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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN AUS MOOS, ST. LEONHARD UND ST. MARTIN Nr.1 MITIEILUNGEN UND NACHRICHTEN AUS 15. Jahrgang – Nr. 35 MOOS, ST. LEONHARD UND ST. MARTIN

Liebe Bürger der Passeirer Gemeinden! Unter den vielen Zeitungen, Zeitschriften, Werbebroschüren und dgl. kommt heute auch das Passeirer Blatt in Ihr Haus. Dieses Blatt soll eine Informationsschrift über das Gemeincfeleben in Passeier sein. Die Verantwortlichen versuchen darin, Berichte über die Arbeiten und Pläne der Gemeindeverwaltungen, wichtige Mitteilungen sowie Termine und Berichte der Vereine zu veröffentlichen. Aber auch Beiträge über Wirtschaft und Kultur sollen nicht fehlen. Dadurch soll in vielen Bürgern das Interesse am öffentlichen Leben und die Bereitschaft zur Mitarbeit bei der Lösung der vielfältigen Probleme in den Gemeinden und im ganzen Tale geweckt werden. Jeder Bürger möge bedenken, daß nicht nur der Bürgermeister, nicht die Gemeinderäte und die

Gemeindebediensteten »Gemeinde- sind, sondern daß wir alle gemeinsam eine Gemeinschaft und somit Gemeinde sind. Das -Passeirer Blatt- soll jährlich etwa viermal erscheinen. Zur Deckung der anfallenden Spesen (Druck, Postspesen u.a.) haben sich die drei Gemeinde,verwaltungen bereiter klärt Wir wünschen, daß Ihnen das -Passeirer Blatt« Freude bereitet und daß Sie daraus auch einen persönlichen Nutzen ziehen, . Die Redaktion

Juni 1987

September 2002 1. Jahrgang

Bericht aus der

Gemei ndestu be

von SI. Leonhard Der vorliegende Bericht befaßt sich _ in erster Linie mit der Arbeit der Gemeindeverwaltung von St. Leonhard im Jahre 1986. Im abgelaufenen Jahr 1986 hat sich die Arbeit der Gemeindeverwaltung hauptsächlich auf fünf Schwerpunkte konzentriert, und zwar auf die' Überarbeitung des Bauleitplanes, auf den Bau des Elektrowerkes am Waltnerbach, auf den Bau eines Parkplatzes arn Südende des Dorfes von St. Leonhard, die , Sanierung und den Ausbau der Mülldeponie in der Kellerlahn sowie auf die Neubenennung der Straßen und Wege im Dorfbereich von St. Leonhard. Die Überarbeitung des Bauleitplanes der Gemeinde St. Leonhard ist bereits seit geraumer Zeit im Gange, und der (Fortsetzung auf Seite 2)


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Bericht aus der Gemeindestube

(Fortsetzung von Seite 1)

entsprechende Auftrag zur Überarbeitung wurde noch vom Gemeinderat der vorhergehenden Verwaltungsperiode an das Ingenieurbüro Dr. Siegfried Unterberger aus Meran erteilt. Die Überarbeitung des bestehenden Bauleitplanes wurde vor allem auch deshalb notwendig, weil die meisten vorhandenen Baugründe in der Gemeinde St. Leonhard erschöpft waren, und daher die Ausweisung neuer Bauzonen dringend notwendig geworden ist. Aufgrund der nötigen Vorarbeiten konnte der überarbeitete Bauleitplan _jedoch erst im Herbst 1986 der Offentlichkeit vorgestellt und nach Einholen der vorgeschriebenen Gutachten dem Gemeinderat zur Genehmigung vorgelegt werden. Nach Behandlung eines Rekurses liegt der Bauleitplan derzeit bei den zuständigen Landesämtern in Bozen. Im Laufe der Monate Mai/Juni 1987 wird er voraussichtlich der Landesraumordnungskommission zur Begutachtung vorgelegt und anschließend vom Landesausschuß endgültig genehmigt. Nach der Genehmigung durch den Landesausschuß muß der Gemeindebauleitplan im Amtsblatt der Region veröffentlicht werden, und erst dann tritt er in Kraft. Für die Verwirklichung des gemeindeeigenen Elektrowerkes am Waltnerbach konnten im Jahre 1986 ebenfalls wichtige Vorarbeiten geleistet werden. Bereits im Februar 1986 wurde das Projekt für den Bau dieses Elektrokraftwerkes vom Gemeinderat genehmigt. Nach langen, umfangreichen und teilweise schwierigen Verhandlungen mit den zuständigen Landesämtern und nach der Vorlage eines Rekurses an den Landesausschuß wurde dieser Gemeinde Ende Dezember 1986 nunmehr die Konzession für die erforderliche Wasserableitung aus dem Waltner- und dem Pfistradbach für den Bau und den Betrieb des geplanten Kraftwerkes erteilt. Außerdem wurde dieser Gemeinde auch bereits ein Landesbeitrag in der Höhe von 1,5 Milliarden Lire für den Bau dieses Werkes zugesprochen. Damit sind nunmehr einige der wesentlichsten Voraussetzungen für den Bau geschaffen, und die Hauptaufgabe der Gemeindeverwaltung besteht nun darin, die Restfinanzierung für die Verwirklichung dieses Bauvorhabens sicherzustellen (Gesamtkosten ca. 6 Milliarden Lire). Wie schon eingangs erwähnt, beabsichtigt die Gemeindeverwaltung von

St. Leonhard, am Südende des Dorfkerns von St. Leonhard einen mehrgeschossigen Parkplatz zu errichten. Durch den Bau dieses Parkplatzes sollen einerseits dringend notwendige Parkplatzflächen geschaffen werden, und andererseits soll eine Verkehrsentlastung des Dorfkerns erreicht werden. Bereits im März 1986 hat der Gemeinderat dem Ingenieurbüro Dr. Ing. Siegfried Unterberger aus Meran den Auftrag für die Ausarbeitung des entsprechenden Projektes erteilt. Im September 1986 hat der Gemeinderat im Einvernehmeo mit den verschiedenen Grundeigentümern die Enteignung der Gründe, die für den Bau des Parkplatzes notwendig sind, beschlossen. Auf der Sitzung des Gemeinderates vom 24. November 1986 wurde schließlich das Ausführungsprojekt für den Bau des Parkplatzes, welches Kosten in der Höhe von 860 Millionen Lire vorsieht, genehmigt und im Dezember hat der Gemeinderat die Ausschreibung der Arbeiten für die Errichtung des Rohbaues beschlossen. Aufgrund der verschiedenen, während der Projektierunqsphase aufgetretenen Probleme und Uberlegungen, hat die Gemeindeverwaltung die Verlegung der Haltestelle der Linienbusse sowie des Verkehrsamtes auf diesen Parkplatz vorgesehen, und hat auch die hierfür erforderlichen Voraussetzungen geschaffen. Das Ausführungsprojekt, welches die Errichtung der notwendigen Büroräume für das Verkehrsamt, den Bau öffentlicher Toiletten sowie eines überdachten Wartebereiches für die Haltestelle der linienbusse vorsieht, ist bereits von der Gemeindebaukommission genehmigt wbrden. Zusammen mit dem Bau dieses Parkplatzes soll auch ein Gehsteig entlang der Passeirer Straße und zwar von der Dorfbrücke bis zum »Fuchssteiq«, sowie eine Fußgängerverbindung über den Waltnerbach bis zur »Kohlstatt- errichtet werden. In der Zwischenzeit wurden die Arbeiten bereits an die Baufirma Kofler/PlattHütt vergeben. Für die Sanierung und den Ausbau der bestehenden Mülldeponie in der Kellerlahn konnten ebenfalls wichtige Vorarbeiten geleistet werden. Nach verschiedenen Aussprachen mit den zuständigen Landesämtern und Landesräten hat der Gemeinderat auf seiner Sitzung vom 24. März 1986 das Ingenieurbüro Weiß aus Bozen mit der Erstellung einer Studie für die Sanierung und Erweiterung der Mülldeponie beauftragt. In der Folge wurden auch die erforderlichen, vom Landesamt für Bodenschutz gefor-

