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RENZO CORONA – IGOR SIMONI

PALAGRUPPE Ausgewählte klassische und moderne Routen

EDIZIONI VERSANTE SUD | COLLANA LUOGHI VERTICALI | CLIMBING


Erste Ausgabe. April 2018 ISBN 978-88-98609-88-8 Copyright © 2018 VERSANTE SUD S.r.l. Milano via Longhi, 10, tel. 027490163 www.versantesud.it Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, der elektronischen Speicherung, der Vervielfältigung und der teilweisen oder gänzlichen Bearbeitung.

Umschlag Renzo Corona, Schleierkante (Spigolo del velo), Cima della Madonna (© P. Sartori) Text Igor Simoni Übersetzung Gerd Zimmermann Fotos

Von den Autoren, wenn nicht anders angegeben

Wandfotos mit Routenverlauf

Tommaso Forin

Skizzen Eugenio Pinotti Editing und Layout

Bruno Quaresima

Druck Monotipia Cremonese - Cremona Danksagung Wenn ich an dieser Stelle meinen Dank an diejenigen ausspreche, die an diesem Kletterführer mitgearbeitet haben, dann darf ich natürlich auch meine langjährigen, treuen Seilpartner nicht vergessen. Ein großes Dankeschön geht zudem an Tommaso Forin, der fast alle Fotos mit den Routenverläufen erstellt hat. Auch an die Freunde Tullio und Zumba für ihre Mithilfe, an alle befreundeten Bergführer, an Ru Alberti, Heinz Grill, sowie an alle, die mit Rat und Tat ihren Beitrag leisteten. Nicht zuletzt danke ich den Herausgebern, die geduldig und trotz einiger "Auszeiten" unsererseits immer an die Reali­sierung des Projekts geglaubt haben.

Hinweis Klettern ist ein potenziell gefährlicher Sport und geschieht immer auf eigene Gefahr. Alle Hinweise in diesem Führer beruhen auf Informationen, die zum Zeitpunkt der Drucklegung aktuell waren. Es wird empfohlen, sich vor der Begehung einer Route über den aktuellen Stand zu informieren.


Renzo Corona Igor Simoni

PALAGRUPPE Ausgewählte klassische und moderne Routen

EDIZIONI VERSANTE SUD


Vorwort

Als mich Tullio fragte, ob ich denn an einem Kletterführer über die Pala mitarbeiten wollte, sagte ich ihm ohne langes Nachdenken zu. "Klar, ok..., aber das Schreiben muss ich jemand anderem überlassen!" Die Pala kenne ich fast wie meine Westentasche, aber diese Kenntnis auf's Papier zu bringen, ist etwas ganz anderes. Wenn ich in den Bergen unterwegs bin, richte ich meinen Blick immer nach oben, auf die Wände und Gipfel, und suche nach Möglichkeiten für Linien, die noch niemand begangen hat. Über Routen geschrieben habe ich noch nie, weder über Neutouren noch über Wiederholungen. Mit einer gewissen Bewunderung blicke ich zu meinen Kollegen und Freunden auf, die jede ihrer Besteigungen in Worte fassen können. Hätte ich das früher auch schon so gemacht, wäre der Führer vielleicht schon viel früher fertig gewesen. Ich war auch nie der Typ, der viel über die Routen liest, in die er einsteigen will. Bevor ich los gehe, denke ich eher daran, was wohl auf den Erstbegeher wartete, als er die Linie eröffnete, und wie er sie dann kletterte. Jeder von uns geht sein Projekt auf seine eigene Art und Weise an, und jeder "schreibt" damit seine eigene Geschichte.

