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Herbst ° 2020 evangelisch und sächsisch

Nicht so einfach: Wie Kinder Teilen ler nen Psychologie: War um Abgeben ein Ge winn sein kann

 Teilen macht Spaß –  oder doch nicht? M I T   FA M I L I E N -T I P P S   U N D   V I E L E M   M E H R


Sonderveröffentlichung

In guten Händen bei einem Notar – Ihre Notare informieren

Notarin Ulrike Biegel © Stephanie Pratt / Pixabay

Bäckerstraße 3 04720 Döbeln Telefon: 0 34 31 / 70 62 09 | Fax: 0 34 31 / 70 62 27 E-Mail: info@notarin-biegel.de www.notarin-biegel.de

Notar Dr. Stephan Gergaut

Vorsorge junger Paare Ein Unglück kommt selten allein … Wen Gott liebt, der stirbt früh – hieß es über Mozart, der mit knapp 36 Jahren verstarb und Frau und zwei Kleinkinder hinterließ. Heute ist ein so früher Tod zwar glücklicherweise seltener, aber wenn, trifft er die Hinterbliebenen völlig unvorbereitet. Gerade junge Paare – ob mit oder ohne Kinder – sollten Vorkehrungen treffen. Sonst tritt zu dem persönlichen Schmerz oft weiteres Unglück hinzu. Wenn eine junge Mutter oder ein junger Vater überraschend verstirbt, drohen nicht selten juristische Probleme, wenn keine Vorsorge getroffen wurde. „Ohne Regelungen in einem Erbvertrag oder einem Testament finden sich die Überlebenden meist in Erben­ gemeinschaften wieder“, weiß Manuel Kahlisch, Geschäftsführer der Notarkammer Sachsen, und erklärt: „Sind Kinder vorhanden, bilden der überlebende Ehegatte und die Kinder eine Erbengemeinschaft; gibt es keine Kinder, sind der Überlebende und die Eltern des Verstorbenen oder dessen Geschwister in dieser Zwangsgemeinschaft.“ Nur in seltenen Fällen ist der Überlebende gesetzlicher Alleinerbe. Waren die Eltern nicht verheiratet, erbt der Überlebende gesetzlich nichts – ein juristisches Unglück. Erbengemeinschaften sind regelmäßig unerwünscht. Möchte (oder muss) der Über­ lebende etwa das gemeinsame Haus verkaufen, braucht er die Mitwirkung der anderen und muss sie ggf. auszahlen. Minderjährige Kinder können nicht selbst ent­ scheiden; der Überlebende benötigt die Zustimmung eines Ergänzungspflegers und des Familiengerichts. Diese Verfahren nehmen viel Zeit in Anspruch und können den Verkauf stark verzögern – es droht also wirtschaftliches Unglück. „Um diese Schwierigkeiten zu vermeiden, sollten junge Eltern früh vorsorgen“, rät Kahlisch. Sie können sich zum Beispiel wechselseitig zunächst zu Alleinerben einset­ zen, um eine Erbengemeinschaft zu verhindern. Dann bleibt der Überlebende allein handlungsfähig. Die Kinder können bereits zu Erben des Überlebenden bestimmt werden. Auch für den Fall, dass beide Elternteile früh versterben, gibt es Gestaltungs­ möglichkeiten. So können die Eltern Testamentsvollstreckung anordnen. „Es kann geregelt werden, wann und wie viel Vermögen ein Kind aus dem Nachlass erhält, zum Beispiel einen festen monatlichen Geldbetrag zur Finanzierung der Ausbildung und der Lebenshaltung sowie einmalige Beträge zu besonderen Anlässen“, erläutert Kahlisch. Testamentsvollstreckung wird manchmal bis zu einem Alter von 25 Jahren angeordnet, weil Kinder dann häufig für vernünftiger gehalten werden. Minderjähri­ ge Kinder, die keine Eltern als Sorgeberechtigte mehr haben, brauchen außerdem einen Vormund, der vom Familiengericht bestellt wird. Die Wahl des Vormunds können die Eltern beeinflussen, indem sie im Testament eine Person benennen. Hier­ von darf das Gericht nur ausnahmsweise abweichen. Zusätzlich sollten Paare über die Erteilung notarieller Vorsorgevollmachten nach­ denken. Vorsorgevollmachten gelten üblicherweise über den Tod hinaus und geben dem Bevollmächtigten u.a. Bankvollmacht, Auskunftsrechte gegenüber Versiche­ rungen etc. „Die Vollmachten erlauben es, schnell zu handeln, etwa auch noch bis zur Eröffnung eines vorhandenen Testaments“, hebt Kahlisch hervor. Verbunden mit einer Patientenverfügung hilft die Vollmacht, einem medizinischen Unglück vorzubeugen.

