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Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

ZEITUNG

Digitaler Nachschlag der Ausgabe 01/13 ∙ Januar/Februar 2013 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de

Digitaler Nachschlag

Ehrenamtlich in Kenia

Unis unter der Lupe

Uferloses Lernen im PJ?

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Zahnmedizinstudent Shayan nahm während seiner Semesterferien an einem ehrenamtlichen Hilfseinsatz teil. Bereits in der Printausgabe berichteten wir davon, hier findest du die Fortsetzung.

Im MEDI-LEARN Uni-Ranking befragten wir Studenten dazu, wie ihrer Meinung nach die Lehreinheiten aufeinander abgestimmt sind. Es gibt gute Bewertungen, aber auch ein eindeutiges Schlusslicht.

Wo soll ich nur anfangen? Diese Frage stellen sich viele vor der letzten großen Prüfung – dem Hammerexamen. Sollte man vor oder schon während des PJ lernen? Wir haben ein paar Tipps dazu.

Kopfbälle schaden dem Gehirn Studie mit verschiedenen Methoden und Probanden gibt Aufschluss von Ines Behlert (MEDI-LEARN Redaktion)

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ie Europameisterschaft hat in vielen Ländern einmal mehr Begeisterung für das Fußballspielen geweckt. In der Sportmedizin stellt sich allerdings schon länger die Frage, ob Kopfbälle schädlich für die Gesundheit, besonders für die neurologische seien. Immer wieder gingen Studien dieser Frage nach – mit verschiedenen Methoden und unterschiedlichen Probanden. Die derzeit jüngste dieser Untersuchungen aus dem November 2011 sagt nun, dass es zu Schäden komme, und nennt sogar eine Anzahl gefahrlos möglicher Kopfbälle. Zahlreich sind die bislang verwendeten Untersuchungsmethoden: CT, MRT-Varianten, EEG, Blutproben, neuropsychologische Tests … und das Ergebnis war stets ein anderes. So lässt sich der gegenwärtige Stand von Untersuchungen zum Thema „Gesundheitsgefährdung durch Kopfbälle“ zusammenfassen. Mal konnten Schädigungen nachgewiesen und in Verbindung zum Köpfen gebracht werden, mal wurden Schädigungen gefunden, ließen sich aber in keinen Zusammenhang mit der sportlichen Aktivität bringen. Und manchmal fanden sich keine Schädigungen. Was man von der physikalischen Seite über Kopfbälle weiß, ist Folgendes: Die Auswirkungen des Aufpralls sind abhängig von Gewicht und Elastizität des Balles sowie von seiner Fluggeschwindigkeit. Derzeit ist für Bälle ein Gewicht zwischen 410 und 450 Gramm zulässig. Während die Bälle früher bei regnerischen Bedingungen ihr Gewicht durch Wasseraufnahme steigerten, sind die heutigen durch plastifizierte

Oberflächen davor geschützt. Ist der Ball weich, dämpft dies die Aufprallenergie. Allerdings bevorzugen gerade Profi-Spieler harte Bälle, da diese sich genauer lenken lassen. Bleibt die Fluggeschwindigkeit, die bei scharfen

Schüssen schon mal mehr als 100 Stundenkilometer beträgt. Führt man sich vor Augen, wie heftig der Kontakt zwischen Ball und Kopf unter diesen Bedingungen sein kann, erklärt sich die Bedeutung der richtigen Technik

