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VOLUME 6 l SUMMER 2016

www.prestigemedia.ch | € 9.50


«WHERE BRANDS & COMMUNITY BECOME ONE»

PRESTIGE erscheint vierteljährlich Schweiz | Deutschland | Österreich Publisher Francesco J. Ciringione Owner Prestige Media International AG, www.prestigemedia.ch Publishing Director Boris Jaeggi | b.jaeggi@prestigemedia.ch

Editor in Chief Yvonne Beck |  y.beck@prestigemedia.ch Editors Yvonne Beck, Gisbert L. Brunner, Wilhelm J. Grusdat, Peer Günther, Gübelin Lone K. Halvorsen, Dr. Thomas Hauer, Angelika Möller, Matthias Pfannmüller, Anka Refghi, David Renner, Valentino Scattina, Lilly Steffen, Jasmin Taylor, Helena Ugrenovic

Correctors Andreas Probst

Head of Production & Art Director Sandra Rizzi | s.rizzi@prestigemedia.ch

Grafik Design Sandra Schneider | s.schneider@prestigemedia.ch Jochen Schächtele | j.schaechtele@prestigemedia.ch

Sales sales@prestigemedia.ch Product Public Relation Laura Giarratana |  lg@prestigemedia.ch

News product@prestigemedia.ch Yvonne Beck, Lone K. Halvorsen, David Renner, prestigenews.com

Photographs Yvonne Beck, Lumas, David Renner; Taschen Verlag, Technische Universität München, Davidoff, Waldorf Astoria, Ian Davenport, Ruinart, Brian James, Ian G.C. White, Hermés, teNeues, Knesebeck Verlag, Dorling Kindersley, Vitra, Franz Selb, Lufthansa, Parmigiani, Dr. Thomas Hauer Cover Picture KRISTIAN SCHULLER I BLAUBLUT EDITION AUS DEM BUCH «90 DAYS, ONE DREAM» Main Office & Production Prestige Media International AG St. Jakob-Strasse 110, CH-4132 Muttenz  T +41 (0)61 335 60 80, F +41 (0)61 335 60 88 info@prestigemedia.ch | www.prestigemedia.ch

IT-Support & Web Dejan Djokic Internet prestigemedia.ch

Online PR Katharina Gering | k.gering@prestigemedia.ch Hayri Goks | g.hayri@prestigemedia.ch Evin Akarsu | a.evin@prestigemedia.ch Eric Yornik | e.yornik@prestigemedia.ch

Admin & Coordination Julia Steller | j.steller@prestigemedia.ch Abo Service Serpil Dursun | s.dursun@prestigemedia.ch Price  Issue CHF 10.– / € 9.50 | Year C ­ HF 39.– / € 35.–

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INHALT

TRAVEL

18 18 MEER Unendliches Blau Leinen los Die Sehnsucht nach dem Meer Segelsport Unwesen der Tiefe Die grossen Seefahrer Surf Odyssey

44 SUMMER’S DIARY Von Wasserspielen und Oldtimern

46 KUNST MACHT POLITIK Ai Weiwei

50 BEATRIX POTTER Nordenglands Lake District

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62 INSIDEREI Tel Aviv

64 REISEPIONIERIN & ABENTEURERIN Fanny Bullock Workman

66 LADY DER LÜFTE Der erste Transatlantik-Flug

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CULTURE & ART 40 PHOTOGRAPHING ARTIST Erwin Olaf

56 THE BIG D & WILD WEST Texas

70 GLAMOURÖSE TRENDZIELE Für Promijäger und Glamourmiezen

TITELGESCHICHTE

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INHALT 84 WATCHES & JEWELLERY 72 NEUES AUS BASEL Uhrentrends

84 DER RETTER DER ZEIT Uhrmacher und Restaurator

88 DIE MAGIE DER EDELSTEINE Heilende Wirkung

88 92

DRIVE STYLE

92 SECHS AUF EINEN STREICH Mit dem Oldtimer über die Alpen

100 AB IST DER LACK Pflegetipps 102 AUTOMOBILE ART Brian James

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INHALT 112 LIVING 136 URBAN GARDENING Stadtgärten 141 GARTENTRENDS Vom Sack bis zur Lounge 142 ROOFTOP GARDEN Über den Dächern der Stadt 146 DIE PO-ÄSTHETEN Joseph’s Toiletries 148 VERGESSENE STÄDTE Von Schottland bis Irak

FASHION  & BEAUTY 108 LI EDELKOORT Stilikone der Trendforschung 112 DAS CARRÉ Hommage an das Seidentuch 116 SCHÖNHEITSSCHLAF Früh zu Bett 122 DIE INNERE MITTE Spas & Wellness im Thai Style 130 FANCY NAILS Nageltrends 134 6 SENSES Von Kaffeemomenten bis Fotokunst

108 12 | PRESTIGE

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INHALT 150

CULINARIUM 150 HOPFEN UND MALZ 500 Jahre Reinheitsgebot 155 PURER GENUSS Darjeeling

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156 SIGNATURE FOOD Von Curry bis Hotdog 158 ZINO DAVIDOFF Der Zigarrenkönig 160 NOBU GOES PARIS Japan meets Frankreich 164 THE TASTE OF WALDORF Kulinarische Grossoffensive 167 WUSSTEN SIE SCHON …? Von Pasta bis Cognac

NEWS

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43 ANDERE BLICKE 55 TO THE ROOTS 61 SCHWARZWEISSE ELEGANZ 65 STRANDGUT 83 DER BLICK INS INNERE 86 GOLDENER SOMMER 91 GLÄNZENDE VIELFALT 99 FAHRT IN DEN SOMMER 107 STILECHT 115 DER HAUCH DES SÜDENS 119 SO FALLEN SIE AUF 129 ERFRISCHEND ANDERS 133 SOMMER AUF DER HAUT 145 KRAFTORTE 147 MANCHMAL IST MEHR MEHR 159 EIN ORT ZUM GENIESSEN 163 SOMMERHAPPEN 175 ZEITLOS AUF DIE SEKUNDE

FINANCE 168 172

DEN WALTONS AUF DER SPUR Die Supermarkt-Milliardäre DAS RUDER ABGEBEN David Marquets Führungsstil

KOLUMNEN 49 WILHELM J. GRUSDAT: Space-Age-Nostalgie 69 JASMIN TAYLOR: Persischer Golf – Katar 120 VALENTINO: Auf den Hund gekommen

4 IMPRESSUM 17 EDITORIAL 176 VORSCHAU NAVYBOOT AUTORE

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Business Class

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GESCHÄTZTE LESERINNEN LESER

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ir begrüssen Sie zur Lektüre unserer Sommerausgabe. Tauchen Sie mit uns ein in die Tiefen der Ozeane und fahren Sie mit uns über die weite See, wie es einst die grossen Entdecker getan haben. Das Meer ist scheinbar unendlich. Über 70 Prozent der Oberfläche der Erde sind von dem nassen Element bedeckt. Ozeane sind vielfältig: Verkehrsader, Nahrungsquelle, Klimamotor, Lebensraum – und dabei weitgehend unbekannt. Das Meer beflügelt die Phantasie. Für den, der nicht an der Küste lebt, ist das Meer schon immer ein Traum- und Sehnsuchtsort gewesen. Für Seefahrer hingegen hielt es Entbehrungen, Kämpfe und oftmals Schrecken bereit. Seemannsgarn und Aberglaube haben über Jahrtausende die Phantasie angeregt und die Meere zudem mit unzähligen Ungeheuern belebt. Eine Reise ganz anderer Art führt uns in den Wilden Westen – nach Texas. Canyons und Skylines, Künstler und Cowboys, Steaks und Tortillas: Der «Lone Star State» hat so einiges zu bieten. Dallas und Fort Worth bieten hochkarätige Museen, viele Theater, wegweisende Wissenschaft und grenzenlosen Shoppingspass. Guest Ranches hingegen sorgen für stilechtes Cowboy-Feeling. Frei und stolz wie die coolen Helden – noch heute gilt dies als typisch texanisch. Dafür steht auch der «Lone Star» auf der texanischen Staatsflagge. Für alle, die dieses Jahr nicht verreisen, aber Erholung und Natur in der eigenen Stadt suchen, kommt der neue Trend des Urban Gardening gerade recht. Die Gärten sind da! Es entstehen immer mehr Orte, an denen gesunde Lebensmittel angebaut und zugleich Stadtnatur und Gemeinschaft erlebt werden. Man experimentiert mit Zukunftsthemen: neue Wohlstandsmodelle, Stadt­ ökologie, Teilhabe, interkulturelle Begegnung und sinnvolle Beschäftigung in der Postwachstumsgesellschaft. In jedem Fall geht es um nahräumliche Lebensqualität. Gärtnern ist also voll im Trend! Die weltgrösste Uhrenmesse Baselworld rief in die Stadt am Rhein. Dort war das Angebot an neuen, trendigen Zeitmessern wie immer riesig. Konventionelle Uhrwerke stehen weiterhin hoch im Kurs, denn das Ticken der mechanischen Uhr ist bekanntlich der Herzschlag der menschlichen Kultur. Egal ob schlicht und einfach oder kompliziert. Unser Uhrenexperte Gisbert L. Brunner weiss, «wer vieles bietet, wird manchem etwas bieten», und stellt die neusten Trends vor. Lehnen Sie sich also entspannt zurück, geniessen Sie ein Glas guten gekühlten Champagner und tauchen Sie in die spannende und informative PRESTIGE-Lektüre ein.

Francesco J. Ciringione Verleger

Yvonne Beck Chefredaktorin

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& ART

CULTURE

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UNENDLICHES Das Meer ist eine unendliche Weite. Über 70 Prozent der Oberfläche unseres Planeten sind von dem nassen Element bedeckt. Die Ozeane sind vielfältig: Verkehrsader, Nahrungsquelle, Klimamotor, Lebensraum und dabei weitgehend unbekannt.

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David Renner

s sind sieben Weltmeere. Ganz gleich, ob man das Mittelmeer in sieben Meere aufteilt, wie es in der Antike üblich war, oder ob man, wie heute, Atlantik, Pazifik, Indischer Ozean, Arktisches, Amerikanisches, Australasiatisches und Europäisches Mittelmeer aufzählt. Es sind immer sieben. Zu Zeiten der grossen Entdeckerfahrten ersetzte der Golf von Mexiko das Australasiatische Mittelmeer. Selbst bei der Einteilung von Rudyard Kipling in Nördliches und Südliches Eismeer, Nord- und Südatlantik und Nord- und Südpazifik sowie den Indischen Ozean bleiben am Ende sieben Weltmeere, die das Land umfassen.

Die Wellen, die verbinden Jede Zeit hat ihre Weltmeere und alle Weltmeere haben ihre Bedeutung für den Menschen. Seitdem es Geschichte gibt, ist das Meer das verbindende Element, auf dem Handel getrieben wird. In der Antike waren das Schwarze Meer und das Mittelmeer der Marktplatz für Phönizier, Griechen, Römer und Karthager; für die Städte der Hanse und die Wikinger waren im Mittelalter die Nordmeere von Bedeutung. Seit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus liegen die Routen für Reichtum auf dem Atlantik und dem Indischen Ozean. Noch heute sind die Weltmeere für unseren Lebensalltag eine unverzichtbare Handelsstrasse. 92 Prozent aller Handelsgüter (am Gewicht gemessen) werden über die Meere transportiert. Die Containerschiffe,

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CULTURE & ART

die die Welt heute globalisieren, sind dabei bis zu 400 Meter lang. Bis zur Erfindung des Flugzeugs waren die Meere auch der Ort, an dem die Welt beherrscht wird. Die Armada sicherte die Vorherrschaft Spaniens, bis die Royal Navy und die East India Trading Company der englischen Krone unermesslichen Reichtum brachten.

Meeresklima Vier der fünf Ozeane sind durch ein Band miteinander verknüpft, das sich wie ein riesiger Fluss durch das Meer zieht. Der bekannteste Teil ist der Golfstrom. Die frühen Seefahrer benutzten ihn als Schiffsautobahn bis zu den Kanarischen Inseln und selbst Fische lassen sich in ihm treiben – bei 6,5 km / h. Er transportiert einhundertmal mehr Wasser, als die Flüsse ins Meer tragen. Der Golfstrom wird auf dem Weg nach Osten zum Nord­ atlantik-Strom und ist für das milde Klima in Westund Nordeuropa verantwortlich. Ohne ihn wäre das Klima mit dem der russischen Tundra zu vergleichen. Für Europa ist diese globale Meeres­ strömung eine riesige Heizung, deren Pumpe vor

Grönland sitzt. Das warme Wasser aus dem Golf von Mexiko verdunstet mehr als kälteres Wasser und hat dadurch einen höheren Salzgehalt, wenn es vor Grönland von den eisigen Nordwinden abgekühlt wird. Dadurch erhöht sich die Dichte des Wassers und es sinkt auf bis zu 4000 Meter ab. Dieser «Wasserfall» erzeugt einen Sog, der das warme Wasser aus dem Golf von Mexiko ansaugt. Durch die Erdrotation wird dieser Strom über ­Europa abgelenkt, bevor er vor Grönland «verschwindet». Danach wandert das Wasser in der Tiefe nach Süden bis vor die Antarktis und Richtung Osten in den Pazifik, wo es langsam wieder aufsteigt und sich erwärmt. Es fliesst an Indo­ nesien und an der Südspitze Afrikas vorbei, bevor es sich an der Ostküste von Südamerika Richtung Mexiko aufmacht.

Tauchgang Unter der Meeresoberfläche liegt eine Landschaft, die ihresgleichen sucht. 13’000 Unterseeberge sind bislang bekannt, doch Forscher vermuten, dass ihre Anzahl an die 100’000 reicht. Unzählige

Der höchste Berg der Welt Hawaii ist nur der Gipfel des Ganzen. Der Mauna Kea ist mit 4205 Metern der höchste Berg Hawaiis, doch reicht er noch 5400 Meter in die Tiefe, wo er von Magma aus dem Erdinneren gespeist wird. Wenn man vom Seeboden aus misst, ist der Mauna Kea der höchste Berg der Welt, an dessen Hängen sich Surfer mit den Wellen messen.

Unter der Wasseroberfläche türmen sich unbekannte Gebirgslandschaften. Die Inseln über dem Wasser sind nur ihre Gipfel.

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«Das Meer bedeckt 7/10 der Erdoberfläche, und der Seewind ist rein und gesund. In dieser unermesslichen Einöde ist der Mensch doch nie allein; denn er fühlt das Leben um ihn herum; ein übernatürliches wundervolles Dasein rührt sich darin; es ist nur Bewegung und Liebe.» – Jules Verne, «20’000 Meilen unterm Meer» –


CULTURE & ART

Spalten und Gräben durchziehen den Seeboden und aktive Vulkane bringen das Wasser an manchen Stellen zum Sieden. In solchen Gemengen entstand einst das Leben. Heute ist die Oberfläche des Mondes bekannter als die Meeresböden der Erde. Wenn man sich vorstellt, in die Tiefen hinabzutauchen, dann sind die ersten 200 Meter noch von Licht durchflutet. In der obersten Schicht der Meere blüht das Leben. Fische und Pflanzen tummeln sich in der blauen Welt, es gibt Wälder aus Tang und die Giganten der Tiefe wie Orcas und Walhaie durchstreifen das Wasser. Nach 200 Metern beginnt es zu dämmern und die Tiefsee beginnt. Hier gibt es keine Pflanzen mehr und kaum noch Licht. Neben Plankton durchziehen Pinguine, Blauwale und Riesenkalmare die Tiefen. 600 Meter unter der Oberfläche liegt der SOFAR-­ Kanal. Das ist eine Wasserschicht, die Schall ­extrem gut und weit leitet – die Telefonleitung für Walgesang. Nach tausend Metern wird es dunkel. In diesen Tiefen leben seltsame Fische wie der

rote Granatbarsch, der bis zu 150 Jahre alt wird, und die Tiefsee-Anglerfische, die selbst Licht erzeugen können. Die «Titanic» liegt auf 3800 Metern vor der Region, die nach dem Abgrund «Abyssopelagial» genannt wird. Im Durchschnitt sind die Ozeane 3680 Meter tief. Die Temperaturen sind nahe am Gefrierpunkt und ausser Tiefseekrabben lebt hier fast nichts mehr. Nach 6000 Metern ­beginnt der «Hadopelagial», das Totenreich von ­Hades, dem griechischen Gott der Unterwelt. Die wenigen Tiere, die hier leben, haben eine weisse Haut und seltsame Formen. Das Meer ist Ursprung und Motor des Lebens, auch wenn bis jetzt nur die Oberfläche bekannt ist. Die Ozeane atmen Sauerstoff aus und die Strömungen machen das Klima. Die Meere sind dabei andauernd im Wandel. Im Nordosten Afrikas bildet sich in der Afar-Senke ein neuer Ozean. Der grösste Lebensraum der Welt liegt unter der Oberfläche und ist zu grossen Teilen unerforscht.

11’000 Meter unter dem Meer Der tiefste Punkt der Welt liegt im Marianengraben in 11’034 Metern unter null. In dieser Tiefe waren weniger Menschen als auf dem Mond. Als James Cameron 2012 in den Marianengraben tauchte, war sein U-Boot am tiefsten Punkt aufgrund des Wasserdrucks sieben Zentimeter kleiner. Der Schweizer Jacques Piccard beschrieb den Boden auf 10’916 Metern, den er mit Don Walsh 1960 erreichte, als «Wüste von hell-zimtfarbenem Schlick».

Bis 200 Meter unter der Oberfläche liegt der grösste und artenreichste Lebensraum des Planeten. Ob in den Korallenriffen, den Wäldern aus Tang oder im offenen Gewässer.

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UND VOLLE FAHRT VORAUS

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Wenn der Wind um die Ohren pfeift und das Boot durch die Wellen gleitet: Segeln ist eine der faszinierendsten Wassersportarten. Von der See aus präsentiert sich jede Destination von einer ganz anderen Seite. Vielfältige Küstenlandschaften mit steilen Felsen, versteckten Buchten und bunten Hafenstädten bilden die Kulisse für herrliche Ferienerlebnisse. Nachfolgend die Hotspots der europäischen Segelreviere für den Reisesommer 2016.

Nordsardinien Kulinarischer Segelgenuss © Delphina Hotels und Resorts

Nordsardinien ist mit Hunderten von einsamen Bilderbuchbuchten, Stränden und seiner rauen Klippenlandschaft ein Segelrevier, dessen Reiz im Landschaftsreichtum seiner Küsten liegt. Wer auf einen ganz besonderen Segelausflug gehen möchte, sollte während eines Aufenthaltes in einem der Vier- und Fünf-Sterne-Domizile der Delphina Hotels & Resorts mit dem Segelschiff «Pulcinella» auf Entdeckungsreise gehen. Durch die Inseln des Archipels von La Maddalena geht es zur nördlichen Küste der Gallura-Region mit einem Halt am Strand «Spiaggia del Cavaliere» in Budelli und einem Zwischenstopp auf der Insel Spargi. An Bord erwarten die Gäste fangfrischer Fisch, besondere sardische Produkte sowie der hervorragende Wein der Gallura. www.delphinahotels.de

Die Sani Marina – ein privater Yachthafen mit 215 Liegeplätzen, Restaurants und Boutiquen – im Herzen des Sani Resorts auf dem griechischen Festland gilt unter Seglern als Geheimtipp. Aufgrund ihrer Lage am westlichsten Finger der Chalkidiki, der hervorragenden Ausstattung und ihres ausserordentlichen Serviceangebots ist die Marina der ideale Ausgangsort zur Erkundung der Ägäis und ihrer Inselwelt. In der Sani Marina Segelakademie werden Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren mit dem Meer vertraut gemacht. Zehn Stunden dauert der Intensivsegelkurs, der wertvolle Theorie ebenso wie praktische Kenntnisse vermittelt. Am Ende erhalten die Jungsegler ein anerkanntes Zertifikat. Die Kurse finden von Mai bis August 2016 statt. www.sani-resort.com

© Badrutt’s Palace Hotel

St. Moritz Segeln auf höchstem Niveau Auf 1800 Höhenmetern gelegen, bieten die Oberengadiner Seen in der Regel beste Windverhältnisse. Der legendäre Maloja ermöglicht auch im Hochsommer Segelerlebnisse der Extraklasse – zum Beispiel auf dem St. Moritzersee. Hier liegt auch das Segelboot des traditionsreichen Badrutt’s Palace Hotels, das für einen privaten Törn mit Skipper gemietet werden kann. Rasanter Segelspass und frische Brise inklusive. www.badruttspalace.com

© Sani Resort

Griechenland Segelkurse für Kids


CULTURE & ART

DIE

SEHNSUCHT NACH DEM

� � Wer kennt das nicht? Der Blick aufs Meer, auf das Auf und Ab der Wellenberge und auf die tanzenden Schaumkronen auf dem Wellenkamm. Das Meer scheint schon immer so gewesen zu sein und es beflügelt die Phantasie. Für den, der nicht an der Küste lebt, ist das Meer schon immer ein Traum- und Sehnsuchtsort gewesen. David Renner

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CULTURE & ART

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as Meer ist Ende und Anfang zugleich. An den kargen Küsten endet das Leben auf festem Grund, und zugleich ist das Meer das Tor zu neuen Ländern und einer anderen Welt. Als Ausgangspunkt zu neuen Ufern – ob als Pirat auf Frauenjagd, als venezianischer Händler oder auf dem Weg zu ­einem neuen Leben als Auswanderer – ist das Meer durch seine scheinbare Unendlichkeit ein Teil des Traums selbst. Das Meer ist nicht nur die Mutter des Lebens, sondern auch Nährboden der Phantasie. Ob in der Jugend ohne Geld mit einer billigen Flasche Tafelwein oder von der exklusiven Terrasse während eines Diners im Kerzenschein. Der Blick auf den weiten Horizont ist eines der wichtigsten Ziele an der Küste.

Blicke aufs Meer Schon seit das Mittelmeer von Piraten befreit und die Seefahrt sicher war, floh der römische Adel aus der engen Metropole Rom in seine Villen an der Küste, die extra für den Blick auf das Meer entworfen wurden. Die Villa Maritima war ein besonderes Haus, bei dem alle Zimmer auf die Landschaft des Wassers gingen und das Aussichtsbalkone und -terrassen hatte, von denen aus das Naturschauspiel bewundert wurde. Für die Römer war das Meer aus der Distanz betrachtet eine paradiesische Landschaft. Und noch heute ist das Meer Sehnsuchtsort der Urlaubsuchenden. Die Traumstrände der Karibik, das warme Mittelmeer oder mindestens die raue See des Nordens verheissen Entspannung und verleiten zum Träumen. Das meistverkaufte Postermotiv ist ein karibischer Strand am Morgen. Für diesen Traum nimmt so manch einer sogar All-inclusive-Betonburgen in Kauf, die anstürmende Touristenmassen beherbergen.

Schöne Farben Für uns ist das Meer wie selbstverständlich blau, doch das war nicht immer so. Als die Wellen noch Gefahr versprühten, schimmerten sie grau, braun und schwarz. Als das Mittelmeer langsam zum sicheren Lebensraum wurde, wurde es grün. Im alten Ägypten hiess es sogar «Das Grosse Grüne». So blau, wie das Meer heute für uns ist, wird es erst seit dem 19. Jahrhundert gesehen. Der englische Dichter Lord Byron besingt in seinen Gedichten den «tiefen und dunkelblauen Ozean». Um 1800 wird das Meer nicht nur blau, sondern auch schön. Die alten Bilder der seefahrenden Niederländer und Engländer zeigten ihre Schiffe im Sturm. Das Meer war gefährlich und musste bezwungen werden. Erst als das Meer mit den besseren Schiffen zur Normalität wurde, war an Strandurlaub und Kreuzfahrt zu denken. In den Strandbädern lernte man langsam schwimmen und es wurden liebliche Strand­ szenen gemalt. Die Barkarolen, Lieder von venezianischen Gondolieri, wurden beliebt – das Meer hatte seinen Schrecken verloren.

Auf dem Meer davon Das Meer war lange nicht das erste Ziel einer Reise. Der Traum von Italien, von dem Land, «wo die Zitronen blühn», wie Goethes Mignon es singt, kommt noch ganz ohne Meer und Küste aus – das italienische Festland war genug. Doch für die Menschen an der Küste war das Meer selbst ein Aufbruch. Für den Philosophen Hegel lädt das Meer «den Menschen zur Eroberung, Raub, aber ebenso zum Gewinn und zum Erwerb ein». Hinter dem Horizont liegen ferne Länder, exotische Waren und unermesslicher Gewinn. Die griechische Kultur lebte von und durch das Meer, und Venedig, die Stadt im Meer, ist durch ihre Handelsschiffe zur schönsten Stadt des Mittelalters geworden. Ihre Schiffe transportierten die fremden Waren von der Levante nach Italien. Dieser Reichtum weckte auch den Wunsch zu den grossen Entdeckungsfahrten. Columbus, der sich nur mit der Idee im Gepäck auf den weiten Atlantik wagte, dort auf China zu stossen, betrat mit dieser weiten Seefahrt Neuland. Bald erhofften sich Auswanderer hinter dem Atlantik ein besseres und freieres Leben. Die «Hoffnung» stellte 1801 den Rekord von 30 Tagen auf, rund 50 Jahre später brauchten die Ozeandampfer nur noch neun Tage für die Atlantiküberquerung. Die Grenze zum besseren Leben wurde schmaler.

Das Meer ist vieles: Landschaft, Transportweg, Lebensraum und Symbol.

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DIE Gross, grösser, am grössten und dazu schnittig im Wind. Das neue Top-Ranking der Super-Segelyachten ist da. Yvonne Beck

uch neun Jahre nach seiner Ablieferung führt der Drei­mast-­Schoner EOS mit 92,92 Metern die aktuelle Liste der 200 grössten Segel­ yachten der Welt an. Die EOS wurde 2006 unter strengster Geheimhaltung in der Lürssen-Werft in Bremen gebaut und gehört dem US-Medien-Mogul Barry Diller. Um in dem Top 200-Ranking der grössten Segelyachten aufgeführt zu werden, ist eine ­Mindestgrösse von 40 Metern Voraussetzung. Experten wissen allerdings: schon bald wird eine neue Nummer 1 das Ranking anführen.

Eine Riesin aus der Lürssen-Werft Bei der Schiffslänge führt noch immer die EOS unangefochten. Zwar brach im Jahr 2012 ein Feuer an Bord aus und verwüstete grosse Teile des Interieurs. Doch Royal Husiman übernahm das aufwendige Refit der Segelyacht und nun erstrahlt sie wieder im alten Glanze. US-Eigner und TV-Medien-Mogul Barry Diller hält jedoch aller Voraussicht nach nur noch für kurze Zeit die Spitzen­ position, denn mehrere Mega-Segler sind im Bau. «Im nächsten Ranking werden wir mit White Pearl einen neuen Spitzenreiter sehen, der diese Position wahrscheinlich recht lang besetzt. Die Yacht wird ein einziger Superlativ», ist sich BOOTE EXCLUSIV-Chefredakteur Marcus Krall sicher. Mit über 145 Metern setzt die Mega-Segelyacht, die derzeit in Kiel entsteht, neue Massstäbe. Der Auftraggeber der White Pearl soll der russische Multi-Milliardär Andrej Melnichenko sein, dem auch schon die 119 Meter lange Motoryacht «A» gehört. Auch die Plätze zwei und drei haben sich seit 2012 nicht verändert. Auf Platz zwei folgt die 2004 bei Royal Huisman (NL) auf Kiel gelegte ATHENA mit 90 Metern Länge. US-Eigner Jim Clark bietet Athena allerdings aktuell zum Verkauf an. Auf Rang drei rangiert die Maltese Falcon (88 Meter) von der italienischen Werft Perini Navi. Eignerin ist  die griechische Geschäftsfrau Elena Am­bro­siadou.  Mit 45 vertretenen Grossformaten ist die italienische Werft Perini Navi der unangefochtene Top-Player im Markt der Supersegler. Besonders US-Eigner lieben die meist ketschgetakelten, ­voluminösen ­Riesen. Auf Platz 4 rangiert die Aquijo. Die 1575 Tonnen verdrängende Alu-Stahl­yacht verfügt über zwei knapp 90 Meter in den Himmel ragende Masten, an denen eine Segel­fläche von 3200 Quadratmetern befestigt ist.

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Auf die Tuchgrösse kommt’s an Wenn es um die Segeltuchgrösse geht führt mit deutlichem Abstand die 67,20 Meter lange Alloy-­ Ketch «Vertigo» (Platz 8). Sie trägt an ihren beiden Kohlefasermasten unglaubliche 5330 Quadratmeter Tuch. Die EOS dagegen bringt lediglich 2500 Quadratmeter Segel in den Wind. «Der Segelyacht-Markt ist generell etwas unter Druck, in der Spitze ab 60 Metern ist allerdings die Nachfrage recht gross», weiss Marcus Krall. «Reichten 2007 noch 38 Meter für einen Platz unter den Top 200, mussten es in diesem Jahr zwei ­Meter mehr sein, um sich in den Top 200 zu p ­ latzieren. Um es bis in die Top 100 zu schaffen, mussten die Segelyachten 2015 satte 47 Meter mitbringen», bilan­ziert Marcus Krall und fügt aus­serdem hinzu: «Auch deutsche Eigner sind nach wie vor sehr aktiv im Markt.»

Foto: Perini Navi/Roddy Grimes-Graeme

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CULTURE & ART


Foto: Lürssen

1 | EOS Werft: Lürssen-Werft

CULTURE & ART

Foto: Andrew Wright

Foto: Franco Pace

Foto: Vitters

2 | ATHENA Werft: Royal Huisman

4 | Aquijo Werft: Vitters / Oceanco Oceano

3 | MALTESE FALCON Werft: Perini Navi

5 | M5 EX MIRABELLA V Werft: Vosper Thornycroft Pendennis

Die gesamte Liste der Top-200-Segelyachten gibt es bei www.boote-exclusiv.com

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«Diese Fische verschonen auch den Menschen nicht: Denn zu Zeiten werden sie so gross und stark, dass sie die Fischer aus den Schiffen ins Meer heraus reissen und sich mit ihrem Fleisch ersättigen.» – Fischbuch von Conrad Gesner, 1558 –


A

Zwei Drittel unseres Planeten sind von Wasser bedeckt. Unter den blauen Wellen tut sich eine Welt auf, die noch immer fremd und zu grossen Teilen unbekannt ist. Seemannsgarn, Glaube und gelegentliche Funde haben über Jahrtausende die Phantasie angeregt und die Meere mit unzähligen Ungeheuern belebt. David Renner

uf alten Seekarten sind Monster und Schrecken der Tiefe eingezeichnet. Wo unbekanntes Land war, dort hat man die Karten weiss gelassen und «Hic sunt dracones», hier leben Drachen, geschrieben. Wo die gefährlichen Meere beginnen, dort verzierte man die Seekarten mit Seeschlangen und anderen Ungeheuern.

Die alten Monster Noch heute steigt im japanischen Kino Godzilla aus der Tiefe auf und verwüstet Metropolen wie ein Erdbeben. Der Glaube, dass die sonnenlosen Tiefen von schrecklichen Wesen belebt sind, ist alt und verbreitet. Vor 3000 Jahren lebten im Mittelmeer noch seltsame Wesen. Poseidon war bei den alten

Griechen der Gott des Meeres. In seinem Reich lebten neben Fischen und Delphinen noch manche Wesen aus der Urzeit. Wie in einem Labor eines verrückten Genetikers gab es dort Geschöpfe, bei denen sich menschliche Glieder mit denen von Tieren ergänzen. Und wie es sich für Monster gehört, wollen sie Seefahrer ins Verderben stürzen. Der grosse Odysseus musste zwischen Skylla, einem Wesen mit dem Oberkörper einer Frau und dem Unterleib aus sechs Hunden, und Charybdis hindurchfahren. Sechs seiner Freunde wurden gefressen. Die Medusa, die statt Haaren Schlangen auf dem Kopf hat, stammt auch aus der Tiefe. Das Alte Testament kennt ebenfalls Monster aus der Tiefe. Leviathan ist ein Ungeheuer zwischen Krokodil, Schlange und Wal, vor dem deutlich gewarnt wird: «Vergreife dich nur einmal an ihm: Mache dich auf Kampf gefasst!» Die Mischwesen kann man noch heute an alten Kirchenfassaden als Wasserspeier betrachten.

Seemannsgarn Im Mittelalter glaubte man, dass alle Lebewesen von Gott erschaffen sind. Und weil man glaubte, dass der Mensch Gott ähnelte, hat man dem Schöpfer auch eine gewisse Logik beim Kreieren unterstellt. So dachte man unter anderem, dass Tiere, die auf dem Land lebten, ihren Gegenpart unter Wasser hätten. Noch heute erinnern die

Olaus Magnus’ «Carta marina» (1544) zeigt Monster der Meere. Mischformen von Fisch und Getier, die Menschen und Schiffe angreifen.

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CULTURE & ART

Namen von so manchem Tier an diese Logik: Seelöwe, Seepferd oder Seehund. Alles war vorstellbar, als die grossen Entdeckungsfahrten begannen. Und die Seeleute brachten phantastische Geschichten und Beschreibungen mit – teils erfunden, teils nach bestem Wissen. Portugiesen, die als einzige Christen den Seeweg nach Indien entdeckt hatten, erzählten von schrecklichen Seeunge­ heuern, die Schiffe angreifen, um andere von der lukrativen Fahrt abzuhalten. Auch die Menschen im Norden erzählten von schrecklichen Tieren in ihren Gewässern, um alleine zu bleiben. Riesige Hummer, die Menschen mit ihren Klauen in die Tiefe ziehen, riesige Fische mit Zähnen wie Säbel, die Schiffe angreifen, und schöne Menschengestalten, die wie Sirenen Seefahrer ins Verderben locken.

Die Wissenschaft Auf alten See- und Weltkarten finden sich allerlei Monster: Manche sollen nur die Karte verschönern, andere zeigen aber, was man dort vermutet oder gesehen hat. Letztere haben Namen und tauchen auch in wissenschaftlichen Schriften auf. Abraham Ortelius beschreibt 1603 zum Beispiel den «Steipereidur»: einen Wal mit Zähnen und einem Kopf wie ein Wildschwein und zwei Blaslöchern, der für Seefahrer gegen andere Wale kämpft. Und Olaus Magnus berichtet 1539 von einem Fisch, der 1537 ans Land gespült wurde: «Es hatte einen Schweinekopf, vier Füsse wie ein Drache und zwei Augen an jeder Seite seiner Lenden. Hinten hatte es einen Schwanz wie ein gewöhnlicher Fisch.» Noch im 17. Jahrhundert berichten Johann Zahn und Caspar Schott (beides Professoren) glaubhaft von Fischmenschen – halb Mensch, halb Fisch –, die man gefunden habe. Und wer noch keine fliegenden Fische gesehen hat, der könnte sie auch ins Reich der Phantasie stecken.

Monster heute und damals Das bekannteste Monster aus der Tiefe ist wohl der Riesenkalmar, der mit seinen zehn Armen bis zu zwölf Meter lang wird. Schon im alten Rom kannte man dieses Ungeheuer: Es «saugt sich mit seinen vielen Saugnäpfen fest und zieht sie tief hinab», berichtet Plinius. Einer der letzten Berichte von solch einer Attacke steht in der «London Times» vom 4. Juli 1874. In der Bucht von Bengalen soll ein Riesenkalmar einen 150-Tonnen-Schoner versenkt haben. Und 1861 will vor Teneriffa die Besatzung der «Alecton» drei Stunden gegen einen Riesenkalmar gekämpft haben. Heute weiss man, dass der Riesenkalmar existiert und in einer Tiefe von über 300 Metern lebt. Im Dunkeln, das die Sonne nicht erreicht, tummeln sich noch ganz andere Tiere. Anglerfische kommen bis zu einer Tiefe von 4000 Metern vor, und ihre Beschreibung klingt ebenso monströs wie die Bilder von Seeunge­ heuern: Sie sind plump «mit aufgedunsenen Körpern, grossen Köpfen und grossen, mit langen Fangzähnen besetzten Mäulern. Der Körper ist in den meisten Fällen schuppenlos, die Haut kann aber mit Papillen oder Stacheln bedeckt sein.»

Angriffe von Riesenkalmaren, die normalerweise in der Tiefe leben, sind bis ins 19. Jahrhundert bezeugt. Wenn ein Kalmar heute ein Schiff attackiert, dann bleibt das wohl unentdeckt.

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«Loda il mare e resta a terra!» lautet ein altes italienisches Sprichwort: «Preise das Meer und bleibe auf dem Land!» Wer sich mit Schiffen dennoch auf das Wasser wagt, der will Grosses erreichen. Hinter dem Horizont liegen Ruhm, Reichtum und neue Welten. Von den vielen, die aufbrachen, wurden manche unsterblich.

Ein neuer Kontinent

Christoph Kolumbus (1451–1506) stammt aus Genua und kommt 1477 als geübter See­ fahrer nach Lissabon, wo er heiratet. Er vertieft sich in die Archive seines Schwiegervaters und arbeitet detaillierte Pläne für die Fahrt nach China aus. In seinen Augen ist der Weg nach Westen vielversprechend. Vergeblich versucht er, das portugiesische Königshaus davon zu überzeugen. So bemüht sich Kolumbus ab 1485 um die Gunst des spanischen Hofes: Er zieht dorthin, wo sich der Hof aufhält, und erhält am 17. April 1492 nach langem Hin und Her den Auftrag. Am 6. September verlässt seine Flotte von drei Schiffen die Kanarischen Inseln und landet am 12. Oktober in der «neuen» Welt. Kolumbus glaubt, wie geplant China erreicht zu haben, und kehrt triumphal zurück. Vier Fahrten unternimmt er und betritt am Ende sogar den Boden Mittelamerikas. Auf seinen Reisen verliert Kolumbus insgesamt neun Schiffe. Nicht zuletzt dieser Umstand sorgt dafür, dass Kolumbus seinen Mythos als Held und Eroberer verliert. Seine letzten Jahre verbringt er zurückgezogen und von der Öffentlichkeit unbeachtet.

Grünes Land Erik «der Rote» Thorvaldsson wurde um 950 in Jæren / Norwegen als Sohn von Thorvald Asvaldsson geboren. Als sein Vater und er wegen eines Mordes nach Island verbannt werden, heiratet er dort und baut sich einen Hof auf. Streitlustig erschlägt er schon bald zwei weitere Männer und wird für drei Jahre aus Island verbannt. Um der Rache der Familie zu entgehen, beschliesst Erik, das Land zu erkunden, das Gunnbjörn Úlfsson um 920 gesichtet haben will. Mit einem Schiff von 15 Männern und einigen Sklavinnen fährt er gegen Westen und erreicht bald die Süd­ küste Grönlands. Während der Zeit seiner Verbannung erkundet er das neue Land und kehrt anschliessend nach Island zurück, um Siedler ­anzuwerben. Er erzählt vom «grünen Land» – Grönland – und überzeugt hunderte, dort zu leben. 25 Schiffe stechen in See, 13 kommen an. Erik Thorvaldsson ist ihr Anführer. Sein Sohn Leif Eriksson gilt später als Entdecker Amerikas.

Allein gegen Spanien Francis Drake (1540–1596) fährt nach seiner Ausbildung als Seemann 1566 bei Sklavenfahrten mit und entwickelt einen persönlichen Groll auf Spanien. Ab 1570 trägt er persönlich die Piraterie in die Karibik und plündert spanische Schiffe und Siedlungen. Die Streitigkeiten zwischen englischer und spanischer Krone erlauben englischen Schiffen, als Freibeuter spanische Schiffe auszurauben. 1577 bricht er zur «famous voyage» in die Neue Welt auf. Er fährt über die Magellanstrasse in den Pazifik und bereichert sich an den spanischen Siedlungen der Küste. Über die Gewürzinseln kehrt er nach England zurück. Für seine Dienste wird er zuletzt Admiral. Er verhindert 1587 eine spanische Invasion, indem er die Strasse von Gibraltar sichert, und hilft 1588, die spanische Armada zu schlagen. Danach allerdings sinkt sein Stern rasch und seine Unternehmungen scheitern. Er stirbt vor Cartagena.