Markt 6 08451 Crimmitschau Telefon: 0 37 62 / 94 16 - 0 | Fax: 0 37 62 / 94 16 - 29 E-Mail: mail@notar-gergaut.de www.notar-gergaut.de

Notar Dr. Ralf Herzog

Weigangstraße 7 02625 Bautzen Telefon: 0 35 91 / 4 31 09 | Fax: 0 35 91 / 4 20 22 E-Mail: info@herzog.de www.herzog.de

Notar Robert Kopf

Karl-Marx-Platz 2 04860 Torgau Telefon: 0 34 21 / 71 27 80 | Fax: 0 34 21 / 71 27 81 E-Mail: info@notar-robert-kopf.de www.notar-robert-kopf.de

Notar Mathias Löhnert, LL.M. (York)

Kaßbergstraße 26 09112 Chemnitz Telefon: 03 71 / 36 93 50 | Fax: 03 71 / 3 69 35 55 E-Mail: info@notar-loehnert.de www.notar-loehnert.de

Notar Dr. Pascal Salomon

Pestalozzistraße 13 01589 Riesa Telefon: 0 35 25 / 63 33 03 | Fax: 0 35 25 / 63 33 05 E-Mail: info@notar-salomon.de www.notar-salomon.de

Notarin Annika Schwenk

Karl-Liebknecht-Straße 14 04107 Leipzig Telefon: 03 41 / 3 01 06 03 | Fax: 03 41 / 3 01 06 06 E-Mail: info@notarin-schwenk.de www.notarin-schwenk.de

Notar Arne Schwerd

Beyerstraße 28 09113 Chemnitz Telefon: 03 71 / 33 49 31 - 0 | Fax: 03 71 / 33 49 31 - 29 E-Mail: info@notar-schwerd.de www.notar-schwerd.de


© Steffen Giersch

Inhalt •  im Herbst

6 Titelgeschichte Teilen lernen im Kindergarten

© Steffen Giersch

6

12 Interview Abgeben kann ein Gewinn sein 4 Kinderumfrage Mit wem teilst du am Liebsten?

5 Aktuelles

10 Tipps zum Lesen und Vorlesen

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14 Selber machen Unser Basteltipp macht den Herbst zeitlos 14 Impressum Titelillustration: Lucie Göpfert

15 Fabian Vogt Teilweise

© Steffen Giersch

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser, aus dem DDR-Fernsehen meiner Kindheit ist mir noch ein Lied im Ohr: »Teilen macht Spaß«. Das klang ganz lustig, auch wenn mir die Botschaft etwas aufdringlich rüberkam. Kaum hat man selbst Kinder, beginnt man ein ganz ähnliches Lied zu singen. Und wahrscheinlich werden es auch die eigenen Kinder irgendwann aufdringlich finden. Denn macht Teilen wirklich immer Spaß? Wenn es so einfach wäre, gäbe es keine Armut mehr und keine Zerstörung der Schöpfung. Nur so zum Beispiel. Aber leider macht uns Großen das Teilen doch nicht so viel Spaß, wie wir den Kleineren immer weismachen wollen.

Die wissen das natürlich längst. Warum Mats und seine Freunde trotzdem gern teilen, lesen Sie in unserer Reportage ab Seite 6. Die Psychologie-Professorin Margund Rohr erklärt ab Seite 12, warum das Abgeben ein Gewinn sein kann – und wann Kinder am besten das Teilen lernen: Wenn wir Eltern es selbst vorleben. Herzlich grüßt Sie im Namen der ganzen Redaktion

Andreas Roth

Verantwortlicher Redakteur

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Ich teile gern mit meiner Freundin mein Essen, wenn sie in der Schule zu wenig mit dabei hat. Hanne, 13

Ich teile am liebsten mit meinem Bruder meine lustigen Ideen, weil er dann oft lachen muss. Marta, 7

Ich teile am liebsten mit meiner Schwester mein Bett. Dann bin ich nicht allein und es ist kuschelig. Bruno, 9

Mit wem teilst du am Liebsten? NACHGEFR AGT Diesmal Mal haben uns die Kinder der Mitarbeiter im Evangelischen Medienhaus Leipzig geantwortet.

• Interview: Karola Richter, Fotos: privat

4

Ich teile gerne mit meinen Freundinnen meine Stifte, wenn wir etwas malen oder sie keine haben. Hilde Marie, 11

Mit meinen Freunden, weil ich sie am meisten mag und ihnen gerne etwas abgebe. Das können Süßigkeiten oder Spielzeug sein. Ich teile auch gern Zeit mit ihnen, weil ich gern mit ihnen zusammen bin. Anton, 10


© PeopleImages/iStockphoto

Aktuelles •  Herbst

Minister: »Manchmal sind kirchliche Schulen den staat­ lichen einen Schritt voraus« Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) lobt den Beitrag der christlichen Schulen für die Bildungsvielfalt. »Erfolgreiche Bildungsarbeit braucht den Wettbewerb um die besten pädagogischen Konzepte. In manchen Punkten sind die Schulen in kirchlicher Trägerschaft den staatlichen Schulen sogar einen Schritt voraus«, sagt der Politiker im Interview für die Schulstiftung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche. »Das besondere Qualitätsmerkmal christlicher Schulen ist vor allem das intensive und nachhaltige Vermitteln von Themen wie Zusammenhalt, Toleranz und Nächstenliebe – christlichen Werte und Tugenden, die heute mehr denn je in unserer Gesellschaft gelebt werden müssen.«

