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DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Die Geschichte einer gleichzeitigen Über- und Unterschätzung.

Ausgabe Nr. 11 | Oktober 2019 P.b.b. Verlagspostamt 6020 Innsbruck ZNr. GZ 02Z030672 M | Euro 3.00

CYBERSECURITY. Die Geister, die ich rief DIGITAL IST BESSER. Fortschritt braucht Innovation TIROLER WIENER. Ernst Molden und das poetische Leben BEZIEHUNGSWEISE. Von Menschen und Maschinen


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Freude am Fahren


© MARIAN KRÖLL

eco.edit

Mag. Sandra Nardin und Christoph Loreck, eco.nova-Herausgeber

DENKEN HILFT! Früher sagte man, ein Computer sei nur so intelligent, wie der Mensch der ihn bedient. Heute haben wir Angst, uns selbst überflüssig zu machen. Unbegründet übrigens.

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s sind paradoxe Zeiten. Der technologische Fortschritt sorgt dafür, dass wir zwar so viel miteinander kommunizieren wie noch nie, uns zwischenmenschlich aber trotzdem immer weiter voneinander entfernen. Wir schicken uns Sprachnachrichten anstatt uns anzurufen, schreiben Mails anstatt uns auf einen Kaffee zu treffen, führen in den Social Media ein Leben, das nicht das unsere ist. Und jetzt nimmt uns die künstliche Intelligenz auch noch unsere Arbeit weg. Eine der letzten Bastionen des Menschseins quasi. Ganz so schlimm ist es nicht. Zumindest nicht, was die künstliche Intelligenz betrifft. Maschinen sind weit davon entfernt, aus sich selbst heraus klüger zu werden. Ohne menschliches Zutun mangelt es der KI nämlich grundsätzlich am I. Die Intelligenz ist nach wie vor dem Menschen vorbehalten. Rational und emotional noch viel mehr. Ja, künstliche Intelligenzen und Algorithmen werden unser Leben beeinflussen. Sie tun es bereits. Das ist nicht per se böse. Es mag vielleicht sogar ein bisschen bequem sein, einer Maschine das Entscheiden zu überlassen, für unser Handeln sind wir aber weiterhin selbst verantwortlich. Wir tun also gut daran, auch fürderhin selbst zu denken.

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Bleiben Sie menschlich, Ihre Redaktion der eco.nova. POSTSCRIPTUM:

Weil gerade ziemlich viel über Umweltschutz diskutiert wird und wir im Zuge dessen des Öfteren auf die Plastikfolie hingewiesen werden, in der die eco.nova zu Ihnen geliefert kommt: Wir sind stark auf der Suche nach einer Alternative und das übrigens nicht erst, seit Greta Thunberg über den Ozean geschippert ist, sondern schon seit Jahren. Das ist tatsächlich gar nicht so einfach, aber wir sind guter Dinge, dass wir ganz bald eine intelligente Lösung dafür finden werden.

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IM H EFT GES : UND HEIT UND VOR SOR GE

MÄNNERGESUNDHEIT WARUM WIR TRÄUMEN GESUNDHEITSBETRIEBE FINANZIELLE VORSORGE

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E C O .T I T E L 14 KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Die Geschichte der KI ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Sie ist ein Ding, das gleichzeitig über- und unterschätzt wird, sehnsuchtsvoll erwartet und gefürchtet zugleich.

E C O .W I R T S C H A F T 34 RICHTIG IN FAHRT

3Con baut am Hauptstandort Ebbs massiv aus. 38 KLARE KANTE Das Metallwerk F. Deutsch sucht eine neue Bleibe.

ECO.ZUKUNFT 50 DIE GEISTER, DIE ICH RIEF

Das Internet bringt uns auf Mausklick die ganze Welt nach Hause, macht uns per Mausklick aber auch angreifbar. 56 KATZENJAMMER Der Versuch einer Erklärung der Quantenphysik. 62 DIGITAL IST BESSER Die Digitalisierung hat ihre Vor ­züge – mal mehr, mal weniger. Zwei Beispiele.

ECO.GELD 76 PARADOXE INTELLIGENZ

Seit der Finanzkrise hat sich die Bankenlandschaft verändert. Dass Algorithmen die Weltherrschaft übernehmen, scheint trotzdem höchst unwahrscheinlich.

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KRYPTISCH

Obwohl fürs Bargeld hart gekämpft wird, steigt die Zahl an Kryptowährungen. Aber sind Coins auch Geld?

ECO.ART 100 POETISCHES LEBEN

Ernst Molden kultiviert den Wiener Dialekt und hat hat als selbst ernannter „Gschichtldrucker“ auch sonst viel zu sagen.

ECO.MOTOR 106 MERCEDES AMG C43 T-MODELL 107 CUPRA ATECA 108 AUDI A1 SPORTBACK 109 CITROËN C5 AIRCROSS 110 RENAULT CLIO 112 SCHUBKRAFT Mit dem Volvo Cube bekommt der Autopark einen neuen Verkaufsraum.

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ECO.LIFE 116 LASS MAL, MENSCH

Von Menschen und Maschinen und ihrer Beziehung zueinander. 124 STIL VERBINDET Das Einrichtungshaus Wetscher und B&B Italia verbindet ein halbes Jahrhundert. 03 EDITORIAL 06 KOMMENTAR 08 KOPF DER AUSGABE 90 ECO.STEUERN 96 ECO.RECHT 127 IM GESPRÄCH

INSTITUT

MICRONEEDLING R ADIOFREQUENZ JETPEEL K R YO L I P O LYS E G A N Z KÖ R P E R M A S S AG E N

HER AUSGEBER & MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, Sonja Niederbrunner, MMag. Klaus Schebesta, Renate Linser-Sachers, Barbara Liesener, DI Caterina Molzer-Sauper, Marion Witting, MSc., Stefan D. Haigner // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Dr. Michael Posselt // eco.kultur: Julia Sparber // eco.mobil: Bruno König // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Marina Bernardi ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Bruno König, Hannelore Weissbacher, Matteo Loreck L AYOUT: Tom Binder PRODUK TION: Conny Wechselberger, Tom Binder DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHT UNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Well­ness, Steuern, Recht, Kulinarium und Life­s tyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE SABO: EUR 25,00 (14 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BE Z AHLTE ANZEIGEN! UNTERNEHMENS GEGENS TAND:

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eco.mmentar

WER WILL MICH? Sebastian Kurz hat die Wahl gewonnen. Jetzt kann er sich seinen Koalitionspartner aussuchen. Theoretisch. Denn offenbar hat keiner wirklich Lust darauf, Regierungsverantwortung zu übernehmen.

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ach Monaten unterirdischen Wahlkampfs ist die Entscheidung endlich gefallen. Das Ergebnis ist deutlicher als erwartet: ÖVP und Grüne räumten ab, was es abzuräumen gab, SPÖ und FPÖ holten sich schallende Ohrfeigen, die NEOS brave Streicheleinheiten und Peter Pilz wurde in die Politpension geschickt. Die Expertenregierung hat ordentlich verwaltet und muss den Platz bald wieder für die Gestalter freimachen. Alles ganz einfach – meint man. Doch der Koalitionspoker könnte dauern. Dass Sebastian Kurz nicht gleich mit den zweiten Gewinnern, den Grünen, redet, hat taktische Gründe. Er wird sich hüten, alles auf eine Karte zu setzen – das treibt den Preis für eine Einigung in die Höhe. Also redet er mit allen. Mit der FPÖ wird es wenig lustig werden, schließlich hat die Neuwahl die erfolgsverwöhnten Blauen in den Keller katapultiert. Und überhaupt: Mit wem reden? Mit dem ewig lächelnden Norbert Hofer oder mit dem dauergrantelnden Herbert Kickl? Mit anderen Worten: Mit dem Good Cop oder dem Bad Cop? Die FPÖ hält diese diffuse Doppelführung wohl für eine grandiose Idee – aber das macht den für Einzelfälle aller Art bekannten Haufen noch unberechenbarer als er schon ist. Einzelführung statt Einzelfälle würde den Blauen besser stehen. Aber das hält Hofer wahrscheinlich nicht durch, ohne eine Parteispaltung zu riskieren. Es hat schon Ewigkeiten gedauert, mit HC Strache abzurechnen und ihn zu suspendieren. Vor der Wahl wäre wahrscheinlich schlauer gewesen als nach der Wahl, aber das ist nur eine Randnotiz. Inhaltlich gibt es mit den Freiheitlichen große Schnittmengen – aber Sebastian Kurz kann sich kaum leisten, noch einmal mit dieser Chaostruppe zusammenzuarbeiten und täglich auf den nächsten Einzelfall warten zu müssen. Da noch lieber mit der SPÖ, wobei Pamela Rendi-Wagner und Kurz in diesem Leben keine Freunde mehr werden dürften. Überhaupt stehen die Sozialdemokraten derzeit derart neben sich, dass es ihnen wohl auch an der nötigen Verläss-

V O N K L A U S S C H E B E S TA

lichkeit mangelt. Wenn die Spitzenkandidatin nach dieser fulminanten Pleite meint, „die Richtung stimmt“, dann kann nur mehr Realitätsverlust attestiert werden. Ganz abgesehen davon, dass die Türkisen stets vor der Stillstandskoalition der alten Tage gewarnt haben. Da müsste sich Sebastian Kurz schon eine verdammt gute Erklärung einfallen lassen, warum die ehemalige Große Koalition nun plötzlich zu einem schlagkräftigen Zukunftsteam mutiert sein soll. Bleiben also die Grünen. Auf den ersten Blick hat diese Koalition die größte Logik. Der Teufel steckt im Detail. Zum einen, weil die Grünen gerade damit beschäftigt sind, nach ihrem Wiedereinzug ins Parlament Strukturen aufzubauen. Schon aus diesem Grund ist der Wille zum Regieren schaumgebremst. Zum anderen gibt es natürlich inhaltlich weite Strecken zu überwinden. Kein besonders hilfreicher Beitrag zu einem brauchbaren Gesprächsklima war übrigens die Ansage des grünen Urgesteins Georg Willi, der meinte, dass sich „Sebastian Kurz mehr bewegen muss“ als die Grünen. Das zeugt von reichlicher Arroganz – bei Verhandlungen müssen sich beide bewegen, sonst passiert gar nichts. Bei der Sozialpolitik, Stichwort Kinderarmut, wird das schon gehen. Bei der Korruptionsbekämpfung ebenso. Beim Klimaschutz wohl auch. Aber bei der Migration wird‘s zäh. Hier stehen sich zwei Weltbilder gegenüber, die in Kurzfassung lauten: alle rein – alle raus. Wo hier der Schnitt- oder zumindest der Berührungspunkt liegt, den beide zähneknirschend ihrer eigenen Klientel gegenüber verantworten können, wird sich weisen. Mehr Entwicklungshilfe, mehr Investitionen für Integration könnte ein Ansatz sein, aber am Ende wird sich alles auf eine Frage zuspitzen: Wer darf rein? Und vor allem: Wie viele? Solange in diesem alles entscheidenden Punkt keine gemeinsame Lösung gefunden wird, sind sämtliche Einigungen in anderen Bereichen eine unnötige Fleißaufgabe. Wer geglaubt hat, die Wahlen waren die eigentliche Herausforderung, hat sich getäuscht. In den nächsten Monaten wird uns die Suche nach der Antwort auf die zentrale Frage „Wer will mich?“ noch intensiv beschäftigen. 


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HARALD ULTSCH Der „Schwarze Adler“ in Innsbruck ist seit weit über 100 Jahren das Stammhaus der Familie Ultsch. Doch er ist es längst nicht mehr allein. 2013 eröffnete das Designhotel aDLERS in der Landeshauptstadt, Jahre zuvor – 2006 – wurde das erste „Harry’s Home“ in Graz eröffnet, und mit denen, die folgten und folgen sollen, hat Harald Ultsch bewiesen, dass bis dato noch nicht alle Fragen in der Hotellerie beantwortet waren. TEXT: MARINA BERNARDI


eco.porträt

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er „Schwarze Adler“ in Innsbruck ist bekannt. Das aDLERS mit seiner Dachterrasse auch. „Harry’s Home Hotels“ werden es immer mehr. Mit dem Baukasten-Konzept, bei dem sich Gäste ihren Aufenthalt je nach Bedarf zusammenstellen können, trifft er einen Nerv. So unterschiedlich sich die drei Standbeine zeigen, so mehrdimensional zeigt sich auch der Mensch Harald Ultsch. Die Hotelgruppe ist ein Familienbetrieb, verwurzelt mit der Region, auf der anderen Seite innovativ und stets offen für Neues. Tradition trifft Moderne, könnte man es etwas plattitüdenhaft ausdrücken. Nun gibt es Menschen, die mögen Beständigkeit, den Status quo und es am liebsten, wenn alles bleibt, wie es ist. Weil es immer schon so war und eigentlich gut ist. Ultsch mag es lieber, wenn Gutes noch besser wird. „Es treibt einen immer weiter“, sagt er. „Was heute unmöglich erscheint, ist morgen ganz normal, und danach geht es wieder weiter. Wir haben viele Dinge erlebt, die uns zu Beginn nicht machbar erschienen und später zur Normalität wurden.“ Deshalb ist Ultsch einer, der in großen Dimensionen denkt: „Wenn man nichts Großes anstrebt, kommt letztlich gar nichts heraus.“

MIT DEN FÜSSEN AM BODEN UND DEM KOPF IN DEN WOLKEN

Dennoch darf es für Harald Ultsch auch durchaus traditionell sein, vor allem dann, wenn es um die Familie geht. „Wir sind sehr geerdet“, sagt er. Seine Söhne Florian und Fabian erinnern sich, dass in ihrer Kindheit der Sonntag fix der Familie gewidmet war, und an ein Ritual beim Mittagessen: „Unser Vater war da klassisch. Bei der Hauptspeise hat man ihm den Teller reichen müssen und er hat ausgeschöpft“, erzählt Florian Ultsch in einem unserer vergangenen Traditionsmagazine und sein Bruder ergänzt: „Unsere Eltern waren aber immer sehr modern.“ Das trifft die Familie wohl ziemlich gut. FOTOS: © ANDREAS FRIEDLE

„Man muss immer weitergehen. Was heute unmöglich scheint, ist morgen ganz normal.“ HARALD ULTSCH

Die Söhne sind heute erwachsen und beide im Unternehmen tätig, Tochter Valentina studiert derzeit in Wien. Familiensonntage sind also eher rar gesät, man versucht sich aber dennoch regelmäßig zu treffen. „Heute meist im aDLERS“, sagt Harald Ultsch. „Wir versuchen, den Mittagstisch so gut es geht einzuhalten, auch wenn wir es natürlich nicht mehr so zelebrieren wie früher.“ Für Harald Ultsch ist es wichtig, Ankerpunkte zu haben. Auch für die Kinder: „Für sie ist der Schwarze Adler die wohl größte Beziehung. Sie sind dort aufgewachsen, heute die fünfte Generation. Das ist ein wunderbarer Anker“, findet Ultsch. Auch die Kinder haben das Haus als quirlig erlebt, mit viel Leben darin. Hinzu kommt, dass die Entwicklung des Schwarzen Adlers stets eine gute war. Das Haus ist sympathisch, fast durchwegs positiv besetzt. Der Adler war und ist bekannt. „Daraus begründet sich auch das Vertrauen in Harry’s Home und in die Familie generell“, ist Ultsch überzeugt. Mittlerweile beschäftigt die Ultsch-Gruppe rund 200 Mitarbeiter, mit Harry’s Home ist man in Wien, Hart bei Graz, Linz, Dornbirn, München und seit Kurzem in Zürich vertreten. Das ist nicht nichts. Das ist viel Arbeit. Seinen Rückzugsort hat Harald Ultsch gemeinsam mit seiner Frau im neuen Heim westlich von Innsbruck gefunden, wahlweise auch im Süden. „Das sind unsere Fluchtorte, an denen wir entspannen können“, sagt Ultsch. Wandern oder Skitouren indes sind seine Sache nicht: „Ich hab’s gern schneller.“ Deshalb ist er auch beim Fliegen gelandet, das Golfen hingegen hat er wieder aufgegeben. Auch weil sich Sonja Sophie wenig dafür begeistern kann und man die spärliche freie Zeit am liebsten gemeinsam verbringt. „Meine Frau spielt nicht, und damit hat es sich erledigt“, spricht er in einer Konsequenz, die ihm im Privaten offensichtlich genauso eigen ist wie beruflich.

ZUR PERSON

Harald Ultsch hat in Innsbruck und Wien Wirtschaft studiert und den Schwarzen Adler in Innsbruck schließlich von seinem Bruder Werner übernommen. Der Weg in die Selbständigkeit war vorgezeichnet, der Adler allein sollte aber das Lebenswerk nicht bleiben. Mittlerweile gehört das aDLERS in Innsbruck ebenso zur Gruppe wie sechs Harry’s Homes. Harald Ultsch ist mit Sonja Sophie verheiratet, die beiden haben drei Kinder – Florian und Fabian sind ebenfalls im Hotel tätig, Tochter Valentina studiert aktuell in Wien.

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WIRTSCHAF

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wirtschaft & unternehmen

Im Juli wurden 258 Personen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie Großbritannien über ihre Einstellung zu professioneller Kleidung befragt. In Auftrag gegeben wurde die Studie von Maxwell-Scott, einer britischen Leder-Luxusmarke.

DAS LETZTE HEMD Die Kleidung ist Spiegel der eigenen beruflichen Persönlichkeit, vermittelt Zugehörigkeit und unterstreicht die persönliche Positionierung. Auch wenn es immer öfter den Anschein haben mag: Hemd, Krawatte und Hosenanzug sind noch lange nicht out. Totgesagte leben eben länger, wie eine kürzlich von Maxwell-Scott veröffentlichte Studie zum Thema professionelle Kleidung gezeigt hat. Demnach ist für 68 Prozent der Einwohner im DACH-Raum – also Deutschland, Österreich, Schweiz – Businesskleidung im Arbeitsumfeld nach wie vor wichtig. Nix da mit leger. Einer von drei Befragten bildet sich sogar direkt eine schlechte Meinung, wenn sich jemand unprofessionell kleidet. Besonders bei Bewerbungsgesprächen sollte man auf seine Klei-

dung achten. Wobei das „unprofessionell“ natürlich Auslegungssache und branchenabhängig ist. Ganz nach dem Motto „Kleider machen Leute“ fühlen sich 70 Prozent der Studienteilnehmer in entsprechender Businesskleidung aber auch selbst besser und gestärkt. „Die Studie zeigt, dass das Tragen professioneller Kleidung nicht nur eine oberflächliche Zurschaustellung der eigenen Position im Unternehmen ist, sondern ein Werkzeug, das jedem dabei helfen kann, seine eigene Kompetenz auszudrücken. Diese Art des Kleidens gibt uns mehr Selbstvertrauen, wodurch wir uns in Arbeitssituationen mutiger fühlen“, so Julia Munder, Marketing Director bei Maxwell-Scott International.

„Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.“ RENÉ DESCARTES


eco.wirtschaft

© JULIA TÜRTSCHER

eco.mmentar

Marina Bernardi, Chefredaktion

Geh weg! Ich mag die Menschheit. Doch die Menschen mag ich nicht.

UNTERNEHMEN DER AUSGABE Mit einem Umsatz von 166,5 Millionen Euro sowie knapp 700 Mitarbeitern zählt die Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (IKB) zu den größten Unternehmen des Landes. Mit den laufenden Investitionen ist sie außerdem ein wichtiger Konjunkturmotor der heimischen Wirtschaft: Der Beitrag zur regionalen Wertschöpfung lag 2018 bei rund 200 Millionen Euro. Damit werden zusätzlich rund 1.000 Arbeitsplätze gesichert, wie eine gemeinsame Studie des MCI mit der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) zum 25-jährigen Unternehmensjubiläum der IKB errechnet hat. Die IKB betreibt in Innsbruck mittlerweile ein Leitungsnetz von insgesamt 3.400 Kilometern Länge. In den letzten Jahren wurden über 760 Millionen Euro in die Versorgungssicherheit investiert. Heuer sind für Ausbau und Modernisierung wieder knapp 50 Millionen Euro veranschlagt, entsprechend profitieren vor allem der Bau und das Baunebengewerbe. Unterm Strich werden auf diese Weise mit jedem Arbeitsplatz in der IKB rund 1,5 weitere in Tirol geschaffen bzw. gesichert. „Die IKB zählt mit einer Bilanzsumme von 553 Millionen Euro und einer Eigenkapitalquote von 64 Prozent zu den finanziell stärksten und zugleich innovativsten Kommunalversorgern im DACH-Raum“, so IKB-Aufsichtsratsvorsitzender Manfried Gantner. Zum 25-Jahr-Jubiläum möchte das Kommunalunternehmen einen nächsten Schritt gehen und legt für insgesamt 250.000 Euro einen Forschungsfonds auf, der wissenschaftliche Arbeit vorrangig im Bereich der Energieerzeugung, Mobilität und Digitalisierung unterstützen soll.

W I R T S C H A F T S D AT E N Dass sich die Tiroler Wirtschaft insgesamt erfolgreich entwickelt(e), verdeutlicht besonders der längerfristige Zeitvergleich: Von 2000 bis 2017 nahm das regionale BIP Tirols um 87,9 Prozent zu. Das ist der höchste Wert aller Bundesländer. Auch beim regionalen BIP je Einwohner liegt Tirol mit einer Zunahme von 68,7 Prozent gleichauf mit Salzburg an zweiter Stelle hinter dem Burgenland (+72,4 %). Interessant sind auch die Arbeitsmarktvergleiche: Obwohl Tirol 9,1 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten in Österreich stellt, entfallen nur 5,6 Prozent aller Arbeitslosen auf das Bundesland. Unterdurchschnittlich war in den vergangenen 18 Jahren die Entwicklung der Unternehmenszahlen: Die gewerblichen Unternehmen nahmen in Tirol im Zeitraum 2000 bis 2018 um 55,9 Prozent zu. Der Österreichschnitt liegt bei 75,6 Prozent. Spitzenreiter sind das Burgenland und Niederösterreich mit Zunahmen von über 100 Prozent. Die Entwicklung in diesen beiden Bundesländern ist allerdings vor allem auf die starke Zunahme der selbständigen Personenbetreuer zurückzuführen.

Es ist ein Satz, der vor einiger Zeit ganz beiläufig in der Netflix-Serie „The Good Wife“ fiel und ich mochte ihn auf Anhieb. Weil er so wahr ist. Vor rund 15 Jahren lernte ich jemanden kennen, der mir damals erklärte, er möge keine Menschen. So drastisch stimmt das natürlich nicht, generell mag er sie schon, ist aber froh, wenn sie denn auch wieder nach Hause gehen. In ihr eigenes, wenn möglich. Zu dieser Zeit konnte ich das absolut nicht verstehen. Mir konnte es gar nicht genug Rummel sein. Heute bin ich in jenem Alter, in dem besagter Jemand vor 15 Jahren war, und was soll ich sagen: Ich verstehe, was er meinte. Natürlich interessiere ich mich für Menschen, deren Meinungen und Geschichten – sonst wäre ich auch in meinem Beruf falsch aufgehoben. Ich weiß es aber immer mehr zu schätzen, wenn man mich einfach in Ruhe lässt. Vor allem dann, wenn man nichts zu sagen hat und das ziemlich wort­ reich tut. Deshalb bin ich – unabhängig und völlig wertfrei dem Ausgang gegenüber – froh, dass dieser leidige Wahlkampf vorüber ist. Solche Zeiten bringen die Untiefen des Menschseins zu Tage. Regelmäßig vor Wahlen lerne ich sehr viel über meine Bekannten und das meiste davon ist nicht schön. Das gilt auch für Politiker. Ich kenne keinen der Protagonisten persönlich, würde es aber auch immer weniger wollen. Ich mag es nicht, wenn Menschen mit dem Finger stets auf andere zeigen (zumindest drei zeigen dabei in der Regel übrigens auf einen selbst), anstatt zuerst in den Spiegel zu blicken. Es ist ein menschliches Unding, lieber bei anderen nach Fehlern zu suchen, anstatt sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen. In diesem Wahlkampf wurde inhaltlich so wenig gesagt wie noch nie – seitens der Politik, aber auch der Menschen da draußen. Für sachliche Diskussionen bin ich gerne zu haben. Immer und jederzeit. Am liebsten bei einem Gin Tonic. Bei Polemik hingegen ist mir eines am liebsten: Geht weg und lasst mich in Ruhe! Gin hin oder her. Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at

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© KUNSTFOTOGRAFIN

eco.mmentar

Im [Algo]Rhythmus unserer Zeit Künstliche Intelligenz ist als Begriff derzeit sehr aktuell. Dabei ist das, was sich technisch dahinter verbirgt, weder besonders neu noch wirklich künstlich. Dennoch machen sich die Auswirkungen der ersten professionellen Anwendungen sowohl im persönlichen wie auch wirtschaftlichen Alltag bereits bemerkbar.

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er Begriff Künstliche Intelligenz ist insofern irreführend, dass es nur so aussieht, als wenn sich Maschinen (mit Computerhirnen) intelligent verhalten würden. In Wirklichkeit sind diese Computer mit von Menschen geschriebenen Programmen ausgestattet, die wesentlich schneller und effizienter Rechenaufgaben erledigen können als das menschliche Gehirn. Mit Hilfe von zigtausenden Proben wird so einem Computer gelehrt, wie er unter festgelegten Rahmenbedingungen entscheiden soll. Deshalb sprechen Experten auch von Machine Learning und nicht von künstlicher Intelligenz.

VON ALEXANDER M. SCHMID

ALTER WEIN IN NEUEN SCHLÄUCHEN

Seit der Mensch Maschinen baut, um Probleme zu lösen oder einfacher zu erledigen, wandelt er Geisteskraft in mechanische Abläufe, um Körperkraft einzusparen oder geistige Arbeit rascher und ermüdungsfrei zu erledigen. Vom Abakus über die Enigma-Chiffriermaschine bis hin zum Google-Such-Algorithmus erledigen Maschinen Denkarbeit. Der Unterschied zu damals liegt in der exponentiell angewachsenen Geschwindigkeit, mit der dies geschieht, und der ebenso rasch zugenommenen Datenmenge, die dabei verarbeitet werden kann.

DIE BIAS - FALLE

Wenn Menschen Computern Verhaltensweisen antrainieren, sind diese Verhaltensweisen nie frei von Vorurteilen. Das passiert manchmal unbeabsichtigt und manchmal einfach dadurch, dass Daten aus der Vergangenheit herangezogen werden. Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel bei Entscheidungen, wer einen Job bekommt oder nicht, noch vor 20 oder 30 Jahren keine Frauen bestimmte Arbeiten ausübten, schleicht sich so eine Verzerrung ein, die

nur mehr schwer zu beheben ist. Wenn man dann noch bedenkt, dass nie ein Algorithmus alleine, sondern meist mit anderen im Verbund arbeitet, kann sich eine unausgewogene Entscheidungsfindung rasch fortsetzen und ausweiten.

SELBST DENKEN

Machen wir uns nichts vor: Unsere Smartphones und andere Computer sind voll von kleinen Programmen, die uns vielerlei Aufgaben erleichtern. Jede Erleichterung bedeutet, daran nicht mehr denken zu müssen, weil eine programmierte Erinnerung das zeitgerecht übernimmt. Problematisch wird es dann, wenn wir die Zusammenhänge und Wirkungsweise im Hintergrund nicht mehr verstehen. Dabei geht es nicht um die technische Lösung, sondern die ganz einfachen Wenn-dann-Relationen. So wie ich in der Buchhaltung das Soll-Haben-Prinzip verstanden haben muss, um ein Buchhaltungsprogramm richtig zu bedienen, brauchen wir ein Grundwissen, wie jede Art von Algorithmus funktioniert, sowie die Transparenz, dass ein solcher zum Einsatz kommt und für uns Entscheidungen trifft. So verführerisch die berühmte „und hier geschieht ein Wunder“-Blackbox auch ist, die kurzfristig Probleme einfach so löst, so gefährlich und unabsehbar können die Folgen sein. Wir haben bisher ausgiebig spielerisch experimentiert, um die Möglichkeiten maschinellen Lernens zu erkunden. Es wird nun Zeit, ethische und moralische Grundsätze gesellschaftlich zu diskutieren und Maßstäbe für zukünftige Anwendungen zu definieren.

ZUR PERSON

Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über fünf Jahren mit Vereinfachung in Unter­­nehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at


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eco.titel

DIE DIALEKTIK DER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ Die Geschichte der KI ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Sie ist ein Ding, das gleichzeitig über- und unterschätzt wird, sehnsuchtsvoll erwartet und gefürchtet zugleich. Ohne menschliches Zutun ist die KI nicht besonders intelligent, vom autonom entscheidenden Computer sind wir weit entfernt. TEXT: MARIAN KRÖLL

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16 Auf der Weltausstellung 1939 in New York tritt Roboter „Electro“ von Westinghouse zum ersten Mal vor großes Publikum. Der Maschinenmensch kann einige Worte sprechen und einfache Rechenaufgaben lösen. Das war vor wohlgemerkt 80 Jahren. Auch wenn Fortschritt nicht linear, sondern exponentiell verläuft, so sind wir wohl noch einige Zeit davon entfernt, dass Maschinen die Weltherrschaft übernehmen.

Systeme, welche die Gesamtheit der menschlichen Intelligenz abbilden und in der Lage sind, selbständig neue Probleme zu lösen statt nur einzelne menschliche Fähigkeiten zu simulieren, fallen unter die Kategorie der starken künstlichen Intelligenz. Die gibt es (noch) nicht. Und zwar nirgends.


eco.titel

„Egal wie kurz und mild, Traurigkeit ist die Grundverfassung der Online-Milliarden.“ MEDIENWISSENSCHAFTLER GEERT LOVINK

omantik und Technologie sind auf den ersten Blick keine Geschwister. Auf den zweiten schon. Das sehen wir daran, dass allerlei Heilsversprechen mit dem technologischen Fortschritt verknüpft sind. Transhumanisten etwa können es kaum erwarten, bis der Mensch vermittels Technik das leidige Menschsein hinter sich lässt. Der Quantencomputer, noch mehr als einen Quantensprung von der Serienreife entfernt, ist in aller Munde, über die künstliche Intelligenz (KI) wird allerorten ausufernd – und längst nicht immer intelligent – geredet. Wir unterhalten uns mit zunehmender Ernsthaftigkeit mit unseren Geräten bzw. den darin integrierten Sprachassistenten. Da wären die Mädels Siri und Alexa von Apple respektive Amazon und der sich weniger jovial gebende Google Assistant. Die Geräte hören uns zu, um daraus Daten zu generieren und zu lernen. Was nicht annähernd heißen soll, dass die Geräte bzw. die dahinterliegenden Dienste „intelligent“ wären. Das Problem mit dem Begriff der „Intelligenz“ ist, dass er so unscharf ist und es keine allgemein akzeptierte Definition gibt. Wenn von KI die Rede ist, berührt das in der Regel die Automatisierung „intelligenten“ Verhaltens und das maschinelle Lernen.

CHATBOT- DELINQUENZ

Wer kann sich noch an den unschuldigen Chatbot Tay erinnern, dem Microsoft via Twitter im Frühjahr 2016 Leben einhauchte. Tay wurde zu Testzwecken entwickelt, um die Lernprozesse künstlicher Intelligenz im Alltag nachvollziehen zu können. Es wäre wohl untertrieben, von einem Desaster zu sprechen. Tay brauchte, gefüttert mit den Konversations-Inputs der User des Kurznachrichtendiensts, nicht einmal einen Tag, um von einem unschuldig-naiven Maschi-

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nenwesen, das einem normalen Teenagermädchen nachempfunden sein sollte, zum Hardcore-Rassisten und AI-Nazi zu werden. Zwischen dem enthusiastischen Anfangstweet „hellooooooo world!!!“ bis zur Holocaustleugnung und Genozidfantasien in weniger als 16 Stunden dürfte einsamer Rekord sein. Tay war ein trauriges Warnsignal an Tech-Companies, was den unkritischen Umgang mit Chatbots betrifft. Das System hinter Tay war designt, um von den Internetnutzern zu lernen. Deshalb spiegelte es das Verhalten der User wider. Das sagt allerdings nicht nur etwas über die Anfälligkeit der Technologie aus, sondern auch wenig Schmeichelhaftes über die Menschheit. Bereits 2011 widerfuhr IBM mit Watson Ähnliches wie Microsoft. Das KI-Projekt mit dem Ziel der Schaffung einer hochwertigen semantischen Suchmaschine kam ins Gerede, nachdem sie mit Inhalten aus dem Urban Dictionary und der Wikipedia gefüttert wurde, um den Supercomputer menschlicher klingen zu lassen. Daraufhin soll Watson etwa die Anfrage eines Forschers mit dem Wort „Bullshit!“ quittiert haben. Das mag man erfrischend ehrlich finden, angebracht ist es nicht. Das Grundproblem war, dass die Maschine schlichtweg über kein „Taktgefühl“ verfügt und höflichen Diskurs nicht von Obszönitäten unterscheiden kann. Daraufhin haben die Entwickler Watson einen Maulkorb verpasst, der Fluchen zukünftig unterbinden sollte. Diese Anekdote zeigt, dass es noch ein langer Weg ist, bis die KI die komplexen, sich andauernd verändernden und kontextabhängigen Besonderheiten und unzähligen Nuancen menschlicher Kommunikation erlernt. Wie jeder andere Chatbot hatte auch Tay keine Ahnung davon, was sie gesagt hat, ob es auf der Bedeutungsebene etwas Beleidigendes, Unsinniges oder Tiefgründiges war. „Jedes KI-System, das aus schlechten Beispielen lernt, könnte sozial unangemessen enden“, meint etwa der KI-Forscher Roman Yampolskiy, „wie ein Mensch, der von Wölfen aufgezogen wurde.“

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ES GIBT IMMER HYPE-ZYKLEN Der Informatiker Dieter Fensel von der Universität Innsbruck arbeitet im Bereich formaler Sprachen und des semantischen Webs. Er sagt, KI komme sowieso, Europa würde gegenüber China und den USA aber „sträflich hinterherhinken“. INTERVIEW & FOTO: MARIAN KRÖLL

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uropa liege deswegen zurück, erklärt Dieter Fensel, weil man traditionell im IT-Bereich hinterherhinke. Das liege auch am Festhalten an verfestigten Strukturen und einem gewissen allgemeinen Wohlstandsniveau, das den Veränderungsdruck nicht so spürbar werden lasse. Das Interview. ECO.NOVA: Warum wurde Europa beim Thema KI abge-

hängt? DIETER FENSEL: Es ist nicht neu, dass Dinge im IT-Bereich in den USA passieren und nicht in Europa. Microsoft, das Internet, IBM, Google, Amazon. Das findet bei der KI nur seine Fortsetzung. KI basiert auf großen Datenmengen und Monopolisten wie Amazon und Google haben diese Daten. Neben der amerikanischen Dominanz neu ist, dass China massiv aufgeholt hat. Nun ist schon der Umgang mit dem Datenschutz in den USA äußerst lasch und in China existiert er fast überhaupt nicht. Wie ist der Status quo in der KI? KI nahm in den 1950ern des vergangenen Jahrhunderts seinen Anfang. Naiv wie man war, dachte man, binnen zehn, 20 Jahren die ersten KI-Systeme zu haben. Das war völlig überzogen. Die Computational Power hat sich jedoch heute genauso wie die verfügbaren Datenmengen extrem gesteigert. Früher hatte man zu wenig Daten und heute das Problem, sich in der ungeheuren Datenmenge zurechtzufinden.

Was ist das Semantic Web? In den 1990ern haben wir, als das Web explodierte, mit dem Semantic Web begonnen. Wir wollten die Suche im Web verbessern, indem wir die Ressourcen so beschreiben, dass ein Computer diese versteht. In der Praxis wurde das etwa ein Jahrzehnt ziemlich blockiert, weil Google – damals noch reine Suchmaschine – sagte, das brauchen wir nicht. Um 2010

herum gab es einen Strategiewechsel. Google wollte nicht mehr nur die besten Links finden, sondern die User auf ihrer Seite halten. Google wollte selber die Antworten geben, hat sich von der Search Engine zur Query Engine entwickelt. Das geht ohne Semantics nicht mehr. Mittlerweile arbeitet die Hälfte meiner Fachkollegen für Google. Sie promoten den sogenannten Knowledge Graph, der bald schon Billionen von annotierten Daten (mit strukturierten Zusatzinformationen versehene Daten, Anm.) enthalten wird.

Erfolgt die Annotation von Daten automatisch? Ganz automatisch kann das nie erfolgen, sonst bräuchte man es ja einfach nicht. Semantic Web ist eine Fortsetzung der symbolischen KI. Das Machine Learning ist die Fortsetzung der nichtsymbolischen KI, die autonom funktioniert. Diese Systeme funktionieren auch sehr gut, das Problem dabei ist, dass niemand wirklich versteht, warum und wie.

Da könnte man naiv fast so etwas wie Bewusstsein unterstellen? Wir verstehen unser eigenes Gehirn auch nicht wirklich. Vielleicht ist das dann künstliche Intelligenz, wenn wir als Menschen nicht mehr nachvollziehen können, wie die Maschinen funktionieren. Unser Fachbereich arbeitet aber noch für den Menschen. Annotationen werden von Menschen für Menschen gemacht. Der Computer soll sie lediglich verstehen. Unser Ansatz ist humanzentriert, Machine Learning maschinenzentriert. Welcher Ansatz setzt sich durch? Es gibt immer HypeZyklen. Im Moment sind Themen wie Deep Learning und Neuronale Netzwerke oben. Unser Feld wird gerade unter dem Namen Knowledge Graph wieder zum Hype werden. Beide Felder berühren und befruchten einander.


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STARKE UND SCHWACHE KI Die Informatik unterscheidet aus gutem Grund zwischen schwacher und starker KI. Künstliche Intelligenz, im Englischen mit AI (artificial intelligence) abgekürzt, ist per se ein etwas irreführender, schwammiger Begriff. Im Grunde ist sie nichts anderes als der Versuch, menschliche Entscheidungsstrukturen nachzumachen. Anders gesagt, soll KI Computern ermöglichen, Aufgaben zu lösen, die – löste sie ein Mensch – Intelligenz erfordern. Beim Computer wird diese Intelligenz mithin durch Algorithmen lediglich simuliert. Was wir heute sehen, ist schwache KI. Die heißt nicht so, weil die Rechenleistung zu wünschen übrig ließe oder die Maschinen langsam wären. Die Differenzierung stellt darauf ab, dass im Gegensatz zu uns Menschen Maschinen in der Regel hochspezialisiert sind und abseits des engen Aufgabenspektrums nichts anderes können, ihre „Intelligenz“ also eng eingegrenzt ist. Der Mensch dagegen ist ein Generalist, auch wenn oft anderes behauptet wird. Systeme, welche die Gesamtheit der menschlichen Intelligenz abbilden und in der Lage sind, selbständig neue Probleme zu lösen statt nur einzelne menschliche Fähigkeiten zu simulieren, fallen unter die Kategorie der starken künstlichen Intelligenz. Die gibt es (noch) nicht. Und zwar nirgends. Und es ist noch nicht einmal klar, ob es überhaupt jemals eine starke KI geben kann. Die schwache KI ist von derartigen Ambitionen weit entfernt, geht es ihr doch darum, mittels Mathematik und Informatik intelligentes Verhalten zu simulieren und nicht darum, Bewusstsein zu schaffen und ein tieferes Verständnis von Intelligenz zu erreichen.

„Vorhersage ist nicht einfach nur eines der Dinge, die dein Gehirn tut. Sie ist die Hauptfunktion des Neocortex und das Fundament der Intelligenz.“ IT-UNTERNEHMER UND NEUROWISSENSCHAFTLER JEFF HAWKINS

Irgendwie wohnt dem Menschsein der Wunsch inne, sich selbst zu optimieren und über sich hinauszuwachsen. Das macht uns erst zu dem, was wir sind, treibt mitunter aber seltsame Blüten. Der österreichische Technikphilosoph Günther Anders hat das Phänomen in seinem zweibändigen Hauptwerk „Die Antiquiertheit des Menschen“ bereits untersucht, als der Personal Computer oder das Smartphone noch lange kein Thema waren. Anders polemisierte ganz bewusst und methodisch zeitlebens gegen die Technik, aber auf ebenso unterhaltsame wie geistreiche Weise. Der Philosoph postulierte ein Gefälle zwischen den Fähigkeiten des Menschen und der Maschinen, die der Mensch selbst hergestellt hat. Die Perfektion der Maschinen werde immer größer, während die Unvollkommenheit des Menschen bestehen bleibe. Dieses Phänomen, die „täglich wachsende A-synchronisiertheit des Menschen mit seiner Produktwelt“, nennt Anders prometheisches Gefälle. Um diesem zu entkommen, wolle der Mensch ein Produkt werden, sich so in seine Produktwelt integrieren, „seinen Göttern: den Apparaten, gleich zu werden, richtiger: ih-

nen ganz und gar, gewissermaßen ko-substanziell zuzugehören“. Diese These, die Anders vor Jahrzehnten aufgestellt hat, ist heute, in dem sich viele Menschen ohne Smartphone unvollständig fühlen und die Realität der sozialen Medien die Bedeutung der Realität übertroffen hat, beklemmend valide. Dieser Sachverhalt ist nicht zuletzt eine Frage der Freiheit, wie schon Anders erkannt hat, der – überzeichnet zwar – konstatierte: „Die Subjekte von Freiheit und Unfreiheit sind ausgetauscht. Frei sind die Dinge: unfrei ist der Mensch.“ Der Mensch existiere als „Gerät für Geräte“, er formt sich so, dass er zu seinen Erzeugnissen passt, und seine Lebensaufgabe ist es, für Geräte da zu sein. Der Mensch tut nicht das, was er will, sondern wird von seinen Geräten bestimmt. Die Beherrschung von Big Data bzw. das Verständnis, wie alle existenten Daten zusammenhängen, unterliegt derzeit einer gewissen Fetischisierung. Mittels Big Data soll wieder einmal erkannt werden, was die Welt im Innersten zusammenhält. Es wird behauptet, dass die Erhebung und Analyse von mehr Daten zu einer besseren Prävention und Bewältigung von Problemen

DIE DINGE ANDERS SEHEN

Dem öffentlichen Gerede, ja Geraune von der Macht der künstlichen Intelligenz liegt häufig ein mechanistisches Weltbild zugrunde. Alles, so die simplifizierende Modellvorstellung, geht wie ein Uhrwerk seinen Gang, präzise zwar, aber nachvollziehbar und vorhersehbar. In die KI wird allerlei hineininterpretiert, Anthropomorphismen stehen an der Tagesordnung. Sie sorgen einerseits dafür, dass wir erst auf einem der Allgemeinheit gerade noch nachvollziehbaren Abstraktionsniveau über das Thema reden können, stiften aber auch Verwirrung, wenn wir sie zu wörtlich nehmen und darüber vergessen, dass das Herz der digitalen Revolution aus Transistoren besteht.

IHR GOLDSCHMIED SEIT 1764

DIE LEIDENSCHAFT SPÜREN.

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Das Problem mit dem Begriff der „Intelligenz“ ist, dass er so unscharf ist und es keine allgemein akzeptierte Definition gibt. in der Gesellschaft führt. Infolgedessen würde Big Data die Menschen gesünder, wohlhabender und gebildeter machen und die Gesellschaft sicherer, sauberer und demokratischer. Diese Logik und der mit ihr einhergehende digitale Positivismus blenden aus, dass viele gesellschaftliche Probleme auf Machtverhältnissen beruhen.

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personalisierte Wege, um bei seinen Nutzern eine schlechte Stimmung zu machen. Es gibt nicht die eine Methode, mit der man alle unglücklich macht.“ Das klingt pessimistisch, aber nicht völlig abwegig. „Das Leiden ist real. Es passiert gerade, wenn wir nicht mehr zwischen Handy und Gesellschaft unterscheiden können.“

DIGITALER BLUES

MIT DEM VORRECHT DER JUGEND

Ein Blick auf die sozialen Medien zeigt, wie sehr wir uns der Logik der Algorithmen bereits untergeordnet haben. Was uns diese als „newsworthy“ vorsetzen, wird von vielen Menschen gar nicht erst hinterfragt. Es ist nicht unerhört, dass es gar nicht wenige Menschen geben soll, die ihr ganzes Sozialverhalten, ja sogar ihre ganze Existenz darauf ausrichten, in den sozialen Netzwerken gelikt zu werden. Bereits vor einigen Jahren hat die Wissenschaft, konkret die Neuroinformatik, herausgefunden, dass das Wischen auf dem Smartphone das Gehirn der User verändert, also unsere digitale Technik die Sinnesverarbeitung im Gehirn formt. Aber nicht nur unser Gehirn ist Veränderungen unterworfen, sondern längerfristig sogar unsere Anatomie. Der Tinder-Daumen ist der Tennisarm der Jetztzeit. Medienwissenschaftler Geert Lovink schreibt in seinem bemerkenswerten Aufsatz „Programmierte Traurigkeit. Vom Leben in den Ruinen der Luftschlösser der Digitalen Kommunikation“ in der Kulturzeitung Lettre International davon, dass sich Social Media und Psyche vereinigt hätten und das tägliche Leben zur „sozialen Realität“ gemacht hätten. Diese sei ein körperschaftlicher Hybrid zwischen den mobilen Medien und der psychischen Struktur der Nutzer. Lovink diagnostiziert eine Traurigkeit in den sozialen Medien, unter anderem hervorgerufen durch „die Herausbildung unrealistischer Schönheits- und Statusideale ... oder die Gefahr von Troll-Angriffen.“ Das ist weder überraschend noch neu. Interessanter ist dagegen, dass, so Lovink, „Google und Facebook wissen, wie man negative Emotionen leichter nutzen kann, und so findet ein solches System auch immer

Dass die Jungen es den Altvorderen einmal so richtig hineinsagen, ist der neue heiße Scheiß. Aber im Ernst, es ist natürlich völlig legitim, dass sich die Jugend in wichtigen Zukunftsfragen – und dazu gehört unter anderem der Klimaschutz – zu Wort meldet. Man muss aus den lauten, aber faktisch mitunter recht dürren Wortmeldungen aber nicht gleich einen allgemeingültigen moralischen Imperativ stricken. Schuldgefühle, weil man Wirtschaftswachstum, Frieden und

die kontinuierliche Mehrung von Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg für den richtigen Weg hielt, müssen sich die Nachkriegsgenerationen auch nicht wirklich machen. Appellierend ist etwa der Schülerlobbyist Samuel Koch unterwegs. „Schülerlobbyist“ Koch wurde als Veranstalter der jährlichen Young Entrepreneurs Conference einem breiteren Publikum bekannt und legt mit „Die Welt, die ihr nicht mehr versteht – Inside Digital Revolution“ eine umfassende Anklageschrift vor. Koch, 25 und selbst „einer dieser Jugendlichen“, habe ein Buch geschrieben, „mit dem er uns Erwachsenen zeigt, in welcher Welt wir schon heute leben, und er tut das schonungslos“, schreibt Whatchado-Gründer und EU-Jugendbotschafter Ali Mahlodji, 38, im Vorwort. Weiters: „Er provoziert ab dem ersten Absatz – nicht mit dem Samthandschuh, sondern elegant und direkt mit dem Vorschlaghammer.“ Da wird man doch gleich neugierig auf die zarte Eleganz und Eingängigkeit des Vorschlaggehämmers. Das Buch beginnt dementsprechend gleich mit einem Zitat aus „Game of Thrones“: „Ich fordere euch auf, euch zurückzuziehen, oder euren Rückzug jetzt vorzubereiten.“ Man merkt, dem Autor ist es ernst. Die Meritokratie sollte sich vor-

A warm welcome: Das ist Tay, ein Chatbot, der es wahrlich nicht leicht hatte in seinem kurzem Twitter-Leben.


