bauRUNDSCHAU 03/2021

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DEN BLICK WEITEN DIE AUSRICHTUNG DER BANK WIR

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AUSGABE 03 / 2021

BRUNO STIEGELER CEO DER BANK WIR

KREISLAUFWIRTSCHAFT | BESSERE SOLARLÖSUNGEN | FRAUEN UND DESIGN | PASSENDE MÖBEL


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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, Die Debatten zum Klimawandel und zu weiteren ökologischen Fragestellungen haben eine strategische Schwachstelle. Immer wenn auf Panels oder in Talkshows konkrete Vorschläge auf den Tisch kommen, stellen einige selbsternannte Zeitgeistsurfer folgende Argumentationsfigur in den Raum: Ihr predigt den Verzicht, wollt uns zurück in die Steinzeithöhle führen und uns schlicht unser schönes Leben mit zwänglerischen Moralpredigten vermiesen. Nach solchen Debatten sehen die Mahnerinnen und Mahner des Klimawandels und für einen ökologischen Umbau der Gesellschaft oft ziemlich alt aus. Die Lufthoheit über den Stammtischen und in den Boulevardmedien ist wiederhergestellt. Was ist zu tun? Es gilt, die Debatte um 180 Grad zu drehen. Mehr Klima- und Artenschutz und die Kreislaufwirtschaft der Baubranche bedeuten mehr Lebensqualität. Schon vor Jahren hat Minergie dies vorgemacht. Mehr bauliche Ökologie bedeutet mehr Lebensqualität, bessere Energiebilanz und eine Wertsteigerung für das Gebäude. In diese Richtung gilt es, das Narrativ der Debatten oder neudeutsch das Framing zu verschieben. Auf der Swissbau, der wir in dieser Ausgabe einen Schwerpunkt widmen – unser Highlight –, gibt es dazu einige Veranstaltungen. Im Rahmen dieser Ausgabe thematisiert Peter Dransfeld, der den Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) präsidiert, den Themenkomplex. Für ihn gibt es mittlerweile eine ansehnliche Anzahl an Bauten, die Nachhaltigkeit und einen hohen Anspruch an die Gestaltung konsequent verbinden. Dabei helfen die vielen neuen und smarten digitalen Helferlein. Worauf warten wir? Die Baubranche kann das Leben schöner machen.

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Wir sehen uns auf der Swissbau!

Georg Lutz

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BØRRESEN 02


INHALT

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SWISSBAU ÖFFNET DIE TÜREN Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind die inhaltlichen Schwerpunkte der Swissbau. Betrachtet man die Messeformate, hat sich einiges verändert: Mit dem Konzept Swissbau City wird die Leitmesse der Bau- und Immobilienwirtschaft in der Schweiz von Grund auf neugestaltet. Im Zentrum stehen die neuen Marktplätze, die zusammen mit Swissbau Focus und Swissbau Innovation Lab die Swissbau 2022 zur Live-ExperiencePlattform machen.

VORFAHRT FÜR DIE SONNE Dass Photovoltaik einen wesentlichen Beitrag zur zukünftigen Energieversorgung der Schweiz, Europas und der Welt leisten muss, bestreitet kaum jemand mehr. Um zu zeigen, wie der erforderliche beschleunigte Ausbau erreicht werden kann, präsentieren wir vorbildliche Referenzprojekte und klare Positionierungen.

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TRENDFARBE GRÜN Viel Grün, das war schon in den Parks und den Garten­ siedlungen des 19. Jahrhunderts zu beobachten, lässt darauf schliessen, dass bei der Raumentwicklung der Städte an deren Einwohner gedacht wurde. Leider wurden viel zu viele Grünflächen in den letzten Jahrzehnten versiegelt. Inzwischen ist Grün wieder eine Frage des Prestiges. Wenn dazu noch saubere Wasserflächen kommen, stimmt die Lebensqualität.

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ARBEIT UND LEBEN Heutige Bürolandschaften beinhalten unterschiedlichste Funktionsräumlichkeiten. Es geht um Kommunikation, Beratung, Showroom, das Arbeitszimmer als Rückzugsraum und natürlich das klassische Büro. Welchen gestalterischen Rahmen setzen Designerinnen und Designer hier ein? Der Zeitgeist setzt Zeichen.

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INHALT

94 SCHWEIZER KÜCHENPREIS Der 12. Küchenkongress war eine spannende Mischung aus unterschiedlichen Vortrags- und Kommunikationsformaten. Das Highlight am Schluss war die Preisverleihung des Swiss Kitchen Awards. Wir stellen die beiden Preisträger der Fachjury und die Bewertung der Verantwortlichen vor.

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PFLANZEN IM RAUM Menschen, die von Pflanzen umgeben sind, fühlen sich besser. Sie haben positive Wirkungen auf Körper, Geist und Seele und verbessern zudem das Raumklima, da sie Schadstoffe abbauen und die Luft reinigen. Pflanzen bringen daher nicht nur die Schönheit der Natur ins Haus, sondern tragen in vielerlei Hinsicht zu einem positiven Raumklima bei.

WIEDER VOR ORT

RUBRIKEN Editorial 1 Highlight 10 Bauen 50 Umwelt & Technik 70 Architektur 82 Innenarchitektur 88 Garten 120 Kolumnen 12, 18, 20, 76, 78 Impressum 128

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Nach langer Zurücknahme freuen wir uns, Sie bei Veranstaltungen und Messen wieder persönlich zu treffen: Unter anderem sind wir im Januar 2022 an der Swissbau vor Ort. Gerne können Sie mit uns auch im Vorfeld Termine für ein Gespräch vereinbaren.

IM WEB Wir halten Sie zwischen den Ausgaben mit aktuellen News, Fotostrecken, Kolumnen und Analysebeiträgen auf dem Laufenden. Sie sind gerne eingeladen, sich crossmedial zu beteiligen. Zum Beispiel mit News: 1000 Zeichen, Bild und URL. Besuchen Sie www.baurundschau.ch


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HIGHLIGHT

QUALITÄT STATT QUANTITÄT DIE SWISSBAU UND IHRE HERAUSFORDERUNGEN von Georg Lutz

Messen spiegeln gesellschaftliche Wirklichkeiten wider. Davon können auch die Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger der Baubranche ein Lied singen. Die digitale Transformation und die Bekämpfung des Klimawandels sind die zentralen Stichworte. Dazu kommt eine Pandemie, die einfach nicht verschwinden will. Messeveranstalter wie die der Swissbau müssen sich bewegen – flexibel sein. Dazu braucht man Geld und Zeit. Beides ist nicht mehr viel vorhanden. Früher ging die gesamte Belegschaft von Unternehmensabteilungen zur Swissbau – Quantität zählte. Das sind Tempi passati, heute wollen die Unternehmensverantwortlichen die Entscheidungsträger gewinnen und inhaltlichen Mehrwert geboten bekommen. Es zählt Qualität. Lösungsszenarien lassen sich mit drei Stichworten zusammenfassen: Verdichtung, Vernetzung, Kollaboration. Dazu braucht es neue Stand- und Messekonzepte. Die Marktplatzstrategie der aktuellen Swissbau, bei der es mehr kleine Stände und weniger grosse Stände gibt, die sich unter einem gemeinsamen thematischen Dach präsentieren, ist hier ein Lösungsszenario. Zudem ist eine analoge Messe heute gleichzeitig auch eine digitale Plattform.

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© Swissbau.ch

HIGHLIGHT


KOLUMNE

SWISSBAU 2022

AUF ZUR NEUEN SWISSBAU 2022! von Rudolf Pfander

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ätte mir jemand vor zwei Jahren gesagt, dass die Swissbau 2022 aufgrund einer Pandemie auf der Kippe steht, hätte ich der Person wohl nicht geglaubt. Wer hätte gedacht, dass sich unser Leben kurz nach der letzten Swissbau grundlegend verändern wird. Jetzt stehen wir kurz vor der nächsten Messe. Und ich bin sehr dankbar, dass der Swissbau 2022 nichts mehr im Weg steht. Dass wir uns alle wieder persönlich treffen können, steigert meine Freude zusätzlich. Für eine grosse Messe ist die Vorbereitungsphase zentral. Es gilt, neue Messegefässe zu entwickeln, Partner zu akquirieren und Aussteller zu überzeugen. Das bedeutet, dass wir uns bereits kurz nach der jeweiligen Messe daran machen, neue Innovationen zu entwickeln. So sind die kommenden Premieren mit den Quartieren, den Marktplätzen und den Speakers Corners in der neuen Swissbau City entstanden. Wir schaffen damit neue Begegnungszonen, fördern die Interaktion und unterstützen die Wissensvermittlung. Smarte Teilnahmemöglichkeiten wie unsere neuen All-in-Theken oder digitale Neuheiten wie die Blackbox gehören auch dazu. Aussteller suchen innovative Lösungen für die Präsentation ihrer Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen. Sie suchen den Austausch mit ihren Kunden. Das alles wollen wir mit der Swissbau ermöglichen. Die Formel ist klar: ohne Innovation keine Aussteller, ohne Aussteller keine Messe. Das gilt auch für grosse Branchenveranstaltungen wie die Swissbau. Zu sagen, dass die Ausstellerakquisition einfach ist, wäre gelogen. Nichtsdestotrotz haben wir es erneut geschafft, eine vielfältige Ausstellerschaft für eine Teilnahme zu begeistern. Das wird zum Beispiel in der Trendwelt Bad sichtbar, wo Branchenleader ihre Neuheiten in einzigartiger Atmosphäre präsentieren. Aber auch in den Themenbereichen Rohbau & Gebäudehülle und Gebäudetechnik präsentieren sich führende Unternehmen und innovative KMU. Dazu kommen Gemeinschaftsstände aus Deutschland, Österreich und Italien, wo sich spannende Firmen mit ihren Produkten und Innovationen vorstellen. Unseren Themenpartnern Laufen, Hörmann und Sie-

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mens danke ich einmal mehr für ihre aktive Unterstützung und ihr klares Bekenntnis zur Swissbau. Im Swissbau Focus, dem Format für Veranstaltungen und Networking, bieten wir gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Medien eine Plattform für den interdisziplinären Austausch und Wissenstransfer. Der Themenschwerpunkt «Neue Perspektiven für eine nachhaltige Zukunft» soll die Auseinandersetzung mit den Fragestellungen unserer Zeit fördern und mit kontroversen Debatten in über 80 Veranstaltungen zum Mitdenken anregen. Es liegt an unserer Generation, den Schweizer Gebäudepark zu transformieren, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und langfristig eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Hautnah erleben, welche digitalen Lösungen heute schon Realität sind und welche die Zukunft der Branche prägen werden, kann man im Swissbau Innovation Lab. Die Plattform für digitale Transformation zeigt, wie viel Innovation in der hiesigen Bauwirtschaft steckt. Themenfokus 2022: «Die Wertschöpfungskette im Kontext der Digitalisierung». In Collaboration zeigen die Laborpartner auf, wie sie gemeinsam das High Performance Building der Zukunft bauen. Die Ergebnisse werden auf der Messe im iRoom präsentiert – nicht verpassen! Wie gesagt: Für mich ist es keine Selbstverständlichkeit, dass die Swissbau «nach Plan» über die Bühne gehen wird. Umso dankbarer bin ich unserem Publikum und unserem Partnernetzwerk. Denn sie ermöglichen es, dass wir Ausgabe für Ausgabe die Grenzen sprengen können, um mit der Swissbau für alle ein einmaliges Messeerlebnis zu schaffen.

RUDOLF PFANDER ist Brand Director der Swissbau, MCH Messe Schweiz (Basel) AG. www.swissbau.ch


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SWISSBAU 2022

Hörmann Schweiz AG

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«EINFACH BESSER» SMARTE LÖSUNGEN AUF DER SWISSBAU Interview mit Andreas Breschan von Georg Lutz

Auf den Türen der Swissbau stehen unübersehbar zwei Megathemen: Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Bei der Hörmann Schweiz AG ist man vorbereitet und präsentiert bei Toren und Türen – den Kernthemen des Hauses – den Dreiklang «sicher, effizient und klimaneutral». Wir führten mit Andreas Breschan, dem CEO der Hörmann Schweiz AG, das folgende Interview. Dank des smarten Bedienungssystems «Homee» lassen sich die Produkte von Hörmann digital ansteuern.

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essen und Grossveranstaltungen haben in der Pandemie einen schweren Stand gehabt. Sie haben oft schlicht nicht stattgefunden. Jetzt beginnen einige wieder die Türen zu öffnen, so auch die Swissbau. Allerdings sind nicht alle Aussteller im Vergleich zu vor zwei Jahren wiedergekommen. Die Ausstellerzahl ist gesunken. Warum ist Ihr Haus trotzdem auf der Messe vertreten? Wir haben den persönlichen Kontakt mit Kunden vermisst. Dieser lässt sich durch den virtuellen Austausch nicht gänzlich ersetzen. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Deshalb setzen wir weiterhin auf diese Form der Kunden-Beziehungspflege. Ausserdem gibt es für uns in der Schweiz keine zweite Plattform wie die Swissbau, um in so kur-

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zer Zeit so viele Kunden und Partner zu treffen und ihnen unser grosses Sortiment zu präsentieren. Sind die analogen Welten also nicht vollständig durch digitale Welten zu ersetzen? Genau so ist es. Die soziale Interaktion zwischen Menschen lässt sich durch den digitalen Austausch nie ersetzen. Trotzdem müssen Messen heute zusätzliche Mehrwerte bieten. Ist die Swissbau heute noch eine Messe oder nicht eher eine Messeplattform? Ich denke, sie ist beides – und das ist gut so. Die Messe bietet uns eine Plattform, um mit aktuellen und potenziellen Kunden in Kontakt zu kommen. Wichtig sind aber

auch die fundierten inhaltlichen Angebote. Da überschneiden sich analoge und digitale Welten. In unserer Branche macht es sicher auch in Zukunft Sinn, Produkte und Dienstleistungen physisch erlebbar zu machen. Es gibt aber offensichtlich weniger riesige Stände, sondern eher kleinere Plattformen, die aber einen klaren inhaltlichen Rahmen haben. Ein Beispiel ist das Innovation Lab. Auch grosse Stände können einen klaren inhaltlichen Rahmen haben, das muss sich nicht zwingend widersprechen. Es liegt in der Natur der Sache und entspricht den aktuellen Entwicklungen, dass die nachhaltigen Veränderungen, welche in der Baubranche anstehen, inhaltlich thematisiert und ins Zentrum gerückt werden. In die-


Hörmann Schweiz AG

HIGHLIGHT

Die Industrie-Sektionaltore der neuen Baureihe 60 schliessen schneller als jedes andere vergleichbare Produkt auf dem Markt und sorgen so für eine beträchtliche Energiekosten-Reduktion.

lassen. Die Anbieter sollen sich gegenseitig befruchten. Dies ist ein neuer Ansatz. Der Erfolg dieses Konzepts wird stark von der Qualität abhängen, mit der diese Begegnungsflächen bespielt werden. Ich bin gespannt auf das Resultat und finde es erfrischend, dass die Swissbau den Mut hat, etwas Neues zu wagen. Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind seit einigen Jahren Dauerbrenner und es besteht die Gefahr der Ermüdung. sem Zusammenhang wächst das Bedürfnis, sich zu spezifischen Themen auszutauschen. Diesem Bedürfnis tragen die Verantwortlichen der Swissbau mit ihrem neuen Konzept Rechnung. Eine Messe wie die Swissbau ist für uns auch eine grosse Weiterbildungsveranstaltung. Zwei inhaltliche Stossrichtungen zeichnen sich ab: Nachhaltigkeitsthemen und Digitalisierung. Wie bewerten Sie hier die Konzeption der Messeverantwortlichen und wie spiegelt sich das bei Hörmann wider? Die Swissbau wird mit dem neuen «CityFormat» – sogenannten Marktplätzen – diese Fokusthemen ausleuchten und Aussteller sowohl mit Besuchern als auch anderen Ausstellern in Interaktion treten

Ja, es gilt, beide Begriffe wieder scharf zu stellen und attraktiv zu präsentieren. Ich frage daher konkret: Wie passen die Schwerpunktsetzungen der Messe von Hörmann dazu? Das passt für uns gut. Wir bieten als erster Hersteller klimaneutrale Tore und Türen an und die Digitalisierung hält auch in unseren Bauelementen immer mehr Einzug – etwa in der Art und Weise, wie sie angesteuert, bedient und überwacht werden. Es gehört jedoch weit mehr dazu, sich als Hersteller von anderen Anbietern abzuheben. Das wollen wir auf dieser Swissbau mit dem Slogan «Einfach besser» deutlich dokumentieren. Wenn wir den Klimawandel abbremsen wollen, braucht es klimaneutrale Wert-

schöpfungs- und Produktionsketten. Ein zentrales Stichwort heisst hier Kreislaufwirtschaft. Das ist keine leichte Aufgabe, sondern eine Umwälzung der Verhältnisse, vergleichbar mit der industriellen Revolution vor 150 Jahren. Fühlen Sie sich da nicht überfordert? Das ist bestimmt eine grosse Herausforderung, denn Nachhaltigkeit muss letztlich profitabel sein, nur so kann sie funktionieren. Wir fühlen uns gefordert, nicht aber überfordert. Es liegen interessante und vielversprechende Konzepte auf dem Tisch, die nun nach und nach implementiert werden müssen. Dabei ist es wichtig, dass alle zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen. Wie gehen Sie in Ihrem Hause damit um? Ein grosser Anteil unserer Produkte ist bereits heute weitgehend rezyklierbar. Bei der Produktion von Garagentoren und Haustüren nutzen wir einhundert Prozent Ökostrom. Sie sehen, wir haben uns die konsequente Reduktion des CO2-Ausstosses in der Produktion auf die Fahne geschrieben. Der verbleibende ökologische Fussabdruck wird durch die Unterstützung von Klimaprojekten zur Aufforstung und zur Erzeugung von Windkraft kompensiert. Auf diese Weise wird ein grosser Teil unserer Produkte klimaneutral.

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HIGHLIGHT

Das kann aber nur als erstes Zeichen gewertet werden, da mit dem Handel von Klimazertifikaten an den Wertschöpfungsketten selbst nichts verändert wird. Richtig, das ist nur ein erster Schritt. Es muss uns gelingen, unseren Produkten ein zweites respektive weitere Leben einzuhauchen. Dazu gibt es bereits konkrete Ideen, die auch wirklich umgesetzt werden können. Machen wir uns aber nichts vor, das wird nicht über Nacht gelingen. Sicher können Sie uns dazu auch ein Beispiel von Hörmann verraten. Ja, zum Beispiel können aus alten Aluminium-Türrahmen neue Türgriffe hergestellt werden, ohne dass sie durch halb Europa gefahren und mit einem hohen Energieeinsatz eingeschmolzen werden müssen. Das geschieht im Rahmen eines Umformungsverfahrens: Das Aluminium wird in Kleinstteile verarbeitet und dann durch die entsprechende Matrize gepresst. Wir sind auch dabei, Türen ein zweites Leben zu ermöglichen. Das hört sich banal an. So kann ich aus einer alten Holztür ein kleiner Gartentisch mit zwei Sitzgelegenheiten entwickeln. Nachhaltigkeit wird oft mit Verzicht gleichgesetzt und hat daher zu wenig Durchschlagskraft. Es geht aber auch anders. Nachhaltigkeit kann schön sein und mehr Lebensqualität bringen. Stimmen Sie dieser These, die auf der Swissbau eine zentrale Rolle spielen wird, zu? Ja, voll und ganz. Nachhaltigkeit schliesst die Themen Sicherheit, Komfort und gutes Design nicht aus. Wir widmen uns diesen gleichsam und steigern so die Lebensqualität aller, die mit unseren Produkten und Dienstleistungen in Berührung kommen. Ja, dahingehend brauchen wir ein anderes Narrativ. Sonst läuft man schnell Gefahr, Nachhaltigkeit mit Verzicht zu verbinden, womit grosse Teile der Bevölkerung nicht mitgenommen, sondern abgeschreckt werden. Beim Thema «Digitalisierung und die Baubranche der Schweiz» gibt es aus meiner Sicht einen Gap. Grosse Player sind schon gut unterwegs. Schon vor vier Jahren wurde auf der Swissbau das Bundeshaus in Bern digital nachgebaut und präsentiert. Viele kleine Akteure haben aber immer noch Luft nach oben. Beim Thema Building In-

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Stylische Lofttüren sorgen für ein Ambiente mit dem gewissen Etwas an Optik.

formation Modeling (BIM) kann man dies deutlich erkennen. Stimmen Sie dem zu? Grundsätzlich schon. Es ist allerdings nicht immer nur eine Frage der Unternehmensgrösse, sondern vor allem auch eine Frage der vorhandenen Ressourcen sowie der Innovationskraft einer Unternehmung. Wir können einen Grossteil unserer Produkte in BIM integrieren. Für kleine Unternehmen gibt es die Hürden der hohen Investitionen und der Verunsicherung, was das Thema Klarheit betrifft: Welches Format und wel-

che Plattform werden sich am Markt nun grundsätzlich durchsetzen? Wie kann diese Lücke geschlossen werden? Beim Thema BIM scheint mir das Etablieren von Standards, mit denen die verschiedenen Akteure zusammenarbeiten, sehr wichtig. Fehlen diese, ist die Investition für die Unternehmen oft zu riskant. Es braucht aber auch mehr Mut zu neuen Lösungen und Arbeitsweisen. Letztlich muss der Markt die Digitalisierung einfordern, damit


Hörmann Schweiz AG Hörmann Schweiz AG

Andreas Breschan ist CEO der Hörmann Schweiz AG.

sich selbst eine Offerte in kurzer Zeit automatisiert erstellen zu lassen. Kann man das auch auf der Swissbau begutachten? Ja, all die erwähnten Punkte lassen sich an unserem Stand (Halle 1.0, D36 / 38 / E30) erleben.

«Wir fühlen uns gefordert, aber nicht überfordert.» Das Thema Digitalisierung braucht neue Wege der Aus- und Weiterbildung. Wie geht Hörmann mit dieser Herausforderung um? Wir bauen eine eigene Akademie auf. Diese ist nicht nur für Kunden, sondern auch für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da. So wollen wir die Zukunft positiv gestalten.

es vorwärts geht. Das ist in der Schweiz noch zu wenig der Fall. Ist technologisch aber Marktreife vorhanden? Ja, trotzdem stehen noch viele Akteure am Spielfeldrand und greifen nicht aktiv in das Geschehen ein. Man wartet ab, wie sich das Spiel entwickelt, und entscheidet dann, ob man mitspielen will.

Wie ist hier Ihr Haus aufgestellt? Wir bieten BIM-Dateien für einen grossen Teil unserer Produkte bereits an und das Angebot wird in grossen Schritten ausgebaut. Weiter bieten wir bereits viele digitale Lösungen zum Betrachten, Konfigurieren und Bedienen unserer Produkte an – was vor allem für den Produktverwender und Entscheider wichtig ist. Für Privatkunden ist es mit unserem CASA-Tool möglich,

Hat das auch mit dem Ausbau des Hauptsitzes in Oensingen zu tun? Ja, Schulungsräume brauchen Platz. Da sind wir bereits in der Umsetzung. Die neue Lagerhalle steht im Rohbau und mit dem Bau unseres Schulungscenters, der Hörmann Akademie, wird in Kürze begonnen. Bis im Herbst 2022 sind wir hier neu aufgestellt.

DIE HÖRMANN SCHWEIZ AG AN DER SWISSBAU 2022

• Halle 1.0 / Stand Nr: D36 / 38 / E30

Hörmann Schweiz AG | Nordringstrasse 14 | CH-4702 Oensingen | Tel.: +41 (0) 62 388 60 60 | info@hoermann.ch | www.hoermann.ch

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SWISSBAU 2022

KOLUMNE

NACHHALTIGKEIT – ASKESE ODER LUST? von Peter Dransfeld

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ass wir unserem Wirtschaften eine nachhaltige Komponente verleihen müssen, wird seit bald 50 Jahren öffentlich diskutiert. Dabei schwingt seit jeher die Befürchtung mit, dass dies auf Verzicht hinauslaufen müsse. Als die Ölkrise ausbrach, als wir begannen, über Energiesparen zu sprechen, als Waldsterben und Luftverschmutzung in aller Munde waren, stand immer auch im Raum, wir müssten uns einschränken. Stimmt das? Ist Nachhaltigkeit gleichbedeutend mit Verzicht? Mein persönlicher Einstieg ins Thema Nachhaltigkeit begann mit Experimenten. Als Jugendlicher experimentierte ich mit alten Autoscheinwerfern und alten Fenstern, um zu sehen, wie sich die Kraft der Sonne einfangen lässt. So war für mich der Weg zu einem umweltgerechteren Leben mit Neugier und der Freude am Entdecken verbunden. Aber auch mit purem Genuss, wenn ich zum Beispiel an Velotouren denke, die ich Autofahrten vorzog. Natürlich ist Verzicht auch eine Komponente der Nachhaltigkeit. Fahren wir weniger weit, wohnen wir auf weniger Fläche, heizen und kühlen wir unsere Räume weniger, dann sparen wir Ressourcen, dann handeln wir klimagerecht. Dennoch bestand die Herausforderung für mich immer darin, gute Lösungen – namentlich beim Bauen – zu finden, die keine Einschränkung beim Komfort, bei der Lebensfreude, beim Genuss bedeuten, was durchaus möglich ist. Denken wir an komfortable Autos mit tiefem Energieverbrauch, denken wir an Plus-Energie-Häuser mit höchstem Wohnkomfort, denken wir an intelligente kleine Apparate, die weit mehr können und leisten als die Energieschleudern, die wir früher herstellten: Klimagerechtes Leben und Wirtschaften muss nicht auf Einschränkung und Verzicht hinauslaufen, es lässt sich mit einem genussvollen Leben vereinbaren. Mit dieser Botschaft ist es mir seit über 25 Jahren gelungen, Bauherrschaften vom Sinn einer nachhaltigen Bauweise zu überzeugen. Leider ist es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass einige Pionierprojekte des nachhaltigen Bauens die Gestaltung vernachlässigten. So litt das energieeffiziente Bauen lange unter dem Vorurteil, hässliche Resultate hervorzubringen. Begreift man Lösungen wie zusätzliche Wärmedämmungen oder den Einsatz solarer Komponenten aber auch als gestalterische Herausforderung,

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dann bieten sie ein besonderes Potenzial. Auch dank neuer Produkte und Systeme gibt es mittlerweile eine ansehnliche Anzahl von Bauten, die Nachhaltigkeit und einen hohen Anspruch an die Gestaltung konsequent verbinden. Der nächste Schritt beim klimagerechten Bauen wird uns erneut herausfordern: Nicht nur die Wiederverwendung von Baustoffen, auch diejenige von Bauteilen ist ein Gebot des konsequent nachhaltigen Bauens. Wieder könnte man befürchten, dass dies nur zum Preis unpraktischer, unwirtschaftlicher und unansehnlicher Lösungen möglich sei. Diese Ansicht teile ich nicht. Ich bin vielmehr zuversichtlich, dass es uns mit offenem Geist, mit Kreativität und mit Mut zu neuen Lösungen gelingen wird, wiederverwendete Bauteile auf überzeugende Weise in neue Projekte zu integrieren, sowohl in funktionaler als auch in ästhetischer Hinsicht. Verzicht und Askese oder Lebensfreude und Komfort? Für mich ist es letzteres, was zum klimagerechten Bauen gehört. Hinzu kommt die Freude für uns Baufachleute, laufend neue Lösungen zu suchen und diese permanent weiterzuentwickeln. Packen wir es an!

DER SIA AN DER SWISSBAU Der SIA veranstaltet im Rahmen des Swissbau Focus vom 18. bis 21. Januar verschiedene Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft – unter anderem «Beim Planen den Rückbau mitplanen: zirkular und remontabel» am 19. Januar von 11 bis 12 Uhr und am selben Tag von 17 bis 18.15 Uhr «Überleben und Schönheit – ein Widerspruch?».

PETER DRANSFELD ist Architekt und präsidiert den Schweizerischen Ingenieurund Architektenverein (SIA). Er ist Inhaber des Architekturbüros Dransfeldarchitekten AG. www.sia.ch


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KOLUMNE

SWISSBAU 2022

BEGRIFFE AUF DEM PRÜFSTAND – FOLGE ZWEI1 von Dr. Urs Wiederkehr

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aum zu glauben, vor allem für die jüngeren Leserinnen und Leser: Es hat eine Zeit vor der Digitalisierung gegeben. «Wie die Welt in den Computer kam», schildert ETHGeschichtsprofessor David Gugerli in seinem gleichnamigen Buch. Dinge entwickeln sich und man kann sich stets fragen, was vorher gestanden hat und was nachher stehen wird. Vorwiegend werden zwei Entwicklungsreihen propagiert, in die sich die Digitalisierung als vierten Schritt einreiht: Die Erfindung der Dampfmaschine und der Elektrizität sowie die ersten Automatisierungsbemühungen vor rund 50 Jahren gelten als Vorreiter der Digitalisierung, wie sie in der Industrie 4.0 gesehen wird. Den gleichen Beginn, die Ablösung der Muskelkraft durch die Dampfmaschine, wählt die «Arbeitswelt»-Reihe. Die Erfindung des Fliessbands und der Übergang in die Dienstleistungsgesellschaft sind hier die Zwischenschritte bis zur Digitalisierung. Ich selbst favorisiere folgende Variante: Die Digitalisierung ist die vierte Stufe der Entwicklung der Medien. Der deutsche Soziologe Dirk Baecker propagiert diese in seinem Buch «4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt». Darin erläutert er, warum das Phänomen der Digitalisierung nicht nur die Industrie- und die Arbeitswelt, sondern die Gesellschaft als Ganze bis tief ins Private durchdrungen hat, was bei der Betrachtung der Digitalisierung als rein technische Errungenschaft verlorengeht. Baecker verfolgt präzise die Entwicklung der Medien. In den tribalen Urgesellschaften erfolgte der Übergang von einer Ausdrucksweise über Gebärden zur Sprache (1.0). In der Antike bekam die Sprache mit der Schrift (2.0) ein Gedächtnis und man musste nicht mehr unmittelbar anwesend sein, wenn gesprochen wurde. Auch konnte das Tempo der Informationsaufnahme vom Tempo des Informationsempfangs getrennt werden, wodurch Zeit für das Reflektieren des Vermittelten gewonnen wurde. In der modernen Gesellschaft ist mit der Erfindung des Buchdrucks (3.0) die Verbreitungsmöglichkeit der Information verstärkt worden, denn vorher musste für jede Kopie eine Abschrift durch menschliche Arbeit gemacht werden, was in der Antike vor allem Sklaven und

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im Mittelalter vor allem Mönche in Klöster leisteten. Die Stufe 4.0, die Digitalisierung, ist in diesem Sinne eine kontinuierliche Entwicklung, welche Sprache, Schrift und Buchdruck integriert und um eine hinsichtlich des Orts und der Zeit universale Verbreitungsmöglichkeiten ergänzt. Die Welt wird damit zum globalen Dorf und die Zeit der Verbreitung löst sich quasi sofort auf, wie es der kanadische Kommunikationswissenschaftler Marshall McLuhan vor 60 Jahren prophezeit hat. Baecker zeigt auch auf, dass jede neue Medienform die Gesellschaft zuerst überfordert hat, da sie darauf in keiner Art und Weise vorbereitet war. Die Gesellschaft reagiere auf Neues zuerst mit Ablehnung und schrecke auch vor übler Nachrede nicht zurück, wenn es dazu dient, das bessere Verstehen zu blockieren. In diesem Sinne steht die Polarisierung rund um den Begriff «Digitalisierung» im geschichtlichen Kontext betrachtet in bester Gesellschaft. Es hat fast 5 000 Jahre gedauert, bis nach der Erfindung der Schrift das obligatorische Schulwesen in der Schweizerischen Bundesverfassung (1874) verankert wurde. Dazwischen ist noch der Buchdruck erfunden worden. Andererseits baut die Entwicklung der Medien auf nachhaltigen Konzepten auf, denn es ist eine fortgesetzte Entwicklung erkennbar, die auf längere Sicht ausgelegt ist. Und diese Nachhaltigkeit wird in der Fortsetzung dieser Kolumne Thema sein. ANMERKUNG 1) Die Kolumne bildet den zweiten Teil einer Serie von Kolumnen zum Themenkomplex Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

DR. URS WIEDERKEHR ist Dipl. Bau-Ing. ETH / SIA und Leiter des Fachbereichs «Digitale Prozesse» der Geschäftsstelle des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA. www.sia.ch



SWISSBAU 2022

HIGHLIGHT

IN FRÜHEN PROJEKTPHASEN INTEGRIERTE, AUTOMATISIERTE NACHHALTIGKEITSANALYSEN von Natasha Catunda, Luisa Claus, Esther Rusnak und Manuel Frey

Die Themenbereiche Nachhaltigkeit und Digitalisierung werden leider zu oft als getrennte Felder betrachtet. Das ist ein Fehler. Der folgende Beitrag aus der Praxis beleuchtet die Chancen, aber auch Herausforderungen, wenn Akteure die Bereiche zusammenbringen.

Zwölf Themenfelder und 45 Indikatoren im Blick haben.

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ie Baubranche steht vor grossen Aufgaben. 40 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen sind dem Bau und Betrieb von Gebäuden zuzuordnen. Um die Klimaerwärmung zu begrenzen, müssen die globalen Emissionen in den nächsten acht Jahren halbiert werden. Das Bauwesen muss sich dieser Herausforderung aufgrund der genutzten materiellen und monetären Ressourcen und der Umweltwirkungen stellen.1 Die Dringlichkeit von Veränderungen in der Baubranche ist den meisten bekannt. Überwältigt werden wir (die Planenden) jedoch von der

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Vielzahl an möglichen Massnahmen zum Erreichen von Nachhaltigkeit in der Baubranche. Komplexe Rahmenbedingungen und eine Vielzahl von Vorschriften müssen berücksichtigt werden.2 Das überfordert teilweise sogar die leidenschaftlichsten Nachhaltigkeitsaktivisten und verleitet dazu, die Herausforderungen nicht motiviert und konsequent anzugehen. Wie können der Energieverbrauch und die Emissionen aus der gebauten Umwelt sinnvoll reduziert werden? Wie können wir in allen Dimensionen nachhaltige Gebäude

planen? Und wie erreichen wir die Zustimmung und Mitwirkung der gesamten Baubranche, um die notwendigen Massnahmen zu ergreifen? Wir bei Gruner planen, bauen und managen Bauwerke nicht nur für Kunden, sondern auch für die Gesellschaft. Dabei sind wir bestrebt, für eine lebenswerte Zukunft zu bauen und negative Auswirkungen auf die Umwelt auf ein Minimum zu reduzieren. Deshalb bieten wir nachhaltige Lösungen an und entwickeln uns entsprechend den aktuellen Bedürfnissen und Technologien


HIGHLIGHT

Generieren von Gebäudegeometrien in frühen Projektphasen.

stetig weiter. Unseren Kunden bieten wir Sicherheit in Bezug auf Kosten und Zeit.

STANDARD UNTERSTÜTZT KOMPROMISS Um die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen im Bauwesen zu unterstützen, hat sich in der Schweiz der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) etabliert. Das umfassende Konzept beurteilt die Nachhaltigkeit anhand von zwölf Themenfeldern, die jeweils den drei Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt zugeordnet sind. Er wird angewendet für das Gebäude an sich

sowie den Standort im Kontext seines Umfeldes und betrachtet den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie. Dadurch werden Bedürfnisse von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt gleichermassen in die Bewertung von Planung, Bau und Betrieb miteinbezogen. Zielkonflikte können deutlich gemacht werden. Der Standard unterstützt beim Finden des optimalen Kompromisses. Der manuelle Arbeitsaufwand für die Bewertung nach SNBS ist jedoch hoch und lässt sich nur schwer in einen agilen Arbeitsprozess, in dem schnelle Handlungs-

fähigkeit gefordert ist, einbinden. Vor allem in frühen Projektphasen, in denen Entscheidungen grossen Einfluss auf die Nachhaltigkeit haben, ist jedoch eine schnelle Rückmeldung gewünscht.

FÜR ALLE PROJEKTBETEILIGTE NUTZBAR Gruner setzt hier auf den Einsatz der integrierten, automatisierten Nachhaltigkeitsanalyse mithilfe innovativer Methoden, Prozesse und Werkzeuge. Ziel ist es, die Bewertung der Nachhaltigkeit weitgehend zu automatisieren und Optimierungsvorschläge in allen

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HIGHLIGHT

Early Stage Design Cockpit (in Grasshopper / Rhino), Bewertung des Energiebedarfs und Treibhausgasemissionen-Erstellung.

Phasen des Projekts schnell überprüfen zu können. Als Werkzeug hat sich hier die visuelle Programmierumgebung Grasshopper etabliert. Im Gegensatz zu textuellen Programmiersprachen, die Kenntnisse der komplexen Befehls-Syntax und grosse Abstraktionsfähigkeit erfordern, werden keine Text-Codes, sondern grafische Elemente für die Programmierung verwendet. Die grafische Programmierung ist leichter zu erlernen und baut technische und fachliche Barrieren durch die weitgehend simple Bedienung ab. Die Entwicklung ist so für alle Projektbeteiligten nutzbar und kann in Kooperation weiterentwickelt werden. Voraussetzung für die automatisierte Berechnung und Bewertung ist eine struktu-

BEARBEITUNGSFELDER UND VERANTWORTLICHE Esther Rusnak (Generalplanung) Martin Beyeler (Bauphysik) Manuel Frey (Bauklimatik) Judith Rütsche (Raumplanung) Natasha Catunda (Computational Design & Engineering) Michael Bont (Infrastruktur) Kai Hitzfeld (Biodiversität) Julia Bernecker (Mobilität) Ullrich Dickgiesser (Bauwerkserhalt)

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rierte, homogenisierte Datengrundlage. Diese umfasst sowohl Daten zum Standort und Monitoring als auch Daten aus gesetzlichen Vorgaben (Normen). Externe Anbieter wie Luucy, Nomoko oder Esri mit ArcGIS stellen diese Daten digital und zentral zur Verfügung. Auf den cloudbasierten Plattformen sind 3-D-Modelle zu Topografie und bestehenden Gebäuden mit Informationen zu baurechtlichen Grundlagen, Informationen der amtlichen Vermessung oder kartierte Energien und Medien gespeichert. Mithilfe der Daten können in einem ersten, automatisierten Schritt die standortbezogenen Chancen und Grenzen für die Planung ausgelotet und, darauf basierend, mögliche Gebäudegeometrien für die frühe Planungsphase erstellt werden. Bei der Zusammenarbeit mit Projektbeteiligten, die im Hinblick auf die Digitalisierung auf einem hohen Niveau agieren, ist auch der Import einer parametrisierten Gebäudegeometrie möglich. Soll die Entwicklung in späteren Planungsphasen zum Einsatz kommen, in denen die Geometrie schon feststeht, kann ebenfalls eine Geometrie importiert werden.