Corona wird für Paare zur Zerreißprobe

© Illustration: iXimus/pixabay

Lockdown und Sorgen belasten Familien – bieten aber auch neue Freiräume Der Corona-Lockdown hat bei vielen Paaren bestehende Pro­ bleme erheblich verschärft. Das stellen die Ehe-, Familienund Lebensberatungsstellen der Diakonie Sachsen fest. »Bei vielen Paaren kamen finanzielle Sorgen, Angst vor der Zukunft, Angst um den Arbeitsplatz oder die mühsam aufgebaute Selbständigkeit dazu«, sagt Ute Lämmel, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen. »Andere spürten die Leere oder die stark verschiedenen Bedürfnisse im Miteinander deut­l icher als je zuvor, zum Beispiel wenn bei Kurzarbeit plötzlich viel ­gemeinsame Zeit und diese oft noch auf engem Raum zu bewältigen war.«

Unterricht zuhause belastet Familien Knapp ein Viertel der Eltern sieht die Beziehung zu ihrem Kind durch das Corona-Homeschooling als belastet an. Das ergab eine bundesweite Befragung von 4230 Müttern und Vätern der Universität Koblenz-Landau. 48,5 Prozent der antwortenden Eltern sehen ihre Kinder beim Unterricht zuhause sehr oder ziemlich motiviert – 51,1 Prozent dagegen eher wenig bis nicht. Die Aufgaben der Schulen werden insgesamt von den Eltern als wenig abwechslungsreich wahrgenommen und eine Mehrheit wünscht sich mehr Rückmeldungen durch die Lehrkräfte. Die meiste Lernbetreuung leisteten Mütter.

Auch ein sehr unterschiedlicher Umgang mit den Gefahren des Virus sei für einige Paare zur Zerreißprobe geworden. Manche wiederum hätten die Entschleunigung in der Gesellschaft auch nutzen können, um als Paar eine gute Zeit zu erleben.

Kinder 3-2 ISSN 086

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Der hat den Mantel geteilt mit dem armen Bettler, dem ganz kalt war im Winter. Weil er so einen groĂ&#x;en Mantel hatte. Raphael, 6, Ăźber Sankt Martin

ÂťMeinen

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Pudding


Titelstory

Teilen ist eine feine Sache. Da sind sich alle Kinder einig. »Nur meinen Pudding teile ich nicht so gern«, sagt Mats. Stimmt, fällt den anderen ein. Paul teilt »Schnitte« auch lieber nicht, sein Kuscheltier. Und Theresa »Papa«, ihren Stoff­ hasen. Schwierige Sache, das mit dem Teilen. Stolz reitet in der Mitte der Vorschulkinder Sankt Martin mit weißem Haar und rotem Mantel auf seinem Pferd. Klein wie ein Spielzeug, aber die Kinder kennen die Größe der Geschichte. »Der hat den Mantel geteilt mit dem armen Bettler, dem ganz kalt war im Winter«, erzählt Raphael. »Weil er so einen großen Mantel hatte.« Auch der arme Mann steht klein in der Mitte der Kinder. Ihr evangelischer Kindergarten im westsächsischen Meerane trägt diese Botschaft sogar im Namen: Sankt Martin heißt er. Natürlich feiern auch sie am 11. November den Martinstag mit Umzug über die Kleinstadtstraßen, Lampions und geteilten Martinshörnchen. Und sie singen: »Teilen macht reicher, teilen macht Mut«. Den Text kennen alle Kinder hier aus dem Kopf.

Doch als gestern Mats mit seiner Mutter Claudia Riedel (39) Süßigkeiten gekauft hatte und es eine klare Regel gab, was er davon essen durfte und was nicht, war am Abend die Tüte trotzdem leer. »Eigentlich habe ich doch gar nicht alles gegessen«, verteidigte sich Mats, »ich habe doch mit meinem Bruder geteilt.« Was zeigt: Auch Teilen ist Auslegungssache. Und gar nicht so eindeutig.

Sankt Martin steht in der Mitte – die Vorschulkinder im evangelischen Kindergarten Meerane kennen natürlich seine Geschichte.

 teile ich nicht so gern« Mats liebt Schokopudding und davon abzugeben ist schwer. Überhaupt ist das Teilen gar nicht so einfach, wie die Erwachsenen immer sagen. Mats und seine Freunde machen es trotzdem. Weil es Freude machen kann. Und auch sie schon wissen, was Gerechtigkeit ist.

