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Sonderausgabe Chinas Kultur • Dezember 2011

Chinas wahre Kultur

Die Wertvorstellungen in Chinas wahrer alter Kultur wiederzubeleben, ist wie das Geschenk eines Weltkulturerbes an die Chinesen und an die übrige Welt.

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Die Epoch Times Deutschland ist stolz darauf, seit 2007 als Medienpartner die Aufführungen von Shen Yun zu begleiten. In loser Folge werden wir im Kulturjahr Chinas 2012 in Deutschland auch diese und andere chinesische Exil-Künstler vorstellen und zu Wort kommen lassen. Ein Highlight wird das Gastspiel von „Shen Yun“ im März in Berlin und in Frankfurt am Main sein.

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ufrichtigkeit, Redlichkeit, Großzügigkeit, Toleranz, Liebe – zu allen Zeiten haben Dichter, Komponisten und Künstler versucht, diese Tugenden darzustellen, diese Werte im Kampf von Gut gegen Böse lebendig werden zu lassen. Sie verkörpern sich in Legenden, Liedern und auch modernen Geschichten, sie bilden den Stoff, aus denen Theaterstücke, Lieder und Romane entstehen. Überall auf der Welt. Überall auf der Welt stellen Tänzer, Sänger und Schauspieler auf der Bühne Menschen dar, die Inhalte verkörpern, für ihre Überzeugungen kämpfen und Entscheidungen herbeiführen. So war das auch in China möglich, bevor die Kunst unter das Diktat der Kommunisten gestellt wurde. Aber Kunst braucht Freiheit. Und deshalb begann eine fast unglaubliche Geschichte, als eine Gruppe von chinesischen Künstlern sich im Jahr 2006 unabhängig vom Mutterland in New York zusammenschloss, um die Renaissance der wahren chinesischen Kultur zu begründen. Sie nennen sich „Shen Yun Performing Arts“. Shen Yun bedeutet „Göttliche Schönheit“. Und der Name ist Programm.

Das chinesische Siegel oben bedeutet: „Göttlich inspirierte Kultur“


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Zeichen für „göttlich inspirierte Kultur“

Was Zuschauer sagen „Es war einfach wunderschön. Es war so inspirierend. Ich glaube, ich habe ein paar Ideen für den nächsten Avatar-Film gefunden.“ – Robert Stromberg, Oscar-Preisträger als Produktionsdesigner für Avatar „Ich bin völlig begeistert ... Ich hoffe, es wird eine Aufzeichnung dieses wunderbaren Erhu-Spiels geben, damit es mich immer erinnert an diesen wunderbaren Abend.“ – Princess Micheal of Kent „Ein wunderbares Programm! Die alte chinesische Weisheit wird nicht nur dem chinesischen Volk vermittelt, sondern der ganzen Welt.“ – Ted Kavanau, Senior Producer von CNN Headline News „Es ist wirklich nicht von dieser Welt! Wenn ich es beschreiben müsste, könnte ich die Worte „göttlich“, „wiedergeboren“ und „Hoffnung“ nehmen. – Meister-Cellistin Christine Walevska „Super! Fantastisch! Einen Tenor seines Kalibers kann man nur einmal finden in der Welt. Sie werden erschlagen und zu Tränen gerührt sein, auch wenn Sie ihn ein fröhliches Lied singen hören.“ – Mircea Nedelescu, Tenor

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Tournee-Managerin Vina Lee

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„Die Menschen sind so beschäftigt, dass sie keine Zeit haben für die Fragen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Unsere Antwort geben wir auf der Bühne. Sie rückt eine verschüttete Erinnerung wieder ins Bewusstsein.“

