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ALBERTO MARTINELLI

MOUNTAINBIKEN

ADAMELLO

46 Touren zwischen Val Camonica und Val di Sole

EDIZIONI VERSANTE SUD | COLLANA LUOGHI VERTICALI | MTB


Erstausgabe Mai 2018 ISBN 978 88 98609 949 Copyright © 2018 VERSANTE SUD S.r.l. Milano via Longhi, 10, tel. 027490163 www.versantesud.it Ale Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, der elektronischen Speicherung, der Vervielfältigung und der teilweisen öder gänzlichen Bearbeitung.

Umschlagfoto

Unser Autor auf einem Singletrail, im Hintergrund die Gruppe des Adamello (© Paolo Sartori)

Texte

Alberto Martinelli

Foto

Alberto Martinelli, Enrico Bianchi, Paolo Sartori und alle anderen, die tolle Fotos beigesteuert haben

Übersetzung ins Deutsche Ursula Oberrauch Zeichnungen/Topos

Tommaso Bacciocchi. © Mapbox, © Open Street Map

Symbole

Tommaso Bacciocchi

Layout

Chiara Benedetto, Mirko Mottin

Druck

Monotipia Cremonese snc (CR)

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Von Autoren, die das MTB in dieser Gegend leben und dessen Entwicklung vorantreiben

Ein „hausgemachter“ MTB-Führer!

Was heißt das? Gesünder und mehr Inhalt, weil gemacht von lokalen Bikern. Genauso wie die Bio–Tomaten vom Bauern nebenan? Richtig! Unverfälscht und hausgemacht. Lokale Autoren können nur von Vorteil sein für jeden Bikeliebhaber: - Sie haben die neusten Informationen. - Sie konzentrieren sich nicht nur auf die bekanntesten Spots. - Sie investieren den Erlös in neue Strecken. Lokale Autoren können nur von Vorteil sein für das Gebiet: - Sie veröffentlichen nur das, was auch veröffentlicht werden darf. - Sie unterstützen die einzelnen Ortschaften. - Sie stehen in enger Verbindung mit der lokalen Realität. Und zum Schluss das Wichtigste: auf ihren Wegen, liegt stets ein Stückchen ihres Herzens.

HINWEIS Mountenbiken ist ein potenziell gefährlicher Sport und geschieht immer auf eigene Gefahr. Alle Hinweise in diesem Führer beruhen auf Informationen, die zum Zeitpunkt der Druck- legung aktuell waren. Es wird empfohlen sich vor jeder Tour über den aktuellen Stand zu informieren.


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Von Autoren, die das MTB in dieser Gegend leben und dessen Entwicklung vorantreiben

Alberto Martinelli

MOUNTAINBIKEN ADAMELLO 46 Touren zwischen Val Camonica und Val di Sole

EDIZIONI VERSANTE SUD


Vorwort Ich bin in der Gegend Brianza (Lombardei) geboren und habe dort bis zum Schulabschluss gelebt. Meine ersten Erfahrungen mit dem MTB machte ich als 15jähriger in den heimischen Wäldern, gemeinsam mit Matteo Tuffariello, dem Vater eines Freundes. Fasziniert von der Welt des Sportkletterns, vernachlässigte ich schließlich das Rad und lernte auf diese Weise die Berge und die Aktivitäten, die in diesem Ambiente möglich sind, kennen. Gegen Ende meiner Schullaufbahn war ich sehr unsicher, ob ich eine Karriere an der Universität einschlagen sollte, aber mit der Unterstützung meiner Eltern entschied ich mich schließlich für einen besonderen Studiengang und zog nach Edolo, um an der Università della Montagna (Außenstelle der Universität von 

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Mailand) Agrarwissenschaften zu studieren. Dadurch konnte ich weiterhin in den geliebten Bergen bleiben und meine sportlichen Leidenschaften, darunter auch das MTB, ausleben. Dank dieser Berge und den Abfahrten, die die Gegend des Adamello bietet, habe ich in den ersten zwei Jahren an der Uni wieder mit dem Biken angefangen und konnte so die traumhaften Landschaften um mich herum besser kennenlernen. Im dritten Jahr kam mir die Idee, die besten Strecken festzuhalten und so vielen Personen wie möglich zur Verfügung zu stellen, vor allem, um diese fantastische Gegend mit ihrer noch unberührten Natur ein Stück weit bekannter zu machen.

In der Nähe der Bozzi Hütte in der Conca del Montorso, aus dem Viso Tal kommend.

Alberto Martinelli


Danksagung Von ganzem Herzen danke ich allen, die mich bei der Realisierung dieses Buches unterstützt haben. Ein besonderer Dank geht dabei an Arianna Carlotti, Andrea Carlotti und Antonio Bianchi, die mir mit tolle Ideen, Ratschlägen und Material für die Suche und Planung zahlreicher Strecken geholfen haben. Ein großes Dankeschön geht auch an Enrico Bianchi für die vielen Fotos und Ratschläge bei der Arbeit.

Nicht fehlen dürfen hier meine Freunde von der Uni und alle, denen ich bei meinen Ausflügen begegnet bin und die mit ihren Tipps dazu beigetragen haben, die vielen Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Last but not least, Giovanna Piloni, die Wirtin der Bar Sport, die mich morgens stets mit der richtigen Portion Energie für einen intensiven Biketag versorgte.

Blick in Cortebona auf das Hochtal von Canè

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Inhaltsverzeichnis Karte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Technische Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

So kommt man ins Val Camonica . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Wegbeschreibung und Legende . . . . . . . . . . . . . . . . 20

EDOLO 01. Edolo, Incudine, San Brizio, Edolo . . . . . . . . . . . . 26 02. Vico . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30

TEMÙ Val d’Avio 19. Laghi d’Avio . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102

Monte Colmo 03. Colmo 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 04. Colmo 2 Malga Stain . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 05. Impianto idroelettrico . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Die Energie des Wassers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

PONTE DI LEGNO 20. Petitpierre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 Der Gavia Pass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 21. Ciclabile Val Sozzine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110

Oasi Mola-Toricla 06. Mola1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 07. Mola2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 08. Mola3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 09. Toricla . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Faeto-Piz Tri 10. Faeto . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 11. Piz Tri . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 MONNO Mortirolo 12. Pianaccio . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 13. Pagano . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 INCUDINE 14. Sant’Anna . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 VEZZA D’OGLIO Val Paghera 15. Paghera . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 Val Grande 16. Bivacco S. Occhi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 CANÈ Val Canè 17. Canè 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Nationalpark Stilfser Joch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 18. Canè 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98

