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SS 2011 – Ausgabe 56


Liebe Leserinnen und liebe Leser, Wie euch vielleicht schon dämmert, ist Pforzheim das Thema dieses MDs. Danke, dass ihr ihn trotzdem in den Händen haltet. „Trotz Pforzheim“. Mit solchen Worten wird man als Erstsemester in der Stadt Pforzheim begrüßt. Ein halbes Jahr später lernt man in Makroökonomie von den „self fulfilling prophecies“, bis dahin ist es jedoch schon längst geschehen. Nach jeder halbgaren Party im „studentischen“ Club werden über die Goldstadt unflätige Gemeinheiten vergossen. Nächstes Wochenende dann doch wieder „Heim“ und die Woche darauf wieder in denselben Club. Merkt man mit zittriger Stimme an, dass es in Pforzheim vielleicht doch mehr als die Hochschule und die zwei abgedroschenen Clubs (die im Großen und Ganzen ein und derselbe Club sind) gibt, erntet man endhöhnische Blicke, von selbsternannten Großstädtern, die ihre Partynächte in nahliegenden „Studentenstädten“ totschlagen. Nun verbringen wir aber alle unweigerlich einen wichtigen Abschnitt unseres Lebens hier, was die Frage nach mehr Verbundenheit und Selbstvertrauen für Pforzheim aufwirft. Wir sprachen mit lokalen Medien, dem Oberbürgermeister und unser aller Dekan über das studentische Leben und, nun ja, die Goldstadt. Wir suchten zu Fuß, auf den höchsten Gipfeln und im turbulenten Nachtleben, inwiefern dieses Image der Stadt überhaupt gerecht wird. Und wir können es nun herausbrüllen, ohne zittrige Stimme und mit einem Höchstmaß an Euphorie: Pforzheim bieten sowas von mehr, und wetten, dass ihr das Meiste davon überhaupt noch nicht kennt. Deswegen weiterlesen, trotz Pforzheim.

Alexander Schulze, 3. Sem. Werbung

Florian Kratz, 3. Sem. Werbung

Jessica Feist, 7. Sem. Marktforschung

VorWORT


Inhalt Seite 06 10 16 20 22 24 25 26 32 34 36 38 44 48 50 51 52 54 56 58 59 61 62 66 70 72 76 79 80 82

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Glanzlos? Goldstand UND ... - Interview mit Oberbürgermeister Hager Die Stadt liegt uns zu Füßen. - Interview mit Direktor Dr. Martin Erhardt Internationals in Pforzheim An einer Hochschule vor unserer Zeit freundliche, angenehme, junge Leute - Interview mit Prof. Dr. Glatz Univativ Das Wundertütenprinzip - Im Gespräch mit der Pforzheimer Zeitung Agenturen in Pforzheim Mit Herzblut anders werben Aktuelle Trends der Marketingkommunikation Refill 11 Bock auf Online - Interview mit Martin Gaubitz von eWolff Kampf der Tit(t)anen / Das Zuhause, dass alle mit Füßen treten Keine Kathedrale verstellt den Blick Eisdielen-Check Kneipenguide Heim-Vorteil Kulturhaus Osterfeld / Interview mit Gerard Baral Subkultura Do it yourself - Interview mit Ben Baumann Portus? Straßenschau Pforzheims goldene Fleckchen Linie 5: Hochschule - Hauptbahnhof Back to nature Perle der Goldstadt CD-Reviews Team und MD schreibt man beides mit „M“ Impressum


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Glanzlos? Von Blecheimern und Kristallkugeln. Wenn man Sie fragen würde in welcher Stadt Sie gerne leben, studieren oder arbeiten möchten, was würde Ihnen als erstes einfallen? Hamburg, München oder vielleicht Freiburg? Pforzheim wäre auf dieser Liste sicher nicht ganz weit oben. Mit dieser Einschätzung dürfen Sie sich aber in guter Gesellschaft wissen. Der Pforzheimer als stolzer Nordschwarzwälder sollte da allerdings lautstark protestieren! Wird er aber eher nicht. Mit dem Selbstvertrauen in der glänzenden Goldstadt ist es nicht weit her. Es ist der 24.11.2009. Gegen zehn Uhr findet das beschauliche Amtsreiben im Pforzheimer Rathaus ein abruptes Ende. Kein Klopfen der Stempel ist mehr zu hören. Die Schlichtung der Streitangelegenheit A38 um den vermaledeiten Apfelbaum („der muss weg...“) wird zur Nebensache. Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität aus Mannheim rückt mit einer rund 30 Mann starken Truppe in die Pforzheimer Kommandozentrale ein und bringt eine Durchsuchung zur Durchführung. Der Vorwurf: Verdacht auf Untreue. Beschuldigt wird Stadtkämmerin Susanne Weishaar. Die wohl spektakulärste Episode des Finanzdramas: „Auf der (vergeblichen) Suche nach dem goldenen Topf am Ende des Regenbogens“. Hintergründe und mögliche Antworten auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen muss man in der Vergangenheit Pforzheims suchen. Seit 1767 Markgraf Karl Friedrich von Baden den Grundstein für die Schmuckindustrie legt, gilt die Stadt als Inbegriff für Hochwertiges aus teurem Edelmetall. In den Siebzigern des letzten Jahrtausends erstrahlt die Branche in vollem Glanz. Doch zu Beginn der Neunziger ändert sich dieses Bild. Konkurrenz aus dem europäischen und internationalen Ausland setzt die Manufakturen in Pforzheim gewaltig unter Druck. Diesem muss man sich beugen und mit Stellenstreichungen reagieren. Innerhalb von 15 Jahren werden mehr als 10.000 Stellen abgebaut. Die Gewerbeeinnahmen brechen ein. Die Arbeitslosigkeit steigt und die Sozialausgaben explodieren. Die Folge: die einstmals prall gefüllte Stadtkasse ist bedrohlich leer. Geld muss her! Der verzweifelte Ruf nach Barem bleibt in der Finanzwelt nicht lange ungehört. Schon bald schwirrt ein geflügeltes Wort durch die Rathaushallen das die monetären Probleme zu lösen scheint. Derivaaaate. Von der Rettung Pforzheims überzeugten Beratern wird folgendes Konzept vorgelegt: Die Stadt erhält einen Kredit in vereinbarter Höhe. Dafür muss Sie eigentlich, wie jeder brave Häuslebauer, einen festen Zinssatz zahlen. Doch nicht so bei diesem

Finanzmodell. Es wird ein zweiter Vertrag über ein so genanntes Spread-Ladder-Swap-Geschäft geschlossen. Die Bank verpflichtet sich der Stadt einen festen Zins auf den Kredit zu zahlen. Hört sich eigentlich verdammt gut an. Kredit aufnehmen und dafür noch Zinsen bekommen. Da es aber nicht in der Natur der Banken liegt, Geld zu verschenken, gibt es einen Haken. Und zwar einen hochspekulativen. Die Stadt verpflichtet sich ihrerseits einen Zins zurückzuzahlen. Der ist allerdings variabel und richtet sich nach einer ausgeklügelten und schwer verständlichen mathematischen Formel sowie Kursentwicklungen. Getreu nach dem Motto: „Ich seh´ was, was du nicht siehst“, wetten die Verantwortlichen auf zukünftige Entwicklungen auf dem Finanzmarkt. Treffen Sie ins Schwarze, bekommen Sie Geld von der Bank. Andererseits heißt es: zahlen! Wenn dem geneigten Leser dabei das Bild vom Roulettetisch im Spielcasino in den Sinn kommt liegt er damit wohl nicht ganz falsch. Im Finanz-Headquarter am Marktplatz 1 ist man sich aber sicher, den Markt zu kennen und platziert die Wette. Der Kredit wird aufgenommen. Doch, oje, der Blick in die Zins-Kristallkugel zeigt nichts Gutes. Die Kurse entwickeln sich unvorhersehbarer Weise ganz anders als geplant. Und was einstmals noch als Rettung geplant war wird immer mehr zum Fiasko. Pro Monat verliert die Stadt 600.000 Euro. Im August 2008 zieht der neu gewählte Oberbürgermeister Gert Hager die Notbremse und kauft Pforzheim aus dem Vertrag mit der britischen Bank J.P. Morgan. Kosten: 57 Millionen Euro. Was jetzt? Am Marktplatz 1 fühlt man sich veräppelt, über den (Roulette-)Tisch gezogen und betrogen. Man sucht das Gespräch mit den beteiligten Finanzhäusern Deutsche Bank und J.P. Morgan. Nach Aussage von Oberbürgermeister Gert Hager befinde man sich mit der Deutschen Bank in guten Gesprächen. J.P. Morgan habe aber jeden Kontakt abgebrochen. Als letzten Ausweg sieht man eine Klage und hofft auf guten Ausgang. Doch der ist ungewiss. Die Stadtwerke Pforzheim ließen sich ebenfalls zu diesem verführerischen Geschäft hinreißen und setzten 3,9 Millionen in den Sand. Im August 2010 war deren Klage auf Schadenersatz vor dem Oberlandesgericht Frankfurt nicht erfolgreich (Az.: 23 U 230/08). Es lässt sich auch darüber diskutieren, in wie weit solch eine Klage überhaupt gerechtfertigt ist. Das Argument, man sei nicht richtig informiert worden bzw. die Bank hätte einer Kommune solche hochspekulativen Geschäfte gar nicht anbieten dürfen, ist in sich nicht schlüssig. Von Personen, die für die finanziellen Aufgaben einer


110.000-Einwohnerstadt verantwortlich sind, kann man, wenn sie sich schon auf hochspekulative Geschäfte einlassen, erwarten, dass sie sie auch verstehen. Oder, wie es Dr. Hanno Beck, Professor an der Hochschule Pforzheim, in einem Artikel der Financial Times Deutschland treffend beschreibt: „Wer keine Hitze verträgt, sollte der Küche fernbleiben“. Die Geschichte scheint vorerst kein Happy-End zu haben, denn der vermeintliche Goldtopf hat sich als teurer Blecheimer mit belastetem Altmetall herausgestellt und in der Stadtkasse machen sich weiterhin eher Rechnungen als Geld breit. Die Berichterstattung in den Medien war in Folge dessen nicht besonders positiv. Zuträglich für das Selbstvertrauen der Bürger waren diese Entwicklungen sicher nicht. Vor allem auch nicht für das Vertrauen in die Stadtführung. Aber wenn von oben schon nichts Gutes zu hören ist, besinnt man sich eben auf Bodenständiges und versucht das Leben im Nordschwarzwald abseits der Probleme zu genießen.

Aber, auch hier findet sich ein Haar in der Suppe. Schon wenn man mit dem Auto nach Pforzheim fährt, wirken die Außenbezirke nicht sehr einladend. Aber das kennt man ja auch von anderen Städten dieser Größe. Meistens liegt die wahre Schönheit ja doch im Inneren, im Zentrum.

Tja, wenn man aber durch die Innenstadt von Pforzheim schlendert, mag sich das Gefühl nach purer Lebenslust nicht so recht breit machen. Kaum einladende Plätze um mal ein wenig auszuruhen von einer Bummeltour, die hier auch nicht so recht gelingen mag. Die Innenstadt wirkt unruhig, zerfurcht und auf den ersten Blick architektonisch nicht sehr attraktiv. Es scheint ein Gesamtkonzept zu fehlen. Doch wie kommt es zu solch einer Struktur, die wie Stückwerk wirkt, zu den Versuchen, einzelne Highlights zu setzten um von der Gesamttristesse etwas abzulenken? Um dieses Phänomen verstehen zu können, muss man sich einem der schwärzesten Tage in der Geschichte der Stadt widmen. Es ist der 23. Februar 1945. Leuchtfeuer, so genannte „Christbäume“, erhellen den Nachthimmel über der Stadt. Viele Menschen ahnen was das bedeutet. Wenig später folgt die Gewissheit. Unter dem Decknamen Yellofin beginnt die Royal Air Force gegen 20:00 Uhr das Bombardement der Goldstadt. Mehr als 370 Flugzeuge entladen ihre tödliche Fracht aus Spreng- und Brandbomben, Luftminen und Brandkanistern. Nach 22 Minuten drehen die Bomber ab. In der, aus hauptsächlich Fachwerkhäusern bestehenden Altstadt entbrennt ein regelrechter Feuersturm. Mehr als 17.000 Menschen verlieren in dieser Nacht ihr Leben. Pforzheim ist nahezu komplett zerstört. Ein Ereignis dessen Ausmaße und Schrecken man sich heute kaum noch vorstellen kann. Doch die Bürger beginnen ihre Stadt wieder aufzubauen. Es wird dringend Wohnraum benötigt, der nicht besonders schön sein muss, sondern vor allem ein Dach über Kopf bieten sollte. Öffentliche Gebäude werden wieder aufgebaut und gelten in dieser Zeit als architektonisch wegweisend. Es entsteht das heute noch erkennbare Stadtbild im Stil der fünfziger Jahre. Was damals sowohl zweckmäßig als auch optisch ansprechend war entspricht heute nicht mehr dem Ideal. Aber eine Stadt entwickelt sich weiter. Der Weg, der in Pforzheim allerdings eingeschlagen wurde, wirkt nicht schlüssig. Ein Stilmix von alten und neuen Gebäuden, die sich nicht wirklich ergänzen. Versuche Modernität einfließen zu lassen enden in toten Anzeigentafeln und einem riesigen Busbahnhof im Herzen der Stadt, der die Menschen vielmehr ausgrenzt als ihnen zu nutzen. Es drängt sich fast der Eindruck auf, als wäre der Bus und nicht der Mensch die beherrschende Lebensform. Ist es nicht furchtbar? Mit Geld kann man nicht umgehen und dann auch noch diese Innenstadt! Darauf kann man doch nicht stolz sein! Der Lack der Goldstadt ist einfach ab. Der goldene Porsche scheint mit Vollgas an die Wand zu fahren. Probleme wo man nur hinschaut und wenn wir noch ein wenig weitersuchen, finden wir bestimmt noch weitere. Doch genau hier liegt das Problem. Dieser Ka-

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non aus Verdruss, Gleichgültigkeit („ich kann ja sowieso nix machen...“) und dem Bewusstsein, dass man nicht in einer städtebaulichen Perle wohnt, ist hier nicht zu überhören. Als Student wird man in dieser Stadt von dessen Oberhaupt mit den Worten begrüßt: „Pforzheim hat auch seine schönen Ecken.“ Auch das zeugt nicht von besonderem Selbstbewusstsein und bleibt, wenn auch mit einem Lächeln vorgetragen, in den Köpfen. Und da es ja auch viel bequemer ist, ein vorgefertigtes Bild zu übernehmen als sich sein eigenes zu machen, stimmen wir mit ein in den Abgesang. Von Studenten, gebildeten Menschen, ja sogar kommenden Führungskräften, sollte man aber etwas mehr erwarten können. Ist es etwa beim kommenden Lieblingsarbeitgeber hoch angesehen, irgendwelche allgemeinverträglichen Aussagen nachzuplappern? Nein, denn wenn es um die Karriere geht, bildet sich auch jeder seine eigene Meinung und wägt Vor- und Nachteile ab. Geht raus und versucht die Stadt – und das ist weitaus mehr als nur die Innenstadt – wirklich kennenzulernen. Wer dann noch der gleichen negativen Meinung ist, hat es zumindest versucht. Und eines noch: Ihr seid hier. So grausam kann es also gar nicht sein. Vielleicht möchten wir aber auch überzeugt werden von Bürgern, die durchaus zufrieden sind mit Ihrer Stadt, es aber nur nicht sagen. Nach einer Bürgerbefragung aus dem Jahr 2007 antworteten 73,8% der Einwohner, dass sie gerne in Pforzheim leben. Verständlich. Es gibt viele Aspekte, die es lohnenswert machen hier zu leben. Mit der Hochschule besitzt die Stadt eine Bildungseinrichtung mit internationalem Renommee. Was auch immer man von Rankings halten mag, hat Pforzheim hier seit Jahren einen Platz unter den Top fünf fest gebucht. Es wird auch weiter daran gearbeitet diesen Stand nicht nur zu halten sondern zu verbessern. Die Vernetzung mit internationalen Top-Hochschulen, der Ausbau der Studienplätze aufgrund steigender Nachfrage und der Qualität der Einrichtungen sind dabei nur einzelne Punkte auf der Agenda. Allerdings sollte auch die Hochschule, bei allem berechtigten Streben nach internationaler Anerkennung, den Blick nicht zu sehr in die Ferne schweifen lassen, sondern mal runter schauen auf eine Stadt, in der es ebenfalls sehr erfolgreiche Unternehmen gibt mit denen es sich lohnen kann zusammenzuarbeiten.

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Pforzheim war schon immer ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort und wird es auch bleiben. Natürlich ist die hohe Arbeitslosenquote von 8,1% nicht von der Hand zu weisen und ein Problem mit dem die Stadt seit vielen Jahren zu kämpfen hat. Doch das Potential, diese Zahl zu senken, ist zweifelsohne da, denn Pforzheim hat mehr als nur die Schmuckindustrie. Getrieben von diesem

Aushängeschild haben sich weitere Branchen entwickelt, die nicht nur erfolgreich, sondern sich auch teilweise zu Weltmarktführern aufgeschwungen haben. Im Moment werden diese aber hinter dem strahlenden Vorzeigeimage Goldstadt schlichtweg übersehen. So entsteht derzeit z.B. im Emma-Jäger-Bad ein neues Kreativzentrum um Netzwerke zu knüpfen, Kompetenzen zu bündeln und vielleicht auch um den einen oder anderen Hochschulabsolventen mehr in der Region halten zu können. Eines sollte man auch nicht vergessen: Pforzheim liegt landschaftlich einfach schön. Ja schön! Wenn man in kürzester Zeit im Grünen ist, sagt das sehr viel über die Lebensqualität einer Stadt aus. Egal, ob man nur einen Spaziergang machen will oder sich Sportarten widmen möchte, bei denen Versicherungsvertreter nachts schlecht schlafen – es ist alles da was man dazu braucht. Also Herr Hager: wir stimmen Ihnen zu. Pforzheim hat seine schönen Ecken. Und wer daran interessiert ist am Rest zu feilen und Probleme durch eigene Ideen lösen zu wollen, dem sei der Masterplan engstens ans Herz gelegt. Was sich anhört wie ein Spielzeug aus vergangenen sozialistischen Tagen ist genau das Gegenteil. Sie, die Bürger, Studenten, wer auch immer, sollen sich an Workshops beteiligen, in denen Themen wie Bildung, Wirtschaft, Stadtbild, Miteinander und weitere besprochen und Ideen gesucht werden wie es mit Pforzheim weitergeht. Also: Nicht meckern sondern mitmachen! Es gibt noch viele weitere interessante und positive Aspekte dieser Stadt, die nennenswert wären und uns zu dem Thema dieser Ausgabe bewegt haben. Vielleicht ist das Image dieser Stadt gar nicht so schlecht wie wir es sehen, vielleicht haben wir auch maßlos übertrieben und nur mit den falschen Leuten gesprochen. Doch wir, und nicht nur wir, sehen es ebenso. Wenn wir es mit dieser Ausgabe schaffen, nur den ein oder anderen dazu zu bewegen zu protestieren, wären wir sehr zufrieden. Und vielleicht rutscht Pforzheim in Ihrer Wahl nach dem Ort, an dem Sie studieren, arbeiten oder leben möchten, etwas nach oben. Es muss nicht die Nummer 1 sein, aber zumindest der Platz, den diese Stadt verdient.


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Matthias Ort, Florian Kratz, Alexander Schulze

„Goldstadt und ...“ Die MD-Redaktion war zu Gast im neuen Rathaus, beim krisenerprobten Oberbürgermeister Gert Hager. Im Gespräch über Pforzheim, pendelfreudige Studenten, unglückliche Marktforschung und dubiose Derivate. Vor dem Interview brannte ein Scheinwerfer durch, ein Omen für die hitzige Fragerunde? Das vollständige Interview könnt ihr auf www.marketingdigest.de sehen. Herr Hager, Sie werden nicht müde zu betonen, dass Sie sich mehr studentisches Flair in Pforzheim wünschen und dass Pforzheim zu einer Studentenstadt wird. Was macht für Sie eine Studentenstadt aus? Eine Stadt, die Studenten in der Innenstadt hat, in der die Studenten auch wohnen und leben - das ist eine Studentenstadt. Wir haben im Moment etwa 4.500 Studenten an der Hochschule. Mit den neuen Studiengängen werden es etwa 6.000 sein und die möchte ich auch in der Stadt leben und studieren sehen. Ist Pforzheim eine Studentenstadt? Es ist bestimmt optimierungsfähig um es positiv zu formulieren. Es gibt schon einige Stadtquartiere, wie zum Beispiel die Nordstadt, wo sich eine regelrechte Studentenszene etabliert hat. Es pendeln aber viel zu viele Studenten aus dem Umland hierher nach Pforzheim. Wir arbeiten gerade an einer Erstwohnsitzkampagne, mit der wir Studenten gewinnen wollen auch tatsächlich in Pforzheim zu wohnen, denn Pforzheim bietet sehr viel. Man muss es nur entdecken können. Als Erstsemester haben Sie uns mit den Worten begrüßt: „Danke, dass Sie trotz Pforzheim gekommen sind.“ Was spricht Ihrer Meinung nach für ein Studium in Pforzheim? Naja, das „trotz Pforzheim“ wird seltsamerweise von Studentengeneration zu Studentengeneration weitergegeben. Irgendwie wird damit das „Bruddeln“ mancher Pforzheimer übernommen. Das halte ich aber für fasch. Es gibt wunderbare Orte. Nehmen Sie allein hier in der Innenstadt die Flussufer. 51% der Pforzheimer Umgebung sind Wald mit wunderbaren Ausflugszielen, von denen ich jetzt jede Menge aufzählen könnte, aber das würde den Rahmen des Interviews sprengen.

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Wie wir in unserem Leitartikel bereits bemerkt haben, ist es um das Selbstvertrauen in Pforzheim nicht sehr gut bestellt. Wie könnte man das ändern? Ein bekannter Stadtmarketingexperte, der unsere Stadt vor einiger Zeit unter die Lupe genommen hat, hat nach seinem Stadtrundgang gemeint: „Also Ihre Stadt hat ein wunderbares Potential. Aber offensichtlich sind Sie zu bescheiden das zu zeigen.“ Wir müssen wirklich mehr Selbstbewusstsein entwickeln. Pforzheim hat etwas zu bieten, wir sind das Zentrum der Feinwerkmechanik, der Präzisionstechnik. Es hat unglaublich viel kreatives Potential. Das muss den Bürgern vermittelt werden. Sie ha-

ben den Niedergang der Schmuck- und Uhrenindustrie mitgemacht, allerdings noch nicht ganz verkraftet. Und auf der anderen Seite müssen wirtschaftliche Strukturen aufgebaut werden, die Wirtschaftsförderung wird massiv ausgeweitet werden. Das heißt, es tut sich sehr viel in Pforzheim und ich glaube, dass man damit auch wieder das Selbstbewusstsein der Bürger stärken kann. Das hat leider unter dem Derivate-Thema etwas gelitten. Sie haben in Ihrem aktuellen Podcast auch von dem aktuellen Haushaltsloch (29 Mio. EUR, Anm. d. Red.) gesprochen. Welche Auswirkungen hat das auf Pforzheimer Studenten oder Anwohner? Die Studentinnen und Studenten betrifft das weniger. Aber es betrifft die Investitionen, die sich die Stadt Pforzheim leisten kann. Durch die weltweite Wirtschaftskrise fehlten der Stadt Pforzheim Ende des Jahres 2009, kurz nachdem ich mein Amt angetreten hatte, von einem Tag auf den anderen plötzlich 250 Mio. EUR. Das ist ein Loch, das sich nicht mit normalen Sparmaßnahmen stopfen lässt. Ich habe einen Nothaushalt aufgestellt, der so auch beschlossen wurde. Damit wurden die Investitionen, die wir eigentlich dringend brauchen, zurückgefahren. Zum Beispiel bei der Nordstadtschule, eine alte Schule die noch nicht saniert wurde. Ich habe aber jetzt, wo es wieder etwas besser aussieht, den Auftrag gegeben, die Sanierung wieder in die Wege zu leiten. Kommen wir zur Hochschule. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Hochschule? Es gibt sehr viel Formen der Zusammenarbeit mit der Hochschule. Wir arbeiten hier sehr eng mit dem AStA zusammen. Da hat sich schon sehr viel getan, z.B. bessere Busverbindungen oder der Studentenparkplatz gegenüber dem Wildpark, es wurde auch eine bessere Beleuchtung der Wege erreicht. Das sind alles so kleine Punkte, die aber ganz wichtig sind. Es geht weiter mit der angedachten Erstwohnsitzkampagne. Es finden sehr viele gemeinsame Arbeiten zwischen den Studenten und Professoren auf der einen, und der Stadt Pforzheim auf der anderen Seite statt. Daneben überlegen wir gerade einen Infoscout zu installieren. Also da bewegt sich sehr viel. Das muss eine andere Stadt auch erst mal hinbekommen. Apropos Busverbindungen. Bei der Befragung zum Ausbau der Linie 5 soll nur ein einziger Student zu Wort ge-


New York London Pforzheim kaboom – fetz – crash

splash – booom – bang

zzzzzz…

Von wegen Ruhe. Gibt es einen Jazz-Keller? Wo finde ich die angesagteste Pizzeria? Wie viele Geo-Caches sind in Pforzheim versteckt? Wie sieht es mit Jobs aus? Wer bietet Praktika an? Pforzheim ist hellwach.

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kommen sein. Warum nutzt man dafür nicht die Kompetenz, die an der Hochschule vorhanden ist? Wie kommt solch ein Ergebnis zustande? Na sehen Sie, beide Seiten müssen lernen. Die Studenten müssen die Stadt Pforzheim besser kennenlernen, wie sie wirklich ist und welche schönen Seiten sie hat und die Stadt und ihre Ämter müssen auch mal lernen, welches Potential die Hochschule zu bieten hat. Und da sind solche Beispiele unheimlich gut. Sie haben Recht, es war nur ein Student dabei. Die Marktstudie war in diesem Teilbereich – es war eine groß angelegte Marktstudie – schlichtweg Schrott. Deshalb sind wir hier umgeschwenkt und direkt an die Hochschule gegangen. Das werden wir auch in Zukunft bei solchen Dingen tun. Es gibt heute ja auch die Möglichkeit der elektronischen Vernetzung. So gibt es viele Möglichkeiten, die Meinung der Studenten und die Wünsche der Studenten herauszufinden. Das machen wir in Zukunft auch so. Aus Fehlern kann man auch mal lernen. Finden Sie für solche Kooperationsprojekte an der Hochschule entsprechend Gehör? Es gibt einen sehr, sehr intensiven Austausch mit dem Dekan, dem Rektor und der Stadt. Die IHK, der AStA und verschiedene Studentenverbindungen werden ebenfalls hinzugezogen. Da dies allerdings erst seit 1,5-2 Jahren im Aufbau ist muss man noch vieles tun. Aber wir haben eine hervorragende Gesprächsebene gefunden, auch persönlich, und deswegen wird sich da auch noch viel bewegen. So eine Hochschulstadt lebt ja davon, dass man das studentische Leben und Engagement sieht. Wie zufrieden sind Sie denn mit dem Engagement der Studenten selbst? Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Studentinnen und Studenten Pforzheim wirklich entdecken. Das liegt natürlich an dieser Pendelquote. Das möchte ich gerne ändern und ich denke, dann würden sich hier auch viel mehr Studenten einbringen. Sowohl im gesellschaftlichen Leben, wie auch in Projekten oder in Sportvereinen. Ich möchte auch erreichen, dass die Studenten nicht nur in die Hochschulsportgruppe, die in allen Ehren steht, gehen, sondern auch in die hiesigen Sportvereine und dort für entsprechendes Leben sorgen.

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Können Sie uns kurz von dem geplanten Kreativzentrum erzählen? Das Kreativzentrum, welches durch die Europäische Union und das Land Baden-Württemberg gefördert wird, wird 2013 seine Pforten öffnen. Dort wird es die Möglichkeit geben, Räume anzumieten und Maschinen, die man sich sonst nicht leisten könnte, zu benutzen. So ermöglichen wir schon während der Endsemester, Projekte zu gestalten oder Aufträge abzuwickeln. Das ist ein Exis-

tenzgründerzentrum der etwas anderen Art. Damit wollen wir einerseits das kreative Potenzial hier in Pforzheim halten und den Studierenden der Gestaltungsfakultät auch die Möglichkeit geben, sich schon früh im Marktumfeld zu tummeln. Nun heißt unser Magazin ja Marketing Digest, mit Betonung auf Marketing. Was kann man sich für Aufgaben im Bereich des City- bzw. Stadtmarketing vorstellen? Was gibt es für aktuelle Projekte? Lassen Sie mich zuerst kurz City- und Stadtmarketing unterscheiden. Citymarketing, da dreht es sich alleine um die Innenstadt. Da werden die verkaufsoffenen Sonntage u. ä. Veranstaltungen organisiert. Diese werden gemeinsam von Stadt und Einzelhandel finanziert. Stadtmarketing ist etwas völlig anderes. Da ist die Frage: Wie verkauft sich eigentlich eine Stadt nach außen? Was für ein Image geben wir uns? Das hat übrigens Rückkopplungswirkungen auf das Selbstbewusstsein der Pforzheimer Bürger. Wir müssen uns überlegen, wo wir überhaupt noch das Image der Goldstadt nutzen können und wo wir uns andere Wirkungen zulegen müssen. Klar ist, da sage ich Ihnen nichts Neues als Marketingstudenten, dass es authentisch sein muss. Etwas Aufgesetztes, damit kommen wir nicht weit. Gibt es denn in dieser Richtung etwas, wo man sich als Student integrieren könnte? Wir haben jetzt den Masterplan gestartet. Ganz bewusst bevor wir uns ans Stadtmarketing und ans Corporate Design machen. Wir wollen zuerst die Bürger heranziehen und dazu gehören auch die Studenten. In diesen Workshops können und sollen sich auch Studentinnen und Studenten einbringen. Der erste Themenmonat mit Wirtschaft, Arbeit und Finanzen ist gerade vorbei. Es folgen aber noch fünf weitere, die alle für Studentinnen und Studenten interessant sind, sei es Bildung, Soziales, Stadtbild, Wohnen. Danach werden wir uns mit diesen Ergebnissen konkret ans Image machen. Jetzt hatten wir ja schon das Goldstadt Image angesprochen. Ist Pforzheim noch die Goldstadt? Nach wie vor werden 70 % des in Deutschland gefertigten Schmucks in Pforzheim produziert. Allerdings muss man auch sehen, dass von den über 20.000 Arbeitsplätzen vor 20-30 Jahren heute nur noch 1.700 übrig geblieben sind. Das ist also nicht die wirtschaftliche Zukunft der Stadt. Deshalb diversifizieren wir auch: In Metallverarbeitung, Präzisionstechnik, Medizintechnik, Design und Kreativbereich. Das Image Goldstadt werden wir da nutzen, wo es weiterhin passt. Bei entsprechenden Schmuckmessen, bei Touristikevents etc. Wir wären nicht gut beraten, wenn wir eine solche Brand aufgeben würden, allerdings muss da noch einiges hinzukommen. Das heißt also zukünftig „Goldstadt UND ...“.