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mit Orchestern in gleichwertiger Größe angewachsen. Heute zählen zu den Reihen der Künstler von Shen Yun viele Gewinner von internationalen Tanz- und Gesangswettbewerben und in den Orchestern spielen viele Musiker weltbekannter Symphonieorchester und Konservatorien. Aufgrund seiner rasanten Entwicklung kann Shen Yun Performing Arts alle Winkel des Globus erreichen. Die Gruppe wird sich sicherlich weiterhin vergrößern und in nicht allzu weit entfernter Zukunft wird Shen Yun viele Ensembles haben, die gleichzeitig auf Welttournee gehen. Ihnen gelingt es, sogar Ereignissen aus dem heutigen China auf bewegende Weise gerecht zu werden. Dieser zeitlose Appell an Menschlichkeit und Toleranz, der durch die Aufführungen der Gruppe vermittelt wird, begeisterte bereits Hunderttausende Zuschauer. Wenn man ein Kunstwerk an der Universalität seiner Botschaft und der Hingabe sowie dem Können seiner Interpreten misst, gehört „Shen Yun“ zu den großartigsten Kunstwerken unserer Zeit. (rls)

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hen Yun Performing Arts, das seinen Sitz in New York hat, wurde 2006 mit der Mission gegründet, die 5000 Jahre alte göttlich inspirierte chinesische Kultur wiederaufleben zu lassen. Nach mehr als 60 Jahren kommunistischer Herrschaft in China, die immer noch anhält, und besonders nach der Kulturrevolution (19661976) ist die traditionelle chinesische Kultur vollständig vernichtet. Doch der tieferliegende spirituelle Kern der alten Kultur mit ihren Werten von Güte, Ehre, Korrektheit, Weisheit und Aufrichtigkeit sowie die Ehrerbietung an die Gottheiten und den Himmel kann nicht zerstört werden. Um die traditionelle chinesische Kultur zu erneuern und wiederaufleben zu lassen, gründete eine Gruppe im Ausland lebender chinesischer Künstler im Jahr 2006 Shen Yun Performing Arts in New York. Ungefähr 90 Künstler begaben sich im ersten Jahr, 2007, mit Shen Yun auf eine Welttournee. Darunter waren neben dem Tanzensemble ein Orchester, Gesangssolisten und Instrumentalsolisten, Moderatoren und Produktionsmitarbeiter. Im Jahr 2009 war Shen Yun bereits zu drei Ensembles

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Über das Ensemble S

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Klassischer chinesischer Tanz

Während das Publikum die Kostüme, die Farben und die Bewegungen wahrnimmt, wirken zugleich die geistigen Inhalte. Man sagt: „Der Geist der Zuschauer wird tiefgründig kultiviert und genährt.“

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er chinesische Tanz hat zwei wichtige Elemente: die innere Qualität und die Technik. Durch die innere Qualität bekommt der chinesische Tanz seine Bedeutung und sein einzigartiges Wesen. Jeder chinesische Tanz hat eine ihm eigene, innere Qualität. Die Technik hingegen besteht aus Tanzformen und Tanzbewegungen, die die geistigen Inhalte transportieren.

der Körper eine Bewegung ausführt, existiert sie schon im Geist; wenn der Körper zur Ruhe kommt, bleibt die Bewegung noch im Geist.“ Experten führen auf diese erstaunliche Charakteristik die Tatsache zurück, dass in der Wahrnehmung der Zuschauer die Tanzbewegungen niemals aufzuhören scheinen. „In der Bewegung gibt es die Ruhe, in der Ruhe gibt es die Bewegung; will man vorstoßen, hält man zunächst an; will man nach links, geht man zunächst nach rechts; will man nach vorne, rückt man zunächst nach hinten; will man sich öffnen, macht man sich zuerst zu. Will man das Netz zuziehen, öffnet man es zuerst so weit wie möglich; will man eine Sache haben, gibt man diese Sache zuerst ab.“ Diese Regeln stammen aus einer Rede über chinesische Kriegskunst von Laotse. Sie finden auch beim klassischen chinesischen Tanz Anwendung und gehören hier zu dem Aspekt der „Gesetzmäßigkeit“, auch als „Fan lü – gegensätzliche Gesetzmäßigkeit“ bezeichnet. Die Wahrnehmung der wechselvollen, rätselhaften und überraschenden Änderungen in den Bewegungen des chinesischen Tanzes entsteht aus dieser gegensätzlichen Gesetzmäßigkeit.

