstatus. «I Should Be So Lucky», «Got to Be Certain» oder «Je ne sais pas pourquoi» zaubern Besuchern von Achtziger-Jahre-Partys regelmässig ein Lächeln ins Gesicht. Und nicht zu vergessen «Especially for You», ihr Duett mit dem blondierten Poster-Boy Jason Donovan. Wer zu dieser herzerwärmenden Ballade nicht einmal im Leben rumgeknutscht hat – tja, der hat was verpasst.

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CULTURE

«Von Kochtöpfen halte ich mich fern.» Als etablierter Popstar sah sie viele Trends kommen und gehen. Und ähnlich wir ihr grosses Vorbild Madonna erfand sie sich immer wieder neu, sei das nun musikalisch oder mit ihren ständig wechselnden Looks. Deshalb ist ihre Karriere auch so beständig: Denn egal, was sie macht, es ist nie langweilig. Heute stehen die Verkaufszahlen bei 70 Millionen Tonträgern. Und der Name Kylie Minogue ist längst zu einer Marke geworden. Als Sängerin bringt sie in schöner Regelmässigkeit sinnlichen Disco-Pop an den Man(n) – auch zu ­hören auf ihrem zwölften Studioalbum «Kiss Me Once» (2014). Aber mit ­ihrem hübschen Konterfei lassen sich längst nicht nur CDs verkaufen. Die Australierin macht sich auch gut als Werbeikone. Sie promotet unter anderem die Handtaschen des spanische Labels Tous, Unterwäsche von Agent Provocateur, Bikinimode von H & M und schnittige Autos von BMW. Zudem produziert Geschäftsfrau Kylie auch selber fleissig – so gibt es von ihr ­Dessous («Love Kylie»), Duschgels, Körperlotions, Parfüms für sie und ihn («Pink Sparkle» und «Inverse»), Vorhänge und Kissen («Kylie at home») sowie eine Bettwäschekollektion.

Ihr Gatte entwirft ihre Kleider Als Trendsetterin lebt sie ihren Fans vor, was hipp ist. Kylie in Jeans auf dem roten Teppich? Niemals! Ein Designerfummel muss es mindestens sein. Welcher, entscheidet jeweils ihr «schwuler Ehemann William Baker» (sie ­ nennt ihn so). Der Brite entwirft viele ihrer Outfits, darunter auch den kultigen Kapuzen-Overall aus dem «Can’t Get You Out Of My Head»-Video. Baker entscheidet ebenso, welche Designer seine Chefin einkleiden dürfen, – und die Liste der Bewerber ist lang: Karl Lagerfeld, der La Minogue als seine Muse bezeichnet; Helmut Lang, Dolce & Gabbana, die vor einigen Jahren die Ausstattung für die Kylie-Fever-Tour schneiderten; und John Galliano, der 2004 Kylie Minogues unaufdringliche Sinnlichkeit in der Showgirls-Tour mit raffinierten Strapskorsagen aus weisser Spitze in Szene setzte. Kylie Minogue kennt sich bestens mit Mode aus – keine Laufstegshow kommt ohne sie als Zaungast aus. Denn sie ist eine echte Fashionista. Deshalb wurde sie auch kürzlich von der Zeitschrift «Glamour» zur «am besten ge­ kleideten Frau der Welt» gewählt. Und das renommierte Londoner Victoria & Albert-Museum widmete der zierlichen Australierin (sie ist 1,53 Meter gross) gar eine ganze Ausstellung – mit fast 50 Kostümen, 60 Fotos und vielem mehr. «Ich habe in meiner Karriere schon mit vielen Styles experimentiert. Mittlerweile weiss ich genau, was zu mir passt», sagt sie. Doch Kylie Minogue stellt auch klar, dass alle ihre Projekte immer ein Teameffort sind – und nicht das Werk einer Einzelperson. Ob es um das Entwerfen von Kleidern, die Aufnahmen im Studio oder das Entwickeln einer Bühnenshow geht, die ­Sängerin umgibt sich immer mit den richtigen Leuten, die ihre Ideen optimal umsetzen können. «Es geht darum, eine kreative Insel zu erschaffen, auf der komplette Harmonie herrscht», erklärt der Star. «Jeder gibt, was er kann – und am Ende darf ich mich dank meines Teams von der besten Seite zeigen.»

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CULTURE

«Ich habe mit Botox aufgehört.» Relaxen im Hotelzimmer Ohne Teamwork würde vor allem bei ihren Tourneen nichts gehen. Aktuell steckt sie in den Startlöchern für die neuen «The Kiss Me Once»-Shows. «Das frisst viel Energie», sagt die Sängerin. «Aber das Adrenalin und die Befriedigung, die diese Projekte auslösen, sind den Stress wert.» Quasi als Dankeschön an die Treue ihrer Fans hat sie ihre dreizehnte Livetour Ende des Jahres randvoll mit Überraschungen gepackt. Welche das sind, verrät die Pop-Prinzessin gleich selber. «Ich werde einige Lieder spielen, die mir persönlich viel bedeuten und die bisher so noch nie jemand gehört hat», sagt sie. Aber keine Sorge, die grossen Hits sind auch alle dabei. Angst, dass der Tourstress sie überfordern könnte, hat Kylie Minogue nicht. «Wir sind eine grosse Familie und geben aufeinander acht», sagt die Sängerin. Ausserdem geht sie heutzutage nach den Konzerten nicht mehr aus. «Ich bleibe einfach im Hotelzimmer. Das ist ziemlich langweilig, aber so tanke ich am besten neue Energie.»

© EMI Music

© Warner Music

Unkompliziert, bescheiden, lustig – das ist Kylie privat. Bei Besuchen bei ihr gibt’s immer viel zu lachen. Hat sie mal angefangen zu plaudern, ist sie kaum mehr zu stoppen. In der einen Minute schwärmt sie spontan von Robbie Williams («Ich bete ihn an, bisher ist nichts zwischen uns passiert!»), dann analysiert sie als Nächstes ihre Musik («Ein paar Schwulenhymnen sind ­immer dabei!»). Kylie Minogues grenzenloser Optimismus ist ansteckend.

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CULTURE

«Ich scheine eine Vorliebe für Latinotypen zu haben.» ­ abei musste die süsse Discomaus öfters auch schon hart einstecken. Zum D Beispiel als 2005 bei der damals 37-Jährigen Brustkrebs diagnostiziert wurde. Der ist mittlerweile besiegt. Und ihre Brustoperation liegt ebenfalls schon eine Weile zurück. Doch die körperlichen Folgen der Chemotherapie machten der australischen Sängerin lange Zeit schwer zu schaffen. «Ich bin erst zu einem Nichts zusammengesunken und dann aufgegangen wie ein Ballon», reflektiert sie die damalige Zeit. «Mein Körper funktionierte nicht mehr wie er sollte, aber ich habe halt nur den einen.» Die Krankheit war ein Schock – für sie, ihr Umfeld und auch für die Fans des niedlichen Pop-Flohs. Trotz allem habe diese schlimme Erfahrung auch etwas Positives mit sich gebracht. «Wenn man alles verliert, wenn man seine Augenbrauen und seine Haare wieder wachsen lassen muss, dann ist dass schon merkwürdig», sagt Kylie Minogue. «Es war eine harte Zeit, aber ich habe daraus gelernt. Ich bin jetzt viel ruhiger.»

Sie weint ihren Partnern nach

© Polydor

Pech gehabt hat sie auch mit ihren Männern. Ihr Landsmann und Langzeitfreund Michael Hutchence, Sänger der Band Inxs, erhängte sich 1997 in einem Hotelzimmer in Sydney. Kylie gibt zu, dass sie ihn heute noch vermisst und sagt wehmütig: «Wir haben so viele Dinge gemeinsam zum ersten Mal ­gemacht.» Einer, der ihr ebenfalls das Herz brach, war Schauspieler Olivier Martinez. Der starb ihr zwar nicht weg, aber er betrog sie mehrfach – unter

© Warner Music

Es gibt ein geheimes Disco-Album, das noch nicht veröffentlicht wurde. Das hat Jake Shears von den Scissor Sisters verraten. Er und Kylie schrieben über die Jahre etliche Songs zusammen – darunter den Hit «I Believe In You» (2004) sowie Tracks für das Album «Aphrodite» (2007). «Aber wir haben noch viel mehr Material aufgenommen», sagt Shears, «daraus könnte man eine hübsche CD machen.»


CULTURE

Den Traum von einer Hochzeit hat sie aber noch nicht aufgegeben. Dazu ist sie zu sehr Romantikerin. Welche Qualitäten müsste ihr Idealmann denn ­haben? «Wir sollten über dieselben Dinge lachen können», sagt die Musikerin. «Und wenn ich an meine bisherigen Freunde denke, dann scheine ich eine Vorliebe für Latinotypen in kreativen Berufen zu haben.» 46 Jahre ist sie nun alt. Abgesehen von den Lachfalten um Mund und Augen sieht man ihr das nicht an. Auf ihre Gesichtspflege angesprochen, gibt sie unvermittelt zu, dass sie auch schon Botox ausprobiert hat. «Aber ich habe damit aufgehört. Ich will nicht zu weit gehen. Ich habe Falten und die kann man auch sehen.» Sie achtet grundsätzlich gut auf sich – als Australierin sowieso ein Muss. «In meiner Heimat brennt die Sonne gnadenlos. Deshalb habe ich schon früh gelernt, mich vor ihr zu verstecken», sagt der Superstar. Kylies wirkliches Beauty-Geheimnis hingegen ist simpel und preiswert. An ihre Haut lässt sie lediglich Pond’s Cold Cream. Rund fünf Franken muss man für ein Töpfchen der angeblich so wirkungsvollen Wundercreme berappen. «Die hat schon meine Mutter benutzt. Meine Haut hat sich dadurch komplett verändert», schwärmt Kylie. Ihren Körper stählt sie zudem mit Fitness und gesunder ­Ernährung. Selber Kochen kann sie allerdings nicht. «Meine Familie lacht mich deswegen aus. Treffen wir uns, dann darf ich nur den Tisch decken und anschliessend das Geschirr spülen. Von den Kochtöpfen halten sie mich bewusst fern.»

© EMI Music

anderem mit Schauspielerin Michelle Rodriguez und Model Sarai Givati. Vier Jahre war die Australierin mit dem Franzosen verlobt. Kontakt haben die Beiden noch immer – was in erster Linie an ihrem gemeinsamen Hund liegt. Die Sängerin fliegt regelmässig nach Paris, um Sheeba zu treffen und mit ihr Gassi zu gehen. «Der Hund tut mir gut», sagt sie. Um Martinez trauert sie ebenfalls mehr, als sie zugeben will. Deswegen hatte ihre letzte Romanze mit dem spanischen Model Andres Velencoso keine Zukunftsperspektive.

Schluss als «The Voice»-Juror Aber hey, welchen Kerl würde schon interessieren, was gerade auf dem Herd brutzelt, wenn er eine wie Kylie bei sich zu Hause hätte? Eben! Ihre Qualitäten liegen halt woanders – und dazu gehört, dass sie das Musikbusiness in- und auswendig kennt. Das war sicher mit ein Grund, wieso das Pop-Idol von den Produzenten der Show «The Voice» kontaktiert wurde. Nachdem die Gagenverhandlungen geklärt waren, sass die 46-Jährige bei der britischen und der australischen Ausgabe in der Jury neben Kollegen wie will.i.am, Tom Jones und Ricky Martin. Kürzlich verabschiedete sie sich aber wieder vom Bildschirm. Grund: ihre Tour-Vorbereitungen. Zu ihrer bisherigen Erfahrung auf einem der roten Drehsessel sagte die Australierin: «Bei der Show dabei zu sein, ist eine grosse Verpflichtung. Ich habe es geliebt, auch wenn Teile der Sendung zu schwierig, zu anstrengend und zu emotional waren.»

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CULTURE

«Mein Körper funktionierte nicht mehr.» Im Fernsehen – dort hat alles begonnen. Am 17. April 1986 war sie das erste Mal in der australischen Seifenoper «Neighbours» zu sehen. Sie spielte den Wildfang Charlene Robinson, zwei Jahre lang. Bei ihrer langersehnten Heirat schalteten 1988 rund 20 Millionen britische Zuschauer den Fernseher ein. Und dann verabschiedete sich die Kunstfigur Charlene, weil Kylie von einer Gesangskarriere träumte. Ein guter Entscheid, doch das Multitalent kehrte immer wieder zu seinen Wurzeln zurück. Aber vom Actionklamauk «Streetfighter» bis zum Pseudo-Krimi «Sample People» sind praktisch alle ihre Kinoauftritte peinlich. Das liegt weniger an Kylies Talent als den schrecklichen Drehbüchern. Einzige Ausnahme: «Moulin Rouge» (2001) von Baz Luhrmann. Der Film ist ein cineastisches Meisterwerk – doch Kylies Auftritt als grüne Fee dauert gerade mal 43 Sekunden. © Warner Music

Lieblingsopfer der Klatschpresse Die Presse war denn auch nie besonders nett, wenn es um ihre Filme ging. Doch nicht nur das: Gerade weil ihr hübsches Gesicht im Wochentakt die Hochglanzmagazine ziert, werden laufend die Klatschspalten mit abstrusen Newsmeldungen gefüllt. Das nervt die Sängerin. Verheiratet, schwanger, lesbisch – was für einen Unsinn sie schon über sich lesen musste. Was waren die zwei kuriosesten Dinge? «Einmal hiess es, ich hätte einen Folterkeller. Eine andere Schlagzeile lautete: ‹Ist Kylie Minogue eine Ausserirdische?›» Eine interessante Theorie. Wenn man sie sich genauer ansieht … Die ­Sängerin fängt an zu lachen. Kommt sie denn von einem andern Stern? Kylie piepst wie ein Roboter, setzt einen Killerblick auf und sagt mit tiefer Stimme: «Vielleicht …»

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© EMI Music

Queen haben ihr Musical. Ebenso Abba und Michael Jackson. Und Kylie? Die wurde auch schon mal in Musicalform geehrt. Ihres heisst «I Should Be So Lucky» und ist inspiriert von 25 ihrer Hits. Die Welturaufführung fand 2002 in Kylie Minogues Heimatstadt Melbourne statt. Die Sängerin gab zwar ihren Segen dazu, war aber nicht gross in das Projekt involviert. Kürzlich hat sie allerdings mit dem Schreiben eines eigenen Kylie-Musicals angefangen.


AUSSTELLUNGEN

&BOOKS

Inspiration Japan Museum Folkwang Essen 27. September 2015 bis 18. Januar 2015

Inspiration Japan Die japanische Kunst ist für die Entwicklung der europäischen Moderne von grundlegender Bedeutung. Nahezu alle grossen Meister von Manet, Degas, Cézanne, Monet bis Gauguin, van Gogh, Bonnard und Vuillard haben sich von japanischen Bildmotiven und Stilmitteln begeistern und inspirieren lassen. Das Museum Folkwang in Essen, das eine früh angelegte Sammlung japanischer Kunstobjekte besitzt, widmet diesem faszinierenden Kapitel der Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts nun eine umfassende Ausstellung. Der Fokus liegt auf dem Zeitraum von 1860 bis 1910, der Anfangs- und Hochphase der Rezeption japanischer Kunst in Frankreich – dem sogenannten «Japonisme».

TRUUUUUU-MAN Wenn irgendjemand eine Biografie verdient hat, die sich aus unzähligen kleinen Puzzelstückchen aus Klatsch und Tratsch zusammensetzt, dann ist es sicherlich Truman Capote, der nichts mehr liebte als Gerüchte. George Plimton führte für dieses Buch Hunderte von Interviews mit freundlichen und weniger freundlichen Leuten aus Capotes Umfeld, um ihre Stimme zu einem Text zu verweben, der zeigt, wie vergeblich es ist, nach der Wahrheit zu suchen, wenn man es mit einem Menschen wie Capote zu tun hat. Ein talentierter Autor und gleichzeitig ein verrückter, charmanter, eitler, verspielter, exentrischer und mitleidloser Schauspieler. Zahlreiche Prominente wie Andy Warhol, Joan Didion, Norman Mailer bis zu seinem Erzfeind Gore Vidal waren Zeugen seines plötzlichen Erfolgs als Schriftsteller von «Frühstück bei Tiffany» und «Kaltblütig», seines Aufstiegs in der New Yorker High Society und später Beobachter seines jähen Absturzes, der auf die Veröffentlichung von «Erhörte Gebete» folgte, ein Romanfragment, in dem er so gut wie jeden, den er kannte, gnadenlos verraten und verkauft hat. Gerade deshalb hätte Capote das Buch von George Plimton geliebt. Truman Capotes turbulentes Leben George Plimpton Rogner & Bernhard Verlag

Zwei Künstler – eine gemeinsame Ausstellung Grundlage der neusten Ausstellung im Kunsthaus Zürich sind ausgewählte Zeichnungen und Gemälde Ferdinand Hodlers. In separaten Räumen, aber konzeptuell darauf bezogen, sind Jean-Frédéric Schnyders Bilderzyklen «Berner Veduten» (1982 –1983) und «Am Thunersee» (1995) zu sehen. Mit den «Veduten» hatte sich Schnyder erstmals in die stark von Hodler geprägte Tradition der Pleinairmalerei eingereiht. Vollends Hodlersches Terrain betrat er mit den Thunersee-Bildern. Zugleich trennt ihn seine Vorgehensweise, die vom sorgsamen Abarbeiten der Möglichkeiten ausgedehnter Bilderreihen lebt, wesentlich vom Altmeister Hodler. Entsprechend betont Peter Fischli das «Ungleiche» zwischen den beiden Künstlern, sieht aber als grosse Gemeinsamkeit, dass die Malerei beider vor allem von der Malerei selbst handle.

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Ferdinand Hodler Jean-Frédéric Schnyder Kunsthaus Zürich 12. September 2014 bis 26. April 2015


Weltreise eines Thronfolgers

Franz is here! Franz Ferdinands Reise um die Erde Bis 2. November 2014 Weltmuseum Wien www.weltmuseumwien.at

«Franz is here!» titelte eine amerikanische Tageszeitung anlässlich des Besuchs von Franz Ferdinand im Rahmen seiner Weltreise 1892/93. Jetzt, 100 Jahre nach seinem Tod, wird Franz Ferdinand dem Weltmuseum Wien einen Besuch abstatten. Seine Weltreise, die ihn von Pola über Suez, Aden, Sri Lanka, Indien, Nepal, Südostasien, Ozeanien, Australien, China und Japan bis in die Vereinigten Staaten führte, ist auch eine Reise ins Innere seiner Persönlichkeit. Der Thronfolger kehrte mit einer beeindruckend grossen Jagdbeute und über 14’000 von ihm erworbenen Objekten zurück. Die Ausstellung versteht sich als visualisiertes Tagebuch Franz Ferdinands. Die Betextung in der Ausstellung erfolgt ausschliesslich durch Zitate aus den Tagebüchern, illustriert von Dingen aus seinem Nachlass. Auf diese Weise entsteht ein völlig neues Mosaik eines in sich widersprüchlichen Menschen.

Und es ward Licht Mit seinen Spezialeffekten, seinem Erzählstil, seinem intellektuellen Überbau und seinem ­ungewöhnlichen Soundtrack hat «2oo1: Odyssee im Weltraum» die Art und Weise, wie wir Filme sehen, grundlegend verändert. Fünfzig Jahre nach dem Beginn der Arbeit an Stanley Kubricks Meisterwerk liegt nun die umfassendste Publikation, die jemals über «2oo1: Odyssee im Weltraum» erschienen ist vor. Hier erfahren Sie alles über den Entstehungsprozess dieses Meilensteins der Filmgeschichte. Das vierbändige Buch-Set enthält Hunderte unveröffentlichte Dokumente und Fotografien sowie persönliche Kommentare von Kubricks Co-Drehbuchautor, Sci-Fi-Legende Arthur C. Clarke. Limitiert auf insgesamt 1500 Exemplare, alle von Christiane Kubrick signiert: Art Edition Nr. 1– 500 (Art Edition A und B mit einem signierten Pigment-Print von Brian Sanders) und Collector’s Edition Nr. 501–1500. The Making of Stanley Kubrick’s «2oo1: A Space Odyssey» Piers Bizony Taschen Verlag

Pier Paolo Pasolini Bis 05. Januar 2015 Martin-Gropius-Bau Berlin

Gesellschaftskritiker & poetischer Realist Mit einer grossangelegten Ausstellung würdigt der Martin-Gropius-Bau in Berlin den italienischen Filmemacher Pier Paolo Pasolini. Pasolini gilt als einer der bedeutendsten «poetischen Realisten» des europäischen Films. In der Ausstellung wird anhand zahlreicher Dokumente, Briefe, Fotos, Zeitungen und Filminstallationen die Vielschichtigkeit Pasolinis Schaffen gezeigt. Auch auf sein schriftstellerisches Werk wird eingegangen. Er galt als europäischer Intellektueller, der die radikalaufklärerische und selbst­ kritische Suche nach Wirklichkeit in der Filmsprache fortschrieb.

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DER TEUERSTE KÜNSTLER DER GEGENWART GERHARD RICHTER

Er ist der international erfolgreichste lebende deutsche Maler. Selbst Zusammenbrüche auf dem Kunstmarkt können ihm nichts anhaben. Man reisst sich um seine Bilder und sie erreichen bei Auktionen Rekordsummen. Gerhard Richter ist ein Maler voller Leidenschaft. Seine Bilder ­hängen in den Museen der Welt. Privat ist er eher öffentlichkeitsscheu. Eine Spezialität des Malers ist es, Gesichter zu malen, die sich dem Betrachter entziehen. Seit den 1960er-Jahren nimmt der Küns­tler Fotos aus Zeitungen und private Schnapp­ schüsse und malt diese in Öl. Dabei verwendet er unscharfe ausgelaufene Konturen, um das Gefühl des Unpräzisen entstehen zu lassen. Charakte­ ristisch für Gerhard Richters Werk ist, dass er sich im Verlauf der Jahre bis heute immer wieder neu und grundlegend mit der Malerei an sich ausei­ nandersetzt. Seine Werke lassen sich nicht einem bestimmten Stil zuordnen, oftmals wird für seine Kunst sogar vom Prinzip des Stilbruchs gesprochen. So entsteht ein sehr vielschichtiges und abwechslungsreiches Oeuvre.

Es gibt Kritiker, die behaupten, einige Ihrer letzten Werke sähen aus wie Geschenkpapier. Was würden Sie ihnen entgegnen. Das sie recht haben. Manches sieht wirklich aus wie Ein­ packpapier. Und? Es hat mich einfach fasziniert, weil ich nicht weiss, was es wirklich ist. Sie haben gesagt: «Kunst ist eine religiöse Suche nach Gott», was meinen Sie damit? Ich glaube nicht an Gott, deshalb ist für mich die Kunst mein Glaube. Ich glaube an die Kunst. Sie gibt mir Hoffnung und Ideale.

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© Hubert Becker

3 FRAGEN Sehen Sie optimistisch in die Zukunft der Malerei? Manchmal ja. Doch auf der anderen Seite sehe ich die Entwicklung, dass wir scheinbar keine Malerei mehr brauchen. Kultur geht immer mehr in Entertainment. Und Museen springen auf diesen Zug auf – alles ist voller netter Dinge, aber es fehlen die wirklich wichtigen und ernsthaften Werke.


SWISS First

Entdecken Sie eine neue Welt schon auf dem Weg dahin.


CULTURE

ERIK JOHANSSON DER SURREALIST Er stellt die Welt auf den Kopf, schlitzt Strassen auf und lässt Gebäude fliegen. Der schwedische Fotokünstler ist Autodidakt und Illusionist. Sein Name ist in der Presse weltweit zu lesen, als «der» Newcomer der Fotoszene. Valeska Jansen

Aufgeschnittene Strasse «Cut & fold» von 2008.

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CULTURE

PRESTIGE: Haben Sie bei Ihrer Arbeit eine bestimmte Zielgruppe im Auge? ERIK JOHANSSON: Menschen, die sich gerne begeistern lassen. So wie ich, der sich immer von neuen Ideen inspi­ rieren lässt – von Dingen, die zum Nachdenken anregen.

E

rik Johansson ist gross, blond und blauäugig und erfüllt so sämtliche Klischees des typischen Schweden. Mit seinen 29 Jahren gehört er zu den angesag­testen Fotokünstlern unserer Zeit. Er hat eine Nische entdeckt, er überrascht und begeistert seine Klientel. Seine Spezialität ist dabei die Kombination und Überlagerung von Fotografien mittels Photoshop. Der illusionistische Effekt: Es entstehen surrealistische Szenarien, die auf den Betrachter befremdend und realistisch zugleich ­wirken. Mitten in Zürich, im Hauptbahnhof, präsentierte er nun im Rahmen der Volvo Art Session sein neuestes Projekt: eine live 3-D-Illusion. Seine Idee dabei war, ein originales Automodell vor einer auf Leinwand gemalten Mauerwand so zu positionieren, dass ein 3-D-Effekt entsteht und der Betrachter den Eindruck hat, dass das Auto die Mauer durchbrechen würde. Wir trafen den sympathischen Schweden kurz vor Eventbeginn zum Interview:

Können Sie davon leben? Ja. Ich habe in der Zwischenzeit viele Privatkunden, aber auch Aufträge von Firmen. Dazu werde ich immer öfter auch für Events, wie dieses hier gebucht. Auf meiner Homepage verkaufe ich auch Lithografien meiner Fotokunst, das läuft prima. Was wäre, wenn es keine Digitalfotografie gäbe? Das wäre auf eine Art und Weise noch spassiger. Eigentlich hätte man dann viel mehr Möglichkeiten. Man müsste noch kreativer beim Fotografieren sein und würde sich nicht, wie es heute viele tun, immer nur auf Photoshop verlassen. Wenn ich zum ­Beispiel ein Bild mache, aus dem Wasser fliesst, müsste ich die Kulisse auch realistisch so gestalten. Heute kann ich so etwas einfach am PC konstruieren. Aber einige Sachen wären ohne einer Nachbearbeitung am PC vollkommen ­unmöglich zu realisieren.

3D Illusion im Rahmen der Volvo Art Session im Zürcher Hauptbahnhof 2014.

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CULTURE

Warum sind all Ihre Kunstwerke so surreal? Mögen sie die Realität nicht? Genau, für mich ist die realistische Kunst langweilig.Klar gibt es auch tolle realistische Fotografen, deren Arbeit ich sehr bewundere. Aber ich persönlich lasse mich mehr von Malern inspirieren. Ich liebe die Vision, dass etwas rea­ listisch aussieht, aber so eigentlich gar nicht möglich ist. Das regt die Menschen zum Nachdenken an. Es lässt sie zweimal hingucken. Wie sieht Ihr Zuhause aus? Surreal? (Lacht.) Ich lebe in einer Wohnung in Berlin, in der auch mein Studio integriert ist. Alles ist sehr minimalistisch eingerichtet. Eben typisch schwedisch. Alles ist weiss und clean aufgeräumt. Das brauche ich auch, denn das Chaos herrscht in meinem Kopf. Ihr nächstes grösseres Projekt? Bald werde ich etwas sehr Ähnliches wie hier in Zürich ­machen. Und ich arbeite gerade für das Cover-Bild für ­einen berühmten Künstler, den Namen darf ich noch nicht verraten. Dann habe ich auch sonst noch jede Menge neue Bildideen im Kopf, die ich alle in naher Zukunft realisieren möchte.

Fotos auf meinen PC und bearbeitete sie ein bisschen, bis ich bemerkte, dass man da noch viel mehr machen kann. Es war eine langsame und irgendwie selbstverständliche Weiterentwicklung für mich. Meine Arbeit ist Schritt für Schritt gewachsen und meine Ideen und Projekte wurden immer grösser. Dann ist Ihr Lieblingsmaler doch sicher Dali? Genau! Dazu René Magritte und Maurits Cornelis Escher. Alle Surrealisten lösen bei mir grosse Emotionen aus. Bei Escher bewundere ich zum Beispiel die Art und Weise, wie er Mathematik mit Kunst verbindet. Aber grundsätzlich lasse ich mich von allem inspirieren, was mir irgendwie gut gefällt, das muss jetzt nicht unbe­ dingt etwas Surrealistisches sein. Haben Sie einen Wunschtraum im Hinblick auf zu­ künftige Technologien? Nein, es gibt eigentlich schon alles. Was sich noch ver­ bessern ­wird, sind Qualität und Geschwindigkeit von PCs und ­K ameras.

Wie sind Sie eigentlich zum Fotografieren ge­kom­ men? Als Kind habe ich ständig gemalt und mit 15 habe ich meine erste Digitalkamera geschenkt bekommen. Die Fotografie irritierte mich damals. Ein Klick, und das Bild war fertig. Das kann es doch nicht sein, dachte ich, und überlegte, wie man mehr daraus machen könnte. Ich überspielte die

Wet dreams on open water von 2008.

Go your own road von 2008.

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© Südtiroler Landesarchiv – Bildarchiv Oswald Kofler

Oswald Kofler, Portrait Peggy Guggenheim, 1955.

EIN LEBEN FÜR DIE KUNST

MAZENINNEN Drei exentrische und aussergewöhnliche Frauen, ohne die die Kunstgeschichte heute bedeutend ärmer wäre und viele grosse Künstler nie entdeckt worden wären. Lilly Steffen

P

Peggy Guggenheim, Johanna Ey und Gertrude Stein: Drei starke, selbstbewusste Frauen, die Künstler gleichermassen begeisterten, inspirierten und finanziell unterstützten. Sie zeichneten sich durch ein einzigartiges Gespür für die Strömungen ihrer Zeit und die Trends der Gegenwart aus. Ohne sie wären Namen wie Pablo Picasso, Otto Dix, Henri Matisse, Ernest Hemingway, Djuna Barnes, Paul Klee und Joan Miró kaum zu dem geworden, was sie heute sind. Prestige stellt drei dieser grossen Frauen vor.

Vom «armen» reichen Mädchen zur Sammlerin 1898 in New York geboren, entstammt Peggy, die eigentlich Marguerite heisst, einer schwerreichen amerikanischen, jüdischen Familie. Bereits mit 21 Jahren tritt sie eine riesige Erbschaft an, die sie für ihr Leben finanziell

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unabhängig macht. Ihr Vater Benjamin zählte zu den Opfern des Titanic-­ Unglücks. Mit dem Geld will sie reisen und die Welt kennenlernen. So besucht die Guggenheim-Tochter 1921 Paris und taucht in die künstlerische Avantgarde der Stadt ein. Hier lernt sie Sylvia Beach mit ihrem Buchladen «Shakespeare & Company» und die Schriftstellerin Djuna Barnes kennen. Sie verkehrt in den gleichen Bars wie T. S. Elliot oder Ernest Hemingway und unterstütz zum ersten Mal mittellose Künstler und Schriftsteller. Sie stiftet ihnen Stipendien und kommt für ihre Lebenskosten auf. Erst im Jahre 1937, auf Anraten Samuel Becketts, entdeckt Peggy die ­Förderung der modernen abstrakten Malerei, von welcher sie bis dahin ­keinen blassen Schimmer hatte. Doch ihre Freunde, unter ihnen Marcel Duchamp, helfen ihr gern. Und Peggy lernt schnell. Bereits 1938 eröffnet Peggy eine Galerie in London. Die grossen Namen unter ihren damaligen Protegés lauten Georges Braque, Marc Chagall, Salvador Dali und Pablo Picasso. Sie plant ein Museum für moderne Kunst, doch die beginnende Furcht vor einem Krieg macht diese Pläne zunichte. Stattdessen investiert Peggy fortan in die Maxime: «Jeden Tag ein Kunstwerk kaufen!» Damit unterstützt sie Künstler, die entweder Juden sind oder ihrer «entarteten» Kunst wegen vor den Nazis flüchten. Somit erwirbt Peggy den Grundstock einer grossartigen Sammlung, zu der Paul Klee und Joan Miro gehören. Max Ernst wird zudem ihr Ehemann. Mit ihm zieht sie nach New York und taucht dort in die avantgardistische Szene eines Jackson Pollocks (der ebenfalls einer Peggys Liebhaber ist und den sie finanziell unterstützt) ein. Nach­ der Scheidung von Max Ernst (1946) zieht es Peggy zurück nach Europa. Venedig heisst ihre neuste Liebe. Dort eröffnet sie das Museum der Peggy Guggenheim Collection und frönt weiterhin ihrem exentrischen Lebensstil. In einer aus Gold verzierten Gondel lässt sie sich durch die Stadt

«Der Zusatz -ismus hinter dem Namen einer Person ist die einzige Art von Denkmal, die wirklich Bestand hat.» – Peggy Guggenheim –

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«Es braucht viel Zeit, ein Genie zu sein, man muss so viel herumsitzen und nichts tun, wirklich nichts tun.» – Gertrude Stein –

chauffieren, stets mit grossen schrillen Sonnenbrillen und ihrem Hund. 1979 stirbt Peggy Guggenheim in Italien – ihre Sammlung ist jedoch noch immer in Venedig zu bewundern.

Von der Bäckersfrau zur Mäzenin Johanna Ey war das Mäzenatentum – anders als bei Peggy Guggenheim – sicherlich nicht in die Wiege gelegt worden. Geboren als arme Weberstochter, heiratet sie jung und bekommt zwölf Kinder, von denen acht früh sterben. Sie lässt sich scheiden in einer Zeit, in der Scheidung geächtet wird. Dann eröffnet sie eine Bäckerei mit Ausschank und arbeitet hart für ihr Einkommen. Die Nähe ihrer Bäckerei zur Düsseldorfer Kunstakademie zur Oper und zum Schauspielhaus beschert ihr jedoch vermehrt Schauspieler, Sänger, Musiker, Maler und Bildhauer als Kunden. Da diese häufig knapp bei Kasse sind, gewährt ihnen «Mutter Ey», wie sie bald genannt wird, Kredit oder akzeptiert Bilder als Zahlungsmittel. Ab und an gibt sie auch Porträts ihrer selbst in Auftrag. Nach und nach sammeln sich so allerhand Kunstwerke an. Die Wirtin mutiert zur Sponsorin moderner Kunst und beginnt, mit dieser zu handeln. Sie erkennt zudem auch ohne höhere Schulbildung oder Herkunft die Bedeutung vieler aufstrebender Künstler. Zu ihnen gehören Otto Dix, Max Ernst, Robert Pudlich und Otto Pankok. Bald eröffnet sie eine eigene Gallerie für den Handel mit Bildern. Nach dem Ersten Weltkrieg wird die Galerie unter dem programmatischen Namen «Junge Kunst – Frau Ey» zum Mittelpunkt der Künstlergruppe «Das Junge Rheinland». Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und infolge der Gleichschaltung gelten jedoch praktisch alle Maler aus dem Umkreis Johanna Eys mit einem Schlag als «entartet»; die meisten sind überdies politische Gegner des Nationalsozialismus und zum Teil aktiv im Widerstand. 1933 werden deswegen zahlreiche Bilder aus Ladenbestand und

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­ ammlung der Galerie Ey beschlagnahmt und zerstört. Im April 1934 gibt S Johanna Ey ihre Galerie auf. In Düsseldorf bekommt sie, als sie im Alter von 83 Jahren stirbt, ein Ehrenbegräbnis. Sie gilt heute noch als Ikone.

Sammlerin und Salonière «Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose», dies ist wohl der meist zitierte Satz von Gertrude Stein und er sagt viel über ihr Kunstverständnis und ihre Persönlichkeit aus. Sie ist begeistert vom kubistischen Stil, liebt Wiederholungen und setzt auf Einfachheit und Gegenwart. Alles geschieht jetzt, Interpunktion und Grammatikregeln werden ignoriert. Ebenso ignoriert sie gesellschaft­ liche Regeln und lebt mit ihrer Lebensgefährtin Alice B. Toklas zusammen. Sie lässt sich 1903 in Paris nieder und teilt sich ihren berühmten, mit zeitgenössischer Kunst ausgestatten Salon in der Rue de Fleures 27 zuerst mit ­ihrem Bruder, dem Kunstsammler und -kritiker Leo Stein, ab 1913 mit Alice B. Toklas. Die beiden erwerben Werke von Paul Cézanne, Paul Gaugin, ­Auguste Renoir, Edgar Degas, Georges Braque – Maler einer neuen künstlerischen Ära. Gertrude kauft diese Bilder nicht etwa als Investition, sondern aus Begeisterung für die Avantgarde. Matisse fasziniert sie, ebenfalls P ­ icasso, der sie später auch malen wird. Das Heim der Steins gleicht einer Galerie. Zum Jour fixe kommen Pablo Picasso, Georges Braque, Juan Gris, Francis Scott Fitzgerald, Ezra Poung und Ernest Hemingway. Letzterer liess sich von Stein in literarische Fragen gerne beraten. Gertrude Stein ist in der Pariser Szene eine angesehene Persönlichkeit, ihr Urteil wird geschätzt. Sie vermittelt Künstler an Galeristen, betreibt Networking und macht sich als Salonière und Mäzenin einen grossen Namen. Kunstfreunde aus aller Welt suchen sie auf, nicht nur, um ihre Sammlung zu betrachten, sondern auch, um sich von ihr in den neusten Entwicklungen des Kunstmarktes beraten zu lassen. Ihre eigenen literarischen Ambitionen ­bleiben zumeist ungeachtet. Erst spät, mit Ende fünfzig, kann sie einen Erfolg aufweisen. Ihr Buch «Autobiographie von Alice B. Toklas», in dem sie ihr ­eigenes Leben mit der geliehenen Stimme ihrer Lebensgefährtin erzählt, wird zum Bestseller.

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Frauen, die die Kunstwelt bereicherten Die in diesem Buch versammelten Kunstmäzeninnen wie Peggy Guggenheim, Gertrude Stein, Irene Ludwig, Betty Freeman oder Milena Ebel laden dazu ein, sich mit der Geschichte dieser starken Frauen zu befassen, in deren Namen der Glanz der Kunstwelt mitschwingt.

Mäzeninnen – Ein Leben für die Kunst Barbara Sichtermann & Ingo Rose Knesebeck Verlag


ERWITTS HOMMAGE AN DIE FRAUEN DIESER WELT VON SZENEN DES ALLTAGS BIS ZU FILMSTARS

Fotos: © Elliott Erwitt | Magnum Photos.

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Der Meisterfotograf Elliott Erwitt hat mit den Jahren zahlreiche Porträts des weiblichen Geschlechts geschaffen. «Regarding Women» ist Erwitts bewegende, persönliche Hommage an die weibliche Kraft, Intelligenz und Schönheit. Die dort abgebildeten Fotografien stellen respektvoll, bewundernd und mitunter ehrfürchtig die gesamte ­Komplexität der weiblichen Natur dar: mal furchterregend und beharrlich, mal kapriziös und schüchtern. Indem er ihre zahlreichen Facetten einfängt, ­ nterschiedlichster Art ihren Weg in ­führt er uns nicht nur vor, wie Frauen u dieser Welt beschreiten, auch, wie sie ihr ihren jeweils eigenen Stempel aufdrücken. Das Archivmaterial – darunter viele noch nie veröffentlichte oder selten gezeigte Aufnahmen – umspannt mehrere Generationen. Neben Erwitts entwaffnendem, typischem Alltags­humor, der in den Fotografien dieses Buchs immer wieder aufblitzt, werden Sie auf Romantik und Glamour, auf Anflüge von Sinnlichkeit und sehr viel Zuneigung stossen.

JACQUELINE KENNEDY Arlington, Virginia, USA, 1963

Regarding Women Elliott Erwitt TeNeues Verlag

CANNES France, 1980 TE L ANA HO TRO PIC USA , 1957 s, a g e V L as


KOLUMNE

WILHELM J. GRUSDAT

AUS DEM LEBEN EINES GALERISTEN: AN EINEM SELTSAMEN ORT! Ein entfernter Verwandter von mir, ein sehr wohlhabender Kunst­ sammler, plante eine Expedition in unbekannte Gegenden der Kunstwelt und nahm mich mit. Wir fuhren also los. Da ergriff uns ein unheimlicher Orkan, der unser Gefährt, etwa tausend Meilen hoch, in die Luft hob. Dort oben, über den Wolken, fuhren wir dann sechs Wochen und einen Tag dahin, bis wir eine runde und glänzende Insel entdeckten. Die Insel, das merkten wir bald, war die Kunstakademie. Die Bewohner ritten auf dreiköpfigen Geiern durch die Luft, als seien es Fahrräder. Da gerade Krieg war, und zwar mit der Universität, bot mir der Direktor einen Posten an. Ich lehnte aber ab, als ich hörte, dass man statt Wurfspiessen grosse weisse Rettiche nähme und Pilze als Schilde. So ein vegetarischer Krieg, sagte ich, sei nichts für mich.

Sie haben an jeder Hand sieben Finger und tragen den Kopf unter dem rechten Arm. Die Künstler sind riesig gross. Sie nennen sich aber nicht Künstler, sondern »kochende Geschöpfe«, weil sie ihre Speisen, genau wie wir, auf dem Herd zubereiten. Das Essen kostet sie wenig Zeit. Sie öffnen einfach ihre linke Seite und schieben die Mahlzeit direkt in den Magen. Das geschieht ausserdem nur einmal im Monat, also zwölfmal im Jahr. Auch sonst haben sie ein recht bequemes Leben. Der Bauch dient den Künstlern als Rucksack und Handtasche. Sie stecken alles, was sie mitnehmen, in ihn hinein und können ihn nach Belieben auf- und zumachen. Jedes der

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Wesen ist schon vor der Geburt auf seinen künftigen Beruf vorbereitet, ob nun als Maler, Bildhauer, Grafiker oder Architekt, und beginnt sofort nach der Geburt den vorbestimmten Beruf auszuüben. Sie haben an jeder Hand sieben Finger, tragen den Kopf unter dem rechten Arm und lassen ihn, wenn sie ins Atelier oder zu Vernissagen gehen, normalerweise zuhause. Sie können’s aber auch umgekehrt machen, den Kopf fortschicken und den Körper daheim lassen. Die Augen können sie in die Hand nehmen und dann damit genauso gut sehen, als hätten sie die Augen im Kopfe. Wenn sie eins verlieren, macht das nichts. Man kann sich ein neues in Spezial­ geschäften kaufen, in jeder Farbe und gar nicht teuer. Als ich in der Akademie war, waren gerade gelbe Augen Mode. Und wenn die Künstler alt geworden sind, so sterben sie nicht, sondern lösen sich in Luft auf und fliegen zum Firmament. Ausser den Künstlern traf ich auch Kunsthändler, Bewohner des Hundssterns. Sie reisen als rührige Kaufleute durchs ganze Weltall, sehen wie grosse Bullenbeisser aus und haben die Augen links und rechts unter der Nase. Ich muss zugeben, dass das alles recht seltsam klingen mag. Aber es hat trotzdem seine Richtigkeit, und wer auch nur im geringsten daran zweifelt, braucht nur in die Kunstakademie zu reisen und meine Angaben nachzuprüfen. Dann wird er mir Abbitte leisten und bestätigen, dass ich von der Wahrheit so wenig abgewichen bin, wie kein anderer Akademiebesucher sonst. Faustdicke Lügen aufzutischen war mir mein Leben lang verhasst. Ich kann's nicht ändern. So, und nun will ich ein Glas Punsch trinken. In meinem Zwölfliterglas. Prosit ! Frei nach Baron Münchhausen


TEUER UND

LEBENDIG DIE BESTVERDIENENDEN AMERIKANISCHEN KÜNSTLER DER GEGENWART Der internationale Kunstmarkt folgt heute nicht mehr nur kulturellen oder ästhetischen Kriterien. Längst ist das Kunstfeld zu einem Ort avanciert, an dem eine ökonomische Verwertungslogik vorherrscht. So werden Kunstobjekte zunehmend als Vermögensanlagen betrachtet. Ähnlich wie Aktienfonds sind sie zum Gegenstand von Marktspekulanten geworden. Es verwundert daher kaum, dass sich viele zeitgenössische Künstler auch in ihren Arbeiten mit diesem engen Zusammenhang von Kunst und Kapitalismus beschäftigen – und damit Unmengen an Geld verdienen. Wir stellen Ihnen die sechs derzeit teuersten US-Künstler der Gegenwart vor und fragen, wer hier gibt und wer hier nimmt:

JEFF KOONS Dass Jeff Koons nach wie vor der Mann der Stunde ist, dürfte kaum überraschen. Im vergangenen Jahr wurde sein Werk «Balloon Dog (Orange)» für 58,4 Millionen Dollar bei Christie’s verkauft. Das ist der höchste Preis, der je für ein Werk eines lebenden Künstlers bezahlt wurde. Seit 2001 tauchte Koons öfter als jeder andere US-amerikanische Künstler in den Top-100-Verkaufsrankings auf, seine Werke werden nur in den renommiertesten Museen der Welt, wie etwa dem Whitney Museum of American Art in New York, ausgestellt. Wie wohl bei keinem anderen zeitgenössischen Künstler spiegeln sich in seinen Werken die Bilderwelten des Spätkapitalismus wider: Verpackungen, glänzende Oberflächen, Sex und Begehren.

BRICE MARDEN Brice Marden ist einer der wichtigsten zeitgenössischen US-Künstler. Auch wenn sein Werk gern vorschnell der Minimal-Art zugeordnet wird, weist es viele weitere Einflüsse aus dem Bereich der historischen Avantgarden, der Pop-Art und der asiatischen Kunst auf. Seine abstrakten Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälde erzielen bei Kunstaktionen regelmässig Millionenbeträge. In seinen Arbeiten experimentiert der in New York lebende Künstler immer wieder mit den Möglichkeiten klassischer Reproduktions­ verfahren wie Siebdruck oder Radierungen. Auch beschäftigt er sich in seinem Werk stark mit asiatischer, vor allem japanischer Kalligrafie. Sein teuerstes Werk ist – mit einem Preis von 10,9 Millionen Dollar – das Ölgemälde­ «The Attendant» (1996 –1999), auf dem ein Netzwerk ineinander verschlungener kalligrafischer Linien zu sehen ist.

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CHRISTOPHER WOOL Auch dieser US-Künstler ist ein Star in der Szene, auch wenn sein Werk auf den ersten Blick etwas unzugänglich erscheint. Bekannt ist Wool für seine grossformatigen und oft verschmierten Word-Paintings, auf denen zumeist in schwarzer Farbe Zitate oder Satzfragmente zu lesen sind. Sein wohl bekanntestes Werk trägt den Titel «Apocalypse Now» und wurde im November 2013 für 26,5 Millionen Dollar bei Christie’s verkauft. Auf ihm ist ein bekanntes Zitat aus dem gleichnamigen Film von Francis Ford Coppola zu lesen: «Sell the house sell the car sell the kids».

BRUCE NAUMAN Unter Insidern gilt er als der einflussreichste Gegenwartskünstler, auch wenn seine Objekte auf Auktionen keine Höchstpreise erzielen: Bruce Nauman, dessen Werk reich und vielschichtig ist und sich klaren Kategorisierungen immer wieder bewusst entzieht. Installationen, Film, Fotografie, Musik, Performance – Naumann lässt kein Medium ungenutzt, um die routinierten Wahrnehmungsweisen der Betrachter infrage zu stellen und neu auszurichten. Sein teuerstes Werk ist mit 9,9 Millionen Dollar die Wachsskulptur «Henry Moore bound to fail (back view)» aus dem Jahr 1967.