derten hydrogeologischen Untersuchungen in Auftrag gegeben, deren Durchführung jedoch einen längeren Zeitraum beansprucht hat, da verschiedene Proben und Untersuchungen über Monate hindurch erfolgen müssen. In der Zwischenzeit liegen die Ergebnisse dieser Untersuchungen vor, die von den beauftragten Fachleuten als durchwegs positiv bezeichnet werden. Für die nächste Zeit wird daher die Vorlage eines ersten Vorprojektes für die Sanierung und den Ausbau der Mülldeponie in der Kellerlahn erwartet, die dann nur mehr den Gemeinden des Passeiertales für ihre Müllablagerung dienen soll. Im August 1986 hat in St. Leonhard ein Dorfpolizist seinen Dienst aufgenommen. Die Einstellung eines Dorfpolizisten war bereits seit längerer Zeit geplant, und es wurden mehrere entsprechende Wettbewerbe ausgeschrieben, die jedoch jedesmal ergebnislos geblieben sind. Erst aufgrund des Wettbewerbes, der im Frühjahr 1986 durchgeführt worden ist, konnte Herr Albert Gögele als Dorfpolizist eingestellt werden. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß die Raffeisenkasse Passeier im vergangenen Herbst der Gemeinde St. Leonhard für den Polizeidienst ein Dienstfahrzeug zur Verfügung gestellt hat. In Bezug auf den Schatzamtsdienst der Gemeinde hat sich eine wesentliche Neuerung ergeben. Ab dem 1. Jänner 1987 versieht nämlich nicht mehr, wie bisher, die Südtiroler Landessparkasse den Schatzamtsdienst der Gemeinde, sondern die Raiffeisen kasse Passeier. Im Rahmen der Neuvergabe des Schatzamtsdienstes, die im Herbst 1986 aufgrund entsprechender Beschlüsse des Gemeinderates ausgeschrieben worden ist, hat die Raiffeisenkasse Passeier den Auftrag für die Durchführung des Schatzamtsdienstes für den Zeitraum von fünf Jahren ab dem 1.1.1987erhalten. Der Bau des Bezirksaltersheimes von St. Leonhard in Passeier wird zwar nicht direkt von der Gemeinde durchgeführt, sondern von einem eigenen Konsortium, welches bei der Gemeinde St. Leonhard seinen Sitz hat. Deshalb soll im Rahmen dieses Berichtes auch kurz über den Bau des Bezirksaltersheimes berichtet werden. Dem vorgenannten Konsortium für den Bau des Bezirksaltersheimes gehören die Gemeinden Moos, St. Leonhard und St. Martin in Passeier an. Außerdem ist die Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt, welche die Finanzierung des Baues übernommen hat, vertreten. Der Baugrund


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wurde von den drei Gemeinden des Passeiertales gemeinsam angekauft. Der Bau selbst, der rund 3 Milliarden Lire kostet, wird mit Landesmitteln finanziert, die auf Antrag der Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt zugeteilt werden. Für die Einrichtung des Altersheimes müssen hingegen die drei Gemeinden selbst aufkommen. Allerdings wurde auch für die Anschaffung der Einrichtung des Altersheimes bereits ein eigener Landesbeitrag in der Höhe von 270 Millionen Lire gewährt. Die Gesamtkosten für die Einrichtung des Altersheimes dürften sich auf 600 Millionen Lire belaufen. Der Bau des Altersheimes ist bereits größtenteils fertiggestellt, und auch ein Teil der Einrichtung (Küche und Wäscherei) ist bereits

geliefert worden. Derzeit werden die Lieferung und Montage der vorgeschriebenen Brandschutztüren und die Möbeltischlerarbeiten in Angriff genommen, die voraussichtlich bis Ende Mai 1987 abgeschlossen werden dürften. Weitere Teile der Einrichtung, wie Heimbetten, Spezialausstattung, Geschirr, Bettwäsche usw. müssen im Laufe der nächsten Monate noch angekauft werden. Im neuen Altersheim ist die Einrichtung von 10 bis 15 Pflegebetten für Langzeitkranke und andere dringende Pflegefälle vorgesehen, wobei die Kosten für die entsprechende Einrichtung voraussichtlich zum Teil vom Land übernommen werden dürften. Die Führung des Altersheimes wird von einem eigenen Führungskonsor-

Zur Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Moos

Moos gegen Platt um 1920

Die Gemeinde Moos erstreckt sich Gufelbach im Osten bis zum Eisjöchl im Westen, von der Kolbenspitze im Süden bis zur Schwarzwandspitze im Norden. Der tiefste Punkt liegt an der Passer auf 774 m, die höchste Erhebung erreicht das Gemeindegebiet am Gipfel der Hohen Wilde mit 3482 m. VieleSeitentäler und Tälchen zweigen vom Haupttal und vom Pfelderertal ab und erstrecken sich in die Stubaier- und Ötztaler Alpen und in den Naturpark Texelgruppe hinein. Mit einer Fläche von 19.458 ha ist Moos die Siebtgrößte Gemeinde Südtirols (kleiner als Sarntal, Mals, Schnals,

vom

Graun, Ratschings und Ulten). Bei der Volkszählung 1981 waren in Moos 2203 Gemeindebürger. Das ergibt eine Bevölkerungsdichte von 11 Personen je km> Nur fünf Gemeinden Südtirols sind weniger dicht besiedelt als Moos (Martell, Schnals, Prags, Prettau und Stilfs). Wenn man die Wohnbevölkerung von Moos unter die Lupe nimmt, ergibt das interessante Zahlen. Am 31.12.84 waren es 2197Personen,genau gleich viele wie bei der Volkszählung 1971. Dabei scheinen in den Standesregistern von 1984 52 Geburten und 24 Todesfälle auf, was einen Zuwachs von 28 Personen ergibt. In früheren

tium übernommen werden. Die betroffenen Gemeinden und die Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt haben die erforderlichen Beschlüsse für die Errichtung des genannten Führungskonsortiums bereits gefaßt. Die formelle Errichtung dieses Konsortiums muß jedoch mit eigenem Beschluß des Landesausschusses vorgenommen werden, der allerdings noch aussteht. Die Heimleitung wird aufgrund bereits getroffener Absprachen von den Deutschordensschwestern übernommen werden. Sofern keine weiteren Verzögerungen bei der Anschaffung und Lieferung der Einrichtung auftreten, kann für Herbst 1987 mit der Inbetriebnahme des Altersheimes in St. Leonhard gerechnet werden.

Jahren war der Geburtenüberschuß noch größer. Das besagt, daß aus dem Gemeindegebiet von Moos jährlich mehrere Personen abwandern; im Jahre 1984waren es 20. Der Grund hierfür liegt am großen Mangel an Arbeitsplätzen. Im Vergleich zu anderen Gemeinden sind in Moos noch verhältnismäßig viele Beschäftigte in der Landwirtschaft tätig (ca. 37%, in St. Leonhard 27%, in St. Martin 25,5%), etwas über 20% sind im produzierenden Gewerbe beschäftigt (Handwerker, Bauarbeiter). Über 41% verdienen ihr Brot im Dienstleistungssektor (Beamte, Geschäftsleute, Bedienstete im Fremdenverkehr). Nachdem es im Hinterpasseier keine Fabriken gibt, müssen viele Bürger außerhalb des Gemeindegebietes Verdienstmöglichkeiten suchen. Es überrascht vielleicht trotzdem manchen, daß hier etwa 300 Berufspendler sind. Davon fahren über 70 täglich von daheim an einen Arbeitsplatz außerhalb der Gemeinde, etwa 250 Beschäftigte kommen nur an Wochenenden oder sonst gelegentlich heim, sind also nicht Tagespendler. Im Vergleich dazu hat St. Leonhard mit 35% weniger und St. Martin mit fast 40% der Beschäftigten etwas mehr Berufspendler als Moos. Besonders problematisch ist die Situation für die Jugend. Schon die Fahrten zur Mittelschule sind anstrengend und zeitraubend. Noch schlimmer sind die Fahrten nach Meran zum Besuch von Oberschulen. Es sind 160 Schüler Tagespendler, dazu kommen noch etwa 80 Nichttagespendler, die also auswärts wohnen, um weiterführende Schulen be(Fortsetzung auf Seite 4)


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Zur Bevölkerungsentwicklung (Fortsetzung von Seite 3)

suchen zu können. Das ist neben finanziellen Aspekten sicher mit ein Grund, daß aus der Gemeinde Moos so wenige Akademiker hervorgegangen sind. Es sind dies jetzt lebende aber keiner hier ansässig: 2 Ärzte, 2 Tierärzte, 2 Apotheker, 1 Ingenieur, 5 Doktoren der Geisteswissenschaften, 10 Priester. Was die wenigen Handwerksbetriebe und Geschäfte an Lehrstellen bieten können, ist kaum nennenswert. Inzwischen ist auch noch die Beschäftigung im Baugewerbe rückläufig. Und deswegen müssen viele Jugendliche anderswo Lehrstellen bzw. Arbeitsmöglichkeiten suchen. Und hier sind die größten Probleme der Gemeinde Moos. Nicht Straßenbauten, Elektrifizierung, Kanalisierungen, Kläranlagen usw. sind die großen Probleme, sondern die Bildung und Ausbildung der Jugend. Und dies sind Probleme, die nicht nur in der Gemeindestube besprochen und dort gelöst werden können, sondern mit denen sich jede Familie und besonders gerade junge Familien auseinandersetzen müssen. Ein wichtiger Beitrag für die Zukunft und damit für die Jugend ist, daß wir das schöne Fleckchen Erde »Hinterpasseiet- vor weiterer Umweltverschandelung und Zerstörung bewahren, damit es nicht nur für den Fremdenverkehr attraktiv, sondern auch für weitere Generationen echter Pseirer als liebe Heimat erhalten bleibt.