ANMERKUNGEN 1) Leitfaden Nachhaltiges Bauen, 2019 (bund.de) 2) www.linkedin.com/pulse/esg-real-estate-messagecop-26-backfiring-lucienne-mosquera/?trackingId= wcJYsIRKQHaLe97b%2Fw12hA%3D%3D 3) www.nnbs.ch/standard-snbs-hochbau

NATASHA CATUNDA ist Projektingenieurin / Computational Designer Gebäudetechnik Bern bei der Gruner Roschi AG.

LUISA CLAUS ist Projektingenieurin / Computational Designer Gebäudetechnik Bern bei der Gruner Roschi AG.

ESTHER RUSNAK ist Architektin M.Sc. und verantwortet Nachhaltigkeit im Planungsund Bauprozess, Projektleitung und Generalplanung bei Gruner.

MANUEL FREY ist Abteilungsleiter Digitale Planung / Bauklimatik Gebäudetechnik Bern bei der Gruner Roschi AG. www.gruner.ch


HIGHLIGHT

Der Wasserhahn, der alles kann 100 °C KOCHENDES, GEKÜHLTES SPRUDELNDES UND STILLES WASSER Mit dem Quooker erhalten Sie alle Wassersorten aus einer Armatur: warmes, kaltes, 100 °C kochendes sowie gekühltes sprudelndes und stilles Wasser. Ein Quooker spart Zeit, Energie sowie Platz und ist dabei für Groß und Klein sicher im Gebrauch. Erhalten Sie mehr Informationen auf www.quooker.ch Scannen Sie den QR-Code und konfigurieren Sie Ihren Quooker in Augmented Reality.

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SWISSBAU 2022

HIGHLIGHT

HOLZ TRIFFT AUF HOCHHAUS NACHWACHSENDER ROHSTOFF FÜR ZUKUNFTSWEISENDE LÖSUNGEN von Caroline Geiger

Hochhäuser aus Holz sind in der Schweiz im Trend – und das mit gutem Grund. Der nachwachsende Rohstoff ist das klimafreundliche Material für künftige Bauten in die Höhe. Der Branchenverband Holzbau Schweiz präsentiert auf der Swissbau 2022 ein aussergewöhnliches Holzhochhaus und trifft damit den Nerv der Zeit.

Die Visualisierung des Holzhochhauses «Jenga» an der prominenten Höhenmatte in Interlaken.

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as Highlight der grössten Baumesse der Schweiz, ein Holzhochhaus bietet Antworten auf Klima­schutz und verdichtetes Bauen. Der Branchenverband Holzbau Schweiz zeigt an der Swissbau in Basel das von der Berner Fachhochschule entwickelte Projekt-Holzhochhaus «Jenga». Auf dem Messestand visualisiert das 1:1-Mock-up von «Jenga» die Konstruktion und Dimension des Projektes, ein Grossmodell im Massstab 1:20 die Architektur

HOLZBAU SCHWEIZ AUF DER SWISSBAU

Der Branchenverband Holzbau Schweiz präsentiert das mit Studierenden der Berner Fachhochschule entwickelte Holzhochhaus «Jenga».

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und Struktur. Gebaut aus Schweizer Holz, stehen die Modelle im Zentrum der Ausstellung. Damit sind Abmessungen und Konstruktion live erlebbar und überraschen Besucherinnen und Besucher schon von Weitem. Ausserdem stellen qualifizierte Schweizer Partner ihre praxiserprobten Lösungen im modernen Holzbau vor. Sie zeigen angewandte und erprobte Lösungen, neuartige Verbindungstechnik sowie unterschiedliche Deckensysteme.

WELTWEITER BOOM Hochhäuser werden seit mehr als 100 Jahren gebaut, doch erst in den letzten Jahren streben Holzbauten immer weiter Richtung Himmel. Anfang 2019 ist in Wien das Holzhochhaus Hoho mit einer Höhe von 84 Metern eingeweiht worden. Mit 85.4 Meter ist der 18-stöckige Mjösa Tower im norwegischen Brumunddal aktuell das höchste Holzgebäude der Welt. In Sydney entsteht bis 2025 ein Holzwolkenkratzer  –

180 Meter hoch soll sich das Bürogebäude erheben. Weltweit werden die Pläne für Holzbauten vielfältiger, auch in der Schweiz bricht das Zeitalter der hölzernen Hochhäuser an. Der aktuell höchste Holzbau ist das mit einem einzigartigen Verbund-Tragesystem gebaute zehngeschossige Bürogebäude Suurstoffi 22 in Risch Rotkreuz im Kanton Zug. Mit dem «Projekt Pi» ist in Zug ein 80 Meter hohes Wohngebäude geplant. Im Zentrum stehen ökologische und soziale Dimensionen der Nachhaltigkeit. Weitere innovative Bauten sollen in den nächsten Jahren in Regensdorf, Frauenfeld, Lausanne und Bern entstehen.

HOLZHOCHHAUS «JENGA» Studierende der Master-Studiengänge Architektur und Wood Technology der Berner Fachhochschule (BFH) haben im Rahmen eines Wettbewerbs innovative Holzhoch-


HIGHLIGHT

häuser entwickelt. Holzbau Schweiz präsentiert das Gewinnermodell «Jenga» und zeigt damit, wie die Schweizer Holzbaubranche den Ansprüchen des modernen Holzbaus gerecht wird. Inspiriert von der Idee des Holzspiels «Jenga» stapelt das Projekt volumetrisch gleiche Holzmodule in unterschiedlichen Richtungen aufeinander. Durch Versetzen und Subtrahieren der Module entstehen interessante Räume.

Denn in Holzbauwerken bleibt der Kohlenstoff über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte gebunden. Zudem verursacht die Herstellung von Holzbauteilen viel weniger CO2-Emissionen als die Produktion von vergleichbaren Elementen aus Stahl, Beton oder Ziegelstein. Bauherren und Planer sollten deshalb mehr Holz im Bau einsetzen, besonders in der tragenden Konstruktion.

Beim Hochhaus «Jenga» dreht sich alles um das klimagerechte Bauen mit dem einheimischen Baustoff Holz. «Im Rahmen des Projekts setzen sich die Studierenden mit der Komplexität eines Hochhauses auseinander und verbinden gestalterische, statische und konstruktive Themen zu einem integralen Ganzen», kommentiert Hanspeter Bürgi, Leiter Studiengang Master Architektur.

BAULICHE VERDICHTUNG MIT HOLZ

«Dank neuer Techniken und nachhaltiger Vorteile stösst der moderne Holzbau auf grosses Interesse sowohl bei privaten als auch öffentlichen Bauherren», erklärt Martin Meier, Bereichsleiter Marketing & Kommunikation bei Holzbau Schweiz. «Der Branchenverband rückt den innovativen Holzbau ins Zentrum und verbindet die Lehre mit etablierten Lösungsanbietern.» Grossprojekte lassen sich heute problemlos mit Holz realisieren. Aus bautechnischer Sicht bietet das natürliche Hightech-Material Vorteile. Holz ist bei gleicher Tragfähigkeit leichter als Stahl und hat dieselbe Druckfestigkeit wie Beton. Vorgefertigte Wände, Böden und Tragkonstruktionen verringern die Bauzeit und sparen Kosten. Die vorausschauende Planung vermeidet Überraschungen im Bauprozess und führt zu einer höheren Kosten- und Qualitätssicherheit. Darüber hinaus erreicht Holz eine hohe Wärmedämmung und schafft zugleich ein angenehmes Raumklima.

Spannende Veranstaltungen mit Partnern der Holzbaubranche: • Welche Architektur braucht es für Netto-Null? Dienstag, 18. Januar, 14.00 bis 15.00 Uhr • Holz konstruktiv – Planen und Bauen mit Schweizer Laubholz Dienstag, 18. Januar, 15.30 bis 16.30 Uhr • BIM und nachhaltiges Bauen Mittwoch, 19. Januar, 12.30 bis 13.30 Uhr • Warum mit Holz bauen? Argumente für Investoren und Bauherrschaften Donnerstag, 20. Januar, 18.30 bis 19.30 Uhr • Zukunftsfähig und nachhaltig – Baukultur aus Holz Freitag, 21. Januar, 14.00 bis 15.00 Uhr

CAROLINE GEIGER ist Mitarbeiterin Marketing & Kommunikation bei Holzbau Schweiz.

HOLZBAU SCHWEIZ AN DER SWISSBAU 2022

• Halle 1.0 / Stand Nr: A30

www.holzbau-schweiz.ch

© Projekt Pi

VORTEIL HOLZ

Bauen mit Holz feiert ein Comeback in vielen Bereichen. Die Verdichtung in den Städten und Agglomerationen wird wichtiger, denn Stadtraum ist begehrt und teuer. Das geringe Gewicht macht Holz zum idealen Rohstoff für das Bauen in die Höhe. Das natürliche Baumaterial steht für eine innovative Architektur und stösst auf eine hohe Akzeptanz.

SWISSBAU FOCUS

GELEBTE NACHHALTIGKEIT Jedes Stück Holz im Bau trägt zum Klimaschutz bei. Gemäss Berechnungen des Bundesamtes für Energie sind Gebäude zu rund einem Drittel für die CO2-Emissionen in unserem Land verantwortlich. «Die Holzbaubranche stellt sich den Herausforderungen der Zeit», sagt Heinz Beer, Zentralleitung Holzbau Schweiz und Holzbauunternehmer. «Die Holzbauer bieten umweltverträgliche sowie kosten- und energieeffiziente Lösungen.» Nachhaltiges Bauen rückt Holz als ökologischen Baustoff noch mehr ins Zentrum.

«Projekt Pi» soll das erste 80 Meter hohe Holzhochhaus der Schweiz werden.

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SWISSBAU 2022

HIGHLIGHT

KOMFORTABEL UND SICHER MODERNE KABELLOSE ZUTRITTSKONTROLLLÖSUNGEN von Hagen Zumpe

Mit elektronischen Zutrittskontrollsystemen erhalten Anwender Lösungen, die Sicherheit, einfache Bedienung und Effizienz vereinen und darüber hinaus vielfältige Integrationsmöglichkeiten bieten. SALTO Systems präsentiert gemeinsam mit GANTNER umfassende Systemlösungen für Zutrittskontrolle, Schrankschliesssysteme, Payment und Ticketing auf der Swissbau 2022 in Basel.

SALTO Systems und GANTNER stellen auf der Swissbau Systemlösungen für Zutrittskontrolle, Schrankschliesssysteme, Payment und Ticketing aus.

DER TECHNOLOGIEFÜHRER SALTO Systems liefert seit 2001 modernste kabellose elektronische Zutrittskont­ rolllösungen. Das Unternehmen hat sich der kontinuierlichen Weiterentwicklung verschrieben, um die technologisch fortschrittlichsten und flexibelsten elektronischen Zutrittslösungen für jede Art von Türen und jeden Bedarf anzubieten. Dadurch konnte sich SALTO als ein weltweiter Marktführer für elektronische Zutritts­ kontrolllösungen etablieren. Das Unternehmen steigert den Wert seiner Marke, indem es für Lösungen steht, die neue Massstäbe in Sachen Sicherheit, Handhabung, Flexibilität und Design setzen. Das bahnbrechende SALTO Virtual Network (SVN) mit seiner patentierten Data-on-Card-Technologie bildet die Grundlage dieses Erfolgs. Zugleich gehört das Unternehmen mit SALTO KS Keys as a Service sowie JustIN Mobile zu den Technologieführern bei CloudZutrittslösungen und Mobile Access. SALTO hat die Zutrittskontrolle in einer Vielzahl von Branchen und Anwendungen revolutioniert und offeriert heute elektronische Zutrittslösungen für Märkte auf der ganzen Welt, sei es für Büro- und Verwaltungsgebäude, öffentliche Einrichtungen, Hotels, den Gesundheitssektor, das Bildungswesen, den Gross- und Detailhandel oder für Flughäfen.

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ehrwert bieten mit einer intelligenten, elektronischen Zutrittskontrolle bedeutet, eine leichtere Planung und den Betrieb von Einrichtungen effizient zu steigern. Dank der vielseitigen Hardware und Technologien entstehen individuell abgestimmte Anlagen, die alle Zutrittspunkte wie Türen, Tore, Zufahrten, Aufzüge, Möbel und vieles mehr einbinden. Die SALTO-Lösungen automatisieren viele tägliche Funktionen und Reaktionen auf Vorfälle. Damit sparen Anwender Zeit und Geld und gestalten die Wartung effizienter. Obendrein lässt sich die Zutrittskontrolle von SALTO mit einer Vielzahl von Drittsystemen koppeln, wodurch Prozesse automatisiert werden und


HIGHLIGHT

die betriebliche Effizienz noch weiter gesteigert wird. Neben anderen Sicherheitsgewerken, beispielsweise Videoüberwachung oder Brand-, Einbruchmelde- und Gefahrenmanagementsysteme, ist auch eine Integration mit der Gebäudeautomation (Licht, Klima, Jalousien und ähnliches) möglich, was zur Senkung der Betriebskosten beiträgt. Die Verbindung der SALTO-Zutrittskontrolle mit Management- und IT-Systemen, darunter ERP und Active Directory, reduziert Zeit und Aufwand bei der Pflege von Stammdaten und stellt zudem eine einheitliche Datenstruktur über mehrere Systeme hinweg sicher.

ZUVERLÄSSIGES UND FLEXIBLES SYSTEM Neben der On-Premise-Plattform SALTO Space wird in Basel auch die Cloud-Zutrittslösung SALTO KS live zu sehen sein. Das System ist überaus flexibel, erfordert keine Softwareinstallation, lässt sich über

Web und Mobile App ortsunabhängig bedienen und verfügt über quasi endlose Integrationsmöglichkeiten. SALTO KS ist hochskalierbar und kommt für Unternehmen jeder Art in Betracht. Es passt sich mühelos an neue Rahmenbedingungen an, seien es für mehr Mitarbeiter, mehr Türen oder mehr Standorte. Das System nutzt darüber hinaus modernste Sicherheitsfunktionen innerhalb der vollständig kabellosen und cloudbasierten Plattform.

SCHRANKSCHLIESSSYSTEME IM FREIZEITBEREICH Im Mittelpunkt des Auftritts von GANTNER stehen elektronische Schrankschliesssysteme, die sich für Freizeiteinrichtungen, moderne Büroumgebungen, Bildungseinrichtungen, Depots oder Poststationen eignen. Das Unternehmen hat dafür verkabelte und batteriebetriebene Lösungen sowie App-basierte Terminals im Angebot, die sich

sowohl für die Nachrüstung im Bestand als auch für Neuinstallationen anbieten. Sie rationalisieren die Verwaltung von Schrankschliessanlagen und reduzieren in diesem Zuge auch deren Kosten. GANTNER Ticketing bietet eine ganzheitliche, modulare Ticketing- und Besuchermanagementlösung für den Freizeitbereich mit hohem Besucheraufkommen. Egal ob Sportzentren, Zoos, Museen, Konzertveranstaltungen oder Messen: GANTNER Ticketing erfüllt mit seiner kundenspezifischen Software die unterschiedlichsten Anforderungen.

SALTO SYSTEMS UND GANTNER AN DER SWISSBAU 2022 • Halle 1.1 / Stand Nr: D54

SALTO Systems AG | CH-8360 Eschlikon | Tel. +41 (0) 71 973 72 72 | info.ch@saltosystems.com | www.saltosystems.ch


SWISSBAU 2022

HIGHLIGHT

Der Glas Trösch-Stand in Basel wurde nach der Cradle-to-Cradle-Philosophie konzipiert.

GREEN FOR GENERATIONS PREMIERE FÜR EIN NACHHALTIGES MESSEKONZEPT von Lone K. Halvorsen

Bereits seit Jahren zählt der Schweizer Glasspezialist Glas Trösch zu den Vorreitern einer nachhaltigen Unternehmensführung. Jetzt geht das traditionsreiche Familienunternehmen noch einen Schritt weiter. Unter dem Leitsatz «Green for Generations» startet die Gruppe eine Initiative, um sich noch fokussierter dem Umwelt- und Klimaschutz zu widmen. Erster beeindruckender Beleg dafür ist der Messestand auf der Swissbau 2022 in Basel.

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ie Glas Trösch Gruppe hat in den letzten Jahren viel unternommen, um den Umwelt- und Klimaschutz im eigenen Unternehmen voranzutreiben. Dabei war stets das Motto: nicht reden, sondern handeln. Zu den Meilensteinen zählt eine deutliche Effizienzsteigerung bei den Floatglaswerken, die zu den saubersten weltweit gehören. Das eigens patentierte Scherben-Rückführsystem senkt hier den Rohstoffbedarf um mehr als ein Viertel.

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Gemeinsam mit der «Energie-Agentur der Wirtschaft» haben sich die Schweizer Betriebe verpflichtet, die CO2-Emissionen stetig zu reduzieren. Im Logistik-Bereich rüstet Glas Trösch die LKW-Flotte auf ErdgasAntriebe um, um weniger schädliche Treibhausgase zu emittieren. Die Aktivitäten bündelt das Unternehmen seit Kurzem in einer neu gegründeten Abteilung unter der Leitung einer Nachhaltigkeitsbeauftragten und dem Leitsatz «Green for Generations».

MESSESTAND ZUR WIEDERVERWENDUNG Im Sinne der Nachhaltigkeit hat das Unternehmen auch sein Messekonzept einer Prüfung unterzogen und komplett neu gedacht. Auf der Schweizer Bau- und Immobilienwirtschaftsmesse «Swissbau» präsentiert sich der Glashersteller mit einem einzigartigen Konzept in Anlehnung an die Design-Philosophie nach Cradle-to-Cradle (C2C): «Unser Ziel ist es, die Verschwen-


HIGHLIGHT

dung durch einmalig verwendete Materialien, das Abfallaufkommen und alle umweltbelastenden Effekte rund um die Messe auf ein absolutes Minimum zu reduzieren oder ganz zu vermeiden», erläutert Andreas Scheib, Leiter Unternehmenskommunikation der Glas Trösch Gruppe. Um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden, sind sämtliche konstruktiven Teile des Messestandes aus massivem, unbehandeltem Holz entweder nur zusammengesteckt oder geschraubt. «Ein Grossteil der verwendeten Bauteile wird mehrfach eingesetzt», so Scheib, und er fügt hinzu: «Wo es möglich ist, kommen sogar Cradle-to-Cradle-zertifizierte Komponenten zum Einsatz.» Für eine im wahrsten Sinne des Wortes natürliche Umgebung sorgen echte Bäume, die nach der Messe wieder an eine lokale Gärtnerei in Basel zurückgegeben werden. Auf die übliche doppelte Lagerhaltung vor

Ort und vermeidbare LKW-Fahrten wird verzichtet. Die Exponate und die Möblierung kommen aus Werken in der näheren Umgebung. Nicht zuletzt wird auch beim Catering auf Nachhaltigkeit geachtet: Es werden überwiegend regionale Produkte angeboten. Die Nutzung von Grünstrom trägt ein Übriges dazu bei, den CO2-Fussabdruck auf der Messe so gering wie nie zuvor zu halten.

BEDRUCKBARE SOLARMODULE Auch die in Basel gezeigten Produkte erfüllen den Anspruch, einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Neben energieeffizienten Isoliergläsern der neuesten Generation zählen dazu Vogelschutzgläser sowie ein bedruckbares Frontglas für Photovoltaik-Module. Hintergrund ist hier, dass neben den technischen Parametern immer häufiger auch die Optik der Module eine bedeutende Rolle einnimmt. Genau hier kommt «Swisspanel Solar» ins Spiel: Das Frontglas lässt sich

individuell gestalten, ohne dabei grössere Abstriche beim Stromertrag hinnehmen zu müssen. So liegt die Wirksamkeit von vollflächig bedruckten Modulen je nach Motiv und Farbe zwischen 75 und 90 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Solaranlagen. Zudem lassen sich die Module sowohl in Fassaden als auch in Dächer integrieren. In der Gebäudehülle bestechen die bedruckten Frontgläser durch eine dezente Farbigkeit oder filigrane Muster, sodass erst bei näherer Ansicht die Funktion offenbart wird. Für das Dach lassen sich die PV-Module auch so gestalten, dass sie sich besonders unauffällig einfügen und an die umgebende Dachhaut anpassen.

GLAS TRÖSCH AN DER SWISSBAU 2022

• Halle 1.0 / Stand Nr: A14

Swisspanel Solar bringt Farbe in die ansonsten eher eintönigen Solarmodule.

Glas Trösch | Industriestrasse 29 | CH-4922 Bützberg | Tel.: +41 (0) 800 11 88 51 | info@glastroesch.ch | www.glastroesch.ch

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SWISSBAU 2022

HIGHLIGHT

DER ZEITPUNKT IST DA DIE ANLEITUNG ZUM KLIMAGEBÄUDE von Danielle Lalive d’Epinay

Unser Gebäudepark hat einriesiges Potenzial, das Wohnen und Arbeiten klimafreundlicher zu gestalten. Eine Minergie-Zertifizierung bietet einen erprobten und staatlich geförderten Weg, um diesen Klimaschutz im Alltag zu praktizieren.

G

ebäude haben einen grossen Hebel, die Energiestrategie voranzutreiben. Damit dieser Hebel auch wirkt, braucht es einerseits einfache und massentaugliche Lösungen für die Planung, den Bau und den Betrieb von Gebäuden. Andererseits sollen klima­freundliche Gebäude weiterhin mit dem heute verlangten Komfort ausgestattet sein. Das Label Minergie-A bietet Lösungen für Gebäude mit deutlich kleinerem CO2-Ausstoss, als dies das Gesetz vorschreibt. Gleichzeitig profitieren die Bewohnenden von mehr Komfort dank stetiger Frischluftzufuhr und einem ausgeklügelten Schutz vor der zunehmenden Sommerhitze.

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EFFIZIENZ UND BEHAGLICHKEIT «Der Standard Minergie-A-ECO ist heute das wirksamste Klimagebäude, das wir bauen können», betont der Minergie-Geschäftsleiter Andreas Meyer Primavesi und fügt an: «Ein Minergie-A-Gebäude verbraucht nur so viel Energie, wie es selbst produzieren kann.» In einem Minergie-AGebäude zu wohnen oder zu arbeiten, verbessert aber nicht nur den CO2-Fussabdruck, es lebt sich auch komfortabler. Im Sommer wie im Winter bewegt sich die Innentemperatur im idealen Bereich und die Luft ist stets frisch. Die Tatsache, dass es bereits über 1 000 nach Minergie-A-zertifizierte Gebäude in

der Schweiz gibt, zeigt, dass dieser Standard breit anwendbar und ein valables Instrument ist, den grossen Hebel der Gebäude für die Umsetzung der Klimaziele zu nutzen.

GESUNDE LUFT IM DICHTEN GEBÄUDE Die Minergie-Bauweise kombiniert eine luftdichte, gut gedämmte Gebäudehülle mit erneuerbaren Energien und guter Luftqualität. Die dichte Bauweise spart Energie, macht aber einen geregelten Luftaustausch, der konstant für frische Luft sorgt, unabdingbar. Die Lüftung reduziert gesundheitliche Risiken, denn Schadstoffe, Gerüche, CO2 oder Feuchtigkeit in der Raumluft wer-


HIGHLIGHT

den abtransportiert und Schimmel wird vermieden. Dies fördert auch die Langlebigkeit der Bausubstanz und spart Geld. Laut BAG treten Feuchtigkeit und Schimmel in der Schweiz in jedem vierten bis fünften Haushalt auf – mit hohen Folgekosten im Gesundheitswesen und bei der Schimmelsanierung. Die Corona-Pandemie hat zudem gezeigt, dass ein kontinuierliches Abführen von Aerosolen aus Bürogebäuden und Wohnbauten die Ansteckungsgefahr mit Viren erheblich reduziert.

KLIMAVERTRÄGLICHER HITZESCHUTZ Die grosse Herausforderung besteht darin, den Klimawandel nicht weiter anzukurbeln und die Bewohnenden und Arbeitnehmenden gleichzeitig vor der zunehmenden Sommerhitze zu schützen. Für den Hitzeschutz sind jene Gebäude ideal, die viel Wärme in den Mauern speichern können, einen ausgewogenen Fensteranteil haben und deren Fenster an den richtigen Stellen im richtigen Moment beschattet sind. Eine gut integrierte Kühlung, sei es über Wärmepumpen, Erdsonden oder Klimageräte, ist bei Minergie-A ebenfalls einfach machbar. Zudem spielt eine gute Nachtauskühlung über Fenster oder in Kombination mit der Lüftungsanlage eine wichtige Rolle.

DANK INNOVATION ZUM SELBSTVERSORGER Ein energieeffizientes Gebäude muss als Gesamtsystem betrachtet und auch so geplant werden. Es braucht ein gutes Zusammenspiel von Architektur und Gebäude­ technik. Ein Minergie-A-Gebäude hat über das Jahr gesehen eine positive Energie­ bilanz. Das bedeutet, dass es seinen Energieverbrauch für Heizung, Warmwasser, elektrische Geräte und Beleuchtung durch eigens produzierte erneuerbare Energien – meist Photovoltaik – deckt. Das funktioniert nur dank einer sehr hohen Effizienz der Gebäudehülle und der Geräte.

MEHRWERT KLIMA, QUALITÄT UND FINANZEN Minergie bietet Orientierung, wie die Bedürfnisse der Nutzenden mit den Zielen für einen besseren Klimaschutz vereinbart werden können. Damit die Bauherrschaft das komfortable Klimagebäude, das sie bestellt

hat, auch tatsächlich bekommt, muss der Weg gemäss «Anleitung» aber auch zu Ende gegangen werden: Nur wer sein Gebäude zertifiziert, bekommt auch die unabhängige Qualitätssicherung und profitiert von finanziellen Vorteilen. Das Minergie-Zertifikat schafft in den meisten Kantonen Zugang zu Fördergeldern, welche in Kombination mit den tieferen Betriebskosten die Mehrkosten von Minergie-­ Bauten (circa zwei Prozent) mehr als kompensieren. Weitere Vorteile sind eine erhöhte Ausnutzungsziffer und ein gesteigerter Immobilienwert.

ORIENTIERUNG FÜR DEN ALLTAG Der Gebäudepark muss und kann erheblich dazu beitragen, dass die Energiestrategie

vorankommt und die Klimaziele erreicht werden. Eine Minergie-Zertifizierung bedeutet die Begleitung und externe Qualitätssicherung durch Fachleute aus Planung, Bau, Betrieb und Energie. Diese Begleitung hilft, die Ansprüche an Qualität, Klima, Komfort und Finanzen bewusst abzuwägen und eine Lösung zu finden, die für Mensch und Umwelt funktioniert. Die über 52’000 zertifizierten Minergie-Gebäude stehen dafür.

MINERGIE AN DER SWISSBAU 2022

• Halle 1.0 SÜD / Stand Nr: F28

Minergie | Bäumleingasse 22 | CH-4051 Basel | Tel. +41 (0) 61 205 25 50 | info@minergie.ch | www.minergie.ch

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SWISSBAU 2022

HIGHLIGHT

Die Geberit-Duschfläche Setaplano lässt sich einfach installieren und bietet einen klaren Mehrwert.

DAUERHAFT DICHT CLEVERE LÖSUNGEN FÜR BODENEBENE DUSCHEN von Brigitte Kühne

Grosszügige, bodenebene Duschen liegen im Trend, weil sie dezent sind und eine durchgängige Gestaltung des Raumes sowie einen schwellenlosen Eintritt in den Duschbereich ermöglichen. Meist bedeutet das für den Installateur eine erschwerte Montage und für den Plattenleger Unsicherheiten bei der Abdichtung. Geberit zeigt die cleveren Lösungen.

B

egehbare Duschen sind aus modernen Badezimmern kaum mehr wegzudenken. Alle Geberit Lösungen für bodenebene Duschen überzeugen durch eine hohe Ästhetik. Sie sind leicht zu reinigen und die Schnittstellenproblematik bei der Abdichtung ist optimal gelöst.

Funktion und Formgebung der eigentlichen Duschrinne. Die Duschrinnen CleanLine lassen sich so einfach einbauen wie normale Bodenabläufe. Aufwändiges Abstimmen unter den Gewerken entfällt – Sanitärfachmann, Unterlagsboden- und Plattenleger kommen auf Anhieb zurecht.

Die Dichtfolie befindet sich gut geschützt unter einem transparenten Bauschutz und lässt sich einfach in die Abdichtung des Duschbodens einarbeiten. Die grösste Herausforderung – eine dauerhafte Abdichtung – kann mit den neuen Duschrinnen besser denn je gemeistert werden.

Die Geberit-Duschrinnen CleanLine erfüllen sämtliche Anforderungen an eine richtungsweisende Sanitärtechnik: von der hohen Ablaufleistung des flachen Siphonkörpers über die auf Herz und Nieren geprüfte Montage- und Dichttechnik bis hin zu

Die Geberit-Duschrinne CleanLine besteht aus zwei Teilen: einem Rohbauset und der Duschrinne. Unter dem sichtbaren Edelstahlprofil liegt ein zentraler Ablaufkörper. Eine grosse, patentierte Abdichtmanschette ist werkseitig fest auf den Ablauf eingespritzt.

FLEXIBLE LÄNGE

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Die Duschrinnen CleanLine können direkt beim Einbau individuell abgelängt und an den Duschplatz angepasst werden. Die verschiedenen Designvarianten bieten passende Lösungen für jeden Boden. Die


HIGHLIGHT

Duschrinne lässt sich in der Duschfläche oder nahe an der Wand positionieren. Eine stufenlose Ausgleichsmöglichkeit des Wandplattenaufbaus von zehn bis 27 Millimeter ermöglicht die freie Wahl der Wandplatten bis zum Ende der Bauphase. Die Duschrinnen sind in verschiedenen Designvarianten mit unterschiedlich ausgeformten Edelstahlprofilen als Geberit-­ Duschrinne CleanLine20, CleanLine60 und CleanLine80 erhältlich. Die neue GeberitDuschrinne CleanLine80 besitzt ein wertiges, in sich geschlossenes Rinnenprofil mit integriertem Gefälle und kann in den TrendMetalltönen Champagner und Schwarzchrom sowie klassisch in Edelstahl bestellt werden. Die plattenfähige Variante der Geberit-Duschrinne CleanLine passt sich dezent den Bodenplatten an.

EIN STÜCK WEITERGEDACHT Der Geberit Wandablauf erlaubt bodenebenes Duschen in Reinkultur. In der Wand integriert, besticht er durch Eleganz sowie durch klare Mehrwerte bei der Planung und Montage. Die Entwässerung wird vom Boden in die Wand verlegt, das sieht nicht nur

gut aus, sondern macht es auch einfacher, eine bodenebene Dusche zu installieren. Die Bodenplatten können so ohne Unterbrechungen durch störende Abläufe verlegt werden. Sichtbar bleibt nur eine kleine Abdeckung an der Wand, die sich leicht abnehmen lässt, um das Haarsieb dahinter zu reinigen. Die Abdeckung gibt es in verschiedenen Oberflächen, sie kann aber auch mit den gleichen Platten gestaltet werden, mit denen die Wand verkleidet ist. Der Geberit Wandablauf ist die optimale Antwort auf die Designwünsche der Kunden. Das Einsatzpotenzial ist vielseitig. Die Systemtechnik ermöglicht den Einbau eines Wandablaufs in allen Bädern, in denen ein Vorwand-Installationssystem eingesetzt wird, auch bei Renovierungen oder eingeschränktem Raumangebot.

DURCHDACHTES DESIGN Die Geberit Duschfläche Setaplano überzeugt auf den ersten Blick und bei der ersten Berührung. Sie besteht aus einem hochwertigen Mineralwerkstoff, dessen Oberfläche sich seidig-sanft und warm anfühlt. Diese

Duschfläche lässt sich nicht nur einfach installieren, der Mineralwerkstoff ist überaus beständig, porenfrei und dadurch einfach zu reinigen. Die seidenmatte Oberfläche ist haptisch besonders angenehm und gibt ein Gefühl von Luxus. Das Material ist spürbar massiv und die rutschhemmende Oberfläche sorgt für mehr Sicherheit. Das sanfte Gefälle mit seinen weichen und fliessenden Übergängen zum Ablauf an der Stirnseite trägt zur harmonischen Gesamterscheinung bei. Setaplano ist in verschiedenen Grössen erhältlich. Dank vormontierter Komponenten ist die Duschfläche schnell montiert. Wie alle Duschlösungen von Geberit ist Setaplano bereits ab Werk abgedichtet – das sorgt für einen sicheren Einbau.

GEPRÜFT UND AUSGEZEICHNET Alle Geberit Lösungen für bodenebenes Duschenwurden im praktischen Einsatz geprüft und mit dem Gütesiegel des Schweiz. Plattenverband SPV ausgezeichnet.

Bei der Duschfläche Setaplano ist die Anzahl der notwendigen Einzelteile für die Montage auf ein Minimum reduziert.

Der Geberit-Wandablauf ist die innovative Lösung zur Integration in Vorwandsysteme.

GEBERIT VERTRIEBS AG AN DER SWISSBAU 2022 Die Geberit-Duschrinnen CleanLine im neuen Look passen optimal zu den heute angesagten Keramikplatten.

• Halle 2.2 / Stand Nr: C19

Geberit Vertriebs AG | Schachenstrasse 77 | CH-8645 Jona | Tel. +41 (0) 55 221 61 11 | sales@geberit.com www.geberit.ch | www.geberit-aquaclean.ch

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SWISSBAU 2022

HIGHLIGHT

MIT VERNETZTEM LICHT ENERGIE EINSPAREN INTELLIGENTE LICHTLÖSUNGEN SETZEN SICH DURCH von Swisslux AG

Wie «enkeltaugliches» Handeln im Alltag aussieht, zeigen verschiedene Beleuchtungssanierungen in der Stadt Zürich: Durch den Einsatz von intelligenten Leuchten setzen verantwortungsbewusste Bauherrschaften die Zielsetzungen der Energiestrategie 2050 des Bundes konsequent um und schaffen gleichzeitig einen neuen Standard in Komfort und Sicherheit.

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© Swisslux AG

pätestens seitdem das blaue Licht von LEDs in den Medien breit besprochen wurde, ist weitläufig bekannt, dass Licht einen starken Einfluss auf uns als Menschen hat. Unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hängen stark vom Tages- und Kunstlicht ab. Um ausreichend Licht ins Gebäude zu bringen, wird daher oft zu viel Licht eingeplant, welches anschliessend auch noch brennt, wenn es gar nicht benötigt wird. Dies hat auch die Schweizer Lichtbranche erkannt und verfolgt unter der Leitung der Schweizer Lichtgesellschaft (SLG) seit 2018 mit der Initiative «energylight» das Ziel, den Stromverbrauch für die Beleuchtung in der Schweiz um 50 Prozent zu reduzieren. Doch wie kann dies in der Praxis erreicht werden? Ist es nicht illusorisch, gleichzeitig einen hohen Standard in Ästhetik, Wohlbefinden und Sicherheit zu schaffen und energetisch so viel einzusparen? Und halten diese intelligenten Beleuchtungslösungen auch, was sie versprechen?

BELEUCHTUNG BRAUCHT PLANUNG

TRIVALITE-Leuchten setzen in einem Schulhaus in Zürich neue Massstäbe. Es geht um ein optimales Verhältnis zwischen Komfort, Sicherheit und Energieoptimierung.

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Gutes, ansprechendes und gleichzeitig effizientes Licht ist das Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren: Selbstverständlich ist die Wahl effizienter Leuchten von grosser Bedeutung. Der Schlüssel zur Erschliessung des Potenzials, welches die LED hinsichtlich Komfort, Sicherheit und Energieeinsparung eröffnet, umfasst sodann die Sensorik und die Vernetzung der Leuchten. Erst eine möglichst genaue Erfassung der anwesenden Personen und des vorhandenen Tageslichts ermöglicht es auch, dass nur dann Kunstlicht hinzugedimmt wird, wenn es auch nötig ist. Eine gute Planung und Inbetriebnahme stellen


HIGHLIGHT

schlussendlich sicher, dass die Beleuchtung auch hält, was sie verspricht.

Die hier mittels intelligenten TRIVALITELeuchten von Swisslux realisierte Energieeinsparung kommt zum einen durch die höhere Effizienz der LED-Leuchten und zum anderen durch deren Vernetzung untereinander und das Schwarmverhalten der Leuchten zustande: Das Licht brennt stets nur dort zu 100 Prozent, wo Personen anwesend sind. Die direkt angrenzenden Bereiche werden nur so stark wie nötig erhellt, um die Raumorientierung und das Sicherheitsgefühl zu gewährleisten. Wo früher die Fläche der Einstellhalle für über 100 Fahrzeuge beim Betreten komplett erhellt wurde, wird jetzt im Schnitt nur noch rund ein Drittel der Energie benötigt und gleichzeitig eine deutlich bessere Ausleuchtung und Raumorientierung erzielt. «Seit wir auf intelligente Leuchten setzen, sparen wir sehr viel Energie ein und gleichzeitig ist die Zufriedenheit der Mieter viel grösser als vorher», sagt der Leiter des technischen Dienstes des zuständigen Unternehmens.

VERNETZTE LÖSUNGEN Wo früher FL-Leuchten und Bewegungsoder Präsenzmelder der Standard waren, setzen heute intelligente Leuchten den neuen Massstab und sparen im Schnitt

In einer Tiefgarage im Zürcher Seefeld werden nach der Sanierung 65 Prozent der Energie mit intelligenten Leuchten eingespart. © Swisslux AG

Verschiedene Bauprojekte in der Stadt Zürich zeigen eindrücklich, wie dies in der Praxis aussehen kann. Dies bedeutet, nebst der energetisch optimierten Umsetzung der Beleuchtung in Neubauten laufend auch bei Sanierungen der bestehenden Liegenschaften auf die richtigen Lichtlösungen zu setzen. Ein Projektleiter einer grossen Zürcher Immobilienverwaltung sagt dazu: «Wir sind sehr interessiert an Lösungen, welche nachweislich wirtschaftlich sind und sich in der Praxis bewähren.» So wird beispielsweise in einer grösseren Einstellhalle im Zürcher Seefeld – wie Messungen gezeigt haben – nach der Sanierung der Beleuchtung 65 Prozent weniger Energie verbraucht als vorher. Dabei wurde nicht etwa eine ineffiziente Beleuchtung saniert, sondern es wurden effiziente Leuchtstoffröhren mit Bewegungsmeldern ersetzt, die bis vor zehn Jahren dem neusten Stand der Technik entsprachen.

Die Nassraumleuchte Hydra überzeugt durch eine Kombination aus Robustheit und Intelligenz.

über alle Projekte weit über 60 Prozent der Energie ein. Um dieses grosse Versprechen tatsächlich auch einzulösen, muss die Beleuchtungslösung stets auch professionell in Betrieb genommen werden. Denn es hat sich gezeigt, dass nicht richtig eingestellte Lichtsteuerungen die Energiebilanz sabotieren. Auch hier überzeugen die vernetzten TRIVALITE-Leuchten voll und ganz: Einmal montiert, vernetzen sich die Leuchten via Funk oder Draht miteinander. Die Einstellung der Leuchten mithilfe einer Smartphone-App ermöglicht es in kurzer Zeit, auch grössere Anlagen in Betrieb zu nehmen. «Sehr einfach und intuitiv, genau wie man sich das als Praktiker wünscht!», so die Aussage eines Elektroinstallateurs, welcher über 100 Leuchten in einem anderen Gebäude im Zentrum

der Stadt Zürich installiert und in Betrieb genommen hat.