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Zukunft denken Für morgen gemeinsam vorausplanen. Wir alle wissen nicht, was kommt. Aber den eigenen Lebensstil auch in Zukunft halten zu können, ist mehr als wünschenswert. Die richtige Vorsorge befreit und schafft mehr finanziellen Spielraum.


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sehen. Die Erwachsenen würden die Welt, „in der wir, die junge Generation, leben und bestehen müssen“, nicht mehr erkennen und schon gar nicht verstehen, heißt es da. Außer Elon Musk. Der kennt sich aus. Man könnte nun entgegnen, dass Progressivität nicht unbedingt vom Alter abhängt und das Buch des plumpen „Ageism“ bezichtigen, aber auch – vielleicht aus Altersmilde – davon absehen. Zweifellos ist die große Geste des Welterklärbärs modern. Nuancen sind da nicht gefragt. Dass die junge Generation mit der vorhergehenden fremdelt, ist nicht neu, sondern völlig normal. Das war schon immer so. Die Abgrenzung braucht es, um eine eigene Identität zu begründen, die ohne die Elterngeneration tragfähig ist. Dennoch lassen sich aus dem Buch des jungen Wilden einige interessante Punkte herauslesen, die untermauern, wohin die Reise des Menschen in der digitalen Zukunft gehen könnte. Koch schreibt den Alten ins Stammbuch: „In Wirklichkeit funktionieren wir längst auf viel fundamentalere Weise anders als ihr. Wir verhalten uns nicht nur anders, ein anderes Modell Mensch. [sic]“ An anderer Stelle heißt es: „Unser Lebensstil hat sich dem Tempo angepasst. Wir haben, mehr intuitiv als bewusst, bereits einen Lebensstil entwickelt, der uns zu einer Art Homo tempo macht und der ideal für eine sich beschleunigende Welt ist.“ Aha. Hellsichtig und ergiebiger wird es beim Kapitel Fortschritt. Koch konstatiert nämlich, dass es „euch“ – vermutlich allen, die älter als der Autor sind – an Sachlichkeit fehle, was die Beurteilung des Fortschritts betrifft. „Bei euch geht es immer gleich um techno-biologische Mythen wie das ewige Leben. Dabei ist die irdische Form davon wohl eher ein PR-Gag des Silicon Valley, der vielleicht dessen ungezügelte Hybris dokumentiert, aber keine tatsächliche Option ist.“ Ein anschlussfähiger Gedanke, ebenso wie: „Ihr tut dabei immer so, als würde künstli-

WIEDERBELEBTES WORT DER AUSGABE Jedes Jahr streicht der Duden Worte aus seiner Printausgabe. Wir machen es uns dieses Jahr zur Aufgabe, einige von ihnen wiederzubeleben. Runabout: engl. „Landstreicher“: leichter Wagen, 1934 aus dem Duden gestrichen

„Frei sind die Dinge: unfrei ist der Mensch.“ TECHNIKPHILOSOPH GÜNTHER ANDERS

che Intelligenz nach dem Muster menschlicher Intelligenz funktionieren.“ Eine drohende Machtübernahme der KI bezeichnet Koch dementsprechend auch als „Mythos“. Ansonsten dominiert grenzenloser Fortschrittsoptimismus. Stichwort: „Wir brauchen den Fortschritt zur Rettung der Welt.“ So auch in der vermeintlichen Zukunft der Mobilität, der Elektromobilität: „Wir (...) setzen auf die Technologie, der die Zukunft gehört, auch wenn sie in der Startphase noch Schwächen hat.“ Startphase ist ein dehnbarer Begriff. Die begann in der Elektromobilität nämlich Ende des 19. Jahrhunderts, als Elektrofahrzeuge wie der Baker-Runabout* dem noch jungen Verbrennungsmotor weit überlegen waren. Und: „Technologie hilft uns somit, bessere Menschen zu werden.“ Aber geschenkt, undifferenzierter Furor ist das Vorrecht der Jugend. Das Leitmotiv, einen anderen, besseren Menschen vermittels Technologie zu erschaffen, durchzieht die Kapitel. Das Streben nach Selbstoptimierung – ganz gleich, ob mit Werkzeugen, Maschinen oder eben Computern – ist so alt wie die Menschheit. Das Buch ist jedenfalls trotz oder gerade wegen seines pastoralen Tonfalls und seiner Dichotomien bisweilen eine gute und

empfehlenswerte Grundlage, um zu erfahren, wie in gewissen jugendlichen Kreisen so getickt wird. Samuel Koch hat Visionen. Das ist auch gut so und streckenweise interessant. Dass deshalb die Alten alle heimgehen sollen, kann man aber für übertrieben halten. Der nostalgisch verklärte Blick auf die Vergangenheit wird bei der Gestaltung der Zukunft ebenso wenig hilfreich sein wie der blinde Fortschrittsoptimismus. Gefragt ist Fortschrittsrealismus. Künstliche Intelligenz ist nicht das, wofür sie allgemein gehalten wird. Sie ist keine Zukunftsmusik, sondern Gegenwart, und spielt in der Arbeitswelt wie im persönlichen Leben bereits eine wesentliche Rolle. Die wird noch weit prominenter ausfallen. KI wird mächtiger, so intelligent und vor allem autonom wie das menschliche Leben wird sie aber möglicherweise nie. Es darf zu Recht daran gezweifelt werden, ob sich eine starke KI oder dem Menschen in allen Belangen überlegene Superintelligenz je realisieren lassen wird. Ein wenig Selbstvertrauen kann dem modernen Menschen also nicht schaden, weil die Geräte im Dienst des Menschen stehen sollten und nicht umgekehrt. Schluss mit der Dingscham, mutig in die neuen Zeiten!


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„Maschinelles Lernen bezeichnet Programme, die anhand von Daten ihre Eigenschaften verbessern. Wenn man heutzutage KI sagt, meint man eigentlich maschinelles Lernen. Die Begriffe werden deckungsgleich verwendet, obwohl sie nicht dasselbe sind.“ JUSTUS PIATER


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KI ODER DIE GESCHICHTE EINER GLEICHZEITIGEN ÜBER- UND UNTERSCHÄTZUNG Justus Piater ist seit rund neun Jahren am Institut für Informatik an der Universtität Innsbruck tätig. Sein Schwerpunkt: intelligente Systeme. INTERVIEW UND FOTOS: MARIAN KRÖLL

25 Die künstliche Intelligenz (KI) wird in der Öffentlichkeit häufig unter einem Gefahrenaspekt diskutiert. Kann sie uns denn tatsächlich irgendwann gefährlich werden? JUSTUS PIATER: Da gibt es zwei Antworten, die ich darauf geben möchte. Die eine ist, dass diese Szenarien die Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz dramatisch überschätzen. Was wir heute an KI haben, ist hauptsächlich Mustererkennung, und da wurden in den letzten 10 Jahren dramatische Fortschritte gemacht, hauptsächlich deshalb, weil mehr Daten und Rechenleistung zur Verfügung stehen. Damit haben wir jetzt praktikable Systeme, die tatsächlich alles Mögliche – Gesichter, Nummernschilder und so weiter – erkennen können. Dem Ziel, Systeme zu entwickeln, die selbst initiativ und kreativ werden und neue Probleme lösen können, die nicht von Menschen vorstrukturiert werden, sind wir jedoch kaum nähergekommen. ECO.NOVA:

Eine KI ist immer eine Ansammlung von Bits und Bytes, Daten und Algorithmen, die intelligentes, menschliches Verhalten höchstens simulieren kann. Kann eine KI jemals so etwas wie ein (Selbst-)Bewusstsein entwickeln? Das ist schwer zu sagen. Mei-

ner Ansicht nach sind wir weit davon entfernt. Mir ist kein plausibler Ansatz bekannt, wie das funktionieren sollte. Andererseits kann ich auch nicht sagen, dass das niemals möglich sein würde. Das Phänomen des Bewusstseins ist an sich nicht hinreichend verstanden. Wenn wir als Arbeitshypothese davon ausgehen, dass ein menschliches Gehirn rein mechanistisch funktioniert, gibt es a priori keinen Grund anzunehmen, warum man das nicht irgendwann technisch nachbauen können sollte. Aber davon sind wir wie gesagt weit entfernt. Es stellt sich die Frage, ob man beim Bewusstsein wirklich eine rein mechanistische Sichtweise zugrunde legen möchte. Zum Menschsein, zur Conditio humana, gibt es durchaus auch andere Zugänge. Ja, die gibt es allerdings. Der Philosoph Günther Anders spricht in seinem Werk „Die Antiquiertheit des Menschen“ von der Dingscham. Der Mensch schäme sich, kein Ding zu sein. „Solche Selbsterniedrigung vor Selbstgemachtem hat es seit dem Ende der Idolatrie nicht wieder gegeben“, schrieb Anders. Ist der Diskurs über KI nicht auch von einem gewissen ab-


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strakten Gefühl der eigenen menschlichen Unzulänglichkeit kontaminiert? Das zu beurteilen fällt mir schwer. In der Wissenschaft nehme ich das nicht wahr. In der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion kann ich mir aber schon vorstellen, dass es solche Elemente gibt. Ein Problem, das ich sehe, ist, dass Systemen, die wir als künstliche Intelligenz bezeichnen, von der Öffentlichkeit viel mehr Vertrauen entgegengebracht wird als angemessen wäre. Das könnte ein Phänomen dieser Art sein.

Ist dieser Vertrauensvorschuss oder dieses blinde Vertrauen gerechtfertigt? Wie konnte es dazu kommen, dass Menschen der Maschinenintelligenz mehr vertrauen als einander? Das kommt sicherlich daher, dass in einzelnen Bereichen die Maschine dem Menschen tatsächlich überlegen ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis selbstfahrende Autos sicherer fahren als Menschen. Die meisten Einsatzgebiete der KI sind

heutzutage im Grunde Mustererkennungsprobleme. Die Zahl der Bereiche, in denen KI-Systeme leistungsfähiger sind als Menschen, nimmt ständig zu. Ich finde das persönlich nicht erstaunlich, aber es ist bemerkenswert, dass Probleme, die bis vor einigen Jahren noch außerhalb der Reichweite von Maschinen lagen, nun von ihnen besser gelöst werden als von Menschen. Das sind wie gesagt jeweils Probleme, die von Menschen formalisiert wurden. Die Systeme lernen dann – und das sehr gut – diese Probleme zu lösen. Es ist aber ein völlig anderes Kapitel, dass diese KI aus ihrer Box ausreißt und auf einmal die Weltherrschaft übernimmt. Das sind zwei vollkommen verschiedene Paar Schuhe.

Sie versuchen, Robotern beizubringen, ihre Umgebung zu verstehen und zu interagieren. Wie funktioniert das konkret? Wir arbeiten mit sehr kleinen Beispielszenarien, die wir sehr gut kontrollieren können und wo wir viele reale

Probleme ausklammern, um uns auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Wir lassen den Roboter mit Gegenständen spielen. Er interagiert mit diesen, um zu lernen, welche Interaktion welche Folgen nach sich zieht und welche Eigenschaften die Objekte haben. Auf der Basis des sozusagen spielerisch Erlernten kann er dann zielgerichtet Aufgaben erfüllen.

Wie kommunizieren Sie mit dem Roboter? Wir kommunizieren nicht direkt und lassen den Roboter spielen. Wenn wir ihm sagen wollen, er solle einen Turm bauen, geschieht das über Programmcode. Es findet keine natürliche Kommunikation statt. Wir haben aber auch schon im Bereich Mensch-Roboter-Interaktion gearbeitet, wo wir mittels Gesten mit dem Roboter kommuniziert haben. Das System konnte verschiedene Handgesten erkennen und unterscheiden und der Roboter hat gleichzeitig gelernt, was diese bedeuten.


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„Es ist bemerkenswert, dass Probleme, die bis vor einigen Jahren noch außerhalb der Reichweite von Maschinen lagen, nun von ihnen besser gelöst werden als von Menschen.“

w w w. b a d - a r c h i t e k t u r . at

JUSTUS PIATER

Der Roboter kann also aufbauend auf vorhandener Information neue Gesten erlernen? Genau. Man macht dem Roboter Gesten vor und dieser versucht zu erraten, was die Gesten bedeuten. Der Mensch kann den Roboter dann korrigieren oder bestätigen.

Versucht man bewusst, beim Roboter die menschliche Physiognomie und Statur mit Gliedmaßen, Kopf und so weiter nachzuahmen, oder spielt das keine Rolle? Wir haben unseren Roboter auch etwas anthropomorph angeordnet. Das hat den Vorteil, dass es für den Menschen gut nachvollziehbar ist, was der Roboter tut. Ein wichtiger Aspekt ist, dass der Mensch versteht, was der Roboter machen möchte und was er dabei vom Menschen erwartet. Eine sehr intuitive Kommunikationsmöglichkeit ist der Blick. Deshalb hat unser Roboter einen Kopf mit zwei Augen. Wir haben nachgewiesen, dass es sehr hilfreich ist, dass der Roboter, bevor er sich ein Objekt greift, dieses ansieht. Dann weiß der Mensch, worauf gerade die Aufmerksamkeit des Roboters gerichtet ist. Oder wenn er die nächste Geste des Menschen erwartet, hebt er den Blick und schaut dem Menschen in die Augen. Funktionieren diese Augen oder handelt es sich nur um Dummies? Wir könnten zwar die Augen für die Kameras verwenden, haben das aber in dem Fall nicht gemacht.

Moore’s Law besagt, dass sich die Komplexität von Computerchips in regelmäßigen Abständen verdoppelt. Das hat bislang ziemlich gut zugetroffen und die „Digitale Revolution“ erst ermöglicht. Kann das denn munter so weitergehen oder kommt man irgendwann an die Grenzen des Machbaren? Moore’s Law wurde zunächst durch eine

Steigerung der Taktfrequenz getragen und dadurch, dass man immer mehr Transistoren auf einem Chip untergebracht hat. Derzeit ist es die massive Parallelisierung, die es am Leben erhält. Ich weiß nicht, was die einschlägigen Experten dazu sagen, aber ich persönlich wäre nicht überrascht, wenn diese Gesetzmäßigkeit so langsam zum Ende kommt. Der Parallelisierung sind Grenzen gesetzt.

Kündigen sich irgendwo am Horizont technologische Entwicklungen an, die in Ihrem Fachbereich einen Quantensprung ermöglichen? Das kommt darauf an, wo man den Horizont ansetzt. Weil Sie vom Quantensprung sprechen: Wenn tatsächlich eines Tages Quantencomputer kommen, welche die theoretischen Versprechen einlösen, wäre das eine gewaltige Revolution mit gewaltigen Folgen. Die herkömmliche Kryptographie wäre mit einem Schlag hinfällig.

Steht da der praktische Beweis nicht noch aus, dass der Quantencomputer überhaupt irgendwann marktfähig werden kann? Das ist noch nicht ganz klar. Offenbar ist das Hauptproblem, dass die sogenannten Qubits – die im Quantencomputer im Gegensatz zu den Bits im konventionellen Computer entstehen – schwer zu kontrollieren sind. Da entstehen Fehler, die korrigiert werden müssen. Man versucht diese zu minimieren, in dem man das Gerät ganz stark nahe an den absoluten Nullpunkt herunterkühlt und Fehleralgorithmen einbaut. Mit jedem Qubit, das man dem System hinzufügt, wird das Problem größer. Deshalb gibt es derzeit ein massives Skalierungsproblem. Ob das eines Tages praktikabel lösbar ist, ist meines Wissens derzeit offen. Aber unsere Nachbarn von der Quantenphysik können diese Fragen kompetent beantworten.

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Die Informatik unterscheidet zwischen schwacher und starker KI. Zweitere hat möglicherweise so etwas wie ein Bewusstsein. Können wir die schwache KI eines Tages hinter uns lassen? Ich kann mir eine starke KI auch ohne Bewusstsein vorstellen. Für mich fängt eine solche da an, wo die Maschine selbständig initiativ wird, sich neue Aufgaben sucht und lernen kann. Heute ist es so, dass jedes Problem, das von einer schwachen KI gelöst wird, zuerst von einem Menschen formalisiert werden muss. Dann wird das System trainiert und kann diese Aufgabe sehr gut lösen, eignet sich aber nicht dafür, andere Aufgaben zu lösen.

Die KI kann sich folglich autonom nichts Neues aneignen? Nein, nicht autonom und sie kann generell nicht andere Dinge dazulernen. Man trainiert für jede Aufgabe ein separates System. Es wird viel daran geforscht, das zu ändern und Systeme zu generalisieren. Ich erwarte aber über Nacht keine massiven Umbrüche.

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Es wird viel über Maschinenlernen und Deep Learning geredet. Was heißt das? Maschinelles Lernen bezeichnet Programme, die anhand von Daten ihre Eigenschaften verbessern. Wenn man heutzutage KI sagt, meint man eigentlich maschinelles Lernen. Die Begriffe werden deckungsgleich verwendet, obwohl sie nicht dasselbe sind. Unter dem Begriff KI lassen sich viele andere Dinge fassen. Deep Learning ist eine bestimmte Form des maschinellen Lernens, die auf neuronalen Netzen basiert. Das ist der Bereich, wo derzeit die mächtigsten Mustererkennungssysteme angesiedelt sind. Was bremst die Entwicklungsgeschwindigkeit in der Robotik? Das größte Hemmnis liegt in der mangelnden Fähigkeit von Robotern, ein konzeptuelles Verständnis ihrer Umgebung zu entwickeln. Das manifestiert sich dadurch, dass wir heute Roboter haben, die man mit neuronalen Netzen trainieren kann, bestimmte Aufgaben zu erledigen. Ändert sich die Aufgabe, fängt man von vorne an. Wir Menschen funktionieren grundlegend anders, wir haben ein Konzept von sagen wir horizontalen, glatten Oberflächen. Wir wissen, da können wir etwas draufstellen, in nach oben offene Hohlräume können wir etwas hineinlegen.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir fundamentale Prinzipien noch nicht verstanden haben, die es braucht, um eine starke KI zu bauen.“ JUSTUS PIATER

Wir müssen darüber nicht aktiv nachdenken. Derartige Konzepte bzw. Kategorisierungen sind für uns Menschen völlig selbstverständlich. Roboter sind also weit davon entfernt, ein konzeptuelles Verständnis zu erlangen? Ja. Wir könnten sie zwar einprogrammieren, müssten aber alles genau definieren. Idealerweise sollte sich der Roboter diese Konzepte selbst erarbeiten, damit er sie versteht und seine Umgebung so konzeptualisieren kann, dass sie ihm bei der Interaktion hilft.

Woran scheitert das? An der Rechenleistung, an der Methode? Letzteres. Wir wissen nicht, wie es geht. Als Informatiker denken wir entweder in symbolischer Form oder in sensomotorischen Datenströmen, Pixel, Drehmomenten und dergleichen. Arbeiten wir rein symbolisch, wird vieles nicht funktionieren, weil wir zu weit weg von der Realität sind. Arbeiten wir rein subsymbolisch, ist die Abstraktionsebene viel zu niedrig und wir können nicht generalisieren, über nichts Komplexes nachdenken.

Ihnen fehlt die Synthese dieser beiden Ebenen? Genau. Da fehlt der sanfte Übergang dazwischen. Den leistet das Gehirn. Wüssten wir, wie das Gehirn das macht, könnte das tatsächlich einen Umbruch bewirken. Wie halten Sie es mit dem Transhumanismus? Was verstehen Sie darunter? Die „Verbesserung“ des Menschen mittels Technologie, die „Aufrüstung“ des Menschen, diesen lang gehegten Traum der Menschheit, das Menschliche zu transzendieren. Persönlich finde ich das zwar eher dystopisch, aber der Wunsch existiert. In gewisser Weise machen wir das ständig. Alles, was Technologie ist, dient unserer ständigen Verbesserung. Aber diese Technologien haben eher Werkzeugcharakter. Ich meine Computertechnik, die in den Menschen implantiert wird, etwa Chips. Ich habe bisher kaum überzeugende Beispiele gefunden, warum man sich erweiternde


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„Das größte Hemmnis in der Robotik liegt in der mangelnden Fähigkeit von Robotern, ein konzeptuelles Verständnis ihrer Umgebung zu entwickeln.“ JUSTUS PIATER

Hoffnung, dass sich das ändert. Da bin ich tatsächlich pessimistisch. Ich fürchte, dass die westlichen Demokratien bereits mit einem Fuß über dem Abgrund stehen und der Demagogie Tür und Tor geöffnet wird.

30 Technologie implantieren lassen sollte. Eines Tages hat man vielleicht die Möglichkeit, Prothesen zu bauen, die besser sind als das Original. Dann fangen Menschen vielleicht an, sich Arme und Beine amputieren zu lassen.

Da gelangt man dann schnell zu ethischen Überlegungen. Wie ist es um die Ethik der künstlichen Intelligenz bestellt? In der künstlichen Intelligenz sehe ich keine ethischen Bedenken, was die Entwicklung betrifft. Es gibt aber natürlich jede Menge Bedenken, was die Verwendung von KI anbelangt. Das ist mit aller Technologie so. Diese ist erst einmal an und für sich wertneutral, kann aber für alle möglichen Zwecke eingesetzt werden. So wie in China die Bürger vom Staat überwacht werden, ist aus unserer Sicht indiskutabel. In so einer Welt möchte ich nicht leben. Ich lehne auch den Einsatz automatisierter Waffen, bei denen keine Menschen mehr Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen, ganz entschieden ab. Man muss vielleicht gar nicht nach China schauen, sondern einfach ins Silicon Valley. Dort macht Facebook auch nichts anderes als Gesichtserkennung

im ganz großen Stil. Das kann man auch für ethisch problematisch halten, wenn das ein privates Unternehmen macht … das viel zu viel Macht hat. Daran ist das viel gehypte und gelobte Google Glass seinerzeit gescheitert. An der Tatsache, dass es Menschen einfach gemacht wird, intime Situationen aufzuzeichnen. Wäre das Mainstream geworden, hätte ich mir ein Türschild mit „No Glasses“ aufgehängt, weil ich in so einer Welt nicht leben möchte, in der man keine Rückzugsräume mehr hat. Ich bin übrigens zur Eingangsfrage noch die zweite Antwort schuldig. Auch mit den geringen Möglichkeiten, die KI heute bietet, sind wir schon massiven Gefahren ausgesetzt. Ein großes Problem sehe ich in der Natur der sozialen Medien, die Interessengruppen ein extrem mächtiges Propagandawerkzeug zur Verfügung stellt. Das haben wir bereits durch die massive Beeinflussung politischer Entscheidungen – Brexit-Referendum, US-Präsidentschaftswahl – demonstriert bekommen. Das ist sehr schwer geradezubiegen, weil es eine unmittelbare Konsequenz eines Geschäftsmodells ist, das darauf beruht, Aufmerksamkeit zu erregen. Dadurch werden extreme Inhalte bevorzugt. Ich sehe ohne grundsätzliche Änderung des Geschäftsmodells keine

Befasst sich die IT kritisch-reflexiv mit ihren Hervorbringungen oder regiert da der ungebrochene Fortschrittsoptimismus? Nein. Leute denken darüber nach, es gibt gerade was die KI angeht mehrere europäische Initiativen, die bewusst ethisch vertretbare künstliche Intelligenz fördern wollen. Das ist eine bewusst europäische Agenda. Im Osten ist der Treiber der KI die Überwachung, in den USA die ungebremste Marktwirtschaft, die Europäer wollen transparente, ethische KI, die dem Menschen dient. Das ist eine neue Zielsetzung.

Glauben Sie an die technologische Singularität? Ich sehe sie in naher Zukunft nicht. In den letzten fünfzig Jahren hat sich kaum etwas getan, was uns der Singularität näherbrächte. Der einzige plausible Grund, warum man annehmen könnte, dass wir näher dran sind als damals, ist der, dass niemals so viel Forschung in diesem Bereich betrieben wurde wie jetzt. Es gibt Leute, die sagen, wir brauchen nur noch mehr „schneller, höher, weiter“, und das Ding entwickelt ein Bewusstsein. Zu diesen Leuten gehöre ich nicht. Ich bin davon überzeugt, dass wir fundamentale Prinzipien noch nicht verstanden haben, die es braucht, um eine starke KI zu bauen. Dann dürfen wir also nachts weiterhin ruhig schlafen. Ohne Angst, dass die Maschinen bald das Kommando übernehmen. In dieser Hinsicht ja. Aber wegen der sozialen Medien und ihrer Rolle als Propagandaplattformen sollten wir auf die Straße gehen.


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GESELLIGES BEISAMMENSEIN Unbedingte Leidenschaft für den Beruf und ein perfektes Arbeitsumfeld – die Ingredienzien, die aus dem Mocking von Andrea Posch und Martin Huber ein echtes Kitzbüheler Wirtshaus machen.

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I

m Sommer beginnt der Arbeitstag von Martin Huber in seinem Steingarten. Einen kräftigen Espresso in der Hand, blickt er auf abessinischen Grünkohl, auf Bronzefenchel, auf Wasabirucola, auf Borretsch und Herbsthimbeeren. Der Steingarten ist Oase und Lieferant wertvoller Zutaten für die Gerichte, die Martin Huber zaubert. Zusammen mit seiner Schwester Andrea verwandelte der 27-jährige Koch die ehemalige „Streifalm“ in Kitzbühel letztes Jahr in ein Wirtshaus, in dem Gastlichkeit und geradlinige österreichische Küche im Zentrum stehen. Herzstück des Konzepts ist eine

Küche, die alle Stückeln spielt. Sie spiegelt die Freude am Kreieren von Gaumenfreuden wider und am Genuss in feiner Wirtshausatmosphäre.

IM MOCKING

Kein Ausflug ins Englische, sondern in die Geschichte des Orts, ließ die beiden das Lokal in Mocking umtaufen. Stand an der Stelle des Restaurants früher doch das Wirtschaftsgebäude des Mockinghofs, den ihre Großeltern bewirtschafteten. Bei der Adaptierung des vormaligen Après-Ski-Lokals nahe der Streif setzte das junge Unternehmerduo Pri-

oritäten: Küche, Lagerräume, Sanitäranlagen zuerst. Binnen weniger Monate ging der aufwendige Umbau über die Bühne. Nun erreichen die Mitarbeiter alle Bereiche ebenerdig – vom Lager bis zu den Kühlräumen. Die Küche selbst ist ein echtes Schmuckstück. Die Arbeitsplätze sind großzügig, hell und effizient gestaltet. „Jeder Mitarbeiter soll perfekte Bedingungen vorfinden“, betont Martin Huber. Als Eyecatcher präsentiert sich die große Glasfront. Vom Vorplatz aus können die Gäste den Köchen über die Schulter schauen – der „Cheftable“ bietet Gästen darüber hinaus exklusive Einblicke ins Geschehen.


HYPO TIROL BANK

Ebenfalls gelernte Köchin, zeichnet sie primär für den Servicebereich und das Personalmanagement verantwortlich. Das Arbeitsfeld beherrscht sie aus dem Effeff. Schließlich war sie schon im elterlichen Betrieb, der Metzgerei Huber in Kitzbühel, für das Catering zuständig. Essen heißt im Mocking: zusammensitzen, plaudern, genießen,

FEINE AKZENTE Der rustikale Charme des Restaurants bleibt vorerst erhalten. Ein paar Akzente finden sich trotzdem: gusseiserne und Zinnpfannen, mit denen die Großmutter noch gekocht hat, ein schöner alter Bauerntisch, das Einstandsgeschenk der Mutter. Dazu – dezent, aber essenziell für das Wohlbefinden – indirektes Licht, ein modernes Lüftungssystem und großzügige Sanitäranlagen. Wer im Mocking sitzt, lernt auch die Küchenmeister kennen. Immer wieder spaziert einer der Köche vorbei, holt frische Kräuter aus dem Garten oder bringt seine Kreation selbst an den Tisch. Ein Ort zum Wohlfühlen – eine echte Oase. PR

EIN HOCHGENUSS Martin Huber und sein Team zaubern Gaumenfreuden auf die Teller, die alle Sinne erfreuen und konzentrieren sich dabei auf traditionelle österreichische Küche. Kalbswiener, Zwiebelrostbraten, Backhendl oder Lammhaxerln. „Wir interpretieren nicht neu, sondern gehen in die Tiefe“, erklärt Martin Huber. Erstklassige Zutaten, punktgenaue Zubereitung. Gerichte mit Geschichte, kreativ in Szene gesetzt und immer mit dem gewissen Extra. „Es macht eine Riesenfreude, die Speisen rauszutragen. Sie sind wunderbar hergerichtet. Und wir wissen, dass sie genauso gut schmecken“, ergänzt Andrea Posch.

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33 Leib und Seele Gutes tun. Nach dem Motto „Lasst die Wirtsleute entscheiden, was heute auf den Tisch kommt“ bieten die beiden ihren Gästen über die Speisekarte hinaus ein echtes Verwöhnpaket. Die einzelnen Gänge des Menüs werden in die Mitte der Tafel gestellt und jeder greift zu.


eco.wirtschaft

RICHTIG IN FAHRT 3Con ist als Partner und Zulieferer der Autobranche auf der Überholspur unterwegs und baut am Hauptstandort Ebbs massiv aus. Firmenchef Hannes Auer liefert auch gleich ein sattes Bekenntnis zum Standort Tirol. Für die Zukunft ist man dank Innovationen wie automatischer Nähmaschine optimistisch, und zwar völlig unabhängig davon, wie Autos zukünftig verkehren werden. TEXT & FOTOS: MARIAN KRÖLL

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Ü

ber den Wirtschaftsstandort Österreich – und Tirol – werden vor allem von Wirtschaftstreibenden nicht selten kritische Töne angeschlagen. Ein erfrischendes Kontrastprogramm lieferte Hannes Auer, Chef des erfolgreichen Tiroler Automobilzulieferers 3Con aus Ebbs, im Rahmen des dritten 3Con-Innovationstags, bei dem auch gleich der Startschuss für die massive Erweiterung des Firmenareals fiel. Der Geschäftsführer des überdurchschnittlich wachsenden Unternehmens lieferte nämlich ein umfassendes Bekenntnis zum Standort ab. 1998 im bayrischen Oberaudorf gegründet, zog es das Unternehmen bereits drei Jahre später ins tirolerische Ebbs, wo man im Gewerbegebiet „Kleinfeld“ dafür sorgt, dass dieses mit seinem Namen nichts mehr gemein hat. „Unser Headquarter ist und bleibt

in Ebbs. Der Standort ist nicht in Frage zu stellen, es gibt keine Alternative“, bekräftigt Auer und zählt eine ganze Reihe von Standortvorteilen in Tirol auf. Der Standort sei wettbewerbsfähig und müsse sich vor niemandem verstecken, so die Kernbotschaft. Selbst die Steuerlast sei hierzulande fast identisch mit der an anderen Standorten. Hört, hört! Normalerweise vernimmt man Derartiges eher aus der Politik. Der Ebbser Bürgermeister Josef Ritzer sagte zur Erfolgsgeschichte von 3Con anlässlich des Spatenstichs: „Es macht uns stolz, ein Unternehmen hier zu haben, das in dieser Liga spielt. Wir haben immer gut zusammengearbeitet, ohne dabei viel Papier zu produzieren.“ Das nennt man wohl Handschlagqualität. Das klare Bekenntnis zum Standort heißt aber nicht, dass 3Con nicht zum global agierenden und produzierenden Unternehmen

Weltpremiere: Was bisher manuell erledigt werden musste, schafft die „Nähmaschine“ von 3Con zukünftig vollautomatisch und mit größter Präzision.

herangewachsen wäre. Seit 2014 ist man in den USA und in China aktiv, 2015 hat man eine Niederlassung in Mexiko und 2016 die „3Con China Machinery Co.“ in Chengdu eröffnet. Das Unternehmen hat sich zum Weltmarktführer in einigen Technologiebereichen, darunter Press- und Vakuumkaschieren, Umbugen und Heißluft-Schneiden, aufgeschwungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem aktuellen Fahrzeug unabhängig vom Hersteller das Ebbser Unternehmen seine Hände im Spiel hatte, ist extrem hoch.

FÜR DIE ZUKUNFT GERÜSTET

In Ebbs zeigt man sich für die (automobile) Zukunft gerüstet, und zwar völlig unabhän-


eco.wirtschaft

Firmengründer und Geschäftsführer Hannes Auer (Mitte), flankiert von den Prokuristen Christian Mayr (Technik) (re.) und Daniel Schöpf (Personal)

gig davon, mit welchen Antrieben zukünftig gefahren wird oder ob das Auto autonom fährt. Das Ambiente wird immer hochwertiger und wichtiger, und beim autonomen Fahren haben die Insassen noch mehr Zeit, sich mit der Innenausstattung zu befassen. Derzeit brummt das Geschäft, allein für heuer stehen Aufträge im Wert von mehr als 100 Millionen Euro in den Büchern. Die Techniker aus Ebbs rücken mittlerweile immer näher an die Autobauer heran. „Wir dürfen erstmals die OEMs, also die Autohersteller, direkt im Design unterstützen und schauen mit den Augen des Technikers auf die Entwürfe und Designstudien unserer Kunden“, so Auer. Mit der Prototypenfertigung – bis 1.000 Stück – ist man in ein neues Geschäftsfeld eingestiegen. Die Prototypen, die 3Con in den USA, China und in Tirol produziert, haben einen höheren Reifegrad, als das bisher in der Branche üblich war, und sind deshalb näher am Serienfahrzeug. Für die Hersteller ein nicht zu unterschätzender Vorteil, da Fehler in einzelnen Bauteilen kurz vor der Serienreife enorme Kosten verursachen. Der erste diesbezügliche Auftrag wurde vom US-Autobauer General Motors erteilt.

Dort soll das Miteinander zwischen Unternehmen und Kunden, aber wesentlich auch zwischen den Mitarbeitern gepflegt werden. Für die Gastronomie hat die Unternehmensführung, so scheint’s, das Motto „Frisch gekocht ist halb gewonnen“ ausgegeben. Die Lehrlingswerkstatt bekommt zukünftig auch einen modernen und großzügigen Bereich, wo fundiert ausgebildet wird. Mit Nachhaltigkeit hat man sich, wie es in diesen Tagen üblich ist, auch beschäftigt. Auf dem Dach des Firmengebäudes werden 500 kW Photovoltaik installiert, die etwa die Hälfte des

täglichen Strombedarfs decken sollen. Darüber hinaus liefert eine 550-kW-Grundwasserwärmepumpe die Energie zum Heizen bzw. Kühlen. In den nächsten Jahren soll außerdem ein Parkhaus mit rund 400 Stellplätzen errichtet werden. Ein konkretes Resultat der firmeninternen Innovationsbestrebungen war ebenfalls zu bestaunen. Um dieses herum wird die Abteilung „Nähkleidentwicklung“, eine Sattlerei, aufgebaut. Die Maschine, die patentiert werden soll, kann vollautomatisch nähen. Das klingt erst einmal nicht weltbewegend, aber bisher musste diese Tätigkeit von Hand erledigt werden. Generell investiert man bei 3Con jährlich rund vier Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung, um der Konkurrenz weiterhin davonzufahren. Und zwar völlig gleich, ob autonom oder elektrisch. www.3con.com

„Wenn wir uns weiterhin bemühen, wird uns intellektuell keiner überholen.“ HANNES AUER

AUF DER ÜBERHOLSPUR

„Innovation ist für mich eine Lebenseinstellung, wir bei 3Con sind aus Leidenschaft innovativ“, so der Geschäftsführer. Man könne Innovation aber nicht anordnen, darum gelte es, Leute zu finden, die dieses Innovationsgen mitbringen. Das dürfte in Ebbs ganz ordentlich gelungen sein. Auer ist nicht bang, was die Konkurrenz betrifft: „Wenn wir uns weiterhin bemühen, wird uns intellektuell keiner überholen.“ Die Überholspur gehört mit Blick auf die rasante Entwicklung der letzten Jahre eindeutig den Ebbsern. Derzeit investiert man 22 Millionen Euro in die Erweiterung. Neben einem modernen Logistikzentrum, das Wareneingang, Kommissionierung, Ersatzteillager, Hochregallager und Verladebereich umfasst, und einem klimatisierten CNC-Fertigungszentrum wird auch eine Betriebsgastronomie eingerichtet.

DIE ERWEITERUNG IN ZAHLEN: • • • • •

Gesamtkosten: 22 Mio. Euro Grundstücksfläche: 34.000 m² (aktuell 14.000 m²) Gebäudefläche: 20.000 m² (aktuell 8.000 m²) Fertigstellung: August 2020 Anzahl Mitarbeiter in Ebbs: 550 (aktuell 350)

• • • • • •

1.500 m² Logistikzentrum 600 m² Kundenbereich zur Trägerteilbearbeitung und Kommissionierung 24 Stunden/7 Tage die Woche Werkzeug- und Verbrauchsmaterial-Ausgabeautomaten Klimatisiertes CNC-Fertigungszentrum Zertifizierte Schaltanlagenmontage nach Industrie-4.0-Standard 1.000 m² Erweiterung des Bereichs für Forschung & Entwicklung mit eigenem 3-D-Druckbereich 500 m² Nähkleid-Zentrum mit Sattlermeister Schulungs- und Konferenzraum „3CON Bildungs-Campus“ 1.500 m² klimatisierte Büros 700 m² überdachter Verladebereich für Lkw-, See- und Luftfracht-Verpackung 2.500 m² Produktionsfläche zur Montage der vollautomatischen Anlagen

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WK LEHRE

LEHRBERUFE MIT ZUKUNFT

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Österreich ist nach wie vor ein Land der Akademiker. Was schade ist, weil die Lehre viele wunderbare Möglichkeiten bietet, sich fachlich wie persönlich zu entwickeln. Und: Eine erfolgreich abgeschlossene Lehre ist oft nur der erste Schritt nach oben auf der Karriereleiter.

V

iele Spitzenkräfte haben ihre berufliche Laufbahn mit einer Lehre gestartet. Karrieren als Team- oder Abteilungsleiter oder auch Geschäftsführer haben oft mit einer Lehrlingsausbildung begonnen. Doch auch wer keine Führungsposition anstrebt, kann mit einer Lehre seine berufliche Erfüllung finden. Das Angebot ist heute derart groß, dass für jedes Talent der passende Beruf gefunden werden kann.

WELTOFFEN

Die Lehrbetriebe des heimischen Elektround Einrichtungsfachhandels sind über die Grenzen hinaus für Topqualität bekannt, können auf jahrzehntelanges Know-how zurückgreifen und werden oft familiär geführt. Gerade das Berufsfeld im Einrichtungs- und Möbelfachhandel ist breit gefächert: Verkaufspersönlichkeiten sind dabei ebenso gefragt wie Dienstleister oder Handwerker. „Smarte Wohnlösungen, coole neue Features und ein kreatives Umfeld machen die ver-

schiedenen Berufe dieser Branche besonders spannend für junge und dynamische Menschen“, sagt Roman Eberharter, Obmann-Stellvertreter des Landesgremiums Elektro- und Einrichtungsfachhandel der Wirtschaftskammer Tirol. Der Einrichtungsberater muss bei der Planung von Wohnräumen die Farben- und Formenlehre perfekt beherrschen, die optimale Raumlösung und Materialien finden und speziell auf die Wünsche des Kunden eingehen. Um alle diese Kriterien zu erfüllen, wurde unter anderem ein umfassendes Lerntool für den Einrichtungsfachhandel entwickelt. Mittels eigens entwickelter App (www.lehrlingsapp.at) können die verschiedenen Fachgebiete erarbeitet und vertieft werden. Am Ende jedes Kapitels steht ein Test zur Verfügung, um das Gelernte zu festigen und den Lernfortschritt zu überprüfen. Die Lerninhalte bieten eine solide Grundlage für jeden (angehenden) Einrichtungsberater. Um ein optimales Lernergeb-

nis zu erzielen, steht sowohl eine Web-Version als auch eine App zur Verfügung. Die Lehrzeit zum Einrichtungsberater beträgt drei Jahre, die Arbeitszeit 38,5 Stunden pro Woche, wobei die Zeit in der Berufsschule als Arbeitszeit angerechnet wird. Daneben sind viele weitere moderne und smarte Berufe mit abwechslungsreichen und flexiblen Tätigkeitsbereichen möglich. Die Branche bietet vielfältige Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten in Topbetrieben. Unter

LEHRVERTRAGS SERVICE TIROL Wirtschaftskammer Tirol Bildungsabteilung Egger-Lienz-Straße 118 6020 Innsbruck www.tirol-bildung.at Michael Schrantz: Tel.: 05 90 905-7305


WK LEHRE

lehrbetriebsuebersicht.wko.at gibt’s Unternehmen, die auf der Suche nach Lehrlingen sind, oftmals ist auch eine Initiativbewerbung erfolgreich.

FÜR TECHNIKER

Wer sich für den technischen Bereich interessiert, klickt am besten rein unter www.elektrohandelsprofi.at. Dahinter verbirgt sich eine Informationsseite für Lehrlingsausbildung und Weiterbildung im österreichischen Elektrohandel der Wirtschaftskammer Österreich. Elektrohandelsprofi wendet sich insbesondere an Lehrlinge, an Weiterbildung interessierte Personen im Elektrohandel, Berufsschulen und Unternehmen. Für alle, die weiterkommen wollen, ist Elektrohandelsprofi ein klares Plus: Wer besser informiert ist, wird sich in seiner Arbeit oder bei der Jobsuche leichter tun. Die Kooperation mit Berufsschulen wird bei Elektrohandelsprofi großgeschrieben, daher ist diesen ein eigener Bereich gewidmet. Auch Christian Mühlthaler, Obmann des Landesgremiums für den Elektro- und Einrichtungsfachhandel in der Wirtschaftskammer Tirol, hat seine Karriere als Lehrling begonnen. Mittlerweile ist er seit 30 Jahren selbständig und hat selbst Lehrlinge ausgebildet – unter anderem im Einzelhandel. In der Elektrobranche zählt Fachwissen am letzten Stand, laufend kommen neue faszinierende Produkte und Features auf den Markt. Einzelhandelskaufleute im Bereich Elektro-Elektronikberatung verkaufen Elektrogeräte und beraten ihre Kunden. Sie bestellen Waren, übernehmen Lieferungen und sorgen für eine fachgerechte Lagerung. Auch hier beträgt die Ausbildungszeit drei Jahre, danach lassen sich sogar komplexe Inhalte einfach erklären. PR

„Smarte Wohnlösungen, coole neue Features und ein kreatives Umfeld machen die verschiedenen Berufe der Branche besonders spannend für junge und dynamische Menschen.“ ROMAN EBERHARTER, OBMANN-STELLVERTRETER DES LANDESGREMIUMS ELEKTRO- UND EINRICHTUNGSFACHHANDEL DER WIRTSCHAFTSKAMMER TIROL

eco.mmentar

Christian Mühlthaler ist Obmann des Landesgremiums für den Elektround Einrichtungsfachhandel in der Wirtschaftskammer Tirol und seit 30 Jahren selbständig.