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Unter denen, die in der Pala ein Markenzeichen hinterließen, gab es Kletterer wie Castiglioni, die Kanten und Grate bevorzugten, solche wie Andrich, die sich furchtlos in unbekannte Wände begaben, wo alles auf sie warten konnte oder Leute wie Langhes, der wie eine Sternschnuppe auftauchte und gleich wieder verschwand. Dazu zählten auch die Kletterer der "Münchner Schule", Solleder, Leuchs, Bertl, Kleisl u.a., die zu Anfang des 20. Jahrhunderts viele Gipfel erstmals bestiegen und dabei herrliche Routen erschlossen. Und nicht zu vergessen namhafte Kletterer der Neuzeit, wie z.B. Manolo, ein Meister der Ästhetik, der aus reiner Freude am Klettern hierher kam und seine Spuren zurück ließ. Und genau das ist der Punkt: Klettern in der Palagruppe soll Vergnügen sein, Freude bringen. Wer sich vorab Gedanken darüber macht, wie der Erstbegeher die Route wohl geklettert hat, bekommt zumindest eine Ahnung davon, was ihn erwartet. Und dann verliert man sich auch nicht so schnell in den kompakten Platten voller Sanduhren, auf der Suche nach nicht vorhandenen Haken. Dieser Führer bietet eine Auswahl von älteren Wegen bis hin zu neueren Routen, erstbegangen von Bergführern aus der Region, die in diesem Buch auch von ihren Erlebnissen berichten. Alle in der Pala bestehenden Routen zu beschreiben, wäre für mich nicht möglich gewesen. Der Führer sollte aber auf alle Fälle die Touren enthalten, die meiner Meinung nach eine Wiederholung lohnen sowie auch einige, die etwas in Vergessenheit geraten sind. Dass viele weitere Routen existieren, die eine Erwähnung verdient hätten, mag ich nicht bestreiten. Aus den verschiedensten Gründen konnten sie leider hier nicht aufgenommen werden. Und was Fehler betrifft: Ja, die wird es geben. Seht sie mir nach, denn wie ihr jetzt wisst: Klettern liegt mir mehr als Schreiben! Ich danke allen, die mir bei der Realisierung des Führers zur Hand gingen, sei es durch Routenberichte, Fotos oder Erzählungen..., den Leuten aus den Bergen ein paar Zeilen aus der Feder zu locken, ist harte Arbeit. Ich danke insbesondere Igor für seine Geduld und Gelassenheit, Zumba,


© T. Forin

Tommaso und allen meinen Bergführerkollegen, und schließlich all jenen, die die Pala lieben. Viel Spaß beim Klettern! Renzo Corona Eines Tages rief mich Renzo an und fragte: "Magst du mir beim Verfassen einiger Routenbeschreibungen helfen? Komm' schon, nur wenige Zeilen, das geht doch schnell!" Ich wusste, dass der Führer vielleicht hundert Routen enthalten sollte, also schätzte meinen Anteil auf 30 bis 40 Gipfel, die ich beschreiben müsste. Das schien mir nicht viel und sollte doch schnell über die Bühne gehen. Einige Wochen darauf rief Renzo wieder an und fragte, ob ich bereit wäre, "zwei Zeilen" über die Routen schreiben. Er sagte mir auch, dass am folgenden Tag der Herausgeber zu Besuch kommen würde und ich ihn treffen könnte. Ich kenne Renzo schon seit unseren Kindestagen und bevor ich ja oder nein sagen konnte, war mir klar, was passieren würde. Als ich am Tag darauf Roberto vom Verlag Versante Sud gegenüber saß, meinte ich zu ihm: "Sag' mir, welchen Tod

ich sterben soll", denn ich ahnte, was vor mir lag. Er sah mich an und sagte: "Du musst alle Texte liefern", mit einem Blick, von dem ich bis heute nicht weiß, ob Erleichterung darin lag, weil der Führer endlich Form annahm oder Mitleid, weil er wusste, was auf mich zukommen würde. Einerseits machte ich mir schon etwas Sorgen, denn meine alpine Erfahrung war nicht so groß, dass ich alle im Führer enthaltenen Routen beschreiben konnte. Andererseits waren Renzos Erfahrungen so umfangreich, dass er meine Unzulänglichkeiten mit abdecken konnte. Ich musste also nur einen Weg finden, um seine Erfahrungen in lesbare Form zu bringen. Und so begann ich, Material zu organisieren, Skizzen und Fotos von Tommaso zu sichten und Texte zu verfassen, die ich Renzo dann zum Lesen gab. Bei diesen Gelegenheiten erzählte er mir Anekdoten von vielen verschiedenen Routen, und mir wurde erstmals bewusst, wie viele neue Wege er in der Pala eröffnet hatte. Von ihrer Existenz wissen nicht viele, an einige erinnert er sich wohl selbst nicht mehr so richtig... . Das Abenteuer, das ich mit diesem Führer gewagt habe, hat sich schließlich als schöne Erfahrung erwiesen, die mir die Berge der Pala und ihre alpinistische Geschichte noch näher gebracht hat. Jetzt weiß ich auch zu schätzen, was die "Alten" geleistet haben, als sie in diesen Bergen und Wänden unterwegs waren. Die Arbeit an diesem Führer ist für mich Ansporn, in diesem Gebiet, in dem ich lebe, noch mehr unterwegs zu sein. Und ich hoffe, dass dies auch für die Leserinnen und Leser gilt. Alles Gute in der Pala! Igor Simoni