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Titelstory •  Meinen Pudding teile ich nicht so gern

Mats’ Freunde Leo und Paul zum Beispiel sind Zwillinge. Sie müssen sich manches teilen. ­ Bücher zum Beispiel, oder Spielzeug. Manchmal wollen auch beide das selbe Paar Socken an­ ziehen. Dann nimmt jeder eben eine. »Aber bei unseren originalen Lego-Ninjago-Menschen habe ich Angst, dass wir Teile verlieren«, räumt Leo ein. Bei diesen abenteuerlichen Fabelwesen hört das Teilen auf. Manchmal entsteht dann Streit, manchmal nimmt der Eine dem Anderen etwas weg, manchmal wird es dabei auch ruppiger. »Dann ganz klassisch zu schimpfen, das tun wir alle – aber die Frage ist: Hilft das?«, überlegt Leos und Pauls Vater Sebastian Reichenbach (40). Die Antwort kennen natürlich auch alle Eltern. »Wenn ich nur sage: Du musst doch mal teilen – da kommt keine Botschaft an.« Er versucht es bei seinen Söhnen, indem er ihnen den Blick für die Perspektive des Anderen öffnet: »Dein Bruder würde sich so sehr freuen, wenn du mit ihm teilst.« Aber klar, sagt er, es sei immer wieder aufs Neue eine Herausforderung, in solchen Situationen positiv zu argumentieren. Teilen kann man lernen. Zum Beispiel mit dem leckeren Pudding.

Und manches lässt sich einfach nicht teilen, weil das Herz einfach zu sehr daran hängt. Mats’ Teddy zum Beispiel. »Mein Teddy Schnuckipucki ist das letzte Geschenk von meinem Opa, bevor er gestorben ist«, sagt Mats, »deshalb ist er für

mich so besonders.« Seine Erzieherin Katrin Gamon (46) versteht das: »Mein Kuscheltier ist ein Schaf«, verrät sie den Kindern. »Ich würde es auch nicht gern jemandem geben.« Aber gerade weil das Teilen gar nicht so selbstverständlich ist wie es scheint, gehört es im Meeraner St. Martin-Kindergarten zum Alltag. Nicht nur am Martinstag. Jede Woche bringt ein anderes Kind Obst für die Frühstückspause mit und darf es an alle austeilen. Oder es gibt etwas ab, wenn es etwas besonders Leckeres in der Frühstücksbüchse hat. Oder es lässt andere mit seinem Lieblingsspielzeug spielen. Und natürlich gibt es auch in einer Kleinstadt wie Meerane Familien mit besonders viel Geld, Spielzeug, Urlaub – und andere mit besonders wenig von all dem. »Unter Kindern in diesem Alter spielen diese Unterschiede keine Rolle«, beobachtet die Kita-Leiterin Henrike Marosi. Ganz erstaunt habe ihr ein Mädchen nach einem Besuch bei einer Freundin berichtet: »Sie hat ja zuhause nicht mal einen Schrank!« Mats hat in der Corona-Krise noch ganz andere Merkwürdigkeiten entdeckt. »Zum Glück leben wir in so einem guten und reichen Land«, sagte er. Als seine Mutter ihm erzählte, wie anders die Lage für Kinder in weit entfernten Ländern ist, war er empört: »Das ist doch nicht gut!«

Du kannst gern bei mir einschlafen, ich teile mein Bett gern mit dir. Das Schönste, was wir teilen, ist doch Lächeln und Freude. Mats, 6, an Mama

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Teilen macht reicher, teilen macht Mut. Lied zum Martinstag Die Erzieherin Katrin Gamon erzählt den Kindern vom Teilen – und davon, was sie selbst nicht gern abgeben würde: ihr Kuscheltier.

So entwickelt sich in dem Alter der Vorschüler langsam ein Gespür dafür, was Erwachsene Gerechtigkeit nennen. Oder Ungerechtigkeit. Ganz am Anfang ihres Lebens aber steht das große »Meine«. Die dreijährige Eva hat es gerade hinter sich. Ihrem Bruder Eliah gibt sie jetzt auch ein Gummibärchen ab, freut sich ihre Mutter Linda Bauch (30) – auch wenn Eva weiß, dass der Kleine mit seinen vier Monaten sowieso nicht zugreifen wird. Und bei ihrer Oma lässt sie ihrer zweijährigen Cousine auch einmal den Vortritt beim Spielen mit Puppe und Puppenwagen. Eine Sache, die vielleicht am schwersten zu teilen ist, ist die Aufmerksamkeit der Eltern. »Eva, ich kann mich nicht teilen – jetzt ist erst einmal dein Bruder dran«, sagt Linda Bauch manchmal zu ihrer Tochter. Doch die hat auch das zu teilen gelernt. Sie weiß, dass sie nicht leer ausgehen wird. Überhaupt lernen Kinder das Teilen am besten von ihren Eltern. Oder eben nicht. Linda Bauch verteilt an ihre Freunde gern kleine Aufmerksamkeiten oder schreibt ihnen Karten, um ihnen zu zeigen, dass sie an sie denkt. Zum Briefkasten kommt ihre Tochter Eva mit. Leos und Pauls Vater Sebastian Reichenbach teilt am liebsten seine Zeit. »Es gibt nichts Wichtigeres. Zeit zu teilen ist das Größte.« Für ein gemeinsames Frühstück, für ein offenes Ohr, für seine Familie. Und im Kindergarten kommen manchmal Eltern zur Leiterin Henrike Marosi mit Spielzeug, Kinderkleidung oder Büchern und bitten sie: »Gebt es denen, die es nötig brauchen.«

