PRESTIGE Switzerland Volume 59

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SUMMER 2021

www.editorial.ag | CHF 10.–

VOLUME 59










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erscheint vierteljährlich OWNER Editorial AG Ceres Tower Hohenrainstrasse 24 CH-4133 Pratteln Telefon +41 61 551 39 40 Telefax +41 61 551 39 49 info@editorial.ag www.editorial.ag MEMBER OF THE BOARD JAN TANNER PUBLISHING DIRECTOR HASAN DURSUN PRODUCT MANAGER BORIS JAEGGI EDITOR-IN-CHIEF SWENJA WILLMS s.willms@editorial.ag

IM PRES SUM

SALES FRANCO D'ELIA f.delia@editorial.ag URS HUEBSCHER u.huebscher@editorial.ag ELIAS THALER e.thaler@editorial.ag VIRGINIE VINCENT v.vincent@editorial.ag ALAIN WILLI a.willi@editorial.ag HEAD OF PRODUCTION & ART DIRECTION MELANIE MORET m.moret@editorial.ag PRODUCT PUBLIC RELATION SWENJA WILLMS s.willms@editorial.ag

EDITORS TRISTAN BRANDT GISBERT BRUNNER WILMA FASOLA LONE K. HALVORSEN THOMAS HAUER SIMONE HOFFMANN URS HUEBSCHER LARS JAEGER WALEED MUHIDDIN CORINA RAINER MIHAELA RANKOVA VIVIEN RATHJEN M.A. BEATRICE SCHÖNHAUS SPIRIG MIRELLA SIDRO ANNA KAROLINA STOCK HELENA UGRENOVIC MAURA WASESCHA VISITMONACO CORRECTOR ANDREAS PROBST COVER TOMAAS www.tomaas.com PHOTOGRAPHS A. Lange & Söhne, Baume & Mercier, Bulgari, Frédérique Constant, Grand Seiko, Hublot, Image databases, IWC, MeisterSinger, Rolex, Tudor, Ulysse Nardin ADMIN, COORDINATION &  SUBSCRIPTIONS SERPIL TÜRKMEN s.tuerkmen@editorial.ag PRICE  Issue CHF 10.–/€ 9.50 Year ­C HF 39.–/€ 35.– IT SUPPORT ITADMIN@EDITORIAL.AG WEB SERVICES MARK DOCHERTY m.docherty@editorial.ag is a registered trademark. (IGE 596.147) ISSN 1662-1255 A PRODUCT OF PRESTIGE MEDIA GROUP SA

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AUS DEM HERZEN DER SCHWEIZER ALPEN Im wunderschönen Simmental ist das Schreinerhandwerk noch ein traditionelles Handwerk. Der Stolz auf unsere Arbeit zeigt sich in jeder von uns individuell angefertigten Küche. Die raue Landschaft, die majestätischen Berge und die unberührte Natur inspirieren dabei unsere Arbeit. Ob Penthouse-Besitzer oder Chalet-Liebhaber, sie alle teilen die Leidenschaft mit uns, die uns dazu motiviert, die exklusiven Küchenträume unserer Kunden wahr werden zu lassen. Die Zbären Küchen werden dabei mit hochwertigsten Materialien in feinster Handarbeit und mit hochmodernen Maschinen gefertigt. Von der kleinen Manufaktur im Herzen der Schweizer Alpen liefern wir die massgefertigten Küchen in die ganze Welt.

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ART & 22 CULTURE

22 KOSMOPOLIT DER ERSTEN STUNDE F.C. Gundlach 30 SEHNSUCHTSORT INSEL Die Kunstszene von Hydra 37 KOLUMNE Vivien Rathjen 40 INTUITION ALS WEGBEGLEITER Post-Fotograf TOMAAS im Interview 48 FLÜCHTIGE SCHÖNHEITEN Ian Fisher und seine Liebe für Wolken 50 EINE IKONE DER INSPIRATION Lady Dior as seen by

40

52 BELIZE Der Geheimtipp unter den exotischen Ländern 60 MOVING MOUNTAINS Rückzugsort in den Alpen

70

62 BRITISCHER LUXUS Brown’s Hotel London

TR AVEL 12

66 DAS JUWEL DER AMALFIKÜSTE Le Sirenuse 70 ZWISCHEN TRADITION UND INNOVATION Japan 76 EXZELLENZ AUF ALLEN EBENEN Monaco 82 BELLE ÉPOQUE NEU INTERPRETIERT Kempinski Palace Engelberg


ORIGINAL ONE – LIMITED EDITION COMING SOON


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84 TICKENDE FRÜHJAHRS NEUHEITEN Zeitmesser für sie und ihn 92 VISIONÄR SEINER ZEIT Aldo Cipullo 94 ZEIT FÜR HARMONIE Hublot «Classic Fusion Chronograph Shepard Fairey»

WAT CHES & JEWEL­LERY 98 98 STEIN DER HERZEN Der Smaragd

104 ALS TRÄUME FLÜGEL BEKAMEN Mercedes-Benz 300 SL 112 TRÄUME AUF VIER RÄDERN Die seltensten Automobile weltweit

104 MOTION 14

114 DER GRÜNE MUNTERMACHER Der neue Opel Mokka 118 EIN BLAUES WUNDER Unterwegs mit dem neuen Bentley Bentayga V8 122 DIE HALLE DER LÖWEN Die Eröffnung des neuen Hangars von AMAC Aerospace 126 DER SANFTE EROBERER Auf den Spuren Napoleons mit dem DS 7 Crossback

© Harry Winston

102 REKORDVERDÄCHTIG Die «Octo Finissimo Perpetual Calendar» von Bulgari



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FASH ION 132

BEAUTY&  WELLBEING

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132 EDITORIAL Blickfang 144 DAS ERSTE SUPERMODEL Lisa Fonssagrives-Penn 150 VOM SPORTSCHUH ZUM KULTOBJEKT Die Geschichte der Sneaker 156 EHRLICHER LUXUS Gabriela Hearst im Fokus

162 THE BIG FIVE Fünf Beautytrends für jeden Tag 167 EIN GOLDENES NATURSCHAUSPIEL «Pure Gold Collection» von La Prairie 168 ZWEI HELDEN FÜR DIE HAUT Vitamine in Kosmetika 172 EIN MINERAL WIE KEIN ANDERES Goldene Beautyschätze 174 DÜFTE FÜR DIE EWIGKEIT Duftstars 2021

162 176 NICHT NUR EINE SCHÖNE HÜLLE Die Ikonen des Industriedesigns

LIVING 16

182 WO DIE SCHÖNHEIT WOHNT Die Hotelerbin Marie-Louise Sciò 186 KOLUMNE Maura Wasescha 188 EINMAL IST KEINMAL Upcycling 196 EINE RESIDENZ IN DEN BERGEN SERBIENS The Avala House



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200 ROH, RAU, REGIONAL Das «Magdalena» in Schwyz 206 EIN MOSAIK DER ARABISCHEN KÜCHE Kulinarische Entwicklung und Rezeptideen

CULI NA RIUM

212 GHOST KITCHEN Die gastronomischen Revoluzzer 218 KOLUMNE Tristan Brandt

200

FINAN TRENDS CE

38 ART & CULTURE 64 TRAVEL 97 JEWELLERY 130 MOTION 155 FASHION WOMEN 161 FASHION MEN 173 BEAUTY 194 LIVING 210 CULINARIUM 220 FINANCE

222 BAG-UP Handtaschen als Geldanlage 226 50-30-20 Die Faustregel des Budgetierens 228 DIE SCHMUTZIGE GIER NACH BITCOIN Auf Kosten von Umwelt und Rechtsstaatlichkeit

8 IMPRESSUM 21 EDITORIAL 232 VORSCHAU

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HUBLOT SA BIG BANG TOURBILLON AUTOMATIC Gehäuse aus orangenem Saphir. Manufakturwerk mit Tourbillon und Automatikaufzug. Limitierte Auflage von 50 Exemplaren.


DAS GEHEIMNIS DES ERFOLGS

Kaum greifbar ist sie und doch stets präsent. Leitet uns und lenkt unsere Entscheidungen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Unsere Intuition – die Fähigkeit, auf unsere Gefühle und unser Unterbewusstsein zu vertrauen, eine Kraft, so stark, dass sie sich unserem Verstand entzieht. Und ein Teil kreativer Entwicklungen – oder wie es der bedeutende französische Mathematiker Henri Poincaré einst sagte: «Intuition ist das Mittel zur Erfindung.» So führte eine innere Stimme schon so manchen auf den richtigen Weg, auch den Künstler des Coverbildes von unserer Sommerausgabe. Als Anhänger der Post-Fotografie-Bewegung ist TOMAAS dafür bekannt, surreale und emotional überzeugende Kunstwerke zu schaffen. Was heute die visuelle Handschrift von TOMAAS trägt, ist Ergebnis jahrelanger Selbstfindung und des Vertrauens auf die eigene Intuition. Auch der um die Welt reisende Fotograf F.C. Gundlach folgte seiner Intuition, und zwar zu den schönsten Plätzen der Welt. Seine Reiselust erlaubte ihm, die neusten Modeschöpfungen an damals noch fremden und exotischen Orten abzulichten. Mit seinen Bildern und seinem unverwechselbaren Stil revolutionierte Gundlach die deutsche Modefotografie, begleitete und dokumentierte den Wandel des Frauenbildes in den 1950er und 1960er Jahren. In die Natur zieht es auch Ian Fisher. Der kanadische Künstler verliebte sich in die Schönheit vergänglicher Himmelslandschaften. Seine Intuition führte ihn von der klassischen Landschaftsmalerei hin zu dem Teil des Gemäldes, welcher in ihm die grösste Faszination auslöste: die abstrakten Wolkenformationen. So schwer wie das Einfangen dieser flüchtigen Schönheiten, so schwer fällt es auch manch einem, die Intuition über die Vernunft zu stellen. Doch wer es wagt, hat schon gewonnen. Denn Intuition ist eine der kostbarsten Gaben, die wir besitzen.

EDI TO RIAL

Swenja Willms Editor in Chief

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ART & CULCULTURE TURE

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ART &

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ART & CULTURE

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F.C. GUNDLACH Autorin_Anna Karolina Stock Bilder_Stiftung F.C. Gundlach

KOSMOPOLIT DER ERSTEN STUNDE 24


ART & CULTURE

ER HATTE SIE ALLE VOR DER LINSE: MARIA SCHELL, ROMY SCHNEIDER, CARY GRANT UND JEAN-LUC GODARD. FRANZ CHRISTIAN GUNDLACH GEHÖRT ZU DEN VORREITERN DER ZEITLOSEN ÄSTHETIK UND DEN GROSSMEISTERN DER MODEFOTOGRAFIE. SEINE WERKE SIND IN MUSEEN UND SAMMLUNGEN AUF DER GANZEN WELT ZU FINDEN.

BERÜHMT

Berühmt wurde Franz Christian Gundlach in den 1950er Jahren durch Modefotografien und Porträtaufnahmen, für die er um die ganze Welt reiste. Über vier Jahrzehnte prägte er die Bildsprache von Fotografien mit seinem klaren, unverwechselbaren Stil. Mit einem reportageartigen und gleichzeitig spielerischen Zugang setzte er sich in seinen Werken auch mit gesellschaftlichen Strömungen und dem Wandel in der bildenden Kunst auseinander. Vielfach zu Ikonen geworden lassen sich Gundlachs Aufnahmen als Sinnbilder des jeweiligen Zeitgeistes begreifen, die eine ganze Generation von Fotografen beeinflussten. So inspirierte der heute 94-Jährige zeitgenössische Künstler wie Kristian Schuller, Andreas Mühe oder Wim Wenders. Doch wer ist dieser F.C. Gundlach, der 1926 im hessischen Heinebach geboren wurde und von allen nur «FC» genannt wird? Als erster Sohn der Gastwirte Katharina und Heinrich Gundlach war ihm die Kunst nicht gerade in die Wiege gelegt worden. Dennoch erwachte seine Leidenschaft für die Fotografie bereits im Alter von zehn Jahren, als er seine erste Kamera, eine Agfa-­Box mit Selbstauslöser, geschenkt bekam. Zwei Jahre später richtete er sich eine Dunkelkammer ein und legte mit seinen kindlichen zwölf Jahren den Grundstein seiner Karriere.

F.C. FLOG MIT LUFTHANSA UM DIE WELT Ab 1947 folgten eine Ausbildung zum Fotografen an der «Privaten Lehranstalt für Moderne Lichtbildkunst» bei Rolf W. Nehrdich in Kassel und im Anschluss verschiedene Assistentenjobs – unter anderem bei Ingeborg Hoppe in Stuttgart und bei Harry Meerson in Paris. Die französische Hauptstadt bildete den Auftakt seiner Karriere: 1951 hatte er dort seine erste Ausstellung. Den entscheidenden Coup landete Gundlach vier Jahre später, als er 1955 einen Exklusivvertrag mit Lufthansa unterschrieb. Er begleitete Eröffnungsflüge nach Nord- und Südamerika und liess sich Werbeaufnahmen, die er für die Fluggesellschaft produzierte, ebenfalls in Flügen bezahlen. Durch den Lufthansa-Deal verschaffte sich Gundlach Zugang zu allen Kontinenten. Seiner Stiftung zufolge soll der Starfotograf im Laufe seines Lebens über 500’000 Meilen zurückgelegt haben – 20-mal am Äquator um die Welt. Von seinen exklusiven Reisemöglichkeiten profitierten nicht nur seine Arbeiten, sondern auch seine Kunden. Kaum ein anderer Auftragsfotograf konnte sich in den 1950er Jahren den Luxus leisten, um den Globus zu jetten und Bilder aufzunehmen, die Mondänität, Weltoffenheit und das gewisse Extra ausstrahlten.

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Models Karin Mossberg und Micky Zenati in Op Art-Fashion vor den Cheopspyramiden in Gizeh / Ägypten, 1966.

SOWOHL KULISSE ALS AUCH POSITION, KÖRPERHALTUNG UND AUSDRUCK DES MODELS WURDEN IM SINNE SEINER BILDSPRACHE PERFEKT ARRANGIERT. 26


ART & CULTURE

So lichtete F.C. Gundlach die neusten Modeschöpfungen an den schönsten Orten der Welt ab. «Ich war ein Märchenerzähler. Ich wusste genau, die Frauen können sich die Mode nicht leisten, aber sie können davon träumen», erinnert sich der Fotograf. Oberflächlich waren seine Inszenierungen trotzdem nicht. Denn er verstand es, aktuelle Kunststile und kulturelle Strömungen in seinen Fotografien widerzuspiegeln. Den französischen Surrealismus integrierte er beispielsweise in einem Porträt des Schauspielers Dieter Borsche, indem er ihn mit Holzpuppen ablichtete. Bei einer Fotoserie für das italienische Modelabel Missoni liess er wiederum Andy Warhols Pop-Art-Stil einfliessen. So schaffte er es, in seinen Bildkompositionen mehr einzufangen als nur steife Silhouetten in exquisiten Stoffen und Schnitten. Seine Modeaufnahmen erzählen immer auch Zeitgeschichte: Menschen über den Dächern von Manhattan, vor ägyptischen Pyramiden oder an der Copacabana in Rio. Doch genau dieser reportageartige Zugang hob Gundlachs Arbeiten von den damals üblichen Modefotografien ab. Dem Zufall überliess er dabei nichts: Sowohl Kulisse als auch Position, Körperhaltung und Ausdruck des Models wurden im Sinne seiner Bildsprache perfekt arrangiert. Kein Bild durfte rausgehen, ohne von ihm persönlich gesichtet und genehmigt zu werden. Was er nicht mochte, landete im Papierkorb.

AUCH ALS KURATOR IST GUNDLACH EINE INSTITUTION Aber nicht nur sein künstlerisch-ästhetisches Schaffen setzte Akzente, auch auf institutioneller Ebene nahm Gundlach eine Vorreiterrolle ein. Anfang der 1970er Jahre gründete er in seiner Wahlheimat Hamburg das Dienstleistungsunternehmen «Professional Photo Service», kurz PPS. Es veränderte die deutsche Medienlandschaft: Der «Bunker», wie ihn damals alle nannten, war das innovativste Zentrum für Fotografie in ganz Deutschland. Mietstudios, Schwarzweiss- und Farblabore sowie Kameraausrüstungen zum Anmieten gab es bis dahin nicht. Auch eine Fachbuchhandlung für Fotografen gehörte zum Angebot, das Gundlach 1976 um einen weiteren Meilenstein erweiterte: Im fünften Stock des Kreativbunkers eröffnete die «PPS. Galerie F.C. Gundlach», eine der ersten reinen Fotogalerien der Bundesrepublik. Dort stellte er Arbeiten seiner amerikanischen Berufskollegen Richard Avedon und Irving Penn aus, entdeckte den Künstler Robert Mapplethorpe für den deutschen Markt und bot dem heutigen Starfotografen Wolfgang Tillmans in seinen Anfängen eine künstlerische Plattform. Auch Esther Haases allererste Fotoausstellung fand Anfang der 1990er Jahre in der PPS­.Galerie statt. In dieser Zeit konzentrierte sich F.C. Gundlach mehr und mehr auf seine zweite Karriere – die als Ausstellungsmacher, Kurator und Sammler fotografischer Werke. Seine eigene Kamera nahm er immer seltener zur Hand. Trotzdem blieb die Fotografie Mittelpunkt seines Lebens. Um die Jahrtausendwende gründete Gundlach eine eigene Stiftung, in die er sein Lebenswerk und seine umfangreiche Sammlung zum «Bild des Menschen in der Photographie» überführte. Etwa zur gleichen Zeit initiierte und organisierte er die erste «Triennale der Photographie» in Hamburg, die seitdem alle drei Jahre stattfindet. Mit seiner Berufung zum Gründungsdirektor des «Hauses der Photographie» in den Hamburger Deichtorhallen (2003) ging für ihn «ein Traum in Erfüllung». Im Laufe seines Lebens erhielt F.C. Gundlach zahlreiche wichtige Ehrentitel und Preise – unter anderen den renommierten Henri-Nannen-­Preis für sein Lebenswerk (2012).

SEINE STARPORTRÄTS HABEN KULTSTATUS Zu Gundlachs Kunden zählten Zeitschriften und Illustrierte wie die «Annabelle», «Brigitte», «Film und Frau», «Revue» und «Stern». Als Hausfotograf der «Brigitte» fotografiert er bis 1986 mehr als 180 Cover und 5500 Modeseiten. Auch die Bekleidungsfirma Falke und der Versandhändler Otto gehörten zu seinen Auftraggebern. Je bekannter er wurde, desto namhafter waren die Modelle vor der Kamera. Gundlach porträtierte Filmgrössen wie Romy Schneider, Hildegard Knef, Jean Marais und Cary Grant, den George Clooney des frühen Hollywood. Zu seinem Bekanntenkreis gehörten Persönlichkeiten wie der Fotograf Irving Penn oder der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer. Trotz seines Erfolgs als Starfotograf war Gundlach nie exzentrisch oder stellte sich zur Schau – obwohl er durchaus Grund dazu gehabt hätte. Seine wohl berühmtesten Fotografien zeigen zwei in die Ferne blickende Frauen mit Badekappen vor den majestätischen Pyramiden von Gizeh in Ägypten. Sie entstanden als Auftragsarbeit im Jahr 1966 für die Zeitschrift «Brigitte» und erschienen als Teil einer Modestrecke unter dem Titel «Den ganzen Tag am Strand». Surreal, humorvoll, provokant zeigen sie junge Frauen in aktueller Bademode mitten in der ägyptischen Wüste, der nächste Strand ist meilenweit entfernt. Mit Bildern wie diesen revolutionierte Gundlach die deutsche Modefotografie und prägte eine ganze Generation von Frauen. Mit seinem unverwechselbaren Stil begleitete und dokumentierte er auch den Wandel des Frauenbildes, besonders den der 1950er und 1960er Jahre – einer Zeit, in der Models noch Mannequins hiessen und sich für Shootings selbst schminken mussten.

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Dass Gundlach diesen Ikonemstatus erreicht hat, kam für ihn selbst überraschend. 1943 beraubte ihn der Zweite Weltkrieg seiner Jugend. Der gerade mal 17 Jahre alte Gymnasiast musste als Luftwaffenhelfer an die Front. Während die Hälfte seiner Kameraden fiel, erkrankte Gundlach an Lungentuberkulose und geriet in amerikanische, später in französische Kriegsgefangenschaft. Doch diesen Sommer feiert er seinen 95. Geburtstag. Fest steht: Sein künstlerisches Erbe wird ihn – im wahrsten Sinne des Wortes –über den Tod hinaus begleiten. Denn ein Relief des berühmten Badekappen-Motivs aus der ägyptischen Wüste ziert auch Gundlachs Mausoleum, das er vor einigen Jahren auf dem Ohlsdorfer Friedhof bei Hamburg bauen liess. Ein offener Kubus aus Stahlbeton von drei mal drei mal drei Metern. Statt seinem Namen sollen die Badekappen-Models vor den Pyramiden zu sehen sein. Das passe gut, eine Pyramide sei ja auch ein Grabmal, so Gundlach.

DOKUMENTATION VON EVA GEBERDING All seine Facetten brachte auch Regisseurin Eva Geberding 2018 in ihrer Dokumentation «F.C. Gundlach – Meister der Modefotografie» zur Sprache. Für die NDR / A rte-Produktion hat die Filmemacherin Gundlach mit ihrem Kamerateam fünf Jahre lang immer wieder begleitet – sei es bei der Organisation von Fotoausstellungen oder bei der Feier seines 90. Geburtstags. Für die Dokumentation öffnete Gundlach sogar sein Privatarchiv. Unter anderem sind darin bis dahin unver­ öffentlichte Super-8-Filme von Foto­ shootings für die Zeitschrift «Brigitte» zu sehen. Sie zeigen den Meister bei der Arbeit und ermöglichen gleichzeitig eine Zeitreise durch die FotografieGeschichte des letzten Jahrhunderts.

Mannequin und Schönheitskönigin Susanne Erichsen mit ihrem Afghanischen Windhund in Paris, 1954.

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A little more lightness of being

Table BRIDGE Design Jehs + Laub

studiobymobimex.com


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SEHNSUCHTSORT

INSEL Courtesy DESTE Foundation for Contemporary art © Maria Markezi / George Skardaras

Courtesy Deste Foundation Project Space Slaughterhouse Hydra © Kiki Smith, Photo: Eftychia Vlacho

Autorin_Simone Hoffmann

Die Vernissagen der Deste Foundation sind legendär, die Crème de la Crème der internationalen Kunstwelt findet sich hier ein, nicht nur um die Kunst zu sehen, sondern auch um selbst auf Hydra gesehen zu werden.

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ART & CULTURE

LORD BYRON WAR WAHRSCHEINLICH DER ERSTE KÜNSTLER, DER DEM ZAUBER VON HYDRA VERFIEL – ALLERDINGS NUR INDIREKT, DER DICHTER SELBST SETZTE NIE EINEN FUSS AUF DAS EILAND. DOCH ES WAR BYRONS GROSSZÜGIGE GELDANLEIHE AN DIE UNABHÄNGIGKEITSKÄMPFER IN HYDRA, DIE IHREN FLOTTEN 1824 ZU EINEM ENTSCHEIDENDEN SIEG GEGEN DIE OTTOMANEN VERHALF. EINE SCHICKSALSHAFTE VERBINDUNG, DIE WIE EIN OMEN SCHEINT: DIE KLEINE INSEL IM ÄGÄISCHEN MEER IST BIS HEUTE INSPIRATIONSQUELLE UNZÄHLIGER KÜNSTLER.

WÄREN

Wären da nicht die alten Kanonen auf den Felsen am Stadtrand, man sähe es dem pittoresken Hafen von Hydra heute nicht mehr an: Aber hier lag vor 200 Jahren eine der grössten Flotten des griechischen Unabhängigkeitskriegs. Die wohlhabende Insel war bereits seit dem 18. Jahrhundert ein wichtiges Handelszentrum mit Beziehungen zu Italien und Frankreich. Im Kampf um die Befreiung von der türkischen Herrschaft wurde Hydra nun zu einer Hochburg des griechischen Widerstands. Das wird die Insel diesen Sommer gross feiern: Bürgermeister George Koukoudakis hat ein kulturelles Programm mit klassischer Musik, Feuerwerken und Ausstellungen organisiert. Denn ohne Kultur geht auf der Insel nichts. «Hydra ist eine Künstlerinsel, und sie hat gleichzeitig eine grosse politische Bedeutung», so Koukoudakis. «Fünf Premierminister Griechenlands sind hier geboren. Und Künstler aus aller Welt kommen hierher, erst vor kurzem hat der Keyboarder von Pink Floyd hier ein Haus gekauft.» OASE DER RUHE Was die Insel so anziehend macht, fällt sofort ins Auge, wenn man das Schnellschiff am kleinen Hafen verlässt. Nach der drückenden Hitze und dem ohrenbetäubenden Lärm im Athener Hafen von Piräus wähnt man sich im Paradies. Dem Ankommenden bietet sich ein Fest der Sinne: Die hohen herrschaftlichen Häuser des Inselortes bieten eine cinematografische Szenerie, von der man kaum den Blick abwenden mag. Wie ein Amphitheater ergiesst sich die Stadt vom Meer aus auf die aufsteigenden Berge. Weder Motorräder noch Autos zerreissen mit ihrem Motorenlärm die Luft: Einziges Fortbewegungsmittel auf Hydra sind Esel, die eigenen zwei Beine oder eine wohlgeordnete Symphonie von Wassertaxis, die zu den entfernten Stränden fahren. Diese Entschleunigung bewirkt eine Art sofortige Entspannung, sie macht einen grossen Teil des Zaubers der Insel aus. Die Insel ist ein Geheimtipp für Urlauber, die zwar gerne Natur pur erleben, aber auf ihren Komfort und kosmopolitischen Lifestyle auch in den Ferien nicht verzichten wollen. Der Hafen bietet kleine, sehr feine Boutiquen, wie man sie auch in jeder Metropole finden könnte. Die bekannte griechische Schmuckdesignerin Elena Votsi hat hier einen exklusiven Laden, in dem sie ihren auffälligen Diamantschmuck verkauft. Restaurants mit

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ausladenden Terrassen und gemütlichen, weichgepolsterten Sesseln reihen sich am Hafenbecken aneinander. Nichts Grelles oder Überladenes stört das Auge. Alles fügt sich in ein harmonisches, stilvolles Gesamtbild ein, in das man bereitwillig eintaucht. Das schönste Restaurant der Insel findet man am Ausgang der Stadt, es nennt sich passenderweise «Sunset». Hier serviert man keine griechische Hausmannskost, sondern moderne mediterrane Küche. Es gibt keinen besseren Ort, um die ins Meer versinkende Sonne bei einem Glas griechischem Weisswein zu beobachten. Wer sich nur an nicht enden wollenden weissen Sandstränden direkt vor dem Hoteleingang wohl fühlt, der wird mit den herben Felsen- oder Kiesstränden der Insel wenig anfangen können. Einer der Felsbadestellen liegt direkt unter dem Restaurant «Sunset», alle anderen Strände der Insel muss man sich entweder über hinreissend schöne Uferwege erlaufen oder mit dem Wassertaxi an der Insel entlang erfahren. Vielleicht ist es genau dieser Gegensatz von spartanischem Leben in einer luxuriös-­ästhetischen Umgebung, der Hydra so faszinierend macht. Hätte Lord Byron die Insel betreten, es wären sicherlich Sonette entstanden, die auch heute noch von der Anziehung des Eilands zeugen. INSEL DER MUSEN Sonette schrieb Henry Miller keine, aber die raue Landschaft und die Bewohner der Insel beeindruckten den Schriftsteller tief. «Wollte man über Hydra erzählen, müsste man ein Buch über ein Volk von Wahnsinnigen schreiben, und das Wort ‹tollkühn› müsste mit feurigen Lettern ans Firmament geschrieben werden. Hydra ist ein Felsen, der aus dem Meer ragt wie ein riesiger versteinerter Laib Brot», beschrieb Miller die Insel in seinem Buch «Der Koloss von Maroussi». Der Amerikaner war der erste internationale Schriftsteller, der es verstand, den Zauber der Insel in Worte zu fassen. Der Mythos Hydra war somit geboren.

«ALS ICH DAS ERSTE MAL NACH HYDRA KAM, WAR DAS SCHLACHTHAUS NOCH IN VOLLEM BETRIEB. DAS MEER WAR GANZ ROT VOR BLUT, DAS WAR BEEINDRUCKEND.»

Courtesy DESTE Foundation Project Space, Slaughterhouse, Hydra, © Fanis Vlastaras & Rebecca Constantopoulou

– Dakis Joannou

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ART & CULTURE

© HYam

KÜNSTLERPARADIES «Hydra ist wie ein Geheimnis, man kann es fast nicht in Worte fassen, was hier so besonders ist. Es ist eine Art Magnetismus, der von der Insel ausgeht», erklärt Künstler Yannis Kottis seine Beziehung zu Hydra. Kottis ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Maler Griechenlands. Seit über 20 Jahren hat er hier mit seiner Frau Pauline ein Haus und ein Atelier, in dem er malt. Aber das Licht der Insel ist für ihn zu grell. «Hydra direkt zu malen, wäre beinahe ein Sakrileg, für mich ist die Insel eine Skulptur. Ihre Landschaften sind nicht in meinen Werken, ihr Geist aber schon. Das Mystische, was einen nicht mehr loslässt.» Das erste Mal kam Yannis Kottis wie viele griechische Studenten der Athener Kunsthochschule als junger Mann nach Hydra. Der griechische Künstler Konstantinos Vizantios war es, der 1936 Hydra zu einer Dependance der Kunsthochschule von Athen machte. Damit trug er zum Ruf der Insel als Künstleroase bei. Im ehemaligen Haus des Admirals Iacovos Tombazis, einem Helden des griechischen Unabhängigkeitskriegs, können Kunststudenten auch heute noch eine preiswerte Herberge und ein Atelier mieten. Sogar Marc Chagall und Pablo Picasso kehrten hier einst ein, als sie Hydra besuchten. Mittlerweile dient das Tombazis-Haus auch für Ausstellungen internationaler Künstler. Ab dem 15. Juli eröffnet Yannis Kottis’ Frau Pauline Simons mit ihrer Stiftung HYam eine Gruppenausstellung französischer und griechischer Künstlerinnen im Tombazis-Haus. Nachdem Pauline mit Yannis in den 1990er Jahren das erste Mal nach Hydra kam, verliebte auch sie sich in die Insel. «Es gab damals schon verschiedene Ausstellungen, aber entweder waren es sehr bekannte zeitgenössische Künstler oder Werke aus der Moderne», erklärt Pauline Simons. Daher schuf die ehemalige Kulturjournalistin 2014 ein Projekt für junge, noch recht unbekannte Künstler aus dem Mittelmeerraum. HYam (HYdra for artists of the mediterranean) nennt sich ihre Stiftung, die jedes Jahr einen jungen Künstler zur Residenz nach Hydra einlädt. Das dabei entstandene Werk wird über die Sommermonate in der Stadt ausgestellt. Dieses Jahr hat Pauline Simons aufgrund der Pandemie umgeplant und gibt vier jungen Künstlerinnen die Möglichkeit, im Tombazis-Haus auszustellen. «Die Bedingungen hier sind einfach ideal, um Künstler aus Ländern bekannt zu machen, die bisher fast gar nicht auf internationalen Messen vertreten waren. Hier in Hydra versammelt sich im Sommer die Pariser Kunstwelt, eine bessere Visitenkarte gibt es für junge Talente nicht!», lacht Pauline Simons.

Das Tombazis-Haus ist mittlerweile eines der wichtigsten Kulturzentren der Insel. Erbaut wurde der Stadtpalast von den Seefahrer-Brüdern Iakovos und Emmanuel Tombazis, Helden des griechischen Unabhängigkeitskrieges.

Seinem Beispiel folgten in den späten 1950er und beginnenden 1960er Jahren die Australier George Johnston und Charmian Clift, unzählige junge Schriftsteller und Künstler aus der ganzen Welt. Einer von ihnen war der amerikanische Maler Brice Marden, er blieb der Insel treu und hat auch heute noch ein Atelier auf Hydra. Das Inselleben war zu der Zeit einfach und günstig, die Kulisse bereits damals atemberaubend, sodass das Kino darauf aufmerksam wurde. «Der Knabe auf dem Delphin» mit Sophia Loren machte 1957 Hydra endgültig in Künstlerkreisen bekannt. Der Film wurde zum grossen Teil auf der Insel gedreht. Hydra galt damals als Paradies für Aussteiger aus der ganzen Welt, die sich in einer kosmopolitisch-intellektuellen Gruppe formierten. Zu ihnen stiess in den frühen 1960er Jahren ein gewisser Leonard Cohen. Der noch unbekannte Dichter wurde sofort vom Zauber der Insel gepackt. Die labyrinthartigen verwinkelten Gassen, die zahllosen Stufen, das Licht und das Meer liessen ihn nicht mehr los. Aber für Cohen war Hydra nicht nur Muse, sondern Schicksalsort zugleich: Hier lernte er die Norwegerin Marianne Ihlen kennen, sie wurde eine Muse aus Fleisch und Blut. Er wollte eigentlich nur einen Monat auf der Insel verbringen. Geblieben ist er zehn Jahre. In dieser Zeit entstanden sein erster Roman «The Favourite Game», der Gedichtband «Flowers for Hitler» und «Beautiful Losers». Unzählige Liedtexte schrieb er teilweise in dem kleinen Haus, anfänglich noch ohne Strom und fliessendes Wasser, das Cohen auf der Insel erwarb. Leonard Cohen wird von den Inselbewohnern auch heute als einer der Ihren angesehen. In der Taverne von Stavros Douskos auf einem grossen Platz, zu dem man durch die verwinkelten Gassen erst einmal finden muss, sass Cohen gerne unter den Weinreben und spielte Gitarre. Die Faszination, die das einfache Leben auf Hydra auf ihn ausübte, kann man noch heute auf dem Rücken der Menükarte der Taverne lesen: Es handelt sich um ein unveröffentlichtes Gedicht von Leonard Cohen: «Dusko’s Taverna 1967».

EIN SCHLACHTHAUS AM WEGESRAND Aber ganz Paris käme wahrscheinlich nicht ohne ihn: Dakis Joannou. Der griechische Unternehmer und Kunstsammler hat mit der «Deste Foundation» Hydra seit 2009 fest auf der Landkarte der zeitgenössischen Kunst verankert. Der Sammler verliebte sich in die Insel, als er in den 1980er Jahren für einen Besuch dorthin kam. Eine Woche lang war er wegen des starken Windes gezwungen, auf der Insel auszuharren. Da nichts zu tun war, schaute er sich Häuser an und kaufte eines. Ausstellungen von internationalen Künstlern gab es zwar bereits auf der Insel. Aber niemand hatte es geschafft, den Glamour der Kunstwelt wirklich nach Hydra zu holen. Viele Jahre wartete Joannou auf eine Möglichkeit, einen Ausstellungsort in Hydra zu erwerben. Sie bot sich, als das Schlachthaus der Insel, ein unscheinbares Gebäude ausserhalb

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© Simone Hoffmann

© Simone Hoffmann

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OBEN Das «Sunset» oder wie die Einwohner es nennen «Hydronetta» bietet den schönsten Blick auf die versinkende Abendsonne. Der Felsbadeplatz von Hydra befindet sich direkt unter dem Restaurant. UNTEN Vorhang auf: eine theatralische Szenerie, wie man sie im malerischen Hafen von Hydra beinahe täglich beobachten kann.

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© Alexandra Roussou

ART & CULTURE

Courtesy Malvina Panagiotidi Courtesy the artist/ Photo: © Stathis Mamalakis

Yannis Kottis stellt diesen Sommer ebenfalls in Hydra aus: In der ehemaligen Agora, dem Markt von Hydra, werden Grossformate des Malers gezeigt vom 1. bis 31. August, Yannis Kottis «Le Grenadier».

Dieses Jahr unterstützt Pauline Simons mit HYam die Frauen: Die Französinnen Maude Maris und Eva Nielsen stellen gemeinsam mit den Griechinnen Evi Kalogiropoulou und Malvina Panagiotidi im Tombazis-Haus aus. «Danser dans les chaînes» nennt sich die Ausstellung als Hommage an die griechische Unabhängigkeit.

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SPIRITUELLE WANDERWEGE Aber weitab vom Glamour der Kunstwelt gibt es auch das stille Hydra. Panagiotis Rappas, Filmemacher und Maler, ist in Hydra geboren, für ihn findet sich der Zauber der Insel in den abgelegenen Orten. Dem sommerlichen Trubel des Hafens zieht er das abgelegene Vlychos oder das Kloster auf dem Berg Eros vor, gut zwei Wanderstunden von der Stadt entfernt. Hier ist Rappas’ Bruder der Abt, und kein anderer Ort verleiht einem einen besseren Ausblick auf die ganze Insel und die Peloponnes. «Wenn ich hier sitze, dann spüre ich die magische Anziehung der Insel: Für mich ist sie in der Natur, der Stille des Berges und im Blick aufs Meer», so Rappas. Und da ist er wieder, der unaussprechliche Zauber von Hydra. Wenn die Sonne im Meer versinkt, gehen eins nach dem anderen die gelblichen Lichter unten in der Stadt an. Und über der grossen Bühne der Stadt breitet sich wie ein Mantel der unendliche Sternenhimmel aus.

der Stadt, den Betrieb einstellte. Dakis Joannou erwarb es und lädt seit 2009 jährlich Künstler ein, dort auszustellen. Wenn man nicht weiss, dass hier hochkarätige Künstler ausgestellt werden, man würde schulterzuckend an dem recht mitgenommen aussehenden Häuschen vorbeigehen. Aber hinter der unscheinbaren Hülle haben internationale Kunstgrössen wie Kiki Smith, David Shrigley, Maurizio Cattelan oder Urs Fischer ausgestellt. Sie liessen es sich nicht zweimal sagen und folgten Dakis Joannou nach Hydra. Jedes Jahr direkt im Anschluss an die Art Basel bittet Joannou die internationale Kunstwelt nach Hydra. Die Vernissagen seiner Events sind legendär. Das Who is Who der Kunstwelt überfällt beinahe die noch schläfrige Insel. Die Ausstellungseröffnung gleicht einer bunten Mischung aus neugierigen Inselbewohnern und internationalem Jetset, die fröhlich in Flipflops und Bermudas bis zum Schlachthaus wandern. Es war Dakis Joannou, der die Kunstwelt permanent nach Hydra geführt hat. Der österreichische Galerist Thaddaeus Ropac besitzt hier seit Jahren ein Haus, genauso wie der Fotograf Erwin Wurm oder die Pariser Galeristen Philippe und Yaël Zagouri. Dakis Joannou hatte sich für das letzte Jahr ein besonderes Highlight ausgedacht: Kein Geringerer als Jeff Koons sollte im Schlachthaus ausstellen. Doch die Reisebeschränkungen der Corona-Epidemie machten das Event unmöglich, die Ausstellung wurde auf 2022 verschoben. Aber das 200-jährige Jubiläum der griechischen Unabhängigkeit will auch Joannou in Hydra feiern, er ist sich sicher: Die Kunstwelt kommt zum Stelldichein, wenn er zur Sommersonnenwende am 21. Juni eine Gruppenausstellung im Schlachthaus von Hydra eröffnet.

Courtesy Deste Foundation Project Space Slaughterhouse Hydra

Kiki Smith: Memory. Werke der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith sammelt Dakis Joannou bereits seit über zwanzig Jahren. Er besitzt eine der wichtigsten zeitgenössischen Kunstsammlungen der Welt.

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ART & CULTURE

KOSTBARES UND KURIOSES:

SPITZ AUF KNOPF

Autorin_Vivien Rathjen M.A.

Mit der Erfindung des Knopfloches im Mittelalter begann der Siegeszug des Knopfes. Neben ihren bahnbrechenden funktionalen Eigenschaften in der Mode waren Knöpfe immer auch ein Mittel, um den sozialen Status ihres Trägers zu zeigen. So zierten die Kleidung des französischen Königs François I. bei seinem Besuch in England über 13’000 Knöpfe. Ludwig XIV. gab pro Jahr 600’000 Dollar (nach heutiger Rechnung) für Knöpfe aus – darunter auch die berühmten 123 Diamantknöpfe. Kein Wunder, dass damals bei einem Raubüberfall nicht nur nach Geld und Schmuck gefragt wurde. Diese Bedeutung spiegelt sich auch heute noch in der Redewendung «jemandem etwas abknöpfen» wider. Was der Regent trug, interessierte auch alle anderen Gesellschaftsschichten. So trug Queen Victoria nach dem Tod ihres Mannes Albert nur noch Trauerkleidung und dazu passenden schwarzen Schmuck. Besonderen Wert legte sie dabei auf schwarze Knöpfe aus Jet – einer Art Pechkohle. Da das Material sehr selten und entsprechend kostbar war, stellten aufwendig geschnittene Glasknöpfe die preiswerte Alternative für die Untertanen dar. Das war auch nötig, da Damenbekleidung in dieser Zeit bis zu 100 Knöpfe haben konnte. Solch eine Menge war nur mit Hilfe einer Zofe zu bewältigen. Hinterher waren die Damen im wahrsten Sinne des Wortes «zugeknöpft». Schon damals wurde die Verbindung zwischen Glück und Knopf hergestellt. Wer einen Knopf auf der Strasse fand, dem war Fortuna gewogen – vor allem wenn es sich um einen Goldknopf handelte. Apropos Goldknopf: In der Zeit, da sich an den Westenknöpfen der Herren nicht nur der soziale Status, sondern auch die

Anzahl und das Geschlecht der Kinder ablesen liess, repräsentierten goldene Knöpfe die Söhne und silberne die Töchter. Auch Schornsteinfeger mussten auf ihre Silberknöpfe achten, denn es brachte Glück, daran zu reiben. Manch ein Glückssuchender ging dabei nicht sehr zimperlich vor, sodass viele Schornsteinfeger einen geheimen dreizehnten Knopf bei sich trugen. Auch Künstler interessierten sich für Knöpfe. So bat die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli verschiedene Künstler wie Salvador Dali, Alberto Giacometti, Maurice de Vlaminck und Hans Arp um eigene Entwürfe und gestaltete daraus ihre extravagante Mode. Auch der Bildhauer Alexander Calder stellte in seiner Freizeit gerne Schmuck aus Silber- und Messingdraht her. Für seine Frau Louise fertigte er jedes Jahr zwei Schmuckstücke, eins für ihren Hochzeitstag und eins für ihren Geburtstag, darunter auch fünf Spiralknöpfe für ihre Samtjacke. Eigentlich verwunderlich, dass der Knopf nicht häufiger in der Pop Art vorkommt. Allein Claes Oldenburg – bekannt für seine überdimensionalen Skulpturen von Alltagsgegenständen – hat ihm eine Hommage mit seiner Skulptur «Split Button» gewidmet. Zu sehen ist ein riesiger weisser Plastikknopf mit vier Löchern, in der Mitte gebrochen. In seiner Form erinnert er an einen Hemdknopf. Steve Jobs hätte es bei seinem Anblick geekelt. Er war der bekannteste Koumpounophobiker und hatte krankhaft Angst vor Knöpfen. Man geht davon aus, dass zehn bis zwölf Prozent der Deutschen darunter leiden – also circa neun Millionen Menschen. Wie gut, dass es Alternativen gibt, etwa Reissverschlüsse. Doch leider eignen sie sich kaum als Sammelobjekt und Statussymbol.

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K L LALIQUE

Der britische Künstler Nic-Fiddian Green ist als «Pferdeflüsterer» bekannt. Er modelliert diese edlen Tiere mehrere Stunden am Tag mit dem Ziel, ihre majestätische Stärke in den unterschiedlichsten Formen zu verkörpern. Für die Kooperation mit Lalique schafft er erstmals eine Figur in Kristall. Normalerweise arbeitet er mit Bronze. Von schwarz über bernsteinfarben bis hin zu farblos wurde das Kristallkleid der Skulpturen von den Handwerkern der Firma Lalique im elsässischen Wingen-sur-Moder auf Mass geschliffen.

KUNSTHAUS ZÜRICH

TRENDS

by

ART& CULTURE

Vom 21. Mai bis 29. August zeigt das Kunsthaus Zürich Gemälde, Zeichnungen, Mobiliar, Schmuck und Designobjekte aus der Blütezeit der Wiener Secession. Neben Arbeiten von Josef Hoffmann, Ferdinand Hodler und Gustav Klimt stehen die Kreationen von Dagobert Peche im Mittelpunkt, dem künstlerischen Leiter der 1917 gegründeten Niederlassung der Wiener Werkstätte in der Zürcher Bahnhofstrasse, deren Geschichte im Rahmen der Ausstellung erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet wird.

STUDIO YOLK

S

Das familiengeführte Kunst- und Designstudio «YOLK» verbindet die gemeinsamen Interessen der Gründer: die Liebe zu Materialien, ästhetische Sensibilität und kreativer Drang und Neugier. Das Objekt «LOLO» ist gefertigt aus massivem Erlenholz, handbemalt und ursprünglich Teil einer grossen Installation.

M MATTEO CIBIC

Der italienische Transmedial-Künstler und Designer Matteo Cibic ist bekannt für seine Objekte mit hybriden Funktionen und anthropomorphen und freudigen Formen. «Donky» ist Teil der «Paradiso Dreams»-Kollektion – ein traumhaftes Bestiarium aus Keramikfiguren.

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ARCHITEKTUR DARF KEIN ZUFALL SEIN.

SIMMENGROUP HOLDING AG Zentrum Staldenbach 1 CH-8808 Pfäffikon SZ

Tel.: +41 44 728 90 20 info@simmengroup.ch

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INTUITION

ALS WEGBEGLEITER Als Anhänger der Post-Fotografie-­Bewegung ist TOMAAS dafür ­bekannt, surreale und emotional überzeugende Kunstwerke zu schaffen, oft mit malerischer Qualität, die seine Motive in lebende Skulpturen von experimenteller Schönheit verwandeln. Was heute die visuelle Handschrift von TOMAAS trägt, ist Ergebnis jahrelanger Selbstfindung. 40


ART & CULTURE

Autorin_Swenja Willms Bilder_TOMAAS

PRESTIGE: TOMAAS, Sie sind gebürtiger Hamburger, den es in jungen Jahren in die Kunstmetropole New York verschlagen hat. Mehr als 18 Jahre lang haben Sie in der Weltstadt als Fotograf gearbeitet. Weshalb haben Sie den Sprung über den Teich gewagt? TOMAAS: Das erste Mal in Amerika war ich während meiner Highschool-Zeit in San Francisco. Da war ich 17, und das war eine super Erfahrung für mich. Ich habe anschliessend mein Abi in Deutschland zu Ende gemacht und begann in Salzburg zu studieren. Mir wurde dann klar, dass mir Salzburg viel zu klein war, ich vermisste die Grossstadt. Also bin ich zurück nach San Francisco. Einige Tage später merkte ich allerdings, dass es schwierig ist, an ein so intensives Erlebnis wie damals in der Highschool anzuknüpfen. Daher kehrte ich San Francisco den Rücken und ging, jung und naiv, wie ich war, nach New York. Ich habe dann relativ schnell einen Job gefunden im Bereich Sales und Marketing, wusste zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, wie lange ich tatsächlich in der Metropole bleiben würde.

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Mit der Fotoserie «Plastic Fantastic» gelang TOMAAS die Umsetzung seiner eigenen intuitiven Ideen.