JASPER JOHNS Dieser bekannte Pop-Art-Künstler ist zwar schon etwas länger im Geschäft, seine Werke verkaufen sich aber nach wie vor blendend. Zu den bekanntesten und teuersten zählen seine Flaggen-Gemälde, mit denen er sich in den späten 1950er-Jahren kritisch gegen den Abstrakten Expressionismus wandte und den Alltag wieder zurück in die Kunst holen wollte. Über 40 Stück dieser «flag»-Bilder schuf er, das teuerste darunter, «Flag» (1960 –1966), wurde im Mai 2010 für 28,6 Millionen Dollar bei Christie’s verkauft.

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DIE INSEL DER SCHWERVERBRECHER

ALCATRAZ Wer auf der Insel vor San Francisco landete, kam so schnell nicht mehr hinaus. Alcatraz war ein Ort, der die grรถssten Gangster seiner Zeit beherbergte. Ein Ort, der selbst Al Capone und The Birdman schwer zusetzte. Yvonne Beck

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«Rule 5: You are entitled to food, clothing, shelter and medical attention. Anything else that you get is a privilege. You earn your privileges by conducting yourself properly.» – Regeln für Gefangene, Alcatraz 1956 –

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ür die Insassen auf der Gefängnisinsel bestand Bestrafung nicht nur in der Gefangenschaft selbst, sondern auch in der damit verbundenen psychischen Qual. Befand man sich doch mitten in einem der verkehrsreichsten Häfen Amerikas. Man hörte die Schiffe und Boote nach San Francisco, Oakland und Sausalito, sah die Ozeandampfer und Lichter der Grossstadt. All das war ganz nah, doch für die Gefangen unerreichbar fern.

Die Geschichte von «The Rock» Der Name «Alcatraz» kommt aus dem Spanischen und bedeutet Pelikan. Der Spanier Juan Manuel de Ayala erblickte diese Vögel, als er 1775 in die Bucht segelte. Im Jahr 1850 gab es eine Anordnung des Präsidenten, dass die US-Armee hier eine Festung bauen sollte. Fast schon von Anfang an war ­Alcatraz aber immer auch ein Gefängnis. Im Jahre 1859 trafen mit der ersten permanenten Garnison der Festung auch 11 Soldanten ein, die zur Inhaftierung bestimmt waren. Während des Bürgerkrieges waren hier Soldaten, die wegen Desertierens, Diebstahls, Tätlichkeit, Vergewaltigung und Mordes verurteilt worden waren, Zivilisten, die des Verrats angeklagt worden waren, und die Mannschaft eines konföderierten Schiffs in Haft. Das Heer verwendete Alcatraz auch als Internierungslager für Indianer der Stämme Hopi, Apache und Modoc, die während der verschiedenen Indianerkriege des mittleren bis späten 19. Jahrhunderts in Gefangenschaft geraten warten. Auch Kriegs­ gefangene des Spanischen-Amerikanischen Kriegs (1898) waren hier. Als der Verteidigungsgedanke immer mehr an Bedeutung verlor, wurde Alcatraz als Festung aufgegeben. Und die regulären Armeetruppen durch Sol­ daten der US-Militärwache ersetzt. Innerhalb eines Jahres hatte die Armee mit dem Abbruch der Zitadelle begonnen und ein riesiges Zellgebäude aus Beton erbaut. 1915 erhielt Alcatraz die neue Bezeichnung «United States ­Disciplinary Barracks, Pazifik Branch». Es dauerte nicht lange, bis Kriegsdienstverweigerer des Ersten Weltkrieges zu den Insassen von Alcatraz ­­zählten. Während der Depression der 1930er-Jahre interessierte sich das neu geschaffenen Justizministerium für die Insel als öffentlichkeitswirksamen Standort eines Hochsicherheitsgefängnisses. Vom Kriegsministerium dem Justizministerium übertragen, wurde Alcatraz 1934 als Bundesgefängnis wieder eröffnet. Von den 1545 Männern, die auf Alcatraz ihre Strafe ver­ büssten, trugen einige berüchtigte Namen, wie Al «Sacrface» Capone, ­«Doc» Baker, Alvin «Creepy» Karpis, George «Machine Gun» Kelly und Floyd Hamilton. Die meisten Insassen waren Männer, die sich in anderen Gefängnissen als Problemfälle erwiesen hatten: Unruhestifter und Ausbrecher. Unter ihnen auch Robert Stroud, der «Vogelmann von Alcatraz».

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«These five words seems written in fire on the wall of my cell: Nothing can be worth this.» – George «Machine Gun» Kelly –

«The Birdman» Robert Stroud verliess bereits mit 13 Jahren sein von Gewalt geprägtes ­Elternhaus und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. In Alaska lebte er mit der doppelt so alten Prostituierten Kitty O'Brian zusammen. Im Streit um Kitty tötete er seinen Kontrahenten und wurde daraufhin zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, die er in der berüchtigten McNeil Island Strafanstalt ­antreten musste. 1912 wurde der aufsässige und gewalttätige Stroud in das moderne Hoch­ sicherheitsgefängnis Leavenworth verlegt, nachdem er einen Mithäftling niedergestochen hatte. Hier hatte er Zugang zu einer umfangreichen Bibliothek und die Möglichkeit, an Fernlehrgängen teilzunehmen. Trotz seiner geringen Schulbildung schaffte er alle Prüfungen mit hervorragenden Ergebnissen. Am 26. März 1916 erstach er einen Wärter, der ihn in besonderem Masse schikaniert hatte, woraufhin Stroud zum Tode verurteilt wurde. Nach einem aufopferungsvollen Kampf seiner Mutter wurde er aber vom Präsidenten zu lebenslanger Haft begnadigt. Stroud wurde von allen Mithäftlingen abge­ sondert und in eine Einzelzelle verlegt. Eines Tages fand er bei seinem ­Hofgang ein Nest mit drei jungen Spatzen, das der Sturm hereingeweht hatte. Es war der Beginn einer im amerikanischen Strafvollzug beispiellosen Karriere. Mit grosser Geduld und Beobachtungsgabe widmete er sich der

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Pflege und Aufzucht von Kanarienvögeln. Nachdem erste Artikel in Fachzeitschriften erschienen, wurde man in Vogelkundlerkreisen auf ihn aufmerksam. Stroud schrieb mehrere ornithologische Bücher, die seinen Bekanntheitsgrad weiter erhöhten. Hatte das Wachpersonal anfangs sein Hobby noch wohlwollend gefördert – es half, einen aggressiven Gewalttäter zu bändigen – wurden die intensiven Aussenweltkontakte des prominenten Häftlings zunehmend argwöhnisch betrachtet. Allen Versuchen, dessen Privilegien zu beschneiden, begegnete Stroud mit durchdachten Gegenmassnahmen, die von Briefkampagnen seiner Vogelfreunde bis zu einer Scheinehe reichten. Schliesslich wurde der «Störenfried» im Dezember 1942 nach 30 Jahren Haft in Leavenworth nach Alcatraz abgeschoben. Robert Stroud beschäftigte sich in Alcatraz hauptsächlich mit dem Studium juristischer Fachbücher. Möglichkeiten zur Vogelzucht gab es nicht. Dennoch erlangte er durch den Spielfilm «Der Gefangene von Alcatraz» (Birdman of Alcatraz, 1962) weltweite Bekanntheit. Burt Lancasters Darstellung eines sanftmütigen, älteren Herren hatte allerdings nur wenig mit der Realität zu tun. Wegen seines angegriffenen Gesundheitszustands (und um ihn vor ­Mithäftlingen zu schützen, die noch einige Rechnungen offen hatten und ihn der Zusammenarbeit mit dem Wachpersonal bezichtigten) lebte er permanent im Krankenrevier. 1959 wurde er aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands in das Gefängnis von Springfield, Missouri, verlegt, wo er am 21. November 1963 nach ununterbrochenen 54 Jahren Haft starb. Als Teil der Sicherheitsvorkehrungen untersagte die Gefängnisverwaltung Besuche auf Alcatraz. Es mag diese Isolation gewesen sein, diese augenscheinliche Geheimhaltung, die die Erzählungen über die erbärmlichen ­Lebensbedingungen im Gefängnis auslösten. Doch auch wenn Alcatraz den Ruf einer «Teufelsinsel» besass, waren die Haftbedingungen hier zum Teil besser als in anderen Gefängnissen, es gab zum Beispiel Warmwasser­ duschen. Doch auch, wenn das Gefängnis sauber und das Essen gut waren – Alcatraz war ohne Zweifel eine Hochsicherheitsstrafanstalt, aus der es kein Entkommen gab.

Ein ehemaliger Wärter gibt Auskunft Wann und warum wurde das Gefängnis ge­schlossen? Das Gefängnis wurde wegen zu hoher «Bewirtschaftungs­ kosten» und dem zunehmenden Verfall der Gebäude ge­ schlossen. Das Abwassersystem entsprach beispielsweise­ nicht mehr den modernen Standards und leckte. Die ­letzten Insassen verliessen die Insel Alcatraz am 21. März 1963. Wenige Monate später wurde das Gefängnis offiziell geschlossen. Wie viele Gefangene waren in Alcatraz untergebracht und wie viele Zellen gab es? Alcatraz war niemals völlig ausgelastet. Im Durchschnitt waren dort 260 Häftlinge untergebracht, der Höchststand war 302. Insgesamt wurden 1576 Insassen über die Jahre gezählt. Darunter einige Wiederholungstäter. Es gab vier Zellblocks in dem Gefängnis. Der A-Block wurde jedoch nicht genutzt. Die Zellen in Block B und C (336 Zellen) waren für den Grossteil der Gefangenen vorgesehen. Aufsässige Insassen wurden im Block D separiert (42 Zel­ len). Block D war für die sogenannte Isolationshaft vorge­ sehen. Häftlinge blieben auf Alcatraz, bis sie nicht mehr als ­störende und unverbesserliche Elemente angesehen wurden – durchschnittlich 8 bis 10 Jahre. In welchen Zellen waren Al Capone und Robert «The Birdman» Stroud untergebracht? Gefangene hatten keine festen Zellen. Sie zogen ­während ihres Aufenthalts in Alcatraz mehrfach um. Al Capone­ ­machte da keine Ausnahme und während seiner Zeit in ­A lcatraz (1934 –1938) bewohnte verschiedene ­Zellen. Nach einer Schlägerei mit einem andern Insassen ver­

« You were a number, you weren’t a name; I wasn’t Jim Quillen. Hell, I was Number 586, and nobody wanted that.» – Jim Quillen –

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bachte er sogar einige Zeit in Isolationshaft. Robert Stroud war nie in einer der normalen Zellen untergebracht. Nach seiner Ankunft im Jahre 1942 bezog er sofort eine Zelle im D-Block, den er erst 1948 wieder verliess, da er in den Krankenflügel verlegt werden musste. Dort blieb er bis 1959. Seine letzten Jahre verbrachte er in einer medizi­ nischen Anstalt in Springfield, Missouri.

Von 14 versuchten Ausbrüchen aus dem Bundesgefängnis ereignete sich der bekannteste im Juni 1962, als Frank Morris und die Brüder John und Clarence Anglin sich zu Wasser absetzten. Sie verwendeten Regenmäntel als Schwimmkörper und waren vermutlich nach San Francisco unterwegs. Obwohl ihre Leichen niemals gefunden wur­ den, nimmt man an, dass sie ertrunken sind.

Wie viele Wächter arbeiteten in Alcatraz? Insgesamt gab es 90 Wächter, die sich drei 8-StundenSchichten untereinander aufteilten. Erst Anfang der 1950er-­ Jahre wurde das Personal aus Kostengründen nach und nach abgebaut.

Wie viele Insassen starben auf Alcatraz? Acht Gefangene wurden von anderen Insassen umge­ bracht, fünf begangen Selbstmord und fünfzehn starben eines natürlichen Todes. Alcatraz besass jedoch nie eine Todeszelle oder Hinrichtungseinrichtungen.

Wo wohnten die Wächter und ihre Familien? Einige lebten in San Francisco und kamen täglich mit dem Boot auf die Insel, andere wohnten direkt auf Alcatraz. Es gab vier Apartmentgebäude und vier Holzhäuser. Einige der Gebäude wurden durch das Feuer im Jahre 1970 zerstört, andere wurden von der Regierung kurze Zeit später ab­ gerissen. Als Alcatraz jedoch noch als Gefängnis genutzt wurde, gab es auf der Insel auch Gärten, einen Spielplatz für die Kinder und vieles mehr.

Wäre es möglich, Alcatraz heute wieder in Betrieb zu nehmen? Alcatraz ist ein Teil des National Park Service und wird dies auch bleiben. Das neue Alcatraz ist Florence in Colorado. Hier auf der Insel Alcatraz übernachten nur noch Vögel, jedoch keine schrägen. Alcatraz besitzt heute die grösste Seemöwenkolonie der Nordküste Kaliforniens.

Gelang jemals eine Flucht aus Alcatraz? In den 29 Jahren, in denen Alcatraz in Betrieb war, ver­ suchten insgesamt 36 Gefangene zu entkommen. Bis auf fünf wurden alle geschnappt.

«It looks like Alcatraz has got me licked.» – Al Capone –

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DER AMERIKANISCHE ROMANCIER PAUL AUSTER

Am 3. Februar 1947 im amerikanischen Newark, der grössten Stadt im Bundesstaat New Jersey, erblickte einer der bekanntesten zeitgenös­sischen amerikanischen Schriftsteller das Licht der Welt. Paul Auster, der mit Romanen wie «Sunset Park», «The New York Trilogy», «Book of Illusions» und «Invisible» Literaturgeschichte schrieb, wurde in 41 Sprachen übersetzt. Der Durchbruch gelang

ihm mit seiner von 1985 bis 1987 geschriebenen New-York-Trilogie. In vielen seiner Romane herrscht eine düstere und klaustrophobische Stimmung. Trotzdem haben seine Bücher Kultcharakter. Mit seiner Frau, Siri Hustvedt, ebenfalls eine erfolgreiche Autorin, lebt er in Brooklyn. Und auch seine ­Tochter Sophie Auster ist auf dem besten Wege, ein Weltstar zu werden. Die Schauspielerin und Sängerin ist Papas ganzer Stolz. Weniger gerne spricht er über Daniel, seinen Sohn aus erster Ehe, das schwarze Schaf der Familie.

3 FRAGEN Ist Schreiben eine Art Selbstreinigung, oder, anders for­ muliert, wirkt schreiben für sie befreiend? Ja, ich kenne die Erfahrung, dass Schreiben Schmerzen lindern kann. Zumindest während des eigentlichen Vor­ gangs des Schreibens. Man kann dadurch autobiogra­ fische Fragmente nochmals durchleben und sich auf diese Weise von bestimmten Gefühlen reinigen. Aber trotzdem ist Schreiben nicht immer befreiend und häufig ist nach Abschluss des Buches alles wieder wie zuvor. Haben Sie Probleme mit dem Älterwerden? Einige Ihrer letzten Bücher lassen so etwas anklingen? Nun, ich bin 67 Jahre alt, da bemerkt man, dass man den Grossteil seines Lebens bereits hinter sich hat. Ich befinde mich quasi im Winter meines Lebens, die letzte mir verblei­ bende Jahreszeit. An manchen Tagen ist dies ein entsetz­ licher Gedanke. Wo arbeiten Sie an Ihren Büchern? In einem kleinen Apartment in der Nähe unseres Hauses in Brooklyn. Es ist sehr spartanisch eingerichtet und es gibt dort nichts, was mich ablenken könnte. Ausserdem kann meine Schreibmaschine dort niemanden nerven.

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WUSSTEN SIE SCHON …?

Bestbezahlter Schauspieler der Welt Kein anderer Hollywood-Star verdient derzeit so viel wie Robert Downey Jr. Allein im Jahr 2012 nahm der Superstar rund 75 Millionen Dollar an Gagen ein. Mit Megablockbustern wie «The Avengers» oder «Iron Man 3» scheint die Rechnung für die Produzenten aber trotzdem aufzugehen, schliesslich spielten beide Filme mehr als eine Milliarde Franken ein.

Picasso-Gemälde für 31,5 Millionen Dollar versteigert Pablo Picassos Gemälde «Die Rettung einer Ertrinkenden» («Le Sauvetage») wurde vom Auktionshaus Sotheby’s für einen Preis von 31,5 Millionen Dollar – das entspricht einem Wert von 29,5 Millionen Franken – versteigert. Geschätzt wurde das im Jahr 1932 entstandene Werk lediglich auf 18 Millionen Dollar.

Stechende Paparazzi Grösste Kinoleinwand der Welt Im LG-IMAX-Kino in Darling Harbour, einem riesigen Freizeit- und Erholungsviertel in Sydney, steht die grösste Kinoleinwand der Welt. Sie ist rund 30 Meter hoch, 35 Meter lang und wiegt ca. 800 Kilo. Um den Riesen-Screen auszutauschen und – das ist das Schwerste – ihn danach wieder glatt zuziehen, sind mehr als 30 Mitarbeiter nötig!

Der von Prominenten gefürchtete «Paparazzo» hat seinen Namen einem Film von Federico Fellini zu verdanken. So taucht in «La Dolce Vita» ein aufdringlicher Presse­ fotograf auf, der Paparazzo heisst. Das Wort setzt sich aus den italienischen Begriffen für «Stechmücke» und «Blitzlicht» zusammen – eine Kombination, die Fellini sofort fasziniert haben soll. Der italienische Meisterregisseur soll bei seinen Filmvorbereitungen etwas über den kalabrischen Hotelbesitzer Coriolano Paparazzo gelesen haben und so auf die Idee gekommen sein.


UHRENKLASSIKER TICKENDE FREUNDE FUR EIN LANGES LEBEN «Mustergültige Produkte ersten Ranges, Resultate herausragender literarischer, künstlerischer oder wissenschaftlicher Leistungen schöpferischer Menschen, welche die Merkmale einer ausgereiften Meisterschaft in sich tragen», dürfen sich per Definition Klassiker nennen. Naturgemäss ist die Bandbreite von dem, was sich unter diesem bedeutungsvollen Begriff subsumieren lässt, relativ gross. Überdies ist die Zuerkennung des oft missbrauchten Attributs nur in Massen objektivierbar. Stets greift nämlich auch der persönliche Geschmack, über den man selbst im dritten Jahrtausend weiterhin nicht streiten kann. Gisbert L. Brunner

A

uf Armbanduhren treffen diese Erkenntnisse in besonderer Weise zu, denn Mode und Zeitgeist spielen hier traditionsgemäss eine besondere Rolle. Heute en vogue, morgen noch akzeptabel und übermorgen schon unmodern. In diesem Sinn besitzen viele der aktuellen Produkte mit exaltierter Optik und einfachen Quarzwerken schon bei ihrer Kreation das Zeug zum Vergänglichen. Im Einstiegspreissegment gibt es dagegen grundsätzlich nichts zu sagen. Ganz anders gestalten sich die Dinge bei Luxuszeitmessern, welche ein beträchtliches Investment verlangen. Wer in die Zukunft denkt, achtet hier auf klassisches und damit voraussichtlich langlebiges ­Design. Regelmässig gewartete Mechanik bietet darüber hinaus Gewähr, die kostbare Zeit auch Generationen von Erben noch präzise anzuzeigen. Nicht minder wichtig ist drittens die Marke. Diesbezüglich gilt Ähnliches wie beim Immobilienkauf, bei dem die Lage, die Lage und nochmals die Lage zählt. Wer unter diesen Aspekten nach chronometrischen Klassikern sucht, sollte einen Blick aufs Geburtsdatum werfen. Nicht ohne Grund behaupten sich manche Uhrenmodelle oder -linien seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten erfolgreich am Markt. Dass die Zeit niemals stehen bleibt, zeigt allenfalls eine gleichermassen gekonnte wie behutsame Evolution. Revolutionäre Veränderungen würden diesen Produkten hingegen ihre Identität und den am Handgelenk immens wichtigen Wiedererkennungswert rauben.

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WATCHES JWELLERY

CLASSIQUE *1980 HUBLOT

Aus dem Französischen übersetzt heisst «Hublot» nichts anderes als «kleine Luke» oder «Bullauge». Aus diesem Grund mussten die Zeitmesser dieses Namens, welche die neu gegründete Uhrenmarke MDM (Montre des ­montres) 1980 am Markt lancierte, fast zwangsläufig ein Bullaugen-Design besitzen. Und das taten sie auch. Vor der Konzeption seiner Erstlingslinie «Classique» hatte der Mailänder Ingenieur Carlo Crocco die Kollektionen des Wettbewerbs ausgiebig studiert. Danach entschied er sich für ein markantes, aber unaufdringliches ­Design mit zwölf Schrauben rund um die Lünette. Sie ersetzten die üblichen Stundenindexe auf dem sonst nur durch Datumsfester und ­Signatur strukturierten Hublot-Zifferblatt. Unter Jean-Claude Biver als CEO ­erlebte Hublot ab 2004 einen b ­ eispiellosen Höhenflug bis hin zur eigenen ­Werkemanufaktur. Auch sein Nachfolger Riccardo Guadalupe hält die ­Tra­dition in allen Ehren. Beispielsweise in Form der neuen, extraflach ausge­führten «Classic Fusion Classico» in Titan. Ihr nur  2,9 Millimeter hohes Automatik­ kaliber HUB 1 301 mit kleiner Sekunde bei der Sieben läuft ohne  Energienachschub 90 Stunden am Stück. Die Wasserdichte der unaufdringlich ­wirkenden 45-Millimeter-Schale reicht bis fünf bar Druck.

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Ab 1954 fertigte Breguet bis in die 1970er-Jahre u. a. für das französische «Centre d’Essai en Vol» (CEV) in Bretigny den höchst funktionalen Armbandchronografen «Typ XX». Besondere Kenn­zeichen waren eine Drehlünette und ein «retour-­en-vol»-Mechanismus, besser bekannt als Flyback-Funktion. Mit seiner Hilfe konnten gestresste Piloten die Chronografenzeiger während des Laufs auf null stellen und ohne weiteren Knopfdruck neu starten. Die ­zivile, unübersehbar anders gestaltete Version des bei Sammlern hoch begehrten Stoppers lancierte Breguet im Jahr 1995. Seitdem gibt es die «Type XX Aéronavale» mit dem Rotorkaliber 582. Das im 39 Millimeter grossen und bis zehn bar wasserdichten Stahl­gehäuse verbaute Automatikwerk besitzt selbstverständlich einen Chronografen mit Tempo­schaltung.

TYPE XX AÉRONAVALE *1995 BREGUET

NAVITIMER *1952 BREITLING Die Anmeldung des Namens «Navitimer» beim eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum trägt das Datum 22. Januar 1955. Die Produktion des Fliegerchronografen mit multifunktionaler Rechenscheibe hatte Breitling schon 1952 aufgenommen. Das Instrument half Piloten u. a. bei der Ermittlung von Reichweiten oder bei der Umrechnung von Meilen in Kilometer und umgekehrt. Die neueste Version mit dem hauseigenen Automatikchronografen B 01 firmiert bei der Familienmanufaktur als «Navitimer 46 mm».

SANTOS *1904 CARTIER Man schrieb das Jahr 1904, als Louis Cartier für seinen Freund Alberto Santos-Dumont einen Zeitmesser kreierte, den der Flugpionier während des Gleitens durch die Lüfte problemlos ablesen konnte. Kein Wunder, dass die weltweit erste ­Fliegerarmbanduhr mit vom Taschenuhrlook eman­ zipierten Gehäusedesign als «Santos» Geschichte schrieb. Seit 110 Jahren ist sie nun ununterbrochen auf dem Markt. Zeitgemässe Dimensionen besitzt die 2004 lancierte «Santos 100» mit Stahl-/Goldgehäuse und Automatikwerk.

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DIASTAR *1962 RADO

Weil die Golduhren, welche Rado gegen 1960 nach Fernost exportierte, ­wegen deutlicher Kratzspuren häufig aufpoliert werden mussten, erteilte ­Paul Lüthi seinen Mitarbeitern den Auftrag, mit Hartmetallen zu experimentieren. Der damalige Chef wusste, dass die gängigen Gehäusedesigns nicht zu den gewünschten Resultaten führen würden. Nach ausgiebigen Versuchen ­ ­zelebrierte Rado 1962 eine bemerkenswerte Weltpremiere: Die Geburt der ersten wirklich kratzfesten Armbanduhr namens «DiaStar», eine Zusammensetzung aus «Diamant» und «Star». Wegen des gewöhnungsbedürftigen ovalen Designs stiess das innovative Modell anfänglich auf eher zurückhaltende ­Resonanz. Aber im Laufe der Jahre nahm die Begehrlichkeit kontinuierlich zu. 1987 konnte Rado stolz den Verkauf der 1,5-millionsten «DiaStar» registrieren. Weitere 20 Jahre später standen die Zähler für den ovalen Bestseller bei mehr als drei Millionen Stück. Zu diesem Zeitpunkt hiess er schlicht «Original». Das aktuelle «Original» mit goldfarbenem Hartmetallgehäuse und vorderem Saphirglas besitzt einen Durchmesser von 35 Millimetern. Es ­ schützt das Automatikwerk mit Datums- und Wochentagsindikation bis zu drei bar Wasserdruck. Das ebenfalls goldfarbene Gliederband besteht aus Edelstahl.

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RÉGULATEUR *1988 CHRONOSWISS Die Idee basierte auf den präzisen Regulatoren, welche in Observatorien und Uhrenfabriken für die Bewahrung der genauen Zeit sorgten. Weil es hier ­primär auf die Sekunde ankam, verfügten sie  über ein sogenanntes Drei­ ­ xzentrisch positionierte Stundenindikation konnte den kreiszifferblatt. Ihre e ­Sekundenzeiger nicht überdecken.1988 wandte Gerd-Rüdiger Lang, damaliger Inhaber der Münchner Uhrenfabrikation Chronoswiss, ­dieses System bei einer Armbanduhr an. Als der limitierte Handaufzugsregulator mit altem Unitaskaliber ausverkauft war, folgte der «Régulateur ­Automatique» mit exklusivem Automatikwerk. Mittlerweile befindet sich Chronoswiss in Schweizer Händen. Der einstige Geistesblitz lebt fort in Gestalt des 40 Millimeter g ­ rossen «Sirius Régulateur» mit dem exklusiven Automatikkaliber C 122, zu ­haben in Stahl oder Rotgold.

REVERSO *1931 JAEGER-LECOULTRE Dieser Uhrenklassiker hat seinen Ursprung im fernen Indien. Dort beklagten sich die polospielenden englischen Kolonialisten über ihre Armbanduhren, weil die empfindlichen Kristallgläser allzu leicht zerbrachen. Der französische Ingenieur René Alfred Chauvet vernahm dies und handelte. 1931 war sie da, die Wendearmbanduhr, welche zerbrochene Gläser der Vergangenheit angehören liess. Die Entwicklung zum Welterfolg ist dem Haus Jaeger-LeCoultre und seiner konsequenten Produktpflege zu verdanken. Dort gilt die ­«Reverso» seit 1983 als unangefochtenes Leader Modell. Mit der ultraflachen «Grande Reverso Ultra Thin 1931» in Rotgold erinnert die Schweizer Traditionsmanufaktur ans Geburtsjahr dieses sehr beliebten Wendeklassikers. Sein exklusives Handaufzugskaliber JLC 822/2 misst nur 2,95 Millimeter in der Höhe. Nach Vollaufzug läuft es 45 Stunden am Stück.

BULGARI-BULGARI *1977 BULGARI Möglichkeiten, die Herstellersignatur auf einer Uhr zu verewigen, gibt es viele. Der Schriftzug auf dem Zifferblatt ist die mit Abstand häufigste. 1977 beschritt Bulgari einen völlig anderen, bis dahin noch nicht praktizierten Weg. Absolut unübersehbar gravierte der römische Nobeljuwelier seinen Namen in den breiten Glasrand. Und das gleich zwei Mal, weshalb die Uhr «Bulgari-Bulgari» heisst. A ktuell ist sie u. a. in Roségold oder Stahl mit ­ ­einem Durchmesser von 39 Millimetern und dem Automatikkaliber BVL 191 erhältlich.

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SENATOR-LINIE

*1997

GLASHÜTTE ORIGINAL Ganz business-like präsentiert sich bei Glashütte Original seit 1997 die Senator-Linie, deren Protagonisten klassisch rund gehalten sind. Das komplexe und mit ewigem Kalendarium, Grossdatum und Mondphasenanzeige ausgestatte Modell aus dem Jahre 1999 wurde kurze Zeit später von den Lesern einer deutschen Fachzeitschrift zur «Uhr des Jahres» gekürt. Begeistert waren sie vor allem von der exzellenten A ­ blesbarkeit und der ausgefeilten Anzeige des Grossdatums. Das Jahr 2005 brachte ein runderneuertes Design ohne Verfälschung der ursprünglichen Attribute. Will heissen: Auch die vorherige Senator Classic blieb auf Anhieb identifizierbar. Beim mechanischen Innen­ leben aus eigener Manufaktur tat Glashütte Original einen grossen Schritt nach vorne. Das neu konstruierte Automatikkaliber 100 verfügt über einen intelligenten Nullstellungsmechanismus zum unkomplizierten Synchronisieren des Sekunden­ zeigers mit einem Zeitnormal. Geblieben ist das ausgeklügelte ewige Kalendarium mit Mondphasenanzeige, welches bis zum Jahr 2100 keiner manuellen Korrektur bedarf.

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PORTUGIESER *1941 IWC Um die konkrete Geschichte der klassisch runden «Portugieser» von IWC ranken sich viele Gerüchte. Sicher scheint, dass die Schaffhauser Manu­ faktur ab etwa 1941 die intern als «Spiegelei» bezeich­neten Modelle mit dem grossen Savonnette-Kaliber 98 nach Portugal lieferte. Weil der deutsche Markt in den 1970er-Jahren nach einer Armbanduhr dieses Typs verlangte, kam es zum Comeback der «Portugieser»-Linie. Die 43 Millimeter grosse Stahlreferenz IW 510203 besitzt ein Manufakturhandaufzugswerk mit acht ­Tagen Gangautonomie.

EL PRIMERO ZENITH *1969 ZENITH Nachdem die traditionsreiche Uhrenmanufaktur Zenith ihren «El Primero» im Frühjahr 1969 mit unübersehbarem Ausdruck des Stolzes präsentiert hatte, reagierte die Fachpresse geradezu euphorisch: Der weltweit erste Automatikchronograf mit Zentralrotor und Schaltrad war erstaunlich klein und flach. Seine hohe Unruhfrequenz von fünf Hertz gestattete exakte Zehntel­ sekunden-Stoppungen. Mitte der 1970er-Jahre, als «El Primero» richtig Fuss gefasst hatte, kam schon wieder das Aus. Mann wollte Quarz und keine ­Mechanik mehr. Dank Charly Vermot, einem unbeugsamen Uhrmacher, der die verbliebenen Komponenten und Werkzeuge auf dem weitläufigen Dachboden der Manufaktur versteckte, konnte «der Erste» ab 1986 wieder durchstarten. Der aktuelle «El Primero 36’000 VpH» mit dem Automatikkaliber ­400 B ist eine gelungene Synthese aus Vergangenheit und Gegenwart.

Die schlichte «Tangente» von Nomos Glashütte geht auf einen Entwurf von Susanne Günther ­zurück. Die Designerin hatte sich an einem Zeit­ messer aus den 1930er-Jahren orientiert. Zahl­ reiche Auszeichnungen und beachtliche Umsatzzahlen belegen, dass die Sachsen mit der gestalterischen Rückbesinnung absolut richtig ­lagen. Heute gibt es den Klassiker in ganz unterschiedlichen Ausführungen. Puristisch präsentiert sich die stählerne «Tangente 38» mit Manufak­ turhandaufzugswerk und 38 Millimetern Durch­ messer.

TANGENTE *1992 NOMOS

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SPEEDMASTER PROFESSIONAL-CHRONOGRAF *1957 OMEGA Die Produktion des neuen Chronografen, entwickelt für Wissenschaft, Indu­strie und Sport, mit dem 1943 vorgestellten Chronografenkaliber ­27 CHRO C12 der Tochter Lémania startete bei Omega im Jahr 1957. Die Bewährung während der Mondlandung am 21. Juli 1969 bescherte dieser Armbanduhr bereits einen fast schon mythischen Ruf. Diesen festigte die Tatsache, dass der Handaufzugschronograf dem Astronautenteam der Apollo-13-Mission im April 1970 das Leben rettete. Bereits 1965 hatte stürmische Nachfrage nach einer Vereinfachung des relativ kostspieligen Schaltradkalibers ver­ langt.  Nach drei Jahren Entwicklungsarbeit fand 1968 das neue Kaliber 861 (Lémania 1873) in das Stahlgehäuse. Der 1980 unterbreitete Vorschlag, die Schale mit einem Sichtboden auszustatten, stiess bei den Verantwortlichen im Hause Omega unverzüglich auf positive Resonanz. Somit kann die «Speedmaster Professional» auf diesem Gebiet als Pionier gelten. Seitdem steht die Armbanduhr im Zeichen kontinuierlicher Modellpflege. Puristen sind mit der aktuellen Referenz 3 570.50.00, in der das Handaufzugskaliber 1861 tickt, bestens gekleidet. Das Uhrwerk besitzt eine Kulissenschaltung und stoppt bis zu zwölf Stunden. 42 Millimeter misst das bis fünf bar wasserdichte Stahlgehäuse.

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NAUTILUS *1976 PATEK PHILIPPE

Mitte der 1970er-Jahre bat Philippe Stern, seines Zeichens Präsident der Genfer Nobelmanufaktur Patek Philippe, den Designer Gérald Genta um die Gestaltung einer sportlichen und natürlich wasserdichten Armbanduhr. Damit begann ein langwieriger Entwicklungsprozess. Von den ersten Gedanken bis hin zur fertigen «Nautilus» vergingen mehr als zwei Jahre. Zwischendurch tauchten immer wieder Zweifel auf, ob ein derartiger Zeitmesser in die Produktphilosophie von Patek Philippe passen würde. Aber trotz aller Skepsis stand das Projekt jedoch nie wirklich auf der Kippe. 1976 debütierte die «Nautilus». Von einem spontanen Erfolg konnte nicht die Rede sein. Infolge der aufwendigen Stahlschale mit Gliederband kostete der Newcomer mehr als eine klassische Golduhr. Erst ab 1998 überstieg die Nachfrage bei den grossen Stahlmodellen quasi über Nacht das Angebot. Das Premierenmodell mit zweiteiliger, bis 120 Meter wasserdichter Edelstahlschale Typ «Monocoque», 42 Millimetern Durchmesser und 3,05 Millimeter hohem LeCoultreAutomatikwerk trug die einprägsame Referenznummer 3 700. 2006 erhielt die «Nautilus» zum 30. Geburtstag einen Sichtboden. Durch den blickt man bei der stählernen Referenz 5 711/1A, Durchmesser 40 Millimeter, auf den Goldrotor des Automatikkalibers 324 SC.

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OVERSEAS *1996 VACHERON CONSTANTIN Mit der sportiven «Overseas» in Edelstahl betrat Vacheron Constantin 1996 uhrmacherisches Neuland. Die markanten Gehäuse sind wasserdicht bis 150 Meter. Weitere Merkmale der Sportlichkeit: verschraubte Krone mit ­ Flankenschutz, verstärktes Saphirglas, Leuchtzifferblatt und -zeiger. Die ­ Ausformung des Glasrands und der Glieder des Stahlarmbands weckt Erinnerungen an das Malteserkreuz als Markenzeichen der Genfer Manufaktur. Im Gehäuseinneren des stählernen «Overseas Chronograph» findet sich das Automatikkaliber 1 137 mit Grossdatum.

LUMINOR MARINA *1956 PANERAI Beim italienischen Taucheruhrspezialisten Panerai standen die 1950er-Jahre im Zeichen der «Luminor». Der Unterwasserbolide besass den 1956 patentierten Mechanismus zur Optimierung der Wasserdichtigkeit. Ein in geöffnetem Zustand unübersehbarer Hebel drückt die Aufzugskrone fest gegen das Gehäuse. 1993 erfolgte das Comeback der «Luminor Marina» unter italienischer Leitung. Seit 1997 entsteht sie unter Richemont-Regie. Ein aktuelles Mitglied der «Luminor»-Familie ist die «1950 3 Days GMT Automatic» mit Manufakturkaliber und Zeitzonendispositiv.

GOUVERNEUR *1994 PIAGET Anlässlich des 120. Geburtstags präsentierte Piaget 1994 die Linie «Gouverneur» mit rundem Gehäuse. Seine Besonderheit bestand in einem Glasrand, dessen innerer Ausschnitt kissenförmige Gestalt besitzt. Den Anfang dieser Linie markierten zwei Chronografen. In der Linie «Emperador Coussin XL» lebt dieses ungewöhnliche Gehäusedesign fort. Das rotgoldene Modell mit ewigem Kalendarium, retrograder Datums- und Wochentagsanzeige, Mondphasenindikation und Zeitzonendispositiv besitzt einen Durchmesser von 46,5 Millimetern.

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DATEJUST *1945 ROLEX Über die «Datejust» von Rolex viele Worte verlieren zu wollen, hiesse «Eulen nach Athen tragen». 1945, als Hans Wilsdort in Genf den 40. Geburtstag ­seiner Uhrunternehmung zelebrierte, brauchte es natürlich ein adäquates Jubiläumsmodell. Dabei lang es auf der Hand, die bisherigen Rolex-Errungenschaften, also die wasserdichte Oyster-Schale, den Selbstaufzug durch unbegrenzt drehenden Rotor sowie das offizielle Chronometerzeugnis in einem Modell zu paaren. Zur Krönung addierte der Patron ein gut ablesbares Fensterdatum bei der Drei, das sich um Mitternacht just in time auf den nächsten Tag fortbewegt. Dem damals formu­ lierten Satz: «Man kann, ohne zu übertreiben, diese Schöpfung als Synthese der gesamten modernen Uhrenwissenschaft der Schweiz bezeichnen», lässt sich nichts hinzufügen. Das könnte einer der Gründe sein, warum die «Datejust» zu einer Legende avancierte und in den USA die honorige Kür zur Armbanduhr des 20. Jahrhunderts erfuhr. Die neue «Oyster Perpetual Datejust Pearlmaster 34» besticht durch Diamanten und Saphire auf der Lünette. Die uhrmacherische Sensation besteht in der brandneuen «Syloxi»-Unruhspirale im Auto­ matikkaliber 2 236. Der Werkstoff Silizium verschafft dem kleinen Uhrwerk eine ungeahnte Ganggenauigkeit.

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ROYAL OAK *1972 AUDEMARS PIGUET Als Audemars Piguet 1972 während der Basler Uhrenmesse eine sportliche Stahlarmbanduhr im Bullaugen-Design von Gérald Genta präsentierte, herrschte Skepsis vor. Das markante Automatikmodell war zudem noch teurer als manch Goldenes mit gleicher Signatur. Trotzdem entwickelte sich die «Royal Oak» nicht nur zum Trend­ setter für Luxussportuhren, sondern auch zum weltbekannten ­Leader der Familienmanufaktur aus dem Vallée de Joux. Zeichen konsequenter Modellpflege über mehr als vier Jahrzehnte hinweg sind unterschiedliche Versionen von der puristischen Automatik bis  hin zu den ultrasportiven «Offshore»-­ Chronografen. Wer es ­ursprünglich mag, kommt am stählernen «Jumbo» mit dem ultraflachen, schon 1972 verwendeten Automatikkaliber 2 121 nicht vorbei. Zeichen der Evolution: ein Saphirglassichtboden.

LANGE 1 *1994 A. LANGE & SÖHNE Nach rund 50-jähriger Zwangspause knüpfte­ A. Lange & Söhne 1994 mit einer kleinen Kollektion erlesener Armbanduhren wieder an alte Tradi­ tionen an. Die vielfach ausgezeichnete «Lange 1» hat in hervorragender Weise eine Brücke zwischen Tradition und Innovation geschlagen. Tradition verkörpern beim Manufakturhandaufzugskaliber ­ ­L 901.0 die klassische Dreiviertelplatine, der handgravierte Unruhkloben und neun in verschraubte Goldchatons gefasste Steine. Für Innovation ­stehen die Konstruktion mit Doppelfederhaus, die Gangreserveindikation und eine beachtliche Gang­ autonomie von 72 Stunden. Für Furore sorgte vor exakt 20 Jahren das patentierte Grossdatum, ­welches dem asymmetrisch gestalteten Zifferblatt einen besonderen Reiz verleiht. Es begründete einen echten Trend und findet sich selbstver­ ­ ständlich auch in der rotgoldenen «Lange 1» ­unserer Tage.

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FIDELITY Magazin 3/2014

STEREOPLAY Magazin 12/2013


WATCHES & JEWELLERY

EINE AUSSERGEWÖHNLICHE UHR AUS DEM 18. JAHRHUNDERT Wer sich für die Kunst des geistreichen und eleganten 18. Jahrhunderts interessiert, dem ist der Name der Malerin Elisabeth Vigée-Lebrun (1755 –1842) auch heute noch geläufig. Monika Leonhardt

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Dominique Cohas


WATCHES & JEWELLERY

D

ie berühmte und beliebte Porträtkünstlerin Elisabeth Vigée-Lebrun ­beginnt als Kind zu malen und zu zeichnen. Sie nimmt am Unterricht ihres Vaters, ein Porträtmaler, teil. Als der Vater 1767 stirbt, fördert sein Freund Claude Joseph Vernet (1714 –1789), ein bedeutender Maler von Seestücken und mit ausgezeichneten Beziehungen zum königlichen Hof, die junge Künstlerin. Man sagt, Vernet habe ihr das Porträt der Mutter (1772) abgekauft und in seinem Atelier gezeigt. Bald treffen Porträtaufträge von ­Damen der höchsten Gesellschaftskreise bei ihr ein. Nach Beschwerden der Malergilde holt Elisabeth Vigée die formale Ausbildung nach, wird Mitglied der Gilde und stellt dort 1774, im Alter von 19 Jahren, ihre Werke erstmals öffentlich aus. 1776 heiratet sie den Kunsthändler und Sammler Jean B ­ aptiste Lebrun. In den nächsten Jahren lassen sich zahlreiche Adlige und Ange­ hörige des Hofes von ihr porträtieren, und sie gewinnt die Gunst und das Vertrauen der gleichaltrigen Königin Marie-Antoinette, von der sie 1778 ein erstes Porträt malt.

La paix ramenant l’abondance Gegen Widerstände wird Elisabeth Vigée-Lebrun 1783 in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen: Für die gelehrten Künstler zählt nämlich nur die Historienmalerei, das Porträt gilt als eine minderwertige Gattung. Also schickt Elisabeth Vigée-Lebrun als Aufnahmestück ein allegorisches Gemälde: «Der Friede bringt den Überfluss zurück» (La paix ramenant l’abondance), heute im Musée du Louvre. Die erfolgreiche Malerin hat das Gemälde schon 1780 fertiggestellt, leider ist nicht bekannt, ob für die allegorischen weiblichen ­Figuren des «Friedens» und des «Überflusses» lebende Vorbilder dienten. Das Gemälde wird 1783 im «Salon» der Öffentlichkeit vorgestellt und anschliessend in den Ausstellungsräumen der Académie des Beaux-Arts im Louvre gezeigt. 1788 ist Vigée-Lebrun mit ihrem Porträt der Königin Marie-Antoinette und ihren Kindern, das sich weit von den steifen Prunkporträts früherer Epochen entfernt, auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes. Während der ersten Monate der Revolution von 1789 verlässt sie Paris und begibt sich auf ausgedehnte, stets mit Aufträgen verbundene Kunstreisen, die sie nach Italien, Deutschland, Russland, England, die Niederlande und i­n die Schweiz führen. 1805 lässt sich Elisabeth Vigée-Lebrun wieder dauerhaft in Paris nieder, wo sie wohlhabend und geehrt 1842 im Alter von ­87 Jahren stirbt. Die Frische und Natürlichkeit ihrer Porträts sind heute noch ansprechend.

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WATCHES & JEWELLERY

Taschenuhr mit Überfluss und Frieden Eine Emailminiatur nach ihrem Gemälde «Der Friede bringt den Überfluss zurück» ziert die Rückseite einer aussergewöhnlichen und mit 78,5 Milli­ metern Durchmesser ziemlich grossen Taschenuhr aus dem späten 18. Jahrhundert im Uhrenmuseum Beyer in Zürich. Das Gemälde von Elisabeth Vigée-Lebrun ist zwar in allen Details bis zur Kornähre, die «Überfluss» in den Händen hält, wie­ dergegeben, jedoch seitenverkehrt, was vermuten lässt, dass dem Miniaturmaler ein Kupferstich als Vorlage diente. Ein solcher wurde 1787 von Pierre Viel angefertigt. Bestimmt hat der Minia­ turmaler aber auch das Original des Gemäldes ­gesehen, denn die Farben sind sehr ähnlich: Dies spricht für Paris als Entstehungsort der Miniatur. Das Zifferblatt der Uhr ist wirklich höchst bemerkenswert: Das transluzide Email in einem geradezu unglaub­ lichen Blau auf guillochiertem Grund trägt die ­Aufschrift «Breguet à Paris». In Gold sind darin ­elegante arabische Ziffern von eins bis zwölf für die Stunden eingearbeitet. Es gibt Punkte zur ­Minuteneinteilung und eine umlaufende Nummerierung von eins bis 31 zur Anzeige des Datums, einen Stundenzeiger aus Gold mit einer Lilie an der Spitze und einen Zeiger zur Anzeige des ­Datums, ein Minutenzeiger ist nicht (mehr) vor­ handen. Wenn wir die Uhr öffnen, findet sich ­wieder die Signatur «Breguet», unten «Paris», gefolgt von der Nummer «A 1 190». Die Uhr erscheint nicht in den Büchern des Hauses Breguet, die ­berühmte Geheimsignatur des Meisters ist erst ab 1795 in Gebrauch. Die Uhr verbindet auf jeden Fall die Namen zweier Genies des späten 18. Jahr­ hunderts: Als Zeugen einer im Umbruch stehenden Epoche streben beide, Vigée-Lebrun und Breguet, eine neue Einfachheit an.