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Inhaltsverzeichnis der Routen NÖRDLICHE KETTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 1 MULÀZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 1 GRAUER PFEILER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 2 VIA DEI TEDESCHI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 3 VIA MAGIA NERA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 2 CAMPANILE ALTO DEI LASTEI . . . . . . . . . . . . 34 4 SPIGOLO SERAFINI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 5 DIEDRO DEI TEDESCHI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 3 CIMA DEI BURELONI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 6 SÜDWESTKANTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 4 CIMON DELLA PALA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 7 NORDWESTKANTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 8 REALI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 9 FIAMME GIALLE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 10 LEUCHS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 11 MARICI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 12 PILASTRO GIRASOLE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 13 FUMO NEGLI OCCHI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 5 CRODA DELLA PALA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 14 HANS MARGUERETTAZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 15 VIA OPERAI DI COLVERDE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 16 VIA FRANCESCHINI - ZAGONEL . . . . . . . . . . . . . 62 6 DENTE DEL CIMONE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 17 LANGES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 18 VARIANTE MICHELUZZI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 19 VIA DOLCE ATTESA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 7 CRODA PAOLA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 20 DIEDRO FRANCESCHINI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 21 MINUCCI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 8 NUVOLO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 22 FRANCESCHINI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 23 SÜDKANTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 24 VIA CORONA ROMAGNA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 9 COL DEI CANTONI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 25 VIA CRISTIANA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 26 GABRIELE 89 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 27 LEVITI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 ZENTRALE KETTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 10 MULÀZ DELLA ROSETTA . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 28 ERBE ALPINE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 29 VIA DEI FINANZIERI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 11 CIMA ROSETTA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 30 LANGES . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91

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12 CIMA DI RODA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 31 MR MANOEO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 32 CARMELITA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 33 GADOTTI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 34 CASTIGLIONI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 13 CIMA RODETTA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 35 ELENA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 36 VIA COLATA NERA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 14 CIMA DELLE SCARPE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 37 FRANCESCHINI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 38 DAMA BIANCA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 39 LEVITI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 15 PALA DI SAN MARTINO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 40 STRALASEGNE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 41 PILASTRO CAMILLO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 42 COLIBRÌ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 43 BOCETA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 44 BONVECCHIO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 45 GRAN PILASTRO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 46 PILASTRO DI FRONTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 16 CIMA IMMINK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 47 INTERNAZIONALE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 48 NUOVA VIA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 49 BERTINELLI-THOMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 50 VIA DEI FINANZIERI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130 51 VIA DEL GRAN DIEDRO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 17 TORRE PRADIDALI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 52 FRANCESCHINI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 53 L’ALTALENA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 18 CAMPANILE PRADIDALI . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 54 SPIGOLO DEL VECCHIO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 55 CASTIGLIONI-DETASSIS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 19 PALA DI SAN BARTOLOMEO . . . . . . . . . . . . 142 56 VIA DE NARDIN SANDRI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 20 CIMA VAL DI RODA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 57 VIA ANDRICH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145 21 CAMPANILI DI VAL RODA . . . . . . . . . . . . . . . 146 58 ÜBERSCHREITUNG DER CAMPANILI . . . . . . . 150 22 CIMA DELLA MADONNA . . . . . . . . . . . . . . . . . 152 59 GANCETTO FELICE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 60 MESSNER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 61 SPIGOLO DEL VELO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 62 VIA DELLE GUIDE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 63 VIA PER RICKY . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164 64 SPIGOLO KAHN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166


65 PIAZAROI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 66 VIA CRISPINO LOSS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168 67 VIA FRANCESCO LOTT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170 23 SASS MAOR . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174 68 SCHERZI D’ESTATE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176 69 BIASIN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180 70 SUPERMATITA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184 71 SOLLEDER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188 72 VIA ALESSIO MASSAROTTO . . . . . . . . . . . . . . . . 190 24 CIMA WILMA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194 73 STRACAPIAZE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196 74 DOLCE SORPRESA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196 75 CASTIGLIONI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 76 ROVESCIO DELLA MEDAGLIA . . . . . . . . . . . . . . 198 25 CIMA CANALI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200 77 LAST CHANCE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202 78 CRISALIDE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 79 FORZA DI GRAVIDANZA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 80 BUHL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204 81 HEIDI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206 82 FRANZINA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208 83 SALAME . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209 84 SOLDÀ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210 85 SKYLUKE FOR ALEX . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212 86 IL CORNO E L’AGO DELLA FIGLIA . . . . . . . . . . 214 26 PALA CANALI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216 87 CASTIGLIONI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 218

