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AUSGABE 02/2017

ALLE REDEN VON DER SMART CITY – WIR BAUEN SIE ERFOLGREICHE IT-SICHERHEIT GEHT ALLE AN STAUANLAGEN MÜSSEN HOCHWASSER STANDHALTEN

ENERGIEMANAGEMENT

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MINERGIE

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IT-SICHERHEIT

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WASSERWIRTSCHAFT


LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, Wer Führungsarbeit in öffentlichen Behörden und Institutionen leistet, ist mit einer Vielfalt von Aufgabenstellungen konfrontiert. Die Bevölkerung entwickelt zunehmend steigende Ansprüche gegenüber staatlichen Leistungen. Die öffentliche Hand steht unter grossem Kundenbedürfnis, und die traditionellen Führungsmethoden der Verwaltung reichen nicht mehr in jedem Fall aus, um diesen Druck zu bewältigen. Aus diesem Grund greifen viele öffentliche Institutionen vermehrt zu Methoden und Instrumenten, die in der Privatwirtschaft angewandt werden. Die Berichterstattung der vorliegenden Fachzeitschrift basiert auf dem gleichen Prinzip. Die Informationen, das Fachwissen und die Lösungsansätze stammen vorwiegend aus der Privatwirtschaft und umfassen neue Inhalte und konkrete Lösungen, die ihre Anwendung im praktischen Umfeld des öffentlichen Lebens finden. In dieser Ausgabe erfahren Sie beispielweise zum Thema Smart City, die entscheidende Rolle der Planung öffentlicher Beleuchtungen. Sie erfahren, wie Lichtgestaltung zur Aufwertung von Plätzen, Quartieren und Kunstbauten beiträgt und wie moderne Systeme die Energiekosten erheblich reduzieren können. Die Kriterien zur Beurteilung der Lebensqualität umfassen politische, soziale, wirtschaftliche, aber auch umweltorientierte Energie-Faktoren, wie auch bei der öffentlichen Sicherheit und dem ganzen Transportsystem. Die Mischung der Funktionen ist sicher eine Grundvoraussetzung, führt aber nicht zwangsläufig dazu, dass Menschen sich in einer Stadt oder einem Quartier wohl fühlen. Ich hoffe, dass wir Ihnen mit dieser Ausgabe weiteres notwendiges Rüstzeug vermitteln können, um für ihre Aufgaben im öffentlichen Management gewappnet zu sein.

Herzlichst Ihr Roland Baer und Team

Ausgabe 2  / 2017 // Seite 1


INHALT

6

EDITORIAL1 REPORT – SMART CITY Alle reden von der Smart City – wir bauen sie

6 6

ENERGIE-MANAGEMENT 9 Industrieanlagen stabilisieren Stromnetz

9

EBM macht den Stromkosten Beine

16

Flexibler Partner

18

Energiesteuerung im neuen Stadion Schaffhausen

20

Energiemanagement für die Rechenzentren der Zukunft

22

25 Jahre Fronius Schweiz

26

MINERGIE 29

46

Einfach Modernisieren mit hoher Qualität

29

«Wohnpark im Obstgarten»

32

BIO-MASSE

34

Die ungenutzte Energie von Gülle und Holz

34

Wir machen Ihre BHKW-Anlage sicher

40

IT-SICHERHEIT 42

64

Cyber Resilience stärkt die Abwehrkräfte

42

Erfolgreiche IT-Sicherheit geht alle an

44

SICHERHEIT 46 Neues Brandschutzkonzept für Gebäudeinstallationen

46

KERNENERGIE 48 Forschen zwischen Vergangenheit und Zukunft

48

Nuklearforschung für heute und morgen

50

WASSERWIRTSCHAFT 52 Wasserkraft-Investments für institutionelle Investoren 52

54

Stauanlagen müssen extremen Hochwasser standhalten

54

Wasserkraft, Sonne und WKK 61 Erzielen Sie attraktive Mehrerlöse! 64

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INHALT

ROHRLEITUNGSBAU 66

70

Hohe Verarbeitungsqualität steht im Fokus des VKR

66

Erfreuliche News von der Verkaufsfront

70

MOBILITÄT 72

80

Energieeffizienz: Beim Neuwagen Neues wagen

72

Bucher Municipal schont unsere Erde

76

MobilHybrid, der Strom­speicher für Baustellengeneratoren

78

Mobil in Time – Winterkälte-Aktion 2017 / 2018

80

AUS- UND WEITERBILDUNG

82

ETH Studenten revolutionieren den Garderobenmarkt

82

Mit Energie in die Zukunft

83

Industrie 4.0

84

Life Long Learning

86

VORSCHAU 88 Vorschau & Impressum

88

76 84 ENERGIE IHRE ZUKUNFT

Master of Advanced Studies FHO in Energiesysteme – CAS Erneuerbare Energien – CAS Speicher / Netze / PV – CAS Energie und Wirtschaft – CAS Wärmepumpen / Kältetechnik – NEU: CAS Energie digital – Master Thesis Partner:

68 // Seite 4

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REPORT – SMART CITY

ALLE REDEN VON DER SMART CITY – WIR BAUEN SIE Wie entsteht eine Smart City? Eine Frage, die man sich heute stellen muss, denn mit den steigenden Herausforderungen unseres modernen Lebens sind innovative Ideen und Lösungen mehr denn je gefragt. Es braucht den Schritt von City zur Smart City. Der Schritt Richtung Smart City lässt sich heute bereits mit kleinen Änderungen machen und diese sind aus ökologischer, wie auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Allem voran soll aber die Bevölkerung im Zentrum stehen. ELEKTRON hat gemeinsam mit der Stadt Wädenswil und ihrer Bevölkerung, der SBB und der EKZ diesen Schritt gemacht.

Der Smart City Tower am Gerbeplatz in Wädenswil.


REPORT – SMART CITY

D

er Begriff Smart City tauchte erstmals in den 2000er Jahren auf, um technologiebasierte Veränderungen und Innovationen in urbanen Räumen zu beschreiben. Es geht darum, mit digitalen Technologien auf die Herausforderungen der heutigen Zeit und Gesellschaft einzugehen. Herausforderungen, wie Umweltverschmutzung, demografischer Wandel, Bevölkerungswachstum, Finanzkrisen oder Ressourcenknappheit sollen dank innovativen Lösungen bewältigt werden, um so ein besseres und vor allem nachhaltigeres Leben in der Stadt zu errreichen. Der gezielte Einsatz von innovativer Technologie dient als Mittel zum Zweck. Mit diesem effizienten Ansatz sind die Smart City-Lösungen gerade für die Energiestädte der Schweiz sinnvoll. Dank modifizier- und erweiterbarer Infrastruktur kann man die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigen und die Lebensräume energieund ressourcenschonend gestalten.

führer im Bereich Strassenbeleuchtung – hat dieses Potenzial erkannt und suchte Partner, um ein Pionierprojekt zu ver­ wirklichen. In einem ersten Schritt setzte sich das Unternehmen mit den Vertretern von Wädenswil, der Heimatstadt von ELEKTRON, zusammen und klärte deren Bedürfnisse ab. Man wollte herausfinden, ob der firmeneigene Smart City-Ansatz für mittlere Städte in der Schweiz umsetzbar ist. Als Energiestadt ist Wädenswil bestrebt, sich laufend weiterzuentwickeln und verfolgt das ambitionierte Ziel den «European Energy Award ® GOLD» zu gewinnen. Gemeinsam entschied man sich für eine Lösung, die eine Strassenbeleuchtung auf LED-Basis verwendet, die gleichzeitig E-Ladestationen hat und Public-WiFi bietet. Das Projekt Smart City Tower nahm seinen Lauf. Es wurden weitere Partner gesucht. Die SBB und die EKZ zeigten Interesse und so kam es zu einer schweizweit einzigartigen Zusammenarbeit.

Ein Teilbereich der Smart City ist Smart Lighting. Dieser umfasst die ganzen Lichtkonzepte, auch das Strassenbeleuchtungssystem im klassischen Sinne. Dank der technologischen Entwicklung, der Digitalisierung und dem vermehrten Einsatz von LED-Leuchten birgt sich hier grosses Potenzial. ELEKTRON – Schweizer Markt-

In einer Smart City wie Wädenswil folgt ELEKTRON als Systemintegrator dem Grundsatz, auf offene Schnittstellen und Standards zu setzen. Denn eine Lösung ist nur dann smart, wenn sie sowohl standardisiert und offen als auch vom Hersteller unabhängig ist und die für die jeweiligen Bedürfnisse geeigneten Technologie-

Komponenten kombinierbar sind. Aus diesem Grund trennt ELEKTRON die Smart City-Lösung in drei Bereiche: Sensoren & Aktoren, Konnektivität und ­ Management Software. Seit September steht nun der Smart City Tower im Zentrum von Wädenswil und bietet neben dimmbarem Licht auch PublicWiFi, zwei E-Ladestationen bis AC 22kW und einen Notruf-Knopf. Über Sensoren misst er zudem den Verkehrsfluss und Umweltdaten wie Feinstaub, Lärm und CO2. Mit der Einweihung des Smart City Towers beginnt gleichzeitig die Weiterentwicklung: Denn so wie er heute am Gerbeplatz steht, ist er ein Ausgangspunkt für weitere Applikationen einer Smart City und bietet im Innern Platz und Anschlussmöglichkeit für weitere Hardware. Der Smart City Tower wurde mit einem Gateway für den Betrieb eines IoT-Meshed Networks ausgerüstet. Das hat zum Ziel, weitere Sensoren zu erschliessen, wie zum Beispiel für die Über­ wachung der Unterflurcontainer. So kann anhand der Messung der Abfallmengen eine Routenoptimierung der Müllabfuhr gemacht werden. Die bedarfsgerechte Steuerung von Strassenleuchten wiederum führt zu einer Reduktion im Energieverbrauch und der Lichtemission. Das gezielt für IoT Anwendungen konzipierte

Alle Komponenten wie auch der zusätzlich eingebaute Access Point für das Smart City Meshed Network sind intern über Ethernet und ins Backend über eine Mobile-Verbindung verbunden. Über das Backend kann der Tower konfiguriert und die Daten mittels einer Software visualisiert oder an ein weiteres Backend gesendet werden.

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REPORT – SMART CITY Netzwerk basiert auf dem Funkstandard der Wi-SUN Allianz unter Verwendung des IP basierenden Kommunikationsprotokoll 6LoWPAN. Übertragen wird im lizenzfreien Frequenzbereich von 870–873 MHz. Dieser Frequenzbereich wurde erst 2017 durch das BAKOM für IoT-Anwendungen freigegeben und erlaubt es, Daten mit einer Leistung von 500 mW und einem Duty-Cycle von 2.5 % (Gateways 10 %) zu übertragen. Mit dem für Wädenswil ausgewählten Equipment erreicht man innerhalb der Stadt einen Empfangsradius von ca. 400–500 m (in ländlicher Umgebung bei Sichtdistanz bis zu 3–4 km) mit einer Übertragungsgeschwindigkeit bis zu 300kbps. Das Gateway selber ist wie die restliche Peripherie innerhalb des Smart City Towers über Mobilfunk mit dem Internet verbunden. Wie sich dieser multifunktionale Lichtmast in Zukunft weiterentwickeln wird, entscheiden unter anderem auch die Einwohner von Wädenswil. Diese äusserten bereits den Wunsch nach einer E-Ladestation für E-Bikes, der nun geprüft wird. Das gemeinsame Pionierprojekt öffnet Möglichkeiten für weitere Smart City-Lösungen und zeigt auf, dass sich solch energie- und ressourcenschonenden Lösungen nicht nur einfach umsetzen lassen, sondern auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll sind. So kann das Motto: «Me and My Smart City» nicht nur für Wädenswil, sondern für jede Schweizer Stadt gelten.

WEITERE INFORMATIONEN Mehr zum Smart City Tower: smart-city-waedenswil.ch Mehr über ELEKTRON: smartcity.elektron.ch

Marc Länzlinger, Product Manager bei ELEKTRON AG ist zuständig für den Smart City Tower.

«EIN SCHRITT IN DIE ZUKUNFT»

Philipp Kutter Stadtpräsident Wädenswil

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Wir sind stolz auf den multifunktionalen Licht­m ast in unserem Stadt­zentrum. Dank modernster Technologie können wir unserer Bevölkerung zusätzliche Dienste bieten und dadurch die Lebensqualität erhöhen. Gleich­zeitig wird die Energie­ effizienz unserer Infrastruktur verbessert, was uns als Energiestadt sehr wichtig ist. Dank der individuellen Steuerung, kann bei Dunkelheit der Heimweg unserer Einwohner gezielt beleuchten werden, ohne dabei die Umwelt über­mässig zu belasten. Mit einer E-Tankstelle leisten wir einen Beitrag an die Elektromobilität, Umwelt- und Verkehrsdaten helfen uns, die Lebensräume besser zu verstehen und Public-WiFi macht das Stadtzentrum noch attraktiver. Mit dem Smart City Tower macht Wädenswil einen wichtigen Schritt in die Zukunft.


ENERGIE-MANAGEMENT

INDUSTRIEANLAGEN STABILISIEREN STROMNETZ Die Bereitstellung von Regelleistung durch Industriebetriebe, Infrastrukturanlagen und Haushalte wurde in den letzten Jahren intensiv erforscht und in verschiedenen Pilot-, Demonstrationsund Leuchtturmprojekten erprobt. Diese Arbeiten tragen nun Früchte: Zementproduzenten, Papierhersteller, Kehrichtverbrennungsanlagen und selbst Spitäler stellen Regelleistung zur Stabilisierung des Stromnetzes bereit – und erzielen damit zusätzliche Einkünfte. Der für neue Akteure geöffnete Markt ist zum Vorteil der Stromkunden. von Dr. Benedikt Vogel, im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE)

Kehrichtverbrennungsanlagen liefern üblicherweise tertiäre Regelleistung. Die meisten von ihnen können Leistungen von mehr als 5 MW bereitstellen und sind damit in der Lage, ohne Einbindung in einen Pool an den Swissgrid-Auktionen für Regelleistung teilzunehmen. Die KVA Thun ist dank entsprechender Steuerungstechnik auch in der Lage, sekundäre Regelleistung bereitzustellen.

A

lle Anlagen, die elektrischen Strom in grösseren Mengen erzeugen oder verbrauchen, können im Prinzip Regelleistung bereitstellen, also jene Form von Energie, welche die nationale Netz­ gesellschaft Swissgrid braucht, um das Stromnetz jederzeit im Gleichgewicht zu halten. Früher wurde Regelleistung ausschliesslich von grossen Wasser- und Kernkraftwerken zur Verfügung gestellt. Doch auch Industriebetriebe, Infrastrukturanlagen und selbst einzelne Haushalte können durch geeignete Vorkehrungen Regelleistung bereitstellen. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat in den letzten Jahren mehrere Forschungsprojekte unterstützt, die darauf abzielten, dieses schlummernde Potenzial aufzudecken und zu nutzen. Dabei haben Wissenschaftler praxisnah die Bereitstellung von Regelleistung durch Kehrichtverbrennungsan­ lagen (KVA), Kläranlagen, Wasserversorgungen, Kühlhäuser, Biogasanlagen oder Wärmepumpen untersucht. Im Mittelpunkt der Projekte stand im Prinzip immer dieselbe Frage: Welche technischen

und organisatorischen Massnahmen sind erforderlich, dass solche Anlagen eine elektrische Leistung mit kurzer Reaktionszeit ins Netz einspeisen oder aus dem Netz beziehen können, sobald Swissgrid Regelleistung zur Netzstabilisierung benötigt (vgl. Textbox rechts). Dabei mussten der Akzeptanz der Betreiber für Eingriffe in ihren Betrieb und Sicherheitsfragen gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden.

NEUE AKTEURE STELLEN REGELLEISTUNG BEREIT Die Erkenntnisse, die diese Projekte hervorbrachten, tragen nun Früchte: «Seit rund zwei Jahren treten mehrere Unternehmen aktiv am Markt auf, die die Regelleistung von verschiedenen Anbietern in einem Pool zusammenfassen und an Swissgrid offerieren», sagt Christoph Imboden, Professor für Produktinnovation und Leiter der Forschungsgruppe Energiewirtschaft an der Hochschule Luzern (HSLU), «da entsteht gerade ein breiterer Markt in der Schweizer Energieversorgung.» Rund ein

Dutzend KVA stellen Regelleistung bereit, indem sie für kurze Zeit (Minuten oder Stunden) auf die Verstromung der Wärme aus der Abfallverbrennung verzichten (dadurch wird die Stromeinspeisung ins Netz temporär verringert: negative Regelleistung). Die Zementindustrie (z. B.  Jura-Cement-Fabriken AG) oder Papierfabriken (z. B. Perlen Papier AG) liefern Regelleistung, indem sie energieintensive Teilprozesse vorübergehend stoppen (das reduziert den Energiebezug aus dem Netz: positive Regelleistung). Auf diese Weise leisten Industrieanlagen einen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes. Dabei hat jede Anlage ihre Grenzen: Ein Zementwerk kann das Mahlwerk stoppen, nicht aber den Hauptprozess. Eine Biogasanlage kann die Stromproduktion einstellen – aber nur bis der Gasspeicher voll ist. Ein Stahlwerk wiederum ist für die Bereitstellung von Regelleistung gänzlich ungeeignet, wenn die Produktionsanlagen aus betrieblichen Gründen nicht flexibel gesteuert werden können.

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ENERGIE-MANAGEMENT

Die ARA Morgental in Steinach (SG) ist eine von bisher vier Abwasserreinigungsanlagen, die am Regelleistungspool von Alpiq beteiligt ist.

INDUSTRIEANLAGEN SCHLIESSEN SICH ZUSAMMEN Wenn ein Pumpspeicherkraftwerk in den Alpen seine Stromproduktion erhöht oder drosselt, kann es Regelleistung im Umfang von mehreren Hundert Megawatt bereitstellen. Weit geringer sind die Leistungen, die eine Kläranlage, eine Wasserversorgung, ein Zementwerk oder eine Papierfabrik beisteuern können. Deshalb werden mehrere Anlagen in einem Pool verbunden. Kann ein Pool mehr als 5 MW Regelleistung liefern, kann er an den Swissgrid-Auktionen teilnehmen, über die die nationale Netzgesellschaft Regelleistung beim günstigsten Anbieter einkauft.

Energiewirt Michael Müller von der Öko-Energie Riethof GmbH in Eschlikon (TG) beteiligt sich mit einer Biogas- sowie einer Photovoltaikanlage am Regelleistungs-Pool von Fleco Power.

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Für welche Industriebetriebe ist es rentabel, sich einem Regelleistungs-Pool anzuschliessen? Diese Frage hat Christoph Imboden mit einem Team der HSLU unter­ sucht. Die Forscher machten jene Industriebetriebe aus, die ihre Prozesse so flexibel organisieren können, dass sie in der Lage sind, Regelleistung von mindestens 300 kW tage- oder wochenweise wirtschaftlich vorzuhalten, um sie im Bedarfsfall an Swissgrid liefern zu können. Die Wissenschaftler identifizierten neun Branchen, in denen insgesamt ein Regelleistungs-Potenzial von mindestens 740 MW (positive Regelleistung) bzw. 270 MW (negative Regelleistung) schlummert. «Wird dieses Potenzial ausgeschöpft, ist die Industrie in der Lage, einen erheblichen Teil des Schweizer Regelleistungs-Bedarfs zu decken», sagt Imboden. Die Luzerner Forscher führen in ihrer Untersuchung jene Industrieanlagen auf, die gute Chancen haben, am Regelleistungsmarkt profitabel zu agieren. Nicht berücksichtigt in der Potentialabschätzung haben sie Anlagen mit Leistungen bis zu 100 kW. Hier sind die Forscher skeptisch in der Beurteilung der aktuellen Marktaussichten: «Bei Anlagen mit geringer Leistung wird es zunehmend schwierig, mit heutigen Marktpreisen einen für den Anlagenbetreiber sinnvollen business case zu erreichen», sagt Imboden.

KLÄRANLAGEN AM REGEL­ LEISTUNGSMARKT Bereits 2013 hatte eine vom BFE mitfinanzierte Studie des Vereins InfraWatt, ein Expertennetzwerk für die Energienutzung aus Infrastrukturanlagen, bei KVA, Kläranlagen und Wasserversorgungen ein grosses Potenzial für Regelleistung aufgedeckt: Für negative Regelleistung während einer Stunde liegt es heute bei 233 MW und im Jahr 2050 sogar bei 290 MW, für positive Regelleistung bei 140 MW (heute) bzw. 198 MW (2050). Bei Infrastrukturanlagen gilt es dabei zu berücksichtigen, dass die Versorgungssicherheit bei den Wasserversorgungen und die Einhaltung der Gewässerschutzvorschriften bei den ARA erste Priorität geniessen. Aufbauend auf der Potenzialstudie hat InfraWatt 2014 das BFE-Leuchtturmprojekt «Regelpooling mit Infrastrukturanlagen (Wasserversorgungen und Abwasserreinigungsanlagen)» lanciert, um die konkreten Nutzungsmöglichkeiten genauer zu untersuchen. Beteiligt waren neben InfraWatt die Ryser Ingenieure AG (Spezialistin Siedlungswasserwirtschaft) und die Energieversorgerin Alpiq AG (als Regelpoolbetreiber). Aus dem Projekt, das 2017 abgeschlossen wurde, ging eine Gruppe von vier Kläranlagen hervor, die mit Blockheizkraftwerken (BHKW) Klärgas verstromen und zusam-


ENERGIE-MANAGEMENT men rund 1 MW negative Regelleistung bereitstellen können. Die BHKW werden bei Bedarf gedrosselt und das Netz so entlastet. Die Gruppe aus Kläranlagen ist insofern bemerkenswert, als sie nicht tertiäre Regelleistung anbietet (wie manche anderen Industrieanlagen), sondern sekundäre Regelleistung, mit der sich deutlich bessere Erlöse erzielen lassen (vgl. Textbox vorherige Seite).

GESCHÄFT MIT SEKUNDÄRER REGELLEISTUNG Wer am Markt mit sekundärer Regelleistung teilnehmen will, muss positive und negative Regelleistung im gleichen Umfang anbieten können. Um dies zu erreichen, werden die Kläranlagen (negative Regelleistung) in einem Pool mit Wasserkraftwerken von Alpiq (positive und negative Regelleistung) kombiniert. «In dieser Konstellation erreichen wir zum einen die von Swissgrid geforderten 5 MW Leistung, und wird können negative und positive Regelleistung in gleichem Umfang bereitstellen», sagt Andreas Hurni, Leiter Fachbereich Energie bei Ryser Ingenieure AG. «Wir haben mit diesem Pool im November 2016 die Präqualifikation bei Swissgrid geschafft

Der Pool von Fleco Power umfasst 100 dezentrale Kraftwerke, die Strom aus Biogasanlagen, Kleinwasserkraftwerken, Solar- und Windanlagen gewinnen.

und damit den Beweis erbracht, dass er technisch funktioniert. Mit dem Pool beteiligen wir uns seit Frühjahr 2017 an den Swissgrid-Auktionen.» Am Alpiq-Pool haben die Kläranlagen bisher einen relativ geringen Anteil. Doch das könnte sich in Zukunft ändern: Alle BHKW auf Schweizer Kläranlagen könnten gemeinsam nämlich eine Regelleistung (negativ) von etwa 13 bis 15 MW bereit-

stellen. Wie viele Kläranlagen am Ende zusammenspannen, bleibt abzuwarten. Für die einzelne Anlage – in Frage kommen Anlagen ab etwa 100 kW verfügbarer Flexibilität – sind die Erträge aus der Bereitstellung von Regelleistung mit einigen Tausend bis einigen 10’000 Fr. nämlich vergleichsweise gering. Zudem ziehen es insbesondere grössere Kläranlagen vor, ihr Klärgas als Biogas zu verkaufen, statt es in BHKW zu verstromen. Bestehende BHKW in

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VERTRAUT MIT ENERGIE. SEIT 1897

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ENERGIE-MANAGEMENT

Kläranlagen könnten aber unter Umständen trotzdem für die Bereitstellung von Tertiärregelleistung eingesetzt werden und seien damit als Partner eines Regelleistungs-Pools geeignet, betont Hurni. Als Beispiel verweist er auf die ARA Werdhölzli in Zürich: Obwohl die Kläranlage den Grossteil ihres Klärgases aufbereitet und ins Erdgasnetz einspeist, werde ein Teil des Klärgases weiterhin im BHKW verstromt. In naher Zukunft werde das BHKW auch Tertiärregelleistung bereitstellen.

REGELLEISTUNG AUS ÖKOSTROMANLAGEN

Beim Ausfall eines Kraftwerks wird der ausgefallene Strom durch Regelleistung ausge­g lichen. Die Grafik illustriert diesen Vorgang am Beispiel eines französischen Kernkraftwerks (mit 1200 MW Leistung): Durch den Ausfall dieses Kraftwerks fliesst weniger Strom ins Netz – die Frequenz sackt unter den Normwert von 50 Hertz ab. Die fehlende Strommenge wird zuerst durch Primäre Regelleistung (PRL), anschliessend durch Sekundäre Regelleistung (SRL) und schliesslich durch Tertiäre Regelleistung (TRL) ausgeglichen. PRL, SRL und TRL wird von ausgewählten Anbietern speziell für solche Krisenfälle bereitgehalten. Während PRL im europäischen Verbund bereitgestellt wird, liegen SRL und TRL in nationaler Verantwortlichkeit.

ENTSCHÄDIGT WIRD, WER STROM VORHÄLT UND WER STROM LIEFERT Swissgrid hat die Aufgabe, das Schweizer Stromnetz im Gleichgewicht zu halten: Wenn zuwenig Strom im Netz ist, muss Swissgrid in kurzer Frist zusätzlich Strom beschaffen oder den Verbrauch senken, und wenn zuviel Stom im Netz ist, muss Swissgrid den Zufluss von Strom schnell drosseln oder grössere Verbraucher zuschalten. Für diese Aufgabe greift die nationale Netzgesellschaft mit Sitz in Laufenburg (AG) auf spezielle Anbieter zurück, hauptsächlich Kraftwerke, in jüngerer Zeit aber auch vermehrt Industrieanlagen und andere Stromverbraucher. Diese Anbieter verpflichten sich, Swissgrid auf Anforderung innert weniger Minuten positive Regelleistung zur Verfügung zu stellen, was durch Erhöhung der Kraftwerksleistung oder Drosseln des Stromverbrauchs geschieht – oder aber negative Regelleistung, was durch Senken der Kraftwerksleistung oder Erhöhung des Stromverbrauchs gelingt. Für die Bereitschaft, positive oder negative Regelleistung während eines bestimmten Zeitraums (in der Regel wochenweise) vorzuhalten, werden die Anbieter durch Swissgrid finanziell entschädigt. Wenn Swissgrid dann Regelleistung abruft, wird die Energielieferung zusätzlich vergütet. Für die Vorhaltung von Regelleistung hat Swissgrid die Anbieter 2016 mit insgesamt 171,8 Mio. Fr. entschädigt. Zwei Drittel bis drei Viertel dieser Summe floss in die Vorhaltung von sekundärer Regelleistung (Energielieferung innerhalb von Minuten), der Rest in primäre (Energielieferung innerhalb von Sekunden) und tertiäre Regelleistung (Energielieferung nach ca. 15 Minuten). Für Anbieter ist es besonders lukrativ, sekundäre Regelleistung anzubieten, weil deren Vorhaltung von Swissgrid rund fünf Mal höher vergütet wird als tertiäre Regelleistung. Allerdings kann es durchaus auch interessant sein, tertiäre Regelleistung anzubieten: Zwar ist die Vorhaltung hier weniger lukrativ, aber beim Abruf können mitunter gute Preise erzielt werden. BV

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Im Jahr 2009, bei der Gründung von Swissgrid, stammte die Regelleistung von sieben Anbietern, allesamt angestammte Schweizer Stromkonzerne. Unterdessen hat sich ein Markt etabliert, auf dem rund 20 Anbieter aktiv sind. Unter den neuen Akteuren sind Regelleistungs-Pools, die industrielle Anlagen und Wasserkraftwerke umfassen und von traditionellen Energieversorgern (EVU) betrieben werden. Daneben haben sich spezialisierte Pools etabliert, die unabhängig von EVU arbeiten. Einer von ihnen gehört der 2015 ge­ gründeten Fleco Power AG mit Sitz in Gachnang (TG), einer Tochtergesellschaft der Genossenschaft Ökostrom Schweiz und des Photovoltaik-Dienstleisters MBRsolar AG. Fleco Power betreibt den schweizweit ersten Pool, der ausschliesslich mit neuen Erneuerbaren Energien arbeitet. Beteiligt sind aktuell rund

Christoph Imboden, Professor für Produktinnovation an der Hochschule Luzern, hat in einer Studie abgeschätzt, welche Industrieanlagen Regelleistung rentabel anbieten können.


100 Kleinkraftwerke; zu gleichen Teilen landwirtschaftliche Biogasanlagen, Photovoltaikanlagen und Kleinwasserkraftwerke. Hervorgegangen ist der Verbund aus einem Demonstrationsprojekt, bei dem das BFE Vernetzung sowie Einbindung und Optimierung der Software finanizert hatte. Mit dem Pool bietet Fleco Power nun gegenüber Swissgrid tertiäre Regelleistung (negativ) im unteren zweistelligen MW-Bereich an. «Wir sind mit dem bisherigen Geschäftsverlauf absolut zufrieden», sagt Fleco-Power-Vertriebschef Patrick Neuenschwander. Die Erlöse stammen hauptsächlich aus der Vorhaltung der Regelleistung, zu einem geringeren Teil aus der Abgeltung für Energielieferungen. Da der Fleco-Power-Verbund aus vielen dezentralen Erzeugungseinheiten besteht, ist an jedem Energieabruf eine grosse Zahl von Anlagen involviert: Bis zu 70 Anlagen werden dann unter Verwendung eines ausgeklügelten Leitsystems nach ihrer jeweiligen Verfügbarkeit eingesetzt. «Die Bereitstellung von Regelleistung sehen wir als ein Puzzlestück auf dem Weg zu einer umfassenden Vermarktung aller Potentiale einer Anlage, deshalb bietet Fleco Power in Ergänzung zur Regelleistung auch Dienstleistungen im Bereich der Vermarktung der Energie sowie des ökologischen und regionalen Mehrwerts an», sagt Neuenschwander.

EINSATZ VON NOTSTROM­AGGREGATEN? Auch wenn der Regelleistungs-Markt heute noch von den traditionellen EVU dominiert wird, profitieren die Stromkonsumenten heute von sinkenden Preisen. «Bezahlt der Stromkunde 2017 noch 0,4 Rappen für allgemeine Systemdienstleistungen, werden es

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BFE UNTERSTÜTZT PILOT-, DEMONSTRATIONSUND LEUCHTTURM-PROJEKTE Eine Teil der Projekte, die das BFE in den letzten Jahren zur Vorbereitung des Regelleistungs-Marktes unterstützt hat, gehören zu den Pilot-, Demonstrations- und Leuchtturm­ projekten, mit denen das Bundesamt für Energie (BFE) die Entwicklung von sparsamen und rationellen Energietechno­ logien fördert und die Nutzung erneuerbarer Energien vorantreibt. Das BFE fördert Pilot-, Demonstrations- und Leuchtturmprojekte mit 40% der anrechenbaren Kosten. Gesuche können jederzeit eingereicht werden.

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Der Aufwand der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid für die Abgeltung von Regelleistung ist in den letzten Jahren tendenziell rückläufig.

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ENERGIE-MANAGEMENT 2018 noch 0,32 Rappen sein. Der sinkende Tarif ist unter anderem auf tiefere Kosten für die Regelleistungsvorhaltung zurückzuführen. Das hat Swissgrid erreicht, indem sie die Produkte stets weiterent­ wickelt hat und auch die Anzahl der Anbieter im In- und Ausland und damit den Wettbewerb im Regelleistungsmarkt erhöht wurde», sagt Serge Wisselmann, Leiter TSO Markets Planning & Procurement bei Swissgrid.