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Die Stadt hat einen eigenen Podcast, in dem Sie aktuellen z.B. darüber reden, dass es eine Schulung zum Thema Web 2.0. gab. Was bedeutet das im Einzelnen für Sie? Politik von früher, die im Prinzip nur Verlautbarungspolitik war, das geht heute nicht mehr. Wir haben das bei Stuttgart 21 gesehen, wir sehen es in arabischen Staaten wie Ägypten und anderswo. Die Politik muss heute mit dem Bürger kommunizieren und ihn dort antreffen, wo er auch wirklich ist. Wir von der Stadt Pforzheim nutzen jetzt zunehmend, auch wenn es arbeitsintensiv ist, diese Möglichkeiten mit dem Bürger zu kommunizieren und zwar interaktiv. Das sind einfach neue Welten, wie sie vor zehn Jahren noch nicht vorstellbar waren. Wenn eine Stadt sich hier nicht einbringt und es sind nur ganz wenige Städte soweit, dass sie hier wirklich mitmischen, dann werden die Städte immer mehr den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürger verlieren und das darf nicht sein. Übrigens zählt für mich dazu auch ein klarer Infrastrukturausbau. Es kann auf Dauer nicht sein, dass es hier noch Stadtteile gibt, die mit 380 kbit versuchen, das Internet hochzubekommen. Deshalb werden wir in Neubaugebieten eine neue Infrastruktur anlegen. Dabei gilt für diese Social Media Aktivitäten das schöne Chinesische Sprichwort: „Der Weg ist das Ziel“. Vor 5-6 Jahren kannte noch kaum jemand Facebook. Wir wissen nicht was in 5-6 Jahren sein wird. Deshalb sehen wir das als einen offenen Prozess. Können wir zum Schluss noch mal auf die Derivate-Angelegenheit eingehen. Sie haben eine Klage gegen JP Morgan eingereicht. Wie ist der aktuelle Stand? Meine Vorgängerin im Amt, Frau Bürgermeisterin a.D. Augenstein, hat mit ihrer damaligen Kämmerin Derivate abgeschlossen, die völlig ins Uferlose liefen. Im letzten Jahr konnte der Gemeinderat einen Beschluss fassen, dass wir mit minus 57 Mio. EUR aus diesen Geschäf-

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ten aussteigen. Das war ein Notausstieg, weil diese Geschäfte immer weiter ins Minus gegangen wären. Dieses Geld wollen wir wieder haben, weil wir erstens überhaupt nicht richtig beraten wurden, und zweitens so ein Produkt nach den Haushaltsordnungen und Spekulationsverboten einer Kommune gar nicht angeboten werden darf. Da gibt es zwei Banken. Einmal die Deutsche Bank und einmal JP Morgan. Es sind zwei hintereinandergeschaltete Geschäfte. Mit der Deutschen Bank befinden wir uns in guten Gesprächen, aber JP Morgan hat jeden Kontakt zu uns abgebrochen und reagiert nicht mehr. Wir haben am 30.12.2010 die Klage eingereicht und müssen damit rechnen, so wie sich JP Morgan zeigt, dass das bis vor den BGH geht. Das kann bis zu drei Jahren dauern. Aber ich bin entschlossen, dass wir dieses Geld wieder zurückholen. Haben Sie noch abschließende Worte für unsere Leser? Ich wünsche allen Studentinnen und Studenten, dass sie sich in Pforzheim wirklich wohlfühlen. Sie haben hier eine Top Hochschule gewählt. Mit fast allen Studiengängen ist die Hochschule Pforzheim in den Top 5 oder Top 10 bundesweit. Das ist ein Pfund für den weiteren Karriereweg. Allerdings sollte man über das Studieren auch nicht das Leben vergessen und deshalb sollte man auch in der Stadt wohnen in der man studiert. Entdecken Sie Pforzheim, genießen Sie Pforzheim. Ich bin mir sicher, dass dann der ein oder andere auch den Entschluss trifft danach auch hier zu bleiben. Denn die Region hier zwischen Karlsruhe, Pforzheim, Stuttgart und Göppingen bietet so viele Möglichkeiten, wie sonst kaum eine Region in Europa. Viel Spaß und Erfolg beim Studieren. Vielen Dank für das Gespräch.


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Matthias Ort, Florian Kratz, Alexander Schulze

„DIe Stadt liegt uns zu füSSen.“ Auf der windigen Höhe des Technikerbalkons beantwortet uns Prof. Dr. Martin Erhardt, Rektor der Hochschule Pforzheim aktuelle Fragen zum Thema Akkreditierung, studentischem Leben, dem Wegfall der Studiengebühren und den Konsequenzen für uns alle. Das vollständige Interview könnt ihr auf www.marketingdigest.de sehen. Wenn Sie einem angehenden Studenten erklären müssten, weshalb er gerade an der Hochschule Pforzheim studieren sollte, welche Gründe würden Sie nennen? Da gibt es mehrere. Der größte Vorteil ist wie bei jeder Hochschule für angewandte Wissenschaften, dass wir kleine Betreuungsgruppen haben, damit die Studenten den direkten Bezug zu den Professoren, Tutoren oder den Assistenten haben. Wir haben keine anonymen, großen Gruppen - auch nicht in den Hörsälen. Des Weiteren haben wir eine gute Ausstattung, vor allem in der Fakultät Technik mit den Werkstätten und den Laboren, aber auch an der Fakultät Wirtschaft was Computerausstattung angeht oder in der Gestaltung mit den entsprechenden Werkstätten für die Bereiche Schmuckdesign, Mode oder Transportation Design. Alle Fakultäten sind sehr nahe an Praxis und wissen, was anschließend von den Studenten gefordert wird. Deshalb denke ich, dass wir eine sehr gute Ausbildung bieten. Darüber hinaus haben wir einen sehr engen Austausch mit internationalen Partnerhochschulen, wodurch wir unseren Studenten die Möglichkeit bieten, für ein Semester oder zu einem Zusatzstudium ins Ausland gehen zu können.

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Wie werden diese Stärken nach außen kommuniziert – Stichwort: „Hochschulmarketing“? Das ist ein sehr spannendes Thema, über das wir uns in den letzten zwei Jahren auch viele Gedanken gemacht haben. Wir haben vor vielen Jahren damit begonnen, auf Messen zu gehen und uns auf entsprechenden Veranstaltungen zu präsentieren. Es hat sich aber gezeigt, dass wir nicht die Wirkung erzielen konnten, die wir gerne hätten. Seit Jahrzehnten haben wir eine Erstsemesterbefragung bei der wir die Frage angehängt haben: „Wie kommt man an die Hochschule Pforzheim?“. Diese Frage war interessant, weil in den letzten Jahren vermehrt „Auswärtige“, vermehrt Studenten von außerhalb Pforzheims oder Baden- Württembergs zu uns kommen. Das war vor drei bis vier Jahren auch noch nicht so. Damals hatten wir ca. 85% Studenten aus der Region. Heute sind wir bei etwa 70%. Bei den Antworten auf diese Frage hat sich herausgestellt, dass die Homepage ein sehr wichtiges Medium ist. Wir stecken auch viel Energie rein, dass die Homepage aktuell ist und dass sie alle relevanten Informationen zu den Studiengängen und den Aktionen, die wir darüber hinaus machen beinhaltet. Wir sind auch daran die Seite im Englischen auf dem Laufenden zu halten, wobei das natürlich schwieriger und aufwendiger ist. Auf Platz 2 dieses „Rankings“ hat sich gezeigt, dass die Studenten über Mund-zu-Mund-Propaganda zu uns kommen, dass unsere jetzigen Studenten und Absolventen sehr gut über


uns sprechen, ist natürlich auch ein tolles Plus. Das Verhältnis zu unseren Absolventen wird über unser AlumniNetzwerk auch fleißig gepflegt, damit Absolventen auch weiterhin wissen, was an ihrer Alma Mater so passiert und auch wieder hier an die Hochschule kommen, da wir sie eben als Multiplikatoren identifiziert haben. Auf dem dritten Platz kommt dann schon der Hochschul-Informationstag. Wir präsentieren uns einmal im Semester und dann kommen auch die Eltern und Studierwilligen hier her und informieren sich vor Ort. Die Professoren, Assistenten und das Rektorat sind ebenfalls hier – es gibt also genug Möglichkeiten sich ausführlich zu informieren. Das sind eigentlich unsere drei Haupt-Informationsquellen. Von den Messen kommen wir immer mehr weg. Es gibt auch diverse Rankings um sich über eine Hochschule zu informieren. Da ist Pforzheim auch immer gut dabei. Was halten Sie davon? Also wir sind ja leider nicht bei allen Rankings mit dabei. Aber wir sind in den Rankings sehr gut vertreten – das stimmt. Wir betreiben da allerdings auch ein aktives Ranking-Management. Noch nicht so aktiv, wie ich es mir wünschen würde, z.B. hat St. Gallen eine extra Person eingestellt, die darauf achtet welche Kriterien für welches Ranking wichtig sind. Das passiert bei uns nicht. Das heißt, dass die Rankings, in denen wir gut abschließen, wirklich auf unserer guten Lehre basieren und dem Praxiswissen, das unsere Absolventen mit nach draußen nehmen. Nichts desto trotz gibt es einen Wettbewerb und es kann gut sein, dass wir im nächsten Jahr weiter abgeschlagen sind, weil die Konkurrenz auch nicht schläft. Deshalb ist es auch wichtig zu schauen, was die anderen machen, was uns weiterbringt, wo wir ein eigenständiges Profil generieren können. Ein Beispiel dafür wäre unser Programm für soziale und interkulturelle Kompetenz. Das bieten die anderen so nicht, kommt aber gut an wenn man sich draußen in Wirtschaft bewirbt. Wir haben Zusatzzertifikate die man sich während dem Studium erarbeiten kann, wie das PR-Zertifikat oder das Ethikum, was auch von den Unternehmen gewürdigt wird. Diese Angebote bilden punktuell ein eigenständiges Profil und über dieses Profil ergibt sich auch ein Ranking. Wenn man aktuell ist und den Nerv, auf den es ankommt, trifft, ergibt sich das andere auch. Aber was ganz wichtig ist, ist, dass man Kolleginnen und Kollegen hat, die jeden Tag an der Qualität arbeiten. Das ist im Endeffekt die Vorlesung auf die es ankommt. Und da sind ja alle sehr bemüht und strengen sich an.

Viele Studenten haben in ihrem Studium ein Auslandssemester fest eingeplant. In diesem Zusammenhang ist das Thema internationale Akkreditierung immer wieder zu hören. Wovon profitieren die Studenten, wenn die Hochschule akkreditiert ist? Wir müssen vom Gesetzgeber her jedes Programm akkreditieren. Und wir sind voll akkreditiert. Was jetzt dazu kommt, ist, dass sich die Fakultät Wirtschaft und die Wirtschaftsingenieure nochmal international nach AACSB akkreditieren lassen. Das ist ein profilbildendes Element, ein Zusatz. Es soll auch nach außen dokumentieren, dass wir uns einem zusätzlichen Qualitätsstandard unterlegen, sodass wir im Bereich Management/ Business School eben auch einem Maßstab genügen, der für US-amerikanische Business Schools genügt – für die Guten. Für die Studenten ist es von daher wichtig, da wir dadurch Zugang haben zu sehr guten Partneruniversitäten im Ausland. Wenn wir das Beispiel China nehmen, die schauen sich dort auch die Universitäten an, für was die Hochschule Pforzheim eigentlich steht. University of Applied Sciences – gibt’s in Baden-Württemberg über 20 Stück, im Bundesgebiet mit den Universitäten und dualen Hochschulen knapp 300. Das sieht von dort einfach nur nach sehr vielen Hochschulen aus – sie hätten aber gerne einen guten Partner. Also orientiert man sich an diesen Rankings, indem man sagt: wenn die ein entsprechendes internationales Ranking haben oder in einem internationalen Netzwerk, wie NIBES oder CUMULUS Mitglied sind, wie die Hochschule es ist, haben die eine entsprechende Visitenkarte nach draußen. Und das kommt auch den Studenten zu Gute, wenn die sich dort bewerben. Dann wird geschaut, wo sind die Mitglied, wo sind die akkreditiert – ah wunderbar – dann hat man schon mal ein entsprechendes Qualitätslevel erreicht und die Hochschulen wissen ,was bei uns passiert. Die haben zwar nicht den Syllabus unserer Vorlesungen, aber sie wissen auf welchem Niveau wir arbeiten. Nach den Landtagswahlen ist auch die Debatte um die Studiengebühren wieder aktuell geworden. Es wird sogar geplant diese wieder abzuschaffen. Deshalb vorab die Frage: Wie wichtig sind Studiengebühren und in welche Kanäle fließen sie? Die Studiengebühren waren bei ihrer Einführung – und sind es heute noch – ein sehr wichtiges Finanzinstrument. Zum einen, weil die Studierenden mit eingebunden sind bei jeder Entscheidung die wir fällen und wie wir die Gebühren verwenden. Zum anderen, weil wir damit Sachen machen konnten, die vorher schlichtweg undenkbar waren. Wir haben bei 4.600 Studierenden jedes Jahr 3 Millionen Studiengebühren bekommen. Wenn man unseren Gesamthaushalt ansieht, sind 3 Millionen ein ganz

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bedeutender Betrag weil die Hochschule als solche mit ungefähr 25 Millionen auskommen muss. Da sind dann aber auch alle Personalkosten etc. enthalten. Die Personalkosten sind die Hauptlast. Was letztendlich verbleibt, ist eine relativ kleine Menge, mit der man noch agieren kann, mit der man Schwerpunkte setzten kann. Mit den Studiengebühren war es uns einfach möglich die Dinge umzusetzen, die das Studium erleichtern. Das fängt an bei der Betreuung. Eine Hochschule für angewandte Wissenschaften hat keine Assistenten wie an einer Universität. Es hat uns ermöglicht Tutoren und Assistenten in den jeweiligen Studiengängen einzustellen, die für die Studenten zusätzlich noch da sind, die Übungen machen, die vieles, was wir uns vorher einfach nicht leisten konnten, erbringen. Das Nächste ist die Ausstattung. Wir konnten uns erlauben Arbeitsecken einzurichten, die Hörsäle mit Beamern auszustatten. Wir konnten – das hört sich jetzt vielleicht banal an - einfach neues Mobiliar anschaffen, was vorher schlicht und ergreifend einfach nicht drin war. Denn solange der Tisch von 1970 noch da steht – er ist vielleicht ein bisschen verschnitzt und vermalt – bleibt er auch da stehen. Erst wenn er kaputt ist wird er ersetzt. Wenn man aber mit neuem Mobiliar und der entsprechenden Technik, wie Beamer – Overhead war letztes Jahrtausend – oder Whiteboard, modernen Medien, arbeiten kann, sind wir auch wettbewerbsfähig. Und genau da haben uns die Studierenden auch unterstützt. Es war nicht so, dass alles was die Studenten oder Fakultäten vorgeschlagen haben sofort umgesetzt wurde. Wir haben allerdings einen „Ideenpool“, der dazu beigetragen hat, dass es uns besser geht und dass die Studierenden auch etwas davon haben. In den Wahlprogrammen der beiden Parteien wurde angekündigt, dass die Studiengebühren wegfallen. Aus den Koalitionsgesprächen hört man das auch. Ich nehme auch an, dass die Studiengebühren wieder vom Gesetzgeberkassiert werden. Es war bis jetzt in jedem Bundesland, indem diese Parteien an die Regierung kamen, dass die Studiengebühren gefallen sind. Man hat uns aber informiert, dass man das durch den Haushalt gegenfinanziert und jetzt müsste ich mir den Kopf des zukünftigen Finanzministers zerbrechen, woher er die 138 Millionen – so viel sind es nämlich für ganz BadenWürttemberg – hernehmen will. Das weiß ich auch nicht. Aber der Herr Kretschmann und der Herr Schmid sind schon mal so weit gegangen, dass sie uns zugesichert haben es zu finanzieren. Aber ich denke es gibt viele Veränderungen mit der neuen Regierung. Es werden andere Schwerpunkte gesetzt und das mit den Studiengebühren ist, nach meinen Informationen, schon zum Wintersemester auf der Agenda.

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Wo wir schon beim Thema Finanzen sind. Wenn man in letzter Zeit Nachrichten aus Pforzheim, insbesondere Wirtschaftsnachrichten, hört, sind die meist nicht sehr positiv. Machen Sie sich manchmal Sorgen, wenn Sie hier oben vom Berg runter ins Tal schauen? (lacht) Also eigentlich haben wir eine sehr komfortable Lage, das haben Sie gut erkannt. Wir sind oben auf dem Berg und die Stadt liegt zu unseren Füßen wenn man so will. Nein. Wir haben inzwischen ein sehr gutes Verhältnis zur Stadt, wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur Industrie-und Handelskammer und ich würde auch behaupten wollen: so ein gutes Verhältnis hatten wir noch nie. Aber nicht nur zur Stadt. Auch zu den Landräten vom Enzkreis, Calw oder Freudenstadt. Da sind wir immer im Gespräch. Die Stadt hat wirtschaftliche Probleme, die sind bekannt. Man hat durch ein Derivategeschäft den Haushalt in einer gewissen Art und Weise ruiniert. Die Stadt ist deshalb nicht ganz so handlungsfähig, wie sie es gerne hätte, das stimmt auch. Die Stadt strengt sich aber an eine Studentenstadt zu sein. Man tut sich noch ein bisschen schwer, aber wir sind im guten Gespräch und ich erkenne diesen Willen auf jeden Fall. Das sieht man schon allein daran, dass wenn wir eine Frage oder Bitte hätten, die Stadt sofort reagiert und uns unterstützen möchte. Ob es immer gelingt, ist noch eine andere Frage. Wenn man aber die Werkschau von Transportation Design oder Mode nimmt, sind wir wegen dem Ausmaß an Ausstellungsstücken ein ganzes Wochenende in der Stadthalle. Das finanziert die Stadt für uns, was schon ein sehr großzügiges Entgegenkommen ist. Die Stadt hat jetzt auch die Erstwohnsitzkampagne gestartet, die wir auch für sehr wichtig halten. Wenn wir es schaffen mehr Studenten in diese Stadt zu bekommen, entsteht vielleicht auch endlich dieses studentische Leben, das hier einfach fehlt. Es gibt ein paar Ecken in der Nordstadt - die kenn´ ich auch – das gibt es studentisches Leben. Und wenn man da ein Bier trinken geht ist man unter Gleichgesinnten. Aber das ist noch nicht das studentische Flair, das die Stadt eigentlich braucht. Man müsste in der Fußgängerzone, in der ganzen Stadt spüren: Das ist eine Studentenstadt. Man muss natürlich auch sehen, wo wir herkommen. Wir waren eine Pendlerhochschule. Man kam aus dem Umland, hat hier studiert und ist abends wieder heimgefahren. Da hat die Autobahn ihren Teil dazu beigetragen. Da stand man früher viel im Stau, kam zu spät oder gar nicht an. Viele haben sich dann doch überlegt, dass es Sinn macht sich hier eine Studentenbude zu nehmen. Die Stadt hat das jetzt aufgegriffen. Es gab auch ein Seminar unter dem Kollegen Pflaum, der ausgearbeitet hat, wie man die Incentives steuern kann, wie die Studenten auch etwas davon haben. Ich finde die Ideen sehr gut und denke, dass sich hier etwas Gutes entwickelt. Das tut der Stadt dann automatisch gut. Wir werden auch unterstützt beim


Goldstadtwalk. Wir hatten früher keine Begrüßung beim Oberbürgermeister. Ich halte das für sehr wichtig, wenn man hier studiert und von auswärts kommt, dass man hier von der Stadtspitze begrüßt wird. Man hilft uns bei der Wohnungssuche für ausländische Studenten. Wir haben seit kurzem Gelenkbusse, wodurch sich die Kapazität der Linie um ein gutes Drittel vergrößert hat. Wir sind auch dran, zusammen mit dem AstA, eine eigene Studilinie einzuführen. Es passiert also schon sehr viel. Leider nicht immer ganz so schnell, wie wir uns das immer wünschen würden, aber der Oberbürgermeister hat auch eine große Verwaltung hinter sich, die er dann erst einmal auf den Weg bringen muss. Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Hochschule Pforzheim? Wir sind schon im Ausbauprogramm 2012 des Landes Baden-Württemberg. Das steht durch die neue Landesregierung auf dem Prüfstand. Wir haben aber schon zugesagt, dass wir Studienanfängerplätze an Bord nehmen. Das heißt, dass wir die Fakultät Technik hier verdoppeln. Dazu brauchen wir natürlich Räume. Das überbrücken wir anfangs mit der Anmietung von Räumen in der Stadt. Aber schön wäre es natürlich diesen Campus zu nutzen auf dem heute schon das Technikgebäude „T1“ steht. Die akademische Logik gebietet, wo es ein T1 gibt, muss es auch ein T2 geben und das fehlt uns noch. Eigentlich ist dieses Ausbauprogramm auch mit einem Rückbauprogramm gekoppelt, wenn der doppelte Abiturjahrgang durch ist. An unseren Bewerberzahlen sehen wir allerdings, dass bei uns nichts mit Rückgang ist. Selbst wenn sich nur noch die Hälfte bewirbt, haben wir immer noch eine Überzeichnung von 5 bis 6 auf einen Studienplatz. Das heißt auch, dass wir längerfristig bei den großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften in BadenWürttemberg dabei sind, dass wir mit unserem Ranking mit vorne dabei sind - auch bundesweit – und ich würde mir wünschen, dass das auch so bleibt. Wir wollen noch mehr Studierende aus dem Bundesgebiet und aus dem Ausland. Dafür tun wir auch sehr viel mit dem Ausbau unserer englischsprachigen Vorlesungen. Wir werden auch komplette Studiengänge auf Englisch umstellen, so dass wir alles in allem noch internationaler werden. Zusammengefasst wollen wir die Größe halten und noch mehr Studenten, auch von außerhalb, hierher bekommen. Das wird am besten funktionieren wenn unsere Studenten rausgehen, im Ausland studieren und über uns sprechen. Vielen Dank für das Gespräch.

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Iana Dubois, Frauke Wagemann

Internationals in Pforzheim Habt ihr schon mal darüber nachgedacht im Ausland zu studieren - und das nicht nur ein Semester lang sondern das ganze Studium über? Deine Familie und Freunde in deiner Heimat zu verlassen und in ein neues, fremdes Land zu ziehen, das eine ganz andere Kultur hat? Genau das passiert auch hier in Pforzheim. Wenn man über den Campus läuft, hört man überall unterschiedliche Sprachen aus unterschiedlichen Ländern. Spanisch, Französisch, Russisch, Chinesisch um nur ein paar davon zu nennen. Aber warum studieren so viele junge Leute aus dem Ausland hier? Was bietet Pforzheim, was andere Städte nicht bieten? Und am wichtigsten: Warum denken die internationalen Studenten im Gegensatz zu vielen deutschen Studenten, dass es hier gar nicht so hässlich ist? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir einige Internationals nach ihrer Meinung gefragt und haben Sachen erfahren, die wir so nicht erwartet hätten Das Argument, das wir am meisten gehört haben, war wohl der gute Ruf der Hochschule Pforzheim bei verschiedenen Rankings, hauptsächlich im Vergleich mit den Hochschulen in deren Heimatländern. So hat die Hochschule Pforzheim bei dem diesjährigen Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) vor allem in den Bereichen Praxisbezug, Reputation von Studium und Lehre und internationale Ausrichtung mit der bestmöglichen Bewertung abgeschnitten. Wir haben bei unserer Recherche mit den Newies angefangen und haben sie nach ihren Gründen für ein Studium in Pforzheim befragt: „ Ich habe in Peru fast 12 Jahre lang Deutsch gelernt und wollte das auf jeden Fall nutzen. Die Hochschulen in Peru sind nicht so gut wie hier in Deutschland und deshalb habe ich mich dafür entschieden nach der Schule eine Ausbildung bei der IHK auf Deutsch zu machen. Dabei habe ich die Fachhochschulreife gemacht und konnte mich damit hier bewerben.“ (Paula Benavides, 1.Semester International Business) Und was sagen diejenigen über Pforzheim, die hier ihre Bachelor Arbeit geschrieben haben? „Seit dem ersten Tag habe ich mich in Pforzheim sehr wohl gefühlt und heute empfinde ich es wie ein zweites Zuhause. Vor allem in dem Studiengang International Business lernt man sofort viele Leute mit verschiedenen Nationalitäten kennen. In Pforzheim kann man viele Aktivitäten machen, die der Langeweile keine Möglichkeiten geben. Die Goldstadt hat ihren ganz eigenen Reiz.” (Stefan von Thun, 7.Semester International Business, Peru) Aber die Ausländer studieren nicht nur International Business, Jorge Armijos aus Ecuador, der Maschinenbau studiert, hat eine ähnliche Meinung: „My first impressions here were that the city was a bit small and wasn’t at the beginning really interesting. But then I realized that Pforzheim is made by it’s people and students and not by it’s infrastructure.

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I had met so many cool people here, and I had no idea that I was going to meet so many different cultures in this city, because of all the international students that come to Pforzheim from all over the world to make their exchange study. I can say that I had a really good time during my studies here in Pforzheim and I’m glad that I chose this city for my studies.” Aber finden die internationalen Studenten die Stadt denn auch so hässlich wie alle anderen immer meinen oder haben sie eine ganz andere Meinung? „Ich habe schon von vielen gehört, was für eine hässliche Stadt Pforzheim ist, aber meine Meinung ist eigentlich anders. Im Verhältnis zu Lima, meiner Heimatstadt, ist Pforzheim ordentlicher. Ich finde, dass es hier in Pforzheim auch schöne Plätze gibt, wo man sich mit seinen Freunden treffen kann, in meinem Fall mit allen Internationals, wo ich mich auch wie daheim fühlen kann, obwohl ich 10 000 km von dort entfernt bin. Man kommt eigentlich ohne Erwartungen an die Stadt hierher, wichtiger war für mich als ich die Hochschule Pforzheim gewählt habe, dass ein deutscher Abschluss für meine Zukunft mehr wert ist.“ (Iana Dubois, 2.Semester Werbung) Vielleicht ist genau das die richtige Einstellung. Wir sollten nicht nur kritisch auf Pforzheim schauen, sondern auch die schönen Seiten sehen. Genau das ist es, was die Internationals alle sagen: Pforzheim ist das, was die Menschen daraus machen und das ist es, was die Stadt wertvoll macht.


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Jana Kiene, Mareike Krauß

An einer Hochschule vor unserer Zeit Fast täglich geht unser Weg hoch auf den Berg zur Hochschule um dort Vorlesungen zu besuchen, zu lernen oder auch einmal im Semester ausgiebig zu feiern. Doch wie war das vor 20 Jahren an unserer Hochschule? Spannende Zeitzeugen berichten über ihre Erfahrungen an der Hochschule Pforzheim vor 20 Jahren. Darunter Prof. Dr. Gerhard Glatz, der sich selbst als „altes Fossil“ der Hochschule bezeichnet. Manfred und Bert haben beide Steuer/Revision studiert und 1990 ihr Studium an der Hochschule Pforzheim abgeschlossen. Bert arbeitet mittlerweile als Prüfer und Manfred als Steuerberater. Der „Lausbub“ auf dem Bild ist übrigens Bert. Wie viele Studenten waren in Ihrem Studiengang und wie lange war die Regelstudienzeit? Bert: Wir waren 30 Studenten. Insgesamt waren es acht Semester davon die ersten zwei Praxissemester. Ich habe beide Praxissemester in Pforzheim gemacht in der Gebietsgemeinschaft nördlicher Schwarzwald. Das System wurde ja jetzt auf Bachelor umgestellt und steht in der Kritik weil es so stressig sein soll, wie haben Sie das beim Diplom erlebt? Bert: Ja also mir war das stressig genug aber es hat auch sicherlich andere gegeben die hatten das stressfreier. Manfred: Das Studium war auch stressig, aber nur 4 Wochen vor der Prüfung, sonst nicht. Wie sah der Vorlesungsplan aus? Bert: Vorlesungsfreie Tage habe ich in meinem Stundenplan nicht gehabt. Es ging morgens um acht Uhr los und manchmal bis halb acht abends. Wie viele Klausuren wurden geschrieben? Bert: Wir haben nach dem dritten Semester zwei Klausuren geschrieben und nach dem vierten Semester acht Klausuren, das war das Vordiplom. Das heißt wir mussten dann innerhalb von zwei Wochen acht Klausuren schreiben. Wir haben einen Studentenausweis, mit dem man in der Mensa essen, Räume öffnen, Bus fahren und Skripte drucken kann. Wie war das früher? Bert: Also des gab’s bei uns net! In der Mensa mussten wir einfach bezahlen, fertig. Für Bus musste auch bezahlten werden. Manfred: Für die Mensa konnte man ganz am Anfang Märkchen kaufen und abgeben. Gegen Ende gab es dann auch Chip Karten, die allerdings nur in der Mensa funktioniert haben.

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Wir beziehen unsere Skripte über eine Internetplattform. Wie haben Sie Ihre Unterlagen für das Studium erhalten? Bert: Ich wüsst jetzt gar net, dass wir überhaupt ein Skript von einem Professor gekriegt haben. Wir haben alles mitgeschrieben und aus den Büchern gelernt. Manfred: Die Skripte haben wir selbst geschrieben oder von Kommilitonen kopiert. Wie war das Mensa Essen? Bert: Also was Besonderes war’s net! Es gab zwei Essen, mangels Alternative ist man hingegangen. Manfred: So häufig haben wir da nicht gegessen. War ok aber auch nicht so berauschend. Wo kommen Sie ursprünglich her? Sind Sie während der Studienzeit nach Pforzheim gezogen? Bert: Kurz nach dem Praktikum bin ich nach Pforzheim gezogen. Ich habe dort in einer 3er WG bei einer älteren Dame in ihrer Kellerwohnung gewohnt. Sie hat sich immer Studenten geholt die ihr dann den Rasen gemäht haben. Manfred: Ich komme aus Pforzheim. Wie teuer war die Wohnung? Bert: 150 DM warm inkl. Kabelfernsehen… schwarz, natürlich! Wir haben ein langes Kabel gehabt und am Anschluss waren irgendwie die Blomben weg daher hatten wir dann Kabelfernsehen. Bei uns gibt es einmal im Semester die Newieparty. Gab es auch eine ähnliche Feier? Bert: Ja, es gab das Herbstfest, da war‘s voll und immer was geboten. Es gab auch ein Wohnheim, in dem es unten eine Bar gab. Wenn man dort einen Kumpel gehabt hat, der die Zapfanlage bedient hat, war das immer von Vorteil. Dann gab es auch Dachterassenparties, da war dann immer Gedöns. Wohin sind Sie gegangen wenn Sie abends rausgegangen sind? Bert: Da gab es eine Discothek unterhalb vom Arbeitsgericht. Dann gab es noch eine Disco im Altgefäll im Industriegebiet. Manfred: Also das weiß ich nicht mehr genau, aber Irish pub war damals kein Thema. Wie oft sind Sie weggegangen? Bert: Jeden Abend!


Haben Sie eine witzige, interessante Anekdote aus Ihrer Studienzeit? Bert: Das beste Erlebnis war die Europameisterschaft während der Studentenzeit, weil wir den Fernseher in den Garten gestellt haben, Schälripple gegessen und die Knochen in den Mülleimer geschmissen haben. Manfred: Ja, in der Kantine gab es eine Bierzapfanlage, an der wir selbst unser Bier zapfen durften. Ab 9 Uhr gab es dann schon das erste Bier bei uns. Hat das Studium Sie gut auf Ihren Beruf vorbereitet? Bert: Ja, ich denke schon. Ich habe ja nach dem Studium erst ein Jahr Versicherungen verkauft, das war auch mal eine Erfahrung wert. Ich bin dann wieder in mein Fachbereich zurück. Das Studium war auf jeden Fall ein guter Start. Manfred: Nö. Ich hatte keine Praxiserfahrung. Ich kam irgendwann in die Praxis und konnte gar nichts. Ich war erst angestellt und habe 3 Jahre später mein Steuerberater gemacht. Praktisches bzw. theoretisches Wissen hatte man schon, aber die Praxisnähe hat einfach gefehlt. Würden Sie sich aus heutiger Sicht auch wieder für ein Studium in Pforzheim entscheiden? Bert: Ja durchaus, wobei ich würde versuchen etwas in

Richtung Ingenieur zu machen. Also so etwas Trockenes wie Steuer/Revision würde ich nicht mehr machen. Manfred: Ja, das Studium war lustig, es war gut und sehr gesellig. Haben Sie einen Rat den Sie den heutigen Studenten mitgeben würden? Bert: Ich würde den Studenten raten, auf jeden Fall den Bereich zu studieren der ihnen Spaß macht. Nicht nur den Gedanken an die Chancen und die Kohle richten, das ist sicherlich der falsche Weg. Der richtige Weg ist, dass man studiert woran man Spaß hat, oder denkt Spaß zu haben, denn nur da bringt man dann auch seine gute Leistung. Manfred: Ja, Praxiserfahrung sammeln, dann fällt der Eintritt ins Berufsleben sowie die Berufswahl leichter. Wie würden Sie Ihre Studienzeit in 3 Worten beschreiben? Bert: Stressig; erfahrungsreich; Pforzheim ist keine klassische Studentenstadt wie Tübingen, es ist kein Studentenleben wie in vielen anderen Städten Manfred: Der Spaß kam nicht zu kurz und es war ein Zusammenhalt unter den Studenten da. Vielen Dank für das Gespräch.

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Jana Kiene, Mareike Krauß

„freundliche, angenehme, junge Leute“ Prof. Dr. Glatz, Lehrbeauftragter für Quantitative Methoden (es geht um Zahlen) und Urgestein der Hochschule. Seit wann sind Sie an der Hochschule Pforzheim? Ich war hauptamtlich an der HS Esslingen seit 1978 und bin seit letztem Jahr im Ruhestand. An der Hochschule Pforzheim bin ich seit 1980, also ewig lang her und zwar ununterbrochen. Was meinen Sie was sich in den letzten 20 Jahren an der Studiensituation geändert hat? Ich glaube durch dieses kompakte Studium beim Bachelor ist die Stresssituation noch größer geworden. Ich denke, dass diese Komprimierung zu einer größeren Stresssituation führt, das war früher vielleicht doch entspannter. Allerdings ist es so, ich rede jetzt nur von meinem Fach, dass die Ansprüche immer weiter runtergefahren sind. Damals haben wir gerade in Mathe oder Statistik mehr verlangt. Das heißt ihre Klausuren sind im Laufe der Zeit leichter geworden. Ja, das kann ich mit gutem Gewissen sagen. Das ist nicht nur subjektiv sondern auch objektiv. Das liegt daran, dass die Vorbereitung der Schulen nicht mehr so gut ist. Wir haben ein sehr heterogenes Publikum. Die einen kommen frisch vom Abitur hierher und haben die Kenntnisse, die brauchen eigentlich gar nicht mehr in die Vorlesungen gehen. Und es kommen viele Leute vom Berufskolleg, die oft mangelnde Kenntnisse in Mathematik aufweisen dann ist es sehr schwer da wieder reinzukommen.

