Marketing Digest #65

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I hate this magazine

WS 2015 - Ausgabe #65

Studentenzeitschrift


Die SchnittStelle zwiSchen hochSchule unD wirtSchaft Die Vernetzung von Studierenden mit ansässigen Unternehmen ist eines der Ziele des WSP-Hochschulservice. Neben Praxis- und Branchenerfahrung wird das Networking immer wichtiger für Eure Karriere. Wir unterstützen Euch bei der Vermittlung von Jobgesuchen und -angeboten, Praxis- und Brancheninfos sowie Unternehmenskontakten im Wirtschaftsraum Pforzheim. WEitErE ANgEBotE

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Vorwort

I.H.T.M.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, Fußball soll Deutschlands Nationalsport sein? Weit gefehlt, es ist das Nörgeln. Das Wetter, das Essen, die Menschen, die einen umgeben, nichts von alledem ist gut genug für uns. „I hate this magazine“ und ein Bild von der Internetlegende Grumpy Cat zieren dieses Semester die Titelseite des Marketing Digest #65, um der generellen Unzufriedenheit ein Gesicht zu geben. Unsere Autoren haben sich in dieser Ausgabe auf die Suche nach den Ursachen gemacht. Liegt es an dem hohen Lebensstandard in Deutschland oder der Dauerbewertung im Internet? Was hat die Berichterstattung der Medien damit zu tun? Sollten Spinnen in der Wohnung auch Miete

bezahlen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie auf den folgenden Seiten. Zu unseren Artikeln gesellen sich auch wieder spannende Berichte aus Praxis- und Auslandssemestern von Studenten der Hochschule Pforzheim. Wir bedanken uns bei unseren Sponsoren, Förderern, Mitgliedern dieses Semesters und natürlich besonders unseren Autoren, Fotografen und natürlich den Grafikern, ohne die der MD nur Artikel in einer Cloud wären. Viel Spaß beim Lesen wünschen Ihnen die MD Babos, Maximilian Klose und Alina Rüger


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„Nett, dass meine Spinne sich an der Miete beteiligt. Ich meine, das ist nicht überall gang und gäbe. Trotzdem hätte sie

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Schockschwere Not. Das liebliche Summen meines Weckers holt mich aus meinem Traum und ich hüpfe sofort freudig aus meinem Bett. Wuh, endlich ab zur Hochschule! Seit gestern Abend freue ich mich tierisch auf den Doppelblock KLR. Mein Lieblingsfach. Ja, ich studiere Marketingkommunikation und Werbung, aber ich kann doch trotzdem dieses Fach lieben oder nicht? Dieses kreative Fach liegt mir total! Dies war auch einer der Gründe, warum ich überhaupt an die Elitehochschule schlechthin gegangen bin. Studenten, die sich über dieses Fach beschweren, sollten meiner Meinung nach zu einem klärenden Gespräch eingeladen werden. Auf dem Weg zu meinem Kühlschrank gelange ich an meinem Zimmermitbewohner, der Spinne Paul, vorbei, die mir einen Zwanziger rüber reicht. Nett, dass meine Spinne sich an der Miete beteiligt. Ich meine, das ist nicht überall gang und gäbe. Trotzdem hätte sie mir ruhig einen Fuffi geben können. (Ja, okay, es gibt keine Spinnen, die Miete zahlen. Aber theoretisch sollte das mal eingeführt werden oder etwa nicht?) Als ich den Kühlschrank öffne, schaut mir eine gähnende Leere entgegen. Huch, das ist ja toll. Da kann man in keinen Fressrausch verfallen. Wie praktisch! Immerhin finde ich noch ein Ei und schmeiße es in die Pfanne. Pf, jetzt hat das Ding auch noch zwei Eidotter. Was fällt denn diesem Vieh bloß ein, ein Ei mit zwei Eidottern zu legen? Da sollten sich die Tierschützer gefälligst mal drum kümmern. Oh hey, ein Brief von der GEZ - wie schön. Was? Sie wollen eine Nachzahlung für das letzte halbe Jahr, obwohl ich Studentin bin und BAföG bekomme und eigentlich davon befreit bin? Ach, da ist den Mitar-

beitern bestimmt ein kleiner Fehler unterlaufen. Mit einem Anruf regelt sich das bestimmt super schnell. Oder soll ich mich deswegen überhaupt beschweren? Ich meine, das Geld wird doch für einen tollen Zweck genutzt. Ich schaue schließlich immer ARD und ZDF, nicht nur die ältere Generation, wie jeder denkt. Außerdem hab ich schwupp die wupps immer Geld über. Das überlege ich mir noch. Ich kann ja mal schauen, was mein Kontostand so hergibt. BAföG hat mir heute schon das Geld überwiesen? Was für eine absolute Frechheit! Was fällt denen denn ein? Damit habe ich erst morgen gerechnet. Heute Nachmittag rufe ich gleich mal an und sage ihnen, dass sie das Geld wieder einziehen sollen und dann nochmal überweisen, dass es auch planmäßig ankommt. Jetzt um die Uhrzeit erreiche ich ja leider niemanden. Die Armen haben alle Hände voll zu tun und da ist es ja verständlich, dass sie nur in einer Zeitspanne von zwei Stunden zu erreichen sind. Die Wartezeit von eineinhalb Stunden nehme ich gerne in Kauf. Okay, aber jetzt ab in die Hochschule. Natürlich begrüßt mich der Busfahrer super freundlich und im Bus selbst riecht „Oh, eine WhatsApp Nachricht von dem Typen, den ich gestern kennen gelernt habe. Hat man dem nicht gesagt, dass er sich drei Tage Zeit lassen soll?“ es so betörend schön nach den IKEADuftkerzen. Ach, da fühlt man sich einfach pudelwohl, wenn sich ein netter, fremder Herr neben einen setzt. Und weil ich auch kein Morgenmuffel bin, plaudere ich super gerne mit ihm, wie seine Meinung zu Frauen, den Flüchtlingen und der Politik ist. Ich fühle mich danach so belehrt und viel schlauer. Danke, für die tollen Informationen! In der KLR Vorlesung schreibt der Professor etwas an die Tafel. Ich frage mich jedes Mal, ob unsere Profs erstmal einen Kurs in der Gestaltung belegen mussten oder warum man die schöne Schrift von ihnen immer so toll lesen kann. Er gibt uns sogar Tipps für die Klausur. Wie kann er es denn bitteschön wagen, uns das zu


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sagen? Schließlich wollte ich das ganze 800-Seitenskript innerhalb von drei Nächten vor der Prüfung lernen. Dann ist mir ja richtig langweilig. Und es kommt auch ganz sicher alles genauso dran, wie in der Probeklausur letzte Woche. Schön, immerhin kann man sich auf einen verlassen. Oh, eine WhatsApp Nachricht von dem Typen, den ich gestern kennen gelernt habe. Der hat auch den Schuss nicht gehört oder? Hat man dem nicht gesagt, dass er sich drei Tage Zeit lassen soll? Bedeute ich ihm denn gar nichts? Also ich habe gestern noch gedacht, ich hätte meine große Liebe getroffen, aber nun das. Ich bin sprachlos! Meine Kommilitonin (Ganz ehrlich, wer hat sich dieses Wort ausgedacht? Das ist das schönste und kürzeste Wort, das man aussprechen kann!) bekommt meine Reaktion mit und fragt, wer mir denn geschrieben hätte. Nein, ich kichere nicht vor mich hin und zeige ihr auch nicht ganz aufgeregt die Nachricht. Ich drehe mich einfach nur weg und zucke mit den Schultern: „Ach, ein Freund.“Ist ja übel peinlich, wenn ich ihr erzähle, dass ER schon heute geschrieben hat und vor allem, dass er ein Date will. Mensch, wie nervig kann man eigentlich sein. Aber okay, dann habe ich nach der Vorlesung schon mal eine Aufgabe und gehe zum Friseur. Gut mag man ja trotzdem aussehen. Ansonsten hätte ich danach gelernt. Fast

etwas Sinnvolles gemacht, gerade noch einmal Glück gehabt. Als mir die Friseuse anstatt den Spitzen gefühlte zehn Zentimeter abschneidet und es überhaupt nicht so aussieht, wie ich es wollte, bedanke ich mich zutiefst bei ihr. Endlich eine, die was von ihrem Handwerk versteht und genau weiß, was zu meiner Gesichtsform passt. Das halbe Loch am Hinterkopf ist bestimmt der neueste Schrei und ganz hip. Beim Bezahlen fliegt mir fast das ganze Kleingeld aus meinem Geldbeutel. Wieso muss ich auch immer

„Da hätte ich mich beinahe verliebt. Das war knapp.“ so viel Geld im Portemonnaie haben? Viel zu viel Geld darin, ganz ehrlich, das ist super nervig. Im Radio kommt noch die neue Seitenbacher-Werbung bevor ich den Friseursalon verlasse –„lecker, lecker, lecker, lecker“. Super, meinem Date steht nichts mehr im Wege. Mit dem schönsten Ohrwurm der Welt („lecker, lecker, lecker, lecker“) geht es zum Date. Ach herrje, steht der nicht wirklich mit Rosen da. Wie peinlich ist das denn? Ich schnauze ihn erst mal an, was das soll und was er sich gedacht hat. Leider kann er auch noch verdutzt gucken und diesen Hundeblick aufsetzen. Oh je, da hätte ich mich beinahe verliebt. Das war ja knapp.

Pausenlos zeigt er nur Interesse an mir und wir lachen super viel. Aber die allergrößte Frechheit kommt noch: Er bezahlt die Rechnung im Café! Was ist denn bloß los mit den Männern heutzutage? Haben seine Eltern ihm keine Manieren beigebracht? Er fragt mich sogar, ob ich Hunger hätte. Hunger – ich? Niemals! Ich glaube, ich muss sofort nach Hause. Ganz deprimiert von dieser schrecklichen Verabredung kuschle ich mich in meine Decke, schaue ein YouTube-Video an (Ganz ehrlich, das Beste an den YouTube Videos ist doch der Werbevorspann. Ich verstehe immer gar nicht, wer schon nach 5 Sekunden wegklicken kann. Ich habe immer das Gefühl, dass die Werbung perfekt auf mich abgestimmt ist.) und esse dazu einen Keks. Bäh, ein Keks. Wie kann etwas kleines so eklig schmecken? Okay, die schlechteste Entscheidung des Tages. Ein Keks kann einem aber auch wirklich alles versauen: Die Laune, die Bettdecke, die Freundschaft zwischen dir und deinen Mitbewohnern. Ich glaube es wird Zeit, ins Bett zu gehen. Morgen erwarte ich einen Klempner. Freue mich schon darauf, den ganzen Tag auf ihn zu warten. Gibt es schöneres? *Kann Spuren von Ironie enthalten

Helen Seitter BW/ Marketingkommunikation & Werbung „Blow a kiss, fi re a gun. We need someone to lean on.” MØ and Major Lazer


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Werbung, nerv nicht!

„Jetzt schützt mich mein Adblocker auch vor schlechter Pressearbeit.“ Werbung ist allgegenwärtig. Eine Flut, der keiner mehr entgehen kann. Wer nicht gerade den Tag auf einer einsamen Insel ohne Internetanschluss verbringt, ist täglich ca. 5.000 Werbeanzeigen ausgesetzt. Morgens beim Öffnen meiner Nachrichten-App winkt mir die erste blinkende Anzeige des Tages in leuchtenden Neonfarben entgegen. Das „X“ des Pop-Ups am oberen rechten Rand ist so klein, dass es praktisch unmöglich ist, die Anzeige weg zu klicken, ohne ein neues BrowserFenster zu öffnen. Dabei frage ich mich, ob der Anzeigenschalter mich und all die anderen „Danebenklicker“ in den erhöhten Klickzahlen berücksichtigt. Denn eigentlich wollte ich weder die neusten Urlaubsangebote präsentiert bekommen noch bei Deichmann shoppen. Nicht weniger nervtötend sind Video-Ads. Wenn vor einem 3-minütigen YouTube Video 19 Sekunden Werbung geschaltet sind, möchte ich am liebsten wieder auf den Zurück-Button klicken. Auf die Spitze der Online-Werbung treiben es aber diejenigen Video-Ads, die man erst gar nicht als solche erkennt und erst dann in voller Lautstärke erklingen, wenn man versehentlich mit dem Mauszeiger über die Anzeige fährt oder sie plötzlich aus einem meiner 10 geöffneten Tabs schallen. Vor lauter Online-Werbe-Wahn schalte aber nicht nur ich automatisch ab. 25,3 Prozent der deutschen Internetnutzer besitzen das Adblock Plug-In für „ein Web ohne nervige Werbung“, das zuletzt durch das unfreiwillige Marketing von BILD.de eine neue Nutzerwelle für sich gewinnen konnte. Denn wer zukünftig Artikel auf BILD.de lesen möchte, muss dies ohne Adblock tun. Die Aktion hat aber auch ihre guten Seiten. Jetzt schützt mich mein

Adblocker auch vor schlechter Pressearbeit. Doch nicht nur Online-Werbung kann einem mächtig auf den Keks gehen. Wer um 20.15 Uhr vor dem Fernseher sitzt, um sich seinen 90-minütigen Lieblingsfilm anzusehen, wird mindestens bis 23 Uhr auf dem Sofa sitzen bleiben müssen. Ungefähr alle 15 Minuten werden Werbeblocks gesetzt, vorzugsweise an den spannendsten Stellen, damit der kaufwütige Konsument nicht auf die Idee kommt, die Kiste einfach auszuschalten. Sonst würden zur Abwechslung nämlich mal die auf der anderen Seite dumm in die Röhre schauen. Manchmal mehr, manchmal weniger ist die Werbung auf die Zielgruppe der eigentlichen Sendung zugeschnitten. Oft bin ich erleichtert, dass meine Eltern nicht neben mir sitzen, wenn nachmittags Werbung von Amorelie dem „Online Sexshop für noch mehr Spaß am Liebesleben“ eingespielt wird. Etwas Sorgen mache ich mir auch um die Grundschulkinder, die nach der Schule den Fernseher einschalten und nicht-zielgruppengerechte Werbung ertragen müssen. Wer umschalten will, zappt dann von Werbeblock zu Werbeblock, da die Sender sich längst absprechen, um möglichst viel Werbung an den Mann zu bringen. Um einiges weniger aufdringlich ist PrintWerbung. Sie ist eher eine nette Abwechslung zum Smartphone, wenn es im Bus oder in der Bahn zu langweilig wird. Und das Beste an ihr: Man kann sie anschauen, wenn man will – muss man aber nicht. In Zeitschriften kann ich weiterblättern, ohne unabsichtlich auf der Dior-Internetseite zu landen. Doch die riesige Werbeflut stumpft uns Konsumenten ab. Am Ende des Tages kann ich die Werbung, an die ich mich noch erinnern kann, an meinen Händen abzählen. Viele Pop-Ups werden weggeklickt, ohne dass der Anzeige nur eine Sekunde Beachtung geschenkt wird, Spam-Mails werden automatisch von E-Mail Anbietern aussortiert und die TVWerbe“pause“ wird lieber genutzt, um die Pizza in den Ofen zu schieben. Da stellt sich die Frage, wie man im Marketing dieser Abstumpfung entgegensteuern kann. Was können die Werber dieses Landes tun, um Werbung wieder


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ansprechender zu machen? Statt massentaugliche Online-Anzeigen zu kreieren, wird stärker auf personalisierte Werbung gesetzt. Doch auch diese kann unter Umständen den Konsumenten in die falsche Richtung lenken. Google und Facebook sammeln fleißig Daten, um die Personalisierung weiter zu verbessern, doch einen „das-will-ich-nicht-kaufen“-Button gibt es leider noch nicht. Deshalb wird weiterhin für Frauen Anfang 20 regelmäßig Werbung für Schwangerschaftstests bei Facebook geschaltet und wer einmal nach Männerschuhen googelt, wird auch diese Anzeigen in den nächsten Monaten nicht so leicht wieder los. Amazon dagegen geht etwas geschickter vor. Wer ein Handy kauft, dem wird das passende Ladekabel, passende Hüllen und die passende Schutzfolie angeboten, denn „andere Kunden kauften auch…“. Amazon betreibt gezielte Produktplatzie-

rung mit Hilfe von bereits gekaufter Ware und Cookies, sozusagen Krümel, die andere Nutzer im Netz hinterlassen haben und uns dann (gewollt oder ungewollt) in den Rachen gestopft werden. Personalisierte Werbung bleibt also vorerst noch eine ausbaubare Baustelle. TV-Werbung lässt sich beispielsweise nicht so leicht personalisieren. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben, Werbung besser an die entsprechende Zielgruppe anzupassen. Lieferheld hat das schon längst erkannt und schaltet vorzugsweise Werbung zwischen Serien, da Game of Thrones Zuschauer gerne Pizza, Burger und Pommes essen. Um die Konsumenten auch während den Werbeblocks vor dem Fernseher zu halten, gibt es sogar eine App namens „TV Smiles“, mit der man für fast jeden geschauten Spot und dazu passenden Quizzen Punkte auf ein Konto gutgeschrieben bekommt, die man gegen

Gutscheine für Amazon und Co. eintauschen kann. Schlussendlich bleibt aber trotzdem nur die Werbung beim Konsumenten hängen, die sich abhebt. Werbung mit Emotion, an die richtige Zielgruppe, zur richtigen Zeit. Deshalb mein Appell an meine lieben Kommilitoninnen und Kommilitonen, an alle zukünftigen Werber und die, die es schon sind: Lasst uns Werbung wieder informativer machen, innovativer und der Werbeflut entgegen steuern – volle Kraft voraus! Und liebe Werbung, bitte nerv nicht!

Charlotte Fingerle BW/ Marketingkommunikation & Werbung „Selbst Tetris hat uns schon gezeigt, dass man irgendwann verschwindet, wenn man versucht irgendwo reinzupassen.”


Was will ich wo und wann...