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PRESENTS

SURF

ODYSSEY

THE CULTURE OF WAVE RIDING Gestalten 2016


«It’s all about where your mind’s at.» – Kelly Slater –

Photographie von Sarah Lee aus Surf Odyssey


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«The best surfer out there is the one having the most fun.» – Phil Edwards –

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Photographie Brian Bielman aus Surf Odyssey

Photographie von Sarah Lee aus Surf Odyssey

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Photographie von Sarah Lee aus Surf Odyssey

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«One of the greatest things about the sport of surfing is that you need only three things: your body, a surfboard, and a wave.» – Naima Green –

Photographie von Sarah Lee aus Surf Odyssey

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«The biggest sin in the world would be if I lost my love for the ocean.» – Laird Hamilton –

Photographie von Morgan Maassen aus Surf Odyssey


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Mehr als Palmenstrände und Beachboy-Klischees

SURF ODYSSEY The Culture of Wave Riding Herausgeber: Andrew Groves, Maximilian Funk, Robert Klanten Gestalten Books

Kaltwassersurfen, entlegenste Surfspots, spektakuläre Bilder, Illustrationen und massgefertigte Bretter. «Surf Odyssey» beschreibt den modernen Kult ums Surfen als Subkultur und Lebenseinstellung. Wellenreiten hat mit weitaus mehr zu tun als mit Palmenstränden und Beachboy-Klischees. Jenseits des Surf-Mainstreams liegt ein Meer an Kreativität, Gemeinschaft und Freiheit, das die eigentliche Natur des Surfens zelebriert. «Surf ­O dyssey» ist ein Buch über das Wellenreiten, wie es heute gelebt wird. Dazu gehören der Adrenalinrausch beim Kaltwassersurfen, Orte wie der Temple of Enthu­ siasm in Bali, die ewige Suche nach unberührter Natur sowie jene Momente, in denen sich all dies auszahlt und man ganz bei sich selbst ist. Atemberaubende Fotografien und pointierte Porträts der Macher und Protagonisten der Szene erzählen eine Geschichte vom Wellenreiten, in der soziale Normen wenig Platz finden, dafür Abenteuerbereitschaft umso mehr. «Surf Odyssey» zeigt den unverwechselbaren Spirit, das Lebensgefühl, den Nervenkitzel und die Naturverbundenheit, die diese aktuelle Bewegung und ihre Community prägen. Multitalent Andrew Groves (Mitherausgeber) ist selbst passionierter Wellenreiter und bestens vernetzt in der SurfSzene. Der Designer hat einen besonderen Blick für den Surf- und Outdoor-Lebensstil; seine Illustrationen sind gefragt von Publikationen wie «The New York Times», «Huck Magazine», «The New Yorker», «GQ», «Wired» oder «The Guardian». 2011 gründete er mit Miscellaneous Adventures ein Handwerksprojekt, das seine Kreativität und Naturliebe in praktischen Holzobjekten verbindet.

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OLAF

ERWIN

CULTURE & ART

PHOTOGRAPHING ARTIST

Seine Bilder sind hoch stilisiert und poliert, aber auch polarisierend. Soziale Fragen, gesellschaftliche Tabus oder Geschlechterpolitik – seine Werke sind seine Worte. Lone K. Halvorsen Erwin Olaf

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W

Der niederländische Fotograf Erwin Olaf.

enn das Haus Ruinart alljährlich einen Künstler für eine Zusammenarbeit beauftragt, dann lässt es ihm komplett freie Hand. Genau diese Freiheit war es, die Erwin Olaf so gereizt hat. Wer wäre denn auch besser dazu in der Lage, die Kreidekeller des Hauses Ruinart zu beleuchten, als ein Fotograf? Der niederländische Künstler Erwin Olaf beeindruckt mit seinem Auge für Perfektion und Geschichte. Bei seinem ersten Besuch in Reims war Erwin Olaf vollkommen fasziniert von der Tiefe und Grossartigkeit der Kreidekeller. Er entschloss sich daher, sich bei seiner Arbeit auf die Details zu konzentrieren – die einerseits durch prähistorische natürliche Formationen entstanden sind und andererseits auf die Spuren, die die Menschen hinterlassen haben. Der Fotograf, der sonst seine künstlerischen Methoden durch Szenarien im Kopf visualisiert, bevor er diese schliesslich fotografisch festhält, erlebte bei dieser Arbeit eine ganz neue Herausforderung. Die Arbeit für das Champagnerhaus entwickelte sich für Erwin Olaf in eine komplett andere Richtung als bei seinen bisherigen barocken und hypnotischen Bildern. PRESTIGE sprach mit Erwin Olaf über seine Kunst, Champagner und mysteriöse Kreidekeller.


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«Photos like champagne, need darkness to find light.»

So manche Flasche in den Kreidekellern von Ruinart zeugt von einer langen Geschichte.

PRESTIGE: Was ist für Sie der ultimative Luxus? ERWIN OLAF: Ein bequemer Stuhl im Schatten eines Baumes, dazu eine sanfte Brise, die mit den Blättern spielt. Zudem der Klang des Meeres mit dem Blick auf einen menschenleeren Strand und das kristallblaue oder -grüne Meer. Ich allein mit der Schönheit der Natur. Mit wem und mit was feiern Sie «good news»? Mit meinem Partner und einem fabelhaften Glas Champagner. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Ruinart? Vor zwei Jahren wurde ich von Ruinart kontaktiert. Das Verlockende an der Zusammenarbeit war: Es gab keinerlei Vorgaben und ich hatte als Fotograf völlig freie Hand. Für mich war dies jedoch eine grosse Herausforderung, denn wie sollte ich es als Fotograf schaffen, für Ruinart zu arbeiten, ohne dass das Ergebnis wie Werbung daher-

kommt? Doch die Herausforderung war so gross, dass ich schnell zugesagt habe. Und dann landeten Sie in der unterirdischen Welt des Champagnerhauses … Als Fotograf bin ich ja für Stage-Fotografie bekannt, das bedeutet, dass ich stets jede Menge Mitarbeiter und Models am Set habe. Als wir durch die 38 Meter tiefen Keller von Ruinart gingen, war ich zugegebenermassen etwas unglücklich … Wenn ich fotografiere, versuche ich Geschichten aus der Vergangenheit in Stage-Fotografien zu verwandeln – w ­ as mir hier in den Kellern jedoch nicht gelang ... Es gab irgendwie nichts zu sehen, aber zugleich so unglaublich viel. Voller Eindrücke, aber mit durchwachsenen foto­ grafischen Ergebnissen ging ich schliesslich nochmals alleine in die Keller hinunter, um meinen Kopf freizubekommen. Dabei entdeckte ich immer wieder Reliefs und Strukturen an den Wänden. Ich stellte mir die Frage,

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«I’m a photographing artist. Captured with my lens, this series illuminates the contemporary art found in cellars.»

Wenn die Wände sprechen könnten, wäre der Reiz des Unbekannten verloren …

warum jemand diese Reliefs gemacht hatte – und zugleich erkannte ich einen starken Kontrastpol zu der glamourösen Welt der Champagner. Hier an den Wänden identifizierte ich die Geschichte und das Erbe von Ruinart. Mit nur einer Assistentin, einer Lampe und einer 35 Jahre alten Hasselblad ging ich wieder hinunter in die Keller, und nach ein paar Stunden kamen wir mit Bildern zurück, die im kompletten Gegensatz zu den ersten Versuchen standen. Meine Transformation ist: Die Trauben benötigen Licht, um zu reifen, aber auch die Dunkelheit der Keller, um ein vollendeter Champagner zu werden. Es war eine unglaubliche Herausforderung, in der Dunkelheit und Stille der menschenleeren Keller zu fotografieren. Also eine anspruchsvollere Arbeit, als mit Menschen zu arbeiten? Ja, definitiv! Haben Sie Ihr fotografisches Ziel so erfüllen können, wie Sie es sich gewünscht haben? Es ist letztlich meine Vision auf die Frage: Wie kann ich die Geschichte und das Erbe von Ruinart reflektieren und präsentieren. Und ich glaube, dass es mir gut gelungen ist, den Charakter und die Historie des Hauses abzubilden. Was sind sonst Ihre Hauptinspirationsquellen? Das Leben auf der Strasse und das Fernsehen. Wenn man Ihre Arbeiten betrachtet, haben sie zum Teil gewisse Ähnlichkeiten mit Malereien. Worin sehen Sie hier den grössten Unterschied? Ich kann sehr viel durch meine Bilder zum Ausdruck bringen, wenngleich es einen grossen Nachteil in der Fotografie gibt: die Oberfläche der Leinwand. Die Oberfläche ­gemalter Bilder ist mit Emotionen verbunden, bei der ­Fotografie ist sie stets identisch: einfach nur Papier. Wenn

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ich die weiblichen Genitalien fotografiere, ist es Pornografie. Wenn ich jedoch dasselbe malen würde, ist es Kunst. Hier liegt der stärkste Unterschied zwischen der Malerei und der Kunst der Fotografie. Ihre Serien sind sehr unterschiedlich. Langweilen Sie sich schnell, oder woher kommt der Wunsch nach häufiger Variation? Ich versuche immer meine ganz eigene Arbeit zu machen. Ganz wichtig dabei: Ich will entdecken! Ich habe mich natürlich mit den Jahren verändert und weiterentwickelt. Mit 20 war ich rebellisch und wollte die Welt verändern. Mit 30 war ich ichbezogen und hitzig in meinen Ambitionen. Ich wollte im Mittelpunkt des Geschehens stehen – seht her, hier bin ich mit meinen fabelhaften Bildern. Mittlerweile bin ich eher entspannt und gelassen, und dies wirkt sich natürlich auch auf mein künstlerisches Schaffen aus. Es gibt viele Künstler, die mit 65 Jahren immer noch das Gleiche machen wie mit 25 Jahren. Ich frage mich nur: Hat sich in dieser Zeit nichts verändert? Alleine das politische Geschehen beeinflusst meine Arbeiten, und als Künstler sollte man auch reflektieren können.

House of Ruinart Maison Ruinart wurde 1729 als allererstes Champagnerhaus gegründet. Zu verdanken ist seine Entstehung der Intuition eines Mönchs, der seiner Zeit weit voraus war – Dom Ruinart. Der intuitive, visionäre, arbeitsame und bescheidene Benediktiner wurde im Alter von 23 Jahren in die Abtei Saint-Germain-des-Prés berufen, die damals eines der bedeutendsten Zentren der Gelehrsamkeit der christlichen Welt war. Dort kam er nicht nur in Berührung mit dem Leben in der Stadt und bei Hof, sondern auch mit den weltlichen Verlockungen. Vor allem entdeckte er einen neuartigen Wein, der zwar noch nicht Champagner genannt wurde, sich jedoch bei den Aristokraten grösster Beliebtheit erfreute. In der Champagne geboren, kehrte er immer wieder dorthin zurück, und aus der Summe aller seiner Beobachtungen gewann er die Überzeugung, dass dem «Wein mit den Perlen», den der Boden seiner Heimat hervorbrachte, eine grosse Zukunft bevorstand. 1729, zwanzig Jahre nach dem Tod seines Onkels, gründete Nicolas Ruinart das erste Champagnerhaus. Damit fanden der Name und die Vision des Benediktinermönchs Eingang in die Geschichtsbücher.


ANDERE

Blicke

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BY PRESTIGENEWS.COM

Der Bl ick au f d ie Welt ist auch ei n Bl ick der Gewöh nu n g. Ku nst h i l ft u ns, d ie festgefa h renen Muster au fz ubrechen u nd d ie Welt m it a nderen Augen z u entdecken. Das ist i m mer ei n Gr u nd z u ei nem Stadtbesuch.

1 I DESIGN GALLERIST «TRANSPARENCES» SIND EINZIGARTIGE, HANDGEMACHTE SKULPTUREN VON BULL & STEIN. 2 I BELVEDERE MUSEUM WIEN CLAUDE MONET, WEG IN MONETS GARTEN IN GIVERNY, 1902

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3 I CHAPLIN’S WORLD BY GRÉVIN ERINNERUNGSSTÄTTE FÜR CHARLIE CHAPLIN

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4 I KUNSTMUSEUM BASEL «UNENDLICHE SCHLEIFE, VERSION IV», 1960– 61, GRAUER GRANIT AUS WASSEN VON MAX BILL

5 I TATE GALLERY OF MODERN ART EIN RAUM, UM KUNST EINMAL ANDERS ZU SEHEN UND ZU ERLEBEN. 6 I NATALIJA ROBOVIĆ «SILVERIO RABBIT»: ZU SEHEN IM SCHLOSS SCHWETZINGEN VOM 14.–21. AUGUST 2016. 7 I SOTHEBY’S DER WELTGRÖSSTE ROHDIAMANT – THE 1109-CARAT «LESEDI LA RONA»

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CULTURE & ART

Spielend durch

Köln Vom 17. bis 21. August 2016 gilt für die gamescom, Europas Leitmesse für interaktive Spiele und Unterhaltung, das Motto «Celebrate the Games». Ganz Köln feiert – vom Messegelände, über den Tanzbrunnen bis ins Stadtzentrum – die Welt der Spiele. Atemberaubende Indoorund Outdoor-Performances, sensationelle Live-Acts und die neusten Highlights aus der Welt der Games werden vorgestellt. Parallel zur Messe findet an vielen Orten in Köln das gamescom city festival mit Live-Musik und weiteren Veranstaltungen statt. www.gamescom.de

Stadtfest zu Ehren der

Schutzpatronin Mercè Das Stadtfest «La Mercè» gilt als das Strassenfestival schlechthin. Barcelona befindet sich vier Tage lang im Ausnahmezustand. Dabei wird die Schutzpatronin der Stadt. «La Mercè». gefeiert. Es gibt Strassenumzüge, Open-Air-Konzerte und unzählige kulturelle Ereignisse in der Stadt. Zwischen dem 18. und 24. September finden bis zu 500 Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet statt. Die Höhepunkte sind: die menschlichen Türme der Castellers, die Prozession der Feuer speienden Drachen und die Parade der Riesen. Die Prozession findet mit Einbruch der Dämmerung statt. Feuer speiende Drachen, begleitet von ebenso gefährlichen Teufeln und anderen Ungeheuern, ziehen die Strasse entlang und erschrecken mit allerlei Feuerwerk und Knallkörpern die Passanten. Ziehen Sie Kleidung an, denen ein paar Funken nichts anhaben können. Wenn Sie die Feuer speienden Drachen ganz aus der Nähe anschauen wollen, ist sicher eine Brille nichts Unnützes. Bei der Parade der Riesen marschieren riesige Figuren von Königinnen und Königen, Adeligen und Heiligen durch die Strassen von Barcelona. Die Riesen tanzen auf den Strassen, drehen sich im Kreis, begleitet von Trommel- und Flötenmusik. www.lameva.barcelona.cat/merce

Grosse nächtliche

Wasserspiele Bei Ankunft der warmen Tage erwacht der Garten von Schloss Versailles und wird zum Theater einer zauberhaften Veranstaltung. In den Alleen, die von Le Nôtre gezeichnet wurden, zeigen die Wasserbecken und Wasserfälle ein majestätisches Spektakel, in dem Springbrunnen sprudeln und Wasserspiele sich verflechten. Begleitet von einer barocken Musikauswahl werden die Besucher eingeladen, die Wassermagie des Parks zu entdecken, einen Spaziergang nach Lust und Laune zu unternehmen, der mit den grossen nächtlichen Wasserspielen (vom 18. Juni bis 17. September 2016), der königlichen Nachtmusik im Spiegelsaal (vom 18. Juni bis 17. September 2016) oder den musikalischen Gärten (vom 29. März bis 25. Oktober 2016) kombiniert werden kann. www.chateauversailles-spectacles.fr

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CULTURE & ART

Tennis der

Spitzenklasse

Bis heute hat sich Wimbledon einen speziellen, altmodisch-vornehmen Charakter bewahrt, der das Turnier von allen anderen abhebt. Nur hier findet die alte Regelung, dass 90 Prozent der Spielkleidung weiss sein müssen, noch Anwendung. Das Publikum nimmt traditionell Erdbeeren mit Sahne zu sich und erträgt den nicht selten vorkommenden und Spielpausen erzwingenden Regen mit Gleichmut. Tradition ist aber auch, dass der erste Sonntag des Turniers spielfrei, also ein Ruhetag ist.

SUMMER’S DIARY

Berlin lacht!

Das internationale Strassentheaterfestival «Berlin lacht!» bringt 18 Tage lang aussergewöhnliche Künstler aus verschiedenen Nationen auf den Berliner Alexanderplatz. Es holt das schrille, bunte und volksnahe Flair der 20er Jahre zurück nach Berlin: Konventionen brechen, überraschende Momente in den Alltag zaubern und Theater direkt und unmittelbar zum Publikum bringen. Nonstop-Bühnenprogramm auf vier Bühnenflächen. An diesen Tagen tummeln sich junge Zirkuscompagnien, die Geschichten erzählen, Akrobaten und Akrobatinnen tanzen am Boden und in der Luft. Varieté- und Zirkus­ traditionen werden wiederbelebt und zelebriert. Charakteristisches Clowntheater gespielt von Altmeisterinnen und Newcomern, exotische Musikcomedy, Puppen­­theater und rasante Feuershows. Es gilt die «Hutregel»: Beim Strassentheaterfestival ist der Eintritt frei. Alle Künstler und Künstlerinnen spielen für das Publikum, und wenn die Besucher etwas gut finden, dann können sie den hungrigen Hut der Künstler füttern. www.berlin-lacht.de

Edle

Velden

in

Fahrzeuge Nach dem grossen Erfolg der bisherigen Internationalen Rolls-Royce und Bentley-Treffen laufen die Vorbereitungen für das nächste Treffen vom 29. Juni bis 3. Juli 2016 auf Hochtouren. Eleganz und Luxus sind die bestimmenden Attribute der Rolls-Royce und Bentley-Treffen in Velden am Wörthersee. Über 50 Rolls-Royce- und Bentley-Modelle aller Baujahre kamen im letzten Jahr an den Wörthersee und erlebten hier drei unvergesslich schöne Tage. Auch dieses Jahr verspricht wieder ein umfangreiches und exklusives Programm. Schöne Fahrtrouten, ausgezeichnetes Essen und gehobene Unterhaltung stehen bei diesem Treffen im Vordergrund. Die Parade der Fahrzeuge findet am Samstag direkt vor dem Schloss Velden statt. www.woerthersee.com

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Bang at Ai Weiwei’s studio Beijing 2013

CULTURE & ART

Ai Weiwei Pillar through Round Table 2004 –2005


AI

CULTURE & ART

KUNST MACHT POLITIK

Konzeptkünstler, Maler, Bildhauer, Architekt, Selbstdarsteller, Dissident, Dorn im Auge des Regimes in Peking – Ai Weiwei ist für seine politischen Standpunkte und seine Präsenz in den sozialen Medien fast ebenso bekannt wie für seine Kunst, die oftmals spektakuläre Dimensionen annimmt.

D

er chinesische Künstler Ai Weiwei geniesst ein hohes internationales Ansehen, das weit über den Kreis der Kunstinteressierten hinausreicht. Seine sozialen Aktionen und Performances sowie seine Objektkunst haben ihn zu einem der weltweit führenden Konzeptkünstler gemacht. Spätestens seit er im Jahr 2011 für 81 Tage von der chinesischen Polizei inhaftiert wurde, ist er einer breiten Weltöffentlichkeit als Social-Media-­ Phänomen, politischer Aktivist und Kämpfer für das Recht auf freie Meinungsäusserung und individuelle Selbstentfaltung in China bekannt.

Der inhaftierte Künstler Er weiss genau, was er mit seiner Kunst sagen will, und er weiss, wie er es sagen kann. Man kann seine Kunst nicht falsch verstehen. Ai Weiwei will mit seiner Kunst provozieren und schockieren. Immer wieder zeigt er den Menschen den Mittelfinger oder macht sich nackt. Er zerschlägt Vasen und zeigt China seine Missachtung. Aufgrund seines politischen und gesellschaftlichen Engagements ist er regelmässig Repressalien durch chinesische Behörden und die Polizei ausgesetzt. Im Herbst 2010 verfügte die Stadtverwaltung von Shanghai die Räumung seines Ateliers. Als Ai Weiwei daraufhin eine «Abriss-Party» ankündigte, um die Öffentlichkeit auf die geplante Zwangs­

Ai Weiwei Coca-Cola Vase 2008

Lilly Steffen |

The artist, courtesy Ai Weiwei Studio / TASCHEN

räumung des Gebäudes hinzuweisen, wurde er von den Behörden unter Hausarrest gestellt. Die Party fand schliesslich mit circa 800 Personen ohne den Gastgeber statt. Den Grund für den zu­ nehmenden Druck seitens der Shanghaier Behörden sieht Ai Weiwei in seiner politischen Aktionskunst. Anfang Dezember 2010 wurde Ai Weiwei erstmals daran gehindert, aus der Volksrepublik China auszureisen. Im Jahre 2011 wurde er von der chinesischen Polizei festgenommen und inhaftiert wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen. Überall im Ausland kam es zu Protestaktionen gegen seine Inhaftierung. Durch seine Social-Media-­ Auftritte wurde er schnell zum berühmtesten politischen Gefangenen Chinas.

Regimekritische Kunst Ai Weiwei kommentiert in seinem Werk die gravierenden Veränderungen, die in China seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes stattfinden. Er kritisiert die Verstösse gegen die Menschenrechte, wirtschaftliche Ausbeutung und Umweltverschmutzung in seiner Heimat und bezieht sich formal nicht nur auf künstlerische Traditionen Chinas, sondern auch auf den Mitbegründer der Konzeptkunst und Wegbereiter des Dadaismus, Marcel Duchamp. In Installationen verwendet er Objekte wie Antiquitäten oder spirituelle Gegenstände, um sie in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Regelmässig nimmt

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Ai Weiwei Straight 2008 –2012

© Ai Weiwei Studio

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verheerende Erdbeben in Sichuan sollte der vier Tonnen schwere Felsen erinnern, den Ai Weiwei 2010 im Rahmen des österreichischen Kulturfestivals «regionale 10» auf den 2995 Meter hohen Dachstein fliegen liess. Ai Weiweis bisher grösste Werkshow fand 2014 unter dem Namen «Evidence» im Berliner Martin-Gropius-Bau statt. Im Eingangsbereich war die Installation «Very Yao», bestehend aus 150 silbernen Fahrrädern, die sich in langen, miteinander verschweissten Reihen in die Höhe schrauben, zu sehen. Sie sollten an einen Mordprozess erinnern, der in China für Aufsehen sorgte. Dutzende Vasen (alle zwischen 5000 und 10’000 Jahre alt) liess Ai Weiwei mit Industrielack überziehen. Er zerstört antike und kulturelle Werte, um sie in Werke zeitgenössischer Kunst zu verwandeln.

Es war das teuerste documenta-Projekt aller Zeiten und Ai Weiweis internationaler Durchbruch als Künstler. Für sein Kunstprojekt «Fairytale» schickte Ai Weiwei im Jahr 2007 1001 Chinesen nach Kassel, darunter auch einfache Bauern. 3,1 Millionen Euro kostete die Aktion, für alle Teilnehmer war es ein unvergessliches Erlebnis. Ebenfalls auf der documenta 12 zu sehen war die Installation «Template», ein zwölf Meter hoher Holzturm aus Türen und Fenstern von Häusern, die dem chinesischen Bauboom zum Opfer gefallen sind. Ein Unwetter brachte das Kunstwerk zum Einsturz. Ai Weiwei nahm die Trümmer gelassen: «Das ist besser als vorher. Jetzt wird die Kraft der Natur sichtbar. Und Kunst wird durch solche Emotionen erst schön.» 9000 Rucksäcke schmückten den Eingang zum Münchner Haus der Kunst: Sie wirkten wie ein fröhliches buntes Plakat, das auf Chinesisch den Satz «Sieben Jahre lebte sie glücklich in dieser Welt» ergab. Damit gedachte der Künstler den mehreren Tausend Kindern, die 2008 beim Erd­ beben in der Provinz Sichuan in den Trümmern ihrer Schule ums Leben kamen. Ebenfalls an das

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Momentan beschäftigt er sich ausführlich mit dem Thema Flüchtlinge. So stellt er an einem Strand das Bild eines ertrunkenen Flüchtlingskinds nach und mit einer Installation aus gebrauchten Schwimmwesten macht er auf weitere Menschen aufmerksam, die auf ihrem Weg nach Europa ertrunken sind. Die Westen kommen von der Insel Lesbos. Dort wurden bereits Tausende Schwimmwesten angespült oder blieben nach der Rettung von Flüchtlingen am Strand liegen. Ai Weiwei gilt als Stimme der Verfolgten und Unterdrückten, ob in seiner Heimat China oder im Flüchtlingsland Europa. Vielen gilt Ai Weiwei als «soziales Gewissen», weil er in seinem Werk offen Regimekritik übt, Korruption und Ungerechtigkeit anprangert. In den westlichen Metropolen wird er wie ein Superstar gefeiert.

Ai Weiwei TASCHEN Verlag Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Ai Weiwei Circle of Animals 2010

er an Performances teil, auch im Rahmen seiner Ausstellungen. Ai Weiwei gehört zu den international bekanntesten Vertretern der zeitgenössischen chinesischen Kunst. In seinem Werk beschäftigt er sich mit vielfältigen künstlerischen Ausdrucksformen, unter anderem schuf er Bilder, Bücher, Filme, Häuser, Installationen, Photographien und Skulpturen.

Künstler und Aktivist Die Monografie, die auf der von TASCHEN herausgegebenen Collector’s Edition basiert, beleuchtet alle Phasen von Ai Weiweis Werdegang bis zu seiner Entlassung aus der chinesischen Staatshaft. Sie enthält aus­f ührliches Bild­ material, das es ermöglicht, seine Entwicklung von seiner Frühzeit in New York bis in die jüngste Vergangenheit nachzuvollziehen. Neben seiner an Highlights reichen künstlerischen Karriere wird auch sein politisches Engagement ein­ gehend beleuchtet. Das reichhaltige Bildmaterial wird durch zahlreiche Aussagen ergänzt, die exklusiven Interviews mit Ai Weiwei ent­nommen wurden, und bietet intime Einblicke in die Arbeitsweise des Künstlers. Das Buch enthält zudem Texte von Uli Sigg, dem langjährigen Freund von Ai Weiwei und ehe­ maligen Schweizer Botschafter in der Volksrepublik China.


KOLUMNE

AUS DEM LEBEN EINES GALERISTEN: SPACE-AGE-NOSTALGIE! Bezeichnenderweise gibt es darin auch eine Skulptur mit dem Titel «Moon». Der Betrachter schaut in die runde, glänzende Fläche wie in einen gebogenen Spiegel – ein bisschen wie Aldrin oder Armstrong.

WILHELM J. GRUSDAT

Space-Age! Das klang in den 1950ern nach Aufbruch der Menschheit zu den Sternen und darüber hinaus. Und die Kunst machte ganz vorne mit. Otto Piene und die Gruppe Zero blickten in den Himmel und erwarteten sich viel aus der Verbindung von Kunst und Technik. Zero war nicht nur der Beginn bei null, sondern auch der Start der Rakete. Wen wundert es, dass die NASA Künstler einlud, dem Publikum die Errungenschaften der Raumfahrt näherzubringen. Ein besonders glücklicher Teilnehmer war Robert Rauschenberg: Er durfte 1969 über vier Monate die Vorbereitungen für die Apollo-11-Mission in Cap Canaveral begleiten. In dieser Zeit erschuf er die Lithographie-Serie «Stoned Moon», die nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich bahnbrechend wurde. Mit Blick auf die drei Astronauten, die in den Everglades Bewegungstraining in Raumanzügen absolvieren mussten, notierte er: «Damals als Lümmel in kurzen Hosen hätten sie wohl niemals geglaubt, dass sie an der Apollo-11-Mission teilnehmen würden.»

Welche Blüten die Begeisterung für den Weltraum getrieben hat, zeigt das Museum auf dem Mond. Auf einer kleinen, weissen Plastikplakette versammeln sich Zeichnungen sechs bekannter Künstler – darunter Andy Warhol, Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg und John Chamberlain. Wer es besichtigen will, muss die Beine des Landungs­moduls der Apollo-12-Mission nach dem wenige Zentimeter grossen Rechteck absuchen. Rauschenbergs Beitrag ist schwer als solcher zu erkennen. Seine handgezogene Linie soll an seine Autoreifenspur von 1953 erinnern. Dagegen fordert Warhols Beitrag die Konventionen heraus. Offiziell zeigt er seine Anfangsbuchstaben. In der Art und Weise, wie diese zusammengefügt wurden, erinnern sie auch an einen Teil der männlichen Anatomie. Die ganze Aktion war übrigens nicht von der NASA genehmigt worden. Inzwischen hat sich die Begeisterung für das Space Age gelegt. Astronaut taucht nur noch ganz weit hinten auf der Liste der Wunsch­ berufe von Kindern auf. Heute ist das All für die meisten eine weit entfernte, ja weltfremde Angelegenheit. Sehr schade. Passenderweise sang der scheidende Kommandeur der Raumstation ISS, Chris Hadfield, vor ein paar Wochen David Bowies «Space Oddity». Darin kommt auch ein Countdown vor und am Ende verliert sich der Astronaut im All.

«Zero war nicht nur der Beginn bei null, sondern auch der Start der Rakete.»

Diese Mission bescherte uns nicht nur den ersten Schritt auf dem Mond, sondern auch das erste Selfie. So zeigt das berühmte Foto, das Neil Armstrong von Buzz Aldrin schoss, nicht nur den Astronauten im Raumanzug, sondern auch den Fotografen, der sich im Helmschild spiegelte. Aus der silbernen Folie, die für die Raumanzüge verwendet wurde, entwickelte man später die ersten Folien­ ballons als Konkurrenz für die anfälligen Gummiballons. Die berühmten, auf Hochglanz polierten Ballonfiguren aus Stahl der «Celebrations»-Serie von Jeff Koons sind dann eigentlich eine Hommage an die Raumfahrt.

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CULTURE & ART

150 JAHRE

BEATRIX

POTTER AUF DEN SPUREN VON PETER RABBIT DURCH NORDENGLANDS LAKE DISTRICT

Im äussersten Nordwesten Englands erstreckt sich auf mehr als 2200 Quadratkilometer der 1951 gegründete Lake District National Park – einer von insgesamt 15 Nationalparks auf den Britischen Inseln. Dr. Thomas Hauer

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einen Namen verdankt dieser Landstrich im Herzen der Grafschaft Cumbria rund 1000 Seen, die sich hier am Fusse der Cumbrian Mountains oder Lakeland Fells erstrecken. Darunter mit dem Windermere auch Englands grösste natür­ liche Wasserfläche. Der Nomenklatur nach gibt es im Lake District tatsächlich aber nur einen einzigen echten «Lake» – den Bassenthwaite, denn grössere Gewässer werden hier in der Regel als «-mere» oder «-water» bezeichnet, die kleineren als «Tarn». Gesäumt von einsamen Hochmooren, gelegen inmitten dichter Eichen- und Kiefernwälder und umgeben von goldenem Stechginster, Riesenadlerfarn oder violett blühender Besenheide, dazwischen immer wieder jahrhunderte­ alte, von Glyzinien umrankte Cottages oder stattliche Herrenhäuser, entsteht so das Bild einer

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Ideallandschaft, das der Phantasie eines Genremalers aus dem 19. Jahrhundert entsprungen scheint. Kein Wunder, dass der Lake District, der sein heutiges Gesicht der letzten grossen Eiszeit vor rund 20’000 Jahren verdankt, heute zu Englands beliebtesten Ferienregionen mit jährlich mehr als zwölf Millionen Besuchern zählt – darunter viele Aktivurlauber.

Künstlerischer Inspirationshort Aber auch Kunst- und Literaturliebhaber zieht es scharenweise in Englands rauen Norden, denn die dramatische Naturkulisse inspirierte nicht nur Maler und Komponisten, sondern auch zahlreiche Schriftsteller und Philosophen zu ihren Werken. Darunter Poeten vom Rang eines Hartley Coleridge, Thomas de Quincey, Sir Walter Scott, Nathaniel Hawthorne, Hugh Walpole, John Ruskin oder John Keats.


© Thomas Hauer

Panoramablick auf Derwent Water bei Latrigg.

Bereits 1778 veröffentlichte der Landpfarrer Thomas West den ersten offiziellen Reiseführer für die abgelegene Region. Und noch heute finden sich am Westufer des Windermere Ruinen der Claife Station, einer von mehreren Aussichtspunkten, die nach Erscheinen von Wests Titel als Raststation für Besucher errichtet wurden. Aber erst William Wordsworth 1810 publizierter «Guide to the Lakes» verwandelte den Landstrich quasi über Nacht in einen Sehnsuchtsort für grossbürgerliche Zivili­ sationsflüchtlinge. Neben Coleridge und Robert Southey gilt Wordsworth als Hauptvertreter der sogenannten «Lake Poets» – ein von der kontinental­ europäischen Romantik beeinflusster Schriftstellerzirkel, in dessen Werken die Naturschönheit des Lake District oft eine zentrale Rolle spielt. So z. B. auch in Wordsworth Gedicht «I wandered Lonely as a Cloud» – eine der schönsten und bekanntesten Versdichtungen in englischer Sprache.

Ausflugsboote auf dem Windermere.

© Visit England / Rod Edwards

CULTURE & ART


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© Visit Britain / Rod Edwards

Englands bekannteste Kinderbuchautorin

The World of Beatrix Potter in Bowness-on-Windermere – ein Paradies für Kinder.

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Die neben Wordsworth und den Lake Poets bis heute aber am engsten mit dem Lake District verbundene Schriftstellerin war die 1866 in London ge­ borene Beatrix Potter, Englands bekannteste Kinderbuchautorin und -illustratorin, die am 28. Juli 2016 ihren 150. Geburtstag feiert. Ihr im Oktober 1902 bei Frederick Warne & Co veröffentlichtes «Tale of Peter Rabbit» (dt. «Die Geschichte von Peter Hase»), dessen gleichnamiger Held es pünktlich zum Jubiläum auf eine Sonderprägung der britischen 50-Pence-­Münze geschafft hat, wurde bis heute in fast 40 Sprachen übersetzt und gilt als eines der erfolgreichsten Kinderbücher der Weltliteratur, ja avancierte schon zu Lebzeiten der Autorin zum Klassiker. Noch während die Druckerpressen liefen, erhöhte der Verlag die Erstauflage aufgrund der


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Flut eingehender Vorbestellungen von 5000 auf 8000 Exemplare. Aber selbst diese waren bereits vergriffen, bevor es das schmale Bändchen mit 26 Illustrationen der Autorin in die Auslagen der Buchhändler schaffte. Bis heute wurde «Peter Rabbit» weltweit mehr als 40 Millionen Mal ver­ kauft – die Gesamtauflage aller 23 Teile der Reihe summiert sich auf über 150 Millionen Exemplare!

© National Trust

Das sehenswerte, 2006 vom australischen Regisseur Chris Noonan gedrehte Biopic «Miss Potter», mit Renée Zellweger in der Titelrolle, beleuchtet eindrucksvoll – wenn auch reichlich idealisiert – Kindheit und Jugend der Schriftstellerin, vor allem aber die Entstehungsgeschichte von Potters grös­s­ tem Erfolg. Die Autorin selbst hatte in zähen Verhandlungen mit dem Verlag u. a. durchgesetzt, dass

ihr Erstling – wie alle folgenden Bücher, die Potter bis zum Jahr 1930 veröffentlichte, als ihr Augenlicht spürbar nachzulassen begann – im Klein­format von 10 mal 14 Zentimetern gedruckt wurde. So konnten auch kleine Kinder das Buch gut in den Händen halten. Ausserdem gab sie sich zunächst mit einem vergleichsweise bescheidenen Honorar zufrieden, damit der Verlag das Buch trotz der liebevoll kolorierten Illustrationen relativ preisgünstig anbieten konnte. Damit wollte Potter nicht zuletzt sicherstellen, dass auch Kinder aus weniger privilegierten Kreisen ihre Bücher l­esen konnten. Allerdings konnte sich die Autorin, die aus  einem sehr wohlhabenden Elternhaus ­stam­mte, diese Form der Grosszügigkeit auch leisten. Heute dagegen wacht der weltumspannende Penguin-­Verlag, zu dem Frederick Warne & Co mittlerweile gehört, mit Argusaugen über die Autoren- und Bildrechte. Schliesslich geht es um ein Millionen-Business.

«Pu der Bär», «Der Wind in den Weiden» und «Bambi» Tatsächlich waren Kinderbücher in Prosaform, verfasst in kindgerechter Sprache, ob mit oder ohne Abbildungen, bis Ende des 19. Jahrhunderts die absolute Ausnahme. So war auch Potter mit ihrem Manuskript zunächst bei sechs verschiedenen Verlagen abgeblitzt – auch bei ihrem späteren Verleger Frederick Warne selbst. Dass der Verlag «Peter Rabbit» am Ende doch noch herausbrachte, nachdem Potter das Buch bereits in mehreren Hundert Exemplaren hatte privat drucken lassen, war eine unmittelbare Folge des unerwarteten wirtschaftlichen Erfolges, den das neue Genre seit den 1890er Jahren in Grossbritannien, Kontinental­europa und den USA hatte. So erschienen in der Zeit zwischen 1895 und 1925 einige der bis heute bekanntesten und kommerziell erfolgreichsten Kinderbücher – viele davon, wie in Beatrix Potters Werken, mit tierischen Protagonisten. So u. a. «Pu der Bär» von A. A. Milne, «Der Wind in den Weiden» von Kenneth Graham, «Bambi» von Felix Salten, die «Biene Maja» von Waldemar Bonsels oder «Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen» von Literaturnobelpreisträgerin Selma Lagerlöf.

Zu Gast bei Peter Rabbit In «Peter Rabbit» erzählt Potter von den Abenteuern des kleinen Kaninchens Peter – in der deutschen Erstübersetzung fälschlicherweise «Peter Hase» –, der es trotz eindringlicher Warnungen seiner Mutter nicht lassen kann, im Gemüse­ garten des grimmigen Mr McGregor herumzutollen. Dabei schreckt die ­Autorin auch vor drastischen Bildern nicht zurück. So heisst es an einer Stelle: «Euer Vater hatte dort einen schlimmen Unfall! Er wurde von Mrs McGregor in eine Pastete verwandelt!» Nur mit viel Glück und nach zahlreichen Abenteuern gelingt es Peter, dessen Vorbild Potters eigenes Kaninchen war, schliesslich zu entkommen. Am Ende der Geschichte wird der Held schliesslich von seiner Mutter mit einer Tasse Kamillentee und ohne Abendbrot ins Bett gesteckt, während seine Schwestern Flopsy, Mopsy und Cottontail sich an Brot, Milch und Brombeeren laben dürfen. Einfache pädagogische Botschaften in zuckersüsser Verpackung. Doch Beatrix Potter war nicht nur eine der wirtschaftlich erfolgreichsten britischen Autorinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit den Einnahmen aus ihren Büchern, vor allem aber aus unzähligen Lizenzprodukten rund um die Helden ihrer kleinen Fabeln wie Handpuppen, Kuscheltiere, Brettspiele oder Porzellan, das mit Charakteren ihrer Erzählungen dekoriert war, erwarb sie im Lake District, wo sie während ihrer Jugend ausgedehnte Ferienaufenthalte verbracht hatte, zahlreiche Landgüter. Darunter auch die Hill Top Farm und das nahe gelegene

Der Garten rund um Beatrix Potters Hill Top Farm.

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Castle Cottage im kleinen Dörfchen Sawrey, wo Potter nach dem Tod ihrer Eltern und einer späten Heirat mit dem Anwalt William Dickenden Heelis im Jahre 1913 – da war Potter bereits 47 Jahre alt – einen Grossteil ihrer zweiten Lebenshälfte verbrachte. So wurde sie im Laufe der Jahre zu einer der einflussreichsten Grossgrundbesitzerinnen des Lake District. Dabei ging es ihr vor allem darum, die traditionelle Weidelandwirtschaft der Region, die einen wesentlichen Anteil am Erhalt des ursprünglichen Charakters dieser Landschaft hatte, zu erhalten. Sie wurde so zu einer der frühen, führenden Figuren des Mitte des 19. Jahrhunderts entstehenden Conservation Movement. Inspiriert dazu hatte sie u. a. der Kontakt zu Canon Hardwicke Drummond Rawnsley, 1895 einer der Mitbegründer des National Trust und engagierter Kämpfer gegen die willkürliche Zersiedlung der Landschaft, der als Pfarrvikar bei Wray Castle arbeitete. Dort hatte Potter 1882 als 16-Jährige mit ihren Eltern die Sommerferien verbracht – ihr erster Aufenthalt im Lake District.