Handwerk hat goldenen Boden Die Lehre bietet heute zahlreiche Perspektiven, nicht jeder muss studieren. Nach wenig erfolgreichen fünf Jahren Gymnasium entschloss ich mich, eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker (heute Kommunikationselektronik) zu machen, da mich Musik und Sound zu dieser Zeit sehr begeisterten. In Innsbruck fand ich keinen Platz, also musste ich nach Neustift ausweichen. Die Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Stubaital war schlecht, sehr oft versuchte ich es mit Autostopp. Es war nicht einfach. Schon bald holte ich alte kaputte Röhrenradios aus dem Sperrmüll, reparierte sie und verkaufte sie um einige Schilling. Bald wurde mir klar, dass ich irgendwann Unternehmer sein möchte. Nach der zweijährigen Werkmeisterschule und der Meisterprüfung machte ich mich auf 25 Quadratmetern mit WC am Gang selbständig – mit Handel und Service mit Geräten der Unterhaltungselektronik und Satellitenanlagen in Innsbruck. In meiner mittlerweile 30-jährigen Selbstständigkeit wurden im Betrieb ca. 30 Lehrlinge in Handwerk und Handel ausgebildet. Drei davon sind heute ebenfalls Unternehmer, zwei in leitenden Positionen im Handel tätig. Meine beiden Söhne Philipp als Elektrotechnikmeister und Clemens als Elektroniker sind bereits seit einigen Jahren als Geschäftsführer im eigenen Unternehmen erfolgreich. Beide starteten mit einer Lehre in anderen Betrieben ins Berufsleben. Die größte Herausforderung liegt heute in der Begeisterung der jungen Menschen, denn Begeisterung ist der Motor zum Erfolg. So gilt es, die Wahrnehmung darauf zu fokussieren, was junge Menschen interessiert, und daraus die richtige Berufswahl abzuleiten. In unserer Gesellschaft werden immer Leute gebraucht, die etwas schaffen können – vom exzellenten Verkäufer, der es schafft, den Kundennutzen zu erkennen, über den geschickten Maurer, der Wohnraum schafft, oder den gewissenhaften Elektriker und Installateur, der im Erlebnisbad die perfekte Lichtstimmung kreiert, bis zum kreativen Tischler, der für behagliches und individuelles Wohnen sorgt. Smarthome, intelligentes Wohnen und vieles mehr ist in aller Munde und bedingt eine Vernetzung vieler Berufe. Dies macht das tägliche Tun abwechslungsreich und spannend.

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KLARE KANTE Michael Deutsch führt seit 2010 das 1947 von Friedrich Deutsch als Einzelunternehmen mit dem Fertigungsschwerpunkt Schweißtechnik gegründete Unternehmen in dritter Generation. Unter seiner Leitung ist der Betrieb, der im Jahr 1959 auf das heutige Betriebsgelände gesiedelt ist, beträchtlich gewachsen. Der aktuelle Standort platzt aus allen Nähten, die Suche nach einem zweiten Betriebsgrundstück läuft. 38

TEXT & FOTOS: MARIAN KRÖLL

I

m Gewerbegebiet in der Innsbrucker Rossau gehörte das Metallwerk F. Deutsch damals zu den ersten Betrieben überhaupt. Heute ist der Standort zu 100 Prozent ausgelastet, Erweiterungen sind nicht mehr möglich. Das Betriebsgelände platzt aus allen Nähten. Deshalb hat sich das Unternehmen mit Unterstützung der Standortagentur Tirol auf die Suche nach einem neuen, zusätzlichen Standort begeben. Diese ist, wie man sich aufgrund der Rahmenbedingungen in Tirol vorstellen kann, alles andere als einfach. Und dennoch haben sich zwei potenzielle Kandidaten, einer im Inntal und einer im Stubaital, herauskristallisiert.

KANTEN UND GUSS

Das Unternehmen fußt auf zwei Standbeinen, eines davon ist das Walzwerk, das andere der Aluminium-Druckguss. Letzterer beliefert zu 90 Prozent die deutsche Automobilindustrie mit Komponenten für Getriebe und Motoren. In ersterem Segment ist die Firma Deutsch Technologie- und Weltmarktführer in der Erzeugung von Skistahlkanten. Wintersportler verdanken ihre


eco.wirtschaft

Spurtreue also höchstwahrscheinlich einer Kante, die in Innsbruck hergestellt wurde. Das ist für eine Skination wie Österreich irgendwie schlüssig. Weil der Absatz in der Wintersportindustrie in der Vergangenheit schon einmal größer war, schrumpft der Anteil am Gesamtumsatz. Der Wintersportmarkt stagniere seit Jahren, sagt Deutsch. Zu Spitzenzeiten wurden weltweit etwa zehn Millionen Paar Ski verkauft, heute sind es um die drei, und Weltmarktführer Deutsch hat, was die Kanten betrifft, nur noch einen Mitbewerber. Dafür läuft es im Guss-Segment bestens, auch wenn man von der Autoindustrie abhängig ist. Michael Deutsch ist ob der anstehenden Veränderungen in der Automobilbranche gelassen: „Wir haben eine neue Halle gebaut, in der wir rein für einen namhaften deutschen Automobilkonzern eine neue Aluminium-Druckguss-Komponente im Verbund mit Kunststoff fertigen, die in Richtung Elektroindustrie geht.“ Ein zukunftsträchtiges Bauteil, auch wenn der Verbrennungsmotor keinesfalls von heute auf morgen obsolet werden dürfte. „Wir sind aber auf die Elektromobilität vorbereitet und haben ein neues Verfahren entwickelt, um Kunststoff mit Aluminium zu verbinden. Wir gehen hier neue, andere Wege als die Mitbewerber“, erklärt Deutsch. Mit dem neuen Verfahren, das auf einem Legierungspatent gründet, wird ein Herzstück des Elektromotors hergestellt. „Kunststoff und Aluminium haben unterschiedliche Schmelzpunkte. Die größte Herausforderung war es, die Kunststoffschicht, die eine Isolationsschicht ist, mit dem Aluminium zu verbinden“, erklärt Deutsch. Das ist eine gute Basis für die mobile Zukunft, wie auch immer sie aussehen mag. Im kommenden Jahr soll die Produktion erst so richtig in Fahrt kommen.

STANDORTFRAGEN

„Wir sind ein global operierendes Unternehmen, unsere Mitbewerber und Kunden kommen aus aller Welt“, sagt Michael Deutsch. Was den Standort und dessen Qualität betrifft, zeigt sich der CEO durchaus nicht unkritisch. Das liegt vor allem an den Kosten, einmal den Lohn- und Lohnnebenkosten, einmal an jenen für Grund und Boden. Und am Mangel an ausgebildetem Fachpersonal. „Gutes Personal zu finden und zu halten, ist eine ständige Herausforderung“, so Deutsch, der anmerkt, dass man politischen Lippenbekenntnissen zur Aufwertung der Lehre und zu Investitionen in die Lehre endlich Taten

„Wir sind ein global operierendes Unternehmen, unsere Mitbewerber und Kunden kommen aus aller Welt.“ MICHAEL DEUTSCH

folgen lassen müsse. „Der Fachkräftemangel ist gravierend, da muss endlich gegengesteuert werden“, so Deutschs Diagnose. Nicht zuletzt deshalb sei Automatisierung, wo sie möglich ist, ohne Alternative. Das sei aufgrund der fehlenden Fachkräfte und zum Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit notwendig. „Wir haben kein Problem, uns bei den Kosten mit China zu messen. Das ist aber nur möglich, weil wir einen relativ hohen Automatisierungsgrad erreicht haben. Volkswirtschaftlich ist das natürlich kontraproduktiv, aber es geht nicht anders.“ Qualifiziertes Fachpersonal bildet man bei Deutsch selber aus – in den drei Lehrberufen Mechatronik, Werkzeugbautechnik und Maschinenbautechnik. Für die Lehrlinge gibt es allerlei Benefits, außerdem gehört das Unternehmen zu den Betrieben, die das Qualitätssiegel „Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb“ führen dürfen. „Wir bilden unsere Lehrlinge nach höchsten Standards aus“, sagt Deutsch. Als Facharbeiter seien die Verdienstmöglichkeiten heutzutage teils wesentlich besser als für diverse Akademiker, erinnert Michael Deutsch. Gesellschaftlich ist das allerdings noch nicht wirklich angekommen. Selbstverständlich hat der Wirtschaftsstandort auch gute Seiten, etwa die Versorgungssicherheit und politische Stabilität sowie die ideale Verkehrsanbindung. „All die Leistungen des Unternehmens sind nur mit einem loyalen und Top-Mitarbeiterstab möglich“, sagt Michael Deutsch.

STANDORTBESTIMMUNG

Das Unternehmen braucht, um weiter wachsen zu können, neue Flächen. Für

neue Produktionsanlagen im Bereich Aluminium-Druckguss, mit dem mittlerweile der Großteil des Umsatzes erwirtschaftet wird, werden zwischen 30.000 und 50.000 Quadratmeter benötigt, um auch in den kommenden Jahren ein organisches Wachstum zu gewährleisten. „Das entspricht ungefähr der Fläche, die wir hier zur Verfügung haben“, sagt Deutsch. Erst 2017 hat man eine weitere Druckgusshalle in der Rossau gebaut, aktuell wird eine Mitarbeiter-Tiefgarage mit mehrstöckigem Gebäude umgesetzt. Dann geht hier fast nichts mehr. Der Mitarbeiterstand hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, der Umsatz verdreifacht. Um im Druckguss Schritt halten zu können, nimmt das Unternehmen Jahr für Jahr Millionen in die Hand, um Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Alleine im heurigen Jahr investiert man in der Rossau einen zweistelligen Millionenbetrag in den Standort. Großes Aufhebens macht Michael Deutsch deshalb nicht. „Wir müssen immer am Laufenden sein, sowohl bei der Ausbildung unserer Mitarbeiter als auch beim Maschinenpark“, gibt Deutsch die Marschrichtung vor. Anders lässt sich der hohe Qualitätsstandard nicht halten. Trotz eventueller Umbrüche in der Autoindustrie stehen beim Metallwerk Deutsch die Zeichen auf Expansion. Es sieht danach aus, als ob es für den neuen, zusätzlichen Betriebsstandort in Tirol nicht „Ende Gelände“ heißt. Das ist wiederum ein gutes Signal für die metallverarbeitende Branche im ganzen Land. www.metalldeutsch.com 

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COLE INTERNATIONAL SCHOOLS

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WE ARE ALL / WIR SIND ALLE COLE INTERNATIONAL SCHOOLS ROSEMARIE LADNER-COLE, MA

JUDITH ZUCHNA, BED

G B / A U T, I N I T I A T O R I N / K O N Z E P T D E S I G N E R I N /

A U T, L E H R E R I N – P R I M A R Y S C H O O L

G E S A M T O R G A N I S AT I O N

Nach 30 Jahren englischer Kindergruppe (3– 6 Jahre) und sieben Jahre bilingualer Grundschule (6 –10 Jahre) möchte ich heute diejenigen vorstellen und zu Wort kommen lassen, die durch ihre Passion für Bildung und die Liebe zu Kindern, ihre Begeisterung für das Konzept der COLE International Schools, ihre Kreativität, Hingabe und Teamarbeit einen wesentlichen Beitrag zum qualitativen Unterricht und zum Erfolg der Schulen leisten.

Ich darf seit einem Jahr an den COLE International Schools unterrichten. Besonders gut an meiner Arbeit gefällt mir die tägliche Teamarbeit in einem sehr vielfältigen und hilfsbereiten Kollegium. Als Lehrperson ist man hier kein Einzelkämpfer, sondern arbeitet gemeinsam im Team daran, den Kindern einen möglichst abwechslungs- und lehrreichen Unterricht zu bieten. Der Kreativität und der Unterrichtsgestaltung sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Durch den Unterricht mit deutsch- und englischsprachigen Lehrpersonen lernen die Kinder auf natürliche und spielerische Weise und mit großem Spaß den Gebrauch der beiden Sprachen im Alltag. Das Schönste an meiner Arbeit ist es, zu sehen, mit welcher Freude die Kinder im Unterricht lernen und wie sie insbesondere von dem sehr praxisorientierten Projektunterricht begeistert sind.


COLE INTERNATIONAL SCHOOLS

M A RY K A R AC A L I K , BA , PG C E

PAT R I Z I A G R A W E

G B , L E H R E R I N – P R I M A RY S C H O O L

A U T, M U S I K – P R I M A R Y S C H O O L

I’ve been working at COLE for three years now. I love the way the children learn English so fast because they hear me talking English all day every day. They soon begin to understand instructions and they start repeating phrases I use a lot. I think it’s a fabulous way for young children to learn a language. We also have the freedom here to make the academic curriculum very creative, which inspires the children to work harder.

Im Musikunterricht habe ich die Freiheit, den Unterricht sehr individuell zu gestalten. Während mit den jüngeren Schülern viel gesungen wird und zum Beispiel einfache Grundkenntnisse der Musiklehre spielerisch durchgenommen werden, muss man bei den Größeren schon tiefer in die Trickkiste greifen, um den Unterricht spannend zu gestalten. Was mir persönlich auch sehr gefällt, ist der internationale Charakter der Schule. Kinder aus verschiedenen Nationalitäten treffen hier aufeinander und lernen so bereits im frühen Kindesalter einen sozialen, respektvollen und freundschaftlichen Umgang miteinander.

LISA ERDOZAIN, BSOCSCI

LUCY STEPHENS

SAMUEL EKE

G B , N AT I V E S P E A K E R – P R E - S C H O O L

G B , N AT I V E S P E A K E R –

A U T, I N T E G R I E R T E W I S S E N S C H A F T –

PRE-SCHOOL

P R I M A RY S C H O O L

I enjoy my work at COLE Pre-school, which entails taking part in and watching children develop socially, as well as helping them improve their ability and understanding of English. Working respectfully together with colleagues helps us to be an effective team where we know we can rely on each other to ensure the well-being of and excellent learning environment for the children.

Der naturwissenschaftliche Unterricht bietet Kindern die Möglichkeit, bereits früh mit Konzepten aus der Biologie, der Physik sowie der Chemie in Berührung zu kommen. Abgesehen davon, dass das erlangte Vorwissen die zukünftige akademische Laufbahn ungemein erleichtert, werden kreatives, kritisches und vernetzendes Denken sowohl angeregt als auch geschult. Naturwissenschaftlicher Unterricht, der über die Grenzen des allgemein gehaltenen Sachunterrichts schreitet, ermöglicht auch ein Entfalten der Fähigkeiten über das Allgemeine hinweg. Indes bin ich – auch wenn ich eigentlich derjenige bin, der das Klassenzimmer mit der Intention betritt, die Schüler zum Staunen zu bringen – meist derjenige, der über die Kinder staunt.

I really enjoy working with children from all over the world. It’s a thrill to see children from so many different countries learning and playing together. Also helping young children to learn English is particularly rewarding. At such a young age they soak up their surroundings as part of everyday life and very quickly they are understanding and speaking a new language as well as developing their social skills.

D M I T R I I G N AT C H E N K O C A N , I N F O R M AT I O N S T E C H N O L O G I E – P R I M A RY S C H O O L

Working at COLE Primary School is a wonderful opportunity to teach IT to children from all over the world and from all walks of life. This gives them an opportunity, at a young age, to start thinking about creating things using computer programmes, including creating programmes themselves. The flexibility offered by the school, as well as the friendly atmosphere, also allows us as teachers to teach the students in a far more connected way, for instance combining skills from different subjects to create a larger-scale group project. Seeing their learning being implemented in a way that they can comprehend and enjoy brings about a more fun and well-rounded educational experience for them, which in my opinion makes them more motivated to learn not just to pass exams, but to also acquire skills they will likely benefit from in the future.

COLE INTERNATIONAL SCHOOLS Weingartnerstraße 108 6020 Innsbruck Kontakt: Rosie Ladner-Cole, MA Tel.: 0664/37 16 063 admin@cole.at www.cole.at

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eco.wirtschaft

EIN TICKET, DAS BEWEGT Erfolgsgeschichte ist einer dieser heutzutage inflationär gebrauchten Begriffe. Auf die Geschichte des Freizeitticket Tirol ist er uneingeschränkt anzuwenden. Mittlerweile gibt es auf Basis einer unabhängigen Studie des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck rund um die Sportwissenschaftler Martin Schnitzer und Maximilian Seidl aber harte wissenschaftliche Evidenz, die den Befund „Erfolgsgeschichte“ trägt. Für Nordkette-Geschäftsführer und Freizeitticket-Vorsitzender Thomas Schroll ist das Auftrag und Herausforderung zugleich. TEXT: MARIAN KRÖLL

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s ist eine Erfolgsgeschichte, die im Jahr 2006 ihren Anfang nahm. Mit 2.900 verkauften Tickets. Die Bergbahnen in Innsbruck waren damals noch bei keinem Kartenverbund Mitglied. Gründungsmitglieder waren die Muttereralm Bergbahnen, Nordketten- und Patscherkofelbahn. Im ersten Jahr als reine Wintersaisonkarte. „Viele Innsbrucker und Gäste hatten andere Karten. Darauf mussten wir reagieren“, erinnert

sich Thomas Schroll. Im Folgejahr war das Freizeitticket bereits eine Jahreskarte mit zusätzlichen (Seilbahn-)Infrastrukturen, die teils nicht Mitglied in anderen Verbünden waren. „Was den Erfolg des Freizeittickets ausmacht, ist, dass wir früh den Trend zur Ganzjährigkeit erkannt haben“, so Schroll. „Es ist gerade für den Einheimischen wichtig, das ganze Jahr über etwas zu tun und der Familie etwas bieten zu können.“ Und dementsprechend lässt es sich auch am Frei-

zeitverhalten der Einheimischen nachvollziehen, dass vor allem der Sommer in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. „Gerade die Bergbahnen und Bäder ziehen im Sommer extrem, aber auch verschiedene andere Infrastrukturen wie die Kristallwelten. In den letzten zwei, drei Jahren gab es ein Plus von 30 Prozent.“ Das Freizeitticket, auch das zeigen die Zahlen, wird Jahr für Jahr intensiver genutzt. Das ist für den Kartenverbund ein


eco.wirtschaft

© JULIAN RAGGL

zweischneidiges Schwert. „Das ist die größte Herausforderung. Der Gast will natürlich, dass der Preis immer gleich bleibt, die Mitglieder im Verbund – unter anderem die 18 Bergbahnen – wollen eine höhere Abgeltung“, beschreibt Schroll, der darauf hinweist, dass das Ticket stets ohne Förderungen der öffentlichen Hand ausgekommen sei. Ein schwieriger Spagat, den es da alljährlich zu bewältigen gilt. Im Vorverkauf bis zum 31. Oktober kostet das Ticket für Erwachsene heuer 506 Euro und im Normalpreis 550 Euro.

EIN SOZIALES TICKET

Die nachfrageseitige Studie der Uni kam zu einigen interessanten Ergebnissen, wie im Detail noch zu zeigen sein wird. Als Kaufgründe kamen über alle Altersschichten vor allem der große Anwendungsbereich, das Ermöglichen ganzjähriger Aktivität und der finanzielle Vorteil zum Tragen. Außerdem animiert das Ticket den Besitzer dazu, Freizeitanbieter zu besuchen, die man sonst nicht besucht hätte. Fast 80 Prozent der 2.536 Befragten zwischen 17 und 86 Jahren – das Durchschnittsalter lag bei 40 Jahren – gaben an, durch das Freizeitticket ein Mehr an Lebensqualität zu erfahren. „Das ist eine Aussage, die für uns natürlich toll ist“, freut sich Thomas Schroll. Fast der gleichen Zahl an abgefragten Besitzern hilft das Ticket dabei, körperlich fit zu bleiben und die Region zu erkunden. Das Ticket animiert die Bevölkerung zudem dazu, die Schönheit der alpinen Natur mehr schätzen zu lernen. Nicht zu vernachlässigen ist laut Studie auch der soziale Aspekt des Freizeittickets, da es dazu einlädt, gemeinsam mit Freunden und der Familie etwas zu unternehmen. Ein wenig überraschend dürfte die Erkenntnis gewesen sein, dass die subjektiv wahrgenommene finanzielle Situation keinen signifikanten Einfluss auf die Kaufentscheidung hatte. Thomas Schroll hat dafür eine Erklärung: „Für eine Familie, die ein verhältnismäßig geringes Einkommen hat und ihren Kindern dennoch einen gewissen Lebensstil bieten will, ist das Freizeitticket eine willkommene Option. Das ist eine gute Möglichkeit, den Kindern ganzjährig ein attraktives Angebot zu bieten.“ Dass die Schere

Thomas Schroll mit Martin Schnitzer vom Institut für Sportwissenschaft und einer der Studienautoren

zwischen Einkommen und Lebenshaltungskosten tendenziell auseinandergeht, ist dem Geschäftsführer bewusst. „Was wir positiv bemerkt haben, ist, dass einzelne Gemeinden begonnen haben, ihren Bürgern das Kinderticket im Familienverbund zu bezahlen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. So können Gemeinden etwas tun, um die Bewegung ihrer Bürger zu fördern.“

WIEDERHOLUNGSGEFAHR

„In den letzten Jahren gibt es vonseiten der Ticketbesitzer so gut wie keine Wünsche. Anfangs war das natürlich anders. Man sieht, dass die Leute mit dem Angebot absolut auskommen, auch mit den jeweils drei Eintritten in Ischgl und St. Anton“, sagt Schroll, der mit letzteren Anreizen versucht hat, das Ticket in Innsbruck zu pushen, wie er sagt. Mit Erfolg, möchte man anfügen. Das Modell mit drei Eintritten pro Saison kommt dadurch zustande, dass diese hochfrequentierten Skigebiete ihre eigenen Saisonkarten nicht zugunsten einer Verbundkarte aufgeben wollten. „Dieses Angebot ist aber sicher ein Zusatznutzen für die Freizeitticket-Besitzer“, ist Schroll überzeugt. Wenig überraschend sind Bergbahnen und Bäder die Infrastrukturen im Ticketverbund mit der höchsten Attraktivität. Doch auch das kulturelle Angebot erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die „Wiederholungsgefahr“, das Freizeitticket jedes Jahr erneut zu kaufen,

„Was den Erfolg des Freizeittickets ausmacht, ist, dass wir früh den Trend zur Ganzjährigkeit erkannt haben.“ THOMAS SCHROLL

ist mit rund 95 Prozent unter den Senioren am höchsten. Diese Gruppe nutzt das Ticket auch nachweislich am intensivsten. Die Studienautoren haben ferner die Lebensqualität, basierend auf einem Fragebogen der Weltgesundheitsorganisation WHO, untersucht. Das Ergebnis: Die Lebensqualität von Freizeitticket-Besitzern ist höher als jene der Nichtbesitzer. Freilich ist die Käufergruppe insgesamt schon sportaffiner und es ist wenig verwunderlich, dass sich Bewegung in der Natur positiv auf Geist und Körper auswirken kann, deshalb ist der Unterschied zwar gering, aber langfristig dennoch signifikant. Wie bereits angeklungen ist, ist das Freizeitticket zwar ein Renner, will aber auch finanziert werden. „Damit die einzelnen Partner – es sind 75 Betriebe – zufrieden wären, müsste man die Tarife um 20 Prozent erhöhen. Wir wissen, dass wir das nicht tun können, und wollen das auch nicht. Es braucht aber jährliche Steigerungen, um die wirtschaftliche Seite abdecken zu können“, sagt Schroll, der den Vergleich mit anderen Ticketverbünden nicht scheut: „Preislich sind wir wirklich unschlagbar und wir nehmen auch zukünftig unsere Verantwortung, ein attraktives Ticket zur Verfügung zu stellen, durchaus ernst. Die wirtschaftliche Darstellbarkeit muss aber gewahrt bleiben.“ Mittlerweile ist die Erfolgsgeschichte Freizeitticket ein ausgereiftes Produkt, für das man kaum mehr die Werbetrommel rühren muss. Für den Verbund geht es nun darum, das Niveau zu halten und punktuell zu verbessern und preislich in einem Rahmen zu bleiben, damit auch in Zukunft über 60.000 Menschen nicht widerstehen können, Natur, Sport und Kultur ganzjährig zu konsumieren.

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eco.wirtschaft

DAS BETRIEBSKLIMA IM BLICKFELD Für Unternehmen ist es von unschätzbarem Wert, jederzeit zu wissen, wie es um das Betriebsklima und die Mitarbeiterzufriedenheit bestellt ist. Mit APL haben die Experten von Business Pool dafür – das zeigen zufriedene Kunden – das passende Werkzeug parat. 44

TEXT: MARIAN KRÖLL

A

nalysieren, Planen, Lenken. Diese drei Worte sind allgemein schnell dahingesagt. Dahinter verbirgt sich aber bei Business Pool, den Experten für Personalsuche, Analyse und Beratung aus Bozen und Innsbruck, eine ganz klare Methodik. APL nennt sich das wissenschaftlich validierte Befragungstool, das in kompetenten Händen maßgeblich dazu beitragen kann, Veränderungsprozesse in Unternehmen erstens anzustoßen und zweitens besser steuern zu können. Und Veränderung ist in wirtschaftlichen Kontexten die Regel, nicht die Ausnahme.

BEZIEHUNGSARBEIT

Anforderungen vom Markt und den Kunden verändern sich kontinuierlich und immer schneller. Mit der APL-Mitarbeiterbefragung erfahren Unternehmen, wie stabil ihre Beziehungen zu ihren Mitarbeitern sind und ob die Mitarbeiter noch bei ihnen im Boot sitzen. Dieses Wissen ist von unschätzbarem Wert. Es bildet die Grundlage, um bei der Planung und Setzung konkreter Maßnahmen nicht im Trüben fischen zu müssen, sondern an der Wurzel möglicher Probleme ansetzen zu können oder Chancen in

der Mitarbeiterentwicklung zu nützen, die bislang nicht erkannt wurden. Das APL-Instrument priorisiert außerdem jene Themen, welche die Mitarbeiter am meisten beschäftigen. So kann man sichergehen, dass man sich nicht zu lange und intensiv mit Nebenschauplätzen beschäftigt, sondern zielgerichtet dort hingeht, wo es den größten Handlungsbedarf gibt. Dadurch wissen die Mitarbeiter, dass ihre Mitarbeit auch in der Unternehmensentwicklung tatsächlich gefragt ist. „Veränderungen können beängstigend sein, aber wenn sie strukturiert durchgeführt werden, können sie zu großartigen Ergebnissen für alle Beteiligten führen. Wer sich nicht verändert, entwickelt sich auch nicht weiter“, ist Business-Pool-Geschäftsführerin Barbara Jäger überzeugt. Mit diesem speziellen Instrument zur Mitarbeiterbefragung lassen sich ganz fokussiert die eigenen Stärken stärken und Schwächen beheben. Die Kunden sind sich des Nutzens von APL sehr wohl bewusst: „Die APL-Analyse ist für uns ein neutrales Instrument über die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter. Es zeigt auf, wo unsere Stärken liegen und wo Handlungsbedarf besteht“, sagt etwa KKR-Geschäftsführerin Heidi

Röhler. Daniel Ganzer vom Hotel Outside im Osttiroler Matrei schlägt in dieselbe Kerbe: „Das APL-System ist nicht nur ein effizientes Tool zur Evaluierung der aktuellen Mitarbeiterpolitik, sondern kann als Grundlage für zukünftige Handlungsstrategien herangezogen werden.“ Manfred Moling, Geschäftsführer der Troyer AG in Sterzing, ist ebenfalls überzeugt: „Der Mehrwert, den uns das APL-Instrument bei der Mitarbeiterbefragung gebracht hat, ist die detaillierte Auswertung und die hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern.“ Besonders letzterer Aspekt ist nicht zu vernachlässigen, denn valide Daten bekommt man nur, wenn sich die Mitarbeiter auf die Methode einlassen und völlig offen sind. Geschäftsführer Martin Pirhofer vom Dolce Vita Hotel Jagdhof meint: „Für einen Arbeitgeber ist es wichtig, zu wissen, wie die Mitarbeiter das Arbeitsklima empfinden. Da es in persönlichen Gesprächen schwieriger ist, bei Kritikpunkten eine ehrliche Meinung zu hören, ist eine professionelle Mitarbeiterbefragung ein perfektes Tool: unkompliziert, anonym und es wird an alles gedacht! Alle im Team haben das als sehr positiv empfunden.“ Dem ist wohl kaum mehr etwas hinzuzufügen. www.businesspool.at 


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08.07.19 17:06


SONNENTOR

GEMEINWOHL ALS UNTERNEHMENSZIEL Der Bio-Pionier SONNENTOR zeigt, wie Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg im Einklang stehen können. Vor kurzem wurde der neue Gemeinwohlbericht veröffentlicht – ein transparenter Einblick in das tatsächliche Tun des Unternehmens.

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© SONNENTOR

ONNENTOR fühlt sich der Gemeinwohlökonomie verpflichtet und damit einer Form der Marktwirtschaft, die die Ziele von Unternehmen umpolt: von Gewinnmaximierung und Konkurrenz zu Gemeinwohlmaximierung und Kooperation. Der Gewinn misst deshalb nicht das finanzielle Plus, sondern Parameter wie Menschenwürde, Solidarität und ökologische Nachhaltigkeit. So ist das Ziel nicht Maximierung des persönlichen Reichtums, sondern des guten Lebens für alle. Das betrifft die Bauern, die mehr sind als Lieferanten, ebenso wie die Mitarbeiter und auch die Kunden, die mit dem Kauf eines direkt gehandelten Bioproduktes eine bewusste Entscheidung treffen.

SONNENTOR-GRÜNDER JOHANNES GUTMANN

GELEBTES GEMEINWOHL

Sein Beharren auf dem Standort von SONNENTOR im strukturschwachen Waldviertel sieht Gründer Johannes Gutmann deshalb auch als politische Entscheidung: „Den Gewinn investieren wir dort, wo er erwirtschaftet wird. Wir zahlen Steuern vor Ort. Das Geld fließt zurück in die Infrastruktur im Dorf. Das ist ein nachhaltiger Kreislauf. Damit sind wir total politisch in unserem Tun.“ Und die Bauern sind stolz darauf, ein Teil von SONNENTOR zu sein und nicht nur namenlose Lieferanten. Gutmann: „Wir sind nicht die Firma, die morgen die Welt retten wird. Aber wir tragen Kleinigkeiten bei, die zählen. So sind wir mit unserem Tun Vorbild für viele andere.“ Und das bedeutet zum Beispiel, dass allen Mitarbeitenden kostenloses Bio-Mittagessen, ein Gesundheitsförderungsprogramm und eine eigene Kita zur Verfügung stehen. Auch in der Produktion ist man Vorreiter in der Branche. Die Folie aus Holzfaser ist kompostierbar, alle Produkte sind frei von Palmöl und Kräuterabfälle werden zu Pellets für Heizungen gepresst. Der Strom ist zu 100 Prozent Öko. Seit dem Frühjahr kann ein Drittel des Strombedarfs durch eigene Photovoltaikanlagen gedeckt werden.

„Gewinnen sollte man nur zusammen und nicht auf Kosten anderer. Seit 30 Jahren ist unser Ziel: ein gutes Leben für alle.“

DIE BILANZ Wer sich alle Fakten im Detail ansehen möchte, kann dies im aktuellen Gemeinwohlbericht tun. Die Basis dafür ist eine Bilanz – mit der Nachhaltigkeit tatsächlich messbar gemacht wird. Alle Ergebnisse werden von einem unabhängigen Auditor kontrolliert. So entsteht echte Transparenz. „Viele Unternehmen setzen noch immer auf einen Nachhaltigkeitsbericht. Die Inhalte sind oft weniger wert als das Papier, auf das sie gedruckt werden. Mit der Gemeinwohlbilanz ist das nicht möglich. Hier wird das nachhaltige Tun transparent und messbar“, betont Gutmann. Seitdem das Unternehmen Mitglied der Gemeinwohlökonomie ist, wurde die CO2-Kompensierung verstärkt. Dadurch ist der Produktionsstandort komplett CO2-neutral. Außerdem hat SONNENTOR inzwischen eine eigene Kinderbetreuung namens SONNENSCHEINCHEN. Diese wurde mit

dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet. Auch ein Bio-Bauernhof, der nach Permakultur wirtschaftet, der sogenannte Frei-Hof, und eine nachhaltige Übernachtungsmöglichkeit, die Land-Lofts, wurden ins Leben gerufen. Zuletzt wurde gemeinsam mit den Anbaupartnern der Verein zur Förderung der enkeltauglichen Umwelt in Österreich initiiert. Diese Schritte sind nur ein kleiner Auszug von allen Maßnahmen, die bereits umgesetzt wurden. Doch wer sich an der Gemeinwohlökonomie orientiert, darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Es gilt stets neue Ziele zu definieren. So wird sich bei SONNENTOR auch in Zukunft wieder einiges verändern. Die kommenden Schwerpunkte betreffen unter anderem einen nächsten Schritt im Bereich nachhaltige Verpackung. PR

DOWNLOAD: Den aktuellen Gemeinwohlbericht von SONNENTOR gibt es hier zum Download: www.sonnentor.com/gemeinwohlbericht


MCI

FLEXIBEL STUDIEREN AM MCI

© MCI

Je nach persönlichen Rahmenbedingungen stehen am MCI unterschiedliche Zeitmodelle zur Verfügung, um die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie zu fördern.

Im Wettbewerb um öffentliche Aufträge sollen neben großen Unternehmen auch KMU in den Vergabeverfahren berücksichtigt werden.

why not study at the top? Bachelor · Master · Weiterbildung · PhD · Online Business · Management · Recht · Tourismus

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ie meisten Studierenden entscheiden sich derzeit noch für klassische Präsenzstudien, entweder in Vollzeit- oder berufsbegleitender Form. Berufsbegleitende Studiengänge konzentrieren sich weitgehend auf das Wochenende (Freitagnachmittag und -abend, Samstag), während die Lehrveranstaltungen in Vollzeitstudien während der Woche tagsüber stattfinden. In mehreren Vollzeitstudien sind die Lehrveranstaltungen so gestaltet, dass eine eingeschränkte Berufstätigkeit möglich ist („job friendly“).

Kommunikation · Soziales · Gesundheit · IT Engineering

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Technologie

·

Life Sciences

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ONLINE UND MOBILE

© Stubaier Gletscher

Darüber hinaus bereichert eine wachsende Zahl qualitätsvoller Online- und Mobile-Studien das Studienangebot. Der intelligente Mix von Präsenz- und Online-Lehre und digitalen Materialien („Blended Learning“) gewährleistet exzellenten Wissenstransfer in Verbindung mit hoher Flexibilität. Mittlerweile studieren knapp 400 Studierende oder 12 % aller MCI-Studierenden in sogenannten Online-Studiengängen. Darüber hinaus werden die in Onlineform absolvierbaren Lehrveranstaltungen auch für Studierende in Präsenzstudiengängen weiter ausgebaut, was diesen ein erhöhtes Ausmaß an Flexibilität und Variabilität ermöglicht. PR

BERUFSBEGLEITENDE & ONLINESTUDIENGÄNGE AM MCI:

Betriebswirtschaft / Business Administration BA Digital Business & Software Engineering BSc Wirtschaft & Management BA Mechatronik BSc & MSc Umwelt-, Verfahrens- & Energietechnik BSc & MSc Wirtschaftsingenieurwesen BSc & MSc Corporate Governance & Finance MA Digital Business MBA Digital Economy & Leadership MSc Digital Marketing & Analytics MSc Health & Hospital Management MBA International Business & Management MA Lebensmitteltechnologie & Ernährung MSc Mechatronik & Smart Technologies MSc

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bildung & innovation BUCHTIPPS

THE NEXT BIG THING

Sam Gregson, Hendrik Lehmann Benevento Verlag 416 Seiten, EUR 13,99 Start-ups verkörpern die Firma gewordene Innovation. Doch nicht jedes neu gegründete Unternehmen ist ein Start-up und nicht alles vermeintlich Neue ist gleich innovativ. Manchmal hat man den Eindruck, manche Unternehmen werden nicht gegründet, um zu unternehmen, sondern um Teil einer Szene zu sein. Was also bleibt vom Hype? Sam Gregson hat in mehreren Berliner Startups gearbeitet. Schön war das nicht wirklich. Auch wenn Gregson mit den Start-uppern teils sehr hart ins Gericht geht, so ist sein Blick wichtig, weil er zeigt, dass in der Szene eben nicht nur die Sonne scheint.

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TANZ DER ELEMENTE Der Oktober ist Brustkrebsmonat. Setzen auch Sie ein Zeichen! www.pinkribbon.at

Therapien verbessern Bei einem Großteil aller Brustkrebsfälle wirkt das körpereigene Hormon Östrogen wachstumsfördernd auf den Krebs. Die Therapie ist deshalb in der Regel eine Antihormontherapie, durch die das Wachstum verhindert werden soll. „Allerdings erleiden rund 30 Prozent aller Betroffenen einen Rückfall, der aufgrund fehlender frühzeitiger Screeningmethoden oft erst spät erkannt wird“, sagt Kathrin Thedieck, die seit heurigen Feber am Institut für Biochemie der Uni Innsbruck lehrt und arbeitet. Dort leitet sie auch MESI-START, ein mit rund sechs Millionen Euro von der EU gefördertes Projekt, das Brustkrebstherapien noch individueller machen und vor allem einen Rückfall möglichst früh anzeigen soll. Am Projekt sind insgesamt 14 Partner in sieben Ländern beteiligt. Wir drücken die Daumen!

Michael Pilz, Residenz Verlag 224 Seiten, EUR 22,00 Alles fügt sich aus wenigen Bausteinen, den Elementen. Die Natur, der Mensch und jedes Ding. Vor 150 Jahren brachte Dmitri Mendelejew in St. Petersburg die Welt in Ordnung. Jedes Element fand im Periodensystem für immer einen festen Platz. Michael Pilz findet: Chemie ist die fröhlichste Wissenschaft unserer Zeit. Man muss die Geschichte nur von vorn erzählen und am Ende in die Zukunft sehen. Lobt UHBP Alexander van der Bellen die Schönheit unserer Verfassung, so zeigt Michael Pilz hier die Schönheit des Periodensystems.


eco.zukunft

eco.mmentar

Mit Unterstützung des Landes Tirol wurde am MCI kürzlich ein „Digital Twin Lab“*) eingerichtet, das Tiroler Unternehmen dabei unterstützt, Kompetenzen im Bereich der Gesamtmaschinensimulation auf- und auszubauen und somit Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und effektiver zu gestalten. Konkret wird es im Digital Twin Lab möglich sein, aufwändige Testreihen bei der Entwicklung von Arbeitsmaschinen einzusparen und somit die Zeit bis zur Markteinführung drastisch zu verkürzen. Zu Buche schlagen nicht nur die damit verbundenen Kosteneinsparungen, sondern auch die höhere Geschwindigkeit, mit der proaktiv auf Marktanforderungen reagiert werden kann. Liebherr und Prinoth sind bereits in das Projekt eingestiegen. *) Bei „Digital Twins“ geht es um die virtuelle Abbildung und Optimierung von mobilen Arbeitsmaschinen. Mittels numerischer Simulation und empirischer Ergebnisse können auf dem Computer sehr aussagekräftige simulative Abbilder realer komplexer Geräte erzeugt und Betriebssituationen nachgestellt werden.

„Menschlich ist, vernünftig zu denken und unvernünftig zu handeln.“ ANATOLE FRANCE

UNI MOBIL Ein E-Auto mit buntem Anhänger, prall gefüllt mit Wissen: Auf Wunsch bringt die Uni Innsbruck mit der „Pop Up University“ Wissenschaft zu den Jugendlichen und wendet sich mit dem Format „Unsere Uni vor Ort“ mit Vorträgen zu Fragen unserer Gesellschaft an alle Altersgruppen. Für den richtigen Ton sorgen junge Wissenschaftler, die je nach gewähltem Workshop Materialien von Mikroskopen über Minilabore bis hin zu Experimentiersets im Gepäck haben. Die Workshops dauern maximal 1,5 Stunden und finden am Dorfplatz oder in den Räumlichkeiten von Jugendzentren und Gemeindesälen statt – ganz nach Wunsch der jeweiligen Gemeinde. Kommen Sie, schauen Sie! Infos unter weiterbildung@uibk.ac.at.

©DANIEL WILLINGER

VIRTUELL ENTWICKELN

Hannes Offenbacher

Skierlebnis ohne Stau Damals ... dachten sich wenige etwas dabei, wenn sie auf dem Weg zu den Tiroler Gletschern im Stau standen. Heute eigentlich unpackbar. Die Blechlawine am Weg zum Stubaier Gletscher, ins Zillertal, Pitz- und Ötztal gehörte zum Skierlebnis wie der Aperol Spritz zur Sonnenterrasse. Der Politik war zum großen Teil die Hände gebunden, konnte sie doch weder auf der Landes-, Stadt- noch der Kommunalebene alleine viel bewegen. Bewegung kam erst 2020 ins Spiel, als „Fridays for Future“-Schulgruppen regelmäßig die Straßen in den Skitälern blockierten und der Verkehr bis auf die Inntalautobahn kollabierte. Die einheimischen Jugendlichen hatten die Schnauze voll und erwirkten so einen ersten „Wintersport-Verkehrsgipfel“, bei dem alle Entscheidungsträger erstmals zur Lösung des Problems zusammenkamen. Bürgermeister, Landespolitiker, ÖBB und die Geschäftsführer aller öffentlichen Verkehrsbetriebe starteten das Projekt „Schneeweiß“ mit dem Ziel, den gesamten Fern- und Nahverkehr zu den Skigebieten bis 2030 zu eliminieren. Die Ambition: Große Parkhäuser an den Autobahnabfahrten und das modernste, kostenlose Zubringersystem mit Bussen für Touristen und Einheimische – vor allem jene aus der Landeshauptstadt Innsbruck. Erste Expressbusse vom Innsbrucker Bahnhof schafften schon 2020 spürbare Entlastung, boten sie im Vergleich zu den normalen Linienbussen nicht nur mehr Komfort, sondern auch eine Zeitersparnis von bis zu 40 Prozent. Der Ausnahmezustand, der bis 2019 in den vollgestopften Bussen herrschte, verblasste schnell und mit dem allgemeinen Fahrverbot für Privatfahrzeuge zu den Skigebieten fielen die verkehrsbedingten CO2-Emissionen in den Wintermonaten um 70 Prozent. Gegenwehr gab es kaum, stiegen doch in diesem Zuge die Lebens- und Urlaubsqualität durch die Lärm- und Stressreduktion auf Topwerte. Der Erfolg gab der Politik weiter Mut und rasch wurde umfassend in erste Prototypenprojekte mit kleineren Elektrobussen investiert, deren Plätze mittels App gebucht werden konnten. Schon 2025 wurde das System auf autonome Fahrgastzellen unterschiedlicher Größe umgestellt, die mittels künstlicher Intelligenz je nach Buchungslage ihre Größe aus dem Fuhrpark adaptierten. Die entschlossenen Investitionen führten zu großer Aufmerksamkeit bei Herstellern von autonomen Elektrobussen und 2027 zu einer Ansiedlung eines internationalen Forschungszentrums, gefolgt von einer der größten automatisierten Fertigungen in Europa. Auch im Exterieur/Interieur-Design der Fahrzeuge übernahm Tirol mit der neu gegründeten „Smart Mobility Design University“ die europäische Führerschaft und wurde global zum Hotspot für kreative Köpfe und Startups im Bereich der nachhaltigen und elektronisch vernetzten Materialien. Der freilich wichtigste Durchbruch in der Entwicklung war das 2025 lancierte, konkurrenzlose Versprechen der Tiroler Tourismuswerbung: Skierlebnis ohne Stau.

HANNES OFFENBACHER

Diese Kolumne ist Fiktion. Der Unternehmer und Neudenker Hannes Offenbacher schreibt diese aus dem Jahre 2040. www.offenbacher.cc

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eco.zukunft

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DIE GEISTER, DIE ICH RIEF Das Internet ist toll. Es bringt uns quasi per Mausklick die ganze Welt nach Hause. Die Digitalisierung hat aber auch ihre Tücken. Weil wir per Mausklick auch angreifbar werden. Q U E L L E N : B U N D E S K R I M I N A L A M T, VOLKSBANK TIROL „GELD & LEBEN“ 2/19

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ie Fälle von Cybercrime – also Straftaten, bei denen Angriffe auf Daten oder Computersysteme unter Ausnutzung der Informations- und Kommunikationstechniken begangen werden – steigen weltweit an. Auch in Österreich. Das ist an sich wenig verwunderlich, weil auf der einen Seite generell immer mehr Daten gesammelt werden, die es sich zu stehlen lohnt, und auf der anderen die Zahl der User ständig größer wird. Die steigende Nutzerzahl korreliert allerdings nicht zwangsläufig mit der individuellen Kompetenz der Nutzer. Das heißt: Die Spielwiese für Cybercrime-Attacken wird größer. Laut Landeskriminalamt ist die Cybercrime-Statistik eine der wenigen Kriminalstatistiken, die noch im Steigen begriffen ist, und eine Sparte, in der für die Täter noch gute Gewinnmargen zu holen sind. Die Angriffsszenarien werden technisch dabei immer raffinierter. Der technologische Fortschritt verändert permanent die Art und Qualität der Tatmittel. „Darüber hinaus begünstigen die Möglichkeiten der Anonymisierung, der Verschlüsselung und die unbegrenzte Verfügbarkeit des Internets die Verbreitung von Cybercrime massiv“, heißt es seitens des Bundeskriminalamtes. Das Darknet habe überdies die Entstehung krimineller Dienstleister in Form von „Cybercrime as a service“ begünstigt und beschleunigt: „Die Entwickler dieser kriminellen Tools ermöglichen damit die Durchführung von Cybercrime-Attacken für praktisch jedermann.“


eco.zukunft

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik Österreich

Während die Gesamtkriminalität in Österreich deutlich gesunken ist und 2017 auf dem tiefsten Stand seit dem Jahr 2008 lag, sind die angezeigten Fälle von Cybercrime signifikant gestiegen. Laut Landeskriminalamt ist die Cybercrimestatistik eine der wenigen Kriminalstatistiken, die noch im Steigen begriffen ist, und eine Sparte, in der für die Täter noch gute Gewinnmargen zu holen sind. Die Aufklärungsquote bei Cybercrimedelikten lag 2017 bei rund 39 Prozent und damit unter dem Gesamtschnitt von 50 Prozent.