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Valle delle Messi 22. Rifugio Valmalza . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 23. Lago Nero . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Valle di Viso 24. Rifugio Bozzi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 25. Tonalina . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 TONALE PASS 26. Valbiolo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Der Gebirgskrieg. Der Sektor Adamello-Presanella . . . . . . . . . . . . . . . . 135 27. Laghetto Bleis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 28. Alveo Presena . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 29. Vescasa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144 VERMIGLIO 30. Single Track del Dosso . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 31. Giro del Dosso . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 Val di Sole . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 32. Tour dei Forti . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 CORTENEDOLO Val di Guspessa 33. Guspessa e Passo di Guspessa . . . . . . . . . . . . . . . 162 CORTENO GOLGI 34. Galleno . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166


Valli di Sant’Antonio 35. Brandet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170 Naturreservat Valli di Sant’Antonio . . . . . . . . . . . . . 173 36. Campovecchio . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174

BERZO DEMO 42. Piz Olda . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198 GREVO 43. Dosso di Grevo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202

APRICA Piani di Gembro 37. Gembro Trail . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .178 RINO 38. Loa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182

CAPO DI PONTE 44. Rifugio Colombè . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .206 Das Tal der Zeichen Parco nazionale delle incisioni rupestri . . . . . . . 209 45. Preistorico . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210

Val Malga 39. Premassone . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186

BRAONE 46. Auf den Wegen von Braone . . . . . . . . . . . . . . . . . 214

FORNO ALLIONE Val Paisco 40. Vivione . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190

Zusammenfassung der Touren . . . . . . . . . . . . . . . . . 218

SAVIORE DELL’ADAMELLO Val di Salarno 41. Laghi di Salarno . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194

Fucine 31

Sondalo 22 23 24

Lago di Poschiavo

17 18

14 12 13

Tirano te i C o r 36 Val d

27 26 28

19

Lago d’Avio Lago Benedetto

1-11

33

34 35

T. Ogliolo

38

M. Adamello

39

Lago Baitone

F. O glio

 3539

Malonno

40

42

Lago di Salarno 41

Lago di Bissina

ica

Aprica

no

29

Edolo

Val Ca mon

37

SS42

32

Passo del Tonale

25

20 21 15 16

SS39

Ponte di Legno

30

43 44 45 46

Breno SS42

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Einleitung Ein bisschen Geschichte Die Geschichte des Tals Valle Camonica ist lang. Sie beginnt mit der letzten Eiszeit und zahlreiche Felsgravuren zeugen auch heute noch von der frühen Besiedelung dieser Gegend. Die ältesten dieser Felsgravuren gehen auf die Epoche des Jungpaläolithikums zurück. In der Antike fiel das Tal während der Augusteischen Alpenfeldzüge unter Führung des römischen Kaisers Augustus in die Hände des Römischen Reiches. Im Mittelalter hält das Christentum Einzug ins Tal, vom 6. bis zum 8. Jh. herrschten die Langobarden, danach die Karolinger (8. - 9. Jh.) und im Jahr 887 bestätigt ein Dokument von Karl III. das Besitzrecht von Otto, einem Abt aus Tours, über verschiedene Ländereien, zu denen auch das Valle Camonica gehört: “atque vallem Caumoniam cum omnibus rebus ad easdem pertinentibus”. Während des Heiligen Römischen Reiches räumt Kaiser Friedriche Barbarossa dem Valle Camonica weitgehende Privilegien ein und behandelt es als eigenständige, homogene und von dem Gebiet Brescias unabhängige Region. Gegen Ende des Mittelalters steht das Tal unter der Herrschaft der Visconti (1337-1428), mit der Neuzeit übernimmt dann Venedig die Macht im Tal (1428-1797). Nach dem Fall des Königreichs Italien (1814) übernehmen die Österreicher die Herrschaft über das Camonica Tal und die komplette Region LombardeiVenetien. Das Tal gehörte fortan zur Provinz Bergamo, erst mit der Gründung des neuen Königreiches (Regno d’Italia) wurde es der Provinz Brescia zugeschrieben. Durch die Nähe zur österreichischen Grenze, die entlang dem Adamello-Massiv bis zum Gardasee verlief, war die Region besonders der Gefahr von Invasionen ausgesetzt. Während des dritten Unabhängigkeitskrieges stießen die Österreicher bis nach Vezza d’Oglio vor, die Italiener zwangen sie jedoch dazu, sich bis zum Tonale zurückzuziehen. Im Ersten Weltkrieg, zwischen 1915 und 1918, war das Tal Schauplatz des sogenannten Gebirgskrieges (ital.: guerra bianca - weißer Krieg), bei dem sich die italienischen Alpini erbitterte Kämpfe mit dem österreichisch-ungarischen Heer lieferten. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945), zwischen dem Waffenstill-

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stand vom 8. September 1943 und Kriegsende 1945, war das Tal Basis verschiedener Partisanengruppen. Das Valle Camonica gehört mit einer Länge von ca. 90 km auch heute noch zu den größten Tälern der zentralen Alpen. Es beginnt bei Pisogne am Iseo See und verläuft nach Norden bis hinauf zum Tonale Pass auf einer Höhe von 1880 m. Fast das komplette Tal unterliegt der Verwaltung durch die Provinz Brescia, ausgeschlossen sind lediglich die Gemeinden von Lovere, Rogno, Costa Volpino und das Tal Val di Scalve, die zur Provinz von Bergamo gehören. Außerdem hat das Valle Camonica zahlreiche Seitentäler, die wichtigsten sind das Valle di Corteno, das Val Paisco, das Valle di Saviore, das Val Grigna und das Valle di Scalve. In Ponte di Legno entspringt der Fluss Oglio, der dann durch das ganze Tal bergab bis in den Sebino zwischen Pisogne und Costa Volpino fließt. In Sarnico zweigt er wieder ab und mündet schließlich in den Fluss Po. Auf der westlichen Seite des Oglio erheben sich die Orobischen Alpen, die überwiegend aus Kalkstein bestehen. Auf der Ostseite dagegen überwiegen die Granitfelsen der Gebirgsgruppe des Adamello. Geologie und Geomorphologie «Von Nahem betrachtet erscheinen sie wie Klippen aus Eis, von Weitem sind es jedoch erhabene Berge, deren hohe Wände zwischen zwei Gletschern bis zu den wilden Tälern an ihrem Fuße abfallen...» Douglas William Freshfield (1845 – 1934), “Italian Alps” 1865. Gemäß der IVOEA (Internationale vereinheitlichte orographische Einteilung der Alpen) bilden die Adamello-Gruppe und die Presanella-Gruppe eine Supergruppe, die zu den südlichen Rätischen Alpen gehört. Sie ist umgeben im Westen vom mittleren Camonica Tal, im Norden vom hohen Camonica Tal und vom Val die Sole, die am Tonale Pass (1880 m) zusammenlaufen. Das Val Rendena und die Giudicarie Täler trennen die Gruppe von den Dolomiti die Brenta und ein paar kleinere Tälere bilden die Trennlinie zu den Voralpen Brescias (Prealpi Bresciani, sie laufen mit der Supergruppe am Pass Croce Domini, 1982 m, zusammen). Der Adamello ist ein einziger Block aus Magmagestein, das sich vor 40 Millionen