AUFTRITT AN DER SWISSBAU Die Swisslux AG ist auf der Swissbau: Innovation Lab «Infopoint L43 Swisslux». Jeder spricht von smarter Beleuchtung – wir zeigen, wie es geht! TRIVALITE – mehr als Licht.

SWISSLUX AG AN DER SWISSBAU 2022

• «Infopoint L43 Swisslux»

Swisslux AG | Industriestrasse 8 | CH-8618 Oetwil am See | Tel.: +41 (0) 43 844 80 80 | info@swisslux.ch | www.swisslux.ch

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© Swisslux AG

ÜBERZEUGENDE REFERENZPROJEKTE


SWISSBAU 2022

HIGHLIGHT

NATURGEFAHRENSICHER BAUEN MIT NEUEN PLANUNGSHILFEN von Benno Staub

Aufgrund der immer intensiveren Nutzung des Lebensraums und des Klimawandels nehmen die Risiken infolge von Naturgefahren zu. Dabei ist die Bauweise Hauptproblem und Lösungsansatz zugleich. Je früher die Gefahren und mögliche Lösungsansätze in die Planung einbezogen werden, umso einfacher lässt sich ein wirksamer und effizienter Gebäudeschutz umsetzen.

Zwei von drei Gebäuden in der Schweiz sind durch Oberflächenabfluss gefährdet.

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wei von drei Gebäuden in der Schweiz sind bei starkem Regen potenziell gefährdet, auch abseits von Gewässern. Dies zeigt die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss, welche schweizweit im Falle eines lokalen Gewitters mögliche Abflusswege und überschwemmte Bereiche darstellt. Den Praxisbeweis liefern die unzähligen Schäden, welche die vielen Unwetter im Sommer 2021 angerichtet haben – bei uns in der Schweiz wie auch

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im benachbarten Ausland. Oberflächenabfluss kann man ähnlich wie einer Gefährdung durch Steinschlag, Lawinen oder Hochwasser nicht ausweichen. Ein guter Gebäudeschutz hängt vielmehr von einer gelungenen Konzeption und Umgebungsgestaltung ab, damit das im Überfluss anfallende Wasser schadlos abfliessen kann. Am grössten ist der Handlungsspielraum für kostengünstigen Schutz vor Überflutungen bei Neubauten.

Doch auch bei Umbauten gilt: Je früher an Schutzmassnahmen gedacht wird, desto einfacher lassen sich diese ins Gesamtkonzept integrieren. Die Anforderungen und Möglichkeiten zum Schutz vor Überschwemmung und weiteren Naturgefahren sollten deshalb schon in die ersten Entwürfe eines Bauprojekts einfliessen. Dabei nehmen Architekten, Planer und Ingenieure eine zentrale Rolle ein, wenn sie als Fachspezialisten rund um das Bauen


HIGHLIGHT

die Bauherrschaft auch bezüglich Naturgefahren beraten.

NATURGEFAHREN-CHECK Der Naturgefahren-Check auf der Website www.schutz-vor-naturgefahren.ch zeigt auf, welchen Naturgefahren ein Gebäude ausgesetzt ist. Nebst der Gefährdung am Standort werden zur Situation passende Empfehlungen für mögliche Schutzmassnahmen präsentiert, damit diese Lösungsvarianten direkt in das Gesamtkonzept eines Neubaus oder Umbaus einfliessen können. Wird eine Gefährdung durch Hochwasser oder Starkregen frühzeitig erkannt und in der Planung berücksichtigt, lässt sich möglicherweise die Höhenlage des Erdgeschosses und der Gebäudeöffnungen optimieren. Liegen sämtliche Fenster, Türen und Lichtschächte, aber auch Lüftungsöffnungen über der maximalen Überschwemmungshöhe, ist ein permanenter Schutz möglich. Solche baulich-konzeptionellen, fest installierten Schutzvorkehrungen sind besonders zuverlässig und langfristig auch sehr kosteneffizient. Im Idealfall entfällt somit zusätzlicher Aufwand für Wartung und Unterhalt mobiler Schutzsysteme und für das Üben von Notfallsituationen. Der Schutz vor Starkregen lässt sich gut mit Massnahmen zur Klimaanpassung kombinieren: Nach dem Konzept der «Schwammstadt» soll bei Starkregen das Wasser schadlos zwischen den Gebäuden hindurchgeleitet und über durchlässige Oberflächen lokal zwischengespeichert werden, sodass dieses in Trockenphasen wiederum verdunsten und zu einem angenehmen Stadtklima beitragen kann. Bei fortgeschrittener Planung sind die Handlungsoptionen eingeschränkt. Doch auch dann können beispielsweise noch hagelgeprüfte Produkte für Dach und Fassade ausgewählt, ein automatisches Hochwasserschutz-Klappschott zum Schutz der Tiefgarageneinfahrt eingebaut oder eine Hagelwarnung für die Lamellenstoren installiert werden.

SCHUTZZIELVORGABEN Die 2020 überarbeiteten Normen SIA 261 «Einwirkungen auf Tragwerke» sowie SIA 261 / 1 «Einwirkungen auf Tragwerke – ergänzende Festlegungen» stellen neu auch konkrete Anforderungen an den Gebäudeschutz gegen Hagel, Schneedruck

Die erhöhte Bauweise ist die wirksamste Massnahme zum Schutz vor Hochwasser bei Neubauten.

und alle gravitativen Naturgefahren (Hochwasser / Oberflächenabfluss, Rutschung, Steinschlag, Murgang und Lawinen). Die Schutzziele beziehen sich einerseits auf Gefahrengrundlagen wie die kantonalen Gefahren- und Intensitätskarten. Andererseits werden sie umso höher angesetzt, je grösser der zu erwartende Schaden über die Nutzungsdauer des Gebäudes ist. So erfolgt eine Abstufung je nach Gebäudenutzung und -funktion. Für diese pragmatische Risikoabstufung dienen die sogenannten «Bauwerksklassen» (BWK I-III), welche in der Norm SIA 261 definiert sind. Die praktische Anwendung dieser Normen wird in den Wegleitungen SIA D0260 «Entwerfen & Planen mit Naturgefahren im Hochbau» und SIA 4002 «Hochwasser – Wegleitung zur Norm SIA 261 / 1» sowie auf der Informationsplattform von «Schutz vor Naturgefahren» erläutert. Letztere vernetzt alle wichtigen Planungshilfen und ist deshalb für rasche Abklärungen und den Einstieg in das Thema besonders hilfreich.

SCHUTZ VOR NATURGEFAHREN AN DER SWISSBAU 2022

• Halle 1.0 Süd / Stand Nr: F22

AUFTRITT AN DER SWISSBAU

«Schutz vor Naturgefahren» ist vom 18. bis 21. Januar 2022 am Stand F22 in der Halle 1.0 Süd vertreten. Es erwarten Sie Live-Hageltests verschiedenster Baumaterialien und interessante Veranstaltungen rund um das Thema Gebäudeschutz vor Naturgefahren.

Weitere Informationen und Gratistickets: www.schutz-vor-naturgefahren.ch/swissbau

Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF | Bundesgasse 20 | CH-3001 Bern | Tel.: +41 (0) 31 320 22 22 info@schutz-vor-naturgefahren.ch | www.schutz-vor-naturgefahren.ch

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SWISSBAU 2022

HIGHLIGHT

DIE ESSENZ DER EINFACHHEIT DER URBANE LUXUS VON MORGEN von Gerald Brandstätter

Luxus im urbanen Raum ist heute nicht eine Frage der Grösse. Im Gegenteil, Luxus und Verdichtung können zusammenpassen. Schönheit und Nachhaltigkeit sind nicht Gegensätze, sondern ergänzen sich. Luxus wird zudem durch archetypisches Design vermittelt, das lange haltbar ist, Individualität ausdrückt und den Wunsch erfüllt, bewusst, ganzheitlich und harmonisch zu leben – so wie es beispielhaft AXOR One ermöglicht.

Die Armaturen zeichnen sich durch eine sanfte Verjüngung zu ihren gebogenen Ausläufern hin aus – ein subtiles Detail, das die aussergewöhnliche Qualität im Design und in der Herstellung unterstreicht.

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ie Urbanisierung schreitet voran. In der Schweiz ist dies nicht so sichtbar. Wer aber in Asien und Afrika sich aufhält erlebt eine sehr dynamische Entwicklung. Die Urbanisierung limitiert nicht nur den bestehenden Wohnraum, sondern steigert auch die Erwartungen der Menschen, die in ihm leben. Durch die Verschiebung der Prioritäten verändert sich neben der Funktion gleichzeitig auch die Gestaltung von Räumen; als private Oase inmitten der städtischen Hektik soll

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das Zuhause nicht nur ein Bereich für die soziale Interaktion, sondern vor allem auch ein Ort zur Wiederherstellung des eigenen Wohlbefindens sein. In den Fokus rücken persönliche Rückzugsräume, in denen man entspannen und Energie tanken kann. Doch welchen Beitrag können Architekten und Innenarchitekten schliesslich leisten, um solche Räume nicht nur zu optimieren, sondern auch aufzuwerten und mit Charakter, Bedeutung und Seele zu füllen?

ESSENZ DER EINFACHHEIT Die Lösungen sind vielfältig, doch eines ist klar: Der neue urbane Luxus spiegelt sich in der Qualität der privaten Zeit, der Zufriedenheit mit persönlichen Ritualen und dem daraus resultierenden Wohlbefinden wider. Das Bad ist einer der Räume, der sich künftig noch mehr zum privaten Revitalisierungs- und Wellnessraum entwickeln wird. Wie essenzielles Design dem neuen urbanen Luxus im Bad formal gerecht wird, zeigt


HIGHLIGHT

beispielhaft die Kollektion AXOR One: Bestehend aus eleganten Archetypen für das Waschbecken, die Wanne und die Dusche wird die AXOR-One-Kollektion von einer ganzheitlichen Designsprache mit schlanken Silhouetten, planen Oberflächen, weichen Kanten und ausgewogenen Proportionen getragen. Die ikonischen Armaturen zeichnen sich durch eine sanfte Verjüngung in Richtung ihrer gebogenen Ausläufer hin aus – ein subtiles Detail, das die aussergewöhnliche Qualität im Design und in der Herstellung unterstreicht. Die britischen Designer Edward Barber und Jay Osgerby interpretierten einen bekannten Archetyp neu – für mehr Klarheit, verbesserte Funktionen und präzise Steuerung. Die weiterentwickelte Select-Technologie nutzend, bestimmt die Armatur eine neue Methode der Interaktion: Durch Herunterdrücken ihrer All-in-one-Steuerung lässt sich das Wasser an- oder abstellen; durch Drehen im Uhrzeigersinn wird die Temperatur erhöht. Die Bedienung ist einfach und intuitiv. Zeitlos im Design bringt AXOR One exklusive Eleganz in jedes Badezimmer. Designer Edward Barber vom Londoner Designstudio Barber Osgerby: «Wir haben uns mit der Präzision der Steuerung des Wassers beschäftigt, aber die Präzision geht auch bis in den Armaturenkörper. Auf den ersten Blick sieht dieser wie ein Rohr aus, ein einfaches, gebogenes Rohr, aber tatsächlich wird es zum Ende hin schmaler. Es wirkt einfach ein klein wenig leichter, handwerklicher und eleganter.»

UMFASSENDE KOLLEKTION Das AXOR-One-Sortiment umfasst 31 Produkte, darunter Ein-Loch-, Zwei-Loch- und Drei-Loch-Waschtischarmaturen, Armaturen für die Wandmontage, eine bodenstehende Wannenarmatur mit Handbrause und das AXOR-One-Thermostatmodul für die Wanne oder Dusche. Die mechanischen Armaturengriffe mit Select-Techno-

Eine ganzheitliche Designsprache mit schlanken Silhouetten, planen Oberflächen, weichen Kanten und ausgewogenen Proportionen prägt den Stil.

ÜBER AXOR

AXOR entwickelt und produziert ikonische Objekte für luxuriöse Bäder und Küchen. In Zusammenarbeit mit weltbekannten Designern – darunter Philippe Starck, Antonio Citterio, Jean-Marie Massaud und Barber Osgerby – entstehen AXOR-­ Produkte in vielfältigen Stilrichtungen. Alle Armaturen, Brausen und Accessoires von AXOR entsprechen höchsten Qualitätsstandards. Mit weit über die eigentlichen Produkte hinausreichender Expertise inspiriert und befähigt AXOR Architekten, Innenarchitekten und designbegeisterte Menschen. Gemeinsam mit AXOR gestalten sie Räume, welche die einzigartige Persönlichkeit ihrer Nutzer reflektieren. Als zukunftsorientierte Marke der Hansgrohe Group widmet sich AXOR der Entwicklung unverwechselbarer Produkte und ihrer Herstellung in herausragender Qualität.

logie ermöglichen eine präzise, wassersparende An- und Abschaltung sowie Temperaturkontrolle. Zur grossen Auswahl an Duschprodukten gehören monolithisch geformte Kopfbrausen, die die Strahlarten Rain und PowderRain kombinieren, eine Handbrause mit PowderRain sowie eine Showerpipe. Die AXOR-One-Showerpipe ist die perfekte All-in-one-Kombination von Kopfbrause, Handbrause, Brausestange und Wandanschluss. Als ideale Ergänzung der AXOR-One-Kollektion bietet sich das Universal-Circular-Accessories-Programm von AXOR an. Die gesamte Kollektion kann individualisiert werden – in Matt Black oder einer exklusiven FinishPlus-Oberfläche.

HANSGROHE (SCHWEIZ) AG AN DER SWISSBAU 2022

• Trendwelt Bad, Halle 2.2 / Stand Nr: B12

GERALD BRANDSTÄTTER ist Geschäftsführer der Agentur Conzept-C GmbH, Zürich. www.axor-design.com www.hansgrohe.ch

Wir leben digitales Bauen Weiterbildungsangebote Digital Bauen – CAS Digital Planen Bauen Nutzen: BIM sicher anwenden 18:00 Uhr 1.März 2022 ab taltung zu Holzbau, rans en Online Infove d Digitales Bau un tz hu sc Brand

– Fachkurs Digital Real Estate bfh.ch/digitalbauen ‣ Weiterbildung

– Fachkurs BIM Praxis: Grundlagen mit Building SMART Zertifikat – Workshop Datendurchgängigkeit


HIGHLIGHT

Grosse und staatliche Player sind üblicherweise bei der BIM-Nutzung schon weiter.

UNTERSCHIEDLICHES TEMPO BIM-BOOM MIT UNEINHEITLICHEM BILD von Rudolf Pistora

Im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Baubranche wird BIM als eine der vielversprechendsten Technologien angesehen. Bauunternehmen lokalisieren darin grosse Chancen. Dennoch läuft die Umsetzung in der Schweiz noch nicht so schnell wie in anderen europäischen Ländern.

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uilding Information Modelling, kurz BIM, ist das aktuelle Zauberwort, wenn in der Baubranche über Digitalisierung gesprochen wird. Die digitale Lösung, um mithilfe von Software sowohl Planung und Ausführung als auch die Bewirtschaftung von Bauwerken zu optimieren, ist eine der meistgenannten digitalen Neuerungen der letzten Jahre. Bei BIM-Modellen werden alle relevanten Daten eines Gebäudes digital erfasst, kombiniert und modelliert. In einem Computermodell wird das Bauwerk zudem geometrisch visualisiert – es entsteht der sogenannte «digitale Zwilling». BIM findet heute in sämtlichen Bereichen der Bauplanung und Bauausführung wie Architektur, Ingenieurwesen, Tiefbau, Städtebau oder Eisenbahnbau Anwendung. Durch die Offenheit der Modelle ist BIM zudem auch im Betrieb und im Unterhalt von Gebäuden von grossem Nutzen. In vielen Ländern hat deshalb die Popularität von BIM im Zuge der allgemeinen Digitalisierung, gepaart mit gesetzlicher Unterstüt-

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zung, exponentiell zugenommen. Durch die erwiesene Effizienz wurde die BIM-Technologie zum zentralen Trend in der Baubranche. Aus einer Nischenoption wurde sie zum Hauptbaustandard.

BIM IN DER SCHWEIZ In Europa ist die BIM-Nutzung auf dem Vormarsch. Ein vom Digitalisierungsexperten PlanRadar erstellter Ländervergleich zwischen acht europäischen Ländern ergab ein stark heterogenes Bild, da die Fortschritte in der Verbreitung und aktiven Nutzung von BIM in Bauprojekten sehr unterschiedlich sind. In der Schweiz wird BIM seit 2015 angewendet. Allerdings geben heute nur gerade 20 Prozent der Schweizer Bauunternehmen an, BIM regelmässig bei Projekten zu nutzen. Damit liegt die Schweiz unter dem europäischen Durchschnitt. Rund 70 Prozent der Bauunternehmen vertreten aber die Meinung, dass BIM in Zukunft eine noch wichtigere Rolle einnehmen wird. Allerdings

sind eben auch 75 Prozent der Befragten der Ansicht, dass die meisten Betriebe auf einen umfassenden Einsatz der Technologie noch nicht vorbereitet sind. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein wesentlicher Aspekt ist, dass die Schweiz kulturell bedingt sehr fragmentiert ist. So gibt es bei Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden viele unterschiedliche Herangehensweisen, was die Durchsetzung einheitlicher Arbeitsmethoden erschwert. Um die Nutzung von BIM weiter voranzutreiben, wurde im Aktionsplan «Digitale Schweiz» der Bundesverwaltung festgelegt, dass ab 2021 sowohl der Bund als auch alle bundesnahen Betriebe die BIM-Methode für Immobilien verpflichtend anwenden; ab 2025 gilt dies auch für Infrastrukturanlagen.

IN DER VORREITERROLLE Während in vielen Ländern BIM noch in den Kinderschuhen steckt, ist der Vorreiter in Sachen BIM bereits seit rund vier Jahrzehnten damit vertraut. Grossbritannien gilt als


HIGHLIGHT

Pionier in der BIM-Technologie. Eines der ersten BIM-Projekte war der Umbau des Flughafens Heathrow in den 1980er-Jahren. Entscheidend bei der Entwicklung von BIM sind oft staatliche Interventionen und Investitionen. So wie die Schweiz aktuell innerhalb der Bundesverwaltung die BIM-Nutzung bei gewissen Projekten vorschreibt, ist das in Grossbritannien bereits bei allen staatlichen Projekten Pflicht. Eine einfache Nutzung von BIM reicht aber nicht aus. Vorgeschrieben ist das zweithöchste Level von vier BIM-­Reifegraden. Dieses Level entspricht einer fortgeschrittenen digitalisierten Zusammenarbeit. Das bedeutet, dass verschiedene Spezialisten und Teams mit ihren Programmen in denselben BIM-Modellen interagieren und so eine weit implementierte, digitale Zusammenarbeit pflegen. Wenig überraschend liegt Grossbritannien im von PlanRadar durchgeführten Ländervergleich unangefochten an der Spitze der Rangliste: Ganze 80 Prozent der britischen Unternehmen verwenden BIM in ihren Projekten. Dahinter folgen Deutschland (70 Prozent) und Frankreich (60 Prozent).

AUSGEPRÄGTE BIM-FÖRDERUNG Obwohl BIM in Frankreich relativ weit verbreitet ist, gibt es noch keinen BIM-Standard in französischen Gesetzen. Dennoch wird die Technologie staatlich gefördert. Dank eines BIM-Plans soll ab 2022 die Nutzung noch besser in die Arbeitsabläufe integriert werden. Allerdings gibt es, ähnlich wie hierzulande, Schwierigkeiten bei der Adaption aufgrund unterschiedlicher Programme und uneinheitlicher Formate.

Auf den Spuren Grossbritanniens befindet sich Deutschland. Bereits im Jahr 2017 wurde BIM für Grossprojekte ab 100 Millionen Euro verpflichtend. Seit 2020 gilt das für sämtliche öffentlichen Aufträge, die den Bau von Bundesinfrastruktur oder infrastrukturrelevanten Gebäuden betreffen. Neben Vorschriften existieren in Deutschland zusätzliche Förderungsmassnahmen. Einerseits will das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) KMU bei der Umstellung finanziell unterstützen und andererseits wird die Umsetzung von BIM durch die Gruppe «Planen Bauen 4.0», die von Verbänden und Unternehmen der Branche gegründet wurde, aktiv unterstützt.

DIE SCHWEIZ IST NICHT ALLEIN Wie die Schweiz hinkt auch Österreich in der BIM-Nutzung noch etwas hinterher. So wird BIM lediglich von den «Big Playern» der Branche verwendet. Meist kommt BIM bei staatlich geförderten oder grossen kommerziellen Bauvorhaben zum Einsatz. Die BIM-Nutzung ist zwar ebenfalls bei Ausschreibungen und öffentlichen Bauaufträgen obligatorisch, ein Gesetz, das die Anwendung von BIM noch breiter durchsetzen wollte, konnte jedoch nicht verabschiedet werden. Die Entscheidung, ob und wie BIM verwendet wird, liegt weiterhin im Ermessen der Auftraggeber von Projekten. Die Unterschiede in der BIM-Nutzung hängen also einerseits von der staatlichen Förderung der Technologie, andererseits aber auch von Faktoren wie Bevölkerungsgrössen, Bau-Ökosystemen und den vorhandenen Budgets, die generell für Investitionen in Technologien zur Verfügung stehen, ab. Die fortschrittlichsten Unternehmen der einzelnen Länder haben wahrscheinlich untereinander mehr gemeinsam als mit Unternehmen im eigenen Land, die bezüglich der BIM-Nutzung noch nicht so weit sind.

RUDOLF PISTORA ist Head of Sales des PropTech-Unternehmens PlanRadar. Das Leben auf Baustellen und in Planungsbüros wird immer digitaler.

www.planradar.com

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HIGHLIGHT

NACHHALTIGE STRATEGIEN BIM LÄSST SICH NICHT DELEGIEREN von Professor Thomas Rohner

Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden meist getrennt diskutiert. Dabei gibt es spannende Überschneidungen. Der folgende Beitrag liefert eine Skizze für ein gemeinsames Vorgehen bei der Einführung der BIM-Methode und zeigt die Schnittmengen von grünen und nachhaltigen Themen auf.

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ur Bewältigung der digitalen Transformation im Bauwesen dient die Methode Building Information Modelling (BIM). Um eine «unité de doctrine» zu erreichen, wurde an den BIM Industry Days ein Sechs-Punkte-Plan formuliert, welcher ein gemeinsames Vorgehen bei der Einführung der BIM-Methode beschreibt. Dabei geht es um das gleiche Vorgehen: das gemeinsame Zielbild und die Roadmap, das gleiche Verstehen: gemeinsame Sprache (Glossar), das gleiche datentechnische Abbilden: gemeinsames Datenmodell, das gleiche Modellieren: gemeinsame Bauteilbibliothek, das gleiche Untersuchen: gemeinsame Anwendungsfälle und das gleiche Bestellen: gemeinsame Bestellgrundlagen.

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DER ANSATZ Die Formulierung der gemeinsamen Anwendungsfälle wird Use-Case-Management genannt, ein systemischer, systematischer und methodischer Ansatz, der in der Schweiz entwickelt wurde und heute weltweit bei buildingSMART international angewendet wird. BIM befähigt die Baubranche zur Einhaltung des «Aktionsplans Digitale Schweiz» des Bundesrates mit ausgewählten Massnahmen von bundesexternen Dritten, die einen Beitrag zur Erreichung der Strategieziele leisten.

DIGITALISIERUNG IN DER BILDUNG Das Konzept des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) teilt

der Bildung, Forschung und Innovation die zentrale Rolle in der Entwicklung, Anwendung und Nutzbarmachung neuer Technologien zu. Das zugrundeliegende didaktische Konzept baut auf drei Säulen auf: Interdisziplinarität, Future Skills und Vernetzung. Interdisziplinarität bedeutet vielfältige und flexible Curricula, unterstützte und begleitete Lernprozesse, Flipped Classroom und Blended Learning. Future Skills umfasst die Verankerung und integrative Förderung von zukünftigen Fähigkeiten. Vernetzung weist auf die Kultur des Teilens von Wissen und Können, die Vernetzung von Lehre und Forschung und die externe Vernetzung hin.


HIGHLIGHT

KOMPETENZBILDUNG ÜBER TITELERWERB Wie gestaltet sich die Bildungslandschaft der Zukunft auf der Sekundär-, Tertiär- und Quartärstufe? Wenn das oben erwähnte didaktische Konzept umgesetzt werden soll, dann muss ein relevantes Umdenken und eine signifikante Umstellung der Bildungsstrategie erfolgen. Der monodisziplinäre Unterricht muss einem interdisziplinären Projektunterricht weichen. Ergebnis- und Erlebnisorientierung sollte dabei im Vordergrund stehen. Durch Teamteaching und unterrichtsintegrierte Forschung entwickeln sich die Bildungsstätten zu lernenden Systemen weiter. Junge Studierende wollen sich dort befähigen, wo die höchsten Kompetenzen vorhanden sind, was automatisch dazu führt, dass sie als «Bildungsnomaden» durch nationale und internationale Bildungslandschaften mäandern. Dadurch lässt sich ein Mehrnutzen in der Kollaboration von Hochschulen aufzeigen und die Anzahl der Studierenden kann sich dadurch für alle erhöhen. Solche Veränderungen werden von Befürchtungen begleitet. Während sich Dozierende als «allwissende Frontalpredigerinnen und Frontalprediger» sahen, entwickelt sich die moderne Didaktik schon längst in Richtung Coaching und Mentoring. In der Komplexität des dualen Bildungssystems heisst das, dass die Befähigung nicht nur auf Stufe der Dozierenden und Studierenden stattfinden muss, sondern auch auf Stufe der Branche und Unternehmung. Dazu wurden von Bauen digital Schweiz / buildingSMART Switzerland (BdCH-bSCH) Hilfsmittel entwickelt. Beispiele sind das Aus- und Weiterbildungsportfolio, das «big picture» der BIM-­ Organe, das Glossar digitale Bauwirtschaft und ein zertifiziertes Prüfverfahren für BIM-Grundlagen.

2schedul), Treibhausgas (BIM2emissons), Business-Modelle (BIM2business), Nachhaltigkeit (BIM2sustainability), Produktionstechnologie (BIM2production), Unterhalt (BIM2FM), Lebenszyklus (BIM2LCA) und vieles mehr. Zusammengefasst: BIM macht Sinn, wenn daraus brauchbare und belastbare Ergebnisse resultieren.

DAS KLIMA GIBT DEN BAUPLAN VOR Das kurzfristige Kostendenken muss durch ein langfristiges Qualitätsdenken ersetzt werden. Wer könnte das besser umsetzen als die Baubranche? Wir bauen für künftige Generationen und unser Handeln muss «cradle to cradle» geleitet sein. Als «Holzwurm» motiviert mich die Kreislaufwirtschaft, denn mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz, gepaart mit erneuerbarer Energie in Bau und Betrieb, können zukunftsfähige Konzepte entwickelt werden. Die Botschaften müssen einfacher sein und mit Beispielen hinterlegt werden und die Individualität der Menschen sollte so wenig wie möglich eingeschränkt werden: 1. Es ist bedeutend einfacher, nachhaltige Häuser zu bauen, als Leute in ihrer Mobilität einzuschränken. 2. Es ist bedeutend einfacher, ökologische und nachwachsende Baustoffe zu verwenden, als den Fleischkonsum einzuschränken. 3. Es ist bedeutend einfacher, Fassaden zu begrünen, als energiebetriebene Technologien zur Kühlung, Luftreinigung und Lärmdämmung einzusetzen.

Für mich heisst Nachhaltigkeit: «ein System nutzen, aber nicht ausnutzen». Das heisst, ich darf fischen, wenn ich wiederum Fischaufzucht betreibe; ich darf Holz ernten, wenn ich wieder Bäume pflanze (ökologische Nachhaltigkeit). Ich darf Mitarbeitende anstellen, ich muss sie aber richtig entlohnen, fair behandeln und für ihre Arbeitssicherheit garantieren (soziale Nachhaltigkeit). Ich darf mit meinem Tun Geld verdienen, es soll aber auf Wertschöpfung und nicht auf Ausnutzung von Schwächeren beruhen (ökonomische Nachhaltigkeit). In der Schweizer Baubranche wächst das Bewusstsein mit jedem gut gebauten Beispiel. Dazu müssen aber oftmals Paradigmen wechseln und Bautraditionen, also Baukulturen, angepasst und gewandelt werden. Die Digitalisierung hilft uns in allen Bereichen dieser Transformation. Für mich als Ingenieur ist es wichtig, dass Nachhaltigkeit messbar, berechenbar und kontrollierbar ist. Egal welche Methode angewendet wird, ob SNBS, Nachhaltigkeitskompass, Treibhausgas, oder CO2 – durch den digitalen Zwilling kriege ich die richtigen Daten. BIM lässt sich nicht delegieren, Kollaboration ist angesagt.

PROFESSOR THOMAS ROHNER ist Professor für Holzbau und BIM an der Berner Fachhochschule. www.bfh.ch

DIE SINNHAFTIGKEIT Die Baubranche wendet BIM an, um alle Prozesse in Planung, Bau und Nutzung simulieren und optimieren zu können. Dabei soll ein verlustfreies Datenhandling durch strukturierte, generische und maschinenlesbare Daten ermöglicht werden. Konsolidierte Arbeitshilfen von BdCH-bSI regeln und unterstützen die Prozesse, Strukturen und Rollen. BIM liefert Datengrundlagen für die Kostenrechnung (BIM2cost), Terminplanung (BIM-

Holz, BIM und Nachhaltigkeit ergeben bei der Errichtung von modernen Bauten ein schlüssiges Konzept.

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GEMEINSAME AUFGABE DIGITALE TRANSFORMATION ALS GEMEINSAME AUFGABE von Andreas Loscher

Digitale Transformation wird heute viel zu schnell mit Building Information Modeling (BIM) gleichgesetzt. Die Transformation geht aber weit darüber hinaus: Es geht um Arbeitsweisen, interne und externe Prozesse, die (Weiter-)Bildung von Mitarbeitern und Büroinhabern bis hin zur Neudefinition des eigenen Geschäftsmodells, dem schon oft proklamierten Kulturwandel. Seite 46 // bauRUNDSCHAU


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ie digitale Transformation soll uns helfen, Ausgangslagen präziser zu definieren, Ressourcen optimal einzusetzen und bildet die Grundlage für ein Bauen im Sinne der Kreislaufwirtschaft. BIM ist ein Baustein für das Erreichen dieser Ziele. Im Fokus steht nicht «der Mensch» im Singular, sondern eine Vielzahl von ihm, die Menschen im Plural, die sich gemeinsam einer Bauaufgabe stellen. In der Schweiz

gibt es zahllose Beispiele für herausragende Lösungen von Bauaufgaben im Hoch-, Tief- und Infrastrukturbau. Gründe für deren Erfolg finden sich meist beim gemeinsamen Verständnis von Bauherrn, Planern und Unternehmern und einem gemeinschaftlichen Ziel: dem Wunsch, in Kooperation ein Bauwerk zu errichten, das alle Anforderungen erfüllt, sinnvoll mit den Ressourcen umgeht und im besten Fall einen positiven Beitrag für seine Umgebung liefert. Eine gelungene Zusammen-

arbeit nur mit analogen Hilfsmitteln ist möglich, die Vergangenheit zeigt dies. Für die Meisterung der Herausforderungen der Zukunft im Bereich der Ressourcenknappheit, des Klimawandels und der angestrebten CO2-Neutralität ist die Anwendung von digitalen Hilfsmitteln und die Erfassung und Verarbeitung von Daten unabdingbar.

DAS GEMEINSAME ZIEL Unter dieser Voraussetzung, einer kooperativen Herangehensweise an eine

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hohe Agilität einen unglaublichen Vorteil und können über Nacht entscheiden, ob sie eine neue Software einführen, neue Prozesse definieren oder eben BIM anwenden. Entscheidend ist jedoch eine klare Vorgabe der Geschäfts- und Projektleitung, digitale Transformation bleibt ein Führungsthema. Wer den Weg beschreiten möchte, ist auf den Willen zur Veränderung und Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter angewiesen.

KLARES REGELWERK Dies betrifft den Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) ebenfalls, alle Normen entstehen aus dem gemeinsamen Erarbeiten mit Vertretern der Praxis und bilden die tagtäglichen Arbeitsprozesse ab. Der theoretisch formulierte Fall kann nie eins zu eins auf das eigene Projekt übertragen werden. Detaillierte Kenntnisse über das Regelwerk sind notwendig, um die optimale Adaption dieser auf das eigene Bauvorhaben zu ermöglichen. Damit es bei dieser geplanten «Abweichung» bleibt und um tragfähige Entscheide treffen zu können, muss das Wissen bei allen Schlüsselpersonen – auf der Planer- sowie der Auftraggeberseite – auf dem gleichen Level sein.

Zusammenarbeit ist analog möglich, zukünftige Herausforderungen brauchen aber digitale Lösungen.

Bauaufgabe, kann die digitale Transformation ihre Stärken ausspielen und mithilfe von Technologie sowie neuen Partnerschaftsund Prozessmodellen helfen, das Ziel zu erreichen. Die Bauaufgaben mit den verbundenen Prozessen sind individuell, daher ist eine gemeinsame Sprache von unschätzbarem Wert. Durchgängige Begriffe, Rollen und damit Regeln sind vorteilhaft für alle und helfen, Missverständnisse von vorneherein auszuschliessen – vor allem, da sich die meisten Beteiligten in mehreren Projekten gleichzeitig befinden. Daher sollten die Definitionen von Schnittstellen und Verantwortungen sowie Vertrags- und Nachtragsmanagement, die bereits einen grossen Effort bedeuten, nicht durch eigene Interpretationen erschwert werden, da sich dadurch das Risiko für zusätzliche Fehlerquellen erhöhen würde.

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EIN FÜHRUNGSTHEMA Viele Verbände und Interessensgruppen sind in diesem Thema engagiert und verfolgen damit auch unterschiedliche Geschäftsmodelle und Interessen. Hier müsste mehr Wert auf ein abgestimmtes Vorgehen gelegt werden. Vergleichbar mit den Baugesetzen auf kantonaler Ebene müssen die Verbände ein grosses Interesse an den Tag legen, damit einheitlich Standards und Definitionen gelten. Dies darf nicht nur einzelnen grossen Playern auf dem Markt überlassen werden. Kleine Büros, die besonders im Architekturbereich Leistungen anbieten, sind aufgrund ihrer Grösse nicht in der Lage, eigene Definitionen und Prozesse zu entwickeln. Hier müssen die Verbände ihre Rolle als Interessenvertretung nachkommen und Hilfestellungen bieten. Kleine Unternehmen haben durch ihre

Wie bei den oben erwähnten kantonalen Baugesetzen ist für Definitionen von Schnittstellen und Rollen eine Harmonisierung notwendig. Der SIA bietet durch die Vereinigung aller relevanten Planerdisziplinen eine gute Ausgangslage. Zwei entscheidende Rollen fehlen auf den ersten Blick: die Bauherren und die der Unternehmer. Die paritätische Zusammensetzung der einzelnen Kommissionen wirkt dem bedingt entgegen, durch die notwendige Konsensfindung entstehen aber auch Hürden. Ein Grossteil der an den SIA und seinen Rechtsdienst herangetragenen Probleme entsteht aus einer mangelnden Kenntnis, dass entsprechende Regeln vorhanden sind oder aufgrund eigener Abwandlungen eine Rechtsunsicherheit geschaffen wird. Wie der Rechtsdienst auf Anfrage bestätigt hat, unterstützt die steigende Anzahl an Gutachten und Schlichtungen diese Behauptung. Kooperative Verfahren, die Zusammenarbeit unter den verschiedenen Disziplinen und der frühe Einbezug von Unternehmen werden von allen Beteiligten als essenziell betrachtet.


HIGHLIGHT

ZENTRALE ROLLE DES INFORMATIONSMANAGEMENTS Zusammen mit einer möglichen Phasenverschiebung durch BIM entstehen komplexe Verträge mit einem grossen Informationsgehalt, die von vielen nur schwer nachvollzogen werden können: Erstens muss der SIA darauf achten, dass sein Normen- und Ordnungswerk allen bekannt ist, aber zweitens auch die Anwendung dessen möglichst einfach und im Planungsverlauf integrierbar bleibt. Die Lesbarkeit (im digitalen Sinn) der einzelnen SIA-Produkte kann erhöht und mit weiteren relevanten Informationen (zum Beispiel aus dem Beschaffungswesen) verknüpft werden. Informationsmanagement ist gerade auch in der Bauindustrie entscheidend. Einiges wird in Zukunft durch die «Maschine» erfüllt werden können, wobei sich einmal mehr die Notwendigkeit einer Harmonisierung zeigt.Neben der Harmonisierung der Vorgaben und der Entwicklung von neuen Prozess- und Kooperationsmodellen nimmt die Ausund Weiterbildung eine entscheidende Rolle ein.

Wie eingangs erwähnt, ist BIM nicht mit digitaler Transformation gleichzusetzen und lässt sich nicht ausschliesslich auf die dreidimensionale Planung eines Bauwerks reduzieren. Eine BIM-fähige Software wird von vielen Studenten bereits angewendet, jedoch ohne das Potenzial der Verknüpfung mit den weiteren Disziplinen und dem Verständnis für den richtigen Einsatz im Planungs- sowie Bauprozess auszuschöpfen. Die Arbeitsweise als inter- und multidisziplinärer Prozess muss verstanden werden. Somit ist BIM eindeutig mehr eine Frage der Kollaboration als der Technik. Sicherlich würden hierfür lehrstuhl- und departmentübergreifende Studienarbeiten die gewünschte Zusammenarbeit vorantreiben und das notwendige, gemeinsame Verständnis rund um eine Bauaufgabe aufzeigen – eine Lehrmethode, die jedoch gleichzeitig mit viel Aufwand verbunden ist. Die Lehre kann – und muss auch nicht – mit der technischen Entwicklung Schritt halten. Die Grundlage im mathematisch-technischen Bereich und die Notwendigkeit eines gemeinsamen Handelns und eines gene-

rellen Ansatzes kann sie allerdings liefern. Die Spezialisierung erfolgt nach ersten Praxiserfahrungen. Zahlreiche Master-, CASund MAS-Programme an den Universitäten und Fachhochschulen stehen zur Auswahl, wie zum Beispiel der Master in Integrated Building Systems der ETH Zürich (www.master-buildingsystems.ethz.ch), Certificate of Advanced Studies ARC in Digitalisierung (kompetenz.arch.ethz.ch/ kurs/cas-eth-arc-digitalisierung) oder der Master of Science in Engineering der HSLU (www.hslu.ch/de-ch/technik-architektur/ studium/master/engineering). Die Herausforderung liegt beim generellen Fachkräftemangel und der Lohn- und Hierarchiestruktur der Bauindustrie verglichen mit anderen Berufsfeldern.

