Marketing Digest #66

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SS16 – Ausgabe #66 | Studentenzeitschrift

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VORWORT Liebe Leserinnen und Leser, seit dem Jahreswechsel befinden wir uns in einem ereignisreichen und sportlich dominierten Jahr 2016. Im Januar wird Deutschland Handball-Europameister, dann gewinnt Angelique Kerber die Australian Open und im Sommer stehen die heiß erwarteten Events Fußball-Europameisterschaft in Frankreich, sowie Olympia und Paralympics in Rio de Janeiro an. Die Ausgabe des Marketing Digest, die Ihr gerade in den Händen haltet, setzt sich unter anderem mit diesen Themen auseinander. Doch auch abseits der großen Ereignisse findet viel Bewegung in den Köpfen der Menschen statt. „Game of Revolution“ greift deshalb den Wandel in den Bereichen Sport, Fitness, Lifestyle und Ernährung auf. Zusätzlich berichten unsere Mitglieder über ihre Erfahrungen im Praxis- oder im Auslandssemester. Darüber hinaus gibt es im MD ein Novum: Der Herausgeber Werbeliebe stellt sich vor und zeigt Euch, was man in der besten Agentur der Hochschule Pforzheim erleben kann. Ein großer Dank geht an alle Sponsoren, Förderer, Mitglieder und besonders unseren Autoren, Fotografen und den Grafikern, ohne die ein solch überragender MD nicht möglich gewesen wäre. Viel Freude beim Lesen wünschen Euch Jonas Thiel und Philip Stolz



Inhaltsverzeichnis

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Werbeliebe Wir, die Werbeliebe

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Marketing CCM

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Game of Revolution Superfoods

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Game of Revolution Mein kleiner, gemeiner Coach

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Werbeliebe Projekte

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Marketing Interview: Uwe Storch

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Game of Revolution Die SchĂśne oder das Biest?

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Game of Revolution Schreibst du oder meinst du?

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Game of Revolution Broadcast yourself

Game of Revolution Selbstdarstellung im Internet

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Game of Revolution Wir schreiben Geschichte neu

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Ausland Meine Zeit in Istanbul

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Werbeliebe Refill #16

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Game of Revolution Netflix and Chips

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Game of Revolution Vegan?!

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Game of Revolution Fan #Goals

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Game of Revolution Marktwert ist nicht Markenwert

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Praxis #One PUK

Ausland Ein Lauch in Dubai

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Ausland Ein Jahr ohne Winter

Ausland SĂźdkorea 5


Werbeliebe

Wir, die Werbeliebe sind eine von Studierenden der Hochschule Pforzheim gegründete Kommunikationsagentur. Unsere Mitglieder aus allen Fachbereichen arbeiten interdisziplinär in Projektteams der drei Bereiche:

Kundenprojekte – reale Kunden, reale Projekte: sowohl hochschulintern als auch -extern REFILL – the brand event: jährlicher zweitägiger Workshop mit Deutschlands Agenturelite MD – Marketing Digest: semesterweise erscheinendes Magazin von Studenten für Studenten

Bei uns können aktive Studierende bereits während des Studiums wertvolle Praxiserfahrung in den Bereichen Beratung, Projekt management, Strategie, Kreation und Produktion sammeln, sowie Kontakte knüpfen und ihre bisher gelernten theoretischen Studieninhalte anwendungsbezogen zum Einsatz bringen. Durch die Projekte bieten wir unseren Mitgliedern nicht nur eine einmalige Möglichkeit erste Erfahrungen im Feld der Marketingkommunikation zu sammeln, sondern beleben ebenso den Alltag an der Hochschule Pforzheim. Nicht zuletzt haben wir uns mittlerweile einen in der Branche hoch angesehenen Namen gemacht und stellen für marketing- und kommunikationsaffine Studenten einen mitentscheidenden Grund dar, sich für die Hochschule Pforzheim zu entscheiden. Die Werbeliebe wurde 1998 gegründet, wird in Eigenverwaltung betrieben und hat aktuell mehr als 200 Mitglieder – davon 70 aktive. Zu ehemaligen Werbeliebe-Mitgliedern gehören namhafte Persönlichkeiten der Kommunikationsbranche. Der Vorstand.

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Werbeliebe

Werbeliebe Projekte

Filmteam. Das Kino. Das Kino. Unendliche Leinwand. Dies ist die Geschichte des Werbeliebe Filmteams, die in einer 5-Tages-Mission unterwegs war, um einen Spot zu produzieren, den nie ein Mensch zuvor gesehen hat. So oder so ähnlich kann man die Erfahrung beschreiben, die das Filmteam der Werbeliebe in den letzten Wochen gemacht hat. Wie das nun mal so ist kam aus heiterem Himmel ein Auftrag, Deadline vorgestern. Das Duckrace soll beworben werden und zwar in cineastischen Dimensionen. Also im Kino eben. Die Idee war da, das Blatt war leer. Zum Glück haben wir aber kompetentes Personal, das wie eine Kombination aus Tim Burton und George Lucas erstklassiges Design mit abgespaceten Animationen kombinieren konnte. Ich hatte mich schon immer gefragt, was ein Regisseur denn bei Animationsfilmen zu tun hat: Darsteller bestehen ja nur aus Pixeln (bei uns auch Vektoren, aber das muss man ja nicht so genau nehmen). Da kann man ja gar nichts tun, dachte ich. Und wurde eines besseren belehrt: Man darf Pizza essen und den Menschen, die was können, beim Arbeiten zuschauen. Als das Bild dann fertig war, noch etwas Musik hin zimmern, Text aufnehmen. Für die Sounds hatten wir einen Extra Foley Artist, wie das die Profis nennen: Der V12 Motorensound wurde aus einer Energydrinkdose gezaubert. Dann noch quaken, 5.1 abmischen lassen (2 Klangrichtungen wären ja viel zu stereotypisch) und ab ins Kino. Toll dann, das eigene Werk auf großer Leinwand zu sehen. Wie roter Teppich. Nur ohne Teppich. Und ohne Rot. Und ohne Fotografen. Aber toll.

Blutspende+ Die Blutspendenaktion. Eine Veranstaltung, die der Werbeliebe ganz besonders am Herzen liegt. Auch dieses Semester findet die Aktion in Zusammenarbeit mit der Helios Klinik in Pforzheim und der Meyer- Stiftung statt. Doch dieses Mal sollte es nicht dabei bleiben. Zusammen mit dem AStA organisierten wir anstelle eines einsamen InfoStandes gleich eine ganze Gesundheitswoche! Diese Zusammenarbeit war schon seit vielen Semestern angedacht und wurde dieses Semester endlich mit zwei tollen Teams umgesetzt. Die Werbeliebe hat hierbei die Planung der Kampagne sowie die Gestaltung und Umsetzung der Kommunikationsmittel übernommen. Hierbei wurden auf amüsante Weise Klischees aufgegriffen und mit Vorurteilen aufgeräumt. AStA hat viele interessante Kontakte genutzt, sodass den Studierenden unter dem Motto: „Die 3 Muskeltage, ein Tag für alle alle Tage für die Gesundheit!“ sehr viel geboten werden konnte. Von Körperfett-Messung, über HIV-Test und OrganspendeInfostand bis hin zur guten alten Anmeldung zur Blutspende war alles vertreten. Zudem wartete auf die Studierenden sowohl eine Muffinverkostung, als auch diverse Smoothies. Natürlich durfte gerade in der Gesundheitswoche das Thema Sport nicht zu kurz kommen. Daher gab es zum Abschluss der Woche noch diverse Sportturniere.

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Werbeliebe

REFILL#16 Genau wie dieses Magazin drehte sich REFILL – The Brand Event um eines der brisantesten Themen dieses Jahres: Sport. Die EM steht kurz bevor und das machte der diesjährige Kunde UNICEF zur Aufgabe des zweitägigen Workshops, welcher am 6. und 7. April den Campus voll einnahm. Nachdem sich die sechs teilnehmenden Agenturen im Aquarium vorgestellt hatten, verkündete der Kunde den Case im Briefing. Die gestellte Aufgabe war durchaus anspruchsvoll, aber für die 90 Teilnehmer eine willkommene Abwechslung zum teilweise sehr trockenen Studienalltag. Anfängliche Skepsis verflog somit schon während des gemeinsamen Mittagessens und nach einem kurzen Kennenlernen innerhalb des Teams begann das intensive Brainstormen. Ideen wurden aufgegriffen und wieder verworfen. Die Agenturen gaben Anleitung dazu, wie man am effizientesten Ideen entwickelt und Einblicke in ähnliche Cases, die ihnen während ihrer Laufbahn bereits begegnet sind und förderten damit die Kreativität der Teilnehmer. „Explore Creativity“ Das Event trug den Namen “Explore Creativity“. Und der Name war auch Programm! Durch den REFILL Energy Drink konnten rauchende Köpfe und leicht erhitzte Gemüter immer wieder abgekühlt werden. Da die Teilnehmer aus allen drei Fakultäten stammten, bereicherten vielfältigste Ideen mit den verschiedensten Backgrounds den Prozess zum finalen Konzept. Nach weiteren Coachings durch die Agenturen und teilweise erneut komplett verworfenen Ideen endete der Abend beim gemeinsamen Grillen. Da REFILL jedes Jahr auch mit REFILL-blauem Himmel einhergeht, konnte das ein oder andere kühle Bier unter freiem Himmel genossen werden und mit

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den Agenturen über die Zukunft in der Werbebranche und eventuelle Praxisplätze geplaudert werden. „Literweise Cider und Bier“ Die Hamburger Agentur GGH stellte sich am Morgen des ersten Tages damit vor, die einzige Agentur mit Kneipe zu sein, was wohl daher rührt, dass sie sehr gerne trinken. Da dies unter Werbern ein weit verbreitetes Phänomen ist, kam der abendliche Abschluss im Irish Pub allen sehr gelegen. Es herrschte erstaunlich entspannte Stimmung fernab von Konkurrenz. Nach literweise Cider und Bier lockte es aber auch den härtesten Werber ins Bett. Die Agenturen verbrachten die Nacht allesamt im komfortablen Parkhotel unweit des Irish Pubs. Am nächsten Morgen begann pünktlich um 9 Uhr die heiße Phase. Eineinhalb Stunden bis zum internen Pitch blieben den Teams und alle Teilnehmer merkten erstmals wie eng Zeitdruck mit dieser Branche verbunden ist. Nach angespannten Minuten im ersten Pitch des Tages verschärfte sich der Druck auf die 6 Finalteams nochmal. Ihnen blieben lediglich zwei Stunden um ihr Konzept in eine des finalen Pitches würdige Präsentation zu verpacken. Doch alle Teams stellten der knappen Zeit zum Trotz einzigartige und individuelle Konzepte vor Kunden, Jury und 150 interessierten im Audimax vor. Begleitet wurden die Präsentationen von dem wortgewaltigen Ying und Yang der Werbeliebe, Guido Rehm und Daniel Stolz. In einer 30 minütigen Pause zog sich die fünfköpfige Jury, bestehend aus Lena Engel von der W&V, Rudy Winkelhofer von der Agentur die Jäger von Rockersbühl, Professor Linxweiler, Marit Schlee und Pia Kempen, Vertreterin von Unicef zur Entscheidungsfindung, zurück, während sich Teilnehmer und Be-

sucher an der REFILL- Bar mit dem eigens kreierten REFILLER sowie Pforzheimer Bier und Limonaden erfrischen konnten. „Ja, sie haben bereits zum dritten Mal in Folge gewonnen.“ Das Ergebnis: Die Agentur Scholz & Friends aus Hamburg um den ehemaligen Pforzheimer Studenten Marco Kohm und sechs noch aktiven Pforzheimern schaffte letztendlich den Hattrick (ja, sie haben bereits zum dritten Mal in Folge gewonnen) mit einem simplen und innovativen Konzept. Doch traurige Gesichter suchte man vergeblich! Trotz dem Konkurrenzkampf standen für die Teilnehmer der Spaß, die Erfahrung und der ein oder andere Kontakt in die Branche im Vordergrund. REFILL#16 hinterlässt einen glücklichen Kunden, erleichterte Organisatoren und Helfer, ausgepowerte Teilnehmer und unzählige leere Getränkekisten. Doch der nächste REFILL ist schon in Planung.


WERBELIEBE

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MARKETing

Corporate Communication Management Neuer Masterstudiengang Unternehmenskommunikation Du studierst an der Hochschule Pforzheim einen Bachelorstudiengang mit betriebswirtschaftlichem Grundstudium und willst einen Master im Bereich Kommunikation anschließen? Du interessierst Dich für das Arbeitsfeld Unternehmenskommunikation, für Kommunikationsmanagement oder spezielle Tätigkeitsfelder wie Nachhaltigkeits- oder Innovationskommunikation? Dann könnte der neue Masterstudiengang „Corporate Communication Management“ genau das Richtige für Dich sein. Er verbindet Theorie, Praxis und anwendungsorientierte Forschung mit einem klaren Blick für aktuelle Entwicklungen im Arbeitsmarkt. Beim Durchstöbern von entsprechenden Stellenanzeigen begegnen Interessenten einleuchtende Anforderungen wie

„Grundverständnis für wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Zusammenhänge“ oder „Konzeptionsstärke“ – diese Fähigkeiten konntest Du in Deinem Studium definitiv schon erwerben. Daneben fallen Erwartungen wie „integriertes, vernetztes und interdisziplinäres Denken und Handeln“, „detaillierte Kenntnisse im Stakeholder- und Issue Management“ oder „sicherer Umgang mit Instrumenten moderner PR“ ins Auge. Mit diesen Anforderungen stimmt Dein Profil (noch) nicht überein. Eine Chance, das Berufsziel trotzdem zu erreichen, ist, dem Bachelor mit einem vertiefenden Master die Krone aufzusetzen. Der Masterstudiengang „Corporate Communication Management“ bietet genau diese Perspektive.

Profil des Studiengangs Der forschungsorientierte Master of Science startet zum Wintersemester unter der Leitung von Prof. Dr. Simone Huck-Sandhu. Der Studiengang beschäftigt sich in drei Semestern mit der Kommunikation von und in Organisationen. Er führt die traditionell klar voneinander getrennten Arbeitsfelder Interne Kommunikation, Kommunikationsmanagement und Marktkommunikation zusammen. „An der Hochschule Pforzheim vermitteln wir Kommunikation und Management aus integrierter und ganzheitlicher Perspektive“, erklärt Prof. Dr. Simone Huck-Sandhu. „Denn gerade die Grenzbereiche und Schnittmengen der unterschiedlichen Disziplinen sind spannend für die Kommunikation der Zukunft.“ Künftige Kommunikationsmanager erlernen in anwendungsorientierten Modulen Arbeitstechniken, Medienproduktion

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und strategische Planung. Sie vertiefen Methoden des empirischen Arbeitens und führen eigene anwendungsorientierte Forschungsprojekte durch. In Praxisprojekten entwickeln sie Strategien und Konzepte für die Kommunikation in und von Unternehmen. Der Masterstudiengang „Corporate Communication Management“ ermöglicht Studierenden, sowohl ihr berufliches als auch ihr internationales Profil zu schärfen. Das Programm sieht Wahlmöglichkeiten im Kernbereich und in den Vertiefungsfächern sowie individuellen Freiraum im „Innovation Lab“ vor. Zudem besteht die Chance, das dritte Semester an einer Partnerhochschule im Ausland zu verbringen.


