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AUSGABE 02 / 2019

EINE RUNDE WEITERDREHEN NACHHALTIGKEIT UND DIGITALISIERUNG AUF BAUSTELLEN

SOLARES WEITERKOMMEN | KREISLAUFWIRTSCHAFT | ÜBERGÄNGE GESTALTEN | BADEWELTEN


DIE SCHNELLSTE STÃœTZE DER SCHWEIZ MASSGESCHNEIDERTE ANFERTIGUNG UND AUSLIEFERUNG IN NUR 48 STUNDEN

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, Eine klare Energiestrategie, die wirkliche Zeichen setzt, ist immer noch nicht in Sichtweite. Natürlich bekommen die erneuerbaren Energieträger warmen Applaus. Man will ja nicht ganz die Jugend verlieren, die aktuell gegen den Klimawandel auf die Strasse geht: «WE HAVE NO PLANET B» Aber im Mainstream der Politik wird sehr abwartend formuliert und gehandelt. Das haben die letzten Jahre trotz angekündigter Energiewende – hier in der Schweiz Energiestrategie 2050 genannt – gezeigt.

Software Gesamtlösung auf die Sie bauen können

Dabei ist eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien möglich und nötig. Allerdings bedarf es dazu noch vermehrter Anstrengungen, nicht nur wegen des Klimas, wo uns noch ein Zeitfenster von etwa zehn Jahren bleibt, bis nicht rückholbare Kippeffekte eintreten, sondern auch da mit der aufkommenden E-Mobilität noch mehr Strom gebraucht wird. Die Frage stellt sich, wo die Bremser sitzen? Zum Beispiel bei den klassischen Energieanbietern. Sie verdienen seit Jahrzehnten, im Rahmen von Oligopolen, einfach viel Geld und wollen diese Strukturen auch über die Energiewende hinaus retten. Aus diesem Grund liebäugeln sie mit Megaprojekten wie dem Desertec-Projekt in der Sahara, in der Hoffnung, damit ihre Oligopole aufrechterhalten zu können. Gewinnen wird aber die dezentrale Option. Für diese gibt es viel mehr Investoren, die keine Rücksicht nehmen müssen auf die Abschreibung von Kohle- oder Atomkraftwerken. Zudem ist die dezentrale Lösung die für die Gesellschaft attraktivere, die marktwirtschaftlichere, demokratischere und letztlich auch kostengünstigere. Kleinkraftwerke und Speicher­ lösungen in Bürgerhand sind die besseren Optionen, und wir wollen solche Aktivitäten publizistisch begleiten. Unser Solarschwerpunkt bietet dazu spannende Beiträge. Von der Intersolar in München, der europäischen Leitmesse der Solarbranche, wo wir diesen Mai wieder waren, bringen wir sicher wieder viele inhaltliche Anregungen für die nächste Ausgabe von «bauRUNDSCHAU» mit.

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Vorkalkulation nach NPK Freies Leistungsverzeichnis Ausmass- und Regiefakturierung ARGE Fakturierung Leistungserfassung Werkhof Finanzen und Bau-Kostenrechnung Nachkalkulation Baulohn www.abacus.ch

Georg Lutz

g.lutz@rundschaumedien.ch www.baurundschau.ch

Ecknauer+Schoch ASW

Chefredaktor bauRUNDSCHAU


INHALT

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ZU BESUCH AN DER BAUMA Die Baumaschinenbranche wächst. Das war auch an der Leitmesse bauma in München zu sehen. Trotzdem steht auch diese Branche vor Herausforderungen. Insbesondere die Digitalisierung bringt einige grundlegende Veränderungen mit sich, sei das in der Mobilität, im Strassenbau oder in der Verschalung. Die bauRUNDSCHAU war an der bauma vor Ort und hat sich die neusten Lösungen angeschaut.

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KREISLAUFWIRTSCHAFT AUF DEM BAU Was passiert mit unserem Abfall? In Zeiten der Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Frage – auch für die Baubranche. «Madaster» ist eine Schweizer Online-Bibliothek für verbautes Material, die Abbruchmaterial ein zweites Leben schenkt. Im Interview sprach die bauRUNDSCHAU mit der Präsidentin von Madaster Schweiz, Marloes Fischer, über Kreislauf­ wirtschaft in der Bau- und Immobilienbranche und wie die Digitalisierung hier ein Impulsgeber sein kann.

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INDISCHE ARCHITEKTUR 2018 hat der erste Inder den Pritzker-Preis erhalten: Der berühmte Architekt und Stadtplaner Balkrishna Doshi hat in über 60 Jahren eine Vielzahl unterschiedlichster Projekte verwirklicht. Bei seinen Arbeiten verbindet er moderne europäische Architektur mit indischen Traditionen. Die Ausstellung im Vitra Design Museum zeigt zahlreiche bedeutende Projekte aus der Zeit von 1958 bis 2014. Die bauRUNDSCHAU hat sich vor Ort umgeschaut.

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TECHNIK IM BAD Immer mehr Technik zieht ins Badezimmer ein und auch die Digitalisierung macht vor dem Bad nicht halt. Smart-Home-Anwendungen sind längst keine Technik­ spielerei mehr – im Bad finden sie beispielsweise im Duschsystem Einsatz und vernetzen Wasser, Licht, Ton und Duft zu einem Erlebnis. Im Schwerpunk zum Thema zeigen wir die aktuellen Trends im Bereich Licht, Armaturen, Sanitär und intelligenter Technik.

Seite 2 // bauRUNDSCHAU


GROSSZÜGIGE BESCHATTUNG, KLARE LINIEN, MODERNES DESIGN Unsere rollbaren Sonnensegel werden individuell für Sie geplant und gebaut, angepasst an Ihre Bedürfnisse und an die bestehende Architektur. Je nach Wetter sind sie per Knopfdruck oder per Seilzug im Nu aufgespannt oder zugerollt. Gegen die tiefstehende Abendsonne (oder als Sichtschutz) kann eine Segelecke abgesenkt werden. Elektrisch rollbar bis 80 m², manuell rollbar bis ca. 35 m².

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INHALT

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WILDNIS IM GARTEN Der Garten hat sich gewandelt: Er muss längst nicht mehr im Kontrast zur Natur stehen mit akkurat geschnittenen Hecken und getrimmtem Rasen. Heutzu­tage lassen viele Gärtner dem Wildwuchs freien Lauf – Wildgärten sind angesagt. Die bauRUNDSCHAU zeigt, was einen natürlichen Garten ausmacht und wie dieser zu einem Refugium für Flora und Fauna wird.

SCHWEIZER SOLARENERGIE

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Sonnenschein hat die Schweiz genug, um auf Solarenergie in der Energieversorgung zu setzen. Allerdings muss dazu die Anzahl der Photovoltaikanlagen ausgebaut werden. Die Technik zur Speicherung der Energie ist weiter vorange­ schritten – jetzt geht es darum, diese zu nutzen und SolarLösungen beispielsweise bei Sarnierungen zu integrieren. Im Schwerpunkt führten wir dazu ein Interview mit Vinzenz V. Härri, Professor an der Hochschule Luzern.

WIR SIND VOR ORT Unter anderem sind wir in den nächsten Monaten an folgenden Messen und Veranstaltungen vor Ort. Gerne können Sie im Vorfeld mit uns Termine vereinbaren. Auf Wunsch schauen wir in Ihrem Unternehmen auch persönlich vorbei.

RUBRIKEN Editorial1 Highlight6 Bauen12 Architektur  36 Innenarchitektur  70 Garten86 Umwelt & Technik  102 Kolumnen 20, 40, 76, 108 bauRUNDSCHAU empfiehlt 134 Impressum136

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Bauen & Modernisieren, Zürich, www.bauen-modernisieren.ch Bauen + Wohnen, Luzern, www.bauen-wohnen.ch MIO – Messe In Olten, Olten, www.mio-olten.ch

IM WEB Wir halten Sie zwischen den Ausgaben mit aktuellen News, Fotostrecken, Kolumnen und Analysebeiträgen auf dem Laufenden. Sie sind gerne eingeladen, sich crossmedial zu beteiligen. Zum Beispiel mit News: 1 000 Zeichen, Bild und URL. Besuchen Sie www.baurundschau.ch


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HIGHLIGHT

Die Dimensionen der Messe sind fast unglaublich.

DIE GANZ GROSSEN DINGER DREHEN DIE HERAUSFORDERUNGEN DER BAUMASCHINENBRANCHE von Georg Lutz

Wer die Baumaschinenbranche besucht, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Die Branche der gigantischen Kräne, schweren Baumaschinen und klobigen Asphaltverdichtern protzt mit hohen Wachstumszahlen. Das globale Wachstum ist ungebrochen. Das war auch an der Leitmesse der bauma in München zu beobachten. Trotzdem sind auch hier die neuen Zeichen der Zeit unübersehbar. Es geht ebenso bei den grossen Brummern um nachhaltige Lösungen, die Digitalisierungswelle baut sich auf, und E-Mobilität ist ein Trendthema. Wir präsentieren im folgenden Beitrag Lösungen von der bauma zu diesen Schwerpunkten. Seite 6 // bauRUNDSCHAU


© Messe München GmbH

HIGHLIGHT

Ü

blicherweise kämpfen Messen mit Besucherschwund und in Teilen verschwinden sie sogar im Orkus der Geschichte. An der bauma drängten sich dagegen die Massen. Mit über 620’000 Besuchern aus mehr als 200 Ländern hat die bauma 2019, Weltleitmesse für Bau­ maschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte, das beste Ergebnis ihrer 65-jährigen Geschichte erzielt. Das liegt auch an der zunehmenden Globalisierung der Messe. Hier legten vor allem China, Australien und Japan deutlich zu. Allein aus China kamen über 5 500 Besucher. Der neue Global Player China geht strategisch geschickt vor. An der Solarmesse Intersolar hat er schon vor fünf Jahren vorgemacht, wie man Dominanz in einer Branche erringen kann. Auf jeden Fall wurde mit rund 3 700 Ausstellern aus 63 Ländern auch auf Ausstellerseite eine neue Bestmarke erreicht. Wir sind an den Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit interessiert. Die Digitalisierung, da waren sich fast alle Aussteller einig, ist auch in der Baumaschinenindustrie ein Megatrend. Sensoren und Kommunikationsschnittstellen zur Erfassung und Auswertung von Daten sind mittlerweile Standard. Generell werden Maschinen und Fahrzeuge sauberer, leiser und effizienter, viele haben unterdessen einen Elektrooder Hybridantrieb.

ELEKTRISCHE LÖSUNGEN

© Liebherr

Vor dem Hintergrund des bahnbrechenden Engagements für die Technologien der Zu-

Liebherr R 9200 E im Einsatz im Tagebau der Lausitzer Grauwacke (Eurovia) in Sachsen.

kunft setzt Volvo Construction Equipment (Volvo CE) sein Engagement für «Building Tomorrow» mit der Vorstellung seines ersten kommerziellen emissionsfreien ElektroKompaktbaggers und -Radladers auf der bauma in München um. Es sind die ersten Modelle einer neuen elektrischen Baureihe von Kompaktbaggern und kompakten Radladern von Volvo. Sie sind im Vergleich zu ihren herkömmlichen Pendants frei von Schadstoffemissionen und haben einen deutlich niedrigeren Geräuschpegel, geringere Energiekosten, einen verbesserten Wirkungsgrad sowie einen geringeren Wartungsaufwand. Ab Mitte 2020 wird Volvo CE mit der Markteinführung seiner Reihe von elektrischen Kompaktbaggern (EC15 bis EC27) und Radladern (L20 bis L28) beginnen und in der Folge die Entwicklung neuer dieselbetriebener Modelle dieser Baureihe in Europa einstellen. Um den ECR25 und L25 zu elektrifizieren, wurden die Verbrennungsmotoren durch Lithium-Ionen-Batterien ersetzt. Der ECR25 ist mit Lithium-Ionen-Batterien und einem Elektromotor ausgestattet, der die Hydraulik antreibt, um die Maschine und die Anbaugeräte zu steuern. Die Batterien der Maschine speichern ausreichend elektrische Energie, um den ECR25 acht Stunden lang in den gängigsten Anwendungen, wie etwa bei Tiefbauarbeiten, zu betreiben. Der L25 verfügt über Lithium-Ionen-Batterien, die einen Betrieb von ebenfalls acht Stunden bei den üblichen Anwendungen der Maschine ermöglichen. Hierzu zählen zum Beispiel leichte Infrastrukturarbeiten, der GaLaBau und die Landwirtschaft. Der L25 verfügt über zwei Elektromotoren – einen für den Antriebsstrang und einen für die Hydraulik. Die Entkopplung der beiden Teilsysteme bewirkt eine höhere Effizienz bei den Systemen selbst sowie bei der gesamten Maschine. Sowohl der ECR25 als auch der L25 verfügen über integrierte Ladegeräte, die ein Aufladen über Nacht über eine normale Haushaltssteckdose ermöglichen. Eine Schnell-Lade-Option, die einen leistungsfähigeren Netzzugang erfordert, wird ebenfalls verfügbar sein. «Der ECR25 und der L25 sind revolutionäre Maschinen, die das Engagement von Volvo CE für Technologien der Zukunft untermauern», sagt Scott Young, Leiter für den Bereich Elektromobilität und Automation bei Volvo CE. «Da die Maschinen elektrisch betrieben sind, werden keine Partikel, Stickoxide oder Kohlendioxid an die

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HIGHLIGHT

Umwelt abgegeben. Dies und die Tatsache, dass sie extrem leise sind, prädestinieren sie für den Einsatz in Städten und dicht besiedelten Gebieten.»

GROSSE RADLADER UND SAUBERE MOTOREN

© JOSEPH VÖGELE AG

Der Baumaschinenhersteller Atlas Weyhausen ist ein familiengeführtes Unternehmen aus Norddeutschland – das ist eher untypisch in der Branche. Es erweitert seine Modellreihe bei den grossen Radladern. Es kommen neue Typenbezeichnungen, und zur besseren Unterscheidung gibt es zukünftig vier Grössenklassen S, L, XL und XXL.

Die Verantwortlichen haben auch schon mit Hybrid- und Elektrolösungen gearbeitet. Die Ergebnisse waren aber noch nicht überzeugend. Es ist ja auch etwas anders, E-Mobility auf einer glatten Strasse oder in einer unwegsamen Baustelle zu organisieren. Die Verantwortlichen konzentrieren sich daher auf die strengeren Abgaswerte. Im Zuge der Abgasstufe EU Stufe 5 müssen zukünftig alle Dieselverbrennungsmotoren mit einer Leistung über 19 kW mindestens einen Dieselpartikelfilter haben. Das betrifft somit auch fast alle Radladermodelle. Abhängig von der Motorleistung sind aber zukünftig verschiedene Lösungen zur Einhaltung der neuen Abgasstufe vorzufinden. Je

nach Motorleistung sind das bei Atlas Weyhausen die technischen Lösungen DOC / DPF oder die Kombination DOC / DPF/ SCR.  

Die neue Abgasstufe war auch der Auslöser für eine grundsätzliche Entscheidung bei Atlas Weyhausen. Um ganz deutlich zu machen, welches Modell die neue Abgasstufe erfüllt, hat man sich in Wildeshausen (D) entschieden, neue Typenbezeichnungen einzuführen.

INNOVATIVE ANTRIEBSKONZEPTE Liebherr präsentierte im Rahmen seines riesigen Standes mit mehreren Messehäusern innovative Antriebskonzepte für verschiedene Einsatzbereiche. Die Unternehmensverantwortlichen entwickeln kontinuierlich Antriebskonzepte weiter, damit die Firmengruppe auf künftige Anforderungen vorbereitet ist und ihren Kunden Lösungen für das Heute und Morgen anbieten kann. Die Wahl des jeweiligen Antriebskonzepts hängt vom Einsatzprofil des Produkts ab. Bei härteren Einsätzen mit jährlich hoher Betriebsdauer, wie zum Beispiel auf grossen Erdbewegungs-Baustellen oder im MiningBereich, erscheint der Einsatz von Verbrennungsmotoren, die mit Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen betrieben werden, wahrscheinlicher. Wenn die Re-

© Volvo CE

Mit der neuen Software-basierten Lösung WITOS Paving Docu von VÖGELE lassen sich Baustellenreports automatisiert versenden – auch ohne Mobilfunkverbindung.

Die innerstädtischen Baustellen können in Zukunft mit E-Lösungen sehr viel leiser sein.

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HIGHLIGHT

duktion von Abgasen und Lärmemissionen im Fokus steht, sind Maschinen mit alternativen Antrieben gefragt. Welches Antriebskonzept sich für welchen Einsatz und welche Maschine eignet, ist eine Frage der betriebswirtschaftlichen Kalkulation. Die zunehmende Urbanisierung bringt darüber hinaus strenge Abgasnormen mit sich, welche den innerstädtischen Einsatz von Fahrzeugen und Maschinen betreffen. An der bauma 2019 zeigte Liebherr Lösungen wie die neue elektrisch angetriebene Fahrmischer-Baureihe ETM, die elektrisch angetriebene Stationär-Betonpumpe, elektrisch betriebene Umschlagmaschinen, die XPower-Radlader mit leistungsverzweigtem Fahrantrieb, einen diesel-elektrisch betriebenen Mining-Truck sowie einen 100-prozentig elektrischen Miningbagger und das weltweit erste mit Akku betriebene Grossdrehbohrgerät.

WELTMEISTER DER VERSCHALUNG Mit dem Doka Campus präsentierte Doka ein neues Messekonzept, das ganz nach

den Kriterien Kundennähe, Authentizität und Baustellenflair gestaltet wurde. Mit den drei Themenwelten «Produkt», «Projekt» und «Komponenten» wurden nicht nur kleine und mittelständische Unternehmen abgeholt, sondern auch Grossprojekt-Kunden, die besonders die Engineering- und Beratungskompetenz von Doka schätzen. Sieben Tage lang begeisterte Doka mit Schalgeschwindigkeit und Qualität in einer neuen Dimension und begrüsste Besucher aus der ganzen Welt – von Kanada über Chile bis hin zu Afrika und Australien. Auch die Freifläche am Doka Campus wurde zu einem echten Treffpunkt der Schalungsbranche. Ein absoluter Hit dort und einzigartig auf der bauma waren die Welt- und Vizeweltmeister des internationalen Lehrlingswettbewerbs World Skills 2015. Zwei Mitarbeiter der Strabag – beides Niederösterreicher, Michael Haydn aus Loosdorf bei Melk und Alexander Hiesberger aus St. Leonhard am Forst – konnten den ersten Platz und somit den Weltmeistertitel heimholen. Vier Mal täglich traten sie am Doka

Campus gegen die Zeit an und toppten von Tag zu Tag ihre eigene Leistung – 25 Quadratmeter Frami wurden in der Rekordzeit von 7:45.22 Minuten geschalt.

DIGITALISIERUNG DES STRASSENBAUS Vom Rohstoffproduzenten über das Misch­ werk, den Transport bis zur jeweiligen Baustelle, den Einsatz der unterschiedlichsten Maschinen bis hin zur Koordination der einzelnen Professionen. Auch die Digitalisierung des Strassenbaus umfasst fast die gesamte Wertschöpfungskette. Auch der Durchführungsprozess im Strassenbau besteht aus mehreren Teilprozessen, welche den Ablauf von der Mischproduktion bis hin zur Qualitätsprüfung abdecken. Mit seiner 360-Grad-Prozesssteuerung ermöglicht der Anbieter Q Point, die Informationen des kompletten Bauwerksprozesses in den Strassenbau einzubringen. So verarbeitet Q Asphalt-Daten aus allen 31 Teilprozessen des Bauwerks dynamisch. Durch die Prozessoptimierungen ergeben sich zahlreiche Vorteile für beteiligte

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© Schmitz Cargobull AG

HIGHLIGHT

ideal für kleinere oder mittlere Baumassnahmen, bei denen zwar eine exakte Datenerfassung gefragt, aber keine aktive Prozessoptimierung vor Ort erforderlich ist.»

NEUES ISOLIERMATERIAL Mit besonderem Augenmerk auf die Gewichtsreduzierung präsentierte Schmitz Cargobull eine weiterentwickelte ThermoIsolierung für die Stahl-Rundmulde. Um möglichst hohe Nutzlast zu bieten, wurde die Thermo-Isolierung für die Stahl-Rundmulde SR nochmals optimiert. Das innovative Isoliermaterial hat ein geringes Mehrgewicht ab zirka 310 Kilogramm und bietet somit eine robuste und gleichzeitig nutzlastoptimierte Transportlösung.

Alle Thermomulden von Schmitz Cargobull verfügen über zwei gut zugängliche Messöffnungen pro Seitenwand.

Unternehmen und deren Mitarbeiter / innen. Sehr gut illustrieren lässt sich das Potenzial der möglichen Verbesserungen am Beispiel des Asphaltstrassenbaus, bei dem es sofort zu Einsparungen von bis zu 20 Prozent gegenüber herkömmlichen, analog durchgeführten Bauprozessen kommen kann. Diese Einsparungen ergeben sich zu einem Grossteil aus der Vermeidung von Ressourcen- und Zeitverschwendung. Die Transparenz der einzelnen Bauprozesse sorgt dafür, dass unterschiedliche Zulieferer und beteiligte Firmen ihre Aktivitäten optimal aufeinander abstimmen können. So werden Leerwege vermieden, Lagerhaltungskosten gesenkt und Arbeitszeit sinnvoll eingesetzt. Und das ist auch gut für die Umwelt. Denn so können sich alle am Bauprozess beteiligten Firmen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf wesentliche und wirklich notwendige Schritte konzentrieren. Das schont Ressourcen, und die Qualität der abgelieferten Arbeit kann ganz allgemein erhöht werden.

DIGITALE BAUSTELLENDOKUMENTATION Zur Softwarelösung gehört aber auch die Hardware, die mit der Digitalisierung auf Augenhöhe agieren kann. Auf der bauma präsentierte der Strassenfertiger-Hersteller VÖGELE seine aktuellen Entwicklungen rund um die digitale Baustellen-Dokumentation und Software-basiertes Prozessmanagement. Mit der neuesten Innovation, WITOS Paving Docu, ergänzt der Weltmarktführer zwei seiner bisherigen Baustellen-Lösungen: das kontaktlose Tempe-

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ratur-Messsystem RoadScan, mit dem sich die Einbautemperatur flächendeckend überwachen lässt, und die Telematiklösung WITOS Paving Plus, mit der sämtliche Prozesse von der Mischanlage bis zum Einbau in Echtzeit koordiniert und aktiv optimiert werden können. WITOS Paving Docu setzt genau dazwischen an: Die Lösung richtet sich speziell an Bauunternehmen, die über die Einbautemperatur hinaus zusätzliche Daten erfassen und auswerten möchten, aber nicht den vollen Umfang von WITOS Paving Plus inklusive Prozessoptimierung benötigen. Bauleiter und Poliere können mit WITOS Paving Docu Aufträge ohne vorherige Planung direkt auf der Baustelle starten und so zahlreiche Fertiger- und Einbaudaten wie Arbeitsbreiten, Einbaugeschwindigkeit und -stopps sowie die effektive Einbauzeit aufzeichnen. Zudem lassen sich Lieferscheine per QR-Code scannen oder manuell erfassen und kontinuierlich Einbauflächen, -mengen sowie Flächendichten errechnen. Am Ende eines Einbautages werden Baustellenreports automatisiert per E-Mail an ausgewählte Empfänger versendet. App und Fertiger sind dabei per WLAN miteinander vernetzt, sodass der Informationsaustausch zwischen der Maschine und dem Smartphone des Poliers auch ohne Mobilfunkverbindung funktioniert. «WITOS Paving Docu ist eine äusserst praktische und verlässliche Lösung, wenn es um eine schnelle, unkomplizierte und gleichzeitig umfangreiche Dokumentation einer Baustelle geht», sagt Dr. Stephan Weller, Leiter Softwareprodukte bei VÖGELE. «Sie eignet sich

Durch die Neugestaltung des Aufbaus der Isolierung, bei dem das Isoliermaterial und das Aussenblech nicht mehr miteinander verbunden sind, wird eine segmentierte Isolierung der Seitenwand möglich. Der Vorteil: Bei Beschädigung, zum Beispiel durch seitliches Anfahren von Radladern, können die einzelnen Segmente einfach ausgetauscht werden. Als Isoliermaterial kommt ein flexibler und hoch effizienter Dämmschaum auf organischer Basis mit sehr guten akustischen und thermischen Dämmeigenschaften zum Einsatz. Herausragende Merkmale, wie die hohe Temperaturbeständigkeit und das sehr geringe Raumgewicht, kennzeichnen dieses Leichtgewicht unter den Isolierungen. Ein weiterer Vorteil des segmentierten Aufbaus ist die einfache Demontage der Isolierung vor Schweissarbeiten in der Mulde (zum Beispiel dem Einschweissen eines Verschleissbleches), sodass eine Beschädigung des Isoliermaterials vermieden wird. Die bauma ist vom 4. bis 10. April 2022 auf dem Münchner Messgelände.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.bauma.de www.cargobull.com www.doka.com www.q-point.com www.liebherr.com www.voegele.info www.volvoce.com/switzerland/de-ch/ robert-aebi www.weycor.de


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DER WANDEL BEGINNT NEUE STRATEGIEN UND DENKANSÄTZE FÜR URBANE RÄUME von Swenja Willms

Laut den Vereinten Nationen steigt der Anteil der städtischen Bevölkerung bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts von aktuell 55 Prozent auf 68 Prozent. Zwei Drittel der weltweiten Energie und rund 70 Prozent aller Ressourcen werden in Städten genutzt. Um die urbanen Herausforderungen als gesamtgesellschaftliche Chancen zu nutzen, wenden sich viele Städte dem Konzept der Kreislaufwirtschaft zu. Kreislaufwirtschaft ist realistisch und profitabel. Realistisch, denn Stoffkreisläufe schliessen sich lokal. Profitabel, denn zirkuläre Projekte erweisen sich ökonomisch wettbewerbsfähiger als lineare Modelle, wenn die externen Kosten mitkalkuliert werden. Sensibilisierung ist das Schlüsselwort für diese neuen Arbeitsweisen. Es mangelt nicht an Technologien oder Innovationen, sondern ein Umdenken ist notwendig. Die Erde ist ein geschlossenes System mit einer endlichen Menge an Mineralien und Rohstoffen. Alles, was zur Verfügung steht, sollte daher unendlich wiederverwendbar bleiben.


BAUEN

Das Dach des neuen Hauptsitzes des Energieversorgungsunternehmens Alliander in Duiven (Niederlande) wurde mithilfe von Achterbahnschienen konstruiert.

DER KREIS SCHLIESST SICH SCHWEIZER LÖSUNG FÜR KREISLAUFWIRTSCHAFT IN DER BAUBRANCHE Interview mit Marloes Fischer von Swenja Wilms

Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft sind die zentralen Treiber des Wandels der Bau- und Immobilienbranche. «Madaster», die Schweizer Online-Bibliothek für verbautes Material, verwandelt wertloses Abbruchmaterial in ein wertvolles Materiallager. Zusammen mit strategischen Partnern hat die Arbeit begonnen, den Ansatz und die Struktur der Online-Bibliothek unter Berücksichtigung von branchenspezifischen Bedürfnissen und Standards in der Schweiz zu definieren. Mit diesem neuen Standard kann die Branche den Wandel hin zu kreislauffähigen, nachhaltigen Geschäftsmodellen gestalten.

M

it zunehmender Urbanisierung und komplexer werdenden Auswirkungen des Klimawandels steigen die Herausforderungen, denen Städte und Gemeinden weltweit gegenüberstehen. Die Baubranche generiert jährlich einen Abfallstrom von 15 Millionen Tonnen Bauabfall in der Schweiz. Madaster wurde gegründet, um die Wiederverwendung von Materialien zu fördern und in intelligente Designs zu investieren. Mit einer innovativen Inventarisierung und Registrierung von Material soll die zirkuläre Orga-

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nisation von Abbruch, Bau, Renovierung und Management von Gebäuden ermöglicht werden. In der dafür entwickelten OnlineBibliothek werden im Gebäude verbaute Materialien und Produkte dokumentiert, ähnlich wie bei der Registrierung von Grundstücken und Liegenschaften beim Grundbuchamt. Die für einzelne Bauwerke generierbaren Materialpässe bieten erstmals vollumfängliche Transparenz über den finanziellen und zirkulären Wert sowie die Qualität von verbauten Materialien und Produkten.

Die Madaster-Materialpässe enthalten Informationen über die Qualität und Herkunft der Materialien und deren aktuellen Standort. Dies erleichtert die Wiederverwendung und Rückgewinnung von Materialien erheblich. Ein Gebäude wird so zu einem dokumentierten «Lagerplatz» für Materialien. Dies hilft Bauherren, Planern und Bauträgern, beim Entwerfen, Bauen und Nutzen von Gebäuden konzeptionell neue Wege zu beschreiten. Darüber hinaus ermöglicht der Materialpass den Investoren und Finanzinstituten, den Wert der Mate-


© RAU Architects, Marcel van der Burg

BAUEN

rialien in die Gesamtbewertung des Objekts einzu­b eziehen. Der Vorteil für den Eigentümer besteht darin, dass er ein Gebäude nicht mehr auf null abschreiben muss, da Materialien immer einen vom Immobilienmarkt unabhängigen Wert behalten. Dies schafft eine neue Dimension der Wertermittlung von Immobilien und fördert zirkuläre Geschäftsmodelle. Frau Fischer, Sie sind Initiatorin und Präsidentin von Madaster Schweiz. Die Grundidee von Madaster stammt aus Holland. Wie fortschrittlicher sind die Niederlande beim Thema Kreislaufwirtschaft im Vergleich zu der Schweiz? Auch für die Niederlande war Madaster ein neues Konzept. Der Gedanke, ein Grundbuch für Materialien zu führen, ist 2016 entstanden als Erweiterung des traditionellen Grundbuchs, was wir in Holland führen: das Kadaster. Ein Jahr später wurde das holländische Start-up mit einem gemeinnützigen Ziel als Stiftung gegründet. Der Grundstein dafür wurde allerdings schon im Jahr 2014 gelegt, als Europa damit begann, «circular economy» zu thematisieren.

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BAUEN

Der Materialpass von Madaster bietet dem Bauherrn Einblick in die verbauten Materialien in einem Gebäude.

Die Niederlande verankerte ein Jahr später die Richtlinie, welche eine 100-prozentige Zirkularität des Landes im Jahre 2050 vorschreibt, 2030 sollen es mindestens 50 Prozent sein. Holland besitzt nur sehr wenige Ressourcen und ist abhängig vom Import unterschiedlicher Materialien. Die Kreislaufwirtschaft bietet dem Land ein grosses Handlungspotenzial. Die öffentliche Hand richtet nun ihr Augenmerk auf Initiativen und auf die Beschaffung zirkulärer Materialien. Um das Ziel zu erreichen, ist vor allem ein struktureller Wandel notwendig. Fehlt es hier an Aufklärung oder Informationsbedarf bei den Beteiligten? Die Sensibilisierung bei der Bevölkerung ist sicherlich ein wichtiges Thema. Kreislaufwirtschaft wird per se aber schon in Vereinen, Industrieverbänden und auch in der Bauwirtschaft gelebt. Auch Events wie «Die Woche der Zirkularität» sind feste Bestandteile in Holland, und auch die Medien greifen das Thema regelmässig auf.

15 Millionen Tonnen Bauabfall generiert die Baubranche jährlich in der Schweiz.

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Welche weiteren Impulse sind nötig, um den Wandel voranzutreiben? Einerseits ist es fundamental, das Thema Kreislaufwirtschaft in der Ausbildung bereits aufzugreifen. So verankert sich der


BAUEN

Gedanke, dass es normal ist, Ressourcen zu schonen und zirkuläre Produkte und Nutzungsmöglichkeiten derselben an­ zubieten. Auch ist es notwendig, dass der gesetzliche Rahmen dieses Handeln ermöglicht und dieses mit Anreizen gefördert wird. Sicherlich ist hierzu eine Umstellung nötig, die Nachfrage muss sich sowohl im privatwirtschaftlichen als auch im öffentlichen Bereich generieren. Für das wiederum braucht es Sensibilisierung der entsprechenden Akteure. Wie wird Madaster zum Standard auf dem Markt werden? Madaster ist überzeugt, dass Standards aus einer proaktiven Haltung, einem offenen Ansatz und dem Streben nach Kooperationen entstehen. Deshalb will Madaster die Interessengruppen aktiv einbeziehen, sodass Informationen ausgetauscht und der Dialog anregt wird. Neben dem Dialog wollen wir auch «handeln». Ausgehend von praktischen Anwendungen entsteht eine wertvolle Erfahrungsgrundlage. Darüber hinaus ist die Madaster-Plattform so offen konzipiert, dass Daten (zum Beispiel zu

CRB-Baustandards) sowie weitere Applikationen jederzeit, auch nachträglich, hinzugefügt werden können.

«Kreislauf­ wirtschaft ist ein Transforma­ tionsprozess.» Inwiefern lässt sich Kreativität bei der Wiederverwendung von Materialien ausleben? Kreativität sollte bei einer Kreislaufwirtschaft keine Grenzen haben. Kreativität und Innovation sind wichtige Bestandteile der Kreislaufwirtschaft, und es ist ein Teil des Menschseins. Innovationen sind notwendig, und wir sehen diese auch entstehen, zum Beispiel Isolationsmaterial in

Trennwänden oder Achterbahnschienen, welche für die Konstruktion eines Dachs genutzt werden. Natürlich gibt es Materialien, die nicht geeignet sind für Kreislaufwirtschaft wie beispielsweise Schadstoffe. Die Herausforderung, um erfolgreich zirkulär zu bauen, liegt aber eher im Prozess des Bauens an sich. Die Möglichkeiten sind endlos, aber es ist ein Umdenken notwendig. Wir müssen lernen, effizienter zu bauen, so zu konstruieren, dass Gebäude umgebaut und Materialien wiederverwendet werden können, statt diese einfach auf einer Deponie abzuladen. Wir bauen heutzutage für einen Zeitraum von 80 bis 100 Jahren, obwohl sich unsere Bedürfnisse bereits viel schneller ändern. Deswegen werden auch so viele Bauarbeiten abgebrochen und wieder neu gebaut, weil diese einfach den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügen. Vermutlich fehlt es auch ein wenig an Mut … Es ist eine andere Arbeitsform. Hier tritt auch das Thema der Digitalisierung nach vorne. Die Digitalisierung fragt nach neuen Ansätzen für Entwicklungen und Designs.

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BAUEN Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung sind zwei Treiber der Baubranche. Die Digitalisierung schreitet konstant weiter voran, hinkt die Kreislaufwirtschaft hinterher? Die Kreislaufwirtschaft ist nur möglich, weil die Digitalisierung Fahrt aufnimmt. Die technischen Lösungen sind vorhanden, wir müssen jetzt lernen zu verstehen, wie wir diese einsetzen. Hierfür können nur konkrete Projekte aufzeigen, was möglich ist und welche Vorteile diese neue Arbeitsweise mit sich bringt. Kreislaufwirtschaft ist ein Transformationsprozess, in dem Innovation entsteht. Mit Eberhard Unternehmungen, Losinger Marazzi, Raiffeisen Schweiz, Swiss Prime Site AG und Swiss Re AG hat Madaster starke strategische Partner gewonnen. Ebenso haben Sie Anfang Mai eine Partnerschafts-Vereinbarung mit CRB unterschrieben (Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung). Wie werden diese Partner in den

Prozess von Madaster eingebunden? Unsere Partner teilen die Ziele von Madaster und unterstützen die Entwicklung, Einführung und Implementierung der OnlinePlattform finanziell und konzeptionell. Die Madaster-Kennedys fungieren als Botschafter und regen die Verwendung des Madaster-Materialpass an. US-Präsident Kennedy kündigte seine Vision an, dass innerhalb von zehn Jahren ein US-Amerikaner den Mond betreten und gesund zur Erde zurückkehren sollte. Er schaffte dieses Ziel sogar vor Ablauf der zehn Jahre. Madaster braucht solche Visionäre.

MARLOES FISCHER ist Initiatorin und Präsidentin von Madaster Schweiz. www.madaster.com

Marloes Fischer ist Initiatorin und Präsidentin von Madaster Schweiz.

Eberhard Unternehmungen, Losinger Marazzi, Raiffeisen Schweiz, Swiss Prime Site AG und Swiss Re AG lancieren Madaster in der Schweiz.

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Westfalen haben das richtige Know-how. Weil wir jetzt schon wissen, was im Kältemittelmarkt wichtig wird.