Sie kamen also, wie viele andere auch, mit einem Traum nach New York. Wie haben Sie sich in diesem Meer aus Menschen, Kunst und Kultur zurechtgefunden? Wenn man in jungen Jahren nach New York geht, hat man eine andere Dynamik und Offenheit. Ich war damals jeden Abend unterwegs, bin durch die Clubs und Bars gerannt, habe Networking betrieben und viele Leute kennengelernt. Von der Mentalität her ist New York für Künstler und Unternehmer, für Leute mit Ideen, einfach eine geniale Stadt. New York ist sehr offen, es ist einfach, neue Leute kennenzulernen und Meetings zu organisieren. Die Mehrheit der Menschen ist zugereist, jeder kommt mit einem Traum in die Stadt. Und deswegen hat auch jeder die Motivation, neue Leute kennenzulernen. Ihre ersten Fotoshootings entstanden in Ihrer Anfangszeit in New York. Mit welchen Startschwierigkeiten hatten Sie damals zu kämpfen? Der Sprung vom Sales und Marketing in die Fotografie war sicher ein Kernerlebnis in meiner Karriere. Ich wollte schon immer Fotograf werden, schon als kleines Kind. Für mich waren Fotografen immer Vorbilder. Die ersten Shoots in New York waren phänomenal, weil man mit einem Riesenrespekt an die Sache rangeht. Das war eine andere Welt. Wenn man in ein neues Arbeitsfeld eintaucht, tastet man sich langsam voran. Vorrangig habe ich in New York an Locations fotografiert, da ich anfangs kein Studio hatte und die Stadt an sich aber mit ihren Strassen und Kulissen faszinierende Möglichkeiten bot. So stolperte ich in die Modefotografie. Im Winter aber, wenn es monatelang eiskalt war, musste ich damit beginnen, im Studio zu fotografieren. New York als Stadt ist teuer, folglich bleibt einem keine Zeit rumzutrödeln, sondern man ist einem gewissen Druck ausgesetzt, Geld zu verdienen. Das erste Mal dann einen Fotoshoot im Studio umzusetzen, war enorm schwierig. Das Einzige, was ich hatte, war eine weisse Wand, das Model und ein paar Klamotten. Das war mir zu wenig. Hier kam der Punkt, an dem ich mir überlegen musste, wie ich für mich die Arbeit im Studio interessant gestalten kann. Ihr Sprung von der Mode- in die Kunstfotografie ... Ich konnte mich lange nicht zwischen klassischem Fotojournalismus und Modefotografie entscheiden. Ich bin dann in die Modefotografie reingestolpert, weil ich gerne im Team arbeite. Es hat mich fasziniert, aus dem Nichts etwas gemeinsam zu kreieren, mit anderen Leuten zu kommunizieren. Die Evolution in die Kunst­ richtung kam dann mehr durch Zufall. Durch Experimentieren im Studio entstand eine meiner ersten Fotostrecken «Plastic Fantastic». Wir hatten ein Stück Plastik im Studio, das wir dem Model auf den Kopf gesetzt haben und woraus eine Idee und anschliessend eine gesamte Fotostrecke entstand. Die Bilder haben grossen Anklang gefunden, und der Prozess war eine so tolle Erfahrung, dass ich gemerkt habe, dass dies der Weg ist, den ich von nun an gehen möchte – weg von der Projektion anderer Designer und mehr der Umsetzung meiner eigenen Ideen folgen. Auch nach elf Jahren ist «Plastic Fantastic» immer noch eine relevante Fotostrecke, weil gerade Themen wie Sustainability und der Umgang mit Plastik hoch im Diskurs stehen. Diese Erfahrung hat mir damals viel Auftrieb gegeben für konzeptionelle Umsetzungen und mich erkennen lassen, was im Studio möglich ist und was passiert, wenn ich meiner Intuition folge. Ich begann, mich mehr mit der Postproduktion auseinanderzusetzen, mir die Tools selbst anzueignen

«NUR WENN MAN SICH SELBST TREU BLEIBT, ENTWICKELT MAN EINEN EIGENEN STIL MIT WIEDERERKENNUNGSWERT.»

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ART & CULTURE

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CULINARIUM

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und Möglichkeiten zu entdecken, die ich früher nicht hatte. An diesem Punkt kamen auch die Einflüsse und Inspirationen aus der Malerei hinzu. Ich glaube, ich wäre lieber Maler geworden. Diese Einflüsse, Inspirationen aus dem Surrealismus und der Romantik, sind in Ihren Bildern stark erkennbar. Es sind Epochen, in denen die Malerei in der Kunst dominierte. Diesen Stil mittels Fotografie einzufangen, ist eine spannende Kombination. Von welchen Impulsen lassen Sie sich bei der Postproduktion leiten? Teilweise ist das Endresultat geplant, oftmals entstehen aber auch im Prozess die Ideen. Da spielen verschiedene Einflüsse eine Rolle. Ich zum Beispiel höre in der Postproduktion sehr gerne elektronische Musik. Dadurch komme ich in eine ganz andere Dimension. Ich bin manchmal selber überrascht, wie Bilder zustande kommen. Weil man hat eine Idee, aber im Prozess entsteht manchmal etwas, was mich selber fasziniert. Das kommt aus dem Inneren, keine Ahnung woher. Es gibt da keine besondere Quelle. Das ist Lebenserfahrung, Dinge, die einen stimulieren, Kunst, Musik, visuelle Dinge. Aber gerade in den Anfängen meiner Karriere war es schwierig, meinen eigenen Stil zu finden. Das ist ein langer Prozess. Ich habe nie eine Ausbildung gemacht in Fotografie und habe nie assistiert, das ist alles «selfmade». Es gibt es kein Richtig oder Falsch, nur viele Meinungen – das war gerade bei der Transformation von der Mode in die Kunst gar nicht so einfach. Weil man arbeitet in Teams zusammen, und hier ist es manchmal schwierig, auf einen Nenner zu kommen. Man muss auf seine Intuition hören und sich treu bleiben. Gerade von Agenturen kamen negative Meinungen, weil diese wollen die Models im Vordergrund, klare und helle Bilder. Meine hingegen gehen manchmal in die andere Richtung. In diesen Momenten muss man standhaft bleiben. Dies hat eine Weile gedauert, auch die Leute bei der Stange zu halten und meinen Stil zu akzeptieren. Man fängt an zu filtern, es gibt Leute, die meine Arbeit mögen und andere nicht. Man kann sich auch in einer Nische platzieren ... Ja, ich denke, es ist auch normal in den Anfängen seiner Karriere, sich Inspiration bei seinen Lieblingsfotografen zu holen und diese dann zu kopieren. Bis zu einem gewissen Grad funktioniert das, aber irgendwann möchten die Leute etwas Frisches, etwas Anderes. Nur wenn man sich selbst treu bleibt, entwickelt man einen eigenen Stil mit Wiedererkennungswert. Und es ist mir das Wichtigste, dass ich etwas erschaffe, dass die Leute erkennen, dass meine Bilder meine Handschrift tragen. Eine Handschrift, die eben genau nicht von heute auf morgen entstanden ist.

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Dies ist vermutlich auch das, was einen als Künstler am meisten erfüllt. Wenn sich der Prozess von alleine ergibt. Das stimmt. Diese Shoots, die einen Flow haben, bei denen alles klappt. Du weisst meistens gar nicht warum. Das Team klappt, die Kommunikation, jeder hat Spass, und abends gehst du ins Bett und denkst dir: Das war ein erfolgreicher Arbeitstag. Weil der Austausch da ist. Aus dem Nichts etwas zu erschaffen, ist für jeden, für Journalisten, Architekten und Künstler, faszinierend. Dies fehlte mir bei meiner Arbeit im Sales und Marketing. Da ging es nur darum zu verkaufen. Man hat zwar eine Menge Geld verdient, aber am Ende des Tages fragt man sich: Was habe ich jetzt eigentlich geschafft?

der Kunstszene, aber ein wenig ruhiger. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mir hier ein Team aufgebaut habe und Leute gefunden habe, die die gleiche visuelle Sprache sprechen und ähnliche Ideen verfolgen. Der Markt in Paris ist ein wenig kommerzieller. Aber auch hier fand ich durch Zufall die richtigen Kontakte und durfte beispielsweise meine Werke in einer Gruppenausstellung gemeinsam mit David LaChapelle und Liu Bolin im «Le Royal Monceau Raffles» ausstellen. Sie finden folglich immer mehr Ihren Weg in die Kunst. Tauchen Sie in dieses Feld noch weiter ein? Der nächste Schritt ist die Kreation einer Installation mittels meiner Bilder. Die Idee resultierte aus einer meiner letzten Ausstellungen, als die Frage aufkam, welchen Rahmen wir für die Bilder verwenden. Darüber habe ich mir vorher nie Gedanken gemacht. Jetzt möchte ich Rahmen kreieren aus Materialien, die einen Bezug zur Bildthematik haben. Beispielsweise für «Plastic Fantastic» entwerfen wir Rahmen aus Plastik, ausserdem wollen wir mit Lichtboxen arbeiten. Diese Installation wird ein weiterer Schritt weg von der klassischen Fotografie hin zur Arbeit mit «mixed medias». Es ist eine Gelegenheit, sich als Künstler weiterzuentwickeln. Kunst ist eine grosse Spielwiese, auf der man sich austoben kann. Für mich ist es wichtig, sich immer wieder selbst zu überraschen.

Möchten Sie mit Ihren Bildern auch bestimmte Botschaften an deren Betrachter vermitteln? Eine meiner Fotostrecken, «Modern Addiction», war eine dieser Strecken, die alles aufgreifen, was die heutige Gesellschaft als Probleme ansieht. Hier haben wir versucht, Themen aufzugreifen, die uns beschäftigen. Ich bin von dieser Idee aber wieder ein wenig abgekommen, da ich gemerkt habe, dass ich mir bei der Bildnachbearbeitung die Freiheit nicht nehmen lassen möchte, das Bild in die eine oder andere Richtung zu lenken. Mir persönlich gefällt es manchmal auch nicht, wenn ich in eine Galerie oder in ein Museum gehe und dort ein riesig langer Text steht, der das Bild beschreibt und analysiert. Und ich verstehe den Zusammenhang nicht, das ist mir zu aufgesetzt. Für mich muss nicht jedes Kunstwerk oder jedes Bild eine Philosophie oder Botschaft haben und die Welt verändern. Manchmal drücke ich einfach nur auf den Auslöser. Nach 18 Jahren in New York sind Sie in die Stadt der Künstler, Paris, gezogen. Neue Stadt, neue Ambitionen? Ich brauchte einen Tapetenwechsel. Paris war schon immer eine Stadt, in der ich gerne einmal wohnen und arbeiten wollte. Paris ist, genau wie New York, sehr international verknüpft mit

Um die Kraft der Kunst zu verbreiten, kreierte TOMA AS eine erste Kollektion tragbarer Kunstwerke. Erhältlich via www.store.tomaas.com

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FLÜCHTIGE SCHÖNHEITEN Autorin_Swenja Willms Bilder_Ian Fisher

ER WIDMET SEINE BILDER DEN FLÜCHTIGEN AUGENBLICKEN PRACHTVOLLER NATUR. INSPIRIERT VOM HIMMEL MALT DER KANADISCHE KÜNSTLER IAN FISHER GROSS­FORMATIGE HIMMELSLANDSCHAFTEN GEZIERT VON WOGENDEN WOLKEN. EINE LIEBESERKLÄRUNG AN DIE SCHÖNHEIT VERGÄNGLICHER MOMENTE.

PRESTIGE: Herr Fisher, Wolken werden häufig mit Flüchtigkeit und Vergänglichkeit assoziiert. Sie verschwinden so schnell, wie sie erscheinen, und verändern ihre Form in Sekundenschnelle. Was bedeuten Wolken für Sie? IAN FISHER: Ich liebe ihre Unbeständigkeit. So eine flüchtige Sache, die gleichzeitig ist und wieder verschwindet. Wie ein Film in Zeitlupe, der sich nur für Sie entfaltet. Es ist schwer, diesen zu verlangsamen, und ist so relativ zu dem, was mit dem Individuum passiert, das ihn erlebt. Wolken sind eine unglaublich schöne Sache, die beiläufig im Hintergrund liegen. Diese seltsamen Riesen existieren, und andererseits existieren sie doch nicht, es sei denn, man ist in der Lage, sie bewusst wahrzunehmen und einzufangen. Wenn Sie dies tun, verlangsamt sich die Zeit. Sie können sie hören. Sie können sie fühlen. Anfangs haben Sie sich auf Landschaftsmalerei konzentriert, bis Sie sich voll und ganz in die Schönheit des Himmels verliebt haben. Was fasziniert Sie so daran? Als ich Landschaftsbilder malte, war der Himmel immer der interessanteste Teil für mich. Innerhalb der Bilder war der Himmel der Teil, in dem die meiste Abstraktion existierte. Als ich mich entschied, mich nur auf den Himmel zu konzentrieren, begann ich zu lernen (und lerne immer noch), was ich sah, wie es vorhanden war und wie man daraus ein Gemälde macht. Die Wolken und der Himmel sind viel mehr ein Mittel, mit dem ich jetzt male. Es ist faszinierend, weil ich nicht ganz verstehe, was ich sehe oder wie ich etwas machen soll. Sie offenbaren sich und belohnen mich mit neuen Informationen, je mehr ich sie studiere. Die Natur ist Ihre Inspirationsquelle. Was verbinden Sie noch mit Ihr? Verbringen Sie auch ausserhalb der Kunst viel Zeit in der Natur? Die Natur ist ein grosser Bestandteil meiner Arbeit. Aber da das so ist, schaue ich mir viel Kunst an. Sowohl von meinen Zeitgenossen als auch aus der Geschichte. Ich finde viel Inspiration in Paletten, Kompositionen und dem Gespräch über Arbeiten. Kürzlich habe ich mich mit einer Künstlerin, Brittany Mojo, für

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eine Ausstellung hier in den USA ausgetauscht. Während wir darüber diskutierten, was wir für einander tun sollten, ging sie auf eine bestimmte Arbeit ein, die sich um ihre Beziehung zu ihrem Vater drehte. Sie sprach darüber, mit ihm zu Yankee-Spielen zu gehen und wie das zu einem so grossen Teil des Erwachsenwerdens wurde und wie sie sich als Kind definierte. Das hat mich wirklich beeindruckt. Als Antwort darauf malte ich ein Bild und versuchte, mir diese Szene durch meine eigenen Erinnerungen vorzustellen. Vielleicht in die Ferne schauen, jenseits des Aussenfelds und an sich selbst in dieser Szene und in diesem Moment denken. Ich mag es, mir diese Realitäten vorzustellen und wie sie Geschichten erzählen. Beim Einfangen dieser flüchtigen Formen als Ölgemälde ist vermutlich auch viel Fantasie gefragt, oder? Ich glaube schon. Für mich erfordert es jedoch viel Schauen und Lernen. Jede Wolke ist anders, aber gleichzeitig ähnlich. Ich überarbeite ständig Kompositionen und Gemälde. Ich stelle mir gerne eine Zukunft vor und wie das aussehen könnte. Nicht unbedingt eine Zukunft für uns, sondern eine Szene oder ein Moment davon. Gehen Sie zum Malen in die Natur oder holen Sie sich dort nur die Inspiration und arbeiten im Atelier? Meine Praxis ist im Studio, dort studiere und arbeite ich. Ich male selten im Freien. Trotzdem basiert meine Arbeit sehr auf Natur und Beobachtung. Fotografie ist ein grossartiges Werkzeug – ob zur Dokumentation, Inspiration oder Referenz. Diese Dinge sind flüchtig, und eine Kamera macht es einfacher, einen Bruch dessen zu erfassen, was gerade geschah. Die Bilder, die ich mache, sind eine Sammlung von Erfahrungen und Übungen. Jedes Gemälde nährt das nächste. Werden Sie sich künftig noch anderen Objekten am Himmel widmen wie beispielsweise der Sonne oder Vögeln? Ich wüsste keinen Grund, warum nicht. Ich habe Ideen für die nächsten zehn bis 15 Bilder sowie einige andere Bilder, die ich noch nicht gemacht habe und die es wert sind, gemacht zu werden. Alles, was danach kommt, ist noch ungewiss. Es gibt keinen konkreten Plan, aber es gibt Ideen, die ich gerne physisch sehen würde. Um Ihre Frage speziell zu beantworten – letztes Jahr hatten wir in Colorado, wie viele Jahre, Waldbrände. Die Sonne wurde extrem vom Rauch isoliert. Es war eine perfekte Kugel, isoliert von einer seltsamen Farbe, umgeben von Verwüstung. Ich möchte dieses Bild machen. Darüber hinaus habe ich eine Reihe von Arbeiten, die sich auf die Figur von vor einigen Jahren konzentrieren und über die ich das Buch noch nicht ganz abgeschlossen habe.

Zu sehen sind die Werke von Ian Fisher in der Gallery Elle in Zürich und St. Moritz. GALLERY ELLE Mommsenstrasse 18 8044 Zürich www.galleryelle.com

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LADY DIOR AS SEEN BY

EINE IKONE DER INSPIRATION

© Lady Dior As Seen by Quentin Shih

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Photographer: Quentin Shih

© Dior

© Lady Dior as seen by Olympia Scarry

Artist: Olympia Scarry

Artist: Gregor Hildebrandt Lady Dior as seen by Gregor Hildebrandt

Als Symbol und Legende ist die «Lady Dior» eine ständige Quelle der Innovation. Seit sie am Arm von Lady Diana gesehen wurde, hat die Tasche eine aussergewöhnliche Bestimmung erlebt – ihre Geschichte reicht weit über die Mode hinaus. Die Wanderausstellung «Lady Dior As Seen By» widmet sich diesem handwerklichen Juwel und findet vom 12. bis 27. Juni 2021 in Berlin statt. Die Quintessenz des Dior-Geistes, seine Codes – von den architektonischen Linien bis zu den Glücksbringern – enthüllen das Savoir-faire der Haute Couture. Nach Shanghai, Tokio, Düsseldorf, Mailand und São Paulo wird dieses Event, das die ikonische «Lady Dior»-­ Tasche, die von zeitgenössischen Künstlern neu interpretiert wird, im Herzen der deutschen Hauptstadt ankommen. Die «Lady Dior As Seen By»-Ausstellung zeigt Neuinterpretationen von internationalen Talenten aus der Kunstszene – auch aus Berlin und Deutschland –, die sich der Herausforderung gestellt haben, diese essentielle Tasche zu transformieren und sie durch das Prisma ihrer Kreativität zu

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verwandeln. Von Skulpturen bis hin zu Fotografien sind mehr als siebzig faszinierende Werke in der Galerie Michael Fuchs, einem pulsierenden Epizentrum zeitgenössischen Schaffens, zu sehen. Diese aussergewöhnliche Allianz, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet, ist eine Hommage an die Leidenschaft von Christian Dior für die Künste.

Lady Dior As Seen By Michael Fuchs Galerie Auguststrasse 11 10117 Berlin 12. – 27. Juni 2021 Dienstag – Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr Freier Eintritt



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TR AVEL

TR AV EL

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BELIZE

TRAVEL

DER GEHEIMTIPP UNTER DEN EXOTISCHEN LÄNDERN 53


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TRAVEL

BELIZE IST EINER DER WENIGEN UNBERÜHRTEN ORTE, DIE ES NOCH AUF DER ERDE GIBT, UND HAT FÜR JEDEN GESCHMACK ETWAS ZU BIETEN. MAN FINDET HIER REGENWÄLDER, ALTE MAYA-STÄDTE, TROPISCHE INSELN UND DAS LÄNGSTE BARRIERERIFF DER WESTLICHEN HEMISPHÄRE.

Autor_Urs Huebscher Bilder_Belize Tourism Board

dem Gebiet, das heute Belize, Guatemala, Nord-Honduras und Honduras sowie das südöstliche Mexiko umfasst. Die alten Städte waren Zentren des kulturellen und kommerziellen Lebens. Sie umfassten Verwaltungsgebäude und Residenzen sowie Paläste, Tempel und Ballspielplätze. Belize beherbergt das zweitgrösste Barrier Reef der Welt mit seinem weltberühmten Great Blue Hole. Etwa 500 verschiedene Fisch- und 100 verschiedene Korallenarten leben in diesem intakten und gesunden Öko-System, welches zum UNESCO-­ Weltnaturerbe zählt.

SO

DIE NÖRDLICHEN INSELN

In Belize gibt es über 450 einzelne Inseln, die als Cayes bekannt sind. Zwei der beliebtesten belizianischen Inseln, Ambergris Caye und Caye Caulker, befinden sich vor dessen Nordküste. Ambergris Caye ist das meistbesuchte Reiseziel des Landes, bekannt für seine typisch karibische Inselatmosphäre. Auf Caye Caulker warnen Schilder die Besucher, «langsam zu fahren», aber nur wenige müssen darauf achten, denn das ungeschriebene Motto der Insel zeigt sich in den entspannten Menschen, den Sandstrassen für Golfcarts und im rhythmischen Tempo der Wellen. Ambergris Caye ist bekannt als «der Ort, um wegzukommen», und er bietet für jeden etwas, ob Unterwasserabenteuer oder Entspannung am Strand. Wer die Massen hinter sich lassen möchte, fährt weiter nördlich in die Stadt San Pedro und besucht die Aktivitäten über Wasser wie die nächtliche Krokodilbeobachtungstour des American Crocodile Education Sanctuary, die Reisende in die wilden Mangroven führt. Erholung bietet das Matachica Resort nur für Erwachsene an einem echten weissen Sandstrand. Caye Caulker, südlich von Ambergris Caye, gilt als ruhige Ambergris-­Alternative oder Abstecher und ist idealer Ausgangspunkt für den Besuch des Belize Barrier Reef. Wer sich im Herzen der Stadt San Pedro befindet, sollte unbedingt einige Zeit mit Belize Food Tours verbringen. Diese bieten Mittag- und Abendessen-­Touren zu den beliebten lokalen Restaurants an.

So vielfältig wie die Aktivitäten, so vielfältig sind auch die Menschen. Sie werden Belizianer aus vielen kulturellen Traditionen treffen: Mestizen, Kreolen, Maya und Garifuna. Schnorcheln mit Haien im Hol Chan Marine Reserve und Tauchen im Blauen Loch bis zum Klettern auf alten Maya-Ruinen. Unabhängig davon, ob man mehrere Wochen oder nur wenige Tage Zeit hat, ist es einfach und lohnend, Belize zu entdecken. Das zweitkleinste Land Mittelamerikas ist ein fantastisches und vielfältiges Reiseziel mit üppigem Regenwald, alten Maya-Stätten, schönen Stränden und unglaublichen Tauch-Spots und natürlich bekannt für die entspannte karibische Gastfreundschaft. Da es ein kleines Land ist, sind es nur zwei Stunden von Ost nach West – oder von Norden nach Süden in nur etwas mehr als diese Zeit. Alle möglichen Reiseziele sind so gut erreichbar, um das Beste aus der wertvollen Urlaubszeit herausholen. Belize grenzt im Norden an Mexiko, im Westen an Guatemala und im Osten an das Karibische Meer. Perfekt für Familien, Paare und alle, die sich für die Tierwelt, das Meeresleben und andere Kulturen interessieren, sowie für Entdecker, die gerne abseits der üblichen Pfade wunderschöne Naturlandschaften erkunden. Ein Reiseziel für diejenigen, die näher an Mutter Natur herankommen wollen, grosse Menschenmassen meiden oder alles erleben wollen, von den archäologischen Wundern der Maya-Stätten bis hin zur Erkundung des Dschungels, der Regenwälder und Lagunen. Wo immer man in Belize hingeht, findet man Maya-Stätten. Einige wie Lubaantun sind klein und können in einem halben Tag erkundet werden, andere wie Caracol verdienen einen ganzen Tag. Ab etwa 2000 vor Christus lebten und gediehen die alten Maya in

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HEIMAT DER BRÜLLAFFEN

Reisende, die in die Wildnis gehen wollen, finden in Zentral-Belize viele seltene Vogelarten und die Heimat der Howler Monkeys, der sogenannten Brüllaffen. Bestehend aus den Distrikten Belize und Cayo, vereint Zentral-Belize einige der besten Eigenschaften des Landes, einschliesslich Maya-Stätten, dichte Dschungel, rauschende Wasserfälle und ausgedehnte Höhlen. Die Zentralküste ist auch die Heimat von Belize City, dem kulturellen und geschäftlichen Epizentrum von Belize.

WESTLICHES BELIZE

Die Dschungelregion im Landesinneren des Cayo-Distrikts ist ein Hotspot für Reisende und Heimat vieler archäologischer Stätten wie Cahal Pech. Die Stadt war von etwa 1100 vor Christus bis etwa 850 nach Christus bewohnt und zu ihrer Blütezeit wahrscheinlich ein wichtiges regionales Zentrum. Die älteste geschnitzte Stelle, die bisher in Belize gefunden wurde, wurde an diesem Ort ausgegraben – sie stammt aus der späten präklassischen Periode. Andere Sehenswürdigkeiten sind die Schmetterlingsfarm, der Rainforest Medicinal Trail und das Benque House of Culture in Benque Viejo Del Carmen. Für die abenteuerlustigeren Reisenden ist der Nachuch Che’em Park bekannt für sein Höhlen-Tubing und Zip-­ Lining-Angebot. Ein Stopp lohnt sich in der Stadt San Ignacio im Pop’s Restaurant, das die besten Pommes Frites des Landes serviert. Dann ruft das Abenteuer – der wahre Grund, warum Sie hier sind – zu einem Besuch der beeindruckenden Maya-Ruinen von Xunantunich. Südlich von San Ignacio befindet sich das dichte Mountain Pine Ridge Forest Reserve, eine Kiefernsavanne voller schwimmbarer Wasserfälle wie Big Rock Falls und Rio On Pools. Es lohnt sich auch, ein Auto für einen Tag zu mieten, um die Gegend zu erkunden. Grössere Tierbeobachtungen finden Sie nördlich von San Ignacio im Jaguarkorridor der abgelegenen Chan Chich Lodge, einem Resort, das zwischen ausgegrabenen Maya-Ruinen erbaut wurde. Obwohl es immer noch sehr selten ist, hat Chan Chich eine grossartige Erfolgsbilanz beim Erkennen von Jaguaren während ihrer Nachtsafaris – und es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie Krokodile, seltene Vögel und andere grosse Katzen wie den Puma sehen. Maya-Tempel, Höhlenforschung, Wandern, Kajakfahren oder Reiten: San Ignacio ist definitiv der richtige Ort im Westen von Belize. Ausserdem kann ein Aufenthalt hier leicht mit ein paar Tagen an der Küste kombiniert werden.

DAS VERGESSENE LAND

Die Südostküste ist eine Mischung aus Kultur und Abenteuer. Von den Maya-Bergen bis zu den Goldsand-Stränden – diese Region hat für jeden etwas. Dangriga, eine entspannte Garifuna-­Gemeinde am Meer in der Nähe von Hopkins, ist ein grossartiges Strandziel und Placencia ist bekannt für Wasseraktivitäten wie Kajakfahren, Schnorcheln und Tauchen. Das Landesinnere ist voll von Abenteuern, wie das Cockscomb Basin Wildlife Sanctuary, der Mayflower Bocawina National Park und der Blue Hole National Park. Diese Küste hat alles zu bieten. Ganz im Süden liegen Süd-Belizes unentdeckte Landschaften, welche als Schwelle dienen für üppige Regenwälder, alte Maya-Artefakte, faszinierende Kulturen und genug Ökoabenteuer, um selbst den anspruchsvollsten Reisenden zu beeindrucken.

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EIN REISEZIEL FÜR DIEJENIGEN, DIE NÄHER AN MUTTER NATUR HERANKOMMEN WOLLEN.

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Punta Gorda ist das Tor zu allem: vom Hochseefischen über Flussfahrten und Höhlenforschungen bis hin zu Vogelbeobachtungen und archäologischen Maya-Stätten. Reisende, die nicht das Bedürfnis haben, Ambergris Caye und seine ikonischen Erlebnisse sehen zu wollen, bietet Süd-Belize ebenso viel natürliche Schönheit – und viel dünnere Menschenmengen. In der entspannten Stadt Placencia gibt es ebenso viele Wassersportarten wie im Norden, und die Lage auf dem Festland ist ideal, um Strandzeit und Aktivitäten im Landesinneren in Einklang zu bringen. Verbringen Sie Ihre Tage mit Schnorcheln in Laughing Bird Caye, wo von März bis Mai Walhaie zu sehen sind. Und wenn Sie auf der Suche nach Nachtleben sind, das anderswo im Land schwer zu finden ist, besuchen Sie die Barefoot Beach Bar – eine von mehreren auf der Promenade, die als Hauptattraktion der Stadt dient. Ganz im Süden von Belize, etwa zweieinhalb Autostunden oder 15 Flugminuten von Placencia entfernt, befindet sich die leicht zu übersehende Stadt Punta Gorda, in der Regenwald auf Strand trifft. Die traditionelle Maya-Kultur ist hier allgegenwärtig und wird am besten durch das Maya Village Homestay erlebt, ebenso wie die tiefe Liebe zum Angeln. Reisende dürfen sich zudem auf grossartige, meist inhabergeführte Hotels und freundliche Menschen freuen, die sie herzlich willkommen heissen. Belize gehört zu den sichersten Ländern in Lateinamerika, hat ein stabiles Regierungssystem und verfügt über ein gutes Schulsystem mit zahlreichen Universitäten. Zudem zählt

Belize zu den gut erreichbaren exotischen Zielen fern von Massentourismus, jedoch mit guter touristischer Infrastruktur und reich an Natur und Kultur.

ANREISE

Aus den USA, Kanada, der Karibik und Mittelamerika werden internationale durchgehende Flüge nach Belize von Atlanta, Dallas, Charlotte, Houston, Miami, Newark und von San Salvador angeboten. Diese Gateways bieten bequeme Flugverbindungen fast zum ganzen Rest der Welt. Die wichtigsten Fluggesellschaften, die Belize anfliegen, sind Delta Air Lines, American Airlines, Continental Airlines, US Airways und Grupo Taca. Eine Alternative ist der Landweg. Nach Belize zu fahren, kann ein Abenteuer sein, bei dem es viel zu sehen und zu tun gibt. Je nachdem, welche Route man wählt, sind es von den USA durch Mexiko zwischen 2200 und 3200 Kilometer. Über Cancun, Mexiko City und Chetumal nach Belize zu reisen ist bequem, geht ziemlich schnell und ist nicht teuer. Fernstrassen verbinden Städte in Mexiko mit der Grenzstadt Chetumal, von der aus regelmässig Busse nach Belize City fahren. Zwischen Cancun oder Merida und Belize fahren ADO-Busse. Zwischen Tikal (Flores) in Guatemala und Belize City verkehren ebenfalls regelmässig Buslinien. WWW.TRAVELBELIZE.ORG

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MOVING MOUNTAINS

OB ALS QUELLE DER INSPIRATION, ALS KÖRPERLICHE HERAUSFORDERUNG ODER ALS ZUFLUCHTSORT IN ZEITEN VON GROSSEN BELASTUNGEN – DIE BERGE ERFÜLLEN UNS SEIT EWIGEN ZEITEN MIT DEM GEFÜHL VON EHRFURCHT UND STAUNEN. DIE HOTELS DER TSCHUGGEN HOTEL GROUP DIENEN SEIT LANGEM ALS RÜCKZUGSORTE IN DEN ALPEN.

Autor_ Jakob Meinert Bilder_Tschuggen Hotel Group

Die familiengeführte Hotelgruppe liess sich von den andächtigen Berglandschaften, der Geschichte und der Tradition rund um ihre Häuser in Arosa, St. Moritz und Ascona inspirieren und schuf ein in der Schweiz unvergleichliches ganzheitliches Konzept. Moving Mountains beruht auf fünf Säulen, die für ein gesundes Leben voller Freude unerlässlich sind: MOVE, PLAY, NOURISH, REST und GIVE. Das Programm basiert auf einer engen Zusammenarbeit der Tschuggen Hotel Group mit fachkundigen Experten wie renommierten Fitnesstrainern, Yoga-Partnern, Ernährungswissenschaftlern oder Institutionen wie die Schlafklinik in Luzern. Massgeschneiderte Einzel- oder Kleingruppenkurse in den Fitnessstudios der einzelnen Hotels oder unter freiem Himmel gehören dazu sowie individuelle Yoga-Sessions auf dem Zimmer, die beruhigen, um den Gast auf einen noch erholsameren Schlaf vorzubereiten. Das Yoga-­Programm von Alida O Connor, das auf einem kreativen

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Vinyasa Flow basiert, legt besonderes Augenmerk auf Körperhaltung und Atmung. Denn eines der zentralen Anliegen von Moving Mountains ist es, dass der Gast das Gelernte in seinen Alltag einbinden kann. Das Herzstück von Moving Mountains ist die Säule PLAY. Gäste erleben die umliegende Region durch die traditionsund kulturbezogenen Curated Adventures hautnah und lernen lokale Handwerker, Produzenten und Persönlichkeiten kennen. «Shinrin yoku», auch bekannt als Waldbaden, wurde zum Beispiel mit der Extremsportlerin und Sportwissenschaftlerin Anne-­Marie Flammersfeld entwickelt. Sie weiss darüber Bescheid, wie uns die Natur Energie spendet. Durch sie lernen wir, vom Alltag abzuschalten und uns auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Eine Erfahrung, die Gäste nach der Urlaubserholung gut in den Alltag mit einbauen können. Nicht nur das Carlton Hotel in St. Moritz, auch das Tschuggen Grand Hotel und das Valsana Hotel in Arosa bieten ihren Gästen an, den Wald auf diese einfühlsame Weise zu erleben. Mit Empowering Expeditions können Gäste an ihre körperlichen Grenzen gehen. Beim Baden in Bergseen in Arosa erlebt der Gast, wie der eigene Körper in Wasser mit eisigen Temperaturen Endorphine ausschüttet oder wie einem der Anblick der Tessiner Berge während eines Paraglider-Tandemflugs die Sprache verschlägt. Das Hotel Eden Roc Ascona im Tessin nahe der Grenze zu Italien lässt seine Gäste nicht nur in die Lüfte gleiten, sondern führt sie auch zum Beispiel früh am Morgen auf das Wasser des Lago Maggiore auf einer Kajak-Tour entlang der Flussmündung der Maggia. Nicht nur gut schmeckende, vielmehr nahrhafte und gesunde Ernährung gehört zum Erlebnis dazu. Die NOURISH-­ Säule ist inspiriert von den Schweizer Bergen und wurde mit der Londoner Ernährungswissenschaftlerin Rhaya Jordan entwickelt. Vollwertig, frisch, nahrhaft und saisonal ist die Pflanzen-­basierte Kochkunst. Obst und Gemüse nehmen einen Ehrenplatz im Speiseplan ein. Erholung und guter Schlaf gewinnen immer mehr an Bedeutung und Anerkennung, wenn es um die persönliche Revitalisierung geht. In den preisgekrönten Spas sind die Moving-Mountains-­ Behandlungen von der Natur inspiriert und auf rein biologischen Produkten basierend. Für das optimale Schlaferlebnis arbeitet die Tschuggen Hotel Group unter der Säule REST mit der Hofklinik in Luzern zusammen. Erholsamer Schlaf mag gut vorbereitet sein. Edle Bettwäsche, Aromatherapie, spezielle Tees und Speisen bilden die Grundlage für schöne Träume. Der Dream Butler schafft für jeden Gast das ideale und individuelle Umfeld für den gesunden Schlaf. Die letzte Säule GIVE steht für das gesellschaftliche Engagement der Hotelgruppe mit ihren Häusern an den schönsten Orten der Schweiz. Es geht darum, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Als erste klimaneutrale Schweizer Premiumhotelgruppe investieren die Häuser in Spitzentechnologien zur CO2-­Reduktion und in Klimaschutzprojekte. Das Valsana Hotel in Arosa ist mit seinem Eisspeicher und einem minimalen CO2-­Fussabdruck ein wahres Leuchtturmprojekt, das zeigt, dass Luxus und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Wo CO2-­Ausstoss unvermeidbar ist, kompensieren die Hotels dies durch die Unterstützung eines Berggorilla-Projektes in Ruanda oder die Hochmoor-­Renaturierung im Naturschutzgebiet Tourbières des Ponts-de-Martel. Weiter engagiert sich die Gruppe zum Beispiel in der Förderung lokaler Skiclubs oder auch ortansässiger Künstler.

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ROCCO FORTE HOTELS BROWN’S HOTEL

Autor_Urs Huebscher Bilder_Rocco Forte Hotels

LONDON

DAS «BROWN’S» BEFINDET SICH IM HERZEN VON MAYFAIR, NUR WENIGE GEHMINUTEN VON EINIGEN DER BESTEN KULTURINSTITUTIONEN, ARCHITEKTONISCHEN SEHENSWÜRDIGKEITEN UND EINKAUFSSTRASSEN DER HAUPTSTADT ENGLANDS ENTFERNT. DIESES GLAMOURÖSE FÜNF-­STERNE-HOTEL WURDE 1837 ALS ERSTES HOTEL IN LONDON ERÖFFNET UND HEISST GÄSTE AUS DER GANZEN WELT WILLKOMMEN. ES VERKÖRPERT DIE FUNDAMENTALE RAFFINESSE DES MODERNEN BRITISCHEN LUXUS MIT EINEM HAUCH VON UNERWARTETEM.

Das Brown’s Hotel ist durch und durch britisch mit einer Prise Unerwartetem. Londons erstes Hotel verfügt über 115 authentisch gestaltete Zimmer und Suiten, die von Olga Polizzi entworfen wurden. Jedes von ihnen ist eine Hommage an das illustre Erbe des Hotels und seinen weltberühmten Charme. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1837 wurden viele angesehene Gäste beherbergt. Von hier aus telefonierte Alexander Graham Bell zum ersten Mal in Grossbritannien. Präsident Roosevelt blieb auf seiner Hochzeitsreise und sowohl Agatha Christie als auch Rudyard Kipling waren so begeistert, dass sie während ihres Aufenthalts viele ihrer Romane verfasst haben. Das Haus verkörpert die clevere Raffinesse des modernen britischen Luxus. Jedes Zimmer und jede Suite ist individuell eingerichtet und viele Räume bieten Antiquitäten und zeitgenössische Kunstwerke, wodurch eine elegante und modische Atmosphäre entsteht. Die Kipling Suite, die nach dem englischen Autor Rudyard Kipling benannt wurde, der während einem seiner vielen Aufenthalte im Brown’s Hotel das Dschungelbuch schrieb, wurde von Olga Polizzi, Director of Design bei Rocco Forte Hotels, entworfen. Die Suite verfügt über raumhohe Fenster und einen Blick auf die

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Albemarle Street in Mayfair und verwendet englische Tapeten und Stoffe der Designer Lewis & Wood, Seidenvorhangstoffe von Manuel Canovas und Möbel von Julian Chichester. Ein luxuriöses Spa und ein hochmodernes Fitnessstudio bieten ein diskretes Refugium in dieser pulsierenden Stadt. Die Donovan Bar ist das Werk der renommierten Innenarchitektin Inge Moore, die mit Olga Polizzi zusammengearbeitet hat, um dem Raum ein Mass an Glamour zu verleihen und Terence Donovans Ruf als einen der angesehensten Modefotografen des 20. Jahrhunderts zu unterstreichen. Im Vordergrund steht die grösste existierende Privatsammlung seiner Werke, darunter ein Foto von Lady Forte selbst. Im Restaurant Charlie’s wird zeitgenössische britische Küche mit europäischen Einflüssen serviert. Von saftigen Sonntagsbraten und traditionellen Klassikern, die auf Brown’s funkelndem Silberwagen serviert werden, bis hin zu verlockenden Tellern und köstlichen Desserts ist Charlie’s der Inbegriff des zeitgenössischen britischen Restaurants in Mayfair.

Der The English Tea Room bietet ein preisgekröntes, typisch englisches Erlebnis. Der Drawing Room, in dem Queen Victoria Tee trank, ehrt den typisch britischen Brauch des traditionellen Afternoon Teas. Hier wird der berühmte Nachmittagstee von London serviert. Der preisgekrönte Tee besteht aus einer Auswahl von 17 Teesorten, darunter Brown’s eigener Mischung, köstlichen Fingersandwiches, einer Auswahl an delikatem Gebäck, Obst und einfachen Scones mit geronnener Sahne und Erdbeerkonfitüre sowie frisch gebackenem Kuchen. Für den gesundheitsbewussteren Gaumen bietet Brown’s Hotel Tea-Tox-Nachmittagstee, eine nahrhafte Variante eines typischen britischen Klassikers. Mit dem Wohlbefinden im Vordergrund hat Brown’s Executive Chef sowohl süsse als auch herzhafte Alternativen ohne Schuldgefühle mit einer Champagneroption kreiert, die zu einer Auswahl an Marken-Tees passen.

WWW.ROCCOFORTEHOTELS.COM/BROWNS-HOTEL

«Jedes unserer Objekte ist individuell – jedes hat seine eigene Persönlichkeit und jedes ist authentisch für seine Stadt. Alle sind alte und neue Wahrzeichen, die prächtige Gebäude an aussergewöhnlichen Orten besetzen.» – Sir Rocco Forte Vorsitzender und CEO der Rocco Forte Hotels

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P PRESTIGE

Die «Polaroid SX-70» ist für den ultimativen Analog-Enthusiasten. Die erste SofortbildSpiegelreflexkamera, die jemals hergestellt wurde, und die erste, die den heute bekannten Polaroid-Sofortbildfilm verwendet. Die manuelle Steuerung und die niedrige Filmgeschwindigkeit machen sie zu einem Anlaufpunkt für Künstler und Träumer.

HERMÈS

«Apple AirTag Hermès» wurde mit dem exzellenten Leder-Know-how von Hermès hergestellt und ist ein Lederobjekt, in welchem der Apple AirTag untergebracht ist. Das innovative digitale Apple-Zubehör ermöglicht dem iPhone-Nutzer, seine digitalen Objekte dank der Apple-App «Find My» auf einfache und sichere Weise zu verfolgen und wiederzufinden.

TRENDS

by

TR AVEL

POLAROID

V

VICTORINOX

Die Geschichte der Schweiz auf einem Taschenmesser: Die Sonderausgabe des Taschenmessers «Climber Wood Swiss Spirit» hält die Schweizer Geschichte in all ihren Facetten fest. Auf den Messerschalen aus Nussbaumholz sind typische Schweizer Motive eingraviert. Das «Climber Wood» ist in einer limitierten Auflage von weltweit nur 12ʼ000 Stück erhältlich.

H R RIMOWA

Die in Italien hergestellte «Never Still»-Kollektion von RIMOWA wurde ganz im Zeichen der Flexibilität entworfen. Die aus hochwertigen Materialien wie strapazierfähigem Canvas und vollnarbigem Leder gefertigte «RIMOWA Never Still Messenger»-Umhängetasche in Grau ist ein idealer Begleiter im modernen Leben. Die Umhängetasche verfügt über verstellbare Riemen, ein grosses Reissverschlussfach und eine Aussentasche.

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WATCHES & JEWELLERY

«Hotel des Jahres 2020 / 21»

SOMMER- & HERBSTFERIEN 9. JULI – 17. OKTOBER 2021 Wohltuende Bergfrische & echter Genuss in bester Lage IN COLLABORATION WITH SCHULTHESS CLINIC 18.07. – 24.07.2021

Running Sports Week

18.07. – 24.07.2021 & 12.09. – 18.09.2021

Multisport & Relax Week

12.09. – 18.09. 2021

Golf Fitness Week with Ambassador André Bossert

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DAS

JUWEL

DER AMALFIKÜSTE

Autorin_Swenja Willms Bilder_Le Sirenuse

70 Jahre ist es her, seit sich ein Familiensommerhaus in das führende Resort der italienischen Küste verwandelt hat. Derweil steigt die dritte Generation der Sersale-­Familie an Bord des charmanten Boutique-Hotels «Le Sirenuse» mit Blick auf die Bucht von Positano. Eine Bestandsaufnahme eines künstlerischen Erbes, das im Laufe der Jahre zu einer wahrhaften Lifestyle-Ikone wurde. 67


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Den Zauber des italienischen Küstenorts Positano erkannte der US-amerikanische Schriftsteller John Steinbeck bereits in den frühen 1950er Jahren. In einem seiner Romane ist zu lesen: «Es ist ein Traumort, der nicht ganz real ist, wenn Sie dort sind, und der nach Ihrer Abreise verlockend real wird.» Kein Wunder, dass der Autor keinem Besuch des damals noch relativ überschaubaren Familienhotels «Le Sirenuse» trotzen kann. «Wir erreichten Le Sirenuse, ein altes Familienhaus, das in ein erstklassiges Hotel umgewandelt wurde, makellos und kühl, mit Weinlauben über den Speisesälen im Freien. Jedes Zimmer hat einen kleinen Balkon und blickt über das blaue Meer auf die Inseln der Sirenen, von denen diese Damen so süss gesungen haben», so schreibt es Steinbeck. Die «Meerjungfraueninseln» Li Galli sind auch 70 Jahre später noch Kennzeichen der Namensgebung der Ferienvilla, die sich schnell zu einer international gefeierten Ikone entwickelte, während die intime, kultivierte Atmosphäre eines Privathauses bewahrt wurde. SORGFÄLTIGE ENTWICKLUNG STATT ABRUPTE VERÄNDERUNG «Le Sirenuse» wurde in den 1950er Jahren eröffnet, als die vier neapolitanischen Geschwister Aldo, Paolo, Anna und Franco Sersale ihr Familiensommerhaus in einen Zufluchtsort für Reisende umfunktionierten. Das Juwel, das sich in einer der verführerischsten Städte der Amalfiküste am Hang festhält, zog bald die Aufmerksamkeit von einheimischen und internationalen Besuchern gleichermassen auf sich. Seit der Gründung blieb das Hotel in den Händen der Familie, doch wie auch die Familienmitglieder wuchs auch das Resort seit sieben Jahrzenten kontinuierlich weiter und brachte Neuerungen, die darauf abzielten, die Stilparadigmen des Hotels für das 21. Jahrhundert neu zu erfinden und zu bekräftigen. Jedes der 58 Zimmer und Suiten erinnert an eine glamouröse vergangene Zeit und hat seinen eigenen Charakter. Teilen sie dennoch das unnachahmliche Gütesiegel des Hotels, die weissgetünchten Wände, traditionelle Gewölbedecken und Keramikfliesen, handgefertigt von lokalen Handwerkern; auch jahrhunderte­alte Antiquitäten und Kunstwerke aus der Privatsammlung der Familie ergänzen das Interieur. Die Zimmer sind mit privaten Balkonen oder Terrassen ausgestattet und befinden sich inmitten der historischen Altstadt mit Blick auf die ikonische Kuppel der Kirche und die farbenfrohen Häuser. Das Hotel ist eine subtile Kombination aus geschichtsträchtiger Diskretion und reduzierter Modernität. Kulinarisch bietet das renommierte Restaurant «La Sponda» einen Einblick in die Traditionen von Neapel und der Amalfiküste. Frische Produkte aus der Region finden hier unter der Leitung von Küchenchef Gennaro Russo den Weg in saisonale Rezepte. ZEIT, UM IN DIE ZUKUNFT ZU STEUERN Jetzt, da sich «Le Sirenuse» darauf vorbereitet, sein 70-jähriges Bestehen zu feiern, tritt eine neue Generation der Sersale-Familie dem Unternehmen bei. Kürzlich aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt, spannen Aldo Sersale und sein jüngerer Bruder Francesco mit ihren Eltern Antonio und Carla zusammen, um neue Energien und Perspektiven für das Management und die strategische Vision von «Le Sirenuse» einfliessen zu lassen. 2013 rief Carla Sersale bereits die Mode- und Lifestyle-Marke «Emporio Sirenuse» ins Leben, gefolgt von einem mit Antonio kuratierten Künstler-Programm im Jahr 2015, welches Künstler dazu einlädt, im Dialog mit der Umwelt ein Kunstwerk im Hotel zu erschaffen. Nun eröffnet im Sommer 2021 die Old-School-Hotel-Bar «Don’t Worry», wo tadellos gekleidete Barkeeper klassische Cocktails und moderne Longdrinks mischen. Der Barbereich selbst ist ein antikes Juwel aus Blattgold, Walnuss, Messing und kostbarem Onyx – restauriert und neu gestaltet von der Innenarchitektin Annalisa Bellettati. Der Name selbst ist eine Hommage an ein neueres Kunstwerk, das von der Decke des angrenzenden Raumes hängt: Martin Creeds Neoninstallation «Don’t Worry». Die Bar fügt sich nahtlos in die zurückhaltende Eleganz des Hauses ein und ist die zweite Bar, die in Verbindung mit «Le Sirenuse» steht. Ein paar Türen vom Hotel entfernt auf einer Panoramaterrasse im Freien wurde im Jahr 2015 «Francos Bar» als zweites Standbein und Geschenk an die Stadt Positano eröffnet. Wie der Name es bereits vermuten lässt, ist die Bar Franco Sersale gewidmet, einem erfahrenen Reisenden, Geniesser und Kunstsammler der Familie, der die heutige Ästhetik von «Le Sirenuse» nachhaltig beeinflusste. So bleibt es abzuwarten, wie das traditionelle Familienunternehmen von zukünftigen Generationen weiter geprägt wird. Klar ist, dass das Hotel seine subtile Kombination aus geschichtsträchtiger Diskretion und reduzierter Modernität weiterführen wird. Denn das Dolce-Vita-Flair liegt hier nicht nur in der Luft, sondern auch in der Familie.