Abraham-Louis Breguet (1747–1823) Der berühmte Uhrmacher aus Neuchâtel braucht jedem, der sich für Uhren interessiert, eigentlich nicht vorgestellt zu werden, denn seine Erfin­ dungen sind legendär, allen voran das Tourbillon, das er 1801 zum Patent anmeldet. Im Alter von 11 Jahren wird Abraham-Louis Breguet in der ­ Werkstatt seines Stiefvaters mit der Uhrmacherkunst vertraut gemacht, von 1762 bis 1775 verbringt er Lehrjahre in Versailles und Paris. 1775 eröffnet er in der Nähe seiner mutmasslichen Lehrmeister Ferdinand Berthoud und Jean-Antoine Lépine eine Werkstatt am Quai de l’Horloge auf der Ile de la Cité in Paris. Abraham-Louis Breguet verwendet nur selten farbig schimmerndes Email, stattdessen entwickelt er für seine Uhren eine

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funktionelle Schönheit, die auf einer subtilen Harmonie zwischen Gehäuse und Uhrwerk beruht und heute noch überzeugt. Bald finden sich die vornehmsten Namen in seinen Auftragsbüchern, bereits 1782 erwirbt die Königin eine Uhr von Breguet. Von unbekannter Seite erhält er 1783 ­ den Auftrag, eine Uhr für sie anzufertigen, die alle damals bekannten Komplikationen in sich vereint. Jene Uhr, die legendäre Breguet Nr. 160 «Marie Antoinette», hat die Königin allerdings nie zu ­Gesicht bekommen, denn sie wurde nach vielen ­Unterbrechungen erst 1827 fertiggestellt. Das einfache Werk unserer Uhr hier verfügt über einen Federantrieb mit Schnecke und Kette und eine Spindelhemmung. Die grosse Platine, die das gesamte Werk bedeckt, sowie der fein ziselierte Unruhkloben (Coq) sind eigenartig für Breguet, dessen Lehrmeister Jean-Antoine Lépine 1770 den flachen Taschenuhrbau mit Brücken statt der Vollplatine erfunden hatte. Insgesamt wirkt das Werk sehr schlicht, fast so, als sei der Uhrmacher mit den Verzierungen nicht fertig geworden. Man kann sich vorstellen, dass die Uhr etwa 1788 n ­ ach dem Erscheinen des Kupferstiches von ­«La Paix ramenant l’Abondance» begonnen wurde. Die Emailmalerei ist eine zeitaufwendige Technik. Wahrscheinlich drängen auch die nach­folgenden politischen Unsicherheiten zur raschen Fertig­ stellung. Wir wissen nicht, für wen die Uhr bestimmt war. Auf jeden Fall scheint es ein Wunder, dass ein solch aussergewöhnliches kleines Kunstwerk die politischen Wirren der folgenden zwei Jahrhunderte und einiger Jahrzehnte überlebt hat und heute in einer der Vitrinen des Uhrenmuseums Beyer in Zürich betrachtet werden kann.


FUNKELNDES

KLEINOD

BY LAURA

CHANEL

SCHREINER JEWELLERY

BREGUET

THOMAS FRIEDEN

SWAROVSKI

BUCHERER GRAFF TÜRLER

GÜBELIN

CHRISTIAN DIOR

TÜRLER

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WUSSTEN SIE SCHON …? Der loyale Bote Der Sancy gehört zu den berühmtesten Diamanten der Welt. Er war der Hauptstein der Königskrone Ludwigs XV. von Frankreich. Im Jahre 1570 erwarb Nicholas Harlay de Sancy, Botschafter am Hof des Sultans Selim II. in Konstantinopel, den Diamanten und gab ihm seinen späteren Namen. Seigneur de Sancy war Finanzminister am Hof des Königs. Er gab den Diamanten als Sicherheit für ein Darlehen, um Soldaten anzuwerben. Ein Bote wurde mit dem Diamanten nach Solothurn losgeschickt, erreichte jedoch seinen Bestimmungsort nicht. Man fand den toten Boten, der anscheinend von Dieben überfallen worden war. Seigneur de Sancy liess den Leichnam öffnen und fand den Diamanten im Magen des Boten. Kurz vor seinem Tod hatte der loyale Bote den Stein verschluckt, damit er nicht in Diebeshände gelangte. Nach einer langen Reise durch viele Königshäuser befindet sich der Sancy heute in der Apollogalerie im Louvre.

Blühende Stunden Der schwedische Wissenschaftler Carl von Linné legte 1745 im botanischen Garten von Uppsala eine Blumenuhr an. Dabei handelte es sich um ein Blumenbeet in Form eines Zifferblatts mit reihum zwölf Unterteilungen, die mit den zur jeweiligen Stunde blühenden Pflanzen ausgestattet waren. Dabei muss man wissen: Bestimmte Pflanzenarten blühen nur zu bestimmten Tageszeiten. So entstand eine exakte, natürliche Uhr. Angeblich soll Carl von Linné bei der Frage nach der Uhrzeit ein Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers auf seine «Blumenuhr» genügt haben, um die Uhr bis auf 5 Minuten genau abzulesen.

Sommer- & Winterzeit Die Idee, im Sommer und im Winter die Uhren umzustellen, verdankt die Welt Benjamin Franklin. Der Politiker und Erfinder des Blitzableiters schlug im Jahre 1783 in einem Brief an eine Pariser Zeitschrift vor, die Uhren im Sommer eine Stunde vorzustellen, um mehr Tageslicht zu nutzen und so den Verbrauch teurer Kerzen zu reduzieren. Man startete einige Versuche während des Ersten Weltkrieges, doch erst Mitte der 1970er Jahre des vergangenen Jahrhunderts verfolgte man die Idee wieder mit grösserem Interesse – Grund dafür war die erste Ölkrise im Jahr 1974. Energie sparen wurde zum Thema Nummer eins. So wurde das Zeitgesetz bald in die Praxis umgesetzt. Brüssel folgte einige Jahre später mit der Einführung einer harmonisierten mitteleuropäischen Sommerzeit MESZ. Diese trat 1996 in Kraft.

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WATCHES & JEWELLERY

WUNDERLAND À LA

VICTOIRE DE CASTELLANE Brillant ist nicht nur der Schmuck von Dior, brillant ist auch die Designerin dahinter. Ihre Kreationen sind stets Einzelstücke, die Preise dafür erhält der interessierte Kunde nur auf Anfrage. Valeska Jansen

E

Exzentrisch wird sie genannt und unsagbare Kreativität wird ihr nachgesagt. Beides stimmt. So lässt sie zum Beispiel Fotos von sich nur von ihrem eigenen Fotografen geschossen veröffentlichen. Unendlich kreativ, sieht man ihre fantasievollen und aussergewöhnlichen Schmuckkreationen. Victoire de Castellane liebt es üppig und sie darf es auch: «Ich bin ein glücklicher Mensch! Es gibt seitens Dior keine finanziellen Vorgaben und auch keine Limits für meine Schmuckkollektionen», erzählt sie stolz.

Grenzenlose Freiheit Während andere Schmuckdesigner kalkulieren (müssen), darf sie sich austoben. (Über Preise spricht man übrigens nicht. Die gibt es ausschliesslich bei echtem Kaufinteresse auf Anfrage.) Gold in nur drei Farben ist de Castellane nicht mehr genug und so ist es nicht verwunderlich, dass sie es einfach bunt überlackiert. Giftgrün, Blutrot, leuchtend Violett oder strahlend Türkis. Sie liebt eben Farben: «Es gibt keine Farbe, die ich nicht mag. Ich liebe alle Farben!», schwärmt die zierliche Französin. Ihre einzige Richtlinie ist ihre Hommage an Christian Dior. An den jeweiligen Dior-Fashionkollektionen orientiert sie sich nicht.

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WATCHES & JEWELLERY

Unkonventionell und selbstbewusst

Kitsch und Trash überall

Als sie 1998 im Hause Dior als Schmuckdesignerin begann, sorgte sie sofort für Furore. Als eine der ersten Schmuckdesignerinnen verarbeitete sie die bis dahin in der Haute Joaillerie verpönten Halb­ edelsteine. Andere Juweliere folgten ihr bald und Halbedelsteine wurden 2004 offiziell in die Riege der Edelsteine aufgenommen. Besonders auf­ fallend war auch von Beginn an die Grösse der von ihr auserwählten Steine. Riesige Amethyste waren der zentrale Mittelpunkt ihrer allerersten Kollektion für das Haus Dior.

De Castellane sammelt alles was bunt und irgendwie trashy ist. Selbst in ­ihrem Dior-Office wimmelt es von Schneekugeln, Plastikfiguren aus Disney-­ Filmen und skurrilen japanischen Figürchen in allen erdenklichen Farben. Bei vielen ihrer Kollektionen werden Erinnerungen an Märchen wach. Das ist nicht verwunderlich, denn de Castellane wäre gerne eine Prinzessin: «Ich liebe Märchen und wäre gern Schneewittchen. Dabei bin ich wohl eher die böse Stiefmutter», lacht sie. Auch Alice im Wunderland ist eine Traumfigur der zierlichen Pariserin, die am liebsten Mode von Azedine Alaia trägt. Insgesamt könnte man all ihre

Heute gilt sie als die Revolutionärin der Haute ­Joaillerie, nicht zuletzt wegen genau dieser unkonventionellen Art, Schmuckstücke zu entwerfen. Ungewöhnliche Farbkombinationen und die Verbindung scheinbar unpassender Materialien, es gab nichts, was sie sich nicht getraut hätte.

Blaues Blut De Castellanes Liebe zu Schmuck begann schon, als sie noch ein kleines Kind war. Wenn ihre Grossmutter Sylvia Hennessy, aus der Cognac-­ Dynastie, mit ihrer besten Freundin Barbara Hutton, Woolworth-Erbin, zusammen war, weckten zuerst hauptsächlich die Geräusche von Schmuck ihre Aufmerksamkeit: «Ich kann mich noch genau ­daran erinnern, wenn die beiden sich unterhielten und dabei gestikulierten, wie ihre Armbänder und Armreifen am Handgelenk zusammen klimperten und klirrten. Das ist bis heute Musik in meinen ­Ohren», sagt sie. Dass sie aus einer alten Pariser Adelsfamilie, deren Familienstammbaum bis ins 10. Jahrhundert zurückgeht, stammt, sieht man ihr an. Ein aristokratisches Gesicht und eine besonders gerade Haltung, gepaart mit einer leicht überheblich wirkenden Ironie um die Mundpartie. Tatsächlich hat die vierfache Mutter viel Humor, liebt es, zu lachen, und wirkt manchmal beinahe ein bisschen kindlich: «Ich liebe Kitsch! Besonders japanisches Kinderspielzeug inspiriert mich. Ich sehe es gar nicht als Spielzeug für Kinder, es ist eher etwas für Erwachsene», erzählt sie lachend.

Gilt mit ihren ungewöhnlichen Materialkombinationen als die Revolutionärin in der Luxus-Schmuckwelt, Victoire de Castellane.

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WATCHES & JEWELLERY

­ reationen als eine Reise durch die Märchenwelt K beschreiben – eine Reise durch verzauberte Gärten, begleitet von strahlenden Elfen, glitzernden ­Insekten und funkelnden Kreaturen.

Die Natur als kunterbunte Vorlage Detailverliebt und grosszügig zugleich, diese beiden Merkmale treffen den Stil der Künstlerin wohl am besten. Kleine Frösche, üppig ausgefasst mit grünen Smaragden, blinzeln mit ihren funkelnden Diamantaugen über den Blütenrand eines Ringes. Bienen, diamantbesetzt, umschwirren wertvollste Geschmeide. Und immer wieder über­raschende Farbkombinationen: Hellblau kombiniert mit Grasgrün, Rubinrot gepaart mit Orange, Türkis in Verbindung mit Rot. Verblüffend ist ­dabei ­die Selbstverständlichkeit, die Frage: «Passt das eigentlich?», kommt gar nicht auf. Kein Wunder, so gibt es diese ungewöhnlichen Farbkombinationen doch in der Natur. Ein Kolibri glänzt in allen erdenklichen Farben gleichzeitig und kein Mensch stellt den Farbmix seines Federkleides infrage. So sieht es auch de Castellane: «Ich orientiere mich sehr stark an der Natur, bin überhaupt sehr naturverbunden. So liegt es für mich auf der Hand: In der Natur gibt es keine Farbkombination, die es   nicht gibt. Es gibt keine Farbsteine, die nicht z­ usammenpassen! Gerade durch ungewöhnliche Kombinationen entstehen die magischsten Momente», erzählt sie überzeugt.

Eine Hommage an Diors Rosenliebe Als Ebenbild der Natur präsentiert sich auch Victoires Kollektion «Bal de Roses», in der sie die ­Königin aller Blumen immer wieder aufs Neue interpretiert: «Christian Dior liebte Rosen über alles, sein gesamter Garten in Milly-la-Fôret (kleine Gemeinde ca. 50 Kilometer südlich von Paris) war ein Rosenmeer. Meine Kollektion entstand seiner grossen Blütenliebe zu Ehren.»

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WATCHES & JEWELLERY

Geht man genauer ins Detail, wird neben der offensichtlichen Blüte dazu jede Menge Couture sichtbar. Rosen wirken wie angezogen, mit einem üppigen Ballkleid. Schwer sehen die Ringe aus, doch gleichzeitig auch leicht. Perfekte Goldschmiedekunst und präzise gefasste Steine vermitteln dies raffiniert. Die vielen kleinen Diamanten, Saphire und Rubine, dicht an dicht, umrahmen jedes Blütenblatt, jede Zarge. So wirken die auf­ fallend grossen Schmuckkunstwerke spielerisch leicht. Dass die Entwicklung einer Kollektion von der Skizze bis zum fertigen Stück beinahe zwei Jahre dauert, ist bei genauer Betrachtung der unendlich vielen kleinen Details absolut vorstellbar.

Doch es gibt ein «No-Go» für de Castellane, wenn auch ein überraschendes und aller sonstigen Opulenz und Üppigkeit zum Trotz: «Frauen mit Kurzhaarfrisur und Brille sollten niemals lange Ohrhänger tragen! Kleine Ohrstecker stehen ihnen viel besser.» Ja, sie ist exzentrisch, vielleicht etwas zu selbstbewusst und de Castellane ist unendlich kreativ. Aber vor allem ist sie mutig. Genau deshalb ist es ihr wohl auch gelungen, die einst so konservative Haute Joaillerie zu revolutionieren.

Modeschmuck für Chanel Viele Menschen denken allerdings, dass de Castellanes Schmuckstücke Modeschmuck wären. Was wohl auch daran liegen mag, dass sie ­14 Jahre lang für Chanel als Head of Accessoires Modeschmuck entwarf. Doch das stört sie nicht: «Ich finde Fakes einfach toll! Und was meinen Schmuck angeht, so ist es doch praktisch, dass viele denken, es sei nur Modeschmuck. Mit meinen Schmuckstücken kann man wenigstens überall nachts über die Strasse gehen, ohne gleich überfallen zu werden», sagt sie lachend. Selbstbewusst und humorvoll hält sie dagegen. Denn alle ihre Entwürfe sind ihr ans Herz ge­ wachsen. Am liebsten würde sie jedes einzelne Stück für sich behalten: «Jeder Ring, jede Kette, jede Brosche, egal was, alle sind für mich wie meine Kinder. Es fällt mir immer aufs Neue schwer, sie gehen zu lassen», schwärmt de Castellane.

Ein «No-Go» gibt es Eine Altersgrenze für extravaganten und auffäl­ligen Schmuck sieht sie nicht: «Egal, wie alt, jede Frau kann immer den Schmuck tragen, der ihr gefällt.» Wie sie denn Schmuck an Männern so findet, beantwortet sie diplomatisch gar nicht: «Ich entwerfe ja keinen Schmuck für Männer.»

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DER DIAMANTENJUNGE HARRY WINSTON

Der US-amerikanische Juwelier Harry Winston hatte schon als Kind einen geübten Blick für wertvolle Steine. So erwarb er im zarten Alter von ­12 Jahren bei einer Tour durch ein Pfandleihhaus für 25 Cent einen zweikarätigen Smaragd, polierte diesen auf und verkaufte ihn anschliessend für 800 Dollar weiter – eine nicht unbeträchtliche Gewinnspanne! Auch in den darauffolgenden Jahren

bewies er ein ums andere Mal einen ausgeprägten Geschäftssinn. Nachdem er Arabella Huntingtons berühmte Juwelenkollektion aufgekauft und an ­die modernen Zeiten angepasst hatte, konnte er sein Schmuckimperium nach und nach ausbauen und bald berühmte Diamanten wie «The Hope», «The Washington» oder «The Portuguese» zu seinem Besitz zählen. Ein ­Drittel aller weltweit verfügbaren Diamanten sollen über die Jahre durch seine Hände gegangen sein. Heute betreibt die Harry Winston Diamond ­Corporation acht Geschäfte in den USA und 17 weitere auf der ganzen Welt.

2 ZITATE «Mein Ziel war es nie, den schönsten Edelstein der Welt zu finden. Nein, ich wollte immer einen finden, der noch schöner ist.»

«Die Leute schauen sich eben einfach gern schöne Dinge an. Das war früher so, das ist heute so und das wird immer so sein. Wir versuchen nur, ihnen ein bisschen dabei zu helfen.»

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Etwas «Kauziges» an der Kette Bei Thomas Sabo werden keine Eulen nach Athen getragen, sondern man trägt sie in diesem Herbst um den Hals. Mit der neuen «Owl & Koi»-Kollektion folgt man dem neusten Trend der «Figurative Jewellery». Die Eule als Symbol femininer Eleganz in der Nacht, der Koi als Stellvertreter für Courage und Ausdauer. Die Anhänger sind ein echter Hingucker im Dekolleté jeder Frau. www.thomassabo.com

SHORTCUTS High Jewellery Collection Die römische Ziffer V läutet zum einen die fünfte hochklassige Schmuckkollektion des Hauses Louis Vuitton ein. Zum anderen steht sie aber auch für das Kürzel bzw. Logo des traditionsreichen Unternehmens, das auf den Art déco und den Gründerenkel Gaston-Louis Vuitton zurückgeht. Dieser wollte dem Haus damit ein neues, modernes Gesicht verpassen. Mit den hochkarätigen Edelsteinen in V- bzw. Dreiecksform, die die neue Kollektion zu etwas ganz Besonderem machen, soll damit also nicht zuletzt an dieses wichtige Kapitel in der Geschichte von Louis Vuitton erinnert werden. www.louisvuitton.com

Luxuriöse Schleifen Mit den stilvollen Serenata-Kreationen aus 18-karätigem Gold hat Al Coro ein hochwertiges Ensemble geschaffen, das bei jedem Anlass perfekt harmoniert. Sowohl in den glamourösen Ringvariationen als auch im Collier finden sich noble Schleifen wieder, die die Schmuckstücke symbolisch verbinden und ihnen elegante Leichtigkeit verleihen. Während die Ringe in Rosé-, Gelb- oder Weissgold erhältlich sind, präsentiert sich das Collier traumhaft und einzigartig schön – Luxus für jeden Tag. www.alcoro.com

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Perfekt für die Wiesn Zwar ist Bescheidenheit eine Zier, doch alles andere als bescheiden und wirklich aussergewöhnlich ist der Anhänger des Schmucklabels «Die Wilde Kaiserin». Ein originelles Zusammenspiel aus Tradition und Glamour prägt das Schmuckstück, das aus Rehspitze und einem funkelnden ZirkoniaRondell liebevoll von Hand gefertigt ist. Egal, ob an einer feinen Silberkette oder am rustikalen Lederband – wer es auffällig, aber dennoch stilsicher mag, liegt mit dem «Zierstück» genau richtig. Das schmucke Hörnchen passt wunderbar zu Dirndl und Lady-Lederhose auf der Wiesn.

Zeit Alexander Demandt Propyläen Verlag

www.diewildekaiserin.com

Eine Zeitreise der besonderen Art Die Zeit vergeht im Fluge, doch tat sie das immer schon? Welche Zeitvorstellungen begleiteten die alten Griechen und Römer durch den Tag? Welche Vorstellung hatten sie von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Und wie beeinflusst ihr Zeitmass noch heute unseren Alltag? Der Althistoriker Alexander Demandt zählt zu den wenigen seines Faches, die zugleich unterhaltsam und lehrreich zu schreiben wissen. In der ihm eigenen kurzweiligen Art bringt er uns eine Zeit nahe, die im wahrsten Sinne des Wortes ganz anders tickte als unsere.

Ein Meisterwerk der Uhrmacherei Die berühmteste Uhr der Welt kehrt auf den Markt zurück – ihr Schätzwert beträgt 15 Mio. Schweizer Franken. Sotheby’s Genf wird an der Uhrenauktion am 14. November 2014 ein wahres Meisterwerk der Uhrmacherei präsen­tieren: die «Henry Graves Supercomplication». Diese von Patek Philippe 1933 geschaffene Uhr ist die berühmteste Uhr der Welt mit dem kompliziertesten je von Menschenhand geschaffenen Uhrwerk. Pünktlich, zu Ehren von Patek Philippes 175. Geburtstag, kehrt sie nach 15 Jahren auf den Markt zurück.

Ein Tribut an die Olympischen Spiele 2016 Die Olympischen Spiele lösen immer wieder von Neuem Begeisterungsstürme aus und ziehen alle in ihren Bann. Die Speedmaster Mark II «Rio 2016» ist ein Tribut an die Olympischen Spiele 2016 in Rio und das einzigartige Zifferblatt des Chronografen ruft dieselben Ruhm- und Triumphgefühle hervor, wie sie die Athleten verspüren werden, wenn sie ihren Platz auf dem Podest einnehmen. Das neue Modell wurde von der Original OMEGA Speedmaster Mark II aus dem Jahr 1969 inspiriert. Das polierte und gebürstete Edelstahlgehäuse ist tonnenförmig und hat eine polierte Krone sowie polierte Drücker. Unter dem flachen, kratzfesten Saphirglas befindet sich ein mattschwarzes Zifferblatt mit einem 30-Minuten-Zähler bei 3 Uhr, einem 12-Stunden-Zähler bei 6 Uhr und einer kleinen Sekundenanzeige bei 9 Uhr. Die Hilfzifferblätter sind mit einem Bronzering, einem 18-karätigen Gelbgoldring und einem 925 Silberring versehen; ein Design, das an die den Olympiasiegern verliehenen Medaillen erinnert. www.omegawatches.com

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DAS TAL DER UHREN STADTE DER ZEIT Auf den Höhenzügen des Schweizer Juras, 1000 Meter über dem Meer: La Chaux-de-Fonds und Le Locle, die Wiege der Schweizer Uhrenindustrie. Yvonne Beck

I

n der kargen Bergwelt des Schweizer Juras, nicht weit von der Grenze ­zu Frankreich, gibt es ein Tal, das man «watch valley» nennt, das Tal der Uhren. In Dörfern wie Le Locle und La Chaux-de-Fonds sowie deren Umgebung liessen sich zur Zeit der Reformation die Hugenotten aus Frankreich nieder. Sie betrieben im Sommer Landwirtschaft und stellten im Winter in Heimarbeit die ersten Schweizer Präzisionsuhren (mechanische Pendel­ uhren, Taschenuhren) her. Bis heute sind hier grosse Namen der Branche mit Produktionseinheiten vertreten.

Alles dreht sich um die Zeit Die Uhrenstadt La Chaux-de-Fonds verdankt der Zeit nahezu alles. Genauer gesagt, dem Gebot des Fortschritts, die Zeit zu messen – in Stunden, ­Minuten und Sekunden, um die Zeit berechenbarer, planbarer und verfüg­ barer zu machen. Hätte sich La Chaux-de-Fonds nicht auf mechanische ­Zeitmesser spezialisiert, wäre es wohl ein einfaches Bauerndorf im Schweizer Jura geblieben. Im Jahre 1665, so die Legende, brachte ein Pferdehändler dem jungen Schmied Daniel JeanRichard eine defekte Taschenuhr. Der äusserst talentierte Richard konnte das mechanische Wunderwerk aus einer Londoner Manufaktur nicht nur reparieren, er untersuchte die Uhr sorgfältig. Indem er ein Stück nach dem anderen in die Hand nahm, um zu sehen, wo eigentlich der Fehler steckte, lernte er die Beziehungen der einzelnen Teile zuei­nander kennen. Nachdem er so den ganzen Mechanismus gründlich kennen­gelernt hatte, entschloss er sich dazu, ein ähnliches Werk zu schaffen. Um jedoch

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Zuhause in der kargen Bergwelt des Schweizer Juras

damit ans Ziel zu kommen, brauchte er eine Menge Werkzeuge, die er in einer Schlosserwerkstatt nicht finden konnte. Er wendete nicht weniger als ein ganzes Jahr für das Verfertigen und Herrichten der Werkzeuge, die er brauchte, und dann ein weiteres halbes Jahr auf, um seine Uhr zu bauen. Die erste Neuenburger Uhr datiert aus dem Jahr 1681. Dem Pionier folgten seine Schüler. Seine Erfolge zogen viele Neugierige, aber auch sehr viele Kunden an und im Schweizer Kanton Neuenburg begann bald ein neues Gewerbe zu erblühen – die Uhrmacherei. In den Werkstätten entstanden tragbare Zeitmesser: Kunsthandwerk gepaart mit technischer Raffinesse. Aber auch das Proletariat, einfache Leute, sollten sich einen Zeitmesser leisten können, denn schon längst diktierten Fabrikuhren ihren Alltag.

Doch warum konnte sich das Uhrenhandwerk ausgerechnet auf den abgelegenen Neuenburger Bergen so gut entwickeln? In 1000 Metern Höhe, in einer Gegend, die erst im 14. Jahrhundert urbar gemacht wurdeund sich durch ein raues Klima sowie durch schneereiche Winter auszeichnet. Es waren genau diese widrigen Existenzbedingungen, die den Bauernhof zur Wiege der Uhrenindustrie im Jura machten. Die Menschen lebten weit verstreut, waren gezwungen, die meisten Werkzeuge des täglichen Lebens selbst herzustellen und sie entwickelten s­ o ein aussergewöhnliches handwerkliches Geschick. Die Bauernuhrmacher brachten es hierdurch zu einem bescheidenen Wohlstand. Mit dem Aufschwung des Uhrenmetiers konzentrierten sich die Aktivitäten mehr und mehr in La Chaux-de-Fonds. Aus dem Dorf wurde eine Stadt. Zum Ende des 18. Jahrhunderts begann ein neuer Gebäudetyp das Stadtbild zu dominieren – das Arbeitermietshaus. Alle Wohnungen wurden mit dem gleichen Grundriss gebaut: 80 Quadratmeter Wohnfläche, drei Zimmer und  eine Wohnküche. Der Uhrmacher und seine Familie wohnten und ­ar­beiteten unter einem Dach. Mit zunehmender Arbeitsteilung und Spezia­lisierung w ­ urden die Werkräume in das Souterrain oder unter das Dach ausgegliedert. Es entstanden Ateliers, in denen Handwerker arbeiteten, die alle das Gleiche benötigten: nur wenig Raum, dafür aber eine gute Heizung und vor allem genügend Licht. Die Tätigkeit der Menschen, die Architektur ihrer Häuser – alles richtete sich nach den Bedürfnissen der Uhrenproduktion. Diese expandierte und verlangte die moderne, die ideale Stadt für das ­Gewerbe.

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1841: Der Plan des Ingenieurs Charles-Henri Junod Der Ingenieur Junod entwarf keine geschlossene Stadt, sondern vielmehr ein System, das in sich geschlossen war und fast autark funktionierte. Karl Marx beschrieb in seinem Buch «Das Kapital» die Reissbrettstadt La Chaux-de-Fonds wie folgt: «Diese ganze Stadt ist eine grosse Fabrik». Und in dieser einen Fabrik herrschten Rationalität und Effi­zienz. 1870 existierten zirka fünfzig verschiedene Hand­ werks­­ dis­ ziplinen, die an der Entstehung einer Uhr beteiligt waren. Parallel und rechtwinklig verlaufende ­Strassen sorgten für schnelle Transportwege. Vor allem brauchten die Präzisionsarbeiter eines: viel Licht. Deshalb richtete Junod die Häuserreihen konsequent als Lichtfänger am Nordhang der Stadt aus. So wurde La Chaux-de-Fonds zur Stadt der  vielen Fenster. Bald lockte das erfolgreiche Uhrengewerbe einen Zuwanderer-Strom aus der deutschen Schweiz, dem Tessin, Frankreich, Italien und Deutschland an. Arbeitslose und Glücks­sucher – sie fanden in La Chaux-­de-Fonds ein u ­ rbanes Kleinod vor, eine menschliche und tolerante Arbeiterstadt.

Maschinen statt Handarbeit, das amerikanische Prinzip! Zeugen dafür sind die prächtigen Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Hier wohnten Uhr­macher, eine proletarische Elite, offen für die neuen Ideen der Zeit. An alles war gedacht in der neuen Stadt. Schon früh produzierten Dampfgeneratoren den Lebenssaft der Industrialisierung: die Elektrizität. Denn «nur die Automatisierung der Uhrenproduktion würde gegen die wachsende Konkurrenz aus Übersee helfen», so die Erkenntnis der Zeitmesser­ fabrikanten aus dem Jura nach i­hrem Besuch der Weltausstellung in Philadelphia 1876. Sie begannen sofort mit der Massenanfertigung und hatten Erfolg. Um 1900 kam mehr als die Hälfte der weltweiten Uhrenproduktion aus La Chaux-de-Fonds. Nach dem Zweiten Weltkrieg sprengte der Wirtschaftsboom von 1945 bis 1973 dann alle Grenzen. Man schmiedete grosse Pläne, La Chaux-de-Fonds sollte mit dem Nachbarort Le Locle zu einer gros­ sen Kapitale der Uhren­industrie fusioniert werden. Dieser urbanen Vision setzte der Triumphzug der

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Quarzuhren aus Fernost jedoch ein jähes Ende. Viele Betriebe mussten schliessen. Waren vor der grossen Uhrenkrise noch 150’000 Menschen in der Uhrenindustrie beschäftigt, sind es heute nur noch 30’000, also gerademal ein Fünftel. Doch nicht nur La Chaux-de-Fonds, auch die Nachbarschaft Le Locle traf die Uhrenkrise hart. Konsequent auf das Licht ausgerichtete Häuserreihen, Wohnquartiere für die Uhrenarbeiter – die Stadtlandschaft ­offenbart die Dominanz der Uhrenindustrie auch hier. Über drei Jahrhunderte hinweg hatten sich in Le Locle grosse Uhrenmarken angesiedelt. Und noch immer werden hinter historischen Fassaden Uhren produziert. Nach schwierigen Jahren geht es den meisten Manufakturen heute wieder besser. Grund dafür: die zeitlose Attraktivität der Haute Horlogerie. Hochkonzentriert werden komplizierte Uhrwerke montiert, denn sie sind das Herzstück der mechanischen Meisterwerke im digitalen Zeitalter.

Back to the Roots Nach Jahren des Wachstums und der Vollbeschäftigung musste sich die ­Uhrenindustrie in den Jurabergen neu erfinden. Die Lösung: Spitzenqualität statt Masse! Man besann sich zurück auf alte Tugenden: Die Haute Horlo­ gerie – altes Kunsthandwerk und technische Spitzenleistungen waren die neuen Produktionsweisen der Manufakturen. In Luxusuhrenschmieden ­kreieren nun bestens ausgebildete Spezialisten teure, exklusive Zeitmesser. Es ist ein bisschen, als hätte man die Zeit zurückgedreht. Und zwar vor die industrielle Revolution, als sich nur die Reichen und Mächtigen dieser Welt einen Zeitmesser aus La Chaux-de-Fonds und Le Locle, den Städten der Zeit, leisten konnten. Über drei Jahrhunderte dominiert das Uhrenmetier nun bereits urbane Ent­ wicklung der beiden Städte. 2009 wurden sie dank dieser aussergewöhn­ lichen Symbiose von Technologie und Architektur zum UNESCO-Welterbe erklärt.


UNTERNEHMER, ERFINDER, PATRON NICOLAS G. HAYEK

Nicolas Hayek war einer der innovativsten und ­erfolgreichsten Unternehmer der Schweiz. Seine Karriere nahm mit einer Consultant-Firma ihren Anfang, später hat er mit seiner Swatch Group frischen Wind in die in den 1980er-Jahren am ­ Boden liegende Schweizer Uhrenindustrie ge­ bracht. Vor allem die bunten und preisgünstigen Swatch-Armbanduhren sollten sich schnell zu Verkaufsschlagern entwickeln – über 370 Millionen Stück wurden davon bis heute verkauft! Aber auch Edelmarken wie Breguet, Blancpain und die deutsche Glashütte Original gehören zur Unternehmensgruppe, die mittlerweile von Sohn Nick geleitet wird. Die Swatch Group ist damit der ­derzeit grösste Fertiguhrenhersteller der Welt und verfügt über mehr als 33’000 Mitarbeiter und 37 Tochtergesellschaften. 2013 erzielte man einen Umsatz von sage und schreibe 8,456 Milliarden Schweizer Franken. Aber nicht nur mit Uhren kannte sich Hayek aus. So tüftelte der umweltbewusste «Patron» auch immer wieder an neuen und ökologisch nachhaltigen Fahrzeugtechno­ logien und konzipierte etwa das Swatch-Mobil, ein kleines Auto mit Elektromotor, das später – allerdings ohne Elektromotor und unter dem Namen «Smart» – bei Daimler Erfolge feiern sollte.

2 ZITATE «Geld ist nicht das Wichtigste im Leben. Ich mache mir jeden Tag bewusst, dass ich nur eine Ameise, nur ein kleines Teilchen im Universum bin. Deshalb sollte man immer versuchen, bescheiden zu bleiben.»

«Leute, die viel Geld haben und darauf sitzen bleiben, sind mir ein Dorn im Auge. Mir war es immer wichtig, auch nach geschäftlichen Erfolgen weiter hart zu arbeiten und zu investieren. Als Unternehmer hat man auch eine Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern.»

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GEORGE NELSON DESIGNERUHREN

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Der berühmte amerikanische Architekt und Designer George Nelson begann in den 1950er-Jahren, moderne Alltagsgegenstände zu entwerfen. Darunter finden sich auch eine ganze Reihe von zeitlosen Uhren, die mit ihren vielfältigen und ideenreichen Formen neues Leben in die graue amerikanische Wohnkultur bringen sollten. Ob elegante Desk Clocks oder verspielte Wanduhren – alle Nelson-Entwürfe zeichnen sich durch ein hohes Mass an Verspieltheit und Experimentierfreude aus. Diese Uhren, von denen es einige zur echten Stilikone geschafft haben, scheinen einem zuzuzwinkern und zu sagen: Zeit ist, was ihr draus macht!

George Nelson © Vitra

Petal Clock Auch diese elegante Wanduhr kommt in ungewöhnlichem Design daher: Das Mittelstück ist aus goldenem Messing und die weissen Uhrzeiger kommen auf dem schwarzen Hintergrund besonders gut zur Geltung. Rechte Winkel sucht man hier ebenso vergebens wie ein klassisches Ziffernblatt. Es handelt sich hierbei um eine Neuauflage des Klassikers, die 2013 bei Vitra in Serie ging.

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Ceramic Clock Uhren aus Keramik? Kein Problem für George Nelson! Diese Schreib- bzw. Nachttischuhren sind ebenfalls Anfang der 1950er-Jahre entstanden und bestechen durch ihr verrücktes Design. Geometrie und Dynamik halten sich hier die Waage, die Formensprache erinnert ein wenig an jene von Skulpturbildnern wie Isamu Noguchi oder Constantin Brancusi. Lange Zeit waren diese Zeitmesser nur als Ausstellungsstücke zu bewundern. Jetzt sind sie endlich wieder zu haben – dank dem Vitra Design Museum, das die Uhren vor Kurzem auf den Markt gebracht hat!

Ball Clock Im Jahr 1949 entstanden, ist diese Wanduhr schnell zur Stilikone avanciert und auch heute noch ein echter Kassenschlager. Das Gehäuse ist aus Metall gefertigt, im Innern der Uhr findet sich – wie auch in allen anderen Uhren von George Nelson – ein hochwertiges Quarz-Uhrwerk. Die bunten Holzkugeln, die anstelle einer klassischen Ziffernanzeige gewählt wurden, sind bei jeder Uhr in einer anderen Farbe gehalten.

Elihu the Elephant Clock Diese elefantöse Wanduhr hat George Nelson in den 1950er-Jahren konzipiert. Später hat er auch noch andere Vertreter der Tierwelt als Vorlage für seine Kreationen benutzt: Ob «Fernando the Fish», «Talaluh the Toucan» oder «Omar the Owl» – gerade Kindern kann auf diese Weise ganz spielerisch das Uhrenlesen beigebracht werden. Ein ideales Geburtstagsgeschenk!

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DIE GEFLUGELTE, ALTE DAME

EINE KUHLERFIGUR

NAMENS

EMILY

Die berühmteste Kühlerfigur der Welt ist im Volksmund als «Emily» bekannt. Inzwischen ist die Dame über hundert Jahre alt, hat jedoch jedoch nichts von ihrem einstigen Glanz verloren. Yvonne Beck

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DRIVE STYLE


DRIVE STYLE

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ühlerfiguren waren um das Jahr 1900 in Mode gekommen. Ganze ­Firmenzweige in Europa widmeten sich der Herstellung von Skulpturen für das Automobil. Schätzungen zufolge hat es in der Automobil­ geschichte rund 6 000 verschiedene Kühlerfiguren gegeben. In den Anfängen waren diese Figuren jedoch kein Markenembleme, sondern einfacher Tand. Es gab Edelvarianten, von Künstlern geschaffene Einzelstücke, aber auch ­Geschmacksverwirrungen wie Karikaturen von Tieren und Menschen. So ­waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts allerhand lustige, frivole und auch geschmacklose Artefakte vorne auf den Kühlerdeckeln zu entdecken.

Ein englischer-adeliger Autonarr und seine Muse Über ein Jahrhundert alt, doch immer noch heiss begehrt – die Kühlerfigur von Rolls-Royce. «Spirit of Ecstasy» ist der offizielle Name der geflügelten Dame, die seit 1911 den Grill der Luxuslimousinen ziert. Modell stand ­Eleanor Thornton, die Geliebte und Sekretärin des britischen Adeligen ­John Walter Edward Douglas-Scott Montagu, 2nd Baron Montagu of Beaulieu.

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Lord Montagus Passion galt, neben seiner Geliebten, dem Automobil. Er besass eines der ersten motorisierten Fahrzeuge Englands und betätigte sich als Herausgeber einer der ersten Autozei­ tungen – «The Car». Auch in seiner Eigenschaft als Politiker bemühte er sich redlich, dem Automobil zum Durch­bruch zu verhelfen. Dem adelige Rolls-Royce-­ Fahrer blieb die Modeerscheinung der Kühlerfigur nicht unentdeckt. Doch stellte er sich für sein Fahrzeug etwas eher künstlerisches vor und beauftragte daher den Künstler Charles Robert Sykes, seine Geliebte zu modellieren. Das fertige Kunstwerk trug den Namen «The Whisper». In ­fliegender Pose und mit wallendem Gewand flog Eleanor Thornton fortan vorne auf dem Rolls ihres Geliebten mit.

Nachhinein eines Rolls-Royce würdig befand, fuhr er Zeit seines Lebens einen Rolls ohne jegliche Kühlerfigur. Sie störe die glatte Linie des Wagenbugs. Jede einzelne «Spirit of Ecstasy» entstand von Hand. Der Guss erfolgte nach dem jahrtausendealten Prinzip der verlorenen Form. Bei dieser korrekt als Wachsausschmelzver­fahren bezeichneten Methode muss die Gussform zerstört werden, um das Gussstück zu erlangen. Hier liegt die Erklärung, warum niemals eine Figur der anderen exakt gleicht. Jedes der Unikate trug bis 1951 im Sockelbereich die Signatur Charles Sykes. Noch heute sind vor allem die ersten Figuren, die Sykes persönlich signierte, begehrte Sammlerstücke. «The Spirit of Ecstasy» und die «Emily» sind noch heute allgemein verständliche Symbole, die für den Traum vom absoluten Luxus­wagen stehen. So erhielt Eleanor Thornton wenigsten nach ihrem Tod den Status, der ihr zu Lebzeiten konventionshalber verweigert blieb. Eleanor Thornton hat den Erfolg der Statuette jedoch nicht mehr erlebt. Sie starb am 30. Dezember 1915, nachdem der Dampfer SS Persia von einem deutschen U-Boot im Mittelmeer auf der Höhe von Kreta torpediert worden war.

The Spirit of Ecstasy Der kreative und künstlerische Ansatz seiner ­Kühlerfigur begeisterte die reiche Avantgarde der Briten und so entstand die Idee einer einheitlichen Kühlerfigur als eine Art Markenzeichen. Der Autonarr Montagu vermittelte deshalb den Künstler ­Sykes an Rolls-Royce und so stand seine Geliebte zum zweiten Mal Modell für die nächste Kühler­ figur stehen musste. Diese erhielt nun den Namen «Spirit of Ecstasy» erhielt und wurde weltberühmt. Ab 1911 wurde «Spirit of Ecstasy» zunächst als Zubehör, in spä­teren Jahren serienmässig für alle Rolls-Royce angeboten. Und das, obwohl Henry Royce eigentlich eine Abneigung gegen diese Art von «Schnickschnack» hatte. Ihm waren Kühlerfiguren ein Dorn im Auge. Der künstlerische Deal mit Sykes und Montagu kam nur zustande, weil Royce zur Zeit des Vertragsabschlusses krank war. Und obwohl Royce «The Spirit of Ecstasy» im

Im Zeichen des Sterns Das bekannteste deutsche Markensignet in der Automobilbranche ist der Mercedes-Stern. Seit den Anfängen der gemeinsamen Arbeit von Daimler und Benz über prangte der umrundete Dreistern auf den imposanten Kühlern aus Stuttgarter bzw. Sindelfinger Produktion. Der Stern ver­zierte stolz und majestätisch jegliche Kühlerdeckel. Aufgrund der Unfallgefahr wurden 1959 feststehende Kühlerfiguren im deutschen Strassenverkehr jedoch verboten. Mercedes reagierte mit einer Kugel­ gelenktechnik, die bei einem Aufprall den Stern nach hinten klappte. Einziges Problem, der Stern liess sich dadurch leichter stehlen. Es gibt kaum einen Mercedes-Kunden, der nicht das ein oder andere Mal den entwendeten Stern durch einen neuen ersetzen musste.

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VIERFACHER WELTMEISTER OHNE STARALLÜREN SEBASTIAN VETTEL

Als er mit drei Jahren zum ersten Mal in einem klei­ nen Kart sass, konnte er wohl noch nicht ahnen, dass der Motorrennsport einmal sein zukünftiges Leben bestimmen würde. Heute ist Sebastian Vettel der wohl angesagteste Formel-1-Star überhaupt und der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten. Vier WM-Titel konnte er bislang für seinen Rennstall Red Bull einfahren, in diesem Jahr wurde er sogar zum beliebtesten Sportler der Welt gekürt. Trotz der vielen Erfolge ist der gebürtige Heppenheimer und junge Familienvater aber auf dem Teppich geblieben. Er isst am liebsten Pasta und entspannt am besten im Kreis seiner Familie, für die er eine alte Mühle in einer kleinen Thurgauer Gemeinde nahe der deutschen Grenze renovieren liess. Auch wenn in der laufenden Saison noch nicht alles perfekt läuft, der nächste Weltmeistertitel kommt bestimmt!

3 FRAGEN Sie sind der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten und nun auch noch Weltsportler 2014. Waren Sie schon als Kind ein Wettkampftyp? Ja, ich bin schon immer gern Kart gefahren. Michael Schuhmacher war damals ein grosses Vorbild für mich. Ich habe ihn sogar einmal in seiner Heimatstadt getroffen und durfte ihm einen Pokal überreichen. Da war ich ungefähr sieben Jahre alt. Unfälle sind im Rennsport an der Tagesordnung. Haben Sie auch manchmal Angst? Nein, Angst nicht. Natürlich gibt es Strecken, wie die in ­Kanada, oder Stadtkurse, die kaum Fehler erlauben. Ge­ rade darin liegt aber für mich die Herausforderung, das macht den extra Reiz aus!

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Sie sind durch die letzten Jahren sehr verwöhnt, was Siege und Rekorde angeht. Wie gehen Sie damit um? Ich denke, es ist sehr wichtig, alles nicht zu nah an sich heranzulassen. Natürlich freut man sich und ist stolz, diese Erfolge mit seinem Team erreicht zu haben. Dennoch muss man bescheiden bleiben und sich auch klarmachen, dass das nicht ewig so weitergehen kann. Die Statistik spricht ganz klar dagegen!


PRESTIGE STYLE WOMEN

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YVES SAINT LAURENT

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BOCA DO LOBO

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BUCHERER GUCCI

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PRESTIGE STYLE MEN

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MARC O’POLO

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SAMSUNG BRIONI

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ANHALT

ANTARES TONINO LAMBORGHINI

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SHORTCUTS Zur Legende geboren Blitzschnell, agil und leicht pfeilt sie durch die Stadt: die neue Vespa Sprint. Mit ihr kehrt die «sportliche Vespino» zurück, die für Generationen junger Menschen der Inbegriff von Vitalität und Mobilität war. Die brandneue Sprint ist die sportlichste und dynamischste Vespa mit «kleiner Karosserie» der gesamten Modellreihe. Ihr Name ist untrennbar verbunden mit den sportlichen Vespas der 1960er- und 1970er-Jahre. Die neue Vespa Sprint hat alle zen­­tralen und unabdingbaren Bauelemente, die ihre Vorgängerinnen bei der Jugend so erfolgreich und beliebt gemacht hatten, geerbt. Dazu gehören etwa der Sportsattel und der rechteckige Frontscheinwerfer. Der perfekte Stadtflitzer! www.vespa.ch

Ein Must-have für alle Liebhaber der Actionfotografie Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Red Bull Racing Teams würdigt dieser Band die Rennen, die Fahrer und die Fahrzeuge – also alles, was dieses jüngste Superteam der Formel 1 ausmacht. Aufschlussreiche Interviews mit Gründer Dietrich Mateschitz, Sportchef Helmut Marko, Teamchef Christian Horner und dem Technischen Direktor Adrian Newey zeigen, welch technischer Perfektionismus hinter dem Bau der erfolgreichen Rennwagen steht. Dieser reich bebilderte Band mit innovativem Layout und atemberaubenden Fotos macht jede Sekunde der Begeisterung erlebbar.