ANDREAS LOSCHER ist Dipl. Ing. Architektur FH / SIA, Fachspezialist Digitale Prozesse. www.sia.ch

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EFFIZIENZ UND SUFFIZIENZ NACHHALTIGKEITSSTRATEGIEN IN DER BAUBRANCHE von Georg Lutz

Effizienz ist inzwischen in jeder Unternehmenskultur angekommen. Die Verantwortlichen können damit Geld sparen und etwas für die Ökologie tun. Das ist eine prächtige Win-win-Situation. Nur reicht sie eben nicht aus, um den Klimawandel aufzuhalten. Das vertraglich vereinbarte 1.5-Grad-Ziel droht zu reissen. Effizienz reicht nicht aus, Suffizienz muss dazukommen. Und hier gibt es in der Baubranche noch viel Luft nach oben. Das Ziel der Kreislaufwirtschaft ist noch ein weiter Weg, auf der Swissbau gibt es hierzu jedoch erste Beispiele.


© DBOX

BAUEN

UMBAU STATT NEUBAU EINE REFLEXION ZUM THEMA GRAUE ENERGIE UND CO2-EMISSIONEN von Ulrike Elbers

Recycling und Wiederverwertung sind in der Baubranche theoretisch ein grosses Thema. In der Praxis gibt es aber noch Luft nach oben. Das Ziel der Kreislaufwirtschaft ist noch ein weiter Weg. Der folgende Beitrag beleuchtet die Situation in Deutschland, die von derjenigen in der Schweiz nicht wesentlich abweicht. Ein Projekt in London dient als positives Referenzbeispiel. Auch die Skyline von London verdeutlicht die Potenziale von ökologischen Sanierungen – 1 Triton Square ist nur ein Beispiel.

D

ass der Pritzker-Preis in diesem Jahr an die Architekten Anne Lacaton und Jean Philippe Vassal vergeben wurde, setzt in meinen Augen ein wichtiges Signal. Denn ihr Ansatz des klimagerechten Bauens ist vorbildlich. Nach der Maxime «Umbau statt Neubau» arbeitet das mehrfach ausgezeichnete Duo mit dem Vorhandenen. Abriss lehnen die Preisträger als überflüssige Verschwendung ab. Diese Kultur des Sanierens, Modernisierens und Adaptierens an zeitgemässe Ansprüche wird bei der Erreichung der Klimaziele eine Schlüsselrolle spielen. Gemäss dem kürzlich verschärften Klimaschutzgesetz soll Deutschland bis zum Jahr  2045 klimaneutral werden. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, müssen die CO2-Emissionen im Gebäudesektor in den kommenden Jahren sukzessive gesenkt werden. Mit rund 51.7 Milliarden Tonnen Baumaterialien ist der 22 Millionen Gebäude umfassende Bestand unser grösstes Rohstofflager. Würden diese Materialien beim Abriss konsequent wiederverwendet, wäre der jährliche Bedarf an Rohstoffen deutlich geringer. Zudem liesse sich durch die Wie-

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derverwendung vorhandener Materialien, die bereits in den Gebäuden gebundene sogenannte graue Energie nutzen und der CO2-Ausstoss im Vergleich zu Abriss und Neubau um bis zu 70 Prozent senken.

WEITER NUTZEN, STATT NEU ZU ERZEUGEN Die graue Energie bezeichnet die kumulierte Primärenergie, die für Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport, Wartung, Abriss und Entsorgung eines Gebäudes aufgewendet werden muss. Viele Baustoffe sind in der Produktion energieintensiv: So wird beispielsweise Zement bei Temperaturen von 1 450 Grad Celsius unter hohem Verbrauch an fossilen Energien hergestellt. Entsprechend hoch ist der CO2-Ausstoss, der bei rund 600 Kilogramm pro Tonne liegt. Davon sind ein Drittel brennstoffbedingte und zwei Drittel rohstoffbedingte Prozessemissionen. Um ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele bis 2045 zu leisten, ist die Baustoffindustrie gefordert, Strategien zur Senkung ihrer Treibhausgasemissionen zu entwickeln. Die Massnahmen reichen vom Wechsel auf regenerative Energieträger über die Umstellung auf emissionsarme Produktionspro-

zesse bis zur Abscheidung und Speicherung prozessbedingter CO2-Emissionen. Bis die klimaneutrale Transformation der Baustoffindustrie abgeschlossen ist, werden die zur Gebäudeerstellung benötigten Materialien allerdings noch mit dem heute zur Verfügung stehenden Energiemix hergestellt. Im Jahr 2020 wurde rund 50 Prozent des deutschen Energiebedarfs aus regenerativen Quellen gedeckt, die anderen 50 Prozent aus Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Kernkraft. Das führt zwangsläufig dazu, dass selbst in neu gebauten Gebäuden ein grosser Anteil grauer Energie steckt. Ein Gebäude, das heute gebaut wird, steht bei einer Nutzungsdauer von 60 Jahren bis zum Jahr 2081 – inklusive der in ihm gespeicherten grauen Energie. Statt durch Abriss und Neubau zusätzliche graue Energie zu erzeugen, ist es ökobilanziell also sinnvoller, durch Sanierung oder Umbau auf die bereits verbaute graue Energie aufzubauen.

ENTWURF UND PLANUNG ENTSCHEIDEN ÜBER GRAUE ENERGIE Im architektonischen Entwurf und der Planung werden die Weichen für die graue


BAUEN

Energie eines Gebäudes gestellt. Mit optimierter Geometrie, intelligenten Konstruktionen, reduzierter Gebäudetechnik und langlebigen Materialien lassen sich neue Massstäbe setzen. Die wichtigsten Stellschrauben sind das Tragwerk, gefolgt von der Fassade, der Gebäudetechnik und dem Ausbau. Kompakte Baukörper mit schlanken und effizienten Tragsystemen reduzieren den Anteil an grauer Energie, das Bauen von Tiefgaragen und besonders hohen Gebäuden sowie Fassaden mit viel Glas und Aluminium erhöhen ihn.

So sollten bei der Konzeption des Tragwerks Langlebigkeit und Adaptierbarkeit im Vordergrund stehen, Fassaden und Gebäudetechnik hingegen nach den Prinzipien des Rückbaus, Recyclings und der Wiederverwertbarkeit konzipiert werden. Generell gilt, dass Materialien, die bei der Herstellung einen hohen Anteil an energie- und prozessbedingten CO2-Emissionen verursachen, durch weniger CO2-intensive Materialien und Recyclingbaustoffe ersetzt werden sollten.

LANGLEBIGKEIT UND WIEDERVERWERTBARKEIT

Welchen Beitrag Bestandsgebäude zur klimaneutralen Transformation unserer Städte leisten können, lässt sich in unserer Broschüre «Transform & Reuse – Low-Carbon Futures for Existing Buildings» nachlesen. Die Ergebnisse liefern überzeugende Argumente für die Revitalisierung und Konversion des Bestandes: Teilweise konnten die ursprünglichen CO2-Emissionen um bis zu 70 Prozent reduziert werden, die Kosten lagen bis zu 75 Prozent unter denen eines Abrisses und Neubaus. Das Projekt 1 Triton Square in London zeigt, wie man die in Be-

Prinzipiell setzt sich ein Gebäude aus verschiedenen Komponenten mit unterschiedlichen Funktionen und Nutzungsdauern zusammen. Während das Tragwerk 100 Jahre und mehr stehen kann, müssen Fassaden und Gebäudetechnik im Laufe des Lebenszyklus mehrfach ersetzt werden. Deshalb ist es sinnvoll, die einzelnen Komponenten im Gebäude getrennt voneinander zu betrachten und für jede Komponente eine massgeschneiderte Lösung zu entwickeln.

SANIERUNG ALS ÖKOBILANZGEWINN

standsgebäuden verbaute graue Energie als Fundament für zukunftsfähige Gebäude nutzen kann. Die 1990 erbaute Firmenzentrale von British Land wurde nachhaltig saniert und um drei zusätzliche Stockwerke erweitert. Die Maxime war, die vorhandene Struktur beizubehalten und den Ressourcenverbrauch zu minimieren. Insgesamt wurden 35’000 Tonnen Beton, 1 900 Tonnen Stahl, 3 300 Tonnen Kalkstein und 3 500 Quadratmeter Fassaden-Paneele wiederverwendet. Durch die Sanierungsmassnahmen spart das Gebäude trotz einer Verdoppelung der Bruttogeschossfläche mehr CO2 ein, als in den nächsten 40 Jahren im Betrieb ausgestossen wird. 2019 wurde 1 Triton Square mit dem World Architecture News Award und 2020 mit dem BREEAM Award ausgezeichnet.

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BAUEN

DAS ENDE DER PAPIERBERGE DIE DIGITALE BAUSTELLE IST REALITÄT von Michael Rosen

Die Bauindustrie freut sich weiter über Wachstum: Die Auftragsbücher sind voll. Zudem ist die digitale Transformation der Branche in vollem Gange – viele innovative Projekte wurden bereits umgesetzt. Ein Beispiel ist die modellbasierte Planungssoftware, die schon jetzt bei vielen Unternehmen im Einsatz ist. Doch nicht nur die Büros arbeiten zunehmend digital – auch auf der Baustelle spielen digitale Technologien eine immer wichtigere Rolle.

S

etzt die Branche auf Planungsunterlagen aus Papier, kann Kommunikation nur in eine Richtung ablaufen. Kommen digitale Geräte zum Einsatz, lässt sich dieses Hindernis aus dem Weg räumen. Mit mobilen Geräten und digitaler Baudokumentation können Bauleiter und Poliere ihre Unterlagen auf der Baustelle nicht nur lesen, sondern auch sofort bearbeiten. Abweichungen und nötige Anpassungen können so auf direktem Weg und ohne Zeitverzug an die Planer, Architekten oder den Bauherrn übermittelt werden. Plandokumente und die nächsten Schritte im Bau lassen sich so unmittelbar anpassen. Der Bauleiter profitiert vom direkten und schnellen Feedback. Und auch für ein nachhaltiges Wirtschaften leistet die digitale Baustelle einen Beitrag, denn die Dokumente müssen nicht mehr ausgedruckt werden.

ROBUSTE GERÄTE NOTWENDIG Um diese Vorteile nutzen zu können, braucht es geeignete Geräte: Tablets und Notebooks der Panasonic-TOUGHBOOK-

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Familie sind beispielsweise ideal für das Anwendungsszenario Baustelle geeignet. Vom Massnehmen über die Koordination der verschiedenen Gewerke, das Aufgabenmanagement und Protokollwesen bis zum Planstand auf der Baustelle lassen sich mit ihnen alle relevanten Tätigkeiten abwickeln. Zudem halten sie Staub, Spritzwasser und auch Stürze aus Brusthöhe aus. Ein Consumer- oder Office-Gerät mit einfacher Schutzhülle kann diese Anforderungen nicht erfüllen. Die Folgen: ein rascher Geräteverschleiss, eine eingeschränkte Bedienbarkeit, Frust bei den Mitarbeitenden und nicht kalkulierbare Zusatzkosten.

FÜR ANSPRUCHSVOLLE UMGEBUNGEN Ein Bau startet normalerweise mit einer Massaufnahme per Scan auf dem Baufeld  – eine extrem hohe Anforderung an die Rechenleistung eines Computers. Aus Millionen von Aufnahmepunkten entsteht im Planungsbüro ein 3-D-Bild. Ein wichtiger Arbeitsschritt ist hier, störende Elemente wie Reflexionen und Abschattungen aus

dem Scan in einem ersten Edit schon auf der Baustelle zu überprüfen und zu bearbeiten. Dafür benötigen die Ingenieure ein sehr leistungsstarkes Notebook. Das robuste Panasonic TOUGHBOOK 55 ist für solche Vermessungsarbeiten bestens geeignet. Der sehr helle Bildschirm garantiert gute Sichtbarkeit auch im Freien. Zudem ist das Gerät spritzwasserfest und weist eine lange Batterielaufzeit von bis zu 40 Stunden auf – ein relevanter Faktor insbesondere dann, wenn ein Bauplatz noch nicht erschlossen und somit kein Strom verfügbar ist. Darüber hinaus können die Android-Enterprise-Tablets TOUGHBOOK A3 und S1 als Plattformen für eine Baumanagement-Software zum Einsatz kommen. Auf dem Tablet können die Mitarbeitenden Arbeitsanweisungen in Form von Checklisten und Ausführungsplänen / -modellen ansehen. Mit der Kamera erstellen sie Fotoprotokolle und verfassen einfache Berichte. Insbesondere Montagearbeiter und Bauhandwerker profitieren von diesen Geräten.


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KOLLABORATIONSTOOL IM EINSATZ Auch Bausoftware lässt sich mit den TOUGHBOOK-Geräten nutzen. Ein Beispiel dafür ist die Software von smino, ein Schweizer Anbieter für Kollaborationslösungen in der Braubranche, mit dem Panasonic TOUGHBOOK kooperiert. Gemeinsam bieten die beiden Unternehmen eine kostengünstige Komplettlösung für Baufachleute an, die einen Einstieg in das digitale Baustellenmanagement mit geringem Initialaufwand umsetzen möchten. TOUGHBOOK-Notebooks und -Tablets bauen auf langzeitverfügbaren Prozessorplattformen auf, welche komplexe 3-DPlan-Modelle auf dem ultrahellen, scharfzeichnenden Display flüssig und detailreich darstellen. Die Kommunikation mit CloudLösungen ist über WLAN / 4G-LTE-Mobilfunk auch unter schwierigen Empfangsbedingungen sichergestellt. Die integrierte Software-Anwendung von smino sorgt für die reibungslose Zusammenarbeit im Bauprojekt mit folgenden Funktionen: • Kontaktverwaltung mit automatischer Aktualisierung, • Aufgaben- und Mängelmanagement, • Protokollwesen inklusive automatisch generierter Aufgaben-, Entscheidlisten und einer Unterschriftenlösung auf dem Mobilgerät, • Projektraum für die zentrale Ablage von Plänen und Dokumenten, auch für externe Druckereien, • Journal inklusive Wetterdaten und schneller Suchfunktion sowie BIM-Fähigkeit (Building Information Modeling).

ARBEITEN IM BAUCONTAINER Bauleiter sind auf einen Rechner angewiesen, der für die Mitarbeitenden im Baucontainer als vollwertiger Desktop-PC dient. Zugleich brauchen sie aber auch einen Rechner, den sie draussen auf der Baustelle zum Erfassen, Dokumentieren und Fotografieren nutzen können. Beides ist mit dem Tablet TOUGHBOOK G2 möglich. Das Gerät lässt sich durch das einfache Anstecken einer Tastatur von einem Tablet in ein Notebook verwandeln. Eine effiziente Lösung, schliesslich genügt nur ein einziges Gerät für alle Aufgaben. Auch die Geräteverwaltung läuft somit einfacher ab. Im Bürocontainer lässt sich das TOUGHBOOK G2 über einen Port-Replikator mit einem Handgriff an zwei grosse 4K-Monitore, eine

Office-Tastatur und Maus, das Gbit-LAN und die Ladestromversorgung anschliessen. Mit dem Panasonic TOUGHBOOK G2 haben Nutzer also drei Optionen: • Nutzung als Tablet für Ausseneinsätze, • Nutzung als Desktop-PC über den Port-Replikator mit Bürotastatur und bis zu zwei Bildschirmen, • Nutzung als Tablet mit robuster Outdoor-Tastatur auf der Baustelle.

ZUKUNFT PAPIERLOSE BAUSTELLE Auf Baustellen arbeiten Handwerker ganz verschiedener Gewerke zusammen, die mitunter verschiedene digitale Lösungen nutzen. Doch mit dem passenden Equipment lassen sich auch unter diesen Voraussetzungen Pläne und Dokumente im Team visualisieren. Panasonic-Bildschirme der SQ1-Serie beispielsweise sind in robuster Qualität für den 24 / 7-Betrieb mit Displaygrössen von 43 Zoll bis hin zu 96 Zoll verfügbar. So wird der digitale Planstand zum vollwertigen Meetingraum. Die Panasonic-SQ1-Bildschirme lassen sich über eine einfach zu koppelnde Funkverbindung mit allen handelsüblichen Tablets und Notebooks verbinden. Das heisst, dass jeder seine Inhalte auf dem Mobilgerät per Knopfdruck auf einen grossen Bildschirm projizieren und mit dem Team austauschen kann. Bis zu vier Displayfenster von unterschiedlichen Mobilgeräten lassen sich so auf einem Bildschirm zur gleichen Zeit darstellen. Die papierlose Baustelle ist keine Zukunftsmusik, sondern bereits Realität. Voraussetzung dafür ist eine tragfähige Strategie und ein durchdachtes Konzept auf Basis langlebiger, bautauglicher Komponenten. Mit einem geeigneten Technologiepartner lässt sie sich nachhaltig und innovativ umsetzen. Handelsübliche Endgeräte bedeuten an dieser Stelle keine Ersparnis, sondern zusätzliche Zeit- und Finanzaufwände. Nur robuste, staubdichte und wasserfeste Geräte garantieren einen zuverlässigen Einsatz über drei bis fünf Jahre.

MICHAEL ROSEN ist Key Account Manager bei Panasonic TOUGHBOOK und zuständig für mobile IT im Bau- und Unterhaltsbereich. de.business.panasonic.ch/toughbook

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BAUEN

BRANDSCHUTZ IM HOLZBAU DÄMMUNGEN AUS STEINWOLLE von Evridiki Macioschek

© Dominique Uldry

Ein zentrales Thema bei Bauten ist die Sicherheit von Nutzern und Bewohnern im Brandfall. Beim Bauen sind deshalb Dämmmaterialien gefragt, welche selbst nicht brennen und ihre Funktion auch bei sehr hohen Temperaturen behalten – Kriterien, die die Steinwolle von Flumroc bestens erfüllt. Dieses Produkt wird in der Schweiz hergestellt.

Dieses Zweifamilienhaus sorgt mit Dämmmaterial aus Steinwolle von Flumroc für sicheren Brandschutz.

N

ach den aktuellen Brandschutzvorschriften dürfen Gebäude aus Holz beliebig hoch gebaut werden. Die tragenden Bauteile müssen im Brandfall, während der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Zeit, ihre Tragfähigkeit behalten. Des-

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halb müssen diese Bauteile vor raschem Abbrand geschützt werden. Der Brandschutz gewinnt damit markant an Bedeutung: Nicht brennbare Dämmmaterialien sind entscheidend, um die Ausbreitung eines Feuers zu verhindern.

SCHMELZPUNKT ÜBER 1 000 GRAD CELSIUS Die Produkte aus Schweizer Steinwolle von Flumroc sind im Brandverhalten des Baustoffs in der besten europäischen Kategorie A1 klassifiziert. Dadurch werden


BAUEN

ÜBER 1000 GRAD MACHEN DEN UNTERSCHIED AUS

Bei einem Gebäudebrand sind zwei Faktoren entscheidend: die Brennbarkeit der Baumaterialien und ihr Schmelz­ punkt. Ein Bauteil, das einem Brand standhält, kann die Brandausbreitung hinauszögern Weil bei einem Hausbrand in wenigen Minuten sehr hohe Temperaturen erreicht werden, tragen nicht brennbare Bauteile mit einem Schmelzpunkt von über 1000  Grad Celsius massgeblich zur Sicherheit von Bewohnern und Nutzern bei. Dämmmaterialien für Fassaden, Trennwände und Lüftungs­anlagen gehören deshalb zu den Komponenten eines Gebäudes, welche die Ausbreitung eines Brandes eindämmen können. Dämmstoffe von Flumroc sind nicht brennbar, halten selbst Temperaturen über 1 000  Grad Celsius stand und tragen deshalb massgeblich zum vorbeugenden baulichen Brandschutz bei.

sie von der schweizerischen Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) wiederum der besten Brandverhaltensgruppe RF1 zugeordnet. Darüber hinaus hält Flumroc Steinwolle dank ihrer speziellen Gesteinsmischung Temperaturen von über 1000  G rad Celsius stand. Und lässt damit im Brandfall keinen Brandbeitrag zu. Eine schnelle Ausbreitung von Flammen wird gehemmt, was im Brandfall zum Beispiel wertvolle Zeit für die Personenrettung schafft. Diese Steinwolle eignet sich daher besonders gut für den Einsatz im Holzbau. Auch die Produkte der Generation FUTURO, welche im Holzbau häufig zum Einsatz kommen, weisen dieselben Eigenschaften auf. Darüber hinaus sind sie besonders ökologisch und anwenderfreundlich, da sie mit natürlichem Bindemittel hergestellt werden.

VIELSEITIGKEIT ZAHLT SICH AUS Wer sich ebenfalls gut mit den Eigenschaften der Flumroc-Steinwolle auskennt, ist Martin Zaugg, Geschäftsführer der Hirsbrunner Holzbau AG. «Die Kombination aus Holz und Steinwolle erweist

Der Zyklus der Flumroc Steinwolle als Kreislauf.

sich als besonders wirkungsvoll, weil Flumroc Steinwollprodukte über die Wärmedämmung hinaus hohe Anforderungen an den Brandschutz erfüllen», sagt Zaugg. Mit einem Schmelzpunkt von mehr als 1 000 Grad Celsius bleibt diese Steinwolle zudem selbst bei hohen Temperaturen formstabil. Sie bietet einen optimalen Schallschutz und kann zu 100  Prozent rezykliert werden.

Linienführung der Architektur ist modern, das Holz authentisch und natürlich: In den Innenräumen sind die Ausfalläste nicht wegretuschiert worden und an der Fassade verwendeten die Holzbauer eine braune Druckimprägnierung. Erfahren Sie mehr Informationen zum Brandschutz der Flumroc Steinwolle unter www.flumroc.ch/1000grad

Ausserdem wird die Flumroc-Steinwolle in Flums im Schweizer Kanton St. Gallen hergestellt. Für die Herstellung der Steinwolle wird grösstenteils Gestein aus dem benachbarten Kanton Graubünden verwendet. Über 230 Mitarbeitende stellen die Produktion und Auslieferung von hochwertigen Dämmprodukten für Wärmedämmung, Schallschutz und vorbeugenden Brandschutz sicher.

SCHWEIZER HOLZ TRIFFT SCHWEIZER STEINWOLLE Aus all den oben genannten Gründen wurde Flumroc-Steinwolle für einen «Traum aus Holz» in Eggiwil eingesetzt. Für das neue Zweifamilienhaus verwendeten die Holzbauer wo immer möglich Weisstanne und Rottanne aus dem Emmental. Die

Bei einem Gebäudebrand sind Baumaterialien und der Schmelzpunkt zentrale Punkte.

Flumroc AG | Postfach | CH-8890 Flums | Tel. +41 (0) 81 734 11 11 | info@flumroc.com | www.flumroc.ch | www.1000grad.flumroc.ch

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BAUEN

DIE BAUBRANCHE BOOMT MEHR SICHERHEITEN BEIM BRAND- UND EINBRUCHSCHUTZ Interview mit Daniel Scheidegger von Georg Lutz

Der Systemanbieter von Türen, Toren, Zargen und Antrieben weist über sechzig Jahre Erfahrung auf. Die Novoferm AG gehört seit 2003 zur japanischen Sanwa Group und unterhält in Europa neunzehn Produktionsbetriebe. Im folgenden Interview gibt Managing Director Daniel Scheidegger Auskunft darüber, warum Brandschutztüren für die architektonische Planung interessant sind.

Brandschutz und Design – verbunden in der flächenbündigen Feuerschutztür NovoPorta Premio.

I

hr Unternehmen zählt zu den führenden Systemanbietern von Türen, Toren, Zargen und Antrieben. Welchen Mehrwert bieten Sie Ihren Kunden? Als Lösungsanbieter ist es wichtig, ein Problem zu lösen, welches in der Realität auch besteht. Eine der kniffligsten Herausforderungen für die Bauleiterinnen beziehungsweise Bauleiter und Projektverantwortlichen ist das zeitgerechte Zusammenspiel der verschiedenen Gewerke. Durch unsere breite, gleichzeitig tiefreichende Produktpalette in Kombination mit unserem Knowhow und der fachkundigen Montagepower unserer Premium-Partner verstehen wir

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es, unseren Kunden ein Gesamtpaket aus dem Segment Türen und Tore zu schnüren. Diese ganze Vielfalt an technisch beratungsintensiven Produkten bieten wir aus einer Hand. Welche Arten von Brandschutztüren produzieren Sie? Wir produzieren einerseits Türen aus Stahlblech, andererseits Rohrrahmentüren, sowohl aus Stahl als auch aus Aluminium. Unsere Firma verwendet vor allem zwei Arten von Stahlblechtüren: Wir unterscheiden zwischen der Dickfalztür NovoPorta Premio und der stumpf einschlagenden

NovoPorta Plano. Beide Türen sind die einzigen Brandschutzinnentüren am Schweizer Markt mit ETA-Zulassung und dazugehörender CE-Kennzeichnung. Wieso sind diese Türen für Architekten interessant? Bei Architekten ist vor allem die stumpf einschlagende Novoporta Plano besonders beliebt. In dieser hochwertigen Brandschutztür verbinden sich die Vorteile einer industriell gefertigten Brandschutztür mit denjenigen eines puristischen Designs. Denn wenn sie mit einem integrierten Türschliesser und verdeckt liegenden Bän-


dern ausgestattet wird, ist der Drücker das Einzige, was aus der Wandflucht herausragt. Architekten können über unsere App Novodocu und auf unserem Architektenportal novoferm-extranet.de zahlreiche Planungsdaten bequem downloaden. Was kann sich der Kunde unter dem Begriff Premium-Partner vorstellen? Dies ist ein schweizweites Netzwerk aus bedacht gewählten Wiederverkäufern, welche mit Novoferm besonders loyal zusammenarbeiten und die Marke durch individuelle, gemeinschaftlich gestaltete Werbeauftritte stützen. Anders als einige Mitbewerber unterhalten wir keine eigenen Montageteams. Wir müssen keine Tore und Türen an Endkunden verkaufen, um unsere Montageteams auszulasten. Wir wachsen gemeinsam mit unseren Partnern, anstatt all jenen Projekte zu stehlen, welche uns durch den Vertrieb unserer Produkte aufgebaut haben. Dies unterstreicht unsere Werte. Wir sind eine bodenständige, ehrliche und verlässliche Marke und wir wollen unseren Partnern durch kundenorientierte Entwicklung Erfolgschancen eröffnen. Die Redewendung «My home is my castle» erlangt in Zeiten der CoronaPandemie eine besondere Bedeutung. Wie beeinflusst das neue Cocooning Ihr Geschäft und Angebot? Die Schlagwörter an dieser Stelle sind: Smarthome, Sicherheit und Design. Der Anspruch von privaten Bauherren ist in der Schweiz auf einem hohen Standard. Seit Anfang 2021 bieten wir alle Produkte auch in den beliebten NCS- und IGP-Farbtönen an. Trends werden rechtzeitig erkannt, un-

sere Satin-Oberflächen für Garagen-Sektionaltore erfreuen sich grosser Beliebtheit. Unsere Strukturoberflächen sind endbeschichtet und zeichnen sich durch eine geringe Verschmutzungsneigung aus. Ob modern oder klassisch, Holzoptik, Echtholz, RAL nach Wahl, NCS oder IGP: Die Novoferm (Schweiz) AG liefert das Traumtor für (fast) jedes Kundenbedürfnis. Ein Tor soll aber nicht nur schön, sondern auch funktional und vor allem sicher sein. Unsere iso70-Garagen-Sektionaltore mit besonders dicker Dämmung zur Erfüllung des Minergie-Standards erreichen die Einbruchschutzklassifizierung RC2 ohne Aufpreis. Zumal Garage und Wohnraum immer stärker verschmelzen, ist der Einbruchschutz ebenso ein zentrales Element, welches das Cocooning nochmals eine Stufe vertrauter gestaltet.

«Trends werden rechtzeitig erkannt.» Wie beeinflussen Internet of Things und künstliche Intelligenz die Konzeption Ihrer Produktlösungen? Mit welchen spezialisierten Unternehmen arbeiten Sie zusammen? In Bezug auf die Smarthome-Funktionalitäten sind smarte Lautsprecher wie Amazon Echo, Google Home oder Apple HomePod als übergeordnete Systeme geeignet. Novoferm arbeitet neuerdings weitestgehend systemoffen, wichtig ist

Daniel Scheidegger ist Managing Director der Novoferm (Schweiz) AG.

Novoferm eine All-in-one-Lösung, eine App für alles. Diese entsteht durch die Kooperation mit dem Smarthome-Integrator Mediola. Neben der Digitalisierung zählt die Nachhaltigkeit zu den Megatrends. Wie bildet Novoferm den Nachhaltigkeitsgedanken über die Wertschöpfungskette hinweg ab? Dies fängt im Kleinen an. Die grossen Sprünge erreichen wir in unseren Werken, beispielsweise verfolgen wir die Vision, 100 Prozent rezyklierbare Materialien zu verwenden. Deshalb wählen wir Materialien und Ressourcen sorgfältig aus und ergänzen sie mit eigenen nachhaltigen Entwicklungen. Das hat uns schon jetzt einen Spitzenplatz in dieser Wertung eingebracht. Weiter verfolgen unsere Steuerungen die Energieeinsparung durch neueste Technologie. Dank des aktiven Energiesparmodus bei den i-Vision-Steuerungen sparen wir gegenüber den Produkten anderer Anbieter bis zu 70 Prozent Energie ein. Deshalb können Architekten und Planer diese Produkte in die ökologische Bewertung von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus hinweg einbeziehen – denn vom Institut Bauen und Umwelt e. V. wurde ihnen das Siegel «Blaugrüne Öko-Effizienz» verliehen.

Tore von Novoferm Schweiz AG – für Private und Industrielle Bauten.

Novoferm (Schweiz) AG I Höchmatt 3 I CH-4616 Kappel I Telefon +41 (0) 62 209 66 77 I info@novoferm.ch I www.novoferm.ch

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BAUEN

MASSSTÄBE SETZEN MODELLE AUS DEM 3-D-DRUCKER von Stefan Holländer

© Formlabs

Von der Rekonstruktion mittelalterlicher Städte bis zur Visualisierung der Architektur von morgen – der 3-D-Druck wird immer häufiger von Architektinnen und Architekten sowie Planungsbüros zur Herstellung von Modellen genutzt.

Die Kaiserdome sind jetzt vergleichbar.

M

assstabsgetreue Architekturmodelle sind ein wichtiges Hilfsmittel zur Visualisierung und Planung von Projekten. Doch die Herstellung solcher Modelle erfordert eine hohe Detailgenauigkeit, zudem werden sie oft verändert. Das ist nicht nur sehr aufwendig, sondern kostet auch viel Zeit. Das Architekturinstitut Mainz und das Architektenbüro Renzo Piano Building Workshop (RPBW) kennen diese Herausforderungen und setzen daher auf den 3-D-Druck.

VOM 3-D-DRUCKER INS LANDESMUSEUM Mithilfe des 3-D-Drucks rekonstruierte das Architekturinstitut Mainz die Städte Mainz, Worms und Speyer und visualisierte damit deren Entwicklung vom Jahr 800 bis 1250. Dazu bildeten die Forschenden die Städte zunächst digital in einem CAD-Programm nach. Anschliessend musste diese Datei nur in eine Software zur Druckvorbereitung importiert und an den 3-D-Drucker gesendet werden. Im nächsten Schritt wurden die Modelle mittels Stereolithografie-3-D-Druck (SLA3-D-Druck) produziert. Das Druckmaterial

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besteht bei diesem Verfahren aus flüssigem Kunstharz. Beim Druck fliesst das Kunstharz aus einer Kartusche in den Tank des 3-DDruckers und wird dort mit UV-Strahlen gehärtet. Dazu fährt eine Druckplattform herunter, bis sie mit dem Kunstharz abschliesst. Anschliessend härtet der Laser Schicht für Schicht das Produkt. Die unterste Schicht taucht hierbei immer wieder in das flüssige Kunstharz ein, sodass ein nahtloser Druck entsteht. Mit der hohen Detailgenauigkeit sowie der sehr guten Oberflächenqualität bot der SLA-3-D-Druck die idealen Voraussetzungen für das Projekt.

Segment einen routinierten Prozess: Die einzelnen Druckstücke wurden von der Bauplattform entfernt und die Stützstrukturen abgelöst. Im Anschluss wurden sie gewaschen und gehärtet, abschliessend noch abgeschliffen und lackiert. Nach zwei Jahren und über 22’000 Arbeitsstunden wurden in einem letzten Schritt die Modelle der drei Städte zusammengesetzt. Die 3-Dgedruckten Modelle können nun im Digital Urban History Lab des Landesmuseums Mainz betrachtet werden.

Je nach Umfang der Details und Höhe der Gebäude pro Segment dauerte ein Druck zwischen zwölf und 24 Stunden. Die jeweilige Grundplatte von zwölf mal zwölf Zentimeter mit einer Höhe von 0.8 beziehungsweise 0.9 Zentimeter wurde dabei zuerst gedruckt, gefolgt von den architektonischen Einzelheiten. So entstanden schliesslich aus über 650 Segmenten sechs detailgenaue Modelle von Mainz, Worms und Speyer im Massstab 1:1000.

Auch für das internationale Architekturbüro RPBW mit Büros in Genua, Paris und New York sind massstabsgetreue, 3-D-gedruckte Modelle zu einem grundlegenden Teil des Arbeitsprozesses geworden. Das Konzept «Design to Build» stellt sicher, dass jeder Bestandteil passt und fertige Gebäude bis ins kleinste Detail dargestellt werden. Doch da an diesen Ideen weiterhin gearbeitet wird, ändern sich die Modelle ständig, sodass man sie schnell anpassen können muss. Dank der CAD-Vorlage ist das leicht möglich. Auch Geometrien wie Kugeln und geschwungene Oberflächen oder kleine,

Nachdem die 3-D-gedruckten Teile aus dem Drucker entnommen wurden, durchlief jedes

ABENDS BEAUFTRAGT, MORGENS FERTIG


© Formlabs

brücke in Genua wurde 3-D-gedruckt. Die Brücke hat vor Kurzem die Morandi-Brücke ersetzt, die vor zwei Jahren eingestürzt ist.

ARCHITEKTUR UND 3-D-DRUCK

Geschichte, wie hier die von Mainz, wird plastisch erlebbar.

filigrane Teile wie Treppen und Bäume lassen sich mit dem 3-D-Drucker problemlos anfertigen. Die Modellbauerinnen und Modellbauer beginnen damit, das massstabsgetreue Modell auf Papier zu drucken, um seine tatsächliche Grösse einschätzen sowie den Druck der einzelnen Teile aufteilen zu können. Über Nacht werden die einzelnen Teile dann gedruckt. So steht morgens oft ein

fertiges Modell bereit. Online können die Mitarbeitenden direkt auf den 3-D-Drucker zugreifen und Druckaufträge planen – auch der Druckfortschritt kann so eingesehen werden. Dadurch werden die Architektinnen und Architekten unabhängiger von Zulieferern. Der 3-D-Druck hat die Arbeitsabläufe im Architekturbüro enorm erleichtert.

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STEFAN HOLLÄNDER ist Managing Director EMEA bei Formlabs.

Auch das Modell der komplexen Trägergelenke der neuen San-Giorgio-Autobahn-

Der Spezialist für mobile Raumsysteme Baubüro und Besprechungszimmer

Der 3-D-Druck spielt eine transformative Rolle bei der Herstellung von Architekturmodellen. Er erleichtert und beschleunigt den Arbeitsalltag. Mit einem 3-D-Drucker können auch komplexe Modelle in einem einfachen Workflow hergestellt werden. Ein Desktop-­ SLA-Drucker hat eine Standfläche von nur etwa einem DIN-A3-Blatt. Dank der InhouseProduktion sind Planerinnen und Planer nicht mehr an lange Wartezeiten von Zulieferern gebunden. Die Architektinnen und Architekten von RPBW sind überzeugt, dass der 3-D-Drucker ein essenzielles Werkzeug in Architekturwerkstätten sein wird.

www.formlabs.com


BAUEN

Ein gemeinsames Projekt der Marti AG und MEVA.

Die Leistungsstärke der Wandschalung Mammut 350.

UNTER STRENGEN SICHERHEITSAUFLAGEN DAS WASSERRESERVOIR KÖNIGSHOF von Heike Hübner

In der Schweizer Gemeinde Rüttenen entsteht ein neuer Trink- und Nutzwasserspeicher. Die bekanntermassen strengen Schweizer Sicherheitsauflagen sind nicht die einzigen Anforderungen an das ausführende Bauunternehmen.

N

ahe dem Patriziersitz Königshof in der Gemeinde Rüttenen entsteht zurzeit das neue Reservoir zur Wasserspeicherung und Druckhaltung der «unteren Zone Solothurn». Der Neubau wird einerseits das 1880 gebaute Reservoir Steingrube und andererseits das mit Baujahr 1929 jüngere Gisihubel ersetzen. Damit will die Regio Energie Solothurn die Wasserversorgung der nächsten 100 Jahre prägen. Der Spatenstich erfolgte 500 Meter über dem Meer im August des vergangenen Jahres. Die Bauarbeiten sind bereits in vollem Gange und das Reservoir hat Gestalt angenommen. Die Inbetriebnahme des

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Reservoirs Königshof mit einer Länge von 51 Meter und einer Breite von 26 Meter erfolgt voraussichtlich im April 2022.

DIE ZEITKAPSEL FÜR DIE NACHWELT Ein regionaler Energieversorger beauftragte den Bauunternehmer Marti AG mit der Erstellung des Reservoirs Königshof. Der Wasserspeicher mit 6 000 Kubikmeter (m³) Fassungsvermögen soll die regionale Trinkwasserversorgung mindestens für die kommenden 100 Jahre sicherstellen und auch Löschwasser bereithalten. Die neue Anlage wird nach Fertigstellung die zwei veralteten

Anlagen ersetzen und nicht mehr sichtbar sein. Wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, das Reservoir komplett hinter- und überfüllt und der Baubereich wieder aufgeforstet ist, sieht man bis auf den Eingang und die Zufahrt von dem Projekt nichts mehr, da es unter der Erde versteckt ist. Da ein Reservoir üblicherweise für lange Zeit besteht, wurde anlässlich der Fertigstellung der Baugrube eine Zeitkapsel vergraben, um das aktuelle Geschehen für die Nachwelt festzuhalten. Wer die Baugrube in ferner Zukunft wieder öffnet, wird in dieser Kapsel diverse Unterlagen vorfinden, die den aktuellen Zeitgeist dokumentieren.


BAUEN

Eine Besonderheit war die Herstellung der starken Eckmauern.

HERAUSFORDERUNGEN AN DAS PROJEKT Im Januar wurde die Grube mit 60 Meter Länge, 30 Meter Breite und 13 Meter Tiefe ausgehoben. Die Abtragung des sehr harten Mineralgesteins war anspruchsvoll und zeitraubend. Das betonierte Reservoir nimmt eine Fläche von 51 mal 26 Meter ein. Entsprechend wenig Raum blieb für Installationsarbeiten, Lagerung und Materialpflege auf der engen Baustelle mitten im Grünen – welche zudem nur über einen Waldweg erreichbar war. Insbesondere das effiziente Stellen der hohen Schalung und die Montage des Sicherheitssystems waren unter den gegebenen räumlichen Möglichkeiten Teil der Aufgabenstellung. So wurden mehrere Mammut-350-Elemente auf sieben Meter Höhe montiert und zusammen mit dem dreistöckig angebauten SecuritBasic-Sicherheitssystem nach erfolgter Betonage einfach per Kran versetzt. Im Februar 2021 begannen die Betonierarbeiten des Teams um Bauführer Liridon Haxhimurati und Polier Peter Kaufmann. Das renommierte Bauunternehmen setzte auf die Leistungsstärke der Wandschalung Mammut 350, die Sicherheit des

Eine Baustelle mit besonders strengen Sicherheitsauflagen.