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Haben sich die Studenten in der Zeit verändert? Sind die Studenten fauler geworden oder fleißiger? Aus dieser Sicht hat sich meines Erachtens nichts geändert. Eifrig waren die Studenten schon immer. Sie wollen ja alle ihren Abschluss haben. Auch die Mitarbeit und die Disziplin in der Vorlesung find ich bemerkenswert. Ich hab ja Angst gehabt als ich vor zwei Jahren die Veranstaltung im Audimax nehmen musste. Da habe ich gedacht wie kriege ich die gebändigt, aber das war überhaupt kein Problem. Es ist sehr angenehm dort zu unterrichten. Sie stellen Ihre Unterlagen ja auf die e-learning Plattform, wie haben Sie früher Ihre Unterlagen verteilt? Damals lebte alles vom Tafelanschrieb. Auch für mich war das viel anstrengender, ich musste schließlich in eineinhalb Stunden vier Tafeln vollschmieren und die armen Studenten mussten mitschreiben. Der Vorteil war allerdings, dass das Mitdenken wahrscheinlich besser war, während man im Skript alles schon vorlesen kann. An der Tafel konnten Gedankengänge vor allem im Fach Mathematik besser nachvollzogen werden. Wie haben sich die Gebäude der Hochschule verändert? Die Technik gab es ja noch gar nicht. Früher war es eine reine Hochschule für Wirtschaft. Der Audimax ist erst später dazu gebaut worden. Auch die Erweiterung der Mensa und auch der Oberräume kam erst sehr viel später. Es hat sich schon einiges getan.

Wie würden Sie die Studenten in 3 Worten beschreiben? Sehr freundliche, angenehme, junge Leute, diszipliniert. Ich mag sie sehr gerne, ich bin gern hier. Darum mache ich es überhaupt noch, denn ich hab es ja nicht mehr nötig. Ich bin im Ruhestand und manchmal ärgere ich mich auch gerade wenn man im Mai mal verreisen will, dann habe ich hier die Vorlesungen. Aber andererseits gefällt es mir noch so gut und es macht mir Spaß. Haben Sie einen Rat den Sie den heutigen Studenten mitgeben würden? Sie sollen die Zeit nutzen, diese 3 Jahre, die sie da sind und energisch die Arbeit aufnehmen, auch wenn es manchmal ein furchtbarer Stress ist. Ich würde das Studium so straff wie möglich durchziehen damit man das hinter sich bekommt. Vielen Dank für das Gespräch.


Wir sind Profis, wenn es darum geht, Studenten und Absolventen in interessanten Projekten bei namhaften Unternehmen einzusetzen. Daher wissen wir, dass viele von ihnen nach attraktiven Jobs suchen – idealerweise nach solchen, die nicht nur die Geldbörse füllen, sondern auch inhaltlich herausfordernd und mit dem Studium vereinbar sind. Abhängig von den Qualifikationen erstreckt sich für Bewerber ein breites Aufgabenspektrum in den Bereichen IT Services und/oder Consulting, Business & Engineering. Wir nehmen bei der Karriereplanung unserer Mitarbeiter ausdrücklich Rücksicht auf die individuelle Zeit- und Studienplanung und organisieren die Projekteinsätze so, dass das Studium nicht zu kurz kommt. Mit univativ erhält man also die Chance, sich bereits während des Studiums in anspruchsvollen Projekten zu engagieren, wertvolle Praxisreferenzen für den Lebenslauf zu sammeln und theoretisch Erlerntes praktisch anzuwenden. Unsere Mitarbeiter lernen, sich in Unternehmen und in Teams zu integrieren oder sogar Teams anzuführen. Sie wissen dadurch nach dem Studium bereits, wohin die Reise gehen soll und können direkt durchstarten. Und: Wer sich erfolgreich bei uns beworben hat, muss sich nicht mehr um die Job-Akquise kümmern, das tun wir. Ist man in unserer Datenbank erfasst, erhält man laufend aktuelle Angebote – während des Studiums und darüber hinaus. Natürlich ist der finanzielle Aspekt gerade für Studenten nicht zu vernachlässigen: Wer bei uns angestellt ist, bezieht ein überdurchschnittliches Einkommen. Mit dieser Sicherheit im Rücken hat man den Kopf frei und kann sich besser auf das Studium konzentrieren. Für Absolventen erleichtert univativ als Karrieresprungbrett den Einstieg in Unternehmen verschiedener Branchen. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums kann man über das Projektgeschäft Unternehmen kennenlernen und bekommt nicht selten die Option auf Übernahme. univativ unterscheidet sich von anderen Unternehmen nicht nur durch eine sehr freundschaftliche Arbeitsatmo-

sphäre und flache Hierarchien, sondern vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit über 50 Hochschulen in ganz Deutschland. Uns ist der persönliche Kontakt zu Fachschaften, Fachbereichen und den Studenten sehr wichtig. In diesem Zusammenhang haben sich unsere Kollegen der Karlsruher Niederlassung mit Vertretern der Hochschule Pforzheim zusammengesetzt und eine neue Kooperationsform entwickelt: univativ übernimmt in diesem Sommersemester ein Mathematik-Tutorium der Wirtschaftsingenieure und macht sie fit für die Klausur. Wir freuen uns, eine solche Möglichkeit anbieten zu können, die ausschließlich den Studenten zugutekommt und weiterhilft. Das Tutorium über acht Termine an der Hochschule wird von unserem univativ-Referenten Christian Singer gehalten und läuft noch bis Semesterende. Es stellt eine gute Ergänzung zu unserem academy-Programm dar, über das allen univativ´lern die Chance der fachlichen und persönlichen Weiterbildung in Form von Hard- und Soft-Skill-Trainings angeboten wird. Natürlich sind wir auch außerhalb des Tutoriums an der Hochschule zu finden – zuletzt im Rahmen der Firmenkontaktmesse X-DAY. Viele Pforzheimer Studenten konnten uns dort bereits kennenlernen. Alle anderen bekommen diese Möglichkeit gerne, wenn sie den geplanten Infostand auf dem Campus gegen Ende des Semesters besuchen. Wer sich vorab informieren oder direkt bewerben möchte, kann dazu verschiedene Wege nutzen: »» Alle Details gibt es auf www.univativ.de »» Neues bei uns und rund um Karlsruhe gibt, findet ihr auf der Facebook-Seite facebook.com/univativKarlsruhe »» Natürlich freuen sich die Karlsruher Kollegen jederzeit über ein persönliches Gespräch: univativ GmbH & Co. KG Irina Schultheiss-Radu Stephanienstr. 55-57, 76133 Karlsruhe Tel: 0721/4647130, Email: karlsruhe@univativ.de

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Matthias Ort, Florian Kratz, Alexander Schulze

„Das Wundertütenprinzip“ Zwei erstklassige Printmedien im Gespräch. Der MD zu Gast bei der Pforzheimer Zeitung. Die Themen: Pforzheim und Zeitung. Wir sprachen mit (v.l.n.r.) Magnus Schlecht (Chefredakteur Nachrichten/Neue Medien) - (Schl), Thomas Satinsky (Geschäftsführender Verleger) - (S) und Matthias Roller (Leiter Marketing) - (R). Herr Satinsky, warum soll man als Student die Pforzheimer Zeitung lesen? S: Weil Sie in der Pforzheimer Zeitung alles erfahren, was in der Stadt und der Region passiert. Wir verstehen uns da als gut gemachte, klassische, regionale Tageszeitung. Die nach dem, im positiven Sinne, Wundertütenprinzip wirklich alle Interessen ihrer potenziellen Leser abdeckt. Als Zubrot natürlich unser Online-Medium pz-news.de. Und ich wüsste jetzt auch nicht, was man dort nicht findet. Immer auch mit klarem Blick auf die Hochschule. Wir machen als eine der wenigen Zeitungen in Deutschland überhaupt noch Campus-News, also eine Hochschulseite, die sich in erster Linie mit dem Hochschulleben beschäftigt und eben nicht nur irgendwelche Vorträge von Professoren veröffentlicht. Wir versuchen dort, einen Tick weit, das Lebensgefühl wiederzugeben, das die Studenten in dieser Stadt haben. Können Sie uns vielleicht das Wundertütenprinzip näher erklären?

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S: Ja, sie haben gerade geschmunzelt, nicht? Das ist so eine alte Journalistenfloskel, dass eine gut gemachte Tageszeitung wie eine Wundertüte funktioniert. Sie hat für jeden etwas drin. Was ja immer schwieriger wird, weil die Gesellschaft immer mehr zerfällt in einzelne Interessengruppen, die sich ganz spezifisch um ein Thema kümmern und das andere interessiert sie nicht. Die Zeitung versucht da wirklich einen Rundumschlag zu liefern. Das

kann der, für sie vermutlich langweilige, tägliche Roman sein. Sie würden sich wundern, wie viele Leute sich beschweren, sollte der einmal nicht veröffentlicht werden. Schl: Und zur Wundertüte gehört natürlich auch, dass man die Leser überrascht, mit dem was wir machen. Das ist auch unser Anspruch. Wir wollen nicht einfach nur das wiedergeben, was in anderen Medien sowieso steht, wir wollen eigene Themen setzen und beim Leser die Frage herauskitzeln: „Was hat denn die PZ da auf Lager?“, mit der er morgens an den Briefkasten gehen kann. Wenn wir jetzt auf die Online-Medien eingehen, von denen auch viele Studenten ihre Nachrichten beziehen. Man sagt ja auch, darunter leiden die Printmedien. Wie sieht denn in dieser Hinsicht die Entwicklung der Pforzheimer Zeitung aus? S: Tageszeitungen generell verlieren seit Mitte der 90er Jahre an Auflage. Ich behaupte, bevor die kleineren und mittelgroßen, wie die Pforzheimer Zeitung, da ernsthaft gefährdet sind, hat es die ganz großen schon verspult. Nehmen Sie die Frankfurter Rundschau, die jetzt wirklich am Existenzminimum entlangkrebst, mit großen Kündigungen in der Redaktion und wirklichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wir sind ein gut geführtes Unternehmen, das Gewinne macht, da wird es uns nicht bange. Das Internet betrachten wir als Chance und letztendlich als Ergänzung unseres Nachrichten- und Informationstableaus. Wir machen ja nicht nur Print. Das ist unser


Flaggschiff, das ist unser Kerngeschäft, damit verdienen wir in erster Linie unser Geld. Wir sind aber zu einer Content- und Angebotsfabrik geworden. In der Mitte steht die Zeitung, dann haben wir iPad in Entwicklung, iPhone wird in den nächsten Wochen fertig, in Facebook sind wir unterwegs, PZ-News ist seit vielen Jahren das erfolgreichste Portal im Verhältnis zur Printauflage in ganz Deutschland. Wir werden uns auch noch in irgendeiner Weise ins Internet-TV einbringen. Dann haben wir die Anzeigenblätter, wir verteilen Prospekte, wir sind an einem Postdienst beteiligt. Überall, wo mit Kommunikation Geschäfte gemacht werden in unserer Region, versuchen wir dabei zu sein und auch die Nr.1 zu sein. Bei der iPhone/iPad App, was wird da dem Kunden geboten über den normalen redaktionellen Inhalt hinaus? S: Was wir auf jeden Fall nicht tun, ist das was die meisten tun: Die holen das ePaper auf das Pad und glauben damit hätten sie die Welt gerettet. Das ist falsch. Wir glauben, dass das iPad viel emotionaler, viel interaktiver funktioniert, als das eine Zeitung oder ein ePaper kann. Deswegen haben wir uns da auch relativ viel Zeit gelassen in der Entwicklung und Entscheidung. Gerade weil wir bei den anderen gesehen haben, sie verdienen kein Geld damit. Wir haben uns da mit einem regionalen Partner zusammengetan: Meyle und Müller. Eine ehemalige, bzw. immer noch, Reproanstalt, die auch auf dem Entwicklungsstadium sind: Wir müssen mehr können als Print. Die gehen unter viel emotionaleren Gesichtspunkten an die Lösung heran. Wir müssen auch was für unsere Anzeigenkunden tun, damit können wir ja auch Geld verdienen. Eine sehr aufwändige Geschichte mit hohen Entwicklungskosten. Wenn wir den strategischen Anspruch haben die Nr.1 in der Region zu sein, dann werden wir den Aufwand weiterhin betreiben. Wir sind da sehr konsequent und arbeiten auch gerne mit Partnern zusammen. Wir arbeiten auch sehr, sehr gerne mit der Hochschule zusammen. Ich habe das dem Herrn Erhardt auch immer wieder gesagt: Hier unten ist ein potenzieller Arbeitgeber für euch. Einer der fest verankert ist in der Region. Einer der 170 fest Beschäftigte hat und der aus unserer Sicht auch eine gute Zukunft hat. Noch einmal zurück zur Ausgangsfrage: Konkurrenz für das Printprodukt: Ja. Aber eine muntere, gesunde Konkurrenz und auch Ergänzung. Das Anzeigengeschäft ist sicherlich im bestimmten Maße vom Internet berührt. Aber auch da trifft es erst die Großen, nicht die Regionalzeitungen, die in ihrem Markt verankert sind, das trifft die Großen. Wenn z.B. Aldi eine Gattungsentscheidung trifft und aus dem Printprodukt herausgeht und nur noch Prospekte verteilt, trifft uns das hart, aber jemand der noch mehr von nationalen Werbern lebt, den erwischt es voll. Wir haben eben das Regionale als Alleinstellungsmerk-

mal. Wir gehen sogar ins Sublokale, also auf Amtsblattebene. Die Rechnung geht strategisch und ich glaube auch operativ und finanziell auf. Da kommen Werbende zurück zum Medienhaus, die wir schon seit vielen Jahren nicht mehr dabei hatten: Metzger, Bäcker, kleine Einzelhändler. Unter einem anderen Preisgefüge natürlich, das ist logisch. Wie verläuft denn die Kooperation mit der Hochschule? Findet man da Gehör? S: Ja. Wir gehören ja auch zu den Sponsoren der Hochschule, also der Verlag Esslinger, der Eigentümer und Verleger der Pforzheimer Zeitung. Der ist dort auch im Directors Club Mitglied. Das ist das Eine. Wir sponsoren tatsächlich mit Euro und Cent. Auf der anderen Seite haben wir eine Kooperation mit ihrem PR Studiengang eingegangen und wir fördern jetzt eine Semesterarbeit der Hochschule für Gestaltung (Visuelle Kommunikation) in dem wir anbieten, dass wir das Produkt verlegen. Produzieren müssten das die Studenten, wir drucken das, besorgen das Papier, sorgen für die Distribution usw. Wir verlegen also die Zeitung, die ihr da produziert. Das sind projektorientierte Sachen. Wir könnten uns das aber durchaus auch im Bereich der Redaktion vorstellen. Schl: Das kann ich auch ergänzen: Wir sind gerade dabei die neue Pforzheimer Zeitung zu gestalten und vorzubereiten. Wir werden am 21. Mai eine neue PZ auf den Markt bringen, gleichzeitig bekommt pz-news ein neues Erscheinungsbild. Im Zusammenhang mit dem Print Relaunch werden wir auch mit der Hochschule im redaktionellen Bereich kooperieren. Wir planen für unsere Wirtschafts- und Marktseiten so eine Art Kolumne, wo dann Professoren der Hochschule ihren Senf zu bestimmten Themen abgeben können. Sei das jetzt aus dem Bereich Wirtschaft, verbraucherorientiert oder Maschinenbau. Grundsätzlich ist es aber auch so, dass wir die Hochschule als Ansprechpartner der Redaktion sehr, sehr schätzen und wir das in den letzten 1-2 Jahren auch wirklich ausgeprägt haben, weil da oben eben auch wirklich Koryphäen unterwegs sind, die es uns leichter machen unser Alleinstellungsmerkmal wieder zum Ausdruck zu bringen: Wir fragen nicht den Professor aus Frankfurt oder München sondern einen Professor von der Hochschule Pforzheim, z.B. den Hanno Beck. Der kommt ja auch aus der Branche, als ehemaliger Journalist, da tut man sich dann leicht. Oder auch der Herr Noll hat einen Gastkommentar geschrieben zu dem Thema „Liberalismus: Was bedeutet das heutzutage eigentlich noch?“ Solche Sachen schätzen wir sehr. Das soll auch noch ausgebaut werden. Das soll institutionalisiert werden. Wir planen das auch immer samstags zu bringen, um die Samstagszeitung zu stärken mit einem Pool von Autoren, vor allem aus der Hochschule.

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Gibt es denn auch eine Entwicklung in die Richtung, dass man die Studenten selbst mit einbindet?

Geht der Blick von der Hochschule manchmal ein Stück zu weit über Pforzheim hinaus?

Schl: Im Moment gibt es da noch keine Idee, wenn gleich wir natürlich versuchen über die Campus Seite das Leben der Studenten, das Denken und Fühlen der Studenten abzubilden. Es wäre aber auch interessant einen Studenten zu Wort kommen zu lassen, der eine interessante Diplomarbeit/Seminararbeit zu dem Thema geschrieben hat. S: Ich bin ja vorhin auch auf das Thema potenzieller Arbeitgeber gekommen. Das ist etwas, was uns auch noch mal sehr wichtig ist. Wir sind natürlich ein Arbeitgeber für jeden der etwas mit Kommunikation zu tun hat, ob das jetzt Journalisten sind oder eben auch Medienfachleute. Wir haben jetzt unsere Internetabteilung vergrößert, sowohl im Verkauf als auch im Content. Das ist sicherlich ein Platz der Zukunft. Wer dort multimedial aufgestellt ist. Das sind Arbeitsplätze, die werden gefragt sein in Medienunternehmen, egal wo sie hinkommen. Wir haben immer mal wieder diskutiert: Brauchen wir eine Abteilung Facebook Marketing. Das können wir nicht, das sage ich Ihnen ganz offen. Ich weiß, dass es das gibt und wie es in etwa funktioniert und ich weiß, dass man damit Geld verdienen kann. Worauf es dann letztlich ankommt, weiß ich nicht, muss ich auch nicht wissen. Ich weiß nur, dass wir es eventuell brauchen. Wenn wir uns dazu entschließen sollten, stellen wir da ein paar Freaks ein, die für den Betrag X da die ein oder andere Firma betreuen, dann ist das gut, dann sind wir Dienstleister. Aber das werden Leute sein, die werden entweder bei Ihnen an der Hochschule groß, die sind aber nicht auf dem Markt derzeit. Sie können nicht sagen: Suche Mann für Facebook Marketing. Sie werden da keine Bewerbungen kriegen. Da befindet sich unsere Branche im gewaltigen Umbruch. Technisch und auch im Denken haben wir da großen Nachholbedarf. Wo muss das hingehen. Manche Verleger in Deutschland stehen immer noch auf dem Standpunkt: „Das wird schon wieder vorübergehen“. Das ist natürlich ein Blödsinn. Hier ist das nicht so. Wir waren aber gestern bei einem befreundeten Verlag und da wird immer noch müde über das Internet gelächelt. „Damit verdient man ja nichts.“ Das ist richtig: Ich verdiene jetzt nichts damit. Aber wenn ich das jetzt nicht betreibe, dann werde ich meine Medienkompetenz verlieren. Und dann lachen Sie. Da spielt auch die Hochschule eine Rolle, ich sage dem Herrn Erhardt immer, mach die Leute darauf aufmerksam und mach auch die Professoren darauf aufmerksam, dass da unten jemand ist, der gerne mit euch zusammenarbeiten würde. Der eben nicht nur Zeitung macht. Der eben auch mal Geld locker macht für ein Projekt. Es wäre super, wenn da mal irgendeine digitale Idee entstünde.

S: Ja, das glaube ich schon. Herr Erhardt ist einer, der das ändern will. Der es auch ändert. Aber zuvor waren alle eher anders orientiert. Mittlerweile hat man auch an der Hochschule erkannt, dass attraktive Arbeitgeber um sie herum sind, ob das jetzt Feinwerktechnik ist oder ob das Medienunternehmen sind. Schl: Die Grundstimmung war jahrelang so geprägt. Man kommt hierher zum Studieren und dann geht man wieder. Das wirkt natürlich auch noch nach. Bei den meisten Studenten ist das sicher so. Dass man mit dem Herrn Erhardt da jemanden hat, der entgegenwirken will, ist toll und trotzdem fängt das natürlich mit den Studenten an. Klar, wenn die ein anderes Lebensgefühl mitbringen und auch hier sesshaft werden wollen für ein paar Jahre, wenn sie sich interessieren für die Stadt, dann kann das auch nach innen wirken. Aber da sehen wir schon auch manchmal das Problem, dass die Studenten alle da oben sind und wir da unten. Wobei, wenn wir dann was machen, z.B. den Goldstadtwalk begleiten, wenn wir über Newie Partys berichten, dann stellen wir fest, dass da doch ein großes Interesse der Studenten da ist. Das sehen wir dann schwarz auf weiß in unseren Statistiken und den Internetabrufen. Das sagt mir, dass ein Ansatz da ist, man müsste nur irgendwie besser zusammenkommen. S: Auf der anderen Seite muss man natürlich auch eines sehen. Ich war fünf Jahre Chefredakteur in Konstanz beim Südkurier. Da hatte die Zeitung überhaupt keinen Zugang zu den Studenten, würde ich behaupten. Was sicherlich auch an der Zeitung oder an der Redaktion gelegen hat. Die haben über das was die Professoren machen berichtet und nicht über das Studentenleben, was eigentlich das Interessante wäre. Dann schaut man sich an, was am Studentenleben und Studium in erster Linie interessiert. Ist ja klar: Party. Sagt man so, ja. Das ist so. Das weiß jeder von uns. Was muss man da tun, um das abzubilden: Man muss Bilder zeigen, man muss den Streit an der Seestraße zeigen, wo irgendwelche Flaschen herumlagen und sich Anwohner beschwert haben. Gut und ansonsten, irgendwann wurde die Uni Konstanz dann Elite-Uni, das war es dann aber auch. Weil dort im Gegensatz zu hier nämlich Folgendes passiert ist. Die Studis sind in die Stadt rein und in die Kneipen rein. Die waren also dann zumindest ein Bestandteil des Ganzen. Hier würde ich behaupten, sind die Cafés zum großen Teil studentenleer. Mag an den Cafés liegen, ja. Kann aber auch sein, dass man von studentischer Seite sagt: Pforzheim, oh Gott wie hässlich. Man reduziert das auf die 500 Meter Fußgängerzone und das war


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Durchgesickert? Studenten lesen kostenlos! Die E-Paper-Ausgabe der PZ ist an der Hochschule Pforzheim auf allen Rechnern mit Internetzugang über www.pz-news.de frei verfügbar. Außerdem kann jeder Student die Pforzheimer Zeitung mit ins Ausland nehmen. Während des Auslandssemesters erhält er einen kostenlosen E-Paper-Zugang. Nähere Infos gibt’s im Studentensekretariat.

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es dann. Der Pforzheimer selbst fördert dieses Vorurteil noch, weil er sagt, dass das stimmt. Das ist ein bisschen das Pforzheimer Feeling, alles Eigene erstmal herunterreden. Pessimistisch sein. „Jetzt fahren die Autos wieder in die Fußgängerzone und parken da. Schrecklich. Nachher wollen die auch noch einkaufen.“ Wobei sie ja allen Grund hätten selbstbewusst zu sein. Ein natürliches Selbstbewusstsein. Nichts selbstherrliches, sondern natürliches. Das fehlt irgendwie. Ich denke, da hat die Stadt durch die wirtschaftliche Lage auch ein bisschen einen Knacks im Ego bekommen, oder? Die Stadt ja, aber nicht die Region. Sie sind ja Marketingstudenten, sie verstehen ja etwas davon. Ich nicht, aber ich würde mich als Pforzheimer nicht nur auf die Stadt Pforzheim reduzieren wollen. Ich würde ganz anders auftreten und sagen: Pforzheim, das ist das Zentrum der Region Nordschwarzwald und von mir aus auch des Enzkreises und dieser Region lebt man super gesund, hier ist High-Tech zu Hause und dann haben wir noch Schmuck. Ich würde gar nicht trennen zwischen Pforzheim und Enzkreis sondern die ganzen hocherfolgreichen, international tätigen Firmen einfach vereinnahmen. Da würde ich mich auch nicht auf eine Arbeitslosenquote im Stadtkreis Pforzheim, die diametral der im Enzkreis gegenübersteht. Was wollt ihr denn: Diese Region ist erfolgreich und hat eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Deutschland. So würde ich das machen. Zum Thema Schmuck. Klammert die Stadt noch an ihrem Goldstadt Image? S: Ich glaube nicht, dass sie daran klammert. Es ist auch nicht schlecht, wenn man sagen kann „Wir sind die Welthauptstadt des Schmucks“ Da muss man auch ein bisschen übertreiben können. Wenn man in der Lage ist zu sagen „und daraus hat sich das, das, das und das entwickelt“. Die Arbeitsplätze, die vorher in der Schmuckindustrie waren, die sind allesamt in eine Technologie gewandert, die man heute braucht um Autos zu bauen, um Raketen zu bauen, um Züge zu bauen usw. Dieses Image, was nach draußen kommuniziert wird, lässt so aber nicht viel anderes mehr zu.

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R.: Das ist schon ein Fehler. Aber wenn wir von Identität und Identifikation reden, ist es immer wichtig, dass man auch über Tradition redet. Deswegen ist es auch gut, dass Pforzheim sagt „Wir sind die Goldstadt!“. Wichtig ist natürlich auch zu sagen, dass aus der Goldstadt etwas anderes geworden ist. Diese Firmen, die im zahnmedizinischen Bereich sehr erfolgreich tätig sind, die kommen ja aus dieser Branche. Das muss man dann sagen: „Wir

sind Goldstadt und gleichzeitig High-Tech Stadt.“ S: Da unten sitzt der Gustav Rau. Am Turnplatz. Die haben, wenn ich es richtig weiß, einen Werkstoff entwickelt der eine maßgebliche Rolle spielt beim Herzersatz. Die sind Weltmarkführer, aber das weiß keiner. Vielleicht halten sie es auch unter der Decke. Aber sie haben Medizintechnik entwickelt in dieser Stadt. Das ist sensationell. Pforzheim ist mehr. R: Da kommt natürlich noch der Hochschulstandort mit dazu. Gerade Studiengänge wie Transportation Design oder gerade Marktforschung, das gibt es ja selten hier in Deutschland. Die Studiengänge sind auch renommiert. Das ist auch ein Punkt, den die Stadt mit nach außen tragen sollte. S: Die Stadt hat kein richtiges Zielfoto. Wo wollen wir stehen? Freiburg: Solarregion. Karlsruhe: Technologie Region. Ulm: Medizintechnik. Jeder hat irgendwo seine Region geprägt und ein Label draufgeklebt. Eine Marke. Für was steht Pforzheim? Für Gold. Naja, aber doch nicht so richtig. Es heißt eben auch alles „Gold“. Goldstadt Walk, Goldstadt Cup ... das ist dann monoton. Dann hinterfragt man das irgendwann auch und denkt sich: „Ich sehe nichts von dem Gold“. Platt gesagt. R: Es wirkt ein bisschen angestaubt. (S: Glänzend angestaubt) Man hat in Pforzheim jahrzehntelang versäumt überhaupt dieses Image zu prägen und im Stadtbild von der Goldstadt etwas zu zeigen. Die Schmuckwelten gibt es ja auch noch nicht lange. Vorher ist man als Fremder nach Pforzheim gekommen und hat die Schmuckauslagen gesucht und nichts gefunden, weil das alles über Fabrikverkauf gelaufen ist. Das, was man vor 20-30 Jahren hätte tun sollen, hat man erst in den letzten Jahren gemacht. Das war für die Schmuckindustrie auch quasi zu spät und konnte den Niedergang dann gar nicht auffangen. Schl: Das lag auch daran, dass es Pforzheim obwohl es so traumatisiert war durch den 23. Februar, am Ende doch noch viel zu lange, viel zu gut ging. Andere Städte haben da relativ früh den Strukturwandel einleiten müssen. In Pforzheim hat man die Stadt nach dem Krieg aufgebaut und das war natürlich schmerzhaft, aber diese Schmuckindustrie war ja dann rasend schnell wieder erfolgreich. Aber der Bedarf war gar nicht da. In den 80ern hat man dann gemerkt, dass in Asien auch Schmuck produziert wird und das viel billiger. Die Firmen, die wir vorhin genannt haben, die haben das rechtzeitig erkannt und ihre Kompetenz umgestellt. Hat man die Studenten als Zielgruppe ausgemacht? Möchte man die als zukünftige Leser gewinnen und wie stellt man das an?


R: Auf jeden Fall. Ich greife einmal das auf, was vorhin schon teilweise erwähnt wurde. Die Zusammenarbeit mit den Studenten, auch im Bereich Sponsoring. Was wir da tun und getan haben ist wirklich sehr vielfältig. Gerade der Projektbereich, mit den Studiengängen PR, Werbung, Marktforschung. Da haben wir schon viele gemeinsame Studien und Konzepte erstellt. Da war die Zusammenarbeit bisher sehr intensiv. Darüber hinaus gibt es ein großes Engagement für den Directors Club, da sind wir im 5-stelligen Bereich Sponsor. Die wöchentliche Hochschulseite, das ist natürlich enorm, was da über das Jahr hinweg so läuft. Ansonsten Zielgruppe, klar. Wir bieten ein Studentenabo an. Wir haben ein ePaper-Abo, das an der Hochschule auf allen internetfähigen Computern kostenlos verfügbar ist (aha?!) und alle Auslandsstudenten können diese ePaper-Abo auch nutzen, um den Bezug zur Heimat zu behalten. Von der Hochschule wurde uns zugesagt, dass das auch kommuniziert wird. Wenn ich jetzt eure Reaktion anschaue, war das wohl nicht so bekannt. Dann ist da Handlungsbedarf. Das könnt ihr natürlich, wenn ihr darüber berichtet, auch kundtun. Für die KinderUni waren wir Sponsor, wir drucken die Prospekte, machen die Vorwerbung und redaktionellen Hinweisen. Das Scheckle-Heft drucken wir kostenlos für die Hochschule. Wir sind dann natürlich auch in vielen Publikationen mit einer Anzeige vertreten. Das ist ja schon sehr viel Engagement rund um die Studenten und die Hochschule. Bekommt man da ein Feedback, dass man sagen kann, das bringt auch etwas (Messbares)? R: Das ist schwierig, denn der Bindungswille ist natürlich relativ gering, was Abonnements anbelangt. Schl: Das gehört natürlich auch zur Lebenswirklichkeit von jungen Menschen. Wir machen das einfach auch deshalb, weil wir Präsenz zeigen wollen und weil das auch unserem Image gut tut und weil man natürlich dieses Angebot schaffen will. Aber wir erwarten uns nicht, dass dabei hunderte von Studentenabos rüberkommen. Darum geht es auch nicht. Als Medienhaus ist es wirklich kriegsentscheidend, dass man sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientiert. So muss man die Zeitung machen. So muss man die Nachrichten machen. So muss man seine Nachrichten auch verbreiten. Deshalb werden die Studenten das sicher gut finden, wenn wir ein Print Abo anbieten aber dann trotzdem jeden Tag auf pz-news.de gehen. S: Auf der anderen Seite hat eine einzige Zeitung in Deutschland an Auflage gewonnen, „Die Zeit“. Zu meiner Zeit hatte man überhaupt nicht die Zeit, „Die Zeit“ zu lesen. Und jetzt legt die zu. Ich weiß ja nicht ob die Leute mehr Zeit haben. Es gibt ja nicht immer mehr Lehrer,

die hatten oft die Zeit, „Die Zeit“ zu lesen. Das ist auch nicht der Fall. Die machen aber eine ganz andere Form von Journalismus. Den können Sie in einer Tageszeitung und in einem Online Portal in der Form gar nicht machen. Nur Analyse. Nur Hintergrund. Nur erzählen, schon fast literarisch. Tageszeitungen tun gut daran ein Stück weit davon zu lernen.