Neues Schwimmbad in St. Martin Ende Juni dieses Jahres, so der Wunsch der Gemeindeväter, soll das neue Freibad in St. Martin seiner Bestimmung übergeben werden. Das alte Schwimmbad wurde vor ca. 16 Jahren gebaut und entsprach neben technischen Mängeln nicht mehr den heutigen Anforderungen. Das aus Fiberglas-Fertigteilen zusammengebaute Becken war durch absinken undicht geworden und die zum Teil aufgeplatzte Oberfläche der Auskleidung machte eine optimale Beckenreinhaltung unmöglich. So entschied man sich einstimmig für das vom Architekten Dr. Albert Torggler vorgeschlagene Projekt und begann im Herbst 1986 mit den Abbrucharbeiten der alten Anlage. Das neue Schwimmbad entsteht auf dem alten Gelände, wo zur Zeit dank der zügig voranschreitenden Arbeiten schon das neue Gesicht des Martiner Schwimmbades zu erkennen ist. Das große Becken ist für den

Dr Floach Nit hert, nit woach, sell isch dr Floach, obr hupfn konnr hoach. Der letze Floach tuat sischt kuan Schtroach, trinkt lei s Eluat gonz roacb.

Die Entwicklung des Fremdenverkehrs im Passeiertal

Der Fremdenverkehr hat im Passeiertal in den letzten Jahrzehnten eine gewaltige, doch gesunde Entwicklung durchgemacht. Den Anfang machten einige wenige traditionsreiche Gastbetriebe in den fünfziger Jahren, die es 1950 z. B. auf 2.766 Nächtigungen brachten. 1986, also 36 Jahre später, ist die Nächtigungszahl auf ein Vielfaches, auf genau 384.922 angewachsen. Auf die drei Gemeinden aufgeteilt ergeben sich beim Nächtigungsstand von 1986 folgende Anteile: St. Leonhard 203.939, St. Martin 110.739 und Moos 70.244 Nächtigungen. Dieser Vergleich läßt rasch erkennen, daß der Fremdenverkehr ein sehr junger Wirtschaftszweig ist, obwohl er in dieser kurzen Zeit vielen Berufsgruppen zum Aufschwung verholfen und zum heutigen Wohlstand der Bevölkerung wesentlich beigetragen hat.

Schwimmsport gedacht und erhält die Ausmaße 12112 x 33113 m. Ergänzt wird diese Beckenanlage durch zwei zusammenhängende Rundbecken. Das kleinere der beiden - 80 cm tief - soll als Spiel- und Planschbecken für die heranwachsende Jugend dienen. Das größere Rundbecken erhält einen Sprungturm mit zwei t-Meter-Brettern und einem 3-Meter-Brett. Geplant sind zudem noch ein Kleinkinderbecken und ein Grillplatz. Mo.dernste Technik in der Beckendurchflutung und Filteranlagen garantieren eine hohe Wasserqualität. Die Heizung des Wassers wird wirtschaftlich durch Solartechnik ergänzt, die auf dem erneuerten Umkleide- und Sanitärtrakt angebracht wird. Sowohl die Bar als auch die Terrasse werden erneuert, und die gesamte Anlage um die Teiche soll so naturnah wie möglich gestaltet werden. Das Schwimmbad bietet 350 Besuchern Platz.

In den letzten 26 Jahren wurden die für den Fremdenverkehr verfügbaren Betten von 131 im Jahre 1960 auf 4.337 im Jahr 1986 erhöht, wobei festgestellt wurde, daß die Bettenanzahl in den Privatpensionen rückläufig und die in den Hotels und Gastbetrieben gleichbleibend ist. Die Anteile der Fremdenbetten in den einzelnen Gemeinden: St. Leonhard 1.984, davon 1.477 in Hotels, Gasthöfen und Pensionen; St. Martin 1.427, davon 1.188in Hotels, Gasthöfen und Pensionen; Moos 926, davon 722 in Hotels, Gasthöfen und Pensionen. Man muß aber zugeben, daß die Gastbetriebe im Vergleich zu anderen Landesteilen in ortsüblicher Weise und in der Anzahl begrenzt gebaut wurden. Auf Qualität wurde bereits bei der Errichtung und Renovierung der Betriebe in den sechziger Jahren wertgelegt. Mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs sind dann die nöti-

gen Infrastrukturen geschaffen worden, die sowohl von den Gästen als auch von den Einheimischen gerne in Anspruch genommen werden. Schwimmbäder, Skilifte, Sessellift, Tennishalle, Minigolf, Schießstand, Reitstall, Freischach, Kegelbahnen und Vereinshäuser zählen zu den öffentlichen Einrichtungen, die von Privaten bzw. den zuständigen Vereinen errichtet und von der öffentlichen Hand, aber ganz besonders von den Gemeinden, mitgeplant und finanziert wurden. Das Passeiertal ist eines der wenigen Täler Südtirols, das den Gästen zu allen vier Jahreszeiten einen erholsamen Aufenthalt bieten kann. Die Gastbetriebe und die Verkehrsorganisationen wehren sich gegen den Massentourismus, und haben sich die bessere Auslastung der bestehenden Betten und die Erhaltung der etwa 600 Arbeitsplätze im Fremdenverkehr zum gemeinsamen Ziel gesetzt. Mit der Zusammenarbeit aller Beteiligten kann dieses auch bestimmt erreicht werden.


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Der Verkehrsverein St. Martin zieht Bilanz

Jüngst hielt der Verkehrsverein seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Präsident, Robert Ennemoser, konnte ein realtiv zahlreiches und interessiertes Publikum begrüßen, was sicherlich ein Zeichen dafür ist, daß sich der Verein im Aufwind befindet; eine Tatsache, die sich wie ein roter Faden durch die Berichte und Beiträge zog. Im Tätigkeitsbericht werden die verschiedenen Aktionen zur Unterhaltung der Feriengäste erwähnt, wie Konzerte der Musikkapelle, Lichtbildervorträge, alpine- und naturkundliche Wanderungen, Gästeehrungen bei öffentlichen Anlässen, Volks- und Brauchtumsabende, sowie die individuelle Betreuung der Gäste durch das vereinseigene Büro. Hervorgehoben wurden die verschiedenen Verbesserungsarbeiten an den bereits bestehenden Wanderwegen, die Schaffung des neuen »Steinhauser Waalweges«, welcher in seiner Art zu den schönsten Nahwanderwegen des Tales zählen soll, die Schaffung eines Unterstandes oberhalb der Pfandletalm und vielem anderen. Der überarbeitete Dorfprospekt wurde in Druck gegeben, außerdem wurde bereits ein neuer Dorfposter präsentiert, welcher in verschiedenen Reisebüros für St. Martin wirbt. Außer der Werbung in den Medien wurde vereinsintern wurde im letzten Jahr eine Gemeinschaftswerbung zusammen mit den benachbarten Vereinen des Tales durchgezogen, welche sicherlich Erfolge verbucht hat und noch verzeichnen sollte. Wie der Kassabericht zeigte, ist der Verein aus den roten Zahlen heraus, sicherlich auch dank der umsichtigen und nicht zu waghalsigen Finanzpolitik des verantwortlichen Vorstandes einerseits und andererseits dem Zusammentreffen glücklicher und positiver Umstände, wie ergiebige Landesbeiträge, Gästezuwachs und die damit verbundenen größeren Einnahmen und die Bereitschaft der Mitglieder zur größeren und spontaneren Beitragsleistu ng. Zu erwähnen wäre hier noch das Kapitel Schwimmbad, welches in der altgedienten Form der Vergangenheit angehören wird und neu errichtet bald wieder in neuem Glanze Einheimischen und Gästen zur Verfügung stehen sollte. (An anderer Stelle wird darüber berichtet.) Der zuständige Assessor Florian Walder konnte ebenfalls mit Genugtuung feststellen, daß die Übernachtungszahl in der letzten Zeit gestiegen ist. Daß die Schaffung der notwendigen Infrastrukturen überhaupt möglich

war und weiterhin noch ist, ist großteils auf die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Verständnis aller Räte zurückzuführen, wobei vor allen den Bauern Dank für ihre Aufgeschlossenheit und vor allem für die Hege und Pflege der natürlichen Landschaft gebührt. Der Bürgermeister zollte dem Verein ebenfalls Respekt und beglückwünschte ihn zu seiner Leistung. Er bestätigte seinerseits, daß der Fremdenverkehr zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen unseres Tales gehört und forderte alle auf, sich nicht auf den errungenen Lorbeeren auszuruhen, sondern sich weiterhin für eine positive und konstruktive Fremdenverkehrspolitik einzusetzen. Als Bürgermeister zählte er einige Vorhaben auf, welche dem Fremdenverkehr zugute kommen sollten, wie eben die Errichtung des neuen Schwimmbades, eine eventuelle Errichtung eines Fahrradweges entlang der Passer und die Wiederinstandsetzung der Seilbahn Hirzer, wobei die Verhandlungen zu letzterem in der Endphase seien und einer definiti-

ven Entscheidung nähergerückt wären. Die Müll- und Abwasserentsorgung, ebenfalls ein Sorgenkind des Dorfes, sehe ebenfalls einer dauerhaften und umweltfreundlichen Lösung entgegen. In diesem Sinne wünschte er dem Verein eine gute Hand für die weitere Zukunft und appellierte an alle Bürger, gemeinsam zur Verschönerung des Gemeindegebietes und zur Verbesserung des Angebotes beizutragen. In der Vorschau auf die Tätigkeit widmet der Verein sein Augenmerk wiederum einer starken und gebündelten Werbungskampagne in den Medien, weiteres der Schaffung von neuen und der Verbesserung bestehender Wanderwege; außerdem wird in Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen ein Blumenwettbewerb ausgeschrieben, welcher sicherlich dem Dorfbild zugutekommen sollte. Zusammenfassend kann über die Tätigkeit des Verkehrsvereines St. Martin ein positives Urteil abgegeben werden, in der Hoffnung, daß das momentane Hoch nicht zu Leichtsinn und zu untätiger Selbstgefälligkeit führen möge.