an der Erdoberfläche zu Granitähnlichen Felsen verfestigt hat (Granodiorite und Tonalite). Die ersten bildeten den Kern des Massivs, danach entstand die Gruppe des Baitone und die südliche Gruppe. Die am häufigsten auftretenden Mineralien sind Quarze, Feldspat und Hornblende. Die Gletscher des Adamello gehören zu den größten Gletschern der ganzen Alpenregion, der Pian di neve (18 km2 Oberfläche in einer Höhenlage zwischen 3100 und 3400 m) und der Gletscher des Madrone bilden zusammen den größten Gletscher der italienischen Alpen. Obwohl die Gletscher oberhalb der 3000 m liegen, ist auch hier die Eismasse bereits stark zurückgegangen. Das liegt an den hohen Temperaturen im Sommer, aber auch daran, dass im Herbst und Winter immer weniger Schnee liegenbleibt. In den Teilen der Lombardei und des Trentino gibt es weitere Gletscher, sie sind jedoch weitaus kleiner.

Die wichtigsten Gipfel Gipfel

Höhe

Provinz

Adamello

3539 m

BS/TN

Carè Alto

3462 m

TN

Dosson di Genova

3441 m

BS/TN

Monte Fumo

3418 m

BS/TN

Corno di Cavento

3406 m

TN

Corno Miller

3373 m

BS

Crozzon di Lares

3354 m

TN

Corno Baitone

3331 m

BS

Monte Mandrone

3281 m

BS/TN

Lobbia Alta

3196 m

TN

Monte Frisozzo

2897 m

BS

Monte Re di Castello

2889 m

BS/TN

Cornone di Blumone

2843 m

BS

Monte Tredenus

2796 m

BS

Monte Frerone

2673 m

BS

Pizzo Badile Camuno

2435 m

BS

Danglo

9


Einleitung 

Fauna In der Talsohle und in den Laub- und Nadelwäldern leben: der nachtaktive und fleischfressende Dachs; der Steinmarder, der meist in der Nähe von Feldern und Brachland unterwegs ist; der Baummarder, der in den Wäldern seine Runden dreht; und das Wiesel, das ebenfalls in den Wäldern zu Hause ist. Auf einer Höhe von ca. 1500 m ist der Igel weit verbreitet, vor allem in den Laubwäldern und am Rand von Lichtungen. Zwischen 500 und 2000 Metern Höhe trifft man ganz leicht auf Eichhörnchen, die vor allem durch die Bäume der Laub- und Nadelwälder springen. Der Fuchs ist allgegenwärtig und lebt in der dichten Vegetation zwischen 500 und 2000 Metern Höhe, ein ideales Habitat, um gut versteckte Höhlen zu bauen. Auf einer Höhe zwischen 500 und 1800 m lebt der Hirsch und auch Rehe bekommt man mit ein bisschen Glück zu sehen. Hasen leben meist zwischen Talsohle und 1500 m 

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Die verschneiten Wiesen des Montirolo

Höhe, auf Wiesen und in den Laubwäldern. Auf den höher gelegenen Wiesen und in den Geröllfeldern tummeln sich Hermeline und Murmeltiere (1800 - 2300 m). Oberhalb der Baumgrenze kann man Gämsen und Steinböcke bei ihren Kletterkünsten auf den Felsen beobachten. Die Gämse ist nicht nur kleiner als der Steinbock, sondern sie unterscheidet sich von ihm auch durch das Geweih, sowohl Männchen als auch Weibchen haben kleine hakenförmige Hörner, die ihnen zur Verteidigung dienen. Auch die Vogelwelt ist im Gebiet des Parks sehr vielfältig vertreten. Charakteristisch für diese Gegend sind der Grünspecht, der Buntspecht und der etwas seltenere Schwarzspecht, dessen Präsenz stark an das Vorhandensein von alten, verfallenden Baumstämmen gebunden ist. In den Wäldern mit hochgewachsenen Lärchen lebt der Raufußkauz, aber es gibt noch weitere nachtaktive Vögel wie den Sperlingskauz, den Waldkauz und


die Waldohreule, die Mischwälder und Lichtungen vorzieht. Zu den tagaktiven Raubvögeln gehören der Wespenbussard, der Sperber, der Mäusebussard und der Turmfalke. In höheren Lagen lebt das Alpenschneehuhn. Genauso wie Hermelin und Schneehase, die im Winter ganz weiß sind, hat auch das Alpenschneehuhn in den Wintermonaten ein weißes Gefieder. Das weiße Gefieder ist in dem winterlichen Ambiente, am Rande der ständigen Firnfelder auf einer Höhe zwischen 2300 und 2800 m eine ideale Tarnung. Auf den Felsvorsprüngen bauen der Steinadler und die Alpendohle ihre Nester. Der Steinadler ernährt sich im Sommer vor allem von Murmeltieren, jungen Huftieren, Igeln, Füchsen, Rabenvögeln und Sperlingsvögeln. Im Winter und Frühling ernährt er sich von den Überresten der durch Lawinen ums Leben gekommenen Pflanzenfresser. In den Flüssen lebt die Bachforelle, zudem gibt es noch weitere, nicht heimische Forellenarten wie die marmorierte Forelle und die Regebogenforelle. Au