Pilgerstätte für Potter-Fans

© Visit England / Alex Hare

Gleichzeitig setzte sich Potter für eine Öffnung der Region für den Tourismus ein – z. B. durch das Anlegen markierter Wege, auf denen noch heute ­Wanderer die Region erkunden. Und obwohl bekennende Gegnerin des Frauenwahlrechts war sie auch tagespolitisch engagiert und kämpfte u. a. für autorenfreundliche Copyright-Gesetzgebung und eine bessere Gesundheitsversorgung der Landbevölkerung. Ausserdem setzte sie sich erfolgreich gegen Pläne für die Aufnahme des Linienflugverkehrs mit Wasserflugzeugen auf dem Windermere sowie die geplante Errichtung einer Flugzeugfabrik in der Bowness Bay am Cockshott Point ein. Nach ihrem Tode im Jahre 1943

Wanderweg im Lake District National Park.

vermachte Potter dem britischen National Trust mehr als 1600 Hektar Land, 15 Farmen – inklusive Hill Top – und mehrere Cottages. Eine der grössten Schenkungen, die die Stiftung in ihrer mehr als 120-jährigen Geschichte jemals erhalten hat. Verbunden war das Erbe allerdings u. a. mit der Auflage, auf den Farmen weiterhin Herdwicks zu züchten, eine charakteristische Schafsrasse des Lake District mit dunkler Wolle und hellem Kopf. Für deren Erhalt hatte sich Potter schon zu Lebzeiten erfolgreich als Züchterin engagiert. Die Hill Top Farm, die Potter 1905 mit den Erlösen aus dem Verkauf von «Peter Rabbit» und dem Erbe einer Tante unmittelbar nach dem Tod ihres ersten Verlobten und Verlegers Norman Warne erworben hatte, ist heute Pilgerstätte für grosse wie kleine Potter-Fans und vollgestopft mit persönlichen Erinnerungsstücken der Autorin. Umgeben ist das Anwesen wie zu schon Lebzeiten Potters von einem herrlichen Bauerngarten voll von duftenden Tee­ rosen, üppig blühenden Pfeifensträuchern, stolzen Lupinen, Geissblatt, rotem Fingerhut, Süssdolde und Lavendel im Wechsel mit buschigem Zier­ rhabarber, Erdbeerbeeten, Stachel-, Johannisoder Himbeersträuchern, die in ihrer kunterbunten Vielfalt unwillkürlich an den Garten von Mr McGregor denken lassen, und man wäre nicht erstaunt, käme Peter Rabbit hier jede Sekunde um die Ecke gehoppelt. Gleich neben der Hill Top Farm liegt der «Tower Bank Arms»-Pub, den Potter-Kenner als einen der Schauplätze des Märchens «The Tale of Jemima Puddle Duck» (dt. «Die Geschichte von Jemima Pratschel-Watschel») kennen. Im benachbarten Dörfchen Hawkshead, ebenfalls nur fünf Minuten von der Hill Top Farm entfernt, besuchte der oben erwähnte William Wordsworth einst die Schule. In der ebenfalls sehenswerten Beatrix Potter Gallery von Hawkshead sind dagegen Zeichnungen und Aquarelle der Schriftstellerin sowie Wechselausstellungen rund um ihr Leben und Werk zu sehen. In der aktuellen Jubiläumsausstellung zu Beatrix Potters 150. Geburtstag stehen ihre tiefe Liebe zur Natur und ihr Kampf für den Erhalt dieser einmaligen Natur- und Kulturlandschaft im Fokus.


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«THE BIG D»

Wer an Texas denkt, der denkt an Dallas: glitzernde Skyline und grosses Ego, Footballstars und Fernsehmillionäre. Doch Dallas hat noch mehr zu bieten – allem voran eine wachsende Kulturszene. Yvonne Beck


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© Annika Heckler

The Sixth Floor Museum befindet sich genau an der Stelle, von der aus Lee Harvey Oswald den tödlichen Schuss auf JFK abfeuerte.

WILDCATTER RANCH Überall in Texas trifft man auf Orte, an denen das Erbe der Pionierzeit noch erhalten ist. Und so sorgen komfortable Guest Ranches für stilechtes Cowboy-Feeling. Die Wildcatter Ranch (www.wildcatterranch.com) – ein Paradies für Cowboys und Wildwest-Fans – bietet mitten im «North Texas Hill Country» atemberaubende Ausblicke über den historischen Brazos River. Wer hier Urlaub macht, sollte sattelfest sein. Denn bei einem Ausritt auf den Pferden erlebt man die natürliche, wilde Landschaft am besten. Angeführt von einem waschechten Cowboy geht es über Stock und Stein durch das dichte Buschwerk Texas, vorbei an grasenden Rindern, den typisch texanischen Longhorns – und dem lehmroten Fluss. Und wie es sich für echtes Wildwest-Feeling gehört, wird auch scharf geschossen. Beim Tontaubenschiessen haben selbst Anfänger unter sachkundiger Anleitung schnell ein Erfolgserlebnis. Und wer lieber Indianer statt Cowboy ist, der kann mit Pfeil und Bogen sein Glück versuchen. So können auf der Wildcatter Ranch Städter für ein paar Tage Cowboy-Romantik pur schnuppern.

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Auch auf der Wildcatter Ranch züchtet man die texanischen Longhorns.


© Annika Heckler

Im Schatten der Hochhäuser wächst die kreative Szene Dallas’ heran.

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in Grossteil der etwa 26,5 Millionen Texaner lebt heute in den Gross­ städten Houston, San Antonio und im Grossraum Dallas-Fort Worth. Allein in den letzten beiden Städten leben über 6,8 Millionen Menschen auf einem Areal von rund 24’000 Quadratkilometern. Damit bildet der so­ genannte Metroplex den viertgrössten Ballungsraum der USA. Während sich Dallas als schicke aufpolierte Metropole präsentiert, lebt die 50 Kilometer entfernte Schwesterstadt Fort Worth jedoch noch immer von ihrer Wildwest-­Vergangenheit.

Glitzernde Skyline mit inneren Werten Als ehemaliger Dreh- und Angelpunkt der Öl- und Baumwollindustrie lebt Dallas seit nunmehr einigen Jahren vermehrt von seinem intellektuellen Kapital. Die grössten Branchen sind Technologie und Telekommunikation. Unternehmen wie Exxon Mobil, Southwest Airlines und Texas Instruments haben

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hier ihre Firmenzentrale. Das bedeutet jedoch nicht, dass nur moderne Hochhäuser das Stadtbild prägen, in Dallas gibt es auch viele kleine Läden, Drugstores und Sandwich-Cafés. Inmitten der Metropole befindet sich der Main Street Garden Park – eine kleine grüne Oase, die zum Er­holen und Entspannen einlädt. Am besten lässt man sich einfach durch die Stadt treiben, denn es gibt viel zu entdecken: zum Beispiel das altehrwürdige Magnolia Petroleum Building von 1922, das mächtige Majestic Theatre und das berühmte Adolphus Hotel in der Commerce Street, das im barocken Stil erbaut wurde. Auch den Farmers Market sollte man sich nicht entgehen lassen, dort hat schon Larry Hagman, alias J. R., gern eingekauft. Ein ­guter Tipp für Naturliebhaber hingegen sind die Dallas Arboretum and Botanical Gardens. Hier gibt es auf 27 Hektar Fläche zahlreiche einhei­ mische und ausländische Pflanzen sowie den atemberaubenden White Rock Lake zu bestaunen. Die Wirtschaftsmetropole Dallas beherbergt zudem den grössten urbanen Kunstbezirk der USA. Im fantastischen Glas- und Stahlbau des Nasher Sculpture Center glänzen moderne Installationen, das Dallas Museum of Art zeigt hochkarätige Kunst aus der ganzen Welt. Geschichtsinteressierte sollten sich das Sixth Floor Museum nicht entgehen lassen: Genau von hier feuerte Lee ­Harvey Oswald einst die tödlichen Schüsse auf J. F. Kennedy ab – der Tathergang einschliesslich aller Verschwörungstheorien ist eindrucksvoll aufgearbeitet. Wer danach Hunger verspürt, wird schnell fündig: Mehr als 9000 Restaurants treffen mit ihrem vielfältigen Angebot von Tex-Mex über BBQ bis hin zur Sternküche garantiert jeden Geschmack. Zudem ist Dallas ein Shoppingparadies mit unzähligen Einkaufsmöglichkeiten. Mit mehr Umsatz pro Kopf als jede andere Stadt des Landes wird Dallas häufig als Geburtsort des Shoppings bezeichnet. Eine der bekanntesten Kaufhausketten der USA hat ihren Sitz in Dallas: Neimann Marcus. Und als wäre das nicht genug, ­bietet Dallas auch noch ein Tax-Free-ShoppingProgramm an.

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© Annika Heckler

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FRAUENPOWER À LA WILD WEST Das einzige Museum weltweit, das die Rolle der Frau in der Geschichte des amerikanischen Westens ehrt, ist das «National Cow Museum & Hall of Fame» (www.cowgirl.net). Es widmet sich in mehreren sehenswerten Abteilungen auf verschiedenen Ebenen mit Filmen und anderen Medien der Rolle der Frau im Westen. Dabei werden bedeutende Frauen von der Kunstschützin Annie Oakley und der Expeditionsteilnehmerin Scajawea vorgestellt. Das Museum ist Rodeo-Cowgirls und Züchterinnen sowie weniger bekannten Frauen, die «ihren Mann» im Alltag gestanden haben oder stehen, gewidmet.

Cattle Drive in Fort Worth. Cowgirls forever

Where the West begins Während Dallas also eher für Kultur- und Shoppingspass steht, kann man in Fort Worth tief in die Seele des amerikanischen Cowboys eintauchen. Cowboys, Pferde und Rinder dominierten lange Zeit das Leben in Fort Worth. Hier machten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht nur unzählige Rinderherden auf ihrem Weg nach Norden Station, sondern dienten die Stockyards im Norden der Stadt sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein als bedeutender Viehumschlagplatz. So erfährt man im historischen Stockyard District alles über den Ursprung des Wilden Westens. Zweimal täglich findet hier ein «Cattle Drive», ein Viehtrieb, statt. Kein Wunder wirbt die Stadt damit, das «Tor zum Wilden Westen» zu sein, der Punkt «Where the West begins!». Und wahrlich kann einem hier der perfekte Einstieg in das echte Wildwest-Leben gelingen, denn auch Rodeo wird in dieser Stadt grossgeschrieben. Rodeo ist der Nationalsport der Cowboys. Publikumsmagnete sind hierbei das Bareback und Saddle Bronc Riding – auf wilden Mustangs mit und ohne Sattel – sowie das Bull Riding (auf wilden Stieren). Es gilt, sich acht Sekunden auf dem Rücken des Tieres zu halten, ohne das Tier, sich oder seine Ausrüstung mit seiner freien Hand zu berühren. Weitere Disziplinen sind das «Roping», bei dem junge Kälber von einem Cowboy zu Pferde gefangen und gefesselt werden. Zu den härtesten Disziplinen zählt jedoch das Steer Wrestling: Aus vollem Galopp wirft sich der Cowboy auf einen jungen Stier, packt ihn bei den Hörnern und wirft

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ihn zu Boden. Einst waren Frauen an allen Disziplinen beteiligt, heute treten sie nur noch zum Barrel Race an, bei dem es gilt, möglichst schnell einen Parcours um drei Fässer abzureiten. Amerikaner lieben Rodeo – für Europäer ist dieser Sport jedoch durchaus gewohnheitsbedürftig, denn es wird mit den Tieren nicht allzu zimperlich umgegangen. Wer interessiert ist, kann im Cowtown Coliseum (www.cowtowncoliseum.com) an einem wasch­ echten Rodeo teilhaben. Hier fand 1908 das erste Rodeo in einer Halle statt, und bis heute wird diese Tradition hochgehalten. Fast jedes Wochenende (Fr und Sa um 20 Uhr) stehen Rodeos auf dem Programm.

Honky Tonk Ein echter Cowboy muss auch mal feiern, und das tut er am besten in «Billy Bob’s Texas»­ (www.billybobstexas.com). Hier tobt besonders am Samstagabend an 42 Bars, auf vielen Tanz­ flächen und auf zwei Bühnen der Wilde Westen. Bis zu 6000 Tanzwütige sind im «World largest Honky Tonk» ausser Rand und Band. Fast täglich treten hier bekannte Countrymusiker auf. Das Gebäude, in dem sich heute die Bar befindet, wurde im Jahr 1910 erbaut und diente zunächst als Scheune für Rinder. Von der Stadt Fort Worth wurde das Anwesen 1936 weiter ausgebaut, sodass es fortan auch für Unterhaltungsprogramme genutzt werden konnte. Das heutige «Billy Bob’s Texas» eröffnete schliesslich am 1. April 1981. Die ersten Künstler, die in der Bar auftraten, waren der Countrysänger Larry Gatlin und seine Brüder. Auch Waylon Jennings und Willie Nelson waren zu Gast.


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INSIDEREI � � Tel Aviv wurde dank des weltweit grössten Baubestandes im Bauhaus-Stil im Stadtzentrum von der UNESCO offiziell als Weltkulturerbe eingestuft. Diese Sehenswürdigkeit entstand zwischen 1930 und 1949 und wird aufgrund der circa 4000 weissen Häuser «die weisse Stadt» genannt. Die zweitgrösste Metropole im Land ist eine Stadt für Weltenbummler und Nachtschwärmer. Entstanden aus dem 4000-jährigen Jaffa geht es in Tel Aviv anders als im religiösen Jerusalem mondän und lebenslustig zu.

Hummus oder Massabcha, das ist hier die Frage In einer kleinen Seitenstrasse (Dolfin Street 1, Tel-Aviv Jaffa) nahe dem Hafen wird täglich, von acht Uhr früh, bis die Töpfe leer sind, der beste Hummus, Ful und Massabcha verkauft. Der Hummus ist hier herrlich cremig und kommt mit Tchina und wahlweise Ful, also Fava- oder Ackerbohnen. Richtig göttlich ist aber das Massabcha. Anders als bei Hummus werden beim Massabcha die Kichererbsen weicher gekocht, aber nicht püriert, sondern mit Tichan und Gewürzen angerührt und warm serviert. Hierher kommt man zum Essen, und zwar nur zum Essen. Bis man richtig sitzt, steht bereits der Teller vor einem, und sobald man gegessen hat, räumt man den Platz für die nächsten wartenden Gäste. Wer das wirklich echte Hummus-Erlebnis sucht, ist hier genau richtig.

Gewürzhimmel Gute Gewürze gibt es auf dem Markt zuhauf. Wer aber beste Qualität will und dazu noch eine reiche Auswahl, der sollte bei Chavshush (haChalutzim 18, Tel-Aviv-Florentin) vorbeischauen. Kurkuma, Anis, Kardamom, Zimt, Muskat und mehr dominieren die Luft. Zu bestaunen gibt es Dinge, die man vielleicht noch nie zuvor gesehen hat. Und selbst erklärte Liebhaber von Hülsenfrüchten sind erstaunt über die Vielfalt allein an Linsen- und Bohnensorten. Freundlich, aber nicht aufdringlich kann man sich beraten lassen, welche der hauseigenen Gewürzmischungen zu welchen Gerichten passen. Ausgezeichnet sind auch die Trockenfrüchte von Feigen und Rosinen über Aprikosen bis zu den begehrten Madjoul-Datteln.

Das etwas andere Strandvergnügen Tel Aviver haben eine Vorliebe, ihren Strand in Abschnitte einzuteilen. Im Süden liegt Tel Avivs Gay-Strand: der Hilton Beach, welcher vor allem im Sommer und speziell während der Gay-Pride-Woche Szenetreffpunkt ist. Nördlich schliesst sich der «orthodoxe» Strand an, wo Frauen und Männer an jeweils getrennten Tagen Einlass bekommen und diesen etwas ruhigeren Strandabschnitt geniessen können. Im Norden existiert auch ein gesonderter Strandabschnitt für Hunde. Der Streifen des Unabhängigkeitsparks ist zwar relativ schmal, aber ermöglicht es den Besitzern, selber ein Sonnenbad zu nehmen und gleichzeitig die Vierbeiner frei spielen zu lassen.


Eine grosse Welt hinter einer kleinen Tür Er war Maler, Grafiker, Zeichner, Designer, Schriftsteller, Dichter, Pionier des Animationsfilms in Israel. Als Joseph Bau 2002 verstarb, hinterliess er ein riesiges Erbe mit den Früchten seines kreativen Schaffens. Seine beiden Töchter Hadassa und Zlila haben daraus ein kleines Museum gemacht, das so bunt wie Baus Leben selbst ist. Besonders an Joseph Baus Arbeiten ist der Humor, der aus ihnen spricht, selbst aus den in Gettos und KZs entstandenen Zeichnungen. Schön ist auch der Zyklus in hebräischer Sprache, die Bau nach der Emigration erlernen musste. Das Museum ist zwar klein, aber man sollte etwas Zeit mitbringen, denn das Blättern in den zahlreichen Katalogen und Büchern dauert ebenso, wie den kurzweiligen Erzählungen der BauTöchter über ihren Vater zu lauschen. www.josephbau.co.il

Museumsneubau Das Tel Aviv Museum of Art beherbergt eine Sammlung klassischer und zeitge­ nössischer Kunst, speziell von israelischen Künstlern, einen Skulpturgarten und einen Jugendflügel. Unter den ausgestellten Künstlern sind Claude Monet, Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir, Paul Cézanne, Gustav Klimt und Marc Chagall. Ebenso zu sehen sind Werke von Pablo Picasso aus der Blauen Periode, der Neoklassischen Periode und aus seinem Spätwerk. Die PeggyGuggenheim-Sammlung des Museums, eine Spende aus dem Jahr 1950, umfasst 36 Werke, unter anderem von Jackson Pollock und Roberto Matta. Aber schon der Erweiterungsbau, das Herta-und-Paul-Amir-Gebäude, ist allein wegen seiner Architektur einen Besuch wert.

Die Braut-Meile Die Hochzeit beginnt auf der Dizengoff Strasse: Um ausgefallene Mode zu finden, kommt man nicht hierher – es sei denn, man will bald heiraten. Richtung Norden ab der Kreuzung Arlosoroff bietet auf gut 800 Metern so gut wie jedes zweite Geschäft Brautmode an. Eines nach dem anderen zeigt neuste Kreationen. Vor allem an Dienstagen, an denen in Israel besonders gerne geheiratet wird, kann man hier beobachten, wie sich die Bräute schön machen.

Tel Aviv für Insider

111 Orte in Tel Aviv, die man gesehen haben muss Andrea Livnat Emons Verlag

Tel Aviv ist vor allem für zweierlei bekannt: seine Bauhäuser und sein Nachtleben. Beides ist herrlich, aber doch nur ein kleiner Teil dieser Stadt der vielen Gesichter. Gern als «Big Orange» bezeichnet, ist die weisse Stadt am Meer in vielem der Inbegriff von Innovation und Pluralität, aber sie ist auch oft erstaunlich provinziell, aufgeräumt und familienfreundlich. Tel Aviv hat wenig klassische Sehenswürdigkeiten. Wer die Stadt richtig gut kennenlernen will, der muss einfach durch ihre Strassen ziehen. «111 Orte in Tel Aviv, die man gesehen haben muss» weist Ihnen den Weg.

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REISEPIONIERIN & ABENTEURERIN Sie war die erste Frau auf über 6000 Metern. Die amerikanische Geografin und Abenteurerin Fanny Bullock Workman bestieg 1899 den Gipfel des Koser Gunge in den Masherbrum-Bergen in Paki­stan. Ihr Erfolgsrezept: eine aussergewöhnliche Beharrlichkeit, die man Frauen zu dieser Zeit nicht zugetraut hätte. Sie reiste meist in Begleitung ihres Mannes William Hunter Workman – der wie sie Arzt und Entdecker war. Ausser dem Bergsteigen war das Fahrradfahren eine weitere Passion des Paares. Sie radelten durch die Türkei, Syrien und Palästina sowie den Fernen Osten. Ein Jahr lang fuhren sie bis nach Spanien und weiter nach Marokko. Dabei besiegten sie auf einer Strecke von 4500 Kilometern das Atlas-­Gebirge und die Sahara. Im Fernen Osten studierte sie die Architektur der Buddhisten und der Hindus, um darüber zu schreiben. 1899 sahen sie zum ersten Mal den Himalaya in Indien. Sie hatten auf ihrer 10-jährigen Fahrradreise 22’500 km zurückgelegt und führten von Indien aus ihre erste Expedition in den Himalaya durch. Während ihres 14-jährigen Aufenthalts im Himalaya kartografierte Fanny Bullock Workman ein Gebiet von 400 km², erwanderte eine Strecke von 6500 km über Eis und Schnee, erstieg 20 Berge über 4850 Höhenmeter. Berühmt wurde sie jedoch durch die Besteigung des 7090 Meter hohen Pinacle Pea; damit hielt sie lange Zeit den «weiblichen Höhenrekord». Zudem leistete sie wertvolle Beiträge zu der Erforschung des Karakorum-Gletschergebietes. Als Autorin beschrieb sie ihre Entdeckungsreisen mit ihrem Ehemann. Zudem war sie die erste Frau, die Vorlesungen an der Universität Sorbonne in Paris hielt. Sie setzte sich für höhere Bildungschancen für Frauen und für die

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© F. Bullock Workman et W. Workman, In the Ice

FANNY BULLOCK WORKMAN

Fanny Bullock Workman und ihr Walliser Führer Mattia Zurbriggen.

Gleichberechtigung von Frauen im Bergsteigen ein. Dabei befasste sie sich auch mit frauengerechter Bekleidung zum Bergsteigen. Die naturbegeisterte und tatenlustige Hochalpinistin starb im Alter von 66 Jahren an der französischen Riviera.

«Es ist das Abenteuer im Kopf, das mich reizt.» – Harald Berger–

«Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist – denn vorher gehörst du ihm.» – Hans Kammerlander –

«Um die Berge herumgehen, ist genauso wichtig, wie auf deren Gipfel zu steigen.» – Heinrich Harrer –

«Die Berge ziehen mich deshalb an, weil sie etwas Unerschlossenes an sich haben. Wände, Felsen und Klüfte sind natürliche Gegebenheiten, die wir Bergsteiger akzeptieren. Keinem Bergsteiger fiele es ein, einen Felsen oder Baum wegzusprengen, der im Weg steht. Im Tal wird darüber oft nicht einmal nachgedacht. Das möchte ich ändern.» – Hubert von Goisern –

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8 I FRIEDA & FREDDIES LUFTIGE TUNIKA MIT EXOTISCHEN BLÜTEN IN KRÄFTIGEN, BUNTEN FARBEN 9 I FENDI MIT DER CAT-EYE-SONNEN­ BRILLE «ORCHIDEA» FALLEN SIE GARANTIERT AUF.

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10 I HAPAG LLOYD CRUISES DIE «EUROPA 2» LÄUFT IM HERBST ERSTMALS KUBA AN.

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DER Margot von Engelmann-Rohde ist eine beeindruckende Lady. Sie besticht nicht nur durch ihre elegante Erscheinung, sondern vor allem durch ihre lebhafte und herzliche Ausstrahlung. Niemand vermag zu glauben, dass diese temperamentvolle Dame bereits 86 Jahre alt ist und als Stewardess den ersten Transatlantik-Flug der Lufthansa vor über 60 Jahren mitbestritten hat. Angelika Möller

as einstige Fräulein Margot ist aufgeregt, ganz genauso wie damals. Sie kramt nervös in ihrer Tasche, zückt ihren Lippenstift und zieht die Konturen exakt nach. So viel Zeit muss sein. Auf geht’s wieder in die weite Welt. Aber heute ist sie inmitten prominenter Gesellschaft, Ehrengast beim Jubiläumsflug nach New York. Im Interview mit PRESTIGE erinnert sich die Zeitzeugin an die wichtigsten Stationen ihres Lebens: «Stewardess zu werden,

hiess seinerzeit, sich auf einen Heiratsmarkt zu begeben. Da wurde schon um die Wette geflirtet, klar!», erinnert sich Margot wehmütig. Sie war wie alle Stewardessen damals jung, schön, sorgenfrei, lebenslustig und liebte das Leben und die Liebe. Stewardess wollte fast jedes junge Mädchen werden. Und es waren ja wirklich nur interessante Menschen an Bord. Immerhin war Fliegen damals so teuer, dass es sich wahrlich nicht jeder leisten konnte. Fräulein Margot kam so in Kontakt mit Diplomaten, Geschäftsleuten, Politikern, VIPs. Da waren unter anderen Helmut Schmidt, Konrad Adenauer und Gunter Sachs bei ihr an Bord. Hohe Anforderungen gab es vor 60 Jahren: Am wichtigsten waren eine schöne schlanke Linie und eine gute Körpergrösse. Dazu Abitur, Beherrschung von zwei Fremdsprachen und eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Früher war sie ein schüchternes Mädchen Margot stand häufig in der Ecke und beobachtete, wie gelebtes Leben an ihren Augen vorbeizog. Das änderte sich schlagartig, als sie nach ihrem Abitur das fulminante Angebot bekam, mit nur 23 Jahren, Personalchefin der amerikanischen Militärregierung zu werden: «Ich hatte plötzlich fast 70 Leute

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© Franz Selb

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Margot von Engelmann-Rohde: auch mit 86 noch ganz Lady.

wurde die attraktive Stewardess dann auch 1958 zur «Miss Wings of the World» gekürt. Für Margot war das ein unglaubliches Erlebnis. Ihr Herz bebte, als sie zum ersten Mal nach Kalifornien fliegen durfte. Das Finale in Long Beach erlebte sie wie einen Traum. «Ich muss manchmal auf meinen ‹Oscar›, der heute bei mir im Wohnzimmer steht, schauen, um es wirklich fassen zu können», stellt Margot stolz fest.

unter mir. Zu meinen Aufgaben gehörte es auch, Familienväter zu entlassen. Ich hatte schlaflose Nächte. Wirklich! Aber ich wurde reifer für mein Leben. Irgendwann war mein Vater sogar stolz darauf, dass seine «dumme Göre», wie er mich nannte, als Stewardess so viel Aufmerksamkeit bekam.» Margot Engelmann spürte, dass sie die ganze Welt sehen wollte. Ihre Chance kam, als Dr. Hans Bongartz, damals zukünftiger Chef der Lufthansa, an Bord eines Fluges nach München sass und Margot ihm von ihrem Wunsch erzählte. Er versprach, ihr dabei zu helfen, und stand zu seinem Wort. Margot flog schon bald über den Atlantik. Zum allerersten Mal! Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit. «Als wir ankamen, waren wir aber total enttäuscht. New York im Morgengrauen war ein düsteres Bild, der damalige Flughafen Idlewild eine einzige Baustelle, fürchterlich!» Unvergess­ lich wurde dann aber der phänomenale Empfang im «Waldorf Astoria». «Unsere damals noch amerikanischen Piloten der neuen Lufthansa luden uns zu Landausflügen und in ihre Familien ein.» Das sind Erlebnisse, die Margot ihr ganzes Leben nicht loslassen.

Das 176-Mark-Lächeln Sie war ein echtes Glückskind. Ihre Persönlichkeit zeigte immer wieder Wirkung. Beim ersten Presseflug am 1. März 1956 war der Star-Journalist Heinz Schewe von der damaligen «Welt» an Bord. Er wurde zu Margots ältestem Verehrer: «Er sagte mir, ich hätte das 176-Mark-Lächeln.» Damit meinte er die 176 Mark, die damals ein Flug von Hamburg nach München kostete, seien allein mein Lächeln wert. Die Kolleginnen fanden das bemerkenswert und baten Margot, wenn es Unannehmlichkeiten gab, sie solle ihr 176-Mark-Lächeln aufsetzen. So

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Sogar die Liebe ihres Lebens hat die bezaubernde Margot durch ihre Arbeit über den Wolken gefunden. Ihren Mann lernte sie 1963 bei einem Fest im Busch in Kenia kennen. Er arbeitete damals als Diplomat und rechte Hand für Aga Khan. Sie war mit dem Besitzer des «Montinia Safari Club» durch Flüge nach Beirut befreundet. Er lud sie zu Silvester ein, und so traf sie ihren zukünftigen Mann: «Das war Liebe auf den ersten Blick. Wissen Sie, wir haben ja eigentlich den Jetset erfunden. Wenn ich erfuhr, dass irgendwo eine exklusive Party stattfand, habe ich per kurzem Genehmigungsbrief angefragt, ob ich als Gast auf einen anderen Flug kam. Für uns waren quasi alle Ziele erreichbar – einfach so.» Margot erinnert sich, als ob es gestern gewesen wäre. Es wurden viele rauschende Feste in exklusiven Kreisen gefeiert, bis sie 1965 in Grünwald heiratete: «Wir zogen immer dorthin, wo mein Mann gerade gebraucht wurde: drei Jahre in München, danach in Genf und schliesslich 27 Jahre in Chantive bei Paris.» Ihr privates Highlight war die Geburt ihres Sohnes Cajus Rhode. Für ihn hat sie dann mit dem Fliegen nach 13 Jahren bei der Lufthansa aufgehört. «Ich erkenne mich in vielen seiner Handlungen wieder. Er ist mutig. Und den Mutigen gehört die Welt.» Da ist sich Margot sicher.

Der Prototyp der Hochglanz-Stewardess Margots Mann lebt noch. Leider wurde ihre Ehe nach 35 Jahren geschieden. Alles hat seine Zeit. Ihren Förderer und Freund Dr. Hans Bongartz hat Margot wiedergetroffen. Damals hat er sie zu Tränen gerührt. Es war bei der Weltflugkonferenz in München: «Plötzlich erkannte er mich von Weitem und es sprudelte aus ihm heraus: ‹Das ist mein Prototyp einer Hochglanz-Stewardess.›» Ihre Durchsetzungskraft und Zielstrebigkeit beschreibt Margot als ihren Erfolg. «Es war ganz schwer, mir etwas aus dem Kopf zu schlagen, was ich mir fest vorgenommen hatte.» Unmögliches zu realisieren, spornte die Königin der Lüfte nur noch mehr an: «Mit 66 Jahren sagte man mir, ich dürfe nicht mehr Fallschirm springen, aber dann habe ich gekämpft. Es gelang. Ich war so begeistert. Es war wie auf rosa Wattewölkchen gehen.» Margot Engelmann lebte ein bewegtes Leben. Im Alter von 86 Jahren kommt aber auch heute noch keine Langweile auf. Margot lacht: «Dann rufe ich meine Pilotenfreundin an und wir mieten uns eine ‹Ultra Light› (Segelflieger) und segeln entlang dem Bergpanorama nach Zell am See. Zum Bockwurst-Essen.»


KOLUMNE

AUFSTREBENDES WÜSTENEMIRAT AM PERSISCHEN GOLF: KATAR Inspirierend ist zudem ein Bummel durch das Viertel Katara, ein relativ neues Kulturareal, das sämtliche wichtige Einrichtungen in diesem Bereich umfasst. Dazu zählen zum Beispiel die Fine Arts oder die Photographical Society. Ein Amphitheater und beeindruckende Moscheen gehören ebenfalls zum Cultural Village.

REISE-EXPERTIN JASMIN TAYLOR Inhaberin des Reiseveranstalters JT Touristik

Als Kontrastprogramm zu den vielen Highlights von Doha stand auch ein Ausflug in die Wüste mit dem Jeep auf der Agenda. Unter anderem stoppten wir an dem Binnenmeer Chaur al-Udaid, in dem wir ein erfrischendes Bad nehmen konnten. Für Abkühlung bei sommerlichen Temperaturen sorgte zudem die Bootsfahrt zum edlen Banana Island Resort Doha by Ananatara auf Banana Island. Einige der Chalets des Hotels befinden sich buch­ stäblich über dem Wasser und sind per Steg erreichbar. Die Resortinsel verfügt darüber hinaus über einen eigenen Yachthafen.

Ein Meisterstück moderner Städteplanung stellt Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich als Urlaubsziel für viele The Pearl Island dar. Die Insel besteht aus Reisende mittlerweile sehr etabliert. Einen Geheimtipp stellt dagegen der mehreren Abschnitten und wurde buchstäblich Wüstenstaat Katar dar. Dabei hat das Land einiges zu bieten, wie ich aus dem Nichts geschaffen. Sie befindet sich kürzlich auf meiner Reise dorthin feststellen konnte. So ist das Museum der Stadt Doha vorgelagert of Islamic Art in Doha zum Beispiel weit über die und ist unter anderem per Grenzen Katars bekannt. Besuchern präsentiert Boot erreichbar. Luxuriöse es gleichermassen moderne wie auch traditionelle «Ob Schmuck, Apartmenthäuser ragen Ausstellungsstücke. Zudem ist die kubische Gewürze, Textilstoffe hier in beeindruckender Architektur des Museums bereits von aussen oder Handwerkskunst: Weise in den Himmel und ein echter Hingucker. unterstreichen das teilHier findet jeder weise so futuristisch anmuDie Kultur des kleinen Emirats erleben Gäste das passende tende Flair von Doha. auch auf dem Souk Waqif, einem traditionellen Mitbringsel.» orientalischen Markt. Mit seinen vielen Strassen Keine Frage – Katar und verwinkelten Gassen bildet er die perfekte hat viel vor – die rasante Kulisse für eine Shopping-Tour. Ob Schmuck, Dynamik ist hier an jedem Ort deutlich zu Gewürze, Textilstoffe oder Handwerkskunst: Hier findet jeder das ­p assende Mitbringsel. Besonders stimmungsvoll präsentiert ­sich der Markt spüren. Wer die Gelegenheit hat, sollte dem aufstrebenden Emirat unbedingt einen natürlich abends, wenn die Gebäude beleuchtet sind. Restaurants und Besuch abstatten. Shisha Lounges laden zum Verweilen ein.

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GLAMOURÖSE

TRENDZIELE

Für Promijäger und Glamourmiezen: eine Auswahl an Ferienorten, an denen man den Lifestyle der Schönen und Reichen ausleben kann. Yvonne Beck

SPANIEN

IBIZA Diese Insel steht für Clubbing. Ibiza hat der Welt den Rave gebracht und ihre berühmten Megaclubs (wie das «Space», «Pascha» und das «Cafe de Mar») ziehen Hedonisten aus der ganzen Welt an. Von Juni bis September ist die Insel definitiv kein Ziel für Leute, die gern früh schlafen gehen. Und so strömt eine junge bzw. jung gebliebene, Sonne suchende, wild feiernde Klientel hierher – von Leonardo di Caprio über P Diggy, Kate Moss und berühmten DJs bis hin zu Fashionistas und Fussballern. Aber nicht nur das überragende Nachtleben lockt Gäste aus aller Welt an. Auf der Insel gibt es auch beeindruckende Landschaften und einsame Strände, die perfekt sind, um bei Sonnenuntergang Drinks zu geniessen oder nach dem Clubben wieder runterzukommen.

USA TELLURIDE Telluride wird seit einiger Zeit als das neue Aspen gehandelt. Spätestens seitdem Megastars wie Tom Cruise und Oprah Winfrey hier ihre Villen haben. Das frühere Jagdgebiet der amerikanischen Ureinwohner ist ein raues Mekka des Goldbergbaus, welches lange Zeit zu einer Geisterstadt mutierte. Heute strömen Menschen wegen der grossartigen Festivals und dem grenzenlosen Angebot an Outdoor-Abenteuern in das kleine Bergdorf. Im Winter ist Skifahren angesagt, wenn man sich die Hänge hinunter und in die Après-Ski-Szene stürzt. Im September findet das Filmfestival statt, für Promis der natürliche Lebensraum.

KARIBIK

ST BARTS Die Insel in der Karibik ist der Spielplatz der Reichen und Berühmten. St Barts ist der beliebteste Rückzugsort der vom Leben Verwöhnten. Die Schönheit der Strände entspricht in jeder Hinsicht der Traumvorstellung von Ferien im Paradies. Perfekt gelegene Buchten bilden die Kulisse für schicke Restaurants, geschwungene Hügel verlangen geradezu nach weitläufigen Villen und der Hafen von Gustavia ist schlichtweg wie gemacht für die vielen Megayachten. Wer schon alles hier war …? Wahrscheinlich ist es leichter aufzuzählen, welcher Promi noch nicht da war …

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USA

MIAMI In South Beach, diesem Paradies zum Leute beobachten, muss man sich erst einmal selbst trauen, nackte Haut zu zeigen. Hier kommen Models, Rapper, Yuppies, Starlets, Promi-Köche, Popstars und das «normale» Volk zusammen. Miami ist ein brodelnder, sinnlicher Schmelztiegel und ein Ort zum Sehen und Gesehenwerden. In South Beach mangelt es nicht an Menschen mit schönen Körpern, die sich am Strand bräunen. Hinter ihnen stehen Art-déco-Meisterwerke, die von angesagten Designern aufgemotzt und in hippe Hotels verwandelt wurden. Dort findet sich der Jetset ein, um zu feiern und sich verwöhnen zu lassen, während man sich mit einem Mojito in der Hand zu Latinobeats im Glanz teurer Klunker sonnt.

MONTENEGRO

SVETI STEFAN Montenegro wurde im Jahre 2006 unabhängig und die glitzernde Küste des Landes ist kein Staats­ geheimnis mehr. Die winzige, unglaublich malerische Insel Sveti Stefan sorgt für den grössten Aha-­ Moment. Jahrhundertelang gab es hier nur einen einfachen Fischerort, bis jemand auf die Idee kam, die ganze Insel zu kaufen und sie in ein Luxushotel zu verwandeln. Sie wurde der Hit bei Hollywood-Stars und europäischen Adeligen, doch in den Neunzigern liess die Anziehungskraft nach. 2009 feierte das «Aman Resort» jedoch seine Wiedereröffnung und ist seitdem glamouröser denn je zuvor.

USA

THE HAMPTONS Man sei nicht reich genug für die Hamptons, hiess es immer, wenn man am Montag im Büro erscheinen musste. Für das Who-is-Who des Geldadels von New York ist die südliche Spitze von Long Island seit Urzeiten der Sommer­ spielplatz, doch neuerdings gesellt sich das «neue Geld» hinzu – New Yorker Designer und Börsenmakler ebenso wie Filmstars aus L.A. Die Megaanwesen von Leuten wie Ralph Lauren, Steven Spielberg und Billy Joel liegen verstreut an der Küste. Dazwischen finden sich schicke Gemeinden. Wer eine Einladung zu einer Sommerparty in East Hampton bekommen möchte, der muss allerdings schon ein Big Player sein. Einfach ist es hingegen, in den Strassen der Hamptons, der Königin aller Vororte, nach Promis Ausschau zu halten.

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WATCHES & JEWELLERY Die weltgrösste Uhrenmesse Baselworld rief, und viele Besucher reisten zwischen dem 17. bis 24. Mai 2016 in die Stadt am Rhein. Dort war das Angebot an neuen, trendigen Zeitmessern wie immer riesig. Konventionelle Uhrwerke stehen weiterhin hoch im Kurs, denn das Ticken der mechanischen Uhr ist bekanntlich der Herzschlag der menschlichen Kultur. Egal ob schlicht und einfach oder kompliziert. Wer vieles bietet, wird manchem etwas bieten. 72 | PRESTIGE

Gisbert L. Brunner


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| Hublot

Wenn die Uhrmacher von Hublot das neue Handaufzugskaliber HUB 1201 feinbearbeiten und assemblieren, fühlen sie sich womöglich in ihre Jugendzeit zurückversetzt. Aus 223 Komponenten zusammengefügt, erinnert es nämlich an Metallbaukästen. Verborgen wird nichts von dem, was die Zeit durch den Ablauf des Räderwerks sowie das Oszillieren eines Gangreglers misst und anzeigt. Im Zentrum drehen Zeiger für Stunden und Minuten, für die Sekunden ist einer bei «9» zuständig. Nachdem Hublot die Armbanduhr namens «Meca-10» mit üppigen zehn Tagen Gangautonomie ausgestattet hat, geniesst die Gangreserveanzeige hohe Priorität. In einem Fenster bei «6» steht geschrieben, wie viele Tage das Œuvre noch ticken wird. So lange vollzieht die links davon positionierte Unruh stündlich 21’600 Halbschwingungen. Für Anker und Ankerrad verwendet Hublot leichtes, amagnetisches Silizium. «Rotlicht» bei der «3» signalisiert die Notwendigkeit alsbaldigen Energienachschubs. Der Steigerung des Spassfaktors dient die mit der Gangreserveanzeige gekoppelte Schubstange bei «12». Hinter dem Sicht-

boden zeigen sich zwei Federhäuser. Von der «All Black»-Version mit Keramikschale fertigt Hublot insgesamt 500 Exemplare.

2 | Breitling Stolze 50 Millimeter misst das tiefschwarze, bis zehn bar Druck wasserdichte Gehäuse der Breitling «Avenger Hurricane». Ganz im Gegensatz dazu steht das Gewicht des zeitschreibenden Boliden. Dank «Breitlight», einem neuartigen Werkstoff, kann dieser Zeitmesser den Titel Fliegengewicht beanspruchen. Konkret ist das Material nämlich 3,3 Mal leichter als Titan und 5,8 Mal leichter als Stahl. Ungeachtet dessen besitzt die Oberfläche erstaunliche Härte und Kratzfestigkeit. Darüber hinaus zeichnet sich das amagnetische und antiallergische Hightech-Material durch Korrosionsund Wärmebeständigkeit aus. Viele Blicke wird auch die 24-Stunden-Anzeige auf sich lenken. Für das Bewahren und Stoppen der Zeit ist das auf dem hauseigenen B01 basierende B12 mit mehr als 70 Stunden Gangautonomie zuständig. Vor dem Einbau in die Mega-Schale musste es seine Präzision bei der COSC beweisen.