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JAPAN

ZWISCHEN TRADITION UND INNOVATION 70


TRAVEL Autor_Urs Huebscher Fotos_Japan Tourist Board

JAPAN IST EINES DER SCHÖNSTEN LÄNDER, DIE ES ZU ERKUNDEN GILT. SEINE ATEMBERAUBENDEN LANDSCHAFTEN WERDEN DURCH DIE RUHE SEINER TEMPEL UND DIE BERUHIGENDEN HEISSEN QUELLEN SEINER TRADITIONELLEN ONSEN-BÄDER ERGÄNZT. ALS REISEZIEL FÜR EINEN «WELLCATION» IST JAPAN UNÜBERTROFFEN UND BIETET EINE REIHE VON MÖGLICHKEITEN, VON MODERN BIS TRADITIONELL. WER SCHON IMMER EINMAL IN EINEM KUNSTWERK ÜBERNACHTEN ODER EINEN KAFFEE IM STORE EINER WELTWEIT ANGESAGTEN DESIGNERMARKE SCHLÜRFEN WOLLTE, DER HAT SEIT KURZEM IN JAPANS HAUPTSTADT DIE GELEGENHEIT DAZU.

Japan-Besucher sollten über die Stadtgrenzen von Tokio mit seinen modernen Gebäuden hinaus in die vielen Regionen reisen, die alle ihre eigenen Geheimnisse haben. Nur so lernt man die Traditionen und Innovationen Japans sowohl auf den als auch abseits der ausgetretenen Pfade kennen. Die Hauptstadt Tokio begeistert zu jeder Jahreszeit mit spannenden Eröffnungen, modernen und traditionellen Onsen-Bädern, aussergewöhnlichen Hotelkonzepten sowie in diesem Jahr mit der Olympiade – und im Südwesten reizt das Binnenmeer Setouchi.

DER ZAUBER VON SETOUCHI

Die ausgedehnte Setouchi-Region besteht aus sieben Präfekturen: Hyogo, Okayama, Hiroshima, Yamaguchi, Tokushima, Kagawa und Ehime, die alle im Binnenmeergebiet Japans liegen. Die Region, die sich zwischen dem südlichen Teil der Insel Honshu und der Insel Shikoku erstreckt, ist ebenfalls ein grosser Archipel, der aus mehr als 700 Inseln besteht, von denen einige – wie Naoshima oder Teshima – bekannt sind und auf denen es viele interessante, zeitgenössische Kunstwerke zu entdecken gibt. Mit seiner atemberaubenden Landschaft, der reichen Geschichte und der tiefgreifenden Kultur gilt das Setouchi-Gebiet auch in Japan als etwas Besonderes. Umwoben von Legenden und tief in der Geschichte des Landes verwurzelt, eröffnet diese brillante Seelandschaft den Zugang zu einem Japan, in dem die Vergangenheit noch präsent und gleichzeitig nahtlos verknüpft mit der Moderne ist. 1000 Jahre alte Tempel, Torii-Tore, Kunstinseln, elegante Gärten, Volkshäuser, Burgstädte, aufragende Berge, gähnende Schluchten, heisse Quellen, malerische Meerengen, unberührte Strände, Glattschweinswale und Wanderfalken: Bei so viel Sehenswertem lohnt es sich, etwas länger zu bleiben.

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Für ein authentisches lokales Erlebnis sollte man die Ferienvermietungen der Setouchi Cominca Stays ausprobieren, die eine Auswahl historisch bedeutender Häuser (einschliesslich Ori, einem Stadthaus aus der Meiji-Ära der Miso-Fabrik in Uchiko) in ihrem Angebot hat, die alle zwischen 100 und 250 Jahre alt sind. Der Schwerpunkt von Cominca liegt auf der Bewahrung von Stil und Struktur eines jeden Gebäudes. In der Zwischenzeit hilft dies, Arbeitsplätze zu schaffen und den Tourismus in weniger besuchten Teilen Japans anzukurbeln, zum Beispiel in der historischen Handelsstadt Uchiko, die für ihr prächtiges Kabuki-Theater bekannt ist und deren Strassen in 100 Jahren kaum verändert wurden. Ein «Bad im Wald» nehmen – auch bekannt als «Shinrin-­ Yoku»: Diese Praxis erfreut sich grosser Beliebtheit, vor allem in der Gegend rund um Setouchi. Sind Sylvotherapie oder «Waldbäder» bei uns erst kürzlich in Mode gekommen, werden sie in Japan schon seit den 1980er-Jahren praktiziert. Diese Therapie wird Shinrin-­ Yoku genannt und ist im Land der aufgehenden Sonne sehr verbreitet. Aus medizinischen Gründen verordnet, soll diese Praxis die Regeneration beschleunigen und Verspannungen lösen. Die Bewohner der Stadt Shiso in der Präfektur Hyogo leben seit jeher in Harmonie mit dem umliegenden Wald.

ENTSPANNUNG – HOT SPRINGS HOTELS

Eine Fülle von modernen und traditionellen Onsen-Bädern mit heissen Quellen ist verteilt von Nord nach Süd über die gesamte Landschaft von Japans gebirgigem Archipel. Besucher haben die Qual der Wahl, wenn es um die Entscheidung geht, wo sie übernachten wollen – mit Angeboten, die von traditionellen, geschichts­ trächtigen Ryokan-Gasthöfen bis hin zu einer neuen Reihe von Onsen-­Design­hotels reichen. Das «Gora Kadan» in den dichten grünen Bergen von Hakone (Präfektur Kanagawa), nicht weit vom

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Berg Fuji entfernt gelegen und einst Rückzugsort der kaiserlichen Familie, erfüllt zum Beispiel alle traditionellen Anforderungen zusammen mit einer luxuriösen Dosis der Fünf-Sterne-Gastfreundschaft, auf Japanisch Omotenashi genannt.

EISENBAHN-KREUZFAHRT IN EINEM LUXUSZUG

Die Kyushu Railway Company, die den Seven Stars kreiert hat, hat einen neuen Sightseeing-Zug entwickelt, der den mysteröisen Namen 36+3 trägt. Entworfen von Eiji Mitooka, der auch den ultraluxuriösen Schlafwagenzug Seven Stars designt hat, verfügt der neue Zug über einen Kupferbar-Wagen, Kabinen mit Shoji-­ Fenstertüren und aufwendige Holzverkleidungen aus Gitterwerk und Tatamiböden – alles in schlichtem Schwarz und Gold gehalten. Es ist ein Schmuckkästchen auf Rädern mit sechs Waggons. Er befördert bis zu 103 Passagiere, und die Gestaltung der Privatkabinen und Sitze unterscheidet sich zwischen den einzelnen Waggons. Auf fünf verschiedenen Routen gleiten die Passagiere durch alle sieben Präfekturen von Kyushu. Sie können einen Sitzplatz für einen einzigen Tag buchen, an verschiedenen Tagen ein- und aussteigen oder die gesamte fünftägige Strecke zurücklegen. Japanische und italienische Gerichte, die von lokalen Restaurants zubereitet werden, können hinzugebucht werden, wobei auf jeder Strecke andere Menüs angeboten werden. Auch die Landschaft ändert sich täglich: Auf der Strecke von Hakata über Kumamoto nach Kagoshima-Chuo fahren die Reisenden entlang der wunderschönen blauen Küste. Von Miyazaki nach Beppu sind lokale Bauernhöfe, goldene Sandbuchten und der Dampf, der aus heissen Quellen aufsteigt, zu bewundern. Die Montagsfahrt von Hakata führt zu wogenden Reisfeldern, Meereshöhlen und Töpferstädten und endet in Kyushus dynamischer Hauptstadt Nagasaki.


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NEUES LOUIS-VUITTON-CAFÉ IN GINZA

Nachdem die bekannte Luxusmarke im vergangenen Jahr die Premiere des weltweit ersten Cafés und Restaurants in Osaka feierte, hat nun in Tokios Stadtteil Ginza ein zweites Café eröffnet. Das «Le Café V» befindet sich in der siebten Etage des imposanten Flagship Stores (Ginza Namiki Building) der Designermarke, dessen insgesamt dreijährige Renovierung vor Kurzem abgeschlossen wurde. Hinter dem neuen beeindruckenden Gebäudedesign mit seiner wellenförmigen Glasfassade stehen die beiden renommierten Architekten Jun Aoki und Peter Marino. Für die Speisekarte des neuen Restaurants ist erneut der berühmte Küchenchef Yosuke Suga verantwortlich. Zudem sollen ab Ende April die ersten hauseigenen Pralinen über den Verkaufstresen gehen.

HOTELPROJEKT FÜR DEN MIKROTOURISMUS

SUPER NINTENDO WORLD

Nur wenige Stunden von Tokios Stadtzentrum entfernt befindet sich mit der Tama-Region im Westen der Präfektur eine grüne Oase mit abwechslungsreichen Berglandschaften, glitzernden Seen und üppigen Wäldern. Seit Kurzem läuft hier ein besonderes Hotelprojekt: Das «Marugoto Hotel along the railway line» umfasst renovierte, leerstehende Privathäuser in Dörfern entlang der Bahnlinie, die als Hotelzimmer dienen und von den Anwohnern betrieben werden. Damit soll der Mikrotourismus der Region gefördert und das Bahnnetz revitalisiert werden. Die Gäste reisen mit dem Zug an und werden direkt am Bahngleis von einem Mitarbeiter begrüsst, denn der leerstehende Bahnhof ist auch gleichzeitig die Rezeption des Hotels.

Die Super Nintendo World, die sich in den Universal Studios Japan befindet, erweckt zum ersten Mal eine Reihe kultiger Nintendo-­ Spiele und -Figuren zum Leben, von echten Mario-Kart-Fahrten bis hin zu Bowsers Schloss – Nintendos erster Vorstoss in die Welt der Themenparks. Der gesamte Bereich ist als interaktives Spiel konzipiert, bei dem die Besucher beim Eintritt ein mit dem Smartphone verbundenes Power-up-Band erwerben können, mit dem sie virtuelle Münzen sammeln und gegen gegnerische Charaktere spielen können. Besucher gelangen durch ein grosses grünes Rohr in die verschnörkelte Lobby von Prinzessin Peachs Schloss. Im Inneren befindet sich das Highlight «Mario Kart: Koopa’s (Bowser’s) Challenge!», eine Fahrt, bei der man mit einer AR-Brille in einem viersitzigen Fahrzeug fährt, Schildkrötenpanzer schleudert und gegnerische Autos umwirft.

ÜBERNACHTEN IN EINEM KUNSTWERK

In Tokios Stadtteil Nihombashi eröffnete ein ausgefallenes Hotel mit Kunstfokus: Das «BnA_WALL» ist das vierte Hotel des gleichnamigen Projektes und hat auch dieses Mal wieder lokale Künstler involviert. Insgesamt 26 Zimmer verfügen über ein individuelles Design, das vom Iglu-Feeling auf einer Eisscholle über einen «Sushi-­K rieg» an der Zimmerdecke bis hin zu einzigartigen Bodenfliessen im Blau des Ozeans reicht. 14 kreative Köpfe aus Tokio haben zusammen mit den Architekten des Hotels ihre aussergewöhnlichen Konzepte umgesetzt und ermöglichen den Reisenden das Übernachten in einem wahren Kunstwerk. Gleichzeitig unterstützen die Hotelgäste die Kunstschaffenden, denn diese erhalten bei jeder Buchung einen bestimmten Prozentsatz. Ein weiteres Highlight ist das beeindruckende fünf Meter hohe Wandbild, das gleichzeitig das Herz des Kunstkomplexes darstellt und alle drei Monate neu entsteht. So können Hotelgäste und Besucher das gesamte Jahr über den Künstlern über die Schulter blicken.

WWW.GOTOKYO.ORG WWW.TOKYOTOKYO.JP WWW.SETOUCHITRIP.COM

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MONACO EXZELLENZ © BVergely

Autor_VisitMonaco

Die Altstadt von Monaco thront majestätisch auf dem Fürstenfelsen.

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Herzstück von Monaco: das Casino in Monte-Carlo.

ALLEN EBENEN Glamourös, international, vielfältig: Wer luxuriös urlauben will, ist im Fürstentum an der Côte d’Azur genau richtig. 77


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© BVergely

MONACO

Monaco ist nicht nur ein Reiseziel, es ist ein Lebensgefühl. Seit 150 Jahren ist das Fürstentum das erste Ziel für exklusive Urlaubs­ erlebnisse. Der kleine Stadtstaat zwischen Meer und Bergen steht wie kaum ein anderes Land für Eleganz, Service und Sicherheit auf höchstem Niveau und kombiniert gekonnt Exzellenz mit Innovation. Prestigehotels, Spas der Spitzenklasse, Privatstrände und Traumpools, Cocktails am Wasser und gesunde Sterneküche, Spaziergänge im Grünen: Ein Aufenthalt in Monaco ist immer das Versprechen auf unvergessliche Momente im Herzen eines Reiseziels voller Magie, Glamour, Historie und Zukunftsvision. Das Erlebnis Monaco beginnt bereits in der Luft: Am Flughafen Nizza Côte d’Azur besteigen die Gäste den Hubschrauber und landen nur sieben Minuten später in Monaco. Das hat Stil! Dabei eröffnen sich Traumblicke über die «Perle der Côte d’Azur», wie Monaco oft genannt wird: Neben der mittelalterlichen und der zum Teil hochgeschossigen modernen Architektur bietet das Fürstentum prächtige Landschaftskontraste, wunderschöne Gärten, einen der grössten Häfen der Côte d’Azur sowie prächtige Gebäude aus der Belle Époque. Das milde Mittelmeerklima mit heis­ sen Sommern und milden Wintern lockt ganzjährig Besucher an. DIE LUXURIÖSESTEN HOTELS AN DER FRANZÖSISCHEN RIVIERA Stilecht und wahrlich glamourös sind auch die Hotels im Fürstentum. Völlig ungestört von der privaten Dachterrasse den Traumausblick aufs Mittelmeer geniessen, bei grossen Events in allererster Reihe stehen oder Legenden ganz nah sein, das alles und noch mehr bieten Monacos Grand Hotels. Zum Beispiel das berühmte Hôtel de Paris, das seit 1863 Adel und Prominenz beherbergt und dessen verborgener Schatz tief unter der Erde liegt: ein Weinkeller mit 350’000 Flaschen der erlesensten Weine. Oder das Hôtel Hermitage Monte-Carlo, eine Stilikone der Belle Époque, die an Eleganz unübertroffen ist. Oder schliesslich das Hôtel Metropole, das Port Palace oder das Fairmont Monte-Carlo, welche direkt an der berühmten Formel-1-Strecke Monacos liegen. Letzteres sorgt mit seinen Grand-Prix-Suiten für einen freien Blick auf die berüchtigte Haarnadelkurve. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen, denn in Monaco ist jedes Hotel ein Meisterwerk und luxuriöse Gastfreundschaft eine Kunstform.

Überraschend grün: Monaco bietet viele schöne Parkanlagen.

NEUN MICHELIN-STERNE AUF NUR ZWEI QUADRATKILOMETERN Auch beim Essen findet man wahre Meister: Auf einer Fläche von nur zwei Quadratkilometern bietet Monaco ganze neun Michelin-­ Sterne verteilt auf sieben der besten Restaurants weltweit. Dabei ragt ein Name hervor: Alain Ducasse. Der als bester Koch der Welt

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Das Hôtel de Paris gilt als eine der besten Adressen in Monaco.

gefeierte Monegasse ist im Fürstentum eine Legende. Er verhalf dem «Le Louis XV» im Hôtel de Paris einst zu internationalem Ruhm, als er innerhalb von drei Jahren drei Michelin-Sterne erkochte. Zu den Newcomern dagegen zählt Yannick Alléno, der seit Mai 2021 die Küche des «Yannick Alléno à l’Hôtel Hermitage» leitet. Auch er ist bereits eine Berühmtheit: Seine Restaurants in Paris und Courcheval sind mit je drei Sternen ausgezeichnet. Und auch hochwertige Bio-Küche wird im Fürstentum zelebriert: Das «Elsa» im Monte-Carlo Beach Hotel ist das einzige mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Bio-Restaurant der Welt.

Casinogebäude ist ein wahres Meisterwerk der Belle Époque. Während bereits die reich verzierte Fassade beeindruckt, sorgt das mit Marmor und Gold geschmückte und mit 28 ionischen Onyx-­Kolonnen umrahmte Atrium für absolute Wow-Momente. Weiter im Inneren können die Gäste des Casinos in den mit bunten Fenstern, reich verziertem Mobiliar, Skulpturen und allegorischen Malereien bestückten «Salles de Jeux» ihr Glück auf die Probe stellen. MONACO MACHT TEMPO Die Motoren heulen und der Atem stockt, wenn sich die Formel-1-­ Boliden in der wohl berühmtesten Haarnadelkurve der Welt eng aneinanderdrängen. Jedes Jahr im Mai strömen internationale Besucher ins kleine Fürstentum an der Côte d’Azur, um Zeuge der besonderen Atmosphäre des Stadtrennens zu werden und ganz nah dabei zu sein, wenn die Rennwagen im Geschwindigkeitsrausch durch die engen Strassen des Stadtstaates sausen. Denn der Formel-1-Grand Prix von Monaco zieht nicht nur Motorsportfans ins Fürstentum, sondern auch allerlei Prominenz, die dem Rausch schneller Autos erliegt und den Luxus Monacos geniesst.

EIN BESONDERES ERLEBNIS: DIE BERÜHMTE SPIELBANK VON MONTE-CARLO Sinnbild für den Glamour, der Monaco seit jeher umgibt, ist der Place du Casino im Stadtteil Monte-Carlo. Umrahmt von den Belle-Époque-Fassaden des Café de Paris, der Oper und des Hôtel de Paris, ist er Spiegelbild des mondänen Lebensstils, der Besucher wie Zugezogene gleichermassen in den Bann zieht. Im Zentrum: die berühmte Spielbank von Monte-Carlo, deren Gründung 1863 den Grundstein für den Erfolg Monacos legte. Das prachtvolle

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Zum Schwelgen: der Blick über den Port Hercule.

Der Yachtclub wurde von Norman Foster entworfen.

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TRAVEL

«Alberto Giacometti – Eine Retrospektive» im Grimaldi-­Forum Monaco. Seinen Höhepunkt findet der monegassische Veranstaltungskalender in spektakulären Grossevents wie den Veranstaltungen der Stiftung von Prinz Albert II. oder der legendären Gala des Roten Kreuzes, für die internationale Stars alljährlich ins Fürstentum reisen. Die Besucher sind dabei stets gefesselt von der Schönheit der Kulisse und dem Glamour, der den kleinen Stadtstaat noch immer umgibt. Denn die Legende Monaco lebt weiter. Überhaupt ist Monaco für Motorsportfreunde, Oldtimerliebhaber und Fans von spektakulären Fahrzeugen ein wahres El Dorado. Beim Autosalon Top Marques etwa werden die exklusivsten Fahrzeuge der Welt präsentiert und verkauft. Bei der historischen Rallye von Monte-Carlo hingegen stehen Diamanten aus vergangenen Zeiten im Vordergrund: Oldtimer werden poliert und vor den Augen des Publikums präsentiert.

GRÜNES UND SICHERES FÜRSTENTUM Und während Monaco seine Traditionen und seine reiche Geschichte pflegt, erfindet es sich immer wieder neu – den Blick ganz fest auf eine nachhaltige Zukunft gerichtet. So verfolgt Monaco eine stringente Umweltpolitik mit dem Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren und bis 2050 Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Und auch im Bereich E-Mobilität geht Monaco mit gutem Beispiel voran: Ob E-Bike, E-Auto oder E-Boot – alle öffentlichen Verkehrsmittel werden entweder elektrisch, hybrid oder mit Biokraftstoff betrieben. Von elektrischen Carsharing-­Diensten bis hin zum solarbetriebenen «Busboot» haben die Besucher die Möglichkeit, sich jederzeit nachhaltig fortzubewegen. Und auch in Sachen Infektionsschutz geniessen sie grösstmögliche Sicherheit: Zum Schutz von Besuchern und Einheimischen hat die monegassische Regierung ein Hygiene- und Sicherheits-Siegel eingeführt. Mit dem «Monaco Safe»-Label wird die Einhaltung von Massnahmen in öffentlichen und kommerziellen Einrichtungen garantiert.

HOTSPOT DER INTERNATIONALEN YACHTSZENE Für Adrenalin auf dem Wasser sorgen die Motor- und Segelyachten im Hafen von Monaco, die nur darauf warten, ausgefahren zu werden. Wie der Rennsport gehört auch die Yachtszene zu Monaco. Die ersten Regatten wurden bereits 1862 abgehalten. Im Jahr 1904 fand in Monaco dann die erste Motorboot-Ausstellung statt. Yacht-­ Besitzer aus der ganzen Welt strömten damals ins Fürstentum, um Zuschauer des Events zu sein. Innerhalb weniger Jahre konnte sich Monaco so einen Namen als Zentrum des Wassersports machen. Und auch heute noch pilgern Besucher aus aller Welt nach Monaco, wenn alljährlich auf der Monaco Yacht Show die spektakulärsten Yachten präsentiert werden.

WWW.VISITMONACO.COM

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KULTURELLES ANGEBOT VON WELTRANG Ein prallgefüllter Veranstaltungskalender mit anspruchsvollen Darbietungen macht die Kulturszene Monacos zur Spielwiese für Kunst- und Kulturliebhaber. Von Oper und Orchester bis hin zu Ballett, Kunstausstellungen oder Konzerten – die Vielfalt ist schier endlos, und das ganzjährig. Zu den Highlights zählen in diesem Sommer etwa die Symphonie-Konzerte im Fürstenpalast, das Monte-­Carlo Sporting Summer Festival oder die Ausstellung

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NEUES FÜNF-STERNE-LUXUSHOTEL IN DEN SCHWEIZER ALPEN

KEMPINSKI PALACE ENGELBERG Autor_Urs Huebscher Bilder_Kempinski Palace Engelberg

MIT DEM NEUEN «KEMPINSKI PALACE ENGELBERG» WIRD EIN EINZIGARTIGES HOTEL AUS DER BELLE-­ÉPOQUE-ÄRA FÜR DIE NÄCHSTE GENERATION NEU INTERPRETIERT. EIN ZUSAMMENSPIEL AUS NATUR, GESCHICHTE UND MODERNE MACHT DIESEN ORT ZU ETWAS GANZ BESONDEREM. ALS ERSTES INTERNATIONALES FÜNF-STERNESUPERIOR-­­HOTEL IN DER GRÖSSTEN WINTER- UND SOMMERFERIENDESTINATION DER ZENTRALSCHWEIZ IST DAS «KEMPINSKI PALACE ENGELBERG» EIN REFUGIUM FÜR JEDE JAHRESZEIT.

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TRAVEL

Mit dem Versprechen von Exklusivität und Luxus steht das neuste Juwel der Kempinski-­Familie für einen erholsamen Aufenthalt weit weg vom schnelllebigen Stadtleben. Unmittelbar nach der Ankunft schafft es der geschichtsträchtige Bau, die Gäste in seinen Bann zu ziehen. Inspiriert von den Bergen, spielen im neuen «Kempinski Palace Engelberg» sorgfältig ausgewählte lokale Materialien wie Holz und Stein eine grosse Rolle. Das Design greift auf die subtilen Texturen und Farben der Natur zurück. Hochwertige Handwerkskunst und traditionelle Techniken wurden auf zeitgemässe Art und Weise eingesetzt, alpine Motive aufgegriffen und transformiert. LÄSSIGE ELEGANZ Bereits beim Betreten der grossen Eingangshalle offenbaren sich die historischen Merkmale und Proportionen auf einnehmende Weise. Verborgene Schätze aus der Vergangenheit wurden während den Bauarbeiten wiederentdeckt und gekonnt ins neue Interior Design integriert. Fliesenmosaike und Marmor, sechseckige Motive, Kassettendecken, Kronleuchter oder die Nischen in den Schlafzimmern des Belle-Époque-Flügels erinnern an die traditionsreiche Vergangenheit des Gebäudes. GASTRONOMISCHE HIGHLIGHTS AUS DER REGION In einem eleganten europäischen Stil eingerichtet und von der lokalen Kultur geprägt, vermittelt das «Cattani Restaurant» eine angenehm entspannte Atmosphäre. Die ruhig gelegene Terrasse bietet eine einzigartige Aussicht auf die spektakuläre Berglandschaft und lädt die Gäste zum Verweilen und Geniessen ein. Auf der Menükarte finden sich saisonale Produkte von lokalen Produzenten. Diese werden von Executive Chef Michèle Müller, einer der wenigen weiblichen Chefs in einem Schweizer Fünf-SterneSuperior-­Hotel, zu köstlichen Gaumenfreuden kreiert. Historisches Dekor und dunkle Farben lassen die Roaring Twenties in der «The Palace Bar» und der «Cigar Lounge» wieder aufleben und sorgen für eine angenehme Clubatmosphäre, in der sich Reisende und Einheimische treffen und entspannen. Direkt an die Lobby angrenzend liegt der helle «Wintergarten» mit eigener Terrasse: der perfekte Ort für den traditionellen Afternoon Tea – ein Signature Service des Hotels.

ELEGANTE ZIMMER UND SUITEN Die 129 Zimmer und Suiten warten mit hellen Farben und edlen Materialien wie gebürsteter Eiche und hochwertigem Leder in warmen Brauntönen auf. Sanfte Grün- und Blautöne vermitteln ein Gefühl von frischer Bergluft. Das lockere Zusammenspiel aus historischen Details, modernster Ausstattung wie Boxspringbetten und spektakulärem Panoramablick auf die Berge verbreitet ein Wohlfühlambiente der Extraklasse.

SPA FÜR ALLE SINNE Für das in der obersten Etage gelegene «Kempinski The Spa» dienten die Alpen als naheliegende Inspiration. Der perfekte Ort zum Entspannen ist der Wellnessbereich mit einem Infinity Pool, grosszügigen Liegebereichen und einem Ruheraum mit offenem Himalaya-­Salzstein-Kamin. Ausgewählte Massagen und Behandlungen sorgen für eine wohltuende Reise für alle Sinne. TOP-LAGE IM ZENTRUM Das «Kempinski Palace Engelberg» befindet sich im Zentrum der Alpendestination direkt neben dem Kurpark und nur wenige Geh­ minuten vom Bahnhof entfernt. Das berühmte Kloster Engelberg und die Bergbahnen sind zehn Gehminuten entfernt. Engelberg ist sowohl mit dem Zug als auch mit dem Auto leicht zu erreichen. Hervorragende nationale und internationale Verbindungen mit kurzen Wegen zu den Flughäfen Zürich und Basel sowie einem Direktzug aus Luzern machen die Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis. WWW.KEMPINSKI.COM/ENGELBERG

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WAT CHES & JEW WATCHES& JEWELLERY ELLERY


WATCHES & JEWELLERY Autor_Gisbert Brunner

FRÜHJAHRS-NEUHEITEN

TICKENDE

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DAS CORONAVIRUS IST QUASI OMNIPRÄSENT. DESHALB GEHEN DIE VORSTELLUNGEN NEUER ARMBANDUHREN IM FRÜHJAHR 2021 NOLENS VOLENS VIRTUELL ÜBER DIE BÜHNE. DEM KREATIVEN SCHAFFEN DER UHRENMARKEN TUT DAS FREILICH KEINEN ABBRUCH. JETZT ERST RECHT LAUTET DIE DEVISE NACH EINEM WIRTSCHAFTLICH EHER VERHALTENEN JAHR 2020. RÜCKLÄUFIGE UMSÄTZE VER­ZEICHNETEN FAST ALLE UNTERNEHMEN. MIT SPANNENDEN NEUHEITEN UND DER HOFFNUNG AUF EIN BALDIGES PANDEMIE-­ENDE SOLL ES NUN IN GEWOHNTER WEISE WIEDER NACH OBEN GEHEN. NACHDEM GEGENWÄRTIG NICHT ABSEHBAR IST, WANN DIE LADENGESCHÄFTE WIEDER REST­ RIKTIONSFREI ÖFFNEN KÖNNEN, SETZTEN VIELE HERSTELLER AUF DAS INTERNET. DORT LASSEN SICH DIE NEUHEITEN AUSGIEBIG BEGUTACHTEN UND TEILWEISE AUCH ERWERBEN. GELIEFERT WIRD DANN PER POST ODER KURIER. UNBESTREITBAR IST NÄMLICH AUCH, DASS DIE LUST AUF NEUES FÜRS HANDGELENK DURCH SARS-COV-2 NICHT WIRKLICH GELITTEN HAT.

beruhigende 120 Stunden Gangautonomie. Wasser kann ihm bis zu zehn bar Druck nichts anhaben. Komfortablen Halt am Handgelenk gewährleistet ein leicht austauschbares Kautschukband mit Dreifach-Faltschliesse.

HOLLÄNDISCHER BIEGESCHWINGER

In mechanischen Uhrwerken konventioneller Bauweise besteht allein das Schwing- und Hemmungssystem, welches die Zeit in kleine, zählbare Abschnitte unterteilt, aus 25 oder mehr Komponenten. Mit Hilfe des 2001 erstmals in überlieferten Zeitmessern verwendeten Werkstoffs Silizium lässt sich besagte Baugruppe auf ein einziges Teil reduzieren. Und genau das macht Frédérique Constant bei einer neuen, 40 Millimeter grossen Armbanduhr namens «Slimline Monolithic Manufacture». Für das hauseigene Rotorkaliber FC810 kooperierte die Genfer Firma im Eigentum der japanischen Citizen-Gruppe mit dem holländischen Technologieunternehmen Flexous Mechanisms. Mit 9,8 Millimeter Durchmesser und 0,3 Millimeter Höhe ist dessen monolithischer Silizium-­Oszillator so klein, dass er sich anstelle des klassischen Assortiments in das Automatikwerk mit 80 Stunden Gangautonomie implementieren lässt. Die Besonderheit des schwingenden Monolithen besteht aber auch in seiner hohen Frequenz. Mit stündlich 288’000 Halbschwingungen beträgt selbige das Zehnfache des aktuellen Standards von vier Hertz. Ein weiteres Spezifikum sind zwei Masselots zur Feinregulierung des innovativen Biegeschwingers. In Stahl gibt es je 810 Exemplare mit blauem oder silberfarbenem Zifferblatt.

KLEINE EWIGKEIT AM HANDGELENK

Mit der «Lange 1», deren asymmetrisch gestaltetes Grossdatums-­ Zifferblatt Geschichte schrieb, zelebrierte A. Lange & Söhne 1994 das uhrmacherische Comeback. Zu den seither entwickelten Varianten gesellt sich nun die neue «Lange 1 Ewiger Kalender». Neben 150 Exemplaren in Weissgold ist diese Armbanduhr auch unlimitiert in Rotgold erhältlich. Ihr Automatikkaliber L021.3 mit 50 Stunden Gangautonomie, welches aus 621 Komponenten besteht, braucht in Sachen Datums-, Wochentags- und Monatsanzeige bis 2100 rein theoretisch keine manuelle Nachhilfe. Bei den Indikationen haben die Uhrmacher Vielfalt walten lassen. Das Grossdatum springt akkurat vorwärts. Die Wochentage stellt ein rückspringender Zeiger dar. Hinzu gesellt sich ein peripher drehender Monatsring. Mit von der Partie ist auch eine digitale Information über den Schaltjahreszyklus. Nur alle 122,6 Jahre weicht schliesslich die Mondphasenanzeige von den tatsächlichen astronomischen Gegebenheiten ab.

COMEBACK EINES KLASSIKERS

EXKLUSIVE ANKERHEMMUNG

Während die «Royal Oak» von Audemars Piguet seit 1972 ununterbrochen am Markt präsent ist, gönnte Baume & Mercier der ebenfalls von Gérald Genta gestalteten und 1973 lancierten «Riviera» eine schöpferische Ruhepause. Im Laufe der Jahrzehnte hatte diese sportlich-elegante Armbanduhr mit zwölfeckiger Lünette allerlei Metamorphosen erfahren. Manche waren erfolgreich, andere weniger. Ungeachtet dessen ist besagte «Riviera» nun zurück. Und zwar mit gründlich überarbeitetem und dadurch auch dem Zeitgeist angepasstem Outfit. In der Top-Version mit ADLC-beschichtetem Sichtboden-Stahlgehäuse verbaut die Traditionsmarke das exklusive Baumatic-Kaliber BM13-1975. Neben amagnetischen Eigenschaften besitzt das Automatikwerk auch

Bereits zum 60. Jubiläum im Jahr 2020 präsentierte Grand Seiko das neue Automatikkaliber 9SA5 mit der sogenannten Doppelimpuls-­ Hemmung. Wer den Gangregler des mit flotten fünf Hertz oszillierenden Mikrokosmos näher betrachtet, entdeckt zuerst eine Glucydur-Unruh, deren Trägheit sich durch das Verdrehen von Masselots einstellen lässt. Das macht den bislang üblichen Rücker-­ Mechanismus zum Verändern der aktiven Länge der Unruhspirale obsolet. Weitaus bemerkenswerter ist die neue Hemmung mit insgesamt drei Paletten. Das Trio bewirkt einen ständigen Wechsel zwischen direktem und indirektem Antriebs-Impuls zum Aufrechterhalten der Unruhschwingungen. Daraus resultiert letzten Endes

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WATCHES & JEWELLERY

A. Lange & Söhne

Frédérique Constant

Grand Seiko

Baume & Mercier

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Hublot

IWC

STOSSFESTES AUS SCHAFFHAUSEN

eine höhere Präzision. Für die fertige Armbanduhr toleriert Grand Seiko maximale tägliche Gangabweichungen im Bereich von minus drei und plus fünf Sekunden. Nach Vollaufzug stehen rund 80 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Dieser tickende Newcomer findet sich in der 40 Millimeter grossen Stahl-Referenz SLGH005. An Birkenholz erinnert die Struktur ihres silberfarbenen Zifferblatts.

Sogenannte Tool Watches, und dazu gehören seit 1936 auch die Fliegeruhren von IWC, müssen etwas aushalten. Magnetfelder und kräftige Stösse können das mechanische Gefüge zum Bewahren der Zeit gehörig durcheinanderbringen. Gegen erstere helfen Weicheisen-­­Innengehäuse. Letztgenannten begegnet die Uhrenindustrie mit Stosssicherungen. Dass sich auch Bewährtes immer weiter optimieren lässt, beweist die neue «Big Pilot’s Watch Shock Absorber XPL» mit dem während acht Jahren entwickelten und patentierten Stossdämpfer. Beim «SPRIN-g PROTECT»­-System hängt das Uhrwerk im Schaleninneren an einer freitragenden Feder. Deren Form und die Verwendung von Bulk Metallic Glass (BMG) sorgen dafür, dass die Manufaktur-Automatik, Kaliber 32115, Beschleunigungskräfte von mehr als 30’000 g schadlos übersteht. Seine Platine besteht aus einer raumfahrterprobten Aluminiumlegierung. 120 Stunden beträgt die Gangautonomie. Für die 44 Millimeter grosse, bis zehn bar wasserdichte Schale nutzen die Schaffhauser hoch belastbares Ceratanium. Pro Jahr entstehen nur zehn Exemplare mit Kautschukband.

VOLLER DURCHBLICK

Bei etlichen hochrangigen Uhrenherstellern gehören Saphirgehäuse mittlerweile schon zum guten Ton. Einer der Wegbereiter auf diesem Gebiet ist bekanntlich Hublot. Mechanik-Freaks schätzen es, dank des transparenten Materials tief ins Innere der schützenden Hülle blicken und die dort tickende Mechanik bewundern zu können. Beim neuen «Big Bang Integral Tourbillon Full Sapphire» geht die einschlägig erfahrene Manufaktur nun noch einen faszinierenden Schritt weiter. Zur kratzfesten 42-­Millimeter-Schale gesellt sich erstmals auch ein Gliederband aus poliertem Saphir. Nachdem sich die Faltschliesse daraus noch nicht fertigen lässt, verwendet Hublot hierfür antiallergisches Titan. Jedes der insgesamt nur 30 Exemplare beseelt das Kaliber HUB6035. Summa summarum benötigen die Uhrmacher 243 Komponenten für eines der Manufakturwerke mit Mikrorotor-­Selbstaufzug, 72 Stunden Gangautonomie, drei Hertz Unruhfrequenz und Tourbillon zur Kompensation negativer Schwerkrafteinflüsse. Anthrazitfarbenes Ruthenium dient zur Fertigung der Platine, Saphir zu Herstellung der Brücken und Weissgold zur Produktion der Schwungmasse. Bis zu drei bar Druck reicht die Wasserdichte.

MÜNSTERANER STUNDENSCHLAG

Die deutsche Uhrenmarke MeisterSinger ist gerade einmal 20 Jahre alt. Ihr Erkennungszeichen besteht darin, das kostbarste Gut der Menschen wie zu Beginn mechanischer Uhren mit nur einem Stundenzeiger darzustellen. «Bell Hora», die jüngste Kreation, bringt zum Ausdruck, dass dem Glücklichen im wahrsten Wortsinn jede Stunde schlägt. Zu diesem Zweck trägt das Automatikwerk vom

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MeisterSinger

OMEGA

KORINTHISCHES GOLD AM HANDGELENK

Kaliber Sellita SW200 auf seiner Vorderseite eine simple, aber zuverlässig funktionierende Schlagwerks-Kadratur. Sobald der Nadelzeiger auf seinem Weg rund ums Zifferblatt eine der Stundenziffern oder -zahlen erreicht, löst die während 60 Minuten angesammelte Kraft einen kleinen Hammer aus. Der wiederum schlägt gegen den an einen Bischofstab erinnernden Gong. Wenn gewünscht, wiederholt sich dieses akustische Geschehen jede Stunde. Falls nicht, bewirkt ein Knopfdruck eisernes Schweigen. 43 Millimeter misst das bis zu fünf bar wasserdichte Stahlgehäuse mit Sichtboden.

Zu den Omega-Ikonen gehört die «Seamaster»-Taucheruhr. Neu in dieser Kollektion ist die markante «Seamaster 300 Bronze Gold». Ihr hervorstechendes Merkmal besteht im patentierten Gehäusematerial. Die bislang einzigartige Legierung besteht, wie der Modellname unschwer erkennen lässt, aus den beiden archaischen Werkstoffen Bronze und Gold. Ersterer erfreut sich im maritimen Umfeld anhaltender Beliebtheit. Die Addition des «erstarrten Lichts der Sonne» führte im Altertum zum Korinthischen Gold. Seine Vorteile bestanden unter anderem in gesteigerter farbiger Wirkung sowie höherer Resistenz gegen Oxidation. Das trifft auch für die 41-Millimeter-Schale zu, deren Wasserdichte bis zu 30 bar Druck reicht. Für sie verwendet Omega eine Legierung aus Bronze, Palladium, Silber und dazu noch 37,5 Prozent 9-karätiges Gold. Auch der Glasrand mit kratzfestem Keramik-Inlay besteht aus dieser Mixtur. Durch den Sichtboden zeigt sich das nach Master-Chronometer-Vorgaben zertifizierte Automatikkaliber 8912 mit 60 Stunden Gangautonomie. Die Lieferung der Armbanduhr erfolgt mit fünfjähriger Garantie.

HOMMAGE AN DEN GOLDENEN SCHNITT

Bis zur Vereinigung im Jahr 2007 hatten Minerva und Montblanc nichts miteinander zu tun. Bei Minerva, dem älteren der Partner, kreierte André Frey 1943 das aussergewöhnliche Kaliber 48. Die Konstruktion des Inhabers und Uhrmachers folgte den Regeln des Goldenen Schnitts. Weil 23,7 Millimeter Durchmesser heutzutage nicht mehr unbedingt zeitgemäss sind, hat Montblanc diesen tickenden Klassiker zum Manufakturkaliber MB M14.08 weiterentwickelt. Und das erfüllt die je 148 Weiss- oder Rotgoldexemplare der «Heritage Pythagore Small Second» mit tickendem Leben. Der Sichtboden im 39-Millimeter-Gehäuse zeigt, dass die Architektur des Handaufzugswerks dem historischen Vorbild entspricht. Auf den aktuellen Durchmesser von 14 Linien oder 31 Millimetern weist die Zahl 14 der Kaliberbezeichnung hin. Als Teil der Fibonacci-Folge ist 8 eine Grösse der Goldenen Regel. Nichts geändert hat sich an entschleunigten 2,5 Hertz Unruhfrequenz. Hingegen werden etwa 80 Stunden Gangautonomie heutigen Ansprüchen gerecht.

GESTALTET VON TEJ CHAUHAN

Um Keramik-Gehäuse für Armbanduhren hat sich Rado verdient gemacht. Seit 1986 pflegt und kultiviert die Uhrenmarke unter dem Dach der Swatch Group dieses Metier. Im Laufe der Jahre ist die einschlägige Kompetenz ständig gewachsen. Durch besagten Werkstoff verfügt das Modell «True Square» über einen hohen Tragekomfort. Ausserdem zeigt das harte Material allem,

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Ulysse Nardin

Rado

Tudor

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WATCHES & JEWELLERY

was Kratzer machen möchte, lässig die kalte Schulter. 2021 präsentiert sich der mit dem Kaliber Eta C07.611 ausgestattete «True Square Tej Chauhan» gleichermassen farbenfroh wie futuristisch in leuchtendem Gelb. Etwa 80 Stunden lang kommt das Automatikwerk ohne Energienachschub aus. Für die Aufmerksamkeit erregende Optik zeichnet Tej Chauhan verantwortlich. Der britische Industriedesigner liess sich von der Popkultur zu diesem tickenden Statement in den Dimensionen 38 mal 48,7 Millimeter hinreissen. Wie gehabt im Spritzgussverfahren erfolgt die Herstellung des Gehäuses. Aus Leder besteht das Band in der gleichen Pantone-Farbe.

ZUVERLÄSSIGES MIT VERGANGENHEIT

Für viele Rolex-Liebhaberinnen und -Liebhaber verkörpert die «Oyster Perpetual Explorer» mit 39  Millimeter messendem Stahlgehäuse den Eintritt in die Welt der Genfer Manufaktur. Die Wurzeln dieser schlichten Armbanduhr ohne Fensterdatum reichen zurück bis ins Jahr 1953. Damals vertrauten etliche Expeditionen auf die zuverlässigen, von Rolex-Gründer Hans Wilsdorf leihweise überlassenen Produkte. 2021 bricht in Sachen dieses langjährig erprobten Zeitmessers eine neue Epoche an. Diese Grösse gibt es nämlich nicht mehr. Die aktuell vorgestellte Generation misst nur noch 36 Millimeter und knüpft damit noch stärker an Vergangenes an. Geblieben ist natürlich die Gehäusekonstruktion mit vorderseitigem Saphirglas, Schraubboden und -krone. Dem Druck des nassen Elements widersteht sie bis zu zehn bar. In der augenfälligen Stahl-Gelbgold-Referenz 124273 verbaut Rolex das 2020 lancierte Automatikkaliber 3230 mit Rotor-­ Selbstaufzug und rund 70 Stunden Gangautonomie. Als Chronometer der Superlative bewegt sich die tägliche Ganggenauigkeit der fertigen Uhr zwischen minus und plus zwei Sekunden. Beruhigende Begleiterscheinung sind fünf Jahre internationale Garantie.

DER MATTE GLANZ VON SILBER

Silber als Material für Uhrengehäuse ist keineswegs ungewöhnlich. Aber in den vergangenen Jahren wurde es jedoch einigermassen ruhig um das seit rund 4500 Jahren bekannte Edelmetall. Begründet liegt die Zurückhaltung einmal an der Neigung zu schwarzem Anlaufen auch ohne menschliches Zutun. Schuld sind Schwefelwasserstoffe in der Luft. Mit 70 Vickers ist das früher beliebte Sterlingsilber auch nicht sonderlich hart. Zu 925 Teilen Silber gesellen sich noch 75 Teile Kupfer. 925er Silber verwendet Tudor für die 39-Millimeter-Schalen der durchaus polarisierenden «Black Bay Fifty-Eight 925». Die Geschichte dieser Taucheruhr reicht zurück bis ins Jahr 1958, als die Referenz 7924 auf der Bildfläche erschien. Natürlich ist davon auszugehen, dass sich die Rolex-Tochter gründlich mit dem verwendeten Gehäusematerial auseinandergesetzt hat. Seine geheim gehaltene, vermutlich aber durch Aluminium stabilisierte Legierung soll den erwähnten Nachteilen entgegenwirken. Neu bei Tudor ist auch ein Sichtboden, der das COSC-zertifizierte Manufakturkaliber MT5400 zeigt. Fünf Jahre Garantie schützen den bis 20 bar wasserdichten, wahlweise mit Leder- oder Textilband erhältlichen Unisex-Zeitmesser.

INNOVATION TRIFFT TRADITION

Futuristischen, von modernen Tarnkappenflugzeugen inspirierten Auftritt und tradierte Uhrmacherei finden im «Blast Hourstriker» zu klingender Synthese. Bei der Entwicklung dieser Armbanduhr kooperierte Ulysse Nardin mit Spezialisten aus dem Bereich der Elektroakustik. Devialet, ein Hersteller audiophiler HiFi-Lautsprecher, verhilft dem ins Kaliber UN-621 integrierten Schlagwerk zu grösserer Lautstärke. Angetrieben von einem händisch aufziehbaren Federspeicher tritt selbiges jede volle und halbe Stunde in Aktion. Natürlich lässt sich das Ganze auch per Knopfdruck auslösen oder in den Ruhemodus versetzen. Den jeweiligen Schaltzustand lässt ein Zeiger inmitten der durchs Saphirglas sichtbaren Schlagwerkskadratur erkennen. Wie üblich regt ein kleiner Hammer die wegen des Fliegenden Tourbillons speziell geformte Tonfeder zum Schwingen an. Ein lautlos agierender Fliehkraftregler bestimmt die Ablaufgeschwindigkeit des von einer Devialet-Titanmembran verstärkten Mechanismus. Die Energie für das eigentliche Uhrwerk mit etwa 60 Stunden Gangautonomie generiert ein Selbstaufzugssystem. Nach 330 Komponenten verlangt das sicher in einem 45 Millimeter grossen Gehäuse aus Roségold und DLC-beschichtetem Titan verwahrte Innenleben.

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Visionär seiner

Zeit

© Nils Herrmann, Collection Cartier

Autorin_Swenja Willms

Bekannt geworden für seine modernen Interpretationen historischer Artefakte, im Gedächtnis geblieben durch seine z­ eitlosen Kreationen wie dem «Love Bracelet» von Cartier: Aldo Cipullo steht für fantasie­vollen Schmuck, der eine ganze Generation von Hollywood-Prominenten und Schmuck­kennern gleichermassen erregte. 92


© Renato Cipullo

WATCHES & JEWELLERY

«I DESIGN FOR TODAY, THINKING OF TOMORROW.» Aldo Cipullo

Aldo Cipullo wurde 1935 in Neapel als Sohn einer Juwelierfamilie geboren und wurde zum glamourösesten Schmuckdesigner der 1970er und frühen 1980er Jahre. Aldo verliess Italien, um die aufregenden Möglichkeiten des Lebens in New York City zu erkunden, und schrieb sich an der School of Visual Arts ein. 1960 arbeitete er für den renommierten Juwelier der Gesellschaft, David Webb, der für seine kühnen und ausdrucksstarken Designs bekannt war, und wechselte dann zu Tiffany & Co., wo er begann, sein eigenes Designvokabular zu entwickeln. 1969 wechselte er an die Seite von Michael Thomas, dem Präsidenten von Cartier. Hier stellte er einige seiner modernsten und zeitlosesten Kreationen vor, wie das Love-Armband, ein wegweisendes Design, das mit einem speziellen Schraubendreher am Handgelenk des Trägers befestigt wird. 1971 folgte die Nail-Kollektion, inspiriert von einem Nagel um den Finger oder um das Handgelenk, eine überraschende Kreation, die den grobkörnigen Glamour der damaligen Zeit in New York verkörperte. Aldo Cipullo machte sich 1974 selbständig und kreierte weiterhin Schmuck für Männer und Frauen. Er verstand es, seiner Kundschaft mit seinen Kreationen den Kopf zu verdrehen, darunter Stücke in Form eines Dollarzeichens, das er als «das elektrische Auge, das die Stimmung dieses Landes widerspiegelt» betrachtete. 1978 beauftragte ihn die American Gem Society mit der Erstellung einer Sammlung mit in Amerika abgebauten Edelsteinen wie Turquoise aus Arizona, Diamanten aus Arkansas und Saphiren aus Montana. Diese Stücke sind nun Teil der Smithsonian Institution. Cipullos Karriere war ebenso brillant wie kurz. Sein plötzlicher Tod im Jahre 1984 änderte jedoch nichts am Vermächtnis seiner zukunftsorientierten und dennoch klassischen Designs. Heute setzt Renato Cipullo die Tradition von Generationen von Juwelieren fort und pflegt das Erbe seines Bruders. Der Einklang mit den Familientraditionen und kompromisslosen Designprinzipien steht nach wie vor im Zentrum der Arbeit. Renato Cipullo leitet ein feines Schmuckhaus mit Sitz in New York. Seine edlen Schmuckkollektionen werden von Königen und Prominenten weltweit getragen, die ihn regelmässig für die Komplexität seiner massgeschneiderten Designs beauftragen.