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Für wahre Motorsport-Fans Durchdrehende Reifen und heulender Motor: Der Rennwagenwecker «Motorsound» holt auch Langschläfer und Murmeltiere immer effizient aus dem Schlaf. Da werden besonders die Herren der Schöpfung nicht widerstehen können. www.monsterzeug.de

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Beim Boxenstopp Pizza Der «Pit Stop Pizza Cutter» ist das perfekte Gimmick für alle Formel-1-Fans, die sich während eines Rennens gerne mal eine Pizza zu Gemüte führen. Mit seiner Doppelklinge ist der Pizzaschneider von Jay’s der Ferrari unter den Cuttern und mit seinem Retrolook gleichzeitig eine Reminiszenz an die 1930er- und 1940er-Jahre des Motorsports. www.thegiftoasis.com

Mit Stil auf Touren Dass sich Stil und Alltagstauglichkeit bei einem Fahrrad nicht ausschliessen müssen, beweist «Friedrich» von Schindelhauer Bikes. Als voll ausgestatteter Commuter mit flüsterleisem Zahnriemenantrieb statt Kette ist Friedrich das perfekte Rad für jeden, der weder in der Ausstattung noch im Stil Kompromisse eingehen will. Die vergleichsweise entspannte Rahmengeometrie mit leicht abfallendem Oberrohr sorgt für eine komfortable Sitzposition, ohne an sportlicher Schnittigkeit einzubüssen. Bei einem Gesamtgewicht von 12,9 Kilogramm har­ moniert das eingespielte Duo aus Shimano Alfine 8 und Gates CenterTrack™ perfekt und bietet einen stressfreien Antrieb bei der Stadt-Rallye oder auf ausgedehnten Landpartien. Ein sowohl optisches als auch funktionales Highlight ist übrigens die Fahrradklingel, die formschön direkt im Bremshebel integriert ist. www.schindelhauerbikes.de

Einzigartiges Andenken an Peter Alexander Der legendäre Schlagerstar Alexander als Sammler von Modelleisenbahnen: Diese wenig bekannte Seite des österreichischen Sängers, Schauspielers und Entertainers können Besucher des Hans-Peter Porsche TraumWerks ab Frühjahr 2015. Hans-Peter Porsche, Enkel des legendären Firmengründers Prof. Dr. Ing. h. c. Ferdinand Porsche, hat die Modelleisenbahnanlage nach dem Tod des berühmten Entertainers bei einer Auktion ersteigert. Ab kommendem Jahr können sich Besucher ein eigenes Bild von der einzigartigen Anlage machen, an der Peter Alexander 200 Stunden gearbeitet hat. Mit dem TraumWerk lässt Hans-Peter Porsche die Öffentlichkeit erstmals an seiner Leidenschaft für das Sammeln von historischem Spielzeug, Modellbahnen und Oldtimern teilhaben. Ab Frühjahr 2015 wird das Hans-Peter Porsche TraumWerk in der oberbayerischen Gemeinde Anger im Berchtes­gadener Land eine Türen für Besucher öffnen. Das Areal umfasst eine Fläche von rund 50’000 Quadratmetern und befindet sich verkehrsgünstig nahe der Autobahn A 8 an der Anschlussstelle Bad Reichenhall, in unmittelbarer Nähe zur deutsch-österreichischen Grenze. www.hanspeterporsche.com

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DRIVE STYLE

ICH FAHRE MIT

AUDI RS 5 CABRIOLET Fahrspass auf ganzer Linie ist mit ihm garantiert. 450 PS verstecken sich in der sportlich-eleganten Cabrio-Version des Audi A5. Das leichte Textilverdeck lässt sich bei Geschwindigkeiten unter 50 Kilometer pro Stunde innerhalb von 15 Sekunden öffnen oder schliessen. Valeska Jansen

G

lücklich ist, wer diesen Luxussportwagen bei schönstem Sommerwetter testen darf. Schon das Drücken des Startknopfs bereitet mit einem satten Motorsound auf den folgenden Fahrspass vor. Dank seiner tiefergelegten Karosserie, hat man das Gefühl, in einem DTM-Sport­ wagen zu sitzen. Audi verspricht eine Zeit von 4,6 Sekunden bei der ­Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer – und dank seiner 450 PS gelingt dies tatsächlich. ­Das neue Audi RS 5 Cabrio von 2014 ist ein echter Blitzstarter. Der 4,2-Liter-­V8-Ottomotor wird serienmässig bei 250 Kilometer pro Stunde abgeriegelt, ist auf Wunsch aber auch mit einer maximalen Höchstgeschwindigkeit von 280 Stundenkilometer erhältlich.

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DRIVE STYLE

Womit auch ein Manko angesprochen werden muss: Gibt Audi einen Verbrauch von 10,9 Litern auf 100 Kilometer an, zeigt die Tankanzeige doch etwas anderes an. Wer den Fahrspass des Audi RS 5 richtig geniessen und auch erfahren möchte, landet schnell bei bis zu 20 Litern auf 100 Kilometer. Ein teurer, aber auch lohnenswerter Spass.

Elegant und sportlich von innen und aussen

Dank S tronic wie auf Schienen Das Siebengangdoppelkupplungsgetriebe «S tronic» schaltet ohne Verzö­ gerung automatisch, aber auch manuell. Dank des Quattro-Allrad­antriebes, mit einer Kraftverteilung von 40:60 hinterradbetont, bringt der M ­ otor seine Kraft zügig in den Antrieb. Selbst bei starkem Regen fährt der Audi RS 5 wie auf Schienen. Mit dem aktiven Sportdifferenzial an der Hinterachse nimmt das Auto jede Art von Kurve mühelos. Abhängig von Lenkwinkel, Querbeschleunigung, Fahrgeschwindigkeit und weiteren Informationen errechnet das Steuergerät die für jede Fahrsituation passende Verteilung der Radmomente. So dirigiert es beim Anlenken oder beim Beschleunigen in einer Kurve die Kraft gezielt zum kurvenäusseren Hinterrad. Der Effekt: Das Auto wird von der Antriebskraft quasi in die Kurve hineingedrückt und folgt exakt dem ­Winkel der Vorderräder. Die links und rechts unterschiedlichen Antriebskräfte lenken mit, die üblichen Korrekturen am Lenkrad sind nicht mehr nötig. Das Untersteuern, also das Schieben über die Vorderachse, verschwindet ­komplett.

Von komfortabel bis sportlich Das Fahrdynamiksystem «Audi drive select» ermöglicht die individuelle Einstellung von Gasannahme, Lenkung und Fahrwerk. Von komfortabel bis sportlich kann der Fahrer über einen Taster an der Mittelkonsole selbst ­bestimmen, ob er lieber gemütlich oder dynamisch ans Ziel kommt. Das ­Multifunktionslenkrad mit Carbon-Einlagen ist griffig und mit perforiertem Leder bezogen. Daran angebrachte Schaltwippen in Aluminiumoptik lassen ein dynamisches manuelles Schalten zu.

Sicherheit dank Distanzregler Auch die automatische Distanzregelung «adaptive cruise control» ist im Lenkrad integriert. Zwischen 30 und 200 Stundenkilometer erkennt sie mithilfe eines Radarsensors vorausfahrende Fahrzeuge. Dank ihr ist eine konstante Fahrweise sowie ein geringer Kraftstoffverbrauch möglich.

Aussen und innen besticht der Audi RS 5 mit seiner schlichten und sportlich-eleganten Optik. Die eckigen Kotflügel, die vergrösserten Luftschächte vorne und der sportliche Stossfänger aus Aluminium im Rautendesign sorgen für eine kraftvolle Vorder­optik. Hinten dominieren zwei ovale Auspuffendrohre. Das Textilverdeck öffnet und schliesst auf  Knopfdruck vollautomatisch in 15 Sekunden, und das sogar während der Fahrt bei bis zu 50  Stundenkilometern. Der Kofferraum ist er­ staunlich geräumig, selbst bei geöffnetem Dach (380 Liter /­ 320 Liter Volumen). Dank einer speziellen Schaumstoffisolierung halten sich bei geschlossenem ­Zustand die Fahrgeräusche in Grenzen. Der Innen­raum ist sportlich-elegant und hochwertig. Carbon-­ Elemente und Klavierlackoptik sind mit glänzendem Aluminium und Leder geschmackvoll kombiniert worden. Bereits beim Einsteigen sind die unteren Rahmen­leisten mit Aluminiumeinlage und RS-5-Schriftzug ein Blickfang.

Alles auf einen Blick In der Mittelkonsole befindet sich ein Navigationssystem mit DVD inklusive MMI (Multi Media Interface), die als Schnittstelle zu allen Infotain­ mentkomponenten fungiert. Telefon, Mobiltelefon, Radio und Navigation werden, wie bei Audi gewohnt, über einen dreh- und drückbaren Steue­ rungsknopf ­hinter der Automatikschaltung bedient. Ein Auto-­Check-Control überprüft laufend Bremsund Lichtanlage, Kühlmittelstand und -temperatur, Öldruck, Kraftstoffvorrat, Waschwasserstand, Bat­ teriespan­nung und Reifendruck. Auftretende Probleme ­werden auf dem Fahrerdisplay anhand von Piktogrammen angezeigt. Das Audi RS 5 Cabrio ist ein Kraftpaket ohne aufdringliche Optik. Sein Sound und seine Beschleunigung verleiten vielleicht zum unwirtschaftlichen Fahren. Egal, dieses Auto macht Spass: geöffnet, geschlossen, rasant oder gemässigt.

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DIE PERFEKTEN

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DRIVE STYLE

DAS LIED DER

SCHLUMPFE Die offizielle Bezeichnung «Musée National de l’Automobile (Collection Schlumpf)» resultierte aus einem richterlichen Beschluss. Doch dieser markierte nur den letzten Akt einer Affäre, die Mitte der 1970er-Jahre ihren Anfang genommen hatte und zu einem ganz Frankreich aufrüttelnden Besitzstreit geführt hatte. Und schliesslich aus einer Privatsammlung ein Nationalmuseum machte. Roger Gloor

Roger Gloor, Bruno Hübscher, Werk

N

ur wenige Eingeweihte wussten Ende der 1960er-Jahre, dass der im Elsass reich gewordene, aus der Schweiz stammende Textil­ industrielle Fritz Schlumpf von einem «Oldtimervirus» und zudem von einem «Bugatti-Wahn» befallen war: Er fühlte sich als Statthalter des genialen, aus Italien stammenden Automobilproduzenten Ettore Bugatti, der 1910 im elsässischen Molsheim sein eigenes Autowerk gegründet hatte. Bis in die 1930er-Jahre baute Bugatti Rennwagen, die weit erfolgreicher waren als ihre Konkurrenten, aber auch Luxuswagen, deren Stilvollendung alle ­anderen übertraf. Vorrangig aber war Ettore Bugatti ein der technischen ­Ästhetik verpflichteter Konstrukteur und damit auch gleichzeitig ein Künstler seines Fachs. Fritz Schlumpf sah sich nun drei Jahrzehnte später dazu auserwählt, die Bugatti-Kunstwerke aus der ganzen Welt ins Elsass zurück­zu­ holen und für die Nachwelt zu erhalten. Sowohl in den USA als auch in ­Europa kaufte er ganze Sammlungen auf, und übernahm unzählige von Liebhaberhand vor dem Abbruch bewahrte Bugatti. Fast beiläufig gingen damit auch Oldtimer anderer Fabrikate in Schlumpf-Besitz über.

Alles für eine Passion Die Sammlung wuchs nach und nach an. Vermögensquelle der Gebrüder Fritz und Hans Schlumpf war die 1938 von ihnen erworbene Kammgarnspinnerei in Malmerspach. Hinzu kamen im Verlaufe der Zeit weitere Firmen der Textilbranche sowie zahlreiche Immobilien. Dadurch fand sich an der Avenue de Colmar in Mülhausen der benötigte Raum, um die zusammengetragenen automobilen Schätze unterzubringen. Die Sammelwut aber führte dazu, dass alle verfügbaren Mittel statt in dringend

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nötige Fabrikerneue­rungen in die Oldtimerkollektion flossen. So kam es, dass die Firmenbilanzen in die  roten Zahlen gerieten. Dessen ungeachtet nahm die Einrichtung des von Fritz Schlumpf herbeigesehnten prunkvollen Privatmuseums seinen Fortgang. Anfang 1976 überstürzten sich dann die Gerüchte über eine bevorstehende Eröffnung der bereits sagenumwobenen Kollektion. Es war sogar davon die Rede, dass die Schlumpf-Sammlung aus Steuergründen dem französischen Staat vermacht würde. Doch die von Entlassungen und Lohndruck heimgesuchten Angestellten mochten dem Treiben nicht mehr länger zuhören. Im Oktober 1976 kam es zu Arbeitsniederlegungen und Protestmärschen, und schliesslich belagerten an die 500 Mitarbeiter der Kammgarnspinnerei ­Malmerspach die Schlumpfsche Villa, bis deren Bewohner nach drei Tagen von der Polizei gewaltsam befreit wurden.

Konkrete Forderungen «Schlumpf ins Gefängnis! Verkauft die Autos! Das ist unser Geld!» – so postulierten die Manifestanten, während die Gebrüder Schlumpf freies Geleit zum Exil im nahe gelegenen Basel erhielten. In der Folge kam es zu langwierigen Rechtsabklärungen. Unter anderem erfolgte gegen Fritz und Hans Schlumpf ein – nur in Frankreich geltender – Haftbefehl. Das uneröffnete Museum

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DRIVE STYLE

aber wurde von den Gewerkschaften beschlagnahmt, und deren Funktionäre sorgten für erste Presse- und Fotoberichte, die eine Vorstellung des unglaublichen Umfangs der Schlumpf-Sammlung vermittelten. Um den auf 100 Millionen Francs ­bezifferten Schuldenberg des pleitegegangenen Textilimperiums abzubauen, schien es nur logisch, die rund 500 Oldtimer umfassende Sammlung versteigern zu lassen. Deren Wert wurde damals bereits auf 80 Mio. Francs geschätzt. Doch die Sammlung blieb – glücklicherweise – beisammen. Und dann, von 1977 bis ’79, wurde das Museum unter Gewerkschaftskontrolle erstmals dem Publikum geöffnet. Der Besucherandrang war enorm; natürlich hatte die aus dem Wirtschaftsskandal erwachsene Publizität entscheidend dazu beigetragen. Doch erst 1981 fand sich für das Museum eine rechtsgültige Lösung: Es kam in den Besitz einer von der Stadt Mül­ hausen, dem Departement Oberrhein, dem Regio­ nalverband Elsass und drei weiteren Institutionen gebildeten Vereinigung.

Endlich offiziell eröffnet 1982 wurde das Musée National de l’Automobile de Mulhouse feierlich eröffnet. Seither sind gut 400 der 560 durch Fritz Schlumpf angesammelten Oldtimer zu bestaunen. Während langer Jahre hatten zwei Dutzend Mechaniker, Karosseriespengler und -maler sowie Sattler die teils in verwahrlostem Zustand erstandenen Autos für den «Textilkönig» gekonnt restauriert und teils in den Neuzustand zurückversetzt. Für Kenner und Liebhaber gilt Mülhausen als Mekka der Automobil­ geschichte. Und weil dieses einzigartige Museum weltweit bekannt ist, werden jährlich bis zu einer halben Million Besucher gezählt. Es waren übrigens nicht nur die Autos, die Be­ wunderung fanden, sondern auch die von Fritz Schlumpf in die ehemaligen trüben Fabrikhallen hineingezauberte Atmosphäre: Sie wurde unter anderem durch 800 stilvoll-historische Strassen­laternen erzeugt, die Fritz Schlumpf eigens nach dem M ­ uster jener Vorbilder herstellen liess, die eine die Seine überspannende Brücke in Paris z­ ieren. Dazu kamen nach Themengebieten unterteilte Kiesböden, zeitgenössische Dekorationen und nicht zuletzt ­diverse luxuriös eingerichtete Gaststätten an den Rändern der Ausstellungs­hallen.

Neukonzept im Jahr 2000 In den 1990er-Jahren schwächte sich der Be­ sucherstrom auf jährlich etwa 160’000 ab – die einzigartige Sammlung sah sich mit Betriebsverlusten k­ onfrontiert. Das Musée National galt nun

Ein Hort für 400 Oldtimer Die Cité de l’Automobile (Musée National – Collection Schlumpf) in Mülhausen umfasst auf 17’000 Quadratmeter Ausstellfläche rund 400 historische Automobile aus Frankreich und allen ursprünglichen Auto-Nationen Europas: Deutschland, Italien, England, Österreich, Spanien, Belgien und der Schweiz. Dazu kommen die weltgrössten Sammlungen der Marken Bugatti (gegen 100 Exemplare), Gordini und Panhard. Das Museum ist mit Informationstafeln, Audio-Geräten und Filmprojektionen ausgestattet, dazu gibt es Grossvitrinen mit Modellautos, Rennsimulatoren, Rundfahrten mit dem Elektrozug sowie einen Fachbuch- und Souvenirladen mit ungewohnt reich­ haltigem Sortiment. Restaurant, Cafeteria, Mieträume und Kongresssäle runden das Angebot ab. Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr (innerhalb von Mülhausen gut ausgeschildert). www.citedelautomobile.com

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nicht mehr als die unbedingt zu besuchende Sensation, sondern als Treffpunkt für Kenner der Autogeschichte. Denn es gibt weltweit wohl kaum eine ebenso umfangreiche und gleichzeitig vielseitige Sammlung von exklusiven und historisch bedeutsamen Automobilen. Das mit einem Neukonzept beauftragte Pariser Unternehmen Culture ­Espaces verwirklichte dann eine anspruchsvolle Erneuerung: Das Anfang 2 000 wiedereröffnete Musée National – seit 2006 heisst es Cité de l’Auto­mobile – zeigt sich mit allen Mitteln moderner Darstellung und Kommuni­kation dotiert. Dazu zählen Strassenzüge mit originalgetreuer, zwei­dimensionaler Hintergrundszenerie ebenso wie der historische Rennsound an gegebener Stelle. Für die Verjüngung wurden rund vier Millionen Euro investiert. Dicht aneinandergereihte Aufstellungen gibt es weiterhin nicht; jedes Exponat lässt sich genüsslich und fotografierbar einsehen. Die angestrebten 300’000 jährlichen Besucher kommen jedenfalls voll auf ihre Kosten.


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DER AUTOFRIEDHOF WENN ROSTLAUBEN ZUM KUNSTWERK REIFEN

Von Waldpflanzen 端berwucherter Edelschrott statt Plastikshredder-Recycling: Der klassische Autofriedhof ist vom Aussterben bedroht. Matthias Pfannm端ller

Verrottet langsamer als andere: Mercedes 170, ca. 1947.

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Thorsten M端ller


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Es sollte nicht sein: Ford Cortina Mk I von 1963.

as hier landet, fährt nirgendwo mehr hin: Autofriedhöfe sind der letzte Parkplatz, sind die Endstation für ihre Protagonisten. Doch längst schlägt diesen auf eigenartige Weise verwunschenen Orten selbst das Sterbeglöckchen, werden die Eisenwaren-Biotope immer seltener geduldet. Ein Höhepunkt (oder Tiefpunkt, je nach Sichtweise) war der öffentlich ausgetragene Zank um die Abbruch-Sammlung des Franz Messerli im bernischen Kaufdorf: Nach jahrelangen Streite­ reien mit der Gemeinde stand im Spätsommer 2009 die Zwangsräumung des Privatgeländes an, die der Eigner als furioses Versteigerung-Finale zelebrierte. Die gähnende Leere nach dem Sturm tat vielen Auto-Enthusiasten in der Seele weh.

Der Charme des Morbiden Altmetall-Friedhöfe haben eben ihren ganz eigenen Charme, dem viele ­Menschen erliegen. Thorsten Müller ist einer von ihnen – und war von Kaufdorf so begeistert, dass er anschliessend quer durch Europa reiste, um die letzten Rost-Reservate aufzuspüren. Natürlich hatte er eine Kamera dabei; seine gesammelten Fotos sind kürzlich in einem Buch veröffentlicht worden. Und das atmet den Duft von Öl, Gummi und Moos. Es dokumentiert den Verfall und die Tatsache, dass Technik im Kampf gegen die Natur letztlich unterliegt – zumindest in diesen Hektar-Dimensionen, wo sich die Feuchtigkeit langsam, aber beharrlich durch die Bleche nagt. Das ist beruhigend und auch nostalgisch, denn mit der heutigen Recycling-­

Roste sanft: 1961er Plymouth Valiant.

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DRIVE STYLE

Game over: Chevrolet Fleetmaster, 1946.

Verflossener Chic: Ford Taunus 17M P2 de Luxe, 1959.

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FÜR SIE DIE BESTEN GRÜNDE auF

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Ende Gelände: Šoka 1102 Tudor, späte 1940er.

Realität moderner Abwrackbetriebe hat das begrünte Idyll nichts mehr zu tun. Müller versteht es als Ort der ewigen Ruhe und Stille, der respektiert werden müsse. Und so ist das Werk auch ein ­Requiem auf all jene historischen Horte, die bereits der Entsorgung anheimgefallen sind. Kleiner Wermutstropfen: Die präsentierten Bilder sind den ­jeweiligen Schrottplätzen kaum zuzuordnen; etwas mehr Lokalkolorit hätte dem Werk gut getan. Dafür entschädigen kleine ­ ­ Boxen mit den teils kaum noch identifizierbaren Fahrzeugtypen und deren wichtigsten Daten.

ENDSTATION Die skurrilsten Autofriedhöfe Europas Thorsten Müller Delius Klasing Verlag

Die Bank der Privat- und Geschäftskunden Basel, Fribourg, Genf, Lausanne, Locarno, Lugano, Neuchâtel, Sion, Zürich www.cic.ch


DER LUFTSCHIFFKONSTRUKTEUR FERDINAND ADOLF HEINRICH AUGUST GRAF VON ZEPPELIN

Graf von Zeppelin (1833 bis 1917) gilt als Vater der Luftschifffahrt. Sein Name prägte eine ganze Ära. 1838 in Konstanz geboren, beschäftigte sich ­Ferdinand bereits in jungen Jahren mit der Idee, Luftschiffe zu bauen. Ferdinand, der beim Militär eine steile Karriere hinlegte, bemerkte während der Belagerung von Paris im Deutsch-Franzö­ sischen Krieg, dass die Franzosen Ballons zur Aufklärung und zum Nachrichtenaustausch einsetzten. Da diese jedoch häufig vom Ziel ab­ kamen, begann er, über eine lenkbare Alternative zu Gas- oder Heliumballons nachzudenken. Er baute schliesslich in einer 140 Meter langen und 30 Meter hohen Montagehalle am Bodensee einen 128 Meter langen, mit 11’000 Kubikmeter ­ Wasserstoff gefüllten, starren Flugkörper mit Aluminiumskelett namens «LZ 1» (Luftschiff Zeppelin). Dieser erhob sich am 2. Juli 1900 erstmals über

den Bodensee. Nach bereits ­18 Minuten war die erste Fahrt jedoch aufgrund technischer Schwierigkeiten beendet. Doch Zeppelin gab trotz manchem ­finanziellen Engpass nicht auf. Mit der Zeit wurde sein Name zum Synonym für den Begriff «Luftschiff». 1924 flog der erste Zeppelin in 81 Stunden in die USA. Und 1929 umrundete ein anderer Zeppelin die Erde, was der 1917 verstorbene Ferdinand Zeppelin jedoch nicht mehr erlebte. Der grösste Zeppelin war mit 245 m der der «Hindenburg»: Dieser ging jedoch 1937 bei der ­L andung in Flammen auf. 36 Personen ­kamen dabei ums Leben. Diese Katastrophe beendete die Epoche der ­Zeppeline. Vereinzelt sieht man sie jedoch heute noch als Werbeträger am Himmel.

3 ZITATE «Man muss nur wollen und daran glauben, dann wird es gelingen.» «Für mich steht naturgemäss niemand ein, weil keiner den Sprung ins Dunkel wagen will. Aber mein Ziel ist klar und meine Berechnungen sind richtig.»

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«Es war ein unbeschreiblicher Augenblick, den niemand wieder vergessen wird, der ihn miterlebte. Eine Hingerissenheit, eine mächtige Ergriffenheit zeigte sich auf allen Gesichtern.» – Die Freiburger Zeitung vom 4. August 1908 nach dem Auftauchen eines Zeppelins. –


WUSSTEN SIE SCHON …?

Schnellstes Polizeiauto der Welt Alle englischen Verkehrssünder sollten sich in Zukunft warm anziehen. So freuen sich die lokalen Ordnungshüter seit Kurzem über neue Polizeiautos, die in atemberaubenden 2,5 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen können. Es handelt sich dabei um die sehr leichten und offenen Fahrzeuge des englischen Kleinserienherstellers Ariel Motors (Modell «Ariel Atom 3.5R»), die mit jeweils 350 PS ausgestattet sind und somit auch grossen Rennmaschinen Paroli bieten dürften.

Erster Flying-Doctor für Luxusflitzer Mit einem Neupreis von etwa 2,4 Millionen Schweizer Franken ist der Bugatti Veyron 16.4 der teuerste und gleichzeitig schnellste Sportwagen der Welt. Kein Wunder also, dass der anspruchsvolle Privatpatient jetzt auch noch in den Genuss eines Flying-Doctor-Services kommt. Sollte er sich also einmal einen Schnupfen eingefangen haben oder einen Verband benötigen, lässt Bugatti mit dem nächsten Linienflug den KFZ-Doktor einfliegen – ganz gleich, an welchem Ort der Welt man sich gerade befindet. Im Arztkoffer befinden sich allerdings nicht nur neue Reifen und Motorenöl, sondern etwa auch das Supersporterweiterungspaket für rund 90’000 Schweizer Franken.

Kraftvollstes Watercar der Welt Auf den ersten Blick ähnelt dieses neue Amphibienfahrzeug einem Jeep Wrangler. Doch spätestens, wenn es das Festland hinter sich gelassen hat und im Wasser seine kleine Schiffsschraube ausfährt, merkt man, dass es sich bei diesem Verwandlungs­ künstler um keinen gewöhnlichen Geländewagen handelt. Drei Kalifornier haben dieses neue und überaus kraftvolle «Watercar», das im Wasser eine ebenso gute Figur macht wie auf der Strasse, gemeinsam entwickelt. Es verfügt über einen 250 PS starken Honda-V6-Motor samt eigens entwickelter Jet-Düse; an Land bringt man es damit auf 130, im Wasser auf rund 70 Kilometer pro Stunde. Seit Mai ist das Fahrzeug für etwa 125’000 Schweizer Franken zu haben.

Edelautohaus ohne Autos Wer im neuen Tokioter Autohaus «Intersect by Lexus» sein neues Traumauto besichtigen will, wird erst einmal keinen Erfolg haben. Ganz bewusst verzichten die Verantwortlichen in ihrem neuen Flagship-Store auf die Ausstellung ihrer neuen Modelle, um vor allem die Marke in den Vordergrund zu stellen. Auf diese Weise soll ein moderner Raum geschaffen werden, in dem sich die Kunden bei einem kleinen Snack oder einem guten Buch ent­spannt zurücklehnen können, ohne durch finanzielle oder technische Aspekte gelangweilt zu werden. Wer sich für einen Lexus-Wagen interessiert, wird aber natürlich trotzdem gern beraten.

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EINE EWIGE ROMANZE ZWISCHEN STIL UND QUALITÄT

SANTONI

Schlägt die Liebe auf den ersten Blick wie der Blitz ein und laufen sämtliche Sinne wie wirbelnde Goldfunken Amok, sind wir in erster Linie dem äusseren Wert, dem Aussehen unseres Objektes der Begierde verfallen. Die Erforschung der inneren Werte und die Frage, ob weiterhin magisch oder doch irgendwann tragisch, erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt. Am sichersten ist es daher, sich von Anfang nur auf Liebesgeschichten mit Santoni-Schuhen einzulassen. Enttäuschungen sind hier nämlich ausgeschlossen. Helena Ugrenovic

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Giuseppe Santoni


FASHION

A

ls sein Vater Andrea die Marke Santoni 1975 ins Leben ruft, ist Giuseppe gerade mal sieben Jahre alt. Andrea Santoni hat eine ­ ­Vision. Er will seine Handwerkskunst perfektionieren und nur noch Schuhe produzieren, die äusserste italienische Excellence verkörpern. Die Werkstatt befindet sich unterhalb des familiären Z ­ uhauses und so verbringt Giuseppe seine Freizeit nach den Schulstunden im Atelier seines Vaters, das er zu seinem eigenen Spielplatz auserkoren hat. Er lernt, wie man mit Leder arbeitet und den perfekten Schuh herstellt. Jahre später wird er Santoni der Welt präsentieren, mit 490 Angestellten und einem Umsatz von mehr als ­55 Millionen Euro. Stars wie Jean Alesi, Jean Paul Gaultier, Juliette Binoche, Lu Siqing, Michael Bolton, Na Ying, Valeria Golino, Vinicio Marchioni und ­Syl­vester Stallone zählen zum Kundenkreis des Edelschuhherstellers.

Das Erbe und die Zukunft Die Vermählung zwischen moderner Einstellung und klassischem Know-how sind die charakteristischen Eigenschaften und Merkmale für «Made in Italy», die Jahrzehnte hindurch unverändert geblieben sind. Qualität, Hingabe und Leidenschaft für Details sowie für die manuelle Verarbeitung sind die Herzstücke im exklusiven Club der berühmtesten und bekanntesten Luxusmarken. ­Tradition und Innovation sind parallel dazu die Säulen, auf denen Santoni seinen Erfolg aufbaut, gestützt auf die perfekte Kombination ursprünglicher Herstellung und der Entwicklungen von Forschung und Design. Das sind die Besonderheiten, von denen anspruchsvolle Kunden, immer auf der ­Suche nach dem Besten und stets informiert über Stil, magisch angezogen werden.

Alligatorleder

Sie sind keine echten Krokodile, teilen sich aber die Tierfamilie mit ihnen. Der Stoffwechsel von Alligatoren ist deutlich langsamer als der von Krokodilen, was ihnen eine etwa doppelt so lange Lebensdauer gewährt, werden sie nicht zu hochwertigen Lederprodukten wie Taschen, Schuhe, Gürtel, Geldbörsen, Jacken und Mäntel verarbeitet.

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FASHION

Der Kapitän und seine Arche der Schönheit

Giuseppe Santoni

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Giuseppe Santoni ist ein junger Mann, als er mit 22 Jahren ins Geschäft ­seines Vaters einsteigt und seine Verantwortung als Chief Executive Officer übernimmt. Andrea Santoni ist seit jeher mehr in die Produktion eingebunden und vertraut darauf, dass sein Sohn die Entwicklung der Marke forcieren wird. «Ich hatte die Chance, sehr viele Dinge zu tun. – Ich machte viele Fehler, aber ich machte auch viele gute Produkte. Irgendwie wusste ich immer, dass ich eine Rolle in unserem Unternehmen einnehmen würde, das war normal für mich», erzählt Giuseppe Santoni in einem Interview. «Ich liebe Produkte mit einem Innenleben, mit etwas, für das es eines technischen Prozesses bedarf. Ich habe zwei Leidenschaften, Autos und Uhren. Schuhe herzu­ stellen ist aber weitaus komplizierter, da es keine Produktionslinie wie zum Beispiel bei einem Mercedes gibt. Vom Beginn der Produktion bis zum Ende wird jedes Auto genau gleich verarbeitet. Bei Schuhen ist das nicht so, denn Leder ist ein natürliches, lebendiges Produkt und reagiert von Schuh zu Schuh anders. »Das Unternehmen will expandieren und sich international positionieren. Giuseppe Santonis Reise beginnt. Der Jungunternehmer erschliesst sich erfolgreich neue Märkte in Japan, China, Nordeuropa und Russland. Er erfüllt damit die Vorsehung, sich als Top-Name für italienische Luxusprodukte zu etablieren. Tradition und Innovation stellen für ihn keine Gegensätze dar, sondern eine erfolgreiche Vereinigung. Giuseppe Santoni ist die Seele und das Herz des Unternehmens. Er überwacht jede Herstellungsphase einer Kollektion persönlich und er ist es auch, der den Hauptsitz des Unternehmens im italienischen Corridonia zu einem Brutkasten für hoch­ stehende Technologie umgewandelt hat, jedoch mit dem Fokus auf Ökologie und Nachhaltigkeit.


FASHION

Santoni & Mercedes-AMG Die Unternehmen gründen auf gleichen Werten und Ideologien. Sie ver­ folgen, trotz unterschiedlicher Geschäftsbereiche, dieselben Ziele und so entsteht eine exklusive Linie für Sport und Freizeit. Die Kollektion bleibt den Prinzipien des Hauses Santoni treu, auch wenn sie auf die Bedürfnisse des Autofahrers ausgerichtet wurde. Jeder Schuh ist so gefertigt, dass er sich sowohl perfekt an den Stil des Fahrers anpasst als auch dessen Leistung sowie den Komfort erhöht. Inspiriert vom neuen Mercedes-AMG A45, der 2013 auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wurde, erweiterte Santoni seine Sneaker-Kollektion mit einer neuen Linie, die auch der neuen Zielgruppe des A45 gerecht werden dürfte: Dynamische – dyna­mische Dreissigjährige bis Mittvierziger in erfolgreichen Karrieren und mit ­einem unabhängigen Geist. Diese Kundschaft hält Ausschau nach einem dynamischen, individuellen und agilen Hochleistungsfahrzeug, das eine ­Auswahl an zusätzlichen Ausstattungsmöglichkeiten, Einstellungen, Farben und Materialen bietet. Der neue Santoni-Sneaker sollte diesen Werten e ­ ntsprechen: Jung und stilvoll lässt diese Kollektion die Träger ihren eigenen Stil und ihre trendorientierte Lebensweise zum Ausdruck bringen, kombiniert mit Komfort und heraus­ ragenden Details wie dem gestanzten Logo und dem Vintage-Effekt der ­Sohlen.

© Wiki-Commons

Dorothy’s rote Schuhe Das berühmteste Paar rubinroter, magischer Filmschuhe trug Judy Garland 1939 als Dorothy im Film «Der Zauberer von OZ». Im Buch von Frank L. Baum sind die Zauberschuhe silberfarben, wurden jedoch in der MBM-Produktion in Rot umgewandelt, da es einer der ersten Farbfilme war.

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LAUFSTEG BY LAURA

AL CORO

GEORG GINA & LUCY

ILSE JACOBSEN

CARL F. BUCHERER

MATTHIAS OPHOFF JEFFREY CAMPBELL

BOTTEGA VENETA

OMEGA TWIN-SET

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ROBERTO CAVALLI

RADO


ARUNA SETH CHANEL

CHRISTIAN DIOR

TWIN-SET

CHRISTIAN DIOR

CHANEL

TIFFANY & CO.

TWIN-SET

LOUIS VUITTON

RAOUL

RAOUL

KURZ

TWIN-SET

TWIN-SET

MIU MIU DAMIANI

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STILIKONE FUR DEN KOPF

DER HUT Egal, ob mit breiter oder schmaler Krempe, ob aus Leinen, Filz, Stroh oder Leder – der Hut ist heute aus dem Modehimmel nicht mehr wegzudenken. Lone K. Halvorsen

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ie ursprüngliche Bedeutung des Wortes «Hut» liegt im Schutz ­und in der Bedeckung des Kopfes. Und genau das gab der seinen Trägern jahrelang. Je breiter seine Krempe war, desto mehr Schutz bot er vor Sonne oder Niederschlag. Während man vom 18. Jahrhundert an seine politische Gesinnung durch die Kopfbedeckung zeigte, wurde der Hut in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu einem Symbol für den sozialen Status. «Stock und Hut steh’n ihm gut» hiess es, und für die Männer war der Hut ein sehr wichtiges Accessoire. Er war als Kleidungsstück nicht nur ein Ausdruck der sozialen Stellung seines Trägers, sondern ebenso ein unentbehrlicher Bestandteil der Ausgehkleidung. Durch Retro-Trends und berühmte Hutträger wie Johnny Depp, Paris Hilton oder Brad Pitt sieht man dieses Accessoire nun wieder vermehrt. Denn der Hut hat längst kein verstaubtes Image mehr. Männer und Frauen mit Hüten vermitteln ein Zeichen des Understatements sowie einen klassisch-eleganten Look.

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Mit Schirm, Charme und Melone Die britische Fernsehserie «Mit Schirm, Charme und Melone» machte den Bowler zu ihrem Symbol. Die Melone von John Steel war jedoch mit Stahl verstärkt und fand neben dem schiessenden Regenschirm oft in Kampfszenen ihren Einsatz. Der Bowler, die berühmte englische Melone, erlebte bei Londons ältestem Hutmacher Lock & Co im Jahr 1850 seine Geburtsstunde. Und eins ist klar: Der Bowler gehört zu ­einem der bekanntesten Hüte und hat inzwischen Kultstatus erreicht. Möglicherweise liegt das an den berühmten Trägern? Dr. Watson, Charlie Chaplin und sogar Winston Churchill wollten zumindest nicht darauf verzichten. Doch nicht nur bekannte Politiker und andere wichtige Persönlichkeiten wussten die Melone seit jeher zu schätzen. Die Blütezeit erlebte die Melone Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts, vor allem in den 1920er- und 1930er-Jahren trug Mann Melone. Der Hut war auch in Stummfilmen auf den Köpfen zwielichtiger Gestalten zu sehen. Während halb London um 1900 die Melone trug, sieht man heute kaum noch jemanden mit «Schirm, Charme und ­Melone» am Big Ben vorbeispazieren.

Der Mythos im Kino Der Trilby oder Bogart-Hut ist der Modehut des 20. Jahrhunderts schlechthin. Vor allem durch Schauspieler wie Cary Grant, Humphrey Bogart und Tony Curtis wurde der kleine Hut mit der schmalen, steilen Krempe modern. Die Merkmale vom Trilby sind die Krone, längs nach unten geknickt, die eingekniffenen Seiten vorne und der hintere Teil des Hutkrempels, der nach oben geklappt ist. Besonders männliche Hipster haben die schicke Kopf­ bedeckung seit einigen Jahren wieder als Accessoires für sich entdeckt. ­Jedoch findet man auch kaum einen weiblichen Fashion-Blogger ohne Trilby auf dem Kopf. Jeder lässt sich von diesem dynamischen Hut mitreissen. Auch die Stars von heute machen es gekonnt vor: Cameron Diaz und Justin Timberlake werden immer wieder mit der modischen Kopfbedeckung gesichtet.

Der Panamahut aus Ecuador Napoleon, Teddy Roosevelt und die Goldgräber sind Schuld an dem ­grössten Missverständnis der Hutgeschichte. Denn was die meisten nicht wissen: Der bekannte Panamahut stammt ursprünglich aus Ecuador. Hergestellt wird ­der Strohhut aus der Toquilla-Palme, die nur an der Westküste wächst. Der französische Kaiser Napoleon III. hatte einen, Winston Churchill ebenso, ­Ernest Hemingway liebte ihn und den Schauspieler Paul Newmann sah man im Sommer nur selten «oben ohne». Die Panamas sind flexible Hüte, die sowohl im Frühjahr als auch im Herbst getragen werden können. Wandelbar und zeitlos schön sind die vielfältigen Designs, die zu Damen wie Herren passen.

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FASHION

Schick und frech Ein bisschen schief, ziemlich lässig und etwas verwegen. Ob Stars wie Brad Pitt, Paris Hilton, Ryan Gosling oder Kate Moss – sie alle tragen die modische Schiebermütze mit Stolz vor der Kamera. Der Begriff «Schiebermütze» geht auf das Berlin in den 1930er-Jahre zurück. Dort wurden die Vorarbeiter, die berufsbedingt diese Mützen trugen, Schieber genannt. Das beliebte Accessoire hat nun definitiv ein Comeback erlebt – und nicht nur bei den Stars. In jeglichen Designs erhältlich – ob Pink oder Grün, Leder oder Cord, für ­Männer oder für Frauen – alle, die sich zu den Coolen und Hippen zugehörig fühlen, tragen dieses modisches Utensil. Nicht nur gut aussehend, sondern auch praktisch ist die Mütze, vor allem weil der Kopf vor schlechtem Wetter geschützt wird und die Kopfbedeckung bei Bedarf ganz einfach zusammengerollt und in der Tasche verstaut werden kann. Was früher als ein eindeutiges Erkennungszeichen der Arbeiterklasse galt, ist mittlerweile zum echten Trendsetter avanciert.

Last but not least ... Die Basecap, wie sie kurz genannt wird, hat innerhalb von ­30 Jahren eine atemberaubende Karriere hingelegt und ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wie der Name schon sagt, liegt der Ursprung dieser Mütze im Baseball. Bereits 1849 ­sollen die Spieler der New York Knickerbockers die ersten Caps getragen haben – damals noch ohne Schirm. Man schaue nicht nur den Sportlern, sondern auch den Menschen auf der Strasse aufs Haupt: Die Vielfalt an ­Formen, Ausstattungen, Farben und Qualitäten scheint schier unendlich. Fast jeder besitzt eine Basecap, doch nicht jedem steht sie. Dennoch stimmen die Prognosen für die Zukunft optimistisch. Diese Mütze wird uns wohl immer begleiten – freiwillig oder nicht.

Mut zum Hut Wer also bisher Angst davor hatte, auszusehen wie bei einer «Teatime-Verabredung» mit der Queen, kann sich jetzt entspannen. Hüte sind angesagt und keinesfalls spiessig. Statt also demnächst wieder einmal neue Schuhe oder eine neue Tasche zu kaufen, sollte nun lieber zum Hut gegriffen werden. Wer einmal den perfekten Hut für sich gefunden hat, benötigt nur noch ein wenig «Mut», um ihn wie die Hollywood-Stars stilgerecht zu tragen.

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KOLUMNE

GABRIEL PALACIOS

DIE KUNST, MAN SELBST ZU SEIN. Gar oft höre ich als Coach und Therapeut von meinen Klienten, dass diese bemerken, dass sie in be­ stimmten Situationen gerne anders wären als sie es sind. Sie möchten gerne sie selbst bleiben – ungeachtet davon, wer vor ihnen steht. Hierbei muss ich jeweils meinen Klienten an aller erster Stelle darüber aufklären, dass es niemandem gelingt, ständig und überall immer nur dasselbe Ich zu sein. Denn jeder von uns hat täglich mehrere dutzende Rollen, die sie oder er einzunehmen hat. Zu Hause haben wir eine ganz andere Rolle als bei der Arbeit. Und sogar in jedem Gebiet, in

«Ändern wir unsere äussere Erscheinung, so können wir dadurch auch Einfluss auf unsere Rolle im System nehmen.» jeder Disziplin, in jeder physischen wie psychischen Angelegenheit können sich unsere Rollen ändern. So ist durchaus möglich, dass wir zu Hause eher die Rolle des etwas faulen, unsportlichen Ehemannes einnehmen, jedoch bei der Arbeitskollegin im Büro wiederum den Eindruck aufrecht erhalten wollen, dass wir so sportlich und dynamisch sind, dass wir uns ständig ausschliesslich für die Treppe anstelle des Aufzuges entscheiden. Bei der Ehefrau zu Hause gibt der Ehemann vielleicht den Ton an, vor seinem Vorgesetzten jedoch fühlt er sich hingegen wie ein kleiner Wurm. Aus systemtheoretischer Sichtweise besteht die Annahme, dass wir in Interaktion mit verschiedenen Menschen auch teil neuer Systeme sind. So ist jede Familie ein System, jedes Arbeitsteam, jede Schulklasse. Und jeder hat in diesem System eine ganz bestimmte Rolle. In der Schule vielleicht die Rolle des Strebers, in der Familie

die Rolle des Ältesten, der den Ton angibt, und bei der Arbeit dann später die Rolle des Lieblings des Chefs. Wenn wir unsere Rollen in den unterschiedlichen Systemen genauer unter die Lupe nehmen, so können wir erkennen, dass unsere äussere Wirkung ebenfalls die Einnahme einer Rolle begünstigen kann. So kann meine Scheitelfrisur und mein biederer Kleidungsstil meine Rolle des Strebers in der Schule verstärken. Genauso kann aber auch das Tragen des ständig selben Tanktops und der immer selben Trainerhose mein Bild des faulen, ungepflegten Ehemannes verstärken, der keinen Wert auf Mode und Stil legt. Wir erkennen also ganz von selbst: Ändern wir unsere äussere Erscheinung, so können wir dadurch auch Einfluss auf unsere Rolle im System nehmen. Stellt euch vor, wie sehr die Ehefrau positiv überrascht sein wird, wenn der Ehemann auf einmal zu Hause Kleidung trägt, in der er sich begehrenswert und attraktiv fühlt. Auch die Frau wird diese völlig neue Ausstrahlung wahrnehmen. Dadurch erhält nicht nur die Beziehung einen wunderbaren Aufschwung, sondern auch das Selbstbewusstsein dessen, der seine Rolle bewusst lenken konnte, wird sich freuen. Es kann so viel Freude bereiten, wenn man durch die bewusste Auswahl der Kleidung – und insbesondere von für die bestehende Rolle mal ganz neuer Kleidung – Einfluss auf das eigene Wirken im System nehmen kann. Man fühlt sich anders. Man wirkt anders. Neue Türen öffnen sich. Auf neue Wege begibt man sich. Und all dies nur, weil wir den Schritt in die Veränderung wagen. Ändere deine Kleidung, warte ab, du wirst erkennen, dass sich so einiges ändern wird, was du bislang so für nicht wahrscheinlich gehalten hättest.

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FASHION

PRESENTS

JOEL CARTIER

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er Basler Fotograf Joel Cartier ist seit neun Jahren in den Bereichen Werbung, Fashion und Kunst tätig. Als Fotograf und Regisseur arbeitete er bereits für Jean Paul Gaultier, Swatch, Paris Hilton, Nivea und BMW. Er fotografiert viel in Amerika, Paris, London und der Schweiz. Joel Cartier gehört zu den wenigen Künstlern, die sich sowohl im Foto- als auch im Filmbereich auf einem sehr hohen Niveau be­ wegen. Sein Spezialgebiet sind Unterwasserfilme und -fotos. Zudem erschafft er eigene, teils sur­ reale Welten. www.joelcartier.com

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FASHION

«Perfektion ist für mich alles! Ich erfülle mit meiner Kunst die Träume und Wünsche meiner Kunden. Bilder die Geschichten erzählen! Bilder die Faszinieren.»

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FASHION

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FASHION

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SHOETING STARS DER FRAU LIEBSTES KIND

Das Thema «Schuhe» eröffnet einen ganzen Kosmos von Geschichten, individuellen Erfahrungen und Vorurteilen.

Schuhe stehen für Leidenschaft und Fetisch, für Sinnlichkeit und die Suche nach Vollkommenheit. Sie repräsentieren triviale Bedürfnisse und sind zugleich ein ­attraktives Medium für künstlerische Auseinandersetzungen. Den Schuh nicht nur als beiläufiges Modeprojekt zu betrachten, sondern als Designobjekt mit autonomer Aussage, ist Gegenstand der Ausstellung ­ «SHOEting Stars» im Kunsthaus Wien (bis 5. Oktober 2014). Die etwa 220 experimentellen Schuhkreationen von Designern, Künstlern und Architekten wurden meist als Unikate oder in Kleinserien hergestellt. Oft sind sie als Kleinskulptur, konzeptionelles Statement oder Provokation gegen den Mainstream angelegt. Diese SHOEting Stars zeichnen sich durch aussergewöhnliche Formgebung, exklusive Materialien und emotionalen ­ Mehrwert aus – oft zulasten der Tragbarkeit. Die thematische Gliederung der Schau stellt die Auflösung der Grenzen zwischen Kunst, Design und Handwerk zur Debatte. Das Spektrum reicht vom architektonisch anmutenden Schuh über das Materialexperiment bis hin zum Fetischobjekt. Neben den Schuhen selbst spiegeln Installationen, Fotografien und Videos die enorme Vielfalt des «Mediums Schuh» wider. Ein Muss für alle Fashionistas und Schuh-Fetischisten!

SHOEting Stars. Der Schuh in Kunst und Design 18. Juni bis 5. Oktober 2014 KUNST HAUS WIEN 1030 Wien, Untere Weissgerberstrasse 13 www.kunsthauswien.com

«Ich liebe Schuhe. Ich bin kein Fetischist, aber ich liebe Schuhe.» – Karl Lagerfeld –

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Sol Alonso, «Brooms», Foto: David Collart, Belgien 2012.