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WATCHES & JEWELLERY

3 | Oris

6 | Eterna

Oris ist der Erhalt des Great Barrier Reef in Australien ein echtes Anliegen. Daher unterstützt das Familienunternehmen mit dem Verkauf der limitierten Taucheruhr «Great Barrier Reef Limited Edition II» die 1965 gegründete Australian Marine Conservation Society (AMCS). Dorthin fliesst ein gewisser Obolus vom Ertrag jeder der insgesamt 2000  Armbanduhren mit dem Automatikkaliber Oris 735, welches auf dem Sellita SW 220 basiert. Im Zifferblatt-Zentrum findet sich eine ungewöhnliche Wochentagsindikation. Das Stahlgehäuse der 46 mm grossen Taucheruhr ist wasserdicht bis zu 500 Meter Tiefe. Aus polierter Keramik besteht das Inlay ihrer selbstverständlich einseitig rastenden Drehlünette. Im Kautschukband verbaut Oris den selbst entwickelten Sicherheitsanker. Und die Faltschliesse besitzt eine integrierte Verlängerungsmechanik.

Die Genese der Eterna «KonTiki» lässt sich zurückverfolgen bis ins Jahr 1947. Damals segelte der 32-jährige norwegische Archäologe und Ethnologe Thor Heyerdahl mit einem Balsaholz-Floss und einer Eterna über den Pazifik. 1958 gelangte die bis 20 bar wasserdichte «KonTiki 20» auf den Markt. Bis 200 Meter kann Mann auch mit dem 45 Millimeter grossen, wegen seiner geschwungenen Gehäuseflanken sehr nostalgisch wirkenden «Super KonTiki»-Chronographen abtauchen. Die stählerne Schale mit einseitig rastender Dreh­ lünette sowie Saphirglas vorne und hinten birgt das hauseigene Chronographenkaliber 3961A. Seine Merkmale: Kugellagerrotor, 65 Stunden Gang­ autonomie, Schaltradsteuerung, konzentrisch drehende Totalisatoren bei «3», Flyback-Funktion und Fensterdatum.

7 | Patek Philippe 4 | Anonimo Zu den anerkannten Bronze-Pionieren gehört die in Italien gegründete, mittlerweile jedoch in der Schweiz agierende Uhrenmarke Anonimo. In Basel zeigte sie ihre neue, ausdruckstarke «Nautilo». Die 44-mm-Taucherschale mit einseitig rastender Drehlünette besteht aus dem korrosionsbeständigen Material UNI 5275, eine sogenannte Aluminium-Bronze. Der Schraubboden besteht aus anti­ al­lergischem Titan. Abtauchen können die Besitzer problemlos bis zu 200 Meter unter den Meeresspiegel. Über die in den Tiefen besonders kostbare Zeit wacht das Automatikkaliber SW 200 von Sellita.

Bis ins Jahr 1940 reicht die Geschichte des Weltzeit-Chronographen bei Patek Philippe zurück. Damals fertigte die Traditionsmanufaktur jedoch nur ein Unikat. Am neuesten Repräsentanten­

5 | Ulysse Nardin Ulysse Nardin stattet seinen neuen «Diver Chronograph Hammerhead Shark» mit dem exklusiven Automatikkaliber UN-150 aus. Zu den Merkmalen des von Ebel übernommenen, optimierten und nun selbst produzierten Uhrwerks mit Nockensteuerung der zeitschreibenden Funktionen sowie vier Hertz Unruhfrequenz gehören Hemmungsteile und Unruhspirale aus amagnetischem Silizium. Die Gangautonomie liegt bei circa 48 Stunden. Vom stählernen Unterwasser-Stopper mit blauem Zifferblatt, dessen Druckdichte bis 30 bar reicht, fertigt die Manufaktur lediglich 300 Exemplare. Das 44-Millimeter-Gehäuse verfügt über eine einseitig rastende Drehlünette mit gewelltem Kautschuk-­ Inlay. Durch den Sichtboden zeigt sich der azurfarbene Rotor mit augenfälligem Haidekor.

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­ ieser Spezies Armbanduhr können sich deutlich d mehr Zeit-Genossen erfreuen. Im 39,5 Milimeter grossen, bis 30 Meter wasserdichten Weissgold-­ Gehäuse der Referenz 5930 tickt das bewährte, nun um ein praktisches Zeitzonen-Dispositiv erweiterte Automatikkaliber CH 28-520. Sein Stoppmechanismus besitzt Schaltradsteuerung, Vertikalkupplung sowie einen 30-Minuten-Totalisator. Beim CH 28-520 HU mit mindestens 50 Stunden Gangautonomie bilden die zentralen Zeiger für Stunden und Minuten jene Zonenzeit ab, deren Repräsentantin in Form eines Städtenamens sich gerade bei der «12» befindet. Wie spät es in weiteren 23 Zeitzonen rund um den Globus ist, lässt der 24-Stunden-Ring wissen. Das Umstellen des Stundenzeigers auf eine andere Zonenzeit ist denkbar einfach: Jede Betätigung des Drückers bei «10» bewegt Orte und 24-Stunden-Ring stundenweise nach links. Gleichzeitig springt der zentrale Stundenzeiger nach rechts weiter. Für die komplette Mechanik mit vier Hertz Unruhfrequenz benötigt Patek Philippe 343 Komponenten.

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8 | Junghans Retrolook pur ist eines der wesentlichen Merkmale des «Meister Pilot» von Junghans. Sein Design geht zurück auf einen markanten Chronographen, den die Marke ab 1956 an die neu gegründete Bundeswehr lieferte. Bis 1965 entstanden vom Stopper namens BW 111 weit mehr als 20’000 Stück. Nicht zuletzt dank seiner zwölfeckigen Drehlünette und des daraus resultierenden Wiedererkennungswerts verkörpert dieses Modell den Junghans-Flieger­ chronographen schlechthin. Das damals verbaute Manufaktur-Handaufzugskaliber J.88 ist Geschichte. In der Replik kommt das zeitgenössische Automatikkaliber J880.4 zum Einsatz. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein Eta 2824 oder der Klon Sellita SW200, von Dubois-Dépraz durch das Stopp-Modul 2030 aufgewertet. 43,3 mm misst das Stahlgehäuse mit beidseitig drehbarem Glasrand.

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9 | Bulgari Auf das ultraflache «Octo Finissimo Tourbillon» folgt bei Bulgari eine ebenso schlanke Armbanduhr mit Minutenrepetition. Bei einer Werkshöhe von 3,12 und einer Gesamthöhe von 6,85 mm kann man getrost von einer aussergewöhnlichen uhrmacherischen Leistung sprechen, zumal das 40 mm grosse Titangehäuse mit Sichtboden auch noch wasserdicht ist bis zu fünf bar Druck. Nach dem Auslösen des Repetitions-Mechanismus schlägt das komplizierte Handaufzugswerk die Zeit minutengenau auf zwei Tonfedern. Für gleichförmigen Ablauf der Schlagfolge sorgt ein geräuschloser Fliehkraftregler. Die 362 Werkskomponenten des Kalibers BVL 362 sind, wie es sich für ein Produkt der


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11 | Hamilton

chronometrischen Spitzenklasse gehört, sorgfältig feinbearbeitet. Weil Vorzügliches naturgemäss selten ist, fertigt Bulgari vom «Octo Finissimo Minute Repeater» nur 50 Exemplare.

Von links nach rechts misst der Hamilton «Jazzmaster Face to Face 2» stolze 48 mm. Beim Automatikkaliber H-41 im querovalen Stahlgehäuse handelt es sich um ein exklusiv modifiziertes Eta 7750 mit gleich zwei Chronographenzeigern. Einer rotiert nach dem Starten des Stoppers wie gewohnt vor dem vorderen Zifferblatt. Der andere tut es rückwärtig entgegen dem Uhrzeigersinn. Zu diesem Zweck wurde die Zeigerwelle nach hinten verlängert. Ihre Spitze ragt also durch das Rotorlager. Nach dem Drehen des speziell konstruierten Werk-Containers um seine Querachse erfolgt das Starten und Anhalten des hinteren Stoppers per Drücker bei «4». Für das Nullstellen ist dann das Pendant bei «2» zuständig. Auf der zeitlosen Seite stehen dem Nutzer gleich drei Skalen zur Verfügung: Tachy-, Tele- und Pulsometer.

10 | Alpina

12 | Nomos Glashütte

An ein markantes Vorbild aus den 1960er Jahren erinnert die «Seastrong Diver Heritage» von Alpina. Der per Krone bei «2» verstellbare Drehring mit 60-Minuten-Teilung kommt auch Nicht-Tauchern zugute. Beispielsweise können die Besitzer den Merkpfeil so positionieren, dass der näher rückende Stundenzeiger das Ablaufen der Parkzeit signalisiert. Am Herd leistet besagtes Feature wertvolle Dienste beim Al-dente-Kochen der Spaghetti. Das neue, übrigens nicht nach dem «Compressor»-­ Prinzip des Originals konstruierte 42-mm-Edelstahlgehäuse mit graviertem Schraubboden ist wasserdicht bis 30 bar Druck. Beim Automatik­ kaliber AL-525 handelt es sich um das robuste Sellita SW 200 mit beidseitig aufziehendem Kugellagerrotor, 38 Stunden Gangautonomie und vier Hertz Unruhfrequenz.

Nomos Glashütte steht seit den frühen 1990er Jahren für klares, unverfälschtes Design und natürlich auch Glashütter Uhrmacherkunst. Inzwischen fertigt das inhabergeführte Unternehmen sämtliche Uhrwerke, egal ob mit manuellem oder automa­ tischem Aufzug, in eigener Regie. Im ultraflachen, weil nur 3,2 Millimeter hoch bauenden DUW 3001 mit Rotor-­Selbstaufzug findet sich auch ein komplett hauseigener Gangregler bestehend aus ­A nkerrad, Anker, Unruh und Unruhspirale. Nach Vollaufzug liegt die Gangautonomie bei rund 42 Stunden. Das quadratische Stahlgehäuse mit nur 33 Millimetern Kantenlänge prädestiniert diese «Tetra neomatik» aus sächsischen Landen für schlanke Handgelenke, egal ob weiblicher oder männlicher Natur. Die Widerstandsfähigkeit gegen eindrin­ gendes Wasser reicht bis zu drei bar Druck.

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13 | Corum Design wird bei Corum seit der Gründung im Jahr 1955 gross geschrieben. 2000 lancierte der neue Eigentümer Severin Wunderman die modische «Bubble» mit elf Millimeter dickem, hoch gewölbtem und der besseren Ablesbarkeit wegen beidseitig entspiegeltem Saphirglas. Die Rückbesinnung auf langjährige Erfolge bringt 2016 ein breites Spektrum neuer Armbanduhren dieses Namens. Erstmals gibt es nun auch ein Tourbillon. Beim «Bubble Tourbillon Chronograph» handelt es sich um die derzeit aufwändigste Armbanduhr dieses Typs. Der Käfig in Gestalt des signifikanten Schlüssel-­ Logos rotiert im Automatikkaliber CO398 jede Minute einmal um seine Achse. Und die Steuerung der zeitschreibenden Funktionen Start, Stopp und Nullstellung erfolgt mithilfe eines klassischen Schaltrads. Nach nur fünf Exemplaren endet die Produktion des roségoldenen Wirbelwinds in einer Blase.

14 | Hermès Die Uhrenlinie «Slim d’Hermès» führte Philippe Delhotal, den Kreativ-Direktor des französischen Luxus-Labels mit Philippe Apeloigs, einem französischen Star des Kommunikationsdesigns, zusammen. Letzterer kreierte eine markante Ziffern-­Typo­ grafie für die in unterschiedlichen Aus­führungen erhältlichen, in jedem Fall jedoch ultraflach ausgeführten Armbanduhren. 2016 präsentiert sich die puristische «Schlanke» in einer besonders exklusiven Variante. Ihr strahlend weisses Zifferblatt besteht aus kostbarer «Grand-Feu-Emaille». Nichts geändert hat sich am Automatikwerk. Das lediglich 2,6 Millimeter hoch bauende Mikrorotor-Kaliber H1950 stammt von der Manufaktur Vaucher, an der Hermès eine 25-prozentige Beteiligung hält. Seine Zugfeder speichert Energie für 42 Stunden. Bis zu drei bar widersteht das 39,5 mm grosse Roségold-Gehäuse dem Druck des nassen Elements.

Zifferblatt agiert, angetrieben von einem Auto­ matikwerk der Kaliberfamilie 7xx, eine neue, klassisch aus insgesamt 78 Teilen konstruierte Kadratur. Sie kennt die unterschiedlichen Monatslängen in Normal- wie Schaltjahren bis Ende Februar 2100. Die kalendarischen Indikationen umfassen Datum, Wochentag, Monat und Schaltjahreszyklus. Die Mond­ phasenanzeige geht nach drei Jahren um einen Tag falsch. Der «Motor» mit Zentralrotor, cirka 38 Stunden Gangautonomie und vier Hertz Unruhfrequenz besteht aus 113 Bauteilen. Das ­Ensemble, verstaut in einem 42 mm grossen und bis drei bar wasserdichten Stahlgehäuse mit Roségold-Beschichtung trägt die Kaliberbezeichnung FC-775.

16 | Glashütte Original Dem Prinzip «weniger ist mehr» huldigte Glashütte Original bei der Konstruktion des neuen Automatik­ kalibers 36-59. In diesem Sinne beschränkt sich die durchdachte Getriebekette vom Energiespeicher zum Gangregler auf das unabdingbar Notwendige. Der Kugellagerrotor mit 21-karätigem Goldsegment spannt die Zugfeder des 32,2 mm grossen und 4,45 mm hohen Uhrwerks in beiden Richtungen. Sobald die skelettierte Schwungmasse Energie ans Federhaus liefert, ist der Handaufzug aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Mehr als üppig sind die Kraftreserven des mit flotten vier Hertz tickenden Mikrokosmos. Nach Vollaufzug läuft er 100 Stunden am Stück. Zur konventionell ausgeführten Ankerhemmung gesellt sich eine

15 | Frédérique Constant Eine Armbanduhr mit ewigem Kalender, deren Innenleben eigener Fertigung entstammt, hat es für rund 8000 Schweizer Franken oder Euro noch nie gegeben. Peter C. Stas und seine Familienma­ nufaktur Frédérique Constant reagieren mit der «Slimline Manufacture Perpetual Calendar» auf die aktuelle Situation am Uhrenmarkt. Unter dem

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amagnetische Silizium-Unruhspirale. Die Regu­ lierung des Gangs erfolgt durch eine Unruh mit variablem Trägheitsmoment. Das Glashütter Mitglied der Swatch Group verbaut dieses neue Uhrwerk in mehreren Versionen der puristischen ­«Senator Excellence» ohne das bekannte Panorama-­ Grossdatum.

17 | Moritz Grossmann So hat man die Armbanduhren von Moritz Grossmann noch nicht erlebt: Stahlgehäuse, Durchmesser 41 mm, teilweise transparentes Zifferblatt aus hauchfein gewebten Stahlfäden und dazu das speziell konzipierte Handaufzugskaliber 201.0 mit 42 Stunden Gangautonomie. Letzteres stammt vom 100.1 ab und besticht durch eine puristische Reduktion auf die Zeit-Funktionen, also die Indi­ kation von Stunden, Minuten und Sekunden. Auf das gewohnte High-End-Finish hat die kleine sächsische Manufaktur ganz bewusst verzichtet, ohne jedoch die chronometrischen Werte zu reduzieren. Die typischen weissen Saphir-Lagersteine sind direkt in die tragenden Neusilber-Komponenten gepresst. Zusammen mit einer Flachspirale vollzieht die charakteristische Grossmann-Unruh stündlich 18’000 Halbschwingungen. Geblieben ist schliesslich auch die signifikante Feinregulierung für den Rückerzeiger. Nach dem Zeigerstellen erfolgt der Start des Uhrwerks durch Betätigung des Drückers neben der Krone. Von der «Atum Pure M» gibt es 50 Stück in reinem und 50 in schwarz beschichtetem Stahl.

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18 | Rado Auf 500 Exemplare hat Rado die Edition der femininen und speziell gekennzeichneten «True Open Heart» limitiert. Im massiven Boden jeder Uhr findet sich der Schriftzug «Limited Edition One Out Of 500». Durch die Verwendung weisser Hightech-Keramik versprechen Gehäuse und Armband ewige, weil kratzerfreie Schönheit. Neugierige Blicke provoziert die hauchdünne, nur 0,6 mm dicke Perlmutt-Schicht über dem durchbrochenen Zifferblatt. Bei näherem Hinsehen erkennt Frau das Zeigerwerk des Automatikkalibers Eta C07.631. Hat seine Schwungmasse die lange Zugfeder komplett gespannt, hält das Schmuckstück auch ein langes Wochenende ohne weiteren

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liber MT5601 aus eigener Manufaktur. Die Unruh mit variabler Trägheit und die Siliziumspirale oszillieren dabei mit vier Hertz. Sein Kugellagerrotor zieht in beiden Drehrichtungen auf. Die markanten «Snowflake»-Zeiger stammen übrigens von Uhren ab, welche Tudor in den 1970er Jahren an die französische Marine lieferte.

20 | TAG Heuer

Energienachschub durch. Wasserdicht ist die 40 mm grosse Armbanduhr natürlich auch. Und zwar bis zu fünf bar Druck.

19 | Tudor Bei Tudor bricht mit der 43 mm grossen «Heritage Black Bay» eine neue Ära an. Bronze, das verwendete Gehäusematerial, war bei der Rolex-Tochter bislang noch kein Thema. Wie üblich kommt auch dieser Tauch-Bolide, wasserdicht bis 20 bar Druck, mit zwei Armbändern: einem Textil- und einem künstlich gealterten Lederband. Im Inneren der Schale mit massivem Boden und opulenter, erstmals 1958 verwendeter «Big Crown»-Schraubkrone tickt das COSC-zertifizierte Automatikka­

2010 lancierte TAG Heuer das exklusive Chronographenkaliber 1887. Auf ihm basiert auch das Innenleben der «Carrera Heuer 01 Grey Phantom». Beim Blick durch das skelettierte Zifferblatt sticht die speziell gestaltete Vorderseite des Automatikwerks mit Schaltradsteuerung und Schwingtrieb-­ Kupplung ganz besonders ins Auge. Somit kommen Mechanik-Voyeure voll und ganz auf ihre Kosten. Schutz in allen Lebenslagen findet diese Evolutionsstufe der bewährten Mechanik mit vier Hertz Unruhfrequenz und 50 Stunden Gangautonomie im 45 mm grossen, sandgestrahlten und gebürsteten Titangehäuse aus eigener Produktion. Kreative Produktgestalter haben die bis zehn bar wasserdichte «Carrera»-Schale aus zwölf Teilen modular konzipiert. Dieses System bietet hohe Flexibilität, denn es eröffnet die Kombination unterschiedlicher Materialien, Oberflächen und Farben. Für sicheren und komfortablen Halt am Handgelenk sorgt ein Titan-Gliederband.

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WATCHES & JEWELLERY

21 | Rolex Das Comeback der in den 1950er Jahren lancierten «Air-King» gehörte zu den grossen Überraschungen der diesjährigen Baselworld. Diese Armbanduhr markierte einst den Einstieg in die sportliche Welt von Rolex. Das trifft auf den Newcomer nicht mehr zu. Er liegt auf einer Ebene mit den anderen Sportuhren, insbesondere aber der legendären «Milgauss», denn seine stählerne Schale besitzt auch ein Weicheisen-Innengehäuse. Selbiges leitet Magnetfelder bis zu einer Stärke von 1000 Gauss ähnlich einem Faraday’schen Käfig um das me­­cha­

nische Uhrwerk herum. Gleichermassen zuverlässig wie präzise ist das altbekannte Automatikkaliber 3131 mit beidseitig wirkendem Rotor­aufzug, 48  Stunden Gangautonomie und haus­ eigener «Parachrom»-Unruhspirale. Seit diesem Jahr gewährleistet Rolex für ausnahmslos alle Armbanduhren eine maximale tägliche Gangabweichung zwischen minus und plus zwei Sekunden. Die Wasserdichte der 40 Milimeter grossen Schale: 100 Meter.

18 | Omega Bei Omega tragen ab sofort auch die verschie­ denen Versionen der «Seamaster Planet Ocean» den anspruchsvollen Titel «Master Chronometer». Selbiger verlangt, dass alle Werke zunächst einmal zur amtlichen Schweizer Chronometerkontrolle COSC müssen. Die kompletten Uhren haben darüber hinaus den umfassenden Prüfstandards des unabhängigen Eidgenössischen Instituts für Metrologie (METAS) zu genügen. Puristisch präsentiert sich die stählerne «Seamaster Planet Ocean 43,5 mm Auto» mit dem amagnetischen Co-Axial-­ Automatikkaliber 8900. Besonders innovativ und Weltneuheit zugleich ist der einseitig verstellbare Glasrand. Bei ihm hat Omega erstmals Keramik mit Kautschuk kombiniert. Letzterer, ausgeführt in markantem Orange, bedeckt das erste Viertel der Lünette. Für die Indexierung hat die Manufaktur Liquidmetal gewählt. Aus schwarzer Keramik besteht schliesslich das markante Zifferblatt.

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BLICK

DER INS INNERE

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Meist g rei fen d ie Rädchen, Federn u nd Tou rbi l lons versteck t i nei na nder u nd d ie Per fek tion w irk t nu r i m Verborgenen. Doch d ie fei n mecha n ischen Deta i ls bi lden ei n Un iversu m i m K lei nen u nd si nd i m mer ei nen Bl ick wer t. Desha lb haben U h rmacher auch Skeleton-Versionen i m P rog ra m m, bei denen d ie fu n k tiona le Sprache i h rer Meisterscha ft offen l ieg t.

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DER

RETTER DER

ZEIT

UHRMACHER UND RESTAURATOR

Die Marke Parmigiani trägt den Namen ihres Gründers, Michel Parmigiani. PRESTIGE traf ihn bei einer Ausstellung der «Fondation Sandoz» im «Les Ambassadeurs». David Renner

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WATCHES & JEWELLERY

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ichel Parmigiani beendete seine Ausbildung zum Uhrmacher 1974 inmitten der Krise der Schweizer Uhrenindustrie. Quarzuhren waren günstig und präzise, doch der junge Uhrmacher besann sich auf das Erbe der Horlogerie und eröffnete schon 1976 eine eigene Werkstatt in Couvet. Hier spezialisierte er sich neben einzelnen Unikaten auf seine Leidenschaft: die Restauration von Uhren. Sein Wissen und Können macht ihn schnell bekannt und bereits 1980 wird er Restaurator der grossen Sammlung der Familie Sandoz. Die Sandoz treiben ihn in den kommenden Jahren dazu, selbst Uhren zu machen, und so wird 1996 Parmigiani Fleurier gegründet. Seine Uhren sind geschätzt, hochwertig und begehrt. PRESTIGE: Herr Parmigiani, was ist für Sie die Zeit? MICHEL PARMIGIANI: Die Zeit ist etwas, das man nicht kaufen kann. Vielleicht die einzige Sache, bei der das nicht geht. Wenn sie an einem vorbeizieht, dann kann man sie nicht mehr zurückholen. In ihrem Wesen ist sie relativ. Für jemanden, der sich langweilt, ist sie endlos. Jemand, der vielbeschäftigt ist, hat niemals diese Zeit. Sie vergeht wie ein Blitz. Wie hat Ihre Faszination für die Uhrmacherei begonnen? Die Uhrmacherei ist ein Rätsel. Die Armbanduhr, die Horlogerie und ihre Welt waren geheimnisvoll. Ebenso die Mechanik. Die Verkleinerung von Mechanik in ein Gehäuse, um Zeit anzuzeigen, und wie man sie so klein, zierlich und empfindlich herstellen kann. Das schien mir unmöglich und ist eine Sache, die mich träumen liess. Nach Ihrer Ausbildung haben Sie sich in Ihrer Werkstatt vor allem der Restauration zugewandt. Wie kamen Sie dazu? Restauration ist das Resultat langer Beobachtung des vormaligen Handwerks. Durch meine Ausbildung kannte ich zwar die neusten Techniken. Die Restauration hat mir jedoch erlaubt, mich zu kultivieren und mir die Kultur der Horlogerie mit ihren Techniken bei mehr oder weniger komplexen Stücken anzueignen.

Das ist ein Blick auf die Vergangenheit, wie ihn beispielsweise die Künstler der Renaissance auf die Antike hatten? Ja, es geht darum, mit Wissen zu beobachten und durch Sehen zu lernen. Das braucht es, um ein Objekt zu respektieren und es nicht falsch wiederzugeben, um ihm den Glanz seiner Zeit und seine Einmaligkeit wiedergeben zu können. Wenn man einen Baum fällt, kann man an den Baumringen sein Alter bestimmen. Wenn Sie eine Uhr öffnen, geht es Ihnen bestimmt genauso. Beim Blick ins Innere gibt einem besonders die Evolution bestimmter Objekte der Chronometrie oder der Chronometer aus der Seefahrt Aufschluss. Die Uhrenindustrie ist nur aufgrund der Seefahrt so präzise geworden, wie sie heute ist. Sie braucht ein wissenschaftliches Instrument, das die Zeit mit Präzision misst, um per Hand navigieren zu können. In der heutigen Zeit hat man keinen Gebrauch mehr für solche Präzision; für die Armbanduhren der Seefahrt ist sie aber essentiell. Sie waren ab 1980 für die «Fondation Sandoz» als Restaurator tätig. Welches Objekt war für Sie besonders? Es gibt ein Objekt, dessen Restauration wir eben abschliessen: die Pistole mit dem singenden Vogel. Das ist ein besonderes Objekt. Die erstaunliche Sache ist, dass wir es 200 Jahre nach seiner Herstellung wieder komplett restauriert haben. Es gab zwar einzelne Reparaturen, aber wir haben es geschafft, selbst den Ton in seinem originalen Zustand zu rekonstruieren. Wir haben das Gepfeife und den Gesang des Vogels wiederentdeckt. Wir mussten auf der einen Seite die Mechanik wiederherstellen und haben geforscht, um das in einer bestimmten Art machen zu können, und dann haben wir den originalen Vogelgesang entdeckt. Unser erster Test war sehr erfüllend, allein durch die Zeit, die wir aufgewendet hatten. 4000 Arbeitsstunden, das muss man sich vorstellen. Ein Arbeitsjahr hat 1800 Stunden.

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WATCHES & JEWELLERY

DIE

MAGIE DER

EDELSTEINE � �

Einige sind von Mythen und Sagen umwoben, erzählen abenteuerliche Geschichten, gelangten unter manchmal mysteriösen Umständen zu neuen Besitzern, waren teilweise jahrzehntelang verschollen, glitzern in märchenhaften Tiaren und wertvollen Kronen. Andere sind verflucht, bergen düstere Geheimnisse und sollen dem Träger Unglück bringen. Doch unabhängig der Legenden, die sie umwehen, beinhalten Edelsteine, die so alt sind wie der Planet Erde selbst, Heilkräfte, die von vielen alten Kulturen bis ins heutige Zeitalter überliefert sind. Helena Ugrenovic

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us dem flüssigen Magma im Erdinnern bildete sich vor Milliarden von Jahren Eruptivgestein, Edelsteine wie Turmalin, Beryll, Rubin, Saphir oder Topas, in der erkaltenden Erdkruste. Gesellte sich extreme Hitze oder extremer Druck dazu, sodass ein physikalischer Wandlungsprozess erfolgte, oder lagerten sich Sedimente wie Sand ab, bildeten sich wiederum andere Edelsteine daraus, sogenanntes Metamorphit oder Sedimentgestein. Aus geschmolzenem Gestein entstanden zum Beispiel Smaragd, Rubin und Saphir. Umweltbedingte Veränderungen bildeten Lapislazuli, Tansanit oder Tigerauge. Die Verbindung mit Oberflächenwasser erschuf unter anderem Opal und Türkis und die Entstehung im Erdmantel brachte einen der schönsten und wertvollsten Edelsteine hervor, den Diamanten.

Der Schatz (aus) der Erde In einer Welt, von der man ausging, sie wäre eine Scheibe, die Sonne abends am Horizont in der Tiefe verschwand, um am nächsten Morgen wie von Zauberhand in den Himmel gezogen zu werden, wo Blätter von den Bäumen fielen und wie Blumen verwelkten und Menschen alterten, waren Edelsteine das einzig Beständige und Unveränderte. Ihre geheimnisvolle Schönheit und Rarität war unerklärbar und pure Magie. Die Träger feinstofflicher und kosmischer Energien üben schon seit jeher eine mystische Kraft und Anziehung auf den Menschen und sein Innerstes aus und er ist überzeugt von den positiven Schwingungen dieser Boten aus Urzeiten. So wurden Edelsteine und Kristalle nicht nur zur Heilung von Körper und Geist eingesetzt, sondern den Göttern als Geschenk

überreicht, als Glücksbringer und Amulette ge­ tragen, sie sollten Schutz vor bösen Geistern ­bieten, Engel und Heilige freundlich stimmen und als Schmuck waren und sind sie hochgeschätzt.

Die Geschichte der Lithotherapie Schon vor Tausenden von Jahren beschäftigten die Heilkräfte der Edelsteine alte Kulturen und wurden genauso in der traditionellen chinesischen Medizin eingesetzt wie im alten Ägypten, in Griechenland und Rom, in der Ayurveda oder im Mittelalter. In der Bibel selbst werden 112 Mal heilende Edelsteine erwähnt, Gott selbst wird als solcher beschrieben und Päpste lassen sich ihre wertvollen Ringe küssen. Lange Zeit war die Steinheilkunde in Vergessenheit geraten, und die moderne Medizin mit Pillen und Pulvern versprach wundersame und schnelle Heilung, untermauert mit Studien und Belegen, während es schwerfällt zu glauben, Edelsteine und Kristalle seien die ältesten und stärksten

HILDEGARD VON BINGEN 1098–17. 9. 1179

Die wohl grösste Mystikerin Deutschlands, die ehrfurchtsvoll «Tischgenossin Gottes» genannt wurde und als Universal­ gelehrte ihrer Zeit galt, lebte im Mittelalter als Äbtissin in einem Benediktinerkloster im pfälzischen Bingen. Sie befasste sich mit der naturwissenschaftlichen Forschung, ganzheitlicher Medizin und Kosmologie und verfasste mehrere Bücher, wobei eines spezifisch über die Heilkraft von Steinen handelt. Mit dem ersten Buch über die Wirkung von 24 Heilsteinen legte sie den Grundstein für die Steinheilkunde, die sich auch heute noch auf Teile ihrer Schrift beruft. Manche ihrer Beobachtungen mögen komisch anmuten, doch weisen sie deutliche Parallelen zu den heutigen Beobachtungen auf.

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WATCHES & JEWELLERY

BUNTE HEILER DIAMANT: stärkster Heilstein, verkörpert Unbezwingbarkeit, Reinheit, Schönheit und Kraft; vermittelt Charakterstärke, Willenskraft und Selbstbewusstsein; entfaltet seine Wirkung am besten als Edelsteinwasser. SAPHIR: Unterstützung der Nerven und bei Stress; schenkt Ausgeglichenheit, Tatkraft, steigert die Konzentration, lindert Ängste. TÜRKIS: stärkt das Selbstbewusstsein, verbessert die Kommunikationsfähigkeit, hilft bei Depressionen. RUBIN: Glücksstein für Liebe und Sexualität, schenkt Lebenskraft, Hingabe, Entschlossenheit und Selbstver­ wirklichung, fördert Sensibilität in der Beziehung, schützt gegen das Böse. BERGKRISTALL: spendet Klarheit und Vitalität, hilft bei Augenleiden und Geschwüren sowie Beschwerden von Herz und Magen.

aller Naturheilmittel. Jedoch gerade die Industria­ lisierung und Virtualität, die immer stärker werdende fiktive «Keine-Zeit-Welt» mit einer Unzahl an Mitteln und Produkten ebnen den Weg zurück zur Natur, und die Menschen besinnen sich immer mehr auf alte Heilmethoden wie zum Beispiel die Steinheilkunde.

Die Wirkung der Edelsteine Es sind die einzigartigen Eigenschaften der Heilsteine, die mit ihrer Beschaffenheit aus verschiedenen Mineralklassen und Spurenelementen wie Sulfide, Halogenide, Oxide, Carbonate, Sulfate, Phosphate und Silikate, ihren verschiedenen Farben sowie ihrer Energie Frequenzen, Informationen, aussenden, die auf Menschen wirken. Alles

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ist Energie und Schwingung, und auch wenn diese nicht ersichtlich sind, sind sie spürbar und stecken in jedem Körper und Organismus. Jeder Stein, jede Pflanze sowie materielle oder synthetisch hergestellte Gegenstände sondern eine bestimmte Ausstrahlung ab, wie die Physik schon seit einem Jahrhundert belegt. Jeder Stein besitzt ein Kristallgitter, das für seine Struktur verantwortlich ist, und insgesamt existieren acht solcher Kristallstrukturen, die für ihre unterschiedlichen Wirkungen verantwortlich sind. Die diverse Intensität der Gitterschwingungen der Edelsteine liegt gemäss dem Schweizer Biophysiker Walter Stark im Biofrequenzbereich der menschlichen Körperzellen, die in einer ständigen Inter­ aktion miteinander stehen und Informationen austauschen. Befinden sich Leib und Seele in einem harmonischen Gleichgewicht, stellt sich Wohlbefinden ein. Verlieren Körperzellen hingegen an Energie und stellt sich dabei eine Disharmonie ein, entstehen Krankheit und Leid. Zieht man in der Chakra-Lehre gezielt wirkende Edelsteine hinzu und legt sie auf die entsprechenden Energiezentren, ist das Wirkungspotential der Heilsteine besonders hoch. Die ureigenen Schwingungen der Steine geben konstante Informationen ab, die auf den menschlichen Organismus einwirken und die entsprechenden heilenden Reaktionen bewirken.


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DRIVE STYLE


Mit dem eigenen Oldtimer über die Alpen, das ist immer etwas Besonderes. Wir sind diesmal erst losgefahren, als die Dämmerung hereinbrach – zu einer Passkontrolle der etwas anderen Art.

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Peer Günther, map |

Ian G.C. White

s gibt zwei klassische Tabuthemen in der Oldtimerszene. Da wäre zum einen die Autobahn – eine mit blechernen Belanglosigkeiten überfüllte Piste der Moderne, die höchstens als Transferstrecke zu anderen, verlockenden Destinationen taugt. Dabei wird auch negiert, dass die erste Schweizer Autobahn auch schon über 60 Jahre alt ist und im benachbarten Deutschland in den 1930ern Rekordversuche auf Fernstrassen unternommen wurden. Das grös­ sere «No-Go» aber ist – die Nachtfahrt. Zwar gibt es ein paar Ausnahmen wie den italie­nischen Winter-Marathon, die britische Le Jog, eine historische Rallye Monte Carlo, die in der Schweiz erstmals 1998 ausgetragene Moonwalk Trophy (www.fridayclassic.com) oder das jährlich stattfindende Alpenbrevet ­(www.alpenbrevet.com). Doch davon abgesehen kennen wir keine offiziellen Oldie-Veranstaltungen, die bei Dunkelheit stattfinden. Anders als früher, als heutige Veteranen nagelneu waren, haben sie nach 22 Uhr in der Garage zu warten. Auf ihren nächsten Auftritt bei Tageslicht, sonst sieht sie ja niemand …

Nachtfahrt in altem Gefährt Nun sind wir mit altem Gerät bereits mehrfach nächtens unterwegs ge­ wesen, sei es bei der Heimfahrt von einer Veranstaltung oder nach einem sommerlichen Abendessen, das dann doch etwas länger dauerte. Und wir haben es durchaus genossen, weil es ganz anders war – intensiver, dazu sensitiver. Man achtet mehr auf mechanische Geräusche, kontrolliert die Instrumente etwas öfter als sonst, atmet die Aromen der Heizung ein. Und man geniesst – viel weniger Verkehr.

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DRIVE STYLE

Nun ist eine Nachtfahrt im Neuwagen heute nichts Besonderes: alles wie immer, einfach nur – dunkler. Umso intensiver leuchten die Displays diverser Assistenzsysteme – sind uns zwischen Smartphone mit Echtzeit-Wetterbericht und Satelliten-Navigationssystem mit Sprachsteuerung vielleicht die Sinne und Instinkte abhandengekommen? Wir machen die Probe aufs Exempel und bereiten uns auf eine nostalgische Tour vor – mit zeitgenössischem Proviant wie Scho-Ka-Kola, dicken Lederjacken und faltbaren Strassenkarten der späten 1950er-Jahre, die uns zeigen, welche Routen es damals schon gab. Im Gegenzug wird auf Fleece-Unterwäsche, Sitzheizung, LED-Kurvenlicht, Spurassistent, Handy oder Bildschirm-Routenführung verzichtet.

Aber wohin soll die abenteuerliche Reise gehen? In die Berge natürlich! Sechs Pässe müssten zu schaffen sein; schliesslich wollen Fotopausen eingeplant werden und einen Kaffee wollen wir auch irgendwann trinken. Ein gemütlicher Zeitplan hat ausserdem den Vorteil, dass er einen nicht unter Druck setzt: Wenn wir zügig fahren wollen, dann aus freien Stücken und bei entsprechender Sicht und Witterung, also situativ, ganz ohne Agenden abzugleichen, E-Mails zu beantworten oder «Schaut mal, das ist der Gipfel!»-Selfies abzusondern. Herrlich! Frei sein mit nur einem einzigen Ziel – analoge Fortbewegung, ganz jenseits von Multitasking. Passt ja auch viel besser in eine ursprüngliche Gneis-und-Granit-Landschaft, der die Zeit anscheinend nichts anhaben konnte. Klingt nach einem guten Plan, aber ist er auch durchführbar? Wir werden es erleben … Die Wahl des Transportmittels ist schnell entschieden: meine Alfa Romeo Giulia Spider Veloce Baujahr 1964 – ganz einfach weil sie für genau solche Gelegenheiten gebaut wurde und immer wieder gerne Richtung Italien unterwegs ist. Die Geschichte unserer Beziehungskiste ist eine klassische: Das Auto ist seit 20 Jahren bei mir und soll es bleiben; zuvor parkte die Giulia 25 Jahre lang bei einem in Deutschland lebenden italienischen Pizza-Bäcker. Fünf noch frühere Jahre diente der Alfa einem US-Soldaten als ebenso günstiges wie aufregendes Transportmittel und wurde mit allerhand Zubehör veredelt – eine VDO-Uhr stammt aus dieser Zeit, ebenso die Blaupunkt-Lautsprecher in Keksdosen-Grösse. Die ersten beiden Jahre sind dagegen unbekannt. Ein Wagen mit sichtbarer Geschichte und der einen oder anderen Narbe, aber er trägt sie mit Stolz. Restauriert? Nein, warum? Stattdessen wurde in den Erhalt der Originalsubstanz investiert, die Aussenhaut zeigt derweil Patina. Nicht zuletzt schreien stilechte Extras wie die kürzlich montierten, sündhaft teuren 60er-Jahre-Marshall-605-Fernscheinwerfer förmlich danach, einmal eingesetzt zu werden.

Alles an dieser Tour ist ungewöhnlich, gleich von Anfang an Denn unser Startpunkt ist das Grimsel Hospiz, jene steinerne Manifestation der klassischen Berg-Herberge, deren Gästezimmer nach einer Restaurierung und ab dem Jahr 2010 wieder im klaren Bauhaus-Stil alter Tage erstrahlen. Wer das Hospiz noch nie besucht hat, sollte das nachholen, denn dort finden müde Wanderer, Biker und andere Pass-Besucher eine der stilvollsten, aber auch gediegensten Unterkünfte der gesamten Alpen vor. Die Sonnenaufund -untergänge hier suchen ihresgleichen, und weil das so ist, wird die Reservierung dringend empfohlen (www.grimselwelt.ch) – auch an einem Dienstag wie diesem. In unserem Fall dient das Nachmittags-Nickerchen zum «Batterien aufladen», wird das Abendbrot zum Frühstück, denn bei Sonnenuntergang wollen wir aufbrechen – leider ohne einen Dezi aus dem benachbarten Wallis gekostet zu haben: Im Felsenkeller lagern 300 verschiedene

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Weine und einige von ihnen werden ein andermal probiert, versprochen. Stattdessen trinken wir Tee, der Kellner weiss um unseren Plan und lächelt verständnisvoll. Nein, auch kein Drei-GängeMenü – bestellt werden ein leichter Salat und Äpfel als Proviant. Dann brechen wir auf: Nochmal den Ölstand kontrollieren und einen letzten gemeinsamen Blick auf die historische Hallwag-Karte im Massstab 1:200 000 werfen – ganz so wie früher, als dies die einzig verlässliche Orientierungshilfe in der Fremde gewesen ist. Das ist aufregend; ein wenig erschrecken wir sogar vor unserem kühnen Plan – und bestätigen die Route: Über den Grimsel-Pass wird es ganz klassisch zum Furka gehen, bevor wir Andermatt passieren und den knapp 2100 Meter hohen Gotthard und seine legendäre Südrampe Richtung Airolo in Angriff nehmen wollen. Von dort aus soll der Abstieg Richtung Bellinzona erfolgen, wo es dann nach einer scharfen Halse wieder aufwärts gehen wird Richtung Nord­ osten: Es gibt keine bessere Verbindungsetappe zum San Bernardino. Anschliessend wollen wir den Splügen rechts liegen lassen und bei Tiefencastel erneut nach Süden abdrehen, um über den knapp 2300 Meter hohen Julier das Engadin und via Sankt Moritz unseren sechsten und letzten Pass zu erreichen – den nahe der italienischen


«Die Tremola ist das längste Strassenbaudenkmal der Schweiz. Auf Kopfsteinpflaster geht es 24 Kurven lang 300 Höhenmeter abwärts.»