quasi von allein. Im Optimalfall wird mit der Stirn geköpft – hier ist der Schädelknochen am stabilsten. Dabei werden die Nackenmuskeln angespannt, was einen weiteren Schutz für Kopf und Hals bedeutet. Doch selbst die beste Technik bietet keinen hundertprozentigen Schutz. So erscheinen neurologische Auswirkungen durch Kopfballausübung nur logisch. In der schon erwähnten New Yorker Studie vom November 2011 zeigten sich mithilfe eines speziellen MRT-Verfahrens Veränderungen am Gehirn bei Fußballern, die viel köpfen. Diese Veränderungen entsprechen solchen, wie sie nach einem Schädel-HirnTrauma auftreten. Ergänzende neuropsychologische Untersuchungen offenbarten Schwächen im verbalen Gedächtnis und in der psychomotorischen Geschwindigkeit bei den Spielern mit den meisten Kopfbällen. Durch Befragungen ließ sich die „kritische Summe“ an Kopfbällen auf 1000 bis 1500 pro Jahr beziffern. Von Zeit zu Zeit werden Forderungen laut, dass Fußballspieler Helme bzw. Hauben zu ihrem eigenen Schutz tragen sollten. Derzeit ist nicht davon auszugehen, dass diese Forderungen bald umgesetzt werden. Dennoch wird inzwischen mehr Wert gelegt auf eine saubere Technik. Ein schlechtes Gewissen braucht niemand zu haben, der sich an Kopfballtoren erfreut: Trotz aller technisch nachgewiesenen Hirnveränderungen und neuropsychologisch auffälliger Testergebnisse gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die betroffenen Spieler in irgendeiner Form in ihrem Alltagsleben eingeschränkt sind.


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Ehrenamtlicher Hilfseinsatz im kenianischen Dorf Fortsetzung aus der MEDI-LEARN Zeitung 01/2013

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a es im Haus weder Fernseher noch Radio, auch keinen Computer und keinen Zugang zum Internet gab, haben wir die Abende mit Kartenspielen, Lesen und dergleichen verbracht. Als großes Problem erwiesen sich die ständigen Stromausfälle: Fast jeden Tag passierte das irgendwann mitten am Tag, was unsere Arbeit

Klassenzimmer durchgeführt. Das Material und die Werkzeuge wurden zu jeder Untersuchung mit dem Auto mitgenommen. Hebel und Zangen, Anästhetikum und sonstige Instrumente, Antibiotika und Schmerzmittel sind reichlich vorhanden. Die Zahnklinik ist mit einem Behandlungsstuhl ausgestattet, der

und Zähne zu extrahieren. Auch Parodontose-Behandlungen waren dank zwei Ultraschall-Scalern möglich. Der Besuch in der Schule dauerte bis zum Mittag an. Danach fuhren wir zurück, es gab Mittagessen, und kurz danach erschienen die Kinder zur Füllungstherapie. Es gab viel zu tun und wir gaben uns Mühe, mög-

zu helfen, wo es nur geht, und sehr zuvorkommend. So vergingen unsere Tage von montags bis samstags. Am Nachmittag konnte man Spaziergänge machen und sich die Gegend anschauen oder Joggen. Am Wochenende konnten wir unsere Zeit selbst planen. An einem Wochenende entschieden wir uns zur Safari zu gehen. Eine sehr inte-

sehr beeinträchtigte. Der Strom fiel oft auch abends zwischen 21 und 22 Uhr aus, sodass man entweder mit Stirnlampen im Wohnzimmer sitzen oder schlafen gehen musste. Jeden Tag fuhren wir zu einer neuen Schule. Dort wurden die Kinder von Lehrern gruppiert und einzeln zur Voruntersuchung im Freien geschickt. Wir unterschieden zwischen Kindern, die zur Fülllungstherapie zur Klinik kommen mussten und solchen, bei denen Zähne extrahiert werden sollten. Die Extraktionen wurden meist direkt in der Schule in einem

relativ gut funktioniert. Aber wie gesagt: Der Strom fiel häufig aus. Ein mit Benzin betriebener Generator war zwar vor Ort, allerdings war er mangels schlechter Wartung nicht einsatzbereit. Es gab ein Röntgengerät, aber auch das funktionierte nicht. Das Wasser beim Winkelstück fiel manchmal aus. Ansonsten war aber alles in Ordnung. Die Turbine funktionierte gut und reichte für unser Behandlungsspektrum völlig aus. Ansonsten war eigentlich alles im Behandlungsraum, was man benötigte, um Füllungen zu legen

