bauRUNDSCHAU 02/2021

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AUSGABE 02/ 2021

RAUM FÜR BEWEGUNG SPORT UND ARCHITEKTUR IM ALLTAG

BIORHYTHMUS UND LICHT | ÜBERGÄNGE IM FOKUS | MATERIAL UND KLIMA | SMART BUILDING


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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

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So langsam finden wieder offene und analoge Veranstaltungen statt. Bei mir trudeln die ersten Einladungen zu Pressekonferenzen ein, die in den Firmensitzen vor Ort stattfinden. Natürlich haben wir uns letztes Jahr gewundert, wie schnell das Home Office funktionsfähig war. Verschiedene Berufsgruppen, auch in der Baubranche, haben bereits früher damit phasenweise gearbeitet. Aber dann kommunizierten wir fast nur noch über Zoom, Skype oder Teams. Das war zunächst faszinierend, nach einigen Monaten aber merkten wir: Da fehlt etwas!

Eimer

Und richtig, nachdem wir zum ersten Mal wieder in einem Restaurant im Freien sitzen und ein Gegenüber haben, dem oder der wir direkt in die Augen schauen können, bemerken wir den Unterschied. Digital ist schnell, faszinierend und die Zukunft. Aber analoge Gespräche beinhalten intensivere und emotionalere Dimensionen. Daher freuen wir uns schon jetzt auf die nächste Swissbau im Januar. Die Messe ist der zentrale Treffpunkt für die Baubranche. Sie bietet mit Marktplätzen pro Themenbereich eine neue Messestruktur. Daneben gibt es mit dem Swissbau Innovation Lab zum dritten Mal eine Plattform für die digitale Transformation der Baubranche. Swissbau Focus ist der bewährte Rahmen für ein interdisziplinäres Veranstaltungsund Netzwerkformat.

Kanister

Wir haben uns daher entschieden, in der letzten Ausgabe von bauRUNDSCHAU in diesem Jahr viel Platz für einen Swissbau-Schwerpunkt freizuschaufeln. Hier bereiten wir die spannenden Inhalte der Messe publizistisch auf. Auch online wird es dazu eigene Formate geben. Sie sind herzlich eingeladen, sich daran zu beteiligen. Für Ihre Fragen und Ideen stehen wir zur Verfügung.

Georg Lutz

Chefredaktor bauRUNDSCHAU g.lutz@editorial.ag www.baurundschau.ch

Fässer www.packstar.ch 032 333 30 58


Alesca – Audio Fidelity alesca.ch

AC Group AG | Undermülistrasse 22 | CH-8320 Fehraltorf Tel. +41 43 549 54 80 | info@alesca.ch


BØRRESEN 02


INHALT BAUTEN FÜR BEWEGUNG

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Jetzt füllen sich wieder die Stadien, Turnhallen, Schwimmbäder und Sportanlagen. Das betrifft nicht nur die Megaevents wie die vergangene Fussballeuropameisterschaft der Herren oder die Olympischen Spiele in Tokio. Viel wichtiger für unseren Alltag ist die Möglichkeit, jetzt wieder Breitensport zu betreiben. Aus diesem Anlass zeigt das HDA – Haus der Architektur in Graz im Rahmen einer aktuellen Ausstellung ausgewählte Bauten, die unterschiedlichsten Formen der sportlichen Betätigung einen spezifischen Bewegungsraum bieten.

VORBILDLICHER BAUSINN Im Frühjahr wurden 16 Baufirmen für ihren vorbildlichen Bausinn ausgezeichnet. Die Projekte reichten von aufwendigen Renovationen des Bundeshauses über eine Onlineplattform für die Just-­in-time-Lieferung von Geländern bis zu Fotovoltaik-­Schulprojekten, Eltern-Kind-Schweissen oder Bestleistungen in der Arbeitssicherheit. Die drei- bis 600-köpfigen Unternehmen stellen sich aktiv dem Wandel in der Baubranche. Diese wird in den nächsten 20 Jahren durch die Megatrends Beschleunigung, Urbanisierung, Ökologisierung und Digitalisierung stark gefordert sein.

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DIGITALE PLANUNG Wegen der Digitalisierung in der Bauindustrie muss die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche intensiver und offener gehalten werden. Durch diese Erkenntnis wurde im Rahmen einer gemeinsamen Abschlussarbeit der Vergleich zur Matroschka-Figur hergestellt: Diese verkörpert als vereinfachte Darstellung die Vorstellung des Konstrukts der Familie und deren Zusammengehörigkeit.

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EIN BLICK INS JAHR 2085 Die Geschichte der Pflanzen in Zeiten des Klimawandels ist sowohl global als auch lokal von Bedeutung – jede Region wird unterschiedlich betroffen sein. Mithilfe des Plant Science Center werden aktuell neun Klimagärten in der Deutschschweiz ermöglicht. Schulen sind eingeladen, mit dem Bau eines Klimagartens Zukunft erlebbar zu machen und einen Dialog über den Klimawandel zu säen. Dadurch kann eine persönliche, emotionale Verbindung zu den oft abstrakten globalen Klimaszenarien hergestellt werden.


weil es zuhause am schönsten ist Individuelles Qualitätshandwerk aus der Schweiz www.alpnachnorm.ch

Individuelles Qualitätshandwerk aus der Schweiz. Der voluminöse Körper in Eichenholz führt als Treppe vom Eingang ins Obergeschoss und als harmonische Raumtrennung bis in die Küche. Er bietet Stauraum für Garderobe, Schubladen, Regale und Küchenschränke.


INHALT

90 UNSERE INNERE SONNENUHR Am internationalen Tag des Lichts am 16. Mai feierten Menschen weltweit mit Festen, Aktionen und Vorträgen die Bedeutung des Lichts für Wissenschaft, Kultur und Kunst, Bildung und nachhaltige Entwicklung – in diesem Jahr pandemiebedingt vor allem digital.

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EINFLUSS NACHHALTIGER LÖSUNGEN Smart Buildings sind Gebäude, deren zentrale haustechnische Anlagen sowie Raum- und Geräteregelungen intelligent miteinander vernetzt sind. Die technische Ausstattung wird so gesteuert, dass Vorteile auf mehreren Ebenen erzielt werden. Einerseits unterstützen Smart Buildings die kürzlich verabschiedete Klimastrategie des Bundes, andererseits reduzieren sie langfristig Kosten für Unternehmen – und sie besitzen einen positiven Einfluss auf uns und unsere Arbeitsleistung.

WIEDER VOR ORT

RUBRIKEN Editorial 1 Highlight 8 Architektur 12 Bauen 34 Garten 74 Innenarchitektur 88 Umwelt & Technik 102 Kolumnen 58, 98, 112 Impressum 120

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Nach langer Zurücknahme freuen wir uns, Sie bei Veranstaltungen und Messen wieder persönlich zu treffen: Unter anderem sind wir im Januar 2022 an der Swissbau vor Ort. Gerne können Sie mit uns auch im Vorfeld Termine für ein Gespräch vereinbaren.

IM WEB Wir halten Sie zwischen den Ausgaben mit aktuellen News, Fotostrecken, Kolumnen und Analysebeiträgen auf dem Laufenden. Sie sind gerne eingeladen, sich crossmedial zu beteiligen. Zum Beispiel mit News: 1000 Zeichen, Bild und URL. Besuchen Sie www.baurundschau.ch


AUS DEM HERZEN DER SCHWEIZER ALPEN Im wunderschönen Simmental ist das Schreinerhandwerk noch ein traditionelles Handwerk. Der Stolz auf unsere Arbeit zeigt sich in jeder von uns individuell angefertigten Küche. Die raue Landschaft, die majestätischen Berge und die unberührte Natur inspirieren dabei unsere Arbeit. Ob Penthouse-Besitzer oder Chalet-Liebhaber, sie alle teilen die Leidenschaft mit uns, die uns dazu motiviert, die exklusiven Küchenträume unserer Kunden wahr werden zu lassen. Die Zbären Küchen werden dabei mit hochwertigsten Materialien in feinster Handarbeit und mit hochmodernen Maschinen gefertigt. Von der kleinen Manufaktur im Herzen der Schweizer Alpen liefern wir die massgefertigten Küchen in die ganze Welt.

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© Rasmus Hjortshoj

HIGHLIGHT

Strassensport- und Jugendkulturzentrum, EFFEKT

BAUTEN FÜR BEWEGUNG DIE VIELFALT DER SPORTARCHITEKTUR von Georg Lutz

Jetzt füllen sich wieder die Stadien, Turnhallen, Schwimmbäder und Sportanlagen. Das betrifft nicht nur die Megaevents wie die vergangene Fussballeuropameisterschaft der Herren oder die Olympischen Spiele in Tokio. Viel wichtiger für unseren Alltag ist die Möglichkeit, jetzt wieder Breitensport zu betreiben. Aus diesem Anlass zeigt das HDA – Haus der Architektur in Graz im Rahmen einer aktuellen Ausstellung ausgewählte Bauten, die unterschiedlichsten Formen der sportlichen Betätigung einen spezifischen Bewegungsraum bieten. Seite 8 // bauRUNDSCHAU


© Julien Hourcade

HIGHLIGHT

Kultur- und Sportzentrum, BRUTHER Architects

S

portliche Betätigung ist zu einem wichtigen Bestandteil des Alltagslebens unserer Zeit geworden. Ob körperliche Ertüchtigung im Verein, im Fitnessclub oder durch den Jogginglauf im benachbarten Park – Sport wird heute mit Lifestyle, Fun und Gesundheitsbewusstsein verbunden. Bekannt sind die physisch und psychisch positiven Auswirkungen der Bewegung auf das Wohlbefinden – die WHO empfiehlt eine halbe Stunde täglich. Bereits im antiken Griechenland wurde auch die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung von Sportveranstaltungen und -wettkämpfen

erkannt. Sport verbindet Menschen, fördert Toleranz und Respekt gegenüber Einzelnen und der Gemeinschaft und unterstützt die soziale Inklusion. Das war und ist nicht immer so. Sport konnte und kann auch eine Machtdemonstration von Diktaturen sein, die sich dann auch in der Architektur widerspiegelt. Die Olympischen Spiele von 1936 in Berlin sind hier ein besonders drastisches Beispiel. Der Gegenpart dazu ist die offene und transparente Architektur der Olympischen Spiele 1972 in München.

VIELFÄLTIGER ALLTAG Im Wandel der Zeit hat sich auch die Architektur für die unterschiedlichen Sportarten verändert und wird heute nicht mehr nur durch die Typologie der «Turnhalle» repräsentiert. Die räumliche Präsenz der zunehmend anspruchsvollen Sportbauten ist vielfältiger geworden. Skateboarden, Bouldern oder Schwimmen, Skifahren in der Stadt, Tanzen oder Bogenschiessen – jede Sportart drückt sich durch eine für sie passende, individuelle Bauform aus. Das Umfeld, in dem die Bauten entstehen, spielt dabei eine wichtige Rolle. Bauflächen in

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© René Riller

© Ariel Huber

HIGHLIGHT

© Jose Hevia

Kletterhalle, Stifter Bachmann

© Christian Brandstaetter

Dreifachsporthalle Kantonschule Wettingen, :mlzd Architekten

© Rendering: MIR

Ciutadella Park Sportzentrum, Batlle i Roig Arquitectes

Sprungturm Millstatt, Hohengasser Wirnsberger Architekten

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Fussballstadium Forest Green Rovers, Zaha Hadid Architects


© J. L. Diehl

HIGHLIGHT

DIE AUSGEZEICHNETEN UNTERNEHMEN • Bauten für Bewegung • Internationale Architekturen für den Sport

• Ausstellung im HDA – Haus der Architektur Ausstellungsdauer: 15. Juli bis 10. Oktober 2021

PROJEKTE DER AUSSTELLUNG • Sprungturm / Diving Tower,

© Sebastian Schels

Olympische Schiesssporthalle, magma architecture

Turnhalle, Almannai Fischer mit Harald Fuchshuber

den Städten sind knapp, sodass hier oft verdichtete Konzepte nötig sind. Sportflächen erweitern den öffentlichen Raum und werden zu einem wichtigen gemeinschaftlichen Treffpunkt des Quartiers. Bestandsgebäude oder Dachflächen werden auf unkonventionelle Weise umgenutzt, während Sportanlagen in bestehende Grünräume möglichst behutsam und sensibel einzufügen sind.

BAUKÖRPER UND BEWEGUNG Das Spektrum der in der Ausstellung gezeigten Beispiele aus ganz Europa präsentiert beispielhaft unterschiedliche planerische sowie konstruktive Ansätze und geht auch auf historische und soziale Fragen zu Sport und Bewegung im städtischen und ländlichen Alltag ein. Allen ausgewählten Bauten gelingt ein gehaltvoller und ästhetischer Beitrag nicht nur für die Umgebung in Stadt oder Natur. «Ein gesunder Geist

lebt in einem gesunden Körper» ist ein bekanntes Zitat von Decimus Iunius Iuvenalis aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Das gilt in besonderem Masse auch für den «Baukörper», dessen Qualität und architektonische Präsenz auf Psyche und Physis des Umfeldes und der Nutzerinnen und Nutzer wirkt. Durch seine Funktionalität wird die lustvolle und erfolgreiche Ausübung der jeweiligen Sportart gefördert und nach aussen repräsentiert. Die Ausstellung lädt alle Sportlichen und Sportinteressierten zu einer Entdeckungsreise durch diese unkonventionellen Sportstätten ein.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor bei bauRUNDSCHAU. www.hda-graz.at

Millstatt am See (AT), Walter Benedikt & Rudolf Christof, 1930 • Revitalisierung / Revitalization, ­Hohengasser Wirnsberger Architekten, 2019 • Fussballstadion für die Forest Green Rovers / Forest Green Rovers Eco Park Stadium, Stroud (GB), Zaha Hadid Architects, 2021 • Dreifachsporthalle Kantonsschule / Sports Hall Canton School, Wettingen (CH), :mlzd Architekten, 2018 • Olympische Sportschiessanlage / Olympic Shooting Venue, London (GB), magma architecture, 2012 • Tennisanlage / Tennis Court Simonne Mathieu, Paris (F), Marc Mimram Architecture & Associés, 2018 • Schwimmhalle / Henri Wallon Swimming Hall, Bagneux (F), Dominique Coulon & associés, 2014 • Sportzentrum / Ciutadella Park Sports Center, Barcelona (ES), Batlle i Roig Arquitectura, 2005 • Leichtathletikanlage / Tossols Basil Athletics Stadium, Olot (ES), RCR Arquitectes, 2000 • Kultur- und Sportzentrum / Cultural and Sports Center, Paris (F), BRUTHER Architects, 2004 • Strassensport- und Jugendkulturzentrum / Street sports and cultural centre «StreetMekka», Viborg (DK), EFFEKT, 2018 • Skisportanlage / Skisport facility «CopenHill», Kopenhagen (DK), BIG – Bjarke Ingels Group, 2019 • Kletterhalle / Climbing Hall, Bruneck (IT), Stifter + Bachmann, 2019 • Turnhalle / Sports Hall, Haiming (D), Almannai Fischer in Zusammenarbeit mit Harald Fuchshuber, 2016 • Tanzschule / Dance School, Reggiolo (IT), Mario Cucinella Architects, 2018

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RAHMEN UND VORBILDER VERANTWORTUNG IN DER BAUBRANCHE von Georg Lutz

Wer die Energiestrategie 2050 und den Klimawandel ernst nimmt, muss auch die Jugend miteinbeziehen. Sie wird in den nächsten Jahrzehnten Verantwortungspositionen übernehmen. Die Klimaziele und deren Umsetzung werden aber grundsätzlich alle Generationen fordern. Aus diesem Grund brauchen wir auch innovative Unternehmer, die in ihrem Beruf nicht nur erfolgreich sind, sondern auch soziale und ökologische Verpflichtungen im Fokus haben. Solche Unternehmen erreichen auch gesellschaftliche Anerkennung und steigern die Wertschätzung für unsere Branche. Wenn sich der Nachwuchs am potenziellen Arbeitsplatz wohlfühlt, hat er oder sie unweigerlich Vorbilder, die begeistern. Für die Berufswahl «Baubranche» sprechen dann überzeugende Argumente. Die Beispiele auf den folgenden Seiten belegen dies.

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ARCHITEKTUR

VORBILDLICHER BAUSINN KLIMASCHUTZ, GESUNDHEITSSCHUTZ, BILDUNG, INNOVATION von Georg Lutz

© Greencover AG

Im Frühjahr hat Bausinn.ch im Rahmen eines Online-Events 16 Baufirmen für ihren vorbildlichen Bausinn ausgezeichnet. Die Projekte reichten von aufwendigen Renovationen des Bundeshauses über eine Onlineplattform für die Just-in-time-Lieferung von Geländern bis zu Fotovoltaik-Schulprojekten, ElternKind-Schweissen oder Bestleistungen in der Arbeitssicherheit. Die drei- bis 600-köpfigen Unternehmen stellen sich aktiv dem Wandel in der Baubranche. Diese wird in den nächsten 20 Jahren durch die Megatrends Beschleunigung, Urbanisierung, Ökologisierung und Digitalisierung stark gefordert sein.

Der optimalen Effizienz auf der Spur – die Greencover AG.

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© Almega AG

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ie 16 Unternehmen mit vorbildlichem Bausinn sind als Dachdecker, Fassadenbauer, Gerüstbauer, Gipser, Maler, Metallbauer, Metallbaukonstrukteure oder Schweisser tätig. Die ausgezeichneten Firmen sind beispielsweise in folgenden Bereichen aktiv: Das Schuldach zusammen mit Schülerinnen und Schülern montieren, wodurch diese konkret erleben, wie Klimaziele erreicht werden und was heute Dachdecken umfasst. Einen Lernenden fördern, um an den Berufsweltmeisterschaften bei den Besten der Besten teilzunehmen. Eltern-­K ind-Schweissen anbieten. Engagement für Menschen mit Behinderung oder für den Naturschutz. Als Timeout-Betrieb auffällige Schülerinnen und Schüler in einer schwierigen Phase unterstützen. Branchenkollegen für Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit sensibilisieren. Ein Eishockeystadion während der Spielzeit umbauen. Neue Balkon- oder Treppengeländer online anbieten. Im KMU konsequent die Digitalisierung einführen. Das Bundeshaus stilgerecht sanieren und gleichzeitig modernen Brand- und Schallschutz umsetzen. Die grösste europäische Fassadenmalerei in reiner Silikatfarbe – waschfest und auf natürliche Weise desinfizierend. Schweisstechnik auf höchstem Niveau beherrschen und weltweit einzigartige Systeme entwickeln, die den Umweltschutz fördern. Gemeinsam ist den Unternehmen mit vorbildlichem Bausinn, dass sie sich dem gesellschaftlichen Wandel stellen und inspirierend wirken. Das hört sich imposant an, aber die gesellschaftlichen Herausforderungen, die die Baubranche umsetzen muss, sind es auch.

© Almega AG

ARCHITEKTUR

Die Almega AG verfolgt kreative Ansätze.

MIKROKLIMA UND MEHR Damit liegen sie voll im Trend, wie Georges T. Roos, einer der führenden Zukunftsforscher der Schweiz, in seinem Video-Referat ausführte. Der Gründer eines privat finanzierten Zukunftsforschungsinstituts und der European Futurists Conference Lucerne, hat die Megatrends und ihre Bedeutung für die Baubranche skizziert. Der philosophisch geschulte Zukunftsforscher lässt sich weder von Hypes noch von apokalyptischen Bildern verführen, doch machte er klar, dass fundamentale Änderungen auf die Baubranche zukommen: «Die Schweiz ist bisher sehr deutlich vom Klimawandel betroffen gewesen. Im Vergleich zur vorigen Zeit ist der Temperaturanstieg in der Schweiz doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Die Folgen dürften sein, dass wir sehr viel

mehr Hitzetage haben werden, dass wir extremeres Wetter haben werden, dass wir einen Anstieg der Schneefallgrenze erleben werden. Besonders herausgefordert sind wiederum die städtischen Gebiete, wo die meisten Menschen leben. Das Mikroklima spielt eine grosse Rolle und hier besteht auch eine grosse Herausforderung und Verantwortung für die Bauwirtschaft. Zwei Studien aus dem nationalen Forschungsprogramm haben ergeben, dass die Klimaneutralität technisch machbar ist und auch wirtschaftlich sein kann. Verschiedene Länder und Städte gehen bereits heute noch ein paar Schritte weiter und verbieten beispielsweise vollständig benzin- und dieselbetriebene Fahrzeuge in ihrem Einflussgebiet. Und was sind die Schlussfolgerungen für

die Baubranche? Nun, natürlich auch ihre Fahrzeuge werden elektrobetrieben oder vielleicht mit Wasserstoff betrieben sein. Sehr viel wichtiger ist aber der Beitrag, den Gebäude zum Abbau der Treibhausgas-Emissionen leisten müssen. Hier gibt es noch viel Nachholbedarf.» Zudem sei die Baubranche besonders durch die Megatrends Bevölkerungswachstum, Digitalisierung und Urbanisierung gefordert, so der Zukunftsforscher. Im folgenden Beitrag publizieren wir das gesamte Referat von Georges T. Roos.

VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN Auch mit dem Trend zur Ökologisierung setzt sich die Baubranche konkret auseinander. Innerhalb von 30 Jahren hat sich die Zahl der durch Fotovoltaik-Anlagen

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© Amboss Metallbau AG

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DIE AUSGEZEICHNETEN UNTERNEHMEN • Romandie Sottas SA

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Die Amboss Metallbau AG liefert «just in time» massgeschneiderte Metallgeländer made in Switzerland. © Brändle Gebäudehüllen AG

Bei der Brändle AG bauen Schülerrinnen und Schüler eine Solarenergieanlage auf dem Schuldach. © Brändle Gebäudehüllen AG

Rue de l’Industrie 30, 1630 Bulle, www.sottas.ch | Metallbau • Biel Groupe Egli AG Längfeldweg 115, 2504 Biel, www.groupe-egli.ch | Maler / Gipser • F. J. Aschwanden AG Grenzstrasse 24, 3250 Lyss, www.aschwanden.com Schweisstechnik • Basellandschaft INRAG AG Auhafenstrasse 3a, 4132 Muttenz, www.inrag.ch | Schweisstechnik • Solothurn Roth Gerüste Bolacker 5, 4563 Gerlafingen, www.rothgerueste.ch | Gerüstbau • Zentralschweiz Maler Schlotterbeck AG Ebikonerstrasse 75, 6043 Adlingenswil, www.schlotterbeck.ch Maler / Gipser • Scheiber GmbH Stahlbau Rütimatt 12, 6218 Ettiswil, www.scheiber-metallbau.ch Metallbau • Urs Haller AG Käppeliacher 4, 6287 Aesch, www.haller-umbau.ch Maler / Gipser • Inox-Schweisstechnik GmbH Sumpfstrasse 24, 6312 Steinhausen, www.inox-schweisstechnik.ch Schweisstechnik • Amboss Metallbau AG Sihlbruggstrasse 3, 6345 Neuheim, www.gelaenderxpress.ch Metallbau • Ostschweiz Greencover AG Tiefrietstrasse 2, 7320 Sargans, www.greencover.ch | Gebäudehülle • Brändle AG Pumpwerkstrasse 6a, 8370 Sirnach, braendleag.ch | Gebäudehülle • Almega AG Amriswilerstrasse 55, 8570 Weinfelden, www.almega.ch | Schweisstechnik • Scheiwiller AG Gossauerstrasse 38, 9246 Niederbüren, www.scheiwiller-ag.ch | Gebäudehülle • Zürich Fix Gerüstbau Glattalstrasse 18, 8052 Zürich, www.fix.ch | Gerüstbau • Liechtenstein Roman Hermann Im Besch 2, 9494 Schaan, www.rhag.li | Gerüstbau

Gebäudehülle mit eigenwilligem Charme – Die Brändle Gebäudehüllen AG.


© F. J. Aschwanden AG

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© Greencover AG

Der Fokus der F. J. Aschwanden AG liegt in der Forschung für das Recycling von Beton.

© Fix Gerüstbau AG

Die Greencover AG erhielt den Bausinn-Award für das Engagement in der Aus- und Weiterbildung und im Bereich Energieeffizienz.

generierten Megawattstunden um den Faktor 1 400 erhöht. Walter Bisig, Präsident von Bausinn.ch, beurteilt die Zukunft als ausgesprochen vielversprechend: «Die Baubranche ist sehr krisenresistent. Sollte der Neubaubereich zurückgehen, so wird mehr in die Sanierung des bestehenden Gebäudeparks investiert. Das Wichtigste bleibt, die Energiestrategie 2050 mitzutragen und auch entsprechend mitzugestalten. Die Klimaziele und deren Umsetzung werden uns fordern. Die grösste Herausforderung ist, dass wir viel Arbeit und gleichzeitig Fachkräftemangel ausweisen. Deshalb brauchen wir auch gute Unternehmer, die in ihrem Beruf sichtbar erfolgreich sind und der Verantwortung für die sozialen Verpflichtungen gegenüber den Mitarbeitenden mit Menschlichkeit begegnen. Solche Unternehmen erreichen auch eine gesellschaftliche Anerkennung und steigern die Wertschätzung für unsere Branche. Wenn der Nachwuchs diese Punkte selbst am Arbeitsplatz erlebt, hat er oder sie unweigerlich Vorbilder, die begeistern. Für die Berufswahl «Baubranche» sprechen überzeugende Argumente: Die Sichtbarkeit des Erschaffenen gehört zu den wichtigsten Werten. Wertvoll ist auch der Teamgeist, der auf dem Bau grossgeschrieben wird. Damit können wir den Nachwuchs einbinden. Technik ist das, was die jungen Menschen suchen. Diese können wir mit den Materialien und den vielfältigen Umsetzungen bieten. Ebenso ist die ökologische Zukunft ein Thema, das die Jungen verstärkt interessiert und begeistert. Die Digitalisierung ist in der Baubranche alltäglich geworden und wird sich in Zukunft weiterentwickeln. Hier sprechen wir die jungen Männer und Frauen ebenfalls sehr gut an. Vielfältige Aus- und Weiterbildungen sind möglich – von der Lehre bis zum Hochschulabschluss. Man muss nicht unbedingt bis zur obersten Spitze gehen und trotzdem ist man ein sehr wichtiger Teil des Ganzen. Das ist auch in der Entlohnung spürbar. Nicht zu unterschätzen ist zudem die Querkompetenz. Ob man sich als Fachschullehrerin oder Aussendienstmitarbeiter weiterbildet – es öffnen sich sehr viele Wege zum Erfolg.»

GEORG LUTZ ist Chefredaktor bei bauRUNDSCHAU. Die Firma Fix Gerüstbau AG gewann den Bausinn-Award für ihre vorbildliche Anwendung von digitalen Tools.

www.bausinn.ch

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ARCHITEKTUR

Definition eines Begriffs: Megatrend.

VORBEREITET SEIN DIE WICHTIGSTEN MEGATRENDS UND DIE BAUBRANCHE von Georges T. Roos

Am Online-Event des Bausinn-Awards hielt Georges T. Roos, Zukunftsforscher aus der Schweiz, einen Vortrag. Im Mittelpunkt standen dabei die Megatrends, die die Lebens- und Arbeitswelten auch in der Baubranche in den nächsten Jahrzehnten bewegen werden.

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ennen Sie die Zukunft? Wissen Sie, wie sich Ihr Geschäftsumfeld in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verändern wird? Die Zukunft ist in vielem eine Unbekannte. Doch gibt es Aspekte, die wir kennen können: die sogenannten Megatrends. Es gibt Trends und es gibt Megatrends. Von Trends wie beispielsweise veganer Ernährung unterscheiden sich Megatrends darin, dass sie übergeordnete Entwicklungen darstellen. Megatrends beschreiben erstens die Rahmenbedingungen der Zukunft. Megatrends sind zweitens oft mit den grossen Herausforderungen unserer

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Welt verbunden und drittens sind Megatrends jener Teil der Zukunft, den wir mit einer gewissen Sicherheit vorhersagen können. Damit die Zukunftsforschung von einem Megatrend spricht, müssen drei Kriterien erfüllt sein: Erstens dauern Megatrends lange an, im Unterschied zu Trends und Moden, die sehr kurzfristig sein können. Ich nenne das epochal. Lange bedeutet in der Zukunftsforschung 10, 20, 30 Jahre. Zweites Kriterium: Megatrends sind globale Phänomene. Und drittens sind Megatrends ubiquitär, das heisst, sie beeinflussen alles: die Kultur, die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Politik. In der Wirtschaft: alle Branchen.

Ja, Megatrends sind auch relevant für unser privates Leben. Jeder von uns könnte Megatrends auch dahingehend befragen, was sie denn für mich und meine Familie bedeuten.

DIGITALISIERUNG UND WISSEN Ich selbst beschreibe 16 Megatrends. Dazu gehört, dass die globale Weltbevölkerung wächst. Dass wir älter werden. Dass wir immer mehr in Städten leben. Dass die Individualisierung weiter voranschreitet. Gesundheit ist ein Megatrend. Die Nomadisierung, das heisst, dass wir immer mehr unterwegs sind, ist ein Megatrend. Die Beschleunigung, dann die Klima- und Öko-


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ben. 2020 waren es über 90 Prozent. In der Schweiz wird bald mehr als die Hälfte der Erwerbsbevölkerung einen tertiären Abschluss haben. Mehr Wissen bedeutet Innovation. Auch die Schweiz nimmt hier einen Spitzenplatz ein. Die Schweiz war erneut Weltmeisterin in der Anzahl der Patente pro Kopf und gemessen am Bruttoinlandsprodukt sind die Forschungs- und Entwicklungsausgaben in der Schweiz fast am höchsten weltweit, nur Südkorea gibt mehr für Forschung und Entwicklung aus.

logiefrage sind Megatrends, die Digitalisierung, die Konnektivität, die Globalisierung und die Wissensexpansion. Auch Transparenz ist ein Megatrend. Neben diesen 13 Megatrends gibt es drei, von denen ich sage, dass sie embryonale Megatrends sind, die erst noch in den Status des Megatrends kommen. Dazu gehören die künstliche Intelligenz, Blockchain – ich nenne es Trusted Networking – und die Bio-Transformation. Mit dem Megatrend Digitalisierung beschäftigen wir uns alle. Die digitale Transformation findet auf drei Ebenen statt. Wir haben die digitale Transformation der Kommunikation. Darin sind wir alle sehr geübt, das machen wir tagtäglich. Dann gibt es die Digitalisierung der Prozesse in den Unternehmen oder auf den Ämtern. Und das Dritte wird die digitale Transformation der Geschäftsmodelle selbst sein – Geschäftsmodelle, die erst möglich werden durch die Digitalisierung. Ein weiterer Megatrend ist die Wissensexpansion. Wir können das historisch betrachten: 1820 konnten nur gerade zwölf Prozent der Menschen lesen und schrei-

Megatrends stehen nicht erratisch nebeneinander, sondern sie sind miteinander verknüpft, beispielsweise Wissen und Digitalisierung. Dank der Digitalisierung sind neue Lernformen, neue Lernsettings möglich, beispielsweise mit Augmented Reality oder auch Virtual Reality. Und nicht zuletzt bietet das Internet jedem von uns Zugang zu ungeheurem Wissen auf der ganzen Welt. Das Wachstum der Weltbevölkerung ist ein weiterer Megatrend. Das stimmt auch für die Schweiz. Im Jahre 2040, so sagen die Szenarien des Bundesamtes für Statistik, werden wir zehn Millionen Einwohner haben. Die Schweiz wächst vor allem wegen des positiven Migrationssaldos. Wir sind heute etwa 7.8 Milliarden Menschen und die UNO geht davon aus, dass in den nächsten 30 Jahren bis Mitte des Jahrhunderts nochmals zwei Milliarden Menschen dazukommen werden.

MEHR WACHSTUM UND MEHR HÄUSER Sehr spannend ist zu sehen, dass das Wachstum nicht überall gleich stattfinden wird. Wir in Europa leben auf dem einzigen Kontinent, von dem man ausgeht, dass er in den nächsten 30 Jahren bevölkerungsmässig schrumpfen wird. Asien wird weiterwachsen, wenn auch langsamer als bisher, und auch die Einwohnerzahl Amerikas wird weiterwachsen. Das grosse Wachstum aber findet in Afrika statt. Wenn wir das mit den prozentualen Veränderungen von 2018 bis 2050 betrachten, dann sehen wir einen Zuwachs in Afrika von fast 100 Prozent. Wachsende Bevölkerung bedeutet für die Bauwirtschaft beispielsweise wachsende Nachfrage: Mehr Menschen brauchen mehr Wohnungen, mehr Häuser, mehr Infrastruktur. Das Wachstum wird allerdings vor allem in den städtischen Gebieten stattfinden, das ist der Megatrend der Urbanisierung.

Das heisst also, dass der Fokus stark auf den städtischen Gebieten zu liegen kommen wird. Die Welt wächst nicht nur, sondern sie wird auch älter. In der Schweiz geht man davon aus, dass in 20 Jahren jeder Vierte über 65 Jahre alt sein wird. Und die Anzahl der Menschen über 80 wird sich in diesem Zeitraum verdoppeln. Wir sind also eine alternde Gesellschaft. Spannend zu sehen ist, dass die alternde Gesellschaft ein globaler Megatrend ist. Überall, ausser in Afrika, ist 60 plus die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe überhaupt. Für die Bauwirtschaft bedeutet eine ältere Bevölkerung zum einen, dass sie wahrscheinlich im Durchschnitt ältere Mitarbeiter haben wird. Ich gehe auch davon aus, dass das AHV-Alter 64 für Frauen bzw. 65 für Männer in den nächsten 30 Jahren angehoben wird, und nicht zuletzt wird die Nachfrage nach Wohnraum für eine ältere Bevölkerung deutlich ansteigen.