Schweinsteg - Erhebung zur Pfarre

Rechts im Bild der neue Pfarrer von Schweinsteg, Alois Raffl, in der Bildmitte Dekan P. Dr. Ulrich Gasser, St. Leonhard, mit zwei Ministranten aus Schweinsteg.

Am 15. März 1987 feierte die Dorfgemeinschaft von Schweinsteg die Erhebung der Kuratie zur Pfarre. Zu diesem Anlaß versammelten sich viele Gläubige auf dem Dorfplatz, wo die Saltauser Böhmische ein Ehrenständchen spielte. Daraufhin begrüßte Gottfried Pircher, Präsident des

Pfarrgemeinderates, die Geistlichkeit, den Bürgermeister Matthias Raffl mit dem Kulturassessor Dr. Albin Pixner, die Vertreter der verschiedenen Vereine und die Festteilnehmer. Einen besonderen Gruß entbot Pfitscher dem neuen Seelsorger von Schweinsteg und Pfarrer von Tall, den aus Stuls stammenden Alois Raffl. Nach dem feierlichen Einzug in die restaurierte Pfarrkirche zur hl. Ursula verkündete Dekan P. Dr. Ulrich Gasser im Auftrag des Diözesanbischofs das Dekret zur Pfarrerhebung und setzte den bisherigen Kurat Alois Raffl zum Pfarrer von Schweinsteg ein. Durch Kindermund wurde der neue Seelsorger herzlich willkommen geheißen, wobei in teils humorvoller Weise auf die entbehrungsreiche Geschichte der Seelsorgsstelle Schweinsteg hingewiesen wurde. Dekan Dr. Gasser ergänzte die Seelsorgsgeschichte und beglückwünschte seinerseits die Bevölkerung von Schweinsteg zur Pfarrerhebung. Pfarrer Alois Raffl, langjähriger Pfarrer von Taufers im Münstertal, sprach sein »adsurn- und versprach den Gläubigen, Freud und Leid mit ihnen tragen zu wollen. Der anschließende Gottesdienst wurde vom Kirchenchor unter der Leitung von Alois Brugger, St. Martin, festlich umrahmt.


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Der Bauernbund - eine Organisation stellt sich vor (Ein Beitrag in 2 Teilen) Die vergangenen Jahrhunderte waren durch die verschiedensten sozialpolitischen Umwälzungen gekennzeichnet. Neue Wirtschaftszweige, zusätzliche Arbeitsplätze, neue Berufskategorien tauchten auf, welche sich immer mehr zusammenschlossen, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und ihre Forderungen durchzusetzen. Dies brachte es mit sich, daß sich auch die traditionellen Berufskategorien in irgendeiner Form organisieren mußten. Dies vor allem, um einerseits ihre Interessen zu wahren und zu verteidigen und andererseits neue Aufgaben durch die Errichtung von Selbsthilfeorganisationen gemeinschaftlich durchzuführen. So wurde bereits im 17. Jahrhundert eine landwirtschaftliche Gesellschaft gegründet, welche gewisse Aufgaben im Interesse der Mitglieder durchführte und im 18. Jahrhundert eine landwirtschaftliche Zeitung herausgab. Im 19.Jahrhundert bemühte man sich besonders um die Errichtung von landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten. So wurde 1873 die Landwirtschaftliche Schule San Micheie und 1879 die Landwirtschaftliche Schule Rotholz gegründet. Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts entstanden die ersten Bauernvereine, welche sich neben den wirtschaftlichen auch um die politischen Probleme des Landes und des Bauernbundes kümmerten. Diese Bauernvereine bestanden meist nur auf Dorfebene und hatten auf Landesebene und in den politischen Gremien noch kein gewichtiges Wort mitzureden, weil auf Landesebene kein Zusammenschluß bestand. Es ist deshalb verständlich, daß man in den darauffolgenden Jahren versuchte, die örtlichen Bauernvereine zu einem Zentralverband zusammenzuschließen. Vor allem war es Hochw. Sebastian Rieger, besser bekannt unter den Namen »Reimrnichl«, der die Gründung des Zentralverbandes für ganz Tirol mit großem Eifer betrieb. Um die Bauern für den Zusammenschluß zu überzeugen, wurde 1902 bereits die »Tiroler Bauernzeitung« gegründet, welche die verschiedensten Gremien zum Zusammenhalten und zur Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Situation in der Landwirtschaft aufforderte. Zu Pfingsten, am 4. und 5. Juni des Jahres 1904war es dann soweit. 7000 Bauern aus allen Teilen des Landes nahmen

in Sterzing an der Gründungsversammlung des Bauernbundes teil. Der Bauernbund übernahm nun auch die Herausgabe der Bauernzeitung und des Bauernkalenders. Im Jahre 1919wurde der Tiroler Bauernbund gemeinsam mit dem Land Tirol in zwei Teile gespalten. Die Landwirtschaft geriet durch den Ausfall der traditionellen Absatzmärkte, vor allem für Obst und Wein, und durch den schlechten Umtauschkurs zwischen österreichischer Krone und italienischer Lira in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Aus diesem Grunde wurde bereits am 23.11.1919der »Südtiroler Landwirteverband« gegründet, dessen erster Obmann Josef Hölzl aus Marling war. Der neugegründete Landwirteverband versuchte nun der bäuerlichen Bevölkerung, so weit als möglich, zu helfen. Gleichzeitig sollte auch die Organisation auf- und ausgebaut werden. Dies war sehr mühevoll, da ja die bisherige Organisation des Verbandes von Innsbruck aus geleitet worden war. Es fehlten die Kanzleien, die Bürokräfte, die Mitgliederlisten

und ganz besonders die finanziellen Mittel. Im Jahre 1920 fand die erste Generalversammlung statt, bei welcher Josef Oberhammer aus Prags zum Obmann gewählt wurde. 1921wurden die Statuten genehmigt, neue Mitglieder geworben und Ortsgruppen errichtet. Im darauffolgenden Jahr wurde in Bozen ein Landessekretariat eröffnet. Es wurden auch sofort verschiedene Fachabteilungen, wie z. B. für Obst, Wein, Viehzucht, Brandversicherung usw. errichtet. Den im Jahre 1920 in Trient gegründeten »Faschistischen Parteien= war das Verbandsleben und die Selbsthilfeorganisationen ein Dorn im Auge, und so wurde 1924 zum ersten Mal eine Untersuchung gegen den Landwirteverband eingeleitet. Dem Verband und dessen Obmann konnte aber kein Vergehen nachgewiesen werden. Dennoch wurde die Hetzpropaganda fortgesetzt, bis schließlich am 26.09.1926 der Verband gemeinsam mit den Parteien und Vereinigungen aufgelöst wurde. (Teil 2 folgt)

5 Jahre Südtiroler Bauernjugend Passeier Vor 5 Jahren wurde im Vereinshaus von St, Leonhard die Bauernjugend »Ortsgruppe Passeier= gegründet. Es ist nicht üblich, daß man ein 5jähriges Bestehen mit großem Aufwand feiert, jedoch sicher angebracht, eine Rückschau zu halten. Eine Rückschau auf die Entwicklung, Tätigkeiten und Erfolge, denn diese geben auch wiederum die Chance, den Kurs für die Zukunft richtig abzustecken. Gleich zu Beginn soll aus diesem Anlaß allen, die mitgeholfen haben, die Gruppe aufzustellen und sich nachher aktiv an der Arbeit beteiligten, ein großer Dank ausgesprochen werden. Die Ortsgruppe Passeier der Bauernjugend sieht ihr Ziel im besonderen in der Freizeitgestaltung der Jugend, Weiterbildung, besonders der bäuerlichen Jugend, Erhaltung unserer Umwelt und Lebensgewohnheiten, sowie im Heranbilden eines stärkeren Kulturbewußtseins. Um diesen sicher erstrebenswerten Zielen näher zu kommen, haben wir in den vergangenen Jahren über hundert große und klei-

nere Veranstaltungen durchgeführt. Einen besonderen Schwerpunkt legten wir aber auf eine beruflich-fachliche Weiterbildung. Die Kurse und Vorträge wurden auch von vielen Bauern besucht. Die Zusammenarbeit mit den anderen bäuerlichen Organisationen haben wir als einen festen Bestandteil unserer Arbeit eingeführt. Die Bauernjugend kann mit Freude feststellen, daß sie bisher auch in der Freizeitgestaltung keine Probleme hatte. Nicht nur, weil die ländliche Jugend im allgemeinen wenig freie Zeit hat, sondern vor allem, weil die Zeit sinnvoll genützt wird. So z. B. durch internationale Jugendtreffen (meist Nordtiroler), Sternfahrten, Bergwanderungen, Preiswatten und Preiskegeln gegen andere Ortsgruppen, Tanz und Feiern, Geschicklichkeitsveranstaltungen usw. Weiters veranstalten wir jeden letzten Monatsdienstag unser Monatstreffen. In weiteren Beiträgen werden wir auf verschiedene Bereiche noch genauer eingehen.