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...und wieso und warum überhaupt? Komische Fragen kriechen aus dem Dunkeln. Die Uhr tickt gleichmäßig, es ist 1.00 Uhr morgens. Draußen regnet es oder es ist neblig. Vielleicht ist der Himmel aber auch klar, das spielt keine Rolle, denn die Fragen kommen jede Nacht um dieselbe Zeit. „Werde ich glücklich mit dem was ich tue?“, „Tue ich das richtige?“, „Wer bin ich?“ oder „Was will ich wirklich vom Leben?“ Wie Mücken in einer Sommernacht schwirren die Fragen im Raum herum. Und auch das Mückenspray „Rationalität“ zeigt gegen sie keine Wirkung. Man hat doch alles im Leben, was man sich wünscht. Oder etwa nicht? Das kommt dir als

Leser einigermaßen bekannt vor? Das tut mir leid, denn deine Diagnose lautet „Existenzkrise“, und geeignete Pillen gibt es noch keine dagegen Die Existenzkrise überrascht jeden einmal im Leben, den meisten ist sie wohl bekannt unter einem ihrer populären Namen Midlife-Crisis. Sie zwingt ältere Herren dazu, Motorradgangs zu gründen und Frauen sich auf eine Weltreise zu begeben (so behauptet es das Klischee). Doch sehr oft fallen auch Menschen zwischen zwanzig und dreißig in eine schwierige Phase, in der sie orientierungslos in verschiedene Lebensrichtungen blicken. Erschlagen von den Möglichkeiten oder sich unsicher fühlend, wer sie sind und wer sie sein wollen, führt sie bei einigen zu einer lähmenden Entscheidungsangst. Einige sind so überfordert, dass sie sich abkapseln und gar nichts mehr tun wollen. Möglich gemacht wurde dies vor allem durch den Anstieg des Wohlstandes in Deutsch-


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land seit dem Zweiten Weltkrieg. Während die Großeltern der momentan Heranwachsenden mit dem Wiederaufbau Deutschlands beschäftigt waren und die Eltern vor allem schnell auf den eigenen Beinen stehen wollten, stehen der studierenden und jobsuchenden Generation alle Türen offen, die man sich nur vorstellen kann. Alleine der Studienführer der Bundesagentur für Arbeit verzeichnet für 2015/16 17.169 Studiengänge an 445 Hochschulen. Im Ausland studieren ist auch möglich. Und wieso ausgerechnet studieren? Es gibt auch Ausbildungen. Oder man probiert völlig neue Lebensansätze aus. Selbstvermarktung auf YouTube gibt es doch schließlich auch. Was eigentlich ein Segen sein sollte, wird für viele zur Last. Entscheidet man sich für eine Richtung, schließt sich eine andere und man fragt sich doch, ob das die richtige Entscheidung war, anstatt mit sich zufrieden zu sein. Doch Spielraum zum Ex-

perimentieren gibt es doch genug, oder? Ein Studiengangwechsel oder –abbruch ist kein Stigma mehr, sondern eine „Umorientierung“. Schwierig wird es nur, wenn man sich noch in seiner Experimentierphase befindet und die ersten Freunde und Bekannten ihre Abschlüsse und Erfolge vorweisen und bereits den süßen schreienden Nachwuchs ankündigen. Vergleichen ist menschlich und trotz dem allgegenwärtigen Mantra „Sei zufrieden mit dir selbst“ kommt man sich so vor, als bleibt man auf der Strecke in einem Rennen, das doch eigentlich kein richtiges Ziel hat. Durch Social Media Seiten wie Instagram wird man noch viel mehr mit Vergleichen konfrontiert. Die Plattformen überschütten einen mit Menschen, die es schaffen, von 24 Stunden am Tag 30 Stunden damit zu verbringen, die Welt zu verbessern, sich selbst zu verwirklichen und erfolgreich zu sein. Ach, hätten wir doch auch nur eine Aufgabe wie der unternehmerische, umherreisende Fotograf, der Fitnessmodell und UN-Botschafter zugleich ist. Man müsste nur etwas machen, was man wirklich will. Aber vielleicht liegt gerade hier der Fehler. Anstatt sich die ganze Zeit zu fragen, was man wirklich im Leben will und nach dem Spaß im späteren Beruf zu suchen, muss man vielleicht die Fragen umformulieren, die man sich in einer Krise stellt. Ausreichend Geld, einen ausfüllenden Job und eine erfüllende Beziehung will jeder. Dass wir uns einen Traumkörper jeden Januar aufs Neue versprechen, spricht für sich. Interessanter ist es zu fragen, welche Strapazen man in seinem Leben will. Gute Erfahrungen im Leben wünscht sich jeder und schlechte wollen wir vermeiden. Man muss sich klar machen, dass man sich auch immer die Kosten für das Glück im Leben hinzu wünscht. Was wir im Leben bekommen, ist nicht von den guten Gefühlen bestimmt, die wir uns wünschen, sondern von den schlechten Gefühlen und Erfahrungen, die wir bereit sind dafür einzugehen. Die Einstellung, dass man etwas nur genug verlangen muss, ist falsch. Jeder will irgendetwas genug, aber ist sich im Unklaren, was es kostet, zu diesem Punkt zu kommen. Ob das nun auf einen Abschluss, ein bestimmtes Level an „Anstatt sich die ganze Zeit zu fragen, was man wirklich im Leben will und nach dem Spaß im späteren Beruf zu suchen, muss man vielleicht die Fragen umformulieren, die man sich in einer Krise stellt.“

Fitness oder eine Beziehung zutrifft ist egal. Ich persönlich saß schon oft in der Mensa und habe mir überlegt, genau dieses eine Mädchen anzusprechen. In meinem Kopf hatte ich mir schon die gesamte Beziehung ausgemalt und meinte auch, dass ich das nur genug wollen müsste, damit es klappt. Im Endeffekt „Was eigentlich ein Segen sein sollte, wird für viele zur Last.“ war ich aber nicht bereit, mich durch peinliche Dates zu quälen, stundenlang aufgeregt auf eine SMS zu warten oder meine Gefühle eventuell verletzen zu lassen. Es dauerte eine Weile, bis ich feststellte, dass ich vielleicht all das nicht stark genug wollte, sondern gar nicht wollte. Ich war in das Ergebnis verliebt und nicht in den Weg, der dahin führt. Was man will, um zufrieden zu sein, ist eine einfache Frage, aber was man dafür ertragen will und kann, machen sich viele nicht klar. Manchen hilft diese Frage schon, sich besser einzuschätzen und auch sich selbst in einer Existenzkrise zu orientieren. Als Mittzwanziger unsicher mit sich selbst und seinem Lebensweg zu sein ist völlig normal. Bei einigen schlägt diese Phase schlimmer aus als bei anderen, aber wer sich einmal orientiert hat, was er oder sie von sich erwartet und was nicht, läuft seltener in Gefahr, sich später im Leben noch einmal in seinen Gedanken zu verirren. Um dieses ernste Thema mit einem hilfreichen Gedanken abzuschließen, ist hier noch ein Tipp von einem, der es wissen muss: „Do or do not – there is no try“, sagt Meister Yoda, und damit hat er recht.

Max Klose Wirtschaftsingenieurwesen „Ich kenne die Hälfte von euch nicht halb so gut, wie ich es gern möchte, und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern, wie ihr es verdient.“


(Un)gesUnDer perFeKtIonIsmUs

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Jeder von uns hat doch diesen einen bestimmten Facebook-Freund. Jeden Tag postet er Bilder von seinem super-veganen, glutenfreien und auch noch Paleo-geeigneten Essen. Die meisten fragen sich jetzt sicher, was ist dieses komische Paleo? Eine Handcreme (Balea)? Nein, Paleo ist eine Art Steinzeiternährung, beider Zucker, Getreide und Pflanzenfette verboten sind. Aber bleibt daaußer Steinen überhaupt noch etwas übrig, das man essen kann? Bei so vielen Diäten, Ernährungsplänen und Fitnessprogrammen blickt doch kein Mensch mehr durch! Da heißt es dann immer: „Iss bloß keine Kohlenhydrate, die machen dich fett.“ Der nächste behauptet: „Völliger Stuss, solange man auf jegliche tierische Lebensmittel verzichtet.“ Undaufdem Blog von beingfi tforfun erhält man Informationen darüber, wie man sich nur

von Rohkost ernährt. Bin ich eine Kuh oder warum soll ich den lieben langen Tag an Salatblättern knabbern? Wenn schon ein Salat, dann aber mit viel Käse, Croutons und nur als wenn schon ein salat, dann aber mit viel Käse Beilage zur Pizza! Und FIT for FUN, wirklich? Ich habe noch nicht begriffen, was am ständigen Kalorien zählen und dem Abhecheln aufdem Laufband so FUN sein soll. Doch kommen wir nochmal auf die Blogs zurück, die meist von durchtrainierten, langbeinigen, blonden Frauen geführt werden. Den ganzen Tag posten sie Bilder von sich am Strand, mit ihren super engen Yogahosen, die zwischen den Arschbacken klemmen und sehen dabei ja so gesund und happy aus,


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während sie ihren „healthy green Smoothie“ schlürfen. Ich kann mich leider nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal mit vom Wind zerzaustem Haar und super geschminkten Gesicht von einem professionellen Kameramann am Strand abgelichtet wurde. Aber naja, das ist wiederum eine andere Geschichte. Doch woher kommt dieses Verlangen immer so glücklich und gesund zu sein? Das erste, was mir dabei in den Kopf schießt, sind natürlich die Medien. Trends kommen und gehen und jedes Mal werden sie von der breiten Masse befolgt. Der Size Zero Trend, welcher nicht nur von der Modeindustrie in den letzten Jahren gehypet wurde, erreichte über Trendsetter, Stars und Sternchen auch schnell die Jugend von heute. Diese „Vorbilder“ sind andauernd in Werbungen und im Fernsehen zu sehen. In Hollywood ist es ganz normal, dass man für eine Rolle 20 Kilo innerhalb von fünf Monaten abnimmt und sobald man den Film abgedreht hat, wieder wie ein Muskelprotz für den nächsten Film aussehen muss. Bestes Beispiel hierfür istMatthew McConaughey, der für seine Rolle in„Dallas Buyers Club“ knapp 15 Kilo abgenommen hatte und für seinen daraufhin folgenden Dreh ein paar Wochen später kräftig an Muskeln zulegen musste. Und da frag ich mich: Kann das wirklich noch gesund sein? Realistisch ist es ganz und gar nicht, dass eine Otto Normalverbraucherin zwei Wochen nach der Geburt eines Kindes wieder einen super straffen und flachen Bauch hat, mit dem man den Catwalk hoch und runter laufen könnte, wiees Heidi Klum demonstrierte. Doch die meisten jungen Menschen, die solche Personen als Vorbild nehmen, bedenken nicht, dass diese Stars und Sternchen eine Schar an Personaltrainern, Ernährungsberatern und bestimmt noch Psychiatern (da die ja alle einen ander Klatsche haben) beschäftigen. Da stellt sich schon die nächste Frage: Woher kommt diese andauernde Unzufriewoher kommt diese ständige Unzufriedenheit? denheit mit sich selbst? Mir scheint es, dassdiese Unzufriedenheit und das Streben nach Perfektion vor 20 Jahren noch nicht existierten. Oder wurde es einfach nicht zur Schau gestellt? Denn vielleicht besteht diese Unzufriedenheit janur, weil Weight Watchers und „I make you sexy“Detlef D! Soost uns diese einreden, um ihre

eigenen Taschen mit dem Geld der verzweifelten Hungernden zu füllen. Sie versprechen eine schlanke Figur, sexy Muskeln und einen Knack-Po und sind dabei das perfekte Vorbild. Oder doch eher das perfekte Photoshop-Bild? In jeder Mode- und Frauenzeitschrift sehen wir doch die perfekt frisierten, faltenfreien und schlanken Frauen, die aussehen als wären sie einem Jungbrunnen entsprungen. Geworben wird mit Titeln wie: „Die besten Tortenrezepte“ (Seite 1-10), „Wie nehme ich 8 Kilo in einer Woche ab“(Seite 11-20), „Akzeptiere dich sowiedu bist“ (Seite 21-30). Logisch ist das ganze Prinzip wohl auch nicht! Immerhin haben Frauenzeitschriften mit dem letzten Teil recht. Denn das einzige, worauf esankommt, ist es, sich selbst zu akzeptieren, wie man ist. Glücklich zu sein. Nicht perfekt zu sein. Keinen perfekten Lebenslauf zu haben. Denn gerade der nicht perfekte Lebenslauf macht einen Menschen doch aus.

Sabina Almaschij BW/ Marketingkommunikation & Werbung „To be irreplaceable you have to be different.”

Stefanie Dennig BW/ Marketing „Hakuna Matata.”

„...schlanke Figur, sexy muskeln und einen Knack-po.“


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DO YOU REFUSE REFUGEES?

Über kein anderes Thema wurde in den letzten Tagen und Wochen in einem solchen Ausmaß berichtet, diskutiert, gestritten, entschieden. Die Medien waren voll davon. Und die Köpfe unserer Politiker (hoffentlich) auch. Die gewaltige Herausforderung, vor welche die aktuelle Flüchtlingskrise die Bundesrepublik stellt, hat ein ungeahntes Ausmaß angenommen. Sowohl politische Parteien als auch Einwohner der Bundesrepublik scheinen in Anbetracht der Krise gespalten. Die deutsche „Willkommenspolitik“ trifft auf die Angst vor dem Unbekannten. Mangelt es an Information, entwickelt sich leider Fremdenhass wie ein Lauffeuer. Täglich marschieren tausende Demonstranten, gewappnet mit Schildern, Plakaten und einer inzwischen erschöpften Stimme, der es aber keinesfalls an lautstarker Überzeugung fehlt, durch die Straßen deutscher Städte und geben ihrem Frust und ihrer anscheinenden Machtlosigkeit in dieser Sache ein Ventil. Viele Gründe werden gegen eine offene Flüchtlingspolitik genannt, viele entpuppen sich als gänzlich falsch. Damit es im Kopf „Klick“ macht, muss man sich nur mit den Fakten beschäftigen und nebenbei nicht jegliche Information oder Statistik als Instrument einer Lügenmaschinerie betrachten. Ziemlich simpel, oder? Offensichtlich nicht. Täglich lese und staune ich über Headlines und den vermeintlich korrekten Inhalt dahinter. „Flüchtlinge sind faul, asozial, kriminell“; „Flüchtlinge vermüllen deutsche Städte“. Ich weiß nicht, wie man auf solche Titel kommt. Diesen Eindruck habe ich nämlich nicht. Schlimm genug, dass diese Überschriften pauschalisierender nicht sein könnten. Des Weiteren sind die Storys meist an den Haaren herbeigezogen. Jeder, der die deutsche Rechtschreibung halbwegs beherrscht und weiß, wie man mit einer Suchmaschine umgeht, kann sich eine spannende Geschichte über Flüchtlinge ausdenken, ein passendes Bild aus dem Internet daruntersetzen und voilà: Fertig ist perfekter Zündstoff für die

nicht ausreichend informierten, breiten Massen. Am besten verbreitet man sowas über Social Media, denn nur wenige FacebookNutzer sind kritisch genug, um Flüchtlingshetze zu erkennen und zu hinterfragen. Dämlich aber wahr ist sogar, dass viele einen Artikel nicht mal lesen. Sie sehen die brisante Überschrift, drücken den Share-Button und haben sich eine Meinung gebildet. Traurig. Diejenigen, die solchen Stoff ins Netz setzen, machen das letztlich auch nur, um ihre persönliche politische Agenda zu rechtfertigen! „Wirtschaftsflüchtlinge“ ist das Schlagwort, welches vor allem bei den top informierten Demonstranten von PEGIDA in aller Munde ist. Die Flüchtlinge sollen sich nur am deutschen Wohlstand ergötzen wollen. Nicht mehr, aber vielleicht ja weniger? Viele behaupten sogar, dass die meisten aus (relativ) sicheren Ländern kommen. Das stimmt wohl so nicht ganz. Kurze Info: 22,3 Prozent aller Anträge auf Asyl wurden dieses Jahr von Menschen aus Syrien gestellt. 12,3 Prozent kommen aus Afghanistan und dem Irak. Nun ist die Frage, auf die es solch verschiedene Antworten gibt: Warum kommen sie? Natürlich gibt es auch einige Flüchtlinge, die meisten aus dem Westbalkan, die aus wirtschaftlichen Gründen ihr Land verlassen. Jedoch ist das die Minderheit und Leute aus als sicher eingestuften Herkunftsländern bekommen zudem ohnehin kein Asyl in Deutschland. „Die Wahrheit: Die meisten dieser Menschen haben alles oder nahezu alles verloren, darunter auch Freunde oder Verwandte.“ Die Wahrheit: Die meisten dieser Menschen haben alles oder nahezu alles verloren, darunter auch Freunde oder Verwandte. Vor allem in Syrien und im Irak werden die Bewohner von dem derzeitigen Machthaber Assad und der Terrormiliz IS unterdrückt, gequält und terrorisiert. Wobei dies noch eine milde Formulierung ist. Was die Anhänger der IS in ihrer absoluten (geistigen) Blindheit tun und bereit sind zu tun, ist gänzlich unmenschlich und unverständlich. Zudem ist es gelinde gesagt eine Schande für den Islam, in dessen Namen sie ihre Taten sprechen lassen. Denn im Islam wird ein friedliches Miteinander und kein hassfixierter Massenmord gepredigt. Respekt an alle Muslime, die ausreichend informiert sind, die Wahrheit erkennen und sich vehement gegen die geistlosen Lügen der selbsternannten „Glaubenskrieger“ zur Wehr setzen!