So fangen die Kinder irgendwann ganz von selbst an mit dem Teilen. Lilly hat gestern Bonbons in ihre Kindergartengruppe mitgebracht. Zoe baut für ihren kleinen Bruder extra einen Duplo-Turm, den er umwerfen darf. Und Raphaels Schwester hat sich eine seiner besten Lego-Ninjago-Sammel­karten gewünscht. »Ich wollte sie eigentlich erst nicht teilen«, sagt Raphael. »Ich habe es dann eben doch gemacht und sie ihr zum Kindertag geschenkt. Sie hat sich gefreut.« Am Abend, als bei Mats die gerade gekaufte Tüte Süßigkeiten gegen alle Absprachen doch ganz leer war, wollte seine Mutter nach der Gute-Nacht-Geschichte mit ihm noch einmal über das Teilen reden. Wie das Erwachsene so tun. »Mama«, antwortete ihr Mats, »Du kannst gern bei mir einschlafen, ich teile mein Bett gern mit dir. Das Schönste, was wir teilen, ist doch Lächeln und Freude.« Mats’ Mutter musste da wirklich lächeln. Und sein Lieblingsschokopudding, den er am liebsten nicht so gern teilt? Ausgerechnet den gibts heute im Kindergarten. Mats läuft den Kreis seiner Gruppe ab, tippt jedem Kind zum Abzählen auf den Kopf und teilt dann aus der großen Glasschüssel aus. Ganz gerecht. Darauf achtet er genau. Als alle Kinder schon draußen im Garten spielen, bleibt Mats allein zurück. Sorgfältig und zufrieden kratzt er die Schüssel nach den letzten Puddingresten aus. Teilen kann wirklich reicher machen. • 

• T ext: Andreas Roth, Fotos: Steffen Giersch, Illustration: Lucie Göpfert 9


Der Sommer soll nie enden! Zwei Kinder möchten die schönste Jahreszeit bewahren In Badehose trotzen Finn und Frieda dem kühlen Herbstmorgen und färben die ersten roten Blätter wieder grün. Plötzlich ist es morgens sehr kühl, der Herbst kündigt sich an. Wehmütig denken Frieda und ihr großer Bruder Finn an die schönen Spiele im Garten, sie haben den Sommer in vollen Zügen genossen. Doch die Traurigkeit hält nicht lange an, denn Finn steckt immer voller Ideen: Die Badehose bleibt an, mit viel Fantasie halten sich die Kinder warm, gespielt und geplanscht wird trotzdem, der Herbst wird einfach ignoriert. Die verwunderten Eltern bereiten letztendlich ein gemeinsames Picknick unter einer schützenden Regenplane, um den Sommer würdig zu verabschieden. Zuversicht und Mut sowie ein altersgerecht authentisches und dennoch achtsames Miteinander unter den Geschwistern werden in der Geschichte ebenso thematisiert, wie kleine, sinnliche Erlebnisse, die die Natur und ihre Jahreszeiten bewusst

Komm, lass uns

Finn und Frieda halten den Herbst auf Martin Klein | Illustrationen: Kerstin Meyer | Tulipan: München 2017 | gebunden, 48 Seiten | 18,95 Euro (D) | ISBN 978-3-86429-395-5

spielen! Gott versp ric „Ich send e einen En ht: gel vor di der dich auf dein em Weg be r her, hütet.“ 2. Mose 23 ,20

Sabine Lohf Komm, lass uns spielen! Erst basteln, dann spielen!

Engel kan n man nic ht sehen – aber dieser kle erinnert Dic ine »Engel« h immer dar dass Du nic an, ht allein bis t. Stell Dir vor : Der Himme l schickt sein (das Wort e Boten los »Engel« hei ßt nämlich damit die Bote), Menschen erkennen »Gott küm mert sich um Und am lieb uns!« sten flüster n die Eng »Hab’ keine el: Angst!« Kannst Du es hören?

80 Seiten, 22 x 29 cm, ab 4 Jahren Bestellnr. 207718 13,00 €

Mit einfachen Materialien lassen sich tolle Spiele basteln. Knöpfe werden zu farbenfrohen Bildern, Korken zu bunten Spielfiguren und eine Eierpappe verwandelt sich ruck, zuck in ein blaues Meer, das es zu überqueren gilt. Ob drinnen oder draußen, alleine oder mit Freunden: Mit diesen Spielideen wird es bestimmt nie langweilig.

wahrnehmbar machen. Außerdem befinden sich in dem insgesamt recht ungewöhnlichen Erstlesebuch einige lustige Spielideen sowie kleine Illustrationen, die zum Weitererzählen anregen. Natascha Rothert-Reimann/eliport.de

Engel-Reflektor - Anhänger

Die schönsten Murmelspiele

Ob an der Bekleidung, am Fahrradkindersitz oder am Schulranzen: Der Engel-Reflektor sorgt für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Murmel-Profis, aber auch Anfänger werden viel Spaß mit dieser Murmelspiel-Box haben. Neben den Klassikern gibt es auch viele neue lustige oder knifflige Spiele!