lichst alle Kinder zu behandeln. Unsere Bilanz in dreieinhalb Wochen kann sich sehen lassen: rund 1700 Untersuchungen, 100 Extraktionen und 650 Füllungen. Zwischendurch kamen auch erwachsene Patienten zur Klink, die im Dorf mitbekommen hatten, dass wir da waren. Spätestens nach dem ersten Gottesdienst (dort werden die Deutschen nämlich vorgestellt) weiß jeder in Kaplamboi und Umgebung über die Hilfe Bescheid. Zur Arbeit an sich kann ich sagen, dass ich alles sehr angenehm fand. Die Nonnen sind sehr bemüht

ressante Erfahrung, die ich jedem empfehlen würde. Mein Fazit zum Einsatz ist, dass es sich sehr gelohnt hat, mitzumachen. Es erwarten einen zwar viel Arbeit, aber dafür auch viele fröhliche Kinderaugen, dankbare und freundliche Menschen, faszinierende Landschaften, traumhafte Sonnenauf- und -untergänge, eine völlig andere Kultur und jede Menge schöne Erinnerungen. Ich bin sehr froh, dass ich diese Erfahrung machen konnte und möchte so einen Einsatz jedem Kollegen, der die Möglichkeit dazu hat, wärmstens ans Herz legen.


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Uni-Ranking: Abstimmung der Lehreinheiten Gute Bewertungen und ein eindeutiges Schlusslicht MEDI-LEARN Redaktion

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icht nur Klinik und Vorklinik sollen besser ineinandergreifen, auch die Lehreinheiten untereinander sollten aufeinander abgestimmt sein, um ein optimales Lernen zu gewährleisten. Wenn Fakten und Ergebnisse anderer Fächer ignoriert werden, ergibt sich ein schiefes Bild und das Verständnis des Vermittelten wird erschwert. Zusammenhänge können nicht erkannt werden, sodass viele Einzelfakten nebeneinander stehen und sich kein großes Ganzes ergibt. Mit der Änderung der Approbationsordnung im Jahre 2002, die nun einen klinischen Bezug in den vorklinischen Fächern vorschreibt, war ein erster Schritt zur besseren Verknüpfung der Lehreinheiten getan. Seitdem arbeiten die Universitäten stetig an einer immer engeren Verzahnung der Fächer untereinander. So sollen der Studienerfolg und das Verständnis der Studierenden gefördert werden. Gleichzeitig sind diese Maßnahmen mit Kosten und Aufwand verbunden. Etablierte und mitunter verkrustete Strukturen müssen aufgebrochen und verändert werden. Das wiederum kostet Zeit. Im MEDI-LEARN Uni-Ranking befragten wir Studenten der vorklinischen und klinischen Semester dazu, wie ihrer Meinung nach die Lehreinheiten aufeinander abgestimmt sind. Nach dem Schulnotensystem konnten die Befragten die Noten „eins“ (sehr gut) bis „sechs“ (ungenügend) vergeben. Dabei zeigte sich, dass die Unterschiede zwischen Vorklinik und Klinik unterm Strich gering sind. In beiden Abschnitten zeigt sich die Mehrheit der Studierenden zufrieden mit der Organisation der Lehre. Sind es in der Vorklinik etwa 72 Prozent, die die Noten „sehr gut“ bis „befriedigend“ vergeben, stehen ihnen knapp 80 Prozent Kliniker mit dieser Notenvergabe gegenüber. Bei den befragten Studieren-

den der vorklinischen Semester schneiden die Universitäten Magdeburg und Mannheim besonders positiv ab. 30 Prozent der