KLIMA IM FOKUS Der Klimawandel wird uns über die nächsten Jahrzehnte sehr stark beschäftigen. Die Schweiz ist bisher sehr deutlich vom Klimawandel betroffen gewesen. Im Vergleich zur vorigen Zeit ist der Temperaturanstieg in der Schweiz doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Die Folgen dürften sein, dass wir sehr viel mehr Hitzetage haben werden, dass wir extremeres Wetter haben werden, dass wir einen Anstieg der Schneefallgrenze erleben werden. Besonders herausgefordert sind wiederum die städtischen Gebiete, wo die meisten Menschen leben. Das Mikroklima spielt eine grosse Rolle und hier besteht auch eine grosse Herausforderung und Verantwortung für die Bauwirtschaft. Zwei Studien aus dem nationalen Forschungsprogramm haben ergeben, dass die Klimaneutralität technisch machbar ist und auch wirtschaftlich sein kann. Verschiedene Länder und Städte gehen bereits heute noch ein paar Schritte weiter und verbieten beispielsweise vollständig benzinund dieselbetriebene Fahrzeuge in ihrem Einflussgebiet. Und was sind die Schlussfolgerungen für Sie, für die Baubranche? Nun, natürlich auch Ihre Fahrzeuge werden elektrobetrieben oder vielleicht mit Wasserstoff betrieben sein. Sehr viel wichtiger ist aber der Beitrag, den Gebäude zum Abbau der Treibhausgas-Emissionen

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ARCHITEKTUR

Ein Megatrend heisst Wachstum, ein anderer Klimaschutz, beide gilt es unter einen Hut zu bekommen.

leisten müssen. Hier gibt es noch viel Nachholbedarf.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ VOR DER TÜR Besonders spannend sind die neu aufkommenden Megatrends. Ich nenne sie auch die Emerging-Megatrends, weil sie noch nicht alle Kriterien erfüllen. Dazu zähle ich die Bio-Transformation, die Fähigkeit, der Biologie ein Upgrade zu verpassen. Ausserdem Blockchain, bei der es darum geht, Vertrauen automatisieren zu können, und an dritter Stelle die künstliche Intelligenz. Künstliche Intelligenz ist Teil der sogenannten vierten industriellen Revolution. Wir werden immer mehr Systeme haben, durch die Maschinenteile mit dem Werkstück reden können, durch die das fertige

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Objekt, zum Beispiel ein Aufzug, mit den Monteuren sprechen und diese darauf aufmerksam machen kann, dass der Lift bald einmal kaputtgehen oder steckenbleiben könnte und man doch die Reparatur ausführen sollte, bevor dies dann eintrifft. Was bedeutet künstliche Intelligenz, dieser Emerging-Megatrend, für die Bauwirtschaft? Nun, ich glaube, es ist offensichtlich, dass Building Information Modeling (BIM) nur die Vorstufe ist. Künstliche Intelligenz wird auch in der Baubranche die Prozesse deutlich verändern und vereinfachen. Und nicht zuletzt werden Roboter auf die Baustelle kommen und gewisse Arbeiten ausführen können. Sind wir für diese Zukunft gewappnet? Schaffen wir das? Nun, warum sollten wir

es nicht schaffen? Die menschliche Gattung ist ausgestattet mit drei wunderbaren Eigenschaften. Der Mensch ist kreativ, der Mensch ist intelligent und der Mensch ist anpassungsfähig. Wenn wir Kreativität mit Intelligenz multiplizieren, dann haben wir Technologie. Und Anpassungsfähigkeit heisst, dass wir agil und beweglich sind. Ich denke, dass wir mit diesen Eigenschaften auch die Herausforderungen der Zukunft meistern werden.

GEORGES T. ROOS gilt als führender Zukunftsforscher der Schweiz. www.bausinn.ch


ARCHITEKTUR

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ARCHITEKTUR

Lichtdurchflutete Architektur ermöglicht fliessende Übergänge.

SICHERHEIT TRIFFT ÄSTHETIK FILIGRANES ARCHITEKTURDESIGN von Céline Bieri-Berger

Grossflächige Glasfassaden und Fensterfronten sind aus dem modernen Architekturdesign nicht mehr wegzudenken. Filigrane Schiebefenster schaffen eine harmonische Balance zwischen einzigartiger Ästhetik, purer Schlichtheit und präziser Funktionalität. Fliessende Grenzen zwischen innen und aussen erzeugen Räume voller Licht, Luft und Atmosphäre. Dennoch zeigen sich Glaselemente bei der Umsetzung sicherheitsrelevanter Gebäude immer wieder als grosse Herausforderung.

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in grosses Fenster muss kein Sicherheitsrisiko sein. Mit der Produktreihe swissFineLine Protect haben rahmenlose Fensterelemente einen neuen Sicherheitsstandard erreicht. Mit der Kombination aus einem Einbruchschutz der Widerstandsklasse RC4, einer Durchschusshemmung der Klasse FB6-NS und einer nahtlosen Integration smarter Überwachungstechnik bieten die Schiebefenster ein nie dagewesenes Schutzniveau.

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GESTEIGERTE SICHERHEIT Mit jeder Minute in der Abwehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Täter von ihrem Vorhaben ablassen. Den Terrassentüren und Fenstern kommt hier eine ganz besondere Bedeutung zu, denn sie sind leicht zugänglich. Gerade Fenster sollen für den Lichteinfall und das Wohngefühl eine bestimmte Grösse aufweisen. Trotz der leichten und filigranen Optik wehrt swissFineLine Protect mit der Wi-

derstandsklasse RC4 selbst Angriffsversuche von professionell ausgestatteten Einbrechern ab. Je nach individueller Umgebung und Wünschen sind verschiedene Anforderungslevel verfügbar, die genau auf das Objekt angepasst werden können. Sie sind darüber hinaus von den akkreditierten Prüfinstituten ift Rosenheim GmbH (Deutschland) und gbd Zert GmbH (Österreich) gemäss DIN EN 1627 unabhängig zertifiziert.


ARCHITEKTUR

Mit der Einbindung elektronischer Überwachungskomponenten lässt sich die Sicherheit zusätzlich zum mechanischen Einbruchschutz erhöhen und die smarte Überwachung und Steuerung werden über Applikationen erleichtert. Die Fensterelemente lassen sich problemlos in die Haussicherheitstechnik von Drittanbietern integrieren.

GESTALTUNG ÜBERZEUGT Fenster bieten mehr als nur Durchblick, sie sind der Übergang zwischen zwei Welten. Durch die vollumfängliche und gleichzeitig minimalistische Verglasung lösen sich die Grenzen von innen und aussen auf. Die schwellenlose Bodenführung und die umlaufenden Rahmenprofile sind vollständig in Böden, Decken und seitlich in die Wände eingearbeitet, sodass die einzelnen Bereiche scheinbar fliessend ineinander übergehen. Übrig bleibt einzig ein schmales vertikales Mittelprofil, das eine nahezu uneingeschränkte

Die Glaselemente erfüllen höchste Sicherheitsanforderungen.

Freisicht ermöglicht und einen maximalen Lichteinfall bietet. Für die Gestaltung von repräsentativen Gebäuden, seien es Banken, Regierungs-

gebäude oder Unternehmensstandorte, aber auch Privathäuser, gelingt auf diese Weise ein schwieriger Spagat: Objektsicherheit und repräsentative, lichtdurchflutete Architektur werden vereint.

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Grenzenlos von innen. Chancenlos von aussen.

Das sicherste Fenster mit maximalem Einbruchschutz RC4. swissFineLine PROTECT – swissfineline.ch


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THE CIRCULAR ECONOMY BESTAND ALS MATERIALRESSOURCE von Elisa Beck

Das zunehmende Bewusstsein der Endlichkeit von Material- und Energieressourcen im Kontext der Herausforderungen des Klimawandels stellt auch das Bauwesen vor neue Fragestellungen und Aufgaben.

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68 Prozent sein – das sind circa 6.34 Milliarden Menschen. Man kann sich vorstellen, welch enorme Herausforderung das für den Ressourcenverbrauch im Bauwesen bezüglich neuer Gebäude und der benötigten Infrastruktur bedeutet.

VON LINEAR ZU ZIRKULAR Momentan funktioniert unser Wirtschaftssystem vorwiegend «linear»: Rohstoffe werden abgebaut, verwendet und zu Bestand

© Martin Zeller

tudien weisen nach, dass allein die Bauindustrie für 40 Prozent unserer Abfallproduktion, für 40 Prozent des Verbrauchs von Primärenergieressourcen und für 40 Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich ist. Insbesondere das schnelle Wachstum der Städte trägt zu diesem Phänomen bei. Nach den Berechnungen der Vereinten Nationen leben heute etwa 55 Prozent der Weltbevölkerung in Städten. Bis 2050 werden es etwa

K118, Winterthur, baubüro in situ.

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oder – am Ende der Verbrauchskette – zu Abfall. Doch schon seit Langem fordern WissenschaftlerInnen, ForscherInnen und ExpertInnen ein Umdenken hin zur «Circular Economy» – also zu einem Kreislauf der Rohstoffe, die nach Verbrauch wiederverwendet werden können. Gerade in Städten kann durch die gegebene Dichte von vorhandenen Ressourcen mit dem sogenannten «Urban Mining» oder «Harvesting» ein wertvoller Wertschöpfungskreislauf ent-


© Thomas Raggam – HDA

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ZU SEHEN SIND BAUTEN UND PROJEKTE VON:

stehen, der sowohl neue Geschäftsmodelle fördert als auch eine nachhaltige und klimaschonende Wirtschaft ermöglicht. Zur aktiven Umsetzung sind dafür zunächst neue gesetzliche Rahmenbedingungen erforderlich, die die Kreislaufwirtschaft fördern und zum Beispiel die wichtigen Gewährleistungsfragen regeln.

KREISLAUFWIRTSCHAFT UND KLIMAZIELE Materialkreisläufe von Baumaterialien waren in der Baugeschichte eine weitverbreitete Praxis. Das liegt insbesondere an der Robustheit der damals verwendeten Materialien, die bis vor 200 Jahren vor allem aus Stein, Holz, Kalk und Lehm sowie Pflanzenfasern hergestellt wurden. Die natürlichen Baustoffe wurden entweder erneut verwendet oder gingen durch Verfall wieder in den natürlichen Stoffkreislauf zurück. Heutige Baumaterialien sind komplex, oft durch mehrschichtige Komponenten aufgebaut und mit unterschiedlichen Bestandteilen und Beschichtungen, zum Beispiel aus Kunststoffen, versehen. Daher sind sie häufig schwierig wiederzuverwenden und enden nach Abbruch oft als Abfall auf einer Sondermülldeponie. Die Vereinten Nationen haben bereits im Jahr 2016 die «Sustainable Development

Ausstellung Material Loops im HDA.

Goals» beschlossen, die unter anderem den Einstieg in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft und eine nachhaltige Stadtentwicklung fordern. Am 16. September 2020 räumte die Kommissionspräsidentin der Europäischen Union Ursula von der Leyen der «Circular Economy» daher oberste Priorität ein, um die Klimaziele bis 2050 erreichen zu können: «Die Kreislaufwirtschaft, einschliesslich neuer Abfall- und Recyclinggesetze, wird die Hälfte der Bemühungen der EU ausmachen, bis 2050 Netto-NullKohlenstoffemissionen zu erreichen». Die Ausstellung im Haus der Architektur (HDA) stellt Studien und praktische Beispiele

von Architekturen, Umnutzungen und Systemkreisläufen vor, die durch ihre hohe gestalterische Qualität sowie durch ihre beeindruckende Genese aus wiederverwendeten Materialressourcen überzeugen. Projekt und Ausstellung wurden kuratiert vom HDA.

ELISA BECK ist Redaktorin bei bauRUNDSCHAU. www.baurundschau.ch

© Martin Zeller

Winterthur, ELYS Lysbüchel Areal / Basel, Werkhof Binz / Zürich • de Architekten Cie. / Amsterdam: Circl Pavillon / Amsterdam • Superuse Studios / Rotterdam: Villa Welpeloo/Enschede, Wikado Playground / Rotterdam • materialnomaden und ATP architekten ingenieure / Wien: magdas / Wien • CITYFÖRSTER / Hannover: Lune Delta / Bremerhaven, Recycling Haus / Hannover • Bundesimmobiliengesellschaft / Wien mit BauKarussell / Wien: MedUni Campus Mariannengasse / Wien • Architekturbüro forschen planen bauen – DI Thomas Romm, Wien und Österreichisches Siedlungswerk: Urban Mining, Baufeld Q5 (ÖSW) / Graz • Institut für Architekturtechnologie / TU Graz: Workshop «house remixed»

© Thomas Raggam – HDA

• baubüro in situ / Schweiz: K118 /

Werkhof Binz, baubüro in situ.

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MEHR LICHT, MEHR LUFT, MEHR KLIMASCHUTZ NACHHALTIGKEIT BEI TAGESLICHTSYSTEMEN von Georg Lutz

Tageslicht und Frischluft sind ausschlaggebend für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen. Als ressourcenschonende Lösung sorgen Tageslichtsysteme für optimale Ausleuchtung und natürliche Belüftung von Gebäuden. Es geht um mehr Licht, mehr Luft und mehr Klimaschutz in Gebäuden.

Mehr Tageslicht braucht der Alltag.

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Umweltbewusstsein in der Baubranche ist das Gebot der Stunde.

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ie Klimaoffensive des Familienunternehmens LAMILUX «Mehr Licht, mehr Luft, mehr Klimaschutz» verfolgt eine Mission: die Wichtigkeit von Tageslicht und Frischluft in Gebäuden zu verdeutlichen und deren untrennbare Vorteile und Verbesserungspotenziale für den Klimaschutz aufzuzeigen.

SCHLICHT MEHR GLÜCK Besonders in Zeiten von Home Office und Homeschooling sind Tageslicht und frische Luft zu Hause wichtiger denn je. Tageslicht fördert sowohl die Gesundheit als auch die Konzentrationsfähigkeit und sorgt für ein höheres Glücksempfinden, denn es steigert die Ausschüttung des Botenstoffs Serotonin. Auch Frischluft wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Menschen aus und stärkt deren Immunsystem. Das ist weitläufig bekannt. Doch kommt es auch darauf an, wie nachhaltig und ressourcenschonend die dafür genutzten Tageslichtsysteme entwi-

ckelt, produziert und geliefert werden beziehungsweise wie energieeffizient sie ihren Job tatsächlich ausüben. LAMILUX legt bei der Qualität seiner Produkte grössten Wert auf Energieeffizienz und die Erfüllung der Umweltnormen – von der Entwicklung bis zum Einsatz auf dem Flachdach. Egal ob Lichtkuppel, Glasdach oder Flachdach-Fenster, die Tageslichtsysteme überzeugen mit individuellen Gestaltungsmöglichkeiten, guten Wärmedurchgangswerten und einer zeitsparenden Montage.

UMWELTBEWUSSTSEIN SEIT GENERATIONEN Bereits seit vier Generationen übernehmen die Unternehmenslenker bewusst und gerne Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft. LAMILUX entwickelt, fertigt, montiert und wartet auf Langlebigkeit konzipierte Produkte. Denn eine lange Haltbarkeit ist wesentlich für das Vertrauen der Kunden

und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Nachhaltigkeit. «Wir sehen nachhaltiges Denken und Handeln als unsere gesellschaftliche Aufgabe. Deshalb werden auch wir als vierte Generation der Unternehmerfamilie diesen Weg weitergehen», erklärt Alexander Strunz, Geschäftsführer der LAMILUX Gruppe. Weiter betont er: «Mehr Licht, mehr Luft, mehr Klimaschutz hat für uns eine tiefe Bedeutung – denn damit leisten wir einen Beitrag für umweltbewusstes, energieeffizientes und klimaschonendes Bauen bei den Projekten unserer Kunden.»

GEORG LUTZ ist Chefredaktor bei bauRUNDSCHAU. www.lamilux.de


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Sonnenschutzsysteme können mehr.

MULTIFUNKTIONAL EINSETZBAR SONNENSCHUTZSYSTEME BRINGEN ECHTEN MEHRWERT von Michael Widmer

Die Sonnen- und Wetterschutzbranche ist ein attraktiver Wirtschaftsbereich mit Zukunft. Die Systeme leisten einen wichtigen Beitrag beim Energiesparen und bieten einen Mehrwert gegen die zunehmende Überhitzung, für die Gesundheit sowie im Kampf gegen den Klimawandel.

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onnen- und Wetterschutzsysteme fristen längst kein Schattendasein mehr: Einst als Produkte primär zur Verdunkelung oder für den Sonnenschutz wahrgenommen, schätzt die Bauwirtschaft heute deren Multifunktionalität. Neben Einbruch- oder Sichtschutz, Blendschutz oder Hitzeschutz und Windschutz leisten moderne Sonnenschutzsysteme einen wich-

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tigen Beitrag zur Energieeffizienz von Gebäuden und optimieren den Komfort für die Bewohnerinnen und Bewohner. Und diese Eigenschaften werden immer wichtiger.

HITZETAGE NEHMEN ZU So sind in der Schweiz gemäss einer Studie der ETH nicht nur mehr heissere Tage zu erwarten, sondern auch zunehmend

wärmere Nächte. Effiziente Sonnenschutzsysteme tragen hier wesentlich zur Lösung bei: Eine Beschattung von besonnten Fenstern ist an circa zehn bis 20 Prozent der Tagstunden erforderlich, damit ein Vielfaches an Überwärmungsstunden vermieden werden kann. Das passive Kühlen spart verschiedenen Studien zufolge im Ein- und Zweifamilienhaus und bei exponierten


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Wohnungen im Geschosswohnbau zwischen 20 und 50 kWh / m2a (Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr) an Kühlleistung ein, sowie fünf bis zehn kWh / m2a im Mehrfamilienhaus bei nichtexponierter Lage. Im Nichtwohnbau kann die mechanische Kühlleistung gar um 50 bis 80 Prozent reduziert werden.

NATÜRLICHE WÄRME NUTZEN Während effektive Sonnenschutzsysteme im Sommer den Kühlbedarf mindern, wird im Winter der natürliche Wärmeeintrag gezielt genutzt, um den Heizwärmebedarf zu reduzieren. Mit einem effektiven Sonnenschutz können sich die Kühllasten und der Energiebedarf im Sommer sowie die Energiekosten im Winter deutlich reduzieren. Dies wirkt sich auch aufs Klima positiv aus, wie das Kompendium «Sommertauglichkeit im Wohnbau» des VSR aufzeigt. Im Laufe einer angenommenen 20-jährigen Nutzungsdauer einer Sonnenschutzanlage spart man das 60-fache der ursprünglich zur Produktion der Beschattung erforderlichen CO2-Emissionen ein.

NATÜRLICHES LICHT Neben klimatischen Vorteilen steigern Sonnenschutzsysteme den thermischen und visuellen Komfort erheblich. So fördert ein optimierter Sonnenschutz die positive Wirkung des Tageslichts auf die innere biologische Uhr des Menschen und damit auf die Gesundheit, indem dieser Hitze- und Blendschutz mit einer optimierten Versorgung durch Tageslicht kombiniert wird. Verdunkelte Räume müssen nicht mit künstlichem Licht versorgt und 30 bis 80 Prozent an Beleuchtungsenergie kann eingespart werden. Gute Lichtverhältnisse zu Hause und vor allem am Arbeitsplatz erhöhen das Wohlbefinden und die Produktivität. Nicht zuletzt deshalb hat die Nachfrage nach Sonnenschutzsystemen in der Schweiz in Zeiten der Pandemie zugenommen. Und der Trend dürfte sich angesichts der künftigen Herausforderungen zum Beispiel bei der Sanierung von Gebäudeparks nicht abkühlen.

MICHAEL WIDMER ist Geschäftsführer des Verbandes der Schweizerischen Anbieter von Sonnenund Wetterschutzsystemen (VSR). www.storen-vsr.ch

Vorhänge reichen oftmals nicht aus.

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DER PROZESS LÄUFT DIGITALISIERUNG IN DER BAUBRANCHE Interview mit Wilhelm Heckmann von Georg Lutz

Im Rahmen der digitalen Transformationen hat es die Baubranche nicht leicht. Ihre Prozesse sind komplexer und es gibt im wahrsten Sinne des Wortes viele Baustellen. Aber jetzt springen auch hier viele Verantwortliche auf den digitalen Zug auf. Wo liegen die Stolpersteine und welche Trends werden sich durchsetzen? Wir führten mit Wilhelm Heckmann, dem Managing Director bei der CNT Management Consulting AG in der Schweiz, ein Interview, um nicht nur diese beiden Fragen zu beantworten.

Ein innovatives Mindset der Verantwortungsträger ist eine Basis für den digitalen Erfolg.

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teigen wir mit einer persönlichen Frage ein. Zunächst war das Arbeiten in der Pandemie für viele ein neuer qualitativer Sprung in neue digitale Arbeitswelten. Es war eine herausfordernde, aber auch faszinierende Reise. Nach mehr als einem Jahr Pandemiegeschehen sehnen sich viele nach analogen, sozialen Begegnungen, die jetzt auch wieder vermehrt möglich sind. Wie sehen Sie die Situation und Entwicklungen? Bei uns war Digitalisierung auch schon vor der Pandemie ein Thema. Skype-Sitzun-

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gen waren und sind bei uns Alltag, natürlich nicht in diesem Ausmass wie jetzt seit anderthalb Jahren. Wir treiben die Transformation durch Digitalisierungsstrategien voran, aber Sie liegen richtig: Auch ich sehne mich nach mehr sozialen Kontakten – gerade mit Kunden. Intern fehlen mir in erster Linie die ungeplanten Kontakte, beispielsweise rund um den Kaffeeautomaten. Beim Kunden sind wir in Projektgeschäften. Auch da kann man unkompliziert und schnell vor Ort Herausforderungen lösen. Der Flurfunk fehlt. Jetzt scheint ja wieder eine gewisse Normalisierung Ein-

zug zu halten. Hoffentlich hält das auch im Herbst an. Ist das ein Zurück zu alten Zeiten? Definitiv nicht. Das neue Normal ist nicht das alte Normal. Die Zeiten haben sich verändert. Digitalisierungslösungen werden in KMU-Zusammenhängen manchmal zu früh und sehr oft zu spät eingesetzt. Wie meistern Unternehmensverantwortliche, die ja meist selbst keine technischen Expertinnen und Experten sind, diese Gratwanderung und wie


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gehen Sie hier bei Ihren Kunden strategisch vor? Es ist richtig, wenn man seine Prozesse durch Digitalisierung effizienter gestalten will, hat man sehr schnell viele Fragezeichen im Kopf. Wir haben im Rahmen der ersten Schritte gute Erfahrungen mit klaren strategischen Meilensteinen gemacht. Da braucht es nicht nur technische Kenntnisse und Branchenerfahrungen, sondern auch Verständnis für den Kunden. Soziale Kompetenz ist hier kein Fremdwort. Wir sind in erster Linie ein SAP-Beratungsunternehmen. Das ist unsere Kernkompetenz. Aber gleichzeitig braucht es eine Vorstellung davon, was ich wo machen will. Geht es beispielsweise um bessere und schnellere Kundenbeziehungen? Wenn solche ersten Fragen beantwortet sind, gilt es, einen transparenten Prozess der Kommunikation zu entwerfen. Last, but not least kommt die Frage der Ressourcen, sprich Finanzen, zum Tragen. In Zeiten der Pandemie und auch danach gibt es da ganz unterschiedliche Situationen. Es gibt Krisengewinner und Unternehmen, die richtig durchgeschüttelt werden. Zusammengefasst steht die Erstellung einer Roadmap auf der Agenda, die Prioritäten aufzeigt. Es geht dabei nicht um einen Jahresplan, der dann in Stein gemeisselt ist und bei dem nichts mehr verändert werden kann, sondern um einen strukturierten Rahmen. Kommen wir zu einer konkreten Branche, der Baubranche. Diese ist nicht gerade ein «early bird», was die Umsetzung der Digitalisierung betrifft. Der Blick auf Baustellen verdeutlicht dies. Jeder Hausbau ist eigentlich ein Unikat. Da sind die üblichen Vorteile der Digitalisierung viel schwieriger als in anderen Branchen zu realisieren. Das spiegelt sich sicher auch in Office-Lösungen der Branche wider. Ist das Glas halb leer oder halb voll? Wir haben einige Kunden in dieser Branche. Dort gibt es durchaus Vorreiter wie die Porr AG, ein grosser Player der Baubranche in Österreich. Die Verantwortungsträger haben ein sehr innovatives Mindset. In der Branche selbst, das haben Sie angesprochen, ist vieles verteilt, regional und bezüglich der Prozesse komplexer als in anderen Branchen. Demgegenüber hilfreich ist eine neue Infrastruktur, beispielsweise in der Kommunikation mit dem Standard 5G. Gerade die mobilen Lösungen helfen auf Baustellen echt weiter. Dazu

kommen Herausforderungen wie komplexe Grösse oder Compliance. Das braucht Transparenz und diese braucht wiederum Digitalisierung. Allein das Thema Ausschreibung von Projekten, an denen die öffentliche Hand beteiligt ist, zeigt auch die regulativen Herausforderungen auf, die von der IT-Seite abgebildet werden müssen. Wie kann man in dieser Branche bei IT-Lösungen unterscheiden? Was ist nützlich und was ist Zukunftsmusik oder Nische? Es gibt virtuelle Brillen für digitale räumliche Welten. In China kommen Häuser aus dem 3-D-Drucker. Ich könnte mit solchen exotischen Beispielen fortfahren… Man muss sich als Unternehmen nicht nur einmal mit solchen Themen und Fragestellungen beschäftigen. Ich muss es evaluieren. Was hilft meinem Unternehmen und was tut sich am Markt? Hier zu Lösungen zu kommen, ist eine herausfordernde Aufgabe und ich brauche dazu die richtigen Partner. Externe Unterstützung ist angesagt, allerdings nur in einer zielgerichteten Form. Man muss sich ja in erster Linie auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Hier den richtigen Partner zu haben, ist der Schlüssel zum Erfolg.

«Hier den richtigen Partner zu haben, ist der Schlüssel zum Erfolg.» Wie stellt sich die Situation bei Porr dar? Es müssen ja auch alle Beteiligten bei einem Projekt auf gleicher Augenhöhe agieren – beim Thema BIM lässt sich das beispielhaft aufzeigen. Sonst drohen ja die gesamten Effizienzgewinne wieder verloren zu gehen. Wir haben uns bei Porr auf den Bereich der Beschaffung konzentriert. Das Ziel war, ein Tool zu finden, welches dezentral eingesetzt werden kann, sprich, dass auf Baustellen diese Beschaffungsvorgänge digital erfasst werden können. Es gilt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort direkt miteinzubeziehen.

Dann waren diese Prozesse mit dem ERPSystem im Back Office zu verknüpfen. Es galt, dem Wildwuchs Einhalt zu gebieten. Oftmals gab es Beschaffungsvorgänge, die gar nicht in dem dafür vorgesehenen System abgebildet waren. Das Ziel war, Transparenz intern und extern herzustellen und damit der Zentrale die Möglichkeit zu geben, Lieferanten zu steuern. Wie hat man das operativ umgesetzt? Es ging darum, eine einfache und mobile Lösung zu installieren, die jede und jeder auf der Baustelle schnell lernen und umsetzen kann. Jede und jeder, die oder der auf einer Shoppingplattform online bestellen kann, sollte hier auch tätig werden können. Die zweite Herausforderung ist die Einplanung der Lieferanten und anderer externer Partner. Da haben Sie einen wichtigen Punkt angesprochen. Alle müssen richtig eingebunden werden. Aber da gibt es auch Lösungen, die helfen. Was hilft da? Beispielsweise eine Plattform, die schon verbreitet und damit oft bekannt ist. Das reduziert grosse Schulungsaufwände und minimiert die Implementierungsaufwände. Früher waren solche Projekte sehr aufwendig, da hierfür beispielsweise immer noch programmiert werden musste. Heute

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Heute heisst das Motto «ready to use».

Mobile Lösungen sind in der Baubranche besonders hilfreich.

heisst es «ready to use». Die Funktionalität kann sehr schnell genutzt werden. Hilfreich ist hier eine etablierte Cloud-Lösung. Wie kommen das Cloud-Thema und die ERP-Lösung in der Baubranche zusammen? Das ERP-System, auf dessen Grundlage Finanzen, Rechnungswesen und Personal laufen, ist das zentrale Modul. In der Baubranche kommen die Materialwirtschaft und der Beschaffungsprozess dazu. So werden sie digital und transparent. Damit lassen sich über ein ganzes Unternehmen hinweg Lieferzeiten, Bestellwerte oder Produktpreise auswerten. Aber auch Stichworte wie Changemanagement und Compliance sind für die Baubranche wichtig, wenn es um die digitale Transformation geht.

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Wie sieht dann die Softwarearchitektur aus? Ein Trend geht in Richtung einer hybriden Lösungslandschaft. In der SAP-Welt sprechen wir von einem digitalen Core. Ein ERP-System steht im Rechenzentrum und dort kann man an die unterschiedlichen Cloud-Lösungen andocken. Von der Beschaffung haben wir schon gesprochen. Das gibt es auch auf der Sales-Seite und bei CRM-Lösungen. Voll in die Cloud zu gehen, steht aber sicher bei vielen Bauunternehmen auf der Agenda. Richtig. Hier nutzen die Verantwortlichen das ERP direkt aus der Cloud. Der Vorteil heisst hier Schnelligkeit. Das wird man in den nächsten Jahren beim Thema Sprach-

steuerung erleben. Diese wird, da lehne ich mich aus dem Fenster, definitiv an Bedeutung gewinnen. Das sind Innovationen, die für den, der in der Cloud arbeitet, fast schon automatisch kommen. Es wird mir gesagt, welche neuen Bestellungen da sind, ohne dass ich mit der Maus mühsam durch Ordner und Files klicken muss. Die Innovation ist schon «out oft the box» dabei.

WILHELM HECKMANN ist Managing Director bei der CNT Management Consulting AG in der Schweiz. www.cnt-online.com/de


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INNOVATION DURCH WEITBLICK DIE RENAISSANCE NATÜRLICHER MATERIALIEN von Elisa Beck

Unsere Welt ist schnelllebig und direkt: Informationen, Bestellungen und Kontakte sind stets nur einen Klick entfernt. Der Fortschritt durch Digitalisierung zeigt sich auch in der Baubranche. Dennoch sehnen wir uns gleichzeitig nach Beständigkeit und Konstanz. Hier kommen natürliche und recycelte Materialien ins Spiel, die im wahrsten Sinne des Wortes ein Revival erleben. Wirken sie auf den ersten Blick unkonventionell, so übertreffen sie durch innovative Nutzung und Verarbeitung teilweise konventionelle Materialien und Vorgehensweisen. Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen sich jedoch keineswegs ausschliessen, sondern bilden zusammen ein starkes Team. Als Ergebnis dieser Fusion zeigen die folgenden Seiten zukunftsweisende und umweltschonende Projekte und Gebäude ohne Abstriche bei Ästhetik und Komfort.


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WAS HAT DIE MATROSCHKA-FIGUR MIT DIGITALEM BAUEN ZU TUN? ENTWICKLUNGEN IN DER DIGITALEN PLANUNG von Luc Aebersold, Gianluca Costa, Marcel Kaeser und Rebecca Locher

Wegen der Digitalisierung in der Bauindustrie muss die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche intensiver und offener gehalten werden. Durch diese Erkenntnis wurde im Rahmen der gemeinsamen Abschlussarbeit der Vergleich zur Matroschka-Figur hergestellt: Diese verkörpert als vereinfachte Darstellung die Vorstellung des Konstrukts der Familie und deren Zusammengehörigkeit.

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BAUEN

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n Bezug zum digitalen Planen hat dieser Hintergrundgedanke dieselbe Funktion. Ein Bauwerk wird in der Planung aus verschiedenen Körpern zusammengesetzt, dies ist vergleichbar mit den ineinander gestapelten russischen Figuren. Die Geometrie und der Inhalt müssen in beiden Fällen im Einklang sein, damit ein reibungsloses Zusammenbauen funktioniert.

BESTELLER

Die digitalen Prozesse verändern mit rasanter Geschwindigkeit alle Bereiche unseres Lebens. Davon ist auch die Baubranche betroffen. Dank einer innovativen Arbeitsweise werden heutzutage Gebäude digital entworfen, geplant und konstruiert. Mittels Nutzung und Austauschen der fachspezifischen 3D-Modelle kommunizieren und bearbeiten Architekten, Bauingenieure und Fachplaner den Fortschritt eines Bauprojekts.

DATENAUSTAUSCH

Um diesen Ansatz zu unterstützen, haben wir in unserer Arbeit die drei Themenbereiche Flächen- und Volumenkonzept sowie Datenaustausch aufgegriffen, welche aus unserer Sicht den Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit aufzeigen. Die Herausforderung liegt darin, diese Konzepte so einfach wie möglich zu halten und nur mit den notwendigen Daten zu versehen.

Durch die Digitalisierung im Baugewerbe ist eine effizientere Methodik der bestehenden Arbeitsprozesse ein wichtiger Teil der Optimierung des Planungs- und Bauablaufs. Die BIM-Methode spielt hierbei die Hauptrolle der Entwicklung einer nachvollziehbaren Kostenverwaltung und einer effizienteren Bestimmung des Bauvorhabens in Hinsicht auf einen reibungslosen Austausch der Daten aller Beteiligten.

ZWISCHEN STRUKTUR UND VARIATION Wenn die Daten in der Basis nicht korrekt gepflegt und übergeben werden, ist es für den weiteren Planungsverlauf schwierig, den Informationsfluss zu halten, da das nachträgliche Ergänzen von fehlenden Eigenschaften aufwendig ist. Die Herausforderung hierbei liegt darin, dass diese Form der Planung bei Neubauten bereits eine Vorgabe für den Entwurf der Planung beinhaltet, wobei die architektonische Freiheit eingeschränkt wird. Hingegen ist bei einem Bestandsbau die Variantenvielfalt bereits durch die vorgegebene Struktur eingeschränkt. Die von uns behandelten Konzepte können als Onlinetool zur Verfügung gestellt werden. Dieses Tool soll den Architekten zur Unterstützung von Planung und Beratung durch die Bauherrschaft dienen. Mittels Kommentarfunktion können die Auftraggeber ihre Wünsche direkt einbringen. Dank solch einer koordinierten Arbeitsweise können die Planungsbeteiligten ein Projekt erarbeiten, welches in Bezug auf Kosten und bestellte Informationen transparent ist. Das erarbeitete Konzept bezieht sich auf drei Sichtweisen:

Dem Auftraggeber ist der Prozess zur Erreichung des Ziels mehrheitlich unklar. Dies ist meist die Folge mangelnder Beratung und Kompetenzen. Das führt dazu, dass der Auftragnehmer durch eine mangelnde Bestellinformation des Auftraggebers nicht präzise definieren kann, was seine Lieferung beinhalten soll.