MARKETING

Warum „Corporate Communication Management“ in Pforzheim? 1. Der Master vermittelt theoretische Grundlagen und anwendungsorientiertes Wissen, sodass eine enge Verbindung von Theorie und Praxis entsteht!

4. Ab dem ersten Semester können Studierende an ihrer individuellen Profilbildung arbeiten – auf beruflicher und internationaler Ebene!

2. Die ganzheitliche Betrachtung verbindet Kommunikationsund Managementinhalte und führt zu einer breiten Qualifizierung!

5. Das Programm bietet eine verlässliche Struktur ebenso wie Flexibilität und Freiräume!

3. Kleine Gruppen und persönliche Kommunikation ermöglichen eine optimale Lernatmosphäre!

6. Das AACSB-Siegel bescheinigt einen weltweit anerkannten Abschluss und hohe Qualität in Lehre und Forschung!

Überblick Name: Corporate Communication Management Studienabschluss: Master of Science (M.Sc.) Studiendauer: 3 Semester, Vollzeit Studienbeginn: nur zum Wintersemester Bewerbungsfrist: 15. Juni Zulassungsvoraussetzungen: überdurchschnittlicher Bachelor- oder Diplomabschluss in einem wirtschafts- oder kommunikations wissenschaftlichen Fach von einer Hochschule oder Universität Zulassungsverfahren: zulassungsbeschränkt, 25 Plätze Berufsfelder: ∙ leitende Tätigkeiten in der Unternehmenskommunikation ∙ Expertenfunktionen im Kommunikationsmanagement Nähere Informationen: http://blog.hs-pforzheim.de/corporatecommunication

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MARKETING

Interview: Uwe Storch Uwe Storch, Head of Media bei Ferrero, „wichtigste Stimme der Werbetreibenden“, Absolvent der HS Pforzheim, aber vielen von uns besser bekannt als unser alljährlicher Weihnachtsengel mit schokoladigen Grüßen im Gepäck - vielbeschäftigt, dennoch hat er sich einige Minuten Zeit genommen, um uns ein paar spannende Einblicke aus seinem Arbeitsalltag, seiner Studienzeit, seinem Engagement bei der AGF (Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung) und OWM(Organisation Werbetreibende im Markenverband) sowie die Chancen, die er für den Medien- und Werbenachwuchs sieht, zu geben.

Bei der Uni-Challenge hat die HS Pforzheim Kinder Bueno zu ihrer Lieblingsmarke gewählt. Was ist Ihr persönlicher Favorit? Das ist nicht ganz so einfach zu entscheiden, morgens zum Frühstück auf dem Laugenbrötchen ganz sicher Nutella, nachmittags ein Kinder Bueno, abends vor dem TV Ferrero Küsschen...

Für viele junge Erwachsene ist die Wahl des richtigen Studiengangs bzw. Ausbildungsberufs eine große Herausforderung. Hatten Sie schon immer ein klares Ziel vor Augen, wohin Ihr Weg Sie führen soll? Nein, ganz sicher nicht. Auch damals mit G9 war die Entscheidungsfindung sehr schwierig, daher habe ich mich für die BWL entschieden. Es erschien mir ein breit aufgestelltes Studium mit vielen späteren Optionen zu sein. Das stimmte auch. Ich habe deshalb dies auch meiner eigenen Tochter empfohlen.

Wenn Sie zurück an Ihre Zeit an der HS Pforzheim blicken, gibt es Momente, an die Sie sich noch heute gerne zurückerinnern? Ja, ganz sicher. Es gab spannende Vorlesungen, Technik oder Außenhandel, an die ich mich auch 30 Jahre noch gerne zurück erinnere. Oder das schwierige Fach Operation Research / Statistik mit dem Professor an der Tafel, links ein Schwamm, rechts die Kreide. Da lernte ich fix mitzuschreiben...

Wovon haben Sie für Ihre spätere berufliche Zukunft am meisten profitiert? Da das Studium noch sehr verschult war, wir viele Themen lernen mussten, gab es auch damals bereits das Bulimielernen vor Klausuren. Deshalb war das Wissen eigentlich weniger wichtig als das Verstehen, die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen, um sich damit an immer wieder neue Themen heranzuarbeiten. Außerdem lernte ich, dass der Platz in der ersten Reihe nur Vorteile mit sich bringt...

Einem Schreiben, in dem Sie kritisierten, dass Ferrero saisonale Artikel noch beworben hatte, aber nicht mehrvertrieben hat, verdanken Sie Ihr Angebot einer Traineestelle. Wie gehen Sie mit kritischen Meinungsäußerungen Ihrer Mitarbeiter um?

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Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.... Als Führungskraft ist es meiner Ansicht nach heute zwingend notwendig, dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter sich kritisch äußern dürfen, können und auch wollen. In einer V.U.C.A Welt (volatil, uncertainty, complexity, ambiguity) können Unternehmen nur damit das Potential ihrer Mitarbeiter am effektivsten für das Unternehmen heben und für den Unternehmenszweck nutzen.

Nach Ihrem Studium folgte eine bemerkenswerte Berufslaufbahn bei Ferrero. Denken Sie, dass ein solcher Werdegang im selben Unternehmen heutzutage überhaupt noch möglich ist? Dieser Werdegang war auch damals nicht geplant und ungewöhnlich, wenn ich es denn formuliert hätte. Für mich war es immer wichtiger, spannende Aufgaben zu erhalten, die mich fordern und mir damit Spaß machen, als kurzfristige Karriere oder Gehaltsoptimierungen durch Job Hopping. Denn wenn die Aufgabe wirklich Spaß macht und Mann/Frau dadurch erfolgreich ist, ist Karriere ein Ergebnis, kein Ziel.

Neben dem überaus anspruchsvollen Job als Head of Media engagieren Sie sich noch bei der AGF (Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung) und OWM (Organisation Werbetreibende im Markenverband). Inwiefern bereichert die Arbeit in diesen Organisationen Ihren beruflichen und privaten Alltag? Da Media sich heute durch die Digitalisierung, Konvergenz und Fragmentierung beschleunigend verändert, helfen mir meine diversen Aufgaben und Funktionen Schritt zu halten, informiert zu sein und dies auch für meinen beruflichen Alltag und damit zum Nutzen für meinen Arbeitgeber Ferrero. Privat ist das allerdings eine Herausforderung an die Work Life Balance, die mir nicht immer gelingt.

Derzeit ist eines Ihrer primären Ziele, die Sie mit der AGF verfolgen, eine einheitliche Währung für mobile Bewegtbildnutzung. Google konnten Sie bereits als Partner gewinnen, gibt es neue Entwicklungen von denen Sie berichten können? Die Verbandsarbeit ist das Bohren dicker Bretter, wir kommen voran, haben gerade aktuell erste integrierte Daten aus dem Streaming Project veröffentlicht, aber die Geschwindigkeit kann zur Zeit nicht Schritt halten mit der dringenden Veränderungsnotwendigkeit.


MArketing

Burnout, heutzutage leider ein Begriff den man immer häufiger hört. Wie erreichen Sie einen Ausgleich zwischen all diesen verantwortungsvollen, zeitintensiven und anstrengenden Aufgaben? Der Beruf sollte zum Glück heute in unserer Gesellschaft mehr als nur das tägliche Verdienen des Unterhaltes sein. Deshalb muss die Tätigkeit und Aufgabe passen, stimmt dies, sind größere Arbeitsbelastungen auch leistbar. Wenn nicht, muss Mann/Frau es in Frage stellen und versuchen zu ändern. Darüber hinaus sind eine intakte Familie und Interessen neben dem Job unabdingbar, auch daran muss mit dem gleichen Engagement wie im Job selbst, gearbeitet werden.

In der Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten aber auch insbesondere in den letzten Jahren vieles verändert. Wie denken Sie, dass sich die Ansprüche dieser Branche auf dem Arbeitsmarkt verändert haben bzw. es noch tun werden? Die Digitalisierung ist Segen und Fluch zugleich. Die technischen Möglichkeiten müssen verstanden werden, wir alle müssen permanent dazulernen, auch lernen, den Spezialisten die richtigen Fragen zu stellen und Mut zu Entscheidungen zu haben, die weniger abgesichert als früher sind.

Welche Entwicklungen in der Medienbranche sehen Sie als Chancen bzw. Gefahren? Durch die Konzentration auf Anbieterseite, die Dominanz großer multinationaler Konzerne, die lokale Wettbewerber durch schiere Größe und legale Besserstellung, z.B. Im Datenschutzrecht den Wettbewerb unfair erschweren, kann zu kritischen Abhängigkeiten führen. Leistungswerte verschlechtern sich, Media wird bei gesunkener Leistung immer teurer. Auf der anderen Seite stehen wir vor herausragenden Chancen in der industriellen Individualansprache, eigentlich ein Widerspruch in sich, der aber durch die Digitalisierung gelöst werden könnte.

Persönlichkeit, Interesse auch abseits des studentischen Bulimielernens zeigen und vorzeigen zu können. Auch Schokolade zu mögen wäre ein wichtiger Faktor...

Ferrero gilt als einer der beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands. Was macht das Unternehmen für Bewerber so attraktiv? Ferrero ist ein großes, internationales Unternehmen im Familienbesitz, mit einer eindrucksvollen Wachstumsgeschichte, herausragenden Produkten, die immer im Mittelpunkt des Unternehmens stehen. Die gelebte Diversity und Chancen, seine Positionen und Länder im Unternehmen zu wechseln, sind neben der profunden Ausbildung sicher ein weiteres attraktives Attribut.

Im Vergleich mit anderen Hochschulen, wie schätzen Sie Absolventen der HS Pforzheim und deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt ein? Die Hochschule in Pforzheim geniest aufgrund des Konzeptes, des nach wie vor großen Praxisbezuges, seiner sehr engagierten Professoren und aufgrund der Leistungsbereitschaft seiner Studenten zu Recht einen hervorragenden Ruf.

Gibt es zu guter Letzt noch etwas, das Sie unseren Studierenden mit auf den Weg geben möchten? Gute Noten entscheiden nicht über späteren Erfolg oder Misserfolg, sie sind häufig nur eine erste Hilfe. Wesentlich wichtiger sind interessante Projekte, an der Hochschule, mit der Hochschule oder auch privat. Kooperative Teamerfahrungen, die Kenntnis von Fremdsprachen, Interesse an Kultur und Menschen werden Ihre spätere Zufriedenheit, Erfolg und Karriere viel stärker beeinflussen als Sie es heute vermutlich erahnen. Vergessen Sie aber bitte auch nicht das Leben dabei und opfern Sie sich nicht zu früh irgendwelchen Karrierezielen.... Ein großer Dank gilt Carina Siefert, die uns den Kontakt zu Herrn Storch möglich gemacht hat!

Was raten Sie Studierenden, um aus der Masse an ausgezeichneten Studenten hervorzustechen? Wer sich selbst treu bleibt, von sich und seinen Stärken überzeugt, mutig seine Meinung vertritt, kann und wird auch Fehler machen, wird aber nicht scheitern. Außerdem sollte man bei Familienbildern immer in der ersten Reihe stehen, wichtig für die alte Erbtante...

Viele unserer Studenten verfolgen das Ziel ihr Praxissemester bei Ferrero zu absolvieren oder streben gar nach einer Anstellung in Ihrem Hause. Was sollten diese Interessenten mitbringen?

Alexandra Braunwald 2. Semester, Mediamanagement & Werbepsychologie „‚Schnaps‘, dass war ihr letztes Wort, dann trug man Sie zur Reha fort.“

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GAME OF REVOLUTION

Netflix and Chips Liebes Tagebuch, wie du weißt, arbeite ich gerade ehrgeizig an meinem Fitnessplan, um die letzten hartnäckigen Kilos loszuwerden. Meinen bis auf die letzten Minuten des Tages ausgeklügelten Fitnessplan ziehe ich natürlich eisern durch: Ganze drei Liegestützen habe ich heute schon gemacht. Und es wird bestimmt noch die ein oder andere mehr…vielleicht. Nichtsdestotrotz nehme ich mir natürlich auch meine Regenrationspausen, es ist ja allgemein bekannt, wie wichtig dies für die Muskeln ist - die letzte ging übrigens vom 24. März bis zum 11.April… Selbst höchst wissenschaftliche Erkenntnisse lasse ich in meinen Workout-Plan einfließen: Jeder kennt doch die 70:30-Regel, wonach man 70% auf die Ernährung und 30% auf den Sport achten soll. Das setze ich doch knallhart um: Sieben Hamburger vom McDonald`s 1x1 und im Gegenzug drei Kniebeugen finde ich ein gutes Verhältnis und Tagespensum. Proteine sind für den Muskelaufbau extrem wichtig, ein Hamburger hat davon ja ganze 13 Gramm pro Portion, sodass ich hier auf einen Tagesbedarf von 90 Gramm Proteine komme – alles richtig gemacht! Ernährung ist ein wichtiger Aspekt meines Fitnessplans, aber ein muskulöser Strandkörper kommt ja nicht ohne Fleiß und Schweiß. Dank meiner App, welche meine Schritte genau mitzählt, bin ich in den letzten zwei Wochen schon ganze vier Kilometer gelaufen – das entspricht 800 Mal zum Kühlschrank gehen. Der absolute Wahnsinn, was ich da rausgeholt habe. Läuft bei mir. Hochinformiert wie ich bin, weiß ich, dass nicht nur intensives Ausdauertraining eine wesentliche Rolle im Training spielt - ein „tragender“ Aspekt ist natürlich auch Krafttraining, welches meinen Bizeps buchstäblich zum Brennen bringt. Eine weitere eiserne Fitnessweisheit: Besagtes Krafttraining sollte immer vor dem Ausdauertraining erfolgen. So halte ich es natürlich auch: Bei der letzten Party habe ich die Bierkästen ganz alleine in die Wohnung geschleppt. Somit war auch gleich mein Flüssigkeitshaushalt gesichert. Manchmal läuft es einfach doppelt gut! Natürlich ergibt sich dann die Frage, wie ich es schaffe meinen Trainingsplan so effizient und erfolgreich umzusetzen – die Antwort ist schlichtweg ganz einfach: Motivation! Einmal Instagram geöffnet und ich werde sofort von den Stars der Fitness-Szene inspiriert, wie zum Beispiel Kayla Itsines, Sophia Thiel oder meinem Favoriten Detlev D. Soost. Wenn ich jetzt noch zehn Jahre trainiere, sehe ich bestimmt genauso aus – durchtrainiert und definiert! Nach so viel Anstrengung an einem Tag schaue ich mir pünktlich zum Feierabend erst einmal die aktuellsten Videos der genannten Fitness-Idole auf Youtube an, bis mich höchstwahrscheinlich der nächste Werbebanner von einem bekannten Snackhersteller wieder an den Kühlschrank lockt – immerhin ganze fünf Meter mehr auf meinen Workout-Schritte-Konto. Am Ende des Tages muss ich mir also eingestehen: Meine Motivation im Fitnessbereich besteht eben doch nur aus Netflix and Chips. Steffi und Lydia