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Im Jahr 2013 hat Österreich mit der Strategie für Cyber-Sicherheit (ÖSCS) – ja, so etwas gibt es tatsächlich – ein umfassendes Konzept zum Schutz des Cyberraumes und der Menschen im virtuellen Raum unter Gewährleistung der Menschenrechte erstellt. Die ÖSCS hat zum Ziel, die Sicherheit und Widerstandskraft der österreichischen Infrastrukturen und Leistungen im Cyberraum zu verbessern, vor allem aber soll sie auch dazu beitragen, Bewusstsein über und Vertrauen in die digitale Sicherheit zu schaffen. Zwei Jahre zuvor – 2011 – wurde zur Bekämpfung von Internetkriminalität im Bundeskriminalamt das Cybercrime-Competence-Center, kurz C4, eingerichtet, das aus Experten aus den Bereichen Ermittlung, IT-Forensik und Technik besteht. Letztlich helfen aber die besten Sicherheitsmaßnahmen nichts, wenn der Nutzer selbst sich nicht entsprechend schützt. Wenn ich meine Terrassentüre offen stehen lasse, darf ich mich nicht wundern, wenn mir der Fernseher geklaut wird.“

ist. „Die Menschen müssen nur über die Gefahren und die passenden Gegenmaßnahmen informiert werden.“ Schartner weiß, wovon er redet. Mit seiner Firma 8com (ww.8com.de) unterstützen er und sein Team seit nunmehr 15 Jahren mittelständische Unternehmen in Sachen Cybersecurity, sowohl auf technischer Seite als auch auf dem Gebiet der Mitarbeitersensibilisierung (Awareness). Denn „die beste Sicherheitstechnik nützt wenig, wenn der Mensch vor dem Rechner verseuchte Dateianhänge öffnet oder seine Accounts mit zu schwachen Kennwörtern nur unzureichend absichert“, erklärt Schartner und gibt Sicherheitstipps – die zehn Gebote der Computersicherheit quasi.

1. EIGNEN SIE SICH BASISWISSEN AN

3. SURFEN SIE NIEMALS MIT ADMIN - RECHTEN Admin-Konten verfügen über umfassende Administratorenrechte und haben uneingeschränkten Zugriff auf Ihr System. Damit können Sie nach Belieben Software installieren und Systemeinstellungen verändern. Wer mit einem solchen Konto im Netz surft, läuft Gefahr, Viren und Trojaner mit genau diesen Berechtigungen auszustatten. Deshalb sollten Sie niemals als Admin im Netz surfen oder per E-Mail kommunizieren. Legen Sie dafür ein eigenes Benutzerkonto ohne Admin-Rechte über die Benutzerkontenverwaltung Ihres Computers an.

4. SETZEN SIE PROFESSIONELLE ANTIVIREN - SOFTWARE EIN

SCHÜTZEN SIE SICH!

Sie müssen grundlegend mit der Installation von Updates, der Datensicherung, der Verwaltung von Benutzerkonten oder der Funktionsweise von Antivirenprogrammen vertraut sein.

Hacking-Angriffe können letztlich jeden treffen. Wer im Internet surft, E-Mails verschickt oder Onlinebanking nutzt, kann schnell zum Opfer werden. Bei den diesjährigen Anlageforen der Volksbank Tirol war unter anderem Götz Schartner zu Gast. Er ist anerkannter Experte für Cybersecurity und erklärt, dass wirksamer Schutz bereits mit relativ einfachen Mitteln realisierbar

2. VERWENDEN SIE NUR AKTUELLE SOFTWARE

Kommerzielle Antivirensysteme sind in ihren Funktionen oft umfangreicher als kostenlose Versionen und erkennen auch neueste Schädlinge. Selbstverständlich funktioniert auch das nur, wenn die Datenbanken der Programme immer auf dem neuesten Stand sind. Daher gilt auch hier: Updates sind Pflicht.

Sowohl Betriebssystem als auch Anwendungsprogramme müssen immer auf dem aktuellsten Stand sein. Mit ihren Aktualisierungen schließen die Hersteller Sicherheitslücken in ihren Systemen. Stellt ein Anbieter keine Updates mehr zur Verfügung, sollte darüber nachgedacht werden, das Gerät durch ein neueres zu ersetzen.

Der Internet-Router macht mehr, als Ihnen per WLAN drahtlosen Zugang zum Internet zu verschaffen. Er trennt Ihr heimisches Computernetzwerk vom öffentlichen Internet und regelt den Datenverkehr zwischen beiden Netzen. Dadurch können fremde PCs nicht einfach über das Internet auf Ihren

5. VERWENDEN SIE IMMER EINE FIREWALL UND EINEN ROUTER


GENERALI

heimischen Rechner zugreifen. Schützen Sie Ihren Computer zusätzlich mit einer Firewall, wie sie zum Beispiel in Betriebssystemen enthalten sind. Auch sie schränkt unerwünschten Datenverkehr ein und steigert die Sicherheit Ihres Netzwerks.

6. SETZEN SIE DIE „ZWEI - BROWSER STRATEGIE“ EIN

Der Webbrowser (Chrome, Firefox, Internet Explorer etc.) und dessen Sicherheitseinstellungen entscheiden maßgeblich darüber, wie sicher Sie im Netz unterwegs sind. Die rasanten Entwicklungen auch auf Seiten der Cyberkriminellen lassen auch in diesen Programmen immer wieder neue Sicherheitslücken aufkommen. Tipp: Installieren Sie auf Ihrem Rechner zwei unterschiedliche Browser. Meldet beispielsweise Bürger-CERT (www.buerger-cert.de) neue Sicherheitslücken in einem der beiden Browser, verwenden Sie nur den anderen, bis das Problem durch Aktualisierungen gelöst wurde. Auch hier gilt: Halten Sie beide Browser grundsätzlich auf dem neuesten Stand.

7. VERWENDEN SIE SICHERE KENNWÖRTER

Das A und O beim Schutz Ihrer persönlichen Daten und Nutzerkonten sind sichere Kennwörter. „Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass das Thema Passwortschutz nicht ernst genommen wird“, sagt Schartner. Sicher bedeutet, dass sie mindestens zwölf Zeichen lang sein und aus vier unterschiedlichen Zeichentypen bestehen müssen (Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen, Sonderzeichen). Diese Mammutaufgabe ist ganz einfach lösbar. Denken Sie sich einen Satz aus, den Sie sich gut merken können. Nehmen Sie die Anfangsbuchstaben der einzelnen Wörter und schon haben Sie Ihr persönliches und sicheres Kennwort, das Sie sich ganz einfach merken können.

Cybercrime ist ein umfassender Begriff. Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht.

LIFETIME-PARTNER FÜR KUNDEN Die Generali ist Österreichs drittgrößtes Versicherungsunternehmen. Mit Nachhaltigkeit und einer dynamischen Digitalisierungsentwicklung konnten wesentliche Zielsetzungen erfolgreich umgesetzt werden.

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it der Strategie „Generali 2021“ sind die Weichen für die Zukunft gestellt. Die Kunden bleiben dabei im Fokus. So möchte sich der Versicherer seinen Kunden gegenüber als lebenslanger Partner etablieren.

MEHR ALS NUR VERSICHERUNG

Generali-Regionaldirektor Markus Winkler: „Die Generali Österreich präsentiert sich als führender Versicherungsanbieter mit einem nachhaltig guten Geschäftsergebnis und einer hohen Kundentreue. Unsere Ambition ist es, ein Lifetime-Partner für unsere Kunden und die führende Versicherung für Privatpersonen und KMU zu sein. Im Zentrum stehen dabei nicht zuletzt unsere Kunden sowie eine neue Einfachheit.“ Die Generali richtet ihre Tätigkeit darauf aus, ein lebenslanger Partner für ihre Kunden zu sein. Die Versicherung hat mehr zu bieten als die passenden Produktlösungen: Sie unterGenerali-Regionaldirektor stützt Assistance-Leistungen wie Markus Winkler zuletzt mit der Generali IT Assistance, reagiert mit individuellen Angeboten auf veränderte Lebensbedingungen und motiviert mit Generali Vitality, gesünder zu leben und vorzusorgen.

NEUE GENERALI - APP

Der regelmäßige, proaktive Kundenkontakt ergänzend zum persönlichen, qualitativen Beratungsgespräch spielt bei der Lifetime-Partnerschaft eine entscheidende Rolle. „Als lebenslanger Partner für unsere Kunden müssen wir in der Welt unserer Kunden präsent sein. Wenn mobile Geräte Teil des Alltags sind, dann ist auch die Generali Teil dieser mobilen Welt“, erklärt Winkler. So können sich die Kunden durch die neue Generali-App als mobile Ergänzung zum Generali-Kundenportal auch mit ihrem Betreuer und der Generali vernetzen und damit auf viele Funktionalitäten rund um die Versicherung sowie auf komplett neue Features etwa im Gesundheitsbereich zurückgreifen. PR

ÜBERZEUGEN SIE SICH SELBST UND SEIEN SIE DABEI:

Nähere Informationen erhalten Sie beim Kundendienst der Generali Tirol (Tel.: 0512/5926-0, office.tirol.at@generali.com), im Internet unter www.generali.at oder bei Ihrem persönlichen Generali-Kundenberater bzw. Konzernagenten.

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Besonders wichtig: Verwenden Sie nicht ein und dasselbe Passwort für unterschiedliche Konten. Warum? Kennwörter sind Schlüssel. Wer nur auf eines setzt, gibt bei Verlust einen „Generalschlüssel“ aus der Hand.

8. VORSICHT BEI HYPERLINKS UND E - MAIL - ANLAGEN

Üblicherweise werden Sie durch das Anklicken von Hyperlinks auf Internetseiten geleitet. Allerdings nutzen Kriminelle sie auch zur Verbreitung von Schadsoftware. Dafür versenden sie beispielsweise Gewinnbenachrichtigungen, die tolle Preise in Aussicht stellen und zum Klick verleiten sollen. Tatsächlich erwartet den Nutzer dahinter nur Schadsoftware. Leider auch immer wieder beliebt: E-Mails, die so aussehen, als würden sie von der Hausbank stammen. Darin heißt es, man wolle eine Aktualisierung das Onlinebankings vornehmen oder so ähnlich. In Wirklichkeit stecken Betrüger dahinter, die zur Dateneingabe verleiten möchten. Beachten Sie: Niemals fordern Banken ihre Kunden via E-Mail zur Eingabe ihrer Daten auf. Derartige Aufforderungen erreichen Sie immer postalisch. Ohnehin sollten Sie Ihr

„Die beste Sicherheitstechnik nützt wenig, wenn der Mensch vor dem Rechner verseuchte Dateianhänge öffnet oder seine Accounts mit zu schwachen Kennwörtern nur unzureichend absichert.“ GÖTZ SCHARTNER

Onlinebanking niemals via Link, sondern immer durch Eingabe der Webadresse in Ihrem Browser erreichen. Auch mit dem Versand verseuchter Dateianhänge, die den Anschein erwecken, sie seien Rechnungsdokumente, Flyer oder Broschüren, sind Kriminelle immer wieder erfolgreich. Deshalb sollten auch Anhänge niemals zu sorglos geöffnet werden.

9. AUGEN AUF BEIM ONLINEBANKING

Seien Sie auch beim Onlinebanking besonders vorsichtig. Prüfen Sie immer vor Freigabe einer jeden Transaktion gründlich alle Überweisungsdaten (IBAN und BIC des Empfängers, Betrag etc.). Erteilen Sie die Freigabe nur, wenn alle Eingaben zu 100

Prozent übereinstimmen. Schartner: „Auch wenn es selbstverständlich ist, sage ich es noch einmal dazu: PINs müssen geheim gehalten werden. Auch die Zugangsdaten zum Onlinebanking sollten Sie niemals im Browser speichern.“

10. SICHERN SIE IHRE DATEN REGELMÄSSIG

Trotz aller Vorsicht und bester Schutzmaßnahmen können Fehler passieren. So können Sie Virusinfektionen und Datenverluste nie vollkommen ausschließen. Daher ist es auch gut, Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Dazu gehört die regelmäßige Sicherung Ihrer Daten. Kopieren Sie also von Zeit zu Zeit Ihre Daten auf externe Speichermedien (externe Festplatte, Blu ray, etc.).


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EIN QUANTUM TROST Erwin Schrödinger fordert mit seiner Katze in der Kiste das menschliche Vorstellungsvermögen. Das Paradoxon besteht darin, dass die Katze gleichzeitig beide Zustände – lebendig und tot zu sein – annimmt, und zwar so lange, bis diese Unbestimmheit aufgelöst, die Box quasi geöffnet wird. Und damit herzlich willkommen in der Quantenphysik. Das tröstliche daran: Selbst für Experten ist diese Abstraktion schwierig zu erfassen. Und noch schwieriger zu erklären. TEXT: MARINA BERNARDI

A

uch wenn man prinzipiell nichts von der Funktionsweise eines Computers versteht, so folgt er doch einem logischen System. Er verschlüsselt Informationen mit Hilfe eines Binärcodes, bestehend aus Null und Eins, die auf vielfältigste Arten und Weisen kombiniert werden. Dennoch bestehen sämtliche Zahlenreihen nur aus diesen beiden Ziffern, sie stehen für die Zustände wahr und falsch. Entweder ist ein Schalter an oder aus. Ja oder nein. Links oder rechts. Entweder-oder. Schlüssig. Der altindische Mathematiker Pingala stellte die erste bekannte Beschreibung eines Zahlensystems bestehend aus zwei Zeichen bereits im dritten Jahrhundert vor Christus vor. Natürlich waren wir von Computern zu dieser Zeit noch Jahrhunderte entfernt, die Tatsache allein lässt jedoch ein gewisses stringentes Grundmuster erkennen. Wie die Mathematik ist auch die Physik eine nachvollziehbare Naturwissenschaft, die es uns erlaubt, Problemstellungen mitunter intuitiv zu lösen. Und dann kam Schrödinger.

TOT UND/ODER LEBENDIG

Erwin Schrödinger war ein österreichischer Physiker und Wissenschaftstheoretiker. Er gilt als einer der Begründer der Quantenmechanik und erhielt 1933 den Nobelpreis für Physik. Zwei Jahre darauf brachte er ein Gedankenexperiment auf, bekannt als „Schrödingers Katze“. Dabei befindet sich eine Katze in einem geschlossenen Kasten gemeinsam mit einem instabilen Atomkern, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit strahlt. Kommt es zur Strahlung, stirbt die Katze.

Bricht man diese Metapher auf einen herkömmlichen Computer herunter, kann die Katze einen von zwei Zuständen annehmen: tot oder lebendig. 0 oder 1. Nach den Regeln der Quantenmechanik wird die Katze jedoch in einen Zustand gebracht, in dem sie gleichzeitig tot und lebendig sein kann. Das Paradoxon liegt nun nicht nur darin, dass ein Teilchen generell zwei sich scheinbar ausschließende Zustände annehmen kann, sondern dass dieser Zustand so lange bestehen bleibt, bis er genau untersucht wird. Heißt also: Die Katze ist so lange ebenso tot wie lebendig, bis jemand den Kasten öffnet und nachsieht. Das Gedankenexperiment geht folglich davon aus, dass ein System nicht nur zwei Zustände annehmen kann, sondern sich diese auch überlagern und damit weitere Zustände entstehen können. Erst wenn man eine Beobachtung oder Messung durchführt, tritt einer der beiden ursprünglichen Zustände auch tatsächlich ein. Während ein klassisches Bit als kleinstmögliche Speicher­einheit also ausschließlich den Zustand 0 oder 1 einnimmt, kann sich ein Qbit (Quantenbit) als Analogie dazu für eine bestimmte Zeitspanne, die so genannte Kohärenzzeit, in einem Zwischenzustand befinden. Dieser wird auch Superposition genannt. So weit, so unverständlich. Zumindest für die meisten von uns. Sollten Sie bis hierhin wenig verstanden haben, so macht das nichts. Auch für Physiker ist das Feld schwer begreiflich, weil man sich gedanklich von angelernten logischen Denkmustern verabschieden muss. Es geht um „thinking outside the box“ und das quasi wortwörtlich. „Die Quantenphysik hat sich in ihren Grundlagen seit Schrödinger nicht verändert“, sagt Yves Colombe aus dem Quantenphysikerteam rund um Rainer Blatt an der Universi-

tät Innsbruck, „und dennoch hat es bis 1995 gedauert, bis wir Algorithmen dafür gefunden haben.“ Allein das zeigt die Komplexität. Unter einem Algorithmus versteht man eine eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung eines Problems. Er wird dazu verwendet, Dinge zu berechnen. Man hat also Jahrzehnte dafür gebraucht, einem Quantencomputer nur den Anstoß dafür zu geben, eine Berechnung durchzuführen, von der Ausschöpfung des gesamten Potenzials ist man noch weit entfernt. Viele Fragen sind immer noch offen, die meisten wurden vermutlich noch gar nicht gestellt.

SO EIN ZUSTAND

Es ist ein wenig das Los der Grundlagenforschung: Die Öffentlichkeit weiß damit wenig anzufangen – zu weit weg, zu wenig greifbar. Manchmal geht die Forschung auch ins Leere oder findet erst Jahre später ihre Anwendung. Beim Quantencomputer ist die Problematik ungleich größer, weil auch das System dahinter nicht breitentauglich erklärbar ist. „Ich würde es gerne erklären können, doch es ist auch für uns Physiker noch vieles fraglich“, sagt Colombe. Die technischen Voraussetzungen für einen Quantencomputer sind gegeben. Das beweist schon die Tatsache, dass sich an der Universität Innsbruck ein funktionierender befindet. Und obwohl das Innsbrucker Physikerteam weltweit anerkannt und federführend ist, so steht man auch hier noch ganz am Anfang. Das gesamte Potenzial eines Quantencomputers ist vermutlich seriös noch gar nicht abschätzbar. „Natürlich will man mit seinem Tun Begeisterung hervorrufen, aber wir dürfen nicht nur Aufregung produzieren. Fakt ist, dass aktuell keiner weiß, wann es einen richtigen, ausgereiften

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Quantencomputer geben wird“, ist Colombe ehrlich. Was aber macht so ein Quantencomputer überhaupt? Colombe: „Die meisten denken, ein Quantencomputer ist eine schnellere, leistungsfähigere Version eines klassischen Computers. Das ist er nicht. Prinzipiell kann natürlich auch ein Quantencomputer klassische Rechungen lösen, das hätte aber wenig Sinn, weil wir bereits Systeme haben, die das ausreichend beherrschen. Ziel ist es, mit Quantencomputern künftig Problemstellungen zu lösen, die mit einem herkömmlichen Computer unmöglich zu lösen sind, weil er dafür mehr Bits bräuchte, als es Teilchen im Universum gibt.“ Die Basis – Rechnungen durchzuführen – ist also durchaus dieselbe, die Anwendungsgebiete aber liegen weit auseinander. Und für den Privatgebrauch wird ein Quantencomputer vermutlich nie eine Rolle spielen. Aber was weiß man schon.

SICH IMMER WEITER SIMULIEREN

Ab einer bestimmten Länge an Zahlenreihen (also der Aneinanderreihung von 0 und 1) sind Rechnungen für einen klassischen Computer praktisch nicht mehr lösbar. Mit einem Quantencomputer werden sie es – zumindest in der Theorie. Das sorgte für Aufregung, besonders bei Regierungen. Vor allem die USA steckten viel Geld in den technologischen Fortschritt, dennoch gibt es aktuell noch keine praktisch zu lösenden Fragestellungen. Colombe rechnet auch in den nächsten Jahren nicht damit. Vielmehr gehe es vorerst darum, zu zeigen, was mit einem Quantencomputer theoretisch möglich wäre, und das ist für die weitere Forschung enorm wichtig. Ebenso, wie die Grenzen der Quantenphysik zu kennen. „Größere Erfolge werden wir in näherer Zukunft mit der Quantensimulation erzielen“, glaubt Colombe. Trotzdem macht die Innsbrucker Uni immer

© INFINEON AUSTRIA

Silke Auchter mit einem bei Infineon Austria in Villach hergestellten Wafer, auf dem sich etwa 1.000 Chips für die Quantenforschung befinden.

wieder Fortschritte in diesem Bereich. Schritt für Schritt bewegt man sich nach vorne. Auch wenn es noch dauern wird, bis man den Quantencomputer in all seiner Pracht nutzen kann, so lassen sich die dahinterliegenden Systeme zumindest im Kleinen bereits gebrauchen. Mit dem heutigen Wissen lassen sich zum Beispiel extrem präzise Uhren bauen, die ihre Anwendung im Bereich von immer exakteren GPS-Daten finden. Das ist etwa für das autonome Fahren wichtig. Auch Sensoren lassen sich durch die Nutzung von Quantenzuständen verbessern. Dadurch lassen sich Messungen generell präzisieren. „Das ist eine große Entwicklung“, findet Yves Colombe.

EIN RAUM VOLL COMPUTER

Optisch hat ein Quantencomputer übrigens rein gar nichts mit einem klassischen Computer gemein. Vielmehr ist ein Quantencomputer ein Raum voller vermeintlich wirrer Kabel, mit zahlreichen Rechen- und Speichereinheiten. Im Labor stellen Forscher die Qbits unter anderem aus Ionen her. So auch die Innsbrucker. Sie halten die einfach positiv geladenen Ionen – also Atome, denen ein Elektron fehlt – durch elektrische Felder in sogenannten Paul-Fallen gefangen. Mit einem Laser können diese Ionen in die verschiedenen Zustände versetzt werden – angeregt (also quasi 0), nicht angeregt (1) und einen Superpositionszustand. Das alles braucht enorm viel Platz. Die Universität Innsbruck forscht deshalb gemeinsam mit der

ETH Zürich, der Interactive Fully Electrical Vehicles SRL aus Italien und Infineon Austria an konkreten Fragestellungen zum kommerziellen Einsatz von Quantencomputern. Das klingt nun etwas irreführend, konkret geht es darum, mit neuen Innovationen im Design und in der Fertigung leistbare Bauelemente für Quantencomputer zu entwickeln. Die Kooperation wird von der EU im Rahmen des Horizon-2020-Projektes PIEDMONS gefördert. „Für uns ist es wichtig, einen verlässlichen Partner aus der Industrie zu haben, deshalb hoffen wir, dass die Kooperation mit Infineon auch nach Ablaufen des Projektes weitergeht“, so Colombe. Im Zuge der Zusammenarbeit loten Ingenieure und Forscher seit dem Vorjahr gemeinsam aus, wie die nötigen Ionenfallen mittels Halbleiter-Fertigungstechnologie gebaut werden können und wie diese präsziser und skalierbarer werden. Vor allem wird daran geforscht, wie diese Ionenfallen auch bei Raumtemperatur betrieben werden können. Aktuell müssen sie noch auf fast den absoluten Nullpunkt (= 0 Kelvin oder –273,15 Grad) gekühlt werden. Eine, die daran beteiligt ist, ist Silke Auchter, die im Zuge ihrer Doktorarbeit an Ionenfallen forscht. Ziel ist es, die Fallen einheitlich und präzise zu produzieren und sie leichter mit miniaturisierter Elektronik und Optik zu verbinden. Bedenkt man, dass die Ionenfalle das Herzstück des Quantencomputers darstellt, lässt diese Forschung die Dimension erkennen.

„Quantencomputer sind keine Wundermaschinen, aber sie zeigen, dass Probleme, die für klassische Computer praktisch unlösbar, theoretisch doch zu lösen sind.“ YVES COLOMBE


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„ES DEN KUNDEN MÖGLICHST EINFACH MACHEN“ Informationen sind heute nicht mehr nur tagesaktuell verfügbar, sondern teilweise in Echtzeit. Das hat das Arbeiten verändert und auch den Umgang mit Kunden. TEXT UND FOTOS: MARIAN KRÖLL

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icol Saxer ist im Verkehrsverbund Tirol (VVT) für den Vertrieb und die Kundeninformation zuständig. Darunter fällt der Verkauf der Tickets, aber auch die Entwicklung neuer Ticketangebote und das gesamte Thema der Beauskunftung und Information, aktuell etwa über die verbesserte SmartRide-App. Ein Gespräch über Kunden und ihre Bedürfnisse.

Sie sind quasi von Anfang an beim VVT, ein Urgestein gewissermaßen. Wie hat sich der Vertrieb in diesen Jahren gewandelt? NICOL SAXER: Der Vertrieb hat sich – vor allem durch die Anforderungen der Kunden – von Grund auf gewandelt. Das Ganze ist viel mobiler und agiler geworden, die Informationen sind nicht mehr nur tagesaktuell verfügbar, sondern in Echtzeit. Ich weiß als Kunde heute sofort, ob und warum und in welchem Ausmaß sich mein Bus verspätet. Das ist den Kunden wichtig. Generell gilt, dass das System insgesamt für den Kunden einfacher und transparenter geworden ist. Durch die digitalen Medien haben sich außerdem völlig neue Möglichkeiten aufgetan, den Kunden mit Informationen zu versorgen und ihn dabei zu unterstützen, schnellstmöglich und bequem genau das zu finden, wonach er sucht und was seinen Mobilitätsbedürfnissen am besten entspricht. ECO.NOVA:

Welche Vertriebskanäle sind im Wachsen, welche nehmen an Bedeutung ab? Der Vertrieb bzw. Ticketverkauf erfolgt bei uns zum einen direkt über die Busfahrer, dann über Automaten, die an den Bahnhöfen und Bushaltestellen stehen. Das sind die klassischen Vertriebswege. Zusätzlich haben wir mit April des Jahres gemeinsam mit den IVB einen neuen Online-Vertriebskanal – den VVT


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Ticketshop – gelauncht, der von unseren Kunden sehr gut angenommen und kontinuierlich verbessert wird. Mit der Umstellung auf die neuen Jahreskarten haben wir zudem gemerkt, dass viele Kunden von diesen Gebrauch machen, die früher auf andere Tarifangebote zurückgreifen mussten. Unser Ticketshop verfolgt das Ziel, es dem Kunden in jeder Hinsicht möglichst einfach zu machen, das für seine Bedürfnisse ideale Ticket zu wählen.

Stehen die Tickets, die online via VVT Ticketshop gekauft werden, ausschließlich digital zur Verfügung? Ich habe das Ticket sofort nach dem Kauf am Handy und kann es gleich nutzen. Da ist ein QRCode hinterlegt, der vom Fahrkartenkontrolleur ausgelesen wird. Sofern der Kunde das möchte, gibt es noch ein physisches Ticket, etwa eine Plastikkarte. Wir merken aber, dass die App-Variante mit dem digitalen Ticket zunehmend nachgefragt wird. Was haben Ihnen Ihre Kunden in Bezug auf die neue Ticket-App rückgemeldet? Das Feedback war sehr positiv und die Nutzerzahlen steigen stetig. Die App wird kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt, zudem kommen laufend neue Zusatzangebote dazu. Die Tarifreform 2 brachte auch große Neuerungen, unter anderem eben den Ticketshop, aber auch neue, attraktive Tarifangebote wie die Flexi-Rate, ein Online-Guthaben für Gelegenheitsfahrer, mit dem sich der Fahrpreis um bis zu 23 Prozent pro Zone verbilligt. Wurden bei der Entwicklung der Ticket-App auch die Bedürfnisse älterer, weniger technikaffiner Mitmenschen berücksichtigt? Ja. Innerhalb der App gibt es einen Einfach-Modus. Die App ist aber – und das zu betonen ist mir wichtig – ein zusätzlicher Vertriebsweg und längst nicht der einzige. Wir gehen nicht von den klassischen Vertriebskanälen ab. Möchte jemand sein Ticket weiterhin nach einer persönlichen Beratung im KundInnencenter oder direkt beim Busfahrer kaufen, ist das selbstverständlich auch in Zukunft möglich.

Sind SmartRide-App und VVT Ticketshop erklärungsbedürftig oder intuitiv zu handhaben? Hat man sie erst einmal ausprobiert, ist sie in der Handhabung relativ unkompliziert und intuitiv. Wer noch

„Die App ist ein zusätzlicher Vertriebsweg und längst nicht der einzige. Wir gehen nicht von den klassischen Vertriebskanälen ab.“ NICOL SAXER

gar keine Erfahrung mit Smartphones und Apps hat, dem muss man Hilfestellung anbieten. Für Fragen kann man sich aber jederzeit an unser KundInnencenter wenden. Außerdem arbeiten wir gerade an Anleitungen und Tutorials.

Wie lange dauert es, derartige Apps von Grund aufzusetzen? An der Ticketshop-App haben wir eineinhalb Jahre gearbeitet, von der Konzeption über die Programmierung und die Testläufe bis hin zum Launch. Aber eine App ist nie fertig, es gibt immer wieder neue Features, weil es immer wieder neue Anforderungen gibt. Es wird auch in nächster Zeit noch einige Themen geben, die derzeit noch in Entwicklung und Erprobung sind, um das Nutzererlebnis weiter zu verbessern und zu vereinfachen. In welche Richtung gehen diese neuen Features? Wir als VVT denken Mobilität ganzheitlich. Dazu gehört mehr als der klassische ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) mit Bus und Bahn, sondern auch alternative Mobilitätsangebote. Ein Thema, das wir in Zukunft in unsere Angebotspalette zu integrieren haben werden, ist mit Sicherheit das Carsharing. Das ist vielleicht nichts, das man sofort mit dem VVT assoziieren würde. Ein ganzheitliches Angebot muss aber über die klassischen öffentlichen Verkehrsmittel hinausdenken.

Wie sehen Sie generell die Zukunft des Ticketing? Ich glaube, das hängt ganz stark vom jeweiligen Kunden ab. Wir entwickeln uns in die Richtung, die der Kunde mit seinen Wünschen, Rückmeldungen und Anforderungen vorgibt. Allgemein kann man sagen, dass langfristige Planungen kundenseitig definitiv zurückgehen und alle Entscheidungen, die mit dem Mobilitätsbedürfnis in Zusammenhang stehen, immer kurzfristiger getroffen werden. Dafür ist eine App natürlich sehr gut geeignet. Ich bin davon überzeugt, dass es in zehn Jahren eine große Zahl

neuer Features und auch Tarifangebote geben wird, die sich über einen klassischen Vertriebsweg so nicht darstellen lassen würden. Es gibt bereits jetzt Produkte, die nur über die App erhältlich sind. Darunter ist die Flexi-Rate. Das ist im Grunde ein virtuelles Zonen-Guthaben. Kaufe ich zum Beispiel zehn Zonen, bekomme ich drei dazu geschenkt. Ich vergleiche das für meine Generation immer gerne mit einer Telefonwertkarte. Das ermöglicht es den Kunden, einfach und schnell zu fahren. Die zurückgelegten Zonen werden dann einfach vom Guthaben abgezogen. Durch die drei Zonen, die man geschenkt bekommt, ist die Flexi-Rate günstiger als ein normales Ticket. Man spart rund 23 Prozent. Das ist ein sehr gutes Angebot für den Gelegenheitsfahrer, der günstig und flexibel auf unterschiedlichen Strecken unterwegs sein möchte.

Wie intelligent ist der Ticketshop und was ist noch möglich? Es gibt unzählige Möglichkeiten, angefangen bei Be-in/ Be-out-Systemen, die automatisch erkennen, wann man in einen Bus oder Zug ein- und wann man wieder ausgestiegen ist. Es gibt andernorts schon erste Pilotbetriebe mit dieser Technologie und ich kann mir vorstellen, dass das in einigen Jahren State of the Art wird. Diesen Entwicklungen werden wir uns natürlich nicht verschließen. Es ist uns aber wichtig, dass diese Dinge bereits erfolgreich erprobt wurden, bevor wir sie einsetzen.

Wo holt man sich in Ihrer Position die Anregungen und das Wissen, was derartige Innovationen betrifft? Unsere Branche ist eigentlich eine sehr „kleine“ Branche. Da schaut man durchaus auch, was andere machen. Nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern darüber hinaus. Man sieht sich gewisse Dinge an und prüft, ob sich das auf unsere Verhältnisse übertragen lässt. Manches lässt sich umsetzen, anderes nicht. Es gibt einige Best-Practice-Beispiele, von denen man durchaus etwas lernen kann.

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DIGITAL IST BESSER

Auch wenn Analoges durchaus mit Retrocharme besticht – Stichwort Fotografie –, so hat die Digitalisierung schon ihre Vorzüge. Mal mehr, mal weniger. Dass ein digitales Mikroskop einem analogen überlegen ist, daran dürfte kein Zweifel bestehen. Ob das bei digitalem und realem Sport auch so ist, darüber kann man uneins sein. Ein Fortschritt sind eSports allemal. TEXTE: MARIAN KRÖLL

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Beim RoboticScope tritt anstelle eines statischen Mikroskops ein Roboterarm, der mit einer Genauigkeit von 0,02 mm arbeitet und an dem eine 3D-Kamera befestigt ist, welche die Signale an ein hochauflösendes Head-Mounted-Display schickt.


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Š ADELA SZNAJDER

eSport hat Eventcharakter. Davon legen volle Stadien und Arenen eindrucksvoll Zeugnis ab.

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E-SPORT IST EH SPORT Tirol ist nicht nur ein ausgewiesenes Tourismusland, sondern auch ein Sportland. Ein relativ neues sportliches Teilgebiet hat es bislang vielleicht gerade deshalb noch schwer, Auftrieb zu bekommen. Die Rede ist von den sogenannten eSports. Ein junges Innsbrucker Unternehmen ist angetreten, eSports und deren Vermarktung auch hier zu professionalisieren.

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„Der durchschnittliche Gamer in Österreich ist 30 Jahre alt, hat einen Vollzeitjob, ist Akademiker.“ FLORIAN WEGSCHEIDER

AUF DER MEGATREND WELLE REITEN

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ür den sportlichen Wettkampf zwischen Menschen mittels Computerspielen existieren auch noch die Schreibweisen E-Sport, ESport, e-Sport, eSports und e-Sports. Man kann es also schreiben, wie man will, es ist immer irgendwie richtig. Entgegen der landläufigen Annahme handelt es sich bei der Zielgruppe mit Blick auf die Statistiken mitnichten um pickelige, ungeküsste Teenager und Mittdreißiger, die bei der Mama im Keller wohnen. Ein echter Breitensport für adipöse Bewegungslegastheniker. Not!

„Wir haben bereits während des Studiums gesehen, dass eSport weltweit zum Megatrend wird“, sagt Florian Wegscheider, der mit einigen Gleichgesinnten angetreten ist, um den eSport hierzulande zu professionalisieren und aus seinem Schattendasein heraus ins Rampenlicht zu holen. Dort, wo er global gesehen längst angekommen ist. Was in Tirol vielleicht noch belächelt wird, darüber lacht auf den großen Märkten keiner mehr. Denn dort stehen die Signale auf Sturm. Mit eSport muss gerechnet werden. Bei der im Frühjahr gegründeten eSports Management Agency GmbH sind als Geschäftsführer Peter Margreiter und Felix Kozubek – beide Mitglieder des Management-Teams beim FC Wacker Innsbruck – als Geschäftsführer an Bord. Im Vergleich zu Asien und Nordamerika ist eSports in Europa, vielleicht mit Ausnahme von Deutschland, noch ein Nischensport . „Die Profi-Gamer gibt es bei uns auch, aber noch keine zentrale Plattform, Community und Infrastruktur, wo man sich trifft“, so Wegscheider, der auch wohlwollend beobachtet hat, wie das Gamen binnen relativ kurzer Zeit viel vom einstigen Schmuddelimage abgelegt hat. „Gamen ist salonfähig geworden. Es wird immer beliebter.“ Zur Raison d’Être des neuen Unternehmens gehört es, eSports zu vermarkten und damit der Wirtschaft schmackhaft zu machen. Es handle sich aber, wie vielfach fälschlich angenommen, nicht um einen weiteren Marketingkanal, sondern um eine Bewegung, meint Wegscheider: „Man muss eSport eher

als Trend, als Bewegung sehen, die auf vielen Kanälen stattfindet. Streamingkanäle erzielen in der jungen Zielgruppe höhere Reichweiten als etwa der ORF. Über Social Media spielt sich auch sehr sehr viel ab.“

BEWEGUNG OHNE BEWEGUNG?

Vor dem Bildschirm zu sitzen und anderen beim Computerspielen zuzusehen, mag auf den ersten Blick befremdlich wirken. Auf den zweiten vielleicht auch noch. Doch eSports dürfte auf das Zielpublikum eine breitenwirksame und nachhaltige Faszination ausüben. Es hat längst Eventcharakter. Davon legen volle Stadien und Arenen eindrucksvoll Zeugnis ab. „Beim eSport kann jeder mitmachen, egal ob weiblich oder männlich, alt oder jung“, beschreibt Wegscheider einige positive Aspekte. „Man ist zeitlich und örtlich völlig ungebunden und kann mit Mitspielern aus der ganzen Welt in Kontakt treten.“ Marco Nowak, wie Wegscheider als Gesellschafter im Unternehmen, ergänzt: „eSports sind sehr emotional, das spricht im Vergleich zum TV viele Menschen an.“ Plattformen wie YouTube und die führende Streamingplattform Twitch hätten bei den jungen Leuten das Fernsehen schon überholt, führt Wegscheider aus. „Es ist ein Austausch und man lässt sich nicht nur berieseln wie beim Fernsehen.“

VIELFÄLTIGE VERMARKTUNG

Das junge Unternehmen bedient verschiedene Geschäftsbereiche. Unter anderem berät man Unternehmen, wie man mit dem Trendthema eSports umgehen und es geschickt werblich nutzen kann. „Ob das jetzt klassisches Produktmarketing oder Employer Branding ist – alles ist möglich“, sagt Nowak. Unter den Wirtschaftstreibenden hätten viele den Begriff eSports zwar schon gehört, man wisse aber nicht konkret etwas damit anzufangen. Das elektronische Sporteln lässt sich einerseits so vermarkten wie der traditionelle Sport, andererseits gibt es mit dem sogenannten In-Game-Advertising (IGA) – das ist die Einblendung von Werbung in den Spielen – aber auch ein Alleinstellungs-

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Gekommen, um zu bleiben: Florian Wegscheider (li.) und Marco Nowak wollen eSport in Tirol professionalisieren.

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merkmal. „Das kommt in den nächsten Jahren noch viel stärker“, ist Wegscheider überzeugt. Ein kurzer Blick auf die Zahlen zeigt, In-Game-Werbung ist mittlerweile definitiv ein milliardenschwerer Wachstumsmarkt. Statisches IGA ist kein Novum mehr, wesentlich zukunftsträchtiger ist das sogenannte dynamische In-Game Advertising, mit dem Werbung geo- und zeitcodiert platziert werden kann. „Das ist der nächste logische Schritt für die Branche“, sagt Wegscheider, der davon ausgeht, dass Spiele zukünftig sogar umsonst erhältlich sein werden und die Entwickler sich über die Werbeeinnahmen finanzieren. Das ist nicht unplausibel, aber derzeit noch Zukunftsmusik. Wenn es so weit ist, will man bei e.ma, wie sich das Unternehmen in der Kurzform nennt, jedenfalls ready sein.

STADIENFÜLLENDES PROGRAMM

Aus dem traditionellen Sport kennt man das Teamsponsoring. Den ersten Schritt in diese Richtung hat der virtuelle Marktplatz willhaben mit dem Sponsoring der Tickling Tentacles gemacht. „Man muss aber nicht gleich das ganze Team branden, sondern kann auch als Trikotsponsor auftreten“, sagt Nowak und bringt noch eine andere Variante ins Spiel, die in den letzten Jahren alles andere als unauffällig war: „Man kann auch direkt Gaming-Influencer ansprechen.“ Diese Influencer würden über die höchste Glaubwürdigkeit von allen Influencern verfügen, wirft Wegscheider ein. Zumindest im Gaming dürfte folglich im Berufsstand der Influencer noch heile Welt herrschen. Der Massencharakter der eSports lässt sich auch anhand der Besucherzahlen illustrieren, wie Wegscheider ausführt: „Im pol-

„eSports sind sehr emotional, das spricht im Vergleich zum TV viele Menschen an.“ MARCO NOWAK

nischen Katowice sind in drei Tagen über 170.000 Menschen im Stadion und mehrere Millionen vor den Bildschirmen. Bei der Vienna Gaming City sind auch über 80.000 Leute, aber im Vergleich zu Asien ist das noch wenig.“ Events sind übrigens auch ein Geschäftsfeld, das das e.ma-Team zukünftig beackern wird. Zudem startet man einen eigenen eSport-Cup, eine Turnierserie mit zehn Stopps in allen Bezirken Tirols und einem großen Finale. Ziel ist es, den besten FIFA-Spieler des Landes ausfindig zu machen. Österreich sei diesbezüglich überhaupt ein Phänomen, meint Wegscheider in Hinsicht auf die hohe Popularität und Verbreitung der Fußballsimulation von EA Sports. In Asien spiele man dagegen eher Titel wie League of Legends oder World of Warcraft, im Norden Europas vermehrt Shooter. „Das ist je nach Region interessanterweise sehr unterschiedlich.“ In Österreich gibt es seit einigen Jahren sogar eine eigene eSport-Bundesliga für FIFA-Player.

INTERESSANTE ZIELGRUPPE

Die neuen Werbemöglichkeiten, die sich im Gaming-Bereich ergeben, sind derzeit durch die ausbaufähige Popularität hierzulande noch verhältnismäßig günstig. „Sich im eSport zu positionieren, ist gerade in Tirol noch einfach, weil es niemanden gibt, der

groß eingestiegen ist. Die Einstiegskosten, was Team- und Eventsponsoring betrifft, sind noch gering. Das wird sich in den kommenden Jahren sicher ändern. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Einstieg“, ist Wegscheider überzeugt. Zu Marketingzwecken muss man die Zielgruppe kennen. Die besteht, anders als das eingangs erwähnte Stereotyp, mitnichten hauptsächlich aus Teenagern, wie Wegscheider aufzeigt: „Der durchschnittliche Gamer in Österreich ist 30 Jahre alt, hat einen Vollzeitjob, ist Akademiker. Das ist eine Zielgruppe, die für viele Unternehmen eigentlich sehr interessant ist.“ In Deutschland sei das Durchschnittsalter der Gamer sogar noch um einige Jahre höher, merkt Marco Nowak an. Das liege daran, dass die Spieler quasi von Beginn des Konsolenzeitalters an dabei waren und mit der Spielebranche mitgealtert seien. Außerdem: „Die Geschlechterverteilung bei den Fans ist fast 50 zu 50.“ Die Weltspitze der Spieler sei, wie bei vielen anderen Sportarten, männlich dominiert. Wie bei jedem anderen Sport reicht es nicht ganz, mit Chipsfingern und Limo auf der Couch zu sitzen, um es an die Weltspitze zu schaffen. Ganz im Gegenteil. Zuerst braucht es die Voraussetzungen, was körperliche Fitness und Reaktionsvermögen betrifft, dann Beharrlichkeit, permanentes Training und nicht zuletzt ein Quäntchen Glück. „Nur ein fitter Körper kann vor der Konsole gute Leistungen bringen. Und ohne monetäre Unterstützung durch einen Sponsor ist es so gut wie unmöglich, an die Weltspitze zu kommen“, weiß Wegscheider. „An der Weltspitze gibt es nur Profis“, so Nowak. Für hoffnungsvolle Talente hat e.ma übrigens auch ein Angebot. Man tritt als Spieleragentur auf und will Spielern eine Bühne geben, um sich auch international profilieren zu können. „Wir wollen den eSport in Tirol professionalisieren und sehen uns als Brücke zwischen eSport und der Wirtschaft“, fasst Florian Wegscheider zusammen, worum es im Grunde geht. Folgt Tirol dem internationalen Trend, darf man davon ausgehen, dass eSport gekommen ist, um zu bleiben. Dementsprechend werden sich das Image und die Attraktivität ändern. Dazu will man auch in Innsbruck bei e.ma beitragen. www.e-ma.eu FOTOS: © MARIAN KRÖLL, ADELA SZNAJDER, HELENA KRISTIANSSON


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eco.zukunft

Der Marktstart für das AMP RoboticScope ist für 2020 geplant. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Zu viel von ihrer (Forschungs-)Arbeit wollen die Jungs aber noch nicht zeigen.

DIE DIGITALE ERWEITERUNG DER SINNE

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Medizintechnik aus Innsbruck, genauer gesagt von BHS Technologies, soll zukünftig dafür sorgen, dass Operateure den besseren Durchblick haben und unverkrampfter Hand anlegen können. Richten soll’s das weltweit erste RoboticScope namens AMP. Marktstart ist 2020, die Praxistests verlaufen vielversprechend.

A

ngekündigte Revolutionen finden oftmals – so lehrt es die Geschichte – nicht statt. Vieles deutet darauf hin, dass es beim Innsbrucker Start-up BHS Technologies anders sein wird. Das 2017 gegründete Unternehmen rund um CEO Markus Hütter, CSO Gregor Burger und CTO Michael Santek hat es sich zur Aufgabe gemacht, Chirurgen in aller Welt ihre Arbeit zu erleichtern. Leisten soll das AMP, das weltweit erste RoboticScope der Welt. Das ist ein digitales Operationsmikroskop mit dem Potenzial, die analoge Konkurrenz alt aussehen zu lassen.

MEHR ALS DIE SUMME DER EINZELNEN TEILE

Markus Hütter und Michael Santek kennen einander aus einem Medizintechnikunter-

nehmen. Beim gemeinsamen Workout haben sie nach Geschäftsideen gesucht, die man zusammen verfolgen könnte. „Wir haben uns gegenseitig mit Innovationen angesteckt“, sagt Hütter, der stets den globalen Markt – der lokale wäre schlicht zu klein – im Auge hat, während Santek die technologische Seite abdeckt und Burger der Software-Flüsterer ist, der dafür sorgt, dass sich die High-Tech-Komponenten miteinander unterhalten können. Auf einer Medizintechnik-Konferenz ist Hütter aufgefallen, dass im Bereich der digitalen Mikroskopie Marktchancen für ein entsprechendes Produkt da sind. Und hat prompt Kollege Michael Santek gefragt, ob er so etwas bauen könne. Im Wissen, dass ein derartiges Unterfangen ganz wesentlich von der Software abhängt, hat man Burger ins Boot geholt. „Der kann, was die Soft-

ware betrifft, gefühlt fast alles“, streut Hütter Rosen. Gemeinsam spezifiziert man, was ein digitales Operationsmikroskop können muss und was es kosten darf. Unterm Strich kommt heraus, dass Leistungsfähigkeit und Preis zusammenpassen würden. Anstelle eines statischen Mikroskops tritt ein Roboterarm, der mit einer Genauigkeit von 0,02 mm arbeitet und an dem eine 3D-Kamera mit einer im Haus entwickelten Optik befestigt ist, welche die Signale an ein hochauflösendes Head-Mounted-Display schickt.