33 CIMA DEL CORO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250 102 GADENZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252 103 DIEDRO SUD-OVEST . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253 104 TIME TO FLY . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254 105 VIA DEL PILASTRO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254 34 SASS D'ORTIGA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 258 106 WESTKANTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260 107 VIA SCALET - BETTEGA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264 108 VIA 9 AGOSTO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266 35 PALA DEL RIFUGIO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 270 109 NORDWESTKANTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272 110FRISCH-CORRADINI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272 111 ESPOSITO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 276 112 VIA DEL PENTAGRAMMA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 277 113 VIA DEL PARACADUTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278 36 DENTE DEL RIFUGIO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 282 114 WESTKANTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284 115 VARIANTE DELLA COMPAGNIA . . . . . . . . . . . . 284 116 VIA CHIARASTELLA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284 117 FESSURA FRANCESCHINI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284 118 VIA COL VENTO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284 119 VIA FRANCO SERANTINI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285 120 VIA LATTEA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285 37 PUNTA DELLA DISPERAZIONE . . . . . . . . 286 121 VIA GIULIANA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 122 TIMILLERO - SECCO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 123 TIMILLERO-THOMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 124 VIA DEI FRANCESI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290

SÜDLICHE KETTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220 27 CAMPANILE D'OSTIO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222 88 SÜDWESTKANTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224 28 PUNTA ELLEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226 89 VIA FRANCESCHINI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 228 90 SÜDOSTKANTE - VIA E. CASTIGLIONI . . . . . 228 91 SÜDOSTWAND “VIA DEI PEEGRINI” . . . . . . . 228 29 CIMA DEL CONTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 234 92 PRIGIONIERI DI BISANZIO . . . . . . . . . . . . . . . . . . .235 93 VIA CARLO MINAZIO (O DEI PADOVANI) . . 236 30 CIMA DEI LASTEI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238 94 PILASTRO DEI FINANZIERI . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239 95 VIA CHENET VITTORIO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 240 96 SIMON - WIESSNER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241 97 PERLA NERA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241 98 CAPPELLARI - LOTTO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242 31 CIMA DELLA FINESTRA . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246 99 VIA CORNELIO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246 32 CAMPANILE DEL CENTENARIO . . . . . . . 248 100 VIA DEL CENTENARIO . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248 101 VIA BANDUS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248

TEXTBEITRÄGE Mario Bonat - Die Geologie der Palagruppe . 18 Mirco Gasparetto - Von den Anfängen bis zum VI. Grad . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Renzo Corona - El Zimon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Flavio Piccinini - Radio Pala . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Cristiano Marinello - Cima Immink . . . . . . . . . 134 Mariano Lott - Cima della Madonna . . . . . . . . . 172 Narci Simion - Zwei Tage im Val Pradidali . . . 192 Flavio Piccinini - Klettern im Val Canali . . . . . 230 Giacomo "Sep" Corona - Ein besonderer Tag am Torre Dresda . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231 Tullio Simoni - Zum ersten Mal auf der Lastei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244 Luciano Gadenz - Cima del Coro . . . . . . . . . . . . 257 Donato Zagonel - Sass d'Ortiga . . . . . . . . . . . . . 268 Giampaolo Depaoli - Nordwestkante Castiglioni-Detassis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280 Roberto "Bob" Debortoli - Erinnerungen an eine Winterbegehung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281

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Blick von der Cima della Madonna auf die Westwand der Cima Canali (Š P. Sartori)

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04

Palagruppe > Nördliche Kette

CIMON DELLA PALA 3186 m Der formschöne Gipfel ist weithin sichtbar und dominiert mit seiner wuchtigen Gestalt das Landschaftsbild bei San Martino. Eine elegante, immer wieder von Stufen unterbrochene Kante charakterisiert die Erhebung von Nord nach Süd. Im Allgemeinen ist die Felsqualität zumindest an der Südseite gut bis sehr gut, hier findet man auch die schönsten Routen, die allerdings recht anspruchsvoll sind. In der Nordwand oberhalb des Travignolo-Gletschers verläuft die historische Linie der Erstbegeher, die brüchigen Fels aufweist und nicht mehr begangen wird. Der aktuelle Normalweg folgt der Gratlinie auf der Südseite. Der Cimon della Pala war einer der ersten Gipfel, der von der Seilschaft Edward Robson Whitwell, Santo Siorpaes und Christian Lauener als Ziel auserkoren und im Jahr 1870 erfolgreich bestiegen wurde. Die im Augenblick am meisten frequentierten Routen verlaufen durch die Süd-

westwand, erfordern aber durchweg alle recht viel Erfahrung und einen guten Orientierungssinn. NORMALWEG UND ABSTIEG Von der Rosetta-Hütte zum Bettega-Pass, dem Wanderweg 716 ins Val dei Cantoni folgen und weiter zur Biwakschachtel Fiamme Gialle. Dann in westlicher Richtung weiter, schräg links querend erreicht man auf Steigspuren einen kleinen Sattel. Entweder steigt man durch die folgende Rinne und zwängt sich durch die charakteristische Grotte “Bus del Gat” oder steigt links um die Rinne herum und gleich zu einem weiteren kleinen Sattel. Dort folgt man einem Fixseil, dann einer kurzen Verschneidung und der linken Kante zu einem Einschnitt. Links weiter, über einen Rücken und weiter zum Grat (teils heikle Passagen), der in nördlicher Richtung zu den berühmten rötlichen Gipfelfelsen führt (3 h).