ßerdem lebt in den Gewässern des Parks die Groppe, sie teilt sich den Lebensraum mit der Bachforelle, lebt aber auch in niedrigeren Lagen. Flora und Biodiversität Das Territorium, durch das uns unsere Touren führen erreicht Höhen bis zu 3000 m, das Klima zwischen den niedrigeren und den höheren Lagen kann erheblich variieren, was natürlich auch einen großen Einfluss auf die verschiedenen Ökosysteme des Parks hat. Im Val Camonica wachsen Kastanien, Pappeln, Erlen, Ahorn, Haselnussbäume, Hainbuchen, Eschen, Birken, Weiden und Eichen. Zudem wird hier Landwirtschaft betrieben und Obst angebaut. Im Naturpark des Adamello ist die Buche weit verbreitet, das liegt daran, dass früher das Buchenholz sehr wichtig für die lokale Wirtschaft war. Oberhalb der 1000 m, bis zur Baumgrenze (ca. 1900 m), rollen wir durch weitläufige Nadelwälder, dabei ist die Rotfichte die hier am häufigsten vorkom-

Abfahrt vom Monte Pagano

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Einleitung 

mende Fichtenart. Im Unterholz wachsen Heidelbeeren und Steinbrech. Weniger häufig stoßen wir auf Weißtannen und weiter oben rollen wir durch traumhafte Lärchenwälder. Zwischen 1900 und 2300 Metern beherrschen die Sträucher und Büsche das Landschaftsbild. Hier stoßen wir auf Latschenkiefern, Grünerlen, Heidekraut und Wacholder. Etwas seltener kommt die Zwirbelkiefer vor, sie wächst auch noch auf einer Höhe von 2300 m. Jenseits der 2200 m stoßen wir auf weitläufige Bergwiesen. Auf den sonnigen Hängen sind die Grasarten Festuca scabriculmis, Potentilla aurea (Gold-Fingerkraut) und Carex sempervirens (HorstSegge) heimisch. Auf und um die Weideflächen trifft man auf Borstgras (Nardus stricta), Rasen-Schmiele (Deschampsia caespitosa), Kalk-Blaugras (Sesleria coerulea) und Horst-Segge (Carex sempervirens). Am Rand der Schneefelder wechseln sich sumpfige Abschnitte mit Geröll und Felsen ab.

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Trail in Ponte di Legno

Gastronomie Das Valle Camonica hat viele typische und sehr leckere Köstlichkeiten zu bieten. Zu den „berühmtesten“ gehören: Casoncelli (Ravioli), Gnòc dè schelt (Gnocchi aus Kastanienmehl), Gnòc dè la cua (Gnocchi mit Kräutern), Cap`z (gefüllte Wirsingrollen, in Soße gekocht), Cuz (Schaffleisch im eigenen Fett gekocht). Zu den typischen Süßspeisen gehören die Caldarroste (Kastanien), die Spongada (gezuckerte Focaccia), Tùrta dè hànc (Kuchen aus Schweinsblut und Milch, Butter, Semmelbröseln und Käse). Die wichtigsten Käsesorten des Val Camonica sind Rosa Camuna, der Silter DOP und der Fatulì. Weniger bekannt, aber mindestens genauso gut (unbedingt probieren) sind der Casatta di Corteno Golgi, der Casolet und der mascherpa (Ricotta). Der Weinanbau im Val Camonica beansprucht heute ca. 150 Hektar und stellt einen wichtigen Anteil der italienischen Weinwirtschaft dar. Dabei kann man das Tal in drei Hauptzonen mit verschiedenen, besonderen klimatischen Eigenschaften einteilen:


Das untere Valle Camonica mit den charakteristischen Weinterrassen cer Gemeinden Piancogno und Darfo Boario Terme Das mittlere Tal mit den Gemeinden Bienno, Berzo Inferiore, Esine und Cividate. Das hohe/mittlere Tal zwischen Breno und Sellero. Die am meisten angebauten Weinsorten sind im Moment Marzemino und Merlot. Außerdem werden, wenn auch in geringerem Ausmaß, heimische Sorten und weitere Sorten wie Barbera, Rebo und Nebbiolo angebaut. Der Geschmack des Weins ist charakteristisch für das Mikroklima der jeweiligen Anbauzone. Auch Weißwein wird hier hergestellt, die wichtigsten Sorten sind Müller, Manzoni und Riesling Renano. Der Muller stammt von den Terrassen im unteren/mittleren Tal, der Manzoni und der Riesling Renano dagegen kommen aus dem hohen/ mittleren Tal und aus dem Gebiet des Sees Lago Moro. Genauso wie der Rotwein, spiegelt sich auch im Geschmack des Weißweins das typische Mikroklima der jeweiligen Anbaufläche wieder. Die Weine kennzeichnen sich durch eine besondere Frische 

aus, die auf das eher frische Klima mit markanten Temperaturunterschieden zurückzuführen ist. Am 2. Oktober 2003 wurde dem Valle Camonica die italienische Weinqualitätsstufe IGT (Indicazione Geografica Tipica) anerkannt. Im gleichen Jahr entstand das Konsortium zum Schutz der Weine des Vale Camonica, heute gehören neun Weingüter zu dem Konsortium. Für die Weinliebhaber unter den Mountainbikern gibt es hier eine Liste der wichtigsten Weine des Tals. Rotweine Valcamonica Rosso IGT: Cultivar Delle Volte Valcamonica Rosso IGT; Merlot, Marzemino und Barbera Cultivar delle Volte Valcamonica Rosso IGT Collezione Fenocolo; Merlot, Marzemino und Cabernet Cultivar delle Volte Merlot IGT; 100% Merlot Camunnorum, Merlot 60%, Marzemino 30 % und Cabernet 10% Baldamì (dialektal für Marzemino), größtenteils Marzemino und in geringeren Mengen Merlot, Barbera und Incrocio Terzi Barabant Rosso IGT, Grandimani Rosso IGT, Ros-