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«Exklusives Fahrerlebnis. Zu nächtlicher Stunde gehören uns die Kurven und Spitzkehren ganz allein.»

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kommen. Wäre es jetzt früher Nachmittag, wie viele Motorräder und Oldtimer würden wohl unterwegs sein – ganz zu schweigen von Velo-Athleten, Campern und Reise­bussen? Auf jeden Fall wäre es eine Blech-Karawane im Schneckentempo. Artgerechtes Ausfahren historischer Fahrzeuge sieht anders aus. Wir lachen uns eines, geniessen das exklusive Fahrerlebnis und müssen gar nicht schneller sein als erlaubt – Tempo 80 erscheint uns auf vielen Abschnitten mehr als genug. Der Himmel ist sternenklar, die Aussichten oben auf dem Furka sind einzigartig.

Grenze gelegenen Bernina. Insgesamt warten rund 300 Kilometer auf uns, die wir mit einem kräftigen Brunch in Pontresina abschliessen möchten – die Zimmer zum Ausschlafen im Hotel Saratz sind schon gebucht. So weit der Plan … Um 19 Uhr ist es in der warmen Jahreszeit noch hell hier auf der Grimsel – nur wirklich warm ist es nicht. Zunächst geniessen wir acht Grad Celsius, doch die Temperatur fällt im Viertelstundentakt, während die untergehende Sonne das einzigartige Bergpanorama illuminiert. Parallel konzentriert sich unsere Alpentour auf runterschalten, bremsen, lenken, Gas geben und herausbeschleunigen – ist es eigentlich legitim, diese beeindruckende Umgebung auszublenden? Ein bejahendes Argument liefert Autor Otto Julius Bierbaum mit seinem Buch «Eine empfindsame Reise im Automobil», in dem steht, dass Schweizer Alpenpässe nur nachts von Automobilen befahren werden dürfen, um den Tagesverkehr nicht zu irritieren – niedergeschrieben anno 1908!

Inzwischen sind wir im Kanton Uri und auch hier – kein anderes Auto weit und breit. Mehr als sechs Liter Öl haben inzwischen Betriebstemperatur aufgenommen, jede Kurve wird zum Ziel und der Spider Veloce zieht uns gierig durch die Serpentinen. Seine serienmässig schärferen Nockenwellen bieten ein erstaunlich grosses Leistungsfenster, das von 3000 bis 6000 Umdrehungen reicht. Darunter murrt die alte Dame zwar nicht, ist aber weniger willig. Also wird geschaltet, was das voll synchronisierte Fünfganggetriebe hergibt – dieser Sportwagen fühlt sich immer noch sehr sportlich an und war der automobilen Welt einst weit voraus, während Opel-Rekord-Fahrer ihre 1,7-Liter-­Motoren mit drei Gängen und via Lenkradschaltung die Berge hinauf quälten – von Käfer-Besatzungen wollen wir hier gar nicht reden. Inzwischen ist es zugig geworden, doch wohlige Wärme strömt aus den Heizungsdüsen. Dennoch halten wir in Realp kurz an, um das Verdeck hochund unsere Jackenkrägen wieder herunterzuklappen. Ein kurzer Blick auf die Karte bestätigt den Tageskilometerzähler – der ja auf unserer Tour gar nicht so heissen dürfte: Wegen diverser Fotopausen haben wir seit dem Start bereits zwei Stunden gebraucht und keine 60 Kilometer hinter uns gebracht. Ich rechne mir aus, wie lange wir wohl für die restliche Strecke benötigen werden, wenn wir in diesem Tempo weitermachen – und wo uns dann wohl der erste Sonnenstrahl trifft …

Die Guilia singt

Die Abzweigung zur alten Original-Gotthard-Strasse, der Vecchia, liegt südlich von Hospental und ist im Dunkeln leicht zu übersehen. Wenn einen dann aber Kopfsteinpflaster aufrüttelt, hat man sie gefunden und kommt ins Tessin. Der folgende Weg zur Passhöhe hoch ist einmal ganz anders; automatisch taucht oben der Lago della Piazza vor dem Museo Nationale del San Gottardo zur Rechten auf – alles ergibt sich in einer angestammten historischen Logik. Man muss dabei nicht abzweigen wie bei der modernen Passstrasse. Leider befindet sich das alte Schild mit der Höhenangabe heute am hinteren Rand des Parkplatzes. Der jedoch ist nachts komplett leer und so biedert sich das Schild förmlich an, von historischen Scheinwerfern bestrahlt zu werden wie einst in beiderseitigen Jugendjahren.

Die asphaltierte Grimsel-Spitze mit ihren 2164 Meter ist schnell genommen, die europäische Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer damit überquert. Jetzt sind wir im Wallis und die Giulia singt – das animierende Geräusch der zwei Weber-­ Vergaser und andere mechanische Klänge des handzahmen Veloce-­Rennmotors heben sich klar von den wenigen Windgeräuschen ab, werfen ihr Echo in den Fels. Der Furkapass liegt schon im Dunkeln, als wir seine in östlicher Richtung liegende Bergauf-Passage angehen. Wir sind ganz allein; seit Abfahrt sind uns vielleicht zwei Autos entgegenge-

Nach kurzer Rast, die unser kerngesunder Alfa knisternd verbringt, geht es die kleine Tremola-Route hinunter. Dieses imposante, von Kilometersteinen gesäumte Granit-Bauwerk, zwischen 1827 und 32 errichtet, liegt heute – in südlicher Richtung gesehen – linkerhand der neuen Passstrasse, gehörte einst zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen und wurde mehrfach erneuert. Heute präsentiert sich die 300 Höhenmeter überwindende, vier Kilometer lange Strecke mit ihren 24 Kehren weitgehend im 1951 rekonstruierten Zustand, wenngleich es die Strassenwärter-Häuschen inzwischen nicht mehr gibt. Trotzdem ist es eine Zeitreise, hier wird die Fahrt zur Droge und natürlich wollen wir diesen besonderen Moment unserer Nachtfahrt verewigen, was bei solchen Lichtverhältnissen besondere Massnahmen erfordert:

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DRIVE STYLE

Ian steht mit Kamera und Stativ einen halben Kilometer weit weg nahe der Galleria di Fieud und hält die Blende über Minuten offen. Während das perfekte Foto entsteht, hasten tief unter uns die Autofahrer durch den Tunnel, den Lichtern einer Herde folgend, zu vermeintlich neuen Ufern.

Die Schweiz im Italo-Flair Die Landstrasse Richtung Bellinzona lässt die Scheibenbremsen der Giulia abkühlen: Als die Veloce-Version 1964 vorgestellt wurde, verzögerte sie vorne erstmals nicht mehr mit Trommeln. Die Präsentation erfolgte im königlichen Park zu Monza – wo sonst? Porsche-356-Fahrer horchten auf: 112 PS aus 1,6 Liter Hubraum waren eine starke Ansage, doch für die Rundstrecke gab es bei Alfa inzwischen die Tubolare Zagato, während Porsche einen 904 GTS Carrera ins Rennen schickte: Giulia und 356 hatten sich inzwischen ins Reisefach verabschiedet. Wie besprochen zweigen wir bei Castione von der Kantonsstrasse 2 auf die 12 ab, die steil nach Norden führt – und sind Minuten später in Graubünden. Dennoch offenbart die Anfahrt zum San Bernardino eine Schweiz im Italo-Flair; manche Dorf-Durchfahrten erinnern an verblichene Mille-Miglia-Fotos. Die folgenden grossen Waldpassagen zeigen, dass wir gerade mal wieder 1800 Höhenmeter absolviert haben; die Strecke bietet eine tagsüber nie erlebte fahrerische Vielfalt. Liegt es daran, dass auf einmal ganz andere Geschwindigkeiten machbar sind? Die alte Landstrasse hat später teilweise Waldweg-Niveau und schlängelt sich vor Nufenen abschnittsweise gefährlich dicht an der Autobahn vorbei: Unsere Scheinwerfer könnten vom Fernverkehr als Geisterfahrer wahrgenommen werden; tatsächlich sind wir manchmal nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt. Es folgen ein paar unvermeidbare, neu erbaute Tunnel – auch sie ein Tribut an die Autobahn A13 / E43, die sich hier gradlinig ihr Recht nimmt. Wir gönnen uns derweil ein kurzes Nickerchen, da bisher alles wie am Schnürchen lief, wir schon mehr als 200 Kilometer absolviert haben und es erst zwei Uhr ist. Um drei sind wir wieder auf der Piste – und müssen ab Tiefencastel nur noch den Schildern Richtung Sankt Moritz folgen. Der mondäne Kurort hat schon frühzeitig für eine devisenbringende, weitgehend lineare und im Winter leicht räumbare Strassenführung über den Julier gesorgt. Die Marshall-Fernscheinwerfer illuminieren solche Geraden fast bis zum Horizont, die Gedanken fangen an zu wandern, während die Nacht um halb fünf Uhr früh präsenter ist denn je. Unsere Ohren lauschen intensiver in den Motor hinein, immerhin liegen bereits 250 Kilo- und zahllose Höhenmeter hinter uns. Ungewöhnliche Geräusche sind aber nicht zu vernehmen, der Bremspedalweg ist unverändert, ebenso die Verzögerung. All systems go. Das erinnert daran, dass wir ja ein

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Becker-Radio an Bord haben! Der Sendesuchlauf, vor über 50 Jahren echtes High-Tech, rast dreimal die gesamte Skala ab, um dann bei Pop-Gedudel zu verweilen: Das Gerät ist genauso rasch wieder stumm wie eingeschaltet – und dann ist es getan: Mit der Morgendämmerung erreichen wir unsere Herberge in Pontresina, die ganz nebenbei zu den besten Familienhotels der Schweiz gerechnet wird (www.saratz.ch). Wir checken kurz ein und machen uns frisch, um dann noch einmal auszuschwärmen und in der blauen Stunde vor dem später exzellenten Frühstück unseren letzten Gipfel zu ver­ naschen: ein Katzensprung, denn es sind nur noch 16 Kilometer. Längst ist das Verdeck wieder unten, als goldenes Morgenlicht durch die Wolken bricht und den Bernina freilegt, den wir, dichten Bodennebel durchquerend, erreicht haben. Frische Luft im Gesicht vertreibt die Restmüdigkeit sofort und wir genies­ sen das erfolgreiche Ende einer sehr lebendigen Vollgas-Nacht, die zeitlich noch ein, zwei Bergspitzen mehr erlaubt hätte. Merke: Es ist noch Luft nach oben für die nächsten Abenteuer.

KARTENMATERIAL Wer in der Schweiz so schön analog unterwegs sein möchte wie wir, ist mit Strassenkarten von Hallwag Kümmerly + Frey bestens ausge­ rüstet: Das 1912 gegründete Unternehmen bietet ein breit gefächertes Programm für verschiedene Verkehrsmittel an (Auto, Töff oder Fahrrad). Allen gemein sind detaillierte Angaben für besseres Reisen; Schweizer Qualitäts-Kartografie garantiert hohe Informationssicherheit. Besonders empfehlenswert ist die Karte «Grand Tour of Switzerland» mit 25 verschiedenen Traumrouten auf insgesamt 1600 Kilometer. www.swisstravelcenter.ch


FAHRT

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IN DEN SOMMER

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Den Som mer ka n n ma n i n vol len Zügen gen iessen, wen n ma n sich i h m aussetz t. Der m i lde Fa h r tw i nd au f dem Rol ler, i m Cabriolet oder dem Boot ist schwer vom D u ft der H itze u nd gön nt d ie verd iente Abk ü h lu n g. Um dabei i m mer d ie beste Fig u r z u machen, braucht es n icht v iel.

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1 I PHILIPP PLEIN «TRUST ISSUE» Eine männliche Kombination aus Hip-Hop, Heavy Metal und Rock 2 I MERCEDES BENZ «AMG C 43 4MATIC CABRIOLET» 3,0-Liter-V6-Biturbo­ motor mit modifizierter Motorsteuerung, erhöhtem Ladedruck und gesteigerter Dynamik

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3 I «BUGATTI GIOCO WEEKENDER BROWN» Die Tasche ist eine Synthese aus anspruchsvollem Design und durchdachter Funktion. 4 I «MR. BURBERRY» Mit dem holzigen und würzig-frischen Duft strahlen Männer moderne Sinnlichkeit aus.

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5 I COMITTI Mahagoni-Runabouts in traumhaften Formen mit unbändiger Power vermittelt pure Lebensfreude 6 I TISSOT Die Tissot T-Race MotoGPTM Automatic Limited Edition 2016 7 I STROMROLLER Der NOVA R 2000 im 60er Retro-Look basiert auf modernster Elektrotechnik und verfügt über eine hohe Reichweite.

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AB IST LACK

UND DER

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DIE FÜNF HÄUFIGSTEN FEHLER BEI DER AUTOWÄSCHE

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chon die hohe Pkw-Dichte verrät es: Die Europäer lieben Autos. Doch Liebe will gepflegt werden. Spätestens wenn der Blick durch die Windschutzscheibe auch bei Sonnenschein nur trübe Aussichten bietet, ist es höchste Zeit für die nächste Reinigungsrunde. Doch Vorsicht: Eine unsachgemässe Fahrzeugpflege kann dauerhafte Lackschäden verursachen. Worauf bei der Wahl der richtigen Utensilien zu achten ist und welche Autopflege-Sünden es zu vermeiden gilt, erklärt Fahrzeugpflege-­ Experte Alexander Hertfelder, Operations Manager bei MyCleaner.

Keine Schocktherapie – der richtige Umgang mit dem Hochdruckreiniger Unter Druck entstehen bekanntlich Diamanten. Eine Autowäsche verspricht immerhin einen diamantenen Glanz – wenn man alles richtig macht. Hochdruckreiniger sind wirkungsvolle Werkzeuge, um groben Schmutz blitzschnell abzuspülen. Allerdings gibt es auch hier einige Dinge zu beachten, damit der Lack nicht unter Druck gerät. Besonders bei bereits bestehenden Lackschäden oder sensiblen Stellen, wie Reifen und Scheibendichtungen, ist Vorsicht geboten. Generell sollte der Wasserstrahl in einem Abstand von etwa zwanzig Zentimetern mit flachem Einfallswinkel zum Wagen gehalten werden. Damit die Lackierung keinen Temperaturschock erleidet, verzichten Autofahrer im Winter besser auf diese Reinigungsmethode und weichen im Sommer auf die milderen Morgen- oder Abendstunden aus.

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Nicht lumpen lassen – Cleaner’s little helpers Nicht nur eine Frage der Technik: Auch die Waschutensilien haben einen erheblichen Einfluss auf das Endergebnis der Reinigung und die Unversehrtheit des Lacks. Sogar bei der Handwäsche können ungeeignete Putzlappen und Schwämme mehr schaden als nutzen. Schlimms­ tenfalls verteilen sie Sandkörnchen und andere Schmutzteilchen auf der Oberfläche der Karosserie, anstatt sie zu entfernen. Der Dreck wirkt dann wie Schmirgelpapier und hinterlässt unschöne Schleifspuren. Cleaner sollten spezielle Mikrofasertücher benutzen. In Kombination mit wachshaltigen Reinigungsmitteln, die die Schmutzpartikel umhüllen, wird der Lack schonend und kratzerfrei gereinigt.


Schaumschläger oder Putzwunder? – Die Wahl des richtigen Reinigungsmittels Spülmittel, Babyshampoo, Backpulver, Speiseöl … Die Liste der Hausmittel ist lang. Doch für echte Autofreunde gilt: Finger weg! Selbst bei professionellen Autopflegemitteln gibt es Qualitätsunter­ schiede. Ein Blick auf Schaumbildung, Umweltverträglichkeit und Wachsschutz verrät das passende Produkt. Schaum bindet den Schmutz, weicht ihn auf und lässt ihn abfliessen. Zu stark fettlösende Mittel hingegen schaden der Wachsschicht. Ideal sind Reinigungsmittel, die das Wachs schützen und gleichzeitig die Reibung auf der Lackoberfläche vermindern.

Kratzbürste? Ohne Schreck aus der Waschanlage Selbst bei Autobesitzern ohne Phobie stellen sich bei diesen «Spinnen­ netzen» die Nackenhaare auf: Auch als Waschstrassenkreise oder Haarlinienkratzer bekannt, hinterlassen veraltete oder zu harte Waschstrassenbürsten feine, spinnennetzartige Kratzer in der Karosserie, die besonders bei Sonnenlicht «zur Geltung» kommen. Hier empfiehlt sich ein prüfender Blick, ob die Anlage gepflegt und gut geführt ist, oberflächenschonende Textil- oder Schaumstoffbürsten verwendet werden und nicht noch der Dreck des Vorgängers an den Lappen haftet. Wird keine Vorreinigung angeboten oder fehlt eine Kennzeichnung durch ein Prüfsiegel, ist eine Autoreinigung nicht zu empfehlen.

In trockenen Tüchern – bye-bye Wasserflecken Selbst die sorgfältigste Autowäsche verliert ihren Glanz, wenn Wasserflecken das Endergebnis trüben. Wasserreste müssen schnell entfernt werden, bevor sie eintrocknen und hässliche Ränder verursachen. Die besten Ergebnisse versprechen auch hier spezielle Mikrofasertücher. Empfindliche Lacke sollten Fahrzeugbesitzer mit gefaltetem Tuch abtupfen oder das Tuch ohne Druck über die Oberfläche ziehen. Wer es besonders gründlich mag, kann schlecht erreichbare Stellen, wie Ziergitter, Spiegel oder Türleiste, mit Druckluft trocknen.

Fazit Die Annahme, dass bei der Autowäsche nicht viel schiefgehen kann, stellt sich spätestens bei direktem Sonnenlicht als Irrtum heraus. Damit die Reinigung nicht mehr «Tiefgang» bekommt, als dem Besitzer lieb ist, rät Alexander Hertfelder zur umweltfreundlichen und schonenden Fahrzeug­ pflege – am besten von Hand: Waschanlagen mit Polyethyl-Bürsten, Spülmittel oder Haushaltslappen gehören ebenso zu den Alpträumen einer Pkw-Oberfläche wie Nähe-bedürftige Hochdruckreiniger oder fettlösende Shampoos.

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DRIVE STYLE

Oldtimer des franzรถsischen Automobilherstellers Automobiles Delahaye.


DRIVE STYLE

Brian James ist ein Meister. Mit seinen Automobil-Illustrationen gelingt es ihm wie keinem anderen, den Glanz, die Atmosphäre und das Lebensgefßhl vergangener Dekaden wieder aufleben zu lassen. Anka Refghi |

Brian James


BMW 328 Baujahr 1938 | Auf der Passstrasse

«Der Plakatkünstler […] muss etwas erfinden, das selbst den Durchschnittsmenschen anhält und anregt, wenn er vom Pflaster oder Wagen aus das Bild der Strasse an seinen Augen vorbeieilen lässt.» – Jules Chéret –

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Mercedes Benz 500K | Nachtaufnahme


DRIVE STYLE

Nach seinem Studienabschluss als Art Director in einer Werbeagentur tätig, begann sich Brian James immer mehr für das Genre der Illustration zu interessieren. Nach sieben Jahren verliess er die Agentur, um fortan als Freelance-Illustrator zu arbeiten. Der durchschlagende Erfolg sollte nicht lange auf sich warten lassen und Brian James wurde zu einem der gefragtesten Illustratoren für die grössten nationalen und internationalen Werbekampagnen rund um den Globus. Mit seiner unverkennbaren Handschrift, klassische Vintage-Plakate in die Moderne zu übersetzen, begeisterte er Kunden wie die Barclays Bank, British Airways, Boots, Cadburys, Jaguar, London Transport und Volkswagen, um nur ein paar wenige zu nennen.

Im Bann des Art déco

Bugatti Type 55 | Allee Sonnenuntergang

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it 30 Jahren Erfahrung, einem begnadeten Talent und einer lebenslangen Leidenschaft für die legendären Dekaden der 1920er und 1930er Jahre gehört Brian James zu den führenden Automobil-Künstlern weltweit. 1947 in Birmingham, England, geboren und aufgewachsen, gehörten Kunst, Design und Autos schon früh zu seinen Leidenschaften. Nach der Schule beschloss Brian James, Künstler zu werden, und studierte in den späten sechziger Jahren Graphic Design am Birmingham College of Art. Dass er ein Ausnahmetalent war, blieb nicht lange verborgen, schuf er doch noch während seiner Studienzeit eine Ikone, die heute nicht nur weltberühmt ist, sondern auch zum ­t ypischen Bild Grossbritanniens gehört: den Union-Jack-Bowlerhut, für den er den National-Graphic-Design-Preis gewann. Das Original befindet sich heute im Besitz des New Yorker Museum of Design, das es vor einigen Jahren bei Christie’s London erwarb.

Zwar illustriert er auch heute von Zeit zu Zeit noch Magazine, Werbekampagnen oder Poster, doch hat sich sein Fokus in den letzten Jahren vermehrt auf die Kunst und auf seine «erste grosse Liebe», die Automobile, gerichtet. Sowohl in Europa als auch in den USA erfolgreich, arbeitet er unter anderem mit Firmen wie Bruce McGaw Graphics oder der The Art Publishing Group zusammen, die seine Bilder vertreiben. Viele seiner Bilder sind im Art-déco-Stil. Ein Stil, der ihn seit seiner Kindheit in den Bann gezogen hatte, ohne zu wissen, was Art déco überhaupt war. «Ich bewunderte die Architektur, die Formensprache des Designs, aber auch die 30er Jahre mit ihren Kinos, den Warenhäusern bis hin zu den weiss getünchten Häusern, denen man so oft an der englischen Küste begegnete. Es war einfach dieses ganz besondere Gefühl von einer Aura längst vergangener Tage.» Und so wuchs mit den Jahren sein Interesse an allem, was die 20er und 30er Jahre hervorgebracht hatten. Ganz besonders begeisterten und inspirierten ihn die Zeichnungen und die Werbe- und Railway-­Plakate jener Zeit, die das damalige Lebensgefühl in Perfektion einzufangen vermochten. Eine Zeit, in der mit dem ansteigenden Qualitätsbewusstsein der Entwurf und die Gestaltung der Plakate aus den Händen der Drucker mehr

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DRIVE STYLE

und mehr in die Hände namhafter Künstler überging, die die bis heute so beliebten Werbeplakate erschufen. Brian James zeichnet entweder auf Papier oder mit Acryl auf Canvas. Doch gleich in welchem Stil, seine Automobil-Bilder begeistern. Er liebt es, das Licht und die Reflektionen auf der Oberfläche der Automobile einzufangen, um ihnen diese unvergleichliche metallische Tiefe zu geben, die seine

Bilder auszeichnet. Dabei, so der Künstler, gehe es ihm nicht um die reine Abbildung der Auto­ mobile, sondern auch darum, sie in der passenden Umgebung zu inszenieren. Ob der Bugatti Type 55 auf einer ländlichen Ausfahrt, der BMW 328 aus dem Jahre 1938 auf einer Passstrasse, ein Jaguar C Type während des Boxenstopps – seine Bilder lassen mit ihren Szenerien auf meisterliche Weise das Lebensgefühl vergangener Tage wieder auferstehen. Und seine Bilder sind begehrt. Sehr begehrt. Zu seinen Auftraggebern gehören nicht nur private Sammler und Automobilbesitzer – darunter auch der Kronprinz von Bahrain –, sondern auch renommierte internationale Unternehmungen. So illustriert er seit 2009 im Auftrag von BMW das Jahrbuch des exklusiven Oldtimertreffens Concorso d’Eleganza in der Villa d’Este, das am pittoresken Comer See stattfindet und als das europaweit bedeutendste gilt. Ein Jahrbuch, in dem ein jedes der teilnehmenden Automobile von ihm illustriert ist – wahrlich ein Bildband der Superlative! Aber auch weitere höchst exklusive Klassik- und Supercar-Events schwören auf seinen Pinselstrich. So finden sich unter seiner illustren Klientel auch der Salon Privé, der in Londons Hurlingham Club stattfindet, genauso wie das «Goodwood Festival of Speed», das «Goodwood Revival Meeting», «Silverstone Classic» und die «International Historic Motorsport Show» sowie zahlreiche Kunstgalerien weltweit.

Das Plakat

Jaguar C Type, Baujahr 1953 | Beim Boxenstopp

Die künstlerische Emanzipation des Plakates weg vom typographisch verschnörkelten Klebezettel gelang in der Kunststadt Paris. Als Vorreiter, nach einigen genialen «Plakat-Vorläufern» wie etwa von Edouard Manet, ist ein Mann besonders hervorzuheben: Jules Chéret (1836 –1932), der als Pionier der Plakatkunst gilt. Er war nicht nur Künstler, sondern auch gelernter Lithograph, dem es gelang, die komplizierte Farblithographie so weit zu vereinfachen und die Kosten zu senken, dass damit die Voraussetzungen für die weite Verbreitung qualitativ hochwertiger Plakate geschaffen wurden.

Brian James Der Künstler

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Stil ECHT

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Wen n nu r Qua l ität überzeug t u nd befried ig t, da n n ka n n es kei ne Komprom isse geben. Zeitloser Gesch mack ist ei n Fels i n der Bra ndu n g: Dezente Töne, ausgewogene A romen u nd ei ne r u h ige Fa h r t lassen sich du rch n ichts erschüttern.

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1 I VOLVO DER BRANDNEUE VOLVO XC90 FÄHRT MIT DER UMFASSENDSTEN UND TECHNOLOGISCH ANSPRUCHSVOLLSTEN SICHERHEITSAUS­STATTUNG.

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2 I S.T. DUPONT «FIRE HEAD» MIT 6 KREDITKARTENHALTERN IST AUS LEDER UND MIT EINEM NEUEN MUSTER GEPRÄGT. 3 I BREGUET «TYP XXI 3817» GEHÄUSE AUS STAHL MIT FEIN KANNELIERTEM MITTELTEIL UND SAPHIRBODEN 4 I AVO CIGARS INSPIRIERT DURCH DEN KOSMOPOLITISCHEN LEBENSSTIL DER ZIGARRENLEGENDE AVO UVEZIAN

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5 I REMY MARTIN XO BREITES SPEKTRUM AN AROMEN VON SPÄTSOMMERFRÜCHTEN, KOMBINIERT MIT EINER REICHEN BLUMIGEN NOTE VON WEISSEN BLÜTEN. 6 I FALKE LEBENSENERGIE, STÄRKE UND LEISTUNG SIND DIE MERKMALE DER FUNKTIONALEN HERREN­STRUMPFLINIE «LIFE PERFORMANCE SOLUTIONS».

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Li Edelkoort

BEAUTY

FASHION  &

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DIE STILIKONE DER TRENDFORSCHUNG

Seit 35 Jahren ist Li Edelkoort eine der bekanntesten und bedeutendsten Trend­ forscherinnen der Welt und gilt in der Fachwelt als eine der Pionierinnen und Begründerinnen der Trendforschung. Kurz: Sie ist das Orakel der Zukunft.

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Lilly Steffen

delkoort berät seit Mitte der siebziger Jahre erfolgreich Unternehmen wie Siemens, Estée Lauder oder Gucci bei der Entwicklung von Produkten. Als intuitive Denkerin, die die gesamte Welt bereist, durchleuchtet Li Edelkoort die Entwicklung der soziokulturellen Trends, bevor sie diese mit ihren Kunden aus den verschiedensten Industriezweigen wie beispielsweise Interior, Fashion, Einzelhandel, Textil, Automobil, Food und Kosmetik teilt. Unter ihrem in Paris ansässigen Unternehmen Trend Union gibt Li Edelkoort Trendprognosen zwei Jahre im Voraus heraus. Die verschiedenen Trend­ bücher erscheinen zweimal jährlich und werden von Strategen, Designern und Marketingspezialisten, von verschiedenen internationalen Marken und ­Firmen für ihre Arbeit verwendet. Ihre Publikationen «Bloom», «View on ­Colour» und die neuen Trendbücher sind Fachbibeln für führende Unternehmen. Sie enthalten Analysen, Schlüsselwörter, beispielhafte Fotos, Stoff- und Farb­muster. Die handgefertigten Bücher durchleuchten die sich anbahnenden Trends und erklären, was sich die Konsumenten morgen wünschen werden. Li Edelkoort weiss wie keine andere zu verbinden, was war, was ist und was kommen wird.

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Sehnsucht nach der Zukunft Trendforschung ist keine «exakte» Wissenschaft. Es geht dabei immer wieder darum, neue und ­aktuelle Antworten auf die immer gleichen Fragen zu finden: Wie wird unser Leben in Zukunft aus­ sehen? Welche Wünsche und Bedürfnisse werden wir haben? Wie muss ein Produkt sein, um auf einem zukünftigen Markt erfolgreich zu sein? Li Edelkoort erforscht die feinsten Entwicklungen im sozialen und kulturellen Lebensgefüge. Dabei verlässt sie sich primär auf ihre Intuition, ihre ausserordentliche Beobachtungsgabe und ihren ana­ly­ tischen Sinn. Sie behält insbesondere die Pioniere unter den Konsumenten im Auge: diejenigen, die schon ausprobieren, anziehen oder ausleben, was noch lange nicht in der breiten Masse angekommen ist.

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Von Arnhem nach Paris & zum Ritter geschlagen

Ein Blick in die nahe Zukunft

Geboren 1950 in Wageningen, Holland, hat Li Edelkoort Fashiondesign an der School of Fine Arts in Arnhem, Holland studiert. Nach ihrem Abschluss wurde sie zur Trendforscherin im führenden holländischen Department Store De Bijenkorf. Dort entdeckte sie ihr Talent, das ihr ermöglichte, die kommenden Trends herauszufinden, welche die Konsumenten einige Saisons später kaufen würden. Dies brachte sie 1975 nach Paris, wo sie als unabhängige Trendberaterin tätig wurde. Li Edelkoort erhielt schon viele Ehrungen und Auszeichnungen. Das «Time Magazine» erkor sie zu einem der 25 einflussreichsten Menschen in der Modewelt. 1995 wurde sie von Aid to Artisans mit einem Lifetime Achievement Award für ihre kontinuierliche Unterstützung in den Bereichen Handwerkskunst und Design ausgezeichnet. 2008 ernannte das französische Ministerium für Kultur und Kommunikation sie zum Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres. Später wurde sie auch vom niederländischen Staat zum Ritter geschlagen.

In ihrem «Trend Book 2017–18» sagt Li Edelkoort ein Lob an die Arbeit voraus: «Die Arbeit hat einen neuen Status erreicht. Früher als niedrige Form betrachtet, wird die handwerkliche Arbeit jetzt als ein ehrenhafter Beruf unter den anderen wahrgenommen. Die wirtschaftliche Krise und die Fragen zur Immigration sind für diese Veränderung in der Wahrnehmung verantwortlich. Auf einmal werden das Mischen von Beton, das Fällen von Bäumen, das Bauen von Häusern, das Reinigen von Abfall, das Schweissen von Stahl und das Führen von Maschinen zu begehrten Tätigkeiten. Herr der eige­nen Zeit zu sein. Das Fertigen von konstruk­ tiven Elementen für die Gesellschaft fordert auch eine andere Kleidung, eine Kleidung, die so hart arbeitet wie wir selbst.» Die Welt steht vor grossen Umbrüchen. Li Edelkoort hat sich noch nie geirrt. Selbst den hippen Vollbart hat sie vorausgesagt. Sie erkannte früh, dass sich das Bedürfnis formiert, Maskulines wieder zu betonen. Männer benutzen Bärte, Tattoos und groben Schmuck, um sich wieder ein männli­ cheres, viriles Äusseres zu geben, auch wenn sie im Inneren weiterhin sanfter sind als ihre Vorfahren. Als neuen Trend sieht sie zudem die Farbe Gelb, die seit circa fünf Jahren wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist. Gelb ist eine Quelle der Energie und des Optimismus und wird sich in allen Bereichen durchsetzen – vom Teller bis zur Architektur. Schwarz hingegen wird es schwer haben. Es steht für Bedrohung und Verbrechen – eine Farbe, die wir in der heutigen Zeit nicht gut vertragen. Lassen wir uns überraschen, ob Li Edelkoort wieder einmal mehr recht hat mit ihren Prognosen. Bisher hat sie sich noch nie geirrt.

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DAS

CARRÉ

Carré Apparat des Plaines Designed by Antoine Tzapoff

EINE HOMMAGE AN DAS SEIDENTUCH Hochwertiges Leder, edler Schmuck und feinste Seide. Dies sind die Merkmale des Pariser Traditionshauses Hermès.

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Lone K. Halvorsen |

Hermès

ualität ist bekanntlich der Schlüssel zum Erfolg. Dieser Devise folgte auch der Firmengründer und Sattelmeister Thierry Hermès, als er 1837 sein erstes Geschäft für Sattel- und Zaumzeug eröffnete. 179 Jahre nach der Gründung des Pariser Traditionshauses ist Hermès längst nicht nur wegen dem inzwischen legendären Birkin-Bag oder den ursprünglichen Sattelausrüstungen bekannt. Als Objekt der Begierde gelten vor allem die hand­ bedruckten Carrés, die 1937 den ersten Auftritt bekamen. Ursprünglich waren sie Schals nach­­ em­ pfunden, die Soldaten Napoleons getragen hatten und dem Ursprung des Unternehmens verpflichtet waren: Pferde, Reiter oder Kutschen zierten die Tücher.

Ein Meisterstück der Kreation Mit über tausend Motiven und einer Farbpalette von mehr als 75’000 Nuancen werden die Seidentücher immer noch per Hand kreiert. Nicht nur die Produktion ist aufwendig, sondern auch die Kreationen. Vom Entwurf bis zum fertigen Carré ver­ gehen in der Regel zwei Jahre. Nur beim Verkauf geht es deutlich schneller, denn alle 25 Sekunden wird eines der edlen Tücher verkauft. Dass das

Carré La Marche du Zambèze Designed by Ardmore Artists


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Tuch immer wieder als «nur ein Accessoire» beschrieben wird, stösst jedoch bei vielen auf Unmut, denn das seidene Tuch wurde im Hause Hermès immer als ein eigenständiges Objekt gesehen. Es ist für viele ein Objekt der Begierde und ein Sammlerstück, für das auf Auktionen teils astronomische Preise gezahlt werden. Fest steht: Das Carré ist nicht nur ein bunt bedrucktes Tuch, sondern ein Meisterstück an Qualität und Kreation, welches die Frauen ein Leben lang begleitet. Anders bei Meryl Streep als Chefredaktorin in «Der Teufel trägt Prada». Hier muss die Assistentin gleich fünfzig Exemplare ergattern, denn schliesslich trägt Streep das Tuch nur ein einziges Mal. Für viele eine Verschwendung, denn schliesslich stecken in den seidenen Tüchern so viele kleine Details, die man erst mit der Zeit nach und nach entdeckt. Im Lauf der Jahre versuchten viele Modehäuser, an den Erfolg von Hermès mit den seidenen Tüchern anzuschliessen, jedoch ohne Erfolg. Denn wenn man von einem Carré spricht, dann eben das von Hermès.

Eine künstlerische Traumreise Seit 1937 mit «Jeu des Omnibus et des Dames Blanches» der Anfang gemacht wurde, entwerfen Künstler und Designer zweimal pro Jahr eine Kollektion Carrés. Doch nicht nur bekannte Designer

oder Künstler dürfen sich auf den Carrés ver­ ewigen. In einigen Tüchern stecken ungewöhnliche und sogar rührende Geschichten. Es wurden Tücher von einem texanischen Postboten verwirklicht und auch von einem ehemaligen Kinder­ soldaten aus dem Südsudan. Der Junge, Sefedine Kwumi, gehörte zu den Kindersoldaten, bevor er zu malen begann. Ein Arzt brachte seine Zeichnungen nach Paris, wo diese in die richtigen Hände gelangten und schliesslich daraus mehrere Tücher realisiert wurden. Die Motive auf den seidenen Tüchern sind auch unter künstlerischen Aspekten be­ merkenswert. Dazu gehören auch die legendären Wild­katzen von Robert Dallet (1923–2006). In

Carré Panthera Pardus Designed by Robert Dallet

Jedes Carré hat eine eigene Geschichte, die mit feinster Präzisionsarbeit per Hand detailgetreu gezeichnet wird.


«Eine zweite Wahl gibt es bei Hermès nicht. Was die Kontrolle nicht übersteht, wird vernichtet oder recycelt.»

Schritt für Schritt sowie Farbe für Farbe entsteht das Carré.

2016 wird er mit einer Ausstellung und einem Buch geehrt, die Licht auf den unvergleichbaren Tiermaler und Designer zahlreicher HermèsCarrés werfen. Wie eine einfühlsame und sachkundige Hommage an die Schönheit der Tiere erscheint das Werk von Robert Dallet. Seine Illustrationen zierten Kinderbücher, Zeitschriften, Enzyklopädien und eben auch zahlreiche Carrés. Er malte Jaguare, Tiger und Panther wie kein Zweiter. Das Werk von Dallet, der sich mehr um das Los der Tiere als um seinen eigenen Ruhm sorgte, fand jedoch erst spät Anerkennung. Wenngleich seine eindrucksvollen Illustrationen in den Tüchern verewigt bleiben.

Die seidene Kunst Als Basismotiv für ein Carré kann ein Ölgemälde, eine Zeichnung, Collage oder ein Foto dienen – Hauptsache es ist 90 x 90 Zentimeter gross. Für den Klassiker (90 x 90) sind 300 Schmetterlingskokons nötig, aus denen ein 450 Kilometer langer Faden gesponnen wird. Anhand des Designs werden von den Koloristen die Farbsysteme vorgeschlagen, und jede Farbe wird anschliessend ausführlich erwogen und diskutiert. Die Farben werden grösstenteils per Hand gemischt und gekocht und für jeden Farbton gibt es ein eigenes exaktes Rezept. Die Übertragung der Tuch-Vorlagen

auf Fotogravur-Folien, die als Grundlage für den späteren Druck dienen, erfordert eine ruhige Hand und viel Geduld. Bewaffnet mit einer spitzen Tintenfeder ist dies die wahre Handarbeit der Graveure, die nicht den Zwängen der Industrialisierung unterworfen sind. Zu hundert Prozent wird die gesamte Fertigung in hauseigenen Firmen realisiert und sogar die Rohseide stammt aus einer HermèsFarm in Brasilien. Bis hin zum allerletzten Fertigungsschritt, der Handrollierung, wo der Seidentwill exakt fixiert wird, erfolgt alles per Hand. In einer Welt, wo die Wirtschaftskrisen florieren, mag diese Geschichte ein wenig bizarr klingen. Doch das Unternehmen hat bewiesen, dass trotz Krisen ein Plus gemacht werden kann, und dass mit vier Fünftel Familienbesitz und «Handmade Quality» die Welt nicht von Massenproduktionen dominiert werden sollte.

Carré Cheval Surprise Remix Designed by Dimitri Rybaltchenko

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Carré Modernisme Tropical Designed by Filipe Jardim

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DER HAUCH DES

Südens BY PRESTIGENEWS.COM

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Der Ton zar ter Feldblu men scha fft ei nen gla n zvol len Au ftritt w ie d ie Abend stu nden i m Süden. Ob elega nte Ex travaga n z a m F uss oder m it verspielten Formen i m Dr uck: Die Farben des Som mers a n der F rau der Stu nde machen den Moment.

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1 I BULGARI SINNLICH UND CHARIS­ MATISCH SPIELT DIE SONNENBRILLE MIT DER ITALIENISCHEN WEIBLICHKEIT.