Cimon della Pala, Marici

38


39


8 9 10

13

40


CIMON DELLA PALA

11

12

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p p

Via Andrich

p

III

V VI VI+ VI V+

p

pp

p

p

p

p pp p p

9 FIAMME GIALLE Rinaldo Zagonel, Carlo Platter, Danilo Busin, 1963 Länge: 650 m Schwierigkeit: In freier Kletterei bis VIII/VI+/A0 / R3/IV Zeitbedarf: 6-8 h Material: Ein Satz Friends, auf jeden Fall auch ein paar Normalhaken. Zustieg: Wie bei der vorherigen Route, der Einstieg befindet sich ca. 100 m vorher, am Beginn einer großen Rissverschneidung (2 h).

III

p

Palagruppe  Nördliche Pale Kette  di San Martino Catena Cimon della Pala

ausgesetzten Kante (2 SL, schwierige Stelle, wenige Nh). Gerade hoch (Nh) und über kleinen Überhänge und kompakte Platten bis zu leichterem Gelände am Beginn des Felssporns (2 SL, teils technische Kletterei, schwierig abzusichernde Passagen. Ab hier folgt man dann dem luftigen Nordwestgrat bis zum Gipfel.

Rinne

IV

IV V

gelbe Zone

VI+

p

pp p

graue Verschneidung

V+ p

p

p

p

p

gelbes Dach

V

pp q q

VI/A1

Kante Dach

qq qq

q

brüchige Passage

V+

pp

IV+ )(

V

Via L euch

p

s

gelbe Platten

Risskamin p

V

pp

V+

Kante

pp

Tolle Route in gutem Fels mit nur einer einzigen brüchigeren Passage in der Schlüsselstelle. Die logische Linie folgt einem Verschneidungssystem in der riesigen Westwand, rechts des überhängenden gelben Wandbereichs mit der Via Reali. Im unteren Teil (ca. 220 m) steigt man in der markanten Rissverschneidung (V, V+) höher, dann folgt eine schwarz-gelbe Wand (Schlüsselstelle VIII oder VII/A0), in der man schräg links weiter klettert zu einer weiteren Verschneidung, wo die Linie auf dann auf der rechten Seite durch besten Fels führt. Im oberen Teil quert man schräg links, steigt dann gerade hoch über Platten mit bester Felsqualität zu einem Kamin, der zu einem Band führt. Ab hier folgt leichteres Gelände bis zum Sattel, danach dann auf der Kante weiter bis zum Gipfel. Die Linie wurde zwar in technischer Kletterei eröffnet, ist aber mit entsprechendem Können auch frei kletterbar. Alle notwendigen Haken sind vor Ort.

p

)(

V q

p

IV+

9 Wandfuß

44


BECCO DEL CIMONE

9

45


23

Palagruppe > Zentrale Kette

SASS MAOR 2814 m Der wunderschöne, beeindruckende Gipfel zählt nicht zuletzt wegen seiner über eintausend Meter hohen Ostwand zu den bedeutendsten Berggestalten des gesamten Alpenraums. In dieser Ostwand, die schon seit jeher und für alle Bergsteiger als ehrgeiziges Ziel galt, wurde quasi Klettergeschichte geschrieben: In den 1930er Jahren war Emil Solleder hier zu Gange, in der Mitte der 60er Jahre erschlossen Samuele Scalet und Giancarlo Biasi die erste direkte Route, in den Achtzigern, der Ära der aufkommenden Freikletterei, entstanden “Supermatita” durch Manolo sowie eine unbekanntere Linie von Massarotto, die beide mit viel Ästhetik und ihrer Genialität bestechen. Die Nord- und Ostflanken des Sass Maor sind in alpinistischer Sicht wenig interessant. Über die Nordseite führt der Normalweg zu einer Scharte und einen tiefen Kamin, der in Richtung Südsüdosten weist, mit einem kurzen Aufschwung endet und Sass Maor und Cima della Madonna voneinander trennt. Die Felsqualität ist in den grauen Bereichen fast immer sehr gut, aber die gelben Felszonen sind oft brüchig, weshalb hier Vorsicht angebracht ist.