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22,3% kommen aus

Ein paar weitere Gründe wären aber noch zu nennen, aufgrund derer tausende Menschen auf der Flucht sind. In Afghanistan sind die Taliban, welche erneut für Terror sorgen, der größte Push-Faktor. Somalia ist gezeichnet von einem jahrzehnteandauernden Bürgerkrieg und in Eritrea werden die Einwohner von einem unfähigen Präsidenten geknechtet. Das sind alles Tatsachen und das alles passiert nicht erst seit gestern. Wir können also nicht leugnen, dass Menschen tatsächlich Tag für Tag unterdrückt, geschlagen, gefoltert oder einfach direkt getötet werden. Wir bekommen hier in Deutschland nur nicht wirklich viel von der Realität mit und damit ist nicht das in den meisten Medien verzerrt dargestellte, für die breiten Massen zurechtgeschnittene „Abbild“ der Realität gemeint. Immerhin hat jetzt nahezu jeder das Wort „Flüchtlingskrise“ im Hinterkopf. Und auch wenn die Berichterstattung nicht immer zweifelsfrei war, so wurden wenigstens alle auf die Flüchtlingsdebatte aufmerksam gemacht. Nun haben viele einfach ein falsches Bild der Beweggründe und können deshalb nicht nachvollziehen, warum jemand in seinem Land alles zurücklässt, um in Deutschland einen Neustart zu wagen. Wegen diesem Unverständnis gehen tausende auf die Straße und beschweren sich. Natürlich muss man als Zuschauer in einem Szenario, das sich Leben nennt, die Sachen immer aus zwei oder mehreren Perspektiven betrachtet haben, um sich objektiv ein eigenes, für einen selbst sinnvolles, Bild davon machen zu können. Viele Kritiker der Flüchtlingskrise wurden einfach vor vollende-

aller Flüchtlinge

Syrien

te Tatsachen gestellt. Eines Tages fällt einem auf dem Weg zur Arbeit auf, dass eine große Fläche weitreichend abgesperrt wurde. Am nächsten Tag sind Arbeiter mit Baggern drauf und dran möglichst viel, mehr oder weniger akzeptablen Wohnraum auf möglichst wenig Platz zu schaffen. Kurze Zeit später beziehen immer mehr Flüchtlinge diese Unterkünfte und niemand hat einen vorher darüber informiert. „Blöd gelaufen, aber sorry“, lautet dann die ersehnte Erklärung seitens der Kommunen. So kommt es einem wirklich vor. Trotzdem sollte man angesichts der Umstände über seinen Schatten springen und etwas Herz zeigen. Man kann nachvollziehen, wenn sich Mitbürger, seien es junge oder alte, Sorgen darüber machen, wie sich die Sache entwickeln wird. Dazu muss man natürlich sagen, „Nur wenige Facebook-Nutzer sind kritisch genug, um Flüchtlingshetze zu erkennen und zu hinterfragen.“ dass all die Menschen, welche wir aufnehmen, unsere Gesetze und Sitten respektieren müssen. Das ist klar. Angst und Sorgen kann man niemandem vorwerfen. Wem man aber etwas vorwerfen kann, sind die selbsternannten Patrioten, die sich als Stimme des Volkes verstehen und mit aller Gewalt, Steine werfend und Feuer legend, ihrer Meinung Ausdruck verleihen. Sich beschweren, meckern und unzufrieden sein ist natürlich nicht nur ein Grundrecht von uns Deutschen, sondern von jedem Menschen auf der Welt. Denn Unzufriedenheit kennt keine Nationalität. Es ist auch vollkommen menschlich und verständlich sich

zu beschweren. Jedoch ist es sinnvoller sich über die richtigen Dinge aufzuregen, anstatt an Gerüchten oder zwielichtigen Aussagen zu haften. Ein paar Vorschläge: Beschwert euch darüber, dass euer Nachbar die Musik zu laut „In Deutschland sind bereits ca. 800.000 Flüchtlinge aufgenommen worden.“ aufdreht, während ihr für euer Examen paukt. Beschwert euch darüber, dass diese verdammten Busse nie pünktlich kommen, wenn man spät dran ist. Oder, um beim eigentlichen Thema zu bleiben, beschwert euch beispielsweise darüber, dass einige andere Länder eine sehr passive Einstellung zur Flüchtlingskrise haben. In Deutschland sind bereits ca. 800.000 Flüchtlinge aufgenommen worden, bis Ende des Jahres sollen es schätzungsweise fast 1 Millionen sein. Somit sind wir ein wahres Vorbild geworden. Andere Länder teilen diese Einstellung ganz und gar nicht. Cameron bezeichnete die große Menge an Flüchtlingen vor kurzem noch als „bedrohlicher Schwarm“. Großbritannien zeigt sich also nicht sonderlich groß und die restlichen Länder sind auch nicht besser. Frankreich gibt sich Flüchtlingen gegenüber nach außen hin toleranter, aktiv an einer Lösung mitwirken tun sie aber nicht. In Osteuropa herrscht eine ziemliche Flüchtlingsfeindlichkeit (stark betroffen ist die Slowakei). Neonazis zeigen deutlich, dass sie keine ausländischen Mitbürger wollen. Und wenn es sich bei diesen ausländischen Mitbürgern auch noch um Flüchtlinge aus Kriegsgebieten handelt, dann


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„Unzufriedenheit kennt keine Nationalität.“

ist das ein herber Schlag für die Naziherzen: „NEIN, NEIN, NEIN! Nicht in unserem Land!“ – Schämen sollten diese Intelligenzflüchtlinge sich! Europa hat um die 560 Millionen Einwohner. Wenn alle Länder einen angemessenen Beitrag leisten würden und einfach mal mit anpacken, wäre die Krise zu meistern und Deutschland nicht hilflos überfordert. Warum helfen die USA nicht? Gute Frage eigentlich. Aus dem Weißen Haus stehe man uns mit Rat, aber nicht mit Tat zur Verfügung. Europa solle das Problem mit den Kapazitäten selber lösen, aber kein Stress. Alles gut, die USA „beraten“ uns. So wie ich das sehe, wird die ganze Krise falsch angegangen. Natürlich ist Priorität Nummer 1: „Help as much as you can“. Aber um zukünftige Flüchtlingsmassen zu verhindern, sollte mit allen Mitteln, sei es auf diplo-

nen die Leute aber nichts. Flüchtlinge muss man klar von dem Gesindel der Gattung Terrorist unterscheiden. Die meisten wollen nur ein friedliches Leben für sich und ihre Kinder und das kann man niemandem vorwerfen. Bitte Leute, glaubt nicht jede hervorstechende Überschrift im Netz. Lest die Artikel hinter den Überschriften, wenn ihr neugierig seid, aber gleicht die Quellen unbedingt mit anderen ab. Vertraut nicht auf die Größe und den Bekanntheitsgrad einer Quelle, denn dies sind keinesfalls Indikatoren für deren Seriosität. Macht euch Gedanken, wenn ihr Interesse habt und seid kritisch. Hinterfragen statt beschweren! Gibt Rechtsextremismus, Rassenfeindlichkeit und Volksverhetzung keine Chance. Zusammengefasst: Gebt Dummheit und dummen Gerüchten keine Chance.

„Flüchtlinge muss man klar von dem Gesindel der Gattung Terrorist unterscheiden.“ Thomas Goldvarg

matischen Wegen oder im Rahmen militärischer Operationen, versucht werden, in den Herkunftsländern für politische Stabilität und Sicherheit zu sorgen. Oder vorerst zumindest mal für Sicherheit. Dummerweise lassen Terroristen und Psycho-Machthaber nur nicht wirklich gut mit sich verhandeln. Möchte man also eine dauerhafte Lösung, ist Ordnung in den Herkunftsländern der einzige Weg. Dies lässt sich leider nicht mit regelmäßigen Gesprächen bewerkstelligen. Dass es unter den Flüchtlingsmassen schwarze Schafe gibt, ist nicht zu leugnen. Das gibt es sogar ganz sicher. Faule, asoziale und kriminelle gibt es leider Gottes in jeder Gesellschaft und sie sind in allen Nationalitäten vertreten. Schlimmer ist, dass die ISIS mit hoher Wahrscheinlichkeit die Flüchtlingskrise zu ihrem Vorteil ausnutzt und Schläfer unter die unüberschaubaren Flüchtlingsmassen mischt. Ziemlich schlimm, dass die Monster, vor denen all die Menschen fliehen, plötzlich ihre Weggefährten nach Europa sind. Dafür kön-

BW/ Marketing „You’ve got enemies? Good. That means you actually stood up for something in your life.” – Eminem

Jeder Flüchtling ist unter Jahre alt

2.

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2953 Instagram Bilder sagen mehr als 1000 Worte.

... #thjnkhamburg #thjnkd端sseldorf #thjnkm端nchen #thjnkberlin #lovedhh thjnk.de/jobs


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... die du bei Beschwerden beachten solltest. Es gibt Menschen, die sich gerne und häufig beschweren. Und dann gibt es die, die das alles gelassen sehen. Ich bin bekennender Freund und Verfechter der letzteren Gruppe – in welcher du auch immer sein magst. Deshalb kommen hier meine 8 Dinge, die du beachten solltest, bevor du dich über etwas beschwerst.

Beschwer dich nicht darüber, dass die 500gPackung Lasagne für 1,79 Euro nicht wie angegeben Rind oder Schwein, sondern Pferd enthält. Selbst Schuld, sag ich da nur. Wer ein bisschen nachdenkt, muss wissen, dass selbst ohne Abzug einer pauschalen Handels- und Gewinnspanne alles andere als genug Geld übrig bleibt, um ein Tier sein kurzes Leben lang füttern und pflegen zu können.

8 DInge...

1. Empörung aus, Hirn an

Ich ärgere mich auch darüber, wenn eine Verkäuferin oder ein Verkäufer schlechte Laune hat und das an mir als Kunde auslässt. Ich frage mich dann immer, warum diese Menschen sich nicht einfach einen Job im hintersten Zimmer des Unternehmens suchen, wenn sie offensichtlich nicht in der Lage sind, zu anderen freundlich zu sein. Ich bin aber nicht in der Position, über eine Person zu urteilen, die ich gar nicht kenne. Von der ich nicht weiß, wie lange sie heute Morgen im Stau gestanden hat, weil irgendein Idiot zu doof war, rechtzeitig tanken zu gehen. Oder wer ihr Kaffee über die Bluse geschüttet hat und welcher Hund eines Kunden gerade auf den Boden gepinkelt hat. Darum freundlich sein und sich denken – vielleicht ist sie ja dann zum nächsten Kunden freundlicher und dieser wiederum bringt, weil er so gut drauf ist, seiner Sekretärin einen Kaffee mit und die

in 2. Versetz dich die Lage der anderen person

Sekretärin ruft ihre Schwiegermutter an und sagt ihr, dass es überhaupt kein Problem ist, wenn sie ins Haus nebenan zieht. Mit einem kleinen Lächeln kann so vieles passieren.

Probleme in Relation sehen ist hier das Motto. Manchmal gibt es wirklich dramatischere Dinge, als dass auf deinem Double Chococino keine bunten Streusel sind. Oder dass Mutti das Essen noch nicht fertig hat, wenn du nach Hause kommst. Schließlich haben andere gar nichts zu essen.

3. Gibt‘s nicht wirklich wichtigeres?

Wie oft schreibst du einen Liebesbrief an den Dönermenschen, der dir nachts um 3.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit höchsten Genuss und Befriedigung verschaff t? Wann schreibst du eine Mail an die Marke deiner neuen Lieblingsjeans, die trotz Dauerbenutzung immer noch super aussieht? Wann sagst du der Bäckereifachverkäuferin, dass sie dich mit ihrem süßen Kirschplunder gerade sowas von glücklich gemacht hat? Wenn einem etwas nicht passt, dann muss man sich beschweren! Aber nur dann, wenn man auch zum Ausdruck bringt, dass man sich über etwas freut.

4. Wer sich beschweren will, der muss auch lieben können

5. SIEH ES POSITIV!

Stell dir folgende Situation vor: Ich stand am Bahnhof neben dem Fahrkartenautomaten. Da kam ein kleiner, dicker Junge zu mir und fragte, ob ich ihm mal 70 Cent leihen könnte.


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fragte, ob ich ihm mal 70 Cent leihen könnte. Sicherlich brauchte der Kleine eine Fahrkarte. Ich gab ihm in meiner Hilfsbereitschaft das Geld. Doch dann lief der kleine Rotzlöffel ernsthaft zum Süßigkeitenautomaten und kaufte sich eiskalt ein Snickers. Das hätte ich mir auch echt denken können, aber gut. Dann: „Aufgrund von Störungen am Gleis kommt es heute zu Verspätungen.“ Willkommen in meinem Leben! Nachdem die Bahn dann irgendwann kam, stieg einige Stationen nach mir ein älterer Mann hinzu, auf dem Weg zum Einkaufen. Ich setzte mich einen Platz weiter und gab ihm zu verstehen, dass er sich doch gerne neben mich setzen könne. Wir kamen ins Gespräch. Kurz bevor er ausstieg, lachte er mich an und gab mir eine Tafel Schokolade. „Weil Sie so nett zu mir sind“, hatte er gesagt. Ich konnte den restlichen Weg zur Arbeit nicht mehr aufhören mich zu freuen, weil ich niemals mit dieser unglaublich lieben Geste gerechnet hätte. Vermutlich hat der Dicke mit dem Snickers ein ähnliches Glücksgefühl beim Futtern verspürt, also alles im Gleichgewicht. Noch immer, wenn ich diese Strecke fahre, dann denke ich an den lieben Mann. Hätte die Bahn sich nicht

„wegen ein paar hippies mit bemalten Bettlaken wird sich die welt auch nicht grundlegend ändern.“ Toll, diese Leute, die auf Probleme und Missstände aufmerksam machen. Die brauchen wir, keine Frage. Ich bewundere diese Menschen, die tatsächlich noch jeden Morgen bei jedem Wetter am Bahnhof in Stuttgart mit gelben, durchgestrichenen Stuttgart21-Schildern stehen, um ihren Unmut über dieses Projekt zum Ausdruck zu bringen. Aber ich denke mir dann immer, haben diese Leute nichts Besseres zu tun? Müssen die nicht arbeiten oder irgendwas?

8. Irgendwann ist dann auch mal gut.

7. WAS MACHST DU SONST SO?

„wie oft schreibst du einen Liebesbrief an den Dönermenschen, der dir nachts um 3.30 Uhr mitteleuropäischer zeit höchsten genuss und Befriedigung verschafft?“ verspätet, hätten wir uns nie kennen gelernt. Deshalb habe ich mich noch nie bei der Deutschen Bahn beschwert. Nur weil uns durch die Demokratie die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung gegeben wird, heißt das nicht, dass deine Ansicht auch immer die „richtige“ ist. Ich stimme zu, wenn jemand sagt, dass vieles nicht optimal läuft in Deutschland. Die Frage ist aber, wäre es besser, wenn es anders wäre? Manchmal sind die Dinge gar nicht so schlecht und wenn die Mehrheit der Menschen in einem Land das so sieht, dann ist das halt so. Basta. Da kannst du dich beschweren, wie du willst.

Irgendwann ist dann auch mal gut. Manchmal im Leben ist es zwecklos, sich über etwas zu beschweren. Und irgendwann ist es an der Zeit, das auch einzusehen. Kleiner Tipp an alle Stuttgart21-Demonstranten, denen offensichtlich immer noch nicht klar ist, dass es einen Volksentscheid gab und sie außer einer Erhöhung der Kosten durch Bauverzögerungen nichts mehr bewirken werden. Ich wünsche mir auch viel. Den Weltfrieden zum Beispiel. Da kann ich mich so viel über Krieg und Armut beschweren, wie ich will. Wegen ein paar Hippies mit bemalten Bettlaken wird sich die Welt nicht grundlegend ändern. Bevor sich jetzt jemand bei mir über den Artikel beschwert: Das ist die andere Seite. Nicht die ganze Wahrheit. Wer mir mit „wenn alle so denken würden“ kommen will, kann sich die Mühe sparen – Es denken nicht alle so.

6. Du bist nicht alleine!

Nadine Bunz BW/ Media Management & Werbepsychologie „Leben, mit dem Ehrgeiz zu gewinnen, der Gelassenheit, dass es nur ein Spiel ist.“

du magst den artikel nicht? Dann Beschwer Dich doch.


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Das Entspricht nicht...

...meinen Erwartungen! Anna hat es satt. Mal wieder hat ihr Mann ihre neue Frisur nicht erkannt. Das Geld hätte sie sich auch sparen können, besonders wenn sie an den unzureichenden Service denkt. Ihr Talent wird auf der Arbeit auch kaum gewürdigt und ihren Traum von einer Weltreise kann sie sich nun auch in die schlechtfrisierten Haare schmieren. Anna ist unzufrieden, enttäuscht und frustriert. Eigentlich hatte sie mehr vom heutigen Tag erwartet. Vielen Menschen geht es ähnlich wie Anna. Sie erwarten sich von den einfachsten Dingen viel zu viel und sind dann enttäuscht, wenn das erhoffte Glück nicht eintritt. Glück entspricht der Realität abzüglich unserer Erwartungen. Im Umkehrschluss bedeutet dieses hinduistische Sprichwort schlichtweg: Unglück entsteht aus zu hohen Erwartungen. Mathematisch eine durchaus nachvollziehbare Formel zum Glück. Doch oft sind es die logischsten Dinge, deren Umsetzung uns so schwer fallen. Vor allem, wenn sie mit Hilfe von Mathematik erklärt werden. In einer vom Perfektionismus getriebenen Gesellschaft, deren Hauptbeschäftigung akribische Selbstdarstellung im Netz zu sein scheint, liegen Enttäuschungen auf der Tagesordnung – auch wenn es keiner in seiner virtuellen Scheinrealität zugeben möchte. Da erwartet man von der neuen Zahnpasta innerhalb von Minuten ein strahlend weißes Lächeln, der angebetete Traummann sollte am besten aussehen wie Ryan Gosling und gleichzeitig eine haushaltstechnische Allzweckwaffe sein. Die Realität sieht aber anders aus. Vergleichsweise ziemlich beschissen sogar. Auch Medien und Unternehmen leisten einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft der unerfüllten Erwartungen. Ausgetüftelte Marketingkampagnen zeigen dem Konsumenten unentdeckte Bedürfnisse auf und schaffen immer höhere Ansprüche gegenüber ihren Produkten. Ein Schuss ins eigene Bein? Je höher die Erwartungsschwelle des Produktes, desto größer die Unzufriedenheit, wenn die Ansprüche des Kunden nicht erfüllt werden. Von den negativen Auswirkungen auf Marke und Image mal ganz zu schweigen. Wenn der Kunde sich in einer stetigen Aufwärtskurve in Sachen Erwartungshaltung befindet, wie sollen Marketing und Werbung da noch mithal-

ten können? Wie kann (Kunden-) Zufriedenheit in unserer Anspruchsgesellschaft noch gelingen? Die Aufgabe der werbetreibenden Unternehmen liegt klar auf der Hand: Werbung darf keine überzogenen Erwartungen kreieren. Produkte müssen „menschlich“ werden. Denn es ist menschlich, nicht alles zu können. Ebenso verhält es sich für Waren und Dienstleistungen: Sie können nun mal nicht alle Bedürfnisse erfüllen. Ein einfacher Bäcker hat das Talent, Brötchen zu backen, wird aber höchstwahrscheinlich nie ein Allheilmittel gegen Krebs entdecken. Ebenso wenig wird ein Waschmittel die Armut in der Welt lindern. Die Betonung von Kernkompetenzen und individuellen Fähigkeiten lassen beim Kunden keine falschen Erwartungen aufkeimen.