5 I DSQUARED2 ZARTE UND FEMININE STOFFE SETZEN MIT KÜHNEN FORMEN AKZENTE.

2 I PHILIPP PLEIN DER PERFEKTE BEGLEITER FÜR JEDEN LOOK IST DER KLASSISCH-ELEGANTE BLAZER. 3 I DOLCE & GABBANA FUSSBODENLANGE KLEIDER SORGEN FÜR ELEGANTE AUFTRITTE MIT PAILLETTEN, BLUMENDRUCKEN ODER IN KLASSISCHEM SCHWARZ-WEISS. 4 I LOUIS VUITTON DIE KLEINE VARIANTE DER «CAPUCINES BB» VERLEIHT DEM OUTFIT EINE INTENSIVE NOTE.

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6 I TAMARA COMOLLI DIE «PAISLEY CHANDELIERS» SIND PERFEKTE ACCESSOIRES UND EIN BLICKFANG FÜR JEDEN TAG. 7 I JUNGHANS DESIGNKLASSIKER IN SOMMERLICHEN PASTELLTÖNEN

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SCHÖN WERDEN IM SCHLAF

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1850 taucht er das erste Mal auf: der Schönheitsschlaf. Der englische Autor Frank E. Smedley schreibt in seinem Buch «Frank Fairleigh», dass der Schlaf vor Mitternacht der Attraktivität zuträglich ist. Längst ist aus dem Gerücht Wirklichkeit geworden und die Forschung bringt nach und nach weitere positive Aspekte ans Licht.

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urchschnittlich schläft der Mensch sieben Stunden pro Tag. Das Schlafbedürfnis ist jedoch individuell. Von Mensch zu Mensch reicht die nötige Ruhe von fünf bis zu zehn Stunden täglich. Doch wie weit ist es von einem «genug an Schlaf» bis zum Schönheitsschlaf? Eine Studie zeigt, dass es bereits ausreicht, genug zu schlafen, damit wir auf unsere Umgebung attraktiver wirken. Die Haut wirkt lebendiger, Augenringe fehlen und wir sind «mehr auf Zack».

David Renner

ist längst bekannt, doch hilft uns die Verschnaufpause auch bei Stress und Problemen. Während des Schlafens verarbeitet unser Gehirn die Eindrücke und Herausforderungen des Tages, verstärkt unsere Erinnerungen und ordnet unsere Welt. So bewahrheitet sich das Sprichwort, dass am nächsten Tag alles besser aussieht – wir und die Welt.

Der Schlaf der Gerechten Schlafen ist nicht nur die zweite Seite des menschlichen Lebens, sondern auch für die meisten Wirbeltiere lebensnotwendig. Einzig Schleimaal und Neunaugen verzichten auf diesen Luxus. Dabei beginnen Forscher erst langsam zu verstehen, wie vielschichtig der Schlaf eigentlich ist. Schlaf ist die Zeit, in der sich unser Körper regeneriert. Er schüttet Wachstumshormone aus, die auch die Zellregeneration und Wundheilung beschleunigen. Zudem fördert Schlaf die Produktion von Leukozyten und damit unser Immunsystem. Somit steigern wir mit unserem Schönheitsschlaf nicht nur unsere Ausstrahlung, sondern tun auch etwas für unsere Gesundheit. Der positive Nebeneffekt ist zudem, dass wir schlanker bleiben. Es hat sich gezeigt, dass ein Schlafdefizit die Wahrscheinlichkeit von Übergewicht erhöht. Ebenso wichtig wie Schlaf für unseren Körper ist, so wichtig ist er auch für unseren Geist. Dass genug schlafen unsere Konzentrationsfähigkeit erhöht,

Mal so richtig ausschlafen Ein guter Schlaf muss nicht vor Mitternacht beginnen, wie man früher gedacht hatte, aber es gibt drei wichtige Faktoren, die es zu beachten gilt: Legen Sie Ihr Smartphone weg. Das emittierte Licht hält Sie wach. Schützen Sie sich zweitens vor Lärm: Schon das Ticken des Weckers und erst recht das Schnarchen Ihres Partners ist Gift für Ihre Haut. Und kümmern Sie sich drittens um ein passendes Schlafklima. Nicht zu kalt, nicht zu warm: Das Schlafzimmer sollte weder an arktische Gestade noch an äquatoriale Mittagstemperaturen heranreichen und auch die Luftfeuchtigkeit sollte nicht an Regenwälder erinnern.

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Master of Sleep Professor Dr. Steven Brown hat einen wachen Blick und formuliert wie ein Buchsetzer. Er forscht an der Universität Zürich im Rahmen des Zürcher Zentrums für interdisziplinäre Schlafforschung (ZiS) in seinem Labor für Chronobiologie und Schlaf am Institut für Pharmakologie und Toxikologie. Er und sein Team wollen die molekularen Mechanismen der biologischen Uhren von Säugetieren verstehen und deren Auswirkungen auf das Verhalten und die Physiologie ergründen. PRESTIGE: Warum schlafen wir? PROFESSOR DR. STEVEN BROWN: Das ist eine Frage, der seit der Renaissance nachgespürt wird. Heute gibt es einige Modelle, für die jeweils Argumente sprechen. Eines besagt, dass Schlaf eine Phase der Wiederherstellung ist, in der Energie wieder «aufgetankt» wird. Während des Schlafes, so lässt sich nachweisen, wird Energie auf makromole­ kularer Ebene wieder aufgebaut. Adenosintriphosphat ist die Energiewährung der Zellen und ohne die PhosphatGruppe ist es «verbraucht». Was passiert noch? Ein weiteres Modell handelt von der neuronalen Plastizität. Dabei geht es um das Lernen. Frage ich Sie direkt nach unserem Gespräch, was Sie gelernt haben, so wüssten Sie noch einiges. Frage ich Sie morgen, nachdem Sie geschlafen haben, dann haben Sie 95 Prozent vergessen. Schlaf ist hier eine Art Radiergummi. Neuronale Verbindungen, die als unwichtig gelten, werden gelöst. Wann wollen wir schlafen? Es gibt prinzipiell zwei Gründe, warum man schlafen will. Der eine ist homöostatisch, das heisst, dass man mehr schlafen will und tiefer schläft, umso länger man wach ist. Der andere ist der Tagesrhythmus: Der Mensch zieht es als

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tagaktives Wesen vor, nachts zu schlafen. Dabei hat jede Zelle unseres Körpers die Fähigkeit, die Zeit anzuzeigen. Das ist ein einmaliger Mechanismus, der in jeder Zelle ab der frühen Embryogenese autonom wirkt. An Mäusen haben wir gezeigt, dass der 24-Stunden-Rhythmus in der Kindheit noch sehr empfindlich ist. Wir haben Mäusen im Labor auch einen 22-Stunden-Tag beigebracht. Wie können wir im Urlaub dann unsere biologische Uhr umstellen? Der mächtigste Zeitgeber unseres Tagesrhythmus ist Licht. Das Beste, das man machen kann, um sich an die neue Umwelt anzupassen, wenn man im Urlaub ist, ist, sich dem Morgenlicht der neuen Zeitzone auszusetzen. Sollten wir auf unseren Tagesrhythmus hören? Viele Studien deuten darauf hin, dass wiederholte Wechsel von Tagesrhythmen (z. B. bei Schichtarbeit) der Gesundheit schaden: Die Wahrscheinlichkeit von Krebs, Krankheiten und Depressionen nimmt zu. Für Menschen sind die Studien korrelativ, bei Mäusen kausativ. Deshalb würde ich jedem raten, einen gleichmässigen Rhythmus einzuhalten. Viele kennen selbst den «sozialen Jetlag». Am Wochenende leben wir ein anderes Leben als unter der Woche und ändern unseren Rhythmus. Wie viel Schlaf braucht man? Die Menge an Schlaf, die ein Mensch braucht, ist individuell. Normalerweise realisieren wir, wie viel Schlaf wir brauchen. Wir merken das an unserer Leistung. Wir kennen unsere beste Performance, und wenn wir zu wenig geschlafen haben, dann merken wir es bei der Erledigung unserer täglichen Aufgaben. Noch gravierender ist Schlafmangel. Er wird mit Stoffwechselstörungen und dem Risiko von Herzerkrankungen in Zusammenhang gebracht und ist vielleicht ein Grund, weswegen Schichtarbeit als krebs­ erregend gilt.


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Ja, wie bei allem gibt es verschiedene Erfahrungen sowie Gefühlsinves­ titionen, die man erleben kann. Der Hund, des Mannes bester Freund, sagte man, ist schon lange vorbei, denn heute gehört er zum Lifestyle. Oft ist es schwer zu unterscheiden, wer eigentlich Hund oder Herrchen ist, denn sie werden gestylt und gekleidet in den Hunde-Spas oder gar in luxuriösen Hunde-Hotels untergebracht. Der Hund kann Ersatz für Kinder oder einfach bester Begleiter fürs Leben sein, und das hat einen Riesenboom ausgelöst. Natürlich ist das nicht ganz neu, denn schon in den 40er Jahren war Lassie, der wohl bekannteste Hund, schon nicht mehr ein Vierbeiner, der dem Knochen nachrannte, sondern ein salonfähiges Mitglied der Familie. Zurück zum Boom: Lassie hat seinen Aktienwert verloren, denn heute ist der Top of Top der Tibet-Mastiff – mit 1,4 Millionen Euro Marktpreis der teuerste Hund der Welt. Wenn wir schon bei Quoten sind, kommt doch gleich Jiff mit 2,4 Millionen Abonnenten, kennt Ihr den? Ist das nicht unglaublich! Und was, sie verdienen bis zu 3000 Euro Tagesgage für Werbe- oder Filmaufträge. Würde ich ja verstehen, wenn es ein Berner Sennenhund ist, der die Menschen aus den Lawinen rettet, oder ein Blindenführhund, der die Lebensqualität von Menschen verbessert, aber Jiff!?! Ich persönlich hatte in meinem Leben nie wirklich grosse Ambitionen zu Hunden und auch die Erinnerungen liegen eher negativ. Ja, obwohl es vor allem Kopfsache war, beglückte mich das nicht wirklich toll, denn ich habe vor 20 Jahren im Nachhinein erfahren müssen, dass, was wir in China zum Abendmahl

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serviert bekamen, Hunde und Ratten waren. Bitte nicht empört sein, denn vielleicht haben Sie erst vor Kurzem noch Würste mit Pferdefleisch verspeist, und auch die Inder verstehen nicht, dass wir Kühe essen können. Aber eben, der Hund von heute ist ja gar nicht mehr der Hund von damals. Heute liebt man den Hund und zieht ihn auch richtig an wie zum Beispiel Anna dello Russo, denn ihr Titel verpflichtet (Style-Ikone) oder Paris Hilton, die ihre Hunde nur trägt, sonst werden die Pfoten schmutzig. Dann gibt es da noch die wirklich passenden Widerspiegelungen Herr und Hund wie zum Beispiel Miley Cyrus mit ihrer Bulldogge, die sich auch nirgends anpasst. Jedem das seine, aber ich finde, Hunde sollten doch ein bisschen Tier bleiben, so wie der Mensch Mensch bleiben sollte. Ok, auch wir Männer urinieren im Freien gerne an Bäume. Trotz meiner so kritischen beurteilenden Art über Dogs und ihren Einzug im Lifestyle bin ich neugierig, was ich in einem Jahr wieder sage, denn meine Tochter will unbedingt einen Hund. Also kann es sein, dass ich in naher Zukunft eines Morgens erwache und neben mir in seidigen Leintüchern eine Deutsche Dogge im Bett liegt und ich lieb «Guten Morgen Boss» sage.


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SPA & WELLNES IM THAI STYLE Mitten in Rattanakosin, dem alten Zentrum der brodelnden Millionenmetropole Bangkok, liegt am Ostufer des Chao-Phraya und nur einen Steinwurf vom Königspalast entfernt eine der bedeutendsten Tempel- und Klosteranlagen Thailands: der Wat Phra Cettuphon Wimon Mangkhalaram Ratchaworamahawihan, von Einheimischen wie Touristen kurz Wat Pho genannt. Dr. Thomas Hauer

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ereits Mitte des 17. Jahrhunderts gegründet, beherbergen seine unzähligen Pagoden und Säulenhallen nicht nur eine der bedeutenden buddhistischen Pilgerstätten des Landes, sondern seit fast 200 Jahren auch eine offene Universität, die unter König Rama III. gegründet wurde. Ungeachtet von Herkunft und sozialem Status sollten dessen Untertanen nach dem Willen des Monarchen hier studieren dürfen. Zu diesem Zweck wurden die bedeutendsten Lehrtexte der Zeit in Marmortafeln und Tempelwände graviert, die den Mönchen als Anschauungs- und Unterrichtsmaterial dienten. Im Zentrum des Lehrangebots steht dabei bis heute die traditionelle thailändische Medizin.

Synchron-Massage: die Königsdisziplin unter den Spa-Treatments.

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© Tourism Authority of Thailand

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In ihr fliessen Elemente des Yoga und des Ayurveda, die buddhistische Mönche gemeinsam mit der neuen Religion vor mehr als 2000 Jahren vom indischen Subkontinent nach Südostasien mitgebracht hatten, zusammen mit Heilverfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin, die über historische Handelsrouten nach Siam gelangt waren. Vor Ort vermischten sich diese beiden Einflusssphären mit der Volksmedizin und entwickelten sich im Lauf der Jahrhunderte zu einer eigenständigen Gesundheitslehre weiter. In deren Zentrum steht das Nuad Phaen Boran, was übersetzt in etwa «heilsame Berührung nach althergebrachter Tradition» bedeutet – ein ganzes System unterschiedlicher Massage-Techniken mit tiefgreifender Wirkung auf körperlicher wie seelischer Ebene.


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Die Thai-Massage Als eigentlicher Erfinder dieser Massage-Technik gilt allerdings die über die Jahrtausende mythisch überhöhte Figur des indischen Arztes und Gelehrten Jivaka Kumar Bhaccha, der von den Thais noch heute als Vater der Medizin verehrt wird und dem der Therapeut vor Beginn jeder Massage ein kleines Dankgebet widmet – er soll schon Buddha und seinen ersten Schülern dabei geholfen haben, die durch stundenlanges Verharren in tiefer Meditation versteiften Glieder und Gelenke wieder zu lockern. Tatsächlich wurde diese Massageform wohl zuerst in buddhistischen Klöstern kultiviert und breitete sich erst nach und nach im einfachen Volk aus. Heute lassen sich in den ständig überfüllten Wandelhallen dagegen nicht mehr Mönche, sondern Touristen für ein paar Baht von den Studenten die strapazierten Füsse kneten oder entspannen bei einer Schulter- und Nackenmassage vom Sightseeing-Stress. Nicht weit entfernt finden Besucher auf 60 gravierten Steintafeln auch die einzigen noch erhaltenen schriftlichen Zeugnisse zu den spirituellen und technischen Grundlagen der Thai-Massage. Sie zeigen anhand schematischer Körperdarstellungen die wichtigsten Energie­ meridiane des menschlichen Körpers, auf die sich der Therapeut während der Massage konzentriert. Bei den ersten Europäern am Hof der Könige von Siam löste dieses von den einheimischen Ärzten als Allheilmittel eingesetzte Heilverfahren allerdings eher Befremden aus, wie eine Stelle aus den Memoiren

des französischen Gesandten Simon de la Loubère aus dem Jahre 1690 zeigt: «Wenn in Siam jemand krank ist, beginnt er damit, seinen ganzen Körper von jemand, der darin geübt ist, bearbeiten zu lassen. Dieser macht sich über den Körper des Kranken her und trampelt ihn unter seinen Füssen …» Das klang in den Ohren westlicher Leser sicher nicht sonderlich vertrauenserweckend.

Akupressur, Stretch- und Dehnelemente Historisch betrachtet gab es in der thailändischen Heil- und Massagepraxis anfangs zwei gegensätzliche Traditionslinien. Einerseits der in den Klöstern und am Hof praktizierte, stark von den aus China und Indien importierten Lehren des Ayurveda und der TCM beeinflusste royale Stil, bei dem der Massierende seine Klienten allerdings nur mit den Daumen berühren durfte und peinlich genau darauf zu achten hatte, mindestens eine Armlänge Distanz zwischen sich und dem Massierten zu wahren. Andererseits der im Volk populäre schamanistische oder abwertend auch als bäuerlich bezeichnete Stil, bei dem intuitiv und mit vollem Körpereinsatz gearbeitet wurde. Das heisst, neben dem Daumen kamen auch Handflächen, Arme, Knie, Ellbogen und Füsse zum Einsatz. Aus diesen beiden Schulen hat sich dann der noch heute gebräuchliche «Mischstil» entwickelt. Allerdings wird – zumindest in Thailand selbst – noch immer zwischen einer «südlichen Schule», die im Wat Pho gelehrt wird und vor allem die Akupressur und die Arbeit entlang der Energielinien betont, sowie einem «nördlichen Stil», der im Shivago Marapach in Chiang Mai gepflegt wird, unterschieden und bei dem eher Stretch- und Dehnelemente im Mittelpunkt stehen. Doch bei der Wahl der geeigneten Technik kommt es vor allem darauf an, welche spezifischen Probleme der Klient mitbringt.

Ganzheitliches Behandlungskonzept Dabei sollte die Thai-Massage, ähnlich wie z. B. der ayurvedische Stirn-Ölguss, nie als isolierte Therapieform oder gar als blosses Wohlfühl-Treatment betrachtet werden, sondern immer eingebettet in ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das auch Yoga und Meditation sowie entgiftende und tonisierende Öl- oder Kräuterstempelmassagen, Heilmittel auf Kräuterbasis und bestimmte Diätvorschriften umfasst und damit insgesamt das Rückgrat traditioneller thailändischer Medizin bildet.

Open Air Spa deluxe: In Thailand kann man viele Treatments auch im Freien geniessen.

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Im Norden Thailands hat sich über die Jahrhunderte eine ganz eigene Schule der Thai-Massage entwickelt.

Das weitverbreitete Vorurteil, Thai-Massagen seien schmerzhaft, trifft übrigens nicht zu: Zwar kann die Dehnung von Muskeln, Bändern und Gelenken bei den ersten zwei bis drei Anwendungen etwas unangenehm sein, doch je öfter die Massage durchgeführt wird, desto wohltuender ihre Wirkung. Tatsächlich gehört die Thai-Massage – korrekt ausgeführt – zu den entspannendsten Körperanwendungen überhaupt. Zusammengefasst lässt sich die Thai-Massage also als ganzheitliche Verbindung von Akupressur, sanfter Chiropraktik, Reflexzonenmassage, Shiatsu und Stretching beschreiben. Ausgehend von dem klassischen Yoga entlehnten, passiv ausgeführten Streckund Dehnübungen werden dabei die Gelenke mobilisiert und die Energielinien des Körpers mit einer Druckpunktmassage aktiviert. Damit ist die thailändische Medizin neben Ayurveda und TCM die dritte der grossen indisch-fernöstlichen Gesundheitslehren. Richtig – und vor allem regelmässig – praktiziert wirken ihre Anwendungen aber nicht nur entspannend, sondern sorgen für ein gesundes Herz-Kreislauf-System und helfen Energieblockaden im Körper aufzulösen, den Stoffwechsel zu harmonisieren und chronische Schmerzen, Stress und Spannungsgefühle zu reduzieren. Gleichzeitig wird die Beweglichkeit der Gelenke trainiert.

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© Six Senses – Kiattipong Panchee

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«Im Spa des ‹Six Senses Samui› legen wir dabei einen besonderen Fokus auf traditionelle Anwendungen wie Thai-, Aromaöl- und Kräuterstempelmassagen, kombiniert mit leicht erlernbaren Medi­ tationstechniken, aber auch Energiearbeit wie Reiki oder Chakrabalancing», erklärt Spa-Managerin Ke­erana Sripongpunkul. Ganz in der Tradition der thailändischen Medizin werden diese Elemente dann zu unterschiedlichen Signature-Ritualen zusammengefasst. Inmitten einer immergrünen Traum­ kulisse geniessen Gäste in luxuriösen Spa-Pavillons – viele davon mit direktem Meerblick – so massgeschneiderte Behandlungsprogramme. Auf Wunsch auch über mehrere Tage und kombiniert mit einem grossen Angebot weiterer Aktivitäten – von Yoga-Sessions bis zum Work-out im Dschungel-Gym oder einer Einführung ins Thai-Boxen. Aber auch ein Astrologe und Handleser gehört auf Wunsch zum Angebot.

«Six Senses Integrated Wellness»-Konzept

Das runderneuerte Six Senses Koh Samui ist eine der besten Adressen für holistische Spa-Anwendungen in Thailand.

Wellness made in Thailand Deshalb gilt Thailand vielen ganzheitlich orientierten Spa- und Wellnessfans neben den südindischen Ayurveda-Zentren rund um Kerala auch als perfekte Destination, um Stress und Hektik des Alltags zu entfliehen. Denn Wellness ist in Thailand eben mehr als nur ein touristisches Angebot – sie ist auch für die Einheimischen Teil ihrer Lebensphilosophie. Und so steht Wellness made in Thailand auch in enger Verbindung zur Religion, denn gemäss buddhistischer Tradition sollen auch Massagen in einem Geist des Metta, also der Achtsamkeit und liebender Güte, des Gleichmuts und vor allem des Mitgefühls und der Freude ausgeführt werden – nicht umsonst wird Thailand das Land des Lächelns genannt. Und so bieten vor Ort unzählige Ferienresorts massgeschneiderte Treatment-Pakete für Wellnesshungrige, die helfen, Körper, Seele und Geist (wieder) in Einklang zu bringen. Doch auch hier gilt: Qualität zählt. Einer der Pioniere auf dem Gebiet integrierter Wellness-Konzepte in fernöstlicher Tradition ist die Six-SensesGruppe, die neben ihren weltweit verstreuten Destination-Spas auf den tropischen Inselparadiesen Koh Samui und Koh Yao Noi auch selbst zwei luxuriöse Spa-Resorts betreibt.

Im Spa des Six Senses Flagship Resorts auf Yao Noi setzt das Team um Spa Director Dr. Ranjan Kapoor im Rahmen des brandneuen «Six Senses Integrated Wellness»-Konzepts dagegen neben High Touch auch auf High Tech. Dabei kommen modernste medizintechnische Diagnosetechniken zum Einsatz, auf deren Basis Six Senses über mehrere Jahre gemeinsam mit einigen der international anerkanntesten Wellness- und Medizin­ experten ein Wellness-Screening-Verfahren entwickelt hat, das es erlaubt, für Klienten ein mass­ geschneidertes Behandlungsprogramm zu stricken. «Damit können wir die Erfolge der laufenden Behandlung erstmals messbar dokumentieren», so Dr. Kapoor. Mit Hilfe modernster Analysetechnik wird dabei non-invasiv innerhalb weniger Minuten eine ganze Palette physiologischer Biomarker abgefragt, ergänzt durch ein begleitendes Anamnesegespräch, das auch psychologische Faktoren berücksichtigt. Die Ergebnisse liefern eine Art Snapshot des aktuellen Gesundheits- und Stresslevels zu Beginn des Aufenthalts. So gibt die Kombination aus Bioelektrischer Impedanz Analyse (BIA), Electro Interstitial Scan (E.I.S.) und eines Finger-Oximeters u. a. Aufschluss über den oxidativen Stresslevel, die exakte Körperzusammen­ setzung, die Mikrozirkulation, den Blutsauerstoffgehalt oder Hormonstatus. Am Ende des Auf­ enthalts oder einer Behandlungsserie wird das Screening dann wiederholt. «Die messbare Verbesserung physiologischer Parameter ist für

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© Six Senses – Basil Childers

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Traumresort vor Traumkulisse: Vom Six Senses Yao Noi geniesst man einen atemberaubenden Blick auf die gegenüberliegende Phang-Nga-Bucht.

die Klienten eine hervorragende Motivation, auch in ihrem Alltagsleben kleine Veränderungen vor­ zunehmen, die die Behandlungserfolge langfristig sichern.» Dabei stehen vor allem eine Verbesserung der Schlafqualität und eine nachhaltige Reduzierung von Alltagsstressoren im Mittelpunkt des Ansatzes bzw. bei Bedarf auch Massnahmen für ein langfristiges Gewichtsmanagement oder zur Entlastung des Bewegungsapparats und einer allgemeinen Steigerung des Fitnesslevels. Doch auch die traumhafte Lage des Resorts mit Postkartenblick auf die Felsnadeln der PhangNga-Bucht hilft Gästen des «Six Senses Yao Noi» dabei, zur Ruhe kommen und einmal völlig los­ lassen zu können. Ergänzt wird das Spa-Angebot ausserdem durch sogenannte Visiting Practitioners, ausgewiesene Experten auf verschiedenen Gebieten der Integrated Wellness, wie z. B. Dr. Roma Singh, eine weltweit renommierte Hypnose-, Reiki- und Rückführungsexpertin, die Gästen des «Six Senses» dann auf Zeit zur Verfügung stehen. Nur scheinbar ein Widerspruch zum neuen High-Tech-Ansatz, wie Dr. Kapoor erläutert. «Spiritualität ist nicht nur ein Grundpfeiler der thailändischen Kultur, ohne Spiritualität – oder, wenn Sie so wollen, einer Form einfühlender Empathie, bringen uns auch HighTech-Geräte nicht weiter. Wir haben Klienten mit

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völlig unterschiedlichen Bedürfnissen und unterschiedlichem kulturellen Hintergrund, die wir so annehmen, wie sie zu uns kommen. Deshalb sind modernste Diagnoseverfahren auf Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und uralte Traditionen, die einzig auf Überlieferung beruhen, für uns kein Widerspruch. Ich selbst bin nicht nur klassisch ausgebildeter Chirurg, sondern auch Ayurveda-­ Arzt, und auch in der indischen Heilkunst beruhen viele Erkenntnisse schlicht auf Überlie­ferung und Erfahrung – auch wenn zahlreiche Studien mittlerweile die Wirksamkeit ayurvedischer Kräuterheilmittel oder anderer Behandlungsmethoden nachgewiesen haben, das heisst, am Ende kommt hier die Evidenz-basierte Arbeitsweise des Westens genauso zum Tragen wie die eher präventiv ausgerichtete Arbeitsweise der fernöstlichen Medizin.»

AIRLINE MIT SPA-TREATMENT Übrigens: Wer mit Thailands National Carrier Thai Airways anreist, kommt als Passagier der Royal Silk (Business) oder First Class am Suvarnabhumi Airport in Bangkok ebenfalls in den Genuss exklusiver, kostenloser SpaTreatments. Im Royal Orchid Spa können sich Gäste ohne Voranmeldung die Wartezeit auf internationale Anschlussflüge mit Nacken-, Schulter- und Fussmassagen verkürzen. First-Class-Passagiere werden auf Wunsch ausserdem mit einer Ganzkörpermassage verwöhnt und entspannen in einem separaten First-Class-Bereich mit Dampfbad und Sauna. Zudem verfügen die Business- und First-Class-Sitze über eine Massagefunktion. Thai Airways bedient täglich die Strecken München–, Frankfurt– und Zürich–Bangkok mit Anschlussverbindungen in die schönsten Ferienregionen Thailands.


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«Sieh einmal, hier steht er, pfui, der Struwwelpeter! An den Händen beiden liess er sich nicht schneiden seine Nägel fast ein Jahr; kämmen liess er nicht sein Haar. Pfui, ruft da ein jeder, garstger Struwwelpeter!» Struwwelpeter rebellierte mit seinen langen Krallen gegen seine Eltern, wohingegen die vornehmen Spanierinnen im 14. Jahrhundert sich circa 20 Zentimeter lange Fingernägel wachsen liessen und diese blitzeblank polierten, um damit zu beeindrucken. Heute findet sich von Mikrogemälden, Portraits, bunten Konfettis, leuchtenden Punkten, Marmor-Look, Blumen, Blüten, Karomustern bis hin zu Pop Art alles Erdenkliche auf Fingernägeln. Helena Ugrenovic

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n der Tierwelt sind Klauen, Hufe oder Krallen das Pendant zum menschlichen Nagel. Bei den Primaten wird die gewölbte, durchscheinende Keratinplatte auf der Oberseite der Finger- und Zehenspitzen als Nagel bezeichnet. Einerseits dienen sie dem Schutz der Finger­ kuppen, andererseits unterstützen sie die Greiffunktion. Technisch betrachtet stellen Nägel ein Widerlager für die sensiblen Fingerbeeren dar, liegen auf dem Nagelbett und sind dermassen stark mit diesem verbunden, dass sie als wirksames Kratz-, Zupf- und Ritzwerkzeug eingesetzt werden können. Etwa 0,5 bis 1,2 Millimeter wachsen die verschiedenen Nägel pro Woche und erreichen im Laufe des Lebens eines 80-jährigen Menschen eine stolze Länge von ungefähr 28 Meter. Das Überbleibsel der Evolution, aus dem zwar Krankheiten und Störungen des menschlichen Organismus herausgelesen werden können, dient seit jeher als Fashion-Fläche des menschlichen Körpers und ist heute ein Zeichen der Weiblichkeit.

Mit einer Mischung aus Bienenwachs, Gelatine, Eiweiss und Gummiarabikum, einem Exsudat aus dem Pflanzensaft von Verek-Akazien, färbte man vor 5000 Jahren in China die Fingernägel und erzielte durch das Beifügen der Blüten von Orchideen und Rosen Farbschattierungen, wobei Rot- und Schwarzschattierungen auf der Beliebtheitsskala Platz eins beherrschten. Ein weiterer damaliger Trend war es, die Fingernägel in den Farben der herrschenden Kaiserdynastien zu färben, und zu Zeiten der Zhou-Dynastie verzierte der Adel sie zusätzlich mit Edelsteinen, Gold- und Silberstaub. Im alten Ägypten schlug das Herz der Damenwelt gleichermassen für rote Fingernägel und ihre soziale Schicht drückten sie mit der Farbschattierung aus. Je höher die soziale Klasse, der sie ange­ hörten, desto dunkler war der Rotton. Genauso in Indien, wo das Färben der Fingernägel mit der Hennapflanze erfolgte und in erster Linie eine soziale Bedeutung darstellte.

Jahrtausendealte Kunst Die Verschönerung und Verzierung von Nägeln ist keine Erfindung der Moderne, sondern reicht mehr als 5000 Jahre zurück zu den Hochkulturen der Antike. Zum Schönheits- und Pflegeritual gehörten auch die Nägel, und meistens symbolisierten diese auch den sozialen Status sowohl bei Frauen als auch Männern. Bei den Ausgrabungen der königlichen Grabanlagen in Ur, einer der ältesten sumerischen Stadtgründungen und altes Zentrum von Mesopotamien, dem heutigen Irak, wurde ein Manikür-Set aus purem Gold geborgen, das grüne und schwarze Nagelfarbe aus Khol enthielt. In China, Ägypten, Indien und bei den Inkas übertrumpften sich die Kunstwerke des Nagel-Designs, die mit ausgefallener Kreativität zelebriert wurden.

NAGELTRENDS 2016 Die Mischung macht’s – bunte und gedeckte Farben, Metallic und Nude kombiniert oder mit einem MattTopcoat veredelt. Trendsetter sind Blautöne in allen Varianten, von Babyblau über Aqua bis zu Königsblau. Was bei Haaren funktioniert, geht auch bei Nägeln – der OmbréLook wird mit einem Schwamm aufgetragen und vermischt zwei Farben wie bei einer AquarellZeichnung. Absoluter Hingucker sind Rainbow-Nails, bei denen die Fingernägel auf der Vorderseite in einem schlichten Rosa, auf der Hinterseite jedoch in knalligen Farben lackiert sind.

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Ursprung von Nagelmodellage und Nail Art Die ersten künstlichen Fingernägel stammen aus der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) im Kaiserreich China, die hauptsächlich von adligen Männern getragen wurden. Diese verlängerten ihre Nägel mit Seide, Reispapier und verstärkten sie mit Porzellanpulver, mit dem bereits Cleopatra ihre Nägel verlängerte. In der Qing-Dynastie, ab 1644, entstand das wohl ausgefallenste Nageldesign. Die kostbaren «Nagelschützer» oder «Nagelwächter», die teilweise aus Gold und Silber angefertigt und edel verziert wurden, sehen aus wie gewaltige, spitz zulaufende Fingerhüte, in die Edelsteine eingelegt und die mit einer aufwendigen Emaille-Technik, der Cloisonné, verziert wurden. Meistens wurden diese

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Artefakte am kleinen Finger sowie am daneben liegenden Finger getragen. Wie in allen anderen Hochkulturen demonstrierte jemand mit Nagelwächtern sowie gefärbten Fingernägeln, dass er oder sie keine Arbeiten verrichten und nicht den kleinsten Finger rühren musste, weil alles von Dienern und Bediensteten ausgeführt wurde. Heute schmücken lediglich Tempeltänzerinnen in Thailand ihre Finger mit Nagelwächtern. Jedoch sind hinsichtlich der Verzierungskunst der Fingerspitzen keine Grenzen gesetzt.


Sommer AUF DER HAUT

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Der Som mer ist üppig. K rä ftige Farben, starke A romen u nd geschw u n gene Kontraste bri n gen d ie Atmosphäre von heissen Tagen im Blumenfeld auf den flirrenden Asphalt – ei ne Hom mage a n d ie Ja h reszeit.

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1 I THIERRY MUGLER DIE OPULENZ DES ORIENTS ERFÜLLT DAS HERZ VON «ALIEN». 2 I LANCÔME «GRANDIÔSE EXTRÊME» VERLEIHT DEN WIMPERN MAXIMALES VOLUMEN. 3 I DIOR DIE NEUEN «DIORSHOW MONO»-LIDSCHATTEN BESTECHEN MIT LEUCHTENDEN FARBEN UND ERSTAUNLICHEN TEXTUREN. 4 I BABOR FERTIG IST DER SOMMERLICH LEICHTE LOOK. DAZU LÄSST SICH DER NAGELLACK «43, ROSE BLOSSOM» PERFEKT KOMBINIEREN.

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5 I MAKE UP FACTORY DIE LOSEN HIGHLIGHTER PUDERPERLEN IN BRAUN, GOLD UND ROSÉ IN DER NEUEN NUANCE «PEARLY SUN» NR. 30 SCHMEICHELN JEDER HAUTFARBE. 6 I CLINIQUE DER LUXURIÖSE «MOISTURE SURGE» VERSORGT DIE HAUT 24 STUNDEN MIT INTENSIVER FEUCHTIGKEIT. 7 I YVES SAINT LAURENT DIE NEUE LIDSCHATTENPALETTE «INDIE JASPE» IST WIE GESCHAFFEN FÜR DIE FRAU MIT BOHO-CHIC. 8 I CHANEL «ROUGE COCO» SCHENKT ANHALTENDE FEUCHTIGKEIT UND LEUCHTENDE ERGEBNISSE.

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Über das Leben, den Tod und die Liebe Die hohen Berge Portugals Yann Martel Laufzeit: 9 Stunden, 20 Minuten 9 CDs Argon Hörbuch

Mit «Schiffbruch mit Tiger» begeisterte Yann Martel Millionen weltweit – nun entführt er seine Hörer vom Indischen Ozean in die Berge Portugals: Auf der Suche nach einem Schatz aus den afrikanischen Kolonien begibt sich der Museumskurator Tomás 1904 auf eine abenteuerliche Expedition in die portugiesische Bergwelt. Mehr als dreissig Jahre später bekommt der Pathologe Dr. Lozora Besuch von einer alten Dame, die mit ihrem Mann im Koffer quer durch das Land gereist ist, um dem Doktor einen eigentümlichen Auftrag zu erteilen. Im Kanada der 80er-Jahre möchte Senator Tovy eigentlich nur über den Tod seiner Frau hinwegkommen und landet in ungewöhnlicher Begleitung in den hohen Bergen Portugals. Drei Geschichten, verknüpft zu einem eindrucksvollen Roman über das Leben, den Tod und die Liebe.

SENSES

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Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist. – Niccolò Machiavelli –

Der perfekte Kaffeemoment Kaffeeliebhaber können sich freuen: Nespresso hat ihre erste Kaffeemaschine auf den Markt gebracht, die sich per Smartphone steuern lässt. Die neue Prodigio ist weit mehr als nur eine Kaffeemaschine. Die Nutzer können sich ihren Kaffee bequem aus der Ferne zubereiten und sich benachrichtigen lassen, wenn der Vorrat ihrer Lieblings-Grands-Crus zu Ende geht und wenn es Zeit wird, die Maschine zu entkalken oder den Kapselbehälter zu leeren. All diese Funktionen machen Prodigio zu einem unverzichtbaren Begleiter in der Küche eines jeden Kaffeeliebhabers. Die «intelligente» Maschine verfügt über praktische Funktionen wie Kapselbestellung, automatische Kaffee­ zubereitung zu einem festgelegten Zeitpunkt, automatische Abschaltung, Bestellung des Entkalkungssets und Entkalkungserinnerung, Hinweis bei vollem Kapselbehälter, Hinweis bei leerem Wassertank und Wartungs­ meldungen. Die Benachrichtigungen werden direkt an die verbundene Smartphone-App geschickt, um eine nahtlose Integration zu gewährleisten. Nie war es so einfach und bequem, Ihre Lieblings-Grands-Crus zuzubereiten, was Ihnen mehr Zeit lässt, Ihre Kaffeemomente in vollen Zügen zu geniessen. www.nestle-nespresso.com


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Klassische Note zeitgemäss interpretiert La vie en rose à la Mark Buxton: «A DAY IN MY LIFE» ist das achte Parfum des kosmopolitischen Duftkünstlers unter seinem eigenen Label – es ist eine Verneigung vor der Königin der Blumen, eine kreative Liebeserklärung. Der neue Duft stellt die Rose dabei in einen völlig neuen (olfak­ torischen) Kontext. Die Anmutung: futuristisch und gleichzeitig für die Ewigkeit, vibrierend, sinnlich und tief. Vom Kopf über das Herz des Duftes bis zum Fond ist die Rose präsent – durch Rosenöl, Rose absolue und Rose concrète. Der Auftakt wird begleitet von Mandarine und peruanischem Pfefferbaum, im Herzen blühen Maiglöckchen neben Baumharz, im Fond verleihen Patchouli und Sandelholz der Rose noch mehr Tiefe und Wärme.

Objekte: Vibieffe

www.markbuxton.com

Fotografien aus dem Engadin Lumas präsentiert gemeinsam mit Claudio Gotsch eine Werkreihe, die sich ganz dem Engadin widmet. Bereits seit mehreren Jahrzehnten ist der La Punter Fotograf von der Tier- und Pflanzenwelt Graubündens fasziniert. Nun verlegt die Editionsgalerie neben intensiven Tierbildern, die in der Black Edition zusammen­gefasst werden, auch vier Landschaftsaufnahmen des Fotografen. Die Werke macht LUMAS als Edition in einer Auflage von je 75 zugänglich. Die Besonderheit der Aufnahmen liegt in der Herangehensweise des Fotografen. Gotsch spürt die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung auf, wartet mit viel Geduld und Ausdauer, bis sich ein besonderer Moment der Nähe zeigt. Sehr reduziert gehalten, strahlen seine Aufnahmen umso mehr eine ungeheure Kraft aus. www.lumas.de

Summer Limited Edition Uralten hinduistischen Glaubenssätzen zufolge ziehen gute Taten gutes Karma an. Positive Worte, Gedanken und gute Taten kehren wieder und beeinflussen das Leben auf erfreuliche Art. Gut zu sich selbst sein und sich zu verwöhnen, sind Voraussetzungen, der Aussenwelt jeden Tag positiv entgegenzutreten. Die limitierte «The Ritual of Karma»-Kollektion befasst sich mit diesen Grundgedanken und versorgt Körper und Geist mit den beruhigenden Duftkompositionen von Weissem Lotus und Bergamotte. Mit den sieben Produkten der limitierten Kollektion tut man anderen und sich selbst Gutes. Die Kollektion kombiniert die blumigen Aromen des Weissen Lotus mit der erfrischenden Kraft von Bergamotte und sorgt für ein sommerliches Gefühl. Duschschaum, Duschöl, Shimmering Body, Körperlotion, Körperpeeling und Körperspray, Duftkerze und Duftstäbchen verwöhnen Haut und Heim mit einem blumig-frischen Aroma. www.RITUALS.com

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LIVING

«Wie der Gärtner, so der Garten.» – Hebräisches Sprichwort –


GARDENING � �

Der Garten erobert die Städte zurück und Städter werden zu Gärtnern. Urban Gardening hat viele Gesichter und noch mehr Motive. Die grüne Revolution in den Städten ist nicht mehr aufzuhalten.

E

Yvonne Beck

ine junge urbane Avantgarde reagiert höchst pragmatisch auf globale Herausforderungen. So entstehen seit einiger Zeit Orte, an denen gesunde Lebensmittel angebaut und zugleich Stadtnatur und Gemeinschaft erlebt werden. Man experimentiert mit Zukunftsthemen: neue Wohlstandsmodelle, Stadtökologie, Teilhabe und interkulturelle Begegnung. Es ist eine starke Hinwendung zum Selbermachen und auch zur Natur in den Städten zu verzeichnen. Man will einen urbanen Lebensstil, aber weder auf den Konsum reduziert sein noch auf Natur verzichten – die Lösung: Urban Gardening!