NORMALWEG UND ABSTIEG Vom Rifugio del Velo folgt man dem Wanderweg Richtung Cima della Stange (in Richtung “ Sentiero del Cacciatore”) und verlässt den Weg etwa in Falllinie der großen Rinne zwischen Cima della Madonna links und Sass Maor rechts. Jetzt steigt man zur Rinne auf, erreicht einen ersten Aufschwung (20 Min. von der Hütte), klettert über diesen hinweg (IV, 25 m, Abseilring für den Abstieg) und folgt dem Rinnenverlauf mit diversen Aufschwüngen (Stellen III). Steigspuren führen schließlich nach links zu einer Scharte, hier ist die Abzweigung zum großen Geröllband, das zu den Einstiegen von “Via dei Piazaroi”, “Spigolo Kahn”, “Via delle Guide” und “Via per Ricky” an der Cima della Madonna führt. Rechts in der Rinne weiter, nach einem kleinen Aufschwung (Abseilring) erreicht man die Scharte zwischen den beiden Gipfeln. Über kleine Wände rechts empor (III+, Abseilring, 45 m) zu einem kleinen Sattel. Schräg links (II, III) weiter, um die Nordkante herum und zu einem Sattel unterhalb der Gipfelwand aufsteigen (Sicherungs- und Abseilring, von hier ist das Rifugio Pradidali zu sehen). Jetzt entlang eines Risses zuerst nach links, dann gerade hoch zum Gipfel (III+, Stellen IV, 2 Mal 30 m Abseilen an Ringen; ca. 3 h für den Aufstieg und 2 h für den Abstieg).

Die beeindruckende Ostwand des Sass Maor

174


SASS MAOR

175


Sehr schöne Route mit durchweg bester Felsqualität (die Erstbegeher benutzten nur Sanduhrschlingen zur Absicherung). Sie führt über die grauen Plattenwand links der gelben Felsen mit der „Via Scalet-Biasin“ und endet auf dem rundlichen Pfeiler der „Via Castiglioni“. Von hier steigt man über leichten Fels (I, II) bis zum Gipfel auf.

40m

IV 50m

VI/VI+

)(

)(

gelbe Zone

50m

VI/V iglioni

)(

40m

Via Cast

Palagruppe  Pale Zentrale di SanKette  Martino Catena Sass Maor

68 SCHERZI D’ESTATE Renzo Corona, Alfredo Bertinelli, 1988 Länge: 500 m (+250 m vom Ende des Pfeilers bis zum Gipfel) Schwierigkeit: VI+/R3/III Zeitbedarf: 6-8 h Material: Nur wenige Absicherungen vorhanden, aber genügend Möglichkeiten für Sanduhrschlingen oder mittlere Friends. Die letzte Seillänge ab dem Einschnitt mit der „Via Castiglioni“ führt schräg links auf den gelben Pfeiler (Schlingen). Zustieg: Vom Val Canali auf dem (teils gesicherten) “Cacciatore”-Steig bis zu der Stelle, wo dieser nach links zu den Wiesen abzweigt, bald danach quert man auf Pfadspuren rechts zum charakteristischen schrägen Felsband (“Banca Orba”), das die Ostwand des Sass Maor in der Mitte teilt. (Vom Rifugio del Velo: in Richtung zur Cima della Stanga, dann auf dem Sentiero del Cacciatore absteigen bis der Weg über Grashänge zur Wand des Sass Maor quert, dann vor einem Felsaufschwung links zum Felsband traversieren). Danach auf einem Felsband weiter (Stellen II) zu einem Grassattel. Der Einstieg liegt auf der linken Seite, am Beginn der grauen Platte, in Falllinie eines kleinen Risses. (2 h Val Canali, 1.30 h Rif. Velo)

V

)(

40m

V+ 50m

exponierte Stelle

VI/VI)(

)(

50m

lled So Via

45m

er

V+

V+/IV+ 40m

V+/VI

Sass Maor, Ivo Ferrari in der Scherzi d'estate

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Grassattel

)(

"Banca orba" )(

68


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178 Palagruppe  Marmolada Zentrale Parete Kette  Sud Seràauta Sass Maor