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Erste Jungbürgerfeier in St. Leonhard Am 7. Februar dieses Jahres luden die Jugendorganisationen von St. Leonhard in Zusammenarbeit mit dem Jugendassessor die achtzehnjährigen (Jahrgang 1968) zu einer Feierstunde ein. Solche Jungbürgerfeiern weisen in unseren deutschsprachigen Nachbarländern bereits eine Tradition auf. Sinn und Ziel ist es, die nunmehr volljährigen Bürger über ihre Rechte und Pflichten zu informieren und sie auf ihre Verantwortung für die Gemeinde anzusprechen. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Bürgermeister Matthias Raffl und den Jugendvertreter Hubert Verdorfer erläuterte der Jugendassessor Dr. Albin Pixner die Idee der Jungbürgerfeier und ermunterte die Jugendlichen, sich als Erwachsene von mor-

HoppeAG-

Einsatz modernster Technologien sichert Arbeitsplätze Im Jahre 1952 gründete Friedrich Hoppe bei Düsseldorf eine Türbeschlägefabrik. 1954 wechselte der Sitz des Unternehmens nach StadtalIendorf. 1956 entstand ein weiteres Werk in Bromskirchen. Aus Mangel an Arbeitskräften in Deutschland wagte man 1964 den Sprung ins Ausland. Der Aufbau moderner Produktionsstätten in Südtirol und in Graubünden kann als gezielte Entwicklungshilfe in wirtschaftlich schwach entwickelten Randgebieten bezeichnet werden. So entstanden 1965 das Werk in Schluderns, 1971/72 folgten die Unternehmungen in Müstair (Schweiz) und St. Martin. 1975 kam noch das Werk 2 in Stadtallendorf hinzu. Aus wirtschaftlichen Gründen entschied man sich 1981,die Produktion im Werk Müstair einzustellen, allerdings das Fertigwarenlager und den Vertrieb für die Schweiz beizubehalten. Di~ freigesetzten Arbeitskräfte, die fast 'ausschließlich Südtiroler waren, konnten im erweiterten Werk im nahen Schluderns übernommen werden.

gen stärker mit den Problemen der Allgemeinheit auseinanderzusetzen. Sie sollten mehr mitentscheiden, wenn heute die Weichen für ihre eigene Zukunft gestellt werden. Immerhin sind laut Statistik in der Gemeinde St. Leonhard 49% der Einwohner Jugendliche bis 25 Jahren. Mit der Zusicherung, daß sie bei Problemen jederzeit zur Verfügung stehen, steilten sich die Gemeindeausschußmitglieder und der Sekretär vor. Anschließend forderte auch Festredner Dr. Michl Ebner die 40 erschienenen Jungbürger zum Mittun in Familie, Gemeinde und Land auf. Sie sollten nicht nur Kritik üben, sondern Vorschläge bringen, wie es besser werden sollte: »Gott gibt uns die Nüsse, er beißt sie aber nicht aut« Bei einem von Jugendvertretern schmackhaft zubereiteten Nudelgericht tauschten die jungen Leute gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse aus. Zum Abschluß wurden von Ulrich Königsrainer Dias vorgeführt, die in heiterer Art die wichtigsten Rechte und Pflichten der nunmehr

Volljährigen aufzeigten. Grußworte des Herrn Dekans beendeten die Feier, die aufgrund der Mitarbeit aller Jugendorganisationen des Dorfes ihren Sinn und Zweck sicherlich nicht verfehlte.

Nach dem Grundsatz »Rentabilität vor Umsatz« konnten auch in krisengeschüttelten Zeiten bis heute immer wieder neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Heute beschäftigt die HOPPE-Gruppe international über 1.200 Mitarbeiter, davon 491 in Südtirol. Im Werk St. Martin sind heute 155 Mitarbeiter beschäftigt. Von diesen 155 Beschäftigten sind 76 = 49,1 % aus St. Martin 58 = 37,4 % aus St. Leonhard 13 = 8,4 % aus Moos in Passeier 4 = 2,6% aus Meran 2 = 1,3% aus Riffian 1 = 0,6% aus Kuens 1 = 0,6% aus Ulten Die Zahl 155 steht für eine enorme Entwicklung, wenn man bedenkt, daß 1973 erst 59 beschäftigt waren. Von St. Martin wird heute der gesamte Vertrieb für Italien, Österreich, Griechenland und den Nahen Osten gesteuert. Der »Rest der Weit« wird in erster Linie von Müstair betreut. Es ist das Ziel der HOPPE-Gruppe, auch weiterhin als Europa's führender Hersteller von Markenbeschlägen mit Erfolg am Markt zu bestehen. Dafür sorgen der Einsatz modernster Computer- Technologien in der Verwaltung über die Konstruktion bis zur Fertigung.

Im kommerziellen Bereich hatte die HOPPE AG schon 1981 die EDV im Einsatz. Heute reicht das Spektrum von CNC-Maschinen im Werkzeugbau über Konstruieren am Bildschirm bis zu Robotern in der Produktion. Trotz dem Einsatz dieser Technologien haben die Mitarbeiterzahlen steigende Tendenz. Daß keine Arbeitsplätze gefährdet sind, ist eine Entwicklung, die von der breiten Öffentlichkeit und vor allem von den Meinungsmachern allzu leicht übersehen wird. Auch in Zukunft wird die HOPPEAG neue, sichere und attraktive Arbeitsplätze bieten können. Dabei wird immer angestrebt, den Bedarf an Mitarbeitern aus dem Tal zu decken. Dieses Bestreben soll vor allem die junge Generation motivieren, sich einer anspruchsvollen und qualifizierten Ausbildung zu widmen, vor allem technischer Art. Zur Zeit ist das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften sehr gering. So mußte schon so manche Stelle mit »Auswärtiqen- besetzt werden. Unter dem 'Leitsatz »Anders und besser als andere- verfolgt die HOPPE AG ihre ehrgeizigen Ziele. Im laufenden Jahr 1987 erhofft man Umsatzsteigerungen von über 10%, ausgehend von einem Umsatz von ca. 32 Milliarden Lire im Jahr 1986.

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Im Bild eine Karikatur von Albert Mair aus St. Leonhard, welche die AChtzehnjährigen an ihre neuen Rechte und Pflichten erinnert.


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SPORTNOTIZEN RODELSPORT IM PASSEIER Der Rodelsport ist der älteste und bodenständigste Wintersport in unserem Lande und im gesamten Alpenraum überhaupt. Er ist hervorgegangen aus harter Arbeit, die Kraft und Schneid erfordert und mit Risiko verbunden ist. Die Rodel wurde aus dem Hornschlitten und aus dem »Heizuiqentwickelt, mit denen die Bergbauern seit Menschengedenken im Winter das Heu von den Mahdern und das Holz aus dem Wald auf steilen und vereisten Bahnen zum Hof gebracht haben. Gerade im Passeier ist der Rodelsport seit alters her ein echter Volkssport. Bevor es die so weit ausgebauten Schülertransporte gegeben hat, haben viele Kinder das Rodeln auf ihren Schulwegen bestens trainiert. Seit langem haben die verschiedenen Vereine jährlich Rodelrennen auf Holzwegen und »Heuriesen- in Prantach, Walten, Ulfas und anderswo ausgetragen und sich daran gefreut und die Geselligkeit gepflegt. Mit der im Jahre 1979 in Inzing in Nordtirol ausgetragenen I. RodelWeltmeisterschaft im Rennrodeln auf Naturbahn erhielt diese Sportart die offizielle Anerkennung und ihre Einreihung in die Sportzweige internatio-

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INZINII naler Bedeutung. Dem waren aber schon jahrelange Bemühungen und Vorbereitungen vorangegangen auch im Passeier. In den 60er und Anfang der 70er Jahre betreuten der S.v. Moos sowie der S.C. Passeier und der S.v. St. Martin viele sportbegeisterte Jugendliche aus dem Tale. 1974 kam es zum Zusammenschluß des S.v. Moos mit dem S.C. Passeier, der die Sektionen Fußball, Leichtathletik, Ski und Rodel umfaßte. Die Rodler erbrachten bei verschiedenen Rennen auf Landesebene hervorragende Leistungen. So kamen einige rodelsportbegeisterte und unternehmungsfreudige Männer - allen voran Leo Fontana - auf die Idee, auch im Passeier eine Naturrodelbahn zu bauen. In Platt, das im Winter einige Zeit ohne Sonnenschein ist, boten sich von der Lage und vom Gelände her ideale Voraus-

setzungen. Bereits im Jahre 1973 wurde das erste Teilstück von Platt bis Bad/Sand mit einem beträchtlichen Kostenaufwand erbaut. Im Winter 1973/74 wurden bereits mehrere Rennen ausgetragen, darunter auch die erste Jugend-Landesmeisterschaft. Aus den genannten sportlichen Veranstaltungen ergab sich die Notwendigkeit, die Rodelbahn zu verlängern, denn sie entsprach nicht der Norm der I.R.O. (FIL = Internationaler Rodelverband). Nach Überwindung vieler bürokratischer Schwierigkeiten konnte die Bahn nach oben verlängert und fertig ausgebaut werden. Im Jänner 1976 bestand die neue Strecke die Feuertaufe durch die Austragung des 111. Großen Preises von Italien mit internationaler Beteiligung.