Cipullo: Making Jewelry Modern 212 Seiten, 200 Illustrationen Assouline ISBN: 9781614289593 www.assouline.com Dieser Schuber-Band ist voller beeindruckender Bilder von Aldo Cipullos modernen Schmuck­ designs, die sowohl ikonisch als auch universell, intim und doch sehr persönlich, zeitgemäss und zeitlos sind. Mit Cipullo-­Familienfotos und liebevollen Anekdoten von Aldos Freunden erzählt «Cipullo: MakingJewelry Modern» die Geschichte eines derinnovativsten und bis jetzt rätselhaftestenTalente der modernen Schmuckgeschichte. Die Autorin Vivienne Becker ist eine preisgekrönte Journalistin und Schmuckhistorikerin.

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ZEITFÜR

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HARMONIE

Autorin_Swenja Willms Bilder_Hublot

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WATCHES & JEWELLERY

HUBLOT PRÄSENTIERT DAS ERGEBNIS DER ZWEITEN ZUSAMMENARBEIT DER SCHWEIZER UHRENMANUFAKTUR MIT DEM GENIALEN AMERIKANISCHEN KÜNSTLER SHEPARD FAIREY – DIE «CLASSIC FUSION CHRONOGRAPH SHEPARD FAIREY». DIE UHR IST EINE REGELRECHTE TITANSKULPTUR FÜR DAS HANDGELENK UND SYMBOLISIERT DIE NATÜRLICHEN LEBENSZYKLEN SOWIE DIE EINHEIT ZWISCHEN VERSCHIEDENEN KULTUREN.

PRESTIGE: Herr Fairey, wie kam es zu Ihrer Beziehung mit Hublot, und wie hat sich diese im Laufe der Jahre, auch neben Ihrer Kunst und Karriere, entwickelt? SHEPARD FAIREY: Mein Freund, der Künstler Tristan Eaton, stellte mich Hublot vor, nachdem er mit ihnen zusammengearbeitet hatte. Tristan brachte Jean-François Sberro von Hublot in mein Studio, und wir verstanden uns. Als ich mehr über die Verschmelzung von Technologie und Kreativität bei der Marke erfuhr, stellte ich fest, dass es viel Innovation und Kunst gab. Als Jean-François mich nach der Möglichkeit einer Zusammenarbeit fragte, war ich begeistert, weil ich immer wieder auf neue kreative Leinwände und Herausforderungen gespannt bin. Ausserdem bin ich ein grosser Fan von schönen Zeitmessern, und Hublot stellt einige der aufregendsten Uhren her, die ich je gesehen habe. vermitteln. Ich freute mich, dass das Hublot-Team motiviert war, mir zu helfen, all diese Dinge so zu erreichen, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Ihre Kunst und Ihre Werte gehen Hand in Hand, und Sie sind für beides fast gleichermassen bekannt. Wie konnten Sie Ihre Botschaft in Ihre Arbeit mit Hublot einfliessen lassen? Kunst hat visuelle und konzeptionelle Macht. Bei vielen Dingen, die ich erschaffe, hoffe ich, dass die Kraft der visuellen Elemente den Betrachter auch dazu bringt, über Dinge nachzudenken, über die er sonst möglicherweise nicht nachdenkt. Meine jüngste Hublot-Zusammenarbeit beinhaltet ein Mandala, ein Symbol für Harmonie, Einheit und Ganzheit in vielen verschiedenen Kulturen. Im Geiste des Mandalas und meines Glaubens an die Weltbürgerschaft spende ich einen Teil des Geldes aus meinen Uhrenverkäufen an Amnesty International.

Was war die Inspiration zu dieser Uhr? Kunst kann Dinge sowohl intellektuell als auch emotional vermitteln und verschiedenen Menschen viele verschiedene Dinge bedeuten. Ich bin seit langem vom Mandala als ein schönes Symbol angezogen worden, das all diese Prinzipien verkörpert. Das Mandala, das ineinandergreifende Ornamente und Symbole in einer kreisförmigen Konfiguration zusammenwebt, hat eine Geschichte in mehreren Kulturen, die Harmonie, Einheit und Ganzheitlichkeit repräsentieren. Das Mandala symbolisiert auch Lebenszyklen und kreisförmige Elemente wie die Sonne.

Können Sie uns einen Überblick über den Entwurfsprozess geben? Wie war Ihre Erfahrung mit Hublot und dem Designteam? Meine Erfahrung mit dem Hublot-Designteam war nicht nur wirklich kollaborativ, sondern hat mir auch die Augen für Techniken geöffnet, die mir durch meinen üblichen Prozess nicht bekannt gewesen wären. Ich liebe es, neue Möglichkeiten mit Materialien zu erkunden. Daher war es für mich aufregend, wie das Hublot-Designteam meine Kunst genau betrachtete und dann Vorschläge zu innovativen Techniken machte, die meine Arbeit auf unerwartete und aufregende Weise auf die Uhr übertragen könnten. In der Kunst geht es darum, Probleme auf vielen Ebenen zu lösen: ein ansprechendes Bild zu erstellen, technische Herausforderungen zu meistern und eine Botschaft kraftvoll zu

Was waren die beiden wichtigsten Aspekte des Designs, die Sie in die Uhr integrieren wollten? Es war mir wichtig, dass das Mandala lesbar ist, während die funktionale Zeitmessung der Uhr auch lesbar ist. Ich glaube, auch wenn eine Uhr auch ein Kunstwerk ist, sollte sie ihre ursprüngliche Funktion ordnungsgemäss erfüllen. Die Fähigkeit, dies zu erreichen, hat mein Konzept der Harmonie auf eine Weise erweitert, über die ich mich sehr freue. Ich war auch sehr froh, dass sich die Kunst mit Gravur auf das Gehäuse erstrecken konnte. Wieder einmal liefert es die Idee der Integration und Harmonie zwischen den verschiedenen Elementen der Uhr, einer Verbundenheit oder Ganzheitlichkeit.

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Gab es etwas, das auffiel, als Sie das Endprodukt sahen? Etwas, von dem Sie nicht sicher waren, ob es auf einer Uhr ausgeführt werden könnte? Die verschiedenen Schichten des Mandalas, einschliesslich der Gravur auf dem Gehäuse, des Metalls unter dem Kristall und der Sternausrüstung, wurden alle besser übersetzt, als ich dachte. Das Gefühl der Tiefe in der Uhr ist sehr elegant und schön. Wenn ich meine Kunst schaffe, versuche ich, die Dinge auf das Wesentlichste zu vereinfachen und nur die notwendigen Elemente zu verwenden. Ich möchte nicht, dass die Kunst unübersichtlich oder schlammig wird. Ich war sehr erfreut zu sehen, dass das Hublot-­Mandala sowohl die Eigenschaften der Uhr als auch meine Kunst erfolgreich integrieren lässt. Was bedeutet der Zeitbegriff für einen Künstler und was für einen Aktivisten? Weil ich mich als Künstler und Aktivist auf eine Weise betrachte, die völlig miteinander verflochten ist, kann ich sie nicht trennen, aber Zeit ist für mich sehr kostbar. Zeit ist immer etwas, das ich schätze, egal ob es darum geht, Zeit zum Experimentieren zu haben, um einen Durchbruch zu erzielen, oder die Zeit zu finden, um Dinge zu tun, die meine Kreativität und mein konzeptionelles Denken inspirieren. Das Konzept der Zeit ist für mich sehr motivierend. Wir haben nur eine bestimmte Zeit, um am Leben zu sein. Die ständige Erinnerung daran, meine Zeit mit Bedacht einzusetzen, ist etwas, das eine Uhr bietet und das ich schätze. Sie spenden einen Teil des Verkaufserlöses an Amnesty International. Warum haben Sie sich für diese Organisation entschieden? Im Einklang mit dem Thema globale Harmonie wollte ich diese Uhrenkampagne nutzen, um die hervorragende Arbeit von Amnesty International zu unterstützen. Amnesty International ist eine globale Bewegung von mehr als zehn Millionen Menschen in 150 Ländern und setzt sich für die Beendigung von Menschenrechtsverletzungen ein. Ich bin stolz darauf, dass dieses Projekt dazu beitragen wird, weltweit Mittel für einen so guten Zweck bereitzustellen.

«WENN ICH MEINE KUNST SCHAFFE, VERSUCHE ICH, DIE DINGE AUF DAS WESENTLICHSTE ZU VEREINFACHEN UND NUR DIE NOTWENDIGEN ELEMENTE ZU VERWENDEN.»

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The Bugatti of Sound

Alesca – Audio Fidelity alesca.ch

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JEWELLERY

WATCHES & JEWELLERY

M I MESSIKA

Wie jedes Jahr hat Valérie Messika ihrer legendären «Move»-Kollektion neue Akzente verliehen. Erstmalig arbeitet die Schmuck-Königin mit Leder. Die neuen «My Move»-Armbänder sind in mehr als 300 unterschiedlichen Farbkombinationen erhältlich, von mattem oder lackiertem Finish über ein Pavé-Design bis hin zu Gold oder Titan.

ISABELLEFA

Die elegante «Flix.Flex»-Kollektion der deutschen Kettengoldschmiede ist bereits seit der Einführung 2009 für ihre einzigartigen Schmuckstücke bekannt. Die neuen «L’Élastique»-Armbänder aus 18 Karat Gelb- und Roségold lassen sich durch ihre besondere Flexibilität in alle Richtungen ziehen, dehnen und können somit ganz leicht und geschmeidig um jedes Handgelenk und jeden Hals gelegt werden.

PL LOUIS VUITTON

Die erste Schmuckkollektion unter der neuen Leitung von Francesca Amfitheatrof zeigt eine neue Interpretation der Monogrammblüte von Louis Vuitton. Unterschiedliche Edelsteine wie Opal, Onyx oder Malachit finden Verwendung in Ohrsteckern, Armreifen oder Colliers in Gelb- oder Roségold.

2021 erweitert Pomellato die allseits beliebte Kollektion «Nudo». Dank Amudyst-, Prasiolith- und weissen Topas-Juwelen leuchtet die neue Kollektion in allen Farben des Regenbogens. Die schwingenden Ohrringe aus Amethysten sind umgeben von einem schimmernden Diamantpavé.

TRENDS

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by

POMELLATO


Autorin_Swenja Willms

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STEIN DER HERZEN

NUR SCHWER KANN MAN SICH SEINER FASZINATION ENTZIEHEN. SCHON GRIECHISCHE GÖTTER UND DIE ÄGYPTISCHE KÖNIGIN CLEOPATRA WAREN REGELRECHT BESESSEN VON DER SATTEN GRÜNEN FARBE DES SMARAGDS. DER KOSTBARE EDELSTEIN, DESSEN NAME ER SEINEM GLANZ ZU VERDANKEN HAT, STEHT SEIT JEHER ALS SYMBOL FÜR SCHÖNHEIT UND UNSTERBLICHKEIT.

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© Gübelin

Um das Herz einer Frau zu gewinnen, steck ihr einen Ring an den Finger. In Zeiten von «Women’s Empowerment» und aufgebrochenen Rollenklischees eine vielleicht eher veraltete Sichtweise. Doch ein mit Diamanten besetzter Verlobungsring galt lange vor dem Neubenennen des Materialismus als der ultimative Liebesbeweis. Nur eine Frau trotzte dem Ritual und verliebte sich stattdessen in etwas, das zum kostbarsten Juwel der Weltgeschichte werden sollte. 1962 lernte Elizabeth Taylor am Set zum Film «Cleopatra» ihren künftigen Ehemann Richard Burton kennen. Als Verlobungsgeschenk erhielt sie eine mit Smaragden besetzte Diamantkette von Bulgari mit einer abnehmbaren Anhängerbrosche. Das Stück enthielt 16 abgestufte Smaragde im rechteckigen und quadratischen Schliff. Jeder Edelstein war von kreisförmigen Diamanten in Marquise- und Birnenform umgeben. Die Anhängerbrosche war möglicherweise das grösste Juwel, das zu Elizabeths bereits umfangreicher Schmucksammlung hinzugefügt wurde. Sie war mit einem 18 Karat grossen kolumbianischen Smaragd im Rechteckschliff besetzt, umzingelt von zwölf Diamanten in Birnenform. Nach Taylors Ableben wurde die Kette 2011 auf einer Auktion für sagenhafte 6,5 Millionen US-Dollar versteigert und zählt damit zu den wertvollsten Schmuckstücken der Welt. Taylors Vorliebe für Smaragde und andere Edelsteine wurde zu ihrem Markenzeichen: «You can’t cry on a diamond’s shoulder, and diamonds won’t keep you warm at night, but they’re sure fun when the sun shines.» Und wenn der Smaragd eines kann, dann funkeln. Dies verrät auch schon der Name. Das Wort «Smaragd» lässt sich aus dem Lateinischen «smaragdus» ableiten und bezeichnet die glänzende Eigenschaft des Edelsteins. Auch die Griechen benannten den Stein nach seinem aussergewöhnlichen Glanz und tauften ihn «smaragdos». Smaragde gehören, wie auch der Aquamarin, zu der Mineralfamilie der Berylle und verdanken ihre intensiv grüne Farbe einer Beimengung aus Chrom und Vanadium und Eisen. Je nach Konzentration können diese eine aussergewöhnliche Farbpalette von Pastell- bis Tiefgrün mit unterschiedlichen Schattierungen von Blau, Braun, Grau und Gelb hervorrufen – entstanden vor Millionen von Jahren in den Tiefen der Erde. Wenn Magma und metamorphe Gesteinsumwandlungen aufeinandertreffen, bilden sich Muttergesteine, an deren Hohlräume oder kleinen Winkeln die Smaragdkristalle wachsen. Dadurch sind Smaragde rund 20 Mal seltener zu finden als Diamanten und können von höchster Qualität mehr wert sein als auf einer Karatbasis. Der erste nachweisbare Fundort der grünen Funkelsteine liegt in Ägypten im 13. Jahrhundert vor Christus. Die Ägypter beherrschten somit lange Zeit

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© Bulgari

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«BIG GIRLS NEED BIG DIAMONDS.»

Das von Smaragden umgebene Collier von Elizabeth Taylor ging in die Geschichte ein.

Elizabeth Taylor

MUST-HAVES

BOUCHERON

GÜBELIN

HENRI MAILLARDET

Die Leopardenkatzen stehen im Zentrum der diesjährigen «Animaux de Collection». Die Ohrstecker «Fuzzy» aus Roségold sind mit Diamanten aus Weiss und Champagner gepflastert. Smaragdgrüne Augen und eine Schnauze aus schwarzem Lack vollenden den eleganten Look.

Die Chandelier-Ohrhänger «The Palm» sind eine Hommage an den Smaragd und dessen Herkunftsland. Dank des abnehmbaren Chandelier-­E lements können die Schmuck­ stücke als klassisch elegante Ohrclips oder festiver als Chandelier-Ohrhänger mit funkelndem Diamantbesatz getragen werden.

Die «High Priestess»-Kollektion lädt in die magische Welt der weiblichen Präsenz des Göttlichen ein. Im Kern der weissgoldenen Halskette funkeln zwei Smaragde mit insgesamt 3,87 Karat. 226 Diamanten mit insgesamt 23,94 Karat vollenden die High-Jewellery-Kreation.

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WATCHES & JEWELLERY

© Harry Winston

© Van Cleef & Arpels

den Smaragdhandel im Mittelmeerraum und integrierten die wertvollen Funde in ihre Schmuckstücke, getragen von ihrer Königin Cleopatra. Regelrecht besessen war die Pharaonin von dem Glitzern des Smaragds – so sehr, dass sie der Überlieferung nach griechische Minen übernommen habe, damit sie die Edelsteine für sich selbst haben konnte. Aber auch in Griechenland hatte der Smaragd einen Platz im Herzen einer Frau eingenommen. Der Smaragd, den man auch «Mutter der Edelsteine» nennt, war der Geburtsstein der griechischen Göttin Venus und erfreute sich auch bei den Römern grosser Beliebtheit und galt fortan als Stein göttlicher Eingebung. Mittlerweile sind die Smaragdvorkommen in Ägypten und Griechenland erschöpft. Stattdessen sind in Brasilien, Afghanistan, Äthiopien, Chile oder Russland die kostbaren Edelsteine zu finden. 1931 wurde in Sambia das weltweit zweitgrösste Smaragdvorkommen entdeckt. Die Steine aus dieser Quelle sind für ihre Qualität berühmt. Bei Edelsteinsammlern und Connaisseurs sind jedoch die Exemplare aus Kolumbien aufgrund ihrer überragenden Reinheit besonders beliebt. Das südamerikanische Land gehört zu den bekanntesten und wichtigsten Herkunftsländern von Smaragden. Von hier stammt einer der schönsten und wertvollsten Smaragde der Welt, ein Meisterwerk der Natur, der das Herz eines jeden Edelsteinsammlers höherschlagen lässt: der Rockefeller-Smaragd. Die Farbsättigung, ein aussergewöhnlicher Grad an Klarheit und das Fehlen jeglicher Verbesserungen machen diesen Stein zu etwas ganz Besonderem. Der beeindruckende Edelstein wurde ursprünglich nach dessen Besitzer benannt – der berühmten Rockefeller-­Familie. Die Rockefellers sind eine der einflussreichsten Familien in der amerikanischen Geschichte und halten ein unübertroffenes Erbe in Wirtschaft, Philanthropie und Kunst, insbesondere in New York City. Erstmals auf der Bildfläche erschien der Edelstein im Jahr 1930, als John D. Rockefeller, Jr. den Smaragd kaufte und in eine Brosche von Van Cleef & Arpels für seine Frau einfassen liess. Im Juni 2017 kaufte das Haus von Harry Winston den sensationellen Stein und benannte ihn in Rockefeller-Winston als Hommage an die Rockefeller-Dynastie um. In den Händen der Harry-Winston-Designer und -Handwerksmeister wurde der 18,03-Karat-Smaragd in einen Ring im Winston-­Stil verwandelt. 108 handverlesene runde Brillanten und birnenförmige Diamanten mit einem Gesamtgewicht von 10,70 Karat zieren den Ring. Aufgrund der zarten Natur der Smaragde war für das Setzen dieses kostbaren Edelsteins ein Höchstmass an Pflege und Fachwissen erforderlich. Was einen Smaragd jedoch auszeichnet, ist nicht etwa sein Preisschild, sondern das Gefühl, welches er seinen Trägern vermittelt. So beschrieb es Elizabeth Taylor mit den Worten: «Ich habe meinen Schmuck nie als Trophäen gesehen. Ich bin hier, um mich darum zu kümmern und ihn zu lieben, denn wir sind nur vorübergehende Hüter dieser Schönheit.»

Der Rockefeller-Winston zählt zu den Meisterwerken des Juwelierhauses Harry Winston.

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Autorin_Swenja Willms Bilder_Bulgari

Rekordverdächtig DIE «OCTO FINISSIMO PERPETUAL CALENDAR», DER SIEBTE WELTREKORD VON BULGARI, SCHIEBT DIE GRENZEN DER MODERNEN HAUTE HORLOGERIE ERNEUT HINAUS: ES IST DER FLACHSTE EWIGE KALENDER DER WELT.

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WATCHES & JEWELLERY

DIE

Die Saga um die «Octo Finissimo» führt zurück in das Jahr 2014. Hier stellt Bulgari zum ersten Mal den zukünftig wichtigsten Akteur der Uhrenbranche vor. Ausgestattet mit dem flachsten Handaufzugwerk mit fliegendem Tourbillon der Welt, dem Kaliber BVL 268 von nur 1,95 Millimeter Stärke, wird die «Octo Finissimo Tourbillon» mit Handaufzug in Platin sofort zum Erfolg. Die «Octo Finissimo» setzte einen Trend und verlieh der anspruchsvollen zeitgenössischen Uhrmacherkunst jene Note, die das italienische Haus Bvlgari so brillant beherrscht: L’Estetica della Meccanica, die mit einer tiefgreifenden Innovation der Form und der Substanz verbunden ist. Denn wenn es darum geht, eine anspruchsvolle klassische uhrmacherische Komplikation auf entschieden zeitgenössische Weise neu zu interpretieren, müssen Ästhetik und Funktionalität ein harmonisches Ganzes bilden. Bis dato entwickelte Bulgari sieben weitere Modelle der Serie, eines technisch versierter als das andere. Fast 60 internationale Auszeichnungen und sechs Weltrekorde später setzt Bulgari erneut die Messlatte auf ungeahnte Höhen. Nach der Entwicklung ultraminiaturisierter Uhren mit Automatikwerk, Minutenrepetition, Chronograph und Tourbillon präsentiert Bulgari mit der «Octo Finissimo Perpetual Calendar» den flachsten ewigen Kalender der Welt. Dieser neue Rekord ist in zwei Gehäuse-Werkstoffen erhältlich: Titan wie für alle Weltrekorde von Bulgari für das «Signature»-Modell und Platin für die zweite Version. Einmal mehr definiert diese Entwicklung die Grenzen der zeitgenössischen Feinuhrmacherei neu.

DER RHYTHMUS DES LEBENS

Das Ergebnis dieser Uhrmacherkunst widerspiegelt sich in dem extrem begrenzten Innnenraum des flachen Gehäuses von nur 5,80 Millimeter Stärke. Nicht weniger als 408 Komponenten wirken hier im Inneren der «Octo Finissimo Perpetual Calendar» zusammen. Die Entwicklung des 2,75 Millimeter hohen Kalibers verlangte von den Uhrwerkskonstrukteuren der Manufaktur in Le Sentier im Schweizer Jura neue Lösungen, darunter den Einsatz eines Mikrorotors und die optimale Nutzung des Raums zwischen den Komponenten, ohne deren Abmessungen zu verringern. Das Uhrwerk treibt den Stunden- und Minutenzeiger sowie alle Funktionen des ewigen Kalenders an: das retrograde Datum, den Wochentag, den Monat und die retrograde Schaltjahranzeige. Sie werden über drei Korrektoren eingestellt: einen für das Datum bei «2», einen weiteren für den Monat bei «4» und einen dritten für den Tag zwischen «8» und «9» Uhr. Diese uhrmacherische Komplikation des ewigen Kalenders symbolisiert für Bulgari die Beziehung des Menschen zur Zeit als fliessendes Konzept, das der Existenz und allen menschlichen Aktivitäten einen Rhythmus verleiht. So verfügt sie am Handgelenk über alle Voraussetzungen, um uns ins 22. Jahrhundert zu begleiten.

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MO TION MO TI ON

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Autorin_Lone K. Halvorsen Bilder_Mercedes

ALS

TRÄUME

FLÜGEL BEKAMEN (TÜREN)

MERCEDES-BENZ 300 SL 105


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Ein 300 SL lässt keinen Vergleich zu. Mit einer einzigartigen Technik und einem unverwechselbaren Design durch die schwingenden Flügeltüren erschufen die Schwaben einen Traumwagen des 20. Jahrhunderts, der Erfolgs­geschichte schreiben sollte.

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DER

Der 6. Februar 1954 ist kein Tag wie jeder andere. Es ist ein Tag, der als Sternstunde des Automobilbaus in die Geschichte eingehen sollte. Auf der «International Motor Sports Show» in New York präsentiert Mercedes-Benz die Serienversion des 300 SL, Baureihe W 198 I. Die Menschen, welche die Ehre hatten, bei der Weltpremiere dabei sein zu dürfen, waren von der Erscheinung höchst beeindruckt. Das Coupé mit den charakteristischen Flügeltüren liess die Herzen des Publikums und der Experten höherschlagen. Hier waren die Komponenten Glamour, Sportlichkeit, Kraft und Design miteinander verschmolzen. Der 300 SL setzte neue Massstäbe sowohl hinsichtlich Interieur wie auch Exterieur. Die Flügel­ türen wurden zum unverwechselbaren Merkmal des 300 SL und standen auch Pate für den liebevollen Kosenamen «Gullwing». Doch nicht nur die Flügeltüren begeisterten das Publikum, auch die technischen Details des 300 SL waren eine Besonderheit: Zum einen war es der Gitterrohrrahmen, zum anderen der erste Mercedes-Motor mit Benzindirekteinspritzung. Kaum ein anderer Sportwagen hatte mit solch einer Aura die Zuschauer in den Bann gezogen, und kein anderes Auto hatte solch einen Wiedererkennungswert wie das Flügeltüren-Coupé.

DIE ENTSTEHUNG EINER LEGENDE

Das Fundament seiner Entstehung geht auf den Rennsport zurück, denn die Entwicklung der Rennsportwagen 300 SL begann bereits ein paar Jahre zuvor, als der Vorstand beschliesst, wieder an Sportwagenrennen teilzunehmen. Der Bau des 300 SL wird 1952 in Auftrag gegeben – SL für «Super-Leicht» – und bereits im selben Jahr gewinnt der Mercedes-Benz-Rennsportwagen 300 SL die 24 Stunden von Le Mans, den Grossen Preis von Bern, den Grossen Jubiläumspreis vom Nürburgring und die Carrera Panamericana in Mexiko. Die Siege an einigen der grössten Rennveranstaltungen zählten nicht nur als grösste Rennerfolge von Mercedes-­Benz, sondern kurbelten die Bestellungen aus aller Welt an. Die Serien-

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produktion wurde beschlossen. «Wir brauchen hier einen tollen Sportwagen von Mercedes-Benz», soll der US-Importeur Max Hoffmann gesagt haben. Initiiert von Hoffmann beschloss der Vorstand, einen Sportwagen mit Mercedes-Stern zu verkaufen, um den US-Markt für Daimler-Benz zu erschliessen. Im September 1953 überzeugte er den Daimler-Benz-Vorstand vollends von der Idee, eine Serienversion des erfolgreichen 300-SL-Rennsportwagens zu bauen, und bereits fünf Monaten später war es so weit: Der Mercedes-­Benz 300 SL (W 198) feiert in New York ein aufsehenerregendes Debüt. Die Presse reagiert enthusiastisch, und das Magazin «Auto, Motor und Sport» merkt an: «Unter den Sportwagen unserer Zeit ist der Mercedes-Benz 300 SL der kultivierteste und zugleich der faszinierendste – ein Traum von einem Automobil.» Die britische «Autosport» lobt: «Der Mercedes-­Benz 300 SL ist ein Wagen mit einer wundervollen äusseren Erscheinung, gepaart mit einer fast unglaublichen Leistungsfähigkeit. Seine Konstruktion und seine Fertigungsqualität sind geradezu erstklassig, das ganze Konzept stellt eine kompromisslose Verwirklichung aller neuen Ideen dar.» Und auch die Hoffnung auf einen Erfolg im US-Markt geht auf, denn es folgten lobende Worte wie: «Der Sportwagen der Zukunft ist Wirklichkeit geworden.»

DIE TECHNISCHEN RAFFINESSEN

Mit der Konstruktion des Seriensportwagens, der im technischen Rahmen- und Fahrwerkaufbau von einem Rennsportwagen abgeleitet wurde, kamen weitere Gesichtspunkte zum Tragen. Technische Details wie Gitterrohrrahmen und die aussergewöhnliche Türkonstruktion sind ohne Beispiel. Wer allerdings denkt, dass die ungewöhnliche Türlösung als Design-Gag konzipiert wurde, liegt falsch. Wie bereits bei den Rennsportwagen hat es zwingende, konstruktiv bedingte Ursachen gehabt. Diese gehen auf den neu entwickelten Gitterrohrrahmen zurück. Dieses Leichtgewicht mit maximaler Verbindungssteife wiegt knapp 50 Kilo, hat aber den Nachteil, dass seine Bauhöhe keine konventionellen Türen ermöglicht. Die Lösung der Mercedes-Benz-Ingenieure waren demnach die nach oben öffnenden Flügeltüren. Unter der stromlinienförmigen Karosserie verbarg sich auch eine weitere Neuigkeit: die Benzineinspritzung, die erstmals bei einem Mercedes-Benz zum Einsatz kam. Mit einer atemberaubenden Motorleistung von 215 PS (158 kW) erreichte der 300 SL eine Geschwindigkeit von 220 bis 250 Kilometer pro Stunde und demonstrierte damit spektakuläre Fahrleistungen – wie die Rennsportversion, trotz seines über 200 Kilo höheren Gewichts. Damit war der Wagen der schnellste Serienwagen seinerzeit. Die Fachpresse war begeistert und berichtete: «Man kann mit ihm beinahe lautlos über die Boulevards im Radfahrertempo flanieren – im selben direkten Gang, mit dem er mühelos die Geschwindigkeit eines Sportflugzeugs erreicht.» Die Besonderheiten des 300 SL gründeten sicher in vielen konstruktiven Details, und für die Gesamtkonzeption dieses aussergewöhnlichen Fahrzeugs war in erster Linie Rudolf Uhlenhaut verantwortlich. Die Merkmale des Motors und die Benzindirekteinspritzung gehen jedoch auf die Forschungsarbeiten von Hans Scherenberg zurück. Was die wenigsten kennen, ist der Name des Designers: Friedrich Geiger. Das Rückgrat war (womöglich) der Gitterrohrrahmen, aber darüber schwingen sich die Karosserierundungen, welche unverwechselbar vom Chefdesigner und Automobilkonstrukteur Friedrich Geiger gestaltet wurden. Geiger galt als der grosse Mercedes-Formgestalter und als ein Stilist mit

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OBEN Das Rückgrat des 300 SL bildet ein besonders verwindungssteifer Gitterrohrrahmen, der dem Rennwagen von 1952 entliehen ist. Zwar sehr stabil, gestattet jedoch wegen der hochliegenden Seitenstreben keine normale Türen. UNTEN Sein Design erhebt den Flügeltürer zur Ikone, doch was die Sindelfinger-Stilisten unter Friedrich Geiger entwerfen, ist weit mehr als «form follows function».


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Am 6. Februar 1954 hat der 300 SL auf der New York International Automobile Show seine Premiere.

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einem starken Sinn für Ästhetik und Proportionen. Der als überaus bescheiden und zurückhaltend bekannte Geiger kann für sich in Anspruch nehmen, die Formensprache der Mercedes-­ BenzPersonenwagen während vier Jahrzehnten und die Entwicklung der gebauten SL-Modelle entscheidend mitgestaltet zu haben. Um eine flache, strömungsgünstige Form zu erhalten, wurde der Motor (wie beim Rennsportwagen) um 45 Grad nach links geneigt. Möglichst geringer Luftwiederstand verlangt nach einem flachen Kühlergrill, doch hier lautet das Motto nicht nur «form follows function». Das horizontale Kühlergesicht mit dem vergrösserten Stern über der nach vorne gewölbten Stossstange vermittelt Leistung und Dynamik. Nach nur einem Jahr entwirft Geiger dann auch schon die erste Karosserie für den nachfolgenden 300 SL Roadster, der 1957 auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt wird.

nach dem Zweiten Weltkrieg bei. Er war ein Multitalent, was sich unter anderem darin manifestierte, dass er auf der Rennstrecke genauso schnell unterwegs war wie seine Formel-1-­Fahrer. Er war der Meister der Gitterrohrahmen, und sein Erfolgsrezept des 300 SL war die stimmige Mischung aus Rennsportcharakter, solider Serienbauweise und einem Schuss Avantgarde. Als Sohn einer Engländerin und eines Deutschen in London geboren, zog es Uhlenhaut in seiner Jugend nach München – nicht nur, um seine Liebe für das Skifahren auszuleben – sondern um dort Maschinenbau zu studieren. Er beginnt seine Karriere bei Daimler-Benz und wird schnell in die Rennwagenabteilung berufen, übernimmt deren Leitung und bringt die Entwicklung entscheidend voran. Als technischer Leiter der Rennabteilung soll er die Boliden mit dem Stern wieder auf die Erfolgsspur bringen – und schafft dies auch. Tausende Kilometer sitzt er selbst am Steuer, um ein Gespür für die Mängel der Rennwagen zu entwickeln. Doch auch die Fahrer hat Uhlenhaut «zurechtgewiesen». Als der Fahrer Juan Manuel Fangio meinte, dass das Auto nicht optimal vorbereitet sei, erhob sich Uhlenhaut nach einem opulenten Mittagessen, setzte sich in das Fahrzeug und umrundete den Ring drei Sekunden schneller als der Weltmeister. Zurück bei Fangio sagte ihm Uhlenhaut, dass er doch noch ein wenig üben möge.

DER SCHÖPFER DES SL

Jedes Kind hat einen Vater und jedes Auto ebenso – der 300 SL ist keine Ausnahme. Mit oder ohne DNA-Test kann in diesem Fall mit Sicherheit Rudolf Uhlenhaut als Vater bezeichnet werden. Seit mehr als dreissig Jahren war Uhlenhaut bei Mercedes tätig und trug massgeblich zur Entwicklung der Mercedes-Benz-Fahrzeuge

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TRÄUME AUF

VOM ADRENALINGELADENEN 24-STUNDEN-­RENNEN VON LE MANS BIS ZUM LEGENDÄREN GOODWOOD FESTIVAL OF SPEED, VOM BERÜHMTEN CONCORSO D’ELEGANZA VILLA D’ESTE AM COMER SEE ZUR M ­ ONTEREY CAR WEEK – DIE EVENTS UND DER MARKT FÜR SAMMLERAUTOS HABEN EINE DER AUSSERGEWÖHNLICHSTEN WACHSTUMSKURVEN DER LETZTEN JAHRE HINGELEGT. WÄHREND TAUSENDE IN SCHAREN ZU SPEZIALISTENTREFFEN, MASSENVERANSTALTUNGEN, AUKTIONEN UND CONCOURS D’ÉLÉGANCE DRÄNGEN, HABEN DIE PREISE FÜR DIE SELTENSTEN AUTOMOBILE WELTWEIT IMMER HÖHERE DREHZAHLEN ERREICHT. DER BUCHVERLAG TASCHEN WIDMET SICH IN EINEM NEUEN DOPPELBAND DEN ERLESENSTEN UND BEGEHRTESTEN AUTOMOBILEN ALLER ZEITEN.

Autorin_Swenja Willms Bilder_TASCHEN

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Sowohl für erfahrene Autosammler als auch neugierige Einsteiger ist der neue Doppelband aus dem TASCHEN-Verlag mit dem Titel «Ultimate Collector Cars» das unübertroffene Referenzwerk. Er versammelt 100 der erlesensten und begehrtesten Automobile aller Zeiten und erzählt die packende Geschichte, wie Designer und Ingenieure sich zu immer weiteren Höchstleistungen antreiben, sowohl auf als auch abseits der Rennstrecke – vom ersten Indy-500-Champ von 1910, Marmon Wasp, bis zum futuristischen Aston Martin Valkyrie von 2020. In seiner Autorität und Eleganz feiert dieses Buch der Superlative nichts weniger als die Besten der Besten und ist einem gewöhnlichen Bildband um Längen voraus. Jedes Modell wird grosszügig auf Doppelseiten ausgebreitet, mit atemberaubenden Bildern weltweit führender Autofotografen, seltenen Archivaufnahmen, Original-Werksfotos und berühmten Plakaten von Motorsportveranstaltungen. Jeder Eintrag enthält ausgewählte Expertentexte, in denen Marken und Modelle detailliert beschrieben sind – Jahr, Motorgrösse, Pferdestärken, Höchstgeschwindigkeit, Getriebe und alle wichtigen Produktionsdaten. Als renommierte und passionierte Design-Autoren greifen Peter und Charlotte Fiell auf ihre transatlantische Expertise und ihr Insiderwissen über Autoauktionen, Museen und Sammlungen auf der ganzen Welt zurück. Ihre sorgfältig zusammengestellte Auswahl umfasst die gesamte Geschichte des Automobils und bietet einen Überblick über die schönsten Modelle aller Zeiten. Sie enthält so seltene Exemplare wie ein Stutz Bearcat Model A von 1912 sowie weniger bekannte Veteranen wie das unglaubliche Talbot Lago T150 C SS «Goutte d’Eau»-Coupé von Figoni et Falaschi aus dem Jahr 1937. Dieses definitive Kompendium enthält ein Vorwort von Rob Myers, dem Gründer von RM Sotheby’s, sowie eine Einführung der Autoren, die einen einzigartigen Blick auf die Besonderheiten des Autosammelns auf höchstem Niveau bietet. Ausserdem sind diverse Interviews enthalten, unter anderen mit Dr. Frederick Simeone, dem Gründer der Simeone Foundation, dem Duke of Richmond and Gordon, dem Gründer des Goodwood Festival of Speed und Goodwood Revival, Sandra Button, Vorsitzende des Pebble Beach Concours d’Elegance, John Collins, führender Händler historischer Ferraris, und Shelby Myers, dem Leiter der Private Sales bei RM Sotheby’s. Allesamt bieten sie so grundlegende wie persönliche Einblicke in die Welt des Autosammelns.

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Charlotte & Peter Fiell sind renommierte Designautoren, die über 60 Bücher zum Thema geschrieben haben. Zu ihren verschiedenen Spezialgebieten gehört der ­B ereich Transportdesign in all seinen unterschiedlichen Formen. Sie haben zahlreiche Vorträge gehalten, Gastkurse gegeben, ­Ausstellungen kuratiert sowie weltweit Produktionsfirmen, Museen, Sale-Rooms und Privatsammler beraten.

Charlotte & Peter Fiell: Ultimate Collector Cars 904 Seiten TASCHEN ISBN 978 3 8365 8491 3 www.taschen.com


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DER GRÜNE

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MUNTERMACHER Autorin_Swenja Willms Bilder_Opel Automobile GmbH

ER STEHT FÜR EFFIZIENTEN FAHRSPASS, MUTIGE VISIONEN UND FÜR DAS NEUE MARKENGESICHT VON OPEL: DER NEUE MOKKA. DIE ZWEITE GENERATION DES BESTSELLERS IST SOWOHL MIT HOCHEFFIZIENTEN BENZIN- UND DIESEL-­T RIEBWERKEN BESTELLBAR ALS AUCH IN REIN ELEKTRISCHER FORM. DAMIT SETZEN DIE BEIDEN MODELLE EINE TRADITION FORT UND VERÄNDERN GLEICHZEITIG DIE WAHRNEHMUNG DER MARKE. WIR BEGEBEN UNS AUF EINE TESTFAHRT IM HERZEN DES BERNER SEELANDS. 115


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Es ist friedlich ruhig in der kleinen Gemeinde Studen nahe dem Bielersee. Wieso ausgerechnet hier die Testfahrt des neuen Opel Mokka stattfindet, frage ich mich. Bald darauf, als mir die zweite Generation des Bestsellers vorgestellt wird, erfahre ich, dass im nahegelegenen Biel von 1935 bis 1975 Opel-Modelle für die Schweiz montiert worden sind und das Auslieferungszentrum nach wie vor hier ansässig ist. Ausserdem bietet die Gegend mit ihren idyllischen Dörfern und Landschaften ideale Bedingungen, um den neuen Opel Mokka-e ausgiebig zu testen. Das merke ich, als ich wenig später selbst in dem Newcomer sitze. Und nicht nur farblich gliedert sich der neue Opel Mokka-e durch sein strahlendes Grün in die Umgebung ein, durch den nahezu lautlosen elektrischen Motor stört nichts die Ruhe der Natur. Es ist das erste Mal, dass ich am Steuer eines reinen Elektrofahrzeugs sitze. Doch erste Unsicherheiten sind bereits nach wenigen Sekunden hinter dem Lenkrad verschwunden. Denn der Mokka-e verbindet emissionsfreies Fahren mit einem aussergewöhnlichen Fahrerlebnis. Der Fahrer kann je nach Bedarf und Laune zwischen den drei Fahrstufen Normal, Eco und Sport wählen. Die elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 km / h, um den Verbrauch der gespeicherten Energie zu schonen und die Reichweite zu gewährleisten. Im Normal-Modus lassen sich im Mokka-e bis zu 332 Kilometer zurücklegen, also drehe ich entspannt eine Runde um den Bielersee. Dank der Vielzahl an hochmodernen Assistenzsystemen wie automatischer City-Gefahrenbremsung und Fussgängererkennung, über Verkehrsschild- und Müdigkeitserkennung bis hin zum intelligenten Geschwindigkeitsregler und -begrenzer kommt es mir vor, als müsse ich mir um nichts Gedanken machen. Somit gilt der Mokka als perfekter Begleiter sowohl im Stadtverkehr als auch über Land oder Autobahnen. Auch optisch überrascht der Mokka mit perfekten Proportionen und einer bestechenden Präzision bis ins kleinste Detail. Kurze Überhänge und ein breiter Stand sind typisch für das mutige Exterieur. «Mutig und klar – so sieht das Opel-Design der Zukunft aus. Der neue Mokka zeigt athletische Proportionen kombiniert mit präzise strukturierten, fliessenden Oberflächen. Wir haben diese Philosophie in Anlehnung an die charakteristische deutsche Formgebung entwickelt, die progressives, mutiges Design mit Klarheit verbindet», erklärt Opel-Designchef Mark Adams. Zum sportlichen Blickfang wird die GS Line: Die serienmässige rote Fenstersignaturlinie, schwarze anstelle von Chrom-Zierelementen, schwarze Leichtmetallräder, die Zweifarblackierung mit kontrastierendem Dach sowie der ebenfalls schwarze Dachhimmel und Sitzbezüge mit roten Ziernähten und Streifen für Fahrer und Beifahrer sind massgeschneidert für Sportfans. Die energiegeladene zweite Mokka-Generation ist ab sofort beim Schweizer Handel. Die reichhaltig ausgestattete Basisversion des Opel Mokka ist bereits ab CHF 24’490.– und der vollelektrische Mokka-e ab CHF 36’200.– erhältlich.

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Das ERMITAGE in Gstaad-Schönried positioniert sich als eines der führenden Wellness- & Spa-Hotels der Schweiz. Das Chalet-Resort punktet mit 10 Saunen/Dampfbädern. Draussen sorgen Natur-Guides mit Geheimtipps für ein Alpin-Erlebnis in gesunder Bergluft. 3 Übernachtungen inklusive ERMITAGE Kulinarik + 1 Alpienne Vital Massage à 50 Minuten + Zugang zur 3’700 m2 grossen Wellness-Oase + Geführte Wanderungen und Ausflüge (Mo–Fr) Ab CHF 690.– pro Person. Die Preise variieren nach Saison. Nach Verfügbarkeit. Buchbar ab sofort mit Promotionscode «Prestige» telefonisch 033 748 04 30 oder elektronisch welcome@ermitage.ch. ERMITAGE Wellness- & Spa-Hotel, Dorfstrasse 46, 3778 Gstaad-Schönried, 033 748 04 30, welcome@ermitage.ch, www.ermitage.ch


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BLAUES

EIN

Es ist einer dieser herrlich warmen Frühlingstage, der mich aus dem Haus lockt. Auf mich wartet eine kleine Rundreise in der Innerschweiz. Als Begleitung: ein Gefährt mit 550 PS und einer Lackierung, die dem Funkeln der aufgehenden Sonne Konkurrenz macht. 118


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WUNDER

© Patrick Frey

Autorin_Swenja Willms

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© Bentley Motors

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ER

Er schimmert wie eine Perle im Ozean. Als wäre das Exterieur des überarbeiteten Bentayga V8 nicht schon auffällig genug, macht die satte Kingfisher-Lackierung ihn zu einem unübersehbaren Hingucker. Das stilvolle Rauchblau mit Spiegelfinish hebt die Kurven der Bentley-typischen Design-DNA aus jedem Blickwinkel hervor: Das breite Heck, geformt aus klaren Linien und freidimensional gestalteten Heckleuchten in Facettschliffoptik, elliptisch geformte Scheinwerfer und der breite Matrixgrill im Frontdesign lassen das ausserordentliche Leistungsvermögen des neuen Bentayga V8 erahnen. Und meine Erwartungen sollten erfüllt werden. Bereits nach den ersten hundert Metern hinter dem neuen aufwendig gefertigten Lenkrad nach meiner Abfahrt in Zug wird mir klar: Unter der Haube brodelt es gewaltig. Der Luxus-SUV schafft es in nur 4,5 Sekunden von null auf 100 km / h – selbstverständlich begleitet vom unverkennbaren Grollen eines Bentley-V8-­Motors. Angetrieben vom bewährten 4,0-Liter-32-Ventil-V8-­Benzinmotor mit zwei Doppel-Scroll-­Turboladern kombiniert der Wagen immense Leistung mit beeindruckendem Kraftstoffverbrauch. Um nicht nur die Geschwindigkeit zu testen, sondern auch das Handling unter die Lupe zu nehmen, begebe ich mich auf eine Fahrt auf den Bürgenstock am Vierwaldstättersee. Die steilen passähnlichen Strassen sollten ideales Terrain sein, um das vollumfängliche Fahrerlebnis zu durchleben. Dank des innovativen Systems «Bentley Dynamic Ride» werden Wankbewegungen beim Kurvenfahren minimiert und die Traktion auf unbefestigtem Untergrund verbessert. So bereiten mir die schmalen und steilen Kurven keine Sorgen. Auf der Spitze des Bürgenstocks angekommen, schiebe ich das Panoramadach des SUVs zurück und geniesse die Aussicht und die warmen Sonnenstrahlen auf

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© Bentley Motors

meiner Haut. Zeit, um mir das Interieur des Luxusschlittens genauer anzusehen. Hochglänzende Kohlefaser ersetzt die Furnierplatten des neuen Bentayga, um ein zeitgemässes technisches und sportliches Ambiente im Innenraum zu schaffen. In das übersichtliche Cockpit wurden ein modernes, hochauflösendes 10,9-Zoll-­ TouchscreenDisplay und ein neues digitales Informations- und Warnleuchtenfeld eingebaut – zwei moderne Details, die das Design von Türen und Sitzen perfekt ergänzen. Verschiedene Fahrmodi können über die überschaubare Mittelkonsole direkt angewählt werden. Ich überprüfe die Tankanzeige und stelle erstaunt fest, dass mir immer noch knapp 500 Kilometer freie Fahrt bevorstehen. Mit einem CO2-Ausstoss von 302 g/km kommt der neue Bentayga mit einem vollen Tank auf bis zu 639 Kilometer. Unterstützt wird diese Motoreffizienz von der Start-Stopp-Technologie und der variablen Zylinderabschaltung, bei der vier der acht Zylinder deaktiviert werden, wenn sie nicht benötigt werden. Als sich der späte Nachmittag nähert, gleite ich über die Landstrassen des Luzerner Hinterlandes. Trotz der enormen Power ist im Inneren des Fahrzeugs kaum ein Laut zu vernehmen. Das macht die Fahrt umso angenehmer – auch die Massagefunktion auf der Fahrerseite trägt dazu bei, die nun ihren Einsatz hat. Sobald die Dämmerung einbricht, schafft die individuell einstellbare Stimmungsbeleuchtung ein luxuriöses Ambiente. Und mit der einkehrenden Nacht steigt auch die Melancholie in mir auf, denn ein wenig wehmütig werde ich schon, wenn ich daran denke, mich von dem neuen Bentayga wieder zu verabschieden. Die Schlüssel abgegeben, Lebewohl gesagt und wieder auf dem Fahrersitz meines eigenen Autos stelle ich jedoch fest, dass Fahrspass nicht an ein Preisschild gebunden ist, sondern Zeichen echter Innovationskunst und ausgefeilter Konzeption ist.