göttlichen Kultur. Im Publikum soll der Wunsch entstehen, sich später die während der Aufführung empfundene Freude in Erinnerung zu rufen und über die Be-

Die Geheimnisse im chinesischen Tanz Eines der Geheimnisse im klassischen chinesischen Tanz liegt an der inneren Qualität. Sie wird erreicht, wenn die vier Aspekte – Xing (Körper), Shen (Geist), Jing (Kraft) und Lü (Gesetzmäßigkeit) – miteinander harmonisch verschmelzen. Die Beziehung von Körper und Geist wird im chinesischen Tanz so Göttliche Kultur erklärt: „Der Geist leitet den Körper, Der chinesische Tanz beinhaltet der Körper spiegelt den Geist; bevor zudem die Essenz der chinesischen

IMPRESSUM Epoch Times Europe gGmbH • Kurfürstenstr. 79, D-10787 Berlin • Tel: +49-30-26395312/13 E-Mail: chefredaktion@epochtimes.com • Verantw. Redakt.: Renate Lilge-Stodieck www.epochtimes.de

deutung des Tanzes nachzudenken. Nach Ansicht der Chinesen soll der klassische Tanz imstande sein, die Schicht des Nebels der Illusionen, der die Menschen in dieser Welt umgibt, zu durchdringen und die gutherzige Natur in den Herzen der Zuschauer zu berühren. Der chinesische Tanz kann so die Zuschauer dazu bringen, über das Leben und den Sinn des Lebens nachzudenken und sie zu einem positiveren Lebensgefühl führen. (MZ)

Tourtermine 2012 Berlin ICC 16.-18. März Hotline: 030-609 88 52 90 Frankfurt/M. 30.-31. März Hotline: 01805-69 74 69 www.ShenYun2012.com

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Der Ursprung der Musik liegt in der Heilung Pam McLennan

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Elemente: Erde, Metall, Holz, Feuer, Wasser Tonpositionen: Kung, Shang, Chiao, Chih, Yü Himmelsrichtungen: Mitte, Westen, Osten, Süden, Norden Jahreszeiten: Jahr, Herbst, Frühling, Sommer, Winter Planeten: Saturn, Venus, Jupiter, Mars, Merkur Emotionen: Gemüt, Sorge, Zorn, Freude, Furcht

In Europas klassischer Antike ging man davon aus, dass sich der Mensch in Unordnung befindet, wenn er krank wird. Aber durch die Hilfe von Musik konnte die geistige und seelische Harmonie wiederhergestellt werden. Die Chinesen gingen dabei systematisch vor: Ihre Tonpositionen heißen Kung, Shang, Chiao, Chih, Yü. Aufgrund des Zusammenhangs zwischen den fünf Tönen und den fünf inneren Organen kann die Musik mit einem bestimmten Ton als Grundton auf das entsprechende innere Organ wirken und es regulieren. Musik kann den Blutkreislauf erschüttern, die Gedanken öffnen und den Herzenszustand harmonisieren. Aber weil die Körperstruktur der Menschen unterschiedlich ist und wegen des unterschiedlichen Zustandes der inneren Organe, nehmen die

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Die ursprüngliche Funktion der Musik 樂( yuè) war die der Heilbehandlung. Erst in späterer Zeit fand man heraus, dass auch bestimmte Kräuter Krankheiten heilen können. Und so entstand das Schriftzeichen für Medizin 藥(yào), indem man den Wortstamm für Kräuter auf die Spitze des Schriftzeichens für Musik legte.