Im OpenBIM-Prozess ist es durchaus möglich, dass jeder Projektbeteiligte auf einem anderen CAD-Programm arbeitet. Durch den Austausch, welcher nicht über ein natives Format erfolgt, entstehen bei geometrischen Bauteilen viele Reibungspunkte, welche programmspezifisch gelöst werden müssen.

PROZESSMETHODIK

DER DIGITALE WORKFLOW Damit eine erfolgreiche Zusammenarbeit erreicht werden kann, müssen alle in der Digitalisierung dieselbe Sprache sprechen. Je nach Ausbildung und Wissensstand ist es für die verschiedenen Fachbereiche schwierig, die gewünschten Daten zu liefern. Die zentrale Rolle in der Zusammenarbeit ist die Annahme des digitalen Workflows. Ziel ist es, auf den Zug der Digitalisierung aufzuspringen und die Workflows proaktiv statt kontraproduktiv anzunehmen. Die Komfortzone muss von jedem Projektbeteiligten verlassen und die Transparenz in den unterschiedlichen Disziplinen sollte in den Vordergrund gestellt werden. Der gemeinsame Arbeitsprozess im Team führt zu einem verständnisvollen Workflow. Erfahrungsmässig läuft dieser bei einer Gebäudeplanung nicht immer gleich ab. Es stellen sich zusätzliche Herausforderungen dar, wenn sich ein Projektbeteiligter gegen den vereinbarten Planungsprozess stellt und die Daten nicht in der gleichen Qualität (Modellierung, Dateninformation, Planübersetzung) abgibt. Daher ist es umso wichtiger, dass die Bauherrschaft als

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BAUEN

Besteller die Forderungen klar formuliert, um den BAP (BIM-Abwicklungsplan) sowie das IDM (Information Delivery Manual, Informationslieferungshandbuch) als Bestandteil des Vertrags zu definieren. Folgende Punkte möchten wir als Input für die Erstellung des IDM aus der Sicht des modellbasierten Datenaustausches weitergeben: • Die Struktur ist nach Inhalt des BAP zusammenzustellen. • Der IFC-Übersetzer muss pro Software klar definiert werden.

• Die Semantik muss im IDM festgelegt werden. • Einfügepunkte für Position und Ausrichtung sind zu definieren. • Ein internes Prüfprotokoll für die Richtigkeit der Modelle vor dem Austausch mit externen Fachbereichen ist zwingend notwendig. • Vor Projektstart ist ein Testaustauschmodell zu erstellen, um mit den Projektbeteiligten die Fehlerquellen beim Datenaustausch zu minimieren bzw. zu beheben.

Weitere Punkte, welche wir in Bezug zum Thema BIM und 3D-Modellierung im Alltag festgestellt haben, sind die folgenden: • Ein IDM muss so früh wie möglich in den Prozess integriert und festgelegt werden, um die Doppelspurigkeit auszugrenzen. • Die CAD-Fachspezialisten müssen so früh wie möglich ins Projektteam integriert werden, um die technischen Anforderungen respektive das technische Know-how in die Projekte einbinden zu können. • In den Firmen muss ein Umdenken stattfinden. Die Schulungen der Mitarbeiter müssen gezielter und spezifischer auf die jeweilige Position im Unternehmen abgestimmt werden. Das Ergebnis der Analyse des MatroschkaPrinzips im digitalen Bauen zeigt auf, dass trotz technischer Neuerungen die menschliche Kommunikation unabdingbar ist. Es gilt, Innovation nicht nur zu erzählen, sondern auch zu entwickeln, zu testen und anzuwenden. ANMERKUNG Die komplette Abschlussarbeit kann über die Autoren bezogen werden.

Durch einen gemeinsamen Workflow gelangt man zum Erfolg.

REBECCA LOCHER ist Architektin BA FH bei der Büro B Architekten AG.

GIANLUCA COSTA ist Architekt MSc AAM bei der Krayer Architektur GmbH.

MARCEL KAESER ist Bautechniker HF bei der Ingenieurbureau Heierli AG.

LUC AEBERSOLD Die Digitalisierung zeigt sich auch in der Baubranche.

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ist Consultant BIM / CAD Support bei der Amstein + Walthert Bern AG.


DACHCOM

Ja, ich will.

Sanieren für die Zukunft. flumroc.ch/jaichwill


BAUEN

Natürliche Materialien sorgen für gemütliche Atmosphäre.

KLIMASCHUTZ BEGINNT BEI DER MATERIALWAHL HOLZBAU AUF DEM VORMARSCH Interview mit Hanspeter Kolb von Sara Steinmann

Energieeffiziente Neubauten zu bauen ist eine riesige Herausforderung, dabei kann die Bauphysik einen wichtigen Beitrag leisten. Doch im CAS Bauphysik im Holzbau geht es um viel mehr als um Klimaschutz und energieeffiziente Gebäude. Zentrale Themen sind Wärme- und Feuchteschutz, Luftdichtheit sowie Schallschutz und Brandsicherheit. Seite 40 // bauRUNDSCHAU


BAUEN

50   Haushalten in der Umgebung zu decken. Klimaneutralität ist keine Utopie – meiner Ansicht nach müsste eine Nullsumme für Neubauten normal sein. Es ist möglich und lohnt sich auch wirtschaftlich.

Hanspeter Kolb ist Studienleiter des CAS Bauphysik im Holzbau.

H

err Kolb, warum ist Bauphysik so wichtig? Der Klimawandel ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Je nach Quelle werden circa 30 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgase durch Gebäude und deren Betrieb verursacht. Die Bauphysik kann dazu beitragen, energieeffiziente Neubauten zu konstruieren. Entscheidend ist die Jahresbilanz: Eine Nullsumme bei der Energiebilanz ist ideal. Noch besser ist, wenn ein Gebäude mehr Energie erzeugt, als es selbst braucht. Neubauten künftig energieeffizienter zu bauen und den bestehenden Gebäudepark zu sanieren, fordert uns heraus. Die Bauphysik ist dabei zentral, weil es um Themen wie Energieverbrauch für Heizungen, sommerlichen Wärmeschutz, Luftdichtheit und Innenraumklima geht. Ausserdem rücken wir immer näher zusammen und die Mobilität verstärkt sich. Dabei steigen auch die Anforderungen an den Schallschutz – ein weiteres zentrales Thema der Bauphysik. Kennen Sie ein Beispiel eines Gebäudes, das mehr Energie erzeugt, als es für den Eigenbedarf benötigt? Beim neuen Schulhaus in Port ist dies der Fall. Es wurde weitgehend als vorgefertigter Holzelementbau erstellt und die hohen Anforderungen an die Nachhaltigkeit wurden seit Planungsbeginn berücksichtigt. Das Gebäude erzeugt dank Photovoltaikanlagen auf dem Dach genügend Strom für den Eigenbedarf und sogar noch so viel mehr, um den Jahresbedarf von rund

PERFEKTER HALT

Welche Rolle spielt der Holzbau beim Klimaschutz? Klimaschutz beginnt schon bei der Wahl des Materials. Idealerweise verwendet man Materialien, die vor unserer Haustür wachsen, etwa den Rohstoff Holz. Während es wächst, bindet es CO2, die Transportwege sind kurz und die Verarbeitung braucht verhältnismässig wenig Energie. Zudem ist Holz ein eher schlechter Wärmeleiter, was dazu führt, dass es sich warm anfühlt und die Wärmebrückenproblematik geringer ist als bei Beton und Stahl. Bleibt Holz trocken, ist es praktisch unendlich haltbar, hat also eine gute Dauerhaftigkeit. Am Ende des Prozesses kann es recycelt oder relativ einfach entsorgt werden, indem man es umweltgerecht verbrennt. All diese Punkte sprechen für den Baustoff Holz.

«Idealerweise verwendet man Materialien, die vor unserer Haustür wachsen, etwa den Rohstoff Holz.» Was spielt bei der Planung heute eine wesentliche Rolle? Der sommerliche Wärmeschutz – ebenfalls ein zentrales Thema in der Bauphysik – wird heute immer wichtiger. Wir möchten die Sommerhitze nicht in den Räumen haben oder zumindest die Kühle der Nacht nutzen, um sie wieder «loszuwerden». Dabei spielen Baustoffe wiederum eine gewisse Rolle. Holz als eher leichter Baustoff ist da nicht gerade der Spitzenreiter. Je dichter ein Material ist, desto mehr Wärme kann es aufnehmen – und wieder abgeben, wenn es kalt wird. Ich denke hier etwa an Beton oder Backstein.

FÜR PROFIS www.profix.swiss Ausgabe061 02/2021500 // Seite20 41 20 Tel.


BAUEN

Der Schallschutz rückt in den Fokus.

Allerdings spielt die Verschattung eine viel wichtigere Rolle: Wie lässt sich die direkte Sonneneinstrahlung durch die immer grösser werdenden Glasflächen verhindern und eine gute Nachtauskühlung der Bauten erreichen? Sommerlicher Wärmeschutz hat also viel mit der Architektur und dem Gebäudekonzept zu tun. Auch diese Themen werden in der Bauphysik angesprochen. Warum ist es wichtig, dass Architektinnen und Architekten, Holzfachleute und Bauphysikerinnen und Bauphysiker Hand in Hand zusammenarbeiten, um die Vorteile des Materials Holz optimal zu nutzen? Bauen wird immer komplexer. Bei all den Themen, die sich vereinen, gibt es kaum jemanden, der überall durchblicken kann. Es ist also Teamwork angesagt. Und je früher alle Spezialistinnen und Spezialisten unter dem Lead einer cleveren Architektin oder eines Architekten zusammenarbeiten, desto besser kann optimiert werden und desto weniger wird vergessen. Dabei geht es nicht nur um den Holzbau, son-

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Die Bauphysik spricht viele verschiedene Themen an.

dern um alle Bauthemen: Architektur, Materialwahl, Sicherheit, Energieeffizienz, sommerlicher Wärmeschutz, Schallschutz, Brandschutz, Haustechnik et cetera. Da ist es auch angebracht, das Einmaleins des Holzbaus zu kennen und zu wissen, dass etwa zu grosse Spannweiten im Holzbau nur mit viel Aufwand umsetzbar sind. Im CAS wird dieses Wissen vermittelt. Wir wünschen uns auch immer, dass viele Menschen mit unterschiedlichen «Rucksäcken» zusammenkommen, gegenseitig voneinander lernen und die Perspektive wechseln können. Welche Rolle spielt dabei die Planung, wenn viele Leute zusammenkommen? Die Planung und das Konzept sind absolut zentral. Zum Beispiel kann man beim Schallschutz darauf achten, dass lärmempfindliche Räume nicht neben lärmigen Räumen oder bei angrenzenden Wohnungen Badezimmer unbedingt neben Badezimmer liegen. Ein grosser Vorteil von Holz ist zudem die Vorfertigung, das beschleunigt den Bauprozess. Bedingung ist aller-

dings auch hier eine rechtzeitige Planung – zum Beispiel der Haustechnik, damit diese bereits im Werk integriert werden kann. Lastminute-Anpassungen auf dem Bau, wie man es im Massivbau manchmal sieht, liegen da nicht mehr drin.

CAS BAUPHYSIK Wenn Sie mehr über alle bauphysikalischen Aspekte beim Planen und Umsetzen von Holzbauten erfahren wollen, besuchen Sie die Website des CAS: www.bfh.ch/ahb/casbauphysik

HANSPETER KOLB Ist Studienleiter von mehreren Weiterbildungsangeboten an der Berner Fachhochschule www.bfh.ch/ahb



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BEWEGUNG IM BAUMANAGEMENT VON DER PLANUNG BIS ZUR REALISIERUNG Interview mit Matthias Stammherr und Daniel Gerny von Niggi Freundlieb

Nicht nur Bewegung, sondern auch frischen Wind in die Baumanagement-Branche der Region bringt die MOVEO Baumanagement GmbH aus Pratteln. Vornehmlich für Architekten, aber auch für private und öffentliche Bauherren sowie Investoren entwickelt, plant und realisiert das Unternehmen seit rund zwei Jahren Bauprojekte aus einer Hand oder in Teilbereichen. Mit der angeschlossenen Schwesterfirma MOVEO Projekte GmbH werden zudem seit Mitte 2020 eigene oder Kundenprojekte von der Idee bis zum fertigen Bau erarbeitet.

Professionelles Baumanagement für moderne Gebäude: Eigenprojekt Mehrfamilienhaus in Pratteln.

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Daniel Gerny ist Leiter GU / TU bei der MOVEO Baumanagement GmbH.

Matthias Stammherr ist Geschäftsleiter der MOVEO Baumanagement GmbH.

ie MOVEO Baumanagement GmbH besteht aus einem Team um die Geschäftsleitung, zusammengesetzt aus Matthias Stammherr (Geschäftsleiter), Daniel Gerny (Leiter GU / TU) sowie Raymond Burkart (Leiter Ausführung) und verfügt über langjährige Erfahrung in allen Bereichen des Baumanagements. Die MOVEO Baumanagement GmbH stellt die Projektorganisation und -leitung, ermittelt die Kosten, erarbeitet die Terminpläne und erstellt die Ausschreibungen. Vor Ort übernimmt das Pratteler Unternehmen die Bauleitung, kümmert sich um eine einwandfreie Bauausführung, führt die Baubuchhaltung und ist als Generalplaner verantwortlich für die Koordination aller beteiligten Planer sowie aller mit der Ausführung betrauten Gewerke. Die MOVEO Baumanagement GmbH, welche in den letzten zwei Jahren für rund 20 Projekte verantwortlich zeichnete, ist schwergewichtig im Neubau von Mehr- und Einfamilienhäusern für Privatpersonen tätig, realisiert aber auch Bauprojekte für das Gewerbe oder das Gesundheitswesen. Dabei machen Bauleitungen rund 80 Prozent ihrer Aufträge aus, 20 Prozent entfallen auf Umbauten. Im Interview geben Matthias Stammherr und Daniel Gerny Einblicke in die MOVEO Baumanagement GmbH sowie in die MOVEO Projekte GmbH und sprechen über ihre Unternehmensphilosophie. Die MOVEO Baumanagement GmbH ist noch ein junges Unternehmen. Was hat Sie dazu bewogen, eine eigene Firma zu gründen? Matthias Stammherr: Ich bin Eidg. Dipl. Hochbautechniker HF und habe als Bauund Projektleiter sowie Geschäftsstellenleiter bei anderen Unternehmen viel praktische Erfahrungen im Bereich Baumanagement gesammelt. Durch eine anderweitige Zusammenarbeit mit Daniel Gerny, welcher bereits im Immobilienbereich selbstständig war, ist zu dritt die Idee entstanden, eine eigene Firma zu gründen. Mich hat vor allem die Perspektive gereizt, selbstständig Entscheidungen zu treffen und unsere Ideen in einem eigenen Unternehmen zu realisieren. Daniel Gerny: Mit einer Wirtschaftsmatura im Rucksack hatte ich unter anderem bei einer Bank Immobilien für Grossfirmen betreut und bin so immer mehr in den Immobilienbereich und dann sogar in die Selbstständigkeit gerutscht. Irgendwann

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ANGEBOTE DER MOVEO BAUMANAGEMENT GMBH

• Projektorganisation und Projektleitung • Qualitäts-, Kosten- und Terminplanung

• Ausschreibung (Devisierung) • Verhandlungen mit Unternehmern • Vergabeanträge und Verträge • Qualitäts-, Kostenund Terminüberwachung

• Bauleitung • Bauadministration und -buchhaltung • Abnahmen und Bauübergabe • Mängelbehebung • Garantiewesen • Bauherrenberatungen und Bauherrenvertretungen

• Gesamtleitungen • Generalplanungen Reiheneinfamilienhäuser müssen nicht bieder sein – dies zeigt das Bauprojekt in Dornach. Bauherr: MOVEO Projekte GmbH

Neubau Alterswohnungen in Oberwil mit Autoeinstellhalle.

Es werden private und institutionelle Investoren beraten.

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Das Baumanagement macht kreative Ideen greifbar. Bauherr: Putrino Immobilien AG, Architekt: Lupo & Zuccarello Architekten AG


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setzte sich bei mir der Gedanke durch, mich auch auf praktischer Ebene mit Immobilien zu beschäftigen – also vor allem auch, wie Immobilienprojekte von Grund auf geplant und realisiert werden können – und dafür auch die entsprechende Verantwortung zu übernehmen. Mit einem eigenen Unternehmen ergab sich die Chance, etwas zu bewegen, aber auch eine eigene Firmenkultur zu schaffen. Was verstehen Sie denn unter einer eigenen Firmenkultur? Daniel Gerny: Wir pflegen nach innen und aussen gleichermassen eine offene Kommunikation. Das heisst, alle Themen kommen auf den Tisch, werden angesprochen und ausdiskutiert, denn es müssen innert kürzester Frist Entscheide gefällt werden, um ohne Zeitverlust Lösungen zu finden. Zentral ist natürlich die Kommunikation mit den Kunden, die wir laufend und transparent über den Stand der Projekte informieren. Matthias Stammherr: Innerhalb der MOVEO Baumanagement GmbH haben

wir eine extrem flache Hierarchie. Dies ermöglicht kurze Entscheidungswege und speditives Arbeiten. Wir sind sehr entscheidungsfreudig und schieben diese Entscheide nicht hinaus, denn dies hätte Kostenfolgen auf den Baustellen. Der Team-­ Gedanke wird bei uns grossgeschrieben, und bei wöchentlichen Mittagessen, aber auch Familienausflügen, Skiwochenenden oder Weihnachtsessen wird der «Team Spirit» hochgehalten. Wer sind die Kunden der MOVEO Baumanagement GmbH? Matthias Stammherr: Unsere Kunden sind in erster Linie Architekten, aber auch private und öffentliche Bauherren, sowie Investoren. Daniel Gerny: Konkret kümmern wir uns darum, die kreativen Pläne des Architekten umzusetzen – und das unter Massgabe der SIA-Normen, welche vorgeben, wie Bauten in bautechnischer Hinsicht zu gestalten sind. Dabei nutzen wir unser grosses Netzwerk, beauftragen von den Fachplanern bis zu den einzelnen Gewerken sämtliche Projektbetei-

Der Neubau dieses Mehrfamilienhauses in Arlesheim bietet grosse Aussenflächen.

ligte, koordinieren diese und bieten dem Auftraggeber alle Leistungen der Bauleitung aus einer Hand. Da wir nahe am Markt sind und täglich Offerten einholen, können wir in kalkulatorischer Hinsicht transparent und marktgerecht agieren, was sich positiv in der Endabrechnung niederschlägt. Matthias Stammherr: Durch unser Know-­ how unterstützen wir den Architekten in der Praxis und ermöglichen ihm, hochstehende Architektur zu erschaffen, welche auch durch aussergewöhnliche Ideen und / oder spezielle Materialien geprägt ist. Solche Vorgaben sind für uns spannende Herausforderungen, an denen wir täglich wachsen. Letztes Jahr haben Sie die MOVEO Projekte GmbH gegründet. Welche Idee steht dahinter? Mattias Stammherr: Neben dem Bereich Baumanagement wollen wir in Eigenentwicklungen investieren und auch private und institutionelle Investoren diesbezüglich beraten. Die MOVEO Projekte GmbH ist eine Schwesterfirma der MOVEO Baumanagement GmbH und entwickelt Bauprojekte von der Idee bis zum fertigen Hochbau. Diese können dann von der MOVEO Baumanagement GmbH, welche die Gesamt- oder Teilverantwortung für die Erstellung und Ausführung eines Bauprojektes übernimmt, realisiert werden. Damit bieten wir ein Gesamtpaket an, das gleichzeitig Entwicklung und Ausführung beinhaltet, und können die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden erfüllen sowie neue Potenziale erkennen und kundengerecht umsetzen. Was macht die MOVEO Projekte GmbH? Daniel Gerny: Wir erstellen Machbarkeitsstudien, Vorstudien und Vorprojekte, Zustandsanalysen und Projektevaluationen. Wir bewerten Bauland und/oder baufällige Immobilien, eruieren die Wünsche und Ziele von Investoren und Grundeigentümern, analysieren Einflussfaktoren und prüfen die Machbarkeit eines Projektes. Insgesamt schaffen wir auf die Investoren und Grundeigentümer zugeschnittene architektonische, technische, wirtschaftliche und juristische Rahmenbedingungen und entwickeln zusammen mit ihnen die Projektidee bis hin zur konkreten Planung und Realisierung.

MOVEO Baumanagement GmbH & MOVEO Projekte GmbH | Hohenrainstrasse 24 | CH-4133 Pratteln Tel. +41 (0) 61 836 70 70 | info@moveogmbh.ch | www.moveogmbh.ch

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HISTORISCHER GUTSHOF MODERN GERAHMT NEUES QUARTIER IN SCHAFFHAUSEN von Nicola Schröder

Ein denkmalgeschützter Gutshof als Herz einer familienfreundlichen Wohnüberbauung: Das alte «Gloggeguet» dient heute als Namensgeber für ein neu entstandenes Quartier in Schaffhausen-Herblingen. In seiner neuen Funktion als Kinderhort charakterisiert es gleichzeitig die Intention des neuen Gebäudeensembles, das von der Steiner AG entwickelt wurde. Seite 48 // bauRUNDSCHAU


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arkähnlich erstreckt sich das grosszügige Grundstück des Glockenguts über das ländliche Herblingen. Das ehemalige Bauerndorf liegt nur wenige Kilometer von Schaffhausens Zentrum entfernt. Inmitten der grünen Umgebung und gleichzeitig nah an städtischer Kultur besitzt es einen hohen Erholungsund Freizeitwert. Eine Fläche von insgesamt 24’223 Quadratmetern bot den erfahrenen Projektentwicklern der Steiner AG Raum für die Vision, eine abwechslungsreiche Wohnumgebung für Jung und Alt zu schaffen – mit Kinderspielplatz, Blumenwiesen und freien Grünflächen voller hochstämmiger Bäume und Ziersträucher. Ende März 2018 erhielt das Projekt der Arbeitsgemeinschaft Theo Hotz Partner AG und Bergamini Partner Architekten die Baubewilligung. Das schützenswerte Hauptgebäude des ehemaligen Gutshofs bildete dabei den Ausgangspunkt für den Entwicklungsplan. Nachdem die Steiner Investment Foundation als Investorin in das Projekt einstieg, konnte im Herbst 2018 bereits der Baustart für die familienfreundlichen und naturnahen Wohnungen erfolgen.

OFFENES GELÄNDE Inzwischen wird das alte Gebäude des Gutshofs von vier modernen Mehrfamilienhäusern würdevoll umrahmt. Dabei stellte es eine besondere Herausforderung dar, die unterschiedlichen Bauten und ein derart grosses Areal möglichst einheitlich zu gestalten und aus einem Guss zu realisieren. Hier half eine Besonderheit der Parzelle im nordwestlichen Bereich, die sich zunächst als Problem darstellte: eine starke Hangneigung. Die Lösung war, diese unbebaut zu lassen. Der tatsächlich bebaute Teil umfasst heute eine Fläche von 10’330 Quadratmetern, während sich die erhaltene Grünfläche als eine Bereicherung für das Quartier erweist. Als erste Baumassnahme erfolgte der Umbau des zweigeschossigen Gutshofs zum Kinderhort – in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Dafür liessen die Architekten vorab ein texturiertes 3D-CADModell erarbeiten, das ihnen im ArchiCAD Dateiformat zur Verfügung stand. Das von der HMQ AG erstellte Modell bot sämtliche Grundlagen, welche für eine detailliertere Einschätzung des historischen Gebäudewerts und seines geschichtlichen Werdegangs sowie für die schonende Sanierung nötig waren. Der anstossende Schopf wiederum wurde abgerissen und durch ein

Der alte Gutshof wird durch die Mehrfamilienhäuser stimmig ergänzt.

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Die Wohnungen sind grosszügig und modern geschnitten.

neues Mehrzweckgebäude mit gleichem Standort und ähnlicher Kubatur ersetzt. Im Erdgeschoss beherbergt dieser Neubau einen Gemeinschaftsraum, der tagsüber vom Hort genutzt wird und abends wie auch an Wochenenden den Bewohnerinnen und Bewohnern der Überbauung zur Verfügung steht. «Der Raum soll der Überbauung als neue Mitte Identität geben», erklärt Peter Herzog, Teamleiter Immobilienentwicklung bei Steiner. Das Ensemble aus den beiden Gebäuden blieb daher freigestellt und fügt sich stimmig in

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die Kulisse des offen dahinterliegenden Hangs ein. U-förmig umgebend angeordnet wuchs schliesslich Schritt für Schritt die Neubausiedlung. Die neuen Wohngebäude passen sich dem schlichten Gutshof mit einer geradlinigen Architektur und korrespondierenden Farben optisch an und bringen mit ihren Loggien, Balkonen und Terrassen die Innenräume hell und luftig mit dem Aussenbereich zusammen. Von innen erlauben sie einen grosszügigen Blick auf das grüne Areal

und teilweise bis in die Ferne. Die Gebäude des Areals sind locker verteilt und durch ein Wegenetz miteinander verbunden. Vom Quartier aus erreicht man den Kindergarten, die Primarschule sowie diverse Einkaufsmöglichkeiten in wenigen Gehminuten. So präsentiert sich die gesamte Überbauung gleichzeitig naturdurchlässig und urban verdichtet.

NACHHALTIGE ANLAGE Die vier neuen Mehrfamilienhäuser umfassen insgesamt 27 Miet- und 71 Eigentums-


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INFOBOX Projekt: Gloggeguet Ortschaft: Schaffhausen-Herblingen Bauzeit: Oktober 2018 bis Mai 2021 Bauvolumen: rund 40 Millionen CHF Bauherrschaft: Steiner Investment Foundation Immobilienentwicklerin und Totalunternehmerin: Steiner AG Architekten: Theo Hotz Partner AG und Bergamini Partner Architekten

vorgelegt wurde. Das habe zum Vertrauen zu diesem grossen Projekt beigetragen, erklärt Herzog. Der Kinderhort stünde darüber hinaus auch Kindern aus der Umgebung offen, nicht nur den Bewohnern des Glockenguts. Weitere Dienstleistungen sind in der Überbauung jedoch nicht geplant. Die Flächen sind dem Wohnraum vorbehalten. «Allerdings», so Herzog, «eignen sich die Erdgeschosswohnungen zur Herblingerstrasse hin allenfalls auch als Arztpraxen.» Neben der Möglichkeit der Miete wolle man mit der Überbauung auch dem Nachholbedarf der Schweiz im Bereich Eigentumswohnungen begegnen. Reto Niedermann, CEO der Steiner Investment Foundation, erklärt dazu die Wahl des Standortes: «Der Schaffhauser Markt ist stabil, das macht Investitionen attraktiv.»

Bereits vor dem Aufrichtefest wurde eine komplette Musterwohnung fertiggestellt und eingerichtet, in der sich Interessenten einen Eindruck von der Wohnqualität verschaffen konnten. Tatsächlich ist sie ein Beispiel, wie man bestehende Bauten und neue Architektur in Einklang bringt und dabei eine schöne und ruhige Anlage mit gleichzeitiger Nähe zur Kultur und einer belebten Innenstadt gewinnt. «Mit der Überbauung haben wir aufgezeigt, wie wir verdichtet bauen können und die Qualität des Ortes bestehen bleibt», sagt Peter Herzog. Trotz Pandemie konnten die Bauarbeiten unter Einhaltung der geltenden Schutzbestimmungen nach Zeitplan durchgeführt werden, sodass die Wohnungen im Frühling 2021 bezugsbereit sind.

wohnungen. Es handelt sich um 2.5- bis 5.5-Zimmerwohnungen mit einer Fläche von 65 bis 130 Quadratmetern. Alle Wohnungen beinhalten einen gehobenen Ausbaustandard und sind sowohl für Familien als auch für Paare oder Einzelpersonen zugeschnitten. Mit den Preisen und unterschiedlichen Wohnungsgrössen will man eine Durchmischung von Einpersonenund Familienhaushalten erreichen. «Preislich bewegen wir uns im mittleren Segment», bestätigt Peter Herzog. Unter dem Gelände sorgt zusätzlich eine Tiefgarage mit 136 Parkplätzen für Raum. Sie wurde für alle Neubauten direkt erschlossen. Im jeweiligen Untergeschoss der Häuser entstanden mit Keller-, Trocken-, Technik- und Veloräumen weitere komfortable Stau- und Arbeitsflächen. Ein Lift im zentralen Treppenhaus verbindet sie mit den einzelnen Etagen. Die Gebäude wurden im Minergie-Standard realisiert und werden mit klimafreundlichen Erdsonden-Wärmepumpen beheizt. Für die Erstellung wurde zudem, wenn möglich, auf nachhaltige Betonsorten mit Zement aus Mischabbruch zurückgegriffen. Hier erfolgte eine Zumischung von rezyklierten Gesteinskörnern.

BEDARFSGERECHTE PLANUNG Die gesamte Überbauung fusst auf einem Gestaltungsplan, der während des Prozesses sowohl den zuständigen Ämtern als auch den Anwohnerinnen und Anwohnern

Steiner AG | Hagenholzstrasse 56 | CH-8050 Zürich | Tel. +41 (0) 58 445 20 00 | info@steiner.ch | www.steiner.ch

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GUT BEDACHT GÜTESIEGEL GARANTIERT HÖCHSTEN STANDARD von Daniela Schwitter

Ein Dach muss Wind und Wetter trotzen – und das über lange Zeit. Die in Anlehnung an reale Bedingungen getesteten Unterdachbahnen gehen weit über die Normanforderungen der SIA hinaus und bieten zusätzlich eine zehnjährige uneingeschränkte Garantie. Dächer, die diesen Anspruch erfüllen, erhalten von der technischen Kommission Steildach des Kompetenzzentrums Gebäudehülle Schweiz das Gütesiegel.

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Spezialisten zeigten, dass es bisher sehr schwierig war, verbindliche Aussagen zur Lebenserwartung von Unterdachbahnen zu machen. Die gültigen SIANormen bildeten diese zu wenig ab», so Marco Röthlisberger, Projektleiter Technik

von Gebäudehülle Schweiz. Das Gütesiegel von Gebäudehülle Schweiz schafft hier Abhilfe. Dank des neuen Labels erkennen die Spezialisten sofort, ob es sich beim gewählten Produkt um eine hochqualifizierte Unterdachbahn handelt. Das

© Ampack

© Ampack

ie aus Fachleuten der Gebäudehüllen-Branche bestehende Kommission hat sich in jahrelanger Arbeit intensiv mit dem Thema «Unterdachbahnen für ausserordentliche Beanspruchung» befasst. «Die Erfahrungen von Steildach-­

Hochqualifizierte Unterdachbahnen sind dank des Labels leicht zu erkennen.

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Label unterstützt Fachleute somit massgeblich bei der Wahl des für das Bauprojekt idealen Materials.

TESTKRITERIEN UND BEDINGUNGEN Die mit dem Gütesiegel von Gebäudehülle Schweiz zertifizierten Unterdachbahnen wurden in Anlehnung an reale Bedingungen getestet und erfüllen insbesondere folgende Kriterien: Die Unterdachbahnen wurden während einer Dauer von sechs Monaten gegen Witterungseinflüsse getestet und anschliessend einer erhöhten Wasserdurchgangsprüfung unterzogen. Die Produkte wurden über einen Zeitraum von 5 000 Stunden einer UV-Bestrahlung ausgesetzt und anschliessend bei 80 Grad Celsius 90 Tage lang gelagert. Danach erfolgte auch hier der Test einer erhöhten Wasserdurchgangsprüfung. Zusätzlich mussten die Hersteller nachweisen, dass alle Anschlusskomponenten und Nageldichtungen die gleiche Lebensdauer aufweisen wie die mit dem Gütesiegel zertifizierte Unterdachbahn.

SICHERHEIT FÜR VERARBEITER UND BAUHERREN Neben den qualifizierten Anforderungen, die wesentlich über die Norm hinausgehen, gewähren die Hersteller eine uneingeschränkte Garantie von zehn Jahren auf die zertifizierte Unterdachbahn. Bei Mängeln innerhalb dieser Frist erstattet der Hersteller den Schaden inklusive aller Behebungskosten. Die Garantiefrist von zehn Jahren bietet so Verarbeitern und Bauherren Sicherheit und Klarheit für ihr Bauprojekt.

DIE POSITION AM MARKT STÄRKEN Die Zertifizierung erfolgt nach erfolgreicher Durchführung eines detaillierten Zulassungsverfahrens. Erste Unterdachbahnen diverser Hersteller konnten bereits mit dem Gütesiegel von Gebäudehülle Schweiz ausgezeichnet werden. Der Hersteller erhält damit auch eine Plattform für seine hochwertigen Produkte. Die Kriterien des Gütesiegels werden nämlich auch in der Aus- und Weiterbildung des Bildungszentrums Polybau thematisiert. Zudem macht Gebäudehülle Schweiz über diverse Kanäle wie Fachtagungen, Merkblätter oder Fachzeitschriften aktiv auf die zertifizierten Unterdachbahnen aufmerksam. So soll sich das Gütesiegel langfristig als neuer Qualitätsstandard etablieren.

HILFSMITTEL FÜR ARCHITEKTEN UND PLANER Äussere Einflüsse wie Stürme oder Verschmutzung können das Deckmaterial von Steildächern beschädigen. Umso wichtiger wird die Dichtfunktion der Unterdachbahn. Grundsätzlich empfohlen wird für alle Unterdachbahnen, bei denen eine möglichst lange Funktionsdauer gewünscht ist, ein mit dem Gütesiegel zertifiziertes Produkt einzusetzen. Insbesondere unter Solaranlagen sind Unterdachbahnen mit Gütesiegel empfehlenswert.

VIELSEITIGE ELEKTRONISCHE ZUTRITTSLÖSUNGEN –––– SYSTEMARCHITEKTUR je nach Anforderung online, offline, funkvernetzt, Cloud-basiert und mobil. –––– SYSTEMPLATTFORM mit Türbeschlägen und -zylindern, Wandlesern, Spindschlössern, Software, Apps u. v. m. –––– SYSTEMKOMPONENTEN für Innen- und Aussentüren, automatische Türsysteme, Tore, Aufzüge, Spinde, Möbel, Zufahrten u. v. m.

