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VOLUME 33 l WINTER 2014/15

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SWITZERLAND


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INHALT TITELGESCHICHTE LA SERENISSIMA Venedig

38 26

TRAVEL 36

WUSSTEN SIE SCHON…? Saunagondel, Hotelschuh & die Wüste Nevadas

38 AMAZONAS Peru 44 DIE RIESENBÄUME KALIFORNIENS Sequoia National Park 48

GESCHICHTEN AUS DEM MÄRCHENSCHLOSS Château Gütsch

52

URLAUB AUF RIESENSEEROSENBLÄTTERN Die Zukunft der Kreuzfahrtindustrie

54

TRAVEL BOOKS Von Tibet bis Alaska

56

DIE BRITISCHE METROPOLE East London calling

62

ROALD AMUNDSEN Sieger im Wettlauf zum Südpol

64

64 150 JAHRE WINTERTOURISMUS Von Pionieren und Innovationen 68 INSIDEREI Salzburg und Umgebung

CULTURE 78

JULIETTE BINOCHE Die schöne Wandelbare

84 KUNST & ESSEN Brot, Absinth & Tomatensuppe 88 MUSEUMSPERLEN Schweizer Orte der Kunst 91

NIKI DE SAINT PHALLE Kunst als Lebensprinzip

92

IM DICKICHT DER GROSSSTADT Rudy Burckhardt

94

ZU BESUCH BEI ONKEL TAA k. u. k. Museum in Bad Egart

96

EIN BUCH DER SUPERLATIVE Birds of America

101 SHINES LIKE A DIAMOND Scarlett Johansson

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JACQUES COUSTEAU Der Anwalt der Meere

72

EINZIGARTIGE UNTERKÜNFTE Vom Gefängnis in den Leuchtturm

74

SONNE, STRAND UND KALKSTEINFELSEN Thailands Süden

96

98 CRIMINALS Der Kaufhauserpresser

102 WINTER’S DIARY Icehotel, Schlittschuhbahn, Weihnachtsmarkt

70

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INHALT WATCHES & JEWELLERY 104 UHREN IM WANDEL Tradition trifft auf Innovation 122 124

NACHWUCHS DER JUWELENBRANCHE Eddie Borgo DER TEUERSTE SCHATZ DER WELT Die britischen Kronjuwelen

126 WUSSTEN SIE SCHON…? Gold & wertvolle Münzen

132

128 NACHTUHREN Die Gebrüder Campani 132 DER ZAUBER EINES GEKRÖNTEN HAUPTES Das Diadem 136 ERÖFFNUNG IN ST. MORITZ «Serlas Unique Jewellery»

168

DRIVE STYLE

138

138 DER LETZTE SILBERPFEIL Der Rennwagen Typ 650 144 PIRELLI KALENDER 2015 Stefan Meisel 150 AUTO MEETS MODE Haute Voiture 152 FORMEL-1-TYCOON Bernie Ecclestone 154 DER HEIMLICHE FILMSTAR Autos in der Filmgeschichte 157 WUSSTEN SIE SCHON…? Velo-Hotel & Umweltauto 158 PALÄSTE DER MEERE Die grössten Motorjachten der Welt 162 GESPROCHENES AUTOMOBIL Aphorismen und Zitate 164 ERSTER SUV OHNE KOMPROMISSE Volvo XC90 168 ITALIENISCHES AUTODESIGN MIT TRADITION Pininfarina S.p.A. 172 GOODWOOD REVIVAL Downton Abbey trifft Motorsport

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172

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INHALT

200

FASHION 182 PAUL POIRET Le Magnifique 190 DIE IKONEN DER VERGANGENHEIT Supermodels

236

193 LINDA EVANGELISTA Das Model der Rekorde

BEAUTY

194 WUSSTEN SIE SCHON…? Topverdiener & Dessous-Verbot 198 DIE BARBIE Mädchentraum & Fashion-Ikone

226 ÜBER DEN GLOBUS SPA(-ZIERT) Exotische Wellness-Highlights

200 DIE KRAWATTE Und ewig schmückt der Knoten …

232 FRÉDÉRIC MALLE Kurator der Düfte

204 DIE ENTHÜLLUNG Prestige presents Federico Cabrera

236 BART … ABER HERZLICH Don’t shave it!

217 WILLY BOGNER Welterfolge in jeder Disziplin

240 SIX SENSES Von Alpaka bis zum Duft der Riviera

218 FASHION-KLASSIKER Der Smoking

242 BEAUTY FOOD Schönheit geht durch den Magen

220 NEUES AUS DER MODEWELT Von Kuschellook bis Masshemd

245 UDO WALZ Der Friseur der Stars

222 FASZINATION SCHUHE Funktion & Tick

246 NEUES AUS DER BEAUTYWELT Faltenfrei & französisch

189

242

LIVING

248 20 | PRESTIGE

248 JAIME HAYÓN Jaime im Wunderland

266 WEGWEISEND Das Aktivhaus B10

256 MEHR FARBE IM LEBEN Samsung Galaxy Tab S

268 REVOLUTIONÄRER KLANG Avantgarde Acoustic

258 GERRIT THOMAS RIETVELD Mehr als ein Designer

270 DESIGN-KLASSIKER Freischwinger MR10

260 NEUES AUS DER DESIGNWELT Von Karim Rashid bis zur Birdie

274 QUALITÄTSLABEL «SWISS MADE» Schweizer Design erobert die Welt

262 PHILIP JOHNSON Querdenker und Stararchitekt

277 NEUES AUS DER DESIGNWELT II String, Elica & Spun

265 ANTONI GAUDÍ Das Wunderkind des Modernismo


294

INHALT CULINARIUM

278 MONSIEUR TANG LÄCHELT Ein kulinarischer Spaziergang durch Paris 283 FLORIANE EZNACK Chef de Cave 284 FINE DINING IM BIG APPLE Trüffel 286 PURER GENUSS Der beste Bartender der Schweiz

278

FINANCE

288 NEUES AUS DER GOURMETWELT Whiskey & Zigarren 290 DER TRADIDIONSREICHE WHISKEY Jack Daniel’s

298 SWISS ASSET MANAGEMENT Spezialisierung ist der Trend

291 WUSSTEN SIE SCHON…? Elefanten-Kaffee & Cocktail de luxe

308 RUHIGE ZEITEN SIND VORBEI Die Perfomance von Schweizer Privatbanken

292 NEUES AUS DER GOURMETWELT II Lass die Korken knallen!

312 FALSCHE STRATEGIEN Die folgenschwersten Anlegerfehler – Teil 2

294 EIN KURZES GESPRÄCH ÜBER WEIN James Suckling

316 WERTEWANDEL BERÜCKSICHTIGEN Individualisten führen und motivieren

297 HORST LICHTER Kann Butter Sünde sein?

284

KOLUMNEN 86 188 304 305 306 314

WILHELM J. GRUSDAT – Mittag ist dann, wenn die Sonne am höchsten steht. TAMARA WERNLI – Verschont uns mit Reizwäsche! ARIANE DEHN – Gute Aussichten für internationale Immobilienaktien RETO RINGGER – Wie sieht der Fussabdruck meines Vermögens aus? EVI GIANNAKOPOULOS – Wann kommt das grosse Umdenken? WALTER BOLLIER – Auf der Suche nach Rendite

NEWS 97 EIN HAUCH VON VINTAGE 131 SCHMÜCKENDE MUST-HAVES 143 GENTLEMAN LIKE 167 TICKENDE PREZIOSEN 189 GOLDSCHATZ 195 «DIAMONDS ARE A GIRL’S BEST FRIEND»

22 | PRESTIGE

196 203 216 221

KIDS WORLD BORN TO BE WILD WAS MANN BEGHERT DIESER WINTER STEHT IN FLAMMEN

231 GOLD IS THE NEW BLACK 233 MEN’S CARE 234 SCHÖN DURCH DEN WINTER 254 FESTLICHE TISCHDEKORATION 272 HOME IS WHERE YOUR HEART IS 320 VORSCHAU & IMPRESSUM


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GESCHÄTZTE LESERINNEN LESER

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ir begrüssen Sie zur Lektüre unserer Winterausgabe. Spazieren Sie mit uns durch die Welt der Fashion­ brands, dröhnender Motoren, kulinarischer Köstlichkeiten und alter Raritäten. Tauchen Sie ein in die winterliche Melancholie der Lagunenstadt Venedig und begeben Sie sich mit uns auf die Spuren des venezianischen Karnevals und der Tradition der Masken. Eine weitere Reise führte uns nach Paris, der Topdestination für  Feinschmecker. Die französische Metropole lockt nicht nur mit zahllosen Märkten und einigen der schönsten Delikatessen­ geschäften der Welt, sondern auch mehr als 10’000 Cafés, Brasseries und Bistros. Ganz zu schweigen von den legendären Gourmettempeln der Stadt. So glänzen in der Seine-Metropole aktuell gleich über neun Restaurants drei Michelin-Sterne. Wir haben aus dieser Flut vier ganz besondere Tipps für Sie herausgepickt. In letzter Zeit wurde viel über die Befreiung vom Krawattenzwang diskutiert. Wo, wie und wer ist heute noch verpflichtet, Krawatte zu tragen? Anlass genug für uns, sich genauer mit der Geschichte dieses Herren-Accessoires auseinanderzusetzen, zumal es eng mit der Schweizer Textilgeschichte verbunden ist. «Etwas, worüber nicht gesprochen wird», konstatierte schon Oscar Wilde, «das ist in unserer Zeit gar nicht geschehen.» In diesem Sinne bemüht sich die Industrie beständig um Inno­ vationen, welche für Gesprächsstoff sorgen und potenzielle Kunden zum Besitzen wollen animieren. Wie sehr diese Aussage auch die ehrwürdige Uhrenindustrie bestimmt, zeigt unser Autor Ihnen anhand der neusten Zeitmesser.

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Yvonne Beck Chefredaktorin

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Venedig, die Königin der Adria, ist eine einzigartige Stadt mit einer einzigartigen Geschichte. Gondeln statt Autos, Kanäle statt Strassen, prachtvolle historische Bauten und Kunstschätze. Über alldem liegt eine romantische Patina mit einem Hauch Melancholie. Yvonne Beck


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Die versinkende Stadt Überflutete Plätze und Gassen sind in Venedig nichts Aussergewöhnliches. Schuld daran ist zum einen der Anstieg des Meeresspiegels. Zum anderen jedoch das Fundament der Inseln. Der Boden, auf dem Venedig erbaut wurde, gibt unter dem gewaltigen Gewicht der Bauwerke nach. So besteht die grosse Gefahr, dass Venedig langsam, aber sicher ver­ sinken wird. Einige Millimeter im Jahr sinkt der Boden unter der Stadt in die Lagune – in den vergangenen 100 Jahren insgesamt um 23 Zentimeter. Fieberhaft arbeitet man an Rettungsmassnahmen. Bisher ohne Erfolg. Zwar sinken bebaute Bereiche nur noch um ein bis zwei Milli­ meter pro Jahr ab, doch bisher schaffte man es nicht, den Vorgang ganz zu stoppen. Das sinkende Venedig und das steigende Meer vertragen sich nicht gut – eine gefährliche Konstellation, bei der nur zu hoffen bleibt, dass die Wellen der Adria nicht am Ende Oberwasser be­ kommen und Venedig zu einem zweiten Atlantis wird. Der Lido di Venezia ist eine von drei lang­ gezogenen Sandbänken, ohne deren Schutz Venedig längst in den Fluten der Adria versunken wäre. Der Lido ist zwölf Kilometer lang und verfügt über ausgedehnte Strände. Ein erholsamer Kontrast zum besonders in den Sommer­ monaten recht überfüllten Venedig.

Facts & Zahlen

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Der historische Stadtkern von Venedig wurde auf 150 nahe beieinanderliegenden Inseln gebaut. Das Stadtgebiet umfasst ungefähr acht Quadratkilo­meter. Es gibt rund 150 Kanäle, circa 3000 Strassen und Gässchen sowie über 400 Brücken. Durch eine drei Kilometer lange Brücke ist die Altstadt Venedigs mit dem Festland ver­b unden. Auf den 222 Bögen der Brücke verlaufen eine vierspurige Auto­ bahn sowie eine vierspurige Eisenbahn­ linie. Von den etwa 270’000 Einwohnern leben rund 200’000 auf dem Festland.


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enedig ist wie ein riesiges Gemälde, in dem man spazieren gehen kann. Beim Anblick der Palazzi, Kirchen und Häuser verschlägt es einem schnell die Sprache. Die Zeugen seiner fabelhaften Vergangenheit – Strassen, Gassen, Brücken, Plätze und Höfe – werden nie aufhören, Menschen aus aller Welt zu bezaubern. Ein ganz besonderes Flair verströmt die Lagunenstadt jedoch nicht in den beliebten Sommermonaten, sondern in der eher tristen Winterzeit.

Die melancholische Stadt und der Karneval Wenn der Nebel die Kanäle entlangzieht und nur das regelmässige Schlagen der Wellen gegen die Pfähle und die verankerten Boote zu hören ist, die Touristenströme versiegt sind und nur das Kreischen vereinzelter Möwen die Luft durchschneidet, wird Venedig zum Inbegriff der Melancholie. Grau und kalt sind die Tage im Winter, aber genau das ist es, was den ganz besonderen Charme ausmacht. Nebel, Stille und «Aqua Alta» zeigen ein Venedig, das noch nicht viele für sich entdeckt haben. Und genau zu dieser Zeit bricht alljährlich in den Gassen der Stadt der Karneval aus. Karneval wird zwar in vielen Ländern und Städten weltweit gefeiert, der Karneval Venedigs ist jedoch einzigartig aufgrund des ganz besonderen Charakters der Lagunenstadt. In Venedig gibt es keine lärmenden, bunten Umzüge. Niemand wirft Kamelle oder spielt laute Guggenmusik. Der venezianische Karneval ist ein ruhiges, mystisches, fast vornehmes Fest wie aus einer anderen Welt. Die meisten Venezianer schneidern und basteln ihre an historischen Vorbildern orientierten Kostüme auch heute noch selbst. Diese besonderen Kostüme, die traditionellen Masken und die einzigartige Kulisse der historischen Palazzi verwandeln Venedig in eine irreale Märchenwelt. Arlecchino, Pulcinella, Patalone und andere Gestalten der klassischen Commedia dell’Arte tanzen auf der Piazza neben prachtvoll gewandeten Herrschaften des Rokoko.

f­eiern. Erst 1980 erweckten Künstler und Theaterschauspieler den vergessenen Karneval aus seinem zweihundert Jahre dauernden Schlaf. Masken haben in Venedig seit der Wiederent­ deckung des Karnevals in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts Hochkonjunktur. Nur wenige Händler konzentrieren sich dabei auf histo­ rische Vorbilder, die eher schlicht ausfielen. Die weissen oder schwarzen Larven, die auch die Schauspieler der Commedia dell’Arte trugen, sind eher un­spektakuläre Gebilde, die nur Augen und Nase verdecken und das Gesicht kantig prononcieren. Historisch verbürgt sind zudem die weissen Schnabelmasken, die der Pestarzt bei seinen Krankenbesuchen trug. In den Schnabel füllte er desinfizierende Kräuter, von denen man annahm, sie könnten den Schwarzen Tod abhalten. Heute fallen viele der Masken bedeutend schriller aus als zu Zeiten der historischen Maskeraden. Sie sind jedoch ein beliebtes Mitbringsel für Zuhause.

Sein Ursprung liegt, wie bei allen Karnevalsfesten Italiens, in den römischen Saturnalien – grossen Maskenfesten, die zur Jahreswende gefeiert wurden. Der offizielle Beginn war der Stephanstag, der 26. Dezember, den Schluss markierte wie überall der Aschermittwoch. Im 14. Jahrhundert war es jedoch verboten, sich zu maskieren, da die Herrschenden fürchteten, dass sich hinter der Anonymität der Vermummung ein Verrat besser inszenieren liesse. Das Verbot, das in der Folgezeit häufig wiederholt wurde, stiess jedoch in breiten Kreisen auf taube Ohren. In der Zeit der österreichischen Okkupation im 19. Jahrhundert geriet das venezianische Fest in Vergessenheit – zu dieser Zeit gab es für die Venezianer auch wenig zu

«Es ist von Grund aus abzuschaffen der Missbrauch der Masken, welcher sich in dieser unserer Stadt zum skandalösen Beispiel aller eingenistet hat und allzu häufig üble Folgen nach sich zieht. Es wird daher beschlossen, dass öffentlich anzukündigen ist, dass künftighin niemand (…) es wagen soll, sich in der Stadt mit Maske zu zeigen, mit Ausnahme jener Tage des Karnevals.»

– Rat der Zehn, Venedig, 13. August 1608 – The Luxury Way of Life | 29


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Murano – die gläsernen Inseln

Wie wird das farbige Glas in Murano gefertigt? Farbiges Glas wird durch Zugabe ausgewählter chemischer Verbindungen zur Kieselsäure vor oder während des Schmelzens erreicht. Dies erfordert unglaubliche Genauigkeit, wenn es zum Proportionieren und zum Timing kommt. Viele dieser besonderen Farbtöne sind noch immer ein Geheimnis, das gut von einigen Betrieben gehütet und nicht mit anderen geteilt wird, nicht einmal mit Murano! Marineblau wird kreiert, indem man Kupfer und Kobalt zusammenfügt, während Rubinrot nach Gold verlangt. Das ist der Grund, warum rubinrote und rote Kronleuchter immer ein wenig teurer sind als dieselben Modelle in einer anderen Farbe. Grosse, bunte Kron­ leuchter, besonders die im Rezzonico-Stil, erfor­ dern eine grosse Anzahl an Farben, die jeweils separat gemischt und geschmolzen werden. Da jeder Ofen nur mit einer Farbe auf einmal arbeiten kann, können in einer grossen vetreria (Glas­ fabrik) viele Öfen zur gleichen Zeit für einen Kron­ leuchter arbeiten. In einer kleinen, mit nur einem Ofen, braucht man also sehr viel Zeit, um einen Kronleuchter herzustellen.

Die kleine Inselgruppe nordöstlich der Altstadt Venedigs gilt weltweit als ­Synonym für erlesene Glaskunst. Schon im 13. Jahrhundert hatten die Venezianer ihre Glasindustrie wegen der von den Schmelzöfen ausgehenden ­Feuergefahr von der Altstadt nach Murano verlegt. Zudem glaubte man, das Know-how der Glasbläser so besser vor der Konkurrenz geheim halten zu können. Dank der Glasindustrie genoss Murano bald einen grossen Reichtum. Zu seiner Blüte zählte der kleine Archipel 30’000 Einwohner und war von dem mächtigen Nachbarn San Marco politisch fast unabhängig. Muranoglas war also eine sehr begehrte Ware und ein grosser kommerzieller Erfolg, ­sodass die Glasbläser die berühmtesten Einwohner der Stadt wurden. Sie durften Schwerter tragen und waren sogar immun gegen die Strafverfolgung von Venedig. Ihre Töchter durften in die blaublütigen venezianischen Familien einheiraten. Dafür zahlten sie aber einen hohen Preis. Die Stadt wollte das Geheimnis dieses extrem profitablen Handels für sich behalten und verbot den Meisterglasbläsern unter Androhung der Todesstrafe, die kleine Stadt jemals zu verlassen. Es gibt Gerüchte, dass Attentäter vom Staat angestellt wurden, um die zu verfolgen, die es wagten zu entkommen. Murano hatte für viele Jahrhunderte das Monopol auf Qualitätsglas, entwickelte und verfeinerte viele Technologien, das Glas herzustellen. Einige architektonische Glanzstücke dieser Zeit – allen voran die Kirche Santa Maria e Donato mit ihrer frühromanischen Ziegel­ fassade und den herrlichen venetobyzantinischen Mosaiken zeugen noch vom einstigen Glanz. In der Renaissance entwickelten sich die kunstvollen Glasprodukte des farb­ losen venezianischen Cristallo zur Haupteinnahmequelle der Bevölkerung. Erhalten sind nur noch wenige Stücke, die Vielzahl der Formen und Dekore erschliesst sich vor allem aus den Darstellungen auf Stillleben. Trotz aller Versuche der Republik Venedig, die Technik der Glasherstellung und Glasveredelung geheim zu halten, gelang es Ende des 16. sowie im 17. Jahrhundert einigen Glasbläsern, in die Länder nördlich der Alpen zu emigrieren und dort Glashütten zu gründen. Entscheidend waren vor allem die Abwerbeversuche von Ludwig XIV., der sich so seinen Traum vom Spiegelsaal erfüllen konnte. Als Glas à la façon de Venise lebte der venezianische Stil in Deutschland, in den Niederlanden und in Flandern weiter. Die venezianische Vormachtstellung in der Glasherstellung wurde jedoch erst im 18. Jahrhundert durch den Erfolg barocken Schnittglases gebrochen; diese vornehmlich in Böhmen und Schlesien beheimatete Technik beherrschten die Venezianer nicht. Viele Produzenten kämpfen heute gegen die gewaltige Billigkonkurrenz aus Übersee. Doch sie halten eisern an den ehrwürdigen Traditionen ihres Metiers fest. Einige Jahre wurde es recht ruhig um die Objekte der Glasbläser, doch zurzeit ist ein echtes Revival zu verzeichnen. Neue wie alte Stücke sind gefragt wie seit Langem nicht mehr. Besonders Glasarbeiten der 1930er- bis 1990er-Jahre aus den Glasfabriken von Venini, Seguso Vetri d’Arte, Cenedese, Salviati und Barovier & Toso sowie Unikate von Alfredo Barbini und Lino Tagliapietra gehören zu den Highlights. Zu den kostbarsten Sammlerstücken zählen etwa die Primavera-Gläser von 1929/30. Die Kunstfertigkeit der Glasmeister und das technologische Wissen der alteingesessenen Betriebe sind also noch heute der Schatz Muranos. Interessierte sollten das Glasmuseum, das man 1861 im Palazzo Giustinian, der einstigen Residenz der Bischöfe von Torcello, eingerichtet hat, besuchen. Es präsentiert wertvolle archäolo­

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gische Stücke, in erster Linie aber natürlich gläserne Kunstwerke der Neuzeit wie grandiose Lüster, Vasen, Pokale, Trinkgläser und vieles mehr. In Fabrik­ ateliers kann man Glasbläsern über die Schulter schauen und darüber staunen, wie aus einem Klumpen Glas ein zierliches und zerbrechliches Objekt höchster Anmut gezaubert wird. Wer sich für den Kauf von Muranoglas interessiert, sollte auf das Zertifikat Vetro Artistico di Murano, das nur von registrierten Handwerkern aus Murano verliehen werden kann, achten. Es hat die Form eines kleinen Aufklebers, der auf dem Produkt aufgeklebt ist und nicht entfernt (daher auch nicht übertragen) werden kann, ohne zu zerreissen. Er ist ein eindeutiger Beweis für die Herkunft des erworbenen Stückes.

Marmoriertes Papier und Spitzen Ein weiterer sehr alter Zweig der venezianischen Handwerkskunst ist die Papierherstellung. Noch heute gibt es eine Reihe von kleinen Manufakturen, in denen Papier geschöpft und mit einer speziellen Technik, die man von den Türken übernahm, marmoriert wird. In der ganzen Stadt kann man Buchbindern über die Schulter schauen, wie sie mit dem Papier alle möglichen Produkte überziehen. Einen weiteren grossen Exportschlager bildet die venezianische Spitze. In der Vergangenheit wurde sie vor allem von Fischersfrauen aus Burano gefertigt, während ihre Männer auf See waren. Beim Kauf dieser Spitzen ist inzwischen jedoch Vorsicht geboten, die meisten Läden bieten Billigimporte aus Fernost an. Venezianische Spitzen sind sehr aufwendig in der Herstellung. Sie werden nicht wie anderenorts geklöppelt, sondern mit Nadel und Faden gestickt. Originale sind heute daher kaum erschwinglich, doch mit etwas Glück kann man sie noch für viel Geld erstehen. Trotzdem ist Burano immer einen Ausflug wert, denn auf der kleinen Insel kann man noch die unverfälschte Idylle einer alten Fischersiedlung erleben, deren Häuser in leuchtenden Farben gestrichen sind.

Das berühmteste Kaffeehaus an der Piazza

Alle waren sie hier. Dichter, Bonvivants und Snobs. Wer Venedig besuchte, schaute im «Florian» vorbei und schrieb unter den Arka­ den Briefe, Tagebuch oder las wie Proust die letzten Druckfahnen seines Werkes. Balzac charakterisierte das Café als «eine Börse, ein Theaterfoyer, ein Lesesaal, ein Club, ein Beichtstuhl». Nirgendwo sonst kann man besser nichts tun als an einem Tisch unter den Arkaden, genüsslich einen Kaffee trinken und der Atmosphäre der Piazza verfallen.

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«Alles was mich umgibt, ist würdig, ein grosses respektables Werk versammelter Menschenkraft, ein herrliches Monument, nicht eines Gebieters, sondern eines Volks. Und wenn auch ihre Lagunen sich nach und nach ausfüllen, böse Dünste über dem Sumpfe schweben, ihr Handel geschwächt, ihre Macht gesunken ist, so wird die ganze Anlage der Republik und ihr Wesen nicht einen Augenblick dem Beobachter weniger ehrwürdig sein.» – Goethe, 1786 –

«Wie ein Stück Zucker im Tee, so schnell schmilzt Venedig dahin.» «Hundert tiefe Einsamkeiten bilden zusammen die Stadt Venedig – dies ihr Zauber. Ein Bild für die Menschen der Zukunft.» – Friedrich Nietzsche –

– John Ruskin –


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Venedigs ältestes Verkehrsmittel Die venezianische Gondel ist 10,15 Meter lang und 1,40 Meter breit, wobei die rechte Hälfte um 24 Zentimeter schmäler ist als die linke. Dank dieser Asymmetrie lässt sich das Gefährt auf den engen Kanälen leichter bewegen. Traditionell wird eine Gondel aus acht verschiedenen Hölzern gebaut: Tanne, Eiche, Fichte, Nussbaum, Linde, Lärche, Kirschbaum und Ulme. Die Spitze des Gefährts ziert ein 20 Kilo schweres Eisen, welches, wie bei Kimme und Korn eines Gewehrs, das Anpeilen eines Zieles erleichtert. Die einheitlich schwarze Farbe geht auf ein Luxusgesetz aus dem 16. Jahrhundert zurück. Gegenüber Motorbooten hat die Gondel immer Vorfahrt. Der Gondoliere bleibt seinem Beruf ein Leben lang treu. Er braucht eine starke Muskulatur – mindestens 700 Kilogramm bewegt er über das Wasser – und eine kräftige Stimme. Vor jeder unübersichtlichen Kurve stösst er ein Rufsignal zur Warnung aus. In der Blütezeit Venedigs zählte man fast 10’000 Gondeln in Venedig, heute sind es kaum noch 400. Wann die erste Gondel durch Venedig gerudert wurde, ist nicht genau bekannt. Bei der Wahl des ersten Dogen 697 wurde sie erstmals erwähnt, dann erst wieder in einer Urkunde des Jahres 1094.


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Venedig meets Austria & kuriose Speisen Von 1814 bis 1866 gehörte Venedig zu Österreich. Aus dieser Zeit sind einige Aus­ triazismen wie Strudel, Krapfen, Sprizz und Schei für Geld – eine Abkürzung von schellini – Schillinge geblieben. Dass Venedig im 19. Jahrhundert sehr arm war, zeigen mancherorts noch kuriose Speisekarten. In der Bacari-Weinstubn gibt es beispielsweise immer noch Armeleutegerichte wie Rumegal (Speiseröhre), Spienza (Milz) und Nerveti (Knorpel mit Zwiebeln).

Das Dreigestirn der venezianischen Kunst Tizian, Tintoretto und Veronese – ihre Namen machten die venezianische Kunst im 16. Jahrhundert weit über die Grenzen der Serenissima bekannt. Ihr Schaffen fiel in das Goldene Zeitalter der venezianischen Malerei, als ­Venedig seine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erlebte.

Der Maler der Fürsten Tizian gilt als der führende Vertreter der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts und einer der Hauptmeister der italienischen Hochrenaissance. Von seinen Zeitgenossen als «Die Sonne unter den Sternen» bezeichnet, war Tizian einer der vielseitigsten und mit insgesamt 646 Werken auch produktivsten italienischen Maler seiner Zeit. Er malte sowohl Portraits, Landschaften wie auch religiöse Themen. Kaiser Karl V. bestellte vom Krönungsjahr 1530 an nur noch bei Tizian Herrschaftsbildnisse. So buhlten Staat, Kirche und der Adel um die Gunst des Malerfürsten. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die «Venus von Urbino» und die «Madonna der Familie Pesaro». Er war der unerreichte Meister der Nuancierung in der Farbgebung und in der Darstellung des Lichts. Wegen der Strahlkraft seiner Bilder erhielt er Portraitaufträge von den Grossen der Welt. Und als Tizian im hohen Alter 1576 an der Pest starb, war er der wohl erfolgreichste Maler der venezianischen Geschichte.

Der grosse Färber Jacopo Tintoretto, der eigentlich Robusti hiess, wurde 1518 in Venedig als Sohn eines Seidenfärbers geboren, was ihm – zusammen mit seiner Kleinwüchsigkeit – unter seinen Zeitgenossen den Namen «kleiner Färber» (Tintoretto) einbrachte. Der junge Künstler soll bei Tizian in die Lehre gegangen sein, allerdings nur zehn Tage, da der Meister fürchtete, einen Rivalen zu fördern. Tintoretto orientierte sich vermehrt an Michelangelo und dem Freskostil Pordenones. Seine Farbkompositionen übernahm er hingegen von Tizian. Sein Maltempo versetzte Zeitgenossen immer wieder in grosses Staunen. Er brachte die Farben ohne Vorzeichen direkt auf die Leinwand. Zahlreiche Gemälde hat er für den Dogenpalast geschaffen. Sein kolossales «Paradies» ist mit 22 mal 7 Metern das grösste Tafelbild der Welt. Die Spuren seiner Tätigkeit findet man überall in Venedig.

Farbgebung mit grosser Tiefe Neben Tizian und Tintoretto ist Paolo Veronese der Dritte im Bunde der venezianischen Cinquecento-Malerei. Seine Altarblätter, Freskenzyklen und Portraits brachten ihm schnell Erfolg und Ruhm. ­Maler wie Cézanne und Delacroix sehen ihn als grosses Vorbild an und lassen sich zu Lobeshymnen wie «Er malt, wie wir sehen. Ohne

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Anstrengung. Tanzend. Er sprach in Farben … Das ist Malerei.» hinreissen. Veronese ist ein Vir­tu­ ose der illusionistischen Leichtigkeit. Den grössten Teil seines Lebens verbrachte er in Venedig. Dort schuf er viele Kunstwerke im Sinne der katho­ lischen Gegenreformation, darunter 1555 –56 die «Krönung der Esther», die für die rechtgläubige katholische Kirche steht, die Gläubige rettet und die ketzerischen Feinde vernichtet. Einzig mit ­einem seiner berühmtesten Werke, «Das Gastmahl im Hause Levi», welches ursprünglich den Titel «Das letzte Abendmahl» trug, kam Veronese mit der Kirche in Konflikt. Die zu freie Auffassung des Themas rief die Inquisition auf den Plan. Da Veronese jedoch keine künstlerischen Eingeständnisse eingehen wollte, benannte er das Werk kurzerhand um.

«Beim ersten Anblick Venedigs ist man bezaubert, und ich wüsste keine Stadt, wo es sich am ersten Tag besser sein liesse, als hier, sei es wegen der Neuheit des Schauspiels oder wegen der Vergnügen … Meine Augen sind sehr befriedigt von Venedig, mein Herz und mein Verstand sind es nicht. Ich kann eine Stadt nicht lieben, wo nichts verpflichtet, sich liebenswürdig und anständig zu geben.» – Montesqieu, 1728 –


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Venedig im Film Den Film «Tod in Venedig» drehte Luchino Visconti 1971 nach einer Novelle von Thomas Mann. Der Film und das Buch ranken sich um Gustav von Aschen­ bach, einen berühmten, etwa 50-jährigen Schriftsteller, der in der schwül-fiebrigen Atmosphäre der Lagunenstadt einen Zustand zunehmend aufgelöster innerer Ordnung und Disziplin erlebt und hier in Folge einer Choleraerkrankung sein Ende findet. Dank seiner historischen Kulisse und ganz eigenen geheimnisvollen Atmosphäre dient Venedig vielen Regisseuren als Kulisse. Weitere sehenswerte Filme, in denen Venedig eine nicht unerhebliche Rolle spielt, sind: «Wenn die Gondeln Trauer tragen», «Casanova», «Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin», Dan Browns «Inferno« und Donna-Leon-Verfilmungen.

Mit Brunetti durch die Lagunenstadt Ein Reiseführer der besonderen Art: Toni Sepeda hat zusammen­ getragen, wo Donna Leons Held Commissario Brunetti in Venedig Spuren hinterlassen hat. Auf zwölf Routen, die anhand der ersten sechzehn Donna-Leon-Romane alle sechs Stadt­ teile Venedigs, die sogenannten sestieri, vorstellen, führt «Mit Brunetti durch Venedig» zu Kirchen, calli, campi und caffès, berichtet vom venezianischen Wetter ebenso wie von regionalen Weinen. Im Gegensatz zu den meisten Venedig-Büchern ist dieses nicht streng geografisch nach den sestieri ausgerichtet, sondern folgt, als literarischer Reiseführer, Brunettis Spuren und verweilt an den Orten, die für ihn und seine Ermittlungen eine besondere Rolle spielen. So steht auf einem Spazier­ gang Brunettis Zuhause im Mittelpunkt, bei einem anderen die Questura. Die Stadttouren dauern zwischen ein und zwei Stunden und sind so aufeinander abgestimmt, dass man sie nach Belieben einzeln oder in Folge ablaufen kann.

«Mit Brunetti durch Venedig» Toni Sepeda Diogenes Verlag

Venedigs Meisterkomponist Die Stücke des 1678 geborenen Venezianers Antonio Vivaldi gehören zu den bekanntesten Werken der klassischen Musik. Lange Zeit war er als Dirigent, Violinist und Hauskomponist für ein venezianisches Mädchenwaisenhaus tätig, das «Conservatorio dell’Ospedale della Pietà». Neben­ bei komponierte Vivaldi Konzerte oder Opern und reiste in verschiedene Städte. Nach Vivaldis Tod im Jahre 1741 gerieten seine Arbeiten in Vergessenheit. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entdeckte man seine grandiosen Werke aufs Neue. Das Gesamtwerk Vivaldis, das zufälliger­ weise durch einen Handschriftenfund im Jahre 1926 entdeckt wurde, umfasst über 500 Komposi­ tionen. Die bekannteste davon ist das Violinen­ konzert «Vier Jahreszeiten».

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WUSSTEN SIE SCHON …?

Sauna-Gondel Im Skisportzentrum «Iso-Ylläs» in Ylläsjärvi im Westen Lapplands (bei Kittilä) fährt der erste Sauna-Gondel-Lift der Welt! Die SaunaGondel bewegt sich wie alle anderen normalen Gondeln auf den Gipfel des Ylläs-Fjälls (718 Meter über dem Meeres­s piegel). Eine Runde dauert circa 15 Minuten. Vier Personen können pro Runde das exotische Saunieren in der Gondel geniessen. Die SaunaGondel mit ihrer Holzverkleidung ist zwischen den normalen rot-schwarzen Gondeln ein echter Hingucker. Reingucken kann man jedoch nicht. Das verhindern die abgedunkelten Scheiben der Sauna-Gondel. Die schwebende Sauna kann ganzjährig gemietet werden. Zum Beispiel für zwölf Personen für zwei Stunden. Dann kann jeder auf zwei Saunagängen bei 80 bis 100 Grad ordentlich schwitzen.

Übernachten im Schuh

Wer den Garten des neuseeländischen Ehepaars Judy und Steve Richards zum ersten Mal betritt, könnte vermuten, dass dort gerade ein Fantasyfilm gedreht wird. Zwischen Büschen und Bäumen ragt das Schuhwerk eines Riesen in den Himmel, ein gigantischer Stiefel, so hoch wie ein zweistöckiges Haus. Darin eine kleine, aber höchst individuelle Ferienwohnung. Im Erdgeschoss, gleich über der Schuhsohle, befinden sich Wohnzimmer, die Küche und das Bad. Allesamt mit runden Wänden. Das Schlafzimmer ist im Schaft, also im oberen Stockwerk untergebracht. Von dort gelangt man auf den kleinen Balkon auf der Schuhzunge. «The Boot» liegt eingebettet in einem Hain von Haselnussbäumen und befindet sich an der Nord­küste «Ruby» der neuseeländischen Südinsel circa 30 Minuten vom Nationalpark «Abel Tasman» und der Stadt Nelson entfernt.

Burner in der Wüste Nevadas Die Bühne des «Burning-Man-Festivals» ist ein ausgetrockneter Salzsee. Circa 70’000 Künstler, Hippies, Technofans, Pyrotechniker und Freaks aus aller Welt zieht es jährlich in die Wüste Nevadas. Angefangen hat alles vor 28 Jahren an einem kleinen Lagerfeuer am Strand von San Francisco. Aus Liebeskummer verbrannte Larry Harvey mit ein paar Freunden zur Sommersonnenwende eine Holzfigur. Vier Jahre später zog das Happening bereits in die Wüste von Nevada um. Das Festival dauert seither acht Tage und endet traditionell am ersten Montag im September. Seinen Höhepunkt findet es im Verbrennen einer überdimensionalen menschlichen Statue – des «Burning Man» – am sechsten Festivaltag. Burning Man ist nicht nur eine grosse Kunstausstellung, sondern auch ein Ort intensiver Selbstdarstellung und eine einzige riesige Party in einer fast surrealen Umgebung.

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FLUSSDELFINE PIRANHAS 38 | PRESTIGE


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Inka-Ruinen, Machu Picchu, Panflöten, Titicacasee und Alpakas – so das gängige Peru-Klischee. Doch Peru kann auch anders. Flussabenteuer auf dem Amazonas und Streifzüge durch den Regenwald eröffnen eine ganz andere Seite des südamerikanischen Landes. Yvonne Beck­

quitos ist die grösste Stadt im peruanischen Regenwald und Pforte zum Amazonas, dem längsten Fluss der Erde. Der in den Tropen­ wäldern eingebettete mächtige Strom kann nur auf dem Luft- oder Wasserweg erreicht werden, was ihn zweifelsohne noch reizvoller macht. Ein Trip für das kleine Abenteuer zwischendurch.

Die Tür zum Amazonas Unmittelbar am Amazonas gelegen und mit 400’000 Einwohnern die grösste Stadt dieser Region ist Iquitos ein beliebter Ausgangspunkt für Exkursionen in den tropischen Regenwald. Flussaufwärts und -abwärts lockt der Urwald mit seiner artenreichen Flora und Fauna, die man sowohl zu Fuss als auch zu Wasser erkunden kann. Hier ist der Amazonas bereits zwei Kilometer breit. Er ist die wichtigste ­Lebensader der Stadt und neben dem Flugzeug die einzige Verkehrsver­ bindung zur Aussenwelt. Prachtvolle Villen aus der Zeit des Kautschuk­ booms und windschiefe Pfahlbauten kontrastieren in der Urwaldmetropole das Stadtbild und seine Umgebung. Im Zuge der Liberalisierung des Amazonashandels mit Brasilien und mit dem Ausbau des Hafens erblühte Iquitos in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zu einer Handelsmetropole. Die steigende Nachfrage nach Kautschuk bescherte der Stadt einen Boom und «Gummibarone» zeigten ihren Reichtum mit prächtigen Villen. Erst der Verfall des Weltmarktpreises für Kautschuk und die zunehmende Verbreitung von künstlichem Kautschuk stoppte das Wachstum der Stadt. Und nach und nach verfiel die Pracht der einstigen Handelsmetropole. Trotzdem lohnt sich weiterhin ein Besuch – zum Beispiel, um das Metallgebäude, die Casa de Hierro, von Gustave Eiffel zu besichtigen. Das für die Weltausstellung 1889 in Paris gefertigte Gebäude holte sich ein reicher Gummibaron als «Fertighaus» in die Dschungelmetropole. Beim Bummel durch die Innenstadt stösst man überall auf die einstige Pracht der Stadt. Glasierte Kacheln aus Portugal und weitere verschwenderische Baustile zeugen vom einstigen Reichtum.

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Die Geheimnisse des Regenwalds Die meisten Besucher bleiben jedoch nicht länger als ein, zwei Tage, um dann in ihr kleines Dschungelabenteuer aufzubrechen. Besonders komfor­ tabel lässt sich dieses bei einer mehrtägigen Flussreise auf dem Amazonas erleben. Von Bord der zum Teil recht luxuriösen Schiffe kann man die Ufervegetation des Amazonas gemütlich an sich vorbeiziehen lassen. Mit nur ­etwas Glück lassen sich die rosa Flussdelfine im Wasser beobachten, zudem erblickt man am Ufer häufig Kaimane, und auch das Herz eines jeden Ornithologen erfreut sich an den zahlreich zu erspähenden Vögeln. Eine andere Alternative sind die mehrtägigen Ausflüge in den Regenwald. Per Boot geht es zu meist einfachen, aber authentischen Urwald-Lodges am Amazonas oder einem seiner Nebenflüsse. Von dort werden Wanderungen unternommen, und ein Guide informiert über die reiche Flora und Fauna, die Geheimnisse des Regenwaldes und die Mythen des Amazonasgebietes. Auf Bootexkursionen geht es in die kleinen Nebenarme des Amazonas zum ­Piranha-Angeln oder nachts mit einer Taschenlampe auf Kaiman-Exkursion. Allzu verwöhnt sollte man bei Ausflügen dieser Art jedoch nicht sein, denn das feuchtwarme Klima mit Durchschnittstemperaturen um 28 Grad, die ständig surrenden und stechlustigen Moskitos sowie die fehlende Warm­ wasserdusche und der häufig ausfallende Strom sind nicht für jedermann geeignet. Wer sich jedoch auf das kleine Abenteuer einlässt, wird mit einer grossartigen, vielleicht einzigartigen Natur belohnt. Von der man nicht weiss, wie lange diese noch so existieren wird.

Leben unter dem Kronendach Das Amazonasgebiet nimmt rund 60 Prozent der Fläche des Andenstaates ein. Im feuchtheissen Regenwaldgebiet findet man eine einmalige Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die weltweit ihresgleichen sucht. Eine überwältigende Anzahl von Pflanzen und Tieren findet hier ihre Heimat. Hunderte verschiedener Baumarten wachsen hier ebenso wie Orchideen, Palmen und Hängepflanzen. Die Tierwelt ist nicht weniger ausgeprägt. Die Indianer sagen: «Der Urwald hat mehr Augen als Blätter.» Kaimane, Seekühe, Flussdelfine und unzählige Fischarten bevölkern die Flüsse; Tapire, Stachelschweine, Raubkatzen wie Jaguar und Ozelot, viele Affenarten und Faultiere leben auf dem Land, und in den Bäumen schwirren Kolibris, Papageien, Tukane, Adler und etliche andere Vogelarten. Von Iquitos aus muss man jedoch schon längere Bootsfahrten

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uf den Spuren Fitzcarraldos Es gab ihn wirklich, den grössenwahnsinnigen Enrico-Caruso-Fan, der Ende des 19. Jahrhunderts in Iquitos ein Opernhaus bauen wollte. Er hiess Brian Sweeny Fitzgerald. Der gebürtige Brite gehörte zu den reichen Kautschukbaronen. Mit einem alten Flussdampfer wollte er ein neues Gebiet erschliessen und mit den Einnahmen sein Teatro Amazonas finanzieren. Die gewinnbringenden Kautschuk­ felder lagen an einem Nebenfluss des Amazonas, es war unmöglich, die Stromschnellen zu passieren. Fitzcarraldo liess daher sein Schiff von Indios über einen Berg ziehen, um es in ruhiges Fluss­ wasser zu bringen. Ein wahnsinniger Kraftakt, an dem sich etwa 2000 Männer abarbeiteten und der mehrere Todesopfer forderte. Unsterblichkeit erlangte er in Werner Herzogs Film « Fitzcarraldo» mit Klaus Kinski in der Hauptrolle. Fitzcarraldo war nach «Aguirre, der Zorn Gottes», «Nosferatu – Phantom der Nacht» und «Woyzeck» die vierte von insgesamt fünf gemeinsamen HerzogKinski-Produktionen. Beide Filmschaffende verband eine ganz besondere Hassliebe, die Werner Herzog unter anderem in seiner 1999 entstandenen Dokumentation «Mein liebster Feind – Klaus Kinski» thematisiert.

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n den Kochtöpfen Perus

Ceviche ist eines der Nationalgericht Perus. In seiner ursprünglichen Form besteht es aus kleingeschnittenem, rohem Fisch verschiedener Sorten, der ungefähr 15 Minuten in Limetten­ saft mariniert wird. In Scheiben geschnittene rote Zwiebeln und ein sehr scharfes, paprika­ ähnliches Gemüse aus Peru werden mit dem Fisch vermischt. Chemisch gesehen kommt es aufgrund der in den Limetten vorhandenen Zitronensäure zu einer Denaturierung des Eiweisses, ähnlich wie beim Kochen. Dazu trinkt man am besten eine Inka-Cola, laut Werbung «Der Geschmack der Nation», oder einen Pisco. Dieses Getränk existiert seit über 400 Jahren. Es handelt sich um reinen Weinbrand. Im Unterschied zum italienischen Grappa, welcher aus Trester destilliert wird, ist der fermentierte Traubenmost die einzige Zutat zur Herstellung von Pisco. Bekanntestes Mixgetränk auf Pisco-Basis ist Pisco Sour.

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unternehmen, um noch einen einigermassen unberührten Waldbestand zu finden. Und auch wenn man einen entdeckt hat, sollte man nicht enttäuscht sein, wenn man nicht allzu viele Tiere zu Gesicht bekommt. Viele von ihnen sind nachtaktiv oder sehr scheu. Andere hingegen sind Meister der Tarnung. Besonders alles, was sich auf dem Boden bewegt, hat sich im Laufe der Jahrtausende eine perfekte Camouflage zugelegt, und nur ein geübtes Auge erspäht die Tiere im feuchten Dickicht des Regenwaldes. Doch nicht nur Tiere nutzen den Regenwald als Lebensraum. Noch heute bevölkern zahlreiche ­Indianerstämme die Ufer des Amazonas und seiner Nebenflüsse. Die meisten haben sich jedoch inzwischen an den westlichen Lebensstil assimiliert. Traditionelle Kleidung, Blasrohre zum Jagen, rot angemalte Gesichter sind zumeist reines Touristenschauspiel. Die Missionierung der Amazonasstämme zeigt eine nachhaltige Wirkung, die mit dem Verlust der Traditionen einhergeht. Mit etwas Glück findet man jedoch noch Medizinfrauen mit altem Wissen, Guides, die wissen, wie man die Natur für sich nutzbar machen kann. Sei es in Form von Mückenschutz, eines Trageriemens oder einer wasserspendenden Liane. Fazit: Perus Regenwald ist ein kleines Abenteuer abseits von Natel- und WLAN-Verbindungen. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt!

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iterarisches Aushängeschild

Mario Vargas Llosa ist seit Jahrzehnten wohl einer der bekanntesten Peruaner. Der 1936 geborene Schriftsteller erhielt im Jahre 2010 den Nobelpreis für Literatur und ist heute der erste lateinamerikanische Präsident des PEN-Clubs. Seine Romane «Mytas Geschichte», «Der Geschichtenerzähler», «Der Krieg am Ende der Welt» und «Gespräch in der Kathedrale» spielen alle in Peru vor einem politischen Hintergrund. In seinen Romanen orientiert er sich am «magischen Realismus»-Stil von Gabriel Garcia Márquez und arbeitet die bewegte Geschichte Perus auf.

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QNATIONAL UOIA

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PARK

DIE RIESENMAMMUTBÄUME

KALIFORNIENS Die Sequoias sind zwar nicht ganz so hoch wie ihre Küstenverwandtschaft die Redwoods, dafür erreichen sie einen Durchmesser von 13 Metern und gehören zu den ältesten Bäumen der Welt.

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Lilly Steffen

m Sequoia National Park in der Sierra Nevada stehen auf circa 2  ­­ 100 Meter Höhe gewaltige Bäume. Ihre Stämme sind rot und mit einer dicken Schicht zerfurchter Rinde geschützt. Es sind die Riesenmammutbäume, die «Sequoiadendron giganteum». Sie gehören zu den grössten existierenden Baumarten auf unserer Erde. Viele dieser Bäume wurden seit der Ent­deckung dieser Wälder geschlagen. Zum Schutz der verbliebenen sind die meisten der Haine nun innerhalb der National Parks der USA und den State Parks von Kalifornien enthalten. Mit seinen tiefen Schluchten und beeindruckenden Bergen zählt der Sequoia National Park ­zusammen mit dem Kings Canyon National Park zu den beliebtesten Zielen in  der kalifornischen Sierra Nevada. Das etwa 3500 Quadrat­k ilometer grosse Gebiet wird nur vom Generals Highway durchzogen und bietet aufgrund der unterschiedlichen ­Höhenlagen von 412 bis über 4418 Metern vielfältige ­Lebensräume für d ­ iverse Tierarten sowie Flora und Fauna.

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Fällen verboten! Hier im humiden Klima mit seinen schneereichen Wintern bieten sich ideale Bedingungen für die Hauptattraktion der Region: die Riesenmammutbäume. Sie sind gewappnet gegen viele Bedrohungen: Sie sind zu stark, als dass der Wind sie umknicken könnte; ihr Kernholz und ihre Rinde sind mit Gerbsäure und anderen chemischen Stoffen getränkt, die sie vor Pilzfäule schützen; Holzkäfer können ihnen nichts anhaben; ihre dicke Rinde ist feuerbeständig. Erst der Mensch bedrohte ihre Existenz. Die ersten Exemplare wurden während einer Expedition 1833 zum ersten Mal entdeckt, bald darauf gefällt und Baumsegmente als «Beweisstücke» Anfang der 1850er sogar bis nach Europa verschifft. Es folgte die Abholzung im gros­ sen Stil und nachdem ganze Waldpartien der Säge und Axt zum Opfer gefallen waren, wurde 1890 zum Schutz der Sequoias der gleichnamige Nationalpark gegründet. Dieser immergrüne Baum mit seinen schmalen, spitzen Schuppenblättern kann basierend auf Schätzungen und Zählung der Jahresringe von gefällten Exemplaren bis zu 3500 Jahre alt werden. Die faserig-schwammige Rinde erreicht eine Dicke von bis zu 60 Zenti­ metern, hat eine orangebraun bis dunkelrotbraune Färbung und dient als Schutzschild im Falle von Waldbränden. In der Hauptsaison im Sommer strömen viele Besucher in den Park, doch im Frühjahr kann man die spektakulären Baumriesen fast allein bestaunen und man wird zusätzlich mit wunderschön blühenden Hartriegelbäumen belohnt. Diese kleinen Bäume tragen cremeweisse Blüten so gross wie Untertassen an dünnen schwarzen Ästen, sodass es so aussieht, als würden sie zwischen den mächtigen aufragenden Stämmen der Sequoias

in der Luft schweben. Im Frühling verwandelt die Schneeschmelze zudem die Bäche in reissende Flüsse, ein wunderschönes Naturschauspiel, das jedoch eiskalt und gefährlich ist; man sollte sich daher nicht dazu verleiten lassen, ins Wasser zu waten.

Der grösste Baum der Erde In der Gesamtmasse des Holzes steht der Riesenmammutbaum allein als der grösste Baum der Erde. Das verdeutlicht sein nahezu konischer Stamm, der eher an eine Keule als an einen Wanderstab erinnert. Es gibt eine Baumart, die länger lebt, eine andere, die einen grösseren Umfang hat, und drei, die höher wachsen – keine aber ist grösser. Der westliche Abhang der Sierra Nevada ist der einzige Ort der Welt, an dem die Mammutbäume wachsen, zumeist in einer Höhe zwischen 1520 und 2130 Metern. Es gibt insgesamt 75 Haine. Das Alter des «General-Sherman-Baums» beträgt circa 2300  Jahre. Sein grösster Zweig hat einen Umfang von etwa zwei Metern. Er besitzt

Facts Die Sequoias wachsen im Alter schneller. Ihr Stamm wird breiter, die Äste werden dicker. Bei fast allen anderen Bäumen nimmt die Holzproduktion im Alter ab. Ein sehr altes Exemplar wie der «Präsident» besteht aus mindestens 1530 Kubikmeter Holz.


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«A tree is a wonderful living organism which gives shelter, food, warmth and protection to all living things. It even gives shade to those who wield an axe to cut it down.» – Buddha –

fast zwei Milliarden Nadeln und jedes Jahr wächst er weiter an und das in einem gigantischen Ausmass. Denn das Holz, um das «General Sherman» jedes Jahr wächst, entspricht dem eines 18 Meter hohen Baums mit normalen Proportionen. Die ­Sequoia und Kings Canyon National Parks be­hei­ maten die vier grössten Bäume der Welt, an­geführt vom bereits erwähnten 83,8 Meter hohen «General Sherman Tree» mit einem Umfang an der Stammbasis von mehr als 31 Metern. Der Riese steht ­passenderweise im Giant Forest. Ein weiterer toller Platz, um diese gewaltigen Bäume zu er­leben, ist der nahe gelegene General Grant Grove. Angrenzend an Sequoia und Kings Canyon be­findet sich das Giant Sequoia National Monument – ein weiterer ausgezeichneter Ort für sehr grosse Bäume. Wandermöglichkeiten umfassen einen ein­ fachen Spaziergang auf dem «Trail of 100 Giants» und einen vier Kilometer langen Rundweg zum «Boole Tree», sechstgrösster Baum der Erde und einer der wenigen Überlebenden extensiver Abholzung eines einst Tausende Bäume zählenden Hains.

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Ankunft der neuen American Airlines in Z端rich Jede Woche wird unsere Flotte j端nger. Neue Flugzeuge mit zahlreichen Innovationen und komplett flachen Betten in der neuen Business Class, alle mit direktem Zugang zum Gang. Erleben Sie die neue American Airlines jetzt von Z端rich nach New York und zu vielen weiteren Zielen in ganz Nordamerika und der Karibik. aa.com


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CHÂTEAU GÜTSCH GESCHICHTEN AUS DEM LUZERNER MÄRCHENSCHLOSS

Das Château Gütsch kann auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblicken: 1888 erbaut, hat das Luzerner 5-Sterne-Haus den Stürmen von 130 Jahren Weltgeschichte standgehalten. Ob Könige und Königinnen, internationale Stars oder ausländische Würdenträger – alle waren sie schon hier. Und auch heute noch geben sich Stars und Sternchen die Klinke in die Hand. Wir haben einen Blick in die Vergangenheit dieses wohl traditionsreichsten Schweizer Luxushotels geworfen und verraten Ihnen, was die «Legende Château Gütsch» am Leben hält. Hendrik Stary & Lone Halvorsen

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s ist ein erhabenes Gefühl, bei Sonnen­ untergang auf der Terrasse des Château Gütsch zu sitzen und den Blick über die glitzernde Altstadt von Luzern, die nahe ge­ legenen Berge und den Vierwaldstättersee schweifen zu lassen. Der eiskalte Champagner prickelt schön auf der Zunge und die historischen Mauern scheinen die Geschichten eines ganzen Jahrhunderts zu erzählen.

Von Feinden zu Gästen «Gütsch» – das ist der Name für jene «Anhöhe auf felsigem Grund», die im Westen der Stadt Luzern liegt und auch heute noch das gleichnamige Schlosshotel beherbergt. Früher, etwa ab 1590, diente die Erhebung als Aussichtspunkt. Das Türmchen «Unoth» wurde errichtet, um Feinde früh auszumachen und von der Stadt fernzuhalten. In

Kriegszeiten brannte hier oben immer ein Feuer, das die Wachtposten wärmen und die Bewohner der umliegenden Gegenden vor feindlichen Überfällen warnen sollte. Im Jahr 1859 – eine friedlichere Zeit war angebrochen – wurde auf dem Gütsch die erste Gastwirtschaft gegründet. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde diese im Jahr 1879 zu einem Hotel erweitert. Dank der berühmten Wasserballastbahn, die 1884 das Licht der Welt erblickte, entwickelte sich das Hotel schnell zu einem beliebten Ausflugs- und Urlaubsort: Die ­ Gäste konnten nun bequem anreisen und bei ­einem guten Essen den grandiosen Ausblick geniessen.

Prachtvolles Relikt aus der Belle Époque Nachdem das Hotel durch einen Brand im Jahr 1888 beinahe abgebrannt wäre, war der be-

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Das Château Gütsch heute – ein modernes Aushängeschild der traditionsreichen Schweizer Hotellerie

rühmte Luzerner Architekt und Hotelplaner Emil Vogt der Einzige, der noch an das Haus geglaubt und es schliesslich wieder aufgebaut hat. Als Kind der Belle Époque, jener turbulenten Zeit des all­ gemeinen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs, wollte er für die künftigen Gäste des Hauses einen Ort schaffen, an dem sie in luxur­iö­ser Umgebung ihrem neuen unbeschwerten Lebensstil frönen konnten. Kein Wunder also, dass er sich bei der Renovierung und Erweiterung des Hotels architektonisch am Stil des nicht minder prunkvollen Schlosses Neuschwanstein orientiert hat. Die prachtvolle Silhouette mit ihren vielen Türmen und Erkern weiss auch heute noch, die Gäste von nah und fern zu begeistern.

Im Dienste des Glamours Bullards Stil gilt bei vielen als extravagant, eklektisch, aber doch raffiniert und stilvoll. Der mehrfach preisgekrönte Innenarchitekt aus Los Angeles hat die Häuser zahlreicher Hollywood-Stars wie Cher, Tommy Hilfiger oder Eva Mendes eingerichtet. Es gibt keine «InteriorDesign-Chartlist», wo er nicht zu finden ist – ob vom «Architectural Digest», «Elle Decor» oder «The Hollywood Reporter». Ursprünglich wollte Bullard Schauspieler werden, und wie so viele angehende Schauspieler zog es ihn nach Los Angeles. Er arbeitete Teilzeit in einem Café und lebte in einer Wohnung, eingerichtet mit Second-Hand-Möbeln. Schliesslich bekam er eine Filmrolle, wo er sich mit Produzent Victor Ginzburg anfreundete. Er lud ihn zum Essen ein, und Ginzburg fand Gefallen an seinem Einrichtungsstil. Bullard wurde zwar kein Schauspieler, jedoch durfte er von nun an die Büros in den Hollywood-Studios einrichten. Mittlerweile gehören seine Kunden auch zu seinem privaten Freundeskreis. Mit Elton John geht er jedes Jahr in den Urlaub, mit Cher verbringt er Weihnachten und bei Sharon und Ozzy Osbourne geht er ein und aus. Seinen Rat gibt er gerne weiter: «Folgen Sie niemals einem Trend, sondern folgen Sie Ihrem Herzen und Ihrem dekorativen Geist.»

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Im Jahr 1901 wurde das Hotel erneut vergrössert: Ein neues Restaurant sowie weitere grosszügige Räumlichkeiten kamen hinzu. Während der beiden Weltkriege musste der Betrieb immer wieder auf Eis gelegt werden, auch die Gütschbahn fuhr in dieser Zeit nur unregelmässig. Erst im Jahr 1948 konnte die Stadt Luzern die Geschäfte des Hauses wieder aufnehmen. Ein Besitzerwechsel im Jahr 1954 führte schliesslich dazu, dass das Hotel zu jenem Namen kam, den es auch heute noch mit grossem Stolz trägt: Château Gütsch. Mit einigen weiteren gekonnten Umbauten und Modernisierungsmassnahmen hat das Hotel auch in der Folgezeit bewiesen, dass es mit frischem Esprit an seine grosse Tradition anknüpfen kann. So erhielten nicht nur die öffentlichen Räumlichkeiten nach und nach ihre ursprüngliche Weitläufigkeit zurück; auch die historischen Designdetails – die feinen Holzschnitzarbeiten, der Deckenstuck sowie das edle Parkett – sollten bald wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Design aus erster Hand Dies alles kann nicht zuletzt als Verdienst von Martyn Lawrence Bullard angesehen werden. So hat der bekannte britische Designer dem Château auf virtuose Weise seinen originalen historischen Charme zurückgegeben, ohne dabei an zeitgemässem Luxus und Komfort zu sparen. Heute kann sich das Haus mit diesem einzigartigen Mix aus modernster Wohnkultur und liebevoller historischer Detailgenauigkeit mit den bedeutendsten 5-Sterne-Häusern Europas messen. Die Gäste und Liebhaber des Château Gütsch können sich also sicher sein: Dieses Hotel wird auch noch in den nächsten 130 Jahren das Kronjuwel unter den Schweizer Wahrzeichen bleiben!


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CORAL REEF

URLAUB AUF RIESENSEEROSEN BLATTERN ÜBER DIE ZUKUNFT DER KREUZFAHRTINDUSTRIE Kreuzfahrten liegen voll im Trend. Jedes Jahr werden neue Passagierrekorde vermeldet. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Schiffe der Anbieter immer grösser und die Destinationen immer ausgefallener werden.

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Hendrik Stary

rotz des allgemeinen Wachstumsstrebens scheinen sich immer mehr ­Anbieter Gedanken über Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu machen. ­Anstatt auf Quantität setzen sie auf Qualität und lassen sich – ge­meinsam mit den besten Schiffskonstrukteuren, Designern und Architekten der Welt – neue Konzepte für die Zukunft des Meerestourismus einfallen. In den 1960erund 70er-Jahren waren Kreuzfahrten teuer und nichts für jedermann. Doch der Kreuzfahrtmarkt ist über die Jahre viel demokratischer g ­ eworden. Die Angebote sind mittlerweile so vielfältig und günstig, dass sie längst den ­Mittelstand erreicht haben. In 50 Jahren sollen ganze 75 Millionen Kreuzfahrt-

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touristen auf den Weltmeeren unterwegs sein! Kein Wunder also, dass die Kreuzfahrtschiffe immer grösser werden müssen, um der weiter ansteigen­ den Nachfrage gerecht zu werden.

Megaliner als Entertainment-Boxen Die grössten Kreuzfahrtschiffe der Welt, die so genannten «Megaliner», bieten heute bereits Platz für über 5000 Touristen – die natürlich während


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PHYSALIA

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UTOPIA

PHYSALIA

(zum Beispiel mit Zugdrachentechnologie) zu entwerfen oder den Kraftstoff Öl durch Motoren zu ersetzen, die mit Gas oder Brennstoffzellen angetrieben werden. Doch auch über neuartige Fortbewegungsmittel, die nur noch ­entfernt an Schiffe erinnern, wird bereits geredet. LILYPADS

ihres Aufenthalts auch unterhalten werden wollen. Daher schwimmen mittlerweile wahre Enter­ tainment-Boxen auf unseren Weltmeeren herum: Aussenpools, mehrere Restaurants, Discos und zahlreiche Shoppingmöglichkeiten gehören bei den meisten Schiffen bereits zur Standardausstattung; der neue US-Megaliner «Oasis of the Seas» verfügt sogar über eine eigene Brauerei. Doch kann an Bord eines solchen Riesenkreuzers überhaupt noch Urlaubsstimmung aufkommen? Und vor ­allem: Welche Folgen hat das langfristig für die Umwelt?

Neue Technologien für den Umweltschutz Mit solchen Fragen setzen sich erfreulicherweise immer mehr Verantwortliche auseinander. Kreuzfahrtverbände und Anbieter gehen Kooperationen mit Wissenschaftlern, Technologen und Schiffskonstrukteuren ein, um über nachhaltigere Konzepte für die Kreuzfahrtindustrie nachzudenken. Eine Möglichkeit bestände darin, Riesensegler

Von riesigen Mutterschiffen und künstlichen Inseln Besonders heiss diskutiert wird derzeit das «Mutterschiff-Konzept», das ­unter anderem vom schwedischen Designer Fredrik Johansson («Tillberg Design») entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um eine Art Riesenmegaliner, der über 8000 Passagiere sowie zahlreiche Wasserflugzeuge und Kleinjachten beherbergen soll. Aufgrund seiner enormen Grösse soll er gar nicht mehr an Land festmachen, sondern permanent auf den Meeren in Bewegung sein. Doch auch andere Visionen könnten bald Wirklichkeit ­ ­werden: überdimensionale Katamarane, künstlich angelegte Hotelinseln mit riesigen Glaskuppeln, die man über Unterwassertunnels mit dem Mutterschiff verbinden könnte – der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt.

Schwimmende Stadt aus Seerosenblättern Einen besonders reizvollen Einfall hatte der belgische Architekt Vincent ­Callebaut. So hat er – wenn auch bislang nur am Computer – eine Stadt aus mehreren Kunstinseln entworfen, die an überdimensionale Seerosenblätter erinnern und jeweils bis zu 50’000 Menschen tragen könnten. «Lilypad» hat er diesen utopischen Entwurf genannt, der einen zwar ins Träumen geraten lässt, seiner Realisation jedoch noch harrt. So ist etwa noch unklar, ob sich die Inseln von der natürlichen Strömung treiben lassen oder einen festen Platz im Ozean bekommen sollen. Bei so viel Kreativität und Innovation dürfte aber doch zumindest eines sicher sein: Langweilig wird es uns mit der Kreuzfahrtbranche auch in Zukunft nicht werden.

The Luxury Way of Life | 53


Das Versprechen

Hundert Tage Tibet York Hovest National Geographic

Bei einer Begegnung mit dem Dalai Lama gab Fotograf York Hovest ihm das Versprechen, sein Land zu porträtieren und der Welt zu zeigen, wie es dort heute aussieht. 100 Tage lang war er in Tibet unterwegs – zu Fuss, auf dem Motorrad und mit dem Auto. Immer wieder wagte er sich in schwer zugängliches und ver­botenes Terrain, in das Besucher nur selten vordringen. Dieses Unterfangen gelang nur mit der tatkräftigen Hilfe der Tibeter, die ihn an ihrem Leben teilhaben liessen und ihm grosses Vertrauen entgegenbrachten. York Hovest begleitete sie zu geheimen Orten, gelangte bei minus 30 Grad in 6000 Meter Höhe an die Grenzen seiner physischen Belastbarkeit und die seiner Kamera­ ausrüstung. In eindrucksvollen Bildern fängt er nicht nur die erhabene Landschaft ein, sondern mit ergreifenden Porträts tibetischer Nomaden und Mönche auch die Seele dieses geheimnisvollen Landes.