Menschen die Musik unterschiedlich wahr. Entsprechend der fünf Grundtöne lassen sich unterschiedliche Wirkungen auf den menschlichen Körper ableiten. Welche Emotion auch immer in der Musik ausgedrückt wird, kann sie dem Körper und dem Energiefluss (Qi) auch schaden, wenn sie übertrieben wird. Erfahrene chinesische Ärzte würden gewissenhaft zu jeder Art von Leiden eine spezielle Art von Komposition auswählen. Die klassische chinesische Musik wurde in „klare Musik“ und „orthodoxe Musik“ unterteilt. Die „klare Musik“ ist ausgefüllt mit tiefgehender Bedeutung; jeder Ton trägt einen weiteren Aspekt der Harmonie von Himmel und Erde, die die Gesundheit wieder erwachen lässt. Die „orthodoxe Musik“ wurde indes bei Zeremonien und Festlichkeiten gespielt. Das Ziel der orthodoxen klassischen Musik in China war es, die Seele zu reinigen, weshalb die Musik sehr langsam und ruhig ist. Dieser Musik zuzuhören, schenkt der Seele Frieden.

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esang und Trommelklang, Flötentöne und Rhythmus, Tanz und Magie, was hat außer der Musik so reichhaltige Ausdrucksformen? Was hat ähnlich großen Einfluss auf uns, wie der Klang einer Stimme und die fühlbare Antwort in unserem Körper? Was kann uns leichter beflügeln und beschwingen, als Klang und Rhythmus? Das wussten nicht nur die alten Griechen, die im göttergleichen singenden Orpheus ihre Symbolgestalt dafür fanden, sondern in noch weiter entfernter Vorzeit entdeckten die Chinesen – very sophisticated – auch die Gesetzmäßigkeit der Wirkung von Musik. In ihrem Reich der Pentatonik, der Fünftonmusik, fanden sie Entsprechungen im Reich der fünf Elemente, der fünf Himmelsrichtungen, der Jahreszeiten, der Organe, der Planeten, der Emotionen … und alle sind sie verbunden mit einem der fünf Töne.


Xiaochun Qis betörende Erhu Pam McLennan

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on New York bis Paris, von Tokyo bis Dallas, Stockholm und Sydney – Xiaochun Qi fesselt die Zuhörer so sehr, dass sie förmlich an ihren Sitzen kleben. Sie folgen jedem einzelnen ihrer ErhuTöne. In den kurzen fast atemlosen Pausen kann man eine Stecknadel fallen hören. Die Erhu ist eines der populärsten traditionellen chinesischen Instrumente. Sie kann große Tragik ausdrücken. Ob in langsamem oder schnellem Tempo, die Erhu erzeugt einen melancholischen Klang, der auf eindringliche Weise wunderschön und ergreifend ist. Musik in China, genauso alt wie diese 5000 Jahre alte Zivilisation an sich, war weniger zur Unterhaltung gedacht als vielmehr zur Reinigung der Gedanken. Traditioneller Glaube behauptet sogar, dass dieser Klang das Universum beeinflussen und harmonisieren kann. In dieser Kultur erschien die zweisaitige Erhu, die eine Geschichte von ungefähr 4000 Jahren hat. Sie wurde zu einem der populärsten und angesehensten chinesischen Instrumente. Xiaochun Qi, die bei Shen Yun Performing Arts die Solo Erhu-Stücke mit Pianobegleitung spielt, lernte das Instrument von ihrem Vater, als sie in Südchina aufwuchs.