Stefanie Dennig 6. Semester, Marketing „Don´t judge a book by its cover.“

Lydia Bosse 2. Semester, Mediamanagement & Werbepsychologie „Ich finde es sehr stressig mit den Kardashians mitzuhalten.All die Jahre dachte ich, ich wäre Kim - dabei bin ich Kourtney.“ - Michael Buchinger 14


Game of Revolution

Superfoods „Einen Soja-Latte bitte. Und hätten Sie vielleicht anstelle des Zuckers Agavendicksaft oder Kokosblütenzucker?“ Unauffällig wende ich meinen Blick von meinem Laptop ab und sehe hinüber zum Nachbartisch. Eine vierköpfige Gruppe von Studenten hat sich dort niedergelassen. Dass die Kerle längere Haare haben als die Mädels, macht mich ein wenig neidisch. So einen schönen Dutt würde ich auch gerne hinbekommen. Die Blondine mit dem fair-trade Jutebeutel zückt gerade aus eben diesem ihr neues Smartphone (natürlich mit angebissenem Apfel als Logo), um es in der Mitte des Tisches zu platzieren. Die Bedienung macht sich wieder auf den Weg zur Bar. Während meine Gedanken wieder meinen eigenen Problemen dienen, dringen die Gesprächsfetzen ungefiltert in meine Ohren. Detox, Green Smoothie, Rohkost, Paleo ... Wenn ich nicht wüsste, wer da sitzt, würde ich auf dürre Topmodels tippen, die nur mal eben eine kleine Workout-Pause einlegen. Aber dem ist so nicht. Mr. Dutt zündet sich gerade eine selbst gedrehte Zigarette an. Fräulein Smartphone stopft sich gedankenverloren Salzbrezeln in den Mund, während sie eifrig auf ihrem Handy herumtippt, und der Kerl mit der hochgekrempelten Hose blättert nebenher in der neuen Vice. „Sara, was meinst du denn dazu?“ „Oh sorry, worum geht’s? Ich musste erstmal Nico von meiner neusten Ernährungsumstellung erzählen.“ „Na, dass im Hanfproteinpulver bei dm ein zu hoher THC-Anteil vorhanden ist. Stell dir vor, ich hätte das in meinen Frühstücksshake gemacht und meine kleine Schwester davon probieren lassen.“ Pff…zu viel THC in einem Drogerieartikel. Seit wann beschwert man sich denn darüber? Innerlich verdrehe ich genervt die Augen. Sara ist nun wieder voll dabei und argumentiert, was das Zeug hält. Mr. Dutt führt das Thema direkt weiter. Achja, Chia-Samen von Alnatura, die ein schlechtes Stiftung Warentest-Ergebnis haben. Sowas aber auch, denke ich mir. Superfoods ist das Stichwort, um das sich das Gespräch am Nachbartisch dreht. Was nur alle damit haben? Man kommt heutzutage kaum mehr drum herum. Quinoa im Brot, Weizengraspulver im Green Smoothie, Flohsamenschalen im Essen, Gojibeeren im Müsliriegel. Die Läden sind voll damit. Was dieser Kram nicht alles verspricht. „Lebensmittel mit Superkräften“ werden sie auch immer wieder genannt. Ob da wirklich etwas dran ist? Wieso kommen diese Wundermittel, die uns zu gesünderen (und natürlich besseren) Menschen machen sollen, erst jetzt ins Gespräch? Nur Geldmacherei oder ist da

wirklich etwas dran? Kann ich mich nicht mit Grünkohl, Wirsing und Rotkohl gesund ernähren und somit die gleichen Vitamine aufnehmen? Vermutlich wird es daran scheitern, dass genau diese Lebensmittel, die unserem Körper besonders guttun, eher nach Oma als nach Hipster klingen. (Entschuldigt, natürlich ist niemand von euch auch nur ansatzweise ein solcher.) Wann kam denn dieser Wandel, dass junge Leute einen Haufen Geld für exotische Lebensmittel ausgeben, von denen man vor vier Jahren noch nie gehört hat? Seit wann interessiert man sich für Antioxidantien anstelle der Hütten-Gaudi bei McDonalds? Vermutlich geht es nur wenigen um die gesunde Ernährung, sondern vielmehr um den ganzen Lifestyle. Heute Abend gibt es bei mir Quinoa-Frikadellen auf einem Beet aus Petersiliensalat mit Granatapfelkernen. Klingt doch irgendwie besser und weltgewandter als Schnitzel mit Pommes. Die junge Bedienung bringt zwei Soja Latte mit Agavendicksaft, einen Chai Latte mit laktosefreier Milch und einen frischen Minz-Ingwer Tee an den Tisch zu meiner rechten. Bevor sie wieder verschwindet, stellt Sie mir noch meinen Matcha Latte mit Sojamilch und einen Apfel-Spinat-Smoothie neben den Laptop. „Entschuldige, Birkenzucker war aus. Ich hoffe Agavendicksaft ist in Ordnung.“

Vanessa (Josie) Troike 2. Semester, Marketingkommunikation und Werbung „ Ach, mein, dein das sind doch nur bürgerliche Kategorien. - Witzig!“

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GAME OF REVOLUTION

Die Schöne oder das Biest? „Viele andere Frauen sind zwar schöner, aber dafür bist du besonders klug, mein Schatz!“ – Liebe Männer, von einem solchen Kompliment ist heftig abzuraten, wenn man nicht unbedingt auf dem Sofa schlafen möchte. Schönheit – das ist etwas, das jede Frau besitzen möchte. Bildhaft wird es uns vorgelebt: Die Schönen, die Reichen und die ganz schön Reichen prahlen in der Öffentlichkeit mit ihrem perfekt gepflegten Äußeren, das durch ein passendes Outfit noch hervorgehoben wird. Auch haben bereits 10 Staffeln Germany’s Next Topmodel vorgegeben, wie die Frau von heute in Deutschland aussehen soll: vor allem groß und dünn – Typ Bohnenstange. Während vor ein paar Hundert Jahren noch übergewichtige Frauen das Schönheitsideal verkörperten, weil es Wohlstand zeigte, sind es heute die mageren Mädchen. Wenn man den Massenmedien wie besagter Serie glauben soll, scheinen nicht einmal mehr ausgeprägte Kurven legitim zu sein – galten die doch unlängst noch als ein Zeichen von Weiblichkeit. Wie kommt das? Offenbar sind heute nach Jahrzehnten der Emanzipation die Frauen „schön“, die sportlich und stark sind und die vor Selbstbeherrschung strotzen. Fett ist dabei ein Zeichen von Schwäche. Schokolade – unnötig! Auch an der Werbeindustrie ist dieser Trend nicht ganz vorbeigegangen, natürlich genauso wenig wie der Fakt, dass sich damit Geld verdienen lässt. Zu nennen wären beispielsweise die weltbekannten Vicotria’s Secret-Engel: gertenschlanke, große, braun gebrannte Damen, die mit ihren Flügeln über den Laufsteg schweben. Manch eine Frau würde dafür sterben, so auszusehen. Ein Geheimnis ist es nun gerade nicht mehr, dass Victoria’s Dessous besonders die Brust betont und hoch „pushed“. Da übersieht dann auch die ein oder andere, dass sie in der exquisiten Lingerie leider nicht ganz so grazil wirkt wie die bezaubernden Models. Lieber nicht ganz so genau hinschauen sollte man hier übrigens auch beim Preis, damit einen nicht der Schlag trifft. Im Land der Extreme, den USA, findet sich ein Gegenpol zu diesem Ideal: eine Frau, die gezeigt hat, dass man weder Grips, noch Talent braucht, um ganz einfach berühmt zu werden. Unsummen hat Kim Kardashian ausgegeben, um ihr Hinterteil möglichst gewaltig und voluminös werden zu lassen. Für die Oberweite gilt das Gleiche. Die zu Zeiten von Marilyn Monroe noch so geschätzten, bei Formaten wie GNTM und Vicotria’s Secret aber abhanden gekommenen Kurven haben hier ihr Revival, frei nach dem Motto: „Mehr ist mehr!“ Die Frau oder besser gesagt die ganze Familie ist zur Marke geworden. Allerdings ist der Clan schwer umstritten – hat das noch mit Schönheit zu tun? Viele antworten klar mit „nein“. Und spätestens in der Schwangerschaft mit einer weiteren großen Kurve hat Kim viele sicher eher an einen aus der Form gelaufenen Seehund erinnert als an ein Idol für Schönheit. Ein Zwischenfazit, was die Frau mitbringen sollte: Große Brust, 16

schlanke Taille, beim Hinterteil scheiden sich die Geister. Es gibt aber auch Stimmen, die sich von dem Schönheitswahn distanzieren. Ein Beispiel dafür ist die Kosmetikmarke Dove. In Werbespots treten natürliche Frauen mit vollkommen normalen Figuren auf. Großer Wert wird darauf gelegt, dass es sich nicht um Models, sondern um ganz „normale“, alltägliche Frauen handelt. Durch Slogans wie „Schönheit kennt kein Alter“ oder „Keine Models – aber straffe Kurven“ sollen sich Frauen in ihren Körpern wohlfühlen, ohne dafür arbeiten oder hungern zu müssen. Ein schöner Gedanke, der die Marke für viele Menschen sympathisch macht. Leider ist diese Botschaft im Medienrummel recht schnell wieder verhallt. Eine neue Staffel Germany’s Next Topmodel wird ausgestrahlt und es wimmelt von Kosmetik-Tipps im Netz, einer Vielzahl von Diäten und sogar bauchfreie Mode ist wieder im Trend. Aber unter uns gesagt – die Männerwelt hat es auch nicht unbedingt leichter. Hungern reicht da nicht aus, ein Sixpack – oder wenigstens ein paar ordentliche Muskeln - sollten schon drin sein, um als richtig attraktiv zu gelten. Ein angebrachtes Styling kann durchaus genauso lange dauern wie das Make-Up der Freundin – aber alles in Maßen, damit man bloß nicht noch für schwul gehalten wird! Bei der Wahl zwischen dem Hipster, dem Schnösel oder dem durchschnittlichen Normalo fällt auch hier die Entscheidung nicht immer ganz leicht. Hauptsache, bei der Damenwelt kommt man gut an. Schönheit – das ist in unserer Gesellschaft ein Kernwert, dem die Menschen große Bedeutung beimessen, ohne es wirklich zu merken. Überlebenswichtig ist es nicht, aber eine gute Portion davon kann auch nicht schaden und viele Menschen sind bereit, so einiges dafür zu tun.

Christine Schwarz 6. Semester, Mediamanagement & Werbepsychologie „Sei immer du selbst. Außer du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn.“


Game of Revolution

Vegan ?! Birkenstock, lange fransige Haare, dürr, gebrechlich und irgendwie ein Freak. Dieses Klischee hat sich lange gehalten. Heutzutage ist es in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, dass Veganer diesem Bild in den seltensten Fällen entsprechen. „Die essen ja nur Gras und Steine.“ – „Die essen meinem Essen das Essen weg.“ – „Veganer sind einfach so extrem. Die spinnen doch.“ Solche Sprüche darf man sich als Veganer nicht selten anhören. „Die nerven und wollen einen immerzu bekehren!“ Jein. Wieso pauschalisieren, wenn das nicht angebracht ist. Aber zäumen wir das Pferd doch einmal von hinten auf. Nicht selten darf man sich als derjenige, der gewisse Lebensmittel vermeidet, direkt einem Monolog, der einer Predigt gleicht, aussetzen. „Du weißt aber schon, dass das ziemlich ungesund ist. Wir Menschen brauchen Fleisch, um zu überleben. Ohne das Calcium aus der Milch wärst du nicht so groß geworden und vor allem fehlen dir doch sämtliche Proteine.“ An diesem Punkt geht jeder anders mit der Situation um. Der belehrende und nervende Veganer fühlt sich natürlich in seinem Wesen verletzt und möchte seine Meinung dem anderen genauso auf die Nase binden, wie eben dieser das zuvor getan hat. Er ist sogar froh, dass er zuerst angegriffen wurde und somit seinen Vortrag rechtfertigen kann. Diese Chance lässt er sich nicht entgehen. Schließlich hätte er den Versuch dich zu belehren heute sowieso noch gewagt. Wenn du Glück hast, kommst du davon, ohne dass dir Ausschnitte aus dem Film Earthlings oder Bilder aus Schlachthäusern die Nacht zum Alptraum machen. Es könnte sein, dass er es dabei belässt dir Zahlen und Statistiken an den Kopf zu hauen und versucht dir ein schlechtes Gewissen einzureden. Ein kleiner Tipp meinerseits: Lass dich bloß nicht auf eine solche Diskussion ein. Diese Art engstirniger Mensch wird seinen Standpunkt fest vertreten ohne dabei auch nur im geringsten ein faires Gespräch zu führen. Verschwendete Lebenszeit deinerseits. Glaube mir. Aber dieses Verhalten ist selbstverständlich nicht die Regel.

Natürlich ist es auch hier, wie bei fast allen anderen Themen der Fall, dass man pauschalisiert und sich nur die schlechten Eigenschaften einer Gruppe weitertragen. Typisch Klischee eben. Das hat allerdings nichts mit der Ernährungsweise, dem Hobby, der Herkunft oder auch anderen willkürlichen Dingen zu tun. Nicht vor jedem Polen musst du dein Hab und Gut verstecken, nicht alle Werbeliebe-Mitglieder sind trinkfest (Nunja, auf den Löwenanteil trifft das wohl zu) und, dass Blondinen nicht weniger intelligent sind als die Dunkelhaarigen unter uns, ist ja wohl auch jedem bewusst. Nervtötende, hinterhältige oder anderweitig unsympathische Erdbewohner finden wir durch alle Reihen hinweg. Ohne Ausnahme. Es gibt nämlich auch einen sehr großen Anteil Veganer, der euch nicht Ihre eigene Meinung aufzwängen will. Und dem seid ihr ganz bestimmt auch schon begegnet. Bei den meisten bekommt ihr es noch nicht einmal mit, dass sie tierischen Produkten abgeschworen haben. Und wenn das doch der Fall sein sollte und es zum Gesprächsthema wird, dann beantwortet diese Art Mensch dir gerne deine Fragen, ist für eine offene und faire Diskussion bereit, wenn du es denn wünschst, und lässt dich aber ansonsten mit dem Thema in Ruhe. Warum man die zweite Art dieser Spezies seltener antrifft? Weil Sie sich für erstere schämt und es am liebsten hat, wenn niemand mit bekommt, wie ihr Speiseplan gefüllt ist. Geht ja auch eigentlich niemanden etwas an, oder? Übrigens gehen die belehrenden Menschen nicht nur Leute an, die Fleisch essen, sondern auch Veganer. Denn schließlich sind sie die viel veganeren und besseren Veganer.