Freiheit, Abenteuer, unberührte Natur «Alyeska» – grosses Land, so nennen die Aleuten ihre Heimat, und Alaska ist wahrlich ein grosses Land. Die Natur ist ebenso grandios wie vielfältig: Im arktischen Norden leben Eisbären und Moschusochsen in einer baumlosen, eiskalten Tundra, im zentralen Süden kalben majestätische Gletscher ins Meer, im Südwesten ragen riesige Vulkane in den Himmel und im milden Südosten gedeihen die letzten kalten Regenwälder der Erde. Auf mehr als 30 Reisen hat Bernd Römmelt das Land fotografiert: Er führt den Leser in die entlegensten Winkel und durch alle Regionen Alaskas und zeigt sie in all ihrer Vielfalt, Wucht und Schönheit.

Alaska – Die letzte Wildnis Bernd Römmelt National Geographic

«Bene est homini, si palato bene est!» Ein Buch für alle, die gerne kochen, aber auch für jene, die neugierig auf die Päpstliche Schweizergarde, ein anderes Rom und einige besondere kleine Geheimnisse des Vatikans sind. Die Kulinarik hat auch bei der ältesten Schutztruppe des Papstes, der Päpstlichen Schweizergarde, einen grossen Stellenwert. Dieses einzigartige Kochbuch begleitet die letzte Schweizer Kompanie in fremden Diensten durch das Kirchen- und Kalenderjahr und macht Bekanntschaft mit einigen hochkarätigen Persönlichkeiten des Vatikans. Die Garde stellt die Offiziere und den Kaplan anhand ihrer Lieblingsspeisen vor, und kirchliche Würdenträger verraten uns ihre Leibgerichte. Als Höhepunkt des Buches findet die gespannte Leserschaft die Favoritenmenüs der letzten drei Päpste: Polen, Bayern und Argentinien lassen von einer anderen Seite grüssen. Päpstliche Schweizergarde David Geisser Weber Verlag

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Liebeserklärung an eine Stadt Erzählungen aus und über Rom, von ebenso durchtriebenen wie liebenswerten halbwüchsigen Römern. Der Dichter und Filmemacher Pasolini ist ihnen ganz nah – selbst sehr jung und eben in der Stadt am Tiber angekommen, die wir mit seinen Augen neu entdecken. Jede dieser Geschichten ist eine zärtliche Liebeserklärung an die Stadt Rom und ihre Bewohner.

Rom, Rom Pier Paolo Pasolini Verlag Klaus Wagenbach

SHORTCUTS BOOKS Die Insel der Vulkane und Geysire Feuer und Eis: bizarre Lavafelder, Traumfjorde, Gletscher, glasklare Seen – Island ist die ewig faszinierende, verwunschene Insel am Polarkreis. Aus dem Helikopter gelangen Marco Nescher spektakuläre Fotografien der Natur, die die Weite der Insel einfangen, ihre malerische Struktur und ihre mythische Schönheit. Dieser ausserge­ wöhnliche Bildband über Island kombiniert atemberaubende Luftbilder mit Porträts besonderer Menschen und Texten zur Geologie.

Über Island Marco Nescher, Haraldur U. Diego Bruckmann Verlag

Schweizer Kraftorte Das handliche Wanderbüchlein führt zu magischen Stätten voller Geschichte, Brauchtum und Kraft in die ländliche Idylle der Val Lumnezia, des grössten Seitentals der Surselva. Das Buch folgt den Spuren der früheren Menschen, ihren Ritual- und Kultorten. Exakte Wanderbeschreibungen samt Kartenaus­ schnitten, grossartige Farbfotos und viel Hintergrundwissen über Orte der Kraft und deren Wirkung sowie über das damalige und heutige Leben im Tal des Lichts erwarten den Leser, die Leserin. Abgerundet wird jede Wanderung mit Hinweisen auf typische Pflanzen, die in regionalen, überlieferten alten Rezepten ihren Platz finden und zum Sammeln und Nachkochen einladen.

Orte der Magie – Val Lumnezia Pirmina Caminada Andrea Fischbacher Werd Verlag

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Die britische Metropole gehÜrt zu den kreativsten und lebendigsten Städten der Welt. Englische Tradition trifft hier auf kultigen Zeitgeist. Yvonne Beck

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EAST LONDON CALLING B

esonders hip ist momentan East London. Wo im 19. Jahrhundert Jack the Ripper in den düsteren Gassen sein Unwesen trieb und arme Arbeiter ein bisschen Trost bei Dirnen suchten, floriert heute eine junge kreative Designerszene. Die Quartiere Shoreditch, Spitalfields und Whitechapel sind traditionelle Arbeitergegenden mit einer sehr be­ wegten Vergangenheit. Ihr Ruf war teilweise so schlimm, dass sie Anfang des 20. Jahrhunderts auf einigen Stadtplänen gar nicht verzeichnet wurden. Heute hingegen sind sie beliebter denn je, denn mit coolen Shops, Cafés, Bars, Galerien, Märkten und jeder Menge Streetart stieg das berühmt-­ berüchtigte East End zum Szenekiez auf.

Multikulturelles Hipsterviertel Schon immer war das East End Anziehungspunkt für Immigranten. Die ­Hugenotten bauten sich hier im 18. Jahrhundert kleine, aber feine Häuser, ihnen folgten im 19. Jahrhundert Iren und Deutsche, zwischen 1880 und 1914 zog es jüdische Emigranten aus Osteuropa in die Gegend und schliesslich kam eine Einwandererwelle aus Indien und Bangladesch. So entwickelte sich das multikulturelle Leben des Stadtteils, welcher in den 90er Jahren vermehrt junge Kreative und Künstler anzog. Zudem lockten die billigen ­Mieten. Nach und nach siedelten sich zahlreiche Kunstgalerien und kleine Designgeschäfte an. Wer heute den letzten Schrei in Sachen Möbel, Mode, Design, Skulpturen oder Bilder sucht, macht sich also auf den Weg ins ­East End.

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«Ich habe das Merkwürdigste gesehen, was die Welt dem staunenden Geiste zeigen kann, ich habe es gesehen und staune noch immer … ich spreche von London.» – Heinrich Heine –

Einer der beliebtesten Märkte der Gegend ist der Spitalfields Market. Zwischen Kleidung, Taschen, Kitsch und Food lässt sich hier immer das eine oder andere Schnäppchen machen. Man muss nur lange genug suchen und ein bisschen Glück haben. Wem jedoch eher nach einem Spaziergang durch eine bunte Blumenoase ist, schlägt den Weg zum Columbia Flower Market ein. Jeden Sonntag zwischen 8 und 14 Uhr verwandelt sich in Shoreditch die Columbia Road in ein Meer aus Blumen und Pflanzen. Auch wenn man keine Blumen kaufen möchte – der Bummel über den Markt lohnt sich schon allein der Verkäufer wegen. Rechts und links vom Blumenmarkt locken zudem kleine Lädchen mit ausgefallenen Möbeln und Kulinarischem.

LESETIPPS «Brick Lane» von Monica Ali In diesem Buch beschreibt Ali das Leben einer bengalischen Frau im East End der 1980er Jahre. Nazneen, in ärmsten Verhältnissen in Bangla­ desch aufge­wachsen, wird mit 19 Jahren verheiratet und ins ferne England geschickt. Ohne Englischkenntnisse landet sie in der Brick Lane, dem «Klein-Indien» von London. Aus ihrer Wohnung kommt sie selten raus. Gegen den Widerstand des Ehemanns lernt sie schliesslich Englisch und nimmt eine Arbeit als Näherin an.

Eine Reise in die Vergangenheit Im Dennis Severs House, dem 300 Jahre alten Haus einer hugenottischen Seidenweberfamilie, kann man eine Reise in die Vergangenheit unternehmen. Das Haus in der Folgate Street ist wie eine Zeitkapsel: ein altes Bürgerhaus im Stil der vorviktorianischen Zeit, dessen zehn Zimmer so eingerichtet sind, als wäre die Familie, die dort lebte, gerade eben nach dem Frühstück aufgebrochen. Die Betten sind noch zerwühlt, das Kaminfeuer glimmt noch. Hier lebt die Familie Jervis, die es nie gab. Wer durch die dämmrigen, nur mit Kerzenschein erleuchteten Räume schreitet, hört draussen Pferdegetrappel und eine Geräuschkulisse aus längst vergangenen Zeiten, denn in verschiedenen Zimmern laufen Hintergrundgeräusche vom Tonband. Dennis Severs nannte es «still life drama». Seine Absicht war es, einen wahrhaft lebendigen Einblick in das Leben in Spitalfields zwischen 1724 und 1914 zu vermitteln. Der Besuch des Hauses ist ein sehr poetisches Erlebnis, kein Museumsbesuch, denn es funktioniert nach dem Motto «you either see it or you don’t». So ist das Dennis Servers House einer der aussergewöhnlichsten, rätselhaftesten und kuriosesten Orte im East End, wenn nicht sogar in ganz London. (www.dennissevershouse.co.uk)

«Die geheimen Tagebücher» von Samuel Pepys Heute gelten die Aufzeichnungen von Samuel Pepys (1633 –1703) als «intimste Tagebücher der Welt­ literatur». Als man im Nachlass des königlichen Bediensteten sechs Journale fand, konnte man das allerdings noch nicht erahnen. Denn Pepys hatte seinen Blick durchs Schlüsselloch der britischen Gesell­ schaft im 17. Jahrhundert in kaum ent­ schlüsselbarer Kurzschrift verfasst; erst 1819 konnte ein Teil der Texte entziffert werden. Ein funkelndes Zeit­portrait!

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«Oliver Twist» & «Little Dorrit» von Charles Dickens Diese beiden Romane lassen den Leser in das viktorianische London eintauchen und geben ein lebhaftes Bild von den Zuständen dieser Zeit. Realitätsnah und mit beissender Kritik schildert Dickens das Elend und die Armut eines Grossteils der Bevölkerung in der Zeit, als London zum Mittelpunkt des Empires heranwuchs. Für alle Nichtleser gibt es eine schöne «Oliver Twist»-Verfilmung von Roman Polanski.


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«Wenn ein Mann müde an London wird, ist er müde am Leben, denn es gibt in London alles, was das Leben bieten kann.» – Samuel Johnson –

LONDONS MÄRKTE Old Spitalfields Market www.oldspitalfieldsmarket.com Borough Market www.boroughmarket.org.uk Brick Lane www.visitbricklane.org Columbia Road www.columbiaroad.info Maltby Street www.maltby.st

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«Wie aus Aladins Lampe ergiesst sich ein Zauberlicht über diese einzigartige Stadt.» – A. Rutari –

Little India im Herzen Londons Wem danach das Herz nach indischer beziehungsweise bengalischer Atmos­ phäre schlägt, der ist in der Brick Lane genau richtig. Die Strasse wird von Curry-Restaurants sowie unzähligen Geschäften, in denen man farbenfrohe Stoffe kaufen kann, gesäumt. Sonntags findet hier ein sehr beliebter Markt statt, auf dem man Secondhand-Möbel und Vintage-Kleidung erstehen kann. Ganz in der Nähe liegt das Gelände der ehemaligen Truman’s Old ­Brewery, welche im 18. Jahrhundert Londons grösste Brauerei war. Heute befinden sich in dem Gebäudekomplex jedoch zahlreiche kleine Betriebe und Ateliers. Sonntags findet der Sunday Upmarket statt mit Schmuck, Food und Kleinkunst. Im Innenhof gibt es zudem Streetart zu bewundern, welche in diesem Viertel generell eine grosse Rolle spielt. Kaum ein Ort auf der Welt vereinigt so viele Werke bekannter Streetart-Künstler. Das Bansky-Auto, der ROA-Kranich oder Space Invader – überall gibt es Werke zu entdecken und es kommen ständig neue hinzu. Wer von einem echten Insider durch das Viertel geführt werden möchte, der sollte sich an Johnnie wenden. Mit seinem einzigartigen «Bowl of Chalk» (www.bowlofchalk.net) bietet er samstagmorgens Touren von Trafalgar ­ Square bis zu ­St. Paul’s Cathedral und am Nachmittag von St. Paul’s bis Monument an. Am Sonntag geht es durch das East End, dabei fallen seine Touren immer wieder ein bisschen anders aus. Keine seiner Touren ist identisch. Das Besondere: Die Wochenendtouren funktionieren auf Trinkgeldbasis. Jeder zahlt so viel er möchte. Fazit: Abseits der ausgetretenen Touristenpfade gibt es in London viel zu entdecken. Gerade im Osten von London tobt das echte Leben und auf den Foodmarkets bekommt man grossartiges Essen sowie viele schöne Mitbringsel für die Daheimgebliebenen.

Über den Wolken Das Shangri-La-Hotel At The Shard, London liegt zwar nicht im East End, sondern im Trendviertel South Bank mitten in Southwark, in den Stockwerken 34 bis 52 des neuen architektonischen Wahrzeichens der Stadt, The Shard, ist aber zurzeit das beliebteste Hotel der Metropole. Direkt an der U-Bahn-Station London Bridge gelegen, sind Tate Modern, Borough Market, Shakespeare’s Globe, der Tower of London und St. Paul’s Cathedral in nur wenigen Minuten zu erreichen. Gemäss seinem Namen ähnelt der Wolkenkratzer The Shard einer Scherbe und gilt mit seinen 72 Etagen als spektakuläres Meisterwerk des italienischen Stararchitekten Renzo Piano. Mit insgesamt 11’000 Scheiben verglast, beschert die markante Fassade allen 202 Zimmern und Suiten des Shangri-La-Hotels raumhohe Fenster­ fronten mit spektakulären Ausblicken. Zudem gehören die luxuriösen Zimmer und Suiten des Shangri-La-Hotels At The Shard, London mit einer Fläche von 30 bis 188 Quadratmetern zu den grössten der Stadt. Die atemberaubende Aussicht macht das Wohnen hier einzig­artig. Denn ganz gleich ob vom Bett, dem Schreibtisch oder der Badewanne aus, stets begleitet die märchenhafte Kulisse der Londoner Skyline den Gast. Wer beim Panorama gerne ins Detail gehen möchte, kann das in jedem Zimmer bereitliegende Fernglas benutzen. www.shangri-la.com/London

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SIEGER IM WETTLAUF ZUM SÜDPOL ROALD AMUNDSEN

1911 kommt es zum Duell im ewigen Eis: Robert Falcon Scott gegen ­Roald Amundsen. Es ist eines der grössten Abenteuer der Geschichte. Zwei Nationen, zwei Teams, einsame Helden im Kampf um ein Ziel: Als Erster den Südpol zu erreichen. Der grösste Gegner ist jedoch die Antarktis mit einer Durchschnittstemperatur von minus 30 Grad. Es ist ein Wettlauf um Ruhm, Ehre und das blanke Überleben. Auf dem entbehrungsreichen Gewaltmarsch durch die Eiswüste leisteten Amundsen und seine Mannschaft schier Übermenschliches: 1 500 Kilometer Wegstrecke in 56 Tagen, bei orkanartigen Schneestürmen und eisigen Temperaturen. Der Norweger Roald Amundsen erreicht als erster Mensch den Südpol. Erst 35 Tage später kommt Falcon Scott am Pol an. Zutiefst enttäuscht tritt er mit seinem Team den Rückmarsch an. Doch Scott und seine Männer sahen ihre Heimat nie wieder; sie starben auf dem Rückweg im ewigen Eis, nur 18 Kilometer vom nächsten Vorratsdepot entfernt. Amundsen dagegen kehrte unversehrt als strahlender Sieger nach Norwegen zurück. Der Wettlauf zum Südpol ist die dramatische Geschichte zweier Männer, die ihr Leben riskierten, um ans Ende der Welt zu gelangen – dorthin, wo noch kein Mensch zuvor war. Nach Amundsen und Scott ist es übrigens niemandem mehr gelungen, auf der historischen Route mit den Mitteln von damals an den Südpol zu gelangen.

3 ZITATE «Seit meiner Kindheit träume ich davon, den Nordpol zu erreichen, nun stehe ich auf dem Südpol.»

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«Es gibt viele Menschen, die glauben, dass eine Polarexpedition nur unnützer Verlust an Geld und Leben sei. Mit dem Begriff Polarexpedition verbinden sie in der Regel einen Gedanken an einen Rekord, zum Polpunkt oder am weitesten gegen Norden zu kommen, und in diesem Falle muss ich mich einig mit ihnen erklären.» «Ich glaube nicht, dass Gott uns auf die Erde geschickt hat, damit wir Millionen scheffeln und alles andere ignorieren.»


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JAHRE

150 WINTERTOURISMUS

© www.swiss-image.ch | Max Weiss

VON PIONIEREN UND INNOVATIONEN

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Der Schweizer Wintertourismus begann fast zeit­ gleich in Davos und St. Moritz. Englische Wintersportler und Gesundheitstouristen prägten anfangs das Geschehen. Lilly Steffen


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D

er Winter im Engadin sei voller Sonnenschein und viel angenehmer als der in England. Um dies selbst zu erleben, lade er sie in sein Hotel ein. Sollten sie nicht zufrieden sein, übernehme er auch die Reisekosten. Diesen Vorschlag machte der Engadiner Hotelier Johannes Badrutt im Herbst 1864 den letzten verbliebenen englischen Sommer­ gästen. Die Engländer kannten den kalten und feuchten Winter insbesondere in ­London und konnten sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es in den Schweizer Alpen anders sein sollte. Sie kamen dennoch zur Weihnachtszeit ins Oberengadin – und reisten erst nach Ostern wieder heim: braun gebrannt, erholt und glücklich. Sie waren die ersten Wintertouristen der Alpen und sie entdeckten eine neue Welt: die weissen Winterferien. Der Winter­ tourismus in den Alpen war lanciert.

Geburtsstunde des modernen Wintersports Die Anfänge des Wintersports gehen zurück auf die 70er- und 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts, nachdem es 1864 – auf Initiative Johannes Badrutts – Engländer gewagt hatten, mit Pferdeschlitten über den winterlichen Julier zu reisen, um auch in dieser Jahreszeit Erholung und Vergnügen zu suchen. Heute sind die winterlichen Berge ein riesiges Freizeitparadies, zugänglich dank Bergbahnen und Skiliften, frequentiert von zahllosen Menschen aus dem Unterland und aus der weiten Welt, sei es für Ferien oder für Tagesausflüge. Der Wintersport in den Bergen ist eine wichtige Wirtschaftsbranche und ein Element schweizerischer Identifikation. Abenteuer, Mut und Unternehmergeist prägen seine Entwicklung, denn ohne den Pioniergeist einiger weniger wäre all dies nicht möglich gewesen.

Gesundheitstourismus in Davos Vor rund 150 Jahren kam der deutsche Arzt ­A lexander Spengler nach Davos. Ihm fiel auf, dass kein Dorfbewohner an der damals gefürchteten Tuberkulose litt. In vielen Orten Europas raffte die Seuche jährlich Zehntausende Menschen hinweg. Spengler machte das besondere Hochgebirgsklima für das Ausbleiben der Lungenschwindsucht in Davos verantwortlich. So verbreitete er die Kunde vom gesunden Davoser Höhenklima in ganz ­Europa. Zudem beobachtete er, wie sich Schwindsüchtige gerade in der trockenen Winterluft besonders gut erholten. Und so trafen am 8. Februar 1865 erstmals zwei an Tuberkulose leidende Winter-

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Wer hat’s erfunden?

gäste ein. Bereits 1860 öffnete die erste Davoser Fremdenpension, die Kurgäste beherbergte. Bald kamen Tuberkulosekranke aus aller Welt und legten die Basis für das, was heute die höchstgelegene Stadt Europas mit internationalem Renommee ist. Davos wurde damit zur zweiten Wiege des Schweizer Wintertourismus, und zwar des Gesundheitstourismus. Unter den Kurgästen befand sich auch Erika Mann, die Frau des Autors Thomas Mann. Ihr Aufenthalt im Sanatorium inspirierte Thomas Mann zu seinem Meisterwerk «Der Zauberberg». Andere Sanatoriumsgäste und Besucher schrieben zwar nicht über Davos, brachten aber ihre Kultur mit – beispielsweise das Eis­ hockey aus England. Und auch hier sollte die Familie Spengler ein Denkmal setzen: Wie Alexander Spengler war auch sein Sohn Karl Arzt und ein grosser Sportliebhaber. 1922 gründete dieser den weltberühmten «Spengler Cup», das heute älteste Eishockey-Tunier der Welt.

Nach und nach kamen also immer mehr Winter­ feriengäste in die Schweiz. Viele suchten ihr Vergnügen in Wintersportarten. Ohne Lifte ist ein ­moderner Wintersport heute nicht vorstellbar. Als das noch ganz anders war und Skifahrer die meiste ihrer Zeit im Schnee mit dem mühsamen Aufstieg verbrachten, war es der Bündner Landwirt und Hotelier Leonard «Lieni» Fopp, der als Erster das Potential motorgetriebener Aufstiegshilfen erkannte. Auf seinem Grundstück am Bolgen in Davos baute Fopp gemeinsam mit dem Zürcher Ingenieur Ernst Gustav Constam 1934 den ersten Skilift der Welt – und mit dieser «Schleppseilbahn» gleichzeitig den Urtyp des bis heute einge­ setzten Schlepplifts mit seinen T-förmigen, orange-­ schwarzen Skilift-Bügeln. Knapp 300 Meter Länge und 60 Meter Höhendifferenz hatte der Lift. Heute fahren im Bündner Safiental Skifahrer bereits mit der Kraft der Sonne auf den Berg. Möglich macht das der erste Solarskilift der Welt. Und weil der Lift viel mehr Energie produziert, als er verbraucht, bleibt noch eine ganze Menge sauberer Energie für das Dorf.

Das Original unter den Schlitten

© www.swiss-image.ch | JR Larraman

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Zwei Kufen, drei Holzlatten und eine Schnur, um ihn zu zie­ hen: Der «Davoser Schlitten» ist seit Generationen der meistbenutzte Schlitten auf der Welt. Traditionell ist der Davoser Schlitten aus Eschenholz gefertigt und 80 bis 130 Zentimeter lang. Die Geschichte des weltbe­ rühmten Davoser Schlittens begann im 19. Jahrhundert. Schreiner aus Davos entwickelten die norwegi­schen Schlitten weiter. Seinen Namen bekam der Schlitten am ersten, h ­ istorischen Schlittenrennen 1883 in Davos. Damals schon brausten tollkühne Piloten auf Davoser Schlitten die verschneite Strasse von Davos-Wolfgang bis Klosters hinunter. Im gleichen Jahr gründete und präsi­ dierte der englische Poet und Literaturkritiker John Addington Symonds den «­ Internationalen Schlittelclub Davos». Im Jahre 1900 wurde die Schlittel­bahn von der Schatzalp nach Davos Platz gebaut. Aus den späteren ­Bobsleigh-Rennen entwickelte sich d ­ er Bobsport, der am Pionierort Davos eingeführt wurde. Der Amerikaner ­L . P. Child gewann 1888 in liegender Position und Kopf voran den ­«Symond Shield». Diese Begebenheit gilt als Geburtsstunde des Skeletons.


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INSIDEREI

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SALZBURG UMGEBUNG

Lovebirds

Salzburgs Altstadt ist reich an historischen Schätzen. Nicht ohne Grund wurde sie 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Die zauberhafte Kulisse der Altstadt begeistert, doch auch ausserhalb liegen viele Orte, die man gesehen haben sollte.

Liebesschlösser sind hip. In Rom, Paris und Berlin symbolisieren Frisch­ verliebte mit ihnen ihre Verbundenheit. Lange hat es gedauert, bis die Mode auch nach Salzburg überschwappte. Doch nun säumen Hunderte von Schlössern die geschwungene Brücke «Makartsteg». Der bunte Schlösserwald ist inzwischen zu einem beliebten Fotomotiv geworden. Nur wenige Meter vom Makartsteg entfernt kann man die «Amadeus Salzburg» besteigen und Salzburg vom Wasser aus erkunden.

Naturjuwel Die Schmetterlingsdichte am Nordwestuferfuss des Unterbergs ist innerhalb Europas bemerkenswert. 70 verschiedene Arten von Tagfaltern tanzen durch die Lüfte. Grund dafür: Auf dem Areal des Freilichtmuseums sind die Bedingungen für die sensiblen Insekten optimiert worden. Während andernorts ihre Nahrungs­quellen versiegen, sorgen hier Streuwiesen mit Nektarressourcen für ihr Wohlbehagen. Schautafeln und Dokumentationsfilme führen ein in die bunte Welt der kleinen, bunten Falter. www.freilichtmuseum.com

Tierfreundliches Leben

«Gut Aiderbichl» ist ein Gnadenhof im Salzburger Flachgau. Es wurde im Jahr 2000 von Michael Aufhauser als Zufluchtsort für Tiere, die aus Not­ situationen befreit und gerettet wurden, gegründet. Es ist ein Hort vieler Tier­ schicksale wie dem des sechs­beinigen Kalbs Lilli, dem kleinwüchsigen Stier namens Lilliput oder dem Spitzendressurpferd Pinot Grigio, das wegen eines Herzfehlers in die Wurst sollte. Mittlerweile erfreuen sich 3800 Tiere unter dem Dach des Gut Aiderbichls eines würdigen Daseins. Besonders der Oster- und Weihnachts­ markt ziehen Besucher von nah und fern an. www.gut-aiderbichl.com


Stadt der Fotografie Salzburg ist nicht nur «Festspielstadt» und «Mozarthort», sondern auch in Sachen Fotokunst Kompetenzzentrum. Vor mehr als 30 Jahren wurde der «Fotohof» gegründet. Er zeigt circa zehn Ausstellungen pro Jahr. Der Eintritt ist kostenlos. Dies gilt auch für den Zugang zur Bibliothek, die zu den besten Fachbibliotheken des ganzen Landes gehört. Ob Magnum, Leibovitz, Mapplethorpe oder Margherita Spiluttini – im Bücherschatz des Fotohofs ist alles zu finden. www.fotohof.at

Das Paradies Carl Zuckmayers Bereits 1926 erwarb der Autor des Buches «Der Hauptmann von Köpenick», Carl Zuckmayer, das Landhaus «Wiesmühl» in Henndorf und nutzte es als Sommerfrische. Hier trafen sich zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten der deutschsprachigen Literatur- und Theaterszene. Noch heute lohnt es sich, dem Genius Loci dieser ruhenden Landschaft mit ihren Hügeln, Wäldern und Feldern nachzuspüren. Aus­g estattet mit der Broschüre «Literarischer Spaziergang» lassen sich die wichtigsten Schauplätze am Wallersee erkunden. www.wiesmuehl.at

Staatsgrenze im Bergwerk Früher wurde Salz als «weisses Gold» bezeichnet – und tatsächlich bilden die vor Jahrmillionen entstandenen Vorkommen im Dürrnberg bei Hallein die Schatzkammer der Region. Im ältesten Besucherbergwerk der Welt verlaufen geheimnisvolle, uralte Stollen, die Bergmänner kilometerweit in den mystischen Berg hineinführten. Mit was man in einem solchen Labyrinth von Gängen weniger rechnet, ist eine Grenzmarkierung. Doch genau diese befindet sich 80 Meter unter der Erdoberfläche, die «Staatsgrenze Republik Österreich – Bundesrepublik Deutschland». www.salzwelten.at

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DER ANWALT DER MEERE JACQUES COUSTEAU

Jacques Cousteau war einer der wichtigsten Meeresforscher und Dokumentar­ filmer. Er hat den Lungenautomaten für Taucher weiterentwickelt, diverse U-Boote entworfen, einen Taucheranzug mit Pressluftflasche und unterwasser­ taugliche Kameras entwickelt. Viele Jahre lang begeisterte er ein Millionenpublikum mit der TV-Serie «Geheimnisse des Meeres». Mit roter Pudelmütze und zerfurchtem Gesicht sah man Jacques Cousteau an Deck seines ­Forschungsschiffes «Calypso». Er und sein Team suchten Atlantis, erkundeten den Amazonas, überquerten den Atlantik und brachten den Zuschauern Haie, Eisschlösser, Korallenriffs und Wracks näher. Der Franzose verstand es, ganze Generationen von der geheimnisvollen Welt unter Wasser zu ­begeistern. Er verlieh den schweigenden Ozeanen eine Stimme. Cousteau war ein begnadeter Taucher. Ohne weitere Hilfsmittel gelang es ihm 1947, auf eine Tiefe von 91,5 Metern vorzudringen. Damit stellte er den Weltrekord im ­Freitauchen auf, und das, obwohl ihm als Schüler das Schwimmen wegen seiner schwächlichen Konstitution untersagt wurde. Er verstand sich als ­Botschafter der Meere. Tierschützer warfen dem Pionier der Unter­wasserwelt jedoch vor, nicht immer authentische Bilder zu zeigen. Um die Sensationslust seines Publikums bedienen zu können, soll er Haie massakriert und ­Oktopusse unter Drogen gesetzt haben. Zudem liess er sich seine Expeditionen von grossen Industriekonzernen finanzieren. Trotz alledem kürten ihn die Franzosen 20-mal zum beliebtesten Landsmann. Und seine Filme zeigen uns eine Unterwasserwelt, wie es sie heute nicht mehr gibt.

4 ZITATE «Wenn man Fische studieren will, wird man am besten selbst zum Fisch.» «Tauchen ist für mich wie ein zärtlicher Kuss.»

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«Das Übel kommt nicht von der Technik, sondern von denen, die sie missbrauchen.» «Wir sollten uns ein Beispiel an den Delfinen nehmen. Im Laufe der Evolution haben sie zwei für ihre Arterhaltung sehr wichtige Fähigkeiten entwickelt: Klugheit und Einigkeit.»


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Für Camping-Nostalgiker

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L E UC H T T U R M

Einmal Leuchtturmwächter sein Im «Leuchtturm» in Breege auf der Urlaubsinsel Rügen ist man Tag und Nacht dem Wasser ganz nah. Auf der Terrasse bei einem leckeren Frühstück braust einem schon morgens der Ostseewind durch die Haare und die Sonne bräunt das Gesicht. Der atemberaubende Blick auf die Naturlandschaft ist da nur das Tüpfelchen auf dem i.

In «Ostalgie» schweben

Wer sich ein Bild von den Designtrends der ehemaligen DDR machen möchte, ist im «OSTEL» in Berlin am richtigen Ort. Das «OSTEL» ist eine Zeitmaschine zurück ins Ostberlin der 70er- und 80er-Jahre. Gäste können hier zwischen Möbelklassikern wie der Schrankwand «Karat» nächtigen.

Für Airliner & Flugbesessene H O T E L C O C K P IT Ein Hotel mit viel Herz und Liebe zum Detail ist das familiengeführte «Hotel Cockpit» in Hamburg, das seinem Namen alle Ehre macht. Schon der Eingangsbereich erinnert an den Einstieg in ein Flugzeug. Die Lobby ist aus­ gestattet mit alten Erste-KlasseSitzen, in denen man es sich richtig bequem machen kann.

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«Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett» K R IM IH O T EL

Liebhaber von Sherlock Holmes, Alfred Hitchcock oder Miss Marple fühlen sich im «Krimihotel» in Hildesheim sicher pudelwohl. In diesem spannenden Hotel ist jedes Zimmer nach einer anderen be­ kannten Krimifigur eingerichtet. Besonders beliebt ist die Gegend in der Eiffel auch bei Kriminal­ buchautoren als Ort für Verbrechen.


V8 HO TE L

Für Autoliebhaber Rennsportfans kommen im Viersternehotel «V8 HOTEL» in Böblingen voll auf ihre Kosten, denn dort können sie bequem in ihrem Lieblingsflitzer übernachten. Die Zimmer sind rund um das Thema Automobil gestaltet. So erinnert das Design zum Beispiel an eine Tankstelle, eine Formel-1-Strecke oder die legendäre Route 66.

E G I T R A G EINZI UNTERKÜNFTE AR TH OT EL

COCK PIT VOM GEFÄ NGNIS INS

Für Hundertwasserfans

Zurück aus dem Urlaub, zurück in den Alltag: Die grossen Reisen sind Vergangenheit und der graue Arbeitsalltag hat viele Menschen bereits wieder eingeholt. Doch das muss nicht lange so bleiben. Denn: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Schon ein kleiner Wochenendtrip kann wieder Schwung ins Leben bringen. Und gerade für eine kürzere Reise lohnt es sich, einen Blick ins Nachbarland zu werfen. Deutschland ist aufregender, als viele denken. Einzigartige Unterkünfte wecken die Abenteuerlust der Reisenden und ­sagen dem Alltagsfrust den Kampf an.

ht durch sein Magdeburg bestic Das «ar tHOTEL» in ar ist individuell bili n. Selbst das Mo einzigartiges Desig ne Wünsche kei ch nis ch designte gestaltet und lässt eln, duftenden ug goldenen Turmk offen. Umgeben von det sich das fin be n ule Sä n bunte Blumenwiesen und de r Bauwerke em en Zitadelle », ein Hotel in de r «G rün sser. wa ert nd Hu ensreich des Künstlers Fried

Das «ALCATRAZ Hotel» am Japanischen Garten in Kaiserslautern ist in Anlehnung an das ehemalige Gefängnis an der Küste San Franciscos entstanden. Der Name ist hier Programm. In den Zimmern im Stil einer Zelle schnuppern Gäste hinter vergitterten Fenstern Gefängnisluft und schlafen auf authentischen Gefängnis­ betten. Doch keine Sorge: Man darf kommen und gehen, wann man will.

Hinter Gittern nie ins Bett»

TEL O H Z A R T A LC A


SONNE, STRAND UND KALKSTEINFELSEN

THAILANDS SÜDEN

Sand wie Puderzucker, kristallklares Wasser und imposante Klippen: In Krabi verbinden sich Traumstrände mit einer atemberaubenden Kulisse. Nicht nur Sonnenhungrige, sondern auch Kletterer und Ruhesuchende kommen hier voll auf ihre Kosten. Lilly Steffen

Koh Phi Phi, Maya Bay | Drehort «The Beach»


TRAVEL

Krabi, Koh Phi Phi | Aussichtspunkt

m Süden Thailands an der Andamanensee gelegen, erfreut sich Krabi immer grösserer Beliebtheit. Die Provinz mit der gleichnamigen Hauptstadt, die noch im Schatten von Phuket steht, entspricht nicht minder der Vorstellung der idealen Destination für Strandferien. Strand ist aber nur ein Grund für einen Aufenthalt in Krabi: Unterschiede in der Landschaft und Kulinarik ­machen diese Region enorm spannend für Reisende, die immer wieder gerne nach Thailand ­zurückkehren.

Mehr als nur Ausgangspunkt 20 Kilometer von Krabi Town entfernt liegt der ­beliebte Touristenort Ao Nang. Bekannt ist dieser lange Strandstreifen vor allem als idealer Ausgangspunkt für Trips auf die Inseln der Phang-­ngaBucht. Die Strandpromenade bietet alles, was das Ferienherz begehrt: Restaurants, Souvenirshops, Tourenanbieter und Tauch-/ Sportshops. Für Heimweh-Anfällige wird im Restaurant «Wanna’s Place»

sogar Rösti serviert. Neben gediegenem Luxus an der Küste finden sich preisgünstigere Übernachtungsmöglichkeiten landeinwärts in Krabi Town.

Strände abseits der Zivilisation und filmreife Buchten Der beinahe weisse, weiche Sand schmiegt sich bei jedem Schritt an die Füsse. Das kristallklar schimmernde Wasser entzückt das Auge. An den Stränden Krabis herrscht paradiesische Stimmung. Das vor allem dank ihrer Abgeschiedenheit: Viele Buchten wie die Tonsai Bay oder Rai Leh können nur mit dem Boot erreicht werden. Nebst den vielen kleinen Buchten grenzt auch die wohl berühmteste Bucht Thailands an Krabi: Die Phang-nga-Bucht erstreckt sich über 400 Quadratkilometer und beheimatet den bekannten James-Bond-Felsen oder die Insel «Ko Phi Phi Leh», auf der «The Beach» gedreht wurde. Diese Region bietet ausserdem interessante Tauchgründe und leicht zugängliche Schnorchelplätze.

1237 Stufen, freche Äffchen und eine unvergessliche Aussicht Wer den Wat Tham Sua besuchen möchte, benötigt festes Schuhwerk. Denn der buddhistische Tempel liegt auf einer steilen Anhöhe, drei Kilometer von Krabi Town entfernt. Mehr als 1200 Stufen müssen bewältigt werden, um den Tiger Cave Temple, wie er auch genannt wird, zu erreichen. Vorsicht: Hungrige Äffchen streunen hier herum und lassen sich keine Gelegenheit

The Luxury Way of Life | 75


TRAVEL

Übernachten Pimalai Resort & Spa | Ko Lanta www.pimalai.com

Koh Phi Phi, Loh Dalam Bay

Rawi Warin Resort & Spa | Ko Lanta www.rawiwarin.com Layana Resort & Spa | Ko Lanta www.layanaresort.com Rayavadee | Krabi www.rayavadee.com Amari Vogue | Krabi www.amari.com/vogue Sheraton Resort & Spa | Krabi www.sheratonkrabi.com The Tubkaak | Krabi www.tubkaakresort.com Holiday Inn Resort | Ko Phi Phi www.phiphi.holidayinn.com Zeavola | Ko Phi Phi www.zeavola.com

Weitere Attraktionen Krabi Town Popeye’s Bar Chan Phen Restaurant & Guest House | beliebter Traveller-Treff Muschelfriedhof «Susaan Hoy» Khao Phanom Bencha National Park Emerald Pool | heisse Quelle im Flachland von Khao Nor Juji Krabi, Wat Tham Sua

entgehen, den Besuchern Chips, Biscuits oder gar die Trinkflasche geschickt zu entwenden. Die ganzen Strapazen nimmt man gerne auf sich, um mit einer unglaublichen Aussicht über die Provinz Krabi, auf die Stadt und bis zum Küstenstreifen belohnt zu werden. Oben angekommen begrüsst einen ein riesiger sitzender Buddha. Heute wohnen insgesamt 250 Mönche und Nonnen rund um die Tempelanlage in kleinen Hütten, die teilweise als Höhlen in die Felswände eingebaut sind.

Autofreie Ko Phi Phi Das speziell geformte Stück Land rückt immer näher, die Motoren fahren herunter, der Anker wird geworfen. Die Reisenden verlassen die Fähre und begeben sich über einen Holzsteg auf die Insel. Von Anfang an versprüht Ko Phi Phi absolute Ferienstimmung. Dies nicht nur dank der atemberaubenden Strände und des klaren Wassers, sondern auch dank der autofreien Siedlung. Kleine Pflastersteingässchen, kleine Läden, kleine Restaurants: Auf Koh Phi Phi hat alles andere Dimensionen. Vergessen Sie Tuk-Tuk oder Scooter – auf der Phi Phi Don erreicht man alles zu Fuss oder mit dem Boot. Die Schwester­ insel «Phi Phi Leh» ist unbewohnt, stellt aber mit der Maya Bay ein beliebtes Ziel von Reisenden dar.

Das Mekka für Kletterer Um Felswände dreht sich auch alles in der Rai Leh (auch Railay) und der Tonsai-Bucht. Beim Anblick der bizarren Kalksteinformationen schlägt das Herz eines jeden Kletterers ein Spürchen schneller. Diese beiden Hotspots in Krabi mit über 500 eingebohrten Routen zählen zu den weltbesten Kletterdestinationen. Die grösstenteils mittelschweren bis schwierigen Routen erreicht man mit dem Boot, mit einem kurzen Trip durch den Dschungel oder durch Abseilen. Die beste Zeit zum Klettern ist zwischen November und Februar. Die Aus­ rüstung und Guides für einen gelungenen Kletterurlaub können vor Ort in praktisch jeder Unterkunft gebucht werden.

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Ruhe und Entspannung auf Lanta Im Gegensatz zum eher quirligen Ko Phi Phi ist Ko Lanta weitgehend ein Reiseziel für Ruhe suchende Besucher. Die im Süden von Krabi liegenden Inseln bestechen durch malerische Strände und mystische Wälder. Ko Lanta ist Teil des Mu Ko Lanta National Parks und umfasst genau genommen über 50 kleine Inselchen. Die touristisch am meisten erschlossene Ko Lanta Yai bietet an den westlichen Stränden eine grosse Auswahl an Unterkünften und Restaurants, darunter «The Seven Seas Wine Bar & Restaurant», das 60 Meter über dem Meer liegt und eine wunderbare Sicht auf die Andamanensee bietet.

Weitere Informationen Thailändisches Fremdenverkehrsamt www.tourismthailand.ch Telefon +41 (0)31 300 30 88


Thail채ndisches Fremdenverkehrsamt, Z채hringerstrasse 16, CH-3012 Bern, Telefon 031 300 30 88, Fax 031 300 30 77 info@tourismthailand.ch, www.tourismthailand.ch, www.amazingthailand.ch www.facebook.com/TATSwitzerland

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LA BINOCHE DIE SCHÖNE WANDELBARE

Juliette Binoche gehört zu den ganz Grossen des franzö­sischen Kinos. Sie ist eigenwillig, anspruchsvoll und komplex – so wie ihre Filme. Zerbrechlich, melancholisch und wunderschön – so zeigt sie sich in ihren Filmen. Intelligent und äusserst sympathisch in unserem Interview. Eine Frau, die weiss, was sie will und kann.

Yvonne Beck

Moët & Chandon/Festival del film Locarno


CULTURE


CULTURE

S

ie ist eine der erfolgreichsten und einflussreichsten französischen ­Schauspielerinnen unserer Zeit. Neben 24 Nominationen und 26 Auszeichnungen gewann Binoche 1997 einen Oscar in der Kategorie «Beste Nebendarstellerin» für ihre Rolle in «Der englische Patient». Auch mit Filmen wie «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins» oder «Die Liebenden von Pont-Neuf» feierte sie internationale Erfolge und spielte sich in die Herzen des Publikums und der Filmkritiker. Ihre Popularität konnte sie mit Werken wie «Caché», «Chocolate», «Drei Farben: Blau» sowie einem ihrer neuesten Filme «Godzilla» weiter steigern. PRESTIGE traf Juliette Binoche auf dem Filmfestival Locarno auf der Piazza Grande nach der Verleihung des «Excellence Award Moët & Chandon» und sprach mit ihr über die Problematik des Älterwerdens, die inflationäre Filmindustrie und Bauchentscheidungen.

«Excellence Award Moët & Chandon» des Festival del film Locarno Der «Excellence Award» des Filmfestivals in Locarno würdigt seit 2004 das Talent und die Arbeit von herausragenden Schauspielerinnen und Schauspielern. Moët & Chandon unterstützt die Auszeichnung im sechsten Jahr in Folge. In den Vorjahren wurde der Preis an Chiara Mastroianni, Isabelle Huppert, Charlotte Rampling, Gael García Bernal, Sir Christopher Lee und Victoria Abril verliehen.

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CULTURE

PRESTIGE: Frau Binoche, Sie haben in Locarno den Moët & Chandon Award verliehen bekommen. Freuen Sie sich noch über solche Auszeichnungen? JULIETTE BINOCHE: Für Schauspieler sind Auszeich­ nungen wichtig. Denn alles, was wir schaffen, kann man nicht festhalten. Es ist nicht fassbar, daher ist ein Preis, den wir berühren können, etwas, was wir greifen können, wichtig. Wir brauchen das für unser Ego. So ein Preis ist ein  sehr schönes, warmes Gefühl. Ausserdem passt der Leopard sehr gut zu mir. Freiheit war mir schon immer sehr wichtig und der Leopard ist für mich ein Tier, das mehr als alles andere die Freiheit repräsentiert. Trotzdem nehme ich sonst selten solche Preise an.

Sind Sie etwa nach Ihrem Oscar für «The English ­Patient» wählerisch geworden? Ja, aber nicht durch den Oscar. Meiner Meinung nach geht man ein bisschen zu inflationär mit Auszeichnungen um. Es gibt in der Filmbranche zu viele Preise und Festivals. Stars werden häufig nur eingeladen, um sich mit deren Namen zu schmücken. Das Locarno-Filmfestival hat jedoch einen sehr guten Ruf und deshalb bin ich diesem gefolgt. Zudem lief in Locarno mein neuer Film «Sils Maria». In diesem Film spielt das Wetterphänomen – die so genannte «Maloja-Schlange» – eine grosse Rolle. ­Haben Sie dieses Phänomen bei den Dreharbeiten ­beobachten dürfen? Ja, bereits am allerersten Tag. Im Film hat dieses Phänomen jedoch auch eine symbolische Bedeutung … Ja, die Maloja-Schlange leiht zum einen dem von Maria Enders geprobten Stück den Titel, zum anderen zeigt sie die Verschleierung der verschiedenen Ebenen, die in dem

Film eine Rolle spielen, auf. Die Majola-Schlange ver­ schleiert und überdeckt also sowohl im eigentlichen als auch übertragenen Sinne. Eines der Hauptthemen des Films «Sils Maria» ist das Alter. Ein beliebtes Thema in der Filmindustrie. Allerdings fast ausschliesslich aus weiblicher Sicht. Haben Männer weniger Probleme mit dem Alter? Nein, das glaube ich nicht. Aus männlicher Sicht wird diese Thematik – wenn überhaupt – jedoch meist als Komödie gedreht … Ja, das stimmt. Ich denke, es ist für Männer nicht einfach, sich dieser Thematik zu öffnen. Vielleicht liegt es daran, dass in fast jedem Frauenmagazin seit Jahren über dieses Thema geschrieben wird. Die Wirtschaft hat hier auch eine gute Geldeinnahmequelle entdeckt. Es geht für Frauen doch immer in die Richtung: «Los, werdet jünger! Tut etwas gegen euer Alter und eure Falten.» Bei Männern ist das noch nicht so. Der gesamte Werbemarkt hat sich noch nicht so sehr auf sie eingeschossen. Inwieweit beschäftigt Sie als Schauspielerin diese Thematik? Natürlich bekommt man jetzt nicht mehr die gleichen ­Rollen angeboten wie vor 30 Jahren. Aber auch mit 25 ­habe ich nicht immer die Rollen bekommen, die ich gerne wollte. Jede Jahreszeit hat etwas Besonderes: Blüten im Frühling, Sonne im Sommer, bunte Bäume im Herbst und Schnee im Winter. Genauso ist es mit den verschiedenen ­Lebensabschnitten. Alles hat seine guten, aber auch weniger schöne Seiten. Im Sommer ist es warm, dafür nerven die Mücken. Das ist das Leben: vor und zurück, vor und zurück … Aber nur so können wir uns auch immer wieder erneuern. Wir leben in Zyklen.

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CULTURE

Sie bekommen viele Filmangebote. Was hat Sie dazu bewogen, gerade bei diesem Film zuzusagen? Die Geschichte zu «Sils Maria» hat mich einfach gefesselt. Ich konnte das Drehbuch nicht zur Seite legen, was immer ein sehr gutes Zeichen ist. Die Geschichte hat mich tief ­berührt. Es ist eine Geschichte mit grossem Tiefgang, mit vielen verschiedenen Ansätzen und Thematiken. Bei der Auswahl meiner Filmangebote vertraue ich vor allem ­meiner Intuition, meinem ersten Gefühl. Es gibt einfach Dinge, die ich tun muss. Ich folge meist meinem Bauch­ gefühl und nicht meinem Kopf. So war es auch bei diesem Film. Wie wichtig ist der Regisseur für Ihre Entscheidung? Es gibt immer Regisseure, mit denen man lieber arbeitet oder weniger gerne. Aber das weiss man meistens erst ­bei den Dreharbeiten. Ein guter Regisseur muss dem Schauspieler Raum zum Entfalten lassen. Besonders junge Regisseure wollen Schauspieler in eine festgesetzte Rich­ tung führen. Sie sind häufig so von ihrer eigenen Idee über­ zeugt, dass sie den Schauspieler nicht von der Leine lassen wollen. Viele haben jedoch auch Angst, etwas zu wagen, Fehler zu machen … gerade beim ersten Film ist der Druck sehr gross für junge Regisseure. Das kann ich sehr gut verstehen, aber ich brauche meinen Freiraum zum Spielen. Sobald ich etwas spiele, was der Regisseur nicht erwartet hat, versucht er, mich in meinem Spiel zu kontrollieren. Wer mit mir dreht, muss mir vertrauen und Geduld haben. Denn ich kann mich nicht kontrollieren, ich weiss vorher nicht, was geschieht. Man muss mich machen lassen. Ich mag Regisseure, die sich gerne überraschen lassen. Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor? Das kommt auf die Filme an. Bei manchen Rollen bereitet man sich besser nicht vor, das ist meine Art sich vorzu­ bereiten. Bei manchen muss man sich jedoch sehr gut ­vorbereiten, da die Rolle viel Text hat oder die Sprache

«Sils Maria» Im Film «Sils Maria» verkörpert Juliette Binoche die Schau­ spielerin «Maria Enders», die sich zusammen mit ihrer Assistentin «Valentine» (Kristen Stewart) in einen kleinen Ort in der Schweiz zurückzieht. Der Grund des Aufenthalts ist ein Rollenangebot, das sie in eine Existenz­k rise stürzt. Sie soll eine Rolle in der Neuauflage des Theaterstücks übernehmen, mit dem sie vor 20 Jahren ihren grossen Durchbruch hatte. Doch diesmal soll sie nicht die junge, ver­führerische «Sigrid» spielen, sondern deren Gegen­ spielerin, die gealterte «Helena». Fazit: ein vielschichtiger Film über Generationenkonflikte, Leidenschaften und heimliche Begehren.

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schwierig ist, einen bestimmten Akzent bzw. Dialekt ­aufweist. Bei «Sils Maria» musste ich beispielsweise sehr viel Text lernen. Am letzten Drehtag war ich wirklich k. o. Drehen ist wie Sport treiben. Ein Profisport mit langen Tagen, grossen Emotionen, grossen körperlichen und ­ ­geistigen Höchstleistungen. Der körperlich anstrengendste Film war sicherlich «Die Liebenden von Pont-Neuf». Wie viel steckt von Juliette Binoche in einer Rolle? Schauspielern ist sehr verbunden mit dem eigenen Sein. Es ist schwierig, hier eine klare Grenze zu ziehen. Deshalb werde ich auch häufig gefragt: «Wie ist Ihr Leben?» Man ist durch sein eigenes Leben inspiriert. Alles, was ich erlebt habe, alle Erfahrungen und Gefühle, die ich jemals durch­ lebt habe, transferiere ich in eine Kunstform. Und das ist das Glück des Schauspielers oder eines Künstlers. Das heisst aber nicht, dass ich meine Rollen bin. Trotzdem lasse ich das Publikum durch meine Filme an meinem Inneren und Privatleben teilhaben. Sie sind nicht nur Schauspielerin, sondern malen und tanzen auch. Mit welcher Kunstform können Sie sich am besten ausdrücken? Malen, tanzen, spielen ist etwas, was in mir steckt und ­herauskommen will. Im Grunde genommen ist alles das­ selbe. Bewegungen sind Gefühle, Farben sind Gefühle, Gesten sind Gefühle … Ich benutze die Malerei genauso wie das Schauspiel, um meine Gefühle zu offenbaren.


VOM

ESSEN IN DER KUNST

Das Thema Essen hat in der Kunst eine lange Tradition und reicht zurück bis zu den Fresken in Pompeji. Wenn die Maler ein paar Dinge zusammenstellten, sodass sie für sich ein Bild ­er­gaben, zeigten sie sehr oft Trink- oder Essbares: Früchte, erlegtes Wild, Brot und Käse, Karaffen und Kannen mit Wasser und Wein. Was da wie scheinbar zufällig auf den Tisch kam, signalisiert noch heute das Verfallsdatum des Lebendigen ebenso wie die Lust der irdischen Genüsse.

IM BANN DER

GRÜNEN FEE

Die «Absinthtrinkerin» (auch «Dans un café» oder «L’Absinthe») von Edgar Degas ist im Musée d’Orsay in Paris zu sehen. Der versunkene, weltentrückte­ Ausdruck der Frau ist auf die Inhaltsstoffe des Absinths, der vor ihr auf dem Tisch steht, zurückzuführen. Absinth ist ein Branntwein, der aus Wermutöl, Alkohol und Anis hergestellt wurde. Er wurde im 19. Jahrhundert gerne getrunken,­ weil er den Ruf hatte, ungewöhnliche Wahrnehmungen und Halluzinationen hervorzurufen. Bekanntestes Opfer des Absinths ist übrigens Vincent van Gogh, der sich im Rauschzustand ein Ohr abschnitt.

DIE

METAMORPHOSE DER

ORANGE

Michel Blazy achtet penibel auf die kleinen, unscheinbaren Dinge des Alltags und erfindet dynamische Definitionen. Mit ­Materialien aus Agrikultur- oder Supermärkten entwickelt er mikrokosmische Modelle für multidisziplinäre Unter­suchungen zum System des Lebens und entwirft gleich­zeitig – quasi als Jules Verne der Kunst – utopische Szenarien. Seine Arbeitsweise unter dem Motto «Werden und Vergehen» impliziert das Erfassen von Kreisläufen. Schimmelnde ­Lebensmittel haben es ihm besonders angetan.

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EINE DOSENSUPPE IM POP-ART-OLYMP Das in Acrylfarben gemalte Bild «Campbell’s Soup Cans» von Andy Warhol, entstanden im Jahre 1962, besteht aus insgesamt 32 einzelnen recht­ eckigen Leinwänden, auf denen jeweils eine fast identische Suppendose der Marke Campbell dargestellt ist. Das Pop-Art-Werk ist wie viele Bilder der 60er-Jahre der Alltagskultur, der Welt des Konsums, den Massenmedien und der Werbung entnommen. Als Andy Warhol 1961 seine Suppen­ dosen erstmals einem grösseren Publikum zeigte, war die Mehrzahl der Besucher ziemlich ratlos. Heute erzielt sein Werk Spitzenpreise.

BROT

AUF GEBETTET

Dass Kunst auch essbar sein kann, zeigt Jana Sterbaks «Bread Bed». Die Künstlerin ist unter anderem für ihre Werke, die sie aus Fleisch- und Steakstücken kreierte, bekannt, so zum Beispiel für die Werke «Vanitas: Flesh Dress for an Albino Anorectic» (1987) und «Chair Apollinaire» (1999). Ihre Werke thematisieren die Beziehungen zwischen Macht, Kontrolle und Sexualität sowie die Wechsel­ beziehungen zwischen dem Menschen und der Technologie.

RUDOLF II. ALS

VERTUMNUS

Giuseppe Arcimboldo hat auf diesem Ölgemälde den habsburgischen Kaiser Rudolf II. (1552–1612) verfremdet dargestellt. Vertumnus ist der etruskisch-römische Gott der Veränderung, Verwandlung. Als Sinnbild für die Veränderung, Verwandlung hat der Maler Blumen und Früchte ver­ wendet. Er will damit zeigen, dass sich das Pflanzenreich im Jahresablauf verändert. Wer das Gemälde im Original bestaunen will, muss das Schloss Skokloster in Balsta/Schweden besuchen.

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KOLUMNE

WILHELM J. GRUSDAT

AUS DEM LEBEN EINES GALERISTEN: MITTAG IST DANN, WENN DIE SONNE AM HÖCHSTEN STEHT. In München gehen – pardon – gingen die Uhren anders: genau sieben Minuten langsamer als Berliner Uhren. Mit dieser schon sprichwörtlich ge­ mütlichen Lebensart war es dann vor 130 Jahren vorbei, als man die Welt in 24 Zeitzonen einteilte und Europa eine einheitliche Zeitzone erhielt. Schade eigentlich. Vorbei sind die Zeiten, als man die Mittagszeit am Stand der Sonne ablas … Vor ein paar Wochen stand wieder die Zeit­ umstellung an, die immer wieder Anlass für Verwirrungen ist. Zum Beispiel war die Schweiz 1980 einen Sommer lang eine Zeitinsel, weil sie sich gegen die in den umliegenden Ländern gepflegte Sommerzeit entschied. So etwas gab es auch schon zwischen den beiden Berliner Stadtteilen vor dem Mauerfall: Ost-Berlin richtete sich nach der Moskauer Zeit, was einen Zeitunterschied von zwei Stunden zum westlichen Teil der Stadt bedeutete. Die Vorstellung einer einheitlichen Zeit bescherte dem modernen Menschen, der reist und Termine einhalten muss, das Phänomen der schwinden­ den bzw. der verschwundenen Zeit. Man ist heutzutage selten zu früh, aber häufig zu spät. Ganz wie der weisse Hase in Lewis Carolls Ge­ schichten um Alice im Wunderland, dem der Blick auf die Taschenuhr immer bestätigt, dass er keine Zeit hat. Taschenuhren waren übrigens anfangs reine Prestigeobjekte, weil sie notorisch ungenau gingen. Nicht weiter schlimm, weil diese Uhren auch nur Stunden, aber keine Minuten anzeigen konnten. Nebenbei bemerkt: Die Inspiration für die über­ wiegend einblättrigen, zerfliessenden Taschen­ uhren in dem wohl bekanntesten Gemälde von Salvador Dalí holte sich der Maler vom geschmolzenen Camembert, den er zum Abendessen hatte.

«Ich schätze auch das genussvolle Verschleudern von Zeit.»

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Wesentlich genauer, ja geradezu qualvoll genau, sind heutzutage Wecker. Wer das Klingeln eines Weckers hört, denkt nicht an Kunst, sondern ans Aufstehen. Nicht so der Maler Robert Rauschenberg in seiner Performance «Third Time Painting». ­Dafür stellte er die Lein­ wand so, dass das Publikum nichts vom Malakt des Künstlers sehen konnte. Über seitlich angebrachte Mikrofone konnte man aber seine Arbeitsanstrengungen, die Pinselstriche, das Aufkleben und Festnageln von Collageteilen hören. Mit dem Klingeln des We­ ckers, den Rauschenberg in der Mitte des Bildes befestigt hatte, beendete er sein Schaffen und trug das fertige Bild, ohne es dem Publikum zu zeigen, in einen anderen Raum. Auf diese Weise hatten die Zuschauer etwas miterlebt, das eigentlich nur dem Künstler vorbehalten ist: das Vergehen der Zeit während der Entstehung eines Kunstwerks. Andy Warhol fürchtete die Zeit und war vom Vergessen besessen. Für ihn war Zeit ein Sammel­ surium aus sozialen Kontakten, Kommunikation und mässig aufregenden Dingen. Damit die Erin­ nerung be­ginnen konnte, mussten all diese Dinge, die ihm zu Lebzeiten begegneten, gehortet und aufbewahrt werden. Über sechshundert solcher mit Zeitungsausschnitten, Notizzetteln, Fotos, Kleidung und Krimskrams gefüllten und sorgsam datierten Kartons entstanden auf diese Weise. Aus heutiger Sicht sind seine «Time Capsules» gleichermassen «Trash» und «Treasure», in denen sich Zeit verdichtet. In meinem Beruf als Galerist bin ich nicht nur vertraut mit Jetlag, Redeye-Flügen und dem Termin­druck, welcher die Suche nach Kunstwer­ ken und ihre Präsentation mit sich bringt. Ich schätze auch das genussvolle «Verschleudern» von Zeit, wenn ich mich mit Kunstwerken auseinandersetze und sich darüber Gespräche mit Kunden entwickeln, die mindestens so wundervoll sind wie Alices Wunderland.


Die rahmenlosen Schiebefenster von Sky-Frame gehen schwellenlos in ihre Umgebung über. Innenräume verwandeln sich so zu Aussenräumen und ermöglichen eine einzigartige Wohnatmosphäre: SKY-FRAME.CH


CULTURE

SCHWEIZER ORTE DER KUNST

USEUMS

P

Museen sind keine angestaubten Fossilien und «Kult-Touren» liegen bei Reisenden und Einheimischen im Trend. Auch die Schweiz hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten.

KUNSTMUSEUM BASEL

Foto: Kunstm

uesum Base

l, Mar tin P. Bü

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Das Museum beherbergt eine der grössten und ersten öffentlichen Kunstsammlungen Europas. Die Sammlung mit ihrer einzigartigen Geschichte umfasst Werke vom frühen 15. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Es beherbergt die Samm­ lungen der Galerie und des Kupferstichkabinetts. Die Schwerpunkte sind Malerei und Zeichnung oberrheinischer Künstler von 1400 bis 1600 sowie die Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts. Zudem besitzt es die grösste Sammlung der Welt von Arbeiten der Holbein-Familie. Die Renaissance ist ausserdem mit bedeutenden Werken von Konrad Witz, Martin Schongauer, Lucas Cranach dem Älteren, Matthias Grünewald und anderen vertreten. Einen Glanzpunkt im 19. Jahrhundert stellen die Gemälde des Baslers Arnold Böcklin dar. Bei der Kunst des 20. Jahrhunderts liegen die Haupt­ gewichte auf dem Kubismus (Picasso, Braque, Léger), dem deutschen Expressionismus, dem Abstrakten Expressionismus und amerikanischer Kunst seit 1950. Zeitge­ nössische Kunst ist im Museum für Gegenwartskunst ausgestellt. AKTUELL: Albrecht Dürer und sein Kreis & Caspar Wolf

KUNSTHAUS ZÜRICH Das Museum besitzt die bedeutendste Modernesammlung Zürichs und ist sowohl für seine permanente Kunstsammlung als auch für die temporären Ausstellungen bekannt. Neben Werken Alberto Giacomettis findet man wichtige Bilder von Picasso, Monet und Chagall sowie von zahlreichen zeitgenössischen Schweizer Künstlern. Zu den internationalen Schwerpunkten gehört die grösste Munch-Sammlung ausserhalb Norwegens. Auch die Expressionisten Kokoschka, Beckmann und Corinth sind mit mehreren Werken vertreten. Zu finden sind auch erlesene mittelalterliche Skulpturen und Tafelbilder sowie Höhepunkte der Schweizer Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts beispielsweise von Johann Heinrich Füssli oder Ferdinand Hodler. Neben der fast schon klassisch zu nennenden Pop-Art werden u. a. auch Werke von Rothko, Merz, Twombly, Beuys, Bacon und Baselitz sowie der Zürcher Konkreten präsentiert. AKTUELL: Egon Schiele – Jenny Saville & Javier Téllez

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CULTURE

COLLECTION DE L’ART BRUT Lausanne

AKTUELL: André Robillard

«Die Kunst legt sich nicht in gemachte Betten; sie läuft davon, sobald ihr Name ausgesprochen wird, denn sie schätzt das Inkognito. Am wohlsten fühlt sie sich, wenn sie vergessen hat, wie sie heisst.» Auf dieser zentralen Aussage des Künstlers Jean Dubuffet baut der Begriff «Art Brut» auf: Art-Brut-Künstler sind Schöpfer, die sich jeder kulturellen Konditionierung oder sozialen Anpassung entziehen. Es sind Patienten psychiatrischer Kliniken, Einzelgänger, Eigenbrötler, Häftlinge, Aussenseiter aller Art. Die Collection de l’Art Brut ist in der ganzen Welt bekannt und anerkannt.

VERKEHRSHAUS DER SCHWEIZ Luzern Das Verkehrshaus ist das umfassendste Museum für Mobilität in Europa. Mehr als 3000 Objekte auf über 20’000 Quadratmeter Ausstellungsfläche präsentieren die Entwicklung des Verkehrs auf Strasse, Schiene, auf dem Wasser, in der Luft und im Weltall. Im Lokomotiv-Simulator kann selbst eine gefahren werden. Die Swissarena ist eine 200 Quadratmeter grosse, begehbare Luft­ aufnahme des Landes. Zusatzangebote wie das Planetarium, das Filmtheater und die Swiss Chocolate Adventure runden das Angebot des Verkehrshauses ab.

FREILICHTMUSEUM BALLENBERG Brienz Seit den 70er-Jahren werden in der Schweiz alte Bauernhäuser, Ställe, Backhäuschen oder Scheunen nicht abgerissen, wenn sie modernen Bauten weichen müssen, sondern Stein für Stein abgebaut – und im Freilichtmuseum Ballenberg wieder errichtet. Was 1978 mit 16 typisch schweizerischen Gebäuden begann, ist heute eine umfangreiche Ausstellung mit rund 100 Wohn- und Wirtschaftsbauten aus der ganzen Schweiz auf einem 66 Hektar grossen Gelände: das Freilichtmuseum Ballenberg. Die historischen Gebäude und ihre Küchen, Kammern und Wohnstuben veranschaulichen das ländliche Alltagsleben in der Schweiz. Lebendig wird der Ballenberg dank der originalen und ursprünglichen Nutz- und Kulturbepflanzung, durch die über 250 einheimischen Nutztierarten und dank der mit traditionellen Werkzeugen arbeitenden Handwerks- und Bauersleute. Thematische Ausstellungen und spezielle Veranstaltungen zu Kultur und Brauchtum runden das Angebot ab.

FONDATION BEYELER Riehen Die Sammlung Beyeler hat 1997 mit dem Museumsbau von Renzo Piano einen öffentlich zugänglichen Ort erhalten. Mit rund 230 Werken dokumentiert sie den Blick des Ehepaars Hildy und Ernst Beyeler auf die Kunst des 20. Jahr­hunderts und vermittelt zentrale malerische Aspekte der Klassischen Moderne, von Monet, Cézanne und van Gogh über Picasso hin zu Warhol, Lichtenstein oder Bacon. Den Kunstwerken der Klassischen Moderne werden Objekte der Stammeskunst aus Afrika, Ozeanien und Alaska gegenübergestellt. AKTUELL: Peter Doig

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CULTURE

BASLER PAPIERMÜHLE Basel Untergebracht in einer mittelalterlichen Papiermühle bietet das Museum eine faszinierende Atmosphäre mit einer Mischung aus Museum und Produktionswerkstätten. Als eines der wenigen europäischen Museen pflegt und bewahrt die Basler Papiermühle historische Techniken an einem authentischen Ort. Im Jahre 2011 wurde das Gebäude der Basler Papiermühle umfassend saniert. Ebenso wurde die Dauerausstellung inhaltlich sowie gestalterisch gesamthaft erneuert, die Besucherführung neu konzipiert und attraktiver gestaltet. Mit erweiterten Angeboten an Besucheraktiv­ stellen, praktischen Demonstrationen sowie Workshops ist die Basler Papiermühle seit Mitte 2011 neu zu entdecken.