• Vielfältiges Kältemittelsortiment für die Bereiche Kälte, Klima und Lüftung • Umfassende Versorgung über unser dichtes Lieferstellennetz • Abgestimmtes Entsorgungs- und Recyclingangebot Bei aktuellen Klimaschutzbestimmungen können Sie schnell den Überblick im Kältemittelmarkt verlieren. Oder einfach cool bleiben – mit dem internationalen Know-how von Westfalen. Wir beraten Sie gerne persönlich. Gemeinsam finden wir die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung für die Zukunft. Sprechen Sie uns an! Westfalen Gas Schweiz GmbH, Sisslerstr. 11, 5074 Eiken AG, Tel. +41 61 855 25 25, Fax +41 61 855 25 26, info@westalen.ch, www.westfalen.ch


KOLUMNE

DIGITALE TRANSFORMATION BEGINNT IM KOPF von Michel Bohren

I

n Sachen Digitalisierung gibt es in Bauprojekten grosses Optimierungspotenzial. Sind die Betreiber einer Baute nicht von Beginn weg in die Planung involviert, können bei preiswerter Erstellung Betriebs- und Unterhaltskosten viel zu hoch sein. Hat der Bauherr seine Nachhaltigkeitskriterien nicht schon in der Planung maschinenlesbar spezifiziert, können diese bei der Übergabe nicht einfach überprüft werden. Wurden Bauteile nicht durchgängig spezifiziert und dokumentiert, können sie über die ganze SupplyChain nicht effizient verfolgt und überwacht werden. Die Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung (CRB) bietet seit 1959 Dienstleistungen für alle Baufachleute an. Die digitale Transformation ist für die Branche eine grosse Chance. Die Vorteile liegen auf der Hand und lassen sich im Idealfall entlang der gesamten Wertschöpfungskette ausspielen. Um nur einige zu nennen: Kollaborationslösungen für die Spezifizierung von Bauteilen, BIM zur Koordination und Visualisierung, Kostenschätzungen direkt aus einem 3-D-Modell, LeanManagement auf der Baustelle und vorfabrizierte Bauteile erlauben koordinierte Interaktion und helfen, Fehlplanungen zu vermeiden. Wesentlicher Treiber dieser Veränderungsprozesse ist der technologische Fortschritt. Erwünschtes Resultat: zuverlässige und effiziente Kosten- und Terminplanung für gleichbleibend hohe Qualität. Erzieltes Resultat: ein «More-of-the-Same», weil gerne «nur» bestehende Prozesse optimiert werden. Heute gilt es jedoch zu messen, wie wir mit Innovationen in Produkten und Arbeitsweisen zu einer nachhaltigen Welt beitragen. Eine Welt, die keinen Abfall mehr kennt und jeder Akteur die verfügbaren Ressourcen der Erde schonend einsetzt. Gerade in der Baubranche ein prioritäres Thema, verantwortet sie heute noch einen Drittel des Abfallstroms. Die Trennung von geschäftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortung beginnt aufzuweichen. Allein über Technologie oder Kostenführerschaft wird sich ein Unternehmen nicht mehr differenzieren können. Die Digitalisierung bietet die Chance, den Menschen (wieder) ins Zentrum zu rücken. Für ihn und seine Kultur der Zusammenarbeit braucht es keine Technologie, allenfalls Methoden und Regeln für das Miteinander. Um Prozesse

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effizienter zu gestalten, braucht es (erstmal) auch keine Technologie, sondern ein gemeinsames Ziel. Um über Plattformen Erfahrungen zu bündeln, können Online-Communities, Social Media und Online-Marktplätze helfen. Dass allerdings der Strom der Menschen, die zu Tagungen, Netzwerktreffen und Business Circles gehen, nicht abreisst, zeigt, dass es auch ohne geht. Um allerdings mehrere Akteure in einem Arbeitsverbund effizient zu v­ erbinden, braucht es smarte Technologie und pragmatische Standardisierung. Und es braucht den Mut, neu zu denken. Es wird heute laut darüber nachgedacht, künftig nicht mehr für 80 Jahre zu bauen. Ein oder zwei Nutzungszyklen über zwei Generationen reichen. Dann beginnt der Rückbau mit Umnutzung der verbauten Komponenten. Wird dies bereits bei der Planung und Erstellung berücksichtigt, kann das kosteneffizienter und zukunftsfähiger sein. Über die Verknüpfung und Publikation unzähliger digitaler Bauwerksdokumentationen erzeugen wir ein «Rohstofflager» von verbauten Materialien. Ein Objekt hat damit schon zu Lebzeiten einen «Rohstoffwert». Über Rückbau und Umnutzung fliessen die Stoffe in den Kreislauf zurück. Wir sind auf dem Weg zu einer kreislauf­ fähigen Baubranche. Um solche innovativen Modelle zu realisieren, brauchen wir neue Arbeitsweisen. Technologien wie Artifical Intelligence dienen uns dabei. Wir brauchen neues Know-how, um smarte Tools wie Enterprise Search Engines, Machine Learning, Big Data, Analytics oder Data Science sinnvoll einzusetzen. Das Baugewerbe ist gut beraten, die digitale Transformation als Chance zu sehen und den Menschen ins Zentrum zu stellen. Die digitale Transformation beginnt also im Kopf, vielleicht sogar im Herzen.

MICHEL BOHREN ist Vorsitzender der Geschäftsleitung Schweizerische Zentralstelle für Baurationalisierung (CRB). www.crb.ch


Baggeranbaugeräte mit Biss Höchstleistung, die sich auszahlt

Rohstoff Zuführung

Baustoff

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Herstellung

Rückführung RC-Granulate

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Erstellung und Nutzung

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© Berner Fachhochschule

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Einsatz der mobilen Röntgenblitzröhre.

HOLZ IST INTELLIGENT ZUSTANDSERFASSUNG UND ERHALTUNG VON HOLZTRAGWERKEN von Dr. Bettina Franke

Das Thema Holz erlebt in urbanen Räumen, nachdem es jahrzehntelang dort nur ein Nischendasein führte, eine neue Renaissance. Diese Entwicklung muss aber auch professionell begleitet werden.

H

olz ist der nachwachsende Baustoff, der sich im Bausektor durch Qualität und Leistung positioniert und gleichzeitig in der Klimapolitik für dauerhafte Lösungen sorgt. Holz wurde zu Beginn der häuslichen Unterkünfte, als Pfahl- und Blockbauten und später als Fachwerkbauten für erste mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser eingesetzt. Der weiter-

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führenden Anwendung von Holz wirkten fehlende städtebauliche Planungs- und Brandschutzverordnungen in der Vergangenheit entgegen, so dass bis heute Mauerwerk und Beton primär in der Bauwirtschaft eingesetzt werden. Gegenwärtig ist Holz in der Schweiz und international durch die Realisierung von mehrgeschossigen Wohnungs- und Verwaltungsbauten,

Freiformschalen und Brückentragwerken in der Renaissance. Parallel gilt es, die historischen Holztragwerke in der Schweiz zu erhalten oder für neue Nutzungsanforderungen vorzubereiten.

ANALYTISCHE BEOBACHTUNG Holz ist ein natürlicher Werkstoff, der konstruktiv geschützt dauerhaft leistungsfähig


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ist. Weitspannende und gekrümmte Träger aus Brettschichtholz oder massive Wände aus Brettsperrholz prägen den heutigen Holzbau. Die Tragfähigkeit von Holz wird durch Umwelt- und Klimaeinwirkungen in Abhängigkeit von der Nutzung unter anderem als Brücke, Sport-, Reit- oder Eishalle wie auch Bergbahnstation beeinflusst. Die periodische Überwachung und Inspektion sind in den Nutzungsvereinbarungen zum Schutz der Gesellschaft zu regeln. Hier gilt es, stufenweise beginnend beim Facility Management bis hin zum Experten / Fachspezialisten das Holztragwerk aufmerksam zu beobachten, Störungen festzustellen und die Tragsicherheit in gesetzlich einzuhaltenden Inspektionsintervallen verantwortungsvoll zu beurteilen. Die Schweizer Norm für Ingenieure und Architekten SIA 269 vom Jahr 2011 regelt die Grundlagen zur Erhaltung von Tragwerken. Holz ist intelligent und signalisiert durch Verfärbungen an der Oberfläche relativ schnell Störungen und Leckagen, zum Beispiel in der Wasserführung. Weiter weisen Querschnittsverformungen und mögliche Risse auf Schwächen infolge von klimatischen Beanspruchungen oder Ausführungsfehlern hin. Neben der visuellen handnahen Untersuchung ist die zerstörungsfreie Messung des Holzfeuchte­ gehaltes das wichtigste Instrument. Die ­G efahr von holzzerstörenden Pilzen steigt mit dauerhaft zunehmendem Holzfeuchte­ gehalt über 20 Prozent. Weiter sind die Festigkeiten von Holz abhängig vom Gehalt der Holzfeuchte. Die stufenweise Messung über die Querschnittstiefe gestattet die Unterscheidung eines Auffeuchtens oder Abtrocknens der Tragstruktur. Vorliegende Planungsunterlagen oder vorherige Prüfberichte sind mitzuverwenden, insbesondere bei Probenentnahmen. Der Einsatz von Leitern, Rollgerüsten oder Hebebühnen ist hier unumgänglich, um das Holztragwerk wirklich handnah zu inspizieren.

DER BLICK IN DAS INNERE Die Inspektionen können mit vorwiegend zerstörungsfreien Prüfmethoden, wie zum Beispiel der Bohrwiderstandsmessung, Endoskopie, Ultraschallechoverfahren oder mit der aus der Medizin bekannten Röntgentechnologie durchgeführt werden. Der spezielle Einsatz einer mobilen Röntgenblitzröhre, in Kombination mit einer digitalen Fotoplatte, ermöglicht vor Ort den Blick ins Innere einer Verbindung mit mechanischen Verbindungsmitteln oder der Passgenauigkeit von historischen Verbindungen wie Versätzen oder Zapfen. Aufgrund der Dichteunterschiede in den verwendeten Materialien können Verformungen oder auch Hohlräume detektiert werden. Die Fachspezialisten des Instituts für Holzbau, Tragwerke und Architektur der Berner Fachhochschule BFH unterstützen ausführende Ingenieure und Unternehmen durch die Bereitstellung von Prüfgeräten und die Übernahme von Prüfungen. Die BFH ist zudem akkreditierte Prüfstelle zur Beurteilung der Klebefugenqualität für geklebte Tragquerschnitte aus Holz.1

METHODEN DER ERTÜCHTIGUNG Die Ergebnisse der Inspektion führen mitunter zur Planung von Erhaltungs- und Instandsetzungsmassnahmen für das Holztragwerk. Hier sind mit Blick auf das Gesamttragwerk Konzepte zur Sicherstellung der Tragsicherheit und Gebrauchstauglichkeit zu erarbeiten. Nutzungsänderungen können zu neuen Anforderungen an das Tragwerk führen. Die Ertüchtigung des Gesamttragwerkes oder einzelner Trag­ elemente kann durch den Ersatz, die Reparatur und auch die Verstärkung erfolgen. In der Erhaltungsplanung ist zu beachten, dass durch neue Tragelemente Kräfte und Lastabtragungen sich positiv oder auch negativ umlagern können. Für eine zusätzliche Verstärkung stehen je nach baulichen Randbedingungen und öffentlichen Vor-

gaben verschiedene Techniken zur Auswahl. Die Verwendung von aufgeklebten Platten oder Lamellen aus Holz, Holzwerkstoffen oder CFK-Gewebe kann genauso wie die Verstärkung mit Vollgewindeschrauben, eingedrehten oder eingeklebten Stäben aus Stahl und CFK zur Erhöhung der Gesamtsteifigkeit wie auch der Schub-, Querzug- oder Querdruckfestigkeit genutzt werden. Weitspannende Träger aus Brettschichtholz mit traglastreduzierten Rissen können durch das Auspressen der Risse oder offener Klebstofffugen wirkungsvoll ertüchtigt werden. Holz ist leistungsfähig und muss wie jeder andere Werkstoff zur Qualitätssicherheit kontrolliert und bei Bedarf erhalten und instandgesetzt werden. Die Prüf- und Verstärkungsmethoden hierzu sind vielfältig und müssen systematisch und wirkungsvoll vom Prüfingenieur und Experten ausgewählt werden. Das Gesamttragwerk und die Nutzungsanforderungen sind hierbei primär zu betrachten, bevor wichtige Lösungen für das Detail in der Erhaltung entworfen werden. Dem Prüfingenieur / Experten obliegt eine hohe Verantwortung im Umgang mit den Prüftechniken, den Tragsicherheitsnachweisen und der Auswahl an allenfalls erforderlichen Instandsetzungs- oder Verstärkungsmassnahmen.

ANMERKUNG 1) Workshop Zustandserfassung und Erhaltung von Holztragwerken / Online Anmeldung: ahb.bfh.ch/zustandserfassung

DR. BETTINA FRANKE ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Berner Fachhochschule am Institut für Holzbau, Tragwerke und Architektur. www.bfh.ch

Die ARCHOBAU AG unterstützt Sie als Generalplaner im Bau- und Projektmanagement, bei der Kostenplanung sowie beim Controlling und Projektrechnungswesen. Chur Poststrasse 43, 7000 Chur

Zürich Eichstrasse 27, 8045 Zürich

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Das Zutrittssystem steuert den Kundeneingang zu Öffnungszeiten und sichert rezeptpflichtige Medikamente vor unerwünschtem Zugriff.

ZUTRITT AUS DER CLOUD EINE INNOVATIVE ZUTRITTSLÖSUNG FÜR KMU von Daniela Eckerle

Der Zutritt zu Bürogebäuden oder Gastronomiebetrieben muss für Mitarbeitende sowie Kunden stets gewährleistet sein – aber nicht zu jedem Raum und nicht zu jeder Zeit. Deswegen müssen Zutrittslösungen heute vor allem sicher und flexibel sein. Ein digitales, cloudbasiertes Zutrittssystem kann hier der Schlüssel sein.

D

ie kleine Bäckerei, in der viele morgens einen Kaffee mitnehmen, die Reparaturwerkstatt für den Computer, die Autogarage, die Reifen wechselt, der Schreiner, der eine Küche umbaut oder die Arztpraxis, wo Patienten ihre Rezepte erhalten – sie alle haben höchst wahrscheinlich etwas gemeinsam. All diese Betriebe zählen zu den sogenannten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Was uns oft nicht bewusst ist, dass die KMU und nicht die grossen Konzerne die Mehrheit der Unternehmen in der Schweiz aus-

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machen. Es erstaunt deshalb nicht, dass sie im Alltag überall anzutreffen sind, wenn wir Produkte kaufen oder Dienstleistungen beziehen. Keine Frage also, dass auch KMU hohe Anforderungen an Sicherheit und Flexibilität haben. Nur so können sie etwaige Vorschriften im Umgang mit sensiblen Daten und Produkten erfüllen. Hier unterstützt beispielsweise das moderne Zutrittssystem «exivo» von dormakaba und erhöht damit die Sicherheit und Flexibilität. Wie das geht? Wir haben einige Beispiele aus der Praxis zusammengestellt.

UNTERSCHIEDLICHE ARBEITSZEITEN KOORDINIEREN In einer Boutique oder in einem Restaurant arbeiten häufig Teilzeit- oder Aushilfskräfte. Für die Inhaber ist es wichtig, dass diese Zutritt zu den Geschäfts- und Gastronomie­ räumen haben, auch wenn sie nicht selbst vor Ort sind. Oder es kann kurzfristig eine Lieferung eintreffen oder Reinigungskräfte und Handwerker benötigen Zutritt. Das cloudbasierte Zutrittssystem «exivo» ermöglicht es, Zutrittsrechte in Echtzeit auf das Smartphone oder andere Zutrittsme-


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dien zu übermitteln. Wenn der Zutritt nur für ein bestimmtes Zeitfenster oder bestimmte Räume vergeben werden soll, ist auch das kein Problem. Weil das System webbasiert ist, benötigen Nutzer lediglich einen Internetzugang. Dadurch sind KMU für alle Eventualitäten gerüstet und können jederzeit Zutrittsrechte vergeben oder entziehen. «exivo» zeichnet alle Türöffnungen und -schliessungen sowie die verwendeten Zutrittsmedien auf. Unternehmen wissen so immer, wer in ihren Räumen wann ein- und ausgeht. Dadurch ist es ganz einfach, Personalkosten und Ressourcen, wie zum Beispiel Heiz- und Stromkosten, zu sparen. Einzige Voraussetzung dafür sind elektronische Komponenten.

SENSIBLE DATEN UND PRODUKTE Praxen oder Apotheken haben nicht nur sensible Daten wie Patientenakten, sondern beispielsweise auch chemische Substanzen, die nicht für jeden zugänglich sein dürfen. Hier sorgt das Zutrittssystem dafür, dass sich gesetzliche Vorgaben mühelos einhalten lassen. Räume wie Labore können gezielt nur für ausgewählte Personen freigegeben werden, so dass medizinische Geräte, sensible Daten und bestimmte Substanzen vor unerwünschtem Zugriff geschützt sind. Aber auch die Steuerung des Kundeneingangs zu Öffnungszeiten und die Steuerung des Nachtschalters sind mit «exivo» möglich. Selbst wenn sich jemand unerlaubt Zutritt verschaffen will oder Türen eine Störung haben, das System meldet die Probleme in Echtzeit. So haben die Verantwortlichen stets den Überblick.

«exivo» gewährt den Zutritt zu Büro- oder Sitzungszimmern für einen bestimmten Zeitraum.

mens einen Tennisplatz. Dank der automatisierten Schnittstelle verarbeitet das Zutrittssystem die Buchung selbständig und vergibt die Zutrittsrechte auf ein gewünschtes Medium oder mittels Pin. Kunden haben so individuell und zeitgenau Zutritt zu gebuchten Räumen. Ein 24 / 7-Betrieb? Mit «exivo» kein Problem.

RÄUME VERMIETEN UND TEILEN

MASSGESCHNEIDERT FÜR KMU

Gemeinschaftsbüros oder Unternehmen in der Freizeitbranche haben nochmals ganz andere Anforderungen. Ihre Dienstleistung besteht in der Vermietung von Räumen für eine bestimmte Zeit. Kunden reservieren den Tennisplatz oder das Sitzungszimmer heutzutage meistens über eine Plattform. Diese Plattform lässt sich über eine Schnittstelle ganz leicht mit dem Zutrittssystem verbinden. Separate Buchungen für Räume und Zutrittsrechte sowie -medien sind damit überflüssig. Zum Beispiel reserviert der Kunde über die Plattform des Unterneh-

Das innovative Zutrittssystem von dormakaba ist auf die die Bedürfnisse von KMU zugeschnitten. Gerade wenn Dienstleistungen über eine Plattform angeboten werden, bietet «exivo» fast unbegrenzte Möglichkeiten. Dank einer API (application programming interface) lässt es sich mit anderen Programmen verbinden und automatisieren. Für Unternehmen bedeutet das eine massgeschneiderte Lösung, die nebenbei Zutritt gewährleistet und Sicherheit schafft. Weil das System cloudbasiert ist, können Unternehmen jederzeit von überall auf das System

zugreifen. Unternehmen haben somit die volle Transparenz. Die Medien- und Komponentenvielfalt von dormakaba macht den Einsatz überall möglich. Auch wenn Unternehmen die Verwaltung der Medien nicht selbst übernehmen wollen, ist das machbar. Kunden können zwischen drei Modellen wählen und bestimmen so, wie viel sie oder der «exivo»Partner übernehmen. Es ist deshalb nicht nur ein System, sondern ein Service, der an die individuellen Anforderungen angepasst wird. Die monatliche Lizenzgebühr fällt je nach Modell und Skalierbarkeit unterschiedlich aus. dormakaba hat dieses System entwickelt, damit auch KMU von allen Vorteilen grosser Systeme profitieren, aber je nach Unternehmensgrösse fallen weniger Verwaltungsaufwände und Kosten an. All das macht «exivo» zu einem einfachen, komfortablen und individuellen Zutrittssystem.

dormakaba Schweiz AG | Mühlebühlstrasse 23 | CH-8620 Wetzikon | Tel. +41 (0) 848 85 86 87 info.ch@dormakaba.com | www.dormakaba.ch

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ZUSAMMENSCHLUSS ZUM EIGENVERBRAUCH GEMEINSAM SOLARSTROM PRODUZIEREN UND KONSUMIEREN von Remo Mucha

Will die Schweiz den Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaprotokoll nachkommen, so müssen die Gebäude in der Schweiz von reinen Energiekonsumenten zu Energieproduzenten werden. Mit dem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) profitieren Stromverbraucher und Vermieter von zahlreichen ökologischen und finanziellen Vorteilen.

Schneller und günstiger Strom durch Solaranlagen.

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hotovoltaik spielt in der zukünftigen Energiestrategie der Schweiz eine wichtige Rolle. Die Gewinnung von elektrischer Energie über Sonnenlicht wurde über Jahrzehnte weiterentwickelt und verfeinert. Die zuverlässigen und wartungsarmen Komponenten können im Zusammenspiel mit Stromspeichern, intelligenten Steuerungen und weiteren komplementären Energietechniken die

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Energieeffizienz, den Komfort und eine gute Wirtschaftlichkeit weiter optimieren. «Mit einer Solaranlage kann schnell und günstig Strom produziert werden. Dieser kann direkt selbst verbraucht werden, unter anderem auch beim Aufbereiten von Warmwasser oder beim Heizen», erklärt Remo Mucha, Berater ZEV und Elektromobilität von Bouygues E&S InTec Schweiz AG.

Das Potenzial von Solarstrom ist enorm. Gemäss einer Mitteilung vom Bundesamt für Energie könnten die Schweizer Dächer und Fassaden pro Jahr rund 67 Terrawattstunden Solarstrom produzieren. Zum Vergleich: In der Schweiz lag der Stromverbrauch im Jahr 2017 bei rund 58.5 Terrawattstunden Strom. Soll die Energiewende geschafft werden, muss der jährliche Zubau an Photovoltaik­


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Schweizer Dächer könnten pro Jahr 67 Terrawattstunden Solarstrom produzieren.

anlagen verfünffacht werden. Über 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer wohnen in einem Mehrfamilienhaus und konnten bis vor Kurzem kaum selbst Solarstrom produzieren. Das hat sich nun geändert.

ZUSAMMENSCHLUSS ZUM EIGENVERBRAUCH Mit dem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) wird eine vertragliche Gemeinschaft zwischen mehreren Parteien, die ihren selbst produzierten Solarstrom gemeinsam verbrauchen, gegründet. Der ZEV besteht aus dem Eigentümer beziehungsweise Betreiber der Solaranlage und aus mehreren Endverbrauchern. Endverbraucher können sowohl Stockwerkeigentümer als auch Mieter sein. Neu dürfen sich nicht nur Parteien aus demselben Haus, sondern auch aneinandergrenzender Grundstücke zusammenschliessen – selbst wenn diese durch Strassen, Eisenbahntrasseen oder Flüsse getrennt sind. «Dank dem ZEV können Mieter grünen Strom produzieren und ihre Stromkosten senken», so Mucha.

EIN ZUSAMMENSCHLUSS LOHNT SICH Neben zahlreichen ökologischen Gründen sprechen auch finanzielle Vorteile für einen ZEV. Als Stromverbraucher profitieren Sie von günstigerem Strom und geringeren

Nebenkosten. Aber auch für den Vermieter bringt eine Eigenverbrauchsgemeinschaft zahlreiche Vorteile. Die Immobilie gewinnt an Wert und ist optimal für die ökologische Zukunft gerüstet. Zudem wird sie für potenzielle Mieter interessanter, weil Mieter dank eines ZEV geringere Stromkosten haben.

RENTABILITÄT FÜR LIEGENSCHAFTSBESITZER Neben der Wertsteigerung der Immobilie bietet eine Solaranlage dem Vermieter weitere finanzielle Vorteile. Er kann dank eines ZEV die Umsatzerlöse der Immobilie erhöhen: In der Regel können für Immobilien mit Solaranlagen höhere Mieten verlangt werden, weil die Stromkosten geringer sind. Auch die Mietausfallquote ist für Gebäude mit Solaranlagen signifikant tiefer. Wie schnell eine Photovoltaik-Anlage amortisiert ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt aber: Je mehr Parteien in einem ZEV sind, desto höher der Stromverbrauch und desto schneller amortisiert sich die Solaranlage. In der Regel erreichen Sie die Amortisation bereits nach circa zwölf Jahren und produzieren dann für weitere 18 bis 20 Jahre kostenlosen Solarstrom. Remo Mucha erläutert: «Die Investition in die Photovoltaik-Anlage amortisiert sich nach circa zwölf Jahren. Je mehr Parteien in einem ZEV sind, desto höher ist der Stromverbrauch und desto schneller amortisiert sich die Solaranlage.»

GEMEINSAM GELD SPAREN Die Kosten für eigenen Solarstrom inklusive Betriebskosten belaufen sich aktuell auf circa zwölf Rappen pro Kilowattstunde. Der Strom aus dem Netz kostet derzeit rund 23 Rappen pro Kilowattstunde. Die Nutzung des produzierten Stroms ist im Vergleich kostengünstiger und rentabel. Wenn der ZEV mehr als 100’000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, kann die Eigenverbrauchsgemeinschaft den Reststrom am freien Strommarkt einkaufen. Dadurch können die Stromkosten pro Haushalt um bis zu 30 Prozent reduziert werden. Immobilienbesitzer und Kunden von Helion kennen die Vorteile: «Das ZEVModell ist einfacher als gedacht. Die Installation der Solaranlage auf einem zehnjährigen Flachdach und das Einrichten der neuen Zähler verliefen reibungslos. Die Mieter sind zufrieden, dass sie nun günstigeren und erneuerbaren Strom erhalten, und für die Vermieter rechnet sich die Investition wirtschaftlich.» Das Solarpotenzial der eigenen Liegenschaft kann bequem mittels dem Solarrechner auf der Webseite www.helion.ch berechnet werden. Nach der Eingabe der Adresse und einigen Fragen zum Energieverbrauch erhalten Liegenschaftsbesitzerinnen und Liegenschaftsbesitzer sofort eine kostenlose und unverbindliche Richtofferte.

Bouygues E&S InTec Schweiz AG | Geschäftseinheit Helion | Allmendweg 8 | CH-4528 Zuchwil Tel.+41 (0) 32 866 20 40 | info@helion.ch | www.helion.ch

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ÜBERBAUUNG – DIGITAL GEPLANT, VERMARKTET, VERWALTET DIE KONZEPTIONELLE AUFGLEISUNG DES GLASI-QUARTIERS IN BÜLACH von Gerald Brandstätter

© Steiner AG

Wie das Wohnen von morgen bereits heute aussehen kann, zeigt ein Neubauprojekt in Bülach Nord. Hier entsteht auf einem rund 42’000 Quadratmeter grossen Areal beim Bahnhof ein neues Quartier. BIM, Virtual-Reality-Brillen und ein Smart-Home-System kommen im neuen Glasi-Quartier konsequent zur Anwendung.

D

as Projekt aus der Feder von Duplex Architekten aus Zürich entstammt einem Wettbewerb unter elf eingeladenen Architekturbüros, ebenso das 60 Meter hohe Hochhaus «Jade» von Wild Bär Heule Architekten. Umgesetzt wird das Grossprojekt von der Steiner AG. Das visionäre Glasi-Quartier nutzt exemplarisch neuste Technologien, beginnend bei der Planung bis hin zur Nutzung und Verwaltung – BIM, Virtual-Reality-Brillen zur virtuellen Begehung sowie ein individuell abstimmbares Smart-Home-System mit Google Home. Für eine hohe urbane Lebensqualität trotz wohnlicher Dichte sorgen im Projekt verschiedene Parameter: durchdachte Architektur, ein cleveres Verkehrssystem mit Begegnungszonen, öffentliche Plätze, vitale Rückzugsmöglichkeiten sowie ein vielfältiges Wohnungsangebot. Miet- und Eigentumswohnungen, Gewerberäume, Büros und Gastronomie sowie ein Hotel, ein Pflegezentrum und eine Kinderkrippe bieten einen äusserst breiten Nutzungsmix.

VON BIM BIS SMART HOME

Urbane Lebensqualität trotz Verdichtungsstrategien – im Glasi-Quartier in Bülach geht dies.

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Das Musterprojekt Glasi-Quartier präsentiert sich effizient, technologisch fortschrittlich und nachhaltig. Es steht für innovativen Städtebau bei gleichzeitig hoher Lebensqualität und modernsten Planungsmethoden. Alle am Projekt beteiligten Planer arbeiten ausschliesslich nach der BIM-Methode (Building Information Modeling). Der Projektentwickler Steiner hatte von Anfang an klare Ziele: die modellbasierte Koordination von Teilmodellen sowie die modellbasierte Mengenermittlung für Kostenplanung und Ausschreibung. Damit wird die Optimie-


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© Steiner AG

rung der Kosten- und Zeitpläne sowie eine reibungslose Ausführung angestrebt. Für die Vermarktung der Eigentumswohnungen im Hochhaus «Jade» hat die Steiner AG eigens einen innovativen Online-Wohnungskonfigurator entwickelt. Dieser ermöglicht es Kaufinteressenten, die Grundrisse sowie die Materialisierung der gewünschten Wohneinheit individuell zu gestalten. VirtualReality-Brillen erlauben im Glasi-Showroom in Bülach bereits heute eine virtuelle Begehung des künftigen Quartiers und der Wunschwohnung. Wer sich für eine der top ausgestatteten Wohnungen entscheidet, kann sich auf ein Zuhause mit fortschrittlichster Smart-HomeTechnologie freuen. Im Hochhaus «Jade» wird die Käuferschaft der Wohnungen selbst bestimmen können, welche Möglichkeiten von Smart Home sie nutzen möchte. Im Grundausbau wurden die Basis-Funktionen im Gebäude vorgesehen, wie beispielsweise Jalousiesteuerung, Videosprechanlage, Paketboxlösung, Wetter­automatik inklusive Wind- und Regenalarm, Verwal-

Die Bewohner freuen sich auf eine fortschrittliche Smart-Home-Technologie.

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PROFIX BEFESTIGUNGSTECHNIK Ob in der Werkstatt oder auf der Baustelle: PROFIX-Schrauben und -Dübel halten. Alle Produkte erhalten Sie ausschliesslich über den Schweizer Fachhandel. PROFIX AG | Kanalstrasse 23 | CH–4415 Lausen | www.pro-fix.ch | Tel. 061 500 20 20


© Steiner AG

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© Steiner AG

Einfache Bedienbarkeit der technischen Anlagen ist eine zentrale Voraussetzung.

Klingelboard von extern anpassen, sondern auch direkt mit den Bewohnern über das smarte Infoboard kommunizieren. Individuelle Lösungen wie Reservationssysteme für Besucherparkplätze oder Schrankenanlagen oder Lifte sind so sichergestellt und einfach zu bedienen. Mit dem «smart Metering-System» können die Energiedaten und der Verbrauch direkt von extern abgerechnet werden. Dabei können bei einer Fassadenreinigung die Jalousien durch die Verwaltung von extern bedient oder Alarmmeldungen wie Störungen der HLK-Anlagen (Heizung, Lüftung, Klimatechnik) und dergleichen entsprechend durch das System kommuniziert werden.

Die digitalen Lösungen können modular ergänzt werden.

tungstool und Remote-Zugriff für jede Wohnung. Das System kann über Taster, Touch Panel oder von jedem Gerät mit einem Browser angesteuert werden, dank der grafischen Visualisierung intuitiv und sprachunabhängig. Upgrade-Module erweitern die Basis-Funktionen um nutzerspezifische Anwendungen. Der Anwender kann das System jederzeit auf seine individuellen Bedürfnisse anpassen, die Taster selber einfach umprogrammieren oder auch Szenen wie Ferien oder Wecker erstellen.

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Zudem ist sein Smart Home jederzeit mit dem Sprachassistenten Google-Home erweiterbar. Somit kann dann beispielsweise ganz einfach auf Musik, Fotos oder Filme zugegriffen, Aufgaben verwaltet und der Tagesablauf geplant werden.

MINIMIERTER VERWALTUNGSAUFWAND Mit dem «smart PLACE-System» können ihrerseits die Verwaltung oder das Facility Management nicht nur die Namen am

Projektentwickler und Totalunternehmer Steiner plant, dass die Bewohner bereits 2021 ihre Smart Homes beziehen können und damit auf den Plätzen, Gassen und Strassen des Glasi-Quartiers neues Leben einzieht.

GERALD BRANDSTÄTTER ist Geschäftsführer der CONZEPT-B GmbH. www.glasi-bülach.ch


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FENSTERLÜFTER FÜR EIN OPTIMALES RAUMKLIMA SICHERER LUFTAUSTAUSCH AUCH BEI GESCHLOSSENEM FENSTER von Thomas Verhoeven

Schimmelbildung in Wohnungen und Eigenheimen ist immer wieder ein Thema. Regelmässiges Lüften bleibt ein oft gehörter Tipp. Aber es geht auch einfacher – mit einem automatischen Fensterlüfter.

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üftler und Firmengründer Heinz Becks entwickelte Ende der 1990erJahre den ersten, automatisch auf Winddruck reagierenden Fensterfalzlüfter. Gemeinsam mit seiner Frau Christel gründete er anschliessend das Unternehmen, das sich auf Herstellung, Weiterentwicklung und den Vertrieb dieser automatischen Lüftungssysteme konzentriert. Mittlerweile bietet das Unternehmen Fensterlüfter für über 90 Prozent der Fensterprofile im europäischen Markt an. Die beiden ersten patentierten Fensterlüfter, der Regel-air ® K für Kunststofffenster mit Anschlag- und Mitteldichtung, konnten sich seinerzeit schnell im Markt etablieren. Das war ein grosser Ansporn für Heinz Becks, an weiteren Entwicklungen zu arbeiten. Heute hat das Familienunternehmen eine Vielzahl europaweit gültiger Patente für die unter-

Die RegelDichtung sorgt als Überströmdichtung für einen funktionierenden Raumluftverbund.

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schiedlichsten, allein auf physikalischen Gesetzen beruhenden Lüftungssysteme.

VERMEIDEN VON SCHIMMELSCHÄDEN Das Prinzip der Fensterlüfter beruht auf reiner Physik. Sie reagieren allein auf Luftdruck. In den Lüftermodulen befinden sich Klappen, die sich bei steigendem Winddruck schliessen, bei abnehmendem Druck jedoch auch wieder automatisch öffnen. So lassen sich nicht nur komplette Lüftungskonzepte planen, das Prinzip vermeidet ebenso Schimmelschäden aufgrund falschen Lüftungsverhaltens wirkungsvoll. Die Fensterfalzlüfter eignen sich auch ideal als Zuluftelement für die Verbrennungsluftversorgung und Abluftanlagen, denn gerade in Verbindung mit Abluftanlagen werden häufig höhere Luftmengen benötigt. Die

Lüftungselemente verändern die Fassadenansicht nicht und lassen sich oben wie auch seitlich einbauen. Ob Kunststoff-, Holzoder Holz-Aluminium-Fenster, bei allen Profilen erfüllen die jeweiligen Lüftungssysteme ihre Aufgaben ohne Geräuschentwicklung. Das sind in erster Linie das Vermeiden von Feuchteschäden und Schimmelpilz. Eine perfekte Ergänzung zu den Fensterlüftern stellt die RegelDichtung dar. Gemeinsam mit den Fensterlüftern sorgt sie für einen funktionierenden Raumluftverbund mit ganz einfachen Mitteln und ohne grossen Aufwand.

SICHERE FENSTER Ganz neu auf dem Markt ist die jüngste Entwicklung von Heinz Becks: Zur Sicherung von Fenstern und Fenstertüren gegen Aufhebeln hat der Unter-

Die Fensterfalzlüfter sind beim Holzfenster in den Blendrahmen eingefräst.


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nehmer eine zum Europa-Patent angemeldete und geprüfte Sicherung entwickelt – den FensterRiegel. Dieser lässt sich unten und / oder seitlich am Fenster und der Fenstertür montieren. Mit dem innovativen FensterRiegel sorgt das niederrheinische Familienunternehmen Regelair ® Becks nun nicht mehr nur für einen sicheren Luftaustausch, sondern auch für beruhigende Sicherheit in puncto Einbruchschutz und rundet sein Portfolio am Fenster ab.

alleine auf die Herstellung exzellenter Produkte zu konzentrieren, ist auf den global zusammenschrumpfenden Märkten längst nicht mehr ausreichend, wenn ein Unternehmen seine Marktposition be-

haupten oder ausbauen will. Deshalb setzt das Familienunternehmen auf die Eckpfeiler Service, Beratung und Schulung, auf eine eigene Berechnungssoftware sowie das Erstellen von Lüftungskonzepten.

DIENSTLEISTUNGEN AUS EINER HAND Bereits seit 20 Jahren ist das Unternehmen Regel-air ® Becks GmbH & Co. KG auf dem deutschen Markt erfolgreich mit seinen Fensterlüftern präsent. Nun will der Familienbetrieb aus Nordrhein-Westfalen der steigenden Nachfrage gerecht werden und sein Engagement auch in der Schweiz intensivieren. Sich jedoch

Der FensterRiegel macht die Fenster aushebelsicher.

Regel-air ® Becks GmbH & Co. KG | An der Seidenweberei 12 | DE-47608 Geldern-Walbeck Tel. +49 (0) 2831 977 990 | kontakt@regel-air.de | www.regel-air.de

Wir entwickeln und produzieren FensterLüfter für ein gesundes und komfortables Raumklima, zur Vorbeugung von Feuchte- und Schimmelschäden.

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Um den Beton zu verbauen, sind sechs Klettersysteme sowie mehrere Schachtbühnen parallel im Einsatz.

KLETTERN IM AKKORD SCHNELLE SCHALZEITEN UND HOHE WIRTSCHAFTLICHKEIT von Dominic Staub

In der Innerschweizer Gemeinde Galgenen (SZ) entsteht das neue Logistikund Verteilzentrum eines internationalen Kosmetikunternehmens. Auf drei Stockwerken und über 20’000 Quadratmeter Fläche stellen in Zukunft ein hoch automatisiertes Lager und modernste Logistikprozesse die weltweite Auslieferung der Produkte in mehr als 120 Ländern sicher. Die Firmen Butti Bauunternehmung AG und Föllmi AG bilden zusammen eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) und wurden mit den Baumeisterarbeiten beauftragt.