Vanessa (Josie) Troike 2. Semester, Marketingkommunikation und Werbung „ Ach, mein, dein das sind doch nur bürgerliche Kategorien. - Witzig!“

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Mein kleiner, gemeiner Coach Ich stehe auf. Verdammt, bin ich hungrig, erstmal etwas frühstücken. Auf dem Küchentisch erspähe ich glücklicherweise den Kuchen von Sonntag. Direkt daneben steht ein Teller mit Obst. Unentschlossen, was ich davon essen soll, frage ich wie immer mein allwissendes Smartphone. „Starte den Tag gesund“, sagt es. Ich greife nach einem Apfel und gehe. Ein paar Stunden später schau ich mir ein paar Fotos vom Wochenende an: Steak, Nudeln und oh wie lecker… der Burger am Samstag. All die tollen Erinnerungen, erfasst in einer einzigen App. Toll! Food Tracking nennt sich dieses Geschenk der Technologie. Das Problem: Die App findet mein Essen gar nicht so toll wie ich. Sie bestraft mich buchstäblich dafür. Im Durchschnitt 150 Kalorien zu viel würde ich täglich zu mir nehmen, deshalb soll ich tunlichst 8 Kilometer laufen gehen. Um besser überprüfen zu können, ob ich auch wirklich genug Kalorien verbrenne, soll ich also eines dieser Fitnessarmbänder anlegen. Eine elektronische Armfessel? Naja, vielleicht hilft es ja wirklich. Als ich wieder nach Hause komme - die ernüchternde Wahrheit. Ja, 8 Kilometer gelaufen, aber 10 Minuten zu langsam. Am Abend soll ich deswegen auf Kohlenhydrate verzichten. Meinetwegen. Die Tiefkühlpizza schmeckt sowieso viel besser als die Spaghetti und mehr Proteine hat sie auch noch. Vor dem Schlafengehen nochmal kurz Facebook checken. Doch plötzlich meldet sich mein Handy: „Du solltest mindestens 8 Stunden schlafen“. - So, jetzt reicht’s aber! Du sagst mir was ich essen darf, dass ich wie ein verrückter durch die Gegend rennen muss und jetzt auch noch wann ich schlafen gehen soll? Bist du meine Mutter? Du bist nur eine kleine App, du sagst mir gar nichts! - Ich schlafe ein, denn das Laufen hat mich müde gemacht.

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UP by Jawbone und vergleichbare Produkte werden damit beworben, der optimale Begleiter für ein gesundes und fittes Leben zu sein. „Es gibt nur einen Weg für dich“ lautet der sehr allgemein gehaltene Slogan des Senkrechtstarters von 2015. Diesen einen „richtigen“ Weg soll das Gerät für mich herausfinden. Wie ich mich dabei fühle und ob mir das gefällt, ist dabei Nebensache. Disziplin ist das Zauberwort. Wenn ich die Aufgaben, die mir mein Smartphone in Verbindung mit dem zugehörigen Fitnessarmband vermittelt, richtig ausführe, werde ich belohnt. Mit Sätzen wie „dein Herz ist jetzt stärker“ oder „du bist ausgeschlafen“. Mir persönlich stellt sich die Frage, ob solche Fitnessarmbänder tatsächlich die einzigartige Patentlösung beinhalten, die Jedermann fit macht. Zugegeben: Es ist durchaus interessant, welche Features sich hinter so einer Anwendung verstecken. Egal ob Schlafphasenwecker, Nahrungsmittelscanner via Barcode oder Hauttemperatur- und Herzfrequenzüberwachung. Die Kombination aus Fitnessarmband und App wirkt zunächst vielversprechend. Das Problem dabei ist nur, dass die Motivation schnell verloren gehen kann. Für jede Aktivität muss man seine Finger bemühen, alles in das Register der App einzutragen. Vergisst man nun vor dem Schlafengehen, die App davon zu unterrichten, verfälscht man seine Daten. Genauso gilt das auch für das unterlassene Einscannen von Nahrungsmitteln. Die größte Schwachstelle ist also nicht das Fitnessarmband, sondern dass man sich wie bei vielen anderen Dingen auch an seinem omnipräsenten Smartphone bedienen muss. Führt man sich einmal vor Augen, wie intensiv wir selbiges täglich sowieso schon benutzen, bereitet der Gedanke daran, die kleine elektronische Fußfessel schon vor dem ersten Bissen am Morgen nach Rat zu fragen, keine Freude.


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Außerdem entdeckt man eine weitere entscheidende Tatsache, wenn man genau darüber nachdenkt: Eigentlich ist das Ganze nur alter Wein in neuen Schläuchen. Zuvor wurden schon Uhren mit Puls-Messfunktion gehypt. Das Rad ist mit solchen Fitnessarmbändern also trotz Smartphone-Kompatibilität nicht neu erfunden worden. Weshalb dann unbedingt bis zu 180 Euro ausgeben? Im Endeffekt dreht es sich wohl doch nur um eines der vielen Alltagsgadgets mit denen man sich profilieren muss. Naja, wem’s hilft… Summa summarum: Für jeden gesundheitsbewussten Menschen, der etwas Unterstützung und Erinnerung im Alltag braucht, sind Anbieter wie Jawbone sicherlich keine schlechte Sache. Menschen, die sich nicht gerne rumkommandieren lassen wollen, lassen aber lieber die Finger davon. Am besten bevor es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen dem Smartphone und der nächstgelegenen Wand kommt. Die Zeiten der alten Nokia-Prügel sind immerhin vorbei. Und allen, die

ohne Armband ihre Fitness verbessern wollen, rate ich einfach: Leute bewegt euch. Sportliche Erfolge stellen sich auch ohne die Benutzung von Jawbone und Co. ein! Zum Abschied also: „Run, Forrest, run!“

Philip Stolz 4. Semester, Mediamanagement & Werbepsychologie „ Das Chancenplus war ausgeglichen.“ - Lothar Matthäus

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Schreibst du oder meinst du? Es ist ein Phänomen das wohl immer schlimmer wird und schon nicht mehr wegzudenken ist. Es ist das was uns mal bewusst, mal unbewusst passiert. Es ist das komische Gefühl danach. Es ist die Fremdheit zwischen den Menschen. Es ist das, was niemand ausspricht aber irgendwie so ist. Zugegeben, für das Phänomen, das im Folgenden thematisiert wird gibt es (noch) keine Bezeichnung. Ich nenne es „zwischenmenschlicher Medienbruch“. Ich du er sie es wir sind bei WhatsApp Facebook Twitter und Co. Soziale Netzwerke. Wir sind sozial vernetzt. Was ja eigentlich schon immer so ist. Doch seit geraumer Zeit sind wir es virtuell. Und darin liegt das Problem. Die Netzwerke befriedigen unser Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Anerkennung, Neuigkeiten und Skandale. Es wurde ein Paradies der Anonymität und der „ Gedankenlosen-Schreiberei“ geschaffen. Schnell ist was geschrieben und ehe man sich versieht, liest es der Freundesfreund des Nachbars des Lehrers der Schwägerin deiner Freundin, der in Thailand sitzt und Schnitzel ist. Diese weltweite Vernetzung ist ein Aspekt.

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Doch viel stärker ist der negative Effekt des zwischenmenschlichen Medienbruchs. Wir schreiben mit irgendwelchen Leuten. Schicken spontan Freundschaftsanfragen, liken die Bilder der Tante unserer Nachbarin („kennt“ man ja ). Und dann kommt der Moment wenn man sich im echten Leben sieht. Manchmal kommt es vor, dass man noch nicht mal über das redet, was man geschrieben hat. Manches ist wie nie passiert. Als wären es zwei andere Personen, die sich online kennen. Und so wird es zu einer kleinen Herausforderung dieser Zeit was das Zwischenmenschliche betrifft, zu Lernen wie man in der realen Welt an Geschehnisse der virtuellen anknüpft. Manche Sachen sind einfach schneller und leichter geschrieben, als gesagt und so stehen wir in der greifbaren Welt häufig vor einer schwierigen Aufgaben. Soll ich die Tante jetzt grüßen? Ist das nicht die, mit dem süßen Katzenbild? Ich hab ihr geschrieben dass wir uns treffen können und jetzt redet sie nicht mehr darüber? Wieso grüßt mich dieser Typ? Kenn ich den? Zugegebenermaßen gibt es auch die Chatpartner, mit denen


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„Die Gedanken die wir aufschreiben, werden nur auf das Wort reduziert, alles andere kommt bei dem Anderen nicht an.“

man auch offline befreundet ist. Da stellt es kein Problem dar. Man kennt die Person, man weiß wie sie reagiert und kann das Geschriebene besser deuten. Und dennoch kann es natürlich dabei vorkommen, dass wir Reaktionen und überhaupt das Schreiben erwarten, und sind irritiert wenn das nicht geschieht. Kurz erwähnt und für immer vergessen: Die blauen Häkchen, die wir alle lieben. Dies ist jedoch ein anderes Thema. Ist die Person einem nicht bekannt, erschaffen wir von unseren Chatpartnern ein Bild, fußend auf dem was er/sie schreibt. Das führt unausweichlich zu positiven oder negativen Überraschungen wenn man sich trifft. Ganz zu schweigen von Identitätsklau, bei dem sich der Gesprächspartner ganz in der Person am anderen Laptop täuscht. So wirklich erklären können wir uns nicht, warum es uns manchmal so schwer fällt, da offline weiterzumachen, wo wir online angefangen haben. Wir finden aber auch manchmal nicht den Mut dazu, das zu ändern. Dem einen oder anderen mag es so vorkommen, als hätten wir zwei Welten und zwei Wesen unseres Individuums kreiert. Eine Ursache dafür ist, dass die Kommunikation via Chat oft auf Annahmen fußt. Wir denken was der andere denkt. Wir hoffen, dass der Gegenüber das Geschriebene so interpretiert wie wir es gemeint haben. Doch so wirklich sicher sein, können wir uns da nicht. Emoticons vermögen es über wirkliche Absichten, Emotionen und Reaktionen hinwegzutäuschen. Mimik und Gestik bleiben uns verwehrt. Obwohl sie eigentlich essentiell sind, um ein Gespräch zu führen. Die Gedanken die wir aufschreiben, werden nur auf das Wort reduziert, alles andere kommt bei dem Anderen nicht an. Da ist es fast eine logische Folge, dass es unmöglich ist, sich im realen Leben sicher zu sein, was der andere während des Chatschreibens gedacht hat. Dieser Effekt wird

insofern verstärkt, als dass uns das schreiben am Bildschirm dazu verleitet Dinge zu schreiben, die wir gar nicht aussprechen würden. Das kostet dann schon Mut sich im wahren Leben zu entschuldigen, sich zu verzeihen, sich die Liebe zu gestehen, sich die Meinung von Angesicht zu Angesicht zu sagen oder sich zu öffnen. Da können wir nur hoffen, dass wir nicht Schritt für Schritt die wahre Kommunikation verlernen. Denn 7000 Likes und 400 Follower ersetzen zum Glück immer noch nicht wirkliche Emotionen und Freunde. Deshalb ist es gut, wenn wir das Online-Leben nicht als eine separate Welt sondern als Teil unseres Lebens sehen und nie vergessen dass die wahren Worte vielleicht doch lieber ausgesprochen gehören. Verwandeln wir doch Likes in Komplimente, Emoticons zu Emotionen und geschriebene Wörter zu wertvollen Gesprächen werden.

Josefin Link 4. Semester, Marketing „Every cloud has a silver lining“

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Fan #Goals Ja, es ist wieder diese Zeit. 2 Jahre nach dem Weltmeistertitel steht schon das nächste große Fußballturnier an - Zeit wieder Flagge zu zeigen! Aber ob es dieses Mal wieder genügend Möglichkeiten dazu gibt? Fragt sich das nicht jeder in dieser Zeit, in der man nur beiläufig mitbekommt, dass bald ein besonderes Ereignis stattfindet? Wenn ich mich durch den schwarz-rot-goldenen Supermarkt voller Wimpel, Fahnen und Gesichtsfarben bewegt habe und am Ende meines Einkaufs Fußballsticker in meinen Einkaufswagen geworfen bekomme, fällt bei mir meistens der Groschen. Dann macht auch diese Werbung im Fernsehen Sinn, in der permanent auf Sammelaktionen mit revolutionären Fan-Artikel-Preisen aufmerksam gemacht wird. Da bin ich dann regelmäßig dabei, esse jeden Tag 1-2 Gläser Nutella, um eines dieser super geilen T-Shirts abzugreifen oder einen qualitativ hochwertigen Deutschland-Ball, der garantiert länger hält als er verspricht. Außerdem werden alle anderen schwarz-rot-goldenen Artikel mitgenommen, die es 3 Monate vorher und auch 3 Monate nach dem Turnier noch zu kaufen gibt. Mein Lieblingsgadget darf natürlich nicht fehlen: Die Vuvuzela. 2010 bei der WM in Südafrika liebgewonnen, ist sie für mich persönlich bei Länderspielen und dem Sport allgemein nicht mehr wegzudenken. Wer glaubt, ihr Klang wäre nur in Südafrika angebracht gewesen, hat weit gefehlt! Zum Glück teilen diese Meinung auch alle anderen Fußballfans in Europa. Es gibt doch nichts Schöneres, als beim Einschalten eines Fußballspiels oder Besuch des Public Viewings den Kommentator beziehungsweise sein eigenes Wort nicht mehr zu verstehen. Wobei auch beides seine negativen Seiten hat. Wie soll ich dann vom Kommentator alle 10 Minuten auf die hauseigene Serienproduktion hingewiesen werden? Ich weiß ja nicht ob euch diese kleinen Werbungen auffallen, weil sie so spielerisch ins Programm eingebunden werden, aber ich möchte nicht auf sie verzichten.