DANIELA SCHWITTER ist Mitarbeiterin Marketing & Kommunikation bei Gebäudehülle Schweiz. www.gebäudehülle.swiss SALTO Systems AG info.ch@saltosystems.com www.saltosystems.ch


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SANIEREN FÜR DIE ZUKUNFT INFORMATIONSKAMPAGNE BIETET UNTERSTÜTZUNG von Helena Jansen und Evridiki Macioschek

Der Bundesrat hat beschlossen, den Ausstoss von Treibhausgasen in der Schweiz bis 2050 auf null zu reduzieren. Immobilien gehören zu den grössten Energieverbrauchern in der Schweiz. Besonderes Potenzial steckt dabei in der Sanierung älterer Gebäude. Energieeffiziente und professionell umgesetzte Modernisierungen sind auch das Anliegen der schweizweit führenden Steinwollproduzentin Flumroc AG.

Das Bürogebäude der Flumroc AG nach der Sanierung.

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m Rahmen der Energiestrategie 2050 wollen Bund und Kantone bekanntlich unter anderem den Energieverbrauch im Schweizer Gebäudepark reduzieren und den entsprechenden CO2-Ausstoss deutlich senken. Mit gutem Grund: In der Schweiz fallen über 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund ein Drittel der klimaschädlichen CO2-Emissionen im Gebäudebereich an. Es herrscht ein Sanierungsstau und daher besteht hoher Handlungsbedarf, da lediglich eines von hundert betroffenen Häusern pro Jahr energetisch saniert wird. Insbesondere mit der Erneuerung der bestehenden Immobilien kann dieser Energieverbrauch massiv gesenkt werden.

AM ANFANG STEHT DIE GEBÄUDEHÜLLE Sanierungen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie 2050. Am Anfang jeder Erneuerung steht dabei das Dämmen der Gebäudehülle. Ein sehr gut gedämmtes Haus braucht weniger Heizenergie im Winter und weniger Kühlleistung im Sommer. Abgestimmt auf die Dämmung können energieeffiziente Fenster eingebaut werden. Danach folgt die Anwendung moderner Gebäudetechnik. Von einer gut geplanten und ganzheitlich umgesetzten Sanierung profitieren die Bewohner in vielfacher Hinsicht. Sie sparen auf lange Sicht Kosten und geniessen gleichzeitig modernsten Wohnkomfort. Zudem sind Sanierungen in den meisten Fällen ressourcenschonender als Rückbauten.

HOCHWERTIGE DÄMMPRODUKTE AUS DER SCHWEIZ Bauherren können heute zwischen verschiedenen erprobten und ökologischen Baustoffen auswählen. So eignen sich zum Beispiel die vielseitig einsetzbaren Dämmprodukte der Schweizer Steinwollproduzentin Flumroc AG ausgezeichnet für energieeffiziente Sanierungen. Das Extra-Plus von Steinwolle: Das leicht zu verarbeitende Material liefert einen ausgezeichneten Schallschutz und sorgt mit einem Schmelzpunkt von über 1 000 Grad Celsius ausserdem für einen hervorragenden Brandschutz. Die Produkte von Flumroc erfüllen höchste ökologische Ansprüche in Bezug auf die Gewinnung des Rohstoffs, den Transport, die industrielle Verarbeitung, den Einsatz am Gebäude und die Wiederverwertung beim Rückbau. Daher

Anwendungsbeispiel der Generation FUTURO.

eignen sie sich besonders für Bauten nach Minergie-ECO-Standard. Mit der Generation FUTURO bietet Flumroc zudem Dämmprodukte mit natürlichem Bindemittel an. Die Bewohner der entsprechend sanierten Gebäude geniessen ganzjährig ein angenehmes Raumklima und profitieren von einem ausgesprochen hohen Wohnkomfort. Dass sich auch Gewerbebauten problemlos energieeffizient sanieren lassen, hat Flumroc übrigens bereits im Jahr 2014 mit dem Umbau ihres eigenen Firmensitzes in Flums bewiesen. Auch noch nach über sechs Jahren würde das Unternehmen die umgesetzten Sanierungsmassnahmen jederzeit weiterempfehlen.

GEMEINSAM FÜR ENERGIE­ EFFIZIENTE SANIERUNGEN Mit der neuen Informationskampagne «Ja, ich will – Sanieren für die Zukunft» unterstützt Flumroc die Umsetzung der Schweizer Energiestrategie 2050. Flumroc zeigt mit ihrer Kampagne, dass sie neben dem passenden Produkt auch Aufklärungsarbeit leistet. Potenzielle Bauherren schrecken vor dem Aufwand einer energetischen Sanierung häufig

zurück. Flumroc zeigt auf, dass mit der richtigen Unterstützung, der richtigen Vorgehensweise und einer genauen Planung eine erfolgreiche Umsetzung durchaus möglich ist. Und ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann, liefert sie anhand eines konkreten Beispiels zur Orientierung mit. Lassen Sie sich überzeugen und erfahren Sie mehr darüber, wie man energetisch sanieren sollte. Für Sie. Für Ihre Familie. Für das Klima.

JA, ICH WILL. SANIEREN FÜR DIE ZUKUNFT.

Flumroc stellt seit 70 Jahren aus Schweizer Gestein Steinwollprodukte her. Anwendungsgebiete sind Wärmedämmung sowie Schall- und Brandschutz. Sie ist die einzige Schweizer Herstellerin von Steinwolle und bietet Produkte sowohl für den Baubereich als auch für die technische Dämmung an. Mehr Informationen zum Thema Sanieren oder zu den besonderen Eigenschaften der Flumroc Steinwolle, finden Sie auch unter jaichwill.flumroc.ch

Flumroc AG | Industriestrasse 8 | CH-8890 Flums | Tel. +41 (0) 81 734 11 11 | info@flumroc.com | www.flumroc.ch

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FREILUFTZIMMER IM DACHGESCHOSS DIE WOHNUNG NACH DRAUSSEN ERWEITERN von Georg Lutz

© Lacuna / Frovin

Unter den Dächern schlummert jede Menge ungenutzter Wohnraum. Das ist bei der heutigen urbanen Wohnsituation Unsinn. Immer mehr oberste Etagen werden auch aus diesem Grund um- oder ausgebaut. Gerade Dachwohnungen entfalten einen besonderen Reiz, wenn sie über eine Terrasse oder einen Balkon verfügen.

Hohe Ansprüche: In exponierter Lage sind die Türen der Witterung deutlich stärker ausgesetzt als etwa Terrassentüren, die sich in einen geschützten Garten öffnen.

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ächer haben eindeutig mehr Potenzial. Es braucht nur wenige technische Lösungen. Beispielsweise lassen sich mit raffinierten Falttüren Wohnungen mit wenigen Handgriffen auf ganzer Breite nach draussen öffnen – ohne störende Türelemente und Rahmen. So wird der Freisitz in luftiger Höhe an schönen Tagen zu einem wahren Freiluftzimmer – die schöne Aussicht über städtische Dach- oder dörfliche Naturlandschaften inklusive. Die ausgeklügelten Konstruktionen bestehen aus mehreren Flügeln und ermöglichen eine Öffnung von bis zu sechs Metern Breite. Die Anforderungen an die Türen sind hoch,

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schliesslich sind sie in exponierter Lage der Witterung deutlich stärker ausgesetzt als etwa Terrassentüren, die sich in einen geschützten Garten öffnen. «Die gesamte Konstruktion muss robust und durchdacht aufgebaut sein», erklärt Theo Opgenorth von Frovin. Der Fenster- und Türenexperte setzt bei Falttüren ganz auf eine Zusammenarbeit mit dem Premium-Produzenten Lacuna. «Die dänischen Kollegen kennen natürlich die Anforderungen des skandinavischen Wetters besonders gut.» Klirrende Kälte im Winter, Hitze im Sommer, heftiger Regen und dazu salzhaltige Seeluft. In der Schweiz gibt es keine Seeluft, aber auch Wetterextreme, die das Material aushalten muss.

LANGE LEBENSDAUER Als Grundmaterial setzt Lacuna auf FSCzertifiziertes Massivholz, das eine herausragende Stabilität garantiert. Die Türen werden aus Thermobuche (TMT Composite®), Lärche, Eichen- oder Mahagoniholz gefertigt und erreichen so Lebenszeiten von 30 bis 50 Jahren. Um die Belastungen im Zeitraffer zu simulieren, wurde ein Lacuna-Türflügel vier Monate lang im nächstgelegenen Hafenbecken versenkt. Das Element hat den Test im Salzwasser ohne Probleme überstanden. «Für den Einsatz in Dachwohnungen muss zudem die Isolierung besonders zuverlässig und widerstandsfähig sein», unterstreicht Opgenorth. «Als Standard bei den


© Lacuna / Frovin

Panoramablick und helle Räume: Wohnungen in oberen Etagen profitieren enorm von den grossen Glasfronten.

Falttüren hat sich eine doppelte Dichtung im Türrahmen und eine dreifach verstärkte Dichtung zwischen den Rahmen bewährt.» Beim Design dominiert skandinavisches Understatement, das individuell an die jeweiligen Wünsche und Gegebenheiten angepasst werden kann. Falttüren sind mit und ohne Zierprofilierung sowie mit verschiedenen Oberflächen und Riegelteilungen

erhältlich. Die Scharniere, Griffe und Beschläge bestehen immer aus gebürstetem, säurebeständigem, rostfreiem Stahl oder aus hochfestem Aluminium mit einer rostfreien Oberflächenbehandlung. Auf besonderen Wunsch hat Frovin künftig auch nach innen öffnenden Türen im Angebot. «Das bietet sich vor allem für kleine Terrassen oder auch Balkone an. So wird draussen kein Platz verschenkt», macht Opgenorth

Was immer Sie planen. Planen Sie mit dem passenden Hitzeschutz. Bereits bei der Planung gilt es, sommerliche Überhitzung miteinzubeziehen und dagegen vor­zubeugen.­Vorsorgen­ist­effizienter,­als­später­ für teures Geld technische Nachrüstungen vorzunehmen. minergie.ch/hitzeschutz

deutlich. Die Lacuna-Falttüren werden für jede Dachwohnung auf Mass angepasst.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.frovin.de


KOLUMNE

BEGRIFFE AUF DEM PRÜFSTAND von Dr. Urs Wiederkehr

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ie Begriffe Nachhaltigkeit und Digitalisierung polarisieren. Sie werden als Trendwörter angesehen, die durch ihre Inhaltslosigkeit auffallen: Heute muss alles digital und / oder nachhaltig sein. Damit haben sie sich zu wahren Kampfbegriffen entwickelt, also zu Gedankenbestandteilen, die zu gesellschaftspolitischen Spaltungen führen können. Es positionieren sich Gruppen, welche sowohl die Nachhaltigkeit als auch die Digitalisierung möglichst rasch überwunden haben möchten.1 Über die Gründe, warum es so weit gekommen ist, darf gerätselt werden: Führen das Beschäftigen mit den Begriffen oder eher die sich dahinter verbergenden Herausforderungen zum Aufleben von früher gemachten, unangenehmen Erfahrungen? Sind die Begriffe so trivial, also abgedroschen und bedeutungslos, dass sich ein Befassen mit ihnen nicht lohnt? Oder sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit so elementar für die Zukunft der Menschheit, dass sich ein unverkrampftes Auseinandersetzen damit erst recht aufdrängt? Ich plädiere für Letzteres und werde Sie in der mit dieser Folge startenden Kolumnenserie an meinen Überlegungen teilhaben lassen. Als Ausgangspunkt wähle ich die Theorie der Autopoiesis, welche die beiden chilenischen Neurowissenschaftler und Biologen Humberto Maturana (1928–2021) und Francisco Varela (1946–2001) für die Anwendung bei biologischen Systemen gemeinsam entwickelt haben. Unter Autopoiesis wird die Fähigkeit verstanden, sich selbst erhalten, wandeln und erneuern zu können. Diese Mechanismen haben eine grosse Gemeinsamkeit mit der Entwicklung eines digitalen Systems, einer digitalen Anwendung, denn in den dafür zu definierenden Algorithmen steckt eine grosse Portion von Autopoiesis – selbstverständlich in weit weniger vollkommener Form als in der Natur bei biologischen Systemen. Wundern kann man sich darüber kaum, denn was spricht aus Analogiegründen dagegen, dass künstliche Systeme, die eine quasi dauerhafte Abfolge von Prozessschritten ermöglichen, nicht ähnlich wie natürliche biologische Systeme aufgebaut sind? Vielleicht erstaunt es Sie, oder eben auch nicht, dass die mRNA-Impfstoffe gegen das Corona-Virus auf analogen Wirkungsweisen beruhen.

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Für mich setzt sowohl die Nachhaltigkeit als auch die Digitalisierung ein möglichst symmetrisches Zusammenspiel von mindestens zwei Systemen voraus. Damit die Systeme ihre Wirkung aufrechterhalten können, darf ihre Substanz nur massvoll abgebaut werden. Da der Mensch zusammen mit der Technik, also mit Verfahren, die dank Erkenntnissen aus den Naturwissenschaften entwickelt worden sind, viel leistungsfähiger ist als ohne, besteht gegenüber einer Vielfalt von Systemen eine grosse Asymmetrie bezüglich der Einwirkungsmöglichkeiten. So müsste der Stärkere den weniger Starken durch die notwendige Sorgfalt schützen. In Abhängigkeit der beteiligten Systeme sind daraus die notwendigen Handlungen zum Wohle des Zusammenspiels aller abzuleiten. Nach diesen ersten Vorgaben bin ich Ihnen einige Erklärungen schuldig. So werde ich nicht nur die Entwicklung der Medien von der Sprache über die Schrift und den Buchdruck bis zur Digitalisierung aufrollen, sondern auch Hans Carl von Carlowitz’ (1645–1714) angeblich erste Beschreibung der Nachhaltigkeit. Ich hinterfrage alle Begebenheiten kritisch und zeige Ihnen die Gemeinsamkeiten und die Folgerungen für Ihre Projekte auf. Ich hoffe, Sie bleiben dran, wenn ich die beiden publizistischen Steckenpferde der bauRUNDSCHAU, um die Worte von Chefredaktor Georg Lutz zu benutzen, verbinde: die Digitalisierung und die Nachhaltigkeit. Bis zur nächsten Ausgabe. ANMERKUNG 1) Die Kolumne ist der Beginn einer Serie von Kolumnen zum Themenkomplex Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

DR. URS WIEDERKEHR ist Dipl. Bau-Ing. ETH / SIA und Leiter des Fachbereichs «Digitale Prozesse» der Geschäftsstelle des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA. www.sia.ch


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GEGEN EINBRUCH SCHÜTZEN PRÄVENTION UND MASSNAHMEN KONTRA KRIMINELLES VORGEHEN von Manuela Olgiati

Ein Wohnungseinbruch ist ein Schreckensszenario. Schwer wiegt das Gefühl, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein. Doch es gibt effektive Schutzmassnahmen, über welche der Verein Sicheres Wohnen Schweiz (SWS) informiert. Dieser setzt sich dafür ein, dass die Ausbildung, die Beratungsgespräche und die Umsetzung des Einbruchschutzes schweizweit vereinheitlicht und aufeinander abgestimmt sind.

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aptops, Bargeld, Schmuck, Baumaterial, Wein, Velos, Zigaretten: Die Liste ist lang. Einbrecherinnen und Einbrecher haben es auf sehr unterschiedliche Wertsachen abgesehen. Sie verhalten sich so unauffällig wie möglich und kommen dann, wenn niemand da ist. Ein-

bruch ist eines der häufigsten Delikte in der Schweiz. Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) als interkantonale Fachstelle im Bereich Prävention von Kriminalität und Kriminalitätsfurcht empfiehlt, sich einge-

hend mit Einbruchschutz auseinanderzusetzen – und das unabhängig davon, ob man Hausbesitzerin, Mieter, WG-Bewohnerin oder Geschäftsführer eines KMU ist. Der Verein Sicheres Wohnen Schweiz (SWS) ist Ansprechpartner für Sicherheitsfragen im Einbruchschutz für

EINBRUCHSCHUTZ UND PRÄVENTION

Beim Einbruchschutz setzt der SWS auf das «Drei-Säulen-Prinzip» – eine Kombination aus verschiedenen Massnahmen, die Einbrüche verhindern helfen. Am besten ergeben sich diese kombiniert: 1. Verhaltensweisen und organisatorische Massnahmen. Dazu gehört, dass Sie keine Schlüssel im Schloss stecken lassen, die Fenster und Türen abschliessen und in der Nachbarschaft gegenseitig aufeinander achtgeben. 2. Baulich-mechanische Massnahmen. Hierzu gehören geprüfte Fenster und Türen mit erhöhter Widerstandsklasse, Nachrüstprodukte wie Zusatzschlösser, Verriegelungen und Fenstergitter. 3. Elektrotechnische Massnahmen. Dazu gehört eine Alarmanlage, die den Zugriff über einbruchkritische Stellen frühzeitig erkennt, örtlich anzeigt und an eine Alarmempfangsstelle meldet. Die Broschüre «Riegel vor!» gibt sieben Tipps, wie man Wohnungen und Häuser gegen Einbrecher schützt. Man findet darin auch die Kontaktadressen der kantonalen und städtischen Polizeikorps sowie Hinweise, was man tun soll, wenn trotzdem eingebrochen wurde.

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Eine Haustür kann mit Sicherheitsschloss versehen werden.


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Die Normen von Fenstern und Türen stellen hohe Anforderungen an einbruchhemmende Bauelemente.

Mitglieder, Verbände, Behörden und die Bevölkerung.

DIE ARBEIT DER EINBRECHER Sie kommen dann, wenn niemand da ist. Einbrecherinnen und Einbrecher dringen meist tagsüber in Wohnungen und Einfamilienhäuser ein, wenn die Leute arbeiten und unterwegs sind. In Geschäftsräumen, Büros, Lagerhallen und dergleichen finden Einbrüche häufiger nachts statt, wenn sich

niemand mehr in den Räumlichkeiten oder auf dem Gelände aufhält. Sie gehen der Konfrontation mit Bewohnerinnen und Bewohnern aus dem Weg. Weil viele Leute ihre Wohn- und Geschäftsräume zu wenig sichern, steigen sie durch offene Kellerfenster oder Terrassentüren ein. Sie verwenden meist unauffällige, einfache Werkzeuge wie Schraubenzieher oder Stemmeisen.

EINBRUCHSITUATION SCHWEIZ Gemäss Statistik des SWS werden aktuell rund 90 Einbruch- und Einschleichdiebstähle pro Tag verübt. Die Delikte erreichten den tiefsten Stand seit der Revision der polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 2009. 2020 wurden schweizweit 32’819 Einbruchund Einschleichdiebstähle registriert. Das sind 9.9 Prozent weniger als 2019. Seit 2012 ist die Anzahl konstant rückläufig. «Dafür verantwortlich sind unter anderem polizeiliche Massnahmen in repressiven und präventiven Bereichen», sagt Markus Stauffer, der Geschäftsstellenleiter des Vereins Sicheres Wohnen Schweiz. Die besseren Prognosen seien auch der Zusammenarbeit mit der im Sicherheitsbereich aktiven Privatwirtschaft zu verdanken.

PRÄVENTION VOR EINBRUCHSKRIMINALITÄT Das liest sich gut, die neuesten Zahlen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einbruchskriminalität in der Schweiz nach wie vor hoch ist. Der SWS klärt über den Einbruchschutz in Häusern und Wohnungen auf, bevor erst Schaden entstehen kann. Trotz sinkender Fallzahlen geschehen immer noch sehr viele Wohnungseinbrüche oder Einbruchsversuche meistens über Fenster und Türen. Da, wo die Täter auf wenig Widerstand stossen, haben sie Erfolg: Ungesicherte Fenster und Türen überwindet der Einbrecher nur mit einem Schraubenzieher innert weniger Sekunden. Andererseits deute der Anteil der abgebrochenen Einbruchsversuche gemäss SWS darauf hin, dass moderne Fenster und Türen mehr Sicherheit bieten.

Vorhandene Türen lassen sich zum Beispiel mit einbruchhemmenden Produkten wie selbstverriegelnden Mehrfachverriegelungen und Zusatzschlössern nachrüsten. Hauseigentümer sollten deshalb genau prüfen, ob gegebenenfalls ein Nachholbedarf in Sachen Einbruchschutz besteht. Es lohne sich, in moderne Sicherheitstechnik zu investieren, so der SWS.

IN DIE BAUPLANUNG MITEINBEZIEHEN Bauprodukte wie Fenster und Türen müssen heute vielfältigen Anforderungen genügen. Im Neubaubereich kann das Thema Einbruchschutz gleich in die Planung miteinbezogen werden. Bauherren sollten hier darauf achten, dass einbruchhemmende Fenster und Türen verbaut werden. Gemäss SWS gibt es noch viel Verbesserungspotenzial im Einbruchschutz in der Schweiz. Einbrüche seien in allen Kantonen und das ganze Jahr über ein Problem.

INFORMATIONSPLATTFORM VEREIN SICHERES WOHNEN SCHWEIZ (SWS) Sicheres Wohnen Schweiz (SWS) ist ein gemeinnütziger Verein, der im Juli 2018 gegründet wurde. Einerseits informiert der SWS Bürgerinnen und Bürger über Einbruchschutz, um diesen zu optimieren. Andererseits setzt er sich dafür ein, dass die Ausbildung, die Beratungsgespräche und die Umsetzung des Einbruchschutzes landesweit vereinheitlicht und aufeinander abgestimmt werden. Getragen wird der Verein von Dachund Branchenorganisationen im Sicherheitsbereich, der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizei­ direktorinnen und -direktoren (KKJPD), der Polizei und der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP). Der SWS bietet für Vereinsmitglieder zertifizierte Ausbildungen zum Sicherheitsberater SWS an.

MANUELA OLGIATI ist Redaktorin bei bauRUNDSCHAU. www.sicheres-wohnen-schweiz.ch

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MÄCHTIG DRUCK AUF DEN ANKERN WÄRMEZENTRALE IN KAISERAUGST von Heike Hübner

Vor den Toren Basels baute die Ernst Frey AG eine Wärmezentrale mit bis zu 14 Meter hohen Wänden aus SCC-Beton. Dafür wurden besonders robuste Schalungen mit widerstandsfähiger Schalhaut, sichere Arbeitsbühnen sowie stabile Schrägstützen benötigt.

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m Herbst 2021 wird die Wärmezentrale für den Wärmeverbund in der Gemeinde Kaiseraugst in Betrieb genommen. Die vom Aargauer Energieversorger AEW Energie AG beauftragte Anlage nutzt Holzhackschnitzel aus regionalen Wäldern sowie Altholz aus dem Umland, um bis zu 1 700 Haushalte zuverlässig mit Wärme zu versorgen.

WENIG PLATZ AUF DER BAUSTELLE Die Hülle des eingeschossigen Industriegebäudes mit Pultdach weist 69 Meter

Länge, 15.4 bis 18.6 Meter Breite und 12.2 bis 14.1 Meter Höhe auf. Das Gebäude wurde aus Platzgründen vollständig in die steile Böschung einer ehemaligen Kiesgrube gebaut, die dafür ausgehoben und aufwendig gesichert wurde. Hier bestand teilweise ein Lichtraumprofil von nur einem Meter – wenig Raum also zum Betonieren. Die allgemeine Enge auf der Baustelle erforderte ein durchdachtes Logistikkonzept. Das Bauunternehmen nutzte die Vorzüge des selbstverdichtenden SCC-Betons (self compacting concrete). Dieses Material ist

Die Baustelle stellte verschiedene Herausforderungen.

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für die Erstellung hoher Wandbauteile bestens geeignet und erfüllt aufgrund hoher Oberflächenqualität die geforderte Betongüte. Da SCC im getrockneten Zustand fester ist als üblicher Beton, ermöglicht er andere Bauteildimensionierungen – der Zeitaufwand für die Erstellung ist also geringer. Allerdings stellt SCC auch höhere Anforderungen an das Know-how und Können der Schalmeister sowie an die Schalung: Aufgrund des grösseren vorherrschenden Frischbetondrucks werden entsprechend höhere Anforderungen an die Schalung gestellt. Ein weiterer Punkt ist die Dichtigkeit


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DATEN UND FAKTEN Projekt: Wärmezentrale in Kaiseraugst  Bauherr: AEW Energie AG, Aarau  Bauunternehmen: Ernst Frey AG, Violenried MEVA-Systeme: Wandschalung Mammut 350, Schrägabstützung Triplex, Sicherheitssystem SecuritBasic Planung und Betreuung: MEVA Schalungs-Systeme AG, Seon

der Schalung, da SCC-Beton einen deutlich höheren Wasseranteil hat. Das Team der Ernst Frey AG um den Bauleiter Christian Müller, setzte für die Schalung der grossflächigen Wände, die MEVA Mammut 350 ein. Die leistungsstarke Industrieschalung erfüllte die nötigen Voraussetzungen auf der Baustelle in Kaiseraugst aufgrund ihrer vollflächigen Frischbetondruckaufnahme von 100 Kilonewton / Quadratmeter sowie der langlebigen alkus-Vollkunststoffplatte. Sie nimmt kein Wasser auf, quillt und schwindet nicht und garantiert mit ihrer robusten, glatten Oberfläche auch nach vielen Einsätzen Sichtbetonqualität. 500 Quadratmeter der Mammut 350 waren auf der Baustelle nahe des Rheins im Einsatz, gesichert von 28 Triplex-SchwerlastSchrägstützen. 100 Laufmeter des modularen Sicherheitssystems SecuritBasic wurden montiert. Die stattlichen Schalflächen der Mammut 350 (bis 8.75 Quadratmeter pro Element) und die einfache Handhabung des Systems sowie der TriplexStützen ermöglichten zügige Baufortschritte unter Berücksichtigung der hohen Schweizer Sicherheitsstandards. SecuritBasic erfüllt die hohen gesetzlichen Anforderungen, zum Beispiel die Unfallverhütungsvorschriften der SUVA.

SCHNELLE BETONAGE IN VIER-METER-SCHRITTEN Die Betonage erfolgte auf volle Höhe und wies aufgrund des Schrägdachs variable Abmessungen auf. Mammut-350-Elemente der Grösse 300 mal 250 Zentimeter wurden komfortabel am Boden zu einer Grundhöhe

Die hohen Schweizer Sicherheitsstandards wurden konsequent umgesetzt.

von neun Metern verbunden, die SecuritBasic-Elemente wurden befestigt und dann mit dem Kran aufgestellt. Aufstockungen von vier bis fünf Metern, ebenfalls im festen Verbund mit SecuritBasic-Bühnen, wurden darauf aufgesetzt. Nach erfolgter Betonage setzten die Arbeiter die kompletten Einheiten einfach um. Der Frischbetondruck wurde mit den installierten Betondruckmessdosen überwacht. Sie

zeigten maximale Ankerkräfte um 100 Kilonewton an. So konnten jeweils vier Meter hohe Abschnitte betoniert werden, ehe nach 40-minütiger Pause der nächste Abschnitt hergestellt wurde. Die geforderte hohe Sichtbetonqualität erzielte das Team von Ernst Frey beim Einsatz auf der Baustelle mit der langlebigen, robusten, leicht und schnell zu reinigenden alkus-­ Vollkunststoffplatte.

MEVA Schalungs-Systeme AG | Birren 24 | CH-5703 Seon | Tel. +41 (0) 62 769 71 00 | schweiz@meva.net | www.meva.net

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SCHUTZ AN HEISSEN TAGEN MIT DEM MINERGIE-HITZESCHUTZ von Andreas Meyer Primavesi

Minergie-Bauten unterscheiden sich von konventionellen Bauten vor allem in puncto Komfort. Ermöglicht wird dieser durch eine hochwertige Gebäudehülle und die systematische Lufterneuerung. Zudem brauchen Minergie-Gebäude viel weniger Energie, sind frei von fossilen Brennstoffen und wirken damit dem Klimawandel entgegen.

Mehr Lebensqualität durch angenehme Temperaturen.

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ufeinander abgestimmte Anforderungen reduzieren eine Überhitzung des Innenraums. So wird beispielsweise ein Nachweis verlangt, der aufzeigt, dass es im Gebäude an maximal 100 Stunden pro Jahr über 26.5 Grad Celsius heiss wird – viermal weniger als in konventionellen Bauten. Bereits bei der Planung gilt es, sommerliche Überhitzungen miteinzubeziehen und diesen vorzubeugen. Vorsorgen ist effizienter, als später für teures Geld technische Nachrüstungen vorzunehmen. Frische Luft und

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angenehme Temperaturen sind bedeutende Wohlfühlfaktoren. Vom beweglichen aussenliegenden Sonnenschutz über die Bodenheizung bis zum Geocooling – Minergie zeigt Ihnen wirksame Möglichkeiten auf. Für die Bewohner ergeben sich sieben Wohlfühlvorteile:

ANGENEHME RAUMTEMPERATUREN In einem Gebäude mit einem nach Minergie-Baustandard geplanten Hitzeschutz herrschen die bestmöglichen Bedingungen zum Arbeiten, Wohnen oder – sehr

wichtig – für erholsames Schlafen. Besonders wenn die Aussentemperatur auch nachts kaum abkühlt, braucht es einen ausgeklügelten Hitzeschutz: tagsüber möglichst wenig Hitze hereinlassen dank Sonnenstoren, klugem Lüften und einer guten Dämmung und nachts die Wärme rasch mittels Nachtauskühlung abführen. Dies wird immer wichtiger für einen gesunden Schlaf.

GUTE PLANUNG FÜR KÜHLE KÖPFE Der Hitzeschutz sollte von Anfang an bei der Planung eines Gebäudes berücksichtigt


werden. Die Ausrichtung und Lage eines Gebäudes, aber auch die Gestaltung der Fassade sind entscheidend. Wichtig sind dabei insbesondere der Fensteranteil, die Beschattung und die Wärmespeicherfähigkeit im Gebäude. Vor allem in innerstädtischen Gebieten ist ein effizientes System für die Nachtauskühlung einzuplanen.

LICHT IM SCHATTEN Bereits bei der Planung sollte beachtet werden, dass sich die Fenster eines Gebäudes in den Sommermonaten möglichst vor der direkten Sonneneinstrahlung schützen lassen. Sind bauliche Verschattungen nicht möglich, können solare Lasten mit dem zertifizierten Minergie-Modul Sonnenschutz gemindert werden.

HITZESCHUTZ, DER MITDENKT Lamellenstoren und Markisen oder die Nachtauskühlung mittels automatisierter Fenster können mit einer auf das Wetter abgestimmten Steuerung versehen werden. Bei der Nachtauskühlung sind Einbruchschutz und Witterungsschutz zu bedenken. Ohne Automatisierung ist eine Instruktion der Nutzenden über die richtige Bedienung der Sonnenstoren und die Nachtauskühlung sinnvoll.

AKTIVE KÜHLUNG GEHT AUCH NACHHALTIG Der bauliche Hitzeschutz ist dem aktiven Kühlen vorzuziehen. Meist reicht zudem eine leichte Kühlung mittels Erdsonden. Wenn dennoch nötig, darf man auch bei Minergie aktiv kühlen. Stammt der Strom für ein Klimagerät vom eigenen Dach, ist aktives Kühlen ökologisch verträglich, da gerade dann in der Schweiz genügend erneuerbarer Strom zur Verfügung steht, wenn es heiss und sonnig ist.

AUCH IN ZUKUNFT COOL BLEIBEN Die Prognosen sind eindeutig: Wir werden als Folge des Klimawandels in Zukunft etwas weniger heizen und dafür vermehrt kühlen müssen. Eine gute Gebäudehülle hat auf beides einen positiven Einfluss. Vermehrt wird aber die optimierte Gebäudehülle in Kombination mit beweglichem Sonnenschutz und Nachtauskühlung nicht mehr ausreichen, um kontinuierlich angenehme Innenraumtemperaturen zu garantieren. Dann kann man das Haus mit eigens produziertem Photovoltaik-Strom kühlen,

Storen verhindern eine direkte Sonneneinstrahlung.

zum Beispiel in Kombination mit einem elektrischen Tagesspeicher. Noch ökologischer und stromsparender ist die Nutzung von Geocooling. Diese moderne Technologie funktioniert via Erdsonde und ohne den Einsatz einer Kältemaschine. Statt dem Erdreich im Winter nur die Wärme zu entziehen, wird im Sommer die angenehme Kühle des Erdreichs genutzt und gleichzeitig die Wärme zurückgeführt. Damit sind wir für eine wärmer werdende Zu-

kunft gewappnet, ohne die Erwärmung weiter voranzutreiben.

GUT GERÜSTET MIT ENERGIEEFFIZIENTEN GERÄTEN Elektrische Geräte brauchen nicht nur Strom, sondern geben auch Wärme ab. Daher sind energiesparende LED-Leuchten, effiziente elektrische Geräte und energieoptimierte IT-Systeme fürs Innenraumklima im Hochsommer sehr wichtig.

Minergie | Bäumleingasse 22 | CH-4051 Basel | Tel. +41 (0) 61 205 25 50 | info@minergie.ch | www.minergie.ch/hitzeschutz

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INSPIRIERENDE STILWELTEN EINRICHTUNG NACH WUNSCH von Elisa Beck

Vor dem inneren Auge sieht ein stilvoll eingerichteter Wohnbereich von Mensch zu Mensch anders aus. Die Möglichkeiten sind schier endlos: Soll die Wohnung minimalistisch, klassisch oder doch eher opulent sein? Der Einrichtungsservice SimmenHome bietet hier nicht nur eine grosse Auswahl, sondern hilft auch bei der Orientierung und Umsetzung.

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er schon einmal in einer leeren Wohnung gestanden hat, kennt die Mischung aus Vorfreude auf die Gestaltung und Unsicherheit, wie die Einrichtung aussehen soll. In der Luft liegt das Versprechen einer gemütlichen, praktischen oder auch stylischen Zukunft in diesen vier Wänden. Erstmal sieht der neue Bewohner allerdings nur weisse Wände, deren Potenzial optimal genutzt werden will. Auch wenn die eigenen Vor-

lieben ein guter Leitfaden sind, lohnt es sich, hier einen Profi zu Hilfe zu holen. In dieser Situation bieten die Stilwelten von SimmenHome Inspiration für jeden Geschmack. Vom Ausbau und der Einrichtung einzelner Räume bis hin zur Komplettausstattung nach Mass wird die Immobilie im individuell gewählten Stilkonzept angelegt und eingerichtet. Als Händler bietet SimmenHome ausserdem die passenden Designermöbel an.