TECHNORAMA Winterthur Das Technorama ist ein in Europa einzig­artiges naturwissenschaftliches Lernzentrum mit über 500 Experimentierstationen. Auf spiele­ rische Weise erlebt der Besucher über Experimente Erkenntnisse in Physik, Technik, Technokunst und Wahrnehmung.

SAMMLUNG ROSENGART Luzern Die Sammlung Rosengart, das jüngste Museum der Stadt Luzern, präsentiert einzig­ artige Werkgruppen von Paul Klee und Pablo Picasso. Während die unvergleichliche Klee-Sammlung mit ihren 125 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen alle Schaffens­ perioden des Künstlers dokumentiert, konzentriert sich die Picasso-Sammlung auf die Zeit nach 1938, ergänzt durch eine Reihe von Zeichnungen aus früheren Epochen. Ebenfalls vertreten ist die Klassische Moderne mit Werken von bedeutenden Künst­ lern wie Cézanne, Monet, Matisse, Braque, Léger, Miró und vielen anderen.

Das Technorama Winterthur ist ein natur­­ wissenschaftlich orientiertes Experimentierzen­ trum. An über 500 Experimentierstationen auf 6500 Quadratmeter Ausstellungsfläche können physikalische Vorgänge wie Elektrizität, Magnetismus, die eigene Wahr­ nehmung oder Mathematik im wahrsten Sinne des Wortes begriffen werden. Hier ist probieren, anfassen, agieren, auslösen und selbst machen nicht nur erlaubt, sondern Pflicht. Dieser unmittelbare Umgang mit Naturerscheinungen verschafft Zugang zum wissenschaftlichen Denken. Ergänzt wird das Angebot durch verschiedene Vorführungen zu Themen wie Gas, Ozonloch und Treib­ hauseffekt, Blitze, Supraleitung oder Laser.

FONDATION PIERRE GIANADDA Martigny Die Fondation Gianadda in Martigny ist eine international bekannte Kulturstiftung mit vielseitigem Charakter. Das Museumsangebot reicht von archäologischen Ausstellungen über einen Oldtimer- und einen Skulpturenpark bis hin zu Kunst­ sammlungen und Konzerten. Man schrieb das Jahr 1976, als der Ingenieur, Künstler und Kunstförderer Léonard Gianadda in Martigny ein Haus bauen wollte. Die Bauarbeiten förderten jedoch die Überreste des ältesten galloromanischen Tempels der Schweiz zutage. Gianadda errichtete daraufhin ein Kulturzentrum statt eines Hauses und gründete die Stiftung Gianadda im Gedenken an seinen kurz vorher verstorbenen Bruder Pierre. Das Kulturzentrum beherbergt die Funde aus der galloromanischen Zeit und 50 Oldtimer-Automobile mit den Baujahren 1897 bis 1939, dazu wechselnde, weltberühmte Kunstausstellungen sowie Konzerte. Im grossen Park ist eine umfangreiche Sammlung von Skulpturen renom­ mierter Künstler des 20. Jahrhunderts zu sehen. AKTUELL: Anker, Holder; Vallotton

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KUNST ALS LEBENSPRINZIP NIKI DE SAINT PHALLE

Die Franko-Amerikanerin Niki de Saint Phalle war eine der berühmtesten und gleichzeitig obsessivsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Mit ihren über­ dimensionalen und knallbunten Frauenskulpturen («Nanas»), die aufgrund des offen zur Schau gestellten weiblichen Sexus auf viele provozierend wirkten, machte sie sich in den 1960er-Jahren schnell einen Namen. Zu dieser Zeit hatte Saint Phalle aber bereits ein bewegtes Leben hinter sich: Geboren 1930 in Paris, musste sie bereits als kleines Kind mehrere Wohnort- und Schulwechsel in Kauf nehmen. So hatte ihr Vater durch den Börsencrash von 1930 viel Geld verloren, woraufhin die ganze Familie in die USA übersiedeln musste. Nach einigen Modelaufträgen, einer gescheiterten Ehe und sich anschlies­ senden Sinnkrisen heiratete sie im Jahr 1971 den Künstler Jean Tinguely, der ihr auch die Schweizer Staatsbürgerschaft verschaffte. Gemeinsam mit ihrem neuen Ehemann realisierte sie verschiedene künstlerische Projekte, so unter anderem den bekannten Strawinski-Brunnen vor dem Centre Pompidou in Paris. 1998 wurde dann Saint Phalles lang gehegter Lebenstraum wahr: Sie eröffnete ihren eigenen Tarot-Garten im toskanischen Capalbio. Die lungenkranke Künstlerin, die ihren Hauptwohnsitz später im kalifornischen ­San Diego hatte, starb im Jahre 2002. Sie wurde 71 Jahre alt.

3 ZITATE «Als ich 25 war, habe ich zum ersten Mal Gaudis Garten in Barcelona gesehen, diesen grossen, wunderbaren, einzigartigen Garten. Und da wusste ich: Das ist mein Schicksal. Eines Tages werde ich auch so einen Garten machen.» «Die Männer in meinem Leben, diese Bestien, waren meine Musen, das Leiden, davon zehrte viele Jahre meine Kunst – ich danke ihnen.» «Ich werde die grössten Skulpturen meiner Generation machen. Grösser, höher und stärker als die der Männer.»

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CULTURE

IM DICKICHT DER GROSSSTADT

EIN SCHWEIZER IN

NEW YOR K

in New Yor k Schweizer Rudy Burckhardt Im Jahre 1935 liess sich der ropole, Met er dies sse Grö n iere sch nied er. Fas zini ert von der und dem ume ntalen Wolkenkrat zern dem Kontrast zwischen mon ann er, beg , hten hluc nsc sse Stra hek tischen Treiben in den und filmisch zu verarbeiten. seine Eindrücke fotografisch Lilly Steffen

S

The Estate of Rudy Burckhardt and Tibor de Nagy Gallery, New York

ein zurückhaltender Blick gilt vorerst den Gebäudedetails entlang den Gehsteigen sowie den zufällig angeordneten Schriftzügen auf Ladenfronten und Reklameschildern. Er ist fasziniert von banalen Objekten wie Abflussrohren und Hydranten und fotografiert sie wie anonyme Skulpturen, in gleichmässigem Licht, fast ohne räumliche Tiefe. Er fotografiert konsequent rechtwinklig zum Hintergrund, ohne sichtbaren Horizont, kontrolliert und streng komponiert, als sei die Stadt sein ganz privates Studio für Sachfotografie. Bald widmet er sich auch den Menschen, die diese Grossstadtbühne bevölkern. Er hält sie ab 1939 mit der Leica in flüchtigen, aber spannungsvollen Momentaufnahmen fest. Dabei vermeidet er bewusst den sozialkritischen Blickwinkel vieler seiner Zeitgenossen und konzentriert sich auf die alltäglichen, immer gleichen Bewegungen der Menschen in der Masse, auf die «Fast-Kollisionen» der meist gesichtslosen Figuren auf der Strasse. Oft ist sein Blick nach unten gerichtet, wiederum jeglichen Horizont vermeidend, um nur die Füsse und Beine der Männer und Frauen ausschnitthaft und in unendlichen Variationen festzuhalten.

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Rudy Burckhardts fotografisches Hauptwerk ist in relativ kurzer Zeit in New York entstanden. Es lebt vom Kontrast zwischen einem filmischen Blick auf die Hektik des Lebens und dem forschenden Blick eines Stadtingenieurs, es oszilliert zwischen flaneurhafter Poesie und formaler Strenge. Es ist weder der dokumentarischen noch der sozialkritischen Fotografie, weder der Reportage- noch der Sachfotografie zuzuordnen. Vielmehr eröffnet es eine unvoreingenommene und höchst persönliche Sicht auf die moderne Grossstadt, eine Sicht, die auch heute noch überrascht und fasziniert.

Ausstellung Lange Zeit war sei n Werk nur einem kleinen InsiderPublikum bekannt; anlässlich seines 10 0. Geburtstags wurde es als wichti ge r Beitrag zur int ernationale n Fotografie neu gewü rdigt. Die Fotostift ung Schweiz bietet mit der Ausst ellung «Rudy Burck ha rdt – Im Dickicht de r Gros sstadt» die Gelegen heit, das foto­ grafische und filmisc he Werk dieses eig enwilligen Künstlers neu zu en tdecken. Fotostiftung Schw eiz , Winterthur bis 15. Februar 20 15 ww w.fotostif tung.c h


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CULTURE

ZU BESUCH BEI ONKEL

TAA Eine Fundgrube f체r Liebhaber der Habsburger Monarchie mit einer Vielfalt an Antiquit채ten und kuriosen Ausstellungsst체cken. Yvonne Beck

Onkel Taa & Partschins Tourismus

Onkel Taa: ein echtes Unikum und grosser Franz-Joseph-Fan.

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CULTURE

Eine Reise in die Vergangenheit. Hunderte von alten Schlüsseln zieren das Reich von Onkel Taa.

B

ei Onkel Taa taucht man ein in eine fabelhafte Welt. Der Südtiroler Karl Platino scheint alles zu sammeln, was ihm in die Hände kommt. Sein Reich ist ein einziges Sammelsurium. Seine ganz besondere Leidenschaft ist jedoch die Zeit des Kaiserreiches.

Bad Egart gilt als ältestes Badl Südtirols

Die Versöhnungskapelle stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. In ihr haben über die Jahre etliche Besucher Wünsche und Gedanken schriftlich auf kleinen Briefen hinterlegt.

Der Schneckenkönig Italiens lässt seine Spezialität in Serviettenform über die Teller kriechen.

Die Quelle wurde nachweislich seit 1430, vermutlich aber schon seit der ­Römerzeit für Trink- und Badekuren benutzt. Der leidenschaftliche Sammler Onkel Taa hat in über 50 Jahren Sammelleidenschaft das alte Badl als Ausstellungsbereich umgestaltet. Er errichtet hier sein ganz persönliches Kaiserreich. Eine Schatztruhe mit Raritäten von Sisi und Kaiser Franz Joseph I. Neben zahlreichen Portraits beherbergt das Museum viele persönliche Gegenstände von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth – besser ­bekannt als Sisi – sowie k. u. k. Raritäten von Kronprinz Rudolf bis hin zu Kaiser Karl und Erzherzog Johann. Ob Orden, Postkarten oder Kleidung: Die Sammlung umfasst insgesamt über 4000 Stücke aus der Zeit des Kaiser­reiches. Liebhaber vergangener Lebensstile werden zudem ihre Freude an der Biedermeierküche sowie dem Tante-Emma-Laden aus der k.u.k. Zeit haben. Puppenliebhaber können Puppenstuben, Puppen, Porzellanfiguren und Spielsachen aus dem 19. Jahrhundert bewundern. Daneben gibt es über 60 antike Vitrinen, Kleinkunstsammlungen, Jugendstil, sakrale Kunst, gotische Werkzeuge, Schnitzereien, Historismus, Erotika, eine Steingutsammlung, Mineralien und Fossilien, aber auch zahlreiche Antiquitäten und Heimatsammlungen zu sehen. Die gesamte Anlage, mit Tausenden von Antiquitäten und kuriosen Ausstellungsstücken, ist als Gesamtkunstwerk konzipiert und eine Fundgrube für Liebhaber der alten Kaiserzeit. Wen nach der Besichtigung der Hunger plant, der sollte in Onkel Taas Restaurant einkehren. Der Schneckenkönig Italiens serviert Spezialitäten ­ aus der hauseigenen Schneckenzucht und, wie sollte es anders sein, die ­k. u. k. Hofküche mit Kaiser Franz Josephs Lieblingsspeisen.

k. u. k. Museum Bad Egart Bahnhofstrasse 17 39020 Töll – Partschins www.onkeltaa.com

Im Museum gibt es tausende Raritäten und Exponate aus der k.u.k. Zeit zu bestaunen. Kaiserin Sisi ist mit vielen Fotografien und Gemälden vertreten. Selbst ein Handschuh der Kaiserin gelangte in Onkel Taas Besitz.


CULTURE

EIN BUCH DER SUPERLATIVE

BIRDS OF AMERICA

J

Die alten Grafiken von John James Audubon zählen zu den begehrtesten Sammlerobjekten Amerikas. Seine nordamerikanischen Vögel erzielten bei Sotheby’s einen Rekordpreis von circa 8,72 Millionen Euro. Und zählen somit zu den teuersten gedruckten Büchern aller Zeiten.

ohn Audubon grosse Leidenschaft waren Vögel, Zeichnen und Jagen. Bereits mit Anfang 20 begann er, die Vogelwelt Nordamerikas in ­lebensgrossen Abbildungen zu katalogisieren. Beim Malen der Vögel ging er immer nach dem gleichen Schema vor: Zunächst schoss er die Tiere, wobei er sehr feines Schrot verwendete, um die Beschädigung der Körper möglichst gering zu halten. Dann benutzte er Drähte, um die Vögel in natürlich wirkenden Positionen zu fixieren und sie zu zeichnen. Mit dieser Anlehnung an die Natur hob Audubon sich von den übrigen naturwissenschaftlichen Zeichnern seiner Zeit ab und legte den Grundstein für seinen späteren Erfolg. Die Schaffung jeder einzelnen Grafik war mühsam. Die Stiche mussten in einem riesigen Format erstellt werden, denn John Audubon bestand darauf, dass alle Vögel in ihrer tatsächlichen Grösse abgebildet wurden. Danach musste jedes einzelne grafische Blatt von Hand koloriert werden. Der Druck war ein ziemlich gewagtes Unterfangen, denn das Ergebnis war das grösste Buchformat, das damals möglich war: 103 mal ­69 Zentimeter. Um auch die ganz grossen Vögel wie die Flamingos in ihrer tatsächlichen Grösse abbil-

Buchraritäten Eine gut erhaltene Gutenberg-Bibel würde bei einer Auktion heutzutage zwischen 30 und 50 Millionen Dollar einbringen. Seit über 30 Jahren wurde aber kein derartiges Exemplar versteigert. Das teuerste Buch der Geschichte ist allerdings der «Codex Leicester» (auch als «Codex Hammer» bekannt): Bill Gates erstand die gebundene Sammlung von Blättern mit handschriftlichen Notizen und Zeichnungen Leonardo da Vincis 1994 für 31 Millionen Dollar.

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den zu können, stellte John Audubon sie nach unten gebückt dar – mit komisch verdrehten langen Hälsen. Bis zum Jahre 1838 e ­ rschienen insgesamt vier Bände mit insgesamt 435 grafischen Drucken. Alle 435 Blätter waren handkoloriert und zeigten insgesamt 1 0 65 ver­schiedene Vogelarten. Und die Veröffentlichung war ein kommerzieller Erfolg. Ein kompletter Satz kostete den damals enorm hohen Be­trag von 1 000  US-Dollar. John Audubon konnte mehr als 200  Sätze verkaufen. Den Verkauf einzelner grafischer Blätter lehnte er stets ab. Aus diesem Grund sind alte Grafiken von Audubon heute so ­selten. Noch heute gilt das Werk «Die Vögel Amerikas» als Mas­sstab zeichne­ ri­ schen Könnens für Natur­maler.


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Pastellfarben sind auch im Winter gefragt. Vor allem die Farbe Rosé lässt sich gut tragen und kombinieren. Der Stil erinnert an die 60er und 70er Jahre. Kurzgeschnittene Mäntel und Miniröcke haben hier ihren Ursprung. Eine Mischung aus Vintage und Moderne ergibt eine erfrischende Kombination aus bestehenden und neuen Klassikern.

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CULTURE

DAGOBERT DER KAUFHAUSERPRESSER

25. Mai 1988: Ladenschluss im Berliner Kaufhaus des Westens. Ein unbekannter Bombenleger hat in der Herrenabteilung einen Sprengsatz versteckt. An diesem Abend beginnt die spektakulärste Erpressungsserie der deutschen Kriminalgeschichte. Yvonne Beck

M

itten in der Nacht geht im KaDeWe eine Bombe hoch. Niemand wird verletzt. Aber der Schaden ist hoch: 250’000 Mark. Kurze Zeit ­später erhält das Kaufhaus einen Erpresserbrief. Der Bombenleger fordert 500’000 Mark, andernfalls droht er mit weiteren Anschlägen. Das Kaufhaus des Westens stellt das Geld zur Verfügung, denn die Geschäftsführung will verhindern, dass bei weiteren Anschlägen Menschen verletzt werden. Der Erpresser entkommt mit dem Geld und taucht unter in der ­Normalität der Vorstädte. Dorthin, woher er gekommen ist. Sein Name: ­Arno Funke.

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CULTURE

Wie alles begann … Schon von Kindesbeinen an malt Arno Funke. Er ist Autodidakt. Seine Themen: Einsamkeit, Angst und Eingesperrtsein. Einblicke in sein Seelenleben. Nach aussen spielt er den unbekümmerten Spass­ vogel, doch innerlich leidet er. Ist oft krank, hat Schwindelanfälle und Depressionen. Funke geht selten zur Arbeit. Er trinkt und häuft Schulden an. 1988, im Alter von erst 38 Jahren, ist er bereits am absoluten Tiefpunkt. Er denkt an Selbstmord. Doch anstatt sich umzubringen, fängt er an, Bomben zu bauen. Für ihn ist es eine Verzweiflungstat, die ihm ein neues Leben ermöglichen soll. Sein Plan geht auf. 500’000 Mark Beute. Im Ausland tauscht Funke die registrierten Scheine um und macht ausgiebig Ferien. Er fährt auf die Philippinen, lernt dort eine junge Frau kennen, die er später in Deutschland heiratet. Sie bekommen einen gemeinsamen Sohn und leben einige Zeit finanziell auf grossem Fuss. Arno Funke ist überglücklich.

Der Name Dagobert wird geboren Nach einiger Zeit plagen ihn jedoch wieder Existenz­ ängste. Ihm bleiben zwar noch 100’000 Mark aus der ersten Erpressung, doch er hat kein weiteres Einkommen. So fährt er jeden Tag in seine kleine Werkstatt und bastelt. Wieder einmal an einer Bombe, denn er will nochmals ein Kaufhaus erpressen. Im Juni 1992 ist der Bombenleger Arno Funke wieder unterwegs. Diesmal nach Hamburg. In einer Karstadt-Filiale deponiert er eine selbst gebastelte Rohrbombe. Eine Stunde nach Mitternacht geht sie in der Porzellanabteilung hoch. ­Verletzt wird wiederum niemand, aber der Sachschaden ist gross. Diesmal fordert Funke eine Million Mark. Wenn Karstadt zahlungsbereit sei, soll im Hamburger Abendblatt eine Anzeige erscheinen: «Dagobert grüsst seinen Neffen.» Ab diesem Zeitpunkt hat der Erpresser einen Namen. Zwei Wochen später meldet sich der Erpresser per Telefon. Dagobert lotst die Polizei zu einem Bahnhofsschliessfach, darin finden die Beamten weitere Anweisungen und eine raffinierte Abwurfvorrichtung mit Zeitschaltuhr. Sie sollen das Geld hineinlegen und am letzten Wagen des Intercity

von Hamburg nach Berlin anbringen. Schon bald verlässt der IC mit dem Geldpaket Hamburg. Alles ist für die Übergabe vorbereitet. Der letzte Waggon ist mit Polizeibeamten besetzt. Anhand der Zeitschaltuhr hat die Polizei errechnet, wo der Er­ presser das Geldpaket voraussichtlich absprengen wird. Am errechneten Abwurfort sind weitere Polizeibeamte postiert. Er liegt gut 100 Kilometer hinter Hamburg. Doch Dagobert ist den Polizisten wie immer einen Schritt voraus und sprengt bereits an Hamburgs Stadtgrenze das Paket vom Zug. Die Zeitschaltuhr war eine Attrappe. Bis die überraschten Beamten den Zug gestoppt haben und die Verfolgung aufnehmen können, hat der Erpresser ausreichend Vorsprung. Sein Plan ist aufgegangen. Jedoch nur scheinbar, denn das angebliche Millionenpaket ist eine Mogelpackung. Die Polizei hat eine riskante Entscheidung getroffen: Der Erpresser soll kein echtes Geld bekommen.

© Aro Funke: RTL

Arno Funke alias Dagobert ist ein Phänomen der Kriminalgeschichte. Er jagte Bomben in die Luft, verursachte mehrere Millionen Mark Schaden, versetzte die Polizei über Jahre hinweg in Alarmbereitschaft und trotzdem verehrte man ihn als Held. Als einen Robin Hood, der die Staatsgewalt austrickste.


CULTURE

Immer einen Schritt voraus … Dagoberts nächstes Ziel ist eine Karstadt-Filiale in Bremen. Seine neue Rohrbombe richtet immensen Schaden an. Nach Ausbruch eines Feuers ruiniert die Sprinkleranlage den gesamten Warenbestand. Der Schaden beträgt über sechs Millionen Mark. Hunderte Polizeibeamte beschäftigen sich nur noch mit dem Fall Dagobert, doch immer wieder entwischt ihnen der Erpresser bei versuchten Geldübergaben. Am 19. April 1993 kommt es zu einem neuen Versuch. In einem Schliessfach deponiert Funke einen Schlüssel, der zu einer ­ Streusandkiste auf einem Parkplatz passt. Das Geldpaket soll in der Kiste abgelegt werden. Was die Polizei nicht weiss: Die Kiste steht auf einem offenen Kanalschacht, den Funke nur oberflächlich zubetoniert hat. Als er hört, wie das Paket oben abgelegt wird, zerschlägt er unterirdisch den dünnen Beton und kann das Paket an sich nehmen, ohne bemerkt zu werden. Die Über­ ­ gabestelle hat er zuvor tagelang als Bauarbeiter getarnt präpariert. Doch wiederum sind im Paket nur Papierschnipsel. Dagobert fühlt sich nicht ernst genommen und baut eine erneute Bombe, die er am 6. Dezember mitten im Weihnachtsgeschäft zündet. Verletzt wird niemand, doch der Karstadt-Konzern und die Polizei beginnen an ihrer bisherigen Strategie zu zweifeln. Bei der nächsten Übergabe soll echtes Geld eingesetzt werden. Diesmal hat sich Dago­ bert etwas ganz Besonderes ausgedacht. Telefonisch dirigiert er den Boten zu einem verlassenen Bahngelände. Der Geldbote legt das Geld wie angewiesen auf eine selbst gebaute Lore, die ­ ­Dagobert auf einem stillgelegten Gleis installiert hat. Per Knopfdruck schickt er das Gefährt dann in die Nacht. 1,4 Millionen fahren in die Dunkelheit. Pech für Dagobert: 23 Meter vor seinem Versteck entgleist die Lore. Dagobert entkommt zwar, aber wieder ohne Geld.

Düsentrieb versus Dagobert Wieder taucht er im Gewühl der Grossstadt unter. Doch das Geld aus der ersten KaDeWe-Erpressung ist längst ausgegeben. Er lebt von Sozialhilfe. Um seine Vorbereitungen zu zahlen, hat er sich Geld geliehen. Wieder hat er Schulden. Dagobert will das Geld unbedingt, aber langsam ist er einfach

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erschöpft und gefrustet. Er wird leichtsinnig und wird nach einem Anruf bei der Karstadt-Zentrale überwältigt. Kurze Zeit später macht man ihm den Prozess: Dagobert wird wegen schwerer räube­ rischer Erpressung zu 9,5 Jahren Haft verurteilt. Nach sechs Jahren wird Arno Funke wegen guter Führung entlassen. Schon in der Haft fing er an, als Karikaturist für eine Satirezeitschrift zu arbeiten, bei der er heute angestellt ist. 1998 veröffentlichte Funke eine Autobiografie («Mein Leben als Dago­ bert») und 2004 ein Buch mit Karikaturen und G eschichten («Ente kross»), in dem er mit der ­ ­Comicfigur abrechnet, mit der er heute noch assoziiert wird. Funke schwamm nie wirklich im Geld. Jedoch zeigte er sich als intelligenter Tüftler und Erfinder. Sein IQ liegt bei 120. Das kommt nur bei 10 Prozent der Bevölkerung vor. Im sprachfreien Bereich liegt sein IQ sogar bei 145. Die absolute Obergrenze. Vielleicht hat er einfach den falschen Namen gewählt. Düsentrieb hätte viel besser zu ihm gepasst als Dagobert. Funke hat Schäden in Höhe von zehn Millionen Mark verursacht. Die Kosten der umfangreichen Polizeieinsätze wurden nicht ermittelt, dürften aber Schätzungen zufolge weit über der Schadenssumme liegen.


SHINES BRIGHT LIKE A DIAMOND SCARLETT JOHANSSON

Unter allen Hollywood-Sternchen strahlt die Schau­ spielerin Scarlett Johansson derzeit eindeutig am hellsten. Mit gerade einmal 29 Jahren kann sie ­bereits auf eine atemberaubende Karriere zurückblicken und gehört nach wie vor zu den best­be­ zahlten Schauspielerinnen der Welt. Ihre virtuosen Auftritte in Kassenschlagern wie «Lost in Trans­ lation» oder «Match Point» haben die Zuschauer auf der ganzen Welt verzaubert, und auch als Werbebotschafterin von Louis Vuitton, SodaStream

und Mango weiss sie ihre Reize perfekt in Szene zu setzen. Doch der Ruhm ist ihr nie zugeflogen, von Kindesbeinen an hat sie sich ihn mit eiserner Disziplin und viel Durchhaltevermögen erarbeiten müssen. So hatte sie ­ schon im Alter von sieben Jahren ihre ersten Auftritte auf New Yorker ­Bühnen  und besuchte private Schauspielschulen für Kinder. Heute lebt die sexy Blondine zusammen mit ihrem Lebensgefährten Romain Dauriac, Chef einer erfolgreichen Werbeagentur, in Paris und geniesst das süsse fran­ zösische Leben. Und auch in den nächsten Monaten wird sie es wohl noch etwas ruhiger angehen lassen: Das Hollywood-Sternchen ist gerade Mutter geworden.

3 FRAGEN Wann haben Sie das erste Mal erkannt, dass Sie schauspielerisches Talent haben? Recht früh! Ich habe bereits mit acht Jahren in Filmen mit­ gespielt und war auch immer ein sehr extrovertiertes Kind. Die Freude am Singen, Tanzen und Improvisieren scheint mir jemand in die Wiege gelegt zu haben. Wer denn? Sind Sie in einer Künstlerfamilie aufgewachsen? Nein, das nicht. Aber meine Mutter ist eine grosse Cineastin und hat mir immer viele Filme und Musicalaufnahmen ge­ zeigt. Sie liebt vor allem die Streifen von Elia Kazan und John Cassavetes – nicht der schlechteste Ausgangspunkt für eine Schauspielkarriere! Neben Ihrer schauspielerischen Tätigkeit machen Sie auch noch bei vielen anderen Projekten mit. Was bedeutet Ihnen die Arbeit jenseits der Filmsets? Alle Projekte, die nichts mit Schauspielerei zu tun haben, sind sehr wichtig für mich. Sie erlauben es mir, meinen Horizont zu erweitern und mich selbst besser kennenzu­ lernen.

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365 Tage im Jahr

Weihnachtsstimmung

Im «Weihnachtshaus» am Spalenberg in Basel können Weihnachtsenthusiasten das ganze Jahr über traditionellen und handgemachten Weihnachtsschmuck und saisonale Dekorationsartikel kaufen. Weihnachtskugeln in allen Farben, Glasvögel mit Glasfaserschwänzchen, wie sie heute nicht mehr hergestellt werden, und 40-jähriger Weihnachtsschmuck lässt das Herz jedes Christkindfans höherschlagen.

New York

Christmas Shopping

Wenn sich die Schlittschuhfahrer zu Füssen des «Rockefeller Center» unter dem wohl bekanntesten Baum der Welt drängen, dann ist Weihnachten in New York. Per Kaufrausch stimmen sich Millionen von Touristen auf das Fest der Liebe ein. In der Innenstadt weihnachtet es fast an jeder Fassade. Vor allem die «5th Avenue», eine der bekanntesten Strassen der Welt, glitzert und funkelt. Einmalig sind die Schaufenster zur Weihnachtszeit. Allen voran die Fenster von «Macy’s», dem grössten Geschäft der Stadt. Hier staunen nicht nur Kinderaugen.

Sexy & Frivol

Weihnachtsmarkt mal anders – Hamburg macht’s vor! Der Weihnachtsmarkt auf St. Pauli, Hamburgs sündiger Meile, kombiniert konventionelle Weihnachtstradition mit frivolem Kiezleben. Santa Pauli lockt mit Live Musik und heissen Engeln. An den Ständen gibt es alles, was auf einen Kiezweihnachtsmarkt gehört. Inmitten des Weihnachtsmarktes lässt die «Pink Christmas Disco» der «WunderBar Hamburg» mit wechselnden DJs die Herzen aller Dancing Queens höherschlagen. Traditionell wird die (be-)sinnliche Vorweihnachtszeit auf dem Kiez von Kult-Drag-Queen Olivia Jones eingeläutet.


Zu Besuch beim

Weihnachtsmann

Es gibt ihn wirklich: den Weihnachtsmann. Im finnischen Rovaniemi können sich grosse und kleine Besucher mit ihm fotografieren lassen. Oder am so genannten «Welt-­ Drehgeschwindigkeits-Regulator» drehen. Nur dank ihm kann er alle Geschenke rechtzeitig ausliefern. Das Büro des Weihnachtsmannes hat zwar das ganze Jahr geöffnet, im Winter strahlt es jedoch ganz besonders den Glanz des Weihnachtsfestes aus.

WINTER’S DIARY

Bühne frei fürs

Himmelsspektakel!

In nördlichen Ländern sind Polarlichter mit ihren farbig leuchtenden Schleiern die grosse Attraktion des Winters. Das Naturphänomen «Aurora Borealis» lässt sich am besten im nördlichen Teil Skandinaviens, in Nordschottland, Svalbard, Island, Grönland, Kanada, Alaska und Nordsibirien beobachten. Wer einmal den Tanz der Lichter am Himmel gesehen hat, wird ihn so schnell nicht mehr vergessen.

Ice, Ice Baby

Das einzigartige «Icehotel», ein Kunstprojekt, das zum Hotel wurde und in Jukkasjärvi, einem winzigen Örtchen 200 Kilometer nördlich des Polarkreises liegt, gibt es bereits seit mehr als 20 Jahren. Hier schläft man im warmen Schlafsack auf einem Eisblock, der mit einer Matratze und weichen Rentier­ fellen bedeckt ist. Jedes Jahr wird aus Tausenden Tonnen Eis und Schnee ein neues Eishotel gebaut. Architekten und Künstler aus aller Welt erschaffen all­ jährlich mit märchenhaften Skulpturen und Kunst­ werken ein wahres Meisterwerk. Egal wie kalt es draussen auch ist, im Innern des Eishotels herrscht eine konstante Temperatur von minus fünf bis acht Grad.

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TRADITION TRIFFT AUF INNOVATION Wer aufhört, besser zu werden, hat sich schon längst davon verabschiedet, gut zu sein. Diese Erkenntnis gilt nicht nur für Bereiche der Hochtechnologie, sondern auch für die gute alte Uhrmacherei, deren Geschichte Hunderte von Jahren zurückreicht. Tradition ist gut und schön, geredet wird jedoch in erster Linie über Innovationen. Gisbert L. Brunner

U

nd «etwas, worüber nicht gesprochen wird», konstatierte schon Oscar Wilde, «das ist in unserer Zeit gar nicht geschehen.» In diesem Sinne bemüht sich die Industrie beständig um Innovationen, welche für Gesprächsstoff sorgen und potenzielle Kunden zum Besitzen wollen animieren. Traditionsgemäss verwenden Uhrmacher für ihre tickenden Kleinodien ­Messing, Neusilber, Eisen oder Stahl und Steine zum Lagern der rotierenden Komponenten. In den 1930er Jahren gesellten sich präzisionssteigernde ­Legierungen wie beispielsweise Nivarox und Glucydur hinzu. Die Hersteller von Gehäusen griffen für ihre Produkte im Allgemeinen zu Messing, Eisen, Stahl, Silber, Gold oder Platin, denn auch hier wurde Althergebrachtes stets in Ehren gehalten. Natürlich gelten die überlieferten Werte auch heutzutage weiter. Aber wie gesagt, wer sich nicht bewegt, kann ganz schnell abgehängt werden. Schon seit den 1970er Jahren gehören neue Materialien und Legierungen zum chronometrischen Geschehen. Kunststoffe, Titan, Keramik, Silizium oder künstlicher Diamant sind nur einige Beispiele. Fotolithographische Verfahren gestatten die Herstellung ausgesprochen komplexer Metallteile. Innovative Beschichtungen, unter anderem auf Metall, bringen nicht nur eine andersartige Optik, sondern auch ungeahnte Härte. Andere Manufakturen, darunter auch sehr traditionell orientierte, können und wollen sich neuartigen Werkekonstruktionen nicht verschliessen. Für sie bedeutet Stillstand nämlich Rückschritt. Und zum Wesen der kostbaren, weil ständig fortschreitenden Zeit gehört nun einmal auch der Wandel.

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WATCHES JEWELLERY

Manche Dinge könnten so einfach sein, wenn sie nicht so schwierig wären. Deshalb bleibt es beispielsweise nur wenigen Uhrenmanufakturen wie beispielsweise Glashütte Original vorbehalten, die gangregelnden Komponenten eines klassischen Automatikwerks nach vorne zu kehren und die ganze Faszination mechanischer Zeitmessung so den Augen neugieriger Betrachter zu präsentieren. Für dieses Kunststück braucht es deutlich mehr als nur etwas Phantasie und den Wunsch, durch gestalterische Exklusivität zu glänzen. Mit Hilfe jener uhrmacherischen Manufakturkompetenz, welche Glashütte Original seit dem Fall der Mauer auszeichnet, gelang die Entwicklung des feinen Manufakturkalibers 66-06. Als einzigartigen mechanischen Leckerbissen besitzt es die exklusive Duplex-Schwanenhals-Feinregulierung. Die augenfällig auf der Unruhbrücke montierte Delikatesse erlaubt eine ­besonders präzise Einstellung von «Abfall» und «Gang» des tickenden Mikrokosmos. Wegen dieser Merkmale wäre es allzu schade, wenn diese Baugruppe ihr Dasein auf der Rückseite fristen müsste. Dort also, wo sie eigens Eingeladene zu sehen bekommen würden. Das Wenden des mit vier Hertz munter oszillierenden Blickfangs brachte jede Menge konstruktiver Arbeit mit sich. Viele Komponenten mussten die Techniker neu gestalten. Dazu gehörten die veränderte Position der liebevoll gravierten Unruhbrücke, eine Überar­ beitung der gesamten Aufzugspartie und auch eine Neugestaltung der Unruhbremsfeder für den Sekundenstopp. Darüber hinaus haben die Konstrukteure ein Zwischenrad zur Laufrichtungskorrektur integriert und die Zifferblattbefestigung neu konzipiert. Dieses Bündel an Innovation zog die Notwendigkeit nach sich, alle drei Platinen sowie die Getriebe für das eigentliche Uhrwerk vollständig zu überarbeiten. Unverzichtbar war natürlich das grosse Panorama­ datum in dem andersartigen, mit präzisem Streifenschliff dekorierten «Zifferblatt» der «PanoMaticInverse». Ihr 42 Millimeter grosses Gehäuse gibt es in Rotgold oder Edelstahl.

GLASHÜTTE ORIGINAL

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MEISTER PRESENTS

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EDES EINZELNE SCHMUCKSTÜCK IST EIN EINZIGARTIGES KUNSTWERK. SEIT 1881 KREIERT MEISTER JUWELIER IM HERZEN VON ZÜRICH WUNDERVOLLE SCHMUCKSTÜCKE UND PRÄSENTIERT RENOMMIERTE, HOCHWERTIGE MARKEN. DAS COLLIER UND DIE DAZUGEHÖRIGEN OHRRINGE AUS DER KOLLEKTION «MEISTER 1881 COLLECTION» IN WEISSGOLD SIND EIN DISTINGUIERTES BEISPIEL DER HOCHWERTIGEN SCHMUCKKOLLEKTIONEN.

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Ende der 1950-er Jahre stellte Blancpain die alltagstaugliche Taucheruhr ­Bathyscaphe vor. 2013 erfolgte eine Neu-Interpretation dieses Zeitmessers. In dieses Jahr tat das Swatch-Group-Mitglied einen weiteren Schritt in die Zukunft dieses Zeitmessers. Das neu entwickelte Automatik-Kaliber F385 besitzt einen Chronographen mit Temposchaltung, auch Flyback genannt. Eine seiner Besonderheiten besteht in der hohen Unruhfrequenz von fünf Hertz oder stündlich 36’000 Halbschwingungen. Das gestattet Stoppungen auf die Zehntelsekunde genau. Und zwar, wenn es sein muss, auch noch 300 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Unruhspirale des Newcomers besteht aus leichtem, hoch elastischem und vor allem amagnetischem S ­ ilizium. Mechanik-Liebhaber können sie durch den Saphirglasboden des 43 ­­ Millimeter grossen Keramikgehäuses betrachten. Der innovative Charakter dieses sportiven Zeitmessers setzt sich fort in einer selbstverständlich nur einseitig drehbaren Keramiklünette mit LiquidMetal-Indexierung. Dabei h ­ andelt es sich um eine patentierte Metallglaslegierung, welche sich dank ihrer amorphen Struktur nahtlos mit dem gleichermassen harten wie kratz­festen Träger­ material verbindet.

BLANCPAIN

WATCHES & JEWELLERY

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BEYER PRESENTS

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AS WUNDERSCHÖNE COLLIER UND DIE DAZUGEHÖRIGEN   OHRRINGE DER KOLLEKTION «MERMAID» VERLEIHEN JEDER FRAU EINEN HAUCH VON MAGIE UND ELEGANZ. DIE SCHMUCKSTÜCKE BESTEHEN AUS WEISSGOLD, DEM FARBSTEIN AQUAMARIN UND SIND MIT DIAMANTEN BESTÜCKT.

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WATCHES & JEWELLERY

HUBLOT Hublot steht bei Fussball-Profis und Fans dieses Breitensports ganz oben in der Gunst. Der «Big Bang Unico Chrono Bi-Retrograde Ceramic Carbon» dürfte die Tatsache, dass die Manufaktur den Fussball liebt, noch zusätzlich untermauern. Dieser 45,5 Millimeter grosse Bolide und die darin tickende Manufaktur-Automatik HUB 1260 «Unico» wurden hinsichtlich ihrer Funktionen nämlich exakt auf diese Sportart mit ihren zwei Halbzeiten à 45 Minuten plus eventueller Nachspielzeit abgestimmt. Wer diesen Stopper bei sich trägt, ­erlebt nicht nur ein spannendes Match, sondern auch ein faszinierendes ­retrogrades Schauspiel. Zwei rückspringende Zeiger erfassen nach dem Betätigen des gelben Start-Drückers die seit dem Anpfiff verstrichene Zeit. ­Einer die Sekunden, der andere die Minuten. In einem Fenster bei der «12» lässt sich die jeweilige Halbzeit ablesen. Weil die Zeit auch im heissesten Spielfeld-Getümmel niemals stehen bleibt, drehen sich bei der «6» zwei Z ­ eiger für Stunden und Minuten. Auch an eine dreiarmige Permanentsekunde bei der «9» haben die Techniker und Uhrmacher gedacht. Wegen der naturgemäss nur geringen Kräfte eines mechanischen Uhrwerks verlangt die ausgeklügelte Mechanik nach spezifischen Konstruktionsmerkmalen sowie besonders leichter und balancierter Ausführung der zeitschreibenden Komponenten. Von der markanten Version in schwarzer Keramik mit innovativer Lünette aus leichter und hoch belastbarer Karbon­faser fertigt Hublot lediglich 200 Stück.

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WATCHES & JEWELLERY

Als Sponsor-Partner des Audi Sport Team präsentiert Oris einen sportiven Chronographen mit speziell gestalteter, weil linearer Permanentsekunde bei der «9». Insgesamt erinnert das mit einer Super-LumiNova-Ausstattung versehene Zifferblatt des auf insgesamt 2000 Exemplare limitierten Stoppers an das Armaturenbrett eines Rennboliden. Bemerkenswert sind die Nullpunkte der Skalen für die Totalisatoren des Chronographen. Das antiallergische ­Titangehäuse besitzt eine hoch belastbare Wolframlünette. Beide Materialien spiegeln Technologien der High-Performance-Rennwagen von Audi Sport wider. Eine griffige Gummi-Einlage in der Aussenkante des Glasrands ermöglicht rasches, zuverlässiges Drehen. Das verbaute Automatikwerk basiert auf dem Sellita SW 500.

PORSCHE DESIGN

ORIS

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«Schwarz ist keine Farbe, sondern ein Zustand», pflegte Ferdinand A. Porsche, der geniale Designer und gestalterische Vater des legendären Porsche 911, zu sagen. Aus seinem Mund stammt aber auch die Erkenntnis, dass Schwarz die einzige Farbe ist, welche nicht von der Form ablenkt. In diesem Sinn ­kreierte er 1972 den ersten Porsche Design-Chronographen mit schwarz beschichtetem Stahlgehäuse, welchen Orfina ein Jahr später unter Verwendung des nagelneuen Automatikkalibers Valjoux 7750 auf den Markt brachte. 1980 präsentierten Porsche Design und IWC den weltweit ersten Armbandchronographen mit Titangehäuse. Nach der Trennung von Eterna stellt sich Porsche Design neu auf und zitiert den inzwischen verstorbenen Mentor des Gebrauchsdesigns mit dem tiefschwarzen «Timepiece 1». Sein glasgestrahltes Titangehäuse besitzt eine harte, mattschwarze Oberfläche. Die Zeit bewahrt wie einst das bewährte 7750.


ZENITH

WATCHES & JEWELLERY

Für den leichtgewichtigen «El Primero Lightweight» hat Zenith konsequent am altbewährten Automatikkaliber 400B gearbeitet. Seine Platine sowie ­tragende Teile bestehen nämlich aus hartem Titan. Der Verzicht auf das ­übliche Messing erbringt eine Gewichtsersparnis von 25 Prozent. Für Ankerrad und den Anker kommt der ebenfalls leichte und amagnetische Werkstoff ­Silizium zum Einsatz. Nicht minder innovativ präsentiert sich das Outfit. Für die Ober-Schale nutzt Zenith Karbon. Die Innenstruktur besteht aus keramisiertem Aluminium, bekannt für Leichtigkeit, Härte und Strapazierfähigkeit. Aus Titan stellt Zenith die Krone sowie die Chronographendrücker her. Sicheren und komfortablen Halt am Handgelenk gewährleistet ein Kautschukband mit Nomex-Überzug. Bei der Produktion beschränkt sich Zenith auf insgesamt 250 Exemplare.

TAG HEUER TAG Heuer hat das Design der «Carrera Calibre 4900 McLaren MP4-12C» in vielen Details auf den strassentauglichen Rennwagen abgestimmt. Erinnerungen an die Fahrgastzelle und den markanten Heckdiffusor vermittelt das schwarze Karbonzifferblatt. Das augenfällige McLaren-Orange findet sich auf der schwarzen Lünette mit Tachymeterskala, den Zeigern und dem Ziffer­ blatt wieder. Das 43-Millimeter-Gehäuse besteht aus leichtem Titan Grad 2. Schliesslich besitzt die Aufzugs- und Zeigerstellkrone eine griffige Gummi-Oberfläche mit dem Profil der Reifen des MP4-12C. Dubois-Dépraz liefert das Automatikkaliber 4900 auf der Basis des Eta 2894-A2 zu. Neben dem Flyback-Chronographen verfügt es über es einen praktischen Jahreskalender mit Grossdatum, der nur jeweils Ende Februar manuell korrigiert werden muss.

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WATCHES & JEWELLERY

LA SERLAS PRESENTS

LA SERLAS Saphir-Ring von 13.17 ct

LA SERLAS Ohrringe Tansanite Total 36.01 ct

L

Fotos: Luxwerk

A S ER L AS ER Ö F F N E T E A M 27. N OV EM B ER A N DER BA H N H O FST R AS S E / BÄ R EN G AS S E D I E ER ST E S H A M BA L L A J E W EL S BO U T I Q U E I N ZÜ R I C H.

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OMEGA

WATCHES & JEWELLERY

Keine Frage: Die Oberfläche des Mondes ist grau. Grau wie mancher Alltag. Genau deshalb präsentiert sich der neue Speedmaster-Chronograph von Omega trotz seines grauen Erscheinungsbildes alles andere als alltäglich. Die Schale des neuen Modells «Grey Side of the Moon» besteht zunächst einmal aus leichter und kratzfester, in diesem Fall weisser Keramik. Die graue Farbe entsteht durch dreistündiges Verharren bei 20’000 Grad Celsius in ­einem Plasmaofen. Während dieser Zeit mutiert besagtes Weiss in dezentes Grau. Gehäuse, Gehäuseboden, Lünette, Krone und Drücker des 44,25 mm grossen Stoppers bestehen aus demselben Material. Für unmissverständliche Klarheit sorgt die Inschrift «Grey Side of the Moon». Beinahe schon eine Selbstverständlichkeit ist der Glasrand mit integrierter Tachymeterskala zur Ermittlung von Durchschnittsgeschwindigkeiten. Wer dieses Feature nutzen möchte, muss den Chronographen auf der Höhe einer Kilometermarkierung beispielsweise an der Autobahn starten. Wird der Stopper beim Passieren der nächsten wieder angehalten, zeigt er ohne mühsames Rechnen exakt auf den erreichten Wert. Der besseren Ablesbarkeit wegen ist die Skala mit Super LumiNova ausgelegt. Die innovative Leuchtmasse findet sich auch auf den drei zentralen Zeigern und der Indexierung des Zifferblatts aus massivem sandgestrahlten Platin. Die verbaute Manufaktur-Automatik besitzt natürlich eine koaxiale Ankerhemmung und Silizium-Komponenten. Aus innerster Überzeugung gewährt Omega diese Armbanduhr eine 4-jährige Garantie.

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WATCHES & JEWELLERY

MONTBLANC

GIRARD-PERREGAUX

Montblanc zelebriert mit dem «TimeWalker Extreme Chronograph DLC» zehn erfolgreiche Jahre dieser designorientierten Uhrenlinie mit schmaler Lünette und durchbrochenen Bandanstössen. Das Jubiläumsmodell besticht durch einen markant schwarzen Auftritt, hervorgerufen durch eine extrem harte und abriebfeste DLC-Beschichtung auf dem sandgestrahlten Edelstahl-Gehäuse. Die drei Buchstaben stehen für diamond-like carbon oder zu Deutsch diamantähnlicher Kohlenstoff. «Black 4» kennzeichnet in diesem Zusammenhang einen tiefschwarzen Farbton. Man könnte auch sagen: Schwärzer geht es nicht. Das trifft auch auf die Krone, die Chronographendrücker, den Schraubboden mit Saphirglas und die Schliesse des Armbands zu. Im Inneren des Gehäuses tickt das Automatikkaliber MB 4810 / 507, welches Montblanc extern zukauft.

Beim «Neo-Tourbillon mit drei Brücken» von Girard-Perregaux musste die traditionelle Ästhetik moderner Optik weichen. Leichtigkeit bringen skelettierte Brücken aus Titan. Schwarze PVD-Beschichtung und die Verschraubung auf leicht schrägen Platten links und rechts bewirken einen avantgardistischen Auftritt. Durch tiefes Schwarz heben sich die drei Brücken deutlich ab von der mit anthrazitfarbenem Ruthenium beschichteten und anschliessend sandgestrahlten Platine. Die beachtliche Dimensionierung des Energiespeichers gewährleistet 72 Stunden Gangautonomie. Über dem mechanischen Schauspiel, zu dem auch ein einseitig wirkender Mikrorotor unter dem Federhaus gehört, wölbt sich ein fast schon kuppelähnliches Saphirglas.

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WATCHES & JEWELLERY

RADO Wer die «HyperChrome UTC» von Rado nur beiläufig betrachtet, könnte ­meinen, die Oberflächen des Gehäuses beständen aus Metall. Aber genau das ist nicht der Fall. Den durchaus faszinierenden Anschein erweckt eine innovative, auf High-Tech-Plasma-Keramik basierende Materialtechnologie. Beim Herstellungsprozess nutzt das Swatch-Group-Mitglied einen Spezialofen. Darin müssen sich eine fertig bearbeitete und polierte Monobloc-Schale aus weisser Keramik sowie die Glieder des zugehörigen Armbands eine strapazierende thermische Behandlung gefallen lassen. Bei rund 20’000 °C aktiviert eine Plasmasäule Gase, welche die poröse Keramik durchdringen. Dieses aufwändige Verfahren lässt die Oberfläche auch ohne metallische Bestandteile anschliessend in warmem Grauton glänzen, obwohl sich die verwendete Materialbasis weiterhin Keramik nennt. Einen inneren Stahlkäfig für das verbaute Automatikkaliber Eta 2893-A2 mit vorderseitiger Indikation einer zweiten Zonenzeit im Uhrwerk sucht man ebenfalls vergebens. Seitliche Inlays aus poliertem und härtebehandeltem Edelstahl besitzt die 42 Millimeter grosse, bis zehn bar wasserdichte Schale allein aus optischen Aspekten.

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GÜBELIN PRESENTS

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IE NEUE EDELSTEINKOLLEKTION AUS LUXURIÖSEN HANDGEMACHTEN SCHMUCKSTÜCKEN AUS DEM HAUSE GÜBELIN IST EINE HOMMAGE AN DEN KREATIVEN GEIST DER NATUR. JEDES SCHMUCKSTÜCK IST MIT EINEM EXQUISITEN STEIN AUS DER BEISPIELLOSEN KOLLEKTION VON GÜBELIN VERSEHEN UND SO GESTALTET, DASS DIE EINZIGARTIGEN EIGENSCHAF TEN DES STEINS – SEINE WAHRE SCHÖNHEIT UND PERSÖNLICHKEIT SOWIE SEINE GANZ BESONDERE, UNNACHAHMLICHE GESCHICHTE – PERFEK T ZUR GELTUNG KOMMEN.

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WATCHES & JEWELLERY

PATEK PHILIPPE Der 40,5 Millimeter grosse Jahreskalender-Chronograph von Patek Philippe, Referenz 5960 /1A-001, präsentiert sich gestalterisch ausgesprochen modern. Das Gehäuse verstrahlt den kühlen Glanz von Edelstahl. Hinzu gesellen sich farblich markante Attitüden wie zwei rote Zeiger und im gleichen Farbton am Monatsanfang eine markante «1». Das silbergraue Zifferblatt mit auffälligen Hell-dunkel-Kontrasten sowie dynamischer dreidimensionaler Struktur passt vorzüglich zum betont technischen Auftritt. Die applizierten Stunden-Indexe, die drei Rahmen für Indikationen des Jahreskalenders und auch die Skalen für den zentralen Stoppzeiger sowie den 12-Stunden-Totalisator fertigt die 175 Jahre alte Familienmanufaktur aus schwarz oxidiertem Gold. Nicht weniger als acht Jahre hat sie auf die Entwicklung und Vervollkommnung der 2006 lancierten Manufaktur-Automatik 28-520 IRM QA 24H mit einseitig aufziehendem Goldrotor, Zirkonium-Kugellager, 45 bis 55 Stunden Gangautonomie, Gangreserve- und Tag- / Nacht-Anzeige verwendet. Die Steuerung der zeitschreibenden Funktionen übernimmt ein klassisches Schaltrad. Eine kraftschlüssige Vertikalkupplung stellt im Bedarfsfall die Verbindung zwischen dem Uhrwerk und seinem integrierten Chronographen mit Temposchaltung her. Summa summarum besteht das 7,68 Millimeter hohe Œuvre aus 456 Einzelteilen. In der neuesten Version dieses Uhrwerks kooperiert die Gyromax-­ Unruh mit einer innovativen «Spiromax»-Spirale aus thermisch stabilisiertem Silizium.

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Bei Jaeger-LeCoultre führte die Kooperation mit Aston Martin 2006 zur Kreation des vermeintlich drückerlosen AMVOX2-Chronographen. Das Starten, Stoppen und Rückstellen erledigt ein innovativer und patentgeschützter Mechanismus allein über das Saphirglas. 2014 erweitert die Manufaktur diese Mechanik beim «AMVOX2 Transponder» um einen elektronischen Schlüssel, mit dem sich die Türen eines Aston Martin nach entsprechender Freischaltung öffnen und schliessen lassen. Zum leichteren Auffinden löst der Druck auf den «Open»-Sensor im Glas die Lichthupe aus. Die Manufaktur-­ Automatik mit Rotoraufzug und 65 Stunden Gangautonomie besteht aus 280 Komponenten und heisst 751E. Schutz bietet ein 44 Millimeter grosses Titangehäuse.

LOUIS VUITTON Die Geschichte des patentierten Spin-Time-Mechanismus von Louis Vuitton reicht bis ins Jahr 2010 zurück. Bei den Armbanduhren dieses Namens indizieren rotierende Würfel die Zeit. Nachdem sich das Unternehmen traditionsgemäss reisenden Menschen widmet, wendet sich auch die erste von den Uhrmachern der Louis-Vuitton-Manufaktur La Fabrique du Temps kreierte und assemblierte Komplikation an anspruchsvolle Globetrotter. 2014 umgibt die faszinierende Mechanik mit Automatikwerk und Anzeige zweier Zonenzeiten, nämlich die Heimatzeit per Spin-Time-Würfel sowie die Ortszeit per Stundenzeiger, ein neu gestaltetes Gehäuse. Das Mittelteil besteht aus «Black MMC», einem schwarzen, sehr strapazierfähigen und leichtgewichtigen Metall-Keramik-Verbundwerkstoff. Ansonsten bestehen Lünette, Krone und Bandanstoss der 45 Millimeter grossen Tambour éVolution aus 18-karätigem Roségold.

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JAEGER-LECOULTRE

WATCHES & JEWELLERY


CHOPARD PRESENTS

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IE ZWEI NEUEN SCHMUCKSTÜCKE AUS WEISSGOLD UND DIAMANTEN IN TROPFENBRILL ANTSCHLIFF VEREINEN DEN EINZIGARTIGEN STIL UND DAS KNOW-HOW DES HAUSES CHOPARD. DAS COLLIER UND DAS PASSENDE ARMBAND OFFENBAREN DURCH EIN FREIES SPIEL MIT DEN FORMEN DIE SCHÖNHEIT DER AUSSERGEWÖHNLICHEN STEINE.

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BUCHERER PRESENTS

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IE MIT DIAMANTEN BESETZTEN SCHMUCKSTÜCKE BESTECHEN DURCH Z ARTE ELEGANZ UND FILIGRANE VERARBEITUNG EDELSTER MATERIALIEN. INSPIRIERT WURDEN SIE VON DEN «ROARING T WENTIES», WELCHE DURCH DAS BESCHWINGTE LEBENSGEFÜHL GEPRÄGT SIND. DIESER LIFESTYLE WURDE IN DER DIAMANTENSCHMUCK-KOLLEKTION «VIVE ELLE» FÜR DIE FRAU VON HEUTE AUF BEZAUBERNDE WEISE NEU DEFINIERT.

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WATCHES & JEWELLERY

ROLEX Innovationen beschränken sich selbstverständlich nicht nur auf Uhren für das männliche Geschlecht. Bei der Kreation der neuen «Oyster Perpetual Datejust Pearlmaster 34» hatte Rolex anspruchsvolle Damen im Blick. Äusserlich besticht diese 34 Millimeter grosse Synthese aus Uhrmacher- und Juwelierskunst, wie der Name schon andeutet, durch Edelsteine auf der Lünette. In diesem Fall handelt es sich um feurig funkelnde Diamanten und Saphire. Sofern Frau es wünscht, gibt es Derartiges auch auf den Gliedern des Armbands. Die uhrmacherische Sensation, welche für die Genfer Traditions­ manufaktur fast schon eine Revolution bedeutet, versteckt sich beinahe schamhaft im Inneren des Automatikkalibers 2236. Für den akkuraten Pulsschlag der Zeit zeichnet neben der Unruh mit variablem Trägheitsmoment die neue «Syloxi»-Unruhspirale verantwortlich. Selbige besteht aus thermisch stabilisiertem Silizium und beschert dem kleinen, natürlich chronometerzertifizierten Uhrwerk mit Rotoraufzug eine ungeahnte Ganggenauigkeit.

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ZEITLOSE SCHMUCKSKULPTUREN EDDIE BORGO

In der Juwelen- und Schmuckdesignbranche gilt Eddie Borgo als eines der vielversprechendsten Nachwuchstalente. Seine Faszination für alles, was funkelt und glitzert, entdeckte der aus Atlanta stammende Jungdesigner ­ während ­seines Universitätsstudiums. Bereits mit seinen ersten Einzelan­ fertigungen überzeugte der Experimentierfreudige die Fachwelt und bekam Fashionshow-Aufträge von Jason Wu, Marchesa, Proenza Schouler und ­Joseph Altuzarra. Seine erste Kollektion erblickte im Jahr 2009 das Licht der Welt und wurde wegen ihres neuartigen Street-meets-chic-Styles von allen Seiten mit hohem Lob bedacht. 2010 belegte er den ersten Platz der renommierten «CFDA/Vogue Fashion Fund Competition». Heute lebt Eddie Borgo in New York und kann sich vor Aufträgen kaum retten. Sogar Superstars wie Rihanna, Diane Kruger oder Alexa Chung sollen sich schon von ihm mit kostbaren Schmuckstücken ausstatten lassen haben. Eddie Borgos Designphilosophie lebt von zeit­ losen Formen, Symbolen und Skulpturen und vermag es, unsere Modernitätsvorstellungen immer wieder auf die Probe zu stellen. Auch in Zukunft kann man also mit  weiteren innovativen und zeitlosen Kreationen von ihm rechnen.

3 ZITATE «Die Inspiration für meine Entwürfe ziehe ich zu grossen Teilen aus traditioneller afrikanischer und islamischer Kunst. Ich wollte immer wissen, was verschiedene Kleider, Farben und Steine in den einzelnen Kulturen bedeuten.»

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«Als Schmuckdesigner habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, all das, was ich an der Stadt New York so liebe, in meine Kreationen einfliessen zu lassen.» «In der Subversion liegt eine ungeheure Kraft. Sie erlaubt es einem, frei zu sein und seine Ängste zu überwinden.»


BULGARI

BULGARI LILAIA, THE PERIDOT

PRESENTS

DAS SPIEL ZWISCHEN DER OPTIK VON BLUMEN UND PFLANZEN ERGIBT EINE UNERWARTETE ÄSTHETISCHE ELEGANZ. DER DUFT BEINHALTET EINE EXQUISITE, MEDITER­R ANE PFLANZE GENANNT MASTIX, WELCHE DEM PISTAZIENBAUM Ä ­ HNELT. DESSEN BLÄTTER SIND ZERKLEINERT STARK AROMATISCH UND DAS NOBLE G ­ ALBANUM BEINHALTET HOLZIGE, HARZIGE ­NOTEN. DAS AROMA WIRD KOMBINIERT MIT PFEFFERMINZ, BITTERER ORANGE UND ­DUFTET LEICHT GERÄUCHERT UND GRASIG. ESSENZEN VON MANDARINE UND ORANGE VERSÜSSEN DAS AROMA ZUSÄTZLICH. DIE NEUE KOLLEKTION «BULGARI LE GEMME COLLECTION» BESTEHT AUS SECHS ­VER­­SCHIEDENEN DÜFTEN: ASHLEMAH, NOORAH, AMARENA, LILAIA, MARAVILLA UND ­CALALUNA. DIE KOLLEKTION IST VON WERTVOLLEN EDELSTEINEN INSPIRIERT.

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DER TEUERSTE SCHATZ DER WELT DIE BRITISCHEN KRONJUWELEN

Wie viel sie zusammen genau wert sind, weiss keiner so genau. Sicher ist aber: Bei den britischen Kronjuwelen handelt es sich um die weltweit wertvollste Sammlung an Juwelen und Diamanten. Die meisten der teuren Prachtstücke werden im «Tower of London» aufbewahrt, gut gesichert hinter mehreren tonnenschweren Stahltüren. Neben ausgewählten Schwertern, Zeptern und Ringen sind es vor allem die mit einigen der teuersten Diamanten der Welt bestückten königlichen Kronen, die den Preis der Sammlung ins Unermessliche steigen lassen. Eines der wertvollen Unikate ist die 1661 ­angefertigte «St Edward’s Crown», bei der 444 Perlen und Edelsteine auf massivem Gold um die Wette strahlen. Die über zwei Kilogramm schwere

Krone erfüllt auch heute noch eine wichtige Funktion: Bei jeder Krönungsmesse wird sie aus ihrer Vitrine geholt und als Symbol der neuen königlichen Autorität eingesetzt. Noch teurer dürfte aber die «Imperial State Crown» sein. Mit ihren 2868 Diamanten, 17 Saphiren, elf Smaragden, 269 Perlen und fünf Rubinen gilt sie zu Recht als das Glanzstück der britischen Kron­ juwelen. Allein der «Cullinan II», der grösste Diamant auf der Krone, muss ein Vermögen wert sei. Mit 317 Karat ist er einer der grössten und teuersten Diamanten der Welt. Auch sie wird nach wie vor getragen: Bei jeder neuen Parlamentseröffnung darf die Queen ihr Haupt damit schmücken. Ein echtes Kuriosum der Sammlung ist die «Grand Punch Bowl», die fast fünf Zentner wiegt und ­144 Flaschen Wein fasst. Am 65. Geburtstag von William IV. wurde sie als Weinkühler benutzt, s­ päter dann zum Bowlengefäss umfunktioniert. So könig­ lich trinkt man nur bei den Royals!

NICE

TO KNOW Die Geschichte des «Cullinan-Diamanten» Der grösste Diamant, der jemals gefunden wurde, ist der «Cullinan-Diamant». Er wog im Rohzustand 3106,75 Karat und wurde 1905 per Zufall von dem Engländer Frederick Wells in einer südafrikanischen Mine entdeckt. Später wurde der Riesendiamant in Amsterdam in 105 Steine gespalten. Der «Cullinan I» ist der grösste Teildiamant und auch unter dem Namen «Great Star of Africa» bekannt. Der tropfen­ förmig geschliffene Ausnahmestein wiegt 530,2 Karat und ziert heute das königliche Zepter von König Edward VII. Der «Cullinan II» schmückt die «Imperial State Crown», der «Cullinan III» (94,4 Karat) die Krone von Königin Mary. Die   restlichen Teildiamanten wurden zur Verzierung von Broschen oder Ringen eingesetzt.

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A lex Meine Branch e: G as v e rso rg u ng Meine Leiden schaft: D ie W e lt e rk u nden Meine Privatba nk: J u liu s w eil ich mic B är, h a fin anzie lle E u f ih re xp ve rlassen k e r tise an imm e r ich h n , w o ing e h e Mein Name:

Anlageberatung · Vermögensverwaltung · Vorsorgeplanung · Steuerplanung · Immobilienfinanzierung www.juliusbaer.ch Julius Bär ist an 15 Standorten in der Schweiz präsent. Von Ascona, Basel, Bern, Crans-Montana, Genf, Kreuzlingen, Lausanne, Lugano, Luzern, Sion, St. Gallen, St. Moritz, Verbier, Zug bis Zürich (Hauptsitz).


WUSSTEN SIE SCHON …?

Schweizer Goldbestand dezimiert Wussten Sie schon, dass die «Schweizerische Nationalbank» in den letzten fünf Jahren täglich circa eine Tonne Gold verkauft hat? 2013 betrug der Goldbestand der Schweiz noch 1040 Tonnen, davon lagerten circa 70 Prozent in der Schweiz, 20 Prozent bei der «Bank of England» und zehn Prozent bei der «Bank of Canada». Heute dürfte es schon deutlich weniger sein, weshalb die SVP auch die Initiative «Rettet unser Schweizer Gold» ins Leben gerufen hat. Den grössten Goldbestand hat übrigens die USA ( 8134 Tonnen).

Wertvollste Münze der Welt Keine andere Münze ist teurer als der «1794/5 Flowing Hair Silver/ ­Copper Dollar». Es handelt sich dabei um eine der ersten Dollar-Münzen, die von der «United States Mint» – jener Bundesbehörde, die seit 1792 für die Prägung des US-Dollars zuständig ist – hergestellt wurde. Darauf zu sehen ist das Profil der römischen Göttin der Freiheit («Liberty») mit wehendem Haar – ein Motiv, das der Chefgraveur Robert Scot im Jahr 1794 designte. Im Jahr 2013 wurde die Münze, die zu 10 Prozent aus Kupfer und zu 90 Prozent aus Silber besteht, für umgerechnet 9,2 Millionen Schweizer Franken verkauft.

Blau und kostbar In Genf ist vor Kurzem ein 13-karätiger blauer Diamant für 21,4 Millionen Schweizer Franken versteigert worden. Den Zuschlag für «The Blue» bekam der USSchmuckproduzent «Harry Winston», der zum Schweizer Uhrenunternehmen «Swatch» gehört und ihn kurzerhand in «Winston vivid blue» umtaufen liess. Weltweit gibt es nur einen einzigen farbigen Stein, der noch teurer ist: ein orangefarbener Diamant mit 14,82 Karat, der letztes Jahr für umgerechnet 32,6 Millionen Schweizer Franken ebenfalls bei «Christie’s International» in Genf über den Tisch ging.