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„Was für ein Regen, der hier im Stadion runterprasselt. Wissen Sie, liebe Zuschauer, wo etwa dieselben Wetterbedingungen herrschen? In der neuen Folge House of Cards! Schauen Sie sich alle Folgen der ersten 10 Staffeln am besten jetzt direkt auf Abruf an. Denn seien wir mal ehrlich - Sie haben bestimmt nicht wegen dem Fußallspiel genau jetzt eingeschalten.“ Andererseits ist es auch schade, dass durch die Vuvuzelamusik, wie ich sie nenne, auch die fußballbegeisterten kreischenden Mädels, deren Blumenbänder im Haar für kein anderes Event angebrachter wären, untergehen. Genau wie die betrunken grölenden Männer. Für mich sind das keine Fans. Ich persönlich fahre nur mit dem Fahrrad zu den Public Viewings, einfach um mich nicht mit der Parkplatzsuche rumzuärgern und kann dabei sicher sein, dass meine Wimpel nicht von meinem Auto geklaut werden. Auf den großen Leinwänden sieht man einfach besser als zu Hause auf meinem alten kleinen Fernseher. Meistens trinke ich 1-2 Radler, manchmal auch nur eine kalte Cola. Normalerweise suche ich mir einen gemütlichen Sitzplatz im Schatten und genieße das Spiel. Da es sehr selten ist, dass mehr als einer dieser optimalen Plätze frei ist, gehe ich so gut wie immer alleine. Das wichtigste für mich: Mein Nutella Fußball-Sammel-Fanshirt sitzt und die Vuvuzela ist eingespielt! In diesem Sinne: Gut Kick!

Hannes Frick 2. Semester, Wirtschaftsinformatik „ Jeff, ich heiße Jeff!“


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Broadcast Yourself Karl Ess, der neue Stern am Online Coach-Himmel Eine einfache Messgröße für Bekanntheit eines Promis ist einfach seinen Namen laut mit zu teilen und zu hoffen, dass dieser sofort im Kopf des Gegenübers verbildlicht wird. Noch vor einiger Zeit sagte nur sehr fitnessaffinen Menschen der Name Karl Ess etwas. Doch der mittlerweile deutschlandübergreifende und polarisierenden Fitness-Coach Karl Ess hat eine vergleichsweise lokale Bekanntheit, die hier zu Lande nur Politiker, Schauspieler oder Fußballer genießen. Grund genug, hinter den Charakter dieses Youtube Stars zu blicken und die Vermarktungsmöglichkeiten von Fitness-Coaching zu analysieren.

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Karl Ess, gebürtiger US-Amerikaner, trainiert seit seinem 16. Lebensjahr an seinem Körper. Zunächst schloss Karl das Studium in Wirtschaftsingenieurwesen in Stuttgart ab. Doch längst dem Fitnesswahn verfallen erkannte Karl früh die Vermarktungsmöglichkeit im Online-Bereich. Seit 2012 betreibt Karl Ess seinen Youtube-Kanal. Auf diesem bewirbt er Fitness für Jedermann: vom schnellen Fitness daheim bis zum Bodybuilder im Fitness Studio. Nach gefühlt ein paar Tausend hochgeladenen Videos kann jeder diesem jungen Mann nur den größten Respekt zollen. In vier Jahren hat sein Youtube-Kanal über 370.000


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sogenannte Follower und die Videos wurden insgesamt über 11 Millionen mal gesehen. Mit der Zeit hat Karl Ess erkannt, dass Youtube nicht nur eine riesen Chance, sondern auch eine riesige Reichweite bietet, jedermann (oder jederfrau) zu erreichen. Seine Videos sind mit der Zeit noch spezifischer geworden und bieten unter anderem auch noch Videos zur passenden Ernährung an. Mittlerweile sieht man dem Mann nicht nur sein hartes Training an, selbst die Creme de la Creme der Fitness-Branche möchte national und international mit ihm Videos drehen und diese dann uploaden. Die neu aufkeimende Zielgruppe – sorgevoll achtend auf ausreichend Sport und gesunde Ernährung – definiert sich durch solche Videos. Mehr tun für den Körper und weg mit unnötigen Ballast von außen und innen – mit einem expliziten Drang auch auf die Umwelt zu achten. Der neue Trend, keine tierischen Produkte zu konsumieren und dabei trotzdem Athletik und Muskeln aufbauen? Diesen Trend hat Karl Ess früh und gut erkannt. Dabei hat er sich längst in seiner Vermarktung und seinem Denken diversifiziert. Man hat das Gefühl, dass Rast nicht im Vokabular vorhanden ist. Durch seine eigens kreierte Internetseite wird der meiste Umsatz generiert. Sein 360 bodywork bietet online jedem jeweiligen Körperbau Personal Training zum Kauf an. Dabei werden in den Videos nicht nur Übungen gezeigt, sondern auch ein ganzes Bewusstsein für das Abnehmen oder Trainieren geschaffen. Genaue Analyse des Stoffwechsels oder Wirkungen von Nahrungsmitteln gehören zum Grundrepertoire dieser Videos. Preislich ist ein Sechs-Monats-Abo zwischen 147 bis 247 Euro zu erwerben. Doch noch nicht genug, Kleider machen Leute. Deshalb ist Karl Ess Markenbotschafter für das Klamottenlabel Gym Aesthetics aus Stuttgart. Das Startup profitiert sehr stark von der Reichweite der Videos, die Karl Ess postet. In diesen ist das sogenannte Affiliate Marketing ganz großgeschrieben. Karl Ess wirbt für

alles: Von Anleitungen, wie man Geld verdient, bis zu Fitnessprodukten, alles wird groß und breit beworben. Dabei kamen immer mehr Gefolgsleute und schlossen sich der Idee von Karl Ess an. Zusammen mit anderen Athleten bilden diese die „GACrew“. Sie setzt sich zusammen aus 15 YouTubern, bestehend aus Kraftsportlern, die für die nötige Reichweite im Netz sorgen sollen. Auf der Ebene des Marketings wurde verstanden, wie man mit einer kleinen Kamera Leute erfolgreich erreicht und dadurch dann Gewinne erzielt. Die Idee sich über YouTube zu bewerben und der Zielgruppe individualisierte Videos zum Bereich Fitness und Ernährung zu bieten, war national ein Novum. Die nächsten Schritte sich Einnahmequellen über Affiliate Marketing bzw. die Kooperation mit Startups zu sichern, erscheint logisch und notwendig. Doch in Folge von Erfolg und dem auch folgenden Geld stellt sich auch die Frage: Verändert sich der Grundgedanke der ursprünglichen Videos? Die Zurschaustellung verschiedener Produkte und auch zum Teil in sehr aufdringlicher Manier birgt Gefahr sich in dem Erfolg zu verlieren. Man sollte den Erfolg nicht abstreiten, doch medial diesen durch Luxusgüter und Autos der breiten Masse eindringlich kund zu tun, könnte der eigentlichen Zielgruppe sauer aufstoßen. Die Frage ist, wann ein Schritt weiter einer zu viel gewesen. Wir werden sehen, wenn es wieder heißt: „Hallo Leute, Karl hier…“

Florian Walz 4. Semester, Marketingkommunikation und Werbung: „Perfekter ist das Leben nie, aber es gibt Ideen, die es perfekter machen!“

„Man hat das Gefühl, dass Rast nicht im Vokabular vorhanden ist.“

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Selbstdarstellung im Internet Sonntag, 9:45 Uhr. Der Wecker klingelt. Verschlafen taste ich mit der rechten Hand nach diesem elendigen Miststück. Während ich mit zusammengekniffenen Augen versuche dieses furchtbare Geräusch abzustellen, bereue ich das letzte Bier vom gestrigen Abend. Puh. Aufstehen. Dafür ist es eigentlich noch viel zu früh. Nach mehreren Snooze-Intervallen wage ich es die Augen aufzumachen. An Aufstehen ist allerdings noch lange nicht zu denken. 13 WhatsApp-Nachrichten. Von „bist du gut nach Hause gekommen“ über „Ich bin tot. Lass‘ nachher mal Germanys next Topmodel schauen“ bis hin zu „Du olle Schlafmütze, wir wollten trainieren gehen“ ist alles dabei. Ohweh. Habe ich Laura etwa schon wieder zugesagt, dass ich endlich mit ihr joggen komme? Das schlechte Gewissen nagt sanft an meinem linken Ohrläppchen, während ich das angehängte Foto von ihr im pinken Trainingsanzug betrachte. Naja, denke ich mir. Dann eben das nächste Mal. Ich öffne Facebook und scrolle durch die zahlreichen Beiträge meiner Facebook-Bekanntschaften. Partyfotos, lustige Katzenvideos, Bilder vom Sonnenaufgang, Urlaubsbilder. Alles mit dabei. Aber das ist heutzutage ja schon lange nicht mehr der Hauptteil der Postings in sozialen Medien. Einen Großteil nimmt mittlerweile das Thema Fitness ein. Oder nennen wir es lieber Selbstdarstellung? Da ist Max, der damit prahlt heute schon ein Kraft- sowie Boxtraining hinter sich gebracht zu haben und das Ganze mit einem Oben-Ohne-Foto unterstreicht. Angespannte Muskeln und ein noch viel angespannteres Gesicht zaubern mir ein verschmitztes Lächeln in mein müdes Antlitz. Angeber, denke ich mir. Glücklich schaut er dabei nämlich nicht aus. Da geht es mir in meinem Bett schon besser. Weiter geht es mit Juli. Ihre Beiträge nerven mich besonders. Das hat eine Vielzahl an Gründen. Täglich postet sie nicht nur ein oder zwei, sondern meist etwa sechs bis acht Beiträge aus ihrem ach so sportlichen und gesunden Leben. Angefangen beim gruselig ausschauenden Green Smoothie um 5:34 Uhr über die erste 7 Kilometer-Joggingrunde um 7:08 Uhr, die direkt mit zwei Fotos dargestellt wird (Ja verdammt, ich weiß mittlerweile, welche 26

Strecke du läufst, und ja, ich weiß auch, wie verdammt gut du dabei ausschaust!), bis hin zum Abend, an dem sie ihr tägliches Krafttraining absolviert. Das wird natürlich auch vor dem Spiegel im Studio dokumentiert und den Mitmenschen, die auf dem Sofa kauern, auf den Smartphone-Bildschirm transferiert. Jedes Mal überrollt mich eine Welle der verschiedensten Gefühle bei ihren Bildern. Da ist die Wut darüber, dass sie mir mein eigenes unsportliches und ungesundes Verhalten unter die Nase reibt. Die Trauer darüber, dass ich einfach nicht am Ball bleiben kann, wenn ich regelmäßig Sport treiben möchte. Der Neid über ihren ziemlich perfekten Körper und natürlich die Unsicherheit der Frage, wie sie das zeitlich überhaupt alles unter einen Hut bringen kann. Schläft sie auch? Hat sie Freunde, mit denen sie sich trifft? Studiert sie nur auf dem Papier? Juli ist nur einer der zahlreichen Menschen, die mir täglich eine imaginäre Backpfeife für mein eigenes Leben geben. An und für sich unterscheiden sich die Beiträge der Sportbegeisterten nur im Detail. Während Vale noch zahlreiche Bilder mit Sprüchen postet (No pain – no gain. Sorry Bro, dieser Spruch ist nun wirklich nicht mehr cool und außergewöhnlich), mischt Sabrina viele Essensfotos unters Volk. Dass es sich dabei nur um gesunde und Low Carb-Gerichte handelt, muss ich ja wohl kaum erwähnen. Wieso teilen diese Menschen ihr perfektes Leben mit uns? Ist es wirklich so toll oder greift hier nur das Prinzip der sozialen Medien besonders stark? Niemand (lassen wir pubertierende 13-Jährige mal außen vor) erzählt uns online im großen Rahmen, wie schlecht sein Leben gerade läuft. Kaum einer würde tagtäglich seine Pizza, seine Tiefkühlnuggets und sein faules Leben vor dem Fernseher dokumentieren. Doch eigentlich schaut es doch beim Großteil von uns genauso aus. Beim einen mehr, beim andern weniger. Während ich mich freue endlich mal wieder joggen gewesen zu sein, ärgert sich ein anderer darüber, dass er seine Bestzeit mal wieder nicht geknackt hat. Bekommen wir das mit? Nein. Wir erfahren nur, wie angenehm und befreiend die heutige Laufrunde war und dass er tagtäglich Fortschritte macht. Was wirklich in den Köpfen der Sportbesessenen vorgeht, das können wir nur raten. Spornt es sie zu Höchstleistungen


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an, wenn sie wissen, dass nach dem Workout ein neuer Facebook-Post fällig ist? Wollen sie uns motivieren und uns an ihrem Weg zum perfekten Körper teilhaben lassen? Ist nur der stolz auf den eigenen Aktionismus ausschlaggebend? Oder ist es bei dem ein oder anderen wirklich nur bösartige Absicht uns ein schlechtes Gewissen zu bereiten? Das werden wir vermutlich nie erfahren. Bleibt uns nur unsere Reaktion. Es gibt einige Möglichkeiten damit umzugehen. Erfreuen wir uns an den Erfolgen anderer, treibt uns der Neid dazu weniger abendliche Dates mit unserem Sofa zu haben, hassen wir sie innerlich für ihre viele Energie und das Durchhaltevermögen und platzen wir nahezu vor Neid (Ja, vor Neid und natürlich nicht aufgrund der Chips, die wir uns genervt in den Mund stopfen) oder schaffen wir es die Beiträge einfach zu ignorieren? Es gibt selbstverständlich auch die Möglichkeit die Postings besagter Personen auszublenden.

Aber seien wir mal ehrlich? Irgendwie wollen wir sie doch sehen. Morgen möchten wir schließlich auch wieder anfangen joggen zu gehen.

Vanessa (Josie) Troike 2. Semester, Marketingkommunikation und Werbung „ Ach, mein, dein das sind doch nur bürgerliche Kategorien. - Witzig!“

Desiree Hammer 2. Semester, Mediamanagement & Werbepsychologie „She danced like no one was watching. But everyone was watching and she looked like a twat.“

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Marktwert ist nicht Markenwert Thomas Müller und Toni Kroos sind gesetzt, aber wer soll an ihrer Seite spielen? Götze? Özil? Oder doch volle Offensive, um die Konkurrenz zu attackieren und gleich alle vier zusammen einsetzen? – Eine Frage, die nicht nur dem Trainerteam um Joachim Löw bei der anstehenden Europameisterschaft, sondern bereits seit längerem etlichen Marketingverantwortlichen in Deutschland Kopfzerbrechen bereitet hat und wird. Der Einsatz von Prominenten als Testimonial ist seit jeher eines der beliebtesten Stilmittel im Marketing und gerade im von Großereignissen à la Olympiade und Fußball-EM geprägten Jahr 2016 bieten sich Sportler besonders an. Media Analyzer zu Folge gelten Sportler, verglichen mit Models oder Comedians, die ebenfalls gerne als Testimonial eingesetzt werden, als am vertrauenswürdigsten. Sie stehen für Erfolg, Engagement und Zielstrebigkeit, da sie ihre Ziele durch eigene Anstrengung erreicht haben. Während sich der Bundestrainer seine Idealbesetzung allerdings auf die rein sportliche Leistung beziehen kann, gilt es für die Entscheidungsträger in Unternehmen weit mehr zu beachten. Zwar schadet sportlicher Erfolg auch bei der Testimonial-Auswahl gewiss nicht, jedoch gilt es hier viel mehr Aspekte wie etwa die Bekanntheit des potentiellen Markenbotschafters zu betrachten. Laut der „CPI – Celebrity Performance“ Studie wirken Werbemaßnahmen, die auf ein Testimonial setzen sowohl verständlicher (+11%), sympathischer (+11%) als auch einprägsamer sobald dieses erkannt wird. Ein Fakt, der hierzulande im Reich von König Fußball mal wieder unsere begabtesten Balltreter gegenüber anderen Athleten bevorzugt.