GANZ NACH INDIVIDUELLEN WÜNSCHEN Um den Bentayga ganz nach den eigenen Bedürfnissen zuzuschneiden, besteht eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten der Ausstattungsoptionen. So kann aus sieben serienmässig verfügbaren Karosserielacken oder ein Farbton aus der umfassenden Palette an Sonderfarben gewählt werden, wie beispielsweise der neue, luxuriöse mittlere Beige-Ton Patina oder Viridian, ein satter, dunkler Frühlingsgrünton. Die durchgängig schwarzen Zierleisten der Blackline Specification verändern den Charakter des Fahrzeugs deutlich und verleihen ihm eine fesselnde, imposante Optik. Als Alternative kann auch die beeindruckende Black Specification gewählt werden, die diesen Ansatz mit Carbonfaserdetails, schwarzen fünfspeichigen 22-Zoll-Rädern und schwarzen Endrohren noch einen Schritt weiterführt. Neben sieben optionalen Furniersorten ist Crown Cut Walnut als neues Standard-Furnier verfügbar. Dekorative kontrastierende Steppnähte, Emblemstickereien und Mikrokedern ergänzen die Interieuroptionen. Abgerundet werden die Wahlmöglichkeiten für das Interieur von 15 Lederfarben und fünf Farbkombinationen. So ist sicher, dass jedes BentaygaInterieur ein Unikat ist.

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DIE

HALLE DER LÖWEN

NACH NUR ZWÖLF MONATEN BAUZEIT HAT AMAC AEROSPACE DIE TÜREN IHRES NEUESTEN HANGARS GEÖFFNET. DER MODERNE HANGAR BIETET PLATZ FÜR BIS ZU SIEBEN MID-SIZE-JETS WIE BOMBARDIER GLOBAL, CHALLENGER SERIES, GULFSTREAM SERIES ODER EINE KOMBINATION DAVON. MIT DEM NEUEN GEBÄUDE KOMMEN MEHRERE TAUSEND QUADRATMETER NEUES VORFELD ZU DEN VIER BESTEHENDEN HANGARS AM EUROAIRPORT IN BASEL HINZU.

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Autor_Waleed Muhiddin Bilder_AMAC Aerospace Switzerland AG

Bernd Schramm, Group COO von AMAC Aerospace, freut sich: «Wir sind stolz darauf, dieses Projekt in dieser anspruchsvollen Zeit erfolgreich durchgeführt zu haben. Der Hangar ist für die Wartung von Mid-Size-Jets vorgesehen und kann bis zu sieben solcher Jets wie beispielsweise Bombardier Global, der Challenger Series, der Gulfstream Series oder eine Kombination davon aufnehmen. Die Wartungsleistungen für diese Flugzeugtypen waren schon immer sehr gefragt und nehmen aufgrund unserer anerkannten Arbeitsqualität stetig zu.» Fünf neue Werkstätten sind in das Gebäude integriert: Eine Komponenten- und Kalibrierungswerkstatt, eine Fensterreparaturwerkstatt, eine Schallprüfwerkstatt und zwei Büros – das Bombardier Maintenance Supervisors Office sowie das Bombardier Maintenance Planning Office – befinden sich im hinteren Bereich des Hangars 5. VERGRÖSSERUNG DES TEAMS VON QUALIFIZIERTEN FLUGZEUGTECHNIKERN UND HANDWERKERN Mit der Vergrösserung der Hangarkapazitäten wird auch das Team der Mitarbeiter vergrössert. Der Rekrutierungsprozess hat bereits begonnen und wird in den kommenden Wochen und Monaten fortgesetzt, um sicherzustellen, dass die hohe Qualität der in Basel angebotenen Dienstleistungen beibehalten werden kann. «In Zeiten wie diesen sind Geschäftsleute auf der ganzen Welt auf der Suche nach einer sicheren Möglichkeit zu reisen. Den perfekten Wartungspartner an ihrer Seite zu haben, ist nicht nur beruhigend, sondern gibt ihnen auch die dringend benötigte Flexibilität», erklärt Ruedi Kurz, Director of Maintenance & Production Organisation. «Egal, welchen Flugzeugtyp unsere Kunden ihr Eigen nennen – eine Bombardier, eine Gulfstream oder die neueste Pilatus PC-24 –, unsere qualifizierten Teams kümmern sich um jedes Flugzeug mittlerer Grösse, das hier in Basel ankommt. Wenn nötig, reisen unsere AOG-Support-Teams aber auch dorthin, wo unsere Kunden sind.» WIE ALLES BEGANN Im April 2019 musste zunächst das bestehende Containerdorf mit einer Fläche von 800 Quadratmetern abgebaut und an einen neuen Standort hinter dem Hangar 4 und weiter vorne auf dem Gelände verlegt werden. Vier Monate später begannen die Erd­arbeiten für die neue Rollfeldfläche. Ende Dezember 2019 wurde die beachtliche Menge von 85’000 Kubikmetern Erdreich ausgehoben und ein neues Rollfeld von 30’000 Quadratmetern erstellt. Die Flugzeuge

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wurden anschliessend auf der neuen Fläche neu geparkt; ein bestehender Parkplatz für 320 Autos wurde entfernt und in der Nähe neu gebaut, um Platz für die Hauptbaustelle des Gebäudes zu schaffen. Im Januar 2020 trafen schwere Maschinen am Hauptsitz von AMAC Aerospace in Basel, Schweiz, ein, um den Boden für das neue Gebäude vorzubereiten. Die Aushubarbeiten für den Hangar begannen im Februar, und Ende des Monats wurden riesige Regenwasserauffangtanks für das Entwässerungssystem unter die Oberfläche gebracht. DREI ETAGEN TIEFER «Da Basel in einem erdbebengefährdeten Gebiet liegt, steht die Sicherheit an erster Stelle», erklärt Philippe Schurrer, Projektleiter und Director Safety & Security, Facility Management. «Mehrere Stützen wurden sechs Meter tief in den Boden versenkt. Der Hangar steht auf diesen verstärkten Fundamenten, die in der Lage sind, jegliche Stösse und Vibrationen zu absorbieren. Hangar 2, 3 und 4 sind nach dem gleichen Prinzip gebaut, sogar bis zu acht Meter tief, Hangar 1 hat die gleiche Tiefe wie Hangar 5», ergänzt er. BEEINFLUSST DURCH COVID-19 Aufgrund der aktuellen Corona-Krise mussten die Bauarbeiten bis zum 11. Mai 2020 eingestellt werden. Dann gaben die EU-Behörden ihr OK, die Arbeiten auf allen Baustellen gleichzeitig wieder aufzunehmen. «Zum Glück haben wir ein ausgezeichnetes Netzwerk an Kontakten, sodass wir vorbereitet waren und sogar das meiste benötigte Material vorbestellen konnten», so Philippe Schurrer. «Wir haben in der ersten Woche mit 25 bis 30 Arbeitern wieder angefangen, dann haben wir die Zahl auf bis zu 40 Arbeiter pro Arbeitstag erhöht.» ANSPRUCHSVOLLE BAUSTELLE Die Baustelle selbst war eine Herausforderung. In der Nähe einer der Start- und Landebahnen des EuroAirports Basel mussten einige Einschränkungen beachtet werden. Für den Bau der Hangar-­

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Tragstruktur wurde ein pneumatischer Kran benötigt. Da der Kran den Sicherheitsabstand von sieben Prozent zur Start- und Landebahn beeinträchtigte, musste er in kürzester Zeit wieder entfernt werden können. Im Notfall musste die Startbahn sofort geräumt werden, was bedeutete, dass der Kran innerhalb von 20 Minuten demontiert werden musste. Glücklicherweise war dies nie der Fall, das Projekt blieb von Unfällen verschont. BEEINDRUCKENDE HOLZKONSTRUKTION Die Hangars von AMAC sind berühmt für ihre Holzstruktur. Die massiven Holzrahmenkonstruktionen bestehen aus mehreren Holzschichten; sie sind speziell laminiert, um die Steifigkeit zu erhöhen, ausserdem sind sie ökologisch. Die Holzbalken wurden in der Fabrik zugeschnitten und geformt, sodass sie, als sie in Basel ankamen, fertig waren, um wie Legosteine eingebaut zu werden. Der Transport der massiven Holzbalken war aussergewöhnlich und beeindruckend: Elf Spezial-LKWs mussten organisiert werden, um diese Holzelemente vom Elsass in Frankreich zu den AMAC-­ Hangars am EuroAirport Basel in der Schweiz zu bringen. MIT VOLLDAMPF IN DEN HERBST Im Oktober wurde der Hauptstromtransformator installiert. Ende Oktober erfolgte die Montage der letzten Dachelemente. Aufgrund der guten Wetterbedingungen – kein starker Wind – wurden die Elemente vorsichtig auf die Pfeiler beziehungsweise die tragenden Punkte gesetzt. Die Arbeiten am Gebäude waren sehr schnell vorangeschritten. Das ehrgeizige Ziel war es, den Fussboden im Inneren des Gebäudes noch vor Ende des Jahres fertig zu haben. Der Bodenbelag wurde zonenweise erstellt, eine Menge Beton war zu giessen. Diese Aufgabe selbst benötigte drei Wochen. Der Boden muss sehr widerstandsfähig sein; er muss vollständig trocknen, bevor die maximale Belastbarkeit erreicht ist. Zum Aushärten hatte daher die Temperatur deutlich über 0°C zu liegen. Anfang Januar wurden die massiven Hangartore eingebaut. Um die Länge von 120 Metern abzudecken, wurden sechs riesige

Schiebetüren passgenau in die Schiebetürschienen eingesetzt. Zur gleichen Zeit begann der gesamte Innenausbau. Mehrere Werkstätten, Schränke, die Sanitärarbeiten sowie die Heizungs- und Elektroanlagen wurden installiert. Und nicht zu vergessen: Alle Sicherheitsinstallationen wie die Feuerlöschanlage, die Sprinkleranlage und die Entrauchung mussten durchgeführt und geprüft werden. Durch die riesigen Türen und mehrere Oberlichter ist der Innenraum des Hangars sehr hell und lichtdurchflutet – dennoch wurden eine starke Beleuchtung und ein Umluftsystem eingerichtet und kalibriert. OPTIMIEREN DER ROLLBAHNOBERFLÄCHE Der Asphalt vor allen Hangars ist keine ebene Fläche. Der Boden ist leicht abschüssig beziehungsweise ansteigend, sodass Wasser und Schnee abgeleitet werden können. Da der neue Asphalt vor dem Hangar 5 angepasst werden musste, wurde der Platz vor dem Hangar 1 als Arbeitsbereich genutzt und war während der Oberflächenarbeiten nur teilweise von aussen zugänglich. Der Asphalt selbst, einschliesslich des Betonierens, war Ende Januar 2021 fertig. Dieser Spezialbeton kann auch bei einer Temperatur unter -5,0° / -6,0° aushärten. Sobald der Asphaltbelag bereitet war, durften Kräne, LKWs und schwere Lasten darüberrollen. VIRTUELLES TOR Als die Rollbahn erweitert wurde, hatte AMAC auch ein neues Tor installiert, durch das die Flugzeuge von der Rollbahn aus auf das Gelände von AMAC gelangen. An jedem Ende des Gates sind Infrarotlaser installiert, die, sobald sie unterbrochen werden, sofort einen Alarm an das Sicherheitsteam von AMAC senden. Hochmoderne Sicherheitskameras erleichtern die Arbeit, um das riesige Rollfeld rund um die Uhr sicher zu kontrollieren und erlauben, bei Flugbewegungen Zeit zu sparen. Die Gates werden von der Flughafen-Gendarmerie operativ überwacht, sodass ein umfassender Sicherheitsbetrieb mit einem wachsamen Auge auf den Standort von AMAC gewährleistet ist.

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DER

SANFTE

Autorin_Mirella Sidro Bilder_Markus Hofmann / white-photo.com

EROBERER ZUM 200STEN TODESTAG NAPOLEONS REISEN WIR MIT DEM DS 7 CROSSBACK VON PARIS NACH MARENGO, UM SEINER LEGENDÄREN ÜBERQUERUNG DES GROSSEN SANKT BERNHARD AUF DEN GRUND ZU GEHEN.

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mit Zwischenstopps in Bourg-Saint-Pierre und am Grossen Sankt Bernhard. Mit dem Tempomat und dem DS CONNECTED PILOT fährt die französische Limousine fast wie von selbst über die Autobahn. Das avantgardistische Exterieur und die königliche Farbe, welche dem Umhang Napoleons zum Verwechseln ähnlich ist, ziehen auffällig die Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer an. Dieses französische Luxusobjekt auf vier Rädern ist eine Hommage an Paris selbst. La Déesse, die Göttin, ist wiedergeboren, nur in einem anderen Kleid, der heutigen Zeit angemessen. Als Namensgeberin diente der erste Citroën DS 19. Schönheit und Stil sollen den Geist der Stadt wiedergeben, der Heimat von Haute Couture, Geschichte und Kultur. Mein Kompagnon und ich sitzen im Auto in komfortablen basalt-schwarzen Nappa-Leder-­Sitzen im Uhrenarmband-Finish. Die Marke ist auch der einzige Hersteller weltweit, der eine Sattlerei im eigenen Designcenter betreibt. Die analoge Cockpit-Uhr stammt aus der exklusiven Uhrenmanufaktur B.R.M. Das pyramidenförmige Guillochemuster «Clous de Paris» ziert die Kippschalter. Der berühmte Uhrenmacher Abraham-Louis Breguet entwickelte 1786 dieses edel aussehende Verfahren, das bis heute in Uhren zu finden ist. Auch Napoleon und dessen Ehefrau Josephine zählten zu seinen Stammkunden.

Erhaben sitzt Napoleon Bonaparte auf seinem aufgerichteten Pferd. Umhüllt mit einem orange-goldenen Umhang reitet der General siegessicher über den Grossen Sankt Bernhard in 2469 Meter Höhe, um im Zweiten Koalitionskrieg Norditalien von den Österreichern zu befreien. Der Legende nach überquerten den Pass auch Hannibal mit seinen Elefanten, um Rom zu erobern, und Karl der Grosse, um Italien in sein Reich einzugliedern. Wahrscheinlich war es Napoleon selbst, der seine historische Überquerung im Mai 1800 in diesem berühmten Gemälde verewigen liess. Jacques-Louis David kreierte dieses Kunstwerk noch im selben Jahr. Die Darstellung ist allerdings idealisiert wiedergegeben. Tatsächlich sollte Napoleon diese Schlacht niemals vergessen, nach der er auch sein Pferd benannte und in der er seinen langjährigen Freund, General Louis Charles Antoine Desaix, verlor. Man erzählt sich gar, seine letzten Worte, bevor er starb, wären Marengo und Desaix gewesen. Wir sind den Spuren Bonapartes von Paris nach Marengo gefolgt, um mehr über die Erzählungen und Legenden zu erfahren. Unser 177 PS starker Begleiter für die Reise ist der DS 7 Crossback BLUEHDI 180 EAT8 in Byzantin-Gold mit OPERA-Innendesign. Es geht direkt von Paris nach Mailand über Lausanne und Villeneuve

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Am Nachmittag erreichen wir Bourg-Saint-Pierre, die letzte Station Napoleons, bevor er über den Pass ritt. Es scheint, als ob hier in 1600 Meter Höhe über dem Meeresspiegel die Zeit stehen geblieben wäre. Ein Schild und der Zweispitz am Eingang kündigen an, dass das Dorf dem General und seinen Truppen als Hauptquartier diente. Die französischen Truppen haben wichtige Ausrüstung und Dienstleistungen in Anspruch genommen, die dem Dorf einen finanziellen Schaden hinterliessen. Napoleon schrieb den Bewohnern, dass er dafür natürlich aufkommen würde. Doch die versprochene Bezahlung blieb aus. Der Streit wurde erst 1984 symbolisch beigelegt, als Staatspräsident Mitterrand dem Dorf ein Medaillon von 80 Zentimeter Durchmesser schenkte, das Napoleon repräsentierte. Nur noch 13 Kilometer trennen uns vom Pass. Wir werden ihn allerdings nicht erreichen. Nach etwa zehn Kilometern ist Schluss. Der komplette Pass liegt auch im April noch unter einer hohen Schneedecke. Wir müssen den Tunnel nehmen, um weiterzukommen. Napoleon wäre sicherlich für den alternativen Weg und ein warmes Transportmittel dankbar gewesen. Als er den Pass am 20. Mai 1800 überquerte, mussten er und seine Truppen vollbepackt eine drei Meter hohe Schneedecke überwinden. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen, und es wird dunkel, als wir weiter nach Mailand fahren. Ich mache das Licht an. Die sechs schmalen LED-Schweinwerfer erinnern dank der Lasergravur an geschliffene Edelsteine und sind eine Hommage an die Schmuckhersteller. Das Besondere: Sie drehen sich um 180 Grad beim Starten des Wagens, während violettes Licht aufleuchtet. Das Design der Rücklichter erinnert an eine Schlangen- oder Drachenhaut in 3D. Trotz 14-stündiger Reise sind wir bei unserer Ankunft nicht müde. Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Marengo zum Museum, das die Geschichte der Schlacht erzählt. Es hat zu, wie den Recherchen nach erwartet. Öffnungszeiten: samstags und sonntags von 15.00 – 18.00 Uhr. Wir sehen uns um. Ein altes Gehöft, in dem ein älterer Herr Gartenarbeit verrichtet, liegt daneben. Wir fragen

ihn, ob das Museum heute öffnen würde. Er grinst. Vielleicht. Die Institution habe kein Geld, und Gäste wären auch rar. Kein Wunder, denn kaum einer weiss von seiner Existenz. Der Herr fragt uns, ob er uns helfen könne. Wir unterhalten uns in französischer Sprache. Pierreguiseppe Negri findet unsere Geschichte spannend. Sein Gehöft, das er von seinem Grossvater und Vater vererbt bekommen hatte, ist die ehemalige Unterkunft von Napoleon und seinen Truppen. In seinem Keller hängt immer noch eine kleine Öllampe aus dieser Zeit. Der sympathische Rentner lacht herzlich und freut sich über meine Begeisterung. Er führt uns zu der Stelle, wo die Truppen schliefen. Heute nutzt er den Schuppen als Abstellkammer. Eine dicke hohe Mauer umgibt das Anwesen. Aussen stecken immer noch Kanonenkugeln, die wahrscheinlich von den Österreichern abgefeuert wurden. Während seine Vorfahren Bauern waren, ist er Ingenieur geworden. Obwohl das Gehöft viel Arbeit macht, behält er es aus nostalgischen Gründen.

Thomas Schuler: Auf Napoleons Spuren Verlag C.H.Beck oHG 408 SEITEN ISBN: 978 3 406 73529 5

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Schlacht im verregneten Marengo. Bonaparte gewann dank seiner Generäle wie Desaix, der in der Schlacht fiel. Den Tod seines guten Freundes und langjährigen Gefährten hat er nie überwunden. Er liess ihn in der Kapelle am Grossen Sankt Bernhard beisetzen. Etwa 13’000 Soldaten verloren in dieser Schlacht ihr Leben. Ferrando schüttelt den Kopf: «Bis heute finden Bauern beim Umgraben ihrer Felder Gebeine von Menschen und Pferden aus dieser Zeit. Inoffiziell mussten sicherlich mehr ihr Leben lassen.» Wir fahren unseren DS 7 Chrossback aus dem Innenhof. Friedlich gleitet er über den Garten des Museums, dessen Eingang eine Pyramide ziert. Während vor 250 Jahren die Ankunft Napoleons entweder Fluch oder Segen war, bringt unser DS 7 Crossback Freude und verbindet die Menschen verschiedener Länder miteinander. Es hat sich viel zum Positiven gewendet. Und dennoch haben die beiden Franzosen etwas gemeinsam: Durch ihr Charisma hinterlassen beide einen bleibenden Eindruck.

Pünktlich um 15.00 Uhr öffnen tatsächlich die Tore zum Parkplatz des Museums. Ob wir das Auto in den Hof zur Statue Napoleons fahren dürfen, um Fotos zu machen? Ein begeistertes «Ma certo» ist die Antwort. Sein Charisma wirkt auch ausserhalb der Grenzen Frankreichs. Die alte herrschaftliche Villa wurde kurz nach der Schlacht zum Museum umfunktioniert. Die ockergelbe Fassade ist die perfekte Kulisse für unseren goldenen Star auf vier Rädern. Er scheint zu glänzen am Fusse des grossen Generals, Konsuls und Kaisers Frankreichs. Der Kurator Giacomo Ferrando erzählt, dass im Jahre 1800 ungewöhnlich schlechtes Wetter in der Schweiz und Italien herrschte. Beim Überqueren des Passes schneite es unaufhörlich. Napoleon ist nicht, wie auf dem Gemälde dargestellt, auf einem Pferd geritten, sondern auf einem Maulesel. Die Kanonen mussten für den Transport zerlegt werden. Die Rohre, welche in ausgehöhlte Baumstämme gelegt wurden, wurden von jeweils 100 Mann den Pass hinauf gezogen. Am 14. Juni begann die

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ACQUA DI PARMA

Acqua di Parma und Poltrona Frau lancieren den ersten Diffuser für Luxusfahrzeuge. Das elegante Designobjekt wurde vom preisgekrönten Designer-Duo GamFratesi entworfen und bietet ein einhüllendes sensorisches Erlebnis. Der Diffuser kann mit allen neuen Duftkompositionen der Maison befüllt werden.

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Ein leichter und vielseitiger kabelloser Kopfhörer – erhältlich für verschiedene Rolls-Royce-Modelle. Entworfen mit dem subtilen Rolls-Royce-Branding und einer Hartschalenhülle zur Auf bewahrung bei Nichtgebrauch.

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TRENDS

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GENESIS

Der Genesis G80 verkörpert unverwechselbares Premium-Design, modernste Technologie, pure Fahrfreude sowie Komforteigenschaften der Extraklasse. Als geräumige Luxuslimousine von aussergewöhnlicher Qualität stellt er den Höhepunkt einer zehnjährigen Entwicklungsarbeit dar, bei der der Fokus auf den anspruchsvollen Strassen Europas liegt.


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PRESTIGE LINKS Prada RECHTS Top: Miu Miu Glasses: Celine

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LINKS Top: Christian Wijnants Bag: ATP Atelier via MELAGENCE RECHTS Full Look: Miu Miu

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PRESTIGE Suit: Joseph Swimsuit: Wolford Bag: Julia Skergeth

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FASHION Dress: Hermès Earrings: Uncommon Matters

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FASHION LINKS Dress: Gucci Earrings and Ring: Swarowski RECHTS Dress: Rotate Bracelet: Uncommon Matters

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PRESTIGE Top: Prada

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FASHION Dress: Hermès Earrings: Uncommon Matters Bag: Julia Skergeth

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LINKS Body: Wolford Short: Vladimir Karaleev Sandals: Isa Boulder RECHTS Dress: Redvalentino Earring: Schmiede Bosslau

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PHOTOGRAPHY: KATIA WIK

STYLING:

MARIA THOMAS

HAIR & MAKE-UP:

NATALIA VERMEER

MODEL:

NYAWARGAK GATLUAK FROM MIRRRS MODELS


© Condé Nast Publications Inc. / courtesy Schirmer / Mosel

Lisa Fonssagrives-Penn

© Irving Penn / courtesy Schirmer / Mosel

DAS ERSTE SUPERMODEL

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Sie ist von überirdischer Schönheit, anmutiger, aristokratischer Eleganz sowie der Inbegriff von Ladyness und Chic. Begriffe, die in ihrem Métier heutzutage passé sind. Kultiviert und klug, eine ausgebildete Ballett-Tänzerin, Fotografin, Bildhauerin und Designerin. Doch sie ist nicht nur das erste Supermodel in der Geschichte der Modefotografie, sie ist Muse und Inspiration sowohl für Fotografen als auch für spätere Generationen. Lisa Fonssagrives-Penn. Eine wie keine mehr nach ihr.

Autorin_Helena Ugrenovic

Republik China unter Präsident Sun Yat-sen, in Wien bricht die Teuerungsrevolte aus, in deren Verlauf das österreichische Militär erstmals seit 1848 wieder auf demonstrierende Menschen schiesst, und Clara Zetkin, eine sozialistisch-kommunistische Politikerin, Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin, initiiert etwas, das heute noch jährlich zelebriert wird: den Internationalen Frauentag am 8. März. Das deutsche Kanonenboot «SMS Panther» löst mit dem Panthersprung nach Agadir die erste internationale Krise aus. Eigentlich befindet es sich auf dem Rückweg nach Deutschland, doch legt es während der langen Heimreise und der zweiten Marokko-­Krise ausgerechnet einen Stopp zum Kohlebunkern in Agadir ein und versetzt damit Frankreich und Grossbritannien in Angst und Schrecken, die eine deutsche Intervention befürchteten. Italien startet aufgrund innenpolitischer Probleme mit kolonialer Expansion ein Ablenkungsmanöver und erklärt dem geschwächten Osmanischen Reich den Krieg. Die Welt ist ein Pulverfass, auf dessen Oberfläche zahlreiche Flammen züngeln, als am 17. Mai 1911 Lisa Brigitta Bernstone in Göteborg, Schweden, geboren wird und wenige Jahre später ihre eigene, sehr ästhetische und künstlerische Revolution anzetteln wird.

Als sie zum ersten Mal für ein Magazin fotografiert werden soll, die französische «Vogue», hat sie noch kein einziges Mal in einer Modezeitschrift geblättert. Von Mode hat sie insofern keine Ahnung, da sie alle ihre Kleider selber näht. An diesem denkwürdigen Tag trägt sie einen Anzug aus dunkelbrauner Wolle, ihr Haar ist ihrer Meinung nach zu lang und zu widerspenstig und sie selbst verängstigt. Das Team am Set weiss nicht, was es mit ihrer wilden Mähne anstellen soll, sie weiss nicht wohin mit ihren Händen während des Posierens. Doch wie es ihrem Naturell entspricht, marschiert sie nach diesem Testlauf in den Louvre, um herauszufinden, wie unterschiedlich gekleidete Menschen verschiedene Dinge tun. Vor allem wenn sie Abendgarderoben tragen. Lisa Fonssagrives ist eine Frau mit Köpfchen sowie klaren Vorstellungen darüber, wie sie persönlich dazu beitragen kann, das perfekte Kunstwerk von sich zu erschaffen. Trotz ihrer im «Time Magazine» veröffentlichten Aussage «Es ist immer das Kleid, es ist nie, nie das Mädchen. Ich bin nur ein guter Kleiderbügel» ist sie alles andere als nur das. Zwischen 1936 und 1939 zählt sie zu den bestbezahlten Models in Paris und erscheint in den 1930er, 1940er und 1950er Jahren auf den Titelseiten zahlreicher Zeitschriften wie «Town & Country», «Life» und «Vanity Fair». Allein bei der amerikanischen «Vogue» ziert sie 200 Mal das Cover. 1961, im Alter von 50 Jahren, ehrt sie «Harper’s Bazaar» mit der Titelseite.

MIDSOMMAR Es ist ein idyllisches, privilegiertes Leben, welches das Ehepaar Bernstone mit ihren drei Töchtern in ihrer vom schwedischen Architekten Eugen Thorburg entworfenen Villa in Uddevalla, 85 Kilometer von Göteborg entfernt und fantastisch am Ende eines Fjords gelegen, führt. Lisas Vater ist Zahnarzt und vom Familiennamen Anderson gelangweilt. Er findet ihn banal und ändert

EIN REVOLUTIONÄRES JAHR In Mexiko löst 1911 der Revolutionär Francisco Madero den Langzeitherrscher Porfirio Díaz ab, in China führen der Wuchang-Aufstand und die Xinhai-Revolution ein Jahr später zur Gründung der

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ihn kurzerhand in Bernstone, was schnittiger klingt. Ihre Mutter fertigt Kleider, ihr Vater malt in seiner Freizeit. Mit ihren Kindern fahren sie durch Europa, besuchen Museen und ermutigen Lisa und ihre Schwestern für die schönen Künste. Lisa studiert Kunst, Ballett und Bildhauerei. In einem Interview erzählt sie später: «Auch meine Mutter war sehr kreativ. Sie nähte alle unsere Kleider und schuf eine solche Atmosphäre von Magie und Schönheit, dass ich mich während dieser ganzen verzauberten Kindheit fragte, wie ich etwas Besseres als das, was ich lebte, machen und etwas aus mir machen könnte. Ich malte, bildhauerte und tanzte als Kind.» Als sie von der Mary Wigman Schule in Berlin hört, schreibt sie diese direkt an und fährt 1931 auf deren Einladung hin nach Berlin. Wigman ist deutsche Tänzerin, Choreographin und Tanzpädagogin und zählt zu den einflussreichsten Wegbereiterinnen des rhythmisch-expressiven Ausdruckstanzes, der in den Jahren zwischen 1920 und 1935 nicht nur in Deutschland seine Blütezeit erlebt. Als Lisa wieder nach Stockholm zurückkehrt, eröffnet sie eine Tanzschule und wird von Astrid Malmborg, einer bekannten schwedischen Choreografin, dazu eingeladen, an einem internationalen Wettbewerb in Paris teilzunehmen.

DIE GEBURT EINES SUPERMODELS Die anfänglichen Unsicherheiten während ihrer ersten Séance bei der «Vogue» meistert Lisa Fonssagrives durch ihre unglaubliche Vielseitigkeit und ihr ausgeprägtes Interesse an jedem noch so kleinen Detail profihaft. Wie es der Zufall, oder das Schicksal,

© George Hoyningen-Huene / courtesy Lisa Fonssagrives Archive, Huntington Connecticut / courtesy Schirmer/Mosel

DIE STADT DER LIEBE Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, vor den richtigen Menschen. Das Schicksal hat für die junge Künstlerin, die mit Mode bis zu diesem Moment nichts am Hut hat, die Weichen gestellt. Lisa Fonssagrives gewinnt in Paris nicht nur einen Ehrenpreis. Sie verliebt sich in die «weisse Stadt», die Metropole für Kunst,

Kultur und Genuss ist und wo das spezielle Savoir-vivre, der Pariser Flair, gelebt wird. Sie beschliesst, in Paris zu bleiben, neben Modern auch andere Formen des Tanzes zu studieren und meldet sich in der Ballettschule von Lubov Egorova, Prinzessin Nikita Troubetska, der Königsklasse, an. Die in St. Petersburg geborene Egorova absolvierte die Kaiserliche Ballettschule am Maryinski-Theater, brillierte als «Odette» in «Schwanensee», und man verglich ihre «Giselle» mit der russischen Meistertänzerin Anna Pawlowna. «Es war eine unglaublich inspirierende Zeit und Prinzessin Egorova eine fantastische Lehrerin! Ungefähr zu dieser Zeit lernte ich meinen ersten Mann, Fernand Fonssagrives, kennen, der ebenfalls Tänzer war. Eines Tages, es war im Jahr 1936, kehrten wir nach einem sehr langen Tag nach Hause zurück. Im Aufzug, wir wohnten im 10. Stock, erzählte mir unser Nachbar, dass er Fotograf sei, und fragte mich, ob ich für ihn Hüte modeln wolle. Ich war furchtbar schüchtern, fühlte mich aber andererseits sehr geschmeichelt, dass er mich als Model haben wollte. Ich war so jung und so naiv.» Der Mann im Aufzug entpuppt sich als Willy Maywald, ein deutscher Fotograf, der 1947 die erste Kollektion von Christian Dior fotografiert, die später als «New Look» in die Modegeschichte eingeht. Maywald fotografiert Lisa, und ihr Mann präsentiert die Fotos der «Vogue».

George Hoyningen-Huene: Mode von Vionnet, Paris 1938

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© Condé Nast Publications Inc. / courtesy Schirmer / Mosel

FASHION

Erwin Blumenfeld: Mode von Lucien Lelong, Eiffelturm, Paris 1939

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Star-Fotografen wie Erwin Blumenfeld, Horst P. Horst, George Platt Lynes, André Durst und Eugene Rubin reissen

«SENSIBLE MENSCHEN, DIE MIT DER AUSSICHT AUF EIN KAMERAPORTRÄT KONFRONTIERT WERDEN, SETZEN EIN GESICHT AUF, VON DEM SIE GLAUBEN, DASS ES DASJENIGE IST, DAS SIE DER WELT ZEIGEN MÖCHTEN ... OFT IST DAS, WAS SICH HINTER DER FASSADE VERBIRGT, SELTENER UND WUNDERVOLLER, ALS DAS SUBJEKT WEISS ODER ZU GLAUBEN WAGT.»

sich um die Zusammenarbeit mit der schwedischen Schönheit, die sie mit ihrem professionellen Auftreten so ganz ohne Allüren verzaubert, oder wie Horst schwärmt: «Sie ist das professionellste Model, das ich jemals erlebt habe!»

Irving Penn

LISA FONSSAGRIVES-PENN: Drei Jahrzehnte klassischer Modephotographie 152 Seiten, 118 Tafeln Schirmer / Mosel Verlag ISBN 978-3-8296-0796-4

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© George Platt Lynes Estate / courtesy Schirmer / Mosel

FASHION George Platt Lynes: Werbung für Henri Bendel, New York ca. 1940-41

sich auf die Kamera, bis sie spürt, dass ihre Energie in die Linse strahlt. Kein Maskenbildner darf jemals Hand anlegen, da sie darauf besteht, sich selber zu schminken – sie ist berüchtigt für ihre Hingabe. So schwebt sie ohne Sicherheitsnetz während Fotoaufnahmen von Erwin Blumenfeld in schwindelerregender Höhe am Eiffelturm oder springt mit dem Fallschirm von einem sehr hohen Ausstellungsturm.

will, erleidet Fernand Fonssagrives gerade zum Zeitpunkt, als sie mit dem Modeln beginnt, eine Rückenverletzung nach einem Tauchunfall und muss das Tanzen aufgeben. Sie schenkt ihm eine Rolleiflex-­Kamera, mit der Fernand während ihrer Urlaube hauptsächlich Lisa fotografiert und ihre Fotos an Zeitschriften in ganz Europa verkauft. Nach den ersten Probeaufnahmen mit dem «Vogue»-­Fotografen Horst P. Horst entbrennt das Feuer in Lisa. Sie will nicht einfach posieren, Kleider und Hüte zeigen, sie will es perfektionieren. Einen Tag nach dem Probelauf mit Horst wird sie von der «Vogue» erneut zu einer Séance eingeladen, um die exquisitesten Kleider von Alix und Lelong zu präsentieren. Lisa stellt sich vor, was für eine Art Frau das Kleid, das sie gerade trägt, tragen würde, und nimmt vor dem Spiegel verschiedene Charaktere an. «Damals waren es keine Shootings, sondern Séancen, Zusammenkünfte. Bevor ich zum Set ging, betrachtete ich mich im Spiegel der Garderobe und versuchte instinktiv, die Probleme des Fotografen zu lösen.» Sie analysiert den Schnitt des Kleides und probiert diverse Posen aus, um zu sehen, wie die Garderobe am besten fällt, wie das Licht es zur Geltung bringen würde, und sie versucht, eine Linie zu kreieren, so als zeichne man es. Sie objektiviert sich selbst und ist mehr Regisseurin als Schauspielerin. Sie ist nicht mehr Lisa Fonssagrives, sondern «das Mädchen» und begleitet ihr Tun gedanklich: «Da steht das Mädchen richtig, da sieht es unbeholfen aus.» Sie nimmt die Verantwortung sehr ernst, ist fast schon besessen von Form und Licht, der Dramaturgie von Kontrasten und studiert Fotografie. Die Kunst der Fotografie nennt sie «stilles Tanzen», das sie mit einer Disziplin und einem dramatischen Gespür durch jahrelanges Tanzen erlernt hat, sie konzentriert

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EIN NEUES, ANDERES LEBEN Als die Fonssagrives 1938 auf dem Weg nach New York sind, wird der Krieg erklärt, und sie beschliessen, in Amerika zu bleiben. Doch ihre Ehe zerbricht, und Lisa beginnt damit, für das «Ladies Home Journal» selber hinter der Kamera zu stehen und zu fotografieren. Sie lebt in einer grossen, alten Wohnung am Central Park West, in der sie eine Dunkelkammer einrichtet und ihre Fotografien entwickelt. Sie experimentiert mit eisenhaltigem Zyanid, um ein Bild aufzuhellen und die Umrisse der Form aufzulösen. Genau wie Irving Penn, den sie in Paris kennenlernt. 1950 soll Irving Penn in Paris die Haute-Couture-Kollektion für die «Vogue» fotografieren. Er arbeitet in einem Tageslichtstudio mit einem alten Theatervorhang als Kulisse, und keine Geringere als das begehrteste Fotomodel der Zeit ist die Hauptakteurin vor der Kamera. «Als Lisa den Raum betrat, sah ich sie, und mein Herz hämmerte gegen meinen Brustkorb! Das war sie, ohne Zweifel!» Die beiden heiraten im September 1950, und Lisas Dunkelkammer am Central Park West wird in ein Kinderzimmer umfunktioniert. Während die Karrieren anderer Models schon vor deren dreissigstem Lebensjahr enden, blüht Lisas Karriere erst richtig auf. RICHTUNGSWECHSEL Bis in die frühen 1950er Jahre modelt sie hauptsächlich für die amerikanische «Vogue» und beginnt wenige Jahre später, Kleider zu entwerfen. Anfänglich ist es nur gelegentlich ein Kleid für eine Werbekampagne ihres Mannes, aber dann erhält sie Bestellungen für Abendkleider. Sechs Jahre lang entwirft sie eine Reihe von Kollektionen sowie Sportbekleidung für Lord & Taylor. Als sie ihre Wohnung am Central Park verlassen müssen, weil das Haus abgerissen wird, und sie in der neuen Wohnung kein Geschäft führen darf, beendet sie ihre Arbeit Knall auf Fall. Sie möchte sich etwas anderem widmen und beginnt, mehr Zeit mit Bildhauerei in ihrem Wochenendhaus in Long Island zu verbringen. Sie erschafft bullige, wuchtige Skulpturen aus Marmor, Bronze und Fiberglas, die so ganz im Gegensatz zu ihrer eigenen Zierlichkeit stehen, und ist auch als Bildhauerin sehr erfolgreich. Am 4. Februar 1992 endet die Reise des talentierten und so vielseitigen Supermodels und einer Künstlerin schlechthin im Alter von 80 Jahren.


Autorin_Lone K. Halvorsen

SNEAKERS

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© CELINE

FASHION

SCHUH SPORTSCHUH KULTSCHUH STATUSSYMBOL LÄSSIG, LEICHT UND LUXURIÖS – JEDER LIEBT IHN UND IN (FAST) JEDEM SCHUHSCHRANK STEHT ER IN VERSCHIEDENEN FARBEN UND STYLES. WAS URSPRÜNGLICH ALS SPORT- UND FREIZEITSCHUH HERGESTELLT WURDE, IST ZUM NUMMER-EINSSCHUH IN DEN CHARTS EMPORGEKLETTERT. DIE REDE IST VOM ALLZEIT BELIEBTEN SNEAKER. der Sneakers nimmt dabei nahezu Monopolstellung unter den Schuhen ein. Wir tragen sie auf der Arbeit, beim Sport, beim Spazieren, in der Schule, abends im Restaurant und gar auf dem Laufsteg der weltbekannten Modelabels – Sneakers passen einfach immer und sind nicht mehr wegzudenken. Doch welche Geschichte steckt hinter diesem Kultschuh?

NUR BIS ZUR PLIMSOLL-LINIE

Jeder will ihn, jeder hat ihn, aber der Sneaker wurde nicht immer von allen geliebt. Wurde er früher gar in der Schule von der Lehrerin verpönt und verachtet, hat er sich längst in die Chefetagen hochkatapultiert. Der Hang zum entspannten Lebensstil spiegelt sich auch in der Mode wider. Die Hosen werden weiter, die Pullover neigen zur Übergrösse, und die Schuhe sind vor allem eins: flach. In jedem Schuhgeschäft zieren die Sneakers reihenweise die Regale – es gibt sie für jeden Geschmack und jede Geldbörse. Die Spezies

Kaum eine Geschichte ist so lang und rasant wie die der Sneakers. Und gäbe es nicht die Herstellung von Gummi, gäbe es womöglich auch keine Geschichte zu erzählen. Es begann alles um 1840 und ist dem Amerikaner Charles Goodyear zuzuschreiben. Der Erfinder und Fertigungsingenieur erfand das Vulkanisierungsverfahren, welches die Produktion von Schuhsohlen revolutionieren sollte.

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Mit dem Verfahren war es möglich, Gummisohlen herzustellen, die elastischer, dehnbarer und beständiger gegenüber Witterungseinflüssen waren. Im Gegensatz zu den harten Ledersohlen – die man bei jedem Schritt hören konnte – war mit den Gummisohlen, die aus Kautschuk hergestellt wurden, ein leiser Tritt möglich. Man konnte sich damit förmlich anschleichen, was auf Englisch «to sneak» bedeutet – und somit entstand der Begriff «Sneakers». Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Liverpool Rubber Company, Gummisohlen mit Leinenstoff zu kombinieren, und daraus entstand ein leichtes Schuhmodell, das die viktorianische Mittelklasse bei ihren Ausflügen ans Meer trug. Die markante und horizontale Linie zwischen Sohle und Leinenstoff erinnerte an die Lademarke «Plimsoll-Linie» der Hochseefrachtschiffe, und somit trug der Schuh fortan den Namen Plimsoll. Denn schliesslich ähnelten und dienten die beiden Linien auch demselben Zweck: Wer das Schiff über diese Marke belud, lief Gefahr zu kentern, und wer mit den Schuhen über die Gummisohle hinaus ins Wasser ging, würde zwar nicht kentern, aber nasse Füsse bekommen. Nur einen Haken hatten die Schuhe damals: Der linke konnte nicht vom rechten Schuh unterschieden werden. Nichtsdestotrotz wurde der Plimsoll fortlaufend durch die Jahrzehnte in der ursprünglichen Form produziert, und für alle folgenden Modelle in der Welt des Sneakers gilt er immer noch als der Archetyp. Die Zeiten, als der Plimsoll nur am Strand von freizeitfröhlichen Menschen getragen wurde, sollten sich jedoch langsam zu Ende neigen, denn dies war nur der Beginn einer erfolgreichen Karriere. Die Sneakers sollten einen weitreichenden Einsatz auf jeglichen Sportplätzen dieser Welt erfahren.

CHUCKS, DIE ZEITLOSEN TREND-TRETER

Wer schlussendlich die Sneakers erfunden hat, lässt sich nicht ganz so leicht beantworten. Fakt ist jedoch, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem zwei Firmen gab, die das Potential von Schuhen mit Gummisohlen erkannt hatten: Keds und Converse. Die Sneaker-Ära von Keds, durch die US Rubber Company ins Leben gerufen, begann 1916 mit dem Urmodell «Keds Champion» aus Canvas mit seiner legendären Gummisohle. Die Frauen auf dem Tennisplatz liebten den Keds, aber auch Schauspielerinnen wie Audrey Hepburn oder Marilyn Monroe sorgten für kostenlose Werbung. Yoko Ono heiratete John Lennon ganz in Weiss mit Keds, und einen weiteren grossen Auftritt bekam der Champion 1987 in dem Film «Dirty Dancing», als Baby ihre ersten Tanzschritte wagte. Doch nicht nur die weibliche Fraktion war begeistert. Die Musikgruppe Ramones verlieh dem Schuh ein cooles Image, und dass auch coole Männer auf Keds stehen, bewies Paul Newman. Fast zeitgleich erblickte der erste «All Star» von Converse das Licht der Welt – nicht nur ein Star war geboren, sondern auch «der Sneaker». Als dann der Basketballspieler Chuck Taylor vier Jahre später das Spielfeld betrat und zusammen mit Converse den ersten offiziellen Basketballschuh mit dem Namen «Chuck Taylor All Star» (bekannt als «Chucks») entwarf, wurde eine Schuh­ legende geboren. Bis heute ist es das erfolgreichste Schuhmodell aller Zeiten. Die Erfolgsgeschichte des «Chucks» kam vor allem 1936 ins Rollen, als das amerikanische Basketballteam das Modell als offiziellen Schuh bei den Olympischen Spielen nutzte. Die Spiele in Berlin boten zudem den perfekten Anlass, um die weltweite Bekanntheit der Sneakers zu steigern. Auch das von den beiden Brüdern Adolf und Rudolf Dassler 1924 gegründete Unternehmen Adidas boomte durch den Auftritt und Erfolg des US-Läufers

Simon Wood Sneaker Freaker. The Ultimate Sneaker Book Taschen 672 Seiten ISBN 978-3-8365-7223-1 www.taschen.com

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FASHION

bis die Sneakers überall ihre Akzeptanz erlangten. Dazu verhalf sicherlich auch die Gründung zwei der weltweit bekanntesten Marken, Nike und Vans, welche rasch einen Erfolg erlangten. In den Siebzigern kam die Jogging-Ära hinzu, und daraufhin wurden auch mehr Schuhe für verschiedene Sportarten hergestellt. Die Marken wurden immer beliebter, die Verkaufszahlen stiegen, und die Sneakers trafen den Geschmack der breiten Masse. Mit prominentem Support durch namenhafte Stars wurden Trends gesetzt, und Trends beeinflussten zugleich Design, Muster und Farben. Die Werbung richtete sich auch vermehrt an das junge Publikum, welches die Coolness der grossen Athleten und Superstars auf sich abfärben lassen wollte. Es gab für jeden ein passendes Stilvorbild. Dies setzte sich bis in die achtziger Jahre fort, als Michael Jordan 1984 Teil einer der grössten Sneaker-Erfolgsgeschichten wurde, indem er dem «Air Jordan» von Nike seinen Namen gab.

IT’S A SNEAKERS WORLD

Jesse Owen. Mit vier Goldmedaillen in den Laufschuhen von Adidas erfolgte ein jährlicher Verkauf von 200’000 Schuhen mit den drei Streifen.

Die Zeiten, als der Sneaker nur mit sportlichen Aktivitäten verbunden war, sind längst vergangen. In der Zwischenzeit hat sich der Sneaker zu einem Evergreen entwickelt, der zu jeder Gelegenheit und zu jedem Anlass getragen werden kann. Er folgt dem Trend und lässt sich in schier unendlichen Kombinationsmöglichkeiten und zu jedem Modetrend tragen. Er passt zu Shorts, Chino-­Hosen und Jeans genauso wie zum zarten Sommerkleid. Sneakers stehen für Coolness und sind damit ein schöner Kontrast zu eleganten Outfits. Sie verleihen einer feinen Chino-Hose oder einem Hemd eine Spur mehr Lässigkeit, und generell lassen die Sneakers ein Outfit weniger konservativ wirken. Auch beim Business-­Meeting sind

JUGENDSYMBOL UND FASHION STATEMENT

Die Weiterentwicklung des Sneakers erfolgte in den vierziger Jahren mit Marken wie New Balance, Fila, Gola, Wilson, Mizuno und vielen anderen. Anfangs nur für den Sport entwickelt, gewannen die Schuhe schnell an Bedeutung, und zunehmend veränderte sich auch die Einstellung der Jugendlichen dazu, denn es galt nun als Fashion Statement, Sneakers zu tragen. Ferner etablierten sich stets neue Marken wie Puma (welche von einem der Dassler-Brüder gegründet wurde, nachdem die beiden im Zwist auseinandergingen), Diadora und Onitsuka Tiger. Vom ursprünglichen Sportschuh avancierte der Sneaker zum Freizeitschuh mit Kultstatus. Nicht nur die Basketballstars trugen die Schuhe, sondern auch die coolen Rap-­ Musiker oder Stars wie James Dean, Mick Jagger oder David Bowie. Somit wurde der Erfolg vorangetrieben, und die Jugendlichen wurden weltweit inspiriert. Die Sneakers wurden zum Symbol der Jugend und die verschiedenen Modelle zu Ikonen unterschiedlicher Subkulturen. In den fünfziger Jahren wurden die Kleiderordnungen in den Schulen lockerer, und Sneakers wurden erlaubt. Dennoch standen sie in bestimmten Kreisen für ein gewisses Rebellentum mit einer Ignoranz gegenüber der gesellschaftlichen Kleiderordnung. Es dauerte also noch ein paar Jahrzehnte,

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sie kein No-­Go mehr, aber nichtsdestotrotz sollte man bei formellen Anlässen – die einen strengen Dresscode fordern, wie etwa einen Smoking – lieber auf die eleganten Ledersohlen-Schuhe zurückgreifen. Die Faszination des Sneakers lässt jedoch in keinster Weise nach. Das spiegelt sich auch in den Zahlen des weltweiten Sneaker-­ Markts: Bis zum Jahr 2025 geht man davon aus, dass der Markt einen Wert von 85,5 Millionen Euro erreichen wird.