Weichplastikreflektor, 51 × 56 mm Bestellnr. 207408 | 1,99 € ab 11 Stk. 1,79 € / Stk.

Ab 4 Jahren, Metalldose mit 72-seitigem Buch und Murmelsäckchen mit 21 Glasmurmeln, 20 x 16 x 4 cm Bestellnr. 207731 | 12,95 €

Bestellen Sie im chrismonshop.de oder unter der Telefonnummer 0341/711 41 48


Bücher •  Tipps zum Lesen und Vorlesen

»In echt« Abenteuer erleben

Jeder Mensch ist wichtig

Die reale Welt, Freundschaft und Wind Henrietta hat drei Lieblingsbeschäftigungen: Computerspielen, Computerspielen und Computerspielen. Eines Tages knallt ein Ball durch ihre Scheibe – der Anfang eines Abenteuers. Sie lernt Ole, Paulchen und Luise kennen und geht mit ihnen nach draußen. Dort entdeckt sie, was die anderen miteinander spielen und was es alles zu sehen gibt, wenn man vor die Tür geht, um Abenteuer zu erleben. Sie spürt zum ersten Mal, wie sich Wind anfühlt. Sie hört vom geheimnisvollen Kaulquappenschwur und möchte mehr darüber erfahren. Mit den anderen Kindern findet sie sogar Frösche – echte Frösche, die viel toller sind, als in ihrem Computerspiel. Der Anfang einer Freundschaft und ein Buch für Abenteuerer und auch Stubenhocker, die selber bereit für ein Abenteuer sind. FS Henrietta spürt den Wind Jochen Weeber | Illustrationen: Fariba Gholizadeh | Patmos: Ostfildern 2017 | gebunden, 32 Seiten | 12,99 Euro (D) | ISBN 978-3-8436-0881-7

Lilly gehört dazu – das erzählt ihre Schwester liebevoll Die große Schwester erzählt von Lilly. Was Lilly gerne macht, was ihr nicht gefällt, wobei sie ihrer Schwester hilft. Liebevoll erzählt die Schwester, was Lilly ausmacht und warum sie wichtig ist. Was nicht im Vordergrund steht: Lilly hat das Down Syndrom. Aber das Buch fokussiert nicht die Behinderung, sondern das, was Lilly als Menschen ausmacht und wie wichtig sie für ihre Familie ist. Die Schwester und die Familie im Buch nehmen Lilly so an, wie sie ist – nicht krank, nicht makelhaft, sondern einfach anders, und vor allem wertvoll und genau richtig. Sehr lesenswert und auch für junge Kinder verständlich. Die Zeichnungen unterstreichen den Text sehr schön mit detailverliebten und fröhlichen Szenen. FS Lilly gehört dazu! Ein Bilderbuch über Behinderung & Inklusion Irmgard Partmann | Illustration: Laura Bednarski | Coppenrath: Münster 2020 | gebunden, 32 Seiten | 15,00 Euro (D) | ISBN 978-3-649-63313-6

Die Bibel – bildschön! K I N D E R - WA N D K A L E N D E R I M G R O S S F O R M AT

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»Teilen ist psychologisch ein Gewinn«

Margund Rohr Zur Person ist 42, lehrt als Professorin für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie an der Evangelischen Hochschule Dresden. Frau Rohr arbeitet zudem in dem Forschungsprojekt CHILDUP, welches in Kitas und Schulen das Miteinander und die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund untersucht – auch eine Frage der Gerechtigkeit.


Interview

Wie lernen Kinder, was gerecht ist und warum Teilen wichtig ist? Die Professorin Margund Rohr von der Evangelischen Hochschule Dresden weiß, was da zusammenkommen muss – und warum Zwang keine gute Idee ist. Frau Professorin Rohr, alle Eltern kennen diesen empörten Satz: »Das ist ungerecht!« Ist der Gerechtigkeitssinn jedem Kind angeboren? Die Anlagen für einen Gerechtigkeitssinn haben wir in uns, aber es bedarf zweier Entwicklungsschritte. Einerseits müssen sich Kinder in die Situation von Anderen hineinversetzen können, andererseits ist die zweite wichtige Bedingung für das Teilen das Mitgefühl. Dies entwickelt sich erst im Lauf der Kindheit, wobei es zum Teil große Unterschiede zwischen den Kindern gibt. Wollen Kinder nicht zuerst immer einmal möglichst viel für sich selbst? Viel haben zu wollen, ist evolutionspsychologisch gesehen sinnvoll, um das eigene Überleben zu sichern. In welchem Alter lernen Kinder das Teilen? Studien zeigen, dass Kinder schon mit 18 bis 25 Monaten mit Erwachsenen teilen oder ihnen helfen, wenn etwas heruntergefallen ist. Im Unterschied zu Affen ist das kooperative Handeln bei Menschen etwas stärker ausgeprägt.