Der Umbau sorgt für mehr Freiräume.

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DEN INDIVIDUELLEN STIL HERAUSKITZELN SimmenHome bündelt damit die wichtigsten Aspekte der Einrichtung: Beratung für Stil und Ausbau sowie ein grosses Angebot für die Einrichtungsgegenstände. Dabei können je nach Geschmack auch verschiedene Stile kombiniert oder vermischt werden. Einmalig in der Schweiz ist die grosse Auswahl von 150 Marken und über 3 800 Ma-


Das Haus wurde von Grund auf umgebaut.

terialmustern im SimmenStore. Darunter befinden sich Möbel für Schlaf- und Wohnzimmer, aber auch Ausstattung für Küche und Bad sowie Wohnaccessoires für jeden Geschmack und Stil. Neueste Trends und Entwicklungen werden beobachtet und umgesetzt. David Imfeld hat sich bei der Veredlung von Grundriss und Einrichtung seines Einfamilienhauses im Showroom in Pfäffikon beraten lassen: «Für die Auswahl haben wir uns vor Ort getroffen und gemeinsam Vorschläge angeschaut und ausgesucht. Auf dieser Grundlage haben wir neue Möbel gekauft und die Anregungen von Simmen einfliessen lassen. Auch für den Umbau wurden verschiedene Vorschläge gemacht, die wir dann besprochen haben. Wenn etwas gezeigt wurde, dann hat es immer gepasst. Es war eine kurze Bauphase von drei Monaten, in denen alles komplett erneuert werden musste: Bäder raus, Böden raus, Küche raus, Wände ausschlagen, neu streichen und einrichten. Es ist sehr viel in dieser Zeit passiert, die Zusammenarbeit hat gut funktioniert.»

konnte also tagsüber normal arbeiten. Am Abend haben wir dann gezeichnet, Skizzen ausgetauscht und in diesem Prozess ist die Vorlage entstanden», erläutert Imfeld dieses Vorgehen. Die Grundrisse liefert die SimmenGroup stets mit einem Möblierungsvorschlag, damit der Kunde direkt eine Vorstellung über die Möglichkeiten der Raumgestaltung erhält. Hier ist Fantasie gefragt: Es sind vorerst nur die fixen Einbauten wie Sanitäreinrichtung, Küchenspülen, Stufen oder Schränke eingezeichnet. Das Einfamilienhaus von David Imfeld ist nach dem Umbau nicht mehr wiederzuerkennen: Wände wurden herausgerissen oder umgesetzt, sodass Räume und Durchgänge vergrössert wurden, Boden, Küchen

und Bäder sind neu und sorgen für modernes Lebens- und Wohngefühl.

FAZIT Nach der Überarbeitung ergeben sich für alle Beteiligten einige Vorteile. «Ich wollte mithilfe von SimmenHome einen neuen Stil in das Haus einbringen. Was die Realisierung angeht, sind sie Vollprofis. Allein verliert man sich darin, aber die Beratung kann sagen, was zueinander passt und das Ergebnis ist stimmig», weiss Imfeld als Eigentümer. Die Immobilie ist schöner und praktischer zu bewohnen, langfristig ist sie zu einer zukunftssicheren Wertanlage geworden. Die Einrichtung rundet das Gesamtpaket ab: Das Zusammenspiel von ausgewählten Möbeln und Innendesign ist ebenso gemütlich wie modern.

RUNDUM GUT BERATEN Eine komplexere Thematik als Einrichtung und Farbwahl stellen für viele Personen die «harten Fakten» dar, also Grundriss, Raumplanung und -aufteilung. Hier können sich die Wenigsten auf ihre Intuition verlassen. Der Service «DoubleCheck with Patric Simmen» bietet daher eine unverbindliche und geschulte Zweitmeinung zu bestehenden Projektunterlagen. Im persönlichen Gespräch werden die individuellen Bedürfnisse sowie die vorgegebenen Rahmenbedingungen besprochen und abgeglichen. «Anfänglich haben wir anhand von Handskizzen unkompliziert einen Überblick geschaffen, sozusagen nach Feierabend. Ich

Die Räume versprühen mondänen Charme.

SimmenStyle AG | Zentrum Staldenbach 1 | CH-8808 Pfäffikon | Tel. +41 (0) 44 728 90 20 | info@simmengroup.ch | www.simmengroup.ch

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© TU Kaiserslautern, FG Massivbau

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Wand aus Recyclingbeton in Thionville.

DER EWIGE KREIS MATERIAL-RECYCLING BEI BAUSTOFFEN VORANTREIBEN von Julia Reichelt

Wie aus Abfall im Bauwesen etwas Neues und Nützliches entsteht, zeigt das EU-Projekt SeRaMCo (Secondary Raw Materials for Concrete Precast Products). Als Lead-Partner im Verbund hat die Technische Universität Kaiserslautern (TUK) vier Jahre lang marktfähige Lösungen zur Rezyklierung und Wiederverwendung von Bau- und Abbruchmaterial für Bauwerke erforscht. Pilotobjekte zeugen davon, dass Bauen mit Fertigteilen aus Beton, der auf rezyklierter Gesteinskörnung basiert, innovativ und nachhaltig zugleich ist. Damit ist die Grundlage geschaffen, den ökologischen Fussabdruck der Bauindustrie zu verringern.

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rof. Dr. Ing. Christian Glock, der an der TUK das Fachgebiet Massivbau und Baukonstruktion leitet, unterstreicht die Relevanz von SeRaMCo: «Etwa die Hälfte der in Europa vorhandenen Primärrohstoffe, darunter Ton und Kalkstein aus Steinbrüchen, kommen im europäischen Bausektor zum Einsatz, der zugleich ein Drittel aller Abfälle produziert». «Bis zu 95 Prozent der Inertabfälle von Abbruchgeländen werden bislang als Verfüllmaterial und für den Strassenunterbau verwendet. Nur ein Bruchteil davon gelangt in den Wertstoffkreislauf der Zement- und Betonherstellung zurück. Diese Lücke können wir jetzt schliessen.»

VOM GEBÄUDE ZUM MATERIAL UND ZURÜCK Der Kreislauf beginnt beim planmässigen Gebäudeabriss, einer speziell im Projekt entwickelten hochwertigen Materialaufbereitung von Sand und Gesteinskörnungen bis hin zur Zementherstellung aus rezyklierten Sanden und der Betonherstellung mit rezyklierten Gesteinskörnungen. Sprich:

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Sand und Gesteinskörnungen kommen wieder und wieder in Bauten zum Einsatz. «Ergebnis unserer Forschung sind neue Zement- und Betonmischungen sowie innovative Betonfertigteile aus rezyklierten Gesteinskörnungen», so Glock. «Mit zwei bereits abgeschlossenen Pilotobjekten konnten wir schlussendlich zeigen, dass Bauen damit sehr gut möglich ist.» An einem Autobahnrastplatz in der Nähe des französischen Thionville haben die Projektpartner in interdisziplinärer Zusammenarbeit im September 2020 eine Wand aus L-förmigen Fertigteilen errichtet. Diese besteht zu 100 Prozent aus Recyclingbeton und heisst, mit dem Namen des Rastplatzes versehen, Besucherinnen und Besucher willkommen. Das zweite Bauwerk, ein Pavillon mit einer Fläche von knapp fünf mal sieben Metern aus Fertigteilen, die rezyklierte Baumaterialien enthalten, entstand im Pirmasenser Stadtteil Husterhöhe. Das dritte Objekt, ein Parkour-Park im belgischen Seraing, befindet sich in Planung.

INTERNATIONALES VORBILD «Sichtbarkeit hat das Projekt auch dadurch bekommen, dass wir bei den europäischen RegioStars Awards 2020 in der Kategorie «Circular economy for a green Europe» die Finalrunde erreicht haben», ergänzt Glock. «Das hat das gesamte Forschungsteam motiviert, zumal es bestätigt, dass unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeit eine Vorbildfunktion hat.» Am Projekt SeRaMCo waren elf Industrie- und Forschungspartner aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden beteiligt. Die EU hatte das Vorhaben im Rahmen ihres transnationalen Förderprogramms Interreg Nord-West Europa mit 4.3 Millionen Euro gefördert.

JULIA REICHELT ist Redaktorin an der TU Kaiserslautern. www.nweurope.eu



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Grüne Gebäude punkten durch Schlüsselfaktoren.

SICHER, EFFIZIENT UND LANGLEBIG DIE NEUE SCHIEBETÜR-GENERATION FÜR HOHE ANSPRÜCHE von Daniela Eckerle

Am Anfang eines Gebäudes steht die Planung. In dieser Phase geht es um die Bedürfnisse und die geeigneten Lösungen dafür. Unabhängig von der Grösse und den Ansprüchen an ein Projekt ist bereits bei der Planung klar, dass am Anfang des Gebäudes die Tür steht. An ihr führt kein Weg vorbei, denn durch sie betreten und verlassen Personen das Gebäude.

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it Blick auf die weiteren Entstehungsphasen treten verschiedene Bedürfnisgruppen auf, die unterschiedliche Ansprüche an die Tür stellen. Ausschreibung, Realisierung, Bewirtschaftung und Normen üben genauso einen Einfluss aus wie Architekten, Planer, Betreiber und Besucher. Mit der schlichten Schliessung des Lochs in der Aussenhülle

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ist es also bei Weitem nicht getan. Gerade in stark frequentierten oder öffentlichen Gebäuden muss die Aussentür viele komplexe Anforderungen erfüllen.

tive Energiespar-Schiebetür ST PRO Green, ausgestattet mit dem neuen Antriebssystem ES PROLINE.

Bei der Entwicklung der neuen Generation automatischer Schiebetüren hat dormakaba die unterschiedlichen Anspruchsgruppen berücksichtigt. Das Resultat ist die innova-

Mit den Ansprüchen an ein Objekt geht oftmals auch die Vision einher. Das Gebäude soll nicht nur einen bestimmten Zweck erfüllen, sondern beispielsweise auch nach-

SCHÖN NACHHALTIG


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haltig sein oder bestimmten Designansprüchen gerecht werden. Das gewachsene ökologische Bewusstsein und die Forderung nach mehr Effizienz sind die Triebfedern für die Umsetzung von Green Buildings und stellen neue Anforderungen an Material und Gebäude. Saubere Technologien, Emissionsreduktion und Ressourcenschonung sind die Schlüsselfaktoren grüner Gebäude. Sowohl bei der Produktion als auch bei der Nutzung der neuen Schiebetür-Generation stand die Nachhaltigkeit deshalb im Zentrum. Energieeffizienz und Ressourcenschonung spielen deshalb sowohl bei der Produktion als auch beim Einbau und Betrieb eine grosse Rolle. Besonders deutlich wird das bei der erheblichen Einsparung laufender Energie- und Heizungskosten sowie der Verringerung des CO2-Ausstosses. Dazu trägt beispielsweise die thermische Trennung durch das Profil mit DreifachVerglasung bei, mit dem die aktuellen Vorgaben der Energiesparverordnung EnEV erfüllt werden können. Um Einbussen in puncto Design zu minimieren, stand bei der Entwicklung des neuen Antriebssystems nicht nur die Energieeffizienz, sondern auch die Leistung im Fokus. Dank des neuen Antriebs können Türflügelgewichte bis zu 400 Kilogramm mit einer Durchgangsweite von bis zu drei Metern realisiert werden. Das bietet grö-

ssere Gestaltungsfreiheit für viele Türsituationen ohne Verzicht auf Sicherheit, da die Schiebetür auch für Flucht- und Rettungswege zertifiziert ist. Damit sich die Tür harmonisch in die Gebäudearchitektur einfügt, wartet der designorientierte Antrieb zudem mit einer Sensorverkleidung auf. Sensoren für die Aktivierung und Absicherung werden in das Antriebssystem integriert. Störende Aufsätze und Aufbauten können so vermieden werden.

MODULAR FÜR ALLES, WAS KOMMT Nicht immer ist während den ersten Phasen des Bauprozesses bereits klar, welche praktischen Anforderungen die Eingangstür erfüllen muss. Hier profitieren Fachplaner und Betreiber von der Modularität des neuen Antriebssystems ES PROLINE für ein- und zweiflügelige Schiebetüren oder Teleskopschiebetüren. Sie bietet die optimale Lösung für nahezu alle Anwendungsgebiete und Einsatzbereiche. Viele erweiterte Funktionen und der modulare Aufbau erhöhen die Investitionssicherheit, wenn sich die Anforderungen im Laufe der Planung oder des Betriebs ändern. Sicherheit spielt gerade bei Aussentüren eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund ist die ST PRO Green auch mit zertifiziertem Einbruchschutz (RC2) erhältlich. So ist während der Geschäfts- beziehungsweise Öffnungszeiten ein komfortabler Zutritt gewährleistet. Zu anderen Zeiten sorgen eine

durchgehende Bodenschiene, ein im Antrieb vorhandener Sabotageschutz, ein verstärktes Profilsystem, das SicherheitsIsolierglas und eine Mehrpunkthakenverriegelung im Bereich der Hauptschliesskante für hohen Schutz gegen Einbruch und Vandalismus. Individuell wählbare Verrieglungen, programmierbare Funktionen und vielfältiges Zubehör machen die neue SchiebetürGeneration auch zur idealen Lösung für Flucht- und Rettungswege. Die Grundsteuerung des ES PROLINE bietet neben den Standard-Funktionsprogrammen vier programmierbare Ein- und Ausgänge. Mit diesen lassen sich beispielsweise Funktionen wie Apothekenschaltung, Schleusensteuerung oder Anschluss eines bauseitigen Warmluftschleiers umsetzen. Damit sorgt der Antrieb für Nachhaltigkeit, weil er sich an neue Anforderungen anpasst. Auch die neue Antriebstechnologie steuert zur Nachhaltigkeit im Betrieb bei: Der neue Motor kommt ohne Getriebe aus, was zu weniger Verschleiss führt. Eine grosse Auswahl an Zubehör, beispielsweise Programmschalter und Taster, runden das Antriebssystem ab. In Kombination mit den eigenen Zutrittsmanagementsystemen bietet dormakaba hier alles aus einer Hand.

SICHERES WILLKOMMEN Besucher und Mitarbeitende bringen Leben in ein Gebäude – unabhängig davon, wie lang sie darin verweilen. Ihre Bedürfnisse spielten bei der Entwicklung der neuen Schiebetür-Generation ebenfalls eine zentrale Rolle. So sorgt die neue Motorentechnologie für ein besonders leises Schliessen der Schiebetür. Die verbesserte Reaktionszeit der Türöffnung und -schliessung bietet mehr Sicherheit und Energieeffizienz. Besucher und Mitarbeitende sind dadurch keinen störenden Geräuschen der Tür ausgesetzt und geniessen ein komfortables und angenehmes Begehen des Gebäudes. Schliesslich unterstützt das klare Design einen reibungslosen Personenfluss, sodass bereits die Eingangstür ein sicheres Willkommen für alle ausstrahlt.

dormakaba Schweiz AG | Mühlebühlstrasse 23 | CH-8620 Wetzikon | Tel. +41 (0) 848 85 86 87 info.ch@dormakaba.com | www.dormakaba.ch/stprogreen

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ENORMES POTENZIAL DIGITALISIERUNG SETZT STANDARDS von Andreas W. Kaelin

Das Potenzial der Digitalisierung wurde in der Corona-Krise für viele erstmals richtig greifund erlebbar. Man sah sich plötzlich konfrontiert mit Videotelefonie, Home Office, Homeschooling, Online-Bestellungen und QR-Codes. Und es hat grösstenteils gut funktioniert – das Potenzial von digitalen Hilfsmitteln im Alltag wurde entdeckt und angewandt.

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ür die Bau- und Immobilienwirtschaft bietet die Digitalisierung ebenfalls immense Chancen und neue Möglichkeiten. Die Branche steht noch am Anfang, wie die neuste Ausgabe des Digital Real Estate Index des Consulting-Unternehmens pom+ zeigt. Die Schweiz erreicht dort in der Digitalisierung 4.1 von 10 Punkten. Das Potenzial ist also noch lange nicht ausgeschöpft.

bäude für Wartungsarbeiten sichtbar zu machen – wie bei Vermessungen mittels Drohnen, datengesteuerter Baulogistik oder der Qualitätssicherung durch Bildanalyse. 2-DPläne, Modelle oder Beauty-Renderings sind beispielsweise aufwendig zu erstellen und wenig flexibel in der Anwendung. Hier bietet Augmented Reality eine innovative und kostensparende Alternative zu den bestehenden Visualisierungsmöglichkeiten.

DAS POTENZIAL IST RIESIG

DIGITALE VERNETZUNG ALS NEUER GOLDSTANDARD

Die Digitalisierung gestaltet bestehende Prozesse effizienter und ermöglicht neue Anwendungen wie den Einsatz von Augmented Reality, um Leitungen und Sensoren im Ge-

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Ein gemeinsames Verständnis des Bauobjektes und eine klare Kommunikation sind zentral in der Bauwirtschaft, um Miss-

verständnisse und somit teure Fehler zu verhindern. An jedem Bau sind zahlreiche Akteure beteiligt: vom Bauherrn über den Handwerker, das Bauunternehmen und den Architekten bis hin zum Immobilienverwalter. Jeder dieser Akteure generiert grosse Mengen an Daten, die häufig nicht gut aufeinander abgestimmt sind oder sogar ungenutzt bleiben. Dabei wäre es wichtig, dass die bestehenden Informationslücken überwunden werden können, da dies eine Grundvoraussetzung für reibungslose Abläufe ist. Damit alle Daten-Teile ineinandergreifen können, muss die Digitalisierung übergreifend an-


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gegangen werden. Sie startet bei der Planung eines Gebäudes und wird über den gesamten Lebenszyklus aufrechterhalten. Das sogenannte Building Information Modelling (BIM) verspricht grosse Effizienzsteigerung durch einen durchgehenden Informationsfluss. Künftig geht der Trend gar in Richtung Echtzeitübertragung der Daten. Eine solche Vernetzung erfordert von den Beteiligten viel Mut zu Veränderung, Zusammenarbeit und Transparenz, lohnt sich jedoch mit Sicherheit.

BAUBEHÖRDEN GEHÖREN MIT INS BOOT Ein wichtiger Akteur bei jedem Bauprojekt sind die Baubehörden – deshalb hört digitale Vernetzung auch nicht am Baustellenzaun auf. Der Blick auf die kantonalen Bewilligungs- und Meldeverfahren zeigt, dass wir von der durchgängigen Digitalisierung eines Bauprojekts noch weit entfernt sind. Viele Bewilligungsverfahren verlaufen heute noch auf Papier und nicht alle Inventare und Register sind einfach digital zugänglich. Solche Medienbrüche kosten Zeit und sind eine Fehlerquelle. Die Baubehörden sind als wichtiger Akteur in einem Bauprojekt angehalten, die Digitalisierung medienbruchfrei voranzubringen, indem

Augmented Reality hilft bei der Visualisierung.

sie geeignete Schnittstellen und Standards bereitstellen. Es gibt zwar bereits einige Kantone und Gemeinden, die nun ihr E-GovernmentAngebot mit der Möglichkeit eines elektronischen Baugesuchs erweitern, doch sind noch lange nicht alle Kantone und Gemeinden auf dem gleichen Stand der Digitalisierung. Basel-Stadt geht bei ihrem E-Government-Angebot beispielsweise noch einen Schritt weiter und will bis Ende 2023 alle Bewilligungs- und Meldeverfahren im Bau- und Verkehrsdepartement digitalisieren. Mithilfe der E-Government-Infrastruktur des Kantons Basel-Stadt sollen dann die Daten der Gesuche automatisiert übernommen und digital bearbeitet werden, wodurch schliesslich digitale Bewilligungen ausgestellt werden können.

«DIGITAL FIRST» SOLL ZUR REGEL WERDEN Der Druck auf die Behörden, ihre Dienstleistungen vermehrt digital anzubieten, wächst. Der Bundesrat hat den Handlungsdruck erkannt und dieses Jahr ein Digitalisierungs-Gesetzesprojekt für die öffentliche Verwaltung lanciert. Das Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben

(EMBaG) will erstmals die öffentliche Verwaltung verpflichten, ihre Dienstleistungen konsequenter digital anzubieten. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Behörden wird eine wichtige Lücke in der umfassenden Vernetzung aller Beteiligten in der Bauund Immobilienwirtschaft geschlossen. Nur wenn das Potenzial der Digitalisierung von allen Beteiligten erkannt und ausgeschöpft wird, können Effizienzgewinne realisiert werden. Es ist daher an der Zeit, dass sich alle – von der Planung über die Bauherrschaft bis zur Bewilligung und Bauleitung – mit der Digitalisierung auseinandersetzen und sie als Chance für das eigene Tätigkeitsgebiet nutzen. Nur mit gemeinsamen Anstrengungen und den politischen Rahmenbedingungen kann der Wandel gelingen. Die Technologien sind da. Jetzt gilt es, sie konsequent einzusetzen.

ANDREAS W. KAELIN ist stellvertretender Geschäftsführer bei digitalswitzerland. www.digitalswitzerland.com

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NATÜRLICHE ÄSTHETIK DER GARTEN ZWISCHEN BESTÄNDIGKEIT UND WACHSTUM von Elisa Beck

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Wer einen Blick über den Zaun in den Garten des Nachbarn wirft, wird sehen, wie gross die Unterschiede in der Gestaltung schon mit wenigen Metern Abstand sein können. Der eine wählt moderne Farben und klare Kanten, der andere begeistert sich für natürliche Materialien und wuchernde Bepflanzung. Doch ein Aspekt ist immer gleich: Von unserem Garten wünschen wir uns Beständigkeit, aber auch einen Kontrast zur Wohnung. Eine Terrasse am Haus ist der perfekte Übergang zwischen diesen beiden Bereichen, verbindet sie doch die Bequemlichkeit und den Schutz vor Wettereinflüssen der Innenräume mit der lebendigen Kraft und dem eigenmächtigen Wachstumsdrang der Pflanzen im Aussenbereich. Wie wir diesen Wohnraum unter freiem Himmel gestalten und welchen Einfluss der Klimawandel darauf nehmen wird, zeigen die folgenden Seiten.



GARTEN

LASS DIE SONNENBLUME IN DEIN HERZ NEUE FARBTUPFER FÜR GARTEN UND BALKON von Caroline Zollinger

Die Sonnenblumen sind die Stars des Sommers. Neue, besonders blühfreudige Sorten versprechen monatelangen Augenschmaus, ohne viel Arbeit zu bereiten. Kompakt, verzweigt, vielblütig und dauerblühend, das sind die neuen Sonnenblumen…

E

in endlos hoher Stängel, obendrauf eine riesige Blüte. So stellt man sich gemeinhin eine Sonnenblume vor. Doch das war einmal. Die neue Generation Sonnenblumen, botanisch Helianthus genannt, übt sich punkto Höhe in vornehmer Zurückhaltung. Sie wächst stattdessen kompakt und verzweigt. Bei der Blütenfülle lässt sie sich aber nicht bitten: Bis zum ersten Frost öffnen sich unermüdlich neue

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Blumen, die selbst an trüben Tagen für sonnige Stimmung sorgen. Zu den neuen Züchtungen zählen «Sunbelievable Brown Eyed Girl» mit apart braunrötlicher Mitte oder «Sunblast» mit klassisch dunklem Zentrum. Ab Mitte Mai sind die gelben Schönheiten in den Gärtnereien als vorgezogene Pflanzen erhältlich. Mühsames Aussäen und Warten, bis die Sonnen-

blumen endlich gross genug und dem Angriff durch Schnecken gefeit sind, entfällt. Nach dem Kauf in der Gärtnerei oder im Gartencenter müssen die Sonnenblumen zu Hause nur noch ins Beet oder in einen grösseren Topf oder Kübel gesetzt werden. Bald schon geht das Blütenspektakel los. «Es ist wichtig, einen genügend grossen Topf zu wählen, damit die Sonnenblumen


GARTEN

im Laufe der Saison ihr volles Blüh-Potenzial entwickeln können», rät Othmar Ziswiler von JardinSuisse, dem Unternehmerverband der Gärtner.

FÜR TOPF ODER BEET Die kompakten Sonnenblumen-Sorten sehen in hohen, schlanken Gefässen bei einem sonnigen Eingang ebenso stimmig aus wie im niedrigen, quadratisch geformten Kübel auf der Terrasse. Als Partner zu ihren Füssen eignen sich hängend wachsende Arten aus dem Sommerflor-Sortiment wie beispielsweise die als Strukturpflanze beliebte Ipomoea (Süsskartoffel) besonders gut. Auch im Gartenbeet sind die neuen Sonnenblumen mit ihrer Blütenfülle die Stars des kommenden Sommers. Sie glänzen in Einzelstellung ebenso wie in Kombination mit Gräsern oder anderen Sommerblumen. Dass die neuen Sorten nicht in die Höhe schiessen, sondern buschig und mehrfach verzweigt sind, macht sie für die Kombination mit anderen Pflanzen ganz besonders attraktiv. Die maximale Wuchshöhe und -breite beträgt je nach

Die Sorte «SunBlast» hat rein gelbe Blütenblätter mit schwarzer Mitte.

Standort rund 60 bis 80 Zentimeter. Am liebsten ist ihnen ein sonniger bis halbschattiger Ort. Die Pflege der Sonnenblumen ist denkbar einfach. Sie danken regelmässiges Giessen und Düngen mit laufend neuen Blüten. Wer Abgeblühtes entfernt, schafft Platz für immer neue Blumen. Die neuen Sorten sind in der Regel pollenfrei gezüchtet, bilden also keinen Blütenstaub aus. Dies soll sich verlängernd auf die Blütezeit auswirken und ist überdies für Allergiker eine gute Nachricht. Trotzdem werden sie von Bienen und anderen Insekten geschätzt, die sich am Nektar bedienen.

AB IN DIE VASE! Sonnenblumen lassen sich gut als Schnittblumen in die Vase holen. Damit sie möglichst lange halten, schneidet man sie am besten früh morgens. Den Stängel mit einem scharfen Messer leicht schräg anschneiden und dabei Quetschungen vermeiden. Vor dem Einstellen taucht man die Stielenden für einige Sekunden in 70 Grad heisses Wasser oder sengt sie mit einem Feuerzeug kurz an. Die Hitze sorgt dafür, dass sich die Schnittstelle

schliesst und keine Fäulnis entstehen kann. Dies macht die Blumen bis zu einer Woche lang haltbar.

IMMER SCHÖN DER SONNE NACH Sonnenblumen sind ihrem Namen getreu echte Sonnenanbeterinnen. Der botanische Name Helianthus leitet sich aus dem griechischen Wort «helios» für Sonne ab. Wer Sonnenblumen etwas genauer beobachtet, stellt Erstaunliches fest: Die Blütenköpfe junger Pflanzen drehen sich tagsüber von Ost nach West und nachts wieder zurück. So können sie ein Maximum an Licht ergattern und sich optimal entwickeln. Sind die Pflanzen einmal ausgewachsen und haben nicht mehr die Kraft, sich zu drehen, richten sie ihre Blütenstände fix nach Osten aus.

CAROLINE ZOLLINGER ist Autorin bei JardinSuisse. www.jardinsuisse.ch

Elegante Türwächter: die neuen Sonnenblumen im Duett mit Zierkartoffeln als hängende Strukturpflanzen.

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GARTEN

DAS BESTE AUS GARTEN UND BEET HERAUSHOLEN FÜR JEDEN PLATZ DIE PASSENDE ANBAUART von Lukas Hader

Gartenarbeit und das Aufziehen von eigenem Gemüse und Obst liegen hoch im Kurs. Selbst auf einem kleinen Balkon kann man tolle Ergebnisse erzielen. Und mit einem Hochbeet oder Gewächshaus wird man beinahe zum Selbstversorger. Die Arbeit im Garten sollte jedoch gelernt sein, denn gesunde Pflanzen und lebendige Böden sind die Grundlage für eine gute Ernte.

Die Gartengestaltung ist eine individuelle Aufgabe.

D

ie Lust an der Gartenarbeit ist so gross wie noch nie und wurde durch die Pandemie sogar befeuert. Kleinpflanzen, Stecklinge und Zubehör sind sehr gefragt, die Garten-Center gut besucht. Bevor man die Früchte harter Arbeit ernten kann, ist aber einiges zu tun. Wer erst kürzlich Gartenbesitzer geworden ist oder das Anbauen von Gemüse und Obst bisher vernachlässigt hat, der sollte sich erst einmal Gedanken machen, wie die Jungpflanzen im Garten am besten angelegt werden.

DIE RICHTIGE BEETFORM FINDEN Bevor es ans Handwerken geht, muss erst einmal geklärt werden, welche Beetform in den Garten passt. Ein wichtiger Anhalts-

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punkt ist dabei natürlich die Grösse. Aber auch andere Begebenheiten können entscheidend sein. Gibt es Mauern oder Wege, die entlang des Geländes führen, gibt es einen Bach oder einen Teich, der bei starkem Regen überlaufen kann? Diese und weitere Dinge sind ausschlaggebend dafür, welches Beet schliesslich angelegt wird. Neben den klassischen Formen wie dem Hochbeet oder der Kräuterschnecke gibt es aber auch Mischformen. Es ist zum Beispiel möglich, auf ein Hochbeet ein Gewächshaus als Aufsatz anzubringen. Das Gemüse ist so nicht nur vor Tieren und Hochwasser geschützt, sondern auch vor besonders niedrigen Temperaturen und starkem Wind. Ob Inselbeet, Streifenbeet, Hochbeet, Blumenkiste oder Gewächs-

haus – für unterschiedliche Gärten und Balkone gibt es unterschiedliche Lösungen.

WENIG PLATZ? KEIN PROBLEM Nicht jeder verfügt über einen grossen Garten. Gerade im städtischen Raum ist Kreativität gefragt. Wer wenig Platz hat und diesen so gut es geht nutzen möchte, der kann beispielsweise die Hauswand oder das Balkongeländer zum Anbau von Gemüse, Kräutern oder Zierpflanzen nutzen. Hier ist es sehr wichtig, auf die Ausrichtung zu achten. Sogar kleine Bäume fühlen sich auf halbschattigen Balkonen wohl. Etwas in Vergessenheit geraten, aber gerade auf dem Weg zurück ist die Blumenampel. Hier eignen sich vor allem Kletter- und Schlingpflanzen, aber auch


GARTEN

mitteln. Sie unterstützen das Anwachsen, Blühen, Reifen und die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Boden. Der Experte empfiehlt den Einsatz organischer Dünger, da diese nicht nur umweltschonend, sondern durch ihren pflanzlichen oder tierischen Ursprung besser verträglich für die Pflanzen sind.

JUNGPFLANZEN RICHTIG BEHANDELN

Verschiedene Beete haben unterschiedliche Wirkungen.

Nutzpflanzen wie Erdbeeren eignen sich und sorgen für einen abwechslungsreichen Mix mit Zier- und Nutzwert.

GESUNDE BÖDEN UND RASEN SIND BESONDERS WICHTIG Ein Beet sollte nur auf Böden angelegt werden, die über ausreichend Nährstoffe

verfügen. Ein gesundes Bodenleben lockt Nützlinge und Regenwürmer an und hilft den Pflanzen beim Anwachsen. Alte Böden sollten vor der Aussaat aufgelockert werden, damit Jungpflanzen gut wurzeln können. Ähnlich verhält es sich beim Rasen. Wird ein neuer Rasen ausgelegt oder angesät, lohnt sich der Einsatz von Dünge-

Gerade bei neu angelegten Rasenflächen oder Beeten ist es wichtig, dass die Wurzeln rasch anziehen, denn sie sind es, die der Pflanze Nahrung und Halt geben. So sind die Ergebnisse nicht nur schneller sichtbar, sondern die Pflanzen werden auch auf natürliche Weise gestärkt, sind widerstandsfähiger und wurzeln besser ein.

LUKAS HADER ist Geschäftsführer von Multikraft. www.multikraft.com/de

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© HLC / Leiner

© HLC / Leiner

GARTEN

Angenehm, das ganze Jahr: Das Terrassenglassystem lässt sich durch verschiedene Features abrunden.

Das Dachschiebefenster ist zu 100 Prozent wasserdicht.

LUFT NACH OBEN MOTORISIERTE DACHSCHIEBEFENSTER VERHINDERN STAUHITZE von Benjamin Nelles

Ein Terrassendach aus Glas wertet den Aussenbereich optisch auf und schützt die Bewohner ganzjährig vor Witterungseinflüssen. Ein Nachteil ist oftmals der entstehende Hitzestau sowie die schwierige Be- und Entlüftung – nicht so bei einem neu entwickelten Modell inklusive cleverer Zusatzlösung.

B

ei dieser handelt es sich um ein motorisiertes Dachschiebefenster für ein bioklimatisches Terrassenglassystem. Hier entweicht die Stauhitze nach dem Öffnen nach oben und es setzt angenehme Frischluftzufuhr ein. Puristisch, formschön, architektonisch ansprechend – die Bewohner machen sich mit dem System also einerseits wetterunabhängig, verwandeln das «erweiterte Wohnzimmer» andererseits in einen echten Hingucker.

QUALITÄT UND ÄSTHETIK Heute draussen sitzen oder lieber in den eigenen vier Wänden bleiben? Mit einem Terrassensystem ist diese Frage kein Entweder-oder mehr. Durch das Glassystem bleibt der Nutzer flexibel, wie offen oder geschützt die Terrasse gestaltet werden soll. Die Hochwertigkeit des Systems spiegelt sich auch in den Details wider: So bestehen alle Metallteile aus hochwertig beschichtetem Aluminium und sämtliche technischen Komponenten sind verdeckt angebracht. Das Terrassendach wird auf den Millimeter

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genau massgefertigt und ist in unterschiedlichen Farben mit Feinstruktur-Oberfläche ohne Mehrpreis erhältlich. Zusammen mit möglichen Sonderformen entsteht so ein System, das sich sämtlichen individuellen Wünschen und architektonischen Herausforderungen bestens anpasst. Der Motor arbeitet leise, ohne eine störende Geräuschkulisse zu erzeugen. Durch die Kombination aus kubischem Terrassenglassystem und motorisiertem Dachschiebefenster wird die Luftzirkulation auf der Terrasse begünstigt.