SecuritBasic-Systems sowie die einfache Handhabung von CaroFalt zur Erstellung der Stützen. Eine Besonderheit des Projekts war die Herstellung der sehr starken Eckmauern, die zur Verstärkung innen im 45-Grad-Winkel betoniert wurden. Um den hohen Kräften in diesen Eckbereichen zu widerstehen, wurde die maximale Frischbetondruckaufnahme der Mammut 350 von 100 Kilogramm pro Quadratmeter (kN / m²) nur bis 80 kN / m² genutzt. Speziell für diesen Zweck von MEVA hergestellte Eckverspannungen stärkten die Konstruktion zusätzlich, sodass die Schalung dem hohen Druck in diesen schwierigen Bereichen souverän widerstand. Mammut 350 und die Stützenschalung CaroFalt wurden mit entwässernden Vlies-Schalungsbahnen zur Ableitung überflüssigen Wassers aus der Betonoberfläche belegt. In den Ankerstellen wurden Wassersperren als verlorene Teile belassen.

DAS EINHALTEN DER SICHERHEITSVORGABEN Auf Baustellen in der Schweiz gelten obligatorisch die strengen Sicherheitsvorga-

ben der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) und beim Projekt Reservoir Königshof zusätzlich die Anforderungen und Richtlinien des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW). Die Marti-Bauunternehmen kennen die MEVA-Technologien aus vielen gemeinsamen und teilweise sehr anspruchsvollen Projekten und konnten somit auch das Wasserreservoir Königshof in der gewünschten Zeit und Qualität problemlos herstellen.

FAKTEN • Projekt: Neubau Wasserreservoir, Rüttenen (CH) • Bauunternehmen: Marti AG, Solothurn (CH) • MEVA-Systeme: Wandschalung Mammut 350, Stützenschalung CaroFalt, Sicherheitssystem SecuritBasic • Planung und Betreuung: MEVA-Schalungs-Systeme AG, Seon (CH)

MEVA Schalungs-Systeme AG | Birren 24 | CH-5703 Seon AG | Tel. +41 (0) 62 769 71 00 | schweiz@meva.net | www.meva.net

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BAUEN

PASSENDE LÖSUNG PTV, DER NATÜRLICHE PARTNER IN DER BERUFLICHEN VORSORGE von Dr. Christoph Brügger

Berufliche Vorsorge ist auch im Ingenieurwesen und bei Architektinnen und Architekten eine komplexe Angelegenheit. Es geht eben nicht nur um den Abschluss eines Vertrages, der einige finanzielle Rahmenbedingungen klärt. Vorsorge heisst, Zukunft und Absicherung insgesamt und mit einem Branchenfokus im Blick zu haben.

D

ie «freie Partnerwahl» bei der beruflichen Vorsorge ist für Firmen heute Tatsache. Wie im Privatleben ist auch bei der Suche nach einer geeigneten Pensionskasse die Auswahl gross. Ein ganzes Sammelsurium an Anbietern buhlt um die Gunst von Anschlussfirmen. Neben den «üblichen» Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen gibt es eine zusätzliche Kategorie von Pensionskassen, die mass-

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geschneiderte Lösungen für ausgewählte Berufsgruppen anbietet: die Verbandseinrichtungen. Die Architekten und Ingenieure haben mit der PTV, der Pensionskasse der technischen Verbände SIA STV BSA FSAI USIC, ihre eigene Verbandseinrichtung. Seit 1961 führt die PTV die berufliche Vorsorge für die Mitgliederfirmen dieser Verbände durch.

Rund 2500 Firmen mit knapp 15’000 Versicherten vertrauen auf die Dienstleistungen der PTV. Mit einem Vermögen von rund 3.7 Milliarden CHF gehört sie zu den grossen Pensionskassen der Schweiz.

GEMEINSAME WERTE LEBEN Aufmerksam, unabhängig und verantwortungsbewusst, so beraten die Mitarbeiter der PTV ihre Versicherten und Anschluss-


BAUEN

kunden. Aufmerksam, weil bei einem so komplexen Thema wie der beruflichen Vorsorge oft «zwischen den Zeilen gelesen» werden muss, um die Bedürfnisse der Versicherungspartner richtig zu erfassen. Unabhängig, weil die PTV ihre Entscheide frei von grossen Versicherern oder Vermögensverwaltern allein im Interesse der Versicherten getroffen werden. Verantwortungsbewusst, weil jede Diskussion mit einem Kunden auch eine Diskussion über dessen Zukunft und finanzielle Sicherheit ist.

GEMEINSAME WERTE VERBINDEN Alle Versicherten stammen aus den Branchen Architektur und Ingenieurwesen. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Während «gewöhnliche» Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen Versicherte aus einem bunten Branchenmix anschliessen, konzentriert sich die PTV auf die Bedürfnisse der Architekten und Ingenieure.

Die Verantwortlichen wissen, wie diese denken, weil sie ein einzigartiges Branchenwissen haben und deren Herausforderungen verstehen. Die Lösungen sind fachkompetent, nah am Kunden und deshalb massgeschneidert. Für Architekten und Ingenieure sind die Verantwortlichen der natürliche Partner für die Durchführung der beruflichen Vorsorge. Das breite Vorsorgeangebot erlaubt es, vom selbstständigen Architekten bis zum Grossbetrieb mit 400 Angestellten eine passende Vorsorgelösung anzubieten. Die erfahrenen und kompetenten Kundenbetreuer / -innen sind stets bereit, Vorsorgelösungen mit den Kunden weiterzuentwickeln.

GEMEINSAME WERTE NUTZEN Nicht nur das Branchenwissen bringt den Kunden und Versicherten Vorteile. Mitglieder von Verbandseinrichtungen profitieren von Branchensolidarität. Da alle Versicherten

der PTV Architekten und Ingenieure sind, weisen sie bezüglich der Risiken Tod, Invalidität und Alter homogene Eigenschaften auf. Studien zeigen, dass sich verschiedene Berufsgruppen bezüglich der Lebenserwartung deutlich unterscheiden. Dasselbe gilt für die Risiken Invalidität und Tod. Selbstverständlich gibt es auch bei der PTV Versicherte in ganz unterschiedlichen Situationen. Insgesamt bilden die Versicherten jedoch eine kompakte Gruppe. Das Risiko, Invaliden- oder Hinterlassenenleistungen beanspruchen zu müssen, und die Lebenserwartung sind für alle sehr ähnlich. Damit können die zugehörigen Prämien sehr transparent, für alle gleich und damit auch kostengünstig festgelegt werden. Gleichzeitig werden unerwünschte Solidaritäten zwischen den verschiedenen Anschlüssen oder Berufsgruppen verhindert. Diese Tatsache wiederum erlaubt es der PTV, gute und innovative Leistungen anzubieten.

Fachkompetent und massgeschneidert – dies sind zwei wichtige Punkte auf Baustellen und bei der Vorsorgeplanung.

Pensionskasse der Technischen Verbände | SIA STV BSA FSAI USIC | Postfach 1023 | CH-3000 Bern 14 Tel. +41 (0)31 380 79 60 | info@ptv.ch | www.ptv.ch

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© Bank WIR

BAUEN

Hier stehen die Türen für Investitionsherausforderungen offen.

DIE «BAUBANK» KANN VIEL MEHR BANKING FÜR KMU IN DER SCHWEIZ Interview mit Bruno Stiegeler von Georg Lutz

Gerade kleine Unternehmen, auch in der Baubranche, brauchen strategische Unterstützung, um Megathemen, wie die digitale Transformation oder nachhaltige Marktlösungen innovativ und für sich passend zu lösen. Die Bank WIR bietet hier seit Jahrzehnten viel mehr als «nur» Kredite in ihrer Komplementärwährung. Wir führten dazu ein Interview mit Bruno Stiegeler, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung der Bank WIR.

V

on der Geschichte her sind Sie ein Krisenbewältigungsunternehmen. Mitte der Dreissigerjahre des letzten Jahrhunderts traf die Wirtschaftskrise auch die Schweiz hart. Mit der Einführung der WIR-Komplementärwährung konnten KrisenAuswirkungen abgepuffert werden. Ist dies zusammengefasst Ihr Gründungsauftrag? Heute haben viele Unternehmen mit der Pandemie zu kämpfen. Lindern Sie auch heute wieder Krisen? Der erste Teil der Fragestellungen ist richtig, der zweite zielt aber in die falsche Richtung. Das WIR-System als Komplemen-

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tärwährung – als Krisenrezept – ist eine Erfolgsstory gewesen. Die Schweizer KMU-Verantwortlichen, die hier Mitte der Dreissigerjahre des letzten Jahrhunderts innovativ agiert haben, konnten Arbeit und Produkte besser verkaufen. Ziel war es, Geld nicht zu horten, sondern im Umlauf zu halten. Heute sind wir in einer völlig anderen Situation. Die Bank WIR ist eine schweizerische Genossenschaftsbank, gesamtschweizerisch tätig, und heute vorwiegend im Schweizer-Franken-Geschäft zu Hause. 90 Prozent der Geschäftstätigkeit findet operativ mit Schweizer-FrankenProdukten und mit Schweizer-Franken-

Finanzierungen statt. Der WIR-Anteil beträgt aktuell zehn Prozent. Diese Aussage überrascht. Sie werden in weiten Teilen der Öffentlichkeit ausschliesslich mit dem Produkt WIR assoziiert. Die Debatte läuft dann meist an dem Argumentationsstrang «Was bringt mir das?» entlang. Das ist ein völlig verengter Blickwinkel. Wir haben viele Produkte – und eines davon ist die Komplementärwährung WIR. Das betonen wir auch in unserer Marke: Diese heisst nicht mehr WIR Bank, sondern Bank WIR und bildet damit die Realität ab. Oder


BAUEN

Können Sie dieser Skizze ein paar Konturen geben? Wir sind beispielsweise in der Baubranche stark verankert – ja, wir sind eine typische Baubank. Dazu gehören Baukredite mit und ohne WIR. Fakt ist, dass das aktuell tiefe Zinsniveau den Vorteil von Finanzierungen in der WIR-Währung deutlich reduziert – entsprechend stehen FrankenFinanzierungen im Vordergrund. Aber das Zinsumfeld kann sich auch wieder ändern. Stehen Sie da nicht, wenn Sie nun eine «normale» Bank repräsentieren, im Wettbewerb mit Kantonalbanken oder der Raiffeisenbank? Auch die grossen Banken der Schweiz betonen ihre KMU-Affinität. Wie finden Sie da Ihre Marktposition? Wir sind selbst ein KMU, wissen und spüren, wie ein KMU funktioniert, wir sind nah an unseren Kunden – und unsere Beraterinnen und Berater können gerade bei Finanzierungfragen mit dem Kunden massgeschneiderte Lösungen definieren. Diese Stärke spielen wir in der ganzen Schweiz aus. Der Dreiklang heisst: lokal, regional, national. Im Gegensatz zu grösseren Playern können wir pragmatische Lösungen anbieten. Das Zünglein an der Waage ist unsere Komplementärwährung, mit der wir einen Teil der Finanzierung ergänzen können – beispielsweise mit unserer «Mehrwert-Hypothek WIR», bei der wir, im Zeitraum von fünf Jahren, dem Kunden einen Negativzins von 1.5 Prozent ausbezahlen. Das ist einzigartig, ein sogenannter «Gamechanger» – das ergibt in der Summe einen attraktiven Finanzierungsmix. Welche Angebote gibt es bei Themen wie Sparen, Vorsorge und Finanzierung? Das überlappt dann auch in den privaten Sektor. Seit 2017 gibt es mit Viac eine digitale Wertschriftenlösung für das Vorsorgesparen aus unserem Hause. Übrigens war dies die erste derartige Lösung in der Schweiz. Mittlerweile gibt es einige Nachahmer und Kopierer. Auf jeden Fall sind

dies Produkte, die die Akteure der Baubranche ansprechen, gerade wenn es um die zweite und dritte Säule der Vorsorge geht. Heute hat Viac rund 56'000 Kunden mit einem Vermögen von 1.6 Milliarden Franken – und ist somit das erfolgreichste Vorsorgeprodukt in der Schweiz. Die in Liquidität, sprich Cash, gehaltenen Gelder wiederum ermöglichen uns als Bank WIR die Refinanzierung für viele spannende Bauprojekte.

bekannteste Stichwort. Auch auf Baustellen selbst, in Form von modernen Baggern oder Lastwagen herrscht Handlungsbedarf. Hier stehen bei uns Lösungen wie Investitionsfinanzierungen zur Verfügung. Weitere Vorhaben können im Rahmen unserer Tochterfirma IG Leasing realisiert werden. Darüber finanzieren wir zum Beispiel Digitalisierungsprojekte. Leasing kann in der Baubranche eine sinnvolle Variante sein.

Wie sieht es beim Thema Digitalisierung der Baubranche aus? Hier gibt es einen von einigen Seiten prognostizierten Aufholbedarf. Wie stellt sich Ihr Haus dazu auf? Es braucht ohne Frage Investitionen bei Hardware und Software, Building Information Modeling, kurz BIM, ist da nur das

Beim Thema Digitalisierung kommt es sicher auch auf ein gutes Netzwerk an. Unsere Kundschaft bildet die KMU-Realität recht gut ab. Deshalb pflegen wir beispielsweise seit drei Jahren eine enge Partnerschaft mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), die sich ebenfalls dem Thema «Digitale Transformation in KMU»

© Bank WIR

anders ausgedrückt: WIR ist ein Produkt unter vielen, was aber nicht heissen soll, dass wir die weltweit einzigartige Währung vernachlässigen. Vom Rahmen her sind wir eine bodenständige Genossenschaftsbank, die 87 Jahre Erfahrung mit Schweizer KMU in die Waagschale werfen kann, seit über 20 Jahren auch Privatkunden begeistert und sehr innovativ ist.

Bruno Stiegeler ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank WIR.

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© Architektur Rolf Stalder AG

BAUEN

Die aktuellen digitalen und nachhaltigen Projekte brauchen Geld, gerade im Immobilienbereich.

verschrieben hat. KMU-Verantwortliche und die Bank WIR brauchen den Austausch mit der Wissenschaft, mit Experten. Dazu beteiligen wir uns an Studien und organisieren auch Veranstaltungen, die es im nächsten Jahr endlich wieder geben wird.

«Wir sind nicht mehr die WIR Bank, sondern die Bank WIR.» Auf den ersten Blick haben es kleinere Player bei der digitalen Transformation schwerer. Das ist aber nicht ein natürlicher Zustand, der einfach akzeptiert werden sollte, sondern eine Situation, die man ändern kann. Dazu tragen wir bei. Die Bank WIR gibt den Verantwortlichen in Zusam-

menarbeit mit der FHNW Strategielösungen mit an die Hand. Kommen wir nochmals zum Thema WIR als Währung zurück. Worin besteht der Unterschied zu einer Kryptowährung? Der Vergleich hinkt. WIR ist immer ein Modul im Rahmen einer Paketlösung. Lassen Sie mich ein Praxis- und Rechenbeispiel machen: Ein Unternehmer benötigt für einen Neubau 800'000 Franken – davon werden beispielsweise zehn Prozent als WIRKredit gesprochen. Diese 80’000 WIR sind also durch Grund und Boden, durch einen Realwert gedeckt. Demgegenüber besteht Bitcoin aus Luft. Der Umsatz bei WIR beträgt aktuell rund 600 Millionen Franken pro Jahr, davon wurden im Bau- und verarbeitenden Gewerbe im vergangenen Jahr 226 Millionen Franken umgesetzt. Dies entspricht unter dem Strich einem Milliardenvolumen. Das ist kein Rechenfehler: Im Zusammenhang mit Bauen wird nämlich in aller Regel nur ein Teil des gesamten Auftrags in WIR verrechnet; im Schnitt sind

es etwa fünf Prozent. Die erwähnten 226 Millionen WIR-Franken bedeuten folglich ein gesamtes Auftragsvolumen von über 4.5 Milliarden Franken, das dank des Einsatzes von WIR, allein im Bausektor jährlich bewegt wird. Um es klar zu betonen: Die Bank WIR hält an WIR fest. Die Währung ist ein Bestandteil unserer Diversifizierung – und wenn die Zinsen steigen, dann wird WIR auf Grund des Zinsvorteils bei Investitionen automatisch eine höhere Nachfrage erleben. Sie haben Bitcoin als «Luft» bezeichnet: Jetzt steckt aber hinter den Krypto­ währungen eine Technologie. Wie ist Ihre Positionierung zum Thema Blockchain? Sehr viel positiver. Man muss zwischen einer Währung und der Technologie, die dahintersteckt, unterscheiden. Mit Blockchain lohnt sich eine Auseinandersetzung. Hier können wir unsere innovative Kraft beweisen. Wir arbeiten an einem Projekt, bei dem Blockchain und WIR zusammenkommen könnten.

Bank WIR | Auberg 1 | CH-4002 Basel | Tel.: +41 (0) 800 947 947 | info@wir.ch | www.wir.ch

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ES IST AN DER ZEIT SOLARENERGIE NIMMT FAHRT AUF von Georg Lutz

Endlich nimmt die Energiewende Fahrt auf. Solarenergie kann dazu ihren Teil beitragen. An Bahnstrecken, neben Autobahnen und auf Dächern ist noch viel Platz. Insbesondere Neubauten bieten sich an. Eine Installation einer Photovoltaikanlage ist auch aus ökonomischen Gründen interessant. In der Regel kann ein grosser Teil des produzierten Stroms im selben Gebäude verbraucht werden. Denn in heutigen Neubauten werden oft Wärmepumpen sowie Ladestationen für E-Mobilität installiert. Strom vom eigenen Dach ist meist günstiger als jener vom Elektrizitätswerk. Worauf warten wir noch? Die folgenden Beiträge liefern Argumente, um auf die Sonne zu setzen. Das optische Beispiel ist hier das «Rathaus im Stühlinger» in Freiburg (D).


© Eurosolar

UMWELT & TECHNIK

Das «Rathaus im Stühlinger» ist ein nachhaltiges Statement im öffentlichen Raum.

ES GEHT VORAN SOLARE VORBILDER von EUROSOLAR-Redaktion

Der Deutsche Solarpreis 2020, verliehen von EUROSOLAR - Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien, stellte unter anderem solare Architektur und Stadtentwicklung in den Mittelpunkt. Wir stellen im folgenden Beitrag die beiden Preisträger vor. Das «Rathaus im Stühlinger» verdeutlicht, wie Bauten der öffentlichen Hand energetisch aufgestellt sein können und gleichzeitig attraktiv aussehen. Das zweite Beispiel beleuchtet die Sanierung einer Kita, in der zukünftige Generationen schon früh auf das Thema Energie aufmerksam gemacht werden können.

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as «Rathaus im Stühlinger» in Freiburg (D) ist das europaweit grösste öffentliche Gebäude, in dem solare Architektur und Stadtentwicklung überzeugend zusammengebracht werden. Es ist das europaweit grösste öffentliche Netto-Nullenergiegebäude.

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Es ist nicht leicht, Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Ästhetik baulich miteinander in Einklang zu bringen. Doch die Stadt Freiburg und ihre Partner haben es mit dem «Rathaus im Stühlinger» geschafft. Das öffentliche Gebäude ist nicht nur ein Paradebeispiel dafür, wie Nullenergie-Vorgaben erreicht

werden können. Es zeigt auch, wie gebäudeintegrierte Photovoltaik aus ihrer Nische herausgeholt werden kann. 2018 wurde mit dem «Rathaus im Stühlinger» der Stadt Freiburg das weltweit erste öffentliche Gebäude (Nettogrundfläche 22’650


© Eurosolar

Quadratmeter) mit Nullenergie-Vorgabe fertiggestellt. Das heisst, dass die Gebäude in der Jahresprimärenergiebilanz genauso viel beziehungsweise mehr Energie über regenerative Quellen erzeugen, als sie benötigen.

EFFIZIENZ UND ÄSTHETIK Hier haben die Stadt Freiburg und das ausgezeichnete Architektenteam von Ingenhoven Architects ein bauliches Statement geschaffen, das zeigt, wie sich höchste Energieeffizienz und höchste ästhetische Ansprüche harmonisch vereinen lassen.

© Eurosolar

Für die Energiegewinnung wurden Photovoltaik in der Fassade, Photovoltaik- und photovoltaik-thermische Kollektoren auf dem Dach, Grundwasser-Wärmepumpen, Grundwasser-Wärmetauscher und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung in das Gebäude integriert. Rund 800 Solarpaneele produzieren Strom, überschüssige Energie wird in das öffentliche Netz eingespeist. Das Rathaus bietet allen Freiburgerinnen und Freiburgern ein Beispiel, wie elegant eine klimafreundliche Zukunft aussehen kann. Jetzt kann sich jeder, der einen neuen Personalausweis braucht oder ein Nummernschild umtauschen will, von der überzeugenden Solarlösung beindrucken lassen.

FÜR DEN NACHWUCHS Die Heilergeiger Architekten und Stadtplaner BDAetzen auf ressourcenschonende und nachhaltige Lösungen. Ein Beispiel ist die Restaurierung der Karoline-GoldhoferKita in Memmingen (D). Wo könnte ein zukunftsweisendes Bauprojekt passender sein als dort, wo die Generation von morgen ihre Tage verbringt? Mit der Karoline-Goldhofer-Kita in Memmingen hat die Heilergeiger Architekten und Stadtplaner BDA ein Gebäude realisiert, in dem neue Wege der Nachhaltigkeit und der Pädagogik gleichermassen wichtig sind. Die energetische Restaurierung zeigt, wie man traditionsreiche Gebäude in eine klimafreundliche Zukunft überführt. Die passiv-solare Polycarbonat-Fassade erlaubt, die Bestandswände ungedämmt und als historische Schicht zu erhalten. Als aktivsolare Komponente trägt die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach zur regenerativen Energieerzeugung bei. Mit ihrem Energiekonzept kann die Kindertagesstätte als Wegweiser für weitere Bauvorhaben dienen. Aktiv speist eine Pho-

Ein traditionsreiches Gebäude für die Generationen der Zukunft – die Karoline-Goldhofer-Kita.

tovoltaikanlage die Wärmepumpe sowie einen Pufferspeicher. Im Sommer dämpfen die Speichermasse des Bestands und die Betondecke des Neubaus Temperaturspitzen. Zisternenwasser dient dann der Kühlung der Zuluft, die in einem einfachen Kreislauf die Verdunstungskälte nutzt. Eine kleine Gastherme kann zugeschaltet werden, um das Warmwasser auf die hygienisch notwendige Temperatur zu bringen. Das Energiekonzept ist ein Zusammenspiel von Raum, Konstruktion und Nutzung. Durch die Einsparung von konventioneller Energie und Baustoffen sowie eine

CO2-Reduktion, die das Klimaziel 2050 bereits heute erfüllt, werden die Stärken des Gebäudebestandes für den Klimaschutz zum strahlenden Vorbild für andere Gebäudevorhaben.

EUROSOLAR-REDAKTION EUROSOLAR ist Europas führende Non-Profit-Organisation, die sich für 100 Prozent erneuerbare Energien einsetzt. www.eurosolar.org

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UMWELT & TECHNIK

REVOLUTION IN DER IMMOBILIENWIRTSCHAFT BIOENERGIEFASSADE SETZT NEUE MASSSTÄBE von Marcus Wiesenhöfer

© Cellparc

Klimaziele mit der Politik vereinen heisst, den Primärenergieverbrauch zu minimieren. Primono geht hierbei voran: In Kooperation mit seinem neuen Geschäftspartner, der Cellparc GmbH, will der Projektentwickler aus Berlin die Immobilienwirtschaft revolutionieren und setzt dabei konsequent auf die Bioenergiefassade. Das kann auch in der Schweiz Aufmerksamkeit bekommen.

Mit Bioenergiefassaden lässt sich die Immobilienwirtschaft revolutionieren.

NACHHALTIGES BAUEN Die Primono Group AG ist eine Projektentwicklungsgesellschaft, die sich auf nachhaltiges Bauen spezialisiert hat. Das Unternehmen ist mit eigenen Gesellschaf­ ten an den vier Standorten Berlin, Leipzig, Gera und Chemnitz operativ tätig. Primono ist aktives Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Die Zertifizierung DGNB Gold ist bei allen Bauprojekten Mindeststandard. Primono erarbeitet zudem eine Entsprechenserklärung zu den 20 Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeits-Kodex. Das Unternehmen ist ausserdem Mitglied im Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) und im European Sustainable Investment Forum (Eurosif).

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ie Botschaft ist klar: «Mit der Bioenergiefassade kann die Fassade effizient und wirtschaftlich für die Erzeugung von erneuerbaren Energien und Rohstoffen genutzt werden. Unsere Aufgabe ist es, nachhaltige Lösungen wie die Bioenergiefassade in jeder unserer zertifizierten Ökobilien einzuplanen. Mit der Deckung des Primärenergiebedarfs von mindestens 55 Prozent leisten Bioenergiefassaden damit einen entscheidenden Bei-


Das «Algenhaus» in Wilhelmsburg wird seit 2013 über seine Bioenergiefassade mit Energie versorgt.

trag der Baubranche, um der Verantwortung bei der Erreichung der Klimaziele gerecht zu werden», sagte Uwe Hallas, CEO der Primono Group AG, beim Abschluss der Kooperationsvereinbarung mit der Cellparc GmbH aus Hamburg. Ökobilien sind die nachhaltigen ökologischen Immobilien von Primono. Der Projektentwickler für nachhaltiges Bauen will hoch hinaus und hat hohe Ansprüche an sich und seine Projekte. Deshalb hat er den technischen Direktor Martin Kerner von Cellparc ins Boot geholt. Dieser hat die Bioenergiefassade entwickelt und bewiesen, dass diese Technologie wegweisend ist.

ÜBERLEGENE TECHNOLOGIE In der Bioenergiefassade wird das Sonnenlicht genutzt, um mit einer Konversionseffizienz von 38 Prozent des eingestrahlten Lichts Wärme zu erzeugen. Gleichzeitig produziert sie mit achtprozentiger Effizienz Mikroalgen als Biomasse. Dadurch ist die Bioenergiefassade 46 Prozent leistungsfähiger als etablierte Systeme wie Photovoltaik und Solarthermie. Da die Mikroalgen einen wertvollen, hochpreisigen Rohstoff darstellen, erreicht die Bioenergiefassade eine höhere Wirtschaftlichkeit. Auch in der CO2-Bilanz ist sie etablierten Systemen überlegen, da beim Aufbau der Mikroalgen CO2 gebunden wird. «Mit der Bioenergiefassade steht eine patentierte und über lange Jahre bewährte Technologie zur Verfügung, die das aktuelle Mass der Dinge in Sachen grüne Energie

ist. Seit 2013 bewährt sich diese Technologie im ‹Algenhaus› in Wilhelmsburg (D) und zeigt das ganze Potenzial von Bioenergiefassaden auf», erklärt Kerner. Dort werden 15 Wohneinheiten auf 1600 Quadratmetern durch die Fassadentechnologie mit Warmwasser und Heizung versorgt. Das Haus wurde im Rahmen der Internationalen Bauausstellung gebaut, die Bioenergiefassade ist seitdem kontinuierlich in Betrieb. Nach dem Erfolg sind weitere Projekte geplant.

TOP-ÖKOBILANZ FÖRDERT DAS PROJEKT «Anders als konventionelle Fassadentypen weist die Bioenergiefassade bereits nach eineinhalb Jahren eine positive Ökobilanz auf», erklärt Hallas. Wegweisend ist, dass die gleichzeitige thermische und akustische Dämmung on top erfolgt, ohne zusätzlichen Ressourceneinsatz. Dies steht für Effizienz und Nachhaltigkeit. Der Bioenergiefassade, die bei Gebäuden ab 500 Quadratmetern Fläche zum Einsatz kommen kann, sind nach oben keine Grenzen gesetzt. Es gilt sogar: Je grösser das Objekt, desto mehr Energie wird eingespart.

NICHTS DEM ZUFALL ÜBERLASSEN «Die kostengünstige Wärme aus erneuerbarer Energie in Kombination mit der deutlichen Senkung von Betriebs- und Unterhaltungskosten sowie den positiven Aspekten wie der Förderung der Investitionen und der allgemeinen Wertsteigerung der Immobilie machen diese Partnerschaft perfekt», betont Hallas.

Kerner ergänzt: «Wir wissen, dass hier Profis am Werk sind, die diese Gemeinschaft auf Augenhöhe mit uns tragen werden. Während andere über Nachhaltigkeit reden, setzen wir diese gemeinsam mit Primono um.»

WICHTIG FÜR DIE ZERTIFIZIERUNG Bei der Zertifizierung spielen wichtige Komponenten mit. Transparente Planungsund Baukosten in Kombination mit einem transparenten Bauteilkatalog und einer standardisierten Produktpalette werden in enger Kommunikation mit Energie­ beratungsbüros und dem Auditorium der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) abgestimmt. Hallas ist vom Potenzial dieser Bioenergietechnologie überzeugt: «Unser Ziel ist es, eine breit gefächerte Übereinstimmung der Fachleute und der Gesellschaft zu erwirken. In Zukunft wird die Bioenergiefassade aus einer nachhaltigen Planung nicht mehr wegzudenken sein. Wir verstehen uns als Treiber einer nachhaltigen Immobilienwirtschaft, daher muss es unsere gemeinsame Aufgabe sein, Lösungen wie die Bioenergiefassade in der Immobilienwirtschaft zu etablieren.»

MARCUS WIESENHÖFER ist Redaktor bei der Jensen Media GmbH. www.primono-group.com

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© Cellparc

UMWELT & TECHNIK


KOLUMNE

DIE SCHEINLÖSUNG ATOMSTROM von Gabi Schweiger

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tomstrom zu nutzen war zuletzt in vielen Gesellschaften zu Recht in Verruf geraten, ein Aus der Atommeiler schien greifbar. Ökologische und ökonomische Unzulänglichkeiten wurden benannt, die Risiken aufgrund der drastischen Unfälle in Tschernobyl und Fukushima endlich realistischer eingestuft. Die Endlagerung des Mülls ist weiter eine ungelöste Herausforderung. Und doch scheint diese Zäsur für manche schon wieder zu lange her. Längst sammeln sich die Atomlobbyisten hinter der Bühne der Klimadebatte, polieren alte Propaganda neu auf und massieren damit die Köpfe politischer Leitfiguren. Die Problematik der Klimaerhitzung hat zwar jetzt die nötige Aufmerksamkeit, die flotte Umsetzung notwendiger Massnahmen fehlt noch. So richtig fatal ist aber, dass fragwürdige Ansätze diskutiert werden – wie eben das Zurück zur Atomkraft. Das kostet wertvolle Zeit und verschärft somit das Problem, weil der Diskurs für echte, grosse, überzeugende Lösungen blockiert wird. Denn, ganz profan gesagt: Atomkraft nutzt dem Klima nicht. Schon die immer wieder angeführte, scheinbar gute CO2-Bilanz ist eine Mogelpackung. Sie beziffert nur den Ausstoss während der laufenden Stromproduktion. Jahrzehnte dauernder Bau mit konventionellen Materialien, Produktion und Transport technischer Komponenten, landraubender, toxischer Uranabbau nebst energie­intensiver Aufbereitung zum Brennstoff, Kühlung und Zwischenlagerung abgebrannter Brennelemente und nach Ende der Lebensdauer des Meilers noch die Rückbau-Phase, von der man erst zu erfahren beginnt, wie aufwendig diese in der Realität ausfällt, und zuletzt noch die ungelöste Frage des radioaktiven Abfalls – all dies bleibt in der Berechnung aussen vor. In der Totale betrachtet, können mit Atomstrom gar keine Emissionseinsparungen erzielt werden. Gerade mal 4.3 Prozent des Weltenergiebedarfs decken AKW derzeit, Tendenz stetig fallend. Eine Steigerung ist komplett unrealistisch. Selbst in wenig ausgeprägten Demokratien mit fragwürden Menschenrechts- und Umweltstandards dauert der Bau eines Reaktors zehn Jahre. In Europa liegt diese Bauzeit eher beim Doppelten, wie die Beispiele

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Flamanville (Frankreich) und Olkiluoto (Finnland) eindrücklich zeigen. Wollen wir das Klima noch einigermassen retten, brauchen wir Tempo, das ist Konsens. Auch die Laufzeitverlängerung alter Meiler hat nur verschiebende Wirkung, bringt Unverlässlichkeit durch veraltete Technik und Materialermüdung – oder führt schlimmstenfalls zum nächsten GAU. Zudem erweist sich Atomkraft als nicht kompatibel mit den volatilen erneuerbaren Energien. Will man diese ernsthaft forcieren, braucht es flexibel steuerbare Ausgleichsenergie. Auch das kann Atomkraft nicht, AKW liefern ausschliesslich Grundlast. Sie verstopfen folglich die Netze für ein komplexes Zusammenspiel im zukunftsfähigen Energieportfolio. Weitaus effektiver investiert, wer auf Energieeffizienz und -einsparung setzt. Beides erzielt rasch messbare Ergebnisse. Das Gebot der Stunde ist zudem, an der Optimierung von Speichertechnologien zu arbeiten – und natürlich am zügigen, volkswirtschaftlich höchst impulsgebenden Ausbau eines klugen Mixes aus regenerativen Energien. Wirtschaftlichkeit und AKW ist ein Widerspruch in sich. Ohne staatliche Subventionen geht gar nichts, obwohl, wie schon bei der CO2-Bilanz, unbequeme Faktoren nicht von den Konzernen eingepreist werden müssen. Ob Haftung bei erheblichen Schäden im gesamten Zyklus oder Sicherung radioaktiver Abfälle für Hunderttausende Jahre: Das ist Sache des Staates, also der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Wir dürfen also nicht zulassen, dass beim Versuch, mit Atomkraft das Klima stabilisieren zu wollen, der Bock zum Gärtner gekürt wird.

GABI SCHWEIGER arbeitet als Geschäftsführerin bei der Organisation atomstopp. www.atomstopp.at


UMWELT & TECHNIK

PERSÖNLICH, NACHHALTIG, GESETZESKONFORM

FÜR INTELLIGENTE ENTSORGUNG

Die Sammlung und die Verwertung von Sonderabfallstoffen sind unsere Leidenschaft: Von der schnellen Abholung vor Ort bis hin zur Aufbereitung kümmern wir uns um alles. Zuverlässig und flexibel. Mit kompetenter Beratung, intelligenten Lösungen und überzeugender Logistik. Ein umfassender Service für individuelle Bedürfnisse – das ist Altola. www.altola.ch Ausgabe 03/2021 // Seite 77


KOLUMNE

DIE NEGATIVE KOHLENSTOFF­GESELLSCHAFT von Professor Peter Droege

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ie wachsende Carbon-Blase, auf der unsere Zivilisation, ihre Wirtschaft und unsere Städte seit 200 Jahren schweben, stellt eine der massivsten, radikalsten und abruptesten Störungen in der bekannten Geschichte dieses Planeten dar. Der European Green Deal (EGD) reagiert jedoch viel zu wenig auf die Tatsache, dass ohne massive konzertierte Aktionen diese Blase eine existenzielle Unausweichlichkeit hat. Die im EGD vorgeschlagenen Massnahmen müssen verschärft und umgedacht werden, um über den Deal hinauszugehen – in dem Bewusstsein, dass es nicht darum geht, noch ein letztes schwaches Win-win zu schaffen, sondern den ganz grossen Verlust zu vermeiden. Vor allem in den Städten kann und muss diese Agenda der NKG – der negativen Kohlenstoffgesellschaft – konkret, spezifisch und greifbar werden. Nur eine auf erneuerbaren Energien basierende, die atmosphärischen Kohlenstoffkonzentration senkende europäische Wirtschaft kann die Grundlage für die städtische regenerative Gesellschaft bieten, die dringend geschaffen werden muss. Eine rechnerische Neutralisierung  – der falsche Traum der Netto-Null  – reicht nicht aus. Nur durch die a) Elimination der Ausstösse und b) Umkehrung des Flusses von Treibhausgasemissionen aus dem Baugewerbe, dem Bauwesen  – Zement und andere Materialien  – und der Nahrungsmittelproduktion (Landwirtschaft) sowie dem Verbrauch können wir beginnen, die Richtung des Emissionsvektors zu korrigieren  – mit anderen Worten, ihn umzukehren. Da Städte und ihre politischen Institutionen bei diesem Wandel eine wichtige Rolle spielen, müssen sie bei ihren Bemühungen, dieser grossen Katastrophe zu begegnen, mehr Wissen sowie technische und finanzielle Unterstützung erhalten. Die lokale, nationale und globale Verbreitung der Prinzipien, die den dokumentierten Initiativen zugrunde liegen, ist längst kritisch geworden – ohne dass die derzeitigen politischen, regulatorischen und marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausreichend angepasst worden wären. Die Förderung der biologischen Vielfalt ist nun im Grunde eine Kernaufgabe der Stadt- und Regionalplanung. Die europäischen Städte und städtischen Gemeinden sind gefordert, ökologisch verantwortungsvollere und bewusstere Lebensstilentscheidungen und Konsummuster zu fördern, einschliesslich integrierter städ-

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tischer und stadtnaher ökologischer und kohlenstoffnegativer landwirtschaftlicher Versorgungssysteme. Entscheidend ist auch, dass Wege zur Regeneration und Nachrüstung bestehender Stadtteile und ihres Gebäudebestands gefunden werden, die zu einer Überschussproduktion an erneuerbaren Energien und gleichzeitigen negativen Kohlenstoffflüssen führen. Zu den weiteren vorrangigen politischen Zielen gehören Investitionen in die Umstellung der Land- und Forstwirtschaft auf regenerative Energien, die Kohlenstoffbindung in Gebäuden und in der Industrie sowie der rasche Ausstieg aus Kohle, Erdgas und Erdöl. Die europäischen Direktiven zur Kreislaufwirtschaft schaffen eine gute Ausgangsposition, um Grundlage und Motor einer kohlenstoffnegativen Wirtschaft zu werden. Im Moment ist sie noch ein schwaches und wenig angewandtes Führungsinstrument: Nur ein winziger Teil des Ressourcenstroms in der EU wird wiederverwendet oder recycelt. Die Prozesse der Kreislaufwirtschaft müssen jedoch in einer Weise gestärkt werden, die sicherstellt, dass die Prozesse in der Landwirtschaft, im Bauwesen, in der Strasseninfrastruktur, im Energiesektor und in der Industrie zu Kohlenstoffspeichern werden, und zwar zum Teil in Form nachhaltiger Holznutzung oder anderen aus der Atmosphäre gewonnenen kohlenstoffreichen Materialien wie aus Algen gewonnenen Kohlenstofffasern. Gleichzeitig müssen grundsätzlich fehlerhafte Technologien wie Kernkraft, Erdgas als «Übergangsenergie», «saubere Kohle» und Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) – eine nicht nur kostspielige, sondern auch beunruhigende und unpraktische Technologie – mit Nachdruck vermieden werden.