„Da erwartet man von der neuen Zahnpasta innerhalb von Minuten ein strahlend weißes Lächeln, der angebetete Traummann sollte am besten aussehen wie Ryan Gossling und gleichzeitig eine haushaltstechnische Allzweckwaffe sein.“ Wer den Zweck eines Produktes richtig kommunizieren kann und wessen Produkt diesen dann auch Erwartungen übertreffend erfüllt, hat schon gewonnen. Die Mehrzahl der Unternehmen kennt und analysiert seine Kundschaft mittlerweile so gut, um etwaigen Ansprüchen in ihren Kommunikationsmaßnahmen entgegen zu wirken. Zumindest eine Bezugsgruppe, die versucht etwas gegen eine hochnäsige Anspruchsgesellschaft zu unternehmen. Jedoch können Marketingverantwortliche allein dem Trend zu überzogenen Erwartungen nicht die Stirn bieten. Das viel größere Problem liegt auf Seite der Kunden. Wie gelingt es die Erwartungshaltung des Individuums zu verändern? Ein Beispiel: Ein Kunde kommt in ein Bekleidungsgeschäft. Seine Erwartung an den Verkäufer ist klar. Der Verkäufer soll ihm ein neues Hemd aussuchen. Im Extremfall macht sich der Kunde allein vom Verkäufer abhängig. Diese Abhängigkeit von einer anderen Person lässt die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung (das Hemd gefällt nicht) steigen. Anders verhält es sich natürlich, wenn ein Kunde mit der Anspruchshaltung in ein Ge-


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der Hand, wie zufrieden wir mit unserem Leben sind. Niedrige Erwartungen im Leben zu haben, schaff t deutlich mehr Zufriedenheit und Glück, was selbst mathematische Gleichungen belegen können. Wenn Glück aus unserer Realität abzüglich der Erwartungen entsteht, dann lässt man sich doch lieber vom Unerwarteten überraschen!

Alina Rüger BW/ Media Management & Werbepsychologie „Wer nichts Gutes an einem Menschen fi ndet, hat nur schlecht gesucht.“

GLÜCK

schäft geht, rein beraten zu werden. Wer anstrebt, seine Bedürfnisse mit den eigenen Fähigkeiten erfüllen zu wollen, läuft weniger Gefahr, dass seine Erwartungen untertroffen werden. Um überzogene Erwartungshaltungen zu mindern, muss der Mensch kurz gesagt sich und seine Realität akzeptieren und sie mit seinen eigenen Fähigkeiten verändern. Ansprüche und Erwartungen münden weniger in Enttäuschungen, wenn man sie an sich selbst stellt, statt an außenstehende Personen oder gar Produkte. Also sollte man sich im Zweifelsfall lieber auf den eigenen Geschmack verlassen, als sich ein lila-blassblau kariertes Hemd aufzwängen zu lassen. Das schützt zum einen vor verstörten Blicken anderer und zum anderen auch vor Enttäuschungen. Das heißt, letzen Endes haben wir es selbst in

ERWARTUNGEN/ REALITÄT


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GIB MIR SICHERHEIT!

„Noch einmal Kind sein, das wünscht man sich manchmal.“ Stell dir vor, du sitzt in der Bahn. Die Bahn hat Verspätung. Du musst stehen. Es ist stickig. Du fängst langsam an unter deiner Winterjacke zu schwitzen, weil der Winter auch schon wieder viel zu früh angefangen hat. Das Kind im Vierer vor dir, hört einfach nicht auf zu schreien. Über was beschwert sich dieses Kind überhaupt? Den ganzen Tag wird es bemuttert und umsorgt. Nicht mal den Löffel seines Mittagessens muss es sich selbst zum Mund führen. Noch einmal Kind sein, das wünscht man sich doch manchmal. Einfach mal keinen Masterplan für die nächsten 30 Jahre haben. Über nichts nachdenken. Unbeschwert sein. Die Sicherheit beim Einschlafen, dass egal was passiert ist, alles am nächsten Tag wieder gut sein wird. Die Gewissheit, dass man zu Hause trotz schlechter Mathearbeit geborgen und geliebt fühlen kann. Schön wär’s. Heute treiben uns finanzielle Sorgen, der ewig umstrittene Kampf um berufliche Anerkennung und Erfolg sowie die stetige Angst vor sozialer Isolation in einen Teufelskreis aus Unsicherheit, Selbstzweifeln und Angst. Für die meisten gilt es, die Fassade zu wahren, egal wie es dahinter aussieht. Doch wofür das Ganze? Vielleicht um zumindest nach außen hin sicher und beneidenswert zu wirken und insgeheim zu hoffen, dass die Fassade sich tatsächlich auf einen selbst überträgt und endlich Sicherheit verschafft? In Sachen Liebe lassen viele sich angetrieben von der Sehnsucht nach Sicherheit viel zu oft auf jemanden ein, nur um nicht allein mit dem Alltag und dessen utopischen Anforderungen konfrontiert zu werden. Wenn eine Beziehung nicht das hergibt, wonach gesucht wird, weigert man sich dennoch sie aufzugeben. Besser die Illusion von Sicherheit, als dass sie uns komplett entrinnt. Die Stabilität, die man versucht aus Beziehungen zu schöpfen, kann dem Anspruch an Sicherheit nicht mehr gerecht werden. Sie reicht nicht

mehr aus, um den alltäglichen Druck zu kompensieren. Alles rotiert schneller und immer mehr Aufgaben kommen dazu. Hält man dem Druck nicht Stand, ist man zu schwach für die Gesellschaft und auch für die Berufswelt. Entweder man hat es geschafft, hat ein Büro mit atemberaubendem Ausblick, einen Partner, den man wirklich liebt und ein unbeschwertes Kind - oder eben nicht. Ist man mit Anfang 20 noch kein Junior Manager, kann man das mit dem „happy ever after“ sowieso vergessen. Dann muss man sich auch mit Plan Z zufrieden geben. Denn „versagst du, bleibst du stehen – ausbleibender Erfolg, ausbleibende Sicherheit“. Zum Glück aber gibt es Versicherungen, die Sicherheit schwarz auf weiß garantieren. Doch nach Absicherung der Altersvorsorge und des Eigenheims ist man aus Sicht von Werbetreibenden noch nicht genug ausgenommen. Die Werbebranche nutzt Unsicherheit gerne aus und überhäuft den Markt mit immer neuen, auf das menschliche Grundbedürfnis der Sicherheit ansprechenden Produkten. Schon bei der morgendlichen Routine wird an die kleinsten Tücken des Alltags gedacht. Ein 12-Stunden-Schutz reicht nicht mehr aus, man wappnet sich mit einem 48-Stunden-Deo. Sicher ist sicher. Wie kompetent wirkt ein CEO schon, wenn bei einem Meeting mit einem wichtigen Kunden die Schweißflecke unter seinem Hemd hervorblitzen? Dank diesem unersättlichen Streben nach Sicherheit befindet sich unsere Gesellschaft auf dem besten Weg zur Ausbeutung, denn „Angst ist ein Megageschäft und die Wachstumsraten sind unfassbar“ (Sönke Iwersen). „Angst ist ein Megageschäft und die Wachstumsraten sind unfassbar.“ Doch ob all diese äußerlichen Dinge wirklich innerliche Stabilität verleihen, ist fraglich. Gibt es wirklich etwas, das dauerhaft Sicherheit geben kann? Im Leben gibt es oft ein „Komma aber“ und vom einen auf den anderen Moment kann einem alles entgleiten. Denn nicht alle äußeren Einflüsse kann man selbst steuern. Kündigung, Scheidung, zerbrochene Freundschaften – nichts ist vorhersehbar und trotzdem vertraut man darauf, dass alles dauerhaft funktioniert. Einen konsistenten Zustand wird es im Leben nicht geben. Vielleicht ist aber eben gerade dieses gewisses Maß an Unsicherheit, das,


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Sabrina Meier BW/ Media Management & Werbepsychologie „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“

Franziska Habrik BW/ Marketingkommunikation & Werbung “Mains froides, coeur chaud.”

was einen vorantreibt. Erst wenn man sich aus der Komfortzone hinauswagt, macht man die Erfahrungen, die einem etwas lehren und das Leben doch möglicherweise erst lebenswert machen. Neue Herausforderungen zu meistern und über den eigenen Schatten zu springen mag im ersten Moment zwar beunruhigen, könnte aber doch andererseits bei Gelingen ein Gefühl von Sicherheit und Selbstvertrauen verleihen. Macht man sich dessen in einer der wenigen stillen Minuten bewusst, dann entfällt die Notwendigkeit einer äußeren Sicherheit.

Sicherheit können wir einzig und allein in uns selbst finden. Und dafür braucht es schlicht und allein eine Grundessenz an Selbstvertrauen.

„Gibt es wirklich etwas, das dauerhaft Sicherheit geben kann? Im Leben gibt es oft ein 'Komma aber' und vom einen auf den anderen Moment kann einem alles entgleiten.“


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Liebes Tagebuch, heute war wieder ein super Tag. Nicht. Jeden Tag darf ich mir dieselbe Leier meiner Freundin, der größten Dramaqueen schlechthin, anhören. Sie jammert täglich mindestens einmal über ihr ach so schlimmes Leben. Chef blöd, Kollegen blöd, Arbeitszeiten blöd, Gehalt blöd, einfach alles blöd. Und wenn Madame mal wieder kein Geld zum Shoppen hat, geht die Welt gleich unter. Meine Aufgabe ist es dann wie immer, sie zu beruhigen. Natürlich hat sie eine Gehaltserhöhung verdient, auch wenn ihre einzige sinnvolle Beschäftigung am Tag das Lackieren ihrer Nägel ist. Sie soll doch froh sein, dass sie überhaupt was verdient. Als Student ist man dauerpleite und am Ende des Monats kann ich mir nicht mal mehr das Frustsaufen leisten. Von wegen „gönn dir“. Sie macht eine Ausbildung zur Finanzassistentin und kann nicht mal mit Geld umgehen – was läuft da falsch? Sie soll einfach mal halblang machen und mit 300 Paar Schuhen, 400 Ketten und 500 Farben Lippenstift zufrieden sein – sind doch eh alle rot. Ständig regt sie sich über irgendetwas auf, nichts passt ihr. Soll sie doch einfach mal den Mund aufmachen und etwas dagegen tun. Die würde ich gerne mal sehen, wie sie mit nem Kater um 8 Uhr in der Vorlesung sitzt, mitschreiben muss, weil das Skript voller Lücken ist und dann auch noch mit leerem Geldbeutel einkaufen muss. Ich muss auch schauen, wie ich mit dem Geld hinkomme, auch wenn ich am Monatsende nichts mehr auf der Seite habe. Klar, ich könnte auch mehr arbeiten, aber... Mist, schon so spät, muss los ins Training. Dein Kevin


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„... Und es gibt Kevin. was denkst du, ist Kevin ein siegertyp?“

…aber, aber, aber. Kevin ist nicht der einzige, der von der ständigen Jammerei seiner Freundin genervt ist. Jammern gehört zum Alltag vieler Menschen, aber etwas daran ändern tun die wenigsten. Oft erkennt man negative Verhaltensweisen „Jammern gehört zum alltag vieler menschen, aber etwas daran ändern tun die wenigsten.“ nur bei anderen. Man selbst ist natürlich fehlerfrei und vor Kritik geschützt. Aber bei anderen, da darf man Fehler verurteilen. Natürlich braucht jeder ab und zu auch mal ein paar Minuten, in denen man sich so richtig bei seiner Freundin auskotzen kann und es dabei immer um dieselben dauerhaft leidigen Probleme geht. Theoretisch ist es ja eigentlich gar nicht so schwer, etwas zu ändern, das einen persönlich stört. Rein praktisch gese„theoretisch ist es ja eigentlich gar nicht so schwer, etwas zu ändern, das einen persönlich stört. rein praktisch gesehen, muss man sich allerdings einigen hürden stellen.“ hen, muss man sich allerdings einigen Hürden stellen. Die erste der drei Hürden zur Besserung hat Kevin schon mal erfolgreich gemeistert: Die

„Problemerkennung“. Offensichtlich fällt ihm das Haushalten seines Geldes schwer. Auch für Schritt 2, die „Lösungsfindung“, hat er einen Ansatz gefunden, um sein Geldproblem zu lösen. Mehr Arbeiten ist angesagt, was auch bei Kevin angekommen ist. Allerdings steht ihm nun die dritte Hürde, die „Umsetzung“, bevor. Das scheint jedoch die Größte zu sein: Die einen fallen, die anderen umlaufen sie. Einige probieren sich an der Umsetzung und versuchen das Problem tatsächlich zu lösen, scheitern aber an verschiedensten Gründen. „Der teufelskreis des Jammerns beginnt von vorne, denn es hat sich eben doch nichts geändert.“ Andere wiederum stellen sich gar nicht erst der Herausforderung. Letzten Endes umlaufen sie die Hürde, anstatt sich ernsthaft damit auseinander zu setzen. Auch auf diesem Weg erreichen sie die Ziellinie, der Weiterführung des „Gelernten“, ohne dabei wirklich etwas geändert zu haben. Klar, man muss ja nicht jedes Hindernis erfolgreich meistern, um ins Ziel zu kommen. Denn egal, welchen Weg die Veränderungsverweigerer auch nehmen, am Ende kommen beide zum selben Ergebnis, nämlich dass sie wieder zurück an die Startlinie müssen. Der Teufelskreis des Jammerns beginnt von vorne, denn es hat sich eben doch nichts geändert. Aber zum Glück gibt es

da noch die Top-Athleten unter den Hürdenläufern. Grazil nehmen sie eine Hürde nach der andern, schrecken vor keiner Herausforderung zurück und gehen als Sieger der Challenge hervor. ... Und es gibt Kevin. Was denkst du, ist Kevin ein Siegertyp?

Alicia Lohr BW/ Marketingkommunikation & Werbung „Sattel die Hühner und los geht’s!”

Sabrina Meier BW/ Media Management & Werbepsychologie „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“


geLIKeD UnD FÜr Immer Vergessen

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„Your mind is a powerful thing. when you fill it with positive thoughts, your life will start to change.“ „Your mind is a powerful thing. When you fill it with positive thoughts, your life will start to change.” Man tippt zweimal auf den Screen seines Smartphones, das Herz erscheint und man scrollt weiter. Täglich begegnet man solchen Weisheiten. Oft sind es immer die gleichen, aber meistens liest man sie, ohne das Geschriebene wirklich zu verarbeiten. Gelesen, geliked und für immer vergessen. Und dennoch denkt man in den wenigsten schwierigen Momenten an das letzte Zitat zurück. Das Leben scheint manchmal einfach komplett anders zu laufen als geplant. Aus einem geradlinigen Weg wird ein Pfad mit Stolpersteinen. Es sind Hindernisse, die aufhalten, zum Umkehren verleiten oder sogar in die Knie zwingen. Der Weg, auf dem man sich so sicher gefühlt hat, droht manchmal zum dünnen Drahtseil zu werden. Doch auch wenn es oft nicht so erscheint, ist es möglich die Balance zu finden. Als Mantra dafür ist der oben genannte Spruch gar nicht mal so verkehrt: Unser Geist ist mächtig. Mit anderen Gedanken und vor allem positiven Gedanken kann man es aus so mancher Situation herausschaffen. Um den Weg zurück zum Glück zu finden, muss man private Sorgen oder Probleme nach ihren Ursachen untersuchen. Dabei entdeckt man einerseits, ob sie überhaupt begründet sind und andererseits, ob man etwas an ihnen ändern kann oder nicht. In einem Motivationstief kann es erstens helfen, sich genau vor Augen zu führen, warum man gerade das tut, was man tut. Natürlich lernt man nicht unbedingt für ein Fach, weil alles daran so wahnsinnig spannend ist, aber mit jeder bestandenen Klausur seinem Ab-

schluss und damit dem Traumberuf etwas näher kommt. Zweitens können Erinnerungen an vergangene Erfolgserlebnisse im Leben motivieren. Wenn man sieht, was man schon geschaff t hat, sieht man, wozu man fähig ist. Das steigert das Selbstvertrauen. Viel schwieriger ist es, wenn man nicht selbst oder nicht direkt Verursacher der misslichen Situation ist. Manchmal sind es einfach die Umstände, an denen man scheitert. In diesen Momenten sieht alles meist ganz unfreiwillig viel schlimmer aus als es ist. Der Bezug zur Realität geht verloren und man vergisst zu hinterfragen, ob die Situation überhaupt so schlimm ist. Der verkrampfte Wunsch einer sofortigen Rückkehr zum Normalzustand und zum Zufriedensein plagt einen dabei oft. Doch nicht immer steht dies in der eigenen Macht. Manchmal hilft zeitlicher Abstand zu den Problemursachen und Sorgen, denn Zeit heilt Wunden. Und während man also wartet und Tee trinkt, sollte man nicht darüber nachdenken, wie lange man schon sorgenvoll oder traurig ist. Vielmehr hilft es, wenn man schlechte Zeiten als normalen Bestandteil des Lebens annimmt. Man muss eben auf das Ende des Teetrinkens vertrauen. Wenn alles dann wieder gut läuft, dann scheint auch wieder die Sonne. Auch wenn einen irgendwann der Sommerregen mit voller Wucht erwischt, erschrickt man, aber verliert nicht das Gleichgewicht. Denn man hat sich eingestanden, dass man ohne Tiefpunkte die Hochpunkte nicht spüren würde. Das Leben ist ein Meer aus Höhen und Tiefen. Das Leben ist nicht nur Stoff wechsel, Vermehrung, Evolution, Bewegung, Selbsterhaltung und Organisation, sondern auch Freude, Kampf, Liebe und Leiden. Emotionen bestimmen das Leben bestimmen und man muss lernen das Leben zu genießen mit all seinen Facetten und Hindernissen. Mit diesem Wissen kann man anfangen im Regen zu tanzen, bis der nächste Sonnenstrahl das Herz erhellt. Denn nach Regen kommt auch immer Sonne.