ERWEITERTE FUNKTIONEN Zudem erweitern Glasschiebeelemente, eine dimmbare LED-Beleuchtung und Heizstrahler das «Outdoor»-Vergnügen. Einem gemütlichen Sonntagsfrühstück oder langen Sommerabenden auf der Terrasse steht so nichts mehr im Wege. Doch nicht nur bei Sonne, auch an Regentagen ist das Terrassenglassystem ein zuverlässiger Partner. Niederschlag und Wind werden abgehalten, ohne sich hinter dicke Mauern

zurückziehen zu müssen. Es ist weiterhin möglich, bei Tageslicht zu lesen, beisammenzusitzen oder das Naturschauspiel im Garten zu beobachten. Die Terrasse wird zum individuell nutzbaren Lebensraum, der in jeder Lebens- und Wetterlage zum Verweilen einlädt. Dank serienmässigem Funkmotor ist das Dachschiebefenster Smarthome-ready. Somit lässt es sich ganz bequem zum Beispiel per Smartphone oder Funksender steuern – und zusätzlich mit Sonnen- oder Regensensor koppeln. So kann mit einem Klick auf jede Wetteränderung reagiert werden. Sollte niemand zu Hause sein, reagieren die Sensoren eigenständig.

BENJAMIN NELLES ist Redaktor bei easy-PR / HLC. www.leiner.de


GARTEN

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GARTEN

ÜBERGÄNGE GESTALTEN FLIESEN IM NATURAL LOOK FÜR DEN AUSSENBEREICH von Luisa Heyer

Die Outdoor-Saison beginnt. Es wird daher höchste Zeit, Veranda, Terrasse, Garten und Pool auf die warmen Sommertage einzustimmen. Mit ihren vielfältigen Designs und Einsatzmöglichkeiten gestalten die Outdoor-Fliesen von Ceramiche Refin ein modernes Aussenambiente, das zum Wohlfühlen und Entspannen einlädt.

Fliesen im Naturstein-Look sorgen für modernes und gemütliches Aussenambiente.

B

ei der Wahl der Materialien für die Outdoor-Bodenbeläge ist es grundlegend, nicht nur die ästhetischen Kriterien, sondern auch und vor allem die technischen Leistungen zu berücksichtigen, um die geeignetsten und funktionellsten Bodenbeläge zu finden, damit diese auch extremen klimatischen Bedingungen standhalten. Aus diesen Gründen ist das Feinsteinzeug, das frostbeständig ist, Temperaturschwankungen und Verschleiss widersteht und nicht von Schimmel oder Moos angegriffen wird, das ideale Material für die Verlegung in Aussenbereichen – sowohl im Wohnbereich als auch im öffentlichen Bereich.

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Anpassungsfähige Lösungen für Aussenbereiche umfassen verschiedene Stärken und rutschfeste Finishs mit ansteigendem Abriebgrad, um die Anforderungen der Rutschfestigkeit zu erfüllen, die für Outdoor-­ Anwendungen grundlegend sind.

BESTÄNDIG UND ÄSTHETISCH OUT2.0 ist die Auswahl der Fliesen mit einer Stärke von 20 Millimetern, die speziell für Anwendungen in Aussenbereichen entwickelt wurde und für viele Kollektionen von Refin erhältlich ist. Das Ergebnis der Forschung von Refin im Outdoor-Bereich versichert eine erhöhte Beständigkeit gegen Belastungen und Lasten und kann für eine aufgestockte Verlegung auf Dachböden,

für die traditionelle Klebverlegung auf Estrich oder für die Trockenverlegung auf Sand, Kies und Gras verwendet werden. Damit bestätigt sie sich als praktische und vielseitige Lösung für die Realisierung von externen Bodenbelägen. Die grosse Auswahl an verfügbaren Lösungen ermöglicht es, originale Annäherungen zwischen geschlossenen Bereichen und Aussenbereichen zu kreieren oder die Outdoor-Bereiche mit einer ästhetischen und stilistischen Kontinuität in eine natürliche Fortsetzung der Innenbereiche umzuwandeln. Die Fliesenkollektionen für Aussenbereiche ermöglichen es, Bodenbeläge in Holzoder Naturstein-Optik und sogar Zement-


GARTEN

oder Tonfliesen-Optik zu kreieren, mit dem Mehrwert der Vorteile einer praktischen Reinigung und vor allem mit dem technischen Widerstand, den nur Feinsteinzeug garantieren kann, indem es Performance, Ästhetik und Vielseitigkeit vereint.

LIEBE ZUM DETAIL Die Kollektion Tune bringt mit den Farben Rock, Lava und Desert einen Natural Swing ins Outdoor-Living. Bei Tune verschmelzen zarte Änderungen und Maserungen sowie eine unregelmässig poröse Oberflächenstruktur zu einem harmonischen Gesamtbild. Während sich Rock und Lava mit sanften Grautönen auf dezente Weise in das Ambiente schmiegen, bringt die sandfarbene Optik von Desert ein warmes und langersehntes Urlaubsflair direkt nach Hause. Mit einer Stärke von 20 Millimetern ist Tune fester Bestandteil der OUT2.0-Kollektion: frostsicher, leicht zu reinigen und beständig gegen Chemikalien, Flecken sowie sämtliche Witterungsverhältnisse. Neben Tune finden sich noch 16 weitere Indoor-Modelle in der Outdoor-Kollektion wieder und verlegen somit den Living-Bereich nach draussen.

LUISA HEYER ist PR-Consultant bei GeSK Berlin. www.refin-fliesen.de Ein echter Allrounder für innen und aussen.

Die Outdoor-Kollektion OUT2.0 verbindet Widerstandsfähigkeit und Stil.

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GARTEN

BIS INS DETAIL DURCHDACHT HERAUSFORDERUNGEN FÜR OUTDOOR-KÜCHEN Interview mit Benjamin Zbären von Georg Lutz

«Jede Küche ist ein singulärer Auftritt» – dieser Leitsatz gilt für die Verantwortlichen bei Zbären auch beim Thema Outdoor-Küchen. Gleichzeitig ist eine Küche im Garten auch ein atmosphärisch besonderer Kommunikationsraum mit spezifischen Herausforderungen. Wir führten dazu ein Hintergrundsgespräch mit Benjamin Zbären, dem Geschäftsführer der Zbären Kreativküchen AG.

S

ie bezeichnen Ihre Outdoor-Lösung nicht als Küche, sondern als «stimmungsvollen Gesellschaftsraum». Was verstehen Sie darunter? Wenn man im Freien kocht oder zusammen ein Essen zelebriert, geschieht dies ja meist in der Freizeit. Wir wollen es uns gut gehen lassen, brauchen eine stimmungsvolle Atmosphäre. In der Innenkü-

che sind wir ja dann oft vom Arbeitsalltag geprägt. Wir stehen nicht selten unter Stress, wenn wir schnell ein Mittagessen zubereiten oder es beim Frühstück nur zu einem schnellen Kaffee reicht. Kochen im Freien hat sicher nicht nur für mich immer noch viel mit Campingurlaub zu tun. Es ist Urlaub man streift

die Zwänge des Alltags ab, aber viele Küchengeräte und auch die Möbel kommen sehr abgerüstet daher. Das ist bei uns überhaupt nicht. Unsere Kunden habe den gleichen Komfort wie in einer Innenraumlösung zur Verfügung. Wir machen da keine Kompromisse. Aber, da liegen Sie richtig, unsere Stimmung im Garten, ist oft eine ganz andere. Darauf

Die Blockküche in Graubünden passt zu dem Bergpanorama.

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GARTEN

Benjamin Zbären ist Geschäftsführer der Zbären Kreativküchen AG.

gilt es als Lösungsanbieter für OutdoorKüchen einzugehen. Wenn ich nur schnell etwas zubereiten will, koche ich meist nicht im Garten oder auf der Terrasse. Dort bin ich, wenn ich Freunde, beispielsweise am Samstagabend zu einem festlichen Menü einlade. Dort muss die Qualität in jeder Hinsicht stimmen. Es geht um Kommunikation und Präsentation. Bedeutet das nicht eine andere Hierarchie, oft steht ein Grill im Mittelpunkt. Wir sitzen wieder um das Feuer, Ist das nicht ein uraltes Bild? Ja, ich habe das Feuer, um das wir uns kommunikativ setzen. Das Wetter ist schön wir geniessen einen lauen Sommerabend. Da kommt Phantasie ins Spiel. Eine Aussenlösung muss Wind und Wetter aushalten. Gleichzeitig legen Sie einen sehr grossen Wert auf Designqualität. Ist das nicht ein Widerspruch? Das ist, ohne Frage, eine Herausforderung. Es gibt Lösungen, die schliessen sich direkt an die Gebäudehülle an. Wir sprechen hier von überdachten Terrassen oder Wintergärten. Da kann man die Gratwanderung zwischen Design und Material gut bewältigen. Insellösungen im Freien brauchen wetterbeständige Materialien. Da darf es keine Kompromisse geben. Das beginnt bei ganz alltäglichen Herausforderungen. So sollte bei Gartenmöbeln das Kondenswasser ablaufen. Es ist auch klar eine Aussenküche braucht mehr Pflege und Wartung. Dies ist ein wichtiger Aspekt

Jeder Funktionsraum ist klar aufgeteilt und besticht durch passendes Design.

bei der Kundenberatung. Wir kennen das ja auch von unseren Autos. Diese leiden im Freien auch mehr, als wenn es in einer Garage steht. Sie arbeiten aber vermutlich mit etwas anderen Materialien im Innen und Aussenraum? Nicht unbedingt, es geht um Themen wie Wasser und UV-Strahlung den Materialien zusetzt. Sie reagieren ja oft sehr unterschiedlich. Das gilt es im Griff zu haben. Nehmen Sie nur das Beispiel Natursteine. Sie entwickeln sich im Freien ganz anders als im Innenraum. Meist werden die Materialien mit der Zeit stumpf. Genau aus diesem Grund braucht es mehr Pflege und Wartung.

«Bei uns ist jede Lösung ein Unikat.» Eine Outdoor-Küche ist oft auch eine Brücke zwischen Aussen- und Innenraum. Das ist noch eine Herausforderung. Aus welchen Aufgabenfeldern besteht diese? Hier braucht es oft andere Partner, beispielsweise Gartenarchitekten. Wichtig ist aber, egal ob Aussenlösung oder einen Innenlösung ansteht, dass sich die unterschiedlichen Beteiligten regelmässig austauschen.

Auf Ihrer Webseite bildet die Küche im Garten einen Halbkreis. Ist das eine typische Lösung und aus welchen Gründen? Das ist keine typische Lösung. Bei uns ist jede Lösung ein Unikat. Hier stehen massive Blöcke im Vordergrund, die in einem Halbkreis angeordnet sind. Jeder Block beinhaltet einen Funktionsraum. So befindet sich in einem Block der Grill. Das war ursprünglich ein preisgekröntes Projekt auf der Giardina. Heute steht die Küche in Graubünden in Morissen. Dort hat man einen unglaublichen Blick auf die Berge. Das passt zu der Blockformation der Küche. Die Wohnkultur und der Gartenraum gehören zu den Profiteuren der Pandemie. Man meidet eher den öffentlichen Raum – gleichzeitig wird das Private immer öffentlicher. Kann man so den Zeitgeist während und kurz nach der Pandemie zusammenfassen? Ja, das spüren wir im Gespräch mit unseren Kunden. Die eigenen vier Wände sind fast schon zwangsläufig wichtiger geworden. Man hat schlicht mehr Zeit sich mit seinem Innenraum zu beschäftigen. Man ist oft im Home Office und durfte phasenweise wenige Gäste empfangen. Da sieht man dann eher Renovierungspotenziale wie vor der Pandemie. Man will sich Zuhause noch mehr wohl fühlen. Aber ich glaube, dass nach der Pandemie dieser Trend sich wieder auf einem Normalmass einpendelt.

Zbären Kreativküchen AG | Bahnhofstrasse 26 | CH-3777 Saanenmöser | Tel. +41 (0) 33 744 33 77 | design@zbären.ch | www.zbaeren.ch Zbären Kreativküchen AG | Gerechtigkeitsgasse 29 | CH-3011 Bern | Tel. +41 (0) 31 311 18 80 | design@zbären.ch | www.zbaeren.ch

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Geschichten über den Klimawandel müssen zum Handeln anregen.

EIN BLICK INS JAHR 2085 JUGENDLICHE SÄEN IHREN GARTEN DER ZUKUNFT von Manuela Dahinden und Juanita Schläpfer-Miller

Die Geschichte der Pflanzen in Zeiten des Klimawandels ist sowohl global als auch lokal von Bedeutung – jede Region wird unterschiedlich betroffen sein. Mithilfe des Plant Science Center werden aktuell neun Klimagärten in der Deutschschweiz ermöglicht. Schulen sind eingeladen, mit dem Bau eines Klimagartens Zukunft erlebbar zu machen und einen Dialog über den Klimawandel zu säen. Dadurch kann eine persönliche, emotionale Verbindung zu den oft abstrakten globalen Klimaszenarien hergestellt werden.

D

er Klimagarten 2085 entstand aus einer sehr einfachen Frage. Obwohl wir lernen, globale Klimaszenarien zu verstehen, ist es oft schwierig, sich vorzustellen, was das für uns in der Mitte Europas bedeutet. Was wird die Zukunft für uns und unsere Nachkommen bringen?

KLIMAGARTEN UND KLIMAPARADOX Zwei Klimaszenarien werden in Gewächshäusern von April bis September simuliert. Die Temperaturen wurden auf plus drei und plus 6.5 Grad Celsius über den heutigen durchschnittlichen Temperaturen

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im Sommer eingestellt. Die Hälfte der Pflanzen in jedem Gewächshaus bekommt 30 Prozent weniger Wasser. Das Szenario von plus drei Grad Celsius simuliert die Bedingungen, die wahrscheinlich herrschen werden, wenn die CO2-Emissionen so reduziert werden, wie es in der Vereinbarung von Paris 2015 festgelegt wurde. Das Szenario von plus 6.5 Grad Celsius simuliert die vorhersehbare Situation, wenn die globale Erwärmung wie bisher fortschreitet. Diese Werte wurden von MeteoSchweiz / ETH CH2018 für den Nordwesten der Schweiz für das Jahr 2085 berechnet. Pflanzen, die heute im Norden der Schweiz gut gedei-

hen, wie etwa Weidelgras, Sonnenblumen, Weizen, Mais und Zuckerrübe, werden sowohl in den Gewächshäusern als auch auf einer angrenzenden Freifläche angepflanzt. Damit wird ein Vergleich möglich zwischen dem, was wir heute anpflanzen, und was uns in Zukunft erwarten könnte. Die Schülerinnen und Schüler können selbst aktiv werden und Messungen an den durch Wassermangel und Hitze gestressten Pflanzen vornehmen. Der Klimagarten 2085 offeriert ein interaktives Format, um das Klimaparadox zu tangieren. Dieses bezieht sich auf den Wider-


GARTEN

spruch zwischen dem, was die Bürger und die Politik über den Klimawandel wissen, und ihrem fehlenden Handeln. Warum handeln wir angesichts des wissenschaftlichen und ethischen Konsenses nicht? Der Fall der gescheiterten Schweizer CO2-Gesetze vom 13. Juni 2021 ist ein aktuelles Beispiel. Diskussionen zum Thema, wie man den Klimawandel besser kommunizieren könnte, konzentrieren sich darauf, wie wichtig es ist, individuelle und soziale Reaktionen zu verstehen, und wie man die Menschen zum Handeln ermuntern kann. Das Hauptproblem ist die viel zu abstrakte Darstellung von Klimavorhersagen: Es ist wichtig, dass wir Geschichten über den Klimawandel erzählen – Geschichten, welche das Publikum zum Handeln bewegen.

Wir ermutigen speziell die Hobbygärtner zum Anbau von mehr Wintersorten. Aufgrund der milderen Winter könnte zum Beispiel Mangold ganzjährig angebaut werden. Das Konzept des Klimagartens lautet «Slow Media». Es geht darum, das langsame Wachsen der Pflanzen zu beobachten, Überlegungen über die Zukunft anzustellen, den Erzählungen zu lauschen und einen Rahmen zu finden, der zum Handeln anregt.

ANMERKUNG 1) Schlaepfer-Miller, J, & Dahinden, M, (Eds) 2017, Klimagarten 2085. Handbuch für ein Öffentliches Experiment, Park Books

DR. JUANITA SCHLÄPFER-MILLER ist Outreach Manager bei Zürich-Basel Plant Science Center.

DR. MANUELA DAHINDEN ist Managing Director – Research Communications & Fundraising bei Zürich-Basel Plant Science Center. www.klimagarten.ch

LEBENSRÄUME VERÄNDERN SICH Das Zurich-Basel Plant Science Center ist das Kompetenzzentrum für Pflanzenwissenschaften der drei Hochschulen ETH Zürich, Universität Zürich und Universität Basel. In der Schweiz wird der Klimawandel mit grosser Wahrscheinlichkeit zu häufig auftretenden Hitzewellen, Trockenperioden oder Starkniederschlägen führen. Dies hat nicht nur Verluste in der landwirtschaftlichen Produktion zur Folge, sondern verändert auch unsere Landschaften und Ökosysteme. In den alpinen Regionen steigt aufgrund der Klimaerwärmung die Schneefallgrenze und die Gletscher schmelzen. Dies wiederum beeinflusst die Wasser-, Boden- und Luftqualität. Die Böden werden trockener und nährstoffärmer und es kommt häufiger zu Erosionen. Damit verändern sich die Lebensräume für viele Pflanzen und Tiere. Einheimische Arten werden durch neue wärmeliebende Arten verdrängt. In den letzten Jahren hat die Biodiversität in der Schweiz einen deutlichen Rückgang erfahren. Der Erhalt der Artenvielfalt spielt nicht nur für die Ökosysteme eine wichtige Rolle, sondern auch für die landwirtschaftliche Produktion. Je grösser die Anzahl von Arten oder Sorten in einem Garten, einer Wiese oder einem landwirtschaftlichen Feld ist, desto produktiver ist die Pflanzengemeinschaft. Pflanzengemeinschaften haben auch den Vorteil, dass sie besser mit veränderten Umweltbedingungen umgehen können und ihre Individuen besser vor Naturfeinden schützen.

Schülerinnen und Schüler werden selbst aktiv.

Die Klimaerwärmung hat aber nicht nur Nachteile. Gerade die nördlichen Länder werden profitieren. In der Schweiz dürfte sich die Erwärmung positiv auf den Anbau von Mais, Soja und den Rebbau auswirken.

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VON LICHT UND LEICHTIGKEIT ARCHITEKTONISCHE GESTALTUNG TRIFFT BELEUCHTUNGSKONZEPT von Elisa Beck

Licht ist ein Grundstein unseres Lebens. Es steuert unseren Biorhythmus, erhellt dunkle Nächte und manchmal auch betrübte Gemüter. Dahinter steckt mehr als der simple Einsatz von Glühbirnen: Farbe, Sättigung, Intensität und Helligkeitsstufen ergeben eine harmonische Komposition. Bei guten Lichtverhältnissen lässt sich nicht nur besser entspannen, sondern auch besser arbeiten. Für die richtige Inszenierung muss allerdings auch die Architektur miteinbezogen werden. Wechselnde Lichtverhältnisse bringen hier immer neue Facetten von Material und Komposition zum Vorschein – je nachdem, ob die architektonischen Details aus der Nähe oder Ferne, bei Tag oder Nacht betrachtet werden. Auf diese Weise erwacht die Architektur zum Leben, das Licht erhält gleichzeitig einen Rahmen und eine Bühne.


© licht.de/Signify

INNENARCHITEKTUR

Morgens ist helles, kalttoniges Licht die richtige Wahl.

UNSERE INNERE SONNENUHR AUF DEN MENSCHEN FOKUSSIERTES LICHT STÄRKT BIO-RHYTHMUS von Dr. Jürgen Waldorf

Am internationalen Tag des Lichts am 16. Mai feiern Menschen weltweit mit Festen, Aktionen und Vorträgen die Bedeutung des Lichts für Wissenschaft, Kultur und Kunst, Bildung und nachhaltige Entwicklung – in diesem Jahr pandemiebedingt vor allem digital.

S

eit der Erfindung der Glühlampe hat sich die Lichttechnik grundlegend verändert. Die LED-Technologie hat sich im vergangenen Jahrzehnt in nahezu allen Anwendungsgebieten durchgesetzt und ermöglicht eine deutliche Energieeinsparung und Reduktion der Treibhaus­ emissionen. Heute ist es das Ziel der Licht-

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branche, den Menschen, das Wohlbefinden und somit auch die Gesundheit mit hochwertiger Beleuchtung nach dem Vorbild des Tageslichts zu unterstützen. In der Innenbeleuchtung liegt Human Centric Lighting (kurz HCL) im Trend: Lichtplanende stimmen die Beleuchtung

auf den Menschen und seine Bedürfnisse ab. Sie adaptieren dabei die Eigenschaften des natürlichen Tageslichts: Helligkeit, Lichtfarbe, Lichtverteilung und zeitliche Dynamik. Das richtige Licht lässt uns fit in den Tag starten und hilft uns, abends zu entspannen. Es taktet die innere Uhr: Wir schlafen besser, sind tagsüber erholter


INNENARCHITEKTUR

und vitaler. Auf lange Sicht tut es also auch der Gesundheit gut.

DIE «SONNENUHR» EINSCHALTEN Helles, flächiges Licht mit hohen Blauanteilen kurbelt am Morgen die Hormonproduktion an: Müdemacher werden blockiert, Stimmungsaufheller und Muntermacher mobilisiert. Am Abend lässt gedämpftes, gerichtetes Licht mit Rotanteilen den Körper zur Ruhe kommen. Eine solche «Sonnenuhr» wird in professionellen Umgebungen – etwa Arbeitsstätten, Schulen oder Pflegeeinrichtungen – mit LED-Technik, Lichtsteuerung und der Expertise vom Fachmann auf das Projekt zugeschnitten und geplant. Aber auch zu Hause lässt sich die Lichtsituation schon mit wenigen Kniffen verbessern. Wer morgens nur langsam wach wird, erleichtert sich den Tagesbeginn mit einem Lichtwecker. In der Küche beim Frühstück und im Bad beim Zähneputzen eignen sich dimmbare Leuchten und Leuchtmittel, die mit der Helligkeit auch ihre Farbe wechseln. Im Homeoffice unterstützt eine Stehleuchte mit programmiertem HCL-Lichtverlauf konzentriertes

Arbeiten. Am Abend wird das Licht dann heruntergedimmt und der Effekt vom Morgen umgedreht. Doch Vorsicht: Wer bewusst oder unbewusst das falsche Licht zur falschen Zeit einschaltet, riskiert unerwünschte Wirkungen wie Schwierigkeiten beim Einschlafen.

deutlich darunter. So hell wie der Himmel muss eine HCL-Beleuchtung aber gar nicht sein. Vielmehr setzt sie zur richtigen Zeit wichtige Impulse für den menschlichen Körper.

AM ANFANG WAREN ZAPFEN UND STÄBCHEN

ÜBER DEN TAG DES LICHTS

Licht wirkt auf den Menschen. Das erkannte die Wissenschaft, als sie Anfang des 21. Jahrhunderts den dritten Fotorezeptoren im Auge entdeckte. Während Zapfen und Stäbchen es ermöglichen, am Tag und in der Dunkelheit zu sehen, steuern diese Rezeptoren unseren Hormonhaushalt und damit auch den Biorhythmus. Nun hält sich der moderne Mensch überwiegend in Innenräumen mit künstlicher Beleuchtung auf und entfernt sich dabei immer weiter von seinem natürlichen Taktgeber, dem Tageslicht. Während Beleuchtungsstärken im Freien selbst bei einem bedeckten Himmel noch mehrere Tausend Lux erreichen, liegt das Niveau in Arbeits- und Wohnräumen

Der internationale Tag des Lichts wird jedes Jahr am 16. Mai gefeiert – dem Jahrestag, als 1960 der Physiker und Ingenieur Theodore Maiman erfolgreich den ersten Laser einsetzte. 2015 rief die Unesco das Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien aus und etablierte 2018 den internationalen Aktionstag.

DR. JÜRGEN WALDORF ist Geschäftsführer der Brancheninitiative licht.de. www.licht.de


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HÖRGENUSS – IN VOLLENDUNG AUDIO-LÖSUNGEN AUS PROFESSIONELLER HAND Interview mit Alessandro Calo von Anja Beeler

Musik gehört für uns zum Alltag. Allerdings ist die Qualität sehr unterschiedlich. Dabei weckt Musik Gefühle in uns. Manchmal animieren sie uns sogar zum Tanzen. Da sollte doch Qualität im Vordergrund stehen. Das Lieblingslied zu Hause wie bei einem Live-Konzert zu erleben, dafür sorgt Alessandro Calo von Alesca Audio Fidelity. Wir haben mit ihm über seinen Showroom und die darin ausgestellten High-End-Lautsprecher gesprochen.

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err Calo, wie würden Sie Ihr Business skizzieren? Nüchtern gesagt vertreibe ich HighEnd-Audiosysteme. Es wird dann aber schnell auch emotional. Das ist ja das Wesen von guter Musik. Was wir bei Alesca anbieten, ist sozusagen die Formel 1 im Audiosektor. So wie McLaren Racing, Red Bull oder Ferrari versuchen, immer schnellere Autos zu kreieren, reizen wir mit unseren Produkten den Klang eines Lautsprechers bis zum Maximum aus, um das Optimum aus einer Anlage herauszuholen. Auf so einem hohen Niveau bringt die kleinste Veränderung einen Fortschritt oder auch einen Rückschritt. Und was ist dabei das Ziel? Unser Ziel ist es, alle Komponenten einer Anlage so zu kombinieren, dass das Hören zum Erlebnis wird. Dabei kommt es nicht nur auf die Lautsprecher an, sondern auch auf Kabel, Verstärker und die Quelle. Ja, sogar die Racks, auf denen die Elektrokomponenten stehen, sind ausschlag-

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gebend. Und das Auge hört natürlich mit. Optik und Verarbeitung sind ebenso entscheidend wie die Klangqualität. Wir haben daher einen Showroom gebaut, in dem unsere Kunden die Systeme testen und in die High-End-Audio-Welt eintauchen können. Das klingt als wäre es nicht nur ein Job für Sie? Nein, schon seit meiner Jugend bin ich ein sogenannter «High-Ender», immer auf der Suche nach noch besserem audiophilerem Klang. Als ich dann meine erste Wohnung ausstattete, bin ich auf Wilson Audio und D’Agostino, zwei Luxusmarken im Audiosektor, aufmerksam geworden. Ich habe nicht nur meine eigene Wohnung damit vertont, sondern biete diese Marken heute in meinem Sortiment an. Die deutsche Marke Tidal vertreibe ich sogar exklusiv in der Schweiz und Italien. Heute kann ich mit Stolz sagen, dass meine Leidenschaft auch mein Beruf ist. Das lebt man mit Leib und Seele.

Sie sagen selbst, Sie waren 25 Jahre auf der Suche nach dem Gipfel des Machbaren im High-End-Audiosektor. Können Sie sich an den Tag erinnern, an dem Sie fündig wurden? Ich habe in den letzten Jahren sicherlich immer wieder gedacht, jetzt habe ich das Limit erreicht und das Optimum gefunden. Aber die Zeit läuft weiter und es kommen Neuheiten auf den Markt, die das bisher Erlebte in den Schatten stellen. Ein richtiges Ende der Suche gibt es daher nie. Klanglich sind wir jetzt schon auf einem spitzen Niveau. Während des Baus unseres Showrooms hatte ich Handwerker im Haus, die fragten, ob sie die Anlage mal hören könnten. Natürlich bewerteten sie zum Beispiel nicht die Klangfarbe der Hoch- oder Mitteltöner, aber sie schlossen die Augen und erlebten etwas Besonderes, ein unverfälschtes Musikerlebnis, als stehe das Klavier direkt neben ihnen. Nach der Vorführung staunte die ganze Truppe, dass solch ein realer Klang überhaupt aus einem Lautsprecher kommen kann.


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Für welchen Einsatz eignen sich die Lausprecher am besten und wer sind Ihre Kunden? Jeder, der gerne Musik hört und auf der Suche nach hoher Qualität ist, ist bei uns richtig. Meist kaufen unsere Kunden die Anlagen für den privaten Gebrauch. Ich sehe solche Systeme aber auch in der Hotellerie. Mit den heutigen StreamingDiensten könnte ein 5-Sterne-Hotel sich so ein live-ähnliches Konzert in seine Lounge holen. Wie viele Lautsprecher befinden sich in Ihrem Showroom und was gehört zudem noch zu solch einem HighEnd-Audiosystem? Wir haben elf Lautsprecher verschiedener Marken zum Testen in unserem Showroom bereit, darunter Tidal, Wilson Audio, Vimberg und die dänische Marke Borresen. Der erste Lautsprecher im Sortiment war der XVX-Chronosonic-Referenz-Lautsprecher von Wilson Audio, der mit seinen 182 Zentimetern Höhe satte 311 Kilogramm auf die Waage bringt und wirklich imposant ist – sowohl für das Auge als auch für die Ohren. Für eine komplette Anlage bieten wir ebenfalls Verstärker, Vorstufe, Wandler und Streamer an. Die Verstärker gibt es wiederum auch in unterschiedlichen Varianten wie Mono- oder Stereoendstufe oder auch komplette Vollverstärker, in denen alles integriert ist, wie in der Progression von D’Agostino. In der Regel gilt: Je höher die Qualität sein soll, umso mehr setzt man das System aus einzelnen Komponenten zusammen. Wichtig sind auch die Racks, auf denen die Anlage platziert wird. Wir nutzen Racks

von Hifistay, die auf Kugellager basieren. So werden alle Schwingungen neutralisiert und die Geräte können ihre optimale Leistung abrufen. Jedes Detail ist wichtig? Ja, eine wichtige Komponente sind ausserdem die Kabel. Ich vergleiche sie gerne mit Adern, die das Herz zum Pumpen bringen. Ein Herz muss gut versorgt sein, eine Anlage auch. Über Kabel kann man daher den Klang einer Anlage stark beeinflussen. Wenn jemand eine gute Anlage zu Hause hat, kann zum Beispiel schon der Wechsel des Kabels einen grossen Unterschied in der Klangqualität bringen. Bei uns bekommt der Kunde eine umfassende Beratung und kann vom Kabel bis zum kompletten HighEnd-Audiosystem alles kaufen. Darüber hinaus bieten wir Services, angefangen bei der Installation der Geräte beim Kunden vor Ort bis hin zur heimischen Raumoptimierung, an.

«Ein Herz muss gut versorgt sein, eine Anlage auch.»

auch in den nächsten Jahren noch besser werden, da ist sicherlich noch viel Potenzial. Welches ist das ideale Lied, das man auf solch einer Anlage hören sollte? In meinem Showroom spiele ich oftmals «Mini World» von der französischen Sängerin Indila. Dieses Lied zeigt das ganze Spektrum an Tönen, Stimme und Dynamik. Sie können aber auch ein Musikinstrument als Beispiel nehmen. Der E-Bass kommt in mässiger Qualität dumpf und breiig rüber. Auf den Tönen eines guten E-Basses muss man sicher laufen können, gleichzeitig aber auch feine Nuancen hören. Nur dann kann man das Können von Virtuosinnen wie Tal Wilkenfeld und Kinga Glyk zu einem Hörgenuss verwandeln. Letztendlich ist der Geschmack eines jeden Einzelnen aber entscheidend. Das ist die Sache mit der Musik: Sie weckt Emotionen, Erinnerungen und bietet uns die Möglichkeit, uns – wenn wir die Augen schliessen – an andere Orte zu träumen. Welches Lied oder welcher Klang diese Gefühle weckt, das muss jeder für sich herausfinden. Und wenn ich das während eines Besuchs in meinem Showroom schaffe, dann habe ich mein Ziel erreicht.

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Was ist der Unterschied zwischen einem Ihrer Lautsprecher und einem handelsüblichen Gerät? Die verwendeten Materialien und die Entwicklung des Lautsprechers sind entscheidend. Audioanbieter im High-End-Bereich legen viel Energie in die Verarbeitung und Technik des Gehäuses. Nicht umsonst ist so ein Lautsprecher bis zu 300 Kilo schwer. Da steckt einiges drin. Akira, ein Lautsprecher der Marke Tidal, hat zum Beispiel für die Hoch- und Mitteltöne eine Diamantenmembran. Solche Lautsprecher sind optische Kunstwerke und bis ins kleinste Detail ausgearbeitet.

Was bedeutet «guter Klang» für Sie als Experte? Da gibt es keine allgemein gültige Formel. Für mich ist der beste Klang dann, wenn ich berührt werde, wenn ich Hühnerhaut bekomme. Das kann man nicht an einzelnen Frequenzen, Höhen oder Tiefen festmachen. Das ist ein Gefühl. Und dieses Gefühl sagt einem auch, welche Anlage die richtige ist. Welche Trends sehen Sie in den nächsten Jahren in der High-End-Audio-Branche? Die Lautsprecher an sich sind schon sehr ausgereift. Ich erwarte den Fortschritt eher im digitalen Bereich. Die digitale Quelle ist relativ neu und stetig im Wandel. Heute streamt man die Musik übers Internet. Ich sehe die Zukunft in spezialisierten Streaming-Diensten, die hochwertige Dateien liefern und sich stärker auf den High-EndAudiosektor ausrichten. Der Streamer wird

Alessandro Calo setzt auf kompromisslose Audio-Qualität.

AC Group AG Alesca-Audio Fidelity | Undermülistrasse 22 | CH-8320 Fehralorf ZH | Tel. +41 (0) 43 549 54 80 | info@alesca.ch | www.alesca.ch

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TRADITION TRIFFT TRENDGESPÜR PROJEKTVORSTELLUNG: JELMOLI IM CIRCLE von Monika Bailer Giuliani

Im November 2020 hat Jelmoli im Circle zwei weitere Standorte in Zürich eröffnet. Verantwortlich für den Gesamtauftritt des Traditionskaufhauses ist das Zürcher Büro Mint Architecture.