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Während die Gesichter von Manuel Neuer und Co. nahezu der gesamten Bevölkerung auch außerhalb ihres sportlichen Umfelds bekannt sind, müssen Olympiasieger oder Weltmeister wie Paul Biedermann, Viktoria Rebensburg oder Robert Harting meist im Kontext ihrer Sportart abgebildet werden um selbst in spitzeren Zielgruppen erkannt zu werden. Vermutlich können sich einige Kreative besseres vorstellen als Biathlon-Szenen mit Weißbier-Packshots abwechseln zu müssen. Ein möglichst erfolgreicher Fußballer mit entsprechender Bekanntheit zu sein ist allerdings noch längst nicht genug um ein ideales Sporttestimonial abzugeben. Neben dem Markenfit als Grundvoraussetzung für eine gelungene Testimonial-Kampagne sind Sympathie und Authentizität von enormer Bedeutung. Faktoren, die im „Soccer Star Check“ (SSC), einer von Jung von Matt/Sport in Zusammenarbeit mit &Equity entwickelten Studie zur Bewertung des Markenwertes von Fußballern, beachtet werden. Während die Herren Müller, Kroos, Özil oder Götze auf sportlicher Ebene noch mehr oder weniger auf einem Level gesehen werden können, stellt sich dies in den Ergebnissen des SSC doch vollkommen anders dar. Während Müller als humorvoll und ehrlich wahrgenommen wird und auch hier zur Spitzenklasse gehört, schafft es sein Vereinskollege Götze nicht einmal in die nationale Top 20. Zwar ist er als


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Siegtorschütze im WM-Finale ein Held im DFB-Trikot, jedoch verbinden viele Deutsche mit ihm Attribute wie Arroganz oder gar fehlende Sympathie – nicht unbedingt der ideale Mix für einen Markenbotschafter. Der einfache Augenvergleich scheint zu bestätigen, dass viele Marketingentscheider ähnlich denken. Während Müller sein Gesicht neben seinem Ausrüster Adidas auch für REWE, VW, BiFi, Gillette und Weber Grill in groß angelegten Kampagnen in die Kamera hält, spielt Götze in Kampagnen für Nike, Samsung oder Beats by Dr. Dre doch meist nur eine untergeordnete Rolle. Damit kann er sich allerdings immer noch einer höheren Werbepräsenz erfreuen als Mesut Özil, der allem Anschein nach trotz seiner enormen Zahl an Social Media Followern, den meisten unter allen Nationalspielern, nur für wenige Marken interessant erscheint. Während viele Marketingentscheider Özil oder auch Götze nicht in ihre Wunschformation berufen, genießen sie beim Bundestrainer eine höhere Gunst und werden vermutlich öfter eingesetzt. Was im Marketing, als auch auf dem Spielfeld schlussendlich gleich und entscheidend ist, ist wie man die finale Aufstellung strategisch ausrichtet, kreativ umsetzt und interpretiert. In der Mannschafts- beziehungsweise Sprecherkabine sollen die richtigen Worte fallen um Spieler oder Konsumenten emotional abzuholen. In beiden Bereichen winkt im besten Fall am Ende Edelmetall in Frankreich. Für die einen in Cannes, für die anderen in Paris.

Zum Abschluss möchte ich euch die meiner Meinung nach beste Kampagne, die einen Sportler als Testimonial nutzt, natürlich nicht vorenthalten: 1. „Made by Sweden“ von Forsman & Bodenfors für Volvo Cars mit Zlatan Ibrahimovic

Philipp Dußmann 6. Semester, Marketingkommunikation und Werbung „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ - Angela (61), Digital Native

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Wir schreiben Geschichte neu oder Offensivfußball á la Jung von Matt Der FC Ingolstadt spielt nach einer außergewöhnlichen Saison auch nächstes Jahr in der Fußballbundesliga. Mindestens genauso beachtlich wie der sportliche Werdegang des Aufsteigers, ist jedoch die Entscheidung die eigene Markenkampagne an eine der Top-Agenturen Deutschlands zu vergeben. Seit August „stürmt“ Jung von Matt/sports, der auf Sportmarketing spezialisierte Ableger von Jean-Remys Kreativschmiede um Ex-Schalker Christoph Metzelder, gemeinsam mit den Ingolstädtern und sorgt mit einer integrierten Kampagne für medialen Wirbel. Der FC Ingolstadt 04, mit seiner Gründung im Jahre 2004 und der Nähe zum städtischen Automobilbauer Audi, fällt ins „klassische Raster“ eines, wie Fußballromantiker zu sagen pflegen, „Kommerzvereins“. Diese charakterisieren sich im Wesentlichen durch das Mitspracherecht eines finanzstarken Mäzens (TSG Hoffenheim) oder die finanzielle Bindung an ein Unternehmen (RB Leipzig, Red Bull). Medial sind die Vereine fast ausschließlich mit einem negativ konnotierten Image konfrontiert. Mit ihrer „Wir schreiben Geschichte neu“-Kampagne ist es der Hamburger Agentur gelungen, eben jenes Image zu vermeiden und die Bayern als „Schanzer“ in der Liga sowie bei Influencern wie Fernsehsendern oder Sportjournalisten zu etablieren. Die Kampagne hat zwei wesentliche „Eckpfeiler“: Das „Schanzer“-Branding und die Steuerung der Social-Media Maßnahmen. Ersteres fokussiert Fanartikel wie Mannschaftsposter, Autogrammkarten oder Grafiken, welche im Stile eines mittelalterlichen Kupferstiches gestaltet sind. Idee ist es, die lange Historie der Donaustadt, welche früher durch den Ausbau zur Landesfestung allgemein als „Schanz“ bekannt war, hervorzuheben. Dahinter steckt die Strategie, die Marke FC Ingolstadt als „Schanzer“ zu verankern, damit, den Verein regional von Wettbewerbern wie Nürnberg, München oder Augsburg zu differenzieren und die Menschen in der Region emotional an die Donaustädter zu binden. Daher konzentrierte man sich besonders auf die Kanäle OoH sowie Print und streute die Werbemittel in ganz Oberbayern. Die intensive Beanspruchung von sozialen Medien kommt nicht von ungefähr. „König Fußball“ ist allgegenwärtig in der virtuellen Welt und die Social Media Auftritte der Ver30

eine prägen das jeweilige Image immens. War vor 5 Jahren die Unternehmenswebsite noch primäre Informationsquelle und Aushängeschild, so wurde diese im Laufe der letzten Jahre von Facebook-Seite, Twitter-Account & Co. abgegrätscht. Fehlende Aktualität oder ein nicht stimmiger Auftritt werden von den Usern gestraft und bergen Potenzial für negatives mediales Aufsehen in der Fußballbranche. Deshalb wurden im digitalen Bereich Beiträge wie Banner für den aktuellen Spieltag, Spielberichte, Hintergrundinformationen und vieles mehr stets im neuen „Schanzer“-Stil veröffentlicht. Rückblickend hat sich der Aufsteiger also einen kommunikativen Toptransfer geleistet. Der komplette Fußballmarkt samt Sportmedien ist in ständiger Verwendung der „Schanzer“-Bezeichnung. Kommunikativ gesehen spielt der FCI damit mit dem FC Bayern (MiasanMia), Borussia Dortmund (Echte Liebe) oder Bayer Leverkusen (Werkself) mit um die Königsklasse. Die neue Saison verspricht also in zweierlei Hinsicht spannend zu werden: Sportlich und kommunikativ.

Philipp Kloé 6.Semester, Mediamanagement & Werbepsychologie „Die Polen darf man nicht unterschätzen. Diese Balkankicker sind unberechenbar.“ – Heribert Faßbender


GAME OF REVOLUTION

Vor dem Abschluss Praxisluft schnuppern. W&V ist das Magazin für Marketing, Medien und Werbung. Lies einen Monat lang W&V kostenlos und profitiere dann von den Vorteilen unserer Abo-Angebote exklusiv für Studierende. Gleich eine Ausgabe gratis sichern: www.wuv.de/studenten_gratisausgabe

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1x W &V KOST

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31 W&V – VOR ALLEM.


Praxis

#OnePUK 9 Dj’s, 8 Bandmusiker, 1 erste Violinistin und 1 Ex-Kinderstar sind Teil der ca. 200 köpfigen Crew der Philipp und Keuntje GmbH. Und dann kam ich! Im Februar verließ ich die glänzende Goldstadt und zog in die weit entfernte Perle Hamburg, um dort mein Praktikum in der Beratung zu absolvieren. Da ich hier auf den Kunden Audi arbeite hieß es vom ersten Tag an: Karren, Karren, voom voom und das mit offenen und freundlichen Kollegen! Ist man bei PUK in der Beratung/Projektmanagement betreut und koordiniert man Projekte des Tagesgeschäfts in enger Absprache mit dem Kunden und verschiedenen Abteilungen der Agentur. Das ist ziemlich cool, da man einen Überblick über die Prozesse bekommt und wiederum einen Einblick in die einzelnen Abteilungen. Auch übergreifende Tätigkeiten gehören zu meinem Aufgabenfeld, wie die Koordination von neuen Inhalten für die PUK-Homepage und vielem mehr, was den Praktikantenalltag zu einem interessanten macht! Wir arbeiten ganz nach dem Motto OnePUK und haben bei Teamabenden und Lasertagsessions, dem gemütlichen Feierabendbier oder -sekt unsere ganz besondere PUK-Bondingtime bevor es dann ins Wochenende geht! Aber auch unter der Woche wird gerne mal der Swag aufgedreht, um den Workflow zu fördern und so. In der Mittagspause kann man, wenn die Sonne einmal Lust hat uns mit ihrer Präsenz zu beehren, auch schön draußen sitzen und über den Überseeboulevard flanieren. Beim Essenswagen, der einmal die Woche direkt vor der Agentur seine Pforten öffnet, kann man gerne auch mal eine schöne Portion Süßkartoffelpommes mit fancy Kurkumamayo schnabulieren. Das Büro befindet sich in der schönen Speicherstadt, die, auch außerhalb der Arbeitszeiten, zum Verweilen einlädt! Generell bietet die Hansestadt ein paar sehr schöne Ecken von denen ich, in den kommenden Sommertagen, hoffentlich mehr sehen

werde. Denn bei Wolken, Regen, Hagel und Schnee (und das teilweise alles an einem Tag!) macht das manchmal nicht so viel Spaß... Spaß kommt mir hier trotzdem nicht zu kurz, denn für den anstehenden Shutterstock Agency Cup (kurz SAC), ausgetragen vom deutschen Werbefußballverband, wird bei uns fleißig 2 mal in der Woche trainiert. Anschluß habe ich hier auch gut gefunden, und weil es jedes Semester wieder aufs Neue ‚Werbeliebe goes Hamburg’ heißt, wird es in der Perle auch nie langweilig! Und darauf gibt’s erstmal ein Astra... Also kommt zu PUK, es lohnt sich! Prost ihr SÄCke! Prost du SACk!

Sandra Ehring 5.Semester, Mediamanagement & Werbepsychologie “Nichts ist mächtiger als eine Idee zur richtigen Zeit.“ – Victor Hugo

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Game of Revolution

FKK RETTUNGS SCHWIMMER?

Schlimme Berufserfahrungen gibt es genug. Wir wollen, dass du gute machst. Zum Beispiel als Praktikant/-in im Bereich Kundenberatung. Informiere dich einfach unter: philippundkeuntje.de/jobs 33


AUSLAND

Ein Lauch in Dubai Du bist reich? Du bist schön? Oder besser noch: Du bist beides? Dann nichts wie ab nach Dubai! Die Stadt der Superlative, die beschließt, ihr höchstes Gebäude der Welt durch ein fast doppelt so hohes in den Schatten zu stellen - einfach weil sie es kann - heißt dich mit offenen Armen willkommen. Wenn dein riesiger Goldberg anfängt zu schimmeln, weil du mit dem Ausgeben nicht hinterherkommst, kannst du ihn hier für unbegrenzten Luxus liegen lassen. Dubai ist eine große Stadt mit vielen verschiedenen Stadtvierteln und es wäre unfair, meine Ansichten auf alle Bewohner zu projizieren. Es sei daher klargestellt, dass ich mich auf die „künstlichen“ Stadtviertel beziehe. Die glitzernden Berge aus Baustahl und verglasten Fassaden, in denen man sich morgens auf dem Weg zur Arbeit wundert, wo denn das neue Hochhaus neben der Metro-Station herkommt. In denen Wolkenkratzer (trotz Wirtschaftskrise) aus dem Boden sprießen, als wären es Regale von IKEA in einer Studenten-WG. Dazu gehören die 13 Jahre junge Marina und Downtown Dubai, in dem der 828 Meter hohe Burj Khalifa thront. Hier zählt zur Selbstverwirklichung neben der perfekten Kleidung, dem perfekten Auto, dem perfekten Partner auch der perfekte Körper. Nirgendwo ist der Fitnesswahn spürbarer als in diesen Vierteln. Nur die wirklich Reichen akzeptieren ihre Wampe wie sie ist, sie müssen ja auch niemanden mehr beeindru-

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cken. Fitnessstudios und Läden mit Sportlernahrung findet man hier häufiger als Supermärkte und jeder scheint seine T-Shirts eine Größe zu klein zu kaufen, damit der wohl definierte Körper zum Vorschein kommt. Solange es noch nicht zu heiß ist, sind die Straßen ein Laufsteg, vom Strand ganz zu schweigen. Und mittendrin stehe ich nun, ein bleicher Lauch, der frisch aus dem Flugzeug gepurzelt ist. Die Sonne blendet, meine Haut steht in Flammen und ich bin umzingelt von stahlharten Bizepsen und knackigen Hintern. Kommt mir das nur so vor, oder starren die mich am Strand alle abschätzig an? Auch ohne Brille ist es schwer, sich nicht mit seinen Mitmenschen zu vergleichen. Vielleicht sollte ich auch mal ein paar Gewichte hochheben und schauen was passiert. Wenn die Miete für ein Zimmer bei um die 1000 Euro liegt, sollte man auch alles nutzen, wofür man zahlt. Es ist also ganz praktisch, dass in fast jedem Wohngebäude ein Fitnessstudio vorhanden ist. Also auf geht’s. Um Punkt 8 Uhr abends mache ich mich auf den Weg zu den Gewichten. Eigentlich wollte ich um 7 Uhr schon los, aber als ich um 7:01 schon über die Deadline hinaus war, verschob sich mein Termin nochmal um eine Stunde. Eine Sache hatte ich jedoch übersehen: Ein Gebäudekomplex mit 6 Türmen, von denen jeder 40 Stockwerke hat, mit jeweils


