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der Orgel gefunden historischen Kerzenhalter wurden als Zeugen stromloser Zeiten gereinigt, bearbeitet und wieder eingebaut. Mit den großzügigen Beiträgen des Landesamtes für Kultur, der Marktgemeinde, der Sparkassenstiftung und der Raiffeisen kasse, aber auch durch viele private Spenden, konnte das große Vorhaben der Restaurierung finanziert werden. Im jahr 1876 wurde auf der damals neu errichteten Empore von josef Aigner (1809-1897) eine neue Orgel mit 18 Registern gebaut. Seine 44 angefertigten Orgeln, 30 allein in Südtirol, gehörten in Quantität und Qualität zu den Spitzenerzeugn issen ti rolerischer Orgel ba u ku nst des 19. jahrhunderts, wobei unsere Orgel zu den wertvollen historischen Instrumenten dazugehört. Die Prospektpfeifen, die 1918 sonst kriegsbedingt überall abgeliefert werden mussten, wurden von einem pfiffigen Musikliebhaber auf dem Dachboden der Friedhofskapelle versteckt und konnten somit gerettet werden. Zusätzlich waren die späteren Eingriffe von Orgelbauern nie so einschneidend, dass das Instrument stark verändert wurde. Es gibt also einen hohen Anteil an Originalsubstanz und deshalb ist unsere Orgel eine wertvolle Vorlage für

DAS BESONDERE

singt die feierliche Orgelsolomesse uon Wolfgang Amadeus Mozart andere Aigner Orgeln Südtirols. Das Instrument besticht durch seinen Klang und seine solide Bauweise. Aigner, der beim Erbauen schon 67 jahre alt war, hat in diesem Instrument all seine Erfahrung einfließen lassen. Dies bezieht sich

BILD

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung ,,5andwirtin Anna Ladurner" uom September 2004 im MuseumPasseier trafen sich am Sandhof die noch lebenden Nachfahren Andreas Hofers mit ihren

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sowohl auf die technischen Elemente und seinem unverwechselbaren Klang, aber auch auf sein zuverlässiges Handwerk. Hinter seinen Instrumenten stehen keine Zufälligkeiten, sondern klares Planziel und ein guter Umgang mit dem Raum auch vom ästhetischen Aspekt. Seine Arbeitsphilosophie ist deutlich sichtbar, er zählte nicht zu den Innovativen, sondern eher zu den Konservativen; daher ist der Klang im ausgehenden Barock anzusiedeln. Das Instrument mit seinen vielen MetalIpfeifen hat einen ausgereiften, edlen Klang und überzeugt sowohl in den einzelnen Stimmen als auch im Plenum. Dieses wirkt voll und satt und dürfte wohl das klangschönste der Aigner Orgeln sein: wuchtig, den Kirchenraum wunderbar füllend, die barocke und romantische Klangwelt verbindend; nie grob, immer füllig und dabei doch weich wirkend. Die Orgel wird als die Königin unter den Instrumenten bezeichnet, weil sie bis zum Aufkommen der Elektronik das aufwändigste und komplizierteste Musikinstrument im abendländischen Kulturbereich war. Nach monatelangem Schweigen erfreut uns unsere Orgel wieder in eindrucksvoller Art. Siglinde [aitner

Passeirer Blatt  

Ausgabe 04/2004

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