Mannheimer vergeben für ihre Uni ein „sehr gut“ bezüglich der Lehrorganisation der Vorklinik, in Magdeburg sind es knapp 22 Prozent, die sich für ein solches Urteil aussprechen. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt haben lediglich neun Prozent diese Note vergeben. Am anderen Ende der Skala finden sich die Unis Düsseldorf und Erlangen-Nürnberg. In Düsseldorf vergaben knapp 12 Prozent die Note „ungenügend“, in Erlangen waren es knapp neun Prozent. Im bundesweiten Mittel gab es die „sechs“ nur von zwei Prozent der Studierenden. Für die Abstimmung der Lehreinheiten im klinischen Studienabschnitt bekamen die Unis Regensburg und Heidelberg Bestnoten. 23 beziehungsweise 20 Prozent der dort teilnehmenden Studierenden finden die Organisation „sehr gut“. Bundesweit lag der Durchschnitt bei etwa neun Prozent. Bei den Klinikern findet sich die Uni Erlangen-Nürnberg ebenfalls schlecht bewertet, knapp 22 Prozent der dortigen Studierenden vergeben das Prädikat „mangelhaft“. Weitere fünf Prozent sprechen sich sogar für ein „ungenügend“ aus. Überboten wird

dies nur von den Bewertungen der Universität Frankfurt am Main: 26 Prozent der Befragten vergeben die Note „mangelhaft“ und knapp acht Prozent die Note „ungenügend“. Damit ist Frankfurt negativer Spitzenreiter, denn bundesweit vergaben lediglich sechs Prozent die Note „mangelhaft“ und nur knapp über ein Prozent ein „ungenügend“. Wie häufig zeigt sich, dass die weite

Mehrheit der Studierenden sowohl der vorklinischen als auch der klinischen Semester mit der Abstimmung der Lehreinheiten aufeinander an ihrer Uni recht zufrieden ist. Wie im Bundesdurchschnitt werden zumeist die Noten „gut“ und „befriedigend“ für diesen Punkt an den verschiedenen Unis vergeben. Von den Vorklinikern werden darüber hinaus die Unis Mannheim und Magdeburg positiv hervorgehoben. Hier ist ihrer Ansicht nach die Abstimmung besonders gut gelungen. Die Kliniker sagen dies von den Unis Regensburg und Heidelberg. Ganz und gar nicht zufrieden sind die Studierenden der Uni ErlangenNürnberg. Dort vergeben Studierende vorklinischer sowie klinischer Semester sehr schlechte Noten und rügen die mangelhafte Abstimmung der Lehreinheiten. Es gibt in Erlangen scheinbar noch einiges zu tun, um die Qualität der Lehre und die Zufriedenheit der Studierenden zu erhöhen.

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN Verlag GbR, ISSN 1860-8590 Elisabethstraße 9, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-262 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Christian Weier (V.i.S.d.P.), Jens Plasger, Dipl.-Päd. Kare Ahlschwede (Chef vom Dienst), Dr. med. Marlies Weier, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Layout & Graphik: Kristina Junghans Bildnachweis: www.photocase.com, www.istockphoto.com, www.sxc.hu, www.pixelquelle.de, Artikelautoren, www.flickr.com Erscheinungsort: Marburg Der digitale Nachschlag erscheint zu jeder MEDI-LEARN Zeitung als Ergänzung, die du dir als PDF auf der MEDI-LEARN Seite herunterladen oder online anschauen kannst. Er beinhaltet Fortsetzungen von Artikeln aus der aktuellen Zeitung sowie weitere interessante Artikel und Berichte rund um die Medizin. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungsberichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel. Dieser Digitale Nachschlag ist Teil der MEDI-LEARN Zeitung. Die bisherigen Ausgaben findest Du unter: www.medi-learn.de/MLZ-Online


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Lernen im PJ Wann beginnen mit dem uferlosen Stoff? von Nina Dalitz (MEDI-LEARN Redaktion)