Josefi n Link BW/ Marketing „Expect the best, plan for the worst, and prepare to be surprised.” Denis Waitle


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„Das Leben ist nicht nur stoffwechsel, Vermehrung, evolution, Bewegung, selbsterhaltung und organisation, sondern auch Freude, Kampf, Liebe und Leiden.“


Homo sapiens jammerlappus

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„Denn wenn es etwas gibt, was die Deutschen besonders gut exportieren können, dann sind das Autos, Maschinen… und Beschwerden.“ Der deutsche Tourist (Homo Sapiens Jammerlappus) lässt sich schnell anhand einiger Merkmale in seinem natürlichen Habitat identifizieren. Sein Territorium auf dem Liegestuhl markiert er morgens schon mit einem (vorzugsweise vollgeschwitztem) Handtuch, was ihn besonders unbeliebt bei verwandten Touristenarten macht. Erkennbar sind männliche Vertreter an einer leichten bis ungesunden Wampe, schneeweißen Socken, die in Sandalen präsentiert werden und bunten Hemden. Weibliche Vertreterinnen erkennt man an ihrem Sonnencreme Konsum, der zwischen vier bis fünf Litern pro Tag beträgt. Beide Geschlechter des Homo Sapiens Jammerlappus haben jedoch die Gemeinsamkeit, dass sie sich mittels endlosem Genörgel ausdrücken. Denn wenn es etwas gibt, was die Deutschen besonders gut exportieren können, dann sind das Autos, Maschinen … und Beschwerden. Gehobenes Auskotzen, Premium Nörgling, akademisches Schimpfen, sich beschweren, all das ist eine gefeierte Kunst in der Bundesrepublik. Während man sich mit „First World Problems“ befasst, werden in den Medien täglich „echte Probleme“ wie Terrorgefahr, Bürgerkriegen und Klimawandel geschildert und man merkt, dass es eigentlich keinen Grund zum Meckern gibt. Es gibt kaum ein Land, dem es wirtschaftlich besser geht als Deutschland und trotzdem belegen die Deutschen nach dem „Happy Planet Index“, der sich aus den Faktoren Lebenszufriedenheit, Lebenserwartungen

und ökologischen Fußabdruck berechnet, gerade einmal Platz 46. Wieso herrscht also diese Negativität in Deutschland, die so viele Lebensbereiche durchdringt? Man sollte meinen, dass aktuelle Medienberichte Probleme nichtig aussehen lassen und uns daran erinnern, wie hoch der Lebensstandard ist. Fehlanzeige! Vor allem soziale Netzwerke lösen Studien zu Folge zunehmend negative Emotionen wie Unzufriedenheit und Neid bei ihren Nutzern aus. Doch soziale Netzwerke sind ein junges Phänomen im Vergleich zur alten Institution der germanischen Nörgelkunst. Die preußischen Tugenden der Hierarchie der Unterwerfung und des Einordnens brachten ein Lieblingsmantra der Deutschen zur Welt: „Da muss da oben doch einer was tun!“ Da ist er, einer der Gründe, wieso es so angenehm ist zu nörgeln. Die Verantwortung für eine schlechte Situation ist ganz einfach abgegeben, wenn man sich als Opfer einer Situation darstellt. Da bietet sich doch die politische Obrigkeit perfekt als Ziel, um einen Schuldigen für das eine oder andere Problem zu finden. Auch wenn es in Deutschland vergleichsweise wenig Anlass zu meckern gibt, existieren durchaus Situationen, in denen sich das Beschweren lohnt. Unzufriedenheit kann ein Antriebsmotor für Veränderungen sein. Wenn die primitiven Jäger und Sammler damals nicht über die kalten Höhlen gejammert hätten, würde keiner heute in beheizten Häusern wohnen. Es ist wichtig zwischen zwei Arten von Me-


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ckerern zu differenzieren. Auf der einen Seite gibt es die progressiven Nörgler, die die Heizung in unsere moderne Steinzeithöhle brachten. Menschen wie Karl Marx und Friedrich Engels zählen mit ihren Ideen auch dazu, wollten sie doch das System zum Besseren verbessern. Das ist die „gesünde„Dass er den Klodeckel oben lässt und sie nie sagt, was sie meint, ist nur halb so schlimm, wenn die Nachbarin wieder 10 Kilo in einer Woche zugenommen hat.“ re Art“ von Fortschritt. Im Gegenzug stehen dazu die konservativen Nörgler, die mit der Situation, die sich geändert hat, nicht klar kommen. „Früher war alles besser.“ Diese Art Nörgler gehört weniger zu denen, die sinnvolle Vorschläge bringen. Attraktiv wird das Nörgeln in Deutschland vor allem dadurch, dass es solidarisiert. Wenn Mann und Frau in einer Beziehung aneinander nörgeln, hilft vor allem eins: Zusammen über Dritte lästern. Dass er den Klodeckel oben lässt und sie nie sagt, was sie meint, ist nur halb so schlimm, wenn die Nachbarin wieder 10 Kilo in einer Woche zugenommen hat. Natürlich ist das keine schöne Eigenschaft, aber nur ein Heiliger würde so etwas nicht tun. Deutschland solidarisiert sich untereinander durch das Genörgel. Auch wenn es keiner zugibt, die deutsche Ordnungslust und Genauigkeit hat im Laufe der Geschichte eine penible Empfindlichkeit in der Bevölkerung hervorgerufen, die viele anfällig für Kleinigkeiten gemacht hat.

Zurück zu Jammerlappus: Zwei oder mehrere Exemplare freunden sich besonders schnell an, wenn sie ihre Unzufriedenheit teilen können. Oft sind sie laut dabei und scheuchen eine neue Art von deutschen Touristen auf. Eine Untergattung: Diejenigen, die sich abgrenzen wollen vom Reisepöbel, weil sich der zu viel beschwert. Und so beschweren sie sich über die, die sich beschweren. Und das Spiel geht von vorne los.

Max Klose Wirtschaftsingenieurwesen „Ich kenne die Hälfte von euch nicht halb so gut, wie ich es gern möchte, und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern, wie ihr es verdient.“

Mona Rust BW/ Marketingkommunikation & Werbung „Great things never came from comfort zones.”


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MD #65

Sei (k)ein Jammerlappen!

Kurt Cobain hat einmal gesagt: „Ich beklage mich gern und tue nichts, um die Dinge besser zu machen“. Nun, wenn das so ist, kann man diesen Worten folgen und sich einmal über Dinge beklagen, über die sich ganz bestimmt die ganze Welt aufregt. 1. Musikstreaming-Dienste Der Titel soll nicht falsch verstanden werden. Diverse Musikstreaming-Dienste wie Spotify oder Soundcloud geben den meisten täglich eine Dosis ihrer Lieblingslieder. Der Vorteil dieser Dienste ist natürlich, dass man eine unendliche Vielfalt an Songs besitzt und ein gewisses Angebot an Playlisten nutzen kann. Das wahre Problem an Diensten wie Spotify erkennt man erst, wenn man nicht bereit ist, Geld dafür auszugeben. Nach einem stressigen Tag kommt man nach Hause und möchte seinen Abend in Ruhe mit kostenloser Musik ausklingen lassen. Man lässt ruhige Musik im Hintergrund laufen und schläft langsam ein. Falsch gedacht. Denn irgendwie müssen diese Dienste ja Geld einnehmen – womit geht das gut? Werbung, richtig. Womit geht das am besten? Laute Werbung. Sehr laute Werbung. Nachdem man also einen kleinen Panikanfall bekommen hat, weil man sich so erschrocken hat. Insgeheim beschließt man dann, dass man mit Benutzen dieses Streaming Dienstes nie wieder einen Wecker braucht. Zusammengefasst: Ein MusikstreamingDienst ist wie eine Bratwurst – entweder sie schmeckt oder sie tut es nicht. Der Geschmack ist übrigens besonders schlecht, wenn nach mühseligem Zusammenordnen deiner Lieblingslieder die Auswahl nicht gespeichert wurde. 2. To-Do-Listen Quadratisch, Praktisch, Gut – To-Do-Listen. Eine Erfindung, die deinem Gewissen gut tut. Auf diese Listen wird grundprinzipiell alles geschrieben, was man so erledigen könnte. Das Ziel? Die Hoffnung, dass man eigentlich alles abhaken und stolz auf sich sein kann, dass man so viel „Wichtiges“ geschafft hat. Wenn das „Wichtige“ erledigt wurde, kann man sich dann getrost nun wahren Prioritäten widmen, wie zum Beispiel ein paar Stunden Freizeitgestaltung auf Netflix. Je mehr Punkte man abhaken kann, desto besser! Aber Vorsicht: Beim Schreiben einer ToDo-Liste muss zum Beispiel auch auf den Gemütszustand geachtet werden. Surft man nachts um halb eins im Internet und hat eine Flasche Wein getrunken, muss man aufpassen, dass sich nicht folgende – natürlich sehr

wichtige – Erledigungen auf die Liste schummeln: einen Laserpointer kaufen oder die Bravo Hits 10 rauf und runter hören. Ein weiteres Problem der To-Do-Listen: Aufgeschrieben ist halb vergessen. So muss man also echt aufpassen, dass man nicht in eine „busy-doin‘-nothing-at-all“-Stimmung abdriftet. 3. Unfreiwilliger, mühseliger Sport Wenn man die Wahl zwischen einem Frühstück im Bett mit warmen Kakao, gesunden Köstlichkeiten, einer Staffel Prison Break und einem frühmorgendlichen Sportprogramm für den ultimativen Badass-Beach-Body hat, fällt die Entscheidung oft leicht. Der gemütliche Typ würde ganz sicher das Workout nehmen. Das soll nicht falsch verstanden werden, Sport ist manchmal schon gar nicht so schlecht und kann sogar Spaß machen, aber Sport auf unfreiwilliger Basis erweist sich jedoch oft als Qual. Wie unfreiwilliger Sport aussehen kann? Vergisst man beispielsweise die Zeit beim Frühstücken, muss man schnellen Schrittes zum Bus hetzen. Dieser fährt aber natürlich vor den eigenen Augen davon. Jetzt gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Hinterherrennen oder auf den nächsten Bus warten und noch später kommen. Der letzte Ausweg, um doch noch pünktlich zu erscheinen, ist Laufen, ein ganzes Stück bergauf. Unfreiwillig. Als aus dem Norden Deutschlands stammende Studentin ist man flache Landschaften gewohnt, sowas wie Berge kennt man nur aus dem Internet. Frisch angekommen in Pforzheim wird einem schnell klar, dass Fahrrad fahren hier keine gute Idee ist. So viel Sport ist doch schon irgendwie wahnsinnig. Dann wartet man doch lieber auf den Bus und gibt sich seiner morgendlichen Gemütlichkeit hin.

Lydia Bosse BW/ Media Management & Werbepsychologie “Meine liebste Yoga-Pose ist die junge Frau, die sich fragt, wann diese Stunde zu Ende ist, damit sie sich Pommes holen kann.“


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Meine geliebte deutsche bahn,

diese Zeilen zu schreiben, fällt mir unglaublich schwer. Ich musste all meinen Mut zusammen nehmen und glaube mir, meine Liebste, tiefste Trauer erfasst mein Herz. Schon seit meiner frühen Jugend verbinden uns viele Wege und einprägende Erlebnisse: Nicht enden wollende Tage, kurze Nächte und unglaubliche Stunden. Durch deine einnehmende Aufmerksamkeit hast du mir die Chance gegeben, viel über uns beide nachzudenken. Umworben hast du mich mit den bestechenden Worten „Die Bahn macht mobil“. Du hast mir gezeigt, dass nicht nur alle Wege nach Rom führen, sondern mit dir kann ich die ganze Welt bereisen. Du und ich bis ans Ende der Welt. Gelockt hast du mich mit Angeboten, wie Schönes-Wochend- und Quer-durchsLand-Tickets, doch irgendwann hat sich alles verfahren. Für nur kurze Zweisamkeit mit dir, musste ich einen hohen Preis zahlen. Trotz alledem waren wir nicht ungestört und ein Gefühl von Geborgenheit konntest du mir nicht geben. Ich durfte mich nicht zurücklehnen und meine Füße hochlegen. Stattdessen erdrückten mich viele Wegbegleiter und du gabst mir nicht den nötigen Halt. Ich habe Verständnis dafür, dass dich zum Beispiel der Winter letztes Jahr so sehr überrascht hat. Er kam für mich ja schließlich auch ganz plötzlich. Und auch das Problem mit dem Streik der Lockführer ging nicht spurlos an mir vorbei und ich habe einige Ausreden deinerseits schmunzelnd hingenommen. Doch du hast mich zu viele Male bibbernd vor Kälte allein stehen und warten lassen, ohne eine Entschuldigung deiner Verspätung oder Störungen. Zuverlässigkeit zählt nicht zu deinen Stärken. Selbst deine Freunde, der Schaffner und der Service-Mitarbeiter, konnten mir keine zufriedenstellende Auskunft geben, wenn ich dich verstehen wollte. Um dich nicht zu verletzen oder dich in ein falsches Licht zu rücken, wurde ich auf unfreundlichste Art und Weise zurückgewiesen. Das hat mich vollkommen aus der Bahn geworfen. Andersrum gab es Tage, an denen du mich gar nicht mehr gehen lassen wolltest. Anfangs war es noch „Einsteigen & Entspannen“, doch mit voranschreitender Zeit begann die Welt still zu stehen. Nichts ging mehr voran. Ich fühlte mich gestresst, da andere Termine und Verabredungen auf der Strecke bleiben mussten. Deine besitzergreifende Art engt mich ein, darum wollen wir doch ehrlich sein. Wir beide wissen, dass eine funktionierende

Beziehung mit Zukunft aus einem beidseitigen Geben und Nehmen bestehen muss. Ich brauche jemanden an meiner Seite, der zuverlässig ist, nicht nur mein Geld will und auch bereit ist auf meine Bedürfnisse einzugehen. Doch über die Jahre ist da einiges auf der Strecke geblieben und du hast viel von mir genommen. Zurückbekommen habe ich nur, wenn ich nach deiner Pfeife getanzt habe. Als ich dich schlussendlich um etwas mehr Freiraum bat, hast du das toleriert, aber vermutlich zu wörtlich genommen. Du tauchtest gar nicht mehr auf und schicktest mir nur noch Briefe mit neuen und bindenden Versprechen. Das alles will ich gar nicht, das einzige was ich brauche, ist ein abgestimmtes Zusammenspiel. Dieses kannst du mir, glaube ich, nicht mehr geben. Aufgrund dessen habe ich mich immer öfter dabei erwischt, wie ich meine Augen nicht von BlaBlaCar und Flixbus lassen konnte. Sie zeigten mir schnelle, kostengünstige und einfache Möglichkeiten, neue Wege zu gehen. Wege ohne dich und außerhalb deiner Vernetzung. Ich möchte ungehindert ans Ziel gelangen. Du solltest ebenso in die Zukunft blicken, deine Prinzipien überdenken sowie neue Chancen wahrnehmen. Hierbei wünsche ich dir alles Gute und vielleicht kreuzen sich unsere Wege einmal wieder. Bis es dazu allerdings kommt, braucht unsere Beziehung eine Pause. Auch die BahnCard war nur ein loses Versprechen für ein Jahr und nicht für ein ganzes Leben. Und ich sage es nun in deinen Worten: Dieser Zug endet hier. Bitte alle aussteigen. Hiermit kündige ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt meine BahnCard. Ich bitte um eine schriftliche Bestätigung meiner Kündigung. Vielen Dank für Ihre Mühe. Mit freundlichen Grüßen, Max Mustermann

Rieke Strehle BW/ Marketingkommunikation & Werbung „Heute war gestern schon morgen.“

Ricarda Halle BW/ Marketingkommunikation & Werbung „Ich kam, sah und vergaß, was ich vorhatte.“


Jetzt muss ich mir schon wieder was aus der Nase saugen. „Die Aufga be: Kreat ive dazu bringen, sich bei Jung von Matt/Necka r zu bewerben.“ Was können wir denen schon bieten? Den ganzen Tag liegen uns die Berater in den Ohren. Zieh’ dir eine Hose an! Dreh’ deinen Gitarrenverstärker leiser! Nein, wir haben keinen Platz für eine Ziege! Nach drei Wochen auf dem Job muss die Head line ja da sein! So wie die nerven … das wird nichts. Vielleicht sollte ich es mit dem GratisBier versuchen? Gut. Aber wie verlockend sind lächerliche vier verschiedene Sorten? Und keins davon mein liebstes Scotc h Ale aus der Brauerei Unteroberappingen. Der ganze Schampus hilft da auch nicht. Vielleicht, dass man auf Agenturkosten um die halbe Welt reisen darf? Naja das Shooting in Barcelona war ja auch nur halb geil. Nach zwölf Stunden mit Piqué und Neymar hat man auf deren Fressen echt keine Lust mehr. Und von Lewis Hamilton und seinem Hund mit Verdauungsproblemen will ich gar nicht erst anfangen. Schon wieder aufs Burning Man? Nee. Vielleicht ist’s das Gratis-Tax i nach Hause? An sich ist das ja nicht so schlecht. Aber wenn man jeden Tag bis zehn Uhr abends kicke rn muss, damit man die Zeit rumbekom mt, macht’s beim

After work am Freitag keinen Spaß mehr. Meiner Sehnenscheidenentzündung dank der Quake III-Ru nden gegen Boris ist das ständige Kickern auch nicht zuträglich. Vielleicht sind’s die heißen Prakt ikantinne n? Interessanter Punk t. Aber nach so einem harten Arbeitstag können die schon mal ziem lich anstrengend sein. Ein Tag Ruhe zwischen dem Dienstagsbier nach dem Gratis-Kino und dem donnerstäglichen in-den-Freitag-h ineinFeiern ist mir da manchmal schon lieber. Außerdem kommen bei dem Klischee wieder die Sittenwächter. Macht keinen Spaß. Vielleicht die span nenden Aufgaben? Ja genau! Wie dieser doofe Text. Mir fällt einfach gar nicht s ein. Wen soll’s denn auch wundern? Wenn ich schon um elf Uhr morgens im Büro sein muss. Nicht mal die dreistünd ige Mittagspause hat geholfen. Das zweite Glas Rotwein beim Italiener war auch noch kalt. Da wird nicht mal die Massage morgen helfen. Oder das Taiberg von Rico. Ein Urlaub muss her. Wir machen’s so: Wenn du dir den Scheiß wirklich antun willst, bewirb dich doch mit ’ner besseren Recruiting-Anzeige. Hier: anfrage@jv m-neckar.de Ich geh jetzt chillen in den Park.