Der Regelleistungs-Markt könnte in Zukunft weiter wachsen. Das grösste Potenzial für sekundäre und tertiäre Regelleistung, das die eingangs erwähnte Studie der Hochschule Luzern bei Industrieanlagen ausgemacht hat, wird bisher nämlich überhaupt noch nicht genutzt: Notstromag­ gregate, wie sie beispielsweise Spitäler für den Fall von Stromausfällen bereithalten und die mitunter über Leistungen im MWBereich verfügen. Die Dieselgeneratoren

eignen sich für die Vorhaltung von Regelleistung, aber nur bedingt für deren Abruf, da sie gemäss Luftreinhalte-Verordnung in den meisten Kantonen nicht länger als 50 Stunden pro Jahr laufen dürfen. Notstromaggregate können daher in Pools eingebunden werden, in denen bevorzugt konventionelle Kraftwerke den Strom produzieren, falls die vorgehaltene Energie von Swissgrid abgerufen wird. In diesem Fall sind die Notstromaggregate für den Betreiber finanziell interessant, leisten aber keinen direkten Beitrag zu einem stabilen

HINWEIS Den Schlussbericht zum BFE-Leuchtturmprojekt «Regelpooling mit Infrastrukturanlagen» finden Sie unter: https://www.aramis.admin.ch/ Texte/?ProjectID=35215.

Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Morgental in Steinach (SG) nimmt am Alpiq-Regelleistungspool teil. Das Blockheizkraftwerk (Foto) der ARA produziert aus Klärgas elektrische Energie. Wenn Swissgrid

Der Schlussbericht zum BFE-Forschungsprojekt «Teilnahme industrieller Regelleistungs-Anbieter am Schweizer SDL Markt – Technische und wirtschaftliche Opportunitäten, Bewertungsmethodik» ist abrufbar unter: www.aramis.admin.ch/Texte/ ?ProjectID=35779

negative Regelleistung benötigt, wird die Leistung des BHKW für Minuten oder Stunden gedrosselt.

Den Schlussbericht zum BFE-Demonstrationsprojekt «Aufbau und Umsetzung eines virtuellen Kraftwerks zur bedarfsgerechten Stromerzeugung aus Biogasanlagen in der Schweiz» finden Sie unter: www.aramis.admin.ch/Texte/ ?ProjectID=36801 Die Dokumentation zur Tagung «Flexibilität in der Elektrizitätswirtschaft: Unkonventionelle Beiträge zum Regelleistungsmarkt» vom 10. Mai 2017 an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur ist abrufbar unter: www.hslu.ch/regelleistungsmarkt Weitere Auskünfte zu den Projekten erteilt Dr. Michael Moser michael.moser@bfe.admin.ch Leiter des BFE-Forschungs­ programms Netze. Forscher der Hochschule Luzern haben in einer Bottom-up-Schätzung das kommerziell nutzbare Potenzial von Regelleistung aus Industrieanlagen abgeschätzt (Säule rechts). Dieses Potenzial setzt sich zusammen aus sekundärer und tertiärer Regelleistung. Die beiden Säulen links zeigen zum Vergleich den Bedarf von Swissgrid für sekundäre und tertiäre Regelleistung im Jahr 2016. Bottom-upSchätzung bedeutet, dass die Schätzung nicht abschliessend zu verstehen ist, sondern dass in den genannten Branchen und darüber hinaus vermutlich noch weitere Potenziale brachliegen.

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Weitere Fachbeiträge über Forschungs-, Pilot-, Demonstrationsund Leuchtturmprojekte im Bereich Netze finden Sie unter: www.bfe.admin.ch/CT/strom.


ENERGIE-MANAGEMENT

Die Dispatcher von Swissgrid überwachen das Schweizer Stromnetz rund um

Ein Dispatcher überwacht im Swissgrid-Kontrollzentrum Prilly die

die Uhr und halten es durch ein präventives Engpassmanagement stabil.

Netzlast des Schweizer Höchstspannungsnetzes.

Netz. Denkbar ist auch, Testläufe mit dem Abruf zu kombinieren.

REGELLEISTUNG ALS EXPORTPRODUKT Gegenwärtig wächst das Angebot von Regelleistung schneller als die Nachfrage, stellt HSLU-Forscher Christoph Imboden fest: «Kurzfristig dürften die Erlöse, die

Anbieter von Regelleistung erzielen, weiter sinken. Längerfristig dürfte es wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien aber mehr Regelleistung brauchen, und damit wird auch der Wert von Regelleistung wieder steigen.» Schweizer Anbieter von Regelleistung können dabei auch auf eine Nachfrage aus Deutschland hoffen, das seine erneuerbaren Energien weiter

Geschäftsstelle Liestal Wir ziehen um.

ausbaut. Heute stammt die Regelleistung in Deutschland zu einem grossen Teil aus Gaskraftwerken, aber diese Quelle könnte in Zukunft nicht mehr ausreichen. In Teilbereichen ist der Markt mit Regelleistung heute sc hon grenzüberschreitend. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt von der künftigen Organisation des Energiemarktes ab.

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ENERGIE-MANAGEMENT

EBM MACHT DEN STROMKOSTEN BEINE Einfach im Internet Strom bestellen. Die EBM aus Münchenstein hat mit so-easy.swiss eine neue Dienstleistung für Unternehmen geschaffen. Sie sieht die Strommarktöffnung als Chance, neue Kunden zu gewinnen und bietet erstaunlich günstige Preise. Interview mit Cédric Christmann, Geschäftsführer der EBM Energie AG

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err Christmann, seit wann gibt es die Web-Plattform so-easy. swiss? Cédric Christmann: Das Projekt wurde im Frühling 2016 gestartet und die neue Plattform am 1. September 2016 lanciert. Was haben Sie damit für Erfahrungen gemacht? Der Start ist sehr erfreulich verlaufen. Die Kampagne stiess auf ein positives

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Echo. Die Bewegungen auf der Webseite haben stark zugenommen. Man bestellt heute so einfach online Strom auf so-easy.swiss, wie man Kleider im Web einkauft. Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen mitbringen, um von soeasy.swiss profitieren zu können? Die Firma muss über 100’000 Kilowattstunden Stromverbrauch jährlich aufweisen.

so-easy.swiss tönt echt unkompliziert, ist dieser Strom auch wirklich so einfach zu bestellen? Mit dem EasyEnergy-Rechner kann eine Firma ihren individuellen Strompreis leicht berechnen. Mit wenigen Klicks erhält man eine verbindliche Offerte für den Preisvergleich mit dem bisherigen Lieferanten. Anschliessend kann der Kunde einen Vertrag direkt online abschliessen.


ENERGIE-MANAGEMENT

Was für eine Kundschaft sprechen Sie mit so-easy.swiss an? Wir wenden uns an preisbewusste Gewerbetreibende, Dienstleistungsunternehmen und Industriebetriebe in der ganzen Schweiz, die einen einfachen Weg suchen, um ihren Strom einzukaufen. Kunden, die hingegen massgeschneiderte Lösungen suchen, stehen unsere erfahrenen und hochqualifizierten Verkäufer zur Verfügung. Sind noch irgendwelche anderen Serviceleistungen im Angebot enthalten? Wir informieren die Kunden mit unserem halbjährlichen, digitalen Marktbericht über die aktuellen Entwicklungen am Strommarkt. Täglich beobachten wir die Strompreise an der Börse und informieren die Kunden mit dem «Price Tracker» über die Tageskurse.

Und wie steht es mit der Preisgarantie? Der Preis ist für den Zeitraum der Vertragsdauer fix. Er ist somit für den Unternehmer als feste Position im Budget planbar. Kann ein Interessent auch erneuerbaren Strom bestellen? Er kann bei der digitalen Bestellung als Option Strom aus 100-prozentiger Wasserkraft anklicken.

Klappt dann die Lieferung auch wirklich? Wir organisieren den administrativen Lieferantenwechsel und im Hintergrund die Beschaffung an der Strombörse. Für die physikalische Lieferung des Stroms ist der jeweilige lokale Netzbetreiber zuständig. Wie ist es möglich, so einfach den digitalen Weg zu beschreiten? Natürlich stehen hinter so-easy.swiss sehr viel Know-how und IT-Leistungen.

so-easy.swiss ist der digitale Stromverkaufskanal der EBM. Der Markt ist hart umkämpft, die Margen sind dünn, schaut für die EBM dabei überhaupt etwas heraus? Wir haben uns auf das Stromgeschäft fokussiert. Wir stehen aktuell in der Schweiz in einem harten Wettbewerb. Wir bleiben motiviert, diese Position weiterhin innezuhalten. Wir sind ebenfalls in Frankreich erfolgreich unterwegs mit unserer 50-Prozent-Beteiligung an Direct Energie EBM Entreprises, wo wir Strom und Gas für Grosskunden verkaufen.

KONTAKT EBM Weidenstrasse 27 CH-4142 Münchenstein Telefon +41 (0)61 415 41 41 Telefax +41 (0)61 415 46 46 info@ebm.ch www.ebm.ch

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ENERGIE-MANAGEMENT

Das Detail macht den Unterschied. Massgeschneidert und immer zuverlässig – auch wenn es richtig rau wird. Mit Stäubli Electrical Connectors bleiben Sie einfach umfangreich flexibel.

FLEXIBLER PARTNER

NEUE PROJEKTE UND NISCHENMÄRKTE BENÖTIGEN DYNAMISCHE PARTNER, DIE BEREIT SIND, JEDE ART VON SONDERANFERTIGUNG ZU REALISIEREN Stäubli Electrical Connectors bietet mit seiner gesamten Produktpalette – von Einzelteilen bis hin zu hochkomplexen Systemen – zukunftsweisende Kontakttechnologie und anspruchsvolle Lösungen, die standardisiert oder individualisiert den Puls des Marktes treffen.

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it dem Ja zum Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 haben die Schweizer und die Schweizerinnen den Atomausstieg besiegelt und sich deutlich für einen Ausbau der erneuerbaren Energien stark gemacht. Mit dem steigenden Anteil an erneuerbaren Energien wächst auch die Bedeutung von intelligenten Energiespeicherlösungen.

DAS DETAIL MACHT DEN UNTERSCHIED Die Heim- sowie die generelle Speicherung von Solarenergie ist in aller Munde, eine Entwicklung, die bei Stäubli Electrical Connectors bereits seit einiger Zeit mit grossem Interesse beobachtet und gefördert wird. Doch auch in der Eisenbahn- und Transporttechnik, der Automobilbranche sowie in mobilen Anwendungen in der

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Industrie wird immer häufiger auf BatterieAnschlusslösungen zurückgegriffen. Mit dem verstärkten Einsatz von Batteriesystemen, die möglichst wartungsfrei funktionieren müssen, steigen auch die Anforderungen an die angrenzenden Komponenten, zum Beispiel die von Steckverbindern. Stäubli bietet ein grosses Spektrum spezieller Batterieanschlusslösungen, die für einen einwandfreien Betrieb auch unter anspruchsvollsten Umgebungsbedingungen ausgelegt sind. Nebem hohen Steckzyklen und einer schnellen sowie sicheren Kontaktierung garantieren diese einen gleichbleibend geringen Übergangswiderstand – auch über lange Zeiträume. Die Zuverlässigkeit der Batteriesysteme wird erhöht und durch die intuitive Handhabung ergibt sich darüber hinaus eine Zeit- und

Kostenersparnis bei der Montage und Wartung der Systeme. Das Herzstück der Stäubli-Produkte ist die bewährte Kontaktlamellentechnologie MULTILAM, die den entscheidenden Unterschied macht. Sie sorgt für eine effiziente Energieübertragung bei geringer Verlustleistung und gewährleistet eine sehr hohe Lebensdauer.

MASSGESCHNEIDERT Batteriehersteller aufgepasst: Stäublis modulares Steckverbindersystem CombiTac ermöglicht eine massgeschneiderte Konfiguration elektrischer oder hybrider Steckverbinder. So lassen sich Module und Daten für Leistung bis 300 A, Hochspannung bis 5 kV, Druckluft, Flüssigkeiten, Lichtwellenleiter, Thermoelemente und mehr kombi-


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CombiTac HE mit zwei Hochstrompolen Die berührungsgeschützten, verpolungssicheren Hochstrommodule eignen sich auch für

(max. 400 A) ergänzt von Signalkontakten

manuelles Stecken, zum Beispiel bei Motorprüfständen.

als Einschublösung.

nieren. CombiTac überträgt zum Beispiel in Hybridbussen, die mit zwei Elektromotoren ausgestattet sind, den Ladestrom der Batterien, Steuersignale und gleichzeitig die Druckluft für Federung, Türen und Bremsen. Bei Anwendungen im Aussenbereich schützt ein korrosionsfestes, salznebelbeständiges Aluminium-Druckguss-Gehäuse mit Schutzart IP68 das Innenleben. Stäubli Electrical Connectors CombiTac ist bereits in verschieden Fahrzeugtypen erfolgreich im Einsatz.

WENN ES RICHTIG RAU WIRD Der CombiTac HE mit Leistungs- und Signalkontakten speziell für Batteriepacks, die für die anspruchsvolle Umgebung in der Bahntechnik konzipiert wurden, kommt bei rauesten Bedingungen zum Zuge. Der robuste CT-HE kann in der Einschubtechnik für Ströme bis 400 A eingesetzt werden. Er wurde hierfür nach Bahn-Norm geprüft. Fehlstellungen werden beim Stecken ausgeglichen, so dass die Module in schlecht einsehbaren Orten problemlos blind gesteckt werden können. Das Zusammenspiel von hoher Kontaktqualität und robusten Komponenten sorgt bei den CombiTacSystemen für höchste Funktionssicherheit ohne Leistungseinbussen über lange Wartungszeiträume hinweg.

EINFACH UMFANGREICH FLEXIBEL BLEIBEN CombiTac gibt es in vielen Grössen, sowohl als Aufbau-Version mit fliegender Kupplung als auch Ausführung mit schwimmender Montage für die Einschubtechnik. Die Auswahl an verfügbaren Verbindungsarten ist unerreicht umfangreich. Anwender können Hochstrom- und Signalverbindungen, Druckluft und Industrievakuum, Thermoelemente, Lichtleiter, Ethernet und

vieles mehr in einem Rahmen kombinieren. Winnijar Kauz, Produktmanager bei Stäubli erklärt: «Mit dem CombiTac-Konfigurator stellt sich der Anwender nahezu spielerisch eine schier unendliche Zahl von Kombinationsmöglichkeiten aus unseren Katalog-Modulen zusammen. Und sollten die Anforderungen seines aktuellen Projekts darüber hinausgehen, steht unser Expertenteam bereit, jede Art von Sonderlösung zu realisieren.» Stäubli ist Ihr kompetenter Lösungsanbieter, wenn es um die perfekte Verbindung geht. Gemeinsam mit Kunden werden Konzepte und massgeschneiderte Lösungen ausgearbeitet, welche exakt den kundenspezifischen Anforderungen entsprechen. Auf diese Weise unterstützt Stäubli seine Kunden dabei, mit innovativen Produkten auch in Nischenmärkten erfolgreich neue Anwendungsfelder zu erschliessen.

WEITERE INFORMATIONEN Stäubli Electrical Connectors Winnijar Kauz Produktmanager Telefon +41 (0)41 61 306 55 55 ec.marcom@staubli.com

ÜBER STÄUBLI Stäubli bietet innovative Mechatronik-Lösungen in drei Kernbereichen: Kupplungssysteme, Robotik und Textil. Mit über 4500 Mitarbeitern erzielt das Unternehmen einen Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Schweizer Franken. 1892 ursprünglich als kleiner Betrieb in Zürich / Horgen gegründet, ist Stäubli heute ein internationaler Konzern mit Sitz in Pfäffikon, Schweiz. Weltweit präsent unterhält Stäubli 12 industrielle Produktionsbetriebe. Die Präsenz in 29 Ländern mit Verkaufs- und Service-Tochtergesellschaften wird durch Vertretungen in 50 Ländern ergänzt. www.staubli.com/de/firmenprofil

ÜBER STÄUBLI ELECTRICAL CONNECTORS Stäubli ist anerkannter Spezialist für zukunftsweisende Kontakttechnologie, mit einem Produktportfolio von Miniatur- bis hin zu Hochleistungssteckverbindern für Energieübertragung, Prüf- und Messtechnik, Transportwesen und viele weitere Branchen. In der Photovoltaik ist Stäubli mit seinen Steckverbinderkomponenten MC4 Weltmarktführer. Kernstück aller Stäubli-Steckverbinder ist die einzigartige MULTILAM-Technologie. www.staubli.com/electrical

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KOMPLEXE ENERGIESTEUERUNG IM NEUEN STADION SCHAFFHAUSEN Ein modernes Stadion mit Mantelnutzung stellt hohe Anforderungen an die Infrastruktur. Die Elektroverteilung ist das Herz der Anlage und versorgt alle Bereiche mit Energie. Im neuen Stadion Schaffhausen steuern Schaltschränke von Rittal AG die Gebäudeautomation und Energieversorgung. von Rittal AG


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as Stadion Schaffhausen ist hinsichtlich seiner Grösse und Kapazität ein aussergewöhnliches Neubauprojekt und stellt entsprechend hohe Anforderungen an die Infrastruktur. Das Fussballstadion mit beheizbarem Kunstrasen verfügt über 8 200 Sitzplätze und bietet Raum für Veranstaltungen mit bis zu 20’000 Zuschauern. Der StadionMantel umfasst 10’000 Quadratmeter Fachmarkt- und Dienstleistungsfläche. Ein beträchtlicher Teil der benötigten Energie wird über die Photovoltaikanlage auf dem Dach gewonnen. Für die Energie­ ver­sorgung und den zuverlässigen Betrieb aller Bereiche sorgen die Elektrover­ teilung und die Steuerung der Anlagen. Rittal AG hat dazu die Schaltschränke und den Schaltschrank-Innenausbau geliefert und die Verantwortlichen bei der Planung unterstützt.

FLEXIBLE PRODUKTE, FRÜHZEITIGE PLANUNG Damit der Betrieb des neuen Stadions von Anfang an einwandfrei funktioniert, sind eine frühzeitige Planung und eine qualitativ erstklassige Infrastruktur ein Muss. Das für die Elektroplanung zuständige Unternehmen Pezag Elektro AG setzt auf die Erfahrungen und die Produkte von Rittal AG. Rittal AG bietet schweizweit die umfangreichste Produktepalette zertifizierter Schaltschränke und Schaltschrank-Innenausbauten. Ein grosses Plus von Rittal AG ist die Flexibilität – sowohl der Mitarbeitenden als auch der Produkte. Die standardisierten Systeme lassen sich nach Bedarf mit wenig Aufwand erweitern oder ändern. Dabei funktionieren sie produkt­ unabhängig, es lassen sich Schalter verschiedener Hersteller einbauen. Pezag Elektro AG hat Rittal AG schon vor Beginn der Planungsphase ins Projekt einbezogen. Dank der frühzeitigen Planung und der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten wurde das Projekt fristgerecht und erfolgreich fertiggestellt. Nach nur 18 Monaten Bauphase wurde das Stadion am 28. Februar 2017 eingeweiht.

ÜBER DAS PROJEKT STADION SCHAFFHAUSEN, «LIPO PARK» Finanziert wurde das Projekt durch zwei gegenseitig unabhängige Bauherren; das Stadion durch die Fontana Invest und die Fachmarkt- und Dienstleistungsfläche durch die METHABAU. Das Stadion erfüllt sämtliche Anforderungen der Swiss

Football League bezüglich den Challenge- und Super-League- Ansprüchen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch die UEFA-Tauglichkeit erlangt werden. Der allwettertaugliche Kunstrasen entspricht den Anforderungen des 2-SterneZertifikats der FIFA. Mit der Rasenheizung erfüllt er eine weitere Anforderung der Swiss Football League und ermöglicht einen längeren Spielbetrieb in der Wintersaison. Die Fontana Invest besitzt die Bewilligung für 12 Gross­events pro Jahr mit über 20’000 Besuchern. Am 28. August 2015 begannen die Bauarbeiten für den «LIPO Park» an der Industrie­ strasse in Schaffhausen – Herblingen. Für rund CHF 60 Mio. Gesamtinvestitionssumme wurde in einer Rekordzeit von 18 Monaten das multifunktionale Fussballstadion inklusive Mantelnutzung erstellt. Die Eröffnung des Stadions fand Ende Februar 2017 statt, die Fachmarktund Dienstleistungsfläche öffnete ihre Tore im N ­ ovember 2016.

MEHR ZUM PROJEKT STADION SCHAFFHAUSEN www.stadionschaffhausen.ch www.lipopark.ch/projekt

NH Lasttrenner wurden auf einem RiLine60 System aufgebaut.

KONTAKT Rittal AG Ringstrasse 1, CH-5432 Neuenhof info@rittal.ch, www.rittal.ch

ÜBER RITTAL AG Rittal AG mit Sitz in Herborn, Hessen, ist ein weltweit führender Systemanbieter für Schaltschränke, Stromverteilung, Klimatisierung, IT-Infrastruktur sowie Software & Service. Systemlösungen von Rittal AG kommen in allen Bereichen der Industrie, im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der ITK-Branche zum Einsatz. Mit rund 9 300 Mitarbeitern und 58 Tochtergesellschaften ist Rittal AG weltweit präsent. Zum breiten Leistungsspektrum gehören Infrastrukturlösungen für modulare und energieeffiziente Rechenzentren mit innovativen Sicherheitskonzepten zur physischen Daten- und Systemsicherung. Die führenden Softwareanbieter Eplan und Cideon ergänzen die Wertschöpfungskette durch disziplinübergreifende Engineering-Lösungen, Rittal AG Automation Systems durch Automatisierungslösungen für den Schaltanlagenbau. Rittal AG wurde im Jahr 1961 gegründet und ist das grösste Unter­nehmen der inhaber­geführten Friedhelm Loh Group. Die Friedhelm Loh Group ist mit 18 Produktions­stätten und 80 Tochtergesellschaften international erfolgreich. Die Unternehmensgruppe beschäftigt über 11’300 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden Euro. Zum neunten Mal in Folge wurde das Familienunternehmen 2017 als Top Arbeitgeber Deutschland ausgezeichnet. In einer bundesweiten Studie stellten die Zeitschrift Focus Money und die Stiftung Deutschland Test fest, dass die Friedhelm Loh Group 2017 im zweiten Jahr zu den besten Ausbildungsbetrieben gehört. Weitere Informationen finden Sie unter www.rittal.ch und www.friedhelm-loh-group.com. Ausgabe 2  / 2017 // Seite 21


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ENERGIEMANAGEMENT FÜR DIE RECHENZENTREN DER ZUKUNFT Rechenzentren bilden den Knotenpunkt vielfältiger Entwicklungen: Im Zuge von Industrie 4.0 und der zunehmenden Digitalisierung sind IT-Infrastrukturen entscheidend für das wirtschaftliche Wachstum.

© iStockphoto.com/NicoElNino

Im Gespräch mit Johann Stark, Stark Elektronik GmbH und Sven Sütterlin, Saia Burgess Controls (SBC)

Die zunehmende Nutzung von cloudbasierten Anwendungen bedeutet auch, dass die Datenmengen deutlich steigen und immer grössere Rechenzentren nötig werden.

W

ährend grössere Unternehmen oft eigene Rechenzentren errichten, setzen kleinere Firmen vermehrt auf Dienstleister, bei denen sie Serverkapazitäten mieten können. Die dadurch wachsenden Kapazitäten bedeuten, dass viele Rechenzentren hohe elektrische Anschlusswerte bereitstellen müssen. Aufgrund des hohen Verbrauchs

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ist eine exakte Erfassung, Beobachtung und ein sinnvolles Management der Energie in diesen Gebäudetypen besonders wichtig. Die Stark Elektronik GmbH ist spezialisiert auf Gebäudeautomation und Energiemanagement mit Produkten des Automati­ sierungsspezialisten Saia Burgess Controls

(SBC). Gemeinsam mit SBC hat Geschäftsführer Johann Stark in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Energiemanagement-Projekte für Rechenzentren umgesetzt. Im Gespräch erläutert er zusammen mit Sven Sütterlin, Product Manager Electrical Submetering bei SBC, die Herausforderungen und Besonderheiten beim Energiemonitoring in Rechenzentren.


Was ist das Besondere an Energiemanagement-Lösungen für Rechenzentren? Wie kann dort die Energieeffizienz verbessert werden? Stark: Der hohe Stromverbrauch von Rechenzentren ist ein Kosten-, aber auch ein Ressourcenfaktor, den es einzugrenzen gilt. Zwei Faktoren sind bei Rechenzentren besonders wichtig: Sicherheit und Verfügbarkeit der Serverkapazitäten. Die gesamte Technik, die zur Gewährleistung eines kontinuierlichen Betriebs notwendig ist, erzeugt Hitze, es muss also gekühlt werden. Gleichzeitig soll eine ideale Temperatur von rund 23 Grad Celsius in den Serverräumen eingehalten werden, damit die Technik optimal funktioniert. Notwendig ist hier eine effiziente und automatisierte Lüftungs- und Klimatechnik. Dabei spielt der Energieverbrauch eine wichtige Rolle. Es sollen Kosten analysiert und Einsparpotentiale sichtbar gemacht werden. Energiemanagement-Lösungen bieten die Möglichkeit, die Verbrauchsdaten aller Server und Gebäudeteile mit Hilfe von Energiezählern genau zu messen und aus den erfassten Daten Schlüsse zu ziehen. Um alle Messdaten in einem Rechenzentrum zu erfassen, ist es wichtig, den Stromverbrauch jedes einzelnen Racks getrennt zu ermitteln – das kann aber bei grossen Rechenzentren, wie zum ­Beispiel in der Industrie, bedeuten, über 2 000 Messstellen auf einmal installieren zu müssen. Wichtig sind also günstige, aber auch kompakte Energiezähler, die massenweise verbaut werden können. In einem zweiten Schritt müssen die gewonnenen Messergebnisse konsolidiert und visualisiert werden, um die Messdaten zu analysieren und Potentiale zu erfassen. Sütterlin: Wir haben bereits viele verschiedene Projekte umgesetzt – vom kleinen mittelständischen Unternehmen bis hin zum grossen IT-Dienstleister, wie der wusys GmbH. Dort war beispielsweise das Ziel, eine bedarfsgerechte Verbrauchserfassung aller Kundenserver zu installieren und damit eine grösstmögliche Kostentransparenz zu schaffen. Neben der eigentlichen Energiemonitoring-Lösung wurde hier auch eine Temperatur- / Feuchtemessung, eine Leckageüberwachung und eine speziell angepasste Webvisualisierung eingesetzt. Bei einem Kunden aus der Automobil­ branche entwickelten wir für das hauseigene Data Center ein zweistufiges Energiemanagement, bei dem in der

© iStockphoto.com/willcao911

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Bei Gebäuden grosser IT-Dienstleister kommt es auf die bedarfsgerechte Verbrauchserfassung an, damit jeder Kunde individuell und präzise abgerechnet werden kann.

ersten Stufe durch 3-phasige-Energiezähler (ALE3) in den Stromabgangskästen alle wichtigen Kennzahlen erhoben wurden. In der zweiten Stufe wurden alle Mess­e rgebnisse konsolidiert und visualisiert. Da das Corporate Data Center des Unternehmens «grün» betrieben werden sollte, also mit möglichst wenig CO 2 -Ausstoss, werden die Messdaten nun mit SBC-PCD2-Steuerungen weiterverarbeitet. Insgesamt ist das modulare Hardwarekonzept flexibel anpassbar und zukunftssicher. Was sind die Herausforderungen bei der Entwicklung von solchen Lösungen und welchen Anforderungen müssen die eingesetzten Produkte entsprechen? Stark: Viele Aspekte der Anforderungen an die Gebäudeautomation und das Energiemanagement für Rechenzentren sind ähnlich, dennoch haben wir die Erfahrung gemacht, dass die verfügbaren Produkte für Gebäudeautomation und Energie­ management individuell auf das jeweilige Projekt abgestimmt werden müssen. Ein

gutes System passt sich den individuellen Anforderungen an und gibt in jeder Phase neue Erkenntnisse über Einsparpotentiale im Gebäude. Deshalb haben wir gemeinsam mit SBC eine flexible Lösung für die Auswertung von MID-geeichten Energiezählern entwickelt, die wir auf jedes Projekt extra anpassen. Wo viele Komponenten verbaut sind und miteinander für einen reibungslosen Ablauf sorgen sollen, ist die Kompatibilität entscheidend. Die Produkte müssen miteinander interagieren und kommunizieren können: Energiezähler erfassen in unseren Projekten beispielsweise nicht nur den Stromverbrauch für den einzelnen Server bzw. das Server-Rack, sondern auch für die Kühlung und Feuchtigkeitsmesser. Es ist auch wichtig darauf zu achten, dass die eingesetzten Produkte bei Software-­ Updates weiterhin kompatibel sind – das ist entscheidend für die Langlebigkeit der Lösung. Auch Übertragungsprotokolle, wie BACnet, Modbus oder SNMP müssen sich entsprechend der Vorlieben des

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ENERGIE-MANAGEMENT

© SBC

Sütterlin: Ein Produkt, das wir seit Langem für die Verbrauchserfassung ver-

wenden, ist unser ALD1 Energiezähler. Diesen Energiezähler haben wir gemeinsam mit der Stark Elektronik GmbH auf den Bedarf von Rechenzentren angepasst: Der S-Bus Energiezähler lässt sich nun sowohl am Rack selbst, als auch aus der Ferne an einer zentralen Kontrolleinheit ablesen. Das Besondere ist, dass

Die eichfähigen SBC-Zähler ermöglicht eine einfache und präzise Abrechnung an die Rechenzentrumskunden.

ÜBER DIE STARK ELEKTRONIK GMBH:

sich jeder einzelne Zähler bei der Leit­ ebene meldet und dadurch individuell zuordnen- und lokalisierbar ist. So kann eindeutig festgestellt werden, wie viel Energie von welchem Server-Teil verbraucht wird. Durch die Eichfähigkeit der Zähler ist eine einfache und präzise Abrechnung der Leistungen an die Rechenzentrumskunden möglich. Eine zentrale Steuerung erfasst die Messwerte (kWh, P, U, I) über angeschlossene Energiezähler und übermittelt diese per SNMPProtokoll an die EDV des Rechenzentrums. So können auf der Weboberfläche alle gesammelten Informationen klar zugeordnet werden. Das schafft Transparenz und Sicherheit. Auch ein Panel zur Darstellung von Web-Visualisierungen wurde von uns auf die Verwendung in Rechenzentren angepasst. Wir verwenden hier das Saia PCD Webpanel mit Echtzeit-Verbrauchsanzeige und passen es mit Hilfe des Saia PG5 Web Editors bedarfsgerecht an. Das Panel ist ohne Software-Installation sofort einsatzbereit und kann über die gängigen Protokolle kommunizieren. Besonders interessant ist die Bildung von Zählergruppen und die Ausgabe der Daten über eine Cloud. Die verwendete Software ist flexibel. Es lassen sich beispielsweise Lagepläne einfügen oder weitere Zähler mit Hilfe eines vorgefertigten Grundmoduls ganz einfach ergänzen. Auch eine auf unterschiedliche Nutzer abgestimmte Visualisierung der erhobenen Daten ist bei dieser speziellen Entwicklung automatisiert möglich.

© SBC

Kunden und der verwendeten Systemkomponenten einsetzen lassen. Die BUSfähigen Energiezähler und Systemkomponenten von SBC bieten all das und sind damit einzigartig am Markt.

Die Stark Elektronik GmbH ist ein Familienunternehmen, das sich auf fortschrittliche Monitoring-Systeme zur Überwachung des Energieverbrauchs spezialisiert hat. Auch Energiecontrolling und individuell angepasste Softwarelösungen sind im Programm. Als Spezialist in Entwicklung und Umsetzung kundenspezifischer Energiemanagement-Lösungen, steht sie ihren grossen Partnern immer zur Seite um auch grosse Projekte umsetzen zu können.