Wann erkennen Kinder die Unterschiede von Reich und Arm – und dass einer mit einer vollen Gummibärchentüte etwas abgeben sollte? Ab dem Alter von etwa drei bis vier Jahren verstehen sie, dass die eigene Sichtweise nicht die der anderen sein muss. Die Fähigkeit, die Perspektive von einem anderen Menschen einzunehmen, beginnt auch in diesem Alter. Kinder können dann Vergleiche ziehen und Ungerechtigkeiten erkennen. Sollten Eltern ihre Kinder zum Teilen anhalten – oder müssen sie selbst entdecken, dass Teilen ein Gewinn sein kann? Kinder lernen am Modell. Wenn Mama oder Papa teilen, sich Großeltern gerecht verhalten, ist das ein Vorbild. Wichtig ist auch der Umgang damit, wenn etwas ungerecht gelaufen ist. Wenn ein Kind einem anderen Spielzeug weggenommen hat, kann ich mit Wärme reagieren und ihm zugleich erklären, warum das ungerecht ist und wie sich der andere fühlt. Also kein Zwang zum Teilen? Teilen sollte nicht an eine Belohnung oder Bestrafung gekoppelt sein. Denn fällt sie weg, verhält sich das Kind auch nicht mehr gerecht. Studien zeigen, dass es besser ist, wenn Kinder selbst entscheiden – dann sind sie im Zweifel großzügiger.

Beeinflussen auch Kultur und Glaube, was Kinder als gerecht ansehen? Es gibt Studien, die solche Unterschiede zeigen. Im indischen Kulturkreis wird beispielsweise das Kümmern um Eltern, Freunde und Bekannte stärker als moralische Verpflichtung und soziale Konvention gesehen als in den USA, wo die Individualität stärker betont wird. Das wirkt sich klar auch auf das Gerechtigkeitsempfinden von Kindern aus. Wenn im Glauben Gerechtigkeit stark als Motiv verankert ist und in Familien auch gelebt wird, dann ist sie auch für ihre Kinder wichtig. Teilen kann reicher machen, das ist auch die Botschaft Jesu und der Bibel – sieht die Psychologie das genauso? Anderen zu helfen, zu teilen, etwas an ihrer Situation zu ändern, kann dazu führen, dass ich mich selbst auch gut fühle. Teilen kann also sehr wohl Gewinne mit sich bringen. Eines der Lieblingsbücher meiner Kinder ist das vom Heiligen Martin. An seiner Geschichte kann man das gut erklären. • Fragen: Andreas Roth, Fotos: Steffen Giersch

Kinder lernen am Modell. Wenn Mama oder Papa teilen, sich Großeltern gerecht verhalten, ist das ein Vorbild.

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Selber machen •  im Herbst

Und so geht es ...

1

Selber machen 2

3

Unser Basteltipp macht den Herbst zeitlos

Glaube – Liebe – Hoffnung: Dekorative Symbole Heute benötigen wir nicht viel für unseren Basteltipp, aber erzielen eine große Wirkung. Aus Korken bauen wir Symbole, die ein dekorativer Hingucker sein können oder ein schönes Geschenk.

4 Material Korken • Heißklebepistole •

ANLEITUNG Für die einzelnen Objekte sind einige Korken notwendig – vielleicht bastelt ihr diesmal in der Gruppe und jeder bringt ein paar Korken mit. Nachdem ihr euch überlegt habt, welches Symbol nachgebaut werden soll, legt ihr euch dieses auf einer Unterlage zurecht. Wenn alles passt und die Form zufriedenstellend ist, kann losgeklebt werden. Jeden Korken einzeln aneinander kleben, kurz festhalten, bis der Kleber fest ist, dann den nächsten ankleben. Viele Symbole sind möglich: ein Kreuz, ein Anker, ein Fisch, ein Herz, ein Stern … auch in der Größe könnt ihr frei entscheiden, ob es ein eher kleines oder ein großes Symbol werden soll. TIPP Man kann die fertigen Objekte auch mit Sprühfarbe einfärben – egal ob ein blauer Fisch oder ein silbern glänzender, auf jeden Fall wird er ein Blickfang.