Das ist aber, glaube ich, auch immer das Thema Zeitdruck und Aktualität. S: Erzählen Sie mir davon nichts. Das habe ich von Anfang an nicht geglaubt als Journalist. Das ist ein Unsinn, der so genannte Zeitdruck. Den gibt es vielleicht bei Sportgeschichten. Da müssen die Ergebnisse rein und ein Spielbericht. Aber alles andere liegt an der Zeitung selbst. Die muss entscheiden, was wichtig ist für ihre Leser. Für Smartphones ist das sogar noch aktueller. Da kommen Sie gar nicht an gegen Smartphones oder das Internet. Es gibt kein aktuelleres Medium. Warum sollen wir als Zeitung diesen Kampf aufnehmen? Dann mache ich lieber Folgendes und das können die nicht, oder nur bedingt. Man kann zwar viel publizieren, aber es wird dann keiner mehr lesen. Ich muss in der Lage sein auf 100 Zeilen zu erklären, warum das relevant ist für den Leser. (In Pforzheim.) In Pforzheim, richtig. Schl: Aktualität erzeugen sie heute, wenn Sie das Prinzip der Morgenzeitung beherzigen. Das bedeutet nichts anderes, als das Sie sagen: „Okay, was ist morgen das Thema, wenn wir das Radio einschalten?“. Dann kommt man auf ganz andere Themen als die, die an einem Tag so laufen. Dann stellt man fest, dass morgen dies und das entschieden wird. Morgen geht dieses kleine Thema von heute sicher größer weiter. Dadurch erzeugt man dann Aktualität. Wenn etwas nämlich heute das Thema war, dann haben die Leute es sicher irgendwo im Fernsehen, Radio oder Internet gesehen. Wir geben dann aber die Antworten am nächsten Tag auf die Frage: „Was bedeutet das dann für dich?“. S: Diesem Aktualitätsdruck, diesem News-Druck, kann man sich nur entziehen, wenn man es so macht, wie wir es versuchen: In dem man den Hintergrund liefert und sagt, was jetzt wichtig für mich ist. Vielen Dank für das Gespräch. MD 56 31


Florian Kratz

Agenturen in Pforzheim Davon gibt es einige. Hier seht Ihr die, die es geschafft haben innerhalb der 2 Monate diesen Fragebogen auszufüllen.

Name und Adresse: naranjaMEDIA medienagentur, Blücherstr. 32, 75177 Pforzheim Rufnummer / 07231 - 4253242 / Ansprechpartner: Herr David Hofmann (GL) 07231 - 4253232 / Frau Patricia Hofmann (Buchhaltung) Homepage: www.naranjamedia.de Gründung / Miarbeiter: 2005 / 5 Kernkompetenzen: Grafik - Design, Webentwicklung, Werbetechnik Webdesign zu einer Beschreibung: Unsere Agentur besteht seit 2005 und hat sich vom reinen l im klassischen Full-Service Agentur entwickelt. Wir stehen unseren Kunden sowoh Werbetechnik mit Marketing als auch in der Umsetzung von neuen Medien und der eren AgenRat und Tat zur Seite. Nicht nur der Name macht uns zu einer besond tur: vielseitig, interessant, kreativ, motiviert, zuverlässig. Sind wir IHRE neue Agentur? Praktikumsmöglichkeiten Praktikum im Bereich Mediengestaltung Spontan! Ein neuer Claim für Pforzheim (ohne Gold): Pforzheim - City in Motion

Name und Adresse: Vangographics Bleichstraße 84/ 2, 75173 Pforzheim Rufnummer / 07231 - 2819836 / Ansprechpartner: Marcel Pelzeter Homepage: www.vangographics.de/ Gründung / Miarbeiter: 2010 / 2 Kernkompetenzen: Logodesign, Printdesign, Web- und Screendesign, 3D Animationen Beschreibung: Unser Leistungsspektrum umfasst Aufgab enfelder aus den Bereichen Marketing, Ideen, Namensfindungen, Print-, Webund Screendesign sowie Konzeption und Beratung. Somit setzen wir Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen vollkommen in Szene. Das ganze mit einer budgetsichere und schnelle Abwicklung. Wir haben einen zufriedenen Kundenstamm aus Pforzheim, Leonberg und Karlsruhe den wir natürlic h gerne weiterhin ausbauen. Praktikumsmöglichkeiten Noch nicht. Spontan! Ein neuer Claim für Pforzheim (ohne Gold): Alles wird gut!

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Name und Adresse: MEDIENSERVICE24.net, Kronprinzenstraße 29, 75177 Pforzheim Rufnummer / 07231 - 569 336 / Ansprechpartner: Andreas Osswald Homepage: www.medienservice24.net Gründung / Miarbeiter: 2003 / 1 Kernkompetenzen: Print- und Webdesign mit Schwerpunkt Datenbankentwicklung/Internet Beschreibung: Wir mögen‘s unkompliziert: Flexible Abwicklungen , maximale Begeisterung und Spaß an der Umsetzung lautet unser Motto. Unsere Kunden kommen aus den verschiedensten Branchen, wie Gastronomie (bspw. Art Café, Pforzheim-Nordstadt) oder internationale Lederwarenproduzenten aus Bremen. Die Spannweite vom Projektumfang ist ebenso groß wie die Unternehmen für die wir arbeite n. Angefangen von einfachen Visitenkarten über mehrseitige Broschüren/Kleinkatalog bis hin zu Internetauftritten mit zigtausenden Seiten. Abwechslung und Vielseitigkeit ist das Motto. Praktikumsmöglichkeiten hin und wieder ein Praktikantenplatz Spontan! Ein neuer Claim für Pforzheim (ohne Gold): Pforzheim: Vielseitig, Kontrovers, Kreativ - Ein Juwel Name und Adresse: CKK! Claus Kuge Creative KommunikationsAgentur, Weißenburgstraße 63, 75173 Pforzheim Rufnummer / 07231-24041 / Ansprechpartner: Claus Kuge Homepage: www.ckk.eu Gründung / Miarbeiter: 1977 / 1 (fest) + 6 (feste freie) Netzwerkpartner Kernkompetenzen: KommunikationsMarketing, Konzeptionen, Full-Service Beschreibung: Die CKK! ist eine klassische Fullservice-Agentur und leistet von Namensbranding, Anzeigen-, Prospekt- und Kataloggestaltung über Geschäftsaustattungen, Direktmarketing, Public Relations und Internet-Auftritten alles, was ihre mittelständische Klientel im Kommunikations- und Werbebereich braucht. Seit 2009 ist die CKK! in Sachen Wahlwerbung erfolgreich und hat die Pforzheimer OB-Wahl für Gert Hager erfolgreich gestaltet - in einer aufsehenerregenden Cross-Media-Kampagne. Ein weiterer Schwerpunkt der Agentur liegt im Consulting- und Beratungsbereich. Die CKK! zeichnet sich durch ein faires Preis/Leistungsverhältnis aus. Praktikumsmöglichkeiten fallweise Praktikumsmöglichkeitem Spontan! Ein neuer Claim nicht ganz spontan: Von Claus Kuge stammt der Slogan: Pforzheim kann mehr. für Pforzheim (ohne Gold): Gemeinsam. Ein Slogan für die Stadt daraus ist: Pforzheim kann mehr. Garantiert!

Name und Adresse: conceptplus Werbeagentur GmbH Weiherstraße 22, 75173 Pforzheim Rufnummer / 07231 - 7809666 / Ansprechpartner: Mimmo Hager Homepage: www.cp-werbeagentur.de Gründung / Miarbeiter: 2003 / 8 Kernkompetenzen: conceptplus bietet full service. Dienstleistung en vom Konzept bis in die Köpfe der Zielgruppe. Im B2B- wie im B2C-Bereich: Corporate-Design-Lösungen und MarkenBeschreibung: bildung, Printmedien, Digitalmedien, Mediap lanung. Eine Auswahl unserer Kunden alurex Geräte, art of music, BADER Großversandhaus, Döttinger Mode, Gemeinde Ispringen, Huhn Pearls, IVEKA GmbH, Reiling Tuning, Sedan Werbe gemeinschaft, Siloah St. Trudpert Klinikum Praktikumsmöglichkeiten Ab November 2011 bieten wir wieder 2 Halbjahres-Praktikumsplätze an Ab September 2011 bieten wir einen Ausbildungsplatz an Spontan! Ein neuer Claim für Pforzheim (ohne Gold): Pforzheim - Wo Einkaufen noch genieß en heißt MD 56 33


Natalie Peketitsch

Mit Herzblut anders werben Die conceptplus Werbeagentur GmbH lebt seit der Unternehmensgründung (2003) ihren Leitsatz „anders werben“ mit Leidenschaft. Die Erfolgsformel aus Emotion, Effizienz, Herzblut, Teamwork und Nachwuchs gibt ihnen recht. In dieser Agentur habe ich selbst ein zweiwöchiges Praktikum absolviert und es hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ich hatte Zugang zu vielen Themenbereichen und mir wurde ein guter Einblick in den Alltag der Werbebranche gewährt. Die Mitarbeiter sind sehr nett und hilfsbereit und es herrscht eine freundliche, lockere Arbeitsatmosphäre. Dies findet auch Mimmo Hager, strategischer Planer und Personalentwickler von conceptplus, der von „Herzlichkeit und eine(r) familiäre(n) Atmosphäre“ spricht. Dies kann ich nur bestätigen.Die meisten Mitarbeiter von conceptplus stammen aus Pforzheim und waren deshalb sehr an der Ausgabe des 56. MD interessiert und fühlten sich angesprochen. Im Mai 2009 wurde im PZ Forum das Projekt „Sedan“ der Öffentlichkeit vorgestellt, das den Innenstadtteil um den Sedanplatz herum attraktiver und bekannter machen sollte. Ziel war auch, die Interessen der Einzelhändler durch Eigeninitiative besser zu vertreten, um eine positive Entwicklung für das Gebiet zu fördern. Hierfür wurden Einladungen an über 100 Einzelhändler und Dienstleister im Sedan-Quartier verschickt. Das Projekt entstand unter der Betreuung von conceptplus zusammen mit 50 weiteren Einzelhändlern. Aus vorausgegangenen Gesprächen mit Einzelhändlern hatte sich das Fazit „Die Innenstadt wird aussterben!“ herauskristallisiert. Zusammen schloss man einen Bund, um gemeinsam Aktionen und Veranstaltungen durchzuführen. Dabei setzte man auf Flexibilität, Spontanität und freie, ungebundene Mitgliedschaft. Conceptplus arbeitete zudem eng mit der Pforzheimer Zeitung, dem Stadtmarketing und der Stadt Pforzheim zusammen.

nachwuchs gesucht.

Mimmo Hager bei der Wirtschaftsjuniorenveranstaltung „Multiressorttreffen“ mit Rundgang im Sedangebiet und Blick hinter die Kulissen bei der Vorstellung dieses Projektes am 13.04.2011: „Vor ziemlich genau 2 Jahren stand ich im PZ-Forum, um das Konzept den Interessierten vorzustellen und ich muss zugeben, zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, wie erfolgreich die Öffentlichkeitsarbeit der Werbegemeinschaft über die darauffolgenden 15 Monate sein würde. Über 30 redaktionelle Berichte und Anzeigen wurden von Mai 2009 bis November 2010 geschalten. Der Erfolg dieser Öffentlichkeitsarbeit war bestimmt durch: »» die tolle Arbeit durch die Werbegemeinschaft selbst »» die OB-Wahl in dieser Zeit »» die Sponsoren, die dafür gewonnen werden konnten »» die Unterstützung durch das Citymarketing »» die tolle Zusammenarbeit mit der PZ »» die super Kooperation mit der Stadtverwaltung, vor allem während der Baustellenphase.

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Praktikanten I Azubi Mediengestaltung cp-werbeagentur.de I 07231 - 7809666


Wir als Werbeagentur haben dazu den Stein ins Rollen gebracht und den groben Rahmen definiert. Dazu gehören: »» das Sedansymbol – Dreiecksform, symbolisch für den Sedanplatz und den Brunnen als Wahrzeichen »» der Slogan „Sedan – Einkaufen im Herzen der Gold stadt“ »» der grüne Schriftzug »» die Anzeigengestaltung in dieser Zeit »» die digitale Präsenz »» das Fundraising (Mittelbeschaffung über Sponsoren) »» Anstöße für Feste wie das Sommerfest oder Oktober fest und »» die Pressearbeit

Die Werbegemeinschaft organisierte sich von Beginn an selbst und auch die Werbung wird seit Juli 2010 selbst verwaltet. Ich bin davon überzeugt, dass folgende Punkte zudem wesentliche Erfolgsfaktoren für langfristiges Bestehen am Markt sind: »» der Aufbau von Netzwerken »» das Lösen können, wenn kein akuter Bedarf besteht »» der Wiederaufbau, wenn eine Herausforderung ansteht.“ Durch die gemeinschaftliche Konzeptentwicklung bekam das Sedangebiet ein neues und eigenes Profil in Pforzheim. Schlussendlich bleibt nur zu sagen: „Liebe Leser, liebe Leserinnen macht euch selbst einen Eindruck vom Sedan und taucht ein in eine neue Welt in Pforzheims Innenstadt!“

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Luisa Hehnke, Andrea Bräuninger

Aktuelle Trends der Marketingkommunikation „Publikum ist das Wort, das am besten beschreibt, wie wir Menschen sehen. Nicht nur als Verbraucher, denn sie sind viel mehr.“ TBWA Agenturgruppe Der Verbraucher, der Konsument wird zum Publikum. Kolle- Rebbe beschreibt ihr Handeln selbst mit [...]„ kreativer unternehmerischer Intelligenz, dass über Mediengrenzen hinweg“ [...] agiert. Das Credo von Jung von Matt erklärt, dass die „Marketing-Kommunikation einen rationalen und emotionalen Mehrwert bieten“ muss. Wir sprechen also von dauerhaften, aber auch gravierenden Veränderungen in der Marketing-Kommunikation. Effizientes Handeln, sowie aber auch die Individualisierung unserer Gesellschaft und die dem zur Folge habende Transformation der Werbung ist die Herausforderung, die sich den Werbetreibenden jeden Tag aufs Neue stellt. Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über mögliche Trends in der Marketing-Kommunikation gegeben werden. Immer mehr verwischen die Grenzen zwischen der Marketing- Kommunikation, dem Mediensystem und selbst innerhalb der einzelnen Kommunikationsdisziplinen. In diesem Kontext wird heute von inter- bzw. intrasystemischer Hybridisierung gesprochen.

Jeden Tag begegnen wir heutzutage rund 4000 Werbebotschaften. Im Zeitalter der Aufmerksamkeitsknappheit kämpfen die Werbetreibenden um die Zuwendung der MD 56 36

Konsumenten und Verbraucher mehr als je zuvor. Um aus dieser Flut an Informationen herauszustechen, versuchen viele Agenturen möglichst medienwirksame Inszenierungen zu erschaffen, sodass die Kommunikationsbotschaften redaktionell multipliziert werden. Diese intrasystemische Hybridisierung zielt nicht zwingend immer direkt auf ein Produkt ab. Zur Fußball-WM 2006 ließ adidas am Münchner Flughafen eine riesige Oliver-Kahn-Figur über die Autobahn spannen. Der Mehrwert, den diese Kampagne für adidas hatte, rechtfertigte mehr als nur die Kosten, die im Voraus entstanden waren. Sämtliche Medien berichteten weltweit über adidas, was keine traditionelle Kommunikation hätte je in diesem Ausmaß erreichen können. Die Diskussions- und Begeisterungswelle die daraufhin auch in sozialen Netzwerken und Blogs losrollte, war für adidas von unschätzbarem Wert. Auch intersystemisch sind die Grenzen zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung immer öfter für den Verbraucher nicht erkenntlich. Bei redaktionellen Strecken über Promis können Firmen ihre Marke einbuchen, sodass der Promi XY mit seiner Armani-Hose zu Hause auf einem Bretz-Sofa sitzt. Natürlich mit Verweisen, wo man das jeweilige Produkt anschließend käuflich erwerben kann. Die Entwicklung vom klassischen product placement hin zum professionellen branded entertainment, wirft moralische Fragen auf. Inwiefern muss Werbung deutlich gekennzeichnet sein? Wie journalistisch wertvoll sind Publikumszeitschriften heute noch? Kaufe ich eigentlich nur Werbung? Und natürlich welchen ökonomischen Mehrwert bringen Kampagnen, bzw. lässt sich dieser Mehrwert

überhaupt messen? Von der Marketing-Kommunikation wird verlangt nicht mehr nur effektiv sondern auch effizient zu sein. Die Kommunikation sollte eine direkt-zurechenbare Wirkung haben, die mit ökonomischen Kennzahlen messbar sein sollte. Die Weiterentwicklung in Richtung mehr Direkt-/Dialogmarketing, Produkt-PR, Verkaufsförderung und internetbasierende Formen wird zusammengefasst als Performance Marketing bezeichnet. Das Marketing muss zunehmend sein hohes Budget aus unternehmerischer Sicht verteidigen, doch inwieweit man den Outflow einer Kampagne wirklich messen kann, ist fraglich. Die Entwicklung hin zur Hybridisierung, bei der irgendwann die Kontrolle über die Verbreitung von Werbeinhalten verloren geht, verläuft proportional mit der Entwicklung hin zum noch effizienteren Werben. Können diese beiden so gegensätzlichen Perspektiven überhaupt vereint werden? Kann das Verbreiten von Werbebotschaften überhaupt noch ganzheitlich gesteuert und auch gemessen werden? Das interaktive Plakat – interactive digital signature – revolutioniert den Werbeträger Plakat. Ebenfalls im öffentlichen Raum angewandt, wird der Benutzer nun vom bloßen Informationsrezipienten zum aktiven Interakteur mit dem Plakat. Das beworbene Produkt wird also nicht mehr nur eindimensional betrachtet, sondern kann physisch erlebt werden. Die konventionellen Großdrucke werden mit interaktiven Mensch-Maschine-Schnittstellen und bewegten Bildern kombiniert. Damit erweitert man das gewöhnliche Medium um die Facetten der multimedialen Welt. Der Computer wird also intuitiv durch Gesten gesteuert. Einfache Bewegungen des


Oberkörpers nach links oder rechts bewirken, dass der Betrachter eines interaktiven Plakates das darauf beworbene Produkt von mehreren Seiten betrachten kann. Die am IAIS (Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme) entwickelte PointScreen-Technologie ermöglicht es, durch bloßes Zeigen auf den Bildschirm zu navigieren – ganz ohne Berührungen. Die Zuschauer interagieren mit Textobjekten und deren Gestalt und können neue Schlagzeilen formen. So ist Werbung viel plakativer, da sich im Moment des interaktiven Spiels der Inhalt als erlebte Geschichte besser einprägt. Doch wollen wir in Zukunft wirklich mit weiteren elektronischen Medien konfrontiert werden? Würde es sich angesichts der ca. 4000 Werbebotschaften, die bereits heute auf uns einprasseln, überhaupt noch lohnen, in dieses Medium zu investieren? Wären wir (und unsere Augen) nicht irgendwann überfordert? Einer der wahrscheinlich größten Trends in der Marketing-Kommunikation ist Augmented Reality. Wahrgenommene und vom Computer erzeugte Realitäten werden

kombiniert und bilden eine Mixed Reality. Hintergrund ist hierbei, es den Menschen zu ermöglichen, zu realen Wahrnehmungen weitere Zusatzinformationen zu erhalten – und das in Echtzeit. Vor allem die Mobilkommunikation profitiert von dieser Erfindung. Die Zusatzinformationen, die im Display von Smartphones eingeblendet werden, geben beispielsweise Auskunft über Navigationsdaten, historische Gebäude, Verkaufsimmobilien etc. Der Anwender muss nur die Kamera seines Smartphones auf ein Objekt halten und sofort werden die Informationen im Display eingeblendet. Doch nicht nur die Mobilkommunikation, sondern auch Printmedien können vom System der Augmented Reality profitieren. Es kann beispielsweise Kinderbücher in wahre Erlebniswelten verwandeln. Durch eine spezielle Brille betrachtet, werden die Figuren plötzlich zum Leben erweckt, während eine Stimme im Hintergrund die Geschichte vorliest. Im Bezug auf Werbung für Produkte oder Marken wird kritisiert, dass Augmented Reality ein hohes Involvement der Kunden voraussetzt, da das System ziemlich kompliziert

ist. Wahrscheinlich sind die Verbraucher auch eher an der Technik interessiert und weniger an den Marken, die damit beworben werden.

Unternehmen müssen sich also sehr gute Strategien einfallen lassen, um die Faszination der Technik zu überwinden und die Marken oder Produktbesonderheiten in den Vordergrund zu heben. Fraglich ist, inwiefern diese Neuheit unsere Gesellschaft verändern wird. Sehen wir bald nur noch Menschen durch die Stadt laufen, die ihr Handy mit ausgestrecktem Arm auf irgendein Gebäude richten? Wie stark werden die soziale Kompetenz und die zwischenmenschliche Kommunikation von den neuen Möglichkeiten des Augmented Reality Systems beeinflusst?

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Billy Peña Contreras. Eva Giebel

Refill 11 Am 14. und 15 Mai zog es zum 10. Mal Studierende, Absolventen und Vertreter von Top – Werbeagenturen und Unternehmen auf den Campus der Hochschule Pforzheim. An zwei Kongresstagen konnten Studierenden an aufregende Workshops mit Agenturvertretern und an spannenden Vorträgen Marketingwelt teilnehmen. Der erste Tag begann für 120 Workshopteilnehmer mit einer Einführung in das Tagesprogramm durch den ehemaligen Werbeliebe-Vorstand Andres Biesinger und setzte sich in die Unterteilung nach Workshopkursen fort. So gestalteten sich 6 Workshops, welche von Agenturen, wie Jung von Matt, kempertrautmann, Saatchi&Saatchi, Serviceplan, Syzygy und dem Unternehmen Philip Morris geleitet wurden. Jedes Agentur- oder Unternehmensteam brachte eine herausfordernde Fallstudie eines ihrer Kunden mit. Dabei sollten Fragen aus der Praxis mit Hilfe neuer studentischer Ideen bearbeitet, Lösungen vorgeschlagen und Konzepte entwickelt werden. Aus Vorlesungen gelerntes sollte hier nun praktisch einmal umgesetzt werden. Die besten Gruppen der jeweiligen Workshops präsentierten am anschließenden Freitag ihre Ergebnisse und Ideen im Audimax und sorgten somit für einen wunderbaren Einblick in die gelaufenen Workshops.

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Glücklicher Weise war es mir gegönnt an einem der 6 Workshops teilzunehmen. Somit hatte ich die Möglichkeit mit 20 anderen Studenten aus verschiedenen Studiengängen in einer kleineren Gruppe an einem integrierten Kommunikationskonzept für den neuen Audi A1 zu arbeiten. Es war eine interessante und vor allem herausfordernde Aufgabe. Wir mussten uns näher mit der Zielgruppe und der Positionierung der Marke auseinandersetzen um ein kongruentes Kommunikationskonzept erstellen zu können. Ebenfalls war es gefordert sich mit einer Idee der Mul-

tikanalnutzung zu beschäftigen um so viele potentielle und bestehende Kunden wie möglich zu erreichen und dem Trend zur Hybridisierung der Mediennutzung zu folgen. Durch die ständige Betreuung und Beratung durch die sympathischen und engagierten Leute der Agenturen bzw. des Unternehmens, fühlte man sich nie mit der Aufgabe alleine gelassen und konnte bereits erste Kontakte knüpfen. Es war eine tolle Erfahrung und zusätzlich konnte jeder für sich ein wenig mehr entdecken, ob einem die Arbeit in einer Agentur oder Unternehmen liegen würde. Am zweiten Kongresstag fanden sich hochkarätige Referenten aus der Marketingwelt im Audimax ein. Thematisiert wurden Herausforderungen und Chancen der Markenführung- und positionierung. Dabei ging es um den „Mehr“ – Wert, den Konsumenten durch Marken erhalten, und die Probleme bzw. Konflikte bei der Umsetzung bestimmter Markenideen. Eröffnet wurde die Vortragsreihe vom Präsidenten des Deutschen Marketing-Verbandes, Karl Georg Musiol.


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Am Beispiel von Takko Fashion zeigte er, wie man eine Marke entwickeln und Marktforschung einsetzt um nachhaltiges Wachstum zu erreichen. Er ging dabei besonders auf die Neupositionierung von Takko Fashion ein. So erklärte er was das neu gestaltete Einrichtungskonzept mit dem sich ändernden Image verbindet: tragbare Mode zu günstigen Preisen in einem angenehmen Umfeld. „Verstehe deine Kunden! Mach dir klar, was der Mensch wirklich braucht und verstehe deine Marke und die Wettbewerber!“ (Karl Georg Musiol) Der Marketingleiter der Rügenwalder Mühle und Gewinner des Sonderpreises des Deutschen Marketing-Verbandes Godo Röben, verriet den Zuhörern, wie es seinem Unternehmen gelang eine langfristig ausgezeichnete und generationen-übergreifende Leistung im Marketing zu erreichen. Er machte dabei den Wandel im Marketing der Rügenwalder Mühle deutlich. So traten die Einzelmarken in den Hintergrund, um die Dachmarke zu stärken. Dr. Oliver Nickel, Managing Director vom international tätigen Research- und Consultinghaus Icon Added Value, gewährte spannende Einblicke in seine Beratungspraxis für markenführende Unternehmen. Anhand der Geschichte von Frau Creation und Herrn Value brachte er dem Publikum die Schwierigkeiten nahe bei der Verbindung von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und schöpferischen Elementen im Wertschöpfungsprozess. Abschließend beleuchtet Dr. Ralf Nöcker, Geschäftsführer des Gesamtverbands der Kommunikationsagenturen, GWA, das Thema Value Creation. Ausgehend vom Wert der Idee, erläuterte er Chancen und Risiken, die mit der wirtschaftlichen Nutzung von Ideen verbunden sind. Diese Reihe von interessanten Vorträgen rundete die Veranstaltung wunderbar ab und gab Studierenden eine Menge Denkanstöße und einen kleinen Einblick in die aktuellen Herausforderungen der Marketing-, Marktforschungs – und Werbewelt. Am Rande der Workshops und Vorträge hatten die Mitglieder und Helfer der Werbeliebe die Chance sich mit den Agenturvertretern in entspannter Athmosphäre auszutauschen. So konnten wir die Workshopleiter von Serviceplan, Oliver Palmer, Markus Koch und Stephanie Scharfenecker, noch für ein kurzes MD-Interview gewinnen:

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Wie haben Sie von Refill erfahren und was hat Sie dazu bewogen teilzunehmen? Refill war uns schon länger ein Begriff. Richtig aufmerksam wurden wir jedoch erst, als ein Vertreter des Organisationsteams für Refill uns direkt auf dem X-Day am 02.12.2010 angesprochen hat.

Das Konzept von Refill hat uns sofort begeistert. Die Möglichkeit eng mit Studierenden zusammenzuarbeiten und Ihnen unseren Praxisalltag näher zu bringen, war und ist für uns eine gute Chance die Studierenden und Ihre Arbeitsweise kennenzulernen sowie natürlich auch den Studierenden die Serviceplan Gruppe als potentiellen Arbeitgeber vorzustellen. Mit welchen Erwartungen nehmen Sie an Refill teil? Da wir zum ersten Mal bei Refill teilgenommen haben, sind wir ganz unvoreingenommen nach Pforzheim gekommen. Die Veranstaltung hat uns sehr gut gefallen und wir waren überrascht, dass die Studierenden so toll und engagiert an unserem Case gearbeitet haben. Wir hoffen natürlich, dass es den Studierenden ebenso Spaß gemacht hat wie uns und wir vielleicht den ein oder anderen Refill-Teilnehmer für unsere Agentur begeistern konnten. Was haben Sie für einen Case mitgebracht? Wir haben einen Case von unserem Key-Account-Kunden BMW-Motorrad mitgebracht. Es ging um die Einführung eines außergewöhnlichen Motorradmodells. Ist das ein speziell auf Studenten zugeschnittener Case? Ja und nein. Ursprünglich war dies ein realer Case unseres Kunden, jedoch haben wir den Case auf die Rahmenbedingungen der Veranstaltung zugeschnitten. Ist es auch ein tatsächlicher Kundenauftrag aus Ihrem Agenturalltag? Ja, dies war ein tatsächlicher Kundenauftrag von BMW Motorrad. Wir haben jedoch das Briefing gekürzt, damit die Studenten auch in der vorgegebenen Zeit diesen bearbeiten konnten. (Wie) haben Sie das Thema Value Creation umgesetzt? Bei der Bearbeitung unseres Cases war es uns wichtig, dass die Studierenden ein ganzheitliches Konzept entwickeln, in welchem natürlich auch eine wichtige Komponente das Thema Value Creation gespielt hat. Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Wert einer Marke (ein Wort)? Begeisterung Organisiert wurde REFILL von der studentischen Initiative werbeliebe e.V. Gerade der Charme der studentischen Organisation gestaltete REFILL als sehr aufgeschlossen, locker und sympathisch. Einen großen Dank an dieser Stelle noch einmal an alle Sponsoren, Helfer, Professoren und fleißigen Teilnehmer bei REFILL 2011. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!


wir machen echte typen zu wahren profis. Du suchst einen vielversprechenden Einstieg in die Kommunikationsbranche? Serviceplan hat alles, was du dir wünschst: Vielfalt, Zukunft, Know-how und nette Kollegen. Hier schlägt der Puls der Zeit immer ein bisschen schneller. Spaß im Team und konzentrierte Projektarbeit gehören für uns zusammen. Und jeder Tag bietet dir neue Herausforderungen. Alle Chancen auf www.serviceplan.com/karriere/

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Die Workshopgewinner:

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Florian Kratz, Alexander Schulze

„Bock auf online“ Dienstag, der 12. April, es regnet leicht auf das blütenpollenbeschmierte Auto, als wir auf die Autobahnauffahrt Pforzheim Süd der A8 in Richtung Stuttgart fahren. Es geht nach Heimsheim, einer Stadt mit knapp 6000 Einwohnern und einem etwas ausgelagerten Autohof, samt Tanke, McDonald’s und Gewerbegebiet. Knapp 20 Minuten benötigt man, bevor man von weitem das große Schild „Web- und Shopdesign“ sehen kann. Vor kurzem stand auf dem Gebäude der Firma e-wolff noch in großen Lettern „Facebook-Marketing“ bzw. „Online-Marketing“. Nachdem wir die anspruchsvolle Verkehrsführung im Gewerbegebiet überwunden hatten, standen wir vor den Türen des modernen Glasund Betongebäudes. Die Tür wird geschmückt von einem riesigen QR-Code und mehreren Google Siegeln. Unser Gesprächspartner Martin Gaubitz bittet uns herein. Ein junger Herr bringt uns Kaffee. Was für die Studenten natürlich interessant wäre. Der Herr der gerade den Kaffee gebracht hat, war das ein Praktikant? Nein, das war Johannes, der hat neu angefangen zum 01.01. der kommt auch aus Pforzheim. Meistens bringen unsere Azubis Kaffee, aber die sind gerade alle unterwegs. Eigentlich ist es halt der, den es gerade erwischt, der bringt eben dann den Kaffee. Wir sind übrigens keine „Praktikantenbude“ - wir haben gerade lediglich eine Praktikantin bei uns beschäftigt. Allerdings sind mittlerweile viele Pforzheimer Absolventen bei uns in Vollzeit tätig. Unser Geschäftsführer, Christian Böhme, hat auch in Pforzheim studiert (Marketing). Wir haben außerdem zwei Gestalter (Visuelle Kommunikation), einige Werber Vollzeit und bis vor kurzem noch einen WI-Diplomanden bei uns beschäftigt. Insgesamt sind es acht ehemalige Pforzheimer. Herrscht zur Hochschule Pforzheim denn noch reger Kontakt? Ja, mittlerweile herrscht reger Kontakt, wobei das nicht immer so war. Wir haben viele Anfragen gestellt, Aushänge gemacht, sind aber nicht wirklich gehört worden. Das liegt aber auch sicher an der Historie von e-wolff. Unser Unternehmen wurde bereits 2001 gegründet und wir waren lange Jahre ein sehr kleines Unternehmen. Bis 2006 waren wir vielleicht 4-6 Leute, vor drei Jahren waren es dann 10-12 Leute und inzwischen sind wir auf über 40 Mitarbeiter gewachsen. Mit 40 Mitarbeitern und der gewachsenen Bekanntheit können wir heute auch ein ganz anderes Gewicht in die Waagschale werfen.