KURZE ENTWICKLUNGSZEIT

Das Trio holte noch vor der Firmengründung Mark Capelli an Bord. Zu viert gründete man schließlich 2017 die in Innsbruck ansässige BHS Technologies GmbH. „In Österreich bekommt man von Investoren schon Kapital für Ideen, aber nicht viel. Für ein großes ProFOTOS: © BHS TECHNOLOGIES, MARIAN KRÖLL


eco.zukunft

„In Österreich bekommt man von Investoren schon Kapital für Ideen, aber nicht viel. Für ein großes Projekt ist das schwierig.“ MARKUS HÜTTER

69 jekt ist das schwierig“, erzählt Hütter. Man habe sich über Banken und Förderungen finanziert, so der CEO. Mittlerweile ist die LOREA AG als Investor ins Unternehmen eingestiegen und hält rund ein Viertel an BHS. Der Prototyp des RoboticScope wurde bereits im Herbst 2017 erstmals mit Chirurgen getestet. Die Entwicklungszeit bis zur Markteinführung schätzt Hütter mit dreieinhalb Jahren ein, das ist etwa um ein Drittel kürzer als in der Branche üblich: „Wir haben eine komplett neue Technologie, an der andere vielleicht sieben, acht Jahre entwickeln würden.“ Warum man in Innsbruck schneller ist als andernorts, kann Hütter sich erklären: „Wir hatten die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt am Start. Wir haben ein Team, das aus super Leuten besteht.“ Derzeit sind es 24, wächst BHS wie geplant, wird man vor allem in der Produktion und im Vertrieb personell deutlich aufstocken. „Wir liefern nächstes Jahr die ersten Geräte aus, dann heißt es hopp oder dropp.“ Um annähernd schmerzfrei wachsen zu können, hat man gleich am Anfang ein Managementsystem implementiert. Das ist schon allein deshalb notwendig, weil es bei Medizinprodukten keinen Spielraum für Fehler gibt. „Es ist wichtig, die Sicherheit und die Wirksamkeit belegen zu können“, sagt Hütter. Bisher wurde das System von welt-


eco.zukunft

Ob Evolution oder Revolution, liegt im Auge des Betrachters: Ein Prototyp des RoboticScope wurde bereits von Chirurgen getestet. Und für gut befunden.

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„Wir fürchten uns vor gar nichts, wir lösen einfach Probleme.“ MARKUS HÜTTER

weit mehr als 200 Chirurgen getestet. Die Rückmeldungen sind überwiegend sehr positiv, die Operateure nehmen das Produkt mit offenen Armen auf. „Die Handhabung stößt auf großen Zuspruch, unser Produkt wird zumindest als wesentlicher evolutionärer Schritt empfunden, von manchen sogar als Revolution“, sagt Hütter. In der Mikroskopie habe sich in den letzten Jahrzehnten bis dato eigentlich wenig verändert. Das AMP RoboticScope erleichtert Chirurgen die Arbeit. „Im OP-Bereich ist das Mikroskop zwischen dem Operateur und dem Patienten frei schwebend positioniert. Dafür braucht es ein Stativ. Damit man angemessen sehen kann, braucht es den richtigen Augenabstand und die richtige Position. Dazu muss man relativ statisch stehen, was kurzfristig kein Problem ist, über Stunden, wie es bei Operationen oft der Fall ist, aber große Anstrengung verursacht. Rückenleiden und allerlei Probleme mit dem Stützapparat zählen deshalb bei Chirurgen zu den Berufskrankheiten“, weiß Hütter, der sich sicher ist, mit dem dynamischen Operationsmikroskop eine bessere Alternative zu haben. „Wir haben einen hochpräzisen Roboterarm, der jeden Punkt im Raum exakt ansteuern und um einen einmal fixierten

Punkt rotieren kann. Dadurch hat der Chirurg immer ein scharfes Bild und der Fokus bleibt auf dem Bereich, den er sehen will. Durch die Richtungsänderungen erfasst er das OP-Gebiet dreidimensional.“

GUTE AUSSICHTEN

Für Chirurgen sind das beste Aussichten für eine gelungene Operation. Das RoboticScope sorgt nämlich dafür, dass sich die Mediziner auf das konzentrieren können, was zählt: Auf den chirurgischen Eingriff, nicht die Manipulation von operationsnotwendigem Gerät. „Wir haben die Kamera vom Okular getrennt, die Mikrodisplays werden am Kopf befestigt. Der Operateur kann dadurch genau das sehen, was er sehen will, und zwar unabhängig von der Kopfhaltung“, führt der CEO aus. Das Mikroskop lässt sich ganz intuitiv steuern, der Chirurg kann die Hände im Operationsfeld lassen. Selbst wenn manche Operation vom Schwierigkeitsgrad her in die Kategorie großes Kino fallen mag, hat man sich beim Bildformat bewusst für 4:3 entschieden, weil das für die Bildauflösung vorteilhaft ist und unwichtige Randbereiche wegfallen, die man etwa beim gängigen 16:9-Format mitgeliefert bekäme. AMP kann darüber hinaus via

Head-Mounted-Display die Kopfbewegungen des Operateurs erkennen und das Mikroskop entsprechend positionieren. In der technischen Realisierbarkeit war es besonders wichtig, mit der Bildwiederholrate unter die Schwelle zu kommen, unter der das Auge registriert, dass es kein „echtes“, analoges Bild vor sich hat. „Der Operateur darf keine Latenz wahrnehmen. Unsere Kameras liefern derzeit 120 Bilder pro Sekunde und sind für höhere Bildwiederholraten ausgelegt. Entscheidend ist aber nicht nur diese, sondern die gesamte Signalverarbeitung. Wir erreichen ungefähr eine Latenz von 17 bis 20 Millisekunden. Unter 30 Millisekunden nimmt man nicht wahr, dass es sich um ein digitales Signal handelt, und meint, durch eine analoge Optik zu schauen“, erklärt Markus Hütter. Zudem lassen sich bei entsprechender Verknüpfung zukünftig auch allerlei Daten auf Verlangen in den Stream einbetten, etwa aktuelle MRT- oder Röntgenbilder. „Es gibt auch Möglichkeiten im Bereich der Tumorvisualisierung. Man kann die Kamera steuern und auch das Videosignal bearbeiten“, sagt Hütter und präzisiert: „Je besser das Tumorgewebe erkennbar ist, desto exakter kann es entfernt werden. Gegenüber der Konkurrenz hat das RoboticScope aus Innsbruck außerdem den Vorteil, dass aufgrund geringer Infrarotanteile im Licht das darunterliegende Gewebe weniger erwärmt wird. Die Speicherung großer Datenmengen ist teuer. Deshalb werden die Bilddaten des AMP RoboticScope


eco.zukunft

Markus Hütter, Gregor Burger und Michael Santek holten mit Mark Capelli noch einen vierten Mann an Bord, um 2017 BHS Technologies zu gründen.

erfolgs.geschichten

Bürgermeister Ing. Mag. Werner Frießer mit Regionalleiter Firmenkunden Oberland, Mag. Andreas Kleinhansl

Auf erfolgreichen Bahnen komprimiert und lassen sich unkompliziert auf einem Datenträger, etwa auf einem angeschlossenen USB-Stick, archivieren. Zur Dokumentation des Operationsgeschehens können Operateure auch selbst Screenshots anfertigen. „Generell haben wir darauf geachtet, ein cleveres Datenmanagement zu haben. Es bringt nichts, Unmengen von Daten zu produzieren“, sagt Hütter.

MARKTSTART 2020

Bezüglich der Preisgestaltung hat man sich bei BHS schon zu Beginn der Entwicklung angesehen, was denn ein solches Gerät überhaupt kosten darf, um am Markt entsprechende Verbreitung finden zu können. „Wir wollen eine gute Marktdurchdringung haben und nicht, dass nur einige wenige Ärzte weltweit sich das leisten können“, so der CEO. Man habe deshalb das RoboticScope kostenmäßig im selben Segment positioniert wie ein mittelklassiges, analoges Mikroskop. Und das bei erheblich größerem Leistungsumfang. Das ist schon einmal keine schlechte Ausgangsposition, um am Markt zu reüssieren. Zum Markstart 2020 ist es das erklärte Ziel, zwischen 50 und 100 Geräte auszuliefern. Im Folgejahr sollen es nach Hütter bereits drei- bis viermal so viele sein. Zu Anfang konzentriert sich das Unternehmen auf den europäischen Markt, der amerikanische, chinesische und brasilianische sollen bald darauf folgen, Japan und Korea sollen zu einem späteren Zeitpunkt relevant werden. Markus Hütter umreißt den Geist, der im Unternehmen herrscht: „Wir wollen kooperatives Verhalten in die Medizintechnik hineinbringen. Kommt die Konkurrenz mit etwas Ähnlichem heraus, ist das auch in Ordnung. Wir fürchten uns vor gar nichts, wir lösen einfach Probleme. Wir wollen den Medizinern in aller Welt bestmögliche Produkte zur Verfügung stellen.“ Eine Mission, die einfach und schwierig zugleich ist. So wie es derzeit aussieht, dürfte das Medizintechnik-Know-how aus Innsbruck aber schon bald in aller Welt für mehr Durchblick und Entspannung bei den Operateuren sorgen. Das kommt letztlich wieder dem Patienten zugute. www.bhs-technologies.com 

Pioniergeist prägte die Geschichte der Bergbahnen Rosshütte in Seefeld von Anbeginn und auch heute noch steht der Fortschritt keinesfalls still. Als wahren Drahtseilakt kann man die Entstehungsgeschichte der Bergbahnen Rosshütte bezeichnen, hatten die Begründer bis zum Bau der ersten Bahn 1954 doch einige Hürden zu überwinden. Aber mit Pioniergeist und der nötigen Portion Mut und Hartnäckigkeit avancierte das Skigebiet bereits 1960 in die Topliga der österreichischen Seilbahnen. Weitere Meilensteine folgten 1999 mit dem Bau der topmodernen 6er-Sesselbahn Hochanger von der Talstation in die Pisten des Härmelekopfgeländes – was umsatztechnisch eine Verdoppelung der Einnahmen mit sich brachte. Oder dem Umbzw. Neubau des Bergrestaurants von 350 auf 800 Sitzplätze – 550 davon auf der sonnigen Terrasse – im Jahr 2004. Zwei Jahre später entstanden mit dem Bau des Parkhauses 500 zusätzliche Parkplätze, was die Parkplatznot des bei Gästen wie Einheimischen gleichermaßen beliebten Skigebietes weitestgehend entschärft hat. Heute stehen den Gästen insgesamt 14 topmoderne Bahnen mit 20 bestens präparierten Pistenkilometern zur Verfügung. Attraktionen wie viermal wöchentlich Nachtskilauf oder das in einem gesondert abgegrenzten Areal geschaffene Sportis Kinderland runden das Angebot ab. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl in zahlreichen Hütten, Restaurants und Schirmbars gesorgt. Die Bergbahnen Rosshütte sind aber nicht nur ein attraktives und vielseitiges Winterparadies, sondern bieten auch im Sommer ein spannendes Bergerlebnis für die ganze Familie. Bergbahnen auf dem neuesten Stand der Technik zu betreiben, bedarf hoher Investitionsvolumina. „Die Hypo Tirol Bank hat uns sowohl mit dem besten Angebot als auch betreuungstechnisch überzeugt und ist seit vielen Jahren unser Partner im Finanzierungsbereich. Sie ist an unserer Seite und hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir uns zu dem weiterentwickeln konnten, was wir heute sind“, zeigt sich Harald Stix, Prokurist der Bergbahnen Rosshütte, begeistert von der Zusammenarbeit mit der Hypo Tirol Bank. PR

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eco.zukunft

Mit dem Kauf des Luxusresorts Castello in Sölden ist Huter Invest in der oberen Liga der Tourismusbetriebe eingestiegen.

Mit der Residence le Terrazze entsteht derzeit ein hochwertiges Wohnprojekt am Gardasee.

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Das Kloster Maria Waldrast wurde vor der Schließung bewahrt.

Gemeinsam mit Arthur Bellutti will Huter Invest das Sporthotel Igls umbauen.

INVESTITIONSFREUDIG Mit Umsicht und aktivem Engagement ist das private Beteiligungsunternehmen Huter Invest stets auf der Suche nach spannenden Immobilienprojekten, Unternehmensbeteiligungen oder erfolgversprechenden Start-ups. R E D A K T I O N : D O R I S H E LW E G

M

it Erfolgsprojekten wie dem Outlet Center Brenner hat sich Huter Invest einen Namen gemacht und bewiesen, was sie unternehmerisch draufhaben. Denn es war ein sehr komplexes und schwieriges Projekt, das sich vielen Unkenrufen zum Trotz schlussendlich als eines der erfolgreichsten Outlets in Europa etabliert hat und bereits früher als geplant im Jahr 2018 an einen namhaften US-Investmentfonds gewinnbringend verkauft werden konnte. Die unternehmerische Tätigkeit ist Nick Huter und seinem Team also nicht fremd – im Gegenteil, eine aktive Mitgestaltung bei Beteiligungen ist dem privaten Investment-

unternehmen sehr wichtig. „Wir verfolgen einen sehr lokalen und aktiven Ansatz“, sagt Huter und erklärt: „Wir sehen uns nicht als klassischen Finanzinvestor, sondern verfolgen mehr den Beteiligungsansatz. Wir sind unternehmerisch geprägt und wollen uns in unseren Partnerschaften auch aktiv beteiligen. Deshalb versuchen wir, unseren Erfahrungsschatz wie auch unser Netzwerk in das Unternehmen so gut wie möglich einzubringen und in gegenseitigem Vertrauen gemeinsame Entscheidungen auf Augenhöhe zu treffen.“ Mit aktuell 25 Beteiligungen im In- und Ausland – mittlerweile auch in den USA – liegt der Fokus derzeit auf Immobilienprojekten und Tourismusbetrieben, aber

auch auf Unternehmensbeteiligungen und Start-ups.

FOKUS IMMOBILIEN

Neben der Realisierung von zahlreichen kleineren Wohnanlagen hat Huter Invest auch Großprojekte wie die Vienna Real Estates mit 300 Einheiten in Wien erfolgreich umgesetzt. In Baubeginn stehen derzeit zahlreiche Objekte mit insgesamt ca. 300 Wohnungen in Tirol sowie beispielsweise am Traunsee oder am Faaker See. In Vorbereitung stehen zudem spannende Großprojekte, auf die jedoch noch nicht näher eingegangen werden kann. „Ein schönes Projekt entsteht derzeit in Garda. Residence le Terrazze wird eine FOTOS: © HUTER INVEST, ANDREAS FRIEDLE


eco.zukunft

Das Outlet Center Brenner hat Huter Invest als eines der erfolgreichsten Outlets in Europa positioniert.

KLOSTER MARIA WALDRAST

hochwertige Wohnanlage bestehend aus 20 Einheiten mit einem traumhaften, unverbaubaren Blick über den gerade bei Tirolern sehr beliebten Gardasee“, ergänzt Huter.

BETÄTIGUNGSFELD TOURISMUS

Mit der Übernahme namhafter Beherbergungsbetriebe in Tirol ist Huter Invest auch in der Tourismusbranche angekommen.

CASTELLO SÖLDEN

Mit dem Kauf des Luxusresorts Castello in Sölden ist Nick Huter in der oberen Liga der Tourismusbetriebe eingestiegen. „Sölden ist ein touristischer Hotspot und der Mitbewerb sehr hoch. Unser Anspruch ist es, das Castello zu einem führenden Hotel in Sölden zu machen. Aufbauend auf das derzeitige Konzept werden wir hochwertige Luxusappartements in den Größen von 60 bis 160 Quadratmetern schaffen. Derzeit laufen umfangreiche Planungen und wir werden nach der Wintersaison 2020 mit massiven Um- und Ausbauarbeiten beginnen. Wir erwarten uns an diesem besonderen Standort mit unserem sehr exklusiven Angebot ein großes Potential und investieren hier einen signifikant zweistelligen Millionenbetrag“, verrät Huter die zukünftigen Pläne des Castello in Sölden.

Dass es Nick Huter nicht immer nur ums Geld geht, sondern um langfristige und nachhaltige Projekte, zeigt sich auch am Engagement im Kloster Maria Waldrast. Mit diesem partnerschaftlichen Projekt hat Nick Huter gemeinsam mit Bürgermeister Alfons Rastner und Geschäftspartner Gottfried Sint das einzigartige Kloster vor der Schließung bewahrt. „Wir haben das gesamte Anwesen samt Gastronomie, Beherbergung, Land- und Forstwirtschaft für Jahrzehnte gepachtet und uns im Gegenzug bereit erklärt, den hohen Investitionsrückstau zu beheben. Hier steht nicht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, sondern diesen wunderbaren Kraftplatz zu erhalten. Wenn sich dieses an sich autark funktionierende Anwesen selbst tragen kann, sind wir schon zufrieden, Ausschüttungen sind hier keine zu erwarten“, so Huter. Mit einer neuen Restauration und guter Küche soll sich die Bewirtung schon maßgeblich verbessert haben und so präsentiert sich das höchstgelegene Kloster Europas wieder als attraktives Ausflugsziel im Sommer wie im Winter.

START- UP - INVESTMENTS

In Sachen Nachhaltigkeit ist auch das Investment in das Start-up-Unternehmen „ummadum“ hoch im Trend. Die ausgeklügelte

Mitfahr-App startet gerade in Österreich voll durch. Mit einem Bonus-Punktesystem, das gemeinsames Fahren belohnt, findet ummadum großen Anklang in der Politik wie auch bei Unternehmern und Gemeinden und hat auch schon den Innovationspreis der Republik Österreich eingeheimst. Als einziges Nordtiroler Mitglied im tba network rund um Walter Oberrauch liegt ein Schwerpunkt von Huter Invest auch in der Unterstützung und Finanzierung von Start-ups.

UNTERNEHMERISCHES GESCHICK

Seit 2003 ist Nick Huter im Investmentbereich tätig mit einer durchwegs positiven Erfolgsbilanz. „Natürlich hat es auch vereinzelte Rückschläge gegeben, das gesamte Tätigkeitsfeld hat sich jedoch sehr gut entwickelt und ist in Summe eine Erfolgsgeschichte“, freut sich der Unternehmer. Das unternehmerische Geschick kommt bei Nick Huter jedoch nicht von ungefähr. Schon seine Eltern bauten ein erfolgreiches Unternehmen für Sanitärtechnik auf, das an die Geberit-Gruppe verkauft wurde und auch heute noch ein wichtiger Arbeitgeber der Region ist. „Der Grundstein für Huter Invest wurde durch die unternehmerischen Tätigkeiten meines Vaters ermöglicht und obwohl er sich schon seit Längerem aus dem operativen Geschehen zurückgezogen hat, schätze ich ihn nach wie vor sehr als Berater und manchmal auch als Einflüsterer“, findet Nick Huter schätzende Worte für seinen Vater. www.huter-invest.com 

Dr. Nikolaus Huter (re.) mit seinem Finanzchef Mag. Daniel Zeidler

SPORTHOTEL IGLS

Mit der Übernahme des Sporthotels in Igls hat Huter Invest ein weiteres spannendes Tourismusprojekt an Land gezogen. Gemeinsam mit Arthur Bellutti, dem als eingesessenem Igler die Erhaltung dieses altehrwürdigen Hauses eine Herzensangelegenheit ist, will Nick Huter das mit einem etwas höheren Investitionsrückstau behaftete Hotel wieder auf Vordermann bringen. „Uns schwebt ein schickes Boutiquehotel vor. Nach einem kurzfristigen Facelift werden wir in etwa zwei bis drei Jahren mit größeren Umbauarbeiten beginnen und ein schickes Hotel am Stadtrand von Innsbruck schaffen“, so Huter. Geplant ist zudem auf den Flächen des ehemaligen „Milchtrinkstüberls“ eine Wohnanlage zu errichten.

„Wir sind unternehmerisch geprägt und wollen uns in unseren Partnerschaften auch aktiv beteiligen.“ NICK HUTER

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© BILDARCHIV DER ÖSTERR. NATIONALBIBLIOTHEK

GEL

finanzieren & versichern Erwin Schrödinger und seine berühmte Katze kamen uns nicht nur beim Bericht über den Quantencomputer (Seite 56) unter, sein Konterfrei begleitete uns ab 1983 auch auf den damaligen 1.000-SchillingScheinen.

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Das Geldschein-Who-is-Who Bildmotive auf Banknoten stellen ein wichtiges Symbol für das Selbstverständnis eines Staates und seiner Notenbank dar. Besonders gut eignen sich dafür Porträts berühmter Personen – etwa aus Kunst, Wissenschaft oder Architektur. Im Vergleich mit anderen Ländern wählte Österreich diesen Ansatz erst relativ spät. Während etwa Deutschland, Spanien oder Ungarn bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren berühmte Persönlichkeiten auf Banknoten abbildeten, gab es in Österreich die ersten derartigen Entwürfe erst Ende der 1940er-Jahre. Bis dahin hielt man an den traditionell neutralen Idealporträts fest. Diese gingen auf die Erfordernisse des habsburgischen Vielvölkerstaates zurück und finden heute in den Brücken und Toren der Euro-Banknoten ihr gedankliches Pendant. Vor dem Hintergrund des politischen und wirtschaftlichen Wiederaufschwungs Anfang der 1950er-Jahre sollten die Banknoten einen Beitrag zu einem neuen Österreich-Bewusstsein liefern. Zwischen 1950 und 2001 wurden insgesamt 22 Persönlichkeiten des österreichischen Kultur- und Geisteslebens auf Schilling-Banknoten gezeigt – darunter finden sich drei Nobelpreisträger (Erwin Schrödinger, Karl Ladsteiner, Julius Wagner-Jauregg), eine Nobelpreisträgerin (Bertha von Suttner), der Erfinder der Psychoanalyse (Sigmund Freud), eine Frauenrechtlerin (Rosa Mayreder), der Erbauer der Semmeringbahn (Carl Ritter von Ghega) und der Komponist der Zauberflöte (Wolfgang Amadeus Mozart). Wer in den nächsten Monaten in Wien ist und Zeit hat: Eine Sonderausstellung zum Thema ist noch bis 24. Juli 2020 im Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank zu sehen.


eco.geld

© UNSPLASH/PAUL FIEDLER

BUCHTIPPS

SOUNDTRACK

DAS GELD SPRICHT

Ernst-Wilhelm Händler S. Fischer Verlag 400 Seiten, EUR 22,70 Ein erfolgreicher TechGründer möchte 500 Millionen Dollar anlegen und beauftragt damit einen Frankfurter Banker. Wem soll dieser die enorme Summe anvertrauen? Ein Roman über Menschen an den Grenzen ihrer Fähigkeiten und Gefühle. © UNSPLASH/PIXPOETRY

für Vermögenswerte Daniel Korth, Ümit Mericler 310 Seiten, EUR 18,00 Vermeintliche ReichmacherBücher gibt es viele. Korth (Podcaster) und Mericler (Journalist) nehmen sich des Themas ganz unaufgeregt an und zeigen, wie man zu finanzieller Unabhängigkeit kommt, ohne utopische Versprechungen zu machen.

Hüterin des Geldes: die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main

F I N A N Z S TAT I S T I K – E I N FA C H E R K L Ä R T Mindestreserve: Die Mindestreserven sind Guthaben, die von Kreditinstituten in einem bestimmten Verhältnis zu den Einlagen von Bankkunden bei der Notenbank gehalten werden müssen. Das „Verhältnis zu den Einlagen“ – eben das Ausmaß der zu haltenden Guthaben – wird durch den von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgesetzten Mindestreservesatz festgelegt. Dieser Satz ist in allen Ländern des Euroraumes gleich. Wird der Mindestreserve-Satz gesenkt, bedeutet dies ein geringeres zu haltendes Reserveguthaben, weniger Geld ist bei der Nationalbank gebunden, dem Markt und den Banken wird dadurch mehr Geld (Liquidität) zur Verfügung gestellt. Das bewirkt einerseits, dass die Banken mehr veranlagen oder Kredite gewähren können, andererseits wird sich die Nachfrage nach zusätzlichen Geldmitteln verringern, da der Markt gesättigt ist, die Zinsen können sinken. Im umgekehrten Fall, bei einer Erhöhung des Mindestreservesatzes, werden den Banken Geldmittel entzogen, weil sie mehr Geld bei der Nationalbank hinterlegen müssen, und der entsprechende Aktionsradius der Kreditgewährung und Veranlagung wird beschränkt. Das Geld im Markt (die Liquidität) wird knapp und die Zinsen werden entsprechend der Nachfrage steigen.

P E N S I O N S K A S S E N WAC H S E N Nach einem Rückgang der Bilanzsumme im 4. Quartal 2018 – bedingt durch Performance-Einbußen basierend auf Kursverlusten an den Börsen – wuchs der Vermögensbestand der österreichischen Pensionskassen im 1. Quartal 2019 um 5,4 Prozent. Somit verwalteten die österreichischen Pensionskassen Aktiva in Höhe von 22,7 Milliarden Euro. Die Veranlagung des Vermögens erfolgte zu rund 96 Prozent in Investmentfonds. Der geringe Rest verteilt sich auf Anleihen, Kredite, Einlagen, Aktien und sonstige Vermögensanlagen. Auch im Euroraum gab es im 1. Quartal 2019 eine positive Entwicklung des Pensionskassenvermögens (+6,8 % im Vergleich zum Vorquartal). Die Zusammensetzung der Aktivseite unterschied sich zwischen Österreich und dem Euroraum allerdings deutlich, wenngleich auch hier die Investmentfonds die größte Veranlagungskategorie stellen. Deren Anteil liegt jedoch bei lediglich 46 Prozent, gefolgt von Anleihen (26 %) und Aktien (12 %).

Weitere Infos unter www.oenb.at (Publikationen/Statistik)

„Geld erwerben erfordert Klugheit; Geld bewahren erfordert eine gewisse Weisheit. Und Geld schön auszugeben ist eine Kunst.“ BERTHOLD AUERBACH

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DAS PARADOXON DER INTELLIGENZ Seit der Finanzkrise hat sich die Bankenbranche generell gewandelt – Beratungszeit wurde aufgrund regulatorischer Vorschriften ein noch viel wertvolleres Gut. Die Digitalisierung bringt den nächsten Schwung an Veränderungen. Dass Algorithmen aber die Weltherrschaft übernehmen, scheint höchst unwahrscheinlich. TEXT: MARINA BERNARDI


eco.geld

„Letztlich geht es in der Wirtschaft darum, Wertschöpfung zu generieren. Ob Produkte von einem Menschen oder einem KI-System hergestellt werden, spielt dabei letztlich eine untergeordnete Rolle.“ CHRISTIAN FEGG

ie künstliche Intelligenz (KI) ist schwieriges Terrain – technisch und gedanklich sowieso. Den einen ist sie herzlich willkommen, den anderen wenn nicht bedrohlich, so weitgehend suspekt. Die Bankenbranche war eine der ersten, die man gerne mit so genannten Algorithmen in Verbindung gebracht hat. Hollywood war nicht ganz unschuldig daran, dass viele Menschen glaub(t)en, Entscheidungen in der Finanzwelt werden nicht mehr von Menschen getroffen, sondern von Maschinen. Tatsächlich können Algorithmen bei der Entscheidungsfindung helfen – oftmals viel besser, als das menschliche Gehirn es könnte, allein deshalb, weil sie viel mehr Informationen in viel kürzerer Zeit verarbeiten können. Algorithmen sind (noch) nicht geleitet von Gefühlen. Das muss nicht zwangsläufig gut sein, macht sie in der objektiven, reinen Datenanalyse dem Menschen aber wohl überlegen. Dennoch wird eine Zahlenreihe den Faktor Mensch zumindest in näherer Zukunft nicht ersetzen können. Und sie soll es auch nicht. Ein Miteinander indes macht durchaus Sinn. Standardisierte Abläufe Algorithmen zu überlassen, schafft Zeit zur Lösung komplexerer Themenfelder. Das wird auch den Bankberater als Menschen verändern. Beratungen werden spezifischer, neben fachlicher Kompetenz wird es künftig ein noch höheres Maß an Empathie brauchen. Menschlichkeit eben. Es scheint fast ein wenig paradox. Wir haben mit Makroökonom Christian Fegg, Vorstandsmitglied der Schoellerbank Invest AG, gesprochen. Mit der Digitalisierung hat sich die Finanzwelt vielfach bereits in die virtuelle Welt verlagert – Stichwort Onlinebanking oder Chatbots. So mancher befürchtet, Berater werden

ECO.NOVA:

künftig überhaupt durch Algorithmen ersetzt. Ist das für Sie ein realistisches Szenario? CHRISTIAN FEGG: Es ist heute schon möglich, mit Hilfe von Algorithmen zu einem tauglichen Veranlagungsvorschlag bei kleineren Anlagevolumina zu kommen. Bei einer Million Euro ist die Ausgangslage um ein Vielfaches komplexer. Hier wird auch künftig persönliche Beratung unerlässlich bleiben. Deshalb glaube ich, dass man den Menschen im Wesentlichen nicht ersetzen wird können. Ich glaube aber auch, dass uns allein in Bezug auf das Wissen künstliche Systeme langfristig überlegen sein werden. Davon sind wir aber noch Jahrzehnte entfernt. Algorithmen machen für Sie also Sinn? Ja, in jenen Bereichen, wo es um objektive Entscheidungen geht, also etwa in welche Assetklasse man investieren oder welchen Fonds man kaufen soll. In abgegrenzten Bereichen, in denen man einen kleinen Entscheidungsbaum ohne viele Abzweigungen hat, sind KI-Systeme schon so weit, dass man ihnen die Entscheidung überlassen kann. Natürlich müssen die Ergebnisse von einem Menschen überprüft werden. Algorithmen können aber wichtige Unterstützung liefern. Was bedeutet das für den Banker der Zukunft? Letztlich unterstützt die KI Menschen dabei, weniger „technische“ Fehler zu machen. Das System leitet sie bei standardisierten Produkten durch die Entscheidungsfindung. Die KI begleitet Mitarbeiter und Kunden quasi gleichermaßen. Auf der anderen Seite werden wir Menschen mit einem hohen Maß an Empathie und Kompetenz brauchen, die all jene Kunden betreuen,

deren Ansprüche über diese Standards hinausgehen.

Banken haben ziemlich viele Daten über ihre Kunden, aufgrund derer neue Produkte entwickelt oder bestimmte Produkte angeboten werden können. Wie sehr läuft man Gefahr, dass von KI empfohlene Produkte vor allem dem Verkäufer nutzen und nicht dem Käufer? Das hat letztlich gar nichts mit KI zu tun. Die Spielräume sind aufgrund der allgemein gültigen ComplianceRichtlinien ohnehin relativ gering. Wir müssen uns in erster Linie nach dem so genannten Best-Execution-Prinzip richten und das für den Kunden günstigste Angebot suchen. Wenn ich eine Anleihe kaufen möchte und eine Bank bietet sie für 99 Cent an und die andere für 89, muss ich sie bei jenem Anbieter kaufen, bei dem sie zehn Cent billiger ist, auch wenn mich mit dem anderen eine jahrelange gute Geschäftsbeziehung verbindet. Es geht um den bestmöglichen Preis für den Kunden, die Vorschriften sind hier sehr eindeutig. Es wird darüber diskutiert, ob KI auch Empathie beherrscht. Die Frage ist: Soll sie das überhaupt oder ist eine völlig emotionslose, objektive Bewertung nicht Sinn davon? Ich glaube, dass sich die Frage so nicht stellt, weil sich die Entwicklung ohnehin nicht aufhalten lässt. Der Informatiker Jürgen Schmidhuber, Topforscher in diesem Bereich, beschäftigt sich mit seinem Team gerade damit, KI Emotionen beizubringen, und ich denke durchaus, dass das gelingen kann. Der Unterschied zwischen künstlicher und biologischer Intelligenz ist im Grunde nur, dass die eine silizium- und

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die andere kohlenstoffbasiert ist. Natürlich musste sich auch menschliche Intelligenz erst mühsam entwickeln, aber es gibt für mich keinen nachvollziehbaren physikalischen Grund, warum das andere Systeme nicht können sollten. Natürlich sind wir aus meiner Sicht noch weit davon entfernt, aber es gibt für mich keinen naturwissenschaftlichen Grund, dass es gar nie funktionieren sollte.

Wird es den Punkt geben, dass man irgendwann nicht mehr merkt, ob man mit einem anderen Menschen oder einer künstlichen Intelligenz spricht, wie manche befürchten? Das ist wohl der Lackmustest für KI, doch es wäre zu hoch gegriffen, dass man in der direkten Interaktion nicht merkt, ob es sich um Mensch oder Maschine handelt. Dennoch bin ich der Meinung, dass KI-Systeme irgendwann hochkomplexe Probleme lösen werden können, die ein Mensch nicht lösen kann. Im Prinzip könnte man ein KI-System so ähnlich entwickeln wie ein Kleinkind und ihm Schritt für Schritt verschiedene Dinge lehren. Es wird noch sehr

„Dass man ein KI-System den Unternehmenswert ermitteln lässt, halte ich im Augenblick für ausgeschlossen.“ CHRISTIAN FEGG

lange dauern, bis man einem KI-System wirklich beigebracht hat, wie ein Mensch zu arbeiten, schafft man es aber – und ich möchte betonen, dass keiner weiß, ob es überhaupt je möglich sein wird, geschweige denn, wann –, könnte man diese Systeme millionenfach duplizieren und den perfekten Arbeiter für die verschiedensten Bereiche kreieren. Wenn es möglich wäre, den perfekten Bankberater auszubilden, der alles über die Finanzmärkte weiß, quasi alle Bücher zum Thema kennt und daraus Nutzen ziehen kann, der historisches Wissen hat und sämtliches in Datenbanken gespeichertes Wissen verarbeiten kann, dann wird das mehr sein, als ein Mensch auch nur im Ansatz wissen

kann. Und könnte man diese Systeme multiplizieren, könnte man wohl die Arbeit jedes Menschen damit ersetzen.

Was aber macht das mit einer Gesellschaft, wenn quasi jede Arbeitskraft durch KI-Systeme ersetzt werden könnte? Das ist schwer zu sagen. Es heißt auf jeden Fall nicht, dass man gleichzeitig mit dem Verlust der Arbeit auch seinen Wohlstand verliert. Letztlich geht es in der Wirtschaft darum, Wertschöpfung zu generieren. Ob Produkte von einem Menschen oder einem KI-System hergestellt werden, spielt dabei letztlich eine untergeordnete Rolle. KI-Systeme haben durchaus ihren Charme – Beispiel autonomes Fahren. Wenn alle Autos autonom fahren, ist das Konzept gut, weil man sein Gegenüber quasi immer und überall einschätzen kann. Bis es so weit ist, wird es einen Mischverkehr geben, der wohl schwierig zu handeln ist, weil der Faktor Mensch unberechenbar ist. In der Bank ist es quasi umgekehrt: Wie


„Auf Aktienmärkten könnte man sich nur dadurch einen Vorteil verschaffen, wenn man Fehlbewertungen – also Unter- oder Überbewertungen – frühzeitig erkennen würde. Dazu können KI-Systeme natürlich einen Beitrag leisten. Vielleicht werden sie das irgendwann besser erkennen als ein Mensch, jetzt können sie es definitiv noch nicht.“

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schwierig ist es für Banker, den Markt abzuschätzen, wenn er teils von Computern beeinflusst wird, die Entscheidungen treffen, deren Zustandekommen wir nicht mehr nachvollziehen können? Die Frage ist, ob es wirklich so ist, dass das Marktgeschehen von künstlichen Algorithmen derart beeinflusst wird. Auf Aktienmärkten etwa könnte man sich nur dadurch einen Vorteil verschaffen, wenn man Fehlbewertungen – also Unter- oder Überbewertungen – frühzeitig erkennen würde. Dazu können KI-Systeme natürlich einen Beitrag leisten. Vielleicht werden sie das irgendwann besser erkennen als ein Mensch, jetzt können sie es definitiv noch nicht. Und wenn sie es können, wird es dazu führen, dass es zu keinen großartigen Über- und Unterbewertungen mehr kommt, weil es vom System sofort austariert wird, folglich ist der Vorteil obsolet. Die Aktienmärkte wären also immer auf einem „fairem“ Bewertungsniveau und ob das generell ein Malus ist, würde ich nicht sagen. Für eine professionelle Vermögensverwaltung wäre es natürlich ein Nachteil, weil gerade dieses schnellere und bessere Erkennen von Fehlbewertungen den Unterschied zu anderen ausmacht. Wie sehr würde es Unternehmen beeinflussen, wenn der emotionale Wert einer Marke wegfällt, aufgrund dessen man bisher bestimmte Aktien gekauft hat? Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass man einem KI-System die komplette Anlageentscheidung überlässt oder dass ein künstliches System den (virtuellen) Wert einer Marke erfassen kann – zumindest so lange nicht, wie die künstliche unter der menschlichen Intelligenz liegt, also noch sehr lange. Ein KI-System kann wahrscheinlich Bilanzen analysieren, aber dass man es den Unternehmenswert oder Goodwill ermitteln lässt, halte ich im Augenblick für ausgeschlossen.

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mer-Suiten mit 30 bis 117 Quadratmetern punkten mit überdachten Terrassen und raumhohen Fensterfronten, die das außergewöhnliche Innen- und Außenleben miteinander verschmelzen lassen. Die

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NIEDRIGE ZINSEN – ANLEGER AUF DER SUCHE NACH ERTRÄGEN Das seit Jahren anhaltende Niedrigzinsumfeld ist für Anleger ernüchternd und ohne Aussicht auf ein baldiges Ende. Mit klassischen Sparformen ist es nahezu unmöglich geworden, Mehrwert zu generieren, da allein die Inflation etwaige geringe Erträge wieder zunichtemacht. Veranlagungsprodukte, die Mehrwert bieten, sind daher gefragter denn je. Und Anleger sind mittlerweile auch bereit, dafür höhere Risiken einzugehen. Was können Investmentfonds in diesem Zusammenhang leisten?


se eine breite Risikostreuung aufweisen. Wobei es auch bei diesen Fondslösungen naturgemäß zu Kursschwankungen bis hin zu Kapitalverlusten kommen kann. Auch bei Raiffeisen zählen gemischte Fondslösungen zu den beliebtesten Produkten.

FONDSSPAREN IST VERTRAUENSSACHE

Die beliebtesten gemischten Fonds der Raiffeisen Capital Management sind die Strategiefonds Raiffeisenfonds-Sicherheit und Raiffeisenfonds-Ertrag, die beide vergangenes Jahr ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert haben, sowie der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix. Die Fonds werden von gut ausgebildeten Raiffeisen-Fondsmanagern mit Sorgfalt und Umsicht verwaltet. So erzielte beispielsweise der Raiffeisenfonds-Sicherheit seit Auflage im Jahr 1998 eine durchschnittliche Wertentwicklung von rund vier Prozent pro Jahr, und das nach Kosten. Wobei hier gilt, dass Performanceergebnisse der Vergangenheit keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zulassen. Die Investoren profitieren dabei vom Know-how von einem der größten Asset-Manager Österreichs.

NICHT DEM „RICHTIGEN ZEITPUNKT“ HINTERHERLAUFEN

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a Wertpapierveranlagungen an den Kapitalmärkten investieren, bieten sie in Zeiten niedriger Zinsen größere Chancen auf höhere Erträge, als dies klassische Sparformen tun. Allerdings sind auch marktbedingte Kursschwankungen bis hin zu Kapitalverlusten zu berücksichtigen. Je nachdem, ob in Aktien, Anleihen oder Währungen investiert wird und in welche Märkte und Branchen, erhöht oder verringert sich das Risiko des Investments. Für Kleinanleger, die bislang auf klassische, festverzinsliche Sparformen gesetzt haben, und sich nicht mit den Entwicklungen an den Finanzmärkten beschäftigen, sind die Kursschwankungen oft nicht nachvollziehbar und sorgen für eine gewisse Verunsicherung. Eine umfassende und fundierte Beratung hinsichtlich alternativer Veranlagungsformen zum Klassiker „Sparbuch“ ist daher die Basis für ein langfristiges Investment.

FONDSSPAREN SCHON AB 50 EURO MONATLICH MÖGLICH

Dabei geht es nicht notwendigerweise um große Beträge. Denn das Anlegen mit Fonds – beispielsweise auf Basis eines Fondsspar-

plans – ist bereits ab 50 Euro im Monat möglich. Neben dem niedrigen Einstiegsbetrag bieten Fondssparpläne auch die Flexibilität, die Einzahlungen nach der aktuellen persönlichen Lebenssituation zu steuern. Konkret heißt das, dass die monatliche Einzahlung jederzeit erhöht, reduziert oder unterbrochen werden kann. Auch eine größere Zuzahlung ist zu jedem Zeitpunkt möglich. Die Entscheidung, ob in riskantere oder weniger riskante Wertpapiere investiert werden soll, ist abhängig vom Ansparziel, der Veranlagungsdauer und der Risikoneigung der Anlegerin oder des Anlegers. Wichtig ist, dass die Veranlagung zu den persönlichen Ansprüchen passt.

NICHT ALLES AUF EINE KARTE SETZEN, SONDERN STREUEN

Auch beim Fondssparen ist es wichtig, die Veranlagung so gut wie möglich zu streuen. Denn Fonds unterliegen den Entwicklungen der investierten Wertpapiere. Aus diesem Grund setzen viele Anleger auf gemischte Fonds – also Fonds, die von vornherein global in mehrere Wertpapierklassen wie Anleihen und Aktien investieren –, da die-

Der beste Einstiegszeitpunkt für ein Investment lässt sich verlässlich immer erst aus der Rückschau erkennen. Deshalb setzen Veranlagungsprofis nicht alles auf eine Karte, sondern verteilen ihr Veranlagungskapital zeitlich auf mehrere Gelegenheiten. Dieses Prinzip wird auch beim Fondssparen angewandt: Bei niedrigen Kursen bekommen Anleger für den Einzahlungsbetrag verhältnismäßig mehr Fondsanteile, bei hohen Kursen dementsprechend weniger. Wenn in billigen Phasen überdurchschnittlich viele Anteile zugekauft werden, kann dies das Gesamtinvestment bei steigenden Preisen aufwerten. Eine Garantie für sichere Profite gibt es allerdings nicht, auch Kapitalverluste sind möglich. PR Ein Investmentfonds ist kein Sparbuch und unterliegt nicht der Einlagensicherung. Veranlagungen in Fonds sind mit höheren Risiken verbunden, bis hin zu Kapitalverlusten. Die veröffentlichten Prospekte und Kundeninformationsdokumente (Wesentliche Anlegerinformationen) der genannten Fonds der Raiffeisen Kapitalanlage Ges.m.b.H. stehen unter www.rcm.at bzw. in deutscher Sprache (bei manchen Fonds die Kundeninformationsdokumente zusätzlich auch in englischer Sprache) zur Verfügung. Es ist die Anlagestrategie des Raiffeisenfonds-Sicherheit und des Raiffeisenfonds-Ertrag, überwiegend in anderen Investmentfonds anzulegen. Die Fondsbestimmungen des Raiffeisenfonds-Sicherheit und des Raiffeisenfonds-Ertrag wurden durch die FMA bewilligt. Die Fonds können mehr als 35 % des Fondsvermögens in Wertpapiere/Geldmarktinstrumente folgender Emittenten investieren: Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Schweiz, Vereinigte Staaten von Amerika, Kanada, Australien, Japan, Österreich, Belgien, Finnland, Niederlande, Schweden, Spanien. Im Rahmen der Anlagestrategie des Raiffeisenfonds-Sicherheit und des Raiffeisenfonds-Ertrag kann überwiegend (bezogen auf das damit verbundene Risiko) in Derivate investiert werden. Stand: April 2019

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„KRYPTOCOINS SIND KEIN GELD“ Beat Weber ist Experte für Kryptocoins bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Obwohl der Euro so viel Vertrauen genießt wie seit Jahren nicht, gibt es mittlerweile eine Vielzahl an blockchainbasierten Krypto-„Währungen“. Dass Kryptocoins als Währungen bezeichnet werden, ist aber eigentlich ein Missverständnis. Die Blockchain betrachtet Weber als geniale Spielerei, derweil aber ohne bahnbrechende Anwendungsmöglichkeiten. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

Gibt es bei den konventionellen Währungen in den letzten Jahren eine Vertrauenskrise? BEAT WEBER: Aus Nutzersicht nicht. Laut Umfragen ist der Euro in Österreich auf dem höchsten Vertrauensniveau seit 2004. Im Nutzungsverhalten sehe ich auch keine Vertrauenskrise. Eine solche würde sich darin äußern, dass die Leute beginnen, andere Währungen zu benutzen. Dafür gibt es keinerlei Anzeichen. In der Krise wurden ungewöhnliche Maßnahmen gesetzt, die ein Licht auf einen Bereich werfen, der sonst niemanden interessiert, nämlich die Geldpolitik. Die ist mit dem normalen Hausverstand schwer einzuordnen und viele Menschen stellen sich Fragen. Im Nutzungsverhalten schlägt sich das allerdings nicht nieder. ECO.NOVA:

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Kann man das Aufkommen dieser sogenannten Kryptowährungen nicht als Ausweichszenario dahingehend interpretieren, dass man sich über alternative Währungen durchaus Gedanken macht? Höchstens Gedanken. Man muss sich aber ansehen, was

die Leute damit machen. Es gibt sicher Menschen, die Kryptocoins wie Bitcoin interessant finden und auch kaufen, aber niemand, der die Wahl hat, entweder den Euro oder Kryptocoins zu verwenden, entscheidet sich für letztere. Was machen Währungen? In Währungen werden Preise ausgezeichnet, Güter und Leistungen bezahlt. Beides macht de facto niemand mit Kryptocoins. Diese werden gekauft, um sie zu halten oder auf Kursanstiege zu spekulieren. Niemand geht ins Geschäft und will dort mit Kryptocoins bezahlen. Es gibt zwar Unternehmen, die das anbieten, dabei handelt es sich aber eher um einen Marketinggag, mit dem man auf eine bestimmte Klientel abzielt. Es gibt jedoch keine nennenswerte Ausbreitung von Bitcoin und anderen Instrumenten als Zahlungsmittel. Dass Kryptocoins als Währung bezeichnet werden, ist ja mehr oder weniger ein Missverständnis. Niemand nützt diese als Währung, außer dort, wo keine offizielle Währung verwendet werden kann, etwa auf digitalen Schwarzmärkten.