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as Praktische Jahr (PJ) endet im Januar oder im Juli. Danach bleiben dir noch etwa drei Monate bis zu den schriftlichen Prüfungen des „Hammerexamens,“ mit denen das Studium abgeschlossen wird. Die mündlich-praktischen Prüfungen finden meist wenige Wochen danach statt. Doch reichen drei Monate zwischen PJ-Ende und den ersten Prüfungen, um sich auf diese vorzubereiten? Ist Lernen schon während des PJ sinnvoll oder gar nötig? Die Aussagen im MEDI-LEARN Forum reichen von „Kreuzen bereits vor dem PJ“ bis hin zu „Lernen tu ich während des laufenden PJ aus Prinzip nicht.“ Häufig liest man Dinge wie „ich denk, drei Monate reichen aus.“ Viele Studenten haben sogar etwas mehr Zeit zur Prüfungsvorbereitung, da sie möglichst viele ihrer 20 PJ-Fehltage ans Ende legen und so ihr Praktisches Jahr eher beenden können. „Also ab und zu was nachschlagen,“ aber wirklich lernen erst nach dem PJ – viel länger kann man sowieso nicht mit voller Intensität lernen, sagen viele Studenten. Einer meint dazu: „Was soll es denn bitte bringen, ein Jahr vorher Examensfragen zu kreuzen? Der Kleinscheiß, welcher im Examen abgefragt wird, ist sowieso in den seltensten Fällen praxis- und klinisch relevant.“ Da bringt es schon mehr, sich während des PJ auf die Arbeit zu konzentrieren und anhand der Fälle auf Station

nach und nach das Grundwissen aufzufrischen: „Ich habe abends meist nachgelesen, was ich tagsüber an Krankheiten gesehen habe.“ Viele sagen aber „abends bin ich meist einfach k.o. oder will noch etwas vom Tag haben.“ Dafür lesen sie in der Klinik „ein bisschen quer, wenn mal nichts zu tun ist.“ Meist beschränken sie sich dabei auf Innere und Chirurgie, „damit bekommt man schon ein relativ gutes Grundgerüst.“ Ein Student meint, „ein bissel Pharma und Patho zum Thema dazu und gut ist.“ Ein anderer „das Einzige, wo ich halbwegs regelmäßig reinschaue, ist ein Fallbuch – etwas motivierender als Herold/Müller.“ „Ich frage mich,was mit Leuten ist, die so sind wie ich,“ sagt eine Userin. „Ich muss einfach früh anfangen zu lernen, weil mein Hirn sich sonst in ein großes Schwarzes Loch verwandelt.“ Und damit ist sie nicht die Einzige. Auch wenn intensives Lernen neben einer (oft unbezahlten) 40-Stunden-Woche kaum möglich ist, fangen einige Studenten doch recht früh im PJ an, sich mit dem Stoff zu beschäftigen. „Man kann dann ein bisschen interessenbezogener lernen und in Ruhe schauen, wo es am meisten hakt.“ Wahrscheinlich hast du schon in der Uni gemerkt, wie du am besten lernen kannst – es ist sinnvoll, dieses Wissen auch fürs „Hammerexamen“

Stumme Zeugen der Medizingeschichte Charité lädt zu Vortrag über Malaria ein MEDI-LEARN Redaktion

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u einer Veranstaltung im Rahmen ihrer medizinhistorischen Vortragsreihe „ObjektGeschichte(n) II“ lädt die Charité Berlin am 12. Februar ein. Im Zentrum steht an diesem Abend die Tropenkrankheit Malaria. In den Veranstaltungen wird medizinhistorischen Gegenständen ihre Geschichten entlockt. Ob Feuchtpräparat oder Fieberkurve: Medizinische Objekte lassen sich zwar in Museumsvitrinen ausstellen, doch bleibt „das Ding an sich“ stumm. Dabei trägt es ein Stück Geschichte in sich, die sich tief in sein Material eingegraben und ihre Spuren hinterlassen hat. Wie können die ursprünglichen

Handlungszusammenhänge und Gebrauchsweisen der Gegenstände zum Leben erweckt werden? Die Reihe „Objekt-Geschichte(n) II“, die vom Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité veranstaltet wird, veranschaulicht Entwicklungen in der Medizin auf eine neue Art. Gleichzeitig wird der moderne Umgang mit Körper und Geist, mit Gesundheit und Krankheit, mit Heilung und Heilkunst begreiflich und begreifbar gemacht. Die rund eineinhalbstündige Veranstaltung über Malaria am 12. Februar beginnt um 17.30 Uhr in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums, Virchowweg 16. Der Eintritt ist frei.