F

ür Gian Reto Lazzarini, Geschäftsleiter der Butti Bauunternehmung AG, ist dieser Industriebau kein alltägliches Projekt. Bis zu 50 Arbeiter sind in Spitzenzeiten auf der Baustelle im Einsatz – eine Herausforderung für die beiden mittelständischen Bauunternehmen. Während ARGE-Partner Föllmi sich für die Miete der Schalung entschied, kaufte Lazzarini zusätzliche 700 Quadratmeter Rahmenschalung Framax Xlife plus der Firma Doka. Eine

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Investition in die Zukunft, wie er betont: «Wir haben die Framax Xlife plus nun bereits drei Jahre im Einsatz. Früher hatten wir ein konventionell geankertes Schalungssystem eines Mitbewerbers. Nach der Evaluation und dem Einsatz auf der Testbaustelle haben wir uns dann für die Framax Xlife plus mit einseitiger Ankerung entschieden, und in einer ersten Tranche rund 2 000 Quadratmeter Schalung ersetzt. Das System überzeugt wirklich. Wenn man mit

den Polieren spricht, brauchen sie etwa 20 Prozent weniger Lohnstunden.» Bei diesem Projekt kommt der Effekt besonders zum Tragen. Nach vier Monaten Bauzeit ist man dem Zeitplan bereits voraus und jener war äusserst ambitioniert getaktet. «Bei Bauten in diesen Dimensionen ist die richtige Schalung ein entscheidender Faktor. Die Leistungswerte von Beton und Eisenleger sind bekannt. Wenn aber bei 155 Wandetappen das Schalungssystem


BAUEN

Der Treppenturm 250 sorgte für einen sicheren Aufstieg zu den Kletterbühnen.

nicht effizient funktioniert, dann summiert sich dieser Fehler und dann sind wir im Elend», schlussfolgert Lazzarini. Für ihn ist die Framax Xlife plus ein ausgereiftes System und einfach in der Bedienung. Er ist überzeugt, das die Rahmenschalung im Hinblick auf die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden vorteilhaft ist: Die Gefahr von Splittern ist viel geringer, da sie nur noch mit dem Schlagschrauber und ohne Hammer arbeiten. Und auch die Kombination der Schalung mit den Xsafe plusBühnen ist für Lazzarini hervorragend.

TECHNISCHE HERAUSFORDERUNGEN Trotz zügigem Baufortschritt kann sich das Betonbild der beindruckenden Wände sehen lassen. Dies bestätigt auch Lazzarini mit einem Schmunzeln: «Der Architekt hat uns gesagt, dass wir bei diesem Projekt die schönere Oberfläche erzeugt ­h aben, als er zu Hause bei seinen Sichtbetonwänden hätte. Die Xlife-Platte hat

sich bewährt und ist noch dazu sehr langlebig. Dafür mussten wir allerdings auch in hochwertigere Nägel investieren.» Aus technischer Sicht gehörten die zahlreichen Aussparungen in den kürzeren Querwänden und den 18.5 Meter hohen Schächten, welche mit drei sehr grossen Sonderschachtbühnen geschalt wurden, zu den grössten Herausforderungen. Die grösste Schwierigkeit bestand jedoch darin, die 21’000 Kubikmeter Beton von September bis Februar zu verarbeiten. Dazu setzte die ARGE insgesamt sechs Kletterspiele bestehend aus MF240-­ Kletterbühnen mit Nachläufer und Framax Xlife plus parallel ein, sodass die Bauarbeiter alle ein bis zwei Tage zwei bis drei Etappen betonieren konnten. Auch Concremote wurde beim Industriebau für mehrere Kletter­etappen eingesetzt. Da die Bauarbeiter jedoch im Gegensatz zu einem Hochhaus nicht unmittelbar nach zwei Tagen wieder an der gleichen Stelle klettern mussten, konnte Concremote seine

Stärken nicht vollständig ausspielen. Nichtdestotrotz ist Lazzarini vom System überzeugt: «Concremote ist eine tolle Sache! Gerade im Hinblick auf den Eigenschutz ist mir wohler, wenn ich eine Sonde installiert habe, die mir mit Gewissheit die Frühfestigkeitswerte angibt, bevor ich klettere.»

PROJEKTDATEN

Projekt: Logistik- und Lagerzentrum eines internationalen Kosmetik­ unternehmens Bauausführung: ARGE – Butti Bauunternehmung AG und Föllmi AG Schalungssysteme: Framax Xlife plus, Xsafe plus Bühne, Kletterbühne MF240, Treppenturm 250, Faltbühne B Dienstleistungen: Concremote, Schalungsplanung, Sonder­ schalungsbau, Richtmeister Geplante Inbetriebnahme: 2021

Doka Schweiz AG | Mandachstrasse 50 | CH-8155 Niederhasli | Tel. +41 (0) 43 411 20 40 doka-schweiz@doka.com | www.doka.com

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DEN NÄCHSTEN SCHRITT GEHEN DIGITALE THEMEN BRAUCHEN GRUNDLAGEN von Georg Lutz

Digitale Baulösungen sind – nicht nur an der bauma – überall zu sehen. Sie spriessen geradezu aus dem Boden. Solche Lösungen brauchen Grundlagen. Aus- und Weiterbildung, beziehungsweise genauer ihre Inhalte und Konzepte, gehören auf den Prüfstand. Der folgende Schwerpunkt verdeutlicht den Handlungsdruck auf die Anpassung bei Themen wie Wissensinhalte, Kompetenzen und neue Wege in Didaktik und Methodik.


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ARCHITEKTUR

Der Ort des Lernens im Überblick. Unterrichtssequenz in der Klasse mit Ausbildungscoach.

VERÄNDERTE LERNWELTEN DAS DIGITALE LERNEN IN DER PRAXIS von Thomas Stocker

Das Thema Lernen auf dem Bau löst bei vielen Zeitgenossen immer noch archaische Bilder von klassischen staubigen Situationen aus. Die Realität gestaltet sich heute etwas anders. Dies verdeutlicht die folgende Reportage vom CAMPUS SURSEE.

A

uch beim Thema Strassenbau hat das Thema digitale Transformation Einzug gehalten. «Und jetzt alle auf Konvink einloggen», sagt Schulleiter Ruedi Furter, und schon flitzen Dutzende künftige Polierhände über die Tastaturen ihrer Laptops. Kurz darauf erscheint die Lernplattform Konvink auf der Leinwand. Mit einem Einstiegsvideo zum Warmwerden beginnt Furter seinen Unterricht für die angehenden Strassenbau-Poliere. Seine Schüler vertiefen sich in die Inhalte der Lernplattform. Sie verarbeiten einen Wissensbaustein zum Thema Belagsbau. Anschliessend kontrollieren sie die Trainings-

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einheiten, um ihr neues Wissen zu überprüfen. Jeder Schüler kann damit selber entscheiden, ob er für die anstehende Modulabschlussprüfung bereits über genügend Wissen verfügt.

JEDER IN SEINEM TEMPO Im Schultrakt der Polierschule Verkehrswegbau dreht sich alles um die Lernplattform Konvink. In diesen vier Zimmern lernen die künftigen Poliere zum grossen Teil selbstorganisiert. Auch eine Etage höher, wo sich eine Klasse künftiger Vorarbeiter gerade um Mathematik kümmert, ist es nicht anders. Die Schüler bestimmen ihr Lerntempo selbst. Auf einem Bildschirm

leuchten die Grundlagen des Phytagoras, auf einem anderen flimmert ein Lernvideo zu Flächenberechnungen. Von aussen sehen die Schulzimmer aus wie alle anderen. Ein zweistöckiges Gebäude mit flachem Dach. Davor ein begrüntes Flachdach und im Innern breite Gänge, die zu den Gastro- und Hotelanlagen führen. Denn im CAMPUS SURSEE kann man auch essen und schlafen, wenn die Zeit zwischen dem Bearbeiten der Lernplattform dafür ausreicht. Denn die Lerninhalte und Trainingsmöglichkeiten stehen 24 Stunden zur Verfügung und selbstverständlich auch nach den Lernsequenzen.


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die Lernenden auf die digitalen Lehrmittel zu, nutzen Trainingseinheiten und Lernzielkontrollen oder weiterführende Lernseiten und Links.

EINE VORREITERROLLE IN DER BILDUNGSLANDSCHAFT

Arbeit am Desktop mit Konvink-Plattform.

DIGITALE TRANSFORMATION VORANTREIBEN

FRONTALUNTERICHT WAR GESTERN

Für viele ist die Vorarbeiter- und Polierschule des CAMPUS SURSEE ein Ort der Zukunft, ein Vorreiter, an dem sich andere Schulen im Land orientieren sollen. Der Fachverband Infra hat das Projekt angeschoben. Nach der kompetenzorientierten Umgestaltung der Grundbildung lag es auf der Hand, auch die Weiterbildung zu modernisieren. Der CAMPUS SURSEE hat die Entwicklung auch für das Berufsfeld Hochbau ausgeweitet. Das individualisierte Lernen sowie die ganzheitliche Kompetenzentwicklung ist für die Baubranche die Zukunft. Der CAMPUS SURSEE setzt sich dafür ein, dass dieses Modell forciert wird. Bereits interessieren sich andere Schulen und Branchen für die digitalen Lernmethoden am CAMPUS SURSEE. Doch die Geschichte des CAMPUS SURSEE zeigt auch auf, dass dieser Weg ein steiniger sein kann. Schüler, die sich in ihrer Grundbildung noch an starren Frontalunterricht gewöhnt haben, tun sich schwer mit der neu geforderten Selbstorganisation. Nun reagiert auch der Baumeisterverband und stellt die Berufsbildung des Bauhauptgewerbes innerhalb eines Projektes neu auf.

Adrian Häfeli sitzt in seinem kleinen Büro, vor ihm zwei Bildschirme, hinter ihm ein Regal mit wenig Papier in wenig Ordnern. Der Leiter der Ausbildungen für das Baustellenkader gehört zu jenen, welche mit aller Kraft hinter dem stehen, was in den Vorarbeiter- und Polierschulen am CAMPUS SURSEE passiert. Für Besucher ist Häfeli stets bereit, einen Einblick in die durch ihn mitgestaltete Lernplattform zu geben. Begriffe wie Office, Blended Learning oder selbstorganisiertes Lernen schwirren durch den Raum, und schnell wird klar: Viel ist hier vom alten Frontalunterricht nicht mehr übriggeblieben. Trotzdem stehen den Klassen eigene Schulzimmer zur Verfügung, wo sie im geschützten Umfeld des CAMPUS SURSEE Lernfortschritte erzielen und den gemeinsamen Erfahrungsaustausch leben. Etwa ein Drittel der Unterrichtszeit spielt sich auf Konvink ab, wo die Lernenden selbstorganisiert arbeiten. Statt Frontalunterricht gibt es nur noch vereinzelte Input-Lektionen und Fachreferate – zentrales Arbeitsinstrument ist das Laptop. Mit ihm greifen

«Was wir hier machen, ist zeitgemäss und bereitet unsere Schüler auf die digitale Zukunft vor», sagt Häfeli während er seine Lernplattform präsentiert. Künftig sind ganzheitliche Kompetenzen gefragt, um dem rasanten Tempo Paroli zu bieten, in welchem sich das Berufsbild des Poliers bewegt. Wissen wird zum Trostpreis, wenn die Methoden- und Sozialkompetenzen fehlen, um dieses Wissen anzuwenden und umzusetzen. Daher ist nicht nur der Einsatz von digitalen Hilfsmitteln wichtig. Auch der Austausch untereinander, das Aneignen von Kompetenzen sowie die wesentlichen Inhalte in der Flut von Informationen zu filtern, sind wichtige Faktoren. Bei Fragen steht jederzeit ein ausgebildeter Ausbildungscoach bereit. «Unser Modell rüstet die Lernenden besser für die moderne Arbeitswelt aus, weil sie selbstständiger werden, zuverlässiger und initiativer», betont Häfeli. Immer mehr andere Schulen oder bildungsnahe Organisationen interessieren sich für die vom CAMUPUS SURSEE entwickelten Ausbildungen. Dies sogar über die Sprachgrenzen hinaus. Einmal mehr übernimmt der CAMPUS SURSEE eine Vorreiterrolle und strahlt in die gesamte Bildungslandschaft Schweiz.

THOMAS STOCKER ist Geschäftsführer CAMPUS SURSEE Bildungszentrum Bau AG www.campus-sursee.ch


KOLUMNE

GEMEINSAM FÜR EINE NACHHALTIGE ZUKUNFT von Pascal Bärtschi

K

ontinuierlicher technologischer Wandel, ökologische Herausforderungen und fortschreitende Digitalisierung krempeln unsere Lebensweise um. Sie zwingen unserer Gesellschaft ihr immer schnelleres Tempo auf – im Alltag ebenso wie in der Arbeitswelt – und beschleunigen unsere Geschäfts­zyklen. Den Unternehmen und ihren Mitarbeitenden wird Agilität abverlangt, damit sie durch die Schnelllebigkeit der heutigen Welt nicht abgehängt werden. Gleichzeitig wird die Forderung nach einem partizipativeren Arbeitsstil lauter. In den kommenden Jahren werden aus diesen Gründen Immobilienentwicklung und Gesamtleistungserbringung noch anspruchsvoller, komplexer und erfordern noch mehr Flexibilität. Gemeinsam mit Kunden und Partnern gilt es daher, aktiv eine lebenswerte Zukunft für uns alle sowie für die kommenden Generationen zu gestalten. Zusammen mehr erreichen ist ein guter Merksatz. Was bedeutet er für die Geschäftswelten? Kooperation bedeutet die gesamte Kraft eines Projekts freizusetzen. Deshalb schliesst sie alle beteiligten Projektpartner mit ein. Zusammenarbeit macht auch Innovation leichter. Denn Innovation ist für uns mehr als das Fokussieren auf ein Ziel. Das bereits Existierende ist immer nur ein Zwischenschritt in eine bessere Zukunft. Offenheit, Flexibilität und ein waches Auge für die Bedürfnisse des Projekts und aller Beteiligten sind deshalb wesentlich. Denn wenn wir Treiber einer gesellschaftlichen Entwicklung sein wollen, müssen wir unserer Zeit immer einen Schritt voraus sein. Wir müssen Bedingungen schaffen, die zu neuen Ideen inspirieren und neue Wege der Zusammenarbeit eröffnen. Neue Arbeitsformen, die das gesamte Potenzial aller am Prozess beteiligten Partner entfalten. Dabei spielt unter anderem auch die digitale Transformation eine wesentliche Rolle. Methoden wie beispielsweise das Building Information Modeling (BIM) haben unsere Zusammenarbeitsweise in einem Projekt schon massgeblich in diese Richtung verändert.

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Denn eine partnerschaftliche, transparente Zusammenarbeit und ernst gemeinte Partizipationsmöglichkeiten sind eine Chance für alle – intern wie auch extern. Gleichzeitig gilt es, unser gesamtes Arbeitsumfeld mit mobilen Arbeitsplätzen, flexiblen Zeiten und Räumen, digitaler Vernetzung und mehr Raum für spezifische Bedürfnisse so zu gestalten, dass es die Neugier sowie den Austausch fördert. Es geht aber nicht nur um einzelne Projekte, sondern um die gesamte Stadt- und Raumplanung. 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben heute in Städten, und die Urbanisierung setzt sich weiter fort. Um die Lebensqualität und Nachhaltigkeit zu erhöhen, müssen Städte sowohl intelligenter und vernetzter als auch sparsamer, wohnlicher und lebenswerter werden. Darin liegt unsere grosse Aufgabe und Chance. In die Praxis übersetzt heisst dies, dass wir Quartiere, die vielfältiger und nachhaltiger sind, entwickeln und erstellen. Gemeinsam mit unseren Partnern vernetzen wir Infrastruktursysteme wie Transport, Energie und Daten intelligent, um breit gefächerte Leistungen zu bieten. Und wir erhöhen die Lebensqualität bei minimalem Ressourcen­verbrauch. Auf diese Weise schaffen wir die Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Neuerungen sowie Produktinnovationen – und damit wiederum Mehrwert für uns alle.

PASCAL BÄRTSCHI ist seit Januar 2015 CEO der Losinger Marazzi AG. Seit seinem Eintritt ins Unternehmen im Jahr 2001 war der dipl. Bauingenieur ETH in verschiedenen Funktionen tätig. www.losinger-marazzi.ch


DAS ORIGINAL – seit 1990 millionenfach bewährt Bei Verankerungen von hinterlüfteten Fassaden entstehen lokale Wärmebrücken. Der Isolator THERMOSTOP®-PLUS stoppt den Wärmeabfluss zwischen Konsolen und Untergrund effizient und verhindert die Bildung von Tauwasser im Winter zwischen

dem warmen Untergrund und den kalten Konsolen. Der Isolator ist gleichzeitig ein Korrosionsschutz der Konsolen.

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ARCHITEKTUR

CHANCE ODER BAUSTELLE? DIGITALISIERUNG IM BAUGEWERBE von bexio AG

Das Thema Digitalisierung breitet sich langsam, aber sicher in sämtlichen Wirtschaftsbereichen aus. Auch vor der Bau- und Handwerksbranche macht sie nicht halt. Dank der vielen technischen wie technologischen Fortschritte gab es in den vergangenen Jahren viele vorteilhafte Veränderungen. Wir zeigen, warum und vor allem wie Bauunternehmer von den digitalen Fortschritten profitieren.

W

em kommt das bekannt vor: Beim Erstellen einer Offerte mit einem Textverarbeitungsprogramm müssen jedes Mal mühsam von Hand die Kontaktdaten eingefügt werden. Die Buchhaltung wird so lange wie möglich hinausgeschoben, da jedes Mal eingeschlichene Fehler oder unvollständige Angaben Ärger machen. Warum also nicht die Digitalisierung zum eigenen Vorteil nutzen? Mit der Business Software bexio lassen sich viele wiederkehrende Prozesse im Büroalltag ganz einfach automatisieren und vereinfachen. Damit sparen Unternehmen wertvolle Zeit im Büro und können wieder mehr Zeit den Kunden widmen. Beim Begriff Business Software denken viele an komplizierte Vorgänge und an etwas für Grossunternehmen? Nicht bei bexio. Die Software ist speziell auf die Bedürfnisse von Kleinunternehmen, Selbstständige und Startups ausgerichtet und dank der intuitiven Bedienung schnell einsetzbar.

SOFTWARE AUS DER CLOUD bexio ist «Software as a Service», das bedeutet, dass die Software online in der Cloud liegt. Damit können Unternehmer jederzeit orts- und geräteunabhängig auf ihre Daten zugreifen. Auch die Zusammenarbeit im Team fällt damit leichter, da jeder mit der aktuellen Version arbeitet und die Software nicht lokal auf einem Rechner installiert ist. Egal, ob das Abgleichen von bezahlten Rechnungen oder das Bestellen neuen Baumaterials – all das lässt sich direkt auf der Baustelle erledigen. Somit gerät nichts in Vergessenheit, und die Finanzkennzahlen bleiben zu jeder Zeit im Blick. Egal, ob auf dem Tablet, dem Laptop oder sogar dem Smartphone.

DATENSICHERHEIT IST KEINE BAUSTELLE Wenn Unternehmer für ihre Administration und Buchhaltung eine Business Soft-

ware einsetzen, möchten sie, dass Datensicherheit gegeben ist. Schliesslich arbeitet die Software mit finanziellen Geschäftsdaten. Bei bexio liegen die Daten verschlüsselt in zertifizierten Schweizer Rechenzentren, auf die nur eine Handvoll IT-Spezialisten Zugriff hat. Auch sind die Daten mehrfach gegen Ausfall oder Beschädigung geschützt. Damit Unternehmen immer mit der aktuellen Version arbeiten, spielt bexio Updates automatisch ein. Die Verantwortlichen müssen also nicht mehr daran denken, die Software manuell auf den aktuellen Stand zu bringen. Das spart nicht nur Zeit, sondern meistens auch lokalen Speicherplatz am Rechner. Bereits über 1 500 Unternehmen aus dem Baugewerbe und der Architektur setzen auf das richtige Werkzeug für ihre Administration und Buchhaltung und erleichtern sich ihren Büroalltag mit der Business Software bexio.

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Die Magie der Verkleidung.

Baugerüstverkleidungen. Auf den ersten Blick zeigt sich das Parkhaus von Sihlcity in seiner ursprünglichen Form. Beim genauen Hinsehen wird klar, dass hier aufgrund von Sanierungsarbeiten eine Verkleidung hängt. Eine fast perfekte Illusion – massgefertigt und montiert durch uns. Richnerstutz. Die können das.


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Der Kulturwandel in den Bildungseinrichtungen braucht viele Akteure.

DER RAHMEN STEHT WEITERBILDUNG IN ZEITEN DER DIGITALEN TRANSFORMATION von Prof. Thomas Rohner

Die noch relativ neue digitale Baukultur braucht neue Rahmen und Inhalte, was den Themenkomplex Aus- und Weiterbildung betrifft. Der folgende Beitrag verdeutlicht den Handlungsdruck auf die Anpassung bei Themen wie Wissensinhalten, Kompetenzen und neue Wege in Didaktik und Methodik. Seite 44 // bauRUNDSCHAU


ARCHITEKTUR

Mit dem Begriff Virtual Design and Construction VDC wird das Planen im virtuellen Modell adressiert. Die digitale Fertigung rückt so einen Schritt weiter.Die Disziplinen greifen, bedingt durch die neuen Möglichkeiten des digitalen Informationsaustausches, stärker ineinander. Die Digitalisierung wird das Planen und Bauen in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Building Information Modeling BIM ist ein Synonym für den aktuellen Aufbruch. Die anstehende Implementierung fordert viele Unternehmen und wird immer entscheidender im Wettbewerb. Die grösste Herausforderung besteht dabei im Wandel von analogen zu digitalen Prozessen und in notwendigen, tiefgreifenden Umstellungen auf neue Denk- und Arbeitsweisen. Das Bauen muss nach Industrie-Prinzipien «BIM-ready» getrimmt werden.

WEGBEREITER IM BAUWESEN Der Holzbau übernimmt zunehmend die Rolle des Wegbereiters im Bauwesen. Wie kann es sein, dass ein derart alter und traditioneller Baustoff eine Vorreiterrolle spielt? Die Antwort liegt in einer Schwäche des Holzbaus – der Witterungsabhängigkeit. Diese führte dazu, dass möglichst viele Bauprozesse weg von der Baustelle in die Werkstatt verlagert wurden, womit der wichtigste Schritt der Vorfertigung vollzogen war. Die konsequente Vorfertigung verlangt nach einer koordinierten Planung und nach dem Vorhandensein aller Planungsdaten. Heute wird bereits ab 3-D-Modell produziert. Die Planung und Produktion sind also bereits sehr eng vernetzt. Es handelt sich aber oft um geschlossene BIM-Systeme mit weniger oder keinen Schnittstellen zu anderen Bau- und Planungspartnern.

B

uilding Information Modeling (BIM) bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, auf der Grundlage virtueller Modelle eines Bauwerks, einem sogenannten digitalen Zwilling, der für Planung und Erstellung sowie den Lebenszyklus relevante Daten konsistent erfasst und verwaltet. Informationen werden in transparenter Kommunikation zwischen Beteiligten ausgetauscht und für die weitere Bearbeitung bereitgestellt. Dieses Verständnis von BIM findet sich in der Schweiz in den

NEUE DIGITALE BAUKULTUR ENTSTEHT Dokumenten von Bauen digital Schweiz / buildingSMART Switzerland. Die Implementierung von BIM beginnt, sich in Hoch-, Tief- und Infrastrukturbau in Planung, Bau und Nutzung durchzusetzen, immer mehr Investoren fordern BIM als Grundlage für die Umsetzung ein. Auch wenn in der Schweiz und im D-A-CHRaum noch mit keiner gesetzlichen Verpflichtung von BIM mittelfristig zu rechnen ist, ist die Anwendung vielfach wettbewerbsentscheidend.

Dieser Wandel vom analogen zum digitalen Bauen bedingt, dass sich eine neue digitale Baukultur entwickelt. Sie kann nicht nur top-down geordert werden, sondern muss sich parallel button-up entwickeln. Systemisch unterteilt BdCH das Bauwesen in vier Kategorien: Bestellung / Beschaffung, Planung, Erstellung / Zu­l ieferung und Bewirtschaftung / Nutzung. Alle Fachdisziplinen definieren ihre Anforderungen in einem sogenannten Use-Case.

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ARCHITEKTUR

Die Anwendung von BIM kann wettbewerbsentscheidend sein.

Für Bildungsstätten ist es wichtig, ihren Teil zu diesem Kulturwandel beizutragen. Neue Wissensinhalte und Kompetenzen, neue Wege in der Didaktik und Methodik für die Aus- und Weiterbildung zur optimalen Förderung von jungen, zukünftigen Leistungsträgerinnen und Leistungsträgern, die mit einer Geschmeidigkeit an neue Technologien herantreten, gilt es zu entwickeln. Moderne Lehre nimmt Themen wie Interdisziplinarität, Kollaboration oder E-Learning auf. Die heutigen Angebote in der Weiterbildung richten sich hauptsächlich an Berufsleute des mittleren und oberen Kaders, die sich mit BIM befassen wollen. Das CASdigital-Planen, -Bauen, -Nutzen der BFH beispielsweise versetzt Teilnehmende in die Lage, Planungs- und Produktionsprozesse nach BIM und Industrie 4.0 zu verstehen und zu führen. Unter der internationalen Ägide von buildingSMART arbeiten Fachhochschulen und Universitäten sowie Bauen digital Schweiz an Lehr- und Lernzielen neuer BIM-Ausbildungslehrgänge. Hier unterstützen auch Soziologinnen, Kommunikationsfachleute und MethodikSpezialisten. Dank dieser transdisziplinären Vernetzung ist das Fundament für eine digitale Baukultur gelegt.

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NEUE BERUFSBILDER ENTSTEHEN Als Erstes schafft die Digitalisierung neue Rollen in den angestammten Berufen. Danach werden sich neue Berufe entwickeln, zum Beispiel ein Bau-Informatiker, ein BigData-Master, ein Augmented-Reality-Builder, vielleicht auch ein BIM-Master. Die heute genannten BIM-Manager, BIM-Koordinator oder BIM-Modeller sind wahrscheinlich keine neuen Berufe, sondern eher Rollen. Wichtig ist die Offenheit gegenüber Technologien, welche das Handwerk befähigen und unterstützen.

PROFESSIONAL CERTIFICATION Um ein gemeinsames Verständnis rund um BIM zu erreichen, hat buildingSMART International das «Professional Certification Program» entwickelt. Es unterstützt Weiterbildungsanbieter bei der Bereitstellung international standardisierter und anerkannter Weiterbildungsangebote. buildingSMART führt selbst keine Schulungen und Kurse durch, sondern definiert Lernergebnisse und regelt die Zulassung von Trainingsanbietern sowie die Prüfung und Qualifizierung von Einzelpersonen. Die Programmziele sind: • openBIM Ausbildungsinhalte zu standardisieren und zu verbreiten

• Ausbildungsorganisationen zu unterstützen und zu akkreditieren

• Tests und Zertifizierungen von Personen durchzuführen Neben dem Kulturwandel zum digitalen Bauen ist eine generelle Kultur für die Nachhaltigkeit aufzubauen. Das Wesen der Nachfrage beginnt, sich zu verändern. Die Menschen sind heutzutage viel besser informiert über die Qualität und Umweltauswirkungen von Materialien und Produkten und stellen höhere Ansprüche an diese. Wir befinden uns auf dem Weg ins Zeitalter der Vernetzung, in welchem Architektur, Fachplanung und Kunden wie nie zuvor durch digitale Werkzeuge miteinander verbunden werden und gemeinsam zu den Zielen der nachhaltigen Entwicklung beitragen.

PROF. THOMAS ROHNER ist Professor für Holzbau und BIM, Berner Fachhochschule, und Vorstandsmitglied Bauen digital Schweiz /  buidlingSMART Switzerland. www.bauen-digital.ch


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BLICK HINTER DIE KULISSEN DAS FUNKTIONIEREN VON BAUWERKEN von Georg Lutz

Roma Agrawal ist eine junge multikulturelle Frau, die als Bauingenieurin sprichwörtlich auf vielen Baustellen dieser Welt unterwegs ist. Sie stammt aus Mumbai in Indien und lebt in London. Sie hat eine filigrane Hängebrücke für Fussgänger in Newcastle geplant und an dem Londoner Hochhaus «The Shard» mitgearbeitet. Das Wichtigste für uns Leserinnen und Leser ist aber, dass sie die Welt der Bauten uns Laien gut erklären kann.

Roma Agrawal erklärt uns, was die imposante Brücke von Millau in Frankreich zusammenhält.

D

er Blick hinter die Fassaden lohnt sich. «Die geheime Welt der Bauwerke» heisst das Buch in deutscher Sprache, der englische Titel passt aber besser: «Built. The hidden stories behind our structures». Das Spannende an dem Buch ist nicht die Darstellung der vielfältigen und

DIE GEHEIME WELT DER BAUWERKE, 2018 Roma Agrawal Aus dem Englischen von Ursula Held. Carl Hanser Verlag, München ISBN 978-3-446-26030-6 352 Seiten

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faszinierenden Bauten der Weltgeschichte, sondern die Auffächerung der Geheimnisse, die wir als Laien nicht sehen. Dazu nimmt uns Agrawal an die Hand und macht mit uns Ausflüge in die Geschichte und wir bekommen Fragen beantwortet: Warum steht die Chinesische Mauer noch? Sie wurde mit Mörtel gebaut, dem man Klebreis hinzugab. Reis bringt Stärke mit. Diese festigt die Verbindung von Mörtel und Stein, ermöglicht aber gleichzeitig Flexibilität, damit bei Temperaturschwankungen nichts bricht. Das Taj Mahal wird durch eine Mischung aus Branntkalk, zermahlenen Muscheln, Marmorstaub, Gummi, Zucker, Fruchtsaft und Eiweiss zusammen gehalten. Agrawal besucht mit uns die Kathedrale Santa Maria des Fiore in Florenz. Dort stehen wir staunend unter der riesigen Kuppel und fragen uns, was hält diese Kuppel zusammen und welche Technologien haben die Baumeister verwendet? Die Autorin erklärt uns die Funktionsweise eines «Fischgräten-Mauerwerks» und wie diese Technologie noch heute verwendet wird. Agrawal ist sich auch nicht zu schade, in die Unterwelt der Abwässer in London hin-

abzusteigen. Hier geht es darum, wie eine komplette Infrastruktur einer modernen, städtischen Umwelt funktioniert.Das Buch verdeutlicht uns Technologien und Mechanismen, die für uns eine Selbstverständlichkeit sind, wenn wir über eine Brücke fahren, in den Lift einsteigen oder die Toilettenspülung betätigen. Eigentlich ist es ein Wunder, dass Häuser halten, Flüsse überbrückt werden können, Fahrstühle fahren, Wasser trinkbar aus der Leitung kommt und die Strasse nicht mehr riecht wie eine Kloake. Diese Wunder haben Menschen mit Namen vollbracht, die man heute unter dem Berufsbild des Ingenieurs zusammenfasst. Die Akteure glaubten trotz widriger Umstände an ihre Lösung. Es geht um Last- und Zugkräfte, Druck, Wind, die Weichheit des Bodens. Überall brauchte und braucht es Lösungen. Die Autorin hat eine Hymne für diese Menschen geschrieben. Agrawal arbeitet in einer Männerwelt. Sie erzählt von skurrilen Momenten, wenn sie als Planerin die männlich geprägte Welt der Bauwagen- Macho-Maschinen und Spindfotos betritt. Aber sie verweist darauf, dass sie auch weibliche Vorbilder gefunden hat – Emily Warren Roebling zum Beispiel, ohne deren Tatkraft, Organisationsund Verhandlungsgeschick die Brooklyn Bridge in New York nicht zustande gekommen wäre. Sie konnte nur im Hintergrund agieren. Heute dürfen Frauen zum Glück Bauingenieurin werden und haben jetzt mit Roma Agrawal ein Vorbild.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.hanser-literaturverlage.de


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DAM PREIS 2019 DIE BESTEN BAUTEN IN UND AUS DEUTSCHLAND von Georg Lutz

Der DAM Preis 2019 geht an gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner für den Umbau und die Modernisierung des Kulturpalasts Dresden. Dieses Jahr kamen öffentliche Gebäude, deren Sanierung im Fokus stand, zum Zug. AUER WEBER MIT CHRISTOPHE GULIZZI Handballarena «Arena du Pays d’Aix» in Aix-en-Provence (Frankreich).

B

eispielhafte Wohnungsbauten finden sich in jedem Jahrgang des DAM Preis. Was dieses Mal allerdings besonders auffällt, ist, dass keines der privaten Wohnhäuser auf der Longlist die Jury zu begeistern vermochte. Alle Wohngebäude auf der diesmaligen Shortlist sind für mehrere Parteien ausgelegt, sie befinden sich ausnahmslos im urbanen Kontext. Das Sanieren, Restaurieren, Um- und Weiterbauen stand im Fokus einer ganzen Reihe von Bauten und Ensembles, darunter die Berliner Staatsoper Unter den Linden und die Jugendbildungsstätte des Erzbistums Köln in Odenthal. Aber es steht mit dem Futurium Berlin auch ein ganz der Zukunft zugewandter Neubau auf der Liste. Bildungsbauten sind durch Schulen in München und Offenbach und eine Universitätsbibliothek vertreten. Kultur und Natur gehen mit der Umwandlung eines Hofguts zum Seminargebäude der Stiftung Nantesbuch

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eine Symbiose ein, die Moderne Galerie des Saarlandmuseums verzahnt mit ihrem Ergänzungsbau und der Platzgestaltung ebenso eng Architektur und Kunst.

ÜBER DEN NATIONALEN TELLERRAND Nicht in der Auswahl für den DAM Preis, aber seit vielen Jahren ein fester Bestandteil dieser Übersicht zur deutschen Gegenwartsarchitektur, sind die Bauten von Architekturbüros aus Deutschland in anderen Ländern: Auer Weber realisierten in der Provence in Frankreich die Handballspielstätte Arena du Pays d’Aix. In Chicago in den USA entstanden ist die Trumpf Smart Factory von Barkow Leibinger. Das Gebäude ist das Vertriebszentrum mit Showroom für die Metallbearbeitungsmaschinen des Unternehmens; das elaborierte Tragwerk aus begehbaren Vierendeelträgern ist auch das grösste Exponat für die

Möglichkeiten der Geräte. Und schliesslich wird ein hybrid genutztes, mit seinem begrünten Innenhof die typologischen Grenzen überschreitendes Hochhausgeviert von ingenhoven architects, das Marina One in Singapur, gezeigt.

KULTURPALAST IN DRESDEN Dresden wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört. Der Aufbau geschah zunächst im Zeichen des sozialistischen Realismus. Der Kulturpalast ist der wichtigste und umstrittenste Bau der Dresdner Nachkriegsmoderne. Er war sowohl Ort der Unterhaltung als auch der politischen Demonstration. Gebaut wurde er von 1967 bis 1969 von den Kollektiven um Leopold Weil und später Wolfgang Hänsch. Der von den Dresdnern liebevoll «Kulti» genannte Bau steht mit seinem Schicksal nach 1989 stellvertretend für die Bedrohung des architektonischen Erbes der DDR. Im Sinne der


© Christian Gahl / gmp Architekten

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© Andrew Alberts

GMP – ARCHITEKTEN VON GERKAN MARG UND PARTNER Modernisierung, Umbau Kulturpalast in Dresden.

resoluten Entscheidung der an sich besonders rekonstruktionsfreudigen Dresdner Bürgerschaft für seine Rettung und Eintragung in die Denkmalschutzliste im Jahr 2008 lobte die Stadt Dresden 2008 einen Wettbewerb aus. Die Schwierigkeit bestand darin, anstatt der früheren multifunktionellen Kongresshalle in der Mitte des Hauses einen neu zu konzipierenden Konzertsaal für die Dresdner Philharmonie unterzubringen. Neben diesem «inneren Neubau», wie es die Wettbewerbsauslobung formulierte, galt es, die denkmalgeschützte Glashülle zu erhalten. Zudem sollten eine neue Zentralbibliothek und ein Theatersaal mit 250 Plätzen integriert werden. Der Umgang mit verschiedenen Erschliessungen für widersprüchliche Nutzungen stellte sich als die wesentliche Schwierigkeit im Wettbewerb heraus. Von Gerkan, Marg und Partner schlugen daher vor,

ARGE IFAU / HEIDE VON BECKERATH Integratives Bauprojekt am ehemaligen Blumengrossmarkt in Berlin.

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die Bibliothek im ersten und zweiten Geschoss ringförmig um den Konzertsaal zu legen: Die Erschliessungssysteme sollten verschmelzen und somit beträchtlich Platz und Geld sparen. Das Ergebnis funktioniert einwandfrei. Zu jeder Zeit ist das helle, modernistische Foyer mit seinen weiten Freitreppen über mehrere Ebenen, dem dunklen Tropenholz der Handläufe und Wandtäfelungen, dem neuen rot leuchtenden Teppichboden und dem fantastischen Ausblick auf den Neumarkt belebt mit Bürgern aller Schichten und jeden Alters. Bei der denkmalschutzgerechten Sanierung der Fassaden und Details nahmen sich gmp gestalterisch sehr zurück, wie etwa bei der Gipsrasterdecke im Foyer, die zum Einbau der notwendigen neuen Technik abgerissen werden musste. Man fand tatsächlich die alten Matrizen wieder, um eine neue Decke mit der ursprünglichen kleinteiligen Kassettenstruktur giessen zu können. Das 45 Meter lange Wandfries «Unser sozialistisches Leben» im Foyer des ersten Stocks wurde beim Umbau ebenso denkmalpflegerisch erneuert wie das 315 Quadratmeter umfassende Mosaik «Der Weg der Roten Fahne» aussen an der Westfassade. Die nicht bauzeitlichen, kupferfarben getönten Glasscheiben jedoch haben die Architekten ausgetauscht; heute erfüllt auch klares Glas die Lichtschutzwerte und erlaubt zudem den Blick in das Gebäude. Der neue Konzertsaal wurde von dem gmp-Partner Stephan Schütz verantwortet, der in China bereits die komplexen Gross­ projekte Opernhaus Qingdao und das fast 200’000 Quadratmeter grosse chinesische Nationalmuseum in Peking gebaut hatte. In Dresden vertrauten die Architekten auf die Weinbergtypologie. Sie fügten in das Innere des Hauses einen mit hellem Holz gefertigten, optisch warmen Konzertsaal mit 1 750 Plätzen ein, dem man seine wahre Grösse nicht ansieht.

© Roland Halbe

ARCHITEKTUR

HARRIS + KURRLE Stadtbibliothek in Rottenburg.