Das Material für die gesamte Fassadenfläche wurde eigens für Jelmoli entwickelt und produziert.

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rchitektonischer Anziehungspunkt ist die dreiteilige Fassade der Architekten, welche die beiden Stores differenziert und doch optisch vereint. Mit einer Gesamtfläche von 2 000 Quadratmetern nimmt Jelmoli 20 Prozent der gesamten Verkaufsfläche des Bereichs Brands & Dialog im Circle ein. Als erster Department Store ist Jelmoli seit Kurzem mit den beiden eigenständigen Häusern «Lifestyle House» und «Sports House» im Circle präsent. Für den Gesamtauftritt ist das Zürcher Architekturbüro Mint Architecture verantwortlich. Das Designkonzept greift die Architektur des Circle auf und übersetzt sie in ein einzigartiges Shoppingerlebnis im dreidimensionalen Raum.

Die von Mint Architecture gestalteten Fassaden umfassen die neuen Häuser «Lifestyle House» (unten) und «Sports House».

ZUSAMMENSPIEL UND WECHSELWIRKUNG Die Fassaden- und Innenarchitektur beruht auf dem Zusammenspiel von Materialität, Textur, Transparenz und Reflexion. Architektonischer Anziehungspunkt ist die von Mint Architecture entworfene dreiteilige Fassadengestaltung. Diese umfasst die beiden Stores, die jeweils separat voneinander die hohe Kompetenz der beiden Jelmoli-Häuser abbilden. Um der Differenzierung Ausdruck zu verleihen, wählten die Architekten einen Materialmix aus weissem Glas, Gold-Metall und schwarzen Flächen. Die dunkle Fassade mit teilweise aufgebrochener Fischgrätoptik wirkt mal glänzend, mal matt. Die transluzente, speziell bedruckte Glasfassade reflektiert die Umgebung und die goldene Metallfassade steht für Performance und Dynamik. In Kombination mit dem Lichtkonzept, das zusammen mit den Lichtspezialisten von Reflexion erarbeitet wurde, ändert sich die Wirkung der drei Fassaden stetig – je nachdem, ob sie von nah oder fern, bei Tag oder Nacht betrachtet werden. In der Kombination transportieren die Materialien die Markenwerte zeitlos, wertig und modern in ein internationales Umfeld und prägen im Aussen- wie im Innenraum die Identität der beiden Stores.

MIT INDIVIDUALITÄT ZUR EINHEIT Das Spiel mit den Materialien, Texturen und dem Licht wurde von Mint Architecture in den beiden Concept Stores weitergeführt. Es entstanden zwei eigenständige Häuser, die dank überraschender Ausund Einblicke im Dialog zueinander stehen und dabei Individualität in der Einheit zelebrieren. Die Architekten definierten auf Basis der Customer Journey die Grund-

risse, Materialisierung, Möblierung und die Warenpräsentation für ein einzigartiges Shoppingerlebnis. Das Lifestyle House ist als Concept Store konzipiert und bietet auf vier Etagen ein fein kuratiertes Sortiment. Auf jeder Etage wird die hochwertige Materialsprache zielgruppenspezifisch und thematisch interpretiert. Filigrane Systeme mit überraschenden Formen für die Warenpräsentation lassen sich flexibel kombinieren. Ein wechselndes Farbkonzept, edle Textilien und Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen ein und bescheren den Kundinnen und Kunden sinnliche Momente. Das Sports House widmet sich auf vier Etagen einer Sportart oder einem Kundensegment. Hier sorgen unterschiedliche Raumhöhen und Durchblicke sowie ein raffiniertes Lichtkonzept für Glanzpunkte. Helle Materialien, geometrische Linien sowie flexible Elemente und Möbel für die Warenpräsentation setzen die Brands und die Sportwelt imposant in Szene.

DAS PROJEKT • Auftraggeber: Jelmoli AG

• Auftrag: Fassaden- und Innenarchitektur für die beiden Jelmoli-Häuser • Standort: The Circle, Flughafen Zürich • Markt: Brands & Lifestyle • Flächen: 2 000 Quadratmeter Gesamtfläche, 800 Quadratmeter Brand-Fassade

MONIKA BAILER GIULIANI ist Geschäftsführerin der vademecom AG. www.mint-architecture.ch/projects

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Verkabelter Wandleser für die Online-Zutrittssteuerung und das gleichzeitige Aktualisieren der Zutrittsrechte im virtuellen Netzwerk.

SYSTEM SCHLÄGT STÜCKWERK VORTEILE KABELLOSER ZUTRITTSLÖSUNGEN von Roger Isler

Bei der Auswahl einer elektronischen Zutrittslösung stehen die Leistungsmerkmale und das nahtlose Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien wie virtuelle Vernetzung, Funkvernetzung, Online-Verkabelung und Mobile Access im Vordergrund. Für den reibungslosen Betrieb einer Anlage spielen aber auch viele Details eine entscheidende Rolle, die häufig wenig Beachtung finden.

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lektronische Zutrittslösungen weisen vor allem in drei Punkten wesentliche Vorteile gegenüber mechanischen Schliesssystemen auf: Flexibilität bei der Berechtigungsvergabe, höhere Sicherheit und niedrigere Kosten.

ELEKTRONIK VERSUS MECHANIK Was Flexibilität bei der Berechtigungsvergabe heisst, lässt sich beispielhaft am jüngst eröffneten RheinMain CongressCenter in Wiesbaden zeigen, in dem rund 1 000 Zutrittspunkte elektronisch ausgestattet sind. Für jede Veranstaltung werden dort unterschiedliche Räume zugewiesen und Bereiche abgetrennt. Die zum Teil kurzfristigen Änderungen und Anpassungen sowie deren Dokumentation lassen sich

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mit einem mechanischen Schliesssystem gar nicht abbilden. Dieses Beispiel lässt sich auch auf klassische Bürogebäude übertragen. Hier finden häufig mehr Nutzungsänderungen statt als zunächst angenommen. Viele Anwender, die heute auf elektronische Zutrittskontrolle setzen, begründen ihren Verzicht auf Mechanik damit, dass sie bereits nach wenigen Monaten den Überblick verloren haben, wer welche Schlüssel besitzt und wo diese überhaupt schliessen. Zusätzlich trügt der zunächst günstige Anschaffungspreis einer mechanischen Schliessanlage: Aufgrund des typischerweise zügig notwendigen Nachbestellens

von Schliesszylindern und Schlüsseln ganzer Schliessgruppen schnellen die Kosten für Mechanik rasch in die Höhe.

VIRTUELLE VERNETZUNG Wenn man mechanische Schliessanlagen ersetzen möchte, stossen klassische verkabelte Zutrittslösungen naturgemäss an ihre Grenzen. Wegen der baulichen Situationen und des Installationsaufwandes kann man Innentüren nicht alle verkabeln. Hier hat SALTO mit seinem patentierten SALTO Virtual Network (SVN) bereits vor mehr als 15 Jahren eine Möglichkeit geschaffen, Zutrittspunkte kabellos, effizient und sicher elektronisch zu verwalten. Denn mit der virtuellen Vernetzung hält sich der Installationsaufwand in Grenzen,


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gleichzeitig geniessen die Anwender die wesentlichen Vorteile einer elektronischen Lösung. Das erleichtert das Management der Anlage erheblich, da bei Berechtigungsänderungen die Administratoren nicht sämtliche betroffenen Türen ablaufen und aktualisieren müssen. Hinsichtlich der Sicherheit ist es elementar, dass sämtliche Kommunikation innerhalb der elektronischen Lösung verschlüsselt stattfindet – und nicht nur die Daten verschlüsselt auf dem Identmedium gespeichert werden. Darüber hinaus ist es wichtig zu beachten, dass ein elektronisches Zutrittssystem niemals nur die UID (die einmalige Identifikationsnummer des Ausweises) zur Identifikation nutzt. Dieses Vorgehen stellt ein enormes Sicherheitsrisiko dar, da die UID ohne Schwierigkeiten zum Klonen von Identmedien genutzt werden kann.

WIRELESS-VERNETZUNG Ein virtuelles Netzwerk allein erfüllt allerdings nicht immer alle Anforderungen. An manchen Zutrittspunkten wird beispielsweise eine Echtzeit-Zutrittskontrolle gewünscht, auch wenn sich eine Verkabelung nicht umsetzen lässt. Hier bietet sich eine Funkvernetzung der kabellosen Türkomponenten an. Dabei eignet sich Bluetooth als Basistechnologie. Es gewährleistet in erster Linie eine stabile Kommunikation zwischen der Hardware, eine hohe Übertragungsgeschwindigkeit, grosse Datenraten und eine geringe Latenz. SALTO setzt bei seiner Wireless-Technologie BLUEnet auf die neuesten Möglichkeiten und sichert die verbreiteten Daten mit einer AES-256-­ Bit-Verschlüsselung – der höchsten derzeit verfügbaren Verschlüsselung.

NAHTLOSE SYSTEMARCHITEKTUR Für einen reibungslosen Betrieb in der Praxis sind nicht nur die Leistungsmerkmale der

einzelnen Technologien auschlaggebend. Wichtig ist überdies die nahtlose Systemarchitektur, die online verkabelte, virtuell und über Funk vernetzte sowie mobil eingebundene Zutrittspunkte einbezieht. Hinsichtlich Bauformen und Technologien lohnt es sich, genau auf den Variantenreichtum der elektronischen Beschläge und Zylinder zu schauen. Üblicherweise besteht ein Zutrittsprojekt aus einer komplexen Zusammensetzung von Türsituationen. Dazu zählen Art, Material und Grösse von Türen, Funktion und Benutzungsintensität, regulatorische Anforderungen wie Brandschutz und Fluchtwege, das Umfeld oder auch die Integration mit anderen Gewerken. Bei der Auswahl des passenden Anbieters sollte daher nicht der Preis als alleiniges Kriterium dienen, sondern vor allem das Leistungsspektrum der Lösungsplattform. Nur dann erhalten Anwender eine massgeschneiderte Zutrittslösung, die hinsichtlich Sicherheit, Flexibilität und einfacher Verwaltung auch hält, was sie verspricht.

© SALTO Systems

© SALTO Systems

Ein weiterer Vorteil der virtuellen Vernetzung ist die Möglichkeit, zum Beispiel Spinde, Möbel, Briefkästen oder Serverschränke in

die Zutrittslösungen einzubinden. Dadurch wird der Einsatz von unsicherer und teurer Mechanik deutlich reduziert.

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Elektronischer Zylinder als Mechanik-Ersatz, hier in den Schlüsselschaltern eines Fluchtwegsicherungssystems – und natürlich an den Aussentüren.

Elektronisches Spindschloss für die Sicherung von Schrankfächern.

SALTO Systems | Werkhofstrasse 2 | CH-8360 Eschlikon | Tel. +41 (0) 71 973 72 72 | info.ch@saltosystems.com | www.saltosystems.ch

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NACHHALTIGER WOHNEN von Lea Gerber

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as Wohnen gehört – zusammen mit der Ernährung und der Mobilität – zu den Bereichen mit den grössten Auswirkungen auf die Umwelt: Sein Anteil an der Gesamtumweltbelastung beträgt mehr als ein Viertel. Dass hier noch viel Einsparungspotenzial besteht, zeigen vor allem die Baugenossenschaften. Ihre Siedlungen sind oft besonders ressourcenschonend konzipiert. Das genossenschaftliche Wohnen ist aber nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich und sozial nachhaltiger. Genossenschaften machen vor, wie ein sorgsamer Umgang mit dem knappen Gut Boden funktioniert: Gemäss Zahlen des Bundesamts für Statistik verbrauchen Genossenschaftswohnungen pro Person ein Viertel weniger Boden als konventionelle Mietwohnungen und sogar über fünfzig Prozent weniger als Eigentumswohnungen. Zurückzuführen ist dies vor allem darauf, dass für mehr als zwei Drittel aller Genossenschaftswohnungen Belegungsvorschriften gelten. Am häufigsten gilt, dass etwa in eine Vierzimmerwohnung mindestens drei Personen einziehen müssen. Im Gegenzug bieten viele gemeinnützige Bauträger attraktive Gemeinschaftsflächen sowie Gästezimmer oder Büroräume an. Zudem werden Fahrzeuge, Geräte und andere Gegenstände geteilt. Auch bei den klassischen Umweltthemen lässt sich der Leistungsausweis von gemeinnützigen Bauträgern sehen: Viele legen grossen Wert auf energieeffiziente und ökologisch vorbildliche Siedlungen. Mehr als die Hälfte der seit 2003 geförderten gemeinnützigen Überbauungen erreicht gemäss Erhebungen des Bundesamts für Wohnungswesen mindestens den Minergie-Standard. Das ist im Vergleich zum Gesamtmarkt mehr als das Doppelte. Vorreiter sind Baugenossenschaften zudem bei autofreien Überbauungen oder Siedlungen, die sich an den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft orientieren. Und immer mehr Genossenschaften sorgen für eine naturnahe Umgebung und fördern so die Biodiversität im Siedlungsraum. Der heutige Wohnungsmarkt ist auch in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht nicht sehr nachhaltig. Gerade an begehrten Lagen

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wird das Wohnen immer teurer, was einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen zusehends verdrängt. Wohnbaugenossenschaften wirken dem entgegen, da ihr Geschäftsmodell nicht gewinnorientiert ist. Sie verrechnen als Mietzins nur so viel, wie der effektive Aufwand inklusive Rückstellungen und Abschreibungen umfasst. Ein allfälliger Reinertrag bleibt in der Genossenschaft und wird reinvestiert. Genossenschaftswohnungen sind deshalb deutlich preiswerter als vergleichbare Mietwohnungen. In den Wohnbaugenossenschaften leben daher auch überdurchschnittlich viele Haushalte mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Damit tragen Genossenschaften zur sozialen Durchmischung bei. Dafür sorgt auch die zunehmende Zahl genossenschaftlicher Mehrgenerationensiedlungen, wo Jung und Alt unter einem Dach wohnen und sich gegenseitig unterstützen. Viele gemeinnützige Bauträger engagieren sich zudem für die Integration von Menschen mit Behinderungen oder mit Migrationshintergrund. All dies fördert die Solidarität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zudem schreiben gemeinnützige Bauträger die Unternehmensverantwortung gross: Bei Gesamtsanierungen bieten sie allen Mietparteien einen Ersatz an. Als Arbeitgeber legen sie Wert auf faire Löhne, als Auftraggeber berücksichtigen sie überdurchschnittlich oft das lokale Baugewerbe. Genossenschaften zeigen somit beispielhaft auf, wie man wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, gesellschaftliche Solidarität und ökologische Verantwortung unter einen Hut bringt.

LEA GERBER ist Bereichsleiterin Politik und Grundlagen bei Wohnbaugenossenschaften Schweiz – Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger. www.wbg-schweiz.ch



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OPTIMALE RAUMAKUSTIK EFFIZIENTES UND GESUNDES ARBEITEN DANK AKUSTISCHER RUHE von Lone K. Halvorsen

Lärm begleitet uns jeden Tag, sei es die Baustelle vor dem Haus, der hohe Geräuschpegel im Büro oder der Verkehrslärm. Auch wenn wir uns nicht stets dem Lärm entziehen können, kann eine gute Raumakustik in den Räumlichkeiten unserer Lebenswelten Abhilfe schaffen.

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ie Raumakustik ist für unsere seelische und körperliche Gesundheit ein bedeutender Faktor. Sie verbessert nicht nur die Sprachverständlichkeit in Räumen, sondern ist auch ein wichtiger Baustein, um den langfristigen Erhalt der Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu sichern. Die negativen Folgewirkungen von Lärm sorgen nicht nur für eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen, sondern auch für eine schlechtere Konzentration. Dies belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien.

beitsatmosphäre bei. In einem akustisch behandelten Raum können mehrere Personen ungestört voneinander arbeiten und selbst bei lauten Telefonaten werden Sitznachbarn nicht bei ihrer Arbeit gestört. Eine gute Raumakustik ist somit das Qualitätsmerkmal, welches dem Raum passend zu seinem Zweck die optimale Atmosphäre und Kommunikationsgrundlage gibt – und dabei dem Wohl der Gesundheit dient.

Gute Akustikmodule absorbieren den Direktschall, reduzieren die Nachhallzeit und tragen zu einer besseren Lebens- und Ar-

Das Unternehmen HOFA-Akustik mit Sitz in Deutschland ist seit 2007 im Geschäft der raumakustischen Problemlösungen

WELTWEITE REFERENZEN FÜR PROFIS UND GENUSSHÖRER

Eine gute Raumakustik fördert die Konzentration.

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unterwegs und hat sich seitdem weltweit einen guten Ruf erarbeitet. Als einer der grössten Dienstleister in der Audio- und Tontechnik-Branche im deutschsprachigen Raum bietet das Unternehmen nebst einem breiten Sortiment an Akustik-Lösungen wie Absorbern, Basstraps, Decken- und Wandsegeln, Trennwänden, Akustikbildern, Diffusoren sowie massgeschneiderten Akustikvorhängen auch eine individuelle Beratung, Messung und Montage. Egal ob für AudioProfis oder Genusshörer – die Akustikmodule werden weltweit für anspruchsvollste Anwendungen in Büros, Wohnräumen, der Gastronomie, Produktionsräumen, Hi-Fiund Regieräumen, Konzertsälen und Sen-


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Veranstaltungssaal einer Hochschule mit abgehängten HOFA Deckensegeln.

HOFA TRENNWAND PRODUKTDETAILS

• Akustisch hochwirksam (Schallabsorberklasse A)

• Aus schadstofffreiem und nachhaltigem Absorptionsmaterial

• Schadstoffgeprüft und geruchsneutral • CO2-sparende Herstellung und 100 Prozent recycelbar

• Schwer entflammbar (B1), bakteriostatisch und allergiefreundlich

• Masse: 180 x 120 x 4 Zentimeter, Sondermasse auf Anfrage

• In den Farben schwarz oder grau

Besprechungszimmer mit HOFA Akustikbildern und Deckensegeln.

Oase. Während sich die meisten Menschen über Möbel, Farben, Kücheneinrichtungen, Parkettholz und so vieles mehr Gedanken machen, wird häufig in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der Raumakustik ausser Acht gelassen. Dabei ist dies einer der wichtigsten Faktoren für die Aufenthaltsqualität. Akustische Optimierung kann vielfältig sein, sie kommt in Form von Absorbern an den Decken und Wänden, Akustikbildern oder räumlichen Trennelementen zum Einsatz. Akustikvorhänge eignen sich vor allem für Fenster oder Durchgänge, da die Vorhänge je nach Bedarf geöffnet oder zusammengeschoben werden können.

erhältlich

destudios genutzt und sorgen zuverlässig für einen optimalen Klang. Alle HOFA Akustikmodule sind zertifiziert klimaneutral – bei der Produktion wird ausserdem auf den Einsatz von nachhaltigen Rohstoffen geachtet. Die Herstellung der Akustikmodule erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen.

LÖSUNGEN ZUR AKUSTISCHEN OPTIMIERUNG Ein schönes Design allein macht einen Raum nicht automatisch zur Wohlfühl-

Akustische Trennwände, wie die HOFA Trennwand, haben den Vorteil, dass sie mobil und vielfältig einsetzbar sind.Man kann sie überall aufstellen, zum Beispiel um spontan neue Raumunterteilungen vorzunehmen oder für mehr Ruhe an den Arbeitsplätzen zu sorgen. Durch die Positionierung nah an den Schallquellen kann der Schall an der Stelle absorbiert werden, an der er entsteht. Die HOFA Trennwand eignet sich als perfekter Schallschlucker zwischen Arbeitsplätzen und als stilvoller Raumteiler. Sie muss zudem nicht montiert werden, sondern kann einfach aufgestellt werden. Daher

sind die Trennwände ideal für den Einsatz in Büros, Wohnräumen, der Gastronomie, Produktionsräumen, Tonstudios und Aufnahmeräumen geeignet, wo eine gewisse Flexibilität hinsichtlich der Positionierung erwünscht ist. Die Trennwände bestehen aus robustem, selbsttragendem HOFA PureAkust®, das ein hochwirkungsvolles Absorptionsmaterial ist. Eine Trennwand besteht zudem aus 76 recycelten PET-Flaschen und ist zu 100 Prozent recycelbar. Ausserdem ist das Material gesundheitlich komplett unbedenklich. Darüber hinaus sollten folgende Pluspunkte erwähnt werden: schadstoffgeprüft und geruchsneutral, bakteriostatisch und allergiefreundlich sowie frei von Formaldehyd mit dem Oeko-Tex Standard 100. Das Absorptionsmaterial PureAkust zeichnet sich im Vergleich zu branchenüblichen Markenprodukten durch eine wesentlich höhere akustische Wirksamkeit aus (um bis zu 55 Prozent im Vergleich zu Melaminharzschaum und bis zu 70 Prozent im Vergleich zu Noppenschaum mit gleicher Stärke). Die HOFA-PureAkustFamilie besteht zusätzlich zu den Trennwänden aus Decken- und Wandsegeln. Kombiniert eingesetzt sorgen sie für eine optimale Raumakustik bei schicker, einheitlicher Optik.

HOFA-Akustik | Lusshardtstrasse 1– 3 | D-76689 Karlsdorf | Tel. +49 (0) 7251 3472-400 | akustik@hofa.de | www.hofa-akustik.de

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SMART HEISST DIE LÖSUNG GEBÄUDEAUTOMATION AUF DEM VORMARSCH von Georg Lutz

Hinter dem Stichwort Smart Building verbergen sich einige Potenziale. Zusammengefasst könnte man sagen: Unser Leben wird leichter. Beispielsweise nutzen wir Solarenergie vom Dach und können jederzeit die Leistung abrufen. Die Anlage ist Wind und Wetter ausgesetzt und braucht nach einigen Jahren eine Wartungseinheit. Wenn wir dann automatisch eine Mail bekommen, ist das praktisch. Alltäglich ist die automatische Regulierung der Raumtemperatur. Die Beispiele könnten hier fortgesetzt werden. Das Ziel ist: Das Haus von morgen steuert sich selbst. Die digitale Steuerung ermöglicht einen effizienten Umgang mit Ressourcen. Das ist in Zeiten der Klimakrise ein ganz wichtiger Punkt. Gleichzeitig erhöht sich aber der Komfort. Mehr Ökologie bedeutet eben nicht automatisch mehr Verzicht. Es gibt aber noch Herausforderungen. Die Datenübertragung und -verarbeitung erfolgt heute meist noch von Gerät zu Gerät und ist in der Cloud oder auf einer Plattform vom jeweiligen Anbieter abhängig. Solche Insellösungen stehen der engen Vernetzung aller Energiekreisläufe des Gebäudes im Weg. Da gibt es noch Aufgaben zu lösen.


UMWELT & TECHNIK

Ein Smart Building kommt ohne Kabel und Fernbedienung aus.

SMART BUILDINGS UND LEISTUNG DER POSITIVE EINFLUSS VON NACHHALTIGEN LÖSUNGEN von Dr. Tobias Heilmann und Remo Zolliker

Smart Buildings sind Gebäude, deren zentrale haustechnische Anlagen sowie Raum- und Geräteregelungen intelligent miteinander vernetzt sind. Die technische Ausstattung wird so gesteuert, dass Vorteile auf mehreren Ebenen erzielt werden. Einerseits unterstützen Smart Buildings weltweite Klimabestrebungen, andererseits reduzieren sie langfristig Kosten für Unternehmen – und sie besitzen einen positiven Einfluss auf uns und unsere Arbeitsleistung. Wir skizzieren für Sie in aller Kürze interdisziplinär, wann ein Gebäude «smart» wird und wieso sich das für Unternehmen und Mitarbeitende rechnet.

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aut OECD-Studien verbrauchen Gebäude weltweit circa 30 Prozent der Primärenergie.1 Eine gute Gebäudetechnik hilft dabei, energieeffizienter zu werden. Gebäudetechnik beinhaltet die technische Ausstattung eines Gebäudes in Hinblick auf Energie- und Wasserversorgung, Energieeffizienz, Lüftung oder auch Sicherheit – Dinge, die man täglich selbstverständlich für den reibungslosen Unternehmensbetrieb nutzt. Intelligente Gebäudetechnik hat aufgrund der Digitalisierung jedoch nichts mehr mit dem klassischen Heizungskeller zu tun, den viele von uns vielleicht kennen. Aufgrund des «Internet of Things» (IoT) dienen Gebäudesysteme mit Sensoren und Geräten als Infrastruktur in Gebäuden, die uns Daten liefern und damit intelligentes Management ermöglichen. Viele grundlegende Funkti-

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onen im Gebäude sind vernetzt und können sinnvoll gesteuert werden – ob dies nun die komfortable Bedienung von Storen und Lichtanlagen via Smartphone oder den Komfort des Arbeitsplatzes betrifft, das heisst Lüftung, Klima, Heizung oder Licht. Ist das vorhanden, dann sprechen wir von einem «Smart Building». Allerdings werden diese Komponenten noch viel zu selten oder schlecht genutzt. Dabei besitzen Smart Buildings auf mehreren Ebenen Stärken und bieten Chancen. Erstens unterstützen Smart Buildings die vorgeschlagenen Forderungen der OECD und des Bundes für eine langfristige Klimastrategie. Diese sehen eine dramatische Emissionsreduktion in den nächsten Jahren vor. Zweitens reduzieren Smart Buildings im Mittel mindestens 15 Prozent der Betriebskosten, weil Unternehmen beispielsweise besser

verstehen, wann und wie Energie verbraucht wird, wodurch sie den Verbrauch nachfolgend viel effizienter managen und optimieren können.3 Auf der menschlichen, psychologischen Ebene haben Smart Buildings einen positiven Einfluss auf Humankriterien wie Arbeitsmotivation oder Arbeitszufriedenheit.4 Und diese beeinflussen wiederum die Arbeitsleistung.

WAS MACHT EIN SMART BUILDING AUS? Ein «smartes», also digitalisiertes nahezu Null-Energie-Gebäude (Bürogebäude, Gewerbeliegenschaft, private Überbauung) ist in der Lage, erneuerbare Energien und die Energie- sowie elektronische Infrastruktur zu managen. Es besitzt Kontrollsysteme, misst den Energieverbrauch in Form nutzbarer Daten, um so Unternehmen


UMWELT & TECHNIK

in Realtime Rückmeldung geben zu können. Es kann Fehler diagnostizieren und deshalb wiederkehrend festgelegte Serviceverträge ergänzen oder obsolet machen, weil das smarte Gebäude «weiss», wann Wartungen an oder Reparaturen von Anlagen notwendig sind (englischer Fachbegriff: predictive maintenance). Und final kann es auf unsere Bedürfnisse reagieren. Alle Informationen laufen in einer Plattform auf einem sogenannten «Digital Twin» visuell zusammen, das heisst einer Abbildung des Gebäudes, in der wir genau sehen, wo und wann welche haustechnischen Prozesse ablaufen und wie der Status quo ist. Durch die Sensoren und die komplette Vernetzung ist alles datenbasiert steuerbar: Temperatur, Licht, Überwachung, Luftfeuchtigkeit, Belüftung.5

WIE SMART BUILDINGS UNS POSITIV BEEINFLUSSEN Doch was haben Smart Buildings denn nun mit unserer Arbeitsleistung zu tun? Und wieso rechnet sich das für Unternehmen? Es klingt fast banal: Menschen, die durch ihre Arbeitsumgebung positiv unterstützt werden, leisten mehr. Verschiedene psychologisch fundierte Laborexperimente und Feldstudien vor Ort zeigen Folgendes: (a) Die Luftqualität (Umluft, Emissionen des

Gebäudes, von Möbeln / Einrichtungen und Menschen) hat einen signifikanten Einfluss auf menschliche Konzentration respektive Entscheidungsfindung.6 Weniger CO2-Gehalt – und damit weniger Emission – erhöht die Arbeitsleistung. (b) Die Raumtemperatur beeinflusst unsere Denkleistung: Neutrale Temperaturen zwischen 21 und 25 Grad Celsius gehen einher mit besserer Gedächtnisleistung, ab 26 Grad Celsius sinkt diese bereits.7 Schlechtere Luftqualität oder auch eine erhöhte Raumtemperatur lassen Menschen in Büros müder werden, der gefühlte «Arbeitsenergie»-Pegel sinkt und Büromitarbeitende fühlen sich weniger motiviert und eher müde. Zudem treten somatische Symptome auf.8 Das heisst, dass unter nicht optimalen Umgebungsbedingungen Menschen ganz konkret eher Kopfschmerzen, eine verschnupfte oder «trockene» Nase, einen trockenen Hals oder gereizte Augen bekommen und ein grundsätzliches Unwohlsein verspüren.9 So kann man mittel- oder langfristig keine gute Leistung erbringen. Smart Buildings können genau dort ansetzen und Unternehmen nicht nur bei grundsätzlich ökologischen oder energetischen Fragestellungen positive Dienste erweisen, sondern auch ganz praktisch

diejenigen positiv unterstützen, welche die Leistung für den Unternehmensumsatz erzielen: die Menschen im Betrieb und im Bürogebäude.

ÖKONOMISCH UND ÖKOLOGISCH SINNVOLL Smart Buildings sind also nicht nur grundsätzlich ökonomisch kostenreduzierend, sondern auch ökologisch sinnvoll, weil damit Geschäftsstrategien zur Erreichung der Klimaneutralität (CO2) abgeleitet werden, was eine bessere Umweltbilanz zur Folge hat. Was jedoch bislang noch nicht richtig in den Fokus gerückt wurde: Smart Buildings unterstützen aus wirtschaftspsychologischer Sicht die Arbeitsleistung signifikant.

LITERATUR 1. World Energy Outlook 2020. www.oecd-ilibrary.org. 2. Langfristige Klimastrategie der Schweiz. www.bafu.admin.ch. 3. Put Energy to Work: Give your business a competitive advantage with energy management. www.nyserda.ny.gov. 4. Leder, S., Newsham, G. R., Veitch, J. A., Mancini, S. & Charles, K. E. (2016). Effects of office environment on employee satisfaction: a new analysis. Building research & information, 44(1), 34–50. 5. Al Dakheel, J., Del Pero, C., Aste, N. & Leonforte, F. (2020). Smart buildings features and key performance indicators: A review. Sustainable Cities and Society, 102328. 6. Satish, U., Mendell, M. J., Sheklar, K., Hotchi, T., Sullivan, D., Streufert, S. et al. (2012). Is CO 2 an indoor pollutant? Direct effects of low-to-moderate CO 2 concentrations on human decision-making performance. Environmental Health Perspectives, 120, 1671e1677. 7. Hancock, P. A., Ross, J. M. & Szalma, J. L. (2007). A meta-analysis of performance response under thermal stressors. Human Factors, 49, 851e877. 8. Lan, L., Wargocki, P., Wyon, D. P. & Lian, Z. (2011). Effects of thermal discomfort in an office on perceived air quality, SBS symptoms, physiological responses, and human ­ performance. Indoor Air, 21, 376e390. 9. Varjo, J., Hongisto, V., Haapakangas, A., Maula, H., Koskela, H. & Hyönä, J. (2015). Simultaneous effects of irrelevant speech, temperature and ventilation rate on ­ performance and satisfaction in open-plan offices. Journal of Environmental Psychology, 44, 16–33.

DR. PHIL. TOBIAS HEILMANN ist Wirtschaftspsychologe, Studiengangsleiter MAS Wirtschaftspsychologie und Dozent an der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) sowie Geschäftsführer bei campaignfit.ch www.campaignfit.ch www.ffhs-ch

REMO ZOLLIKER

Temperatur und Luftqualität haben Einfluss auf die Konzentration.

ist EMBA FFHS, Solution Architect und Consulting für Smart Buildings und Cities.

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UMWELT & TECHNIK

BIM-PLANUNGSWORKFLOW BEISPIELPRODUKT TÜREN von Thierry-Benoît Wälchli

Im Zuge der Digitalisierung und durch das Aufkommen des Building Information Modelling (BIM) stellt sich die Frage, wie die Informationen und Anforderungen aus einem geometrisch basierten Modell in eine parameterbasierte Produktionssoftware überführt und zurückgegeben werden können. Eine interdisziplinäre Studiengruppe der Weiterbildung CAS Digital planen, bauen, nutzen an der Berner Fachhochschule widmet sich dieser Thematik.

Definierter Datenaustausch sichert die Qualität und Quantität.

D

ie Architekten aus den Bereichen Entwurf und Unterhalt, Ingenieure für Stahl- und Holzbau sowie ein Holzbautechniker stellten am Beispiel einer Tür die These auf, dass ein durchgängiger, modellbasierter Datenaustausch für parametrisierte Produkte bereits heute technisch möglich ist. In der Praxis treffen wir heute unterschiedliche und oft nicht aufeinander abgestimmte Planungs- und Arbeitsmethoden sowie neu zusammengewürfelte Projektteams an. Eingesetzte Technologien, Begrifflichkeiten, ungenügende Abmachungen und Rollenzuweisungen fördern zwangsmässig Medienbrüche, Datenverluste und Mehraufwände. Für einen optimalen Daten- und Arbeitsworkflow braucht es offensichtlich einen möglichst hohen Grad an Standardisie-

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rung sowie eine geregelte Zusammenarbeit. Mittels geltender Normen und Standards werden in dieser Arbeit mehrere Unternehmen (Holzbau-Totalunternehmer (TU), Türsystemhersteller (Holz), Türproduzent (Metall) bezüglich des spezifischen Arbeitsflusses beim Datenaustausch miteinander verglichen.