«Gib einem Mädchen die richtigen Schuhe und sie wird die Welt erobern.» – Bette Midler –

Carolin Holzhuber, «Conjoined Illusion A», Österreich 2013.

«Im Leben zählen nur zwei Dinge: ein gutes Bett und ein gutes Paar Schuhe; wenn man nicht in dem einem steckt, steckt man in dem anderen.» – Nanni Svampi –

Zaha Hadid und Rem D. Koolhaas von United Nude, «NOVA Shoe», Niederlande 2013.


AHOI SAILORBOY! JEAN PAUL GAULTIER Jean Paul Gaultier ist eine lebende Legende. Seit 38 Jahren ist der Pariser Designer nun in der Modebranche aktiv. Nachdem er Anfang der 1970erJahre von Pierre Cardin entdeckt worden war, gab es für den ästhetischen Provokateur kein Halten mehr. Indem er Korsette, Netzstrümpfe oder Unterwäsche als Ausgehmode konzipierte, führte er den Fetischlook in die Modewelt ein und sorgte so ein ums andere Mal für ein staunendes Publikum am Rand der Laufstege. Wie kein anderer steht er seitdem mit seiner Mode ­für das grosse Andere

der bürgerlichen Gesellschaft: Punk, Sex und ­jugendliche Verspieltheit – das sind die Hauptregister, die das Enfant terrible bei seinen Entwürfen immer wieder gerne zieht. Auch unternahm Gaultier mit seiner mutigen Couture ­bereits frühe Versuche, die klassischen Geschlechterrollen zu dekonstruieren und neu zusammenzusetzen. Röcke für männliche oder Irokesen-Haarschnitte und Bikerjacken für weibliche Models – alles kein Problem für den Pariser Exzentriker, der selber gerne im Matrosenlook auftritt. Seine Inspi­ ration bezieht er dabei zum grössten Teil aus der Popkultur, Entwürfe für Popstars wie Madonna, Kylie Minogue und Marilyn Manson ­gehören für ihn ebenso zum Business wie Kooperationen mit zahlreichen namhaften Film­ regisseuren und Künstlern.

3 FRAGEN Mit Ihrem Œuvre haben Sie stark zur Liberali­sierung der weiblichen Sexualität beigetragen. W ­ oher kommt Ihre Motivation? In meiner Kindheit und Jugendzeit war ich immer von starken und selbstbewussten Frauen umgeben, meine ­ Mutter und meine Grossmutter haben mich sehr geprägt. Schon früh habe ich so festgestellt, dass Frauen viel inter­ essanter, intelligenter und fantasiereicher sein können als Männer. Gleichzeitig war es mir aber auch immer wich­ tig, den Aspekt der Verführung, der letztlich doch etwas klassisch Weibliches an sich hat, nicht aus den Augen zu verlieren. Die klassischen Geschlechterrollen erscheinen bei Ihnen als willkürliche und austauschbare Fest­ legungen. Ab wann wurde das für Sie ein Thema? Als Kind wollte ich eigentlich immer mit Puppen spielen, habe aber immer nur blöde Autos oder Züge geschenkt bekommen. Es war daher für mich wie eine Befreiung, als ich meinen ersten Teddybären geschenkt bekommen ­habe. Diesen konnte ich nach Herzenslust verkleiden, ­damals natürlich noch nicht mit teuren Stoffen, sondern mit Zei­ tungspapier, Nadeln und anderen Haushaltsutensilien.

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Woher beziehen Sie Ihre Inspiration als Modeschöpfer? Ein wichtiger Aspekt war für mich schon immer das Kino. Vor allem die rebellischen Filme der späten 1950er- und 1960er-Jahre, in denen James Dean oder Marlon Brando mit­ gespielt haben. Die Jugendlichen trugen in diesen Filmen immer Jeans und Bikerjacken, waren frech und unan­gepasst. Ich war selbst nie Teil einer Subkultur, sondern eher der brave Junge. Vielleicht zog mich das Kino deshalb schon immer so an.


Anspruchsvolle Eleganz Geometrische Linien verleihen diesem Modell eine Aura von anspruchsvoller Eleganz. Unterschiedliche Materialien verschmelzen in einer architektonischen Form: Die Cat-EyeFassung der neuen Fendi-Sonnenbrillen aus Optyl verfügt über Details in Pyramidenform und rahmt die Gläser ein. Die dünnen, flachen Metallbügel werden geschmackvoll von zarten Emailfarben betont. Ein echter Hingucker für sonnige Herbsttage. www.fendi.com

Casual-Strick Wenn die Tage kälter werden, sind kernige Jacken aus Wolle einfach herrlich, um sich modisch warm zu halten. «Loris» und «Neville» von Milestone sind die Trend-Favoriten für einen herbstlichen Casual-Look. Am besten präsentiert Mann die robusten Wolljacken zu Jeans und Boots. Eine besonders lässige Jackenvariante für die Übergangszeit sind sie mit Sicherheit. www.milestone-jackets.com

Die erste Kollektion an Schreibutensilien Hermès Écriture - so heisst die neue Schreibuntensilien-Kollektion des französischen Luxus-Traditionshauses. Das Programm umfasst neben hochwertigen Füllfederhaltern, Kugelschreibern auch Etuis für Stifte, Patronenschächtelchen aus Hermès-Leder, papiereingefasste und seidenüberzogene Notizbücher, Schreibblöcke, Airmail-Schreibpapier und Briefumschläge – und das Herzstück namens Nautilus, ein Füllfederhalter und Kugelschreiber. Pierre-Alexis Dumas, artistischer Direktor von Hermès, hat den australischen Designer Marc Newson dafür gewinnen können, das schöne Hermès-Schreibutensil zu entwerfen. Entstanden ist ein schlichtes Schreibutensil mit eleganter Linienführung. www.hermes.com

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BIO COUTURE SMARTE TEXTILIEN FÜR SMARTE MENSCHEN

Nicht nur im Bereich der Kulinarik liegen Begriffe wie «slow», «vegan» oder «regional» voll im Trend – auch die Modedesigner machen sich zunehmend Gedanken über Tierschutz und nachhaltige Produktionsweisen. Statt auf Leder, Seide und Pelz setzen einige Avantgardisten der Textilbranche jetzt ganz auf Algen, Eukalyptus und Soja. «Eco Fashion» ist das Wort der Stunde. Hendrik Stary

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UMASAN


FASHION

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ie Modewelt gilt als schnelllebig und kaltherzig. Doch wen wundert es? Auch hier steht die Gewinnmaximierung an erster Stelle, schön sind allenfalls noch die Models auf den Laufstegen unserer Metro­ polen. Wer einmal hinter die glitzernde Fassade blickt, bekommt schnell die eher unschönen Seiten zu sehen: Bittere Konkurrenzkämpfe, die zwischen den zumeist asiatischen Textilproduzenten toben und zu menschenunwür­ digen Arbeitsbedingungen und Ressourcenverschwendung führen.

Slowing down Immer mehr Designern sind diese Umstände ein Dorn im Auge. Und so ­haben einige damit begonnen, sich nach humaneren und ökologischeren Alternativen umzusehen. Ein Beispiel ist das junge Berliner Modelabel ­Umasan, das 2011 von den Zwillingsschwestern Anja und Sandra Umann gegründet wurde. «Slowing down» lautet hier die Devise, was so viel bedeutet wie: Erst nachdenken, dann produzieren. Eine neue Langsamkeit also, und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht: Es sind zum Beispiel die schnell wechselnden Trends, die die beiden Modeschöpferinnen mit ihrem neuen Label ausbremsen wollen. Dass die Branche diese Trends natürlich aus guten Gründen in immer kürzeren Abständen setzen lässt, scheint ihnen dabei egal zu sein. Ihr Motto lautet dagegen: Warum muss es für jede Kollektion eine ganz neue Farbpalette geben, wenn Schwarz doch eigentlich das ganze Jahr über geht?

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FASHION

Smarte Textilien

Mode versetzt Berge

Auch die verwendeten Materialien müssen natürlich «langsam» sein, das heisst: Die Stoffe, die für die Herstellung der Designerstücke benötigt werden, sollen bewusst ausgewählt und nachhaltig produziert werden. Tierfreundliche, «smarte» Ressourcen wie Algen, Buche oder Eukalyptus ersetzen tierfeindliche Materialien wie Kaschmir, Leder oder Pelz. Diese sollen nicht nur schonender für die Umwelt, sondern auch für die Haut der Käufer sein. Gerade die mittlerweile gern verwendeten Algen sollen einen pflegenden Effekt auf den menschlichen Körper ausüben und bald sogar das Deo überflüssig machen.

Dass Eco Fashion auch als High Fashion funktionieren kann, haben Anja und Sandra Umann bereits bewiesen: Drei Sommer- und Winterkollektionen haben sie bereits entworfen. Und gute Kritiken dafür bekommen. Gefertigt wurden diese indes nicht in Osteuropa oder Asien, sondern in Sachsen. Nur in Sachen Ästhetik werden auch mal längere Wege in Kauf genommen: Als Inspirationsquellen geben die beiden Designerinnen unter anderem japanische Schnittkunst und Yoga-Philosophien an. Bei der neuen deutschen Health Generation scheinen die Kleider jedenfalls gut anzukommen.

«Eco Fashion»: Eine Begriffsklärung Der Begriff «Eco Fashion» (oder auch «Ethical Fashion») verweist auf eine neue Mode-Philosophie, in der es in erster Linie um Nachhaltigkeit und ökologisches Verantwortungsbewusstsein bei der Kleiderproduktion geht. Nicht nur die Tiere sollen dabei geschont werden: In allen Phasen des Produktionsprozesses sollen umweltschädliche Materialien – Chemi­ kalien wie Chlorbleichmittel und Aufheller, künstliche Farbstoffe etc. – vermieden und durch biologisch abbaubare Stoffe – Pflanzenfasern, natürliche Farbstoffe etc. – ersetzt werden. Auch im Hinblick auf die Produktionsbedingungen wird soziale Verantwortung gross geschrieben: Die Arbeitskräfte sollen ausreichend entlohnt und keinen gefährlichen oder giftigen Umgebungen ausgesetzt werden. Eco Fashion stellt damit ein Gesamtkonzept dar, das viele verschiedene Bereiche mit einbezieht und bei dem das Endprodukt nur als ein Teil eines viel umfassenderen ökologischen und sozialen Zusammenhangs gesehen wird. Während es noch vor einigen Jahren nur wenige Einzelkämpfer wie etwa Stella McCartney waren, die sich für mehr Umweltbewusstsein in der Textilbranche einsetzten, scheint dieser Trend erfreulicherweise bei immer mehr Mode­ machern anzukommen.

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Eine Münchener Unternehmenslegende

Lodenfrey TeNeues Verlag

SHORTCUTS

Von Maximilian II. von Bayern bis zum ­Maharadscha von Udaipur: Bei Lodenfrey ­ist ­­der Kunde König und manchmal auch ein König Kunde. Das Münchener Familienunternehmen hat sich in den vergangenen Jahren vom bayrischen Trachtengeschäft zum Department Store mit exquisiter Designermode gewandelt, der sich mit internationalen Top­ häusern in den Metropolen Europas und ­Amerikas messen lassen kann. Das Haus schaut auf eine reiche, über 170 Jahre ­währende Geschichte zurück. Eine Geschichte beständiger Innovation, sei es die Erfindung des namengebenden wasserabweisenden Lodens oder frühe Marketingideen wie der Direktverkauf per Katalog und in eigenen ­Geschäften – samt, für die damalige Zeit höchst spektakulären, bis zum Boden reichenden Schaufenstern. Vom improvisierten Loden­ mäntel-Lager im Swimmingpool während ­abenteuerlicher Nachkriegsjahre über den Firmenboss mit der so skurrilen wie renommierten Passion für Insektenforschung, bis hin zum in der Umkleidekabine verloren gegangenen Ministerpräsidenten oder Paris Hiltons Münchener Dirndl-Auftritt: Das Buch wartet mit etlichen unterhaltsamen Anekdoten auf. Es ist damit alles andere als eine trockene Firmenchronik und bietet einen vergnüglichen Streifzug durch die Historie e ­ iner Modeinstitution – die sich in nunmehr fünfter Generation als leidenschaftlich geführtes Familienunternehmen bewährt hat.

Für echte Kerle und coole Typen Wer auf Leder steht, liegt bei «Salisbury» genau richtig. Und voll im Trend! Denn echtes Leder, das den charakteristisch intensiven und vertrauten Ledergeruch verströmt, ist zurzeit so angesagt wie kaum ein anderes Material. Die Zeit der Softies hat ausgedient, echte Kerle sind wieder gefragt. Und echte Kerle wollen echtes Leder! Mit «Salisbury» hat das Designteam aus dem Hause Leonhard Heyden schon vor einigen Saisons einen «männlichen Volltreffer» gelandet. Zur kommenden Herbst-/Wintersaison wird diese Erfolgsserie um eine junge Tasche mit sportlichklassischer Ausstrahlung ergänzt. Das hochwertige Rindleder mit dem typischen Pull-Up-Effekt macht auch aus Frauenverstehern coole Typen. Jede Tasche weist nach einiger Zeit Gebrauchsspuren auf – und gerade diese jeweils einzigartige Patina erzählt die individuelle Geschichte seines Trägers. www.leonhard-heyden.com

Very British mit Farbknaller Dem gewohnten Mix aus Farben und Mustern bleibt HACKETT auch in der Herbst-/Winterkollektion 2014/15 treu. Bei dem typisch britischen Look kommen Karos und Streifen am liebsten in Begleitung von knalligen Farben! Auch Accessoires wie Handschuhe, Schals und Mützen dürfen in den Wintermonaten nicht fehlen und runden die besonderen Outfits perfekt ab. www.hackett.com

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Handgemachtes aus Schweizer Straussenleder Das neue Label für hochwertige Handtaschen und Accessoires trägt den Namen «Strauss Switzerland». Die Produkte werden aus Schweizer Straussenleder und ausschliesslich in der Schweiz produziert. Irene Meier vom Atelier Mouette erstellt sie in kunstvoller Handarbeit. Jede Straussenhaut ist mit ihren unterschiedlich grossen Noppen einzigartig, jedes fertige Produkt ein Unikat. Damen und Herren, die mehr Wert auf Individualität als auf bekannte Markennamen legen, finden bei Strauss Switzerland eine Kollektion von Luxusprodukten, die in kleiner Stückzahl hergestellt werden. Die erste Serie von Strauss Switzerland besteht aus den Handtaschen «Clutch», «Classic», der etwas grösseren Tasche «Style», in der auch ein Tablet problemlos Platz hat, sowie einem Kosmetiktäschchen. Aussen überzeugen die Produkte mit kostbarem Straussenleder, innen sind sie mit feinstem Kalbs- oder Lammnappaleder ausgekleidet, dazwischen sorgt ein Futter aus Textil für den nötigen Halt. Vornehm wirken die silberfarbenen Beschläge. www.strauss-switzerland.ch

Kleider von gestern für Leute von heute «Fashion Ads of the 20th Century» bietet eine elegante Retrospektive über die Mode der vergangenen 100 Jahre. Rund 400 Modeanzeigen aus der Jim Heimann Collection wurden hier zusammengetragen. Anhand von genialen Grafiken und sexy Slogans, Jazz-Glamour und Calvin-Klein-Unterwäsche dokumentiert dieses eBook das unablässige Fort­schreiten der Mode, die im Lauf der Jahrzehnte zu einem Teil der Massenkultur wurde. Nicht zuletzt geht es es um die Frage, wie wie historische Ereignisse, Designermarken, Handelsketten, Filme, Zeitschriften und Prominente Einfluss darauf nehmen, wie wir uns kleiden – damals wie heute. Fashion Ads of the 20th Century E-Book für iPad Taschen Verlag

Für den Indian Summer In Anlehnung an das altbewährte Konzept der Eleganz als vollkommene Schönheit sind die Brillen der Kollektion «Frames of Life» kleine Meisterwerke aus unüblichen Materialien. Sie wurden einwandfrei verarbeitet und bieten eine perfekte Mischung aus Design und höchster Qualität. Minimalistische Nüchternheit und moderne Innovation : Damit befinden sich die Brillen gang mit Einklang mit der Tradition des Hauses Giorgio Armani. Ein einmaliger Style, der sicher nicht unbemerkt bleiben wird und der in der Lage ist, die Persönlichkeit seiner Träger zu unterstreichen. Unter den bevorzugten Materialien befindet sich das Acetat: Havanna und Horn, gebürstet, poliert, ziseliert für Gestelle nach Mass mit exklusiven Nieten an Front und Bügelspitzen. www.armani.com

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WUSSTEN SIE SCHON …?

Parfüm für Millionäre Wie gut muss wohl ein Duftwasser riechen, für das man im Londoner Edel-Kaufhaus Harrods rund 200 000 Schweizer Franken hinblättern muss? Nur einigen Wenigen wird der Genuss vorbehalten sein, einmal ein Flakon von «Clive Christian No. 1 – Imperial Majesty Edition» zu öffnen und daran zu schnuppern. Für die Herstellung des teuersten Parfüms der Welt werden nur die edelsten Ingredienzien wie natürlich gereiftes Sandelholz aus Indien oder Tahiti-Vanille verwendet. Auch die Verpackung mit 18-karätigem Goldrand sowie ein mitgelieferter 5-karätiger Diamant treiben den Preis so weit in die Höhe.

Diamanten-Denim Die «Secret Circus» ist die teuerste Jeans der Welt. Auch wenn sie vom Design her eher klassisch daherkommt, hat sie doch etwas ganz Spezielles zu bieten: 15 hochwertige Diamanten nämlich, die die Gesässtaschen des Damenkleidungsstücks zieren. Der Preis für diesen funkelnden Hingucker beträgt knapp 1,2 Millionen Schweizer Franken!

Das schönste Junge-Mädchen der Welt Das männliche Model Andrej Pejic gilt derzeit als einer der Gefragtesten seiner Zunft. Aufgewachsen ist der 22-jährige Shootingstar im australischen Melbourne, wo er als Mitarbeiter einer McDonaldsFiliale entdeckt wurde. Heute wohnt Pejic in London, jettet aber für Aufträge um die ganze Welt. Besonders seine androgynen Gesichtszüge machen das Model bei Designern wie Marc Jacobs oder Michael Michalsky so beliebt. Für Jean Paul Gaultier stand Pejic sogar schon einmal sowohl für die Herren- als auch für die Damenkollektion auf dem Laufsteg.

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DER LETZTE KAISER VALENTINO GARAVANI Eine märchenhaftere Karriere als die des italie­ nischen Modedesigners Valentino Garavani kann man sich wohl kaum vorstellen. Geboren am 11. Mai 1932 in einem kleinen Nest irgendwo ­ ­zwischen Turin und Mailand, sollte schon bald ­die grosse weite Welt sein neues Zuhause sein. Im Jahr 1959 gründete Valentino in Rom sein eigenes Modehaus und schnell rissen sich alle grossen Filmschauspielerinnen und Topmodels um die Abendkleider des Perfektionisten. Die Marke ­Valentino stand bald für minimalistisches, luxur­ iöses Design, das an Eleganz und Glamour kaum zu überbieten war. Pailletten- und Perlenstickerei sowie viel Spitze zierten immer wieder die «Alta Moda» des Meisters. Elizabeth Taylor, Audrey Hepburn und Jackie Kennedy zählten wohl mit zu den bekanntesten Celebrities, die die Mode des stets braun gebrannten Gentlemans mit der perfekt sitzenden Frisur vergötterten. Der lange rote Dress war eines seiner Markenzeichen. Oscarpreisträgerin Nicole Kidman schwärmte noch Jahre nach ihrem Auftritt von ihrem roten Valentino-Kleid, das sie am Abend der Preisverleihung getragen hatte.

3 FRAGEN Zusammen mit Ihrem Lebens- und Geschäft­spartner Giancarlo Giammetti haben Sie das erste virtuelle Mu­ seum der Welt gegründet. Was ist f­ ür Sie das Beson­ dere daran? Das Schöne daran ist, dass es für die Ewigkeit gemacht ist. Andere, echte Museen, verlieren nach einer gewissen Zeit oft ihren Reiz, werden schlecht besucht oder verleihen permanent ihre besten Ausstellungsstücke. In unserem Museum hingegen sind die Leute nicht an Öffnungszeiten gebunden. Mode-Fans aus der ganzen Welt können es ­jederzeit und bequem von zu Hause aus besuchen. Ich denke, das ist die Zukunft!

Sie haben Kleider für die reichsten und schönsten Frauen der Welt angefertigt. Haben Sie denn eine Favoritin? Ja, da muss ich gar nicht lange nachdenken: Jackie Kennedy. Sie war eine wunderbare, intelligente, tiefgründige und sehr feminine Frau. Ich habe in meinem Leben kaum einen interessanteren Menschen getroffen. Haben Sie je darüber nachgedacht, in Ihrem Leben etwas anderes als Mode ­zu ­machen? Nein, nie. In allen anderen Bereichen bin ich einfach auch eine echte Niete. Wissen Sie, ich liebe einfach die Schönheit. Frauen wollen doch schön sein und ich kann ihnen ein bisschen dabei helfen.

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Foto: Paul Mitchell

Neueste Haartrend-Kollektion von Paul Mitchell ÂŤOrigamiÂť.


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HAARTRENDS & TRENDMACHER Sein Vater gilt bis heute als der Visionär für Fashion-Frisuren. Bei ihm gab sich in den 1960er-Jahren das Who is Who der New Yorker Oberschicht die Klinke in die Hand. Valeska Jansen

Paul Mitchell & L’Oréal Professionnel


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aquel Welch, Pat Nixon, Barbara Walters und Geraldo Rivera pilgerten zum «Haar-Guro» Paul Mitchell. Er war der Erfinder des «Wash-and-­ Wear»-Styles, der Befreier für alle Frauen, die ständig zum Friseur gehen mussten, weil es ihnen unmöglich war, die Coiffeur gestylte Frisur zu Hause selber nachzustylen. Heute ist Angus Mitchell, sein Sohn, Co-Owner eines der grössten Haar-Unternehmen, John Paul Mitchell Systems. Zu ­Beginn ein schwieriger Schritt, in die Fussstapfen des «Friseurs der Friseure» zu treten. Aufgewachsen auf Hawaii, unter der spirituellen Führung seines Vaters, ­erlebte Angus die Entwicklung der ersten Produkte von John Paul Mitchell Systems hautnah mit.

Foto: L’Oréal Professionnel

«Mein Vater war ein tief spiritueller Mensch, der mich gelehrt hat, dass alles von Gott geschaffen wurde und alles in irgendeiner Art und Weise untereinander verbunden ist», erinnert sich Angus. Genau wie sein übermächtiger Vater gilt er in der Zwischenzeit als Trendsetter für Frisuren und macht sein Talent dem Unternehmen zunutze.

Gemeinschaftsgefühl als Erfolgsrezept Seit acht Jahren trifft sich die John-Paul-Mitchell-Gemeinschaft zu ihrem ­«Signature Gathering» (der Unternehmensversammlung) in Las Vegas. Ein Happening auf amerikanische Art: Etwa 3 000 Coiffeure aus aller Welt finden sich hier zusammen, um gemeinsam verschiedenste Hair-Workshops und Partys zu erleben. Eine Zusammenkunft des Austauschs, der Kontaktver­ tiefung und der Netzwerkvergrösserung.

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Foto: L’Oréal Professionnel

Dieses Jahr durften wir exklusiv an diesem Grossevent teilnehmen. Im Red Rock Hotel Las Vegas waren beinahe alle der über 400 Zimmer und alle ­Kongresssäle, insgesamt 100’000 Quadratmeter, vom amerikanischen Haar­ imperium besetzt. Dort trafen wir die drei Kreativköpfe des Unternehmens, allen voran Angus Mitchell (Co-Owner and Artistic Director of Education), gefolgt von Robert Cromeans (Global Artistic Director) und Stefanie Kocielsky (Artistic Director) zum exklusiven Interview.


Foto: L’Oréal Professionnel

Foto: L’Oréal Professionnel

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Foto: L’Oréal Professionnel

Foto: L’Oréal Professionnel

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PRESTIGE: Wie viele Trends kreieren Sie pro Jahr und wer ist dafür verantwortlich? ANGUS: Es gibt bei uns zwei Frisurenkollektionen pro Jahr. Parallel dazu präsentieren wir aber auch regelmässig neue Pflegetrends. So wie unsere «Awapuhi»-Linie, die für uns eine bahnbrechende rituelle Pflegelinie ist. Auch unsere «Tea Tree»-Linie hat die Paul-Mitchell-Welt stark beeinflusst. Es ist nicht so, dass wir einfach nur zweimal im Jahr neue Trends kreieren, unsere jeweilige Pflegelinie ist immer involviert. Verantwortlich dafür sind wir alle drei. Und viel wichtiger: Wir bestimmen keinen festgelegten neuen Trend. Es ist immer eine reine Interpretationssache. Im Computerzeitalter haben wir die Möglichkeit, jede neue Kreation, manchmal auch monatlich, auf Video aufzuzeich­ nen und als Clip auf der ganzen Welt an unsere Partner zu verschicken. Neue Trends sind oft nur Eyecatcher, um auf sich aufmerksam zu machen. Oft sind sie gar nicht kom­ merziell und das müssen sie natürlich auch sein. Unsere beiden Kollektionen im Jahr sind zweigeteilt: Es gibt eine Endverbraucher-Kollektion und ein Friseur-«Inspirations»Kollektion.

Was ist Ihre neueste Trendkollektion? Angus: Das ist die Origami-Kollektion. Daran arbeite ich nun schon seit drei Jahren, denn die Origami-Falttechnik hat mich schon immer fasziniert. Nun haben wir sie umge­ setzt, um eine neue Färbe- und Schnitttechnik zu kreieren. Jede Haarpartie wird mit speziellem Papier quasi umfaltet und die aufgetragenen Haarfarben verleihen später einen ganz speziellen Effekt. Dazu kommt der Origami-Haar­ schnitt. Beides zusammen, Farbe und Schnitt, ergeben etwas noch nie Dagewesenes. Ihre Coiffeur-Partner sind auf der ganzen Welt ver­ streut, wie erreichen sie solche von Ihnen neu ­kreierte Trends? STEFANIE: Wir haben einen eigenen Paul-Mitchell-Blog und dort posten wir täglich alle News rund um Paul Mit­ chell. Dort posten wir auch Frisuren, die wir irgendwo auf der Welt, auf der Strasse, gesehen haben. Es ist ein Mix aus Anregungen für all unsere Friseure. Wir sind wirklich ein sehr globales Unternehmen und beziehen alle Möglichkeiten mit ein: Wir posten unsere Bühnenshows von der ganzen Welt, wir berichten über die Bedürfnisse von Kunden und wir gucken uns ständig in New York, London und Paris um, auf der Suche nach neuen Inspirationen. ROBERT: Wir versuchen, immer die ganze Welt mit all i­hren unterschiedlichen Facetten mit einzubeziehen und ihre Vielfältigkeit zu berücksichtigen. Bei uns soll nicht die ganze Welt als Barbie rumlaufen. Jeder Mensch, jede Kul­ tur, soll die Möglichkeit haben, das ihm Entsprechende bei uns zu finden. Wir wollen keine Uniformierer sein.

Foto: Paul Mitchell

Was macht einen Friseur wirklich erfolgreich? ROBERT: Gott … (Lacht.) Es hängt, egal in welchem Job, immer davon ab, mit welchen Leuten man sich umgibt. Hängt man nur mit Luschen herum, wird man auch nie­ mals wirklich erfolgreich sein. Das Friseurhandwerk, für sich alleine gesehen, ist ein sehr einsames Business.

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Sie sind alle drei in die Entwicklung von neuen Pro­ dukten involviert. Gibt es ein neues Projekt, das bahn­ brechend sein wird? ANGUS: Wir haben ja unser eigenes Labor in dem ge­ forscht und entwickelt wird. Und wir beschäftigen ein ­grosses Team, das sich permanent weltweit nach Neuig­ keiten umguckt. Wenn wir ein neues Produkt lancieren, sind wir in unseren Forschungsarbeiten bereits drei Jahre voraus. Jedes von uns entwickelte Produkt hat so viele Stationen zu durchlaufen, bis wir es auf den Markt bringen. Dieser Prozess dauert immer drei Jahre, mit allen Tests usw.

Gut und schön, aber Sie haben es ja mit so vielen un­ terschiedlichen Kulturen und Mentalitäten zu tun. Wie lassen sich alle über einen Kamm scheren? ANGUS: Das ist eben genau das, was uns von anderen Haar-Unternehmen unterscheidet, wir haben ein grosses Geheimnis. Eine Geheimwaffe. Robert Cromeans! Bitte nicht weitersagen. (Lacht.) Im Ernst, er ist unser Business-­ Anführer. Er besitzt das grosse Talent, Worte in die Tat ­umzusetzen. Dazu kommt auch immer der Kopf eines Unternehmens. Funktioniert der, dann funktioniert auch immer der Rest.

In der Pipeline befindet sich tatsächlich gerade ein revolu­ tionäres Produkt. Es ist eine Art Talkumpuder, der feine Haare wirklich sichtbar verdickt.

Foto: Paul Mitchell

Unsere Partner-Friseure sind so erfolgreich, weil wir eine grosse Gemeinschaft sind. Wir veranstalten auf der ganzen Welt Shows, wir informieren täglich, wir beziehen einfach jeden mit ein. Das ist es, was die Leute anspornt und ins­ piriert. Diese Leidenschaft in einem Raum, die Sie spüren, wenn Ihnen 3 000 Friseure auf der Bühne zugucken. Der Friseurberuf ist kein einfacher: Jeden Tag Haare waschen, schneiden und föhnen, das ist anstrengend. Da sind Spass und Leidenschaft immens wichtig und das sehen wir als unsere Aufgabe. Wenn nach fünf Tagen Arbeit die Batterie leer ist, ist es unsere Aufgabe, sie wieder mit Leidenschaft zu füllen.

STEFANIE: Dazu kommt unsere grosse Leidenschaft, auf jede Kultur einzugehen. Wir wollen uns darauf einlassen. Und es ist auch eine Sache der Empathie. Wir wollen uns immer in andere Menschen hineinversetzen. Wir sehen uns auch nicht als Künstler. Jeder berühmte Künstler wurde erst nach seinem Tod richtig bekannt. (Lacht.) Wir bleiben immer auf dem Boden der Tatsachen und leben immer im Hier und Jetzt. Viel Geld zu verdienen ist eine tolle Sache, aber viel Geld zu verwalten und richtig zu investieren ist noch besser. ROBERT: Klar gibt es unterschiedliche Kulturen. Aber mei­ ner Meinung nach ist der einzige Unterschied die Sprache. Leidenschaft ist auf der ganzen Welt gleich. Man muss sich einfach öffnen. Das ist es, was die Menschen spüren und was sie begeistert. Dafür muss man noch nicht einmal dieselbe Sprache sprechen. All unsere Shows sind auf der ganzen Welt gleich. Einziger Unterschied zu den USA ist, dass wir in anders sprachigen Ländern Übersetzer haben. Auf der ganzen Welt haben wir nur ein Ziel: Wir wollen die Menschen unterhalten und erfreuen.

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Angus Mitchell, Sohn von Paul Mitchell, ist heute der Kreativkopf des Unternehmens.


PERFEKTES STYLING L'ORÉAL PROFESSIONNEL

AVEDA

NUXE

KÉRASTASE L'ORÉAL PROFESSIONNEL L'ORÉAL PROFESSIONNEL BJÖRN AXÉN

PAUL MITCHELL

KÉRASTASE

PAUL MITCHELL

PAUL MITCHELL

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TOPMODEL & LAGERFELDS MUSE CLAUDIA SCHIFFER

Ohne Schuhe misst sie 181 Zentimeter und gilt als das deutsche Supermodel. Mit süssen 17 Jahren wurde Claudia Schiffer in einer Diskothek in Düsseldorf entdeckt und zu Probeaufnahmen ­ nach Paris eingeladen. Nur ein Jahr später holte Karl Lagerfeld seine Muse für Chanel auf den Laufsteg und förderte so ihre Karriere als internatio­ nales Topmodel. Nochmals ein Jahr später (1989) war sie bereits auf dem Titel der «Vogue» zu sehen. Danach folgten über 500 weitere Titel bekannter Zeitschriften. Claudia Schiffer wurde zu einem der bekanntesten Gesichter in den Medien. In der Branche gilt sie als diszipliniert und zuverlässig ohne grosse Starallüren. Auch sorgte sie selten für Klatsch, einzig ihre Verlobung mit dem Magier ­David Copperfield sorgte in der Presse für Furore. Seit 2002 ist sie jedoch mit dem britischen Produzenten und Regisseur Matthew Vaughn verhei­ratet, mit dem sie drei Kinder hat. Wie erfolgreich das ­Model ist, zeigt auch das von Forbes ­geschätzte Privatvermögen von 250 Millionen US-Dollar.

3 FRAGEN Man sagt, Sie seien sehr schüchtern. Wie verträgt sich das mit dem Modeln und dem Catwalk? Ja, das stimmt. Ich bin sehr schüchtern. Ich fühle mich zum Beispiel unter zu vielen Menschen nicht wohl. Auf dem Catwalk ist es etwas anderes. Ich trage sehr viel Make-up und diese wunderbaren Kleider – dadurch bin ich einfach eine andere Person. Beim Modeln muss ich einfach sexy aussehen und nicht ich selbst sein. Was wollten Sie als Kind werden? Ich wollte Anwältin werden, wie mein Vater. Modellen wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen.

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Was war bisher der seltsamste oder schwierigste Job, der Ihnen angeboten ­wurden? Ein arabischer Prinz wollte mich für ein Dinner engagieren für 1,5 Millionen Franken. Ich habe jedoch abgesagt, denn zu dem Dinner wurden scheinbar einige Extras erwartet.


Eine fantasievolle Methode, sich Schönheit und Mode zu nähern Wir Menschen sind darauf programmiert, instinktiv auf Schönheit zu reagieren. Sie hat die aussergewöhnliche Eigenschaft, unsere Stimmung zu heben und unsere Herzen zu öffnen. Auch wenn wir nicht genau beschreiben können, was Schönheit eigentlich ist, erkennen wir sie, sobald wir sie sehen. Im Laufe seiner glanzvollen Karriere hat der Fotograf Kenneth Willardt Bilder entstehen lassen, die unseren Begriff von Schönheit verkörpern. Bei aller Verschiedenheit in Stil und Motiv besitzen diese sorgfältig strukturierten Kompositionen eine zeitlose Eleganz, die uns in ihren Bann zieht.

The Beauty Book Kenneth Willardt TeNeues Verlag

Get in Shape Warum sehen Stars eigentlich immer so gut aus? Natürlich, sie haben einen Stylisten, den besten Friseur am Platz und das nötige Kleingeld für Personal Trainer, regelmässige Massagen und Beautybehandlungen. Wer sich für eine Woche mal ebenso «very important» fühlen will, für den hat das Vair Spa des apulischen Fünf-Sterne-Resorts Borgo Egnazia eine besonders glamouröse Spawoche im Programm. Das intensive Peddara-Entspannungsprogramm besteht aus elf Signature Treatments «made in Puglia», die ein Erlebnis für alle Sinne sind. Aromen und Essenzen aus der Region Apuliens wie Rosmarin, Salbei, Minze, Zitrone, Lavendel und Olivenöl sorgen bei einem Facial für Tiefenentspannung und Pflege. www.vairspa.com

Duft-Diffusor-Kollektion Lalique verkörpert Savoir-faire und lässt sich in Sachen Schmuck-, Parfüm- und Tischdekorationskunst nichts vormachen. Durch die Entwicklung ihrer R ­ aumparfümlinie «Voyage de Parfumeur» schlägt die Marke eine Brücke zwischen der Parfümkunst und der Dekoration. Neu bereichern nun sechs Duft-Diffusoren von Lalique diese Linie mit ihrem duftenden Wohlgeruch und schicken uns auf Reisen. Eine olfaktorische Reise durch die Welt der exklusiven Düfte: Vanille (Acapulco, Mexiko), Neroli (Casablanca, Marokko), Feige (Amalfi, Italien), Ingwer (Yunnan, China), Sandelholz (Goa, Indien) und Vetiver (Bali, Indonesien). www.lalique.com


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DER IDEALE DUFT Guerlain gehört mit seinen 186 Jahren zu den ältesten Duft- und Pflegehäusern der Welt. Unter Napoleon III wurde es zum Hoflieferanten ernannt und Kaiserin Sissi war ganz verrückt nach der hauseigenen Pflege, einer Erdbeercreme. Valeska Jansen

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eit sechs Jahren ist der Schweizer Thierry Wasser Chef-Parfümeur bei Guerlain. Seine Vorgeschichte als Nase kann sich sehen ­lassen: Nach dem Studium an der Parfümfachschule Givaudan ging Wasser für neun Jahre zu Firmenich (Nummer 2 weltweit im Herstellen von Duftstoffen und Aromen mit Hauptsitz in Genf) in New York. Sein erstes Parfüm als Guerlain-Nase sollte ein Männerduft sein, Guerlain Homme. Unzählige Damendüfte wie z. B. La Petite Robe Noire oder Idylle folgten. Dieses Jahr war es Zeit, für das ­Pariser Dufthaus einen neuen Herrenduft zu lancieren. Ein Duft für einen idealen Mann, den es ja gar nicht gibt, merkt Wasser schmunzelnd an. Wir trafen den charismatischen Parfümeur in Zürich zum Exklusivinterview:

Was passiert denn, wenn Sie von einer neuen ­K reation absolut überzeugt sind und das Marketing-Team sagt: «Nein, der Duft gefällt uns gar nicht.» Das ist wie eine Ohrfeige für mich. Es steckt ja in jeder neuen Kreation mein Herzblut. Aber ich beherrsche mich und sage dann: «Ist gut.» Dann gehe ich und stecke den Duft in eine Schublade und warte ab. Ich könnte nie im Leben eine Kreation von mir wegwerfen.

PRESTIGE: Wie kommt es in einem Dufthaus wie Guerlain eigentlich zu der Entscheidung, nach sechs Jahren wieder einmal einen Herrenduft zu kreieren? THIERRY WASSER: Guerlain Homme sollte damals als meine erste Kreation für Guerlain eine Art Revolution wer­ den. Jetzt fand ich ist es an der Zeit, sich auch wieder an die lange Geschichte und Tradition des Hauses zu erinnern. Entscheiden Sie so etwas alleine? Am Anfang ja. Es war meine Idee. Diese muss ich dann dem Marketing-Team präsentieren und sie mit an Bord holen. Es ist im Endeffekt immer eine Teamentscheidung. Wie muss man sich Ihren Job vorstellen? Sie haben eine Idee und beginnen zu kreieren? Nein. Ich kreiere ständig neue Düfte und einige landen dann in der Schublade, andere kommen ins Portfolio. Ich bin eigentlich so etwas wie ein Schriftsteller. Ich schreibe jeden Tag Geschichten, nur dass es Geschichten aus Duft­ ingredienzien sind. Wenn Sie eine Geschichte schreiben wollen, dann tun Sie es. Und entweder Ihr Auftraggeber mag dann diese Story oder er mag sie eben nicht.

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Schreiben Sie sich eigentlich alle Duftzutaten so wie ein Koch als Rezept auf? Ja! Zuerst ist es nur eine Idee im Kopf. Dann muss man sie ja irgendwie raus aus dem Kopf bekommen. Also beginnt man, etwas aufzuschreiben, eine Formel. Ja, es ist tat­ sächlich wie ein Kochrezept. Wenn das Rezept dann in der Küche oder wie bei mir im Labor zubereitet wurde, dann probiert man. Manchmal ist es zu salzig, irgendetwas fehlt. Also entwickelt man weiter. Das kann ein Jahr lang dauern, bis alles perfekt zusammen passt. Wissen Sie denn vorher, wenn Sie A und B mischen, wird dieser Geruch dabei herauskommen? Nein, absolut nicht. Das Ergebnis ist jedes Mal anders und auch unerwartet. Es ist wie try and error.

Wenn Sie z. B. die Idee haben: Jetzt entwickele ­ich mal einen Rosenduft. Wie gehen Sie dann vor? Spazieren Sie durch einen Park und schnuppern? Nein. Das kann schon mal sein, ist aber nicht die Regel. Es ist eine Idee im Kopf und sonst noch gar nichts. Und wie kommt es zu Ihrer Idee im Kopf? Nehmen wir z. B. den Duft Idylle: Daran kann ich mich noch­ perfekt erinnern. Ich startete damit exakt am 3. Juni 2008. Das war genau ein Tag nach meinem allerersten Arbeits­ tag bei Guerlain. Ich war so überglücklich, ich hätte laut schreien können: «Yeah! Ich bin an der Spitze ange­ kommen!». Ich hätte die ganze Welt mit Blüten bedecken wollen. Und genau diese starke Emotion ist Idylle. Ich roch in der Natur Pfingstrosen, Freesien, Flieder und Rosen, die Hauptingredienzien in Idylle. Heute, nach sechs Jahren, würde ich sagen, dass der Duft eine gewisse Naivität hat. So naiv wie ich es damals war. Heute bin ich anders und ich würde jetzt niemals einen Duft wie Idylle entwickeln. Und welche Emotion hat Sie bewegt L’Homme ­Ideale zu entwickeln? Der Name ist pure Ironie. Den idealen Mann gibt es ja schliesslich nicht. Den idealen Mann gibt es jetzt nur und ausschliesslich als Duft. (Lacht.) Die allererste Idee war ursprünglich: Ich will einen neuen Duft für Männer kre­ ieren, der muss aber total anders sein als Guerlain Homme. Jicky, als einer der ersten Guerlain-Düfte (1889), hat mich schon immer begeistert. Also habe ich die Kopfnote mit der Bittermandel von dort gestohlen. Das war der Start zu L’Homme Ideale. Dann studierte ich den Mann von heute und voilà: Herausgekommen ist L’Homme Ideale.


BEAUTY

SMELLS LIKE AUTUMN

ACQUA DI PARMA

PACO RABANNE

JEAN PAUL GAULTIER GIVENCHY

FENDI

MERCEDES-BENZ RUNDHOLZ

SERGE LUTENS

VINCE CAMUTO

GIORGIO ARMANI

CLEAN

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KOLUMNE

GÖTZ WINTER

EIN LÄCHELN INS GESICHT ZAUBERN Regelmässig höre ich (manchmal auch mit leicht vorwurfsvollem Ton) dass ich einer oberflächlichen Branche arbeite, bei der die Schönheit vor allen anderen Werten gestellt wird. Umso schöner, wenn ich dann anstatt mit einer abstrakten Rechtfertigung ganz konkrete Dinge wie LOOK GOOD … FEEL BETTER (LGFB) beschreiben kann. Und zwar mit ganz persönlichem Zugang. Estée Lauder (Schweiz) GmbH ist eine der Gründerfirmen der Stiftung, und unterstützt diese zusammen mit anderen führenden Kosmetik­ unternehmen in der Schweiz. LGFB veranstaltet kostenlose Beauty-Workshops für Krebspatien­ tinnen, die sich einer medizinischen Behandlung unterziehen und dies zurzeit an 31 Spitälern in der ganzen Schweiz. Ziel dabei ist es, das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein der betroffenen Frauen wieder aufzubauen und zu stärken. Als Mitglied des Stiftungsrats hatte ich die Möglichkeit als Beobachter an einem dieser Workshops dabei zu sein an einem Dienstagnachmittag im Universitätsspital Zürich. Die acht Frauen unterschiedlichen Alters sind keine gewöhnlichen Kursteilnehmerinnen, sie verbindet ein besonderes Schicksal: es sind Krebspatientinnen in medizinischer Behandlung. Sie leiden an unterschiedlichen Krebsarten und befinden sich in verschiedenen Stadien ihrer Therapie, doch als sie sich an ihren Platz setzen, der jeweils mit Schminkspiegel, Kosmetiktäschchen und Make-Up-Tools ausgestattet ist, ist das Eis schnell gebrochen. Die schönen neuen Produkte werden ausgepackt und entdeckt, die Stimmung ist schon fast ein bisschen wie zu Weihnachten. Die Frauen beginnen miteinander zu sprechen, vergleichen ihre Kosmetikprodukte mit denen ihrer Nachbarin, lachen. Ganz normale Frauen, die sich am Moment freuten und ihre Krankheit für eine kurze Zeit vergessen können. Einfach und anschaulich erklärt die Kursleiterin jeden Schritt der Make-Up-Applikation, den die Teilnehmer­

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innen dann selber ausführen. Wo Hilfe benötigt wird, unterstützen die Schönheitsberaterinnen des LGFB Teams die Patientinnen individuell mit Tipps und Tricks. Je weiter der Workshop voranschreitet, desto entspannter und heiterer wird die Atmosphäre. Die Frauen plaudern eifrig miteinander und tauschen dabei auch ihre Erfahrungen rund um ihre Krankheit und Therapie aus. In der Theorie war es mir klar, dass dieser Austausch ein wichtiger Bestandteil des Workshops ist und er den Patientinnen genauso gut tut, wie die äusserliche Veränderung. Den Moment zu erleben, an dem sie mich ganz vergessen und ihre Perücken abnehmen, bewegt mich ganz besonders.

«Die glücklichen Gesichter am Ende des Workshops zeigen uns, dass wir einen wichtigen Beitrag leisten.» Es ist wunderbar, nach zwei Stunden nur strahlende Gesichter zu sehen. Die Frauen sind be­ geistert. Das LGFB-Team – lauter Kosmetikprofis, die ehrenamtlich für das Programm arbeiten – ist sich einig: «Diese glücklichen Gesichter am Ende des Workshops und die positiven Rück­ meldungen, die wir von den Teilnehmerinnen erhalten zeigen uns, dass wir mit unserem Engagement einen wichtigen Beitrag leisten, um die Lebensqualität der betroffenen Frauen zu verbessern.» Dieser Aussage kann ich mich nur anschliessen. Ich bin nicht nur stolz, ein kleiner Teil dieser Organisation zu sein, sondern voller Hoffnung, dass diese Freude weiter anhält und nicht gleich wieder «abgeschminkt» wird. Ohne diesen Besuch hätte ich nie selbst sehen und spüren können, was wir als Partner bei LGFB viel bewirken können. Und ich bin motiviert, Estée Lauder noch mehr einzubringen. Denn diese Art Engagement ist für alle Beteiligten unglaublich erfüllend! Herzlich Goetz Winter P. S.: Nähere Informationen finden Sie auf www.lgfb.ch


EIN PARFÜM GEHT UM DIE WELT CHANEL NO 5

Mit dem Duft Chanel No 5 revolutionierte die Mode­schöpferin Coco Chanel die Parfümwelt. Im Jahre 1921 kreierte sie ihren eigenen Duft, den ­ersten seiner Art. Coco Chanel suchte einen ganz neuen Duft, er sollte ebenso exklusiv wie ihr Kleidungsstil sein. «Eine Frau», sagt sie, «sollte Parfüm überall dort tragen, wo sie geküsst werden möchte.» No 5 revolutionierte die Regeln der Parfümwelt, die zu der Zeit nur den Duft einzelner ­Blumen kannte. Coco Chanels Duft hingegen ist eine Komposition aus über 80 Düften. Ernest ­Beaux, Parfümeur am Hof des Zaren, führte seine Suche nach Inspiration für dieses Parfüm bis an den Polarkreis, wo er seine Anregung durch die Frische der Seen im hohen Norden unter der ­Mitternachtssonne fand. Es entstand eine einzigartige Kompo­ sition, ein abstraktes, geheimnis­ volles Parfüm, das eine extravagante florale Fülle ausstrahlt, dabei jedoch geheimnisvoll erscheint. Der Name ­ «No 5» entstand, da Mademoiselle ­Chanel den fünften von Ernest Beaux präsentierten Vorschlag auswählte. «No 5», ein Code, eine Er­ kennungs­ nummer, die die gefühlsbetonten Namen der Parfüms jener Zeit altmodisch erscheinen liessen. Auch die Form hob sich von den Flaschen der 1920er-Jahre ab: Mit Chanel No 5 wurde zum ersten Mal ein Parfüm in einer einfachen Laborflasche präsentiert. Seine Schlichtheit ist zeitlos. Noch heute ist Chanel No 5 das meistverkaufte Parfüm der Welt – unverändert in seiner Form­ von 1921.