saiten ersetzen heutzutage die traditionellen Seidensaiten. Der Bogen aus Bambus und weißem Pferdehaar wird beständig zwischen den zwei Saiten platziert. Die Erhu hat viele einzigartige Charakteristika, durch die es schwer wird, dieses Instrument zu meistern. Es gibt kein Griffbrett, um die richtige Tonlage finden zu können und die Saiten werden gedrückt, sollen aber den Hals nicht berühren. Der Klang wird erzeugt, wenn der zur Intensivierung der Reibung geharzte Bogen zwischen den Saiten durchgezogen wird, damit die Schlangenhaut in Schwingung versetzt wird. Beide Saiten des Bogens werden benutzt, um den Klang zu erzeugen, die Saiten sind allerdings so dicht beieinander, dass sie wie eine gespielt werden. Qi sagt, dass die alte chinesische Kultur Harmonie zwischen Himmel und Erde sowie Respekt für Leben und Natur begünstigt – Werte, die in den Aufführungen von Shen Yun widergespiegelt werden. Sie betrachtet ihre Arbeit als Würdigung für die Menschen in China, die eine ähnliche Leidenschaft wie ihr Vater haben. „Heute bin ich auf der Bühne wegen der Hingabe meines Vaters an das, was er als seine Mission im Leben betrachtete: die Essenz und Schönheit der traditionellen chinesischen Kultur für zukünftige Generationen zu bewahren.“

i Tourtermine 2012 Berlin ICC 16.-18. März Hotline: 030-609 88 52 90 Frankfurt/M. 30.-31. März Hotline: 01805-69 74 69 www.ShenYun2012.com

„Ich stelle mir vor, dass es einen Faden gibt zwischen dem Musiker und dem Zuschauer, das ist ein Faden ähnlich einer Schicksalsverbindung. Wenn man es schaff t diesen zu berühren, sind die Zuschauer auch berührt.“

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„Gedämpfte Leidenschaft“ „Als ich sechs Jahre alt war, fing mein Vater an, mich im Erhu-Spiel zu unterrichten. Er übte jeden Tag mit mir. Der Wohnraum war extrem begrenzt und

so nahm er mich zum Üben in einen nahe gelegenen Park, damit die Nachbarn nicht gestört wurden“, erzählte sie. Die erste Zeit des Übens war für Qi sehr anstrengend. Ihr Vater unterwies sie das ganze Jahr über im Freien, ganz unabhängig vom Wetter. Sie berichtet, dass sie ihren Vater als „den grausamsten Vater auf der ganzen Welt“ ansah, bis sie verstand, dass sich dahinter eine tiefe Liebe zur Musik und „gedämpfte Leidenschaft“ verbarg. „Beim Üben wurden wir oft von vielen Menschen umringt, die uns stundenlang aufmerksam zuschauten, zuhörten, mit dem Kopf nickten oder mit den Füßen den Takt schlugen“, erzählt sie. „Jetzt verstehe ich, warum mein Vater so große Mühen auf sich nahm, um mich zu einer Künstlerin an der Erhu auszubilden – er wollte, dass ich das Herz und die Seele der chinesischen Kunst erbe und mithilfe der Musik Hoffnung, Freude und innere Stärke erschaffe. Er war ein großartiger Vater.“ Obwohl die Erhu manchmal als zweisaitige chinesische Violine bezeichnet wird, wird sie senkrecht und nicht waagrecht gehalten und auf den Schoß des sitzenden Spielers gestellt. Sie ist aus dichtem Holz wie Rosenholz oder Ebenholz gefertigt, hat einen kleinen Schallkörper, der mit Schlangenhaut – traditionellerweise Python – überzogen ist, und einen langen schlanken am Ende leicht gebogenen Hals. Zwei Stahl-

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Die Pflichten der „Himmlischen Herrscher“ Maria Zheng und Moli Fu

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„Wegen des Mangels meiner Tugend wird das Land nicht harmonisch regiert. Dies ist die Ursache des Erdbebens und eine eindeutige Vorwarnung des Himmels an mich.“

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Ein Verbrechen begehen Wenn ein Kaiser wirklich seine Herrschaft festigen und dem Land Wohlstand bringen wollte, musste er seine eigene Tugend vermehren, um den Anforderungen des Himmels zu entsprechen. Da Naturkatastrophen als oberflächliche Erscheinung des himmlischen Willens galten, betrachteten die Kaiser sie als eine Vorwarnung. Yu war der erste Kaiser der XiaDynastie, er lebte um 1766 v. Chr. Eines Tages beobachtete er, dass ein Mensch ein Verbrechen beging. Er