2. RODEL-WM

AUF NATURBAHN t-

NATURRODELBAHN >lPASSEIERcc IN PLATT - GEMEINDE MOOS DATEN DER RENNSTRECKE Gesamtlänge Starthöhe Zielhöhe Höhenunterschied Höchstgefälle Mindestgefälle Durchschnittsgefälle Anzahl der Kurven

1680m 1220 m 1006 m 214 m 34%

4%

12,73 % 39

Beurteilung der Bahn: ungefährlich, nicht zu schnell aber technisch sehr schwierig. Sie wurde heuer von ausländischen Fachleuten als schönste Naturrodelbahn der Welt bezeichnet. Weitere große Rennen waren: 1978 die X. Italienmeisterschaft und 1979 der VI. Große Preis von Italien.

llEL.

Einen besonderen Höhepunkt erlebte der Rodelsport im Passeier 1980 durch die Austragung der 2. Weltmeisterschaft im Rennrodeln auf Naturbahn. Nach langen Bemühungen von ideal gesinnten Männern wurde in Konkurrenz mit anderen Vereinen (Pustertal) diese Veranstaltung von der FIL Passeier zugesprochen. Unter Mitarbeit von Vertretern aus den drei Passeirer Gemeinden und sehr vielen freiwilligen Helfern wurde diese sportliche Großveranstaltung bestens vorbereitet und am 1.2.1980 in Anwesenheit von Landeshauptmann Dr. S. Magnago feierlich eröffnet. Athleten aus elf Nationen waren bei den Rennen am Start. Zu einem wahren Volksfest wurde da-


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mals die Feier der Silbermedaillengewinnerin Christa Fontana aus Moos. In der Zwischenzeit gab es eine Krise . zwischen einigen Verantwortlichen im S.C. Passeier und Leitern der Sektion Rodel im S.C. Passeier, sodaß es zur Gründung des Rodelvereines Platt/Passeier kam, Da in der Sektion Rodeln des S.C. Passeier ein geeigneter Trainer bzw. Mannschaftsführer fehlte, schlossen sich die aktiven Rennrodler dem Rodelverein Platt! Passeier an, welcher heute Athleten aus allen drei Passeirer Gemeinden betreut. Immer wieder erbrachten Passeirer Athletinnen und Athleten bei internationalen Rennen beste Leistungen. Bei der 4. Rodel-WM in Kreuth (D) war Irmgard Lanthaler aus Stuls Bronzemedaillengewinnerin. Die größten Erfolge erzielten die Passeirer Rodlerinnen bei der 5. Rodelweltmeisterschaft in Aosta, wo Irmgard Lanthaler den Weltmeistertitel und Helga Pichler aus Platt die Bronzemedaille errang. Beide wurden damals bei ihrer Ankunft in Moos und in ihren Heimatdörfern gebührend und ausgiebig gefeiert. Es gibt wohl wenige Gemeinden in Südtirol, in denen Sportler sind, die vier Weltmeistertitel gewonnen haben. Auch bei der männlichen Jugend gibt es guten Nachwuchs, sowohl bei den Ein- als auch bei den Doppelsitzern. Bei Italien- und Europameisterschaften haben sie in den vergangenen Wintern immer wieder vorderste Plätze belegt.

In diesem Winter fanden auf der Naturrodelbahn in Platt neben anderen Rennen (z.B. Bezirksfeuerwehrrennen mit 200 Teilnehmern) vom 11.02.-15.02. die 11.Jugendspiele des Internationalen Rodelverbandes statt, wobei Sportler aus acht Nationen am Start waren. Leider konnten die Rennen wegen Einbruch von Tauwetter nicht zu Ende geführt werden, sodaß bereits am Samstag, den 14.02. der Abschluß mit Siegerehrung gemacht werden mußte. Der Rodelsport ist wohl die einzige Sportart, überhaupt die einzige Möglichkeit, eine internationale Veranstaltung mit solcher Beteiligung in unser Tal zu bringen. Leider wurde das von manchen Kreisen im Tale bis heute zu wenig bedacht oder der Wert solcher Veranstaltungen unterschätzt. Besonders werbemäßig wurden diese Sportereignisse viel zu wenig ausgewertet. Es bleibt zu hoffen, daß durch das Interesse und die Unterstützung vieler der Rodelsport im Passeier weiterhin eine gute Zukunft habe. Dies zur Freude aller Rodelsportfreunde und vor allem als sinnvolle Freizeitgestaltung vieler Jugendlicher.

TISCHTENNIS IM AUFWIND LANDESMEISTERSCHAFT IN ST. LEONHARD Der erst seit einem guten Jahr bestehende SC TI (Sektion Tischtennis im Sportclub) weist eine rege Vereinstätigkeit auf. Besonders erfolgreich war die Teilnahme an den VSS-Freizeitturnieren, die dem Passeirer Junior Josef Prünster den Titel eines Vizelandesmeisters einbrachte. Am 22. März 1987 erlebte der Verein einen weiteren Höhepunkt. Der SC TI Passeier war Ausrichter der Landesmeisterschaft im Tischtennis (FITET-Turnier), in dem sich Senioren und Veteranen für die Teilnahme an den Italienmeisterschaften qualifizieren konnten. Die Fahrkarte für die Teilnahme errangen folgende Spieler:

Senioren: 1. Heinrich Fill (TI Recoaro) 2. Franz Tasser (SC Bozen) 3. Mario Nardin (SC Bozen) Bester Passeirer war Josef Holzer auf Platz 15. Veteranen: 1. Oliviero Bussani (SV Lana) 2. Piero Sambo (SC Bozen) 3. Giuseppe Minesso (TI Recoaro) 4. Horst Häser (SV Lana)

Am Nachmittag wurde es auch für die Passeirer interessant. Im Turnier für die Freizeitspieler errangen sie einige gute Ergebnisse im Dameneinzel:

1. Manuela Pichler (SC TI Passeier) 2. Silke Folie (SC TI Passeier) 3. Gudrun Marsoner (SC TI Passeier) 4. Claudia Angeli (SC Bozen)

SKI-VEREINSMEISTERSCHAFT IN PFELDERS Am Sonntag, den 22.3.1987 fand in Pfelders die Vereinsmeisterschaft der Sektion Ski im SC Passeier!Raiffeisen statt. Hier die Sieger in den einzelnen Kategorien:

Damen Jahrgang 1950-65 Silvia Ennemoser 66-70 Gertrud Poehl 71-73 Marlene Raich (Vereinsmeisterin)

Nadia Kobler Margareth Pixner

Buben Michael Gufler Walter Hofer Olav Pichler Roland Hofer

Empfang der Siegerinnen der 5. Rodel-WM am 24.02.86 in Moos: Bürgermeister Josef Pichler von St. Martin (leicht verdeckt) gratuliert die Goldmedaillengewinnerin Irmgard Lanthaler (Bildmitte) und Bürgermeister Franz Raich aus Moos gratuliert Bronzemedaillengewinnerin Helga Pichler.

74-76 77-81 78-81 76-77 74-75 72-73

Herren Sepp Ennemoser (ältester Teiln.) 1900-39 40-46 Luis Pichler 47-52 Franz Hofer 53-58 Josef Gufler 59-64 Oswald Hofer (Vereinsmeister) 65-68 Hubert Schwarz 69-71 Helmuth Gufler Rennfahrer FISI Thomas Gufler Jüngste Teilnehmerin Sandra Heel, Jahrgang 1980


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Die öffentlichen Bibliotheken im Hinterpasseier Wie in vielen Pfarreien gab es auch in den meisten Pfarreien des Hinterpasseier seit vielen Jahren Pfarrbüchereien, die von der Bevölkerung mehr oder weniger benützt wurden. Sie waren Mitglieder des Österreichischen Borromäuswerkes und bekamen von dort finanzielle Hilfe und Beratung. Von der Diözese Bozen/ Brixen wurden die Pfarrbibliotheken vor allem organisatorisch unterstützt. Auch vom Land gab es etwas finanzielle und organisatorische Unterstützung.

Im Jahre 1983 hat der Südtiroler Landtag das neue Bibliotheksgesetz (Landesgesetz Nr. 41) erlassen und dadurch das ganze Büchereiwesen einschließlich Organisation, Aufbau und Finanzierung neu geregelt.