3 ZITATE «Im Bett trage ich nichts ausser ein paar Tropfen Chanel N o 5.» – Marilyn Monroe –

«Es ist keine Reise. Jede Reise geht zu Ende, aber wir gehen weiter. Die Welt dreht sich, und wir drehen uns mit ihr. Pläne verschwinden, Träume übernehmen. Aber wohin ich auch gehe, du bist da. Mein Glück, mein Schicksal, meine Fügung. Chanel N o 5. Unumgänglich.» – Werbespot mit Brad Pit – «Ich suchte ein Parfüm für Frauen mit dem Duft einer Frau.» – Coco Chanel –

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SPEZIALISTEN FUR JEDE HAUT Täglich gecremt fühlt sich die Haut wohl, vor allem im Gesicht, am Hals und am Dekolleté. Vor allem Feuchtigkeit ist hier gefragt und auch besonders wichtig, egal in welchem Alter. Valeska Jansen

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ede dritte Frau in der Schweiz verwendet täglich eine Anti-Aging-Pflege. Wer die Wirkstoffkombination noch verstärkt anwenden will, der benutzt zusätzlich zur normalen Pflege ein Serum oder Konzentrat. Hier ist der Inhalt hoch konzentriert. Doch nicht nur im Anti-Falten-­Bereich gibt es Seren, auch für alle anderen Hautprobleme gibt es passende Kraftpakete. Gereizte Haut kann mit dem passenden Mittel beruhigt werden, trockene Haut befeuchtet und unreine Haut gelindert. Durch ihre leichtere Textur ziehen Seren und Konzentrate schneller und vor allem tiefer in die Haut ein.

Richtige Voraussetzungen schaffen Vor jeder Anwendung gilt jedoch immer die gleiche Regel: Die Pflege nur auf die gut gereinigte Haut auftragen, am besten morgens und abends. Ein Serum ersetzt aber niemals die Pflegecreme, deshalb sollte diese auch immer im Anschluss angewendet werden. Die meisten Beauty-Firmen bieten ein rundum Sorglospaket, bestehend aus Reinigung, Toner, Serum, Tages- und Nachtcreme an. Abgestimmt auf die verschiedenen Hauttypen versorgen die Produktkombinationen jede Haut optimal. Vor allem Hyaluronsäure und Vitamin C werden bevorzugt in Gesichtsseren integriert. Sie sorgen für eine optimale Befeuchtung der Haut und sind meist ölfrei.

Für jedes Bedürfnis das passende Serum Bei trockener Haut wird meist ein ölhaltiges Serum verwendet. Es glättet die Hautoberfläche sofort sichtbar. Seren können auch partiell angewendet werden, d. h., spezielle Seren mit aufhellender Wirkung werden direkt auf Pigmentflecken auf­getragen. Heute gibt es für jedes Hautbedürfnis das passende Pflegeprodukt und das passende Serum oder Konzentrat. Hier stellen wir Ihnen die Neuheiten des Jahres vor:

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LANCÔME RADICAL SKINCARE

BY TERRY

SANTAVERDE DR DENNIS GROSS

YON-KA

HELENA RUBINSTEIN

SHISEIDO

DECLÉOR

DR PIERRE RICAUD

LANCÔME

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DIE KUNST, EINEN HOCKER ZU GESTALTEN

MAX BILL Seine Werke ver채ndern die Formensprache und wirken ungebrochen in der Gegenwart. Lone K. Halvorsen

Wohnbedarf

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b als Maler, Architekt, Gestalter, Designer oder Publizist – Max Bill ­gehört zu den erfolgreichsten konkreten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er hat in vielen Disziplinen eine einzigartige Karriere absolviert und er war ein genialer Künstler, der in jeder Disziplin eine Erfüllung fand. Jedoch eine besondere Verbindung hatte er zur Architektur. Wie in seiner Kunst verzichtete Max Bill auch in der Architektur auf das Expressive. Seine Bauten sind gekennzeichnet durch eine zeitlose Form klarer Strukturen, die für die Ansprüche der Nutzer bestimmt sind. Nicht nur das Möbeldesign, sondern auch die Gestaltung von scheinbar unbedeutendem Alltagsdesign befand Max Bill als wesentlich. Das Spektrum reichte von der Patria Schreib­maschine bis hin zu Geschirr und, nicht zu vergessen, den Ulmer Hocker.

Ein Hocker mit Kultstatus Ob als schlichter Hocker, als aparter Beistelltisch, Nachttisch oder mobile Traghilfe für Bücher und Zeitschriften, der Ulmer Hocker ist ein gern gesehener Klassiker. Er wurde 1954 von Max Bill in Zusammenarbeit mit Hans Gugelot für die Studenten der HfG entworfen. Weil Geld knapp war, schuf man sich Sitzgelegenheiten für die Studierenden selbst. Der Hocker hatte den Vorteil, dass er bei grosser Stabilität leicht zu transportieren war und den Schülern so auch als Tragegestell für ihre Unterlagen diente. Das Design wurde ausschliesslich an der Funktionalität ausgerichtet: Der Rundstab (ursprünglich aus einem Besenstiel) verleiht dem Hocker Stabilität und dient ausserdem als Tragegriff. So kann er vielfältig als Sitzmöbel, Beistelltisch oder Regal­ element genutzt werden, aber auch als Transportbehälter, Serviertablett oder Tischaufsatz dienen. Der Ulmer Hocker ist ein gutes Beispiel dafür, dass Not manchmal im besten Sinn erfinderisch macht. In Zusammenarbeit mit Jakob Bill, dem einzigen Sohn von Max Bill, wurde für die bunte Variante eine Farbpalette zusammengestellt, die den Grafiken/konstruktiven Gemälden von Max Bill entnommen wurde. «Prestige» unterhielt sich mit Jakob Bill über das Schaffen seines Vaters sowie über die Inspiration für den Hocker mit Kultstatus.

Die gute Form Die Sonderausstellung «Die gute Form» des Schweizerischen Werkbundes SWB an der Basler Mustermesse 1949 war ein Ereignis, das weit über die Schweiz hinaus für Furore sorgte. Von dem renommierten Architekten, Gestalter und bildenden Künstler Max Bill stammten Idee und Auswahl der Exponate, er gestaltete und realisierte die Ausstellung. 80 Tafeln zeigten beispielhaft designte Konsumgegenstände, von der Teetasse bis zum Düsenflugzeug. Bill sah in der Schweiz und im Nachkriegs­ europa die aufkommende, amerikanisch geprägte Warenästhetik und stellte ihr eine spezifisch «schweizerische» gegenüber, geprägt durch den Willen zu einer nachhaltigen Formgebung.

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Max Bills «Pavillon-Skulptur» an der Bahnhofstrasse, Zürich.

PRESTIGE: Max Bill war für viele schwer zu fassen, denn er galt als ein Universalkünstler. Wie haben Sie Ihren Vater wahrgenommen – als Architekt, Künstler oder Gestalter? JAKOB BILL: Da mein Vater in meiner frühen Kindheit zu Hause arbeitete, fand ich seine verschiedenen Tätigkeiten ganz normal.

Mein Vater war seit der Gründung des Wohnbedarfs dabei. Die Wohnbedarf-Schrift geht auf seinen Entwurf zurück. Ebenso schuf er in der Anfangsphase Inserate und Plakate­ für das Möbelhaus. Seine Möbel sind immer zuerst im Wohnbedarf dem Publikum zum Verkauf angeboten wor­ den, die Verbundenheit bleibt bis über seinen Tod hinaus bestehen.

Wie hat er sich selbst betrachtet? Wenn man ihn nach seinem Beruf fragte, so gab er immer Architekt an.

Was war die Intention hinter der Neuauflage von Drei­ rundtisch, Quadratrundtisch, Clubtisch, Dreibeinund Kreuzzargen-Stuhl sowie Barhocker? Die von Max Bill geschaffenen Möbel sind in Funktion und Form durchgestaltet und damit auch zeitlos. Einer Wieder­ aufnahme der Produktion stand nichts im Wege, insbe­ sondere da immer wieder danach gefragt wurde.

Das Schaffen Ihres Vaters wirkt ungebrochen in die Gegenwart. Hat er stets das Ziel vor Augen gehabt, der Welt etwas Bedeutendes zu hinterlassen? Er war sicher davon überzeugt, etwas Bleibendes zu schaffen. Er hat aber auch andere Personen gefördert, damit diese in gleicher Richtung etwas Neues kreieren. In welcher Beziehung stand Max Bill zum Züricher Mö­ belhaus Wohnbedarf?

Bei der Re-Edition werden andere Materialien ver­ wendet als beim Originalklassiker. Wäre Ihr Vater ­damit einverstanden? Mein Vater war immer interessiert an Verbesserungen der Fertigungstechnik, die er dann nach Möglichkeit auch

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angewendet hat. Er war aber auch ein ausgesprochener Vertreter des Gedankens an ein gutes Verhältnis von Funk­ tion, Form und Preis / Leistung.

einem Tisch) oder zum Herumtragen von Utensilien wie Bücher oder Ordner. Dies hat auch weitgehend die Dimen­ sionen bestimmt.

Heutzutage wird das Wort «Design» relativ infla­tionär verwendet. Wie betrachten Sie die Ent­wicklung in den letzten Jahren? Der Begriff «Design» hat ja auch einen Wandel erfahren – ­er wird oft als Werbemittel eingesetzt und wirbt ent­ sprechend für Modeerscheinungen und nicht für die gute Gestaltung von Produkten.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den ­Farben der neuen Re-Edition des Ulmer Hockers und der Farbpalette Ihres Vaters? Die neuen, farbigen Hocker beziehen sich auf die Farben eines Siebdruckes, den mein Vater für das Wohnbedarf-­ Jubiläum 1992 geschaffen hat. Um möglichst klare Farben zu erhalten, war es nötig, auch die darunter liegende ­Holzart zu ändern. Ursprünglich waren ja alle Hocker natur­ belassen, aber mehrere Studenten färbten ihre Hocker ­individuell ein. Diese tauchen nun manchmal auch bei ­Design-Verkäufen auf.

Vermuten Sie, dass die alten Klassiker immer einen besonderen Stellenwert behalten oder mit der Zeit durch «neue Klassiker» ersetzt werden? Es gibt sicher auch in Zukunft Produkte, die zu «neuen Klassikern» werden. Das ist eine historische Tatsache, die sich immer wiederholt.

Was hat Ihr Vater Ihnen mit auf den Weg gegeben? Ich bin von beiden Elternteilen mit Ideen versehen­ worden.

Was ist das Besondere am Designklassiker Ulmer ­Hocker? Da ist die Entstehungsgeschichte wichtig. Die Hochschule für Gestaltung musste mit einem Minimum an Mitteln errichtet und möbliert werden. Das meiste wurde in Natu­ ralien gestiftet: Für die Schreinerwerkstatt gab es eine Holzbearbeitungsmaschine mit einer gegebenen Zinken­ breite, die Bretter waren damals nicht astfrei – in den schlimmsten Fällen wurden Holzzapfen eingesetzt. Nun galt es, mit diesem Minimum an Material ein maximales Sitz- und Arbeitsgerät herzustellen. Entstanden ist der Ulmer Hocker aus drei Brettern und einem Besenstiel als Traverse / Fussauflage / Tragestange. Der Hocker diente in der Folge zum Sitzen in zwei Sitzhöhen, als Lesepult (auf

Wohnbedarf «Lebensform und Wohnkultur miteinander verschmelzen lassen» war das Credo der Wohnbedarf-Gründer Werner Max Moser, Sigfried Giedion und Rudolf Graber. Bereits 1933 zog Wohnbedarf in die von Marcel Breuer gestalteten Räume an die Talstrasse 11 in Zürich, welche seither als Ausstellungs- und Planungsräume genutzt werden. In enger Zusammenarbeit mit international be­kannten Architekten und Künstlern wie Alvar Aalto, Le Corbusier, Max Bill, Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe und Alfred Roth entstanden Möbel, die heute als Klassiker gelten. In den 1960er-Jahren dehnte Wohnbedarf seine Tätigkeit auf den Bürobereich aus. Damals wie heute: Wohnbedarf ist eine Institution in Sachen Wohnkultur.

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KOLUMNE

DJ ANTOINE

ALBUM-RELEASE – DER GANZ NORMALE WAHNSINN Montag Morgen, 08.30 Uhr, der Wecker reist mich gnadenlos aus dem Tiefschlaf. Müde wälze ich mich nach einer anstrengenden vergangenen Woche mit sechs Shows quer durch Europa aus dem Bett. Obschon ich gerne noch weiter schlafen würde und eigentlich heute mein freier Tag wäre, weiss ich, dass es nun auf jeden einzelnen Tag ankommt. Tausende Gedanken schiessen mir durch den Kopf. Der Grund: die bevorstehende Veröffentlichung meines neuen Musik-Albums «DJ Antoine – 2014 We Are The Party». Wie es manchmal im Leben kommt und Sie es sicherlich auch schon oft erlebt haben, lässt sich leider nicht immer alles nach einem fixen Fahrplan organisieren, sondern alles fällt auf denselben Zeitpunkt. Dabei nicht die Kreativität und den Fokus zu verlieren, die es braucht, um Musik zu produzieren, ist wirklich eine Herausforderung. Und obschon ich ein starkes Team zur Seite habe, das sich um alles kümmert und mir dadurch das Leben sicherlich einfacher machen könnte, muss ich gestehen: Ich bin und bleibe ein Kontrollfreak, der über alles Bescheid wissen will. Daher wundert es auch kaum, dass ich nonstop mit Anrufen, WhatsApp-Nachrichten und E-Mails bombardiert werde. Und so stehen dann nebst der intensiven Arbeit im Studio mit meinem langjährigen Studiopartner Mad Mark auch verschiedenste, dringende Entscheidungen an wie die Wahl der Sänger fürs Album und die zugehörigen Verträge, deren Verhandlungen sich dann immer wieder in die Länge ziehen können oder wo es zu keiner Einigung kommt, das Corporate Design zum neuen Album sowie diverse Layouts fürs Album und weitere Marketingaktivitäten, neue Presse­ fotos, die kommunikative Aufbereitung zur Albumbewerbung, die Produktion der Ultra Limited Box mit LED-Screen, neue Give-aways, die Planung der Promotions-Tage für Schweiz,

Deutschland, Österreich und Italien, die Erstellung von Storyboards für Musikvideos, die Planung der Reiseroute, Offerten von Jetfirmen usw. Und nebst diesen vielen Angelegenheiten kommen zusätzlich vier bis sechs Sommertour-Bookings wöchentlich und Umbauarbeiten in meinem Haus hinzu. Mein zusätzlicher Hang zum Perfektionismus vereinfacht die ganze Situation auch nicht wirklich. In den Entscheidungsprozessen und in der Umsetzung kommt es daher immer wieder zu Verzögerungen durch Optimierungsbedarf. Und wenn Sie nun denken, ich sei selber schuld, dann liegen Sie ja auch absolut richtig. Es ist einfach der ganz normale Wahnsinn, der sich in meinem Leben abspielt. Doch gerade weil die Produktion von Musik ein sehr emo­ tionaler Prozess ist, wirken sich natürlich Ablenkung und Ärger nicht immer positiv auf die Kreativität aus. Aber solange ich selbst nicht loslassen kann, wird es wohl immer wieder solche Stressphasen und «InspirationsNotstände» geben.

«Wie es manchmal im Leben kommt und Sie es sicherlich auch schon oft erlebt haben, lässt sich leider nicht immer alles nach einem fixen Fahrplan organisieren, sondern alles fällt auf denselben Zeitpunkt.» Ich bin jedoch überzeugt, dass der Hang zum Kontrollfreak und der Perfektionismus mich im Leben zu dem gemacht haben, was ich heute sein darf. Und wie das Sprichwort besagt: «ohne Fleiss kein Preis». In diesem Sinne geht es wieder weiter im Takt.

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LIVING NEWS Crash & Bell Mit Crash & Bell materialisiert sich Diesels «Rock-and-Roll-Soul» in zwei so eigenständigen wie komplementären Leuchten, ähnlich den Mitgliedern einer Band. Beide erinnern an Perkussionsinstrumente und unterscheiden sich nur in ihrer Form. Crash weckt Assoziationen an ein Schlagzeugbecken, während Bell an eine Glocke erinnert – ganz ihren jeweiligen Namen entsprechend. Die Leuchtenfassung aus geblasenem und facettiertem Glas ist bei beiden Leuchten identisch und ähnelt einem altmodischen Trinkglas. Sie wirft die gebrochen wirkenden Lichtstrahlen direkt auf die metallische Oberfläche des Schirms, macht das Leuchtmittel sichtbar und verweist damit auf einen industriellen Kontext. www.foscarini.com

Mix & Match Was bei Fashion und Möbeln schon längst Trend ist, wird von der Porzellanmanufaktur Fürstenberg auf der gedeckten Tafel fortgesetzt. Denn Mix & Match bedeutet nicht nur eine ästhetische Verbindung von klassischen und modernen Formen sondern auch eine neuartige Kombination von Farben, Mustern und Arrangements. Porzellan von Fürstenberg bietet für den Mix & Match-Trend einen besonderen Vorteil, denn der stets gleiche Weissgrad aller Artikel schafft eine gemeinsame harmonische Basis. Das lässt der eigenen Kreativität Spielraum über alle Formen und Dekore hinweg. www.fuerstenberg-porzellan.com

Orbit Das futuristische Design von Orbit bricht mit unseren herkömmlichen Gewohnheiten und definiert die Vorstellung von Möbeln neu. Hier ist Platz genug, um es sich auch gemeinsam gemütlich zu machen, die Sterne zu betrachten oder die warmen Sonnenstrahlen zu geniessen. Dank der leichtgängigen Gummirollen lässt sich Orbit dabei bequem nach Lust und Laune und der Sonne ausrichten. Eine weitere innovative Idee ist das Stoffverdeck. Ein Handgriff – und schon wird aus dem Cabrio ein Luxusstrandkorb, der Schutz vor Wind, Sonne und Blicken bietet. www.dedon.de

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Axor Starck V In freier Natur staunen wir über die Kraft und die Schönheit von Wasser, bestaunen Wasserfälle, das azurblaue Meer, die Brandung an einem Strand. Zu Hause nutzen wir Wasser tagein tagaus mit grösster Selbstverständlichkeit. Der Wasserhahnwird aufgedreht und das Wasser fliesst; gezähmt, unscheinbar, seiner wirbelnden Schönheit beraubt. Mit dem neuen Axor Starck V lässt sich Wasser wieder so richtig erleben und bestaunen: Der transparente und nach oben hin offene Wasserhahn ermöglichen es das natürliche Element Wasser auch zu Hause so intensiv wahrzunehmen wie nie zuvor. Ein kraftvoller Wasserwirbel erinnert an die ureigene Vitalität der Natur. www.hansgrohe.ch

CH100 Anlässlich des 100. Geburtstages von Hans J. Wegner stellt Carl Hansen & Son in diesem Jahr die Produktfamilie CH100 ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Eleganz und Zurückhaltung in der Formensprache kennzeichnen die von ihm entworfene Serie, die aus verschiedenen Möbeln für den Wohn- und Arbeitsbereich besteht – darunter ein Sofa, ein Schreibtisch und ein Sideboard. www.carlhansen.com

Pelican Der Pelican-Beistelltisch wurde, zusammen mit dem heute berühmten Pelican-Sessel, erstmals 1940 auf einer Schreinerausstellung in Kopenhagen gezeigt. Mit der Kombination aus Surrealismus und Kubismus hat Finn Juhl eine harmonisierende Einheit geschaffen. www.finnjuhl.org

BeoLab 20 Mit dem neuen Bodenlautsprecher BeoLab 20 zelebriert Bang & Olufsen das Klangerlebnis auf eine neue Art und Weise. Der drahtlose BeoLab 20 gibt Musik in faszinierender Klarheit wieder und beeindruckt mit aussergewöhnlicher Leistungsstärke. Dank integriertem Immaculate Wireless Sound bietet er Musikgenuss genau so, wie es sich der Künstler vorgestellt hat. Das minimalistische Design und die relativ kleine Standfläche des neuen BeoLab 20 lassen kaum erahnen, welches Soundvolumen er erzeugen kann. www.bang-olufsen.com

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DER LUFTSCHLOSSARCHITEKT FRANK LLOYD WRIGHT

«Ein perfektes Gebäude macht die Landschaft, in dem es steht, schöner als sie es war, bevor es gebaut wurde», so lautete die Maxime des gros­sen Architekten Frank Lloyd Wright. Mehr als ­70 Jahre entwarf er Gebäude, die die Architektur des ­20. Jahrhunderts revolutionierten. Viele Innova­ tionen in heutigen Häusern sind Produkte seiner Kreativität und Fantasie. Ob Häuser, Büros, Kirchen, Brücken oder Museen, seine Kreativität kannte keine Grenzen. Zudem entwarf er Möbel, Stoffe, Glaskunst, Lampen und Geschirr. Er verfasste zwanzig Bücher und unzählige Artikel über Sinn und Unsinn der Architektur. In seinen Gebäuden nutzte er stets die neuesten Möglichkeiten und Techniken. Immer auf der Suche nach humanen Formen, die sich in das Ganze einfügten. Die möglichst nahtlose Integration des Bauwerkes in die Landschaft ist eines der Motive seines immensen Schaffens. Diese Gestaltungsphilosophie kommt wohl am besten in Wrights bekanntestem Werk, der für Edgar J. Kaufmann an einem kleinen Wasserfall erbauten Villa «Fallingwater», zur Geltung. Weitere bekannte Entwürfe sind das in Verbindung mit Hilla von Rebay verwirklichte ­ ­Solomon R. Guggenheim Museum in New York und das Verwaltungsgebäude für die Johnson Wax Company.

3 ZITATE «Hügel und Haus sollen miteinander Leben, jedes freut sich für das andere.»

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«Jeder grossartige Architekt ist – notwendigerweise – ein grossartiger Dichter. Voraussetzung ist eine gute Deutung seiner Zeit, seiner Tage, seines Zeitalters.» «Form folgt Funktion – das ist oft missverstanden worden. Form und Funktion sollten Eins sein, verbunden in einer spirituellen Einheit.»


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LIVING

EXPERIMENTIEREN MIT MATERIALIEN

ATELIER OÏ Markenzeichen des atelier oï ist das spielerische Experimentieren mit Materialien und deren emotionale Vermittlung. Lone K. Halvorsen

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LIVING

I

m kleinen Ort Neuveville am Bielersee hat die Designerschmiede atelier oï seinen Sitz. Das ungewöhnliche, multidisziplinäre Unternehmen, das von den drei Enthusiasten Patrick Reymond, Aurel Aebi und Armand Louis gegründet wurde, jongliert zwischen Architektur, Szenografie und Design. Was als Trio begann, hat sich in den Jahren zu einem Unternehmen mit internationalem Erfolg entwickelt. Firmen wie Bulgari, Moroso, B&B Italia und Swatch zählen zu den Kunden. Jedoch findet man im Portofolio dieses kreativen Unternehmens nicht nur Produkte, sondern auch Strategien zur Inszenierung von Räumen und Bühnenbildern, Geschäften sowie Ausstellungspavillons. Im Fokus stehen jedoch nach den Worten von Patrick Reymond stets das Material und dessen emotionale Wahrnehmung.

Ist trotz der beeindruckenden Vielfalt an Projekten und Objekten eine gemeinsame Identität des atelier oï erkennbar? Für viele ist es möglicherweise nicht so einfach, eine Ver­ bindung zu finden. Dennoch, wenn man unsere Arbeiten durch die Jahre betrachtet, entdeckt man häufig eine Ver­ bindung von einem Projekt zum anderen. Es besteht also durchaus eine gewisse Kontinuität, vor allem im Hinblick auf die Materialien. Ist die Schnelllebigkeit der Design- und Interior-Bran­ che deutlich zu erkennen, und wenn ja, inwiefern be­ einträchtigt dies Ihr Schaffen? Gewiss spüren wir auch eine Schnelllebigkeit in dieser Branche. Unsere Arbeiten sind jedoch nicht an einen Trend gebunden wie beispielsweise ein Möbel, sondern es ist eher eine emotionale Geschichte, die wir entwickeln und vermitteln.

PRESTIGE: Welche Philosophie verfolgt das atelier oï? PATRICK REYMOND: Von Beginn an waren wir drei Per­ sonen, die atelier oï gegründet haben, mittlerweile sind 35 Personen dabei. Es ist nie eine «one-man-show» gewesen, sondern Teamarbeit. Daher stammt auch unser Name, welcher sich aus dem Wort «Troika» ableitet und «ein Trio» bedeutet. Unsere Arbeiten können sich mit denen eines Kochs vergleichen. Bei uns sind die Materialien wie die In­ gredienzen für den Koch. Genauso wie der Koch ein neues Rezept mit neuen Zutaten ausprobiert, probieren wir Neues mit neuen Materialien. Wir realisieren auf der Grundlage unserer Forschung verschiedene Projekte – und für jedes Projekt gibt es eine Geschichte, die ihm seine jeweilige Form gibt. Daher sind das Team sowie die Materialien das Wichtigste für das atelier oï. Das Portofolio des atelier oï kann sich wahrlich sehen lassen. Aus welchen Berufssparten kommen Ihre An­ gestellten? Es ist eine interdisziplinäre Arbeit, und bei uns arbeiten Architekten, Innenarchitekten, Szenografen, Grafikdesigner sowie Ingenieure. Jedoch werden häufig für grössere ­Projekte Kooperationen mit anderen Büros vereinbart.

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LIVING

Leuchten, Möbel, bewegliche Leuchtkörper, Parfümflaschen oder auch ein Vogelhäuschen aus Vogelfutter … Was hat das atelier oï für die Zukunft an Neuem geplant? Ein Hotel ist für uns ein interessanter Ort, und daher wäre es spannend, einmal die komplette Planung eines solchen gestalten zu können – von der Architektur bis hin zum De­ sign. Ferner erzählt ein Hotel eine Geschichte, und daher wäre dies auch eine szeno­grafische Arbeit. Sehen Sie rückblickend alle Ihre Projekte und Objekte als sinnvoll und gelungen an, oder gab es auch etwas, was Sie möglicherweise als über­flüssig betrachten? Wir sind immer dabei, neue Projekte zu planen, und häufig werden Arbeiten, die wir vor 15 Jahren begonnen haben, weiterentwickelt. Auch wenn ein Projekt einmal weniger gut war, versuchen wir einen neuen Weg zu finden, um et­ was zu optimieren. Wir sind nicht perfekt, aber lernfähig! Können Sie uns etwas zum Ausgangspunkt Ihrer künstlerischen Praxis erzählen? Das atelier oï ist wie eine kleine Fabrik. Am Anfang orga­ nisieren wir so etwas wie einen «Material-Markt», wo alle Angestellten zusammenkommen, um die Materialien zu erproben und um daraus Ideen entwickeln zu können. Wir produzieren durch unsere eigene Recherche – zuerst für uns und dann anschliessend für den Kunden.

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Wie viele Projekte werden parallel entwickelt? Vom Grossprojekt bis hin zum Kleinprojekt sind es um die 60 bis 70. Jedoch arbeiten wir für bestimmte Unternehmen zum Teil an zehn Projekten gleichzeitig. Form follows function? Form follows function an emotions!


LIVING

WUSSTEN SIE SCHON …?

Das grosse Schwitzen Auch wenn die Finnen sie erfunden haben – die grösste Sauna der Welt haben derzeit die Deutschen. In der Badewelt im nordbadischen Sinsheim kann man auf insgesamt 166,1 Quadratmetern und bei einer Temperatur von 70 Grad gemeinsam ins Schwitzen kommen. Ein weiterer ange­nehmer Wellnessfaktor ist das riesige Aquarium mit exotischen Kois, die die Besucher während ihres Saunagangs bestaunen können.

Flügel meets Audi Die Flügelmanufaktur Bösendorfer ist bekannt für hochwertige und präzise Klavierbaukunst. Mit ihren neuen Design-Flügeln wird sie nun auch spezielleren Kundenwünschen gerecht. So haben sich die Verantwortlichen zum 100. Geburtstag des deutschen Automobilherstellers Audi etwas ganz besonderes einfallen und einen futuristischen Flügel im Audi-Look anfertigen lassen. Mit seiner geschlossenen bassseitigen Seitenwand sowie einem Bein aus Aluminium soll die Formensprache der beliebten Automarke nachempfunden werden. Kostenpunkt: rund 230’000 Schweizer Franken.

Die älteste Möbelmanufaktur der Schweiz Die Fabrik horgenglarus ist schon länger im Möbelgeschäft als alle Schweizer Konkurrenten. In den alten Glaruser Produktionshallen werden nun seit über 130 Jahren nach traditioneller Art Tische und Stühle gefertigt. Das Design der «Neuen Einfachheit», das hier schon von Beginn an – gegründet wurde die Fabrik 1880 in Horgen bei Zürich – gross geschrieben wurde, erfreut sich gerade heute wieder grosser Beliebtheit. Nicht nur in Zürich schwören daher viele Innenarchitekten, Barbetreiber und Gastronomen auf die Handwerkskunst und das Stilbewusstsein des helvetischen Urgesteins.

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VOM TISCHLERLEHRLING ZUM STARARCHITEKTEN MARCEL BREUER

Das Werk des Deutsch-Amerikaners Marcel Breuer ist ein janusköpfiges. Ob Design, Architektur oder Stadtplanung, der gebürtige Ungar besass viele Talente und wusste diese gewinnbringend einzusetzen. Angefangen hat er als Tischlerlehrling in den Möbelwerkstätten des Bauhauses Weimar, wo er unter anderem die minimalistischen und heute noch gefragten Stahlrohrmöbel entwickelte. Seine Leidenschaft für Architektur entdeckte Breuer im Architekturbüro von Walter Gropius, bei dem er eine Zeit lang als Mitarbeiter angestellt war. Danach führte ihn sein Weg in die Möbelwerkstatt am Bauhaus Dessau, das er einige Jahre leiten und als Produktionsstätte für zahl­ reiche weitere Designobjekte nutzen sollte. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft musste Breuer dann 1937 nach Amerika emigrieren, wo er an der Harvard University schnell zu einem der renommiertesten Design-Professoren avancierte und zusammen mit Walter Gropius eine neue Architekturfakultät gründete. Nach seiner Lehrtätigkeit hat er zwischen 1950 und 1970 in den USA und Europa expressive, zum Teil prunkvolle Sakral- und Profanbauten realisiert. Zu den bekanntesten zählt das Whitney Museum (1966) in Manhattan und die ­Kirche des Klosters Baldegg bei Luzern (1972).

3 ZITATE «Ein Wohnzimmer ist gross genug, wenn sechs Paare darin tanzen können.»

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«Wenn wir die Sachen so gestalten, dass sie richtig funktionieren und einander in ihrer Funktion nicht stören, sind sie fertig.» «Ein Stuhl ist keine Kunst.»


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EXKLUSIVE IMMOBILIEN FUR GENIESSER Er baut für die Wohlhabenden in der Schweiz. Seine Spezialität ist der «Full-Service». Luxusimmobilien sind sein Steckenpferd: Patric Simmen Hendrik Stary

M

it seiner Luxus-Immobilienfirma SIMMENGROUP hat sich G ­ ründer und Geschäftsführer Patric Simmen auf die exklusiven Wohn-­ Wünsche von Premium-Kunden aus der Schweiz und dem ­Aus­land spezialisiert. Er lässt schlüsselfertige Luxusvillen für Topmanager, Banker und Unternehmer anfertigen und entwickelt kreative Konzepte für extravagante Business-Gebäude und aufwändige Umbauaktionen. Eine kompromisslose Dienstleistungsorientierung, ein Höchstmass an Diskretion sowie Fokussierung auf perfekte Qualität sind dabei drei seiner wichtigsten Erfolgsfaktoren. Prestige sprach mit ihm über die wichtigsten Bedürfnisse der Kunden und die Trends auf dem Schweizer Immobilienmarkt.

Patric Simmen, Gründer und Geschäftsführer SIMMENGROUP.


PRESTIGE: Herr Simmen, mit der SimmenGroup ­haben Sie sich in der Schweiz und zunehmend inter­ national eine herausragende Stellung erarbeitet. Was muss man heutzutage jenen Kunden bieten, für die Geld keine Rolle (mehr) spielt? PATRIC SIMMEN: Die Erwartungshaltung eines Kunden ist letztlich unabhängig von seinem Vermögen bei allen gleich. Er möchte für seine Investition eine Top-Dienstleistung, dass man sich Zeit für ihn nimmt, ihm zuhört und auf ihn eingeht. Genau das tun wir bei der SimmenGroup. Wir neh­ men die Bedürfnisse unserer Kunden bis ins letzte Detail wahr, greifen ihre Ideen und Wünsche auf und entwickeln Visionen und Vorschläge, die im Idealfall zukünftige Ent­ wicklungen voraussehen und berücksichtigen. Vor Ihrer Tätigkeit als Unternehmer waren Sie in der IT-Branche tätig. Helfen Ihnen die dort erworbenen Kenntnisse noch heute? Wie sagt man so schön: was man einmal lernt, vergisst man nicht und hat es immer im Gepäck. Der Kunden­ kontakt auf verschiedenen Ebenen hat mich Einiges ge­ lehrt, zum Beispiel immer das Optimum aus jeder Situation zu machen und die Bedürfnisse eines jeden nach Möglich­ keit zu berücksichtigen. Proaktiv auf die Fragen Antworten liefern bevor sie der Kunde stellen muss.


Man sagt, im Immobiliengeschäft gäbe es keinen Platz für Freundschaften. Ist Ihr Business wirklich so hart, oder gibt es hier nicht vielleicht doch auch so etwas wie verlässliche Partnerschaften jenseits monetärer Zusammenhänge? Wir setzen innerhalb unseres Teams und bei unseren Partnern auf höchstes Know-How, Professionalität und Verlässlichkeit. Nur so können wir unseren Kunden eine dauerhafte Premium-Leistung anbieten und garantieren und darüber hinaus unsere Position im Markt halten und ausbauen. Perfektion verlangt Verlässlichkeit – wir haben Spass an beidem. Von der Besorgung des Baulands über Aussen- und In­ nenarchitektur bis hin zur Garten- und Pool­gestaltung kümmern Sie sich mit der SimmenGroup und ihren Sub­ unternehmen um alle Bereiche des Schöner-Wohnens. Plaudern Sie doch mal ein ­bisschen aus dem Nähkäst­ chen: Was war bislang die herausforderndste oder verrückteste Idee, die ein Kunde je an Sie herangetra­ gen hat? Ist wirklich alles machbar? Im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und Normen ist (fast) alles machbar. Eines unserer anspruchsvollsten Projekte war die Planung am Standort eines ehemaligen Kieswerks. Die Vorarbeiten zur Verbesserung der Boden­ beschaffenheit, vor eigentlichem Baubeginn, haben über ein Jahr gedauert. Dabei wurden 13 Tausend Kubikmeter Erde bewegt, Aufschüttungen von bis zu 12 Höhenmetern vorgenommen, Schutzmassnahmen gegen entweichende Methangase realisiert sowie Auflagen im Rahmen des Naturschutz für das angrenzende Sumpfgebiet berück­ sichtigt. Sie können sich vorstellen, dass die Geduld des Bauherrn dabei aufs Äusserste strapaziert wurde. Auf welche Ihrer Bauprojekte sind Sie und Ihr Team besonders stolz, und welche besonders spannenden Projekte stehen bei Ihnen in der nächsten Zeit an? Wir stecken in jedes unserer Projekte unser ganzes Herz­ blut und sind stolz auf alle. Aktuell arbeiten wir an meh­ reren spannenden Neu- und Umbauprojekten im Bereich Hotel, Gewerbe und selbstverständlich auch individuellem Wohnen. Eine unserer Visionen ist es, privilegiertes Wohnen für viele zu ermöglichen. Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem die Rückgewinnung attraktiver Flächen. Im Rah­ men zunehmender Urbanisierung gilt es Gewerbe, Wohnen und Shoppen im Sinne von Lebensqualität zu kombinie­ ren. Optimale Work-Life-Balance auf begrenztem Raum, das heisst dann zum Beispiel begrünte Dachflächen zum Rückzug, Feiern, Baden oder auch Platz für Urban Garde­ ning. Ein weiteres aktuelles Thema ist Wohnen im Alter. Wir schaffen Umgebungen, die es erlauben hochwertig, selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu leben, und die nötigen Dienstleistungen bei Bedarf à la carte in Anspruch zu nehmen. Das können von Concierge Services bis


hin zu medizinischer ­Hilfe alle möglichen Dienstleistungen sein. Bei all unseren Projekten planen wir bis ins allerletz­ te Detail. Auf Wunsch bieten wir als führender Fachhandel von Furniture Collections auch Konzepte zur Möblierung und Komplettausstattung an. Wir gehen neue Wege, und versuchen Luxus jedermann zugänglich zu machen. Wo das grosse Budget fehlt sind es dann stilvolle kleinere, kompakte und intelligente Lösungen, die sich ganz sicher nicht verstecken müssen. Man hört, dass Sie mit Ihrer Firma derzeit an einem Milliardenprojekt in Russland beteiligt sein sollen. Können Sie uns etwas darüber berichten? Wir sind in der Projektierungsphase eines Community­ projekts mit 400 Wohneinheiten. Mehrfamilienhäuser in verschiedenen Baustilen wie Neoklassizismus, Moderne oder Eklektizismus. Zusätzlich geht es um Infrastrukturan­ bindungen wie Kaffees, Schulen, Kindergärten und Shop­ ping-Möglichkeiten. Die Zukunft wird zeigen, was wirklich spruchreif wird. Unlängst haben Sie auch Luxus-Mietobjekte in Ihr Im­ mobilienportfolio mit aufgenommen. Welche ­Lagen in der Schweiz sind denn aktuell besonders gefragt, und welche Art von Kunden wollen Sie in diesem Segment bedienen? Noch haben wir keine Mietobjekte im Portfolio, sind aber dabei diese Lücke zu schliessen. Insbesondere unsere Aktivitäten perfektes Wohnen einem breiten Publikum zu­ gänglich zu machen, wird hierbei eine Rolle spielen. Ohne indiskret sein zu wollen, aber wie wohnt eigent­ lich ein viel gereister Immobilienunternehmer, der in seinem Leben wohl schon alles gesehen hat und für den nichts unmöglich zu sein scheint? Im Serviced Apartment-Hotel. Erleichtert das Leben un­ gemein.


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ieses äusserst charaktervolle, repräsentative und sehr ruhige Anwesen in Zürich’s Bestlage besteht aus einem Herrenhaus mit Nebenhaus sowie einem parkähnlichen Garten mit Pool – ein Liebhaberobjekt mit absolutem Seltenheitswert! Es bietet ein Höchstmass an Privatsphäre und einen atemberaubenden, unverbaubaren Blick über den Zürichsee bis zur Alpenkette. Durch die zwei historischen Eingangstore erreicht man die Auffahrt des Anwesens, die 10 Stellplätze bietet. Die Gebäude wurden im «Heimatstil» errichtet: die Fassade entstand aus verputztem Bruchstein und darüber Fachwerk-Stil. Das Herrenhaus besteht aus 5 Etagen mit antikem Parkett, die Wände sind teils holzvertäfelt oder tragen beeindruckende Art Nouveau-Illustrationen. In der klassischen

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Eingangshalle mit einer Deckenhöhe von acht Metern befindet sich ein breites Treppenhaus, ferner besteht ein weiteres Treppenhaus mit Lift. Neben 23 Wohn-/ Büroräumen gibt es auf jeder Etage ­ Bäder/ WC’s. Das stilgerechte historische Nebenhaus bietet verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. In 1990 und 2003 wurde das Herrenhaus aufwändig saniert, das Nebenhaus folgte 2004. Die Liegenschaft ist als Kulturerbe eingestuft, die Häuser und der Garten stehen unter Denkmalschutz. Das stilgerecht restaurierte Anwesen liegt in einem der renommiertesten Wohngebiete von Zürich und kann als Villen-Domizil oder repräsentativer Geschäftssitz genutzt werden – nur wenige Minuten entfernt von der weltberühmten Bahnhofstrasse.

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CULINARIUM


BARTENDER MIT LEIB & SEELE

DIRK HANY Mit nur 25 Jahren wurde er zum «Barkeeper of the Year» ernannt. Danach wurde er Brand Ambassador für Pernod Ricard und vertrat Marken wie Absolut Vodka und Havana Club. Nun ist Dirk Hany der neue Barchef der Widder Bar in Zürich. Yvonne Beck

M

it der Widder Bar verantwortet Dirk Hany seit Dezember 2013 als Chef de Bar die Hotelbar mit einer spektakulären «Library of Spirits». Tausend verschiedene geistreiche Tropfen haben die Widder Bar zu einer der beliebtesten Locations Zürichs gemacht.

Den Grundstein für seinen Werdegang legte Dirk Hany mit einer Ausbildung zum Dipl. Hotelier an der Hotelfachschule Luzern sowie mit seiner Lehre zum Koch im Michelin-Stern-gekrönten «Restaurant zur Pinte» in Baden-Dättwil. Noch heute kommt sein kulinarisches Know-how auch bei der Entwicklung neuer Cocktails zum Einsatz. Wie bei einem Kochrezept wägt Hany Geschmack, Konsistenz und Intensität der verschiedenen Ingredienzien ab, ­bevor er die Zutaten mit Ideenreichtum und technischer Finesse zusammenmischt. Auch vor scheinbar ungewöhnlichen Kombinationen macht seine Kreativität keinen Halt: Derzeit experimentiert Dirk Hany mit Drinks, die die Aromen von Gin und Wodka genussvoll mit verschiedenen Teesorten vereinen. Was genau die Gäste der Widder Bar erwartet, verrät uns Dirk Hany in einem Interview.

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CULINARIUM

Viele Gäste greifen immer wieder auf die typischen Cocktail-Klassiker zurück. Werden diese weiterhin auf der Barkarte zu finden sein? Auf jeden Fall, auch wenn sie nicht draufstehen, können wir diese natürlich jederzeit mixen. Man bekommt also weiterhin einen Old Fashion, Cosmopolitan oder Singapur Sling serviert. Was ist Ihr Lieblingsgetränk? Ich bin ein Old-Fashion-Trinker. Wenn es heiss ist, trinke ich jedoch auch sehr gerne mal einen Mojito. Ich trinke sehr gerne Klassiker, wenn sie richtig gemacht sind. Also kein Mann für Experimente? Doch, ich experimentiere sehr gerne. Aus einem meiner Experimente ist zum Beispiel der sogenannte ­Yuzujito ent­ standen. Dieser ist eine Abwandlung des klassischen ­Mojitos. Yuzu ist eine Zitrusfrucht aus Japan, die leicht bitter ist. Dazu Gingerbier – und fertig ist der Cocktail. Er ist sehr erfrischend, hat in der Widder Bar schon grossen Anklang gefunden und ist eine tolle Alternative zum alt­ bekannten Hugo und Aperol Spritz. Herr Hany, Sie sind seit Dezember neuer Barchef der Widder Bar in Zürich. Welche Änderungen werden Sie vornehmen? Wie wird zum Beispiel die neue Barkarte der Widder Bar aussehen? Die Barkarte wird kleiner, dafür aber häufiger gewechselt. Wir werden vermehrt saisonal arbeiten und die Cocktails der jeweiligen Jahreszeit anpassen. Wir verkleinern das Cocktailangebot, damit der Gast besser auf unsere Emp­ fehlungen eingehen kann. Ich und mein Barteam möchten den Gästen Cocktails empfehlen, die auf sie zugeschnitten sind. Momentan sind 120 Cocktails auf der Karte, die neue Barkarte wird nur noch zirka 30 aufweisen. Zusätzlich zu den saisonalen Cocktails wird es sehr spezielle Cocktails geben. Sehr viele Eigenkreationen, die ich gemeinsam mit meinem Team entwickle. Was bedeutet, Sie arbeiten saisonal? Es gibt Drinks, die besser zu der einen oder anderen Jahreszeit passen. Um den Winterblues zu vertreiben, ­ empfehle ich den süss-herben Whiskey-Klassiker Old ­Fashioned. Im Sommer werden wir hingegen sehr viel auf frische Früchte setzen.

Old Fashion Der Old Fashion ist vielleicht der älteste Cocktail der Welt. Er besteht nur aus Whiskey, Zucker und Bitter. Ist aber nicht so leicht zuzubereiten, wie es den Anschein erweckt. Er ist ein Muss für Fans dunkler Spirituosen und Liebhaber unverfälschter Aromen.

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Cocktailkarten können einen leicht überfordern. Wie können Sie Ihren Gästen die richtige Empfehlung ge­ ben? Wie wissen Sie, was wem schmeckt? Zuerst kommt es auf die Tageszeit an. Zum Apéro sollten Drinks eher leicht sein, etwas Erfrischendes. Eine Regel lautet: Frauen geniessen ihre Cocktails eher lieblich und fruchtig, Männer eher herb und bitter – aber es gibt auch hier immer Ausnahmen. Bei gewissen Drinks ist man fast immer auf der sicheren Seite. Zum Beispiel ein Bellini zum Apéro. Nach dem Essen oder später am Abend kann man besser mit Dessert-Cocktails auftrumpfen. Also eher süss­ liche Sachen wie ein Clover Club. Ein Cocktail, der bei uns sehr gut läuft, ist die Banana-Baileys-Collada. Für roman­ tische Stunden rate ich zu einem fein prickelnden Rosé Champagner. Den richtigen Cocktail für einen Gast findet man schnell durch ein kurzes Gespräch. Ich frag meistens: «Was für Cocktails geniessen sie sonst?» So findet sich schnell ein Cocktail, der ähnlich ist und doch anders. Wir versuchen, unseren Gästen immer etwas Neues anzu­ bieten. Sie haben eine Kochausbildung absolviert. Hilft Ihnen das bei der Kreation neuer Cocktails? Mir persönlich hat es sehr geholfen, vor allem in Bezug auf Geschmackskombinationen. Es fördert die Kreativität beim Verschmelzen verschiedener Geschmäcker. In meiner Koch­ lehre habe ich Schokolade mit Fleisch kombiniert oder Rosmarin ins Dessert eingebaut. Und so etwas versuchen wir nun mit Cocktails, um ein ganz neues «Wow»-Erlebnis zu erschaffen.