ÜBER SBC: Saia Burgess Controls (SBC), mit Sitz in Murten in der Schweiz, ist der Automati­sierungsspezialist für jede Art von Infrastruktur. SBC inspiriert durch die Flexibilität seiner Saia PCD® Automationsstationen, die Kompatibilität und Portabilität mit höchster Langlebigkeit verbinden. Der direkte Mehrwert dieser Lösungen ist nachhaltiger Ertrag für Systemintegratoren, Original­ ausstatter, Betreiber und Nutzer. Darüber hinaus entwickelt, produziert und vertreibt das Unternehmen mit seinen rund 300 Mitarbeitern Web-HMI, dezidierte Raumregler sowie Geräte zur Verbrauchsdatenerfassung. Als 100 %ige Tochter der Honeywell Gruppe ist SBC der ideale Partner für die Infrastrukturautomatisierung – überall auf der Welt.

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Mit den 3-phasigen-Energiezählern ALE3 von SBC können alle wichtigen Kennzahlen direkt an den Stromabgangskästen erhoben werden.


ENERGIE-MANAGEMENT den Betreibern die exakte Weitergabe aller Kosten an den Mieter. Je nach Nutzer gibt es auch weitere ­A nforderungen an die Energiezähler: Nicht jeder benötigt die gleiche Visua­ lisierung der Messergebnisse. Die Person, die die Kostenabrechnung für die Mieter macht, benötigt eine andere Ansicht als beispielsweise die zuständigen IT-Mitarbeiter. Mit einer auf Rechenzentren angepassten Softwarelösung können wir individuelle Benutzeroberflächen für Betreiber, Angestellte und Mieter generieren.

© SBC

Welche Trends und Herausforderungen sind in Zukunft beim Energie­ monitoring und -management in ITZentren zu erwarten?

© Johann Stark

Welche Vorteile bietet die von ihnen gemeinsam entwickelte Energiemonitoring-Lösung für Betreiber und Mieter von grossen Rechenzentren? Sütterlin: Das Ziel für alle Beteiligten ist immer die bedarfsgerechte Verbrauchserfassung aller Räume, Bus-Leitungen und Racks, sowie die Schaffung grösstmöglicher Kostentransparenz. Dabei setzt SBC in der Standardlösung auf den proprietären S-Bus und die Firma Stark Elektronik auf den offenen Standard Modbus. Gerade, wenn es eine Vielzahl an verschiedenen Mietern innerhalb eines Rechenzentrums gibt, ist es wichtig, den Überblick zu bewahren. Hier spielt, neben der Frage nach der Energieeffizienz, auch die Abrechenbarkeit der verbrauchten Energie eine tragende Rolle. Unsere eichfähigen Energiezähler ermöglichen

Stark: Die zunehmende Digitalisierung erfordert immer grössere Serverkapazitäten und damit auch grössere Rechenzentren. Daher ist eine hocheffiziente Datenverwaltung der einzelnen Server und Racks wichtig, um möglichst genau, energiesparend und kosteneffizient agieren zu können. Technische Neuerungen, wie die Einführung eines intelligenten Stromnetzes – das sogenannte Smart Grid – werden ebenfalls Einfluss auf die Entwicklung haben. Auch die Versorgung durch Erneuerbare Energien und das Thema Nachhaltigkeit werden eine immer grössere Rolle spielen. Wir arbeiten bereits gemeinsam mit SBC daran, dies beim Programmieren der Energiezähler zu berücksichtigen und für die Anforderungen der Zukunft Lösungen zu bieten.

KONTAKT Saia-Burgess Controls AG Bahnhofstrasse 18 3280 Murten, Schweiz Telefon +41 (0)26 580 30 00 info.ch@saia-pcd.com www.saia-pcd.com

Johann Stark, Geschäftsführer der Stark

Sven Sütterlin, Product Manager Electrical

Elektronik GmbH, Wittelshofen (Deutschland),

Submetering bei SBC, konnte schon einige

setzt auf individuell angepasste Software­

Projekte im Bereich der Rechenzentren

lösungen für seine Kunden.

erfolgreich umsetzen.

Ansel & Möllers GmbH Public Relations & Eventmanagement König-Karl-Str. 10 70372 Stuttgart, Deutschland Telefon +49 711 925 45 18 f.klug@anselmoellers.de www.anselmoellers.de

EnergieAbrechnung mit Saia PCD®

Counter_1 Consumption Week 4.00 kWh kW

Average 0.57 kWh

0.60 k

0.40 k

0.52 k

Mon

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0.60 k

0.88 k

0.30 k

0.70 k

Thu

Fri

Sat

Sun

1.00 k 0.75 k

0.50 k

0.25 k

0.00 k W T1 Next

W T2

W T3

Week 20.08.2015

W T4 Counter_1

Saia-Burgess Controls AG | Bahnhofstrasse 18 | 3280 Murten, Schweiz T +41 26 580 30 00 | F +41 26 580 34 99 www.saia-pcd.com | info.ch@saia-pcd.com | www.sbc-support.com


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25 JAHRE FRONIUS SCHWEIZ ZWEI TAGE IM EVENTFIEBER Seit 25 Jahren ist Fronius in der Schweiz erfolgreich unterwegs, ein würdiger Anlass zum Feiern. Der Anbieter innovativer Technologien rund um die Schweisstechnik, die Solar Energie und Batterieladesysteme hat aus diesem Grund seine Kunden und alle Interessierten am 25. und 26. August zu einem grossen Jubiläumsevent nach Rümlang eingeladen. Bei schönstem Wetter feierten mehrere hundert Personen die schweizerisch-österreichische Erfolgsgeschichte und genossen die verschiedenen Produktepräsentationen und die Gastfreundschaft von Fronius Schweiz.

D

ie Fronius Schweiz AG hat am 25. und 26. August am Hauptsitz Rümlang ihr 25-jähriges Jubiläum mit einem 2-tägigen Kunden-Event begangen. Schon eine Stunde vor der Türöffnung strömten die ersten Kunden herein. «Teilweise war der Ansturm so gross, dass unsere Räumlichkeiten zum Bersten voll waren», erzählt Jürg O. Keller, Geschäftsleiter der Fronius Schweiz AG.

GUT INSZENIERT: FRONIUS GESTERN UND HEUTE

Den Gästen wurde ein abwechslungs­ reiches Programm geboten mit LiveDemonstrationen, Wettbewerben und verschiedenen Geschicklichkeitsspielen. Aus nächster Nähe erleben konnten die Besucher auch die Geschichte von Fronius im eigens eingerichteten Hausmuseum. Hier und da sah man auf den Gesichtern der Besucher ein Schmunzeln, wenn sie

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etwa Schweissgeräte entdeckten, die sie durch ihre Lehrzeit begleiteten, oder an einem 55-jährigen Batterieladesystem vorbeigingen. Eindrucksvoll waren auch die Erzählungen des «Museumsdirektors» Herbert Dorninger. Als Angestellter Nummer 37 gehörte er zu den Angestellten der Anfangszeiten von Fronius International und arbeitete auch sehr eng mit dem Gründer Günter Fronius zusammen. Heute sind weltweit rund 3800 Personen für Fronius tätig.

FRONIUS GEFRAGTER DENN JE Das Hauptaugenmerk am 2-tägigen Event lag jedoch auf der Moderne und den neusten Technologien. An verschiedenen Stationen präsentierte Fronius seine innovativen Produkte in den Bereichen Schweisstechnik, Solar Energie und Batterieladesysteme. Das SchweisstechnikTeam begeisterte seine Besucher mit Live-

Vorführungen und der Präsentation seiner Dienstleistungen. «Es war wirklich toll, wie interessiert uns unsere Gäste beim Schweissen über die Schultern blickten und sich für die technischen Neuheiten von Fronius begeisterten», erzählt der Schweissfachmann Heinz Humbel, technischer Leiter des gesamten Schweiss­ technik-Teams. Grossen Anklang fand auch das einmalige und teilweise unbekannte Virtual Welding. «Die Motivation, selber virtuell zu schweissen war wirklich gross, und wir konnten die Bedeutung und Notwendigkeit dieser Dienstleistung auf eine gute Art und Weise unserem Publikum aufzeigen», erklärt Klaus Heintel, Serviceleiter. Sehr zufrieden mit den beiden Eventtagen sind auch die Vertriebsleiter der beiden jüngsten Fronius Schweiz-Bereiche Batterieladesysteme und Solar Energie. «Unser innovativer Fronius RI-Ladeprozess und


ENERGIE-MANAGEMENT die gezeigten Systeme für die Ladetechnik interessierten unser wissbegieriges Fachpublikum», so Reto Baumgartner. Patrick Gauss fasst seine Eindrücke ebenso begeistert zusammen: «Wir wurden buchstäblich überrannt von den Eventbesuchern, die Solarenergie-Themen beschäftigen ein breites Publikum und die Fronius Produkte sind gefragter und aktueller denn je.»

Tag gleich nochmals zu kommen», sagt Jürg O. Keller. «Wir jedenfalls verbrachten mit unseren Gästen tolle zwei Tage und freuen uns auf die nächsten 25 Jahre», fasst der Geschäftsleiter von Fronius Schweiz den Jubiläums-Event zusammen.

SKULPTURENSCHWEISSEN MIT ÖSTERREICHISCHEN LECKERBISSEN

Die Fronius Schweiz AG ist eine Tochtergesellschaft der Fronius International. Fronius International ist ein österreichisches Unternehmen mit Firmensitz in Pettenbach und weiteren Standorten in Wels, Thalheim, Steinhaus und Sattledt. Das Unternehmen mit global 3 817Mitarbeitern ist in den Bereichen Schweisstechnik, Photovoltaik und Batterieladetechnik tätig. Der Exportanteil mit rund 89 Prozent wird mit 28 inter­ nationalen Fronius Gesellschaften und Vertriebspartnern / Repräsentanten in mehr als 60 Ländern erreicht. Mit innovativen Produkten und Dienstleistungen sowie 1242 erteilten Patenten ist Fronius Innovationsführer am Weltmarkt.

Ebenso wichtiger Stellenwert bei Fronius hat das Produktdesign. Deshalb war es naheliegend, dass Fronius die kreative Design- und Objektkünstlerin Andrea Stahl einlud. Während zwei Tagen schweisste sie zusammen mit den Besuchern am von ihr entwickelten Fronius Kubus. Je nach Wissensstand durften die Event-Teilnehmenden alleine oder unter Anleitung ein Stück Metall in Form der Buchstaben F, R O, N, I, U, S an ein kubisches Gerüst schweissen. Am Schluss entstand eine bleibende Skulptur, der Fronius Kubus. Dieser wird schon bald gut sichtbar als Gemeinschaftsprojekt im Eingangsbereich platziert. «So einige Damen und Herren erlebten dabei wohl bei diesen sommerlichen Temperaturen buchstäblich ihre Schweiss­taufe in ihrer Sicherheitsbekleidung», lacht Jürg O. Keller.

WEITERE INFORMATIONEN Kommunikation: Monique Inderbitzin Telefon +41 (0)79 945 76 20 inderbitzin.monique@fronius.com

ÜBER DIE FRONIUS SCHWEIZ AG

Selbstverständlich kam die kulinarische Seite nicht zu kurz. Den Gästen wurden allerlei kulinarische Leckerbissen aus Österreich geboten und teilweise sogar direkt vor ihren Augen von mehreren Köchen zubereitet – etwa die Serviettenknödel oder das Backhendl. Aber auch die köstlichen Vorspeisen, wie die geeiste Paradeiserkraftbrühe oder der Tafelspitzsalat, sowie die Nachspeisen kamen nicht zu kurz – ganz österreichisch mit Kaiserschmarrn, Sachertorte und Apfelstrudel.

RUNDWEGS ZUFRIEDENE GESICHTER Und wer bei diesem schönen Sommerwetter nicht bei Tageslicht nach Hause gehen wollte, konnte den lauen Abend in der Fronius eigenen Schweisser-Bar bei allerlei feinen Cocktails und einem spritzigem Weissen oder Radler ausklingen lassen. Gemütlich war es auch im Kaffeezelt. Hier konnte man ganz wienerisch bei einem gemütlichen Palaver neue und alte Kontakte pflegen. Den Kunden scheint es gefallen zu haben. «Wir sahen überall zufriedene Gesichter, teileweise entschieden sich unsere Gäste, am nächsten

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MINERGIE

EINFACH MODERNISIEREN MIT HOHER QUALITÄT Einfach Modernisieren und dabei komfortabel die Energiewende einläuten? Minergie macht’s möglich! Denn eine Modernisierung nach Minergie Systemerneuerung reduziert den Energieverbrauch Ihres Gebäudes um rund zwei Drittel. Zur Auswahl stehen fünf standardisierte Varianten mit aufeinander abgestimmten Massnahmen, die etappiert umgesetzt werden können. Zielgerichtete Investitionen führen so zu höchster Qualität mit hohem Komfort und dem Erhalt eines Minergie-Zertifikats. von Sabine von Stockar, Minergie Schweiz

DER GEBÄUDEBESTAND STEHT UNTER DRUCK Es herrscht gesellschaftlicher Konsens: Bauen auf der grünen Wiese ist in der Schweiz nur noch beschränkt möglich. Gleichzeitig wachsen seit Jahren sowohl Bevölkerung als auch Wohnfläche pro Person. Parallel dazu steigen die Anforderungen und Bedürfnisse ans Bauen konstant. Gebäude müssen hindernisfrei sein, erdbebensicher, grosszügig, lichtdurchflutet, komfortabel. Dies setzt den heutigen Gebäudebestand stark unter Druck. Nur wenige der über 20 Jahre alten Gebäude können die heutigen Ansprüche noch erfüllen und müssen modernisiert werden.

Energie vorhanden ist. Wenn die bestehenden Bauteile keine bauphysikalisch sinnvolle Ertüchtigung zulassen oder die Wohnqualität nicht mit verhältnismässigen Massnahmen erreicht wird, ist ein Ersatzneubau in Betracht zu ziehen. Neubauten im Baustandard Minergie-A produzieren

mehr Energie als sie konsumieren. Für Bauherren oder Investoren empfiehlt sich, für diese komplexen und interdisziplinären Interessensabwägungen frühzeitig ausgewiesene Experten / innen beizuziehen. Damit wird das Risiko von Fehlinvestitionen vermieden. Egal wie die Entscheidung

DIE ENERGIEWENDE IM GEBÄUDEPARK Dazu kommt der zentrale Faktor Energie: Der Schweizer Gebäudepark ist für 40 % des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich, weil rund 1.5 Millionen Häuser nicht oder nur schlecht gedämmt sind. Zudem werden zwei Drittel der Schweizer Gebäude immer noch fossil oder direkt elektrisch beheizt. Das Erneuerungspotenzial ist also hoch, der mögliche Effekt gross. Mit einer Minergie-Modernisierung werden rund zwei Drittel der Energie eingespart. Dadurch können Immobilienbesitzer einen wesentlichen und gleichzeitig freiwilligen Beitrag zur Energiewende leisten.

Nachher

ERSATZNEUBAU ODER MODERNISIERUNG? Ob eine Modernisierung oder ein Ersatzneubau ökonomisch und ökologisch mehr Sinn macht, muss im Einzelfall beurteilt werden. Aus energetischer Sicht lohnt sich der Erhalt von Bausubstanz dann, wenn das Haus nach Minergie modernisiert wird und sich dadurch effizienter beheizen lässt, da im bestehenden Gebäude graue

Vorher Die Casa Franscini wird zur Zeit mit Minergie-Systemerneuerung modernisiert (Fertigstellung Frühling 2018). Eine Zertifizierung mit Minergie-Systemerneuerung hat ermöglicht, dass die Umsetzung der Anforderungen an die Gebäudehülle, sowie Gebäudetechnik aus dem Jahr 1900 mit bedeutend weniger Aufwand für den Planer und Architekten möglich war. Projekt von Aldo Colesdina Architetto, Lugano.

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MINERGIE ausfällt: Im Vordergrund steht die Qualität. Hochwertige, auf flexible Nutzungen ausgelegte Bauten sind langlebiger, komfortabler und auch auf lange Sicht effizienter als reine Renditebauten.

VOM FASSADENPUTZ ZUM GROSSPROJEKT Trotz guter Gründe ein Objekt zu modernisieren, zum Beispiel die steigende Attraktivität für Mieter und den Erhalt der Renditen, schrecken doch viele Bauherren vor einer Modernisierung zurück. Die Angst: Was beim Fassadenputz beginnt, wird zum Grossprojekt. Ansprüche und Vorgaben verschiedener Seiten treffen auf­einander, technisch komplexe Herausforderungen kommen ans Licht, oftmals verbunden mit hohen Kosten. Der Ausweg über die Erneuerung nur einzelner Bauteile führt teils zu unverhältnismässigen Eingriffen und erzielt

auch nicht immer den gewünschten Effekt. Wer beispielsweise in einem Altbau einfach die Fenster ersetzt, hat danach häufig mit feuchten Stellen oder Schimmel zu kämpfen. Denn durch die neuen dichten Fenster ist der Luftaustausch geringer und die Feuchtigkeit im Raum kondensiert an den kalten Übergangsstellen.

ZWEI WEGE FÜHREN ZU MINERGIE Über feuchte Ecken oder kalte Fussböden muss sich ein Bauherr bei einer Modernisierung nach Minergie keine Sorgen machen. Denn ein nach Minergie modernisierter Bau zeichnet sich insbesondere durch seine hohe Qualität mit dem Fokus Wohn- und Arbeitskomfort sowie EnergieEffizienz aus. Minergie bietet den Immobilienbesitzern dafür zwei Möglichkeiten. Der klassische Zertifizierungsweg erfolgt mit einem rechnerischen Nachweis über

MINERGIE-SYSTEMERNEUERUNG AUF EINEN BLICK Die Minergie Systemerneuerung für die Modernisierung von Wohngebäuden bietet Ihnen: • Hohe Flexibilität ohne aufwändigen Berechnungen dank fünf Systemlösungen mit aufeinander abgestimmten Massnahmen • Berücksichtigung des individuellen Gebäudebestands und bereits vorgenommener Erneuerungen • Zielgerichtete Investitionen und Etappierung über 5 Jahre • Erhalt des Minergie-Zertifikats, welches – unabhängig vom Zertifizierungsweg – für hohe Qualität, Komfort und Energieeffizienz steht

die Gesamtenergiebilanz. Dies kann zwar tiefe Eingriffe mit sich bringen, ergibt bei einer vorausschauenden Planung aber maximale Individualität und grösstmöglichen Effekt. Für einige Gebäude gelingt eine energetisch hochwertige Modernisierung auch mit reduziertem Aufwand. Insbesondere, wenn in der Vergangenheit bereits Erneuerungen vorgenommen oder für die Gebäudehülle eine Klassifizierung B oder C nach GEAK Plus (Gebäudeenergieausweis der Kantone) ausgestellt wurden. Der neue Zertifizierungsweg nach Minergie Systemerneuerung macht dies möglich. Das Resultat ist dasselbe: Der Erhalt eines Minergie-Zertifikates.

SYSTEMERNEUERUNG – MODERNISIEREN OHNE RECHNEN Der Zertifizierungsweg nach Minergie Systemerneuerung ist ein vereinfachtes, weil standardisiertes Vorgehen für erneuerungsbedürftige Wohngebäude. Möglich wird dies durch fünf Systemlösungen, welche Massnahmen an der Gebäudehülle, der Wärmeerzeugung und der steuerbaren Lufterneuerung intelligent kombinieren. Dabei wird Rücksicht genommen auf den individuellen Gebäudebestand und bereits vorgenommene Erneuerungen, ganz ohne aufwändige Berechnungen. Die Grundidee: Die Kombination von Massnahmen an der Gebäudehülle und der Gebäudetechnik ermöglicht angemessenere bauliche Ein-

Die 5 Systemlösungen kombinieren Massnahmen an Gebäudehülle, Wärmeerzeugung, sowie Lufterneuerung und führen zu einem Minergie Zertifikat.

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MINERGIE griffe. Wer eine fossile Wärme­erzeugung beibehalten möchte, weil diese erst vor wenigen Jahren ersetzt wurde, muss strengere Anforderungen an die dämmenden Bauteile erfüllen. Wer aber eine nachhaltige Wärmeerzeugung vorsieht, profitiert von weniger strengen Anforderungen an die Gebäudehülle.

INTELLIGENT KOMBINIEREN, ZIELGERICHTET INVESTIEREN Durch die intelligente Kombination der aufeinander abgestimmten Massnahmen

müssen in den fünf Systemlösungen unterschiedliche definierte Mindest­ anforderungen erfüllt werden. Investitionen erfolgen damit zielgerichtet: Mit verringertem Aufwand zu hoher Qualität. Denn die vorgegebenen Kombinationsmöglichkeiten sind alle so konzipiert, dass in der Bilanz der gewichtete Endenergiebedarf unter 60 kWh / m 2 liegt. Die Möglichkeit, Massnahmen etappiert über fünf Jahre umzusetzen, entlastet die Bauherrschaften zusätzlich im jährlichen Budget.

DER ENERGIEWENDE KOMFORTABEL AUFWIND VERSCHAFFEN Wer also im Winter feuchte Wände oder im Sommer ein zu heisses Wohnzimmer hat, kann sich ab sofort freuen. Es gibt nämlich keinen Grund mehr auf Komfort, Energieeffizienz oder auch er­ neuerbare Energien zu verzichten. Geben Sie sich in Zukunft nur noch mit höchster Qualität zufrieden und läuten Sie gleichzeitig die Energiewende im eigenen Gebäude ein. Die MinergieSystemerneuerung weist den Weg – und ermöglicht den Erhalt eines MinergieZertifikats.

Neugierig geworden? Besuchen Sie unsere Veranstaltung an der Swissbau 2018. Minergie Systemerneuerung: Mit System die Gebäude-Erneuerung vereinfachen Donnerstag 18. Januar 2018, 12.45–13.45 Uhr I Swissbau 2018, Halle 1.0 Süd, Raum 3 Mit der Minergie Systemerneuerung wird die Modernisierung für Bauherren und Planende einfacher. Der neue Zertifizierungsweg bietet Orientierungshilfe für mehr Energieeffizienz dank Standardlösungen und kann etappen­weise umgesetzt werden. Eine Bauherrin erzählt in diesem Workshop begeistert von ihrer privaten Haus-Modernisierung. Der Entwickler erklärt zudem, wieso die MinergieSystem­erneuerung eine kleine Revolution darstellt und wie diese einfache Modernisierung trotzdem die Anforderungen von Minergie erfüllt.

WEITERE INFORMATIONEN Minergie Schweiz Sabine von Stockar Telefon +41 (0)61 205 25 50

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MINERGIE

«WOHNPARK IM OBSTGARTEN» ALT UND NEU HARMONISCH VEREINT Nahe am Zentrum Oftringens ist ein Wohnpark mit aussergewöhnlichem Charme entstanden. In sich geschlossen und gleichzeitig offen präsentiert sich das anspruchsvolle Projekt, das die Steiner AG rund um eine herrschaftliche Gründerzeitvilla mit samt Obstgarten entwickeln und realisieren konnte. Dank zahlreicher Optimierungen während des Projektverlaufs konnte der «Wohnpark im Obstgarten» drei Monate vor dem geplanten Termin an die zufriedene Bauherrschaft übergeben werden.

B

eim Projekt «Wohnpark im Obstgarten» handelt es sich um sechs moderne Mehrfamilienhäuser, die zusammen mit einer Gründerzeitvilla und einem ehemaligen Schopf ein spannendes Ensemble bilden. Die Neubauten mit Eigentums- und Mietwohnungen umrahmen die ursprünglichen Gebäude und lassen den umgebenden Obstgarten zum ansprechenden Refugium werden. Der reizvolle Kontrast aus Alt und Neu und das herrliche Grundstück mit grossem Gartenanteil, einem altehrwürdigen Obstbaumbestand und vielen Grünflächen schaffen eine exklusive Atmosphäre aus Raum, Luft und Leichtigkeit.

ERFOLGREICHE ENTWICKLUNGSPHASE Von der Pensionskasse Schweizerischer Anwaltsverband erhielt die Steiner AG den

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Auftrag, auf der zu arrondierenden Parzelle eine nachfragegerechte Wohnüberbauung zu konzipieren, zu planen und zu realisieren. Nach intensiven Verhandlungen von November 2012 bis Frühjahr 2013 einigten sich alle am Kauf beteiligten Parteien auf einen Vertragsentwurf. In Zusammenarbeit mit Frei Architekten AG Aarau und KlötzliFriedli Landschaftsarchitekten AG Bern erstellte Steiner zunächst eine Machbarkeitsstudie, welche die Suche nach weiteren Investoren beschleunigte. Schon im Sommer 2013 vereinbarte Steiner dann mit dem Auftraggeber die Entwicklung des Projekts. Wie vom Kanton Aargau vorgeschrieben, entwickelte Steiner das Bauprojekt als Arealbebauung in Begleitung eines Fachgutachters der Planar AG. Dank der gelungenen Zusammenarbeit konnte zuletzt sogar eine höhere Ausnutzung der Arealbe-

bauung erreicht werden. Spezielle Herausforderungen stellten hier die Verhandlungen mit den Grundeigentümern, bestehend aus einer Erbengemeinschaft. Das Einbeziehen der Behörden und der betroffenen Nachbarn während des gesamten Projekts erwies sich dabei als sehr hilfreich. Im Rahmen der Verhandlungen um das Arrondieren eines zusätzlichen Grundstücks konnte Steiner schliesslich sogar noch einen Rechtsstreit mit Nachbarn schlichten. Nach Eingabe des Projekts im Sommer 2014 erhielt das Projekt bereits im Februar 2015 die Baubewilligung. Der Baustart auf dem nun insgesamt 10’032 m² grossen Grundstück erfolgte im September 2015.

ZIELVORGABEN UND UMSETZUNG Übergeordnetes Ziel der Entwicklung war die nachfragegerechte Planung und Rea-


MINERGIE lisierung des Projekts. Konkret sollten neun Parzellen arrondiert und zur neuen Parzelle mutiert werden. Dabei waren die bestehende alte Villa sowie der Schopf nachhaltig zu erhalten. Die Umsetzung sollte als Ganzes im Sinne einer Arealüberbauung geplant und ausgeführt werden. Im Fokus stand, ein vernünftiges Zusammenspiel zwischen Flexibilität und fester ökonomischer Grundstruktur zu schaffen und minimale Erschliessungsflächen innerhalb und ausserhalb der Wohnungen herzustellen. Innerhalb der Wohnungen sollte es eine klare Trennung von öffentlichem und privatem Bereich geben. Dafür erhielten die Häuser eine klare, einfache statische und haustechnische Grundstruktur und Anordnung. Diese sorgt dafür, dass nun bei einer Bruttogeschossfläche von 7 886 m² eine Hauptnutzungsfläche von 6 312 m² zur Verfügung steht. Die Häuser umfassen 1,5 bis 5,5 ZimmerWohnungen, die zwischen 73 m² und 132 m² gross und auf ein mittleres Nachfragesegment – darunter Familien wie auch Singles – ausgerichtet sind. Alle Wohnung weisen ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis auf und bieten eine eigene Loggia oder Terrasse. Aufgrund der immer an den Gebäude­ ecken eingezogenen Loggien bilden die Volumen der rechteckigen Baukörper im Zusammenspiel mit der jeweils gleichartigen Attika und der Fassadengestaltung eine strukturierte Einheit. Das Attikageschoss ist zentral auf den Gebäuden angeordnet, jedoch leicht nach Norden versetzt, sodass jedes Gebäude über zwei besonders grosszügige Dachterrassen verfügt. In ihrer modernen, zeitgemässen Architektur zielen die Häuser auf eine klare Gliederung der Baukörper und zeigen Offenheit für das Urbane.

Dem Aussenmauerwerk musste besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, zumal das verputzte Einsteinmauerwerk auch Funktionen der Tragstruktur übernehmen und wärmedämmende Aufgaben erfüllen sollte. Hier durften beispielsweise keine Installationen wie Rohre, Steckdosen etc. in den Aussenwänden zur Ausführung kommen, da diese sonst Wärmedämmbrücken verursacht hätten. Eine weitere grosse Herausforderung des Projekts bildeten die bestehende Villa und der als Schopf betitelte Gebäudekomplex: Steiner baute den Schopf zurück und richtet ihn an anderer Stelle als Wohnatelier neu auf. Weiter musste ein bestehender Fussweg, welcher durch die Parzelle verläuft und als Schulweg dient, während der Bauzeit ausserhalb des Bauperimeters verlegt und nach Abschluss wieder an den ursprünglichen Ort zurückverschoben werden. Darüber hinaus identifizierte das Projektteam gleich nach Beginn der Bauarbeiten an verschiedenen Orten Optimierungspotenzial und nahm während dem Projekt diverse Umstellungen am ursprünglich geplanten Bauablauf vor. So konnte es einerseits die Baumeisterarbeiten optimieren, andererseits den Innenausbau besser takten. Umgesetzt werden konnten beispielsweise auch Verbesserungen am geplanten Heizkonzept, indem von Erdsonden auf Fernwärme über das EBM umgestellt wurde. Dies führte zu weiteren wertvollen Zeiteinsparungen.

VORZEITIGER ABSCHLUSS Schliesslich wurde die Arealüberbauung entsprechend der projektierten Bausumme von 30 Mio. erfolgreich mit der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur zu einem attraktiven Gesamtkonzept verknüpft. Die Bewohner profitieren nun von einer gelungenen Einbindung in die direkte Nachbarschaft und die weitere Umgebung. In dieser Umgebung ist alles vorhanden, was es zum Leben braucht. Auf dem angrenzenden Grundstück befindet sich ein Kindergarten und weitere Schulen sind in Gehdistanz zu erreichen. Auch als Einkaufsstadt bietet Oftringen ausgezeichnete Möglichkeiten. Die gute Anbindung an das Strassennetz und den öffentlichen Nahverkehr sorgen für grosse Mobilität auch ohne eigenes Auto. Als besonders wichtig erachtet Projektleiter Christoph Lutz aber abschliessend die Tatsache, dass sein Team die Ausführungsarbeiten entsprechend dem neu geplanten Bauablauf vor Ort stets strikt umgesetzt hat. So konnte das Projekt bereits im Juli 2017 – drei Monate vor dem geplanten Termin – ohne nennenswerte Schwierigkeiten und mit voller ­Zufriedenheit der Bauherrschaft zum Abschluss gebracht werden.

WEITERE INFORMATIONEN www.steiner.ch

Die energetische Anforderung an die Gebäudehülle war der Minergie ®-Standard. Der strukturelle Aufbau erfolgte daher in Massivbauweise als Einsteinmauerwerk aus Backstein oder aus Stahlbeton. Die Wohnungstrennwände und Treppenhäuserbzw.  die Liftwände entstanden einschalig aus Stahlbeton, während die Wohnungsinnenwände aus Backsteinmauerwerk oder Leichtbauwand erstellt wurden.

ANSPRUCHSVOLLE HERAUSFORDERUNGEN Im Bereich des Mauerwerks lag eine der grössten baulichen Herausforderungen.