PROFESSOR PETER DROEGE ist Direktor der Liechtenstein Institute for Strategic Development AG und Präsident von EUROSOLAR - Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien e.V www.eurosolar.de www.eurisd.org



UMWELT & TECHNIK

Bisherige Lösungen überzeugen nicht.

JEDEM WETTER GEWACHSEN STABILER BAUZAUNFUSS FÜR EINE ERHÖHTE SICHERHEIT von Deniz Keser

Bereits seit vielen Jahren kann man mit zunehmender Häufigkeit Meldungen und Berichte über Unfälle mit Personen- und Sachschäden durch umgestürzte Bauzäune verfolgen. Beteiligte und Branchenexperten beklagen sich über den aktuellen Standard der Verkehrs- und Baustellenabsicherung. Die Ursache hierbei liegt jedoch nicht bei den Zaunelementen an sich, sondern bei den allgemein etablierten Betonfüssen, welche den Windlasten bei Sturm und Unwetter statisch nicht gewachsen sind.

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ener Sachverhalt stellte das Unternehmen FenzFoot Team aus Stuttgart (D) vor einen gänzlich inakzeptablen IstZustand. Darauffolgende Recherchen zeigten, dass die eigentliche Problematik weder die Ignoranz der Bauherren noch die gesetzliche Duldung des Risikos betrifft, sondern sich auf die faktisch bisher nicht vorhandene Alternative zu den bisherigen Zaunfüssen bezieht. Auf Basis der gemachten Erfahrungen wurden die Schwachstellen des bisherigen Zaunaufbaus analysiert und durch Verbesserungsansätze in einer gänzlich neuen Konstruktionsform zusammengetragen. So konnte letztlich ein komplett neuartiger Bauzaunfuss zur Sicherung von Baustellen, Verkehr und Veranstaltungen entwickelt werden.

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Sicherheit auf der Baustelle gibt es nur durch stabile Zaunfüsse.


UMWELT & TECHNIK

INNOVATIV UND PRAXISTAUGLICH Von Beginn an lag der Fokus des Projekts darauf, eine besonders sichere, aber auch nachhaltige Lösung zu bieten. Der patentierte Hohlkörper der FenzFoot GmbH besteht aus fünf Millimeter starkem Recycling-Polypropylen mit zusätzlichen Hülsen für vier Erdschrauben. Der «Fuss» verfügt hierbei über ein Füllvolumen von circa 65 Litern und ein Eigengewicht von circa sechs Kilogramm. Befüllt wird mit Wasser (Vollgewicht 71 Kilogramm) oder mit Quarzsand (105 Kilogramm) über eine Öffnung an der Oberseite. Für eine Beschleunigung dieses Vorgangs wird eine mobile Servicestation mit integriertem Vakuumkompressor / Sauger angeboten, wodurch der Korpus innerhalb von circa 80 Sekunden gefüllt und entleert werden kann. Die innovative Konstruktionsform mit ihrer ausgedehnten Höhe von 40 Zentimetern verankert den Zaun förmlich im Fusselement und bietet dem gesamten Aufbau wesentlich mehr Stabilität. In Verbindung mit dem hohen Gewicht des Fusses stellen auch sehr starke Windlasten keine Gefahr mehr dar. Eine Simulation im Windkanal hat

diesbezüglich ergeben, dass ein Zaunaufbau mit Betonfüssen, die je 25 Kilogramm wiegen, bei circa 55 Kilometer pro Stunde Windgeschwindigkeit zu kippen beginnt. Mit dem wasserbefüllten FenzFoot hält der Zaunaufbau Geschwindigkeiten bis circa 75 Kilometer / pro Stunde – und mit Sand gefüllt sogar Windlasten über 100 Kilometer / pro Stunde. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit zur Verankerung im Boden durch massgefertigte Erdschrauben, um bei besonderer Bodenbeschaffenheit und anspruchsvollen lokalen Wetterbedingungen zusätzlichen Halt zu erzielen.

EIN BELASTBARES LEICHTGEWICHT Das geringe (Leer-)Gewicht spart zudem Transportkosten und schont die Aufbauenden durch körperliche Entlastung. Auch gegenüber dem hohen Verschleiss der Betonfüsse kann dieses Produkt durch dessen beständige und belastbare Kunstoff-Bauweise punkten, denn neben der Sicherheit steht vor allem Nachhaltigkeit im Fokus der Entwickler. Obwohl das neue Sicherungselement zu 100 Pro-

zent aus recycelten Kunststoffen, zum Beispiel alten Getränkekisten, hergestellt wird, entspricht das Spritzgusselement den allerhöchsten Qualitätsstandards. Sollte wider Erwarten Verschleiss eintreten, kann dieses jedoch auch auf einfache Weise in den Recyclingkreislauf zurückgeführt werden. Die vier bis fünf Betonelemente und diversen Stützverwinkelungen, die bisher zum sicheren Aufbau benötigt wurden, können nun durch einen einzigen FenzFoot ersetzt werden. Der Kunde kann nicht zuletzt also auch einen deutlichen Effizienzgewinn erwarten.1 ANMERKUNG 1) Der Produktionsbeginn ist im Februar 2022

DENIZ KESER ist COO und Co-Founder von FenzFoot. www.fenzfoot.de

Hier ist man gegen Wind und Wetter gewappnet.

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MEHR GRÜN DIE ZUKUNFT DES URBANEN RAUMS von Georg Lutz

Herkömmliche Stahl- und Betonbauten sind Energiefresser und machen 36 Prozent der CO2Emissionen in Europa aus – und meist ist alles in der Farbe Grau gehalten. Der Einsatz lokaler Materialien und Formen der Kreislaufwirtschaft sind aus diesem Grund ein bedeutender Schritt in Richtung grüne Architektur. Überhaupt hat die Lebensqualität urbaner Zentren ein Herz – und dieses hat die Farbe Grün. Viel Grün, das war schon in den Parks und den Gartensiedlungen des 19. Jahrhunderts zu beobachten, lässt darauf schliessen, dass bei der Raumentwicklung der Städte an deren Einwohner gedacht wurde. Leider wurden viel zu viele Grünflächen in den letzten Jahrzehnten versiegelt. Inzwischen ist Grün wieder eine Frage des Prestiges. Wenn dazu noch saubere Wasserflächen kommen, stimmt die Lebensqualität. Auf den folgenden Seiten werfen wir einige grüne Blicke in die USA: nach Austin / Texas.

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© Iwan Baan

ARCHITEKTUR

Austin ist in Grün gebettet.

GRÜN HAT VORFAHRT DAS BEISPIEL AUSTIN (USA) von Georg Lutz

Urbane Zentren tun sich üblicherweise mit dem Thema Grün in der Stadt schwer. Es gibt normalerweise einige Parks, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert haben. Sonst dominieren die Hinterlassenschaften des zwanzigsten Jahrhunderts: die autogerechte Stadt. Es gibt aber einige Städte, die aus unterschiedlichen historischen Gründen mit dem Thema Grün viel anfangen können. Ein Beispiel dafür ist Austin, Texas (USA). Dort hat auch das Architekturbüro Miró Rivera Architects sein Domizil. Seite 84 // bauRUNDSCHAU


© Paul Finkel

ARCHITEKTUR

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iró Rivera Architects arbeitet seit mehr als 20 Jahren in Austin, Texas  (USA). Sanfte Hügel und der Colorado River prägen hier die Topografie. Die Ausgewogenheit und das wie selbstverständlich wirkende, harmonische Zusammenspiel von Architektur und Natur zu erhalten, das ist das Credo von Miró Rivera Architects. Das Haus der Architektur (HDA) in Graz (AT) stellt in der Ausstellung «The Landscape City» ausgewählte Projekte des Büros vor, die anhand der drei Themenbereiche «Bäume», «Wasser» und «Menschen» die Arbeitsweise der Architekt / -innen zeigen.

Fussgängerbrücke mit grünem Rahmen. © Patrick Wong

Städte sind komplexe, von Menschen gemachte Gebilde, die viel über die Werte und Ziele der Gesellschaft, in der sie entstehen, erkennen lassen. Im Laufe der Zeit bilden sie eigene charakteristische Formen des Wachstums heraus – angepasst an die historischen Gegebenheiten und die physischen Merkmale ihrer Standorte. Obwohl viele Städte auf der ganzen Welt aktuell mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, müssen passende Lösungen daher auf die Besonderheiten jeder einzelnen Stadt eingehen. Dies reicht von ihren spezifischen Eigenschaften bis hin zu einem grund­ legenden Verständnis der urbanen Entwicklung, die sie geprägt hat – ihrer urbanen DNA.

GRÜN UND HIGH-TECH Austin ist eine junge Stadt. Im Jahr 1839 entwickelte sich aus einer Ansiedlung weniger hundert Einwohnerinnen und Einwohner die Hauptstadt der Republik Texas. Die neue Stadt erhielt den Namen Austin und wurde rasterförmig zwischen zwei Bächen angelegt. Auf der dazwischenliegenden Anhöhe wurde das Regierungsgebäude errichtet – aus einer Stadt inmitten der Wildnis wurde der Sitz der Landesregierung. Mit der Gründung der University of Texas im Jahr 1883 wurde die Identität von Austin durch den Bereich Bildung und Forschung erweitert. Seitdem haben sich drei weitere tragende Pfeiler herausgebildet, die das Image der Stadt prägen: der Umwelt­ aktivismus, der die vielfältige Natur rund um die Stadt bewahrt, die kreative Szene, die Austin den Beinamen «Hauptstadt der Live-Musik» einbrachte, und die High-Tech-Industrie, die das Wachstum und den Wohlstand der Stadt ermöglicht und antreibt.

Wohnen direkt am Fluss – der Dreiklang Bäume, Wasser und Menschen.

MIT DER NATUR GESTALTEN Ob in den historischen Stadtvierteln, auf dem Campus der University of Texas oder den westlichen Hügeln, Austin passt sich seinen Wasserläufen, Grüngürteln und der hügeligen Topografie an, alles überdacht durch einen phänomenalen Baldachin des gewachsenen Baumbestandes. Die Stadt hat einen Schwerpunkt auf die ausgewogene Koexistenz mit der Natur gelegt. Die Stadtentwicklung wird daher sorgfältig reguliert, um die vielen Wassereinzugsgebiete, Grund-

wasserspeicher, Höhlen, Lebensräume für Wildtiere und Feuchtgebiete innerhalb der Stadtgrenzen zu schützen. In einer Landschaftsstadt wie Austin zu entwerfen, bedeutet, sich mit dem vorhandenen Baumbestand, Wurzelzonen, Felsen, Überschwemmungsgebieten, invasiven Algen, Sedimentteichen, der Brutzeit von Grasmücken und vielen ande­ren Naturthemen vertraut zu machen. Mit und in der Natur zu gestalten, ist für Miró Rivera Architects Freude und Herausforderung zugleich.

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In drei Themenbereichen – Bäume, Wasser, Menschen – stellt die Ausstellung die Projekte von Miró Rivera Architects vor, die die Wechselwirkungen zwischen Stadt, Natur, Architektur und ihren Einfluss auf Lebens- und Arbeitsräume zeigen. Das wichtigste Ziel für die Architekt / -innen ist es, sowohl private als auch öffentliche Räume zu schaffen, in denen Menschen Zeit verbringen und zusammenkommen können.

© Paul Finkel

ARCHITEKTUR

ÜBER MIRÓ RIVERA ARCHITECTS

Das Architekturbüro Miró Rivera Architects wurde im Jahr 2000 von Juan Miró, Rosa Rivera und Miguel Rivera in Austin, Texas, gegründet. Seitdem hat das Büro ein breites Spektrum an Projekten realisiert, das sowohl Büro- und Geschäfts­ bauten, Universitätsgebäude und Wohnbauten als auch stadtplanerische Projekte umfasst. Zu den bekanntesten Projekten des Büros gehören die Pedestrian Bridge (Fussgängerbrücke), der Trail Restroom (Toilettenanlage im Park), Vertical House (vertikales Haus), Chinmaya Mission und der «Circuit of The Americas», auf dem der Grosse Preis der Formel 1 in den Vereinigten Staaten veranstaltet wird. Seit seiner Gründung hat Miró Rivera Architects mehr als 100 Auszeich­ nungen erhalten: unter anderem den AR Emerging Architecture Award, den Texas Architecture Firm Award sowie 40 lokale, bundesstaatliche und nationale Auszeichnungen des American Institute of Architects. 2018 wurde das Büro in die ArchDailyListe der «World’s Best Architects» aufgenommen. Die erste Monografie des Büros mit dem Titel «Miró Rivera Architects: Building a New Arcadia» ist 2020 bei University of Texas Press erschienen.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.hda-graz.at www.mirorivera.com

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In die Höhe streben – grünes vertikales Bauen und Wohnen.


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© Paul Finkel © Paul Finkel

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© Philipp Funke, Zürich

IMMER LOCKER BLEIBEN ARBEITSLANDSCHAFTEN UND DESIGN von Georg Lutz

Heutige Bürolandschaften beinhalten unterschiedlichste Funktionsräumlichkeiten. Es geht um Kommunikation, Beratung, Showroom, das Arbeitszimmer als Rückzugsraum und natürlich das klassische Büro. Welchen gestalterischen Rahmen setzen Designerinnen und Designer hier ein? Es soll eindrucksvoll, aber keinesfalls überladen sein. Schon eher kommt die feine und natürliche skandinavische Stilrichtung zum Tragen. Die Gestaltung ist oft geprägt von natürlichen Farben wie Beige, Grün und Grau, Materialien wie Holz und Glas, grossen Fensterflächen und vielen Pflanzen, um so den Naturbezug herzustellen. Das ist der Zeitgeist. Auf den nächsten Seiten stellen wir die beispielhafte Konzeption von LivingWorkPlace in Zürich vor.


© Philipp Funke, Zürich

INNENARCHITEKTUR

Interface ist auf einem zielorientierten Weg zur Nachhaltigkeit.

AUS LIEBE ZUR NATUR CO2-NEUTRALE BODENBELAGSKOLLEKTIONEN von Anne Salditt

Ein Ort, an dem Kreativität, Design, Natur und Produkt eins werden: der neue Living WorkPlace Zürich. In einem biophilen Arbeitsumfeld präsentieren die Interface Schweiz GmbH und die nora flooring systems AG gemeinsam ihre CO2-neutralen Bodenbelagskollektionen. Das Konzept des Standorts ist auf vielfältige Nutzungsmöglichkeiten ausgelegt: Büro, Showroom, Beratung und Veranstaltungen. Seite 90 // bauRUNDSCHAU


INNENARCHITEKTUR

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er den Living WorkPlace betritt, findet sich in einer Arbeitswelt wieder, die der typischen Topografie einer Bergwelt nachempfunden ist. Sie gliedert sich in Nadel- und Mischwald am unteren Hang, Wiese, Weide und Alp nach weiteren Höhenmetern und einer steinigen Felsregion gen Bergspitze. Das Konzept stammt vom oberbayerischen Innenarchitekturbüro Zweiraumbüro, geführt von Sarah Scheitinger und Uschi Kubiak. Sie haben die verschiedenen Höhenprofile auf

den Living WorkPlace übertragen, dessen vorderes Areal mit Eingang, Lounge-­ Bereich, Besprechungsraum, Teeküche und Materialtisch sowie Sitzfenstern dem Wald nachempfunden wurde. Daran schliessen sich die Arbeitsplätze und ein weiterer Rückzugsraum für Besprechungen im Stil der Alp mit angrenzender Wiese an. Die Bergspitze wird im letzten Besprechungsraum erreicht. Die Gestaltung ist geprägt von natürlichen Farben wie Beige, Grün und Grau, Materialien wie Holz, Glas und Texti-

lien in Steinoptik, grossen Fensterflächen mit einem weiten Ausblick, organisch geformten Lampen und vielen Pflanzen, um so den Naturbezug herzustellen. Dazu bilden die Bodenbeläge von Interface und nora in Design, Farbe und Textur eine optimale Ergänzung des Biophilic Designs.

SYMBOL FÜR DIE NACHHALTIGKEITSREISE Der Berg stellt nicht nur einen lokalen Bezug zur Region her, er steht vor allem seit

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INNENARCHITEKTUR

Auch im nora-Werk in Weinheim laufen ambitionierte Projekte, um die CO2-Emissionen kontinuierlich zu verringern. Interface formuliert sein Nachhaltigkeitsbestreben mit der Mission Climate Take Back™. Hier hat es sich das Unternehmen zur Aufgabe gemacht, zur Umkehr der globalen Erwärmung beizutragen. Ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg ist dabei die Umstellung des kompletten Teppichfliesensortiments auf die PVC- und bitumenfreie Rücken­ konstruktion CQuest™Bio, bei der biobasierte und recycelte Materialien zum Einsatz kommen. Mit der Einführung von Embodied Beauty™ wurden zudem die ersten CO2-negativen Teppichfliesen präsentiert. Nils Rödenbeck, Vice President & General Manager DACH bei Interface: «Der Umzug in den neuen Living WorkPlace Zürich ist für uns ein grosser Schritt. Wir freuen uns,

© Philipp Funke, Zürich

über 25 Jahren als Symbol für die Nachhaltigkeitsreise von Interface, die dem Erklimmen des Gipfels gleichgesetzt ist. Ziel ist es, bis 2040 als Unternehmen CO2negativ zu sein. Ein wichtiger Meilenstein ist auf diesem Weg bereits erreicht: Alle Bodenbeläge von Interface und nora sind über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg CO2-neutral gestaltet. Dies stellt das Unternehmen mit seinem von Drittanbietern verifizierten Programm Carbon Neutral Floors™ sicher, bei dem der Hersteller bisher noch unvermeidbare Emissionen freiwillig ausgleicht und Emissionsminderungszertifikate für Klimaschutzprojekte erwirbt. Die Treibhausgasemissionen in den Produktionsstätten für Teppichfliesen wurden seit 1996 bereits um 96 Prozent und der CO2-Fussabdruck (cradle-to-gate) von Teppichfliesen um 76 Prozent reduziert.

dass wir damit hier in der Schweiz stärker Präsenz zeigen können und unsere Partner in einer Location empfangen, die viel von Interface, nora und unserer Kultur widerspiegelt. Der Schweizer Markt ist für uns sehr wichtig, da es viele spannende Projekte gibt, die auf Nachhaltigkeit setzen. Wir haben hier bereits fantastische Partnerschaften und hoffen, diese mit unserem neuen Standort weiter auszubauen.»

EIN BELEBTES BÜRO Der Showroom ist aus Erlenbach am Zürichsee ins Herz der Stadt gezogen, damit im urbanen Umfeld die Nähe zu den Kunden und Partnern verstärkt werden kann. Die Räumlichkeiten auf 265 Quadratmetern Fläche bieten Platz für sechs Mitarbeitende sowie weitere mobile Arbeitsplätze für den Vertriebsaussendienst. Das Interior-Konzept folgt den Maximen einer modern gelebten Kultur und Arbeitswelt. Steh- und Sitzarbeitsplätze, zonierte Bereiche für konzentrierte Einzelarbeit sowie die kommunikative Teamarbeit wechseln sich ab. Die Mitarbeiter kommen ganz im Sinne von New Work zukünftig ohne festen Arbeitsplatz aus, was die Flexibilität und eine individuelle Arbeitsweise fördert. Die neuen Räumlichkeiten werden auch für Beratungsgespräche und Veranstaltungen genutzt. «Wir laden unsere Kunden und Partner dazu ein, den Living WorkPlace mit Leben zu füllen und das Unternehmen live zu erleben. Zudem können sie die Bodenbeläge hier nicht nur am Mustertisch kennenlernen, sondern auch vor Ort verlegt sehen. So schaffen wir eine erste visuelle Live-Erfahrung, die einen Eindruck vermittelt, wie die Beläge im Raum wirken», so Bettina Haffelder, Vice President nora DACH. Der Living WorkPlace Zürich ist ein Beispiel moderner, naturverbundener Büroarchitektur. Mit dem integrierten Büro- und Showroom-Konzept zeigt das Unternehmen, wie besondere Bodenlösungen zu einer wohltuenden Umgebung beitragen können. Viele Pflanzen sorgen nachweislich für ein gutes Raumklima. Organische Formen, natürliche Materialien und Farben sorgen zudem für Wohlbefinden bei Mitarbeitenden und Besuchern, bieten Inspiration und fördern nachhaltige Innovationen.

HISTORISCHE ADRESSE

Der Living WorkPlace im Herzen von Zürich ist der Typografie einer Bergwelt nachempfunden.

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Die neue Adresse des Living WorkPlace befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude, das im Erdgeschoss durch Interface wieder eine langfristige Nutzung


© Philipp Funke, Zürich

INNENARCHITEKTUR

Die CO2-neutral gestalteten Bodenbeläge können im Showroom erlebt werden.

erfährt. Erbaut wurde es von 1909 bis 1911 und beherbergte bis 2007 den Kunstsalon Wolfsberg, der 1911 vom Steindrucker Johann Edwin Wolfensberger gegründet wurde. Das Gebäude enthielt neben Geschäftsräumen und einer Druckerei die Wohnung der Familie Wolfensberger. Hier

haben nun Interface und nora ihre neue Heimat gefunden – hinter einer traditionellen Fassade und mitten in der dynamischen Stadt. Diese zentrale Lage ermöglicht es Kunden und Partnern, Design, Innovation und nachhaltige Lösungen unkompliziert zu entdecken.

ANNE SALDITT ist Marketing Director Central Europe bei Interface. www.interface.com

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ARCHITEKTUR

MEHR BEDEUTUNG KÜCHENKONGRESS UND SWISS KITCHEN AWARD von Georg Lutz

Im Rahmen der feierlichen Award-Verleihung am 25. November durften die sieben erfolgreichen Küchenbauer und Architekten den Swiss Kitchen Awards 2021 in Empfang nehmen. Mehr als 300 Gäste wohnten der Award-Verleihung in der TRAFO Baden bei. Wir stellen zwei Preisträger der Fachjury vor und gehen auf das Konzept 16 Diskussionsthemen – 16 Tische des Barcamps ein.

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ARCHITEKTUR

Folgende Fragestellungen und Antworten haben den Autor dieser Zeilen besonders beeindruckt: • Welche Folgen ergeben sich aus der Verstädterung beziehungsweise dem verdichteten Bauen für den Küchenbau und -handel? Antwort: Cluster-Wohnformen beziehungsweise neue Raumstrukturen erfordern andere Küchen (Teeküche bis Gemeinschaftsküche). Zudem braucht es altersgerechte und modulare Küchen. • Revolutioniert die Nahrungsmittelindustrie das Kochen? Antwort: Die Herkunft der Lebensmittel wird immer wichtiger. • Wie sehen die Auswirkungen von COVID-19 auf das Lebensgefühl der Menschen und deren «inneren Lebensraum» aus? Antwort: Die Küche als Treffpunkt wird noch wichtiger. • Welche technischen Innovationen beeinflussen den Küchenbau der Zukunft? Antwort: Es wird mehr Automation in der Küche geben: Licht, Sensoren, Audio und Geräte. • Was kann die Küchenbranche tun, um die Nachhaltigkeit der Produktion und der eingesetzten Materialien zu optimieren? Antwort: Die Modularität sollte den Lebenszyklus begleiten. • Welche grundsätzlichen Änderungen in der internationalen Lieferkette / Beschaffung sind notwendig? Antwort: Es gilt, reparierfähige Produkte zu entwickeln und zu bauen.

Leichte Atmosphäre mit Durchblicken gestalten.

DER AWARD Die Qualität des Handwerks findet sich auch in den Details.

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er 12. Küchenkongress war eine spannende Mischung aus unterschiedlichen Vortrags- und Kommunikationsformaten. Der Zukunftsforscher Georges T. Roos stellte zunächst den Rahmen der gesellschaftlichen Megatrends auf, in denen sich auch Küchenbauer bewegen. Dazu gehören die digitale Transformation, Nachhaltigkeitsthemen und die Veränderung der Altersstruktur in der Gesellschaft. Es wurden aber auch Megatrends thematisiert, die die Küche direkt betreffen, beispielsweise die veränderte Aufstellung der Lebensmittelindustrie. Es

gab aber nicht nur die üblichen Key Notes, die wir von klassischen Veranstaltungsformaten her kennen, sondern modernere und hierarchieärmere Kommunikationskonzepte – womit wir beim Barcamp angelangt sind. Im inhaltlichen Mittelpunkt stand das Konzept des Barcamps. Es ging dabei um 16 Diskussionsthemen an 16 Tischen. Die zentralen Fragen waren nicht vom Veranstalter oder der Fachjury vorgegeben, sondern ergaben sich aus den Fragestellungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vorfeld.

Das Highlight am Schluss war die Verleihung der Preise des Swiss Kitchen Awards. Wir stellen die beiden Preisträger der Fachjury und die Bewertung der Verantwortlichen vor. Es geht um die schönste Küche der Schweiz und den gelungensten Umbau (Sommerhaus).

EINE KÜCHE IN DER ALTSTADT IN CHUR Bei einer Zusammenlegung zweier Wohnungen steht diese Küche als Herzstück im Mittelpunkt. Das Studio O hat mit viel Liebe zum Detail in einem intensiven Prozess zusammen mit dem Möbelmacher Serge Borgmann, der Steinbildhauerin Anna Staudt und der Bauherrschaft konzipiert. Die frei stehende, filigrane Holzstruktur aus geölter Eiche trägt die Küchenmöbel und den Stein

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DIE GEWINNER FACHJURY-GOLD-AWARDS

Kategorie SCHÖNSTE KÜCHE DER SCHWEIZ • Eine Küche in der Churer Altstadt Studio O, Chur Julia Staubach, Max Putzmann Kategorie BESTER KÜCHENUMBAU • Sommerhaus Späti Innnenausbau AG, Bellach + Skop AG, Zürich Philipp Späti, Yannick Schläpfer, Roland Perrot, Martin Zimmerei + Nicola Frei

Mit Eiche und Marmor in ganz alten Gemäuern arbeiten.

PUBLIC VOTING Kategorie SCHÖNSTE KÜCHE • GOLD-Award Piu Grigia Cerimi Interior Design AG, Oberägeri + Blattmann und Odermatt AG, Morgarten Sara, Erich + Chris Meier Edgar Odermatt + Sven Baumann

• SILBER-Award S-62 Artigia GmbH, Bern Numa + Zaira Varley, Xaver Dürig + Ilona Ovenstone

• BRONZE-Award Weisse Tanne Peterhans, Schibli & Co. AG, Fislisbach Michael + Bettina Peterhans Beat + Liselotte Peterhans

Klare Linien prägen den Charakter der Küche.

Kategorie BESTER KÜCHENUMBAU • GOLD-Award Sommerhaus Späti Innnenausbau AG, Bellach + Skop AG, Zürich Philipp Späti, Yannick Schläpfer, Roland Perrot, Martin Zimmerei + Nicola Frei

• SILBER-Award Since 1962 Bogen Design GmbH, Rieden Adrian Haslimeier Flavia Bertozzi, Annina Künnecke

• BRONZE-Award The Frame muellerweibel ag, Baar Daniela + Stefan Furter Sabine + Andi Studer

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und entwickelt sich zu einer ausgreifenden Figur, die mit Regalen, Tablaren und Hängevorrichtungen den vorhandenen Raum bespielt. Die Küche sollte leicht wirken und Durchblicke erlauben. Das Ziel war es, die Küche als ganzheitliches Möbel zu entwickeln und so den Sprung heraus aus dem konventionellen Küchenbau zu schaffen. So finden Leuchten aus Alabaster Platz über der Kochinsel und Kräuter oder Gemüse können zum Trocknen aufgehängt werden. Serge Borgmanns raffinierte Steckverbindungen der Holzstruktur zeigen die Qualität des Handwerks und richten ein Augenmerk auf die Details. Die notwendigen geschlossenen Kästen wurden als schlichte Kuben ausformuliert und sind in die Holzstruktur hineingeschoben. Sie sind aus MDF gefertigt und wurden 2K-spritzlackiert. Die Steinobjekte – Becken mit Tropfteil und Arbeitsplatte – bestehen aus Göflaner Marmor und wurden manuell bearbeitet. Das Becken wurde aus einem Block herausgearbeitet. Die Oberflächen sind geschliffen und liegen direkt auf der Holzstruktur auf. Der neue Fichtenboden in der Küche wurde in breiten Holzdielen als Anlehnung an den Altbau und Bestand verlegt. Die Wände sind in einem kühlen Weiss mit Blaustich gestrichen und harmonisieren so gut mit den Farben der Küchenmöbel.

STATEMENT «Die Küche war für uns eine besondere Aufgabe. Zusammen mit der Bauherrschaft, dem Möbelmacher Serge Borgmann und der Steinmetzin Anna Staudt wurde diese Küche bis ins kleinste Detail entwickelt. Das Handwerk stand ganz klar bei dieser Küche im Vordergrund.»

EIN SOMMERHAUS Die Späti Innnenausbau AG in Bellach und die Skop AG in Zürich haben ein altes Gemäuer zu neuem Leben erweckt. Das Gebäude, um 1650 erbaut, ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung: In diesen Gemäuern arbeiten zu dürfen, ist für einen Küchenbauer/ Architekten fast wie ein Ritterschlag. Und es braucht neben handwerklichem Können auch einiges an gestalterischem Fingerspitzengefühl. Eiche war neben den Marmorelementen das Material der Wahl und verdankt seinen speziellen Look der Behandlung mit Antiklauge. Die vorstehenden Sichtseiten und Griffprofile zeichnen klare Linien und prägen den Charakter der Küche, der bis zu den passenden Stühlen aus der Eigenproduktion durchgezogen wird. Neben den High-End-Einbauapparaten freuen sich leidenschaftliche Köchinnen und Köche über ergonomische Arbeitsflächen und den praktischen Zugang zum üppigen Stauraum dank grosszügiger Schubladen und Auszügen. Ein echter Hingucker ist der drei Meter lange Inselteil, der sowohl als Arbeitsplatz wie auch als Tisch genutzt werden kann.

STATEMENT

VIELSEITIGE ELEKTRONISCHE ZUTRITTSLÖSUNGEN –––– SYSTEMARCHITEKTUR je nach Anforderung online, offline, funkvernetzt, Cloud-basiert und mobil. –––– SYSTEMPLATTFORM mit Türbeschlägen und -zylindern, Wandlesern, Spindschlössern, Software, Apps u. v. m. –––– SYSTEMKOMPONENTEN für Innen- und Aussentüren, automatische Türsysteme, Tore, Aufzüge, Spinde, Möbel, Zufahrten u. v. m.

«Es war uns eine besondere Ehre, im prunkvollen Sommerhaus eine Küche zu realisieren, die modernste Ausstattung bietet und sich gleichzeitig harmonisch in das Umfeld der altehrwürdigen Räumlichkeiten einfügt.»

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU.

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INNENARCHITEKTUR

FÜR DEN BESONDEREN WEINGENUSS DER PERFEKTE WEINKELLER Interview mit Benjamin Zbären von Lone K. Halvorsen

© Zbären Kreativküchen AG

Es liest sich wie das Drehbuch für einen Film – die Geschichte eines Schreiners, der in einem abgelegenen Tal den Grundstein für eine faszinierende Küchengeschichte legen sollte. Längst ist zwar die Spezialisierung auf in Handarbeit gefertigte Küchen aus auserlesenen Materialien zum Markenzeichen geworden, aber auch der Liebe zum edlen Tropfen kann sich das Unternehmen Zbären nicht entziehen.

Eine individuelle Gestaltung und Ausstattung der Weinkeller.

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as als eine «bescheidene» Geschichte vor fast 75 Jahren an der abgeschiedenen Lenk im Simmental begann, entwickelte sich im Verlauf der Jahre zu einer prosperierenden Küchenmanufaktur mit weltweiter Strahlkraft. Einst als Schreinerei begonnen, fertigt die traditionelle Familienmanufaktur heutzutage im Berner Oberland naturverbundene und einzigartige Küchen, Innenausbauten und Weinkeller. Hochwertige Materialien, beste Verarbeitung und die individuelle Betreuung der Kundschaft sind für Zbären selbstverständlich. Dazu passt: in vino veritas – im Wein liegt die Wahrheit. Ein oft zitierter Satz der alten Römer, wenn-

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gleich man sich heutzutage eher die Frage stellt: Wo liegt der Wein eigentlich am besten? Wir fragen nach bei Benjamin Zbären. Welche Weine befinden sich in Ihrem privaten Weinkeller? Bei mir befinden sich vor allem Rotweine aus der Schweiz, Frankreich und Italien. Bei den französischen Weinen bevorzuge ich einen Bordeaux oder Burgund. Es gibt jedoch auch in der Schweiz sehr viele spannende W§eine – bevorzugt aus der Bündner Herrschaft, einer Weinregion in Graubünden. Aber auch das Tessin und das Gebiet um den Genfer See produzieren exzellente Weine.

Wie lagern Sie Ihre Weine? Ausschliesslich im Weinkeller. Kühl, feucht und dunkel: Dieses Klischee zum Thema Weinkeller und Weinlagerung ist vermutlich längst überholt. Dunkel darf es gewiss sein, es darf nur nicht zu trocken sein und es sollte eine gleichmässige Temperatur gewährleistet werden. Die Weinkeller vom Zbären, wo finden diese einen Raum? Es gibt zwei Varianten. Entweder wird von uns der Weinkeller in einen Neubau eingebaut oder er wird nachträglich in einem Raum – welchen der Kunde als Weinkeller


INNENARCHITEKTUR

nutzen möchte – platziert. Im Fall des Einbaus in einem vorhandenen Raum müssen natürlich einige planerische Faktoren berücksichtigt werden. Braucht es eine Kühlung? Braucht es mehr Licht? Ist es zu warm oder ist es zu kalt? Wenn die Lösung in einen Neubau integriert werden soll, ist die Planung gänzlich anders. Hier findet die Planung von Anfang an ihren Raum, mit der Auswahl des Holzes und einer massgeschneiderten Montage nach dem Wunsch des Kunden.

Guter Wein ist vermutlich nicht nur eine Frage der Lagerung, sondern auch der richtigen Technik. Arbeitet Zbären beim Bau eines Weinkellers mit anderen Firmen zusammen? Primär arbeiten wir beim Bau eines Weinkellers mit anderen Firmen zusammen, die auf Kältetechnik spezialisiert sind. Wenn der Raum jedoch von der Temperatur her konstant ist, können wir den Raum selbst isolieren. Smarthome und Smart Wine: Welche Rolle nimmt die Ära des intelligenten Zuhauses hinsichtlich der Weinlagerung ein? Bis anhin ist dieses Thema bei uns nicht sonderlich relevant gewesen. Die Kunden möchten primär einen Raum haben, der

Benjamin Zbären ist Geschäftsführer der Zbären Kreativküchen AG.

«Wer sich für einen Weinkeller entscheidet, sollte sich Gedanken machen, wofür er ihn nutzen möchte.»

Wer baut heutzutage einen Weinkeller? Die Kundschaft kann man nicht konkret einordnen. Allerdings beginnt man fast immer erst ab 35 Jahren und aufwärts, sich Gedanken zum Thema Wein und Lagerung zu machen. Man darf nicht vergessen: Ein gewisser Geschmack entwickelt sich erst im Laufe der Jahre. Welche Herausforderungen erleben Sie im täglichen Arbeitsalltag? Aktuell arbeiten wir an einem Projekt, in dessen Rahmen ein ganzer Schrank an der gesamten Wand entlang eingebaut werden soll. Die Weine sollen schön präsentiert werden und die Lagerung natürlich optimal sein – daher muss auch eine Kühlung eingebaut werden. Hinzu kommt die Berücksichtigung der unterschiedlichen Flaschengrössen. Letztlich soll es nicht ein Durcheinander geben, sondern harmonisch im Keller aussehen.

© Zbären Kreativküchen AG

Ist es eher ungewöhnlich, heutzutage einen Weinkeller zu bauen? Es gibt durchaus einige Varianten, um Wein zu lagern, und es muss nicht zwingend ein Weinkeller sein. Wenngleich diese Variante auch nicht als ungewöhnlich zu betrachten ist. Wer viele Wein erwirbt, benötigt selbstverständlich auch sehr viel Platz – und in einem Weinkühlschrank ist auch nur bedingt Platz. Hinzu kommt auch die Fragestellung: Wie und wofür möchte die Person seinen Weinkeller nutzen?

Welche Überlegungen sollte man sich im Vorfeld machen, bevor man die Entscheidung trifft, einen Weinkeller zu bauen? Wer sich für einen Weinkeller entscheidet, sollte sich Gedanken machen, wofür er ihn nutzen möchte. Möchte er quantitativ viel Wein lagern, die Flaschen schön präsentieren oder den Keller auch für einen ApéroEmpfang nutzen?

© Zbären Kreativküchen AG

Die natürlichen Ressourcen der Natur stehen bei Zbären hoch im Kurs. Welche Rolle spielen sie beim Bau eines Weinkellers? Grundsätzlich verwenden wir immer sehr viel Holz, aber es gibt auch viele Kunden, die es gerne in Kombination mit viel Glas etwas moderner haben möchten. Es gibt immer wieder Spezialanfertigungen und der Kunde entscheidet letztlich, was er haben möchte.

optisch ansprechend ist und in dem sie sich wohlfühlen. Das ist noch eine Nische des analogen Lebens und vielleicht daher gerade interessant.

Die Lagerung der edlen Tropfen.

Zbären Kreativküchen AG | Bahnhofstrasse 26 | CH-3777 Saanenmöser | Tel.: +41 (0) 33 744 33 77 Zbären Kreativküchen AG | Gerechtigkeitsgasse 29 | CH-3011 Bern | Tel.: +41 (0) 31 311 18 80 | design@zbaeren.ch | www.zbaeren.ch

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RAUS AUS DER NISCHE FRAUEN IM DESIGN 1900 – HEUTE von Georg Lutz

© Petr Krejci

Frauen haben entscheidende Beiträge zur Entwicklung des modernen Designs geleistet. In den Geschichtsbüchern kommen sie jedoch viel seltener vor als Männer. Mit der Ausstellung «Here We Are! Frauen im Design 1900 – heute» trägt das Vitra Design Museum dazu bei, dies zu ändern. Mit spiessigen Rollenbildern aufzuräumen ist zu begrüssen, nur Heldinnen zu verehren, führt manchmal aber auch zu schiefen Bildern

Julia Lohmann arbeitet mit nachhaltigen Materialien wie Meeresalgen und aktuellen Themen.

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er Song It’s a Man’s Man’s Man’s World von James Brown und Betty Jean Newsome bringt es auf den Punkt: Männer agieren vorne auf der Bühne und Frauen werkeln im Hintergrund auf den zugewiesenen Plätzen. So war das auch in den Designwelten des zwanzigsten Jahrhunderts. Vor diesen Rollenklischees schützen auch nicht berühmte Namen. Die Gestalterin Florence Knoll hatte bei Ludwig Mies van der Rohe studiert und war eine erfolgreiche Unternehmerin für

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Möbeldesign. Bei der Erbauung des CIAHauptgebäudes, dessen Eingangshalle wir alle aus vielen Filmen kennen, durfte sie aber nur einige Innenaufgaben übernehmen. Aussenarchitektur war Männerwelt. So war es auch am Bauhaus in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Es gab eine Aufbruchstimmung, von der auch Frauen profitierten, was sie am Bauhaus auch beweisen konnten. Aber auch dort landeten sie fast immer in der Frauennische – zum Beispiel in der Weberei.