SNEAKERS AUF DEM LAUFSTEG

Der japanische Designer Yohji Yamamoto gilt als Trendsetter, obschon er Trends eher ablehnend gegenübersteht. Seine Mode folgt Ideen (und nicht dem Kalender), und seine Farben sind Schwarz oder Weiss (nichts dazwischen). Mit seiner progressiven Mode – auch Hiroshima Chic genannt (weil seine Kreationen den Anschein machen, eine Atombombenexplosion überstanden zu haben) – entfernte er sich immer mehr von der Masse und erweckte den Eindruck, nur noch fürs Museum zu entwerfen. Er fragte bei Adidas an, ob er für eine Show ein paar Sneakers zur Verfügung gestellt bekommen könnte, und aus diesem Gespräch entwickelte sich die erste Kooperation eines Modedesigners mit einer Sportmarke. Der Grundstein für eine glorreiche Designkollaboration war gelegt.

© Gregoire Vieille / Louis Vuitton

Die zukünftigen Kooperationen liessen die Grenzen zwischen Mode, Street- und Sportswear verschmelzen, und die Liaison dehnte sich aus auf jegliche Modebrands. Ob Prada, Dolce & Gabbana, Gucci, Dior oder Christian Louboutin – auch die altehrwürdigen Modehäuser konnten sich dem Sneaker-Hype nicht entziehen. Eine neue Ära war eingekehrt, und der Sneaker war fortan nicht nur ein Turnschuh, sondern ein Luxus- und sogar Sammlerobjekt. Einige der gefragtesten Modelle stammten aus dem kreativen Stift von Alexander McQueen oder Stella McCartney, doch auch die LuxusSneakers von Gucci reihen sich nahtlos in die übrige Kollektion des italienischen Labels ein. Und natürlich spielt Balenciaga längst eine tragende Rolle beim Sneaker-Hype. Die klobigen It-Pieces der Stunde werden gar mit femininen Kleidern kombiniert. Dass Musiker einen grossen Einfluss auf den Dresscode haben, war bereits seit Rock’n’Roll bekannt. Als dann die Sneakers ihren Eintritt in die Fashion-Welt fanden, war der Weg geebnet für spannende Synergien. Als Chanel und Adidas sich zusammengetan hatten, waren die Erwartungen immens, insbesondere, weil Pharrell Williams involviert war. Der von ihm designte Chanel-Sneaker punktet mit einem monochromen minimalistischen Design – und einem stolzen Preis. Die wohl grösste Erfolgsgeschichte, die weitreichenden Einfluss auf die Sneakers- und Modeindustrie hatte, begann mit Kanye West, als er ein Paar für Louis Vuitton designte.

DIE ÄRA DES SNEAKER-HYPES

Statussymbole in Form einer It-Bag von Louis Vuitton oder Chanel sind passé. Heute deklariert man seine Lebensqualität mit Sneakers als Statussymbol. Die Sneakers haben unbekannte Dimensionen erreicht, und die Zeichen sprechen für einen Hype, dessen Blase womöglich irgendwann zu platzen droht. Limited Releases gibt es jetzt nicht nur ein paar Mal im Jahr, sondern nahezu jede Woche. Und für diese stehen die Sneaker-Freaks nicht nur über Nacht Schlange, um ein Paar zu ergattern, sondern sind auch bereit, immense Summen dafür auszugeben. Der Hype ist ein Sammeln und Jagen, was mittlerweile nicht mehr nur auf den ästhetischen Wert zurückzuführen ist. Sneakers sind zu einer Art Trophäe geworden. Vor allem Sneakers, die in Kollaborationen entstanden sind, stellen für Sammler ein Kunstobjekt dar. Sonst lässt sich nur schwer erklären, warum ein Sneaker-Sammler bei einer Versteigerung bereit war, 100’000 Dollar für den «Nike Air Mag» zu bezahlen. Vermutlich wurden die Schuhe nicht mal getragen …

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G FASHION

TRENDS

S by

BVLGARI

WOMEN

Bvlgaris Serpenti und die griechische Modedesignerin Mary Katrantzou treffen in einem neuen Kapitel «Serpenti Through the Eyes of» aufeinander. Die «Serpenti Metamorphosis Handle bag» basiert auf Bvlgaris kühner Schmuck-DNA und kombiniert ein ultraweiches gestepptes Nappa-Leder mit einem beispiellosen Metallgriff, der das ikonische Serpenti-ErbeDesign neu interpretiert. Indem der Griff entfernt und ein exquisiter goldener Kettenriemen angebracht wird, kann die vielseitige Tasche in einen lebendigen Crossbody verwandelt werden.

SILHOUETTE

Der Schmetterling ist die neue Muse für Silhouette. So sind auch die Sonnenbrillen aus der «Accent Shades»-Kollektion eine Hommage an das kleine Insekt. Der aussergewöhnliche peruanische Schmetterling Morpho didius, der sich in einem royalen Blau umrandet von einem schwarzen Rahmen schmückt, wurde vom österreichischen Premiumbrillenhersteller als Quelle für die eindrucksvollen Looks der Modelle herangezogen.

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GUCCI

Zur Feier des 100-Jahre-Jubiläums des italienischen Labels Gucci bediente sich Chefdesigner Alessandro Michele an den beliebten Designs der Konkurrenz. «Gucci Aria» übernimmt Ideen und Motive aus dem Modehaus Balenciaga und zeigt auf, dass aus Konkurrenz Innovation entstehen kann.


© Chloé

© Chloé

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EHRLICHER

LUXUS Autorin_Beatrice Schönhaus Spirig

Sie fiel schon auf als Model: selbstbewusst, eigenwillig, smart – Chloés neue Designerin Gabriela Hearst. Was sie kreiert, ist für lange Zeit gültig. Und nachhaltig. Dafür sorgt sie Tag für Tag. 157


© Chloé

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FASHION

schichten. Geschichten von Feldern, Weiden, einer unendlichen Weite. Doch das Raffinierte an den Kleidern ist, dass sie genauso gut in das urbane Umfeld passen, in kahle Städte mit Hochhäusern und Beton. Denn irgendwie sind sie auch zukunftsnah, also futuristisch. So wie die Macherin selbst, die immer den Blick in die Zukunft gerichtet hat und weiss, wo der Weg hinführt. Eben zum Beispiel in die Nachhaltigkeit.

«Wir freuen uns riesig, bis wir die ersten Kollektions-Teile aus der Designerhand von Gabriela Hearst erhalten», sagt die Verkäuferin der Chloé-Boutique an Zürichs Bahnhofstrasse und strahlt übers ganze Gesicht. «Das bringt gehörig frischen Wind in unseren Shop und damit in die Kollektion. Sie hat einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil. So ganz anders als vorher.» In der Tat: Die Herbst / Winter-Kollektion für das Jahr 2021 begeisterte Branchenkenner und Modefanatiker aus der ganzen Welt. Das Setting: die nächtlichen Strassen von Paris, regennass und dramatisch. Die Kleider: der wiederentdeckte Trend zur Natur, das Archaische, das aber nie schwer wirkt. Nachhaltig eben. So verwendet Gabriela Hearst zum Beispiel für ihre märchenhaften Ponchos recyclierten Kaschmir. Hergestellt auf der familieneigenen Ranch in Uruguay, die sie auch gleich noch selber betreibt. Der Modestil und die Vision von Gabriela Hearst sind, im Ganzen betrachtet, einfach zeitlos schön. Nichts von einem schnellen Trend hinterherjagen, um ihn dann gleich durch einen neuen zu ersetzen. Die Farbpalette: erdig, natürlich, zurück zur Natur. Die Formen: schlicht, bequem und doch glamourös. Es ist die Handschrift einer Frau, die ein absolut sicheres Stilgefühl hat. Das zeigt sie auch bei ihrer ureigenen Kollektion, die überzeugt durch Klarheit, Schlichtheit und Formschönheit. Die schlichten Kleider, Mäntel, Hosen und Accessoires erzählen Ge-

DAS THEMA DES AUGENBLICKS

«Nachhaltig» ist einer der Schlüsselbegriffe für Gabriela Hearst, und zwar nicht erst, seit der Ausdruck in Mode gekommen ist: «Schliesslich haben wir ja alle eine gewisse Verantwortung in dieser Hinsicht», sagt sie. Und lebt uns das Gefühl gleich selber vor. Das Verpackungsmaterial für ihre zeitlos schönen Produkte wird aus kompostierbarem Plastik-Material hergestellt. Und um die grosse Umweltbelastung einer ihrer Fashion Shows auszugleichen, spendet sie regelmässig an Nichtregierungsorganisationen. Im letzten Oktober zum Beispiel an das gemeinnützige Werk von «Madre de Dios», das sich für die Erhaltung des Regenwaldes und all die verschiedenen Tierarten dort seit Jahren einsetzt. Gabriela Hearst meint es ernst, und das ist auch das Beeindruckende an dieser Kreativen: Sie besitzt eine hohe Glaubwürdigkeit in der ganzen

MUST-HAVES

Minikleid mit Puffärmeln aus gewaschenem Seidenpopeline mit Knopfverschluss am Hals und passendem abnehmbaren Gürtel.

Kleine «Darryl Saddle Bag» aus kleinkörnigem und glattem Kalbsleder. Kann sowohl als Schultertasche als auch cross-body getragen werden.

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«Cut-out-Boots» in einem dunklen Pflaumenton aus gebürstetem Kalbsleder mit goldenem Schnallenriemenverschluss.


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Mode-Szene und bei ihren Kunden. Und sie wird, laut den internationalen Trendforschern, auch aus kommerzieller Sicht absolut recht behalten. Denn Studien aus dem Jahr 2019 vom Institut McKinsey beweisen, dass Nachhaltigkeit für etwa 20 Prozent aller Luxus-­Konsumenten weltweit schon jetzt ein wichtiges Kaufkriterium ist. Man rechnet aber auch damit, dass bei den Jungen in den nächsten zehn Jahren dieser Prozentsatz auf über 90 Prozent steigen könnte. Privat klingt es bei Modemacherin Gabriela Hearst ganz unspektakulär: aufgewachsen auf einer Farm in Uruguay, inmitten der Natur. Und in zweiter Ehe verheiratet mit Austin Hearst, beide haben zusammen fünf Kinder aus früheren Beziehungen. Sie ist ein sehr bescheidener Mensch, auch wenn sie schon einige Male ausgezeichnet wurde. Zum Beispiel 2020 mit dem prestigeträchtigen CFDA Award als «Womenswear Designer of the Year». 2017, erst zwei Jahre nach der Gründung ihres Labels, hatte sie bereits den International Woolmark Prize – einen äusserst wichtigen Preis für Nachwuchsdesigner – gewonnen. Gabrielas Vorgängerin bei Chloé, Natacha Ramsay-Lévi, übernahm den Posten der Kreativ-Chefin vor etwa vier Jahren. Sie schuf subtile, raffinierte Kollektionen, die allerdings für die durchschnittliche Konsumentin nicht ganz einfach in den Alltag einzubauen waren und damit nicht zu einem durchschlagenden Verkaufserfolg führten. Der neue Chloé-CEO, Riccardo Bellini, hat das sehr schnell festgestellt. Und beschloss, dass Chloé wieder zu seiner DNA zurückkehren muss. Und damit suchte er nach einer anderen Art von Creative Direktorin, eben nach Gabriela Hearst. Aus kommerziellen Gründen, aber auch aus ethischen.

DNA RELOADED Gegründet wurde das Label «Chloé» in Paris im Jahr 1953 von der legendären ägyptisch-französischen Emigrantin Gaby Aghion, die sich mit Jacques Lenoir einen der besten Business Partner dazuholte. Die erste Chloé-Show wurde im damals von Künstlern geliebten Café de Flore, dem Epi­z entrum der jungen Intellektuellen, gezeigt. Im Jahr 1956. Und begeisterte ganz Paris. Die Vision damals: Frauen sollten nicht der steifen, genau festgeschriebenen Form der damaligen Mode folgen, sondern sollten körperbetonte, f liessende und sanfte Kleider tragen, sodass man den Körper durch die Kleider hindurch erfühlen kann. Das nannte man dann Luxus­P rêt-­à -porter. Die fortschrittliche, futuristische Sichtweise der Designerin Gaby Aghion brachte ihr viel Ruhm ein. Sie erkannte auch das Talent des jungen Karl Lagerfeld, der

© François GOIZE

damals noch bei Jean Patou arbeitete, und heuerte den scheuen, begabten Jüngling kurzerhand an. Das war Mitte der 60er Jahre. Karl Lagerfeld kreierte dann bis fast Mitte der Achtzigerjahre und gab so Chloé das neue, sinnliche Gesicht. Auf Karl Lagerfeld folgten die Designerinnen Clare Waight Keller, Stella McCartney, die Tochter des Sängers Paul McCartney, Phoebe Philo und eben Natacha Ramsay-Lévi. Heute wird Chloé geistig «reloaded» und mit neuer Mode­e nergie versehen.

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TRENDS MEN by

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GIVENCHY

Die «Pre-Fall 2021»-Kollektion von Matthew M. Williams, Creative Director von Givenchy, besticht durch ihre Unauffälligkeit. Statt Modestatements zu kreieren, konzentriert sich Williams darauf, die ursprünglich gehaltene Garderobe zu perfektionieren. Bequemlichkeit, Verzierungen und neutrale Farben stehen im Vordergrund.

NANUSHKA

Nanushka Eyewear setzt das Engagement der Marke für Experimente mit Materialien und Design fort. Die «Monsino»-Sonnenbrille besteht aus biobasiertem Kunststoff und hat eine markante, übergrosse, quadratische Silhouette, die an jeder Schläfe mit goldfarbenen Beschlägen versehen ist.

VALENTINO GARAVANI

Die «Wade Runner» sind aus einer Mischung von Neopren und Stoff gefertigt. Reflektierende khakigrüne Gummiakzente auf einer schwarzen Riffelsohle mit dem VLTN-Logo an der Seite akzentuieren den Sneaker.

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BE BEAUTY AUTY & WELL BEING WELL BEING PRESTIGE

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BEAUTY &WELLBEING Autorin_Beatrice Schönhaus Spirig

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BIG FIVE Fünf grosse Beauty-Trends, die tägliche Rituale und Sichtweisen verändern.

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© BiBi Nova

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DIE SEREN Unter einem Serum versteht man einen Mix aus hochkonzentrierten Wirkstoffextrakten, die der Haut rasch helfen, sich zu regenerieren. Waren sie früher relativ einfach zusammengesetzt, sind es heute hochkonzentrierte, raffinierte Kompositionen aus chemischen und natürlichen Inhaltsstoffen. Um die optimale Wirkung eines Serums zu erzielen, wird dieses nach der gründlichen Reinigung und einem Gesichtstoner auf die Haut aufgetragen. Ein paar Tropfen in den Handflächen verteilen und mit der flachen Hand in die Haut pressen. Das Serum wird dadurch in die Haut einmassiert. Oder: Je einen Tropfen Serum direkt auf Stirn, Wangen, Nase und Kinn geben und sanft mit den Fingerspitzen in die Haut einklopfen. Anschliessend das Serum circa zehn Minuten einziehen lassen, bevor der nächste Pflegeschritt folgt.

MUST-HAVES

ESTÉE LAUDER

LANCÔME

SPREKENHUS

Das «Advanced Night Repair Serum» von Estée Lauder ist ein Klassiker. Erfunden wurde es 1982 und löste damals eine Welle der Begeisterung aus. Es besass eine im Vergleich zu heute einfache, aber revolutionäre Formel und wurde von Estée Lauder seitdem ständig weiterentwickelt. Bei regelmässiger Anwendung werden erste Reparatureffekte bereits nach drei Wochen bemerkbar, die Gesichtshaut wird sichtbar verjüngt.

Das «Advanced Génifique Serum» aus dem Hause Lancôme enthält Probiotika, pflanzliche Zuckerstoffe, die die Bakterien des Mikrobioms nähren. Als Probiotika bezeichnet man Mikro-Organismen, die die Selbstheilungskraft der Haut stärken. Auch bei diesem Serum gilt: Schon nach ein paar wenigen Wochen sieht man den verjüngenden Effekt, kleine Fältchen verschwinden, und die Haut sieht sichtbar jünger aus.

Ein Newcomer unter den Seren: das «Midnight Serum» von Sprekenhus Oslo.Natürliche Inhaltsstoffe wie Rosenextrakt, Lavendel, Geranium und Gurkenextrakt verjüngen das Hautbild und liefern wichtige Vitamine und Fettsäuren. Über Nacht aufgetragen erwacht man am nächsten Morgen mit erfrischter und weicher Haut.

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BEAUTY &WELLBEING

VERSO Das «Super Facial Oil» von Verso mit VitaminA-Komplex ist besonders für empfindliche Haut geeignet und steigert die Kollagen­ produktion für einen Anti-Aging-Effekt.

«Cure Make-up mi-rê» ist ein Hybrid zwischen einer BB-Creme und Make-up-Basis. Dank dem Sonnenschutz von SPF 50 schützt und reguliert die Foundation extrem trockene Haut und verleiht ihr einen Schleier der Perfektion.

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SHISEIDO Die luxuriöse, seidig-zarte Anti-Aging-«Total Radiance Foundation» mit SPF 15 kann zur Verbesserung der Hautstruktur beitragen und diese nachhaltig pflegen. Hauptinhaltsstoff ist der Skingencell1P, ein einzigartiger Inhaltsstoff von Shiseido, der dank fast sieben Jahren hautwissenschaftlicher Spitzenforschung zu schöner Haut verhilft.

DIE ÖLE Früher empfand man als echter Beauty-Liebhaber Öle als zu schwer, nur geeignet für sehr trockene Haut und alles in allem zu belastend. Dieser Sachverhalt hat sich gründlich geändert. Die neuen Beauty-Öle sind hochspannend zusammengesetzt, ziehen viel leichter in die Haut ein und nähren sie langanhaltend.

DIE FOUNDATIONS Als vor einigen Jahrzehnten die ersten Foundations erfunden wurden, waren die Ansprüche daran eher bescheiden: Sie sollten zu einem ebenmässigeren Hautbild verhelfen und kleine Unreinheiten oder Pickel kaschieren. Heute sind wir anspruchsvoller. So sollte die Grundierung einen Lichtschutzfaktor enthalten, das Hautbild weichzeichnen, ohne auszutrocknen, und sich der Hautfarbe anpassen.

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CLINIQUE Die neue «Even Better Clinical Serum Foundation» spendet Feuchtigkeit, glättet und reduziert dunkle Flecken. Das enthaltene Vitamin C schützt die Haut vor Umwelteinflüssen, und Salicylsäure hilft, die Haut von verstopften Poren und Unreinheiten zu befreien.


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SATTE FARBEN Für den Sommer zeichnet sich ein eindeutiger Trend ab, der sowohl zu den Ethno-Geschichten wie zu Blümchendesigns oder zu abstrakten Unis wie etwa bei Jil Sander passt. Zum einen sind das signalrote Lippen, am besten in Karminrot. Hierbei ist wichtig, einen Konturenstift zu benutzen, damit die Farbe optimal und grafisch wirkt. Ausser Karminrot sind auch «Shocking-PinkTöne» wie zurzeit bei der Modemacherin Elsa Schiaparelli im Trend.

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DIE BEAUTY-CHIRURGIE Hierbei sollte man sich lieber in kleinen, sanften Schritten Richtung Ideal-Bild tasten. Eines der wichtigen Themen: die Kinnlinie, die sogenannte Jawline. Studien zeigen, dass eine straffe Kinnlinie einen sehr viel jünger erscheinen lässt. Dies kann man mittels sanftem Facelift erreichen – oder gar mit einer Zahnkorrektur mittels Schienen und Spangen. Interessant ist auch, was der führende Beauty-Doc Dr. Timm Golüke zu einem weiteren Trend sagt: «Aus der kosmetischen Medizin in Seoul kenne ich den Ultraformer, den ich natürlich persönlich getestet und dann gekauft habe. Mit mikrofokussiertem Ultraschall und Wärme wird hier die Kollagenbildung angeregt, ohne die Haut zu verletzen.» Der Aufbau der Wangenknochen mittels Hyaluronsäure oder «Threadlifting», eine Methode aus Korea, die die Kollagenbildung fördert, stehen ebenfalls hoch im Kurs. Sichtbare Effekte liefert auch die Gesichtsgymnastik, also Übungen, die bequem von zuhause aus durchgeführt werden können und das Gesicht entspannen sollen.

DIOR Die Lippenstifte «Rouge Dior» sind in 75 Farbtönen erhältlich, angereichert mit Extrakten aus roten Pfingstrosen und Granatapfelblüten. Peter Philips, Creative and Image Director von Dior Make-up, erläutert das Konzept: «Bei Rouge Dior bin ich besonders auf das umweltfreundliche Verpackungskonzept stolz und darauf, dass der Lippenstift nachfüllbar ist.»

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BEAUTY &WELLBEING

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GOLDENES NATURSCHAUSPIEL ES IST EINER DIESER AUGENBLICKE, FESSELND UND FASZINIEREND ZUGLEICH, DER ERFÜLLT IST VON PURER SCHÖNHEIT. WENN DIE SONNE AM ABEND IHREN LAUF VOLLENDET UND IHRE GOLDENEN STRAHLEN DIE SPITZEN DER SCHWEIZER ALPEN ERGLÜHEN LASSEN. INSPIRIERT VON DIESEM FLÜCHTIGEN AUGENBLICK, MÖCHTE LA PRAIRIE DIESEN EINZIGARTIGEN GLANZ EINFANGEN, UM DEN TEINT ERSTRAHLEN ZU LASSEN. DIE GEBURTSSTUNDE DER NEUEN «PURE GOLD COLLECTION».

So wie die Sonne leuchtet auch der kostbare Inhaltsstoff der Pflegeserie: Gold. Das wertvolle Mineral besitzt wie kein anderes einzigartige Eigenschaften, die das innere Leuchten der Haut zum Vorschein bringen. Das neue von La Prairie entwickelte exklusive Liefersystem «Pure Gold Diffusion System» verleiht der Haut sofort neue Leuchtkraft und versorgt sie langanhaltend mit zwei wichtigen Aktivstoffen, die einer nachlassenden Aufnahmefähigkeit der Haut entgegenwirken. Das Pure Gold Diffusion System entfaltet seine Wirksamkeit in drei Schritten. Es verleiht der Haut sofort einen einzigartigen Glanz, indem es feine Goldpartikel auf ihrer Oberfläche hinterlässt. Dann folgt die sofortige, intensive Versorgung mit regenerierenden Aktivstoffen, die ungebunden vorliegen. Bereits beim Auftragen dringen diese tief in die Haut ein, um sie zu nähren und zu revitalisieren. Dieser Effekt wird in einem dritten Schritt durch die allmählich freigesetzten, an die Submikron-Goldpartikel gebundenen Aktivstoffe komplettiert. Die kostbaren Stoffe gelangen nach und nach in die Haut und sichern nachhaltig deren optimale Versorgung und langfristige Regeneration. Die Haut wird revitalisiert, regeneriert und perfektioniert.

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ZEITLOSE SCHÖNHEIT Um die majestätische Umgebung der Schweizer Alpen zu reflektieren und künstlerisch einzufangen, wurde die in Hongkong geborene Künstlerin Carla Chan in ein architektonisches Juwel in den Bergen eingeladen: Die Monte-Rosa-Hütte mit Blick auf das überwältigende Matterhorn schuf die idealen Voraussetzungen, um die goldene Stunde festzuhalten. Das Ergebnis ist die Installation «Space between the Light Glows», in der Carla Chan einen Moment von intensiver Schönheit preisgibt. Auch wenn der flüchtige Augenblick hell erleuchteter Alpen schwer zu konservieren ist, hat es sich La Prairie zum Ziel gesetzt, eine Welt zu erschaffen, in der Schönheit keine zeitlichen Grenzen setzt. So besteht die neue Pflegelinie aus den ersten wiederbefüllbaren Tiegeln der Marke. Dank gebürstetem Metall können diese unbegrenzt wiederverwendet werden. Um die Schönheit der Schweizer Alpen zu bewahren und aus Liebe zur Natur, unterstützt La Prairie die Abteilung Glaziologie der ETH Zürich dauerhaft. Dank der Förderung der Gletscherforschung durch La Prairie werden jetzt zwei bahnbrechende Forschungsprojekte begonnen, die sich der Beobachtung von Gletschern widmen. Damit setzt La Pairie einen Grundpfeiler, um das Schweizer Naturerbe für heutige und auch für künftige Generationen zu bewahren.


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ZWEI HELDEN

FÜR DIE

HAUT 168


BEAUTY &WELLBEING

Vitamine spielen längst nicht mehr nur in der Nahrung eine Rolle. Auch in Kosmetika können sie unserer Haut Gutes tun. Kein Wunder also, dass diese essenziellen Stoffe auch in den Tuben und Tiegeln unseres Kosmetikregals schlummern. Autorin_Mihaela Rankova

Vieles hat sich in der Beauty-Branche in den letzten Jahren verändert: So sind Cremes und Seren teils deutlich besser und konzentrierter geworden. Doch nicht nur das: Auch die Kunden und Endverbraucher sind zunehmend informierter und fordern bessere und gezieltere Wirkstoffe. Social Media ist hier Fluch und Segen zugleich: Viele Dermatologen geben ihre Tipps auf Instagram preis – doch auch selbsternannte Beauty-Gurus zeigen Anleitungen für ihre eigens entwickelten Cremes, und Influencer werben für Wunderprodukte. Wer verliert in diesem Dschungel an Produkten nicht den Überblick und versteht wirklich, auf welche Inhaltsstoffe es zu setzen gilt und vor allem, was diese in der Haut bewirken? Die wichtigsten Vitamine für die Haut sind A, B und C. Dermatologen und Skincare Junkies reden gerne vom ABC der Hautpflege. Wir werfen einen detaillierteren Blick auf zwei dieser Hautpflege-­ Heroes: Vitamin A und Vitamin C.

FETT- UND WASSERLÖSLICHE VITAMINE

Die Vitamine A, D, E und K gehören zu den fettlöslichen Vitaminen. Wenn wir zu viel oral konsumieren, wird die überschüssige Menge im Körper gespeichert. Das ist nicht ganz ungefährlich, da eine Überdosis Vitamin A die Leber belasten könnte. Daher sollten fettlösliche Vitamine nur in geringen Mengen als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Aber keine Sorge: Solange man sich normal ernährt, ist es praktisch unmöglich, eine Überdosierung herbeizuführen. Das für die Haut so wichtige Vitamin A ist in vielen Lebensmitteln enthalten: Karotten, Spinat, Milchprodukte, Eigelb, Tomaten, rote Paprika, und Broccoli – um nur einige aufzuzählen. So sollte beispielsweise Karottengemüse bestenfalls mit etwas Öl oder Butter verzehrt werden, da das enthaltene Beta-Carotin nur so vom Körper aufgenommen werden kann. So verhält es sich übrigens mit allen fettlöslichen Vitaminen. Die B-Vitamine (B1, B2, B6, Niacin, Pantothensäure, Biotin) sowie das wichtige Vitamin C sind wasserlöslich. Überschüsse an wasserlöslichen Vitaminen sind aber selten ein Problem, da sie einfach wieder vom Körper ausgeschieden werden können. Vitamin C und D bilden eine tragende Säule für

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das gesamte Immunsystem. Die Abwehrzellen der Haut und des Körpers benötigen diese in erster Linie für ihre Arbeit. Ein starkes Vitamin-A- oder Vitamin-C-Defizit in der Haut lässt sich kaum nur durch die Ernährung ausgleichen, da diese Vitamine auch von der Haut verstoffwechselt werden müssen. Deshalb setzt die Kosmetikindustrie nun vermehrt auf die richtigen Derivate in Kosmetika.

VITAMIN A

Vitamin A – oder auch Retinol – zählt zur Gruppe der sogenannten Retinoide. Doch was kann Retinol, und was macht es mit der Haut? Ganz einfach – alles! Über Retinol weiss nun langsam jeder Bescheid. In den Drogerien, im Fernsehen, auf Instagram – überall sieht man diesen Wirkstoff, als ob er «neu entdeckt» wurde. Der Retinol-Hype ist real. Dabei ist es einer der bestuntersuchten Wirkstoffe der Hautpflege und schon seit Jahrzehnten in Gebrauch. Aber was bewirkt Retinol überhaupt? Vitamin A ist fast unschlagbar. Alles, was eine gesunde, strahlende Haut ausmacht, ist ein Resultat von ausreichender Vitamin-A-Versorgung. Natürlich kann es nicht gänzlich alles, hydrierend ist es beispielsweise nicht.

WAS BEWIRKT VITAMIN A?

Die Haut muss tagtäglich viel leisten und sich vor freien Radikalen und vielen Umwelteinflüssen schützen. Ohne Vitamin A müssen die Schutzzellen aufgeben und verlangsamen so die Produktion von Abwehrmaterialien. Viele kennen Vitamin A mit dem Namen seiner reinen Form als Retinol und dem Derivat Beta-Carotin, mithilfe dessen das Vitamin selbst im Körper aufgebaut wird. Die Zellerneuerung wird stimuliert und die Haut geglättet. Die «müden» Zellen werden also zur regelmässigen Teilung angeregt, wodurch junge, wachsende Zellen zutage gefördert werden. Das lässt die Haut widerstandsfähiger, praller und vitaler werden. Übrigens: Beta-Carotin ist auch das beste intern wirksame Hautschutzmittel gegen UV-Strahlung.


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DIE RICHTIGE DOSIERUNG

Steigt man zu schnell oder zu stark mit Vitamin-A-Produkten ein, kann die Haut durchaus überfordert sein. Eine Überdosierung von Vitamin A zeigt sich mit Rötungen, Abschuppungen und Hautreizungen. Oft passiert dies, wenn man selbst zu Retinoidprodukten greift oder zu hoch dosierte Produkte von der Hautärztin verschrieben bekommt. Die Haut ist gestresst, gereizt und empfindlich – das Gegenteil von Anti-Aging. Normalerweise klingen diese Symptome innerhalb weniger Stunden bis einiger Tage ab, wenn die Dosierung ausgesetzt wurde. Die Retinoidreaktion entsteht nur, wenn das Vitamin A nicht richtig umgesetzt werden kann. In diesem Fall empfiehlt sich eine tiefere Dosierung und vor allem eine mildere Form von Retinoid wie zum Beispiel Retinyl Palmitate, welches besser verträglich ist als reines Retinol oder gar Tretinoin. Mit einer tieferen Stufe kann die Haut den Umsetzungsprozess besser erlernen. Die Devise: Weniger ist hier am Anfang mehr! Tief starten und langsam aufbauen. DAS KANN VITAMIN A Regeneriert – Vitamin A ist das einzige wissenschaftlich bekannte Element, das die Haut komplett regeneriert und die Auswirkungen des Alterns bekämpft. Ein richtiges Allzweckmittel! Vermindert Faltenbildung – durch Stimulierung des Stoffwechsels, Zellteilung und Produktion von Kollagen und Elastin glättet Vitamin A (oder Retinoid) nicht nur die aktuellen feinen Linien und Falten, sondern minimiert auch die neuen, die sich bilden. Regt Zellerneuerung an – wie durch ein «Peeling» auf zellulärer Ebene wird so eine hellere, glattere und buchstäblich neuere Haut zum Vorschein gebracht. Behandelt Akne – es reguliert nicht nur fettige Haut, sondern verhindert auch das Verstopfen der Poren, was

VITAMIN-A-MANGEL

Es ist wahrscheinlich der weitverbreitetste Mangel in der Haut. Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie ein chronisches Vitamin-A-Defizit haben. Das natürliche Vitamin A in unserer Haut ist lichtempfindlich und wird jeden Tag vom Sonnenlicht zerstört. Dieser Prozess beschleunigt unsere Hautalterung. Doch nicht nur UV-Strahlen zerstören das Vitamin A, auch mit fortschreitendem Alter nimmt dieses stetig ab, weshalb die topische Anwendung immer wichtiger wird, selbst bei gutem UV-Schutz. Das häufigste Hautpflegeproblem bei Männern und Frauen sind Sonnenschäden, und das, obwohl die langfristigen Auswirkungen der Sonneneinstrahlung bekannt sind. Mit einer täglichen Zuführung von Vitamin A können wir das Defizit mindern und vor allem die Haut von innen gegen UV-Strahlung schützen.

zu weniger Mitessern, Zysten und Pickeln führt. Wirkt aufhellend – mit der Zeit gleicht es den Teint aus, denn es reguliert die Melaninverteilung in der Haut. Sonnen­ f lecken, Aknenarben, Hyper­p igmentierungen und dunkle Flecken verblassen somit. DIE ARTEN VON VITAMIN A Beta-Carotin – ist ein Carotenoid pf lanzlichen Ursprungs. Es wird in der Haut am schnellsten umgesetzt (innerhalb von Minuten). Ein Carotenoidmolekül kann eine grosse Menge freier Radikale binden. Deshalb wird es auch oft in der Hautpf lege verwendet. Retinyl Propionate – sehr stabil und lange haltbar. Weniger irritierend als Retinyl Palmitate. Retinyl Palmitate – bildet einen UV-­S chutz in der Haut. Es ist die Form, welche auch die Leber bildet. 80 Prozent des natürlichen Vitamin A in der Haut ist Retinyl Palmitate. Weniger irritierend als Retinyl Acetate. Retinyl Acetate – dringt schneller in die Haut ein als Retinyl Palmitate. In dieser Form bereitet die Leber Vitamin A auf. Weniger irritierend als Retinol. Retinol – ist der chemische Name des Vitamins in seiner kleinsten und einzigen alkoholbasierten Form. Sehr instabil und nicht lange haltbar. Allein angewendet kann es von der Haut nicht richtig umgesetzt werden.

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VITAMIN C

NUTZEN VON VITAMIN C - stimuliert die Kollagenproduktion

Wir alle wissen: Die Aufnahme von Vitamin C über Nahrungsmittel ist gesund und lebenswichtig. Es stärkt das Immunsystem und ist wichtig für die gesamte Gesundheit. Doch auch die Haut kann nicht ohne und leidet oftmals unter einem Vitamin-C-Mangel. UV-Strahlen und Rauchen sind zwei der grössten Zerstörer von Vitamin C in der Haut. Raucher haben fast immer ein Vitamin-C-­ Defizit, weshalb auch oft von fahler Raucherhaut die Rede ist. Vitamin C ist bekannt für seinen positiven Effekt bei der Produktion von Melanin und ist ein Tyrosinasehemmer. Das Ergebnis von ausreichendem Vitamin C in den Hautzellen sind eine effektive Kontrolle der Melaninproduktion, eine verbesserte Kollagenproduktion und ein effizienter antioxidativer Schutz. Vitamin C und E arbeiten stets zusammen. Vitamin C ist essenziell beim Schutz der Lipide der Zellmembran, weil es das fettlösliche Vitamin E wiederaufbereitet, nachdem es einmal als Antioxidans gearbeitet hat und es so erneut einsatzfähig macht. Vitamin E schützt die Zellmembran vor freien Radikalen, die die Zellen angreifen und dadurch das Immunsystem schwächen können. Vitamin E hat als hautschützende Substanz eine enorm grosse Bedeutung, braucht aber das Vitamin C als Partner. Dieses hat zudem den Vorteil, dass es, einmal von der Zelle aufgenommen, nicht ausgespült werden kann. Somit ist es auch noch Tage nach der Aufnahme wirksam. Die Aufnahme von Vitamin C über die Nahrung ist also nicht vergleichbar mit der Aufnahme über die Haut (topisch). Überdosierung? Fehlanzeige! Nur im Säureformat (bei Peelings) ist Vorsicht geboten, vor allem unreine Haut kann heftig mit Reizungen reagieren.

- verbessert Pigmentstörungen und Lichtschäden - ist ein starkes Antioxidans - verstärkt den natürlichen UV-Schutz der Haut - schafft feinporige Haut

FAZIT

Umweltbedingte Hautalterung ist das direkte Resultat von UVLicht verursachtem Vitamin-A- und Vitamin-C-Defizit. Korrigiert man dieses Manko, erreicht man mit Leichtigkeit eine bessere, gesündere Haut. Doch Skincare ist heutzutage nicht nur von aussen wichtig, sondern genauso auch von innen. Eine ausreichende Vitamin-A- und Vitamin-C-Zufuhr durch Lebensmittel ist für alle Zellen essenziell. Wer sich gesündere und vitalere Haut wünscht und mit Retinoidprodukten beginnen möchte, sollte sich am besten von einer Dermatologin oder Kosmetikerin beraten lassen. Bestenfalls erhalten Sie zu Beginn eine Hautanalyse, bei der der Hautzustand ermittelt wird und Ihre Ziele besprochen werden. Gefolgt von einem «Hauttrainingsplan». Bei diesem bekommen Sie einen abgestimmten Behandlungs- und Pflegeplan für Ihre Haut. Denn gute Haut erfordert tägliches «Training» und vor allem die richtigen Vitamine.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der «BEAUTY FORUM» Ed. Swiss 06 / 21, der Fachzeitschrift für Inhaber und

Mihaela Rankova ist Besitzerin des

Angestellte von Kosmetikinstituten sowie weiteren Beauty­-

Kosmetikstudios «Miracle Beauty» im

Profis. Als führende Beauty-Messe in der Schweiz bietet

Herzen von Zürich und ist spezialisiert

die «BEAUTY FORUM SWISS» Professionals eine Plattform,

auf medizinische und apparative

mit Marken, Experten und Kollegen in Austausch zu treten.

Kosmetik sowie Permanent-­M ake-up

Ein hochkarätiges Rahmenprogramm mit Fachvorträgen

und Microblading.

rundet die Messe ab. Die nächste «BEAUTY FORUM SWISS» findet am 25. und 26. September 2021 in Zürich statt.

www.miraclebeauty.ch

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GOLD WERT

KEIN ANDERES MINERAL BESITZT DIE EINZIGARTIGEN EIGENSCHAFTEN VON GOLD. SEINEN UNVERGLEICHLICHEN FARBTON VERDANKT ES DEN ELEKTRONEN, DIE DAS ENERGIEREICHE BLAUE LICHT ABSORBIEREN UND DAS KOMPLEMENTÄRE GELBE LICHT REFLEKTIEREN. SO ENTSTEHT EIN WUNDERBAR WARMER FARBTON, ÄHNLICH DEM VON LEUCHTEND SCHÖNER HAUT. GOLD KANN ABER NOCH MEHR, ALS NUR GLÄNZEN – IN HOCHWERTIGEN PFLEGE­PRODUKTEN KOMMEN DIE REVITALISIERENDEN UND PFLEGENDEN EIGENSCHAFTEN DES METALLS ZUM EINSATZ.

FÜR EINEN STRAHLENDEN TEINT

Die «L’Or Make-up Base» von Guerlain ist eine veredelnde Make-up Base, gesprenkelt mit reinen 24-karätigen Goldflocken. Wie die meisten luxuriösen Schmuckstücke wurden die wertvollen Flocken zu äusserst funkelnden und reflektierenden Partikeln verarbeitet und anschliessend in einem feuchtigkeitsspendenden, glättenden Gel verteilt. Die Reflektionen von warmem Metall, die Kälte von Eis: Gegensätze ziehen sich in dieser Essenz, in der pures Gold glitzert, an. Der Teint wird verschönert. Er leuchtet mit himmlischer und unfehlbarer Strahlkraft. Die Haut ist geglättet, geschmeidig und seidig, bereit für perfektes, verbessertes und lang anhaltendes Make-up.

GOLD IST DAS NEUE BOTOX

Die Anti-Aging-Gel-Patches von Peter Thomas Roth für die Augenkontur sind mit reinem 24-Karat-Gold und kolloidalem Gold versetzt, um die empfindliche Augenpartie in nur zehn Minuten zu straffen. Seit Cleopatra sind die Anti-Aging-Vorteile von Gold bekannt: Es hilft, das Erscheinungsbild der Haut zu straffen, zu heben, aufzuhellen und zu beruhigen und sorgt gleichzeitig für einen opulenten Glanz. Hyaluronsäure und hydrolysiertes Kollagen spenden intensive Feuchtigkeit, während Koffein das Auftreten von Schwellungen reduziert. Jedes Gelpflaster sorgt für einen sofortigen Kühleffekt und ist mit einem leichten, beruhigenden Lavendelduft versetzt.

DIE MAGIE GOLDENER SONNENSTRAHLEN

«Soleil Brûlant» von Tom Ford erfasst die glänzende Brillanz der goldenen Sonne. Die Frische von Mandarine und Bergamotte vermischt sich mit würzigem rosa Pfeffer, während Orangenblüten und schwarzer Honig ihre verführerische Kraft entfalten. Bernstein, Vetiver, Weihrauch und orientalische Hölzer runden den Duft ab. Ebenso wie die aufregende Komposition reflektiert auch der goldene Flakon des Unisex-Dufts die Wärme zarter Sonnenstrahlen.

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R RIVOLI

Innerhalb der neuen Augenpflegeserie «Le Regard 2.0» hat Rivoli ihr «Sérum Liftant Éclat» perfektioniert durch Erhöhung der MLSTechnologie und höherer Konzentration von Sorghum-Extrakt und Tamarinden-Extrakt. Ausserdem bietet es neue aufhellende Eigenschaften dank eines AntipigmentierungsPflanzenkomplexes, der hilft, die schattigen Bereiche um die Augen aufzuhellen.

JO MALONE

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BEAUTY LA MER

Diese luxuriöse, reichhaltige Crème in der neuesten, dekorativen Sonderedition sorgt für wohltuende Entspannung und spendet trockener Haut intensive Feuchtigkeit, um ihr ein natürlich strahlendes Aussehen zu schenken. Das legendäre, beruhigende Elixier Miracle Broth™ ist in allen La-MerProdukten enthalten und spendet der Haut regenerierende Energie aus dem Meer. Ideal für trockene Haut.

L

«English Pear & Freesia» ist inspiriert von Obstgärten, die von goldenem Sonnenschein durchflutet sind. Die sinnliche Frische reifer Birnen, umgeben von einem Bouquet weisser Freesien und sanft untermalt mit Amber, Patschuli und Hölzern, sorgt für ein üppiges und goldenes Dufterlebnis.

TRENDS

by

J

L LAST SKINCARE

Das «LAST Skin Repair Serum» ist reich an mehr als 30 natürlichen, veganen Inhaltsstoffen, die zu einer reichhaltigen Regeneration und Pflege und dem Schutz der Haut beitragen. In nur sechs Wochen werden Falten gemindert, die Hautpigmentierung ausgeglichen und die Feuchtigkeitsbarriere aufrechterhalten.

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DÜFTE FÜR DIE EWIGKEIT 174

GERÜCHE PRÄGEN SICH IN UNSER GEHIRN WIE KAUM EINE ANDERE SUBSTANZ. SIE WECKEN ERINNERUNGEN, SCHAFFEN EINE WOHLFÜHLATMOSPHÄRE ODER VERSETZEN UNS AN FREMDE UND EXOTISCHE ORTE. DAS IDEALE PARFÜM SOLLTE DIE INDIVIDUELLE PERSÖNLICHKEIT UNTERSTREICHEN UND EINEN DURCH DAS GANZE LEBEN BEGLEITEN. DER SCHWEIZER PARFUMPREIS «DUFTSTARS» HAT ES SICH ZUR AUFGABE GESETZT, GENAU DIESE DÜFTE ZU FINDEN UND ZU ZELEBRIEREN.

Autorin_Swenja Willms Bilder_swiss fragrance award GmbH


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Coco Chanel sagte einst, eine Frau, die kein Parfüm trägt, hätte keine Zukunft. 1923 entwickelte die Modeschöpferin das heute nicht mehr aus den Badezimmerschränken wegzudenkende «Chanel N°5». Auch knapp 100 Jahre später gilt der Duft als unumstrittene Ikone und Must-have der modernen Frau von heute. Doch die Konkurrenz ist gross – jedes Jahr kommt eine dreistellige Zahl neuer Parfüms auf den Markt. Von blumig über holzig zu fruchtig und frisch. Die bedeutendsten und beliebtesten Düfte werden jährlich vom Schweizer Parfumpreis «DUFTSTARS» gekürt. In Form eines pompösen Gala-Abends mit grossartigen Gästen im «Park Hyatt» in Zürich werden die besten Düfte des Jahres zelebriert. «Der DUFTSTARS Schweizer Parfumpreis ist die bedeutendste Auszeichnung der Branche», so Andreas Amann und Hansruedi Studler, die Initiatoren des Awards. «Gemeinsames Ziel ist es, das Parfum als kostbares Kulturgut zu pflegen, als luxuriöses Accessoire darzustellen und seine Faszination einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.» Eine rund 150-köpfige Branchenjury hat bereits im Vorfeld ihre Favoriten festgelegt. Unter allen Einsendungen werden die Gewinner der sechs verschiedenen Hauptkategorien ermittelt. Dazu zählen beispielsweise die Neuheiten aus dem Bereich Lifestyle, die besten Flakondesigns oder die ausgezeichnetsten Videoclips. In der Königsdisziplin «Publikumspreis» sind die Meinungen der Konsumenten gefragt. Diese entscheiden, welcher Damen- und welcher Herrenduft sich mit dem Titel «Beliebtestes Parfum des Jahres» schmücken darf. Das Publikumsvoting findet sowohl online als auch in teilnehmenden Geschäften statt. Die Gewinnerdüfte werden im Rahmen der Gala am 31. August verkündet. WWW.DUFTSTARS.CH

PUBLIKUMSPREIS 2021 Die Nominierten des Publikumspreises zeigen, wie unterschiedlich Geschmäcker sein können und welche Essenzen bei Männern und Frauen besonders beliebt sind. Frische Noten wie Orangenblüten, Zitrone oder Jasmin sowie warme Duftrichtungen wie Amber, Vanille und Sandelholz sind bei Frauen besonders begehrt. So wird beim Publikumspreis für die Kategorie Damen zwischen vier Favoriten gewählt:

Männer mögen es holzig und fruchtig. Moschus, Zedernholz, Ingwer oder Bergamotte sind besonders beliebte Komponenten. Die Nominierten für den Publikumspreis in der Kategorie Herren lauten wie folgt:

- MERCEDES Benz: Man - Hugo Boss: The Scent - Dior: Sauvage

- Yves Saint Laurent: Libre Intense - Carolina Herrera: Good Girl - Trussardi Donna: Pink Marina - Dior: J’adore Infinissime

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© Alfredo Häberli

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LI VI NG

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LIVING

Industriedesign

© Alfredo Häberli

NICHT NUR EINE SCHÖNE HÜLLE Autorin_Lone K. Halvorsen

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Nebst der ästhetischen Gestaltung und funktionellen Formgebung erweist sich Industriedesign als äusserst vielfältig. Denn hinter dem Begriff verbirgt sich die Gestaltung nahezu aller Konsumgüter aus der industriellen Produktion.