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BIO-MASSE

DIE UNGENUTZTE ENERGIE VON GÜLLE UND HOLZ Bei Hofdünger und Waldholz liegen die grössten Potenziale für die Energiebereitstellung aus Biomasse. Das zeigt eine neue Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf. Um dieses Potenzial zu nutzen, werden heute Holzfeuerungen, Biogasanlagen und weitere Technologien eingesetzt. Im Bereich Bioenergie wird aber auch intensiv geforscht, um die Ausbeute aus biogenen Energieträgern weiter zu verbessern. Das Optimierungspotenzial ist beträchtlich. von Dr. Benedikt Vogel, im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE)

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BIO-MASSE

D

ie Wasserkraft ist in der Schweiz noch mit Abstand die wichtigste erneuerbare Energiequelle, weit bedeutender als die Nutzung von Solarund Windenergie oder von Umweltwärme. Immerhin knapp 30 % der erneuerbaren Energie in der Schweiz – bezogen auf den Endenergieverbrauch – kommt aus der Biomasse. Das ist vergleichsweise wenig, wenn man es vor dem Hintergrund der weltweiten Energie­ statistik betrachtet. Im globalen Massstab stammt die erneuerbare Energie nämlich zu rund drei Viertel aus Biomasse. Wasserkraft, Sonnenenergie und Windkraft sind im weltweiten Massstab eher Randphänomene, auch wenn sie stark am wachsen sind. Holz ist global gesehen noch immer ein dominierender Energieträger, besonders natürlich in Weltregionen, in denen am Holzherd gekocht und mit Scheiten der Ofen warm gehalten wird.

suchung war im Rahmen des Forschungsverbunds «Biomass for Swiss Energy Future» (BIOSWEET) erarbeitet worden. BIOSWEET ist eines von acht Schweizer Kompetenzzentren für Energieforschung (SCCER).

UNGENUTZTE ENERGIE AUS HOFDÜNGER

Soll die Biomasse in der Schweiz energetisch verstärkt genutzt werden, wie es die im Mai von den Stimmbürgern angenommene Energiestrategie 2050 verlangt, sind verschiedene Akteure gefragt, unter ihnen auch die Wissenschaftler. Denn innovative Technologien können in Zukunft dabei helfen, das, was an Energie in Gülle, Holz und weiteren biogenen Energieträgern steckt, in nutzbare Energie umzuformen. Dieser Fragestellung widmete sich im Mai 2017 in Ittigen die Tagung «Bioenergieforschung in der Schweiz»,

In einer hochentwickelten Zivilisation hat Holz nicht mehr diesen hohen Stellenwert. Trotzdem steckt in Holz und anderen biogenen Energieträgern wie Kehricht, Grüngut, organischen Abfällen, Klärschlamm und Hofdünger (Gülle, Mist) eine erhebliche Energiereserve. Wie gross dieses Potenzial ist, hat die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in einer neuen Studie abgeschätzt (WSL-Berichte, Heft 57, 2017). Die Unter-

Gemäss Studie stecken in Schweizer Biomasse 97 PJ (Petajoule) Primären­ ergie, die nachhaltig genutzt werden könnten; 53 PJ werden bisher schon genutzt, das zusätzlich nutzbare Potenzial beträgt 44 PJ. Zum Vergleich: der Primärenergieverbrauch der Schweiz liegt bei rund 1100 PJ. Das grösste Potenzial weisen Hofdünger und Waldholz auf (vgl. Grafik unten). Während Waldholz bereits heute zu einem erheblichen Teil energetisch genutzt wird, ist die entsprechende Verwertung von Hofdünger bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

BESTEHENDE SUBSTRATE BESSER NUTZEN

organisiert von der Sektion Energieforschung des Bundesamts für Energie (BFE). Gut ein Dutzend Referentinnen und Referenten erörterten, wie sich brach liegende Potenziale erschliessen und wegweisende Innovationen umsetzen lassen. Ein grosser Teil der Projekte wurde bzw. wird vom BFE unterstützt. Eine Reihe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berichtete über Forschungsprojekte, deren Zielsetzung in einer besseren Verwertung der bisher schon genutzten Substrate besteht. Im Vordergrund stand Rindergülle. Sie enthält viel Energie, diese kann aber heute nicht mit den bestehenden Verwertungspfaden genutzt werden, da die Bestandteile der Lignocellulose nicht aufgeschlossen werden können. Zusätzliche mikrobiologische Behandlungen neben der eigentlichen Vergärung sind ein Weg, um dieses Ziel zu erreichen. Ein Team um Prof. Michael Studer (Berner Fachhochschule) will dafür direkt im anaeroben Fermenter aerobe Mikroorganismen, welche im Biofilm auf einer Membran wachsen, nutzen, um die polymeren Substanzen in kleinere, wasserlösliche Moleküle zu spalten. Die Forscher um Prof. Urs Baier (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil) setzen dagegen bei der Vorbehandlung von Rindergülle und insbesondere bei faserhaltigen Substraten wie Rindermist und kommunalem Grüngut auf ein Hydrolyse-Verfahren. Beide Verfahren bestehen aus zwei Prozessschritten, wobei der erste mit Sauerstoffzugabe (aerob), und der zweite ohne Sauerstoffzugabe (anaerob) arbeitet. «Wir hoffen, mit unserem Verfahren den Ertrag an Biomethan bei der Vergärung von Rindergülle um mehr als 20 % steigern zu können», sagt Baier. Eine entsprechende Container-Pilotanlage am Standort Kompostier- und Vergäranlage Allmig bei Baar (ZG) soll Mitte 2017 in Betrieb gehen.

NEUE SUBSTRATE ERSCHLIESSEN

Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf hat in einer neuen Studie untersucht, wie viel Energie sich aus Holz (untere Reihe) und anderen Formen von Biomasse (obere Reihe) bereitstellen lässt. Die dunkelorangen Flächen zeigen das zusätzliche, bisher also nicht genutzte Potenzial.

Während Hofdünger für die Herstellung von Biogas heute schon routinemässig genutzt wird, gilt das bei biologischen Industrieabfällen erst teilweise. «Im Tessin werden industrielle Abwässer noch oft als Abfall betrachtet, dabei sind sie wertvolle Energieträger», sagt Roger König von der Fachhochschule Südschweiz (SUPSI). König untersucht in einem Projekt, ob Molke (Nebenprodukt der Käseherstellung), Fermentationsabwässer (Nebenprodukt

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BIO-MASSE der Antibiotika-Herstellung) sowie Nebenprodukte aus der Fischölherstellung für die Biogas-Produktion genutzt werden können. Sein Forschungsteam setzt dabei ebenfalls auf ein mikrobiologisches, zweistufiges Gärverfahren. Dieses arbeitet aber im Gegensatz zu den oben erwähnten Verfahren in beiden Prozessstufen anaerob, also ohne Zufuhr von Sauerstoff. Nach Aussage von Roger König lautet die Zielsetzung, die Methan-Ausbeute gegenüber dem konventionellen einstufigen Prozess um mehr als 30 % zu steigern.

Biogas lässt sich auf sehr verschiedene Arten aus Biomasse gewinnen. Ein Weg sind Kompogas-Anlagen. Aus biologischen Abfällen entstehen in einem Gärreaktor (Fermenter) Biogas und Kompost. Einen anderen Weg wollen Hans Engeli (engeli engineering) und Dr. Werner Edelmann (arbi Bioenergie GmbH) beschreiten. Sie haben in der Schweiz 64 Platzkompostierungen identifiziert. Diese könnten mit einem zusätzlichen Verfahrensschritt ergänzt werden, bei dem der Bioabfall in geschlossenen, beheizten Boxen (Fermentern)

unter Beigabe von Wasser vergärt (Perkolationsverfahren) und dabei Biogas gewonnen wird. Auf dem Weg dieser sogenannten Boxenvergärung liessen sich pro Jahr 30 Mio m3 Biogas produzieren, was – umgewandelt in Strom – dem Jahresbedarf von gut 20’000 Vier-Personen-Haushalten entspricht. «Das Potenzial ist nicht berauschend gross, aber man muss es nutzen!», ist Werner Edelmann überzeugt. Da heute Boxenvergärungsanlagen zu einem relativ günstigen Preis erhältlich sind, sei ein wirtschaftlicher Betrieb möglich, ergänzt

Eine Boxenvergärungsanlage des deutschen Anbieters BEKON GmbH.

Mit dieser Aufbereitungsanlage in der ARA Reinach (AG) wird das Klärgas gereinigt, bevor es als Biomethan ins regionale 5 bar-Erdgasnetz eingespeist wird.

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BIO-MASSE

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BIO-MASSE

Mit der Anlage am Standort der Kompostier- und Vergäranlage Allmig bei Baar (ZG) wollen For­­scher der ZHAW in Wädenswil faserreiche Biomasse vorbehandeln, um den Biogas-Ertrag zu steigern.

Anlieferung kommunaler Bioabfälle in der

Die ZHAW am Standort Wädenswil untersucht ein Hydrolyse-Verfahren zur Vorbehandlung von

Kompogas Wauwil AG.

Rindergülle, um den Biogas-Ertrag während der Vergärung zu steigern. Die Grafik illustriert den erwarteten Mehrertrag (orange) für verschiedene Substrate.

Hans Engeli. Diese Vorschläge rufen auch Kritiker auf den Plan: Sie verweisen unter anderem auf den eventuell erforderlichen zusätzlichen Platzbedarf.

AUS ABWASSER WIRD EINE RESSOURCE Es fehlt nicht an Ideen, um den Stellenwert der Bioenergie in der Schweizer Energieversorgung zu erhöhen. An der Tagung zur Bioenergieforschung in Ittigen wurde ein bunter Strauss von technischen Verfahren vorgestellt. So lässt sich das flüssige Gärgut (Presswasser) aus KompogasAnlagen durch ein Schwingsieb mechanisch von Sand und anderen Feststoffen reinigen. Das so gereinigte Presswasser lässt sich nicht nur wie bisher in der Landwirtschaft verwerten, sondern neu beispielsweise auch für die Düngung von Park- und Sport­rasen nutzen. Ein neuer Ansatz ist auch die mikrobielle Brennstoffzelle: Sie gewinnt elektrischen Strom aus Abwasser, nicht aus Wasserstoff wie die chemische Brennstoffzelle. Die mikrobielle Brennstoffzelle könnte in Zukunft in Kläranlagen gleichzeitig die organischen Schadstoffe mindern und Strom bereitstellen. In Versuchen der Fachhochschule Sitten (HES-SO Valais

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BIOGAS STATT STROM Kläranlagen und Energie – das ist schon lange eine ergiebige Paarung. Zahl­ reiche Abwasserreinigungsanlagen (ARA) produzieren in Faultürmen aus Klärschlamm Klärgas, das anschliessend in Blockheizkraftwerken (BHKW) in Strom und Wärme umgewandelt wird. Genau so wurde es über Jahre auch in der ARA Reinach (AG) gemacht. Allerdings produzierte die Anlage mehr Wärme, als in den Sommer­monaten gebraucht wurde. Deshalb beschritten der zuständige Abwasserverband und der regionale Energieversorger (IBAarau Wärme AG) einen neuen Weg: Seit jüngster Zeit wird das Klärgas (40 Nm3 / h) in einer Membran-Aufbereitungsanlage der Firma Apex AG (Däniken / SO) gereinigt und anschliessend als Biomethan ins regionale 5 bar-Erdgasnetz eingespeist. Die Produktion von ca. 2 GWh Biomethan pro Jahr reicht für die Wärmeversorgung von ca. 100 Einfamilien-Häusern. «Dank der Anlage können wir das Erdgas ein Stück weit ökologisieren», sagte Christian Müller von der IBAarau Wärme AG anlässlich der Bioenergie-Forschungstagung in Ittigen. Seit dem 1. Januar 2017 mischt die IBAarau standardmässig 10 % Biogas dem Erdgas bei. Ein Teil davon stammt unter anderem aus der neuen Anlage. Die Anlage, die vom BFE als Demonstrationsprojekt gefördert wurde, wies in der bisherigen Betriebszeit eine hohe Verfügbarkeit aus. Der Methanverlust lag bei unter 1 %. Noch einen Schritt weiter geht ein aktuelles Forschungsprojekt in der Zürcher Kläranlage Werdhölzli. Dort wird untersucht, wie sich aus Klärgas durch Zuführung von Wasserstoff eine maximale Menge Biomethan gewinnen lässt (vgl. dazu auch den Artikel «Alles nutzen, was im Klärgas steckt», abrufbar unter: www.bfe.admin.ch/CT/biomasse). BV


BIO-MASSE beträchtlichen Energieaufwands für die Belüftung der Klärbecken sparen, wie neueste Forschungsergebnisse belegen (vgl. dazu auch den Artikel «Energie­ effizienter Klärschlamm», abrufbar unter: www.bfe.admin.ch/CT/biomasse).

HINWEIS Die Dokumentation der Tagung «Bioenergieforschung in der Schweiz» vom Mai 2017 finden Sie unter: www.bfe.admin.ch/forschungbiomasse/ index.html?lang=de&dossier_id=06779

Roger König von der Fachhochschule Südschweiz hat in einem Projekt die zweiphasige anaerobe Vergärung von biologischen Industrieabfällen für die Herstellung von Biogas untersucht.

Auskünfte erteilt Dr. Sandra Hermle sandra.hermle@bfe.admin.ch Leiterin des BFE-Forschungsprogramms Bioenergie.

Im Bild: Ein Inkubator, welcher die Reaktoren auf einer konstanten Temperatur von 36°C hält.

Wallis) hat sich für diese Anwendung Urin als geeignetes Substrat erwiesen. Ebenfalls eine energetische Optimierung von Kläranlagen verspricht der Einsatz von

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granulierter Biomasse in der biologischen Reinigungsstufe von Kläranlagen (anstelle von Belebtschlamm wie bisher üblich). Auf diesem Weg lassen sich bis zu 30 % des

Weitere Fachbeiträge über Forschungs-, Pilot-, Demonstrations- und Leuchtturmprojekte im Bereich Bioenergie finden Sie unter www.bfe.admin.ch/CT/biomasse.

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BIO-MASSE

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yber Resilience bedeutet nicht, Risiken für das Unternehmen gänzlich auszuschliessen. Das ist heute unmöglich. Auch gesundheitlich kann man nur schwer verhindern, sich keine Grippeviren einzufangen, aber man kann das Ausmass der Grippe eindämmen. So ist auch der Auf- und Ausbau zielgerichteter Massnahmen zur Stärkung der Widerstandskraft gegen Cyberattacken (Cyber Resilience) unabdingbar. Den Fokus nur auf präventive Massnahmen zu legen, wäre zu kurz gegriffen. Ein systematischer Sicherheitsansatz, der sowohl das Risikomanagement, den Schutz der Informationen, die Erkennung und Reaktion auf Sicherheitsvorkommnisse sowie die Wiederherstellung und Optimierung berücksichtigt, ist heute das A und O einer erfolgreichen Cyber Security.

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NUR DIE SPITZE DES EISBERGS Gerade Betreiber von kritischen Infrastrukturen, egal ob in den Bereichen Energie, Wasser oder Verkehr, sind auf funktionierende Systeme der IT und der OT angewiesen. Dabei darf man sich aber nicht nur auf die traditionelle IT-Landschaft konzentrieren. Denn gerade ICS- und SCADASysteme benötigen durch die Zunahme der Cyberbedrohungen und Vernetzung in der Wertschöpfungskette einen umfassenden Schutz. Hackerangriffe sind nicht nur ärgerlich, sondern können auch enorme Kosten und einen riesigen Imageschaden verursachen. Aktuelle Daten belegen, dass immer mehr Schweizer Unternehmen ins Visier der vermutlich russischen APT-Gruppe Energetic

Bear (aka. Dragonfly) geraten. Diese Gruppe greift seit 2010 vornehmlich Industrieunternehmen und (Energie-)Versorger an. Die zwei bekanntesten Angriffe, welche dieser Gruppe zugeschrieben werden, führten 2015 und 2016 zu einem grossräumigen Ausfall der Energieversorgung in der Ukraine. Die Angreifer verwendeten dabei komplexe Malware, die gezielt für Angriffe auf OPC Server und dahinterliegende SCADA-Netze entwickelt wurde. Darüber hinaus wurden auch gezielt vertrauliche Dokumente und E-Mails gesammelt. Die Ex-Filtration der Daten erfolgte gut getarnt über Plattformen wie Dropbox oder z. B. DNS. Das Internet ist ein digitales Schlachtfeld. Ein Schlachtfeld, auf dem immer professioneller politische und wirtschaftliche Schlachten ausgetragen und Daten


IT-SICHERHEIT gestohlen werden. Inzwischen entstehen täglich fast 400’000 neue Schadprogramme – in teilweise geringer Variation – das sind beinahe fünf pro Sekunde!

CYBER SECURITY BRAUCHT SYSTEM Diese Entwicklung macht klar: Betreiber kritischer Infrastrukturen sind gut beraten, sich konsequent mit aktuellen und neuen Risiken auseinander zu setzen und der Informationssicherheit das nötige Gewicht beizumessen. Die Cyber Security-Strategie bildet dabei den bereichsübergreifenden, strategischen Rahmen. Internationale Standards wie ISO 27001 oder das NIST Cyber Security Framework bieten dazu ein anerkanntes Modell für die Errichtung, Umsetzung, Überprüfung und kontinuierlichen Verbesserung der eigenen Cyber Security. Gleichzeitig werden die drei Dimensionen Technologie, Prozesse und nicht zuletzt der Mensch beleuchtet. Es hat sich gezeigt, dass gerade das systematische Vorgehen einen erheblichen Mehrwert bietet. Dazu zählen u. a. ein gezieltes Risikomanagement, der Aufbau eines angemessenen Sicherheitskonzeptes und einer geeigneten Sicherheitsarchitektur, die Definition von Sicherheitsrichtlinien und -prozessen sowie der Aufbau einer Notfallplanung und die Sicherheitssensibilisierung der Mitarbeitenden.

(ICT-)SICHERHEITSMAUERN REICHEN NICHT AUS Unternehmen können und müssen sich auf Cyberattacken vorbereiten – dies gilt insbesondere auch für Betreiber kritischer Infrastrukturen. Der Schutz von Netzwerken und Unternehmenswerten wird aber immer schwieriger; insbesondere vor anspruchsvollen Attacken, die durch herkömmliche Sicherheitssysteme oft nicht mehr erkannt werden. Daher müssen Unternehmen heutzutage davon ausgehen, dass ihre Systeme bereits infiltriert sind – oder dass sie nächstens Opfer einer Attacke werden. Unternehmen müssen hinsichtlich ihrer Cyber Security umdenken und dürfen sich nicht nur auf (immer) höhere ICT-Sicherheitsmauern verlassen. Der Architektur von ICS- und SCADA-Systemen innerhalb des Unternehmensnetzwerks kommt dabei eine enorme Bedeutung zu. Einer der wichtigsten Aspekte neben der System-Redundanz stellt dabei die optimale Segmentierung der Netzwerke, Betriebsfunktionen, Einzelelemente und Überwachung der so geschaffenen Zonenübergänge dar, welche die BusinessProzesse optimal abdeckt und unterstützt.

CYBER DEFENCE AUS DER SCHWEIZ Das Schweizer Unternehmen InfoGuard mit Sitz in Zug und Bern hat sich auf Cyber Security und Cyber Defence spezialisiert. Im Mai hat InfoGuard ein neues, 250m2 grosses Cyber Defence Center eröffnet. Die Services umfassen u. a. Security Infor­ mation & Event Management (SIEM), Vulnerability Management, Breach Detection sowie Cyber Threat Intelligence, APT Hunting, Incident Response und Forensik. Das neue CDC verfügt über ein mehrstufiges, physisches Sicherheitskonzept, wobei die Sicherheitssysteme rund um die Uhr, während 365 Tagen im Jahr, überwacht werden.

Zudem geht der Trend klar in Richtung einer intensiveren Überwachung von Sicherheitssystemen und der Erkennung von Vorfällen, wie es auch das NIST Cyber Security Framework empfiehlt. Ein simulierter Cyberangriff kann dabei wertvolle Erkenntnisse liefern. Es braucht aber auch neue Sicherheitsansätze, bei welchen die Detektion im Vordergrund steht und die Reaktion auf Angriffe ein wesentlicher Bestandteil der IT-Prozesse ist. Dazu braucht es ein Cyber Defence Center (CDC). So lässt sich die Prävention zielgerichtet und kontinuierlich verbessern.

neuen Bedrohungen und Schwachstellen unerlässlich. Zur Kontrolle sollten daher regelmässig System Audits, Penetration Tests und Vulnerability Scans durchgeführt werden. Nur so kann die Sicherheit an die aktuelle Risikosituation angepasst und optimiert werden. Es empfiehlt sich bewährte Best-Practice-Ansätze der Cyber Security auch auf die ICS- und SCADANetze zu adaptieren.

CYBER DEFENCE CENTER ALS DREH- UND ANGELPUNKT In einem solchen Center laufen alle Fäden zur Erkennung, Analyse und Abwehr von Cyberangriffen zusammen. Cyber Defence ist eine anspruchsvolle Arbeit – und geht weit über Netzwerk-Monitoring hinaus. Und da Attacken rund um die Uhr erfolgen, muss ein CDC sieben Tage, während 24 Stunden, funktionieren. Selbstlernende Systeme und Lösungen auf Basis Künstlicher Intelligenz entlasten die Spezialisten bei der Erkennung von Angriffen. Diese gilt es zu nutzen – gerade weil in diesem Bereich auch weitere Fortschritte zu erwarten sind, die ein CDC noch effizienter machen. Die Risikosituation und Bedrohungslage ändert sich aber stetig. Aus diesem Grund sind regelmässige Überprüfungen des Sicherheitsdispositivs nach

WEITERE INFORMATIONEN Markus Limacher Principal Cyber Security Consultant InfoGuard AG Lindenstrasse 10 CH-6340 Baar

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IT-SICHERHEIT

ERFOLGREICHE IT-SICHERHEIT GEHT ALLE AN Egal welche Informationssicherheitsstudie gelesen wird, immer wird der Mensch als schwächstes Glied der Schutzkette bezeichnet. Je nach Studie sind bis zu 90 % der Vorfälle die eigenen Mitarbeitenden. Oft steckt gar keine Absicht dahinter, sondern Unwissenheit oder einfach nur Bequemlichkeit. Eine regelmässige Awareness hilft, mögliche erfolgreiche Angriffe zu reduzieren. Von Andreas Wisler

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ährend heutige Technik nur zwischen Schwarz und Weiss entscheiden kann, erkennt der Mensch auch die Zwischenfarben. Antiviren-, Antispam- und Firewallsysteme versuchen anhand von Mustern oder Abweichungen zu erkennen, ob es sich um einen Angriff handelt oder nicht. Doch die Hacker auf der anderen Seite schlafen nicht und versuchen immer wieder über neue Wege durch die Barrieren zu gelangen. So gelangen E-Mails und Webseiten durch die Filter bei den Mitarbeitenden. Diese müssen nun entscheiden, klicke ich oder klicke ich nicht.

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Viele Angriffe werden mittels E-Mail durchgeführt. Mit so genannten PhishingE-Mails wird versucht, die Person in Sicherheit zu wiegen und sie zu verleiten, auf den Link oder das Attachment zu klicken. Entweder der Virus versteckt sich bereits in der E-Mail oder in der aufzurufenden Webseite. Auch kann es sein, dass der Link zu einer Seite führt, wo ein Login abgefragt wird. Unbedarft werden dann die Zugangsdaten eingegeben, sieht ja so aus, wie bei uns in der Firma oder bei Facebook, und schon sind persönliche Daten in fremden Händen.

Awareness-Massnahmen helfen, die Angriffsfläche zu reduzieren. Doch dies ist gar keine einfache Aufgabe. Laut einer NIST-Studie von Oktober 2016 sind 63 % der befragten Personen Security-Müde. Als Gründe dafür werden zu viele Informationen, falsches Niveau, zu wenig konkrete Handlungsanweisungen oder Hilflosigkeit genannt. Dies zeigt, wie diffizil eine erfolgreiche Awareness-Kampagne ist. Wie können nun IT-Sicherheitsbeauftragte reagieren? Nichts tun? Regelmässig E-Mails ver-


IT-SICHERHEIT schicken? Angst oder Vorwürfe machen? Oder alle zwei Jahre eine Schulung durchführen? Vermutlich wird nichts davon zum Ziel führen, die Informationssicherheit nachhaltig zu erhöhen. Wichtig ist, die verschiedenen Menschen und Lerntypen (nach Vester) zu motivieren, so dass die visuellen, auditiven, kognitiven und haptischen Sinne angesprochen werden. Folgende Möglichkeiten stehen dabei als Möglichkeiten zur Verfügung: • Social Engineering-Angriffe Per Phishing-E-Mails, Telefon oder persönlich vor Ort wird versucht, an Informationen zu kommen. Selber das Gefühl zu spüren, «Mist, ich bin reingefallen», hilft auch gut gefälschte E-Mails in Zukunft zu erkennen. Wichtig ist aber, nie den Menschen persönlich bloss zu stellen. Daher sollte die Auswertung anonym erfolgen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein persönlicher Angriff die Psyche eines Menschen negativ beeinflussen kann. • Präsentationen

Der interne Spezialist hat es hier oft schwer. Fremden Propheten wird viel eher vertraut. Gut geschulte Referenten können die Mitarbeitenden auf allen Ebenen ansprechen. Live Demos zeigen,

wie Hacker vorgehen, welche Tools sie einsetzen und die Wirkung bleibt oft lange im Hinterkopf bestehen.

• Gadgets

Wer hat nicht gerne ein «Spielzeug»? Security-Gadgets erinnern immer wieder an das Gelernte.

• E-Mails

E-Mails sollten mit Bedacht eingesetzt werden. Die Mitarbeitenden versinken heute in einer Flut von E-Mails, da werden solche «unwichtigen» Nachrichten gerne auf später verschoben. Bei wichtigen und akuten Ereignissen ist es jedoch die schnellste Möglichkeit, alle zu informieren.

• Plakate

Auch Plakate sind eine gute Möglichkeit, auf bestimmte Punkte aufmerksam zu machen. Zum Beispiel, wie sichere Passwörter erstellt werden oder wie die internen Weisungen aussehen. Auch hier gilt, zurückhaltend verwenden.

• Videos

Der Mensch reagiert viel intensiver auf bewegte Bilder. Die Videos können bestimmte Situationen eindrücklich zeigen. Gut gemachte Videos helfen, Wissen effektiv zu vermitteln. Aber auch hier sollten nicht zu viele Videos auf einmal gezeigt werden. • E-Learning

Der Vorteil von E-Learning-Plattformen ist, dass sich alle Mitarbeitenden dann weiterbilden können, wenn sie Zeit dafür haben. E-Learning-Plattformen sind oft eine Kombination aus Texten, Situationen, Videos und Audio-Dateien. Gleichzeitig kann eine Lernkontrolle anhand Tests erfolgen.

Ein Werkzeug alleine kann die Infor­ mationssicherheit bereits erhöhen. Doch dies klingt schnell wieder ab. Der Alltagsstress lässt das Gelernte wieder in Vergessenheit geraten. Regelmässige Awareness bringt oft mehr, als eine e­inzelne Schulung. Getreu dem Motto «steter Tropfen höhlt den Stein», sollten in geplanten Abständen verschiedene Aktionen durchgeführt werden. Die ­M itarbeitenden sollen spüren, dass sie eine wichtige Rolle in der Informationssicherheit haben. Wenn alle am gleichen Strick – und vor allem auf der gleichen Seite – ziehen, kann die Angriffsfläche für erfolgreiche Angriffe massiv reduziert werden.

WEITERE INFORMATIONEN www.goAware.ch Andreas Wisler Inhaber und Senior Security Auditor der goSecurity GmbH www.goSecurity.ch Link zur Studie: nist.gov/news-events/news/2016/10/ security-fatigue-can-cause-computerusers-feel-hopeless-and-act-recklessly

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SICHERHEIT

NEUES BRANDSCHUTZKONZEPT FÜR GEBÄUDEINSTALLATIONEN Interview mit Kimberly Iseli, Marketing Manager Switzerland

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arum sollte Brandschutz ein Thema sein? Durchschnittlich werden 30 % aller Brände durch einen elektrischen Defekt verursacht. Die Statistiken variieren von Land zu Land, da elektrisch gezündete Brände unterschiedlich definiert werden. In Europa führen Brände jährlich zu ca. 4 000 Todesfällen, 70’000 Verletzten, die stationär behandelt werden, und zu Kosten von € 126 Mrd.. In der Schweiz gibt es gemäss dem BFB Beratungsstelle für Brandverhütung jährlich über 20’000 Brände mit über 600 Mio. Schweizer Franken Sachschaden. Die gefährlichsten Brandstifter sind auch hier Strom und elektrische Geräte. Durch den verbreiteten Einsatz von Technologien wie Rauchmeldern konnte das Schadensausmass von Bränden reduziert werden. Es können jedoch noch weitere Massnahmen ergriffen werden. Fehlerlichtbögen sind eine Ursache von elektrischen Bränden, die von den konventionellen und häufig verwendeten Schutzschaltgeräten nicht erkannt werden. Diese Sicherheitslücke kann nur mit FehlerlichtbogenSchutzeinrichtungen geschlossen werden. Durch moderne Schutzschaltgeräte können Brandschäden minimiert und der Ausbruch eines Feuers häufig verhindert werden. Was ist ein Fehlerlichtbogen? Fehlerlichtbögen können auch als «Mikroblitze» beschrieben werden. Im Gegensatz

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zu grossen Blitzen, die in der Atmosphäre bei Unwettern auftreten, können Mikroblitze in Kabeln und Leitungen bei festen Installationen oder bei angeschlossenen Geräten auftreten. Der Begriff Fehlerlichtbogen beschreibt bogenförmige Ströme im Nennstrom- oder Betriebsstrombereich eines Systems (meistens weniger als 125 A). Diese treten vorwiegend in Niederspannungsanlagen auf und können lange Zeit unentdeckt bleiben. Sie können beispielsweise durch gebrochene, gequetschte oder beschädigte Kabel und Leitungen sowie lose Klemmstellen und Defekte an der Isolierung verursacht werden. Fehlerlichtbögen treten normalerweise als serielle Bögen an einer Leitung oder einer Schneidklemme auf. Unter Umständen entstehen sie auch als parallele Bögen zwischen Phase und Nullleiter. Fehlerlichtbögen können nur mit einer Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung zuverlässig entdeckt und unterbrochen werden. Selbst Fehlerlichtbögen mit nur wenigen Ampere können das Umgebungsmaterial an der Fehlerstelle entzünden. Fehlerlichtbögen können plötzlich auftreten oder sich über einen Zeitraum von Monaten oder Jahren entwickeln und so ein unbemerktes Brandrisiko darstellen. Was sind die häufigsten Ursachen von Fehlerlichtbögen? Die häufigsten Ursachen von Fehlerlichtbögen sind gequetschte Leitungen, Schäden an der Isolierung einer Leitung durch

Nägel, Schrauben oder Bohrer, das Alter der elektrischen Anlage, gebrochene Kabel, Schäden durch UV-Strahlen und Haustieroder Nagetierbisse, lose Kontakte und Verbindungen sowie abgeknickte Stecker und Leitungen. Wie kann dies verhindert werden? Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen überwachen Leitungen digital auf bestimmte Frequenzen, die auf einen Fehlerlichtbogen hinweisen können. Sie sollten zusammen mit Leitungsschutzschaltern, die mithilfe von thermischer und magnetischer Erkennung Gefahren durch Kurzschluss und Überströme ermitteln können, und Fehlerstromschutzschaltern verwendet werden, die mithilfe eines Differenzstromwandlers Erdschlüsse erkennen. Die Kombination dieser drei Komponenten hilft, das Risiko von elektrisch gezündeten Bränden zu minimieren. Der neue AFDD+ Brandschutzschalter inklusive FI/LS von Eaton bietet alle drei Funktionen in einem Gerät (eine Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung, einen Leitungsschutzschalter und einen Fehlerstromschutzschalter). Sind Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen nicht verpflichtend? Der relevante Standard IEC 60364-4-42 empfiehlt die Installation von Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen in einigen Gebäudetypen. Dazu gehören Gebäude mit Schlafgelegenheiten, hohe Gebäude und Gebäude, die brennbare Stoffe oder wertvolle Gegenstände enthalten. Der


SICHERHEIT Standard wurde im November 2014 aktualisiert, um die Rolle der FehlerlichtbogenSchutzeinrichtungen entsprechend zu berücksichtigen. Zu den Änderungen an diesem Standard gehören zusätzliche Anforderungen für die automatische Abschaltung im Fall von gefährlichen Bögen und ein Anhang, der detaillierte Informationen über Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen enthält. Der Standard entspricht nun dem neuesten Stand der Technik bei den Methoden für den Schutz vor thermischen Gefahren in Niederspannungsanlagen. Er ist weltweit anwendbar, sofern nicht nationale Gesetze verletzt werden. Die Installation von FehlerlichtbogenSchutzeinrichtungen ist jedoch nur in jenen Ländern verpflichtend, in denen besondere Regeln gelten. In Deutschland schreibt beispielsweise der Standard VDE 0100-420:2016-02 die Installation von Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen in bestimmten Gebäuden vor. In anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel in der Schweiz, wurde die Empfehlung des Standards IEC 60364-4-42 in nationale Richtlinien und Rahmenwerken zur Standardisierung aufgenommen. Sollten Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen nachträglich in bestehenden Gebäuden installiert werden? Die Nachrüstung wird nur gesetzlich vorgeschrieben, wenn das elektrische System umfassend durch Erweiterung oder Modifikation geändert wird. Ältere elektrische Anlagen, die aus der Zeit vor der Einführung von Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen stammen, sind jedoch anfällig für elektrisch gezündete Brände, da das System keine Möglichkeit zur Fehlerlichtbogenerkennung aufweist. Eine Nachrüstung bietet sich an, wenn das Risiko von Schäden

besteht und die Anwendung eines effektiven Schutzes technisch möglich ist. In den meisten Fällen kann ein AFDD+ Brandschutzschalter inklusive FI / LS jederzeit in eine Anlage integriert werden. Warum sollten Planer und Elektroinstallateure einen AFDD+ Brandschutzschalter inklusive FI / LS einbauen? In Ländern, in denen die Installation von Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen nicht verpflichtend ist, hängt die Verwendung dieser Geräte von der Einschätzung dieser verantwortlichen Personen ab. Elektroinstallateure haben beispielsweise die Verantwortung, die höchste Sicherheitsstufe gemäss den Empfehlungen in den Standards einzubinden. Bei einem grösseren Brand könnte angenommen werden, der Elektroinstallateur sei nicht den Industrieempfehlungen gefolgt, die den Schaden hätten verhindern können. In Fällen, in denen Schäden oder Verletzungen hätten vermieden werden können und in denen eine Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung empfohlen ist, wird der Elektroinstallateur verantwortlich gemacht, wenn er die Installation des empfohlenen Schutzes ohne plausiblen Grund unterlassen hat. Die Installation von Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen bietet den Elektroinstallateuren, den Planern / Beratern und den Eigen­ tümern der Immobilie Ruhe und Sicherheit. Die Geräte schützen nicht nur das Leben der Bewohner sondern auch den Ruf eines Fachmannes. Darüber hinaus ist das Engagement für eine höhere Sicherheitsstufe ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich mit der Konkurrenz. Die Anfangskosten müssen gegen die Wertsteigerung abgewogen werden, die eine solche Schutzmassnahme bringt. Was bietet Eaton? Neben den Überspannungsfehlern, die Isolierungen beschädigen können, gibt es drei Haupttypen bei den Fehlerströmen, die eine Gefahr darstellen: Kurzschlüsse, Überströme, Erdschlussströme und Fehlerlichtbögen. Eaton hat modernste Geräte im Angebot, die Schutz gegen alle Gefahren bei Fehlerströmen bieten. Der AFDD+ Brandschutzschalter inklusive FI / LS bietet die höchste Schutzstufe. Durch die ausgefeilte Digitaltechnik wird die Empfindlichkeit gegenüber den Fehlerströmen erhöht und das Risiko von störenden Fehlauslösungen reduziert. Der AFDD+ Brandschutzschalter inklusive FI / LS von Eaton ist ein 3-in-1-Gerät, das die

Funktionen eines Leitungsschutzschalters, eines Fehlerstromschutzschalters und einer Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung kombiniert und so vollständigen Schutz bietet. In dem neuen Gerät sind also alle Funktionen einer Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung, eines Leitungsschutzschalters und eines Fehlerstromschutzschalters vereint. Die Kompetenz von Eaton beim Schutz vor elektrischen Gefahren ist das Ergebnis umfassender Forschung. Expertenwissen und Technologie werden von Eaton seit über 100 Jahren ständig weiterentwickelt. Eaton hat eine Kampagne gestartet, um das Brandrisiko durch Fehlerlichtbögen und die Bedeutung von in Wohngebäuden installierten Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Kampagne umfasst eine Webseite mit Informationen, Leitfäden und ein neues Whitepaper.