anzuwenden. Wenn du gemerkt hast: „Dieser Last-minute-Utilitarismus war noch nie mein Ding,“ dann wird der „Last-Minute-Utilitarismus“ wahrscheinlich auch jetzt nicht die ideale Lerntechnik für dich sein. Natürlich ist während des PJ nicht viel Zeit zum Lernen. Manchmal ist nach der Klinik noch eine Schicht hinter dem Tresen oder vor dem Computer dran, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. „Die Wochenenden sind für Sport und Nebenjob reserviert“, und ein Min-

destmaß an Privatleben und Freizeit ist nicht nur Luxus, sondern absolut nötig, um das Praktische Jahr und die HEX-Vorbereitung gut zu überstehen. „Von daher bedarf es schon etwas Logistik,“ sagt eine ForumUserin, „besonders wenn ich daran denke, dass ich zuletzt zum Physikum wirklich gut und effektiv gelernt habe.“ Einige Studenten legen etwas mehr Wert auf „Urlaube und legendäre Partys,“ denn das Leben nach dem HEX wird wahrscheinlich nicht entspannter. Andere meinen „für Urlaube, legendäre Partys etc. brauche ich Geld, was ich mir neben PJ und Haushalt verdienen muss.“


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Bedürfnisse einer neuen Medizinergeneration Wunsch nach familienfreundlichen Strukturen steht im Vordergrund MEDI-LEARN Redaktion

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ei der Arbeitsplatzwahl spielen gute Arbeitsbedingungen und ein gesundes Arbeitsumfeld für Medizinerstudierende und Ärzte zunehmend eine Rolle. Die gleichberechtigte Koexistenz von Familie, Freizeit, Beruf und wissenschaftlicher Karriere ist der Wunsch vieler junger Mediziner, sodass ihre Vereinbarkeit zunehmend ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Arbeitsstelle darstellt. Diese Beobachtung werden bestätigt von den Ergebnissen einer 2011 veröffentlichten bundesweiten Befragung durch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd). Von über 2000 befragten Medizinstudierenden, Ärztinnen und Ärzten geben 84 % an, sich persönlich mit dem Thema Familienfreundlichkeit zu beschäftigen. 58 % der Studierenden empfinden den Konflikt zwischen Familie und Beruf als stark oder sehr stark. Bei den bereits berufstätigen Medizinern sind es sogar 73 %. Um auch zukünftig eine flächendeckende medizinische Versorgung gewährleisten zu können, sind seitens der Universitäten und Kliniken die Akzeptanz von nebenberuflichen und familiären Verpflichtungen sowie die Schaffung der dafür nötigen Arbeits-, Studien- und Infrastrukturen notwendig. Den Diskussionen sollten Taten folgen, die grundlegende Veränderungsprozesse anstoßen. Gleichzeitig sollten die Studierenden ihre derzeitige Position auf dem Arbeitsmarkt nutzen, um ihren Forderungen für einen familien- und freizeitfreundlicheren Beruf Nachdruck zu verleihen. Bereits an den Universitäten bedarf es familienfreundlicher Strukturen. Ziel sollte dabei vor allem eine gesteigerte Akzeptanz und Unterstützung von Eltern und werdenden Eltern sein. Um dies zu erreichen, wäre die Anpassung von Studienbedingungen hinsichtlich der Kinderbetreuung und zuverlässigen Planbarkeit erforderlich. Neben der Anpassung der Öffnungszeiten von Kindertagesstätten wäre dabei an ein Angebot zur Kurzzeitund Notfallbetreuung zu denken. Klare Richtlinien zur Belegung

von Praktika und möglichen Nachholterminen wären für schwangere Studierende hilfreich. Auch der Ausbau der im Internet verfügbaren E-Learning-Materialien sowie Ausweichtermine für Schwangere und Eltern würden unterstützend wirken.

einzugehen. Diese Entwicklung sollte aufgehalten werden – finden persönliche Lebenssituationen und Wünsche der Mitarbeiter Berücksichtigung, kann es gelingen, den Arztberuf gesünder und in seiner Struktur familienfreundlicher zu