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Hat es etwa mit Prestige zu tun, wenn man an der HS Pforzheim gehört werden will? Na klar, als Hochschule bemüht man sich natürlich, dass die Absolventen bei renommierten oder „großen“ Namen unterkommen können. Aber gerade die HS PF ist ja regional auch stark verwurzelt, daher sollte man diese Region auch nicht vernachlässigen. Mittlerweile wird das Alumni-Wesen viel stärker propagiert und auch gelebt, da hat sich viel getan in den letzten 1-2 Jahren. Ich habe ja auch Marketing-Kommunikation in Pforzheim studiert und war u.a. noch bei Springer & Jacoby oder wurde vor-

stellig bei Jung von Matt & Co. – diese Agenturmarken haben natürlich ein ganz anderes Renommee als eine kleine und junge Spezialagentur wie e-wolff. Wir haben auch nicht so die klassischen Brands wie Mercedes oder eBay als Kunden, sondern eher den Mittelstand und ich glaube, dass das auch viel mit Prestige zu tun hat. Als Pforzheimer Hochschule wollten die dann lieber ein Procter & Gamble, ein Nestlé als das Regionale hier in der Ecke. Es gibt aber eben nicht nur riesige Unternehmen, jeder weiß ja, dass gerade in Deutschland der Mittelstand das Rückgrat der Gesellschaft ist. Die großen Brands sind auch alle schon online, bei Procter oder Adidas braucht man nicht mehr mit OnlineMarketing kommen, das wissen die alles schon oder haben mittlerweile Inhouse-Teams aufgebaut. Ein großes Wachstumspotenzial haben mittelständische Unternehmen, die nicht im klassischen Sinn als „Marke“ wahrgenommen werden. Die können die Online-Werbewirtschaft noch weiter beleben. Insoweit betrifft das auch e-wolff. Zwar arbeiten wir auch für klassische Markenartikler, wie z.B. WMF, Krombacher usw., aber unsere größten und spannendsten Kunden sind häufig Onlineshops oder Portale, die man nicht in einem Atemzug mit Nestlé & Co. nennen würde. Da wollte ich an dieser Stelle ja eigentlich fragen, was die größten und namhaftesten Kunden sind. Jetzt frage ich lieber welche sind die jüngsten, innovativsten? Da muss man natürlich jetzt unterscheiden zwischen größten Kunden und namhaftesten Kunden. Namhaft sind natürlich Kunden wie WMF oder Mahle. Das sind aber nicht unbedingt die budgetär größten Kunden. Wir betreuen zum Beispiel K&L Wall Art, einen Online-Shop für Wandtattoos, der mittlerweile einen großen Etat im Monat für Suchmaschinenmarketing zur Verfügung hat. Weitere Beispiele: Online-Shops für Nageldesign (künstliche Fingernägel etc.), Agrarbedarf oder eben Datingportale sind extrem spannende Kunden. Das sind dann Bereiche die „in-Anführungszeichen: Nischen“ sind, aber richtig Dampf unter der Haube haben. Deswegen muss man das sehr klar trennen. Es geht uns auch gar nicht


so sehr um die Etatgröße sondern darum, dass unsere Kunden wachsen können und wollen. Das sind auch oft kleine Kunden, die ein gutes Produkt und eine gute Idee haben. Wir betreuen zum Beispiel auch einen Shop für Namensschilder für Messen. Die kann man sich aus Gold, Aluminium, Plastik usw. machen lassen. Da kommt man auch auf ein spannendes Budget. Aber hättet ihr gedacht, dass man mit Namensschildern und künstlichen Fingernägeln große Etats fahren kann? Für eine Hochschule sind Akkreditierung ja von besonderer Bedeutung. Ihr seid von Google als „Conversion Professional“ akkreditiert. Was bedeutet das und wie wichtig ist das für das Geschäft? Also es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Auszeichnungen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die umfangreichste ist tatsächliche „Google Conversion Professional“. Gleich vorweg, wenn wir schon bei großen Marken und Namen sind, es gibt in Deutschland nur 12 Agenturen, die diese Auszeichnung haben. Darunter zum Beispiel Accenture, Pixelpark oder T-Systems Multimedia, also die ganz großen Digitalspezialisten und eben wir: e-wolff, sicherlich als kleinste Agentur in dieser Reihe. Wie kommt es also dazu? Es geht darum, dass man den Nachweis erbringt, dass man Websites verbessern kann und damit mehr Conversions erzielt. Conversions sind dabei immer die Zielgröße, also die Umwandlung vom Besucher zum Kunden oder vom Besucher zur Anfrage. Um dieses Ziel zu erreichen muss man die Website ganzheitlich betrachten: Zum einen den Traffic, also die Besucher überhaupt erst mal generieren über gute Kampagnen, z.B. bei AdWords, über eine gute SEO Sichtbarkeit etc.. Dann überprüft man mit einer Webanalyse, wo es Probleme auf der Website gibt: Ausstiegsraten, Abbrüche im Bestellprozess usw. um dann natürlich proaktiv zu diskutieren, wie man die Situation verbessern kann. Diesen ganzen Prozess bezeichnet man als Conversion Optimierung. Google hat dafür das Zertifikat aufgelegt und uns geprüft. Das heißt: Da gibt es mehrere CaseStudies, die geprüft werden und wir und unsere Kunden werden von Google interviewt. Google bildet sich dann einen Eindruck, ob wir fähig sind dieses Siegel zu tragen. Das war ein mehrstufiges Auswahlverfahren, wo es nicht nur um theoretisches Wissen, sondern um die praktische Ausführung und den nachgewiesenen Erfolg ging! Wenn man sich dann also Conversion Professional nennen darf, zieht das dann auch neue Kundschaft an? Absolut, ja. Auf google.com gibt es die Landingpage dazu, dort sind alle Conversion Professionals gelistet (es ist wirklich so http://www.google.de/intl/de/landing/conversion/experthelp.html und da steht, wortwörtlich: „Was sollten Sie als nächstes tun? - Kontaktieren Sie einen der unten aufgelisteten Partner und fragen Sie nach einer

Analyse des Verbesserungspotenzials Ihrer Website. “) und Google spricht sonst nie von Empfehlungen in Richtung einer Agentur aber dort steht es eben. Damit gehen wir natürlich auch hausieren. Das ist einfach ein riesiger Vertrauensvorschuss, den Google uns bietet. Über diese Plattform, werden dann tatsächlich auch Anfragen an uns gestellt. Um noch einmal auf die Suchmaschinenoptimierung zurückzukommen. Ich möchte mit meinem Produkt ja möglichst weit oben stehen. Auf die zweite Suchseite geht man ja wirklich selten überhaupt noch. Das konnte man ja früher mehr oder weniger austricksen, in dem Schlagwörter und Links auf der Website platziert wurden. Google hat ja da einen recht komplizierten und auch geheimen Algorithmus um die Suchergebnisse zu ordnen. Das sind jetzt zwei Sachen, die du da ansprichst. Einmal die Sichtbarkeit auf der Suchergebnis-Seite. Vermutet Google z.B. eine Kaufabsicht bei einer Suchanfrage („Handy kaufen“), dann werden Google AdWords-Anzeigen über dem organischen Bereich platziert. An der rechten Seite stehen dann noch mal bis zu acht Anzeigen. Für unsere Kunden geht es im ersten Moment darum sichtbar zu sein. Sichtbar heißt, dazu gibt es verschiedene Studien und Statistiken, sich im „Google goldenen Dreieck“ zu befinden. Also wenn man auf den ersten drei Plätzen steht. In der Regel ist also die Sichtbarkeit für unsere Kunden am größten wenn es eine AdWords Anzeige gibt und man damit ganz oben steht. Warum macht das Google so? Die wollen natürlich Geld damit verdienen. Bei allem was darunter kommt halbiert sich der Traffic um rund 50%. Also wenn man sagt auf Platz 1 hast du 100 Besucher am Tag, dann sind es bei Platz 2 nur noch 50, dann 25 usw. Sprich: Du hast ganz unten als Website eigentlich nichts mehr. Heute ist nicht mehr nur entscheidend auf Seite 1 zu sein sondern auch Position 1-3 zu ergattern, ansonsten ist man in den meisten Fällen unsichtbar. Kommt natürlich nach dieser Regel immer auf das Suchwort an. Bei „Handy“ z.B. hat man so viele Anfragen dass unten auch noch was rauskommt. Aber für mittelständische B2B-Kunden, Keyword: Spritzgussmaschine, da gibt es vielleicht nur 500 oder 1000 Suchanfragen im Monat, da kommt unten auf Seite 1 nichts mehr an. Daher muss man erst recht definieren, wie und wo wird man am besten wahrgenommen. Im Zweifel positioniert man sich bei AdWords, als auch im organischen Bereich eben sehr gut. Der zweite Teil geht nun auf das Thema Suchmaschinenoptimierung ein: Wie kommt man da hin? Es geht erstens um die inhaltliche Qualität der Website. Ich muss Google zeigen, dass ich der Experte für dieses und jenes Keyword bin. Ich brauche Inhalt. Was nicht vorhanden ist,

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kann auch nicht bewertet werden. Zweiter Aspekt ist die technische Lesbarkeit der Website, also wie gut kommt Google eigentlich an die Inhalte ran. Ich muss es Google möglichst einfach machen meine ganzen Inhalte zu finden. Der dritte Aspekt ist dann die Relevanz der Website. Wie bekannt ist meine Website, wie stark ist sie verlinkt. Jeder Link den ich erhalte, wird von Google tendenziell als Empfehlung interpretiert. In Summe berücksichtigt Google wohl zwischen 200300 einzelne Faktoren um ein Dokument zu bewerten. Es reicht heute nicht mehr aus einfach nur eine Seite zu machen und mit den entsprechenden Keywords zu füllen. Ich muss die gesamte Website dahingehend optimieren. Google wird da auch immer besser bzw. komplexer was die Bewertung angeht. Google findet immer ausgefeiltere Möglichkeiten, zwischen gutem und schlechtem Inhalt zu unterscheiden. Google versucht herauszufinden, ob das das X-te Projekt eines Suchmaschinenoptimierers oder ist das wirklich ein etabliertes Unternehmen (Marke), dass meinen Kunden (den Suchenden auf Google) auch das Versprechen halten kann? Ein Projekt zu optimieren, das eigentlich keinen guten Inhalt und das eigentlich auch keine echten Empfehlungen hat, wird man heute nur schwer gut in Suchmaschinen platzieren können. Ihr habt ja mittlerweile einen riesengroßen Aufsteller, den man auch von der Autobahn gut sehen kann. Da stand in riesigen Buchstaben „Facebook Marketing“, das ist ja ein wenig speziell bzw. plakativ, oder?

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Warum Facebook und nicht Social Marketing da drauf steht, dass ist so ein Punkt. Facebook hat inzwischen über 600 Millionen Mitglieder weltweit. Das wäre somit das dritt- oder viertgrößte Land der Welt. Das ist natürlich eine sehr große Reichweite. Wir als Search-Agentur, bzw. Performance-Agentur im deutschsprachigen Raum sind natürlich stark von Google abhängig. Sowohl die AdWords-Etats als auch bei der Suchmaschinenoptimierung. Da geht es zuerst einmal nur um Google, alles andere kommt weit danach. Wir glauben, dass heute eventuell als zweiter Player im Markt nicht Bing oder Yahoo es schaffen werden Google Paroli zu bieten, sondern eben Facebook wohl ein Gegengewicht darstellen kann. Der Dachaufsteller war daher auch Ausdruck unseres Statements dazu. Was wir bei FB & Co. machen: Wir beraten unsere Kunden in erster Linie mit Guidelines & Konzepten. Bei Facebook entstehen Meinungen: Wir diskutieren mit Freunden über den letzten Restaurant-Besuch, das neueste Paar Schuhe oder schauen uns Fotos des letzten Urlaubs an. Aus unserer Sicht ist es extrem wichtig dort zu sein, wo Meinungen entstehen. Über mein Unternehmen wird sowieso gesprochen, warum soll ich mich nicht dazustel-

len und zumindest mithören was um meine Marke und mein Unternehmen herum passiert. Wir betreiben damit auch Aufklärungsarbeit gegenüber dem Kunden. Wir sagen: „Hey, du kannst nicht einfach nur eine Fanpage einrichten, und am „Marktplatz“ Facebook herausrufen: „Ich hab neue Produkte und kauf die bitte“. Das funktioniert nicht. Das ist ein Marktplatz auf dem miteinander kommuniziert wird.“ Für einige spannende Kunden entwickeln wir natürlich auch Konzepte und Mechaniken, um z.B. Fanpages aufzubauen, Reichweite zu generieren oder die Kunden an uns zu binden. Das können klassische Werbekampagnen sein, wir überlegen uns mit welcher App können wir Reichweite generieren oder den Kundenkontakt verstärken. Auch hier, als Beispiel, vielleicht habt ihr euch auch schon einen Gecko bestellt ... ach nee, ihr seid nicht die Zielgruppe – ihr seid männlich. Der Kunde K&L Wall Art verkauft ja Wandtattoos und es gibt dort die Möglichkeit sich mit seiner Adresse zu registrieren um einen kostenlosen Wandtattoo Gecko zu bekommen. Mit der App stimmt man zu a) den Gecko geliefert zu bekommen und b), das ist das spannende, dass die App bis zu zwei Mal auf deine Pinnwand postet. Unter dem Motto: „Martin hat gerade einen Gecko bestellt“. Deine oder meine Freunde sehen das dann und sagen, das will ich auch haben. Im Durchschnitt hat jeder Facebook-User 130 Freunde und damit kann man natürlich einen gewissen viralen Effekt erzielen. Solche Mechaniken, solche Apps erstellen wir und binden die dann für den Kunden ein. So kann man dann einem mittelständischen Unternehmen wie K&L Wall Art, wahrscheinlich Europas größter Shop für Wandtattoos (zumindest Deutschlands größter), zu einer Fanbasis verhelfen, die nun mit der Marke kommuniziert. Die haben jetzt knapp 23.000 Fans (es sind aktuell 26.500) innerhalb von 10 Wochen generiert. Und ganz wichtig ist: Die Fans kommunizieren nun über die Facebook-Pinnwand mit Wall Art bei Problemen, mit neuen Motivideen oder laden eigene Fotos der Wohnzimmer & Kinderzimmer mit den Wall Art Wandtattoos hoch. Da wäre manches DAX Unternehmen neidisch drauf. Richtig, natürlich muss man dann aber aufpassen: „Hey ich hab 23.000 Fans, ich hab den Größten.“ Das ist ja eigentlich der falsche Gradmesser. Man muss beobachten, wie die Leute mit der Marke interagieren. Dafür geben wir dem Kunden eine Guideline & Konzepte an die Hand: „Poste nicht einfach Angebote, wie „Wir haben neue Wandtattoos“ oder „Alles 50% billiger“, sondern sag’ „Mensch, heute ist doch mal ein heißer Tag in Berlin, wir waren gerade Eis essen in der Mittagspause, wie habt ihr eure Mittagspause verbracht?“ oder so was wie „Habt ihr schon gewusst, dass das durchschnittliche Wohnzimmer in Deutschland 25 qm groß ist?“


Und kalkweiß. Und kalkweiß z.B., wie auch immer. Wir machen keine Inhalte für die Kunden, das kommt alles vom Kunden selbst. Das muss ja auch gelebt werden. Aber wir leiten den Kunden an, wie man es macht oder wie man es entsprechend machen kann. Wall Art, Messe Stuttgart, German Dream Nails, selbst im B2B Bereich „die Rotationsdrucker“, kennt ihr die? (Jap!) Die haben in drei Ausgaben der W&V eine Beilage gebucht, die sagt: „Meldet euch auf unserer Fanpage an und ihr könnt einen HighEnd-Verstärker gewinnen.“ Auch hier haben wir den Kunden bei der Kampagne entsprechend begleitet und die Mechaniken abgestimmt. Schön, dass du das kennst, wir haben durch die W&V genau die Zielgruppe in Beschlag genommen. Der Ansprechpartner beim Kunden ist da auch sehr affin für. Der Bechtle Verlag wollte etwas machen, das klassische Werbung mit Online verknüpft. Die Facebook Fanpage hat jetzt ca. 900 Fans ABER lauter spezifische Leute, sprich W&V Leser, Printproduktioner, Werber usw.. Die Verknüpfung zwischen klassischer Werbung und Online-Marketing ist ein Feld, dass ebenfalls weiter wachsen wird. Man sieht ja jetzt schon viele Verweise in Printanzeigen à la „Besuchen Sie uns auf Facebook und werden Sie Fan“. Inzwischen löst e-wolff auch immer öfter klassischen Aufgaben, wie die Erstellung von Prospekten, Flyern oder Katalogen. Es wird auch mal ein neues Corporate Design entwickelt. Dafür sind mittlerweile auch sechs Designer im Haus. Was uns an der Stelle noch interessiert hat, waren die Vorstellung, die gerade der mittelständische Kunde von Online- bzw. Facebook-Marketing hat. Martin hat für die Dienstleistung, die er und e-wolff da bieten einen passenden Begriff: „Erwartungsmanagement“. Dem Kunden wird dabei offen und ehrlich gesagt, was unter seinen Voraussetzungen machbar und denkbar ist und was nicht. „Wir lehnen auch Projekte ab.“ Eine Krise, wie die Bahn oder KitKat sie auf Facebook schon erleben durften, gab es für Kunden von e-wolff noch nie. Das sei auch das Schöne an den mittelständischen Kunden von e-wolff: Sie haben oft eine klar abgegrenzte Zielgruppe und für diese bereits ein klares Standing erreicht. So kommt es vor, dass im Fall eines kritischen Posts, die Fans für die „mittelständische Minimarke“ einspringen und kommunizieren. Es tut sich ja unendlich schnell unendlich viel in diesem Internet. Wie hält man da Schritt? Hat man da wöchentlich Schulungen?

Wir handhaben das ein bisschen anders bei e-wolff. Was wir hier machen, machen wir aus Eigeninitiative heraus, sprich, wir haben alle Bock und alle Lust an diesem schnellen Prozess auch teilzuhaben. Unser Führungsteam ist im Prinzip Tag und Nacht online, mobil online, mit Tablets, Smartphones usw. und jeder kriegt unheimlich viel mit. Wir lesen viele Blogs, sehr viel von den USA, wir kriegen natürlich auch von Google sehr viele Informationen & Studien. So ist der Einzelne immer sehr gut informiert. Das führt dazu, dass dann sehr schnell eine Mail durchgeschickt wird: „Hey, schaut mal hier, das gibt es Neues, lasst uns das ausprobieren.“ Wir sind in der glücklichen Lage viele Sachen ausprobieren zu können. Rein personell, vom Know-How her und auch finanziell. Jeden Tag gehen bei uns sicherlich 5-10 solche Mails rein. Dann wird diskutiert und vieles aus Eigeninitiative heraus oder mit innovativen Kunden einfach ausprobiert. Vorhin hatten wir es ja über Praktikanten. Was bietet ihr denn da für Möglichkeiten? Wir bieten ein bezahltes Praktikum. Das dauert mindestens 3 Monate. Man wird als Praktikant auch bei uns nicht reich, aber immerhin vergüten wir das Praktikum. Was uns hier auszeichnet ist die Arbeit im Team und der extrem innovative Markt, in dem wir arbeiten. Jeder der bisher hier war, ist mit einer Riesenfreude herausgegangen oder ist immer noch hier. Was müsste man denn da mitbringen an Kenntnissen? Es wirkt ja schon auch Informatik-lastig. Das ist wirklich ein Trugschluss. Ich habe während meinem Studium auch die ein oder andere Website aufgesetzt, also war schon eine gewisse Affinität zum Coding da. Aber die ganzen Kollegen aus Pforzheim sind Werber, so wie ihr und ich. Was uns aber alle im Prinzip auszeichnet ist der extreme Wissensdurst. Wir sehen einfach Online als super Kanal an, der in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnt als das er schrumpft. Und dann haben wir alle Bock an diesem Markt teil zu haben und auch eine regionale Verwurzelung hier zu haben. Wir sind auch kein Betrieb mit festgefahrenen Strukturen, wo jeder nur ein Rädchen ist. Man ist hier keiner von 17.000 Leuten, sondern hier sind Leute die etwas mitgestalten wollen, aus sich herausgehen um was Neues zu lernen. Es ist immer etwas Anderes. Und dafür muss man Interesse haben. Übrigens: Wir suchen laufend Einsteiger, Praktikanten und ganz akut Designer – also meldet euch bei mir! Vielen Dank für das Gespräch. MD 56 47


Julia Heller

Kampf der Tit(t)anen Für dieses Thema war es eigentlich vorgesehen, ganz im Sinne der Ausgabe, direkt mit Vertretern der Branche in Pforzheim über ihr Marketing zu sprechen. Pornokinos und ähnliche Etablissements leben jedoch, so viel konnten wir erahnen, in erster Linie von Diskretion. Deswegen hier leider keine O-Töne sondern ein Ein- und Überblick.

Jessica Feist

Die Pornoindustrie und ihr Überlebenskampf in den unendlichen Weiten des WWW Musik lässt sich bekanntlich herunterladen. Filme auch. Und wer einen Schritt weiter denkt, stellt fest, dass dieser Trend nicht bei Hollywood und Bollywood Halt macht. Eine USStudie ergab, dass die drei meistfrequentierten Suchmaschinen des Internet – Google, Yahoo und MSN – zusammen ca. 6% aller Internetnutzungen in den USA ausmachten- Pornoseiten schaffen hingegen dreimal mehr Besuche. Nach der Musik- und Filmbranche spürt nun auch die Pornoindustrie die Auswirkungen des Internet in Form von Umsatzeinbußen. Die schwarzen Schafe sind nach deren Angaben Plattformen wie YouPorn, auf denen man kostenlos Videos ansehen kann. Dass die Pornoindustrie mit dem Verkauf von Filmen im vergangenen Jahr etwa 600 Millionen US- Dollar weniger verdient hat als in den Vorjahren ist durchaus ein Grund zur

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Beunruhigung in der Branche. Etwa 2000 neue Filme werden dem willigen und liquiden Verbraucher auf dem Markt angeboten- pro Monat, wohlbemerkt. Die Qualität wird von Kennern bei vielen als sehr gering bewertet; gute Ware wird jedoch auch weiterhin gerne gekauft- ein Ansatzpunkt, den sich Pornoproduzenten neuerdings zu Herzen nehmen. Good Sex sells. Und auch der politikinteressierten Verbraucher kommt neuerdings nicht mehr zu kurz. Auf der Website HustlerWorld wurde vor einiger Zeit über das Erscheinen des Filmes „Who‘s Nailin Paylin‘ Now? Obama is!“berichtet- Zielgruppenorientiertes Marketing in der Praxis. Doch was macht das Internet attraktiver als die guten alten Videotheken und Pornokinos? Das Internet bietet sowohl dem Konsumenten als auch dem Anbieter von Pornographie Anonymität. Nie wieder vom Arbeitskollegen oder der Schwiegermutter mit einer Papiertüte unter dem Arm

erwischt werden- Filme im Internet sind von jedem PC zu jeder Zeit erreichbar. Ein Umstand, den sich die Marktingchefs der Branchengrößen mittlerweile zunutze machen: Einige Anbieter haben bereits eigene Videoportale, auf welchen kostenlos kurze Filmausschnitte angesehen werden können. Wer das gesamte Machwerk genießen möchte, wird um Registrierung und gleichzeitig zur Kasse gebeten. Dies geht so weit, dass Ali Joone, der Gründer des Erotikunternehmens Digital Playground sich bereits auf die neuesten technischen Fortschritte freut und das iPad zum „heiligen Gral“ der Pornoindustrie erklärt. Mobiler Sex könnte also der nächste Trend werden- immer und überall verfügbares Vergnügen. Die Branche steht demnach wohl nicht vor dem Untergang und wird dem geneigten Nutzer auch weiterhin ausreichend viel von dem Stoff bieten, aus dem die (feuchten) Träume sind.

Das Zuhause, das alle mit den FüSSen treten Ist Pforzheim wirklich so schlimm wie alle immer sagen? Ja, schon klar, dass man den Kommilitonen zustimmt, wenn sie sagen: „ Ach, des isch doch scheiße hier. Was willschn am Wochenende in Pforze machn?!“ Ist doch eine rhetorische Frage mit Totschlag-Potenzial! „Na klar, hast Recht, gibt ja eh nix zu tun hier.“ Aber will man denn so antworten, wollte man nicht doch mal seine Kommilitonen dazu bringen hier zu bleiben? Wenigsten für ein Probewochenende? Einfach mal

schauen was passiert? Und wenn‘s schief geht, was hat man dann verpasst? Noch eine Dorfdisco-Party mit den alten Schulfreunden, den Geburtstag der Oma der Freundin die immer so leckere Himbeermarmelade macht oder einfach die ichfahr-am-Wochenende-immer-nachHause-Routine? Vielleicht aber ist es nicht das was wir verpassen, was uns davon abhält ein Wochenende in Pforzheim zu verbringen, sondern die Ungewissheit, was uns hier erwartet. Hochschul-Feeling sogar an den freien Tagen, das wie-unter-

der-Woche-Gefühl, Zeit mit den „unechten“ Hochschulfreunden verbringen, Todeslangeweile? Vielleicht, ja. Vielleicht aber auch nicht. Nehmen wir doch einfach mal unsere Kommilitonen aus der Holzgartenstraße. Wenn sie eine Party veranstalten, dann findet diese freitags oder samstags statt. Partys der Wirtschaft, der Technik oder gemeinsame Partys sind immer unter der Woche. Jugendhausparty dienstags, SAP/SEP mittwochs, Initiativen-Party mittwochs, Newie-Party


donnerstags. Da fragt sich doch weshalb? Was machen die Gestalter anders, haben sie keine Freunde mehr zuhause, sind sie mit ihrer Familie zerstritten, wollen sie gar nicht heim oder gefällt ihnen Pforzheim tatsächlich so gut? Man müsste sie wohl einfach mal fragen. Vielleicht ist es aber auch so, dass sie das temporäre Zuhause wirklich als Zuhause sehen. Also in Sätzen wie „Ich bin Zuhause“, „Ich geh heim“ oder ähnlichen, den Ort Pforzheim meinen. Mit „heim gehen“ sehen die meisten von uns wohl das Zuhause in dem die Eltern wohnen, wo die Freunde sind. Ist ja auch verständlich, mit Heimat weiß jeder, zumindest grob, was anzufangen. Aber wenn man gefragt wird: „Wo kommst du her?“, „Wo wohnst du?“, was antwortet man? Dann wird es schon schwieriger. Man zählt also die Orte auf, an denen man (noch) Krempel hat, so geht es mir jedenfalls. Wenn mich jemand fragt, wo ich herkomme oder wohne, dann antworte ich „In Stuttgart und Pforzheim.“ Vor ein paar Monaten war es sogar noch komplizierter, da kam dann noch München dazu. Das bringt dann völlige Verwirrung in das Gesicht des jeweiligen Gegenübers. Dann fängt immer die Erklärung an und das Gesicht des Gesprächspartners geht über in bemitleidenswerte Verwunderung „Da wohnst du überall? Ist das nicht stressig?“. Hm, ist das stressig unter der Woche in Pforzheim zu sein, am Wochenende in eine andere Stadt und vielleicht noch in eine dritte zu pendeln? Schon, ja. Aber seit ich angefangen habe mal am Wochenende hier zu bleiben, ist es viel weniger anstrengend. Und Neues habe ich auch kennen gelernt, inklusive neue Leute. Wenn man am Anfang seines Studiums die Kommilitonen aus den höheren Semestern nach dem allgemeinen Leben hier fragt, hört man

meist nur schlechtes. So fängt die Kette der „self-fulfilling prophecy“ an und zieht sich durch das ganze Studium. Sätze wie „Ich fahr immer heim“ bedeuten tatsächlich heim in die Heimat. Ich sehe das als verpasste Chance an, nicht nur hier zu studieren sondern auch ein Stück Freizeit in dieser Stadt zu verbringen. Vielleicht ist es ja doch nicht so schlimm wie alle immer sagen? Und Pforzheim wird nicht besser, wenn wir es ständig mit den Füßen treten und unserem Zuhause auf Zeit regelmäßig den Rücken kehren. Und vielleicht können uns unsere Freunde aus unserem „richtigen Zuhause“ in Pforzheim besuchen kommen, das könnte auch helfen, dass es uns hier besser gefällt. Grundsätzlich lässt sich wohl unschwer erkennen, dass wir alle nach Pforzheim gekommen sind auf Grund des Studiums und nicht wegen der Stadt. In anderen Städten mag das sicher anders sein, da ist die Wahl des Studienfaches auch mal zweitrangig. Ohne jetzt allen Studenten aus Pforzheim-übertreffenden Städten solch ein Vorgehen zu unterstellen. Die zentrale Frage ist wohl, was will ich denn mit meiner Studienzeit anfangen? Ist es das Studieren an sich, also das lernen, weiterbilden, weiterkommen, bessere Jobaussichten haben usw. Oder ist es das stereotypische Studieren, mal schauen was es bringt, ist doch chillig, gut fürs Ego, egal was, Hauptsache die Stadt bringt’s, mal ausprobieren wie lange mich das Prüfungsamt als Student anerkennt? An manchen Tagen vielleicht das Eine, an anderen das Andere, an wieder anderen Tagen eine Mischung aus beidem. Das entscheidet hoffentlich jeder für sich selbst. Falls man den Weg der subjektiv gesehenen gesunden Mischung nimmt, bekommt man wohl von Allem etwas. Und wenn man dann noch nicht nur das Lernen in Pforzheim unternimmt sondern obendrein

ein Stück seiner Freizeit in der Stadt verbringt, dann bemerkt man sicher, dass es sich doch auch teilweise von Seiten der Stadt, gelohnt hat, hierher zu kommen. Das beweisen sicher auch einige Tipps die wir in unserem Magazin der Öffentlichkeit anpreisen. Nicht selten liest man dort auch, dass es auffällt, dass wir Studenten sobald es Freitagmittag wird, das Weite suchen und Pforzheim hinter uns lassen. Ich bin kein Freund von „Als Fazit kann man also sagen…“- Sätzen, aber eine Art Bilanz, wie es auch so gut in unser Fach passt (auch wenn das jetzt irgendwie käsig rüberkommt), weißt bestimmt Gewinne aus, die für jeden einzelnen Gutes bedeuten.

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Gastautor: Adrian Teetz

Keine Kathedrale verstellt den Blick Pforzheim ist eine Frage der Perspektive Kann man Pforzheim mit wenigen Worten auf den Punkt bringen? Mit Worten, die der Stadt gerecht werden? Die jemanden interessieren? Die glaubwürdig sind? Zum Beispiel: „Die Goldstadt an der SchwarzwaldPforte“? Nein, mit geriatrischem Tourismus-Marketing lässt sich die Stadt nicht treffend beschreiben. Kein beliebiger Überreiz trübt das Auge, Pforzheim scheint eine Frage des Blickwinkels. Fragen wir uns also experimentell durch die Stadt.

Treppabwärts zur Bushaltestelle an der Flößerbrücke: Kann man dem Unterschied zwischen katholischer und evangelischer Kirche ein Baudenkmal setzen? Ja, in Pforzheim. Hier die geometrisch strenge Evangelische Stadtkirche, dort das rundlich-gemütliche Herz-Jesu-Gotteshaus. Ortsunkundigen Gläubigen wird automatisch der Weg zum Gottesdienst ihrer Konfession gewiesen. Keine Kathedrale verstellt den Blick darauf.

Flugs ausgestiegen aus dem Zug: Kann man sich eine Baudirektion der Deutschen Bundesbahn in den 1950er Jahren vorstellen, die einem Architekten genehmigt, kleine goldene Mosaike in die Fassade eines neu errichteten Hauptbahnhofes zu integrieren? Ja, in Pforzheim. Ein filigraner Bau zollt unaufdringlich Tribut an die wirtschaftliche Tradition der Stadt. Keine eitle Station aus der Gründerzeit stiehlt ihm die Schau.

Vorlesungsende, Blick vom Campus in der Abenddämmerung: Kann man sich eine deutsche Kreisstadt vorstellen, in dem ausgerechnet die Sparkasse das Stadtbild ästhetisch bereichert? Ja, in Pforzheim. Kein anderes Schmuckstück funkelt wie der Sparkassenturm bei Nacht.

Sparkassenhochhausperspektive: Ein Vergleich zwischen dem „Tor zum Sauerland“ (Hagen) und… (Foto: Udo Ernst Block mit freundl. Genehmigung)

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Abendstimmung, Enzufer: Kann man an einem lauen Sommerabend am Ufer zweier Flüsse sitzen, abwechselnd in zwei Lokalzeitungen blättern und dabei zwischen exzellenten Bieren aus zwei ortseigenen Brauereien auswählen, während die Bigband der städtischen Feuerwehr von einem Floß aus Evergreens intoniert? Ja, in Pforzheim. Alles eine Frage des Blickwinkels. Es gibt noch viel zu fragen… Adrian Teetz war lange Zeit Director of Communication and Marketing einer internationalen NGO, ist Lehrbeauftragter der Hochschule Pforzheim für das Zertifikationsprogramm „PRReferent“ und hatte seinen ersten Lehrauftrag in Hagen, dass seiner Ansicht nach Pforzheim städtebaulich sehr ähnelt. Außer in der Bauart des Sparkassenturms. Außerdem fragt er beim Besprechen des Artikels am Telefon gerne auch spontan noch einmal nach dem Aufbau einer Nachricht.

…der „Goldstadt an der Schwarzwald-Pforte“ (Foto: Achim Mende, Abdruck mit frdl. Genehmigung der Sparkasse Pforzheim-Calw).


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Iana Dubois, Frau

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Anna Rückert, Natalie Peketitsch, Stephanie Schüssler

Kneipenguide Kneipentour – mal anders…Kein Bock mehr auf Mainstream … genug von den typischen Pforzheimer-Kneipen, dann auf zu einer neuen Reise durch eure zukünftige Studentenstadt!