„Niemand, der die Wahl hat, entweder den Euro oder Kryptocoins zu verwenden, entscheidet sich für Kryptocoins.“ BEAT WEBER

Was fehlt den Kryptocoins an Merkmalen, um als Währung gelten zu können? Es gibt drei Merkmale, an denen man Geld erkennt: Es ist ein Maßstab für Preise – im Euroraum werden alle Preise in Euro ausgezeichnet und bleiben, wenn die Währung gut ist, über einen absehbaren Zeitraum stabil. Ich kann damit überall bezahlen und es ist jederzeit liquide und Geld ist ein jederzeit zum Kauf mobilisierbares Wertaufbewahrungsmittel. An diesen Merkmalen kann man als Nutzer erkennen, ob man es mit einer Währung zu tun hat oder nicht. Bei Kryptocoins ist keine dieser Funktionen in irgendeiner Art und Weise erfüllt. Es gibt keinen Preis, der in Kryptocoins festgelegt ist, selbst der Handel zwischen verschiedenen Kryptocoins untereinander wird in Dollar oder Euro ausgepreist. Als Zahlungsmittel wird es nur dort eingesetzt, wo man keine andere Wahl hat. Betrete ich mit einem Bitcoin den Supermarkt, habe ich keine Ahnung, was ich mir damit kaufen kann. Der Kurs kann sich jede Mi-


eco.geld

„Kryptocoins sind in ihrem Design darauf angelegt, Regulierungen auszuweichen.“ BEAT WEBER

nute ändern, weil diese digitalen Wertträger sehr wertvolatil sind.

Kann sich das zukünftig ändern? Es gibt Konzepte wie den Stablecoin, dessen Ziel es ist, die Volatilität zu verringern. Dieser ließe sich auch mit einer Fiatwährung besichern. Das wäre eine Form einer Fiatwährung, ähnlich wie eine Bankeinlage. Die meisten Zahlungen erfolgen heute über Kontoguthaben via Karte, App oder Onlinebanking. Ein Stablecoin versucht, Ähnliches darzustellen – ein jederzeit in offizieller Währung einlösbares Guthaben. Im Vergleich zum Bankguthaben ist das in Bezug auf die Sicherheit schlechter, weil es weder reguliert noch ein wirklich hartes Versprechen ist, das vertraglich abgesichert ist. Beim Stablecoin gibt es letztlich nur eine diffuse Wertanbindung, die sich am Markt durchaus in beträchtlichen Schwankungen niederschlagen kann. Der Zugang zu einer Bankanlage in offizieller Währung ist jedenfalls besser.

In der Finanzbranche herrscht allgemein kein geringer Regulationsdruck. Warum bleiben die Kryptocoins davon ausgenommen? Weil Kryptocoins von ihrem Design darauf angelegt sind, Regulierungen auszuweichen. Der Grundgedanke dahinter ist von Misstrauen gegenüber Staaten, etablierten Institutionen und Unternehmen geprägt. Da steckt ohne Zweifel viel Gehirnschmalz dahinter, um ein eigenes System in die Welt zu setzen, das dezentral und nicht so einfach abzudrehen ist. Die Idee dieser „Währung“ ist, dass niemand dahintersteht, es keine verantwortliche Instanz wie eine Zentralbank gibt. Es gibt damit auch kein Geldschöpfungsmonopol? Ja, schon, Kryptocoins sind aber auch kein Geld. Man kann sich das vorstellen wie ein Sammlerobjekt, das nur in begrenzter Menge verfügbar ist. Niemand gibt dafür irgendeine Garantie. Es gibt weltweit unzählige solcher Konstrukte. Das Neue und Besondere ist, dass man mittels Blockchain eine glaubwürdi-

ge Mengenbegrenzung im digitalen Raum ohne eine zentrale verantwortliche Instanz geschaffen hat. Das ist originell, interessant und intellektuell durchaus anerkennungswürdig. Das heißt aber noch nichts. Damit ist weder Geld geschaffen noch ein für jedermann interessantes Objekt.

Gibt es Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain, die über eine Zahlungsmittelfunktion hinausreichen, etwa die sogenannten vielzitierten Smart Contracts? Generell gilt die Blockchain in Fachkreisen derzeit eher als Antwort auf der Suche nach einer Frage. Nicht alles, was genial ist, hat unbedingt einen harten Use Case (Anwendungsfall). Es fließt aber derzeit viel an Geld und Überlegungen hinein, was man damit machen könnte. Dieser Suchprozess ist nicht abgeschlossen. Im Währungs- und Finanzwesen fällt mir nach Sichtung der bisherigen Vorschläge nichts ein, was auch nur annähernd weltbewegend wäre. Smart Contracts sind weder smart noch contracts. Dabei

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eco.geld

„In der Krise wurden ungewöhnliche Maßnahmen gesetzt, die ein Licht auf einen Bereich werfen, der sonst niemanden interessiert, nämlich die Geldpolitik. Die ist mit dem normalen Hausverstand schwer einzuordnen.“ BEAT WEBER

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handelt es sich lediglich um eine automatisierte Regeldurchführung, die etwas fundamental anderes ist als ein juristischer Vertrag, wo es juristische Sicherheit und Konsequenzen bei Nichterfüllung gibt. Ein Smart Contract ist so etwas wie die technische Umsetzung eines Dauerauftrags oder eines Abbuchungsauftrags am Konto. Das ermöglicht noch nicht irgendetwas, was vorher nicht möglich war.

Sind Smart Contracts folglich überschätzt? Da bin ich vorsichtig. Ich weiß nicht, was morgen oder in zehn Jahren ist. Ich würde das nicht abschreiben, aber derzeit ist noch keine Killerapplikation gefunden, die sich das zunutze macht. Smart Contracts sind derzeit Gegenstand vieler Projektionen, was es nicht alles ist und sein kann. Da ist viel Ungenauigkeit dabei. Bei einem näheren Blick zerschlagen sich viele dieser Hoffnungen, aber noch ist nicht aller Tage Abend. Aus heutiger Sicht sind Blockchains als Zahlungssystem weniger gut als das, was wir als State of the Art haben. Aus Notenbanksicht gibt es keinen Bereich, in dem das als tolles Tool eingesetzt werden kann. Kann es aus Ihrer Sicht zukünftig ein fruchtbares Nebeneinander konventioneller Währungen und Kryptocoins geben oder werden letztere wieder verschwinden? Das Nebeneinander gibt’s bereits, aber in einer anderen Kategorie. Kryptocoins machen etwas anderes als Währungen. Niemand, der Zugang zu einer guten Währung hat, nutzt Kryp-

tocoins an deren Stelle. Ich halte Kryptocoins für Sammelobjekte, für die es Märkte gibt, an denen sich durch An- und Verkauf ein Kurs herausbildet. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass Kryptocoins nicht dazu verwendet werden, um bestehende Regeln zu umgehen, insbesondere Geldwäsche. Deshalb müssen Stellen, die Kryptocoins gegen richtige Währung tauschen, auch Nachschau halten und die Identität ihrer Kundschaft überprüfen. Ansonsten ist das derzeit ein Sammlermarkt wie jeder andere.

Facebook trägt sich mit Libra mit dem Gedanken einer Digitalwährung. Könnte der Impact von Libra die Kräfteverhältnisse nicht völlig umkrempeln? Ja, Facebook und Libra nehmen zwar viele rhetorische Anleihen an „Kryptowährungen“, haben aber nicht sehr viel damit zu tun, weil es völlig anders konstruiert ist. Bitcoin ist dezentral und ungedeckt, bei Libra sind diese Grundelemente der Kryptocoins nicht vorhanden. Es gibt eine verantwortliche Instanz dahinter, ein Konzernkonsortium, und es gibt Deckungswerte. Das ist bestehenden Finanzinstrumenten sehr ähnlich. Es ist noch unklar, welche Garantien von dem Ausgeber gegeben werden. Übernimmt der Ausgeber keine Verantwortung für die Kursstabilität, kann auch Libra volatil sein. Wie es derzeit aussieht, übernimmt niemand Verantwortung für die Stabilität des Kurses. Das ist unter Währungsgesichtspunkten eine schwache Ansage. Es stellt sich die Frage, ob man einem Kon-

strukt, hinter dem keine Wertgarantien stehen, erlauben kann, als Währung aufzutreten. Das muss noch geklärt werden.

Geldwertstabilität ist ein vorrangiges Ziel der EZB. Dennoch hat man in den letzten Jahren – Stichwort Anleihenkäufe, Quantitative Easing – auf Instrumente zurückgegriffen, die nicht unbedingt im Einklang mit dem Mandat der EZB stehen. Ist eine gewisse Skepsis nicht nachvollziehbar, was die Aktivitäten der Währungshüter in Frankfurt betrifft? Ja, aber nur deshalb, weil es Spezialistenwissen ist, mit welchen Mechanismen Geldwertstabilität herzustellen ist. Wir alle haben als Kinder Monopoly gespielt und es gibt die weitverbreitete Meinung, es gäbe eine fixe Geldmenge und fixe Preise. Im Alltagsverstand scheint es üblich, Geldwertund Geldmengenstabilität für dasselbe zu halten. In einer ganz einfachen Wirtschaft wie Monopoly ist das der Fall, in einer komplexen modernen Wirtschaft läuft das anders. Wenn sich durch eine Krise viele Variablen verändern, muss der Ausgeber reagieren, um den Geldwert zu stabilisieren. Das zentrale Ziel, die Währung stabil zu halten, ist erfüllt worden. Das wird in der öffentlichen Debatte oft vergessen. Der technische Bereich der Geldpolitik ist – so wie unsere heutige Wirtschaft – nicht trivial und daher nicht einfach zu verstehen. Vor zehn Jahren gab es durch die Geldmengenausweitung eine starke Inflationsangst. Die Erfahrung zeigt, dass die große Inflation ausgeblieben ist und man nach wie vor mit stabilen Preisen rechnen kann.


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GELEBTE REGIONALITÄT UND STARKES TEAMWORK In der TIROLER stehen seit fast 200 Jahren nicht Gewinnmaximierung, sondern Kundenservice und verantwortungsvolles Wirtschaften im Fokus. 100 PROZENT TIROL

88 Vorstand Dr. Walter Schieferer

Marktauftritte von Unternehmen unterliegen auch sich rasch ändernden wirtschaftlichen Trends. Dennoch überrascht es mich immer wieder, mit welcher Argumentation sich international tätige Konzerne über Nacht zu „regionalen“ und „nachhaltig“ agierenden Unternehmen wandeln. Seit beinahe 200 Jahren ist die TIROLER in der Region Tirol, Südtirol und Trentino sehr erfolgreich tätig. Hier in unserer Heimat betreuen wir unsere Kund*innen, schaffen wir hochwertige Arbeitsplätze, entwickeln wir regionalspezifische Produkte, veranlagen und verwalten wir die Vermögenswerte. Die TIROLER hat diese „Regionalstrategie“ allen Unkenrufen zum Trotz auch in Zeiten des „je größer, desto besser“ immer konsequent beibehalten und weiterentwickelt. Professionell und vor allem kundenorientiert. Und die TIROLER wird auch dann noch vor Ort für die Kunden da sein, wenn große Konzerne wieder „Zentralisierung“ und „Ergebnisoptimierung“ spielen.

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ie Devise „100 % regional“ hat sich spätestens seit der Finanzkrise zum Erfolgsmodell entwickelt. TIROLERVorstand Dr. Walter Schieferer: „Die Finanzkrise war so etwas wie der Elchtest für die Versicherungsbranche. Bis 2008 zählten nur Größe, Shareholder-Value und Expansion. Nach dem Börsencrash waren plötzlich alle nachhaltig, regional und konservativ.“ Regionalität und Nachhaltigkeit sind bei der TIROLER VERSICHERUNG kei-

ne Modetrends, sondern seit der Gründung 1821 Grundlage des Erfolgs. Finanzvorstand Mag. Franz Mair: „Wir spekulieren nicht mit dem Geld der Kund*innen. Wir waren nicht beim ,Goldrausch‘ vor der Finanzkrise dabei. Wir standen damals und stehen heute dazu: Wir verwalten das Geld unserer Mitglieder verantwortungsvoll und veranlagen dort, wo wir hohe Sicherheit erwarten. Wenn das langweilig ist, dann sind wir seit 19 Jahren sehr erfolgreich langweilig!“


TIROLER VERSICHERUNG

AUSGEZEICHNET VERSICHERT

„Regionalität und Nachhaltigkeit sind bei der TIROLER keine Modetrends.“

Als wortwörtlich „ausgezeichnete“ Versicherung kann sich die TIROLER titulieren. Die Auszeichnungen reichen vom Human Resource Award „Rookie of the Year“ über den Tiroler Nachhaltigkeitspreis sowie den dreimaligen Gewinn des Werbepreises Tirolissimo bis zur Nominierung für den Trigos (Preis für verantwortungsbewusste Unternehmen). Die mehrmalige Prämierung mit dem Recommender Award gipfelte 2017 mit der Auszeichnung als beste Regionalversicherung Österreichs. Außerdem konnte die TIROLER den Top Company Award Südtirol für sich verbuchen und wurde heuer vom Wirtschaftsmagazin TREND als „Top Arbeitgeber 2019“ prämiert.

MAG. FRANZ MAIR

NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN ZAHLT SICH AUS Der Erfolg gibt der TIROLER recht: über 300 Mitarbeiter*innen – rund 50 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Das Prämienvolumen hat sich mehr als verdoppelt, die Veranlagungsergebnisse sind sehr gut und der Ertrag konnte kontinuierlich gesteigert werden.

IN SÜDTIROL MIT GLEICHEN GRUNDSÄTZEN ERFOLGREICH

Seit 13 Jahren ist die TIROLER auch wieder ein geschätzter Versicherer in Südtirol und im Trentino. Heute verwaltet ein 17-köpfiges Team rund elf Millionen Euro an Prämien. 2018 wurde daher auch die Landesdirektion in Bozen weiter ausgebaut.

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Freuen sich über das Gütesiegel, v. l.: TIROLER-Vorstand Mag. Franz Mair, Mag. Reinhard Huber (Physiotherapeut), Mag. Jane Platter (Personalmarketing & BGF), Andrea und Gerhard Außerlechner (Diplomtrainer).

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„Dienstleistung ist regional. Wir gehen diesen Weg konsequent – von wirtschaftlichen ,Modeströmungen‘ lassen wir uns nicht beirren. Wir bleiben unseren Wurzeln treu, entwickeln uns aber stetig weiter. Davon profitieren unsere Kund*innen mehrfach: Alle Entscheidungen fallen in Tirol, die Prämien bleiben in Tirol und fließen in Investitionen in Tirol. Auftragnehmende sind wieder zumeist Kund*innen“, betont Mair. Und außerdem: Die TIROLER VERSICHERUNG schafft viele hochwertige Arbeitsplätze und ist eine der fünf Top-Arbeitgeber*innen im Land. Wie professionell das TIROLER Team arbeitet, zeigt sich im Schadenfall: Fachlich versierte und serviceorientierte Mitarbeiter*innen entscheiden rasch und unbürokratisch vor Ort. Auch das macht den Erfolg dieses Traditionsunternehmens aus. PR

Die TIROLER wurde mit dem Gütesiegel für Betriebliche Gesundheitsförderung ausgezeichnet.

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ie Auszeichnung mit dem Gütesiegel für betriebliche Gesundheitsförderung bestätigt den eingeschlagenen Weg der TIROLER: „Wir setzen auf unsere Mitarbeiter*innen und bieten ein umfassendes und nachhaltiges Gesundheitsangebot an. Mit der Sporttherapie Huber & Mair oder auch Startrainer Gerhard Außerlechner haben wir absolute Profis im Haus, die mit uns direkt am Arbeitsplatz effiziente Bewegungspausen gestalten und die Gesundheitskompetenz unserer Mitarbeiter*innen stärken“, so Jane Platter, welche für das Gesundheitsmanagement in der TIROLER verantwortlich zeichnet.“ Die zahlreichen Angebote in den Bereichen Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit werden passgenau an die Bedürfnisse des TIROLER-Teams angepasst und laufend weiterentwickelt. Von Morgen-Yoga, Kräuterwanderungen, gesundem Frühstück oder wöchentlichen Lauftreffs und Beachvolleyball bis hin zu unterschiedlichsten Seminarangeboten – es ist für alle etwas dabei. Das gemeinsame Tun und der Spaß stehen im Vordergrund. Auch betriebswirtschaftlich betrachtet eine klare Rechnung: Motivierte und gesunde Mitarbeiter*innen bringen schließlich tagtäglich jene TOP-Leistungen, die die TIROLER so erfolgreich machen. PR


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STEUERREFORMGESETZ 2020 Am 19.9.2019 – was für ein Datum – wurden im Nationalrat zahlreiche Gesetzesänderungen beschlossen. Die steuerlich interessantesten haben wir hier für Sie zusammengefasst. TEXT: STB DR. VERENA MARIA ERIAN, STB RAIMUND ELLER, S T B M A G . E VA M E S S E N L E C H N E R

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Sofortabschreibung bis 800 Euro Bisher konnten Investitionen bis 400 Euro unabhängig von der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer sofort zur Gänze abgeschrieben werden. Ab 2020 erhöht sich dieser Grenzwert auf 800 Euro.

Koproduktion der EMF Team Tirol Steuerberater GmbH und der Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian, StB Mag. Eva Messenlechner, StB Raimund Eller, v. l.

© HOFER

GRENZWERTERHÖHUNG

Kleinunternehmer bis 35.000 Euro Nettoumsätze bis zu 30.000 Euro p.a. sind umsatzsteuerfrei (Kleinunternehmerregelung). Künftig wird die Befreiung bis zu einem Jahresumsatz von netto 35.000 Euro möglich sein.

GROSSZÜGIGE PAUSCHALIERUNG

Bisher gab es neben speziellen Berufsgruppenpauschalen lediglich die Möglichkeit, 13 Prozent der Einnahmen (in manchen Fällen gar nur 6 %) pauschal als Betriebsausgaben anzusetzen. Ab 2020 können Kleinunternehmer mit einem Umsatz von maximal 35.000 Euro p.a. ohne Nachweis der tatsächlichen Kosten unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 45 Prozent der Betriebseinnahmen pauschal als Ausgaben geltend machen. Bei Dienstleistungsbetrieben (Begriffsdefinition lt. Verordnung) reduziert sich dieser Satz auf 20 Prozent. Werden Umsätzen von nicht mehr als 40.000 Euro p.a. erzielt, so kann die Pauschalierung angewendet werden, wenn im Vorjahr die Umsatzgrenze von 35.000 Euro eingehalten wurde.

ZUBROT FÜR KLEINVERDIENER UND PENSIONISTEN

Aktivbezüge bis 15.500 Euro p.a. Ein Zuschlag in Höhe von 300 Euro p.a. bringt eine Erhöhung des Verkehrsabsetzbetrages von bisher 400 auf 700 Euro. Zwischen einem Jahresverdienst von 15.500 und 21.500 Euro wird der Zuschlag gleichmäßig auf null eingeschliffen.

Pensionseinkünfte bis 19.930 Euro p.a. Verdient der Partner maximal 2.200 Euro p.a., dann kann ein erhöhter Pensionistenabsetzbetrag von 964 Euro (bisher 764 Euro) p.a. geltend gemacht werden. Pensionseinkünfte bis 17.000 Euro p.a. Der Pensionistenabsetzbetrag wird von 400 auf 600 Euro p.a. erhöht.

Pensionseinkünfte bis 25.000 Euro p.a. Erwähnte Pensionistenabsetzbeträge stehen gemäß einer Einschleifregelung entsprechend vermindert zu.

VERBESSERUNGEN AB 2020 AUF DEN PUNKT GEBRACHT Die Steuerreform 2020 bringt: • Erhöhung des Grenzwertes für die sofortige Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern von bisher 400 auf 800 Euro •E  rhöhung der Kleinunternehmergrenze von jährlich 30.000 auf 35.000 Euro für die Befreiung von der Umsatzsteuer •E  rhöhung der Betriebsausgabenpauschale für Kleinunternehmer von 13 % (6 %) auf 45 % (20 %) der Betriebseinnahmen • Erhöhung der Verkehrs- und Pensionistenabsetzbeträge für Kleinverdiener • Ermäßigung der Umsatzsteuer auf 10 % für E-Books •E  ntlastung bei den Beiträgen zur Krankenversicherung von bisher 7,65 % auf 6,8 %

Einkünfte bis 11.000 Euro p.a. Verdient jemand so wenig, dass gar keine Steuer anfällt, so kann es dennoch zu einer Steuergutschrift (Negativsteuer) kommen, indem Beiträge zur Sozialversicherung (SV-Bonus) rückerstattet werden. Bisher war diese Rückerstattung bei Anspruch auf den Verkehrsabsetzbetrag mit maximal 400 Euro bzw. bei Anspruch auf ein Pendlerpauschale mit 500 Euro sowie bei Anspruch auf einen Pensionistenabsetzbetrag mit 110 Euro p.a. beschränkt. Durch die Erhöhung des Verkehrsabsetzbetrages erhöht sich die maximale SV-Rückerstattung für Dienstnehmer jährlich um weitere 300 Euro. Bei Pensionisten mit Anspruch auf einen Pensionistenabsetzbetrag erhöht sich die mögliche jährliche

SV-Rückerstattung von bisher 110 auf nunmehr 300 Euro.

E - BOOKS

Ab 2020 werden E-Books anstatt mit dem regulären Umsatzsteuersatz von 20 Prozent nur noch mit zehn Prozent belastet. Damit erfolgt eine Gleichstellung elektronischer Publikationen mit herkömmlichen Büchern und Printausgaben.

KRANKENVERSICHERUNGS BEITRÄGE

Statt wie bisher 7,65 Prozent müssen Selbständige und Landwirte ab 2020 von Einkünften aus selbständiger Tätigkeit nur mehr 6,8 Prozent an Pflichtbeiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung entrichten.

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ERFOLGREICHER UNTERNEHMENSERWERB DURCH FAMILIENUNTERNEHMEN Wenige groß angelegte Unternehmenskäufe von „Big Playern“ sind sich der medialen Aufmerksamkeit sicher. Doch die meisten dieser Transaktionen finden fernab der öffentlichen Wahrnehmung zwischen Familienunternehmen statt, die keinen Nachfolger haben, ihr Unternehmen vergrößern, Fertigungskapazitäten erhöhen, neue Produkte erlangen oder zusätzliche Märkte erschließen wollen. TEXT: MARTIN WOLF

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in Unternehmenskauf stellt vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen auf Grund der Komplexität des Prozesses und Vielzahl der gesetzlichen Bestimmungen, die beim Kauf eines Unternehmens beachtet werden müssen, ein – meist finanziell – erhebliches Risiko dar. Doch dieses Risiko lässt sich durch Einhaltung eines standardisierten Erwerbsprozesses deutlich reduzieren. Nachfolgend werden die im Idealfall zu durchlaufenden Phasen eines Unternehmenskaufes beleuchtet und für Familienunternehmen ausgewählte, wesentliche Aspekte dargestellt. Im Idealfall lässt sich der Ablauf beim Kauf eines Unternehmens in vier Phasen (M&A-Prozess) unterteilen: 1. Vorbereitungsphase 2. Ansprache des (der) Zielunternehmen(s) 3. Verhandlungs- und Abschlussphase 4. Integrationsphase

DIE VORBEREITUNGSPHASE

Eine Vielzahl von Transaktionen kann nicht erfolgreich abgeschlossen werden, da oftmals der gesamte Kaufprozess zu wenig vorbereitet und organisiert wird. Insbesondere bei Familienunternehmen wird der strukturierte

Kaufprozess zu spät begonnen. Im Idealfall stellt die Strategiephase den Ausgangspunkt des Kaufprozesses dar, welcher mit einer umfassenden Analyse der Ausgangssituation beginnt und mit einer entsprechenden Zielfestlegung (zum Beispiel das Erreichen einer breiteren Kundenbasis, Erhöhung der Produktionskapazitäten, Kosten- und Produktivitätseffekte etc.) abgeschlossen wird. Nach Abschluss dieser Konkretisierungen ist es dem Unternehmen möglich, Schwerpunkte bei anzusprechenden Unternehmen bzw. Branchen zu setzen, um den gesamten Erwerbsprozess zu organisieren und zu steuern. Wesentlich ist, neben der Schaffung eines budgetären Rahmens auch ablauforganisatorische Vorbereitungen (z. B. Einsatz unternehmensinterner Fachabteilungen, Beauftragung externer Berater, Festlegen der Kommunikationspolitik, Definition der Anforderungen an das Akquisitionscontrolling etc.) zu treffen, um einen fließenden Übergang in die nächste Phase – die Transaktionsphase – zu ermöglichen.

ANSPRACHE DES (DER) ZIELUNTERNEHMEN(S)

Diese Phase folgt nicht festen Regeln und orientiert sich an den festgelegten strategischen und betrieblichen Fragestellungen des kauf-

willigen Unternehmens. In der Regel steht am Beginn die Identifizierung potentiell interessanter und leistbarer Akquisitionskandidaten und in weiterer Folge eine erste Informationsbeschaffung. Um ein effizientes Vorgehen zu ermöglichen, sollte das kaufinteressierte KMU die gesammelten Informationen möglicher Übernahmekandidaten in Form einer Tabelle („Long List“) bearbeiten, welche eine kurze Aufarbeitung der Akquisitionsideen unter Darstellung eines Kurzprofils der Unternehmen, eine Bewertung der Möglichkeiten, welche sich durch den Kauf ergeben können, und eine überschlagsmäßige Kaufpreissumme, die das Unternehmen bereit ist, zu bezahlen, beinhaltet. Anschließend erfolgt eine Komprimierung zur „Short List“, um einfacher ein oder mehrere präferierte Zielunternehmen identifizieren zu können, von welchen allgemein zugängliche Unternehmensdaten (z. B. beim Firmenbuch hinterlegte Jahresabschlüsse und Urkunden, Informationen zu Produkten, Wettbewerbern, Produktionsverfahren, Innovationsverhalten, Organisationsstruktur etc.) eingeholt werden sollen. In der Praxis erweist sich das Führen von – oft auch informellen – Gesprächen mit Stakeholdern des Kaufobjektes (z. B. Gesellschafter, Manager, Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden etc.) als hilfreich und kann zu einer


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deutlichen Vertiefung des Informationsstandes beitragen. Die ermittelten Informationen sollen zum einen eine Bewertung aus strategischer und kultureller Sicht (Länder, Informationen über Markt und Geschäftsfelder, Tätigkeitsgebiet, Fähigkeiten im Vergleich zur Konkurrenz, bisherige Strategie sowie Unternehmens- und Kostenstruktur) als auch eine erste überblicksmäßige Bewertung aus finanzieller Sicht ermöglichen. Sollte die Analyse ergeben, dass sich aus Sicht des potentiellen Erwerbers der Unternehmenskauf lohnen könnte, erfolgt die Ansprache des Zielunternehmens durch eine autorisierte Kontaktperson (z. B. Eigentümer, Gesellschafter, Management etc.). Um in eine vorvertragliche Verhandlungsphase eintreten zu können, soll auf die Unterfertigung von Geheimhaltungsvereinbarungen („Confidentiality Agreement“), einseitige („Letter of Intent“) oder beidseitige Absichtserklärungen („Memorandum of Understanding“) bestanden werden, um Interessendivergenzen möglichst frühzeitig zu vermeiden. Bekundet ein potenzieller Käufer nach Überlassung einer ersten Unternehmensdokumentation sein Interesse an der Weiterverfolgung der Transaktion, ist diese Phase abgeschlossen und es können die nächsten Schritte veranlasst werden.

VERHANDLUNGS UND ABSCHLUSSPHASE

Am Beginn dieser Phase steht die sogenannte Due Diligence. Die Due Diligence – als das meist zentralste Element der vorvertraglichen Verhandlungsphase – ist eine umfangreiche und umsichtige Prüfung des zu akquirierenden Unternehmens durch das kaufinteressierte KMU und soll wesentliche und ausführliche Informationen über das Kaufobjekt ermitteln, Risiken und Schwachstellen (z. B. Umweltrisiken, Haftpflichtrisiken etc.) identifzieren, die im Extremfall zu einem Abbruch der Transaktion („Deal Breaker“) führen können. Außerdem soll die Due Diligence auch als Grundlage für die spätere Vertragsgestaltung herangezogen werden. In der Praxis werden am häufigsten in den Bereichen „Technik“, „Finanz“, „Steuern“, „Recht“ und „Strategie“ detaillierte Prüfungen durchgeführt. Während die „Technische Due Diligence“ in der Praxis meist von Mitarbeitern des akquirierenden Unternehmens durchgeführt wird, werden die anderen Bereiche in der Regel externen Experten (Steuerberater/ Wirtschaftsprüfer/Rechtsanwalt/Notar) zur Prüfung übergeben. Ob es wirklich notwendig ist, sämtliche der Unternehmensbereiche des

Martin Wolf; BA, ist Manager im Bereich Financial Advisory bei Deloitte in Innsbruck.

Zielunternehmens einer detaillierten Analyse zu unterziehen, muss unter Berücksichtigung der Bedeutung für die Akquisitionsziele bzw. der damit verbundenen Risiken beurteilt werden. Nach Abschluss der Due Diligence muss mit Hilfe einer Unternehmensbewertung (z. B. Discounted-Cashflow Methode, Ertragswertverfahren oder auch Multiplikatorbewertung) jene Kaufpreisbandbreite gefunden werden, die sowohl die Zustimmung des Käufers als auch des Verkäufers findet. In weiterer Folge ist es vor dem Eintritt in endgültige Vertragsverhandlungen aus Sicht des kaufinteressierten KMUs zweckmäßig, die gewonnenen Informationen unter Berücksichtigung des in der Unternehmensbewertung ermittelten Wertes kritisch zu hinterfragen und im Rahmen der Entscheidungsfindung zu überprüfen, um anschließend in die finalen Preisverhandlungen mit den Vertretern des Zielunternehmens einzutreten. Um allfällige Wertschwankungen des Zielunternehmens, im Zeitraum zwischen der Berechnung des Unternehmenswertes und der Eintragung ins Firmenbuch auszugleichen, ist es unerlässlich, Kaufpreisanpassungen in den Kaufvertrag mitaufzunehmen – etwa die Anpassung des vorläufig vereinbarten Kaufpreises durch das Erstellen einer Stichtagsbilanz („Completion Accounts“), Ergänzung fixer Kaufpreisvereinbarungen durch Absicherungen („Locked Box“), Bindung des endgültigen Kaufpreises an die Erfüllung exakt formulierter (Erfolgs-)Kriterien/„Earn-out“. In der Praxis haben sich „Earn-out“-Verfahren für den Käufer am vorteilhaftesten erwiesen. In diesem Zusammenhang ist die Festlegung einer objektiv nachprüfbaren Messgröße (z. B. EBITDA,

EBIT etc.), welche aus dem Jahresabschluss des zu erwerbenden Unternehmens abgeleitet werden kann, und die Periode, wie lange die „Earn-out“-Vereinbarung gilt, unerlässlich und zentral und sollte unter Beiziehung von Spezialisten ausgearbeitet werden. Die Unterzeichnung – das Signing – des Kaufvertrages bindet beide Parteien rechtlich. Auch hier sollten Experten miteingebunden werden, um entsprechend detaillierte und unmissverständliche Formulierungen zu finden. Der Stichtag, an dem die unternehmerische Leitung und Verantwortung auf das kaufende KMU übergeht („Closing“), steht am Ende dieser Phase.

DIE INTEGRATIONSPHASE

Ein Standardmodell für die Integration („Post Merger Integration“) des erworbenen Unternehmens hat sich in der Praxis für KMU als nicht sinnvoll erwiesen. Dennoch lassen sich aus langjähriger Projekterfahrung gewisse Muster und Erfolgsfaktoren ableiten, welche die Erfolgswahrscheinlichkeit von KMU-M&A-Projekten deutlich steigern können. Gerade bei mittelständischen Unternehmen soll der Grad der Integration vorab exakt definiert werden („Stand alone“, „Partielle Integration“ oder „Vollkommene Integration“) und die künftige Führungsstruktur festgelegt werden. Die Integration soll entlang der Kernbereiche „Organisationale Neuausrichtung“, „Prozessintegration“, „ERP-Systemintegration“, „Ermittlung von Synergien“ und „Ausrichtung des Produktportfolios bzw. der Kundensegmente“ erfolgen. Es ist zu beobachten, dass M&A-erfahrene Mittelständler der Sicherheit und Kontinuität den Vorzug gegenüber einer schnellen Realisierung von Synergiepotentialen geben. Nicht minder wichtig ist die Erarbeitung eines Kommunikationskonzeptes gegenüber allen Stakeholdern. Ein zu langer Integrationsprozess führt oft dazu, dass vor allem Schlüsselarbeitskräfte das erworbene Unternehmen verlassen. Eine zu hohe Unsicherheit und Unzufriedenheit der Mitarbeiterschaft ist unbedingt zu vermeiden.

FAZIT

Ein Unternehmenskauf ist gerade für kleine und mittlere Unternehmen ein komplexer und vielschichtiger Prozess, der einer exakten Vorbereitung und Umsetzung bedarf. Mit einer professionellen Planung und externen Begleitung von Aufbau und Ablauf lassen sich die Erfolgschancen deutlich erhöhen und das Risiko eines bösen Erwachens minimieren. www.deloitte.at/fa-tirol 

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POTENZIALE SEHEN UND NUTZEN Die Geister, die ich rief – oder: wie die Digitalisierung unser Leben verändert. T E X T : F L O R I A N S I LV E S T R I

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önnen Sie das Wort Digitalisierung noch hören? Gleich, welches Medium man betrachtet oder mit wem man spricht: Der digitale Wandel prägt unser Tun. Der prosperierende Einsatz von Algorithmen und künstlicher Intelligenz verändert derzeit alles. Bei Großbanken managen Robo-Advisors inzwischen das Portfolio der Kunden, Robo-Journalisten schreiben automatisiert Sport- und Finanzberichte, auch erste Anwaltsroboter arbeiten bereits in einer Anwaltskanzlei. Der Clou bei diesen Robots liegt darin: Je mehr man mit ihnen kommuniziert, desto schneller bearbeiten sie die Aufträge, denn dank ihrer künstlichen Intelligenz, die sie besitzen, lernen sie mit jedem Auftrag dazu. Wann haben Sie mit Ihrem Steuerberater das letzte Mal kommuniziert? Lernt dieser dazu?

VON DIGITALISIERUNG UND AUTOMATISIERUNG

Sie wissen sicherlich, dass die Belege und Unterlagen nicht mehr in Papierform übergeben werden müssen. Digitalisierung der Buchhaltung nennt sich die Neuerung, die aber nicht mehr zeitgemäß ist. Wir sind schon einen Schritt weiter und die Automatisierung steht schon in den Startlöchern. Automatisierung ist laut einer Definition das Ausrüsten einer Einrichtung, so dass sie ganz oder teilweise ohne Mitwirkung des Menschen bestimmungsgemäß arbeitet. Voraussetzung dabei ist, dass der zu automatisierende Arbeitsschritt zuvor durchgehend digitalisiert wurde. Die ganze Arbeit verändert sich fundamental. Weg von der Eingabe (Belege, Rechnungen, Lohnlisten, Bankverbindungen, Mahnungen etc.), Verarbeitung und Ausgabe

Mag. Florian Silvestri ist Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder bei pro:west. www.innsbruck.pro-west.at

in den von Ihrem Berater erstellten monatlichen, jährlichen bekannten Auswertungen hin zu automatisierten und vernetzten Systemen, die mit Hilfe von Erfahrungen in der Vergangenheit selbständig arbeiten und Ihnen auf K(n)opfdruck sämtliche Auswertungen zu jeder Tageszeit liefern – selbstverständlich aufs Handy oder Tablet. Künftig wird man darüber schmunzeln, dass es mal notwendig war, Papierbelege zu digitalisieren. Dies alles ohne menschliche Unterstützung.

WOZU NOCH EIN BERATER?

Hat Ihr Berater Sie schon auf die Entwicklungen im Bereich der Buchführung aufgeklärt? Hat er vielleicht Angst, Sie als Kunden zu verlieren? Wie denken Sie darüber? Sprechen Sie das Thema beim nächsten Mal an. Was im Privatbereich unter den Namen wie Alexa (Amazon) und Siri (Apple) vielen schon aufgefallen ist, könnte auch im Rech-

nungswesen vergleichbar ablaufen und uns unser Leben erleichtern. Der Geist ist schon längst aus der Flasche, die Beurteilung, ob dies als Fluch oder Segen anzusehen ist, kann nur jeder Einzelne treffen. Wir verstehen unsere Daseinsberechtigung als Berater von Menschen, die aufgrund komplexer Situationen im Geschäftsleben Expertenwissen an Menschen weitergeben. Ziel ist es, trotz künstlicher Intelligenz die Menschen dort abzuholen, wo sie sich befinden. Diese Individualität kann in vorhersehbarer Zukunft keine künstliche Intelligenz befriedigend erfüllen. Der Faktor Mensch ist, ob positiv oder negativ interpretiert, dennoch die weitaus höhere Intelligenz, die die Variabilität mit sich bringt, sich die nächsten Schritte eines Prozesses in weitaus vielfältigerer Weise vorzustellen oder auszuführen. Diese situationselastische Flexibilität unterscheidet die künstliche Intelligenz derzeit noch von der Menschlichkeit. Wir sehen uns als bester Businesspartner. Wir geben Antwortvorschläge auf diverse steuerliche Fragestellungen und müssen mit den Steuerabteilungen und den Geschäftspartnern schnittstellenfrei vernetzt und kompatibel sein. Die künstliche Intelligenz ist keine künstliche Dummheit. Wir wären ein Tor, wenn wir die Errungenschaften der technischen Entwicklung nur in der Einschränkung der persönlichen Freiheit verstehen würden und unsere Abhängigkeit negieren würden. Unsere Verantwortung ist nicht Rechnen, sondern Denken. Und Steuerberatung ist nicht allein Buchhaltung, sondern Begleitung auf dem Weg in die unternehmerische Zukunft – mit Expertise und Sachverstand und Menschlichkeit.


BFI TIROL

3. TIROLER ONLINEMARKETING-KONFERENZ Online-Marketing gewinnt für Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Für digitale Werbung und Kommunikation gibt es unzählige Tools und Plattformen, die sich äußerst dynamisch verändern und weiterentwickeln. Das BFI Tirol bietet eine Konferenz für ein jährliches Update und den Austausch mit Experten für wertvolle Tipps und Trends. Ab diesem Jahr stehen zusätzliche Vorträge für den Tourismus zur Auswahl.

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elche Plattformen und welche Tools sind für mein Unternehmen, für meine Produkte und für meine Zielgruppen die richtigen? Welche Möglichkeiten gilt es noch zu nutzen und wie setzt man unterschiedliche Werkzeuge optimal ein? Nicht nur die technischen Möglichkeiten der Kommunikation verändern sich rasant, auch die Mediennutzung verschiedener Zielgruppen ist einem stetigen Wandel unterworfen. Unter anderem müssen teils gravierende Unterschiede nach Geschlecht, Wohnort oder Alter berücksichtigt werden. Die Online-Marketing-Konferenz des BFI Tirol bietet zahlreiche Vorträge für Marketingspezialisten, um aktuelle Trends zu erkennen und wertvolle Tipps für die Marketingpraxis zu erhalten. Für den Tourismusbereich wurden heuer erstmalig spezielle Vorträge ergänzt. PR

BFI TIROL Ing.-Etzel-Straße 7, 6020 Innsbruck info@bfi-tirol.at www.bfi.tirol

PROGRAMM 7. NOVEMBER AB 13:15 UHR AM BFI TIROL IN INNSBRUCK

• PR: ODER WIE ICH LERNTE, DIE MARKE ZU LIEBEN Referentin: Mag. Eva Mandl, Inhaberin Agentur Himmelhoch • BLOGGER RELATIONS? INFLUENCER - MARKETING? SOCIAL MEDIA? – EIN PRAKTISCHER LEITFADEN. Referentin: Cornelia Maier, M.A., Head of Content Marketing, punkt & komma • STORYTELLING IM TOURISMUS – ERFOLGSGARANT ODER DOCH NUR EIN MARKETING - SCHLAGWORT? Referent: Mag. Eckard Speckbacher, Leitung Content, Tirol Werbung • FROM NOISE TO MESSAGE – DIGITALE KOMMUNIKATION BEI DEN ÖBB Referentin: Mag. Ingrid Gogl, MLS, Leiterin Digitale Kommunikation der ÖBB-Holding • ERFOLGREICHES PERFORMANCE - MARKETING IM TOURISMUS Referent: Ronald Felder, MBA, Managing Director, HRS Group • NEUES UND TRENDS IM ONLINE - MARKETING Referent: Mag. Michael Kornfeld, Gründer Online-Marketing-Forum.at • FACEBOOK MESSENGER IM KOMMERZIELLEN EINSATZ Referent: Tom Thaler, Facebook Performance Marketer Informationen und Anmeldung bei Othmar Tamerl, MBA, unter 0512/59660 813 oder othmar.tamerl@bfi-tirol.at

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eco.recht

GOOGLE UND DAS RECHT AUF VERGESSENWERDEN Der 25. Mai 2018, der Tag des Inkrafttretens der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), ist den meisten von uns sicher noch in bester Erinnerung. Für die meisten Unternehmen galt die Maxime, das Datenschutzkonzept zu überarbeiten und dem neuen Rechtsrahmen anzupassen. Während dieser Übung wurde allerdings klar, dass viele wesentliche Rechtsfragen noch ungelöst sind. T E X T : I V O R U N G G & J O H A N N E S B A R B I S T, B I N D E R G R Ö S S W A N G R E C H T S A N W Ä LT E , I N N S B R U C K

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ine erste Frage betreffend das Recht auf Löschung hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) nun in seiner jüngsten Entscheidung vom 24. September 2019 (C-507/17) geklärt und dabei Google in den Fokus des Datenschutzrechts gerückt. Und er ließ mit der Entscheidung aufhorchen: Das Recht auf Vergessenwerden nach der DSGVO steht jedem Betroffenen zu; das ist jede natürliche Person, deren Daten verarbeitet werden. Es dient als Eingriffs- und Steuerungsrecht und ermöglicht Betroffenen unter bestimmten Voraussetzungen eine umfangreiche Löschung der personenbezogenen Daten vom Verantwortlichen, also dem Verarbeiter der Daten, zu verlangen. Dem Urteil zu Grunde lag eine Entscheidung der französischen Datenschutz-Aufsichtsbehörde, der Commission Nationale de l’Informatique et des Libertés (CNIL). Sie verhängte eine Sanktion in Höhe von 100.000 Euro gegen Google, weil der Suchmaschinenbetreiber sich weigerte, Suchergebnisse auf Antrag von Betroffenen weltweit zu löschen. Der Fall wurde dem EuGH zur Klärung der Frage vorgelegt, in welchem Gebiet das datenschutzrechtliche Recht auf Vergessenwerden zu erfüllen ist. Ist es auf den Mitgliedstaat des von der Datenverarbeitung Betroffenen beschränkt? Ist ihm in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union nachzukommen? Oder besteht der Anspruch gar weltweit? Der EuGH entschied, dass dem Löschungsantrag nur im Gebiet der Europäischen Union nachzukommen ist, der Anspruch auf Vergessenwerden nach der DSGVO also nicht weltweit besteht. Begrün-

Dr. Ivo Rungg

det wird dies damit, dass zahlreiche Drittstaaten kein Recht auf Löschung kennen oder einen anderen Ansatz bei der Beurteilung der Rechtmäßigkeit eines solchen Anspruchs verfolgen. Festgehalten wurde auch, dass bei einer weltweiten Geltung des Rechts auf Löschung – im Gegensatz zur bloß unionsweiten Geltung – die Verhältnismäßigkeit unter Umständen nicht mehr gewahrt ist. Eine Begründung, warum eine solche globale Interessenabwägung anders ausfällt, bleibt der Gerichtshof allerdings schuldig. Er beruft sich lediglich darauf, dass das Recht auf Datenschutz kein uneingeschränkt geltendes Recht ist. Es muss vielmehr im Hinblick auf seine gesellschaftliche Funktion betrachtet und gegen andere Grundrechte, insbesondere gegen das Grundrecht auf Informationsfreiheit, abgewogen werden. Außerdem existiere – so der Gerichtshof – keine Rechtsgrundlage für die behördliche Durchsetzung des Löschungsrechts über das Unionsgebiet hinaus.

In der Entscheidung betont der EuGH außerdem, dass Google neben der unionsweiten Löschung verpflichtet ist, „hinreichend wirksame Maßnahmen“ zu treffen, um die Grundrechte Betroffener zu schützen. Konkret heißt das, dass Nutzer der Suchmaschine nicht auf für Europa zu löschende Ergebnisse zugreifen können sollen, indem sie „google.com“ oder die US-Version der Suchmaschine verwenden. Nicht zu unterschätzen ist damit der Umstand, dass Google künftig verhindern muss, dass Nutzer aus der Europäischen Union mittels verschlüsselter, anonymer Verbindungen (sogenannter Virtual Private Networks, VPN) auf Nicht-EU-Ergebnisse zugreifen. Die technischen Maßnahmen, die Google im Zuge dessen ergreifen muss, sind wohl komplex. Ob sie tatsächlich „hinreichend wirksam“ sind, ist dann im Einzelfall zu entscheiden. Das Urteil ist insofern bedeutend, als die DSGVO an sich Wirksamkeit über die Grenzen der Europäischen Union hinaus beansprucht. So unterliegen auch Unternehmen außerhalb des Unionsgebiets ihrem Anwendungsbereich, wenn sie Dienste in der Union anbieten oder das Verhalten Betroffener in der Union beobachten. Es ist davon auszugehen, dass durch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs eben diese globale Wirkung der DSGVO abgeschwächt wird. Deutlich wird auch, dass geografische Grenzen in der virtuellen Welt Schwierigkeiten bereiten. Erfreulich ist jedenfalls, dass der EuGH eine offene Frage des Datenschutzrechts präzisiert hat. Weitere Klarstellungen sind jedoch – auch noch betreffend das Recht auf Vergessenwerden – dringend notwendig.