PRAXIS

4 Wohnungen, in denen durchschnittlich 2.5 Personen leben, ergibt 2400 Personen. Wenn von den zweieinhalb Bewohnern auch nur jede halbe Person trainieren würde, um eine Ganze zu werden, dann wären das 480 Personen für ein Fitnessstudio, das für 40 konzipiert wurde. Natürlich war die ganze Horde jetzt um 8 Uhr vor Ort. Ich schob mich vorbei an schwitzenden Körpern und den kritischen Blicken von testosterongeschwängerten Teilzeit-Gorillas. Bitte bringt mich nicht um, ich will nur trainieren. Wenn jedes Gerät und jede Hantel bereits blockiert sind, kommt man irgendwie mit den anderen Gestalten ins Gespräch. Neben mir stand ein riesiger Berg von einem Mann. Als ich ihn nach Tipps fragte, schlug er mir als erstes vor, ich sollte deutlich mehr Proteinshakes trinken. Er rechnete mir vor, wie viel Hühnchen oder Feta Käse ich essen sollte, um effektiv Muskeln aufzubauen. Am Ende kam eine lächerlich hohe Zahl raus, etwas um die 5000 Gramm Feta pro Tag. Daher seien Proteinshakes wesentlich einfacher. Auf dem Heimweg hatte ich in einem Geschäft für Sportlernahrung eine riesige Box mit Pulver gesehen, die tatsächlich „Ultra Mega Mass 4000“ hieß. Irgendwie klang mir das zu suspekt, wie zu Pulver verarbeiteter Dubstep. Vielleicht sollte ich doch mal erst probieren 5000 Gramm Feta in mich zu stopfen (ich habe es probiert, es geht nicht). „Du könntest auch Steroide ausprobieren, die helfen auch und lassen dich richtig krass im Bett abgehen. Huehuehue…“ Er grinste und machte eine ziemlich obszöne Geste vor meinem Gesicht. Ich hob schnell ein Gewicht hoch, damit es so aussah, als sei ich vor Anstrengung rot angelaufen; nicht aus Scham. Wie bereits erwähnt, ich will nicht verallgemeinern, aber meine ersten 20 Minuten waren geprägt von Klischees. Trainiert wird in Dubai meistens getreu der Regel „Beine sieht man am Strand sowieso nicht“. Spulen wir die Zeit zwei Monate vor. Auch ich bin auf dem Weg ein Teilzeit-Gorilla zu werden. Ein, zwei Muskeln mehr sind da, vielleicht auch drei. Wie ist das nur passiert? Ich glaube, drei Gründe helfen in Dubai: 1. Alkohol ist sehr teuer und selten. Wenn man nicht direkt an der Quelle lebt, bleibt der Rausch aus und man lebt ziemlich gesund.

2. Andauernd perfekten Menschen ausgesetzt zu sein, zieht einen mit, da man nicht sagen kann: „Hey, zumindest sehe ich besser aus als die Typen da. Was ist das, halb Aal, halb Wildunfall?“ 3. Unbegrenzt Portionen nachholen in der Mensa bei der Arbeit. 5000 Gramm Feta sind vielleicht unmöglich zu verdauen, aber 1000 Kilo Eiersalat gehen erstaunlicherweise. Man kann also auch als Lauch irgendwie den Fitness-Hype überleben, wenn man sich nur verrückt genug macht. Einen Geheimtipp für Männer am Strand habe ich noch: Wer etwas mehr Haare am Bauch hat, kann sich diese in Form eines Six Packs rasieren. Probiert habe ich es. Fand aber irgendwie keiner lustig.

Max Klose 5. Semester, Wirtschaftsingenieurwesen „Everything not forbidden is compulsory“ - T. H. White

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Ausland

Meine Zeit in Istanbul Ich habe es schon immer geliebt zu Reisen, neue Städte zu entdecken und Kulturen kennenzulernen. Meine Eltern sind mit mir und meiner Schwester fast jede Schulferien in ein anderes spannendes Land oder in eine aufregende Stadt gereist.Als ich gehört habe, dass die schöne Hochschule Pforzheim ein Auslandssemester anbietet, konnte ich es kaum erwarten mal für eine längere Zeit in einem, mir bisher fremden, Land zu wohnen. Meine Wahl fiel auf Istanbul. Ich wollte in eine große Stadt, die viel zu bieten hat und gleichzeitig kulturell völlig anders ist als alles was ich bisher erlebt hatte. Als ich die Zusage von der Istanbul University erhalten hatte, fing alles an real zu werden. Ein Visum musste organisiert werden (ich habe einen britischen Pass), der Flug musste gebucht werden und natürlich musste ich mich auch darum kümmern, wo ich die nächsten paar Monate wohnen würde. Glücklicherweise hat die Uni ein Buddy-Programm. Man bekommt einen „Buddy“ zugeteilt, also eine Person, der man vor der Abreise Fragen stellen kann und die einem anfangs mit allen organisatorischen Sachen hilft. Sehr praktisch, wenn man kein türkisch kann. Mein Buddy Duygu ist mit zwei super netten und hilfsbereiten Türkinnen befreundet, die ein Zimmer für mich frei hatten. Ich kann es nur empfehlen mit „Einheimischen“ zu wohnen, wenn man ein Auslandssemester machen möchte. Meric und Nihan sind für mich wie Schwestern geworden, sie kennen sich gut in der Stadt aus und konnten mir bei allen möglichen Angelegenheiten behilflich sein. Man lernt so auch ganz neue Ecken einer Stadt kennen, die man als Ausländer mit City-Guide vielleicht nicht entdecken würde. Ich bin am 6. Januar, um 16Uhr gelandet. Duygu hat mich netterweise vom Flughafen mit dem Auto abgeholt. 30kg plus Handgepäck in der vollen Metro wäre für den Anfang echt kein Spaß gewesen. Ich wurde dann in der Wohnung von Nihan empfangen, die bereits aus ihrer Heimat nach den Ferien zurückgekehrt war. Wir haben uns für den nächsten Tag mit Duygu zum Frühstück verabredet, dann noch etwas gegessen, bis ich schließlich totmüde ins Bett gefallen bin… Dachte ich zumindest. In der ersten Nacht wurde mir zum ersten Mal so richtig klar, wo ich bin und dass ich hier niemanden kenne - von meinen mangelnden türki-

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schen Sprachkenntnissen ganz abgesehen. Das war echt nicht einfach. Nach dem Abi war ich für 3 Monate in Shanghai, habe dort aber bei einer Familie gewohnt die ich kannte. Es ist also das erste Mal, dass ich für eine lange Zeit ganz alleine weit weg von zu Hause bin. Ich denke ich bin da nicht alleine mit solchen Ängsten. Man muss am Anfang einfach jeden Tag einzeln betrachten, so viel wie möglich aus dem Haus kommen und nicht zu sehr darüber nachdenken wie lange man ganz alleine so weit weg von zu Hause ist. Zum Glück hatte ich anfangs meine zwei lieben Mitbewohnerinnen, die mich mitgenommen haben und mir die Stadt durch ihre Augen gezeigt haben. Ich bin eine Woche bevor die Uni losging angekommen, damit ich noch ein bisschen Zeit frei hatte um mich einzuleben. Wir hatten anfangs von der Uni hier noch Einführungsveranstaltungen, wo schon klar wurde, dass das türkische Schul- und Unisystem und deren Organisation ganz anders sind als in Deutschland. Es gibt kein Onlineportal wie in Pforzheim, hier wird alles ausgedruckt und Papier-basiert organisiert. So erfolgt die Anmeldung zu den Kursen und Prüfungen ganz am Anfang indem man alle Kurse, die man besuchen möchte aufschreibt und einem netten türkischen Mann gibt, der etwas planlos aussieht und nur nickt als man ihm den Zettel gibt. Aber hey - es funktioniert. Die Skripte bekommt man auf verschiedene Art und Weise. Manche Profs geben Ausdrucke an das „Copy-Center“, ein kleiner Raum mit einem Drucker und einem Mann, dem man (mithilfe von türkischen Studenten) erklären muss von welchem Kurs man die Ausdrucke braucht. In der Klausurenphase kann es vorkommen, dass man bis zu einer Stunde warten muss, weil alle merken, dass sie die Ausdrucke jetzt brauchen. Andere Profs geben einem Student einen USB Stick mit dem Skript drauf, welches dann über Facebook verbreitet wird. Allgemein ist es sehr hilfreich ein paar Türken zu kennen, da an der Uni außer den Profs niemand Englisch spricht. Auch in der Stadt ist es sehr selten, zumindest in den nicht so touristischen Orten… Viele Erasmusstudenten machen hier deshalb einen Türkischkurs. Der ist aber sehr zeitaufwendig und teuer. Die Vorlesungen sind allgemein auf Englisch, wobei manche Profs trotzdem immer wieder zwischendurch etwas auf Türkisch


Ausland

erklären, damit auch „alle“ verstehen was gerade gesagt wurde. Thanks. Das Niveau hier ist nicht ganz so anspruchsvoll wie in Deutschland. Manche Klausuren sind sogar Multiple Choice. Aber ansonsten ist es wie überall - manche Kurse machen mehr Spaß und es wird nur auf Englisch gesprochen und bei manchen versteht man nur teilweise was genau da vorne erzählt wird. Die Uni an sich ist relativ alt. Es wird gerade ein neues Gebäude gebaut, was aber erst 2017 fertig wird. Das bedeutet die Technik hier funktioniert auch nicht immer und manchmal fällt der Unterricht aus solchen Gründen aus. Ich bin aber so froh, dass ich mich entschieden habe nach Istanbul zu gehen. Klar ist am Anfang alles fremd und man braucht eine Weile um sich an die Kultur und die Menschen zu gewöhnen - es ist einfach so voll hier - aber Istanbul ist eine wirklich atemberaubend schöne Stadt. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben, dass man bestimmt mehrere Jahre hier wohnen müsste, um alles einmal gemacht zu haben. Die Stadt hat eine faszinierende Geschichte und viele Gebäude und Moscheen, die das zeigen. Das Essen ist wirklich sehr gut und billig (!). Das wird glaube ich eines der Hauptdinge sein, die ich vermissen werde wenn ich wieder in Deutschland bin. Man kann an so gut wie jeder Ecke Simit für 1TL (ca. 30cent) kaufen. Kahvalti (türkisches Frühstück) ist mittlerweile am Wochenende zur Tradition geworden. Und die Menschen die ich hier kennengelernt habe sind so hilfsbereit und nett. Was hier auch sehr hilfreich ist, ist ESN. Vor meiner Zeit hier habe ich noch nie von dieser Organisation gehört. ESN, Erasmus student network, gibt es in den meisten europäischen Städten. Sie organisieren Treffen und Partys mit den Studenten einer Universität, sodass man auch Leute aus anderen Fakultäten und von anderen Nationen kennen lernt. Feiern geht hier wirklich sehr gut. Der Großteil der Erasmusstudenten in Istanbul kommt tatsächlich aus Deutschland, so fühlt man sich dann etwas näher an der Heimat. Das Beste an der Organisation sind jedoch die Trips. Mehrmals im Monat wird eine Fahrt an einen Ort innerhalb der Türkei organisiert. Es ist viel billiger und vom organisatorischen Aufwand her auch viel einfacher als wenn man das selbst alles planen würde. Der erste Trip ging nach Kapadokya, ein Ort in Zentrala-

natolien mit einer atemberaubenden Landschaft. Wir haben die vielen Täler besucht, dessen natürlich gebildete Steinformationen auf der Welt einzigartig sind. Das absolute Highlight des Trips war die Heißluftballonfahrt. Zum Sonnenaufgang ging es los und mit ca. 100 anderen Heißluftballons fliegt man über die wunderschöne Landschaft. Als nächstes sind wir nach Eskishehir, einer Studentenstadt gefahren. Das Wetter hat aber leider nicht mitgemacht, daher konnten wir nicht so viel erkunden. Die berühmten Cig Börek (gefüllte, frittierte Teigtaschen) haben wir aber probiert und es gibt viele schöne Orte um Cay (türk. Schwarztee) zu trinken. An einem Wochenende haben wir Pamukkale und Ephesus besucht. In Ephesus liegt eines der sieben Weltwunder, der Tempel der Artemis. Das kann man dann also auch von seiner Bucket List streichen. Nach dem Sightseeing waren wir auf einer Bootsparty. Am nächsten Tag fuhren wir nach Pamukkale. Dort gibt es Kalksteinterassen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Leider waren die Becken bei unserem Besuch nicht wie sonst mit Wasser gefüllt, aber es war trotzdem beeindruckend zu sehen. So, viel mehr gibt es zu meiner Zeit hier nicht zu sagen. Ich kann es nur jedem ans Herz legen ein Auslandssemester zu machen - vor allem auch in Istanbul. Man macht so viele neue, wertvolle Erfahrungen und wächst als Mensch. Es ist anfangs vielleicht nicht ganz einfach, aber wie Paul Gaugin so schön gesagt hat „die große Herausforderung des Lebens liegt darin, die Grenzen in dir selbst zu überwinden […]“. (Insert cheesy quote here)

Jemima Hotchkiss 6. Semester, Marketingkommunikation und Werbung „And those who were seen dancing were thought to be insane by those who could not hear the music.“ - Nietzsche