EINE STANDORTBESTIMMUNG Heute ist rund die Hälfte der Designstudierenden weiblich, und Frauen sind in vielen zukunftsweisenden Designbereichen federführend. Anhand einer Vielzahl hochkarätiger Exponate verfolgt die Ausstellung «Here We Are! Frauen im Design 1900 – heute» das kreative Schaffen und die Arbeitsbedingungen von Frauen im Design von der frühen Moderne bis in die Gegenwart – von den ikonischen Objekten einer Eileen Gray über bislang kaum bekannte


© Eames Office LLC

© Vitra Design Museum

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Die Moderne kann mondän sein – Lösung von Charlotte Perriand.

Die Ausstellung gliedert sich in vier Bereiche, die die Museumsgäste auf eine Reise durch die letzten 120 Jahre Designgeschichte mitnehmen. Im ersten Bereich liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung des Designs in Europa und den USA, wo um 1900 das Berufsbild des modernen Designs entstand – zur gleichen Zeit, als Frauen öffentlich für mehr politische Mitbestimmung kämpften.

Am Beispiel von Lilly Reich kann aber verdeutlicht werden, dass die Designerinnen nicht nur verkannte Vorbilder waren. Lilly Reich spielte eine zentrale Rolle am Bauhaus und entwarf herausragende Inneneinrichtungen der Moderne. Der Deutsche © Vitra Design Museum Foto: Jürgen Hans

Neuentdeckungen bis hin zu heutigen Aktivismus-Netzwerken und feministischer Designforschung. So entsteht eine Standortbestimmung zu einem gesellschaftlich hochaktuellen Thema, die das moderne Design in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Mit allen handwerklichen Wassern gewaschen: Ray Eames bei der Arbeit.

Diese Emanzipationsbestrebungen spiegelten sich auch im Design wider, etwa in den Arbeiten der Sozialreformerinnen Jane Addams und Louise Brigham, die heute unter den Begriff «Social Design» fielen. Unterdessen prägte die New Yorkerin Elsie de Wolfe das damals neue Berufsfeld der Innenarchitektur.

NICHT NUR HELDINNEN Am Bauhaus studierten Frauen und Männer gemeinsam, wobei man Frauen wie schon erwähnt meist noch bestimmten Disziplinen wie textiles oder keramisches Gestalten zuordnete. Hier wird deutlich, dass sich Frauen in den Gestaltungsberufen aufgrund besserer Ausbildungsbedingungen zwar zunehmend professionalisierten, andererseits aber weiterhin oft in traditionelle Rollenbilder gedrängt wurden.

Werkbund nahm Reich als erste Frau in seinen Vorstand auf. Ab Mitte der Dreissigerjahre sympathisierte sie mit der Idee, das Bauhaus unter NS-Vorzeichen neu aufleben zu lassen. Später stellte sich Reich in den Dienst der NS-Propaganda. Da ist der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr um vergessene Heldinnen und Vorbilder geht. Leider befindet sich hier eine Leerstelle der Ausstellung. Der zweite Ausstellungsbereich widmet sich den 1920er- bis 1950er-Jahren. In dieser Ära konnten Designerinnen wie Charlotte Perriand, Eileen Gray oder Clara Porset in der nach wie vor patriarchalischen Gesellschaft erste internationale Erfolge verbuchen. In der Pariser Luxusindustrie prägte Jeanne Toussaint als Creative Director jahrzehntelang die Kreationen des Schmuckhauses Cartier. Sie führte das sogenannte «Département S», dessen Produkte den Bedürfnissen der modernen Frauen der 1920er-Jahre entgegenkommen sollten, und stand für Schöpfungen, die ein fortschrittliches, selbstbewusstes Frauenbild repräsentierten. Da sieht man die Divas mit rotem Lippenstift, wie sie – sich eine Zigarette anzündend – an einem vorbeiziehen.

NEBEN DEM PARTNER

Eileen Gray, ohne Titel / Frisierschrank für Tempe a Pailla, 1932-1934

Einige der in der Ausstellung porträtierten Designerinnen arbeiteten eng mit ihrem Partner zusammen, etwa Ray Eames mit ihrem Mann Charles oder Aino Aalto mit Alvar Aalto. Oft standen die Frauen dabei im Schatten ihrer Partner, doch die

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Ausstellung zeigt, dass sie in vielen Fällen deutlich wichtigere Beiträge zu dem gemeinsamen Werk leisteten, als bislang bekannt war. Bekanntestes Beispiel hierfür ist Charlotte Perriand, deren Bedeutung als unabhängige Designerin in den letzten Jahren weithin publiziert wurde, wobei auch ihr Anteil an den legendären Möbelentwürfen, die sie mit ihrem berühmten Kollegen Le Corbusier entwickelte, völlig neu bewertet wurde. Andere hier gezeigte Designerinnen arbeiteten zeitlebens unabhängig – so etwa die Keramikerin Eva Zeisel, die schon 1946 eine Einzelausstellung im New Yorker Museum of Modern Art hatte.

ROLLENBILDER AUFBRECHEN

© Gabriele Basilico

Christien Meindertsma mit Flax Chair, 2015

Der dritte Bereich thematisiert die Jahrzehnte von 1950 bis Ende der 1980er-Jahre, in denen insbesondere ab den 1960er-Jahren eine zweite Welle des Feminismus der konservativen Nachkriegsmentalität entgegentrat. Beispiele wie die Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA)

von 1958 zeigen, dass Frauen auch im Design häufig mit häuslichen Tätigkeiten assoziiert wurden, trotz solcher Einschränkungen aber oft ausserordentliche Werke produzierten. Die Rollenbilder und die Möglichkeiten von Frauen im Design veränderten sich stetig weiter: Die Ambivalenz und die Umbrüche dieser turbulenten Ära spiegeln sich in den poppigen Marimekko-Designs der 1970er-Jahre oder den postmodernen, teilweise spektakulären Objekten italienischer Designerinnen wie Nanda Vigo, Gae Aulenti oder Cini Boeri wider. In diese Zeit fällt auch das Schaffen der Designerin Galina Balaschowa, die viele der futuristischen Interieurs der Raumkapseln für das russische Raumfahrtprogramm gestaltete. Ihr bisher fast unbekanntes Werk wird seit einigen Jahren entdeckt. Mit dem vierten Bereich kommt die Ausstellung in der Gegenwart an. Werke international etablierter Designerinnen wie Matali Crasset, Patricia Urquiola, Inga Sempé, Ilse Crawford oder Hella Jongerius belegen,

© Julius Shulman, Estate of Greta Magnusson Grossman; J. Paul Getty Trust. Getty ResearchInstitute, Los Angeles

© VStudio Aandacht

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© Vitra Design Museum, Foto: Andreas Jung

Selbstbewusst und trotzdem im Hintergrund – Greta Mangunssen-Grossmann

Nanda Vigo 1985 mit ihren Entwürfen Licht Tree (1984) und Cronotopo (1964)

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Weben für ein neues Leben: Frauen in der Werkstatt der Weberei des Bauhauses in Dessau (D). © Ruy Teixeira

© Zanotta SpA - Italy

Galina Balaschowa, Skizze des Innenraums des orbitalen (Wohn-)Abteils des Sojus-Raumschiffs. Variante 1, 1963

© Kosmonautenmuseum, Moskau

© Bauhaus-Archiv, Berlin

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Werbeanzeige für Liisi Beckmanns Karelia-Sessel, 1969

dass Frauen im Design heute ebenso selbstverständlich international erfolgreich sind wie Männer. Manche Designerinnen sprengen die etablierten Grenzen ihrer Disziplin und tragen massgeblich dazu bei, das Design neu zu definieren. Zu ihnen zählt Julia Lohmann, die Meeresalgen als neues, nachhaltiges Material erforscht, ebenso wie Christien Meindertsma, die Produktionsprozesse durchleuchtet. Zugleich präsentiert dieser Ausstellungsbereich eine Auswahl aktueller Initiativen, die veranschaulichen, wie der feministische Diskurs in Design und Architektur die Muster von Autorenschaft, Ausbildung und Anerkennung hinterfragt und mit Diversität und Intersektionalität in Zusammenhang stellt. So thematisiert das Kollektiv Matri-Archi(tecture) in der eigens für die Ausstellung geschaffe-

nen Arbeit «Weaving Constellations of Identity» die persönlichen Erfahrungen afrikanischer und Schwarzer Designerinnen, während zahlreiche Netzwerken und Publikationen etablierte Narrative und Strukturen des Designs zur Diskussion stellen. Mit seinen Workshops und einer Community-Plattform liefert etwa das Netzwerk und Kollektiv Futuress einen Gegenentwurf zur Hochschulbildung mit ihren vielen Einschränkungen. In der Zusammenschau all dieser Positionen ist die Ausstellung «Here We Are! Frauen im Design 1900 – heute» so vielfältig wie die Umbrüche und die Diskussionen zum Feminismus in unserer heutigen Gesellschaft. Sie bietet damit einen neuen, zeitgemässen Blick auf die Geschichte moderner

Patricia Uricola prägt die Luxuslinie bei hansgrohe.

Gestaltung und liefert Denkanstösse dahingehend, was Design im 21. Jahrhundert sein soll, wer es definiert und für wen es da ist.

DIE AUSSTELLUNG Here We Are! Frauen im Design 1900 – heute. Vitra Design Museum, Weil am Rhein (D), bis 6. März 2022.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.design-museum.de

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Der Raum für Musikgenuss bietet Performance und Design auf höchstem Niveau.

DAS OPTIMUM MUSIKGENUSS AUF HÖCHSTEM NIVEAU Interview mit Alessandro Calo von Georg Lutz

Wer ein High-End-Audio-Studio besucht, erlebt musikalische Genussmomente. Bei Alesca Audio Fidelity in Fehraltorf ist das noch steigerungsfähig. Es gibt keine Kompromisse, die das Schmeicheln der Ohren stören könnten. Der Autor dieser Zeilen hat sich auf eine Audio-Genussreise begeben.

D

ie Quellgeräte, Verstärker und Lautsprecher, die es in Fehraltorf zu bestaunen gibt, bestehen aus Komponenten, die das Beste darstellen, was der Weltmarkt zu bieten hat. Auch beim Lautsprecherhersteller TIDAL Audio ist das nicht anders. Wenn die Verantwortlichen auf dem Markt nichts finden, baut und produziert man es selbst. So hat TIDAL Audio eine eigene Klavierlackmanufaktur, die handwerkliche Ausführung der Lautsprecher ist einzigartig. So sitze ich als Hörer vor einem weltexklusiven Diamant-Mitteltöner. Jedes Produkt ist ein Solitär, der mit einer detailversessenen Akribie sondergleichen gefertigt und zusammengebaut wird. Ich lasse mir zwei Musikstücke darreichen, die ich schon seit Jahrzehnten auf unterschiedlichsten Audio-Musik-Systemen gehört habe. So kann man gut vergleichen und die besondere Qualität erleben und spüren. Billy Cobham ist einer der grössten JazzFusion-Schlagzeuger der letzten Jahrzehnte.

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1973 erschien sein Debutalbum und darauf findet sich der Titel «Stratus». Jazz, Rock und Psychedelia kommen zusammen. Die Stile reichen von subtilen Parts bis hin zu dominanteren Momenten. Unterschiedliche Instrumente kommen zur Geltung, aber das Schlagzeug von Cobham ist hier Weltklasse. Ebenfalls 1973 überraschte der brasilianische Bandleader Eumir Deodato de Almeida die Musikwelt mit der Funk-Version von «Also sprach Zarathustra». Dies bescherte ihm einen internationalen Durchbruch. Auch hier können sehr unterschiedliche Musikinstrumente ihre Qualitäten zeigen. Es stellt sich natürlich die Frage, wer sich ein Audio-System zulegt, mit dem er sich auch teuerste Sportwagen und dazu noch mehrere Luxusuhren leisten könnte. Hier geht es weniger um Kunden von der arabischen Halbinsel oder russische Oligarchen. Der typische TIDAL-Audio-Besitzer ist der Audiophile, der schon vieles kennt, getestet und erlebt hat. Jetzt will er aber das

Beste. Dabei verlässt er sich nicht auf die vielfältigen Expertenmeinungen, sondern auf sein eigenes Ohr. Das Erspüren von individuell richtigem Klang ist seine Richtschnur. Um diese High-End-Welten zu verstehen, gilt es, neben dem emotionalen Genuss die unterschiedlichen Komponenten etwas genauer zu betrachten. Ein klassisches Audio-Musik-System besteht aus CD-Player, Schallplattenspieler, Verstärker und Lautsprecher. Wann verdient eine Komponente den Begriff High-End? Auf der Ebene, auf der wir uns bewegen, arbeiten Hersteller, die in ihrem Sektor nur Formel-eins-Lösungen akzeptieren. Es geht um das Beste des Guten. In den Lautsprechern und der Elektronik steckt ein Aufwand, den man sich auf den ersten Blick gar nicht vorstellen kann. Als oberste Priorität steht immer die akustische Performance. Sie haben als Kunde den Anspruch, im Rahmen ihres Hauses ein LifeKonzert erleben zu dürfen.


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Wenn ich heute Musik streame, habe ich oft viele Nebengeräusche. Das zieht mein Genusserlebnis oft wieder nach unten. Jedes komplette Audio-System ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Heute werden die Audiodateien oft komprimiert. Da geht dann viel Qualität verloren. Aber es gibt auch Streamingdienste, die Audiodateien auf höchstem Niveau anbieten. Bringen wir es auf den Punkt. Was ist für Sie ein High-End-Audio-System? Diese High-End-Audio-Systeme vergleiche ich immer mit einem Rolls Royce. Sie haben auch eine optisch beeindruckende Ausstrahlung. Aber es gibt hier sehr viele unterschiedliche Nuancen, was beispielsweise Farben und Ausführung betrifft. Da passen wir uns den Wünschen der Kunden an. Die akustische Optimierung der eignen vier Wände steht aber im Vordergrund. Zunächst gilt es, die Räumlichkeiten zu bewerten, und dann liefern wir Verbesserungsvorschläge. Manchmal reicht es, eine Wand akustisch zu optimieren. Die Kunst besteht darin, dass man die Umbauarbeiten optisch kaum wahrnimmt.

«Gute Musik streichelt die Seele …» Gilt auch hier, dass optimale Lösungen Standard sind? Ja, sie hören das in kahlen, hallenden Räumen. Musik besteht technisch gesehen aus lauter Schallimpulsen, die sich als Schallwellen im gesamten Raum ausbreiten. Sogar das beste Audio-System liefert in einem kahlen, hallenden Raum nur eine schlechte Klang-Performance ab. In welchem Marktumfeld bewegen Sie sich? Wir bewegen uns bei Audioprodukten sowie auch bei kompletten Audiosystemen im oberen bis höchsten Preissegment. Es gibt zwei bis drei Händler in der Schweiz, die mit uns mithalten können. Unser Showroom bietet zudem den professionellen

Der Raum für Musikgenuss bietet Performance und Design auf höchstem Niveau.

Rahmen, um den Ansprüchen der edlen und renommierten Marken, die wir im Angebot haben, gerecht zu werden. Wie definieren Sie Luxus? Wir bieten Luxusprodukte an. Allerdings geht es weniger ums Bling-Bling. Viele unserer Kunden sparen einige Jahre, um sich ein solches Audio-System leisten zu können. Sie wollen sich was gönnen. Man muss sich selbst die Frage stellen: Ist es das wert? Möchte ich gute Musik auf höchstem Niveau hören oder doch ein schnelles Sportauto fahren? Das sind Entscheidungen, die jeder für sich selbst treffen muss. Was bringt mich in meinem Leben weiter? Mit solch einem Audio-System setzen Sie für sich selbst und ihre Umgebung ein Statement. Das ist aber keine Angeberei oder nur ein Statussymbol, sondern Luxus, der eine bessere Lebensqualität verspricht und in der Tat auch einhält. Gute Musik streichelt die Seele und schenkt uns im stressigen Alltag den nötigen Ruhepol für Genuss und Entspannung. Sie kommen ursprünglich aus der Baubranche. Das ist jetzt nicht unbedingt der typische Weg in ein Audio-HighEnd-Studio. Wie haben Sie da als Quereinsteiger hineingefunden? War es die Liebe zur Musik? Ja, unter anderem. Ich habe bereits früh, noch vor meinem zwanzigsten Lebensjahr, die Audio-High-End-Szene für mich entdeckt. Zu dieser Zeit habe ich eine Lehre als Maurer absolviert und war anschliessend weiterhin im Baugewerbe tätig. Heute bin ich Unternehmer in der Baubranche, was mir hilft, den Aus- und Umbau von Räumen für eine optimale Raumakustik selbst zu planen und umzusetzen.

MODULE DES HÖRGENUSSES TIDAL Audio Akira Lautsprecher in Pianolack mit Makassar-Furnier Merkmale und Besonderheiten: • Geschlossenes Gehäuse mit je fünf passiven 190-Millimeter-TieftonMembranen von Accuton auf der Rückseite • Mehrkammergehäuse mit TIDALs eigenem Komposit-Gehäusematerial TIRALIT™ Ultra • Echter Pianolack aus 16-schichtigem Polyester-Lack • 30-Millimeter-Diamant-Hochtöner und der weltexklusive 127-MillimeterDiamant-Mitteltöner von Accuton und TIDAL TIDAL Audio Presencio Vorverstärker TIDAL Audio Arkas Music Streamer Merkmale und Besonderheiten: • Für lokales Home- und Internet-Stre­ aming wie TIDAL, Qobuz, Spotify und vTuner Internet-Radio TIDAL Audio Camira Digital Music Converter TIDAL Audio Ferios Mono-Endverstärker TIDAL Audio-Reference-Kabel Merkmale und Besonderheiten: • Hohlleiter aus reinem Silber Hifistay Mythology Transform Audio-Rack-System

Alesca Audio Fidelity | AC Group AG | Undermülistrasse 22 | CH-8320 Fehraltorf | info@alesca.ch | www.alesca.ch

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Aus auserlesenen Barriquefässern von regionalen Winzern entstehen einzigartige Möbelstücke.

DAS FASS GERÄT INS ROLLEN VOM WEIN ZUM MÖBELDESIGN Interview mit Remo Hämmerle von Lone K. Halvorsen

Ein klassisches Bordeaux-Eichenfass mit 225 Liter Fassungsvermögen veredelt Weine im Schnitt für drei Jahre. Danach sind alle seine Tannine an den Wein abgegeben und das Fass hat damit ausgedient. Mit etwas Glück landet es dann in der Werkstatt von «Fasswerk».

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ort beginnt für das altehrwürdige Weinfass ein zweites Leben – ein Leben als Weinregal mit LED-Beleuchtung, als Kaffeetisch, als Esstisch oder als exklusiven Humidor. Es richtet sich ganz nach den Wünschen seines künftigen Besitzers oder seiner künftigen Besitzerin. «Komm, wir machen das jetzt ganz oder gar nicht.» Diese Worte von Remo Hämmerle markierten die Geburtsstunde von Fasswerk. Sie waren Anfang 2019 an seine Partnerin Nadine Ledergerber gerichtet. Und dank ihrer Antwort stehen heute in zahlreichen Räumen die Möbelstücke von Fasswerk. Doch die innovativen Jungunternehmer können nicht nur alten Barriquefässern neues Leben einhauchen. Ihr Angebots­

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portfolio wächst fortlaufend und umfasst mittlerweile Möbelstücke wie Coffeetables, restaurierte Offizierskisten und massgefertigte Esstische. Die Produkte von Fasswerk fallen auf. Und das ist genau das, was es im hart umkämpften Möbelmarkt braucht. Bei Fasswerk ist alles handgefertigt und in der Werkstatt findet man keine grossen Maschinen. Von der Planung bis zur Realisation durchläuft jedes Möbelstück einen anderen Prozess. So erzählt jedes Produkt seine eigene Geschichte und befindet sich lange Zeit in Produktion, bis es den Qualitätsanforderungen der beiden genügt. Hier passt jeder Millimeter, die magnetischen Türen lassen sich nahtlos schliessen und im Innern ist kein Quadratzentimeter unbedacht. Schrauben sind versenkt, Pushto-open-Schubladen bewegen sich ge-

schmeidig, Bewegungssensoren steuern die installierte LED-Beleuchtung und Humidore mit aktivem Befeuchtungssystem bewahren Zigarren im optimalen Klima auf. Ob Fassmöbel zum Selbstzusammenstellen oder ein massgefertigter Esstisch aus Fassdauben – die Jungunternehmer setzen auf Nachhaltigkeit und Innovation im Möbeldesign.

EIN DESIGN AWARD Den ersten Designpreis gewann der St.Galler Spezialist beim internationalen SIT Furniture Design Award 2020 in Los Angeles. Ausgezeichnet wurde Remo Hämmerle für sein Tischwerk «Maximus» in der Kategorie «SIT in front OF». Hier wurden nicht nur die höchsten aktuellen Standards und Trends im Möbeldesign berücksichtigt, sondern es


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wurde auch nach visionären Designern Ausschau gehalten, die Kreativität und Innovation zeigen. Remo Hämmerles Anspruch, nachhaltige Möbel zu produzieren und damit Ressourcen zu schonen, trifft den Nerv der Zeit. Handgefertigt aus ausgedienten Rotweinfässern von regionalen Weingütern, vereint der Esstisch «Maximus» innovatives Design, traditionelles Handwerk und einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen. Wie ist Ihr Werdegang und wie kamen Sie auf die Idee, aus Weinfässern Möbel herzustellen? Als ich ein kleiner Junge war, baute mein Nachbar einen kleinen Fahrradschuppen aus Holz. Das hat mich so fasziniert, dass ich mich für eine Schreinerlehre entschieden habe. Mit 15 Jahren begann ich die Lehre als Möbelschreiner in einem kleinen Familienbetrieb. Die Ausbildung war hart und ich habe die Abschlussprüfung nicht bestanden und musste ein Jahr nachlegen. Danach arbeitete ich in der Montageabteilung eines grossen Möbelunternehmens. Das hat mir nicht gefallen. Meine Freundin Nadine Ledergerber brachte mich auf die Idee, aus alten Weinfässern Möbel herzustellen, da sie aus einem alten Eichenfass, das sie im Garten stehen hatte, einen Schrank bauen wollte. Der erste Versuch scheiterte kläglich. Ich wollte jedoch nicht aufgeben, also kaufte ich weitere Fässer und versuchte es nochmals – und so langsam, aber sicher klappte es.

Dann haben Sie sich dazu entschlossen, das Unternehmen zu gründen? Ja, wir begannen mit dem Verkauf unserer Produkte und das Feedback unserer Kunden war so gut, dass wir uns 2013 entschieden haben, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Wir haben etwa vier Jahre gebraucht, um unsere Produkte zu perfektionieren. Erst 2017 kamen wir mit einer ersten kleinen Kollektion von Fassmöbeln auf den Markt.

«Bei uns werden ausgediente Weinfässer zu neuem Leben erweckt.» Wie sehen Ihre Gestaltungsleitsätze aus? Bei uns werden ausgediente Weinfässer zu neuem Leben erweckt. Fasseiche ist nach Gebrauch der Weinlagerung noch immer in sehr gutem Zustand und eignet sich deshalb perfekt für die Kreation neuer Möbel. Unser Ziel ist es, nachhaltig neue Möbel für Innenräume zu kreieren und dabei Ressourcen zu schonen.

Seine symmetrisch angeordneten Fassdauben, eingefasst in massiver Eiche, verleihen Maximus sein unverwechselbares Design.

Remo Hämmerle ist Inhaber & Möbelschreiner von Fasswerk Hämmerle.

Warum ausgerechnet Weinfässer? Alte Eichenfässer haben in unseren Augen grosses Potenzial für das Möbeldesign. Ihre Form und ihre Machart strahlen etwas Ehrwürdiges aus, welches es zu bewahren gilt. Für uns steckt jedes Fass voller Möglichkeiten und Inspiration. Es bietet Raum für immer neue Kreationen und Ideen. Zusammen mit hochwertigen Materialien wird das Fass zur Schnittmenge aus klassischer Handwerkskunst und modernem Design. Mit dem Tisch «Maximus» haben Sie den SIT Furniture Design Award 2020 gewonnen. Was ist das Besondere an diesem Esstisch? Unser Esstisch Maximus wird aus gebrauchten Weinfässern nachhaltig upgecycelt. Er ist zusammengesetzt aus Fassdauben von drei Rotweinfässern aus der Region, einer Eichenholz-Rahmung und einer Epoxidharz-Füllung. Die massiven Tischbeine aus Stahl sind der Krümmung der Fassdauben nachempfunden. Der Esstisch durchläuft einen langen und aufwendigen Prozess bis zum fertigen Möbelstück und besteht ausschliesslich aus Materialien aus der Schweiz. Handgefertigt wird Maximus in unserer Werkstatt in Goldach. An welchem Projekt arbeiten Sie momentan und wo sehen Sie die Herausforderungen für das Jahr 2022? Viel möchte ich dazu nicht sagen, da es eine Überraschung bleiben soll. Einen kleinen Hinweis kann ich aber geben: Es geht um nachhaltige Wohnaccessoires aus Fassdauben.

Fasswerk Hämmerle | Blumenfeldstrassse 22 | CH-9403 Goldach | Tel.: +41 (0) 79 439 92 44 | info@fasswerk.ch | www.fasswerk.ch

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© SALTO Systems

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Ein elektronischer SALTO-Neo-Zylinder sichert den Kassenbereich in einer Denner-Filiale.

SCHLÜSSELVERLUSTE OHNE BEDEUTUNG VIELSEITIGE ZUTRITTSLÖSUNG FÜR DETAILHÄNDLER DENNER AG von Hagen Zumpe

Mit der Ablösung ihrer mechanischen Schliesssysteme wollte die Denner AG mehr Sicherheit, weniger Aufwand bei der Berechtigungsverwaltung sowie automatisierte Prozesse erreichen. Die neue und über alle Verwaltungsstandorte einheitliche Zutrittslösung von SALTO erfüllt diese Anforderungen dank umfassender Funktionen und einfacher Bedienung der Software, vielseitiger Technologien und Hardware sowie Offenheit für die Einbindung von Drittsystemen.

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as Ziel war klar: «Wir wollten weg von mechanischen Schliesssystemen. Ausschlaggebend für diesen Entschluss war der enorme Aufwand der Schlüsselverwaltung, insbesondere das Sperren von verlorenen Schlüsseln, und die damit zusammenhängenden hohen Kosten und Sicherheitslücken», erklärt Pascal Staub, stellvertretender Leiter Sicherheitsdienst bei der Denner AG und verantwortlich für die Umstellung auf die neue Zutrittskontrolle.

EINHEITLICHE LÖSUNG FÜR ALLE STANDORTE Im Zuge des Umbaus der Hauptverwaltung des drittgrössten Detailhändlers der Schweiz kam die Frage auf, welche Verbesserungen

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in Bezug auf die Zutrittskontrolle möglich sind. Vor der neuen Lösung gab es bereits eine online verkabelte Anlage für die Aussentüren, sämtliche weiteren Türen funktionierten allerdings mit mechanischen Schliesssystemen. «Uns ging es nicht nur um die Ablösung der Mechanik, sondern ebenso um die Vereinheitlichung der Zutrittssteuerung über alle Standorte hinweg – allenfalls zukünftig auch für die Filialen. Wir brauchen interne Standards, denn diese erleichtern die Arbeit. Es wäre ein Unding, in unseren Filialen 570 einzelne Systeme zu verwenden», erläutert Pascal Staub. Dabei wurde zudem die Idee verfolgt, mit dem Badge mehrere Systeme zu bedienen. Die Multiapplikation sollte neben der Zu-

trittskontrolle die Zeiterfassung, die Druckersteuerung, das Schalten der Einbruchmeldeanlagen, das Bezahlen an Verpflegungsautomaten und eventuell die Fördertechnik in den Verteilzentren einbinden.

AUTOMATISIERUNG UND SKALIERBARKEIT Zu den funktionalen Anforderungen zählten das zentrale Sperren von Badges für alle Standorte, die automatisierte Synchronisation mit SAP, Mobile Access als Option für die Zukunft sowie die Skalierbarkeit. «Durch das zentrale Sperren können wir bei Bedarf auch am Wochenende intervenieren, was uns sehr wichtig war. Über die Integration mit SAP wollten wir beim Aus-


© SALTO Systems

Nach der Definition der Rahmenbedingungen kontaktierten die Verantwortlichen mehrere Hersteller, um sie für Präsentationen, Angebote und Teststellungen einzuladen. Bei den Testinstallationen ging es in erster Linie darum, das Verhalten der einzelnen Systeme zu begutachten, zum Beispiel die Dauer der Türfreigabe, Integrationsmöglichkeiten und das Zutrittsmanagement in der Software. «Wir wollten gleichzeitig die Wirkung auf unsere Entscheidungsträger sehen und die Zusammenarbeit mit den Fachpartnern prüfen. Allein beim letzten Punkt haben sich bereits grosse Unterschiede hinsichtlich des Services aufgetan», konstatiert Pascal Staub.

Sicherheit deutlich verbessert. Ferner hat uns die Software überzeugt. Sie ist dank der klar strukturierten Oberflächen einfach zu bedienen, was insofern bedeutsam ist, weil die Nutzer bei uns sehr unterschiedliche Vorkenntnisse mitbringen. Ausserdem unterstützt die ID-Technologie die von uns gewünschte Multiapplikation, sodass wir ein Medium nicht nur für alle Standorte einsetzen, sondern damit ebenfalls die bereits genannten Drittanwendungen ansteuern können. Und nicht zuletzt hat das Preis-Leistungs-Verhältnis gestimmt.» Ein weiterer Pluspunkt für die Entscheidung war das Unternehmen selbst, wie Pascal Staub ausführt: «SALTO nehmen wir als Anbieter wahr, der auf Neuerungen setzt und seine Systeme ständig weiterentwickelt und mit echten Innovationen auf den Markt kommt. Das ist natürlich im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit ein wichtiger Aspekt.»

Für die Installation sind der SALTO-Premium-­ Partner OSC GmbH aus Zürich und der SALTO-Premium-Plus-Partner Immer AG aus Uetendorf verantwortlich, wobei OSC bislang die Zentrale sowie drei Verteilzentren und die Immer AG zwei Verteilzentren übernommen hat.

SCHRITTWEISE INSTALLATION

Die Systemarchitektur bei der Denner AG ist ein Mix aus Funkvernetzung und virtuellem Netzwerk. Die SALTO-BLUEnet-­ Wireless-Technologie eignet sich vor allem für Anwendungen, in denen eine Echtzeit­ überwachung von Türen erforderlich oder gewünscht ist; bei Denner ist dies hauptsächlich bei Aussentüren der Fall. SALTO BLUEnet verbindet über Bluetooth die batteriebetriebenen elektronischen Beschläge und Zylinder mit Gateways, die wiederum per Ethernet oder WLAN mit dem Server kommunizieren. Bei einer Unterbrechung oder Störung der Funkverbindung a ­ rbeitet

Die Installation der neuen elektronischen Zutrittskontrolle begann im Hauptsitz. Dabei wurden im ersten Schritt sämtliche OnlineTüren umgerüstet und dann die Mechanik an den Innentüren ersetzt. Anschliessend nahm Denner die fünf Schweizer Verteilzentren in Angriff, die mittlerweile abgeschlossen sind. Parallel stattete das Unternehmen die Büroräume in mehreren Niederlassungen aus. Aktuell wird das System in einer Filiale getestet. Gestützt auf die Ergebnisse folgen zukünftig noch weitere Filialen.

«Wir wollten mit möglichst wenigen Partnern zusammenarbeiten, die dennoch regional verankert sind, um schnelle Reaktionszeiten zu gewährleisten. Die Wahl hat sich als absolut richtig erwiesen. Die Kundenbetreuung ist optimal – auch im Vergleich zu den Mitbewerbern. Die Partner und Ansprechpersonen bei SALTO haben immer ein offenes Ohr und finden immer eine Lösung. Ich wurde bislang nie enttäuscht», lobt Pascal Staub.

FUNKVERNETZUNG UND VIRTUELLES NETZWERK

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scheiden von Mitarbeitern diesen automatisch die Zutrittsberechtigungen entziehen. Und die Skalierbarkeit spielte für uns eine grosse Rolle, da wir nach dem Hauptsitz schrittweise unsere fünf Verteilzentren und zukünftig vielleicht Filialen mit der neuen Lösung ausstatten möchten», beschreibt der Sicherheitsexperte die Details.

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ÜBERZEUGENDE SYSTEMPLATTFORM Aus dem Vergabeverfahren ging SALTO Systems mit der Systemplattform SALTO SPACE als Sieger hervor. Als Gründe für diese Wahl nennt Pascal Staub folgende Punkte: «Das virtuelle Netzwerk wird sehr gut umgesetzt und funktioniert einwandfrei. Dadurch können wir Sperrlisten über die Badges der Mitarbeiter verteilen, was die

Innentüren und Büros werden an den Denner-Verwaltungsstandorten mit dem elektronischen Kurzbeschlag XS4 Mini gesichert.

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das Zutrittssystem weiterhin, da die virtuelle Vernetzung der Türhardware über das SALTO Virtual Network (SVN) als Basistechnologie immer aktiv bleibt. Im SVN mit patentierter Schreib-LeseFunktionalität und verschlüsselter Datenübertragung werden die Schliessberechtigungen auf dem Badge gespeichert, wodurch die elektronischen Beschläge und Zylinder kabel- und netzunabhängig funktionieren. Gleichzeitig schreiben die Türkomponenten Informationen über gesperrte Badges oder beispielsweise Batteriestände auf die Badges und geben sie somit weiter. Die Update-Punkte übertragen die ausgelesenen Daten an den Server und übermitteln zugleich die aktuellen Zutrittsrechte auf die Badges.

RUND 350 ZUTRITTSPUNKTE Derzeit sind bei der Denner AG rund 350 Zutrittspunkte mit der neuen Zutrittslösung ausgestattet. An Aussentüren und sicherheitsrelevanten Türen kommen über BLUEnet funkvernetzte XS4-One-Langschildbeschläge zum Einsatz. Innentüren und Büros werden von virtuell vernetzten XS4-Mini-Kurzbeschlägen gesichert. Online-­ Wandleser samt Steuerungen von SALTO verrichten an Haupteingängen und automatischen Türsystemen, zum Beispiel Schiebetüren, ihren Dienst. Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit und generellen physischen IT-Sicherheit verwendet Denner elektronische SALTO-Neo-Zylinder an Server-Racks und bindet sie auf diese Weise in das einheitliche Zutrittsmanagement ein. An den Zufahrten zu den Tiefgaragen sind Weitbereichsleser installiert. Obendrein testet das Unternehmen die elektronischen Schrankschlösser XS4 Locker in der Filiale für die Umkleiden der Mitarbeiter. Als

© SALTO Systems

Das System lässt sich nahtlos um die mobile Zutrittstechnologie JustIN Mobile erweitern. JustIN Mobile erlaubt das Öffnen von Türen mit dem Smartphone und nutzt dafür Bluetooth Low Energy (BLE) oder Near Field Communication (NFC). Der digitale Schlüssel wird aus der Managementsoftware «Over the Air» (OTA) an die auf einem verifizierten Smartphone installierte App JustIN Mobile verschickt. Der Mitarbeiter erhält eine Nachricht, dass er einen neuen digi-

talen Schlüssel erhalten hat und für welche Türen er berechtigt ist. Er muss dann nur noch das Smartphone vor den elektronischen Beschlag, Zylinder oder Wandleser halten und via App die Kommunikation starten. «Wir sehen Mobile Access als Option für die Zukunft», betont Pascal Staub.

Der elektronische Beschlag XS4 One mit kabelloser Update-Funktion am Tor der Anlieferung einer Denner-Filiale.

Identifikationstechnologie fungiert MIFARE DESFire EV2, womit die Multiapplikation umgesetzt wird.

SICHERHEIT VERBESSERT UND EFFIZIENZ GESTEIGERT Die momentan circa 2 000 Nutzer verwaltet der Detailhändler mit der Managementsoftware ProAccess SPACE von SALTO. Damit die Verteilzentren und Niederlassungen die Standortberechtigungen eigenständig vergeben können, setzt Denner die Mandantenfunktion (Partitions) für mehrere Standorte und Personengruppen ein. «Die Bedienung der Software ist sehr einfach, praktisch selbsterklärend im Alltag», freut sich Pascal Staub und fügt an: «Ich mag besonders die Nutzergruppen. Wir können jetzt in wenigen Schritten neue Mitarbeiter erfassen und ihnen die passenden Berechtigungen zuteilen. Insgesamt hat sich der Aufwand der Zutrittsverwaltung erheblich verringert, vor allem bei der Sperrung von verlorenen Badges und wenn Personen unser Unternehmen verlassen oder neu eintreten.» Darüber hinaus hat die neue Zutrittslösung die Sicherheit spürbar verbessert und die Effizienz gesteigert, resümiert Staub: «Schlüsselverluste haben für uns praktisch keine Bedeutung und stellen keine Sicherheitslücke mehr dar. Überdies konnten wir dank des Lizenzmodells der Software, des geringeren Verwaltungsaufwands und des Wegfalls der Folgekosten für die Mechanik die Lebenszykluskosten deutlich senken.»

SALTO Systems AG | CH-8360 Eschlikon | Tel. +41 (0) 71 973 72 72 | info.ch@saltosystems.com | www.saltosystems.ch Denner AG | CH-8045 Zürich | Tel. +41 (0) 44 455 11 11 | info@denner.ch | www.denner.ch

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unabhängig «Meine Unabhängigkeit möchte ich auch in Zukunft behalten. Deshalb ist mir wichtig, dass auch mein Altersguthaben möglichst unabhängig bleibt.» Arno Dumolein Bauingenieur Struktur

Pensionskasse der Technischen Verbände SIA STV BSA FSAI USIC 3000 Bern 14 T 031 380 79 60 www.ptv.ch

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MÖBEL PASSEN SICH AN DIE POTENZIALE VON FLEXIBLEN STAURAUMMÖBELN Interview mit Brigitte Breisacher von Georg Lutz

Trotz aller Unkenrufe sind Familienunternehmen in der Schweiz erfolgreich. Das gilt auch für die Alpnach Schränke AG, die in der schwierigen Möbelbranche unterwegs ist. Wie kann man hier gegen die grossen Player bestehen? Mit konsequenter Spezialisierung und Qualität. Jeder Schrank und jedes Stauraummöbel ist ein Unikat, welches in der hauseigenen Manufaktur in Alpnach im Kanton Obwalden gefertigt wird.