AMS

ONLINE-JOBBÖRSE FÜR TIROLER TOURISMUSBETRIEBE Beim Recruiting-Event des AMS Tirol am 22. Oktober werden online Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ganz Europa gesucht, die in der kommenden Wintersaison in Tiroler Betrieben im Bereich Tourismus arbeiten wollen.

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ochwertiger Tourismus braucht wertvolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit dem European Online Jobday (EOJD), den wir als Erste in Österreich durchführen, gehen wir neue Wege für unsere Betriebe. Wir sind überzeugt, dass diese Job-Plattform der EU die Suche nach Fachkräften erleichtern kann. Ziel ist es, entsprechend ausgebildete Personen aus ganz Europa für einen Job in Tirol zu begeistern“, so Bernhard Pichler, Leiter des SfU (Service für Unternehmen) im AMS Tirol. Tourismusbetriebe können sich ab sofort kostenfrei für den EOJD als „Exhibitor“ re-

gistrieren, schon jetzt Stellen auf der Plattform online schalten und am 22. Oktober 2019 live dabei sein.

WINTERSAISON 2019/2020: • KöchInnen • KellnerInnen • RezeptionistInnen • Hilfskräfte in der Küche und im Service • Etagenfachkräfte • SportartikelverkäuferInnen • SchilehrerInnen • Liftpersonal

EUROPEAN JOB DAY

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DER BERG RUFT DEIN JOB IM HERZ DER ALPEN  22. OKTOBER 2019  ONLINE-VERANSTALTUNG

JETZT REGISTRIEREN! europeanjobdays.eu/mountains-are-calling

Das AMS Tirol freut sich auf Ihre Teilnahme. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das SfU in Ihrer Region. PR ........................ www.ams.at/kontakt#tirol

FACTS

Hier können sich Betriebe registrieren und erhalten weitere Informationen zum EUROPEAN JOBDAY: www.europeanjobdays.eu (Veranstaltungen / The mountains are calling – Working in the Alps)


BUCHTIPPS

© GÜNTER RICHARD WETT

KULTU

kunst & design

WO WIR STOLPERN

und wo wir fallen Abubakar Adam Ibrahim Residenz Verlag 360 Seiten, EUR 24,00 In kräftigen Farben und feinen Tönen erzählt Ibrahim von einer verbotenen Liebe in Zeiten politischen Aufruhrs in Nigeria. Literarisch provokativ und dennoch wunderbar zärtlich.

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TROST

Ida Hegazi Hoyer Residenz Verlag 208 Seiten, EUR 22,00 Die Nordlichter können nicht nur ganz hervorragende Thriller, sie können auch die leisen Klänge. „Trost“ ist ein Roman über Vertrauen und Verrat, Intimität und Fremdheit und die Unmittelbarkeit der Liebe.

Schönheit vor Weisheit Kunst und Wissenschaft sind zwei Bereiche, die sich sowohl ergänzen als auch in Wettstreit miteinander treten. Diese Ambivalenz wird in der aktuellen Sonderausstellung „Schönheit vor Weisheit“ im Ferdinandeum hinterfragt. Für die Sonderausstellung anlässlich des 350-Jahr-Jubiläums der Universität Innsbruck in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen treten Wissenschaftler und Künstler in einen Dialog und stellen eingeübte Denkund Deutungsmuster auf die Probe. Die Werke von mehr als 30 Kunstschaffenden verbinden die gegenwärtige künstlerische Praxis mit der wissenschaftlichen Arbeit der letzten Jahrhunderte. Miteinbezogen werden dabei Bereiche von der Kunstgeschichte über die Psychologie bis zur Biologie und Quantenphysik. Bis 1. März 2020. . . ............... www.tiroler-landesmuseen.at

DIE DAMEN

des Hauses Susanne Scholl Residenz Verlag 248 Seiten, EUR 22,00 Mit Mut, Witz und Ehrlichkeit stellen sich vier Frauen am Ende eines Lebensabschnitts der großen Frage: Wie sollen, können und wollen wir im Alter leben? Unsichtbar oder öffentlich? Erfüllt oder frustriert?


eco.art

„Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat.“

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ALBERT CAMUS

ALL DAS SCHÖNE

Kann man Liebe erzwingen? Louise und Adam leben getrennt. In ihrer regen Korrespondenz gehen sie der Frage nach, ob es eine todsichere Methode oder ein Elixier gibt, um Leidenschaft auszulösen. Dabei provozieren sie sich bis zum Äußersten. Das Innsbrucker Theater 7ieben & 7iebzig bringt mit „Das Liebeselixier“ ein Stück des französischen Dramatikers Éric-Emmanuel Schmitt auf die Bühne und erforscht die Launen des Herzens. Premiere war kürzlich, gespielt wird bis 2. November. ������������������������������������������������������������������������������ www.siebenundsiebzig.at

Obwohl „Wolf!“, ein innovatives Kinderstück, noch gar nicht gestartet ist, plant das Theater praesent schon das erste Abendstück: „All das Schöne“ ist eine heiter-melancholische Performance und ein Plädoyer für das Leben. Unsentimental, ergreifend und komisch widmet sich Duncan Macmillan dabei dem Thema Depression. Premiere: 16. Oktober. ������������������������� www.theater-praesent.at

V I E L F A LT D E R S P R A C H E ( N ) IM LAUFE DER JAHRE Das BFI Tirol ist einer der größten Anbieter professioneller Sprachkurse und Inhouse-Trainings in Tirol, denn Sprache ist weit mehr als Konversation. Sprache trägt zum gegenseitigen Verständnis bei – nicht nur verbal. Neben Deutsch als Muttersprache und Deutsch als Fremdsprache werden am BFI mehr als 20 Weltsprachen unterrichtet. Dazu werden Inter-/Cultural Workshops abgehalten, um Einblicke in Land und Leute, Sprache und Etikette fremder Kulturen zu geben. Letztlich ist die Erde überall gleich und doch an jedem Punkt anders. Kürzlich wurde in der Ing.-Etzel-Straße in Innsbruck das neue Sprachenzentrum eröffnet. BFI-Tirol-Geschäftsführerin Dr. Karin Klocker: „Unsere Sprachtrainer zeigen, dass Sprachen lernen auch viele kulturelle Aspekte umfasst und großen Spaß macht.“.......... www.bfi-tirol.at

So lautet der Titel der aktuellen Ausstellung in der Burg Hasegg. Der Künstler Nino Malfatti entdeckte im Laufe seiner malerischen Jahre, dass konkrete Gegenstände in oft fantastischen Kombinationen mit den Strukturen der Landschaft verwandt sind. Er verwandelt amorphe und kristalline Strukturen in surreale Bildelemente und versieht sie mit prägnanten Licht- und Schattenspielen. Immer wieder sind die Berge und ihre Erhabenheit, die Schönheit der Natur und ihre Fragilität die großen Taktgeber seiner Kunst. In dieser Ausstellung zeigt er noch bis 31. Dezember einen Auszug seines vielfältigen Œuvres aus mehr als vier Jahrzehnten. ����������������������������������������������������������������������������� www.muenze-hall.at

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eco.kultur

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„Im Hause Molden wurde natürlich viel gelesen. Aber die Eltern hatten wenig Zeit, sie hatten dauernd Gäste.“ ERNST MOLDEN


eco.kultur

„MIR REICHT EIN POETISCHES LEBEN“ Ernst Molden kultiviert den Wiener Dialekt, weil Hochdeutsch für ihn „jedes Lied z’ammhaut“. Was ein „Gschichtldrucker“ ist und warum er als glücklicher Mensch auch die Endlichkeit besingt, verrät der Liedermacher und Schriftsteller im Interview.

I N T E R V I E W : J U L I A S PA R B E R - A B L I N G E R

Lieder oder Bücher schreiben? Was ist Ihnen lieber? ERNST MOLDEN: Ich mach beides eindeutig gleich gern. Nur irgendwann habe ich das Schreiben als familienfeindliche Tätigkeit erkannt. Nach vier Büchern habe ich es bleiben lassen. Eine Kindheitserinnerung war ein Schlüsselerlebnis: Mein Vater, der Verleger, hatte immer vor mir die Tür zugemacht, weil er ja schreiben musste. Ich wollte nie vor meinen Kindern die Tür zumachen. Und einen Song kann ich auch schreiben, wenn die Kinder schon im Bett liegen.

ECO.NOVA:

Ihr Vater war Verleger, die Mutter ist Autorin, Ihr Großvater war Journalist und auch die Großmutter war Dichterin, die den Text der österreichischen Nationalhymne verfasst hat. Da kann man wohl sagen, Ihnen wurde die Sprache in die Wiege gelegt? Im Hause Molden wurde natürlich viel gelesen. Aber die Eltern hatten wenig Zeit, sie hatten dauernd Gäste. Da waren sehr interessante dabei – Friedrich Torberg zum Beispiel, er hat immer jüdische Witze erzählt. Ich habe aufbleiben dürfen und gerne zugehört. Die Nähe zur Literatur war also von klein auf da. Das Beste, das mir als Jugendlicher passieren konnte, war der Konkurs meines Vaters. Von da an hatte er viel mehr Zeit für die Familie und ich konnte ihm Fragen stellen, das hat mich in meiner Jugend sehr geprägt. FOTOS: © JAKOB STRASSL, LUKAS M. HÜLLER

Und in dieser schwierigen Zeit kam die Familie Molden nach Tirol? 1982 hat mein Vater mit dem Verlag Konkurs anmelden müssen. Das war natürlich ein Schock – wir lebten in großbürgerlichen Verhältnissen und plötzlich hat man uns den Stuhl unterm Hintern weggezogen. Das Haus in Alpbach gehörte meiner Mutter, das war das Einzige, das uns geblieben ist. So kamen wir nach Tirol und ich nach Hall ins Franziskanergymnasium. Geblieben bin ich aber ein Wiener – da bin i daham! Demnach aber auch ein bisschen Haller? Na ja, ich kann mich erinnern, dass wir immer wieder in die Diana-Bar gingen. Sonst gabs fast nix. Vor ein paar Jahren hat mich das Stromboli zur Reihe „Verzogene Haller“ eingeladen, da hab ich entdeckt, dass es viele Künstlerkollegen gibt, die mit Hall verbunden sind. Und jetzt bin ich wieder da – großartig, was mit dem Literaturfestival aufgezogen wird, und mit dem BurgSommer wird ein historischer Ort belebt. 2020 mit lauter Wiener Künstlern. Herrlich!

Wann haben Sie mit dem Schreiben und Liedermachen begonnen? Um ehrlich zu sein in Hall. Meine erste Band hatte ich hier gegründet mit dem klingenden Namen Klepsydra, aus dem Altgriechischen übersetzt heißt es Wasseruhr. Wir haben einfach aus dem Wörterbuch ein gscheit klingendes Wort herausgesucht.

ERNST MOLDEN

Geboren 1967 in Wien. Er war Polizeireporter bei der „Presse“, Redakteur und Dramaturg. Seit 1993 arbeitet er als freier Dichter, Liedermacher, Sänger und Gitarrenspieler. Der Künstler lebt mit seiner Frau Veronika und den drei Kindern Leopold, Karl und Nelly in Wien. Am 25. und 26. Juni 2020 ist Ernst Molden beim BurgSommer in Hall zu hören – gemeinsam mit dem Frauenorchester, mit Walther Soyka und Hannes Wirth.

Sie werden als Wiener Dandy der frühen 1990er-Jahre beschrieben. Wollten Sie schon früh ein alter Mann sein? Irgendwie schon. Ich hatte noch nichts geschrieben, noch kaum gesungen, aber ich behauptete, ich sei Künstler und Poet. Die Lektüre von Trakl und Rilke hat mich in eine Rolle transferiert, die zu meiner geworden ist. Ernst halt. Sie werden immer als sehr authentischer Künstler beschrieben. Würden Sie sich als authentisch bezeichnen, wenn Sie auf der Bühne stehen? Ich misstraue dem Begriff. Keiner ist ganz er

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eco.kultur

„Das Schöne am Wiener Humor ist die Tendenz, nicht alles so ernst zu nehmen oder gar umzudrehen und zu übertreiben.“ ERNST MOLDEN

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Lukas M. Hüller hat die österreichische Musikszene fotografiert und zu einem Gigapixel-Bild vereint. Das Bild entstand zugunsten des Wiener Integrationshauses, Ernst Molden war federführend dabei. Dieses und andere Fotoinszenierungen von Lukas M. Hüller werden bis 31. März 2020 im Zuge der Ausstellung „HÖRT UNS ZU!“ im Innsbrucker Audioversum ausgestellt.

selbst, wenn er auf der Bühne steht. Das Licht, die Leute, die Blicke, die Aufregung, all das lässt dich ein bisschen von dir selbst wegrücken. Obwohl ich sicher nah an mir dran bin. Aber man überschreitet eine unsichtbare Schwelle, wenn man die Bühne betritt. Ich bin einfach ein Gschichtldrucker. Das kann man in der österreichischen Mundart aber durchaus falsch verstehen – ein Aufschneider? Ich bin deshalb Gschichtldrucker, weil ich Gschichtln aufschreib, die immer wieder auch in Büchern gedruckt werden. Zuletzt sind die „Nischenviecher“ erschienen. Da hab’ ich wilde Tiere beschrieben, die ein Nischendasein fristen. Stubenfliegen oder Silberfischlein sind ja nicht unbedingt unsere Freunde, doch wer sind wir denn, dass wir glauben, wir sind die einzigen richtigen Viecher auf der Welt. Lies das Buch, echt lustig geworden! Und ja, ich

sing die Gschichtln auch auf der Bühne, deshalb eben a Gschichtldrucker.

Der deftige Wiener Schmäh zählt zu Ihren Markenzeichen. Ich habe kürzlich den „Vorstadtcasanova“ angehört, nicht unbedingt gender-like? Das Schöne am Wiener Humor ist die Tendenz, nicht alles so ernst zu nehmen oder gar umzudrehen und zu übertreiben. Also für das Unausweichliche eine Kompensationsstrategie zu finden.

Dann ist also der Tod zum Totlachen? Die Toten werden im Wienerlied immer humorvoll besungen. Das Ideal des Humors, des Lachens schlechthin ist ja, wenn man es schafft, über die eigene und unser aller Sterblichkeit zu lachen. Wenn man dort hinkommt, nimmt man niemandem was weg, sondern nimmt es als Ticket in die Ewigkeit. Das Lied über das Rudolfspital, in dem das „Schatzal tot und kalt am

„Auf der Bühne lässt dich alles ein bisschen von dir selbst wegrücken. Obwohl ich sicher nah an mir dran bin.“ ERNST MOLDEN

Tisch liegt“, ist eines davon. Einmal hatte ich fast Angst – ich lag mit einer Gastritis im Wiener Rudolfspital. Das war echt oag, mir hat’s den Mogn z’ammzogen. Unter ärgsten Schmerzen hat mich die Internistin gefragt, ob ich das Lied geschrieben habe. Meine Angst war unbegründet – sie hat mir verraten, dass das Lied auf der Betriebsweihnachtsfeier gesungen wird. Wie kommt man auf Textzeilen wie „Awarakadawara, wo san meine Hawara“? Man hört immer wieder, dass viele Dialekte aussterben, weil die Grenzen immer mehr ineinander übergehen und viel Lokalkolorit verschwindet. Der Wiener Dialekt jedoch ist unumbringbar. Besonders die spezifische Langsamkeit und der Humor, der zur Sprache wird, das apert immer aus. Meine Sprache ist und bleibt das Wienerische. Das Hochdeutsche haut ma jedes Lied z’amm.

Sie waren in der Nick-Cave-Klasse in der Schule für Dichtung. Bei ihm sind Liebeslieder immer ernst. Wie ist das bei Ihnen? Ich habe von ihm gelernt, dass Liebeslieder die absolute Königsdisziplin des Dichters sind. Das Weltuntergangspiano wie bei Nick Cave ist nicht meines, aber die Tiefe will aus mir heraus. Mir reicht ein poetisches Leben, wie von H. C. Artmann beschrieben. Ich bin mit meiner Familie total glücklich und wir sind alle gesund. Aber wenn man glücklich ist, fällt einem auch die Endlichkeit ein.


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Beziehungsweisen Im Oktober 2019 jährt sich zum 150. Mal die Unterzeichnung des österreichisch-japanischen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrags von1869. Dieses Jubiläum nimmt die Galerie Nothburga zum Anlass, dieser Beziehung Tribut zu zollen. In der Ausstellung „Near to Nature“ setzen eine heimische und zwei japanische Künstler ihre Arbeiten wiederum zueinander in Beziehung: zur Natur nämlich.

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er formgebende Duktus der Ausstellung „Near to nature“ ist sowohl in den Schwarz-Weißund Buntstiftzeichnungen der Osttiroler Künstlerin Birgit Bachmann als auch in den feinen linearen Oberflächen von Kayoko Hoshinos Keramiken und in den Fingerspuren auf den Gefäßen Satoru Hoshinos unmittelbar von der Natur inspiriert. Gesehenes und Wahrgenommenes wird respektvoll reduziert und in einer persönlichen Interpretation umgesetzt. Alle drei Künstler fühlen sich als Teil der Natur verantwortlich, wie der Mensch mit ihr umgeht – sich seiner verändernden Anwesenheit bewusst, aber auch schmerzlich erkennend, dass wir allzuoft störend eingreifen. Kuratiert wird die Ausstellung von Bildhauerin Gabriela Nepo-Stieldorf.

NATUR (ER)LEBEN

Die Kombination der drei Künstler ist eine äußerst spannende und in sich bereichern-

de. Alexander Gerdanovits benennt Bachmann als „eine Künstlerin, bei der Leben und Kunst eine untrennbare Einheit bilden“. Die Verflechtung der beiden Bereiche sei in ihrem Fall nicht nur dargestellt, sondern auch von ihr vorgelebt. „Birgit Bachmann ist eine politisch wache und sozialkritische Zeitgenossin, sie will jedoch nicht mit dem Zeigefinger der Moral auf Probleme hinweisen. Ihr Mittel ist die Kunst, ihre Stärke die lyrische Poesie ihrer groß angelegten Zeichnungen.“ Ihr zur Seite stehen Arbeiten des japanischen Töpfer-Ehepaares Kayoko und Satoru Hoshino. „So unterschiedlich ihre Keramikpraktiken auch sein mögen, die Hoshinos sind beide dafür bekannt, ihre visuellen Signale aus der lokalen Landschaft zu nehmen, nämlich die zerklüfteten Gebirgszüge, die ihr Heimstudio in der Präfektur Shiga auf der Insel Honshu umgeben“, beschreibt Angela Schuster – auf der einen Seite Satorus rauchgeschmolzene Gefäße mit dichter Konzen-

tration von Druck- und Zugabdrücken, auf der anderen Kayokos eckige, drahtgeschnittene Formen. Sie spielen mit der einzigartigen Haptik des Mediums Ton und stellen sie der zweidimensionalen Optik des Bildes gegenüber.

GALERIE NOTHBURGA Kayoko und Satoru Hoshino – keramische Objekte Birgit Bachmann – Malerei und Zeichnungen zu sehen bis 9. November 2019 www.galerienothburga.at

Im Rahmen der Premierentage (7. bis 9. November) findet am Samstag, 9. November um 12 Uhr eine Musikperformance mit Miwa Takagi-Burger in der Galerie Nothburga statt. Japanische Musik auf der Klarinette und japanischen Instrumenten, anschließend japanische Köstlichkeiten.


MOBILITÄ

auto & motor www.eco-mobil.at

Weitere Testberichte, News & Infos: 

Level erhöht 104

Der Audi Q7 erhält ein umfassendes Update. Der große SUV präsentiert sich ab sofort im neuen Design der Q-Familie und wirkt mit mächtigem Singleframe in Oktagonform noch kraftvoller. Auch die seitlichen Lufteinlässe sind deutlich expressiver geworden. Der Innenraum präsentiert sich als Lounge der Luxusklasse und auch technisch hat sich einiges getan. Die Antriebe (231 bis 340 PS) kommen mit effizienter Mild-Hybrid-Technologie, dazu gibt‘s ein digitales Bedienkonzept und optional HD-Matrix-LED-Scheinwerfer inklusive Laserlicht. Das Fahrwerk fühlt sich sowohl im Gelände als auch auf der Straße wohl. Ab rund 75.000 Euro.

PICK ME UP Der neue L200 von Mitsubishi verkörpert die japanische Handwerkskunst wie kein anderer und wurde für den täglichen praktischen und harten Arbeitseinsatz entwickelt. Dazu schaut der Pickup auch gar nicht schlecht aus. Angetrieben wird der Offroader von einem 2,2-Liter-Turbodieselmotor mit 150 PS. Und weil ein Pick-up nicht nur praktisch, sondern auch bequem sein darf, stammen Komfort- und Sicherheitsfeatures aus dem Pkw-Bereich. Das Einstiegsmodell „Work Edition“ Klubkabine ist ab 22.492 Euro zu haben. Netto.

KO M PA K T PA K E T In seinem neuen CX-30 vereint Mazda eine kompakte Bauweise mit einem großzügigen Platzangebot sowie serienmäßig hohem Ausstattungsniveau. Das neue SUV übernimmt dabei als zweites Modell die weiterentwickelte Kodo-Designsprache, die subtile Schönheit durch Reduktion von Zierrat schafft. Zum bereits erfolgten Marktstart stehen ein Benziner mit 122 PS und ein Diesel mit 116 PS zur Wahl, beide gibt es auf Wunsch auch als Allrad. In Kürze kommt für den CX-30 noch eine absolute Motoreninnovation auf den Markt: Skyactive-X. Damit bringt Mazda den weltweit ersten selbstzündende Benzinmotor zur Serienreife. Er verbindet die Drehfreude eines Benziners mit der Effizienz eines Diesels. Die Preise starten bei 25.990 Euro.


© ANDREAS FRIEDLE

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Bruno König, Motorredaktion

Comeback des Diesel?

E FÜR ALLE Mit der Weltpremiere des ID.3 wird bei Volkswagen eine Vision Wirklichkeit. Der Wagen ist für die Marke das Symbol für eine neue Zeit. Er läutet nicht nur die nächste Generation reiner Elektrofahrzeuge ein – lokal emissionsfrei, höchst effizient und voll vernetzt –, er spiegelt auch die Neuausrichtung von VW wider und zeigt sich als erstes Modell mit überarbeitetem (Retro-)Logo. Der ID.3 soll als alltagstauglicher Allrounder positioniert werden, kompakt und wendig wie ein Klein- mit dem Innenraum eines Mittelklassewagen – erreicht durch den langen Radstand des MEB-Layouts (Modularer E-Antriebs-Baukasten). Mit den digitalen, neu konzipierten Anzeigen- und Bedienelementen soll sich der Fahrer rasch zurechtfinden. Die Basisversion soll um die 30.000 Euro kosten und damit breitentauglich leistbar sein.

SMARTER CROSSOVER Der neue Captur von Renault ist schnittiger geworden – in vielerlei Hinsicht. Er kommt mit prägnanterem Design und einer neuen Antriebspalette daher, die unter anderem 2020 den ersten Plug-in-Hybrid der Franzosen enthält und schon jetzt effiziente Turbomotoren mitbringt. Im Innenraum verfolgt Renault wie beim Schwestermodell Clio das „Smart-Cockpit“-Konzept mit extragroßem Multimedia-Display und einer Mittelkonsole mit Bedien­elementen für häufig genutzte Funktionen. Preise sind derzeit noch keine bekannt, sie werden aber wohl ein bisschen über dem Vorgänger liegen. Den gab‘s ab 18.000 Euro.

Feinstaub ist gesundheits­schädlich. Ja, aber ... Feinstaub entsteht neben Abgasen durch Reifen- und Bremsenabrieb, Heizungen, Zugverkehr und von Staub­ aufwirbelungen. Ein überraschendes Ergebnis zeigte sich jedoch kürzlich bei Tests von modernen Dieselfahrzeugen mit der Abgasnorm 6d-Temp. Der Bericht in der ARD brachte zutage, dass die Feinstaubwerte aus dem Auspuff zum Teil niedriger waren als die der angesaugten Luft. Diese Ergebnisse überraschten selbst die Messingenieure. Für hochbelastete Städte eine gute Nachricht. Nachdem die NOX-Emissionen der neuesten Dieselgeneration schon länger kein Problem mehr darstellen und nun auch die Feinstaubwerte auf ein Minimum gesunken sind, könnte der Diesel vor einem Comeback stehen. Anregungen und Kommentare bitte an koenig@econova.at

LEGENDEN-NACHFOLGER Der neue Land Rover Defender ist da und mit ihm eine Legende, neu erdacht für das 21. Jahrhundert: clever, robust, leistungsfähig und dabei doch komfortabel. Der weltberühmte Brite ist in erster Linie natürlich für Abenteurer gemacht, macht sich mittlerweile aber auch im Alltag und für Familien gut. So bietet er gewohnt intelligente Technologien fürs Gelände und zeigt sich gleichzeitig entspannt im Straßeneinsatz. Innen bietet der neue Defender einen hohen Nutzwert, funktional, strapazierfähig und flexibel. Bestellbar ist der Defender 110 bereits (ab 55.600 Euro), geliefert wird er im Frühjahr. Ab Anfang 2020 ist dann auch der Defender 90 bestellbar, ab 49.700 Euro.

„Die größte Gefahr im Straßenverkehr sind Autos, die schneller fahren als ihr Fahrer denken kann.“ ROBERT LEMBKE

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eco.mobil Für die schnelle Lieferung: AMG C43 T

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Ein Kombi, aber was für einer: Der Mercedes-AMG C43 T ist ein echter Spaß-Laster mit strammem Fahrwerk und bärenstarkem Motor. Dazu ist der Benz richtig praktisch. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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ne sitzt es sich auf den Sportsitzen megabequem, die Ausstattung ist supermodern und kinderleicht zu bedienen. Das Fahren im Modus „Comfort“ fällt überraschend bequem aus, optimal zum Cruisen. Aber wehe man wechselt auf „Sport“, dann brüllt der Biturbo-Motor bereits am Stand lautstark los und macht den 1,8-Tonner zum wahren Spielzeug. Tempo 200 wäre – natürlich rein theoretisch – bereits nach gut 15 Sekunden erreicht. Ein Porsche 911 macht das auch nicht viel flotter. Aber die Art und Weise, wie der Stern bis dahin beschleunigt, ist wie ein süchtig machender Mix aus Sound und Schub. Das moderne 9-Gang-Tronic-Getriebe erledigt die Gangwechsel in atemberaubenden Tempo und nahezu unmerkbar. Wäre da nicht die elektronische „Fußfessel“ bei 250 km/h, der C43 würde weit schneller werden.

er C43 AMG sieht schon sportlich aus mit seinen großen Lufteinlässen vorne und den vier schwarzen Auspuffrohren am Heck. Trotzdem ist es ein Kombi – bei Mercedes T-Modell genannt –, der vor allem praktisch sein muss und genügend Platz für die schnelle Lieferung beim Topkunden haben sollte. Schnell ist er allemal, der Benz mit seinem 3,0-Liter-V6-Biturbo-Motor, leistet dieses kraftvolle Aggregat doch beeindruckende 390 PS. Druckvoll geht es damit bereits bei niedrigen Drehzahlen vehement nach vorne. Die 100-km/h-Marke ist mit dem Spaß-Laster bereits nach nur 4,3 Sekunden Geschichte. Der brachiale Vortrieb geht jedoch ungeniert weiter und endet erst nach einem elektronischen Eingriff bei 250 km/h.

PLATZ FÜR ALLE

LADUNG SICHERN

Diesen Spaß könnten fünf Personen zeitgleich erleben, die allesamt genügend Platz auf beiden Sitzreihen finden. Besonders vor-

Der schnelle Kombi macht auch in Kurven jede Menge Spaß und erfreut den Fahrer mit souveränem Handling. Das Wort „Ladungs-

sicherung“ bekommt im T-Modell eine ganz neue Bedeutung: Ist man damit nämlich grad zu einem Kunden unterwegs, sollte man die Lieferung im großen Kofferraum gut sichern, sonst rappelts ordentlich da hinten. Rappeln wird’s aber auch im Geldbörserl – zum Nettopreis von 52.000 Euro kommen noch 20 Prozent Mehrwertsteuer und 26 Prozent NoVA dazu.

MERCEDES AMG C43 T-MODELL Antriebsart: 3,0-Liter-Benziner Leistung: 287 kW/390 PS Drehmoment: 520 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 6,3 sec Spitze: 250 km/h Testverbrauch: 10,3 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 214 g/km Spaßfaktor: 9 von 10 Preis: ab 74.800 Euro


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SEAT? NEIN, CUPRA! Der Cupra Ateca ist sozusagen der Performer unter den kompakten SUV. 300 PS, Allradantrieb und der Auftritt eines braven Geländewagens machen ihn zum Undercover-Sportler. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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as ist der Cupra Ateca eigentlich? Ist es ein SUV oder doch ein Sportwagen? Ja! Er ist beides zusammen. Wer jetzt aber meint, er sei bloß ein aufgemotzter Seat Ateca, der irrt gewaltig. Die Unterschiede liegen überall: beim Fahrwerk, beim Motor, bei der Bremse, bis hin zum Cupra-Logo. Cupra ist ein Kofferwort aus den Begriffen „Cup“ und „Racer“ und ist die Performance-Abteilung der Spanier. Entwickelt und gebaut wurde der schnelle Ateca von einem leidenschaftlichen Team aus Technikern und Designern, die das Beste aus dem SUV herausgeholt haben. Das Ganze bleibt optisch jedoch zurückhaltend. Zu erkennen ist der stärkste Ateca am bullig schwarzen Wabengrill, an dem das kupferfarbene Cupra-Emblem prangt, den großen Rädern samt optionaler Brembo-Bremsanlage und den vier dicken Auspuffrohren am Heck. Die großen Veränderungen fanden unter der Haube statt: Ein Zweiliter-Turbomotor leistet

CUPRA ATECA 2.0 TSI DSG 4DRIVE Antriebsart: 2,0-Liter-Turbo-Benziner Leistung: 221 kW/300 PS Drehmoment: 400 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 5,2 sec Spitze: 247 km/h Testverbrauch: 8,9 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 168 g/km Spaßfaktor: 9 von 10 Preis: ab 47.990 Euro

300 PS und schießt den spanischen SUV in gut fünf Sekunden auf Tempo 100, Schluss mit dem Vortrieb wäre erst bei 247 km/h. Dazu kommen 400 Nm Drehmoment, ein 7-Gang-DSG-Getriebe mit Allradantrieb und ein infernalischer Sound aus den vier Endrohren.

INDOOR - SPORT

Innen geht es genauso sportlich weiter: Leder und Alcantara, Carbon-Look und edler Klavierlack. Allein die Sitze signalisieren, dass es schnell werden könnte im SUV. Das zeigen auch die digitalen Anzeigen für G-Kräfte und Öltemperatur, die hat der „normale“ Ateca nicht. Einen Offroad-Modus hingegen besitzen alle Modelle, auch der Cupra. Dieser reicht zwar für Schnee und leichtes Gelände, mehr aber auch nicht. Fürs Grobe kauft allerdings auch keiner einen Cupra Ateca, dafür gibt’s einen Land Rover Defender oder Suzuki Jimny. Der Sport-Ateca überzeugt jedoch mit Fahrspaß zum unschlagbaren Preis, da ist er eine Klasse für sich.


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SCHÖN BUNT Vor acht Jahren startete Audi mit dem A1, höchste Zeit für die zweite Generation. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

Der Innenraum des Audi A1 Sportback zeigt sich komplett neu und auf Höhe der Zeit.

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Ganz schön bunt der neue Audi A1 Sportback

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ut Ding braucht Weile – ein alter Spruch, der sich immer wieder bewahrheitet. Das gilt auch für den neuen und bunten Audi A1. Bunt deshalb, weil die Ingolstädter bei ihrem Kleinsten auf knallige Farben wie Rot, Blau oder auch Gelb setzen. Insgesamt stehen zehn auffällige Lackierungen zur Auswahl. Der bunte Auftritt wird durch mehrere Zentimeter Wachstum und einige Designelemente verstärkt. Dazu zählen etwa die drei flachen Schlitze unterhalb der Motorhaube. Diese sollen an den Kult-Audi „Sport quattro“ von 1984 erinnern. Durch den breiten und tief montierten Grill wirkt der Auftritt des neuen Audi A1 überaus bullig. Die Voll-LED-Scheinwerfer erinnern an dynamische Flügelformen aus dem Segelsport.

KOMPLETT NEU Aber nicht nur außen haben sich die Audi-Designer richtig ins Zeug gelegt. Der Innenraum zeigt sich komplett neu und auf Höhe der Zeit. Bereits die Basisversion bietet ein volldigitales Kombiinstrument, ein hochauflösendes Display und ein abgeflachtes Multifunktionslenkrad. Vorne sitzt man auch als Großgewachsener ausgezeichnet, hinten geht’s schon etwas enger zu. Dazu spielen Elektronik, Assistenzsysteme und Infotainment alle Stückerln. Drahtlose Handyaufladung gehört ebenso dazu wie Fußgänger- und Fahrradfahrererkennung. Die S-line-Ausstattung verwöhnt außerdem mit zahlreichen Features und optischen Details. Noch ein bisserl zu gewöhnen sind die neuen Typenbezeichnungen bei Audi. Wir fuhren den A1 als „30 TFSI“, was bedeutet, dass

AUDI A1 SPORTBACK 30 TFSI Antriebsart: 1,0-Liter-Benziner Leistung: 85 kW/116 PS Drehmoment: 200 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 9,4 sec Spitze: 203 km/h Testverbrauch: 5,6 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 108 g/km Spaßfaktor: 7 von 10 Preis: ab 21.540 Euro

ein Ein-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 116 PS verbaut ist. Kaum zu glauben, wie spritzig und agil das kleine Triebwerk ist – trotz Automatik. Überholen, Autobahn, Bergstraße ... alles kein Problem für den A1. Das straffe Fahrwerk liefert viel Fahrspaß auf kurvigen Landstraßen, der einem auch beim Tanken nicht vergeht: 5,6 Liter auf 100 Kilometer sind top.


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In Summe ist der C5 Aircross ein braver Begleiter, der nahezu alle Anforderungen mit Bravour meistert, unverwechselbar bleibt und beim Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar ist.

SCHÖN LUFTIG Der C5 Aircross ist das Flaggschiff von Citroën. Das praktische SUV setzt nicht nur Maßstäbe bei Preis und Leistung, sondern auch beim extravaganten Design. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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itroën war früher bekannt für außergewöhnliches und extravagantes Design. Nicht zuletzt deshalb hat sich die Marke damit eine treue Fangemeinschaft geschaffen. Die letzten Jahre vermisste man diese Eigenständigkeit der Franzosen allerdings etwas. Nicht mehr beim C5 Aircross: Das große SUV wirkt bullig, modern und unverwechselbar. Ja, genau so wollen wir einen Citroën haben. Nicht nur optisch kann der fesche Franzose überzeugen, auch beim Preis-Leistungs-Verhältnis spielt der Aircross ganz vorne mit. Die Preise starten bereits bei 24.190 Euro, das ist rekordverdächtig. Unser Testauto, das Topmodell der Baureihe mit dem 177 PS starken Diesel, der modernen Acht-Gang-Automatik und der höchsten Ausstattungslinie „Shine“, ist bereits ab gut 38.000 Euro zu haben. Dazu gibts eine

überkomplette Serienausstattung, Topsitze mit Leder, 3-D-Navi, Voll-LED-Scheinwerfer, adaptiven Tempomat und noch vieles mehr.

CITROËN C5 AIRCROSS SHINE BLUEHDI 180 Antriebsart: 2,0-Liter-Diesel Leistung: 130 kW/177 PS Drehmoment: 400 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 9,4 sec Spitze: 211 km/h Testverbrauch: 6,9 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 112 g/km Spaßfaktor: 6 von 10 Preis: ab 24.190 Euro

LUPENTACHO

Die äußere Extravaganz zieht sich im Innenraum fort: Vor allem das digitale Kombiinstrument fällt einem sofort ins Auge. Es bietet unterschiedliche Grafiken und erinnert dabei an den berühmten Lupentacho der alten CX- und GS-Modelle. Zum Glück fällt die Bedienung deutlich leichter aus als bei früheren Modellen. Die saubere Verarbeitung in Kombination mit edlem Klavierlack und Chromdekor sorgt für einen luxuriösen Eindruck. Für sportliches Feeling sorgt hingegen der kräftige Dieselmotor. Bereits ab 2.000 Umdrehungen packen die 177 PS ordentlich zu und machen den C5 zum flotten Reise-

begleiter. Mit der „Grip Control“ in der Mittelkonsole findet man zudem die richtige Einstellung für jeden Untergrund.

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GENERATION 5

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Ein Franzose mischt das Kleinwagensegment ordentlich auf. Dabei ist er weder klein noch übermütig, im Gegenteil: Der neue Clio präsentiert sich richtig erwachsen. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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ie beliebt der Renault Clio ist, beweist die Tatsache, dass er der meistverkaufte Kleinwagen Europas ist. Deshalb liegt die Latte für die fünfte Generation ordentlich hoch. Vielleicht auch deshalb hat man den Neuen nur behutsam erneuert und spricht bei Renault von einer „Evolution statt Revolution“. Das hat sich jedenfalls ausgezahlt, der aktuelle Clio beeindruckt schon im Stand mit Dynamik und Sportlichkeit. Er ist zwar um wenige Millimeter geschrumpft und duckt sich mehr als sein Vorgänger, der Radstand blieb allerdings gleich und das verleiht ihm einen wuchtigen Auftritt und stimmige Proportionen. Einer klugen Raumausnutzung und der Verkleinerung mehrerer Bauteile – wie etwa dünneren Türverkleidungen – ist es zu verdanken, dass der Clio im Inneren geräumiger wurde. Vorne sitzt man perfekt, hinten ausreichend und der Kofferraum wuchs sogar um beachtliche 50 auf nun-

mehr knapp 400 Liter Volumen – das größte seiner Klasse.

MODERNES COCKPIT

Der Innenraum des neuen Clio zeigt sich modern im Carbon-Style und mit roten Ziernähten. So steht der Touchscreen im Hochformat, die Armaturen leuchten digital aus dem Kombiinstrument und die Ausstattung der „RSline“ fällt besonders sportlich aus. Sportlich zeigt sich auch der Antrieb unseres blitzblauen Test-Clio: Ein 1,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner sorgt mit 130 PS für

beachtliche Fahrleistungen. 240 Nm Drehmoment liefert der Motor und überträgt diese auf ein perfekt arbeitendes 7-Gang-DSG-Getriebe. Dank der sauberen Verarbeitung im Innenraum und dem kräftigen Motor hat man stets das Gefühl, in einem Fahrzeug einer höheren Klasse zu sitzen. Das untermauern auch das komfortabel ausgelegte Fahrwerk und die direkte Lenkung. Zusätzlich bietet der brandneue Clio eine umfassende Liste an Assistenzsystemen, die bis zur Teilautonomisierung reicht. Die Preise für den „großen“ Clio starten bei 10.490 Euro.

RENAULT CLIO TCE 130 EDC

Antriebsart: 1,3-Liter-Benziner Leistung: 96 kW/130 PS Drehmoment: 240 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 9,0 sec Spitze: 200 km/h Testverbrauch: 5,9 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 118 g/km Spaßfaktor: 7 von 10 Preis: ab 10.490 Euro


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Alexander Jug, Geschäftsführer des Verkehrsverbund Tirol

Volle Fahrt voraus in die Zukunft der Mobilität Die Mobilität der Zukunft wird geprägt sein von Nachhaltigkeit, Flexibilität und einer Ent- und Beschleunigung zugleich. Die Menschen werden zunehmend auf ein eigenes Auto verzichten und alternative Fortbewegungsmittel bedarfsgerecht kombinieren.

„S“ WIE SCHÖN Der S90 ist das LimousinenFlaggschiff von Volvo.

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as „S“ in der Typenbezeichnung der großen Limousine könnte ohne Zweifel für „schön“ oder auch für „Sport“ stehen. Denn im T8 schlagen zwei Herzen – ein 303 PS starker Benziner und ein Elektromotor, der weitere 87 PS beisteuert. In Kombination bewegen beide Antriebe die schwedische Limousine spielerisch leicht nach vorne. Der Plug-in-Hybrid fährt sich richtig sportlich, macht Spaß und rollt in der Stadt rein elektrisch. Bis zu 40 Kilometer sind bei vollem Akku möglich, das spart Kraftstoff und Emissionen. Optisch besticht der S90 mit seinem großen Kühlergrill samt „Thors Hammer“-Tagfahrleuchten, seiner dynamischen Seitenlinie und dem Coupé-artigen Heck. Im Innenraum bietet der Schwede viel Platz, hat nur feinste Materialien an Bord und beeindruckt mit schönen Details. Der hochformatige Touchscreen lässt sich gut bedienen, lenkt den Fahrer während der Fahrt allerdings ab. Die Sicherheitssysteme in der größten Limousine sind Volvo-typisch vorbildlich. Der serienmäßige Pilot-Assist fährt und bremst mit einem sicheren Fahrgefühl und markiert damit einen weiteren Schritt auf dem Weg zur künftigen „Volvo-Vision“ und dem autonomen Fahren. Die Preise für den S90 Plug-in-Hybrid starten bei 71.219 Euro.

Mobilität muss heutzutage ganzheitlich gedacht werden. Dies schließt nicht nur öffentliche Verkehrsmittel mit ein, sondern auch alternative Angebote. Daher legen auch wir als Verkehrsverbund Tirol neben den klassischen Mobilitätsangeboten wie Bus und Bahn, einen verstärkten Fokus auf innovative, flexible und vor allem auch bedarfsorientierte Konzepte. Als Beispiele lässt sich hier die Einbindung von Rufbussen, Anrufsammeltaxis, E-Carsharing, E-Bikes in unser Angebot nennen. Diese neuen Mobilitätsformen gilt es dann mit den bestehenden Lösungen zu vernetzen. Doch nicht nur das Angebot, sondern auch der Vertrieb muss ständig weiterentwickelt werden. Die Bedürfnisse unserer KundInnen sind unser täglicher Auftrag. Die Digitalisierung hilft uns dabei, den Tirolerinnen und Tirolern das Öffi-Angebot im Land noch einfacher, umfassender, transparenter, flexibler und schneller zugänglich zu machen. Zwei Beispiele dafür sind die VVT SmartRide App für die digitale Fahrplanauskunft in Echtzeit und der neue VVT Ticketshop, ein moderner Onlineshop mit Bestpreisgarantie. Dieser bietet eine moderne Infrastruktur zum bequemen und schnellen Öffi-Ticketkauf von überall und bindet gänzlich neue Angebote wie beispielsweise die Flexi-Rate, ein unschlagbar günstiges Angebot für GelegenheitsfahrerInnen, mit ein. Über 125.000 VVT-StammkundInnen geben uns Recht. Wir sind in den letzten Jahren ein gutes Stück vorangekommen, aber noch lange nicht am Ziel. Die Mobilitätsleistungen in Tirol wurden in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Wir arbeiten kontinuierlich daran, das Öffi-Angebot in Tirol noch weiter zu verbessern, den Zugang zu nachhaltiger Mobilität noch mehr zu erleichtern und immer noch mehr Menschen zum ein- und umsteigen zu motivieren. Damit sind wir im Tourismusland Tirol auf einem guten Weg, den wir weiterverfolgen werden. Das ist aber nur möglich, weil wir auf ein starkes Netz aus Partnern und Stakeholdern setzen können. Dazu gehören die Tourismusverbände ebenso wie die Gemeinden, Planungsverbände, Bergbahnen und Verkehrsunternehmen. www.vvt.at

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VOLVO CUBE SORGT FÜR SCHUB Der Autopark ist seit September Nordtirols einziger Volvo-Neuwagenhändler. Um diesem Vertrauensbeweis auch äußerlich gerecht zu werden, investiert Firmeninhaber Michael Mayr rund 1,5 Millionen Euro in einen modernen Volvo Cube in Innsbruck. TEXT: BRUNO KÖNIG

Freuen sich über eine gemeinsame Zukunft, v. r.: Autopark-Inhaber Sonja und Michael Mayr, Volvo-Austria-Manager Loïc Claude, Volvo-Pressesprecherin Karin Stalzer, Autopark-Volvo-Markenleiter Marco Warger und AutoparkGesamtverkaufsleiter Micha E. Hauser.

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Insgesamt investiert der Autopark am Langen Weg 1,5 Millionen Euro in den Volvo Cube.

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xpansion war schon immer unsere Strategie, um erfolgreich zu sein“, betonte Autopark-Inhaber Michael Mayr anlässlich der Pressekonferenz zum neuen Volvo Cube. Und in der Tat entwickelte sich das Unternehmen in den letzten 15 Jahren zu einem Vorzeigebetrieb mit mittlerweile fünf Standorten, einem Umsatz von 100 Millionen Euro und 250 Mitarbeitern. Neben der Inhaberfamilie und dem gesamten Autopark-Volvo-Team reisten auch Volvo-Österreich-Manager Loïc Claude, Regionalmanager Fabian Dries und Pressesprecherin Karin Stalzer eigens nach Innsbruck, um die erfreulichen Nachrichten zu überbringen. „Im Namen von Volvo-Cars Austria bedanke ich mich herzlichst bei Sonja und Michael Mayr für den bisherigen Einsatz und den unternehmerischen Mut, auch in Zukunft in unsere Marke zu investieren“, so Claude.