Die Singletrails des Val Belviso

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Einleitung 

so Donna IGT, Quinto Rosso IGT, Terre Alte Valcamonica Rosso IGT und Ciass Negher Rosso IGT, alle Merlot und/oder Marzemino. Weißweine Valcamonica IGT: Cultivar Delle Volte Bianco IGT; Muller und Chardonnay, in limitierte Auflage auch als Schaumwein nach klassischer Art hergestellt Coppelle Bianco IGT, Bianco dell’annunciata IGT, Griso Bianco IGT, Terre Alte Bianco IGT und der Cascina Casola Pare Bianco IGT; alle Kreuzung Manzoni Bianco delle colture IGT, Flonno Granditodi Bianco IGT und der Concarena Videt Bianco IGT, alle Riesling Renano. Dialekt Es gibt keinen einheitlichen Dialekt im Valle Camonica, sondern zahlreiche, zum Teil sehr stark ausgeprägte Varianten. Auch aneinandergrenzende Ortschaften können im Dialekt starke Unterschiede aufweisen, die Basis ist dabei jedoch die gleiche. Es gibt mindestens zwei große dialektale Ausprägungen im Valle Camonica, die von verschiedenen äußeren Einflüssen geprägt sind: der Dialekt des oberen Valle Camonica und der des unteren Valle Camonica. Der Dialekt des unteren Tals wurde über die Jahrhunderte vor allem von den sprachlichen Einflüssen aus Bergamo und Brescia geprägt. So wird beispielsweise oft das „S“ wie ein gehauchte „H“ ausgesprochen. Besonders gut wird das bei diesem Zungenbrecher deutlich: „Hic hac dè hòc hèc höl holer a hècà“, auf Italienisch „cinque sacchi di ceppi secchi sul solaio a seccare“ (dt.: fünf Säcke trockenes Holz zum Trocken auf dem Speicher). Ab Cedegolo aufwärts überwiegt dagegen der sprachliche Einfluss aus den Gegenden TrentinoSüdtirol und Graubünden. Das Gaì ist ein eigenständiger Dialekt, der von den Schäfern aus den Regionen von Bergamo und Brescia gesprochen wird, vor allem in den Tälern Valle Camonica und Val Seriana (BG). Es ist ein inzwischen fast verschwundener Dialekt, der sich von den anderen Dialekten durch den sehr langsamen Sprachfluss mit sehr tiefer Stimme unterscheidet. Viel Kontext wird dabei „zwischen den Zeilen“ weitergegeben, wodurch der Dialekt für Außenstehende noch schwieriger zu verstehen ist. Außerdem spielt die Mimik eine sehr wichtige Rolle, sie füllt die langen Sprechpausen: „Gaì spricht man nicht, man trägt es vor“.

14

Musikkultur Zu den berühmtesten Bands aus dem Valle Camonica gehören die I Luf (dialektal von „lupi“, dt. Wölfe). Die Band gründet auf einer Idee von Dario Canossi und besteht seit Anfang 2000. Die Musiker kommen aus den verschiedensten Genres und ihr Stil zeichnet sich durch Einflüsse aus Rock, Folk und traditionellen, neu interpretierte Melodien aus. Das Resultat ist eine schöne und lebendige Mischung, die den Zuhörer sofort einspannt und mitreißt. Die Gruppe besingt in ihren Liedern das Leben der Leute aus dem Tal und basiert dabei auf wahren Geschichten. Manche Lieder sind komplett in Dialekt gesungen, bei anderen wechseln sich Strophen in Dialekt und italienisch ab. Eine Säule ihrer Bandphilosophie ist das kulturelle und soziale Engagement, das in den Texten zum Vorschein kommt. Informationen für Touristen Gesundheit und Wohlbefinden sind zwei sehr gute Stichworte für einen Urlaub im Valle Camonica, das mit zahlreichen Thermalquellen aufwarten kann. Vielerorts gibt es Thermalbäder und Wellnessangebote, wie beispielsweise in Pisogne, Darfo Boario Terme, Borno und Ponte di Legno. Außerdem gibt es zahlreiche Veranstaltungen für jeden Geschmack im ganzen Tal. Informationen gibt es auf der stets aktuellen Internetseite www.turismovallecamonica.it. Öffentliche Verkehrsmittel: Ferrovie Trenord +39 800500005 FNMA Autoservizi  + 3902961921 (Zentrale) oder +39 036421208 (Breno) SAB Autoservizi  +39 800139392 oder +39 035 289000 (eine sehr bequeme Möglichkeit, mit dem Überlandbus von Sesto San Giovanni (Mailand) über Orio al Serio bis nach Ponte di Legno im Valle Camonica zu gelangen). Wetter http://www2.arpalombardia.it > Meteo Lombardia > Previsioni Meteo http://www.meteotrentino.it http://www.3bmeteo.com www.adamelloski.com/it/webcam-adamello-ski/ Um sich ein genaues Bild von der Wetterlage zu verschaffen, sind auch die zahlreichen Webcams sehr nützlich.


Notruf und Bergrettung www.soccorsoalpinotrentino.it (Berg- und Höhlenrettung Trentino) www.sasl.it (Berg- und Höhlenrettung Lombardo) Allgemeine Notrufnummer: 112 Nützliche Nummern Notaufnahme (Edolo) +39 03 647 721 Bei einem Notfall (Anruf 112) sollten folgende Informationen angegeben werden: Wo befinde ich mich Die Telefonnummer, von der ich anrufe; das Telefon darf dann nicht mehr außer Reichweite und auch nicht besetzt sein (falls der Anruf unterbrochen wird und die Notrufzentrale versucht zurückzurufen) Der genaue Aufenthaltsort (Gemeinde, Provinz oder ein Referenzpunkt auf der Karte) Die eigene Position, falls man im Besitz von GPS ist Beschreibung der Umgebung und was von oben sichtbar sein könnte (Hang, Wald, Gipfel, Hütte etc.) 

Was und wann es passiert ist Wie viele Personen sind in den Unfall verwickelt Angaben zur eigenen Person (wichtig!) Zustand der verletzten Person/en (Atemschwierigkeiten, Bewusstsein, Blutverlust, sichtbare Verletzungen etc.) Genaue Position des Verletzten (sitzend, liegend auf dem Bauch oder Rücken, hängend etc.) Die Bergrettung kann mit oder ohne Hubschrauber erfolgen, daher ist es wichtig, auch folgende Angaben zu machen: - Dauer (zu Fuß) vom Auto bis zum Unfallort - Wetterlage - Geländebeschaffenheit - Windstärke - Wie gut oder schlecht ist die Sicht - Gibt es im Bereich des Unfallortes Stromleitungen, Seilbahnlinien etc.