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Den Begriff Design empfinden viele als einen nichtssagenden Ausdruck, denn Design steht für alles und zugleich nichts. Schaut man sich jedoch den Begriff Industriedesign etwas genauer an, stellt man relativ schnell fest, dass hiermit die Gestaltung von Konsumund Investitionsgütern unterschiedlichster Art gemeint ist. Laut der Satzung der «World Design Organization» stellt sich Industriedesign in erster Linie in den Dienst der Menschen, denn «es geht um strategische Problemlösungsprozesse, die Innovation fördern, geschäftlichen Erfolg ermöglichen und das Leben verbessern mit Produkten, Systemen, Dienstleistungen und Erfahrungen». 1957 wurde die «World Design Organization» (WDO) gegründet, und heute umfasst sie über 170 Mitgliederorganisationen in mehr als 40 Ländern, die schätzungsweise 150’000 Designer vertreten. Das Hauptziel der Organisation ist, die Disziplin des Industriedesigns auf internationaler Ebene voranzutreiben. DIE ANFÄNGLICHEN INSPIRATIONEN DES INDUSTRIEDESIGNS Der Begriff «Industrial Design» wurde erstmals 1919 von Joseph Sinel verwendet – der vermutlich als erster Pionier des Industriedesigns benannt werden kann. Acht Jahre später griff der Produktdesigner Norman Bel Geddes die Bezeichnung auf. Geddes gilt als einer der Wegbereiter der Stromlinienform und war zugleich einer der Gründer der «Industrial Designers Society of America» (IDSA). Durch das 1944 gegründete IDSA wurde schliesslich das Wort Industriedesign in die deutsche Sprache aufgenommen. Eine sehr bekannte deutsche Kunst-, Architektur- und Designschule sollte auch die Entwicklung des Industriedesigns massgeblich mitprägen, denn 1919 schrieb Walter Gropius, der Vordenker, Architekt und wagemutige Künstler, ein Manifest für eine neue Art von Schule: Das «Bauhaus» war geboren. Eine wesentliche Idee prägte und lehrte Bauhaus: Schön ist, was funktioniert. Massgebend für das Bauhaus-Design ist die Effizienz und Nützlichkeit eines Produktes. Der Grundgedanke vom Bauhaus war die Schaffung einer neuen Formensprache, die dem Zeitalter der Industrialisierung mit ihren massgefertigten Produkten gerecht werden konnte. Durch klare und einfache Formen sollte eine Ästhetik entworfen werden, die auch in hoher Stückzahl produziert werden konnte – und dies, ohne dabei auf einen gestalterischen Anspruch zu verzichten. Das Bauhaus bestand zwar nur wenige Jahre, trotzdem beeinflusste es das Industriedesign des 20. Jahrhunderts in hohem Masse und ist nach wie vor stilbildend. Zur selbigen Zeit führten in den USA die neuen mechanisierten Produktionsmethoden zu einem pragmatischeren und gradlinigeren Stil. Hier fand das Unternehmen «Thonet» ideale Produktionsbedingungen für seine Bugholzmöbel, die ursprünglich aus einer ganz anderen frühindustriellen Epoche stammten. Der revolutionäre und zugleich

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© Tecnolumen

LIVING

Wie Wagenfeld sagte, sollten die Bauhaus-Entwürfe Industrieprodukte sein und auch so aussehen.

schlichte Ur-«Kaffeehausstuhl Nr. 14» aus dem Jahr 1859 gilt als frühe Design-Ikone und Meilenstein der industriellen Möbelfertigung. Wenn es um das Thema Design geht, kommt man natürlich nicht um die skandinavischen Länder herum. 1939 während der New Yorker Weltmesse wurde der Begriff «schwedische Moderne» geprägt. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein skandinavischer Designstil, der darlegte, wie modernes Industriedesign Massenproduktion, Ästhetik und Schlichtheit der Form vereinigt und zugleich die menschlichen Bedürfnisse stillen kann. Wer also einen Blick nach Norden in den vierziger und fünfziger Jahren warf, entdeckte hier einen Designstil, welcher nicht nur grossen Zuspruch erhielt, sondern zugleich einen erheblichen Einfluss auf das zukünftige internationale Industriedesign haben sollte.

LINKS Der revolutionäre «Kaffeehausstuhl» Nr. 14 von Thonet gilt als Meilenstein der industriellen Möbelfertigung. RECHTS Der iPod als kulturelle Ikone des 20. Jahrhunderts.

DIE IKONEN DES INDUSTRIEDESIGNS Falls jemand Zweifel daran haben sollte – auch das Design von seriellen Gütern ist aus dem Stift eines kreativen Designers entstanden. Auch wenn der Urheber in dieser Disziplin meist etwas in den Hintergrund gerät, hat der Bereich Industriedesign eine Menge an bekannten Persönlichkeiten hervorgebracht. Der Wiesbadener Industriedesigner Dieter Rams hat wie kaum ein anderer das moderne Industriedesign geprägt. Die Entwürfe seiner Produkte waren zeitlos, hochfunktionell und in ihrer Ästhetik stilvoll und progressiv. Sein Erbe hat zahlreiche moderne Designs beeinflusst wie etwa den Apple iPod von Jonathan Ives, der sich ganz offiziell an Rams’ Design-Credo und minimalistischer Formensprache orientierte. Mit dem Spruch «Gutes Design ist die Summe gut durchgestalteter Details» sollten die Gebrauchsgegenstände wie ein Rasierer oder Mixer nach Rams’ Motto den Menschen dienlich sein. Nebst Küchengeräten, Haartrocknern, Möbelentwürfen oder Hifi-Anlagen gelang Rams mit dem Trockenrasierer eine bahnbrechende Erfindung. Mit seinem Geschmack und Stilempfinden hat er eine ganze Generation geprägt, und dabei wollte er vor allem eins: einmal gründlich aufräumen. Meilensteine unter den Produkten von ihm und seinem Team sind im Museum of Modern Art in New York und im Centre Pompidou in Paris ausgestellt. Die Liste der renommierten Industriedesigner geht weiter mit Arne Jacobsen, Antonio Citterio, Ingo Maurer, Le Corbusier, Philippe Starck und natürlich auch Wilhelm Wagenfeld, um nur einige zu nennen. Wagenfeld gehört zu den bedeutendsten Industriedesignern im deutschsprachigen Raum. Legendär bleibt seine «Wagenfeld-Leuchte», die wohl der Inbegriff für funktionales Industriedesign ist. Einer der bekanntesten Schweizer Industriedesigner ist Alfredo Häberli. Der gebürtige Argentinier kam als Jugendlicher

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© Alfredo Häberli

Designt wurde die Radio-Phono-Kombination von Dieter Rams.

«GUTES DESIGN IST DIE SUMME GUT DURCHGESTALTETER DETAILS.» Dieter Rams

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LIVING Der Käfer verzauberte die Menschen weltweit fast ein ganzes Jahrhundert lang.

mit seiner Familie in die Schweiz, wo er an der Zürcher Hochschule für Gestaltung Industriedesign studierte. 1991 gründet er sein eigenes Designstudio in Zürich und entwirft erfolgreich Alltagsgegenstände nach dem Motto «Beobachten ist die schönste Form des Denkens.» Ob für BMW, Kvadrat, Iittala oder Zanotta – Häberlis Werke umfassen Möbel sowie Gebrauchsgegenstände wie Gläser, Karaffen und Schüsseln. DIE KREATIVEN FREIHEITEN DER DESIGNER Ob beim Möbeldesign oder Textildesign – sobald der Begriff Design auftaucht, entsteht ein Eindruck von Designern, die in einer Welt voller Formen, Farben und Materialien ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Im Industriedesign fällt dieser kreative Prozess jedoch etwas kleiner aus, denn hier ist die grösste Herausforderung die Funktionalität. Denn was nutzt letztlich eine futuristisch gestaltete Kaffeemaschine, wenn diese sich nicht ohne einen Master-Abschluss bedienen lässt? Handlichkeit, Funktionalität und Langlebigkeit sind die Devisen. Der kreative Grad der Designfreiheit bei den Industriedesignern – oft auch Produktdesigner genannt – ist daher bisweilen etwas begrenzt. Sind allerdings diverse Produkte mit derselben Funktionalität auf dem Markt, sollte das Produkt folglich mit dem ästhetischen Anspruch einhergehen. Es ist womöglich auch nicht übertrieben zu behaupten, dass bei den meisten Industriedesignern im Stadium des Enzwicklungsprozesses – wo es um die formalen Details geht – gewiss auch das meiste Herzblut des Designers fliesst. Denn es steht ausser Frage, dass die Königsdisziplin und aufmerksamkeitsträchtigste Tätigkeit die Formgebung ist. Denn letztlich entscheidet das Design über Erfolg oder Misserfolg. DESIGN FÜR DIE ZUKUNFT Ob Küchenmaschinen, Fahrräder, Smartphones oder Haarbürsten: Industriedesign ist allgegenwärtig und begleitet uns im täglichen Leben. Doch jede Zeit kennt unterschiedliche Herausforderungen, und auch beim Industriedesign gibt es diesbezüglich keine Ausnahme. Neue Herausforderungen erfordern neue Lösungen. Von der Idee bis hin zum Herstellen eines Prototyps: Früher war das Industriedesign ein oft über Jahre währender Prozess, der heutzutage dank moderner Softwarelösungen nicht nur schneller, sondern auch präziser verläuft. Durch den Aufschwung der «Digitalen Revolution» haben neue Technologien und Fertigungsverfahren breite Entfaltungsmöglichkeiten in dem Spannungsfeld zwischen Handwerk und Digitalisierung eröffnet – wobei das eine das andere nicht ausschliesst. Technische Machbarkeit, Leistungsstärke, Innovation und Hochwertigkeit sind Kriterien, die erfüllt werden müssen. Doch was bestimmt letztendlich den Kaufentschluss, und benötigen wir tatsächlich all die produzierten Gebrauchsgüter, die teils nach kurzer Zeit wieder entsorgt werden? Der Designer ist einerseits den Zwängen der industriellen Fertigung ausgesetzt, andererseits muss er eine Käuferschicht bedienen. Damit ein Produkt nicht als «Durchschnittsdesign» in die Geschichte eingeht, sondern sich auf dem Markt behaupten kann, müssen mannigfache Faktoren berücksichtigt und erfüllt werden. Denn nebst einer umfassenden Analyse der Käuferschicht unterliegt das Industriedesign dem ständigen Wandel durch wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklungen. Die positiven Seiten des ständig schneller werdenden wissenschaftlichen und technischen Fortschrittes kann für die Designer jedoch auch eine Kehrseite haben, denn nach dem langen Entwicklungsprozess wünscht sich der Käufer selbstverständlich ein Produkt, das nicht nur einzigartig in seiner Funktion ist, sondern auch eine zeitgemässe Ästhetik hat. Wenn also Vermarktung, Funktionalität und eine ansprechende Gestaltung gelingen, steigert das Industriedesign das Wirtschaftswachstum, es stellt sich aber auch die Frage nach der Notwendigkeit immer neuer Gebrauchsgüter und der damit verbundenen Verschwendung von Ressourcen. In erster Linie geht es um die Rohstoffe, aber auch um den Einsatz von Energie, Kosten, Arbeitskraft und -zeit beim Recyceln der zu häufig rasch verbrauchten Konsumgüter. Gutes Design sollte deshalb vor allem langlebig sein, denn die Zukunft ist nachhaltig.

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Die Coca‑Cola-Flasche mit ihrem Hüftschwung ist der Beweis dafür, dass Schönheit unvergänglich ist.


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WO

DIE

SCHÖNHEIT WOHNT

© Giulio Oriani & Beatrice Vergani

© Roberta Krasnig

Marie-Louise Sciò, eine Frau mit Visionen.

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LIVING

Autorin_Beatrice Schönhaus Spirig

Ihre Vision ist plakativ, clever – und sie funktioniert. Mit ihrem Unternehmen zeigt sie Flagge und verkörpert so die italienische Seele aufs Beste: die schillernde Unternehmerin und Hotelerbin Marie-Louise Sciò.

Sie verkörpert La dolce vita und den italienischen Lebensstil à la Sophia Loren und Marcello Mastroianni wie keine andere junge Creative Director auf dieser Erde: Marie-Louise Sciò. Filmregisseur Federico Fellini hätte sie geliebt. Die Tochter des Besitzers des legendären Hotels «Il Pellicano» in Porto Ercole, Italien, besitzt nämlich die seltene Fähigkeit, alles mit einem Hauch Magie und Glamour zu versehen. Gerade so, als hätte sie eine Art optischen Zauberstab. Die attraktive Römerin, muntere Mitvierzigerin und Mutter eines Sohnes wuchs sozusagen im Hotel «Il Pellicano» auf, das ihre Familie 1979 übernahm. Ursprünglich hatte ein charismatisches amerikanisches Liebespaar, Patricia und Michael Graham, das Gebäude 1965 von Grund auf nach seinen Idealvorstellungen errichtet. Marie-Louise erinnert sich an die glamouröse Hotelwelt ihrer Kindheit «wie an ein magisches Movie», wie sie es formuliert. «Es war dort wie in einem Film, durch den ich mich bewegte», erzählt sie einem Journalisten vom «ZEITmagazin». «Eine meiner Lieblingserinnerungen ist zum Beispiel diese hier: Einmal war der ganze Strand voller Hummer. Mein Bruder und ich hatten Angst, die Tiere könnten sterben, also haben wir sie aufgehoben und in den Swimmingpool geworfen. Wir wollten sie retten, stattdessen brach ein gewaltiges Chaos aus.» Ihrem Vater fiel das sichere grafische Auge seiner Tochter sofort auf. So entstanden als Erstes die von ihr angeregten, maritim anmutenden, breit gelbweiss-gestreiften Badetücher im Hotel. Die schlugen ein wie eine Bombe, und Hotelgäste kauften sich sogar Exemplare für zuhause. Die plakativen Accessoires haben seither Geschichte geschrieben. Aufs Eindrücklichste sieht man die ganze Hotelwelt im Buch «Hotel Il Pellicano», ein Bildband erschienen im Verlag Rizzoli, der zu einem Sammlerobjekt vom Feinsten avanciert.

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© Giulio Oriani & Beatrice Vergani

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© Giada Mariani

DER ZAUBER DER DETAILS Die ambitionierte Tochter Marie-Louise absolvierte auf eigenen Wunsch die renommierte Rhode Island School of Design in den USA und schloss ihr Architekturstudium glänzend ab. Ihr Vater betraute sie als Zeichen seines Vertrauens zunächst mit einer bescheidenen Aufgabe: mit der Sanierung zweier Bäder im Hotel. Da sie jedoch die Aufgabe mit Bravour erledigte, kamen andere gestalterische Aufgaben hinzu, bis er ihr schliesslich die Verantwortung für das ganze Hotel übertrug. Später kamen das Hotel «Posta Vecchia» vor Rom und kürzlich das «Mezzatorre» auf der Insel Ischia hinzu. Das Gebäude, im dem das Hotel «Posta Vecchia» untergebracht ist, gehörte übrigens schon länger der Familie Sciò. Vorher war der imposante Renaissance-Palazzo im Besitz der legendären italienischen Familie Orsini gewesen. Die Orsinis bestehen bis heute, gehören zum europäischen Hochadel und haben im Laufe der Jahrhunderte viele Päpste und Kardinäle hervorgebracht. Und der industrielle und passionierte Kunstmäzen Jean Paul Getty soll hier lange Zeit gewohnt haben. Das neue Hotel «Mezzatorre», ursprünglich ein Wachturm aus dem 16. Jahrhundert, verfügt über eine glamouröse Geschichte: Der legendäre Filmregisseur Luchino Visconti bewohnte es lange und liebte es heiss. Ein bisschen von seinem dramatischen Leben und dem Glamour spürt man offenbar noch heute im rot gestrichenen Gemäuer. Geleitet wird das kleine Imperium mit den drei Hotels bis heute mit nachhaltiger Philosophie und Ethik vom Büro in Rom aus. Das sehe eher aus wie ein Designer-Büro als wie die Zentrale, das Head Office, einer kleinen, feinen Hotelkette. Das sei eben typisch Marie-Louise Sciò, sagen Experten. Marie-Louise Sciò ist die grosse Aufgabe sehr intuitiv angegangen, so ganz anders, als man es sonst kennt. Sie hat weder einen MBA noch ein zweckgerichtetes Studium, sondern ist eben Architektin. Eine Frau mit viel Fantasie, die den Zeitgeist und dessen Erspüren in der DNA hat. Sie persönlich sieht das Ganze so: «Ein Hotel besteht aus den Menschen, die dort arbeiten, und man sollte ihm ein Gesicht und einen Spirit geben. In Hotels steckt so viel Energie, von all den Storys, die passiert sind, und den Menschen, die im Hotel wohnten. Das Zweite ist die Anlage selbst, die eine Art atmosphärisches Bühnenbild ist. Und das Dritte sind die Düfte, die einen Ort erfüllen und prägen. Im ‹Mezzatorre› auf Ischia haben wir zum Beispiel Shampoos und Bodylotions, die nach den Kräutern in der Umgebung riechen. Und auch dort gepflückt wurden. Im ‹Pellicano› zum Beispiel ist nicht alles perfekt, es ist

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© Giulio Oriani & Beatrice Vergani

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eher etwas dekoriert wie ein persönliches Zuhause. Ein bisschen improvisiert. Aber das ist es ja genau: Es sind die kleinen Dinge, die Details, die es ausmachen. Zum Beispiel ein guter Cappuccino, den man für immer in Erinnerung behält», erklärt Sciò. Genau diese Details sind das Rezept dafür, warum die Gäste meist Jahr für Jahr wiederkommen. So wie Lady Georgiana Abreu, die hierherkam, bis sie 98 war und vom Starfotografen Slim Aarons oft fotografiert wurde. Dieser prägte das «Il Pellicano» übrigens ebenso wie der deutsche Top-Fotograf Jürgen Teller, der mit Marie-Louise Sciò letzthin auch ein Kochbuch verfasste. Apropos Essen und Trinken: Alle drei Hotels liegen in kulinarisch und weintechnisch spannenden Gebieten. Dem wird natürlich Rechnung getragen, wie man es erwartet. So ist das Lammfleisch im «Il Pellicano» aus dem nahe gelegenen Latium, der Fisch wird im Meer direkt vor dem Hotel gefangen, und die Pasta wird von der Küchenbrigade jeden Tag frisch gemacht. Zudem serviert Barmann Federico in der legendären «Pellicano-Bar» einen Martini gleichen Namens, mit einem Hauch des fruchtigen Mandarinetto-Likörs. Und der Rahmen stimmt natürlich auch, so isst man zum Beispiel auf dem legendären, kultverdächtigen Ginori-Geschirr – dem Design namens «Oriente». Etwas vom Edelsten, das der Markt zu bieten hat. Und wiederum die reine optische Verkörperung von La dolce vita. WO DIE REISE HINGEHT Neben den drei grossen Hotelhäusern erweitert Marie-Louise Sciò die Dimension des Unternehmens mit neuen Kooperationen. Eine davon mit dem Modelabel Riani von Jürgen Buckenmaier, dessen Tochter sie gut kennt. Die Firma ist bekannt für ihre dekorativen Leoparden-Prints – einer der Gründe, warum Marie-Louise so angetan ist von deren Stil. Denn Leo-Print, das ist ihr Stil. Sogar ihr Schlafzimmer hatte das Muster an den Wänden. So darf man also gespannt sein, welche weitere Zusammenarbeiten aus dieser Beziehung hervorgehen. Auf die Frage, wo sie die Grenzen ihrer Aufgabe sieht und wie ihre Vision von der Zukunft ist, verrät Marie-Louise Sciò der deutschen «Harper’s Bazaar»: «Ich denke, sechs Häuser würde ich hinkriegen, mehr wäre schwierig, weil ich so persönlich und detailversessen arbeite.» Wir sind zuversichtlich, dass dieser Plan in die Tat umgesetzt wird.

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Der Luxusimmobilienmarkt

IN COVID-ZEITEN Autorin_Maura Wasescha

Die aktuelle Krise rund um das Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Diese ausserordentliche Situation hat Auswirkungen auf alle Branchen einer Volkswirtschaft, seien es negative, aber auch positive. In einigen Branchen wird seit Monaten regelrecht um einzelne Aufträge gerungen, währenddessen andere Branchen florieren. Gleichzeitig gehen die inhaltlichen Meinungen zu der Coronakrise und den damit verbundenen staatlichen Massnahmen weit auseinander – schichtübergreifend. Die Auswirkungen dieser verunsichernden globalen Krise auf den Luxusimmobilienmarkt empfinde ich persönlich als ambivalent. Seit Beginn der Pandemie hat sich einiges verändert. Ich wage zu behaupten, dass die Luxusbranche in vielen Aspekten profitiert hat. Die «oberste», wirtschaftlich am besten gestellte Schicht, auf die ich mich seit 43 Jahren mit meinen Dienstleistungen konzentriere, wird es immer geben. Jene, welche sich all das leisten können, wovon die meisten nur träumen können, werden immer bestehen. Konkret bedeutet dies für meine Arbeit: Die Anfrage nach Eigenheimen ist gestiegen, sei es hinsichtlich des Erwerbs von Liegenschaften wie auch in Bezug auf eine kurz-, mittel- sowie langfristige Miete von Luxusobjekten. Dieses erhöhte Interesse ist meiner Erfahrung nach darauf zurückzuführen, dass die Besucherinnen und Besucher von Ferienorten sich von Menschenmassen distanzieren wollen, um das aktuell omnipräsente Risiko einer Corona-Infektion zu umgehen. Soweit ich die Situation einschätzen kann, scheinen die gut betuchten Gäste ihre Ferien seit Beginn der pandemischen Ausnahmesituation mehr und mehr in privaten Immobilien, bei denen sie genau wissen, wer ein und aus geht, verbringen zu wollen. Ich habe mich auf eben diese Nische der Immobilienbranche konzentriert und mein Unternehmen stetig mit Blick auf jenes exklusive Kundensegment weiterentwickelt. Begonnen hat

alles mit Vermittlungsarbeiten spezialisiert auf Luxusobjekte im Engadin. Über die Zeit – ausgelöst durch vermehrte Kundenanfragen – begann ich auch, Mietobjekte in mein Portfolio aufzunehmen. Mittlerweile können unsere Kunden zudem von einem 24 / 7-­«Concierge-Service» profitieren. Dieses Angebot entstand aus der Erfahrung, dass meine Kunden, sobald sie die Miete in einem Luxus­objekt antreten, die organisatorischen Belange nur allzu gerne abgeben. Aus meiner Sicht im Rahmen eines erholsamen, exklusiven Aufenthaltes mehr als verständlich. So kümmern ich und mein Team uns um alles, was sich der Kunde wünscht, seien es Privatköche, Skilehrer, Masseure, private Chauffeure sowie zahlreiche weitere Annehmlichkeiten aus unserem Repertoire. Die Nachfrage nach diesem Allround-Service ist seit der Krise ebenfalls stark angestiegen. Eine eher als Komplikation einzuschätzende Veränderung in meinem Arbeitsalltag steht in Bezug zur Besichtigung von jeweiligen Liegenschaften. Es bedurfte einer gewissen innovativen Übergangsphase, in der die klassische Besichtigung neu gedacht werden sollte. So mussten Besichtigungen fortan via Videokonferenz stattfinden, oder aber es wurden 360-Grad-Filme der kompletten Liegenschaft gedreht, welche den Kunden verschickt werden konnten. Diese Umstellung verlangte und verlangt noch immer viel Flexibilität und Geduld ab. Eigenschaften, die bereitgestellt werden müssen, um zu bestehen. Die vielen Veränderungen, die die Krise mit sich brachte, stellen Chancen dar, die es zu nutzen gilt. Die Gesundheit steht dabei stets an erster Stelle. Die vergangenen Monate haben uns vieles gelehrt und gezeigt, dass sich wirtschaftliche Situationen rasch ändern können. Veränderungen sind normal und zwingend. Auch wenn diese Krise für alle unerwartet und plötzlich erschienen ist, ist es wichtig, sich den aktuellen Lagen anzupassen, das Bestmögliche wahrzunehmen und die persönliche Vision nicht zu verlieren.

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EINMAL IST KEINMAL

© Arne Jennard

Autorin_Corina Rainer

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© Lisanne van de Klift voor WYE

UPCYCLING

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LANGE ZEIT SCHON IST UPCYCLING EIN POPULÄRER BEGRIFF, WENN ES UM NACHHALTIGKEIT GEHT. DOCH EBENSO LANGE ZEIT LEHNTEN DESIGNERINNEN UND DESIGNER DEN RECYCLINGPROZESS DANKEND AB. ZU SCHWIERIG IN DER UMSETZUNG, ZU UNRENTABEL IN DER HERSTELLUNG. SEIT DER GLOBALEN PANDEMIE ABER SIND DURCH DIE KNAPPHEIT AN NEUEN MATERIALIEN UND FINANZIELLEN MITTELN IMMER MEHR KREATIVE LÖSUNGEN IM ANMARSCH. VIER HERAUSRAGENDE MARKEN WISSEN, WIE UPCYCLING SALONUND LAUFSTEGTAUGLICH WIRD.

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© Les Fleurs Studio

nachhaltig. Unser kleines Atelier ist in Madrid, und es beschäftigt Frauen, die einen Teilzeitjob brauchen, um für ihre Familien sorgen zu können. Wir produzieren nicht, wir verwenden wieder.» Sei es durch die Wiederverwendung von Textilien, die vor der Mülldeponie gerettet wurden, durch die Verwendung von Ausschussware von Luxusmarken oder durch die Kuratierungen von Vintage-T­eilen. Auf Les Fleurs Studio publiziert Maria Bernad monatlich ein Magazin mit Fotostrecken und Interviews zu Nachhaltigkeitsthemen. Es ist ihr wichtig, dass die Designer eine Plattform bekommen, um die Entstehungsprozesse hinter den Produkten und deren einzigartige Geschichte zu erzählen. Denn sie weiss: «Nachhaltigkeit ist eine Reise! Es gibt immer etwas zu verbessern! Les Fleurs Studio ist eine Plattform für Zusammenarbeit und fördert den Austausch von Ideen, damit wir gemeinsam wachsen können.»

© Les Fleurs Studio

VINTAGE TRIFFT ROMANTIK: LES FLEURS STUDIO Der spanische Online Shop «Les Fleurs Studio» ist eine kuratierte Online-Plattform mit Vintage- und Designerstücken. Neben dem eigenen Label «Les Fleurs» finden sich hier auch Kollektionen von Upcycling-Designern wie Laura Rikman, Chiarissima oder Olivia Lova. Gegründet wurde der Multi-Brand Store von Maria Bernad, Stylistin, Designerin und Fashion-Influencerin aus Alicante. «Ich wollte eine nachhaltige Verkaufsplattform schaffen, die transparent ist in Bezug auf Herkunft, Produktion und Produktinformationen», erklärt die erst 26-jährige Spanierin. Die Mode­industrie habe nun erkannt, dass neue Lösungen nötig seien. Deshalb wolle sie beweisen, dass Nachhaltigkeit und Mode nebeneinander bestehen können: «Luxus sind für mich Qualität, hochwertige Materialien und Liebe zum Detail. Die Marke Les Fleurs ist zu 100 Prozent

Pastellfarben und kunsthistorische Ästhetik: Les Fleurs Studio ist ein Schlaraffenland für Romantikerinnen und Romantiker.

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© Bethany Williams

EIN NEUES LEBEN FÜR PLASTIKSPIELZEUG: ECOBIRDY Gerade in der Welt der Kinder ist Plastik omnipräsent. «Plastikspielzeug verbraucht mehr Plastik als andere Konsumgüter. Unser Ziel ist es, unser Ökosystem vom Plastikmüll zu befreien und aus dem alten Plastikmüll etwas Buntes zu machen», sagen die Gründer Vanessa Yuan und Joris Vanbriel. Das Label aus der belgischen Mode- und Designhauptstadt Antwerpen stellt aus recyceltem Plastik einzigartige Designmöbel für Kinder her. Zusätzlich zu ihren Produkten entwickelten die Designer ein Bilderbuch sowie ein begleitendes Schulprogramm, das Kinder und Jugendliche dazu inspiriert, ihren Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft zu leisten. Auch ihre Designs sollen aufklären: Die Formen ihres Aufbewahrungsmöbels «Kiwi» und ihrer Lampe «Rhino» erinnern an einen Kiwi-Vogel und ein Nashorn, was bei den Kindern das Bewusstsein für die bedrohten Tierarten fördern soll. Hinter den hübschen ecoBirdy-Designs stecken viel Forschung und Materialwissenschaft: Um ihre erste Kollektion auf den Markt zu bringen, führten Yuan und Vanbriel eine zweijährige Studie durch und entwickelten ein spezielles Recycling-Material namens Ecothylene. Es verfügt über eine glatte und einfach zu reinigende Oberfläche sowie ein geringes Gewicht. Dank der gesprenkelten Optik werden die Plastikstücke zu einem lebendigen Blickfang und machen gleichzeitig den Recyclingprozess sichtbar. Dies war eine bewusste Entscheidung der belgischen Designer. Sie erklären: «Wir haben uns dafür entschieden, das Ausgangsmaterial sichtbar zu lassen, und verwenden keine zusätzlichen Pigmente. Dies geschieht absichtlich, um den Benutzer daran zu erinnern, wie wichtig es ist, das Beste aus unseren kostbaren und begrenzten Ressourcen zu machen.» MEHR ALS MODE: BETHANY WILLIAMS Sie gilt als eine der führenden Figuren in der Modeindustrie, wenn es darum geht, Standards in Sachen zu setzen: Bethany Williams. Die Kombination aus Upcycling, dem Streben nach Einzigartigkeit und der Unterstützung von Wohltätigkeitsorganisationen wurde im Laufe der Zeit zum Kern ihres Labels namens «Williams». Auf der London Fashion Week im Februar 2021 präsentierte die 30-jährige Modedesignerin, Künstlerin und Humanistin ihre geschlechtsneutrale Mantelkollektion «Capsule Coats Collection», welche sie für Selfridges designte. Als Inspiration für die Kollektion dienten der Engländerin antike Wolldecken aus ganz Grossbritannien. Die Decken wurden sorgfältig von Antiquitätenhändlern und Flohmärkten ausgewählt. «Jeder Stoff erzählt eine Geschichte, von der Webtechnik bis zur Stadt oder dem Dorf, in dem er hergestellt wurde», heisst es in der Kommunikation ihrer Medienstelle. Durch Williams’ design-orientierte Upcycling-Technik geht die Geschichte jeder Decke in ein neues Kapitel. Dabei wird jedes Stück einzeln konzipiert, indem jedem Jackenstil eine bestimmte Decke zugewiesen wird – je nach Gewicht, Dicke und Farbe. Sie kombiniert in ihrem Stil Sportswear mit Formalwear, verzichtet auf geschlechterspezifische Designs und betont stattdessen lieber Individualität. Seit sie 2017 ihr Label gründete, ist die Künstlerin auf der Mission, mit ihrer Arbeit positive Veränderungen in der Gesellschaft und der Umwelt zu schaffen: Jede Saison arbeitet sie mit einer anderen Wohltätigkeitsorganisation zusammen und macht dadurch auf Probleme aus allen Bereichen der Mode-­Branche aufmerksam. 2019 arbeitete sie beispielsweise mit einem Frauenhaus in Liverpool zusammen, indem sie weiblichen Insassen eine

Bethany Williamsʼ neuste Kollektion «Capsule Coats Collection».

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Beschäftigung bot und Models einer Obdachlosen-Modelagentur castete. Bethany Williams bindet ihre Fürsorge für Menschen und den Planeten kompromisslos in ihre Marke ein: «Wir bieten ein alternatives System für die Modeproduktion an, da wir glauben, dass die Reflexion der Mode auf die Welt positive Veränderungen schaffen kann.» MINIMALISMUS OHNE LANGEWEILE: WYE DESIGN «‹Warum› ist die entscheidende Frage, die zum Beginn alles Neuen führt», so lautet die Maxime von Franziskus Wozniak und Ferdinand Krämer. Das Münchner Duo kennt sich schon seit dem Teenageralter und gründete direkt nach dem Studium ein eigenes Unternehmen. Doch nicht etwa auf breitgetretenen Pfaden – der Wirtschaftsingenieur und der Industriedesigner wollten mit ihrem Label WYE neue Wege einschlagen. Und so investieren sie 2019 erst mal in Innovation und entwickeln aus Holzspänen von Industrieabfällen ihr eigenes Material «Neolign». Die verwendeten Holzfasern bestehen zum grössten Teil aus nachhaltiger Waldwirtschaft und werden mit Polymeren und Farbpasten gebunden. Daraus entsteht ein Holzwerkstoff, der zu 100 Prozent wiederverwertbar, wetterfest ist und vielseitig im Möbelbau verwendet

werden kann. Die Möbel können sowohl drinnen wie auch draussen verwendet werden, sind kombinierbar und passen sich der Nutzung an: So kann beispielsweise der Hocker ebenso als Beistelltisch oder Ablage dienen. Die puristische Form gepaart mit den modernen Farben wie Kalypso-Rot und Lavendelblatt-­Grün macht die Designs zu einem Statement-Piece, welches bereits mit diversen Designerpreisen ausgezeichnet wurde. Doch was macht WYE besonders nachhaltig? «Wir denken in ganzheitlichen Produktkreisläufen – von den Ressourcen über die Herstellung und die Nutzungsdauer bis hin zur Entsorgung», erklären Wozniak und Krämer in einem Interview. Um eine Kreislaufwirtschaft zu gewährleisten, können die Kunden die WYE-­Produkte nach der Nutzungsdauer zurückgeben. Anschliessend werden die Möbel restlos dem Herstellungsprozess für neue Möbel wieder zugeführt. Das Gute daran: Für die Rückgabe erhält der Kunde eine Gutschrift. Die Münchner sind überzeugt von ihrem Modell: «Mit diesem Rückführungs-Kreislauf setzen wir neue ökologische Massstäbe in der Möbelindustrie.»

© WYE Design

Design, Nachhaltigkeit und Funktionalität im Einklang: die Kollektion «Chamfer» von WYE.

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KORDEUTER

Das Sideboard «Domino» des Designers Claudio Cappellini zeigt ein perfektes Gleichgewicht zwischen Design und den verwendeten aussergewöhnlichen Materialien Marmor, Kunstharz mit farbigen Pigmenten und Metall. Dazu kommen die hochwertige Innenausstattung aus Eichenholz und Einlagen aus Sattelleder.

KT TROY LIGHTING

RABITTI 1969

LIVING

Das Set, bestehend aus drei Holz- und Ledertabletts, verleiht Home Office und Kaffeetischen eine raffinierte Note. Die mit Gemüseextrakten gegerbten und gefärbten Objekte werden anschliessend mit Walnussholz umrandet.

SCHOEPF LIVING

Seit über 40 Jahren kreiert Schoepf Living Wohnwelten, die geprägt sind von der faszinierenden Bergwelt. Der Ohrensessel «Gante» verkörpert diesen besonderen alpinen Chic und ist in Farb- und Stoff bezug individuell gestaltbar.

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TRENDS

S

by

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Origami-Lampe aus bronzefarbenem Finish, ergänzt mit Blattgold, erwärmt die Umgebung sofort. Inspiriert von dem komplizierten Handwerk des Origami, ist die Leuchte mit ihren Falten und einem handgearbeiteten Eisengehäuse genauso bezaubernd wie ihr Namensvetter.


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EINE ARCHITEKTONISCHE

Autorin_Swenja Willms

BALANCE «The Avala House» ist eine Residenz in einer Weidelandschaft auf dem Avala-Berg in der Nähe von Belgrad in Serbien. Das einstöckige Stahlrahmenhaus lässt die Grenzen von Innen und Aussen verschwimmen und ist ein Hybrid jugoslawischer Moderne und strikten Designbemühungen. 196


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© Milos Martinovic

© Maxime Delvaux

LIVING


© Milos Martinovic

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Inspiriert vom Idealismus und den lokalen Materialien entwarf das in der Schweiz und Serbien ansässige Architekturstudio TEN ein Haus, eingebettet in der pastoralen Landschaft ausserhalb der serbischen Hauptstadt Belgrad. Das «Avala-Haus» ist eine architektonische Balance von Minimalismus und Innovation, von Funktionalität und einer einzigartigen Designsprache. Jedes Element des Hauses betont die Leistung von Struktur und Raum und bietet entweder Gewicht oder Leichtigkeit an bestimmten Punkten, Ausdehnung oder Kontraktion an anderen. Gehalten wird diese Balance von zwei grossen Betonklötzen, die das Fundament des Hauses bilden. Wie Felsbrocken in der Landschaft erheben sie sich und lassen das Gebäude mit seiner Umgebung verschmelzen.

DER OFFENE RAHMEN

Die Konstruktion der einstöckigen Residenz bildet ein Hauptstahlrahmen von 16 mal 16 Quadratmetern, der sowohl als Intervention als auch als Fortsetzung des natürlichen Geländes fungiert. Der innere Bereich des Gebäudes gibt das darunterliegende Gelände frei, wobei der äussere den bewohnbaren Teil der Residenz einnimmt. Der Rahmen besteht aus 80-Millimeter-Quadrat-Stahlrohrprofilen, die an Ort und Stelle angeschweisst und an drei Fundamentpunkten im Gelände befestigt sind, die den Ankunftsbereich auf der Grundebene definieren. Die offene Struktur umfasst die unmittelbare Landschaft und setzt gleichzeitig eine neue klare Geometrie und einen starken architektonischen Umriss. Die grossen Fensterscheiben offenbaren einen Blick in den im Süden angelegten Obstgarten oder die umliegenden Wälder. Die quadratische Struktur ermöglichte es, vier Terrassen in dem Gebäude einzubauen, die an den Ecken ineinandergreifen, um

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© Maxime Delvaux

© Maxime Delvaux

LIVING

einen neuen Horizont für das Wohnen zu bieten. Jede Terrasse verfügt über ein anderes Oberflächenmaterial wie Beton, ein hängendes Netz oder Stahlblech und bietet dadurch vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Die undurchsichtige Wand zum zentralen Innenraum besteht aus zehn grossen schwenkbaren Stahltüren, die es dem Wohnbereich ermöglichen, sich von einem einzigartigen Innenraum von 50 Quadratmetern auf die 156 Quadratmeter grossen Volumina der vier Aussenterrassen zu verlagern. Diese ermöglichen es dem Haus, eine totale Transformation von Grösse und Atmosphäre zu durchlaufen. Küche, Ess- und Wohnbereich, Bade- und Schlafzimmer sind offen nebeneinander angeordnet und lassen sich durch dunkle Vorhänge visuell abtrennen. Auch die Betonstützen selbst fungieren als Räume: Im grösseren befindet sich ein vom Garten erreichbares Badezimmer, der andere wird als Abstellraum verwendet.

MATERIALIEN UND KNOW-HOW ZWEIER KULTUREN

Die zentrale Prämisse des Projekts bestand darin, den zukünftigen Eigentümer – ein Handwerker aus dem Bereich der Innenrenovation und häuslicher Wartungsarbeiten – in den Herstellungsprozess einzubeziehen, um allfällige Reparaturarbeiten selbst vornehmen zu können. Ausserdem wurde Wert gelegt auf einen aufrichtigen Umgang mit Ressourcen und Bautechnik. So wurde nur verfügbares lokales Rohmaterial verwendet. Der Eigentümer selbst arbeitete mit einer Metallwerkstatt in der Nähe zusammen. Diese Art von Zusammenarbeit brachte neuartige Lösungen hervor, wie das In-situ-Giessen der Sichtbetonfundamente mit recycelten Stahlblechen, und verwandelte die Residenz in ein Produkt von regionaler Bedeutung.

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CUL INA CU LI RI NA RIUM UM

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CULINARIUM

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ROH RAU PRESTIGE

REGIONAL 202


CULINARIUM Autor_Thomas Hauer Bilder_Tanja Kurt / Simon Kurt / digitalemassarbeit.ch

Dominik Hartmann verwandelt Schwyz in neuen Foodie-Hotspot.

Die diesjährige Ausgabe des eidgenössischen Guide Michelin war ein Paukenschlag. Nachdem die anonymen Inspektoren des einflussreichen Restaurantführers 2020 gleich sechs Adressen – und damit so viele auf einen Streich wie nie zuvor – in die ZweiSterne-Liga katapultiert hatten, kamen in diesem Jahr gleich nochmal vier Aufsteiger dazu, sodass die rote Feinschmeckerbibel jetzt insgesamt 24 doppelt besternte Restaurants in der Schweiz führt. Ein Rekordwert. Allerdings war der Ritterschlag für das «Cà d’Oro» unter Matthias Schmidberger im St. Moritzer Kempinski Grand Hotel des Bains eigentlich längst überfällig, und auch Stefan Heilemann konnte im Widder-Hotel in Zürich eher erwartungsgemäss an den Erfolg seines «Ecco» im «Atlantis by Giardino» anknüpfen. Selbst der zweite Stern für das «Sens» im Park Hotel Vitznau war keine allzu grosse Überraschung, war Küchenchef Jeroen Achtien zuvor doch bereits Statthalter und Küchenchef des Niederländers Jonnie Boer in dessen Drei-Sterne-Restaurant «De Librije» in Zwolle. Das «Magdalena» unter Ägide von Dominik Hartmann im kleinen Dörfchen Rickenbach ob Schwyz dagegen hatte wohl kaum jemand auf dem Schirm. Zumal das Restaurant erst im März 2020 seine Türen aufgesperrt hatte. Zu allem Überfluss erklärte der Gault Millau das «Magdalena» dann auch noch postwendend zur Entdeckung des Jahres in der Deutschschweiz. Alles in allem also ganz schön viele Vorschusslorbeeren. Doch natürlich war Hartmann, der wie sein Kompagnon und langjähriger Freund Marco Appert gebürtig aus Rickenbach stammt und gemeinsam mit Hartmanns Frau Adriana – einer Schwyzerin – den Service leitet, kein Nobody. Schliesslich stand der 29-Jährige vor dem Schritt in die Selbständigkeit unter anderem als Souschef im Zürcher «EquiTable» (1*) an der Seite von

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Fabian Fuchs am Herd und hielt bei Andreas Caminada im «Schloss Schauenstein» (3*), wo zuletzt auch seine Frau im Service tätig war, unter anderem den Posten des Chef-Pâtissier. Caminada und seine Frau Sarah waren es auch, die die junge Familie – Söhnchen Ameo kam im November 2019 auf die Welt – beim Aufstellen eines Businessplans und der Entwicklung des Restaurantkonzepts unterstützt haben. Gleichzeitig markiert die Top-Bewertung von Dominik Hartmann eine schon seit einigen Jahren zu beobachtende Trendwende in der Bewertungspolitik des Guide Rouge. So muss ein Küchenchef heute nicht mehr jahrelang den ersten Stern verteidigen, bevor er oder sie eine Chance auf das begehrte zweite oder gar dritte Macaron hat. Manchmal wird der erste Stern inzwischen – wie bei Hartmann – sogar einfach übersprungen. Für einen echten Newcomer, der zum ersten Mal auf eigenen Beinen steht, ist das aber immer noch die absolute Ausnahme. Gleichzeitig setzt man in der Pariser Zentrale des Michelin schon seit einigen Jahren verstärkt auf innovative Konzeptrestaurants. Vor allem, um auch jüngeres Publikum anzusprechen, das mit traditionsschwerer Klassik und steifem Ambiente zunehmend weniger anfangen kann; sich statt auf die etablierten Restaurantguides lieber auf Peer-Reviews in Online-Plattformen oder Social-Media-Kanäle verlässt. Da kam das «Magdalena» also gerade recht. Doch was landet dort denn nun auf den Tellern? Nun, Herzstück von Hartmanns Philosophie ist eine konsequent regionale Frischeküche mit starkem Fokus auf Gemüse. Das heisst, Fleisch und Fisch sind zwar nicht vollständig von der Karte verbannt, spielen aber eher die zweite Geige. Die Stars auf dem Teller dagegen stammen aus Floras Reich, deshalb ist der Hauptgang


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des Menüs auch grundsätzlich vegetarisch. Doch keine Angst: Auch eingefleischte Carnivoren und Fischfans kommen im «Magdalena» im Laufe des grossen Menüs auf ihre Kosten. Neu ist dieser Ansatz freilich nicht, könnte man nun einwenden. Schliesslich verbannte Drei-Sterne-Legende Alain Passard in seinem Pariser Luxusrestaurant «L’Arpège» rotes Fleisch bereits vor 20 Jahren konsequent von der Karte, um stattdessen Gemüse in den Fokus seiner Kreationen zu rücken, hier und da ergänzt um eine Bresse-Poularde oder einen bretonischen Hummer. Damals in Frankreich noch ein veritabler Skandal. Davon abgesehen teilen Passard und Hartmann auch eine besondere Liebe zu Roten Randen – in beiden Restaurants wichtigste Zutat des jeweiligen Signature-Gerichtes. Doch dazu später mehr. Heute dagegen liegt «vegetarisch» oder gar «vegan» voll im Trend. Doch was in Zürich spielend funktionieren mag – wie Nenad Mlinarevic mit der «Neuen Taverne» beweist, in der er, wenn auch auf deutlich bodenständigerem Niveau, ebenfalls primär auf Gemüse setzt – ist im konservativen Schwyz ein echtes Wagnis. Aber die Wette scheint aufzugehen, denn rund 50 Prozent der Gäste des «Magdalena», das am Rande einer neu errichteten Wohnüberbauung liegt, die wie das ehemalige Wirtshaus und heutige Gourmetrestaurant nach der gegenüberliegenden St.-Magdalena-­ Kapelle benannt ist, sind Locals. Doch es wäre ein grobes Missverständnis, Hartmanns Küche auf fleischlose – oder zumindest fleischarme – Kost zu reduzieren oder ihm vorzuwerfen er sei einfach im rechten Moment auf einen kulinarischen Modetrend aufgesprungen. Hartmann ist nämlich kein Prinzipienreiter, er vertritt schlicht den Ansatz, dass man in einer gemüsebasierten Küche weitaus kreativer aufkochen kann. Dass das allerdings auch deutlich aufwendiger ist, als ein Stück Fleisch oder Fisch auf den Tisch zu bringen, versteht sich fast von selbst. Dafür können Gerichte wie sein buntes Gemüse­potpourri mit Hafer-Kräuter-Milch dank unterschiedlichster Texturen und spannungsgeladener Aromen dann aber auch erklärte Fleischfans absolut begeistern.

Doch Hartmanns Gäste geniessen nicht nur seine Küche und den unprätentiösen, herzlichen Service, sondern dank der umlaufenden bodengleichen Fensterfront des Gastraumes auch einen spektakulären Panoramablick hinunter in Richtung Tal mit dem Vierwaldstättersee und auf die Berge. Architektonisch verbindet das neue «Magdalena» dabei gekonnt historische Bausubstanz, deren Geschichte bis ins Jahr 1326 zurückreicht, mit einem modernen Neubau. Das schnörkellose Setting, in dem geschmeidige Holz­oberflächen und dunkle Farbtöne den Takt angeben, wirkt dabei ebenso aufgeräumt wie die fast Still­leben gleichen Teller, deren Präsentation sich stilistisch ein wenig an die Ästhetik des «EquiTable» anlehnt. Aber auch die Handschrift von Caminada blitzt hier und da durch. Zum Beispiel bei den geschmacksintensiven Gelen. Doch hier steht beileibe kein Epigone am Herd, Hartmanns Küche kommt für einen Mann seines Alters vielmehr schon erstaunlich authentisch und stilsicher daher. Die Tische kommen ohne Decken aus, das Besteck ist schwer. Nichts lenkt vom Hauptthema ab. Auf der Karte steht nur ein Menü, das wahlweise mit einer unterschiedlichen Anzahl von Gängen bestellt werden kann. Dazu gibt es eine passende Weinbegleitung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Schweizer Gewächsen, denn Adriana Hartmann ist überzeugt, dass zu einer Küche, die auf lokale Produkte fokussiert ist, nichts besser passt als Weine, die vor der eigenen Haustüre wachsen. Dem Trend, dass auch in der Spitzengastronomie gerade vom jüngeren Publikum immer weniger Alkohol konsumiert wird, trägt das «Magdalena» mit einer Auswahl hausgemachter, antialkoholischer Weinalternativen Rechnung wie hausgemachtem Kombucha, Shrubs oder Eistee. Doch auch Cocktailfans dürfen sich auf kreative Drinks mit Schuss freuen. Doch werfen wir jetzt einmal einen genaueren Blick auf einige von Hartmanns Tellern. Seine schon erwähnte Vorliebe für Randen kulminiert in einem Gericht, das der Küchenchef sich ursprünglich für die eigene Hochzeit ausgedacht hatte. Dazu werden

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die roten Knollen zunächst zwei bis drei Stunden vorsichtig geschmort, dann fast einen ganzen Tag lang angedörrt und schliesslich in der Pfanne in Butter gebraten. Dazu gibt es einen unglaublich dichten, geschmacksintensiven Randen-Jus verfeinert mit fermentierten Brombeeren und Schalottencrumble. Ein Gericht, das Geniesser die vermeintlich simple Knolle plötzlich mit ganz neuen Augen sehen lässt. Doch Hartmann kann nicht nur mit seinen Gemüsekreationen überzeugen. Auch die Brüggli-Lachsforelle mit Safran-Beurre-blanc erweist sich als echter Gaumenschmeichler, genau wie ein knuspriger Schweinebauch mit Maroni und Kräutersaitlingen. Alle drei Gerichte haben gemein, dass sie das Grundprinzip von Hartmanns Küche auf den Punkt bringen. Denn der setzt konsequent auf ehrliche Produkte, wenn möglich aus der Region, und kann gerade deshalb selbstbewusst auf die üblichen Luxuszutaten, in denen die Sternegastronomie sonst normalerweise so gerne schwelgt, verzichten. Statt also den Globus nach ultimativen Gaumenkitzlern abzugrasen, investieren Hartmann und sein Team ihre Zeit lieber in die Perfektion vermeintlich einfacher Dinge wie dem hausgemachten Kartoffel-Sauerteig-Brot. Apropos Team – auf der Homepage des «Magdalena» tauchen neben den Chefs auch alle anderen Namen der Küchen- und Servicebrigade auf. Eine Geste, die unterstreicht, dass mit Hartmann keine Küchendiva am Herd steht, sondern ein echter Teamplayer. Vielleicht macht auch das einen Teil des Erfolges des jungen Endzwanziger-Trios aus. Und bevor wir es vergessen: Auch die kreativen Desserts von Pâtissière Ambar Dominguez sind jede Kalorie wert. Schliesslich liegt Schokoladen-­Magier Felchlin gleich um die Ecke im schwyzerischen Ibach. Guten Appetit! WWW.RESTAURANT-MAGDALENA.CH

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PRESTIGE Autorin_Swenja Willms Bilder_Phaidon

EIN MOSAIK DER ARABISCHEN KÜCHE 206


CULINARIUM

ES IST EINE KÜCHE, DIE AUF GASTFREUNDSCHAFT BASIERT UND DEREN ZUTATEN UND GERICHTE DAS WANDELNDE GESICHT EINER REGION NACHBILDEN. EIN NEUER REZEPTBAND AUS DEM VERLAGSHAUS PHAIDON PRÄSENTIERT REZEPTE UND GESCHICHTEN AUS DEM FERNEN ORIENT, UM EINE KULINARISCHE ENTWICKLUNG ZU BESCHREIBEN, DIE SO ALT IST WIE DIE KÜCHE SELBST.