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PERFEKTIONISMUS WERBUNG UND SO

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Frauen durch die Medien unter Druck gesetzt, etwas an ihrem Körper zu verändern. Genug Frauen und Männer übertragen die Bilder, die sie in solchen Werbungen sehen auf sich selbst, vergleichen sich mit den Stars und Sternchen in den Werbungen und setzen sich dann ein bestimmtes und nahezu unerreichbares Schönheitsbild als Ziel. Dafür sind viele dann auch bereit, beinahe alles zu tun – Stichwort: Magerwahn. Durch den Digitalisierungsprozess, den wir zurzeit durchlaufen, steigt die zunehmende Anzahl an Teenagern, die schon im frühen Alter durch ihre Smartphones Zugang zur großen weiten Welt des Internets bekommen und damit auch ungeschützt mit den Themen Schönheitswahn und Magersucht konfrontiert werden.

Nobody‘s perfect - oder doch? Ein typisches Frauenumkleideszenario: Julia beklagt sich: „Ach, ich habe jetzt schon so lange keinen Sport mehr gemacht. Bei mir ist an manchen Knochen einfach bisschen zu viel drauf! Ich bin so froh, dass wir es mal wieder geschafft haben, ins Zumba zu gehen. Damit bin ich meinem Ziel, eines Kim Kardashian Pos schon ein bisschen nähergekommen. Und der Trainer, der ist ja auch sowas von hot, meine Güte!“ Ihre Freundin Nele antwortet: „Ja, das war echt wieder witzig mit dir! Aber Julia, du bist doch schön, wie du bist! Ich weiß gar nicht, was du für ein Problem hast! Schau nicht auf die anderen. Hauptsache ist doch, man fühlt sich wohl in seiner Haut. Niemand ist wirklich perfekt.“ Nele hat es wohl erkannt: Nobody’s perfect – oder doch? Schaltet man den Fernseher ein oder klickt sich mal aus Langeweile durch das Geflecht an Beautyvideos auf YouTube, wird man schnell stutzig, ob es nicht doch darum geht, dieses perfekte Erscheinungsbild – oder in unserem Fall den perfekten Booty – zu erzielen. L’Oréal, Max Factor, Garnier u.v.m. machen es vor und zeigen in ihrer TV-, Digital- und Out-of-Home-Werbung die Perfektion der Perfektion. Reinste Haut, Schönheit und Photoshop Skills soweit das Auge reicht. Die Beauty- und Modeindustrie vermittelt, bis auf ein paar Ausnahmen, ein äußerst verzerrtes Bild von Schönheit und damit sollte definitiv nicht gespaßt werden. Laut einer StatistaStudie fühlen sich 46 Prozent der deutschen

Aktuellen Werbekampagnen bewerben, im Vergleich zu früheren Werbungen, lediglich die „Einbettung” des Produktes in eine Konsumkultur und nicht mehr den reinen Nutzen des Produktes. Der Vollständigkeit halber sollte und muss man im gleichen Zuge aber auch erwähnen, dass die werbetreibenden Unternehmen auch in einem gewissen Interessenskonflikt stehen. Auf der einen Seite wissen sie, dass die Werbung, die sie den (potentiellen) Kunden durch verschiedenste Kanäle zugänglich machen, den Umsatz ihres Unternehmens steigert, ja sogar steigern muss. Auf der anderen Seite sollte man das alles aber auch von einer ethisch-moralischen Seite beleuchten. Denn eigentlich sollten die werbetreibenden Unternehmen die Massenmedien als Mittel nutzen, um dem ganzen Schön- und Schlankheitswahn ein Ende zu setzen und anfangen ihren Beitrag zur Realitätskonstruktion zu leisten. Verschiedene Marken wie beispielsweise Esprit und Dove haben die Situation um das Thema schon erkannt und appellieren an den Rezipienten mit der Message, dass man perfekt ist, so wie man eben ist und dass einem das niemand nehmen kann! Irgendwie kommt es ja dann doch auf die inneren Werte an, oder nicht? Nobody’s perfect? Von mir aus gerne!

Sandra Ehrig BW/ Media Management & Werbepsychologie „Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts.“


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AD Boy for life?!

„Rotherbaum, meine neue Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause, mein Block.“ Zu Beginn meines Praktikums war ich mir ziemlich sicher, dass es eine Weile dauern wird, bis man sich an all das neue gewöhnt hat. Schließlich ist seit Mitte August nicht mehr Pforzheim, sondern die Alsterterasse in der Hansestadt Hamburg, Rotherbaum meine neue Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein zu Hause, mein Block. Das liebgewonnene Studentenleben vorerst auf Eis gelegt, Arbeitsalltag ist angesagt – work hard play hard eben. Mich an meine neuen Aufgaben und Kollegen zu gewöhnen ging dabei jedoch schneller als gedacht. Every day I’m hustlin hieß es direkt vom ersten Tag an, denn schon eine Woche nach Praktikumsbeginn stand einer der wichtigsten Termine, die man als Werbeagentur haben kann an – Neugeschäftspräsentation. Da Neugeschäfte aus Prinzip immer streng vertraulich sind, kann ich an dieser Stelle noch nichts verraten, aber vielleicht sei so viel gesagt: we’ve got 99 problems but a pitch ain’t one. Neben verschiedenen New Business Projekten arbeite ich allerdings hauptsächlich auf Paulaner und Audi. Autos und Bier, was sich anhört wie die Inkarnation eines Männertraums, sind in Wahrheit sehr anspruchsvolle Kunden. Das bedeutet einerseits eine Menge Arbeit, andererseits aber auch eine Vielzahl an Erfahrungen, die ich während meines Praktikums mitnehmen kann. Vom Vorbereiten internationaler Workshops zur Markenpositionierung bis hin zur akuten Krisenkommunikation als Konsequenz aus #dieselgate habe ich nämlich schon so einiges erlebt. Was ich in dieser Zeit besonders bemerkt habe, ist dabei, wie schwer es sein kann, unter Druck

die passende Idee bekommen zu müssen. Stehen hinter „Timing“ nämlich die vier Buchstaben „ASAP“, dann heißt es nämlich keine Zeit verlieren, sondern drop it like it’s hot! Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings auch daran und wenn alles schon von Beginn an klappen würde, müsste ich ja auch kein Praktikum machen. Zwar bekomme ich mehr als 50 Cent, Geld essen kann ich aber trotzdem nicht, vor allem nicht in Hamburg. Ist halt doch alles etwas teurer als südlich von der Elbe in Pforzheim. Nach meinen sechs Monaten hier in Hamburg geht es für mich nahezu direkt weiter ins Auslandssemester nach Lissabon, ob es da billiger wird – I doubt it – wärmer aber hoffentlich schon. Das Wetter in Hamburg entspricht vor allem jetzt in den Herbst und Wintermonaten leider allzu oft dem Schietwetter Klischee und immer wenn es regnet, muss ich an dich denken – Sonne Portugals. Mein Praktikum macht mir großen Spaß, dennoch freue ich mich auf den Urlaub fürs Gehirn danach. Vielleicht dann auch wieder mit einem Bericht im MD. Als Abschließendes Fazit kann ich aber schon mal sicher sagen: Wetter in Hamburrrrg –nope! Praktikum bei thjnk –jap! PS. Wer alle 11 eingebauten Anspielungen an wichtige Texte der Rap-Geschichte findet, auf den ein kräftiges Hip Hop Hooray...hooo...heey...hoo... Jetzt sind es doch 12.

Philipp Dußmann BW/ Marketingkommunikation & Werbung „Hol den MD, der ist geil, verschling ihn Seite für Seite, Alter REFILL ist besser und dieser *piiep* ist Scheiße!”


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Beratung bei serviceplan.

„Der Berater sitzt generell „zwischen den Stühlen“, bekommt täglich etliche Emails, ist ein guter Verkäufer, braucht gute Menschenkenntnis und ein dickes Fell. “

Wieso, weshalb und warum ich ausgerechnet in die Beratung bei Serviceplan gegangen bin, möchte ich euch berichten. Erste Erfahrungen im Projektmanagement konnte ich bereits in der Werbeliebe sammeln und Leute „zulabern“ sowieso, also war mir früh klar, dass die Kundenberatung mein Ding sein könnte. Meinungen und Erfahrungsberichte über Serviceplan, gerne auch als „Berater-Agentur“ verschrien, reichten von Porsche bis Fiat Panda, immer aber hat die Agentur wohl polarisiert. Während der Teamarbeit bei REFILL verfestigte sich mein positives Gefühl und die Sache kam ins Laufen. Das Praktikum beginnt, auch bei Serviceplan, mit der Bewerbung. Das Gespräch fand in lockerer Atmosphäre auf der Dachterrasse statt, Kaffee trinken, Kennenlernen statt HR-Katalogfragen – Agentur eben. Das erste Dilemma bietet sich dem Praktikanten bereits nach der Zusage, da München bekanntlich teurer als Pforzheim (oder auch sonst so ziemlich jede Stadt in Deutschland) ist. Für die Wohnungssuche gilt: Der frühe Werber holt die Wohnung, der schlaue Werber informiert sich im erweiterten Freundeskreis um Marc Zuckerberg. Serviceplan bietet zwar für Mitarbeiter Wohnungen an, allerdings korreliert Nähe der Wohnung zum Arbeitsplatz stark positiv mit Überstunden und ich entschied mich für mehr Freizeit. Der Arbeitsalltag eines Beraters beginnt gegen 9.00 Uhr zumeist an der Kaffeemaschine der Agentur. Danach folgen die üblichen Projektmanagement-Aufgaben. Das heißt Meetings, Briefings, Kundentelefonate, Recherchen, Proof-Abstimmungen und Powerpoints bauen, das alles mehrmals täglich und in unterschiedlicher Reihenfolge. Operative Tätigkeiten stehen auch in meinem Wochenplan wie beispielsweise Hotelbuchungen, Hauspost abholen oder Konferenzsäle eindecken. Diese nehmen allerdings nur einen Bruchteil meiner Arbeitszeit in Anspruch und mal ehrlich: Prak-

tikantenaufgaben sind wie Kostenrechnung – da muss jeder mal durch. Trotz Praktikantenaufgaben fühle ich mich als vollwertiges Teammitglied. Das liegt einerseits an meinen eigenen Kundenprojekten und andererseits an der Wertschätzung, die mir jeder Arbeitskollege entgegenbringt. Auch bei Shootings und Werbeaufnahmen war ich schon mit eingebunden. Alles in allem bin ich wirklich zufrieden. Über konkrete Kunden oder Projekte darf ich aus Vertragsgründen leider nichts erzählen. Klar ist, dass eine Agentur nicht nur Kunden aus den Credentials betreut. Dafür bewerben wir Senf, ne Bank, Krankenhausbedarf wie Inkontinenzwindeln, Solaranlagen, ein Video-On-Demand-Portal und einen Filmverleih. Da ist jeden Tag Abwechslung geboten. In meiner Agentur, der Campaign 2, sind wir aktuell 35 Personen. Diese schlüsseln sich auf in Geschäftsführung, Beratung und Kreation. Eigene Strategen haben wir nicht, da das Planning bei Serviceplan über die Holding zentral geregelt wird. Das Team ist jung (geblieben) und seit Beginn an freundschaftlich. Die Gesprächsthemen reichen vom Fachgespräch über Wochenendplanung bis zur Elfmeter-Entscheidung. Auch das bayrische Nationalgetränk kommt in den Abendstunden in der Agentur nicht zu kurz und bildet oftmals den Startschuss nächtlicher Kneipenrunden oder Klubbesuchen. Das üppige Werber-Praktikanten-Gehalt ist da natürlich schnell ausgegeben. Dennoch kann man auch in München mit wenig Geld schöne Stunden verbringen. Wirklich, die Stadt ist der Wahnsinn! Serviceplan liegt direkt im Herzen Münchens am Königsplatz, innerhalb weniger Minuten erreicht man Stachus und Marienplatz. Auch der Englische Garten und das Kneipenviertel um die TU sind in unmittelbarer Nähe. Schlussendlich bleibt zu sagen: Serviceplan ist eine der Top-Adressen für MarketingKommunikation in Deutschland. Man lernt jeden Tag Neues, wird gefordert und ich würde mich wieder für das Praktikum entscheiden.

Philipp Kloé BW/ Media Management & Werbepsychologie “Geld ist nicht alles” - (Das ist Geld) K.I.Z.


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MOIN MOIN!

Jäger & friends

„Ich melde mich hiermit aus der Werbehauptstadt: Meine Stadt heißt Hamburg!“ Ich mache hier mein Praxissemester bei der Agentur Scholz & Friends, genauer: In der Scholz & Friends Strategy Group. Wie der Name schon sagt, mache ich ein Praktikum in der Strategie. Ergeben hat sich das Ganze durch die Teilnahme am Strategy Weekend. Nach dem zweitägigen Workshop war ich komplett begeistert von der Agentur, woraufhin ich wusste: Hier will ich hin! Wenn ich an die Fragen denke, die ich in den vorherigen Semestern hatte, dann hilft hoffentlich der Artikel hier bei der Frage: Was macht man da denn so? In der Strategie (oder auch Planning) geht es darum, sich ausführlich Gedanken über aktuelle Themen und Insights zu machen – das Ganze natürlich immer auf eine Marke ausgerichtet. Im Prinzip geht es um die Beziehung zwischen Marke und Mensch. Konkret heißt das viel Recherche und Analyse. Gerade bei letzterem kann man noch viel dazu lernen, z. B. wenn es darum geht, einen TV-Spot nicht nur nach der kreativen Umsetzung zu beurteilen, sondern von der Strategie, die dahinter steckt (sehr spannend auch bei Kinder- und Frauenmode, wie ich feststellen durfte). Aber genug Fachgesimpel. Wie so ein Alltag bei mir abläuft: Morgens um 7.30 Uhr klingelt der Wecker. Ich snooze. 7.40 Uhr, klingeling. Ich snooze. 7.50 Uhr ich... Das zieht sich dann bis 08.15 Uhr. Dann stehe ich auf. Panisch. Duschen. Anziehen. Zum Bus rennen. Um 9.04 Uhr komme ich in der Agentur an, fahre den Rechner hoch, hole mir einen Kaffee. Und dann geht es auch schon los! Meine Routineaufgaben sind... ach nein, gibt es ja gar nicht! Das ist

das Schöne am Agenturleben. Man ist immer irgendwo anders mit dabei und erlebt so die verschiedensten Branchen wie Airline, Auto, Banken oder Telekommunikation. Das rund 20-köpfige Team hier oben in der Strategie (7. Stock wohoo!) ist super, daher fühlt man sich auch schon nach der ersten Woche gut aufgehoben. Ist auch nicht verwunderlich, weil „Friends“ ja schon im Agenturnamen steckt. Mittags gehen wir Praktis zusammen essen, wobei ich es mittlerweile gepackt habe, am Abend vorher mein Essen vorzubereiten (tut dem Bankkonto gut, unter 5 Euro geht hier nichts - ich will die Mensa zurück!). Ansonsten kommt auch der Bierdurst nicht zu kurz. Jeden zweiten Freitag gibt es Bier for free in der Lounge. Allgemein ist die Stimmung bei uns im Prakti-Büro super. Wenn viel zu tun ist, ist es mucksmäuschenstill. Wenn weniger zu tun ist, läuft auch schon mal „Hoch die Hände Wochenende“ in etwas gehobener Lautstärke (nicht zwingend freitags). Schließlich lernt man jetzt auch mal wieder Vorfreude auf das Wochenende zu haben! Was es sonst noch zu sagen gibt: Ja, Hamburg ist eine Perle. Wenn die Sonne scheint und man am Elbstrand chillen kann, hat das schon was. Da kann man das Leben einfach mal genießen. Gleiches gilt für das Weggehen in der Schanze, Kiez usw. Meine Empfehlung für euren nächsten Hamburg-Besuch: die Caipirinha-Happy-Hour im Goldfischglas (4,50 Euro)! Nichtsdestotrotz freue ich mich aber auch wieder auf das wundervolle Pforzelona und all die schönen Menschen dort! Ein Schlusswort noch: Scholz ist super, bewerbt euch. So, in Hamburg sagt man Tschüß! (omit nun alle Hamburg-Sprüche abgeklappert wären)

Dennis Jäger BW/ Media Management & Werbepsychologie “Ein Hundert-Euro-Schein? Was soll das sein? Wieso soll ich dir was wegnehm’ wenn wir alles teilen?”