SASS MAOR

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68

69

70

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SASS MAOR

68 69

71

70

72

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Pala del Rifugio

Nordwestkante Castiglioni-Detassis von Giampaolo Depaoli (Bergführer) Val Canali, Ende Mai 1958. Mein Seilpartner und ich, damals beide gerade mal 17 Jahre alt, wollten die Nordwestkante ("Castiglioni Destassis”) an der Pala del Rifugio klettern. Aufmerksam hatte ich vorab die Routenbeschreibung gelesen und die wichtigsten Passagen sicherheitshalber auf einem Zettel notiert. Es dauerte anschließend nicht mehr lange, bis wir uns auf Tour begaben. Schnell waren wir am Beginn des großen Kamins, fanden die zwei beschriebenen Normalhaken und machten Stand. Ich kletterte weiter und, gleich nach ein paar Metern, entdeckte ich schon einen weiteren Haken, etwas ungewöhnlicher und in Form eines "U". Ich kontrollierte ihn, er war gut gesetzt, der untere schien mir also unnütz. "Soll ich ihn mitnehmen?" fragte ich mich. Damals waren Felshaken noch ganz schön teuer, und wir waren nicht gerade reich. Uns blieb eigentlich fast nichts anderes übrig, als solche "Geschenke" anzunehmen. Also landete der untere Haken umgehend an meinem Gurt. Wir Giampaolo Depaoli

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kletterten die Route zu Ende und waren nach einem wunderschönen Tag richtig glücklich und zufrieden, als wir am Nachmittag ins Tal zurückkehrten. Mein Seilpartner fuhr mit seinem Motorrad gleich nach Hause. Ich traf noch ein paar Freunde in Fiera, wo wir uns üblicherweise einfanden und uns unsere sonntäglichen Erlebnisse erzählten. Stolz zeigte ich allen den Haken, den ich mitgenommen hatte. Ein paar Jungs aus Feltre waren dabei und fragten mich gleich, wo ich ihn denn "gefunden" hätte. Meine Antwort brachte mir von allen Seiten große Vorwürfe: Von den Erstbegehern wurde er dort gesetzt und müsse deswegen auch dort bleiben! Seit jenem Tag habe ich mir nie wieder erlaubt, irgendeinen Haken zu entfernen, außer er war unsicher und es war möglich, ganz in der Nähe einen besseren einzuschlagen!

Roberto Debortoli


Pala del Rifugio

ErinnerungenvonanRobertoeine Winterbegehung "Bob" Debortoli So um die Mitte der 70er Jahre fing ich zusammen mit meinen Freunden Diego Dalla Rosa und Aldo “Busolot” mit dem Klettern an. Ich weiß nicht mehr genau, ob Diego und ich ein oder zwei Jahre später beschlossen, eine Winterbegehung der „Frisch-Corradini“ in der NO-Wand der Pala del Rifugio zu machen. An einem Dezembertag starteten wir vom Val Canali aus, das zu meiner zweiten Heimat geworden war. Unser Aufstieg endete schon in der ersten SeilLänge: Ich hatte fast schon den Standplatz erreicht, ein schmaler Riss war komplett vereist und zwang mich zu einer heiklen Passage nach rechts, die fast nur auf Reibung zu klettern war. Der einzige winzige Griff in dieser Stelle brach aus, ich hatte kaum Zeit, Diego zu warnen und schon flog ich ab. Die letzte Absicherung an einem Felsvorsprung war knapp fünfzehn Meter unter mir und ich landete nach über dreißig Metern auf einer kleinen Terrasse unterhalb von Diego, den ich nur um wenig verfehlt hatte. Durch den Aufprall hatten sich sogar die Sohlen von meinen Stiefeln gelöst, aber ernsthafte Verletzungen zog ich mir glücklicherweise nicht zu. Die folgenden Tage rieb ich meine Füße mit Schmerzgel ein, bevor ich mich in meinen Schlafsack auf den Balkon legte. Ich war damals der Meinung, dass das ein gutes Training für lange und kalte Biwaknächte in der Wand war. Als die Prellungen an den Füßen verschwunden waren, wollte ich vor einem weiteren Versuch erst einmal meine psychische und physische Verfassung testen. Es war schon Februar, als ich alleine ins Val Canali zurückkehrte und dort problemlos den „Franceschini“- Riss am Dente della Pala klettern konnte. Deshalb zogen Diego und ich schon eine Woche darauf wieder los und erreichten am frühen Morgen den Wandfuß, wo noch viel Schnee lag. Die erste Seillänge gelang diesmal gut, mit dem letzten Tageslicht erreichten wir ohne weitere Schwierigkeiten den vorgesehenen Biwakplatz unter einem Felsvorsprung. Der Platz war sehr unbequem und wir freuten uns auf eine heiße Tasse Tee. Ich wollte dazu den kleinen Gaskocher anzündete, aber der ging sofort komplett in Flammen auf! Mit Glück gelang es mir, ihn wegzustoßen. Er verschwand ihn der Tiefe, mit ihm aber leider auch mein einziges Paar Handschuhe... Als es endlich wieder heller wurde (wir hatten keinen Biwaksack,