Singletrail nahe Santa Apollonia

15


Einleitung 

Technische Einleitung Auswahl und Vorbereitung des Rucksacks Von allen technischen Informationen, die rund um das MTB wichtig sind, möchte ich hier auf ein Objekt näher eingehen, das meiner Meinung nach zu den wichtigsten gehört: der Rucksack. Ein Rucksack ist auch bei sehr kurzen Ausflügen praktisch unverzichtbar. Bei der Auswahl im Laden hat man die Qual der Wahl, da es Modelle in den verschiedensten Ausführungen, Größen und Farben gibt. Genau deswegen möchte ich hier auf die wichtigsten Eigenschaften, die ein MTB-Rucksack haben muss, eingehen. Meiner Meinung nach ist ein kleinerer Rucksack am bequemsten, er sollte nicht mehr als 25l Fassungsvermögen haben. Die Größe hängt natürlich auch immer von dem jeweiligen Vorhaben ab, 25-LiterRucksäcke sind dabei jedoch für die meisten Ausflüge, auch die in diesem Buch beschriebenen, ideal. Man tut gut daran, sich für ein Modell mit Hüftgurt zu entscheiden, um das Gewicht ideal zu verteilen und die Schultern zu entlasten. Der Rucksack sollte eng am Rücken anliegen, denn vor allem bei technischen Abfahrten ist die Bewegung des Körpers wichtig und ein wackliger Rucksack könnte das Gleichgewicht erheblich stören. Sehr nützlich ist eine kleine Tasche auf der Vorderseite für kleine Werkzeuge,

die man während der Tour brauchen könnte und für die man nicht erst den ganzen Rucksack auspacken will. Laschen an den Seiten oder der Vorderseite können sehr nützlich sein, um einen Windstopper oder Pulli zu verstauen, ohne den Rucksack öffnen zu müssen. Wichtig ist auch die Frage, was in den Rucksack muss. Ein kleines Erste-Hilfe-Set sollte auf jeden Fall in den Rucksack, es sollte Pflaster, Mullbinden, Desinfektionsmittel, Wattepads und Pinzette enthalten. Auf diese Weise können kleinere Wunden sofort behandelt werden und die Tour ohne größere Komplikationen beendet werden. Zum Werkzeug. Man sollte stets ein Minimum an Werkzeug und Ersatzmaterial dabeihaben. Ganz wichtig ist ein Ersatzschlauch (ich empfehle immer zwei mitzunehmen) mit dem zugehörigen Material zum Aufpumpen und Montieren. Außerdem kann Flickzeug nie schaden, vor allem wenn man lange unterwegs ist, ohne auf stärker frequentierte Straße zu stoßen. Man sollte stets in der Lage sein, ein Loch flicken zu können, den ein Rückweg zu Fuß ist nie besonders angenehm. Auch ein Multi-Tool sollte stets im Rucksack sein. Im Handel gibt es Multi-Tools für Mountainbikes mit dem entsprechenden Kettenwerkzeug. Um eventuelle Kettenschäden reparieren zu können, ist es nützlich

Unterwegs in Richtung Bozzi Hütte

16


ein Stück Kette (vier oder fünf Kettenglieder) dabeizuhaben. Vor allem, wenn man im Spätherbst unterwegs ist und die Tage schon sehr kurz sind, kann eine Stirnlampe sehr nützlich sein. Auch ich habe schon die Erfahrung gemacht, ohne Licht durch den Wald zurückfahren zu müssen und es war keine besonders schöne Erfahrung. Außerdem empfiehlt es sich, stets ein T-Shirt zum Wechseln, sowie Pulli und Windstopper mitzunehmen. Bei Touren in höheren Lagen kann das Wetter sehr schnell umschlagen und auch die Temperaturen zwischen Ausgangspunkt und dem höchsten Punkt der Tour können sehr unterschiedlich sein. Man sollte also stets für spontane Wetterumschwünge ausgerüstet sein, denn es sind ganz bestimmt nicht die 500 g Extragewicht, die eine Tour in einen Horrortrip verwandeln! Bibliographie, Datenerhebung und verwendete Ausrüstung Ausrüstung GPS - Uhr Garmin Fènix2 Programm für GPX-Erhebung: Garmin BaseCamp MTB Giant Modell XTC2 MTB Intense Modell Uzzi

Kartenmaterial Kompass 94 Edolo-Aprica Kompass 71 Adamello-La Presanella Internetquellen - https://it.wikipedia.org - http://www.parcoadamello.it - http://www.stelviopark.it - http://www.vallidisantantonio.it - http://www.vallecamonicaunesco.it - http://www.turismovallecamonica.it - http://www.valdisole.net - http://www.adamelloski.com/it - http://www.cicloviafiumeoglio.it - http://www.iluf.net - http://www.sasl.it - http://www.garmin.com - http://www.trailforks.com Als Vorbild für die Gestaltung dieses Führers diente mir der MTB-Führer „Vom Apennin zum Meer“ von Cristiano Guarco, Edizioni Versante Sud

In Richtung Montozzo Seen

17


SO KOMMT MAN INS VAL CAMONICA Über Mailand Wer über Mailand anreist, nimmt die A4 TorinoTrieste in Richtung Venezia. In Bergamo von der Autobahn abfahren und weiter in Richtung Lovere (SS671 und SS42), vorbei am See Lago d’Endine und den Hinweisen zum Passo del Tonale folgen. Über Bergamo Wer aus Bergamo kommt, fährt am Autobahnkreuz Bergamo in Richtung Lovere (SS671 und SS42), vorbei am See Lago d’Endine und den Hinweisen zum Passo del Tonale hinterher. Über Brescia Wer über Brescia kommt, fährt nach Iseo, am Iseo See entlang (SP BS 510) in Richtung Passo del Tonale und dann auf der SS42 weiter nach Edolo.