INTEGRATIVES BAUPROJEKT IN BERLIN

flächen. Das Gebäude folgt der maximal möglichen Auslegung des Bebauungsplans. Die Architektur beruht auf drei horizontalen und über zwei Treppenhäuser verbundenen Erschliessungswegen sowie auf dem Verhältnis zwischen der Gebäudehülle und fünf innen liegenden Lichthöfen. Das Erdgeschoss wird über einen umfahrbaren Weg erschlossen, an den drei Hauseingänge sowie die Zugänge zu unterschiedlichen, teilweise mehrgeschossigen Ateliers, einem Garten, gemeinschaftlichen Hauswirtschaftsräumen und dem Keller angeschlossen sind.

Das Projekt beruht auf einem Konzeptverfahren für das Gelände der ehemaligen Blumengrossmarkthalle in Berlin-Kreuzberg, die heute als Erweiterung des Jüdischen Museums an der Lindenstrasse dient. Das Programm für die gemischte Baugruppe besteht aus Ateliers und Wohnungen in Eigentum, genossenschaftlichen Wohn- und Atelierflächen, Wohnungen für einen sozialen Träger sowie Gewerbe-

Eine der drei Erschliessungsachsen befindet sich als Rue intérieure auf Ebene 1 und ist mit begrünten Lichthöfen verbunden. Hier liegen nach Süden kleine Studiowohnungen. Die Räume nach Norden mit den darüber liegenden Wohnungen, die über einläufige Treppen direkt erreicht werden, sind intern verbunden. Die obere Erschliessungsachse befindet sich im Aussenbereich auf

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Ebene 4. Auch hier werden, jedoch vertikal gespiegelt, zwei Ebenen gleichzeitig erschlossen. Hinzu kommen weitere Ateliers, ein Gemeinschaftsraum und der Dachgarten sowie Terrassenflächen auf dem darüberliegenden Deck.

STADTBIBLIOTHEK ROTTENBURG An der Schnittstelle zwischen mittelalterlicher Altstadt und bischöflichem Palais sollte eine neue Stadtbibliothek entstehen, die darüber hinaus an prominenter Stelle als Treffpunkt für die Bürger dient. Auf stadträumlicher Ebene ist ein kommunizierender Baustein entstanden, bei dem Themen im Gefüge der Umgebung aufgenommen, interpretiert und neu wiedergegeben werden. So konnte etwas Neues entstehen, dessen Code aus der Umgebung gespeist wird. Der Baukörper für die Stadtbibliothek wurde in Anlehnung an die geknickte Bauform des Nachbargebäudes


© Simon Menges

ARCHITEKTUR

© Thilo Ross, Heidelberg

BARKOW LEIBINGER Trumpf Smart Factory in Chicago (USA).

WAECHTER + WAECHTER ARCHITEKTEN AIZ Ausbildungs- und Seminargebäude in Bonn.

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© HGEsch

ARCHITEKTUR

INGENHOVEN ARCHITECTS Marina One in Singapur.

entwickelt. So entsteht ein räumlicher Dialog. Das Grundstück liegt an der Schnittstelle ganz unterschiedlicher Massstäbe. Die verschiedenen Traufhöhen des Neubaus – bedingt durch das gerade Satteldach auf der geknickten Gebäudeform – vermitteln zwischen dem imposanten bischöflichen Palais und den niedrigeren Gebäuden der Altstadt. Ein Gebäuderücksprung weist auf den Eingang hin. Im Erdgeschoss gelangt man an einer grosszügigen Theke vorbei in das Lesecáfe, das im Sommer über Schiebetüren zu einem Strassencafé erweitert wird. Die Innenwände der Bibliothek sind weitgehend mit Regalen belegt, es entstehen Bücherräume. Unterbrochen werden diese durch grosse Fenster mit tiefen Laibungen, die zum Sitzen und Lesen geeignet sind. Die Leser werden von aussen sichtbar und transportieren so die Funktion des Hauses in den öffentlichen Raum. Von innen bietet jedes der Lesefenster einen eigenen, gerahmten Blick in die Stadt.

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AUSBILDUNGS- UND SEMINARGEBÄUDE IN BONN Der strukturalistische, clusterartige Entwurfsansatz drückt die Unruhe des Lernens aus – das ständige Suchen, Reflektieren, das Ausschweifen, das Neugierige, in alle Richtungen Schauende, dies trotz allem diszipliniert und mit systematischer Ordnung. Der pavillonartige Neubau schmiegt sich in den Landschaftsraum des angrenzenden Kottenforsts und fügt sich kleinteilig und massstäblich in den gebauten, heterogenen Kontext ein. Die vielgliedrig gestufte Fassade erlaubt Ausblicke in mehrere Richtungen, um das lernende Suchen zu ermöglichen. Die Lernorte sind in beiden Ebenen um Innenhöfe angeordnet, woraus sich klare, kurze und seitlich gut belichtete Rundwege ergeben. Die netzartige Gebäudestruktur wird in ein Holzskelett mit klarem, durchgehendem Stützenraster und wirtschaftlichen Spannweiten übertragen und ermöglicht eine hohe Variabilität und Flexibilität. Es

entsteht eine vielfach gegliederte, multimodale und kommunikationsorientierte Lernlandschaft, welche zum differenzierten und selbst organisierten Lernen und Arbeiten einlädt. Durch den auf nur zwei Rasterfeldgrössen basierenden Grundriss wird die Anzahl der Bauteilanschlüsse auf ein Minimum reduziert, sodass die Vorzüge der modularen Bauweise optimal ausgenutzt werden. Der kompakte Baukörper, bauliche passive Massnahmen und eine effiziente Anlagentechnik erreichen die gewünschte Energieeffizienz und bilden in Kombination mit ressourcenschonenden Materialien die Grundlage für den DGNB-Standard Gold (Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen).

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© Iwan Baan 2018

Die europäische Moderne trifft auf indische Realitäten: Balkrishna Doshi, Architekturbüro Sangath, Ahmedabad, 1980.

WELTEN KOMMEN ZUSAMMEN ARCHITEKT UND STADTPLANER BALKRISHNA DOSHI von Georg Lutz

Der berühmte Architekt und Stadtplaner Balkrishna Doshi – in Pune in Indien geboren – hat 2018 als erster Inder den renommierten Pritzker-Preis erhalten. In über 60 Jahren architektonischer Praxis hat Doshi eine Vielzahl unterschiedlichster Projekte verwirklicht. Dabei übernahm er die Grundsätze der modernen europäischen Architektur nicht einfach, sondern brachte sie mit den lokalen Traditionen und den kulturellen, materiellen und natürlichen Gegebenheiten vor Ort in Einklang. Das Vitra Design Museum präsentiert aktuell die erste Retrospektive über das Gesamtwerk.

E

s ist immer wieder interessant, wenn die westliche Moderne auf anderen Kontinenten gespiegelt und neu bearbeitet wird. Das war beispielsweise 1922 in Kalkutta so, als die europäische Moderne auf die indische Avantgarde traf. Erstmals wurden damals auf dem Subkontinent Werke namhafter Bauhauskünstler neben indischen Arbeiten ausgestellt. Die gegenseitigen Inspirationen waren und sind beeindruckend. Man kann dies an unterschiedlichen Bauwerken in Indien festmachen. Zwei künstlerische Welten trafen damals aufeinander. Die europäische Kunst, ge-

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prägt von den Katastrophenerfahrungen des Ersten Weltkrieges, war auf der Suche nach gestalterischen Alternativen. Und die indische Kunst der postkolonialen Phase auf der Suche nach einer neuen, kulturellen Identität. Es ging um zwei Welten, die gemeinsame Sprachen fanden. Der Kubismus war hier ein Beispiel. Die multikulturellen Reibungen waren produktiv.

DIE AUFBRUCHPHASE In diesen Zeitrahmen fiel die Geburt von Balkrishna Doshi, der – 1927 als Sohn einer traditionellen hinduistischen Familie geboren wurde. Solche Traditionen traten Anfang

und Mitte des 20. Jahrhunderts in den Hintergrund. Doshi wuchs in der Aufbruchstimmung der indischen Unabhängigkeitsbewegung auf, zu deren Leitfiguren Mahatma Gandhi und Rabindranath Tagore zählten. Zu den spiritistischen Leitfiguren zählte sicher auch Sri Aurobindo. Im Jahr der indischen Unabhängigkeit 1947 begann er sein Architekturstudium am Sir J. J. College of Architecture Bombay (heute Mumbai). In den 1950er-Jahren reiste er mit dem Schiff nach London, wo er sich um die Aufnahme in das Royal Institute of British Architects bewerben wollte, und zog schliesslich nach Paris weiter, um bei


© Vinay Panjwani India

Le Corbusier zu arbeiten. Doshis Zusammenarbeit mit Le Corbusier und später Louis Kahn erstreckte sich über ein ganzes Jahrzehnt und machte den jungen Architekten mit dem Vokabular der architektonischen Moderne mit besonderem Schwerpunkt auf elementaren Formen und Baumaterialien vertraut. Sein 1956 in Ahmedabad eröffnetes Architekturbüro nannte Doshi Vastu-Shilpa: «Vastu» beschreibt die Gesamtheit der Umwelt; «shilpa» bedeutet auf Sanskrit «gestalten». Im Alter von nur 41 Jahren gründete er 1962 die School of Architecture am Centre for Environmental Planning and Technology (CEPT) in Ahmedabad. Die Vastushilpa Foundation for Studies and Research in Environmental Design rief Balkrishna Doshi 1976 mit dem Ziel ins Leben, an die Gesellschaft, Kultur und Umwelt Indiens angepasste Gestaltungs- und Planungsnormen zu entwickeln.

ÜBER DIE VORBILDER HINAUS Die Ausstellung im Vitra zeigt zahlreiche bedeutende Projekte aus der Zeit von 1958

ARCHITEKTUR

Den Dialog fördern: Balkrishna Doshi: School of Architecture, Centre for Environmental Planning and Technology, Ahmedabad, 1968.

bis 2014, wobei das Spektrum von der Planung ganzer Städte und Siedlungen bis hin zu Hochschulen und Kultureinrichtungen sowie Regierungs- und Verwaltungsgebäuden, von Privathäusern bis hin zu Wohninterieurs reicht. Zu Doshis Werken gehören Pionierleistungen wie das Indian Institute

of Management (1977, 1992), sein eigenes Architekturbüro Sangath (1980) und die berühmte Wohnsiedlung Aranya für Menschen mit geringem Einkommen (1989). Neben einer Fülle originaler Zeichnungen, Modellen und Kunstwerken aus Doshis Archiv und Architekturbüro werden Fotos,

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© Iwan Baan 2018

ARCHITEKTUR

Die poetische und gleichzeitig funktionale Architektur ist beeindruckend.

Filmmaterial und mehrere begehbare Rauminstallationen gezeigt, wobei seine enge Beziehung zu anderen einflussreichen Architekten und Vordenkern wie Le Corbusier oder Christopher Alexander immer wieder deutlich wird. Doshis humanistische Haltung ist durch seine indischen Wurzeln ebenso geprägt wie durch seine westliche Bildung und den rapiden Wandel der indischen Gesellschaft seit den frühen 1950erJahren. Seine poetische und zugleich funktionale Architektursprache ist beeindruckend. Doshi ging jedoch in seiner Formsprache über seine Vorbilder der Moderne hinaus und entwickelte eine ganz eigene Herangehensweise zwischen Industrialismus und Primitivismus, moderner Architektur und traditioneller Form. Seine Praxis beruht auf einer nachhaltigen Herangehensweise und strebt nach der Verortung der Architektur in einem weit gefassten Zusammenhang von Kultur, Umwelt, Gesellschaft, Ethik und Religion.

DIALOG FÖRDERN Die Retrospektive ist in vier Themenbereiche gegliedert und beginnt mit einem Blick auf Doshis Hochschulgebäude. Als eines seiner Schlüsselprojekte gilt der Campus des Centre for Environmental Planning and Technology (CEPT) in Ahmedabad, auf dem Doshi über einen Zeitraum von 40 Jahren einige seiner bedeutendsten Bauwerke realisierte. Bereits 1968 gründete Doshi die multidisziplinäre School of Architecture, die sehr von seinem Ansatz des Austausches über die Fächergrenzen hinweg pro-

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fitiert. Um den Dialog zwischen Studenten und Lehrkräften zu fördern, entwarf er das Gebäude als frei fliessenden Raum ohne strenge Trennung der verschiedenen Bereiche. Während die School of Architecture auf den Überresten einer alten Ziegelei gebaut wurde und mit ihrem offenen Erdgeschoss über dem Boden zu schweben scheint, liegt der ebenfalls auf dem Campus befindliche Kunstraum Amdavad Ni Gufa (1994) teilweise unter der Erde als Antwort auf das heisse örtliche Klima – «gufa» bedeutet auf Gujarati «Höhle». Seine sich sanft in die Umgebung einfügende Struktur aus unterschiedlich grossen Kuppeln wurde zwar mit speziellen Computerprogrammen entwickelt, jedoch von ungelernten Arbeitern von Hand aus Abfallprodukten gebaut. Dies ist ein typisches Spiegelbild der zerrissenen Gesellschaft in Indien.

HEIMAT UND IDENTITÄT Der zweite Ausstellungsbereich richtet das Augenmerk auf die Themen Heimat und Identität, wobei Architektur auch als Motor des gesellschaftlichen Wandels in den Blick genommen wird. Inspiriert von Mahatma Gandhis Lehren entwickelte Doshi neue Herangehensweisen an den sozialen und experimentellen Wohnbau, die auf der Teilhabe der zukünftigen Bewohner basierten und die Möglichkeit der Anpassung an wechselnde Bedürfnisse und Anforderungen einbezogen. Die Wohnsiedlung für die Life Insurance Corporation of India (LIC) (1973) oder die Wohnsiedlung Aranya (1989) in Indore sind herausragende Beispiele dafür.

BEITRAG ZUR ENTWICKLUNG Im dritten Bereich dreht sich alles um die zahlreichen institutionellen Bauprojekte, an denen Doshi in den vergangenen 60 Jahren mitgewirkt hat. Ein wichtiges Beispiel ist hier das Indian Institute of Management (IIM) in Bangalore (1977, 1992). Der ausgedehnte Campus entstand über einen Zeitraum von 20 Jahren, in dem der ursprüngliche Entwurf mehrfach ergänzt und verändert wurde. Die Innenhöfe sind als Gärten angelegt, in die begrünten Korridore fällt durch Pergolen und Durchbrüche natürliches Licht, sodass sich der Raumeindruck im Tagesverlauf immer wieder ändert. Beide dienen der spontanen Kommunikation und bilden zugleich eine Erweiterung der Unterrichtsräume. Mit seinem faszinierenden Architekturkonzept ist das Indian Institute of Management zu einer wichtigen Denkfabrik geworden, die im Lauf der Jahrzehnte einen beachtlichen Beitrag zu Indiens wirtschaftlichem Aufstieg geleistet hat. Ein weiterer Meilenstein in Balkrishna Doshis institutioneller Architektur ist sein eigenes Architekturbüro Sangath in Ahmedabad (1980). Erinnerungen an das Haus seiner Kindheit und an Le Corbusiers Atelier in Paris werden im Raumvokabular dieses Gebäudes vereint. «Sangath» bedeutet auf Gujarati so viel wie «sich zusammen bewegen», hier arbeiten drei Generationen von Doshis Familie Seite an Seite. Der letzte Bereich der Ausstellung widmet sich Doshis gross angelegten Stadtplanungsprojekten, für die beispielhaft die Entwicklung des Masterplans und der städtebaulichen Vorgaben für Vidhyadhar Nagar (1984) im nordindischen Rajasthan steht. Die Wohnsiedlung mit 15’000 Wohnungen wurde als energieeffiziente Stadt auf 350 Hektar Land am Rande von Jaipur konzipiert, dessen von einer Stadtmauer umschlossene Altstadt als Vorbild diente. Die Planung verbindet traditionelle städtebauliche Prinzipien mit aktuellen Bedürfnissen und äusseren Rahmenbedingungen, um die nötige Infrastruktur für 400’000 Einwohner bereitzustellen.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.design-museum.de


© AGROB BUCHTAL GmbH / Jochen Stüber, Hamburg

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Die kleinen Keramikelemente sind auch aus grösserer Entfernung anhand der flirrenden Spiegelungen erkennbar.

INTEGRATIVES BAUPROJEKT KLEINE KERAMIK-FASSADENELEMENTE GANZ GROSS von Roland Pawlitschko

Hier handelt es sich um eine besonders historisch aufgeladene Fläche in Berlin. Das städtische Grundstück zwischen Jüdischem Museum, dem Neubau der Tageszeitung TAZ und ehemaliger Blumengrossmarkthalle in Kreuzberg erhielt nicht einfach der Meistbietende, sondern derjenige, der für eine Bebauung das beste und passendste Konzept vorlegte. Die eigens für die WDVS-Fassade angefertigten dreidimensionalen Keramikelemente der Serie Craft geben dem Gebäude ein unverwechselbar plastisches Erscheinungsbild, das all diese Besonderheiten subtil unterstreicht, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.

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esentliches Ziel des hier angewendeten konzeptgebundenen Vergabeverfahrens war eine hohe Vielfalt und gute Durchmischung der Bewohner- und Nutzungsstruktur. Entsprechend verfügt der Neubau nicht nur über genossenschaftliche Wohn-, Studio- und Gemeinschaftsflächen, sondern auch über Ateliers und Wohnungen in Eigentum, Gewerbeflächen sowie Raumangebote des Evangelischen Gemeindevereins der Gehörlosen in Berlin. Hinzu kommt eine projektinterne Quersubventionierung, die mithilfe eines höheren Quadratmeterpreises für die Eigentümer dafür sorgt, dass die

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Mieten für die Genossenschaftsmitglieder mit 9.50 Euro / Quadratmeter vergleichsweise niedrig bleiben. Nicht zuletzt dank dieses zukunftsweisenden Modells gelang es, ein Haus zu bauen, das bei maximal möglicher Auslegung des Bebauungsplans gleichsam eine Stadt in der Stadt bildet.

NATÜRLICH ELEGANTE MATERIALIEN Ein Blick in die Wohnungen, Ateliers und Erschliessungswege zeigt, dass im IBeB vor allem rohe Sichtbeton-, Metall- und Holzoberflächen das Bild prägen. Diese Materialien sorgen für einen unmittelbaren,

authentischen Raumeindruck, vor dessen Hintergrund sich die zahlreichen Wohnund Arbeitsvorstellungen der Nutzer umso besser entfalten können. Für die Gebäudehülle suchten die Architekten nach einem Baustoff, der nicht nur ebenso robust, handwerklich und natürlich elegant wirkt, sondern zugleich der besonderen Lage des Gebäudes gerecht werden sollte.

FASSADE AUS KERAMIKPIXELN Die zur Bekleidung der mineralischen WDVS-Fassade eingesetzten 157 x 158 Milli­ meter grossen Keramikelemente entsprechen in vielerlei Hinsicht den Entwurfsvor-


© AGROB BUCHTAL GmbH / Jochen Stüber, Hamburg

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Die identischen Keramikelemente sind paarweise immer abwechselnd um 180 Grad gedreht.

stellungen der Architekten. «Wir wollten eine Fassade aus einem Material schaffen, das weder hell noch dunkel sein und zudem zu stadträumlicher Qualität beitragen sollte», betont Carolin Gyra, Projektarchitektin im Architekturbüro Heide & von Beckerath. Mit den von den Architekten und Agrob Buchtal eigens für dieses Projekt entwickelten, mittelgrau glasierten Keramikelementen der Serie Craft gelingt beides – eine Fassade aus Tausenden von Pixeln, die je nach Standpunkt mal hell und mal dunkel erscheinen. Die flirrende Wirkung der an sich identischen Pixel entsteht zum Teil durch die leicht changierenden Farbtöne der auf traditionelle Weise im Tunnel­ofen gebrannten Keramikelemente. Vor allem aber beruht sie auf ihrem unregelmässig dreiecksförmigen Querschnitt (der zwei unterschiedlich geneigte Ansichtsflächen erzeugt) sowie auf ihrer paarweise immer abwechselnd um 180 Grad gedrehten Montage, die für unterschiedlichste Lichtreflexionen und Spiegelungen sorgt. In gewisser Weise symbolisiert die Fassade dadurch selbst bei Betrachtung aus grosser Entfernung die Vielfältigkeit und Komplexität des Projekts.

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© AGROB BUCHTAL GmbH /Andrew Alberts, Berlin

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Der Erschliessungsweg im 2. Obergeschoss verfügt über fünf Lichthöfe, die unter anderem die Belichtung der Wohnungen übernehmen. Zugleich bieten sie Raum für gemeinsame Aktivitäten.

AUF WÄRMEDÄMMVERBUNDSYSTEM (WDVS) Die Montage der Fassadenkeramik erfolgte mit Verlegemörtel im «ButteringFloating-Verfahren», also mit Auftrag sowohl auf der armierten Unterputzschicht des WDVS als auch auf der Keramikrückseite. Der bei WDVS-Fassaden nötige Fugenanteil zur Gewährleistung einer ausreichenden Dampfdiffusion wurde dank der kleinformatigen Elemente mühelos erreicht. Zahlreiche Modellstudien der Architekten bildeten den Ausgangspunkt für die letztendlich gewählte Verwendung und Anordnung der Keramikelemente. Deren Materialstärke wurde vom Hersteller so austariert, dass die Stabilität gewährleistet ist und gleichzeitig eine unzulässig hohe Flächenlast vermieden wird. Demnach handelt es sich um eine gestalterische und technische Massanfertigung, die aber dennoch den finanziellen Rahmen nicht sprengte. Hinsichtlich des Grundmaterials, der Glasur und der Farbe entsprechen die für die Fas-

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sade des IBeB eingesetzten Keramikelemente den zweidimensional-flachen Fliesen der Serie Craft. Allein die vergleichsweise geringfügige Veränderung des orthogonalen Standardquerschnitts liess ein charakteristisch dreidimensionales Produkt entstehen, das nun massgeblich zum unverwechselbaren Erscheinungsbild eines einzig­ artigen Projekts beiträgt. Gewürdigt wurde diese Einzigartigkeit unter anderem mit dem BDA Preis Berlin 2018. Das IBeB war zudem Finalist des Preises des Deutschen Architekturmuseums 2019 und stand auf der Shortlist des Mies van der Rohe Award 2019.

GEMEINSCHAFTLICHES WOHNEN UND ARBEITEN Die Schichtung der verschiedenen Nutzungen ist am zweigeschossig verglasten Sockel von aussen klar ablesbar. Hier liegen neben einem Fahrradgeschäft und einem Restaurant auch die Ateliers für Künstler und andere Kulturschaffende, während sich darüber insgesamt 66 teils zweigeschossige,

zwischen 24 und 132 Quadratmeter grosse Wohnungen befinden. Letztere lassen sich leicht koppeln beziehungsweise teilen und damit mühelos an veränderte Nutzerbedürfnisse anpassen. Zugänglich gemacht werden sie von mittig im zweiten und fünften Obergeschoss angeordneten Erschliessungswegen. Diese sind über fünf begrünte Lichthöfe miteinander verbunden, die die Belichtung der bis zu 23 Meter tiefen Wohnungen übernehmen und zugleich feinsinnig gestaltete Räume für gemeinsame Aktivitäten bieten.

ROLAND PAWLITSCHKO ist freier Architekturkritiker, der in diversen deutschsprachigen Fachmedien publiziert. www.agrob-buchtal.de www.ifau.berlin.heimat.de www.heidevonbeckerath.com www.deutsche-steinzeug.de


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ARCHITEKTUR

TRANSFORMATION MITGESTALTEN EIN STADTQUARTIER ENTWICKELT SICH von Freya Mohr

Basel wächst. Zurzeit stehen der Stadt mehrere grosse Areale zur Verfügung, um darauf ganz neue Stadtviertel zu entwickeln. Eines davon ist der Hafen am Klybeckquai und auf der Westquai-Insel. Bisher nutzen vor allem Zwischennutzer das Gebiet als kulturellen Freiraum, die Arealentwicklung ist trotzdem im vollen Gange.

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mation hat eine Verlängerung für die nächsten fünf Jahre bekommen. Zeit genug, um ein weiteres Herzensprojekt auf dem ExMigrol-Areal zu realisieren. Von Anfang an war auf dem Areal eine Event-Halle für Kulturveranstaltungen geplant – jetzt kann diese endlich gebaut werden.

In den letzten sieben Jahren entstanden auf dem Hafen-Areal in Basel verschiedene Projekte für Zwischennutzung: In einer grünen, blühenden Oase stehen zwei orange Überseecontainer, bei Sonnenschein öffnet hier die Bar «Patschifig» ihre Luken. Die Generationen-Gärtner kümmern sich um

© Freya Mohr

a, wo einst Boccia-Bahn und OpenAir-Bühne waren, prangt jetzt ein riesiges Loch. 42 Meter lang, acht Meter breit und dreieinhalb Meter tief. Räumen die Zwischennutzer hier am Holzpark Klybeck schon das Feld? Nein, ganz im Gegenteil. ShiftMode – Verein für Transfor-

Geeignete Zwischennutzungen unterstützen den Transformationsprozess.

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© Freya Mohr

ARCHITEKTUR

entlang, drehen ein paar Skater ihre Runden in der Trendsporthalle auf dem ExEssoAreal. Gleich gegenüber steigen an warmen Sommerabenden so manche Konzerte in der «Marina Bar», der ältesten Institution auf dem Hafen-Areal. Alles sind Projekte auf Zeit – langfristig plant die Stadt Basel am Klybeckquai einen dichten urbanen Stadtteil mit Wohnen, Freizeit, Gewerbe und Arbeiten.

MEHR RAUM ZUM LEBEN

Auf einer ehemaligen Industriebrache entsteht neues Leben.

die umliegenden Hochbeete. Nur wenige Meter weiter steht ein ausrangierter, silberner Wohnwagen – in lauen Sommernächten

tanzen die Gäste hier in der «Sommerresidenz» bis in die frühen Morgenstunden. Weiter nördlich, den rostigen Schienen

Der Kanton profitiert von einem dynamischen Umfeld, die Wirtschaft in Basel wächst. In den letzten zehn Jahren sind 20’000 neue Arbeitsplätze entstanden. Das heisst aber auch, dass immer mehr Menschen nach Basel ziehen. In derselben Zeitspanne sind 10’000 neue Einwohner dazugekommen. Für eine Stadt wie Basel, die durch ihre geografischen Grenzen zu Frankreich und Deutschland stark in der Fläche limitiert ist, kann dieser Zuwachs eine Herausforderung sein. Viele wohnen ausserhalb und pendeln täglich zur Arbeit. Um neue Flächen für Wohnen, Arbeiten,

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© Freya Mohr © Freya Mohr

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bahn optimieren möchte, hat der Kanton Basel-Stadt die Möglichkeit, ein neues Stadtquartier am Hafen zu schaffen. Waltert äussert den Wunsch, «die Stadt wieder an den Rhein zu bringen». Laut ihm brauche der Hafen nicht am Wasser zu sein, die Infrastruktur könne auch an Land liegen. Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung ist das geplante dritte Hafenbecken, welches auf dem ehemaligen badischen Rangierbahnhof entsteht.

An warmen Tagen wird der Hafen mit seinen Bars und Projekten zu einer idyllischen und kreativen Insel für viele Basler.

Infrastruktur, Erholung und Freizeit zu schaffen, baut Basel auf die folgenden Strategien: Verdichtung im Bestand, Aufzonung, punktuelle Verdichtung und Transformation. Letztere Strategie bietet hierbei das grösste Potenzial, da sich riesige Industrieareale oder Bahnareale umnutzen lassen, so Beat Aeberhard, Leiter S&A im Bauund Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Basels Wirtschaftswachstum ist das eine. Gleichzeitig «haben wir Flächen zur Verfügung wie noch nie», sagt Thomas Waltert, Projektleiter Gesamtentwicklung Basel Nord beim Planungsamt Basel. Heute gibt es in der Stadt sechs grosse Entwicklungs-

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areale: VoltaNord, Dreispitz, Am Walkeweg, Hafen, klybeckplus und Auf dem Wolf. «Aufgrund seiner Geschichte hat jedes Gebiet seine eigene Ausgangslage», erklärt Aeberhard. «Deswegen untersucht die Stadt, was wo Sinn macht, und entwickelt jedes Areal entsprechend.» So soll beispielsweise das Dreispitz-Areal Grünraum und Hochhäuser verbinden, im klybeckplus geht es um das Öffnen der alten Industriebauten und Auf dem Wolf soll eine Smart City für Gewerbe und Wohnen entstehen.

TRANSFORMATION AM BASLER HAFEN Seitdem klar ist, dass der Schweizerische Rheinhafen sich verlagern und die Hafen-

Mit dem Bau des Hafenbecken 3 und dem dazugehörigen trimodalen Containerterminal ist es möglich, eine effiziente Hafenlogistik an einem geeigneten Standort aufzubauen. Dadurch verlagert sich auch der Hafenbahnhof weg vom Rhein, zum neuen Hafenbecken. Für den Stadtteil Klybeck ergibt das zwei Möglichkeiten, erklärt Waltert: «Die Schienen entlang des Altrheinwegs zu reduzieren oder vollständig zu entfernen, damit Klybeck ganz am Rhein liegen kann». Die Verlagerung der Hafenlogistik bildet dementsprechend die Voraussetzung für die Transformation des HafenAreals und die dortige Stadtentwicklung. Ab 2022 plant die Stadt, mit den ersten Bausteinen anzufangen. Dazu gehören das ExEsso- und das ExMigrol-Areal. Ein neuer und vor allem lebendiger Stadtteil lässt sich aber nicht einfach aus dem Boden stampfen. Aus diesem Grund gehören Zwischennutzungen heute vielerorts zur Stadtentwicklungsstrategie. Durch eine standortfördernde Zwischennutzung lässt


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in die bestehenden Quartiere einfügen – Zwischennutzungsprojekte können das antesten. Eine Strategie, die gleichzeitig das Image der Stadt aufwertet, da sie kulturelle Freiräume zur Verfügung stellen kann.

EIN BLICK ZURÜCK Aus diesen Gründen schrieben die Stadt Basel und die Schweizerischen Rheinhäfen 2012 das ExEsso-Areal und den angrenzenden Spazierweg zur Zwischennutzung aus, bevor es mit der städtebaulichen Transformation losgeht. 60 Projekte haben sich bei der Stadt beworben, acht davon hat der Kanton ausgewählt und unter den Verein I_Land zusammengefasst. Mit der Zwischennutzung verfolgt Basel die Absicht, «dem roughen Industrieareal bereits langsam eine andere Nutzung zuzuführen», erklärt Katja Reichenstein vom Verein ShiftMode. Sie betreibt mit ihrem Mann Tom Brunner die Zwischennutzung Holzpark Klybeck auf dem ExMigrol-Areal. sich herausfinden, wie tauglich dieses Gebiet ist und wie es sich mit dem Rest des bereits vorhandenen Quartiers verträgt. Denn die neuen Areale müssen sich gut

Für dieses Areal gab es nach dem Rückbau der Migrol-Tanklager 2015 keine offene Ausschreibung, sondern die Stadt hat ge-

zielt fünf Kollektive angefragt, ein Konzept einzureichen. «Wir waren damals die Einzigen, die den Wagenplatz als Nachbarn akzeptiert haben», erinnert sich Reichenstein. Entsprechend hat sich die Stadt für den Verein ShiftMode entschieden, mit der Hoffnung, dass sie sich mit den Besetzern auf dem Wagenplatz arrangieren und möglichst schnell mit einem kulturellen Programm starten. «Aber durch den Widerstand und die Aufruhren auf dem Wagenplatz war es uns zu Anfang unmöglich, etwas zu machen», so Reichenstein.

DIE ZWISCHENNUTZER Eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis die ersten fünf Projekte auf das ExMigrol-Areal gezogen sind. Ziel von ShiftMode ist es, durch die Projekte ein rein kulturelles Programm zu gestalten, ohne dass es zu einem kommerziellen Ort wird. Hier spielt dem Verein der Umstand in die Hände, dass er nur eine Umsatzmiete – einen fixen Prozentsatz des Umsatzes – an die Stadt abgeben muss. Somit spielt es keine Rolle, wie viel Geld die einzelnen Projekte einnehmen. Im Gegensatz dazu muss

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lag. Im Juni kommt es über den Rhein gefahren, und ein Kran hebt es an Land. Das Loch für dieses Vorhaben ist bereits ausgehoben, in dieses wird der Bauch des Schiffes versenkt. 300 Leute haben in Zukunft in diesem Veranstaltungsraum Platz, «es soll aber kein zweites Nordstern¹ werden, sondern ist als Kultur- und Kunstbühne gedacht», beruhigt Reichenstein. Für die Zwischennutzerin ist es wichtig, bei Veränderungen nicht zuzusehen, sondern selber Ideen einzubringen und mitzuwirken, wenn ein neues Stadtquartier entsteht. Reichenstein sieht es folgendermassen: «Als Kulturschaffende sind wir auch ein Teil von der Stadt, von der Stadtentwicklung und von der Politik», und ergänzt, dass «man dabei jedoch seinen eigenen Hut aufbehalten muss und nicht versuchen sollte, es nur der Stadtentwicklung recht zu machen. Denn wir haben theoretisch später nichts

© Freya Mohr

der Verein I_Land eine fixe Jahresmiete zahlen. Deswegen finden auf dem ExEssoAreal kommerzielle Anlässe wie das Biker Festival und das Street Food Festival statt. «Das macht einen riesen Unterschied, wie man wirtschaftet», weiss Reichenstein. Hier konnte einerseits die Stadt, aber auch ShiftMode aus der Vergangenheit lernen. Heute stehen die beiden Vereine I_Land und ShiftMode an ganz unterschiedlichen Punkten. I_Land muss bereits langsam an den Rückbau denken und wie sich dieser finanzieren soll. Sein Vertrag läuft 2021 aus. Die Trendsporthalle wird dann zum Beispiel auf den Jugendsportplatz Erlenmatt ziehen. Was mit den anderen Projekten passiert, ist unklar. Anders bei ShiftMode: Der Verein hat jetzt weitere fünf Jahre Zeit, neue Projekte anzugehen. Das grösste ist der Kultur- und Veranstaltungsraum im Bauch eines alten Leuchtturmschiffes, das fast 70 Jahre vor der irländischen Küste

davon, wenn wir am Ende der Zwischennutzungszeit alles abbauen müssen.»

ZUKUNFTSVISIONEN Die Zwischennutzung zeigt, dass die Basler das Areal annehmen. In Zukunft soll ein lebendiges Quartier am Rhein entstehen. Der Rückbau der Hafenbahn soll «die heutige Barrieresituation aufbrechen», so Waltert. Wo heute die Schienen verlaufen, soll wieder ein Nebenarm des Rheins fliessen und Brücken das heutige KlybeckQuartier mit dem neuen Quartier verbinden. Das wünscht sich auch Reichenstein und ergänzt: «Horror wäre, wenn Wolkenkratzer vor dem Kybeck-Quartier in die Luft ragen und es nichts mehr mit dem zu tun hat, was das Klybeck ausmacht: nämlich Industrie, Kleingewerbe, Kultur, Lärm und Durchmischung». Aber die 45-Jährige weiss auch, dass Basel verdichtet bauen muss, weil die Stadt wenig Platz zur Verfügung hat. Ein Teil der Bevölkerung sorgt sich zudem, dass ausschliesslich teurer Wohnraum entsteht und in Zukunft die Klybeckinsel nur privilegierten Schichten zur Verfügung steht. Waltert verweist auf den Kantonalen Richtplan, welcher besagt, dass mindestens ein Drittel preisgünstiger Wohnraum in den Arealentwicklungen entstehen muss. Für ihn sind «der Rhein und die Promenade mit die stärksten Elemente in Basel», und folglich wird auch die Rheinpromenade weiter ausgebaut. Die Zwischennutzer hoffen unterdessen, dass sie die Aufwertung entschleunigen können. «Die Gentrifizierung sollte organisch und mit Einbezug von dem, was es bereits gibt, stattfinden. Wenn am Hafen schon Leben entstanden ist, macht es für die Stadt wenig Sinn, dort Tabula Rasa zu machen», findet Reichenstein und wünscht sich, «dass das Schiff bleiben kann». ANMERKUNG 1) Ein Basler Club für Techno und elektronische Musik im Bauch eines Schiffes

FREYA MOHR ist Redaktorin bei bauRUNDSCHAU.

Auf dem Holzpark Klybeck ist viel Raum für kreative Ideen.

Seite 68 // bauRUNDSCHAU

www.hafen-stadt.ch www.shiftmode.ch www.holzpark-klybeck.ch www.i-land.ch


EINFACH UND CLEVER DIE DIGITALISIERUNG SCHREITET VORAN – AUCH IM BAD von Georg Lutz

Weltweit verwenden immer mehr Verbraucher technische Produkte in ihren Badezimmern. Das Smartphone und Notebook – wie hier im Bild – im Bad zu verwenden ist aber eine suboptimale Lösung. Wichtiger sind digitale Duschsysteme, die Wasser, Licht, Ton und Duft vernetzen. Sie dienen, einfach zu handhaben, der Benutzerin und dem Benutzer des Bades dazu, ein ganzheitliches Wassererlebnis für alle Sinne zu gewähren. Das fängt bei ganz praktischen Beispielen wie Wassermenge und -temperatur für die Badewanne an. Zudem haben sich Programmierungen für die Dusche, um verschiedene Wellness-Anwendungen zu geniessen, am Markt durchgesetzt. Gleichzeitig ist der Raum aber weiter ein analoger Ort. Wir wollen uns ja auch von der digitalen Flut erholen. Das Bad ist weiter ein Ort des Rückzugs und der Behaglichkeit. Materialien wie Holz und Stein begleiten den Badegast dabei. Das sind ganz klar analoge Welten – auch noch in zehn Jahren. Digitale Lösungen stellen einen praktischen Mehrwert dar. Im Bad am Smartphone herumzufummeln, um die Lichttemperatur einzustellen, nervt. Besser ist, wenn sich Spiegeltüren und das entsprechende Stimmungslicht verwandeln, wenn es um Rasur- und Schminklicht geht.