EINBINDUNG VON ANFANG AN Wird ein produzierender Betrieb bereits in den SIA-Teilphasen Vorprojekt, Bauprojekt oder Bewilligungsverfahren in den Prozess eingebunden, reduziert sich der Aufwand bei den nachfolgenden Prozessschritten signifikant. Somit muss nach einer Lösung gesucht werden, durch die der Fachplaner früh und mit wenigen Informationen ein produzierbares Produkt anbieten kann. Zu-

dem sollen weniger Leerläufe oder Fleissarbeit erzeugt werden und eine schnellere Rückmeldung muss möglich sein. Abhilfe bieten die sogenannten noch nicht definierten «Core-Daten» der Tür. Mithilfe dieser relevanten Attribute bleiben die Produkte für die Architekten und Planer vergleichbar und sind im selben Zuge basisbildend für eine parametrisierte Produktion. Mit diesen gewonnenen Erkenntnissen entstand ein neuer Soll-Planungsworkflow, welcher wiederum mit einem praktischen «Proof of Concept» bei der Firma Josef Meyer Stahl & Metall AG, Emmen, überprüft wurde. Ein in den Grundzügen entworfenes Information Delivery Manual (IDM) mit den Exchange Requirements (ER) gibt die Definition der Austauschan-


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forderungen an die «Core-Daten» der Tür vor. Weiter regelt es den Zeitpunkt und die Verantwortlichkeiten des Informationsflusses. Daraus kann eine Türmatrix abgeleitet werden, welche in maschinenlesbarer Form an den Türproduzenten überliefert werden kann. Nun erhöht der Produzent die Qualität und Quantität der vorgegebenen Attribute. Beispielsweise wird aus einem runden Edelstahl-Türschild das Türschild ABC123. Design- und materialtechnisch hat sich nichts geändert, für den Produzenten sind alle Bohrungen des Türschilds neu definiert und die Anzahl der Attribute hat sich dadurch erhöht. Die Informationen können nun an den Planer zur Genehmigung oder als Attribute in die Produktion gesandt werden. Eine Rückspeisung von ergänzten Türspezifikationen

und zusätzlichen nicht maschinenlesbaren Dateien, beispielsweise Reinigungshinweise für den Betrieb und Unterhalt in einem virtuellen Projektraum, ist ebenfalls einwandfrei möglich.

GEMEINSAM IN DIE ZUKUNFT Zusammenfassend wurde die aufgestellte These, dass ein durchgängiger Datenaustausch für dieses spezifische Produkt der Türen besteht, bestätigt. Damit dieser Anwendungsfall in die breite Praxis überführt werden kann, bedarf es aber noch solide, weiterführende Arbeiten. Das bestehende Datenwirrwarr und die fehlenden Standards generieren momentan noch einen hohen Koordinationsaufwand für alle Projektbeteiligten. Es muss folglich gelingen, einen gewissen Standard zu etablieren,

der für die Branche in einem enormen Effizienzgewinn resultiert. Aufgrund der Anpassungen über die Zeitachse sind dazu neue Honorierungs- und Bauprozessmodelle notwendig. Eine kollaborative Arbeitsweise unter den Projektbeteiligten bleibt bei aller Automation und Standardisierung auch in Zukunft zentral.

THIERRY-BENOÎT WÄLCHLI ist wissenschaftlicher Assistent am Institut für digitale Bauund Holzwirtschaft (IdBH) der Berner Fachhochschule. www.bfh.ch/idbh

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ZUKUNFTSWEISENDE PROJEKTE MIT SONNE UND WASSER ZUR NACHHALTIGEN BAHNWERKSTÄTTE von Simon Sarbach und Elmar Bumann

Beim Umbau der BLS-Werkstätte Bönigen wurde jedes Hallendach mit einer Photovoltaikanlage bestückt. Mit einem intelligenten Energiemanagement wird die Energie in Batterien und thermischen Speichern bis zum Verbrauch zwischengelagert. Als ergänzende Energiequelle wird dem Brienzersee je nach Bedarf Wärme oder Kälte entzogen. In Zusammenarbeit mit der fux & sarbach ENGINEERING AG hat die BLS eine Lösung gefunden, welche die nachhaltigen Energien optimal ausschöpfen und die Energie bedarfsgerecht liefern kann.

D

ie BLS ist ein Mobilitätsanbieter. Sie verbindet Menschen, Regionen und Orte. Zusammen mit den Dienstleistungen im Güterverkehr ist die BLS eines der grössten Verkehrsunternehmen der Schweiz. Solche Angebote brauchen viel Energie. Hier gilt es heute,

ökologische und intelligente Lösungen zu finden. Im folgenden Beitrag stellen wir ein Beispiel vor. Im Zuge des Umbaus der BLS-Werkstätte Bönigen im Berner Oberland wurde durch ein Innovationsteam unter der Leitung von

Visualisierung des zukünftigen Geländes in Bönigen.

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Elmar Bumann, BLS, und Simon Sarbach, fux & sarbach ENGINEERING AG, ein Anlagen- und Energiekonzept mit wegweisendem Charakter entwickelt. Dies beinhaltet die folgenden Herausforderungen: Eigenverbrauch Photovoltaik-Energie mit Speicherung und Wärmeerzeugung sowie


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Anlage- und Energiekonzept Werkstätte Böningen

das Erweiterungspotenzial zur Wasserstoff-Herstellung.

ZIELRÄUME UND SCHWERPUNKTE Ziel war es, eine innovative und nachhaltige Energienutzung zu realisieren, die CO2Emissionen zu senken und der Energiestrategie 2050 des Bundes Rechnung zu tragen. Die Projektgrundlagen wurden in Anlehnung an vorliegende Verbrauchsdaten und anhand des zukünftigen Ausbaupotenzials des Areals ermittelt. Im folgenden Übersichtskonzept werden die Hauptkomponenten dargestellt. Als Primärenergiequelle und Grundlage für die weiteren Haustechnikanlagen und Speichermedien der Werkstätte dient die PV-Anlage auf dem Areal mit 2.5 Megawatt peak. Schwerpunkte des Energie- und Anlagenkonzepts liegen bei den Hauptmerkmalen: • maximale Nutzung der lokal produzierten erneuerbaren Energie, • Erhöhung des Eigenverbrauchs der elektrischen und thermischen Energie durch den energieoptimierten

Betrieb der Werkstätte während den Arbeits- und Betriebszeiten, • Wassererwärmung von Prozesswarmwasser, Brauchwarmwasser und Raumheizung mit zwei Mitteltemperatur-­ Wärmepumpen und einer Hochtemperatur-Wärmepumpe (Wärmequellen = Seewasser) zur weiteren Steigerung der lokal verwendeten PV-Energie, • radikale Reduktion des Erdgasverbrauchs auf dem Areal – Ersatz durch erneuerbare Energien, • Zwischenspeicherung der elektrischen Energie in Batteriespeichern, • als mögliches Erweiterungsprojekt lokale Wasserstoffproduktion zur Maximierung des Eigenverbrauchs. Die zeitlich flexible Nutzung des gespeicherten Wasserstoffs ermöglicht eine zukünftige Dekarbonisierung der Fahrzeugflotte für logistische Dienste der BLS. Die aus dem Projekt gewonnen Erkenntnisse, Kennzahlen und Erfahrungen sollen für weitere Projekte nutzbar sein. Im Zu-

sammenspiel der oben aufgeführten Konzepte und Systeme wird ein hocheffizientes, intelligentes und vorbildliches Energiekonzept realisiert und betrieben. Um den lokalen Strombedarf auf dem Areal weitgehend durch PV-Strom zu decken, wird dieser temporär in verschiedenen Medien zwischengespeichert. Die Herausforderung besteht darin, dass während der Arbeitstage mit durchschnittlicher Sonneneinstrahlung eine Kurzzeitspeicherung mit einem Batteriespeicher weitgehend genügt, an Wochenenden und langen sonnigen Sommertagen jedoch eine massiv grössere Speicherkapazität notwendig wäre. Aus wirtschaftlichen Gründen wird ein Kompromiss zwischen Sommer- und Winterertrag für die Speichergrösse evaluiert. Eine ebenfalls interessante Technologie stellt die Herstellung von Wasserstoff dar (zukünftiges Erweiterungsprojekt). Es können grosse Energiemengen gespeichert werden und die Abwärme der Elektrolyse kann zur Warmwasseraufbereitung genutzt werden.

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ENERGIE AUS DEM «TÜRKIS-SEE» Die Funktionsweise der Wärmepumpe ist ähnlich der des Kühlschranks. Während der Kühlschrank seinem Innenraum Wärme entzieht und nach aussen abgibt, entzieht die Wärmepumpe der Umwelt Wärme und gibt diese als Heizenergie an das Areal ab. Dabei dient der Brienzersee als Energiequelle. Dieser wird mit einer Seewasserfassung und einer Spülbohrung angezapft. Das Seewasser wird in etwa 30 Metern Tiefe mit circa acht Grad Celsius entnommen und an die Wärmetauscher weitergegeben. So werden die bestehenden und neuen Werkhallen mittels Seewassernutzung mit Wärme resp. Kälte versorgt. Der Brienzersee ist ganzjährlich ein eher kalter See und eignet sich somit sehr gut für das Freecooling. Dabei wird das Seewasser direkt genutzt, um die Werkstätte zu kühlen.

DAS WÄRMEERZEUGUNGSKONZEPT Mit zwei Niedertemperatur-Wärmepumpen wird das notwendige Brauchwarmwasser und das Heizwasser für die Werkstätte produziert. Bei Energieüberschuss der PVAnlage wird auf Vorrat Energie in den ther-

Aufbau der Seewasserfassung

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mischen Speichern mit einem Volumen von 48 Kubikmetern zwischengespeichert.

EVALUATION DES BATTERIESPEICHERS

Die Wärmepumpen können reversibel betrieben werden. Das bedeutet im Sommer: Wenn Kühlbedarf besteht und gleichzeitig Warmwasser benötigt wird, erzeugen die Wärmepumpen Kälte und Wärme. Falls ausschliesslich gekühlt werden soll, wird das kalte Seewasser direkt über Plattentauscher an das Areal abgegeben. Zur Zwischenspeicherung steht ein Kältespeicher von 24 Kubikmetern zur Verfügung.

Für die Evaluation des Batteriespeichers wurde ein Vergleich zwischen verschiedenen Batterietechnologien (Salzbatterie, Salzwasserbatterie, Lithium-Ionen und NiMH / Nickel-Metallhydrid) erstellt. Zusammen mit der BLS wurden Anforderungen an den Speicher definiert und gewichtet. Das Hauptaugenmerk wurde dabei auf folgende Punkte gelegt: Umwelt (giftige Materialien, Elektrolyt, Rezyklierbarkeit, Entsorgung) und Sicherheit (Brennbarkeit, Entflammbarkeit, Löschprozess, Explosion, Gefahren).

Für die Reinigung braucht es Prozesswasser auf einem Temperaturniveau von 85 Grad Celsius. Die Temperatur wird mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe erzeugt und kann mittels eines Tanks von 24 Kubikmetern gespeichert werden. Die benötigte Quelltemperatur von 50 Grad Celsius wird mit der Abwärme der Druckluftkompressoren, den Niedertemperatur-Wärmepumpen und im Falle einer zukünftigen Wasserstoffproduktion mit der Abwärme der Elektrolyse bereitgestellt. Der positive Effekt: Man hat Hochtemperatur-­Prozesswasser aus dem Niedertemperaturspeicher oder der H2-Abwärme.

Danach wurden die Batteriespeicher anhand ihrer Eigenschaften zu den einzelnen Anforderungen benotet. Die Anzahl der Punkte pro Speichertechnologie wurde anhand der Gewichtung und der vergebenen Noten errechnet. Gemäss der Nutzwertanalyse wurde ersichtlich, dass sich für die im Projekt gestellten Anforderungen die Salzbatterie und die Nickel-Metallhydrid-Technologie am besten eignen. Der Produktentscheid der Batterie steht jedoch noch aus, da eine Abhängigkeit zwischen der Wahl des Batteriespeichers


UMWELT & TECHNIK

und der «Option Erweiterungsprojekt Wasserstoff-Herstellung» besteht.

CLEVERER GESTEUERT Es wird ein übergeordnetes und interaktives Energie-Management installiert. Durch intelligentes Kombinieren und Zusammenführen aller Energieflüsse kann der Eigenverbrauch maximiert werden, ohne Nachteile oder Einschränkungen für die betrieblichen Abläufe in Kauf zu nehmen. Folgende Faktoren werden berücksichtigt: • Einbezug von meteorologischen Vorhersagen auf zu erwartende Energieerträge, • Berücksichtigung energieintensiver Prozess- und Arbeitsabläufe in der Werkstätte, • Nutzen schaltbarer elektrischer Lasten für das Erreichen von planbaren Lastprofilen (Eigenverbrauchsoptimierung), • Bewirtschaftung von Energiespeichern, • Einbezug von Wochenenden, Ferienzeiten und Feiertagen. Die Umwandlungs- und Speichertechniken sind modular aufgebaut und können flexibel erweitert oder zwecks Optimierung

auch temporär ausser Betrieb genommen werden. Die verschiedenen Technologien im Bereich der nachhaltigen Energien entwickeln sich rasant weiter. Das Projekt soll für zukünftige Entwicklungen offenbleiben und erweiterbar sein.

KLEINES FAZIT Dieses Projekt bietet die Chance, eine optimierte Energienutzung in einem industriellen Betrieb mit mittlerem Strombedarf und Hochtemperaturprozesswärme sowie Heizund Brauchwarmwasser zu realisieren. Mit einem intelligenten Energie-Management wird der Strombedarf aus dem Netz reduziert und die fossile Wärmeerzeugung zusätzlich minimiert. So wird der CO2-Ausstoss um bis zu 80 Prozent verringert. Rund zwei Drittel des produzierten Stroms werden direkt von der Werkstätte verbraucht. Der Rest – Strom für rund 175 Haushalte – wird ins Netz eingespeist. Durch eine mögliche zukünftige Einbindung der Wasserstoffelektrolyse kann die lokale Stromerzeugung mit dem Transportsektor kombiniert werden, um die Treibhausgasemission weiter zu reduzieren. So kann die Synergie mit öffentlichen Tankstellen ge-

nutzt werden. Das Projekt mit seinen Speichertechnologien Batterie, Wasserstoff und Wärme ist eine hervorragende Gelegenheit, um den Einsatz dieser Technologien unter Beweis zu stellen und das Zusammenspiel zu optimieren. Mögliche Zukunftsperspektiven sind auch in dem bedeutenden Beitrag zur Energiestrategie 2050 des Bundes zu verorten. In erster Linie steht aber das Sammeln von Erfahrungen, Erkenntnissen und Vergleichszahlen im Rahmen dieses Pilot-Projekts auf der Agenda.

SIMON SARBACH ist Geschäftsführer von fux & sarbach ENGINEERING AG.

ELMAR BUMANN ist Leiter Ausführung Hochbau der BLS AG. www.bls.ch www.fse-ag.ch

Nutzwertanalyse Batteriespeicher

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KOLUMNE

INFRASTRUKTURBAUTEN MESSBAR NACHHALTIG MACHEN von Stephan Wüthrich

I

n der Schweiz werden jährlich rund 25 Milliarden Franken in den Unterhalt und Neubau von Infrastrukturbauten investiert. Die sorgfältige Planung und nachhaltige Bewirtschaftung unserer Infrastruktur für Mobilität, Wasser, Schutz, Energie oder Kommunikation tragen somit wesentlich zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft bei. Mit dem gegen Ende 2020 lancierten Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) Infrastruktur wird die Nachhaltigkeit für Infrastrukturvorhaben messbar. Das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS), das von mehreren Bundesämtern sowie privaten Partnern getragen wird, hat in mehrjähriger Arbeit Grundlagen definiert, bestehende Vorgaben zusammengetragen und neue Beurteilungskriterien entwickelt, um ein praktikables, alltagstaugliches Instrument zu schaffen. Der so entstandene SNBS Infrastruktur beurteilt und bewertet Objekte des Tiefbaus aufgrund verschiedener Kriterien aus den drei Nachhaltigkeitsbereichen sowie aus übergreifenden, transversalen Themen. Der komplett neu erarbeitete Standard wurde vor seiner Freigabe bei sechs Pilotprojekten einem letzten Praxistest unterzogen, um seine Anwendbarkeit im Massstab 1:1 zu prüfen. Dabei handelte es sich um Infrastrukturbauten von der Kläranlage über die Gewässerkorrektion und eine Hochspannungsleitung bis zu einem Waffenplatz und zur Bahn- und Strasseninfrastruktur. Woraus besteht dieser neue Standard nun und wie wendet man ihn an? Zur Hauptsache besteht er aus einem Excel-Tool und einem Kriterienbeschrieb, die beide kostenlos heruntergeladen werden können. Anhand der darin gestellten Anforderungen werden die insgesamt 75 Indikatoren aus 29 Kriterien mit Punkten bewertet. Zwei Punkte gibt es für erfüllte, einen Punkt für teilweise erfüllte und null Punkte für nicht erfüllte Anforderungen. Aus dem Durchschnitt seiner Indikatoren berechnet sich danach die Punktzahl des Kriteriums.

Seite 112 // bauRUNDSCHAU

Wichtig ist, dass der SNBS Infrastruktur in verschiedenen Phasen eines Projekts zur Anwendung kommt, denn seine wiederholte Anwendung in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien eines Projekts erhöht dessen Nachhaltigkeit. So können beispielsweise während der Vorstudien die Sollwerte der Indikatoren mit dem Standard bestimmt werden. Doch dient er auch bei der Variantenwahl als Entscheidungshilfe und während der Projektierung lässt sich mit ihm die Nachhaltigkeit weiter optimieren. Bei der Ausschreibung können die Inhalte des SNBS schliesslich einen Dienst als «Inspirationsquelle» beim Definieren der Eignungs- und Zuschlagskriterien sowie beim Pflichtenheft leisten. Der SNBS Infrastruktur eignet sich darüber hinaus auch zum Beurteilen und Optimieren bestehender Infrastrukturbauten. Das in der Praxis geprüfte Instrument schafft somit einen Mehrwert in Planung, Bau und Bewirtschaftung. Sein checklistenartiger Aufbau hilft zudem ganz wesentlich beim Hinterfragen der bis anhin gepflegten Prozesse sowie bei deren Prüfung auf Vollständigkeit, wie die bisherigen Rückmeldungen klar gezeigt haben. Nicht zuletzt erlangt der Standard zusätzliche Bedeutung im Rahmen des revidierten Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen, das zum Jahresanfang in Kraft getreten ist. Dieses bezeichnet die Nachhaltigkeit explizit als Zuschlagskriterium. Der SNBS Infrastruktur ist das Instrument, um diese Anforderungen zu erfüllen.

STEPHAN WÜTHRICH ist Technischer Sekretär des SNBS Infrastruktur und Leiter des Fachbereichs Bauingenieurwesen an der Berner Fachhochschule BFH. www.nnbs.ch



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NACHWACHSENDE ROHSTOFFALTERNATIVEN PILOTEXTRAKTIONSANLAGE FÜR EINE KLIMANEUTRALE BIOÖKONOMIE von Ingo Mayer

In den letzten Jahren hat das Institut für Werkstoffe und Holztechnologie (IWH) der Berner Fachhochschule (BFH) Verfahren entwickelt, um aus Biomasse Inhaltsstoffe zu extrahieren. Diese Extrakte können in verschiedenen Anwendungen erdölbasierte Stoffe ersetzen. In Biel steht eine Pilotextraktionsanlage, die gemeinsam mit dem Wirtschaftspartner Schilliger Holz AG die Überführung in die industrielle Umsetzung vorbereitet.

D

ie Pilotanlage, die am Standort des BFH-Departements Architektur, Holz und Bau in Biel steht, dient zur Überprüfung der Verfahren vor der Überführung in den Industriemassstab und zur Erzeugung von Extrakten für die Produktentwicklung. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. So können

zum Beispiel aus heimischen Holzrinden emissionsarme Klebstoffe für den Holzwerkstoffbereich, Harzsysteme mit sehr hohem Brandwiderstand oder durch die hohe Bioaktivität auch Zusatzstoffe im Tierfutterbereich entstehen. Dies ermöglicht den Aufbau einer neuen nachhaltigen Wertschöpfungskette für Schweizer Holz.

EINZIGARTIGE INFRASTRUKTUR Mit der Pilotextraktionsanlage ist in Biel eine national und international einzigartige Anlageninfrastruktur zur Verarbeitung von Biomasse zu stofflich nutzbaren Produkten entstanden. Im eigenen analytischen Labor führt das IWH eine chemische Charakterisierung der gewonnenen Pflanzen-

Die Anwendungsmöglichkeiten der Anlage sind vielfältig.

Seite 114 // bauRUNDSCHAU


Fichtenrinde ist ein Beispiel für Biomasse.

DIE ZEIT DER FOSSILEN stoffe durch und kann so Aussagen zu Zusammensetzung, Anwendungseigenschaften und zum Lagerverhalten der gewonnenen Produkte treffen. Durch die Bündelung dieser Kompetenzen können in Zukunft neue Anwendungen für pflanzliche Inhaltsstoffe erschlossen werden.

NACHHALTIGE PRODUKTE FÜR EINE SCHWEIZER BIOÖKONOMIE Gemeinsam mit Wirtschaftspartnern entwickeln die Forschenden der BFH marktfähige und nachhaltige Produkte im Sinne einer Schweizer Bioökonomie, in der nachwachsende Rohstoffe an die Stelle fossiler Ressourcen treten. Die gewonnenen Pflanzenstoffe ermöglichen nicht nur den Ersatz ölbasierter Komponenten in den Formulierungen, sondern bieten durch einen konsequent verfolgten Eco-Design-­Ansatz die Chance auf eine weitgehende Reduktion des ökologischen Fussabdrucks der Produkte. Die Pilotanlage ist eingebettet in das BFH-Zentrum Holz – Ressource und Werkstoff und wurde realisiert mit Unterstützung des Bundesamts für Umwelt (BAFU) im Rahmen des Aktionsplans Holz.

IST LÄNGST VORBEI Wärmepumpen von alpha innotec. Geschaffen für ein besseres Klima. chung Ü b e r w a rung ue te S und Online

INGO MAYER ist Professor für Holzchemie und Materialemissionen an der Berner Fachhochschule (BFH). www.bfh.ch

www.alpha-innotec.ch


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Im Showroom in Volketswil können Fachpartner und Kunden die Möglichkeiten in Bad und Küche live erleben.

NACHHALTIGKEIT IM FOKUS KAMPAGNE FÜR SCHWEIZER WASSER von Peter Schmid

Leitungswasser ist das meistkontrollierte Lebensmittel der Schweiz und erfüllt höchste Richtlinien in Bezug auf Hygiene und Sicherheit. Es ist ein Komfort, den wir nicht mehr missen wollen. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und umweltschonenden Umgang mit den Ressourcen. Der Schweizer Markt bietet hier grosses Potenzial – besonders im Bereich Objektgeschäft und aufgrund des hohen Bewusstseins für die Themen nachhaltiges Leben und Design. Seite 116 // bauRUNDSCHAU


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D

as Schweizer Wasser ist eines der reinsten der Welt und das landesweit meistkontrollierte Lebensmittel. Mit einer neuen Kampagne hat sich GROHE das Ziel gesetzt, die exzellente Qualität der Schweizer Quellen zu erhalten. Denn für die Herstellung von einem Liter in Flaschen abgefülltes Mineralwasser sind bis zu sieben Liter Wasser und 600 Gramm CO2 erforderlich. Hinzu kommen die spätere Verunreinigung von Natur und Wasser durch entsorgte Plastikflaschen und der Transport von der Quelle bis ins Supermarktregal.

PRODUKTE MIT MEHRWERT Der nachhaltige Genuss von lokalem Schweizer Wasser spielt deswegen für das Engagement der Marke in der Schweiz eine übergeordnete Rolle und bildet das kommunikative Dach der aktuellen Kampagne «Made for Swiss Water». Bereits vor über 20 Jahren hat sich GROHE einer 360-GradNachhaltigkeitsstrategie verpflichtet, die Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Prozesse, Produkte und gesellschaftliche Verantwortung gleichermassen miteinschliesst. Das Trinkwassersystem GROHE Blue, mit dem sich gefiltertes und gekühltes Schweizer Wasser in den Varianten still, medium und sprudelnd direkt aus der Armatur zapfen lässt, ist deshalb auch das Herzstück der Kampagne. Das Ziel ist nachhaltiger Komfort: Durch die Vielfalt aus dem Hahn werden schwere Harassen im Keller und Plastikflaschen auf dem Tisch überflüssig. Zusätzlich soll das Bewusstsein für die herausragende Qualität des Schweizer Wassers weiter geschärft werden. Ausserdem will GROHE einen Beitrag dazu leisten, die Schweiz Schritt für Schritt plastikflaschenfrei zu machen.

sowie insbesondere Architekten, Innenarchitekten und Planer sind die wichtigsten Zielgruppen. Auch im Bad kann der Wassergenuss nachhaltig und komfortabel sein. In diesem Bereich ist die Auswahl an Produkten deutlich grösser – hier stellt sich die Frage, welche Sanitärlösungen für das individuelle Projekt geeignet sind. Was muss bei der Planung, beim Einbau und bei der Wartung beachtet werden? Wie können Hygiene und Ästhetik zu gleichen Teilen gewährleistet werden? Bei der Konzeption und Gestaltung des Badezimmers oder der Einrichtung des kompletten Hauses ist ein roter Faden nötig. Für eine ganzheitliche Kundenberatung wird über unterschiedliche Kanäle ein aktiver Dialog ermöglicht. Dazu gehören der persönliche Kontakt über den landesweiten Vertriebs-

aussendienst, das Customer Service Center und den neuen Showroom in der Bauarena Volketswil. Hier haben die Fachpartner die Möglichkeit, Lösungen für Bad und Küche live und mit persönlicher Beratung zu erleben. Mit den richtigen Fragen rund um Raumgrösse, -design und individuelle Präferenzen soll jeder Kunde seine persönliche Version finden: Ist zum Beispiel eher ein Spa at Home oder eine entspannende Regendusche gewünscht.

PETER SCHMID ist Geschäftsführer der GROHE Switzerland SA. www.grohe-x.com

Lokales Trinkwasser kann gefiltert und gekühlt direkt aus der Armatur genossen werden.

OBJEKTGESCHÄFT BRINGT VERÄNDERUNG Der gängige Berührungspunkt der Wasserversorgung für den Nutzer ist der Wasserhahn in der Küche. Die stetige Erreichbarkeit von sauberem Trinkwasser soll jederzeit möglich sein. Dies gilt für Privathaushalte, ist jedoch auch im Objektgeschäft von besonderer Bedeutung. Mit Wassersystemen wie GROHE Blue ist bereits ein bedeutender Schritt in Richtung Nachhaltigkeit möglich, beispielsweise im Bereich der Wohnungswirtschaft oder bei der Planung von BüroObjekten. Dementsprechend wird in der Schweiz ein grosser Fokus auf das Objektgeschäft gelegt – sanitäre Installateure, der sanitäre Grosshandel, Küchenstudios

Hohe Qualitätsansprüche sorgen für eine saubere Zukunft.

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© licht.de / Signify

Die Nutzer agieren per Schalter, Mobiltelefon oder Sprachsteuerung.

GENIAL DIGITALES LICHT KOMFORTABEL UND EFFIZIENT DURCH INTELLIGENTE STEUERUNG von Dr. Jürgen Waldorf

Die Digitalisierung des Lichts spart Strom und setzt neue Massstäbe bei der Lichtqualität. Hochwertige und moderne Lichtquellen können für sich genommen einen Raum angenehm und energieeffizient beleuchten. Doch erst mit intelligenter Steuerung wird die Beleuchtung digital und genial.

D

ie Beleuchtung passt sich heute zunehmend speziellen Anforderungen und persönlichen Bedürfnissen an: In Besprechungsräumen schaffen wählbare Lichtszenen wie «Diskussion» oder «Präsentation» die richtige Atmosphäre und zu Hause beispielsweise Kino-Ambiente. Um Räume nur so lange wie nötig und gewünscht zu beleuchten, kommen Sensoren für Tageslicht und Bewegung kombiniert mit Zeitschaltungen zum Einsatz. Ist gerade niemand im Zimmer, löscht die Steu-

Seite 118 // bauRUNDSCHAU

erung automatisch das Licht. Wenn Wolken den Tageslichteinfall mindern, kann Lichtmanagement das Beleuchtungsniveau erhöhen und danach wieder senken. Das ist komfortabel und effizient: LED-Leuchten mit Präsenzkontrolle und Tageslichtregelung sparen bis zu 80 Prozent Energie im Vergleich zu einer Altanlage mit Dreibanden-­ Leuchtstofflampen. Bei Neubauten funktioniert die Datenübertragung meist per Kabel. Funksysteme lassen sich unkompliziert im Bestand nachrüsten.

T8 GEHT, LED KOMMT Der Zeitpunkt zum Wechsel ist günstig, denn in den kommenden Jahren verbannt die EU nach der Glühlampe weitere Leuchtmittel mit zu hohem Stromverbrauch. Darunter befindet sich auch ein Klassiker: Die T8-Leuchtstofflampe ist heute noch in vielen Büros und Firmen im Einsatz. Ab 1. September 2023 wird sie in der EU nicht mehr in den Verkehr gebracht. Ab dem Stichtag 1. September 2021 werden bereits Kompaktleuchtstofflampen mit integriertem


© licht.de / Erco, Fotografie: Sebastian Mayer

UMWELT & TECHNIK

Per Tablet werden alle Räume angesteuert.

Vorschaltgerät – sogenannte Energiesparlampen – nicht mehr in den Verkehr gebracht. Bleiben dürfen unter anderem Kompaktleuchtstofflampen ohne Vorschaltgerät, Hochvolt-Halogenlampen mit dem Sockel R7s und T5-Leuchtstofflampen. Zudem gibt es eine ganze Reihe von Ausnahmen. Im Zweifel hilft ein Blick auf die Websites der Hersteller. Zusätzlich wird das Energielabel mit den sperrigen Effizienzklassen A++ am 1. September 2021 vom neuen Label mit der Skala A bis G abgelöst. Das heisst, dass aktuelle Lichtquellen mit A++ dann maximal die Effizienzklasse D oder E erhalten. Erst mit weiteren Effizienzsteigerungen erzielen neue Produkte in Zukunft auch höhere Klassen. Wer nur die Lampen austauscht, schöpft die Potenziale moderner Lichttechnik noch lange nicht aus: Der Gesetzgeber hat das erkannt und den Einsatz von Lichtmanagementsystemen in Bereichen, die nicht ständig genutzt werden, zur Referenztechnologie erklärt. Das bedeutet: Eine

Lichtsteuerung wird als Mindeststandard vorausgesetzt. Unternehmen und Kommunen können Fördergelder zur Beleuchtungssanierung beantragen. Für mehr Barrierefreiheit gewährt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) privaten Haushalten Zuschüsse für Smarthome-Anwendungen – dazu gehört auch die Steuerung der Beleuchtung.

CLEVERE SERVICES Mit sogenannten Mehrwertdiensten halten clevere Services Einzug in das moderne Gebäude. Dazu zählen etwa eine digitale Raumbelegung im Bürokomplex, die vorausschauende Wartung in der Industrie oder die Datenübertragung per Licht im Klassenzimmer. Die Beleuchtung sammelt Nutzungsdaten, reagiert flexibel auf Veränderungen und versorgt den Menschen mit der jeweils optimalen Lichtqualität.

FIT MIT LICHT Lichtmanagement nach dem Konzept «Human Centric Lighting» (HCL) unterstützt die natürlichen Phasen von Aktivität

und Erholung und steigert dadurch auch das Wohlbefinden des Menschen: Aktivierendes Licht am Morgen sorgt für einen guten Start in den Tag. Abends kommt der Mensch in entspannter Lichtstimmung zur Ruhe. Ein Lichtmanagementsystem setzt die dynamischen Effekte des Lichts gekonnt um. Integriert in die Gebäudeautomation, agieren verschiedene Gewerke optimal miteinander, etwa bei Licht und Verschattung. Nach dem Vorbild der Natur gibt das Licht dem Körper wichtige Impulse, taktet die innere Uhr, fördert einen erholsamen Schlaf in der Nacht und mehr Vitalität am Tag. Durch die automatische Einbeziehung des einfallenden Tageslichts lassen sich zudem Energie und Kosten sparen.

DR. JÜRGEN WALDORF ist Geschäftsführer der Brancheninitiative licht.de. www.licht.de

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VORSCHAU &  IMPRESSUM

VORSCHAU DIE NÄCHSTE AUSGABE ERSCHEINT IM DEZEMBER 2021 Folgende Schwerpunkte stehen auf unserer Agenda:

Swissbau Innovation Lab, Trendwelt Bad, Gebäudetechnik

Zusammen ist man weniger allein Die Renaissance von genossenschaftlichem Wohnen

Energie und Wärme Heizung, Warmwasser und Solarlösungen

Gutes bewahren Dämmphilosophien im Wettstreit

Feurige Atmosphäre Kamine und Öfen für den Innenraum

Auf gutem Grund Ästhetik und Aufgabe von Böden

Herausgeber Editorial AG Ceres Tower Hohenrainstrasse 24 CH-4133 Pratteln Telefon +41 61 551 39 40 Telefax +41 61 551 39 49 info@editorial.ag www.editorial.ag Geschäftsleitung Peter Levetzow p.levetzow@editorial.ag Mitglied der Geschäftsleitung Jan Tanner j.tanner@editorial.ag Verlags- und Projektleitung Hasan Dursun h.dursun@editorial.ag Verkauf & Marketing Carmen Helde c.helde@editorial.ag Elias Thaler e.thaler@editorial.ag Adrian Borer a.borer@editorial.ag Sandro Zoppas s.zoppas@editorial.ag Sikhu Lartey s.lartey@editorial.ag

Seite 120 // bauRUNDSCHAU

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Andreas W. Kaelin Marcel Kaeser Rebecca Locher Evridiki Macioschek Ingo Mayer Benjamin Nelles Manuela Olgiati Andreas Meyer Primavesi Julia Reichelt Georges T. Roos Simon Sarbach Juanita Schläpfer-Miller Peter Schmid Nicola Schröder Daniela Schwitter Thierry-Benoît Wälchli Dr. Jürgen Waldorf Dr. Urs Wiederkehr Stephan Wüthrich Remo Zolliker Caroline Zollinger Interview Alessandro Calo Daniel Gerny Wilhelm Heckmann Hanspeter Kolb Matthias Stammherr Benjamin Zbären Titelbild Rasmus Hjortshoj Bilder Berner Fachhochschule BLS AG Alesca - Audio Fidelity Ceramiche Refin CNT Management Consulting AG Dormakaba Schweiz AG

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