Domicile Jazz Club täglich ab 18 Uhr Brunnenstraße 4 75172 Pforzheim-Weststadt 07231/440292 www.domicile-pforzheim.de Buslinie 1 Richtung Arlinger, Haltestelle Marktplatz Brötzingen Atmosphäre/Ambiente Stilvoll eingerichteter Jazz-Club mit aufwendiger Deckenbemalung und gemütlichen Ledermöbeln. Der Eyecatcher ist der schön dekorierte schwarze Flügel. Abgetrennter Raucherbereich und für Sommerabende Sitzmöglichkeiten auf der Terrasse. Specials Jazz Club mit Live-Konzerten an ausgewählten Montagen mit berühmten Jazz-Musikern aus aller Welt, Cocktails /Longdrinks auch alkoholfrei, Cidre, ein französischer Apfelwein und Cortado, ein spanischer Milchkaffee. Es gibt keine extra Speisekarte aber dafür in Snacks in Form von Fladenbrot mit Schinken/Salami auch vegetarisch und überbackene Baguettes. Netter Besitzer, der sich gern mehr studentisches Flair wünscht.

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Epoque Mo-Do 7 Uhr – 1 Uhr Fr 7 Uhr – 3 Uhr Sa & So ab 10 Westliche-Karl-Friedrichstraße 225 75172 Pforzheim-Weststadt Telefon (0 72 31) 28 16 99

Art Cafe

Buslinie 1 Richtung Arlinger, Haltestelle Fritz-Erler-Schule-Nord

Buslinien 2,3,6,7,8 Haltestelle Bahnhofsstraße (unter der Unterführung durch)

Atmosphäre Café im Pforzheimer Stadtteil Brötzingen. Schicke, moderne Einrichtung mit u.a. Rattansesseln und Ledersitzmöglichkeiten. Für Raucher steht die Terrasse zur Verfügung. Specials Kleine Speisekarte mit gemischten Angebot, auch Frühstück möglich: Sa & So von 10-12 Uhr und Mo-Fr von 7-12 Uhr. Sehr leckere Milchshakes, Cocktails und Longdrinks.

Mo-Do 9 Uhr - 24 Uhr Fr-Sa 9 Uhr - 1 Uhr Ebertsteinstraße 15 75177 Pforzheim-Nordstadt 07231/101388 www.artcafe-pforzheim.de

Atmosphäre Kleines gemütliches Café mit abgetrenntem Raucherraum. Wie der Name schon sagt künstlerisch angehaucht und etwas verrucht. Es gibt freien Internetzugang, guten Kaffee und freundliches Personal. Specials Verschiedene Events wie z.B. Ausstellung von Bildern eines Künstlers. Viele Zeitschriften zum Lesen im Angebot. Die mediterrane Terrasse lockt im Sommer die Besucher aus der ganzen Stadt in die Nordstadt an. Das Art Cafe ist berühmt für seinen guten Kaffee.


Cafe Prag

Rodensteiner

Öffnungszeiten: Mo-So 18 – 1 Uhr Güterstraße 40 75177 Pforzheim-Nordstadt 07231/356813 www.cafeprag.com

Öffnungszeiten: Mo-Mi 10-24 Uhr Do- Sa 10-2 Uhr neu ab 1.Mai Sonn- und Feiertag 10-15 Uhr Bleichstr. 90 75173 Pforzheim-Südweststadt 07231/2817132 www.rodensteiner.de

Buslinien 2, 3, 6, 7 Haltestelle ZOB Nord und Christophalle Atmosphäre Italienisches Café und Restaurant, mit der Philosophie „ ARS VIVENDI oder die Kunst, das Leben zu genießen“ bietet ein romantisches Flair mit dämmriger Beleuchtung und Kerzenschein. Unter einer Discokugel kann man gemütlich an einem der Bartische das Feierabendbier genießen. Außerdem gibt es Sitzmöglichkeiten auf einer Art unterdachten Terrasse. Die italienischen Spezialitäten werden vom Team Cafe Prag mit der Leidenschaft zum Essen zubereitet. Specials Große Vielfältigkeit der Speisekarte und mehrere Events über das Jahr verteilt wie z.B. die Große Silvester Party oder auch die legendäre Cuba Night.

Buslinie 3 Richtung Dillweißenstein, Haltestelle Rodstraße Atmosphäre Das Rodensteiner ist eine etwas dunklere mit Kerzenschein angehauchte Bar/ Café. Sowohl das braun-rote Design, die Hochtische, die langgestreckte Bar als auch die Stimmung erweckt den Eindruck, dass hier die Business people aber auch vorwiegend junge Leute ihren Arbeitstag/Studententag ausklingen lassen. Für chillige Sommertage gibt es natürlich auch einen schönen Biergarten. Specials Frühstücksliebhaber können sich hier die ganze Woche den Bauch vollschlagen. Die Speisekarte des Rodensteiners reicht von Maultaschen, Käsespätzle und Flammkuchen bis hin zu Salaten & Vorspeisen. Außerdem gibt es ein Tagesessen zum günstigen Preis von 5€-7€, eigene Cocktails von „Baby Love bis zu Pussycat Foot“.

101 International Öffnungszeiten: Mo Ruhetag Di - Do 17 – 1 Uhr Tunnelstraße 2 Fr 17 – 3 Uhr Sa 13 – 3 Uhr So 13 – 1 Uhr 75172 Pforzheim gleich um die Ecke zwischen Jettankstelle und Sparkassenparkhaus Do you want to try a beer from Australia or do you prefer a beer from the Netherlands? Then you have to go directly to the crazy 101 Beers pub in the …. There you will find funny posters, international flags, bras from drunken women and boxer shorts from men, hanging from the top, old bank notes on the wall, soccer on TV, signs with naughty sayings and of course an amount of different beers, shots, cocktails, whiskeys … altogether 101 drinks from all over the world.

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Matthias Ort

Heim-Vorteil Die Zulassung ist da und die Koffer sind gepackt. Was jetzt noch fehlt ist die passende Bude. Oder man ist einfach auf der Suche nach etwas Neuem weil einem die WG seit geraumer Zeit auf die Nerven geht. Am besten möglichst günstig und mit Kontakt zu anderen Studenten. Wer keine Zeit oder vielleicht auch keine Lust hat lange auf dem Pforzheimer Immobilienmarkt zu suchen, für den könnten die Studentenwohnheime eine echte Alternative sein. Welche Vorteile/ Nachteile hat es im „Heim“ zu wohnen und wie sieht das Angebot aus. Günstiges Loft oder abgebrannte Jugendherberge? Auf einer Seite erfahrt ihr alles über die Wohnheime in Pforzheim.

Hagenschieß-Wohnheim Ungefähr 10 Gehminuten von der Fakultät Wirtschaft entfernt liegt das Wohnheim Hagenschieß direkt am Waldrand. Der Komplex besteht aus 3 Gebäuden. 2 davon wurden 2003 neu gebaut, eines 1999 saniert. Je nach Gusto könnt ihr euch dort in Einzelzimmer, 3er-, 4er- und 6er-WGs einmieten. Die Zimmer sind möbliert und verfügen über ein eigenes Bad. Kabel- und Telefonanschluss sowie eine kostenlose Internetnutzung sind in jedem Zimmer vorhanden. Gerade für den Anfang des Studiums, wenn die Zeit für die Zimmersuche etwas knapp ist, ist ein komplett eingerichtetes Zimmer im Wohnheim ein guter Tipp. Im Hagenschieß könnt ihr außerdem noch einen Gemeinschaftsraum, Sportraum, Waschraum, Backraum, eine kleine Werkstatt und für die Musiker unter euch, einen (fast) schalldichten Proberaum nutzen. Diese Einrichtungen werden von der studentischen Selbstverwaltung finanziert und gepflegt. Hagenschießstraße 1-3  48 x Einzelzimmer  171 x möblierte Appartements mit Kleinküche, WC und Dusche  7 x unmöblierte Appartements mit Kleinküche, WC und Dusche  4 x sehr große, für Rollstuhlfahrer geeignete Einzelzimmer je mit eigenem Bad und WC in einer Wohnung Die Monatsmiete für das Wohnheim beträgt:  Preise Appartements: 216-243 Euro  unmöblierte Appartements: 233 Euro  große, behindertengerechte Einzelzimmer (möbliert): 264 Euro  PKW-Stellplätze: 16 Euro  Carport (ca. 3,50 m breit): 21 Euro  Fahrradbox für ein Fahrrad: 4 Euro

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Hagenschießstraße 5 24 x möblierte Einzelzimmer  24 x unmöblierte Einzelzimmer  Einzelzimmer: 193-205 Euro  unmöblierte Einzelzimmer: 183-195 Euro  große möblierte Zimmer: 232-253 Euro  große unmöblierte Zimmer: 211-243 Euro  PKW-Stellplätze*: 16 Euro  Carport*: 21 Euro  Fahrradbox für ein Fahrrad*: 4 Euro * Nachbar-Wohnheim Hagenschießstraße 1-3  Der Mietpreis ist eine Warmmiete und beinhaltet alle Nebenkosten wie Heizung, Wasser und Strom und Internet 

www.wohnheim-hagenschiess.de

Wohnheim St. Georgen-Steige Etwas weiter Richtung Innenstadt an der St. GeorgenSteige findet ihr ein weiteres Wohnheim. In ca. 15 (steilen) Gehminuten seid ihr an der Fakultät Wirtschaft. Um zur Fakultät Gestaltung zu kommen, müsst ihr euch eigentlich nur den Berg runterrollen lassen. Seit 2004 werden in dem komplett sanierten Gebäude Einzelzimmer vermietet. Im Gegensatz zum Hagenschieß verfügen fast alle Einzelappartements über einen Balkon. Dieser geht zwar oftmals direkt raus auf die Straße aber mit 2-3 netten Kommilitonen oder Kommilitoninnen lässt es sich da bestimmt bestens aushalten. Weiterhin stehen ein Ge-


meinschaftsraum, Sportraum und Fahrradkeller zur Verfügung. Garagen und Parkplätze können zusätzlich angemietet werden. In den Zimmern gibt es außerdem Kabel-, Telefon-und einen kostenlosen Internetanschluss. St. Georgen-Straße 15-17  124 x Einzelzimmer in Zwei-Zimmer-Wohnungen mit Küche, Bad, WC  1 x Ein-Zimmer-Wohnung mit Küche, Bad, WC  4 x Zimmer in einer Wohngruppe mit Küche, Bad, WC  Einzelzimmer: 217-231 Euro  unmöblierte Einzelzimmer: 209-223 Euro  große und sehr große Zimmer: 245-252 Euro  unmöblierte sehr große Zimmer: 244 Euro  Ein-Zimmer-Wohnung: 266 Euro  Garagen und Kfz-Einstellplätze: 27-33 Euro  Der Mietpreis ist eine Warmmiete und beinhaltet alle Nebenkosten wie Heizung, Wasser und Strom und Internet. Beide Wohnheime werden von Studentenwerk Karlsruhe verwaltet. Auf deren Internetseite (www.studentenwerkkarlsruhe.de) bekommt ihr weitere Infos sowie den Aufnahmeantrag. Habt ihr euch für ein Wohnheim entschieden, solltet ihr nicht lange warten und den Antrag so schnell wie möglich abschicken oder am besten gleich online ausfüllen. Die Plätze sind sehr begehrt.

allem ist das Wohnheim in punkto Inneneinrichtung nicht mehr ganz so frisch wie es von außen wirken mag. Kepler-Straße 75  198 EZ, möbliert mit Dusche, Waschbecken, WC  180 € Miete inkl. Aller Nebenkosten  540 € Kaution Weiter Infos sowie einen Aufnahmeantrag findet ihr hier unter http://www.studentenwerk-fh.de/html/info_de.html Ab dem Wintersemester 2011/2012 soll in der Nähe des Hagenschieß ein weiteres Wohnheim auf der Fläche der ehemaligen Buckenberg-Kaserne eröffnet werden. In einem Gespräch mit Oberbürgermeister Gerd Hager haben wir erfahren, dass die Stadt in Zusammenarbeit mit privaten Anbietern weiteren Wohnraum in der Form von Einzimmerappartements schaffen möchte. Wohnheime haben Vor- und Nachteile. Wer es gerne etwas ruhiger und behaglicher mag, sollte sich lieber eine Wohnung bei der Rentnerin seines Vertrauens suchen. Wen es allerdings nicht stört ab und an von seinem lautstark singenden Nachbarn nachts um drei geweckt zu werden, ja vielleicht sogar Lust hat mitzusingen, dem kann man nur raten: Ab ins Heim!

TÄ G L I C H A B 18 U H R

Wohnheim Kepler-Straße Ein weiteres Wohnheim findet ihr auch nur ca. 10 Gehminuten von der Fakultät für Wirtschaft entfernt. Dort warten 198 Einzelzimmer darauf bezogen zu werden. Die 15 qm sind komplett möbliert und verfügen Kabel- und Telefonanschluss und über ein eigenes Bad. Gekocht wird gemeinsam. Auf jeder Etage findet ihr eine Gemeinschaftsküche mit Elektroherd, Kühlschränken und allem was man sonst noch für ein lauschiges Abendessen mit den Mitbewohnern braucht. Außerdem gibt´s noch: Hausbar für geselliges Beisammensein, Fernsehraum, Tischtennisraum, Fitnessraum und Wasch-Salon. Alles in

PFORZHEIM

BRÖTZINGEN

www.domicile-pf o

rzheim.de

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Stephanie Schüssler, Natalie Peketitsch

Kulturhaus osterfeld Das Kulturhaus Osterfeld ist ein soziokulturelles Zentrum und wurde 1985 durch den Pforzheimer Kulturrat zusammen mit dem Penn-Club 2000 e.V. und dem Amateurtheaterverein Pforzheim e.V. gegründet. Mit Spendenmitteln von über einer halben Millionen Euro öffnete das Zentrum am 2. September 1994 seine Tore. „Das Kulturhaus versteht sich selbst als Teil des regionalen Kulturnetzes und arbeitet auch in den entsprechenden Gremien mit.“ Hier finden sich die unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen zusammen und erleben unvergessliche Abende oder Veranstaltungen, deren Einfluss bis weit über die Region hinausgehen.

Interview mit Gerhard Baral

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Was glaubst du, warum hat Pforzheim so ein schlechtes Image vor allem bei den Studenten? Gerhard Baral: Das hat mehrere Ursachen. Zunächst einmal wäre da das klassische Stadtbild und das Grundimage, beziehungsweise das Aussehen von Pforzheim. Durch den 2. Weltkrieg wurde die Stadt ziemlich zerstört und somit konnte keine Altstadt erhalten bleiben, was eine typische Studentenstadt ausmacht. Meiner Meinung nach ist dieses schlechte Image nicht gerechtfertigt, da die Hochschule Pforzheim und auch die Stadt viel Aufwand für die Newies betreibt. Ich selbst war 18 Jahre Newieguide für die Neuankömmlinge. Das Osterfeld bietet den Studenten eine kostenlose Nutzung der Räume für Studienprojekte an. Dieses Angebot wurde leider nur zweimal genutzt. Eine andere Ursache wäre, dass die Hochschule keine Uni ist, sondern eine Hochschule mit weniger Studenten. Viele sind aber auch im

Das Gebäude des Kulturhauses Osterfeld erstreckt sich über mehrere Räume. Da wären z.B. der große Saal mit 500 Plätzen oder der Malersaal mit 600 Plätzen sowie ein Studio (100 Plätze) und ein Clubraum (20 Plätze). Außerdem gibt es weitere Seminarräume, die genutzt werden können. Im Sommer kann man an lauen Abenden im Innenhof des Kulturhauses Open-Air-Kino genießen. Hinzu kommt ein Feinschmeckerrestaurant, das Comedia, das sich gleich im EG des Hauses befindet. Dies übernimmt auch das Catering für verschiedene Veranstaltungen und die Künstler.

Zur Person: Gerhard Baral ist seit 1994 Geschäftsführer des Kulturhauses Osterfeld in Pforzheim. Zuvor war er von 1982 - 1994 Geschäftsführer des Kulturzentrums „Goldener Anker“. Er hat in Reutlingen „Sozialpädagogik“ und in Tübingen „Empirische Kulturwissenschaften“ studiert und wohnt derzeit mit seinen drei Söhnen in Pforzheim. Er ist unter anderem langjähriges Mitglied im Steuer- & Medienausschuss des Deutschen Kulturrates und hält mehrere Ehrenämter, wie z.B. als Mitglied im Verteilerausschuss des Landes Baden-Württemberg beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung & Kunst für die Mittel „Förderung von Kulturbühnen und Soziokulturellen Zentren“. Beim Kulturhaus Osterfeld liegt für ihn der Schwerpunkt auf der Programmplanung. Durch private Beziehungen und einer langen Bekanntschaft konnten wir ein Interview auf persönlicher Basis „per DU“ führen. Praxissemester und zum großen Teil fahren die Studenten am Wochenende nach Hause und können somit die Stadt am Wochenende nicht erleben. Studenten müssen die Stadt selbst erkunden! Kannst du sagen, wie viele Studenten ungefähr zu Veranstaltungen ins Kulturhaus Osterfeld kommen? (Schätzung) Oder wie sieht allgemein die Altersstruktur aus? G.B.: Hierfür gibt es leider keine genaueren Angaben, wer Student ist oder nicht. Das kann man auch nicht abschätzen. Inwieweit trägt das Kulturhaus Osterfeld zur Kulturförderung in Pforzheim bei? G.B.: Das Kulturhaus Osterfeld ist das größte Kultur- und Kommunikationszentrum in der Region Nordschwarzwald. Im letzten Jahr hatten wir, um es mal in Zahlen


auszudrücken, 145.000 Besucher und über 4.100 Angebote in unserem Haus. Was man wahrnimmt sind dann die öffentlichen Aufführungen, die sich auf 300 im Jahr belaufen. Das andere läuft nebenher mit Vereinen. Das Kulturhaus Osterfeld trägt viel zur Kulturförderung bei, wie z.B. im Nachwuchs mit Theaterangeboten für Kinder, bis hin zu Jugendlichen, über Produktionen für Erwachsene und Rentnern, aber auch im Musikbereich gibt es ähnliches. Im Großen und Ganzen ist diese Förderung ein durchgängiges System, bei dem auch mit bekannten Profis zusammen gearbeitet wird. Welche Veranstaltungen empfiehlst du dieses Jahr besonders?/Welche Veranstaltung sollte man auf keinen Fall verpassen? G.B.: Bei 300 Veranstaltungen kann man das nicht so sagen. Jeder hat seine eigenes Hobby und seine eigene Persönlichkeit. Es gibt im Musikbereich sehr spannendes, finde ich, von zeitgenössischer Musik über Jazz bis hin zum Rockkonzert. Alles was einen Namen in Deutschland hat, kommt hier her. Daher ist es auch schwer etwas herauszugreifen. Das muss jeder selbst für sich herausfinden. Am Ende des Jahres ist z.B. das Varieté ein jährlicher Besuchermagnet. Ich sag immer: dahin gehen, was man noch nicht kennt, allgemein gilt das für alles, nicht nur für das Kulturhaus Osterfeld. Nur da entdeckt man Neues. Das gibt es viel zu selten, vor allem bei den Studenten. Hier auch ein Tipp vom Haus: Studi Tickets (Resttickets), die man 5 min vor Veranstaltungsbeginn für einen Preis von 5 EUR erwerben kann, wenn noch welche übrig sind. Davon wissen die meisten aber nichts. Natürlich ist dies auch ein Werbeproblem, aber auf der anderen Seite gibt es auch das Scheckle für die Erstsemester, in dem man viele Möglichkeiten hat, Pforzheim günstig zu erkunden. Da werden im Jahr zwischen 1 und 3 in unserem Hause eingelöst. Das liegt dann an den Studenten selber, da kann ich nur sagen: Nutzt es! Gibt es Möglichkeiten, ein Praktikum in eurem Hause zu machen? G.B.: Ja, wir bieten die meisten Praktikumsplätze in der Region an. Wir fangen an beim BOGY für Schüler, bis hin zu Praktika für Berufsqualifizierende im Verwaltungsbereich und in der Technik. Sicherlich aber auch im Bereich Werbung, Design und BWL. Wie steht es um die Kultur in Pforzheim? G.B.: Man sollte immer schauen, wo man ist. Wir sind nicht in Berlin oder New York. Wir sind in einer Stadt mit 120.000 Einwohnern und dafür finde ich, dass Pforzheim unheimlich viel bietet. Wenn man das vergleicht, nehmen wir mal Reutlingen, gut, es gibt die Schnellstraße nach Tübingen, aber die Stadt selber bietet wesentlich weniger als Pforzheim. Reutlingen hat einen höheren Charme,

weil sie nicht so zerstört war nach dem 2. Weltkrieg. Im Gegensatz zu vergleichbaren Städten bietet Pforzheim trotz seiner nicht so hohen Einwohnerzahl viel mehr als andere Städte. Was würdest du Studenten, die in Pforzheim studieren, auf ihrem Weg im Studium mitgeben? G.B.: Offen sein! Offen sein für eine neue Stadt. Das erlebe ich als großes Problem vor allem von studentischer Seite. Es ist natürlich einfach sein Urteil zu fällen über eine Stadt. Das wichtigste, man sollte in einer Stadt wohnen und sich darauf einlassen. Außerdem sollte man auch etwas über die Stadt wissen. Egal ob das jetzt Pforzheim ist oder ob man in einer Studentenstadt wie Freiburg oder Tübingen studiert. Und ich denke, wenn ich etwas mit Kommilitonen zusammen machen will, dann muss ich auch vor Ort sein. Als Student bin ich wie in einem Reagenzglas und man will auch ein bisschen ausprobieren. Nur mit Projekten, wie ihr jetzt hier macht, erlebt man etwas in seiner Stadt, in der man studiert. Als nächstes sollte man natürlich auch offen sein für seine eigenen Studienfächer. Das Studium ist da, um Lebenserfahrung zu sammeln. Als Student hat man die größte Chance ungezwungen Menschen kennen zu lernen, das hat man nie mehr im Leben. Schwupp, ist das Studium vorbei, dann hab ich nur noch die Firma und lern da Leute kennen. Wenn man dann während des Studiums immer heimfährt übers Wochenende, dann kriegt man nichts mit. Solche Leute nehm ich nicht ernst! Zum Schluss: Hast du einen Lieblingsplatz in Pforzheim? G.B.: Da ich wenig Freizeit habe, am liebsten in meinem Garten, da habe ich meine Ruhe und da quatscht niemand. Da kommt mir niemand blöde (lacht) und ansonsten gibt’s mehrere Ecken, die man einfach selbst erkunden muss. Besonders gut finde ich den Pforzheimer Wochenmarkt (mittwochs und samstags auf dem Turnplatz). Verglichen mit anderen Märkten in anderen Städten ist keiner so bunt wie der in Pforzheim. Wenn man Immigration erleben will, dann geht man auf den Pforzheimer Wochenmarkt. Außerdem sind es einfach die Flüsse, die mir gut gefallen. Das bietet kaum eine andere Stadt. Wenn man allein vom Reuchlinhaus beim Stadtgarten rausläuft, das ist traumhaft. Vielen Dank für das Interview und dass du dir die Zeit genommen hast!

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Subkultura Pforzeim / Delirium Concerts Um Pforzheims Kultur zu bereichern reissen sich Alexandra und Nico quasi den Allerwertesten auf. Leider oft vergebens... Ein Artikel, der zeigt, warum es sich lohnt mal im Bottich vorbeizuschauen. An der Gestaltung hat es Alexandra leicht, wenn sie auf ihre Veranstaltungen im Bottich aufmerksam machen möchte. Dort gibt es einen Postkartenständer, mehrere Tische für Flyer und eine Pinnwand am Eingang, an der man Plakate aufhängen kann. Klar muss man da den Hausmeister fragen, aber der ist so flink, dass wenn sie das Gebäude verlässt, die Plakate bereits hängen. Inklusive Siegel. In die Tiefenbronner Str. 65 begibt sie sich nur noch mit Vorsicht, obwohl sie früher selbst hier International Business studiert hat. Schon einmal hat sie einen bösen Brief vom Studentenwerk Karlsruhe bekommen, samt einem ihrer Flyer und der Androhung einer Strafe. Ihr Vergehen: Sie wollte „ein kulturelles Angebot“ für die Studenten schaffen aka unautorisierte Werbung. Hätte sie den Studenten Finanzprodukte oder Zeitschriftenabos andrehen wollen, wäre das leichter gewesen. Hier hat die Hochschule nämlich „Werbesponsoren“. Ob Sponsor werden damals für ihr Café mit 50 Sitzplätzen Sinn gemacht hätte, ist fraglich. Locker lassen wollte sie aber doch nicht. Deswegen hat sie sich an den AStA gewandet. Die Antworten gingen von „unmöglich“ bis „einfach Flyer bei mir abgeben“. Dazwischen lag: „Du kannst ja bei unserem Gutscheinheft und an der Kneipentour mitmachen“. Nach ein paar Malen hat sie aber auch das bleiben lassen, denn die Kneipentour beschränkte sich lediglich auf bekannte Lokalitäten rund um den Schlossberg. Man möchte ja auch nicht so weit laufen. Irgendwann dachte Sie sich einfach: „Sollen sie doch ihr Süppchen kochen und jedes Wochenende heimfahren.“ Aber ist das Sinn der Sache? Fahren die Studenten in Stuttgart auch jedes Wochenende nach Hause zum Feiern? Wohl kaum. Jetzt kann jeder sagen: In Stuttgart ist auch was los am Wochenende, aber das ist eine faule Ausrede. Sich darüber zu beschweren, dass nichts los sei in Pforzheim, ist ihrer Ansicht nach eigentlich das Schlimmste an der ganzen Situation. Denn es stimmt einfach nicht. Dafür sorgen unter anderem Sie, Alexandra und ihr Partner Nico. Seit 2010 veranstalten sie regelmäßig Konzerte und Partys. Angefangen hat es 2009. Damals betrieb Alex noch ein Café im Kulturzentrum Kupferdächle. Nico kam zu ihr mit der Anfrage einer CD-Release Party seines Kumpels. Der Laden platze aus allen Nähten. „Das war der Anfang vom Ende“, scherzt Nico. Von da an hat sich die Idee, regelmäßig Live-Konzerte zu bieten, in ihren Köpfen festgesetzt. Als es ihnen im Kupferdächle zu eng und zu umständlich wurde, beschlossen sie sich selbständig zu machen. Die Suche nach einer geeigneten Location hat dann doch etwas länger gedauert. Da Alex

schon viel Kontakt mit dem Brauhaus Pforzheim hatte wurde ihnen schlussendlich der Bottich angeboten. Ein sauberer kleiner Keller direkt unter dem Neuen Rathaus in dem z.B. auch die Jazz Society Pforzheim (Verein zur Förderung und Pflege des Jazz) jeden Mittwoch Konzerte veranstaltet. Für ihre Veranstaltung mussten die beiden also erst einmal ein paar Bilder abhängen, die weißen Wände mit dunklen Vorhängen verschleiern und eine artgerechte Musikanlage anbringen. Ende September 2010 war dann das erste Konzert mit zwei Pforzheimer Bands: GoneZoo und Curly’n’Divine. Auch nationale und internationale, alternative Bands wie Egotronic aus Berlin und The Real McKenzies aus Canada haben das Rathaus bereits unterwandert.

Letztere haben, geographisch nicht komplett im Bilde, mit „Fucking Bavaria“ das falsche Bundesland verunglimpft als sie hier keine Drogen bekamen, erzählen die beiden. Von dem Vorsatz ausschließlich Konzerte zu veranstalten haben sie sich inzwischen verabschiedet. Zwei Konzerte hintereinander seien dann doch zu viel für Pforzheim, meint Alex. Nur die Härtesten können freitags Vollgas geben und samstags noch einmal auf der Matte stehen. Deswegen finden nun Konzerte und Partys gleichermaßen statt. So lassen sich die teuren Live-Auftritte auch querfinanzieren. Musikalisch ist für jeden etwas dabei, nur eben kein Mainstream: Indie, Rock, Ska, Punk, Reggae und Dancehall. Was den Inhalt der gespielten Musik betrifft sind beide achtsam. Gerade beim Reggae gäbe es in der Szene teilweise starke homophobe und sexistische Tendenzen. Da sie die Leute gut kennen die auflegen, können sie auch darauf achten, dass so etwas nicht läuft. Nico ist schon lange in der Pforzheimer Szene unterwegs und hat bereits vor der Bottich-Zeit einige Konzerte organisiert. Deshalb ist er gut vernetzt und


tenstadt. Dazu gehöre aber mehr, als das man nur seinen Erstwohnsitz hier anmeldet. Dazu müsse man einfach gerne hier sein, seine Freizeit hier nutzen und soziale Kontakte (nicht nur zu anderen Studenten) knüpfen. Genau da kann man ihr Recht geben. Wir leben an der der Hochschule äußerst Selbstreferenziell, fast schon abgeschottet. Die Plakate, die an der Hochschule hängen, sind für Veranstaltungen von der Hochschule oder den Initiativen. Die hängt man auch nur an der Hochschule auf und dementsprechend kommen auch fast nur Studenten, die dann wieder schön unter sich sind. Die Plakate der Pforzheimer hängen überall, nur nicht an der Hochschule und so bleiben die interessanten Locations unentdeckt und Studentenleer. Auch auf lange Sicht wird so keine Bindung zur Stadt entstehen und niemand das vorhandene (!), interessante Angebot wahrnehmen. Wenn ihr es also Leid seid immer irgendwo hinfahren zu müssen, wenn ihr Live Konzerte sehen wollt oder ihr selbst eine Band habt, die mal Pforzheim rocken will, schaut bei Subkultura oder Delirium Concerts rein. Die beiden würden sich freuen und das Bier dort ist auch nicht teuer. http://www.deliriumconcerts.de/ http://subkultura-pforzheim.de/

Do it yourself Seit seinem ersten Semester, vor gut einem Jahr, sorgt Ben Baumann für einen weiteren Leckerbissen im Terminkalender. Zusammen mit einem Kommilitonen organisiert der 22-jährige Marketingstudent die mittlerweile bereits zum Kult gewordenen Escalizer-Veranstaltungen im Salt&Pepper. Morgen (10. Juni) geht diese Party in die 6. Runde. Zu Gast sind „Dumme Jungs“, namhafte DJs im Electro- Bereich und ihres Zeichens die Produzenten der „Atzen“. Grund genug Ben einmal zu fragen, wie alles begann.

Ben, Du machst Dir hier Deine eigene Party. War es Dir in Pforzheim zu langweilig? Auch. Es gibt ja schon viele Veranstaltungen aber im Endeffekt sind es hier ja immer die gleichen Partys, in den gleichen Läden, mit den gleichen DJs und der gleichen schlechten Musik. Außerdem beschränken sich die

Initiativen-Partys dann doch meistens auf die Studenten und sind auch fast immer das gleiche. Es wäre schön, wenn da auch andere Leute kommen würden – auch unter der Woche sind einige Leute im Ozon oder sonst wo und schütten sich zu – aber die kriegen das gar nicht mit oder fühlen sich nicht angesprochen oder vielleicht sogar ausgeschlossen. Ich hab den Alex bei der Vorbereitung

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kennt viele der Bands. Er übernimmt mit Subkultura das Booking und mit Blackwood-Design auch immer wieder die Gestaltung der Flyer. Alexandra fungiert unter Delirium Concerts als Veranstalter und bucht dann über Nico. Mittlerweile haben sie sich schon ein Stammpublikum aufgebaut, dass sie persönlich kennen und das froh ist, dass hier Nischen bedient werden. Das geht von Teenies bis zu Graubärtigen, von Punks zu Ravern (oder im Falle von Egotronic eben Ravepunker). Trotz des bunten Publikums habe es auch noch nie das gegeben, was leider zu oft vorkommt und landläufig als „Stress“ bezeichnet wird. Im Gegenteil, wenn sich zwei aus Versehen anrempeln entschuldigen sich auch beide sofort. Nur Studenten begeben sich eher selten zu ihnen, obwohl sich Alex sicher ist, dass es unter 5000 Studenten „sicher wenigstens 100 gibt, die Live Musik mögen.“ Wenn man aber nichts davon mitbekommt oder gar nicht da ist am Wochenende wundert das niemanden. Wo wir wieder bei dem Problem vom Anfang wären. Alexandra beschreibt es als zwei Welten, die einfach nicht zusammenkommen. Die, die versuchen ein vielfältiges Angebot zu schaffen und auf der anderen Seite ein paar Tausend Studenten, die klagen, dass es keine Studentenstadt sei und froh sind, wenn sie wieder verschwinden können. Drum herum eine Stadt die denkt, sie wäre eine Studen-

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für die Newie-Party kennengelernt. Wir haben uns da gemeinsam um die Technik und die DJs gekümmert und haben schnell gemerkt, dass wir da der gleichen Ansicht sind: In Pforzheim gibt es nichts, was uns taugt. Wir saßen dann mal in Finanzmathe oder Analysis, irgend so einer Mathescheiße eben und hatten den Plan irgendwo komplett die Bude einzureißen. Mit richtig brutaler Electro-Mucke, die den Rahmen sprengt und wo’s um Komplettrandale und Eskalation geht. Damit war auch der Name geboren: „Escalizer“. Auch in Anlehnung an die Scandalizer Partys in Frankreich oder an Stuttgart Kaputtraven. Die haben wir auch mal angeschrieben ob sie nicht Bock hätten hier was zu machen. Da kam aber nie etwas zurück. Dann haben wir es halt selbst in die Hand genommen. Alex hat früher schon einmal was mit einem Kollegen im Salt &Pepper gemacht, deswegen hatten wir da schon einen Ansprechpartner. Wir haben von denen dann auch einen Termin bekommen. Dort kann man wirklich was veranstalten ohne großen Stress zu haben.