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«RainTunes» von HANSGROHE zeigt eine neue Ära des Duschens für individuelle und intensive Duschmomente.

AUCH IM BAD DIGITALISIERUNG SETZT SICH DURCH von Gerald Brandstätter

Die Digitalisierung schreitet voran. Auch in Gebäuden setzt sich die vernetzte und interaktive Nutzung und Steuerung von Geräten und Installationen fort. Und nun ist auch das Bad an der Reihe: Digitale Duschsysteme vernetzen Wasser, Licht, Ton und Duft zu einem ganzheitlichen Wassererlebnis für alle Sinne. Seite 72 // bauRUNDSCHAU


© Hansgrohe

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herunter, wenn es dunkel wird, und aktivieren die Alarmanlage, sobald die Bewohner die Haustür verriegeln. Wieso sollte man auf Wohnqualität, Sicherheit und effiziente Energienutzung verzichten, wenn der Alltag auf Basis vernetzter und fernsteuerbarer Installationen noch einfacher, effizienter und angenehmer werden könnte?

INDIVIDUALISIERUNG IM BAD

I

n der Kommunikation oder den Unterhaltungsmedien ist die Digitalisierung innert kürzester Zeit zur Normalität geworden. Auch in Neubauten schreitet die Vernetzung rasant voran. Viele bislang eigenständige Systeme werden nun miteinander vernetzt, das Eigenheim wird zum Smart Home: Die Geräte zur Automatisierung der Haustechnik schalten auf Wunsch Heizung und Beleuchtung aus, wenn niemand daheim ist. Sie kontrollieren, ob Fenster und Türen geschlossen sind, fahren die Rollläden

Die Welt dreht sich immer schneller. Da überrascht es nicht, dass das Zuhause einmal mehr zum beschützenden Rückzugsort wird. Hier nimmt das Badezimmer eine Sonderstellung ein, denn im Bad wollen wir uns nicht mehr nur reinigen, sondern auch entspannen, frischer, gesünder und attraktiver werden. Wie sehr kleine Helfer, Apps und mobile Anwendungen das Erlebnis in der eigenen Wohlfühloase optimieren, hängt von den persönlichen Vorlieben jedes Einzelnen ab. Die Steuerung der Badewanne von unterwegs via Tablet, PC oder Smartphone, intelligente Memoryfunktionen, die die Vorlieben jedes Nutzers speichern, oder ein Spiegel, der gleichzeitig als multimediale Schnittstelle dient? Die zunehmende technische Entwicklung trägt nicht nur zu mehr Hygiene und Nachhaltigkeit bei, sondern erhöht auch den Nutzerkomfort erheblich. Das macht das Bad zum eigenständigen Lebensraum. Angenehm warm und mit gedimmten Licht empfängt das Badezimmer seinen Gast: Auf Knopfdruck beginnt sich die Badewanne mit exakt 38,5 Grad warmem Wasser zu füllen und stoppt automatisch bei der optimalen Füllstandshöhe. Für die richtige Stimmung sorgt ein Soundsystem, das die Lieblingsmusik ins Badezimmer bringt. Mit integrierter TV-Box wird der Spiegel zur multimedialen Schnittstelle, die mit entsprechenden Apps bespielt werden kann. Durch digitale Technologien mit programmierbaren Choreografien, die mit wechselnden Wassermengen und Temperaturen arbeiten, wird die Dusche zum echten Wellness-Tempel.

INNOVATIVE BEISPIELE Das Prinzip des digitalisierten Badezimmers hilft, Anwendungen zu personaliseren, effektiver und effizienter zu gestalten und das Erlebnis Bad so komfortabel wie möglich zu gestalten. Die letzte ISH, die weltgrösste Messe für den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und Energie in Gebäuden, hat vernetzte und interaktive Bad-Anwendungen verschiedener Anbieter in den Vordergrund gestellt.

Die multisensorischen Duschszenarien von «RainTunes» sind per App auswählbar.

Ein aussergewöhnliches Beispiel für ein bereits marktreifes Konzept präsentierte Hansgrohe. Mit «RainTunes» führt der Weltmarktführer für hochwertige Duschsysteme in eine neue Ära des Duschens für individuelle und intensive Duschmomente. Das Unternehmen zeigte, wie im Zeitalter voranschreitender Vernetzung mit Produkten in gewohnt hochwertiger Qualität Wassererlebnisse neu definiert werden. Für Hansgrohe geht es als einem der Innovations- und Designführer der Branche in erster Linie darum, das Zusammentreffen mit Wasser im Bad zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Bei «RainTunes» trifft Innovation auf Emotion: Das digitale Duschsystem vernetzt Wasser, Licht, Ton und Duft zu einem ganzheitlichen Wassererlebnis für alle Sinne. Hier stehen der Mensch und seine individuellen Stimmungen und Bedürfnisse ganz im Mittelpunkt. Hansgrohe

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hat digital gesteuerte Duschszenarien entwickelt, die auf den individuellen Lebensalltag abgestimmt sind: Die zunächst sieben multisensorischen Duschszenarien von «RainTunes» holen den Nutzer in seiner individuellen Tagesstimmung ab und bieten ihm ein dazu passendes Duscherlebnis. Ausgewählt werden kann derzeit zwischen «Guten Morgen», «Erholung», «Vitalität», «Entspannung», «Schönheit», «Natur» sowie «Gute Nacht». Entwickelt wurden die Duschszenarien mit Unterstützung zahlreicher Experten, unter anderem mit Dermatologen, Sportmedizinern, Physiotherapeuten und AromatherapieSpezialisten.

ZWEI LÖSUNGEN, UNENDLICHE ERLEBNISSE Gesteuert wird «RainTunes» entweder über RainButtons oder über das RainPad. RainButtons sind mobil platzierbare Bedienknöpfe, mit denen die Strahlarten, die Wassermenge und die Temperatur geregelt werden können. Mit dem «Play»-Button wird das über die Hansgrohe-Home-App ausgewählte Duschszenario gestartet. Dank Bluetooth-Technik konnte eine völlig neue Bedienung der Dusche realisiert werden: die Trennung von fest installierter Armatur und ihrer Steuerung. Denn die RainButtons sind mit einer Zentraleinheit hinter der Wand über Bluetooth verbunden und daher

unabhängig von einer Armatur. So kann ein Warm-up-Button frei in der Dusche platziert werden. Mit dem digitalen Bedienfeld RainPad wird die Dusche über ein fix installiertes, zentrales Bedienfeld gesteuert. Es empfängt ebenfalls über die Hansgrohe-Home-App die verschiedenen Duschszenarien und startet diese durch Berühren des Play-Symbols auf dem RainPad Touchscreen. Selbstverständlich gibt es auch die Möglichkeit, das tägliche Duschritual über das RainPad individuell zu steuern. Temperatur, Wassermenge, musikalische Untermalung und Strahlart lassen sich dabei jederzeit verändern.

GERALD BRANDSTÄTTER ist Geschäftsführer der Agentur CONZEPT-B. www.conzept-b.ch

© Hansgrohe

Die dafür entwickelte Home-App verbindet sich über das heimische WLAN-Netzwerk mit den Hansgrohe-Duschprodukten. Auch über WLAN angedockte Systeme, die bereits im Smart Home Verwendung finden, können Licht und Ton gesteuert werden. Für stimmungsvolle Beleuchtung sorgt bei-

spielsweise Philips Hue. Der passende Duft zum Duschszenario kommt aus dem neuen RainScent-Dufttab-Sortiment. Mit einem Fingertipp auf die App wird das ausgewählte Duschszenario in die Dusche übertragen und dort über einen Play-Knopf gestartet – wann immer einem danach ist.

Das Bad hat sich zu einer individuellen Wohlfühloase entwickelt.

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DAS SPIEGELBILD ERWACHT ZUM LEBEN von Stefan Breit

E

s war einmal eine böse Stiefmutter, die vor einem Spiegel stand und fragte: «Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?» Der Spiegel blieb nicht stumm, sondern konnte zuhören, reden, gar ein Bild ­zeigen – das von Schneewittchen, wie wir alle wissen. Zu­mindest im Märchen der Gebrüder Grimm konnten Spiegel schon vor rund 200 Jahren kommunizieren. Sprechende Spiegel sind heute aber nicht mehr der bösen Stiefmutter aus Schneewittchen vorbehalten. Sie sind in Form von Smart Mirrors Wirklichkeit geworden. Temperatursensoren, Touch-Fähigkeit, Internetverbindung und andere technologische Erweiterungen machen aus dem Spiegelbild mehr als ein simples Abbild ­unseres Äusseren. Momentan werden Smart Mirrors noch vorwiegend in der Mode- und Kosmetikbranche eingesetzt. Bekannte Beispiele dafür sind der MemoryMirror oder ModiFace. Mithilfe von Augmented-Reality-Funktionen können Kleidungsstücke in verschiedenen Farben anprobiert werden, und es lassen sich Beauty­ produkte wie Lippenstifte, Rouge oder Lidschatten testen. Gleichzeitig können Nutzer diese Spiegelbilder auf Social Media teilen und die Beautyprodukte direkt bestellen. Das trifft den Nerv der Zeit – schliesslich leben wir in einer von Schönheit, Fotos und Daten begeisterten Gesellschaft. Unternehmen wie CareOS oder Verse gehen einen Schritt weiter und machen intelligente Spiegel zum persönlichen Assistenten. Er zeigt die Zeit an, lässt den Nutzer Anrufe tätigen und spielt morgens beim Zähneputzen die Lieblingssongs. Bewegungssensoren und ein Mikrofon ermöglichen es, über Sprache und Bewegung mit dem Spiegel zu kommunizieren und Befehle zu geben. Doch die Möglichkeiten der Smart Mirrors sind durch diese Features noch lange nicht ausgeschöpft. Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Informationen sich aus Gesichtern und Körpern herauslesen lassen. Glaubt man StanfordProfessor Michal Kosinski, der durch den Skandal um Cambridge Analytica bekannt wurde, werden Computerprogramme künftig viel aus unserem Spiegelbild ablesen können. Politische Einstellung, sexuelle Orientierung, Intelligenzquotient (IQ), Gesundheitszustand,

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Gefühlslage, kriminelle Neigung oder Charakterzüge – all das soll bald aus wenigen Fotos – oder eben dem Spiegelbild – ersichtlich sein. Klingt wie Science-Fiction im Badezimmer. Doch bereits heute kann man anhand eines einfachen Farbfotos der Netzhaut erkennen, wie alt eine Person ist, welches Geschlecht sie hat oder ob sie in ihrem Leben geraucht hat. Ebenso lässt sich ablesen, wie hoch ihr Blutzuckerspiegel und ihr Blutdruck sind. In Zukunft sollen auch Erkrankungen wie Diabetes, Demenz oder Parkinson mit einem einzigen Blick in die Augen diagnostiziert werden können. Dann wird der smarte Spiegel sozusagen zum medizinischen Helfer und kann dem Arzt direkt wichtige Daten über den Gesundheitszustand seiner Patienten mitteilen. Abgesehen von der technischen Machbarkeit stellt sich natürlich aber auch die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz des Beobachters im Bad. Ist es notwendig, so viele Daten über Personen zu sammeln? Was passiert mit ihnen? Ist die Privatsphäre eines jeden Einzelnen gewährleistet? Diese Fragen muss man sich bewusst machen, besonders vor dem Hintergrund, dass Unternehmen versuchen, den Smart Mirror in den privatesten Raum unserer eigenen vier Wände zu bringen. Klar ist: Im Zuge der Entwicklungen rund um das Smart Home wird der Spiegel mit Strom- und Internetanschluss zu einer immer wichtigeren Benutzeroberfläche. Damit er sich aber tatsächlich durchsetzt, muss er vermutlich mehr können, als der oder die «Schönste im ganzen Land» abzubilden.

STEFAN BREIT ist Researcher am GDI Gottlieb Duttweiler Institut und analysiert gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Veränderungen mit den Schwerpunkten Wohnen, Infrastruktur und Umwelt. www.gdi.ch


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IN NEUE BADEWELTEN TAUCHEN DIGITALE TECHNIK UND DESIGN-TRENDS FÜR DAS BADEZIMMER von Freya Mohr

Wie werden wir in Zukunft unser Bad nutzen? Diese Frage beschäftigt nicht nur Einrichtungsexperten und Trendforscher, sondern auch uns selbst. Kein Wunder, denn Duschgewohnheiten und Baderituale zählen zu den persönlichsten Angelegenheiten im Leben. Entsprechend individuell entwickelt sich die Badgestaltung.

W

ir halten uns rund um das Waschbecken durchschnittlich 40 Minuten am Tag auf. Männer haben es mit 35 Minuten etwas eiliger als Frauen, die 47 Minuten für die Körperpflege und -reinigung aufwenden. Da soll das Ambi-

ente in jedem Fall einladend sein – egal, ob das Bad in der Grösse über dem Mittel von rund neun Quadratmetern liegt oder aber darunter. Hoch im Kurs liegen zudem Zweckmässigkeit und Funktionalität sowie die Eignung zum Wohlfühlen.

Von welchen Strömungen sich Einrichtungskonzepte im Zuge dessen leiten lassen, zeigte im März die ISH 2019, die Weltleitmesse für Wasser, Wärme, Klima. Darüber hinaus machte sie auch deutlich, dass in den gegenwärtigen Wellnessoasen

Von oben oder doch lieber erst ab Schulterpartie, damit Haare und Kopf trocken bleiben: Die aktuellen Duschentwürfe denken an alles.

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© Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) / © Hansgrohe

Dabei wird laut der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e.V. (VDS) mehr denn je experimentiert, und eine positive Einstellung zur Zukunft sowie eine Fülle an Farben prägen das Interieur. Kluge Kombinationen aus Wohlfühlfaktor und Technik finden sich in den Produkten wieder. Gemusterte Fliesen und knallige Dekorationen gehören zu

dem lebensbejahenden Ausstattungsstil. Energiegeladenes Gelb, warmes Rosa, lebendiges Korallenorange sowie Grün und Blau in allen verfügbaren natürlichen Nuancen ziehen allenthalben die Blicke auf sich und verbreiten nicht nur an Wänden, sondern auch auf Möbeln, Armaturen und Accessoires gute Laune. Daneben sind aus dem modernen Bad Naturstein und Holz nicht mehr wegzudenken.

© Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS)  / © Geberit

Moderne und Hightech weiterhin mit traditionellen Werten und bewährten Wasserwirkungen verknüpft werden. Damit wir es noch bequemer und schöner haben, verschmelzen Raum- und Innenarchitektur zu einer Einheit. Ausreichend Tageslicht und eine grosse Badewanne sind konkrete Wünsche für das Badezimmer als neuer Rückzugsort. Auf der Produktseite stehen das Dusch-WC, LED-Beleuchtung sowie die ebenerdige Dusche im Vordergrund. Farben zum Wohlfühlen

Sehr augenfällig ist der Trend zur dunklen Gestaltung. Ein Phänomen, das man schon von der Küche kennt. Ob Schwarz den weissen Bädern, die seit vielen Jahren ungebrochen die Beliebtheitsskala anführen, den Rang ablaufen wird? Fest steht, dass die dunklen Materialien einen hochwertigen und eleganten Eindruck hinterlassen und gut mit anderen Farben kombinierbar sind. Der Trend beschränkt sich nicht nur auf Fliesen oder Möbeloberflächen. Neben Ausstattungsarmaturen präsentieren sich auch Duschflächen, Waschtische und Bade­ wannen in avantgardistischem Schwarz oder Anthrazit, teils zweifarbig mit kontrastierendem Weiss. Passende und sehr exquisite Farbtupfer zum dramatischen Schwarz-Look sind glänzende oder matte Oberflächen in jedem erdenklichen Finish, sei es für die Armatur oder die Rinnenabdeckung in der bodengleichen Dusche. Wer Wert auf Aussergewöhnliches und Edles legt, darf sich mehr denn je auf gebürstete und polierte Metalltöne wie Rosé- beziehungsweise Rotgold, Messing, Kupfer, Goldoptik oder aber Platin freuen. Auch ein Hauch von Lässigkeit macht so eine Stilwelt in «Dark» aus. Da gehört schwarzes Stahlrohr unbedingt dazu, wie zum Beispiel an Möbelwaschtischen und Badewannen, Spiegeln und Duschabtrennungen.

LIEBLING LICHT Ob helle oder dunkle Badwelten: Sie alle lieben und brauchen ausgeklügelte Beleuchtungskonzepte zum Beispiel mit i­ndirekten Lichtquellen für gemütliche Akzente. Hierzu gehören beispielsweise Möbel-Griffleisten, die mit einer dimmbaren Beleuchtung auf sich aufmerksam machen – ein Effekt, der nicht nur den Schränken, sondern dem gesamten Raum heimelige Atmosphäre verleiht. Genauso wichtig wie indirektes Licht ist ausreichendes Tageslicht für die Pflege am Waschtisch. Deshalb erfreut atmosphärische Beleuchtung mittlerweile von der Wanne bis zum WC. Allen voran der

Das Streben nach Gesundheit verhilft dem Dusch-WC zum Erfolg.

Spiegel(schrank) am Waschplatz setzt das Bad und den Nutzer perfekt in Szene. Licht lässt sich zu jeder Tageszeit auf die vorherrschenden Verhältnisse und sogar mentalen Bedürfnisse einstellen. Als Bestandteil einer Smart-Home-Anwendung ist es schon jetzt von jedem Ort abrufbar und somit ein elementarer Faktor für eine gelungene Meditation. Natürlich kann man sich weiterhin einfach an den feinen Proportionen der einzelnen Badelemente, am pulsierenden Wasserstrahl oder an Details wie Schubladen mit Selbsteinzug und praktischer Unterteilung erfreuen – am intelligenten, vernetzten Bad führt trotzdem kein Weg vorbei.

WOHLTUENDES BAD Nicht nur im Hinblick auf Produkte, sondern auch ganz generell wird das Bad 2019 neu gedacht. Eher ausgedient hat es laut VDS-Geschäftsführer Jens J. Wischmann als ein reines Statussymbol. Heute soll das Bad so ausgestattet sein, dass es wertvolle Dienste leisten kann und zur

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Entschleunigung beiträgt. Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Wasser zu. Wo es fliesst, wird es perfekt in Szene gesetzt. Badmöbel, Waschbecken und Badewanne überschlagen sich in ihrem Funktionsangebot sowie in Formen- und auch wieder Farbenvielfalt.

anschluss lediglich in einem kleinen Modul einzubauen. Die Bedienung so einer Duscharmatur ist einfach und erschliesst sich intuitiv: Vorne wird die Wassermenge geregelt und hinten die Temperatur eingestellt.

Für Aufsehen trotz oder gerade wegen ihrer minimalistischen Form sorgen nach wie vor Armaturen aus Designerhand. Ausgangspunkt dabei ist eine universelle Optik, die auf funktionaler wie auch ästhetischer Ebene langlebig sein soll. Dafür verordnen die kreativen Köpfe Schlankheitskuren und reduzieren Gewicht und Grösse, wo es geht. Dank innovativer Technik gelingt es, sogar Thermostat, Absperrventil und Schlauch-

STILLES WASSER

© Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) /©Villeroy und Boch

Beispielsweise ist die runde Badewanne ein Hingucker, aber auch ein grosses Komfortkriterium mit Platz zum Abtauchen ohne Ecken und Kanten. Sinnlicher Hochgenuss ist ebenfalls bei den Duschen angesagt. Deckenbrausen, unter denen man im niemals enden mögenden Regen stehen kann, sind aus dem Bad nicht mehr wegzudenken.

Zudem düst das Wasser überall aus der Wand – neuerdings sogar aus einer praktischen Ablage. So strömt das Wasser erst ab Schulterpartie auf den Körper, damit Haare und Kopf trocken bleiben.

Gleichermassen sind schmale Silhouetten beim (Dusch-)WC gefragt, hauptsächlich, um ihm die Dominanz im Raum zu nehmen. Durch eine ausgefeilte Befestigungstechnik verschwinden aussen alle Schrauben. Innen setzt man auf spülrandlose Konstruktion, Asymmetrie sowie einen nunmehr spiralförmigen Wasserstrom. Der soll für eine besonders gründliche Ausspülung sorgen und obendrein leise sein. Eine intelligente Verschmelzung ist auch die berührungslose WC-Betätigung: Sie bildet mit der Wand ein ästhetisches Ganzes – nichts stört mehr den Blick. Das Dusch-WC findet im deutschsprachigen Raum so langsam Anklang. In Asien gehört dieses WC, dessen Besonderheit unter anderem ein beweglicher Duscharm mit Düse ist, längst zur Standardeinrichtung. Diese Toilette punktet mit hygienischem Komfort und den Vorteilen, die eine Intimpflege mit reinem Wasser bringt. Seitdem es sich äusserlich kaum von einem herkömmlichen Modell unterscheidet, stösst das Dusch-WC hierzulande zunehmend auf Interesse.

ZUKUNFT DIGITALES BAD Die digitale Grundausstattung wird zur Selbstverständlichkeit – wer diesem Gedanken skeptisch gegenübersteht, konnte sich während der ISH 2019 eines Besseren belehren lassen. Alle Lebensumstände der Menschen seien schliesslich einem grossen Wandel ausgesetzt, meint Wischmann. Und: «Wer sagt denn, dass uns Alexa & Co. nicht bald unaufgefordert und ohne unser Zutun das Wasser so darreichen, wie wir es gerade physisch wie psychisch zum Wohlsein benötigen?» Speziell in diesem gesundheitlichen Kontext sehen Experten das Bad unbedingt im grossen gesellschaftlichen Ganzen angesiedelt.

FREYA MOHR ist Redaktorin bei bauRUNDSCHAU. Happy Hour: Diese Möbel-Griffleisten machen mit einer dimmbaren Beleuchtung auf sich aufmerksam.

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Das ist ein sinnlicher Teppichfliesen-Baukasten für Architekten.

ROBUST UND GUT AUSSEHEND RED DOT AWARD 2019 FÜR ECO ROC von Georg Lutz

Der neue Teppichboden von Carpet Concept aus Jacquard-Gewebe besticht mit dreidimensionaler Oberfläche und erhält den renommierten Red Dot Award 2019 in der Kategorie Product Design. Wir stellen den Teppichboden im folgenden Beitrag vor.

A

uf diesen Satz warten viele Wettbewerbsteilnehmer. Das ist auch beim Red Dot Award nicht anders: «The winner is» – den Red Dot Award in der Kategorie Product Design 2019 gibt es für das neue Produkt Eco Roc von Carpet Concept. Eco Roc wurde erst vor wenigen Monaten auf der Orgatec präsentiert, aber verzeichnet schon jetzt eine enorme Nachfrage. Grund dafür ist das beispiellose Design aus hoch strapazierfähigem Jacquard-Gewebe und dreidimensionaler Oberfläche. Sie prägen den neuen und unverwechselbaren Charakter von ROC. Markant zeigt der Jacquard-gemusterte Flachweb-Teppichboden, in welcher Technik er entstanden ist. Schon jetzt wird das umweltschonende und langlebige CSR-Produkt in Arbeitsund Hotelbereichen eingesetzt. Hier überzeugt es mit exzellenten Nachhaltigkeits-, Komfort- und Strapazierwerten, die für den Einsatz in stark beanspruchten Bereichen ausgelegt sind. Mit seinen neuen Farbwelten und unterschiedlichen Formaten bietet er dabei grenzenlose Möglichkeiten, Räume zu individualisieren, Rückzugsorte

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oder Creative Labs zu schaffen. Die umweltfreundliche Fertigung macht Eco Roc zu einem Ressourcen-schonenden Klassiker. Akustisch ausgerüstet hilft er, eine optimale, gesundheitsfördernde Balance in offenen Strukturen zu schaffen. ROC gibt es als Bahnenware und Teppichfliese in verschiedenen Farbnuancen.

CSR REPORTING Corporate Social Responsibility – konsequent verfolgt Carpet Concept seit der Gründung im Jahr 1993 das Ziel, ständig neue und nachhaltigere Produkte sowie Herstellungsverfahren zum Recycling seiner Produkte zu entwickeln. Carpet Concept nutzte schon früh die Möglichkeit, RecyclingProdukte zu verwenden und setzte dies unter anderem mit dem Hersteller Aquafil um. Aquafil sammelt seit 2011 in den Ozeanen der Welt mäandernde Fischernetze und baute ein weltweites Sammel-Netzwerk auf. In einem eigens entwickelten Regenerationssystem wird der Nylon-Wertstoff aus den Fischernetzen neu gewonnen und zu Garn produziert. Mit jeder Tonne gesammelter Meeresabfälle kann Carpet Concept so rund 1 000 Quadratmeter Teppichboden herstellen.

BEWERTUNGSKRITERIEN In diesem Jahr erhielt die Jury Einreichungen aus insgesamt 59 Ländern, sämtliche teilnehmenden Produkte wurden von einer unabhängigen und internationalen Jury über mehrere Tage individuell bewertet. Der Red Dot Award: Product Design steht somit mehr denn je für eines der renommiertesten Evaluierungsverfahren für gutes Design und Innovation. Mit seinen neuen Farbwelten und unterschiedlichen Formaten bietet er grenzenlose Möglichkeiten, Räume zu individualisieren, multifunktionale Flächen, Rückzugsorte oder Creative Labs zu schaffen. Das ist Textilität, die WohlfühlAtmosphäre schafft. Entwerfe Deinen individuellen Ort. Nachhaltig, unverwechselbar, inspirierend. ROC, als Teil der Kollektion Mix, ist ein sinnlicher Teppichfliesen-Baukasten für Architekten.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.carpet-concept.de


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ALLES ANDERE ALS NULLACHTFÜNFZEHN DESIGNBÖDEN DER EXTRAKLASSE FÜR STILVOLLE RÄUMLICHKEITEN von Swenja Willms / HLC

© HLC / BAUHAUS

Stile in Mode, Musik und Einrichtung sind streitbar. Wichtig sind die Authentizität und die Originalität. Denn stilvoll heisst auch besonders. Ein schöner Designboden bildet beispielsweise für den Aufbau einer besonderen Wohnumgebung die ideale Grundlage. Neben den bestehenden Dekoren gibt es immer wieder brandneue Produkte, beispielsweise widerstandsfähige Langdielen.

Weltoffene Grundlage: Stilvolle Designböden sind authentisch und so individuell wie ihre Bewohner.

J

eder Mensch hat seinen Stil, und über Stil lässt sich bekanntlich streiten. Seien es modische Akzente, die bereits vor Jahrzehnten im Trend waren und zwischendurch in der Versenkung verschwunden sind, Musik, die Klänge aus den 1920er-Jahren wieder aufleben lässt oder eine Einrichtung, die jedem Besucher ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Wichtig ist, dass es nicht nullachtfünfzehn ist und nicht von der Stange kommt. Stilvoll heisst auch besonders – und das möchten doch viele, von der Kleidung bis hin zur Ausstattung des Zuhauses. Und da geht der Fussboden als Grundlage voran.

DAS OPTIMALE FUNDAMENT Dafür gibt es auch das Passende für das Darunter. Charakter- und designstarke Edelharz-Modelle lassen einerseits Freiheit zur

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persönlichen Entfaltung und stellen andererseits einen Untergrund dar, auf den in allen Lebenslagen Verlass ist. Neben den bereits bestehenden Dekoren findet jeder aus den verschiedenen Looks und Maserungen sein passendes Pendant. Es gibt auch immer wieder neue Produkte, beispielsweise Langdielen, die Räume stilvoll erscheinen lassen. Dank patentiertem Präzisionsdruckverfahren, das den LaminatModellen eine dreidimensional wirkende Oberflächenstruktur verleiht, und umlaufender V4-Fuge haben die Böden ausserdem verblüffende Ähnlichkeit mit Echtholzdielen. Übrigens werden selbst Menschen, die der Meinung sind, sie hätten zwei linke Hände, überrascht sein, wie leicht sich der Boden in Eigenregie verlegen lässt: Ein spezielles Verfahren sorgt nämlich auch bei Laien für ein handwerkliches

Erfolgserlebnis. Wer stylische QualitätsDesignböden wählt, entscheidet sich auch gleichzeitig für eine hohe Trittschalldämmung sowie für absolute Pflegeleichtigkeit. Denn aufgrund einer Hochleistungsschicht mit einem Vierfachschutz haben weder Kratzer, Schmutz noch Abrieb eine Chance – das gilt auch für Wein, Nagellack und Öl. Die Lebenserwartung von widerstandsfähigem Bodenbelag ist dadurch besonders hoch.

SWENJA WILLMS ist Redaktorin bei bauRUNDSCHAU. www.logoclic.info www.hlc-highlights.de


NATUR VERSUS DESIGN DIE ZWEI BLICKWINKEL IN DER GARTENGESTALTUNG von Swenja Willms

Zwei Trends sind bei der Gartengestaltung zu beobachten. Die Natur spielt häufig die Hauptrolle in der Gestaltung von Aussenräumen. Sie setzt den Kontrast zum hektischen Alltag und macht Flora und Fauna auf kleinem Raum erlebbar. Das «Wildlife Gardening» sorgt hierbei für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur. Die Natur nimmt ihren Lauf, gestaltet den Garten fast ohne Eingriffe des Menschen. Wer aber lieber die Kontrolle behält und dem Design die Oberhand lässt, sucht nach Möglichkeiten, gezielte architektonische Noten zu setzen. Dabei sollte ein Garten nicht isoliert vom Innenraum betrachtet werden. Eine durchdachte Architektur lässt Innen- und Aussenräume miteinander verschmelzen und schafft sowohl eine emotionale wie auch visuelle Verbindung.


Š Winkler Richard Naturgärten


GARTEN

Viele Gartenbesitzer wünschen sich Wasser im Garten.

WILDLIFE GARDENING GARTENGESTALTUNG FÜR MENSCH UND NATUR von Swenja Willms

Gärten sollten ein Ort sein, an dem Mensch und Natur im harmonischen Miteinander leben statt im ständigen Kampf. Für einen erfolgreichen Naturgarten ist das, was man nicht tut, genauso wichtig, wie das, was man tut. Wer aber denkt, ein Naturgarten wäre mit viel Arbeit und Aufwand verbunden, der irrt. Das Gegenteil ist eher der Fall: «Entspanntes Gärtnern» ist angesagt. Nicht jeder Strauch muss akkurat geschnitten und jedes Rasenstück perfekt getrimmt sein. Hier darf auch etwas einfach so wachsen, wie es will. Seite 88 // bauRUNDSCHAU


© Winkler Richard Naturgärten

sonders für schwierige Gartenbereiche, wie trockene und warme Standorte, bietet diese Methode viele Vorteile: Pflanzen, die sich hier von allein ansiedeln, benötigen weder viel Wasser noch grosse Nährstoffvorräte – trotz Blütenfülle brauchen sie wenig Pflege. Und auch unter ökologischen Gesichtspunkten hat eine solche Anlage einen unschätzbaren Wert, denn sie bietet vielen Vögeln und anderen Tierarten einen idealen Lebensraum.

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DER NATUR IHREN LAUF LASSEN Während Biodiversität heute weitum gefordert wird, nimmt sie in der Gestaltung der Gärten von Winkler Richard Naturgärten längst eine zentrale Rolle ein. Gärten, in denen heimische Pflanzen gedeihen, Bienen summen, Vögel zwitschern und Menschen ihre Seele baumeln lassen können. «Natur ist nicht das, was man baut, sondern das, was nach dem Bau im Garten von alleine passiert», sagt Peter Richard von Winkler Richard Naturgärten. Wer jetzt denkt, ein Naturgarten sei reine Wildnis, der irrt. Am Anfang gestaltet ihn der Landschaftsarchitekt, danach gestaltet ihn vor allem die Natur. «Innerhalb eines formalen Rahmens darf sich die Natur weitgehend frei entfalten», erklärt Peter Richard. Zudem ist ein Naturgarten immer ästhetisch und funktional. Eine Mauer ist zum Beispiel Sichtschutz, aber gleichzeitig auch ein Wohnort für Insekten und Eidechsen. Wichtig ist dabei, bei der Gartengestaltung möglichst viele der hiesigen Gewächse zu verwenden und diese nur minimal zurechtzuschneiden. Ein Naturgarten lebt und verwandelt sich mit den Jahreszeiten. Die Pflanzen tragen mal Blüten, mal Früchte. Bienen summen in der Wiese, Vögel sitzen im Geäst und zwitschern.

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rüher bildeten Gärten den Gegensatz zur wilden, ungezähmten Natur. Sie waren ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit. Doch in Zeiten, in denen in unserer Landschaft kaum noch Wildnis zu finden ist, steigt bei vielen Menschen der Wunsch nach dem Unberührten, dem Sich-selbst-Überlassenen. Den antiautoritären oder auch Vagabunden-Garten nennen Landschaftsarchitekten eine solche naturnahe Fläche hinter dem Haus. Hier dürfen Pflanzen ihre Samen verbreiten und sich so einen Platz aussuchen, der ihnen die besten Bedingungen bietet. Be-

Eimer

Kanister

FÜR BADENIXEN UND FREISCHWIMMER Flora und Fauna erfreuen sich beim natürlichen Gartenbau auch an einem Badeteich. Damit sich ein Teich harmonisch einfügt, muss die Topografie des Grundstücks berücksichtigt werden. Wichtig ist auch, den Schwimmteich so zu platzieren, dass er vor neugierigen Blicken geschützt liegt. Wasserelemente, egal in welcher Form, sind jedoch immer Teil eines Gesamtkonzepts. Ziel ist, dass sich die Menschen im Garten geborgen fühlen – Klein wie Gross. Deshalb steht am Anfang jeder Gartenplanung eine eigene Gestaltungsidee. Eine Idee, die persönliche Wünsche

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© Winkler Richard Naturgärten

GARTEN

Naturgärten bieten Flora, Fauna und den Menschen Lebensraum.

mit dem Naturgartengedanken in Einklang bringt. Wie könnte man den Garten gliedern, um seinen Bewohnern Rückzugsmöglichkeiten und Raum zur Entfaltung zu bieten? Wo lassen sich Nischen und Sitzplätze schaffen, um den Garten aus einer anderen Perspektive zu erleben? Das sind Fragen, mit denen sich die Gartengestalter vor jeder Gartengestaltung auseinandersetzen. Höhenelemente, die Durchblicke gewähren und dennoch ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln, spielen dabei eine wesentliche Rolle. Dass mit diesen Gartenzimmern auch Lebensraum für Tiere geschaffen wird, ist so­ zusagen die natürliche Fortführung der Idee:

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Trockenmauern, Wildsträucherhecken und Raumteiler aus gestapelten Holzscheiten sind Orte, die von Insekten, Amphibien und Vögeln als Unterschlupf angenommen werden. Schwimmteiche sind bei jedem Gartenentwurf der Glanzpunkt. Sie sind das ganze Jahr über ein Blickfang. Im Frühling, wenn die ersten Pflanzen spriessen und sich im Wasser spiegeln, im Sommer, wenn Libellen die Blüten umschwirren und selbst im Winter, wenn der Teich gefroren ist und Frost die Samenstände verziert. Die meisten Teichbesitzer fasziniert die Kombination aus einem ansprechend

gestalteten Gartenzimmer und der Möglichkeit, sich dort zu erfrischen. Das kann ein Tauchbecken mit zwei Quadratmetern sein oder ein grösseres Becken zum Schwimmen. Einzige Bedingung ist, dass die Regenerationsfläche gleich gross wie die Badezone ist. Viele Teichbesitzer schätzen es, die Natur im eigenen Garten beobachten zu können: Vögel, Amphibien und Insekten. Die «friedlichen» Insekten wie Libellen wohlbemerkt, denn Stechmücken gibt es kaum, da die Larven von anderen Tieren am Teich gefressen werden. In keinem Fall sollte man Laich mitnehmen und ausset-


©Winkler Richard Naturgärten

Mastergarten von Winkler Richard Naturgärten an der Giardina 2019.

zen, denn Kröten und Frösche sind meist an bestimmte Lebensräume gebunden. Mit etwas Geduld kommen Bergmolche, Grasfrösche, Teich- und Erdkröten ohnehin von alleine. Generell sind Schwimmteiche etwas für Müssiggänger, die im Garten am liebsten nur sein wollen. Hat man im Frühjahr die Pflanzen zurückgeschnitten und den Teich mit einem speziellen Sauger gereinigt, bleibt nichts mehr zu tun. Die Erfahrung zeigt, dass es Teichen umso besser geht, je mehr man sie in Ruhe lässt.

UPCYCLING FÜR GARTENMÖBEL Auch bei der Möblierung des Gartens kann auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Architekt und Segler Enrique Kahle hat mit dem Projekt «DVELAS» eine Outdoor-Linie lanciert, die Upcycling mit Design verbindet. Der Name des Labels ist Wortspiel und Programm zugleich: «Hecho de velas» bedeutet im Spanischen «aus Segeln gemacht». Und genau das ist die Idee, die hinter der Kollektion leichter, aber robuster Klappmöbel steht. Da der überwiegende Teil der ausgemusterten Segel noch bestens erhalten ist,

GARTEN

können die DVELAS-Mitarbeiterinnen, meist ausgebildete Modedesignerinnen, im Schnitt zwei Drittel eines Segels retten. Sie breiten jedes Segel auf dem Boden aus und überlegen, welche Partien sich für welche Modelle eignen. Dabei achten sie besonders auf markante Muster, Zahlen, Nähte und Ösen, die jedes Möbel zum Einzelstück machen. Die zugeschnittenen Teile werden gewaschen, geglättet und anschliessend genäht, bevor sie auf Holzrahmen montiert werden. Somit werden Werkstücke geschaffen, die langlebige Materialien aus dem Schiffsbau mit Funktionalität und Ästhetik verbinden.

SWENJA WILLMS ist Redaktorin bei bauRUNDSCHAU. www.gruenes-presseportal.de www.gartenland.ch www.mygarden.ch www.die-kunst-des-entspanntengaertnerns.ch

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GARTEN

Der Wandgarten zeichnet sich durch dichten Bewuchs aus.