HINWEIS Erfahren Sie mehr unter www.eaton.com/ch/livesafe

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KERNENERGIE

Gesteinsschichten kilometertief abbilden: Vibrationsfahrzeuge senden seismische Wellen durch den Untergrund.

FORSCHEN ZWISCHEN VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT Die Nagra blickt bei ihrer Arbeit 175 Millionen Jahre in die Vergangenheit und 1 Million Jahre in die Zukunft

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aum ein Radiosender oder eine Zeitung hat nicht darüber berichtet: Die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) hat sechs Regionen miteinander verglichen und zwei davon als gut geeignete Standorte für ein geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle vorgeschlagen, Jura Ost im Kanton Aargau und Zürich Nordost im Kanton Zürich. Das Auswahlverfahren für die Lagerstandorte läuft unter der Leitung des Bundes. Bevor das Verfahren in die letzte Etappe geht, prüfen die Sicherheitsbehörden des Bundes die Vorschläge der Nagra. Nicht nur die Gesteins- schichten müssen in diesen Regionen nun weiter untersucht werden, für den Nachweis ein Tiefenlager sicher betreiben zu können, führt die Nagra auch grosse Forschungsexperimente durch.

DIE FACHWELT IST SICH HEUTE EINIG Geologen, Chemiker, Physiker und Ingenieure sind gefordert. Sie bearbeiten ein Projekt, das auf mehrere Tausend Jahre ausgelegt ist – ein unvorstellbarer Zeit­ horizont. Aber in den vergangenen Jahren haben Wissen- schaftler enorme Fortschritte gemacht. Die Fachwelt ist sich heute einig: Der tiefe Untergrund ist die sicherste Lösung, um Mensch und Umwelt langfristig – für 1 Million Jahre – vor den Auswirkungen radioaktiver Abfälle zu

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schützen. Die Radioaktivität klingt sehr langsam ab. An der Erdoberfläche würde der Abfall früher oder später zu einer grossen Gefahr: Sabotage, Krieg oder Erdbeben sind mögliche Szenarien.

UNTERGRUND DURCHLEUCHTEN Um den sichersten Standort zu finden, forscht die Nagra intensiv – Über- und Untertage. Von der Oberfläche aus wird mit einer Messmethode, der Seismik, der Untergrund durchleuchtet. Vergleichbar mit Echolot auf Schiffen, bildet die Seismik Gesteinsschichten bis in Tiefen von mehreren Kilometern ab. So erkennen die Wissenschaftler, wie tief sich das 175 Millionen Jahre alte Wirtgestein befindet und wie mächtig die Schicht ist, wo einst die Abfälle eingelagert werden sollen. Auch grosse Störungen, die am Standort nicht vorhanden sein dürfen, werden abgebildet.

TESTLAUF FÜR DAS TIEFENLAGER Während die Gesteinsschichten der Vergangenheit von Übertage aus untersucht werden, blicken die Forscher Untertage in die Zukunft: Im Felslabor Mont Terri, im Kanton Jura, führen die Wissenschaftler einen Testlauf für ein Tiefenlager durch. In einem Lagerstollen haben sie drei Versuchsbehälter im Massstab 1:1 eingebracht und mit einem quellenden Tongemisch verfüllt. Sie wollen herausfinden, wie sich

die Wärme auf das Tongemisch und das umliegende Gestein auswirkt, denn hochaktive Abfälle geben auch nach Jahrzehnten noch Wärme ab. Hunderte Messinstrumente zeichnen kleinste Veränderungen im umgebenden Gestein über Jahrzehnte auf. Das Experiment ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem sicheren geologischen Tiefenlager.

HINWEIS Werfen Sie einen Blick zwischen Vergangenheit und Zukunft Felslabor Mont Terri, St-Ursanne (Jura) und Felslabor Grimsel (Bern) Sie erhalten Einblick in die grossen Experimente der Nagra und der internationalen Partner der Felslabors. Das Felslabor Mont Terri wird vom Bundesamt swisstopo und das Fels­labor Grimsel von der Nagra betrieben. Der Besuch ist kostenlos. Gruppen ab 10 Personen sind willkommen. Anmeldung Renate Spitznagel Telefon  + 41 (0) 56 437 12 82 Mehr Information unter www.mont-terri.ch oder www.nagra.ch


KERNENERGIE

Was ist geplant? Wo wird gebaut? Wie viele sind in Betrieb? Entdecken Sie die Welt der Lager und Kernkraftwerke! www.nuclearplanet.ch

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KERNENERGIE

NUKLEARFORSCHUNG FÜR HEUTE UND MORGEN Die Nuklearforschung hat in der Schweiz eine lange Tradition und trotz des beschlossenen Atomausstiegs auch eine Zukunft. Am Paul Scherrer Institut, dem grössten Forschungsinstitut des Landes, steht die Sicherheit der heutigen Kernkraftwerke im Zentrum. In Lausanne wird derweil die Energiezukunft erforscht.

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m Mai 2017 hat die Schweiz den schrittweisen Atomausstieg beschlossen. Nach dem Willen des Parlaments ist das ausdrücklich kein Technologieverbot. Entsprechend soll die Nuklearforschung in der Schweiz Zukunft haben. Ihre Geschichte geht weit zurück. Der erste Kernreaktor der Schweiz ist 1957 auf dem Gelände des heutigen Paul Scherrer Instituts (PSI) in Betrieb gegangen. Der Forschungsreaktor Saphir lieferte bis 1994 wichtige Erkenntnisse. In der Folge kamen zwei weitere Forschungsreaktoren hinzu: Diorit war von 1960 bis 1994 in Betrieb und Proteus von 1968 bis 2011. Heute erzeugen die Kernkraftwerke (KKW) im Mittel rund 40 % des in der Schweiz produzierten Stroms. Neben vielen anderen Themen forschen am PSI Wissenschaftler und Ingenieure an unterschiedlichen Fragestellungen zur Kernenergie und tragen so zum sicheren Betrieb der KKW bei.

WICHTIGE ERKENNTNISSE AUS DEN «HEISSEN ZELLEN» Das Materialverhalten in Reaktoren und die Alterung von KKW sind wichtige Themen der Forschungsabteilung «Nuclear Energy and Safety» (NES). Ausführliche Unter-

suchungen von ausgedienten Brennstäben bilden die Kernaufgabe des Hotlabors des NES. Mit modernen Analysemethoden untersuchen Forschende in dieser schweizweit einzigartigen Anlage hochradioaktive Materialien in abgeschirmten Kammern, den sogenannten «Hotzellen». Im Mittelpunkt steht dabei die kontinuierliche Verbesserung des Designs der Brennstäbe, sodass aus einem sicher eingeschlossenen Brennstoff möglichst viel Energie gewonnen werden kann. Auch in der Aufarbeitung von Ereignissen in Nuklearanlagen leistet das NES wichtige Arbeit. Aktuell werden zum Beispiel die Hüllrohroxidationen untersucht, die an Brennstäben des KKW Leibstadt beobachtet wurden. Die Erkenntnisse aus solchen Untersuchungen dienen einerseits der Nuklearaufsichtsbehörde zur Überprüfung der Anlagen- und Betriebssicherheit, die im konkreten Fall laut dem Leiter der NES-Division jederzeit uneingeschränkt gewährleistet war. Andererseits hilft das NES damit den KKW-Betreibern, die Ursachen für solche Anomalien zu finden, und unterstützt sie bei der Behebung. Im Fall von Leibstadt beraten NES-Experten

Gegen Strahlung abgeschirmte Zelle des Hotlabors am Paul Scherrer Institut

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die Operateure bei der Anordnung der Brennelemente im Reaktorkern, die einen Einfluss auf die Belastung der einzelnen Brennstäbe hat. PSI-Forschende analysieren ausserdem die Verläufe von Reaktorunfällen und erarbeiten Massnahmen zur Unfallverhütung und zur Begrenzung entstandener Schäden. So helfen Vertreter des NES in einem internationalen Projekt dabei, die Vorgänge im Innern der Reaktorkerne beim Unfall von Fukushima nachträglich zu rekonstruieren. Diese Arbeiten helfen, die Dekontaminierungsarbeiten im havarierten Werk vorzubereiten und ebnen den Weg für spätere detaillierte Untersuchungen des Unfallhergangs. Auch Vorgänge, die für den Rückbau von Nuklearanlagen und die Lagerung radioaktiver Abfälle von Bedeutung sind, erforscht das NES.

EINE WELTWEIT EINZIGARTIGE LICHTQUELLE Neben den KKW-Betreibern und der Nuklearaufsicht unterstützt das NES Grossforschungsanlagen, sowohl PSI-intern als auch anderswo. Im Hotlabor werden radioaktive Mikro-Proben für Experimente in der Synchrotronlichtquelle Schweiz (SLS) des PSI hergestellt. Die SLS dient als eine Art riesiges Röntgen-Mikroskop der Beobachtung und Aufklärung von Vorgängen auf atomarer oder molekularer Skala. Mit Synchrotronlicht «durchleuchten» Forschende unterschiedlichste Materialien. So können sie den detaillierten Aufbau kleinster Strukturen bis auf Nanogrösse bestimmen. Die SLS ist eine der Anlagen des PSI, die auch externen Forschenden zur Verfügung stehen. Solche Grossanlagen sind für die meisten Forschergruppen zu teuer und aufwändig, um sie selbst zu bauen und betreiben. Alle Forschenden, die sich durch die Nutzung von Neutronen, Myonen oder Synchrotronlicht Antworten auf ihre Fragestellungen erhoffen, können sich


Modell der Synchrotronlichtquelle Schweiz SLS

beim PSI um Messzeit bewerben. Internationale Expertenkomitees bewerten die wissenschaftliche Qualität dieser Anträge und empfehlen dem PSI, welche von ihnen Messzeit bekommen sollen. Die Messzeit ist für akademische Forschende kostenlos, wenn sie ihre Befunde anschliessend publizieren. Nutzer aus der Industrie hingegen können in einem besonderen Verfahren Strahlzeit kaufen und die Anlagen des PSI für ihre angewandte Forschung verwenden.

BEI DER SONNE ABGESCHAUT Ziemlich genau 170 km südwestlich vom PSI forscht die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) an der Energieversorgung der Zukunft. Das Swiss Plasma Center (SPC) gehört zu den weltweit führenden Laboratorien in der Fusionsforschung. Bei der Fusion entsteht die Energie, anders als in heutigen Reaktoren, nicht aus der Spaltung von Atomkernen, sondern aus deren Verschmelzung. Dieser Vorgang findet auch im Innern der Sonne statt. In einem Fusionsreaktor wird Wasserstoff auf über 100 Millionen Grad Celsius erhitzt und zu Helium verschmolzen. Bei solchen Temperaturen befindet sich Materie im vierten Aggregatszustand, dem Plasma. Die physikalischen Eigenschaften dieses Plasmas erforscht das SPC mit dem TCV Tokamak. Der Tokamak ist neben dem Stellarator die vielversprechendste Auslegung eines Fusionsreaktors. In Südfrankreich befindet sich mit dem International Thermonuclear Experimental Reactor (Iter) eine Tokamak-

Demonstrationsanlage im Bau, mit der erstmals mehr Energie produziert als verbraucht werden soll. Ist diese Hürde einmal überwunden und der konstante Betrieb gewährleistet, steht der Menschheit eine schier unerschöpfliche Energiequelle zur Verfügung, die erst noch viel weniger und kurzlebigeren radioaktiven Abfall hinterlässt als heutige Technologien. Die Resultate der Forschung in Lausanne fliessen in die Entwicklung von Iter und anderen Fusionsanlagen ein. Darüber hinaus betreibt das SPC auch Auftragsforschung für die Industrie, zum Beispiel zur Herstellung speziell beschichteter Verpackungen mit Plasmatechnologie.

unterstützt Firmen in der Schweiz und im Ausland bei der Entwicklung und Optimierung von Abläufen und Produkten. Die Forschenden tragen auch erheblich zur Sicherheit unserer KKW und der künftigen Tiefenlager für radioaktive Abfälle bei. Heute und mittelfristig ist der Weiterbetrieb der Forschungsanlagen gewährleistet. Mit dem Ausstieg der Schweiz aus der Kernenergienutzung dürften jedoch neue Herausforderungen bei der Finanzierung entstehen.

Die Schweizer Nuklearforschung rangiert auf internationalem Spitzenniveau. Sie

Nuklearforum Schweiz www.nuklearforum.ch

WEITERE INFORMATIONEN

Der TCV Tokamak der EPFL

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WASSERWIRTSCHAFT

WASSERKRAFT-INVESTMENTS FÜR INSTITUTIONELLE INVESTOREN Erneuerbare Energien haben sich in der Sachwert-Allokation institutioneller Investoren in den vergangenen Jahren zunehmend etabliert. Wasserkraft als eine der ältesten Energiequellen ist bislang unterrepräsentiert. Dabei wäre eine Ergänzung um Wasserkraft im Portfolio-Zusammenhang sinnvoll: Sowohl in der Diversifikation gegenüber Windenergie und Photovoltaik als auch durch das Auszahlungsprofil zur Gegenüberstellung langfristiger Verbindlichkeiten. von Jan Erik Schulien

WASSERKRAFT IN DER EUROPÄISCHEN UNION Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung hat sich in der Europäischen Union in den vergangenen Jahren deutlich erhöht und liegt laut Eurostat insgesamt inzwischen bei etwa 29 % des Bruttostromverbrauchs. Wasserkraft liegt gemessen an der installierten Kapazität aufgrund seiner historischen Bedeutung weiterhin deutlich vor Windenergie und Photovoltaik, wobei der Ausbau der Erzeugungskapazitäten neuerer Energieformen in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen ist. Wasserkraft zeichnet sich durch eine grosse Konstanz sowie eine geringe Korrelation zu den Assetklassen Photovoltaik und Windenergie aus; diese liegt üblicherweise bei < 0,3. Wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht, eignet sich Wasserkraft sehr gut zur

Diversifikation über verschiedene Erneuerbare Energien-Investments. Wie auch bei Windenergie- und Photovoltaikanlagen nimmt die Schwankung grundsätzlich ab, wenn nicht einzelne Anlagen, sondern ein Portfolio analysiert wird. Dies gilt insbesondere im Vergleich zur Windenergie, da diese eine besonders grosse Abhängigkeit vom Mikrostandort zeigt. Photovoltaik hingegen weist strukturell eine deutlich höhere Schwankung über Tageszeiten hinweg auf. Im Ergebnis unterscheiden sich die Lastenprofile der drei Arten Erneuerbarer Energien deutlich voneinander – was eine Port­ foliozusammenstellung umso attraktiver macht. Die Technische Universität Wien hat die Diversifikationsvorteile eines kombinierten Portfolios aus Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik 2011 in einer Studie1 quantifiziert. Bei gegebenen Erträgen verringert sich die durchschnitt-

Schematische Darstellung; Abweichungen hiervon sind im Detail möglich. Quelle Aquila Capital

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liche Volatilität des Portfolios. Es lassen sich also deutliche Stabilisierungseffekte auf Portfolioebene durch Streuung über Assetklassen und Regionen erzielen. Unserer Einschätzung nach, ist die Ergänzung des Erneuerbare EnergienPortfolios durchaus sinnvoll, insbesondere um kleine Laufwasserkraftwerke. Diese haben deutlich geringere Anfangsinvestition und lassen sich dafür gut zu Portfolios zusammenstellen, um schon auf dieser Ebene eine Diversifikation über verschiedene Regionen zu erreichen. Zudem sind die Betriebskosten dieses Kraftwerkstyps vergleichsweise niedrig und die Errichtungsdauer mit 6–24 Monaten relativ kurz. Topografisch und hydrologisch sind etwa die Alpenregion und Skandinavien ideale Standorte. Aufgrund des grösseren Zubaupotenzials steht für uns aktuell Skandinavien im


WASSERWIRTSCHAFT

Fokus – insbesondere Norwegen, das zunehmend zur «Batterie» Europas wird. Das Marktwachstum resultiert aus verschiedenen Aspekten: Der Bau von Interkonnektoren wie etwa Nordlink, das Norwegen künftig über ein Unterseekabel mit Büsum verbindet, führen einerseits zu einer höheren Versorgungssicherheit, andererseits auch zu einer steigenden Nachfrage. Analysten rechnen durch den Ausbau dieser Interkonnektoren bis 2030 mit einer Verdopplung der Handelskapazitäten für Nordeuropa. Parallel besteht seitens der regionalen Energieversorger ein hoher Kapitalbedarf, da etwa die Stromnetze durch die regionalen Energieversorger modernisiert und ausgebaut werden müssen. Dies ermöglicht professionellen Investoren den Einstieg in diesen attraktiven Markt.

serkraftwerke etwa, hat Aquila Capital diese kürzlich zu einer Gesellschaft verschmolzen, um Kosteneffizienzen zu heben und die Gesellschaften auch für weiteres Wachstum optimal aufzustellen. Die operative Zusammenlegung erfolgte bereits zum Jahresanfang 2017 und ermöglicht Einsparungen von mehreren Millionen Euro im Jahr zugunsten institutioneller Investoren. Diese ergeben sich primär aus verbesserten Finanzierungskonditionen sowie durch die Reduktion von Verwaltungs- und operativen Kosten. Durch die Bündelung der beiden Wasserkraft-Portfolios ist die Gesellschaft zudem noch breiter diversifiziert (s. Karte). Sowohl die bestehenden als auch die zukünftigen Investitionen erfolgen in Gebieten mit unterschiedlichen hydrologischen und topografischen Profilen und verteilen sich auf verschiedene Preisregionen.

Nach dem Erwerb der beiden grössten norwegischen Betreiber kleiner Laufwas-

Durch die Fusion entstand Europas grösste Plattform für kleine Laufwasserkraftwerke.

Das aktuelle Portfolio soll bis Ende 2020 um weitere Wasserkraftwerke mit einer Gesamtjahresproduktion von 1 TWh erweitert werden, die überwiegend neu gebaut werden. Breites technisches und wirtschaftliches Know-How sind essentiell, sowohl für die Akquisitionen grosser WasserkraftPortfolios und den optimalen wirtschaftlichen Betrieb als auch für die erfolgreiche Umsetzung einer so umfangreichen Restrukturierung. Aufgrund des grossen Zubaupotenzials steht auch bei den aktuell in Prüfung befindlichen Wasserkraft-Investments für Aquila Capital Nordeuropa im Fokus. Auch die Schweizer Wasserkraftwerke schätzen wir als potenziell sehr attraktive Zielinvestments für professionelle Investoren ein und beobachten die weitere Marktentwicklung sehr genau. 1 Quelle: Technische Universität Wien (2011), Untersuchung der Standardabweichung österreichischer Niederschlagsabfluss-Ist-Daten im Zeitraum von 1994 – 2008 im Kontext von Wind und Solar

Herr Schulien ist Senior Investment Manager, Hydropower & Head, Energy Research von Aquila Capital.

KONTAKT AQ Investment AG – ein Unternehmen der Aquila Gruppe mit Hauptsitz in Deutschland Telefon +41 (0)43 344 38 50 info@aquila-capital.de www.aquila-capital.de

Ausgabe 2  / 2017 // Seite 53


WASSERWIRTSCHAFT

STAUANLAGEN MÜSSEN EXTREMEN HOCHWASSER STANDHALTEN Die Schweiz zählt 162 grosse Talsperren mit einer Höhe von über 15 Metern. Damit diese Anlagen sicher betrieben werden können, müssen sie für alle denkbaren Belastungen ausgelegt sein. Zu den Sicherheitsvorkehrungen gehören Bauwerke zur Hochwasserentlastung, die bei extremen Regenfällen ein unkontrolliertes Überlaufen eines Stausees verhindern. Ein Forschungsprojekt der Ecole polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) hat eine neue Methode entwickelt, mit der sich die Gefahren durch ausserordentliche, sehr seltene Hochwasserereignisse abschätzen lassen. von Dr. Benedikt Vogel, im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE)

Die Contra-Staumauer im Tessiner Verzasca-Tal wurde in den frühen 1960er Jahren erbaut und ist mit 220 m die vierthöchste Staumauer der Schweiz. Auf beiden Seiten der Mauer sind die zwei Hochwasserentlastungen mit jeweils sechs Schussrinnen erkennbar. Die Hochwasserentlastungen ermöglichen ein Entweichen des Wassers aus dem See, wenn dessen Kapazität ausgeschöpft ist.

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WASSERWIRTSCHAFT

W

enn es um die Erforschung von Wasserkraftwerken und anderen hydraulischen Bauwerken geht, geniesst das Wasserbaulabor der ETH Lausanne (EPFL) einen erstklassigen Ruf. Wissenschaftler untersuchen hier die Verlässlichkeit von Talsperren, die Zweckmässigkeit von hydraulischen Bauwerken von Wasserkraftanlagen oder den Sedimenteintrag in Stauseen, aber auch Fragestellungen rund um den Hochwasserschutz und die Gewässerrevitalisierung. In der grossen Versuchshalle werden neben den Forschungsexperimenten mehrere praktische Fragestellungen zu Projekten im In- und Ausland untersucht wie Massnahmen gegen Erosionen am Fusse der Staumauer Kariba am Zambesi-Fluss in Afrika, Erosionsschutz mit grossen Betonprismen beim Flusskraftwerk ChancyPougny an der Rhone unterhalb von Genf, Fischaufstieg an einem Rheinkraftwerk unterhalb von Basel und ein Wirbelfallschacht zur Abführung von Abwasser in Cossonay (VD).

starken Regens im Einzugsgebiet eines Stausees niedergeht – und welche Auswirkungen der Niederschlag auf den Füllstand des Stausees hat. Der Luxemburger Wissenschaftler entwickelte eine Methode, um die Auswirkungen extremer Niederschlagsereignisse zu bestimmen. Die Arbeit leiste einen Beitrag zur Sicherheit von Talsperren, sagt Prof. Anton Schleiss, der an der EPFL das Laboratoire de constructions hydrauliques (LCH) leitet und der die Dissertation betreut hat: «Die Talsperren in der Schweiz werden alle fünf Jahre einer Sicherheitsprüfung unterzogen. Die vorliegende Arbeit stellt die wissenschaftlichen Grundlagen bereit, um das Gefährdungspotenzial von

extremen Niederschlägen in den Schweizer Alpen in Zukunft noch besser abschätzen und in die Sicherheitsüberprüfungen einbeziehen zu können.»

EXTREME HOCHWASSER VORAUSSEHEN Grundsätzlich gilt: Wenn es stark regnet, sind Staumauern und Dämme erst einmal ein Segen, denn sie fangen die Wassermassen, die über dem Einzugsgebiet des Stausees niedergehen, auf und verhindern so ein abruptes Anschwellen der Flüsse. Allerdings ist das Fassungsvermögen jedes Stausees begrenzt. Damit das Wasser aus dem vollen See kontrolliert abfliessen

HOCHWASSER GEFÄHRDET STAUDAMM Das Thema Sicherheit zieht sich wie ein roter Faden durch die verschiedenen Forschungsprojekte. Die Schweizer Bevölkerung hat Vertrauen in die Verlässlichkeit der einheimischen Talsperren. Doch die Sicherheit von Staumauern und Staudämmen bleibt eine ständige Aufgabe. Was im Schadensfall passiert, hat die Bevölkerung unterhalb des Oroville-Staudamms im nördlichen Kalifornien im Frühjahr 2017 leidvoll erfahren. Damals drohte eine Seitenmauer beim Notüberlauf abseits des 200 m hohen Erddammes nach wochenlangen Regenfällen zu brechen. Der Staudamm hat zwar einen Überlauf – Hochwasserentlastung genannt –, welcher verhindert, dass das Wasser unkontrolliert über den Staudamm fliesst. Doch nach einem Schaden konnte der Hauptüberlauf nicht mehr benutzt werden. Das Wasser floss über den Notüberlauf und drohte diesen zu unterspülen. Aus Sicherheitsgründen wurden vorsorglich 160’000 Personen evakuiert. Die Seitenmauer und der Damm hielten den Wassermassen jedoch stand. Es ist ein Zufall, dass kurz vor dieser spektakulären Panne in Kalifornien ein Forschungsprojekt an der EPFL abgeschlossen wurde, das sich der Sicherheit von Talsperren bei Hochwasser widmet. Fränz Zeimetz hat in seiner Doktorarbeit untersucht, welche Wassermenge während eines

Die PMP-Karte zeigt die maximale 24-Stunden-Regenmenge, wie sie in der Schweiz erwartet wird. In gewissen Alpenregionen können demnach bis zu 750 mm Regen niedergehen. Das ist deutlich mehr als die 150 mm, die beim Alpenhochwasser 2005 gemessen wurden. Zum Vergleich: Der Jahresniederschlag in der Schweiz beträgt durchschnittlich 1500 mm.

Im Rahmen der EPFL-Studie wurde das neu entwickelte Verfahren zur Berechnung von extremen Hochwassern auf drei Stauanlagen angewendet.

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WASSERWIRTSCHAFT kann, verfügt jeder Stausee über ein Bauwerk zur Hochwasserentlastung. Dazu dienen Überläufe oder Öffnungen in der Talsperren – Fachleute sprechen von «Überfallen» und «Durchlässen». Damit die Hochwasserentlastungen robust genug gebaut werden können, müssen

die Betreiber der Stauanlagen wissen, mit welchen Hochwasser sie im extremsten Fall zu rechnen haben (vgl. Textbox). Seit ab dem frühen 20. Jahrhundert und dann nach 1945 im grossen Stil Talsperren in den Schweizer Alpen errichtet wurden, um die Wasserkraft für die Stromproduktion zu nutzen, wurde ver-

sucht, schlimmstmögliche Hochwasserereignisse vorauszusehen. Grundlage dieser Abschätzungen waren lange Zeit hauptsächlich beobachtete Hochwasser. Aus den historischen Aufzeichnungen und gemessenen Hochwassern versuchten Wissenschaftler mit statistischen Methoden abzuleiten, mit welchen Hoch-

Auswirkungen eines extremen Starkregens auf den Stausee Mattmark: Die Kurve «Inflow» veranschaulicht die Wassermenge, die in den Stausee strömt. Ca. 14 Stunden nach Beginn des Starkregens erreicht der Zufluss den Maximalwert von rund 450 m3/s. Die Kurve «Outflow» zeigt an, wie viel Wasser durch den Überfall (Überlauf) aus dem Stausee entweicht. Da zeitweilig mehr Wasser in den Stausee strömt als durch den Überfall (maximale Abflussmenge: 230 m3/s) abfliessen kann, steigt der Wasserspiegel des Stausees kontinuierlich an, insgesamt um ca. 5 m von 2197 auf 2202 m. Der höchste Wasserspiegel ist 16 Stunden nach Beginn des Starkregens erreicht, der Wasserspiegel des Stausees liegt jetzt nur noch zwei Meter unter der Krone des Staudammes (2204 m). Unterdessen ist der Starkregen aber wieder abgeklungen, daher entspannt sich die Lage, der Wasserspiegel des Stausees sinkt. Der Überfall ist also gross genug dimensioniert, um einen extremen Starkregen auszuhalten. Zum Vergleich: Hätte der Staudamm keinen Überfall, würde der Wasserspiegel während des extremen Starkregens um 10 m ansteigen und damit den Damm 3 m überströmen, was den Bruch zur Folge haben könnte.