Funktioniert euer Plan? Bisher kann ich mich nicht beschweren. Es kommen immer zwischen 300 und 400 Leute. Viel mehr passen da unten auch nicht rein. Das ist natürlich nicht die Party für den Durchschnittspforzheimer, sondern schon etwas spezieller. Es kommen ja auch extra Leute von weiter weg, die das zu schätzen wissen. Wir bekommen auch immer viel gutes Feedback gerade auch über Facebook (facebook.com/escalizer), nach den Partys, zu den Bildern und auch wenn wir z.B. die nächste Veranstaltung ankündigen. Bei Nr.4 mit Dirty Disco Youth zum Beispiel à la „was, ddy in Pforzheim? Ich dreh ab!“. Da freut man sich natürlich. Ich mach das ja auch für mich. Ich hol’ mir die Mucke die mir gefällt, besauf’ mich maßlos mit meinen Kumpels. Ich hab eine Party, genau so, wie ich sie haben will. Hab’ alle Leute dabei, die ich dabeihaben will und muss dafür kein Geld bezahlen. Ich hab da wirklich immer eine Riesenfreude daran. Nur so richtig viele Studenten sind eigentlich nicht da (oder ich kenne sie eben nicht), was eigentlich echt schade ist. Wir veranstalten das immer am Wochenende und das ist das große Problem. Wenn alle heimfahren, dann geht am Wochenende natürlich auch nichts. Wenn eine kritische Masse mal da bleiben würde, könnte man auch mal richtig schön feiern. Dabei sind hier ja 5000 Studenten. Da sind ja sicher 10 % coole Leute dabei (vorsichtige Schätzung, Anm. d. Red). Wenn davon wenigstens die Hälfte mal da bleibt, könnte man auch mal was reißen. Was möchtest Du den Lesern noch mitgeben?

Thema Marketing: Wie macht Ihr denn auf Escalizer aufmerksam? Wir verteilen unsere Flyer, nerven Leute die wir kennen, nerven Leute die wir nicht kennen, nerven Leute die betrunken sind. Bei Dirty Disco Youth haben wir uns nach der Erstsemesterbegrüßung einfach vors Audimax dazugestellt und die Flyer verteilt. Die haben sie uns dann aus den Händen gerissen, weil sie gedacht haben es wäre etwas Wichtiges. Die Flyer sind ja auch immer nach dem gleichen Schema, so dass man sie leicht wiedererkennt. Da haben wir unser erlerntes Marketingwissen gleich angewandt. Außerdem haben wir noch unsere FacebookSeite auf der wir Videos, Bilder zeigen und die Veranstaltungen erstellen und Leute einladen. Inzwischen haben wir da 400 Fans und vielleicht ja nach dieser Ausgabe mehr.

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Ja, bleibt einfach mal hier am Wochenende und geht raus. Wir gehen meistens, wenn wir schon besoffen sind, noch ins Ozon oder so. Das ist dann einwandfrei. Mittlerweile hab ich einige Pforzheimer kennengelernt bzw. mich mit ihnen angefreundet, die ich vor dem Studium noch nicht gekannt hab und das sind wirklich abgefahrene Leute. Außerdem solltet ihr die Chance nutzen hier etwas auf die Beine zu stellen. Die Clubs sind einem dankbar, wenn man was organisiert und andere Zielgruppen anspricht und andere Leute anschleppt. Die haben da ja auch etwas davon. Vielen Dank für das Gespräch.


Von Portus erfuhren wir erst nach Redaktionsschluss. Markus, 3. Semester Maschinenbau, erzählte uns im Zuge der letzten Hagenschiessparty begeistert von dem Projekt, das erst kürzlich im großem Stil Erwähnung in der PZ fand und bei dem er selbst tatkräftig mitarbeitet. Obgleich Portus thematisch zum fahrradspezifischen Teil unseres Artikels ‚Back to nature‘ passen würde, geht es um weit mehr. Nämlich um echtes soziales Engagement, Begeisterung für eine gute Sache, Sport, ein Projekt, letztendlich um unsere Gesellschaft. Lassen wir den Projektinitiator Alex Clauss, wahrlich ein Mann vom Fach, seit 2 Jahren in der Stadt und seither Pforzheimer mit Leib und Seele selbst zu Wort kommen. Beim Treffen im Konsumat stellte sich bei uns ein seltsam angenehmes, für hiesige Verhältnisse fast untypisch anmutendes studentisches Flair ein, sonst nur erlebbar in altehrwürdigsten Studienmetropolen. Mehr davon! Was bedeutet PORTUS? PORTUS ist der alte römische Name von Pforzheim. Einer Stadt, die schon in frühen Zeiten eine wichtige Achse für Industrie und Handel war. Kurz vor Kriegsende wurde Pforzheim bei einem Luftangriff fast vollständig zerstört. Die arbeitsame Bevölkerung baute die Stadt relativ schnell wieder auf und wurde nach dem Krieg ein wichtiger Standort der Schmuckindustrie, die der Stadt auch den Beinamen „Goldstadt“ einbrachte. Warum PORTUS? Mittlerweile ist von der ehemaligen „Goldstadt“ durch den Kostendruck der Globalisierung nicht mehr viel übrig geblieben. In Baden-Württemberg hat Pforzheim mit über 10% die höchste Arbeitslosenquote. Nicht ohne Grund sind deshalb bestimmte

Stadtteile als soziale Brennpunkte anzusehen, in denen gerade die Kinder und Jugendlichen leider viel zu kurz kommen. Was ist PORTUS? Der Grundgedanke von PORTUS ist eine soziale Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt, in der Kinder und Jugendliche ihre Fahrräder unter Anleitung wieder instand setzen können. Dadurch wollen wir Begeisterung für Technik wecken, Talente freilegen und Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufbauen. Mit der Verwertung von gebrauchten Ersatzteilen oder gespendeten NeuKomponenten, die von umliegenden Fahrradläden oder der Industrie stammen, sollen und werden möglichst alle Reparaturen durchgeführt. Die Mitarbeiter des Projektes arbeiten hierbei ehrenamtlich. Am Samstag den 30.04.2011 wurde die Werkstatt erstmals ganztätig geöffnet und wird im ersten Jahr voraussichtlich alle vier Wochen öffnen. Außerdem soll ein kleiner Fuhrpark mit Mountainbikes aufgebaut werden, die leihweise für Touren in den Wäldern der Umgebung von Kindern und Jugendlichen genutzt werden können.

aller Art, die mich schließlich zum Maschinenbaustudium bewog. Dieses werde ich dieses Jahr erfolgreich abschließen, um mich dann endlich ganz der Technik und den Menschen widmen zu können. Genau diese Begeisterung für Radfahren und Technik will ich durch meine eigene, in den Kindern und Jugendlichen wecken und damit Alternativen zu Computerspielen, Jugendgangs und Gewalt aufzeigen. Träger des Projekts ist Steiger e.V., eine Vereinigung von freien evangelische Gemeinden auf der ganzen Welt, die es auf dem Herzen hat den Menschen am Rande unserer Gesellschaft zu helfen und ihnen eine Stimme zu verleihen. Unter anderem ist Steiger Pforzheim auch Träger von Alfi Mobil, einer christlich sozialen Kinder- und Jugendhilfe. Selbstverständlich bestehen auch Kontakte zu professionellen Sozialarbeitern, die uns bei pädagogischen und psychologischen Fragen zur Seite stehen.

Christian Schäfer, Alexander Clauss

Portus?

Das Projekt klingt interessant und Du hast Lust mitzumachen? Portus soll und wird vom Mitmachen leben! Deshalb darf sich jeder angesprochen fühlen mitzuhelfen, ganz egal in welcher Weise. Auch Fahrradspenden in Form von reparaturbedürftigen Teilen sind gern gesehen.

Wer steht hinter PORTUS? Der Initiator und Hauptverantwortliche des Projekts bin ich. Ich bin selbst begeisterter Radfahrer, Mechaniker, dualer Maschinenbaustudent und derzeit noch angestellt bei der Firma tune – U. Fahl e.K. Ich selbst komme aus einer sozial schwachen Familie und war dadurch relativ früh auf mich selbst gestellt. Mit 12 Jahren fing ich an Schrotträder zu reparieren, mit 15 Jahren began ich als Aushilfe in einem Radladen. In dieser Zeit entwickelte ich eine große Begeisterung für Technik

Ferner bieten euch Alex und sein Team einen Fahrradgebrauchtmarkt. Hier könnt ihr gegen eine sehr faire Spende günstigst ein Radl bekommen. Meldet euch einfach per e-Mail oder kommt vorbei und bringt euch ein. Ich freue mich schon jetzt auf Eure Unterstützung. Infos unter: www.portusPF.de portusPF@googlemail.com Die Aktion findet im Hof des Konsumat (Weiherstr. 19) statt.

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Katja Lembeck

StraSSenschau Die Straßen werden erobert. Von kreativen Menschen, die sich von der Masse abheben und mit viel Stil das Straßenbild verfeinern. Facehunter, the Satorialist und die Streetstylefinder von LesMads zeigen seit Jahren, dass der Einfluss der „Normalos“ von der Straße auf die internationale Modewelt immer größer wird. Schon heute bietet die gutgekleidete Bevölkerung von einigen Städten ein aufregenderes Bild als so manche Modenschau. Dort sehen wir alltagsuntaugliche, überteuerte Mode an wunderschönen magersüchtigen Anziehpüppchen. ... wie unrealistisch! Wir wollen Menschen, die sich selbst anziehen können; also warum nicht ein Spaziergang durch die Stadt anstelle eines Blicks in die Vogue?!

Auf den Straßen findet man nicht nur aktuelle sondern teilweise auch veraltete und mehrmals überholte Trends. Aber wer weiß, vielleicht ist das Abgelegte von gestern schon das Neue von morgen. Nicht nur in Städten wie Paris, London, Stockholm, Kopenhagen und Berlin findet man eben diese, die die Modewelt tagtäglich inspirieren. Auch in Pforzheim zieht der Ein oder Andere, mit mehr oder weniger Stilbewusstsein, aber mit hohem Maß an Individualität, Blicke auf sich. Wir haben uns nun einmal die Zeit genommen, um uns auf die Suche nach Modebewussten und Individualisten zu machen. Und das ist das Ergebnis.

Katharina (28) Modestudentin Einkaufsstätten: COS/ Secondhand An Katharinas Outfit begeisterte uns am meisten die überdimensionale Handtasche, aber auch die Kombination von Grau- und Beigetönen ist sehr gut gelungen.

Daniel (26), Modestudent Einkaufsstätten: Flohmärkte/ H&M

Max (22), Student (WIM) Einkaufsstätten: Internet/ Humör MD 56 62

Daniel trägt eine locker sitzende Leinenhose, die getragen mit den Römersandalen eine ideale Sommerkombination bietet.

Natalia (21), Controllingstudentin Einkaufsstätten: Zara / Geschwisterliebe / Breuninger


Alexej (23), Marketingstudent Einkaufsstätten: Ebay/ Second Hand

David (20), Praktikant im Bereich Onlinejournalismus Einkaufsstätten: Querbeet/ hauptsächlich kleine Shops in Berlin David, der ebenfalls mit Kamera unterwegs war, haben wir in der Fußgängerzone angetroffen. Leinenbeutel als Taschenersatz; kein seltenes Phänomen.

Ricarda (16), Gymnasiastin Einkaufsstätten: Flohmärkte/ H&M Bei H&M trafen wir Ricarda. Sie ist uns durch ihre wunderschöne braune „Riesensatchel“ aufgefallen. Die altmodische Taschen, bekannt aus der Schulzeit, erleben in diesem Jahr ihr Revival.

Ruby (18), Abiturientin Einkaufsstätten: H&M/ Saris aus Sri Lanka Die aus Sri Lanka stammende Schülerin Ruby konnten wir in der Nähe des Eispavillions abfangen. Der türkisfarbene Sari passt perfekt in diesen farbenfrohen Sommer. Ihr goldener Schmuck ist ideal auf die goldenen Stoffapplikationen abgestimmt.

Ebersteinstraße 20 - 75177 Pforzheim - Tel. 07231 426426

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Katharina (16), Gymnasiastin Einkaufsstätten: Zara/ Jung/ Mango Beim Schlendern über den Leopoldsplatz trafen wir Katharina. Getreu dem Motto „Color Blocking“ kombiniert sie grüne Shorts mit einem orange/ pink gebatiktem Schal mit Peaceprint. Das klassische Modell „Aviator“ von Rayban ist die ideale Sonnebrille für Jedermann und passt auch perfekt zu ihrem Outfit.

Eric (21), Selbstständig im Bereich Onlinemarketing Einkaufsstätten: Zara/ Castro/ Breuninger Ein simpler Trenchcoat, schwarze Jeans und Sneakers. Eigentlich ein ganz normaler Look; aber niemand überzeugt damit so wie unser äußerst extrovertiertes Modell Eric. Der Trenchcoat ersetzt in diesem Frühling die Lederjacke und ist ebenso, wie die Aviator und Converse unisex.

Ceren (18), Schülerin des BK Einkaufsstätten: H&M/ Vero Moda Bei der anfangs schüchternen Ceren waren zwar einige Überredungskünste notwendig, wir konnten sie aber trotzdem davon überzeugen, für uns Modell zu stehen. Sie kombiniert die klassische Röhre mit einer lockeren Tunikabluse. Die Sneakers nehmen dem Outfit das Verspielte und geben ihm eine freche Note. Chucks sind die idealen Schuhe, für Männlein und Weiblein, egal ob zu Hose, Kleid, Rock, Leggings oder Shorts.

EINE STADT KEIN STIL? Diese Frage können wir nun beantworten. Es hat zwar einige Zeit gedauert, um di sie waren da. Und mit Sicherheit

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Lucia (20), Auszubildende zur Goldschmiedin Einkaufsstätten: Second Hand/ Zara/ Madonna Am Waisenhausplatz ist uns die Exotin Lucia schon von Weitem aufgefallen. Die weitgeschnittene Hose, getragen mit weißem Printshirt, bildet an sich eine eher sportliche Kombination. Diese wird jedoch durch eine klassische Handtasche und Riemchensandaletten mit Absatz aufgepeppt.Die Tasche erinnert an die Speedybag von Louis Vuitton, und ist mit ihrer simplen Form der ideale Begleiter für den Alltag.

Tala (22), Modestudentin Einkaufsstätten: Second Marc Jacobs

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Die Modestudentin Tala war die letzte Modebewusste die wir aufgabeln konnten. Unserer Meinung nach war sie aber auch die mit dem individuellsten Outfit. Die rosa Brille passt perfekt zur pinken Clutch. Mit der gemusterten luftigen Haremshose greift sie einen der vielen Sommertrends dieses Jahres auf. Und auch das schwarze Oberteil mit Fransendetails gibt dem Ganzen etwas besonderes.

Jae- Bin (28), Schmuckdesignerin Einkaufsstätten: Internet/ Second Hand Korea Auf dem Weg zur Gestaltung trafen wir Jae- Bin. Die Koreanerin trägt einen schwarzen Rock, kombiniert mit einem „CroppedShirt“ mit Knotendetail am Rücken. Alles in Allem ein sportliches, aber dennoch verspieltes Outfit.

ese Menschen aus der Masse herauszufiltern, aber findet man hier und da noch mehr von ihnen.

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Alexander Schulze, Kathrin Funk, Julia Beuschlein

Pforzheims goldene Fleckchen Pforzheim: Liebe auf den ersten Blick ist es wohl nur bei den wenigsten, doch ein zweiter Blick und ein wenig Mühe, die inneren Werte der Stadt kennenlernen zu wollen, könnte sich auszahlen, denn die Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Um unsere Stadt lieben zu lernen gehört schon etwas mehr dazu, als die Hochschule und das „Plus+“. Versteckte Goldschätze liegen vergraben. Dieses Wissen kann hilfreich sein, wenn es darum geht, euch in der Goldstadt wohl zu fühlen oder wenn ihr jemanden von ihr begeistern wollt. Denn schließlich verbringen wir hier die Jahre unseres Lebens, die uns mit am meisten prägen.

Und falls es euch so ergehen sollte wie Kate und William, die während des Studiums den Partner fürs Leben getroffen haben und euch dann für kommende Stunden zu zweit noch die richtigen Ideen fehlen, findet ihr hier nun von uns für euch besondere Orte in Pforzheim, die in jedem Fall einen Besuch verdient haben.

Erstes Date in der Nähe von Wolke 7 (Wallberg) Um als Mann nicht von Anfang an im typischen Dating-Muster zu landen, bedarf es einem außergewöhnlichen Ort für das erste Date. In Pforzheim bietet sich dafür kein besserer Ort als der Wallberg. Dieser ist eine natürliche Erhebung mit 417,5m Höhe, die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit 1.650.000m³ Schutt der Stadt „aufgestockt“ wurde. Der Berg wird daher auch Monte Scherbelino genannt. Mit der Buslinie 6 von der Leopoldstraße aus, landet man nach 15min an der Haltestelle „Krankenhaus Siloah“. Von dort aus gehst du mit deiner potentiellen Perle den Fußweg in Richtung Krankenhaus und folgst der Beschilderung gegenüber dem Haupteingang. Als Alternative für die Gentlemen unter euch gibt es auch Parkmöglichkeiten für eure Kutsche am Fuß des Wallbergs. Zu beachten ist jedoch, dass der Platz für Stretchlimos und andere pompöse Fahrzeuge nicht ganz ausreichend ist. Für den Aufstieg sollte bei dir eine gewisse Grundfitness vorhanden sein, damit erste Annäherungsversuche nicht von Körpergerüchen ausgeschlossen werden. Oben angekommen fällt einem das Mahnmal aus Stelen in den Blick, welche bedeutende Bauwerke Pforzheims vor und nach dem Bombenangriff am 23.02.1945 zeigen. Solltest du dein Date am Abend gen Himmel entführen, erstrahlt bei Dunkelheit ganz Pforzheim sowie die umliegenden Orte im Lichtermeer, was in puncto Romantik keine Wünsche mehr offen lässt. Mit Sekt und Erdbeeren ausgestattet, welche du dann, während ihr euch bei der traumhaften Aussicht tief in die Augen schaut, lässig zückst, lässt sich jedes Frauenherz erweichen und mit ein wenig Glück und ein paar netten Komplimenten liegt einem an diesem Abend nicht nur die Stadt zu Füßen.

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„Näheres“ Kennenlernen für Abenteuerlustige (Hinterhöfe in Pforzheims Innenstadt) Wenn du die erste Hürde erfolgreich genommen hast und ihr euch nach pausen-, hemmungsloser und körperlicher Liebe sehnt, liegt es an dir, den richtigen Augenblick zu erwischen. Für die kleine extra Portion Erotik auf dem Heimweg lässt sich sicherlich ein passendes Örtchen für ein außerplanmäßiges Schäferstündchen finden. Dafür wollen wir jedoch keine Vorschläge bringen, denn diese Gelegenheit sollte spontan kommen und nicht konkret geplant werden. Vorsicht: Wer erwischt wird, muss im Normalfall 100 bis 200 Euro Strafe bezahlen. Der Hinterhof sollte also mit Bedacht gewählt werden. Dennoch gibt es beim Geschlechtsverkehr in der Öffentlichkeit keinen Grund zur Verhaftung, es sei denn, man wird zum wiederholten Mal erwischt.

Raus aus der Routine - Action in der Beziehung (Inlinertour in Richtung Dilweißenstein) Was tun, wenn in eure Beziehung so langsam die Routine Einzug hält? Wenn man lange mit seinem Partner zusammen ist, laufen die Tage meistens nach dem gleichen Schema ab. Eine Möglichkeit, dem entgegen zu wirken und um Action in eure nun schon eingefahrene Beziehung zu bringen, ist es sich gemeinsam sportlich zu betätigen. Dafür bietet sich eine Inlinertour in Richtung Dillweißenstein an. Bester Ausgangspunkt hierfür ist das Schmuckmuseum. Im angrenzenden Park führt euch der ausgeschilderte Radweg entlang der Enz wo Bänke und das Flussufer euch zu Pausen einladen. Die Strecke entlang des Ufers ist ein beliebtes Naherholungsgebiet vieler Pforzheimer. Ob zum Joggen oder um mit dem Hund spazieren zu gehen, hier trifft man sich und verfolgt dasselbe Ziel: den Alltag hinter sich lassen und in Schwung kommen. Das trifft auch für deine Beziehung zu. Ein gemeinsames Erlebnis verbindet nämlich und eine kleine Tour gemeinsam macht Spaß. Und wer ein bisschen Raum für Zweisamkeit sucht, der setzt sich mit kühlen Getränken und Snacks mit der Liebsten an den Wegesrand und lauscht dem Vogelgezwitscher.

Reflektion und Zeit für dich (Parkbänke am Theater) Bei all den Hinterhofaktivitäten und anderen sportlichen Ertüchtigungen bleibt die Reflektion oft auf der Strecke und irgendwann droht die Beziehung an der angestauten Orientierungslosigkeit zu ersticken. Höchste Zeit für frische Luft, für Gedankenflüge, höchste Zeit für den Theaterplatz. Der Theaterplatz bildet ein jugendliches Aggregat sämtlicher kulturellen Facetten, das so in Pforzheim vielleicht einmalig ist. Die Sitzbänke bieten Tag und Nacht Zeit, sowie Ohr für stundenlange innere Monologe und entspannte Selbstfindung. Neben dieser fast schon esoterischen Möglichkeit findet sich hier auch Platz für die ausgleichende Lektüre eines guten Buches, egal ob „Der große Gatsby“ oder ein aktueller Groschenroman, die Kulisse stimmt immer. Dabei ist man stets in guter Gesellschaft. So sind bei gutem Wetter sämtliche Sitzmöglichkeiten besetzt von Lesefreunden, eisessenden Paaren oder einfach nur Gruppen von Freunden, die das schöne Wetter genießen. Und wenn ihr lieb seid, könnt ihr vielleicht sogar ein paar Theaterschauspieler, die ihre Texte proben, sehen. (Das war übrigens eine Anspielung auf die Schlümpfe) Neben den nahegelegenen Eisdielen gibt es direkt vor Ort auch das Thea-

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tercafé, welches bei Bedarf die nötigen Getränke bereithält, um entspannt dem vielfarbigen Treiben auf dem Platz zu folgen. Unbedingte Erwähnung gebührt auch noch dem Entertainment Highlight schlechthin: Der Platz ist ein beliebter Treffpunkt für eine Gruppe Jugendliche, die neben einem „Ghettoblaster“ mit der klischeebesetztesten Technomusik, vor allem mit einer Portion nicht zu bremsenden Tanzlust auffahren. Aufgeführt wird dabei Synchron(!!!)-Jumpstyle und mal ganz im Ernst, dieses von kleinen Feentänzern vorgetragene Rumgehopse zaubert in Sekundenschnelle ein Lächeln auf jedes noch so grimmige Gesicht und lässt jede noch so graue Wolke am Gesinnungshorizont in Millisekunden schnelle implodieren. Warum tu ich mir das noch an? (Pforzheims Hauptfriedhof) „Immer nörgelt sie an mir rum“, „Ständig ist sie bockig, wenn ich mit Kumpels Fußball spielen gehe“, „Meine Alte nervt“. So oder so ähnlich haben es viele von euch sicher schon selbst erlebt, doch nach einer langen Beziehung, in der es große Gefühle gab, macht man nicht so einfach Schluss und schmeißt alles hin. Meistens besteht die Phase des Schluss-Machens aus einem Prozess, in dem man lange hin und her überlegt. Pforzheims Hauptfriedhof, der von der Leopoldstraße aus in etwa 10 Minuten mit der Buslinie 6 zu erreichen ist, bietet einen tollen Ort, um sich über Beziehungskrisen aller Art Gedanken zu machen. Der Pforzheimer Hauptfriedhof ist einer der schönsten und besterhaltenen Jugendstilfriedhöfe Deutschlands, welchen es seit 1877 gibt. Im nördlichen Friedhofsteil wurde 1949 die Gedenkstätte für die Bombenopfer des 23.02.1945 mit einem schlichten Großkreuz über dem Massengräberfeld angelegt. Direkt durch den Eingang kommt man auf die Hauptallee des weitläufigen Friedhofgeländes. Betritt man den Friedhof spürt man sofort die geschichtsträchtige Stimmung, die dort herrscht. Viele Parkbänke am Haupteingang laden zum Verweilen ein. Der Hauptfriedhof ist ein toller Platz um Abstand von den Sorgen des Alltags, dem Stress an der Hochschule oder deiner „Alten“ zu gewinnen. Er bietet die nötige Ruhe, um sich über den Verlauf der Beziehung Gedanken zu machen und abzuwägen, ob noch eine Chance für dich und deine Liebste besteht, denn die vielen Familien- und Paargräber lassen einen unwichtige Kleinigkeiten vergessen, die einen in der Beziehung stören. Stattdessen besinnt man sich zurück auf die gemeinsame schöne Zeit oder man stellt fest, dass man schon zu viel Kraft und Nerven in die einstig große Liebe investiert hat. So oder so, der Hauptfriedhof ist ein Besuch wert, egal, wie eure eigene Geschichte weitergeht. MD 56 68


Auf zum Farbenspiel.

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Alena Kirchenbauer

Linie 5: Hochschule-Hauptbahnhof Ein kleiner Tipp vorab: Dieser Artikel eignet sich perfekt als kurze Lektüre auf der Fahrt Richtung Innenstadt mit der Linie 5. Wer zu den Glücklichen gehört und einen Sitzplatz im Bus ergattern konnte, kann auf eine interaktive Zeitreise gespannt sein, auf der es das ein oder andere zu entdecken gibt.

In Pforzheim treffen Nagold, Enz und Würm aufeinander, deshalb nannten die Römer diesen Ort Portus, dem lateinischen Wort für Hafen. Portus war eine römische Siedlung mit Werkstätten, Kaufhäusern und Lagerhäusern. Das Glück der Hafensiedlung war jedoch nur von kurzer Dauer. Die Römer mussten vor den Alemannen flüchten und Portus wurde zerstört. Etwas später jedoch wurden die Franken auf das schöne Fleckchen Erde aufmerksam und ließen sich nieder, wo einst die römische Siedlung war. Aus Portus wurde Pforzheim. Die Sankt-Georgen-Steige hinab: Im Mittelalter angekommen, hielt 1501 die Pest in Pforzheim Einzug. Zudem machten andere gefürchtete Krankheiten, wie zum Beispiel Lepra, auch Aussatz genannt, den Menschen zu schaffen. Das Sankt-Georgen-Stift lag etwas außerhalb der Stadt auf dem Berg. Aus Angst vor Ansteckung mussten alle Aussätzigen ins sogenannte Leprosenhaus, welches sie nicht verlassen durften. Letzter Hoffnungsschimmer blieb der Sankt-Georgen-Brunnen. Durch das Trinken aus dem Brunnen versprachen sich die Kranken Heilung.

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Nächster Halt Flößerviertel: Das Flößerviertel erinnert an die einstigen Flussschiffer des Schwarzwaldes. Holz wurde damals in allen Städten entlang des Rheins benötigt um Häuser, Brücken und Schiffe zu bauen. Speziell Holland war auf Holz angewiesen, da dort der Dreh-und Angelpunkt des europäischen Handels- und Schiffsverkehr entstand. In der Au, einem eigenen Pforzheimer Stadtteil, lebten die Flößer. Laut Zunftordnung der Pforzheimer Flößer aus dem Jahre 1501 begann die Floßzeit nach Ostern und dauerte bis zum 16. Oktober. Am Fluss wurden die Baumstämme mit jungen Ästen zu einem kleinen Floßteil, einem sogenannten Gestör, zusammengebunden. Viele verbundene Gestöre ergaben ein Floß und viele Flöße wiederum wurden am Holzgarten zu einem großen Floß zusammengebunden. Die mehrwöchige Reise Richtung Holland konnte beginnen. Die Flöße waren damals bis zu 350 Meter lang und 60 Meter breit, da während der Fahrt auf dem Rhein und dem Neckar immer wieder weitere Flöße angebunden wurden. Die Heimreise nach Pforzheim traten die Flößer dann zu Fuß an. Tipp: Im Stadtmuseum befindet sich vom 15. Mai 2011 -17. Juli 2011 die Ausstellung „Auf den Spuren der Flößer“


Nächster Halt Waisenhausplatz: Im Jahre 1718 wurde das Waisenhaus im ehemaligen Dominikanerinnenkloster gegründet. Die Häuser vieler Menschen waren nach dem Krieg zerstört. Mit dem Waisenhaus wollte Markgraf Karl Friedrich von Baden diesen Menschen eine Unterkunft bieten. Neben Waisenkindern wurden im angegliederten Siechenhaus alte und kranke Menschen gepflegt und versorgt. Einige Jahre später kamen Jean François Autran, Amédé Christin und Jean Viala, drei Unternehmer aus Frankreich und der französischen Schweiz, nach Pforzheim. Sie planten die Gründung einer „Fabrique“ zur Taschenuhrherstellung in Pforzheim. Im Waisenhaus wurde sie auf Wunsch des Markgrafen eingerichtet. Im Gegenzug versprachen die Unternehmer jährlich einen Ausbildungsplatz für mindestens zwanzig Jungen und vier Mädchen des Waisenhauses in der Goldschmiedekunst und Uhrmacherei. Der Startschuss der Pforzheimer Schmuckindustrie war gefallen. Das Bertha-Benz-Denkmal vom Pforzheimer Künstler René Dantes am Waisenhausplatz erinnert an die weltweit erste Autofahrt. Im August 1888 beschloss die gebürtige Pforzheimerin Bertha Benz mit dem Automobil ihres Mannes Carl Benz von Mannheim nach Pforzheim zu fahren. Dort wollte sie mit ihren beiden Söhnen Eugen und Richard der Verwandtschaft einen Besuch abstatten. Die Fahrt war sehr beschwerlich und die erste Tankstelle der Welt war damals eine Apotheke in Wiesloch. Darüber hinaus wurde sie von vielen belächelt mit der Kutsche ohne Pferde und viele hatten regelrecht Angst, als ein „Wagen ohne Gäul“ angefahren kam. Doch sie selbst war überzeugt von der genialen Idee des Automobils und sie behielt Recht.

Nächster Halt: Hauptbahnhof Wenn man den Schlossberg etwas hinunter läuft, stößt man auf das Denkmal von Johannes Reuchlin, dem berühmtesten Sohn der Stadt Pforzheim. Er wurde 1455 geboren und gehörte mit Erasmus von Rotterdam zu den wichtigsten europäischen Humanisten. Das „dreisprachige Wunder aus Deutschland“ sprach fließend Deutsch, Französisch und Italienisch und beherrschte außerdem auch die drei Sprachen der Bibel: Griechisch, Hebräisch und Latein. Mit seiner hebräischen Sprachlehre legte er einen wichtigen Grundstein für die Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Reuchlin setzte sich besonders für die europäischen Juden ein und sprach sich unter anderem im „Augenspiegel“ für die jüdische Literatur aus. Die Stadt Pforzheim verleiht seit 1955 alle zwei Jahre den Reuchlinpreis für herausragende geisteswissenschaftliche Leistungen um an das Wirken von Johannes Reuchlin zu erinnern.

Und hiermit endet die etwas andere Busfahrt mit der Linie 5 auch schon. Wer möchte, kann jetzt noch selbst auf Erkundungstour gehen und einen kurzen Abstecher in das neue Museum Johannes Reuchlin an der Schlosskirche machen.