Über Lecco Wer über den Comer See und Lecco anreist fährt bis Bergamo, dann weiter nach Lovere (SS671 und SS42), vorbei am See Lago d’Endine und den Hinweisen zum Passo del Tonale folgen. Wer über das Gebiet des Alto Lario kommt, fährt ab Colico (letzter Ort am Comer See) in Richtung Sondrio (SS38) bis nach Tresenda, über den Aprica Pass und dann rechts weiter auf der SS39 Aprica-Edolo. Über das Valtellina Wer über das Tal Valtellina anreist, nimmt die SS38 in Richtung Aprica Pass, in Tresenda dann auf der SS39 nach Aprica und nach dem Pass bergab in Richtung Edolo. Über Verona/Gardasee Wer über Verona anreist, fährt nach Brescia (A4/ E70), am Iseo See (SP BS 510) entlang und in Richtung Passo del Tonale; dann auf der SS42 bis nach Edolo. Wer am nördlichen Ende des Gardasees startet, fährt nach Trento (A22/E45), dann weiter auf der SP235 und SS43, am See von Santa Giustina vorbei und in Richtung Passo del Tonale (SS42). Über Trento/Südtirol Über die SS43 nach Cis, dann weiter in Richtung Passo del Tonale (SS42).

Charakteristische Passage bei der Abfahrt vom Monte Colmo

18

Einleitung 

Bikepark Der Bikepark am Tonale Pass liegt auf Höhe des Sessellifts von Valbiolo, der den Mountainbikern auch als Aufstiegsmöglichkeit dient. Das Centro Bike Val di Sole legt beim Anlegen des Bikeparks vor allem auf das Kriterium „flow“ sehr großen Wert. Die Pisten verlaufen sehr flüssig und sind auch bestens für MTB-Anfänger geeignet. Aber auch erfahrene Biker kommen hier voll auf ihre Kosten, denn es fehlt nicht an roadgaps, northshores, Sprüngen und tückischen Hindernissen: http://www.centrobikevaldisole.com/it/notizia/bikepark-passo-del-tonale


19


04

Edolo > Monte Colmo

COLMO2 MALGA STAIN Radweg Asphaltierte Straße Betonierte/gepflasterte Straße Schotterstraße Saumpfad Pfad / Weg / Singletrail

ÙÙÙÙ Schönheit

All Mountain Stil

April-Oktober Beste Jahreszeit

Edolo Piazza Martiri, 720 m N46° 10.847’ E10° 20.008’

Startpunkt

1830 m

Höchster Punkt

1245 m

Höhenunterschied

21,6 km Distanz

4,30 Std. Wegdauer

ÙÙÙÙ

Technische Schwierigkeit

ÙÙÙÙ

Körperlicher Anspruch

4% 60% 1% 5% 0% 30%

ALLGEMEINES Für diese Tour sollte man einigermaßen trainiert sein. Der Anstieg teilt sich in einen ersten Abschnitt auf Asphalt und in einen zweiten Abschnitt auf einem nicht befahrbaren Pfad (ca. 35 - 45 Min., 1,5 km, 250 m Höhenunterschied). Dieses Wegstück ist nicht befahrbar wegen dem sehr losen Untergrund und den zahlreichen Holz- und Steinstufen. Die Strecke ist nie gefährlich oder extrem ausgesetzt. Wem zwei Autos zur Verfügung stehen, der kann sich den Anstieg auf Asphalt sparen und bei der Kehre parken, an der der Weg zur Hütte/Rifugio beginnt (der physische Anspruch sinkt so auf „mittel“). Die Abfahrt führt größtenteils über Pfade, der Untergrund ist meist schottrig, stellenweise jedoch lose oder sehr lose aufgrund zahlreicher größerer, loser Steine. Einige Passagen sind sehr technisch und werden die weniger erfahreneren Biker ab und an zum Absteigen zwingen. Insgesamt ist die Abfahrt zwar technisch, aber auch flüssig, dort wo es möglich ist, das Bike laufen zu lassen. WEGBESCHREIBUNG Wir parken das Auto an der Piazza Martiri in Edolo (1) und fahren in Richtung Mailand/Brescia. Kurz vor dem Bahnübergang biegen wir links ab und folgen der Straße, die über Kehren den Monte Colmo hinaufführt. Der asphaltierte Teil des Anstiegs verläuft über die Service-Straße zu den Rohrleitungen des Wasserkraftwerks von Edolo. Wir kommen vorbei an Nayù (2), der Hütte Ristoro al Bait (3) und der Ortschaft Preda (4). Ca. 11 km nach Tourstart erreichen wir an einer Kehre die Abzweigung mit Hinweis zur Malga Stain. Wir biegen rechts ab und folgen der Straße, die über die großen Leitungen des Aquädukts

90%

Befahrbarkeit beim Anstieg

99%

Befahrbarkeit bei der Abfahrt

Ja - Nein

5 4

1600

3 1200

2 6

800

e-bike

1

1 7

metri

400

0 0 km

38

4

8

12

16

20


SS42

no

me

Ogli

o

Rio Fi

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Baite di Pozzuolo

Baldoni SS42

Rincolungo

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Monte Colmo Mu

2

EDOLO

4

Edolo

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3

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5 Rifugio

Malga Stain

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SS42

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SONICO

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39


Einkehr

Hütte Malga Stain, Santuario Maria di Pradella

Trinkwasser

Auf dem Weg 1 2 3 4 5 6 7

Edolo (720 m) Località Nayù (975 m) Ristoro al Bait (1280 m) Località Preda (1460 m) Malga Stain (1830 m) Santuario Maria di Pradella (720 m) Bahnübergang (660 m)