Die Karte zeigt den Stausee Mattmark (dunkelblau) und das 35,6 km2 grosse Haupteinzugsgebiet mit Gletschern (hellblau). Damit für den Stausee genügend Wasser zur Verfügung steht, wird

Das direkte Einzugsgebiet des Stausees

das Wasser von vier benachbarten Talschaften in zusätzlichen Wasserfassungen gesammelt

Mattmark, dargestellt mit einer vertikalen

(rote Punkte) und über Stollen in den Stausee gebracht. Das gesamte Einzugsgebiet des Stausees

Auflösung von 300 Metern. Die Gletscher sind

beträgt damit 83,2 km2.

türkisfarben eingezeichnet.

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WASSERWIRTSCHAFT wassern für die Zukunft im schlimmsten Fall mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist.

NEUES VORHERSAGEMODELL Dieser Ansatz führt indessen für sich alleine häufig nicht zu verlässlichen Ergebnissen bei extremen Hochwassern. Daher gehen Forscher seit ca. 20 Jahren auch einen neuen Weg, bei dem sie bestimmen, welche Regenmenge über einem Landstrich maximal niedergehen kann. Diesen Berechnungen legen sie eine maximale Wolkendichte mit maximaler Sättigung an Feuchtigkeit zugrunde. Die Ergebnisse werden in sogenannten PMP-Karten zusammengefasst, die für jeden geografischen Ort den maximal möglichen Niederschlag («probable maximum precipitation» / PMP) ausweisen. Doch auch dieses Vorgehen hat seine Schwächen: Die ausgewiesenen Regenmengen sind tendenziell zu hoch, weil ein Regen über einem bestimmten Gebiet nicht flächendeckend über einen längeren Zeitraum mit maximaler Stärke niedergeht.

WENN HOCHWASSER «EXTREME» AUSMASSE ANNEHMEN Regen ist nicht gleich Regen: Wenn es im Amazonas-Gebiet regnet, kommt im selben Zeitraum gut und gern die doppelte Menge Wasser vom Himmel, als wenn sich die Wolken über der Schweiz entleeren. Der Hauptgrund: Die Luft in Südamerika ist wärmer und die Wolken können entsprechend mehr Feuchtigkeit speichern. Doch auch in der Schweiz kommen bei Starkregen erkleckliche Mengen zusammen. Beim verheerenden Alpenhochwasser im August 2005 waren es rund 150 mm Niederschlag in 24 Stunden. Das Unwetter von 2005 war gewaltig. Aber es könnte noch schlimmer kommen. Die Aufsichtsbehörden fordern von den Betreibern von Talsperren, sich für ein aussergewöhnliches Hochwasser zu wappnen. «Aussergewöhnlich» bedeutet in diesem Zusammenhang ein Hochwasser von der Stärke, wie es alle Tausend Jahre nur einmal zu erwarten ist. Staudämme müssen so robust gebaut sein, dass sie ein solches tausendjähriges Hochwasser ohne Schäden bewältigen. Selbst einem extremen Hochwasser, welches noch deutlich seltener zu erwarten ist, muss eine Talsperre – ggf. mit Schäden – standhalten. Wie viel Wasser bei einem tausendjährigen oder gar einem extremen Hochwasser in einen Stausee strömt, lässt sich nicht aus Erfahrung sagen, weil entsprechende Hochwasser noch nicht gemessen wurden. Deshalb versuchen Wissenschaftler, solche Hochwasser in Ausmass und Dauer möglichst genau zu berechnen. Diese Berechnungen dienen als Grundlage beim Bau bzw. der regelmässigen Sicherheitsüberprüfung von Staumauern und Staudämmen. BV

Die Mattmark-Talsperre im Wallis ist der grösste Erddamm Europas. Die Talsperre ist mit einem Überfall (am linken Ende des Damms; auf dem Foto nicht sichtbar) ausgestattet, durch den maximal 230 m3/s Wasser entweichen können. Der Stausee hat eine Oberfläche von 1,76 km2 und ein Fassungsvermögen von 100 Mio. m3.

Ausgabe 2  / 2017 // Seite 57


WASSERWIRTSCHAFT Fränk Zeimetz hat in seiner Doktorarbeit nun eine Methode entwickelt, die von Maximalwerten der PMP-Karten ausgeht, dann aber auch die gemessenen Hochwasserereignisse mit einbezieht und auf dem Weg zu einer aussagekräftigeren Vorhersage extremer Hochwasserereignisse gelangt. Diese Methode bezieht verschiedene Faktoren mit ein, welche die Grösse eines Hochwassers in der Realität massgeblich mitbestimmt haben. Dazu gehören neben der Temperaturverteilung in der Atmosphäre auch Umstände, die die Auswirkungen eines Hochwassers tendenziell dämpfen oder vergrössern: Wenn der Boden beispielsweise aus Erdreich und nicht aus Fels besteht und daher Wasser speichern kann. Oder wenn der Regen auf eine Schneedecke fällt und diese schmilzt, was den Abfluss erhöht.

KLIMAWANDEL AUSGEKLAMMERT In der breiten Öffentlichkeit ist heute die Annahme verbreitet, mit dem Klimawandel

werde Zahl und Heftigkeit von Hochwassern in Zukunft zunehmen. Vor diesem Hintergrund mag es erstaunen, dass die EPFLStudie den Klimawandel bewusst nicht mit einbezogen hat. Prof. Schleiss sieht darin keinen Mangel: «Der Klimawandel wird die Häufigkeit von Hochwassern zwar beeinflussen, doch die Regenmenge wird dadurch kaum erhöht, da wir in unseren Modellen ja bereits von den maximal möglichen Mengen ausgehen, die Wolken überhaupt aufnehmen können.» Ausserdem werden die grössten Talsperren alle fünf Jahre einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung unterzogen und wenn nötig die Anforderungen an die Hochwassersicherheit angepasst; bei den übrigen Talsperren werden die Annahmen zur Gewährleistung der Hochwassersicherheit alle zehn Jahre überprüft. Anton Schleiss betont gleichzeitig, dass die Auswirkungen des Klimawandels längerfristig die Berechnung extremer Hochwasser beeinflussen können. So könnte eine Erhöhung der Nullgradgrenze die Regenmenge im Hochgebirge erhöhen, weil dann weniger

Die Bogenstaumauer Limmernboden im Kanton Glarus wurde 1963 fertiggestellt.

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Niederschlag in Form von Schnee fällt. Zudem könnten sich die Bodeneigenschaften und deren Nutzung ändern. Um solche Effekte heute schon einzubeziehen sei es allerdings noch zu früh, sagt der EPFL-Forscher, der das massgebliche internationale Expertengremium – die Internationale Kommission für grosse Talsperren – präsidiert. Die Ergebnisse des Lausanner Forschungsprojekts werden in Zukunft dabei helfen, Staumauern und -dämme für extreme Hochwasserereignisse auszulegen. Von 1900 bis 1970 gab es in Europa vergleichsweise wenig grosse Hochwasser, daher wurde beim Bau der Talsperren die Hochwassergefahr eher zu tief angesetzt, da man sich auf beobachtete Hochwasserereignisse bezog. Dieses Defizit sei unterdessen wo nötig aber durch Sanierungen kompensiert worden, sagt Anton Schleiss. Gleichwohl sei denkbar, dass auf Grundlage des neuen Forschungsprojekts einzelne Hochwasserentlastungen vergrössert werden müssten. Alternativ könne bei


WASSERWIRTSCHAFT Stauseen auch ein grösseres «Freibord» – das ist der Abstand zwischen maximal zulässigem Füllstand und Mauerkrone – festgesetzt werden.

HINWEIS Den Schlussbericht, die PMPKarten wie auch die im Rahmen des Projektes entwickelten Berechnungsprogramme finden Sie unter https://cruex.crealp.ch Weitere Auskünfte zu dem Projekt erteilt Dr. Markus Schwager markus.schwager@bfe.admin.ch Leiter des BFE-Forschungsprogramms Talsperren

Die Karte zeigt den Stausee Limmernboden (dunkelblau) und das Einzugsgebiet (schwarz aus­g ezogen) mit Gletschern (hellblau). Damit für den Stausee genügend

Weitere Fachbeiträge über Forschungs-, Pilot-, Demonstrationsund Leuchtturmprojekte im Bereich Talsperren finden Sie unter www.bfe.admin.ch/CT/hydro

Wasser zur Verfügung steht, wird das Wasser von benachbarten Tälern in zusätzlichen Wasserfassungen gesammelt (rote Punkte) und über einen Stollen in den Stausee gebracht. Bei der Berechnung extremer Hochwasser wird die Kapazität dieser Stollen mit einbezogen, weil man mit dem worst case rechnet, dass die Wasserfassungen nicht geschlossen werden könnten.

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www.bundesrundschau.ch Die bundesRUNDSCHAU erscheint im Dezember 2017


WASSERWIRTSCHAFT

WASSERKRAFT, SONNE UND WKK DIE IDEALEN PARTNER DER ENERGIEWENDE 25 JAHRE WKK-FACHVERBAND: RÜCKBLICK GENERALVERSAMMLUNG 2017 UND JUBILÄUMS-FACHTAGUNG BEI JENNI ENERGIETECHNIK, OBERBURG Der WKK-Fachverband feiert 2017 sein 25-jähriges Bestehen und hat an der Jubiläums-Fachtagung Stand und Potenzial der WKK-Technologie aufgezeigt. Die Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) kann künftig einen wertvollen Beitrag leisten zur Wärme- und Stromversorgung im Winter. Mit Verbrennungs­motoren und angekoppelten Generatoren werden gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt und mit hohem Gesamtwirkungsgrad genutzt. von Peter Warthmann

Als positive Entwicklung und als wichtige gesetzliche Errungenschaft erwähnte Heini Glauser die künftige Möglichkeit des Eigenstrom-Verbrauchs und  der Vermarktung auf der gleichen Parzelle durch die dezentralen Stromproduzenten. Zum Bereich Kommunikation hat Peter Belart die Plattform BusinessMind vorgestellt. Dort sind bereits sechs WKK-Geschichten sind zu finden (www.businessmind.ch/­wkk-fach­verband).

SOLARWÄRME, GROSS-SPEICHER, WKK

Fotos: WKK-Fachverband

Um 11 Uhr begann die Jubiläums-Fachtagung für die etwa 120 Teilnehmer mit einer Führung durch die Gebäude der Jenni Energietechnik AG. Gezeigt wurden die drei Solar-Mehrfamilienhäuser (vgl. www.hk-gt.ch > Dossiers > SolarwärmeAnlagen), installierte Anlagen für die Wärme-

und Strom-Erzeugung (Pelletsheizung, WKK-Anlage), sowie die Produktionshallen für den Klein- und Gross-Speicherbau.

DAS OPTIMALE TRIO: WASSERKRAFT, PV UND WKK Unter diesem Titel stand dann am Nachmittag das Fachreferat von Heini Glauser. Die Wärmekraftkopplung sei zu wenig präsent in der Schweizer Energiepolitik. Mit den hochwertigen Energieträgern Gas oder Öl sollte nicht nur Wärme erzeugt werden. Mit WKK-Technologie kann bei einem sehr guten Gesamtnutzungsgrad von gegen 100 % ein beachtlicher Anteil von 25–35 % hochwertige Elektrizität erzeugt werden. Eine grosse Herausforderung bei der Energiestrategie 2050 ist die Winterstrom-

Fotos: WKK-Fachverband

G

astgeber für das WKK-Fachtreffen war die Firma Jenni Energie­ technik AG in Oberburg bei Burgdorf BE. Mitte Morgen begrüsste der Verbandspräsident Heini Glauser die Mitglieder zur Generalversammlung. Gemäss seinem Jahresbericht war das letzte Jahr für den Schweizerischen Fachverband für Wärmekraftkopplung (WKK-Fachverband) wiederum ein schwieriges: • Kein geordneter und planbarer usstieg aus der Atomenergie. Weiterhin viel Unsicherheit für sinnvolle Investitionen in die Stromproduktion. • Tiefe Strompreise und noch tiefere Rück­speisetarife: nur noch 3–5 Rp. / kWh. Für dezentral produzierten Strom orientieren sich die EVUs an den Grosshandelspreisen bzw. an ihren Einkaufs­ preisen bei den Vorlieferanten.

BHKW: Blockheizkraftwerk von Avesco. Leistung 82 kWel / 115 kWth .

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Foto: WKK-Fachverband

politik muss mit der EU abgestimmt sein. Eine konsequente Klimapolitik kommt der WKK-Technologie zugute. WKK-Anlagen könnten ihr Potential bei einer vorrangig dezentralen Produktion mit Belohnung für die Flexibilität am besten ausschöpfen.

STROM- UND WÄRMEVERSORGUNG IM WINTER

Aktueller Vorstand des WKK–Fachverbands mit Gastgeber Josef Jenni (vorne links). Hinten: Martin Schmid, Jörg Jermann, Hubert Palla, Urs Neuenschwander, Heini Glauser (Präsident). Vorne: Josef Jenni (Mitglied WKK–Fachverband), Heinz Eichenberger (Vizepräsident), Susanne Michel und Karl-Heinz Schädle.

versorgung ohne Atom- und Importstrom. Die Schweizer Wasserkraftwerke werden weiterhin die Basis der Stromversorgung bilden. Die Flusskraftwerke mit Bandstrom und die Speicherkraftwerke für die Stromproduktion nach Bedarf. Das Trio Wasserkraft + Solarstrom + WKK kann eine perfekte Stromversorgung bieten. Heute laufen WKK-Anlagen noch hauptsächlich mit Erdgas. In Zukunft wird erneuerbares Gas aus der Umwandlung von Überschussstromproduktion (Power-to-Gas) das fossile Erdgas ersetzen. Der meiste WKKStrom wird im Winterhalbjahr erzeugt. Im Jahresgang also genau dort, wo in den letzten zwei Jahrzehnten das schweizerische Stromdefizit entstanden ist. Falls an Sonnentagen im Sommer «zuviel» Solarstrom produziert wird, kann er auf drei sinnvolle Arten genutzt werden: zum Aufladen der Batterien der wachsenden Anzahl Elektrofahrzeuge, zum Aufladen der Warmwasserspeicher oder zur Produktion von erneuerbarem Gas. Heini Glauser rechnete vor, wie der künftige Strombedarf gedeckt werden könnte (vgl. Grafik rechts): dargestellt ist der tatsächliche Stromverbrauch und die Wasserkraft-Produktion 2014–2016. Die Differenzflächen dazwischen wurden in diesen Jahren gedeckt durch Kernkraft-Strom (nicht dargestellt) oder Import / Export. Die Überlegung von Heini Glauser: Der «Massnahmenplan Solar Kanton Wallis» von 2010 zeigte, dass PV-Anlagen an geeigneten Fassaden oder anderen fast senkrechten, nach Süden ausgerichteten Flächen eine erstaunlich ausgeglichene Stromgewinnung übers Jahr ermöglichen. Extrapoliert

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gemäss dieser Studie müsste für das gelbe Band in der Grafik, 20 TWh SolarStrom pro Jahr, ein Zubau an PV-Anlagen erfolgen für 20–30 Milliarden Franken (zu heutigen Erstellungskosten). Die roten Flächen in der Grafik entsprechen in dieser Rechnung den 8.8 TWh WKKStrom pro Jahr, die nötig sind, um die verbleibenden Winterlücken zu decken. Für diese WKK-Anlagen-Kapazität wäre ein Zubau für 7–10 Milliarden Franken nötig. Bei einem Zeithorizont bis 2035, also über 17 Jahre, sind für diesen Zubau von PV- und WKK-Anlagen Investitionskosten von jährlich total 1,6–2,4 Milliarden Franken notwendig.

CHANCEN UND NOCH BESTEHENDE NACHTEILE DER WKK

Auch Gastgeber Josef Jenni, Gründer und CEO der Jenni Energietechnik AG, hielt ein Fachreferat. Seine Sicht formuliert er so: «Wir wollen weg vom Öl, weg vom Gas, weg von der Atomkraft. Dazu installieren wir immer häufiger Wärmepumpen und fahren elektrisch. Wärmepumpen brauchen zum Heizen viel Strom und zwar überproportional mehr, je kälter es wird. Einerseits wird grundsätzlich mehr geheizt, andererseits sinkt der Wirkungsgrad bei tieferen Temperaturen massiv. All dies führt zu grossem Spitzenverbrauch im Winter. Solarzellen, welche im Winter im Gegensatz zum Sommer sehr wenig Strom erzeugen, können das Problem nicht lösen. Es ist auch eine Illusion zu glauben, dass dieses Sommer / Winterproblem mit Stromspeichern allein gelöst werden kann. In diese Lücke können nun Wärmekraftkopplungs-Anlagen springen. Eine gute Lösung sind dezentrale Wärmekraftkopplungs-Anlagen, die gezielt nur dann laufen, wenn der Strom fehlt und ihre Abwärme vollständig zum Heizen verwendet werden kann. Ja, Wärmekraftkopplungs-Anlagen brauchen Erdgas oder

Vorstandsmitglied Susanne Michel, Rechtsberaterin bei Groupe E, listete in ihrem Referat die Chancen und noch bestehende Nachteile der WKK wie folgt auf: • Dezentral, … und Eigenverbrauch möglich. • Energetisch effizient, … aber wenig wett-

bewerbsfähig. • Flexibel, … aber keine Abgeltung des

Flexibilitätspotentials. • Wärme und Strom, … aber fehlende politische Gesamtsicht. • Erdgas oder Biogas, … aber schlechtes Image «fossile Produktion».

Grafik: Referat Heini Glauser

Wasserkraft, Solarstrom (PV) und WKK, das optimale Trio: so könnte der künftige Strom­ bedarf auch im Winter gedeckt werden. In der Grafik dargestellt: tatsächlicher Stromverbrauch und Produktion Wasserkraft

In ihrem Fazit fasste Susanne Michel zusammen: Auch im WKK-Bereich benötigen Investitionen und Innovationen stabile Rahmenbedingungen. Energiepreise bestimmen die zukünftige Entwicklung der Energiewirtschaft, auch diejenige der WKK-Technologie. Die schweizerische Energie- und Klima-

2014–2016. Nicht dargestellt: KernkraftStromproduktion. Gelb und Rot: StromGewinnung solar und mit WKK nach Zubau gemäss Annahmen wie im Text beschrieben: pro Jahr 20 TWh = 20’000 GWh Solar-Strom (Zubau v. a. an Südfassaden) und 8.8 TWh = 8800 GWh WKK-Strom.


Foto: Jenni Energietechnik AG

Die Jenni Energietechnik AG will die BHKW-Technologie bekannter machen. Auf dem Firmenrundgang wird deshalb immer auch dieser Technikraum im UG des neuen Produktionsgebäudes gezeigt. Links: KWB-Pelletsheizung, Typ KWB USV ZI, Leistung 60 kW. Rechts: Tedom T30, BHKW von BES (BHKW Energie-Service AG, www.bes-ag.com), Typ Micro T30AP, Betrieb mit Erdgas, Leistung elektrisch 30 kWel, Leistung thermisch 61 kWth .

Heizöl (Diesel), die CO2 erzeugen. Wegen der konsequenten Abwärme-Nutzung stellt die Effizienz-Technologie WKK aber dennoch einen grossen Schritt zur Reduktion des CO2-Aus­stosses dar und ist ein bereits heute realisierbarer Ansatz in eine gute Energiezukunft. Sobald Strom zu kritischen Zeiten Mangelware wird und sich der Strompreis der Marktsituation anpasst,

werden WKK wirtschaftlich, sei es um den Eigenstrombedarf abzudecken oder den Strom zu Marktpreisen ins Netz zu speisen. Punktuell eingesetzte dezentrale Wärmekraftkopplungs-Anlagen sind in einer Übergangszeit notwendig, damit erneuerbare Energien optimal eingesetzt werden können, bis sich unsere Wirtschaft und Gesellschaft

WASSERWIRTSCHAFT auf eine Niedrigstenergie-Lebensweise (2000-Watt-Gesellschaft) umgestellt haben.»

WKK IN DER NATIONALEN ENERGIEPOLITIK Das «WKK-Hauptproblem» beschrieb Eric Nussbaumer, Energie-Experte im Nationalrat, wie folgt: In der Schweiz wird der vermehrte Einsatz von dezentraler WKK nicht als Energieeffizienzsteigerung verstanden, sondern als Steigerung der fossilen Stromproduktion. Alternativ wird von der Politik eher eine Strategie mit zentralen Gas-undDampf-Kombikraftwerken (GuD) favorisiert. Sein Fazit: WKK ist noch nicht als EffizienzTechnologie im Bewusstsein der nationalen Politik. Die Option GuD ist nicht alternativlos. Fürs Winterhalbjahr kann man zusammen mit den Verteilnetzbetreibern eine WKK-Strategie entwickeln! HINWEIS: Dieser Artikel ist erschienen in HK-Gebäudetechnik 9 / 17, S.30–32.

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ERZIELEN SIE ATTRAKTIVE MEHRERLÖSE! DIE DIREKTVERMARKTUNG FÜR DEZENTRALE KRAFTWERKE TRITT AM 1. JANUAR 2018 IN KRAFT. SUISSE NEXT VERMARKTET IHRE ANLAGE FÜR SIE. Die Direktvermarktung für KEV-Anlagen startet im Januar 2018. Nun sind die Details bekannt.

E

rneuerbare dezentrale Anlagen erhalten in der Schweiz bis dato eine fixe und kostendeckende Einspeisevergütung. Sie haben damit keinen Anreiz, markt- und bedarfsgerecht zu produzieren und sind nicht in die üblichen Prozesse zur Erhaltung der Netzstabilität eingebunden. Mit der Einführung der Direktvermarktung am 1. Januar 2018 ändert sich dies – die geförderten Kraftwerke werden besser in das System integriert.

FÜR SIE ALS BETREIBER EINER KEV-ANLAGE BEDEUTET DIE DIREKTVERMARKTUNG FOLGENDES: • Sie werden dazu verpflichtet ihre

Stromproduktion zu prognostizieren,

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selber am Markt abzusetzen und bei abweichender Produktion für die Ausgleichsenergie zu zahlen. • Die Direktvermarktung gilt für alle KEV-Anlagen mit einer Leistung grösser 500 kW, die bisher KEV bezogen haben und vor dem 1. 1. 2013 in Betrieb genommen wurden. • Die Direktvermarktung gilt zudem für alle KEV-Anlagen mit einer Leistung grösser 100 kW, die nach dem 1. 1. 2013 in Betrieb genommen wurden. • Ausnahmen zu den oben genannten Leistungsgrenzen stellen Klein­ wasserkraftwerke dar. Diese müssen bei einer Leistung zwischen einem und 10 MW in der Direktvermarktung teilnehmen. Für Dotierkraftwerke- und

bestehende Ausleit- und Unterwasserkanäle bleibt die oben genannte Grenze von 500 kW bestehen. • Die Anlagenbetreiber haben zwei Jahre Zeit, um Ihre Anlage in der Direkt­vermarktung anzu­ melden bzw. einem Dienstleister zu übergeben. • Statt der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) bekommen Sie von der KEV-Vollzugsstelle neu eine Einspeiseprämie ausbezahlt. Diese berechnet sich aus Ihrem Vergütungssatz abzüglich des Marktreferenz­ preises, einem quartalsweise gebildeten Durchschnittspreis. Zudem haben Sie Anspruch auf die mit Ihrer Anlage an der Strombörse erzielten Erlöse.


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SUISSE NEXT ÜBERNIMMT FÜR SIE DIE DIREKTVERMARKTUNG IHRER ANLAGE • Nachdem wir Ihre Anlage zur Direkt-

vermarktung angemeldet haben, prognostizieren und vermarkten wir Ihren Strom über unsere hauseigene Handelsabteilung an der Strombörse. • Wir erledigen für Sie die gesamte Abrechnung und übernehmen sämtliche Ausgleichsenergieund Währungsrisiken. • Wir garantieren Ihnen den Markt­ referenzpreis und damit den Ihnen zustehenden Vergütungssatz. Da die tatsächlich an der Strombörse erzielten Erlöse vom Marktreferenzpreis abweichen können, besteht die Gefahr, dass Ihre zukünftigen Gesamterlöse unter den heutigen KEV-­ Erträgen liegen. Nicht jedoch bei uns: Wir zahlen mindestens den Markt­referenzpreis. Mindestens, da Sie von uns – je nach Erfolg – zusätzlich einen Bonus bekommen.

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INFORMATIONEN Nähere Informationen erhalten Sie unter www.suisse-next.ch

Dafür installieren wir bei Ihrer Anlage unsere Next Box. Sie greift aus der Ferne auf Ihre Anlage zu und schliesst sie mit vielen weiteren dezentralen Anlagen in unserem Virtuellen Kraftwerk, dem Next Pool, zusammen. Mit den vielen kleinen oder mehrerer Grosskraftwerke. Damit erfüllen wir die Mindestleistung, um am Schweizer Regelenergiemarkt teilzunehmen. Sie erhalten alleine für die Bereitstellung Ihrer Anlage im Regelenergiemarkt eine Vergütung, den so genannten Leistungspreis. Auf die Fahrweise Ihrer Anlage wirkt sich dies nicht aus. Wenn durch Schwankungen im Stromnetz tatsächlich Regelenergie benötigt wird, passt die Next Box die Leistung Ihrer Anlage entsprechend an. Für diese Anpassung erhalten Sie zusätzlich zum Leistungspreis eine variable Vergütung, den Arbeitspreis. Suisse Next ist technisch in der Lage, Ihre Anlage sehr kurzfristig einzusetzen. So stellen wir auch höherwertige Primär- und Sekundärregelleistung bereit, was Ihnen wiederum höhere Erlöse einbringt.

WAS IST REGELENERGIE EIGENTLICH? Auf dem Regelenergiemarkt wird kurzfristig verfügbarer Strom bereitgestellt, um Netzschwankungen auszugleichen. Diese entstehen immer dann, wenn zu viel oder zu wenig Elektrizität produziert wird – zum Beispiel aufgrund der naturgegebenen Schwankungen von Solar- oder Windkraft. Für eine moderne Stromversorgung ist es daher ungemein wichtig, kurzfristig über flexible Kapazitäten zu verfügen. In der Schweiz gibt es drei verschiedene Arten von Regelleistung: Primär-, Sekundär- und Tertiärregelleistung. Diese unterscheiden sich in der Geschwindigkeit, in der sie zur Stabilität von Netzschwankungen abgerufen werden. So greift die Sekundärregelleistung beispielsweise bereits nach 30 Sekunden und damit vor der Tertiärregelleistung, wodurch sie wertvoller ist und höher vergütet wird.

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ROHRLEITUNGSBAU

HOHE VERARBEITUNGSQUALITÄT STEHT IM FOKUS DES VKR Im Verband Kunststoff-Rohre und -Rohrleitungsteile (VKR) sind die in der Schweiz domizilierten Hersteller und Werksvertreter ausländischer Hersteller von Kunststoff-Rohren und -Rohrleitungsteilen zusammengeschlossen. Die Förderung der technischen Entwicklung und der Anwendung von Kunststoff-Rohren und -Rohrleitungsteilen gehört zu den besonderen Anliegen des Verbandes.

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er VKR setzt Schwergewichte in der Ausbildung zur Förderung der Verarbeitungsqualität (inklusive Verlegetechnik) und deren Zertifizierung. Das VKR Kursangebot nimmt dabei einen wichtigen Stellenwert ein und wird kontinuierlich den Bedürfnissen des Marktes und der Mitglieder angepasst und ausgebaut. Zu diesem Zweck erstellt und unterhält der VKR unter anderem technisch hochstehende aktuelle Ausbildungsunterlagen und Verarbeitungsleitfaden. Neben der bewährten Erst- und Verlängerungsausbildung «Schweissen und Ver­

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legen von druckbeanspruchten, erdverlegten Rohrleitungen aus PE und PVC» in Aarau, in der Westschweiz und im Tessin, haben sich auch Planerkurse und die Ausbildung für die Anbindung von Erdwärmesonden (Geothermiekurse) bestens am Markt etabliert. Besonders zu erwähnen ist der eintägige «Planerkurs», ein VKR Individualkurs für Bauleiter, Ingenieure und Planer im Bereich Tiefbau. Der Kurs, der auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe abgestimmt ist, wurde auf die im Sommer 2017 vorgestellte neue Richtlinie / Leitfaden für erdverlegte PE-

Druckrohrleitungen in der Gas- und Wasserversorgung und die dazugehörenden informativen und hilfreichen Anlagen, die im Detail vorgestellt werden, ausgerichtet. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Weiterbildung bildet aber auch das praktische Kennenlernen der auf den Baustellen eingesetzten Schweissverfahren. Die Teilnehmer nehmen selbst Verbindungen an Kunststoff-Rohrleitungen vor. Die erwähnte Broschüre «Richtlinie / Leitfaden für erdverlegte PE-Druckrohrleitungen in der Gas- und Wasserversorgung» liefert Informationen zu ökonomischen


ROHRLEITUNGSBAU Vorzügen von Kunststoff-Rohrsystemen, Verlegehinweise für Rohrnetzmonteure und Planungsgrundlagen für Ingenieure. Sie dient dem Zweck, spezifische Informationen für die Planung und die Verlegung von erdverlegten Polyethylen-Rohrleitungen zur Verfügung zu stellen. Damit sollen die Bedürfnisse der Entscheider zur Materialauswahl, der Ingenieure für eine werkstoffgerechte Dimensionierung während der Planung und die Bedürfnisse der Rohrnetzmonteure für eine fachgerechte Installation abgedeckt werden. Um diesem Spagat gerecht zu werden, ist die Hauptbroschüre mit jeweils einer spezifischen AnlagenRubrik für diese 3 Zielgruppen ergänzt.

Aktuelle Informationen zum VKR Kurs- und Weiterbildungsangebot, die Daten der nächsten Kurssaison im Frühjahr 2018, sowie die Möglichkeit zur Onlineanmeldung finden sie unter www.vkr.ch.

VKR SCHWEISSERKURS ANBINDEN VON ERDWÄRMESONDEN GTK Die SIA Norm 384-6 – die seit dem 1.  Januar 2010 in Kraft gesetzt ist – regelt, dass das Anbinden von Erdwärmesonden nur durch speziell ausgebildete, zertifizierte Schweisser erfolgen darf. Im erwähnten Lehrgang – der in Abstimmung mit der Fördergemeinschaft Wärmepumpen Schweiz FWS konzipiert wurde – werden Teilnehmer von Sanitärinstallationsfirmen,

Heizungsbauern und Bohrfirmen in der Technik zur fachgerechten Anbindung von Erdwärmesonden aus PE ausgebildet. Die Teilnehmer werden befähigt, einwandfreie Schweissverbindungen auszuführen. Zudem werden relevante Passagen der SIA 384-6 vermittelt. Fachleute werden nach der bestandenen theoretischen und praktischen Prüfung mit einem Zertifikat ausgezeichnet.

PRODUKTEQUALITÄT Es liegt auch im Interesse des Verbandes, dass die eingesetzten Kunststoffrohrleitungssysteme einen hohen Qualitätsstandard erfüllen. Zu diesem Zweck pflegt der VKR seine GA (Güteanforderung) und vernetzt sich mit Partnerorganisationen wie

Die Aktualität der Anlagen dieser neuen Broschüre kann vom VKR nur in elektronischer Form – auf der VKR-Webseite – sichergestellt werden. Die Anwender können die Broschüre sowie die aktuellen Anlagen kostenlos herunterladen. Durch Einscannen des beigefügten QR-Codes kommen Sie mit Ihrem Smartphone oder Tablett direkt auf die Internetseite des VKR.