Rolex von der Insel Auch wenn die Luxusuhrenfirma «Rolex» schon längst als Schweizer Traditionsunternehmen gilt: Gegründet wurde sie nicht bei uns, sondern in London. Dort eröffnete der Uhren­ pionier Hans Wilsdorf im Jahr 1905 einen kleinen Laden, mit dem er sich auf den Vertrieb hochwertiger Uhren spezialisierte. Irgendwann kam ihm dann die Idee, eine präzise arbeitende Uhr fürs Handgelenk zu entwickeln. Da die besten Uhrwerke schon damals in der Schweiz hergestellt wurden, liess er sie sich aus einer Bieler Uhrenmanufaktur nach England liefern und setzte seine Idee in die Tat um. Erst im Jahr 1919 wurde der Hauptsitz von Rolex nach Genf verlegt.

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WATCHES & JEWELLERY

NACHT UHREN Wohl jeder hat bei Dunkelheit schon einmal den Wunsch gehabt, zur Orientierung wenigstens die Uhrzeit zu wissen. Aus diesem Bedürfnis entstanden Nachtuhren, die ein besonders reizvolles Kapitel in der Geschichte der Uhren darstellen: Sie kombinieren eine Lichtquelle mit der Anzeige der Uhrzeit. Monika Leonhardt

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Lucas Peters


WATCHES & JEWELLERY

U

hren aus Wachskerzen

Tatsächlich gehören Kerzenuhren zu den ersten Zeitmessinstrumenten, von denen wir in Europa wieder hören, nachdem die sorgfältig gebauten Sonnen- und Wasser­ uhren der griechischen und römischen Antike verschwunden waren. König Alfred der Grosse (848 – 899), der in England im 9. Jahrhundert mit den Wikingern kämpfte, hatte eine solche Uhr: Sie bestand aus sechs Wachs­kerzen, die jede eine Brenndauer von vier Stunden hatte und ihm half, seine persönliche Zeit genau einzuteilen: Acht Stunden für die öffentlichen Pflichten, acht Stunden für studieren, essen und schlafen und acht Stunden für das Gebet. Aus ähnlichen Gründen hatten damals vorwiegend die Mönche in den Klöstern ein Interesse an genauer Zeitmessung: Sie mussten nämlich ihre Gebetsstunden einhalten. Später wurden Kerzen mit Markierungen für die Stunden versehen, die Kerze wurde abends angezündet und brannte bis zum anderen Morgen. Diese Zeitmessmethode, bei der teures Bienenwachs verbraucht wurde, war Wohlhabenden vorbehalten.

­ ines Tages ausgerufen: «Könnte doch jemand eine e Uhr erfinden, die mir auch nachts die Zeit anzeigt! Eine Uhr, bei der man nicht erst eine Kerze an­ zünden muss, um das Zifferblatt zu sehen, und die kein Geräusch von sich gibt – mit all den bewegten Rädern, die einen die Nacht lang wach halten.»

Auch Öllampenuhren boten eine Lichtquelle: Aus Glas mit Markierungen gefertigt, waren sie in Mitteleuropa seit dem 16. Jahrhundert üblich und bis ins 19. Jahrhundert beliebt. Das Gestell für den gläsernen Ölbehälter und die daran angebrachte Ablese-Skala waren meist aus Zinn gefertigt. Man füllte abends die Lampe mit Öl und zündete den Docht an, so hatte man Licht und durch den sinkenden Ölspiegel auch eine ungefähre Zeitanzeige. Eine elegantere und technisch viel perfektere Mög­ lichkeit, die Uhrzeit in der Nacht ablesen zu können, wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Italien entwickelt. Von Papst Alexander VII. (1599–1667, Papst 1655 –1667), der den Wissenschaften und Künsten sehr zugetan war, erzählt man, er habe unter Schlaflosigkeit gelitten und

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WATCHES & JEWELLERY

Die Gebrüder Campani Nun, im Oktober 1656 überreichten ihm die Brüder Giuseppe und Antonio Campani, die auch als ­Linsenschleifer und Teleskop-Hersteller tätig waren und den Papst schon zuvor mit Uhren beliefert hatten, eine solche Uhr. Durch eine spezielle Bauweise des Werks war sie tatsächlich annähernd geräuschlos, was allerdings auf Kosten der Genauigkeit ging. Im Zifferblatt befand sich eine bohnenförmige Öffnung, hinter der sich eine Scheibe mit durchbrochen gearbeiteten Ziffern von eins bis zwölf drehte. In die Uhr wurde eine Lichtquelle gestellt, deren Schein durch die durchbrochenen Ziffern leuchtete. So konnte man bei Dunkelheit die Zeit ablesen und hatte noch dazu eine kleine Lichtquelle. Die Gebrüder Campani erhielten ein zehnjähriges Patent für die Herstellung solcher Uhren, von denen sich einige mit ihrer Signatur erhalten haben, zum Beispiel befindet sich eine in den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden im Grünen Gewölbe und eine weitere im British Museum in London. Sie haben stets reich mit Edelsteinen verzierte, üppige Barock-Gehäuse. Eine Besonderheit ist ihre «Schauseite», die von berühmten Künstlern mit Szenen aus der biblischen Geschichte oder der antiken Mythologie in höchster Qualität bemalt wurde.

Die Uhrzeit in der Nacht Dieser Typ einer Nachtuhr gewann rasch an Beliebtheit und wurde in Italien in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und zu Beginn des 18. Jahrhunderts häufig auch von anderen Uhrmachern hergestellt, wie es bei der abgebildeten Uhr aus dem Uhrenmuseum Beyer Zürich der Fall ist. Diese hat nur ein einfaches Holzgehäuse mit Belüftungsöffnungen an den Seiten. Während die sehr kostbaren Uhren der Brüder Campani zum Schutz gegen die Hitzeentwicklung der Lichtquelle innen mit Zink ausgekleidet und mit einer Art «Kamin» zum Abzug der heissen Luft versehen waren, waren günstigere Uhren damit nicht ausgestattet – so ist es wohl ein grosses Glück, dass sich die Uhr des Uhrenmuseums Beyer erhalten hat.

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Auch hier ist die Zifferblattseite der Uhr sehr schön mit einer biblischen Szene bemalt, den Besuch der Heiligen Drei Könige beim Jesuskind darstellend. Die Heiligen Drei Könige, deren Gesichter sehr fein ausgearbeitet sind, bringen Weihrauch, Gold und Myrrhe, ganz deutlich erkennt man das Weihrauch-Fässchen, wie es auch im Gottesdienst in Gebrauch war. Interessant sind das Kamel im ­Hintergrund, das von einem Mann in türkischer Kleidung gebändigt wird, und die antiken Ruinen, in denen sich die Szene abspielt. Um die Uhrzeit in der Nacht zu erfahren, kamen im Laufe des 18. Jahrhunderts zunehmend Ta­ schen­uhren mit einer Repetition, also mit einer akustischen Angabe der Uhrzeit auf Wunsch, in Mode – aber das Bedürfnis, in der Dunkelheit die  Zeit zu sehen, ist geblieben: eine App zum Downloaden für das Mobiltelefon ermöglicht uns heute die leuchtende Anzeige der Uhrzeit in vielen Farben.


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MUST-HAVES «Eine Frau ohne Schmuck ist wie eine Mühle ohne Mühlstein». Und das stimmt allerdings, ein Outfit ist erst mit den richtigen Accessoires komplett. So muss der Schmuck nicht unscheinbar sein, sondern darf auch das ganze Outfit ausmachen. Die Must Haves im Winter sind deshalb nicht nur in tristen und schlichten Farbtönen gehalten, sondern bekennen Farbe und runden jedes Outfit ab.

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Ö Z

Diadem der Erzherzogin Marie Louise von Österreich und Gemahlin von Napoleon Bonaparte, 1962 ersetzte Van Cleef & Arpels die verschwundenen ursprünglichen Smaragde mit persischen Türkisen von 540 Karat.

PL TZLICH PRIN ESSIN DER ZAUBER EINES

GEKRÖNTEN HAUPTES

Diadem des ägyptischen Königs Nubkheperre Intef, der zwischen 1571–1560 vor Christus regierte

Als ich ein Kind war, hütete ich das Plastik-Diadem, das Bestandteil eines Prinzessinnen-Kostüms war, wie meinen Augapfel. Denn nur mit dem goldenen, von unechten Saphiren, Diamanten, Rubinen und Smaragden übersäten Diadem war das Outfit perfekt. Heute, Jahre später, stehe ich manchmal in der Kinderecke eines Kaufhauses, stülpe mir heimlich ein funkelndes Diadem in die Frisur und kichere belustigt. Und obwohl es sich nur um eines aus Plastik handelt, fühle ich mich trotzdem ein kleines bisschen prinzessinnenhaft.

E

Helena Ugrenovic

ntgegen den mit sagenumwobenen ­Diamanten, Perlen oder hochkarätigen Edelsteinen bestückten Diademen aus den vergangenen Jahrhunderten veranschaulicht die Übersetzung aus dem griechischen «diadema», als was es in der Antike diente – als Stirnbinde, um die Haare zusammenzuhalten. Die jungen grie­chi­ schen Helden der Olympischen Spiele trugen im Altertum eine Stirnbinde, die in der hellenis­tischen Zeit das Hoheitszeichen der Herrscherwürde war und sich später daraus der Lorbeerkranz ent­ wickelte, der aus Metall angefertigt wurde. Auch wurden die Gottheiten Zeus und Hera in der bildenden Kunst mit sogenannten Diademen dargestellt.

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Das Römische Reich Entgegen der griechischen Ruhmes- und Ehren­ hierarchie verzichteten die ersten römischen Kaiser auf das Tragen eines Diadems, um ihr Volk nicht zu erzürnen oder zu provozieren. Erst Kaiser ­Diokletian führte diese Sitte wieder ein, und als Kaiser Konstantin der Grosse als Alleinherrscher ab 324 vor Christus regierte, legte er den Grundstein für die Krone. Aus der anfänglichen Stirnbinde entwickelte sich ein mit breiten Metallplättchen zusammengesetzter Kranz, der als agonistisches Kennzeichen des Hervorragendsten und als Symbol für jede Höchstleistung und das Überge­ ordnete galt.


WATCHES & JEWELLERY

Perlendiadem von Kaiserin Eugénie de Montijo, Gemahlin Napoléons III. 1890 ging es in den Besitz des Hauses Thurn und Taxis über. Gloria von Thurn und Taxis trug das Diadem anlässlich ihrer Hochzeit mit Prinz Johannes von Thurn und Taxis.

«Ich liebe dich. Wärst du die ärmste Hirtin, ich als der grösste Fürst der Welt geboren, zu deinem Stand würd’ ich heruntersteigen, mein Diadem zu deinen Füssen legen.» – Friedrich von Schiller –

Tiara von Lalique, mit Hahn als Kopfschmuck, aus Silber, Emaille und Alabaster. Im Schnabel hält der Hahn einen Rubin. Ausgestellt im Museum Calouste Gulbenkian, Portugal.

Diadem von Cléo de Mérode (1875 –1966), französische Ballerina, 1896 von den Lesern des «L’Éclair» zur schönsten Frau gewählt.

Bronzekopf mit Diadem aus der Ausstellung «Bunte Götter – die Farbigkeit antiker Skulpturen».

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WATCHES & JEWELLERY

Bestattungs-Diadem, Griechenland, circa 300 vor Christus, ausgestellt im Louvre, Paris

Die Königin der Schmuckstücke Die Fertigung eines Diadems gehört mit Abstand zu den nobelsten und anspruchsvollsten Aufgaben eines Juweliers. Der fantasievollen Kreation dieses hochkarätigen und kostbaren Schmuckstücks waren keine Grenzen gesetzt und durch die vielen verschiedenen Formen der Diademe, die in den letzten Jahrhunderten gefertigt wurden, lässt sich nur schwer eine bestimmte Entwicklungslinie festlegen.

Der Wandel Das Tragen eines Diadems galt als Zeichen königlichen Ursprungs und war nur Adligen vorbehalten, bis das Diadem mit dem 19. Jahrhundert einen Wandel erlebte. Es unterlag nicht mehr der Restriktion, nur Blaublütlern vorbehalten zu sein, sondern es war auch bürgerlichen Frauen erlaubt, sich bei speziellen und feierlichen Anlässen mit einem Diadem zu schmücken. In den 30er und 50er Jahren pushte die Filmindustrie den Beliebtheitsgrad der Diademe immens und sie waren als modische Accessoires, mit Strass und Federn verziert, nicht mehr aus der Swing- und Charleston-Zeit wegzudenken.

Es ist eines der exklusivsten und glamourösesten Schmuckstücke, das auch heute noch von einer besonderen Aura umhüllt ist. Es ist der einzigartige Zauber der Halbkrone, die jeder Trägerin, dem kleinen, begeisterten Mädchen im Prinzessinnen-­ Kostüm oder der Braut, die sich andächtig den luftigen Schleier mit dem glitzernden Diadem ins Haar steckt, etwas Königliches und Nobles verleiht.

Das teuerste Diadem der Welt

Die prachtvolle und äusserst seltene Smaragd- und Diamanten-Tiara erzielte insgesamt drei Weltrekorde – bei der Auktion für eine Tiara, bei der Auktion für antike Juwelen und bei der Auktion für ein Smaragd-Juwelen-Set.

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Einst gehörte das La Paivas Emerald-Diadem Prinzessin Katharina Henckel von Donnersmarck. Die Basis des Diadems bildet ein Lorbeermuster aus Diamanten, über dem ein Streifen mit elf beein­ druckenden, kissenförmigen Diamanten gefertigt ist, zwischen denen eine doppelte Bourbonen-Lilie aus kleineren Edelsteinen eingearbeitet ist. Die Krönung des atemberaubenden Diadems bilden elf tropfenförmige, sehr seltene kolumbianische Smaragde mit einem Gewicht von ungefähr 500 Karat. Einst sollen die tropfenförmigen Edelsteine das Collier eines Maharadschas ge­ schmückt haben, und der Vermutung nach stammen die Smaragde aus der persönlichen Juwelenkollektion von Kaiserin Eugénie de Montijo, der Gemahlin Napoleons III. Guido Graf Henckel, 1. Fürst von Donnersmarck, soll das Diadem 1900 für seine zweite Gemahlin Fürstin Katharina gekauft haben. Am 17. Mai 2011 wurde das Diadem von Sotheby’s in Genf angeboten und erzielte die somit teuerste Tiara der Welt mit dem Verkaufswert von 12,7 Millionen US-Dollar – ein einzigartiger Weltrekord.


SHORT CUTS Die besonderen Augenblicke des Lebens – nie sollen sie vergehen

Bewahren kann diese Augenblicke ein kostbares Schmuckstück mit aussergewöhnlicher Symbolkraft. Wie beispielsweise der Star der neuen Wellendorff-Kollektion: das Amulett «EdelDiamantglück» mit einem elfkarätigen Diamanten, der durch seine ausserordentliche Grösse und feinste Qualität besticht. Seine Unvergänglichkeit, seine Schönheit und seine Reinheit machen den Diamanten zum Symbol tiefer Gefühle. In Verbindung mit der beschützenden Aura des Amuletts entsteht bei Wellendorff ein faszinierendes Schmuckstück, in dem die Aus­ druckskraft des elfkarätigen Diamanten durch feines, in wellenförmige Goldlinien gesetztes Diamant-Pavé noch betont wird. www.wellendorff.com

High Jewellery in Blue Mit den neuesten Kreationen von «Schreiner Fine Jewellery» stellt Gerhard Schreiner ganz besondere Schmuckstücke vor, die perfekt zu besonderen Anlässen passen. Aussergewöhnlich farbintensive Saphire, Tansanite und Diamanten werden zu wahren Kunstwerken verarbeitet. Das tiefe, dunkle Blau der Steine ist nicht nur beeindruckend, sondern zudem nur noch sehr selten zu finden. Besonders kommt dies bei den handgefertigten Saphir- und DiamantOhrringen zur Geltung, hergestellt aus Weiss­ gold mit Diamanten mit einem Gesamt­ gewicht von 2,73 Karat. www.schreiner-jewellery.com

Eleganter Auftritt Mit den neuesten Kreationen aus den «Gübelin Ateliers» wird die festliche Abendgarderobe zum besonderen Eyecatcher. Schlicht getragen oder als exklusives Highlight – die neuen Schmuckstücke überzeugen jeden Edelsteinliebhaber. Besonderes Highlight sind die Ohrhänger in Platin mit 60 Diamanten und zwei blauen Saphiren aus Madagaskar im Kissenschliff. Der Clou: Das hängende Diamantelement ist abnehmbar. Somit kann das Schmuckstück je nach Anlass extravagant oder schlicht getragen werden. www.gubelin.com

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WATCHES & JEWELLERY

EINZIGARTIGKEIT WIEDER IN ST. MORITZ

ERÖFFNUNG

«SERLAS UNIQUE JEWELLERY»

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ach über zwei Jahrzehnten in der Juwelen-, Schmuck- und Uhrenbranche in St. Moritz hat Martin Husi sich einen grossen Traum realisiert. Im Herzen von St. Moritz, an der zentral gelegenen ­Strasse Via Maistra, hat er ein neues Verkaufsgeschäft der «Serlas Unique Jewellery» eröffnet. Somit wird die langjährige und erfolgreiche ­Serlas-Tradition fortgeführt. Die Eröffnung des neuen Juwelier-Ladens fand Anfang Dezember statt.

Serlas Unique Jewellery Via Maistra 11 St. Moritz

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Schmuckfotos: Luxwerk

Die Gründung des Shops ist durch glückliche Umstände und eine Partnerschaft mit dem Juwelier «La Serlas Zürich» zustande gekommen. Martin Husi, welcher das Geschäft in St. Moritz leitet, war über zwölf Jahre lang Direktor bei Bucherer in ­St. Moritz. Somit bringt er eine wertvolle und langjährige Erfahrung in der Schmuckbranche mit. Die «Serlas Unique Jewellery» bietet ein abwechslungsreiches und attraktives Angebot an Unikaten im Juwelenbereich aus der Zeit von 1900 bis heute an. Durch die Partnerschaft mit «La Serlas Zürich» wird alles, was in St. Moritz angeboten wird, ebenfalls in Zürich verkauft und umgekehrt.


konkret, Zürich

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Wenn Sie der Überzeugung sind, Blasto sei die erste Adresse für perfekte MietzeltLösungen, müssen wir Sie leider enttäuschen. Denn das ist nur die halbe Wahrheit. Bei uns finden Sie auch perfekt gepflegtes Mietmobiliar in unterschiedlichsten Designrichtungen und in beinahe jeder gewünschten Stückzahl. Und selbstverständlich eine breite Palette an stilvollem Zubehör. Rufen Sie uns einfach an für ein unverbindliches Gespräch: +41 55 225 46 56. Oder besichtigen Sie unseren Showroom im Internet: www.blasto.ch Blasto AG · Mietzelte und Mietmobiliar · Buechstrasse 24 · CH-8645 Jona · Tel. + 41 55 225 46 56 · www.blasto.ch


Der von den Auto-Union-Rennwagen abgeleitete Typ 650 gab Experten lange R채tsel auf. Ein detailliertes Fachbuch lichtet jetzt den Nebel um den Mythos. Ralf Friese

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Werk


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Auto-Union-Bolide

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o viel vorweg: Der 1949 bis 1952 im sowjetischen Auftrag ­ ntstandene Rennwagen Typ 650 nahm an keinem einzigen e Rennen teil. In der 1949 gegründeten DDR war er ein ungeliebtes Kind, das von seinen Auftraggebern verstossen worden war und mit dem niemand etwas anzufangen wusste. Diese Ausgangslage veranschaulicht die Schwierigkeiten, die sich Autor Dr. Peter Kirchberg bei der Materialsammlung zur Doku­mentation dieses Fahrzeuges aufgebürdet hatte. Der Bestand an öffentlich zugänglichem Material war mager, dennoch gelang es dem ­ ­hervorragend vernetzten Historiker, viele Gesprächspartner über Querverbindungen dazu zu bewegen, ihr Wissen weiterzugeben. Das Ergebnis dieser aufwendigen, drei Jahre in Anspruch nehmenden Recherche ist Thema des vorliegenden Buches.

Der Blick zurück auf den Herbst 1939

Dr. Peter Kirchberg, profunder Kenner der Auto-Union-Historie, hatte als erster Autor die Renngeschichte der Auto Union AG auf­ gezeichnet. Seit dem 2009 ver­öffentlichten, preisgekrönten Autorenband mit den Beiträgen des 2008 anlässlich des 75. Todes­ tages von Bernd Rosemeyer in Zwickau abgehaltenen Gedenk­kolloquiums hatte er sich publizistisch anderen Bereichen der Automobilgeschichte zugewandt. Umso erfreulicher, dass es vom Altmeister jetzt ein facettenreiches Buch über das Erbe der Zwickauer Rennwagen gibt, das mit vielen unbekannten Fakten der sächsischen Fahrzeug- und Wirtschaftsgeschichte aufwartet.

Kirchberg beschreibt das Finale furioso aus Sicht der Auto Union detailliert und anhand von Rennberichten, Vorstandsmitteilungen und Aktennotizen. Denn zwei Monate nach Kriegsbeginn wurden Mercedes-Benz und die Auto Union von höchster Stelle nicht nur aufgefordert, für geplante Rennveran­ staltungen des Jahres 1940 Fahrzeuge einsatzbereit zu halten. Sondern auch, einen 1,5-Liter-Rennwagen als Zukunftslösung zu entwickeln. Die aus dieser surreal anmutenden Forderung erwachsenden Streitigkeiten zwischen Industriekapitänen und einem egozentrischen Parteibonzen um Materialkontingente, Rohkautschukimporte und die Versorgung mit Rennbenzin zeichnen ein in dieser Form bislang unbekanntes Bild vom Hintergrund des staatlich ebenso subventionierten wie reglementierten Rennbetriebes. In der Chemnitzer Konzernzentrale war man jedoch schnell der Ansicht, die enormen Aufwendungen für den Kraftwagensport nicht weiter verantworten zu können. Man dachte ab der Saison 1940 sogar laut über zwei bis drei

Peter Kirchberg Der Typ 650 Auto Union, BMW, Awtowelo – die Geschichte eines rätselhaften Rennwagens Mit Beiträgen von Jens Conrad, Eberhard Kressner, Detlef Neumann und Roland Reissig. 152 Seiten, 154 Fotos und Abbildungen, Delius Klasing Verlag, Bielefeld/D ISBN 978-3-7688-3876-4

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Jahre Pause im Automobilrennsport nach, doch die Entwicklung des 1,5-Liter-­Boliden war bereits verabschiedet worden. Das Buch stellt erstmals den dazu betriebenen Aufwand bis zum 31. Juli 1941 dar – dem Tag, an dem die letzten 20 Angestellten der Rennabteilung alle Arbeiten einstellen mussten.

«Reparation heisst Wiedergutmachung» Die komplexe Entstehungsgeschichte des Typ 650 lässt sich nur aus der frühen Nachkriegsgeschichte Ostdeutschlands verstehen. «Reparation heisst Wiedergutmachung» – unter dieser Überschrift entschlüsselt Dr. Kirchberg das System sowjetischer Trophäenkommissionen, in Ostdeutschland beheimateter sowjetischer Aktiengesellschaften und der kurz nach Kriegsende gegründeten Technischen Büros. Alle diese Institutionen dienten ­sowohl der Sicherung und Abschöpfung wissenschaftlichen und technischen Know-hows als auch der Suche, Sicherstellung, Lagerung und dem A btransport von Beutegut, um die festgelegte ­ Reparationssumme von zehn Milliarden US-Dollar aufzubringen.

Auto-Union-Bolide

Typ 650

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Reifen kamen von Pirelli aus Italien, der Zylinderblock augenscheinlich vom Eisenwerk Martinlamitz, einer in der amerika­ nischen Zone beheimateten Giesserei –, absolvierte der 650 im März 1952 seine erste Probefahrt in Chemnitz. Am 18. April wurden zwei Exemplare dieses ostzonalen Erbes an die ­russischen Auftraggeber übergeben. Wassilij Stalin, rennsportbegeisterter Sohn des russischen Diktators, hatte die Fahrzeuge zum Moskauer Stadtparkrennen am 30. Juni anmelden lassen. Zu diesem Anlass wurde auf ­beiden 650ern neben dem Emblem der russischen Luftstreitkräfte der Name SOKOL (Falke) aufgebracht. Doch ohne fachkundige Betreuung und ohne korrekten Kraftstoff versagten die zwei Boliden den Dienst. Sie kamen ­anschliessend nach Deutschland zurück, doch dort ging die Odyssee weiter, da weder die ehemaligen Auftraggeber noch die DDR-Oberen von den SOKOL etwas wissen wollten. Schliesslich landeten beide Wagen beim ­ Rennkollektiv im ehemaligen BMW-Werk Eisenach. Nach ihrem Einsatz als umgestaltete Filmrequisiten waren die Karosserien 1956 nicht mehr zu ­gebrauchen. Als die AWE-Rennabteilung 1958 geschlossen wurde, gingen die nackten Chassis zu Ausstellungszwecken an die heutige Westsächsische Hochschule in Zwickau und die TH Dresden.

Zu den sowjetischen Neugründungen zählte 1946 auch das Automobiltechnische Büro in Chemnitz (ATB), das moderne Automobilkonstruktionen erfassen und dokumentieren sollte. 1949 wurde das ATB der SAG Awtowelo in Eisenach als «BMW-­ Entwicklungsabteilung» angegliedert; Arbeitsaufträge gelangten auf direktem Weg vom Mini­ s­ terium in Moskau über die SAG nach Chemnitz, darunter auch jener vom 4. August 1949 zur Entwicklung eines Rennwagens mit 2-L-Saugmotor, dem Typ 650.

«Awtowelo oder Auto Union» – unter diesem Leitmotiv analysiert Co-Autor Jens Conrad die Technik dieses Boliden in Wort, Datentabellen, Bildern und beeindruckenden Röntgenzeichnungen. Sein Fazit: Unter den damaligen Gegebenheiten war ein Rennwagen entstanden, der durchaus Potential hatte. Nach zweijähriger Entwicklungs- und Bauzeit, gestützt auf das ­Wissen von Konstrukteuren, die in der Auto-UnionRennabteilung gearbeitet hatten, und begleitet von Problemen bei der Materialbeschaffung – die

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Fantasiekarosse für einen 1954er DDR-Film

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Im Dornröschenschlaf Die fortan getrennt verlaufende Geschichte beider Wagen hat Eberhard Kressner bis ins Detail aufgeschlüsselt und in diesem Zusammenhang auch gleich mit Kolportagen um die Herkunft eines Auto-Union-Rennmotors aufgeräumt, der Ende ­ der 1970er-Jahre auf verschlungenen Pfaden nach Westdeutschland gelangt war. Der Zwickauer Typ 650 gelangte in Privatbesitz und wurde von der staatlichen DDR-Firma Interport Ende der 1970er-Jahre als «1,5-L-Auto-Union-Prototyp» nach England veräussert. Erst schrittweise, im Zug der mit vielen Kompromissen behafteten Restaurierungsarbeiten, keimte dort die Erkenntnis, dass es sich «nur» um ein Produkt mit Auto-Union-Genen handelte. 2010 stand das «uneheliche Kind deutscher Väter aus der ehemaligen Auto Union und der russischen Mutter Awtowelo» schliesslich zum Verkauf; seit Frühjahr 2012 gehört der Rennwagen zu einer Fahrzeugsammlung im niedersächsischen Einbeck und kann dort in jenem Zustand besichtigt werden, der Anfang der 1980er-Jahre in England entstand.

Das Dresdner Fahrgestell stand zunächst im Zeichensaal der TH und wurde, um es einlagern zu können, aus Platzgründen in zwei Teile zersägt … Seither fehlt das Rahmenmittelteil. Die nächsten Jahrzehnte verbrachten die übrig gebliebenen Baugruppen im Dornröschenschlaf, bis das Fahrgestell 2008 zu Ausstellungszwecken komplettiert wurde. Der Wiederaufbau wird im Buch akribisch dokumentiert, ebenso die Unterschiede der beiden ursprünglich identischen Fahrzeuge. Bei der Wiederherstellung des zersägten Autos unterblieben Eingriffe in die Originalsubstanz; ergänzte Bauteile heben sich optisch deutlich vom Original ab. Da das Fahrzeug lediglich als Ausstellungsstück genutzt werden sollte, stand ein Nachbau der Karosserie nicht zur Diskussion. Seit 2011 kann das rollfähige Chassis im Industriemuseum Chemnitz besichtigt werden – nur wenige Kilometer vom Ort seiner Entstehung entfernt.

Respekteinflössend: Der Typ 650 hätte ein Sieger werden können.

Zwölf Zylinder, vier Vergasser: Der Motor war ein Vollblut mit 152 PS.

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PIRELLI KALENDER 2015

STEVEN MEISEL

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Der US-Amerikaner Steven Meisel inszeniert die Ausgabe 2015 des legendären Pirelli-Kalenders. Er gehört zu den einflussreichsten Modefotografen der Welt. Seit über 30 Jahren kreiert der 1954 in New York geborene Meisel Trends, inspiriert Top-Designer, entdeckt Models und arbeitet für weltweit bekannte Marken. Yvonne Beck

Der Pirelli-Kalender ist Kult, und das seit mehr als 50 Jahren. Ihn umgibt eine geheimnisvolle Aura, da er nicht käuflich ist und lediglich an ausgewählte Freunde des italienischen Reifenherstellers ver­ schickt wird. Zahlreiche Top-Models wie Naomi Campbell, Gisele Bündchen, Helena Christensen, Cindy Crawford und Kate Moss standen für ihn vor der Kamera und namhafte Fotografen wie Bruce Weber, Terry Richardson, Karl Lagerfeld und Peter Lindbergh bewiesen ihr Können im Bereich der erotischen Fotografie. Seit 1964 nutzt der Reifenhersteller seinen Kalender als MarketingInstrument – das begehrte Stück gibt es nur in begrenzter Auflage und auf den Fotos sind immer die berühmtesten Models zu sehen.


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eit über zwei Jahrzehnten zeichnet er für jedes Titelfoto der italienischen «Vogue» verantwortlich. Eine in der Modewelt einmalige Zusammenarbeit. Zudem fotografiert er auch für die englischen und französischen Aus­gaben der «Vogue» sowie für zahlreiche w ­ eitere inter­ na­ tionale Modemagazine, darunter «W Magazine», «Interview» und «Vanity Fair». Darüber hinaus war er Fotograf etlicher Werbekampagnen, unter anderen von Prada, Valentino, Louis Vuitton, Calvin Klein, Lanvin sowie Dolce und Gabbana.

Fashionmaniac Von Mode bereits früh begeistert, studierte Meisel Mode-Illustration an der New Yorker High School of Art and Design sowie an der Parsons School for Design. Nach Abschluss des Studiums war er als Illustrator für das Modelabel Halston tätig und unterrichtete zudem Illustration an der Parsons School. Fotografie betrieb er in dieser Zeit nur als Hobby. Das änderte sich, als er Anfang der 1980er Jahre die Chance bekam, bei einer Model-Agentur Fotos von einigen Models zu machen. Seine Aufnahmen erregten schnell Aufsehen. Das Magazin «Seventeen» engagierte ihn daraufhin als Mode­ fotograf. Steven Meisel nutzte die Chance und entwickelte sich in den Folgejahren zu einem der kreativsten und einflussreichsten Fotografen der Branche.

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Der amerikanische Fotograf ist bekannt für seine provokanten Bilder. Aufsehen erregte zum Beispiel seine Zusammenarbeit mit Madonna. Für die Sängerin fotografierte er nicht nur das Plattencover ihres Albums «Like a Virgin», sondern produzierte mit ihr auch den viel diskutierten Bildband «Sex». Mit einer kürzlich erschienenen Modestrecke in der italienischen «Vogue», die häusliche Gewalt zum Thema hatte, wagte er sich erneut an ein brisantes Thema. Der Foto-Profi geniesst einen sehr guten Ruf in der Branche. Seit 1988 schiesst er jedes Cover der italienischen «Vogue». Zudem arbeitet er mit grossen Modehäusern wie Versace, Prada und Valentino zusammen. Und gilt nicht zuletzt als Mentor zahlreicher Models. So förderte er unter anderem die Karrieren von Naomi Campbell, Christy Turlington, Linda Evangelista, Lara Stone, Raquel Zimmermann und Karen Elson. Nun tritt er erstmals in die Fussstapfen seiner Kollegen Annie Leibovitz, Mario Testino und Patrick Demarchelier und inszeniert den Pirelli-Kalender 2015. Wie in jedem Jahr wird nur eine Handvoll Auserwählte und Geschäftspartner den Pirelli-Kalender 2015 mit nach Hause nehmen dürfen, für den Rest zeigen wir hier ein paar Eindrücke des neuen «Cal».


Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch Fahrer. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Markenfans in Fremdprodukte hüllen mussten: Man trägt heute, was einen bewegt. Als Anregung zum Power-Shopping mit PS-Faktor präsentieren wir ein paar ausgesuchte Stücke.

«Bekleidung im Zeichen Was hier etwas steif umschrieben wird, ist absolut tragbar. der vier Ringe» Mehr noch: Die Audi Collection zählt zu den umfangreichsten und qualitativ hochwertigsten Markenkollektionen der Autowelt. Wer hier nichts Passendes findet, muss FKK-Fan sein. Das Angebot ist ebenso vielseitig wie die Marke: Ob Bademäntel, Hemden, Schals, Handschuhe, Gürtel, Schuhe oder Outdoorbekleidung – es ist alles dabei. Zum Beispiel diese sportliche, wattierte TT-Lederjacke aus Lammnappaleder mit Neopren-Einsätzen, Rautensteppung oder Liegekragen, die gemeinsam mit PZero entstand. www.shops.audi.com

MINI

und Mode

Die BMW-Tochter hat schon immer Trends gesetzt, auch im Fashion-Bereich. So arbeitete man bereits mit Paul Smith. Die heutige Lifestyle Collection entsteht in Eigenregie; neben Standardartikeln wie T-Shirts, Tassen oder Taschen gibt es hauptsächlich saisonale Angebote. Die Fellmütze aus Polyester ist inzwischen selbst ein Klassiker und hält zudem noch schön warm. www.mini.ch Zwei englische Traditionsunternehmen stehen für Qualität, Langlebigkeit und Country Life. Jetzt kooperieren die beiden, und wenn wir uns das genau überlegen, war Barbour for Land Rover eigentlich längst überfällig. Allradantrieb, Leintuch und Stiefel passen nicht nur bei Regenwetter gut zusammen, sie ergänzen sich auch bei typisch britischen Freizeitvergnügen wie Bogen- und Tontaubenschiessen. Die erste gemeinsame Kollektion für Damen beziehungsweise Herren besteht aus klassischen wie neu entworfenen Kleidungsstücken, die sowohl Wetterresistenz als auch Bewegungsfreiheit garantieren – und auch im urbanen Umfeld mit Stil und Funktionalität begeistern. Die typischen Wachsjacken, Westen, Quilts, Hosen und Strickwaren überzeugen mit Tragekomfort und durchdachten Details. Und noch etwas unterscheidet diese Kleidungsstücke von anderen: Mit zunehmenden Jahren und Abnutzungsspuren sehen die Teile einfach immer besser aus.

Englische und authentische

KULTMARKEN

www.landrover.com | www.barbour.com

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liken p e R e u e tr e g il ta De Mit der Teilnahme an den 24 Stunden von Le Mans hat Porsche 2014 eindrucksvoll gezeigt, dass man im Motorsport und damit auf der Rennstrecke zu Hause ist. An der Sarthe hat man bisher 16-mal gewonnen – kein anderer Hersteller siegte hier öfter. In Erinnerung an legendäre Zeiten haben die Zuffen­­hausener eine Factory Team Collection aufgelegt, die drei detailgetreue Repliken jener Jacken umfasst, die ab 1968 getragen wurden: die grüne Werkfahrerjacke, die rote Werkmechanikerjacke und eine weinrote Werkteamjacke. Die Originale wurden damals in nur kleiner Stückzahl hergestellt, später von Fahrer zu Fahrer weitergereicht und waren entsprechend begehrt. www.porsche.com/shop

Im Zeichen des

STERNS Eine der umfangreichsten Lifestyle-Kollektionen der Auto­ mobilindustrie kommt von Mercedes-Benz und heisst … Collection! Ob Wackeldackel, Gepäckstücke, Babybekleidung oder Krawatten – hier finden Markenfans alles, was das Herz begehrt. Ganz aktuell für die Herbst-Winter-Saison ist die 2-in-1-Cabriojacke aus beschichteter Baumwolle mit wattierter Füllung, abnehmbarem Webpelzkragen, separater Weste, aufgenähtem historischen Mercedes-Logo und Topverarbeitung. www.shop.mercedes-benz.com

BRITANNIA MEETS

FA SH ION Ebenfalls aus Grossbritannien kommt die reichhaltige Bentley Collection: Textilien sind nur ein Teilbereich dieser Kollektion, allerdings sie sind meist spezieller als die von der Konkurrenz angebotenen. Da gibt es zum Beispiel elegante Seidenkopftücher oder Cashmere-Schals, aber auch sportive ­Boxengassen- oder Polo-Shirts. Die V8-Kollektion ist dem «puren Fahren» gewidmet und trägt ein geflügeltes rotes B – es sind Allwetter- oder Fleece­ jacken, dazu Baumwollhemden und Mützen. Besonders rasant: die GT3-Linie mit teils dezent bestickten Motorsporttextilien. www.shop.bentleymotors.com

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FORMEL-1-TYCOON BERNIE ECCLESTONE

Laut Forbes gibt es derzeit in ganz Grossbritannien nur drei Männer, die in ihrem Leben mehr Geld verdient haben als Bernie Ecclestone. So wird ­ das Vermögen des milliardenschweren Formel-1-­ Tycoons auf unglaubliche 4,2 Milliarden Dollar ­geschätzt! Dabei hat der Sohn eines einfachen ­Fischers klein angefangen. Seine ersten Brötchen hat sich Ecclestone als Laborassistent bei den städtischen Gaswerken von Dartford verdient, später handelte er mit KFZ-Teilen und fuhr, zum Teil sogar recht erfolgreich, bei einigen kleineren Autorennen in England mit. Nach mehreren Unfällen und

3 FRAGEN Sie sind nun 83 Jahre alt und arbeiten immer noch, als gäbe es kein Morgen. Denken Sie denn nie ans Aufhören? Solange ich für ein Unternehmen arbeite, von dem die Zu­ kunft des Formel-1-Sports abhängt, denke ich gar nicht daran, in Rente zu gehen! Ich will hier einfach auch weiter­ hin das Sagen haben. Insider beschreiben Sie als knallharten Geschäftsmann. Waren Sie schon immer so? Ja, schon als kleiner Junge habe ich vor der Schule Kuchen vom Bäcker um die Ecke besorgt und ihn dann in der Pause an die anderen Kinder verkauft – selbstverständlich zu meinen eigenen Konditionen! Wie wichtig ist Ihnen Geld? Nicht so wichtig. Ich lebe sparsam und gebe nur dann Geld aus, wenn ich wirklich etwas brauche. Ausserdem be­ handle ich alle Leute gleich – ganz egal, welchen Anzug sie tragen oder welches Einkommen sie haben.

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Enttäuschungen kehrte er dem aktiven Rennsport jedoch schnell den ­Rücken und widmete sich s­ einer eigentlichen Berufung: dem Automobilsport­ management. In dieser Welt fühlte sich Ecclestone, der in der Branche als autoritärer und kompromissloser Geschäftsmann gilt, von Anfang an wohl. Erst arbeitete er als Teammanager von Connaught und Brabham; seit den 1970er-Jahren kümmert er sich fast ausschliesslich um die Formel 1. Heute ist  Ecclestone 83 Jahre alt und wird seine Geschäfte, ob er nun will oder nicht, bald seinen Nachfolgern übergeben müssen. Als Teilhaber und (Noch-) Geschäftsführer der Formel-1-Holding SLEC (Formula One Group), einer ­Unternehmensgruppe, die sich um die komplette Vermarktung der Werbeund Fernsehrechte des Formel-1-Sports kümmert, wird man aber sicherlich auch in Zukunft noch viel von ihm hören.


PIRELLI.CH

SWISS-SKI WÄHLT PIRELLI WINTERREIFEN

Gino Caviezel, Patrick Küng und Dominique Gisin im Windkanal


E H C I L M I E H R E

R A T S M L I F

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TE H C I H C S E G M L I D ER F r…

e N I ight Rid S n K O r e T os d e n od t u n A a AU lt m t o Ba e rh Bond, n wied le es au u n d en steh h O b Ja m h c e S s n ie r rn d u n d Fe arstelle d t p In Film u a Stars. he n H n c li e h h c c s li äc h me n en tats d u z n werde orsen Lo n e K

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ames Bond gehört zweifelsohne zu einem der bedeutendsten PSProtago­nisten in Hollywood. Seit über 50 Jahren fährt James Bond über die Leinwand, und gewiss hat er auch einen bedeutenden Anteil zur ­Popularität von Aston Martin beigetragen. Aber James Bond ist nicht der einzige Darsteller mit eigenem Dienstwagen.

Automobile Schleichwerbung 1995 rettete James Bond die Welt in einem BMW Z3 und das Instrument des Brand-Marketing entwickelte sich zunehmend zu einem wichtigen fi­nan­ ziellen Instrument für die Image-gierigen Autohersteller. Als der Z3 in «Goldeneye» zum «Star» wurde, lag ein vergleichsweise nüchterner Deal d ­ ahinter. Der Autohersteller hat als Gegenleistung für Bonds Fahrt im bay­rischen ­Roadster lediglich die Vermarktung des neuen Films unterstützt. Denn als Ford den Bond-Produzenten den traditionellen Aston Martin plus 1 ­ 5 Millionen Dollar anbot, bedeutete dies das Ende der vergleichsweise u ­ nschuldigen Ehe ­z wischen Bond und BMW. Auch der kleine Mini schaffte es auf die Holly­ wood-Leinwand. Seit er fast im Alleingang in «The Italian Job» zum Kult-Auto avancierte, verlassen sich Autofirmen zunehmend auf das ­illustre Image von Stars auf der Leinwand. Product Placement ist heutzutage nicht mehr aus den Kinos wegzudenken. Und kein Filmstudio kann es sich erlauben, auf

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Michael Knights sprechendes Auto K.I.T.T.

Das Geisterjägerauto aus dem Film Ghostbusters

Das Original-Batmobil aus dem Jahre 1966

diese versteckte Werbung zu verzichten. Aber bevor die Zuschauer bequem in den Kinosesseln sitzen und die imposantesten Autos ­bestaunen können, liegen harte Verhandlungen vor. Die Frage, wann und wie lange und in ­welchem Kontext welches Modell durch das Bild rollt, ist Gegenstand von Verhandlungen, bei denen es um Millionenbeträge geht. Doch so sehr auch James Bond und Aston Martin zusammengehören, 007 bleibt keiner Marke treu – ob beim Auto, beim Drink oder sogar bei den Frauen. Es ist alles eine Frage des Preises.

busters» ist nicht Q, sondern George Barris. Kaum ein Hollywood-Film in den letzten Jahrzehnten kam ohne seine Autos aus. Den Durchbruch erlangte Barris Mitte der 60er Jahre, als er das le­gendäre Batmobil konstruierte. Der Fledermaus-Renner wurde zu einem der extra­vagantesten Autos der Filmgeschichte und das über fünf Meter lange Batmobil zum Schrecken aller Bösewichte von Gotham City. Mit Radar, Schleuder­sitz, Nebelmaschine und That’s Hollywood Raketenwerfer ausgestattet – die kreativsten Ideen Und nur alleine das Modell reicht nicht, um aus einem Auto einen Holly­wood- von Barris machten allesamt Filmkarriere. Der knapp Star zu machen. Hier zählen auch die inneren Werte: versteckte Stinger-­ 80-jährige Barris gehört noch zu den aktiven Urge­ Raketen, Reifen mit ausfahrbaren Spikes, Selbstzerstörungsmechanismus steinen aus der grossen Zeit der Hollywood-­Ära. sowie weitere Gadgets. Denn ohne diese macht ein Film nur halb so viel Doch auch Barris erlebt den Wandel der Geschichte Freude. Obwohl die technischen Spielereien und äusserst hilfreiche Erfin- von legendären Filmautos: «Früher mussten die dungen in Ian Flemings James-Bond-Bücher weitaus nicht so kreativ waren, ­Autos alle diese Kunststücke aus den Filmen auch verhalfen sie den Bond-Filmen durchaus zu weltweitem Bekanntheitsgrad. wirklich können. Rauch, Flammen, Feuerwerk und Die Frage lautet doch immer: «Welches Auto wird Bond diesmal fahren?» Sprünge – das wird heutzutage alles am Computer oder «Was hat Q diesmal gebastelt?» Doch der kreative Kopf hinter dem Auto simuliert. Viele der modernen Filmautos haben von James Bond, dem Batmobil, K.I.T.T. bei «Knight Rider» oder «Ghost­ nicht mal mehr einen Motor.»

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E H T D N TO A S E O G OSCAR James Bond

S JAMED BO N

Was wären die James-Bond-Filme ohne die legen­ dären Autos der Geheimagenten? Bis auf das Bond-Girl wäre es naheliegend zu behaupten, das Auto spiele in den Filmen zumindest die Nebenrolle. Das wohl bekannteste Auto, das ein James Bond im Film je fahren durfte, war der Aston Martin DB5. Das Auto sitzt wie ein perfekter ­ ­Smoking, und mit Sean Connery im Sitz war der Erfolg absehbar. Auch wenn Aston Martin ohne James Bond erfolgreich gewesen wäre, hat der Auftritt in mehreren von Flemings Filmen dem Ruf gewiss nicht geschadet. Eine weitere Ehre wird dem Aston Martin zuteil, denn er ist das erste Fahrzeug von James Bond mit Schleudersitz, Maschinengewehr, Reifenschlitzer und Rammstossstangen. In diesem Fall harmonieren Fahrer und Auto hervorragend: Stil, Prestige, Schnelligkeit, Risikobereitschaft sowie Eleganz.

Batmobil

L I B O M BAT

Kaum ein Auto hat so einen Ruhm erlangt wie das Batmobil des Fantasy-Helden Batman. Die Basis des Unikats ist ein Lincoln Futura, welcher 1965 von George Barris zum Batmobil umge­ baut  wurde. Mit einem schmalen Budget von 15’000 US-Dollar wurde die Arbeit in 15 Tagen erledigt. Das Auto bekam eine schwarze Lackierung mit den nötigen Utensilien für ein Auto, das die Bösewichte jagen sollte: Supermagneten für das Öffnen von Stahltüren aus der Ferne, eine Strahlenkanone, die andere Fahrzeuge eliminiert, oder ­einen Satz Fallschirme, die das Fahrzeug auf der Stelle wenden liessen.

Herbie

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Wenn man von der Nummer 53 spricht, schlägt bei jedem Käfer-Fan sofort das Herz schneller. Und dass Autos eine Seele haben können, beweist dieser Käfer. Als Herbie wurde die Kultkugel legendär und als Knuddel-Auto und sympathischer Underdog, in dem ungeahnte Talente steckten, hat jeder Herbie lieb gehabt. Gerüchten zufolge suchte der Produzent des ersten Herbie-Films seinen Hauptdarsteller nach der Reaktion von Passanten aus. Aus einer grossen Auswahl an verschiedenen Autos waren die Sympathien jedoch mehrheitlich bei dem runden Käfer – der sogar die Motorhaube von den Passanten gestreichelt bekam.


WUSSTEN SIE SCHON …?

2-Zimmer-Suite über den Wolken Mehr Reisekomfort geht nicht! Wer sich für einen Flug mit der arabischen Fluggesellschaft Ethiad ­e ntscheidet, kann sich über noch mehr Luxus an Bord des A380 freuen: Für rund 18’000 Schweizer Franken (z. B. einfache Strecke von Abu Dhabi nach London) k ­ önnen betuchte Kunden ab dem 27. Dezember dieses Jahres eine First-Class-Suite mit eigenem Bad buchen. Auch ein vom Savoy Hotel ausgebildeter Butler steht ­den Gästen, die sich für das 11,5 Quadratmeter grosse Mini-Apartment «The ­Residence» entscheiden, zur Verfügung. Eine Minibar, Designer-Interieur und ein 32-Zoll-Flachbildschirm sorgen dafür, dass keine Wünsche offen bleiben und schon während des Fluges echtes Ferien-Feeling aufkommt.

Porsche mit 20 km/h Höchstgeschwindigkeit Wenn die Tachonadel im Porsche Carrera 911 bei 20 km/h stehen bleibt, ist das eigentlich ein klarer Fall für die Werkstatt. Nicht so beim neuen 911 des Autorennbahn-Herstellers Carrera. Dieser ist nämlich ferngesteuert und hat anstelle eines 3,4-Liter-Motors einen kleinen Akku unter der Haube. Neben der Umwelt wird mit diesem Ready-to-RunModell auch das Portemonnaie geschont: Mit 70 Schweizer Franken ist dies wohl der günstigste Porsche Carrera 911 der Welt.

Verrückte Sand-Autobahn Einen Highway der etwas anderen Art gibt es auf Fraser Island/Australien, der grössten Sandinsel der Welt, zu bestaunen. Die 75-Mile-Beach-Road ist 120 Kilometer lang und gehört zum öffentlichen australischen Strassennetz. Sie ist Teil des Highway 1, jener 14’000 Kilometer langen Strasse, auf der sich der ganze Kontinent umrunden lässt. Leitpfosten oder Markierungen sucht man auf dieser irren Sand-Autobahn vergebens. Auch wird man auf manchen Streckenabschnitten ziemlich durchgerüttelt, die Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h macht hier also durchaus Sinn. Das Autofahren mit Meerblick birgt aber auch Gefahren. So verwandelt die Flut den Highway regelmässig in eine matschige Offroadpiste, die sich nur mit einem allradbetrieben Wagen bewältigen lässt.

Velo-Hotel in Berlin Das 25hours Hotel Bikini Berlin lässt das Herz aller Vélo-Liebhaber höherschlagen. Unter dem Motto «Urban Jungle» haben die findigen Betreiber des Designhotels Ästhetik und Mobilität zusammengebracht und in 26 Zimmern jeweils ein hochwertiges Bike des Fahrradherstellers Schindelhauer an die Wand hängen lassen. Das ist nicht nur ein echter Hingucker, sondern auch überaus praktisch: Während der Dauer des Auf­ enthalts ist die Nutzung der Vélos inklusive, eine Nacht kostet hier zwischen 150 und 220 Schweizer Franken.

The Luxury Way of Life | 157


DRIVE STYLE

DIE GRÖSSTEN MOTORJACHTEN DER WELT Die Hitliste der weltgrössten Motorjachten hat eine neue Nummer 1: den 180 Meter langen und 30 Knoten schnellen Lürssen-Bau «Azzam». Boote Exklusiv & Yvonne Beck

«Azzam»

PLATZ

ie «Azzam» verdrängt die 163 Meter lange «Eclipse», die Megajacht des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, von ihrem Spitzenplatz. Ganze 17 Meter macht der Unterschied aus. In den letzten zwei Jahren hat sich in der Megajacht-Szene viel getan. Wie lange die «Azzam» ihren Platz verteidigen kann, wird sich zeigen, denn weltweit gibt es einige Player, die es nicht verkraften werden, nicht die längste Jacht der Welt zu fahren. Somit sind die 180 Meter der «Azzam» zwar eine Kampfansage, aber auch kein Wert für die Ewigkeit. Zudem beträgt die Durchschnittslänge in den Top 100 mittlerweile auch schon fast stolze 100 Meter. Vor nicht mal sechs Jahren lagen die Durchschnittsmasse der Megajachten bei 75 Metern. ­P RESTIGE stellt Ihnen die Top 6 der Superjachten vor.

Das Lürssen-Flaggschiff fährt dank seiner zwei Diesel­ motoren und zwei Gasturbinen mit einer Gesamtleistung von 94’000 PS. Der 20 Meter schlanke und 180 Meter lange Siebendecker reist mit bis zu 30 Knoten. Das Interieur-Design übernahm Christophe Leoni aus Frankreich, der unter anderem einen 29 Meter langen und 18 Meter breiten Salon dekorierte – nämlich wie die komplette Jacht im «Empire-Style». Auftraggeber war Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Emir von Abu Dhabi und Vorsitzender des Obersten Mineralölrates. Der Bau der weltgrössten Motorjacht dauerte rund drei Jahre plus ein Jahr Engineering. Die «Azzam» ist vor allem in warmen und flachen Ge­wässern unterwegs, die vor der Arabischen Halbinsel liegen dürften. Dort soll die Superjacht angeblich auch eine eigene «Garage» haben.


DRIVE STYLE

PLATZ

Mit einem zweiten Platz muss sich in diesem Jahr die 163 Meter lange «Eclipse» von Roman Abramowitsch zufriedengeben. Der in Hamburg bei Blohm + Voss gebaute Siebendecker verfügt an Bord über ein Inter­ieur mit 6000 Quadratmetern Fläche. Eine 80 Mann starke Crew kümmert sich an Bord um das Wohl des russischen Oligarchen und seiner Gäste.

«Eclipse» Die «Dubai» aus der Werft Blohm + Voss wartet mit 162 Metern Länge auf. Die luxuriöse Jacht gehört Muhammad bin Raschid Al Maktum, dem Scheich von Dubai. An Bord gibt es einen SquashCourt, ein Kino und eine Disco sowie einen Hubschrauberlandeplatz, einen Polo, Platz für 88 Crew-Mit­ glieder und 115 Gäste. Die Bunker fassen unglaubliche 1,2 Millionen Liter Diesel.

PLATZ

«Dubai»

«Al Said» PLATZ

Das vor sechs Jahren an den Sultan von Oman ausgelieferte 23 Meter breite Megaformat der Bremer Lürssen-Werft bietet auf sechs Decks Platz für eine bis zu 150 Köpfe starke Mannschaft, die sich um 65 Gäste kümmern soll. Der Konzertsaal der «Al Said» kann allein ein Orchester mit 50 Musikern aufnehmen. Mit ihren 155 Metern Länge und 8000 Quadratmetern bietet sie dem Sultan einen ähnlichen Luxus wie seine zahlreichen Paläste. Zudem gibt es noch ein Kino, einen Weinkeller, eine Sauna-Landschaft und zahlreiche Themenzimmer.

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DRIVE STYLE

«Prince Abdulaziz»

PLATZ

«Topaz»

PLATZ

Auch die «Topaz» gehört weiterhin zu den grössten privaten Megajachten der Welt. Der Stapellauf des ebenfalls auf der Lürssen-Werft gebauten Schiffes erfolgte im Jahr 2012. Trotz des fünften Platzes kann sie sich mit ihrer Länge von 147,25 Metern immer noch sehen lassen. Lange Zeit waren der Auftraggeber und das Interieur ein gut gehütetes Geheimnis. Inzwischen weiss man, dass sie im Besitz von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Dubai ist. Mit der «Topaz» erfüllte sich der Herrscher, der im Übrigen Hauptanteilseigner des englischen Fussballclubs Man­chester City ist, den Traum eines der imposantesten schwimmenden Luxusanwesen mit ordentlich Pferdestärken. Insgesamt 24’000 PS werden aus sechs Motoren generiert. Von der Innenausstattung ist lediglich bekannt, dass es vom Interieur-Design Terence Disdale stammt. Er zählt zu den berühmtesten Interieur-Designern im Bootsbereich und stattete unter anderem auch die «Eclipse» von Roman Abramowitsch aus.

Seit 26 Jahren hält sich die 5 200 Tonnen schwere und 147 Meter lange «Prince Abdulaziz» in den Top Ten der Megajachten. 22 Jahre stand sie gar an erster Stelle. Der für den saudi-arabischen König Fahd bei Vosper Thornycroft ausgebaute Fünf­ decker wird seit dessen Tod vor fünf Jahren vom Thronfolger Abdullah benutzt. Die «Prince Abdulaziz» liegt wie bisher nahe des Palastes in Dschidda am Roten Meer. Gebaut wurde sie 1984 von der Helsingør Værft in Dänemark. Ihre Reisegeschwindigkeit beträgt 18 Knoten, die Maximalgeschwin­ digkeit 22 Knoten. Die Jacht benötigt im Vollbetrieb eine 60- bis 65-köpfige Besatzung.

Hotspot für den Superjacht-Bau ist nach wie vor Deutschland. «Der deutsche Standort insgesamt ist im Bereich der wirklich grossen Jachten, von denen wir hier sprechen, extrem stark aufgestellt. Von den Top 200 kommen 75 Jachten allein aus Deutschland, gefolgt von den Niederlanden (49) und Italien (26). Und bald möchte ja sogar noch die Meyer-Werft in das Business einsteigen», so der Megajachten-Experte Marcus Krall. Die Lürssen-Werft besitzt allein 33 Einträge in den Top 200. Von den grössten Jachten der Welt kommt jede sechste aus Bremen oder Rendsburg. Die Eigner dieser opulenten Top-200-Megajachten stammen allerdings überwiegend aus dem Nahen Osten, insgesamt 40, gefolgt von Amerika (39) und Europa (37). Aus Russland kommen 26 Eigner. Weitere News aus der Welt der Superjachten liefert die Webseite www.boote-exclusiv.com.

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V12 VANTAGE S NERVENKITZEL PUR Lassen Sie sich vom V12 Vantage S Roadster begeistern:

Der V12 Vantage S Roadster entfacht wahre Leidenschaft, weckt sämtliche Sinne und setzt durch seine schiere Energie ungeahnte Instinkte frei. Durch die Power des preisgekrönten 6.0 l V12 Motors mit 574 PS und das souveräne Handling unseres kompakten Sportwagens sind Sie hinter dem Steuer des V12 Vantage S Roadster garantiert im Mittelpunkt. Ein Drivers’s Car ohnegleichen.

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Emil-Frey-Strasse 5745 Safenwil 062 788 88 07 www.astonmartin-safenwil.ch Aston Martin V12 Vantage S: Mixverbrauch 14,7 l/100 km, CO2-Emissionen 343 g/km. Durchschnitt aller in der Schweiz immatrikulierten Neufahrzeuge 148 g/km. Energieeffizienzkategorie G.


«Le poids voilà l’ennemi. Das Gewicht ist der Feind.»

– Emile Mathis (1880–1956), Automobilhersteller und Rennfahrer –

«Es gibt nur eine Farbe für ein Automobil: Schwarz!» – Henry Ford –

«Wie bei Kleidung gibt es nichts Verführerischeres als ein Auto, das zur Persönlichkeit des Fahrers passt.» – Giorgio Armani –

«Es wird Wagen geben, die von keinem Pferd gezogen werden und mit unglaublicher Gewalt daherfahren.» – Leonardo da Vinci –

«Die Kunst des Autofahrens: so langsam wie möglich der Schnellste zu sein.» – Emerson Fittipaldi –

«Autorennfahrer = Ein Pilot, der zu niedrig fliegt.» – Jean-Paul Belmondo –

«Haben Sie beim Autofahren schon bemerkt, dass jeder, der langsamer fährt als Sie, ein Idiot ist, und jeder, der schneller fährt, ein Verrückter?» – George Carlin, amerikanischer Komiker –

«Physikalische Grössen lassen sich im Windkanal testen. Emotionale nur im Fahrtwind.» – Porsche-Werbung für den 911 Carrera Cabrio & Boxster –

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«Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.» – Wilhelm II. (1859–1941), deutscher Kaiser –

«Das Auto hilft uns, schneller zur nächsten Reparaturwerkstatt zu kommen, als es zu Fuss möglich wäre.» – Helmar Nahr, deutscher Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler –

«Solange es Autos gibt, werden Menschen Rennen fahren.»

– Hans-Joachim Stuck, VW-Rennsport-Koordinator –

«Wenn sich niemand um dich schert, fahr verkehrt in eine Einbahnstrasse. Alle werden dir zuwinken.» – Werner Horand –

«Mein erstes Auto war ein DAF. Der war vom Aussehen her nicht ganz so schön.» – Heidi Klum –

«Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln – ein Auto braucht Liebe.» – Walter Röhrl –

«Das Auto ist erfunden worden, um den Freiheitsspielraum des Menschen zu vergrössen, aber nicht, um den Menschen zum Wahnsinn zu treiben.» – Enzo Ferrari, italienischer Automobildesigner und Konstrukteur –

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ERSTER SUV OHNE KOMPROMISSE

VOLVO XC90

Die monatelangen Spekulationen haben ein Ende: Volvo Cars hat seinen brandneuen Volvo XC90 enth端llt. Stella Orsini


DRIVE STYLE

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amit löst das Unternehmen sein Versprechen ein, einen attraktiven siebensitzigen Premium-SUV auf den Markt zu bringen, der mit weltweit einmaligen Sicherheitsmerkmalen, neuen ­Antriebstechnologien, einer bislang unerreichten Kombination aus Leistung und Kraftstoffeffizienz und Innenausstattung vom Feinsten zu beeindrucken weiss.

Drei Jahre Entwicklungsarbeit und ein Teil der im Elf-Milliarden-Wachstumsplan vorgesehenen Investitionen stecken im Volvo XC90. Der neue Vorzeige-­ SUV, mit dem Volvo das nächste Kapitel seiner Unternehmensgeschichte aufschlägt, gibt die künftige Designausrichtung des schwedischen Autohauses vor, überzeugt durch innovative Technologien und basiert auf der skalier­ baren Produktarchitektur (SPA). «Heute erleben wir einen der wichtigsten Momente in unserer Geschichte. Wir bringen nicht nur ein neues Modell auf den Markt, sondern geben unserer Marke einen ganz neuen Anstrich. Der heutige Tag kennzeichnet den Beginn einer neuen Ära für unser Unternehmen. Der Volvo XC90 ist das erste Produkt unseres künftigen Portfolios an auf­ regenden Fahrzeugen», erklärt Håkan Samuelsson, Präsident und CEO der Volvo Car Group.

Das neue Volvo-Gesicht

­ evelopment der Volvo Car Group. «Er bietet die D Agilität eines viel kleineren und flacheren Fahrzeugs sowie Fahrern und Beifahrern hohen Komfort in einem grosszügigen Innenraum. Einen ­Adrenalin-Kick liefern unsere Drive-E-Motoren, die Leistung und geringe Emissionen auf einzigartige Art und Weise miteinander kombinieren. Und da der XC90 – wie das neue Logo stolz zeigt – aus dem Hause Volvo kommt, ist erstklassige Sicherheit bereits serienmässig eingebaut.»

Unerreichte Sicherheitsausstattung – serienmässig! Der brandneue Volvo XC90 fährt mit der um­ fassendsten und technologisch anspruchsvollsten Sicherheitsausstattung der gesamten Automobilbranche vor. Er umfasst zwei Weltneuheiten im Bereich der Sicherheitstechnologie: das Run-­offRoad-Protection-System – das die Insassen vor Verletzungen schützt, falls das Auto von der Strasse abkommt – und den Kreuzungsassistenten.

Um diesen historischen Moment der nunmehr 87 Jahre währenden Firmengeschichte gebührend zu zelebrieren, ziert die Frontpartie des neuen XC90 eine neue, prägnantere Version des berühmten Eisensymbols. Der Pfeil wurde auf elegantere Art und Weise in den Diagonalbalken auf dem Kühlergrill eingebunden. Im Zusammenspiel mit den T-förmigen Tagfahrleuchten – die das Design-Team in Anlehnung an das Werkzeug des legendären nordischen Donnergotts «Thors Hammer» nennen – verleiht das modernisierte Emblem dem Fahrzeug so ein ganz neues und unverwechselbares Gesicht, das zeigt, mit welcher Zuversicht das Unternehmen auf künftige Entwicklungen schaut. Die grössere, neu konturierte Motorhaube des Volvo XC90, die Gürtellinie und die scharfkantigere, mit den hochgezogenen Heckleuchten verbundene Schulter sind weitere wichtige Elemente der neuen Designsprache, die über die gesamte Palette zum Einsatz kommen. Hinter dem Gesicht oder besser gesagt unter der Motorhaube findet man eine einmalige Kombination aus Leistung und Effizienz. Der neue XC90 ist mit verschiedenen Zweiliter-Vierzylinder-Drive-E-Motoren erhältlich, die in puncto Leistung-Kraftstoffeffizienz-Verhältnis keine Wünsche offenlassen. In der Topversion des Volvo XC90 kommt ein neuer Twin-Engine-Antriebsstrang zum Einsatz, der den Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit Kompressor- und Turboaufladung und einem Elektromotor kombiniert. Die Systemleistung beträgt rund 294 kW (400 PS) bei einem CO2 -Ausstoss von 60 g/km (NEFZ).

Erster SUV ohne Kompromisse Der Volvo XC90 ist der Inbegriff unserer «Volvo-by-Volvo-Strategie». Mit seiner cleveren Verknüpfung aus Luxus, Raum, Vielfalt, Effizienz und Sicherheit setzt er völlig neue Massstäbe im SUV-Segment, wie schon seinerzeit der ursprüngliche XC90 im Jahre 2002. «Dank seiner skalierbaren Produkt­ architektur (SPA) ist der Volvo XC90 der weltweit erste SUV ohne Kompromisse», erklärt Dr. Peter Mertens, Senior Vice President Research and

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Im Interieur des neuen Volvo XC90 harmonieren verschiedenste Materialien, wie weiches Leder und Holz, mit handgefertigten Details. Der Schalthebel aus Kristallglas wurde von Orrefors, einer bekannten schwedischen Glasmanufaktur, hergestellt. Die Start-Stopp-Taste und der Lautstärkeregler sind im Diamantschnitt ausgeführt. Es ist unübersehbar, dass die Entwicklung des Autos ganz im Zeichen der Handwerkskunst stand. Der atemberaubende SUV verfügt über sieben innovativ gestaltete Sitze, die den Insassen in der zweiten und dritten Sitzreihe mehr Platz lassen. Das Run-off-Road-Protection-System des brandneuen Volvo XC90 erkennt, wenn das Fahrzeug von der Strasse abkommt, und strafft automatisch die vorderen Sicherheitsgurte, um die Insassen sicher auf den Sitzen zu halten. Ein energieabsorbierender Bereich zwischen Sitz und Sitzrahmen beugt ­zudem Wirbelsäulenverletzungen vor. So reduziert er die vertikalen Kräfte, die bei einem harten Aufprall des Fahrzeugs abseits der Fahrbahn entstehen. Und der Volvo XC90 ist das weltweit erste Fahrzeug, das automatisch abbremst, wenn der Fahrer beim Abbiegen in den Gegenverkehr zu gelangen droht. Dies ist sowohl im belebten Stadtverkehr als auch auf Landstrassen – ­wo generell mit einer höheren Geschwindigkeit gefahren wird – ein typisches Unfallszenario. «City Safety» steht fortan als Sammelbegriff für die Volvo-­ Bremsassistenzfunktionen, die im neuen XC90 serienmässig eingebaut sind. Sie erfassen andere Fahrzeuge sowie Fahrradfahrer und Fussgänger, die sich vor dem eigenen Auto befinden – bei Tag und in der Nacht. «Diese neuen Technologien bringen uns einen entscheidenden Schritt näher an unsere Vision, dass ab dem Jahr 2020 niemand mehr in einem neuen Volvo in einen ­schweren oder tödlichen Unfall verwickelt wird», erklärt Dr. Mertens. «Unser Ansatz für die Entwicklung von Sicherheitssystemen ist dabei der gleiche wie vor 87 Jahren, als wir das Unternehmen gegründet haben. Wir werten Daten aus. Wir berechnen Zahlen. Wir entwickeln Innovationen. Das Ergebnis ist eines der sichersten Fahrzeuge, das wir jemals gebaut haben.»