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Christian Schäfer, Hendrik Ilchmann MD 56 72

Back to Nature Was sicherlich nur wenige von euch wissen ist, dass es in Pforzheim nicht wenige „Outdoorsportler“ von Rang gibt. Es sei allerdings erwähnt, dass sich die wenigsten Sportler, die ihrer Passion unter Gottes freiem Himmel nachgehen, als Outdoorsportler bezeichnen würden. Woran das letztendlich liegt sei dahingestellt, sicherlich ist eine gewisse Kommerzbehaftung der Begrifflichkeit kausal. Wir bitten um Entschuldigung, falls sich ernsthafte Anhänger von freigeistiger Ertüchtigung in der Natur falsch bezeichnet fühlen, sollten wir der Einfachheit halber in unserem bescheidenen Beitrag Gebrauch von diesem Unwort machen. Wir, dass sind Christian Schäfer, 3. Semester BMA und Hendrik Ilchmann, 3. Semester BIB, als Seilschaft unterwegs in der Vertikalen. Zurück zur Goldstadt. Roland Golderer macht Schlagzeilen als Mountainbiker, Stephan Hohl ist erfolgreicher Langstreckenläufer, die Snowboarderin Nicola Thost gewann die olympische Goldmedaille in der Halfpipe ‚98 in Nagano und einer der derzeit besten Allround-Alpinisten nennt die Pforte zum Schwarzwald sein Zuhause. Wir nennen hier nur Wenige von vielen Begeisterten im weitesten Sinne Outdoorsportlern aus der Schmuckstadt. Ob die Naturflucht wohl mit dem angeblich so desaströsen Stadtbild zusammenhängt? Es läge näher, eine Korrelation mit den sich asymptotisch plus unendlich annähernden Möglichkeiten zu unterstellen, die uns umgebende Natur als Sportgerät zu nutzen. Denn schon vor dem großen Kriege, als Pforzheim noch die Perle am Rande des Nordschwarzwaldes war und Feinde zweckgemäßer Nachkriegsarchitektur noch keine Störelemente vorfanden, zogen die damals zu den Besten ihrer Zunft gehörenden Pforzheimer Alpinisten Stösser, Seybold, Kast und Komparsen von den Felsen des Nordschwarzwaldes hinaus in die großen Wände Europas.

Begeben wir uns zunächst berädert in die Fauna. Wer es schafft, sein Radl bis zur Hochschule hoch zu hieven, kann entspannt am Wildpark vorbei in den Hagenschießwald fahren. Das geht stressfrei, schnell und entspannt. Weniger schnell als der Weg dorthin, könnte sich euer Aufenthalt dort gestalten. Im legendären Biergarten des Seehauses oder einige hundert Meter weiter östlich in der Lettenbrunnen-Hütte besteht akute Versumpfungsgefahr. Für den sportlicher gesinnten Radler empfiehlt es sich, vom Seehaus aus in westlicher Richtung, ins Nagoldund Würmtal zu stürzen. Der Nordschwarzwald, der eigentlich direkt hinter der Hochschule beginnt, wartet mit den besten Möglichkeiten für Mountainbiker auf. Andreas, 2. Se-

mester BIB, ist jedenfalls begeistert von der Vielzahl an Trails. Bad Wildbad, das Kurstädtchen unweit von Pforzheim, nennt eine professionelle Downhill-Strecke, auf der regelmäßig internationale Wettbewerbe stattfinden, sowie eine von mehreren Skipisten und Langlaufloipen der Umgebung sein Eigen. Für all jene, die sich per Fahrrad in die schiefe Ebene schmeißen wollen: bikepark-bad-wildbad.de. Die gesamte Ausrüstung kann vor Ort geliehen werden. Sebastian Schröck, seines Zeichens kletternder MountainbikeCrack und ortsansässiger MasterStudent empfiehlt als Informationsquelle für Touren schwarzwald-bike. de und alpenverein-pforzheim.de. Der vom DAV geprüfte Fachübungsleiter für Mountainbiken ist ebenfalls Leader des Teams im hiesigen Alpenverein, in dem bei Interesse gerne mit geradelt werden darf. Der Local schätzt die Angebote und Bedingungen für Renn- und Geländeradler gleichermaßen als sehr gut ein. Erwähnenswert wären noch der Trail-Parcours (eulenloch.de) in Kapfenhardt (auch hier im Winter mit Skipiste), der Calmbach-Marathon sowie das in Pforzheim startende Trans-Schwarzwald-Rennen.

Für einen komplett entspannten Sonntagstrip auf dem Drahtesel mit Picknickkorb im Schlepptau, sei euch, als eine der vielen Alternativen, das Enztal besonders ans Herz gelegt. Egal ob rauf ins Badische oder runter Richtung Schwaben. Jeder, der noch nie eine echte Schwarzwald-Forelle gegessen hat, sollte sich umgehend aufs Bike befördern und ins Eyachtal cruisen. Ihr fahrt auf Radwegen übers Brötzinger Tal nach Neuenbürg nach Ortsausgang rechterhand ins besagte Tal.


Wer nicht fahrradaffin ist, aber auf Enz und Picknick nicht verzichten möchte, kann ebenso mit dem Kanu los paddeln. Kanus ausleihen kann man in Wiernsheim (Kanushop Hexenwinkel) oder Mühlacker (Mietservice Waldhaus). Sportliche Erfahrung ist dabei nicht von Nöten, ihr solltet lediglich des Schwimmens mächtig sein. Als entspannte Einstiegstour empfiehlt euch die Chefin vom Kanushop Hexenwinkel, der auch geführte Touren anbietet, die beschaulichen 8,5 km von Mühlacker nach Mühlhausen. Ihr Team liefert euch für 17 Euro p.P. einen 4er Kanadier an den gewünschten Startpunkt, holt das schwimmende Gefährt ab und nimmt euch sogar mit zurück. Für Controller: Bei Selbstabholung spart ihr fast die Hälfte ;-) Allen, die eher die Arm-, denn die Beinmuskulatur trainieren wollen, sei diese meditative Aktivität nahe der Wasseroberfläche empfohlen. Für den Durchschnittsbürger nicht einmal halb so meditativ wäre ein Besuch des Hochseilgartens im Wildpark (cs-naturkonzepte.de). Schwingt euch dabei auf sechs Parcours unterschiedlicher Schwierigkeit durch die Baumwipfel. Während wir hier in der vorsommerlichen Wärme auf dem Campus sitzen und dieses Schriftstück auf-

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setzen, sitzt uns Julia Kroschewski gegenüber. Die Personalerin war am letzten Wochenende Slacklinen – sehr löblich. Dieser Sport wurde von Kletterern im Yosemite-Valley erdacht, um sich an verregneten Tagen in Balance zu üben. Julia ist vom Tanz auf der Slacklinen begeistert, es mache extrem viel Spaß; und empfiehlt es mit einem kollektiven Grillerlebnis und musikalischer Beschallung zu verbinden. Ihr braucht also nur zwei Bäume und eine Slackline inklusive Baumschutz (available at Fels und Eis Pforzheim). Für die Harten tut es auch ein LKWSpanngurt. Zusätzlich wären noch Kommilitonen, Musik und wahlweise ein Grill vorteilhaft. Übrigens bietet die Wiese vor dem Auditorium Maximum ideale Voraussetzungen. Wer sich gerne per pedes von der wunderbaren Landschaft verzaubern lassen will, kann dies natürlich auch tun. Gleich hinter dem Pforzheimer Traditionsrestaurant Kupferhammer beginnt der berühmte Westweg, der sich in Etappen durch den ganzen Schwarzwald bis in die Schweiz nach Basel zieht. Für Viele ist dieser klassische Wanderweg auch mit dem Fahrrad attraktiv; mittlerweile gibt es allerdings eine eigene Radroute. Gewandert werden muss nicht wie zu Opas Zeiten in Lederhose und Karohemd. Wir empfehlen auch hier die Variante mit Kommilitonen sowie in ErsterMai-Manier mit Bollerwagen und Bierkasten, bitten jedoch auf Mutter Natur Rücksicht zu nehmen.

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Steuert beispielsweise die genialen Grillplätze Füllenstallwiese im Hagenschieß oder die von Bewohnern des Haidachs weniger stark frequentierte Dietzelswiese in Dillweißenstein an. Solltet ihr euch für letztere idyllische Waldlichtung entscheiden, raten wir euch in Ermangelung von Badeseen zu einem erfrischenden Gang in die Nagold. Geeignete Badeseen findet ihr zu Hauf im Raum Karlsruhe. In der Region gibt es viele

lohnende Ziele – von der entspannten Wanderung mit Freunden über modernstes Speed-Hiking bis hin zum anspruchsvollen Trail-run – für jeden Gusto ist etwas dabei.

München mag seine Hausberge haben. Aber in der Umgebung kaum einer anderen deutschen Stadt gibt es ein so hohes Felspotenzial wie in Pforzheim. Und damit meinen wir nicht (nur) die Kletterhalle mit schöner Außenanlage auf der Wilferdinger Höhe, geöffnet für die Öffentlichkeit von September bis April an fast allen Wochenenden. Hier hat auch die Hochschulklettergruppe ihren Treffpunkt. Vielmehr denken wir an die Sandsteinwände in Dillweißenstein, die Mauer der Burgruine Kräheneck im selbigen Stadtteil, die Felsen im nahen Calw und Kentheim, die Falkenfelsen in Bad Herrenalb und den legendär-einzigartigen Battert – Seit jeher im Fokus der Pforzheimer Felsenkrieger. Am gegenüberliegenden Schwarzwaldberg Merkur bietet sich im Übrigen für Gleitschrim- und Drachenflieger eine von diversen Möglichkeiten abzuheben. Für Fans von Wein, Toskana und entspanntem Lifestyle lohnt sich auch ein Ausflug in die Sandsteinfelsen des Freikletter-Eldorados Pfalz. Für eine spontane Session nach der letzten Vorlesung ist die Pfalz allerdings zu weit entfernt. Dillweißenstein liegt entschieden näher und beschert dem bewegungshungrigen Studenten gleich drei Klettergebiete. Recht populär sind die Hängenden Gärten, von Locals ausschließlich als s‘Täle bezeichnet. Dort habt ihr es nur mit neun Meter Wandhöhe zu tun, was nicht weiter schlimm ist, weil die vor

Leisten, Löchern und Rissen strotzenden Felsen vor allem als Bouldergebiet gelten. Alle die nicht wissen was „Bouldern“ ist, sofort googlen und Unwissenheit beseitigen.

Wer hoch hinaus will darf jedoch sein Seil nicht vergessen. Bohrhaken und Umlenker wurden 2008 erneuert. Die 36 offiziell definierten Routen und Boulder sprechen alle Muskelgruppen an und ersparen jedes Fitnessstudio. Exakt zwei Kilometer nach Ortsausgang von Dillweißenstein in Richtung Unterreichenbach findet sich das zweite „Dillstener“ Gebiet, genannt Amphitheater. Wer auf mehr Aussicht steht, sollte sich zur Burg Kräheneck begeben. Leicht lässt sich mit Schlingen und Schraubkarabiner ein Umlenker am Geländer auf der Schlossmauer bauen und diese top-rope in X Varianten raufkraxeln – der Tipp für Einsteiger!


Den Kletterern und denen die es gerne werden wollen, raten wir zum Kauf eines ausführlichen Gebietsführers, um sich einen Überblick und Informationen über die Vielzahl von Spots zu verschaffen. In den Schwarzwaldführern geht es aber vor allem um die Pophyrfelstürme in Bad Herrenalb und natürlich um die Battertfelsen über Baden-Baden.

Konstruktive Kritik am Stadtbild sei gestattet, aber über mangelhafte Schönheit der Landschaft und Möglichkeiten, in dieser Sport zu treiben (asymptotisch gegen plus unendlich) sollte sich niemand ernsthaft beschweren, es sei denn, Blamage ist seine Intention. Von Mo Anthoine stammt das rustikale Zitat „Den Löffel abzugeben, ohne je herausgefunden zu haben wer du wirklich bist und wozu du imstande bist – etwas Traurigeres kann ich mir nicht vorstellen“. Allen die dennoch glauben, ausschließlich im Fitnessstudio glücklich zu werden - viel Spaß! An alle anderen: Ab nach draußen! Back to nature.

lungen benötigt, kommt auf uns zu, fragt bei Sport Elsässer oder wendet euch vertrauensvoll an die Spezialisten von Fels und Eis in der Nordstadt.

PS: Falls Ihr Informationen, Anregungen, Antworten oder Hilfestel„Wenn du am Battert gut klettern kannst, dann kannst du auch hohe Berge besteigen“, wurde dem jungen Reinhard Karl geraten. Er sollte der beste deutsche Bergsteiger seiner Zeit werden und unter anderem als erster Deutscher den Gipfel des Mount Everest erreichen. Die Türme und Massive des Battert, auf Wanderwegen mindestens genauso beliebt, sind Spielfeld für echte Kletterer. Wer mit Friends, Keilen und Schlingen nicht um sich werfen kann wie mit einfachen Buchungssätzen, sollte sich einen Vorsteiger suchen, denn am Battert herrscht akute Hakenarmut. Maja, 20, 3. Semester, jedenfalls meint, dass man einen Klettertag dort unmöglich beschreiben könne; man müsse es erlebt haben. Da euch nun allen hinlänglich bekannt sein dürfte, dass Pforzheim die Welthauptstadt des Outdoorsports ist, sollte es euch auch nicht wundern, dass die beiden international renommierten Filmfestivals jährlich Station in der Goldstadt machen. Das Banff-Filmfestival findet frühjährlich, die European Outdoor Film Tour im Herbst, beide im Kulturhaus Osterfeld, statt.

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Samira Mikhail MD 56 76

Perle der Goldstadt

Pforzheim. Die Goldstadt. Das Tor zum Schwarzwald. Alles schon gehört und doch nichts verstanden. Im alltäglichen Leben gibt sich die Gute eben spröde, dreckig und farblos. Dennoch soll es wohl einigen Menschen unter uns gelungen sein, ein schönes Plätzchen in dieser unwirtlichen Kleinstadt im Süd-Westen Deutschlands gefunden zu haben. So auch mir. Der Bus Nummer drei ruckelt in staccato-Fahrweise und mit allerhand fraglichen Gestalten in seinem Inneren durch Pforzheims ungleiche Straßen. Richtung Süden verlasse ich allmählich das Zentrum und mir erschließt sich langsam aber sicher ein bisher unbekanntes Bild: graue, triste 50er-Jahre-Bauten weichen wunderschönen Altbau-Mehrfamilienhäuser mit Türmen, Erkern und Sandsteinfassade. So musste also auch ein großer Teil der Goldstadt ausgesehen haben, bevor 397 Bomber der Royal Air Force am 23. Februar 1945 unglaubliche 98% des Stadtgebietes zerstörten. Im Lauf der Jahrhunderte wurde Pforzheim aber nicht nur dieses eine Mal komplett zerstört und wieder aufgebaut. Vermutlich nur ein Grund, warum – zumindest ein Großteil der Goldstadt – heute so aussieht wie sie eben aussieht. Zwischen zwei gepflegten Grünstreifen, gesäumt von blühenden Zierkirschen und entlang der malerischen Nagold gehen gemächlich zwei Damen, jeweils bei der Anderen eingehackt, spazieren. Gleich danach kommt mir ein freundlich grüßender Mann entgegen, an der Hand ein wild umher hüpfendes Mädchen mit langen braunen Haaren, rosa Outfit von Kopf bis Fuß und einem so

fröhlichen Lächeln, wie ich es schon lange nicht mehr in irgendeinem Goldstädter-Kindergesicht gesehen habe. Mein Lächeln erwidern beide. Bin ich hier in Pforzheim? Ich krieg ein wenig Pipi in die Augen. Auf der Brücke werfe ich einen Blick zurück nach Pforzheim und einen Blick vorwärts auf ein Meer aus Laubund Nadelbäumen, links und rechts eingerahmt von den ebenso grünen Hängen des Tales. Ob hier wohl irgendwo das Tor zum Schwarzwald ist? Und tatsächlich finde ich nur einige Meter weiter auf der südlichen Talseite einen Torbogen. Die Goldene Pforte Pforzheim. Na wenigstens irgendein Hinweis auf Pforzheims so schleierhafte Identität. Der knapp 4 km lange asphaltierte Fahrradweg gen Dillweißenstein führt durch einen dichten Tunnel aus Grün und Vogelgezwitscher. Vorbei ziehen Jogger, Hundefreunde, Spaziergänger, Fahrradfahrer und Reiher im Fluss. Hin und wieder verweilen Familien oder -etwas skurril- die vertrauten Pforzheimer Kids auf Holzbänken inmitten herrlich grüner Wiesen. Auf der nördlichen Talseite und etwas über der Nagold, blitzen immer wieder fast schon luxuriös anmutende Häuser hervor. Ich muss gleich zwei Mal hinsehen. Also haben auch schon Betuchtere Dillweissenstein für sich entdecken können. Ebenfalls am Fluss, vor einem übergrünen Waldkamm und somit mitten in der Natur gelegen ist das Nagoldfreibad mit gleichnamiger Bushaltestelle. Das hellblaue Becken sticht im Tal hervor wie ein kleiner eiskalter Gebirgssee. Im Juni, Juli und August wird bereits um sieben


Uhr geöffnet und lockt Sport- und Nassliebende an. Am frühen Morgen mit einer noch gedämpften Geräuschkulisse, frischer Luft und vom Morgentau feuchtem Gras zwischen den noch müden Zehen, lässt sich ein Tag wohl belebender angehen als gewohnt.

Etwas oberhalb befindet sich ein kleiner Staudamm und darüber die Bogenbrücke aus Sandstein – Größe und Bauart zeugen von einer Zeit als Dillstein und Weißenstein noch getrennt waren. Die im Jahre 1870 zusammengelegte 7700 SeelenGemeinde hat zahlreiche alte Häuser, liebevoll verziert mit Stuck, Biberschwanzziegeln, Zwiebeltürmen, Dachgiebeln, Holzfensterläden und Fachwerk. Hier wurde bisher wenig zerstört, das verraten zumindest die engen Gassen, in denen man -sitzt man im Bus- das Gefühl hat, jeden Moment direkt in diese Häuschen hineinzudonnern. Spätestens hier wird deutlich, wie unterschiedlich Pforzheim und Dillweissenstein leider sind.

Hoch über Dillweißenstein thront die Jugendherberge. Geschickt eingepflegt in die Burgruine Rabeneck, mit blassrosa Fassade und gekrönt mit einem türkiesen, außergewöhnlich hohen Mansardendach sieht sie

wirklich aus wie aus einer anderen Pforzheim-Welt. Während ich weiter an der Nagold entlang laufe, fällt mein Blick immer wieder zurück auf diese Schönheit. Und ja, ich finde Architektur fast schon nervend interessant. Aber schön ist es - so oder so. Mit dem Bus an der Endhaltestelle Bahnhof Weissenstein angekommen, verstehe ich auch gleich den Namen. Vor mir steht ein altes Sandsteingebäude, verziert mit einer blass orangenen BiberschwanzVertäfelung und grünen Holzfensterläden nebst Gleisen. Aber deswegen bin ich nicht ans andere Ende Pforzheims gestapft. Auch hier führt mich mein Weg ent-

riesige, einladende Wiese. Holzbänke und Grillstellen sind die perfekte Ergänzung für ausgedehnte Grilltage am Rande Pforzheims und im Herzen einer traumhaft schönen Kulisse. Im Sommer gut besucht, ist hier dennoch genügend Platz. Im ruckelnden Bus zurück in die gewohnten Gefilde Pforzheims verspreche ich mir das nächste Mal mit dem Fahrrad nach Dillweissenstein zu fahren und dann ausgiebigst auf der Diezelswiese zu grillen, im Nagoldfreibad schwimmen zu gehen oder einen Spaziergang durch diesen beschaulichen Stadtteil zu machen. Unser aktuelles Zuhause Pforzheim ist vielleicht nicht die schönste Per-

lang des Flusses. Der Wald wird zunehmend dichter und reicher an Tannen. Mir begegnen nur noch gelegentlich Menschen mit Hund, auf dem Rennrad oder Inlineskates. Von den meisten werde ich freundlich gegrüßt. Eben doch etwas anders als in Pforzheim. Nach fünf Minuten Fußweg erreiche ich ein Schild mit der Aufschrift Diezelswiesen. Ich marschiere über den großen Parkplatz und durch eine schmale Wand aus Laubbäumen. Vor der südlichen Talseite und der beschaulich plätschernden Nagold erstreckt sich hier, inmitten dieser wunderschönen Landschaft, eine

le, die der Süd-Westen Deutschlands zu bieten hat, aber mit etwas Glauben an das Gute lässt sich das ein oder andere Plätzchen finden, an dem es sich mehr als nur aushalten lässt. Buslinie 3 Richtung Dillweissenstein Nagoldfreibad / Haltstelle Nagoldbad Eintritt Studenten 2,80 EUR Öffnungszeiten Mo-Fr 9-20 h Sa-So 8-20 h Juni, Juli, August 7-20 h Diezelswiesen / Halstestelle Bahnhof Weissenstein und dann südlich den Fußweg entlang der Nagold nehmen.

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Carina Dietrich

Buchkritik „Pockenmond-Eine Geschichte aus dem Saarland“ Der von Richard Linxweiler , verfasste und 2008 veröffentliche Roman, handelt auf 394 Seiten von einer längst ausgestorben geglaubten Krankheit, den Pocken. Seit 1977 gilt die Krankheit als ausgestorben, die früher üblichen Impfungen wurden eingestellt. In diesem Roman kommt es allerdings aus zuerst unerklärlichen Gründen zur Einlieferung des Patienten Peter Neufang, genannt Holle, in das Krankenhaus in Berlin mit dem Symptomen der Pockenkrankheit. Ärzte und Wissenschaftler sind ratlos, da der Ursprung und die Quelle der Ansteckung unaufklärlich scheinen. Im Laufe des Buches taucht der Leser allerdings immer mehr in die Vergangenheit Peter Neufangs ein und springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her, bis beide Zeiten vereint, die Lösung des Rätsels aufbringen. Die näheren Geschehnisse gestalten sich wie folgt. Zu Beginn des Buches wird gleich mit der Sensation begonnen, nämlich der Einlieferung des Patienten in das städtische Krankenhaus. Dies ist Auslöser für mehrere Sicherheitsmaßnahmen sowie Vermutungen über mögliche Terroranschläge. Die Ursache der Krankheit bleibt trotz langer Befragungen des Patienten im Dunkeln. In den Augen der Ärzte zumindest. Holle besteht nämlich auch nach Genesung seiner Krankheit drauf, er habe sich die Krankheit wohl „im Alten Dorf“ geholt. Mit dieser Aussage kann keiner der Wissenschaftler etwas anfangen.

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Bevor Holle infiziert wird, geht er mit seinem Hund Areus auf die Jagd und gelangt durch einen (un)glücklichen Zufall in das 18.Jhd. Holle muss sich erst einmal zurechtfinden und herausbekommen wo er sich befindet. Immer mehr gewöhnt er sich an seine „neue Welt“ und gewinnt Freunde, aber auch Feinde. Zeitgleich wird in der parallel laufenden Geschichte der Katastrophenalarm ausgelöst, da bekannt wird, dass zwei hochgefährliche Behälter mit Pockenviren aus einem verunglückten Wagen der WHO verschwunden sind. Es wird jedoch nur ein Behälter wiedergefunden. Wieder zurück in der Vergangenheit wird Holle durch eine Heldentat zur Stadtbekanntheit und trotz seinem in dieser Zeit unpassenden Erscheinungsbild, besser angesehen. Allerdings wandelt sich seine „heile Welt“, als er an den Pocken erkrankt. Seine einzige Chance ist die Gegenwart und die dortigen fähigen Ärzte. Er muss es also wieder in die Gegenwart schaffen. Dies gestaltet sich jedoch nicht allzu einfach und seine

Rückreise in die Gegenwart hat weitreichende und gefährliche Folgen. Holle bringt die Weltbevölkerung, sich selbst und seine Familie in Gefahr. Sein einziger Ausweg scheint wieder nur die Vergangenheit zu sein, in die er sich flüchtet und versucht der fortlaufenden Katastrophe zu entkommen. Wie das Buch endet wird an dieser Stelle nicht verraten. Allerdings kann ich versichern, dass es sich bei diesem Roman um eine sehr spannende und mitreißende Geschichte handelt, die es lohnt gelesen zu werden. Dieses Buch ist meiner Meinung nach, eher für ältere Menschen geschrieben, also kein Jugendbuch oder Kinderbuch. Interessiert man sich aber für diese Krankheit, sowie kleine Zeitreisen, ist dieser Roman die passende Lektüre für ein paar spannende Stunden. Die Sprache ist in altem Deutsch gehalten, die Sätze sind teilweise sehr lang und man muss sich konzentrieren, um auch alles zu verstehen. Das bedarf zwar einer kleinen Gewöhnt, passt jedoch ausgezeichnet in das Buch, da sich mehr als die Hälfte der Handlung im 18.Jhd. abspielt. Ein weiterer auf der einen Seite positiver, andererseits aber auch negativer Teil, sind die wissenschaftlichen Details des Buches. Positiv in dem Sinne, dass man so nicht nur eine Lektüre in den Händen hält, die einem Zeitvertreib bietet, sondern auch einen Roman, der einen weiterbildet und durch den man einiges dazulernt. Allerdings macht es das nicht unbedingt einfach, dem roten Faden der Geschichte zu folgen. Die parallel laufenden Geschichten bieten eine gute Abwechslung zu einer „normalen“ Handlung und schaffen es den Leser anzuregen, immer weiterzulesen. Sehr interessant ist außerdem die Tatsache, dass die genannten Orte und Stationen im Buch tatsächlich in der Realität existieren und es bereits Mountainbike-Touren gibt, die die einzelnen Stationen abklappern. Alles in Allem ist es ein interessanter Roman, der vielleicht ab und zu ein wenig zu wissenschaftlich, dafür aber auch spannend verfasst ist. Eine gelungene Arbeit , nach der es sich sicherlich auch lohnt, in den zweiten Roman „Wonnemond“ von Richard Linxweiler, der hauptberuflich Professor an der Hochschule Pforzheim ist, einen Blick zu werfen. Das zurzeit sogar ein dritter Roman in Arbeit ist und die angefangene Trilogie über die Hauptfigur Holle vervollständigen soll, sowie die MountainbikeTouren, zeigen das Interesse des Verlags und natürlich der Leser, über die Zeitreisen des Holle mehr zu erfahren, und einzutauchen in ein neues Abenteuer in einem (alt) neuen Jahrhundert.


Foo Fighters – Wasting Light What´s next? Diese Frage haben sich die Bandmitglieder der Foo Fighters wohl nach dem Abschluss ihrer letzten Tour gefragt. Vor 80.000 Leuten im Wembley Stadion in London und dann mal eben noch die Rock-Titanen Jimmy Page und John-Paul Jones von Led Zeppelin auf die Bühne geholt. Viel besser geht´s eigentlich nicht. Aber härter. Mit Ihrem neuen Album „Wasting Light“ veröffentlicht die Combo um Frontmann Dave Grohl (Ex-Nirvana) das nach eigenen Aussagen härteste Album der Bandgeschichte. Scheinbar haben sich die Herren Foo Fighters auch von der letzten Ausgabe des MD (Titel: „Analog trotz allem“) inspirieren lassen denn Wasting Light wurde in guter alter Analogtechnik aufgenommen und das nicht in irgendeinem noblen Tonstudio sondern zwischen Kettensäge und Gartenschlauch in der Garage von Dave Grohl. Die brillante Akustik dieses Schuppens ist allerdings bemerkenswert – daher darf man diese Location wohl eher unter der Rubrik PR-Gag abhaken. Geschadet hat es auf jeden Fall nicht die Winterreifen beiseite zu Räumen. Wie bis jetzt auf jedem Foo-Album startet auch Wasting Light mit einem amtlichen Opener. Nach etwas schrägem Geklampfe entwickelt sich echtes Kopfnicken-Riff um schließlich mit der Ankündigung „These are my famous last words“ den Startschuss zu einem mehr als gelungenen Album zu geben. Gewürzt mit herrlichen melodischen Titeln wie „These days“ und „Arlandria“ und einer Prise Rock ala „Rope“ oder „White Limo“ darf sich der geneigte Zuhörer auf ein äußerst ohrenfreundliches 11-Gänge Menü der Foo Fighters freuen.

Matthias Ort

Philipp Poisel - Bis nach Toulouse „…Wenn’s mir zu viel wird, steige ich aus, und dann steige ich ein, in meinen Wagen …“ mit dieser Zeile beginnt das Lied zum gleichnamigen Album „Bis nach Toulouse“ von Philipp Poisel. Doch Philipp Poisel scheint ganz und gar nicht auszusteigen. Nach seinem erfolgreichen Debütalbum „Wo fängt dein Himmel an?“, das 2008 herauskam, hat er letztes Jahr im Juli sein zweites Album auf den Markt gebracht. Dass das Leben manchmal ironisch und auch merkwürdig zugleich sein kann, darüber kann Philipp Poisel ein Lied singen. Mit seinen 12 selbstkomponierten und getexteten Songs wird man von romantischen über fröhlichen bis hin zu nachdenklichen Liedern versorgt. „Wie soll ein Mensch das ertragen?“ ist wohl eines der bekanntesten Lieder des Albums und wahrscheinlich auch eines der traurigsten. Keine andere erste Singleauskopplung hätte besser zu dem Schmuse-Sänger passen können. Ruhig und direkt vom Herzen singt Philipp Poisel über eine Liebe, die sich wohl nie erfüllen wird. Aber ein depressives Album ist es keinesfalls, denn auch die positive Seite des Lebens kommt in peppigen Liedern wie „Zünde alle Feuer“ oder „Für keine Kohle dieser Welt“ zur Geltung. Und auch so macht es großen Spaß dem 27-jährigen Ludwigsburger zuzuhören, denn jedes seiner Lieder erzählt irgendwie eine Art Geschichte, z.B. in Liedern wie „All die Jahre“ oder „Markt und Fluss“. Doch immer wieder findet man auch Songs, in denen er seine eigenen Erfahrungen schildert. Sei es von guten Freunden „Im Garten von Gettis“ oder von seiner Lebensphilosophie in „Froh, dabei zu sein“. Das Album ist wirklich sehr empfehlenswert, vor allem für die, die ruhige und romantische Musik mal anders erleben wollen, als auf einer Kuschelrock-CD. Philipp Poisel ist den meisten wohl kein Name, wenn man sich mal umhört, obwohl er ja ganz aus unserer Nähe kommt. Ich persönlich war Anfang März auf seinem Abschlusskonzert in Stuttgart und muss sagen: Definitiv einer der Künstler, der es live noch drauf hat und Gänsehaut verleiht. Fans können sich auf ZDF-Neo eine Doku über seine „ Bis nach Toulouse“ Tour anschauen, die ihn backstage über die ganze Tour begleitet. Mein Fazit: Wirklich gelungen! Daumen hoch und weiter so, Philipp!

Stephanie Schüssler

CD-Reviews

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Team und Md schreibt man beides mit „M“ Sind Sei auf der Suche nach einer/einem Schwiegertochter / -Sohn? Diese hochkarätigen Schreiberlinge, Pixelschubser und Akquisiteure können wir Ihnen nur ans Herz legen. Echt geile Truppe! Vielen Dank für die fleißige, engagierte, erbauliche, motivierende, beispiellose, traumhafte, verführerische, zauberhafte und glänzende Mitarbeit!

(v.l.n.r.) Carina Dietrich, 2. Sem. Werbung Mareike Krauß, 2. Sem. Werbung Jana Kiene, 2. Sem Werbung Iana Dubois Makarova, 2 Sem. Werbung Frauke Wagemann, 2. Sem. Werbung

(v.l.n.r.) Christian Schäfer, 3. Sem. Marketing Kathrin Funk, 3. Sem. Marketing Anna Rückert, 3. Sem. Marketing Julia Beuschlein, 3. Sem. Marketing Hendrik Ilchmann, 3. Sem. Int. Business

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(v.l. Kabine n.r. Kabine) Matthias Ort, 3.Sem Werbung Billy Peña Contreras, 3. Sem Werbung

(links) Andrea Bräuninger, 4.Sem Werbung (rechts) Luisa Hehnke, 4. Sem Werbung

(v.l.n.r.) Stephanie Schüssler, 3.Sem Werbung Natalie Peketitsch, 3. Sem Werbung Alena Kirchenbauer, 3. Sem Werbung

Hyo-Song Becker, 1.Sem Visuelle Kommunikation

Leider nicht im Bild aber mit im Boot: Susanna Formella, 2 Sem. Int. Marketing Johanna Appenceller, 1. Sem. Werbung Katja Lembeck, 3. Sem. Marketing Samira Mikhail, 7. Sem. Modedesign Julia Heller, 6. Sem. Wirtschaftsrecht

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Impressum

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Herausgeber

werbeliebe e.V. - studentische Werbegagentur

Förderer

Absolventenverein

Projektleitung

Alexander Schulze, Jessica Feist, Florian Kratz

Redaktion und Autoren

Luisa Hehnke, Andrea Bräuninger, Susanna Formella, Johanna Appenceller, Katja Lembeck, Samira Mikhail, Julia Heller, Christian Schäfer, Kathrin Funk, Anna Rückert, Julia Beuschlein, Hendrik Ilchmann, Stephanie Schüssler, Natalie Peketitsch, Alena Kirchenbauer, Matthias Ort, Billy Peña Contreras, Carina Dietrich, Mareike Krauß, Jana Kiene, Iana Dubois Makarova, Frauke Wagemann

Druck

Stober GmbH Druckerei und Verlag, 76344 Eggenstein

Auflage

2.500 Exemplare

Anschrift

Hochschule Pforzheim werbeliebe e.V. / Marketing Digest Tiefenbronner Str. 65. 75175 Pforzheim marketingdigest@werbeliebe.de

Erscheinung

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Marketing Digest - Ausgabe 56 - SS 2011