WEITERE INFORMATIONEN www.vkr.ch/de/download/leitfadendruckrohr-leitungssysteme

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ROHRLEITUNGSBAU Q Plus und / oder SVGW sowie anderen wichtigen Organisationen und Verbänden. Normen und Zulassungsempfehlungen stellen einheitliche Standards sicher und sorgen in einem durch starken Wettbewerb geprägten Markt für Qualität. Aus diesem Grund ist der VKR in technischen Kommissionen und Normengremien aktiv und stellt beispielsweise mit der Güteanforderung <c+s>® die Qualität für Kabelschutzrohre sicher. Hersteller von Kunststoffrohren, die das <c+s>® Gütezeichen führen, verpflichten sich auf freiwilliger Basis, Kabelschutzrohre aus Polyethylen mit den in diesen Güteanforderungen festgelegten Qualitätseigenschaften herzustellen und sind berechtigt diese mit dem Gütezeichen <c+s>® zu kennzeichnen. Die erwähnte Güteanforderung wurde von Fachleuten im Verband Kunststoff-Rohre und – Rohrleitungsteile (VKR), in Zusammenarbeit mit Experten von Elektrizitäts-Versorgungs-Unternehmen (EVU) und von unabhängigen und neutralen Prüfstellen erstellt. Sie legt die Kriterien an Rohre, Formstücke und das System von vollwandigen Rohrleitungssystemen aus Polyethylen (PE) fest, die zur Verwendung im erdverlegten Kabelschutz, einschliesslich der Montage auf Brückenkonstruktionen und Flussüberquerungen, für den Kabelschutz im Bereich der Telekommunikation, sowie der Elektroenergieversorgung (Hochund Niederspannung) vorgesehen sind. Sie regeln die Qualitätsanforderungen und Prüfmethoden an den Werkstoff, die Geometrie, die mechanischen Eigenschaften sowie die Kennzeichnung mit dem Gütezeichen <c+s>®. <c+s>®-zertifizierte Kabelschutzrohre erlauben den Einsatz von hochwertigem Recyclat. Damit leistet die Branche auch einen wertvollen ökologischen Beitrag. Die Güteanforderungen allein sind keine Gewähr für die Güte von Rohrleitungssystemen, dazu müssen zusätzlich die einschlägigen Verlegerichtlinien VSE (Druckschrift 1103d, Ausgabe 2010) eingehalten werden. Weitere Informationen zu <c+s>® finden Sie unter www.vkr.ch in der Rubrik KABELSCHUTZ. Qplus-Zertifizierung für Abwassersysteme Die Abwasserleitungen sind in ihrer Gesamtheit die teuerste Infrastruktur der Schweiz. Ihre Qualität bestimmt die Qualität von Boden, Trinkwasser und Gewässer. Dichte und statisch perfekte Leitungen dienen dem Umweltschutz. Oft ist der Einsatz eines Qualitätsrohres, in Betracht auf die

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ROHRLEITUNGSBAU Gesamtbausumme, nur im Promillebereich teurer als ein weniger gutes Rohr. Die Vorteile sind jedoch erheblich. Qplus zertifiziert Produkte für Abwassersysteme aller Art, sofern sie die Qplus-Qualitätsrichtlinien erfüllen. Hersteller, welche Produkte für den Abwasserbereich her­ stellen, haben damit die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis nachzuweisen, dass ihre Erzeugnisse die schweizerischen Prüfanforderungen erfüllen, welche einiges über dem Level der Europa-Normen liegen. So kann der Anwender leicht erkennen, ob er es mit einem Fabrikat zu tun hat, das ihn bei korrekter Montage weitgehend vor Schadensfällen bewahrt. Unabhängige Prüflabors führen im Auftrag der Antragssteller und nach Vorgaben der Qplus-Richtlinien die Prüfungen durch, die durch die Organisation Qplus beurteilt werden. Aufgrund der eingereichten Prüfatteste fertigt Qplus die entsprechenden Zertifikate aus und pflegt die Qplus-Datenbank auf www.qplus.ch. Qplus ist ein Verein nach Schweizer Recht. Mitglieder sind die Verbände VSA, suissetec und der VKR. Die Geschäftsstelle wird von einem Geschäftsführer geführt. Ihm zur

Seite stehen Fachleute aus Behörden und Unternehmen, sowie Planer und Vertreter der Industrie. So ist eine schlanke Organisation mit umfassendem Know-how und breiter Abstützung gewährleistet. Qplus wurde 1979 vom Schweizerischen Spenglermeister- und Installateur-Verband (SSIV, heute suissetec) und vom Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfach-

leute (VSA) unter dem Namen «Arge Liegenschaftsentwässerung SSIV-VSA» mit dem Ziel, Schweizer Qualitätsstandards für Produkte im Abwassersektor festzulegen, gegründet. Dies wurde nötig, da in den 60er- und 70er-Jahren immer mehr untaugliche Produkte auf dem Markt auftauchten und sich daraus resultierend die Schadensfälle häuften.

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Die Kabelschutzprofis!

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ROHRLEITUNGSBAU

ERFREULICHE NEWS VON DER VERKAUFSFRONT DER SYMALIT AG Nach akribischen Detailabklärungen und mehrjähriger Planungsphase mit intensiven Vorgesprächen und verschiedensten Kontakten bei Unternehmungen und Behörden hat die SYMALIT AG erneut reüssiert und sich einen Grossauftrag erkämpft.

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ass die Symalit AG von Lenzburg (Kanton Aargau) Erfahrung mit Projekten dieser Grössenordnung hat, wurde in der Vergangenheit ja bereits mehrmals erfolgreich unter Beweis gestellt, so z. B. beim Gotthard-Eisenbahntunnel mit dem Los «Faido-Bodio» oder dem im letzten Jahr realisierten Ceneri-Eisenbahntunnel. Bei beiden Objekten wurden Kabelschutzrohre, Spezialbogen, Formstücke und Abstandhaltersysteme erfolgreich und zur vollen Zufriedenheit der Bauherrschaft eingebaut. Im Frühling dieses Jahres erhielt nun die Symalit AG den positiven Vergabe-Entscheid über die Lieferung von Kabelschutz-

rohren und Abstandhaltersystemen für das Projekt 110 / 16-kV-Leitung PradellaZernez-Bever im Osten der Schweiz gelegen, das heisst genauer im wunderschönen Engadin / GR, angrenzend an den Schweizerischen Nationalpark. Speziell erfreulich bei diesem Objekt war die Tatsache, dass als Zuschlagskriterium unter anderem für einmal materialtechnische Kriterien entsprechend gewichtet wurden. Als Bauherr dieses Projektes fungiert die Engadiner Kraftwerke AG, welche als einer der grössten Schweizer Produzentinnen von Energie aus Wasserkraft gilt. Sie beschäftigt sich mit dem Bau und Betrieb von Kraftwerken zur Nutzbarmachung der

Spatenstich in der einmaligen Bergregion.

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Wasserkräfte des Engadins. In Zusammenhang mit dem Projekt Netzentwicklung Engadin wird die Engadiner Kraftwerke AG das 60-kV-Netz durch ein neues 110-kV-Netz ersetzen. Die neue 110-kVLeitung auf dem Abschnitt Pradella-ZernezBever wird als Kabelleitung erstellt, womit im Engadin rund 1000 Holzstangen zum Nutzen von Landschaft und Natur rückgebaut werden können. Durch diesen Umbau wird die Energieableitung aus dem Kraftwerk Ova Spin und die Versorgungssicherheit in der Region entscheidend verbessert. Die Bauzeit dieses Projektes ist zwischen 2017 bis 2018 geplant und das Investitionsvolumen zu Lasten EKW beträgt CHF 31 Mio.


ROHRLEITUNGSBAU Der Lieferumfang für die Symalit AG beträgt ca. 400 km Kabelschutzrohre verschiedener Dimensionen sowie Abstandhalter-Systeme. Rund zwei drittel der Menge wird im Jahr 2017 geliefert und der Rest im Folgejahr. Aufgrund der in dieser Region witterungsbedingten, langen Winter, kommen die Lieferungen vorwiegend in der Zeit von April bis November zur Ausführung. Hauptsächlich werden HDPE-Rohre der Qualität DIL-force 163 / 148 mm eingesetzt sowie Rohre aus PE-80 Neuware, welche bei den Fluss-Unterquerungen (Inn und Spöl) oder in unwegsamen Gelände infolge der Dichtigkeits-Anforderungen geschweisst werden. Um uns ökonomisch wie ökologisch sinnvoll zu verhalten, werden unsere Produkte camionweise an mehrere Zwischen-Lager geliefert, von wo die Feinverteilung für die verschiedenen Lose dann lokal durch die ausführenden Bauunternehmungen geschieht. Nachdem dieses Grossprojekt anfangs April bereits gestartet wurde, können wir bereits auf eine erfolgreiche und äusserst professionelle Zusammenarbeit zurückblicken, welche zwischen dem Bauherren, den beteiligten Unternehmungen sowie unseren Fachverantwortlichen vor Ort und zuhause tagtäglich mit grossem Engagement wahrgenommen wird. Es ist unser aller Bestreben, auch dieses Projekt rechtzeitig und fachmännisch kompetent und korrekt seiner ursprünglichen Bestimmung zu übergeben, sodass die gesteckten Projektziele zu jeder Zeit und vollumfänglich erfüllt werden können.

Vorbereitungsarbeiten Flussunterquerung Inn.

Auch an dieser Stelle möchten wir uns bei der Bauherrschaft für die Auftragsvergabe bestens bedanken – ebenso für die bereits bis anhin geleistete, äusserst angenehme und professionale Zusammenarbeit – ein solches Vorgehen ist die Basis für eine in allen Belangen erfolgreiche Projektrealisierung.

KONTAKT Symalit AG Hardstrasse 5 CH-5600 Lenzburg Telefon +41 (0)62 885 83 80 www.symalit.com

Kabelrohrblock-Schalung mit speziellen Abstandhaltern.

Luftunterstützung bei Betonieren im unwegsamen Gelände.

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MOBILITÄT

ENERGIEEFFIZIENZ BEIM NEUWAGEN NEUES WAGEN Man muss kein Elektroauto fahren, um den CO2 -Ausstoss seines Autos deutlich zu senken. Auch Benzinund Dieselautos der Effizienzkategorie A stossen in der Regel deutlich weniger CO2 aus als der Durchschnitt. Sie machen aber nur rund 15 Prozent aller Verkäufe aus, obwohl sie oft günstiger sind als die weniger energieeffizienten Alternativen. Eine neue Studie im Auftrag des Bundesamts für Energie hat die Gründe für die noch immer geringen Verkaufszahlen energieeffizienter Autos untersucht. von Anita Vonmont, im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE)

In der Schweiz ist der Verkehr für gut 30 Prozent der CO2 -Emissionen verantwortlich, zwei Drittel davon entfallen auf die Personenwagen. Eine massiv bessere Energie- und CO2 -Bilanz haben hingegen die Modelle der Energieeffizenzkategorie A unter den PW mit Verbrennungsmotor. Mit der schweizweiten Roadshow ‹co2tieferlegen› will der Bund energieeffiziente Autos bekannter machen.

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ie Steigerung der Energieeffizienz neuer Personenwagen ist nicht nur eine Herausforderung der Technik, sondern auch der Konsumgewohnheiten. Zu fast allen Automodellen ist eine breite Motorisierungspalette lieferbar. Für ein gegebenes Automodell kann der Unterschied im Energieverbrauch zwischen effizientester und ineffizientester Motorisierung über 100 % betragen. Oft wird in der Schweiz aber nicht die Motorisierungsvariante mit der höchsten Energieeffizienz gewählt. Wer sich beim Autokauf fürs Energiesparen entschliesst, kann auch Geld sparen: Mo-

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delle der Effizienzkategorie A seien heute für fast alle beliebten Automarken und Modelle erhältlich und in punkto Kosten sogar mehr als nur konkurrenzfähig, sagt der Mobilitätsexperte Peter de Haan. Der Forscher des unabhängigen Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmens EBP Schweiz ergänzt: «Die Neuwagen mit dem niedrigsten Treibstoffverbrauch sind bereits im Kaufpreis meist die günstigsten. Später sparen die Käufer noch einmal Geld, dank tieferen Treibstoffkosten und – je nach Kanton – ermässigten Motorfahrzeugsteuern.» Hierbei ist zu beachten, dass die

Anschaffung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben und neuen Technologien (z. B. Hybrid) mitunter teurer ist.

RUND 15 PROZENT MARKTANTEIL Es ist nicht unbedingt so wie bei den besonders energieeffizienten Kühlschränken, wo man beim Kauf etwas mehr zahlt, um das Geld beim Verbrauch wieder einzusparen. Die energieeffizientesten Autos sind in der Regel schon beim Kauf günstiger, weil sie beispielsweise kleinere Verbrennungsmotoren haben. Ihre Käufer haben


MOBILITÄT also von Beginn weg einen finanziellen Anreiz, sich für diese Modelle zu entscheiden. Bloss geschieht das relativ selten: «Fahrzeuge der Effizienzklasse A machen nur gerade 15 Prozent des Neuwagenmarkts aus», zeigt die vor kurzem erschienene Studie zur «Effizienzlücke beim Autokauf» in der Schweiz. Der Mobilitätsexperte Peter de Haan vom Büro EBP hat die Studie im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) erstellt, gemeinsam mit der Psychologin Anja Peters vom deutschen Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung und dem Psychologen Martin Soland von der Universität Zürich und der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die drei Forschenden stützten sich bei ihrer Arbeit auf eine Langzeit-Erhebung, die 2005 an der ETH Zürich begonnen wurde und die seit 2014 von EBP in aktualisierter Form weitergeführt wird (im jährlichen ‹Barometer Auto und Mobilität von morgen›). Jeweils mehrere Tausend Personen in der ganzen Schweiz werden dabei schriftlich zu Mobilität und Autokaufverhalten befragt.

EFFIZIENZ IST NUR EIN KRITERIUM Die Analyse dieser Daten zeigt: Die Befragten finden durchaus, dass Treibhausgase die Klimaerwärmung verstärken und energieeffiziente Autos gefördert werden sollten. Doch ist «Energieeffizienz» beim

Autokauf nur ein Auswahlkriterium unter mehreren. Besonders wichtig für den Kaufentscheid sind laut der Umfrage ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Umweltfreundlichkeit, innovative Technik, Eignung für Einsatz im Alltag sowie Komfort und Eignung für Fahrten in die Berge. Während die ersten Attribute laut den Befragten gut zu energieeffizienten Autos passen, werden Komfort und die Eignung für Fahrten in die Berge als ungenügend erfüllt angesehen. Auch bei Sportlichkeit, Spassfaktor und attraktivem Image schneiden diese Autos eher schlecht ab. Auch finden Kaufinteressierte es oft schwierig einzuschätzen, welche Autos denn speziell energieeffizient sind, oder sie gehen von Anfang an davon aus, dass es in ihrem Autogrössen-Segment – speziell wenn man einen Kombi für Familie und Haustiere braucht – keine effizienten Fahrzeuge gibt. «Nahezu jedes Auto­ modell gibt es auch mit einer Motorisierungsvariante der Effizienzkategorie A», betont dagegen Peter de Haan. Beim Autokauf entscheiden sich aber viele Kunden und Kundinnen für eine Stufe irgendwo in der oberen Mitte, für C zum Beispiel, in der Annahme, damit seien sie energiemässig immer noch gut unterwegs. «Dem ist nicht so», widerspricht der Co-Autor der Studie zum Autokaufverhalten, «nur A-Fahrzeuge sind heute wirklich energieeffizient.»

Ein signifikanter Teil der Befragten äussert Misstrauen in die Angaben der Hersteller zum spezifischen Treibstoffverbrauch eines Fahrzeugs, was den Kauf eines effizienten Autos hemmt. Wenn die Konsumenten sich nur ungern auf die angegebenen Verbrauchsdaten oder damit verbundene Informationen (wie die Effizienzetikette oder Listen effizienter Fahrzeuge) verlassen, dürfte es für sie schwierig sein, die Effizienz eines Fahrzeuges zu beurteilen.

Neuwagen der Energieeffizienzkategorie A kann man heute für fast alle beliebten Automarken und Modelle kaufen. Doch erst 15 Prozent der Kundschaft entscheidet sich für ein energieeffizientes Auto. Noch dominieren Vorurteile wie «zu schwach für Familien mit Kindern und Gepäck».

Um einen Drittel sparsamer beim Benzin und im Preis erst noch günstiger: Autos der Energie-Effizienzklasse A, hier an einer Präsentation im HB Zürich.

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MOBILITÄT heute mehr Leistung als ein 1.6 -Liter-Motor, der in einem zehnjährigen Auto steckt. Die Kunden kaufen unter Umständen aus reiner Gewohnheit ein Auto, das mehr Leistung bringt als sie es eigentlich wünschen. Damit erhöht sich der CO2 Ausstoss, denn je grösser ein Motor, desto höher in der Regel auch der Treibstoff-Verbrauch pro Kilometer.

Wie energiesparend ein Auto ist, zeigt sich beim Blick unter die Motorhaube: Je grösser der Motor ist, desto höher der Benzin-Verbrauch und damit der CO2 -Ausstoss des Autos.

HOHE TREUERATEN BEIM KAUFENTSCHEID Ein weiterer Grund für den Kauf wenig energieeffizienter Autos liegt in der Komplexität des Kaufentscheids. Um das riesige Angebot an Neuwagen auf dem Markt einzugrenzen, orientieren sich Kundinnen und Kunden oft am Vorgängerauto. So entstehen die für den Autokauf typischen hohen «Treueraten»: Markentreue, TreibstoffartTreue, Getriebetyp-Treue, HubraumklassenTreue und Autogrössenklasse-Treue. Ge-

AUFKLÄRUNG IST ZENTRAL mäss Studie haben zum Beispiel mehr als 40 Prozent der Autokäufer den genau gleich grossen Motor (bzw. die gleiche Hubraumklasse) wie beim Vorgängerauto gewählt. Ein Drittel kaufte gar einen grösseren Motor, nur bei 25 Prozent aller Käufe war der neue Motor kleiner als sein Vorgänger. Das aber ist problematisch. Denn in der Motoren-Technologie herrscht ein Trend zum «Downsizing» – viel Leistung aus immer kleinerem Hubraum: Ein kleiner 1.2-Liter-Motor in einem Neuwagen bringt

Der generelle Trend zum «Downsizing» gilt nicht nur für Handys und Computer: Auch moderne Automotoren werden immer kleiner und zugleich leistungsstärker, wie die Grafik veranschaulicht.

Viele Kunden berücksichtigen beim Autokauf nicht, dass ein kleiner Motor mit moderner Technologie mehr Leistung bringt als der grössere im alten Auto. Sie kaufen daher unter Umständen überdimensionierte Motoren, deren Leistung sich nicht ausnutzen lässt; zugleich steigt dann der CO2 -Ausstoss ihrer Autos.

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Die Autoren zeigen, dass die Orientierung an der Vergangenheit zu einer Effizienzlücke von ca. 3 % führt: Für das Jahr 2013 hätte der mittlere gCO2 / km-Wert 141 betragen, wenn es keine Treueraten gegeben hätte. In der Realität lag der Wert bei 145 gCO2 / km und damit 2.8 % höher. Der gCO2 / kmWert bezeichnet, wie viel Gramm Kohlendioxid ein Auto pro Kilometer ausstösst.

Was muss geschehen, dass die Kundschaft künftig bei neuen Personenwagen vermehrt auf die energieeffizienteste Technik setzt? Der Schlüssel zum Erfolg liege in der Kommunikation, lautet Peter de Haans Fazit. «Es reicht ganz offensichtlich nicht, energieeffiziente Technik anzubieten und sie durch Steuerrabatte finanziell attraktiv zu machen. Man muss auch reden über die Technik und einer kaufkräftigen Kundschaft, wie es Neuwagenkäufer und-käuferinnen sind, erklären, warum die Rabatte Sinn machen», so der Spezialist für Energieeffizienz und Kaufverhalten. «Wenn ich zehn Millionen zur Verfügung hätte, um Autos der Effizienzkategorie A finanziell zu vergünstigen, würde ich die Hälfte in die Vergünstigungen selbst stecken und die andere Hälfte in verständliche Broschüren, Quartierevents und Probefahrten.» Wieviel Geld künftig in Kommunikationsmassnahmen fliessen und was konkret kommuniziert werden soll – das müssen letztlich die politischen Gremien und Akteurinnen und Akteure entscheiden. Einige Vorschläge machen die Forschenden aber: «Es wird empfohlen, Massnahmen zu ergreifen, um den technischen Downsizing-Trend (mehr Leistung aus weniger Hubraum) vermehrt bekannt und bewusst zu machen, zum Beispiel durch entsprechende Medienartikel», schreiben sie. Auch regen sie mehr Information zur Energie­ etikette an. Es müsse klar kommuniziert werden, was die Abstufungen der Energieetikette bedeuten.

EFFIZIENT UND BERGGÄNGIG Und wie bekommt man die Vorstellung aus den Köpfen, im Alpenland Schweiz brauche


MOBILITÄT man für Bergfahrten grosse Motoren und Allradantrieb? Peter de Haan: «Man könnte mit Autos der Effizienzklasse A zum Beispiel ein Bergrennen mit Schneematsch durchführen. So würde anschaulich klar, dass diese Autos den Aufstieg sogar unter schwierigen Bedingungen gut schaffen.»

HINWEIS Den Schlussbericht zum Projekt finden Sie unter: www.bfe.admin.ch/ forschungewg/02544/02807/02808/ index.html?lang=de&dossier_id=06680 Weitere Auskünfte zu dem Projekt erteilt Dr. Anne-Kathrin Faust Leiterin des BFE-Forschungsprogramms Energie-Wirtschaft-Gesellschaft anne-kathrin.fast@bfe.admin.ch Weitere Fachbeiträge über Forschungs-, Pilot-, Demonstrations- und Leucht­ turmprojekte im Bereich EnergieWirtschaft-Gesellschaft finden Sie unter www.bfe.admin.ch/CT/divers.

Muss jedes Auto haben: die Energieetikette. Nur Neuwagen der Stufe A (Bild) sind besonders energieeffizient.

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CityCat CityCat2020ev 2020ev- Tradition Traditionmeets meetsinnovation innovation DieDie CityCat CityCat 2020ev 2020ev istist das das weltweit weltweit erste erste vollelektrische vollelektrische Kompaktkehrfahrzeug Kompaktkehrfahrzeug derder 2-m³-Klasse. 2-m³-Klasse. SieSie setzt setzt Massstäbe Massstäbe in in Bezug Bezug aufauf Lärmreduktion, Lärmreduktion, Emissionsfreiheit Emissionsfreiheit und und Effizienz, Effizienz, ohne ohne Kompromisse Kompromisse beibei derder Performance Performance einzugehen. einzugehen. Weder Weder Zuladung, Zuladung, SaugSaugoder oder KehrleisKehrleistung tung wurden wurden im im Rahmen Rahmen derder ElektrifizieElektrifizierung rung eingeschränkt. eingeschränkt. Besonderes Besonderes Augenmerk Augenmerk wurde wurde aufauf diedie Vereinbarkeit Vereinbarkeit vonvon Ökologie Ökologie undund ÖkonoÖkonomiemie gelegt. gelegt. Somit Somit ist die ist die CityCat CityCat 2020ev 2020ev deutlich deutlich leiser, leiser, völlig völlig abgasfrei abgasfrei undund aufauf lange lange Sicht Sicht kostengünstiger kostengünstiger als als Fahrzeuge Fahrzeuge mitmit einem einem Verbrennungsmotor. Verbrennungsmotor.

Bucher Bucher Municipal Municipal AG ·AG Murzlenstrasse · Murzlenstrasse 80 ·80 8166 · 8166 Niederweningen Niederweningen Telefon Telefon 044044 857857 22 11 22·11 Fax· Fax 044044 857857 22 49 22 49 www.buchermunicipal.com/sweepers www.buchermunicipal.com/sweepers · sweepers.ch@buchermunicipal.com · sweepers.ch@buchermunicipal.com

Dank Dank dem dem Entfall Entfall vonvon fossilen fossilen TreibTreibstoffen, stoffen, denden niedrigeren niedrigeren Wartungs-, Wartungs-, ServiceServiceundund Reparaturkosten, Reparaturkosten, fallen fallen diedie Betriebskosten Betriebskosten rund rund 75% 75% tiefer tiefer als als beibei herkömmlichen herkömmlichen Dieselfahrzeugen Dieselfahrzeugen aus.aus. EinEin einziges einziges Kehrfahrzeug Kehrfahrzeug kann kann jährjährlichlich etwa etwa 26 Tonnen 26 Tonnen CO2-Emissionen CO2-Emissionen einsparen. einsparen.


MOBILITÄT

BUCHER MUNICIPAL SCHONT UNSERE ERDE DANK UMWELT- UND KLIMAFREUNDLICHEM STRASSEN- UND WINTERDIENST

Bucher Municipal beweist, dass Kompaktkehrfahrzeuge noch umweltfreundlicher werden können. Mit seiner CityCat 2020ev brachte Bucher Municipal im Jahr 2016 das weltweit erste elektrisch betriebene Kompaktkehrfahrzeug in der gefragten 2-m3-Klasse auf den Markt. Mittlerweile ist der High-Performer, dank grossem Interesse, in Serienproduktion und die Nachfrage steigt stetig. Auch der vollelektrische Streuautomat Phoenix Electra gehört zu den Innovationen aus dem Hause Bucher Municipal. In den Behältergrössen 4 m3 bis 5 m3 verfügbar, bezieht er seine Antriebsenergie aus Akkus. Damit leistet Bucher Municipal einen weiteren Beitrag zu umwelt- und klimafreundlichem Strassen- und Winterdienst. Weil auch die Wartungs-, Service- und Reparaturkosten der Kehrmaschine beträchtlich tiefer sind, fallen die Gesamtbetriebskosten (engl. Total Costs of Ownership) bei einer typischen Lebenserwartung von sieben bis zehn Jahren sehr niedrig aus.

STREUMASCHINE PHOENIX ELECTRA

er Markt- und Technologieführer aus dem schweizerischen Niederweningen, präsentiert seinen Bestseller aus der 2-m³-Klasse mit lärmarmem und völlig abgasfreiem Elektroantrieb: die CityCat 2020ev. Ihre Lithium-Ionen-Batterie liefert mit einer Kapazität von 56 kWh genügend Elektrizität für acht Stunden Einsatz im vergleichsweise harten Fahrmodus für Verbrauchs-Testzyklen gemäss der Norm EN 15429-1. Dank dem starken OnboardLadegerät kann die Batterie innerhalb von zwei bis drei Stunden problemlos an öffentlicher und privater Infrastruktur geladen werden.

paktkehrmaschine auch gewohnt zügig zum Einsatzort. Ihre wirklichen Stärken zeigt die CityCat 2020ev jedoch im eigentlichen Betrieb. Bei gleicher Kehr- und Saugleistung wie das herkömmliche Modell mit Verbrennungsmotor produziert sie nämlich keinerlei Abgase, und ihr Lärmwert nach 2000 / 14/EG liegt bei gerade einmal 92 dB(A). Damit ist ihr Lärmpegel rund 10 dB(A) – also um ein Vielfaches – geringer als der Mittelwert der Konkurrenz mit konventionellem Dieselantrieb. Zur Erklärung: Das menschliche Gehör empfindet eine Lärmzunahme von 3 dB(A) als doppelt so laut.

Der Phoenix Electra kann Kommunen dabei helfen, einen umweltverträglichen Winterdienst auszuführen. Als weltweit erster professioneller elektrischer Streuautomat erzeugt er während des Einsatzes gegen Null tendierende Lärmemissionen sowie keine Abgase, er arbeitet damit CO2-neutral und hilft den kommunalen Strassendiensten in Zeiten von erhöhten Feinstaubwerten, die Emissionsgrenzen einzuhalten. Weil der Phoenix Electra nicht von der Fahrzeughydraulik angetrieben wird, bietet er den kommunalen Flottenmanagern zudem eine energieautarke Plug-and-Play-Lösung, die auf jedem beliebigen Trägerfahrzeug betrieben werden kann. Ein weiterer Umweltaspekt ist, dass weder Hydrauliköl noch Ölfilter verwendet und entsorgt werden müssen.

Äusserlich hat die CityCat 2020ev dieselben Abmessungen und damit auch dieselbe hohe Wendigkeit wie die konventionelle CityCat 2020, sie bietet überdies das gleiche hohe Kehrgutvolumen von 2 Kubikmetern und mit 1450 kg auch nahezu die gleiche Zuladung wie das Basismodell mit Dieselmotor. Auch die Bedienung von Fahrzeug und Besen ist die gleiche. Daher kann ein Fahrer ohne jegliche Umgewöhnung sofort vom Diesel- aufs Elektrofahrzeug umsteigen. Mit 40 km / h Spitzentempo fährt die Kom-

NACHHALTIGKEIT IM DOPPELPACK

ANTRIEB DURCH ONBOARD-BATTERIE

Das knickgelenkte 2-m³-Kehrfahrzeug verspricht einen nachhaltigen Strassenreinigungsdienst im Sinne von sehr leisen und völlig abgasfreien, Menschen und Umwelt schonenden Kehreinsätzen. Langfristig betrachtet können kommunale Flottenmanager und Dienstleister überdies auch Nachhaltigkeit in ihr Investitionsverhalten bringen. Die Energiekosten des Elektromodells sind sehr niedrig, da die Dieselkosten entfallen.

Konventionelle Streuautomaten werden indirekt vom Dieselmotor des Trägerfahrzeugs über dessen Bordhydraulik (mit entsprechenden Leistungsverlusten) angetrieben. Dagegen bezieht der neue Phoenix Electra seine Energie aus einer eigenen, wieder aufladbaren Batterie. Konkret handelt es sich um ein sehr schnell austauschbares Batteriepack, wie es auch schon seit langem erfolgreich bei Staplern

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Das komplett elektrisch getriebene Kompaktkehrfahrzeug Bucher CityCat 2020ev fährt nicht nur völlig abgasfrei und vielfach leiser als die Konkurrenz mit Dieselmotoren, sondern langfristig auch günstiger.

verwendet wird. Auf diese Weise kann der Phoenix Electra vor oder nach den Streueinsätzen auf dem Betriebshof über einen herkömmlichen 380-Volt-Anschluss aufgeladen werden; typischerweise halten jedoch Betreiber einen Satz von zwei Batteriepacks vor, die abwechselnd verwendet und aufgeladen werden. Zudem kann aber auch ein Batterie-Doppelpack verbaut werden, das die Reichweite noch einmal deutlich erhöht. Über ein zukünftig optional erhältliches Nachlaufrad mit Dynamo kann die Batterie des Streuautomaten später einmal sogar während des Streueinsatzes nachgeladen werden, wodurch eine lückenlose Energieversorgung gewährleistet wird. Die verschiedenen Möglichkeiten der Batterieladung: • Mit einem Schnellladegerät (wie bei einem Gabelstapler) • Mit einem zusätzlichen Nachlaufrad mit Dynamo • Durch ein TWS-System mit Generator • Mittels einem fest auf dem LKW verbauten Generator • Direkt durch den LKW (Voraus­ setzung: Verstärkte Lichtmaschine) Beim Phoenix Electra ersetzen hoch effiziente, bürstenlose Elektromotoren den herkömmlichen Hydraulikantrieb mit seinem

typischen, physikalisch bedingten Wirkungsgradverlust. Sie wirken mit einem minimalen Verlust an Wirkungsgrad direkt auf die Fördersysteme und liefern exakt die richtige Energiemenge zum Ausbringen des Streugutes. Zudem konnten die Konstrukteure von Bucher Municipal die elektronische Steuerung des Streuautomaten so genau auf die Motoren abstimmen, dass eine besonders hohe Dosiergenauigkeit und ein nahezu perfektes Streubild gegeben sind. Die nahezu wartungsfreien Elektromotoren verringern zudem die Wartungskosten.