Kaiserliche Krisenhilfe In der Qin-Dynastie ereignete sich am 28. Juli 1679 nach dem Mondkalender ein sehr starkes Erdbeben nahe Peking. Viele Häuser wurden zerstört. Kaiser Kangxi antwortete mit einer sofortigen Erklärung und Geldhilfen in Form von fünf Tonnen Silber. Im Bekenntnis steht:

天人合一 – „Himmel und Menschen harmonisieren sich in Eins“. Das ist ein Kerngedanke in der traditionellen chinesischen Kultur. Man zeigt Ehrfurcht und Dankbarkeit gegenüber dem Himmel, der Erde und der Natur und geht behutsam mit allen Gegenständen um.

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n den alten Zeiten Chinas hatte der Kaiser kein leichtes Amt. Immer wenn große Katastrophen das Land erschütterten, Menschen durch Naturgewalt oder selbstverschuldet zu Schaden kamen, musste der Kaiser die Verantwortung übernehmen. Er war gezwungen nachzudenken, was den Himmel so erzürnt hatte, und musste den Fehler bei seinem eigenen Verhalten suchen. Er unterzog sich einer Zeremonie der Selbstreinigung, zu der Fasten, Meditation und Gebet gehörten. Dann proklamierte er vor dem ganzen Volk sein eigenes Versagen mit einem Reuebekenntnis. Gegenüber Himmel und Volk versprach er sofortige Korrektur des Fehlers, um weiteres Leiden des Volkes zu vermeiden. Auch forderte er seine Gefolgsleute auf, ihn durch Rat und Kritik zu unterstützen. In Chinas Geschichte veröffentlichten 79 Kaiser Verantwortungsbekenntnisse. Warum taten sie das? Folgender Gedanke über die Beziehung zwischen Mensch und Himmel lag dem zugrunde: In der altchinesischen Kultur wurde der „Himmlische Herrscher“ als oberste Instanz betrachtet. Er allein bestimmte, was in der Menschenwelt passiert. Er wurde vom Himmel auf die Erde geschickt und ist nur ein stellvertretender Herrscher in der Menschenwelt. Im ursprünglichsten Denken der Chinesen besaß der Himmlische Herrscher keinerlei menschliche Gefühle und das Schicksal, das er den Menschen zuteilte, war allein nach ihrer Tugend ausgerichtet.

war darüber so traurig, dass er zu weinen anfing. Als seine Begleiter ihn nach dem Grund fragten, sagte er: „Kaiser Yao und Kaiser Sun wurden zu ihrer Zeit als heilige Kaiser betrachtet. Das Volk nahm sie zum lehrreichen Vorbild. Aber jetzt ist es so weit gekommen, dass ein einzelner Mensch schon keinen moralischen Maßstab mehr hat und nur an sich denkt. Deswegen wagt er überhaupt, ein Verbrechen zu begehen.“ Kaiser Shang, ein Nachfolger Yus und Gründer der Shang-Dynastie, hatte den letzten Xia-Kaiser im Krieg besiegt und war dadurch an die Macht gekommen. Um das Herz des Volkes zu beruhigen, erließ er sogleich eines der berühmtesten Verantwortungsbekenntnisse. „Für meine Fehler darf ich mich nicht selbst freisprechen, das kann nur vom Herrscher des Himmels getan werden. Wenn das Volk Fehler macht, ist es meine Schuld. Wenn aber ich Fehler mache, soll nicht das ganze Volk bestraft werden.“

„Ich habe drei Schätze, die ich hüte und hege. Der eine ist die Liebe, der zweite ist die Genügsamkeit, der dritte ist die Demut.“ Lao-Tse, 6. Jh. v.Chr.