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Ausland

Ein Jahr ohne Winter

Surfen, radeln und Bierchen in der Sonne zischen. Des einen Traum war der meinen Realität. Das komplette Jahr 2015 war bei mir Sommer. Geschuldet einem unverschämten Auslandssemester in Australien hat mir Regen und Schnee den Rücken zugekehrt und sich gekrängt in Europa versteckt, während ich auf der anderen Seite der Welt den Arsch in die Sonne gehalten habe. Nebenbei, wenn man aus Deutschland nach Australien fliegt, ist man 9 Stunden älter als man alt ist. Wenn man dann nicht zurück fliegt bleibt man sein Leben lang älter als man alt ist. Whaaaat!?!? Surfen, radeln und Bierchen in der Sonne zischen. Wer das nicht mag ist in Australien falsch. Meine Stadt war Melbourne. Melbourne, ach Melbourne,… du Dreckssau! Vollgepisste und von oben bis unten besprayte Hauswände und Gassen, das ist der Charme von Melbourne und, so hässlich das klingt, es ist einfach geil! Diese Stadt ist voll mit Hipstern, jungen Menschen und verrückten Gestalten, die sich verwirklichen wollen. Wer reichlich kulturelles, aber auch modernes Angebot sucht, der ist in Melbourne genau richtig. Hier treffen Altes auf Neues und Schönes auf Hässliches. Schon ein kurzer Gang durch die Innenstadt genügt und dir begegnen Straßenkünstler an jeder Ecke. Diese Stadt pulsiert in ihrem ganz persönlichen Takt. Entfernt man sich von den Hauptverkehrsstraßen und biegt in eine der zahlreichen Gassen ein, stößt man auf Street Art vom Allerfeinsten. Sprayer in ihrem natürlichen Lebensraum, wo das Auge hinsieht. Hier leben sie noch in freier Wildbahn. In Szenevierteln wie Richmond und Fitzroy haben wir unsere Abende verbracht und uns vom Flair mitreißen lassen. Einmal richtig Hipster sein, glutenfrei und vegan essen und danach ein Cider trinken. Wir haben regelmäßig kleine Kneipen mit Live-Musik besucht und Meatpie vom besten gespießt. Man bleibt nie alleine und jeder möchte deine Geschichte hören. So sind sie halt, die Australier. Freundlich und haben immer ein offenes Ohr. Zum Abschied gibt es ein Cheers oder g‘day mate, ob fremd oder bekannt, man begegnet sich auf relaxter Augenhöhe. Ein Land 38

voll mit Lifestyle, ein Traum. Jaja, der Kostenfaktor fragt ihr euch jetzt, er war enorm. Ein EUR umgerechnet sind knapp 1,6 AUD und hinzukommt, dass auf Alkohol und Tabak eine äußerst komplizierte und hohe Steuer anfällt. So kostet die günstigste und kleinste Packung Zigaretten knapp 20 AUD und ein Sixer Bier 16 AUD. Für Miete bezahlt man um die 800 AUD im Monat und den Lebensunterhalt kann man ebenso hoch taxieren. Eine Woche nach Ankunft, war mein Jetlag bekämpft und mein Geburtstag stand vor der Tür. Feiern in der angesagten Hipster-Bar section8 und knapp 60 AUD für fünf Bier ausgeben. In Australien darf ein Chet Faker Konzert neben Melbournes Skyline natürlich nicht fehlen. Atemberaubende Kulisse, Wahnsinns Künstler plus einen unveröffentlichten Song. Traumhaft auch die Landschaften, aber auch erschreckend gefährlich. So offen die Menschen, so böse die Natur. Die Temperatur war in ständigem Stimmungswechsel. Giftige Schlangen und Spinnen sowie aggressive Kängurus. Wobei ich sagen muss, auch die ach so netten Australier fegen rücksichtslos die einheimische Tierwelt mit ihren fetten Karren von der Straße. Der Highway wird zu einer Leichenshow. So habe ich zum Beispiel nicht einmal einen lebenden Wombat gesehen. *schluchz* Fährt man durch die Pampa, sieht man eine braune Wiese nach der anderen, danach einen braunen Wald und wieder braune Wiesen. Alles ist trocken und dürr, nichts mit sattem Grün und traumhaften verwunschenen Wäldern. Sucht man sie und fährt gezielt dorthin, findet man sie auch, man wird in ein Märchen versetzt und entflieht der Gesellschaft in nur einer Stunde Fahrt. Man findet sie meist in Flussnähe, wie man sich denken kann. Übermenschlich große Farne und bis zu 40 Meter hohe Bäume und Vogelgezwitscher. Und Fliegen, diese verdammten Fliegen, das muss ich jetzt mal berichten. Niemand mit dem ich vorab gesprochen hatte, hat mich vor den Fliegen gewarnt. Sie sind klein, biestig und fliegen dir in Augen, Mund, Nase und Ohren. Und sie sind zahlreich.


Ausland

Wie auch immer, jeder Besucher in Australien muss einmal die Great Ocean Road entlanggefahren sein. Tolle Aussichten, mega Wetter und unglaublich viele Asiaten mit Selfiestick! Auch ich habe das getan und habe es bis auf einen Sonnenbrand und lange Fahrtzeit nicht bereut. Auch meinen ersten Koala-Bären habe ich auf dieser Fahrt gesehen. Arme, hilflose, sich selbst vergiftende und Geschlechtskrankheiten habende Tierchen, aber trotzdem liebenswürdig. Wer Bock auf weitere Fahrzeit und noch mehr Natur hat, fährt nach einer Nacht Aufenthalt weiter in die Grampians, hatte ich aber nicht. Ein weiteres Highlight war der Besuch auf Tasmanien. Wahhh, wenn ich jetzt hier Videos einbauen könnte, da gab es einen Strand, dessen Sand war weiß, kein Witz, weiß wie Schnee. Und so fein, dass der beim Laufen gepeitscht hat, jetzt echt. Und niemand war zu sehen, weit und breit.

Ich habe einen Kommilitonen in Hobart besucht und bin dann die Westküste hochgefahren, habe die Bays of Fire gesehen und grüne Wiesen. Endlich nach vier Monaten Australien habe ich wieder grüne Wiesen gesehen. Und es gab kein Fliegen. Tasmanien ist zwar um einiges kleiner, aber auf komprimiertem Platz gibt es so viel Schönes zu entdecken. Hin und zurück sind wir neun Stunden mit der Fähre gefahren. Wir hatten uns das sehr spaßig vorgestellt. Hin sind wir über Nacht gefahren, meine Freundin geplagt mit Seekrankheit, und zurück tagsüber nach einer Nacht im Auto. Also eher anstrengend als lustig. Neben Reisen und Rumhipstern hatte ich natürlich auch noch mein Uni-Leben, welches knapp einmal die Woche für zwei Stunden stattfand. Der Campus war dem Melbourne Flair ebenbürtig und mit fünf Kaffees waren wir reich bedient an Auswahl zum Mittagessen. So war geschuldet den Kaffees mein Aufenthalt an der Uni auf mindestens zwei Tage und in der Lernphase jeden Tag angestiegen. Nichts desto trotz mit negativen und positiven Faktoren zusammen hatte ich die Zeit meines Lebens, habe hammer Menschen kennen gelernt und will mit keinem Ausland tauschen. Cheers!

Marielle Schuster 7. Semester, Marketing „Talk shit, get hit!“

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Südkorea Yonsei University, Seoul „Eh, sexy lady 오-오-오-오 오빤 강남스타일“ – Da müsste es doch bei jedem klingeln oder? Genau, es ist „Gangnam Style“ angesagt – ich verbringe mein Auslandssemester in Südkorea! Erstmal: Warum gehe ich nach Südkorea? Wegen der Kultur? Wegen dem 2. Platz bei der WM 2002? Um nach Gangnam zu fahren und den „Gangnam Style“ abzuchecken? Um Koreanerinnen auf Koreanisch unanständige Dinge ins Ohr zu flüstern? Alles falsch. Ehrlich gesagt hatte ich gar keinen Plan von Korea und die Kultur hat mich mal so gar nicht interessiert. Und genau das war der Grund. Einfach mal was ganz Neues sehen, in den anderen Teil der Welt fliegen und sich beim Anblick von unbekannten Schriftzeichen ein „Leck mich am Arsch!“ zu verdrücken. So, wo fang ich denn jetzt am besten an… Ich bin nun seit ziemlich genau 2 Monaten hier in Seoul und hab mich schon an all die verrückten Sachen gewöhnt, die man hier so erlebt. Was einem hier gleich zu Beginn auffällt sind Kameras. Kameras überall. Auf der Straße, in jeder Gasse, in den Restaurants und im Studenten-Wohnheim. Kein Vergleich zu deutschen Verhältnissen zum Thema Datenschutz. Dafür passiert hier aber praktisch gar nichts. Wenn du deine Kreditkarte auf der Straße verlierst – sie bleibt liegen. Hier in Sinchon (der Teil in Seoul in der die Yonsei University ist) steht sogar ein Klavier an der Straße, jederzeit bereit bespielt zu werden und ohne Gefahr dass es morgen nicht mehr da steht. Die Polizisten fahren hier eigentlich nur in ihren Einsatzwagen herum, zu tun gibt es nicht wirklich was. Außer – und das ist nun das nächste krasse Erlebnis hier – wenn die Koreaner anfangen zu trinken. Denn getrunken wird eigentlich immer und exzessiv. Den Volksschnaps „Soju“ gibt es an jeder Ecke zum studentenfreundlichen Preis von umgerechnet etwas mehr als einem Euro. Mindestens einmal die Woche konnte ich Koreaner(innen) auf der Straße liegen sehen, was etwas gewöhnungsbedürftig war. Nichtsdestotrotz ist mir der Alkoholkonsum hier aber doch sympathisch, billig und praktisch jeden Tag präsent (klingt wie‘n Traum, is aber so hier). Um bei traumhaften Preisen zu bleiben: Taxi und U-Bahn fahren macht hier Freude, denn im Schnitt zahle ich hier 2 € um an mein Ziel zu kommen. Besonders nach einer Soju-lastigen Nacht genießt man die Taxifahrt direkt ans Wohnheim, und das für weniger Geld als für den Alkohol. Auch das Essen hier ist top. Als Lieblingsgericht hat sich „Chimaek“ oder auch „Chicken & Beer“ herausgestellt, eine göttliche Kombi. Auch auf das muss man sich hier einstellen: selber kochen ist so gut wie immer teurer als in einem Restaurant essen zu gehen. Auch wenn man faul ist: Essen bestellen und liefern lassen ist hier omnipräsent. Hier beliefern dich auch McDonald’s und Burger King, und das ganze for free! Nach all dem Essen darf eins nicht vergessen werden: Zähneputzen. In Korea ganz normal: die Zahnbürste mit in die Uni nehmen und in den Pausen immer schön putzen. 40

Zum Thema Technik: Seoul ist ein High-Tech-Hochburg, mit Samsung und LG und dem geilsten Scheiß: freies WLAN für alle und überall! Bisher habe ich es mit meiner deutschen SIM-Karte (im Flugzeug-Modus) hier gut überstanden. Aber gibt es nicht noch eine andere Stadt mit freiem WLAN…? Ach ja, Pforzheim! „Ich komme aus Deutschland.“ – wenn Koreaner das hören, bekommen sie große Augen. Deutschland ist hier immer irgendwo zu finden, sei es bei den Süßwaren (Haribo, Ritter Sport) oder Wurst (mit dem Namen „Deutsche Wurst“) oder Backwaren (Läden mit Namen wie „Kuchen Brot“ oder „Frisches Brot“). Deutschland meint hier vor allem eins: Qualität. Und jetzt, ja… K-Pop. Wir alle kennen den „Gangnam Style“, aber da gibt’s noch einiges mehr. Der Hype ist riesig und unausweichlich hier, weil sogar auf den Straßen Musik läuft. Und der neueste Shit wird dann auch rauf und runter gespielt. Ein Hit wird mir für immer im Kopf stecken bleiben, denn wenn man denkt man hat schon alles gesehen wie man auf einen Hit abgehen kann, dann merkt man hier: ne, ist nicht so („G-Dragon – Crooked“). Aber ich denke mal, dass es jetzt wirklich jedem auf den Nägeln brennt: wie wird hier Werbung gemacht? Wenn man sich die ganzen Plakate anschaut fällt einem auf: Promis, überall – z.B. Orlando Bloom für ein Online-Game. Die TV-Spots sind im Vergleich zu uns sehr kitschig, aber deshalb auch schon wieder unterhaltsam dank der ganzen „WTF??“-Momente die man erleben kann. Zum Beispiel wenn für Schönheits-OPs geworben wird – auch in der Uni (Fun-Fact: mehr als 50% aller Koreanerinnen lagen schon mal unterm Messer). Mehr zum Thema Werbung in Korea könnt ihr dann im nächsten MD lesen, da gibt es dann ein Interview mit dem koreanischen Serviceplan-Chef. So, in diesem Sinne werde ich mich jetzt meiner Ramen-Suppe widmen (wir kennen das bei uns als „Yum Yum“-Suppen), dabei weinen (weil sauscharf und Vorfreude auf Pforzheim), meinen koreanischen Freunden ein „ㅋㅋㅋㅋㅋㅋ“ (koreanisches Kichern) und „ㅎㅎㅎㅎㅎㅎ“ (koreanisches „Hahaha“) im „Kakato Talk“-Messenger schicken und sage schon einmal: 안녕 (tschüss und bis bald)!

Dennis Jäger 6. Semester, Mediamanagement & Werbepsychologie „Just because it‘s the middle of night, that don‘t mean I won‘t hunt you down.” - Pharrell


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Impressum Herausgeber: werbeliebe e.V. – studentische Kommunikationsagentur Projektleitung: Jonas Thiel, Philip Stolz Redaktion und Autoren: Alexandra Braunwald, Lydia Bosse, Stefanie Denning, Philipp Dußmann, Sandra Ehrig, Hannes Frick, Desiree Hammer, Jemima Hotchkiss, Dennis Jäger, Philipp Kloé, Max Klose, Josefin Link, Annabelle Nink (CCM), Marielle Schuster, Christine Schwarz, Philip Stolz, Jonas Thiel, Vanessa Troike, Florian Walz Layout/Grafik: Aylin Jüngling, Sarina Wiegel Illustrationen: Rick Kengen, Anna Eickhoff, Aylin Jüngling Cover: Sarina Wiegel Akquise und Angebotsabwicklung: Julian Theobald Vanessa Troike Jonas Vitt Bildrechte: Werbeliebe Corinna Kugler Jonas Thiel Jemima Hotchkiss, Dennis Jäger, Max Klose, Marielle Schuster, Sandra Ehrig Jung von Matt Sports (S. 30) Druck: Die Druckerei Auflage: 2.000 Exemplare Anschrift: Hochschule Pforzheim Werbeliebe e.V./Marketing Digest Tiefenbronner Str. 65, 75175 Pforzheim

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Erscheinung: Einmal pro Semester. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion wieder. Der Abdruck von Beiträgen ist nur unter Angabe der Quelle gestattet – um ein Belegexemplar wird gebeten. Danksagung: Vielen lieben Dank an alle, die an der Erstellung dieser Ausgabe des MD beteiligt waren und uns unterstützt haben. Nur durch den Vorstand der Werbeliebe, die fleißigen Autoren, die kreativen Gestalter, Fotografen und das Akquiseteam steht der MD so da wie er jetzt ist. Wir bedanken uns auch recht herzlich bei den Anzeigenkunden. Ein besonderer Dank gilt Fräulein Ohrt in Pforzheim für die tolle Location und Jung von Matt Sports für die Überlassung der Bildnutzung der Schanzerkampagne.


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WILLST DU M

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Kevin Bakerstreet 12a Pforzeloná, 75175 kevin@werbeliebe.de Werbung Ausgeprägte und spezifische zwischen- sowie übermenschliche Fähigkeiten. Beherrsche das kleine 1 x 1 , kann das Alphabet bis O.... manchmal bis L und fließend alkoholisch. In die Werbeliebe möchte ich, weil ich extrem bindungsfähig bin, meine Freundin scheiße ist und ich ready bin für deepe Liebe! Will unbedingt dabei sein, weil ich auf Pizza und Bier stehe, Orange so gar nicht meine Farbe ist und Werbung einfach der Shit ist. hier, heute

K ev i n

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