KONTAKT Bucher Municipal AG Murzlenstrasse 80 CH-8166 Niederweningen Telefon +41 (0)44 857 22 11 Fax +41 (0)44 857 22 49 www.buchermunicipal.com

MIT JEDEM TRÄGERFAHRZEUG KOMPATIBEL Der Phoenix Electra erfordert keine Anbindung an bestehende Systeme des Trägerfahrzeugs und bildet damit seinen Betreibern eine willkommene Plug-andPlay-Lösung, um die kommunale Fahrzeugflotte flexibel im Winterdienst einzusetzen. Der Streuautomat ist technisch abgeleitet vom konventionellen Streuautomaten Bucher Phoenix, konzipiert für den Aufbau auf Lastkraftwagen von 16 bis 23 Tonnen, in Behältergrössen von 4 m² bis 5 m³ erhältlich und damit optimal für den innerstädtischen Einsatz geeignet. Die elektronische Steuerung steht für höchste Zuverlässigkeit und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der neue Streuautomat Phoenix Electra von Bucher Municipal wird vollständig elektrisch betrieben und ist mit jedem beliebigen Trägerfahrzeug kompatibel.

Ausgabe 2  / 2017 // Seite 77


MOBILITÄT

MOBILHYBRID – DER STROM­SPEICHER FÜR BAUSTELLENGENERATOREN AUTARK, UMWELTFREUNDLICH UND MOBIL Bimex Energy AG präsentiert mit dem MobilHybrid eine kostensparende Hybridlösung im Bereich der dezentralen Stromversorgung

D

er MobilHybrid ist ein innovatives Speichersystem, das zwischen Stromerzeuger und Stromverbraucher geschaltet wird. Der Mobil Hybrid speichert den Strom aus dem Stromerzeuger und gibt ihn je nach Bedarf an die Verbraucher in genau der richtigen Menge wieder ab, ganz ohne Strom zu verschwenden. Überall auf der Welt werden Diesel oder Benzingeneratoren eingesetzt, wenn Strom benötigt wird und kein Netzanschluss vorhanden ist. Bei Baustellen, bei Veranstal-

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tungen im Grünen oder bei Umbauten in der Industrie. Bei all diesen Anwendungsfällen wird sehr ungleichmässig elektrischer Strom benötigt, die Last schwankt zwischen 100 % und wenigen Prozent während der Nacht oder Ruhephasen. Genau für diese Anwendungsfälle wurde der MobilHybrid entwickelt. Er sorgt mit seiner innovativen Technik dafür, dass der Stromerzeuger abgeschaltet werden kann, wenn die Last der Stromverbraucher klein ist, also kleiner als die Nennleistung des

eingesetzten MobilHybrid. Geht die Energie im Speicher zu Ende oder steigt die Leistung der Last über die Leistung des MobilHybrids, schaltet der MobilHybrid den Stromerzeuger automatisch ein. Reicht die Energie des Stromerzeugers für die Last nicht aus, so schaltet sich der MobilHybrid zu und die beiden Stromquellen addieren sich durch die Power-Boost Funktion. Neben der Reduzierung von Lärm und Emission lassen sich durch den Einsatz des MobilHybrid bis zu 50 % der Diesel- und Wartungskosten reduzieren.


MOBILITÄT

DAMIT DER STROM NIE AUSGEHT Kochen, telefonieren, Geld abheben, im Internet surfen, Musik hören … Dies sind Tätigkeiten die in unserem normalen Alltag immer wieder vorkommen. Doch was machen wir wenn die Schweiz keinen Strom mehr hat? Nichts von dem kann gemacht werden, wenn sich der Strom verabschiedet. Es verändert sich aber nicht nur unser Privatleben, sondern auch die Geschäftswelt. Was macht ein Spital, wenn ihre Lebenswichtigen Geräte nicht mehr funktionieren? Dies sind wichtige Fragen und die Antwort darauf hat Bimex Energy AG. Vor allem in Ausnahmesituationen wird uns deutlich vor Augen geführt, in wie vielen Bereichen des täglichen Lebens wir vom elektrischen Strom abhängig sind. Sicherheit und Power bedeutet, dass Notstromanlagen während 24 Stunden pro Tag und an 365 Tagen pro Jahr zuverlässig in Bereitschaft sind oder dezentrale Verbraucher täglich mit elektrischer Energie von BimexStromaggregaten beliefert werden.

elektrische Verbraucher beispielsweise in der Landwirtschaft, der Bahntechnik, bei Baufirmen, Events, in Gemeinden und für private Anwendungen. Einfachste Kleinstromaggregate mit Benzinmotoren bis hin zu komplexen mobilen Stromaggregaten mit Dieselmotor inklusive Russfilter liefern Tausende von Kilowattstunden im dezentralen Einsatz. • Sicherheit

Bei der Planung und in der Herstellung von Notstromanlagen werden nicht nur die Sicherheitsaspekte des stromliefernden Aggregates berücksichtigt, sondern auch das gesamte Notstromkonzept im elektrischen und mechanischen Bereich. Das Bimex-Team mit seinem Know-how prüft das gesamte Riskmanagement inklusive Steuerungen, Verteilungen, Raumdisposition, Lüftung, Abgassystem und Brennstoffversorgung. Externe Faktoren wie Hochwasser, Lawinen, Blitzschlag, extreme Hitze und Kälte, aber auch Vandalismus und Fehlmanipulationen werden ebenfalls berücksichtigt.

• Strom für jede Situation

Power liefern Stromerzeuger im täglichen Einsatz als Netzersatzaggregate. Ist kein Netz vorhanden, speisen Stromaggregate

• Von der Planung zur Wartung

Stromaggregate und Notstromanlagen bedürfen besonderer Wartung. Bimex-

Techniker überprüfen die Stromaggregate und vor allem die Notstromanlagen zusammen mit dem Kunden auf ihre Zuverlässigkeit und Sicherheit. Heute dürfen die Stromversorgung und der Betrieb für die Umbauten oft nicht unterbrochen werden, deswegen müssen die Einsätze gut koordiniert und mit höchster Konzentration durchgeführt werden. Dank seiner grossen Erfahrung bietet das Bimex-Team individuelle und projektbezogene Notstromkonzepte. • Unsere Mietflotte

Mietstromaggregate werden unter anderem für temporäre Einsätze an Konzerten, Open-Air-Veranstaltungen und anderen Events eingesetzt. Die Kompetenz der Bimex Energy AG ermöglicht auch die Realisierung von komplexen Einsätzen der Mietaggregate mit Ingenieurleistungen, Umbauten und Installationen vor Ort. Zur Mietflotte gehören moderne Stromaggregate mit BimexSteuerungen, spezielle Lastumschaltschütze, Synchronisationssteuerungen, Baustromverteiler, Lastwiderstände, Beleuchtungsmasten, Leistungskabel und Anhänger.

WEITERE INFORMATIONEN Herr Beat Müller Geschäftsführer der Bimex Energy AG steht Ihnen unter der Nummer +41 (0)33 334 55 61 und per Mail unter beat.mueller@bimex.ch gerne zur Verfügung.

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MOBILITÄT

MOBIL IN TIME WINTERKÄLTE-AKTION 2017 /  2018 GROSSE RABATTAKTION FÜR MOBILE KÄLTE UND TIPPS VOM EXPERTEN Mobil in Time beschert noch vor Einbruch des Winters attraktive Rabatte auf ausgewählte Klimageräte und mobile Kälteanlagen. Denn Kalte Tage bieten eine gute Gelegenheit zur Generalüberholung oder Ablösung stationärer Kälteanlagen, während Produkte von Mobil in Time die Produktivität des Unternehmens sichern.

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m Rahmen ihrer Winterkälte-Aktion gewährt die Mobil in Time AG ab sofort zusätzliche 10 % Rabatt auf alle Miet­ artikel aus dem Sortiment mobiler Kälteanlagen und Klimageräte. Das Angebot gilt für Mietzeiträume bis einschliesslich 31. März 2018.

Obendrein profitieren Betriebe während der Wintermonate von einer optimalen Verfügbarkeit sämtlicher Produkte und Leistungsklassen.

Warum es sich im Winter besonders lohnt mobile Kälte überhaupt zu mieten, verraten unsere Expertentipps:

Dank des ausgeprägten Service- und Logistiknetzwerks gewährleistet Mobil in Time zudem das ganze Jahr über eine schnelle Lieferung im Bedarfsfall und ebenso rasche wie auch tatkräftige Unterstützung im Notfall.

KÄLTEANLAGEN IM WINTER AUF VORDERMANN BRINGEN

VORTEILE BEI DER MIETE VON WINTERKÄLTE:

Kalte Tage sind der optimale Zeitpunkt für Wartungsarbeiten, Modernisierungen oder Sanierungen am stationären Kältesystem. Sobald niedrige Aussentemperaturen die Betriebszeit der Kühlanlage reduzieren, sinkt auch die benötigte Leistung mobiler Kälteanlagen und damit der Mietpreis.

• Optimale Verfügbarkeit der Kälteanlagen

DIE MOBIL IN TIME WINTERKÄLTE-AKTION AUF EINEN BLICK: • 10 % Zusatz-Rabatt auf

alle mobilen Kälteanlagen und Klimageräte • Gültig für neue Aufträge ab Auftragsdatum 1. 10. 2017 • Gültig für den Mietzeitraum ab sofort bis 31. 3. 2018

HINWEIS

in allen Leistungsklassen • Verbesserter Wirkungsgrad der

Mietkälte durch niedrige Aussen­ temperaturen • Insgesamt günstigere Mietkonditionen bei maximaler Effizienz

Alle Informationen zur Mobil in Time Winterkälte-Aktion 2017/    2018 gibt es unter: www.mobilintime.com/de-ch/dienst­ leistungen/winterkaelte-aktion-20172018

Mobil in Time senkt bis 31. März 2018 die Preise für Mietkälte

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Wärme Mieten Sie mobile Wärme

Die Kälte-Experten von Mobil in Time bieten Monoblock- und Split-Klimageräte. Top-Beratung und professioneller Service inklusive.

KONTAKT Mobil in Time AG Mattenstrasse 3 8253 Diessenhofen 24-h-Hotline: 0848 201 201 info@mobilintime.ch www.mobilintime.com

ÜBER MOBIL IN TIME Mobil in Time ist der Schweizweit führende Anbieter mobiler Energielösungen. Wir vermieten, fertigen und verkaufen mobile Energiezentralen in den Bereichen Wärme, Kälte, Pellet und Dampf. Als Vermietungsspezialist betreiben wir mit über 700 Anlagen den grössten Miet-Anlagenpark der Schweiz – vom kompakten Kleingerät mit wenigen kW bis zur Grossanlage im Megawattbereich. Bewährte unternehmerische Werte wie Zuverlässigkeit, Qualität und Service prägen Mobil in Times Arbeitsweise. Mobil in Time: Ihr Kompetenzpartner für mobile Energie.

Einsatzbereit, zuverlässig und leistungsstark. Jetzt flexible mobile Wärme in allen Leistungsgrössen für jede Anwendung ganz einfach mieten. Vom Spezialisten angeschlossen und in Betrieb genommen. Profitieren Sie von professionellem Rundum-Service.

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AUS- UND WEITERBILDUNG

ETH STUDENTEN REVOLUTIONIEREN DEN GARDEROBENMARKT Mehr Komfort und gleichzeitig Platz sparen. ETH Studenten entwickeln das weltweit platzsparendste Garderoben- und Aufbewahrungssystem für Kleidung und Handgepäck.

Zippsafe wird nicht nur als Dienstleistungssystem vom Detailhandel nachgefragt, sondern auch als platzsparende Mitarbeitergarderobe von Betrieben, Hotels, Büros und Spitäler, in denen sich Mitarbeiter umziehen müssen. «Wer eine Garderobe- & Aufbewahrungslösung sucht und gleichzeitig wenig Platz zur Verfügung hat, ist bei uns genau an der richtigen Adresse», erklärt Carlo Loderer, CEO und Mitgründer.

M

it dem innovativen Ansatz der Verwendung von textilen Ablagefächern, können Kleidung und Handgepäck bequem eingeschlossen werden. Ermöglicht wird dies durch einen selbstentwickelten intelligenten Stoff, der bei einem Diebstahlversuch Alarm auslöst. Im Unterschied zu herkömmlichen Garderoben- und Aufbewahrungslösungen wie z. B. Schliess­ fächer, nimmt dieses System nur dann Platz in Anspruch, wenn es tatsächlich genutzt wird. Das innovative Produkt wird bereits in Einkaufszentren eingesetzt. Die Anwendungsmöglichkeiten sind jedoch fast grenzenlos.

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Hohe Marktakzeptanz zeigte sich bereits bei der Markteinführung von Zippsafe in den grösseren Einkaufszentren der Migros-Aare. «In den ersten drei Monaten hat sich die Anzahl Belegungen alle zwei Wochen verdoppelt und sich inzwischen auf mehrere Tausend Benutzer pro Monat ein­g ependelt», erinnert sich David Ballagi, CTO und Mitgründer. Obwohl der Vertrieb für den Shopping Center Markt in der Schweiz erst seit diesem Jahr läuft, hat Zippsafe bereits international Projekte, z. B. in Paris und Dubai. Zudem wurden schon weitere Branchen auf das innovative System aufmerksam:

Um die weitere Expansion schneller voranzutreiben, hat man inzwischen Investoren und Experten an Bord geholt.
So sitzen im Verwaltungsrat Jonathan Grahm von www.siroop.ch, Stefan Portmann, ehemaliger Präsident und Mitbesitzer des Modehauses Schild, und Yves von Ballmoos, ehemaliger CEO und Inhaber von Zingg-Lamprecht.

KONTAKT Zippsafe AG Europa-Strasse 17 CH-8152 Glattbrugg Telefon +41 (0)44 510 81 00 info@zippsafe.ch www.zippsafe.ch


MIT ENERGIE IN DIE ZUKUNFT AUSBILDUNG IM WANDEL Die weltweiten Trends der Energiewende lauten Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung. Der technologische und gesellschaftliche Wandel verändern sowohl unsere Versorgung wie auch unseren Umgang mit Energie.

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it dem Wandel der Energieversorgung, wie einer Veränderung von zentral zu dezentral und einer Veränderung des Energiemixes, verändern sich auch die Aufgaben und benötigten Kompetenzen im Energiebereich. Es entstehen neue Aufgaben, u. a. geprägt durch Informatik (Internet of Things IoT und Industrie 4.0). Die klassische Energietechnik wird erweitert durch eine «System»-Sicht. Es entstehen neue Berufsbilder und neue Unternehmen. Die Weiterbildung soll auf diese Veränderungen vorbreiten. Der im

Februar 2018 startendende neue Zertifikatskurs CAS Energie digital der NTB Interstaatlichen Hochschule in Buchs nimmt sich dieser Thematik an. Mit der Aktualisierung des seit 2007 erfolgreichen Master-Programms «MAS Energiesysteme» bietet die NTB eine zukunftsorientierte Ausbildung, basierend auf der langjährigen Tradition einer fundierten Ingenieurausbildung. Mit einem starken Praxisteil wird die Lücke zwischen Energieforschung und dem umsetzenden Handwerk geschlossen. Der Kurs CAS Erneuerbare Energien

gibt einen Überblick über erneuerbare Energieproduktion und deren effiziente Nutzung. Der CAS Elektrische Energiesysteme fokussiert auf PV, elektrischen Netzen, Speichern und E-Mobilität. Es wird auf aktuelle Fragestellung der dezentralen Versorgung wie Eigenverbrauchsoptmierung eingegangen. Im CAS Energie und Wirtschaft werden Instrumente aus der Management Lehre für den aktiven Ingenieur vermittelt. Dies ermöglicht den Teilnehmern eine erfolgreiche Umsetzung und Beratung von Energieprojekten. In der NTB ist auch der Sitz des führenden Forschungs- und Prüfzentrums für Wärmepumpen WPZ. Der CAS Wärmepumpen / Kältetechnik gehört zum festen Bestandteil des MAS Energiesysteme, da diese Technologie auch in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Wärmebereitstellung durch Steigerung der Energieeffizienz liefern wird. Durch Absolvieren von vier der fünf angeotenen Kurse und einer Master Thesis kann der Master-Abschluss erlangt werden. Typische Studierende des Masterprogramms besitzen eine mehrjährige Berufserfahrung und sind in führenden Positionen tätig. Ihre Motivation ist einerseits eine berufliche Neuorientierung Richtung Energie oder andererseits einer fachliche Weiterbildung auf dem Gebiet Energie.

WEITERE INFORMATIONEN www.ntb.ch/energiemaster

Ausgabe 2  / 2017 // Seite 83


AUS- UND WEITERBILDUNG

INDUSTRIE 4.0 EIN AKTUELLES THEMA IM HIGHTECH ZENTRUM AARGAU INDUSTRIE 4.0 STÄRKT DEN WERKPLATZ SCHWEIZ Neben Innovationsberatung auch – auch mit Einsatz von Nano- und Energietechnologien – organisiert das Hightech Zentrum Aargau Veranstaltungen, informiert über regulatorische und normative Gesetzesänderungen, hält Fachvorträge und kommuniziert regelmässig in den Medien. Dank der guten Vernetzung des Hightech Zentrums Aargau mit kompetenten Partnern erhalten KMU einen schnellen Zugang zur Industrie, zu Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsinstituten.

Das Hightech Zentrum Aargau in Brugg – Kompetenzzentrum Industrie 4.0 im Aargau.

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ie Erfahrung der Technologie- und Innovationsexperten im Hightech Zentrum zeigt auf: Damit Industrie 4.0 gelingt, braucht es keinen Umsturz. Es geht darum, das Vorhandene aufzugreifen, das Machbare zu realisieren. Einmal getätigte Investitionen können bei guter Beratung in die neue Welt von Industrie 4.0 übernommen und eine bereits bestehende Infrastruktur kann nachträglich mit vernetzter Intelligenz ausgerüstet werden. Auch KMU können von den neuesten Technologien profitieren. Ihre überschaubaren Produktionswege erlauben eine relativ einfache Integration komplexer Systeme. Sie haben dank flexiblen Strukturen die Voraussetzung, rasch auf die neuen Anforderungen zu reagieren.

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KOMPETENZZENTRUM INDUSTRIE 4.0 IM AARGAU «Industrie 2025» nennt sich die nationale Initiative, die sich die Stärkung des Werkplatzes Schweiz zum Ziel gesetzt hat. Sie stützt sich in ihrem Vorgehen auf das international ausgerichtete Konzept von Industrie 4.0. Das Hightech Zentrum Aargau engagiert sich als Partnerunternehmen bei «Industrie 2025». Das Kompetenzzentrum «Industrie 4.0» der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), das Industrie-Netzwerk der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK), die Technologietransfer- und Beratungsstelle FITT sowie das Hightech Zentrum Aargau sorgen dafür, dass Unternehmen im Kanton Aargau die Vorteile von Industrie 4.0 bestmöglichst

nutzen können. So wie Alessandro Medici, CEO Power-Blox AG, mit seiner innovativen Energiespeicherlösung.

INNOVATIVE ELEKTRONIK Die Idee des Energiewürfels aus dem Aargau ist, privaten Haushalten und dem Kleingewerbe – vornehmlich in Ländern, die über keine eigene oder sichere Stromversorgung verfügen – eine Stromquelle zur Verfügung zu stellen. Neu und innovativ ist die integrierte Elektronik und damit verbunden die Möglichkeit, mehrere Würfel intelligent in Serie zu schalten. Einerseits erhöht sich dadurch die Leistung, anderseits erkennt das System einen möglichen Leistungsabfall einer Power-Blox und ist in der Lage, diesen sofort auszugleichen.


AUS- UND WEITERBILDUNG

Mai 2015: Alessandro Medici ® und Bernhard

November 2016: Das Gehäuse der Power-Blox wird bei Utz AG in Bremgarten serienmässig produziert.

Isenschmid mit einem Prototypen.

Das heisst, die einzelnen Geräte kommunizieren untereinander, oder wie Medici erklärt: «Innerhalb einer Nutzergemeinschaft, zum Beispiel weit draussen im afrikanischen Busch, können sämtliche Geräte zu einem Schwarm vernetzt werden. Braucht ein Nutzer einmal nicht so viel Strom, wird die überschüssige Energie automatisch dorthin weitergeleitet, wo gerade ein erhöhter Bedarf besteht.»

ROBUST UND DENNOCH SCHÖN Für die definitive Umsetzung des Gehäuses braucht es einen Kunststoffspezialisten, der in der Lage ist, die hohen Erwartungen an das Produkt zu erfüllen. Zum einen setzt Medici auf Form und Aussehen: «Ich möchte ein reduziertes Design, eine schlanke Form. Die Power-Blox soll gut aussehen. Es gibt keinen Grund, warum etwas – vor allem wenn es für ein Drittweltland entwickelt wurde – nicht auch schön sein darf.» Zum anderen geht es aber auch darum, ein robustes Gehäuse zu entwickeln und zu bauen. Schliesslich ist die Power-Blox Wind und Wetter – und in Afrika vor allem auch der Hitze – ausgesetzt. Das Hightech Zentrum Aargau hilft bei der Suche nach dem richtigen Gehäusebauer und initiiert dazu einen Workshop, bei dem die Probleme vor Ort und unter Beteiligung aller am Projekt Involvierten diskutiert werden.

DAS GEHÄUSE: MADE IM AARGAU Am Workshop mit dabei ist auch Douwe Hoekstra, Technischer Leiter bei Georg Utz AG in Bremgarten. Kompetent und lösungsorientiert präsentiert er die Möglichkeiten, welche die Erwartungen von Alessandro Medici erfüllen würde. Schnell wurde klar, dass eine Zusammenarbeit der

beiden Aargauer Firmen zum Ziel führen könnte. 18 Monate später ist das Ziel erreicht: Das Gehäuse für die Power-Blox wird bei Utz AG in Bremgarten serienmässig produziert.

CHECK-UP FÜR INDUSTRIEBETRIEBE In den letzten drei Jahren hat sich im Rahmen der Firmenberatungen im Hightech Zentrum gezeigt, dass zu Beginn immer die gleichen Fragestellungen auftauchen. Bernhard Isenschmid, Technologie- und Innovationsexperte im Hightech Zentrum Aargau hat deshalb einen Fragekatalog zusammengestellt. Die Auswertung der Antworten im Quick-Scan zeigt den Unternehmerinnen und Unternehmen, wo Handlungsbedarf besteht – vor allem in Hinblick auf Industrie 4.0. Ziel dieses Fragebogens ist, Unternehmerinnen und Unter-

nehmer einen ersten Anhaltspunkt zu geben, wie weit das Thema Industrie 4.0 bereits umgesetzt wird. Die Resultate werden in einem «Industrie 4.0 – Spyder» mit den aktuellen Benchmarks verglichen. In einem zweiten Schritt wird im persönlichen Gespräch und in einem Workshop die Ausgangslage im Rahmen einer Erstberatung vertieft analysiert werden. Nach Abschluss dieser Schritte werden spezifische Handlungsempfehlungen abgebeben werden, die dann das Unternehmen umsetzen kann – auf Wunsch auch mit weiterer Unterstützung des Hightech Zentrums Aargau.

KONTAKT www.hightechzentrum.ch

Der Schwerpunkt Energietechnologien und Ressourceneffizienz des HTZ richtet sich in den Jahren 2018 bis 2022 thematisch auf die Felder Energiesysteme, Energietechnologien und Ressourceneffizienz aus. Die künftige Energielandschaft erhält durch den Ausbau lokaler erneuerbarer Energieerzeugung und deren Kombination mit diversen Speichertechnologien und der Elektromobilität einen verstärkt systemischen Charakter. Neben dieser Abstimmung von Energieverbrauch und -erzeugung spielt die Energie- und Ressourceneffizienz eine immer wichtigere Rolle. Über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes oder Gebäudes gesehen soll ein möglichst optimaler Verbrauch an Energie und Material erreicht werden. Unternehmungen aus dem Kanton Aargau werden vom HTZ bei Innovationsprojekten im Energie- und Ressourcenbereich begleitet und unterstützt. Hier werden speziell Energiespeicher- und Effizienzprojekte im Baubereich adressiert, wie auch Wind-, Biomassen- und Solarenergie Projekte gefördert. Ausserdem werden mit Projektpartnern aus Verwaltung, Gewerbe und Industrie Ge­­meinschaftsprojekte gesucht und aufgegleist, die sich ressourcen­ mässig und thematisch nur in einem erweiterten Rahmen entwickeln lassen, wie z. B Smart City Projekte.

Ausgabe 2  / 2017 // Seite 85


AUS- UND WEITERBILDUNG

LIFE LONG LEARNING DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG Die Wichtigkeit einer Weiterbildung ist allgemein anerkannt und ein lebenslanges Lernen ist ein absolutes Muss, um die persönliche Marktfähigkeit in einem digitalen Umfeld zu steigern und den täglichen Herausforderungen zu begegnen.

W

er sich auf dem Arbeitsmarkt durchsetzen will, muss sein Wissen konstant auffrischen und erweitern. Der Wettbewerbsdruck steigt kontinuierlich und mit der steigenden nationalen und internationalen Konkurrenz verschärft sich der Kampf um attraktive Arbeitsplätze. Die Anforderungen und Anforderungsprofile an Mitarbeitende haben sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Wer eine Position innerhalb eines Unternehmens einnimmt, unabhängig von der Hierarchiestufe, muss nicht nur theoretisches und praktisches Wissen, sondern auch ein grosses Repertoire an Erfahrung, Sozialkompetenzen und Kontakten mitbringen.

entsprechenden Aufgabengebiete der einzelnen Mitarbeitenden. Vermehrt werden neben den technischen Grundkenntnissen auch betriebswirtschaftliche Zusatzausbildungen und Sozialkompetenzen verlangt, um den täglichen Herausforderungen zu begegnen. Um gezielte Entscheidungen zu treffen, müssen wirtschaftliche Zusammenhänge erkannt und die entscheidenden Managementinstrumente zum richtigen Zeitpunkt adäquat eingesetzt werden. Der Druck sich dieses Instrumentarium anzueignen wird somit vom täglichen Arbeitsumfeld vorgegeben.

DIE RICHTIGE WAHL IST WICHTIG UND ENTSCHEIDEND!

evaluieren, um im Nachhinein nicht erkennen zu müssen, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Viele Kriterien spielen eine entscheidende Rolle. Ein wichtiger Faktor, der die Wahl beeinflusst, ist der Zeitaufwand. Für viele ist die grösste Schwierigkeit, die beruflichen und privaten Herausforderungen mit einer Weiterbildung zu kombinieren. Um das Kriterium Zeit zu relativieren, ist deshalb eine flexible Studiendauer und ein flexibler Studienaufbau ein absolutes Muss. Aber auch die Flexibilität und Modularität, um sich einen massgeschneiderten Lehrgang, welcher die persönlichen Bedürfnisse abdeckt, zu ermöglichen, muss oben auf der Prioritätenliste stehen.

Durch internationale Arbeits- und Tätigkeitsfelder, neue Technologien und den digitalen Wandel verändern und erweitern sich die

Wer in seine eigene Zukunft investiert und sich für eine Weiterbildung entscheidet, tut gut daran, die Angebote im Vorfeld zu

Weitere Punkte die es ebenfalls zu beachten gilt, sind: die Qualität der Institution

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AUS- UND WEITERBILDUNG und des Abschlusses, sowie die Zertifizierung und die weltweite Anerkennung der Weiterbildungsinstitution. Zusätzlich sollte eine Weiterbildung ausgewählt werden, welche die Teilnehmenden auf den beruflichen Alltag und neue Geschäftsmodelle in einem digitalen Umfeld vorbereitet. Für ein erfolgreiches Studienprogramm spielt die Kombination von Theorie und Praxis eine entscheidende Rolle. Den Teilnehmenden muss ein guter Mix aus praktischen Beispielen und theoretischen Grundlagen angeboten werden. Als Indikator für die Qualität der Kurse gelten dabei die Dozierenden, welche ihre Erfahrung aus der akademischen Welt und der Industrie in die Programme einfliessen lassen. So zeichnen sich gute Weiterbildungsinstitute durch ihre kompetenten und international tätigen Lehrkräfte aus, welche zudem über ein interessantes Netzwerk verfügen.

DER WEG ZUM ERFOLG Das nötige Wissen und die analytischen, fachlichen wie auch zwischenmenschlichen Fähigkeiten zur erfolgreichen Bewältigung dieser zunehmend digitalen Herausforderung werden durch die Weiterbildungsprogramme des iimt vermittelt. Im Vordergrund stehen: • interaktive Lernerlebnisse • renommierte nationale und

internationale Dozierende • Verknüpfung von Theorie und Praxis Studierenden werden die notwendigen Fähigkeiten in einzelnen Fachkursen sowie den Executive CAS, Executive Diploma oder Executive MBA Programmen vermittelt, welche für den Erfolg in einem zunehmend komplexer werdenden Umfeld notwendig sind. Somit erhalten sie die Kompetenzen, um Herausforderungen rasch möglichst zu erkennen und zu meistern. Ein wichtiges Element am iimt sind gerade auch die Dozierenden und Industrie-Experten, welche durch konkrete Praxis- und Fallbeispiele substanzielle Lösungsansätze bieten.

UNSERE NÄCHSTEN KURSE Competitiveness: 14.–15. November 2017 Selected Legal Issues: 16.–17. November 2017 Project Management: 21.– 24. November 2017 Strategic Management 1: 9.–10. Januar 2018 Strategic Management 2: 11.–12. Januar 2018

UNSERE LEHRGÄNGE

iimt Universität Fribourg Bd de Pérolles 90 CH-1700 Fribourg

Executive MBA Management in Technology Executive Diploma Management Excellence Executive Diploma Digital Leadership Executive CAS Strategies & Innovation Executive CAS Financial Decision Making Executive CAS Leadership & HR Management Executive CAS Project Excellence Executive CAS Innovation Management & Intrapreneurship

iimt@unifr.ch I www.iimt.ch

Anmeldung und Informationen unter www.iimt.ch erhältlich

KONTAKT

Ausgabe 2  / 2017 // Seite 87


VORSCHAU

IMPRESSUM Herausgeber rundschauMedien AG St. Jakob-Strasse 110 CH-4132 Muttenz / Basel Telefon +41 61 335 60 80 Telefax +41 61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch www.rundschaumedien.ch

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Sicherheit Die nächste Ausgabe erscheint im Mai 2018 Jahresabo Zwei Ausgaben CHF 19.– Einzelpreis CHF 10.– Kontaktieren Sie uns gerne: info@rundschaumedien.ch

AUSGABE 02/2017

ALLE REDEN VON DER SMART CITY – WIR BAUEN SIE ERFOLGREICHE IT-SICHERHEIT GEHT ALLE AN STAUANLAGEN MÜSSEN HOCHWASSERN STANDHALTEN

ENERGIEMANAGEMENT

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MINERGIE

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IT-SICHERHEIT

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WASSERWIRTSCHAFT

Wiedergabe von Artikeln und Bildern auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt.

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Autoren Jan Erik Schulien Rittal AG Markus Limacher Anita Vonmont Max Raeb Andreas Wisler Sabine von Stockar Dr. Benedikt Vogel Roland Baer Kimberly Iseli Titelbild ELEKTRON AG Fotos & Grafiken BFE, AVAG AG ZHAW Wädenswil ARA Morgental Fleco Power AG Rittal AG, Fotolia Martin Vogel Swissgrid iStock, Shutterstock Axpo Kompogas AG BaerMedia-Basel BEKON Johann Stark Saia-Burgess Controls AG SUPSI, SwissCOD BFE, de Haan / EBP Dissertation Zeimetz Dr. Benedikt Vogel Fleco Power AG Hertig and Fallot IB Aarau Wärme AG Imboden / HSLU Swissgrid WSL / SCCER BIOSWEET


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GEMEINSAM VORSPRUNG GESTALTEN steiner.ch

Der Umgang mit wertvollen Ressourcen bestimmt unsere Zukunft. Nachhaltigkeit ist deshalb für Steiner eines der wichtigsten Kriterien bei der Entwicklung und Realisierung von Immobilien. Dabei zählt jedes Detail. Um Lösungen zu gestalten, die Bedürfnisse heutiger Generationen erfüllen, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. Und die es auch morgen noch ermöglichen, gemeinsam Vorsprung zu gestalten.

energieRUNDSCHAU 02/2017  
energieRUNDSCHAU 02/2017