Im Folgenden legte er sechs Fehler seiner Regierung offen: 1. Das Volk ist arm, aber die Regionalbeamten bestechen ihre Vorgesetzten und verlangen vom Volk hohe Steuern. 2. Die Beamtenelite missbraucht ihre Macht aus Eigeninteresse. 3. Regionaloffiziere der Armee pflegen Frauen und Bürgerstöchter zu verschleppen, als wären sie ihr Eigentum. 4. Staatliche Subventionen werden von Lokalbeamten veruntreut und bringen dem Volk keinerlei Nutzen. 5. Die Gerichtsbeamten haben unschuldige Menschen eingeschüchtert und um Geld erpresst. 6. Familienangehörige hoher Beamter haben das Vermögen gewöhnlicher Bürger enteignet.

忠: Loyalität, Ehrlichkeit, Herzlichkeit und Treue. Diese Begriff sind in China mit der Geschichte von Yue Fei verbunden, der seinem „Land loyal diente“. 義: Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit, Treue, Einhalten von Versprechen. Diese Begriffe wurden in einem Roman über die Zeit der Drei Reiche (220-280 n. Chr.) definiert.

Kangxi ließ die Beamten in den Himmelstempel einberufen und betete persönlich mit ihnen. Dieses Ritual führte dazu, dass sich der Kaiserhof direkter um das Volk kümmerte.


Die Geschichte eines tibetischen Tenors Pamela Tsai

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Entwurzelung: Von Tibet nach Peking Im Jahr 1975 wurde der neunjährige Yuan Qu zusammen mit über 500 anderen tibetischen Kindern, die von chinesischen Beamten ausgewählt wurden, nach Peking zur zwangsweisen systematischen „Umerziehung“ verschickt. „In den Jahren, als ich in Peking war, durfte ich keinen Brief an meine Eltern schreiben oder mit ihnen telefonieren“, erzählte er. Es war für ihn als Neunjährigen sehr hart, von seinen Eltern und seiner Kultur entfernt zu sein und mit dem Zug und Bus über Zehntausende Kilometer transportiert zu werden. Der junge Yuan Qu wurde in Peking in die Schule geschickt und lebte bei einer Pflegefamilie. „Wir durften kein Tibetisch sprechen. Sie sagten, wir sollten die tibetische Kultur vergessen. Sie meinten, unsere tibetische Religion und Kultur sei abergläubisch und nutzlos.“ „O sole Mio“ und die Entstehung eines Wunsches Eines Tages hörte Yuan Qu zufällig eine Kassette von Pavarotti. Dies war ein seltener Glücksfall. Diese Kassette stammte aus der privaten Sammlung eines Lehrers, der während

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ew York – Tenor Yuan Qu aus Tibet begeistert nicht nur das Publikum bei Shen YunAufführungen. Carlo Bergonzi, einer der bedeutendsten italienischen Operntenöre prophezeite dem Sänger: „Du wirst hoch aufsteigen!“ Aber trotz seines Talents benötigte der Tenor über zwei Jahrzehnte, um seinen Platz zu finden. Sein tibetischer Name ist Tashi Dorje und bedeutet übersetzt „glückverheißende Vajra“ oder „Buddhas Beschützer“. Aber da er während der Kulturrevolution geboren wurde und 31 Jahre lang unter der chinesischen kommunistischen Herrschaft leben musste, war sein Leben alles andere als Glück verheißend.

Der tibetische Tenor von Shen Yun Performing Arts gewann die Goldmedaille beim internationalen chinesischen Gesangswettbewerb von New Tang Dynasty TV.

Maos „Anti-Rechtsbewegung“ verfolgt worden war. Diese Musik wurde während der Kulturrevolution als „schlechter Einfluss vom kapitalistischen Westen“ diffamiert. Der Klang von Pavarottis „O Sole Mio“ traf den neunjährigen tibetischen Jungen wie ein Blitzschlag und entzündete in ihm ein Feuer der Liebe zu dieser Musik. „Ich war sofort ergriffen. Diese Kassette spielte eine entscheidende Rolle in meinem Leben“, so Yuan Qu rückblickend. Er musste nach Abschluss der Schule Medizin studieren. Wiederholt appellierte er an die chinesischen kommunistischen Behörden, dass er

sein Studium wechseln wolle. Die Parteikader bestraften ihn, weil er nicht zufrieden war mit dem Schicksal, das von der Partei arrangiert wurde. Nachdem er promoviert hatte, wurde er in eine abgelegene Landschaft in Tibet delegiert.