TRAUMPLATZ Der Volvo Cube am Standort Innsbruck wird nicht nur den modernsten Anforderungen und allen CI-Richtlinien der schwedischen Marke entsprechen, sondern auf einem wahren Traumplatz errichtet werden. „Nach einigen Überlegungen haben wir uns dazu entschlossen, den neuen Volvo Cube ganz prominent zwischen dem Langen Weg und der Bernhard-Höfel-Straße zu bauen“, berichtet Mayr stolz und meint mit einem Augenzwinkern: „Mercedes-, BMW- und Audifahrer werden staunen, wie hell der Volvo Cube am Abend leuchtet.“ Der Baustart für den rund 300 Quadratmeter großen Cube wird bereits in einigen Wochen erfolgen, die Eröffnung ist für Ok-

tober 2020 geplant. In Summe entstehen fünf Präsentationsflächen, mehrere Arbeitsplätze, eine Lounge und ein Servicebereich.

POSITIVE ENTWICKLUNG

„Der Autopark und Volvo ist eine Erfolgsgeschichte. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen an den Standorten Innsbruck und Wörgl insgesamt 206 Volvos verkaufen. Auch heuer sind wir mit bis dato mehr als 140 Stück voll auf Kurs und das bei einem insgesamt rückläufigen Markt. Mit der Errichtung des Cube wollen wir unsere Tiroler Kunden noch besser betreuen und viele neue von der Marke Volvo überzeugen“, betonte Gesamtverkaufsleiter Micha E. Hauser abschließend. FOTOS: © AUTOPARK, BRUNO KÖNIG


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genuss & trends

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Nostalgie & Moderne Der Schweizer Uhrenhersteller Rado präsentierte kürzlich seine Neuzugänge zur bestehenden Captain-Cook-Kollektion. Die schwert- und pfeilförmigen Zeiger sowie das gewölbte Zifferblatt sind eine Remineszenz an das Original aus dem Jahr 1962. Auch die konkave drehbare Lünette wurde vom Original übernommen, ist heute jedoch aus langlebiger Hightech-Keramik hergestellt. Das Acrylglas der Ursprungsvariante wurde durch Saphirglas ersetzt. Insgesamt bietet die Kollektion drei unterschiedliche Modelle mit Zifferblättern in Blau, Schwarz oder Grün, mit Leder- oder Stahlband. Oben: Rado Captain Cook mit braunem Velorslederband um 2.030 Euro, links eine Limited Edition um 2.130 Euro. Rado erhältlich unter anderem bei Juwelier Witzmann in Innsbruck.


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Durchblick Coblens fertigt aus tiefer Leidenschaft für Design und höchste Handwerkskunst (Sonnen)Brillen in Manufakturqualität. Manchmal mutig, auf jeden Fall immer hochwertig. Und von zeitloser Ästhetik. Nichts wird dem Zufall überlassen. Gefunden haben wir die Brillen in Tanja Schaffenraths „Sehenswert“ in Wattens und uns nicht nur auf Anhieb in die Modelle an sich verliebt, sondern auch in deren Namen: Im Bild das Modell „Autotelefon“ in Silber poliert. 389 Euro.

O H , G AT S E ! Erwin Schrödinger war schon ein Hund, als er mit dem Gedankenexperiment um seine Katze um die Ecke kam. Ob das Viech lebt oder tot ist, erörtern wir im Beitrag auf Seite 56, der Gin dazu jedenfalls ist höchst lebendig. Die14 Botanicals machen ganz nett was her, im Vordergrund steht eine frische Zitrusnote. Und falls er der ein oder anderen doch ein bisschen zu würzig ist, dann macht sich immerhin das Etikett gut im Regal. 33,90 Euro für 0,5 Liter. www.weisshaus.at

SCHLÜSSELKIND Mal ehrlich: Wie viel Zeit verbringt ihr damit, eure Schlüssel irgendwo zusammenzuklauben, Ladys?! Generell ist man ja viel zu viel damit beschäftigt, irgendetwas in seiner Tasche zu suchen. Mit dem Schlüsselhalter von orbitkey ist dieses Problem zwar nicht gänzlich zu lösen, aber immerhin sind die Schlüssel schon mal gut aufgehoben und hübsch verstaut. Und sie klappern nicht mehr, weil der Schließmechanismus jeden Schlüssel an seinem Platz hält. Trotzdem bekommt man ihn auf Anhieb unkompliziert herausgezogen. Für Männer neu ist die „Crazy Horse Collection“ aus robustem Leder, das durch seine Behandlung mit Spezialwachs im Laufe der Zeit eine schöne Patina entwickelt, für Damen gefällt uns die Kombination aus Roségold mit dezentem Hellgrau. So lassen sich bis zu sieben Schlüssel problemlos auch in der kleinsten Clutch verstauen. Um je 39,95 Euro bei Petra Kaminsky in Hall.

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LASS DIE SONNE REIN Besonders wenn's draußen wieder kälter wird, werden wir zu Teetrinkern. Richtig gern mögen wir die Varianten von Sonnentor, die in den beiden Versionen „Lebkuchen Zeit“ und „Zimt Zauber“ schon den ersten Hauch von Weihnachten in die Tasse bringen. Und ja-ha ... wir wissen, es ist noch etwas früh, wollen damit aber auch ganz subtil anklingen lassen, dass es bald Zeit wird, sich über die Geschenke Gedanken zu machen. Die Geheimzutat der beiden Tees sind jedenfalls aromatische Biogewürze, die Schluck für Schluck für Freude sorgen. In „Lebkuchen Zeit“ etwa findet sich gerösteter Buchweizen von einem österreichischen Biobauern. Tipp: Neben winterlichen Desserts begleitet der Tee auch ganz wunderbar würzige Currys. Der „Zimt Zauber“-Mischung indes verliehen nussige Kokosflocken und das süße Brombeerblatt besondere Aromen. Je 3,89 Euro.

REDEWENDUNG DER AUSGABE: NUR BAHNHOF VERSTEHEN nichts verstehen oder verstehen wollen

HERKUNFT: Sie stammt aus dem Ersten Weltkrieg. Für die kriegsmüden Soldaten wurde der Bahnhof zum Symbol des Heimaturlaubs. Jedes Gespräch, das sich nicht auf Fronturlaub oder Heimat bezog, wurde mit dieser Redensart abgebrochen: „Sei still, ich versteh eh nur Bahnhof.“


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LASS MAL, MENSCH „Ein Roboter wird dir niemals das Herz brechen“, sagte die Psychologin Sherry Turkle. Er kann aber sehr wohl das Herz erfreuen: Von Menschen und Maschinen, ihrer Beziehung zueinander und warum wir darüber reden sollten, bevor das Reden verlustig geht. TEXT: SONJA NIEDERBRUNNER

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er Zweck von Maschinen ist Effizienz. Sie erleichtern Dinge, nehmen Arbeit ab, sie unterhalten aber auch. Es scheint nun so, als würden immer mehr Menschen das Menschsein selbst als Arbeit empfinden. Das miteinander Sprechen und Kommunizieren, das Trösten, Lieben, Leiden, Freuen, Erleben und noch vieles mehr, was uns als Menschen ausmacht. Der Zweck von Maschinen verändert sich vor diesem Kontext – es geht immer mehr auch um Effizienz im Menschlichsein. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Psychologin Sherry Turkle vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit den Folgen der Digitalisierung. „Ein Roboter wird dir niemals das Herz brechen“, sagt sie. Ein Roboter kann es aber sehr wohl trösten. „Das Gefühl, dass niemand mir zuhört, bringt uns dazu, mehr Zeit mit Maschinen zu verbringen, die sich scheinbar um uns kümmern. Wir entwickeln Roboter, sie werden soziale Roboter genannt, die speziell dafür konstruiert sind, Gefährten zu sein – für Senioren, für unsere Kinder, für uns. Haben wir so sehr das Vertrauen darin verloren, dass wir füreinander da sein werden?“, referiert Turkle in einem Vortrag und erzählt davon, wie sie im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit untersuchte, inwieweit diese sozialen Roboter Menschen ein Gefühl geben können. Dabei beobachtete sie eine Frau, die ihr Kind verloren hatte und mit einem Roboter in Form eines Seelöwenbabys redete. „Während die Frau in ihrem robotischen Begleiter Trost fand, fand ich es gar nicht verblüffend, ich empfand es als einen der herzzerreißendsten, schwierigsten Momente in meiner Arbeit.“

„Wir entwickeln Roboter, die speziell dafür konstruiert sind, Gefährten zu sein. Haben wir so sehr das Vertrauen darin verloren, dass wir füreinander da sein werden?“ SHERRY TURKLE

117 Hinter diesem Erlebnis steht etwas anderes, eine Erkenntnis, die erschreckend ist. „Die Leute erleben vorgetäuschtes Einfühlungsvermögen so, als wäre es das Original. Wir erwarten mehr von der Technologie und weniger voneinander. Und ich frage mich: Wie sind wir hier bloß hingekommen? Ich vermute, es liegt daran, dass die Technologie uns dort am meisten anspricht, wo wir am verwundbarsten sind. Und wir sind alle verwundbar. Wir sind einsam, aber wir haben Angst vor Intimität. Und so entwickeln wir von sozialen Netzwerken bis hin zu sozialen Robotern Technologien, die uns die Illusion von Begleitung geben, ohne die Forderungen einer Freundschaft.“

NEBENWIRKUNG

Das mag futuristisch klingen, doch die vermeintlich weit entfernte Zukunft liegt meist wesentlich näher als man sie verortet. Und wenn Zukunft nicht zumindest im Groben geplant oder gedacht wird, sondern einfach passiert, im Sinne dessen, dass man sich nicht mit möglichen (Neben-)Wirkungen gewisser Entwicklungen beschäftigt, können dieselben ein Eigenleben entwickeln, das vielleicht nutzen mag, aber eben auch schaden kann. „Aufgrund der technischen Fortschritte innerhalb der letzten zehn bis 20 Jahre entwickelte sich ein neues interdisziplinäres

Forschungsfeld, das sich mit der aktiven Gestaltung der Mensch-Roboter-Beziehung an der Schnittstelle zwischen Technologie und Mensch beschäftigt: die Mensch-Roboter-Interaktionsforschung. Die Annahme, das vorrangige Ziel des Forschungsfeldes sei es, möglichst menschenähnliche Roboter zu entwickeln, um emotionale Bindungen zu Maschinen zu ermöglichen, ist ein oft wiederkehrendes Missverständnis“, schreibt Astrid Weiss vom Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der TU Wien (OCG Journal, 11-2018). Das vorrangige Ziel ist es vielleicht nicht, doch ein Nebeneffekt, ob gewollt oder nicht. Bereits seit 2009 gibt es mit dem „International Journal of Social Robotics“ eine wissenschaftliche Zeitschrift, die das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine zum Inhalt hat. Man liest dort unter anderem auch über künstliche Empathie. Die Entwicklungen sind rasant und dennoch schleichend. Wir leben mit Maschinen, mit Robotern und tun es auf immer selbstverständlichere Weise. Ob Siri am Smartphone, Alexa im Wohnzimmer, BUDDY als Kumpel für den Alltag oder der Sexroboter im Bett – was gestern noch unmöglich schien, nicht nur in technologischer Hinsicht, zumindest für all jene, die sich nicht thematisch intensiv damit beschäftigen, sondern auch in Hinblick auf


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moralisches Verständnis, ist heute salonfähig. Roboter sind Teil eines Lebens geworden, das zuvor den Menschen vorbehalten blieb, maximal noch begleitet von Hund und Katz. Wenn Roboter menschlich werden im Sinne dessen, dass sie Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen, die uns als Menschen definieren, was macht dann der Mensch mit sich selbst? Wenn künstliche Intelligenz die natürliche übertrifft, wenn sie jene Probleme löst, die wir Menschen nicht lösen konnten oder wollten? „Menschen definieren ihre Lebensqualität weitgehend über ihre Tätigkeit. Wie lebt es sich in einer Welt, in der Roboter alles besser können als Menschen?“, fragen Justus Piater und Emre Ugur im Beitrag „Roboter für Menschen – Menschen für

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Roboter“ (in: „Körperphantasien: Technisierung – Optimierung – Transhumanismus“ von Andreas Beinsteiner, Tanja Kohn). „Was gibt es noch für Menschen zu tun? Was bleibt übrig, wenn unsere Leistungsgesellschaft in sich zusammenfällt? Wofür und wovon werden wir leben? Was erhält den Lebensstandard auf breiter Basis aufrecht, wenn menschliche Arbeitsleistung nichts mehr wert ist? Was folgt, wenn KI für Menschen angenehmere Sozialpartner werden als Menschen?“

ANGEFREUNDET

So abwegig ist die Vorstellung nicht. Bereits heute befassen sich die meisten mehr mit ihren Smartphones als mit ihrem Gegenüber,

„Was folgt, wenn KI für Menschen angenehmere Sozialpartner werden als Menschen?“ JUSTUS PIATER UND EMRE UGUR (IM BEITRAG „ROBOTER FÜR MENSCHEN – MENSCHEN FÜR ROBOTER“)

schicken lieber Sprachnachrichten als dass sie telefonieren, setzen ihren Kindern eine sprechende und tanzende Katze vor, denn die macht keine Arbeit – und auch das Kind hat Freude mit einem Ding, zu dem es eine emotionale Beziehung aufbaut. Und nicht nur das Kind. Wir Menschen leiden mit, sogar mit unbeseelten Dingen. Der Kommunikationsforscher Clifford Nass von der Stanford University fand heraus, dass wir im Umgang mit Computern dieselben sozialen Regeln befolgen wie unter Menschen. Mussten Benutzer beispielweise die Leistung eines Lerncomputers beurteilen, waren sie milder in der Bewertung, wenn sie diese am Bildschirm des betreffenden Computers abgaben statt auf Papier. Sie hatten Hemmungen, dem Computer die Wahrheit zu schreiben. Als an einer Universität in Kalifornien ein Kurierroboter, der Essen auslieferte, durch einen Defekt ausbrannte, zündeten die Studenten Kerzen an der Unfallstelle an. So absurd und schräg das alles klingen mag, ertappt man sich mitunter doch vielleicht selbst dabei, dass man Dingen Seele verleiht. Wenn der Saugroboter Herbert heißt und man Abschiedsschmerz empfindet, wenn das alte Auto entsorgt wird beispielsweise. Das alles klingt recht niedlich. Doch Roboter eröffnen tatsächlich Chancen. So hat etwa Kerstin Dautenhahn von der University of Hertfordshire den Roboter Kaspar entwickelt, der Kindern mit Autismus helfen soll, und auch in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten kommen Roboter zum Einsatz. Roboter machen aber ebenso eine Tür auf in Bereiche, die man mit Menschen nicht ausleben darf oder will. Die Frage ist, welche Auswirkungen dieses „nicht reale“ Leben auf das reale haben wird. Maschinen und Roboter haben unseren Alltag bereits komplett verändert, unser Umgang mit ihnen hat unseren Umgang miteinander verändert. „Ich bin immer noch begeistert von Technologie, aber ich glaube, dass wir uns von ihr an Orte führen lassen, wo wir nicht hinwollen“, sagte Sherry Turkle in einem Interview 2011. Zumindest wollten wir es damals nicht. Doch das Wollen verändert sich mit dem Angebot und vor allem mit der Gewöhnung daran – dann, wenn die Skepsis der Begeisterung weicht, wenn aus einem „Wozu braucht man das?“ ein „Ich muss das haben“ und irgendwann zu einem „Das war schon immer so“ wird. Dabei haben wir sie doch ursprünglich gar nicht gewollt – die Maschinen, die den Menschen erlösten von diesem mühseligen Miteinander.


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GIN-SALABIM! Vom Brot zum Prost: Bereits seit Längerem verwertet die Bäckerei Therese Mölk altes Brot unter anderem zu Bier und Gin – was wir generell schon für eine wunderbare Idee halten. Und sie ist auch noch sinnvoll. Kürzlich hat das Unternehmen dafür seine eigene Brennerei gebaut. REDAKTION: MARINA BERNARDI


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m Anfang stand eine clevere Idee: Friedrich und Mathias Mölk, der ehemalige und aktuelle Leiter der Bäckerei Therese Mölk, dachten, ihr Brot von gestern sei doch eine ausgezeichnete Basis, um einen Gin nach Tiroler Art zu brennen. Dachten’s und haben’s getan.“

EIN GEDANKE FÜR DEN KESSEL

Es gibt Ideen, die sind tatsächlich für die Tonne. Und dann gibt’s welche, die landen im Kessel. Unter dem Motto „Flasche. Statt.Tonne.“ entwickelt die Bäckerei Therese Mölk seit 2015 mit lokalen Partnern immer wieder einzigartige Lösungen zur sinnvollen Verwendung von altem Brot und dem Ausschuss des Betriebs. Therese Mölk ist die erste „Bisher konnten wir auf diese knapp 64.000 Kilogramm Großbäckerei Österreichs mit Art Brot vor der Mülltonne reteigener Brennerei. ten“, sagt Mathias Mölk. Wenn man bedenkt, dass in Österreich jedes fünfte Stück Brot im Abfall landet, ist das eine beachtliche Idee. „Wir versuchen auch bereits in der Bäckerei durch genaue Planung und modernste Anlagen Ausschussware zu vermeiden – aber ganz gelingt uns das nicht“, sagt Mölk. Nun hat man daraus einen eigenen Geschäftszweig gemacht. Seit 2016 wird in Kooperation mit den Jungs der Unterländer Brauerei Bierol das Brotbier „Baker’s Bread Ale“ hergestellt. Beim Maischen ersetzt Weißbrot ein Drittel des Braumalzes. Das Malz und rund 50 Kilo Brot pro 1.000 Liter liefern die Stärke, die beim Brauprozess in vergärbaren Zucker umgewandelt wird. Heraus kommt ein starkes Craft-Bier mit feiner, malziger Duftnote und fruchtigen Hopfenaromen. Quasi zur selben Zeit kam mit „Herr Fried-

rich“ ein hochwertiger Gin auf den Markt. Die vom ehemaligen Bäckereileiter Friedrich Mölk entwickelte Tiroler Variante des Trendgetränks auf Basis von Brot wurde von Falstaff mit 92 Punkten zu den fünf besten Gins Österreich gewählt. Sein Rezept verrät der Namensgeber nicht – das wär auch zu schön gewesen –, aber doch so viel: In 400 Flaschen Gin stecken 1.000 Kilogramm Brot von gestern. Für die Mazeration werden sehr viele unterschiedliche Gewürze verwendet, der Hauptbestandteil ist natürlich Wacholder. Im Jahr 2018 kam „Frau Rosis Ansatz“ dazu. Toni Rosetti, einer der besten Schnapsbrenner Tirols, unterstützte bei der Umsetzung der Ideen. Und dass Therese Mölk etwas von feiner Optik versteht, wissen wir sowieso.

BÄCKEREI THERESE MÖLK

Die Bäckerei Therese Mölk ist ein 2013 neu errichteter Produktionsbetrieb der Firma MPREIS in Völs. Nach der Philosophie „Natur. Handwerk. Zeit. Sonst nichts." wird pures Brot ohne künstliche Zusatzstoffe wie anno dazumal gebacken. Jährlich werden in der Bäckerei rund 12.000 Stück Brot und Gebäck aufbereitet und an die MPREIS-Supermärkte und Baguette-Brotfachgeschäfte in Tirol, Salzburg, Kärnten, Vorarlberg und Südtirol geliefert. Nachhaltigkeit ist ein elementarer Teil der Unternehmensphilosophie. Durch modernste Technologien können 40 Prozent Energie gespart werden, man betreibt ein eigenes Blockheizkraftwerk, eine Photovoltaikanlage am Dach und an der Fassade fängt jedes Jahr über 800.000 Kilowattstunden Sonne ein. www.therese-moelk.at

Herzlichen Glückwunsch zur neuen Brennerei!

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Wird zwar nicht gebrannt, aber von der Bäckerei Therese Mölk gemeinsam mit Bierol gebraut: Seit 2016 wird mit dem „Baker’s Bread Ale“ aus altem Brot ein Bier mit feiner, malziger Note und fruchtigen Hopfenaromen.

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Schauten sich bei der Eröffnung der Brennerei alles ganz genau an: Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe, Gudrun Prechtl (Leiterin der Abteilung Energie und Umwelt bei MPREIS), Stefanie Graber (Leitung Marketing & Kommunikation, Bäckerei Therese Mölk/MPREIS), Mathias Mölk, der Völser Bürgermeister Erich Ruetz, Friedrich Mölk und Schnapsbrenner Toni Rosetti.

SELBST GEBRANNT So viel Nachhaltigkeit kommt gut an, deshalb hat sich die Bäckerei Therese Mölk dazu entschieden, ihr Hochprozentiges künftig selbst zu brennen. Anfang September wurde die hochmoderne, hauseigene Brennerei eröffnet. Hier wird ab sofort Brot zu hochprozentigem Alkohol und dieser in Folge zu Gin und Ansatzschnaps verarbeitet. In der neuen Brennerei können die Spirituosen nun direkt und ohne zusätzliche Transportwege in der Bäckerei hergestellt werden. Damit ist Therese Mölk die erste Großbäckerei in Österreich, die in großem

Stil die Idee, aus altem Brot alkoholische Getränke herzustellen, umsetzt und mit der eigenen Destillationsanlage konsequent weiterführt. Für die Maische wird das Brot zuerst verzuckert und vergoren. Das dauert rund eine Woche. Aus einer Maische mit zirka 100 Kilo Brot können etwa 12,5 Liter hochprozentiger Alkohol gebrannt werden. Die vergorene Maische kommt dann in den Brennkessel (= Brennblase) und wird durch heißen Wasserdampf erhitzt. Alkohol (Ethanol) steigt als Dampf auf und gelangt in die so genannte Verstärkerkolonne. Hier findet ein zusätzli-

„Durch die neue Brennerei können wir große Mengen an Altbrot wiederverwerten. Das Schöne daran ist, dass die Maischereste wiederum zu einem eiweißreichen Brot verarbeitet werden können. So entsteht ein nachhaltiger Kreislauf.“ FRIEDRICH MÖLK

„Altes Brot oder Ausschussware in die Tonne zu schmeißen oder zu Tierfutter zu verarbeiten passt nicht in unsere Firmenphilosophie.“ MATHIAS MÖLK

cher Reinigungsvorgang statt, um ein sauberes Produkt zu erhalten. Der alkoholhaltige Dampf wird dann im Kühler in flüssigen Alkohol verwandelt und in Vorlagebehältern aufgefangen. Hier findet eine Trennung zwischen Vorlauf und dem Feinbrand, dem Herzstück, statt. Die hochwertige Flüssigkeit hat etwa 88 Prozent Alkoholgehalt, wird in einem 100-Liter-Behälter gesammelt und anschließend zur weiteren Verarbeitung zu Gin oder Ansatzschnaps in große Nirobehälter gepumpt. Letztlich kommen als Ergebnis des aufwändigen Verfahrens Herr Friedrich und Frau Rosi ins Regal und damit jede Menge Spaß für den Konsumenten. Erhältlich sind alle Produkte – auch das Bier – bei MPREIS und T&G. FOTOS: © BÄCKEREI THERESE MÖLK, PATRICK SARINGER


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STIL VERBINDET Wenn zwei Partner fünfzig gemeinsame Jahre vereinen, dann ist das nicht nur eine Sache des guten Stils, sondern auch ein Zeichen der Freundschaft. B&B Italia und Wetscher verbindet eine langjährige geschäftliche und freundschaftliche Beziehung, man kann fast sagen: eine Symbiose aus italienischem Design und feinster Tiroler Handwerkskunst. I N T E RV I E W : D O R I S H E LW E G

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FOTOS: © WETSCHER/FRIEDLE

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s wären nicht die Wetscher Wohnwelten, wenn hier nicht dieses besondere Etwas in der Luft läge, dieses Wohlfühlambiente, das einen als Besucher sofort in den Bann zieht. Sich als Bewohner in seinen eigenen vier Wänden wohlzufühlen und sich wiederzufinden, das ist das große Bestreben von Einrichtungsexperte Martin Wetscher. Wohl fühlten sich die Gäste auch bei der jüngsten Feierlichkeit im Hause Wetscher: der Eröffnung der aktuellen Ausstellung von B&B Italia, bei der die neuesten Exponate von der Mailänder Messe präsentiert wurden. Gefeiert wurde gleichzeitig auch die 50-jährige Geschäftsbeziehung der beiden Häuser, die in ihrer Jahrzehnte währenden Zusammenarbeit der Anspruch auf Design und höchste Qualität eint. Wir durften Giorgio Busnelli bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Präsident von B&B Italia und Gastgeber Martin Wetscher im Rahmen des Events auf einer bequemen Weltneuheit, dem Sofa Apollo aus der Linie Maxalto, zum Gespräch bitten.

B&B Italia ist weltweit erfolgreich und wird in über 80 Ländern der Welt verkauft. Wie konnte ein Möbelhersteller aus Italien den weltweiten Möbelmarkt so schnell erobern? MARTIN WETSCHER: B&B war das Unternehmen, das Möbel quasi neu erfunden hat. Während andere noch mit Holz gebaut und gepolstert haben, wurden bei B&B Möbelstücke von Designern entworfen und als geschäumte Modelle produziert. GIORGIO BUSNELLI: Es war die Vision meines Vaters Piero Ambrogio Busnelli, Möbel in einem völlig neuen, industriellen Prozess herzustellen. Seine Idee war, anstatt eines Holzrahmens einen Stahlrahmen in einem Modell rundum zu schäumen. Damit war die starre Form eines Sofas Geschichte, Designer konnten völlig frei mit ganz neuen Formen experimentieren. Einige davon sind zu Klassikern geworden. Diese damals revolutionäre Technologie ist auch heute noch, ECO.NOVA:

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„Während der letzten 20 Jahre kann man sagen: Wenn ein Produkt erfolgreich ist, ist es das weltweit.“ GIORGIO BUSNELLI, B&B ITALIA

ein halbes Jahrhundert danach, beinahe identisch. Mit neuen Designs und industrieller Fertigung sind wir dann ziemlich rasch in die Welt hinausgegangen. Wir begannen in Japan, wo anfangs alle Produkte um zehn Prozent kleiner gefertigt wurden; Brasilien, Spanien und USA folgten in kurzer Zeit. So kann man fast sagen, wir wurden international geboren. Damals lag die Exportquote jedoch noch bei 40 Prozent, heute liegt sie bei 88. Zur Stärkung der Marke haben wir im Jahr 2000 begonnen, den B&B-Lifestyle in eigenen Flagshipstores in zahlreichen Metropolen der Welt zu präsentieren.

B&B hat also mit einer vollkommen neuen Produktionstechnik den Möbelmarkt revolutioniert? BUSNELLI: Diese neue Technologie war tatsächlich bahnbrechend und eröffnete Designern und Architekten völlig neue Möglichkeiten, die vorher produktionstechnisch nicht möglich waren. Die Designs waren international und konnten in großen Stückzahlen produziert werden. WETSCHER: B&B war immer schon seiner Zeit voraus. Nicht nur diese neue Technologie und die Designs waren revolutionär. B&B ging auch neue Wege in


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aufsehenerregenden Werbelinien oder zum Beispiel mit der Kreation des Sesselmodells „Up“, der in einer Pizzaschachtel ausgeliefert wurde und sich nach dem Öffnen selbständig „aufgebacken“ hat.

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B&B arbeitet sehr eng mit internen wie externen Architekten und Designern wie Mario Bellini, Antonio Citterio, Gaetano Pesce, Paolo Piva und Patricia Urquiola zusammen. Wie hat es B&B Italia geschafft, trotzdem einen so unverwechselbaren und unverkennbaren Stil zu entwickeln? BUSNELLI: Diese Zusammenarbeit ist ein sehr langer Prozess, ein Prozess des Vertrauens. Wenn der Designer eine Idee hat, glaubt er ja an seine Kreation und meint: Das ist es jetzt. Und dann komme ich und sage: Nein, das ist es noch lange nicht. Natürlich muss jedes Produkt, das unser Haus verlässt, auch unsere Handschrift tragen. Ich vergleiche diesen Prozess immer mit einer Schwangerschaft: Der Designer ist der Vater, unsere Research&Development-Abteilung die Mutter, die das „Produkt“ bis zur perfekten Marktreife heranführt. Welche Produkte sind vor allem im Export besonders erfolgreich? BUSNELLI: Während der letzten 20 Jahre kann man eigentlich sagen: Wenn ein Produkt erfolgreich ist, ist es das weltweit. Die Produkte und Designs werden auch zeitloser. So wählte zum Beispiel der 2017 eröffnete Apple Park in Cupertino im kalifornischen Silicon Valley – bislang das größte Bauwerk der Welt und vom britischen Stararchitekten Norman Foster geplant – für seine insgesamt 600 Loungebereiche unsere Sofaserie Charles, die bereits seit über 20 Jahren auf dem Markt ist – ein Beispiel zeitlosen und weltweiten Stils.

Welche in Tirol? WETSCHER: Bei unseren Kunden sind alle B&B- und Maxalto-Produkte gleichermaßen beliebt. Wir verkaufen nicht nur Möbelstücke, sondern versuchen immer für den Bewohner persönlich zugeschnittene Wohnwelten zu schaffen. B&B- und Maxalto-Stücke lassen sich in ihrer zeitlosen Eleganz perfekt kombinieren. Es gibt Kunden, die haben B&B-Modelle seit Jahrzehnten zu Hause stehen.

Wetscher war das erste Tiroler Unternehmen, das B&B-Produkte importierte. Wann und wie haben Sie

„Klassische Designerstücke sind zeitlos elegant und lassen sich ideal kombinieren. Man darf mittlerweile aber auch wieder erkennen, wo man lebt.“ MARTIN WETSCHER

damals zusammengefunden und begann Ihre Zusammenarbeit? WETSCHER: Mein Vater Hansjörg Wetscher entdeckte auf seinen damaligen Italienreisen die Sofas und verliebte sich sofort in diese zukunftsweisenden Entwürfe. Später dann, als ich mit meinem Onkel auf Messebesuchen war, erinnere ich mich an Piero Ambrogio Busnelli als eine der charismatischsten Persönlichkeiten in der Möbelwelt. Tatsächlich waren wir die ersten exklusiven Händler für B&B-Produkte in Tirol, wenn nicht in ganz Österreich. Das Händlernetz ist auch heute noch sehr exklusiv und wir sind stolz auf 50 gemeinsame Jahre. Welche gemeinsamen Werte verbinden die beiden Unternehmen? BUSNELLI: Es gibt nur sehr wenige Geschäftspartner auf der Welt, die ich so gerne besuche. Ein Haus von ähnlicher Faszination, Inspiration und Qualität eines „Wetscher“ gibt es nur sehr selten. Uns verbindet die Liebe zur Arbeit, der persönliche Enthusiasmus, etwas zu kreieren, personalisierte Wohnwelten zu schaffen. Wenn ich ein Haus einrichten würde, würde ich es im Chaletstil von Martin Wetscher einrichten lassen, denn ich kenne sonst niemanden, der es so perfekt versteht, das Haus mit einer persönlichen Note zu versehen. Einrichten und Wohnen ist eine Frage des Stils. Hat Stil in unserer heutigen Gesellschaft noch regionalen Charakter oder gibt es hier immer mehr internationale Standards? Oder eine Mischung aus beidem? BUSNELLI: Stil und Geschmack sind international. Die Farbwahl kann sich regional schon unterscheiden. WETSCHER: Es kommt darauf an. Klassische Designerstücke sind zeitlos elegant und lassen sich ideal kombinieren. Man darf mittlerweile aber auch wieder erkennen, wo man lebt. Ein Wohnraum in den Alpen wird Designerstücke mit anderen Materialien – etwa Holz – kombinieren als ein Haus am Meer. Es kommt eben immer auf den persönlichen Lebensstil an.


IM GESPRÄC

news & events

Hannes Fender (Bürgermeister von Pill), Christl Obwieser, Ludwig Obwieser, Jamie Obwieser, Christian Obwieser, Doris Obwieser und Landeshauptmann Günther Platter

127 50 JAHRE EGLO Über 700 Gäste aus 38 Nationen waren zum Galaabend von Eglo geladen. Und Grund zu feiern gab es allemal: Der Aufstieg der Tiroler Traditionsfirma begann nämlich vor genau 50 Jahren. 1969 von Ludwig Obwieser gegründet, ist das Unternehmen nach wie vor familiengeführt. Heute ist Eglo einer der weltweit führenden Hersteller im Bereich der dekorativen Wohnraumbeleuchtung und verkauft seine Lichtlösungen in 132 Ländern auf allen Kontinenten der Welt. Anfang September wurde also ausgiebig gefeiert. Vor der Zentrale von Eglo in Pill war dafür ein 2.800 Quadratmeter großes Festzelt aufgebaut. Die Gäste erwartete ein landesüblicher Empfang mit 60 Schützen und Musikanten, umfangreiches Entertainment mit akrobatischen Darbietungen, Moderation durch ORF-Moderatorin Kristina Inhof, Konzerte von „Wir vier“ und „The Highlights“ und ein abschließender Feuerzauber. Tags darauf lud Eglo zum Tag der offenen Tür, bei dem die Schauräume mit ihren rund 5.000 Produkten geöffnet wurden – Jubiläumsrabatte inklusive. Dazu gab‘s Showacts, Livemusik, ein abwechslungsreiches Kinderprogramm und ordentlich Speis und Trank. WWW.EGLO.AT


© IVB/BERGER

im.gespräch

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PREMIERE Konsequenz, Konsequenz, Konsequenz: Diese Erfolgsformel gab Winzer und Investor Leo Hillinger den Teilnehmern des Forums Dienstleister in der Schleifhalle der Werkstätte Wattens mit auf den Weg. Unter dem Motto „20 Branchen, 1 Tag“ lud die Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister ihre Mitgliedsbetriebe ein, sich über die Herausforderungen der Zukunft zu informieren. Die Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister in der Wirtschaftskammer Tirol zählt mehr als 2.000 Mitglieder aus 20 Berufsgruppen. Österreichweit beschäftigen die gewerblichen Dienstleister mehr als 120.000 Arbeitnehmer und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 6,5 Milliarden Euro.

Stefan Mair (Obmann des Tiroler Lebensmittelhandels), Alexander Jeschow (MPREIS) und Matthias Pöschl (Geschäftsführer der AMTirol)

GENUSSTOUR Noch bis 31. Oktober tourt das TischleinCheckDich-Team durch insgesamt 24 Tiroler Lebensmittelgeschäfte und beschert den Konsumenten Spielfreude und die Aussicht auf köstliche Gewinne. Das Kooperationsprojekt der Agrarmarketing Tirol und des Landesgremiums des Lebensmittelhandels der Wirtschaftskammer Tirol schafft mit unterhaltsamen Elementen Bewusstsein für regionale Produkte. Auch online gibt es über die TischleinCheckDich-App die Möglichkeit, Rabattgutscheine zu gewinnen.

N E U E S F R AU E N H AU S E R Ö F F N E T Mitte September eröffnete das neue Frauenhaus in Innsbruck. Ab sofort finden hier je 15 von Gewalt betroffene Frauen und Kinder Schutz in modernen und adäquaten Räumlichkeiten, in Akutfällen können drei weitere Personen hier Zuflucht finden. Zusätzlich gibt es nun auch geeignete Beratungs- und Therapieräume. Mit dem Neubau ist das Frauenhaus außerdem erstmals barrierefrei erreichbar. DIE FRAUENHELPLINE IST RUND UM DIE UHR ZUM NULLTARIF UNTER 0800/222 555 ERREICHBAR. INFOS AUCH UNTER WWW.GEWALTFREI-TIROL.AT.

© T HOMAS WUNDERLICH

TIGEWOSI-Geschäftsführer Franz Mariacher, Landesrätin Gabriele Fischer, FrauenhausGeschäftsführerin Gabi Plattner und Innsbrucks Vizebürgermeister Franz X. Gruber

VORMERKEN! Vielfältiger Genuss und besonderes Design: Das bietet die Messe Gustav in Dornbirn. Highlights beim siebten Salon für Konsumkultur sind Auftritte von Starkoch Roland Trettl und Foodtrend-Forscherin Hanni Rützler (Bild). Künstler Marcel Dengel zeigt seine vier Meter hohen MasiRati-Skulpturen und spektakuläre Reisefotografien. Rund 200 Aussteller präsentieren vor allem regionale und nachhaltige Produkte. Im Messequartier Dornbirn werden über 10.000 Besucher aus Österreich, Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz erwartet. Die Gustav startet am Freitag, 18. Oktober, um 18 Uhr mit der Preview und ist am Samstag und Sonntag, 19. und 20. Oktober, jeweils ab 10 Uhr ganztags geöffnet. Eintrittskarten sind um 20 Euro erhältlich.

© LAND TIROL/SIDON

Auch dieses Jahr steht bei Therese Mölk und Baguette der Oktober ganz im Zeichen der Brustkrebshilfe: Durch verschiedene Aktionen wird auf die Wichtigkeit der Früherkennung aufmerksam gemacht und es werden Spenden für die Krebshilfe Tirol gesammelt. Über ein Gewinnspiel via Instagram und die Therese-Mölk-Website können Interessierte ein Bild mit ihrer Art, das Leben zu lieben, teilen. Pro gepostetem Beitrag, der mit dem Hashtag #THERESEPINKRIBBON2019 veröffentlicht wird, spenden Therese Mölk und Baguette fünf Euro an die Pink-Ribbon-Aktion der Österreichischen Krebshilfe Tirol.


im.gespräch

Michael Gabl (Ärztlicher Direktor Sanatorium Kettenbrücke), Margarete Schramböck und Kettenbrücke-Geschäftsführerin Annette Leja Die Referenten und Vortragenden des 16. Wirtschaftsdialogs: Tilmann Wauer (Swarco), Felix Lee (EHang), Markus Mailer (Universität Innsbruck), Alexandra Medwedeff (VVT), Gerd Riegelhuth (Hessen Mobil), Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser, der Serfauser Vizebürgermeister Helmut Dollnig, Thomas Angerer, (Ummadum), Moderator Hendrik Hey, IVB-Geschäftsführer Martin Baltes und TirolerSparkasse-Vorstand Hans Unterdorfer

Sanatorium-Aufsichtsratsvorsitzender Franz Pegger mit Sr. Pauline Thorer (Generaloberin der Barmherzigen Schwestern)

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Andreas Puelacher (sportlicher Leiter der ÖSVHerren Ski Alpin) mit Skilegende Karl Schranz

Li.: Sparkassen-Vorstände Klaus Felderer, Christian Reingruber, Hans Unterdorfer, Claudia Höller, Walter Hörtnagl, Friedrich Anrain und Helmut Rainer Re. oben: Felix Lee (EHang/FACC) begeisterte das Publikum mit einem Flugtaxi, das in China bereits in Betrieb ist. Re. unten: Michael Tanzer von Leitner Urban Ropeways zeigte, wie Stadtseilbahnen sinnvoll eingesetzt werden.

M O B I L I TÄT A N D E R S D E N K E N

Die Unfallchirurgen Sebastian Heel, Jürgen Oberladstätter und Christian Deml

HERBSTFEST Alljährlich wird der Garten des Sanatorium Kettenbrücke zur Eventlocation. Auch heuer feierten Mitte September Ärzte und Mitarbeiter mit rund 500 Gästen das traditionelle Herbstfest. Mit „Gesundheit leben“ hat das Haus ein neues Motto gewählt, das bei der spätsommerlichen Feier präsentiert wurde. „Wir bringen all unsere Kompetenz ein, wenn es darum geht, die Gesundheit unserer Patienten zu fördern, erhalten oder wiederherzustellen“, erklärt Annette Leja.

Das Thema konnte nicht brisanter sein. Mit ein Grund, weshalb auch in diesem Jahr rund 500 Unternehmer der Einladung der Tiroler Sparkassen in die IVB-Remise zum Wirtschaftsdialog folgten. Dort präsentierten Experten Lösungen für nachhaltige Verkehrs- und Mobilitätskonzepte. Beispiele gefällig? Eine Seilbahn über Innsbruck? Mit dem Lufttaxi ins Urlaubsdomizil oder Lkw auf einem E-Highway? Was futuristisch klingt, ist bereits in der Gegenwart angekommen. „Die Mobilitätswende hat längst begonnen“, waren sich alle Experten einig. Der Verkehr muss zukünftig gestaltet und nicht nur verwaltet werden. Damit dies gelingt, bedarf es vieler regionaler und überregionaler Maßnahmen. Hans Unterdorfer, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Sparkasse: „Noch stehen wir am Anfang der wohl größten Mobilitätswende der Geschichte. Als Wirtschaft und Gesellschaft können und müssen wir diese mitgestalten. Ein konsequenter und direkter Dialog zwischen allen Akteuren ist dafür die Voraussetzung.“ Hendrik Hey, Gründer und Moderator der bekannten Wissenschaftssendung „Welt der Wunder“, führte durch den Abend. Ihm gelang es, die Experten auch in den Talkrunden zu vernetzen. „Je zahlreicher die Ideen, umso größer sind die Möglichkeiten, deren Entwicklung und Realisierung von Beginn an mitzugestalten“, betonte Walter Hörtnagl, Obmann des Landesverbandes der Tiroler Sparkassen.


im.gespräch

VISION EINER WOHNUNG Mit dem traditionellen Spatenstich erfolgte kürzlich der Startschuss für den Bau von 20 hochwertigen Wohnungen des neuen CARISMA-Bauprojektes in Hall. Unter Berücksichtigung einer guten zentralen Lage, bester Infrastruktur und umgeben von vielen Nahversorgern sowie zahlreichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten, wurde ein entsprechendes Grundstück ausgewählt. Carisma hat sich entschlossen, das Projekt als Baurechtsmodell umzusetzen. Die Käufer können sich das neue Eigenheim für 70 Jahre sichern und sich dabei Grund- und Finanzierungskosten sparen. Die Fertigstellung ist für Herbst 2020 geplant. INFOS UNTER WWW.CARISMA.TIROL

htt15-Geschäftsführer Rüdiger Lex, htt15-Vorsitzender Karl-Heinz Eppacher, proHolz-Vorsitzender und htt15Gründungsvorstand Karl Schafferer

H O L Z-E R F O L G Der Verband htt15 – Holzbau Team Tirol, ein Zusammenschluss von Tiroler Holzbaubetrieben mit insgesamt über 500 Mitarbeitern, ist seit 20 Jahren in den Bereichen Marketing, Ausbildung, technologische Entwicklung und Qualitätssicherung aktiv. Karl-Heinz Eppacher konnte anlässlich dieses 20-Jahr-Jubiläums bei einer gut besuchten Feier in der Triendlsäge in Seefeld eine überaus positive Bilanz ziehen.

Z W E I R U N D E G E B U R T S TA G E Alois Schranz lud anlässlich seines 60ers zum Geburtstagsfest nach Sautens und bat anstelle von Geschenken um Spenden für SOS-Kinderdorf – und zwar um Spenden für ein spezielles Bildungsprojekt für Mädchen in Uganda. Kürzlich übergab Schranz die Spendensumme von 70.000 Euro symbolisch an SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser. „Ich habe selbst als Arzt in den 1990er-Jahren in Afrika gearbeitet und weiß, dass Hilfe vor Ort die beste und sinnvollste Investition ist – und Bildung der Schlüssel für eine bessere Zukunft junger Menschen ist“, betont Schranz. Das SOS-Kinderdorf feiert seinerseits heuer sein 70-Jahr-Jubiläum.

Q UA L I TÄT V O R Q UA N T I TÄT Mitte September war das Olympia Sport- und Kongresszentrum Seefeld bereits zum vierten Mal Zentrum der heimischen Tourismusbranche. Über 200 Touristiker diskutierten über die Zukunft der Branche. Zu vernehmen waren nicht nur Lobeshymnen auf die Branche, sondern durchaus auch kritische Stimmen. Kein Wunder, war das Thema für die von der Raiffeisenbank Seefeld-Leutasch-Reith-Scharnitz veranstaltete Konferenz doch bewusst kontroversiell gewählt. Vier Impulsvorträge, die unterschiedliche Blickwinkel beleuchteten, gaben tiefe Einblicke in den Tourismus und seine Zukunft. Der Tenor: Tirol braucht eine klare Vision und strategische Ausrichtung für die nächsten zehn Jahre.

Die Referenten sorgten für eine kontroversielle Diskussion: Moderator Ronald Barazon, Elias Walser (TVB Seefeld), Andreas Reiter (Zukunftsinstitut), Christoph Engl (Oberalp), Andreas Ermacora, Hans Jörg Binder (Raiffeisenbank Seefeld), Hannes Parth (Vitalpin) und Birgit Pikkemaat (Uni Innsbruck); vorne sitzend: Horst Mayr (Direktor der Raiffeisenbank Seefeld) und Alpenforscher Werner Bätzing

© TANJA KAMMERLANDER

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Alois Schranz (re.) und SOS-KinderdorfGeschäftsführer Christian Moser

© SOS-KINDERDORF

© HTT15/FORCHER

Holger Fink (Carisma), Christof Hilber (Porr AG), Michael Praxmarer (Alpine Geotechnik GmbH), Stephan Krimbacher (Carisma), Architekt Hanno Vogl-Fernheim (ZT GmbH) und Architekt Christoph Neier (ÖBA)


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NEURAUTER, Stams-Mötz, Staudach 23, Tel. 05263/6410 SCHÖPF, Imst, Industriezone 54, Tel. 05412/64526 HANGL, Pfunds, Nr. 432, Tel. 05474/5273


Gemeinsam statt einsam.

e r e s n Für u chaft! Wirts Unsere Tiroler Wirtschaft ist unteilbar. Mit großen und kleinen Betrieben. Mit einem breiten und starken Mittelstand. Und mit einer Wirtschaftskammer, die für alle da ist. So verstehe ich unsere Arbeit für unsere Tiroler Unternehmen.

Euer Christoph Walser Präsident der Wirtschaftskammer Tirol

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eco.nova Oktober 2019  

eco.nova ist ein unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissensc...

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