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Das klingt jetzt aber fürchterlich nüchtern, fast schon bieder. Nein, das ist es überhaupt nicht. Es geht darum, wie Sie Ihre Alltagsgegenstände optimal verstauen können und die Möbel platzsparend und ästhetisch im Raum integrieren. Das ist eine sehr praktische Angelegenheit, braucht immer wieder innovative Ideen und sieht gleichzeitig gut aus. Ihr Haus war, von seiner Geschichte her, auch ein Unternehmen, welches Möbel am Fliessband hergestellt hat. Es ging um Standardware. Sehe ich das richtig? Korrekt. Das waren Wohnzimmermöbel, Garderoben und Schränke in klar definierten Grössen und Ausführungen. Es ging um Normschränke für Frau und Herr Schweizer. Das Leben war ja eher von Standards geprägt und es gab noch nicht die riesigen Möbelhäuser und den blauen Riesen mit dem gelben Schriftzug. Richtig. Da mussten wir in den letzten Jahren radikal umschwenken. Seit über zehn Jahren spezialisieren wir uns auf Stauraumlösungen nach Mass. Schrank-Serien in grossen Mengen, welche exakt iden-

tisch ausgeführt sind, gibt es kaum mehr – nicht einmal in grossen Überbauungen. Selbst dort weichen die Einbaulösungen von Wohnung zu Wohnung ab. Das ist die pure Fokussierung auf die individuellen Wünsche des Kunden? Ja, wobei definierte Standards elementar sind. Bei jeder Beratung und Planung gehen wir auf die Kundenwünsche ein, sodass eine Lösung entsteht, welche die Bedürfnisse voll und ganz abdeckt. Gleichzeitig stimmen wir die Machbarkeit auf unsere Produktionseinrichtung ab. Die konstruktiven Details planen wir so, dass wir unserem hohen Qualitätsanspruch gerecht werden. Also kann es sein, dass wir nicht ganz jeden Wunsch bis ins Detail erfüllen – dies jedoch mit guter Begründung. Lassen Sie uns die Veränderungen noch etwas genauer fassen. Liegt es auch daran, dass unsere Wohnungen heute kaum mehr reine Funktionsräume haben und die Übergänge eher fliessend sind? Und zweitens: Hilft Ihnen bei der Produktion von individuellen Möbeln auch die Digitalisierung? Bei beiden Punkten liegen Sie richtig. Einerseits ist das Bedürfnis nach Individualisierung gewachsen, was sich auch in der Innenarchitektur zeigt. Andererseits hat die Digitalisierung neue Möglichkeiten geschaffen, um individuelle Stauraumlösungen effizienter zu planen und zu fertigen. Ich will noch einen dritten Grund mit auf den Weg geben. Bekanntlich werden die Quadrat-

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hr Geschäftsmodell bezieht sich auf Möbel, die in alle Ecken und Winkel passen. Ist das eine passende Zusammenfassung? Ja, ich kann das sogar auf einen Slogan herunterbrechen: «Stauraumlösungen nach Mass».

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Brigitte Breisacher ist Unternehmensleiterin der Alpnach Schränke AG.

meterpreise immer teurer. Gerade in urbanen Räumen ist dies der Fall. Da muss jeder Quadratzentimeter optimaler und besser genutzt werden – auch in puncto Stauraum. Können Sie uns da Beispiele nennen, damit uns praktische Lösungen vor Augen geführt werden? Schauen Sie sich den Raum unter den Treppen an. Meist bleibt dieser leer. Wir haben dafür Lösungen. Oder nehmen Sie Dachgeschosswohnungen. Unter den Dachschrägen bleibt üblicherweise viel Dachraum ungenutzt. Diesen Platz kann man nutzen und es sieht auch noch gut aus. Es geht um das Füllen von Nischen. Löcher im Raum machen meist keinen guten Eindruck. Wenn ich den Schrank im klassischen Möbelhaus oder beim blauen Riesen kaufe, dann habe ich fast immer oben, rechts und links Luft. Wertvoller Raum bleibt so ungenutzt. Aber auch Ihre Schränke beruhen auf Grundrastern? Wir haben ein Raster. Dieses bezieht sich auf drei Höhen, drei Tiefen und acht Breiten. Das ist unsere Basis, die aber sehr flexibel genutzt werden kann. Lassen Sie mich das auch hier an Beispielen verdeutlichen. Wir hatten im Rahmen des Bärentower-Baus in Bern den Auftrag, die Inneneinrichtung zu gestalten. Der Umfang bildete 150 Wohnungen mit knapp

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berechnetem Grundriss und wenigen Stauraummöglichkeiten. Mit unseren Standard-Elementen fanden wir eine optimale Lösung. Dadurch konnten wir den Planungsaufwand und die Herstellkosten geringhalten und dem Auftraggeber eine attraktive Lösung bieten. Andererseits haben wir grad kürzlich eine Villa in Fribourg mit Stauraumlösungen im Wert von 150’000.– CHF bestückt. Diese Lösungen sind so individuell – da ist kein Grundraster mehr erkennbar. Der Fokus liegt auf individuellen Details.

Mit welchen Materialien arbeiten Sie? Das sind in erster Linie hochwertige Holzwerkstoffplatten, die mehrfach beschichtet, belegt oder furniert sind. Dazu kommen Farblackierungen nach RAL oder NCS oder spezielle Beläge aus unterschiedlichen Metallen oder Glas. Jetzt gibt es heute sehr unterschiedliche Geschmäcker. Der Zeitgeist lässt viel zu – von nüchternem skandinavischem Design bis zum opulenten Landhausstil. Was verlangen Frau und Herr Schweizer? Nach meinem Eindruck stehen hier praktische Gründe im Vordergrund. Wenn ein dunkler Boden die Grundlage der Atmosphäre ist, arbeitet man lieber mit hellen

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Individuell sind auch Ihre Schränke gestaltet. So bildet das Z-Element den seitlichen Abschluss des Einbauschranks. Was steckt hier dahinter? Es geht um eine Verjüngung auf der rechten und/oder linken Seite. Der Schrank

wirkt dadurch leichter und es kann auch aus Platzgründen praktischer sein.

Tönen bei der Möblierung. Ganz klare Zeitgeistvorstellungen haben die wenigsten Kunden. Es gilt zu überlegen, was wie passt. Hier kommt unsere Beratungskompetenz in unseren acht Niederlassung zum Zug. Wir sind aber auch beim Kunden vor Ort. Vor 100 Jahren gab es einen modernen Aufbruch. Ein Beispiel ist die Frankfurter Küche und die ganze Bauhauskultur. Sieht gut und nüchtern aus, ist aber auch praktisch. Das war der Abschied von der barocken Fin-de-Siècle-Kultur. Gibt es heute ähnliche Brüche? Nein, die sehe ich so nicht. Ich sehe aber grosse Unterschiede. Die Einrichtung im erwähnten Bärentower ist modern, nüchtern und praktikabel. In einer Villa kann es sehr viel verspielter und opulenter zugehen. Da finden Sie Profilstäbe oder Reliefstrukturen oder arbeiten mit Spiegeln, die einen verzierten Rand haben. Diese Unterschiede spiegeln sich auch in den unterschiedlichen Auftraggebern wider. Auf der einen Seite haben wir es mit Generalunternehmen oder Architektinnen und Architekten zu tun. Auf der anderen Seite geht es meist um private Auftraggeber.

«Wertvoller Raum bleibt so ungenutzt.» © Alpnach Schränke AG

Der Einbauschrank passt optimal unter die Treppe.

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Seit Monaten sind wir mit einer Pandemie konfrontiert. Wir haben uns in der Folge in unsere Häuser zurückgezogen und neue Bäder und Küchen gekauft. Es gab viele Branchen wie den Einzelhandel, die massive Verluste hinnehmen mussten und staatliche Hilfen benötigten. Es gab aber auch, ich spitze das mal etwas zu, Krisengewinner, die mir in meinen vier Wänden weiterhelfen konnten, die Pandemie mental abzufedern. Wie ordnen Sie Ihr Haus ein? «Bleiben Sie zu Hause» hat bei uns der Bundesrat gesagt. Folglich haben die Leute wenig Geld für die Ferien ausgeben können. Auch Kino, Sportveranstaltungen und Theater waren eher eine schwierige Angelegenheit. Restaurants haben schwer gelitten. Das Geld wurde im Rahmen der eigenen vier Wände ausgegeben. Wir wollten uns in unserem Kokon geborgen fühlen.


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Auch im Kinderzimmer können Räume innovativ genutzt werden.

Der Flügeltürschrank ist eine perfekte Lösung unter dem Dach.

Ja, wir gehören als «Innenausbauer» zu den Gewinnern der Krise.

dere Handelswege zurückgreifen. Daraus resultieren fast immer höhere Kosten.

Auch das zunehmend hybride Arbeiten dürfte Ihnen in die Karten spielen? Home-Office-Lösungen brauchen zusätzlichen Raum. Oft sind wir dann in Zimmern, die jetzt mehrfach genutzt werden – beispielsweise als Gäste- und als Arbeitszimmer.

Wichtig ist, dass wir jetzt bei den Prozessen in der Produktion, aber auch im Verkauf und Office noch schlanker werden. Hier gilt es, den Hebel anzusetzen.

Insgesamt läuft die Baubranche immer noch ganz gut … Sie sagen es. Viele Branchen klagen jedoch über Lieferengpässe und hohe Energiekosten. Wie sieht das bei Ihnen aus? Wir sind schon von Lieferengpässen betroffen. Bei einigen Produktgruppen wie Beschlägen haben wir es sogar mit Kontingentierungsmassnahmen zu tun. Da kommt keine Freude auf. Wir müssen dann auf an-

Trotzdem: Wichtig ist es, langjährige Partnerschaften weiter zu pflegen, Preisanpassungen abzuwägen und nicht wegen weniger Rappen Differenz den Lieferanten zu wechseln. Was wird sich in den nächsten Jahren in Ihrer Branche tun? Gibt es bald Möbel aus dem 3-D-Drucker? Ja, darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Es beginnt hier aber nicht mit Science-Fiction, sondern ganz praktisch. Möbel auf Rollen haben für mich Zukunftspotenzial. Wir werden immer mo-

biler und benötigen immer wieder neue Szenarien. Dazu brauchen wir Stabilität vom Material her. Gleichzeitig muss es noch nachhaltiger und noch etwas leichter sein. Das Szenario einer Just-in-time-Produktion, welche direkt durch den Kunden ausgelöst wird, indem die digitalen Bestelldaten direkt an die Produktionsmaschinen fliessen, ist ebenfalls denkbar. Hier gibt es aber noch ein paar Hürden zu nehmen. Building Information Modeling (BIM) ist bei uns noch kein Thema, da wir die letzten in der Wertschöpfungskette sind. Aber auch hier gilt es, vorbereitet zu sein. Dagegen stehen bei uns 3-D-Brillen vor dem Einsatz. Die Herausforderungen liegen auf dem Tisch. Da kann ich nur viel Erfolg wünschen.

Alpnach Schränke AG | Hofmättelistrasse 2a | CH-6055 Alpnach Dorf | Telefon +41 (0) 41 672 99 11 info@alpnachnorm.ch | www.alpnachnorm.ch

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INTELLIGENZ MIT HOLZ UND METALL MIA KEPENEK GESTALTET SCHIEBETÜREN DER BESONDEREN ART von Gerald Brandstätter

In Zusammenarbeit mit der renommierten Innenarchitektin Mia Kepenek lanciert 4B drei einzigartige Sondereditionen der Hebeschiebetür ST2. Dank eines eigenen Farbkonzepts wird die schlankste und intelligenteste Holz-Metall-Schiebetür der Schweiz integraler Bestandteil des individuellen Innenraums und persönlichen Lebensraums.

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ie neue Schiebetür ST2 und die motorisierte Ausführung ST2 auto move verkörpern die neuste Generation von Schiebetüren: Sie erfüllen allerhöchste Ansprüche an Design, Komfort, Intelligenz, Technik sowie Qualität. Mit der minimalen Rahmenbreite und der maximalen Glasfläche schaffen sie einmalige Ausblicke. Mit den von Mia Kepenek gestalteten Sondereditionen mit drei ausgeklügelten Farb- und Materialkombinationen eröffnet sich für Architekten, Planer und Bauherrschaften zusätzlich eine enorme Gestaltungsvielfalt.

MODERNE STILWELTEN Die bekannte Zürcher Innenarchitektin Mia Kepenek wurde von 4B beauftragt, für die neue Schiebetür ST2 ein Farbkonzept zu entwickeln. Ausgehend von den Bedürfnissen und Anforderungen von Architekten, angehenden Bauherrschaften und anspruchsvollen Endkunden hat Mia Kepenek in einem langen Prozess und mit grossem Engagement drei Sondereditionen geschaffen. «Ich habe mich bei der Entwicklung der Sondereditionen von aktueller Architektur und von gesellschaftlichen Trends inspirieren lassen. Herausgekommen sind drei Editionen, die einerseits die aktuelle Architekturszene widerspiegeln, aber auch zeigen, wie die Menschen in unserer Zeit gemeinsam wohnen und arbeiten», erklärt Mia Kepenek ihre Herangehensweise bei der Entwicklung der Sondereditionen.

LEIDENSCHAFT FÜR INNENARCHITEKTUR Bei der Konzeption und Entwicklung konnte Mia Kepenek ihre Erfahrungen als ausgebildete Schreinerin, ehemalige Szenografin sowie diplomierte Architektin in das Projekt einbringen. «Durch meinen Hintergrund als ehemalige Schreinerin und Architektin habe ich ein sehr gutes Verständnis für das Handwerk, aber eben auch für echte Materialien. Meine Aufgabe für 4B bestand darin, das äussere Erscheinungsbild der Schiebetür ST2 neu zu definieren. Das heisst, sie von der Farbgebung bis hin zur Materialisierung zu einem raumdefinierenden Element zu machen. Durch die Sondereditionen wird die ST2 zu einem prägenden Bestandteil des individuellen Innenraums und persönlichen Lebensraums», betont Mia Kepenek. Seit 2012 leitet Mia Kepenek das von ihr gegründete Studio für Corporate Architecture, Innenarchitektur und Design in Zürich.

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DIE 4B AG Seit vier Generationen entwickelt, produziert und montiert die 4B AG aus Hochdorf / LU vielseitige Lösungen für die intelligente Gebäudehülle, die dem neusten Stand von Technik und Technologie entsprechen. Dank stetiger Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse und die Anforderungen des Marktes ist 4B heute Schweizer Marktführer. 4B verfügt über zehn Ausstellungen von St. Gallen bis Genf und bietet seinen Kunden ein integriertes Angebot mit einem umfassenden Service. Das Unternehmen befindet sich im Besitz der Familie Bachmann und entstand 1896 aus der gleichnamigen Schreinerei. Heute beschäftigt 4B mehr als 670 Mitarbeitende und erzielt einen Jahresumsatz von rund 187 Millionen Franken. Mit der ST2 erreicht man vollkommenes, individuelles Wohnen und Arbeiten.

Sie widmet sich ganz ihrer Leidenschaft für Innenarchitektur und kann bei ihrer Arbeit auf ein seit Jahren eingespieltes Team bauen. Die Rauminszenierungen des Studios Mia Kepenek sind bewusst zeitlos und oft unkonventionell. Die Innenarchitektin orientierte sich bei ihrer Arbeit für 4B an unterschiedlichen Stilwelten. Entstanden sind die drei aussergewöhnlichen Sondereditionen «Aubergine», «Schwarz» und «Eiche Gold», die der Schiebetür ST2 und den dazu passenden Fenstern einen höheren Stellenwert in der Innen- und Aussenarchitektur verleihen. Dem Innenraum geben sie mehr Prägnanz und Persönlichkeit. Die neue Schiebetür ST2 ist immer Teil einer Komplettlösung und mit anderen Lösungen aus der 4B-Produktfamilie modular kombinierbar.

DREI WELTEN Die Sondereditionen von Mia Kepenek basieren auf drei Stilwelten, die eine Vielzahl von individuellen Design-, Einrichtungsund Lebensformen ermöglichen: EKLEKTIZISMUS und POSTMODERNE: Von dieser Stilwelt fühlen sich Persönlichkeiten angesprochen, die sich die Inspiration für ihre Einrichtung aus der internationalen Bar- und Gastronomieszene holen. Das können beispielsweise junge Paare mit ein oder zwei Kindern sein.

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Die schlankste und intelligenteste Holz-Metall-Schiebetür der Schweiz ist prägender Bestandteil des individuellen Innenraums und persönlichen Lebensraums.


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Folgende Farbkombination – mutig, auffallend, sich dennoch im Raum integrierend – wurde explizit für diese Stilwelt konzipiert: • Innen: Aubergine / Dunkelviolett (RAL 4007) • Aussen: Aubergine / Dunkelviolett (Sandalor S140-3) • Griff: STG1 MINIMALISMUS und SKANDINAVISCH: Diese Stilwelt stellt sich in einem hellen, reduzierten und puristischen Ambiente dar. Oftmals bevorzugt von sogenannten «Best Ager» mit erwachsenen Kindern, die schon zu Hause ausgezogen sind. Diese Sonder­ edition bietet durchgehend schwarze Komponenten: Die Schiebetür wie auch das Trittblech wird in Schwarz angefertigt. Das Panorama wird dadurch wie bei einem Bild stilvoll eingerahmt: • Innen: Schwarz (RAL 9005) • Aussen: Schwarz (Colinal 3180)

• Griff: Auto Move Taster (motorisierte Schiebetür) MID CENTURY und BRUTALISMUS: Diese architektonische Stilwelt ist geprägt von hartem Beton und weissen Flächen, in Kombination mit warmem Holz. Oft sind es Paare oder Singles ohne Kinder, die sich mit diesem Stil identifizieren können. Hierfür wurde eine exklusive neue Lasur mit Goldeffekt entwickelt, die die Hochwertigkeit des Holzes unterstreicht: • Innen: Eiche Goldbraun matt • Aussen: Mittelgrau (RAL 7016) • Griff: FSB 1004

FAST GRENZENLOSES PANORAMA Mit einer Ansichtsbreite des Rahmens von nur 58 Millimeter ist die neue ST2 die schlankste Holz-Metall-Schiebetür der Schweiz. Die Aussicht rückt dadurch in den Vordergrund, das Panorama wird fast grenzenlos. Die Sonne erhellt die Räume und lässt den Wohn- und Lebensraum erstrahlen – und das Ganze bei vorbildlichen Dämmwerten. Die ST2 bietet eine reduzierte Ästhetik für zeitgemäss-moderne Architektur. Als Option ist die ST2 mit einer vollwertigen Nullschwellenlösung erhältlich. Diese ermöglicht einen barrierefreien Übergang zwischen Innenund Aussenräumen. Als Variante ist die ST2 als motorisierte ST2 auto move erhältlich. Ein extraleiser Antrieb gewährleistet selbst bei grossflächigen Flügeln mit hohen Gewichten ein selbstständiges, schnelles und sicheres Öffnen und Schliessen. Für die Sondereditionen der motorisierten ST2 auto move hat Mia Kepenek auch einen neuen Taster entworfen. Die ST2 ist zudem «Smarthomeready» und kann nachträglich mit verschiedenen Smarthome-Lösungen ausgestattet werden. Nutzerinnen und Nutzern wird mit der ST2 auto move zusätzlich eine grosse Auswahl an Bedienungsmöglichkeiten mit Taster, Fernbedienung, Codetaster oder per somfy-App geboten.

GERALD BRANDSTÄTTER ist Geschäftsführer der Agentur Conzept-B GmbH, Zürich. www.4-b.ch www.kepenek.ch

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PFLANZEN ZUM WOHLFÜHLEN DIE GRÜNEN SUPERKRÄFTE DER NATUR IM INNENRAUM von Lone K. Halvorsen

«Blumen sind die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.» Die Worte des Dichters und Naturforschers Goethe beschreiben die Anmut und Schönheit von Blumen, aber wie wir längst wissen, haben Blumen und Pflanzen weit mehr als nur einen schönen Anblick zu bieten. Viele von Goethes Werken wurden im Garten geboren und bereits zahlreiche Studien konnten belegen, dass Menschen, die von Pflanzen umgeben sind, ihre Arbeit konzentrierter und folglich produktiver ausführen. Doch man könnte meinen, die grünen Pflanzen verfügen über Superkräfte, denn nebst den positiven Wirkungen auf Körper, Seele und Geist verbessern sie das Raumklima, da sie Schadstoffe abbauen und die Luft reinigen. Pflanzen bringen daher nicht nur die Schönheit der Natur ins Haus, sondern sie tragen in vielerlei Hinsicht zum positiven Raumklima bei.


Picturegarden | Rohner

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GARTEN

Zweifarbige Grünpflanzen wirken lebendiger.

Dunkle Eleganz: ein Gummibaum sekundiert von einer panaschierten Hoya.

BLATT-SCHÖNHEITEN DER BOOM DER ZIMMERPFLANZEN HÄLT AN von Othmar Ziswiler

Die Outdoor-Gartensaison hat sich verabschiedet und alle konzentrieren sich auf ihre Zimmerpflanzen. Was sind die kommenden Stars in der Zimmerpflanzenwelt und wie pflegt man sie am besten? Denn eines ist absehbar: Die Begeisterung fürs Gärtnern mit Zimmerpflanzen hält ungebrochen an..

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iele Schweizerinnen und Schweizer haben in den letzten Jahren ihre Liebe zu Zimmerpflanzen entdeckt. Efeututen und Sansevieria waren hierbei die «Einstiegsdroge», denn sie brauchen nicht viel Aufmerksamkeit. Aber was ist mit Korbmaranten und Baum-Solitärs für den Innenraum? Zwar ist ihre Pflege komplizierter, doch auch sie erfahren eine wachsende Nachfrage. Das hat mit dem Mass an Erfahrung, dem Lebensstil, der Wohnumgebung, aber auch mit persönlichen

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Vorlieben zu tun – und auch mit der Corona-­ Pandemie, die Garten und Innenraumgrün einen beachtlichen Boom verliehen hat.

PFLANZEN ALS THERAPIE Was draussen passiert, lässt sich nicht kontrollieren – sehr wohl aber das, was sich in den eigenen vier Wänden ereignet. Pflanzen zu pflegen, macht glücklich, denn es braucht nicht lange, bis Erfolge erkennbar sind. Wer sich ein bisschen mit den Ansprüchen von Zimmerpflanzen beschäf-

tigt, wird sich wundern, wie schnell Monstera und Co. zur Höchstform auflaufen. Auch aufs Wohnklima wirken sich Zimmerpflanzen positiv aus. Das wissen besonders diejenigen zu schätzen, die den Grossteil der Arbeitswoche im Home Office verbringen. Wer von Zuhause aus arbeitet, findet in der Pflege von Zimmerpflanzen Abwechslung und emotionale Unterstützung. Das Schöne an den Pflanzen für daheim ist, dass es ein riesiges Sortiment gibt, in dem jeder etwas entsprechend dem persönlichen


GARTEN

DAS UNGEWÖHNLICHE REIZT Hohe Luftfeuchtigkeit, warm, kein direktes Sonnenlicht, aber nicht komplett im Schatten? Bedingungen wie diese hat es am ehesten im Badezimmer und gefallen besonders der Calathea, auch Korbmarante genannt. Ihre etwas aufwendigere Pflege belohnt die Blattschmuckstaude aus den Regenwäldern Brasiliens durch imposante, nahezu expressionistisch gezeichnete Blätter. Bislang weniger bekannt ist die Sorte «Musaica», deren Laub an ein Muster aus winzigen Mosaiken erinnert. Andere Calatheas haben auffallend dunkelgrünes bis fast schwarzes Laub, das auffällig pink gezeichnet ist. Mit der Trendfarbe Pink darf sich auch Ficus elastica «Abidjan» brüsten. Diese Farbe haben seine neu austreibenden Blätter – vor dem dunkelgrau glänzenden Laub ein besonderer Hingucker. Es sind also vor allem Zimmerpflanzen mit verschiedenfarbig gezeichneten Blättern, welche zurzeit im Trend sind. Andere Pflanzen wie die Birkenfeige schätzen den grossen Auftritt und machen als Zimmersolitär oder grüne Raumteiler im Wohnzimmer eine gute Figur. Idealerweise stehen sie an einer hellen Stelle ohne direktes Sonnenlicht, erhalten nicht zu viel Wasser und werden vor Zugluft geschützt. Wem das zu aufwendig ist, findet in der pflegeleichten chinesischen Feige «Moclame» eine Alternative. Mit ihrem geflochtenen Stamm und den dicken, rundlichen Blättern nimmt sie den Trend zum architektonischen Look auf. Für ein gerades und aufrechtes Wachstum wird empfohlen, die Pflanze einmal im Monat zu drehen. So wird vermieden, dass sie sich zu sehr dem Licht entgegenstreckt und mit der Zeit krumm wird.

um die Entwicklung eines Miniaturgartens zu beobachten. Der grosse Vorteil dieser Mini-Gewächshäuser: Sie brauchen fast keine Pflege. Zimmerpflanzengärtnern stehen heute viele praktische Hilfsmittel zur Verfügung, die Pflegeaspekte wie Giessen, Düngen oder Standort sehr vereinfachen. Dazu gehören Apps wie PlantCare, Waterbot oder myPlants, die Pflegetipps geben und daran erinnern, wann gegossen werden muss. Denn meist scheitert die Freude an den Pflanzen am Giessen. Es sei denn, man richtet sich nach dem Rat von Profigärtnern und greift bei den Töpfen auf solche mit eingebautem Giess-System zurück. Ein integriertes Wasserreservoir im Gefässboden stellt dabei sicher, dass die

Pflanzen immer optimal versorgt sind. Muss es nachgefüllt werden, informiert eine Anzeige darüber. Ferienabwesenheiten von rund zwei Wochen sind damit problemlos möglich. Oder aber man steckt ganz einfach einen Feuchte-Sensor in die Erde, der dem Smartphone via zugehörige App meldet, wenn die Pflanze durstig ist.

OTHMAR ZISWILER ist verantwortlich für den Gärtnerischen Detailverkauf bei JardinSuisse. www.jardinsuisse.ch

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Geschmack findet. Und da jeder Raum einer Wohnung oder eines Hauses sehr spezielle Licht- und Temperaturbedingungen aufweist, gibt es auch eine Vielzahl möglicher Standorte für die Pflanzen.

PFLEGE-APPS ERLEICHTERN DAS LEBEN Den Riesen stehen die Zwerge gegenüber. Mini-Gewächshäuser für Zimmerpflanzen, auch als ewige Terrarien bekannt, sind der Trend der Stunde. Richtig angelegt und verschlossen, entwickelt sich in den geschlossenen Glashäusern ein eigenes Ökosystem. Farne, Efeututen, Mini-Orchideen, Ufopflanze oder Geldbaum sind nur ein paar der vielen Kandidaten, mit denen sich ein solches Pflanzen-Terrarium begrünen lässt. Perfekt als Geschenk oder auch nur,

Ein kleinlaubiger Feigenbaum mit Peperomia und Fittonia als Unterbepflanzung.

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Pflanzen als umweltfreundliche «grüne Klimaanlage».

GESUNDES AMBIENTE FÜR MENSCH UND PFLANZE PROFESSIONELLE INNENRAUMBEGRÜNUNG von Sandra Walz

Pflanzen produzieren Sauerstoff, regulieren die Luftfeuchte, filtern Schadstoffe und wirken sich zudem positiv auf die Raumakustik aus. Kein Wunder also, dass Indoor-Begrünungskonzepte immer beliebter werden. Anzeichen für Lichtmangel wie braune, abfallende Blätter, dünne Stile und krumme Wuchsrichtungen schmälern die Freude jedoch schnell. Dem kann allerdings mit einer geschickten Planung entgegengewirkt werden. Seite 124 // bauRUNDSCHAU


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unkle Räume und fehlendes Licht, das sind meist die Probleme, mit denen Innenraumpflanzen zu kämpfen haben. Mit den künstlichen Lichtquellen, die für das menschliche Auge ausreichend hell strahlen, können Pflanzen nur wenig anfangen. Um die Begrünung langfristig vital zu halten, muss daher eine Pflanzenbeleuchtung in das Raumdekor integriert werden. Für diesen Zweck entwickelt die Venso EcoSolutions GmbH moderne und energieeffiziente LED-­ Lösungen, deren Lichtspektren optimal auf die Bedürfnisse von Pflanzen abgestimmt sind und die zugleich angenehm neutralweiss leuchten. Ob Schienenstrahler, Leisten oder Birnen – für jedes Design gibt es die passende Lösung. Passend zur Bepflanzungsfläche und zum Raumdesign kann zwischen Einzellampen sowie Wall Spots und Track Lights in unterschiedlichen Längen und Abstrahlwinkeln gewählt werden. Als Rundum-sorglos-Paket bietet sich ausserdem die mobile, smarte Pflanzenwand Furegreen an, die bereits über ein eingebautes Beleuchtungs- und Bewässerungssystem verfügt. «Häufig haben Raumbegrünungsprojekte den Ruf, arbeits- und kostenintensiv zu sein, damit sie langfristig gut aussehen», so Fabian Mendel, Gründer und Geschäftsführer von Venso EcoSolutions. «Das ist so aber nicht korrekt: Eine der Hauptursachen für welkende und verkümmernde Pflanzen ist zu wenig Licht – und dem kann bei einer geschickten Planung schon im Vorfeld entgegengewirkt werden.»

LUX UND LUMEN

Lux und Lumen werden häufig genutzt, um die Helligkeit von Leuchtmitteln zu beschreiben. Sie messen jedoch das gesamte Spektrum inklusive derjenigen Wellenlängen, die nur kaum oder überhaupt nicht zum Pflanzenwachstum beitragen. Somit sagen die Begriffe nichts darüber aus, wie gut die Pflanze das Licht tatsächlich nutzen kann. Wichtig ist hingegen ein Messwert, der vorzugsweise die blauen (410 bis 450 Nanometer) und roten Wellenlängen (640 bis 660 Nanometer) angibt, mit denen die Absorptionsspektren von Chlorophyll bestmöglich stimuliert werden. Die sogenannte Photonenflussdichte (PPFD) mit der Einheit Mikromol pro Sekunde und Quadratmeter (µmol / s / m2) misst die Anzahl der Photonen pro Quadratmeter in der Sekunde, welche die Pflanze für ihre Fotosynthese auch wirklich verwerten kann. Um Raumbegrünung vital und gesund zu halten, sollten mindestens 30 µmol / s / m2 auf den Blättern ankom­ men. Neben dem Farbspektrum und der PPFD ist der Farbwiedergabeindex oder Color Rendering Index (CRI) eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung von LED-Pflanzen­ lampen. Um ein stimmungsvolles Raumdesign mit natürlichen und kräftigen Farben zu ermöglichen, sollten die Leuchtmittel CRI-Werte von mehr als 90 aufweisen.

DIE BEDEUTUNG DES FAKTORS LICHT Der Stoffwechsel und damit auch die positiven Effekte von Pflanzen auf ihre Umgebung basieren bekanntlich auf der Fotosynthese, also der Erzeugung von Glucose und Sauerstoff aus Wasser, Kohlendioxid und Licht. Ist eine dieser Zutaten nicht ausreichend vorhanden, verhungert das Gewächs förmlich. Gerade die Bedeutung des Faktors Licht wird dabei häufig unterschätzt: Bereits unmittelbar am Fenster erreichen Pflanzen lediglich maximal die Hälfte, weiter vom Tageslicht entfernt sogar nur noch etwa 10 bis 15 Prozent der eigentlich benötigten Sonnenstrahlung. Dies stellt insbesondere bei grösser angelegten Bepflanzungen ein Problem dar, weil etwa grüne Wände gerne als Raumteiler genutzt werden oder dunklere Ecken auffrischen sollen. Selbst ein Standort in Fensternähe kann sich als fatal erweisen. Im rechten

Viele Variationen sind möglich, ob eine grüne Wand oder viele Einzelpflanzen.

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GARTEN

noch absorbiert das Blattgrün nicht alle Wellenlängen gleicht stark. Vor allem die sichtbare Strahlung des blauen (410 bis 450 Nanometer) und des roten Bereichs (640 bis 660 Nanometer) können die beiden in einer Pflanze vorhandenen Chlorophylltypen A und B besonders gut verwerten. Das Licht handelsüblicher Leuchtmittel ist für Pflanzen damit nahezu wertlos. Denn diese emittieren primär grüne und gelbe Wellenlängen, die für das menschliche Auge weiss leuchten und je nach gewünschter Farbtemperatur lediglich mit ein wenig blau oder rot angereichert werden. Die speziellen Pflanzenlampen von Venso EcoSolutions räumen dieses Problem jedoch aus dem Weg: «Mit modernster LED-Technologie ist es heutzutage möglich, das ideale Wellenlängenspektrum energie- und preiseffizient umzusetzen», erläutert Mendel. «In unseren Leuchten unterstützt ein besonders hoher blauer und roter Anteil das Wachstum und die Gesundheit der Pflanzen optimal, während grüne und gelbe Wellenlängen die neutralweisse Farbe abrunden und insgesamt eine natürliche Farbwiedergabe garantieren.» Das Beimischen des Vollspektrums in gewissen Anteilen ermöglicht einen hohen sogenannten Farbwiedergabeindex (CRI). Dieser sorgt dafür, dass die Pflanzen nicht nur genau mit den benötigten Lichtwellenlängen versorgt werden, sondern dabei auch optisch etwas hermachen. Denn insbesondere in professionellen Bepflanzungsprojekten will das saftige Grün gesunder Blätter, deren Chlorophyllbildung und Wachstum bestmöglich stimuliert werden, auch angemessen in Szene gesetzt werden. Vor diesem Hintergrund hat Venso EcoSolutions das spezielle GrowWhite-Spektrum entwickelt. Mit einem CRI von 95 kommen die LED-Pflanzenlampen der Farbwiedergabe natürlichen Sonnenlichts besonders nahe. Das angenehm weisse Licht fügt sich somit nicht nur optimal ins Raumdesign ein, sondern erzeugt dank der satten Farben auch eine stimmungsvolle indirekte Beleuchtung. Die mobile, smarte Pflanzenwand Furegreen als Rundum-sorglos-Paket.

Winkel zum Fenster werden sich die Pflanzen beispielsweise stets zur natürlichen Lichtquelle hin ausrichten, was nach kurzer Zeit kaum noch ansprechend aussieht. Damit sich Greenwalls und Indoor-Beete auch wirklich positiv auf das Raumklima auswirken, anstatt nachträglich für Ärger zu sor-

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gen, sollte die passende Beleuchtung stets von vornherein mitgeplant werden.

BEGRÜNUNGSPROJEKTE MIT GROWWHITE-SPEKTRUM Das natürliche Sonnenlicht versorgt Pflanzen mit dem kompletten Lichtspektrum. Den-

OPTIMIERUNG DER PHOTONENFLUSSDICHTE Die perfekten Lichtwellenlängen nutzen der Pflanze jedoch nur wenig, wenn sie nicht auf den Blättern ankommen. So muss etwa die Art der Ausleuchtung und die Form des Lichtkegels stets an die jeweilige Bepflanzung angepasst sein. «Für vertikale Objekte wie zum Beispiel begrünte Wände sollten grundsätzlich LED-


GARTEN

Leisten genutzt werden», rät Mendel. Denn während ein runder Lichtkegel für Solitärpflanzen völlig ausreicht, würde eine grüne Wand damit ungleichmässig erfasst, sodass vor allem die Pflanzen am Rand und in den Ecken das Nachsehen hätten. Im Gegensatz zu Einzelleuchten erzeugen neben den etablierten Rohrspot-Leisten auch die neuen Schienenstrahler von Venso EcoSolutions eine rechteckige Belichtungsfläche, die sich optimal für vertikale Begrünungsprojekte eignet. Um dem Raumgestalter beim Design möglichst viel Freiraum zu lassen, können erstere in unterschiedlichen Längen zwischen 60 und 150 Zentimetern auf Putz und letztere ganz einfach in einer Drei-Phasen-Stromschiene installiert werden. «Bei den Wall Spots und Track Lights haben wir darüber hinaus die Möglichkeit, unterschiedliche Abstrahlwinkel einzubauen», fährt Mendel fort. «Diese berechnen wir – neben der jeweils besten Montagehöhe – für jedes Projekt individuell. » Abhängig von der Entfernung legt der Abstrahlwinkel fest, wie viel Photonenfluss, also verwertbare Lichtwellen, tatsächlich bei den Pflanzen ankommen. Je enger der

Winkel ist, desto grösser ist die Photonenflussdichte (PPFD). So ist etwa bei mehreren Metern Höhe auch entsprechend mehr als eine Lichtreihe notwendig, um über die gesamte Fläche hinweg die für eine vitale Raumbegrünung mindestens empfohlenen 30 µmol / s / m2 zu gewährleisten: Während das oberste Viertel bei einer vier Meter grossen Wand beispielsweise mit einem Abstrahlwinkel von 90 Grad beleuchtet wird, ist eine zweite Leiste mit 60 Grad auf die Mitte gerichtet und eine dritte strahlt mit 30 Grad scharf nach unten.

DIE PASSENDE BELEUCHTUNGSLÖSUNG Um die grösstmögliche Flexibilität bei der Raumgestaltung zu gewährleisten, sind die LED-Lösungen von Venso EcoSolutions in verschiedenen Varianten erhältlich und kombinierbar. Mit ihren E27 Grow Lights und der SUNLiTE XL haben die Pflanzenprofis deshalb auf der einen Seite unterschiedliche Einzelleuchten konzipiert, die je nach Begrünungssituation über der Solitärpflanze hängend angebracht oder einfach in den Topf gesteckt werden können.

Auf der anderen Seite sind die Wall-SpotLeisten und Track Lights auf grössere und vertikale Begrünungsprojekte abgestimmt. Als Ready-to-use-Lösung hat das Unternehmen zudem eine mobile Pflanzenwand entwickelt, die aufgrund von einklappbaren Rollen flexibel aufgestellt werden kann und bereits über ein perfekt abgestimmtes Beleuchtungs- sowie Bewässerungssystem verfügt. «Dank des Plug-and-play-Systems kann man mehrere Furegreen-Module auch ganz einfach kombinieren», erläutert Mendel das Konzept der smarten Greenwall. «Per WLAN-Zugriff können die Beleuchtung, das automatische Wasserregulierungssystem und die integrierte UV-­Sterilisation, welche die Pflanze vor Bakterien-, Virus- und Pilzbefall schützt, jederzeit reguliert werden.»

SANDRA WALZ arbeitet bei ABOPR Pressedienst B. V. www.venso-ecosolutions.de

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VORSCHAU &  IMPRESSUM

VORSCHAU DIE NÄCHSTE AUSGABE ERSCHEINT IM MÄRZ 2022 Folgende Schwerpunkte stehen auf unserer Agenda:

Stadt braucht Inhalt Raumplanung im Fokus

Durchblick ist da Fassadenwelten gestalten

Licht an Smarte Lichtlösungen

Das neue Grün Integrierte Gartenlandschaften

Funktionalität hat Vorfahrt Fenster, Türe, und Tore

Hybrid Space Unterschiedliche Raumnutzungen

Herausgeber Editorial AG Ceres Tower Hohenrainstrasse 24 CH-4133 Pratteln Telefon +41 61 551 39 40 Telefax +41 61 551 39 49 info@editorial.ag www.editorial.ag Geschäftsleitung Peter Levetzow p.levetzow@editorial.ag Mitglied der Geschäftsleitung Jan Tanner j.tanner@editorial.ag Verlags- und Projektleitung Hasan Dursun h.dursun@editorial.ag Chefredaktion Georg Lutz g.lutz@editorial.ag Leitung Produktion & Grafik Melanie Moret m.moret@editorial.ag Grafik Sandra Schneider

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