Luxuriöses Interieur

Top-Audiosystem Der Volvo XC90 besitzt eines der überlegensten Audiosysteme der Automobilbranche. Kein Wunder: Schliesslich hat sich die Volvo-Audioabteilung für dessen Entwicklung mit den Experten des ­britischen Audiogeräteherstellers Bowers & Wilkins zusammengetan. Das im XC90 verbaute Spitzensystem setzt sich aus einem 1400-Watt-Klasse-­DVerstärker und 19 Bowers & Wilkins-Lautsprechern zusammen. Es umfasst darüber hinaus den ersten belüfteten Subwoofer in einem Fahrzeug, der direkt in die Karosserie eingebunden ist. So kann dieser den gesamten Fahrgastraum ausnutzen und beste Klangfülle garantieren. Mit der neuesten Klangverarbeitungssoftware ist es zudem möglich, Timing und Zusammenspiel der Lautsprecher zu optimieren. All dies sorgt für auditiven Hochgenuss, der dem Fahrer das Gefühl gibt, direkt auf einem Konzert zu sein. Der neue Volvo XC90 ist ab sofort bestellbar und die ersten Fahrzeuge werden im Mai 2015 an die Schweizer Kunden übergeben.

Der neue XC90 besitzt den luxuriösesten Fahrgastraum aller bisher gebauten Volvos. Was sofort ins Auge fällt: die an ein Tablet erinnernde Touchscreen-­ www.volvocars.ch Konsole, das Herzstück der neuen Fahrzeugsteuerung. Das System kommt quasi ohne Knöpfe aus und ermöglicht dem Fahrer eine ganz neue Kontrolle über sein Fahrzeug. Es bietet ihm auch Zugriff zu verschiedenen internet­ basierten Produkten und Leistungen. Zusätzliches Plus: Der Fahrgastraum wirkt modern, grosszügig und aufgeräumt. «Das neue Cockpit ist aufs ­Wesentliche beschränkt und verzichtet auf jedweden Schnörkel. Trotzdem strahlt es die Zuversicht und Formalität aus, die Kunden von einem Premium-­ SUV erwarten. Der minimalistische Ansatz steht im Einklang mit der skandinavischen Designkultur. Er sorgt für grosszügige Flächen und gibt uns die Möglichkeit, ein modernes und luxuriöses Innendesign zu schaffen», erklärt Thomas Ingenlath.

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1 BLANCPAIN CHRONOGRAPH KOLLEKTION VILLERET Die klassische Uhr ist mit einem neuen Automatikwerk ausgestattet, welches über einen Stoppuhrmechanismus, eine Flyback-Funktion und erstmals eine Pulsmesser­skala verfügt. 2 HUBLOT BIG BANG UNICO «ALL BLACK» Das ikonische Design der Big Bang und das vollständig manufakturgefertigte Uhrwerk bilden eine perfekte Kombination. Ganz nach dem Konzept von Hublot und ganz in schwarz matt ist die Uhr mit dem Chronographenwerk eine Ikone.

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3 OMEGA DE VILLE TRÉSOR Die Trésor-Linie feiert nach einem halben Jahrhundert das Comeback: Die neue Ville Trésor ist mit einem braunen Lederarmband und einem silbernen Opalin-Zifferblatt versehen, welches mit einem klassischen Clous-de-Paris-Muster verziert ist. Die Stunden und Zeiger sind mit aufgesetzten Indizes aus 18-karätigem Gelbgold ausgestattet. 3

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5 PATEK PHILIPPE GRANDES COMPLICATIONS Die Roségold-Uhr ist mit einem mechanischen Werk mit automatischem Aufzug ausgestattet. Zusammen mit dem Zifferblatt, bestehend aus opalen, silberfarben, aufgesetzten Goldindexen, zählt die Uhr zu den schönsten Symbolen von Patek Philippe.

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4 BREGUET CLASSIQUE TOURBILLON EXTRA-PLAT AUTOMATIQUE 5377 Das Gehäuse besteht aus Platin und besitzt einen SaphirGehäuseboden. Er ist bis zu 30 m wasserdicht, und die Zeiger bestehen aus 18 Karat Gold. Abge­rundet wird die klassische Uhr durch ein Werk mit Tourbillon.

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6 ROLEX SKY-DWELLER Das jüngste und innovativste Modell von Rolex, bestehend aus 18 Karat Gelb-, Weissund Everose-Gold, ist mit dem Oyster Gehäuse ausgestattet. Dieses ist ein Symbol für ­Wasserdichtigkeit und Eleganz. 7 ARNOLD & SON TES TOURBILLON, ROYAL COLLECTION Original englisches Design macht das klassische Styling der Uhr aus. Bestehend aus einem mechanischen Tourbillon-Werk, den anthraziten Zeigern und dem 18-Karat-Gold-Gehäuse ist die Uhr ein einzigartiges Werk. 8 RADO DIAMASTER CERAMIC SKELETON LIMITIERTE AUSGABE AUTOMATIK Die schlichte Eleganz dieser Uhr wird durch das Gehäuse, bestehend aus Plasma-HightechKeramik, einem Titan-Gehäuse­ boden mit Saphirglas und dem Zeiger aus Edelstahl, hervorgehoben.


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ITALIENISCHES AUTODESIGN MIT TRADITION

Das Familienunternehmen Pininfarina S.p.A. steht seit fast 85 Jahren f端r beste italienische Karosseriebau- und Designkunst. 1930 in Turin gegr端ndet, hat sich die Firma fr端h auf die Konzeption von Luxusautos spezialisiert und den Begriff Formsch旦nheit immer wieder neu definiert. Hendrik Stary

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«Formschönheit erlangt man nur durch grosses Engagement und harte Arbeit. Gutes Design von zeitloser Schönheit gelingt dann, wenn Form, Technologie, Geschmack und Funktionalität perfekt aufeinander abgestimmt sind.» – Sergio Pininfarina –

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ininfarinas avantgardistische Entwürfe für Marken wie Ferrari, Jaguar, Maserati, Cadillac und Alfa Romeo haben dem Familien­ unternehmen weltweiten Ruhm eingebracht – und auch heute noch besticht das Design durch innovative Konzepte und zeitlose Eleganz.

Erst nach dem Krieg, im Jahr 1945, konnten die rund 400 Mitarbeiter wieder an die Arbeit gehen. Mit dem Cisitalia 202 Coupé präsentierten sie der Welt­ nen auf Messen und Ausstellungen für viel Furore sorgte. Auch Enzo Ferrari bekam Wind von den aufstrebenden Designkünstlern und bot ihnen im Jahr 1951 eine Zusammenarbeit an, die über 70 Jahre lang andauern sollte.

Einmal USA und zurück Als der Autodesigner Battista «Pinin» Farina im Jahr 1930 das Unternehmen «Società anonima Carrozzeria Pinin Farina» gründete, konnte er dessen späteren Welterfolg noch nicht ahnen. So entwarf die junge Firma während der 1930erJahre zwar bereits Karosserien für Lancia, Alfa Romeo, Cadillac und Rolls-Royce, wurde aber im Zuge des Zweiten Weltkriegs vollständig zerstört.

Beflügelt durch den Erfolg der neuen Entwürfe, erschloss man sich in den 1950er-Jahren neue Märkte. So war die Kooperation mit dem US-Hersteller Nash Motors ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Unternehmens, konnte man hier doch noch viel in Sachen Technologie und Marketing lernen. Mit einer von Nash Motors initiierten 5-Millionen-Dollar-Werbekampagne wurde Pininfarina auch in den USA zu einer angesehenen Adresse, Aufträge für Cadillac bzw. General Motors konnten daraufhin schnell an Land gezogen werden. Die Geschäfte liefen

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so gut, dass Farina sich ausserhalb von Turin eine neue Fabrikhalle bauen und die Produktion vergrössern liess. Automobile wie der Giulietta Spider, der ein grosser Erfolg werden sollte, entstanden hier in grosser Stückzahl.

Die zweite Manager-Generation Im Jahr 1961, Pininfarina war jetzt 68 Jahre alt, übergab er die Geschäfte seinem Sohn Sergio und seinem Schwiegersohn Renzo Carli. Die neue ­Generation investierte viel Geld in Wissenschaft und Forschung und baute das Unternehmen weiter aus. In den 1970er- und 80er-Jahren entstanden neue Standorte und avantgardistische Forschungszentren mit ersten Windkanälen; mit Cadillac, Mitsubishi und später auch Volvo bekam man neue zuverlässige Partner, die in das Unternehmen investierten.

Nach einigen Problemen in der Serienfertigung und daraus resultierenden finanziellen Schwierigkeiten musste Pininfarina die Automobilproduktion im Jahr 2013 einstellen. Die letzten Autos, die ­gebaut wurden, waren der Volvo C70 sowie die Alfa-Romeo-Modelle Brera und Spider. Umso mehr engagiert sich das Unternehmen heute in ­anderen Bereichen wie Architektur, öffentliche Ver­ kehrsmittel und Accessoires. Und auch hier lebt der typische «Italian Style» w ­ eiter: innovatives Design von zeitloser Schönheit und hoher Funktio­ nalität.

Das Pininfarina-Design lebt weiter

«Wenn Sie mich fragen, was den Italian Style ausmacht, sage ich Ihnen: Minimalismus, Sinn für Proportionen und eine harmonische Linienführung. Auch wenn man sich nach vielen Jahren eines unserer Produkte anschaut, hat man immer noch das Gefühl, es mit einer wahren, lebendigen Schönheit zu tun zu haben.» – Battista «Pinin» Farina –

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DRIVE STYLE

PRESENTS

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edes Jahr im September lädt Earl of March and Kinrara zu einer dreitägigen Zeitreise auf seinen Landsitz im südenglischen Good­wood bei Chichester. Hier feiern Motorsportfans die Rennwagen und -motorräder längst vergangener Zeiten. Rennsportlegenden zeigen auf ihren alten Rennern ihr Können. Dabei geht es jedoch vor allem um den nostalgischen Aspekt. Auf dem Gelände des Goodwood Revival fühlt sich jeder um Jahrzehnte zurückversetzt. Zum g ­ uten Ton gehört es, in zeitgenössischer Kleidung zu kommen. Und die Mehrheit der Besucher hält sich daran. Dazu gibt es Live-Musik und die Good Actors Guild, eine Truppe von rund 75 Schau­ spielern, die Schwarzhändler, Stewardessen, Kriegs­­sanitäter, Polizisten, Mechaniker und Blumenverkäuferinnen nachstellen. Und alle sehen aus, als seien sie gerade einer Staffel von «Downton Abbey» entstiegen. www.white-photo.com

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DER BESTE FORMEL-1-VIZE DER WELT DAVID COULTHARD

3 FRAGEN Hat sich der Formel-1-Sport seit Ihrem Karriereende verändert? Ja, das würde ich schon sagen. Er ist vor allem sicherer und analytischer geworden. Es werden beispielsweise heutzutage viel mehr Vorkehrungen getroffen, um die Fahrer zu schützen. Dies ist aber für alle Beteiligten von Vorteil und nimmt den Rennen ja auch nichts von ihrer Spannung. Was würden Sie zu Ihrem Sohn sagen, wenn er die gleiche berufliche Laufbahn einschlagen würde wie Sie? Ich würde ihn definitiv dabei unterstützen. Ich will, dass er aus seinem Leben das macht, was ihm selbst vorschwebt – nur so kann ein Mensch glücklich werden! Natürlich würde ich mich aber schon freuen, wenn er sich ebenfalls für den Sport entscheiden würde, es muss ja auch nicht unbedingt die Formel 1 sein. Wie kommen Sie mit Ihrem neuen Job als Sportkommentator zurecht? War es eine grosse Umstellung? Ja, das kann man schon so sagen. Vor allem am Anfang war es für mich wirklich schwierig, da einem plötzlich viele Leute zuhören und man sehr aufpassen muss, dass man nichts Falsches sagt. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt und mache den Job sehr gerne. Nicht zuletzt ist es ein grosse Ehre, für die BBC arbeiten zu dürfen!

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Auch wenn David Coulthard in seiner Karriere ­keinen Formel-1-Titel einfahren konnte, zählt er zu den besten und erfahrensten Rennfahrern aller Zeiten. Kein anderer hat bislang mehr Scorerpunkte eingefahren als er. Doch kein Wunder: Coulthard hat früh begonnen. Bereits im Alter von elf Jahren sass der 1971 im schottischen Twynholm geborene Autonarr im eigenen Kart und drehte seine ersten Runden. Im Jahr 1989 begann Coulthards Formel-1-Sport-Karriere, die insgesamt fast 20 Jahre andauern und ihm neben zwölf ­Poles vorzeigbare 13 Grand-Prix-Siege einbringen sollte. Seine erfolgreichste Zeit hatte er als Pilot im McLaren, in dem er 2001 das Titel­ rennen gegen Michael Schumacher verlor. Ab 2005 fuhr er noch drei Jahre für den Red-BullRennstall. Heute lebt der Ex-Formel-1-Pilot mit seiner Ehefrau Karen und dem gemeinsamen Sohn Dayton in Monaco, arbeitet als Sportmoderator für die BBC und als Berater für Red Bull. Nebenher betreibt er einige Luxushotels und hat mittlerweile sogar eine eigene Uhrenkollektion entworfen. Und wenn die Formel 1 Pause hat, ­geniesst er das süsse Leben von ­Monaco oder fliegt nach Schottland, um Familie und Freunde zu besuchen.


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PAUL POIRET LE MAGNIFIQUE

Jede Dekade bringt einen besonderen Seher des untrüglichen Stils hervor. Einen Créateur, der sich mit Brillanz und Genialität über allen anderen erhebt und fähig ist, die Wünsche der Frauen zu erahnen und sie mitzubestimmen. In den 1910ern zeichnet sich Paul Poiret als das Orakel der Designerwelt in den schillernden Fashionhimmel und wird in Amerika zum «König der Mode» gekrönt. Helena Ugrenovic

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aul Poiret wird am 20. April 1879 als Sohn ­eines Tuchhändlers im Pariser Stadtteil Les Halles geboren. Schon sehr früh drückt Paul seine Unabhängigkeit und kreative Ader mit Entwürfen aus, die er an die Ränder seiner Schulbücher zeichnet, besucht Galerien und Theatervorstellungen. Nach seinem Schulabschluss beginnt er eine Lehre bei einem Schirmmacher, ­doch Paul ist unglücklich darüber, die Böden zu schrubben und als Laufbursche zu dienen. Den grössten Teil seiner Zeit verbringt er damit, aus den Stoffresten elegante Couture-Kleider an einer Holzpuppe zu drapieren. 1898 präsentiert er zwölf seiner Skizzen der Modeschöpferin Louise Chéruit des Modehauses Raudnitz & Cie, die begeistert die gesamte Kollektion kauft und damit den Grundstein für Poirets revolutionäre Karriere legt.

Ein Stern geht auf Der Verkauf seiner Skizzen weckt die Aufmerksamkeit Jacques Doucets, des berühmtesten Pariser Couturiers, der Paul eine Anstellung als Junior Assistent Designer anbietet. Der atemberaubende Umhang, den Poiret für die Schauspielerin Ré­ jane entwirft, die den spektakulären Traum aus schwar­zem Tüll und Taft in der Aufführung «Zaza» trägt, sichert Poirets Ruhm. Die Bühne als Laufsteg und für seine Publicity zu nutzen, um der ­Öffentlichkeit seine avantgardistischen Modelle zu präsentieren, wird eine typische Marketingstrategie des Künstlers.

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1901 wechselt Paul Poiret zu Worth, dem füh­ renden Modehaus der Zeit, und arbeitet Seite ­an Seite mit Gaston und Jean, den Söhnen des berühmten Gründers Charles Frederick Worth. Seine Kreativität erhält einen Dämpfer, denn Pauls Ideen sind dem Hause Worth zu extravagant und ­müssen langweiligen Vorgaben weichen. Die vernichtende Kritik der russischen Prinzessin Bariatinsky spornt ihn schlussendlich dazu an, sein eigenes Modehaus zu gründen. Mithilfe seiner ­ Mutter, die ihn dabei finanziell unterstützt, eröffnet Paul 1903 sein eigenes Modehaus.

Avantgarde, Pomp und Exotik Poiret ist ein Querdenker und Visionär, dessen Stil sich nicht nur von dem seiner Berufskollegen drastisch abhebt, sondern gleichzeitig revolutionär ist. Er pfeift auf den rundlichen Edwardian Style und befreit die Damen mit neuen, weich fliessenden Modellen aus den eng geschnürten Korsetten. Poiret ist eng mit dem Art déco verbunden und entwirft 1906 eine schmale Robe, deren Rock ­unterhalb des Busens beginnt und in einer Linie bis zum Boden fällt. Er tauft die Linie, die ihm ­Berühmtheit beschert, «La Vague», die Welle, die wie der sanft geschwungene Buchstabe «S» den weiblichen Körper sinnlich umschmeichelt.


FASHION

Der teuerste Duft der Welt Ein Flakon mit 500 Milliliter «Imperial Majesty Perfume» von Clive Christian kostet 215’000 US-Dollar. Das pure Luxusparfüm, von dem weltweit nur 10 Flakons existieren, präsentiert sich in einem Flakon aus reinem Gold und Verzierungen aus 5 Karat Diamanten.

The Luxury Way of Life | 185


FASHION

Als Liebhaber von Kunst, Darstellung und mondänen Festen, die Stadtgespräch sind, umgibt sich Poiret mit Malern, Designern, Schauspielern und Tänzern, und als 1909 die «Ballets Russes» ­in Paris gastieren und einen frenetischen Erfolg feiern, ist Paul insbesondere von ihren orienta­ lischen Bühnenkostümen inspiriert. Seine nächste Kollektion ist eine Ode an den Orient. Kimonos, Kaftane, lange Obergewänder, Pumphosen und Tuniken, Schleier und Turbane sind mit goldener und silberner Spitze, farbenprächtigen Stickereien, Fransenbordüren, Federn und Perlen verziert. Er entwirft das Lampenschirmkleid, an dessen Saum ein Drahtstreifen eingearbeitet ist und die Trägerin ringförmig umgibt.

Martine & Rosine 1911 gründet Poiret die Schule «Les Ateliers de Martine», die nach seiner zweiten Tochter Martine benannt ist und in der junge Mädchen nach den

Richtlinien der Wiener Werkstätte ausgebildet werden. Das Unternehmen «Parfums de Rosine», in dem er als erster Modeschöpfer und lange vor Coco Chanel Duftkreationen auf der Basis von Rosenduftnoten produziert, benennt er nach ­seiner älteren Tochter Rosine. Im Ersten Weltkrieg ist Poiret gezwungen, seine Ateliers zu schliessen, und stellt nach Kriegsende schmerzlich fest, dass sein Stern erloschen ist und stattdessen derjenige der aufstrebenden Modeschöpferin Coco Chanel zu leuchten beginnt. Paul Poiret ist der erste Designer, der seine Entwürfe 1908 in Form des Modealbums «Les Robes de Paul Poiret» mit einer Auflage von 250 Exemplaren veröffentlicht, und als er 1944 einsam und verarmt stirbt, ist es seine geschiedene Frau ­Denise, die seine Entwürfe archiviert und seine ­Arbeiten dokumentiert.

Korsett Das älteste Exemplar eines Korsetts stammt aus dem Grab von Eleonora di Toledo, die 1562 verstarb. Zwischen 1840 und 1870 entwickelte sich die Sanduhrform, die noch heute als klassische Korsettform gilt. Laut dem Guinness-Buch der Rekorde schnürt Cathie Jung aus dem US-Bundes­ staat North Carolina ihre Taille auf 38 Zentimeter.

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KOLUMNE

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VERSCHONT UNS MIT REIZWÄSCHE! Weihnachten steht vor der Tür, und wie viele Herren da draussen haben wohl auch Sie, die männliche Leserschaft des Prestige-­ Magazins, im Sinne, Ihre Liebste mit verführerischer Lingerie unterm Christbaum zu beglücken. Das ist lieb gemeint, aber ehrlich gesagt totaler Quatsch. Beim Dessous-­ Shoppen denken Sie ja in erster Linie an sich selbst. Sie kaufen also durchsichtige Spitzenbodys mit Rüschen, spinnwebfeine BHs, Strass-Steinchen-besetzte String-Tangas, knallig rote Korsetts, Strapsen mit Latex-Einsatz. Sie kaufen hauptsächlich und impulsiv mit dem … sagen wir … Auge ein. Augen-gesteuertes Einkaufen ist gut, schliesslich müssen Sie happy sein, wenn Sie das Weih­ nachtsgeschenk eines Tages auspacken dürfen. Es spielt demnach keine Rolle, ob der Body bei der ersten Wäsche auseinanderfällt, die Tanga-Steinchen sich an der Strumpfhose verhängen, die Korsettstäbchen in die Rippen stechen und der hohe Nylongehalt des BHs die Nippel wund scheuert. Das Geschenk soll ja erotisch und nicht praktisch oder gar bequem sein. Sonst würden Sie uns Thermo­ unterwäsche beschaffen.

einem Verpackungs-Wettbewerb aus Strass, Nylon und Spitze unterwerfen. Das soll jetzt nicht erotisch sein? Absolut richtig, und wer hier nicht aufpasst, läuft gleich auf mehreren Ebenen ins Kläppergässlein. Ein zu kleiner Büstenhalter grenzt an Majestäts­ beleidigung, ein zu grosser kann als Aufforderung zur Kapital-­ Aufbesserung verstanden werden (und den Griff ins Portemonnaie im nächsten Jahr drastisch vertiefen). Da die eingenähten Schildchen der BHs im Kleiderschrank Ihrer Partnerin meist rausgeschnitten sind, gibt’s zum sicheren Ermitteln der Grösse zwei Möglich­ keiten: Ihre Ober- und Unterbrustweite messen, während sie schläft, oder (erlaubtes) Test-­ Fühlen bei einer guten Freundin.

Des Weiteren verheddern Sie sich gerne mit der Konfektionsgrösse Ihrer Partnerin. Untenrum tippen Sie auf eine 36 / 38. Ein gut gemeinter Rat: Dem Weihnachtsfrieden zuliebe empfiehlt es sich, besser zu klein als zu gross einzukaufen. Ein zu kleiner Slip kann als Kompliment ausgelegt werden, ein Sumo-Schlüpfer sich als Fettnäpfchen des Jahres herausstellen. Auf jeden Fall kommen Sie mit einem simplen Kleiderumtausch nach den Festtagen besser weg als bei Diskussionen über ein breites Becken, die, wenn’s blöd läuft, bis Ostern andauern. Beim Büstenhalter ist die Lage verzwickter. Zur Erinnerung: Das Teil ist erfunden worden, um uns im Kampf gegen die Schwerkraft zur Seite zu stehen, und nicht, damit wir uns tagein, tagaus

mädchen-Kostüm schlägt sich lieber gleich a ­ us dem Kopf, wer später nicht mit dem Fondue-­ Chinoise-Stäbchen aufgespiesst werden möchte. Nein, die Ironie ist uns Frauen in den letzten Jahren nicht abhandengekommen. Wir sind auch keine Spielverderber. Wir möchten schön und sexy für Sie sein, keine Bange. Aber wenn Sie uns etwas Gutes tun möchten, dann vergessen Sie bei unserem Geschenk den Eigenbedarf. Nehmen Sie uns mit zum Shoppen, lassen Sie uns unsere bequemen, kochfesten Baumwollslips aussuchen. Die Kristallgläser. Die «Breaking Bad»-DVD-Box. Dann haben alle etwas davon. Und Sie müssen sich später nicht fragen, warum wir bei Reizwäsche plötzlich so gereizt reagieren. Frohe Weihnachten!

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Das ist jetzt alles sehr technisch und das Kribbeln verflogen? Verständlich. Und wenn wir schon dabei sind: Kommen Sie ja nicht auf die Idee, uns Plüsch-Handschellen, Bunny-Ohren oder weiss der Kuckuck was unterzujubeln. Und das Dienst­

«Sie kaufen hauptsächlich und impulsiv mit dem Auge ein.»


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The Luxury Way of Life | 189


FASHION

DIE IKONEN DER VERGANGENHEIT

Sie genossen den gleichen Ruhm wie die Stars der Kinoleinwand, und die Bilder ihrer anmutigen Kรถrper spiegelten den exzessiven Materialismus der 80er- und 90er-Jahre wider. Blerina Markaj


FASHION

Glamourös, provokativ, schön, vollendet, magisch – das ist Modefotografie. Für den Entdecker der ­Supermodels, Peter Lindbergh, ist klar: «Sie waren der neue Frauentyp, nach dem sich die Welt sehnte.» Der berühmte deutsche Fotograf prägte mit seinen Bildern von Supermodels wie Claudia Schiffer oder Kate Moss die 90er-Jahre. Mit seinem Gespür für die Schönheit der Frau brachte er im Januar 1990 seine fünf Lieblingsmannequins auf den Titel der britischen «Vogue» und rief mit ihrer Inszenierung ein neues Frauenverständnis auf den Plan: «Selbstbestimmt sollte die Frau sein, fernab eines perfekten Körpers.» Lindberghs Version

MILLA JOVOVICH

n den 80er-Jahren starteten Fotografen wie Bruce Weber, Peter Lindbergh oder Paolo Roversi ihre Karriere. Die Welt, die diese Generation von Foto­grafen schuf, hob die Models auf ein Star­ podest. Das Phänomen «Supermodel» war ge­ boren: Supermodels wie Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Linda Evangelista, Christy Turlington oder Naomi Campbell wussten ihren Körper perfekt in Szene zu setzen. Sie waren die Lieblinge der Designer und Fotografen. Sie waren die Stars ihrer Zeit und an Bekanntheit kaum zu überbieten. Ist von Supermodels die Rede, wird man direkt in die 90er-Jahre zurückkatapultiert. Mit welchem Label oder Fotografen sie zusammenarbeiteten und für welche Kampagnen sie vor der Kamera posierten, entschieden die Models selbst. Mit zahlreichen Cover-Shootings und Verträgen mit Modehäusern wie Chanel, Louis Vuitton und Co. schafften sie es gemeinsam an die Spitze. Sie wurden zu den gefeierten Stars der Catwalks und galten über die Modewelt hinaus als Idole. Der Ruhm der Supermodels ist bis heute ungebrochen. Als Ikonen der Vergangenheit werden sie noch immer für die ­teuersten Kampagnen gebucht.

KATE MOSS The Luxury Way of Life | 191


LINDA EVANGELISTA

FASHION

Peter Lindbergh, mit bürger­ lichem Namen Peter Brod­ beck, ist ein deutscher Fotograf und Filmemacher. Nicht nur Supermodels posierten vor seiner Linse; er machte auch Porträts von Stars wie Catherine Deneuve, Mick Jagger, Tina Turner, John Travolta, Madonna und Kate Winslet. Die Karriere Lindberghs sucht seinesgleichen. Unzählige Auszeichnungen und Publikationen machen seinen Werdegang einzigartig.

ging auf. Er fotografierte seine Models ohne Statussymbole: kein Schmuck, keine aufwendigen Frisuren, keine sündhaft teuren Kleider. Mit ihm begann das kurzlebige Goldene Zeitalter der Modelindustrie. Die Lindbergh-Karriere ist das perfekte Beispiel für die Entwicklung der Modefotografie in der Kunstwelt und auf dem Kunstmarkt. Seit den 90er-Jahren hat sich der Blick auf das Medium «Fotografie» verändert. Plötzlich wurden Bilder wie Sprache eingesetzt. Um zu informieren, Nachrichten mitzuteilen, um Wissen weiterzugeben, Erinnerungen festzuhalten oder um Emotionen hervorzurufen. Damals war das Foto das wichtigste Element.

GEBOREN | 23. November 1944 in Polen BÜCHER | 10 Women; Images of Women OFFICIAL WEBSITE | www.peterlindbergh.com

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NADJA AUERMANN

Das Ende der Goldenen Supermodel-Ära Heute stehen eher die Shows im Vordergrund. Oder wie Lindbergh es ausdrückt: «Prada, Versace, Gucci und andere Labels – kein Mensch achtet mehr auf Gesichter, es dreht sich nur noch um namenlose Kleiderständer.» Heute gibt es nur noch wenige, die es mit dem Ruhm einer Linda Evangelista, einer Naomi Campbell oder einer Cindy Crawford aufnehmen können. Das Goldene Zeitalter der Modelindustrie war ebenso kurzlebig wie intensiv. Mit dem Ende der 90er-Jahre drehte sich der Zeitgeist und rebellierte gegen den überschäumenden Glamour in der Modewelt. Kerngesunde Superbeautys wurden beinahe wichtiger als die Designer, dessen Kreationen sie zeigten. Sie wuchsen zu Sehnsuchtsfiguren der Nation, bis Ende der 90er-Jahre die Rebellion folgte und man sich sattgesehen hatte an gesunden, strahlenden Körpern, an starken, wundervollen Frauen. Ihr grösstes Charakteristikum war jedoch ihre Selbstbestimmtheit – von der die heutigen Stars und Sternchen der Modebranche meist nur träumen können.


DAS MODEL DER REKORDE LINDA EVANGELISTA

Linda Evangelista ist das Model der Rekorde. Geboren 1965 in Ontario / Kanada, hat sich die langjährige Muse von Karl Lagerfeld und Steven Meisel in der Branche schnell einen Namen gemacht. Sie arbeitete äusserst erfolgreich für alle grossen Modehäuser, spätestens mit ihrem Auftritt im ­Musikvideo zu George Michaels Hit «Freedom» wurde sie weltberühmt. Bis heute schmückte ihr Ge­ sicht über 700 Titelseiten grosser Modemagazine, keine andere war so oft in der «Vogue Italia» wie sie. Aufgrund ihrer enormen Wandelbarkeit und der  immer wieder wechselnden Haarschnitte bekam sie schnell den Spitznamen «Cha­ mä­ leon»

4 ZITATE

verpasst. Heute ist Linda Evangelista 49 Jahre alt und kann bereits auf eine 36-jährige Glamour-Karriere zurückblicken. Ans Aufhören denkt sie aber noch lange nicht: Ob als Werbebotschafterin für eine Moschino-Kampagne oder als bevorzugtes Fotomodel von ­ Karl Lagerfeld – das vielseitige Multitalent beweist nach wie vor, dass die Modewelt ohne sie nur halb so bunt wäre.

«Von Diäten halte ich gar nichts. Ich esse einfach immer nur halb so viel, wie ich eigentlich gerne würde!»

«Es gibt auch Schönheit jenseits der Jugendlichkeit. Der Prozess des Reifens ist ebenfalls etwas Wunderschönes, nur leider wissen das die Redakteure vieler Modemagazine nicht.»

«Für weniger als 10’000 Dollar steige ich erst gar nicht aus dem Bett!» «Wenn mich die Leute fragen, wie ich es geschafft habe, über so viele Jahre hinweg ganz oben an der Spitze zu bleiben, sage ich ihnen: ‹nur mit der Hilfe von guten Fotografen, Make-up-Artists und Hairstylisten!›»

The Luxury Way of Life | 193


WUSSTEN SIE SCHON …?

Hollywood-Diven am besten gekleidet Wussten Sie schon, dass die am besten angezogenen Frauen Filmstars – und nicht etwa Designerinnen oder Models – sind? Das geht zumindest aus der jüngsten, alljährlich von der amerikanischen Zeitschrift «Vanity Fair» veröffen­tlichten «International Best-Dressed List» hervor. Neben der ­Ausnahmeschauspielerin Cate Blanchett, die schon zum zweiten Mal nominiert wurde, sind in diesem Jahr auch die Oscargewinnerin Lupita Nyong’o sowie das britische Nachwuchstalent Emma Watson darunter.

Topverdienerin unter den Models Laut der Forbes-Liste «The World’s Highest-Paid Models» verdient Gisele Bündchen derzeit mehr als jedes andere Model. Mit rund 43 Millionen Schweizer Franken Jahreseinkommen verweist sie die Niederländerin Doutzen Kroes (Victoria’s Secret, L’Oréal), die Brasilianerin Adriana Lima (Victoria’s Secret, Maybelline Jade, Desigual) sowie Kate Moss (Topshop, David Yurman) auf die unteren Plätze. Im Vergleich zu vielen jüngeren Models verkörpert die mittlerweile 34-Jährige noch einen klassischen Schönheitsbegriff, der ihr nach wie vor etliche grosse Kampagnen für Gesichts- und Haarprodukte einbringt. Ob für Sonia Rykiel, Stuart Weitzman, Carolina Herrera oder H&M – Gisele Bündchen kann sich heute nach Herzenslust aussuchen, von wem sie sich teuer bezahlen lässt.

First Lady der Schuhe Sie glauben, dass Sie eine grosse Schuh­ sammlung besitzen? Mit Imelda Marcos, Ex-First-Lady der Philippinen, können Sie bestimmt nicht mithalten. Als die ehemalige Schönheitskönigin 1987 aus politischen Gründen aus dem Malacanang Palace in die USA fliehen musste, fanden die Behörden neben 880 Handtaschen auch 1 0 60 Paar Schuhe von Designern wie Dior, Givenchy oder Chanel. Ein grosser Teil der Pumps wurde an das Nationalmuseum der philippinischen Hauptstadt Manila übergeben, wo sie später einem Termiten­ angriff zum Opfer fielen.

Dessous-Verbot für Russinnen Ein neues Gesetz, das am 1. Juli 2014 erlassen wurde, verbietet die Einfuhr von synthetischer Spitzenunterwäsche nach Russland, Belarus und Kasachstan. Der Grund: Baumwollhöschen er­ möglichten eine bessere Schweissaufnahme. Auch weitere Kleidervorschriften werden derzeit diskutiert. So stehen etwa auch Ballerinas und High Heels auf der Abschussliste der Ost-Zollunion.

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DIESES ZITAT STAMMT VON DER STILIKONE DER FÜNFZIGER JAHRE, MARYLIN MONROE. SCHON DAMALS WUSSTE DIE BEGEHRTE SCHAUSPIELERIN, WAS DIE FRAUEN GLÜCKLICH MACHT. BIS HEUTE HAT SICH DAS NICHT GEÄNDERT. DIE FUNKELNDEN DIAMANTEN UND EDELSTEINE LASSEN DIE FRAUENHERZEN NOCH IMMER SCHNELLER SCHLAGEN, ERST RECHT IN FORM EINES GESCHENKES DES GELIEBTEN. DIESE SCHÖNEN SCHMUCKSTÜCKE ZAUBERN EIN LÄCHELN INS GESICHT UND EIGNEN SICH PERFEKT FÜR EIN STILVOLLES WEIHNACHTSGESCHENK.

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FASHION

Mädchentraum & Fashion-Ikone

Die Barbie

®

Ihr vollständiger Name lautet Barbara Millicent Roberts: Sie stammt aus dem fiktiven Städtchen Willows in Wisconsin und hat die Willows High School besucht. Ihr offizieller Geburtstag ist der 9. März 1959. Sie ist 29,2 Zentimeter gross und hat bis heute 150 Berufe ausgeübt. In diesem Jahr schlüpfte sie das erste Mal in die Rolle als Unternehmerin. Die Namen ihrer drei Schwestern sind Skipper, Stacie und Kelly. Ihr Freund Ken ist zwei Jahre und zwei Tage jünger als sie. Alle drei Sekunden wird auf der Welt eine Barbie ®

Starke Verkaufszahlen

verkauft. Inzwischen gibt es sie in 150 Ländern zu er­ werben. Während die erste Barbie ® noch für drei Dollar verkauft wurde, betrug der höchste Auktionspreis für ­eine Barbie ® ganze 302’500 Dollar. Der Erlös wurde an die Stiftung für Brustkrebsforschung gespendet. Die One-of-akind-Puppe wurde von dem international ausgezeichneten Schmuckdesigner Stefano Canturi designt und beinhaltete einen einkarätigen pinkfarbenen Fancy-­Vivid-Dia­manten. Die meistverkaufte Barbie ® -Puppe aller Zeiten war ­jedoch die im Jahr 1992 erschienene Totally Hair™ Barbie ®, deren Haare ihr vom Kopf bis zu den Füssen reichten. Ein weiterer Verkaufsschlager und das Jahr für Jahr ist die Holiday Barbie™.

Die

der

Muse

Designer

Barbie ® hat bereits mit 75 Designern zusammengearbeitet. ­Ihre erste Kooperation war mit Oscar de la Renta Mitte der 80er. Im R­ahmen der Partnerschaft in 2009 zwischen Barbie ® und Christian Louboutin stellten sie gemeinsam eine Puppen- und Schuhkollektion vor. Die Schuhe gab es neben Barbie ® -Grösse auch in Life-size. Von Dior bis Burberry – Barbie ® lässt sich von den Grössten der Grossen ein­kleiden. Zuletzt schenkte Designer Guido Maria Kretschmer ihr ­einen neuen Look. Der neueste Streich ist jedoch Stardesigner Karl Lagerfeld gelungen. Ihm wurde eine gesamte Barbie ® nachempfun­ den. Wie er trägt die Puppe ein massgeschneidertes schwarzes Jackett, ein weisses Herrenhemd mit hohem Kragen und ­französischen Manschetten, dazu eine Krawatte aus schwar­ zem Satin. Selbstverständlich besitzt sie auch schwarze, fingerlose Handschuhe und auch die typische Sonnenbrille fehlt nicht. Die «Barbie Lager­ feld» ist auf 999 Stück limitiert.

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FASHION

Barbie macht Karriere ®

1965 reiste Barbie ® ins All, vier Jahre bevor der erste Mann den Mond betrat. Kein Wunder also, dass eine solche Frau ein echter Tausendsassa ist. Obwohl sie nie eine Wahl gewann, kandidierte sie seit 1992 sechsmal für das Präsidentenamt. Sie hat ihre eigene Schmuckkollektion, die sich Barbie™ ROCKS nennt und von Layna und Alan Friedman designt wird. Mit über elf Millionen Facebook-Likes ist sie die Puppe mit der grössten Facebook-Fanpage und mit Barbie™ LIVE! begeistert sie Musicalfans in Asien und ­ Australien. In Mexiko hat sie hingegen ihre eigene AwardShow, in der jedes Jahr herausragende Frauen geehrt werden, und seit fünf Jahren nimmt sie am Oktober­ fest in München teil. Dazu trägt sie jedes Jahr ein originales Dirndl einer Münchener Designerin.

Privatleben

Modemaniac Eine Milliarde Kleidungsstücke wurden für Barbie ® und ihre Freunde produziert. ­Dafür wurden fast 100 Millionen Meter Stoff ver­ arbeitet, was Mattel zu einem der grössten Be­ kleidungshersteller der Welt macht. Eine Milliarde Paar Schuhe wurden für Barbie ® und ihre Freunde produziert. Das bedeutet viel Arbeit und so ver­ wundert es nicht, dass 100 Leute (Designer, Schneider, Modellbauer und Stylisten) an der Erarbeitung von Outfit und Look e ­ iner einzigen Barbie® beteiligt sind.

Am 9. März 1959 wurde die Barbie ® erstmals der Spielzeugindustrie auf der New Yorker Spielwaren­ messe vorgestellt. Sie erschien in dem heute berühmten schwarz-weiss gestreiften Badeanzug und debütierte mit einer – typisch für die damalige Zeit – modischen Pferde­ schwanzfrisur. Ihr erstes Haustier war ein Pferd namens Dancer und ihre älteste Freundin ist Midge, mit der sie ­gemeinsam in Willows aufwuchs. Doch auch für Barbie ® gab es nicht nur Sonnentage in ihrem ­Leben. Am Valentinstag 2004 trennte sich Barbie®, nach über 43 Jahren, von ihrem Freund Ken. Nach siebenjähriger Auszeit g aben die bei­ den jedoch 2011 ihr Liebes-Comeback bekannt.

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UND EWIG SCHMĂœCKT DER K NOTEN

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Zierde, Status sy mbol, Statement: eine kleine awatte. Kulturgeschichte der Kr Lilly Stef fen

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FASHION

D

ie Krawatte verrät viel über ihren Träger, über seine soziale Stellung, seine ästhetischen Vorlieben oder seine politische Haltung. In den letzten Jahren hat die Männermode die Krawatte wiederentdeckt. Befreit von Konventionen und strengen Dresscodes trägt auch die jüngere Generation mit Nonchalance und Unbeschwertheit zunehmend Krawatte. Zeit für einen kurzen Blick auf die verschiedenen Facetten dieses Modeaccessoires.

Erfunden von den Kroaten

François Berthoud Lavanchy

Ursprünglich wurde die Krawatte von chinesischen Soldaten als Schutz gegen die Kälte getragen. In Frankreich tauchte die Krawatte während der ­Regierungszeit von Louis XIII. wieder auf. Damals rekrutierte der König von Frankreich kroatische Soldaten. Diese trugen einen verknoteten Schal um den Hals. Manche glauben sogar, dass das französische Wort für Krawatte, «Cravate», eine Verformung des Wortes «Kroate» ist. Um 1650 wurden Krawatten dann am Hof von Louis XIV. getragen. Im Wettbewerb um die eleganteste und gewagteste Kleidung wurden der Krawatte Bänder aus Spitze und Seide hinzugefügt. Diese Mode breitete sich in ganz Europa aus. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte verbreitete sich die Krawatte dann auf allen Kontinenten und wurde vor allem von Reichen und Modeanhängern getragen. Dabei nahm sie immer wieder neue Formen an. Durch Einflüsse der industriellen Revolution im Textilbereich entwickelte sich im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine zweckmässi­ gere Krawatte: Sie wurde länger und schmaler. Diese bildet die Basis für die heute geläufigen ­Krawatten.

Schweizer Textilgeschichte Die Geschichte der Krawatte ist in der Schweiz immer auch die Geschichte der Schweizer Textilindustrie. In den 1850erund 1860er-Jahren gedieh Zürich zum weltweit zweitgrössten Seidenstoffproduzenten. Im 19. Jahrhundert war die Stadt, neben Como und Krefeld, eines der wichtigsten Zentren der europäischen Seidenproduktion. Robert Schwarzenbach (1839–1904), der bedeutendste Hersteller in der Schweizer Geschichte, gelang die Positionierung auf dem Weltmarkt. Das «Seidenhaus Schwarzenbach» wurde 1829 in Thalwil ge­ gründet. Daraus ging in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­ hunderts die Firma «Robert Schwarzenbach & Co» hervor. Im Jahr 1928 war das, was als kleiner Schweizer Textilbetrieb begann, eines der grössten Textilunternehmen der Welt – mit eigenem Hochhaus in Manhattan. Der Umsatz des Unter­ nehmens betrug 267 Millionen Schweizer Franken und fast 28’000 Angestellte waren für die Firma tätig. Erst im Jahr 1981 wurde die Produktion eingestellt.

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FASHION

Emanzipationssymbol Vom Schulkind in England bis zum Geschäftsmann auf der Bahnhofstrasse: Die Krawatte wird heutzutage von Millionen Männern auf der ganzen Welt täglich getragen. Doch im Gegensatz zu früher ist sie nicht blosse Uniform, sondern verleiht jedem Look eine ganz individuelle Note. Die Krawatte, einst Symbol für Anpassung und Bürgerlichkeit, ist heute ein Accessoire: modisch, vornehm, lässig. Bereits Patti Smith liess verlauten: «Yeah, ich habe eine Krawatte, aber ich trage sie, wie ich will.» Sie war nicht die erste Frau, die Krawatte trug. Zwar gelten Krawatten als Symbol der Männlichkeit, dennoch waren sie schon Ende des 17. Jahrhunderts bei einigen adligen Damen Teil der Reit­ kleidung. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie von Seglerinnen und Radfahrerinnen als Lang­ binder getragen. Um 1900 unterstrichen Frauenrechtlerinnen ihre Gleichheitsbestrebungen durch das Tragen von Krawatten. In den 1920er-Jahren übernahm die Garçonne als Zeichen ihrer Emanzipation die Krawatte des Mannes. Und so trugen Marlene Dietrich und Annemarie Schwarzenbach Krawatte und verschafften sich durch sie ein androgynes Image oder das Image eines Dandys.

Patti Smith

Im Wandel der Zeit Was früher das Symbol einer politischen Haltung oder gesellschaftlichen Stellung war, ist heute also ein alltägliches Accessoire. Die Krawatte löste sich in den letzten 40 Jahren von ihrem konventionellen Gebrauch, trennte sich von Regeln und wurde zum Trend. Vielleicht ist es das Schicksal der Krawatte, kein Pflichtaccessoire mehr zu sein, sondern das Statement ihres jeweiligen Trägers zum Ausdruck zu bringen. Erlaubt ist (mehr oder weniger), was gefällt – auch wenn so mancher Mann sich über den engen Knoten am Hals beschwert.

Die Krawatte. männer macht mode. Noch bis zum 18. 01. 2015 zeigt das Landesmuseum Zürich die Geschichte der Krawatte. Seit mehr 400 Jahren bindet Mann und zuweilen auch Frau Krawatte. Die Ausstellung präsentiert seltene und frühe Krawatten. So etwa rare Exemplare aus venezianischer Nadelspitze oder die Krawatte des Krönungsko­ stüms des dänisch-norwegischen Königs Christian VII. aus dem 18. Jahrhundert. Auch widmet sich die Schau der Krawatte in der Frauenmode und in der Musikszene.


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The Luxury Way of Life | 203


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FASHION

Hemd | Sand / Stockmann Weste | Bosweel / Stockmann Hose | Edwin / My O My Men

The Luxury Way of Life | 205


Spitzen-Schleier | Diane Von Furstenberg / Stockmann Jacke | Armani Collezioni / Stockmann Mantel | Moschino / Ajatar

Blazer | Paul Smith / Stockmann Hemd | Kenzo / Beam Fliege | Tommy Hilfiger / Stockmann Blumen-Brosche | Tiger Of Sweden / Solo Shop for Men

FASHION

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Kleid | Longchamp Mantel | Giambattista Valli / Boutique Kaarina K Schuhe | Christian Louboutin / Nina’s Clutch | Stella McCartney / My O My Kette | House Of Elliot / Muotikuu


Abendkleid | Moschino Cheap & Chic / Stockmann Jacke | Zadig & Voltaire / My O My Ohrringe | Balmain / Boutique Kaarina K Clutch | Christian Louboutin / Nina’s


FASHION

Hut | Jennifer Behr Kleid | Hervé Léger / Boutique Kaarina K Schuhe | Balmain / Boutique Kaarina K

Blazer | Diesel / Stockmann Hemd | Just Cavalli / Stockmann Hose | Edwin / My O My Men Schuhe | Paul Smith / Stockmann


Blazer & Hemd | Just Cavalli / Stockmann


Mantel | Marina Rinaldi Top & Rock | Mary Katrantzou / Asuna Kette | Balmain / Boutique Kaarina K Tasche | Furla


FASHION

Schleier | Diane Von Furstenberg / Stockmann Jacke | Armani Collezioni / Stockmann Mantel | Moschino / Ajatar Shorts | Ted Baker Schuhe | Longchamp Tasche | Louis Vuitton

212 | PRESTIGE


Mantel | Burberry / Stockmann Hemd | Sand / Stockmann Hose | Hugo Boss Handschuhe | Hugo / Stockmann

FASHION

The Luxury Way of Life | 213


Kette als Kopfschmuck | Marina Rinaldi Kleid | Sonia by Sonia Rykiel / My O My Stiefeletten | Christian Louboutin / Nina’s Jacke | KV Couture

FASHION

Kette als Kopfschmuck | Marina Rinaldi Jacke | KV Couture Kleid | Sonia by Sonia Rykiel / My O My

Fotograf | Federico Cabrera Styling | Teri Niitti Haar & Make Up | Janne Suono Model | Mia Frilander / Paparazzi Model Management Model | Niklas / Paparazzi Model Management Modeassistentin | Anu Laapotti 1. Assistent | Martin Perez Fanali 2. Assistentin | Minna Puro Location | Lighthouse in Helsinki

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Blazer & Hemd | Just Cavalli / Stockmann Hose | Maison Martin Margiela / Beam Schuhe | Lloyd’s / Stockmann

Kette als Kopfschmuck | Marina Rinaldi Kleid | Sonia by Sonia Rykiel / My O My Stiefelletten | Christian Louboutin / Nina’s Jacke | KV Couture


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Normalerweise lieben Männer vor allem Frauen,

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BEGEHRT

NAVYBOOT

doch bei diesen Accessoires wird gerne eine Ausnahme gemacht. Die Accessoires gehören definitiv auf die Must-haves-Liste des Winters. Ob elegant, sportlich oder schick, sie lassen sich vielfältig kombinieren und unterstreichen die vielfältigen Eigenschaften des Mannes.

GUCCI

PORSCHE DESIGN

LOUIS VUITTON

VIZOURY

CARL F. BUCHERER

MAURICE LACROIX

AUSSERGEWÖHNLICHSTE HANTEL DER WELT

GIORGIO ARMANI

JOSE ROBERTO

MY CUFFLINKS

POET AUDIO

PANDORETTA°

MONTBLANC

GIORGIO ARMANI

216 | PRESTIGE

HERMÈS

SANTONI


WELTERFOLGE IN JEDER DISZIPLIN WILLY BOGNER

Willy Bogner ist ein Tausendsassa. Er ist nicht nur einer der führenden deutschen Unternehmer von Weltruf; er wurde auch als Spitzensportler berühmt und brachte es als Filmregisseur und ­ -produzent zu internationalen Ehren. Der gebürtige Münchener verfolgt seine Interessen nie nur als Beruf, sondern als Berufung. Zweimal nahm er als Skiläufer an Olympischen Spielen teil, war bereits als 16-Jähriger mehrfacher deutscher Jugendmeister und gewann mit 17 Jahren als erster

3 FRAGEN

Deutscher das renommierte «Lauberhornrennen». Willy Bogner, studierter Betriebswirt und Bekleidungstechniker, kam 1972 ins 1932 gegründete elterliche Unternehmen. Nach dem Tod des Seniors 1977 baute er es ­ ­kontinuierlich zu einer der etabliertesten Lifestyle-Weltmarken aus. Ab Ende der 1960er widmete sich Willy Bogner einer weiteren Herausforderung: Er gründete 1968 die Filmproduktionsfirma «Willy Bogner Film GmbH» – und geniesst bis heute den Ruf als einer der besten Ski-Kameramänner der Welt. Als Kameramann, Regisseur, Akteur, Produzent und Drehbuchautor wirkte er bei nahezu 40 Filmen mit. Für vier Bond-Thriller (unter anderem «Im ­Geheimdienst Ihrer Majestät» und «Der Spion, der mich liebte») verantwortete Willy Bogner als Kameramann und Regisseur die Skiszenen, 1987 wurde er für den erfolgreichsten deutschen Sportfilm «Feuer und Eis» mit dem «Bayerischen Filmpreis» ausgezeichnet. Für London 2012 hat der Modeunternehmer aus München erstmals das deutsche Olympiateam für die Sommerspiele eingekleidet.

Als Kind wurden Sie gefragt, was Sie einmal werden wollten, und haben geantwortet: «Amerikaner». Wie kam es zu dieser Antwort? Ich bin in den Nachkriegsjahren aufgewachsen. Wir hatten nichts, aber die Amerikaner waren immer sehr freundlich zu uns und haben uns Kaugummi geschenkt. Hinzu kam die amerikanische Musik, die uns begeisterte. So wollte fast jeder kleine Junge Amerikaner werden. Allerdings kannten wir die USA nur aus Cowboyfilmen. 1966 waren Sie als Leistungssportler bei den Olym­ pischen Spielen. 2012 haben Sie das deutsche Olympiateam ausgestattet. Wie hat sich der Sport in dieser Zeit verändert? Sportler müssen heute viel mehr trainieren. Während meiner Zeit als Leistungssportler hatte ich noch Zeit, in die Schule zu gehen und mein Abitur zu machen. Wir hatten sogar noch eine Sommerpause. Was heute alles unvorstellbar ist, da die Weltspitze viel dichter geworden ist. Erfährt in der Mode alles irgendwann mal ein Revival? Steghosen für Frauen und der Overall zum Skifahren sind zwei ganz grosse Inventionen in der Mode. Und sicherlich werden uns diese in der Modewelt irgendwann mal wieder unterkommen.

The Luxury Way of Life | 217


FASHION

FASHION-KLASSIKER

DER SMOKING Die Zeiten, in denen man im Theater oder in der Oper einen Smoking trug, sind vorbei. Nur noch selten sieht man Herren im Smoking beim Dinner. Trotzdem sollte jeder Mann, der etwas auf sich h채lt, einen Smoking sein Eigen nennen. Denn hin und wieder braucht man ihn doch zu besonderen Festivit채ten. Und ein gut sitzender Smoking ist das Eleganteste, was ein Gentleman anziehen kann!

218 | PRESTIGE


FASHION

Das noble Jackett für Raucher Historiker schätzen das Geburtsjahr des Smokings auf 1880. Die Herren dieser Zeit zogen ihn über, wenn sie nach dem Dinner ins Raucherzimmer gingen, um Karten zu spielen oder einen Digestif zu sich zu nehmen. Ging es zurück zur Veranstaltung, wurde die Smokingjacke wieder gegen einen Frack getauscht. Man(n) wollte so vermeiden, dass die Damen den unangenehmen Rauchgeruch ertragen mussten. Daher hat der Smoking auch seinen Namen. Zudem hatte der Smoking noch eine symbolische Bedeutung: Sobald die Herren das Kleidungsstück anzogen, war der offizielle Teil des Abends beendet. Wer den Smoking erfand, ist ungewiss. Eine Theorie besagt, dass der englische Herrenausstatter und Massschneider Henry Poole in der Londoner Savile Row No. 15 den bis heute als solchen erkennbaren Smoking, nämlich einen Frack ohne Schwalbenschwänze, als Abendgarderobe für den eleganten Herren erfunden haben soll. Nach der «American Formalwear Association» war es jedoch der Tabakerbe und Dandy Griswold Lorillard, der im Oktober 1886 erstmals mit einem Smoking auf dem Herbstball des «Tuxedo Club» in Tuxedo Park, New York, erschien. Seither wird der Smoking im angelsächsischen Raum, insbesondere in den USA, auch «Tuxedo» oder kurz «Tux» genannt. Das Smokinghemd sollte mit Klappmanschetten und Stehkragen ausgestattet sein. Der Kummerbund erhöht die Eleganz. Er bedeckt den Übergang zwischen Hose und Hemd. Er kann schwarz sein (oder in der Farbe des Smokings) oder farblich abgestimmt auf das Einstecktuch. Anstelle des Kummerbunds kann jedoch auch eine Smokingweste getragen werden. Man(n) sollte niemals einen Gürtel zum Smoking tragen. Zum Smoking wird traditionell eine schwarze Schleife getragen. Beim Einstecktuch scheiden sich die Geister. Während die einen ein weisses Einstecktuch zur schwarzen Schleife als absolutes Muss betrachten und keine Abweichung dulden, plädieren die anderen durchaus für farbliche Kontraste. Bei der Auswahl der Schuhe und Strümpfe greift man am besten zu schwarzen Lackschuhen und schwarzen Kniestrümpfen.

Smokingpflicht besteht … … wenn auf der Einladungskarte die Worte «black tie», «dinner jacket», «cravate noir» oder «(kleiner) Gesellschaftsanzug» stehen.

The Luxury Way of Life | 219


CUTS

SHORT

In and Out of Fashion Viviane Sassen ist eine der aufregendsten Figuren der zeitge­ nössischen Modefotografie. Ihre Bildwelt ist so innovativ wie anspruchsvoll: farbenprächtig, formal einfallsreich, zuweilen sogar surreal. Abseits der Klischees im Mode­b usiness nutzt sie den Ausstellungscharakter der Modefotografie für ihre eigenen Zwecke. Sie wird nicht nur für ihre Arbeit als freie Künstlerin geschätzt, sondern hat auch schon als Mode­ fotografin für bekannte Modehäuser wie Carven, adidas by Stella McCartney, Missoni und für Magazine wie Numéro, Double, AnOther Magazine und Dazed & Confused gearbeitet. Sassens Werk betont den inszenierten und konstruierten Charakter der Modefotografie, aber ebenso ihre Verspieltheit und Spontanität.

Fotomuseum Winterthur 13. 12. 2014 –15. 02. 2015 www.fotomuseum.ch

Masshemden unterm Weihnachtsbaum Ein heisser Tipp für alle, die auf der Suche nach dem besonderen Weihnachts­ geschenk für den Freund, Mann, Vater, Onkel oder Geliebten sind: Mass­ hemden. Der österreichische Hemdenspezialist «Gloriette» weiss seit über 125 Jahren, worauf es bei einem guten Hemd ankommt: ausgewählte Stoffe und erlesene Zutaten, perfekte Passformen und raffinierte Verarbeitungsdetails – Premiumhemden «Made in Europe». Jedes Herrenhemd der aktuellen Herbst-/Winterkollektion kann nach den persönlichen Wünschen des Kunden angefertigt werden. Soll es eine bestimmte Kragenform sein? Mit welchem Innenfutter soll die Knopfleiste verblendet werden? Welche Knöpfe sorgen für den persönlichen Touch? Das gestickte Monogramm des Besitzers rundet das Endergebnis formvollendet ab und steht für ein einzigartiges Hemd, das höchsten Ansprüchen gerecht wird – und sicherlich seine Wirkung zur Stunde der Bescherung nicht verfehlt! www.gloriette.at

Kuschelig durch den Winter Der kuschelweiche Riesenschal «Cumbattanta» ist ein Kombinationsgenie und kann als Minicape über die Schulter, als Fellkapuze um den Kopf oder als Schal wie ein Fellkragen getragen werden. Etwas bunter und frecher präsentiert sich hingegen das Modell «Chapitscha». Die beidseitig verwendbare Kapuze ist ein Must-have für den kommenden Winter. Sie ist kuschelweich, aus hochwertigem Kunstfell und bedruckter Baum­ wolle gefertigt und kann auch unter dem Mantel oder der Jacke getragen werden. Style- und Kuschelfaktor: Hoch! www.lapalausa.ch


Flammen

GÜBELIN

Dieser Winter steht in YVES SAINT LAURENT

BY LAURA

DOLCE & GABBANA

Rot ist die Farbe der Verführung und der Sinnlichkeit und steht für Feuer. Auch wenn im Winter eher auf dunkle Töne gesetzt wird, peppt diese Farbe jedes Outfit auf und lässt

die graue Jahreszeit bunt werden. Ob im knalligen Orange-Rot

TIFFANY & CO.

oder im dunklen SangriaRot – die feurige Farbe verfehlt ihre Wirkung nicht.

LOUIS VUITTON

PHILIPP PLEIN

FENDI

KARL LAGERFELD

PORSCHE DESIGN

HERMÈS

BLUGIRL

MOLLERUS

HERMÈS

GRAND MARNIER LIMITED EDITION 2014

GIUSEPPE ZANOTTI

ROBERTO CAVALLI

PHILIPP PLEIN

TWIN-SET JUST CAVALLI

The Luxury Way of Life | 221


SCHUHE

FASZINATION

FASHION

Stiefel Embracing Stripes von Bruno Tansens

222 | PRESTIGE

FUNKTION & SCHUHTICK Schuhe sind auf der ganzen Welt bekannt und begehrt – für Jung und Alt sind sie ein elementares Gut des Lebens und manchmal des Überlebens. Lilly Steffen

Spielzeug Welten Museum Basel


Herren-Federschuh von Aki Chokolat

FASHION

Moksha von Sahli Lugani

Kinder-Satinschuhe 1850 –1859 von F. Marsh

Roter Spitzenschuh von Eelko Moorer

A

ls Modeartikel beziehungsweise Konsumgut unterliegen sie einem gros­ sen Verschleiss und bedürfen ständiger Erneuerung. Als Schutz der Füsse sind Schuhe aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. In einem Jahr werden in Deutschland circa zehn Milliarden Euro für Schuhe ausgegeben. Dies entspricht einem jährlichen Neukauf von durchschnittlich drei bis fünf Paar pro Person. In der Schweiz sollten diese Zahlen sogar eher höher ausfallen. Kaum ein anderes Kleidungsstück hat so zahlreiche Spuren hinterlassen und ist mit so viel Botschaften und Emotionen behaftet wie der Schuh. Form, Farbe, Material, Verarbeitung, Design und Preis erzählen vom Leben ihrer Besitzer. Im Volksmund heisst es, die Wahrheit über einen Menschen sei an seinen Schuhen abzulesen: Charakter, Status, mitmenschliche Tugenden, Vorlieben und Abneigungen. Stilettos oder selbstgemachte Sandalen zeigen unsere gesellschaftliche Stellung, unsere Lebensart, unsere Einstellungen wie auch unsere Wünsche.

Der Schuh als Statussymbol Frauen waren seit der Steinzeit eher Sammler und Männer eher Jäger. Dies kann als Begründung angesehen werden, wieso Männer und Frauen eine unterschiedliche Anzahl Schuhe als notwendig erachten. Gemäss Umfragen verfügt jede fünfte Frau über mehr als 20 Paar Schuhe – bei den Männern hingegen nur jeder fünfundzwanzigste. Der Schuh hatte neben seiner reinen Schutzfunktion immer schon auch eine wichtige Modefunktion und so

The Luxury Way of Life | 223


Damenpumps aus Ziegenleder circa 1925

FASHION

Skulptur City Shoe 1 with nugget von Joyce de Gruiter

Damenpantoffeln 1660 aus Seidenbrokat

Damenpumps mit Rosetten 1860er Jahre (aus Kelim und Seide)

12’000 Paar Schuhe Das Northampton Museum and Art Gallery in England verfügt über die weltweit grösste international anerkannte Sammlung historischer Schuhe. Das älteste Exponat stammt aus dem alten Ägypten und datiert um 1000 vor Christus. Eine Zeitreise führt durch die Jahrhunderte und die Weltgeschichte der Schuhe bis ins 21. Jahrhundert. Über 12’000 Paar historische Schuhe sind hier zu besichtigen. Auch die Geschichte des Schuhhandwerks wird in der Ausstellung dokumentiert, bis hin zur Reproduktion einer alten Schuhmanufaktur. Werbung, Schuhaccessoires und Schuhpflege gehören ebenfalls zur permanenten Ausstellung. Noch bis zum 6. April 2015 präsentiert das Spielzeug Welten Museum Basel die Sonder­ ausstellung «Die Geschichte unter den Füssen – 3000 Jahre Schuhe» und zeigt einen Teil der Ausstellungsstücke des Northampton Museum and Art Gallery. Die Reise geht anhand von über 220 Schuhpaaren durch die Schuhmode der letzten 3000 Jahre. Zudem stellen über 30 Künstler aus der ganzen Welt ihre Schuhkunstwerke für die Ausstellung zur Verfügung. www.spielzeug-welten-museum-basel.ch

224 | PRESTIGE


Damen-Lederpumps im Cromwell-Still 1897

FASHION

Damen-Holzschuh 1880 aus Syrien

Numfides von Valentini Argyropoulou

mit dem gesellschaftlichen Status oder der Gruppenzugehörigkeit des Trägers zu tun. Im alten Ägypten durften nur Pharaonen Sandalen aus Gold- oder Silberblech tragen und nur hohe Beamte und Priester überhaupt Sandalen. Das Volk ging barfuss.

Zeigt her Eure Schuhe … Bei den alten Griechen wurde um 700 v. Chr. eine Verordnung erlassen, ­welche die Verwendung von Juwelen auf Sandalen regelte. Auch im Römischen Reich gab es klare Vorschriften, wer welches Schuhwerk tragen und wie dieses verziert sein durfte. Im Mittelalter sagte die Länge der Schuhspitze bei den damals modernen Schnabelschuhen etwas über die Standeszugehörigkeit aus. Zur Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1643 –1715, ­König von Frankreich und Navarra) war es nur dem König und hohen Adligen gestattet, rote Absätze zu tragen. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigten hochwertige Herrenschuhe aus Kalbsoberleder (zusammen mit gehobener Businesskleidung), dass ihr Träger keine körperliche Arbeit verrichtet, dem Establishment angehört, sich solche Schuhe leisten kann und den feinsinnigen Dingen des Lebens Aufmerksamkeit schenkt.

archaischen Wissen vieler Kulturen. Wallfahrten und Pilgerreisen erfolgten (gleichsam unter verschärften Bedingungen) manchmal barfuss; die Sitte lebt im Mittelmeerraum bis heute weiter. Und im Ausdruck Gang nach Canossa hat sich die ­legendäre Überlieferung erhalten, wonach Kaiser Heinrich IV. im Winter des Jahres 1077 barfuss und im Büsserhemd im verschneiten Schlosshof zu Canossa die Absolution von Papst Gregor VII. erbeten habe.