In Gemeinden bis 5000 Einwohnern darf nur mehr eine einzige öffentliche Bibliothek bestehen, die an Größe und Ausstattung bestimmten Anforderungen entsprechen muß, wenn sie vom Land anerkannt und finanziell unterstützt werden soll. Weitere bestehende oder neu zu errichtende Bibliotheken (Schulbibliotheken und ähnliche ausgenommen) können als Zweigstellen der bestehenden Öffentlichen Bibliothek angeschlossen werden. Die Öffentliche Bibliothek mit eventuellen Zweigstellen muß vom Land anerkannte Statuten besitzen und einen Bibliotheksrat ernennen. Jährlicher Rechenschaftsbericht über Tätigkeit und Finanzen sind dem Lande vorzulegen. Im Bibliotheksrat sind die Trägerorganisation (z.B. die Pfarrei), die Gemeindeverwaltung und die Zweigstellen vertreten. Auch im Hinterpasseier wurde das neue Landesgesetz sofort in Anwendung gebracht. Die Volksbücherei Moos entsprach den Forderungen des Landesgesetzes in Bezug auf Buchbestand, Raumausstattung und Personalausbildung. Es wurden die Statuten festgelegt und der Bibliotheksrat gegründet, dem statutengemäß Vertreter der Pfarre Moos, der Gemeinde Moos und der Zweigstellen angehören. Am 28. September 1984 fand die konstituierende Sitzung statt. Dabei wurde Lehrer Gilbert Fischer zum Präsidenten der Öffentlichen Bibliothek Moos in kirchlicher Trägerschaft gewählt und die Zweigstellen Rabenstein, Stuls und Platt gegründet. So umfaßt die Öffentliche Bibliothek Moos vorläufig vier Büchereien.

1. Die Volksbücherei Moos als Hauptbibliothek Sie besteht seit 1968 und befindet sich im Pfarrwidum-Tiefparterre (Pfarrsaal). Sie hat einen Buchbestand von ca. 2000 Bänden erreicht. Büchereileiter ist der Pfarrer Franz Eberhöfer, Lehrer Gilbert Fischer ist ehrenamtlicher Mitarbeiter; beide haben die vom Land vorgeschriebene Grundausbildung. Geöffnet ist die Bibliothek besonders an Sonn- und Feiertagen nach dem Hauptgottesdienst, aber auch an Werktagen nachmittags und abends (im Pfarrwidum anfragen, auch telefonisch, Tel. 85537). 2. Die Pfarrbücherei Rabenstein Auch sie war früher im Pfarrwidum (Pfarrsaal) untergebracht. Pfarrer Franz Künig hat sie neu aufgebaut und im umgebauten Schulhaus schön untergebracht. Sie hat nun einen neuen Buchbestand von ca. 900 Bänden. Dem Pfarrer steht als Mitarbeiterin Lehrerin Waltraud Gufler zur Seite. Öffnungszeiten: am Sonntag nach dem Hauptgottesdienst 1 Stunde, am Freitag Nachmittag nach dem Gottesdienst 1 Stunde.

3. Die Pfarrbücherei Stuls Sie wurde von Pfarrer Franz Künig neu gegründet und als Zweigstelle der Öffentlichen Bibliothek Moos angeschlossen. Vorläufig ist sie im Schulhaus von Stuls untergebracht und hat einen Buchbestand von ca. 500 Bänden. Dem Pfarrer steht der Lehrer Konrad Gufler in der Buchausleihe und Führung als Mitarbeiter zur Seite. Öffnungszeiten: am Sonntag nach dem Hauptgottesdienst und gelegentlich auch während der Schulzeit. 4. Die Pfarrbücherei Platt Sie mußte ebenfalls neu aufgebaut werden. Sie befindet sich weiterhin im Pfarrwidum (Pfarrsaal) im oberen Stock und erhielt einen neuen Eingang von außen. Auch die Inneneinrichtung wurde mit finanzieller Hilfe der Gemeinde erneuert, ebenfalls der Buchbestand. Dieser muß erst geordnet und für die Ausleihe vorbereitet werden. Diese ganze Vorbereitungsarbeit leistete der Lehrer Arnold Rinner mit seinen Helfern; er ist auch Leiter der neuen Pfarrbibliothek. Er hofft, sie in nächster Zeit eröffnen zu können.

Auch in Pfelders ist eine Zweigstelle geplant. Im neuen Schulhaus ist ein eigener Raum dafür vorgesehen und die Gemeindeverwaltung Moos hat ihn mit modernen Möbeln ausgestattet. Wahrscheinlich wird sie von der Pfarre geführt werden und wir hoffen, daß sie noch heuer eröffnet werden kann. Die Bibliotheken stehen der gesamten Bevölkerung sowie den Gästen zur Buchausleihe zur Verfügung. Der Verkehrsverein Moos und die Beherbergungs betriebe werden ersucht, die Gäste auf dieses kulturelle Angebot aufmerksam zu machen. Viele Gäste sind sehr dankbar dafür; so brauchen sie die Bücher nicht von daheim mitzubringen. Die Bibliothek Moos hat auch Bücher in italienischer Sprache in ihrem Bestand.' Die Bibliotheken bieten den Lesern Bücher für alle Altersstufen. Neben den Büchern mit erzählendem Inhalt gibt es auch viele schöne Sachbücher aus den verschiedenen Sparten. Von Gästen und auch Einheimischen begehrt sind die Südtirolbücher: Bildbände, Wanderbücher, geschichtliche Bücher, auch Standardwerke. Die Ausleihe ist grundsätzlich gratis (mit Ausnahme einer Vergütung für Rückgabeverspätung); jedoch sind die Bibliotheken für Spenden, auch kleine, von seiten der Leser sehr dankbar.

Wichtig aber ist, daß die Bibliotheken von allen Altersstufen benützt werden als kulturelle Bereicherung, zur Weiterbildung und sinnvollen Freizeitgestaltung. F.E.

Buchvorstellung Passeirer in den Weltkriegen Unlängst hat sich der Heimatkundler und Passeirer Talchronist Sepp Haller, Begründer und Leiter des Passeirer Heimatmuseums in St. Martin, mit seinem Buch »PASSEIRER IN DEN WELTKRIEGEN 1914-1918 und 19391945« der Öffentlichkeit vorgestellt. In dem Festakt, der in den Räumen


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des Heimatmuseums von St. Martin stattfand, konnte der Verleger Jakob Tappeiner, Lana, den Herrn Pfarrer Alois Wallnöfer, den Herrn Bürgermeister Josef Pichler, den Gemeindevertreter von St. Leonhard Dr. Albin Pixner und den Vertreter der Gemeinde Moos, Vizebürgermeister Karl Lanthaler und zahlreiche andere Vertreter der verschiedenen Vereine begrüßen. Der Gastgeber dankte der Gemeindeverwaltung von St. Martin und den Raiffeisenkassen des Tales, die den Druck des Werkes und die Bereitstellung der finanziellen Mittel ermöglicht hatten. Buchautor Sepp Haller richtete seinerseits Dankesworte an seine Mitarbeiter und erzählte anschließend über den Werdegang des Buches, das gemäß seinen Worten aus dem Anliegen entstanden war, die Geschehnisse jener Jahre aus der Sicht der Betroffenen darzustellen und den Kriegsteilnehmern, allen voran den Gefallenen und Vermißten, ein Denkmal zu setzen. Bürgermeister Josef Pichler sprach dem Autor seine Anerkennung und den Dank dafür aus, daß er durch diese Tirolensie das Passeiertal aufgewertet habe. Beim anschließenden Umtrunk, zu dem Jakob Tappeiner vom Verlag Tappeiner die Festgäste einlud, kam die Freude und Genugtuung der anwesenden Vertreter des Frontkämpferverbandes über die Veröffentlichung des Werkes zum Ausdruck. Buchautor Sepp Haller, der schon wiederholt talbezogene Schriften veröffentlicht hat, stellt in seinem neuesten Werk auf 140 Seiten das Schicksal des Passeiertales und seiner Bewohner in den beiden Weltkriegen dar. In jahrelanger liebevoller Kleinarbeit hat er zahlreiche Direktbefragungen vorgenommen und umfangreiches Bildmaterial zusammengetragen. Ohne die Geschehnisse interpretieren oder gar werten zu wollen, läßt der Autor die Betroffenen selber zu Wort kommen. Darüberhinaus sprechen die geschichtlichen Dokumente, Briefe und Zeitungsausschnitte, sowie Erinnerungs- und Sterbebilder in ihrer Autentizität eine beredte Sprache. In Wort und Bild kommen hier die Auswirkungen des Krieges auf alle Lebensbereiche der Menschen in erschütternder Eindringlichkeit zum Ausdruck.

Neue Straßenbenennungen in St. Leonhard

Der Gemeinderat von St, Leonhard hat in seiner Novembersitzung neue Namen für einige Straßen im Dorfbereich genehmigt. Die Neubenennungen wurden notwendig, weil durch die enorme Bautätigkeit in den 70er und aOer Jahren St. Leonhard eine starke Ausdehnung erfahren hat und mehrere neue Siedlungsbereiche dazugekommen sind. Großteils erhielten diese Bauzonen fortführende Nummern von bereits bestehenden Straßen zugesprochen, sodaß der Nummernwald immer höher und unübersichtlicher wurde. Die bisherige Numerierung begann beim Widum und setzte sich fortlaufend folgendermaßen fort: Kirchweg Happergweg - Platzerberg - Karlegg - Dorfzentrum - Gemeindeweg Gänsboden - Schloß berg - Glaiten Schlattach - Gomion - Windegg Prantach. Sie endete mit der Hausnummer 429 im Ortsteil Prantach. Einige Häuserblöcke im Dorfzentrum mußten durch Buchstaben ergänzt werden. Aufgrund dieser Gegebenheiten ist es nicht verwunderlich, wenn viele Häuser nicht nur für Ortsfremde schwer auffindbar waren. Zudem entspricht die derzeitige Numerierung nicht den Bestimmungen. Daher hat sich eine Kommission, bestehend aus Lehrpersonen, zusammen mit dem Kulturassessor der Gemeinde und dem Kultur- und Heimatpflegeverein mit der Neubenennung der Straßen befaßt. Da St. Leonhard in der Geschichte nur wenige bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht bzw. beherbergt hat, war man vor allem darauf bedacht, ältere und teilweise in Vergessenheit geratene Flur- und Straßenbezeichnungen wiedereinzuführen. Im folgenden sollen die neuen Straßennamen kurz erklärt werden: Happergweg (bleibt gleich): Benannt nach dem Schildhof Happerg.