Die modernen Laubenpieper Gärten zur Erholung oder zur Selbstversorgung gab es in der Stadt schon immer. In den letzten Jahren nehmen diese allerdings neue Formen an. Der grösste Unterschied zu traditionellen Kleingärten liegt darin, dass die meist jungen Gärtnerinnen und Gärtner sich nicht in ein privates Refugium zurückziehen, sondern bewusst «eine andere Stadt pflanzen» wollen. Brachflächen, Parkgaragendächer und andere vernachlässigte Orte werden in Eigenregie in grüne, lebensfreundliche Umgebungen verwandelt. Der Garten ist nicht nur ein Ort der Selbstversorgung mit Obst und Gemüse, sondern auch des Lernens und der Kommunikation. Mehr und mehr Menschen finden so

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LIVING

den verloren gegangenen Bezug zur Natur und das Gefühl für natürliche Produktionsprozesse wieder. Und so ist aus vereinzelten Balkongärtnern und Laubenpiepern eine grosse Bewegung geworden, die an allen möglichen und unmöglichen Orten buddelt, pflanzt und erntet. Auf Dächern, Mauern und Grünstreifen werden Blumen gezüchtet oder Möhren aus der Erde gezogen. Und mit jedem Beet wird wieder ein Stück Natur in die Stadt geholt.

Vorreiter New York City Bereits vor fast 40 Jahren bildeten sich in New York die ersten sogenannten «community gardens», in denen sich die lokale Öffentlichkeit zusammenfand und vermehrt Nachbarschaftskontakte zustande kamen. Auf leeren Grundstücken wurden von den Stadtbewohnern Gärten eingerichtet, um das Stadt­ bild zu verschönern, Kriminalität entgegenzuwirken und einen Beitrag zur Selbstversorgung zu leisten. Ausgehend von diesen community gardens ist inzwischen eine regelrechte Bewegung des Gärtnerns entstanden, die sich in den Städten der Welt rasant verbreitet und verschiedene Formen annehmen kann. Vom Gemeinschaftsgarten über den Nachbarschaftsgarten, vom Schulgarten bis hin zur Dachbewirtschaftung sogenannter «City Farms». Auf oft zuvor industriell genutzten Brachflächen oder in öffentlichen Parks werden Gärten mitten in der Stadt angelegt. Aufgrund von auftretenden Problemen mit Altlasten werden oft improvisierte Pflanzgefässe wie Bäckerkisten oder Reissäcke genutzt.

stärker miteinander verwoben werden. Urbane Landwirtschaft schont Umwelt und Ressourcen, indem Transportwege für Nahrungsmittel eingespart werden, und von Grünflächen aufgebrochene Betonwüsten leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Luftqualität.

Kampf gegen Nahrungsmittelknappheit Bei all diesen Gartenmodellen stehen also die Verschönerung und Bereicherung des Lebens in der Stadt und die Herstellung neuer Gemeinschaften im Vordergrund. In Havanna, Caracas oder inmitten der Favelas und Slums Brasiliens sind diese Gärten jedoch eine Überlebensstrategie. In Gegenden gros­­ser Armut sichern sie Menschen Nahrung. Allein in Buenos Aires gibt es mehr als 2000 gemeinschaftliche Nachbarschaftsgärten. Auch in den Townships in Südafrika sind kleine landwirtschaftlich genutzte Flächen weit verbreitet. Seit einigen Jahren setzt sogar die Welthungerhilfe auf städtische Äcker. Sie unterstützt diverse Projekte auf Kuba, aber auch in Liberia und Nordkorea.

In Deutschland ist Berlin Vorreiter bezüglich urbaner Gärten, aber auch in Hamburg, Köln, München und Leipzig verbreiten sie sich rasch. Bekannte Beispiele in Berlin sind der Prinzessinnengarten auf einer ehemaligen Brachfläche am Moritzplatz oder die als Pionier- und Zwischennutzungen eingerichteten Gärten auf dem Tempelhofer Feld. Auch in Hamburg sind das Gartendeck auf dem Dach einer Tiefgarage im Stadtteil St. Pauli sowie die Keimzelle im Karolinenviertel auch über die Stadtgrenze hinaus bekannt. In Zürich verpaaren sich in «Frau Gerolds Gärtchen» Urban Gardening und Gastronomie zu einem Erfolgsrezept. Und auch Wien fördert den grünen Daumen seiner Bewohner unter dem Motto «gemeinsam garteln verbindet». All diese Projekte schaffen neue Orte der Begegnung und des Austauschs. Im besten Falle wachsen mit den Blumen und Pflanzen neue Gemeinschaften. Nicht zuletzt sind die städtischen Gärten auch Mini-Modelle für die Städte der Zukunft, in denen Nahrungsmittelanbau und Stadtleben wieder

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Die High Line in New York: ein Park auf Schienen.


LIVING

Historische Armengärten Die Anlage von Armengärten war eine von vielen Massnahmen, um Anfang des 19. Jahrhunderts des Armenproblems Herr zu werden. Es hatte seine Ursache im sprunghaften Anwachsen der Bevölkerung. Da das Bruttoinlandsprodukt nicht im gleichen Verhältnis stieg, wurde das Armenproblem als vordringliche Aufgabe erkannt. Als eine der ersten Armengärtenanlagen im heutigen Deutschland gelten die parzellierten Gärten, die auf Anregung des Landgrafen Carl von Hessen um 1797 / 9 8 im damals noch dänischen Kappeln an der Schlei angelegt wurden. Das Hauptziel war, Hunger und Verarmung entgegenzuwirken. 1826 existierten solche Gärten bereits in 19 Städten. 1830 folgte in Kiel die «Gesellschaft freiwilliger Armenfreunde» dem Beispiel. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in vielen Städten Armengärten und insbesondere in Berlin die Laubenkolonien des Roten Kreuzes und der Arbeiterbewegung sowie die Gärten der Bahnlandwirtschaft.

Die Städte werden wieder grüner.

Salat, Kräuter und Gemüse vom eigenen Hochbeet.

Guerilla Gardening Als Form des politischen Protests sind die Guerilla-Gärtner kreativ und mit geringer Ausstattung unterwegs, um in das Stadtbild einzugreifen. Das können Gemüsepflanzen vor dem Londoner House of Parliament sein, bepflanzte Baumscheiben, Cannabis-Pflanzen in Tübingens Blumenkästen oder Samen und Zwiebeln, die im Vorbeigehen in Grünstreifen gesteckt werden. Der Begriff geht auf die New Yorker Künstler- und Aktivistengruppe Green Guerillas greenguerillas.org zurück.

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Es wird mehr und mehr gegärtnert, selbst ohne eigenen Garten und noch dazu inmitten der Stadt.

Diese Gärten mildern die Not an Geld und Nahrungsmitteln. Und sind so soziale Utopien in oft ausweglosen Gegenden. Die Landwirtschaft stellt seit jeher einen Tragpfeiler der afrikanischen Gesellschaften dar. Im Zuge der Landflucht wurde die Tradition des Anbaus vielerorts in den städtischen Alltag integriert und angepasst. Ein Vorreiter in Sachen Urban Gardening war Kuba. 1997, mitten in der Wirtschaftskrise, die mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion über die Insel kam, war der Startschuss für eine einzigartige städtische Landwirtschaft. Die Versorgung mit günstigem Öl brach zusammen und damit auch die komplette kubanische Wirtschaft: Es gab kein Benzin für Erntemaschinen, keinen Dünger, keine Pestizide. Die Felder verdorrten und Viehherden starben massenweise. Heute sieht es anders aus: Der Inselstaat gehört weltweit zu den 16 Ländern, die in den vergangenen Jahren die grössten Fortschritte bei der Bekämpfung von Hunger gemacht haben – durch urbane Landwirtschaft. In Kuba wurde fast die gesamte Versorgung der Bevölkerung von grossen, auf den Einsatz von Traktoren angewiesenen Farmen auf «organoponicos», kleine landwirtschaftliche Betriebe in oder am Rande von Städten, umgestellt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stammten 90 Prozent der frischen Lebensmittel, die in Havanna verkauft wurden, aus solchen «organoponicos».

Grosse Ernte auf kleinstem Raum Dorling Kindersley

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Die grüne Revolution in Kuba ist ein Vorbild für die ganze Welt. Aus Gründen des Umweltschutzes und des Ölmangels muss Landwirtschaft wieder mit den einfachsten – aber auch gesunden Methoden – betrieben werden. In Kuba gibt es weder künstlichen Dünger, noch genveränderte Pflanzen, noch grosse Landmaschinen, die ganze Landstriche umpflügen. Die Zukunft ist grün & urban.

Urban Gardening Mark Diacono, Lia Leendertz Knesebeck Verlag

Gemüse anbauen auf kleinstem Raum Auch wer keinen Zugang zu einem Garten hat, kann sein eigenes frisches Gemüse anbauen: auf Fensterbänken, auf dem Balkon oder einem kleinen Eckchen auf dem Dach. Dieses Buch zeigt geeignete und oft übersehene Anbauflächen, gibt Tipps zu praktischen Pflanzbehältern von Körben bis zur Erdbeerkugel und zu Gestaltung, Anlage und Pflege des Minigartens. Inspirierende Aufnahmen winziger Balkone, hängender Salatgärten oder eines Schwimmbeckens voller Gemüse zeigen, wo findige Gärtner etwas Besonderes geschaffen haben, und regen zum Nachahmen an.

Originelle Ideen für den Anbau von Obst und Gemüse Geht das – in der Stadt wohnen und trotzdem Obst, Gemüse und Kräuter selbst anbauen? Klar geht das. Auch wer nur wenig Platz hat, kann mit dem richtigen Know-how jeden Zentimeter nutzen und anschliessend den köstlichen Ertrag geniessen. Mit den schlauen Ideen in diesem Ratgeber ist der platzsparende Eigenanbau ein Kinderspiel. Ob Leiterregal, Pflanzrinnen oder Palettenwand – 20 originelle (und dekorative!) Lösungen stellt das Buch vor und zeigt anhand vieler Farbfotos und Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie die Projekte umgesetzt werden. So mausert sich auch der kleinste Stadtgarten zum Erntetraum auf wenig Raum!


Vom Sack auf den Tisch

CUTS

Der Sack ist heute, was gestern Hochbeet oder Terracotta-Topf waren. Während die Lust am Gärtnern stetig wächst, schrumpfen die Pflanzformate. Jetzt ist es möglich, ganz ohne Garten auf Kleinstflächen eigenes Gemüse zu ziehen: im Sack! Konkurrenzlos frisch, sind Salate, Radieschen, Peterli & Co. erst noch «sackgsund». Für all jene, die sich dennoch mit Gemüsen versorgen möchten, gibt es jetzt den «Garten im Taschenformat» oder eben: den Sack von «Sackgsund». Unabhängig von Raum und Boden können darin nach Lust und Laune Gemüse und Kräuter gezogen und frisch geerntet werden: Vom Sack direkt auf den Tisch, lautet das Motto! www.sackgsund.ch

Camps Bay Camps-Bay-Loungemöbel zeigen sich offen für Freiluftinszenierungen aller Art. Die einzelnen Elemente der neuen Serie lassen sich ganz nach Wunsch miteinander kombinieren – ob als opulente Sitzlandschaft oder kleineres Refugium – die unauffällig zu fixierenden Camps-Bay-Module sind offen für viele Konstellationen. Für die geräumigen Loungemöbel werden wetterfeste Kunststofffasern von Hand auf pulverbeschichtete Aluminiumgestelle geflochten. Perfekt auf die einzelnen Elemente zugeschnitten, bieten die zugehörigen Polster, wahlweise in hellem Linum oder grauem Stone, angenehmen Sitzkomfort. Passende Couchtische komplettieren die moderne Gartenmöbel-Serie. www.garpa.de

Tigmi Erneut führt Dedon ein herausragendes Möbelstück ein und lässt damit die Vorstellung von Outdoor-Möbeln neu überdenken. Nun ergänzt Jean-Marie Massaud mit «Tigmi» die Dedon-Kollektionen. In seinem Konzept verschmelzen Sofa und Rückzugsort zu einem neuen ästhetischen, komfortablen Liegemöbel. Zusammen mit dem passenden geflochtenen Dach (als Zubehör erhältlich) ist Tigmi unvergleichlich und bildet eine bemerkenswerte mikroarchitektonische Einheit. Man fühlt sich fast so, als wäre man gleichzeitig drinnen und draussen, ganz wie in einer luftigen, schattigen Gartenlaube. Das Dach wurde von den Flecht­ meistern von Dedon offen und transparent gestaltet und erinnert so an die geflochtenen Dächer aus Palmblättern einer Palapa oder Strandhütte. www.dedon.de

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«Drei Dinge treiben den Mann aus dem Haus, ein Rauch, ein übel Dach und ein böses Weib.» – altes Sprichwort –


ROOF TOP

GARDEN

ÜBER DEN DÄCHERN DER STADT

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Viele kennen sie, aber nur wenige haben Zugang dazu. Dachterrassen: die urbanen Oasen über den Dächern. Lone K. Halvorsen

chnell wachsende Städte, moderne Wohnblocks und immer weniger grüne Höfe sowie Parks. Die Grünflächen verschwinden, und aus kleinstem Wohnraum werden vermehrt Wohnflächen gezaubert.

Den Sternen vorbehalten Über Jahrhunderte vergessen, gelangte die Gartenkultur der Antike zur Zeit der Renaissance zuerst nach Florenz, Rom und Venedig, um bald darauf auch andere europäische Städte zu erreichen. Vorwiegend Dachflächen auf Schlössern verwandelten sich so zu wunderbaren Dachanlagen. Erst zur Zeit des Barocks erkannte in unseren Breiten die Bauherren die Bedeutung von begrünten Dachflächen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigten sich in Europa einzelne avantgardistische Architekten mit der Formsprache des neuen Bauens, und der bekannteste unter ihnen war Le Corbusier. Kaum ein anderer hat das Flachdach und dessen Nutzung als Wohnterrasse so entschieden propagiert. Das ehemals als elitär gehaltene flache Dach wurde nun als eine neue Form des Bauens zur Erweiterung des Wohnraumes entdeckt. Le Corbusiers philosophische Äusserung dazu: «Ist es nicht wahrhaft wider alle Logik, wenn eine ganze Stadtoberfläche ungenützt unter Zwiesprache der Schiefer mit den Sternen vorbehalten bleibt?»

Hoch über der Stadt dem Alltag entfliehen und etwas Privatsphäre geniessen.

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LIVING

Dachgärten und Dachterrassen aus aller Welt Dachgärten und Dachterrassen sind Orte, an denen man nach den Sternen greifen kann; bei der architektonischen Gestaltung dieser exklusiven Oasen sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Dachgärten holen das Grün in die Stadt und verbessern das Mikroklima in den Metropolen. Manch einer baut hier sein eigenes Gemüse an, andere rahmen mit Sträuchern und Gräsern grosszügige Loungelandschaften oder einen Pool ein. Dieser Bildband präsentiert private Dachgärten und Dachterrassen aus aller Welt. Spektakuläre Wolkenkratzer-Penthouses und raffinierte Lösungen für bisher nicht genutzte Hausdächer sind ebenso vertreten wie neue Wohnhäuser, bei denen Dachterrassen Teil des ökologischen Gesamtkonzeptes sind. Sie alle vermitteln das einzigartige Lebensgefühl zwischen Himmel und Erde: Ruhe und Entspannung stehen an diesen paradiesischen Orten im Vordergrund, von denen aus man im wahrsten Sinne des Wortes gelassen auf das Treiben der Welt hinabsehen kann.

Über den Dächern Die schönsten Gärten und Terrassen Ashley Penn teNeues

Dachterrasse als exklusiver Zufluchtsort.

Wohnraum umwandeln Doch als Wohnraum werden die Dächer tatsächlich erst seit gut 30 Jahren genutzt, und schliesslich haben auch die grossen Hotels die zauberhafte Welt der Dächer mit dem Blick auf die Skyline der Stadt entdeckt. Neben der exponierten Lage hoch über der Stadt besticht die Dachterrasse mit besonders viel Platz und viel Sonnenlicht. Was liegt da näher, als die Platzfülle zu nutzen und die Dach­ terrasse als luftiges Refugium zu gestalten. Dach­ terrassen sind die einzigen verbliebenen grünen

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Oasen, die ein bisschen Freiheitsgefühl in der schnelllebigen urbanen Welt vermitteln. Auch mit einfachen und kostengünstigen Gestaltungsideen kann die Dachterrasse in ein kleines, grünes Paradies verwandelt werden, wo man in den sommerlichen Monaten schöne Stunden mit Blick auf den Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt geniessen kann.


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2 I PIEGA MIT DEM MLS 2 IST ES ERSTMALS MÖGLICH, EINEN DIPOLSTRAHLER WIE EINEN KONVENTIONELLEN LAUTSPRECHER IM RAUM ZU PLATZIEREN. 3 I DYSON DER LUFTREINIGER VON DYSON: «SAUBERE LUFT VIA SMARTPHONE GESTEUERT.» 4 I BOCONCEPT IMOLA, EIN STUHL AUS HOCHWERTIGEN MATERIALIEN, QUALITÄTSBEWUSST HERGESTELLT 5 I HOESCH
 DAS OVAL SIGNALISIERT GEBORGENHEIT, HARMONIE UND EXKLUSIVITÄT. 6 I KÜNG SAUNA DIE WELLNESSZONE NACH MASS VERSCHMILZT IM ZUHAUSE RÄUMLICH UND VISUELL.

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DIE PO-ÄSTHETEN SABRINA RISCH, ALEXANDER MOHR – JOSEPH’S TOILETRIES Waschen & Pflegen – seien es Hände, Gesicht oder Körper – sind fester Bestandteil unserer alltäglichen Routinen und Basis für eine gesunde Haut. Diese Selbstverständlichkeit auf den Po zu übertragen, ist weniger weit hergeholt, als man meinen könnte. Gerade die Schweizer zeigen ein starkes Reinlichkeitsbedürfnis auf der Toilette. Bereits jeder dritte Eidgenosse nutzt Feuchttücher auf dem WC – das ist weltweit der höchste Anteil. Dieser «kleine Luxus des Wohlfühlens» hat aber einen hohen Preis, den die Umwelt be­ zahlen muss.

Was für die Umwelt nicht gut ist, ist auch für meine Haut nicht gut

Für viele ein Tabu – doch eine überaus berechtigte Frage: Wieso reinigt man sich, nachdem man auf der Toilette war, die Hände mit Wasser und Seife, verwendet für den Po aber nur ein Stück trockenes Papier?

4 ZITATE

Sabrina Risch und Alexander Mohr gründeten 2013 in Zürich die Manufaktur JOSEPH’S Toiletries. Wie es sich für junge Marken gehört, wird viel Wert darauf gelegt, den ökologischen Fussabdruck so gering wie möglich zu halten und ein Optimum an Hautfreundlichkeit zu erreichen. Das Zürcher Team entwickelte mit Dermatologen und Hautpflege-Experten eine Reinigungs- und Pflegelinie für den Po sowie eine neue Generation Toilettenpapier, welches trocken und feucht verwendet werden kann. Was macht den Unterschied? Das Papier ist 100 % natürlich und ohne künstliche Fasern und Bindemittel, die übliche Feuchttücher enthalten, damit die sich im dauerfeuchten Zustand nicht auflösen. Auch wird der Einsatz von Konservierungsmitteln und Stabilisatoren, die die sensible Hautbalance schädigen und oftmals zu Allergien führen, in der speziellen Reingungstonic sowie der Pflegelotion vermieden.

«Wer hat den glücklicheren Po? Definitiv Frauen. Frauen lieben das Gefühl von sauberer Frische. Männer sind beim Ausdruck ihrer Gefühle viel schüchterner. Jedoch sind sie bei der Verwendung der Lotion führend, da Männer viel sensiblere Haut am Po haben.»

«Jeder 3. Schweizer nutzt Feuchttücher. Das zeigt, dass der Kunde sauberer sein möchte, als dies mit heutigem Toilettenpapier möglich ist. Es zeigt aber auch, dass man jetzt etwas tun muss, um eine öko- und hautfreundlichere Alternative anzubieten, damit «der kleine Luxus des Wohlfühlens» nicht auf Kosten der Umwelt geht.»

«Es sollte keinen Unterschied mehr zwischen dem Gefühl geben, frisch und sauber aus der Dusche zu steigen, und vom WC zu kommen.» «Wir hatten das Glück, schnell Fans zu haben, die dies auch mitgeteilt haben, wie z. B. Gwyneth Paltrow. Dies hat uns Märkte und Kunden gebracht, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Das erlaubt uns jetzt, eine grossvolumige Lifestyle-Linie zu lancieren, die noch mehr Menschen anspricht.»

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VERGESSENE Kriege, Wetter, Naturkatastrophen oder schlicht die Aufgabe auf Erden erfüllt. Nichts dauert ewig. Und so verschwinden auch immer wieder einst blühende Städte von der Landkarte, sterben aus, werden aufgegeben und fallen in Vergessenheit.

SCHOTTLAND SKARA BRAE

Die Ansammlung prähistorischer Ruinen auf den Orkney-Inseln ist alles, was von der über 5000 Jahre alten Bauernsiedlung übrig geblieben ist. Sie wird in die Zeit zwischen 3100 und 2500 v. Chr. datiert. Skara Brae gilt als die am besten erhaltene Siedlung der Jungsteinzeit in Europa. Sie wurde 1850 entdeckt, nachdem ein Sturm die steinernen Mauern freigelegt hatte. Offenbar rückte das Meer durch Küstenerosion immer näher an das Dorf heran, bis es aufgegeben wurde und vier Jahrhunderte unterm Sand verschwand.

TUNESIEN KARTHAGO Historischen Überlieferungen nach war die Stadt Karthago schon in der Antike die Hauptstadt der gleichnamigen See- und Handelsmacht. Die antike Stadt Karthago lag unweit der heutigen Stadt Tunis im Norden von Tunesien. Diese erstklassige Lage machte auch den Grund für die militärische und wirtschaftliche Dominanz der Stadt aus. Denn an der Strasse von Sizilien gelegen, hatte Karthago die volle Kontrolle über den Handel im Mittelmeerraum. Nach 900 Jahren als Grossmacht erlag Karthago dem geballten Zorn des Römischen Reiches und wurde zerstört. Später bauten die Römer es jedoch wieder auf, und so stieg die Stadt zu neuer Pracht auf, wurde dann jedoch von den Arabern auf ihrem Expansionsfeldzug zerstört. Heute sind am Stadtrand von Tunis die Ruinen römischer Thermen, Tempel und Villen zu sehen, die jedoch allmählich von der wuchernden Stadt geschluckt werden.

KALIFORNIEN DARWIN Wie viele Tausend Städtchen in den USA des späten 19. Jahrhunderts wurde auch Darwin infolge eines Glücksfundes aus dem Boden gestampft; in diesem Fall handelte es sich um Silber. Vier Jahre nach seiner Siedlung war der Ort schon wieder weitgehend verlassen, die Schatzsucher zogen zur nächsten Fundstelle weiter. Durch den Fund von Kupfer Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte Darwin einen zweiten Frühling. Auch heute ist Darwin keine wirkliche Ghost Town, da hier immer noch 50 Menschen wohnen. Doch die meisten Häuser und die Mine sind verlassen. Am Rande des Death Valley leben die Übrigen in einer echten Wildwest-Stadt.

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ITALIEN HERCULANEUM Herculaneum war eine antike Stadt am Golf von Neapel, die wie Pompeji beim Ausbruch des Vesuv in der zweiten Hälfte des Jahres 79 untergegangen ist. Der katastrophale Ausbruch des Vesuv kam für die Bewohner Kampaniens völlig über­ raschend. Da der Vulkan seit 500 Jahren ruhte, wurde er nicht einmal mehr als Vulkan erkannt. Herculaneum ging in einem ausgespienen Lava- und Aschestrom unter. Die vornehme Stadt wurde erst vor etwa 250 Jahren wiederentdeckt und ist bis heute Fundgrube für Archäologen. Der pyroklastische Strom, der die Stadt überrollte, verkohlte organische Materialien, sodass Bauten und menschliche Körper erhalten blieben. Am faszinierendsten sind aber Hunderte von Schriftrollen, die in der Villa dei Papiri gefunden wurden, die einzige römische Bibliothek, die bis in unsere Zeit überdauerte.

IRAK BABYLON Das seit 2500 v. Chr. besiedelte Babylon wurde 500 Jahre später zu einem bedeutenden Zentrum der mesopotamischen Welt, als Hammurabi, der erste König des babylonischen Reiches, es zu seiner Hauptstadt machte. Im Jahre 6 v. Chr. wurde es von den Assyrern zerstört und im 2. Jhd. v. Chr. nach dem Tod Alexander des Grossen endgültig verlassen. Babylon ist durch die «Hängenden Gärten der Semiramis», eines der sieben Weltwunder der Antike, bekannt. Ursprünglich gehörte auch die mächtige Stadtmauer zu den Weltwundern. Ihre Ruinen schwören Bilder aus biblischen Zeiten herauf wie die Geschichte vom Turmbau zu Babel.

KAMBODSCHA ANGKOR Heute ist Angkor ein Bildnis von bröckelnden Steintempeln im Würge­griff der Dschungel-Schlingpflanzen. Weltbekannt wurde Angkor durch die noch heute sichtbaren Zeugnisse der Baukunst der Khmer in Form einzigartiger Tempelanlagen – allen voran durch den Angkor Wat, den grössten Tempelkomplex der Welt. Auf einer Gesamtfläche von mehr als 200 km² wurden nacheinander mehrere Hauptstädte und in deren Zentrum jeweils ein grosser Haupttempel errichtet. Bis heute wurden bereits mehr als 1000 Tempel und Heiligtümer unterschiedlicher Grösse entdeckt. Es gibt Vermutungen, dass im Grossraum von Angkor am Höhepunkt des historischen Königreiches bis zu einer Million Menschen auf etwa 1000 km² gelebt haben könnten. Die Stadt wurde vor rund 500 Jahren aufgegeben – warum weiss keiner so genau. Theorien gehen davon aus, dass Klimaveränderungen die Wasserversorgung beeinträchtigt hatten.

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CULINARIUM

«Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen!» – altes Sprichwort –

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MALZ

UND

500 JAHRE REINHEITSGEBOT

Es ist das älteste gültige Lebensmittelgesetz in Deutschland und steht noch immer für Genuss und beste Qualität: 500 Jahre nach Entstehung des Deutschen Reinheitsgebots im Jahr 1516 ist das Thema Bier lebendiger und aktueller denn je.

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Yvonne Beck | Interview: Technische Universität München

ie waren die Vielfalt an Sorten und die Experimentierfreude der Braumeister grösser als heute. Mit viel Können und Leidenschaft haben sie aus den festgeschriebenen vier natürlichen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe eine stetig wachsende Zahl an Sorten und Marken geschaffen.

Die Renaissance des Brauens und des Bieres Immer mehr Brauereien setzen sich mit hoher Qualität, pfiffigen Ideen und viel Leidenschaft gegen die grossen Konzerne durch. Und so steigt nicht nur der Absatz, sondern es entstehen immer mehr kleine Brauereien, die Schwung in den Biermarkt bringen. Viele neue Bierkreationen machen den Markt wieder interessanter. Die Rolle des Bieres ist eine andere, da


CULINARIUM

sich die Konsumgewohnheiten verändert haben. Galt Bier früher als klassische Grundnahrung, wird es heute als Genussmittel angesehen und auch so getrunken. Kleine Brauereien haben diesen Trend hervorgerufen, die grossen springen auf diesen Zug auf. Professor Thomas Becker vom Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie der Technischen Universität München (TUM) gibt Auskunft über den Sinn und Unsinn des Reinheitsgebots sowie die Renaissance des Brauens. PRESTIGE: Professor Becker, lediglich vier Zutaten sind laut Reinheitsgebot zugelassen, dennoch gibt es allein in Deutschland über 3500 verschiedene Biersorten – wie ist das möglich? PROFESSOR THOMAS BECKER: Das ist nicht unüblich bei Lebensmitteln. Vergleichbar wenige Zutaten braucht es bei Milch-, Nudel- oder Brotprodukten. Nur existiert dafür nichts Vergleichbares wie das Reinheitsgebot. Was Bier betrifft, so können Sie relativ schnell ausrechnen, wie viele Varianten aus hundert Malzsorten, 200 Hopfentypen und 200 Hefearten entstehen können. Daneben haben Sie an vielen Stellen im Brauprozess die Möglichkeit, die Parameter zu verändern – ob das die Temperatur oder der Zeitverlauf ist – und kommen so rechnerisch zu Millionen von Möglichkeiten. Ob das Sinn macht und die vielen Varianten schmecken würden, ist wiederum eine ganz andere Frage. Weltweit wird vermutlich zu 90 Prozent das sogenannte Lagerbier getrunken und Bierkritiker behaupten, es schmecke überall gleich. Derzeit werden beispielsweise von rund 200 Hefesorten nur circa zehn bis elf verwendet. Forschen Sie an Ihrer Fakultät denn an der Verwendung seltener Hefen? Seit einigen Jahren gibt es einen Megatrend bei Verbrauchern, und das unabhängig vom Produktgenre: Es geht um Individualisierung und Personalisierung. Heute wollen alle etwas Spezielles haben! In der Brauwissenschaft wird auch deshalb mehr und mehr geforscht, wie neue Aromen und Geschmacksnuancen erzielt werden können. Ich kann das Bieraroma über Rohstoffe wie Malz oder Hopfen beeinflussen, ich kann das ebenfalls über den Prozess oder auch die Hefe. Wenn ich Hefen habe, die ein neues Aroma­ spektrum generieren, besteht die Chance, mein Bier in signifikantem Ausmass zu verändern. Nur wurde das in den vergangenen hundert Jahren aus Angst vor Überraschungen ungern getan. Nun aber ist ein Zeitalter angebrochen, in dem wir die analytischen und prozesstechnischen Möglichkeiten haben, Hefe besser steuern und kontrollieren zu können. Darum arbeiten wir sehr intensiv daran, verschiedene Hefesorten daraufhin zu screenen, welche Endeigenschaften sie im Produkt erzielen.

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Stimmt es, dass Mitarbeiter oder Doktoranden Ihres Lehrstuhles in stillgelegte Bierkeller gehen und Abstriche nehmen, um alte Hefestämme zu finden? Auch das, ja! Wir arbeiten an zwei Projekten, wo Hefe­­ stämme aus Zentralafrika gescreent werden. Wir unter­ suchen dort die heimischen Produkte, die mit wilden Hefen und gänzlich anderen Stämmen fermentiert sind. Neuerdings nehmen wir uns ebenso Hefen aus Asien vor und schauen, welche Aromen diese erzeugen. Was im weiteren Prozess eine Rolle spielt, ist die Interaktion der Hefen mit dem Hopfen oder Malz. Ganz am Ende jedoch müssen wir mittels der Prozesstechnik die Hefe so steuern können, dass wir nicht überrascht werden vom Endergebnis. Das Ziel sind reproduzierbare Prozesse, die immer dasselbe gute Produkt liefern.


CULINARIUM

«Ein Bock ist jenes Tier, welches auch als Bier getrunken werden kann.» – Wilhelm Busch –

Älter als das Reinheitsgebot – die älteste Familien-Brauerei der Welt Rettenberg ist das Bierdorf im Allgäu: Gleich drei Brauereien finden sich dort, eine davon schon seit über 565 Jahren und zugleich seit 21 Generationen in der Hand der Familie Zötler; damit ist sie älteste Familien-Brauerei der Welt. Die EngelBrauerei ist die zweite Brauerei in Rettenberg und kann auf immerhin über 300 Jahre Tradition zurückblicken. Und dort, wo einst Skifahrer in den Lift stiegen, wird heute Bier gebraut: Die umgebaute Seilbahnstation ist nun das Sudhaus der Bernardi Bräu und damit die höchstgelegene Privatbrauerei Bayerns! Übrigens: Die höchste Mini-Brauerei findet sich auf 1804 Meter und ist nur zu Fuss zu erreichen – auf der Enzianhütte bei Oberstdorf wird das Dunkle Weizen selbst gebraut und heisst, wie kann’s anders sein, «Der Gipfelstürmer». In Pfaffenhausen kommt das Bier der Storchenbräu indirekt den dort brütenden Störchen zugute: Die Bierflasche erinnert an einen Storchen­ hals und von jedem Störchle-Bier geht ein Betrag an den Landesbund für Vogelschutz in Schwaben. Eine Zusammen­ fassung aller Allgäuer Brauereien findet sich unter: www.allgaeu.de/brauereien-allgaeu

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CULINARIUM

Wie viele Stoffe sind heutzutage denn tatsächlich in einem handelsüblichen Bier? Die Naturprodukte Malz, Hopfen und Hefe bringen eine Vielzahl von Stoffen ins Bier, deren Vielfalt sowohl in der Definition als auch Konzentration über den Prozessverlauf noch gesteigert wird. Die meisten davon gelangen dabei ins Endprodukt Bier. Brauchen wir das Gebot denn heute überhaupt noch? Aus der aktuellen Verbrauchersicht ist das Gesetz wohl aktueller denn je. Verbraucher wünschen – mit grossem Nachdruck – bei Lebensmitteln Purismus und weitreichende Naturbelassenheit sowie keine Zusatzstoffe. Das Reinheitsgebot ist ein Garant dafür. Nicht zuletzt deswegen ist seine Akzeptanz so hoch. Sicherlich können Sie die eine oder andere Biereigenschaft über Zusatzstoffe herbeiführen.

Oder aber der Braumeister beherrscht die Klaviatur des Brauprozesses so, dass er diese Eigenschaften ohne Hilfsmittel erreicht. Ich persönlich sehe darin weit mehr den kulturhistorischen Wert des Reinheitsgebots und weniger darin, ob es exakt drei oder vier Rohstoffe sind. Neuerdings ist oft die Rede von der Renaissance des Brauens und der Bierkultur – wie kam es dazu? Früher und heute noch in manchen zentralafrikanischen Ländern war und ist Bier das einzig sichere Getränk. Wasser war oder ist verdorben, sodass Bier ein Grundnahrungsmittel war und ist. Seit sich diese Situation geändert hat, kam der Wunsch auf, mehr und mehr Genuss zu erfahren – Aromaerlebnisse sind gefragt. Sicherlich ist das getrieben durch den Hype, den die Craftbier-Szene mit sich brachte. Ähnlich dem Wein wird Bier wieder in einer anderen Wertigkeit und mit einem positiveren Image gesehen. Das ist gut und erweitert die Konsumgewohnheiten von Bier. Und welche Rolle spielt noch der Geschmack bei der hochtechnisierten Herstellung eines modernen Getränks? In den vergangenen 30 bis 40 Jahren erwarten wir wie gerade gesagt von Lebensmitteln mehr, als nur unsere Grundbedürfnisse zu stillen: Wir erwarten Geschmack und Aroma. Das wird meines Erachtens in einigen Jahren ergänzt durch die Erwartung von Zusatznutzen. Im asiatischen Raum geht es heute schon darum. Kann ein Produkt mich dabei unterstützen, dass ich 120 Jahre alt werde? Das werden wir künftig von Lebensmitteln erwarten.

«Gott gibt den Verstand, der Hopfen nimmt ihn.» – altes Sprichwort –

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CULINARIUM

PURER GENUSS

DARJEELING DER CHAMPAGNER UNTER DEN TEESORTEN

Das 2000 Meter hoch gelegene, von beeindruckenden Himalaja-Gipfeln umgebene Darjeeling wurde einst von den Briten als Luftkurort gegründet. Sie waren es auch, die die grossen Teeplantagen hier aufbauten. Der Darjeeling wurde als «Champagner unter den Teesorten» bekannt.

D

Yvonne Beck

er Bergdistrikt Darjeeling an den Südhängen des Himalaja im Norden Indiens gibt diesem Tee seinen Namen. Darjeeling gilt als das Teegebiet, das die besten Teequalitäten der Welt produziert. Teefachbücher benennen hier zwei Ernten von gleichwertig höchster Qualität: die Frühjahrspflückung, den First Flush, mit einem besonders duftigen und zarten Aroma und die Sommerpflückung, den etwas kräftigeren und würzigeren Second Flush. Die charakteristische Topographie von Darjeeling, die Höhenlage, die steilen Hänge und das spezielle Klima erzeugen die besondere Qualität dieses einzigartigen Tees.

Queen of the Himalayas

Hitze und des Monsuns in Kolkata erschlossen. Dieses einzigartige Klima, geprägt durch die Höhenlage und steilen Hänge, sorgt dafür, dass die Teeblätter hier ein ganz besonderes Aroma entwickeln. Kommerziell wird Tee seit 1856 angebaut. Aber Achtung: Darjeelingtee vermehrt sich auf geheimnisvolle Weise. Der Tea Board of India, die offizielle indische Teebehörde, schätzt, dass weltweit etwa 40’000 Tonnen Tee als «Darjeeling» verkauft werden, obwohl die Region selbst nur etwa 10’000 Tonnen jährlich produziert. Deshalb hat der Tea Board ein Gütesiegel für 100 Prozent reinen Darjeeling eingeführt und vergibt Lizenzen, um gegen die Vermischung mit Tee minderer Anbaugebiete vorzugehen.

Der Name Darjeeling leitet sich ab aus «Der Tee weckt den «dorjeling» – und bezeichnet den Ort Als Darjeeling darf nur der Tee bezeichnet guten Geist und die weisen werden, der aus der gleichnamigen Region «ling», den der König des Himmels, Lord Indra, mit seinem Blitzstrahl «dorje» segim Nordosten Indiens kommt. 87 Tee­ Gedanken. Er erfrischt nete. Mark Twain sagte über Darjeeling: gärten gehören zu dem fest umrissenen Deinen Körper und «The one land that all men desire to see, Gebiet, das auf 17’500 Hektar jährlich beruhigt Dein Gemüt. and having seen once by even a glimpse ungefähr 10’000 Tonnen des weltweit bewould not give that glimpse for the shows Bist Du niedergeschlagen, gehrten Tees produziert. of the rest of the world combined.» Im so wird Tee Dich ermutigen.» Seit etwa 5000 Jahren ist Teekonsum Nordosten Indiens, eingebettet zwischen – Kaiser Shen Nung (2737–2697 v. Chr.) – Bhutan und Nepal, am Fusse des Hima­laja überliefert. Wahrscheinlich wurde Tee zuliegt die Region Darjeeling mit der gleicherst zu medizinischen Zwecken verwendet, namigen Distrikthauptstadt. Darjeeling gebevor er seinen Siegeszug als erfrischenhört zum indischen Bundesstaat Westbengalen. Aufgrund s­ eines des Getränk antrat. Bei seiner Einführung im 17. Jahrhundert in besonderen Klimas wurde Darjeeling ab Mitte des 19. Jahr­ Europa sollte der Tee populär gemacht werden – die Behauphunderts von den Engländern vom Fürstentum Sikkim teilweise tung, dass Tee gegen viele Krankheiten wirksam sei, war schon erobert, teilweise gepachtet und als Sommerfrische fernab der damals zugkräftig.

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ESSENAM ORT

DAS BESTE RICHTIGEN

Verpflegung kann der beste Teil einer Reise sein. National­gerichte lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Curry in Mumbai Currys sind ein gesamt-asiatisches Phänomen, das fast überall zwischen Punjab und Japan serviert wird. Aber der Geburtsort des Curry ist Indien, und man hat noch kein Curry probiert, wenn man seinen Gaumen nicht in Mumbai mit einem der örtlichen cremigscharfen Rezepten erfreut hat. Ein Mumbai Curry enthält normalerweise Meeresfrüchte und Kokosnussmilch, die mit masala (einer Gewürz­ mischung) verrührt werden. Zu den Standardgewürzen gehören Kurkuma, Koriander, Ingwer und rote Chili. Currys haben keine fest­ gelegten Zutaten, je nach Herkunftsregion und Zubereiter können sie sich erheblich unterscheiden. Es gibt vegetarische Currys, Currys mit jeder Art von Fleisch, Currys mit Fisch oder Meeresfrüchten. Dazu wird in Indien meistens Reis oder Brot wie zum Beispiel Chapati, Naan oder Puri gereicht, erweitert mit diversen Chutneys und weiteren Beilagen.

Feijoada in Rio de Janeiro Beim brasilianischen Nationalgericht Feijoada feiern die Geschmacksnerven ihren eigenen Karneval, ein dunkler, würziger Eintopf, der auf schwarzen Bohnen und Schweinefleisch basiert. Die für den Massenverzehr zubereitete Feijoada in Rios Restaurants enthält meist minderwertiges Fleisch. Häufig sogar Zunge, Schweineohren und -füsse und Ringelschwänzchen. Schmackhaft ist es allemal, man muss nur auf weniger vertraute Zutaten gefasst sein. Zudem ist das Gericht mit den vielen Bohnen für manchen Magen eine grosse Verdauungsherausforderung.