MEHR GRÜNE WÄNDE OPTIK UND RAUMKLIMA VERBESSERN DANK WANDGARTEN von Manuela Olgiati

Ein Wandgarten schmückt nicht nur den Garten und die Wohnung. Als Raumteiler bewirkt er wahre Wunder. Die Firma Neofas AG zeigt, wie einfach ein Stück Natur ins Haus geholt werden kann.

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in Wandgarten verschönert das eigene Zuhause. Er ist eine einfache Lösung, die Natur in den Wohnbereich zu integrieren. Dafür sind nicht einmal besondere Kenntnisse nötig. Ein Wandgarten der Firma Neofas AG lässt sich einfach installieren und mit den Lieblingspflanzen oder verschiedenen Küchenkräutern bestücken. Die Montage einzelner Module trägt viel zu den kreativen Bepflanzungsmöglichkeiten und dem individuell grünen Farbton bei.

Ein Wandgarten draussen oder drinnen eignet sich für verschiedene vertikale oder horizontale Optionen. Eine integrierte Bewässerung leitet das überschüssige Wasser durch das Drainagerohr ab. Hier ist ein temporärer oder fixer Einsatz mit einer Zeitschaltuhr sinnvoll. Dies verhindert wirkungsvoll Staunässe im Blumentopf und ein natürlicher Wasserkreislauf beginnt.

FLEXIBLE SYSTEME

Der vertikale Wandgarten im Haus ist ein optischer Blickfang. Die mit Pflanzen geschmückte Wand kann hervorragend als Raumteiler dienen. Dies kann das Ambiente weit mehr verschönern als manches gemalte Bild. Im Gegensatz zu herkömmlicher Wandbegrünung im Garten, bei der einzelne Pflanzen wie Efeu oder Weinreben eine Wand emporklettern, wird bei Wandgärten eine Vielzahl von Pflanzen übereinander und nebeneinander angeordnet. Das sieht gut aus und auch die Technik überzeugt.

Eine fachgerechte Beratung über die Montage ebnet den Weg zum eigenen Wandgarten. Zum Beispiel ist die Fassadenbegrünung der Neofas auch im Garten leicht montierbar, sehr robust und wetterbeständig, sodass Spalierobst und Kletterrosen auch unter widrigen Bedingungen besonders gut gedeihen können. Ein weiterer Vorteil dieses flexiblen Systems ist ein wahrer Hingucker für die eigenen vier Wände.

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IMMERGRÜN UND PFLEGELEICHT

Ein tragendes Element für alle Einsatzbereiche ist ein Pflanzentopf. Bei dem System der Firma Neofas wird dieser an einem Chromstahlgitter befestigt. Das Gitter lässt sich in einem Chromstahltrog oder an einer Fassade fixieren. Eine Klammer verhindert, dass sich der Pflanzentopf nicht versehentlich oder durch Windstösse von der Trägereinheit löst. Es werden keine weiteren Schrauben oder Klammern für den Pflanzentopf benötigt.

INTEGRIERT BEWÄSSERN Je nach Anlagegrösse oder Pflanzendichte lassen sich die Abstände der Pflanzentöpfe an der Trägereinheit individuell festlegen. Flexibel heisst auch, dass Interessierte einzelne Module entnehmen oder das System durch zusätzliche Module erweitern können. Jeder Pflanzentopf verfügt über ein eigenes Wasserreservoir. Ein weiterer Pluspunkt für besondere Wünsche ist die integrierte Tröpfchenbewässerung, die den Wasserzufluss optimal reguliert.


GARTEN

Noch ein besonderes Augenmerk für Interessierte ist, dass der Wandgarten schon nach der Montage grün ist. Die Pflanzen sind vorgezogen, so ist mit der Installation eines vertikalen Gartens die Wand gleich vollständig begrünt. Dazu werden die Pflanzen relativ dicht gepflanzt, damit nur grünes Blattwerk zu sehen ist.

sen, ist neben den technischen Vorteilen die wohltuende Wirkung von Pflanzen: Ihr Grün verhilft zum Entspannen und Ruhen.

WEITERE VORTEILE

Die Neofas AG in Tagelswangen ist für die ausgeklügelte Fassadenbegrünung eine bewährte Spezialistin. Seit über 30 Jahren entwickelt das Unternehmen zuverlässige Produkte und innovative Lösungen für die Baubranche. Die Kernkompetenz liegt in der Befestigungs- und Fassadentechnik, der Hochleistungswärmedämmung und der Bereitstellung von Speziallösungen für die Baubranche.

Egal, für welche Form von Wandgarten sich der Kunde entscheidet, das Grün der Pflanzen bereichert die Wohnung definitiv. Gerade bei grossen Anpflanzungen macht sich die verbesserte Akustik sogleich bemerkbar und minimiert Hall- und Störgeräusche. Auch das Mikroklima verbessert sich. Die Blätter geben Feuchtigkeit an den Raum ab, dies beugt der trockenen Luft in der Heizperiode vor. Und nicht zu verges-

Die Fassadenbegrünung schmiegt sich an die Terrassenwand an.

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Ein Wandgarten ist Raumteiler und optischer Blickfang zugleich.

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GARTEN

RAFFINIERTES FARBENSPIEL AUF DER TERRASSE HOLZVERBUNDSTOFFE FÜR DEN AUSSENBEREICH von Jana Horn

Eine Terrasse im Aussenbereich ist der Witterung ausgesetzt: Sonne, Regen, Schnee machen ihr zu schaffen. Da braucht es etwas Robustes. Wer auf eine Holzoptik nicht verzichten möchte, kann auf Holzverbundstoffe setzen.

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errassendielen aus Holzverbundstoff haben sich für Garten und Terrasse als pflegeleichte Alternative zu Massivholz etabliert. Sie sind nicht nur witterungsbeständig und langlebig, sondern begeistern auch in puncto Design. Dieser Werkstoff bietet sehr viele Möglichkeiten im Hinblick auf Farb- und Oberflächengestaltung. Die Designdielen der neuen Generation sind nur neun Zentimeter breit und in drei verschiedenen Brauntönen

erhältlich. Durch die unterschiedlichen Farbnuancen ergeben sich beim Verlegen raffinierte optische Effekte. Schon vor 15 Jahren stiess man bei Mydeck auf den damals noch relativ unbekannten Holzverbundwerkstoff Wood Polymer Composites (WPC). «Da es bei Holz-Decks immer wieder Probleme mit Formstabilität, Fäule und Splittern gibt, suchten wir nach Alternativen», so Jana Horn von Mydeck.

Das Material erwies sich in vielerlei Hinsicht als vorteilhaft, nur beim Erscheinungsbild sahen die Experten Verbesserungspotenzial und entwickelten eine Designlinie, die besonderen Wert auf Haptik und Optik legt. Dabei haben sich die Designer von der reizvollen Mehrfarbigkeit von Tropenhölzern inspirieren lassen.

PFLEGELEICHT UND ROBUST Das beeindruckte auch die international besetzte Jury, die die Dielen-Kollektion «Colours» mit dem German Design Award 2019 in der Kategorie «Excellent Product Design» auszeichnete. Sie «interpretieren das dezente Farbenspiel von Tropenhölzern sehr natürlich und lebendig», heisst es in der Begründung zu der Preisverleihung. Die Premium-Dielen «Made in Germany» bestehen zu circa 60 Prozent aus Holz­ fasern. Sie müssen weder gestrichen noch geölt werden und vergrauen kaum. Zudem sind sie rutschfest, salz- und chlorwasserbeständig. Es wird kein Tropenholz verwendet. Das PEFC-zertifizierte Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft und ist schadstofffrei. Der Verbundwerkstoff ist zudem recycelbar. Allerdings gilt: WPC ist nicht gleich WPC. Hier gibt es enorme Unterschiede. Das betrifft die Qualität der Hölzer und Inhaltsstoffe genauso wie die Herstellungsverfahren. So gibt es neben massiven Dielen auch Ausführungen, die im Inneren hohl sind und durch Kälte und Frost instabil werden können.

JANA HORN arbeitet bei Mydeck. www.mydeck.de Durch die unterschiedlichen Farbnuancen ergeben beim Verlegen raffinierte optische Effekte. Seite 94 //sich bauRUNDSCHAU


Mit cooc wird Kochen zum Event.

Die modulare Aussenküche für anspruchsvolle Bedürfnisse. Weitere Informationen finden Sie unter www.cooc.ch


GARTEN

Steht der Bewohner beim Austritt auf die Terrasse unvermittelt unter freiem Himmel, ist er den Wetterkapriolen ausgeliefert.

ZWISCHEN INNEN UND AUSSEN ÜBERGÄNGE VOM HAUS ZUM GARTEN SCHAFFEN von Stephan Lenzinger

Innen- und Aussenräume sollten nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Das Verschmelzen der Innen- mit der Gartenarchitektur verspricht höhere Wohnqualität. Auf diese Weise entsteht ein «Dazwischen» mit emotionalem und ästhetischem Mehrwert.

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it der langsamen Entdeckung des Aussenraumes als erweiterten Wohnraum scheint der Hausgarten seine neue Identität nachhaltig zu festigen. Nicht mehr die Bedeutung als Produktionsfaktor für eigene Lebensmittel wie vor zwei Generationen steht im Vordergrund, sondern der Garten als Quelle für zusätzliche Wohnqualität und stilvollen Genuss. Steigender Wohlstand in den Bevölkerungsschichten, veränderte Lebensgewohnheiten und eine fortschreitende Emanzipation der Bauherrschaft trugen mitunter zu diesem Wandel bei. Es ist anzunehmen, dass die veränderte Betrachtungsweise hin zur Wahrnehmung des Aussenraumes als Teil des Gebäudeinnern weiter voranschreitet. Die logische Konsequenz ist die Aufwer-

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tung der Garten- und Innenarchitektur. Der klassische Architekt könnte dabei an Einfluss verlieren. Denn mit steigenden Landpreisen, bei gleichzeitig enger werdenden Platzverhältnissen, schnelllebiger Arbeitswelt und klimatischen Veränderungen wird die Käuferschaft mehr wollen als bloss ein toller Bau auf der Sonnenseite des Grundstückes platziert. Durch eine lebendige Interaktion zwischen Innen und Aussen mit dem Bestreben, Wohnemotionen und Wohlbefinden zu schaffen und zu fördern, liesse sich deutlich mehr Wohnqualität aus seiner Investition schlagen.

GEDANKEN ZUR AUSNUTZUNG Natürlich ist es nachvollziehbar, dass bei stetig steigenden Bevölkerungszahlen und

teurem Bauland, das Verdichten boomt. Durch die maximale bauliche Ausnutzung der Grundstücke entstehen jedoch häufig geradezu armselige grüne «Restflächen», die kaum noch einen attraktiven Dialog des Aussen- mit dem Innenraum ermöglichen. Boomphasen, in denen nur noch das eine zählt und das andere ausgeblendet wird, sind aber meist schlechte Ratgeber. Zeiten ändern sich, mit ihnen die Menschen und ihre Einstellungen. Die als Jahrhundertprojekt breit angelegten Revitalisierungen der Fliessgewässer lösen die einst ebenfalls als Jahrhundertprojekt bezeichneten Kanalisierungen allmählich ab – um nur ein Beispiel zu nennen! Für Investoren könnte es sich deshalb lohnen, auf Kosten kurzund mittelfristiger Renditen zugunsten lang-


© Stephan Lenzinger

GARTEN

fristig nachgefragter Immobilien auf einen grösseren als gesetzlich vorgeschriebenen Aussenraum zu setzen, auch wenn diese Haltung heute (noch) nicht im Sinne vieler Meinungsführer liegt.

EIN BLICK AUF DIE ARCHITEKTUR Eine durchdachte Architektur trägt viel zum guten Dialog von innen und aussen bei. Eine ungeschickte Positionierung und Ausgestaltung der Baukörper kann die Arbeit der Garten- und Innenarchitekten erheblich erschweren. Wie Andrea Grasser, Innenarchitektin FH und Dozentin an der Fachhochschule Biel, im Gespräch meint, geht bereits mit einer Anordnung der Bauvolumina in Reih und Glied einiges an Spannung verloren. Leider sei dieses Vorgehen bei heutigen Reihenhaussiedlungen zu oft anzutreffen. Eine Architektur jedoch, welche die gerade Linie durchbreche und Nischen ermögliche, fördere einen spielerischen Umgang zwischen innen und aussen.

SIMPLE FORMENSPRACHE Leider kommt die Mehrheit der Architektur einfallslos daher. Die Gebäude erinnern

immer mehr an Container. Vordächer scheinen gar tabu zu sein. Dabei ist das Vordach eine schöne Art des «Dazwischens» und schafft sowohl eine emotionale wie auch visuelle Verbindung zwischen Innen und Aussen, wie die Innenarchitektin bemerkt. Was gibt es Schöneres am Wohnen, als an der Schnittstelle zwischen Wohnzimmer und Garten das Wetter in all seinen Schattierungen in sich aufzunehmen? Fehlt das «Halbdrinnnen» und «Halbdraussen» geht Wohnqualität verloren, denn gewisse Wohnerlebnisse sind nicht möglich. Strömender Regen, sengende Hitze, ein sich abkühlender Abend und vieles mehr sind Wetterphänomene, die in einem halb geschützten Vorraum abenteuerlicher wahrgenommen werden. Hautnah und doch geborgen ist eine Emotion, die der Bewohnerschaft durch architektonische Vorgaben nicht vorenthalten werden sollte. Eine Veranda, ein schlichtes Vordach oder ein zweiseitig mit Mauern überdachter Sitzplatz sind Elemente, die nicht nur das Zu-Hause-Sein zelebrieren, sondern auch das Nach-Hause-Kommen und Von-zuHause-Gehen inszenieren.

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© Stephan Lenzinger

GARTEN

VERDRÄNGTE BEDÜRFNISSE IM GLASPALAST In Verkaufsdokumentationen werden lichtdurchflutete Wohnungen beworben. Die überschwängliche Vorliebe vieler Architekten für gläserne Räume lässt oft Gebäude mit riesigen Fensterfronten entstehen. Diese als zeitgenössische Neubauten gepriesenen Bauwerke widerspiegeln seltener die wahren Bedürfnisse der Bewohnerschaft – die übrigens auf Architekturfotos nie zu sehen sind –, denn die überhöhte Identifikation des Autors mit seinem Werk. Davon zeugen nicht nur verschlossene Rollläden, sondern auch Beratungsgespräche des Garten- und Innenarchitekten mit der Käuferschaft schon bald nach dem Einzug, mit der Bitte an ihre Adresse, gestalterische Korrekturen anzubringen. Denn die Wahrung der Intimsphäre, der Schutz vor Einsehbarkeit und Mithören und der Wunsch nach Geborgenheit sind Grundbedürfnisse, die erfüllt sein müssen, damit sich der Mensch in seinem Wohnraum wohlfühlt. Glas bedeutet nicht nur Aus-, sondern auch Einblicke. Besonders nachts gewährt die Beleuchtung der Innenräume mit der fehlenden Reflexion des Tageslichtes – gewollt oder ungewollt – Einsichten in die Vertraulichkeit der Bewohner. «Gebäude mit riesigen Fensterfronten sind nicht in jeder Umgebung die richtige Antwort. Mit der Architektur des ‹gerichteten Blickes› lässt sich gezielter gestalten», zeigt sich Andrea Grasser überzeugt. Diese Bauweise lenke den Blick mit bewusst gesetzten grossdimensionierten Fenstern auf ausgewählte Elemente des Aussenraumes. Eine schöne Aussicht, ein malerischer Baum oder eine lebendige Strassenszene wird zum besonderen Wohnakzent oder eben zu einem «Dazwischen», welches noch ästhetischer wahrgenommen wird, wenn es auch umgekehrt funktioniert und der Blick vom Garten ins Wohnzimmer durch eine spannungsvolle Einrichtung gefangen bleibt. Einen Leinwand-Effekt stelle sich ein, falls das grosse Fenster mit Vorhängen bestückt werde. Zwar seien Gardinen nicht mehr en vogue, doch «ihre raumbildenden und raumverwandelnden Eigenschaften sind nicht zu unterschätzen», meint die Innenarchitektin. Schliesse man die Vorhänge, verändere sich das Wohngefühl. Je nach Sonnenstand zauberten die Gardinenmuster ein Schattenbild ins Wohnzimmer oder die Gartenpflanzen eines auf die Vorhänge – welch wunderbares Zeugnis einer Interaktion von innen und aussen!

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Wenn innen und aussen miteinander harmonieren, entsteht höhere Wohnqualität, auch auf engem Raum mitten in der Stadt.

UNVORBEREITET IN DEN KLIMAWANDEL? Nehmen wir an, der Klimawandel und die damit einhergehenden Wetterextreme werden in den nächsten Jahrzehnten zu einem den Menschen und seine Lebensgewohnheiten immer stärker beeinflussenden Faktor. Erhält dann die Kundschaft heute für dieses durchaus realistische Szenario von den Planenden die geeigneten Räume? Ein architektonischer Spaziergang durch Neubauquartiere würde interessante Antworten auf diese Frage ergeben. Wenn die Architektur innen und aussen nicht getrennt voneinander betrachtet, es aber als Einheit verschmelzen lässt, entsteht auch in Sachen Mikroklima ein angenehmes «Dazwischen». Steht der Bewohner beim Austritt vom Wohnzimmer in den Garten oder die Dachterrasse unvermittelt unter freiem Himmel, ist er den Wetterkapriolen ausgeliefert. Räumlich gestufte Übergänge zwischen innen und aussen bieten bedeutend mehr. Eine zwischengeschaltete Veranda beispielsweise kombiniert mit einem grosskronigen Baum hat einen aus-

gleichenden Effekt auf das Temperaturgefälle. Auf diese Art verbessert sich nicht nur das Mikroklima; dieses «Dazwischen» eröffnet auch breitere Nutzungsmöglichkeiten und eine wetterunabhängigere Nutzbarkeit. Sind es nicht genau diese Aspekte des «Dazwischens», welche wir für unsere Zukunft fördern müssten, als hoch gezüchtete Applikationen für modernste Haustechnik? Warum? Weil sie dem Zuhause eine menschliche Dimension verleihen, die einfach guttut! Der Artikel ist erstmals in dergartenbau, Ausgabe 5 / 2017, erschienen.

STEPHAN LENZINGER ist Landschaftsarchitekt HTL / FH und Geschäftsführer der menarvis ag. www.menarvis.ch www.dergartenbau.ch


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GARTEN

Das Big Green Egg rückt mit den vielen Möglichkeiten in das Zentrum der heimischen Küche.

DIE IKONE DAS KOCH-EI BIG GREEN EGG IM PORTRÄT von Stephanie Steinmann

Das Big Green Egg ist nicht nur optisch ein Kultobjekt. Auch funktionell haben die sieben Modelle des seit 40 Jahren erhältlichen Hybrids aus Grill, Smoker und Ofen einiges zu bieten. Doch worin liegt der Unterschied zu den herkömmlichen Grills? Die Antwort liegt in der Raumfahrt.

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ahr gewordener Männertraum, aber sicher auch etwas für weibliche Grillenthusiasten, vor allem aber ein Kochgerät, das für einzigartige Geschmackserlebnisse steht: Das Big Green Egg ist seit Jahren ein Kultobjekt.

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Kaum ein anderes Kochgerät hat es geschafft, so viele begeisterte Fans zu finden. Zur Beliebtheit des Gerätes in der Schweiz beigetragen haben Sterneköche wie Andreas Caminada oder Heiko Nieder, die bereits in den Anfängen das Big Green Egg

für sich entdeckten. Offiziell gegründet wurde Big Green Egg 1974 in Atlanta. Der ehemalige Navy-Offizier Ed Fisher hatte die sogenannten Kamado-Kocher in den 50er-Jahren in Japan kennengelernt und später dann in die USA importiert. Ähnlich


GARTEN

Die enorme Wärmespeicherkraft von Keramik wird beim Grillieren optimal genutzt.

wie im Römertopf oder Tandoori-Ofen wird beim Kamado die enorme Wärmespeicherkraft von Keramik ausgenutzt. Ed Fisher, der das Unternehmen heute noch leitet, entwickelte den Kamado weiter und wurde vom Importeur zum Produzenten. Er gab dem Gerät seine typische grüne Farbe. So entstand auch der Name. In den letzten zwei Dekaden sind die Absatzzahlen von Big Green Egg jährlich um über 20 Prozent gestiegen, und das Big Green Egg ist heute in rund 50 Ländern rund um den Globus erhältlich. Der Prototyp des Big Green Egg, «EGGzilla» genannt, steht heute im Big-Green-Egg-Museum am Firmensitz in Atlanta.

HIGHTECH-KERAMIK AUS DEM SPACE-SHUTTLE-PROGRAMM Ed Fisher nutzte bei der Weiterentwicklung des Kamados die im Space-Shuttle-­ Programm gewonnenen Erkenntnisse mit einer dabei entwickelten Hightech-Keramik. Diese spezielle Keramik verfügt über stark isolierende Eigenschaften und unterscheidet das Big Green Egg in Kombination mit den diversen patentierten Einzelteilen noch heute von anderen Kamados. Sie hält extreme Temperaturen und Temperaturschwankungen aus, ist äusserst widerstandsfähig, witterungsbeständig und wärmeisolierend. Das Material dehnt sich weder aus, noch zieht es sich zusammen und reflektiert Wärme, wodurch ein Luftstrom entsteht, der einen positiven Einfluss auf den Geschmack der Gerichte hat. Das Big Green Egg kann das ganze Jahr über benutzt werden: Externe Temperaturen haben dank der wärmeisolierenden Keramik kei-

nerlei Einfluss auf die Temperatur im Innern. Ein Big Green Egg kann mindestens 100’000 Mal erhitzt werden, ohne an Qualität zu verlieren. Das Unternehmen gewährt deshalb auch eine lebenslange Garantie auf das Material und die Konstruktion aller Keramikbauteile.

SPARSAM IM VERBRAUCH VON HOLZKOHLE Das Big Green Egg ermöglicht eine präzise Temperaturwahl, die sich über Stunden halten lässt. Infolge der Luftzirkulation über zwei Belüftungsöffnungen ist die Temperatur mit ein wenig Übung präzise, das heisst auf ein Grad genau, von 70 bis 400 Grad Celsius intuitiv regulierbar. Sie kann wegen der dickwandigen Keramikisolierung lange konstant gehalten werden – auch bei höchsten Temperaturen. Befeuert wird das Big Green Egg mit Holzkohle und erreicht ohne lästigen Anzündkamin und Rauchbildung bereits nach 15 Minuten 300 Grad Celsius. In die Glut herabtropfendes Fett und Marinaden entzünden sich nicht. Nach dem Gebrauch wird die Holzkohle gelöscht und beim nächsten Anzünden wiederverwendet. Somit wird der Umgang mit Holzkohle im Vergleich mit einem konventionellen Holzkohlengerät erheblich erleichtert. Auf dem Big Green Egg kann vier bis zwölf Stunden lang gekocht, grilliert und geräuchert werden, ohne dass Holzkohle nachgelegt werden muss. Dazu braucht das Big Green Egg im Vergleich zu herkömmlichen Grills nur die Hälfte der Kohlenmenge. Beispielsweise kann das Big Green Egg mit drei Kilo Kohle bei Niedertemperatur

ohne Probleme 24 Stunden lang – beispielsweise für Pulled Pork – betrieben werden. Auch wegen der breiten Temperaturskala ist das Gerät für unterschiedliche Kochtechniken geeignet, beispielsweise zum Grillieren, Backen, Kochen, Dünsten, Räuchern und fürs Slow Cooking. Das sogenannte «Römertopf-Prinzip», auch Garen im Keramikklima genannt, ermöglicht, dass das Gargut zart und saftig bleibt. Von der Steinofenpizza oder dem Steinofenbrot, dem saftigen niedergegarten Braten, dem Schoggikuchen oder dem Apfelstrudel – den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Die Isolierung und der fest verschliessbare Deckel sorgen dafür, dass die in den Zutaten enthaltene Flüssigkeit nicht verdampft. Auf diese Weise bleiben die natürlichen Aromen erhalten. Hinzu kommt, dass sich die Hitze im Big Green Egg so gleichmässig verteilt, dass man für ein schön grilliertes Stück Fleisch nicht ständig an einem Spiess drehen muss. Die Steinofenpizza wird direkt auf einem Pizzastein bei rund 400 Grad gebacken. Das dauert keine drei Minuten. Das Resultat: aussen knusprig, innen schön weich.

BEI PROFIS UND AMATEUREN GLEICHERMASSEN BELIEBT Aus Sterneküchen ist das Big Green Egg nicht mehr wegzudenken. Fleisch oder Fisch erhalten im Big Green Egg so etwas wie den letzten Schliff und werden durch die Verwendung von Holzchips zusätzlich aromatisiert. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten machen aus dem Big Green Egg ein wahres Kochwunder und setzen der Experimentierfreude von Profis keine Grenzen. In der Schweiz treffen sich die Fans von Big Green Egg an der Flavour Fair in Aarau. Bereits zum dritten Mal hatte die Big Green Egg’s Flavour Fair dieses Jahr Spitzenköche und Grillfans nach Aarau gelockt. Mit 39 Kochteams und rund 1 000 Besucherinnen und Besuchern zählt der Fan-Anlass zu den grössten Grillanlässen der Schweiz. Die Flavour Fair ist die europäische Variante des «Eggtoberfest», dem Treffen der Eggheads – so werden die Fans des Big Green Egg bezeichnet – in Atlanta. Die tiefe Verbundenheit mit Big Green Egg und ein grosses Interesse am Austausch mit anderen Eggheads existiert also auch in der Schweiz.

Vertrieb Big Green Egg Schweiz | Felsenaustrasse 5 | CH-7000 Chur | Tel. + 41 (0) 81 250 64 12 info@mebo.ch | www.greenegg.ch

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LUFT NACH OBEN DIE SOLARBRANCHE HAT NOCH VIEL POTENZIAL von Georg Lutz

Das Stichwort von der drohenden Stromlücke geistert immer wieder durch die die Schweiz. Auch das Thema von einer Renaissance der Atomkraftwerke wird von interessierter Seite immer wieder auf die Agenda genommen. Das sind aber Geisterdebatten von vorgestern. Die Schweiz bezieht mithilfe immer besserer Energiefänger genügend Kraft von der Sonne, um Solarenergie zur zweiten Säule der Energieversorgung neben der bewährten Wasserkraft zu machen. Die Photovoltaik und die Wärmekraft der Sonne brauchen dazu aber noch einige qualitative und quantitative Sprünge.


UMWELT & TECHNIK

Bei neuen Lösungen strategisch aus dem Gebäude hinausschauen.

DER NEUE DREIKLANG NETZ, GEBÄUDE MOBILITÄT Interview mit Prof. Vinzenz V. Härri von Georg Lutz

Im Zeichen der Digitalisierung und der Herausforderungen der Energiewende wachsen das Gebäude und die Mobilitätslösungen immer mehr zusammen. Es gilt, hier Brücken zu bauen. Hier stellt sich die Frage, wie und wo uns die Wissenschaft weiterhelfen kann.

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ir müssen, im Zeichen der aktuellen Entwicklungen über den Tellerrand hinausschauen. Kann man die Herausforderungen mit solch einem Satz zuspitzen? Ja, insofern als die Fragestellungen systemischer geworden sind. Um bei dem Bild zu bleiben, wenn ich nicht sehe, dass es nebst Gemüse noch ein feines Stück Fleisch gibt, dann verpasse ich einen wesentlichen Teil der feinen Mahlzeit. So vernetzt sich das Auto nicht nur mit anderen Verkehrsmitteln und fährt in einigen Jahren mindestens

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teilweise autonom, sondern wird im Zeichen der E-Mobilität mit dem Haus verbunden. Wie verändert sich dabei die Mobilität? Die Mobilität selber verändert sich wenig, nur der Umgang damit. Die Mobilität wird immer noch etwa die gleiche Anzahl «Zielverschiebungen» pro Person beinhalten, aber der Verkehr wird differenzierter abgewickelt oder wie man sagt, «multimodaler», das heisst, es werden immer mehr verschiedene Verkehrsmittel kombiniert eingesetzt. Die Schnittstellen werden dabei vereinfacht, was begünstigend wirkt. Zudem wird es für Kurzstrecken mehr Langsamverkehr geben.

Mit der E-Mobilität reduziert sich übrigens in der Schweiz bei einer Totalumstellung der Gesamtenergieverbrauch wegen Einsparungen der erdölbasierten Treibstoffe um circa 25 Prozent bei gleichzeitiger Reduktion des CO2 um 80 Prozent! Natürlich gehen von den gewonnenen 25 Prozent wieder fünf Prozent für die zusätzliche elektrische Energie weg, was einer Stromzunahme von 20 Prozent entspricht. Die Herausforderungen der E-Mobilität im Zusammenspiel mit dem Haus werden so vor allem in der zusätzlichen elektrischen Infrastruktur und in der Art der Abrechnungssysteme liegen.


UMWELT & TECHNIK

Auch die einzelne Gebäudehülle ist keine Grenze mehr. Zum Beispiel setzen wir im Quartier vermehrt auf dezentrale Speicherung von Solarenergie. Sicher haben Sie noch weitere Beispiele? Dezentrale Speicher sind für die energetische Betrachtung wichtig. Das Ausweiten der Systemgrenze «Gebäudehülle» heisst aber beispielsweise auch, dass Mobilität gemeinsam geplant wird, sei dies wie heute schon mit Parkplätzen. Dazu kommen aber auch Ladeinfrastrukturen, gemeinsam geteilte Fahrzeugflotten, abgestimmte Anschlüsse mit dem öffentlichen Nahverkehr oder Radfahrwege, die auf Arealebene gemeinsam geplant werden können. Was heisst dies für Architekten, Stadtund Raumplaner? Es besteht ein integraler Auftrag an die Bauplanung, sich nicht nur auf die Anzahl von Parkplätzen und das Einziehen von Leerrohren für spätere Ladeinseln zu beschränken, sondern in grösseren Systemen zu denken. Für Bauvorhaben und Unternehmen braucht es integrale Mobilitäts-

konzepte, die standardisierte Zielsetzungen mit geeigneten, vielfältigen Massnahmen erreichen möchten. Mobilität und Architektur sind dann keine eigenen Welten mehr? Nein. Fachlich gesehen sind das alles total verschiedene Welten mit eigenen Kompetenzen, aber die Schnittstellen werden so bedeutend, dass dies gegenseitig grösste Aufmerksamkeit verlangt und die Mobilitätsaspekte in der Bauplanung aufwertet. Zum Beispiel wird das in Kürze erscheinende SIA-Merkblatt 2060 «Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Gebäuden» genaue Hinweise geben, was E-Mobilität bezüglich Infrastruktur im Bau verlangt. Das tönt jetzt aber nicht mehr nach Richtungs-, sondern Paradigmenwechsel? Architektur und Bau ist nur ein Aspekt der weit reichenden Veränderungen, denn genau genommen handelt es sich um mehrere Paradigmenwechsel: weg von der Einzelsicht hin zur ganzheitlichen Betrachtung,

Mobilität im Rahmen der Digitalisierung (GPS, neue Services oder Apps), weniger Besitz und mehr geteilte Mobilität, Verwendung mehrerer Mobilitätsträger (Multimodalität) und natürlich generell der Trend hin zur nachhaltigeren E-Mobilität. Lassen Sie uns diesen Paradigmenwechsel an zwei Beispielen verdeutlichen? Zum einen im Zeichen der Digitalisierung der Systemzusammenhang zwischen «Tankinhalt» und Energiemanagement zu Hause: mittels Datenübermittlung des Ladezustands der Batterie meines E-Mobils, des aktuellen Fahrzeugstandorts und dem am GPS-System eingestellten Rückweg nach Hause, kann das dortige Energiemanagement ein Optimum zwischen selbst erzeugter PV-Energie und günstig zuge­f ührtem Netzstrom – sofern kurzfristige Tarifsignale realisiert sind – frühzeitig planen, eventuell mittels einem zusätzlichen stationären Speicher. Natürlich erfolgt das alles im Rahmen von Datenschutzrichtlinien.

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Ebenfalls können als Beispiel für die Digitalisierungsstrategien die StauumfahrungSysteme der «Green ITS» (intelligente Verkehrstelematik) aufgeführt werden. Sie können mit Autos kommunizieren, das GPS auf den nächsten Park & Ride-Parkplatz einstellen, die Abfahrtszeit des nächsten Zuges zur gewünschten Zieldestination mitteilen und direkt das Sparbillett auf das Smartphone laden. Früher hatte ich einzelne Messgeräte an der Heizung oder im Auto. Zunehmend wird mein Smartphone zum Scharnier zwischen den Welten. Was heisst dies für unseren Alltag? Meine beiden Beispiele von oben unterstreichen die Bedeutung der Digitalisierung und der Stellung, welche Smartphones hier einnehmen. Man kann dem entnehmen, dass mehrere Welten zusammenkommen: Energieanzeigen, Geoinformationen, Multimedia wie Video, Foto, Audio, Staumeldungen oder Billette-online-Lösen rücken zusammen. Energie habe ich früher von grossen Energieriesen bekommen, heute erzeuge ich sie selber oder im regionalen Verbund. Da werden ganze Branchen durcheinandergewirbelt? In der Tat stehen wir im Zeichen der internationalen Marktliberalisierung des Elektrizitätsmarktes. Für Energiekonsumenten mit einem bedeutenden Energiebezug (100’000 kWh) kann ich das «Stromprodukt» unabhängig vom lokalen Versorger heute schon frei wählen. Diese Entwicklung wird sich bis hin zum kleinen, privaten Einzelbezüger verlagern. Die Branche wird vom Infrastrukturinhaber zum werbenden Anbieter, der mit geeigneten Massnahmen

Professor  Vinzenz V. Härri

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Kundenbindung erreichen will. Das belebt das Angebot moderner Technologien und fördert ganz nebenbei auch die schnelle Wegbereitung der E-Mobilität.

«Die Branche wird vom Infrastruktur­ inhaber zum werbenden Anbieter.» Im Grunde genommen geht es nicht mehr um einzelne Teile oder Bausteine, sondern um vernetzte Systeme. Was bedeutet diese neue Sichtweise? Spannende und ganzheitliche Lösungen. Grössere Systeme bedeuten aber sofort auch komplexere Aufgabenstellungen, welche nach entsprechend ausgebildetem Fachpersonal verlangen. Den Lehren und Hochschulausbildungen kommen hier grosse Bedeutung zu. Jetzt gibt es Treiber und Bremser dieser Entwicklungen. Können diese kurz skizziert werden? Wir denken in für uns gewohnten Systemen, Vertrautes gibt Sicherheit. Alles Neue scheint nicht machbar. Diese sogenannten konservativen Einschränkungen sind nicht zu unterschätzen. Dazu gehört auch der Einwand, wirtschaftlich sei etwas nicht möglich. Dem ist entgegenzuhalten, dass oft Schattenkosten nicht mitberücksichtigt werden – zum Beispiel was kostet eine Klimasanierung? Und dass sich die Kostenstrukturen beim aktuellen technologischen Wandel verlagern. Ein weiteres Beispiel ist aktuell, dass unsere Gewohnheiten nach Fahrzeugen mit grössten Reichweiten verlangen, obwohl wir im Schnitt in der Schweiz bloss circa 37 km pro Tag zurücklegen. Treiber sind demgegenüber die neue Marktchancen und die von der Weltgemeinschaft klimabedingten regulatorisch notwendigen Eingriffe, um für den Planeten Sorge zu tragen. Den Klimawandel gibt es aber, von der Wissenschaft erkannt, seit Anfang der

70er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Was hat sich hier verändert? Man hat mit dem IPCC-Bericht verlässliche Prognosen geschaffen, die mit statistischen Aussagen belegen, dass in den westlichen Ländern bis 2050 80 Prozent CO2 reduziert werden müssten, um eine 50-ProzentChance zu haben, das Klima zu retten. Selbst die moderateren, aktuell verbindlichen europäischen Klimaziele, die auch in der Schweiz aufgenommen wurden, sind ohne E-Mobilität gar nicht mehr zu erreichen. Welche Rolle kann hier die Wissenschaft spielen? Sicher müssen einzelne Fachbereiche hier mehr zusammenkommen? Die Wissenschaft schliesst Lücken auf dem Weg zu neuen Technologien und leistet gerade in Fragen des Systemzusammenspiels Beiträge. Gesellschaftliche Entwicklungen gehen immer mit Technologieentwicklung und der wissenschaftlichen Forschung einher und umgekehrt. Zieht einer dieser drei voraus, ziehen die anderen nach. Bezogen auf unsere Themen hier zeichnet es sich sogar ab, dass sich alle drei Bereiche gleichermassen schnell entwickeln. Und was heisst dies für die Hochschule Luzern? Wir leisten interdisziplinäre Forschungsbeiträge im systemischen Verständnis von Energie und Mobilität. Wir reden von «Gebäude als System» und betrachten hier elektrische und thermische Energiespeicher, effizientes Gebäudeenergiemanagement, Antriebe und EMobilität sowie deren Integration in Smart-Grid Umgebungen. Gleichzeitig sind aber auch raumplanerische Aspekte der Mobilität und bei den Bauingenieuren die Verkehrsinfrastruktur ein Thema. Ebenfalls wird in anderen Departementen der Hochschule Luzern z. B. an «mobiler IT» und «Tourismus und Mobilität» gearbeitet.