Der barfüssige Büsser Wo eigenes Schuhwerk als Zeichen von Rang und Reichtum derart be­ deutend war, konnte das freiwillige Ablegen der Schuhe zu einem Zeichen besonderer Art werden. Es signalisierte Demut und Bussfertigkeit. Dass man sich dem Heiligen unbeschuht zu nähern habe, gehört denn auch zum Mumiensohlen um 1000 vor Christus

The Luxury Way of Life | 225


226 | PRESTIGE


ÜBER DEN GLOBUS SPA(-ZIERT)

Gurkenmasken und Schlammpackungen waren einmal. Heute gilt: von einseitig bis vielseitig, weit über die Grenzen hinaus und so hoch, wie Körper, Geist und Seele zu entschweben vermögen und von Viva bis Java. Quer über den Planeten locken exotische Spa- und Wellness-Angebote ihre neugierige und anspruchsvolle Klientel. Helena Ugrenovic

ohlfühlprogramme reichen zurück in eine Zeit weit vor Christus. Schon vor mehr als 4000 Jahren frönten die alten Ägypter, Griechen und ­Römer dem Badekult, den die Römer wie keine andere Kultur zele­ brierten. Das gesellschaftliche Ereignis beinhaltete einen Saunagang, Warm- und Kaltwasserbad sowie verschiedene Sportarten und war ein fröhliches Stelldichein, wo Klatsch ausgetauscht, politisiert und auch Intrigen gesponnen wurden. Heutzutage lassen exotische und aussergewöhnliche Spa-Programme die Herzen Wellness-Begeisterter höher schlagen.

The Luxury Way of Life | 227


BEAUTY

WATSU Konnichiwa Japan! Die Körpertherapie bedient sich der Qualitäten des ­Wassers als Urelement des Lebens. Watsu überträgt Elemente aus Massage, Meridianarbeit in 35 Grad warmem Wasser und Gelenkmobilisation.

Behandlung Mit den Wirkungen des heilenden warmen Wassers werden Organe durch sanfte, fachgerechte Dehnungen, Streckungen und Shiatsu-Meridianbehandlung gestärkt und der Energiehaushalt in Einheit gebracht. Mit gezielten Massagen werden Bewegungseinschränkungen mittels zwei verschiedener Methoden, mit Watsu an der Wasseroberfläche und Wata, unter Wasser und für Fortgeschrittene, gelöst. Beide Praktiken nutzen passive Bewegungen im warmen Wasser.

Wirkung

Für wen geeignet? Für Frauen und Männer.

LOMI LOMI

Harmonisierung des Energiehaushaltes. Das warme Wasser ermöglicht eine dreidimensionale Bewegungsfreiheit, vermittelt Nähe und Geborgenheit, ­sowohl körperliche als auch psychische Blockaden werden durch sanftes Drehen, Strecken und Dehnen aufgehoben. Beide Handhabungen stellen das körperliche Wohlbefinden wieder her, fördern tiefste Entspannungs­ zustände und lindern Schmerzen sowie Blockaden. Aloha Hawaii! Die Königin und liebevollste aller Massagetechniken umspannt nebst einer hawaiianischen Massage auch eine Reinigung und ­Heilung der Seele sowie die Harmonisierung von Körper und Geist.

Behandlung Der ganze Körper wird mit viel Öl und fliessenden Bewegungen massiert, gelockert, gedehnt, geknetet und bewegt.

Wirkung Reinigung und Heilung auf körperlicher, psychischer, mentaler und spiritueller Ebene. Wohltuend und entspannend und die Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Für wen geeignet? Für Frauen und Männer sowie Schwangere.

228 | PRESTIGE


JAVA-TOUCH

BEAUTY

Selamat siang Indonesia! Java-Touch oder Lulur ist ein traditionelles javanisches Behandlungsritual und ein absoluter Trendsetter. Ursprünglich diente es der «Brautreinigung» und wird oft als die Königin der Schönheitsbehandlung bezeichnet. Ihr Ursprung liegt im Palast von Java, als junge Bräute mit diesem Ritual auf ihre Hochzeit vorbereitet wurden.

Behandlung Java Lulur gliedert sich in fünf Phasen und beginnt mit einer Ganzkörpermassage aus warmen Ölen; danach wird der Körper mit einer Paste aus Jasmin, Sandelholz, Gelbwurz und Reismehl, dem sogenannten Lulur Scrub, eingesalbt. Sobald die Paste trocken ist, wird sie sorgfältig abgerieben, damit werden tote Hautschüppchen von der Hautoberfläche entfernt. Die anschlies­ sende Körpermaske aus Joghurt gleicht den pH-Wert der Haut aus. Den Abschluss der Behandlung bilden ein Blütenbad sowie ein Körperbalsam, der in die Haut einmassiert wird. Bei Männern werden für das Peeling gemahlene Kaffeebohnen und für die Feuchtigkeitszufuhr Karotten verwendet.

Wirkung Eine Wohltat für Körper, Geist und Seele sowie pure Entspannung und bewirkt bei besonders gestressten Menschen wahre Wunder. Für wen geeignet? Für Frauen und Männer.

Hello Australia! Die australische Bambusmassage Wambo-Mambo bedeutet wörtlich übersetzt «was in die Tiefe geht» und ist definitiv nichts für zartbesaitete Seelen. Ihr Ursprung liegt bei den Ureinwohnern Australiens, den Aborigines, die sich nach der Jagd ihre verspannte Muskulatur mit Bambusstäben massiert haben.

Behandlung In rhythmischen Bewegungen werden die Bambusrohre mal sanft, mal fest über den Körper gewalkt oder vibriert. Mit Knet- und Hebeltechniken, die tief in die Muskulatur eindringen, werden Verspannungen im Körper gelöst. Ätherische Öle wie Eukalyptus, Sandelholz und Zitrone aktivieren die sieben Hauptchakras des Körpers.

Wirkung Anregung der Durchblutung, Auflockerung der Muskeln, Entspannung, intensive Körperwahrnehmung, Verbesserung des Gewebestoffwechsels, entschlackend, baut Stress ab, löst Blockaden.

WAMBO-MAMBO

Für wen geeignet? Eher eine reine Männersache.

The Luxury Way of Life | 229


BEAUTY

Viva Mexico! Eine königliche Wellnessbehandlung, die aus einem warmen Bad mit kolloidalem Gold, wertvollen Ölen und einem Massageritual besteht.

Behandlung Der Körper wird mit goldenem Körperöl eingerieben und danach mit hauchdünnen Goldplättchen belegt, die sorgfältig einmassiert werden.

Wirkung Regenerierend, vitalisierend, die Haut wird gepflegt und erhält einen leichten Goldschimmer.

Für wen geeignet?

AZTEKEN-GOLD-TREATMENT

ZULU-TREATMENT

Für Frauen.

Jambo Africa! Aus dem Schwarzen Kontinent stammt die Behandlung mit der weltweit berühmtesten Bohne, der Wunderknolle Ingwer und Aroma­ algen. Genauso anregend als morgendlicher Muntermacher wird grobkörniges Kaffeegranulat mit Ingweröl und entschlackenden Aromaalgen zu einer schwarzen Paste vermischt und der Körper damit verwöhnt.

Behandlung Die schwarze Paste wird sanft in die Haut des gesamten Körpers ein­massiert. Einerseits reinigt sie die Haut wie ein sanftes Peeling und andererseits wird die Muskulatur gelockert. Auch Pickel sollen dadurch auf Nimmerwieder­ sehen verschwinden.

Wirkung Aussen pfui, doch innen hui ist die Kombination der Zutaten stimulierend, kreislaufanregend, kurbelt den Stoffwechsel an, entschlackend und krampflösend. Reich an ätherischen Ölen und Vitaminen.

Für wen geeignet? Für Frauen und Männer.

230 | PRESTIGE


GU

R ei n C C I P R E MIÈ e Bl verle üt en u ndR E E AU D E i h en ei ne spr itzige TO I L E T T E ne ue Z L eichitr usnot en t i g ke it .

UR LA

CHRISTIAN DIOR

BY

Gold

A

SOTHYS

  is the new Black CHLOÉ LOVE STORY

Sinnlichkeit der Orangenblüte kombiniert mit einer blumigen Essence.

HELENA RUBINSTEIN

LAURA MERCIER

CHANEL

Goldige, glitzrige Lidschatten und knallige Lippenstifte dominieren den Make-up Look im Winter. Vor allem Gold-, Bronze- und Silbertöne eignen sich perfekt für die feierliche Winterzeit. Rottöne in allen Nuancen werden diesen Winter wieder ausgepackt und zusammen mit den rauchigen Lidschatten kombiniert.

HERMÈS CUIR D’ANGE

BE

Überraschungsreiche Interpretation des Lederaromas mit weichem, elegantem Charakter.

YVES SAINT LAURENT

The Luxury Way of Life | 231


DER KURATOR DER DÜFTE AUSNAHME-PARFÜMEUR FRÉDÉRIC MALLE

Frédéric Malle ist kein gewöhnlicher Parfümeur. Mit seiner exklusiven Linie «Editions de Parfums» schwimmt er nun schon seit einigen Jahren und mit grossem Erfolg gegen den Strom. So investiert er sein Geld nicht etwa wie viele andere Duft-­ Designer in immer wieder neue Image- und Marke­ tingkampagnen, sondern konzentriert sich einzig und allein auf das Produkt selbst. «Back to basics» lautet sein Credo, dem er bereits viele aussergewöhnliche Düfte zu verdanken hat. Der Werdegang des gebürtigen Parisers war indes von Anfang an vorgezeichnet. So hat etwa Malles ­ Grossvater, Serge Heftler-Louiche, seinerzeit das Parfümgeschäft für Christian Dior aufgebaut. Auch Malles Mutter, die unter anderem an der Entwicklung des Dior-Kultduftes «Eau Sauvage» beteiligt gewesen ist, übte einen starken Einfluss auf ihren Sohn aus. Seine eigene Karriere begann im Jahr 1986, als das Parfümlabor Roure Bertrand Dupont ihn unter Vertrag nahm. Bevor Malle im Jahr 2000 seine erste eigene Firma, die Editions de Parfums, gründete, war er noch einige Jahre als Duftberater für verschiedene namhafte Häuser tätig. Heute verkauft Frédéric Malle seine exklusiven Kreationen in vier eigenen Boutiquen in New York und Paris, ausserdem besitzt er Parfümerien in 35 weiteren Ländern. In seinem luxuriös ausgestatteten Pariser Flagship-Store an der Rue du Mont-Thabor werden die edlen Duftkreationen in Kühlschränken ge­ lagert; aus eigens entwickelten Duftduschen – röhren­förmige Apparaturen mit Dufteinsatz – kann der Kunde vor dem Kauf eine «Riechprobe» von den einzelnen Parfüms bekommen. Viele Prominente schwören auf die feinen Wässerchen des ausgewiesenen Duftexperten, Catherine Deneuve ist nur eine von ihnen …

3 ZITATE «Viele Leute kaufen Chanel No. 5, weil sie denken, damit könnten sie nichts falsch machen – sozusagen wie bei einem Apple-Produkt. Das ist aber falsch! Parfüm ist etwas sehr Persönliches, man sollte sich immer für das entscheiden, was am besten zur eigenen Person passt.»

«Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was meine Produkte jeweils kosten, und es interessiert mich auch gar nicht. Dafür kann ich Ihnen die Zutaten und Mengenangaben für jede einzelne unserer Kreationen im Schlaf aufsagen!»

«Ich versuche bei meinen Kreationen, alles Überflüssige und Dekorative wegzulassen.»

232 | PRESTIGE


CALVIN KLEIN

Men’s

Care

Nicht nur Frauen, sondern auch Männer brauchen die richtige Pflege. Der moderne, selbstbewusste Mann von heute weiss,  dass man sich mit der passenden Pflege nicht nur wohl fühlt, sondern auch beim anderen Geschlecht besser ankommt.

LA COLLINE

BENTLEY

ACQUA DI PARMA

BY LAURA

BRIONI

PAUL MITCHE LL

FEN DI

SP

The Luxury Way of Life | 233


GHD ROSEGOLD COLLECTION Das Limited EditionGeschenkset für verführerische Haarkreationen.

PAUL MITCHELL GESCHENKSET BLOND

PAUL MITCHELL GESCHENKSET EXTRA-BODY Verleiht feinem, kraftlosem Haar mehr Volumen.

Blondes, gesträhntes Haar wird gepflegt und bekommt einen strahlenden Glanz.

PAUL MITCHELL GESCHENKSET CURLS Verleiht Locken Sprungkraft und bändigt sie.

SASSOON EDIT HOLD

Finishing-Haarspray für lang anhaltenden und flexiblen Halt.

L’ORÉAL DUAL STYLERS SLEEK & SWING Sorgt für Volumenkontrolle und natürliche Bewegung.

SASSOON EDIT BODY Volumen-gebendes Mousse für jeden Haartyp.

234 | PRESTIGE

L’ORÉAL MYTHIC OIL Sorgt für einen verführerischen Glanz und maximalen Hitzeschutz bis zu 230 °C.

WELLA ELEMENTS LEAVE-IN CONDITIONER Repariert geschädigtes Haar und verhindert den Keratinabbau.


LAURA MERCIER GOLDEN HONEY MUSK Zart duftend nach Bernstein, Sandelholz und Moschus aus der Essenz von Bienenwachs.

MATIS CRÈME LUMIÈRE Tägliche Pflege zur Verbesserung der Hautqualität und für eine perfekte Ausstrahlung.

S BY L AU R A

EVIDENS DE BEAUTÉ LA MASQUE SPÉCIAL Hebt und strafft die Haut und hinterlässt ein klares Hautbild.

SISLEY PHYTO TEINT EXPERT Sorgt für einen einheitlichen Teint mit korrigierender Wirkung.

OYLOUS «LET’S SPEND THE NIGHT TOGETHER» Rosa Mosqueta Collagen Boost-Gesichtsöl für die Nacht.

chön

ARGAN KÖRPERPFLEGE LAVENDEL, JASMIN UND ORANGE Wertvolles Arganöl aus Marokko pflegt die Haut und macht sie weich.

DURCH DEN WINTER

Gesunde, glänzende Haare und weiche, makellose Haut sind der Traum jeder Frau. Durch die richtige Pflege und Styling kann man aus dem Haar und der Haut das Beste herausbringen. «Wer schön sein will, muss leiden», lautet zwar ein altbekanntes Sprichwort, doch mit diesen Produkten kann man auch wohltuend und ohne Beschwerden die eigene Schönheit unterstreichen.

ROGER & GALLET COFFRET FLEUR DE FIGUIER Süsser Duft von Mandarinenblüten, zartes Zedernholz und Feigenblüten.

ACQUA DI PARMA COFFRET IRIS NOBILE Intensiv wie die Krone der Irisblüte und mit einhüllenden, erlesenen Noten.

DIOR LA CURE L’OR DE VIE Sorgt für eine intensive und radikale Regeneration der Haut.


BEAUTY

BART … ABER HERZLICH!

DON’T SHAVE IT …

Man(n) trägt Bart. Doch nicht jeder mit Gesichtsbehaarung gilt als Trendsetter. Auf die richtige Rasur und Pflege kommt es an. Ziegenbart ist out, Vollbart auch schon fast wieder. Was kommt als Nächstes? Yvonne Beck

Zwirbelbart

T R A B L E B R I W Z 236 | PRESTIGE

Er wird auch «Kaiser-Wilhelm-Bart» genannt und war in früheren Zeiten ein Symbol der Kaisertreue. Mit ihm stellte man im 19. Jahrhundert seine politische Gesinnung zur Schau. Die Barthaare werden nach rechts und links zu den Seiten gekämmt und die Enden nach oben gezwirbelt. Diese extra­ vagante Form sieht man heute nur noch selten auf den Strassen der Metropolen. Für einen kaiser­ lichen Bart braucht es einen kräftigen Bartwuchs und viel Pflege. Seine Form behält er durch das Tragen einer Bartbinde in der Nacht. Diese Tat­ sache und die intensive Pflege machen ihn zu ­einem Auslaufmodel.


BEAUTY

Bart & Religion Der Bart gilt in vielen Religionen als «göttliches Attribut» und spielt daher eine grosse Rolle. Gott wird immer mit wallendem weissen Bart dargestellt. In der Bibel werden Abraham, Noah und Moses als die bärtigen Hauptdarsteller des Alten Testamentes beschrieben. Selbst Jesus am Kreuz ist ohne Bart unvorstellbar. Der bekannteste Bartträger ist jedoch der Heilige St. Nikolaus, auch Weihnachtsmann genannt: Je länger und würdiger der weisse Bart, desto grösser der Respekt der Kinder. Und Muslime schwören noch heute auf den «Bart des Propheten».

«Ohne Schnurrbart ist ein Mann nicht richtig angezogen.»

– Salvador Dalí –

Soul Patch

SOUL PATCH

Dieser Minibart erfreute sich in den 1950ern und 60ern bei Beatniks und Künstlern in den USA erstmals grosser Beliebtheit. Der Trend wurde von Jazztrompetern eingeleitet, die den Polstereffekt des Soul Patch bei langen Jamsessions schätzten. Er besteht aus einem schmalen Streifen von Haarwuchs direkt unter der Unterlippe und schliesst am Kinn ab. Die Bartmode geht allerdings schon weiter zurück und ist bei Prominenten im Mittelalter belegt. So trug bereits Shakespeare diesen Bart. Auch in der jüngsten Vergangenheit hatte der Soul Patch viele prominente Anhänger. Unter ihnen Keanu Reeves und Bruce Spring­ steen. Heute hat der Soul Patch zwar keinen wirklichen Nutzen mehr, doch er ist ein pflegeleichter und einfacher Bart, der zu allen Gesichtsformen passt.

Henriquatre

E HENR IQUATR

George Michael, Brad Pitt und Johnny Depp – sie alle sind Anhänger des Henriquatre, der Verschmelzung des getrimmten Kinnbarts mit einem Schnurrbart. Der «Rund-um-den-Mund-Bart» ist nach König Heinrich IV. von Frankreich benannt. Für eine gepflegte Erscheinung ist es vor allem wichtig, dass die untere Partie nicht zu lang ge­ tragen wird. Zudem sollten alle Barthaare die ­gleiche Länge aufweisen. Nicht gut geeignet ist der Henriquatre für Männer mit runderem Gesicht. Grossflächige quadratische Gesichter schmückt er jedoch und lässt Frauenherzen höherschlagen.

Menjou-Bärtchen

MENJOU

Diese besondere Art von Schnurrbart wurde durch den US-amerikanischen Schauspieler Adolphe Menjou populär gemacht. Er ist eng an die Herrenmode der 1920er-Jahre gebunden, wird heute jedoch meist nur noch als ironisches Zitat ge­ tragen. Da Adolphe Menjou auch führend beteiligt war, Hollywood von kommunistischen Einflüssen zu säubern, wurde das Menjou-Bärtchen von der SED-Propaganda als Stereotyp benutzt, um allgemein den halbseidenen bis kriminellen Westler zu kennzeichnen. Sein Revival könnte er mit einer Rückkehr der 20er-Jahre-Mode finden.

BÄRTCHEN The Luxury Way of Life | 237


BEAUTY

«Der grosse Vorteil der Bärte liegt darin, dass man nicht mehr viel von den Gesichtern sieht.»

– John Wayne –

Dreitagebart Er ist und bleibt ein ewiger Dauerbrenner unter den Bart-Styles: der Dreitagebart. Der lässig unrasierte, aber nicht zu verwilderte Look hat viele Vorzüge: Er ist einfach zu stylen und man braucht dafür nicht allzu viel Geduld. Wenn man jedoch ein wichtiges Meeting oder erstes Treffen mit den Schwiegereltern hat, ist er ruckzuck verschwunden, schon drei Tage später aber wieder da. Wichtig ist nur, ihn regelmässig zu stutzen. Tragen kann ihn fast jeder, Jung und Alt.

Vollbart

A RT B E G A T I E DR VOLLBART

Momentan ist er allgegenwärtig. Auf dem roten Teppich genauso wie in den Trendmetropolen der Welt. Nach Jahren in der Versenkung feiert der Vollbart nun sein Revival. Eine Studie belegt gar, dass Frauen Männer mit Bärten sympathischer finden. Wer jedoch denkt, wachsen lassen ist ­alles, liegt falsch. Ein Vollbart will regelmässig getrimmt und gepflegt werden, sonst ist es mit der weiblichen Sympathie und dem Trendsettertum schnell vorbei. Einen Vorteil hat er jedoch: Dieser Bart passt zu jeder Gesichtsform. Und für alle, bei denen der Bart nicht richtig spriessen will, gibt es für circa 8000 Schweizer Franken Gesichtshaarverpflanzungen beim Schönheitschirurgen.

Fazit: Achtung! Nicht jede Art von Bart steht jedem. Zarte Naturen wirken mit Kinnbart oder ­ Vollbart häufig etwas albern pubertierend. Und auch der Oberlippenbart kleidet nur die wenigsten Herren dieser Welt. Vor einigen Jahren war noch der metrosexuelle Mann das Idealbild. Heute wollen Männer ihre Männlichkeit mehr akzentuieren, dazu eignet sich besonders ein Bart. Das Zeitalter der Softies ist also erst einmal vorbei! Es lebe die Männlichkeit! Wie lange das jedoch angesagt sein wird, weiss keiner so genau.

238 | PRESTIGE

«Wer einen Bart hat, ist mehr als ein Jüngling, und wer keinen hat, weniger als ein Mann.» – William Shakespeare –


Perfection in Purity

IMPERIAL COLLECTION GOLDEN SNOW

www.imperialcollection.ch


BEAUTY

Der Restaurant-Olymp Die Sterne-Küche des «Noma» in Kopenhagen überzeugt. Deshalb gilt es auch als das beste Restaurant der Welt. René Redzepi, Küchenchef des Restaurants, setzt auf skandinavische Produkte. Neben nordischen Zutaten wie heimischem Fisch und Fleisch verwendet René Redzepi lokale Gemüse und wilde Kräuter wie Löwen­ zahn oder Sauerampfer. Wer also auf Tang aus Island, Tiefsee­ krabben von den Färöer Inseln, Lamm und Moschusochse aus Grön­ land oder Kräuter wie Farnsprossen aus den dänischen Wäldern gespannt ist, sollte in die dänische Hauptstadt reisen. Der Name des Restaurants ist übrigens eine Kombination aus den dänischen Wörtern «nordisk» (nordisch) und «mad» (Essen). Und dieser Name ist Programm!

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Was uns berührt, obwohl wir es uns vom Leib halten wollen, geht unter die Haut. – Ernst Ferstl –

www.noma.dk

Senses

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Spitzenklang in neuem Look Ferienzeit, die schönsten Tage des Jahres. Zeit, sich in der Natur zu entspannen und den Alltag hinter sich zu lassen. Exotische Landschaften erkunden, am Meer chillen oder das Bergpanorama geniessen. Das geht bekanntlich mit der richtigen Musik noch besser. Boses SoundTrue™ Around-Ear-Kopfhörer in Schwarz, Weiss, Mintgrün sind hierfür die perfekten Begleiter. Um den Transport zu erleichtern, lassen sich die Headphones flach zusammenfalten und sind somit leicht, portabel und dem alltäglichen Einsatz mühelos gewachsen. Die Kopfhörer liefern kraftvolle tiefe Töne, klare hohe Frequenzen und ein aus­ gewogenes Klangspektrum von Stimmen und Instrumenten. Fazit: ein satter und klarer Klang, ausser­gewöhnliche Langlebigkeit, Komfort sowie neue coole Farben und Designs. www.bose.ch

240 | PRESTIGE


BEAUTY

Die 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin Im Februar steht Berlin traditionell im Zeichen des Films: internationale Stars auf dem roten Teppich, begeisterte Fans, Cineasten aus aller Welt – und vor allem gross­ artige Filme. Vom 5. bis 15. Februar 2015 ist Berlin der Mittelpunkt der Filmwelt. Auf dem roten Teppich des Festivals trifft man die grossen Stars, die ihre Filme den Fans und den Kritikern vorstellen. So waren in den letzten Jahren Matt Damon, Hugh Jackman, Anne Hathaway und Meryl Streep bei der Berlinale – um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Wer 2015 mit dabei ist, wird Ende Januar bekannt gegeben. www.berlinale.de

Bottega Veneta goes Riviera Tomas Maiers Vision für Bottega Venetas neuen Duft Knot führt an die italienische Riviera. Inmitten grüner Hügel befindet sich ein Haus, ein wahrer Zufluchtsort vor der Realität mit Blick auf den glitzernden Ozean. Die Fenster sind weit geöffnet und durch sie zieht ein Duft von frischen Clemen­tinen, gefolgt von Lavendel und Pfingstrose. Das Herz der neuen Knot-Duftkreation. Moschus und Tonka­ bona verleihen dem Duft Struktur und erden ihn. Let’s go Italy scheint einem dieser Duft zuzuflüstern auch an trüben Wintertagen. www.bottegaveneta.com

Weiche Alpaka-Wolle Die Exklusivität der Alpaka-Wolle, die für ihre Weichheit und ihren seidigen Glanz bekannt ist, wurde bereits durch die Inkas entdeckt und war zeitweilig ausschliesslich den Königshäusern vorbehalten. Heute dürfen glücklicherweise auch wir uns in flauschig weiche Mäntel, Ponchos oder Cardigans hüllen. Hess­ natur präsentiert eine Kollektion aus reinem Alpaka geschoren und verarbeitet in Peru. Warm und doch leicht. Ein perfekter Begleiter durch die Winterzeit. www.hessnatur.com

The Luxury Way of Life | 241


BEAUTY

SCHÖNHEIT GEHT DURCH DEN MAGEN

BEAUTY FOOD Wahre Schönheit kommt von innen. Die Haut ist das Spiegelbild unserer Seele, aber auch unserer Ernährung und unseres Lebensstils. Die neue Devise heisst also: «Iss dich schön!» Yvonne Beck

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Mohrrübe Eine Extraportion Betacarotin kann die hauteigene Barriere gegen sonnenbedingte Zellschäden stärken. Denn Betacarotin fängt freie Radikale ab, die durch UV-Strahlen entstehen. Karotten ­dienen also als Sonnenschutz von innen. Weitere Betacarotin-­ ­Lieferanten: Spinat und Süsskartoffeln.

Honig

W

er ständig zu fettig isst, muss damit rechnen, ­früher oder später lästige Speck­ rollen, einen Doppelkinnansatz und Hautunreinheiten zu bekommen. Wer zu viel Süsses isst, wird mit Falten und Cellulite bestraft. Zu viel Zucker ruft zudem Konzentrationsschwächen hervor. Fältchen und Linien entstehen dort, wo die üblichen Kosmetikprodukte nicht hinkommen, nämlich unter der Haut­ oberfläche. Länger jung und faltenfrei bleibt, wer mit Genuss das Richtige isst. So halten zum Beispiel Walnuss- und Raps­ öle die Haut länger jung, während Tomatensauce und Möhrensaft sie vor Sonnenschäden schützen. Gurken, Mango, Fisch, Kiwi und Apfelmus verwöhnen nicht nur den Gaumen, sondern helfen auch dem guten Aussehen auf die Sprünge. Mit der richtigen Ernährung lassen sich nicht nur Krankheiten vorbeugen, sondern auch Alterungsprozesse verlangsamen. Einige Lebensmittel tun Haut und Haar besonders gut. Prestige stellt ­Ihnen Beauty-Power-Lieferanten vor, die Sie häufiger in den Speiseplan integrieren sollten.

Das süsse Gold enthält ein Enzym, das desinfi­ zierende und antibiotische Prozesse im Körper fördert. Die antiseptische Wirkung des goldenen Nektars hilft gegen entzündliche Mitesser, Rötungen und Pickel ebenso gut wie bei eingerissenen Mundwinkeln und spröden Lippen. Tipp: Eine Tasse Tee oder Milch mit einem Löffel Honig fördert den Schönheitsschlaf.

Zitrone Vitamin C beugt Pigmentflecken vor: Es hemmt das Enzym «Tyrosinase», wodurch die Melanin­ pro­ duktion verlangsamt wird und die unerwünschten Flecken langsam verblassen. Beträufelt man die betroffenen Stellen zusätzlich mit etwas frischem Zitronenwasser, wird der Prozess be­ schleunigt. Weitere Vitamin-C-Lieferanten: Johannisbeeren und Kiwis.

Avocado Ihr Pflanzenfett wirkt ähnlich wie Olivenöl. Der hohe Gehalt an B-Vitaminen ist zudem den Stoffwechselprozessen im Gehirn dienlich. Und der hohe Anteil an Vitamin E hält die Haut elastisch, wirkt antioxidativ und kann sogar Alters- und Pigmentflecken aufhellen.

The Luxury Way of Life | 243


BEAUTY

Olivenöl Fett ist nicht gleich Fett. Im Gegenteil: Olivenöl ist ein echtes Gesundheitsass. Speziell die Haut profitiert von den besonderen Inhaltsstoffen des Olivenöls, welches die Haut vor dem Austrocknen und somit vor Falten sowie den Nachwirkungen starker Sonneneinstrahlung schützt. Grund ist das reichliche Vorkommen der einfach ungesättigten Fettsäuren und Vitaminen im Olivenöl. Insbesondere das darin enthaltene Vitamin E versorgt die Haut mit reichlich Sauerstoff und verlangsamt so den Alterungsprozess der Haut. Zudem senkt es die Cholesterinkonzentration im Blut, macht die Blutgefässe elastischer und senkt das Herzin­ farkt­risiko. Weitere Vitamin-E-Lieferanten: Leinöl, Hanföl, Walnussöl, Hering, Lachs und Makrele. Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren werden vom Organismus in Hautfette umgewandelt und können so in Massen gegen trockene Haut eingesetzt werden.

Milch Schon Kleopatra wusste: Milchbäder machen schön. Durch den hohen Anteil an Eiweiss, Vitamin A und B sowie an Kalzium, Kalium, Mag­ nesium und Zink hat Milch einen hohen Nähr­ stoffgehalt, der von der Haut besonders gut aufgenommen wird und sie nachhaltig mit Feuchtig­ keit versorgt. Der hohe Kalziumgehalt stabilisiert von innen die Zellwände. Die Haut wirkt stärker, straffer und auch die Haare profitieren von der kräftigenden Wirkung des weissen Schönheitsdrinks. Milch kann also von innen und aussen ­angewendet werden. Baden oder trinken – Sie ­haben die Wahl!

Eier Für das Minilifting der Haut zeichnet das Vitamin A verantwortlich. Dieses Powervitamin fördert das Wachstum und die Erneuerung der Zellen und kann auf diese Weise kleine Fältchen mindern. Den Jungerhaltungsprozess fördern Eier, Leber und Camembert.

Trinken nicht vergessen! Jeder sollte stets viel Flüssigkeit in Form von Wasser, ungesüssten Kräuter- oder Früchtetees und an heissen Tagen, wenn wir vermehrt schwitzen, mal ein isotonisches Getränk zum Ausgleich des Elektrolythaushalts oder einen Fruchtsaft mit viel Mineralwasser zu sich nehmen. Zudem ist ein gesunder, ausreichender Schlaf das Muss für eine gesunde Haut und Seele.

244 | PRESTIGE


DER FRISEUR DER STARS UDO WALZ

Er ist immer in Bewegung, immer pünktlich, immer kreativ und permanent im Einsatz für die Schönheit. Inzwischen ist Udo Walz fast so berühmt wie seine Kunden und auch nach über 45 Jahren mit Kamm und Schere ist der Figaro überzeugt vom Schönen in jedem Menschen. Auch wenn er sich längst zur Ruhe setzen könnte, arbeitet Walz immer noch jeden Tag zwölf Stunden. Mittlerweile hat er mehr als 200’000 Köpfe frisiert, darunter die von Maria Callas, Naomi Campbell, Jodie Foster, Wolfgang Joop, Angela Merkel oder der dänischen Kronprinzessin Mary. Bei ihm geben sich die Schönen, Reichen und Mächtigen dieser Welt die Klinke

in die Hand. Udo Walz wird 1944 im schwäbischen Waiblingen geboren. Im Alter von 14 Jahren besucht er auf Geheiss seiner Eltern zur Probe den ­Friseursalon eines Bekannten. Aus anvisierten drei Tagen im Friseurgewerbe wird ein ganzes Leben. Mit gerade mal 18 Jahren wird er zum Liebling der mondänen Society. Vor allem wegen seiner unnachahmlichen Hochsteck­ frisuren. Der grosse Durchbruch kommt in Berlin: Romy Schneider wird seine Kundin und Walz macht ihr die Haare für den Kinoklassiker «Die Spaziergängerin von Sans-Souci». Es folgen Fotoshootings für Vogue, Elle und Glamour. Inzwischen arbeitet er auch für die Modemacher J.P. Gaultier, Wolfgang Joop und Thierry Mugler. Neben unzähligen Aktivitäten für Print sowie Fernsehen und vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen schreibt er auch Bücher: «Haargenau – Mein Leben für die Schönheit», «Udo Walz – waschen, schneiden, leben» und «Mein Berlin». Von Ruhestand ist also noch längst keine Rede.

4 FRAGEN Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto? Ich bin ein Glückskind, Sternbild Löwe. Eigentlich ist in meinem Leben alles gut gelaufen. Ich lebe und geniesse nach der Devise: Das Leben ist keine Generalprobe! Wie wichtig ist das richtige Styling für den Erfolg im Leben eines Menschen? Gutes Aussehen und Styling öffnen Türen. Gepflegte und gut angezogene Menschen werden immer bevorzugt. Schöne Menschen sind erfolgreicher. Wer in Europa hat das beste Styling? Weltweit gibt es da kaum noch Unterschiede. Früher sagte man, die Italiener oder ­Franzosen seien am besten angezogen. Auch heute noch sieht man in Paris viele gut angezogene Frauen, aber das sind häufig Touristen aus der Schweiz oder Deutschland, die einfach ihre besten Sachen anziehen. Gehen Sie gerne shoppen? Ich habe wenig Zeit, aber wenn ich mal einkaufen bin, dann gehe ich meist mit circa zwanzig Tüten nach Hause. Ich verfalle manchmal in einen regelrechten Kaufrausch. Bis meine Kreditkarte Herzklopfen bekommt.

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CUT

SHORT

BE Beautiful, BE Yourself

Baccarat meets Dior

Die BE-Frau ist eine Winter­ schönheit – verführerisch und unkonventionell. Mit ihrer Aus­ strahlung und ihrem Glamour strahlt sie selbst in der kalten ­Jahreszeit und hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck. Mit­ der BE-Magic-Kollektion wird der trübe Winter ein wenig farben­ froher. Ob Nagellack, Lip Gloss oder Eyeshadow … bringen Sie Farbe in Ihr Leben!

Das Haus Dior suchte bereits bei seiner Gründung im Jahre 1947 nach den edelsten Materialien für seine Duftkreationen und deren Flakons. Entsprechend wurde bereits für die Trilogie der blauen, weissen und roten Amphora edles Baccarat-Kristall verwendet. Um dieser Tradition Folge zu leisten, entschied sich das Haus Dior, erneut eine limitierte ­­Edition von J’adore zusammen mit Baccarat zu schaffen. ­Herausgekommen ist «J’adore Eau de Parfum, Edition Prestige Baccarat». Ein grosser Duft in edlem Gewand.

Ganz im Zeichen der luxuriösen, schimmernden, reich mit Kristallen besetzten Stoffen und gewagten Metallics der neuen Fashiontrends lanciert Clarisonic die glamouröse «ARIA Gold» und für das langersehnte Weih­ nachtsgeschenk das «ARIA Winterlace-Set». Beide Geräte sind nicht nur hübsch anzuschauen, sondern erreichen 6-mal bessere und gründlichere Reinigung als es jede andere manuelle Methode anhand der SonicSchall-Technologie. Elegant, wasserfest, mit langer Autonomie und mit einer USB-Ladestation ausgerüstet sind sie ideal zum Reisen, aber auch sehr repräsentativ für das Badezimmer zu Hause.

Clarisonic goes metallic Typisch

französisch Was bedeutet es eigentlich, «French» zu sein? Ist es das ver­ schmitzte Funkeln in den Augen. Immer seinen eigenen Tisch im Lieblingscafé zu erhalten? Oder ist es eine bestimmte Idee von Chic und Talent. Eine Zigarette kokett in der Hand gehalten vor der Tür des Lieblingsrestaurants. Typical French ist zumindest der neue Duft «French Leather» von Memo. Seine Nuancen erinnern an Wildleder und die köstlichen Aromen einer Amarant-Rose. Frisch gepflückte Salbeiblätter begleiten die Rosennoten auf ihrem Weg zum trockenen Holz gefällter Zedernbäume. Kurz: vielschichtig, schwer zu fassen und doch umschmeichelnd wie der Charme eines Franzosen.

246 | PRESTIGE


«Die Haut ist ein Mosaik der vielfältigsten Bedürfnisse, die es mit einer Schönheit nach Mass zu bewahren gilt.» – Madame Maria Galland – Für faltenfreie

Augenblicke Die neue, reichhaltige Augenpflege «Eye Plus» aus dem Hause Dr. Kitzinger ® punktet nicht nur mit dem Mehr an Pflege, sondern bietet mit dem neuen Wirkstoffkomplex aus Bio-Peptiden und quervernetzter Hyaluronsäure eine schnelle und sichtbare Minderung von Fältchen. Zudem bietet sie Schutz vor Augenringen und Unterlidschwel­ lungen und sorgt für eine gesteigerte Spannkraft der Augenpartie. Ade zu müden, alten Augen und mit frischem Blick ins Jahr 2015. Exklusiv erhältlich bei Marionaud.

Ja weissen

Essentiell

persönlich & individuell

schön

zur

Weihnacht! SÌ White Edition ist die Quintessenz des Armani-Stils, zwischen Sensualität und Träumen. Chic, sinnlich und intensiv – SÌ ist eine Neuinterpretation der Chypre-Note, die nunmehr auf der Haut verweilt und die Sinne betört. So lädt Giorgio Armani an Weihnachten zum Träumen ein.

Was sind die Essenzen individueller Schönheit? Für Maria Galland: Silber und Gold; Kaviar, schwarze Orchi­ dee, Malachit. Weisser Trüffel und Hyaluron – die Inhaltsstoffe der neuen Les Essences. Die Orchidée Noire bringt Entspannung, die Truffe blanche einen frischen Teint und der Caviar wirkt gegen Falten.

Sehen, fühlen, riechen –

entschwinden Wie ein flüchtiger Traum von einem gefalteten Blatt Papier oder einer Keramik nimmt «le Parfum de la Maison» von Hermès die Form eines Tagtraumes an. Durch die Verbindung von Materialien und Düften entstand eine Kollektion von parfü­ mierten Gegenständen bestehend aus fünf Düften, fünf «Rêveries», welchen fünf Geschichten und fünf Farben entsprechen: DES PAS SUR LA NEIGE (Werg), TEMPS DE PLUIE (Seladon), FENÊTRE OUVERTE (Lagune), CHAMP LIBRE (Schwefel), À CHEVAL! (Kürbis). Die «Rêveries» werden von drei parfümierten Objekt-Familien getragen: das Origami-Pferd aus Papier, der Kieselstein und der Kerzenbecher aus Keramik. Das Origami-Pferd ist ein angenehm dezenter Begleiter für die Reise. Gleich einer Skulptur für die Tasche lässt sich der Kiesel­ stein auf jedem Tisch platzieren. Der Kerzenbecher, erhältlich in drei Grössen, spielt mit dem Gegensatz von matt und glänzend. Die Kollektion Les Parfums de la Maison ist ab Dezember in den Hermès-Geschäften erhältlich.

The Luxury Way of Life | 247


LIVING

Camper Shop in Tokyo

248 | PRESTIGE


JAIME IM WUNDERLAND

JAIME HAYÓN In der Welt von Jaime Hayón tragen die Vasen Gesichter, Schuhe leuchten bunt wie in einem Süssigkeitengeschäft und grüne Riesenhühner fungieren als Schaukelstühle. Lone K. Halvorsen

Jaimes Schuhentwurf für Camper


«Wer wachsam schaut und positiv denkt, kann die Dinge immer anders begreifen.» – Jaime Hayón –

Showtime Vasenserie für BD Barcelona

H

ayón besitzt die Fähigkeit, Kunst und Design miteinander zu verschmelzen. Seine Faszination für Zirkuselemente kommt in all seinen Werken zum Ausdruck. In der Tat würde auch Alice sich im Reich von Jaime Hayón gut aufgehoben fühlen. Sein Kosmos besteht aus märchenhaften Figuren und buch­ stäblich fabelhaften Möbeln – eine märchenhafte Welt. Er geht stets seinen eigenen Weg, denn er hält nichts von ausgetretenen Pfaden oder von Mittelmässigkeit. Der 1974 geborene Madrilene hat seine eigene Vorstellung vom zeitgenössischen Design und fühlt sich als Befreier der Form­ gebung.

250 | PRESTIGE

Snoopy – der Beginn einer Leidenschaft Seine Karriere startete ganz harmlos mit Snoopy-­ Figuren, die er auf die Couch seiner Mutter malte. Einige Jahre später folgte ein Industriedesign­ studium in Madrid und Paris, dann die Design- und Kommunikationsakademie «Fabricia», wo Hayón schnell vom Studenten zum Leiter der Designabteilung aufstieg. Im Jahr 2000 gründete er sein ­eigenes Studio und mittlerweile gehört er zu den einflussreichsten Designern weltweit. Das Spektrum Hayóns reicht von grafischen Arbeiten über Kunst bis hin zur klassischen Produktentwicklung. Mit Büros in Italien, Spanien und Japan verfolgt er stets das Ziel, neue Herausforderungen anzu-


LIVING

nehmen und neue Perspektiven zu finden. Über sein Design sagt er: «Ziemlich lange wusste ich nicht, was ich war. Möbeldesigner? Künstler? Grafiker? Schliesslich fand ich heraus, dass es nicht um solche Kategorisierungen geht. Ich bin hier, um mit meinen Möbelstücken Geschichten zu ­erzählen. Die Geschichte, die mit einer Kollektion erzählt wird, ist wichtig, denn sie trägt zur Aus­ sagekraft und Kohärenz der Kollektion bei. Die Geschichte muss nicht auf einer Tatsache beruhen, sie kann reine Fantasie sein, solange sich die Menschen darin wiedererkennen können.» Seine Entwürfe machten Hayón zum Vorreiter ­eines neuen Stiles. Er lässt die Grenzen zwischen Objektkunst und Industriedesign schwinden. Und er lässt die Welt in ein Theater verwandeln. Seiner Meinung nach können Designer das Leben lebenswerter machen, aber «was uns leider zurückhält, sind einzig und allein Geld und konservative Einstellungen. Ich bin ausserdem besessen von dem Anspruch auf Qualität. Damit hinterlässt man den nachhaltigen Eindruck, dass es jemandem ernsthaft um gut Gemachtes und die Rückkehr in ein goldenes Zeitalter des Luxus ging. Man muss über seine Arbeiten diskutieren und andere nach ihrer Meinung dazu fragen. Nur durch Gespräche erreicht man sein Ziel».

marke «Piper-Heidsieck» und selbstverständlich auch das Design von Tischen, Stühlen, Lampen, Sesseln, Glas- und Porzellanwaren: Die Auflistung seines Schaffens reicht aus, um damit ein ganzes Buch zu füllen. Selbst sagt er, er habe alles ­gemacht, was mit Kreativität und «der Lust am ­Leben und der Liebe zu schönen Dingen» zu tun hat. Damit ist sein radikales Fusion-Konzept wohl treffend umrissen. Die Vergangenheit als Skater und Sprayer zeigt sich in seinen Entwürfen durch das Spiel mit Farben und Dimensionen. Als Hayón 2008 für den Schuhhersteller «Camper» quasi unter die Schuhmacher ging, wurde es so richtig bunt. Die Formen hat er hierbei schlicht und klassisch gehalten, dafür hat er bei den Farben mit knalligen Tönen aufgetrumpft. Gene Kelly hätte beim «Singin’ in the Rain» mit Hayóns poppigem Schuhwerk wahrlich

Sonnengelbe Schnürschuhe Extravagante Badezimmermöbel für ArtQuitect, die Gestaltung des Informationszentrums im niederländischen Groninger Museum, die Einrichtung des Juweliergeschäftes «Octium» in Kuwait, ein Champagnerkühler für die französische Traditions-

Vase aus der Fantasy Collection für Lladró

Showtime Multileg Cabinet für BD Barcelona

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nichts, wenn niemand darauf sitzen will.» Indes ist es ihm jedoch auch wichtig, nicht nur als Industriedesigner verstanden zu werden, sondern auch als Künstler. «Eine klare Grenze zwischen Produkt­ design und Kunst gibt es doch heutzutage gar nicht mehr», sagt er. Seine grossen Helden, darunter der Künstler Jeff Koons, seien schliesslich auch zwischendurch für die Industrie tätig gewesen. Immerhin hat Hayóns Badkollektion es in das Londoner Design Museum geschafft und seine ­ ­Installation «Mon Cirque» mit den Clown-Lampen und Pinguin-Vasen waren sogar in Paris und Minneapolis zu bestaunen.

Auf Erfolgsritt mit einem grünen Huhn

T-Table aus Porzellan für Bosa

seine Freude gehabt. Zudem tobt er sich für ­Camper auch innengestalterisch bei der Einrichtung ausgewählter Shops aus. Während bei den meisten grossen Marken die Shops nach dem immer gleichen Muster gestaltet werden, wählt ­ das Kultschuhlabel «Camper» einen anderen Weg – nämlich ein Design je nach Stadt und je nach der für das Shop-Design zuständigen Person. Und in ­diesem Zusammenhang darf Hayón natürlich nicht fehlen. So entwarf er mit seinen Installationen Verkaufsräume für Camper, die dem Vorzimmer eines märchenhaften Ballsaales ähnelten. London, Tokyo, Barcelona, Palma de Mallorca s­ owie Mailand wurden in ein kurioses Wunderland verwandelt, wo der Schuh in den Hintergrund geraten könnte. Die Zeit jedoch spielt mit bei ihm, denn die Ära der verchromten Künstlichkeit und des sterilen Minimalismus haben ihren Zenit erreicht. Die Welt von Jaime Hayón ist (s)ein Spielplatz. Sein Federmäppchen ist gefüllt mit bunten Stiften, die keine Kanten malen können – denn zwischen seinen kurvigen und ­organischen Formen kann man lange nach Kanten und scharfen Ecken suchen. Das, was vor einigen Jahren noch als verspielter Kitsch betitelt wurde, hat in Hayón den berufenen Gestalter gefunden. «Was bedeutet schon ‹cool›?», sagt er. «Wenn ich zum Beispiel einen Stuhl entwerfe, geht es mir um den Spass, den ich habe, wenn ich ihn mir ausdenke, und den derjenige hat, der später drauf sitzt.» Doch trotz aller Experimentierfreude ist ­seiner Ansicht nach die Funktionalität des fertigen Stückes der entscheidende Faktor: «Man kann das schönste Sofa gebaut haben – es bringt

The Family Portrait aus der Fantasy Collection für Lladró

252 | PRESTIGE

Der Spanier reitet auf einer Erfolgswelle. Zwar nicht als Cowboy unterwegs, sondern im Hasenkostüm auf einem grossen grünen Huhn. Hayón überträgt die bunte Welt nicht nur auf sein Möbeldesign, sondern schlüpft auch selbst gerne in die poppig-bunte Märchenwelt – mit Vorliebe zu Interviews und Presseterminen. Die Inszenierung liegt ihm und er weiss sich und seine Werke gekonnt in Szene zu setzen. Preisgekrönt und von ikonenhafter Zeitlosigkeit beseelt, sind seine Designkreationen immer wieder ein Kunstwerk. 2014 hat er sich ein kleines Denkmal gesetzt: Im niederländischen Groninger Museum hatte er seine erste grosse Soloausstellung, «Funtastico». Hierin wurde seine unerschöpfliche künstlerische Schaffenskraft reflektiert, die er in den vergangenen zehn Jahren in den Bereichen Produkt- und Möbeldesign, Innenarchitektur und Kunst aufgebracht hat – wiewohl Hayón wie sein «Hopebird» aufrecht und wach nach vorn in die Zukunft schaut.


KOSTA BODA

KPM BERLIN

«Zu einem liebevoll zubereiteten Essen gehört auch ein liebevoll gedeckter Tisch. Wenn diese Komponenten im Einklang stehen, steht einer genussvollen Mahlzeit nichts mehr im Wege.»

KOSTA BODA

CHRISTOFLE

LALIQUE

ROSENTHAL

254 | PRESTIGE

HEREND


� estliche CHRISTOFLE

ROSENTHAL / VERSACE

LALIQUE

TISCHDEKORATION

FÜRSTENBERG

«Alle Speise köstlich schmeckt, wenn den Tisch die Liebe deckt.» CHRISTOFLE

An Feiertagen kann es nicht festlich genug zugehen. Dazu gehört selbstverständlich ein edel gedeckter Tisch. Erlesenes Geschirr, kostbare Vasen und die richtigen Gläser sollten dabei nicht fehlen. Kristallkerzenleuchter, Dekanter, ja sogar Essstäbchen gibt es in festlichem Design. Ob man es eher schlich und in Silber mag oder in Goldtönen und etwas gewagter, bleibt jedem selbst überlassen. Auf die richtige Mischung kommt’s an.

ROSENTHAL HEREND

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LIVING

GALAXY TAB S BRINGT MEHR FARBE INS LEBEN

Wer auf der Suche nach einem ganz besonderen Weihnachtsgeschenk ist, sorgt mit dem Samsung GALAXY Tab S unter dem Weihnachtsbaum garantiert f端r leuchtende Augen. &

256 | PRESTIGE

Samsung Schweiz


LIVING

O

b für Hollywood-Blockbuster, beim Stöbern in Blogs oder zum ­Arbeiten – mit dem Super-AMOLED -Display definiert Samsung das Seherlebnis auf dem Tablet völlig neu: revolutionäre Auflösung, realistische Farben und mehr Kontrast als je zuvor auf einem Tablet. Das Besondere: Das GALAXY Tab S kommt dabei völlig ohne Hintergrundbeleuchtung aus. Dies ermöglichen sein schlankes Design von nur 6.6 Millimeter Dicke und die lange Akkulaufzeit von bis zu 11 Stunden. So wird das GALAXY Tab S nicht nur zuhause, sondern auch unterwegs zum perfekten täglichen Be­ gleiter. Das GALAXY Tab S macht, wie auch die neueste GALAXY Smartphone-­ Generation, mit seinem prägnanten Design überall eine gute Figur – ob im Meeting oder als leichter und unterhaltsamer Begleiter. Ein weiteres Highlight ist der Fingerabdruckscanner. Indem Sie mit dem Finger von oben nach ­unten über den Knopf streichen, können Sie den Bildschirm entsperren. Oder per Authentifikation mit Ihrer Fingerspitze einfach und sicher per PayPal zahlen. Der umfangreich mitgelieferte Gratiscontent, der beispielsweise die NZZ, Kindle for Samsung, Hollystar oder Teleboy enthält, garantiert in der kalten Jahreszeit gemütliche Stunden mit dem GALAXY Tab S. Passend zum eleganten Tablet wurden praktische und stilvolle Cover designt. Mit dem Book-­ Cover kann das Tablet in drei unterschiedlichen Positionen aufgestellt werden – ideal zum Videoschauen, Lesen oder Schreiben. Noch mehr ­ ­Produktivität und Mobilität bietet die Samsung GALAXY Tab S Bluetooth-­ Tastatur, die das GALAXY Tab S dank ihrer kompakten Grösse und des ­geringen Gewichts ideal ergänzt. Das neue Premiumprodukt von Samsung ist in einer Minivariante mit 8.4" und auch als 10.5"-Gerät erhältlich. Dünn, schnell, leicht und farbecht sind sie beide. Optional in stylishem Weiss oder in edlem Bronze.

tabs.samsung.ch

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LIVING

VIEL MEHR ALS EIN DESIGNER GERRIT THOMAS RIETVELD

Der Holländer Gerrit Thomas Rietveld war ein echtes Multitalent. Neben seiner Tätigkeit als Architekt und Möbeldesigner war Rietveld auch einflussreiches Mitglied der Künstlergruppe «De Stijl» und Kurator verschiedener Ausstellungen. Geboren 1888 in Utrecht, unternahm Rietveld seine ersten künstlerischen Gehversuche in der Schreinerei seines Vaters. Hier lernte er das Einmaleins des Möbelbauens kennen, in Abendschulen eignete er sich das notwendige künstlerische und architek­ tonische Hintergrundwissen an. Einen enormen Einfluss übte während dieser Zeit der Architekt ­P. J. C. Klaarhamer auf ihn aus. Dieser gab Rietveld Stunden im Bauzeichnen und brachte ihm auch viel über Architektur- und Designtheorie bei. Im Jahr 1917 wollte der wissbegierige Schüler dann aber auf eigenen Beinen stehen und gründete kurzerhand seine eigene Möbelwerkstatt in Utrecht. Hier konnte der begabte Jungdesigner seiner Krea­tivität freien Lauf lassen und endlich nur noch jene Objekte kreieren, die seinem eigenen Geschmack entsprachen. Auch sein «Red-Blue Chair» ist hier entstanden, der mit seinem innovativen Farb- und Formenspiel den Weltruhm von Rietveld begründen sollte. In den darauffolgenden Jahren wurde ihm die Gestaltung zahlreicher prestigeträchtiger Bauten und Ausstellungsräume überantwortet, so etwa der «Dutch Pavilion» auf der  Biennale oder das «Van Gogh Museum» in Amsterdam. Indem sich Rietveld Zeit seines Lebens spielend zwischen den einzelnen Kunstformen bewegte, trug er nicht zuletzt zur Herausbildung eines erweiterten postmodernen Kunstbegriffs bei.

«Die Leute sollen meine Objekte nicht als abstrakte Kunstwerke wahrnehmen, sondern sie aktiv und mit allen Sinnen erfahren können.»

258 | PRESTIGE

3 ZITATE «Bei dem ‹Rot-Blauen Stuhl› habe ich versucht, jedes Einzelteil so einfach und elementar wie möglich zu gestalten. Nur wenn sich alles der Funktion und dem Material unterordnet, kann am Ende ein harmonisierendes Ganzes entstehen. Kein Teil darf hier das andere dominieren, sie müssen alle gleichberechtigt sein. Nur so kann sich das Objekt luftig und frei im Raum bewegen.» «Das Wichtigste für mich als Designer ist, mir einen direkten und unverstellten Zugang zum Leben, zur Realität zu bewahren.»


Tradition meets Innovation

Zbären Kreativküchen AG Bahnhofstrasse 26 . CH-3777 Saanenmöser . Tel. +41 (0)33 744 33 77 design@zbaeren.ch . www.zbaeren.ch Official Dealer

Saanenmöser . Gstaad . Lenk

Official Dealer


Hedgehock Er vereint Ergonomie, Schönheit und Nachhaltigkeit. Der «Hedgehock» von NOHrD ist ein ergonomischer Designhocker aus Holz, dessen markante Optik aus hochwertigem Massivholz sofort ins Auge fällt. Doch was in ihm steckt, muss man selbst erfahren. Lässt man sich auf ihm nieder, fühlt man sich sofort wohl, denn die Sitzfläche passt sich der Körperform an und fördert gesundes, dynamisches Sitzen. Sie besteht aus 49 Holzwürfeln, die einzeln gefedert sind und für einen hohen Sitzkomfort sorgen. www.waterrower.de

S 285

von Marcel Breuer

Thonet wartet in diesem Winter mit einer attraktiven Aktion für seine Kunden auf. Der Schreibtisch «S 285» von Marcel Breuer ist komplett in Schwarz oder Weiss im Fachhandel erhältlich. Bei dieser edlen Version sind sowohl das Stahlrohrgestell als auch die Holzteile in derselben Farbe lackiert, wodurch eine markante optische Wirkung erzeugt wird. Der sachliche Stahlrohrschreibtisch S 285 des Bauhaus-Lehrers und Architekten Marcel Breuer ist ein gelungenes Beispiel für den programmatischen Anspruch des Bauhauses, Kunst und Technik zu einer formalen Einheit zu verbinden. www.thonet.de

260 | PRESTIGE


BeoPlay H6 Die B&O-PLAY-Sonderedition des Kopfhörers «BeoPlay H6» in den drei stylischen Farbtönen Graphite Blush, Bronzed Hazel und Blue Stone lassen die Herzen aller Modefans höherschlagen. Die schlichte Eleganz der drei limitierten Modelle steht in perfektem Einklang mit dem heraus­ ragenden Design von B&O PLAY und somit auch der Tradition von Bang & Olufsen. Sie werden vor allem trendbewusste und designbegeisterte Menschen ansprechen, die auf der Suche nach etwas Besonderem sind und mit ihrem Kopfhörer auch ein modisches Statement setzen möchten. www.beoplay.com In den neuen Farben Kupfer und Schwarz verchromt erstrahlt die kleine, sympathische Leuchte «Birdie» von L+R Palomba in einem völlig neuen Licht. Das metallene Finish verleiht der Leuchte ein edles Design und unzählige Einsatzmöglichkeiten. Birdie, deren Gestell an den Stamm eines jungen Baumes erinnert, interpretiert den klassischen Lampenschirm zeitgenössisch. Ihre anpassungsfähige Form verleiht jedem Raum eine ganz individuelle Persönlichkeit. Mit den neuen metallischen Farbnuancen wird Birdies freundliches und modernes Design abermals betont.

BIRDIE

www.foscarini.com

GLOBALOVE Ausdrucksvolles Design, so Karim Rashid, basiert auf einer Vielfalt komplexer Kriterien. Für den Popkünstler unter den international erfolgreichen Designern fliessen hier neben Erfahrungen auch unser soziales Miteinander, die globalen wirtschaftlichen und politischen Themen und das Gespür für die Kultur unserer Zeit ein. Ganz in diesem Sinne entwarf Karim Rashid jetzt seine dritte Kollektion für die Marburger Tapetenfabrik. Sie heisst – so sein Grusswort – «Globalove» und wurde von Dieter Langer, Kreativchef des traditionsreichen Unternehmens, auf hoch­ wertigen, überbreiten Vliestapeten umgesetzt. Die Kollektion ist geprägt von einer gut gelaunten Souveränität. Das Farbspektrum ist typisch für Karim Rashid: Rosa- und Pinktöne, Farbspiele in Blau, Türkis und Grün, Schwarz mit Gold und Silber. www.marburg.com

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LIVING

QUERDENKER UND STARARCHITEKT DER POSTMODERNE

PHILIP JOHNSON Der vielfach ausgezeichnete Stararchitekt und Querdenker Philip Johnson hat sich vor allem mit seinen postmodernen Bauten der 1980er- und 90er-Jahre einen Namen gemacht. Auch wenn seine Gebäude zum Teil höchst umstritten waren, erweiterten sie doch immer wieder die Grenzen des architektonisch Denk- und Machbaren. Wir blicken zurück auf Leben und Werk eines der bedeutendsten Architekten der Nach­ kriegsgeschichte und stellen Ihnen einige seiner wichtigsten Bauprojekte vor. Hendrik Stary

«Ihr wollt die Welt verändern? Na dann, viel Erfolg! Irgendwann werdet ihr wie alle anderen aufgeben und euch selbst verändern.»

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LIVING

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hilip Cortelyou Johnson wurde am 8. Juli 1906 in Cleveland/Ohio geboren. Während seines Studiums der Kunstgeschichte und der Philosophie an der Harvard University unternahm er zahlreiche Europareisen, auf denen er seine Leidenschaft für die Architektur entdeckte. 1928 kam es zu einem weiteren einschneidenden Erlebnis im Leben des jungen Studenten: Ein Treffen mit dem Überarchitekten Ludwig Mies ­ van der Rohe auf einer Architekturausstellung in Barcelona, das den Anfang eines mehrere Jahrzehnte andauernden Arbeits- und Konkurrenzverhältnisses markierte.

Lernen von den grossen Europäern In den folgenden Jahren studierte Johnson Architektur bei Walter Gropius in Harvard und agierte immer wieder als Vermittler zwischen der avantgardistischen europäischen Architektur und der traditionellen amerikanischen Baukunst. Dabei machte er die Bekanntschaft mit vielen grossen Namen wie Le Corbusier und Marcel Breuer, von

denen er viel lernen konnte und die er immer ­wieder zu grossen Ausstellungen nach Amerika einlud. Während des Zweiten Weltkrieges zog Johnson als Soldat für die Alliierten in den Krieg; nach seiner Rückkehr widmete er sich aber wieder schnell seiner eigentlichen Aufgabe: dem Planen und Bauen von Gebäuden.

«The Glass House» Ein erster wichtiger Schritt in Johnsons Architektenkarriere war seine intensive Beschäftigung mit dem Baumaterial Glas. Infolgedessen entstand im Jahr 1949 sein erstes eigenes Wohnhaus, «The Glass House», das sich stilistisch an ein Gebäude von Mies van der Rohe anlehnt und fast nur aus den Industriematerialien Glas und Stahl be-

«Ein Architekt, der nicht arrogant ist, wäre kein echter Architekt.»

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steht. Das luftige Gebäude besticht durch seine minimalistische und transparente Bauweise, durch seine vielen grossen Glasfronten – seinerzeit noch etwas absolut Aussergewöhnliches – scheint es mit der Umgebung zu verschmelzen. So gilt es noch heute als wegweisend für die modernistische Architektur und als eines der besten und durchdachtesten Häuser, die je gebaut wurden.

Zwischen Avantgarde und Big Business Irgendwann in den 1960er-Jahren verabschiedete sich Johnson von seinen avantgardistischen Anfängen und übte sich in einem zunehmend konservativen und eklektizistischen Baustil. Auch sein Lebensstil änderte sich durch die hohen Ein­ nahmen, ein eigener Koch sowie ein persönlicher Butler mussten schon sein. Viele seiner europäischen Kollegen nahmen ihm das übel und warfen ihm vor, die sozialen Überzeugungen des Neuen Bauens über Bord geworfen zu haben und einem unmoralischen Ästhetizismus zu frönen.

Postmoderne Wolkenkratzer Nichtsdestotrotz blieb Johnson enorm produktiv und konzipierte zahlreiche gefeierte und preisgekrönte Gebäude. So stellte er im Jahr 1982 den mächtigen «Williams Tower» (auch «Transco Tower») in Houston / Texas fertig – ein 64-stöckiger Wolkenkratzer im postmodernen Baustil, der es auf eine Gesamthöhe von 275 Metern bringt und seinerzeit als das höchste Gebäude ausserhalb der Business Districts geplant war. Im Jahr 1984 wurde dann das Manhattaner «AT & T Building» (heute «Sony

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Building») eingeweiht. Auch wenn es damals aufgrund seiner verspielten und ironischen Bauweise höchst umstritten war, gilt es heute ebenfalls als eines der bedeutendsten Werke der postmodernen Architektur. Ein weiteres Prestigeobjekt ist das «Lipstick Building», das mit seinem minimalistischen Design wiederum die Anfänge von Johnsons Karriere in Erinnerung ruft. Mit seiner ovalen Form erinnert es tatsächlich ein wenig an einen Lippenstift und setzt sich so gekonnt von den rechtwinkeligen Gebäuden im Umkreis ab. Als Johnson das Lipstick Building 1986 fertigstellte, war er bereits 80 Jahre alt. Vielleicht wollte er sich mit diesem Spätwerk mit seinen europäischen Kollegen und Vorbildern versöhnen.

«Es ist viel anspruchsvoller, ein einfaches Haus zu konzipieren, als einen Wolkenkratzer zu bauen.»


DAS WUNDERKIND DES MODERNISMO ANTONI GAUDÍ

Der Katalane Antoni Gaudí, geboren am 25. Juni 1852, war einer der wichtigsten Protagonisten des Modernismo – einer katalanischen architektonischen Strömung, die sich mit dem deutschen Jugendstil vergleichen lässt. Auch wenn er von vielen Zeitgenossen als recht eigensinnige Persönlichkeit beschrieben wurde: Sein ausgeprägtes Stilbewusstsein und seinen enormen Einfallsreichtum konnten sie ihm nicht absprechen. Gaudís Architekturen haben etwas Zeitloses, noch heute überzeugen sie durch ihr ausgewogenes Verhältnis von Qualität und Funktionalität. Typisch für Gaudís architektonische Praxis war, dass er sich bei seinen Neubauten um alle Bereiche selbst kümmerte – von der Statik über das Interieur bis hin

zur Gartenkunst. «Alles aus einem Guss» – das war das Motto, dem der spleenige Perfektionist ein Leben lang treu blieb. Ein weiteres Markenzeichen Gaudís war seine Vorliebe für runde, natürliche Formen. Ein schönes Beispiel hierfür ist die Casa Batlló in Barcelona, die im Jahr 1984 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ­erklärt wurde. Es handelt sich dabei um ein sechsstöckiges Gebäude, das über einen schmalen, aber perfekt geplanten Innenhof komplett mit natürlichem Sonnenlicht und Frischluft versorgt wird. Teure Klimaanlagen und Kunstlicht werden durch diesen praktischen und ressourcensparenden Baustil, von dem sich so mancher zeitgenössische Architekt eine Scheibe abschneiden könnte, von vorneherein überflüssig. Die gewellten Decken und Wände der Beton-­Eisen-Konstruktion erinnern darüber hinaus an Fischschuppen und bringen so das Meer mitten in die Stadt. Gaudí verstarb am 10. Juni 1926 an den Folgen eines Strassenbahnunfalls. Sein Werk hat zahlreiche Architekten und Künstler, darunter etwa Friedensreich Hundertwasser, in ihrem Schaffen massgeblich beeinflusst.

3 ZITATE «Es gibt zwei Typen von Männern: die, die nur reden, und die, die handeln. Ich gehöre zum zweiten Typus. In Worten kann ich mich nicht gut ausdrücken, ich könnte auch keinem mein künstlerisches Konzept erklären. Ich habe ja nicht einmal Zeit, darüber nachzudenken, da ich meine ganze Zeit mit Arbeiten verbringe.»

«Der rechte Winkel gehört den Menschen, die runde Form gehört Gott.» «Ohne die Natur gibt es keine Kunst.»