Schon vor den Europäern kamen die Araber dank der ausgezeichneten Handelsbeziehungen mit Indien und anderen Teilen Asiens in den Genuss exotischer Gewürze. Dadurch entwickelte sich eine Kochkunst, die Geschmackssinn, Geruchssinn und das Auge gleichermassen anspricht. Farbenfrohe Gerichte in vielen unterschiedlichen Aromen und Geschmäckern finden ihren Weg auf den arabischen Esstisch. Zu den Hauptnahrungsmitteln zählen Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen, die traditionell zu einer Bohnensuppe verarbeitet werden – der «baisar». Die aus pürierten Bohnen und Kichererbsen verarbeiteten frittierten Klösse namens Falafel haben auch hierzulande ihre Beliebtheit erlangt. Da Araber früher als Nomaden durch die trockenen Wüstenregionen Nord­afrikas zogen und ihre Tiere sowohl als Transportmittel wie auch als Nahrungsquelle dienten, ist die arabische Küche in grossen Teilen fleischhaltig geprägt. Lammfleisch gehört zu der am häufigsten verzehrten Fleischsorte und wird entweder als Kebab zubereitet oder gekocht. Wichtig dabei ist, dass alle Teile des Lamms ihre Verwendung finden, auch Innereien, der Kopf oder die Füsse. Für das Gericht «khouzi» wird ein ganzes Lamm gebacken und anschliessend mit Reis, Eiern und Hühnerfleisch gefüllt. Gemüsesorten werden meist gekocht und nur als Beilage zu Fleisch oder Reis serviert, genauso wie das papierdünne Fladenbrot «Chubz». Die arabische Küche besticht durch ihre breite Vielfalt vegetarischer und fleischhaltiger Rezepte und entführt ihre Geniesser auf eine Reise zurück in uralte Traditionen. Auf genau solch eine Reise lädt die renommierte Autorin Reem Kassis ein. Die palästinensische Schriftstellerin kehrt mit einer einzigartigen Sammlung originaler zeitgenössischer Rezepte zurück, die die reiche Geschichte der arabischen Küche nachzeichnen. Ihr neustes Werk, «The Arabesque Table», lässt sich vom traditionellen Essen der arabischen Welt inspirieren und verbindet Reem Kassis’ historische Forschung und kulturelles Wissen mit ihren zeitgenössischen Interpretationen einer alten, bemerkenswert vielfältigen Küche. In ihrer persönlichen, einnehmenden Art verbindet Reem Vergangenheit und Gegenwart, um die Welt der arabischen Küche zu öffnen, und zeigt ein Mosaik aus 130 köstlichen, zugänglichen Hausrezepten. Die Rezepte und lebendigen Fotografien sind nach Hauptzutaten geordnet und erwecken die Gerichte zum Leben. Kassis’ persönliche Erzählungen bieten nicht nur einen Sinn für Geschmack, sondern auch einen Sinn für Zeit und Ort. «The Arabesque Table» ist mehr als nur eine Zusammenstellung moderner arabischer Rezepte. Die Publikation feiert die Entwicklung der arabischen Küche, erzählt Geschichten über interkulturelle Verbindungen und würdigt die Geschichte und die Reise, die zu diesem Punkt geführt haben. So findet man Gerichte aus dem Goldenen Zeitalter des Islam wie beispielsweise «Narjissiya», ein Haché aus Bohnen und Eiern, oder «Makmoora», ein Schicht­kuchen aus Hühnchen, Zwiebeln und Pinienkernen. Aber auch zeitgenössische und global inspirierte Interpretationen finden ihren Platz wie ein «Tahini Cheesecake» oder «Caramelized Butternut Squash Fatteh mit Za’atar», die eine Küche enthüllen, die lebendig, nahrhaft und aufregend ist, uns aber vor allem daran erinnert, wie stark das Essen die Beziehung zwischen Menschen, Ort und Identität definiert.

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Reem Kassis: The Arabesque Table 256 Seiten, 129 Illustrationen Phaidon ISBN: 9781838662516


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FREEKEH MIT RETTICHGRÜNEM PESTO Zutaten für vier bis sechs Portionen Für das Pesto: Eine Knoblauchzehe, geschält Vier Esslöffel geriebener Parmesankäse Drei Esslöffel Pistazien, leicht geröstet Ein Teelöffel Salz 2,75 Gramm Radieschen (entspricht circa einem kleinen Haufen) Geriebene Schale und Saft von einer Zitrone 80 Milliliter Olivenöl Für das Freekeh: Zwei Esslöffel ungesalzene Butter Zwei Esslöffel Olivenöl Eine grosse Zwiebel, fein gewürfelt Ein Teelöffel Salz Zwei Teelöffel Nine-Spice Mix, Baharat oder Libanesische Gewürzmischung Ein Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel 450 Gramm Freekeh Ein Liter Huhn- oder Gemüsebrühe Zum Servieren: Griechischer Joghurt (optional) 35 Gramm Pinienkerne oder Mandelblättchen, leicht geröstet Zubereitung des Pestos: Mithilfe einer Küchenmaschine Knoblauch, Parmesan, Pistazien, Salz, Radieschen, Zitronenschale und Zitronensaft verarbeiten, bis alle Zutaten miteinander kombiniert sind. Olivenöl hinzufügen, bis eine glatte Paste entsteht. In eine Schüssel geben und abdecken bis servierfertig. Zubereitung des Freekehs: In einem grossen Topf Butter und Öl auf mittlerer Hitze erhitzen. Wenn glasig, die Zwiebel, das Salz, die Gewürzmischung und Kreuzkümmel hinzugeben. Hitze reduzieren und unter gelegentlichem Rühren weiterkochen, bis die Zwiebel weich und langsam braun wird. Freekeh unter­m ischen und weiterkochen, gelegentlich umrühren, bis dieses leicht geröstet ist und ein nussiges Aroma entwickelt. Nun die Brühe hineingiessen und alles aufkochen lassen. 35 – 45 Minuten bei schwacher Hitze abgedeckt leicht köcheln lassen. Wenn das Freekeh noch zu al dente ist, etwas mehr Wasser hinzufügen und weiterkochen. Die Konsistenz von gekochter Perlgerste ist ideal. Vom Herd nehmen und ein grosses Handtuch oder dünnes Geschirrtuch zwischen der Kanne und dem Deckel einspannen. Dieses absorbiert den aufsteigenden Dampf. Circa 15 Minuten bedeckt stehen lassen. Je nach Geschmack etwa die Hälfte des Pestos zum Freekeh geben und mischen. Übrig gebliebenes Pesto kann in einem luftdichten Behälter im Kühlschrank für ein paar Tage oder im Gefrierschrank für mehrere Wochen aufbewahrt werden. Abschliessend das Freekeh auf einer grossen Tischplatte servieren und nach Bedarf mit griechischem Joghurt, Pinienkernen oder Mandelsplittern garnieren.

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CULINARIUM

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J D S L PRESTIGE

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TRENDS

JOANNA BUCHANAN

Die in den USA ansässige AccessoireDesignerin Joanna Buchanan feiert das Frühlingserwachen mit einer von der Natur inspirierten Kollektion. Die Biene, Ikone der Marke, wird im Frühling aktiv und wird in mehreren Produkten repräsentiert, von wiederverwendbaren Strohhalmen bis hin zu Rührstäbchen, Flaschenöffnern und Serviettenringen.

SIROCCO

Der Matcha des Schweizer Familienunternehmens Sirocco stammt von der Haupt-Insel Honshū, aus der Präfektur Shizuoka. Die Region ist bekannt als das Zentrum des japanischen Teehandels. Ein intensiver und frischer Geschmack der grünen Teeblätter und ein seidig sanfter Abgang sind das Ergebnis sorgfältigster Herstellung.

DIWISA

Die Traditions-Destillerie aus Willisau bringt mit GINONI ein alkoholfreies Mixgetränk auf den Markt, basierend auf einem intensiven, aber destillierten Gin mit drei Geschmacksrichtungen: Classic mit ausgeprägter Wacholder-Note, Lemon mit zitronig südländischem Flair oder Berry für alle, die es fruchtig mögen.

LÖW DELIGHTS

Die «Paradies Löwenküsse» entstanden in Zusammenarbeit mit dem im Engadin liegenden «Hotel Paradies»-Hideaway in Ftan. Die Leckerbissen vereinen zwei typische Zutaten aus dem Engadin: Baumnuss und die Aroniabeere.

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CUL INA RIUM


CULINARIUM

Webshop: swissshrimp.ch 211


G H O S T

KITCHEN

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CULINARIUM

REVOLUZZER DIE GASTRONOMISCHEN Autorin_Lone K. Halvorsen

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IN ZEITEN DER KULINARISCHEN NOTLAGE WURDE DAS MACHTVERHÄLTNIS ZWISCHEN FOOD-DELIVERY UND RESTAURANTS NEU VERHANDELT. EINER DER GEWINNER DABEI SIND DIE SOGENANNTEN «GHOST KITCHEN», DIE IM VERGANGENEN JAHR BESONDERS AN FAHRT AUFGENOMMEN HABEN.

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CULINARIUM

und man denkt, es sei ein echtes Restaurant, dabei ist es «nur» eine kulinarische Produktionsstätte. Hier werden Vor-, Haupt- und Nachspeise zubereitet, aber niemand isst dort oder holt seine Bestellungen persönlich ab. Die Ghost Kitchen existieren nur im Internet, und vor Ort (wo auch immer das sein mag) findet man ausschliesslich Arbeitsfläche, Kochherd, Ofen und alles, was zum Kochen und zur Essens-Zubereitung benötigt wird. Das Ziel ist es, die gelieferten Gerichte so vor- und zuzubereiten sowie zu verpacken, dass sie gegebenenfalls beim Transport weitergaren. Die Auswahl an Speisen unterscheidet sich auch zunehmend mehr von den traditionellen Restaurants, da sie sich mehr auf Rezepturen konzentrieren, die sich besser für den Transport eignen und bei denen die Gerichte ihre sensorische Qualität beibehalten. Via App, Webseite oder telefonisch können die Gäste bequem bestellen, und der Bote bringt die Bestellung nach Hause. Ein wesentlicher Vorteil von Ghost Kitchen ist auch die Tatsache, dass ein hohes Mass an Flexibilität vorhanden ist – dadurch können die Kitchen deutlich schneller und besser auf neue Trends agieren. Sei es in Form von Pop-up-Kitchen oder Streetfood-Truck bei saisonalen Events – und das standortunabhängig. Zudem gibt es die Möglichkeit, dass eine Küche von verschiedenen Restaurants geteilt wird. Manche Unternehmen bieten so mehrere Marken an, die in derselben virtuellen Küche kochen, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen. So kann eine grosse Bandbreite von Gerichten in derselben Küche produziert werden, und durch die Kreuzverwendung von ähnlichen Zutaten werden Kosten gespart, und es entstehen neue kulinarische Ideen. Viele reguläre Restaurants sind auf den «Hype» aufgesprungen und haben das Konzept in den laufenden Betrieb integriert. Mit einem zweiten Geschäftszweig wollen viele Restaurantbetriebe somit den Konflikt zwischen virtuellem und stationärem Betrieb verhindern.

Die Pandemie hat vor niemandem Halt gemacht – und die Restaurants bilden da keine Ausnahme. Mit der vollständigen Umstellung auf Home-Delivery haben jedoch die Gastronomen eine reizvolle Alternative entdeckt, mit der sie selber weiterarbeiten und zugleich die Menschen kulinarisch beglücken können. Dass aussergewöhnliche Zeiten auch aussergewöhnliche Massnahmen erfordern, wissen wir bereits. Jetzt haben sich daraus einige Trends herauskristallisiert, die eine zukünftige gastronomische Tendenz prophezeien. Dazu gehört das Konzept der «Ghost Kitchen» – auch als «Dark Kitchen» oder «Cloud Kitchen» bekannt. Bereits vor Beginn der Pandemie Anfang letzten Jahres hat dieses Konzept stark an Aufwind gewonnen. Anders als der Name «Ghost Kitchen» besagt, stehen hier keine Geister in der Küche, sondern professionelle Köche am Herd. Es fehlen zwar dafür die Gäste und das Servicepersonal, aber das hat ja alles seinen Grund. Und da gegenwärtig in vielen Ländern sowieso keine Gäste in den Restaurants sein dürfen, wozu dann Tische und Personal, wenn es auch anders geht? Alles, was man braucht, ist eine zentral gelegene Küche, eine attraktive Speisekarte, einen digitalen Auftritt und einen (externen) Lieferservice, der das Essen nach Hause liefert, das schmeckt, als hätte es die Restaurant-Küche soeben erst verlassen.

DAS VIRTUELLE RESTAURANT

Ghost Kitchen, ein technologiegetriebener Trend, der schon längst in der Branche herumgeistert und seine disruptive Energie stetig schlagkräftiger einzusetzen scheint. Ein hocheffizienter Hybrid aus Menükonzept, spezialisierter Produktion, Logistik und niedrigen Lohnkosten, aber ohne Gäste. Mit einem virtuellen Restaurant, das einzig und allein als Marke vorhanden ist, wird nach aussen hin durch einen innovativen Auftritt geworben,

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VISIONEN VERSUS GUIDE MICHELIN

Über Trends wird andauernd gesprochen, und gerade dem verbreiteten kulinarischen Hype scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Ob Sterneköche oder Michelin-Sterne, die Spitzengastronomie ist hart umkämpft, und beim Kampf um die Sterne ist die Macht von Michelin oder Gault-Millau nicht zu unterschätzen, denn der Erfolg steht und fällt mit dem Prestige. Doch immer mehr Sterneköche drehen dem Sterne-Karussell den Rücken zu und widersetzen sich den heiligen Gesetzen und Regeln des kulinarischen Sterne-­ Universums, welche bis anhin als Bibel der Feinschmecker galten. Die Türen für neue Visionen und Kreationen sind längst geöffnet und keinem Dogma verpflichtet. Restaurants gehen auf, aber so manch eines geht auch nach kurzer Zeit wieder zu. Und bei Ghost Kitchen: Vision contra Vernunft? Wie dem auch sei, in dem hart umkämpften gastronomischen Hexenkessel hat das Konzept von Ghost Kitchen an Aufschwung gewonnen. Denn was mit der gegenwärtigen Situation verbunden war –und immer noch ist – haben die Ghost Kitchen über Nacht berühmt gemacht. Krisen beschleunigen Trends, und mittlerweile sind die Geisterküchen gar eine bedeutsame Grundlage für die Nahversorgung in vielen Städten. Was zuerst nur als Nischenphänomen wahrgenommen wurde, ist mittlerweile zum «Netflix» der Gastronomie-Branche geworden. Innovativ und In-House – die Lust der Menschen auf kulinarische Köstlichkeiten hat trotz Lockdown und Ausgangsbeschränkungen nicht abgenommen – ganz im Gegenteil. Und auch im Alltag werden wir bequemer und abhängiger – und das wirkt sich natürlich auch auf unser Koch- und Essverhalten aus. Die Ghost Kitchen wissen davon reichlich zu profitieren. Das Konzept mag in Europa noch Entwicklungspotential haben, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis das virtuelle Restaurant so manchem der klassischen Restaurants Paroli bieten wird.

DER GEIST WÄCHST WEITER

Der Trend der Ghost Kitchen kam vor fünf Jahren aus den USA nach Europa geschwappt. Das Konzept scheint auch eine logische Konsequenz der Digitalisierung zu sein, denn der Markt für Online-­ Bestellungen boomt wie nie zuvor. Wir leben anders, wir bestellen anders, und wir essen anders – und zudem haben sich unsere Lebensgewohnheiten teils verändert im Verlauf des letzten Jahres. Diese Tatsache kann auch dazu führen, dass was ursprünglich als gastronomischer Trend kam, sich schon bald zur gastronomischen Normalsituation entwickelt. Nach jüngsten Schätzungen des Marktforschungs-Unternehmens «Euromonitor» könnte das Geschäftsfeld bis 2030 ein Volumen von bis zu einer Billion Dollar erreichen. In einigen Ländern sind die Essensverkäufe via Lieferdienst schon seit einigen Jahren höher als in Restaurants. Experten empfehlen daher den Restaurants, mutiger zu agieren und über zukunftsorientierte Konzepte nachzudenken, bevor das Konzept der Ghost Kitchen die klassischen Restaurants entmachtet.

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EATART!

Autor_Tristan Brandt Bild_Peter von Gersdorff

Kunst und Kulinarik gehören zusammen! Als kulinarischer Ästhet und Spitzenkoch bin ich immer auf der Suche nach neuen Inspirationen und dem «Wahren, Schönen, Guten». Ich möchte meine Gäste mit aussergewöhnlichen Geschmacksrichtungen überraschen, sie aber auch mit dem Anrichten meiner Teller begeistern. Ich liebe es, kleine Kunstwerke darauf zu zaubern. Kunst und Kulinarik bilden aus meiner Sicht eine spannende Symbiose, die ich schon immer etwas genauer beleuchten wollte. Und dem Zufall sei Dank, begegnete ich einer tollen Start-up-Künstlerin aus der Schweiz. Vor nicht einmal drei Monaten begrüsste ich Susana Anaya als Gast im Restaurant «EPOCA by Tristan Brandt», das sich im Waldhaus Flims Wellness Resort befindet, für das ich aktuell als Patron und Namensgeber tätig bin. Sie war sehr angetan von der Präsentation meiner Gerichte und den Tellerinszenierungen. Daher machte Sie mir anschliessend den Vorschlag, gemeinsam mit ihr ein Kunstwerk für unser Restaurant zu erstellen. Gesagt, getan! Ich fuhr gleich am nächsten Tag nach Zürich und traf die Künstlerin mexikanischer Herkunft in ihrem Atelier. Auf Wunsch ihrer Eltern sollte sie «etwas Anständiges studieren», und so wurde sie Wirtschaftsingenieurin. Doch vor drei Jahren entschloss sie sich, ihrer eigentlichen Berufung als Künstlerin nachzugehen, denn genau wie ich wusste sie bereits als Kind, dass die Kunst ihre Zukunft ist. Bei mir waren es die Kulinarik und die Küche, in der ich als Kind lieber stand und assistierte, als draussen Fussball zu spielen. Susanas Kunst ist einzigartig, sie malt mit Pigmenten und arbeitet nur mit den hochwertigsten Materialien, was auch meinem Qualitätsanspruch entspricht. Ihre Arbeit realisiert sie als dreidimensionale Installationen, die in zwei Dimensionen präsentiert werden. Wie sie das macht, durfte ich von Anfang an mit begleiten. Zum gemeinsamen Kunstwerk inspiriert hat uns meine Interpretation des Gerichts «Gebratener Seeteufel mit Bourride-Sud und Paprika». Susana hat vor allem die bunte Vielfalt auf dem Teller überzeugt. Das Kunstwerk ist bereits fertig und stimmt die Gäste am Eingang des «EPOCA by Tristan Brandt» darauf ein, auf was sie sich gleich freuen dürfen: kulinarische Kunstwerke auf ihren Tellern!

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prestigemagazin.com


D PRESTIGE

SERAPIAN

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Der Gürtel aus ozeanblauem Stepanbeschichtetem Canvas und schwarzem Leder ist ein Klassiker des Alltags, der zur Garderobe jedes Mannes passt. Er wurde für den Test der Zeit entwickelt und besteht aus einem widerstandsfähigen und wasserdichten Material. Stepan entstand aus der weitsichtigen Vision von Ardavast Serapian und wurde Mitte der siebziger Jahre erstmals als Markenzeichen eingetragen. Er ist nach wie vor ein exklusives Hausemblem.

DE BETHUNE

De Bethune präsentiert eine Uhr mit zwei Gesichtern, zwei Zifferblättern, zwei Identitäten. Die «DB Kind of Two Tourbillon» kann je nach Stimmung auf beiden Seiten getragen werden. Das Modell verfügt über einen hochentwickelten Mechanismus, der auf einem komplexen System von Zahnrädern und Ritzeln basiert, die auf der Vorder- oder Rückseite der Uhr angeordnet sind und es den Zeigern ermöglichen, sich unabhängig vom gewählten Zifferblatt in die richtige Richtung zu drehen.

FINANCE

MB

BURBERRY

Umhängetasche mit Reissverschluss und abgestepptem italienisch gegerbtem Leder, appliziert mit dem Burberry-Logo. Das vielseitige Design ist mit umklappbaren Griffen und einem verstellbaren Umhängegurt ausgestattet und kann auf Wunsch abgenommen werden, um die Tasche als Clutch zu tragen.

MONTBLANC

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TRE NDS

Das Meisterstück «Around the World in 80 Days Collection» ist vom berühmten Abenteuerroman aus der Feder von Jules Verne inspiriert. Den «Solitaire Le Grand»Füllfederhalter in durchscheinend blauem Lack mit verlaufendemFinish zieren die wichtigsten Elemente dieser Geschichte: Ozeanwellen, Spielkartenfarben und eine Kartusche mit einem lasergravierten Dampfschiff. Abgerundet wird das Schreibgerät von einer handgefertigten zweifarbigen Feder aus rhodiniertem und champagnerfarben vergoldetem 18-Karat-Gold.

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BAG-UP Klassiker in Sachen Handtaschen können Menschen reich machen, man muss nur wissen, welche ­kaufen und wie behandeln. Eine kurze Zusammenfassung.

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Autorin_Wilma Fasola

«I learned what a birkin bag is from the price tag. You’ll never forget what it is once you’ve paid for one.» Dieser Satz stammt von Ashton Kutcher und lässt darauf schliessen, dass der Schauspieler zumindest einmal in seinem Leben den Hermès-Klassiker in Leder erstanden hat. Für wen er die Tasche gekauft hat, bleibt offen – Fakt aber ist, dass ihn bereits die kleinste Version 9400 US-Dollar gekostet haben muss. Der spinnt doch, mag mancher Mann an dieser Stelle denken, und auch nicht jede Frau ist so begeistert von Handtaschen, dass sie bereit wäre, ein halbes Vermögen für ein Stück Leder zu zahlen. Doch es ist nun einmal so, dass es da diese Dinge gibt, die man unbedingt besitzen muss. Und dazu gehört eben für viele Frauen eine Birkin Bag von Hermès. Doch es gibt auch noch einen anderen Grund, sich das Luxusteil zuzulegen – und zwar als Geldanlage. Handtaschen haben es wie Wein und Kunst geschafft, als sichere Wertanlage zu gelten. Wichtig sind natürlich auch in diesem Fall Insiderwissen und Geduld. Dass es gerade die Klassiker der grossen Marken schaffen, als «It-Bag» oder eben Kultobjekt zu gelten, ist dabei keine Überraschung. Unternehmen wie Hermès oder auch Louis Vuitton und Chanel liegen dabei besonders hoch im Kurs, wobei hier der Anschaffungswert nicht ganz ohne ist und die Preise im Grunde jedes Jahr steigen. So zahlte man im Jahr 1955 für die Chanel 2.55 umgerechnet noch 200 Euro. Heute werden locker 4500 Euro für den stilvollen Weggefährten fällig. WENIGER IST MEHR Die Auswahl der richtigen Tasche erfordert neben Modewissen vor allem auch gute Recherche. Welches Unternehmen produziert schon seit Jahrzehnten Qualitätsprodukte? Wer schafft es, mit seinen Waren Kultstatus zu erreichen. Und auch ein elegantes, zeitloses Design ist wichtig. Sicher schaffen es auch ausgewählte poppige Taschen, Nachfrage und hohe Preise zu generieren. Doch zeigt es sich, dass es eher die unaufgeregten Klassiker sind, für die hohe Preise geboten werden. Handelt es sich dabei um eine Sonderkollektion, ist die Chance auf einen hohen Gewinn beim Weiterverkauf noch um einiges höher. Diese sogenannten «Limited Editions» sind schon allein wegen ihrer limitierten Stückzahl gefragt und haben echtes Potenzial, zum Sammlerstück zu werden. Auf der anderen Seite sind es aber in vielen Fällen die Klassiker der grossen Modemarken, die quasi wie eine Rolex schon einen Tag nach dem eigentlichen Kauf eine Wertsteigerung erleben. So wechselte im Jahr 2015 beispielsweise eine fuchsiafarbene und mit Diamanten besetzte Hermès Birkin Bag für 202’000 Euro bei einer Versteigerung den Besitzer. Im Jahr 2018 zahlte ein Bieter bei einer Christie’s-Auktion 244’000 Euro für

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HANDPRESTIGE

eine «Himalaya Niloticus» aus weissem Krokodilleder mit Diamantschnalle. Und im Jahr davor legte jemand in den USA für eine andere Himalaya-Ausführung sogar 338’000 Euro auf den Tisch. ZEIT IST GELD Im Zuge des Verkaufs der «Himalaya Niloticus» sagte die Leiterin der Abteilung «International Handbags and Accessories» bei Christie’s in London, Rachel Koffsky, dass Handtaschen sich besonders in den letzten Jahren immer öfter und verstärkt zu einem Renditeobjekt gemausert haben. «Frauen sehen ihre Handtaschen in Folge der Rezession zusehends nicht mehr nur leichtfertig als Accessoires, sondern auch als Geldanlage. Wir beobachten einen signifikanten Zuwachs an Sammlerinnen. Sie beginnen, diese Stücke im selben Licht zu sehen wie Männer traditionell beispielsweise Uhrensammlungen. Es gibt ein Bewusstsein dafür, was eine Sammlerhandtasche ausmacht und welchen Wert sie auf dem Primär- und Sekundärmarkt hat.» Während Wein, Kunst und Uhren eher bieterfreudige männliche Sammler ansprechen, ist der Markt der Handtaschen weiblich. Es gibt kaum Männer, die hier bieten, und wenn tun sie es in der Regel für irgendeine Frau. Neben Hermès sind es seit einigen Jahren auch Taschen von Louis Vuitton, die rasant an Wert gewinnen, es handelt sich jedoch in der Regel um Sonderkollektionen, die in Zusammenarbeit mit einer berühmten Persönlichkeit entstanden sind. Interessant ist an dieser Stelle, dass Special Editions viel Geld kosten, wenn sie zum ersten Mal auf den Markt kommen. Danach fällt der Preis eklatant, und erst nach weiteren Jahren

gewinnt diese eine, limitierte Edition wieder an Prestige und Ansehen, was den Preis schnell und überproportional in die Höhe schnellen lässt. Nicht selten ist es ein bekanntes Gesicht, wie das einer Schauspielerin oder Sängerin, das für einen Run sorgt. Zunehmend sind es auch Influencer, die einem Modell eine Bühne bieten und es von heute auf morgen zum absoluten Kassenschlager machen. IMMER MAL WIEDER EINEN BLICK RISKIEREN Grundsätzlich gibt es verschiedene Kriterien, nach denen der Wert einer Sammlertasche gemessen wird. Das sind Seltenheit und Zustand. Dazu kommen Alter, Modell, Material und Grösse. Dass die Taschen dabei benutzt wurden, hebt in der Regel sogar noch den Preis, wobei es sich auf die üblichen Gebrauchsspuren beschränken sollte. Daher: Immer schon den mitgelieferten Staubbeutel benutzen. Denn «beschädigt» bringt auch eine Chanel 2.55 keinen Cent mehr. Wobei man einschränkend und ergänzend sagen muss, dass Chanel 2018 quasi aus eigenem Antrieb für die Wert­ steigerung gewisser Modelle gesorgt hat. Denn hier wurde medienwirksam verkündet: «No more Croco for Coco». Neben Pelz verzichtet das französische Luxuslabel fortan auch auf Häute von exotischen Tieren. Was eben Taschen, die noch aus diesen Stoffen gefertigt wurden, zu Raritäten macht. Neben Versteigerungen findet man als Suchender solche Modelle auch ganz einfach online – im klassischen Secondhand-­ Shop. Da braucht man nicht mal mehr bieten, steht in der Regel nicht unter Zeitdruck und kann sich entspannt durch das Angebot

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klicken. Natürlich erleben auch hier gefragte und seltene Modelle ein Rein-und-Raus, dennoch lohnt es sich, immer mal wieder vorbeizuschauen. Und beobachten hat noch nie etwas gekostet.

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ICH BIN, WAS ICH TRAGE Handtaschen sind und bleiben zudem immer auch ein Statement – erinnern wir uns an Maggie Thatcher, die über 30 Jahre die gleiche blaue Henkeltasche von Asprey mit sich trug und statusträchtig und -mächtig vor jeder Besprechung auf dem Tisch platzierte, damit die Männer im Raum wussten, dass die Chefin Einzug gehalten hatte. Im «Concise Oxford English Dictionary» wurde dafür der Begriff «to handbag» eingeführt. Und von der Queen sagt man sich, dass ihre Handtasche sprechen kann, denn langweilt sie ein Gespräch oder geht es um Themen, zu denen sie nichts sagen mag, wechselt sie den tragenden Arm ihrer Handtasche, und schnell ist jemand zur Stelle, um den lästigen Gesprächspartner zu entfernen. Handtaschen haben es wirklich vom Mysterium – was hat Frau da bloss drin, dass sie so schwer ist – über den Fakt, dass es mittlerweile schon Handtaschenlichter gibt, damit Frau findet, was irgendwo in den Untiefen der Tasche seinen Platz gefunden hat, bis hin zum Fakt, dass verglichen mit Aktien und Gold die Rendite bei Handtaschen um einiges höher liegt. Und ohne Werbung zu machen oder von Hermès bezahlt worden zu sein, ist die Birkin Bag so etwas wie der Goldesel in dem Märchen der Brüder Grimm. In den vergangenen Jahren hat das Lederding eine Rendite von 14,2 Prozent geschafft, die auch in schwierigen Zeiten locker erreicht wird. Kein Wunder, dass in schwierigen Zeiten wie diesen die Menschen verstärkt nach neuen Möglichkeiten suchen, in materielle Werte zu investieren. Die Birkin Bag erlebt gerade eine steigende Nachfrage von 40 Prozent, wobei Ashton Kutcher wohl nicht mehr zu den Nachfragenden gehört. Er ist wohl doch eher der Frauenliebling, der eine Tasche verschenkt und nicht an ihren Investitionswert denkt. Da ist er männlicher, lauter, PS-­ verliebter. Sein Vermögen steckt nämlich zu grossen Teilen in teuren Autos, die entweder sehr neu und schnell oder eben sehr alt und selten sind. Und die einen finanziellen Spielraum erlauben, sodass man auch mal einige Tausender für ein Lederding mit Lasche auf den Tisch legen kann.

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50-30-20 DIE FAUSTREGEL

Autorin_Swenja Willms

DES BUDGETIERENS 226


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POPULÄR GEWORDEN UND URSPRÜNGLICH KONZIPIERT FÜR FAMILIEN DER ARBEITERKLASSE, UM DIE PERSÖNLICHEN AUSGABEN ZU PLANEN UND UM SICH AUF DIE ZUKUNFT UND UNVORHERGESEHENE UMSTÄNDE VORZUBEREITEN, HAT SICH DIE 50-30-20-REGEL FEST IN DER FINANZPLANUNG EINES JEDEN ETABLIERT. EINE BUDGETIERMETHODE, MIT DER SICH GELD AUF EINFACHE UND NACHHALTIGE WEISE EFFEKTIV VERWALTEN LÄSST.

Budgetieren und die Verwaltung von Finanzen gehen Hand in Hand. Dies muss jedoch nicht zwingend viel Zeit in Anspruch nehmen. Lediglich ein Budgetierungstipp sollte ein jeder im Hinterkopf behalten, wenn es um die finanzielle Planung geht: Die 50-30-20-Regel ermöglicht einen unkomplizierten Überblick über die monatlichen Lebenshaltungskosten und hilft, die eigenen Ausgaben im Zaun zu halten. Erstmals vorgestellt wurde die Regel im Jahre 2005 von der US-Senatorin und Insolvenz-Expertin Elizabeth Warren und deren Tochter Amelia Warren Tyagi in dem Buch «All Your Worth: The Ultimate Lifetime Money Plan». Mehr als 20 Jahre Forschung steckte in der Publikation. Der Grundgedanke hinter der Faustregel: Um seine eigenen Finanzen in Schach zu halten, ist keine komplizierte Budgetplanung notwendig. Das Geld sollte lediglich individuell auf die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Sparziele abgestimmt werden. Im Klartext: Als Faustregel gilt, dass das monatliche Einkommen nach Steuern in drei Ausgabenkategorien eingeteilt werden muss: 50 Prozent für existentielle Bedürfnisse, die zwingend gedeckt werden müssen, 30 Prozent für individuelle Wünsche und 20 Prozent für Ersparnisse oder die Tilgung von Schulden. Wenn die Ausgaben regelmässig mithilfe dieser Richtlinien geplant werden, werden Ausgabenüberschreitungen vermieden. Mit nur drei Hauptkategorien sparen sich Mann und Frau Zeit und Stress. DEN ÜBERBLICK BEHALTEN Um die Faustregel richtig anzuwenden, bedarf es des Benennens des monatlichen Einkommens nach Steuern und nach den obligatorischen Lohnabzügen. Auf Basis dieses Einkommens werden 50 Prozent für notwendige Bedürfnisse abgezogen. Dazu zählen laufende Kosten wie Mieten, Lebensmitteleinkäufe, Versicherungen oder Transportkosten. Sollten die laufenden Kosten weniger als 50 Prozent des Budgets ausmachen, fliesst der restliche Teil in den Spar- und Schuldentilgungssektor. Die nächsten 30 Prozent des verfügbaren Einkommens werden in Wünsche und Bedürfnisse eingeteilt, die für das Leben und Arbeiten nicht zwingend erforderlich sind, beispielsweise Reisen, Mittel der Unterhaltung oder Freizeitgestaltung. Die letzten 20 Prozent des Budgets fliessen in Ersparnisse oder Schulden, um sich ein komfortables Finanzpolster für die Zukunft zu schaffen. Wie genau dieser Teil des Budgets verwendet wird, ist von der jeweiligen Situation abhängig. Möglich wären das Starten eines Notfallfonds, das Einzahlen in die 3. Säule oder die Investierung des Kapitals in Aktien oder diverse Anlagen. Insgesamt kann die 50-30-20-­­Regel für manche Menschen eine solide Budgetierungsmethode sein. Ob das System jedoch für alle geeignet ist, hängt von spezifischen Umständen ab. Aber eines ist klar: Die Regel reduziert den Zeitaufwand für die Detaillierung der Finanzen und ermöglicht es, sich stattdessen mehr auf das Gesamtbild zu konzentrieren.

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AUF KOSTEN VON UMWELT UND

Autor_Lars Jaeger

RECHTSSTAATLICHKEIT DIE SCHMUTZIGE

GIER NACH BITCOIN 228


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Kryptowährungen haben in den letzten Jahren einen wahren Goldrausch ausgelöst. Die Wirtschaftsstars in der Manege wie Elon Musk befeuern auf Twitter den Hype. Musk hat sogar sein Kernprodukt an Bitcoin gekoppelt. Wohin die Reise geht, ist aber ungewiss. Neben der Euphorie gilt es aber auch, der Skepsis Raum zu geben.

Manchmal lohnt die Lektüre von umstrittenen Klassikern. «Ein Gespenst geht um in der Welt – das Gespenst von falschen Versprechungen», so würden Karl Marx und Friedrich Engels vielleicht heute ihr «Kommunistisches Manifest» beginnen lassen und dabei auf ein so absurdes wie erschreckendes Phänomen des globalen Finanzkapitalismus verweisen: die Kryptowährung Bitcoin (und andere ihrer Art). Intermediäre Einrichtungen wie Banken, Börsen, Notare sowie diverse staatliche Institutionen (zum Beispiel Zentralbanken, Steuerbehörden und Regulatoren) steuern einen grossen Teil unseres Wirtschaftslebens. Mit ihnen verbunden ist eine zentrale Bedingung für reibungsloses wirtschaftliches Handeln: Vertrauen. Banken garantieren das eingezahlte Geld, ein Notar die Rechtssicherheit einer vertraglichen Vereinbarung, Notenbanken, dass die Papierscheine in unseren Händen in der Zukunft weiterhin einen Wert besitzen, das heisst, mit einer «Banknote» besitzt man einen Wertspeicher, der (zumeist) zuverlässig ist; staatliche Behörden sorgen dafür, dass die Regeln eingehalten werden. Sie alle sind «Agenten des Vertrauens». Dass diese Agenten selbst in die Krise geraten können, zeigen die massiven Banken-, Finanz-, Wirtschafts- und staatlichen Krisen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, die von Hyperinflationen, Bankpleiten, Kreditkrisen bis hin zu dysfunktionalen Staaten (sogenannte «failed states») geführt haben. Digitale Technologien versprechen hier neue Lösungsmodelle. Bitcoin wurde aus der Krisensituation 2007 / 08 gegründet. Die grösste Aufmerksamkeit erhält aktuell eine neue sich als transparent und dezentral erklärende Art und Weise, die zentrale Einheit des wirtschaftlichen Austauschs zu definieren, das Geld. Anstatt in einer staatlich regulierten Währung können wirtschaftliche Austauschprozesse auch in dezentral verwalteten Netzwerken stattfinden. Das ist die Kernidee der sogenannten «Blockchain»-Technologie. Mit ihr lassen sich Zahlungen abwickeln, ohne dass es einer zentralen Bank oder Währung bedarf. Während beim gewöhnlichen (bargeldlosen) Zahlungsverkehr die Teilnehmer einer Bank oder einer ähnlichen vermittelnden Instanz (zum Beispiel einer Kreditkartengesellschaft) vertrauen müssen, die die Sicherheit der Transaktion garantiert, ist dies bei Blockchains die Aufgabe der Gemeinschaft aller Beteiligten. Eine Zahlung wird bei Vorlegen der korrekten digitalen Schlüssel von der Mehrheit der Teilnehmer abgesegnet. Korrekturen am System sind nur möglich, wenn die Mehrheit der Beteiligten diesen zustimmt, was

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nach einer Weile aufgrund der wachsenden Teilnehmerzahl kaum mehr möglich ist. Die Blockchain-Technologie ersetzt also Intermediäre wie Geld, Banken und Behörden durch die Gemeinschaft vieler Nutzer. Die Versprechen, die damit verbunden sind, sind nichts Geringeres als der Umsturz des traditionell intransparenten, korruptionsanfälligen und völlig überteuerten Geschäftsmodell der Banken, mehr Demokratie in Unternehmen und im Staat, Fairness im globalen Handel, die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit bis hin zu einem Wohlstands-Turbo-Booster für die Ärmsten der Welt. Die Realität sieht leider ganz anders aus. Betrachten wir die vier Kriterien genauer, die Bitcoin für sich in Anspruch nimmt in seinem Bestreben, mit der Blockchain-Technologie die konventionellen Währungen abzulösen. AKZEPTANZ UND SKALIERBARKEIT ALS ZAHLUNGSSYSTEM Von seriösen Unternehmen werden Bitcoin und andere Kryptowährungen kaum als Zahlungsmittel für Waren und Dienstleistungen verwendet. Ironischerweise weigern sich sogar einige Organisatoren von Krypto-Konferenzen, Bitcoin für ihre Teilnahmegebühren zu akzeptieren. Neben der enormen Volatilität in den Preisbewegungen, die die Gewinnmargen der Händler innerhalb weniger Stunden auslöschen können, liegt dies auch an dem technisch noch sehr beschränkten Transaktionsvolumen. Mit Bitcoin lassen sich heute weniger als fünf Transaktionen pro Sekunde durchführen. Zum Vergleich: Das Visa-Netzwerk alleine kann mehr als 400-mal so viele verarbeiten (circa 2000 pro Sekunde, Visa selbst spricht sogar von 65’000 pro Sekunde!). FRAGILE SICHERHEIT Die Preisvolatilität von Bitcoin übersteigt die sämtlicher anderer Anlagen. Das liegt auch daran, dass Kryptowährung weit stärker Betrügereien und anderen gesetzlosen Aktivitäten ausgesetzt ist. Berichte über Kursmanipulation wie FrontRunning an Börsen sind weit verbreitet. Und Kryptowährungen schaffen paradiesische Zustände für Verbrechen allerlei Art: Geldwäsche, Lösegelderpressung seitens Hacker, Veruntreuung, Waffenhandel im sogenannten Darknet oder Terrorismusfinanzierung. Die organisierte Kriminalität jubelt. Aber auch für Private gibt es kaum Sicherheit: Wenn eine Kreditkarte oder ein Bankkonto gehackt oder gestohlen wird, ist man abgesichert, und zwar von vertrauenswürdigen Institutionen. Wenn dagegen der private Schlüssel eines Kryptowährungsdepots gestohlen wird oder verloren geht, ist das Vermögen für immer weg. Dazu kommt, dass 99 Prozent des Bitcoin-Handels auf zentralisierten Börsen stattfindet, die verhältnismässig leicht gehackt werden können, wie die Vergangenheit zeigte.

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FINANCE

SCHEINBARE DEZENTRALITÄT Unterdessen kontrolliert eine kleine Anzahl von «Walen» beim Handel einen Grossteil des Bitcoin-Wertes. Das gilt auch für andere Kryptowährungen, wo zudem die ursprünglichen Programmierer von Kryptowährungen oft eine übergrosse Kontrolle über ihre Schöpfungen behalten. So kommt es immer wieder vor, dass sie Transaktionen rückgängig machen, die eigentlich unveränderbar sein sollten. Der Grossteil des Bitcoin-Minings wird heute von oligopolistischen Minern kontrolliert. Viele davon befinden sich ausserhalb der Reichweite westlicher Strafverfolgungsbehörden in autokratischen und korrupten Ländern wie China, Russland und Weissrussland. DIE FRAGE DES WERTAUFBEWAHRUNGSMITTELS Die meisten Vermögenswerte (Aktien, Anleihen, Immobilien) kommen mit einem Einkommensstrom oder haben eine konkrete Verwendbarkeit (zum Beispiel Wohnraum) oder einen anderen Nutzen wie Liquidität und flexibles Zahlungsmittel im Fall von normalen Währungen, woraus sie ihren Wert erhalten. Eine Ausnahme ist Gold, das kein Einkommen hat (jedoch einen, wenn auch eher geringen industriellen Nutzen), dafür aber einen über Jahrtausende etablierten Nutzen als Mittel der Wertaufbewahrung. Der fundamentale Wert von Bitcoin ist dagegen gleich null. Berücksichtigt man die immensen Energien, die es braucht, um diese «Währung» aufrechtzuerhalten, so ist sein Wert negativ, denn nach den Regeln der ökonomischen Konsistenz müssten wir (und werden wohl auch bald) auf seine massiv energieverschlingende Produktion eine ordentliche Kohlenstoffsteuer ansetzen. Es ist kein politischer Idealismus oder die Aussicht auf eine gerechtere Gesellschaft, was den momentanen Hype um Bitcoin antreibt und seinen Wert auf immer absurdere Höhen bringt. Vielmehr ist es der gleiche Ausruf, der in demselben Jahr, in dem Marx und Engels das Kommen des Kommunismus ankündigten, aus San Francisco erscholl: «Gold! Gold! Gold from the American River!» Wer kann schon ignorieren, dass hier schnell mal Millionen gescheffelt werden können? Nur dass man heute nicht mehr beschwerliche Tausende von Kilometern reisen muss, um das neue Gold zu «schürfen», sondern nur ins Internet zu gehen braucht. Leider geht dieser neue Goldrausch mit immensen ökologischen Kosten einher. Für das Mining von Bitcoin, das für dessen zugrundeliegende Blockchain-Infrastruktur notwendig ist, wird enorm viel Rechenleistung benötigt, und damit Strom. Von Oktober 2020 bis Februar 2021 hat sich der Strombedarf für die Kryptowährung nahezu verdoppelt. Die Hightech-Computer der Bitcoin-Miner verbrauchen schon sehr bald mehr Strom als der Nationalstaat Niederlande, Tendenz stark steigend. 65 Prozent der Mining-Aktivitäten finden heute in China statt, denn dort ist der Preis für Strom besonders niedrig – und kommt hauptsächlich aus Kohlekraftwerken. Der renommierte Computer-­ Sicherheitsexperte Felix von Leitner bezeichnet Bitcoin daher als «organisierte Umweltverschmutzung». Es wird Zeit, dass dieser Absurdität ein Ende bereitet wird.

LARS JAEGER LEBT IN DER NÄHE VON ZÜRICH, WO ER ZWEI EIGENE UNTERNEHMEN AUFGEBAUT HAT, DIE INSTITUTIONELLE FINANZANLEGER BERATEN.

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VOR SCHAU

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RUSSLANDS ZARENSTADT ST. PETERSBURG

Diese ewige, aus dem Willen eines einzigen Mannes hervorgegangene Stadt: ­St. Petersburg. Eine der schönsten überhaupt? Oder nichts als

russische Kulisse, eine Bühne, kaum für den Alltag zu gebrauchen. Eine Ansichtskarte, zwischen Wirklichkeit und Wahn, auf der das Leben der Menschen kaum einen Platz findet. Wir entknoten die Stadt und testen sie auf ihre Tauglichkeit.

DAS MODEL UND DIE KÜNSTLERIN LIDIA VIVES

Inspiriert von der italienischen Renaissance und Barockkünstlern, inszeniert die junge

Fotografin Lidia Vives kunstvolle Porträts, um den Diskurs aktueller Themen aufzugreifen – auch sie selbst steht dabei oft vor der Kamera. Ihre Werke erfordern ein hohes Mass an Eigeninterpretation und erschaffen neue Welten. Wir sprechen mit der spanischen Künstlerin über ihre fantasievollen Porträtfotografien.

MALVASIA DELLE LIPARI FLÜSSIGES GOLD VON DEN INSELN DER GÖTTER

Etwa 40 Kilometer vor der Küste Siziliens ragt ein winziger Vulkanarchipel aus den Fluten des Tyrrhenischen Meers, dessen sieben Inseln bereits antike Autoren zu sagenhaften Mythenerzählungen inspiriert haben und wo heute einer der besten Dessertweine der Welt produziert wird: Malvasia delle Lipari. Wir haben uns auf Salina, der vielleicht schönsten der sieben ungleichen Schwestern, auf Spurensuche begeben, um das Geheimnis des flüssigen Goldes von den Inseln der Götter zu entschlüsseln.

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w w w. a m a c a e r o s p a c e . c o m

A M A C A E R O S PA C E H A N G A R 5

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