Liebesbrief an die Schönste stadt

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„Paris. Du Augenschmaus, Balsam für die gepeinigte Seele. Paris. Paris, du schönste aller Städte, mit deinen petite cafés, den großen Monumenten, deinen Lichtern. “ Paris. Du Augenschmaus, Balsam für die gepeinigte Seele. Paris. Paris, du schönste aller Städte, mit deinen petite cafés, den großen Monumenten, deinen Lichtern. Oh, all deine Lichter, warm wie die Sonne in den kältesten Nächten, wenn man fünf verschiedene Busse nehmen und dann trotzdem noch vier Stunden warten musste, um die erste Metro zu bekommen, die einen nach Hause bringt. An der Nacht der Museen. Als der öffentliche Nahverkehr laut Ankündigung besonders oft fahren sollte. Außer der Bus, der uns nach Hause gebracht hätte. Der kam natürlich anstatt dessen gar nicht. Logisch.

ten Raucherkneipe der Welt macht. Aber wenn sich der Rauch dann mal lüftet, glänzt du mit deinen schönsten Seiten, Paris: sensationelle Sehenswürdigkeiten, von denen erstaunlich viele Europäern unter 26 freien Eintritt gewähren. Yay, Paris – eine Sache richtig gemacht. Irgendwie muss man ja auch den teuren Rest kompensieren. Abgesehen von Essen, Wohnen und eigentlich allem sind „Aber wenn sich der Rauch dann mal lüftet, glänzt du mit deinen schönsten Seiten, Paris.“

„Deine schönen Lichter, die glitzernd in der Seine reflektieren, an deren Ufer man sich in lauen Sommernächten trifft, um billigen Wein von Auchan zu trinken.“

das eben vor allem auch die Kulturangebote – von Gaga an Halloween bis Koons im Centre Pompidou („Nein. Für die Sonderausstellung müssen Sie Eintritt zahlen.“). Doch der Krone auf den Kopf bzw. die Goldstrapse ans Bein setzt dem ganzen das dreistellig-kostende Moulin Rouge – eine Show unverändert seit den 90ern, mit Musik aus den 80ern und Tänzern, die sich bewegen als seien sie in ihren 70ern. Kurzum: eine Touristenfalle, die ich mir – in großer Hoffnung, ein Spektakel á la Kidman zu erleben – bis zum Schluss aufgehoben hatte. Danke Paris, dass du mir in den letzten Tagen nochmal so richtig eins reingewürgt hast.

der Türsteher schon zu zwei hübschen, super schick gekleideten jungen Damen zwei Meter weiter vorne in der Schlange nein sagt? Aber es ist ja keine verschwendete Nacht, wenn man sich auf der Suche nach Ausgehmöglichkeiten in deinen malerischen Straßen verlieren kann. Den kleinen Gässchen und versteckten Winkeln, die bei Zeiten hinter Rauchschwaden auftauchen, wegen denen man sich zum Frische-Luft-schnappen am besten in Gebäude flüchtet, während der Franzose in seiner Zigarettenpause nach draußen geht, was scheinbar rund um die Uhr der Fall ist und Open-Air-Evente zur stickigs-

Ich kann nur froh sein, dass ich es überhaupt geschafft habe, das Land zu verlassen, wenn man bedenkt, wie oft ich mich in Metrostationen eingesperrt hatte, weil die Maschinen einen nicht rauslassen ohne ein Ticket, das man vor Fahrtantritt an einer anderen Maschine entwertet hat, um überhaupt die Station zu betreten. Dummerweise waren genau diese Maschinen oft zerstört und das Betreten der Gleise war nur ohne Ticketentwertung möglich. Man konnte nur hoffen, dass das gleiche für die Maschinen beim Ausstieg galt. Nachdem ich dann Mitte Dezember wegen einer ausgefallenen Metro fast meinen Zug zurück

Deine schönen Lichter, die glitzernd in der Seine reflektieren, an deren Ufer man sich in lauen Sommernächten trifft, um billigen Wein von Auchan (dem französischen Kaufland) zu trinken. Weil ganz ehrlich, feiern gehen ist im Studentenbudget nicht drin – nicht bei Eintrittspreisen ab 20 Euro aufwärts. Und wie will man auch in einen Club reinkommen, wenn


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„Das alles raubte mir so viel Zeit, die ich sonst mit dir hätte verbringen können, oh Paris, du schönste aller Städte... oder so ähnlich.“

ins Heimatland verpasst hätte, weil die ErsatzLinie am anderen Ende der Station fuhr, was einen Fußmarsch von über zehn Minuten bedeutete, hatte ich dann auch erst einmal genug von deinem öffentlichen Nahverkehr, Paris. Aber ach, diese letzten goldenen Tage, voll von bittersüßen Abschieden von Menschen, die man auf jeden Fall bald in ihrer Heimat besuchen will – klar, man glaubt es sogar fast selbst. Es ist aber auch schwierig, wenn man plötzlich Freunde rund um den Globus hat, komischerweise nur keine in Frankreich. Die Franzosen blieben lieber unter sich, sprachen lieber ihre eigene Sprache. Auf die Frage, ob man auch Englisch spreche, gab es meist einen verwirrten Blick als Antwort – bei Verkaufsangestellten sogar ein knappes Nein gefolgt von einem eingeschnappten Davonlaufen. Oh Paris, Customer Service at its best! Wenn die Luft irgendwie raus ist, macht man halt schon mal eine Dreiviertelstunde vor Schluss den Laden dicht. Ist doch egal, ob da noch wer was kaufen will. Wir haben’s ja nicht nötig.

die Originale entweder verloren haben oder wir doch etwas anderes brauchen. Ja, wir wissen, wir hatten Ihnen vorher zugesagt, es seien die richtigen Dokumente, aber jetzt haben wir eben unsere Meinung geändert. Deal with it! Überraschenderweise habe ich bis heute kein französisches Bankkonto eröffnet. Bürokratie schlimmer als in Deutschland. Aber ich schweife ab, es war ja nicht alles schlecht. Ich hatte zum Beispiel die Chance, an einer der Top 5 Business Schools in Frankreich zu studieren. Nach dieser Erfahrung kann ich nur vermuten, dass es lediglich fünf Business Schools in Frankreich gibt. Oh Paris, eine Bildungseinrichtung so unterirdisch, dass sie wie ein Geheimversteck

der schlimmsten Comic-Schurken direkt unter einem deiner modernsten Monumente, dem Grand Arche (sprich: Arsch) thront. Mangel an Tageslicht schlägt auf die Gemüter, aber vor allem auf die der Cafeteria-Mitarbeiter, die Sandwiches verkaufen, teurer als beim Luxusbäcker im Shoppingcenter nebenan. Vor allem auf die der Administration, die jetzt auch nicht so genau weiß, wie das mit den Kursen ist oder wie lange das Gebäude abends zugänglich ist. Vor allem aber auf die der Professoren, die ihren Stoff durchpauken und dabei keinen Wert auf ein Mindestmaß an Anspruch oder pädagogische Mittel legen. Würde ich aber vielleicht auch nicht, wenn ich Studenten vor mir sitzen hätte, die so motiviert sind, dass sie in englischen Kursen doch nur französisch reden und so unselbstständig sind, dass ich sie noch mit Anwesenheitspflicht und kontrollierten Hausaufgaben quälen muss. Das musste ich als Student dann eben auch ausbaden, zusätzlich zu Kursen, die montags begannen und freitags derselben Woche mit einer Prüfung aufhörten (meist noch eine Präsentation donnerstags). Das alles raubte mir so viel Zeit, die ich sonst mit dir hätte verbringen können, oh Paris, du schönste aller Städte... oder so ähnlich.

„Aber ach, diese letzten goldenen Tage, voll von bittersüßen Abschieden von Menschen, die man auf jeden Fall bald in ihrer Heimat besuchen will - klar, man glaubt es sogar fast selbst.“ Philippo Tataranni

Sie wollen also ein Konto bei unserer Bank eröffnen? Da brauchen wir noch einige Dokumente von Ihnen, vielen Dank. In den nächsten drei Monaten werden wir Sie immer wieder nach diesen Dokumenten fragen, weil wir

BW/Marketingkommunikation & Werbung „Ich mache mir nichts aus der Wahrheit. Ich suche das Glück.“ - F. Scott Fitzgerald


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Auslandssemester Moskau

„Moskau Fremd und geheimnisvoll Türme aus rotem Gold Kalt wie das Eis Moskau Doch wer dich wirklich kennt Der weiß, ein Feuer brennt In dir so heiß.“ Diese Zeilen aus „Dschinghis Khans“ Meisterwerk der deutschen Hochkultur „Moskau“ aus dem Jahre 1979 dient nicht nur als fabulöse Einleitung zu meinem Auslandsbericht aus Moskau. Nein, ich werde mich sozusagen an diesen Zeilen entlanghangeln, um euch meine bisherigen Erfahrungen aus der Zarenstadt an der Moskwa zu berichten. Давай– auf geht’s! Die erste Zeile lautet treffend: „Moskau“. Exakt auf den Punkt gebracht. Genau so heißt die Stadt. Oder wie die Moskowiter sagen: Москва (Moskva). Nach diesem schnörkellosen Einstieg wird es mysteriös, „Fremd und geheimnisvoll“. Ja, was die Russen da so treiben, erscheint

für uns teilweise wirklich unverständlich. Winston Churchill beispielsweise sprach von Russland als „a riddle wrapped in a mystery inside an enigma.” Genau das ist doch aber gerade das Interessante an dem größten Land auf unserem Planeten, das auch bei mir die Neugier geweckt und dazu geführt hat, dass Moskau für mich eigentlich die einzige Option für mein Auslandssemester war. Darüber sollte jedem Werber natürlich auch der Gedanke von „Think Big“ etwas sagen. Naja, und Moskau ist nun mal die größte Stadt Europas mit fast 12 Millionen Einwohnern und obwohl ich noch nicht ganz alle kennengelernt habe, muss ich sagen, dass die Russen nicht wirklich verbitterte, humorlose und permanent Wodka trinkende Genossen sind. Nein, im Gegenteil! Man legt seine Vorurteile ratzfatz ab, wenn man etwas Zeit in Moskau verbringt. Aber hier ticken die Menschen doch in vielen Situationen anders. Vor allem scheint es so, dass ihre Uhren hier langsamer ticken. Denn auf eine Sache muss man sich in Moskau definitiv einstellen: Warten. Ich warte nun zum Beispiel schon beinahe zwei Monate auf meine Studenten Metro-Karte. Die übrigens für einen ganzen Monat mit unbegrenzten Fahrten 350 Rubel (bei aktuellem Wechselkurs keine 5 Euro) kostet. Naja, wenn man sie dann auch mal hat. Generell befinden wir uns in einer Zeit, in der ein Moskauaufenthalt verhältnismäßig günstig ist. Man kann hier leben wie ein Zar, da der Rubel ja dieses Jahr lediglich nach unten rollt. So könnt ihr hier richtig schick essen gehen, werdet aber trotzdem selten mehr als 20 Euro für ein ausgezeichnetes 3-Gänge Menü be-


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rappen müssen. Besonders empfehlen würde ich euch dabei natürlich die russische Küche. Wer noch nie in seinem Leben пельмени (Pelmeni) oder борщ (Borschtsch) gegessen hat, sollte das unbedingt tun, sobald er diesen MD durchgelesen hat. Ich liebe es. Apropos: Wenn es mal schnell gehen soll, wird’s sogar noch billiger. Ein BigMac kostet hier zum Beispiel umgerechnet momentan ca. 1.50 Euro. Daradadadaa. Der (für uns) günstige Rubelkurs macht aber nicht nur das Essen günstig, sondern auch Sightseeing ist mehr als erschwinglich. Also auf, ab zu den „Türme[n] aus rotem Gold“ und lasst euch von der Magie der St. Basilius Kathedrale verzaubern, schlendert über den roten Platz und stattet Genosse Lenin einen Besuch ab oder wenn ihr wollt, geht einfach um die Ecke zum Kreml und sagt ein herzliches „привет“ (Hallo) zu Putin. Wenn euch aber Politik nicht interessiert, sondern eher Kunst, „Moskau, Moskau Wirf die Gläser an die Wand Russland ist ein schönes Land Ho ho ho ho ho, he! “ kann ich euch nur die Tretjakow Galerie empfehlen, die ganz einfach mit der schönsten Metro der Welt, nämlich der hier in Moskau, die eigentlich selbst schon eine Sehenswürdigkeit darstellt, zu erreichen ist. Wollt ihr aber lieber in der Geschichte Moskaus und der Sowjetunion stöbern, solltet ihr definitiv zur ВДНХ (VDNH) mit dem „Kosmonauten-

museum“. Richtig abgespaced (haha) wird es auch in „Moscow City“ wo ihr gigantische Wolkenkratzer findet und in einer der Rooftop Bars den Ausblick über ganz Moskau genießen solltet. Es gibt hier einfach so viel zu sehen und zu erleben. Dabei habe ich noch nicht einmal über die Arbat oder das Bolshoi Theater geschrieben, beziehungsweise euch noch gar nicht empfohlen, es den Scorpions gleich zu tun und der Moskwa runter zum Gorky Park zu folgen, wo ihr im Winter durch den Park Schlittschuh lauft oder im Sommer das super schöne Gelände erforscht! Also wenn da bei euch die negativen Vorurteile nicht vom „Wind of Change“ weggeblasen werden, dann weiß ich auch nicht. Achja. Wenn ich schon vom Winter spreche. Ja, es ist „Kalt wie das Eis“ hier. Im Oktober hat es bereits geschneit und im Winter sind Temperaturen von -20 Grad keine Seltenheit. Aber man muss sich einfach ein Beispiel an den Türmen hier nehmen und sich zu einer Zwiebel metamorphosieren. Mit genug Lagen kann man auch fiese Minusgrade aushalten. Hoffe ich zumindest. Der richtig harte Teil kommt ja erst noch. Haaach, „Moskau“ ist wirklich eine tolle Stadt, in der es vor allem auch

nachts heiß hergeht. Das Nachtleben ist super. Überall gibt es coole, preiswerte Clubs oder Bars und man trifft wirklich interessante Leute, mit denen man selbstverständlich auch einen obligatorischen Wodka trinken kann. Oder zwei. Oder drei. Odwer vnier. Odea Tpfiele…. Deshalb sag ich’s dir, liebe Hauptstadt Russlands: „Doch wer dich wirklich kennt. Der weiß, ein Feuer brennt. In dir so heiß.“ Also: ALLE zusammen jetzt: „Moskau, Moskau, Wirf die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land, Ho ho ho ho ho, he!“ (Sorry für den Ohrwurm.) P.S. Sandwich heißt auf Russisch „бутерброд“ (Butterbrot). Jetzt könnt ihr sogar schon russisch!

Daniel Stolz BW/ Marketingkommunikation & Werbung „Wise man say: “Forgiveness is divine, but never pay full price for late pizza.”


Auslandssemester Lisboa

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„Lissabon, Lisbon, Lisboa - Die Hauptstadt Portugals ist eine der schönsten Städte Europas und besticht durch ihren unvergleichlichen Charme sowie die atemberaubende Architektur. Seit über zwei Monaten bin ich nun hier und weiß nur eins: So sehr ich auch deutsche Bäckereien vermisse, so schwer wird es, im Januar die Koffer zu packen und nach Deutschland zurückzukommen.“

Mitte August ging es vom Frankfurter Flughafen aus los. Natürlich musste es gerade dieses Mal passieren, dass ich so knapp wie noch nie am Flughafen ankam, durch die Kontrolle hetzen musste, um schließlich auf die Minute genau beim Boarding anzukommen. Nach gut drei Stunden Flug wurde ich schließlich stürmisch von meinem Buddy, einer portugiesischen Studentin, begrüßt. Ganz untypisch mit einer engen Umarmung statt der gewöhnlichen Küsschen auf die Wange. Kaum die Koffer abgestellt, zeigte sie mir ein wenig die Stadt und wagte mit mir den ersten Aufstieg zu einem Aussichtspunkt, einem sogenannten Miradouro, von denen es hier einige gibt. Wenn man nicht gerade in Baixa/Chiado, der Unterstadt, ist, ist Lissabon sehr steil und fordert die Beinmuskulatur jeden Tag aufs Neue heraus. Für einen fantastischen Blick über die Stadt ist das kleine Fitnessprogramm auf jeden Fall die Mühe wert. Von diesem anstrengenden Aufstieg ganz hungrig, suchten wir uns etwas zu essen. Typisch portugiesisch gab es Prego, ein Ciabatta ähnliches Brot mit Fleisch in der Mitte, dazu Salat, Pommes und

ein Getränk. Ein brechend voller Teller für 6 Euro! Kurz danach fiel ich auch schon völlig kaputt in mein Bett und konnte noch gar nicht begreifen, dass ich hier nun sechs Monate leben würde. Die nächsten Wochen zogen nur so an mir vorbei und bestanden hauptsächlich aus einem Intensivsprachkurs, ganz viel gutem Kaffee (wie werde ich meinen lieben Meio Leite/ Cappuccino für 90 Cent vermissen), leckerem Wein und schlechten Cocktails in Bairro Alto sowie Sight Seeing ohne Ende. Ich unternahm jeden Tag so viel mit meinen portugiesischen Freunden, fiel abends todmüde ins Bett und hatte doch jeden Tag etwas anderes sausen lassen müssen. Wer im Sommer nach Lissabon kommt, wird immer das Gefühl haben, etwas zu verpassen, wenn man auch nur eine Minute zu Hause bleibt oder hat sogar das Problem, dass zwei fantastische Dinge zur selben Zeit stattfinden. Fadokonzerte (Fado ist die traditionelle portugiesische Musik und relativ melancholisch, aber wunderschön), Open-Air Festivals, Street Food Markets, Rooftop Parties und gefühlt hunderte Aktivitäten der drei Studentenorganisationen, die diese ausschließlich für die Erasmusstudenten organisieren, geben sich hier die Hand. Da wünschte ich mir nicht zum ersten Mal den Zeitumkehrer von Hermine zu haben, um einfach alles miterleben zu können. Dann kam der Knick. Nach der ersten aufregenden Zeit kommt bei vielen plötzlich der Moment, in dem man genug von allem hat und nach Hause will. Plötzlich hat man genug von der portugiesischen Küche und wünscht sich wieder das Essen aus dem eigenen Land zurück. Man regt sich über die kalte Wohnung ohne Heizung auf oder ist einfach genervt von den dreckigen und heruntergekommenen


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Straßen. Bei mir kam dieser Moment als mich nach gut vier Wochen ein Virus erwischte. Mit Fieber und Schüttelfrost im Bett liegend wünschte ich mir einfach nur zu Hause bei meiner Mama zu sein, inklusive Hühnersuppe, den richtigen Medikamenten und einer Wärmflasche. Stattdessen quälte ich mich die nächsten zwei Wochen zur Vorlesung (Hallo Anwesenheitspflicht!) und lag den Rest des Tages im Bett. Und verfluchte dieses Lissabon. Doch irgendwann ging auch dieses erste Tief vorbei und seitdem fühle ich mich hier wieder sehr wohl. Ich gehe morgens zur Vorlesung, setze mich nachmittags an den Fluss und ge-

nieße den Blick auf die rote Brücke und den prachtvollen Praça do Comércio, schlendere durch Baixa und genieße das genialste Eis überhaupt (Kokosnusseis mit Kokosstückchen!). Ich treffe mich mit meinen Freunden auf einen Kaffee oder auf den ein oder anderen Cocktail in Bairro Alto, erkunde die Stadt und finde jeden Tag etwas Neues, das mich begeistert. Oft fahre ich am Wochenende alleine oder mit Freunden weg und erkunde für wenig Geld das wunderschöne Portugal. Zum Beispiel fahren wir die Küste entlang und genießen bei Cabo da Roca, dem westlichsten (Festland-)Punkt Europas, die Klippen und das Meer. Und einmal fand ich mich nach einem

spontanen Spaziergang auf der Burg Castelo de São Jorge wieder und genoss während des Sonnenuntergangs den wohl besten Blick über Lissabon. So anstrengend es auch manchmal ist, weiß ich doch, dass ich mir diese Zeit hier zurück wünschen werde. Wer sein Auslandssemester in Lissabon verbringt, packt mit beiden Händen voll ins Leben. Da vermisse ich unser Pforzelona gleich ein bisschen weniger.