Um eine Verlängerung der Studienzeit zu minimieren, könnte der Studienablauf bezüglich der Reihenfolge der Absolvierung von Prüfungen sowie der Besuch von Pflichtveranstaltungen flexibilisiert werden. Ein Wandel der Arbeitskultur in der Krankenversorgung hin zu einer menschlichen Medizin und einem gesunden Arbeitsklima sind Basis dafür, Patienten eine gute medizinische Versorgung zu ermöglichen und gleichsam auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Gesundheitswesen einzugehen. Eine Diskussion darüber, wie der Arztberuf im Spannungsfeld zwischen sozialer Verantwortung, persönlichen Lebenszielen und wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen gestaltet werden kann, sollte offen geführt werden und ist seit Langem überfällig. Die Tätigkeit in der kurativen Medizin ist heute mit einer zunehmenden Arbeitsbelastung verbunden, die hohe Leistung fordert und wenig Raum bietet, auf Bedürfnisse von Patienten und Mitarbeitern

gestalten. Dienstpläne sollten frühzeitig erstellt und an die Bedürfnisse der Arbeitnehmer angepasst werden. Insbesondere für Familien ist es förderlich, wenn neue und flexiblere Arbeitszeitmodelle gefunden und umgesetzt werden. Voraussetzung dafür sind eine ausreichende Personalausstattung und die effektive Nutzung vorhandener Zeitressourcen. Wichtig erscheint in diesem Kontext eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen und die Nutzung von Synergien, statt durch Kompetenzgerangel Mauern zu errichten. Es besteht der Wunsch nach Arbeit in einem Team, welches wirklich als solches handelt. Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen sollten in diesem Zusammenhang ergebnisoffen diskutiert werden, um eine weitere Verbesserung der Arbeitssituation zu ermöglichen. Eine Schlüsselrolle in der Gestaltung dieses Wandels dürfte den Führungspersönlichkeiten zukommen, deren Auswahl nicht nur nach

klinischen, ökonomischen oder wissenschaftlichen Gesichtspunkten erfolgen sollte. Vielmehr sollte Führungskompetenz dabei eine Rolle spielen. Separation von Aufgabenfeldern und Fokussierung auf Teilbereiche können die Entlastung von Führungspersonen bewirken. Neue Führungs- und Teamstrukturen könnten zum Hierarchieabbau beitragen und eine bessere Arbeitskultur schaffen, die sich an den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter orientiert. Offener Umgang mit Be- und Überlastungen sowie konstruktives Feedback und Fehlermanagement könnten eine weitere Verbesserung des Arbeitsklimas bringen. Im Arbeitsalltag sind weitere Strukturverbesserungen gefragt: die flächendeckende Bereitstellung von arbeitsplatznahen Kinderbetreuungsmöglichkeiten und eine Überarbeitung der Weiterbildungsverordnungen, beispielsweise im Sinne von kompetenzbasierten Katalogen oder der Anerkennung von geringeren zeitlichen Teilstücken der Weiterbildung sowie individuelle Rotationspläne gehören dazu. Mentoring und Coachingprogramme würden weiterhin unterstützend wirken. Zudem sollte Forschung nicht als Freizeitbetätigung außerhalb der Arbeitszeit angesehen werden, sondern durch eine Freistellung von der klinischen Arbeit unterstützt werden. Insbesondere zur Realisierung längerer Forschungsperioden scheinen Förderprogramme, die eine sichere Finanzierung bieten, eine sinnvolle Ergänzung zu bieten, ebenso wie klare Arbeitsverträge und verbindliche Absprachen. Gleichzeitig besteht im Bereich der wissenschaftlichen Betätigung eine große Chance, durch flexible Einteilung, alternative Arbeitsformen und das Ermöglichen von Heimarbeit besonders familienfreundliche Bedingungen zu schaffen. Bei der Bewertung von Forschungsaktivitäten, beispielsweise im Rahmen von Berufungsverfahren, sollte die Familienzeit stärker berücksichtigt werden sowie mögliche Einschränkungen durch Elternzeit mit bedacht werden.

Digitaler Nachschlag 01/2013  
Digitaler Nachschlag 01/2013  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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