Hotdog in New York Kaum eine Stadt bietet eine grössere Auswahl an Restaurants und Essensrichtungen wie New York. Aber das spielt keine Rolle, denn jeder weiss, dass es nur ein wahres Essensritual gibt: Man begibt sich an eine befahrene Kreuzung in der City, sucht einen schäbigen Metallkarren mit bunten Schirmen und bestellt sich einen Hotdog mit Ketchup, Senf, Zwiebeln und entweder Sauerkraut, Relish-Würzsauce oder Chilisauce. Woher der Name «hot dog» stammt, ist unklar. Der US-amerikanische Kulturhistoriker Andrew F. Smith weist darauf hin, dass deutschstämmige Metzger in den USA bekannt dafür gewesen seien, «wurstförmige Hunde» zu halten, nämlich Dackel. Diese Tatsache habe gewisse Assoziationen zwischen deutschen Würstchen und Hunden gefördert.

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Super Premium

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DER ZIGARRENKÖNIG ZINO DAVIDOFF Die Geschichte von Zino Davidoff (1906 –1994) ist die Geschichte einer Passion. Der Vater ist 1911 mit seiner Familie vor den Pogromen aus Kiew geflohen und verkauft nun in seinem Laden in Genf selbstgedrehte Zigaretten. Als Jugendlicher bricht Zino mit einem Empfehlungsbrief seines Vaters auf, die Welt des Tabaks zu entdecken. In Argentinien und Brasilien lernt er von Händlern und Fabrikanten und arbeitet auf den Feldern Bahias. Ein alter Arbeiter erzählt ihm von der roten Erde und den Puros. Um den Tabak zu verstehen, muss Zino nach Kuba. Er geht in das Vuelta Abajo, in dessen roter Erde der beste Tabak der Welt wächst. Er lernt aufs Neue und begleitet die Tabakpflanze vom Steckling bis zur Zigarre. Die Felder (vegas) haben Namen wie in Europa die Weinlagen. Erde, Sonne und Regen bestimmen den Wuchs. In Havanna werden die besten Zigarren der Insel gerollt. Unter der Stimme des Vorlesers rollen die gelernten Hände flink Meisterwerke, die mit einer Bauchbinde gekrönt werden. Nach seiner Rückkehr baut Zino den Laden seines Vaters um. Anstatt Zigaretten verkauft er nun Zigarren und am liebsten solche aus Kuba, die damals nur Aficionados ein Begriff waren. Als der Krieg in Europa wütet, bittet die kubanische Regierung ihn, die Zigarren, die noch in den Freihäfen liegen, zu retten. Für ihn war es eine Frage der Ehre und eine Chance, da er so zu einer ausgewählten und

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umfangreichen Zigarrensammlung kommt. Das Ende des Krieges bringt seinem Laden einen internationalen Ruf und Kundschaft. König Farouk und Orson Welles beehren sein Geschäft. Seine Kontakte ermöglichen ihm, eigene Zigarrensorten zu entwickeln. Er benennt sie nach französischen Weinlagen wie dem Château Lafite. 1969 widmet die Regierung um Castro dem Aficionado Zigarren mit seinem Namen. Die Davidoff No. 1, No. 2 und die Ambassadrice. Er macht Geschäfte mit den besten Zigarren der Welt, gilt als Zigarrenexperte und beschliesst zu expandieren. Er verkauft seinen Namen an die Oettinger-Gruppe um Dr. Ernst Schneider und «Davidoff» wird zur Marke. Zino agiert als Markenbotschafter und Davidoff wird für 20 Jahre zum Synonym für die kubanische Zigarre, bis die Liaison Anfang der 90er endet.

«Zigarren sind herrlich wie das Leben. Das Leben bewahrt man sich auch nicht auf, man geniesst es in vollen Zügen.» – Zino Davidoff – «Man sollte immer erst eine Zigarre rauchen, ehe man die Welt umdreht.» – Otto von Bismarck – «Jeder, der eine meiner Zigarren geraucht hat, ist ein Freund, da ja in dieser einen Zigarre die Erfahrung meines Lebens mit eingewickelt ist.» – Zino Davidoff –

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ORT

LUXXU «MODERN LAMPS EMPIRE CHANDELIER» – INSPIRIERT VOM EMPIRE STATE BUILDING.

EIN ZUM GENIESSEN Der hek tische A l ltag versucht sich i n K lei n ig keiten ei n z usch leichen. Gut, wen n k lei ne Refug ien bleiben: ei n Or t, ei n Objek t oder ei n Moment, u m den A l ltag A l ltag sei n z u lassen.

CARAN D’ACHE NEUE KREATION VON VARIUS EBONY – EINE ATEMBERAUBENDE MATERIAL-FARB- KOMBINATION: EBENHOLZ UND ROSÉGOLD

ZENITH DIE JUBILÄUMSEDITION «EL PRIMERO CHRONOMASTER 1969 COHIBA» IST EINE HOMMAGE AN DIE ULTIMATIVE ZIGARRENMARKE COHIBA.

DAVIDOFF FLAGSHIP CIGAR LOUNGE IN MANHATTAN

BRABBU MODERN IST ER, DER «ANDES»-SESSEL.

DAVIDOFF MIT «NICARAGUA CIGAR» BRINGT DIE MARKE DIE ERSTE BOXPRESSED-ZIGARRE AUF DEN MARKT.

BELUGA ZUM 115. JAHRESTAG DER MARIINSK DISTILLERIE KAM DIE LIMITIERTE SERIE «CELEBRATION VODKA» AUF DEN MARKT.

DAVIDOFF DIE ZIGARREN AUS DER «CHEFS»-LINIE SIND LIMITIERT UND WURDEN VON SECHS STARKÖCHEN KREIERT.


CULINARIUM

© P.O. Deschamps VU

» PARIS» «Ein Restaurant zu eröffnen ist einfach – finde die richtige Location und nimm eine Million Dollar in die Hand, damit alles gut aussieht. Aber wenn du erst mal aufgesperrt hast, musst du dich fragen: Wer macht dein Restaurant eigentlich zu einem Ort, an dem Gäste glücklich werden? Wer kocht? Wer spült das Geschirr? Wer macht die Reservierung? Jede Form von Vision braucht die richtigen Menschen.» – Nobu Matsuhisa – New Style Sashimi à la Matsuhisa.

Dr. Thomas Hauer

obuyuki Matsuhisa, oder einfach kurz Nobu, ist so etwas wie der Philippe Starck der Gastroszene. So hat es der umtriebige Tausendsassa aus Saitama bei Tokio, ähnlich wie der französische Stardesigner, innerhalb weniger Jahre geschafft, ein welt­um­ spannendes Markenimperium aufzubauen, ohne sich je durch selbsternannte Kritiker vom Kurs abbringen zu lassen. Denn so wie ein Stuhl von Starck nun mal in einem Barockschloss eine ebenso gute Figur abgibt wie in einem postmodernen Loft, so gefällt auch Matsuhisas weitestgehend eckenund kantenfreie Küche irgendwie jedem – egal ob in London, Sydney oder Las Vegas.

Nobus Erfolgsrezept? Ein innovativer Mix zweier auf den ersten Blick recht unterschiedlicher kulinarischer Kulturen: einerseits der streng formalisierten japanischen Küche, andererseits der verspielten, gewürzverliebten Cocina Latina. Japanese Koto meets Salsa

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sozusagen. Das Ganze serviert in urbanem Ambiente und offenem Küchensetting – das Auge isst schliesslich mit. Die Essenz seiner Küchenphilosophie beschreibt der mittlerweile 67-Jährige dabei mit dem japanischen Begriff «kokoro», was auf Deutsch so viel wie «eine Küche vom und für das Herz» bedeutet. Matsuhisas Karriere beginnt Ende der 60er Jahre mit einer Ausbildung zum Sushi-Koch bei Matsuei Zushi im Tokioter Einkaufs- und Vergnügungsbezirk Shinjuku. Nachdem der damals 18-Jährige die ersten drei Jahre nur die Küche schrubben und den Meister auf den Fischmarkt begleiten darf, steigt Matsuhisa schliesslich selbst zum Sushi-­ Chef auf. 1973 siedelt er auf Einladung eines japanisch-peruanischen Geschäftsmanns, der Matsuhisas Talent erkennt, nach Lima um. Dort lernt er die exotische Aromenvielfalt Südamerikas kennen und beginnt – anfangs notgedrungen – zunehmend lokale Zutaten in seine Küche zu integrieren. So


© Romeo Balancourt

CULINARIUM

© Royal Monceau Raffles Paris

Matsuhisa (rechts) und sein Pariser Executive Chef Hideki Endo (links).

wird er zu einem der Pioniere des Fusion Cooking. Von Peru zieht er nach drei Jahren weiter nach Argentinien. Als er 1977 schliesslich nach Japan zurückkehrt, empfindet der Weltenbummler die alte Heimat jedoch schon bald als beklemmend eng. Die nächste Station: Anchorage in Alaska, wo Nobu ein Sushi-Lokal eröffnet. Dann der Schock: Das Restaurant brennt bis auf die Grundmauern nieder. «Das waren die schlimmsten Tage meines Lebens», erinnert sich Matsuhisa Jahre später in einem Interview, «ich hatte keine Versicherung, das ganze Geld war geliehen.» Mit einem riesigen Schuldenberg im Gepäck landet er zu Beginn der 80er Jahre in Los Angeles und arbeitet zunächst in diversen japanischen Restaurants der kalifornischen Millionenmetropole. 1987 eröffnet er dann mit 70’000 Dollar, die er sich von einem guten Freund geliehen hatte, auf dem La Cienega Boulevard in Beverly Hills wieder ein ­Restaurant unter eigenem Namen und knüpft

Der Eingang des «Raffles» – ein Schmuckstück des Pariser Art déco.


© Royal Monceau Raffles Paris © Henry Hargreaves

Am Abend verwandelt sich das grosszügige Frühstücksrestaurant in das Pariser «Matsuhisa».

«Squid Pasta» – ein Signature-Gericht von Nobu Matsuhisa.

nahtlos an seine Zeit in Südamerika an: Virtuos kombiniert er auch hier Koriander, Chili und Knob­ lauch mit Soja, Ingwer und schwarzem Sesam, lässt in sein «New Style Sashimi» aber auch Zutaten aus der Alten Welt einfliessen wie Olivenöl, Trüffel oder Gänseleber. Damit wird Matsuhisa endgültig zum kulinarischen Weltbürger, dessen Küche Grenzen sprengt – im Kopf wie auf dem Teller.

Der Tag, als de Niro kam … Schnell wird sein Restaurant zum beliebten Treffpunkt für Hollywoodgrössen. Als eines Tages Robert de Niro vorbeischaut, verspricht er dem Küchenchef seine Unterstützung, sollte er je in New York ein Restaurant eröffnen. 1993 / 1994 entsteht

MATSUHISA PARIS AT LE ROYAL MONCEAU – RAFFLES PARIS Lunch  /  Dinner: Montag  –  Freitag von 12.30 –14.30 Uhr und 19–22.30  Uhr Dinner only: Samstag und Sonntag 19–22.30  Uhr Info: www.raffles.com Reservierung: dining.paris@raffles.com Telefon +33 1 42 99 98 80

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dann unter dem Nobu-Label in Tribeca tatsächlich das erste Joint Venture von Matsuhisa und de Niro. Der Rest ist Geschichte – heute zählt die Forbes-Liste Nobu Matsuhisa zu den am besten verdienenden Küchenchefs der Welt mit rund 40 Restaurants rund um den Globus. Seit Frühjahr 2016 hat nun auch Paris (wieder) ein Nobu- oder genauer gesagt ein Matsuhisa-Restaurant. Die Marke Matsuhisa steht im Gegensatz zu den ­jungen, frechen Nobu-Restaurants für das TopEnd von Matsuhisas kulinarischem Portfolio. Kein Wunder, dass der Superstar für seinen neusten Luxusableger mit dem «Le Royal Monceau» auf der Avenue Hoche deshalb auch einen nicht minder exklusiven Standort gewählt hat. Das zur Raffles-­ Gruppe gehörende 5*-Hotel, das zu den Top 5 der französischen Hauptstadt gehört, liegt nur einen Steinwurf von den Champs-Élysées entfernt. Hier hatte Nobu vor einigen Jahren schon einmal eine Saison lang ein PopUp-Restaurant gehabt. Und da das «Raffles» wiederum komplett von Philippe Starck gestylt wurde, schliesst sich hier sozusagen der Kreis. Die kulinarischen Geschicke des Pariser «Matsuhisa» hat der Meister Executive Chef Hideki Endo anvertraut, der das anspruchsvolle Pariser Publikum ganz im Sinne Nobus mit zeitgemässer japanischer Küche begeistern will, aber es soll eben auch Platz sein für den typischen Pariser Touch. Neben den weltweit servierten Signature Dishes wie Albacore Tuna Sashimi mit Jalapeño Chilis, Black Cod mit Miso oder Sashimi Tacos, stehen im «Matsuhisa Paris» auch innovative Neukreationen wie Tacos mit schwarzem Trüffel und Algen, knusprig frittierte Austern mit Kaviar oder Wagyu mit Gänseleber­ ravioli und Ponzu-Dressing auf dem Menü – auf Wunsch begleitet von ausgewählten Sake-Spezialitäten oder exotischen Cocktails. Bon appétit!


Sommer HAPPEN BY PRESTIGENEWS.COM

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Die Som mer tage haben i h ren eigenen Gesch mack: ob a ls k l irrender Dri n k a m Abend, a ls k rachendes Glace oder a ls süss-ver fü h rerischer Happen i m Schatten. Die la n gen Tage werden ba ld w ieder k ü rzer – nützen Sie sie aus.

2

1 I MAGNUM DIE «MAGNUM DOUBLE» MIT CREMIGER VANILLE­ GLACE, UMHÜLLT VON INTENSIVER KARAMELLSAUCE UND KNACKIGER MAGNUM-MILCH­ SCHOKOLADE.

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2 I GORDON’S GIN GORDON’S «SWANLAKE BREEZE», EINE FRUCHTIGE ERFRISCHUNG 3 I TIAN RESTAURANT BEIM «TIAN SPRIZZ»-­ COCKTAIL TRIFFT BASILIKUM AUF PROSECCO. 4 I RAFFLES «RAFFLES PATISSERIE» IN ISTANBUL – EINE OASE SÜSSER HANDWERKSKUNST

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5 I VEUVE CLICQUOT «CLICQUOT RICH» – EIN SINNLICHER, FRUCHTIGFRISCHER CHAMPAGNER 6 I LÄDERACH «LE DESSERT» – KLEIN UND FEIN 7 I JUMEIRAH IN DER «GOLD ON 27»-BAR IM BURJ AL ARAB ERHALTEN SIE COCKTAILS AUF HÖCHSTEM NIVEAU.

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8 I CÎROC ULTRA PREMIUM VODKA MIT «DEREK ZOOLANDER BLUE STEEL»


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CULINARIUM

THE

TASTE OF

Der französische Gastrosoph und bekennende Feinschmecker Jean Anthelme Brillat-Savarin hat einmal gesagt, die Entdeckung eines neuen Gerichts sei für die Menschheit ein bei weitem bedeutsameres Ereignis als die Entdeckung eines neuen Gestirns.

U

nd diese Einsicht hatten vielleicht auch die Verantwortlichen des Luxus-Brands Waldorf Astoria im Sinn, als sie 2014 unter der Überschrift «Taste of Waldorf» eine kulinarische Grossoffensive starteten mit dem Ziel, jedes Jahr ein neues Signature Dish mit dem Zeug zum Klassiker auf die kulinarische Weltbühne zu zaubern, dem das Kunststück gelingen sollte, Gourmets in allen der mittlerweile weltweit 25 Häuser der Hotel-Gruppe in Verzückung zu versetzen. Echtes Worldfood sozusagen.

oder das Thousand-­ Island-Dressing, sondern auch Eggs Benedict, die heute von keiner Frühstückskarte eines renommierten 5-Sterne-­Hotels auf der Welt mehr wegzudenken sind. Oder den sündhaft leckeren Red Velvet Cake. Ein hochkalorisches Kuchenmonster, das in den 1920er Jahren in den Vereinigten Staaten so populär war, dass es zur Blaupause der ersten in den U.S.A. erhältlichen Backmischung wurde.

Keine leichte Aufgabe, schliesslich unterscheiden sich unsere kulinarischen Vorlieben je nach Herkunft und kultureller Prägung doch deutlich. Andererseits: Wer, wenn nicht Waldorf Astoria, wäre zu dieser kreativen Form der Küchen(r)evolution berufen. Schliesslich verdanken wir ehemaligen Küchenchefs und Patissiers des New Yorker Stammhauses nicht nur den 1896 geborenen Waldorfsalat

Doch natürlich gibt man sich bei Waldorf Astoria nicht damit zufrieden, einen schnöden Rezept-­ Wettbewerb auszuloben. Stattdessen hat man sich entschieden, renommierte Waldorf-Küchenchefs mit jungen Küchentalenten zusammenzubringen, die in Kooperation mit der James Beard Foundation ausgewählt werden – der amerikanischen Kaderschmiede in Sachen Topgastronomie. Jeweils

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© Waldorf Astoria Hotels & Resorts

Thomas Hauer

Der Sieger vom letzten Jahr: Getrüffeltes Sellerie-Risotto à la Heinz Beck und David Posey.


© Beth Kirby © Waldorf Astoria Hotels & Resorts

© Tara Sgroi

Sidney Schulte (links) und Grae Nonas (rechts) in der Küche des «Waldorf Astoria Amsterdam».

Das Siegergericht 2016: die Jing Roll von Benoit Chargy und Erik Bruner-Yank.

Das «Taste of Waldorf»-Finale wurde auch in diesem Jahr im «Waldorf Astoria New York» ausgetragen.

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CULINARIUM

fünf dieser über den ganzen Globus verteilten Kreativteams haben dann eine Woche Zeit, gemeinsam ein neues Rezept zu entwickeln. Am Ende werden alle Gerichte im New Yorker Stammhaus präsentiert und von einer hochkarätigen Jury – darunter die Vorjahressieger – bewertet.

© Beth Kirby

© Beth Kirby

Nachdem im vergangenen Jahr Heinz Beck vom «Waldorf Astoria Rom» und sein Partner David Posey, ehemaliger Küchenchef das Chicagoer «Blackbird», mit einem getrüffelten Sellerie-Risotto à la Waldorf bei der Endausscheidung die Nase vorn hatten, waren bei der zweiten «Taste of Waldorf»-Runde 2015 / 2016 nun erneut fünf kulinarische Spitzenduos eingeladen, um die Krone des Waldorf Signature Dish 2016 zu kämpfen. Diesmal am Start: die Waldorf-Astoria-Hotels in Amsterdam, Jerusalem, Peking, Orlando und New Orleans.

Wir hatten Gelegenheit, dem niederländisch /­ amerikanischen Dreamteam vom «Waldorf Astoria Amsterdam», bestehend aus Lokalmatador Sidney Schulte (2*-Michelin) und Nachwuchstalent Grae Nonas aus dem texanischen Austin ein wenig über die Schulter zu schauen. Ihre Kreation trägt den illustren Namen Beech Anemone. Ein Wortspiel, denn tatsächlich erinnert das Gericht optisch an eine elfenbeinfarbene Seeanemone, gleichzeitig ist ein konfierter und mit einer aufwändigen Vinai­ grette gepaarter Shimeji-Pilz, auf Englisch Beech mushroom genannt, wichtigste Zutat des delikaten und ganz im Trend der Zeit liegenden vegetarischen Leckerbissens. Und natürlich haben wir Sidney Schulte und Grae Nonas bei der Endausscheidung in New York deshalb auch ganz besonders fest die Daumen gedrückt. Alleine: Das Team um Benoit Chargy vom «Waldorf Astoria Peking» und seinen Gast, Erik Bruner-Yang, lag im Urteil der Jury mit seiner «Jing-Roll» aus Wagyu-Rind, Chinakohl, schwarzen Pilzen, Hoisin-Sauce, Entenei und violettem Süsskartoffelbrei noch einen Wimpernschlag in Führung. Das Siegergericht wird ab sofort das Menü aller Waldorf Astoria Häuser bereichern. Bon Appétit! Ach ja: Natürlich wird es auch im laufenden Jahr wieder einen «Taste of Waldorf»-Wettbewerb geben.

Beech-Anemone: der Wettbewerbsbeitrag des Amsterdamer Waldorf-Teams.

WEITERE INFOS www.tasteofwaldorfastoria.com Kulinarische Entdeckungstour auf dem Drahtesel.

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WUSSTEN SIE SCHON …?

Pasta Marco Polo hat die Nudel nicht aus China importiert. 1295 kam der Weitgereiste nach Italien zurück und auf ihn warteten sowohl die Pasta fresca als auch die Pasta secca. Die Nudel findet sich schon seit dem 9. Jahrhundert im Repertoire der arabischen Kultur. Im 12. Jahrhundert berichtete Abu-Abdallah Edrisi von den Nudeln aus Sizilien, dass sie «in alle Gegenden ausgeführt werden, nach Kalabrien und in andere muselmanische und christliche Länder». Pasta war lange Zeit ein Luxusprodukt und noch Boccaccio erträumte sich einen Parmesan-Berg, von dem Makkaroni und Ravioli gekocht in den Mund hinabrollten.

Kartoffel Der Weg der Kartoffel nach Europa war lang. Die Knolle fand im 16. Jahrhundert auf den Kanarischen Inseln ihre Heimat. Der weitere Weg der Kartoffel war jedoch der einer Zierpflanze. Als Exot wurde sie in Adelsgärten und botanischen Gärten angebaut. Im 18. Jahrhundert brachten niederländische Soldaten die Kartoffel nach Deutschland, doch setzte sie sich erst durch eine List als grossflächig angebautes Lebensmittel durch. Friedrich II. liess Kartoffeln anbauen und das Feld von «unaufmerksamen» Soldaten bewachen. Dadurch wurden die Bauern neugierig und umtriebig. Etwas so gut Bewachtes wollten sie natürlich auch anbauen. Und so hat nicht immer der «dümmste Bauer die dicksten Kartoffeln».

Cognac Der Cognac verdankt seine Existenz findigen Händlern und dem Zufall. Im 17. Jahrhundert verschifften Winzer aus dem malerischen Cognac ihren Weisswein über 80 Kilometer auf der Charente nach Rochefort und von hier aus weiter auf Schiffen holländischer Salzhändler. Da der Weisswein wenig Alkohol hatte, kippte er. Die Händler jedoch, nicht dumm, machten aus dem Wein einfach Brandy und die findigen Winzer ein zweifach gebranntes Eau de Vie. Als sich eines Tages eine Lieferung extrem verzögerte, explodierte der Geschmack förmlich in den Fässern und der Cognac war geboren. Die Region Cognac ist übrigens eines der grössten Weinanbaugebiete Frankreichs.


FINANCE


Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzt das aktuelle Vermögen der Familie Walton auf 149 Milliarden US-Dollar. Den Grossteil verdanken sie Walmart, der heute bei einem Umsatz von 486 Mrd. Dollar mit 2,2 Millionen Arbeitnehmern der grösste Arbeitgeber der Welt ist.

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chon bevor Sam Walton (1918 –1992) und sein Bruder James (1921–1995), welchen alle «Bud» nennen, am 2. Juli 1962 den ersten Walmart eröffnen, zeigt sich das unternehmerische Geschick von Sam. Sam kommt 1918, drei Jahre vor seinem Bruder, in Kingsfisher (Oklahoma) auf die Welt und bald zieht die junge Familie arbeitsbedingt von Stadt zu Stadt. Der Vater verdient gerade genug zum Leben. Die Brüder Sam und Bud helfen mit. Sie züchten und verkaufen Kaninchen und Tauben. Sam ist äusserst fleissig und engagiert. Besonders eindrücklich wird sein Charakterzug während des Colleges. Er finanziert sich sein Studium selbst, indem er Abonnements verkauft und für Mahlzeiten kellnert. Zudem ist er Mitglied in einer Studentenverbindung, einer Geheim- und einer Militärgesellschaft und treibt viel Sport. Seinen «Charakterzug» – sieben Tage die Woche zu arbeiten – behält er sein ganzes Leben lang bei.

Nachdem Sam Walton in Newport den Laden verloren hatte, richtete er sich in Bentonville ein. In dem alten Geschäft ist heute ein Museum eingerichtet.

David Renner

Erfolg und Strafe Mit seinem Abschluss beginnt er bei J. C. Penney zu arbeiten, bis die USA in den Zweiten Weltkrieg eintreten. Er meldet sich zum Dienst, den er wegen eines Herzfehlers in den USA ableistet. Zu dieser Zeit lernt er Helen Robson kennen. Am Valentinstag 1943 heiraten sie und bekommen 1944 ihr erstes von vier Kindern. Sam und Helen richten sich im beschaulichen Newport (Arkansas) ein, das vom Baumwollhandel lebt. Nach dem Krieg übernimmt Sam, mit einem Kredit seines Schwiegervaters, einen schlecht laufenden Ben Franklin Store. Sam will lernen. In jeder freien Minute schlendert er durch Läden auf der anderen Strassenseite. Sind die Preise dort niedriger, passt er seine an. Die Zulieferer von Ben Franklin sind ihm zu teuer und so sucht er günstigere Produzenten. Nach Ladenschluss fährt er mit Anhänger los, um neue Waren zu kaufen. So steigert er innerhalb weniger Jahre den Umsatz von 80’000 auf 225’000 Dollar. Als der Hausbesitzer die Pacht des Ladens nicht verlängert, verliert Sam sein Geschäft. Für die Waren bekommt er 50’000 Dollar.

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FINANCE

Sam Walton setzt auf das One-Stop-Shopping. Damit die Kunden ihre Einkäufe nicht zu weit tragen müssen, braucht er eigene Parkplätze.

Laden um Laden Mit diesem Geld übernimmt er einen neuen Laden in Bentonville. Helen hatte sich gegen eine grössere Stadt ausgesprochen. Es war wieder ein Ben Franklin, doch Sam schreibt in grossen roten Buchstaben «Walton’s 5₵–10₵» an die Hauswand. Er wiederholt den Erfolg von Newport. Er gibt ­darauf Acht, dass die Regale stets gefüllt sind, und sucht Zulieferer, die ihm günstigere Preise ermöglichen. Dabei hat er immer ein Auge auf Neuerungen der Zunft. Als er 1950 von einem neuen Verkaufskonzept hört, fährt er nach Minnesota, um den ersten «Self-Service-Shop» mit eigenen Augen zu sehen. Er übernimmt die Idee und beschliesst, weitere Läden zu eröffnen. Er sucht in der näheren Umgebung nach geeigneten Häusern, die er alle von einem zentralen Lager aus beliefern kann. Um das Scouten zu vereinfachen, kauft er ein Flugzeug, das sein Bruder fliegt.

Der erste Walmart 1960 hat er schon über ein Dutzend Läden. Bei einem Flug findet Bud in einem kleinen Städtchen eine Baustelle, landet und überredet den Bauherrn, den Bau zu erweitern, sodass er und Sam hier einen weiteren Laden eröffnen können. Sam hatte oft hoffnungslos versucht, die Manager von Ben Franklin dazu zu bringen, auch in winzigen Städten grosse Filialen zu eröffnen, und so wird aus dieser Baustelle in St. Robert 1962 das unabhängige «Walton’s Family Center», das Bud später zu «Walmart» verkürzte. Das Geschäftsmodell von Sam Walton ist einfach: Gewinn durch viele kleine Margen und durch Effizienz. Seine Manager ermutigt er, Anteile zu kaufen. Das neue Terrain, grosse Läden in kleinen Kommunen zu eröffnen, funktioniert durch seine «One-Stop-Idee», alles an einem Ort kaufen zu können. Schon 1954 sind seine Läden von grossen Parkplätzen umgeben, damit seine Kunden sie problemlos mit dem Auto erreichen können. Sam eröffnet «Walmart» um «Walmart». 1969 sind es 18, 1977 190 und 1985 ist er durch seine Aktien an 800 Läden der reichste Mensch der USA. Seit 1991 verkauft Walmart international und wächst weiter. Nach seinem Tod 1992 hinterlässt Sam Helen und den Kindern die grösste Einzelhandelsladenkette der Welt.

Von Kind auf Helens und Sams Kinder werden inmitten des wachsenden Erfolges gross und arbeiten, seit sie klein sind, mit. Samuel Robson, John, Jim und Alice schleppen Kisten, kehren den Boden und verkaufen Popcorn. Auch nach ihren Abschlüssen an der Universität bzw. dem Militärdienst arbeiten sie für Walmart. John wird für Walmart Pilot, bevor er eigene Firmen gründet. 1996 verunglückt er mit einem Flugzeug tödlich. Er ist damals der elft­reichste Mensch der Welt. Die beruflichen Verwicklungen seiner Geschwister in Walmart sind langfristiger. Rob arbeitet zuerst für die Kanzlei, die auch Walmart vertritt, bis er 1978 Senior Vice President, 1982 stellvertretender Vorsitzender und nach dem Tod des Vaters Vorsitzender wird. Der jüngste Sohn Jim leitet seit 1975 Walton Enter­prises LLC, ist CEO der Arvest-Bank und Vorsitzender des Verlages Community Publishers Inc. Sam hatte während seines Auf­ stieges in alle möglichen Bereiche expandiert, um Kosten zu sparen. So hat er das Verlagshaus neben der hohen R ­ endite auch deshalb übernommen, da er so günstiger Prospekte drucken lassen konnte. Alice gründet nach dem Studium die Investmentbank Llama und Co., die innerhalb von Walton Enter­prises LLC agiert. Heute züchtet sie auf einer Farm Pferde und ist im Rahmen der Walton Family Foundation Gründerin des Crystal Bridges Museum of American Art.

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Geld macht Geld Alle Kinder von Sam und Helen Walton sind reich, doch sie arbeiten weiter daran, ihr Geld zu vermehren. Der Name Walton Enterprises LLC steht für eine unscheinbare Firma, über die die Familie ihr Vermögen verwaltet. Allein die Walmart-Aktien generieren jährlich Milliardenwerte. Wie der Vater, der jedem seiner Kinder 20 Prozent Anteile an Walmart überschrieb, als der Erfolg noch in den Sternen stand, so arbeiten auch seine Kinder daran, dass man die Steuerlast von Erbe und Grundbesitz drückt. Die Ex-Frau von Bud hat für Letzteres das


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«Es gibt nur einen Boss: den Kunden. Er kann jeden im Unternehmen feuern, von der Geschäftsleitung abwärts, ganz einfach, indem er sein Geld woanders ausgibt.» – Sam Walton –

Anlageformat GRAT entwickelt, bei dem ein Fonds für eine bestimmte Zeit eine bestimmte Menge Geld auszahlt. Rechnerisch ist der Fonds so angelegt, dass er am Ende aufgebraucht ist, doch wenn der Fonds an Wert gewinnt, dann geht das Geld steuerfrei an einen Erben. Ein ähnliches Prinzip benützen die Waltons bei ihren «Jackie O.-Trusts», bei denen die Auszahlungen an eine gemeinnützige Sache gespendet werden, bis die Laufzeit endet. Je nach Anlage hat man am Ende weniger gespendet, als man Steuern hätte zahlen müssen. Dadurch verdienen die Waltons sogar am Steuerzahlen.

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© U.S. Navy photo by «Kennedy»

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«Führungsqualität heisst, Menschen ihren Wert und ihr Potential so aufzuzeigen, dass sie es in sich selbst entdecken.» – David Marquet –

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DAS ABGEBEN

IDEE EINER ANDEREN FÜHRUNG

Das Militär scheint auf den ersten Blick nicht der Ort zu sein, an dem sich eine neue Art des Führungsstils entwickeln kann. Doch genau das hat David Marquet während seiner Dienstzeit als Kapitän von Atom-U-Booten bei der U.S. Navy geschafft. David Renner

S

eine Vision ist ein Arbeitsplatz, an dem jeder mitdenkt und sich mit seinen Fähigkeiten einbringt. Ein Ort, an dem jeder auch ein Anführer ist. Durch seine Idee wird sogar die «USS Santa Fe», das U-Boot der U.S. Navy mit der schlechtesten Bewertung, in kürzester Zeit zu dem Schiff, das am effektivsten und besten arbeitet. David Marquet weiss seit seiner Jugend, dass er zur Marine will, und macht seinen Abschluss auf der U.S. Naval Academy als Bester seiner Klasse, doch die Art, wie Befehle gegeben und befolgt werden, missfällt ihm. Bald ist er als Kommandant für das Jagd-U-Boot «USS Olympia» vorgesehen und beginnt sich vorzubereiten. In zwölf Monaten lernt er sein Schiff auswendig – jede Schraube, jeden Hebel, jedes Detail. Doch es kommt anders und David muss den Befehl über die «USS Santa Fe» übernehmen. Nicht nur hatte er das Schiff nicht studiert, sondern ihr Ruf ist auch so schlecht wie ihre Performance. David war in einer Befehlsstruktur, in der er alles wissen sollte, auf einem Schiff, das er nicht kannte. Wie fatal diese Kombination war, zeigte eine erste Routineübung. Bei der Simulation eines Reaktorfehlers wird der Antrieb auf den elektrischen Ersatz­ antrieb umgestellt und David gibt den Befehl «zwei

Drittel vorwärts», wie er es für die «USS Olympia» gelernt hatte. Der Erste Offizier gibt den Befehl weiter und der Steuermann blickt verwirrt und tut nichts. Die «Santa Fe» hat diese Einstellung nicht und der Erste Offizier hatte den Befehl wider besseres Wissen weitergegeben.

Aus der Not eine Tugend machen Als unwissender Kommandant macht Marquet aus der Not eine Tugend und er beginnt, sich auf das Wissen der Crew zu verlassen. Er gibt keinen einzigen Befehl mehr, sondern teilt der Crew nur noch seine Ziele mit. Seine Besatzung wurde zu Kapitänen. In kürzester Zeit wird die «Santa Fe» das Schiff mit der besten Bewertung aller Zeiten, und aus der Besatzung werden überproportional viele in Führungspositionen befördert. Sein Buch «Turn the ship around!» für Manager erzählt von seiner Idee und seiner Umsetzung. PRESTIGE traf David Marquet nach seinem Vortrag auf dem WORLDWEBFORUM. PRESTIGE: Herr Marquet, was ist der klassische ­Führungsstil? DAVID MARQUET: Ein klassischer Führungsstil ist das, was ich «alles wissen – alles befehlen» nenne. Der Anführer kennt alle Antworten und gibt alle Aufträge. Alle Aufträge zu geben, heisst dabei, alle Antworten zu kennen.

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Eine klassische Rettungsübung. Doch der Kommandant auf dem Turm sieht nicht, was gerade geschieht. Wie soll er da Befehle geben?

Als Kapitän eines Atom-U-Bootes bekamen Sie mit der klassischen Organisationsstruktur Probleme und entwickelten etwas, das Sie «Intent-Based-Leadership» nennen – einen absichtsbasierten Führungsstil. Wie funktioniert dieser? Die Idee liegt darin, dass Führer widerstehen, Aufträge zu geben. Der Anführer teilt nur seine Absicht mit, zum Beispiel: «Wir wollen ein Album bewerben» oder «Wir wollen das U-Boot positionieren». Aber der Anführer widersteht, Sachen zu sagen wie: «Ich will, dass Du eine Facebook-Werbung schaltest.» Anstatt genaue Aufgaben vorzugeben, gibt er «intents». Das Team wird darüber nachdenken und sagen: «Wir beabsichtigen das Folgende …» Im Englischen ist «intent» ein sehr wichtiges Wort. Denn wenn ich sage, ich beabsichtige das zu machen, dann wird es passieren, ausser der Chef untersagt es. In den meisten Organisationen braucht man die Erlaubnis, um etwas zu tun. Und das bedeutet, dass alles stoppt und auf diese Erlaubnis wartet. In absichtsbasierten Organisationen passiert es einfach, ausser der Chef untersagt es. Und diese Verlagerung von diesem «Nichts-passiert-ohne-Erlaubnis» zu «Dingewerden-­gemacht-ausser-jemand-sagt-Nein» ist wesentlich.

Werden dadurch die Strukturen effektiver? Ja, aber das Entscheidende ist, dass Menschen zu Träger ihrer Handlung werden, wenn sie sagen müssen, was sie machen wollen. Das zwingt sie zum Nachdenken und dadurch beteiligen sie sich. In dem Moment, in dem ich ihnen Anweisungen gebe, entziehe ich ihnen jede Notwendigkeit nachzudenken. Dadurch nimmt man jeden mit in die Verantwortung. Bedeutet das auch einen Verlust an Struktur? Ich glaube, dass Strukturen wichtig und notwendig sind. Man muss verstehen, welche Entscheidung von wem kommt und wer welche Entscheidungen treffen kann. Das Problem sind meistens schlechte Strukturen und nicht die Strukturen selbst. Oft benutzt man Strukturen, um Informationen zu den Entscheidungsträgern zu drücken, anstatt die Entscheidungsfindung zu den Menschen mit den Informationen zu tragen. Aber zu verstehen, wer welche Entscheidung trifft, ist gut. In einer Firma, in der das im Vagen liegt, verliert man viel Zeit damit herauszufinden, welche Entscheidungen wer treffen muss und kann. Wie kann man sich so eine verlagerte Entscheidungsfindung in der Praxis vorstellen? Normalerweise agieren in einer Firma die Menschen am unteren Ende als Schnittstelle zum Kunden. Das sind Verkäufer, die Rezeptionisten im Hotel oder Kellner im Restaurant oder die Programmierer. Das sind die Menschen, die die meisten Informationen über das haben, was gerade passiert. Der Kellner sieht zum Beispiel das verbitterte Gesicht des Gastes, wenn die Suppe kalt ist. In einer Orga­ nisation, in der Informationen zu Entscheidungsträgern getragen werden, muss er zum Manager gehen und sagen: «Die Suppe ist kalt aus der Küche gekommen. Was machen wir?» Anstatt dass man dem Kellner die Kompetenz gibt, Entscheidungen zu treffen. «Entschuldigung, die Suppe ist nicht, wie sie sein sollte. Der Kaffee geht aufs Haus.» Dafür braucht er keine Erlaubnis von niemandem. Wie leistungsfähig wäre das.

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VORSCHAU AUTUMN 2016

JUBILÄUMS-AUSGABE

THE SINNER & THE SAINT LA COSA NOSTRA Sizilien und Mafia werden gleichermassen vereint wie Pasta und Parmesan. Doch Pasta und Parmesan entstanden des guten und passende Geschmackes wegen. Die Mafia in Sizilien jedoch aus Armut und Zorn der Bevölkerung. Pasta wurde ohne etwas serviert, weil das Geld fehlte und «Malavita», das schlechte Leben, wie ein Damoklesschwert über den Köpfen sizilianischer Väter und Mütter schwebte, die nicht wussten, wie sie ihre Kinder ernähren sollten. Es ist die Geschichte einer «Familie», «unserer Sache», in der sehr viel Blut und noch mehr Milliarden flossen und immer noch fliessen. Ein Konstrukt, das aus Mangel entstand und zu einem BilliardenUnternehmen anschwoll, das sich durch Wirtschaft und Politik zieht und die Welt, wenn auch hinterrücks und oft verleugnet, regiert.

PRESTIGE MAGAZIN feiert seine erste Dekade! Während 10 Jahren haben wir Sie auf eine Reise durch 39 Ausgaben spannender und packender Redaktion mitgenommen und unsere eigenen Vorlieben und Interessen mit Ihnen geteilt. Und die Reise geht weiter. Freuen Sie sich auf die 40ste Publikation, feiern Sie gemeinsam mit uns das 10-jährige Jubiläum von PRESTIGE MAGAZIN und zugleich den ersten Schritt in eine neue und weitere Dekade, in der wir Sie in eine glitzernde Welt reichhaltiger und reizvoller Berichte quer über den Globus sowie zwischen Himmel und Erde entführen.

LEGENDEN SOPHIA LOREN Ein Freund von ihr meinte, sie hätte eine zu lange Nase, einen viel zu breiten Mund und wenn sie eine ernsthafte Schauspielerin werden wolle, müsse sie sich komplett umbauen lassen. Mit über 100 Filmen, einem Oscar, acht Bambis, einem Ehren-Oscar sowie Ehren-Bambi für ihr Lebenswerk und dem Verdienstorden der Italienischen Republik straft ihr Erfolg den vermeintlichen Freund Lügen. Sie ist der Inbegriff weiblicher Schönheit, Verführung, Begierde und Verlockung, die sämtliche Size-Zero-Laternenmasten sowie Jahrzehnte andauernden Verdikte nicht nur in den Schatten, sondern in den Tiefen der Erdkruste versinken lässt. Sie ist eine Legende, von der man sich locker vorstellen kann, mit ihr eine Pizza zu backen, barfuss über eine Wiese zu rennen und rauchend bis in die Puppen in einem Nachtclub abzutanzen.

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