Nastja Lisenko BW/ Marketing „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man vor allem ein Schaf sein.“ (Albert Einstein)


Auslandssemester Dubai

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Was soll ich sagen? Die Zeit und der Platz reichen nicht aus, um ein greifbares Bild von Dubai zu zeichnen. Während ich schreibe, habe ich drei Monate hier gelebt und gearbeitet und sehe dennoch täglich Neues. Manchmal scheint die Stadt ein Teenager mit zu viel Geld zu sein. Er ist nicht schlecht und noch nicht verzogen. Ihm fehlt es eher an Reife, aber er weiß schon ganz gut, wie die Welt läuft: Geld ist alles. Er wird von anderen wegen fehlender Kultur und Historie belächelt. Erst seit vor der Küste der Emirate Öl gefunden wurde, gedeiht diese Stadt. Es kommt mir vor, als würde alles, was auch nur in Teilen erdacht wurde, direkt umgesetzt. Überall Kräne und beleuchtete Baustellen, morgens und abends tausende Busse mit Arbeitern (Expats aus Indien, Pakistan, Bangladesch und den Philippinen), die in Baracken fernab der glitzernden Welt von Dubai untergebracht sind und täglich herangeschafft werden. Das Stadtbild ändert sich stündlich. 1948 wurde in Dubai das erste Krankenhaus gebaut. Zur selben Zeit kam in Deutschland der Porsche 356 auf den Markt. Besucher und Expats genießen die Gesellschaft von diesem Teenager. Er mag vielleicht nicht die Klasse Roms oder Londons haben, aber er macht es durch andere Aspekte wie Pomp und Luxus wieder wett. Er versprüht jugendliche Energie, die andere, gesetztere Städte nicht haben. Hier fahren so viele feuchte Träume von Jungs herum: Lambos, Ferraris, Bentleys, Rolls und äußerst viele Muscle Cars. Understatement ist hier ein größeres Fremdwort als Pressefreiheit. Kurz: Dubai hat den Style und das Geld. Dubai hat alles, was den Reichen so gefällt. Wie gesagt, Dubai kommt oft halbstark rüber.

Aber es ist bekannt, beliebt und attraktiv. Jeder will mal hin und sich hier blicken lassen. Dass man hier nicht ewig bleiben will, sagt fast jeder. Wer es nicht sagt, weiß es nichtsdestotrotz. Dubai ist eine extrem reizvolle Lebensabschnittsgefährtin, eine pulsierende Weltmetropole, mit der man ein paar Jahre glücklich sein kann. Genauer gesagt: Noch 5 Jahre. Denn 2020 ist hier die Weltausstellung. Und alles arbeitet darauf hin. Was hier in kürzester Zeit aus dem Boden gezogen wird, wäre in Deutschland vermutlich nicht mal zur Skizze geworden. Megaprojekte an allen Enden der Stadt, Wohn- und Bürokomplexe, die jeglicher Relation spotten. Aktuell leben 2,2 Millionen Menschen hier. Ich weiß nicht, wie viele es bis zur Expo2020 noch werden, aber um alle Wohnungen zu füllen, bräuchte man noch ein paar Völker. Alkohol. Teuer oder umständlich, aber möglich. Man kann sich entweder eine Alkohollizenz besorgen (Nachzuweisen sind u. A. Arbeitsplatz, festes Einkommen, fester Wohnsitz und eine Erlaubnis vom Arbeitgeber, dazu darf man auch noch Geld zahlen) oder sich von seinem Alkoholverständnis aus Deutschland verabschieden. Denn in der Öffentlichkeit betrunken sein ist strafbar. Dennoch gibt es Partys und die wöchentlichen Brunches, bei denen es klassisch-europäisch auf die Leber gibt. Dazu kommt: Gelernte Maßstäbe funktionieren in Dubai einfach nicht. 12,50 Euro für einen halben Liter Becks sehen erstmal wie ein brutaler Brechstangenangriff auf das Portemonnaie aus. Wenn man aber bedenkt, dass Alkohol und die hier herrschende Religion absolut gar nichts miteinander zu tun haben, ist der Preis schon verständlicher. Und wenn man zum Bier noch einen so faszinie-


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renden Ausblick genießen kann, dann ertappt man sich dabei, dass man den Preis gesalzen, aber gerechtfertigt findet. Sicher, für 9 Euro kriege ich einen wohlportionierten Hopfensaft in der Pforzheimer Tränke meiner Wahl. In Dubai kriege ich einen 0,33 l Cider, der bei 35 Grad schnell leer ist. Aber in Pforzheim feiere ich eben nicht am Wasser, schaue auf Palm Jumeirah, habe eine monumentale Skyline im Rücken und tanze im Sand. Die Unterdrückung der Frau. Ja, aber nicht so wie man denkt. Die Frau erfährt viel Respekt und wird mehr gefördert als in führenden europäischen Ländern. Ihre Abaya trägt sie nicht als Beweis der Unterdrückung, sondern als Modeaccessoire, das die Historie der jungen Nation aufgreift. Weiteres Indiz sind sinnlich geschminkte Augen und Highheels, die man darunter erkennt. Und spätestens zu Hause hat die Frau die Hosen an. Unterdrückt werden eher asiatische Expats, die bei Locals als Maid arbeiten. Politik und Soziales. Das Land wurde mit dem Schweiß und Blut von mies bezahlten Expats aufgebaut, die deutlich schlechter gestellt sind als westliche Expats. Franz Beckenbauer würde hier vermutlich auch keine Sklaven in Ketten sehen. So ziemlich jede Person im Service ist Inder, Pakistani, Bangladeschi oder Philippino. Das prägt das Bild der Stadt „Ankunft: Anfang August, 1.30 Uhr nachts. Außentemperatur: 37,5°. Mittags gerne mal 50° und mehr. Aber nie offiziell. Denn ab 50° darf offiziell nicht gearbeitet werden. Also wird es an heißen Tagen irgendwie immer nur maximal 48°. So ist das nun mal, die ganzen Wolkenkratzer bauen sich nicht von alleine. Für alle, die nicht draußen arbeiten müssen, ist alles klimatisiert. Auch die Bushaltestellen.“ ebenso wie die kulinarischen Angebote. Die Locals sind eine Minderheit im eigenen Land, aber haben die Macht. Hier regiert eine Herrscherfamilie. Deren Babo ist zwar verhältnismäßig liberal und aufgeschlossen, dennoch bestimmt er alleine was passiert. Das kann zum eigenen Vorteil sein, wenn man sich wegen horrender Strafen für Diebstahl keine Sorgen machen muss, dass einem etwas weggenommen wird. Unsere Haustüre steht immer offen, das Auto schließen wir nur aus Gewohnheit ab und im Meer schwimmen ist nochmals entspannender, wenn man sich

orang-utan.tumblr.com nicht ständig fragen muss, ob einem jetzt Kohle und Autoschlüssel geklaut werden. Aber man kann im Gegenzug nicht erwarten, dass man hier dieselben Rechte und Pflichten wie in Deutschland einfordern kann. Hände am Lenkrad lassen, egal wie vollkommen HIRNLOS der andere Verkehrsteilnehmer seine 3-Tonnen-SUV-Schleuder zu bewegen gedenkt. Gestikulieren kann und wird schnell als Ehrverletzung ausgelegt und Knast muss ja nicht sein. Dazu kommt, dass Peitschenhiebe und andere Schmankerl des dunklen Mittelalters hier offiziell immer noch soziale Korrekturmaßnahmen darstellen. Aber man kommt den Menschen auch entgegen: Zu Ramadan gibt es wohl jedes Jahr 50 Prozent Rabatt auf Knöllchen. Also alles sammeln und dann erst zahlen. Ich könnte vermutlich noch ewig weiter erzählen über Superlative wie Pinguine in der Wüste, Flamingos am Creek, wahnwitzige Bauprojekte, Infinity Pools, Datteln gefüllt mit exorbitanter Geilheit, freitags am Kite Beach sonnen und eine kühle Brise genießen, Quad fahren, begehbares Superaquarium, Fontänenshow am Burj Khalifa, Sonnenuntergang in der Wüste, Sonnenaufgang in den Bergen, nachts bei sattem Bass über die Sheikh Zayed Road fahren, Ausflug in die Grand Mosque in Abu Dhabi, abends am Strand joggen und so weiter und so fort. Aber meine Zeit reicht nicht. Hier gibt es nämlich viel zu erleben. Und ich sehe euch schon im Februar wieder.

Guido Reher BW/ Marketingkommunikation & Werbung “Kein Dishdash - bester Dishdash”


Praktikum heiSSt: richtig anbaggern!

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„Ein Praktikum bei der Deutschen Bahn. Wie ich dazu gekommen bin? Gute Frage.“ Man könnte meinen, dass es mich als passionierte Autofahrerin, die sich möglichst von Zügen fern hält, eher zu einem der ortsansässigen Automobilhersteller verschlagen würde. Wie der Zufall es aber so wollte, probiere ich etwas komplett Neues aus. Jedes Mal, wenn ich erzähle, wo ich mein Praktikum absolviere, bekomme ich Antworten wie: „Dann sorge doch mal dafür, dass die Bahn pünktlicher kommt!“, oder „Was machst du da? Fahrkarten kontrollieren?“ Ganz falsch! Denn mit dem Personenverkehr habe ich gar nichts zu tun. Zum allgemeinen Verständnis: Die Deutsche Bahn ist unterteilt in drei Bereiche: Bahn, Schenker (=Logistik) und Netze, also Infrastruktur. Und ich gehöre zu den „Netzis“.

Mein Büro: In Karlsruhe hinterm Hauptbahnhof. Das heißt, ich fahre jetzt wieder Bahn – zur Bahn. Mein Job: Baukommunikation. Das Team, bestehend aus meinem Chef und mir - betreut wichtige Bauprojekte rund um die Schieneninfrastruktur wie zum Beispiel brandaktuell den Neubau des Pforzheimer Tunnels. Dazu gehören Presseinformationen schreiben, Anwohner informieren, den Internetauftritt pflegen, Events planen (z.B. symbolischer Tunnelanschlag), aber auch Beschwerden entgegennehmen. Manchmal kaum zu glauben, in welchen Ton sich da manch einer äußert. Als Querschnittsfunktion im Unternehmen arbeiten wir eng zusammen mit den verschiedenen Projektleitern, Bauüber wachern, Umweltschutzbeauftragten und wer


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eben noch wichtig für Themen mit öffentlichem Interesse ist. Unser zweites Thema: interne Kommunikation. Bei so vielen unterschiedlichen Projekten und komplexen Strukturen möchten die Leute gerne wissen, was sich tut. Dafür erstellen wir eine Mitarbeiterzeitschrift, die alle zwei Monate erscheint. Mein Chef: Ich schätze, wenn man mal Pressesprecher bei Stuttgart 21 war, kann einen nichts mehr aus der Ruhe bringen. Und falls es mal wieder besonders stressig wird – es gibt wenig, dass sich nicht durch ein Stück Käsekuchen wieder erträglich gestalten lässt. Mein Chef findet übrigens, dass der Praktikant auch was aus dem Praktikum mitnehmen soll: „Es ist mir wichtig, dass der Praktikant etwas lernt, praktische Erfahrungen sammelt und sich bei uns wohlfühlt und eben nicht nur als billige Arbeitskraft eingesetzt wird.“ Deshalb kocht er seinen Kaffee selbst und ich bin nebenbei schon ein kleines bisschen rumgekommen. Meine Exkursionen: Zum einen durfte ich beim Kollegen in Frankfurt eine riesengroße Tunnelbaustelle mit vier neuen Tunneln hintereinander anschauen. Für mich komplettes Neuland, aber sehr spannend, wie so ein riesiges, komplexes Bauwerk entsteht. Als nächstes stand ein Besuch bei der Pressestelle in Stuttgart an. Dort werden alle Presseanfragen bearbeitet und auch alle Presseinformationen veröffentlicht. Die Mitarbeiter müssen täglich mit kleineren oder auch größeren Katastrophen zurechtkommen. Auch in die Zentrale in Berlin durfte ich hineinschnuppern. Meine erste richtige Geschäftsreise mit ICE fahren und

gende Bilanz. Die Arbeit macht Spaß, das Klima stimmt und die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich. In meiner Zeit hier habe ich schon sehr viel gelernt und bin gespannt, was noch kommen wird. Ein Praktikum hier kann ich nur empfehlen. Und da das mit meinem Studienabschluss bisher ganz gut aussieht – wer weiß, vielleicht gehe ich noch andere Schritte mit der Bahn.

Christine Schwarz BW/ Media Management & Werbepsychologie „Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist.” – Dostojewski

Hotelübernachtung. Dort habe ich z.B. gelernt, wo Max Maulwurf, der Baustellenbotschafter der Deutschen Bahn, entsteht. Als weiteres Highlight konnte ich noch für zwei Tage die andere Seite des Arbeitslebens kennenlernen: In München war ich zu Besuch bei der Agentur, die für die Bahn z.B. Internetauftritte und Broschüren erstellt. Auch dort wurde ich freundlichst aufgenommen und konnte wieder viel dazu lernen. Mein Eindruck: Als Frau bin ich hier unter den Bauleuten deutlich in der Minderheit. Das muss ja aber nicht unbedingt negativ sein. Ich muss sagen, ich wurde sehr freundlich aufgenommen. Außerdem war es für mich enorm spannend, Einblick in einen so riesigen Konzern zu erhalten, obwohl ich manche Strukturen immer noch nicht kenne oder begreife. Meine Baustellen: Mit dem Thema hatte ich wirklich noch nie vorher zu tun. Langsam taste ich mich heran und lerne jeden Tag irgendeinen neuen Begriff wie Kreuzungsbahnhof, Belastungsstopfen oder Teilschnittmaschine. Dennoch ist jede Baustelle wieder anders und erfordert individuelle Betreuung. Das macht es erst so richtig spannend. In einem Punkt kann man mein Praktikum so gar nicht einfach toppen: unserer Lieblingsbaustelle in Pforzheim habe ich mal so richtig angebaggert (siehe Bild). Baggerfahrer wie mich haben die auf der Baustelle wohl noch nie gesehen, es war aber ein riesen Spaß! Der Beschluss steht fest: Falls es mit dem Studium doch nicht klappen sollte, werde ich Baggerfahrerin. Mein Zwischenfazit: Nach drei Monaten Praktikum bei der Bahn ziehe ich eine hervorra-


Der Abdruck von Beiträgen ist nur unter Angabe

Alina Rüger

Alexandra Hotz

Kommunikationsagentur

Diedruckerei.de

Laura Sauer

Alina Rüger

beit, den Korrektoren und den Illustratoren für all schön und Lob geht an die Layouter für die stundenlange Bastelarbeit und ihre Strapazierfähigkeit. Außerdem bedanken wir uns recht herzlich bei den Anzeigenkunden.

Hochschule Pforzheim Werbeliebe e.V./ Marketing Digest Tiefenbronner Str. 65, 75175 Pforzheim

Bildrechte:

Jasmin Höger

Rose Huynh

Maximilian Klose

milian Klose, Josefin Link, Nastja

Lisenko, Alicia Lohr, Sabrina Meier,

Guido Reher, Mona Rust, Alina

die kleinen Meisterwerke. Besonderes Danke-

Dennis Jäger, Philipp Kloé, Maxi-

Philippo Tataranni

Seitter, Daniel Stolz, Rieke Strehle,

Rüger, Christine Schwarz, Helen

Franziska Habrik, Ricarda Halle,

Anschrift:

lotte Fingerle, Thomas Goldvarg,

Viktória Veszelka

natürlich den Autoren für die fleißige Schreibar-

Einmal pro Semester

Karin Mahler

Dußmann,

Char-

Rose Huynh

dine Bunz, Stefanie Dennig, Philipp

Ehrig,

Erscheinung:

Alexandra Hotz

Sabina Almaschij, Lydia Bosse, Na-

Sandra

dieser Ausgabe des MD beteiligt waren und ihre

2000 Exemplare

Jasmin Höger

Redaktion, Autoren & Korrektat: Finger im Spiel hatten. Besonderer Dank gilt

Vielen lieben Dank an alle, die an der Erstellung

Auflage:

Danksagung:

gebeten.

Illustrationen:

Maximilian Klose

Druck:

Karin Mahler

Projektleitung:

der Quelle gestattet; um ein Belegexemplar wird

zwingend die Meinung der Redaktion wieder.

Maximilian Klose

Jasmin Höger

werbeliebe e.V. – studentische

Rose Huynh

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Impressum

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