CULINARIUM

Können Sie mir hierfür ein konkretes Beispiel geben? Ich kombiniere zum Beispiel gerne Gin mit Tee. Eine mei­ ner Kreationen enthält einen Kamille-Gin, Lillet und Bitter. Diese Zutaten ergeben zusammen einen ganz speziellen Geschmack mit ganz verschiedenen Nuancen. Wir haben­ zudem eigens für unsere Margaritas Chilli-Tequila ­gemacht – für den scharfen Kick auf der Zunge. Und ein ganz anderes Experiment, an dem ich schon längere Zeit arbeite, ist, Cocktails im Fass oder in der Flasche altern zu lassen. Ähnlich wie beim Wein? Ja, so ähnlich. Während der Lagerung verändert sich der Geschmack des Cocktails. Vor Kurzem haben wir zum Bei­ spiel einen vierjährigen El Presidente geöffnet. Aus einem sehr kraftvollen Cocktail ist etwas ganz anderes entstan­ den, ein Cocktail, der wie Honig runtergeht. Das ist zum einen sehr spannend, zum anderen können wir so etwas wie Jahrgangs-Cocktails anbieten. Was macht einen guten Bartender aus? Freundlichkeit. Eine Bar ist wie ein Theater und wir Barkee­ per sind die Schauspieler, die Gäste sind die Zuschauer. So­ bald wir zur Arbeit kommen, übernehmen wir die Rolle des Barkeepers und das bedeutet: immer höflich sein, immer gut gelaunt sein, voller positiver Energie stecken und jeden Gast mit einem Lächeln begrüssen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist Aufmerksamkeit. Ein guter Barkeeper sollte seine Gäste immer im Blick haben, um deren Wünsche schon vorauszu­ ahnen. Und, last but not least, natürlich das Fachwissen. Ein guter Bartender muss über die Spirituosen und über das Angebot Bescheid wissen. Das bedeutet, auch ein Bartender hat nie ausgelernt. Monatlich kommen neue Spiritu­osen auf den Markt, man sollte also immer auf dem Laufenden sein. Und das nicht nur, was Spirituosen anbelangt, sondern auch das aktuelle Zeitgeschehen, um mit den Gästen spannende Gespräche führen zu k­ önnen.

Woher bekommen Sie Inspirationen für neue Cocktail­ kreationen? Ich lasse mich gerne von anderen Barkeepern inspirieren. Viele Menschen haben ein fotografisches Gedächtnis, ich habe ein geschmackliches. Ich kann mir einzelne Ge­ schmäcker vorstellen und diese im Kopf kombinieren, er­ ahnen, ob sie zusammenpassen. Wenn ich ein Kraut sehe wie Holunder oder Wacholder, dann geht automatisch durch meinen Kopf, was ich damit kombinieren könnte. Das können ganz einfache Bausteine sein, die man uner­ wartet zusammensetzt. Die Widder Bar hat eine lange Tradition. Sind Sie ­dieser Tradition als neuer Barchef verpflichtet? Die Widder Bar ist eine klassische Bar und daher werden wir auch weiterhin im klassischen Stil klassische Cocktails servieren und nicht anfangen, effekthaschende Spielereien einzubauen. Alles, was wir servieren, soll das Geschmacks­ erlebnis verstärken und überraschen. Unser «Smoky Whisky Sour» spricht beispielsweise alle Sinne an. Den altbewährten Mix aus Zitronensaft, Zuckersirup und Whisky servieren wir unter einer Glocke und angereichert mit ­Buchenholz-Rauch, der dem Drink eine würzige Note ver­ leiht. Gehen Sie in Ihrer Freizeit auch in Bars? Ja, das ist ein Hobby von mir. Ich liebe Bars. Am liebsten sitze ich am Tresen. Welches ist Ihre Lieblingsbar (die Widder Bar ausge­ nommen)? Die Kronenhalle. Dort ist es schön ruhig, die Bartender leben ihren Beruf, es erwartet einen ein sehr professioneller Service. Auch die Bar El Floridita im Zentrum von Havanna kann ich nur empfehlen. Ich liebe geschichts­ trächtige Bars. Hier hockte bereits Ernest Hemingway am Tresen.

Jazz & Drinks Gäste der Widder Bar kommen neben einem extra­ vaganten Sortiment an Edeldrinks – die Whisky-Kollektion der Bar umfasst ausgesuchte Raritäten wie einen ­ 40 Jahre alten Macallan von Gordon & MacPhail oder einen 30 Jahre alten Black Bowmore von 1964 – in den Genuss von Live-Auftritten angesagter Jazzgrössen. Alljährlich im Frühling und Herbst begeistern renommierte Stars und angesagte Newcomer zwischen modernen Widderskulpturen und mittelalterlichen Holzbalken das Publikum bei mitreissenden Konzerten.

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Brugal – Der beliebteste Rum der Karibik Das traditionsreiche und mehrfach ausgezeichnete Familienunternehmen Brugal produziert bereits in der fünften Generation den beliebtesten Rum der Karibik. 1888 in der Dominikanischen Republik gegründet, hat es seine Produktpalette über die Jahre stetig erweitert und perfektioniert. Heute sind sechs verschiedene Sorten im Schweizer Handel erhältlich, von denen alle nach streng geheimen Familienrezepten hergestellt werden und sich durch ein typisch trockenes Geschmacksprofil auszeichnen. Das Aushängeschild des Premium-Rumherstellers ist der Brugal Papá Andrés – ein exklusiver und auf 500 Stück limitierter Spitzen-Rum, der über Jahre in den besten Sherry- und Eichenfässern des Hauses reifen durfte.

Die Kunst des Geniessens Mit den wunderbaren und einzigartigen Primeros by Davidoff Nicaragua ist jeder in der Lage, für 15 Minuten die Zeit anzuhalten, um auszuspannen, zu geniessen und sich zu besinnen. Die handgefertigten Zigarren sind der ideale und genussvolle Begleiter solcher Auszeiten und füllen diese, so kurz und flüchtig sie auch sein mögen, mit vollmundigem Geschmack aus. Die ursprünglichen Davidoff Nicaragua mit ihrem einzigartig bittersüssen und vielfach preisgekrönten Geschmack sind als Primeros in den Ausführungen Nicaragua und Nicaragua Maduro erhältlich. www.davidoff.com

Tisch-Schnapsbrennerei Nach dem Essen noch einen Schnaps, und zwar selbst gebrannten, aber natürlich ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu treten! Die Destillierung ist völlig legal und vom Zoll zugelassen, da das Volumen der Blase unter 0,5 Liter liegt. Die Tisch-Schnapsbrennerei macht es möglich. Einfach Rot- oder Weisswein in die Brennblase aus Glas füllen, etwas Spiritus ins Stövchen giessen, Docht anzünden, und schon tröpfelt der konzentrierte Alkoholdampf durch die Kondensationsspirale als Schnaps gemächlich in das bereits wartende Glas. www.EUROtops.ch

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Ein Geschmackserlebnis der ganz besonderen Art Im Gegensatz zu den bisherigen Griffins Zigarren sind die Gran Robusto optisch etwas länger und haben, aufgrund der heutigen Vorliebe für mehr Rauch generierende Zigarren, ein unwesentlich grösseres Ringmass als das bisherige Format. Der hochqualitative und verzaubernde Einlagetabak stammt aus der Dominikanischen Republik und wird elegant von einem exquisiten, peruanischen Umblatt zusammengehalten. Geschmacklich bieten die Gran Robustos ein äusserst angenehmes Raucherlebnis, welches wegen der milden bis mittleren Stärke perfekt mit einem süssen, nicht zu schweren Rum oder leichten Single Malt zusammenpasst und seine Aficionados überraschen wird. www.griffinscigars.com

SHORTCUTS Der älteste Rum der Welt Vor über 50 Jahren wurde auf Jamaika eine Auswahl unterschiedlicher Rumsorten handverlesen und zur Reifung eingelagert, um zum Jubiläum der jamaikanischen Unabhängigkeit einen einzigartigen Rum zu schaffen. Das Ergebnis ist der Appleton Estate 50 Year Old Jamaica Independence Reserve. Erst nachdem jede einzelne Rumsorte auf Vollkommenheit der Reife und Komplexität geprüft wurde, führte die Master Blenderin Joy Spencer die unterschiedlichen Rumsorten in einem speziellen Fass zusammen. Nach weiteren Monaten der Reifung erlangten sie einen gemeinsamen, einzigartigen Charakter. Das Ergebnis ist ein ausgeglichener, neu definierter Rum. Mit diesem besonderen, über 50 Jahre lang gereiften Rum eröffnet Appleton ein völlig neues Marktsegment. Lediglich 800 Flaschen des exklusiven Rums wurden weltweit angeboten – dies nur in wenigen auserwählten Geschäften. Der Appleton Estate 50 Year Old ist ein begehrtes Sammlerstück. Den edlen Charakter des Rums unterstreicht die handgefertigte Flasche mit goldfarbenen Symbolen Jamaikas, welche in einer schwarz lackierten hochwertigen Holzbox angeboten wird. www.appletonestate.com

«Mythology Mixology» ehrt Cocktail-Klassiker Die schöne Hollywood-Schauspielerin Eva Green tritt in die Fussstapfen von Uma Thurman und wird die Muse des Campari-Kalenders 2015. Unter dem Motto «Mythology Mixology» widmet sich der Kalender der einzigartigen und bunten Geschichte von Campari und zwölf beliebten Campari-Cocktail-Klassikern. Das neue Thema nimmt Fans mit auf eine Reise in die Vergangenheit und interpretiert, wie zwölf der bekanntesten Campari-Drinks entstanden sind. Jeden Monat stehen ein besonderer Cocktail-Klassiker sowie die damit verbundenen Anekdoten, Legenden und Kuriositäten des Rezeptes im Mittelpunkt. Während Eva Green vor der Linse für den Campari-Kalender vielen bekannten Hollywood-Schauspielerinnen folgt, war der Platz hinter der Kamera bislang eine Männerdomäne. Für die 16. Edition des Campari-Kalenders wurde mit der renommierten Kunst-Fotografin Julia Fullerton-Batten zum ersten Mal eine Frau engagiert. www.campari.com

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PIECE OF ART

Es war einer der typischen Sommertage in New York City. Die schier erdrückend schwüle Hitze liess einen gerne in klimatisierte Räume flüchten, als ich die Lobby eines Hotels in der Upper East Side betrat und mich der freundliche Concierge in den 9 Floor begleitete. In der Suite, deren Fensterfront den Blick auf den Central Park freigab, sassen entspannt meine beiden Interviewpartner: Dr. Bill Lumsden, der Chef-Createur der Glenmorangie Whiskys, und der international bekannte Künstler Idris Khan. Sabine Hauptmann

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PRESTIGE: Herr Lumsden, wie kam es überhaupt zu der Verbindung zwischen dem internationalen Künst­ ler Idris Khan und dem Hause Glenmorangie? DR. BILL LUMSDEN: Idris war bereits bestens bekannt­ im Hause LVMH. Wir wollten mit Pride II 1978 ein ausser­ gewöhnliches, unvergleichbares Produkt erschaffen, wel­ ches uns von den Mitbewerbern deutlich unterscheidet. Es war für mich eine neue und spannende Erfahrung, mit Idris in seinem Studio in London zu arbeiten. Ziel war es, ein Kunstwerk, welches den Herstellungsprozess und die ­Historie eines besonderen Whiskys einfängt, zu erschaffen. Eine wunderbare Koinzidenz ist zudem, dass Idris Khan 1978 geboren ist.

Wie hoch wird der Verkaufspreis bei diesem ausser­ gewöhnlichen Whisky mit einer auf weltweit 700 Stück limitierten Flaschenzahl sein? DR. BILL LUMSDEN: Die Flaschen werden nur an einen selektiven Kreis von Whisky-Liebhabern weiterverkauft. In der Schweiz gehen 24 Flaschen an Bars, Lounges und Ho­ tels. Der Endkonsument kann den Pride II 1978 ab Oktober 2014 im Offenausschank im Hotel Widder und Hotel Dolder in Zürich und im Waldhaus in St. Moritz degustieren. Wer ist die anvisierte Konsumentenzielgruppe für ein derart exklusives Produkt? DR. BILL LUMSDEN: Sie erhalten mit dem Produkt eine Entstehungsgeschichte, die einen Jahrzehnte dauernden

Herr Kahn, die meisten Ihrer Werke haben einen repe­ titiven Charakter, der durch die Inspirationsquellen Musik, Religion und Geschichte zustande kommt. Was war die Quelle der Inspiration bei Whisky? IDRIS KHAN: Meine Neugierde und meine Kreativität ­lassen mich immer gerne Projekte verwirklichen, die «Out of the box» sind. Der Prozess, wie Whisky über Jahrzehnte in der Umge­ bung und Landschaft von Schottland in eigens selektierten Eichenfässern entwickelt wird, hat eine enge Verwandt­ schaft zur Entstehung meiner Kunstwerke. Was haben Sie zur Einführung für den Pride II 1978 gestaltet? IDRIS KHAN: Ich habe nach diversen Besuchen in Schott­ land und vielen Gesprächen mit Bill meine visuellen Ein­ drücke aus dem historischen Haus und der Destellerie ein­ gefangen und zu einem Werk verarbeitet – wie m ­ eistens mit der Kamera –, aber nicht als isolierte Momentau­f­nahme.

Der Whisky Glenmorangie wurde bereits im Jahre 1843 in den Schottischen Highlands gegründet und machte sich seither einen Namen mit Single Malt Whiskys von hervorragender Qualität. Der Biochemiker Dr. Bill Lumsden ist seit 1995 bei Glenmorangie als Manager der Destillerie und Chef-Createur. Er wurde mit zahlreichen Auszeichnungen für seine Whisky-Kreationen geehrt, zuletzt 2012: «Distiller of the Year by the International Wine & Spirit Competition».

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Entwicklungsprozess eines wahrhaft aussergewöhnlichen Whiskys enthält. Für den Pride II 1978 wurde eigens eine Box kreiert, die eine Kristallflasche von Lalique umschliesst. Ich gehe davon aus, dass sich die Konsumenten aus Indi­ vidualisten, die einzigartige Qualität schätzen, Sammlern und wahren Geniessern zusammensetzten werden. In welchen Märkten finden Sie diese Zielgruppen? DR. BILL LUMSDEN: Als Marke Glenmorangie haben wir den grössten Absatzmarkt vor Ort in den Vereinigten Staa­ ten, gefolgt von dem Markt in UK, der allerdings von der Stückzahl nur halb so bedeutend ist wie der amerikanische Exportmarkt. Asien als Region hat für den Konzern als auch für unsere Whiskys eine grosse Bedeutung. IDRIS KHAN: Deshalb wurde auch für die Lancierung bei­ der Kunstwerke New York ausgewählt und heute Abend werden wir im kleinen Kreis das Geheimnis um mein Kunstwerk und das von Pride II 1978 lüften.

Der Künstler Idris Khan ist ein weltbekannter Gegenwartskünstler, der 1978 als Sohn einer britischen Mutter und eines pakistanischen Vaters in England zur Welt kam. Er hat an der Derby University und am Royal College of Art bis zum Jahr 2004 studiert und jeweils mit einem Master abgeschlossen. Seither hatte er zahlreiche Ausstellungen in namhaften Galerien. Bereits jetzt befinden sich einige seiner einzigartigen Fotound Videokunstwerke in den permanenten Ausstellungen der Museen. Beispielsweise: Centre Georges Pompidou in Paris, Solomon R. Guggenheim Museum in New York oder in der Saatchi Gallery in London.

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DER BESTE BARTENDER DER SCHWEIZ ALEXANDROS NICOLAIDES

Ein Berner Oberländer mit zypriotischen Wurzeln ist vor Kurzem beim Event «Swiss World Class Bartender 2014» zum besten Barkeeper der Schweiz gekürt worden. Alexandros Nicolaides heisst das kreative Nachwuchstalent, das sich am Finaltag von seiner coolen Seite zeigte und sich am Ende mit seinem Gewinnerdrink «Amen» gegen die Konkurrenz durch-setzen konnte. Der unkonventionelle Cocktail, der mit Ron Zacapa, dem zypriotischen Likörwein Commandaria, Rohzuckersirup und Rosmarin gemixt wird, scheint die erfahrenen Jurymitglieder voll überzeugt zu haben. In Zürich stand der 32-jährige Familienvater bereits im «El Lokal» und im «Hotel Rivington & Sons» hinter der Theke. Aktuell ist er stellvertretender Geschäftsführer in der «Wings Airline Bar».

3 FRAGEN Welche Eigenschaften muss man als bester Barkeeper der Schweiz mitbringen? Die wahre Herausforderung liegt darin, in allen Dingen das Besondere zu entdecken – und das ist meist das Einfache. Das Geheimnis eines guten Cocktails, aber auch eines guten Gastgebers ist es, genau diese Einfachheit (mit ­Liebe) hervorzuholen und erfahrbar zu machen. Um in dieser Liga mitmischen zu können, müssen alle Sinne zum Ein­ satz kommen. Wichtig ist es, dem Moment die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Das fühlt sich dann wie ein Zen-Moment an. Rechnen Sie sich Chancen für die Weltmeisterschaf­ ten der Bartender aus? Sich Chancen auszurechnen, ist meist der falsche Weg. Es werden am World Class Global Final in England die­­

50 besten Bartender gegeneinan-der antreten. Die Herausforderungen sind immens, ­die Konkurrenz genial. Eine gewisse Gelassenheit wird bestimmt nötig sein, um sich nicht vorschnell zu verkrampfen. Ich werde mein Bestes geben, mich nicht in Sieges­ kalkulationen verrennen und mich viel mehr auf das Handwerk, das Timing und die ­Inspiration konzentrieren. Das sind die Werkzeuge, die man benötigt, um zu gewinnen. Als Profi-Bartender wissen Sie genau, wie man die besten Cocktails der Welt zube­ reitet. Verraten Sie uns Ihren Lieblingsdrink? Ich habe einen gewaltigen Respekt und eine Schwäche für sehr klassische Drinks, welche die Zeit überdauert haben. Ich mag beispielsweise einen frischen Gimlet mit Tanqueray ­No. 10 oder einen geschmeidigen Sazerac, den ältesten überlieferten Cocktail der Welt, der seinen Ursprung in New Orleans hat. Alkohol ist Geschichte und Geschichte nimmt sich Zeit. Leute, nehmt Euch Zeit, wenn Ihr Euch einen guten Cocktail zu Gemüte führt. In diesem Sinne: Cheers!

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DIE BESTEN BARS DER WELT Die internationale Barkultur erlebt gerade eine neue Blütezeit. Zahlreiche Neueröffnungen, professionelle Internet-Blogs und alljährlich stattfindende Bartender-Wettbewerbe haben dem gepflegten Cocktailschlürfen zu einem neuerlichen Popularitätsschub verholfen. Die Qualität der Angebote steigt kontinuierlich, und wir sind uns sicher: So gut wie heute waren die Drinks noch nie. Dabei ist es ganz egal, ob man sie im Penthouse eines Tokioter Luxus-Hochhauses oder in einer Singapurer Seitenstrasse serviert bekommt. Was zählt, sind vor allem die Cocktails – und die jeweils einzigartige Atomsphäre!

Den Weg zu dieser Bar findet man in keinem Tourismusführer und auch nicht über deren Website. Allein ihr Name verrät dem Durstigen, wo es lang geht. Untergebracht in einem eher unscheinbaren und baufällig wirkenden Gebäude in der Hong Kong Street, erwartet den Gast hier amerikanische Cocktailkultur vom Feinsten – und das in Südostasien! Aber auch erlesene US-Craft-Biere und Champagnersorten stehen auf der Karte.

Bar 28 Hong Kong Street Singapur

New York Bar Tokio Auf der Spitze des Tokioter Park Hyatt-Hochhauses – in luftigen 235 Metern Höhe – befindet sich die berüchtigte New York Bar. Ihr edles Innendesign – raumhohe Fenster, erlesene dunkle Hölzer – sowie der prächtige Ausblick, den man von hier oben geniessen kann, machen sie zu einer der besten Roof-Top-Bars der Welt. Wer hier den ein oder anderen geschüttelten Martini zu viel bestellt, kann sich schon einmal leicht für James Bond persönlich halten.


Nightjar Bar London Auch diese Londoner Bar wirkt von aussen alles andere als glamourös. Drinnen fühlt man sich ein wenig in die amerikanische Prohibitionszeit zurückversetzt, das Retrointerieur – bestehend aus viel Holz, einer kleinen Bibliothek und schummrigen Lampen – trägt seinen Teil dazu bei. Auch was die Cocktails angeht, haben sich die Betreiber auf die Klassiker besonnen. Spezialität des Hauses ist der London Mule – ein Cocktail aus Gin, Rhabarbersaft, Ginseng Spirit und Galgant-Bier. Die vielen Musikevents und Cocktailworkshops machen die exklusive Bar für alle Nachtschwärmer zu einem beliebten Ausflugsziel!

Artesian Bar London Diese exklusive Londoner Bar gehört zum edlen Langham Hotel und ist vom «Drinks International Magazin» nun schon zum zweiten Mal zur besten Bar der Welt gekürt worden. Chef-Bartender ist der vielfach ausgezeichnete Tscheche Alex Kratena, der zusammen mit seinem Team immer wieder neue Standards in Sachen Mixkultur setzt. Die Gäste können sich hier auf das grösste Rumsortiment Londons, ausgewählte Champagnersorten sowie zahlreiche originelle Cocktails freuen, die oft in aufwendiger Montur auf den Tresen kommen. Eine Spezialität des Hauses ist der «Artesian’s Aqui Estoy Cocktail», der mit Mezcal und Tequila gemixt und dem Gast in einem Totenschädel serviert wird!

Candelarian Bar Paris Diese Pariser Bar ist ein echter Geheimtipp. Vor allem Freunde mexikanischer und südamerikanischer Spezialitäten kommen hier voll auf ihre Kosten: Die Tacos sollen zu den besten der Stadt gehören und werden – sichtbar für den Gast – in einer offenen Küche zubereitet. Auch das grosse und exklusive Tequila-Sortiment lässt keine Wünsche offen – aber Vorsicht, hochprozentig! Am besten man bucht gleich für den nächsten Morgen das Katerfrühstück: den CandelarianCocktail-Brunch, der immer samstags und sonntags serviert wird und dem Ausnüchtern keine Chance lässt …

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CULINARIUM

BARTENDERS FINEST DIE ROLEX UNTER DEN SODA SIPHONS

Die «Roaring Twenties» verwandelten die Hauptstädte der Welt in wahre Hexenkessel! London, Paris, New York und Berlin – der Erste Weltkrieg war vorüber und die Menschen wollten sich wieder amüsieren. In den Strassen der schillernden Städte schossen Musikclubs, Bars und Amüsiertempel aus dem Boden. Und mit ihnen trat der Soda Syphon seinen Siegeszug um die Welt an. Lilly Steffen

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Die Siphon Manufaktur


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er Erste Weltkrieg war vorüber und die «Roaring Twenties» begannen – es war die Zeit, in der die englische Gesellschaft durch die industrielle Produktion und das Wahlrecht der Frau modernisiert wurde. Das «Jazz Age» war in England am Erblühen und junge Londoner änderten die althergebrachten Gewohnheiten. Sie begannen, ihre Abende in Clubs zu verbringen. Während die Erfindung der Schallplatte Musik und Tanz revolutionierte, wurden Cocktails, die auf Whisky basieren, zu den Lieblingsgetränken der jüngeren Generation. Da kohlensäurehaltige Drinks immer beliebter wurden und dem Geschmack der Jungen entsprachen, entwickelte sich der Soda Siphon zu einem echten Must-have. Die Siphon-­ Kultur, der neue Chic, eroberte England im Sturm. Soda Siphons waren jetzt in Londoner Zigarren- und Jazz-Clubs sowie Tanzlokalen, in denen Gin mit Tonic und Whiskey-Soda serviert wurde, all­gegenwärtig.

Ganz Paris träumt im Art-déco-Stil Auch in Paris keimte nach Ende des Ersten Weltkrieges wieder Hoffnung auf. Ein Wind der Modernisierung zog durch die gesamte Stadt, die Artdéco-Bewegung und die modische Coco Chanel fanden immer grösseren Zuspruch bei den Parisern. Die Emanzipation der Frau spielte eine grosse Rolle in der Gesellschaft. Die kulturelle, künstlerische und intellektuelle Szene von Paris strahlte in die ganze Welt hinaus. Das Moulin Rouge boomte wieder und bot Raum, Cancan zu tanzen. Musikclubs waren gut gefüllt, Bistros und Brasserien benutzten ihre Siphons, um den Durst der jungen und vergnügten Pariser zu stillen. Der Soda Siphon wurde auf Café-Terrassen rund um den Montmartre gesichtet, in denen Künstler wie Picasso zu den Stammgästen gehörten. Als Synonym für den «Pariser Chic» war der Soda Siphon jetzt endgültig Teil der Pariser Kultur geworden.

New York: Im Bann der Jazzclubs Auch in New York schossen Seite an Seite Jazzclubs und Wolkenkratzer wie das Empire State­ Building empor. Es war die Ära des legendären Great Gatsby mit all seiner Dekadenz und seinen Ausschweifungen, die ihr jähes Ende im wohl berühmtesten Börsencrash der Wirtschaftsgeschichte, dem Black Thursday, fand. Und immer, wenn sich die Nacht in den Jazzclubs der Stadt wieder in ein Spektakel verwandelte, gefeiert und getanzt wurde, war dabei immer auch der besondere, rhythmische Klang der Seltersflaschen zu hören. Als ein Symbol des sozialen Status explodierten geradezu die Verkaufszahlen der Siphonhersteller in den Jahren 1925 und 1926. So legten die Soda Siphons auch Auftritte in der Filmindustrie hin, zu sehen in zahlreichen Filmen zwischen den Jahren 1930 und 1960.

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Die Glanzzeiten des Hotel Adlon in Paris Nachdem in Berlin die Schatten des Krieges gewichen waren, entwickelte sich die Stadt rasch zu einer der kulturell, wirtschaftlich und wissenschaftlich bedeutendsten Metropolen der Welt. Wissenschaftler wie Einstein, Heisenberg und Schrödinger revolutionierten die Denkweise der modernen Physik. Charles Lindbergh überquerte als erster Mensch den Atlantik nonstop im Alleinflug, während in der Kunst Dadaismus und Art déco aufkamen. Zur selben Zeit, in der «Der Grosse Gatsby» (F. Scott Fitzgerald) und «Ulysses» (James Joyces) entstanden, wurden in Deutschland Werke von Herrmann Hesse, Erich Maria Remarque und Franz Kafka publiziert. Stars wie Charlie Chaplin stiegen im prestigeträchtigen Hotel Adlon ab, in dem auch Marlene Dietrich entdeckt worden war, bevor sie anschliessend zur ersten grossen deutschen Hollywoodschauspielerin avancierte. Swing-Musik und die Einführung des Tonfilms veränderten das Nachtleben gänzlich. Es war eine Zeit des Überflusses, der Exzesse und der ungezügelten Feiern. Neben Champagner und Spirituosen durften Soda Siphons nicht fehlen. Nach dem Zweiten Weltkrieg endete der Siegeszug des Soda Siphons in den USA. Getränke wie Cola machten dem Sodawasser Konkurrenz. In Europa hingegen erlebte der mit einer Kohlensäure­ patrone betriebene Siphon nach dem Krieg nochmals eine wahre Renaissance. ln den 1950er Jahren gehörte er zur Grundausstattung eines modernen Haushalts, farbenfroh beschichtete Aluminiumgehäuse trugen dazu bei, dass sich diese Geräte in jeder Umgebung optimal präsentieren liessen.

Warum Sodawasser? Füllt man einen Soda Siphon mit Wasser, schraubt dann eine CO2 -Kapsel ein und schüttelt den Soda Siphon anschliessend kurz und kräftig, entsteht frisches Sodawasser. Dieses ist im Geschmack ausgewogener und feinperliger als abgefülltes Mineralwasser mit Kohlensäure und daher traditionell erste Wahl für Cocktails und Limonaden – wird aber auch gerne pur genossen.

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­ anach kamen sie jedoch nur noch selten in D ­privaten Haushalten zum Einsatz. Bars und Gastro­ nomiebetriebe bilden heute die letzten Refugien, in denen diese Geräte zu finden sind.

Ein echtes Stück Geschichte Wenn sich der stilvolle New Yorker im Jahre 1930 an einem heissen Sommertag erfrischen wollte, nahm er sich die Zeit, eine hausgemachte Zitronen­ limonade in den Hamptons zu geniessen. Der ­nötige «fizz» kam damals traditionell aus einem Sparktlets New York Soda Siphon – hergestellt in der 46th Street in Manhattan. Diese vor langer Zeit verloren gegangene Tradition beleben seit 2011 zwei Münchener mit ihrer Siphon-Manufaktur wieder. Mit Herz und Hand restauriert ein kleines Team diese eleganten Soda Siphons – jeder Einzelne ist ein Unikat aus den 1930er-Jahren – und verhilft ihnen somit zu neuem Glanz. Nicht nur das Baujahr, sondern auch der Fertigungsort und interessanterweise der letzte Aufenthaltsort vor der Restauration werden im individuellen Authentizitätsnachweis genannt. Egal, ob es sich um einen im Jahr 1932 in New York gefertigten und kürzlich in Manhattan gefundenen Soda Siphon handelt, einen aus dem Paris der 1920er-Jahre, der in ­ ­Monaco entdeckt wurde – jedes Exemplar ist ein Original mit eigener Geschichte, die nur darauf wartet, weitergeschrieben zu werden.


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ANLÄSSE STILVOLL FEIERN Besondere Anlässe zu feiern erfordert eine besondere Ambiance, denn Feste sind so individuell wie ihre Gastgeber. Schliesslich möchte man den Gästen ein unvergessliches Erlebnis schenken, sich von seiner besten Seite zeigen und den eigenen Stil aufs Schönste zum Ausdruck bringen. Rosanna Lopomo

«Wir realisieren Eventprojekte mit grösster Sorgfalt, perfektem Timing und mit viel Liebe zum Detail.» – Heinz Huber –

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ür die einen bedeutet dies aussergewöhnliche Eleganz, für andere ist es unkonventionelle Originalität. Und wieder andere möchten der Zeit immer ein wenig voraus sein. Welches Event auch immer in Planung ist – sei es eine kleine, aber feine Gartenparty, eine exklusive Jubiläumsfeier mit individueller Zeltarchitektur oder ein festliches Grossereignis –, die Blasto AG mit Sitz in Rapperswil-Jona verleiht seit über 30 Jahren als führender Schweizer Anbieter von Mietzelten und Mietmobiliar jedem Anlass den stilsicheren Auftritt.

Eine 30-jährige Erfolgsgeschichte Die Leidenschaft für Perfektion, Klasse, Qualität und Ästhetik macht die Blasto AG zu einem der führenden Schweizer Anbieter für Mietzelte und Mietmobiliar. Das Unternehmen wurde 1983 gegründet. Heinz Huber übernahm damals die Geschäftsführung der kleinen Blachen- und Storenfirma in Rapperswil-Jona. Im Jahr 1987 wurde der Grundstein für die heutige Unternehmenstätigkeit gelegt. Die einfache Idee, über Kleininserate die Vermietung von Partyzelten anzubieten, kam gut an. Privatkunden rund um den Zürichsee buchten Partyzelte für ihre Anlässe im Garten. Bereits in den darauffolgenden Jahren

verstärkte sich die Nachfrage nach grösseren Partyzelten, passendem Mietmobiliar, neuen Stand­ orten und Rundumservice. Der erste Meilenstein der Blasto-Erfolgsstory war gelegt. Als Pionier in Sachen Zeltinfrastrukturen lancierte das Unter­ nehmen die legendären schneeweissen Pagodenzelte. Heute zählen zum Kundenkreis des Unternehmens nicht nur anspruchsvolle Privatkunden, sondern zahlreiche nationale und internationale Brands und Corporate-Kunden, die von der Konzeption, über die Planung bis hin zur Umsetzung ihrer Veranstaltungen Wert auf Professionalität, Zuverlässigkeit, Flexibilität und Leistungsstärke legen. Die vielfältige Auswahl an Zeltarchitekturen wie ­beispielsweise Transparentzelte, Zeltkuben, Zendome und individuelle mobile Raumlösungen bieten grenzenlose Gestaltungsmöglichkeiten. Einen Namen hat sich Blasto auch im Bereich Event-­ Mobiliar gemacht. Das Mietprogramm besticht durch eine ­ einzigartige Auswahl an Mietmöbeln und Event­ accessoires, die sich sehen lassen kann. Die ­Palette umfasst Banketttische, Stühle, Lounge­möbel, Eventzubehör in unterschiedlichsten Design­richtungen und in beinahe jeder gewünschten Stückzahl.

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WUSSTEN SIE SCHON …?

Viel Moos für Moos Im weltberühmten Kopenhagener Restaurant Noma gibt es ausgebackenes Moos. Der Küchenchef René Redzepi, dessen Restaurant schon mehrmals zum «besten Restaurant der Welt» gekürt wurde, bietet ausschliesslich Gerichte aus regionalen Zutaten an. So stehen etwa auch Wurzeln, Tannennadeln und zahlreiche Wildkräuter aus den skandi­navischen Wäldern auf der Speisekarte. Auf Olivenöl und andere exportierte Lebensmittel wird hingegen ganz bewusst verzichtet.

Das Lieblingsgetränk der Russen Nein, ist nicht der Wodka! Sondern Kwas, ein dunkles, limonadenartiges Erfrischungs­ getränk, das geschmacklich an Malzbier erinnert, sich allerdings eher durch eine gewisse Säure als durch Süsse auszeichnet. Hergestellt wird das Nationalgetränk Nr. 1 aus einem Schwarzbrotsud, der wohl in früheren Zeiten zur Resteverwertung diente. Seit mehreren Jahrhunderten gibt es dieses Getränk nun bereits, auch in vielen anderen slawischen Ländern wurde und wird es gern bestellt. Der Name «Kwas» stammt vom russischen Wort «kwasnik», was früher so viel wie «Trinker» bedeutete. Damals enthielt die heute ganz harmlos daherkommende Limonade nämlich noch viel Alkohol.

Das teuerste Gewürz der Welt Safran ist eines der edelsten Gewürze der Welt. Für ein Gramm der echten roten Stempelfäden, die in Handarbeit aus den Blüten des Safrankrokus extrahiert werden, muss man zwischen 20 und 25 Schweizer Franken bezahlen. Grund für den hohen Preis ist unter anderem die kurze Blütezeit: Nur einmal im Jahr, nämlich für etwa zwei Wochen im Herbst, blühen die Krokusse violett auf. Nur während dieser Phase können die wertvollen Fäden geerntet werden.

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KOLUMNE

TAMARA WERNLI

EMSIGE ENGEL AM SAMSTAGMORGEN Es ist Herbst, die Sonne scheint sanft, die Bäume zeigen sich noch einmal von ihrer schönsten Seite, bevor die verfärbten Blätter leise zu Boden fallen. Eine herrlich malerische Idylle. Zu dieser gesellt sich jeweils am Samstagmorgen der Laubinator. Der Laubinator ist der Mann, der den Laubbläser bedient, die meistdiskutierte Maschine der Schweizer. Mithilfe dieses Gerätes bläst er Laub von der einen Seite des Trottoirs zur anderen. Besen sind out, Laubbläser sind in. Und weil einzelne Blättchen von äusserst widerspenstiger Natur sein können, dauert sein Einsatz schnell einmal mehrere Stunden. Dagegen ist natürlich jeder Rechen machtlos. Statt romantischer Herbststimmung sind am Wochenende gefühlsintensives Presslufthammer-Feeling (auch mit geschlossenen Fenstern) und immenses Staunen über die Unmengen von Laub angesagt, die unseren Planeten scheinbar überfluten. Wo aber kommen all die Bäume plötzlich her? Bei genauerem Hinschauen bläst der Laubinator über eine Fläche von zwei Quadratmetern, dabei wirbelt er mehr Blätter in der Gegend herum als ein Sturm der Stärke 9. In seiner monotonen Abwesenheit entgeht ihm das vielleicht. Oder aber das herumschaukelnde Laubwerk übt eine undurchschaubare Faszination auf ihn aus. Das Blasgerät entfaltet ein komplett neues Herbstaroma: Indem es mit seinem Luftstrom von 290 Kilometer pro Stunde Feinstaub, Bakterien und Viren herumweht, entsteht ein Partikelmischmasch in der Luft, das sich über mehrere Tage hält und von seiner toxischen Zusammensatzung her locker mit Rauschpilzen mithalten kann. Die Hitze des Bläsers wiederum tilgt Spinnlein, Würmer oder Insekten, macht aber nix: Ihr Unterschlupf, das Laub, wurde schon vorher vom Luftstrom zerstört. Und überhaupt, was gehen uns eklige Viecher an? Dass die meisten

Geräte mit Verbrennungsmotoren funktionieren, scheint nur konsequent; elektronische Laubbläser sind viermal so teuer und das ständige Auswechseln der Akkus würde Extraarbeit bedeuten. Wer sich vom Laubinator belästigt fühlt, ist ein Dreckfink, schliesslich gilt es, hier einen Sauberkeitsstandard zu erfüllen. Mit Blättern bedeckte Parks und Grünanlagen sind in den wachen Augen des Staates anscheinend immense Dreckschleudern, deshalb werden heutzutage auch Spazierwege im Wald vom Laub befreit (kein Witz). Ausserdem überdecken die Blätter die Pfade; Laub birgt demnach enormes Gefahren-potenzial. Wie um Himmels willen sollen die Menschen auf unbegehbaren Wegen, sich durch Laubfontänen kämpfend, wieder nach Hause finden?

«Der Laubinator ist der Mann, der den Laubbläser bedient, die meist­ diskutierte Maschine der Schweizer.» Nebst dem staatlichen Putzehrgeiz fühlen sich auch immer mehr Privatpersonen an ihren freien Samstagen dazu berufen, uns vom fiesen Schmutz zu befreien, und zwar das ganze Jahr über. Der Laubbläsereinsatz wird in den meisten Städten und Gemeinden nicht auf die Herbstmonate eingeschränkt. Sie blasen dann alles, was sich blasen lässt von Hinterhöfen, Wiesen, Türeingängen, Garageneinfahrten und Gebäuden: Spinnweben, PET-Flaschen, Schneeflocken, Sandkörnchen, Grashälmchen, Kieselsteinchen, auch der Hundekot muss wohl dran glauben. So gesehen, würde unser Land ohne die Laubbläser komplett zum Drecksort verkommen. Der Laubinator hat also viele Vorzüge. Der Grösste ist wohl, dass sich sein Benutzer bei der Arbeit als unser aller Befreier fühlt.

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EUROPAS BESTE IN ANTWERPEN KULINARISCHES GASTSPIEL VON DREI-STERNE-CHEF THOMAS BUHNER

Keine Frage: Die MS Europa, Flaggschiff der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, ist die Grande Dame unter den Ozeanlinern. Kein schwimmender Palast im High-end-Segment hat mehr Preise und Auszeichnungen eingeheimst. Ja, für viele gilt die Europa als bester Kreuzfahrer der Welt – auch in kulinarischer Hinsicht. Dr. Thomas Hauer

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Hapag-Lloyd Kreuzfahrten & Thoams Bühner / Restaurant La Vie

o trafen sich unter dem Motto «EUROPAs Beste» an Bord des ­Luxus-Cruisers in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal handverlesene Spitzenköche, Winzer und Produzenten edelster Viktualien zu einem rauschenden Genussfestival. Ebenfalls mit von der Partie: Drei-Sterne-Koch Thomas Bühner – einer der aktuell kreativsten Küchenchefs des Kontinents. Wir haben den Aromenmagier im Vorfeld des Events schon einmal in seinem Osnabrücker Gourmetrestaurant La Vie besucht.

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Der dreifach besternte Küchenchef auf See Die erste Überraschung: Der Chef, wie fast immer in Bluejeans und locker sitzendem weissen Hemd, holt uns persönlich vom Bahnhof ab. Knapp ­10 Minuten dauert die Fahrt in die Osnabrücker Altstadt und endet direkt vor Bühners Restaurant. Das denkmalgeschützte Gebäude präsentiert sich als imposante Mischung aus historischer Steinwerkfassade und klassizistischer Villa. Während das stylische Ambiente im Erdgeschoss des behutsam ­modernisierten Anwesens von edlen Hölzern und warmen Erdtönen bestimmt wird, erwartet Gäste im Obergeschoss ein dreigeteilter Saal im Stil des Osnabrücker Klassizismus mit einem jahrhundertealten Kachelofen als Blickfang. Wir verabreden uns für 18 Uhr auf einen Aperitif an der Bar. Während Bühner an einem Glas kochend heissem Grüntee nippt, wählen wir Rosé-Champagner von Gosset. Die MS Europa kreuzt derweil in rund 435 Seemeilen Entfernung auf ihrem Weg von Lissabon nach Hamburg vor den britischen Kanalinseln. Ihre nächste Station ist Greenwich bei London. Bis zum kulinarischen Höhepunkt ihrer diesjährigen Genussreise rund um Westeuropa im Hafen von Antwerpen sind es noch exakt fünf Tage. Ob Events wie das auf der Europa ihm Spass machen, wollen wir von Bühner zum Auftakt unseres Gesprächs wissen und ahnen schon die Antwort. Schliesslich ist Bühner so etwas wie der Kosmopolit unter den mittlerweile zehn dreifach besternten Küchenchefs der Republik. So sind wir nicht überrascht, als er von kulinarischen Gastspielen in Singapur, Korea, Kasachstan oder St. Moritz erzählt, als wären Ausflüge dieser Art sein tägliches Brot. Was er den rund 600 Gästen – darunter 400 Passagiere und an die 200 externe Besucher – an Bord der Europa servieren werde, haken wir nach. Schliesslich wird der Champagner dort ebenfalls in Strömen fliessen, während sich – noblesse oblige – die Tische unter Hummer, Kaviar und schwarzen Trüffeln durchbiegen. Mit was also kann einer wie Bühner die Gäste da noch

überraschen? Die Antwort: «Kartoffelschaum mit Kürbis-Curryeis». «Ist das bei all dem Luxus nicht ein wenig bescheiden?», wenden wir ein. «Im Gegenteil!», gibt sich Bühner überzeugt. Schliesslich ist dieses Gericht ein echter La-Vie-Klassiker, den der Küchenchef immer mal wieder als kleinen Gruss aus der Küche in seine aufwendigen Menüfolgen einbaut und der bei seinen Gästen besonders beliebt ist. Warum? «Weil es unkompliziert ist, einfach lecker schmeckt, durch den Heiss-KaltEffekt überrascht und sich auch für mehrere Hundert Gäste in absoluter Top-Qualität zubereiten lässt.» Das spricht der Perfektionist, der keine Kompromisse kennt.

Dreidimensionale Aromenküche Überhaupt ist Bühner, der seine Karriere – man mag es kaum glauben – auf Empfehlung einer ­Berufsberatung beim Arbeitsamt eingeschlagen hat, nicht nur einer der kreativsten, sondern auch einer der intelligentesten Vertreter seiner Zunft. Und einer der sympathischsten dazu. Schnell kommen wir ins Plaudern, tauschen Stationen ­unserer kulinarischen Biografien aus, diskutieren über die zahlreichen Kunstwerke, die das Restaurant schmücken – darunter ein überdimensionaler Buddhakopf in Pink – und versuchen uns schliesslich an einer Definition deutscher Küche. Doch als gegen 19 Uhr immer mehr Gäste vom livrierten Doorboy ins Restaurant geführt werden, wird Bühner sichtlich nervös – er will in die Küche. Wir verabschieden uns, schliesslich sehen wir uns ja schon in ein paar Tagen wieder, an Bord der Europa. Vorher steht aber noch ein Menü aus der  Küche des La Vie auf dem Programm. Das gibt es entweder unter der Überschrift «Tradition & Qualitè» in fünf oder als Menü «Le Grand Chef» in sieben Gängen. «Grand Chef» ist übrigens ein Ehrentitel von Relais & Chateaux, zu deren illustrem Kreis auch das La Vie gehört und den Top-Chefs der internationalen Vereinigung vorbehalten bleibt. Was folgt, ist ein kulinarischer Parforceritt, der nicht nur die unbändige Kreativität Bühners und seines Teams widerspiegelt, sondern vor allem ganz viel Spass macht! Viele der aufwendig dekorierten Tellerkunstwerke, die schon auf den ersten Blick Bühners unverwechselbare Handschrift erkennen lassen, versammeln bis zu einem Dutzend Elemente – ein grandioses Feuerwerk aus intensiven Farben, vielschichtigen Aromen und unterschiedlichsten Texturen. Was bei manch anderem Kollegen

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CULINARIUM

arg bemüht wirkt, versprüht bei Bühner pure ­Nonchalance. «Dreidimensionale Aromenküche» nennt er das. Doch trotz dieses etwas sperrigen Terminus: Eine Gebrauchsanweisung braucht man für Bühners Küche zum Glück nicht. Die funktioniert immer – egal, ob wir einzelne Fitzelchen vom Teller picken oder mit Löffel und Gabel einmal quer über den Teller fahren. Nur ganz ­wenige deutsche Restaurants agieren kulinarisch mit einer solchen Souveränität. Nicht minder besternte Kollegen eingeschlossen. Chapeau! Überfordert diese Küche irgendwann Sinne oder Gaumen? Im Gegenteil. Zwei weiblichen Gästen am Nebentisch, die ihren Tellern allzu zaghaft, ja mit fast schon chirurgischer Attitüde zu Leibe rücken, empfehlen wir deshalb stattdessen, einfach beherzt zuzugreifen, und innerhalb kürzester Zeit weicht der anfangs noch leicht skeptische Gesichtsausdruck der Damen einem breiten Lächeln.

Das Highlight des Abends … Bühners schon legendäre, über Jahre immer weiter perfektionierte Version eines Rehbockrückens, hier begleitet von weissen Rübchen, Pfifferlingen, Grapefruit und Creme von geräucherter Gänse­ leber. Noch nie haben wir ein ähnlich gutes Stück Wildbret gegessen, ausser im letzten Jahr im Rahmen eines Relais & Chateaux-Gourmetfestivals in Tirol. Gastkoch damals: Thomas Bühner. Nicht weniger überzeugend präsentiert sich sein breto-

nischer Saint Pierre kombiniert mit Pulpo und begleitet von Kohlrabi, in allen erdenklichen Aggregatszuständen, das Ganze abgerundet vom Aroma der Yuzo-Frucht oder der roh marinierte Loup de Mer mit Limequat, Avocado und Couscous.