• Text + Fotos: Karola Richter IMPRESSUM FamilienSONNTAG | Sonderveröffentlichung von DER SONNTAG – Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens | Internet: www.familiensonntag.org | ­Herausgeber: Evange­lischer Medienverband in Sachsen e. V. (EMV) | Redaktion: Andreas Roth (verantwortlich), Karola Richter; familien@sonntag-sachsen.de | Gestaltung: Anja Haß | Bildredaktion: (Titelgeschichte) Lena Uphoff | Verlag: Evangelisches Medienhaus GmbH, Postfach 22 15 61, 04135 Leipzig, Geschäftsführung: Sebastian Knöfel | Vertrieb: Christine Herrmann, herrmann@emh-­ leipzig.de | Anzeigen­service: Liane Rätzer, Telefon (0341) 711 41 35, anzeigen@emh-leipzig.de; Die aktuellen Mediadaten finden Sie auf www.familiensonntag.org. | Druck: Schenkelberg Druck Weimar GmbH, Hergestellt aus 100 %-Recyclingpapier | Copyright: Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung innerhalb der engen Grenzen des Ur­heberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlags. Für unverlangt eingesandte Manus­k ripte und Fotos wird keine Gewähr übernommen. | Redaktionsschluss: 27. August 2020

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Grund zum Feiern •  von Fabian Vogt

Teilweise Kleine Kirchen heißen Kapellen. Warum? Ganz einfach: Weil sie nach einem Mantel benannt sind – und Mantel heißt auf lateinisch »Cappa«.

© Hans Braxmeier/pixabay

Dabei war das sagenumwobene Kleidungsstück, das Millionen von Kirchen seinen Namen gab, sogar kaputt … eigentlich nur ein halber Mantel. Nämlich der des Heiligen Martin.

ein halber Mantel vor dem Kältetod retten konnte. Und zweitens verrät diese tolle Erzählung ganz viel über die Kraft des Teilens. Zumindest hat Martin kurz nach seiner schnittigen Tat einen Traum, in dem Jesus ihn vor allen Engeln als großes Vorbild lobt und dabei auch deutlich macht, warum das mit dem Teilen so wichtig ist: Wer abgibt, der hat nicht weniger, der hat mehr. Hä? Wer abgibt, der hat nicht weniger, der hat mehr? Stimmt das denn? Und wie: Freundschaft, Verbundenheit und Ver­ trauen entstehen nämlich nur da, wo Menschen miteinander teilen – ihr Leben ... und das, was sie besitzen. Wer immer alles, was er hat, für sich behalten will, wird ein zutiefst einsamer Mensch. Außerdem gilt natürlich der kluge Satz Jesu: »Gebt, so wird euch gegeben.«

Was für eine Geschichte: Im Winter des Jahres 334 sieht der junge Offizier Martin am Stadttor des französischen Ortes Amiens einen fast erfrorenen Bettler. Und weil er kein Geld dabeihat, nimmt er kurzerhand sein Schwert, haut seinen roten Mantel lässig in der Mitte durch und gibt dem armen Mann die Hälfte ab.

»Teilen« meint deshalb nicht nur ein bisschen Großzügigkeit oder Mitleid, sondern eine Lebenseinstellung: Jemand, der die Bedürfnisse anderer Menschen wahrnimmt, hat verstanden, was Liebe ist. Vielleicht heißt es in der Bibel deshalb auch: »Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.«

Als Kind dachte ich immer: »Wie bescheuert! Ein halber Mantel fällt doch ständig runter.« Bis ich zwei Dinge verstanden habe: Erstens waren Mäntel damals große Umhänge, sodass auch

Jedenfalls fanden die Christinnen und Christen die Geschichte von Martin damals so inspirierend, dass sie seinem halben Mantel sogar eine Kirche bauten, eben die erste Kapelle. •

Museen und Ausstellungen lernen – entdecken – begreifen Eltern, die ihrem Kind die Welt der Museen eröffnen möchten, werden nicht allein gelassen. In größeren Museen verstehen es Museumspädagogen, mit speziellen Führungen für Kinder, mit Spiel- und Bastelangeboten und mit kindgerechten Ausstellungskatalogen die Neugier von Mädchen und Jungen auf Kunst, Kultur und Geschichte zu wecken. Einen besonderen Reiz hat der Museumsbesuch aber auch, wenn Eltern oder Großeltern aus der alten Zeit erzählen können. Wichtig ist, beim Anschauen von Exponaten nicht in der Vergangenheit zu bleiben, sondern immer einen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Kinder herzustellen. Grundsätzlich gilt bei Museumsbesuchen: Weniger ist mehr. Kinder sind überfordert, wenn sie zu viele Eindrücke auf einmal verarbeiten müssen. Ein oder zwei Exponate reichen völlig aus. Es ist besser, diese intensiv zu betrachten als sich nur einen oberflächlichen Eindruck zu verschaffen. Bei Gemälden können Eltern mit ihren Kindern wie Detektive vorgehen: Was sagen die Farben des Bildes über die Stimmung des Künstlers aus? Nach dem Museumsbesuch können Kinder animiert werden, zu Hause selber zu Wasser, Farbe, Pinsel und Spachtel zu greifen. Ein weiterer Tipp: Kinder sehen Bilder oft mit ganz anderen Augen als die Künstler. Gemeinsam kann nach einem anderen Namen für das Gemälde gesucht und ihm ein lustiges Gedicht oder Lied gewidmet werden. Fantasie ist eben auch beim Museumsbesuch geplant.

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