PROF. VINZENZ V. HÄRRI lehrt Energietechnik, Spezialgebiet Speicher und Antriebe an der Hochschule Luzern, leitet dort die Themenplattform Mobilität und ist Inhaber von Haerri Partners GmbH in Giswil. www.hslu.ch www.iiee.ch


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KOLUMNE

MEHR ELEKTROMOBILITÄT NUR MIT MEHR SOLARSTROM! von David Stickelberger

I

n der Schweiz stammen 38 Prozent der CO2-Emissionen aus dem Verkehr, und sie nehmen kaum ab – ganz im Gegensatz zum Gebäudebereich, dem grössten Emittenten. Mit der Elektromobilität, so erhoffen sich viele, soll die Trendwende endlich kommen. Gemäss der im Dezember 2018 veröffentlichten Roadmap Elektromobilität des Bundes sollen im Jahr 2022 15 Prozent der Neuzulassungen von Personenfahrzeugen Elektrofahrzeuge sein. Im vergangenen Jahr lag dieser Anteil erst bei 1.7 Prozent. Es gibt also noch einiges zu tun – auch wenn der Tesla Model 3 im März das meistverkaufte Auto der Schweiz war. Eine Umfrage der Universität St. Gallen und Raiffeisen zeigt, dass vor allem fehlende Infrastrukturen in der Schweiz und die geringe Reichweite der Fahrzeuge derzeit gegen den Kauf eines Elektromobils sprechen. Für ein rascheres Marktwachstum braucht es deshalb ein flächendeckendes, qualitativ hochwertiges, nicht diskriminierendes und bestmöglich verfügbares Ladenetz. Mit der «Plattform Ladenetz Schweiz» packt der Verband Swiss eMobility das Problem zusammen mit EnergieSchweiz an. Darüber hinaus hat der Schweizerische Architektur- und Ingenieurverein kürzlich die Arbeiten am SIA-Merkblatt 2060 gestartet, in dem unter anderem energetische Anforderungen, Systemaufbauten und Ausstattungen von Ladestationen aufgezeigt werden sollen. Mit einer Veröffentlichung ist im laufenden Jahr zu rechnen. Das Laden der Elektromobile dürfte also rasch einfacher werden. Mit keinem Wort erwähnt wird jedoch in der erwähnten Roadmap, wie der zusätzliche Strombedarf gedeckt werden soll. Man kann es sich einfach machen wie der Swiss Tesla Owners Club, der sich ein bestehendes Wasserkraftwerk in Brigels gekauft hat und seinen Mitgliedern «blitzsauberen Wasserstrom» für ihre Karossen zur Verfügung stellt. Egal, dass damit keine einzige zusätzliche Kilowattstunde Strom erzeugt wird und damit andere Stromkonsumenten mit importiertem Dreckstrom beliefert werden müssen. Es ginge auch anders. Heute verbrauchen die Verbrennungsmotoren jährlich rund 60 Terawattstunden in Form von

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Diesel und Benzin. Wenn wir nun zur Umsetzung des Pariser Klimaprotokolls diese vollständig mit elektrischen Antrieben ersetzen, so entsteht dadurch ein zusätzlicher Stromverbrauch von 17 Terawattstunden, denn Elektromotoren sind etwa 3.5-mal effizienter als ihre fossilen Kollegen. Gemäss einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Bundesamtes für Energie könnten auf unseren Dächern und Fassaden mit Photovoltaik-Anlagen in einem Jahr 67 Terawattstunden Strom produziert werden – ein Viertel des Flächenpotenzials würde also genügen, um unsere Mobilität (ohne Flugverkehr) auf Solarstrom umzurüsten. Erfreulich dabei ist, dass Autos im Gegensatz zu Gebäuden kaum saisonale Verbrauchsschwankungen aufweisen. Und Autos können gleich noch als Zwischenspeicher für überschüssigen Solarstrom dienen, sofern sie für bidirektionales Laden eingerichtet sind. Was heute noch eine Ausnahme bildet, dürfte bald zum Standard werden. Der jährliche Photovoltaik-Zubau steht leider im krassen Widerspruch zu den Potenzialen: Nach drei mageren Jahren dürften dieses Jahr in der Schweiz erstmals wieder mehr als 300 Megawatt Leistung neu installiert werden. Nötig wäre das Fünffache, damit wir rechtzeitig Diesel, Benzin, Heizöl, Erdgas und Atomstrom ersetzen können. Alternativen gibt es kaum, denken wir etwa an die Schwierigkeiten beim Ausbau der Windenergie. Der Swiss Tesla Owners Club und andere Besitzer von Elektrofahrzeugen könnten ihren eigenen Beitrag mit dem Bau einer Photovoltaik-Anlage leisten. Und wer kein eigenes Dach hat, kann sich an einer neuen Photo­voltaikAnlage beteiligen.

DAVID STICKELBERGER ist Geschäftsleiter Swissolar, dem Schweizerischen Fachverband für Sonnenenergie. www.swissolar.ch


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ZUKUNFTSWEISENDE LÖSUNGEN NEUES BAUEN UND WOHNEN FÜR DIE ENERGIEWENDE von Georg Lutz

© ecocoach AG

Im Rahmen der Energiewende sind smarte Technologien gefragt. Eine Schweizer Lösung zeigt, wie ein Energiesystem Gebäudeintelligenz, Komfort und unabhängige Nachhaltigkeit vereint.

Z

ukunftsgerichtetes Bauen bedeutet ein Gebäude für die gesamte Nutzungsdauer zu konzipieren und neue Technologien, wie E-Mobilität von Anfang an mitzudenken. Es gilt, über den Tellerrand hinauszuschauen. In dieser Gesamtbetrachtung spielt die Nutzungsphase aus Energie- und Komfortsicht die erste Geige. Die Digitalisierung bietet in diesem System eine exzellente Chance, eine gesamtheitliche Lösung zu schaffen. Die Bezugsgruppen haben überschneidende Wünsche, für die Bewohnerinnen und Bewohner sind Nachhaltigkeit und Komfort Schlüsselbedürfnisse, für die Investoren sind selbstredend auch Wirtschaftlichkeit und Wertersteigerung elementar. Die Mission scheint auf den ersten Blick eine klare Angelegenheit: weniger Künst-

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lichkeit und mehr Natur. Die PV-Anlage zaubert Strom aus Sonnenlicht, welches nach Wunsch im Gebäude genutzt oder für E-Mobilität gespeichert wird. Folglich ist alles ganz einfach? Nein, diese Sichtweise ist zu einfach getrickt. Denn gerade beim Strom kommt die Geschichte erst richtig in Fahrt. Zum Beispiel abends, wenn die Sonne nicht scheint und der Geschirrspüler anläuft. Bei der Energieversorgung ist die Entscheidung für grüne Ressourcen nur so viel wert wie das abgestimmte Zusammenspiel; wie das Energiemanagement und dessen Technologie.

DAS THEMA WIDERSPRÜCHE Nachhaltigkeit ist nicht einfach ein «Zurück zur Natur». Das ist eine Sackgasse. Im Gegenteil bei der Energiewende spielt neuste Technologie eine zentrale Rolle. Es geht

keineswegs um die Vergangenheit, sondern vielmehr darum, unsere technischen Errungenschaften ökologisch zukunftsfähig zu machen. Das ist der Anspruch meines Hauses: weniger Stromverbrauch bei zunehmender Digitalisierung, weniger CO2Ausstoss trotz steigender Mobilität und mehr Natur mit Komfort. In der Bauwirtschaft ist dieser Spagat zwischen den vermeintlichen Gegensätzen nur mit ausgereiften Technologien zu schaffen. Ganz konkret erleben wir das beim derzeitigen Zeitalter des Smart Home. Von der Beleuchtung bis zur Sicherheitsanlage, von der Ladestation bis zur Wärmepumpe muss ein durchdachtes Energiemanagement die gesamte Gebäudetechnik zentral orchestrieren. Nachhaltige Immobilien brauchen Energiezentralen, die alle Verbraucher abdecken, Elektromobilität integrieren und beliebig moduliert werden können.


UMWELT & TECHNIK

Nachhaltiges Bauen führt über möglichst hohen Eigenverbrauch in die Autarkie. Letztere ist zwar technisch noch nicht marktreif, doch sie rückt mit einem Batteriespeicher schon ein ganzes Stück näher. Erst dann, mit dem Speichern und dem Management des CO2-neutralen und direkt vor Ort produzierten Stroms wird nachhaltiges Bauen auf der Ebene der elektrischen Energie zur Realität. Das ist die Gebäudetechnik der Zukunft: autark, erneuerbar und automatisiert. Die Bauplanung im Energiebereich ist dementsprechend vielschichtig. Wo es früher lediglich um das Hausanschlusskabel, Sicherungen und Zähler ging, werden heute komplexe All-in-one-Anlagen realisiert. Nachhaltige Immobilien denken selbst, produzieren Strom, regulieren die Heizung und tanken das e-Auto. Doch je häufiger dieser Anspruch Realität werden soll, desto mehr stellt sich die Frage nach einem zentralisierten Energiemanagement.

RAUMGREIFENDER BLICKWINKEL Hier setzt das Schweizer Technologieunternehmen ecocoach an. Mit seinem ganzheitlichen Systemansatz aus einer Hand liefert ecocoach ein zukunftsweisendes System, das gleichzeitig wirtschaftliche und ökologische Anforderungen erfüllt. ecocoach liefert eine Gebäudeautomationslösung mit Energiemanagement und integriertem Speicher. Ausgehend vom Strom der Photovoltaikanlage steuert das System die Energieflüsse optimal, speichert die Energie und nutzt sie im Haus und in der Mobilität. Ein Gebäude mit dem ecocoachSystem erreicht auf Wunsch die Gebäude­ automation-(GA-)Effizienzklasse A gemäss SIA386.111.1 Das Energiekonzept von ecocoach steuert die Stromflüsse sowie die Gebäudetechnik und ermöglicht damit nachhaltiges Wohnen.

Ebene der Liegenschaft spezifisch ausgewertet, visualisiert und abgerechnet werden. Die Elektroladestation ist in das Gesamtsystem integriert und sorgt dafür, dass die persönliche Energiewende auch ausserhalb der eigenen vier Wände Realität wird. Das ecocoach-System hat den Nachhaltigkeitsgedanken in seiner DNA, ermöglicht Gebäude mit maximalem Anteil erneuerbarer Energie und schafft neue Unabhängigkeit.

SKALIERBARES SYSTEM In Seewen SZ steht seit Anfang 2019 das Mehrfamilienhaus Bättigmatt 2 mit neun Miet- und Eigentumswohnungen mit einem errechneten jährlichen Energieverbrauch von 27’500 kWh. Das Mehrfamilienhaus ist als gesamtheitliches Energiesystem mit der ecocoach-Lösung realisiert. Die Photovoltaikanlage mit 64 kW produziert jährlich 54’000 kWh (Basis-Simulationsdaten). Das Augenmerk richtet sich auf die regionale Autarkie, entsprechend werden Batteriespeicher mit einer Speicherkapazität von 130 kWh und einer Wechselrichterleistung von 40 kW eingesetzt. Der ganzjährige autarke Betrieb der gesamten Überbauung

wird durch eine Methanol-Brennstoffzelle mit 10’000-Liter-Speicher und fünf kW gewährleistet. Die Wohneinheiten und die Haustechnik werden durch Gebäudeautomation gesteuert und die Verbräuche digital gemessen, auch die Wärme aus dem regionalen Fernwärmenetz. Das gesamte Energiesystem ist mit der Gebäudeautomation inklusive Smart Home verbunden, und die Verbrauchsdaten werden verschlüsselt in einem Cloud-Portal für die Abrechnung bereitgestellt. Das Gesamtsystem mit Gebäudeintelligenz, Stromspeicher und drei Typ-2-Ladestationen mit 22 kW Ladeleistung sowie Abrechnungslösung für das ZEV liefert die ecocoach AG. Die gesamten Energiekosten für die Bewohnerinnen und Bewohner sind gleich hoch wie bei einem konventionellen Anschluss jedoch mit dem Mehrwert der Unabhängigkeit, der regionalen Autarkie.

ANMERKUNG 1) Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein: Energieeffizienz von Gebäuden – Einfluss von Gebäudeautomation und Gebäudemanagement: www.webnorm.ch/europäische%20normen/architekt/ sia%20386.111/d/D/Product

© ecocoach AG

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UMWELT & TECHNIK

SOLARSTROM IST DIE ZWEITE SÄULE PV-TAGUNG IM ZEICHEN DES AUFBRUCHS von Guntram Rehsche

Zwei Tage geballte Informationen an der diesjährigen Nationalen Photovoltaik-Tagung, die vor allem eines klarmachten: Die Schweiz hat keine Stromlücke und sie braucht schon gar keine neuen Atomkraftwerke. Das Land hat vielmehr genug Sonnenschein, um Solarenergie zur zweiten Säule der Energieversorgung neben der bewährten Wasserkraft zu machen. Das allerdings braucht einen gegenüber jetzt verfünffachten Ausbau der Photovoltaik – wie auch das Wachküssen der Wärmekraft der Sonne.

E

s waren Dutzende von Referenten und ganz wenige Referentinnen, die an den nationalen Photovoltaik-Tagen

in Bern Ende März die Meilensteine auf dem Weg zu einer solaren Schweiz aufzeichneten. Hier eine Auswahl, beginnend

mit dem Abschlussredner, dem hoch dekorierten Becquerel-Preisträger Christophe Ballif, der am CSEM in Neuenburg Solar-

Es gibt noch viele Flächen an unterschiedlichsten Orten in der Schweiz, die noch Solarenergie produzieren können.

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forschung auf Weltniveau betreibt. Er zeigte auf, dass eine radikale Solarstrategie – zuvor schon von Swissolar-Präsident und SPNationalrat Roger Nordmann skizziert – von den Kosten her gesehen weit günstiger als alles andere im Bereich der Energieversorgung zu haben ist. Der Zubau von 45 Gigawatt Solarleistung würde 22 Milliarden Franken erfordern, verteilt über die kommenden Jahrzehnte. Die Kostenersparnis rührt dabei vor allem von den vermiedenen Importausgaben für fossile Energien und gilt im volkswirtschaftlichen Sinne.

SPEICHERN MIT GAS Marko Topic, Vorsitzender European Technology & Innovation Platform PV und UniDozent aus Slowenien stimmte mit Ballif überein: Das Solarzeitalter habe eben erst begonnen. Und es geht unter anderem deshalb schwunghaft weiter, weil sich auch ergänzende Techniken etablieren, so etwa

die Speicherung von Energie aus Sonneund Windkraftanlagen in Gasform. Michael Sterner aus Deutschland leitet eine diesbezügliche Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher. Er hat die Power-toGas-Technologie entwickelt sowie erste Anlagen gebaut. Gibt es davon in seiner Heimat unterdessen bereits über 50, sind es in der Schweiz erst ganz wenige. Aber diese Anlagen stehen bereits an der Schwelle der Kommerzialisierung – und gelten als vielversprechendste Speichermöglichkeit erneuerbaren Stroms – auch für den Winter. Geforscht wird an der Power-to-Gas-Technologie sowie an anderen Speichertechnologien ebenso hierzulande, etwa an der Hochschule für Technik Rapperswil. Für Professor Markus Friedl ist die Energiespeicherung denn auch die grosse Herausforderung der Energiestrategie 2050. Übliche Batterien stellen für ihn die Speicherung über kurze Zeiträume sicher – was Powerto-Gas für die längere Frist ermöglicht.

EIN LEUCHTTURMPROJEKT Eric Langenskiöld von Basler & Hofmann erläuterte an der PV-Tagung seine Erfahrungen der saisonalen Speicherung im Mehrfamilienhaus in Brütten ZH (erstellt auf Initiative der Umweltarena Spreitenbach). Seit Sommer 2016 ist das Haus von Mietern / innen bewohnt. Es bezieht seine gesamte Energie ausschliesslich aus der PVFassade und dem PV-Dach und hat weder Stromanschluss, noch werden andere Energieträger wie Gas, Holz oder Öl zugeführt. Und: Es funktioniert! Nicht nur dieses Pilotprojekt mit einer vollständigen AutarkieLösung illustriert den Gang der Dinge bezüglich Speicherung von Solar- oder Windstrom – für den Schweizer Marktführer Helion ist das Segment der Batteriespeicher (ohne aufwendige Wasserstofflösungen wie in Brütten) zwar noch ein Nischenmarkt, aber einer in voller Entwicklung – vor allem an der Preisfront mit ständig sinkenden Preisen.

UNTERSCHIEDLICHE SICHTWEISEN Ein Technologiesprung ist, wie die PVTagung zeigte, auch im Handel und der Vermarktung von Strom zu erwarten. Dabei kommen die 3-D-Systemveränderungen zum Tragen: Dekarbonisierung (als Abkehr von fossilen Energieträgern), Dezentralisierung (der Erzeugung von Energie) und Digitalisierung. Letztere bezieht ihren Schub

unter anderem von der Blockchain-Technologie, der Robert Bühler das Potenzial zuspricht, gleich den ganzen Energiehandel zu übernehmen, also ähnlich wie im Finanzsektor die bisherigen Drehscheiben (die Banken) auszuschalten. Bühler half das Start-up-Unternehmen Agile Wind Power aufzubauen und ist heute CEO der PeerEnergy AG, welche nichts weniger als den weltweiten Energiemarkt zu revolutionieren gedenkt. Fast schon naturgemäss ist da Michael Frank, Direktor des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE), zurückhaltender. Er plädierte – im Gegensatz zu nicht wenigen Tagungsteilnehmern – für eine vollständige Marktöffnung, die gerade auch den Erneuerbaren zugutekommen soll und parallel dazu für genügend Investitionsanreize für die Erstellung neuer Anlagen sorgen würde. Immerhin bemerkenswert, wie der VSE unterdessen die Energiestrategie mitträgt und damit den erneuerbaren Energien eine bedeutsame Rolle in der künftigen Versorgung zuspricht. Von wegen Versorgungssicherheit: Vertreter des Bundes machten erneut klar, dass Strommangellagen oder Blackouts (von gewissen Kreisen in letzter Zeit immer wieder heftigst beschworen) weit und breit nicht in Sicht seien. Die Energiestrategie bezieht sich bekanntlich nicht nur auf die Stromversorgung. Nullenergiegebäude sollten vielmehr Pflicht sein, so Stefano de Angelis und Maria Mazza von jenem Architektenteam, das im Tessin entsprechend bemerkenswerte Gebäude errichtet hat. Solche Gebäude verfügen in der Regel nicht nur über Photovoltaik- oder Solarwärme-Anlagen auf den Dächern und eine ausgeklügelte Haustechnik. Vielmehr erfolgt die Energiegewinnung auch über die Fassaden, was völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Building Integrated Photovoltaics (BIPV) ist denn auch jene Technologie, die CH-Produzenten selbst im Bereich der Modulfertigung wieder auf die Sprünge helfen soll. Da kann gemäss Francesco Frontini vom Tessiner SolarforschungsInstitut SUPSI auch die Schweiz zumindest im europäischen Massstab wieder eine bedeutende Rolle spielen.

UMSETZUNG IN DER PRAXIS Auch das hat viel mit den hiesigen Forschungsaktivitäten zu tun, die vorstehend bezüglich der Tätigkeit von Professor

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Christophe Ballif Erwähnung fanden, sich aber nicht auf ihn allein reduzieren lassen. Von Bedeutung ist künftig etwa der Einsatz von PV-Systemen mit bifazialen Modulen. Deren doppelseitige Absorption des Sonnenlichts ermöglicht Stromerträge mit «zwei Höckern», wie Forschungsleiter Harmut Nussbaumer von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur (ZHAW) illustrativ erläuterte. Sie sind unter anderem etwa besonders für den Einsatz im Winter bei tiefer stehender Sonne (dafür von Osten und Westen her beschienen) oder auch in den Alpen geeignet. Von allgemeinem Interesse sind die Erkenntnisse zur Langlebigkeit von Solarmodulen. Mauro Caccivio, ebenfalls vom

Die Podiumsdiskussion zum Strommarkt legte unterschiedliche Sichtweisen offen.

SUPSI in Canobbio, berichtete von der Solar-Photovoltaik-Anlage TISO-10, die im Jahre 1982 (als eine der ersten sogar in Europa) an das Stromnetz angeschlossen wurde. Seither wurde ein Satz von 18 Referenzmodulen im Laufe der Jahre regelmässig im Labor getestet – immer mit Bezug

SECHS DENKANSTÖSSE FÜR DEN AUSBAU DER PHOTOVOLTAIK IN DER SCHWEIZ Von Swissolar präsentiert anlässlich der 17. Nationalen Photovoltaik-Tagung vom 26. / 27. März 2019 in Bern 1. Ziel: Für die Umsetzung der Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaprotokoll und für den Ersatz der AKW braucht die Schweiz einen Ausbau auf rund 50 Gigawatt (GW) installierte Photovoltaik-Leistung bis 2050 mit einer Jahres­ produktion von rund 45 Terawattstunden. Diese Leistung kann auf bereits bestehenden Dächern und Fassaden installiert werden. 2. Förderung: Zur Erreichung des 50-GW-Ziels muss der jährliche PV-Zubau um den Faktor 5 auf rund 1.5 GW pro Jahr steigen. Dies kann mit einer optimierten Förderung erreicht werden. Dazu gehört unter anderem die Durchführung von Ausschreibungen für die Solarstromproduktion von Grossanlagen ohne Eigenverbrauch. Nur so kann das heute brach liegende Potenzial auf Lagerhallen, Infrastrukturanlagen und landwirtschaftlichen Dächern genutzt werden. 3. Stromnetze und Versorgungssicherheit: Die Solarstromproduktion von 50 GW installierter Leistung kann ohne grössere Ausbauten ins Stromnetz integriert werden, und die Versorgungssicherheit im Tages- und Jahresverlauf bleibt gewährleistet. Voraussetzung dafür ist, dass frühzeitig geeignete Massnahmen ergriffen werden. Dazu gehören das «Peak shaving» (Abregeln von sommerlichen Produktionsspitzen), die Modernisierung der Wasserkraft, der Ausbau der Wind­ energie sowie der Einsatz von Batteriespeichern und von Power-to-Gas-Anlagen. 4. Tarifliche Anreize: Bei der bevorstehenden Revision des Stromversorgungs­ gesetzes sind die Weichen richtig zu stellen: a. Es braucht einen schweizweit garantierten Rückliefertarif für neue Stromproduktionsanlagen mit erneuerbaren Energien. b. Die Stromtarife sind so festzulegen, dass sie Anreize zur Produktion und zur Energieeffizienz schaffen. Fixe Tarife ohne Bezug zur effektiven Netzbelastung sind deshalb abzulehnen. 5. Gebäude: Der CO2-Ausstoss des Schweizer Gebäudeparks muss um drei Prozent jährlich gesenkt werden. Dazu sollen sowohl die Sanierungen der Gebäudehüllen als auch der Einsatz der erneuerbaren Wärme beschleunigt werden. Öl- und Gas­­heizungen in Neubauten sind möglichst rasch und bei Gebäudesanierungen nach einer Übergangsfrist zu verbieten. Dazu soll aus den Mitteln der CO2-Teilzweckbindung ein Unterstützungsprogramm für den Heizsystemwechsel auf erneuerbare Energien geschaffen werden. 6. Mobilität: Ebenfalls bei der Revision des CO2-Gesetzes sind Massnahmen zum beschleunigten Übergang zur Elektromobilität zu beschliessen.

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zu den Ausgangswerten von 1982. Mit anderen Worten: Die Module liefern nach mehr als 35 Jahren immer noch Strom in beachtlichem Ausmass. In der Umsetzung von Forschungsresultaten ist trotz aller Negativmeldungen bezüglich des wirtschaftlichen Gedeihens das Thuner Unternehmen Meyer Burger (MB) weiterhin Spitze. Forschungsleiterin Bénédicte Bonnet-­Eymard machte klar: Innovation allein genügt nicht, jedes Produkt muss sich auch am Markt behaupten sowohl in Hinsicht auf den Preis wie auch auf den Ertrag und die Einsatzfähigkeit. MB erreichte das in jüngster Zeit mit den neuesten Produktionsanlagen für Hochleistungs-Hétérojonction-Siliziumzellen wieder besser. Wenn am Anfang dieses Berichts der 17. Na­tionalen PV-Tagung der Schlussreferent erwähnt wurde, so sei es am Ende nun umgekehrt. Einleitend hatte der Berner SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus die Ablehnung des Berner Energiegesetzes ausdrücklich bedauert und daran erinnert, dass es in der SVP bezüglich Energie- und Klimafragen auch andere Stimmen gibt. «Jeder in Erneuerbare investierte Franken ist ein gut investierter Franken in die Zukunft», so Neuhaus – allerdings mochten insbesondere Berner Tagungsteilnehmer ihrem Regierungsrat diese Aussage nicht ganz abnehmen, hatte er doch die Vorlage nicht mit der gleichen Vehemenz im Abstimmungskampf unterstützt. ANMERKUNG Dieser Artikel wurde im Auftrag von Swissolar, Schweizerischer Fachverband für Sonnenenergie geschrieben.

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Die Jahresproduktion beträgt rund 53’000 Kilowattstunden.

AKTIVER BEITRAG ZUM KLIMASCHUTZ SOLARFASSADEN AN HOCHHÄUSERN von Reto Westermann

Gerade ältere Wohnhochhäuser können einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Energie leisten. Wird beim Dämmen der Fassaden gleich auch noch eine Photovoltaikanlage installiert, kann nicht nur Heizenergie gespart, sondern gleich auch noch Strom produziert werden. Wie sich das Energiesparpotenzial gewinnbringend nutzen lässt, zeigt das Beispiel eines kürzlich sanierten Gebäudes der Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank in Effretikon.

D

ie Wohnsiedlung Wattbuck in Effretikon ist ein typischer Vertreter des Baustils der 1960er- und 1970erJahre. Mit dazu gehört auch ein Wohnhoch-

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haus mit 13 Stockwerken, das 1968 erstellt und 1982 renoviert wurde. Es gehört der Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank. Das Alter von gut 50 Jahren und auch der

hohe Heizenergieverbrauch von rund 350’000 Kilowattstunden pro Jahr waren Anlass für eine Sanierung der Gebäudehülle, die 2018 / 19 umgesetzt wurde.


UMWELT & TECHNIK

Bei der Ausschreibung der Generalplanerleistung standen für die Bauherrschaft eine gute Dämmung und eine zeitgemässe Optik des Gebäudes im Vordergrund. Den Zuschlag erhielt schliesslich die Arento AG aus Hinwil. Das auf nachhaltige bauliche Lösungen spezialisierte Büro schlug den Verantwortlichen der ZKB-Pensionskasse vor, bei der Sanierung einen Schritt weiterzugehen. Nicht nur sollte die Gebäudehülle gut gedämmt, sondern gleich auch noch eine Photovoltaikanlage für die Stromproduktion installiert werden. Hauptargument der Planer war der Zeithorizont: «Total sanierte Fassaden, wie beim Gebäude in Effretikon, werden erst in 40 Jahren wieder eingerüstet – bis dahin sollte der Gebäudepark im Rahmen der Energiestrategie 2050 des Bundes aber bereits seinen Teil zur nachhaltigen Energieproduktion beitragen», sagt Arento-Geschäftsführer Franz Schnider. Deshalb mache es im Rahmen einer umfassenden Erneuerung Sinn, bereits heute Elemente, wie eine Photovoltaikanlage zu realisieren. «Sonst vergibt man eine grosse Chance oder muss in zehn oder 20 Jahren aufwändig nachrüsten.» Die Ab-

· · · · · · ·

klärungen der Planer zeigten, dass sich das Hochhaus aus mehreren Gründen optimal für die Gewinnung von Solarstrom eignen würde: Erstens könnten Aufgrund seiner Ausrichtung drei der Fassaden solar genutzt werden, so wäre über den Tagesverlauf hinweg eine konstante Stromproduktion möglich. Zweitens liesse sich die Anlage aufgrund der bestehenden architektonischen Gestaltung der Fassade optisch sehr gut integrieren – und zwar in den Brüstungen unter den langgezogenen Fensterbändern, die bis anhin mit Faserzementplatten verkleidet waren. Und drittens wären die Mehrkosten einer klassischen Sanierung nach 19 Betriebsjahren amortisiert – inklusive einmaligem Tausch der Wechselrichter. Ab dann würde die Solaranlage, deren Lebensdauer aufgrund der hochwertigen Module auf 50 Jahre veranschlagt wurde, sogar einen ordentlichen Gewinn abwerfen. Die Argumente überzeugten auch die Bauherrschaft. «Der Vorschlag der Planer passte perfekt zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie», sagt Marcel Konrad, Portfolio

Manager Real Estate bei der Swisscanto Invest by Zürcher Kantonalbank, «deshalb waren wir mit Blick auf den Umweltnutzen gerne bereit, die Mehrkosten für die Solaranlage zu finanzieren.»

FASSADENSANIERUNG WOHNHOCHHAUS WATTBUCK Standort: Im Wattbuck 3, Effretikon Bauherrschaft: Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank Generalplaner: Arento AG, Hinwil Bauleitung: Arento AG, Hinwil Lieferant Solarmodule: Megasol AG, Deitingen Heizenergiebedarf vor Sanierung: 82 kWh / m2 (EBF) Heizbedarf nach Sanierung: 31 kWh / m2 (EBF) Fläche Solarmodule: 470 m2 Jahresproduktion Solarstrom: 53’000 kWh

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Die dunklen Solarlösungen setzen sich optisch passend von der hellen Fassade ab.

OPTIMALE INTEGRATION IN DIE FASSADE Im Rahmen der Sanierung erhielt das Gebäude eine zur schlichten Architektur passende, moderne Gebäudehülle mit einer 18 Zentimeter dicken Dämmung aus Glaswolle. Die nicht solar genutzten Bereiche wurden mit weissen Faserzementplatten verkleidet. Sie passen bestens zu den schwarzen, in der Schweiz produzierten Solarmodulen, die in den Brüstungsbereichen der Ost-, Süd- und Westfassade als Verkleidung angebracht wurden. Insgesamt umfasst die Photovoltaikfläche 470 Quadratmeter und besteht aus 350 identisch grossen Modulen. Die Jahresproduktion beträgt rund 53’000 Kilowattstunden. «Der gute Ertrag zeigt, dass sich hohe Wohnhäuser dank ihrer weitgehend unbeschatteten Fassaden sehr gut für die Stromproduktion eignen. Das Beste

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ist jedoch, dass solche Fassaden vor allem im Winter hohe Produktionswerte haben und so einen wertvollen Beitrag zur Energiewende leisten können», betont Schnider von Arento. Die Abrechnung der Produktion erfolgt nach dem einfachen Eigenstrom-Modell der EKZ: Die Mieter im Gebäude kaufen weiterhin den Strom mit dem von ihnen gewünschten Mix direkt vom Elektrizitätswerk. Die Gebäudebesitzerin wiederum erhält eine Gutschrift für den mit der Photovoltaikanlage produzierten Strom.

BAUTEN MIT GROSSEM POTENZIAL Die Sanierung des Wohnhochhauses auf dem Wattbuck-Areal in Effretikon zeigt beispielhaft, dass gerade die auf den ersten Blick unscheinbaren älteren Gebäude ähnlicher Bauart, die noch in grosser Zahl

überall in der Schweiz zu finden sind, einen wichtigen Beitrag zur Energiestrategie 2050 leisten können. Die bei vielen solcher Bauten anstehende Fassadensanierung bietet die Chance zur Nutzung dieses Potenzials – und das ist gross: Dank des weitsichtigen Handelns von Bauherrschaft und Planern ist beim Gebäude in Effretikon nicht nur der Heizenergiebedarf um 60 Prozent gesunken, sondern wird auch gleich noch der jährliche Strombedarf von gut 15 Haushalten produziert.

RETO WESTERMANN ist diplomierter Architekt ETH und freier Journalist. www.arento.ch


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Das DFAB HOUSE thront rechts auf dem NEST-Gebäude.

DAS HAUS DER ZUKUNFT DIGITALES BAUEN UND WOHNEN IN DER PRAXIS von Freya Mohr

Auf dem NEST-Gebäude der Empa und Eawag in Dübendorf thront seit Februar das DFAB HOUSE. Es ist das weltweit erste bewohnte «Haus», das nicht nur digital geplant, sondern auch weitgehend digital gebaut wurde. Jetzt im Mai sind die ersten Bewohner eingezogen und testen die eingebauten Smart-Home-Lösungen.

E

ine kopfüberhängende Wüstenlandschaft – so lässt sich die feingliedrige, wellenartige Betondecke vielleicht am besten beschreiben. Gegossen wurde sie in 3-D-gedruckten Schalungen; zusammen mit einer geschwungenen, von einem Bauroboter erstellten Betonwand bildet sie das futuristische Wohnzimmer. Zur Beschattung öffnen und schliessen sich

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die Storen automatisch wie von Geisterhand, und den Wunsch nach Pizza muss man nur aussprechen und schon verbindet sich das Smartphone mit dem nächsten Bringdienst. Was wie ein Science-Fiction-Film klingt, ist in Dübendorf Realität: Ende Februar öffnete das smarte und gleichzeitig weitgehend digital geplante und gebaute DFAB HOUSE seine Türen.

RAUS AUS DEM LABOR Das dreigeschossige «Wohnhaus» thront auf der obersten von drei Plattformen im NEST. Auf diesem modularen Forschungsund Innovationsgebäude der Empa und Eawag in Dübendorf können Forschende zusammen mit Industriepartnern neue Bauund Energietechnologien unter realen Bedingungen testen. NEST besteht aus einem


zentralen Gebäudekern, an den unterschiedliche Gebäudemodule – sogenannte Units – andocken können. Eine dieser Units ist nun das DFAB HOUSE. Was die Digitalisierung der Bauwirtschaft betrifft, geht das DFAB HOUSE weit über die digitale Erfassung der Bauwerksdaten und Building Information Modeling (BIM) hinaus – das Gebäude wurde nicht nur digital entworfen und geplant, sondern auch weitestgehend mit digitalen Prozessen gebaut und ist mit neuen Smart-Home-Lösungen ausgestattet. Acht Professuren der ETH Zürich haben für den Bau des DFAB HOUSE mit bekannten Industriepartnern zusammengearbeitet. Im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) «Digitale Fabrikation» haben sie mehrere neuartige, digitale Bautechnologien erstmals vom Labor in reale Anwendungen überführt. Die digitalen Technologien haben zum Ziel, das Planen und Bauen nicht nur effizienter zu machen, sondern auch nachhaltiger. Was die SmartHome-Lösungen angeht, lassen sich diese im DFAB HOUSE unter realen Bedingungen testen, validieren und optimieren.

INTELLIGENTE DECKE Wie genau funktioniert das aber mit der digitalen Planung und den Robotern auf der Baustelle? Bleiben wir bei der anfangs erwähnten gerippten Geschossdecke aus Beton: die Smart Slab, zu Deutsch «intelligente Decke». An den dünnsten Stellen misst sie gerade mal 20 Millimeter und ist nur halb so schwer wie eine konventionelle Betondecke. Das spart auch eine beträchtliche Menge an Material ein. Und gerade hier liegt ein ökologisch nachhaltiger Aspekt. Bisher neigt die Bauindustrie dazu, die immer gleichen Massivdecken zu produzieren, da Beton günstig und reichlich verfügbar ist. Das zieht einen hohen Materialverbrauch und somit eine schlechte CO2-Bilanz mit sich. Mithilfe einer eigens entwickelten Planungssoftware liess sich die Decke im DFAB HOUSE jedoch statisch und strukturell derart optimieren, dass die nötige Stabilität mit weniger Material erreicht wird. «Neu bei der digitalen Fabrikation ist, dass wir nicht nur den Entwurfsprozess und die Berechnungen digital ausführen, sondern auch Teile des Bauens selbst», erklärt Konrad Graser, Projektmanager des DFAB HOUSE, und ergänzt: «Bei der Decke beispielsweise das Drucken der Schalungen.» Bei solch einer komplexen Struktur ist das auch zwingend nötig. Hierzu kam ein 3-D-Drucker zum Einsatz: Im 3-D-Druck macht es keinen Unterschied, wie komplex die Geometrie eines Bauteils ist – der Drucker druckt einfach, was man ihm befiehlt. In diese Negativform liess sich anschliessend ein leistungsfähiger, faserverstärkter Beton giessen, damit sich die komplexe, geometrische Struktur in millimetergenauer Feinheit herauslösen lässt. Es geht darum, neue technische Möglichkeiten aufzuzeigen. Graser erklärt die auffallende, gerippte Decke folgendermassen: «Wir haben eine spezifische Formensprache gewählt, die einfach aufzeigt, wie man mit digitalen Mitteln entwerfen und bauen kann.»

DIGITALE FERTIGUNGSPROZESSE Bei dem Holzbau zeigt sich, dass die neuen Technologien auch in gestalterischer Hinsicht neue Möglichkeiten eröffnen. So sind die beiden oberen Wohngeschosse von Holzrahmen geprägt, die mithilfe zweier Bauroboter fabriziert und in komplexer Geometrie angeordnet wurden. Das roboterbasierte Fertigungsverfahren Spatial Timber Assemblies schnitt die Holzbalken zu und positionierte diese gemäss einem Computerentwurf präzise. So liegt

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Innerhalb von vier Tagen setzten die Bauarbeiter die Smart Slab auf das erste Geschoss des DFAB HOUSE.

getragen. Diese tragende Wand besteht aus einer mit Beton ausgegossenen 3-DGitterstruktur, welche die beiden Funktionen Schalung und Bewährung vereint. Auch das Smart Dynamic Casting gehört zu den erprobten Fertigungsverfahren: Das digital gesteuerte Gleitschalungsverfahren fabriziert massgeschneiderte, individuelle Stahlbetonpfosten, bei denen sich die Geometrie an die geforderte Tragfähigkeit anpasst. Und die transluzente Leichtbaufassade ermöglicht das Einbringen von AerogelGranulat zwischen speziell entwickelten Membranplatten, was eine hervorragende Dämmwirkung hat und Energie im U-Wert von 0.165 einspart.