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DAS AKTIVHAUS B10 In der historisch berühmten Stuttgarter Weissenhofsiedlung präsentiert der Architekt Werner Sobek sein Aktivhaus. Es hat einige zukunftsweisende Ansätze zu bieten.

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Gerald Brandstätter

Zooey Braun, Werner Sobek

as Gebäude B10 befindet sich zentral in der Weissenhofsiedlung in Stuttgart / Deutschland. Für Architekten ist das ein historischer Mythos. Ende der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts entstand dort eine Plattform für ­zukünftiges Wohnen. Mies van der Rohe, Peter Behrens, Le Corbusier, Hans Scharoun, Walter Gropius und andere klangvolle Namen hinterliessen dort ihre noch heute kühnen architektonischen Fussabdrücke. In diesem Quartier lebten und leben die Versprechungen der Moderne.

Energieversorgung im Quartier Von der Weissenhofsiedlung kann man nicht nur in den Talkessel schauen, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft auch ein Projekt bewundern, welches für die Zukunft des Bauens und Wohnens steht. Auf den ersten Blick ist das Haus B10, im Bruckmannweg Nummer 10, ein Enkel seiner Grossmütter und Grossväter aus den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Baukörper ist vergleichsweise klein und minimalistisch gestaltet. Er sieht aus wie ein lang gestreckter Schuhkarton. Er umfasst auch nur 85 Quadratmeter auf einer Etage. Eine verglaste Front, Flachdach und der weisse Rahmen würden den Klassikern gefallen. Nur, was zeichnet heute eine Avantgarde aus? Sicher spielt dabei ein zukunftsweisendes Energiekonzept eine zentrale Rolle. Für Architekt Werner Sobek ist das Haus ein Prototyp für die Zukunft. Das Power-­ ­ Haus erzeugt doppelt so viel Energie, wie es selbst verbraucht. ­Zentrale ­Bausteine dabei sind eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach und eine vorausschauende Gebäudesteuerungstechnik. Das Haus kann sich den ­wechselnden Bedingungen von aussen und innen anpassen. Der Stromüberschuss reicht für einen E-Smart und Elektrofahrräder aus. Auch an die Nachbarschaft kann B10 Strom abgeben. Das ist ein zentrales Mittel, wenn ­die Energiewende ­dezentral gestaltet werden soll. Im Rahmen von Quartiersver-

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bünden wie G ­ enossenschaften kann der Energiebedarf mit kurzen Wegen und aus nachhaltigen Quellen realisiert werden. Auch was das Thema Graue Energie betrifft, gibt sich B10 vorbildlich. Alle Baustoffe werden nicht vermischt. Glas, Holz, Alu oder textile Verspannungen können getrennt und im Falle eines Abbaus auch recycelt werden. Auch das ist eine  Reminiszenz an die Klassiker der Weissenhofsiedlung.

Forschungsprojekt in der Praxis Das Aktivhaus B10 ist Teil eines Forschungs­ projekts. Allerdings kein SF-Gebäude, sondern unter dem Druck der Praxis. Die beteiligten Wissenschaftler und Experten untersuchen, wie innovative Materialien, Konstruktionen und Technologien unsere gebaute Umwelt nachhaltig verbessern können. Während der gesamten Projektlaufzeit werden Verbrauch und Gewinnung von Energie sowie eine Vielzahl weiterer für die Gebäudeforschung relevanter Daten kontinuierlich gemessen und am ­Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart wissenschaftlich ausgewertet.


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UNZÄHLIGE SUPERLATIVE REVOLUTIONÄRER KLANG

Hornlautsprecher von Avantgarde Acoustic sind ein Geschenk für die Ohren. Lilly Steffen

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ie bionische Horntechnologie, die sich an der trichterartigen Physis des menschlichen Ohrs orientiert, gilt als die reinste, ­ ­verzerrungsfreiste und natürlichste Form der Schallverstärkung. Bei Avantgarde Acoustic gibt es dieses Traumprinzip in einer breiten Pro­ dukt­palette vom kabellosen Plug & Play-System ZERO 1 bis hin zum über 100’000 Euro teuren TRIO-Referenzsystem. Wir waren dort und haben uns für Sie umgehört.

Höllenglocken in 3D-Sound

Kleine Membran, grosser Klang

Ganz gleich ob bei der Live-Version von Cat Stevens’ «Father and Son» oder einer Studioaufnahme von AC/DCs «Hell’s Bells» – wer auf den mittig platzierten Ledersesseln im Showroom von Avantgarde Acoustic Platz nimmt und mit geschlossenen Augen den Klängen aus den perfekt ausgerichteten Lautsprechern lauscht, macht eine akustische 3D-Erfahrung. Man gewinnt den Eindruck, die Künstler performen im selben Raum, so klar und unverfälscht ist der Sound, so scharf die Tonspuren voneinander getrennt und doch bis ins Detail aufeinander abgestimmt.

Das Horn – die älteste Methode zur Verstärkung von Geräuschen – erlebt seit einigen Jahren ein Comeback in der Audioszene. Hornlautsprecher gelten als das Nonplusultra im Bereich Laut­ sprechersysteme. «Das Horn ist die Königsklasse im Lautsprecherbau. Es ist das reinste, natürlichste und gleichzeitig leistungsstärkste Schallwandlungsprinzip», sagt Fromme. Schall – und somit auch Musik – wird erzeugt, indem eine Membran im Takt schwingt. Je grösser die Membran, desto grösser auch ihr Gewicht – und umso weniger ist sie in der Lage, feinste Verästelungen in der Musik wiederzugeben. «Das Besondere am Horn ist seine Form, die dem menschlichen Ohr ähnelt. Sie ermöglicht es, die Membranfläche eines Lautsprechers dramatisch zu reduzieren, Verzerrungen dadurch nahezu vollständig zu eliminieren und selbst komplexeste Musikpassagen fehlerfrei aufzulösen», so Fromme.

Höchste Ansprüche Seit 1993 produziert der Hidden Champion aus Lautertal im Odenwald ­individuelle Hornlautsprecher und Verstärker im High-End-Bereich, die die Herzen von Musikliebhabern aus aller Welt um einige Takte schneller schlagen lassen. Das Familienunternehmen Avantgarde Acoustic hat sich seitdem zu einer der weltweit tonangebenden Adressen im Bereich Audiosysteme ­gemausert. Rund 20 Mitarbeiter beschäftigt die Hornschmiede: von der Entwicklung über die Produktion bis zum Vertrieb. Vollendeter Klang und schnörkelloses, aber edles Design sind dabei die Ansprüche, die Geschäftsführer Holger Fromme an seine Produkte stellt.

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Holger Fromme, Geschäftsführer

ZERO 1 – der neue digitale Superlautsprecher Mit der ZERO 1 hat die Edelmarke jetzt das erste digitale All-in-One-Wireless-Hornsystem der Welt auf den Markt gebracht. In ihm verbinden sich 104-dB-Hornlautsprecher, Subwoofer, Multi-Kanal-­ Digital-Prozessoren, sechs 24-Bit-DA-Converter, Funkmodule und sechs Endstufen mit insgesamt 1000 Watt zu einem vollintegrierten, kabellosen Plug & Play-System. Alles in einer Qualität der Superlative. Bestätigt durch Messresultate, die selbst erfahrene Experten staunen lassen. So haben Labor­messungen an der Universität Aachen einen um 20 dB höheren Wirkungsgrad bei dramatisch reduzierten Verzerrungen ergeben. Im Vergleich zu «normalen» Boxen sind das laut Prof. Anselm Goertz «Welten!».

Zahlreiche Auszeichnungen Erhältlich sind die Hornlautsprecher von Avantgarde Acoustic in unterschiedlichen Grössen und individuellem Design – vom Einsteigermodell «UNO» bis zum, nach Firmenangaben, vollendetsten Werk ganz­heitlicher Horntechnologie, der TRIO mit Bass­ horn. Die neueste Entwicklung «ZERO 1» mit voll­ integrierter Prozessor- und Verstärkertech­nologie hat schon zahlreiche international renommierte Preise eingefahren – zuletzt den «iF Gold Award», einen der begehrtesten Designpreise Deutschlands. Die Qualität und Individualität der Produkte hat allerdings auch ihren Preis: Die Spanne liegt bei 10’000 bis 60’000 Euro pro Lautsprecherpaar. Avantgarde Acoustic bedient Kunden weltweit: ob Europa, USA, Russland oder Asien – Freude an Musik und unverwechselbarem Klang kennt eben keine Grenzen.

Zu hören sind die Traumsysteme bei: AUG & OHR AG Heinrichstrasse 248 CH-8005 Zürich Tel.: +41 (0)44 271 12 22 www.augundohr.com AVANTGARDE ACOUSTIC Lautsprechersysteme GmbH Nibelungenstrasse 349 D-64686 Lautertal – Reichenbach Tel.: +49 (0)6254 306 100 www.avantgarde-acoustic.de

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DESIGNKLASSIKER Feine Linien, souveräne Proportionen und edle Materialien – Ludwig Mies van der Rohes Möbelentwürfe sind international begehrter denn je.

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Lilly Steffen

ies van der Rohe gilt als einer der bedeutendsten Architekten der Moderne. Seine Baukunst gilt dem Ausdruck konstruktiver Logik und räumlicher Freiheit in klassischer Form. Mit einem Federstrich wird der deutsch-amerikanische Architekt vom ­ ­grossen Architekten des 20. Jahrhunderts zum profilierten Möbelgestalter. Der «Vater» des Bauhausstils hat mit seinen Entwürfen den Alltag der Menschen beeinflusst und gilt als Kreateur einer neuen, internationalen Eleganz. Mies van der Rohes Design-Kreationen zeichnen sich – nicht anders als seine Architektur – durch elegante Klarheit, Stabilität und Qualität aus. Auf den ersten Blick scheinen die Alltagsgegenstände wie Stühle, Sessel oder Tische beschränkt. Doch genau dadurch entwickeln sie eine Schönheit, der sich kein Betrachter entziehen kann. Seine Kreationen gelten als ästhetisch hochinteressant, einfach in der äusseren Erscheinung und dennoch bequem, stilvoll und überaus funktionell. Mit der Einstellung «Less is more» gelang Ludwig Mies van der Rohe eine Kreation, über die die Welt heute noch spricht. Ein Stuhl ohne Hinterbeine, dessen Sitzfläche unter dem Gewicht einer Person federnd nachgibt und leicht nach hinten absinkt. Über keinen Stuhl wurde so viel diskutiert. Verchromtes Stahlrohrgestell, Sitz und Lehne aus hochwertigem Kernleder. Die Rede ist vom Freischwinger MR10, der 1927 präsentiert wurde und seither als Ikone des Möbeldesigns gilt. Wie so viele Erfindungen hat auch der Freischwinger eine Vorgeschichte, was den Streit um seine Urheberschaft angeht. Die ursprüngliche Idee zu einem Stuhl ohne Hinterbeine hatte der niederländische Architekt Mart Stam. Sein so genannter «Kragstuhl» war aber starr und unelastisch und deshalb noch kein Freischwinger. Ludwig Mies van der Rohes MR10 gilt hingegen als echter Freischwinger, der leicht federnd nachgibt. Weiterentwickelt, vor allem in Sachen Elastizität und Bequemlichkeit, hat diesen Stuhl Marcel Breuer.

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LUDWIG MIES VAN DER ROHE Geboren 27. März 1886, Aachen / Deutschland Gestorben 17. August 1969, Chicago / Vereinigte Staaten Bücher Conversations with Mies van der Rohe Auszeichnungen Presidential Medal of Freedom, Royal Gold Medal, Twenty-five Year Award

«Die Form ist nicht das Ziel, sondern das Resultat.»

«Es kostet nichts, interessante Formen zu finden, doch es ist vieles nötig, etwas durchzuarbeiten.»

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FENDI NEW YORK CABINET Der Schrank bietet ein modernes und zeitgemässes Design kombiniert mit skulpturalen Elementen. Imposant und unverwechselbar wird mit dem Wechsel von Design und Struktur gespielt.

TOMS DRAG FIGUREN Die einzigartigen Figuren des Tom Hoffmann finden ihren Ursprung auf seinen Reisen. Seine originellen Werke erinnern an Yellow Submarine und europäische, afrikanische und asiatische Volkskunstornamentik. Besonders hervorstechend die farbenfrohe Lebensfreude seiner Objekte.

TRUSSARDI CUBO Die Büchergestelle von Trussardi sind in einem zeitgemässen und ungewöhnlichen Stil gehalten. Ein rationales Design und die Vielfältigkeit der Dimensionen charakterisieren das Möbelstück. Kontrastreiche Elemente aus matt-lackiertem Holz und Stahlelementen machen das Design komplett.

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VG ECLIPSE In Form eines Mondes ist der Stuhl von Vincenzo Antonuccio und Marilena Calbini designt worden. Das Spiel von Licht und Dunkelheit hat zu dieser besonderen Form geführt.

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VG ARABESQUE Die Arabesque-Lampen aus Kristall eignen sich perfekt, um Lichtakzente zu kreieren, welche den Raum mit simpler Eleganz füllen. Die kultigen Stücke gibt es in den Farben Gold, Schwarz und Silber und in verschiedenen Formen.

VISIONNAIRE OWENS CHANDELIER Der von Philippe Montels designte Kronleuchter besteht aus einer Aluminiumstruktur, abgedeckt mit einem Vorhang aus Aluminiumplatten. Der Kronleuchter besteht aus einem goldigen/ champagnerfarbenen Aluminium, besetzt mit Swarovski-Kristallen.

KARTELL Die Produkte von Kartell sind aus hochwertigem, exklusivem Kunststoff und mit einer metallenen Beschichtung aus 24  Karat Gold überzogen. Das Design ist einzigartig und vielseitig kombinierbar. Die qualitativen Produkte eignen sich perfekt als Geschenk oder um sich selbst eine Freude zu machen.

VISIONNAIRE CHESHIRE ARMCHAIR Der Sessel ist in einer «Sackform» aus Leder und Capitonné-Muster designt. Der Rahmen ist aus Sperrholz mit einem elastischen Gürtel-System und einer Lehne aus Dacron.

VISIONNAIRE GOURMAND FLOOR LAMP Eine Struktur aus Stahl und Bronze füllt die Lampe aus. Sie wurde mit 480 Löffeln dekoriert, welche einen einzigartigen Effekt erzielen. Der Lampenschirm besteht aus Leder und einer zarten Goldlackierung.

BENTLEY BULL ARMCHAIR Designt von Carlo Colombo, ist dieser Stuhl in einer modernen und zeitgemässen Form gehalten. Er ist in hochwertiges Leder gehüllt und mit wertvollen Details und Materialien ausgeschmückt. BOCA DO LOBO FOLDING SCREEN Die Trennwand erinnert mit den runden Formen und den erdigen Farben an einen mittelalterlichen Stil. Die goldigen Farbtöne imponieren und verleihen dem Stück eine zusätzliche edle Note.

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SCHWEIZER DESIGN SWISS-MADE-QUALITÄTSLABEL

Die Schweizer Bahnhofsuhr ist nur ein bekanntes Beispiel für eine internationale Karriere eines Designobjekts aus der Schweiz. Prestige stellt einige Schweizer Designerrungenschaften vor. Lone K. Halvorsen

Die Erfolgsgeschichte von Nespresso begann mit einer einfachen, aber
revolutionären Idee: jedem zu ermöglichen, die perfekte Tasse Espresso zuzubereiten – genau wie ein professioneller Barista. Seit den Anfängen vor ­28 Jahren hat das Markenkonzept von Nespresso die Art, wie Millionen von Menschen ihren Kaffee trinken, neu definiert und revolutioniert und damit die globale Kaffeekultur geprägt. Neue Maschinen setzen weiterhin Massstäbe in den Bereichen Style, Innovation und Design.

Victorinox

NESPRESSO

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1884 wurde die damalige Messerwerkstatt von Karl und Victoria Elsener ­gegründet, und bereits 1891 erfolgte die erste Lieferung von Soldatenmessern an die Schweizer Armee. Als Karl Elsener 1897 das «Original Schweizer ­Offiziersmesser» schuf, konnte er nicht ahnen, dass dieses auf der ganzen Welt zum Symbol für Qualität, Funktionalität und den Schweizer Erfindergeist werden sollte. Die Kunst von Victorinox ist, Funktion und Design sinnvoll zu vereinen.
Der Hersteller aus dem Swiss Knife Valley ist überzeugt, dass Funktionalität und Nützlichkeit allein nicht ausreichen, um auch die Gefühle der Menschen zu erreichen. Erst ein gutes Design, das die Ästhetik der intelligenten Funktion zum Ausdruck bringt, verleiht den Produkten eine ­ ­unverwechselbare Identität.


FREITAG

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1993 suchten die beiden Grafikdesigner Markus und Daniel Freitag nach ­einer funktionellen, wasserabweisenden und robusten Tasche für ihre Entwürfe. ­Inspiriert vom bunten Schwerverkehr, der täglich an ihrer Wohnung vorbei über die Zürcher Transitachse brummte, entwickelten sie ein Messenger Bag aus gebrauchten LKW-Planen, ausrangierten Fahrradschläuchen und Auto­ gurten. So entstanden im Wohnzimmer der WG die ersten FREITAG-Taschen – jede rezykliert, jede ein Unikat. Unbeabsichtigt lösten die Brüder damit eine neue Welle in der Taschenwelt aus, die von Zürich aus über die europäischen Städte bis nach Asien schwappte und FREITAG zum inoffiziellen Ausrüster aller urbanen (Velo fahrenden) Individualisten und Individualistinnen machte.

Création Baumann Das Unternehmen blickt auf eine lange und erfolgreiche Geschichte zurück – eine Geschichte, die geprägt ist von langfristigem Denken, unternehmerischem Verantwortungsbewusstsein und der strikten Orientierung an Qualität. Seit 1886 ist der Name «Création Baumann» ein Begriff in der Textilwelt. Heute, in vierter Generation, entwirft, produziert und vertreibt das Familienunternehmen Création Baumann am Standort Langenthal Textilien für die Inneneinrichtung und zeichnet sich nebst höchsten Designansprüchen auch durch funktionale und technische Anwendungen aus.

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Nach seiner Gründung 1885 durch Ulrich Schärer in Münsingen war USM zunächst jahrzehntelang als Produzent erstklassiger Eisenwaren und Fensterverschlüsse bekannt. 1961 entschied Paul Schärer, der Enkel des Unternehmensgründers, die Firma neu auszurichten und USM von einer Metallmanufaktur in ein modernes Industrieunternehmen zu überführen. Im Zuge dessen beauftragte Schärer den Architekten Fritz Haller mit dem Entwurf eines neuen Firmengebäudes. Dieses sollte Produktion und Verwaltung künftig unter einem Dach vereinen. Haller gestaltete den Bau auf Basis seines Mini / Midi / Maxi-Systems, eines Stahlrahmen-Konstruktionsprinzips für Gebäude unterschiedlicher Grösse. Die einzigartige modulare Architektur inspirierte Haller und Schärer dazu, nach der gleichen Systematik flexible Aufbewahrungslösungen zu kreieren. Und so wurde 1963 zum Geburtsjahr des wegweisenden Möbelbausystems, welches als USM Haller internationale Bekanntheit erlangte.

Der LC2 von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand gilt heute als wegweisender Entwurf der Bauhaus-Ära von 1928 bis 1935. Der kubische Sessel scheint auf den ersten Blick ein einfacher Entwurf, ist aber dennoch ein Sessel mit einer perfekt rationalisierten geometrischen Form in Kombination mit unkonventionellen Materialien. Die vielen raffinierten und teils versteckten Details bieten ausserdem einen unvergleichlichen Sitzkomfort. Der Sessel trägt seine Struktur ­aussen in Form eines Chromskeletts zur Schau, das wunder­ bar das Ozeandampfer-Aussehen von Le Corbusiers Architektur und die Ästhetik des Maschinenzeitalters widerspiegelt. Mit losen Kissen aus Webstoffen oder Leder bleibt der LC2 dauerhaft populär und in vielerlei Hinsicht ein perfektes Beispiel für den immerwährenden glamourösen internationalen Stil.

LC2 von Le Corbusier

USM

100 JAHRE SCHWEIZER DESIGN Ob Lichtschalter, Sitzmöbel oder Sparschäler – bis heute gilt Design aus der Schweiz als ehrlich, präzise, unaufgeregt und benutzerfreundlich. Der Blick auf 100 Jahre Designgeschichte führt entlang lokal verankerter Traditionen über die Gestaltungsansätze der Moderne bis hin zu den aktuellen Aufgaben einer global vernetzten EntwerferGeneration. Mit über 800 Objekten aus der Designsammlung, der weltweit grössten Sammlung zu Schweizer Design, zeigt die Eröffnungsausstellung im Schaudepot erstmals eine umfassende Schau der Schweizer Designleistungen. Alltägliche Dinge sowie herausragende Möbel-Ikonen von Le Corbusier, Max Bill, Hans Bellmann oder Willy Guhl zeigen sich mit Skizzen, Prototypen, Modellen, Werbefilmen und Fotografien und eröffnen neue Perspektiven auf das Designland Schweiz.
 Bis 8. Februar 2015 Schaudepot im Toni-Areal, Zürich

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SC

HORT UTS

Elica Dunstabzugshauben, die leuchten – oder Leuchten, die Dunst abziehen? Keine einfache Frage angesichts der zahlreichen unterschiedlichen Kombinationen von Formen und Funktionen, mit denen Elica einem sehr spezifischen Bedürfnis des Marktes entgegenkommt. Schon vor neun Jahren, 2005, hat das Unternehmen die ersten Abzugshauben-Leuchten-Kombi­ nationen auf den Markt gebracht. Das Modell «Seashell» ist bevorzugt für geräu­ mige Inselküchen geeignet und die Frage, ob Haube oder Leuchte, ist bei diesem Modell besonders gut nachvollziehbar. www.elica.com

Der Barhocker So zahlreich die Geschichten, so vielfältig sind die dazu­ gehörigen Barhocker, klassisch-robust wie aus den Bildern Edward Hoppers, edel-elegant wie in Hollywoodfilmen, zeitgemäss-funktional wie unser Alltag oder bunt-lässig wie die Jugend. Das tschechische Label TON weiss um die Bedeutung des Kultmöbels, das wie kein anderes den Zeit­ geist verkörpert, und pflegt die unterschiedlichsten Ausführungen in seinem Sortiment. www.ton.eu

Spun Eine revolutionäre Art zu sitzen bietet das kreiselförmige Sitzmöbel «Spun». Das an eine Zwirnspule angelehnte Design schenkt die kindliche Freude, mit dem Stuhl zu schaukeln, sich im Kreis zu drehen und mit den Gegenständen zu spielen. Entstanden aus der Kreativität von Thomas Heatherwick und der Entwicklung von Magis. www.magisdesign.com

String Das ikonische String-System feiert 2014 den 65. Geburtstag! Das modulare Regalsystem von Nisse Strinning, der sich seinerzeit von einem Geschirrständer inspirieren liess, könnte aufgrund seiner schlichten und zeitlosen Formsprache auch heute kaum moderner sein. Seit 2005 wird das Regalsystem von dem schwedischen Unternehmen String Furniture hergestellt. Es wird seither in regel­ mässigen Abständen durch neue Funktionen ergänzt – das Grundprinzip des endlos erweiterbaren Regals ist dabei gleich geblieben. www.string.se

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MONSIEUR

TANG LÄCHELT

CULINARIUM

EIN KULINARISCHER SPAZIERGANG DURCH PARIS

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Gründe für eine Reise nach Paris gibt es viele: den gusseisernen Koloss Gustave Eiffels, die weltberühmten Sammlungen des Louvre, den frühgotischen Säulenwald von Notre-Dame, einen Bummel auf den Champs-Élysées oder über den Montmartre oder eine romantische Lichterfahrt auf der Seine. Aber natürlich ist Frankreichs Kapitale auch eine Top Destination für Foodies. Dr. Thomas Hauer

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© The Peninsula Paris

n Paris locken nicht nur zahllose Märkte und einige der schönsten Delikatessengeschäfte der Welt, sondern auch mehr als 10’000 Cafés, Brasseries und Bistros, die mit einer gastronomischen Bandbreite aufwarten, die London oder New York ebenbürtig ist. Ganz zu schweigen von den legendären Gourmettempeln der Stadt. So glänzen in der Seine-­ Metropole aktuell gleich über neun Restaurants drei Michelin-Sterne. Wir ­haben aus dieser Flut vier ganz besondere Tipps herausgepickt.

© The Peninsula Paris

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CULINARIUM

Restaurant LiLi im Peninsula Paris Starten wir gleich mit einem Ausflug ins exotische Fach, denn das, was im LiLi auf edlen Porzellantellern landet, hat mit traditioneller französischer Kochkunst nicht viel gemein – abgesehen von der Herkunft der handverlesenen Zutaten vielleicht. Dafür dürfen sich die Gäste des kantonesischen Luxus­ restaurants im Anfang August an der schicken Avenue Kléber eröffneten Peninsula Hotel aber auf nicht minder legendäre Spezialitäten der südchinesi­ schen Küche freuen: von A wie Abalone bis Z wie Zackenbarsch. Und die werden hier mit einer solchen Hingabe und Perfektion zubereitet, dass sich ein zeitraubender Interkontinentalflug nach Fernost – zumindest unter kulinarischen Gesichtspunkten – in Zukunft erübrigen dürfte. Verantwortlich dafür ist Tang Chi Keung, von allen der Einfachheit halber nur «Chef Tang» genannt. Der spricht weder Englisch noch Französisch, aber das tut seiner guten Laune offenbar keinen Abbruch, denn wann immer Chef Tang unseren Weg kreuzt, spielt ein verschmitztes Lächeln um seine Lippen. Und am Herd hat der Hongkong-Chinese, der zuletzt im Peninsula Tokyo den ersten Stern für die Hotelgruppe erkocht hat, mit der Verständigung ohnehin keine Probleme: schliesslich steht dem Meister dort eine handverlesene Equipe aus seiner Heimatstadt zur Seite. Wer einen Blick in die Küche wirft, wähnt sich deshalb auch eher in einer typisch südchinesischen Garküche als mehrere Meter unter dem Pflaster von Paris. Während sich vor den professionellen Dampfgarern, die eine ganze Wand einnehmen, zahllose Bambuskörbe für die Zubereitung von Dim Sum und Co. stapeln, hängen schräg gegenüber mehr als ein halbes Dutzend feuerrot ­lackierte Pekingenten am Haken. Gleich nebenan brodelt in gewaltigen Kesseln glasig schimmernder Schweinebauch, der die Luft mit seinem fein süsslichen Odeur parfümiert und im Nebenraum dreht lebend frisches Seafood in ­grossen Bassins eine letzte Ehrenrunde.

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© Guy Savoy Paris – Laurence Mouton

© The Peninsula Paris

© The Peninsula Paris

Natürlich sind im LiLi auch alle Saucen, Herz­­ stück der kantonesischen Küche, hausgemacht. Darunter auch eine von Chef Tang eigens für Paris  kreierte Spezialsauce auf Basis von Chili, ­ Schwarzbohnen, Oliven und grünen Senfblättern, die hervorragend zu Krustentieren, aber auch Schweinefleischgerichten und Geflügel passt, und natürlich die typische Hongkonger XO Sauce. Das elegante Interieur des Restaurants verbindet mühelos fernöstliche Zitate mit Pariser Chic. Das Thema: eine Symbiose aus chinesischer und ­französischer Oper. So ist auch der Name des ­Restaurants eine Hommage an eine berühmte chinesische Opernsängerin aus den 20er-Jahren. Wer es sich leisten kann, nach einem opulenten Dinner in einem der rund 200 ultraluxuriösen Hightech-Zimmer und Suiten des Peninsula, einige davon mit spektakulären Dachgärten, zu über­ nachten – die Preise starten bei etwa 1 000 Franken pro Nacht –, kann am Morgen als Alternative zu Baguette, Croissant und Café au Lait auf Wunsch natürlich auch ein authentisch chinesisches Frühstück ordern. Das besteht aus gebratenen Eier­ nudeln mit Huhn und Sojasprossen, Reis-Congee mit hauchdünnen Rindfleischscheibchen und natürlich Dim Sum – gefüllt mit Garnelen und karamellisiertem Schweinefleisch.


© Brasserie Mollard – Stéphane Malchow

Brasserie Mollard Nach dem Peninsula steht als Nächstes ein Abstecher zu einer echten Pariser Institution auf dem Programm: die Brasserie Mollard in der Rue St. Lazare. Direkt gegenüber dem gleichnamigen Bahnhof und nur einen Steinwurf vom noblen Boulevard Haussmann mit seinen schillernden Konsumtempeln wie den Galeries Lafayette oder Printemps entfernt. Seit mehr als einem Jahrhundert, genauer gesagt seit dem 14. September 1895, empfängt man hier an 365 Tagen im Jahr pünktlich ab 12 Uhr bis nach Mitternacht in schillerndem Belle-Époque-Rahmen seine Gäste. Tatsächlich ist das Mollard eines der schönsten und frühesten Beispiele für den typischen Pariser Jugendstil und als eines der ganz wenigen Lokale aus dieser Zeit bis heute nahezu unverändert erhalten. Noch immer weht in den ele­ ganten, überbordend dekorierten Räumen jener unverwechselbare Pariser Esprit des Fin de Siècle, der einst Künstler und Literaten wie magisch angezogen haben muss. Der Architekt des Mollard war übrigens Édouard Nier­ mans, der auch das Hotel de Paris in Monte Carlo, das Negresco in Nizza oder das Moulin Rouge gestaltet hat.

© Guy Savoy Paris – Laurence Mouton

© Guy Savoy Paris – Laurence Mouton

CULINARIUM

Doch nicht nur Freunde asiatischer Küche kommen in diesem Hotelpalast der Superlative, der selbst für Pariser Verhältnisse neue Massstäbe setzt, voll auf ihre Kosten, denn mit Julien Alvarez hat das Peninsula einen veritablen Patisserieweltmeister verpflichtet. Der 30-Jährige verwöhnt seine Gäste mit Kreationen, die selbst Gross­meister des Fachs wie Pierre Hermé ins Grübeln bringen dürften, und Alvarez’ Macarons sind schlichtweg die besten in ganz Paris! Eine gute Gelegenheit, sich vom Können des Meisters zu überzeugen, ist ein traditioneller Peninsula Afternoon Tea im The Lobby Restaurant, das eher an einen Spiegelsaal im Schloss von Versailles erinnert. Und wer schon einmal da ist, sollte sich auch einen Sundowner auf der Dachterrasse – wo sich mit dem L'Oiseau Blanc auch das dritte ­Restaurant des Peninsula befindet – nicht entgehen lassen: Hier liegt einem Paris im wahrsten Sinne des Wortes zu Füssen. Das Hotel bietet ­übrigens auch den grössten Spa der Stadt mit ­einem 20 Meter langen Indoorpool.

Unter den mit prachtvollen Mosaiken geschmückten Decken und mit Kacheln verzierten Wänden, auf denen es von typischen Art-Nouveau-Motiven wie Libellen und Schmetterlingen nur so wimmelt, speist eine bunt gemischte Gästeschar: Lokalprominenz und Krawattenträger aus den umliegenden ­Geschäftsvierteln finden sich hier ebenso wie Touristen und natürlich wasch­ echte Pariser – vom Arbeiter bis zum wohlhabenden Bourgeois. Das Motto des Hausherrn: Im Mollard ist jeder willkommen, egal ob das Budget 50 oder 500 Franken beträgt. Die Spezialität des Mollard sind taufrische Fruits de mer, die auf einer Auslage vor dem Lokal präsentiert werden. Frisch ist hier übrigens wörtlich zu verstehen – selbst in der Bretagne dürfte es schwer werden, bessere Austern, Bigorneau oder Taschenkrebse auf den Tisch zu  bekommen! Aber die Karte des Jugendstil-Juwels bietet auch typische Brasserie-Klassiker wie am Tisch angemachtes Steak tartare, Schnecken in Kräuterbutter oder Crêpes Suzette, die vor den Augen der Gäste vom schwarz livrierten Oberkellner flambiert werden. So wird ein Besuch des Mollard zu einer nostalgischen Reise zurück in die goldene Epoche der Stadt am Ausgang des 19. Jahrhunderts.

Restaurant Guy Savoy Natürlich wäre ein kulinarisches Abenteuer im Schatten des Eiffelturms aber nicht komplett, ohne den Besuch eines echten Pariser Gourmettempels. Schliesslich sind Männer vom Schlage eines Alain Ducasse, Pierre Gagnaire und Joël Robuchon mittlerweile weltweit agierende Superstars, die Restaurants und Bistros rund um den Globus betreiben und dabei Sterne sammeln wie andere Leute Briefmarken. Zu diesen kulinarischen Global Playern gehört auch Altmeister Guy Savoy (Jahrgang 1953), der neben vier Restaurants in Paris einen Ableger im Caesars Palace in Las Vegas betreibt. Begonnen aber hat alles mit seinem bereits 1980 eröffneten Signature ­Restaurant Guy Savoy Paris, das sich in einer kleinen Nebenstrasse unweit des Triumphbogens versteckt und über dem seit 2002 drei Michelin-Sterne strahlen. Neben kulinarischen Höhenflügen erwarten die Gäste hier auch künstle­ rische Leckerbissen von Weltformat, denn das intime Lokal ist mit

© The Peninsula Paris

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CULINARIUM

Restaurant LiLi – Peninsula Paris 19 Avenue Kléber, 75116 Paris www.paris.peninsula.com

Brasserie Mollard 115 Rue Saint-Lazare, 75008 Paris www.mollard.fr

© Promenades Gourmandes - Paule Caillat

Restaurant Guy Savoy 18 Rue Troyon, 75017 Paris www.guysavoy.com

© Guy Savoy Paris – Laurence Mouton

Promenades Gourmandes Kulinarische Stadtspaziergänge und Kochkurse mit Paule Caillat in englischer oder französischer Sprache www.promenadesgourmandes.com

© Guy Savoy Paris – Laurence Mouton

­ x­klusiven Stücken aus Guy Savoys privater Kunstsammlung geschmückt, e deren Wert auf mehrere Millionen Franken taxiert wird. Savoys Küche hin­ gegen bezaubert durch ausgesprochen subtile Aromen und ein hohes Mass an Kreativität, ohne dabei jemals ins Beliebige abzudriften. So inszeniert der Produktfetischist auf seinen Tellern stets nur einige wenige Elemente – die sind aber immer von erlesener Qualität. Die Menüfolgen umfassen inklusive aller Amuse Bouches und Predesserts schon mal 20 Gänge, ohne dabei aber jemals Gaumen oder Magen zu überfordern. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob sich der Küchenchef für seine Kreationen aus dem schier unerschöpflichen Fundus klassischer Luxusprodukte wie Trüffel, Foie gras oder Hummer bedient oder scheinbar simple Zutaten wie frische Tomaten in unterschiedlichen Texturen und überraschenden Kombinationen inszeniert – Guy Savoy beherrscht sein Metier scheinbar in jeder Situation mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit. Der Service unter der Leitung von Maître ­Hubert, der Seele des Hauses, ist so unprätentiös wie formvollendet. Eindrucksvoll wird von seinem Team das gerne kolportierte Vorurteil widerlegt, die Atmosphäre in Pariser Sternerestaurants sei steif und der Service oft noch arroganter als die ohnehin reichlich blasierte Kundschaft. Das Gegenteil ist wahr: selten wurden wir in einem Sternerestaurant herzlicher em­p­ fangen – echtes Savoir-vivre eben. Chapeau!

Promenades Gourmandes – Kulinarische Stadtspaziergänge Wer noch tiefer in die kulinarischen Geheimnisse der Stadt eindringen möchte oder auf der Suche nach echten Insidertipps ist, jenseits über­ laufener Publikumsmagneten wie Ladurée oder Fauchon, findet in Paule Caillat, einer waschechten Pariserin, den idealen Guide. Paule pflegt seit fast 20 Jahren enge persönliche Kontakte zu vielen der ­besten Feinkosthändler, Produzenten und Restaurateure der Stadt und bietet mit ihren massgeschneiderten Promenades Gourmandes kulinarische Stadt-

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spaziergänge an, die individuell auf die Vorlieben ihrer Gäste zugeschnitten werden. Zu ihrem kulinarischen Portfolio gehören aber auch Kochkurse. Den Auftakt bildet dann ein gemeinsamer Marktbesuch, bei dem nur die besten und frischesten Zutaten in Paules grossem Einkaufskorb landen, die sich in ihrem Küchenatelier in Le Marais dann wie durch Zauberhand in ein veritables Viergangmenü verwandeln, das anschliessend gemeinsam am grossen Küchentisch verspeist wird – und das man zu Hause problemlos nachkochen kann. Eine ihrer Lieblingsadressen ist aktuell übrigens Terroirs d'Avenir in der Rue du Nil, das zahlreiche der besten Restaurants von Paris zu seinen Kunden zählt. Gewürzfans empfiehlt sie dagegen das kleine Atelier von Olivier Roellinger in der Rue Sainte-Anne, während Liebhaber edler Tropfen unbedingt einen Stopp bei Legrand Filles et Fils in der Rue de la Banque einplanen sollten: ein hervorragend sortiertes Fachgeschäft mit zahlreichen bezahlbaren Alternativen zu den grossen Namen des internationalen Weinbusiness. Mehr wird an dieser Stelle aber nicht verraten …


CHEF DE CAVE FLORIANE EZNACK

Die junge Französin Floriane Eznack ist seit 2011 Chef de Cave beim traditionsreichen Champagner­ haus Jacquart, das nicht nur weit gereisten Champagner-Aficionados ein Begriff sein dürfte. Als eine der wenigen weiblichen Kellermeisterinnen ist sie für die Qualität und Vermarktung der circa drei ­Millionen Champagner- und Weinflaschen, die hier Jahr für Jahr produziert werden, verantwortlich. Die Leidenschaft für Spitzenweine und -champagner

4 FRAGEN

hat sie von ihrem Vater, einem ausgewiesenen Feinschmecker aus der ­Gascogne, in die Wiege gelegt bekommen. Schon früh kam sie über ihn mit vielen erlesenen Tropfen in Kontakt, für ihren ausgezeichneten Geschmacksund Geruchssinn war sie schon als Jugendliche bekannt. Mit einem Bio­chemieStudium in Paris und einem Master in Önologie in Reims hat die ­erfolgreiche Weinmacherin ihre Sinne noch weiter verfeinert und die Grundsteine für ihre steile Karriere gelegt. Bei LVMH (Veuve Clicquot, Moët & Chandon) sammelte sie später nicht nur erste Berufserfahrungen, sondern arbeitete sich gleich bis an die Spitze des Winemaker-Teams hoch. Heute behauptet sich Eznack erfolgreich in der nach wie vor männerdominierten Champagnerwelt und produziert jedes Jahr einen der besten «Brut Mosaïque» der Welt.

Frau Eznack, wie kamen Sie auf die Idee, Önologin zu werden? Eine wichtige Rolle spielte sicherlich mein Vater, der früher zusammen mit Freunden selbst Wein produziert hat. Schon als junger Teenager durfte ich immer auf Weinproben mit­ kommen und habe früh Freude daran gefunden, an den verschiedenen Tropfen zu riechen und sie wiederzuer­ kennen. Als Kind wollte ich aber eigentlich Tierärztin oder Kampfpilotin werden – es hätte also auch alles ganz an­ ders kommen können! Was braucht es alles für einen guten Jacquart-­ Champagner? Chardonnay ist die Hauptzutat, mit seiner Frische und Ele­ ganz ist er sozusagen die Seele von Jacquart. Wir mischen ihn dann mit Pinot Noir und Pinot Meunier, wobei wir über mehrere Wochen hinweg bis zu 1000 verschiedene Weine probieren müssen, um am Ende ein Topergebnis hinzube­ kommen. Zu welchem Essen passen Ihre Produkte am besten? Unser Rosé passt zum Beispiel ausgezeichnet zu Thai Food oder Ziegenkäse. Der Blanc de Blancs harmoniert hervor­ ragend mit einer Crème brûlée. Was den Champagner an­ geht, ist gar nicht immer nur Haute Cuisine gefragt. Auch zu knusprigem Schweinebauch oder Tapas passt er ganz hervorragend!

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LIVING

PURER GENUSS

TRÜFFEL Vor einigen hundert Jahren wurden Trüffel Schweinen zum Frass vorgeworfen. Heute gilt das schwarze Gold der Erde als Delikatesse und ist ein Symbol der französischen Haute Cuisine. Yvonne Beck

W

er als Feinschmecker etwas auf sich hält, muss Italien. Der Weisse Trüffel hat einen sehr starken Geruch und Trüffel servieren oder zumindest schon einmal ge- einen de­zenten Geschmack. Da der Geruch sich beim Erhitzen gessen haben. Der Trüffel ist der teuerste Speisepilz. verflüchtigt, wird der Weisse Trüffel niemals mitgekocht, sonTrüffel wachsen unter der Erde, nur an den Wurzeln dern nur bei Tisch über das fertige Gericht gehobelt. Die Saibestimmter Bäume. Da ihr Duft dem Sexualhormon der Eber son ­Weisser  Trüffel beginnt im Oktober und endet Silvester. ähnelt, sind besonders Schweine oder besser gesagt ge- Schwarze ­Trüffel findet man hingegen von Anfang Dezember schlechtsreife Säue hervorragende Trüffel­ bis Mitte März. Die besten Trüffel wachsen sucher. Diese sind jedoch nur sehr schwer zu im nord­ italienischen Piemont, es gibt sie zügeln und daher beschädigen sie beim Ausaber auch in der Emilia-Romagna, Toscana, graben der Kostbarkeit oft die Wurzelspitzen in den A ­ bruzzen und in Umbrien. Auch in des Trüffels. Oder, ist Mensch nicht schnell der Schweiz wachsen mehrere einheimische genug, verzehren sie den Trüffel gar selbst. Trüffel­arten,   die häufigste ist der Burgun­ Diese Veranlagung wurde dem Trüffelschwein der Trüffel ­(«Tuber Uncinatum»). Die Gebiete, – Emil Baschnonga – zum Verhängnis und so verwenden heute in denen Trüffel gedeihen können, sind viele Bauern speziell abgerichtete Hunde, die trockene, unfruchtbare Landschaften, kalk­ die Trüffel zwar erschnüffeln können, an ihrem oder sandhaltig und meist in der Nähe von Verzehr jedoch kein Interesse zeigen. Eichen, Buchen, Kastanien oder Haselnusssträuchern.

«Wer kein Schwein hat, muss Trüffel selbst suchen.»

Der schwarze Diamant der Küche

«In vino veritas, in tuberi fraus. Im Wein liegt Wahrheit, in Trüffeln Täuschung.»

Am häufigsten ist der «Schwarze Trüffel» oder auch «Périgord-Trüffel» anzutreffen. Er zeichnet sich durch einen intensiven Geschmack und wenig Duft aus. Der Geschmack wird auch bei starkem Erhitzen an andere Speisen weitergegeben. Daher eignet er sich vorzüglich zum Mitkochen in Fleisch-, Fisch- und Schmorgerichten. Die Königin aller Trüffel ist jedoch der «Weisse Trüffel» («Tuber magnatum Pico») aus

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Der Preis von echten Trüffeln ist sehr hoch. Ein Kilo Weisse Trüffeln kostet bis zu 9000 Euro. ­20 bis 25 Gramm (eine Portion für zwei Personen) kosten circa 40 bis 60 Euro. Bei der Schwarzen Trüffel muss man «nur» mit bis zu 1000 Euro pro Kilogramm rechnen. Der bisher teuerste Trüffel der Welt wog 1200 Gramm und wurde für 95’000 Euro ver­ steigert.


Alder

Restaurant

Das Alder-Restaurant ist eine Bodega der etwas anderen Art. Kein Geringerer als Spitzenkoch und Molekularküchenpionier Wylie Dusfresne hat hier das Sagen und serviert seinen Gästen angelsächsische Spezialitäten, die allerdings im spanischen Tapas-Format präsentiert werden. Kleinere Portionen, dafür aber mehrere Gänge – dieses Konzept scheint sich auch hier voll bewährt zu haben. So kann man dann auch gut eine BlutwurstPraline im Blätterteig nach einem hartgekochten Ei mit Hack­ fleisch-Panade geniessen, ohne dabei um seine Figur bangen zu müssen. Prämierte Spitzenweine im offenen Ausschank und experimentelle Cocktail-Kreationen sorgen für die richtige Begleitung zu jedem Gang. www.aldernyc.com

Sushi NAK AZAWA

Wir behaupten einfach mal: In diesem japanischen Restaurant im West Village von Manhattan gibt es das beste Sushi der Welt. Es soll zwar alles andere als leicht sein, eine Reservierung für einen der heiss begehrten Tische im Sushi Nakazawa zu bekommen; wer aber doch Glück hat, kann sich von dem 20-gängigen AusnahmeMenü des Küchenchefs Daisuke Nakazawa in die grosse Kunst der Sushi-Zubereitung und -Präsentation einführen lassen. Frischeste Zutaten und ein einzigartiges Wechselspiel von Farben, Texturen, Temperaturen und Aromen machen den Besuch des Sushi Nakazawa zu einer fast schon religiösen Erfahrung! www.sushinakazawa.com

Eleven Madison Park

Bereits seit 1998 spielt der Eleven Madison Park in der Champions League der internationalen Spitzen­restaurants mit. Mit drei Michelin-Sternen und einem grosszügigen und elegant eingerichteten Art-DécoSpeisesaal, dessen grosse Fenster den Blick auf das Grün des nahe gelegenen Madison Square Garden frei geben, ist das Haus nach wie vor eine der beliebtesten Adressen für Gourmets aus aller Welt. Geführt wird das edle Restaurant von Daniel Humm, der als Meister der modernen französischen Küche gilt und seinen Gästen ebenfalls gerne mehrere Amouse Bouches und überraschende Zwischengänge serviert. Bei einem Menü-Preis von 225 Dollar, das sind umgerechnet ca. 215 Schweizer Franken, darf es dann aber auch gerne ein bisschen mehr sein! www.elevenmadisonpark.com


FINE DINING IM

BIG APPLE

SPITZENLOKALE IN NEW YORK CITY Die New Yorker Gastro-Szene gilt als eine der kreativsten und vielfältigsten der Welt. Hier trifft sich nur die Crème de la Crème der internationalen Koch-Elite und wirbt mit neuartigen Konzepten und avantgardistischen Kreationen um die Gunst des anspruchsvollen New Yorker Publikums. Wir stellen Ihnen fünf der derzeit angesagtesten Läden vor. Hendrik Stary

BETONY

Das Betony ist ein modernes und stylishes amerikanisches Restaurant, das in der 57. Strasse in Manhattan, also nur einen Block von der Fifth Avenue entfernt, liegt. Mit seiner grosszügigen Glassfront und den hohen Decken ist das loftartige Lokal schon von aussen ein echter Eyecatcher. Chefkoch Bryce Shuman, der vorher Souschef im renommierten Eleven Madison Park war, hat sich hier seinen Lebenstraum vom eigenen Restaurant erfüllt und bietet seinen Gästen eine tolle Mischung aus asiatischer Fischküche und französischer Haute Cuisine – allein wegen der Foie-Gras-«Bonbons» sollte man hier mindestens einmal gewesen sein. In gediegener Lounge-Atmosphäre lässt es sich an der langgezogenen Bar ausserdem hervor­ ragend in der erlesenen Cocktailkarte blättern. Spezialität des Hauses: ein thailändischer, mit süssen Chilis gewürzter Milk Punch, der auf einem Riesen-Eiswürfel serviert wird. www.betony-nyc.com

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Bravour mit Gravur Ausgesuchte, edle Whiskys sind wunderbare Geschenke für alle, die eine genussvolle Auszeit schätzen und das flüssige Gold aus Schottland lieben. Während kurzer Zeit bietet Chivas Regal die Möglichkeit, seine Edelwhiskys in ganz persönliche Präziosen zu verwandeln. Durch eine exklusive Gravur direkt auf der Flasche entstehen persönliche Geschenke in Vollendung, die gleich mitgenommen werden können. Graveure verewigen die Botschaft auf den Whisky-Flaschen vor Ort und schaffen so einzig­ artige Grussbot­schaften, hochkarätig, hochprozentig und einmalig.

Short cuts Limited Edition

Nach der aufsehenerregenden Zusammenarbeit mit Futura und Kwas hat Hennessy Shepard Fairey eingeladen, seine eigene Hennessy Very Special Limited Edition zu entwerfen. Fairey zählt zu den wichtigsten und gefrag­ testen amerikanischen Künstlern des frühen 21. Jahrhunderts. Wahre Liebe zur Handwerkskunst und die Leidenschaft für Tradition und Innovation vereinen den Brand und den Künstler.

Zürich, Globus Bahnhofstrasse 11. bis 24. Dezember 2014 Basel Stadt, Manor 18. bis 21. Dezember 2014

Das ideale Weihnachtsgeschenk für Cigarren-Liebhaber Davidoff hat eine erstklassige Leder-Geschenkkollektion in Rot und Weiss kreiert, die Cigarren-Liebhaber weltweit begeistern wird und die die Weihnachtszeit noch feierlicher gestaltet. Die Leder-Humidore sind besonders bemerkenswert und wurden in verschiedenen Formen entworfen: als klassischer «Ambassador» und als zeitloser «Dôme». Die limitierte Edition «Office» fasst 50 Cigarren und ist in leuchtendem Scharlachrot gehalten. Sie beein­ druckt mit ihrem Design und ist gleichzeitig ein kraftvolles Statement. Dies ist kein Humidor für Schüchterne, sondern für mutige Connaisseurs mit der Kühnheit und Energie, wahrhaft originell zu sein. Ergänzt wird die Kollektion durch Feuerzeuge, Klingen-Cutter, Aschenbecher und Cigarren-Etuis.

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EINE PRODUKTION VON THOMAS DÜRR UND CLEMENS ZIPSE

t l e W e d n r e b u a z e b h c s i t s a t n a f „ Ei n e “ k i t s i t r A d n u a u s Ku l i n a r i k Basler Zeitung

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...mit einem exquisiten 4-Gang-Gourmet-Menü von Sternekoch Peter Moser

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CULINARIUM

DER TRADITIONSREICHE

WHISKEY LÜFTET SEIN GEHEIMNIS Jack Daniel’s Tennessee Whiskey ist ein reines Naturprodukt, gebraut aus frischem Höhlenquellwasser, gelagert in handgefertigten Weisseichenfässern und einzigartig im Geschmack. Ein Blick hinter die Kulissen des weltweit einzigen Produktionsstandorts von Jack Daniel’s in Lynchburg, Tennessee. Céline Bonhôte

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ie Produktionsstätte der Nummer 1 auf dem internationalen Whiskeymarkt bietet die besten Voraussetzungen für die Herstellung eines hochwertigen Naturprodukts. Der kleine Ort Lynchburg im US-Bundesstaat Tennessee bietet reines, eisenfreies Höhlenquellwasser aus den Cave Springs und ein perfektes Klima für die Reifung des Whiskeys. Kein Wunder, dass der Gründer Jasper «Jack» Daniel sich hier niederliess, um seine Destillerie zu eröffnen.

Aufgabe mit Charakter Heute wird die traditionsreiche Destillerie von Master Distiller Jeff Arnett geleitet, der als Marken­ botschafter und Qualitätsmanager die ehrenvollste Aufgabe innehält, die bei Jack Daniel’s Tennessee Whiskey ausgeführt werden kann. Seit 1886, als Jack Daniel die Destillerie in Lynchburg gründete, gab es insgesamt nur sieben Master Distiller. Jeff Arnett überwacht den gesamten Herstellungs- und Reifungsprozess des Whiskeys und ist Herr über die mehr als 70 Lagerhallen und

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knapp zwei Millionen Fässer Whiskey. Für ihn macht die Kombination des exklusiven ­ Herstellungs- und Lagerungsprozesses die hohe Qualität des Whiskeys aus. «Für das ‹Charcoal-Mellowing›-Verfahren, bei welchem der frisch destillierte Whiskey Tropfen für Tropfen durch einen natürlichen Holzkohlefilter sickert, verwenden wir nur handgefertigte Fässer aus amerikanischer Weisseiche.» Der Gentleman Jack ist der einzige Tennessee Whiskey, der diese spezielle Filterung zweimal durchläuft und dadurch bei Liebhabern für seinen «besonders sanften Abgang» bekannt ist.

Die Premium-Reihe aus dem Süden Doch der Unterschied zwischen den einzelnen Jack Daniel’s Whiskeys bildet sich erst bei der Lagerzeit von ungefähr fünf bis sieben Jahren heraus. Denn die Fässer, die in der obersten Reihe des Lagerhauses liegen, sind den ­täg­lichen Temperaturschwankungen besonders ausgesetzt. Durch diesen ­natürlichen Vorgang wird der Whiskey stark von seinem Fass beeinflusst und entwickelt sein eigenes, individuelles Aroma. Im nächsten Schritt werden die Fässer durch das Master Tasting Team geprüft, wobei nur jedes hundertste Fass seiner genauen Selektion genügt und es in die Auswahl zum Single Barrel schafft. Mit der Option «Buy the Barrel» steht zudem Liebhabern die einzigartige Möglichkeit offen, über Bacardi Martini (Schweiz) ein ganz persönliches Fass des Premium Whiskeys zu erstehen – sorgfältig ausgesucht und handsigniert durch den Master Distiller Jeff Arnett persönlich.


WUSSTEN SIE SCHON …?

Cocktail de luxe Ein echter «Sidecar» im Pariser Ritz Hotel lässt Gäste allein schon durch seinen Preis trunken werden. Der Sidecar ist ein traditioneller Cocktail, wird jedoch in der Hemingway Bar des Ritz unter anderem mit Cognac aus dem Jahr 1865 gemixt. Das führt zu einem Preis von derzeit 1350 Euro pro Drink. Noch ein bisschen teurer ist der «Ono» im Nightclub Encore in Las Vegas. Er kostet rund 7500 Euro und wird aus Louis XIII Black Pearl Cognac (Flasche circa 70’000 Euro) und 1981er Heidsieck-Champagner hergestellt.

Goldene Eiszeit Geld spielt keine Rolle? Dann ran an den Eisbecher «The Grand Opulence Sundae» im Serendipity 3 in New York City. Für 1000 Dollar bekommt man eine Kreation aus echter Tahiti-Vanille, rarer Chuao-Schokolade, exotischen kandierten Früchten, Trüffeln, Marzipan-Kirschen und weiteren geheimnisvollen Beigaben wie goldenem Kaviar. Überzogen wird das Ganze mit Blattgold. Serviert in einer Kristallschale und mit einem Goldlöffel kann hier jeder Prinzessin spielen.

Dass Katzen Kaffeebohnen veredeln, indem diese einmal durch ihren Verdauungstrakt wandern, ist hinlänglich bekannt. Aber Elefanten? Der Fermentationseffekt bleibt der gleiche, die Ausbeute ist bei einem so grossen Tier jedoch ungleich höher. Der Genuss ebenfalls: Black Ivory Coffee zählt zu den köstlichsten und teuersten Kaffeesorten der Welt. Das Entstehen des «Black Ivory Coffee» beginnt mit der sorgfältigen Auswahl von Kaffeebohnen der besten Arabica-Sorten, die in Thailand angebaut werden. Handgepflückt auf einer Seehöhe von 1500 Metern und anschliessend per Hand verlesen gelangen die Bohnen auf die Golden Triangle Asian Elephant Foundation im Norden Thailands. Die Kaffeebohnen werden dann in das Elefantenfutter gemischt und die später ausgeschiedenen Bohnen mühsam aus dem Dung geklaubt. Erst dann trocknen die Bohnen in der Sonne und werden danach geröstet. Für ein Kilogramm des gerösteten Black Ivory Coffee müssen etwa 10’000 Kaffeebohnen gesammelt werden. Ein höchst müh­ seliges Geschäft, das den hohen Preis erklärt: Ein Kilo schlägt mit etwa 850 Franken zu Buche.

Elefanten-Kaffee


Ein Hauch von goldenem

Luxus

Moët & Chandon beschliesst das Jahr 2014 ganz im Zeichen seiner langen Tradition wunderbarer Silvesterfeiern mit der Kollektion Golden Bubbly Bath – eine leuchtend-goldene Hommage an den perfekten Begleiter für die festliche Zeit.

Das Sinnbild

zeitloser französischer

Tischkultur

Was gibt es Besseres als Jahrgangschampagner? Eine Assemblage aus drei Jahrgangschampagnern wie der Grand Siècle von Laurent-Perrier. Der Genuss eines solch edlen Schaumweines ist ein ehrwürdiger Moment und soll entsprechend inszeniert werden. Deshalb hat der französische Designer Laurent Vincenti für Laurent-Perrier eine neue Aiguière entworfen. Für den stilvollen Auftritt eines edlen Tropfens.

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Filigraner Butler Perrier-Jouët entführt in einen märchenhaften Zauber­ garten, wo Champagner in den Bäumen wächst. Der Enchanting Tree ist die perfekte Kombination von filigranem Butler und Kunstwerk. Floral und märchenhaft steht er da und trägt in seinen Ästen wundersame Früchte. Wie im Märchen können filigrane Champagnerkelche vom Baum gepflückt werden, man fühlt sich wie in einem Zaubergarten. Der holländische Designer Tord Boontje hat diesen un­ gewöhnlichen Gläserbaum entworfen, gefertigt wurde er in Handarbeit vom prestigeträchtigen Atelier de Forge. Jedes einzelne Blatt und jede Blüte wurden kunstvoll von Hand geschmiedet und zusammengefügt. Der Enchanting Tree ist in limitierter Auflage erhältlich.


Gemeinsam ist es am schönsten

Damit jeder die Möglichkeit hat, mit dem Menschen seiner Wahl die Freude eines Krug Grand Cuvée zu geniessen, präsentiert das Champagnerhaus sein neues «Sharing Set». Ein Geschenk, von dem man mit etwas Glück auch was hat.

Ein

Gesamtkunstwerk

Dom Pérignon feiert den Jahres­ ausklang mit einer Special Edition des Jahrgangs 2004, kreiert von der niederländischen Mode­ schöpferin Iris van Herpen. Iris van Herpen reiht sich ein in die Liste grosser Künstler wie Jeff Koons, David Lynch und Marc Newson. Der Name Metamorphosis steht für die Metamorphose des Dom Pérignon. Die Geschenkpackung des Vintage 2004 gibt es in limitierter Auflage, signiert von Iris van Herpen. Fazit: Kunst innen und aussen!

Per Express Die vorgestanzte, faltbare Versandbox in klassischem VeuveClicquot-Gelb hat die Form eines Umschlags, der mit den Markenzeichen und dem berühmten VCP-Anker von Veuve Clicquot Ponsardin versehen ist. Vielleicht nicht die schönste Verpackung der Saison, aber praktisch allemal. Das Beste kommt beim Öffnen zum Vorschein: eine 75-cl-Flasche Veuve Clicquot Yellow Lable Brut.

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CULINARIUM

EIN KURZES GESPRÄCH ÜBER WEIN MIT

JAMES SUCKLING James Suckling, Journalist und erfahrener Weinkritiker, verkostete im Laufe seiner Karriere wahrscheinlich mehr als 150’000 Weine. Seine Veröffentlichungen und Bewertungen erscheinen weltweit in Magazinen und Zeitschriften. Yvonne Beck

PRESTIGE: Mister Suckling, wie viele Weine bewerten Sie pro Jahr ungefähr? JAMES SUCKLING: Pro Jahr degustiere ich circa 6000 bis 7000 Weine. Das ist eine ganze Menge. Was sagt Ihre Leber dazu? Oh, die muss inzwischen sehr gross sein, aber noch be­ schwert sie sich nicht und arbeitet hervorragend (lacht). Sie sind gebürtiger Amerikaner, leben jedoch schon seit einiger Zeit in Europa. Wie sind die europäischen Weine im Vergleich zu amerikanischen? Worin liegt der gravierendste Unterschied? Zurzeit lebe ich in Hongkong. Ich besitze jedoch ein Haus in der Toskana, in dem ich mich mehrere Monate im Jahr auf­ halte. Der grösste Unterschied zwischen amerikanischen

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und europäischen Weinen ist die Frische der europäischen Weine. Amerikanische Weine sind reifer und haben einen höheren Alkoholgehalt. Kurz und salopp ausgedrückt: Die Europäer sind trinkbarer. Zudem gibt es in Europa eine sehr alte Weintradition und sehr viele verschiedene Weinstile. Bei welchem Wein sehen Sie das beste Preis-LeistungsVerhältnis? Italien ist immer noch absoluter Spitzenreiter. Ganz be­ sonders im Süden Italiens, in Sizilien, gibt es Weine von Spitzenqualität. Ich liebe die Weine vom Ätna. Italien ist allgemein ein sehr spannendes Weinland. Es gibt so vie­ le unterschiedliche Regionen und Geschmäcker. Aber auch Portugal, besonders das Douro-Tal, ist eine grosse, her­ vorra­gende Weingegend. Nicht zu vergessen ist auch Frankreich. Momentan sind jedoch sehr viele Asiaten an


CULINARIUM

«The 100 points wine glass brings beauty back to wine drinking with simplicity and elegance.» – James Suckling –

französischen Weinen interessiert und das treibt die Preise in die Höhe. Aber es gibt viele grosse und gute Beaujolais, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis hervorragend ist. Und wie würden Sie die Schweizer Weine einstufen? Oh, es gibt einige sehr, sehr gute Weine in der Schweiz, aber sie sind viel zu teuer. Ich weiss, dass die Menschen hier sehr stolz auf ihren Wein sind, aber das Preis-LeistungsVerhältnis stimmt einfach nicht. Vor allem im Gegensatz zum Nachbarland Deutschland: Mosel, Pfalz, Rheingau – hier sitzen einige der weltweit besten Winzer. Trotzdem zahlt man für eine Flasche ihres Weines gerade mal 20 Euro, obwohl sie meiner Meinung nach mindestens 60 Euro wert wäre.

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CULINARIUM

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Rotweingläsern erscheint mir Ihr Universalglas jedoch sehr schmal … Mein Glas hebt vor allem die fruchtigen Aromen hervor. Breitere Gläser sollen dem Wein mehr Luft geben. Mein Glas soll den Charakter eines Weines jedoch nicht ver­ ändern. Es ist ganz simpel: Der Wein ist in der Flasche, sie schütten ihn in ein Glas – das war’s. Gläser mit extremer Form verändern den Charakter eines Weines. Hyperoxidation ist nicht immer gut für den Wein. Was macht einen guten Wein aus? Wirklich grosse Weine sind ein harmonisches Gesamt­ kunstwerk. Allen voran geht es jedoch immer um die Trink­ barkeit. Besonderen Wert lege ich auf die Verbindung der Aromen im Mund mit der Säure, den Tanninen und auf den Nachhall. Sie sind heute hier, um ein von Ihnen designtes Weinglas vorzustellen. Was ist das Besondere an diesem Glas? Als Weintester benutze ich immer dasselbe Glas. Ein uni­ verselles Glas für jeden Wein. Dieses war jedoch immer eher funktional als schön, deshalb habe ich mich entschie­ den, eine eigene Glaskollektion zu entwerfen. Schön und funktional zugleich. Wie wichtig ist es, das richtige Glas zu benutzen? Sehr wichtig. Denn erst das richtige Glas kann die volle Faszination eines Weines entwickeln. Und wenn das Glas dann noch elegant und schön ist, entwickelt sich ein per­ fektes Gesamtpaket. Und wie wichtig ist die richtige Form des Glases? Sehr wichtig, denn die Form des Glases verändert die Art und Weise, wie man Wein probiert. Die Familie Riedel ­testet seit circa 30 Jahren, wie der immer gleiche Wein in unterschiedlich geformten Gläsern schmeckt. Mein Kon­ zept ist jedoch: ein Glas für alle Weine – ein universelles Glas. Ob Rot, Weiss, Rosé, Chardonnay, Pinot Noir: Aus diesem Glas kann man alles trinken.

Ihr allerletztes Glas Wein wäre …? Gute Frage. Das ist schwierig. Mir kommt spontan der Wein in den Sinn, den ich zu Mittag hatte: ein 1989 Sassicaia. Dieser Wein war einfach grossartig. Aber es gibt so viele Weine, die ich aus vollem Herz geniesse, daher ist es schwer, einen herauszusuchen. Wir haben heutzutage eine so grosse, unterschiedliche Weinpalette. Jeden Tag kann man neue, ganz aussergewöhnliche Weinbekanntschaften schliessen. Ist momentan eine gute Zeit zum Weintrinken? Ja, es gab nie eine bessere Zeit zum Weintrinken als jetzt. Nie zuvor gab es so viele exzellente Weine auf dem Markt. Muss guter Wein immer teuer sein? Nein, es gibt Weine für circa 15 Euro, die wirklich hervor­ ragend sind. Länder wie Italien, Chile, Argentinien produ­ zieren heutzutage grandiose Weine zu guten Preisen. Wein ist für Sie in drei Worten … … Geschmack, Leidenschaft und Geschichte.

Lalique & James Suckling «100 Points» Kollektion «Schön und dennoch funktionell», so beschreibt der international anerkannte Weinkritiker James Suckling seine Glasserie «100 Points». Die Serie ist handgefertigt und verbindet modernes Design und Funktionalität, während der bewährte Stil von LALIQUE beibehalten wird. Die «100 Points» Kollektion beinhaltet die folgenden sieben Gläser: Universalglas, Bordeaux-, Burgunder-, Champagner- und Wasser­ glas sowie zwei Tumbler in unter­schiedlichen Grössen. Ein Weindekanter sowie ein Wasserkrug ergänzen das exklusive Angebot. Für alle, die etwas ganz Spezielles haben möchten, wurde zudem in Zusammenarbeit mit Salvatore Ferragamo ein Lederkoffer designt. In diesem können stilecht vier Gläser bzw. Weinflaschen sicher transportiert werden.

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«KANN DENN BUTTER SÜNDE SEIN?» HORST LICHTER

«Steaks, die weniger als 400 Gramm wiegen, sind für mich Carpaccio.»