Er sang beim Kunstensemble Chamdo in Osttibet vor und wurde aufgenommen. Später wurde er zum Studium am chinesischen Musikkonservatorium zugelassen und fünf Jahre im Fach Oper ausgebildet. Er wollte Opern singen, doch die Partei billigte diese Kunstform nicht. „Sie sind ein Tibeter und sollten tibetische Volksmusik singen. Hören Sie auf, so entartete Kunst wie Belcanto und Opern gut zu fi nden“, drohten die Kommunisten. Sie haben über alle Kunst- und Kulturorganisationen in China die Kontrolle. Mithilfe von einem tibetischen Freund in Großbritannien konnte Yuan Qu im Jahr 1997 China verlassen, um in der Folge am 34. Internationalen Gesangswettbewerb Francisco Viñas im spanischen Barcelona teilzunehmen. Ab 2003 trat er regelmäßig bei Konzerten in der Arena di Verona in Italien auf. Diese Arena hat Platz für mehr als 15.000 Zuhörer und gab Yuan Qu das Gefühl von Zuhause. „Dort zu singen, ist wie in der unermesslichen Weite des tibetischen Plateaus entlang des Himalaya“, schwärmt der Tenor. Hoffnung auf ein neues China Der Tenor glaubt, dass Shen Yun der beste Ort für ihn und seine Stimme sei. „Hier kümmert sich keiner um die eigene Selbstbestätigung oder um persönlichen Ruhm und Gewinn. Jeder bemüht sich mit ganzem Herzen, sein Bestes für das Publikum zu geben.“ Yuan Qu meint, dass das „Beste“, was das Publikum erlebt, mit Worten nicht beschrieben werden kann. „Ganz gleich wo und wann, es gibt viele Menschen, die von Shen Yun zu Tränen gerührt werden.“ Yuan Qu ist optimistisch: Er glaubt, dass er in nicht allzu ferner Zukunft mit Shen Yun auf Tournee durch China gehen und auch in seinem Heimatland singen wird. Er vertraut darauf, dass sich seine tiefe Liebe für das tibetische Volk und die dortige Kultur erfüllen wird.

Enttäuschende Gesangskarriere in China Pavarottis „O Sole Mio“ tönte weiter in Yuan Qus Kopf. Ich will singen – kennen Sie jemanden, der mich als Sänger ausbilden würde?“ Mithilfe einiger Patienten konnte Yuan Qu endlich seinen Arztposten verlassen und seiner Liebe Tourtermine zur Musik nachgehen. auf Seite 8

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ENTDECKEN SIE DIE ECHTE TRADITIONELLE KULTUR CHINAS ENTDECKEN SIE SHEN YUN „Eine faszinierende Vorstellung ...“ — Donna Karan Chef-Designerin von DKNY

„Shen Yun ist sensationell und hochprofessionell.“ — Ingeborg Tichy-Luger Präsidentin des Ballettclubs der Wiener Staatsoper

„Ein außergewöhnliches Erlebnis.“ — Cate Blanchett Oscar- und Golden-Globe-Preisträgerin

„Absolut schön.“ — Robert Stromberg Oscar-Preisträger und Produktionsdesigner für Avatar

RENAISSANCE VON 5000 JAHREN CHINESISCHER KULTUR

„Geht hin, schaut es Euch an!“ — Dr. Thomas Dänemark Generalsekretär der Freunde der Wiener Staatsoper

16. März 2012, 19:30 Uhr 17. März 2012, 19:30 Uhr 18. März 2012, 15:00 Uhr ICC BERLIN, SAAL 1

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Chinas Wahre Kultur - Shen Yun