EIN INTELLIGENTES ZUHAUSE Die eigenartige Deckenstruktur spart Material und setzt optische Akzente.

die Genauigkeit der Balkenplazierung, wenn vier oder mehr Sender den Roboter verfolgen, unter einem Millimeter. Trotzdem wird der Bauarbeiter nicht komplett ersetzt, denn «Schraubverbindung herstellen, fällt dem Menschen mit seiner Geschicklichkeit heute noch viel leichter», weiss Graser. «Wir wollen, dass die Arbeiter auf der Baustelle mit den Robotern kollaborieren können.»

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Diese zwei digitalen Fertigungsprozesse sind natürlich längst nicht die einzigen, die im DFAB HOUSE zur Anwendung kamen. Insgesamt veranschaulichen sechs Innovationen, wie die digitalen Möglichkeiten das Entwerfen und Bauen revolutionieren können. So fertigt der In situ Fabricator, ein mobiler Bauroboter, die Bauelemente direkt auf der Baustelle an. Die Smart Slab wird von einer sogenannten Mesh Mould

Anfang Mai sind vier Bewohnerinnen und Bewohner ins DFAB HOUSE eingezogen. Es handelt sich dabei um akademische Gäste von Empa und Eawag. Sie haben die Aufgabe, die neuen, implementierten SmartHome-Lösungen in der Realität zu testen und zu validieren. Ziel der Firmen ist es, dank konkreter Messdaten aus dem alltäglichen Gebrauch wertvolle Hinweise auf die Machbarkeit und Akzeptanz ihrer intelligenten Lösungen zu bekommen. «Das NEST bietet die Möglichkeit, einen Zwischenschritt zwischen Labor und realem Markt zu


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machen», erklärt Marchesi, Innovation Manager im NEST. Gemäss ihm dämpfe das den Sprung ins kalte Wasser etwas ab – es sei zwar eine reale Umgebung mit realen Menschen in einem realen Bauwerk, aber wenn es nicht genau wie geplant funktioniert, entstehe im DFAB HOUSE erst mal kein Risiko für die Unternehmen. Zu den Smart-Home-Lösungen gehören unter anderem eine intelligente und mehrstufige Einbruchsicherung, automatisierte Blend- und Beschattungsmöglichkeiten, eine webbasierte Regelung von Heiz- und Kühlkreisläufen und die neueste Generation vernetzter, intelligenter Haushaltsgeräte. Die Basis des Smart-Home-Erlebnisses ist die herstellerunabhängige Plattform des schweizerisch-deutschen Unternehmens digitalSTROM. Smarte Lüsterklemmen digitalisieren analoge Geräte, damit diese mit anderen digital vernetzten Geräten zusammenarbeiten können. Über Sprachsteuerung können die Bewohner zudem das komplette Zuhause steuern und Geräte einbeziehungsweise ausschalten oder eine bestimmte Abfolge von Aktionen auslösen.

Ein wichtiger Faktor bei Smart Homes ist immer die Kompatibilität der einzelnen Geräte. Das bestätigt auch Marchesi: «Ein Arbeitsbereich für die Smart-Home-Firmen ist das Thema Interoperabilität. Es geht weniger um einzelne Systeme, um Kochherde oder Lichtsteuerung, es geht mehr um die Frage, wie gut die Systeme zusammenarbeiten. Und zwar aus Nutzersicht.» Im DFAB HOUSE lassen sich durch eine neue Art der Vernetzung Umsysteme und Geräte verschiedener Hersteller erschliessen. Dank dieser können moderne Haushaltsgeräte wie Kochfelder, Backöfen und Geschirrspüler sowie grundlegende Funktionen der Beleuchtung, der Beschattung und der Fensteransteuerung untereinander Betriebsdaten austauschen. «Diese müssen im Hintergrund zusammenarbeiten, ohne dass der Nutzer das merkt», erklärt Marchesi. Was beispielsweise die Storen angeht, sorgen diese automatisch für Beschattung. Allerdings müssen die Bewohner mit dieser Funktion zufrieden sein – im DFAB HOUSE geht es deswegen darum, diesen im Hintergrund laufenden Automatismus zu optimieren.

SMARTES ENERGIEMANAGEMENT Das DFAB HOUSE ist allerdings nicht nur in Bezug auf die Hauselektronik smart, sondern auch was den Umgang mit Energie angeht: Photovoltaikmodule auf dem Dach liefern im Jahresdurchschnitt etwa

BETEILIGTE FORSCHUNGSUND INDUSTRIEPARTNER ETH Zürich, NFS Digitale Fabrikation, ERNE Holzbau, Holcim, Laufen & arwa, Schenker Storen, V-ZUG, ABB, AGITEC, Bürgin Creations, digitalSTROM, Duscholux, Nussbaum, Pfister, Schibli, Stahlton, Securiton, Sika, Welti-Furrer, Zühlke, ENGIE Service, Frutiger, Joulia, Lehni, Meyer, 3Eflow, Carl Meier Sohn, Christenguss, NOE-Schaltechnik, Pemat, Schlatter Industries, Seele, Sommerlatte & Sommerlatte, Stahl Gerlafingen

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eineinhalb Mal so viel Strom, wie die Unit selbst verbrauchen wird. Eine intelligente Steuerung koordiniert alle Verbräuche und sorgt dafür, dass keine Lastspitzen auftreten. Zwei Start-up-Ideen, die von Forschenden der Empa und der Eawag begleitet werden, helfen dabei, zusätzlich Energie zu sparen: Zum einen wird die Wärme des Abwassers, die sonst verloren geht, über Wärmetauscher direkt in den Duschwannen zurückgewonnen. So lässt sich das kalte Frischwasser um 15 Grad vorwärmen und anschliessend muss im Duschmischer 42 Prozent weniger Heisswasser beigemischt werden. Zum Zweiten fliesst das warme Wasser bei Nicht-Gebrauch aus den Leitungen zurück in den Boiler, anstatt in den Wasserleitungen abzukühlen. Diese Methode spart nicht nur Energie und Wasser, sondern vermindert auch die Gefahr von Bakterienbildung in den Leitungen.

BLICK IN DIE ZUKUNFT Das DFAB HOUSE auf dem Forschungsund Innovationsgebäude NEST ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen Forschenden und der Industrie zukunftsweisende Lösungen hervorbringt. Aber wie sieht es mit der Tauglichkeit in der Zukunft aus? Am Ende müssen sich die neuen digitalen Fertigungsprozesse und Smart-Home-Lösungen nicht nur bewähren, sondern auch für die Bauherrschaft finanziell rechnen. Noch zeigt das DFAB HOUSE Prototypen und Erstanwendungen der neuen Technologien. Der Schwerpunkt liegt auf dem Sammeln von Erfahrungen, um auf dieser Grundlage die Technologien weiterzuentwickeln und markttauglich zu machen. Ziel ist es, «dass man mit den Technologien in einem vernünftigen Kostenrahmen bauen kann, aber auch in hoher Qualität», erörtert Graser.

BAUPROJEKTTEAM «DFAB HOUSE» Bauherrschaft: Empa, Eidg. Materialprüfungsund Forschungsanstalt, Dübendorf Konzeption, Entwurf und Objektplanung: ETH Zürich, Nationaler Forschungs­schwerpunkt (NFS) Digitale Fabrikation, Zürich Generalunternehmung: ERNE AG Holzbau, Laufenburg

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Ein Wärmerückgewinnungssystem nutzt die Energie des Duschabwassers.

Dazu gibt es verschiedene weiterführende Projekte mit Industriepartnern, bei denen diese Verfahren weiterentwickelt werden. Graser nennt hier das Smart Dynamic Casting als Beispiel, mit dem die Fassadenpfosten hergestellt wurden. Hier ist die klare Absicht der Industriepartnerschaft, das Verfahren industriell zur Anwendung zu bringen. Für Graser «ist das DFAB HOUSE also nicht das Ende der Geschichte, sondern nur ein Schritt näher an die tatsächliche Umsetzung». Zwar ist die Baubranche dafür bekannt, dass sich die Dinge traditionell etwas langsamer entwickeln, aber auch hier ist er zuversichtlich: «Wir haben bei dem DFAB HOUSE aus erster Hand gesehen, dass das Interesse am digitalen Bauen gross ist und eine Bereitschaft besteht, neue Ideen anzugehen.» Was die SmartHome-Lösungen im Bezug auf Innovationen und Neuheiten betrifft, handelt es sich um relativ reife Systeme, von denen die meisten bereits auf dem Markt sind. Die Ziele, welche die Firmen beim Testen und Validieren im DFAB HOUSE verfolgen, sind daher sehr unterschiedlich: «Die einen möchten die Sicherheit verbessern, andere den User-Komfort, wieder andere sind froh, wenn ihre Lösung überhaupt funktioniert», erklärt Marchesi.

Das nützt natürlich alles nichts, wenn es keinen Markt für die Produkte gibt. «Eine Innovation ist nur dann eine Innovation, wenn sie auch eine Nachfrage erzeugt», weiss Marchesi. Das NEST ist deswegen neben einer technischen Plattform auch eine Kommunikationsplattform. Es geht darum, Menschen aufzuklären, zu sensibilisieren und den Entscheidungsprozess mit Informationen abzustützen. Die Besucher sind hauptsächlich Professionals wie Architekten, Ingenieure, Bauherren und Planer. Wenn es um die Einführung von digitalen Fertigungsprozessen und Smart-Home-Lösungen geht, «entscheiden letztendlich weniger die Privatpersonen», erklärt Marchesi und ergänzt: «Wirklich bewegen können nur die Professionals, die Bauherren oder technische Berater.» Das Wissen zu neuen intelligenten Lösungen finden sie nun im DFAB HOUSE.

FREYA MOHR ist Redaktorin bei bauRUNDSCHAU. www.dfabhouse.ch www.nest.empa.ch/dfabhouse


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INDIVIDUELLE WÄRMELANDSCHAFTEN EIN WOHNTREND, DER SICH DEZENT IM HINTERGRUND HÄLT von Dr. Carola Troll

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Individualismus behauptet sich im Interior-Bereich weiterhin als Megatrend. Das Zuhause soll ein Abbild der eigenen Persönlichkeit sein. In diesen Trend hinein passen flexible Heizlösungen, die aus dem Lieblingsplatz eine Wärmeoase machen, ohne sich optisch in den Vordergrund zu drängen. Nach der Installation so gut wie unsichtbar sind die kohlenstoffbasierten Heizsysteme aus der Carbo e-Therm-Reihe von FutureCarbon. Mit den innovativen Heizlösungen lassen sich individuelle Wärmelandschaften schaffen.

Mit den flexiblen Infrarot-Heizsystemen von FutureCarbon kann man im Haus individuelle Wärmelandschaften schaffen.

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ie eigenen vier Wände erzählen, wer wir sind und was uns ausmacht. Inspiriert von Blogs und den sozialen Medien kreieren wir mit viel Liebe zum Detail unseren Place to be, der unsere Persönlichkeit widerspiegelt. Genauso individuell sollte heutzutage eine Heizung sein. Nach diesem Leitmotto arbeitet das HightechUnternehmen FutureCarbon, das die neuartigen Heizungen unter dem Namen Carbo e-Therm auf den Markt gebracht hat. Die Heizsysteme lassen sich bedarfsgerecht ansteuern und nehmen sich optisch stark zurück.

PURISTISCHE HEIZLÖSUNG Das technologische Herzstück der Produkt­ reihe ist e-Paint, eine kohlenstoffhaltige Dispersionsfarbe, die elektrisch und thermisch hochleitfähig ist. Zur Heizung wird sie, indem ein Handwerksbetrieb die Farbfläche über hauchdünne Kupferbänder ans

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Stromnetz anschliesst. Auf diese Weise lassen sich zu Hause nahezu überall Wärme­ inseln gestalten - neben dem Lesesessel, in einer Nische hinter dem Schreibtisch, sogar an der Decke im Bad oder über dem Sofa. Was für Individualisten und InteriorFans allerdings noch wichtiger sein dürfte: Wenn die Heizfarbe im letzten Arbeitsgang überstrichen wird, verschwindet sie optisch von der Bildfläche, sodass letztlich nicht Heizkörper den Raum dominieren, sondern die Dinge, die uns wirklich wichtig sind. Das gilt auch für die Trockenbauplatte e-Wall. Auf der elektrisch beheizbaren Gipskartonwand ist die Heizbeschichtung bereits vorappliziert. Wer also gerade dabei ist, daheim neuen Wohnraum zu schaffen, kann in diesem Zuge die Heizung gleich mit installieren.

INDIVIDUELL EINSTELLBAR Um sich zu Hause eine individuelle Wärmelandschaft einzurichten, braucht es aber

mehr als nur ein flexibles System, das sich an Wand und Decke anbringen lässt. Es muss auch schnell reagieren, um mit dem Lebensrhythmus seiner Nutzer mithalten zu können. Als Stromheizung bringen e-Paint und e-Wall diese Voraussetzung von Haus aus mit. Anders als wassergeführte Systeme reagieren die modernen Stromheizungen auf Knopfdruck. Innerhalb weniger Minuten ist es spürbar wärmer im Raum, weil die von ihnen abgegebene Infrarotwärme nicht die Umgebungsluft, sondern direkt die Menschen und Gegenstände im Raum erwärmt – so wie die Sonne oder ein Kachelofen. Dadurch lässt sich die Wärme im Alltag spontan abrufen, zum Beispiel im Esszimmer, wenn sich unerwartet Besuch ankündigt, oder im Home Office, wenn der Papierberg zu hoch wird.

SMART-HOME-KOMPATIBEL Flexible Heizlösungen wie die Carbo eTherm sind heutzutage gefragter denn je. Das Heizsystem ist bereits in zahlreichen Wohnungen als Zusatzheizung im Einsatz, in Kombination mit Photovoltaik und Stromspeicher aber auch als Vollheizung in Niedrigenergiehäusern. Gesteuert wird die Raumtemperatur per Thermostat. Die Infrarotheizsysteme kann man aber auch ohne Weiteres in ein Smart-Home-System integrieren.

DR. CAROLA TROLL ist Produktmanagerin bei FutureCarbon. www.future-carbon.de www.carbo-e-therm.de


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DIE CHANCEN DES WANDELS KUNSTSTOFF, (K)EIN IDEALER WERKSTOFF von Eugenie Mathieu

Die extrem lange Lebensdauer von Kunststoff stellt eine ökologische Herausforderung dar. Aus diesem Grund sorgen Verbraucher sich immer stärker um die Umweltverschmutzung durch synthetische organische Polymere. Der folgende Beitrag skizziert die Alternativen und lotet Spielräume aus, wie Investoren auf Veränderung drängen können. Der Handlungsdruck ist da. Die Verschmutzung durch Plastikmüll steigt und birgt Gefahren.

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as Arbeitsleben einer Plastiktüte dauert etwa zwölf bis 15 Minuten.1 Fünf Billionen davon werden dieses Jahr weltweit eingesetzt – das heisst 160’000 pro Sekunde.2 Die meisten werden nur einmal verwendet und weggeworfen, dann beginnt ihr Zerfallsprozess. Werden sie gesammelt und verbrannt, könnte die Zerfallsphase Nanosekunden dauern. Wenn sich die Tüten jedoch selbst überlassen bleiben, brauchen sie dafür 1000 Jahre.3 Dieses Beispiel veranschaulicht das grundlegende Problem der Verwendung von Kunststoff, einem der beliebtesten, künst-

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lich hergestellten Materialien, welches jemals erfunden wurde. Seit ihrer Markteinführung in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts werden weltweit billige, verformbare, langlebige Produkte aus fossilen Rohstoffen (einschliesslich Rohöl, Erdgas und Kohle) verwendet. Von Baumaterialien und Lebensmittelverpackungen bis hin zu Spielzeug, medizinischen Geräten und Kosmetika – Kunststoffe sind allgegenwärtig. Beweise liegen am Boden des tiefsten Meeresgrabens der Welt 4, in den Mägen von Kamelen5, in den Eingeweiden von Seevögeln6 und auch in Lebensmitteln und im Leitungswasser 7.

ABKEHR VON DER LINEAREN RESSOURCENNUTZUNG Die Erkenntnis, dass Kunststoffe einschneidende Auswirkungen haben, führte zur Forderung, der verschwenderischen, linearen Ressourcennutzung ein Ende zu setzen. Im Mittelpunkt stehen dabei Einwegprodukte wie Trinkhalme oder schwer recycelbare Lebensmittelverpackungen. Ziel ist es, eine umweltbewusste Kreislaufwirtschaft aufzubauen, vielleicht durch Besteuerung von neu erzeugten Kunststoffen (eine Massnahme, die im Oktober 2018 in Grossbritannien ergriffen wurde) und durch Verwendung von Alternativen.


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Recyclingbranche Schwierigkeiten haben, beginnen einige der grösseren Abfallerzeuger der Welt, mehr Verantwortung zu übernehmen. «Die Welt hat ein Verpackungsproblem», so James Quincey, Präsident und Geschäftsführer von Coca-Cola. «Wir müssen, wie alle anderen Unternehmen auch, zur Lösung des Problems beitragen.» Das Unternehmen schlug kürzlich eine Vision für eine utopische, «abfallfreie» Welt vor, in der es bis 2030 das Äquivalent aller seiner Verpackungen sammeln und recyceln will.9 Angesichts des Ausmasses des Problems erscheint dieser Plan als sehr optimistisch. Aber die Absicht ist gut. Coca-Cola hat sich einer Gruppe von Unternehmen angeschlossen, darunter Mars und Unilever, die sich mit einem möglicherweise rufschädigenden Thema auseinandersetzen. Sie setzen sich ehrgeizige und messbare Ziele in Bezug auf die Wiederverwertung: Coca-Cola hofft nun, dass eine in einem Geschäft verkaufte Kunststoffflasche in sechs Wochen verwendet, gereinigt, recycelt, erneut abgefüllt und wieder ins Regal gestellt werden kann.10 Dennoch setzt der beschleunigte Wandel wohl konzertierte Massnahmen voraus. «Der Kunststoffeinsatz ist nicht mehr ein nebensächliches Anliegen, sondern steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit», sagt Abigail Herron, Global Head of Responsible Investment bei Aviva Investors. Seines Erachtens hat der BBC-Dokumentarfilm «Blue Planet» der Öffentlichkeit besonders wirkungsvoll die Augen geöffnet.

Die Umstellung ist nicht einfach, da die Kreislaufwirtschaft bisher nicht funktioniert. Ein Grossteil des für die Wiederverwertung gesammelten Materials wird aufgrund von Kontamination und fehlerhafter Sortierung nie verwendet. Gleichzeitig hat China seine Türen für nicht im Inland produzierten Müll geschlossen. Das Land war einst Ziel von rund 60 Prozent der Kunststoffabfälle der G7.8 Heute werden die Abfälle in andere Länder gesandt, etwa Vietnam und Malaysia. Dennoch dürften in den Industrienationen immer mehr Müll auf Deponien oder einfach in der Umwelt landen. Da die globale Abfallwirtschaft und die

«Um Bedenken in konkrete Massnahmen umzusetzen, müssen die Politiker das Äquivalent eines Montreal-Protokolls für Kunststoffe schaffen», betont Steve Waygood, Chief Responsible Investment Officer von Aviva Investors. «Diese Vereinbarung gab den Anstoss zur Idee, die ozonschädigenden Chemikalien 1987 zu kontrollieren. Wir brauchen etwas Ähnliches für Kunststoffe und für Investoren, um den Druck durch die Zusammenarbeit mit grossen Kunststoffherstellern und -verbrauchern aufrechtzuerhalten.»* Unterdessen werden Anstrengungen unternommen, um Altlasten durch neue Reinigungstechnologien zu beseitigen, wie zum Beispiel die innovative mobile Ozeankehrmaschine – genannt System 001 –, die den Pazifischen Ozean nach Abfall absucht.12

Diese Bemühungen sind allerdings lediglich ein Tropfen auf den heissen Stein und gehen nur einen winzigen Teil des Problems an. Das viel grössere Problem besteht darin, den Kunststoffverbrauch insgesamt zu reduzieren und Ersatz für erdölbasierte Polymere zu finden.

POTENZIALE VON BIOKUNSTSTOFFEN Biokunststoffe stehen im Mittelpunkt des Interesses, insbesondere Kunststoffe aus erneuerbaren Quellen, etwa pflanzliche Stärke aus Zuckerrohr, Holzzellulose, Maisstärke oder Knollen wie Süsskartoffel. Einige haben einen besonderen Vorteil: Unter den richtigen Bedingungen, mit ausreichend Wasser und einer entsprechend hohen Temperatur, können Bakterien sie in ihre wesentlichen Bestandteile zerlegen. Dennoch sind sie keine perfekte Lösung. Man darf nicht vergessen, dass diese alternativen Kunststoffe das Problem der Meeresverschmutzung nicht lösen oder das weitere Vermüllen verhindern. Biokunststoffe werden im Meer nicht abgebaut, sie brauchen höhere Temperaturen und mehr Sauerstoff, deshalb tragen auch sie zur Verschmutzung der Meere bei. Selbst kompostierbare Kunststoffe benötigen die warmen, sauerstoffreichen Bedingungen, die nur industrielle Kompostierungsanlagen bieten. Zweitens führt der Ersatz von Kunststoffen durch Bio-Materialien wie Mais oder Zellstoff, ohne das Problem der Abhängigkeit von Einwegkunststoffprodukten anzugehen, einfach zu anderen Problemen wie der Entwaldung. Trotz der offensichtlichen Einschränkungen glauben einige Analysten, dass Biokunststoffe bis 2030 einen erheblichen Anteil am Polymerverpackungsmarktes erobern können. Sie erwarten einen Sprung von den heutigen drei bis vier Prozent auf etwa 40 Prozent.13 Warum dürfte es so lange dauern? Hasso von Pogrell, Geschäftsführer European Bioplastics, glaubt, dass ein Wandel möglich ist, doch nur, wenn wir unsere Einstellung ändern: «Für fast jeden herkömmlichen Kunststoff und jede herkömmliche Anwendung ist eine gleichwertige oder sogar überlegene Alternative aus Biokunststoffen verfügbar», so Fischler in einem im Juli 2018 veröffentlichten Artikel für das Magazin des Europäischen Parlaments.14

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Formelle Bewertungen des Substitutionspotenzials, die vor acht Jahren in Biofuels, Bioproducts and Biorefining veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass etwa 90 Prozent der konventionellen Kunststoffe ersetzt werden könnten. Zudem hat sich das Produktuniversum seitdem rasch weiterentwickelt.15 Wenn die Umstellung parallel zu einem besseren Recycling beschleunigt wird, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf den Markt haben. McKinsey Energy Insights hat beispielsweise die potenziell disruptiven Auswirkungen auf den Ölmarkt aufgezeigt. Falls das Recycling von Kunststoffen deutlich zunimmt, wie viele hoffen, könnte die Ölnachfrage bis 2050 um etwa 25 Prozent sinken.16 In der Zwischenzeit werden die sogenannten Biokunststoffe der zweiten Generation weiterentwickelt. Dazu zählen auch die von der nationalen Landwirtschaftshochschule in der Ukraine angekündigte Lebensmittelverpackung aus geniessbarem «Kunststoff».17 Zu den neuen Produkten gehören Becher und Strohhalme aus Algen und Stärke. Sie zersetzen sich schnell: Beispielsweise dauert es 21 Tage, bis ein Becher verschwindet. Aber wenn Sie das Produkt schneller entsorgen wollen, können Sie es essen; der Stärkemix soll ähnlich wie al dente gekochte Nudeln schmecken.

Wesentlichen um herkömmliche Kunststoffe, die jedoch so hergestellt werden, dass eine abnehmende Widerstandsfähigkeit gewährleistet ist. Die Zeit bis zur Zersetzung kann je nach der erwarteten Verwendungsdauer der Produkte abgestuft werden. Das kann für einen Plastikbeutel nur ein Monat sein oder länger für Ballengarn, das in der Landwirtschaft bei der Ernte eingesetzt wird. «Für den Abbau brauchen wir weder Feuchtigkeit noch Hydrolyse», erklärt Michael Laurier, Geschäftsführer und Gründer von Symphony Environmental Technologies. «Unser Auslöser ist Sauerstoff.» Dementsprechend gross ist das Interesse in Exportmärkten wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo es nun verboten ist, Waren oder Verpackungen, die nicht oxo-biologisch abbaubar

sind, zu exportieren. Im Wesentlichen versuchen diese Länder, die etablierte petrochemische Industrie zu erhalten und das Müllproblem direkt anzugehen. In Europa ist die Akzeptanz von oxo-biologisch abbaubaren Produkten nicht so klar. Sie wurden wissenschaftlich hinterfragt und die Gegenargumente erneut infrage gestellt. Bis heute gibt es keine eindeutigen Beweise dafür oder dagegen. Der Kern der Sache sind die winzigen, persistenten Partikel, die schädlich sein könnten. Michael Laurier weist diese Einwände zurück. «Die Leute sagen: Sie schaffen Plastikfragmente. Wir antworten: Nein, tun wir nicht. Es ist ein kontinuierlicher Prozess des Wandels, der ziemlich schnell verläuft. Es setzt die Umstellung von Kunststoff auf biologisch abbaubare Materialien voraus.

Dennoch gibt es keine «idealen» Lösungen, und es können weiterhin komplexe Kompromisse erforderlich sein. Bislang kosten Biokunststoffe bis zu dreimal so viel wie Produkte, die aus den Nebenprodukten der Ölraffination hergestellt werden, obwohl sich die Kostendynamik mit zunehmendem Prozessumfang ändern wird.18 Die Umstellung auf «Biokulturen» setzt landwirtschaftliche Flächen, Wälder und Wasser unter Druck. Zudem wird aufgrund der Zersetzung der Fertigprodukte rasch Kohlendioxid freigesetzt. (Auf alle diese Punkte wies der ehemalige britische Chefwissenschaftler John Beddington bereits im Jahr 2009 hin.19) Und natürlich lösen Biokunststoffe kein Müllproblem in trockenen Gebieten, wo es zwar hohe Temperaturen, aber nicht genügend Niederschläge gibt, um den Zersetzungsprozess in Gang zu setzen. In diesen Gebieten interessiert man sich für oxo-biologisch abbaubare Produkte – Kunststoffe mit kontrollierter Lebensdauer. Bei diesen Produkten handelt es sich im

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Es gibt aber Alternativen, die auch in konkrete Geschäftsmodelle Eingang finden.


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Am Ende – das ist der positive Teil – wird der Kohlenstoff wieder vom Ökosystem eingefangen.»

SIEGER UND VERLIERER IN EINER KUNSTSTOFFBEWUSSTEN WELT Wenn über 50 Prozent aller Verbraucherverpackungen weltweit aus Kunststoff sind, aber die Konsumenten diese Verpackungen nicht mehr nachfragen, wird sich das Angebot in Zukunft zweifelsohne anpassen. Was bedeutet das für die Branche weltweit, die aus Tausenden von Unternehmen besteht? Für manche gewiss magere Zeiten. Die Nachfrage nach Kunststoff aus fossilen Rohstoffen dürfte unvermeidlich zurückgehen. Das Tempo, in dem dies geschieht, hängt zum Teil von den umweltpolitischen Massnahmen (einige Länder haben bereits

vollständige Verbote und / oder Geldstrafen für Einwegprodukte eingeführt) und vom Ölpreis selbst ab. Bleibt der Preis niedrig, hat die Umstellung sehr wahrscheinlich eine längere Zeitachse. Umgekehrt wird erwartet, dass Biokunststoffe ebenso wie oxo-biologisch abbaubare Produkte in bestimmten Ländern ausserhalb Europas immer mehr Anklang finden. Im Biobereich sind Unternehmen gefragt, die im Rahmen der Umstellung auf die Kreislaufwirtschaft niedrige Abfallmengen produzieren. In den USA beispielsweise verspricht Renmatix (ein privates Unternehmen, in das die Venture-CapitalSparte von BASF investiert hat) kostengünstigere Lösungen mit Zuckerrohrabfällen oder Stroh,20 während andere Firmen Abfälle aus landwirtschaftlichen Rohstoffen verwenden.21 Derzeit gibt es jedoch nur wenige

börsennotierte Unternehmen, in die man in grossem Umfang investieren kann. Mit Anlagen in Unternehmen, die Holz­ produkte wie Wellpapier herstellen, kann leichter in umweltfreundlichere Verpackungen investiert werden. Diese Produkte lassen sich einfacher recyceln als herkömmlicher Kunststoff. Zudem kann die Zellulose mehrfach verwendet und wiederverwendet werden.22 Dem britischen Portfoliomanager für Aktien bei Aviva Investors, Trevor Green, zufolge kommt Unternehmen, die recycelte Wellpappverpackungen herstellen, die Abkehr von Einwegprodukten aus Kunststoff zugute. «Die meisten Käufer sind bereit, mehr für nachhaltig verpackte Waren zu zahlen»,

Eine Welt ohne Plastik ist aktuell kaum vorstellbar.

Ausgabe 02/2019 // Seite 131


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so Green. «In Europa führt dies zu kunststofffreien Zonen. Diese Dynamik dürfte in absehbarer Zukunft wesentlich zum Wachstum der Nachfrage nach Wellpappe beitragen.» Die positiven Ertragsprognosen führten dazu, dass die KGV der Wellpappe-Hersteller im 1. Halbjahr 2018 stiegen (zum Beispiel DS Smith, UK: 14.5; Klabin, Brasilien: 16.6; Orora, Australien: 19) 23, bevor die Märkte in der zweiten Jahreshälfte wieder nachgaben.

FAZIT Die angesprochenen Veränderungen signalisieren einen tiefgreifenden Wandel der Verpackungslandschaft. Die Unternehmen in der herkömmlichen Kunststofflieferkette – von den Anbietern chemischer Rohstoffe über die Verpackungshersteller bis hin zu den Abfallentsorgern – müssen sich weiterentwickeln. Effektive Lösungen für das Kunststoffproblem setzen drei Dinge voraus. In erster Linie die Verringerung des Kunststoffverbrauchs, insbesondere durch Förderung der Wiederverwendung und die Abwendung von Einwegprodukten. Wo dies nicht möglich ist, brauchen wir nachhaltigere Alternativen. Am besten sind leicht recycelbare und wiederverwendbare Kunststoffe. Sollte dies nicht umsetzbar sein, beispielsweise in der Lebensmittelverpa-

ckung, dürften oxo-biologisch abbaubare Kunststoffe nützlich sein. Drittens müssen wir unsere Recyclinginfrastruktur erheblich verbessern und die Nachfrage nach recycelten Kunststoffen erhöhen.

10) Our plan to recover and recycle every single can and bottle the Coca-Cola System sell: www.coca-cola.co.uk/blog/our-plan-to-recover-and recycle-every-single-can-and-bottle-we-sell

ANMERKUNGEN * Mit Blick auf das Engagement der Aktionäre schloss sich Aviva Investors der Initiative As You Sow an, die darauf abzielt, die Zusammenarbeit zwischen Interessengruppen in Umweltfragen zu fördern. 11 Zu den wichtigsten Prioritäten gehören die Konzentration der börsennotierten Unternehmen auf den verantwortungsvollen Einsatz von Verpackungen sowie die Förderung besserer Recycling- und Kompostverfahren.

12 ) The Ocean Cleanup: www.theoceancleanup.com/updates

1) United Nations Development Programme. 20 ways to plastic proof your routine: https://medium.com/@UNDP/20 ways-to-plastic-proof-your-routine-cb923546f0e7 2) The world counts: http://www.theworldcounts.com/ counters/waste_pollution_facts/ plastic_bags_used_per_year 3) 20 ways to plastic-proof your routine, UN Development Programme, May 23, 2018: https://medium.com/ @UNDP/20-ways-to-plastic-proof-your routine-cb923546f0e7 4) Single-use plastic has reached the world's deepest ocean trench, UN environment, 18 April 2018: www.unep-wcmc.org/news/single-use-plastic has-reached-the-worlds-deepest-ocean-trench

11) As You Sow Launches Investor Alliance to Engage Companies on Plastic Pollution: www.asyousow.org/blog/2018/6/14/ as-you-sow-launches-investor-alliance-to engage-companies-on-plastic-pollution 13) Schroders. Plastic phase-out: which companies will be most affected. 20  April 2018 14) Europe’s bioplastics industry needs a level playing field. The Parliament Magazine. 6 July 2018 15) L. Shen, E. Worrell and M. Patel. Biofuels, Bioproducts and Biorefining, 2010, 4(1), 25–40 16) McKinsey Energy Insights, 2017 17) Ukrainian edible plastic bag wins award. BBC. 19 October 2018: www.bbc.co.uk/news/ blogs-news-from-elsewhere-45912539 18) Symphony Environmental Technologies. 19) Frontiers in sustainable agriculture: putting your money where your mouth is: www.longfinance.net/media/documents/ frontiers-in-sustainable-agriculture_jXOR7v9.pdf 20) BASF participates in US American technology company Renmatix: http://renmatix.com/products/announcements/ basf-participates-in-renmatix 21) US Bioplastics: www.usbioplastics.com/about-gatoresin

5) Camels continue to die of plastic in the desert: www.plasticsoupfoundation.org/en/2018/01/ camels-continue-to-die-of-plastic-in-the-dessert/

22) DS Smith Capital Markets Day 2018/19: www.dssmith.com/investors/results-and-presentations/ 2018/10/ds-smith-capital-markets-day-201819

6) People apparently eat and drink micro plastics – effects unknown, Bloomberg, 2 November 2018: www.bloomberg.com/opinion/articles/2018-11-02/ people-apparently-eat-and-drink-micro-plastics effects-unknown

23) Morgan Stanley Plastic Report. May 2018.

7) Planet or Plastic? National Geographic, June 2018: www.nationalgeographic.com/magazine/2018/06/ plastic-planet-animals-wildlife-impact-waste-pollution/ 8) Can we fix it? Financial Times. October 27/28 2018 9) The Coca-Cola Company Announces New Global Vision to Help Create a World Without Waste: www.coca-colacompany.com/stories/world-without-waste

Der Umstieg aus einer linearen Wachstumsökonomie in Richtung Kreislaufwirtschaft ist eine Voraussetzung für die Wende weg vom Plastik.

EUGENIE MATHIEU ist Senior SRI Analyst bei Aviva Investors. www.avivainvestors.com/de-ch


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SILENCEROCK: NATURTALENT IN SACHEN LÄRMSCHUTZ Lärmschutz ist Artenschutz – das trifft besonders auf die neue Lärmschutzwand SilenceRock der Hieber Betonfertigteilwerk GmbH zu. Die Innovation sorgt nicht nur effizient für Ruhe vor Strassenverkehrslärm, sondern bietet dank ihrer individuell planbaren Gestaltung auch wertvolle ökologische Flächen für Insekten an. Das Modulsystem kann terrassenförmig aufgebaut werden, sodass freie Flächen für die Bepflanzung zur Verfügung stehen. Mit der begrünten Oberfläche trägt SilenceRock also zum Artenschutz bei, reduziert die Feinstaubbelastung und ist ein Hingucker am Strassenrand. Hieber Betonfertigteilwerk GmbH | Krautgartenweg 8 | D-86441 Wörleschwang Tel. +49 (0) 8291 1883 0 | info@hieber-beton.de | www.hieber-beton.de

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VORSCHAU &  IMPRESSUM

VORSCHAU DIE NÄCHSTE AUSGABE ERSCHEINT IM AUGUST 2019 Folgende Schwerpunkte stehen auf unserer Agenda:

Besser und schöner Solarlösungen, die gut aussehen und einen höheren Wirkungsgrad haben

Gegensätze ziehen sich an Kontraste in Bad und Küche

Smart mit der Sonne Digitale Lösungen der Solarbranche

Lösungen auf kleiner Fläche Tiny Homes in der Schweiz

In einem Packet Heizen, Kühlen und Lüften – Energielösungen

Die passende Lösung Baubiologie mit unterschiedlichen Baumaterialien

Baden in den Städten Die Veränderung der Badekultur im urbanen Raum

Es ist eng Raumplanerische Konzepte für knappe Flächen

Gesund im Büro Arbeitsplatzarchitektur auf der Höhe der Zeit

Herausgeber rundschauMEDIEN AG St. Jakob-Strasse 84 CH-4132 Muttenz / Basel Telefon +41 61 335 60 80 Telefax +41 61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch www.rundschaumedien.ch Verleger Francesco J. Ciringione Mitglied der Geschäftsleitung Boris Jaeggi b.jaeggi@rundschaumedien.ch Hasan Dursun h.dursun@rundschaumedien.ch Projektleitung Michele Zito m.zito@rundschaumedien.ch Verkauf & Marketing Alban Mulaj a.mulaj@rundschaumedien.ch

Chefredaktion Georg Lutz g.lutz@rundschaumedien.ch

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Redaktion Freya Mohr f.mohr@rundschaumedien.ch Swenja Willms s.willms@rundschaumedien.ch

Leitung Produktion & Grafik Sandra Rizzi s.rizzi@rundschaumedien.ch Korrektorat / Lektorat Brigitte Battaglia Aboservice info@rundschaumedien.ch Autoren Pascal Bärtschi Bexio AG Michel Bohren Gerald Brandstätter Stefan Breit Daniela Eckerle Dr. Bettina Franke HLC Jana Horn Stephan Lenzinger Eugenie Mathieu

Remo Mucha Manuela Olgiati Roland Pawlitschko Guntram Rehsche Professor Thomas Rohner Dominic Staub Stephanie Steinmann David Stickelberger Thomas Stocker Dr. Carola Troll Thomas Verhoeven Reto Westermann

Campus Sursee Sportarena Doka Schweiz AG Dormakaba Schweiz AG Hieber Betonfertigteilwerk GmbH Madaster Mydeck Neofas AG Regel-air ® Becks GmbH & Co. KG Shutterstock Thermondo GmbH

Interview Marloes Fischer Professor Vinzenz V. Härri

Jahresabo Vier Ausgaben CHF 19.– Einzelpreis CHF 5.90 info@rundschaumedien.ch

Titelbild Kaufmann Turmkrane AG

First Consulenza GmbH ISSN 2504-1142

Bilder Avesco AG Berner Fachhochschule – Architektur, Holz und Bau bexio AG Big Green Egg Bouygues E&S inTec Schweiz AG

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