3 FRAGEN

Horst Lichter, Butterfetischist und einer der wohl lustigsten Show-Köche, ist nach wie vor in aller Munde. Erst neulich wurde er vom deutschen TV-Publikum zum beliebtesten Fernsehkoch gewählt und mit der Goldenen Kamera 2014 ausgezeichnet. Einem grösseren Publikum ist Lichter durch die Freitagabend-Kochshows des ZDF bekannt geworden, die zuerst von Johannes B. Kerner, später dann von Markus Lanz moderiert wurden. Auch in der ­Sendung «Lafer! Lichter! Lecker!» stellte die rheinische Frohnatur mit dem ­gepflegten Zwirbelbart ihr Showtalent unter Beweis. Die Karriere des gebürtigen Nettesheimers hat allerdings vergleichsweise spät begonnen und v­ erlief anfangs alles andere als reibungslos. So hatte Lichter vor seiner Kochaus­ bildung viele Jahre im Schichtdienst als Bergmann schuften und sogar zwei Hirnschläge verarbeiten müssen. Mit der Gründung seiner ersten Gaststätte, der «Oldithek» im nordrheinwestfälischen Rommerskirchen, ging es für den Überlebenskämpfer aber wieder aufwärts: Das urige Restaurant, in dem Lichter alle Gerichte selbst in einem flämischen Kohleofen zubereitete, avancierte schnell zum Kultrestaurant. Sogar Superstars wie Mick Jagger liessen es sich nicht nehmen, dem rheinischen Urgestein beim Kochen zuzusehen. Dass die Kultkneipe mittlerweile geschlossen wurde, kann Lichter gut verkraften. Als TV-Koch, Autor, Comedian und Lebenskünstler ist er heute ­gefragter denn je.

Sie sind mittlerweile auch als Show-Koch auf Tour und füllen die grossen Hallen. Macht Ihnen das mehr Spass als das Kochen im kleinen Rahmen? Mir macht beides grossen Spass. Vor mehreren Tausend Leuten aufzutreten, ist aber natürlich schon etwas ganz Besonderes. Da steigt sogar bei mir das Lampenfieber ins Unermessliche! Sie haben alles erreicht, wovon Sie je geträumt haben. Was haben Sie in Ihrem Leben jetzt noch vor? Da das Leben so kurz ist, möchte ich es einfach nur ­geniessen. Mit Freunden, gutem Essen, viel Spass und ­Gelächter. Die Sendung «Lafer! Lichter! Lecker!» ist bekannt für die witzigen, manchmal etwas spitzen Dialoge. Gibt es ein Skript oder entstehen diese völlig spontan? Nein, es gibt kein geschriebenes Drehbuch. Es werden live 45 Minuten aufgezeichnet. Und alles, was in dieser Zeit passiert, ist spontan. Ich versteh’ mich privat mit Johann Lafer übrigens sehr gut. Diese Zankerei im TV ist nur mög­ lich, wenn man gut befreundet ist und sich respektiert.

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SPEZIALISIERUNG IST DER TREND

SWISS ASSET MANAGEMENT Die Bilder, die wir medial kommuniziert bekommen, sind sehr unterschiedlich und widersprüchlich. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen pendeln zwischen Schwarz und Weiss, zwischen Lichtblicken und trüben Aussichten. Was bedeutet dies für unsere Anlagestrategien? Nach einem einleitenden Beitrag veröffentlichen wir ein Interview mit zwei Schweizer Experten.

N Bernhard Bauhofer

och vor zwei Jahren prophezeiten einige Analysten den Untergang der ­Eurozone. Heute kommen frühere Sorgenkinder wie Irland und Spanien langsam aus dem ökonomischen Jammertal heraus, die Wettbewerbs­ fähigkeit steigt wieder. Allerdings wird das Tempo des Wachstums in der Eurozone wegen des schwachen Kreditwachstums und der ungelösten Strukturprobleme oder der hohen Arbeitslosigkeit, beispielsweise in Frankreich, sehr bescheiden ausfallen.

Manchmal meldet sich eine Kassandra mit einer Botschaft, die man aus ihrem Munde nicht erwartet hatte. Droht in 2015 eine globale Rezession, nachdem die IWF-Chefin Christine Lagarde für das kommende Jahr ein trübes Bild der weltwirtschaftlichen Entwicklung gezeichnet hat? Die Erholung verlaufe «enttäuschend» und die Wachstumsaussichten seien schlechter als noch vor ­einem halben Jahr angenommen. Der Aufschwung sei «zerbrechlich, ungleichmässig und mit vielen Risiken belastet». Schwäche präge das Bild der Weltwirtschaft – auch weil zahlreiche Länder noch immer an den Folgen der Finanzkrise vor sechs Jahren zu leiden hätten. Auf der anderen Seite

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übernehmen die USA, die weltgrösste Volkswirtschaft, nach und nach wieder die Rolle der Konjunkturlokomotive. Auch die britische Wirtschaft gewinnt an Robustheit. Demgegenüber ist der starke deutsche Motor etwas ins Stocken geraten. Was bedeuten diese durchzogenen Aussichten für die Kapitalmärkte, die Kundenvermögen und die mit deren Verwaltung betrauten Spezialisten?

Das Wachsen der Vermögen Da die Entwicklung der Kapitalmärkte oft nicht synchron mit der globalen Konjunktur und den Strukturkrisen verläuft, bedeutet dieses Szenario nicht automatisch eine schlechte Nachricht für die Vermögen der Reichen und ­Superreichen dieser Welt, zumal der jährlich erscheinende «World Wealth Report» einen anhaltenden Wachstumstrend bei Kundenvermögen aufzeigt. Eine aktuelle Studie der Credit Suisse prognostiziert einen rasanten Anstieg der privaten Vermögen auf 369 Billionen Dollar bis 2019, was einem Anstieg von 40 Prozent entspräche. Auch in 2013 ist das weltweite Vermögen insgesamt um 14,6 Prozent gestiegen. Das Gros des Anstiegs ist den Renditen aus bereits bestehenden Investitionen zu verdanken – vor allem das Aktienvermögen stieg dank der weltweiten Hausse an, insgesamt um 28 Prozent. Die Schweiz hatte mit einer Aktienquote von 38,4 Prozent und einem Vermögenswachstum von 10,4 Prozent eine besonders erfreuliche Entwicklung zu verzeichnen. Auch wenn die Zahlen noch ausstehen, ist auch für 2014 ein Anstieg der Vermögen wahrscheinlich.

einer verlangsamten Wirtschaft, niedrigen Zinsen und niedrigen Renditen auf das Eigenkapital zeigt, dass ihr lange Jahre funktionierendes Geschäftsmodell nicht mehr zukunftsfähig ist. Besonders prekär ist die Situation für die zusätzlich vom Steuerstreit mit den US-amerika­ nischen Behörden betroffenen Schweizer Institute (Vergleiche das nebenstehende Interview mit Christian Hintermann von KPMG).

Die neue Macht der Vermögensverwaltung

Was erwartet uns in 2015 angesichts dieser sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen? Geht die Aktien-Hausse nach einer Konsolidierungsphase weiter, oder erleben wir umgekehrt einen massiven Einbruch der Kurse? Welche Auswirkungen hat die prognostizierte, lang anhaltende Abkühlung der Weltwirtschaft auf die Kapitalmärkte und das Verhalten der Anleger? Gerade wenn die Weltkonjunktur lahmt, sind die Vermögensverwalter gefordert, aus bestehenden Vermögen einen optimalen Ertrag zu erwirtschaften. An diesem Punkt zeigt sich der wahre Experte, genauer: trennt sich die Spreu vom Weizen.

Doch damit nicht genug: Beim Buhlen um die ­prosperierenden grossen Vermögen wächst die Bedeutung sogenannter Single oder Multi Family Offices, welche sich als unabhängige Vermögensverwalter für besonders vermögende Familien ­positionieren. Mit ihnen ist den klassischen Privatbanken eine ernst zu nehmende Konkurrenz ent­ standen. Gemäss einer Befragung von 75 Anbietern in Deutschland und der Schweiz investieren F ­ amily Offices breit über verschiedene Anlageklassen. Family Offices, von denen es in der Schweiz über 300 Anbieter gibt, geniessen im Vergleich zu den unter den ständig zunehmenden Regulierungen ächzenden Banken noch eine grosse Freiheit. Unter dem Primat des Kapitalerhalts sind neben Sachwerten die Aktienfonds eine beliebte Anlageklasse in der Anlagepolitik der Family Offices. In Ergänzung dazu halten die Verantwortlichen Ausschau nach Innovationen. Die Wandelanleihe hat hier bislang ihr mögliches Potenzial noch nicht ausgeschöpft (Vergleiche das folgende Interview).

Blockierte Experten

Grosse Potenziale im Asset Management

Leider sind viele Vermögensverwalter in dieser historischen Situation blockiert. Die Erklärung ist banal. Viele Schweizer Vermögensverwalter sind mit sich selbst beschäftigt. Aufgrund der Nachwirkungen der Finanzkrise von 2008 und der zunehmenden Regulierungen, als Folge davon, stehen die klassischen Banken, Privatbanken und unabhängigen Vermögensverwalter vor einer herausfordernden Zukunft. Der Cocktail aus erhöhter Regulierung,

Nachdem das Private Banking durch den Weg­ fall des Bankgeheimnisses empfindlich getroffen wurde, liegen die Hoffnungen am Schweizer Finanz­ platz auf dem Asset Management. Die Schweizerische Bankiervereinigung und die Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA haben

AgaNola – der Pionier für Wandelanleihen AgaNola ist ein unabhängiger, inhabergeführter und spezialisierter Schweizer Vermögensverwalter, der institutionellen und vermögenden privaten Kunden sophistizierte und massgeschneiderte Produkte und Beratung anbietet. Stefan Hiestand, der Gründer und CEO, ist ein Pionier im Bereich Wande­l­ anleihen und innovativer Anlagestrategien. AgaNola erfüllt alle Anforderungen an Compliance, Governance und Risiko-Management vollumfänglich. AgaNola bietet Kunden «Das Beste aus beiden Welten» – die hohe Service­ qualität und Nähe eines inhabergeführten Unternehmens kombiniert mit einem proprietären, systematischen Anlageprozess. AgaNola ist von der Aufsichtsbehörde FINMA als Vermögensverwalter für kollektive Kapitalanlagen (KAG) reguliert und erfüllt alle Richtlinien seitens der Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA.

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«Best of Both Worlds» – Unternehmertum und Management

­ s sich zum Ziel gemacht, den Schweizer Standort e zu forcieren. Obwohl die Schweiz im internationalen Vergleich mit einem Volumen von über 675 Mrd. Franken zu den grössten Absatzmärkten zählt, stammen die dominierenden Anbieter hierzulande  aus dem Ausland. Während der Branchen­gi­gant BlackRock Ende 2012 Gelder in Höhe von 3200 Mrd. Franken betreute, waren es bei den Grossbanken UBS 581 Mrd. Franken und bei der CS knapp 372 Mrd. Franken. Um nicht den Anschluss zu verlieren, muss sich das Schweizer Asset Management neu erfinden, weiterentwickeln und mit Innovationen aufwarten.

Potenziale nutzen und Werte leben Kleinere Anbieter ergreifen vermehrt die Chance, über eine Nischenpositionierung und Spezialisierung ihr Stück vom wachsenden Kuchen der Vermögensverwaltung abzuschneiden. Ein Beispiel hierfür ist die in 2007 gegründete und in Pfäffikon/ Schwyz domizilierte AgaNola AG. In einem Interview mit Stefan Hiestand, CEO, und Joe Bättig, Verwaltungsratspräsident der AgaNola AG, verdeutlichen wir diese Potenziale.

Was sind die Erfolgsfaktoren im Asset Management? STEFAN HIESTAND: Der Trend geht hin zur Spezialisierung, zur Schärfung des eigenen Profils und Angebots in der ­weiten, undifferenzierten Asset-Management-Landschaft. Institutionelle Kunden wie Pensionskassen und immer mehr private Vermögende halten gezielt Ausschau nach einem spezialisierten Anbieter mit einem entsprechenden Leistungsausweis und einer langjährigen Erfahrung. Das ist unsere Chance. Wie geht man als kleinerer Anbieter mit der zu­neh­ menden Regulierung um? JOE BÄTTIG: Regulierungen sind wichtig für den Schutz des Kunden und seines Vermögens. Wir unterstützen jegli­ che Forderungen seitens der Aufsichtsorgane und erfüllen die gesetzlichen Anforderungen vollumfänglich. Im institu­ tionellen Bereich leisten Pensionskassen einen volkswirt­ schaftlichen Beitrag zur Sicherung der Altersvorsorge. Die Lebenserwartung der Menschen steigt weiter an und ent­ sprechend ist die Vermögens- und Vorsorgeplanung für die Zeit nach der Arbeit wichtig. Ein strategisches Risikoma­ nagement sowie eine nachhaltige Performance haben hier höchste Priorität.

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Wie behauptet sich AgaNola im Wettbewerb um grosse Anlagevermögen? STEFAN HIESTAND: Als Nischenanbieter bringen wir all die Voraussetzungen mit, um im Wettbewerb mit den grossen Anbietern bestehen zu können. Dies betrifft die Anforderungen der Regulierungs- und Aufsichtsorgane, die Qualität der Produkte sowie die Professionalität und Systematik in den Anlageprozessen. Wir differenzieren uns durch eine hohe Kundenorientierung, Spezialisierung, Agi­ lität und unternehmerisches Handeln. In den Bereichen, in denen wir operieren, zählen wir zu den Besten. Gibt es eine grundlegende Anlage-Empfehlung? STEFAN HIESTAND: Das Rezept liegt auch in 2015 in der Diversifizierung. Unabhängig von der Entwicklung der Märkte gehören Wandelanleihen im Umfang von drei Pro­ zent bis 15 Prozent in jedes Portfolio. Mit der Option, Obli­ gationen in Aktien zu wandeln, bieten sie Anlegern «Das Beste aus beiden Welten». Wie konkret managt AgaNola die Risiken, ohne dabei die sich auftuenden Chancen ausser Acht zu lassen? STEFAN HIESTAND: Unsere Core-Produkte wie beispiels­ weise der Aktienfonds Systematic Equity Switzerland sind durch einen systematischen, risikokontrollierten Ansatz gemanagt. Bei AgaNola verbessern wir mit einer durch­ dachten Systematik und einer stringenten Risikokontrolle das Risiko-Rendite-Profil einer passiven Strategie. Im Falle von Systematic Equity Switzerland erfolgt dies mit einer optimierten Risikoreplikation des Index und einer aktiven Titelselektion, die von der strikten Nachbildung des Index abweicht. Unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren wird so ein risikooptimiertes Portfolio konstruiert, das hö­ here erwartete Renditen bei denselben erwarteten Risiken

Was sind Wandelanleihen? Als komplex wahrgenommen – doch einfach zu erklären. Eine Wandelanleihe (englisch Convertible) ist eine Unternehmensanleihe mit einer Option, die dem Halter erlaubt, die Obligation jederzeit in eine bestimmte Anzahl konventioneller Aktien des emittierenden Unternehmens zu wandeln, sprich zu konvertieren. Wandelanleihen bringen aktien­ ähnliche Erträge, aber mit viel weniger Risiko als der direkte Besitz konventioneller Aktien. Sie werfen Zinsen ab und erstatten bei Fälligkeit das Kapital zurück und schützen so den Investor nach unten, wenn sich die unterlegte Aktie ungünstig entwickelt. Wie andere Unternehmensanleihen zahlen auch Wandelanleihen einen festen Zins und haben ein Fälligkeitsdatum. Wandelanleihen sind in Muster-Portfolios institutio­ neller Berater oft noch unterrepräsentiert, obwohl der globale Markt für Wandelanleihen (550 Milliarden USD) genügend gross ist und entsprechend spezialisierten Managern Gestaltungsspielraum für breit diversifizierte Portfolios einräumt.

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aufweist. Die verwendete Strategie des Systematic Equity Switzerland erzielt seit fünf Jahren überdurchschnittliche Renditen, weil der Ansatz theoretisch fundiert ist, um­ fassend geprüft und in einer disziplinierten Art und Weise umgesetzt wird. Auch hier bieten wir nach dem Prinzip «Das Beste aus beiden Welten» ein Optimum zwischen ­aktiven und passiven Konzepten. Darüber hinaus sind wir agil und schlagkräftig, um Marktbedürfnisse frühzeitig zu erkennen und über innovative, spezialisierte Angebote ­darauf zu antworten. Welchen Werten fühlt sich AgaNola verpflichtet? JOE BÄTTIG: Werte sind in dieser schwierigen Zeit für unsere Branche besonders wichtig. Ich bin der Überzeu­ gung, dass in der von grosser Unsicherheit geprägten Welt die klassischen Werte wie Solidität, Stabilität, Ausgereift­ heit und Berechenbarkeit für institutionelle wie private Kunden von ungebrochener Bedeutung sind. Durch unse­ ren Standort in der Schweiz mit der weltweit einzigartigen politischen und wirtschaftlichen Stabilität sind wir mehr denn je attraktiv für institutionelle Anleger. Bei der unter­ nehmergeführten AgaNola verkörpern wir diese Werte ­authentisch. Wo sehen Sie für Anleger Lichtblicke in 2015? STEFAN HIESTAND: Wir Menschen neigen dazu, Dinge zu schön oder zu schlecht zu reden. Auch im zweifellos schwierigen Umfeld sehen wir durchaus Silberstreifen am Anlagehorizont. Wir haben Produktivitätssteigerungen in verschiedenen Regionen. Die US-Wirtschaft stellt wieder Arbeitskräfte ein. Die Verschuldung in den Euro-Staaten wird weiter abgebaut. Trotz der strukturellen Krisen sehen wir Potenziale. Auch in den Emerging Markets, wo wir uns zunehmend positionieren, sehen wir Chancen. Was besagt Ihr Slogan «Converting Values into Per­ formance»? JOE BÄTTIG: Wir setzen Werte in Leistung um. Das bezieht sich einerseits auf die Anlagegelder, die uns anvertraut werden; hier streben wir eine nachhaltige Performance an. Andererseits besteht unser Auftrag bei den weichen Wer­ ten darin, aus den menschlichen Werten, Qualifikationen und Beziehungen mit Kunden und anderen Stakeholdern ein optimales Ergebnis für alle Beteiligten zu erzielen. Zu­ sätzlich schwingt im Slogan auch «Convertibles» mit. Wir sind die Spezialisten für Wandelanleihen – aber eben auch mehr.


STEFAN HIESTAND ist CEO und Gründer der AgaNola AG, verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche und ist ein international anerkannter Experte im Bereich Wandelanleihen. In den Jahren 1993 bis 2007 war er bei Jefferies (International) Ltd. in London als Managing Director tätig. 1994 gründete er Jefferies (Switzerland) Ltd. und wurde zugleich zum CEO ernannt. Gleichzeitig wurde er mit dem Aufbau des Asset Managements von Wandelanleihen betraut, welches bis zum Jahr 2007 über Kundenvermögen von 3,5 Mrd. Franken verfügte. Im Jahr 2000 wurde er mit dem Vorsitz des Verwaltungs­ rates betraut. Davor war er bei J. Henry Schroder Bank, Citigroup und bei der Nat­ West-Gruppe in leitenden Positionen tätig.

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JOE BÄTTIG ist Verwaltungsratspräsident der AgaNola und blickt auf mehr als 30 Jahre Erfahrung im Versicherungsbereich zurück. Der diplomierte Mathematiker promovierte 1980 an der ETH Zürich. Von 1980 bis Anfang 2014 hatte Bättig diverse Top-Management-Positionen bei führenden Versicherungsgesellschaften inne, davon lange Jahre bei der Zurich Group. Er präsi­ dierte diverse Branchenverbände und -organisationen und setzte sich für eine qualitative Verbesserung der Ausbildung im Finanzbereich ein.

Die Bank der Privat- und Geschäftskunden Basel, Fribourg, Genf, Lausanne, Locarno, Lugano, Neuchâtel, Sion, Zürich www.cic.ch


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ARIANE DEHN

GUTE AUSSICHTEN FÜR INTERNATIONALE IMMOBILIENAKTIEN Wir von Henderson Global Investors glauben, dass aus fundamentaler Sicht immer noch gute Gründe für Immobilien als Anlageklasse sprechen. Unter den Bedingungen längerfristig niedriger Zinsen suchen viele Anleger weiter nach Möglichkeiten, laufende Erträge zu erzielen. Im Unterschied zu Anleihen bieten Immobilien das Potenzial für steigende Ertragsflüsse. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 7,8 Prozent haben Immobilienaktien in den letzten zehn Jahren sowohl Aktien als auch Anleihen in den Schatten gestellt. Im laufenden Jahr hat der Sektor ebenfalls eine gute Performance gezeigt und insgesamt besser abgeschnitten als Aktien.1 Die typischen Merkmale von Immobilien – hohe, stabile Erträge gepaart mit dem Potenzial für langfristigen Wertzuwachs – spiegeln sich in der Performance von Immobilienaktien wider. Die kurzfristige Volatilität dieser Papiere verglichen mit physischen Immobilien wird auf lange Sicht durch höhere Renditen, Diversifikation, professionelles Management, bessere Liquidität und niedrigere Transaktionskosten wettgemacht. Die attraktiven Ertragsrenditen der Anlageklasse basieren vor allem auf Dividendenrenditen, die höher sind als die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen und obendrein noch steigen. Nachdem sie das Jahr über meist sehr gut ge­laufen waren, schnitten REITs (Real-EstateInvestment-Trusts) im dritten Quartal 2014 weltweit schwächer ab. Wir halten diese Sorgen jedoch mit Blick auf REITs für übertrieben. Schliesslich ist der Abstand zwischen den Ertragsrenditen von Immobilienanlagen und den Renditen von Staatsanleihen im langfristigen Vergleich immer noch gross.

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Zudem bedeutet ein Zinsanstieg zwar, dass Anleger anderswo vielleicht höhere Renditen erzielen können, doch wir wissen aus früheren Erhöhungszyklen, dass die Renditen an den Immobilienmärkten in der Regel nicht mit einem Anstieg auf höhere Zinsen reagieren. Im Gegenteil, sie tendieren in solchen Phasen eher etwas nach unten, da steigende Mieten das Interesse der Anleger schüren. Ein noch bedeutenderer Aspekt ist jedoch, dass steigende Zinsen auch wirtschaftlich bessere Zeiten verheissen. Für REITs dürfte das vorteilhaft sein, da eine lebhaftere Konjunktur die Nachfrage nach Immobilien stärkt und damit auch zu höheren Mieten und Auslastungsquoten führt.

«Im Unterschied zu Anleihen bieten Immobilien das Potenzial für steigende Ertragsflüsse.» Die Positionierung des Henderson Horizon Global Property Equities Fund konzentriert sich auf die drei Kernsektoren Einzelhandels-, Büro- und Gewerbeimmobilien. Auf sie entfallen zusammen rund zwei Drittel des Benchmark-Universums. Die Übergewichtung Nordamerikas (55 Prozent mit Stand vom 30.10.2014) war für den Fonds in diesem Jahr vorteilhaft. Kleine und mittlere Unter­ nehmen sind dort oft besonders interessant. Wir versprechen uns von US-amerikanischen REITs für 2014 ein Ertragswachstum von rund acht Prozent und ein Dividendenwachstum von zehn Prozent. Die Region Asien-Pazifik war in unserem Portfolio untergewichtet. Da die japani­ schen Immobilienentwickler einen Teil der hohen Zuwächse, die sie im Vorjahr verbucht hatten, wieder abgeben mussten, hatte das einen positiven Effekt. Die Gewichtung Europas haben wir im Jahresverlauf erhöht (auf 17 Prozent).

1 Anmerkungen Thomson Reuters DataS tream, MSCI, S & P Citigroup, Henderson Global Investors. Stand 30. 9. 2014. Gesamtrendite in USD. Sofern nicht anders angegeben, stammen die Fondsdaten von Henderson Global Investors. Stand: 30. 9. 2014. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Erträge.


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RETO RINGGER

WIE SIEHT DER FUSSABDRUCK MEINES VERMÖGENS AUS? Geld hat eine Wirkung. Man kann es gezielt in Unternehmen wie Nestlé, UBS oder Google investieren. Aber auch angelegt in einen Fonds entfaltet es eine Wirkung. In diesem Fall erfahren wir zwar viel über die Rendite unserer Anlagen, aber meist wissen wir nicht genau, wohin unser Geld fliesst und was es dort bewirkt. Alles, was uns die Bank darüber erzählt, steht im Depotauszug am Ende des Monats – und darauf steht kein Wort über die Wirkung unseres Vermögens.

Ein positiver Fussabdruck macht ein Portfolio widerstandsfähig für die Zukunft. Die Methode des Footprints erfasst nämlich nicht nur kurzfristige ökonomische Risiken, sondern auch ökologische oder gesellschaftliche. Solche Zukunftsthemen, die noch zu wenig auf dem Radar sind, sind für die langfristige Wertent­ wicklung der Anlagen entscheidend.

Doch die Welt ist nicht nur ein Marktplatz, sondern auch ein Lebensraum – und Geld ist mehr als bloss Rendite. Viele Anlegerinnen und Anleger möchten heute wissen, was ihr Vermögen in der Welt bewirkt. Dazu hat mein Haus, die Globalance Bank, ein Instrument entwickelt: den Portfolio Footprint, den Fussabdruck des An­ legers. Er zeigt auf, welche Teile des Portfolios eine positive, welche eine negative Wirkung haben.

Eines dieser Themen ist die Energiewende. Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft, sie werden die fossilen Energieträger früher oder später verdrängen. In Peking beispielsweise sollen Kohlefabriken bis 2020 verboten werden. Das Trügerische dabei ist aber: Momentan sind die Aktien der etablierten grossen Energie­ firmen hoch rentabel. Niemand weiss, wie lange diese Firmen noch Gewinne schreiben.

Positiv oder negativ kann zum Beispiel bedeuten: Was tut die Firma, deren Aktien der Anleger besitzt, für gesellschaftliche Herausforderungen wie Ernährungssicherheit oder Gesundheit? Ist das Unternehmen vorbereitet auf die Energie­ wende? Mit welchen Innovationen begegnet es dem technologischen Wandel? Wie sieht es aus, wenn der Fussabdruck eines Portfolios untersucht wird? Springen wir in die Praxis und beleuchten wir das Vorgehen an zwei Beispielen. Die Chemie AG belastet die Umwelt mit giftigen Stoffen und externalisiert Umweltkosten an die Allgemeinheit. Die Aktien der ABB weisen hingegen einen positiven Footprint auf. ABB ist aktiv in Erzeugung, Transport und Verteilung von erneuerbaren Energien – beispielsweise produziert die Firma

batteriebetriebene Trolleybusse in Genf oder energiesparende Gebäude­ technik in Deutschland.

«Ein positiver Fussabdruck macht ein Portfolio widerstandsfähig.» Werden die festgelegten Klimaziele aber um­ gesetzt, sitzen die Energiefirmen auf Öl- und Kohlereserven, die zum Grossteil nicht mehr verbrannt werden dürfen. Ihre Aktien werden an Wert verlieren, es könnte eine regelrechte Blase platzen. Das finanzielle Risiko, in Öl und Kohle zu investieren, ist zu gross geworden. Diese Sek­ toren erhalten einen negativen Fussabdruck. Der Footprint ist keine Erfindung cleveren Marke­ tings. Im Gegenteil: Als Treuhänder des Ver­mögens unserer Kunden sind wir überzeugt, dass Themen wie Umwelt, Ressourcenknappheit oder soziale Entwicklungen immer relevanter für Anlageent­ scheide werden. Der Footprint hilft uns und unseren Kunden, künftige Risiken zu eliminieren.

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EVI GIANNAKOPOULOS

WANN KOMMT DAS GROSSE UMDENKEN…? Evolution ist ja ein ständiger Anpas­ sungsprozess zwischen Mensch und Umwelt. Aber derzeit verändert sich die Umwelt so rasant, dass unsere evolutionäre Entwicklung keine Chance hat mitzuhalten. Viele Berufstätige leiden an psychi­ schen Belastungen, Burnouts häufen sich. Man sagt, die Zukunft wird noch stressiger, der Arbeitsrhythmus noch schneller, die Komplexität und Intensität noch mehr zunehmen. Nicht nur die Menge, auch die Vielfalt der zu bewältigenden Aufgaben steigt an. Hinzu kommen Meetings, Präsentationen, Ab­ stimmungen mit Kollegen, Terminplanung oder ständige Unterbrechungen im Arbeitsflow. Als Inhaberin von stress away ® in Zürich mit langjähriger Berufserfahrung und Spezialisierung auf Stressbewältigung und Burnout-Prävention bin ich damit in meinem beruflichen Alltag konfrontiert. Der Mensch hat nur beschränkte Ressourcen. Er ist keine Maschine. Wir können uns nicht klonen, um die Produktivität voranzutreiben. Wir können uns nicht unbegrenzt aufputschen. Aus diesen Gründen stehen wir vor dem grossen Umdenken. Unternehmen und ihre Führungsspitzen sollten erkennen, dass bei all den Talenten, die sie stets suchen, das Potenzial schon in ihrer Firma arbeitet und nur noch richtig gefördert werden will. Das permanente externe Auswechseln führt in Sackgassen. Weiter empfiehlt sich, die Komplexität der Arbeitsprozesse bestmöglich zu vereinfachen und den Mitarbeitenden klare Visionen und Werte vorzuleben. Vertrauen hat mit «trauen» zu tun. Über 67 Prozent der Schweizer Angestellten machen Dienst

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nach Vorschrift. 19,5 Prozent haben bereits innerlich gekündigt. Wenn man von Kostenoptimierung spricht, sollte man auch dieses brachliegende Potenzial mit einberechnen. Das sind Beträge in Milliardenhöhe, die Unternehmen verlieren, wenn sie die Ressource Mensch zu wenig berücksichtigen. Mitarbeiterpflege spart Kosten. Das Hamsterrad ist für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Pyramidenbau ge­ worden. Sie fühlen sich versklavt durch viel Verantwortung und Mengen von Arbeit und doch zu wenig Kompetenzen, Mitspracherecht oder Wertschätzung. Höchstleistungen und Effizienzsteigerung können erreicht werden, wenn man bereit ist zu kooperieren. Vertrauen schaffen bedeutet, die Menschen, die man führt, auch ernst zu nehmen, sich für ihre Anliegen einzusetzen, sie und ihre Ideen aufzugreifen. Gute Führungskräfte überzeugen durch ihre Beziehungsfähigkeit, Empathie und Selbstrefle­ xion – Fähigkeiten der Emotionalen Intelligenz.

«Gute Führungskräfte überzeugen durch ihre Beziehungsfähigkeit.» Diese Führungspersönlichkeiten können sich achtsam in ihre Mitarbeitenden hineinversetzen und interessieren sich, was sie bei der Arbeit bewegt, um sie darin konstruktiv zu unterstützen. Vertrauen kann man nicht schönreden oder in Leitbildern diktieren – es wirkt nur, wenn Ehrlichkeit spürbar ist. Werden weiterhin Kader gefördert, die fachliche Qualifikationen auf­ weisen und nur selbstbezogene, kurzfristige Karriereinteressen hegen, wird dieses Un­ gleichgewicht die Schweizer Wirtschaft und das Sozialwesen in Zukunft noch mehr kosten.


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RUHIGE ZEITEN SIND VORBEI DIE PERFORMANCE SCHWEIZER PRIVATBANKEN

Swiss Private Banking ist in die Schlagzeilen gekommen. Gerade kleine Player sind in Schwierigkeiten und verschwinden in Teilen vom Markt. Demgegenüber profitieren einige grössere Marktteilnehmer. Georg Lutz

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as Stichwort Konsolidierung hört sich harmlos an. Wenn aber von einem Drittel der Privatbanken die Rede ist, die Verluste schreiben, hört sich das schon anders an. Die Bandbreite der Einschätzungen ist weit. Wie sind die Schweizer Privatbanken aufgestellt? Wir führten dazu ein Interview mit Christian Hintermann, der Partner M& A Financial Services bei KPMG Schweiz ist.

PRESTIGE: Auf der Veranstaltung «Performance of Swiss Private Banks» Ihres Hauses wurden aus meiner Sicht die Dimensionen der Umwälzungen deutlich. Man kann hier nicht mehr nur über Herausforderungen sprechen. Turbulenzen sind wohl das bessere Stichwort. Sie sprechen von «Success and failure in the new normal». Wie sieht diese ungemütliche Normalität aus? CHRISTIAN HINTERMANN: Die Profitabilität ist in den letzten Jahren gesunken. Der Pro­ zess begann im Zeichen der Finanzkrise im Jahr 2008, die ja gleichzeitig mit einigen ­Finanzskandalen verknüpft war. Zudem gab es den Zusammenbruch der Lehman Brothers. Das sind nur wenige Stichworte, die einen Vertrauensverlust der Branche einläuteten. Dazu kommt politischer Druck von der OECD und einzelnen Ländern, wie den USA, was das Thema Steuerehrlichkeit betrifft. Im Nachgang zur Finanzkrise wurden die regulatorischen Massnahmen verstärkt, insbesondere im Bereich von Cross Border Banking. Einerseits sind die Erträge gesunken, da die Kunden sehr viel konservativer und misstrauischer geworden sind, und andererseits haben wir es mit einem Anstieg der Kosten zu tun. Grund ist eine höhere Komplexität. Dazu konnten auch die Personalkosten nicht gesenkt werden. Das ist eine echte Zwickmühle. Inzwischen lichten sich die Reihen. Die Anzahl der Banken schrumpft. Sie sprechen in Ihrer Studie von einem Drittel der Privatbanken in der Schweiz, die Verluste schreiben. Ja, das ist die Konsequenz aus den geschilderten Vorgängen. Viele Banken agieren schlicht nicht mehr profitabel. Viele Verantwortliche stellen sich die Frage, ob es im ­Rahmen dieser neuen Normalität überhaupt möglich ist, ein profitables Geschäft zu be­ treiben. Auch viele ausländische Banken haben in den letzten Jahren den Schweizer Markt verlassen. Wirtschaftstheoretisch geht das in Richtung einer Zerstörungswelle à la Schumpeter. Sie haben das auf der Medienveranstaltung mit dem Sprichwort «Es trennt sich die Spreu vom Weizen» zusammengefasst. Wer steckt denn hinter dem ­Weizen? Grössere Player können sich besser auf die neue Situation einstellen. Es ist ihnen ge­ lungen, die Kosten besser im Griff zu behalten. Zudem haben sie die Ressourcen, sich auf die zusätzlichen regulatorischen Massnahmen und den externen Druck einzustellen. Es gelingt ihnen auch tendenziell eher, neue Kunden zu akquirieren. Wo kommen diese neuen Kunden her, wenn sich der Markt doch so konservativ entwickelt hat? In erster Linie kommen die Kunden aus den Schwellenländern, die in den letzten Jahren im Vergleich, beispielsweise zur EU, eine bessere volkswirtschaftliche Performance ent­ wickelt haben. Die Treiber des Marktes kommen aus Asien, dem Mittleren Osten oder Südamerika. Die Akteure haben ein Kundenportfolio, für das der Schweizer Markt sehr interessant sein kann. Die Zeit ist reif für das Agieren. Die Zeit des reinen Reagierens ist vorbei.

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«Die hohe Geschwindigkeit, in der die Anpassungen in der Finanzbranche erbracht werden müssen, gleicht der aus der IT-Branche.» Kommen wir nochmals zum schwierigen volkswirtschaftlichen Umfeld in Europa. Trotz niedrigster Zinsen sitzen die Leute auf dem Geld. Investiert wird kaum. Obwohl einige volkswirtschaftliche Daten in Europa seit einigen Jahren wieder deutlich nach oben zeigen. Wie lässt sich die Situation aus Ihrer Sicht skizzieren? Das ist eine schwierige Situation. Fast alle Banken haben gehofft, dass wenn die Märkte wieder robuster, auch die Kunden wieder aktiver werden würden. Das würde dann auch die Erträge wieder erhöhen. Dieses positive Szenario ist so nicht eingetreten. Bei vielen Anlegern sitzt der Schock der Finanzkrise immer noch tief. Viele haben daher auch die positiven Entwicklungen an den Börsen, die in den letz­ ten zwei Jahren zu beobachten waren, verpasst und er­ warten jetzt wieder einen Rückschlag. Für viele sind die Bewertungen schon wieder zu hoch. Die konservativen Handlungsoptionen prägen immer noch das Gesamtbild. Aber auch die Bankverantwortlichen agieren bisher kaum. Sie reagieren nur. «Die Hoffnung stirbt zuletzt» scheint das Motto zu sein. Ich habe den Eindruck, viele Verantwortliche agieren wie das Kaninchen vor der Schlange. Trifft das zu und, wenn ja, was steckt da­ hinter? Es ist einfach, von aussen dieses passive Verhalten zu kri­ tisieren. Es ist aber richtig, dass passive Verhaltensweisen die Situation prägen. Viele Banken reagieren nur und kommen kaum in einen aktiven Modus. Es gibt aber auch Verant­ wortliche, die sich der schwierigen Situation stellen und versuchen, neue Modelle zu entwickeln.

Situation, in der man als Bank weit entfernt von dem Punkt ist, an dem man eigentlich sein sollte. Das Ausmass der Veränderung ist aber gross, da das gefahrene Modell noch vor wenigen Jahren sehr erfolgreich war. Eine Herausforderung wurde hier noch nicht thematisiert. Das betrifft die neuen Kommunikationstechnologien und veränderte Formen der Kommunikation, insbesondere mit jüngeren Generationen. Eine der letzten Ausgaben der «Handels­ zeitung» hat hier unter dem Stichwort Digital Finance folgenden Titel gewählt: «Ende der Behaglichkeit». Verstärkt das die bisher geschilderten Trends? Das ist ein wichtiger Punkt und kumuliert in der folgenden Frage: Auf welche Inhalte, Fragen und Antworten hat der Kunde in welcher Form Zugriff. Hier gibt es ganz neue ­Potenziale, um Kunden zu beraten. Aber dazu braucht man auch eine entsprechende ­IT-Landschaft und eine Plattform, die den Kommunikationsanforderungen genügt. Da gibt es inzwischen hervorragende Tools. Sie können heute beispielsweise interaktiv mit dem Kunden an seinem Bildschirm arbeiten. Der Kunde bekommt so bessere Dienstleistungen und Produkte angeboten, die auf ihn angepasst sind. Oftmals sind diese neuen Techno­logien und die dazugehörende Firmenkultur jedoch eher Theorie als Praxis. Banken mit alten ­IT-Plattformen sind gar nicht in der Lage, viele dieser Möglichkeiten zu nutzen. Die Branche braucht auch einen verlässlichen politischen Rahmen. In Bern, so mein Eindruck, hat man in den letzten Jahren auch eher reagiert als agiert. Täuscht dieses Bild? Das Stichwort der unklaren Rahmenbedingungen kulminiert in einem Vorwurf, den man von einigen Bankenvertretern gerne hört. Wenn Sie das Bankgeheimnis nehmen, hat es dynamische Veränderungen gegeben, übrigens nicht nur in der Schweiz, deren Wucht unterschiedliche gesellschaftliche Akteure getroffen hat. Spielen die Banken hier nur einen Schwarzen Peter weiter? Die Politik war hier sicher nicht nur unterstützend. Auf der anderen Seite haben wir ­ge­sehen, dass Banken sehr unterschiedlich auf die neuen Vorgaben reagiert haben. Einige haben reagiert und die anderen haben ihr klassisches Geschäftsmodell weitergefahren. Die erste Verfahrensweise war sicher erfolgreicher.

Können Sie da ein positives Beispiel verraten? Die erhöhten regulatorischen Anforderungen werden in die gesamten Prozesse integriert. Es gilt, die Dienstleistungen spezifisch auf die Kundenbedürfnisse auszurichten. Die Frage, welche Kundensegmente eine Bank wirklich pro­ fessionell und wettbewerbsfähig bearbeiten kann, gilt es zu beantworten. Hier ist eine Fokussierung und Differen­ zierung zwingend. An diesem Punkt ist es wichtig zu er­ wähnen, dass es auch einige kleine Banken gibt, die sehr erfolgreich sind, da sie in ihrer Marktnische erfolgreich agieren. Die hohe Geschwindigkeit, mit der die Anpassungen in der Finanzbranche erbracht werden müssen, gleicht der aus der IT-Branche. Von aussen sieht das schnell nach passiven Handlungsmustern aus. Jedoch kommt man schnell in eine

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Christian Hintermann ist Partner M & A Financial Services bei KPMG Schweiz.


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FALSCHE STRATEGIEN DIE FOLGENSCHWERSTEN ANLEGERFEHLER – TEIL 2

Ob Anfänger oder Routinier, an der Börse machen Anleger immer wieder die gleichen Fehler. Dies hat auch damit zu tun, dass an der Börse der Affekt gegen die Vernunft arbeitet. Christian Meier, stellvertretender Anlagechef der Banque CIC (Suisse), stellt im zweiten Teil seiner Kurzserie die folgenschwersten Anlagefehler vor und zeigt, wie man diese vermeiden kann.

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Christian Meier

rren ist bekanntlich menschlich. Beim Anlegen können viele verschiedene Fehler gemacht werden, die je nach Verlust mehr oder weniger schmerzhaft sein können. Doch wer Anlagefehler als solche erkennt und sich ­Klarheit über deren Ursachen verschafft, gewinnt die Freiheit, sie in Zukunft zu vermeiden. Im Folgenden skizziere ich zwei typische Anlegerfehler.

komplexe Produkte. Sie tragen reizvolle Namen wie Multi-Bonus-Zertifikat oder Outperformance-­ Zertifikat. Um was für Anlagen es sich dabei genau handelt, wissen jedoch die wenigsten. Lassen Sie sich über Ihre Chancen und insbesondere über die Risiken genauestens informieren.

Selbstüberschätzung Viele Anleger überschätzen ihre Kenntnisse der Börse. Gerade nach mehreren erfolgreichen Geschäften neigen sie dazu, vorschnell und unüberlegt zu ­handeln. Zufällig das richtige Timing erwischt, zufällig die richtige Aktie ausgewählt und zufällig einen satten Gewinn erzielt. Gleich haben Anleger, meist die «Frischlinge» an der Börse, das Gefühl, sie hätten die Börse im Griff. Dabei verlieren sie den Blick für Trends, das richtige Timing oder eine vernünftige Portfoliostruktur. Auf Glück allein kann man sich an der Börse nicht stützen und pures Glück wird im Investmentbereich oft mit Können verwechselt – die Zukunft an den Börsen vorhersagen, das kann niemand. Sich vor Selbstüberschätzung schützen, ist nicht einfach. Der Kauf einer Aktie erfolgt heutzutage mit nur einem Klick. Es ist nichts Besonderes mehr – jeder kann das. Es erfordert eine hohe Disziplin, die Dinge realistisch zu sehen, Fakten nicht überzubewerten und Gegenargumente nicht zu zerreden oder anders zu  deuten. Investieren Sie zu Beginn nur in Anlage­ instrumente, die Sie verstehen, und beginnen Sie mit einer ehrlichen Einschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten. In Produkte investieren, die man nicht versteht, ist sehr riskant. Gerade im Bereich der strukturierten Anlagevehikel gibt es sehr

Sich von Emotionen leiten lassen Zahlreiche Studien haben aufgezeigt, dass sich der Grossteil der Marktteilnehmer zu sehr von Emo­ tionen leiten lässt. Die wohl bekanntesten Gefühle an der Börse sind Angst und Gier. Doch die Börse kann Anlegern ein wahres Gefühlsbad bereiten: Hoffnungen, Übermut, Stolz, Neid und Bedauern be­einflussen unglücklicherweise immer wieder unsere Anlageentscheidungen. Angst führt dazu, dass man zu Tiefstkursen verkauft. Gier lässt Anleger im letzten Moment auf einen Modetrend aufspringen. Eine besondere Herausforderung stellt sich für die Anleger, wenn sich die Börsen über einen längeren Zeitraum «in Richtung Norden», sprich aufwärts, bewegen. Der positive Trend, wir sprechen dann von einem Bullenmarkt, kann bei den Anlegern schnell Euphorie auslösen. Wandelt sich dann die Euphorie unbemerkt in Gier um, wird daraus ein sehr gefährliches Spiel. Gesetzte Regeln und Ziele werden unwichtig, missachtet und begraben. Ein

Christian Meier ist stellvertretender Anlagechef der Banque CIC (Suisse).


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«When you make a mistake, don’t look back at it long. Take the reason of the thing into your mind and then look forward. Mistakes are lessons of wisdom. The past cannot be changed. The future is yet in your power.» – Hugh White –

Emotionen sind der falsche Ratgeber.

altes Sprichwort unter den Börsianern sagt «Gier frisst Hirn». Dies wird Anlegern spätestens dann bewusst, wenn Sie dadurch einen Verlust erlitten haben.

­ eeigneter Anlagen keine unnötigen Risiken einzugehen. Hinter jedem Anlageg entscheid sollte eine im Voraus klar definierte Strategie stehen, ein Prozess, den man Schritt für Schritt geht. Dadurch ist man fähig, rationale Entscheidungen zu treffen. Lassen Sie sich gut beraten, legen Sie eine langfristige Strategie fest und bleiben Sie dieser auch in schwierigen Zeiten diszipliniert treu.

Anlagehorizont erweitern Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in ein Investment? Im Idealfall kauft man eine Aktie, wenn sie ihre Talsohle durchschritten hat, und man verkauft sie wieder, wenn sie den Höchststand erreicht hat, kurz bevor sie sich wieder auf Sinkflug befindet – «buy low, sell high». Den idealen Augenblick zu erwischen, ist jedoch eher Zufall als Können. Deshalb ist es viel wichtiger, einen langen Anlagehorizont zu wählen und die eigene Risiko­ bereitschaft zu ermitteln, um bei der Auswahl

Lassen Sie sich ausserdem nicht von Freunden oder Bekannten beeinflussen. In der Regel nimmt man deren Tipps und gute Ratschläge gerne an. Dies gilt allerdings nicht für die Anlageberatung, es sei denn, Ihre Freunde oder Bekannten sind Profis aus der Finanzbranche. Empfehlungen von Laien oder selbsternannten Profis schaden tendenziell mehr, als dass sie nutzen. Sie basieren nicht auf einer seriösen Analyse und beruhen meist mehr auf Gerüchten als auf Fakten. Informationen zu besitzen, die noch nicht veröffentlicht wurden, ist eher unwahrscheinlich. In effizienten Märkten wie dem Schweizer Finanzmarkt sind meist alle börsenrelevanten Informationen über Unternehmen im aktuellen Aktienkurs enthalten.

Der Zyklus der Emotionen auf Anlegermärkten. Von himmelhoch jauchzend bis zutiefst betrübt ist alles dabei. Klingen diese Fehler für Sie vertraut? Wir begleiten Ihre Investitionsvorhaben mit kompetenter Beratung.

Mistiming and the Investment Cycle

Kontaktieren Sie uns: Christian Meier | Banque CIC (Suisse) Telefon +41 (0)800 242 124 christian.meier@cic.ch | www.cic.ch Erfahren Sie auf wöchentlicher Basis die wichtigsten Eckdaten zur wirtschaftlichen Entwicklung und unseren Ausblick auf die Märkte mit CIC Weekly Markets unter www.cic.ch.

Resist impulse to buy Euphoria Excitement Optimism Scepticism

Anxiety

«I’d better get out of this now.»

Denial Fear Desperation Panic

«Everyone has been making great returns I’d better get involved.»

«It’s okay, I’m investing for the long term.»

Resist impulse to sell

Capitulation

Scepticism Relief

Despondency Hope Depression Quelle: Barclays Wealth

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KOLUMNE

WALTER BOLLIER

AUF DER SUCHE NACH RENDITE Mit einer nie dagewesenen Geld­ schwemme seit der Finanz- und Bankenkrise von 2008 versuchten die Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks die Folgen der Krise zu mildern. Bis heute profitieren die Aktienmärkte von dieser Liquiditätsspritze, im Ge­ genzug sanken Renditen für Obligationen. Das brachte vor allem institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen in Bedrängnis, die verpflichtet oder sogar gezwungen sind, in Obligationen zu investieren. Die Suche nach Rendite erweist sich für diese Investoren als schwierig. Hochverzinsliche Anleihen aus Schwellenländern erscheinen auf den ersten Blick interessant, weisen aber ganz spezifische Risiken auf, die im Regelfall nur Profis erkennen können. Die von Rating-Agenturen vergebene Bonitätsnote kann ebenfalls ein Grund sein, warum ein Investment nicht in Frage kommt. Eine willkom­ mene Alternative sind Contingent Convertible Bonds (CoCo Bonds). Aber der Reihe nach: Seit 2008 wurden von den Gesetzgebern zahlreiche Massnahmen beschlossen, die eine Wiederholung der Bankenkrise verhindern sollen. Banken müssen seither ihr Eigenkapital kontinuierlich stärken mit dem interessanten Nebeneffekt, dass sich dadurch renditeträchtige Investitions­ möglichkeiten eröffnen. Im Rahmen der neuen Kapitalvorschriften, die unter dem Schlagwort Basel III in den nächsten Jahren für die Banken relevant werden, fällt CoCo Bonds eine wichtige Rolle zu. Sie sollen dann zum Zuge kommen, wenn bestimmte Parameter einen gefährlichen Rückgang des Eigenkapitals signalisieren. Das Prinzip dahinter: Investoren kaufen den CoCo Bond einer Bank und erhalten dafür einen attraktiven Zinssatz. Dafür sind sie im Ernstfall bereit, sich an der Stabilisierung des Eigenkapitals

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der Bank zu beteiligen. Sollte also der Fall eintreten, dass das Verhältnis zwischen risikobehafteten Vermögens­ werten und Kernkapital einer Bank unter einen vorab festgelegten Schwel­ lenwert sinkt, wird der Trigger des CoCo Bonds ausgelöst und der Bond wird entweder in Aktien der Bank gewandelt oder zumindest teilweise abgeschrieben. Damit wird der CoCo-BondInvestor zum Aktionär der angeschlagenen Bank oder er muss einen Kapitalverlust hinnehmen. Im Moment belegen die Quartals- und Jahres­ berichte zahlreicher grosser Banken in Europa und den USA, dass der Prozess des stetigen Aufbaus ihres Eigenkapitals bereits weit fortge­ schritten ist. Lag die Eigenkapitalquote vieler Banken vor der Finanzkrise oft nur bei 2 Prozent – mit entsprechend hohen Risiken in den Büchern –, so müssen die Eigenmittel bis 2019 je nach Bankenkategorie auf bis zu 23,5 Prozent steigen! Dadurch sinkt das Risiko für Investoren von CoCo Bonds. Derzeit bieten CoCo Bonds eine ähnliche Performance wie der MSCI World Finance

«Banken müssen ihr Eigenkapital kontinuierlich stärken.» Index, aber bei geringerer Volatilität und besserem Sharpe Ratio. Da die Stückelung vieler CoCo Bonds EUR 100’000.– oder EUR 200’000.– beträgt, ist eine angemessene Diversifizierung am einfachsten über einen spezialisierten Fonds wie z. B. dem High Yield CoCo Bond Fund zu erreichen. So muss der Investor die komplexe Materie nicht mehr selber beurteilen. Ausserdem sind Anteile von EUR 100.– ver­ fügbar, und das bei voller Diversifikation in Bonds verschiedener Emittenten.


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ERTEWANDEL

BERUCKSICHTIGEN INDIVIDUALISTEN FÜHREN UND MOTIVIEREN Je qualifizierter Mitarbeiter sind, umso selbstbewusster sind und agieren sie meist auch. Das heisst unter anderem: Sie hinterfragen Entscheidungen ihrer Vorgesetzten; ausserdem konfrontieren sie diese mit Erwartungen, die aus ihrer Warte berichtigt sind. Vielen Führungskräften fällt das Führen solcher Mitarbeiter schwer. Michael Schwartz

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n den zurückliegenden Jahrzehnten haben sich – unter anderem a ­ uf­grund des Siegeszugs der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie – die Arbeitsstrukturen und -beziehungen in den Unter­ nehmen radikal verändert. Während noch vor 20, 30 Jahren in den meisten Betrieben nur in wenigen Teilbereichen der Organisation die Leistung in Teamarbeit erbracht wurde, ist heute zumindest in den Kernbereichen fast aller Unternehmen die bereichs- und oft hierarchieübergreifende Team- und Projektarbeit die gängige Arbeitspraxis. Ausserdem lautet eine Grundan­ forderung an alle Mitarbeiter: Sie sollen ihre Aufgaben weitgehend eigeninitiativ und eigenverantwortlich wahrnehmen. Das setzt voraus, dass die Mitarbeiter sich mit dem Unternehmen und ihren Aufgaben identifizieren – unter anderem, weil sie – selbst die gewünschte Wertschätzung erfahren, – wissen, was die Ziele des Unternehmens sind, und – ihr Tun und Handeln als sinnvoll erfahren. Das wiederum erfordert einen anderen Führungsstil und ein verändertes Führungsverhalten.

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Ein verändertes Führungsverhalten ist auch nötig, weil die Führungskräfte heute, anders als in den tayloristisch organisierten Betrieben der Vergangenheit, bezogen auf viele Aufgaben oft keinen fachlichen Wissens- und Er­fahrungsvorsprung vor ihren Mitarbeitern mehr haben. Denn bei ihren Mitar­ beitern handelt es sich häufig um hochqualifizierte Spezialisten, die, wenn es um das Erfüllen gewisser Fachaufgaben geht, ein grösseres Know-how und Tiefenwissen als ihre disziplinarischen Vorgesetzten haben. Entsprechend selbstbewusst sind diese Mitarbeiter meist – insbesondere, wenn sie wissen, dass ausser ihrem Vorgesetzten auch das Unternehmen auf ihre Expertise angewiesen ist. Entsprechend selbstbewusst treten sie ihrem Vorgesetzten entgegen, und in der Alltagskommunikation mit ihm wollen sie die Wertschätzung spüren, die ihnen und ihrer Arbeit nach ihrer Auffassung gebührt.


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Anders kommunizieren Solch selbstbewusste Mitarbeiter zu führen, fällt vielen Führungskräften schwer – auch, weil sie nicht selten zumindest insgeheim noch das Credo verinnerlicht haben: Mitarbeiter haben die Anweisungen ihrer Vorgesetzten blind zu befolgen. Das tun besagte Mitarbeiter aber nicht: Sie hinterfragen mehr oder minder offen die Anweisungen und Ent­scheidungen ihrer Führungskräfte. Zumindest wollen sie von ihrer Führungskraft eine in ihren Augen plausible Begründung haben, warum aus deren Warte gewisse Dinge nötig sind, beziehungsweise warum sie gewisse Entscheidungen traf. Für die Führungskräfte bedeutet dies: Sie müssen mehr und anders als früher mit ihren Mitarbeitern kommunizieren. Anstelle von Top-down-Anweisungen sind ein Einbeziehen in Entscheidungsprozesse und eine Kommunikation auf Augenhöhe angesagt. Und wenn dies nicht möglich ist? Dann müssen die Führungskräfte zumindest akzeptieren, dass ihre Mitarbeiter ihre Entscheidungen hinterfragen. Doch nicht nur dies. Sie müssen auch akzeptieren, dass nicht nur sie selbst zuweilen das Verhalten ihrer Mitarbeiter hinterfragen; ihre Mitarbeiter tun dies umgekehrt auch.

Zumindest theoretisch ist dies heute den meisten Führungskräften bewusst – zumindest denen, die Bereiche führen, in denen die Mitarbeiter ein recht hohes Qualifikationsniveau haben. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie im Führungsalltag stets das richtige Führungsverhalten zeigen. Im Betriebsalltag registriert man oft, dass Führungskräfte gerade in Situationen, in denen sie selbst unter Anspannung stehen, ein Führungsverhalten zeigen, das eher einem autoritären als partnerschaftlich-kooperativen Führungsstil entspricht. Dadurch provozieren sie in der Beziehung zu ihren Mitarbeitern oft Konflikte, die bei einem anderen Führungsverhalten vermeidbar wären.

Mitarbeiter «ticken» unterschiedlich Im Betriebsalltag registriert man zudem immer wieder bei Teams, die aus vielen selbstbewussten

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Arbeit hat heute vermehrt eine identitätsstiftende Funktion.

Mitarbeitern bestehen: Mit einigen Mitarbeitern haben die Führungskräfte eigentlich nie Probleme; in der Beziehung zu anderen t­auchen hingegen fortwährend Irritationen oder gar Konflikte auf, weshalb die betreffenden Mitarbeiter von ihren Führungskräften schon mit dem Etikett «schwierig» oder gar «Nörgler» oder «Querulant» versehen wurden. Analysiert man die Ursachen hierfür, dann stellt man meist fest: Stimmt die Beziehung Führungskraft-Mitarbeiter, dann haben die Führungskräfte meist – ein ähnliches Wertesystem wie die Mitarbeiter, mit denen sie gut harmonieren, und / oder – ihre Verhaltenspräferenzen korrespondieren mit den Erwartungen, die die Mitarbeiter aufgrund ihres Wertesystems an ihre Führungskraft haben. Anders sieht es bei den «schwierigen Mitarbeitern» aus. Sie haben entweder ein anderes Wertesystem als ihre Führungskraft, weshalb ihnen bei der ­Arbeit (und in ihrem Leben) auch andere Dinge

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wichtig sind. Oder sie haben aufgrund ihres Werte­systems Erwartungen an ihre Führungskraft, die diese aufgrund ihrer Präferenzen nicht erfüllt.

Unterschiedlichkeit der Wertesysteme Die divergierenden Wertesysteme und Erwartungen bezüglich des Verhaltens wären im Betriebs- und Führungsalltag kein Problem, wenn diese den Führungskräften bewusst wären. Denn dann könnten sie sich hierauf einstellen. Viele Führungskräfte kennen aber ihr eigenes Wertesystem und ihre eigenen Verhaltenspräferenzen nicht – zum Beispiel, weil sie diese nie reflektiert ­haben. Und noch ­weniger kennen sie die Wertesysteme und die hieraus ­resultierenden Verhaltensmuster und Erwartungen ihrer Mitarbeiter. Dabei wird dies für das erfolgreiche Führen von Mitarbeitern immer wichtiger – nicht nur aufgrund der veränderten Arbeitsstrukturen und -beziehungen in den ­Unternehmen. Hinzu kommt ein weiterer Punkt. Darüber, ob die Menschen in den westlichen Indu­striestaaten heute individualistischer sind als vor 30, 40 Jahren, kann man streiten. Auf alle Fälle haben sich jedoch die Lebensstile in unserer Gesellschaft stark ausdifferenziert. Aus­serdem sind heute weniger Menschen dazu bereit, fraglos irgendwelche nicht selbst gewählten Autoritäten zu akzeptieren. Zudem hat sich das Verhältnis der meisten Berufstätigen zur Erwerbsarbeit verändert. Früher sahen die meisten Menschen in ihr ein notwendiges Übel, um den Lebensunterhalt zu sichern. Und die sogenannte «Selbstverwirklichung»? Sie erfolgte primär im privaten Bereich beziehungsweise in der Freizeit.


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Anders ist dies heute – zumindest bei vielen hochqualifizierten Mitarbeitern. Für sie hat die Arbeit eine identitätsstiftende Funktion. Das heisst, sie wollen sich in ihrer Arbeit verwirklichen können und diese als sinnvoll erfahren. Sie stellen also höhere Anforderungen an ihre Arbeit und somit auch an ihre ­Führungskräfte. Und die Führungskräfte? Sie stehen vor der Herausforderung, diese zu erfüllen, damit sich ihre Mitarbeiter mit ihrer Arbeit identifizieren ­können und die gewünschte Leistung bringen.

Angemessen reagieren Das setzt voraus, dass die Führungskräfte nicht nur die Wertesysteme und Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter, sondern auch ihr eigenes Wertesystem kennen. Sonst besteht die Gefahr, dass sie ihre Werte-Messlatte bei allen anderen Menschen anlegen. Ausserdem können sie nur dann ermitteln, wo ihre eigenen blinden Flecken sind, weshalb sie – entweder bestimmte Aspekte nicht wahrnehmen oder – auf gewisse Verhaltensmuster oder Vorgehensweisen ihrer Mitarbeiter zum Beispiel allergisch reagieren.

Führungskräfte sollten, wenn sie ihre Mitarbeiter individuell, also ihren Bedürfnissen entsprechend, führen möchten, aber auch wissen: – Wie «tickt» mein Mitarbeiter? – Was treibt ihn an? – Wie sieht die Welt durch seine «Brille» aus? Und: – Was braucht er, um seine Leistungsfähigkeit voll zu entfalten? Denn nur dann können Führungskräfte ihr Führungsverhalten wirklich dem Gegenüber anpassen. Zudem können sie nur dann mit jedem einzelnen Mitarbeiter eine tragfähige Vereinbarung darüber treffen, was dieser braucht, um seine Arbeit und die Zusammenarbeit als befriedigend, weil sinnstiftend und mit seinem Wertesystem vereinbar, zu erfahren. Michael Schwartz leitet das Institut für integrale Lebens- und Arbeitspraxis (ilea), Esslingen bei Stuttgart (www.ilea-institut.de), das auch ein Seminar mit dem Titel «Individualisten führen und motivieren» anbietet.

www.ilea-institut.de

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VORSCHAU VOLUME 34 Schuhtick Schuhe bergen ein riesiges kreatives Potenzial. Der Trend zum extravaganten Designentwurf hat in den letzten Jahren nicht nur die Schuhindustrie erfasst. Die Grenzen zwischen Kunst, Handwerk und Produktdesign haben sich aufgelöst. Immer wieder lassen sich internationale Künstler und Architekten von gesellschaftlichen und gestalterischen Aspekten des Schuhs anregen. PRESTIGE sprach mit dem Schuhdesigner Kobi Levi, der bereits Schuhe für Lady Gaga entwarf.

Viva La Mexico Die faszinierende Welt der Farbedelsteine Der Wert eines Edelsteins wird durch Qualität, Herkunft, Seltenheit und Farbe bestimmt. Man unterscheidet zudem unbehandelte von chemisch behandelten Farbedelsteinen. Ein­ schlüsse bei Farbedelsteinen sind keine unerwünschten Schön­ heitsfehler, sondern geben Auf­ schluss über den natürlichen, unbe­ handelten Zustand eines Steins sowie über seinen geografischen Ursprungsort. Unsere Redaktorin entführt Sie in die Welt der Edel­ steinprüfung, damit auch Sie den Wert Ihres Schmuckstückes besser zu schätzen wissen.

Ein Land der Kontraste: futuristische Hochhäuser und nostalgische Kolonialbauten, Folklore und Nightlife, üppiger Dschungel und karge Weiten, Strandparadiese und Hacienda-Leben. An der Pazifikküste lockt das legendäre Acapulco. Während sich die Sonnenanbeter am goldfarbenen Sandstrand vor dem tiefblauen Ozean räkeln, suchen andere den Adrenalinkick oder das echte Gaucho-Leben. Unsere Redaktion besuchte für Sie die Westküste des Pazifiks und das Hochland Colimas.

Publisher Francesco J. Ciringione / cf@prestigemedia.ch | Owner Prestige Media International AG, prestigemedia.ch | Publishing Director Boris Jaeggi  /  b.jaeggi@prestigemedia.ch | Editor in Chief Yvonne Beck  /  y.beck@prestigemedia.ch | Head of Production & Art Director Sandra Rizzi  / s.rizzi@prestigemedia.ch | Grafik Design Sandra Schneider, Corinna Kost, Valerie Asal | Editors Yvonne Beck, Walter Bollier, Céline Bonhôte, Gisbert L. Brunner, Ralf Friese , Wilhelm J. Grusdat, Lone K. Halvorsen, Dr. Thomas Hauer, Monika Leonhardt, Georg Lutz, Blerina Markaj, Nadia de Paola, Matthias Pfannmüller, Hendik Stary, Lilly Steffen, Tamara Wernli, Helena Ugrenovic, Christian Meier, Ariane Dehn, Reto Ringger, Michael Schwartz, Evi Giannakopoulos, Bernhard Bauhofer | Sales sales@prestigemedia.ch | Product Public Relation Laura Giarratana / lg@prestigemedia.ch News Yvonne Beck, Laura Giarratana, Lone K. Halvorsen, Nadia de Paola | Cover Picture strenghtofframeITA | Photographs Yvonne Beck, Baccarat, Restaurant Noma, Internationale Filmfestspiele Berlin, Salon Udo Walz, Moët & Chandon, Festival del film Locarno, John James Audubon, RTL, Onkel Taa, Partschins Tourismus, Boote Exklusiv, Kobi Levi, Victoria’s Secret, Peter Lindbergh, Federico Cabrera, Pirelli,­ Jack Daniels, Fremden Verkehrsamt Thailand, Volvo, National Geographics Verlag Verlag Klaus Wagenbach, Weber Verlag, Werd Verlag, Bruckmann Verlag, Engadin Tourismus, St. Moritz Tourismus, Davos Tourismus , Peninsula Hotels, Kempinski Hotels, Lalique, Beau-Rivage Palace in Lausanne, James Suckling, Avantgarde Acoustic, La Serlas, AgaNola | Corrector­ Melanie Rebasso & Andreas Probst | Main Office & Production Prestige Media International AG / St. Jakob-Strasse 110, CH-4132 Muttenz , Telefon +41 (0)61 335 60 80, Telefax +41 (0)61 335 60 88, info@prestigemedia.ch, ­www.prestigemedia.ch | Editorial Office Pfingstweidstrasse 31a, CH-8008 Zürich, Telefon +41 (0)44 210 09 20 | Support Dejan Djokic | Internet prestigemag.ch | E-Mail info@prestigemedia.ch | Coordination Laura Giarratana | Administration & Abo Service Serpil Dursun / s.dursun@prestigemedia.ch | Price  /   Issue CHF 10.– | Price  /  Year CHF 39.– | Frequency vierteljährlich | WEMF 2014 – 21’757 Exemplare | Wieder­gabe von Artikeln und Bildern, auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von Redaktion und Verlag jede Haftung abgelehnt. PRESTIGE prestigemagazin.com is a registered trademark. (IGE 596’147)

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