Platzerbergweg (bisher ohne Bezeichnung): Tarneller spricht in seinem 1910erschienenen Werk »Die Hofnamen des Burggrafenamtes und Eisacktales« von den Höfen auf Platz, von denen der älteste Sinefeld ist. Sinefeld ist abgeleitet aus sinewel = rund; sinewelplatz = der runde Platz. Thurnfeld (bisher Teil des Happergweges): Früherer Hofname für den heutigen Kassierhof, der die Gründe für die bestehende Wohnbauzone stellte.

Kirchweg (bleibt gleich): Dieser Weg über den »Bichl- ist der ältere Weg zur Kirche. Der bisherige »Neuweg« wurde erst im 19. Jahrhundert angelegt. St.-Barbara-Weg (bisher Neuweg): Die heilige Barbara ist die zweite, fast in Vergessenheit geratene Patronin der Leonhardskirche. Diese Heilige ist auch die Patronin der Bergleute, wobei zu erwähnen ist, daß der Schnee berg früher im Pfarrgebiet von St. Leonhard lag. Im Schaffeid (bleibt gleich): Schaffeid ist ein alter Flurname (Nennung 1694). Silbergasse (bisher Karleggerweg): Tarneller schreibt: »Die Häuser bis zum Walhaus liegen in der »Silberqasse«,

Gerberweg (Weg zum Felsenegghof): Benannt nach dem alten Gerberhandwerk in dieser Umgebung. 1529 wird ein Jakob Gärber, 1694 das Gärbhaus genannt. (bisher JaufenPasseirer-Straße straße): Sie reicht von der Gerlosbrücke bis zur Abzweigung Jaufen und Moos. Jaufenstraße (von. der Abzweigung nach Moos bis Walten). Gerichtsweg (bisher Teil des Schloßweges, genannt Sticki): Der Gerichtsweg führte früher zum alten Gerichtsgebäude, von dem wir annehmen können, daß es wohl im 16. und 17.Jahrhundert der heutige Unterstickelhof war. In noch früherer Zeit befand sich das Gericht in der Jaufenburg. Um dorthin zu gelangen, wurde auch dieser Weg benutzt. Schloßweg (bleibt gleich): Die Jaufenburg wurde früher aufgrund ihrer Größe und Stattlichkeit oft als Schloß bezeichnet. Stickl (Wohnbauzone; bisher Teil des Schloßweges): Tarneller nennt den Peischlhof, Mairhof, Sticklhof und das Schopphaus »an der Stickl«, Partscheil (Hölle bis Gerichtsweg): So hieß früher der Bereich vom Kaseregg bis zur Stickl. Erstmals ist dieser Name in der Privilegienbestätigung Herzog Leopolds 1396 für das Gericht Passeier genannt. Weingartweg (bisher keine Bezeichnung; Moarhofacker): Der Weingarthof hinter St. Leonhard wird 1369 genannt (bonum d. Weingart). Der Name weist auch auf den früheren Weinbau in dieser Gegend hin. (Fortsetzung auf Seite 12)


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Neue Straßen benennungen (Fortsetzung von Seite 11)

Mooser-Straße (bleibt gleich). Gänsboden (bleibt gleich). Diese Bezeichnung scheint 1694 für einen Hof in dieser Gegend auf (Genspoden). Kohlstatt (bisher Gemeindeweg oder Rom-Straße): Erinnert an die früher bestehenden Köhlereien in diesem zentralen Ortsteil. 1664 wird diese Bezeichnung in einer Urkunde erwähnt. Andreas-Hofer-Straße (Vereinshaus bis Franzosenfriedhof): Benannt nach dem Freiheitshelden Andreas Hofer. Im Steinanger (bisher Teil des Gemeindeweges): Alter Flurname, der auf die Verwüstungen des Waltenbaches (früher Rasimbach) hinweist. Gerlosweg (Kammerveiterstraße über Windegg bis Passeirerstraße): Beda Weber (1852) zählt in der Fraktion Gerlos, zu der die Höfe Hoch- und Ebenwies, Scheiter, Pötten, Kammerveit und der Gerloshof gehören, 80 Einwohner. Bereits früher benannt wurden folgende Straßen: Kammerveitstraße (Handwerkerzone bis Wohnbauzone): Der Hof Kammerveit ist einer der ältesten im früheren Ortsteil Gerlos und im Passeiertal überhaupt. Holzländestra3e (in der Handwerkerzone): Der Bereich, in dem die Handwerkerzone steht, wurde früher als »Holzlände- bezeichnet. Die Neubenennungen liegen derzeit bei der Toponomastikkommission in Bozen, von deren Gutachten die Genehmigung abhängt. In der Zwischenzeit werden durch einen Gemeindebeamten die Hauseingänge neu erhoben. Jeder Straßenzug beginnt nunmehr mit der Nummer 1, womit eine größere Übersichtlichkeit erreicht wird. Ab einem Zeitpunkt, der über das Mitteilungsblatt bekanntgegeben wird, müssen dann Identitätskarten, Führerscheine usw. auf die neuen Adressen umgeschrieben werden. (Aufgrund der bevorstehenden Wahlen frühestens im Sommer.) Die Gemeinde wird den einzelnen Bürgern bei der Erledigung der vorgenannten Formalitäten im Rahmen des Möglichen behilflich sein. Eigentümer und Herausgeber: Josef Pichier, Trifter Weg 2/b, St. Martin in Passeier. Druck: Riridruck, Meran, GoethestraBe 93. Verantwortlich für den Inhalt im Sinne des Pressegesetzes: Dr. Gerald Reischmann. Erscheint dreimonatlich. - Eingetragen beim landesgericht Bozen mit Dekret Nr. 11/87 vom 29.05.1987. Redaktionskomitee: Robert Haniger, Dr. Heinrich Hofer, Josef Kofler, Karl Lanthaler, Josef Pichjer, Ubald Pichier, Dr. Albin Pixner, Arnold Rinner, Josef Ottl.

Neue Sozialwohnungen in St. Leonhard übergeben Gerade rechtzeitig zum Ausklang des Jahres 1986 wurden in St. Leonhard 8 neue Sozialwohnungen des Institutes für geförderten Wohnbau übergeben. Bürgermeister Matthias Raffl und Rag. Rabensteiner als Vertreter des Instituts beglückwünschten bei der Schlüssel übergabe die neuen Mieter, dankten der Firma Caser und Corona für die gelungene und rasche Fertigstellung des Baues und sprachen die Hoffnung aus, daß die 8 Familien zu einer harmonischen Gemeinschaft zusammenfinden mögen. Frieden und die Bereitschaft zu einem gut nachbarlichen Verhältnis sollten das gelungene Bauwerk beseelen, Dekan Dr. Ulrich Gasser segnete das

Haus, das anschließend bei einem Rundgang besichtigt wurde. Der großzügig geplante Neubau befindet sich in der Wohnbauzone Schaffeid. Es handelt sich um eine Umwidmung eines ursprünglich für Fremdenverkehrszwecke geplanten Bauwerks, Hier sind nunmehr 8 Einbis Fünfzimmerwohnungen untergebracht, die von Mietern aus St. Leonhard (5) und aus der Fraktion Walten (3) bewohnt werden. Eine weitere Wohnung wurde im Laufe des Frühjahrs übergeben. Die Gemeinde St. Leonhard besitzt damit insgesamt 29 Sozialwohnungen, womit der Bedarf für die nächsten Jahre im großen und ganzen wohl gedeckt sein dürfte.

Im Bild der Neubau im Schaffeid mit den neuen Sozialwohnungen.

Mitteilung des Patronats KVW In den letzten Monaten wurde vielen Arbeitnehmern vom NISF Bozen das Modell ECO 11M zugeschickt, andere werden es in nächster Zeit erhalten. Diese Formulare enthalten die Versicherungszeiten, Entlohnung und Firrnenanqabenbis zum Jahre 1980 und müssen vom Arbeitnehmer bis spätestens September 1987 überprüft werden. Stimmen die Angaben nicht, muß man sie unbedingt richtigstellen lassen. Wer sich nicht auskennt, kann sich an das Patronat KVW wenden. Sprechstunden: St. Leonhard (Gemeindeamt), Dienstag 8.30-12.00 Uhr St. Martin (Gemeindehaus), Dienstag 14.00-17.30 Uhr Moos (Gemeindehaus), Freitag 14.00-17.30 Uhr

Passeirer Blatt  

Ausgabe 01/1987

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