führt und gleich danach in einen Pfad übergeht. Die ersten 100 m kann man noch im Sattel bewältigen, dann ist portage angesagt, denn die Steigung nimmt zu und der Untergrund wird extrem lose. Wir schultern das Bike und marschieren bis zu Hütte, wobei wir bei mittlerer Geschwindigkeit und sehr kurzen Pausen zum Durchatmen oder Fotos machen ca. 35 - 45 Minuten brauchen werden. Die Mühen des Anstiegs werden ein wenig erleichtert durch die traumhaften Aussichten auf Edolo und das Valle Camonica in Richtung Aprica und Malonno. An der Hütte Malga Stain (5) erwartet uns dann neben dem Blick auf das Camonica Tal auch der fantastische Ausblick auf den Gipfel des Adami, der zum Greifen nahe scheint. Wir sind in einem kleinen Paradies angekommen, wo wir beim wohlverdienten Mittagessen in der Hütte lokale Spezialitäten probieren können. Der Hüttenwirt und sein Team empfangen Besucher stets mit großer Gastfreundschaft. Mit vollem Bauch und neuer Energie machen wir uns an die Abfahrt und nehmen den Pfad der vor der Hütte beginnt. Der Singletrail ist in sehr gutem Zustand und verläuft flüssig durch den Fichtenwald unterhalb der Hütte. Nur einige, sehr kurze Passagen werden vielleicht die weniger erfahrenen Biker zum Absteigen zwingen. Der Pfad passiert ein Holztor, führt durch einen Wildbach und bis zu einer Abzweigung, an der wir links abbiegen und kurz darauf auf die asphaltierte Straße vom Hinweg stoßen. Wir folgen ihr bergab und nach ca. 600 m biegen wir links ab auf den Schotterweg, der zu einer isoliert liegenden Almhütte führt. An der Hütte angekommen, führt der Weg bergab über die Wiese, hier ist Aufmerksamkeit gefragt, denn die Wegspur ist nicht besonders gut zu erkennen. Nach ca. 300 m kreuzen wir den Schotterweg der Tour „Wasserwerk“ und fahren geradeaus für ca. 1,5 km auf dem Pfad. An der Abzweigung schlagen wir dann den Schotterweg nach links ein und fahren bis zur Wallfahrtskirche Maria di Pradella (6). An der asphaltierten Straße biegen wir dann rechts ab und am Ende der Straße nochmal rechts. Wir passieren den Bahnübergang (7) und biegen an der Staatsstraße schließlich nach rechts in Richtung Edolo ab. Am Kreisverkehr dann links auf die Straße, die zum Auffangbecken der Enel führt und kurz vor der Brücke über den Fluss Oglio fahren wir nach rechts auf den Radweg, der am Fluss entlang zurück zur Piazza Martiri führt.

Auf dem Singletrail der Malga Stein

40

04 Edolo > Monte Colmo Colmo2 

Ristoro al Bait, Hütte Malga Stain (sich vorher zu den Öffnungszeiten informieren)


41


Einkehr Keine

Trinkwasser Auf dem Weg 1 2 3 4 5

Passo del Tonale (1880 m) Ankunft Seilbahn Vigili-Tonale (1895 m) Bar/Restaurant Nigritella (2066 m) Ankunft Sessellift Serodine (2193 m) Laghetto Bleis (2490 m)

ria). Wir folgen der Skipiste bis wir auf einen Schotterweg stoßen, der die Piste waagerecht überquert. Hier nach links und auf dem Schotterweg bis zur Bar/Restaurant Nigritella, wo wir erneut auf den Weg vom Anstieg stoßen. Diesem folgen wir zurück bis zum Parkplatz. Man kann auch über die Skipisten, muss dabei aber sehr auf versteckte Löcher oder Rinnsale im hohen Gras aufpassen.

Abfahrt über Wiesen beim Rückweg in Richtung Tonale Pass

27 Passo del Tonale  Laghetto Bleis  138

Bar/Restaurant Nigritella, Capanna Bleis (bei beiden Öffnungszeiten in der Sommersaison kontrollieren)

Die Umgebung der Bleis Hütte

Grüne Wiesen und der Gletscher des Adamello im Hintergrund


139


Schöne Passage im Wald (©Paolo Sartori)

148


149


45

Capo di Ponte

TOUR DURCH DIE STEINZEIT Radweg Asphaltierte Straße Betonierte/gepflasterte Straße Schotterstraße Saumpfad Pfad / Weg / Singletrail

ÙÙÙÙ Schönheit

Cross country Stil

Das ganze Jahr Beste Jahreszeit

Cemmo, 390 m N46° 01.769’ E10° 20.351’

Startpunkt

880 m

Höchster Punkt

611 m

Höhenunterschied

11,5 km Distanz

2,30 Std. Wegdauer

ÙÙÙÙ

Technische Schwierigkeit

ÙÙÙ

Körperlicher Anspruch

90%

0% 41% 5% 22% 6% 26%

ALLGEMEINES Diese Ringtour verläuft größtenteils auf den Wegen und Pfaden des Archäologieparks mit den Felsgravuren von Greppe, Sellereo, Seradina und Bedolina. Zwischen Cemmo und Sellero rollen wir meist auf Singletrails, die bis auf ein paar kurze Passagen stets gut befahrbar sind. Ab Sellero geht es auf Asphalt bergauf und die Steigung nimmt deutlich zu. Die Abfahrt verläuft teils über ziemlich technische Singletrails mit großen Felsaufschlüssen, teils über Schotterwege. Achtung auf die Felsaufschlüsse, nach Regentagen können sie ziemlich rutschig werden. WEGBESCHREIBUNG In Capo di Ponte folgen wir den Hinweisen in Richtung Cemmo und Parken auf dem großen Parkplatz vor dem Restaurant La Pieve (1). Im Sattel fahren wir den Hinweisen zum Parco Archeologico Comunale Seradina Bedolina hinterher, es geht an der archäologischen Fundstätte von Greppe und dem Friedhof vorbei, wir halten uns links und nach wenigen hundert Metern sind wir am Archäologiepark (2). Durch den Park und am Ende der Straße, bei einem kleinen Tor, nach links auf den Pfad, der nach ca. 500 einen Schotterweg kreuzt. Wir folgen dem Schotterweg nach links bergauf, ignorieren die steile Rampe wenige Meter später (gleich nach einem Haus) und nehmen stattdessen den Pfad auf der rechten Seite. Nach etwas mehr als 1 km wird der Pfad breiter, geht in einen Schotterweg über und mündet nach weiteren 400 m in eine asphaltierte Straße. Wir treten weiter bergauf bis zum Marktplatz von Sellero (3) und weiter bis zum Fußballplatz. Kurz nach dem Fußballplatz biegen wir links ab und beginnen mit dem richtigen Anstieg, der uns nach 1,8 km nach 900

Befahrbarkeit beim Anstieg

95%

4 800

Befahrbarkeit bei der Abfahrt

700

Ja - Nein

600

e-bike

5

6

7 8

3

000

2

1

400 metri

1 0 km

210

2

4

6

8

10


Andrista SS42 SP6

4

To r r e n t e

Re

3

SELLERO Scianica Sellero

 1640

Monte Adamone

SS42

5

SP88

6

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Morandino

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Bacino Accumolo di San Fioraro

To r r e n t e C

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7 Gambarere

2 8

Pescarzo

CAPO DI PONTE Capo di Ponte

CEMMO

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211


Antonello Naddeo

VERSANTE SUD

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