Szenenwechsel Über Antwerpen liegt an diesem Sonntagnachmittag ein tiefblauer Himmel. Gemächlich ziehen ein paar Schäfchenwolken vorüber. Das Thermometer zeigt 24 Grad. Am Horizont erhebt sich der stolze Turm der Onze-Lieve-­ Vrouwekathedraal. Die Europa ist am frühen Morgen von der Nordsee über die Schelde im Hafen eingelaufen und liegt in ruhigem Wasser am Kai vor Anker. An Bord herrscht bereits seit Stunden hektische Betriebsamkeit. Schliesslich muss das Lido-Deck bis zum frühen Abend in eine Schlemmermeile umgebaut sein. Nicht weniger als 20 Michelin-Sterne werden hier unter der Ägide des neuen Küchenchefs der Europa, Thorsten Gillert, aufkochen. Die benötigten Kochstationen müssen aber erst per Kran an Bord gehievt werden. Zu den Protagonisten des diesjährigen Events gehören neben ­Thomas Bühner die zwei Sterne-Köche Hans Stefan Steinheuer aus Bad Neuenahr, Nils Henkel vom Schlosshotel Lerbach, Johannes King vom ­Sölringhof auf Sylt, Silvio Nickol vom Wiener Palais Coburg und der Belgier Filip Claeys vom De Jonkmann in Brügge. Aus der Schweiz ist Tanja Grandits vom Basler Restaurant Stucki am Start. Ausserdem ist natürlich auch Dieter Müller dabei, der auf der Europa ein gleichnamiges Luxusrestaurant betreibt und Kochlegende Eckart Witzigmann. Anders als Bühner haben sich die meisten Gastköche bei ihren Gerichten eher für die Variante Materialschlacht entschieden und servieren z. B. Lammrücken mit Mandeln, Gurken, Salicornes, Auster und Kaviar oder Pot Au Feu von Hummer, Carabinero und Jakobsmuscheln mit Ravioli, Spargel, Kaffir­ limette und Apfel-Koriander-Fumet. Begleitet wird der kulinarische Reigen von Spitzenweinen deutscher und internationaler Weingüter. Auch Thomas Bühner ist mittlerweile an Bord. Gleich nach dem Abendservice hat er sein Auto ­ gepackt und ist mit seiner Lebensgefährtin von Osnabrück in die ­bel­gische Hafenmetropole gereist. Als das Fest gegen 18 Uhr offiziell eröffnet wird, füllt sich die Bühne dann schnell mit der Crème de la Crème der ­europäischen Wein- und Gastroszene. Kurze Zeit später ist die Open-Air-­ Küchenparty dann in vollem Gange. Müssten Gastköche und externe Gäste die ­Europa nicht gegen 1.30 Uhr verlassen, damit das Schiff den letzten Teil ­seiner Reise antreten kann, die rund 36 Stunden später im Hamburger Hafen endet, das Fest würde sicher noch bis zum Morgengrauen dauern. Genusshungrige könne sich aber schon heute den 13. Juni 2015 vormerken – dann wird, wieder in Antwerpen, die 11. Ausgabe des Gourmetspektakels statt­ finden.

Nice to know Weitere Informationen zu den exklusiven Kreuzfahrt­ angeboten von Hapag Lloyd auf der MS Europa unter www.hl-kreuzfahrten.de. Die nächste Genusskreuzfahrt rund um das kulinarische Top-Event «EUROPAs Beste» führt vom 3. bis 17. Juni 2015 wieder von Lissabon nach Hamburg. Regelmässig reisen auf der Europa ausserdem Gastköche mit. Wer Thomas Bühner erleben möchte, findet sein Restaurant La Vie in der Krahnstrasse 1– 2 im Herzen der Osnabrücker Altstadt. www.reataurant-lavie.de

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SCHWEIZER LEBENSKÜNSTLER UND ERFOLGREICHER BIO-LANDWIRT DIETER MEIER

Dieter Meiers Leben ist ein einziger Umbruch. Sich auf einen Berufszweig festzulegen, kam für den Bankierssohn nie infrage. Ob Bildende K ­ unst,   Musik, Film oder professionelles Glücksspiel: Nichts scheint für den umtriebigen Bankierssohn ausserhalb seines Kompetenzbereichs zu liegen. Auch als Gastronom, Weinbauer und Bio-Landwirt ist er inzwischen unterwegs. So besitzt Meier heute seine eigene Bio-Rinderfarm und ein Stück Rebland in Argentinien. Nebenbei betreibt er auch noch das feine Züricher Edelrestaurant «Bärengasse» in der CS-Passage, für das er sein eigenes Rindfleisch und den selbst gekelterten Bio-Wein aus Südamerika importieren lässt. Der naturbegeisterte Tausendsassa hat das Haus übernommen, nachdem gleich mehrere Vorbesitzer mit ­ihrem Konzept gescheitert waren. Heute erfreut sich das Szenelokal wieder grösster Beliebtheit, vor allem die saftigen Steaks, so hört man, gehen weg wie warme Semmeln. Der Erfolg scheint Meier also auch in diesem Fall Recht zu geben!

3 FRAGEN Herr Meier, wie erklären Sie sich den Erfolg Ihres ­Restaurants «Bärengasse»? Ich denke, dass wir hier die richtige Mischung aus an­ sprechendem Design und guter Küche gefunden haben. Das Lokal strahlt viel Wärme aus und man fühlt sich einfach wohl, wenn man hier zusammensitzt. Auch das Premium-Bio-Beef, das wir hier anbieten und von meiner Farm in Argentinien stammt, kommt sehr gut bei unseren Gästen an.

densten Leute getroffen und mir nach und nach ein gutes Team zusammengestellt. Heute weiss ich schon mehr über die komplexen Zusammenhänge von Land, Boden und Lebe­ wesen, lerne aber täglich noch etwas hinzu.

Woher kommt Ihr Know-how in Sachen Bio-Landwirt­ schaft? Das hatte ich lange gar nicht, ich musste mir erst alles aneignen. Über zwei Jahre hinweg habe ich die verschie­

Sie sind nun nicht nur Gastronom und Bio-Landwirt, sondern auch Künstler und Musiker. Was ist für Sie Kunst? Kunst ist für mich ein Spiel mit dem Nichts, ein Spiel mit dem Unsinn, das sich allem ­Utilitarismus entzieht. Mein Motto lautet: Werdet wie die Kinder!

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VISIONEN UMSETZEN ❧

BIODIVERSITÄT IM WEINBERG Fliegende Schmetterlinge und Bienenhotels zwischen Weinreben sind Bilder, an die wir uns erst wieder gewöhnen müssen. Oft dominieren immer noch die Giftspritze und der karge Boden den Weinberg. Es geht aber auch anders. Unter dem Dach von Delinat haben sich Winzer aus ganz Europa zusammengefunden, um Genuss, Ökologie und erfolgreiches Wirtschaften zusammen zu bringen. Georg Lutz

F

ür Karl Schefer, Gründer von Delinat, entsteht der beste Wein im ­Zusammenspiel mit der Natur. Den üblichen Monokulturen im Weinberg setzt er seine Visionen entgegen und ist damit auch ökonomisch erfolgreich. Wir loten im folgenden Interview die Gründe aus.

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Karl Schefer braucht keine Trends, sondern geht seinen Weg.


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PRESTIGE: Aller Anfang ist schwer. Dieses Sprichwort gilt sicher auch beim Wein, wie auch fast jeder Jung­ winzer bestätigen kann. Wie sind Sie zum Wein ge­ kommen? Karl Schefer: Ich bin ein Wirtssohn und daher habe ich schon seit meinen Jugendtagen eine Beziehung zum Wein. Das war aber nicht der zentrale Grund. Es war eher ein Zufall. Wie Sie zum Thema Ökologie und Bio gekommen sind? Ich habe eine Grundausbildung als Chemielaborant. Mitte der 1970er-Jahre war ich beruflich in Südafrika unterwegs und habe viele Schattenseiten der Chemie kennengelernt, unter anderem der massive Pestizideinsatz, mit Mitteln, die in Teilen in Europa schon verboten waren. Da ging mir ein Licht auf: Es muss Wege geben, um ökologische Gleichgewichte wieder herzustellen. Als ich in die Schweiz zurückkam, wusste ich, jetzt will ich nur noch Dinge tun, zu denen ich stehen kann. Und wie haben sie den Bio-Wein entdeckt? Ich hatte 1979 oft in Paris zu tun und habe in einem Re­ formhaus einen Öko-Wein entdeckt. Das kannte man da­ mals in der Schweiz und Deutschland noch nicht. In den ersten Naturläden gab es keinen Wein. Ich habe ein paar Flaschen in Paris gekauft und mit Freunden, meiner Frau und meinem Bruder probiert. Das Ergebnis war nicht wirk­ lich überzeugend. Ja, damals musste man schon schwer ökologisch überzeugt und ideologisch gefestigt sein, um einige saure Tropfen zu Trinken. Aber die Idee stimmte. Wir haben dann als nächsten Schritt die Winzer besucht, die auf dem Etikett standen. So haben wir Bio-Winzer kennengelernt, obwohl das Wort «Bio» da­ mals noch weitgehend unbekannt war und es keine Labels gab. Aber ich wollte das Thema Bio und Wein voranbringen.

«Wir schreiben Biodiversität vor.»

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Delinat braucht auch heute die passenden Winzer. Nehmen wir als Beispiel den Katalanen Josep Maria Albet i Noya, die Familie Michlits von Meinklang in ­Österreich oder Karin und Roland Lenz, die in Iselis­ berg bei Frauenfeld das grösste biologische Weingut der Deutschschweiz führen.w Wie finden Sie solche Menschen, die sich ja nicht nur mit Wein auskennen, sondern auch Visionen haben? Inzwischen ist es umgekehrt: Innovative Bio-Winzer finden Delinat. Es vergeht keine Woche, bei der wir nicht unge­ fragt Muster zur Beurteilung bekommen. Es kommen aber nur die wenigsten als Delinat-Partner in Frage, da unsere Richtlinien sehr anspruchsvoll sind. Aber Sie liegen richtig. Jeder Winzer, der neu beginnt, hat viele Hürden zu überwinden. Das gilt besonders für BioWinzer. Sie sind immer noch Pioniere und brauchen Visio­ nen. Sie gehen grosse Risiken ein und müssen gleichzeitig ökonomisch erfolgreich sein. Bio für sich genommen reicht schon lange nicht mehr aus. Die von Ihnen genannten Win­ zer sind alle ein Risiko eingegangen und haben Visionen verwirklicht. Inzwischen sind sie auch alle ökonomisch erfolgreich. Was ist beim Winzer der Auslöser für das Um­denken und Umstellen in Richtung Bio? Am Anfang steht meist die genaue Beobachtung. Je stärker die sensible Rebe vor Krankheiten oder Schädlingen ge­ schützt wird, desto abhängiger wird sie. Immer mehr Gift im Weinberg führt in Sackgassen. Wir kennen das von un­ serer eigenen Gesundheit. Je mehr Antibiotika wir zu uns nehmen, desto mehr schädigen wir auch die natürlichen Abwehrstoffe unseres Körpers. Heute hat sich die Situation komplett gedreht. Bio ist schon längst keine Nische mehr. Jeder Discounter hat Bio-Linien im Regal stehen. Bio ist ein Massenmarkt. Das ist auf den ersten Blick ein Erfolg. Unter dem Druck eines Massenmarktes können aber Ziele und Ideale völlig begraben werden. Müssen sich Pioniere von Bio, wie Sie ja auch einer sind, nicht neu erfinden? Wir haben eigentlich nie auf Trends geachtet, sondern stets einfach unsere Ziele verfolgt, was die Qualität betrifft. Die strengen Delinat-Richtlinien, nach denen unsere Winzer produzieren, übertreffen die üblichen Bio-Label. Der Un­ terschied zwischen Bio-Wein und Weinen aus unserem Hause ist wesentlich grösser als zwischen herkömmlichen Weinen und Bio-Wein. Mit der Zunahme der Akzeptanz von Bio wurde der Druck auf den Gesetzgeber immer grösser, Standards zu schaffen, die möglichst alle Produzenten


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einhalten können, auch wenn Klima und Böden sehr un­ terschiedlich sind. Das Ergebnis sind verwässerte Normen und zahnlose Kompromisse. Wie das EU-Bio-Sigel? Genau. Solche Grundlinien sind ein erster Schritt, reichen aber bei Weitem nicht aus. Können Sie uns hier ein Beispiel verraten? Man kann mit dem EU-Label im Rahmen einer lupenreinen Monokultur Bio-Produkte produzieren und vermarkten. Das ist ein Skandal. Sie stellen den einen Giftsack in die Ecke und nehmen einfach den anderen in die Hand. Das ist dann beim Wein Kupfer? Ja. Bei Kupfer oder Schwefel geht man hier mit den ­Mengen sehr tolerant um, setzt weiter auf Masse. An­stelle Nützlinge zu fördern, werden weiterhin und genau wie beim konventionellen Weinbau Schädlinge bekämpft, nur sind die Gifte andere. Davon sind wir zum Glück weit entfernt. Wir haben unsere Richtlinien und Ziele, die wir konsequent verfolgen. Aber auch Ihre Winzer müssen noch Kupfer verwen­ den? Ja, aber in wesentlich geringeren Mengen. Hier haben wir es mit einem Schwermetall zutun, das man sehr ernst nehmen muss. Unser Ziel ist es, unter zwei Kilogramm pro Hektar und Jahr zu kommen. Früher lag der Durchschnitt im Weinberg bei 20 Kilogramm pro Hektar und Jahr. Ihre Weinberge sollen keine Monokulturen darstellen, sondern von «biologischen Hotspots» durchzogen sein. Können Sie uns das erklären? Das ist die Grundlage unserer Richtlinien. Wir schreiben Biodiversität vor. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal von uns. Es geht sowohl um die horizontale gezielte Be­ grünung zwischen und unter den Reben, als auch um die vertikale Auflockerung mit Bäumen und Sträuchern. Wir sprechen auch von Inseln im Weinberg. Da wird ge­ zielt die Vielfalt gefördert. Die «ökologischen Hotspots» gilt es natürlich zu pflegen, um Überwucherungen zu ver­ meiden. Z­ udem gibt es noch Ausgleichsflächen am Rande. In ­unseren Weinbergen finden Sie ganzjährige Blühstreifen und Bienenhotels. Viele werden einwenden: Das kostet alles viel Geld und ist nur für einen exklusiven Kundenkreis er­ schwinglich. Sie haben aber auch Weine im mitt­leren

Karl Schefer und Roland Lenz suchen nach Möglichkeiten, Schadstoffe im Weinberg radikal zu reduzieren.

Preissegment im Angebot. Wie funktioniert das? Wenn Sie Qualitätsweine erzeugen, ist der Ertrag relativ gering, gleich ob aus konventionell oder biologisch betrie­ benen Weinbergen. Man hat zudem Einsparungen. Teure chemische Produkte fallen weg. Dafür muss man mehr Zeit und Geld für Handarbeit im Weinberg aufbringen. In vie­ len Regionen sind die Kosten daher absolut vergleichbar. Ausserdem setzen wir auf Winzer mittlerer Grösse, da die Wirtschaftlichkeit bei Kleinbetrieben schwierig ist. Sie haben aber auch noch Versuchsweinberge? Ja, für solche Kosten haben wir ein Umsatzprozent zur Verfügung. In unserem Versuchsweinberg in der Provence (Château Duvivier) überprüfen wir die Auswirkungen un­ serer Richtlinien, zum Beispiel der Dauerbegrünung. Das Ziel ist, immer besser zu werden. So ein Versuch mit­ wissenschaftlicher Begleitung, kann mehrere Jahre

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dauern. Wir wollen nachweisen, dass die Qualität von Wein aus biodiversen Weinbergen besser wird. Ein dreijähriger Versuch hat diese These bereits belegt, die wissenschaftli­ che ­Veröffentlichung folgt nächstes Jahr. Wie erreichen Sie Ihre Kunden? Ich habe ja heute im Netz sehr viele Plattformen und gerade in der Schweiz gibt es viele Weinshops. Online wird wichtiger, auch bei uns ist das ein wachsender Kanal. Zentraler Baustein unseres Vertriebs ist aber der Degustierservice, den es seit 1987 gibt. Wir wollten da­ mals den Kunden die Gelegenheit geben, neue Weine und neue Jahrgänge kennenzulernen. Damals gab es ja noch viel weniger Bio-Weine und die Qualitätsspannen waren noch sehr gross. Der Degustierservice hat sich aber völlig anders entwickelt, als wir das zunächst angenommen haben. Heute ist er eine Art Grundversorgung für unsere Kunden. Man bekommt neben den Flaschen noch viele fundierte Informationen zu Traubensorte, Ausbau, pas­sende Speisen und Winzer. Und man profitiert von portofreier Sendungen mit Sonderpreisen. Für uns ist der Service von Vorteil, da es ein sehr planbares Geschäft ist. Gleich­zeitig ist es ein ständiger Test. So entwickeln wir auch unser Portfolio und gehen den Bedürfnissen der Kunden nach. Wir sind dem Degustierservice treu geblieben, im Unter­ schied zu manchen Mitbewerbern, die sich oft hinreissen lassen, mit jedem neuen Kundenwunsch einen neuen ­Service aus dem Boden zu stampfen. Das Ergebnis ist eine interne Kannibalisierung.

Was wollen sie in den nächsten Jahren noch er­ reichen? Wir wollen in der Schweiz wieder wachsen. Wir basierten auf klassischem Direktmarketing und dem dazu passen­ den Versandhandel. Die Marketingwerkzeuge dazu stos­ sen in der Schweiz aber immer mehr an ihre Grenzen. Die Schweizer Printmedien, mit denen wir früher die meisten Neukunden gewinnen konnten, funktionieren infolge Auf­ lagenschwundes immer weniger. Daher haben wir un­ ser Marketingbudget in den letzten Jahren, vor allem in Deutschland, investiert. Auch die Onlinekanäle funktionieren in der Schweiz noch nicht richtig. Wir wollen daher mit Partnern über den Detailhandel und die Gastronomie neue Kundenwege erschliessen. Gibt es einen Lieblingswein von Ihnen, den sie uns noch empfehlen können? Ja, es gibt Lieblingsweine von mir. Der Reserva Martí von Albet i Noya aus Katalonien bietet, glaube ich, nicht nur mir geschmackliche Höhepunkte. Er ist ein sehr erfolg­reicher Wein bei uns. Als Gegenpol würde ich den El Molino, auch ein Spanier, aus La Mancha vom Weingut Jesus del Perdon nennen. Er bietet für seinen Preis unglaublichen Trink­ spass. Beide Weine repräsentieren auch die unterschiedli­ chen Preisklassen in unserm Sortiment. Ja, dann zum Wohle der guten und ökologischen Weine.

Öfters planen Sie auch Ausflüge, zum Beispiel in Rich­ tung Rum oder Olivenöl. Was steckt dort für eine Idee dahinter? Es geht um die Abrundung des Sortiments. Bei Spirituosen verdienen wir kaum etwas. Es gibt auch Weine, die sich nicht lohnen. So rechnen sich die Halbliter- oder Magnum­ flaschen nicht. Es gibt aber eine Nachfrage. Bei Olivenöl geht es um etwas anderes. Gerade im Mittelmeerraum gehören Olivenöl und Wein zusammen. Das Wissen auch unsere Kunden und bestellen beides. Wie positionieren Sie sich in der Branche? Wir wollen eine maximale Dienstleistung zu einem fairen Preis anbieten. Dabei ist für uns die klassische Öko-Nische schon seit Jahren zu klein. Wir unterwerfen uns aber auch nicht jeder Bedingung eines Massenmarktes. Wir sind schlicht ein wirtschaftliches Unternehmen, welches Geld verdient. Die Kombination mit Ökologie und Biodiversität ist da kein Widerspruch. Im Gegenteil, es wird von den ­Kunden honoriert und rechnet sich. Der Weinberg ist vielfältig geworden. Das nützt auch der Traube.

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Ich bin völlig unberechenbar. Es ist eine Stärke, wenn man seine kleinen Schwächen kennt. Denn gerade beim Anlegen ist impulsives Handeln kein guter Ratgeber. Marktanalyse, Anlagestrategie und Umsetzungsdisziplin sind für eine erfolgreiche Portfoliobewirtschaftung entscheidend. Darauf dürfen Sie sich verlassen, wenn Sie die Verwaltung Ihres Vermögens unseren Experten übertragen. UBS Investment Mandates

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DER DREIKLANG WILD, BIO UND FAIR Wer heute im oberen Segment der Biobranche ökonomischen Erfolg haben will, muss einige Hürden überwinden. Kunden wollen hochwertige Bio-Produkte geniessen, die unter fairen Bedingungen produziert werden. Die hohe Qualität und die Reputationsanforderungen gilt es, immer wieder neu zu bestätigen. Georg Lutz

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Maria Müller koordiniert die Geschäfte von ORIGINAL FOOD in der Schweiz. Ihr geht es darum, Naturprodukte zu finden, zu ­veredeln und für unseren Gaumen erlebbar zu machen. Konkret sprechen wir zum Beispiel von Wildkaffee aus Äthiopien oder edelsten ­Aromakakao aus Ecuador.

PRESTIGE: Kaffee war eine Luxusware und hat sich zum billigen Massen­produkt entwickelt. Wie würden Sie vor dieser Entwicklung das Geschäftsmodell Ihres Hau­ ses bezeichnen, das zum Beispiel Kaffee aus dem Hochland von Ä ­ thiopien ver­ treibt? MARIA MÜLLER: Unser Geschäftsmodell, welches auf Authentizität, Genuss und Nach­ haltigkeit beruht, grenzt sich ganz klar vom klassischen Mainstream-Markt ab. Wir bieten eine einzigartige und ursprüngliche Kaffeerarität, konkret wilden Arabica-Kaffee aus zerti­ fizierter Wildsammlung, an. Damit leisten wir zusätzlich einen direkten Beitrag zum Erhalt des gefährdeten Regenwaldes und zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region.

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Was ist das Besondere an diesem Kaffee? Die Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens ist die eigent­ liche Urheimat der Coffea-Arabica-­P flanze. Wilder Kaffee wächst noch heute in den letzten Bergregenwäldern der Region. Nur noch 2,7 Prozent der einstigen 40 Prozent Waldflächen sind intakt. Die Bauern sammeln den wilden Kaffee im Regenwald, trocknen ihn natürlich an der Sonne und verlesen Bohne für Bohne von Hand. In der Schweiz wird der Wildkaffee in einer kleinen Röstmanufaktur lang­ sam und schonend veredelt. Kaffa-Wildkaffee ist also kein Plantagenkaffee, sondern ein wild wachsender, unverfälschter Kaffee. Das zeichnet sich vor allem in der Aromakonzentration und dem einzig­ artigen Geschmacksprofil aus. Zudem wird mit der Vermarktung des wilden Kaffees der Regenwald und somit der wertvolle Bestand an ­ ­wilden Kaffeesträuchern, als wichtige Gen-Ressource, erhalten. Denn mit dem Verkauf des Wildkaffees er­ ­

halten über 6­ 000  Bauernfamilien ein Einkommen aus dem Wald. I­nsgesamt leben in der Region Kaffa über 60’000 Menschen direkt von diesem neuen Absatzmarkt. Das W ­ ildkaffeeprojekt ist somit auch ein neuer, erfolg­ reicher Ansatz der entwicklungspolitischen Zusammen­ arbeit. Was stand am Anfang? Vermutlich hat jemand eine eindrucksvolle Reise unternommen? Den Grundstein für das Projekt legte Dr. Rainer Klingholz, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Organisation «GEO schützt den Regenwald» im Jahr 2003. Er hat sozusagen den Wildkaffee in Kaffa für Europäer neu entdeckt und die Idee, den Regenwald dank einer schonenden Nut­ zung zu erhalten, entwickelt. Auf der Suche nach einem Vertriebspartner wurde das Unternehmen Original Food in Deutschland gegründet. Ich selber bin 2004 zum Projekt gestossen und habe dann Anfang 2005 die Original Food in der Schweiz als

Verantwortungsvolle Zusammenarbeit mit lokalen Partnern.

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Wilder Kaffee für erlesenen Geschmack.

e­ igenständige Firma gegründet. Seitdem gibt es Wildkaffee und andere Regenwaldprodukte auch hier zu kaufen. Wie sehen die Vertriebskanäle aus? Unsere wichtigsten Vertriebspartner sind Biofachhandel, Reformhäuser und Spezialitätengeschäfte. Ebenfalls führen Globus Delicatessa und ausgesuchte Manor Food-Filialen Kaffa-Wildkaffee als Spezialitäten. Gleichfalls dürfen wir einige Geschäftskunden, welche Wert auf einen speziellen und nachhaltigen Kaffee für Ihre Mitarbeiter und Kunden legen, beliefern. Auch in der Gastronomie fassen wir langsam Fuss und möchten diesen Bereich in Zukunft noch weiter ausbauen und mehr Gastronomen für ein genussvolles und nachhal­ tiges Kaffeeangebot sensibilisieren. Kann man inzwischen über Onlineplattformen Lebens­ mittel verkaufen? Da kann ich mit einem klaren Ja antworten. Kaffee eignet

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sich sehr gut als «Online-Produkt». Hier sprechen wir ins­ besondere die intensiven Kaffa-Käufer an, welche regel­ mässig Grosspackungen bestellen. Wie positionieren Sie sich in der Branche? Wir sehen uns innerhalb der «Bio-Branche» als Nischen­ player im Premiumgenuss-Segment. Unsere Produkte bie­ ten in erster Linie authentischen, unverfälschten Genuss. Das Bio- und Fairtrade-Label ist ein Zusatznutzen, welcher auch unsere nachhaltige Positionierung durch das Wald­ schutzprojekt verstärkt. Inzwischen hat jeder Discounter eine Bio-Linie. Auf der BioFach, der zentralen Biomesse in Europa, auf der ja auch Ihr Haus vertreten ist, haben inzwischen Capri Sonne und Südzucker einen Stand. Müssen sich die Pioniere oder Anbieter aus Ihrem Segment nicht neu erfinden? Heute reicht es nicht mehr, bio- oder fairtrade-zertifiziert zu sein, um sich im Markt zu profilieren. Der Verdrän­


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«Wir sprechen eine neue Generation der Bio-Käufer an, welche authentische, genussvolle und verantwortungsvoll verarbeitete Lebensmittel sucht.»

gungswettbewerb und Preisdruck wird im Bio- und Fair­ trade-Segment künftig zunehmen, was sich unweigerlich auch auf die Produzenten im Ursprung negativ auswirken wird. Nochmals nachgehakt: Vor einigen Wochen lief auf Arte eine Dokumentation zur Bio-Branche. Zentrale Schlussfolgerung war folgende: Entweder die BioAnbieter bleiben die klassischen Öko-Freaks oder sie unterwerfen sich dem Massenmarkt. Sie haben ver­ mutlich dazu eine andere Meinung. Wie unser Beispiel zeigt, gibt es einen anderen interes­ santen Ansatz, welcher echten Genuss in den Vordergrund stellt. Damit sprechen wir eine neue, interessante Genera­ tion der Bio-Käufer an, die authentische, genussvolle und verantwortungsvoll verarbeitete Lebensmittel sucht. Diese Zielgruppe heisst es, auch im Biofachhandel mit ­einem adäquaten Sortiment zu gewinnen. Biofachhändler, welche diesen Weg finden und sich zunehmend im Spe­ zialitätensegment positionieren, werden sich auch künftig gegenüber den Grossverteilern behaupten können.

Original Food arbeitet in der Region direkt mit der Kaffa F­ orest Coffee Cooperative Farmer Union zusammen, welche die 20 Bauernkooperativen umfasst. Gemeinsam werden Mengen, Preis und nötige QS-Massnahmen festgelegt. Das Projekt ist zudem in ein PPP-Projekt von GIZ (Gesell­ schaft für Interationale Zusammenarbeit in Deutschland) und Original Food eingebettet. In diesem Rahmen werden gemeinsam mit den Kooperativen auch die Erschliessung und Vermarktung weiterer Waldprodukte wie Honig, Ge­ würze, etc. angegangen. Vor Ort sind ebenfalls der Nabu (Naturschutzbund) und die Organisation «GEO schützt den Regenwald» aktiv, welche insbesondere im Bereich Kaffa-Biosphären-Reservate so­ wie PFM (Participatory Forest Management) tätig sind. Es gibt auch in diesem Bereich immer wieder Skandal­ meldungen, zum Beispiel Kinderarbeit auch bei FairTrade-Produkten. Wie schützen Sie Ihre Reputation?

Wie kommen Bio und Fair zusammen? Bio und Fair müssen meines Erachtens zwingend zu­ sammen kommen und künftig mehr oder weniger zum Standard für alle Produkte werden. Das heisst auch, dass die Anforderungen an die Bio- und Fairtrade-Zertifizierung sich näher kommen müssen und gemeinsam Richtlinien erarbeitet werden sollten. Dies würde neben einer besseren Transparenz auch die Abläufe und den Aufwand für alle Marktteilnehmer verein­ fachen. In diesem Zusammenhang gilt es, die Partner vor Ort zu erwähnen. Wie funktioniert hier die Zusammen­ arbeit?

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Zusätzlich zu den Kontrollen und Schulungen durch die offiziellen Bio- und Fair-Trade-Kontrollstellen ist auch Ori­ ginal Food regelmässig vor Ort in Kontakt mit Kooperativen und Bauern. Im Rahmen des Waldschutzprojektes wurden die Bauern zum Thema Schulbildung und Armutsbekämpfung stark sensibilisiert. Heute stellen wir fest, dass die Bauern­ familien stolz sind, dass sie ihre Kinder dank dem ge­ sicherten Einkommen aus dem Wald zur Schule schicken können, was ihnen eine bessere Zukunft ermöglicht.

schutzprojekt mit GEO, GIZ und Original Food in Ecuador eingebunden ist und unsere Schokolade Rio Napo Grand Cru herstellt. Was haben Sie sich in den nächsten Jahren auf dem Schweizer Markt vorgenommen? Grundsätzlich wollen wir unsere Position im Spezialitäten­ kaffeebereich weiter ausbauen und uns vermehrt auch im Out-of-Home-Markt etablieren. Neben Kaffee, Schokolade und Tee soll das Sortiment mit weiteren ausgewählten «Waldprodukten» ergänzt werden.

Es geht um eine beidseitig verantwortungsvolle Zusam­ menarbeit mit unseren lokalen Partnern, den Bauern und ihren Kooperativen. Als vergleichsweise kleiner Marktteilnehmer brau­ chen Sie vermutlich auch Partner hier in der Schweiz. Wie finden Sie diese? Können Sie uns ein Beispiel ver­ raten? Unser Ziel ist es, die kostbaren Rohstoffe aus dem Regen­ wald möglichst sorgfältig und schonend zu verarbeiten. Dazu brauchen wir Partner mit einer ähnlichen Philoso­ phie hier in der Schweiz. Wir suchen langfristige Partner­ schaften mit kleineren, traditionellen Manufakturen wie die Max Felchlin AG, welche ebenfalls in das Kakao-Wald­

Maria Müller ist Geschäftsführerin von ORIGINAL FOOD (www.originalfood.ch).

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KOLUMNE

DR. CARSTEN PRIEBE

ÖL- UND GASINDUSTRIE VOR GROSSEN HERAUSFORDERUNGEN Der Ölverbrauch wächst erfahrungsgemäss mit dem steigenden BIP eines Landes. Diese Entwicklung ist auch in den bevölkerungsreichen Schwellenländern China und Indien zu beobachten. Die ungeheure Zahl der Konsumenten dort ist ein Grund dafür, dass der weltweite Energie­ verbrauch bis zum Jahr 2030 um mehr als 50 % wachsen dürfte. Beim aktuell prognostizierten Erdölverbrauch wären die bestehenden Ölquellen schon in Kürze nicht mehr in der Lage, eine ausreichende Versorgung zu sichern. Seit einigen Jahren stagniert nämlich die globale konventionelle Erdölproduktion. Deshalb müssen in den kommenden Jahren riesige Summen in die Erschliessung neuer Öl- und Gasfelder investiert werden, da die jährliche Förderquote bei den grössten konventionellen Feldern um durchschnittlich 7 % pro Jahr sinkt. Ähnlich stellt sich die Situation beim Erdgas ­ dar. Nur dank riesiger Investitionen in neue Fördertechnologien oder durch die Nutzung unkonventioneller Quellen – beispielsweise mit dem umstrittenen Fracking – konnte die Ölund Gasproduktion vor allem in den USA gesteigert werden. Auch wenn durch Einsatz modernster Technik die Ausbeute der Felder zumindest temporär erhöht werden kann, müssen dringend neue Lagerstätten erschlossen werden. Das ist ein langwieriger, schwieriger und vor allem kostenintensiver Prozess. Die Internationale Energie Agentur (IEA) erwartet deshalb von 2014 bis zum Jahr 2020 jährliche Investitionen von durchschnittlich 994 Mrd. US-Dollar in die Energieversorgung mit Erdöl und -gas. In den folgenden Jahren werden die not­ wendigen Investitionen, um die Versorgung mit diesen fossilen Rohstoffen zu gewährleisten, sogar noch weiter steigen. Die weltweiten Erdölreserven werden aktuell auf über 1,33 Billionen Barrel geschätzt, was beim gegenwärtigen

Verbrauch einer Reichweite von rund 40 Jahren entspricht. Allerdings ist die Schätzung mit vielen Unsicherheiten behaftet. Längst nicht alle Reserven sind auch wirtschaftlich nutzbar. Im Jahr 2013 wurden Lagerstätten mit geschätzten 20 Milliarden Barrel Öl neu entdeckt. Bis diese neu entdeckten Ölmengen gefördert werden können, vergehen in der Regel mehrere Jahre. Da im gleichen Jahr 50 Milliarden Barrel verbraucht wurden und der globale Verbrauch wächst, entsteht ein Wettlauf mit der Zeit, um alte Ölquellen durch neue zu ersetzen. Davon profitieren besonders die Anbieter von Dienstleistungen für die Ölund Gasindustrie. Innerhalb dieses Sektors gibt es aus Investorensicht verschiedene spannende Branchen, so beispielsweise die auf seismische Erkundung spezialisierten Unternehmen. Oder

«Seit einigen Jahren stagniert die globale konventionelle Erdölproduktion.» Offshore-Ausrüster für Deepwater-Operationen. Mit «Offshore» werden Öl- und Gasfelder bezeichnet, die auf dem Meer bewirtschaftet werden. Mit «Deepwater» werden Wassertiefen ab 200 Metern Tiefe bezeichnet oder generell das Meeresgebiet ausserhalb des Kontinental­ sockels. Vor allem vor der Küste Westafrikas und der Ostküste Brasiliens nehmen Einsätze im Deepwater zu. Schliesslich dürften die Aktien von Unternehmen, die auf diese Bereiche fokussiert sind, von der weltweit wachsenden Nachfrage profitieren. Eine diversifizierte Auswahl an Aktien von spezialisierten Unte­ rnehmen der Öl- & Gas-Service-Industrie bietet beispielsweise das Oil Exploration & Drilling Certificate.

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FALSCHE STRATEGIEN DIE FOLGENSCHWERSTEN ANLEGERFEHLER – TEIL 1

Ob Anfänger oder Routinier, an der Börse machen Anleger immer wieder die gleichen Fehler. Dies hat auch damit zu tun, dass an der Börse der Affekt gegen die Vernunft arbeitet. Christian Meier, stellvertretender Anlagechef der Banque CIC (Suisse), stellt die folgenschwersten Anlegerfehler vor und zeigt, wie man diese vermeiden kann. In der nächsten Ausgabe folgt der zweite Teil. Christian Meier

B

einahe täglich werden wir mit Verlustfällen von Anlegern konfrontiert, die leicht hätten vermieden werden können. Das Anlegen ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden. Wer jedoch bestimmte Grundsätze beim Anlegen befolgt, kann das Risiko von Fehlentscheidungen deutlich minimieren.

T YPISCHE ANLEGERFEHLER 1. Die Suche nach dem schnellen Geld Um jeden Preis schnell reich werden – von ­sehr hohen Renditen angelockt, erlebt manch ein Anleger ein böses Erwachen. «Heisse Tipps» werden schnell zu «teuren Tipps». Anlagen, die rasch sehr hohe Gewinne versprechen, sind nur mit entsprechend hohem Risiko möglich. Das ist immer so. Auch wenn das ­Risiko nicht direkt erkennbar ist, ist es da. Das ist ein Natur­gesetz. Unglücklicherweise finden verführerische Angebote immer wieder gutgläubige Opfer. Auch Finanzprofis sind davor nicht gefeit. Man denke an den Fall Dieter Behring von 2004. Dieser rühmte sich, den genetischen Code des Börsenhandels geknackt zu haben, und verursachte damit einen

der grössten Schweizer Finanzskandale. Den traumhaften Renditeversprechungen konnten auch gestandene Banker nicht widerstehen. Der Fall Behring ist ein typisches Beispiel, wie eine Person durch geschickte Rhetorik und raumfüllende Aura die offensichtlichen Warnzeichen in den Schatten stellt. Es gäbe an dieser Stelle noch viele ­weitere Beispiele zu erwähnen. Sicher haben Sie noch ­einige in Erinnerung. Gefährliche Verlockungen müssen keineswegs be­ trügerisch sein. Grundsätzlich muss man das Undenkbare in Betracht ziehen. Auch wenn an der Börse wiederkehrende Muster zu beobachten sind, kann man sich nicht auf diese verlassen. Wer seine Anlagestrategie an vergangenen Entwicklungen ausrichtet, kann böse überrascht werden und hohe Verluste erleiden. Die besten Voraussetzungen für einen hohen Ge­ ­ winn bietet ein langfristiger Anlagezeitraum. Als ­Anleger sollte man klar zwischen Anlegen und Spekulieren unterscheiden können. Wer über Nacht Millionär werden will, versucht sein Glück wohl besser im Casino. Risiko ist an und für sich nichts Schlechtes. Wo Risiko ist, sind auch Chancen. Fragen Sie immer nach dem Risiko. Nur wenn Sie das Risiko ver­

Christian Meier ist stellvertretender Anlagechef der Banque CIC (Suisse).


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stehen, können Sie es richtig einschätzen. Blenden Sie persönliche Sympathien oder Antipathien aus und überlegen Sie sich in Ruhe, was Ihre Chancen und was Ihre Risiken sind. Schreiben Sie es auf und schlafen Sie darüber.

2. Alles auf ein Pferd setzen Die Konzentration auf nur ein Finanzprodukt oder auf einzelne Aktien erhöht das Anlagerisiko. Alle Märkte bewegen sich. Zum Vorteil der Anleger bewegen sie sich nicht immer gleich. Wenn Sie ­beispielsweise in verschiedene Anlageklassen investieren und neben Aktien auch Anleihen und Rohstoffe im Portfolio haben, können Sie einen Kursverlust am Aktienmarkt viel besser verkraften als mit einem reinen Aktienportfolio. Oft machen Anleger auch den Fehler, nur das zu kaufen, was sie kennen. Das führt zwangsläufig zu einem einseitig ausgerichteten Portfolio, das schneller in eine Schieflage geraten kann, da sich die Kurse einer Branche oder einer Region meist in die gleiche Richtung entwickeln. Diversifikation ist der wohl wichtigste Tipp für ­Anleger. Sie beginnt bei den verschiedenen An­ lageklassen (Aktien, Obligationen, Rohstoffe oder Immobilien), umfasst Währungen, Länder, Regionen, Sektoren und weitere Kriterien. Die Frage nach der optimalen Mischung kann nur individuell beantwortet werden. Entscheidend ist zum einen die eigene Risikoneigung und -tragfähigkeit. Wer kurz vor der Rente steht, hat andere Bedürfnisse und Anforderungen als ein ungebundener 30-jähriger Anleger. Zum anderen ist die Anlageklasse zu berücksichtigen. Investiert man vornehmlich in stabile, sehr genau bewertbare Unternehmen

– Hugh White –

(vornehmlich Bluechips), benötigt man weniger ­Diversifikation, als wenn man in Turnaround-Kandidaten oder Start-ups investiert. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die eigene Psyche. Wer sensibel auf starke Portfolioschwankungen reagiert, muss seine Anlagen stärker streuen. Ein ungutes Gefühl verleitet meist zu voreiligen Fehlentscheidungen. Mit der Diversifikation sollte man es allerdings nicht übertreiben. Die einzelnen Positionen könnten zu klein werden. In der Theorie wird dieser Aspekt meist ausgeblendet. Der Investor bekommt den Fehler jedoch spätestens bei der Abrechnung der Börsentransaktionskosten zu spüren. Diese können die Rendite deutlich schmälern. Ein weiterer Tipp: Die Gewichtung der Anlageklassen ist anerkanntermassen zu rund 90 Prozent ausschlaggebend für den Erfolg und nicht die ­eigentliche Titelwahl. Bevor Sie sich mit der Frage beschäftigen, ob Sie Roche oder Novartis kaufen, prüfen Sie, ob Sie auch in Obligationen oder Rohstoffen positioniert sind.

Risikoreduktion durch Diversifikation 100

75

Risiko

Risiko ist eine Chance, man muss es aber verstehen.

«When you make a mistake, don’t look back at it long. Take the reason of the thing into your mind and then look forward. Mistakes are lessons of wisdom. The past cannot be changed. The future is yet in your power.»

50

Unsystematisches Risiko 1

25

Gesamtes Risiko Systematisches Risiko2

Klingen diese Fehler für Sie vertraut? Investitionsvorhaben mit kompetenter Beratung. Christian Meier Banque CIC (Suisse) Telefon +41 (0)800 242 124 christian.meier@cic.ch | www.cic.ch Erfahren Sie auf wöchentlicher Basis die wichtigsten Eckdaten zur wirtschaftlichen Entwicklung und erhalten Sie unseren Ausblick auf die Märkte mit CIC Weekly Markets unter www.cic.ch.

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Anzahl Titel

1 Das unsystematische Risiko setzt sich aus dem Firmen-, Bran­ chen und dem Länderrisiko zusammen und kann durch eine breite Diversifikation reduziert werden. 2 Das sysematische Risiko wird auch als Marktrisiko bezeichnet. Dieses Grundrisiko kann nicht eliminiert werden.

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VORSCHAU VOLUME 33 Very British London: 1 500 Quadratkilometer mit knapp acht Millionen Bewohner, die 300 verschiedene Sprachen sprechen. Eine Metropole mit einer unerschöpflichen Vielfalt, eine Stadt für schräge Modedesigner, Garten- und Bierfreunde, Royalisten und Immigranten aus der ganzen Welt. Dass die Briten einen Hang zum Skurrilen haben, ist bekannt – doch Londons Strassen bieten selbst Einheimischen fast täglich neue Überraschungen. Einige davon zeigen wir Ihnen in unserer Winterausgabe.

Juliette Binoche Sie ist eine der letzten Leinwanddiven Frankreichs. Eigenwillig nennen sie einige. Sie scheut sich auch nicht vor schwierigen Rollen und Themen. Ganz im Gegenteil, gerade die faszinieren sie. Mit «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins» schaffte sie den internationalen Durchbruch. Es folgten Filme wie «Die Liebenden von PontNeuf», «Drei Farben Blau» und «Chocolat», der ihr eine «Oscar»-Nominierung als beste Hauptdarstellerin einbringt. PRESTIGE traf die Schauspielerin bei den Filmfestspielen in Locarno zu einem Exklusivinterview.

Autodesign vom Feinsten Sportwagen gehören zur Design-Avantgarde, sie polarisieren, sie animieren zum Träumen. Erfahren Sie mehr über die streng geheimen Prozesse und Arbeitsweisen renommierter Designer und ihrer Studios. Und treffen Sie auf die Liste der Schönen, Schnellen und Extravaganten.

Publisher Francesco J. Ciringione / cf@prestigemedia.ch | Owner Prestige Media International AG, prestigemedia.ch | Publishing Director Boris Jaeggi  /  b.jaeggi@prestigemedia.ch | Editor in Chief Yvonne Beck  /  y.beck@prestigemedia.ch | Head of Production & Art Director Sandra Rizzi  / s.rizzi@prestigemedia.ch | Grafik Design Sandra Schneider, Corinna Kost | Editors Yvonne Beck, Gisbert L. Brunner, ­DJ Antoine, Petra Cruz-Deyerling, Roger Gloor, Wilhelm J. Grusdat, Lone K. Halvorsen, Dr. Thomas Hauer, Sabine Hauptmann, Valeska Jansen, Monika Leonhardt, Georg Lutz, Rosanna ­Lopomo, Christian Meier, Gabriel Palacios, Matthias Pfannmüller, Dr. Karsten Priebe, Hendrik Stary, Lilly Steffen, Tamara Wernli, Götz Winter, Helena Ugrenovic, Dominique Zahnd | Sales sales@prestigemedia.ch | Product Public Relation Laura Giarratana / lg@prestigemedia.ch News Yvonne Beck, Laura Giarratana,­ Lone K. Halvorsen, Valeska Jansen, Hendrik Stary | Cover Picture Bildagentur, © Ohmega1982 | Photographs Pilatus Bahn, Jumeirah Hotels, Belmond, Ministry of Tourism Sultanate of Oman, Taschen Verlag, Collection Marc Walter, Piper Verlag, Tourist Board Dominikanische Republik, Wikipedia, GoEuro Travel, Te neues Verlag, Propyläen Verlag, Rogner & Bernhard Verlag, Collection Rolf Heyne, Weltmuseum Wien, Martin-Gropius-Bau Berlin, Erik Johansson, Elliott Erwitt, Yvonne Beck, Dominique Cohas, Dior, Harry Winston, Montblanc, Swatch Group, George Nelson © Vitra, Rolls-Royce, Audi, Roger Gloor, Bruno Hübscher, Werk, Thorsten Müller, Giuseppe Santoni Kunsthaus Wien, Umasan, Chanel, Wohnbedarf, Simmen Group, MARCEL BREUER, Engel Völkers, Die Siphon Manufaktur, Glenmorangie, Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, Thoams Bühner / Restaurant La Vie, | Corrector Gloria Hoppe | Main Office & Production Prestige Media International AG / St. Jakob-Strasse 110, CH-4132 Muttenz , Telefon +41 (0)61 335 60 80, Telefax +41 (0)61 335 60 88, info@prestigemedia.ch, ­www.prestigemedia.ch | Editorial Office Pfingstweidstrasse 31a, CH-8008 Zürich, Telefon +41 (0)44 210 09 20 | Support Dejan Djokic | Internet prestigemag.ch | E-Mail info@prestigemedia.ch Coordination Laura Giarratana | Administration & Abo Service Serpil Dursun / s.dursun@prestigemedia.ch | Price  /  Issue CHF 10.– | Price  /  Year CHF 39.– | Frequency vierteljährlich | WEMF 2013 – 30’691 Exemplare | Wieder­gabe von Artikeln und Bildern, auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von Redaktion und Verlag jede Haftung abgelehnt. PRESTIGE prestigemagazin.com is a registered trademark. (IGE 596’147)

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