geschweige denn einen Schlafsack dabei), machten wir uns sofort an den weiteren Aufstieg. Als wir am späten Nachmittag schließlich den Gipfel erreichten, begann es zu schneien. Damals war die Abseilpiste noch nicht eingerichtet, deshalb stiegen wir, nicht ohne Probleme, bis zur Scharte am Sass d'Ortiga auf dem Normalweg ab. Auf einem schmalen Sims rutschte ich dann plötzlich auf einer Eisplatte aus, irgendwie konnte ich aber gerade noch das Gleichgewicht halten. Wir waren nicht angeseilt, und Steigeisen besaßen wir beide nicht. Diego, der etwas weiter oben stand, gelang es, mir ein Seilende zuzuwerfen, an dem ich mich festhielt und bis zum Simsende weiter ging. Von der Scharte mussten wir durch eine steile Rinne mit viel Schnee und Eis weiter abseilen, es war stockdunkel und schneite immer noch. Kurz dachten wir daran, nochmals zu biwakieren, aber dann machten wir uns doch an den Weiterweg, denn wir waren schon zu sehr durchnässt, um eine weitere Nacht überstehen zu wollen oder können. Bald wussten wir nicht mehr, wo wir eigentlich waren, geschweige denn, wie viele Abseilmeter noch vor uns lagen. Wir seilten vier (oder fünf?) Mal über eine Länge von 40 Metern ab, dann blieb ich am Stand und Diego machte weiter. Eine lange Zeit verging, in der die Seile immer unter Spannung blieben. Ich rief nach Diego, bekam aber keine Antwort. Dann endlich spürte ich, wie sich die Seile entspannten und auch ich konnte abseilen. Als ich aber die Seilenden fast erreicht hatte, hing ich noch mitten in einem kleinen Überhang. Endlich vernahm ich Diegos Stimme: "Nimm eines der Seilenden in die Hand und lass dich fallen, du bist so gut wie unten". Ich tat, was er mir sagte und lag gleich darauf neben ihm, in tiefem Schnee und auf einem breiten Band. Das Schwierigste lag endlich hinter uns! Wir stiegen weiter ab zur Hütte, immer wieder musste ich an die letzte Abseilfahrt denken. Mir war nicht klar, wie Diego es geschafft hatte, das Band zu erreichen, wo doch die Seile fast drei Meter darüber endeten, noch mitten im Überhang. Wegen der Dunkelheit konnte er doch nicht sehen, ob er noch drei oder doch dreißig Meter Luft unter den Füßen hatte. "Ich hab mich halt festgehalten, solange ich konnte. Dann habe ich losgelassen ... es blieb ja nichts anderes übrig", antwortete er auf meine Frage.

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Palagruppe > Südliche Kette

DENTE DEL RIFUGIO 2050 m Der elegante, dreieckförmige Felsturm liegt gleich oberhalb der Treviso-Hütte, nicht weit entfernt von der Südwestwand der Pala del Rifugio. Viele Anstiege in unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden führen auf den Gipfel, diese Tatsache sowie die Nähe zur Hütte und die nicht sehr hohe Wand bieten eine sehr gute Möglichkeit, sich mit den Besonderheiten der Dolomitenkletterei vertraut zu machen. NORMALWEG Gabriele Franceschini, 1944 Von der Treviso-Hütte auf dem Wanderweg 720 in Richtung Forcella delle Mughe, etwa in Höhe des markanten Gendarmen im Dente-Gipfelgrat verlässt man den Weg und steigt zum Wandfuß auf. Auf der rechten Seite der SW-Wand in einer Kaminrinne ohne größere Schwierigkeiten em-

por, bis ein Klemmblock zum Ausweichen in die rechte Wandseite zwingt (IV, 1 Nh). In bald leichterem Gelände weiter, an einem Felsblock vorbei und bis zur Scharte. Den Gendarm umgeht man auf der Nordseite und folgt Pfadspuren bis zum Gipfel (1 h 40 min - 2 h). ABSTIEG Vom Gipfel über den rundlichen Grat zum großen Felsgendarmen, diesen umgeht man auf der Nordseite, steigt dann unter einem Felsblock vorbei und trifft auf den ersten Abseilstand (Kette mit Ring). Hier seilt man 2 mal 25 m ab bis zum Wandfuß, quert das Kar und erreicht den Wanderweg 720, der zur Treviso-Hütte führt (1 h).

Dente del Rifugio, Fessura Franceschini

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DENTE DEL RIFUGIO

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